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+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***
+
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend
+übernommen, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+Die Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt; Textpassagen, die im
+Original in Antiqua gedruckt sind, wurden hier _so_ markiert, kursive
+Antiqua-Texte ~_so_~. Gesperrt gedruckter Text ist =so= markiert. Am
+Ende des Textes befindet sich eine Liste korrigierter Druckfehler.
+
+
+
+
+[Illustration: Titelkupfer]
+
+
+
+
+ =Bilder=
+
+ der
+
+ Wunderkunst und des Aberglaubens.
+
+
+ Mit
+ Berücksichtigung der sogenannten Zauberbücher
+ von
+ _Albertus M., Dr. Faust, Paracelsus,
+ Trittheim, Agrippa u. a. m._
+
+
+ =Herausgegeben=
+ von
+ _Dr._ =Karl Gräbner=.
+
+
+ _Somnia, terrores magicos, miracula, sagas,
+ Nocturnos lemures, portentaque Thessala rides!_
+ ~_HORAT. lib. II. Epist. II._~
+
+
+
+ Mit 20 bunten und schwarzen bildlichen Darstellungen.
+
+ [Illustration: Verzierung]
+
+ Weimar 1834.
+ Druck und Verlag von Karl Gräbner.
+
+
+
+
+ =Inhalt.=
+
+
+ =Erste Abtheilung.=
+ =Wunderkunst.=
+
+ Seite
+ Einleitung 1
+ Von den Gespenstern 11
+ Der Astral-Geist 12
+ Die Necromantie 16
+ Von der sogenannten Hexerei 18
+ Der Hexen-Sabbath 21
+ Von Elben, Holder und Hulderchen 29
+ Vom Wind- und Wettermachen 31
+ Hexen-Salbe 31
+ Von Entzauberung und Amuletten 32
+ Von den Siegeln der Planeten 35
+ Das Siegel des Saturns 35
+ " " " Jupiters 37
+ " " " Mars 38
+ " " " Sonne 38
+ " " " Venus 39
+ " " " Merkur 40
+ " " " Mondes 41
+ Der Heckethaler 42
+ Vom Wehrwolf 43
+ Vom Bannen und Festmachen 45
+ Einen stehend zu machen 45
+ Wider die Feuersbrunst 47
+ Der Feuersegen 47
+ Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann 48
+ Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger 48
+ Vom Bannen des Wildes 49
+ Die Frei-Schützenkunst 50
+ Das Noth-Hemd 51
+ Von der Waffensalbe 51
+ Von der Wünschelruthe 53
+ Die Springwurzel 55
+ Die Alraunwurzel 55
+ Das Sieblaufen, (_Oscinomantia_) 57
+ _Speculum Salomonis_, oder der Spiegel Salomons 58
+ Vom Unsichtbarmachen 61
+ Von der Chiromantie 64
+ Von der Geomantie 71
+ Von der Onomantie oder Weissagung aus den Namen 71
+ Von den Geistern 76
+ Die Berggeister 77
+ Der Kobold 78
+ Wassergeister 79
+ Das wüthende Heer 80
+ Vom Bannen der Geister 81
+ Der Zauberkreis 83
+ Beschwörungen 86
+ Die Mantelfahrt 95
+ Schatzgräberei 97
+
+
+ =Zweite Abtheilung.=
+ =Vom Aberglauben.=
+
+ Seite
+ Acker, wer darauf säen will 116
+ Ahnung beim Scharfrichter 121
+ Alpdrücken 128
+ Basilisk, der 122
+ Bibel befragen 127
+ Blei gießen in der Christnacht 114
+ Christnacht, helle und finstere 114
+ Dreifuß, keinen leeren auf dem Feuer stehen lassen 107
+ Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren 120
+ Exorcismus 125
+ Finger, mit diesem soll man nicht nach dem Himmel zeigen 106
+ Fistel-Heilung 129
+ Gevattern, wenn sie über ein Wasser kommen 109
+ Guckuk, im Frühjahre schreien hören 105
+ Haase, wenn er über den Weg läuft 113
+ Haselstock thut Wunder 128
+ Jäger-Kunststückchen 112
+ Jüdel, das 119
+ Johanniskraut, dessen Kraft 113
+ Kehrig, über dasselbe gehen 106
+ Kinder leicht reden zu lehren 117
+ Kinderspiele auf den Straßen 110
+ Kleeblatt, vierblätteriges 110
+ Kopf, ohne, in der Christnacht 112
+ Köpfe, drei, an den Menschen zu machen 111
+ Korn, dessen jährlichen Preis zu erfahren 117
+ Kröpfe zu heilen 108
+ Lichter, wenn sie auf dem Altar auslöschen 112
+ Mann, ob die Mädchen in diesem Jahre einen erhalten 110
+ Mutisheer, das 126
+ Nasenbluten zu stillen 128
+ Osterwasser holen 120
+ Schuhwerfen, das 108
+ Spiegel, in diesen soll man des Nachts nicht sehen 111
+ Stube, in derselben soll man sich niedersetzen 117
+ Sympathie zwischen Todten und Lebendigen 116
+ Todte, welche schmatzen 124
+ Todtenuhr, die 123
+ Umkehren, das, ist nicht gut 114
+ Vampyr, der 125
+ Vieh beschreien 126
+ Weib, ein altes, wenn es einem begegnet 114
+ Worte, gefrorne und eingeschlossene 121
+ Zahl 13, die ominöse 125
+
+
+ =Dritte Abtheilung.=
+
+ =Erzählungen von Geister- und Gespenster-
+ Erscheinungen, mit hie und da eingestreuten
+ natürlichen Erklärungen.=
+
+ Seite
+ Anzeigen des Todes 134
+ Behexte, die 197
+ Bezauberung des Viehes 200
+ Doppelsehen, das 144
+ Entdeckung der Geisterbeschwörer im 19. Jahrhundert 218
+ Freischütz, der 206
+ Frei-Schützenkunst 205
+ Gespenster-Geschichten 172
+ Gespenst, das, im Hause 133
+ Glockengeläute, das 170
+ Hexe, die 190
+ Hexenprozeß 193
+ Hexenmeister, der 195
+ Hexe, die gerettete 196
+ Hexenwaage, die 197
+ Hexenfahrt, die 203
+ Kobold, der 214
+ Necromantisten, die 183
+ Prediger, der gläubige 204
+ Poltergeist, der 147
+ Schatzgräberei 215
+ Sehen seiner selbst 141
+ Schwedenborg’s Betrügerei 188
+ Wahrsagerin, die 213
+ Wind machen 201
+ Wünschelruthe, die 211
+
+
+ =Fragmente=
+ =über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.=
+
+ Seite
+ Ueber Sekten überhaupt 229
+ Jesuiten 231
+ Illuminaten 232
+ Rosenkreuzer 235
+ Schröpfer 236
+ Cagliostro 237
+ Die Seherin von Prevorst 239
+ Der Wunderdoktor 257
+ Prinz von Hohenlohe 258
+
+
+
+
+=Erste Abtheilung.=
+
+ =Die Wunderkunst.=
+
+
+
+
+=Einleitung.=
+
+
+Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der Natur, wodurch
+man die verborgenen Geheimnisse derselben untersucht, zu ergründen
+strebt, um dadurch einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört
+in die Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der =natürlichen
+Wunderkunst=, oder =Magie= – Eine sogenannte =Zauberkunst=, wobei
+Geisterbeschwörungen, Charaktere und andere übernatürliche Dinge
+vorkommen, giebt es nicht!
+
+Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von =Sympathie= und
+=Antipathie=, deren Unerklärliches, auf einer gewissen Stufe der
+Cultur, erzeugte den =Aberglauben=. So auch die Begierde, =in die
+Zukunft zu schauen=, um sich solche nach Willkühr anzueignen, und
+endlich das Bestreben, =höhere Wesen= (wenn der Mensch sie ahnet) in
+seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen, um durch
+diese zu erlangen, was man durch eigne Kraft nicht möglich machen kann
+– Das sind wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und der nächste
+Ursprung des =Zauber-Aberglaubens= alter und neuer Zeiten gewesen.
+
+Bei allen Völkern gab es sogenannte _Magi_ oder Weise: die Griechen
+und Römer nannten sie =Philosophen=, die Indier =Braminen=, die
+Celten und Gallier =Druiden=, =Barden=; bei den Aegyptiern waren es
+die =Priester=, bei den Juden die =Cabbalisten= und =Propheten=. Noch
+finden wir Verehrer der Magie: den _Angekok_ in Grönland, den _Schaman_
+in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer, den _Wogulitze_, und
+den _Abipone_ in Paraguay; in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf den
+Caraiben die _Playen_, in Afrika bei den Kafern und Hottentoten die
+_Gangas_ oder _Fetischirer_, die _Singhilis_ der _Gager_, die _Mirabus_
+in Madagaskar u. s. w. Aber Allen liegt nur eine =Hauptidee= zum Grund,
+welche Alle leitet und beherrscht. –
+
+Der berühmte, auch marktschreiersche _Theoph. Paracelsus_ sagt von der
+Magie überhaupt: »Sie ist eine behende, reine Kunst ohne Ceremonie,
+Beschwörungen, Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider, Kerzen, Licht,
+Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk, Charakter, Stiften, Bücher, ohne die
+_Pentacula_, die _Sigilla Salomonis_, ohne Krone, Scepter, Gürtel,
+Ring u. s. w. Nur die _Necromantie_ hat mit diesen Dingen zu thun. Die
+Magie gebraucht allein den =Glauben=, der Berge versetzt. Aber wenn sie
+gemißbraucht wird, mag auch Zauberei daraus geboren werden.« – Gleich
+darauf theilt er aber seine Magie in 6 Species ein:
+
+1) _Magica artis_, Auslegung übernatürlicher Dinge.
+
+2) _M. Transfigurativa_, Transformirung von einem Leib in den andern,
+wie es zu Mosis Zeiten geschehen ist.
+
+3) _M. Characteralis_ lehrt Wörter machen, welche so viel wirken als
+des Arztes Arzenei.
+
+4) _Gamaheos_, welches thut, was natürliche Instrumente thun, z. B. ein
+Schlüssel öffnet ein Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie
+macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar macht.
+
+5) _Altera in Altera_, Bilder zu machen, welche andern Menschen
+gleichen. Durch diese Bilder kann man demjenigen, den es vorstellt,
+alles anthun, ohne ihn zu berühren.
+
+6) _Ars Cabalistica._ Z. B. es kann Einer im Occident mit einem Andern
+im Orient reden; denn was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das
+kann diese Kunst 100 Meilen.
+
+Ist unser _Paracelsus_ hier nicht über die Grenze der Natur
+geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß nichts helfen wird! – In seiner
+_Necromantie_ lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu
+machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne Versuche gemacht habe.
+
+_Tharsander_, in seiner _Magia Naturalis_, sagt: die Magie soll eine
+Wissenschaft geheimer Dinge und der verborgenen Kräfte in der Natur
+sein, wodurch man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten, und solche
+Wirkungen hervorbringen kann, welche übernatürlich zu sein scheinen.
+Sie wird eingetheilt in die =Teuflische= und =Natürliche=.
+
+Die =Teuflische=, welche auch _ceremonialis_[1] genannt wird, ist eine
+geheime Wissenschaft, sich mit den Geistern bekannt zu machen und durch
+deren Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten. Sie führt
+sonst den Namen =Zauberei=.
+
+[1] Oder die =schwarze Magie=, davon =Schwarzkunst= und
+=Schwarzkünstler=. D. H.
+
+Die =natürliche Magie=[2] ist eine Wissenschaft der natürlichen Dinge
+und ihrer verborgenen, theils wider einander streitenden Kräfte und
+Eigenschaften, welche nicht jedermann bekannt sind, derer man sich
+also zu bedienen weiß, daß, indem man sie mit einander absondert,
+daraus bewundrungswürdige und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch
+die übereinstimmenden und wider einander streitenden Kräfte und
+Eigenschaften versteht man die sogenannte =Sympathie= und =Antipathie=.
+
+[2] Auch die =weiße Magie= genannt.
+
+Die =natürliche Magie= wird ferner eingetheilt in eine =schlechterdings
+natürliche=, wo die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der
+Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine =künstliche=, da man
+durch Hilfe der mathematischen Wissenschaften wunderbare Wirkungen
+hervorbringt, z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche Magie wird
+auch noch eingetheilt in die =weissagende= und =würkende=. Die erste
+geht mit Anzeigung verborgener und Vorhersagung zukünftiger Dinge um;
+in der zweiten aber wird Geschicklichkeit und Kunst mit den geheimen
+Wissenschaften verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt,
+z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn das Eisen, womit jemand
+verwundet worden, mit einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art
+die Wunde heilt. –
+
+Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung einige gelehrte und weise
+Männer anführen, die theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch
+eigene und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei gerathen
+sind.
+
+Der weise _=Salomo=_ selbst konnte nicht dem Verdacht der Zauberei
+entgehen. Die große Anzahl magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben
+werden, beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige davon: 1) _Clavicula
+Salomonis_; 2) das Buch _Lamene_; 3) das Buch _Pentaculorum_; 4) das
+Buch _de officiis Spirituum_; 5) das Buch _Razziel_; 6) _Speculum
+Salomonis_ u. s. w.
+
+Der Bischof _=Albertus Magnus=_ von Regensburg, war ein großer
+Gelehrter, Philosoph und Theolog, daher der Beiname des Großen. Er
+fiel in den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen redenden
+Kopf, verfertigt haben soll. Einige Bücher über Magie, die aber
+untergeschoben worden sind, machten ihn noch verdächtiger.
+
+_=Dr. Ioh. Faust=_, der allbekannte Zauberer, dessen Leben idealisch
+aufgefaßt, aber geschichtlich unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender
+Schüler und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst mit erfand,
+gewesen sein. Eben so ist auch sein Buch: »_Dr. Faust_ Höllenzwang,«
+wie sein Leben, erdichtet.
+
+_=Theophrastus Bombastus Paracelsus=_ von Hohenheim (gest. 1541), den
+wir schon oben kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie, als
+auch in der Arzneikunst und Religion eine auffallende Rolle gespielt,
+und wird noch jetzt von Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über
+Magie hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit seiner Ideen,
+die Undeutlichkeit seiner Schreibart und die Dunkelheit einer Menge
+Wörter machten es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er selbst hat
+sich niemals seiner großen Geheimnisse, die er sich rühmte, bedient.
+
+_=Ioh. Trittheim=_, Abt im Kloster Sponheim, war ein geschickter
+Mathematiker, Geschichtschreiber, Redner und Theolog, und wurde
+besonders von seinen Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der
+Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich gehabt haben, der
+ihm Alles eröffnete – Das war freilich sein Verstand! – Sein Werk: _de
+Steganographia_, von verborgenen Schriften, welches aber untergeschoben
+sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig.
+
+_=Heinr. Cornelius Agrippa=_, ein Schüler des _Trittheim_, war ein sehr
+gelehrter Mann. Seiner _Philosophia occulta_ wurde ein viertes Buch
+voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen angehängt,
+daher dieser vortreffliche Mann auch in den Verdacht der Zauberei kam,
+obgleich er in seinem Buche _de vanitate scientiarum_ seine Verachtung
+dagegen gezeigt hat.
+
+So viel von den Berühmtesten, wenn diese als Zauberer nicht gelten,
+so werden die kleinen, die Betrüger und Taschenspieler von selbst
+wegfallen.
+
+Die neuern, als _=Schwedenborg=_, _=Schrepfer=_, _=Saint Germain=_,
+_=Gassner=_, _=Messmer=_, _=Cagliostro=_, die Wunderheilungen des
+Fürsten _=Hohenlohe=_, des Bauers _=Martin Michel=_ u. a. m. wollen wir
+jetzt mit Stillschweigen übergehen.
+
+In den frühesten Zeiten machten schon die Menschen bei geringen
+Entdeckungen natürlicher Dinge große Geheimnisse daraus, und setzten
+das unwissende Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten
+sie einen Wundernamen. In der Folge gaben sie vor, geheime Künste
+zu besitzen, die aber nichts waren. Die natürliche Magie ist aber
+nichts anders, als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten
+Wunderkünste sind natürlich.
+
+Die =Magie= wird also immer demjenigen eine geheime Wissenschaft
+bleiben, welcher die Kräfte der Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt
+sie ein Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer noch viele
+neue Entdeckungen in der Natur geben, aber deswegen ist es und bleibt
+Alles nichts Uebernatürliches.
+
+Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen Lesern und Leserinnen
+nach und nach die alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt,
+aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden haben, zu Tage
+fördern, nicht um die Dinge nach zu machen, sondern von der Entdeckung
+die Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur, Leichtgläubigkeit
+und Betrügerei der Zauberei und Hexerei Nahrung geben.
+
+Denn eine gewisse Classe von Menschen in Städten und Dörfern legt jetzt
+noch einen großen Werth auf =Zauberbücher=, und kauft sie sehr theuer,
+wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten hat. Handschriften
+sind es gemeiniglich, die unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß
+solche Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen zu finden
+sind. –
+
+Wir werden daher auch aus mehrern =Handschriften=, die sich in
+Criminalprocessen von Geisterbannern und Schatzgräbern vorgefunden
+haben, Auszüge (=durch freundliche Mittheilung=) mit wunderlichen
+Figuren geben können – Das ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen:
+die erste handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben, die
+dritte giebt Erzählungen, welche auf die erste Abtheilung Bezug haben.
+
+Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten Plane, viele
+Abscheuligkeiten, wobei Gottes Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand,
+Leichtsinn und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken.
+
+So möge nun die =Zauberei= oder =Hexerei= anfangen, und, nach unserm
+Plane, recht viel Gutes stiften!
+
+
+
+
+=Von den Gespenstern.=
+
+
+Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen Alterthum den Glauben
+an Gespenster, denn die Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange,
+sagt ein neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein
+mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet, und eine Eigenschaft der
+einen Sache zur Eigenschaft der andern macht. Es kann kommen, wenn man
+eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine sie für die des Freundes,
+den er erwartet, der Andere für die des Feindes, den er fürchtet, und
+der Diener die Stimme für die seines Herrn hält.
+
+Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden, behalten die
+Furcht, und die Nacht, den Kopf mit Gespenstern angefüllt, erzeugt
+Phantome, die nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische
+Dünste brachten das =Spuken= und die =Gespenster= hervor. Die Bewohner
+der Klöster fanden ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine
+Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen den Gespensterglauben
+nicht nur zu lassen, sondern auch zu verstärken.
+
+Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll eine geistige Substanz
+sein, die einen Körper angenommen, und darin sich sehen, hören und
+fühlen läßt, kurz, der =Geist des Verstorbenen=.
+
+Dieser Geist, welchen Einige den =Astral-Geist= oder =Sternen-Geist=
+nennen, soll sich nebst der Seele im Menschen befinden. Der Mensch
+bestände nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen Leib,
+der unsterblichen Seele, und einem Mittelding zwischen diesen beiden,
+dem Astralgeist. Diese Lehre der Trialisten hat schon Plato angeführt,
+dann kam sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die Christen.
+Herr _Paracelsus_ ist vom Astralgeist eingenommen und sagt: »der Mensch
+besteht aus drei großen Substanzen, die erste ist die =Seele=, von Gott
+kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend; die andere der
+=Geist=, der aus dem Firmamente kommt, und aus Feuer und Luft besteht,
+auch endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung findet; die
+dritte Substanz ist der grobe =Leib=, welcher aus Erde und Wasser
+besteht, und wieder zur Erde werden muß.«
+
+Da die Seele und der Körper des Menschen von ganz verschiedener Natur
+und verschiedenen Wesen sind, so kann man schwer begreifen, worin das
+Band und die genaue Vereinigung derselben besteht, daher bei diesen
+zwei Extremen, die gegen einander sind, nicht anders als durch ein
+Mittelding, welches in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern
+näher kommt, verbunden und vereinigt werden können. Dieses Mittelding
+sei zwar kein Geist, oder ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine
+sehr reine und subtile Materie, die wegen der Subtilität der Seele
+näher komme, als der grobe Leib des materiellen Wesens wegen dem Körper
+näher sei, als die ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines
+solchen Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit zu Hilfe, der
+sich oft bei den Menschen zwischen dem Verstand und den sinnlichen
+Begierden findet. Die Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen
+Kräfte des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte der Seele
+sein.
+
+Dieser Astralgeist, sagt _Paracelsus_, erscheint nach dem Tode des
+Menschen noch eine Zeitlang, da er das Vermögen, die Gedanken,
+Einbildungen und Begierden, welche er beim Abschied vom Körper
+empfängt, und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume Zeit
+zu behalten u. s. w.
+
+Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung, die sich von selbst
+und mit wenigen Worten widerlegt! Kann die Seele auf den Körper nicht
+wirken, so kann sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch
+materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge in der Natur sind
+entweder einfach oder zusammengesetzt, ein Drittes giebt es nicht, also
+woher ein Mittelding zwischen Seele und Leib!
+
+Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele, namentlich
+_Paracelsus_, das =Spuken= der Verstorbenen und das =Erscheinen nach
+dem Tode= erklären. Aber gewiß! weder sie noch wir haben den Geist
+eines Verstorbenen gesehen.
+
+Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem Verstorbenen, auch von
+einem Lebenden trennen und einem andern erscheinen – denn ist diese
+einmal vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm zurück[3] – Daher das
+=Sehen seiner selbst=, die =vielfältige Gegenwart= einer Person an
+verschiedenen und entfernten Orten, und das =Doppelsehen= gehört zu den
+Täuschungen, Fabeln und Betrügereien[4].
+
+[3] S. dritte Abtheilung. Das Gespenst im Hause. Anzeige des Todes.
+
+[4] S. dritte Abtheilung. Sehen seiner selbst. Das Doppelsehen.
+
+=Betrüger=[5], =Diebe=[6] und =Verliebte= haben stets die Rolle eines
+Gespenstes gespielt. So sagt noch ein altes französisches Sprichtwort
+von den Verliebten:
+
+[5] S. dritte Abtheilung. Der Poltergeist. Glockengeläute.
+
+[6] S. dritte Abtheilung. Gespenstergeschichte.
+
+ _Où sont filettes et bon vin
+ C’est là où hante le Lutin._
+
+ (Bei Mädchen und bei gutem Wein
+ Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.)
+
+
+
+
+=Die Necromantie.=
+
+
+Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten aus ihren Gräbern, wenn man
+von ihnen geheime und künftige Dinge erfahren will. _C. Agrippa_ nennt
+zwei Arten dieser Zauberei: _Necyomantie_, wodurch man die verstorbenen
+Körper sogar wieder lebendig dargestellt, und _Sciomantie_, wenn blos
+ein Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie ist sehr
+alt, denn die Betrügerin zu Endor ließ ja den Schatten (Können denn
+Schatten auch sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen ist diese
+Kunst eine große Betrügerei[7]. Die Kunststücke mit dem sogenannten
+=Zauberspiegel=, wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren, so
+auch mit der =Zauberlaterne=, wodurch man Gestalten in freier Luft
+präsentiren kann – finden wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und
+Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser verweise.
+
+[7] S. dritte Abtheilung. Die Necromantisten.
+
+Alle Necromantisten sind feine Betrüger. Schwedenborg, Schrepfer und
+Cagliostro waren solche Subjekte, und die größten Geisterbanner, die
+sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte täuschten (S. Abth. III.
+Schwedenborg).
+
+Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei, wie jenen, als ein
+gewisser Engländer, _Sawney_, ein berüchtigter Seher und Wahrsager,
+große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen Statüen u. s. w.
+erblickte, welche aber alle von – =Eis= und =Schnee= waren, und als die
+Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die Neugierigen nichts sahen!
+
+
+
+
+Von der sogenannten Hexerei.
+
+
+In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen, findet man den Glauben
+an höhere, gute und böse Geister, und bei uns brachte man in
+der unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten bis 17ten
+Jahrhundert – die Wunder des Teufels in ein System, behandelte sie
+wie andere natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche mit dem
+Uebernatürlichen durcheinander mischte. Von dieser Zeit an untersuchte
+man die Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen Diebstahl u. s.
+w., daher also die verwirrten Ideen in diesem Zeitalter bei allen
+Gelehrten und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III. die Hexe, der
+Hexenprozeß, der Hexenmeister.)
+
+Ueberhaupt hat die =Inquisition=, da sie der Unglücklichen Güter
+einzog, erst die Hexerei bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg
+die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich durch die Bulle des
+Papstes _Innocens_ VIII., den 4. December 1484. Diese Bulle brachte
+die Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht begründet und
+verbreitet wurden, und zwar durch Erklärungen über die Wirklichkeit von
+Teufelskünsten und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um der Sache noch
+mehr Gewicht zu geben, erschien sogar zur =Erläuterung= das furchtbare
+Buch, der =Hexenhammer=, 1489.
+
+In Teutschland brennten die Flammen, welche Unschuldige hinrichteten,
+und solche Tage, wo eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage des
+gemeinen Mannes. (S. Abth. III. die gerettete Hexe.)
+
+Aber Teutsche waren es auch, die besonders und mit Gründen den
+allgemeinen Glauben an Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. –
+Cornelius Loos, noch besonders ein =Priester= zu Mainz, war einer der
+ersten, welcher die Ungerechtigkeiten der Hexenprozesse zu zeigen
+sich erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen, wenn er nicht auch
+verbrannt seyn wollte. Er starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner
+(gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen die Hexenprozesse. –
+Endlich trat zu Anfang des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf:
+Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft zu Halle, und kann als
+der eigentliche Zerstörer des Hexenprozesses betrachtet werden.
+
+In der Folge wurde aller Zauberglauben durch die =Naturwissenschaft=
+vernichtet, doch ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger
+Zeit publizirt man noch Berichte von =Wunderkuren= durch Zeitungen, wie
+der Hang zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder besteht. –
+
+Im Allgemeinen wird die =Hexerei= oder =Zauberei= folgendermaßen
+beschrieben:
+
+Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch mit dem Teufel, welcher
+in einer menschlichen, thierischen oder andern Gestalt erscheint,
+einen Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet, und dasselbe mit
+seinem Blute unterschreibt, vermöge aber dessen Gott und die Religion
+verleugnet, und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet, auch nach
+Verfließung einer bestimmten Zeit sich demselben mit Leib und Seele
+zu eigen übergiebt; wogegen der Teufel verspricht, einem solchen
+Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und mancherlei Ergötzlichkeiten
+zu schaffen, ihm beizustehen, daß er große und wunderbare Dinge
+ausrichten, und andern Menschen nach Belieben Schaden zufügen könne,
+ihn auch zu gewisser Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen, wo
+der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen die Versammlung hält,
+wo sie sich mit Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w. recht
+lustig machen.
+
+Im weitläufigen Sinn versteht man aber von Hexerei, wenn ein Mensch
+verschiedene ungewöhnliche und abergläubische Mittel und Ceremonien
+vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder Schaden zu thun, ob er gleich
+nicht ausdrücklich mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man muß aber
+die =Magie= der Alten von der heutigen Zauberei unterscheiden, welche
+letztere von der erstern entstanden ist.
+
+Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts, halten jährlich
+dreimal den sogenannten =Hexensabbath=. Der Ort der Versammlung
+heißt bei uns in Teutschland der =Blocksberg=, in Italien _Noce
+di Benevento_, in Schweden _Blocula_; in andern Ländern wird man
+vielleicht auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen
+sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen, auf Kirchhöfen, oder lieber
+bei einem See oder Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch
+Ungewitter erregen kann. An dem Ort, wo der Sabbath gehalten wird, soll
+nichts wachsen.
+
+Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden sich die Zauberer und
+bestreichen sich mit einem Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen
+Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie zum Schornstein hinaus, an
+dessen Ende sie einen großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen,
+der sie ergreift und nach dem Versammlungsort hin und zurück bringt.
+Sie bedienen sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als schwarze
+Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen und Hunde, oder auch Ofengabeln,
+Spinnrocken und Besen, worauf sie durch die Luft fahren.
+
+In der Versammlung erscheint nun der Teufel, als Vorsteher in
+mancherlei Gestalt, bisweilen wie ein Mensch, aber öfter als ein –
+Bock. So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer Krone von
+schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten und eins an der Stirn, mit
+welchem er der Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden Haaren,
+mit blassem und verstörtem Gesicht, großen, runden, aufgesperrten,
+feurigen und häßlichen Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem
+ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch, halb Bock, mit Händen
+und Füßen, fast wie ein Mensch, außer daß die Finger alle gerade und
+spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände sind krumm, wie die
+Krallen der Raubvögel, die Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist
+so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche Stimme, und ein
+melancholisch verdrüßliches Gesicht.
+
+Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer ein unter seinem
+Schwanze befindliches schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der Tanz
+an, und die Hexen singen:
+
+ _Alegremonos Alegremos
+ Que gente nue va tenemos._
+
+Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her, und machen tausenderlei
+krumme Sprünge. Nach dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die
+aufgetragenen Gerichte sind ekelhaft, doch – der neugierige Leser
+muß alles wissen: – Sie bestehen aus Kröten, Aas, Leichnamen und
+ungetauften Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod von schwarzer
+Hirse.
+
+Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel an einen Tisch und nimmt
+die Huldigung der Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern, ablegen,
+indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln in Händen haben, die
+sie nach geendigter Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen,
+wieder zustellen, der sie bis zur künftigen Versammlung aufhebt. Wenn
+dieses zu Ende, fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift, den
+Menschen zu schaden, sie nöthig hätten? u. s. w. – und ertheilt ihnen
+Rath und Hilfe.
+
+Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath mit, als Farrenkraut,
+Mistel, Wegerich, Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder,
+welches der Teufel in Stücken hackt, alles kochen läßt und von dem
+Fette die =Salbe= macht.
+
+Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft, von der uns _de
+Lancre Tableau de l’Inconstance des mauvais Anges et Demons_ erzählt
+hat.
+
+Da wir aber einmal bei dem Teufel sind, so müssen wir doch noch etwas
+von seiner Person und seinen Umtrieben reden.
+
+_Agrippa_ in seiner _occulta philosophia_ giebt von den =bösen Dämonen=
+neun Ordnungen an:
+
+ 1) Diejenigen, welche man die =falschen Götter= nennt, die den Namen
+ der Gottheit gleichsam usurpirt haben und als Götter verehrt seyn
+ wollen. So wie jener, welcher Christus alle Schätze der Welt
+ zeigte, und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm niederfallen und ihn
+ anbeten würde. Der Oberste dieser Dämonen wird _Beelzebub_ genannt.
+
+ 2) Die =Lügner=. Ein solcher war bei dem Propheten _Achab_, bei der
+ Hexe von Endor und bei den Orakeln. Der Oberste dieser Teufel hieß
+ _Python_.
+
+ 3) Die =Gefäße der Ungerechtigkeit= und des Zornes Gottes. Sie sind
+ die Erfinder allerlei Uebel. Der Oberste wird _Belial_ genannt.
+
+ 4) Die =Rächer der Laster=. Der Oberste heißt _Asmodeus_.
+
+ 5) =Weissager=, =Betrüger=, =Verblender=, welche Mirakel nachahmen und
+ Böses thun, wie die Schlange der Eva. Der Oberste heißt _Satan_.
+
+ 6) =Wettermacher.= Es sind ihrer vier, nach den vier Hauptwinden, und
+ der Oberste heißt _Merizim_.
+
+ 7) =Furien=, Stifter der Zwietracht und des Kriegs. Der Oberste heißt
+ _Abaddon_.
+
+ 8) =Verläumder=. Die Griechen nennen sie _Diabolos_, unsere =Teufel=.
+ Der Oberste ist _Astaroth_.
+
+ 9) =Versucher=, böse Geister. Der Oberste heißt _Mammon_ (Begierde
+ nach Reichtum).
+
+Man hat sehr verschiedene Auslegungen des Namens Teufel. Einige sagen,
+das Wort Teufel bedeute einen =Zerstörer=; andere – einen =Verführer=;
+die Griechen nennen ihn =Verläumder=; daher kann auch das Wort nicht
+allein eine =Person=, sondern mehr =Handlungen= und =Gewohnheiten=
+bedeuten.
+
+Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund gestürzt und gebunden ist,
+so bleibt er doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar noch manchen
+Gegenständen seinen Namen geliehen.
+
+So giebt es unter vielen andern die =Teufels-Inseln= (die Bermuden),
+von den Spaniern zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen
+Felsen _los Diabolos_ nannten.
+
+Der =Blocksberg= auf dem Harz, berüchtigt durch die Hexenversammlung.
+
+Die =Teufelshochzeit= ist ein Berg in Ungarn, unweit dem Bergstädtchen
+Boza, und wird wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen Gewitter
+so genannt.
+
+Der =Teufelsgrund= ist ein tiefes Thal im Riesengebirge unweit
+Greifenberg.
+
+Die =Teufelsgrube= wird eine Höhle in dem bei Goslar gelegenen
+Rummelsberge genannt, wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben soll.
+
+Das =Teufels-Mör= ist eine Gegend bei Bremen, unweit der Weser, wo
+zwischen Moor eine Viehweide liegt.
+
+Der =Teufelsweg= auf den Gebirgen, welche Savoyen von Piemont scheiden,
+ist unter mehreren Pässen einer, welcher _le Pas de Diable_ heißt,
+wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe zu stürzen.
+
+Die =Teufelskirche=. In dem fürchterlichen Thale bei Altdorf, zwischen
+Weihofen und Grunsberg, ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße eines
+waldbewachsenen Berges, welche so genannt wird.
+
+Die =Teufelsleiter= ist ein steiler Berg bei dem Flecken Lorch, wo ein
+steiler Weg hinauf geht.
+
+Die =Teufelsmauer=. Sie ist ein Werk der Römer, welche einen Wall oder
+Pfahlhecke zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten. Noch kann man
+ihre Ruine sehen, welche bei Pföring an der Donau anfängt und bis an
+den Neckar läuft.
+
+Auch wird ein Berg einige Stunden von Quedlinburg die =Teufelsmauer=
+genannt, weil er wie von über einander liegenden Steinen
+zusammengetragen erscheint.
+
+Die =Teufelsbrücke=, am St. Gotthardsberge in der Schweiz.
+
+Die =Regensburger Brücke= soll auch durch Beihülfe des Teufels erbaut
+worden seyn.
+
+Der =Teufelsthurm=, ein auf einem Felsen stehender Thurm, unfern des
+Strudels in der Donau.
+
+So giebt es auch =Teufelsmühlen=, z. B. zwischen Corvey und Hameln, wo
+ein starkes, aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad treibt.
+
+=Teufelssteine= nennt der gemeine Mann große Blöcke, weil er ihren
+Ursprung nicht kennt.
+
+Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel tragen – der =Seeteufel=.
+
+Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen Teufel, z. B.:
+Teufels-Abbiß (_Morsus Diaboli_), Teufels-Aepfel (Coloquinten),
+Teufels-Dreck (_Assa foetida_), Teufels-Ingber (_Arum_), Teufels-Scheu
+(_Daemonum fuga_, Johanniskraut) u. s. w.
+
+Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören, was er von der =Erkennung
+einer Hexe= sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders den
+Samstag und den Freitag, hat besondere Zeichen an sich, als krumme
+Glieder, besonders eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht u. s. w.
+Sie hängt auch Zaubereien an sich, kocht selten und wäscht sich nicht,
+kehrt in der Kirche rücklings um und will gern allein und für sich
+seyn. (S. Abth. III. die Hexenwage.)
+
+
+=Elben, Holder und Hulderchen, die bösen und guten Dinger, die
+reisenden und fahrenden Kinder.=
+
+Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten und vielerlei
+Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß erhielt jede Hexe ihren =Geist=,
+oder einen besondern =Leibteufel=. Im funfzehnten Jahrhundert war es
+nichts Ungewöhnliches, daß eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche
+Kinder zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich Würmer waren,
+stifteten sie das Unheil: z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III.
+die Behexte, Bezauberung des Viehes), Krankmachen, sogar Tödten. Diese
+Geburten, Elben, Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das
+Hexenpulver wurde.
+
+Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh krank machen:
+
+ 1) durch =bloße Worte=, wenn sie z. B. die Kinder =beschrieen=. Man
+ lobte die Kinder ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte es! –
+ Die Hexen aber sagten: Ei, daß dich mein Gott behüte! Dadurch aber
+ sollen sie nicht den wahren Gott, sondern den Satan verstehen.
+
+ 2) Durch bloßes =Anschauen=, z. B. mit Triefaugen.
+
+ 3) Durch =zauberische Salben= an die Hausthür und andere Orten
+ geschmiert. Oder
+
+ 4) durch =Charaktere=.
+
+ 5) Durch etwas =Vergraben= unter die Thürschwelle.
+
+
+=Vom Wind- und Wettermachen.=
+
+Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen
+könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen
+Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen
+einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube
+in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum;
+sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer
+kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (_Wierus de Lamiis_ erzählt
+mehr davon.)
+
+=Wind= haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.)
+
+
+=Hexen-Salbe.=
+
+Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses
+Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben
+schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach
+vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und
+Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut,
+Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe.
+Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie
+dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen.
+
+Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine =betäubende= Kraft
+hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte,
+sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie
+vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III.
+Hexenfahrt.)
+
+
+=Von Entzauberung und Amuletten.=
+
+In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch
+in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen.
+
+Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten,
+Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit
+zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen.
+
+Ein Anderes:
+
+Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut,
+Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau
+und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil
+und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir
+an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle
+Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte.
+
+Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an
+den Hals, vorzüglich erhielten =Amulette= die Kinder, sie vor Hexerei
+zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth.
+III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen
+Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf
+Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine,
+Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen
+angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte
+_Abracadabra_, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers _Severus_
+und _Caracalla_ von einem Arzt _Sammonicus_ gekommen sein soll. Man
+schreibt es auf Papier, wie folgt:
+
+ A b r a c a d a b r a
+ a b r a c a d a b r
+ a b r a c a d a b
+ a b r a c a d a
+ a b r a c a d
+ a b r a c a
+ a b r a c
+ a b r a
+ a b r
+ a b
+ a
+
+Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an
+den Hals gehängt.
+
+Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner
+_Philosophia occulta_: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches
+sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln
+verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers
+geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom
+Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen
+seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel
+fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die
+Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle
+Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man
+darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_,
+_Elion_, _Escerchie_, _Adonay_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Saday_.
+
+Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister
+höchst nützlich und nöthig sein.
+
+ * * * * *
+
+Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die =Siegel der Planeten= zu
+machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach
+himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und
+– bei sich trage.
+
+Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen
+so viel gehalten haben:
+
+
+=Das Siegel des Saturns.=
+
+Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein
+Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen
+und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15
+addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln,
+sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne,
+welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein
+vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und
+dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild
+des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel
+die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und
+den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8].
+Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und
+Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in
+Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche
+getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt
+sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel
+trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden.
+
+[8] S. Fig. 1.
+
+Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an
+einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen,
+und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab.
+
+
+=Das Siegel des Jupiters.=
+
+Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das
+Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten
+Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll
+ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf
+dem Haupte einen Stern mit dem Namen _Jupiter_, dabei sein Zeichen oder
+Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten
+Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem
+blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und
+Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es
+sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich
+in allen Handlungen.
+
+[9] S. Fig. 2.
+
+
+=Siegel des Mars.=
+
+Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite
+ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den
+Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des
+Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in
+der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern,
+der Name des _Mars_ und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und
+Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden.
+Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde
+verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht,
+wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird
+das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.
+
+[10] S. Fig. 3.
+
+
+=Siegel der Sonne.=
+
+Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6
+multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können.
+Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter
+König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf
+dem Haupte eine Sonne, und den Namen _Sol_ und das Zeichen[11]; zu
+den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im
+ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man
+in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor
+allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut
+zunimmt.
+
+[11] S. Fig. 4.
+
+
+=Siegel der Venus.=
+
+Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das
+Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann.
+Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer
+Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem
+Namen _Venus_ und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit
+Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der
+Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten
+Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt
+Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und
+giebt Geschicklichkeit in der Musik.
+
+[12] S. Fig. 5.
+
+
+=Siegel des Merkur.=
+
+Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen
+werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die
+Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8
+multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten
+ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in
+der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte
+ein Stern, dann der Name _Mercurius_ und sein Zeichen[13]. Das Siegel
+wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn
+der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem
+purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie
+und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen
+unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht.
+
+[13] S. Fig. 6.
+
+
+=Siegel des Mondes.=
+
+Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat,
+welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen.
+Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem
+umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben
+Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name
+_Luna_, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem
+Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im
+ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche
+bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten,
+ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es
+beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig.
+
+[14] S. Fig. 7.
+
+
+=Der Heckethaler.=
+
+Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben
+wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer
+vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen;
+wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon
+das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das
+Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen
+Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will,
+Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich
+nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so
+oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm
+Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde
+der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man
+zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.
+
+Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld
+wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen
+Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches
+geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür
+sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der
+Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der
+Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit
+der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals.
+
+Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine
+Katze zu kaufen!
+
+
+=Vom Wehrwolf.=
+
+Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich
+und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne.
+– Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel
+das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten,
+bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines
+Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der
+Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. _Bodinus_, der
+Hexenrichter war, erzählt in seiner _Dæmonomanie des forciers_: daß ein
+gewisser _Aegidius Garnier_, welcher am Michaelistage, in der Gestalt
+eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern =Dole=, in
+einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach
+Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu
+=Dole= den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde.
+
+Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus
+dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher
+gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre
+Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von
+dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein
+Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund
+u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen
+war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene _Circe_, die die Menschen
+in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.
+
+
+
+
+Vom Bannen und Festmachen.
+
+
+Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der
+Stelle bewegen kann, heißt =bannen=, z. B. Diebe, welche das Gestohlene
+nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w.
+Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben.
+
+
+=Einen stehend zu machen.=
+
+Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die
+=Formel=; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten,
+damit er nicht davon läuft.
+
+ Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken
+ in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer
+ Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß,
+ gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden,
+
+ So gewiß und vest,
+ So vest, so vest, so vest,
+ Als der Baum hält seine Aest,
+ Und der Ast hält seine Aest,
+ Und der Hirsch hält seine Zungen,
+ Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen.
+ So gewiß und wahr sollt ihr stehen,
+ Als der heilige Johannes stand am Jordan,
+ Da er den lieben Herrn Jesum getaufet,
+ Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen,
+ Bis die liebe göttliche Mutter
+ Einen andern Sohn gebähret.
+ So gewiß sollt ihr sein gebunden
+ Zu dieser Tag und Stunden
+ Im Namen Gottes † † † u. s. w.
+
+
+=Lossprechung des Gebundenen.=
+
+So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit
+gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder
+auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen.
+
+
+=Wider die Feuersbrunst.=
+
+Schon die Alten legten viel auf die =Kraft der Worte=, und die
+christliche Magie hat sie beibehalten.
+
+Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: _Arse
+Vorse_ schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf
+einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen
+11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8.
+Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies
+wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder
+man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes _Aghela_, oder auf einen
+Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei
+einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu
+werfen.
+
+
+=Der Feuersegen.=
+
+ Feuer stehe still, um Gottes Will,
+ Um des Herrn Jesu Christi Willen,
+ Feuer stehe still in deiner Gluth,
+ Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut.
+ Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen,
+ Daß du nicht weiter kannst von dannen,
+ Sondern behältst alle deine Funken und Flammen,
+ Amen! Amen! Amen!
+
+
+=Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.=
+
+ _Sanguis mane in venis,
+ Sicut Christus pro te in poenis:
+ Sanguis mane fixus,
+ Sicut Christus crucifixus._
+
+
+=Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.=
+
+ Gott Vater fährt gen Acker,
+ Er ackert fein wacker,
+ Er ackert drei Würmer heraus,
+ Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth,
+ Hier liegen alle Würmer todt.
+
+So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe,
+– Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w.
+
+Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem =Bannen des Wildes=
+verfährt man also:
+
+ Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in
+ der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt,
+ – im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich
+ alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun
+ der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches
+ Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses
+ Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so
+ zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und
+ dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei
+ sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen,
+ als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.
+
+Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird!
+
+Das eigentliche =Festmachen=, die =Frei-Schützenkunst=, ist eine
+Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S.
+Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die
+=Passauische Kunst= genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein
+Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau
+den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben
+soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit
+Charakteren und Wörtern: _Arios_, _Beji_, _Glaji_, _Alpke_, _nalat_,
+_nasala_, _eri lupie_, bezeichnet, zu verschlucken.
+
+Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so
+war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen
+Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen
+wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!
+
+Andere Abergläubige tragen auch die =Länge Jesu= bei sich, um gegen
+den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit
+und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht
+auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei
+dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht
+nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier
+gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut
+geheißen und bestätigt haben.
+
+
+=Das Noth-Hemd.=
+
+Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben
+Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten
+zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und
+gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. –
+Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede,
+daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w.
+
+
+=Von der Waffen-Salbe.=
+
+Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr =viele= und =verschiedene=
+Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können.
+Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus:
+
+ _Rz._ Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1
+ Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch _bolus ana_ 1 Unze,
+ untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere
+ noch 1 Unze Terpentin nehmen.
+
+Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer
+gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und
+salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden
+darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den
+Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie
+nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch
+zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie
+sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein,
+so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in
+ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein
+frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er
+über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w.
+
+
+
+
+Von der Wünschelruthe.
+
+
+Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch
+nach ihrer mannichfaltigen Anwendung =Wendes-, Windes-, Wünschel-,
+Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks-= und =Erlenruthe= genannt, zuweilen
+auch die =göttliche Ruthe= – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders,
+mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden
+sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen
+Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, =unterwärts=
+gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden
+fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen
+kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen
+sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen
+und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die
+Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt,
+so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das
+verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber –
+wenn welches verborgen liegt!
+
+Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit _Athanasius
+Kircher_ in seinem dritten Buche _de Art. Magnet._: Wenn eine Pflanze
+eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie
+die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse,
+an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder
+Ausdämpfung der Atome per _inspirationem insensibilem_ kommt, durch die
+Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme,
+an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen.
+
+Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine
+besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft
+stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz
+auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen
+von Eisen oder Kupfer.
+
+Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, =Quellen= aufzusuchen.
+
+Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug
+oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.)
+
+
+=Die Springwurzel.=
+
+Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen,
+sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit
+aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das
+Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem
+Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel,
+welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch
+unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen.
+
+Wer wohl die Probe gemacht haben mag?
+
+
+=Die Alraunwurzel.=
+
+Diese Pflanze (_Atropa Mandragora_) soll den Besitzer reich und
+glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen _Circea_, von der
+Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen
+sein sollte.
+
+Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie
+auch =Galgenmännlein= genannt.
+
+Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor
+Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man
+sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine
+Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie
+aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden
+bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei
+Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die
+Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit
+einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben
+ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund
+nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt
+nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die
+Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine
+Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein
+weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden,
+neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der
+Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld
+dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.
+
+Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die
+Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures
+Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches
+hat, wird zu den =betäubenden= gerechnet und in der Medizin nicht
+gebraucht.
+
+
+=Das Sieblaufen= (_Oscinomantia_).
+
+Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen,
+oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt
+eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden
+Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß
+es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem
+Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister
+spricht folgende barbarische Worte:
+
+ _Dies, mies, Jeschet, benedæfet,
+ dowima, Enitemans._
+
+Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der
+Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch
+verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei
+Nennung eines Namens, den man =besonders= in Verdacht hat, eine
+Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß
+sich das Sieb drehen!
+
+Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem
+Erb-Schlüssel.
+
+
+_Speculum Salomonis_, oder =der Spiegel Salomons=.
+
+In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel
+beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese
+Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter
+gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift
+gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde,
+wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen
+Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte
+mit Taubenblut auf Papier: _Teonemanuel Iskiroh_, und den Taufnamen
+desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt
+es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan.
+Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und
+wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere.
+Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den
+Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es
+auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht,
+wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht
+fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen
+geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond
+stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt
+man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des
+ersten Spiegels spricht man:
+
+ Aus Gott kömmt }
+ In Gott ist } alle Weisheit.
+ Bei Gott bestehet }
+ Gott der Vater liebet }
+
+Bei Gießung des andern Spiegels spricht man:
+
+ Gott der Sohn erhält }
+ Gott der Sohn erlöset } alle Welt.
+ Gott der Sohn speiset }
+
+Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man:
+
+ Der heilige Geist erleuchtet }
+ Der heilige Geist tröstet } alle, die Wahrheit lieben.
+ Der heilige Geist stärket }
+
+Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche
+Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel
+polirt.
+
+Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder
+Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man
+eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was
+man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er
+gemacht worden ist.
+
+Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt
+wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel
+erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen
+steht.
+
+Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu
+helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben,
+und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit
+sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die
+Nativität stellen.
+
+Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen,
+Diebstahl, Betrügerei etc.
+
+Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten =Spiegel
+Salomons= zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des
+Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht.
+
+
+=Vom Unsichtbarmachen.=
+
+Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger
+gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und
+Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des
+Kaiser Domitian zu entfliehen.
+
+Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem
+Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder
+einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den
+Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn
+erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte
+Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches,
+wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben
+unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen
+rothen Faden binden, um ihn zu finden.
+
+Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere
+Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht:
+
+ Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth?
+ Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.
+
+ Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf
+ Wunden mich verbergen thun. Amen.
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.
+
+ Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden
+ blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und
+ verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure
+ Augen stets von mir abwenden müßt. Amen.
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth!
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut!
+ Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich,
+ Und was ich bet’ und will und greif’,
+ Dem bin ich in Christo gleich,
+ Als der Heilige im Himmelreich.
+ Im Namen Gottes † † †. Amen.
+
+ Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar
+ erfunden werden.
+
+Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern =christliche= Magie,
+welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17.
+Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.
+
+
+
+
+Von der Chiromantie.
+
+
+Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand,
+ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern,
+von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und
+Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder
+schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie
+wird eingetheilt in die =physische= und =astrologische=. Die erste hat
+allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften
+Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und
+Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In
+der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre
+Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.
+Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung
+gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken
+u. s. w.
+
+Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die
+Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch
+ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf
+verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene
+Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch
+kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach
+der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet –
+also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet?
+
+Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder
+verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit
+Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun,
+wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die
+Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die
+Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die
+in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten,
+auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet,
+wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen,
+die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern
+Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur
+vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von
+zukünftigen Dingen.
+
+Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w.
+gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und
+doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben,
+frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des
+Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand
+wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren.
+(S. Abth. III. die Wahrsagerin.)
+
+Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9.
+und lese weiter.
+
+Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen
+(_Pulex_), der Zeigefinger (_Index seu demonstrativus_), der
+Mittelfinger (_Medius_), der Goldfinger (_Annularis_) und der Ohrfinger
+(_Auricularis_).
+
+Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man _Mons Veneris_ (♀), den Berg am
+Zeigefinger _Mons Jovis_ (♃), den am Mittelfinger _Mons Saturni_ (♄),
+am Goldfinger _Mons Solis_ (☉) und am Ohrfinger _Mons Mercurii_ (☿).
+
+Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt _Restricta_;
+man hat bisweilen 4 Restrikten.
+
+Die =Lebenslinie= (_Linea Vitae_) fängt bei der Mittellinie an,
+zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und
+läuft bis an das Ende der flachen Hand.
+
+Die =Hauptlinie= (_Linea Capitis, Media naturalis_) fängt bei der
+Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende.
+
+Die =Tischlinie= (_Linea Mensalis_) fängt am Berge des Ohrfingers an
+und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.
+
+Die =Glückslinie= (_Linea Saturni_) geht von der _Restricta_ aus und
+bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet,
+gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht
+bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die
+Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten.
+
+Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so
+erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den =Tisch der Hand=
+(_Quadrangulus_ oder _Mensa manus_), welcher zum Ohrfinger gehört;
+daneben sieht man den =Triangel=, und unter demselben den =Mondberg=
+(_Mons Lunae_), links vom Triangel liegt der =Marsberg= (_Mons Martis_).
+
+Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit
+dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn
+in Verbindung steht.
+
+Ist nun die =Lebenslinie= lang und ganz, nicht zerschnitten, so
+bedeutet sie ein gesundes langes Leben.
+
+Wenn die =Linie des Hauptes= krumm und zertheilt ist, bedeutet es
+Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen
+Handlungen geneigt.
+
+Wenn die =Glückslinie= lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches
+Leben; ist sie zertheilt, Krankheit.
+
+Der =Triangel=, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet
+einen frommen friedsamen Menschen.
+
+Wenn der =Tisch= lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den
+Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn
+aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet,
+so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt
+Blutfluß.
+
+Wenn die =Tischlinie= die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen
+bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat
+der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.
+
+Der =Tisch der Hand=, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen
+geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein
+Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen.
+
+Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, –
+denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine
+Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band
+füllen könnten.
+
+Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren
+Eigenschaften vornehmen:
+
+Eine =lange Hand= mit =langen Fingern= bedeutet einen langsam trägen
+Menschen, einen Phlegmatikus.
+
+Wenn die =Mitte der Hand lang= und =hart= ist, dabei die =Finger lang=
+sind, bedeutet es einen diebischen Menschen.
+
+Ist die Mitte der Hand =hart=, doch =wohl proportionirt=, so bedeutet
+es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber =nicht gut=
+proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.
+
+Sind die Hände =dünn= und =lang=, doch nach dem Körper proportionirt,
+so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar.
+
+Ist die Hand =kürzer=, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und
+empfindlich.
+
+Ist die Hand =kurz= und =stark=, so bedeutet es einen sündhaften
+Menschen, und je mehr die =Finger hart= sind, desto boshafter.
+
+Wenn eine Hand =lang= und =groß= ist, doch proportionirt, so bedeutet
+es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten!
+
+Wer =lange Hände= und =lange kleine Finger= hat, ist ein harter Mensch.
+Die Natur gab auch den =Tyrannen= lange Hände!
+
+
+=Von der Geomantie.=
+
+Dies ist die sogenannte =Punktirkunst=. – Ehemals zeichnete man die
+Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich
+die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann
+fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der
+rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen
+den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine
+Figur gemacht. Doch solche =Punktirbücher=, die für sechs Pfennige
+verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein
+Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben.
+
+
+=Von der Onomantie= oder =Weissagung aus dem Namen.=
+
+Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl
+bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen
+in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß
+_Sors Pythagorica_. In der Folge brachten es die Christen in eine
+rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.
+
+Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als:
+
+ _A B C D E F G H I K L M_
+ 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 2
+
+ _N O P Q R S T V X Z_
+ 12 22 4 10 24 7 16 4 20 1
+
+Statt des _W_ nimmt man zwei Mal _V_, und statt des _Y_ das _I_.
+
+Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in
+ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen,
+welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was
+übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen
+beurtheilen:
+
+ =Rest:=
+ 1. 2. ist Beherrscher des Widders (♈).
+ 3. 4. " des Stiers (♉).
+ 5. 6. 7. " der Zwillinge (♊).
+ 8. 9. " des Krebses (♋).
+ 10. 11. 12. " des Löwen (♌).
+ 13. 14. " der Jungfrau (♍).
+ 15. 16. " der Wage (♎).
+ 17. 18. 19. " des Scorpions (♏).
+ 20. 21. " des Schützen (♐).
+ 22. 23. " des Steinbocks (♑).
+ 24. 25. 26. " des Wassermanns (♒).
+ 27. 28. " der Fische (♓).
+
+Der Widder, Löwe und Schütze sind =feurig=;
+
+Die Zwillinge, Wage und der Wassermann =luftig=;
+
+Der Krebs, Skorpion und die Fische sind =wäßrig=;
+
+Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock =irdisch=.
+
+Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist
+es gut und bedeutet =Zufriedenheit=, und sind es Eheleute, so überlebt
+eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede.
+
+Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so
+bedeutet es =Zank= und =Unglück=. Der das feurige Zeichen hat, lebt
+länger, als der andere.
+
+Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so
+ist die Bedeutung =mittelmäßig=. Der im luftigen Zeichen behält die
+Oberhand.
+
+Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es
+eine =ganz unglückliche= Vorbedeutung, und der luftige behält die
+Oberhand.
+
+Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so
+bedeutet es =Glück=, und der im wäßrigen spielt den Meister.
+
+Ein feuriges und luftiges Zeichen =vertragen sich mit einander=, jedoch
+überlebt das luftige das feurige.
+
+Feuer und Erde =vertragen sich nicht=; das feurige überlebt das
+irdische.
+
+Die luftigen und irdischen Zeichen sind =böse=; das luftige hat die
+Oberhand.
+
+Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei
+Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß
+=Otto=; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt,
+bleibt 20 und fällt in das Zeichen des =Schützen=, der =feurig= ist.
+Der zweite Name hieß =Amalia=, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt,
+6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der =Zwillinge= fällt und
+=luftig= ist. – Also werden =Beide sich mit einander vertragen; das
+luftige aber überlebt das feurige=.
+
+Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man
+dieselbe.
+
+Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen
+ebenfalls auf Spielerei hinaus.
+
+
+
+
+=Von den Geistern.=
+
+
+Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:
+
+1) =Feuergeister=, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend
+haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner.
+
+2) =Luftgeister=, welche man auch =Poltergeister=, =Sylvane=,
+=Windleute= genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch
+Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun.
+
+3) =Erdgeister=, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-,
+Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden.
+
+4) =Unterirdische Geister=, welche in Höhlen und Bergen, besonders in
+Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch
+Erdbeben und Winde erregen.
+
+5) =Wassergeister.= Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen,
+Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu
+Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um.
+
+6) =Lichtscheue Geister.= Sie lassen sich niemals bei Tage sehen,
+sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und
+fallen auch die Menschen an.
+
+Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit
+einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange,
+lange Zeit leben. –
+
+Ein Mehreres hiervon lese man: =Vom Bannen der Geister.=
+
+
+=Die Berggeister.=
+
+Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie
+sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in
+allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten,
+Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie
+den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen
+dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes
+ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute
+bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein
+Hinterleder tragen.
+
+Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre
+Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese
+Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den
+Dünsten verschiedene Abbildungen geben.
+
+Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern.
+
+
+=Der Kobold.=
+
+Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte _Kobalos_, Betrüger,
+Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch
+von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten
+Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein =Bergmännchen=
+nennt. Sonst wird unter =Kobold= ein Hausgeist verstanden, der
+sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten
+verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt
+werden, nicht leicht Schaden zufügen.
+
+Unter vielen Erzählungen ist der =Hildesheimische Kobold=, Hödekin oder
+=Hütgen=, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute.
+
+Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß,
+wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold
+gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist
+auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der
+Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.)
+
+
+=Wassergeister.=
+
+Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster
+auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar
+bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele
+nennen sie =Wassernixen=, welche die Menschen zu sich in das Wasser
+ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu
+warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche
+Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden
+und Nereiden nannte.
+
+
+=Das wüthende Heer.=
+
+Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl
+allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage
+allgemein gewesen.
+
+Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören
+lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört
+Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren
+Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun
+die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben,
+Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau
+zu untersuchen, entflieht der Furchtsame.
+
+
+
+
+Vom Bannen der Geister.
+
+
+Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie
+sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach,
+weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste
+zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein
+sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft
+glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken
+und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die
+Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem
+Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen
+wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf
+Erden und der künftigen Erreichung derselben! –
+
+Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen
+Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor.
+Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht
+ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der
+Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den
+allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen
+gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die
+darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung
+aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister
+beschwören wollen.
+
+Gewöhnlich werden die =Geister der Planeten= beschworen, welche gewisse
+Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt
+werden. So heißt der Geist der Sonne =Michael= – Der Geist des Mondes
+=Gabriel= – Der Geist des Mars =Samael= – Der Geist des Merkur
+=Raphael= – Der Geist des Jupiters =Sachiel= – Der Geist der Venus
+=Anael= und der Geist des Saturn =Cassiel=.
+
+Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl
+verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll.
+
+Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert,
+daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm
+u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein.
+Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben,
+vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen
+Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider
+anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften
+enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und
+Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem
+der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im
+angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen.
+
+Der =Zauberkreis=[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie
+vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man
+rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich
+gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet,
+in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat.
+
+[15] S. Fig. 10.
+
+Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von
+einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die =Stunde=, welche
+alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll,
+geschrieben[16]; 2) der =Name= und 3) das =Siegel= oder =Zeichen= des
+Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage,
+wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der
+gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit
+regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man
+den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit,
+wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes,
+nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis
+werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen
+Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11)
+im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen
+gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach
+Osten kommt das _Alpha_, nach Abend das _Omega_ mit einem durch den
+mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den
+vier Dreiecken vier _Pentagoni_ geschrieben. – So ist der Zauberkreis
+für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit
+Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und
+das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein
+weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen
+Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete _Pentaculum
+Salomonis_[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des
+Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß;
+zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch
+zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche
+den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den
+Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre
+Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen:
+
+[16] z. B. die =erste Stunde= am Sonntag im =Frühjahr= heißt _Yayn_.
+
+[17] Der =Name= des Geistes der Sonne ist =Michael=. Das =Zeichen= s.
+Fig. 11, wo die Siegel der sieben Geister stehen:
+
+ _a_) Siegel des Geistes =Michael=.
+ _b_) " " " =Gabriel=.
+ _c_) " " " =Samael=.
+ _d_) " " " =Raphael=.
+ _e_) " " " =Sachiel=.
+ _f_) " " " =Anael=.
+ _g_) " " " =Cassiel=.
+
+[18] =Michael=, =Dardiel=, =Huratapel=.
+
+[19] =Talui= (Frühling).
+
+[20] Die Geister des Frühlings: =Caracassa=, =Core=, =Amatiel=,
+=Commissoros=.
+
+[21] Das Hauptzeichen des Frühlings ist: _Spugliguel_.
+
+[22] _Amadai_.
+
+[23] _Abraym_, _Agusita_.
+
+[24] _Varcan rex_, _Tus_, _Andas_ und _Cynabal_.
+
+[25] _Adonai_, _Eloy_, _Agla_, _Tetragrammaton_.
+
+[26] Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für
+=Michael= Sandelholz.
+
+[27] S. Fig. 12.
+
+ Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und
+ Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, _El_, beschwören wir
+ euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die
+ man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht
+ und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen
+ _Adonay_, _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_,
+ _Jah_, _Tetragrammaton_, _Sadai_: Herr Gott, beschwören wir euch,
+ und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben
+ diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne
+ Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den
+ Namen _Y_ und _V_, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den
+ Namen Gottes _Agla_, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie
+ gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der
+ mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines
+ Bruders Esau; und durch den Namen _Anephexeton_, welchen Aaron
+ gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den
+ Namen _Zebaoth_, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des
+ Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen _Escerchie
+ Oriston_, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten,
+ daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten;
+ und durch den Namen _Elion_, welchen Moses nannte und solchen Hagel
+ hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch
+ den Namen _Adonay_, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land
+ Aegypten kam; und durch den Namen _Alpha & Omega_, welchen Daniel
+ nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen
+ _Emmanuel_, welchen drei Männer, _Sidrach_, _Misach_ und _Abdenago_
+ im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch _Hagios_ und
+ den Sitz _Adonay_; und durch _ô Theos iscyros athanatos_; und durch
+ die drei geheimnißvollen Namen, _Agla_, _on_, _Tetragrammaton_,
+ beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres
+ allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch
+ eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten
+ Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn,
+ welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und
+ durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor
+ dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und
+ durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen
+ Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird,
+ und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir
+ männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen
+ zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz _Baldachiæ_,
+ und durch den Namen _Primeumaton_, welchen Moses nannte, und die Erde
+ verschlang _Datam_, _Corah_ und _Abiron_; und in der Kraft jenes
+ Namens _Primeumaton_, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir
+ euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude,
+ bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage
+ des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl,
+ wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern
+ Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen _Adonay_,
+ _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt
+ euch _Adonay_, _Saday_, der mächtige und schreckliche König, dessen
+ Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein,
+ wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint;
+ es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges,
+ nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen _Adonay_,
+ _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_, erscheinet, erscheinet! Was zaudert
+ ihr? Eilet! Es befiehlt euch _Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly,
+ Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe,
+ a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va_!
+
+Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen
+sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen,
+welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen.
+
+Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte
+Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte
+Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat?
+
+Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc.
+11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem
+Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden.
+– Aber keine =Geister=, davon steht nichts in der Bibel!
+
+Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen
+können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern
+Figuren bestehet.
+
+Verschiedene Manuscripte von =Teufels-Beschwörungen=, welche von
+Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden
+und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte
+Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden
+wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen
+mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige
+wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher
+Auszüge genommen haben:
+
+ 1) _Arbatel de magia veterum._
+
+ 2) Des schwarzen Cyprian _Miracul-_ oder Wunderbuch von 1500.
+
+ 3) _Raziel_, das alte Buch von der heiligen göttlichen =Magie= unserm
+ Vater =Adam=, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln
+ selbst offenbaret.
+
+ 4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen =Christophori=,
+ approbirt von dem bekannten =Raphael Meyer= aus der Gesellschaft
+ Jesu.
+
+ 5) _Citationes_ der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche
+ _Mosis Bibliae Magicae_.
+
+ 6) _Zoroaster_ des _Rabbi_ und Juden _Clavis Artis_. Das Original ist
+ von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben _Anno Mundi_ 1996.
+ Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden.
+ _Anno Christi_ 1236 durch _S. V. R. et A. G._
+
+ 7) Meines (_Dr. Faust_) _Miracul-_ und Kunst-Buches, genannt der
+ =Dreifache Höllen-Zwang=. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir
+ gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine
+ Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit
+ diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen
+ können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben
+ wir zum Titelkupfer gewählt.
+
+ 8) _Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon_
+ 1689.
+
+Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also:
+
+_Aziel_, der Schutzgeist der Erde und des Meeres.
+
+_Ariel_ hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land.
+
+_Marbuel_ hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen
+geheimen Wissenschaften.
+
+_Mephistophilus_ dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und
+übergiebt die Pygmäen und _Spiritus familiares_.
+
+_Barbuel_, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser
+und zu Land.
+
+_Aziabel_, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze.
+
+_Aniquel_, Fürst der Welt.
+
+Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt.
+Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten _Mephistophilus_,
+welchen auch _Dr._ Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen.
+
+Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der =Gürtel Salomons=, welcher 4
+Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter
+Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein =Zauberstab= von
+Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und =magische Kerzen= von wildem
+Bienenwachs.
+
+Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt
+man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn:
+
+ _O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist
+ Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o
+ esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera
+ Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim
+ † in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca
+ † Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch †
+ & Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi †
+ Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus
+ † Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas,
+ mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla
+ † Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o
+ Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen._
+
+Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt,
+wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:
+
+ _O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam †
+ o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen._
+
+Der Geisterfürst _Marbuel_ erscheint, wenn er gerufen wird, in der
+Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt.
+
+Der Sage nach wird manchen Lesern _Dr._ Faust’s =Mantelfahrt= bekannt
+sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu
+versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher
+selbst reden:
+
+»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf
+den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes
+Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß
+Du _NB._ ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und
+tritt _NB._ mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich.
+Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde
+darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst,
+_NB._ so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der
+Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest
+unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.
+
+
+=Citation.=
+
+ Ich rufe Dich Geist _Aziel Memomac_, und fahre mit mir nach _N_, und
+ richte mit mir aus, was ich haben will.
+
+_NB._ Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner:
+
+ O Du erhöre mich † _Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim_, daß ich
+ fahre, durch den Geist _Aziel_ an Ort und Stelle gebracht werde.
+
+ Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin
+ Du willst.«
+
+Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat
+die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt.
+
+
+
+
+=Von Schatzgräberei.=
+
+
+Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen
+Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder
+leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules
+Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch
+ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber
+und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr
+Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen,
+gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll
+Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne
+Beihülfe anderer Leute?
+
+Das sogenannte =Schatzlicht= ist besonders am Johannistage zu sehen,
+und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen
+Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder
+entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe.
+Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze
+von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies
+Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals
+kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen,
+daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr
+gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz
+anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von
+ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen
+haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem
+Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist.
+
+Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne
+verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute
+Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III.
+Schatzgräberei.)
+
+Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch
+und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel:
+
+Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in
+Ewigkeit, Amen.
+
+Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden:
+
+_O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex,
+Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam,
+Christe benedictam._
+
+Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.
+
+So Du einen Schatz heben willst, sagt _Dr._ Faust, und dazu kommst, so
+schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes,
+so kann es nicht verrücken:
+
+ _Domini Seussa Kaatu._
+
+Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst,
+so schreibe diese Worte darauf:
+
+ _Saat Saato da
+ Knuss Tetragrammaton
+ Agla Elyla Elylam
+ Mazakat Hane._
+
+Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die
+Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches
+dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz
+verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen,
+und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen.
+
+So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin
+im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen
+Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des
+S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit
+welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem
+saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist
+eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich:
+
+Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut,
+daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe
+noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch
+begleiten † † †.
+
+Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den
+Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei
+Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen,
+darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St.
+Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß.
+
+Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und
+ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein,
+in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die
+übrigen zwei Personen beten den Psalm _de profundis_; übrigens sollen
+auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher
+den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein
+soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein
+soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz
+versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist,
+über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist
+des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man
+von allem Schrecken befreit.
+
+Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit
+Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden:
+
+ _† Seglane † Sextex Jahix leomanx._
+
+Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne
+ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt
+man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem
+Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –
+
+Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung
+der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts.
+
+
+
+
+Zweite Abtheilung.
+
+ =Vom Aberglauben.=
+
+ Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!
+
+
+Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche
+die Abergläubischen in =allen Lebensverhältnissen= anwenden: bei
+Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie,
+bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein
+Bekannten und werden schon daran genug haben.
+
+
+=Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll
+diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel
+Jahre ich leben soll?=
+
+So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. –
+Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5,
+10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger.
+
+Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen
+entstanden sein:
+
+Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem
+Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn
+wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott
+bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.=
+
+Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf
+reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber
+gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen
+Weiber meinen: man habe kein Glück.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.=
+
+Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den
+Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern
+zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – _Rungius_, im
+ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S.
+54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König
+Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich
+ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm
+den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn
+oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von
+andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan,
+so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf
+dem Feuer stehen läßt.=
+
+Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu
+haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen
+bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist
+also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen,
+wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt:
+
+ Nicht der Dreifuß, noch der Rost,
+ Sondern eine =magre Kost=,
+ Vieles Schminken, Cordoisiren,
+ Und mit Salben sich beschmieren,
+ Diese und dergleichen Sachen
+ Sind es, die die Runzeln machen.
+
+
+=Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.=
+
+Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein
+Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen
+Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der
+Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon.
+Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der
+Kropf bleibt am Halse. _Probatum est!_
+
+
+=Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer
+Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am
+Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.=
+
+Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der
+Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür
+zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg.
+Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben
+nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer
+Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach
+der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es
+wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit
+vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß
+sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die
+Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.
+
+
+=Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser
+kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.=
+
+Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses
+ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß
+dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.«
+
+
+=Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann
+erhalten werde.=
+
+Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus
+klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert
+die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen
+Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann:
+was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren!
+
+
+=Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein
+Zeichen des kommenden Krieges.=
+
+Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder
+kriegerische Spiele vornehmen.
+
+
+=Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.=
+
+Der Klee (_Trifolium_) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur
+(_Lusus naturæ_) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse
+Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden
+wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein
+Anderer muß lange darnach suchen.
+
+
+=Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt
+hinein.=
+
+Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w.
+nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine
+wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es
+müßte denn der Hoffarths-Teufel sein.
+
+
+=Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.=
+
+Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine
+Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten
+Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur,
+und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche
+in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber
+werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. _Probatum
+est! De mirabilibus Albertus M._
+
+
+=Ein Jägerstückchen.=
+
+Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in
+ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein
+muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann
+der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen
+die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen.
+
+Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden?
+
+
+=Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen
+Kopf hat, der stirbt das Jahr.=
+
+Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden
+Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten
+dadurch oft zwei Köpfe.
+
+
+=Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so
+stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.=
+
+Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man
+durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen
+prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann
+ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo
+des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu
+schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche
+Ursachen angeben können.
+
+
+=Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen
+zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses
+Krautes mit Nadeln durchsticht.=
+
+Das Johannis-Kraut (_Hypericum perforatum_) hat eiförmige und
+durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da
+man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut
+fand, und es _Daemonum fuga_, =Teufels-Scheu=, nannte.
+
+
+=Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.=
+
+Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel besser! – Was sollte
+aber der arme Hase Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes
+begegnete!
+
+
+=Wenn man aus dem Hause geht oder verreis’t, soll man nicht wieder
+umkehren, sondern das Vergessene durch Andere bringen lassen.=
+
+Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen nicht gelingen. – Es ist
+zwar besser, man vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und man
+unterweges auf jemand warten soll, bis er das Vergessene nachbringe, so
+verliert man Zeit und hat oft Schaden davon.
+
+
+=Wenn einem am Morgen beim Ausgehen ein altes Weib begegnet, ist es
+nicht gut.=
+
+Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß man vielen alten Weibern
+Hexerei Schuld gab. Es mag einem aber ein altes oder junges Weib
+begegnen, die Geschäfte werden nie anders.
+
+
+=Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht geschmolzenes Blei ins Wasser
+gießt, erfährt es durch die Figuren, was der künftige Gatte für ein
+Geschäft treibt.=
+
+Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen Ländern getrieben, und
+manches gute Mädchen hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer leicht
+glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in den zerrissenen Stücken Blei
+immer gern das, was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen
+Mädchen in der Christnacht rückwärts ein Scheit aus einem Holzstoß, um
+zu erfahren, ob ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade sein
+werde.
+
+
+=Helle Christnacht, finstere Scheuern; finstere Christnacht, helle
+Scheuern.=
+
+Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel; wenn der Mond in der Christnacht
+hell scheinet, so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern voll
+und finster sein; wenn aber Neumond und trübes Wetter ist, sollen
+die Scheuern nicht voll werden. – Der alte Julianische und der neu
+verbesserte Kalender weichen von einander ab, folglich, da diese
+und andere Bauern-Regeln schon alt sind, kann es auch jetzt mit der
+richtigen Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit schon
+darin beweiset, denn einige Erfahrungen machen noch keine bestimmte
+Regel.
+
+
+=Zwischen Todten und Lebendigen soll eine Sympathie herrschen.=
+
+Wenn man dem Todten etwas von einem Lebendigen in das Grab legt,
+soll Letzterer nicht lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht
+erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon erzählt. Aber es geht
+wohl natürlich zu. Derjenige, dem die Sache gehört, welche in das Grab
+gelegt worden, und an die =Fabel= glaubt, wird durch seine Einbildung
+sich selbst bald in das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte daran
+schuld ist.
+
+
+=Wer auf dem Acker etwas säen will, der soll den Saamen nicht auf den
+Tisch legen, er geht sonst nicht auf.=
+
+Wenn man Korn oder Waizen, das man zum Saamen bestimmt hat, aus Noth
+mahlen und backen läßt, so kommt er freilich auf den Tisch, und die
+Aussaat ist gehindert. Dies mag ein Spaßvogel gedacht haben, und andere
+nahmen es ernsthaft auf.
+
+
+=Wenn die Kinder schwer reden lernen, soll man ihnen Bettelbrod zu
+essen geben.=
+
+Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß die meisten
+Bettelkinder große Fertigkeit im Sprechen haben, um ihr Brod zu
+erbetteln, und dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere
+wieder bald reden zu machen!
+
+
+=Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu haben, nicht aus der Stube
+gehn.=
+
+Man glaubt, es nehme den Kindern die Ruhe. Der Ursprung dieses
+Aberglaubens ist schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen:
+Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft der Hausfrau hinderlich, und
+macht mehr Geräusch, als der Sitzende, wodurch das schlafende Kind
+gestört wird.
+
+
+=Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen Garbe kann man sehen, wie das
+Korn das folgende Jahr alle Quartale steigen und fallen werde.=
+
+Die Landleute machen folgendes Experiment: Wenn sie anfangen zu
+dreschen, nehmen sie die erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen
+auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden worden ist), dreschen
+das Korn aus, und nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll Korn,
+streichen es ab und schütten es auf den Tisch, welches das erste
+Vierteljahr bedeutet. Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses
+geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und schütten es wieder in das
+Gefäß und streichen es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen,
+so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr; streichen sie aber nichts
+ab, so wird das Korn aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit
+den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber bei Messung des Korns nicht
+zutragen, daß man nicht immer =gleich= abstreicht? daß man an den Tisch
+stößt, und bald etwas mehr oder weniger hat? Man mache nur den Versuch
+zur Ueberzeugung und lasse noch Einige dies Experiment machen, – wie
+verschieden wird die Weissagung ausfallen!
+
+
+=Wenn das Jüdel die kleinen Kinder nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel
+etwas zu spielen geben.=
+
+Viele Weiber werden nicht einmal das =Jüdel= kennen, und doch treiben
+sie damit Aberglauben. Kleine Kinder von wenig Wochen thun oft während
+des Schlafes die Augen halb auf, und die Augenäpfel wenden sie in
+die Höhe, fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder fort, oder
+schreien. Wenn dieses geschieht, sagen die Abergläubischen: »das
+Jüdel spielt mit dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben, machen sie
+Folgendes: Sie kaufen, ohne zu handeln, einen kleinen, neuen, irdenen
+Topf mit einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes Badewasser
+gegossen und auf den warmen Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen
+und das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen finden sie kein
+Wasser mehr im Töpfchen und glauben, das Jüdel habe es herausgespielt,
+ohne zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen eingetrocknet ist.
+Ferner blasen sie Eier in des Kindes Brei und in die Suppe der Mutter
+aus, und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen Kartenblättern
+mit Zwirn an des Kindes Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die
+Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand rasch in der Stube, daß
+die leichten Sachen sich bewegen müssen, da rufen die alten Weiber:
+Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spielt! – Welche
+Albernheiten! und doch geschehen sie! Das Kind aber wird fort die Augen
+verdrehen und lachen und weinen, ohne das Spiel des Jüdels. Man gebe
+dem Kinde, welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und das alberne
+Jüdel verschwindet gewiß.
+
+
+=Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.=
+
+Man soll es, wenn der Sirius sich sehen lasse, so daß Mond und Sonne
+einen nicht bescheinen, und zwar mit der linken Hand aus der Erde mit
+einem eisernen Instrumente graben. Die Griechen nennen dies Kraut
+_Peristecon_, die Römer _Verbena_, und wurde für ein heiliges Kraut bei
+den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut ist es nicht, daher wir auch
+das Experiment nicht machen können.
+
+
+=Das Osterwasser=
+
+wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und 12 Uhr, aber
+stillschweigend. Es soll sich lange aufbewahren lassen und, damit
+gewaschen, eine feine Haut machen. – =Jedes Wasser=, das im Frühlinge,
+und wenn die Sonne nicht scheint, geschöpft wird, hält sich länger und
+ist weicher, als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte.
+
+
+=Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein Delinquent gerichtet werden
+soll.=
+
+Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem Schranke an einem Nagel
+hängt, fängt an sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter
+erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn auch nicht direct durch
+das Gericht, sondern durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode
+verurtheilt werde, und er und die Seinigen, welche von den Urältern
+her jene Sage glauben, werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert
+sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch der Todtengräber und der
+Tischler, der Särge macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt.
+
+
+=Es soll gefrorne und eingeschlossene Worte geben.=
+
+Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben, daß Worte durch Kälte erhalten,
+oder in ein gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner Zeit
+wieder gehört werden können! Was für eine Kälte müßte das sein, und
+sollte der Mensch nicht =zuerst= erfrieren? Wie sollte aber auch die
+Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen vielleicht vom _Ovid.
+Metamorph. L._ II, 4. genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ:
+Midas hat Eselsohren.
+
+
+=Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen werden, denn es bringt
+Unglück.=
+
+Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger Hahn legen und von einer Kröte
+im Miste ausgebrütet werden soll, soll ein monströses Geschöpf, der
+=Basilisk=, entstehen, welcher sich in alten Höhlen, Brunnen und
+Gemäuern aufhält. Es soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt,
+Esaiä 59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte haben in den ältern
+Zeiten über dieses fabelhafte Thier geschrieben, nur Einige haben es
+verworfen.
+
+Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die Menschen tödten und alles um
+sich her mit seinem Hauche vernichten können; so bald er sich aber
+selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene Weise beschrieben,
+da ihn wohl Niemand lebendig oder todt gesehen haben wird, außer in
+einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er soll die Größe eines Huhns haben,
+Kopf und Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm und Hals sei
+gelbblau, der Leib und die Flügel gelb, blau, roth und grün gesprengt,
+habe lange gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht stehenden,
+gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten Schwanz.
+
+So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften Thiere.
+
+Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher einen Basilisken, der in Afrika
+mit Feuer getödtet worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius
+und _Dr._ Wedel in Jena, beschrieben das Thier; aber nachher erfuhr
+Letzterer in Hamburg von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein
+=gekünstelter= gewesen sei.
+
+
+=Von der Todtenuhr.=
+
+Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten oder Getäfel, gleich einer Uhr
+in abgemessenen Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische an
+Unglück und Tod. _Linnæus_ nennt diesen Wurm _Termitem fatalem_, und
+ist die bekannte =Papierlaus= oder =Bücherstaublaus=.
+
+
+=Von Vampyren und schmatzenden Todten.=
+
+Unter den schmatzenden Todten versteht man gewisse todte Körper,
+weiblichen Geschlechts, welche, wenn Seuchen grassiren, ihre
+Grabtücher, Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken und dabei
+schmatzen und, so weit sie mit dem Munde reichen können, alles
+verzehren. Und dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen den
+Daumen nicht aus der Hand gethan, oder den Mund nicht unbedeckt
+gelassen.
+
+Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe kann nur von einem lebendig
+Begrabenen oder von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende
+Erzählung beweiset, herrühren.
+
+In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf dem Gottesacker hören. Es
+kamen viele Menschen, um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin. Sie
+hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus dem das Schmatzen seinen
+Ursprung haben sollte, bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung
+=junger Eulen= sei, die in einem Mauerloche der Kirche, welche nahe
+dabei war, befindlich waren.
+
+
+=Die Vampyren oder Blutsauger.=
+
+Sie haben mit den obigen Verwandtschaft. Man versteht darunter todte
+menschliche Körper, welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen
+das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch tödten sollen. Unter den
+Raizen, Serviern ist dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr
+durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl und verbrennt den
+Körper.
+
+
+=Die ominöse Zahl =13.
+
+Vernünftige Personen haben noch jetzt den Aberglauben, mit 13 Personen
+nicht an Einem Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen möchte
+in wenigen Monaten eine Beute des Todes werden. – Dies kann immer
+geschehen, ohne daß die arme Zahl daran schuld ist.
+
+
+=Exorcismus.=
+
+Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten Exorcisten, namentlich die
+Jesuiten, Kapuziner u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen
+herplauderten, verstanden, und daß dieselben eine Kraft haben sollen?
+– Man höre nur die barbarischen Worte: _Theos Patir Heminas per
+Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa, Gebeche Banai Grabiai Elomnit_
+u. s. w.
+
+
+=Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden ist.=
+
+Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen hat, kennen zu lernen, macht
+der Abergläubische mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall, melkt
+die Kuh, indeß er das Eisen glühend macht, gießt dann die Milch in das
+Loch, und buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis die Hexe kommt,
+welche, wie er glaubt, während diesem Buttern so sehr gepeinigt wird,
+daß sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst kommen, und etwas
+verlangen, um dadurch das Buttern zu verhindern. Man macht daher den
+Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht herein kann. Mancher ist
+dadurch in den Hexenverdacht gekommen, daß er zufällig gerade zu der
+Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei getrieben wurde.
+
+
+=Das Mutisheer.=
+
+Es soll eine Menge Kinder sein, welche in den Wochen gestorben, ehe
+sie zur heiligen Taufe gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im
+Himmel aufgenommen zu werden, und hielten sie sich bald da, bald dort
+unter vielem Winseln und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es
+der Pöbel gehört haben. – Im Virgil _Aen._ VI. _v._ 435. steht etwas
+ähnliches.
+
+
+=Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang erfahren will, muß man die
+Bibel von ungefähr aufschlagen; was man zuerst erblickt, daraus
+entdeckt man das Gesuchte.=
+
+Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung widerlegen.
+
+Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er eine mit Dornen und Stechbeeren
+bewachsene Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige Schrift
+den Anspruch bestimmen und traf auf die Stelle Jeremiä 10, 19: =Ich
+denke aber, es ist meine Plage, ich muß sie leiden.= So unterblieb das
+nützliche Vorhaben.
+
+
+=Das Nasenbluten zu stillen.=
+
+Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen und diese in der Hand
+gehalten, bis sie erwarmt, stillt das Nasenbluten. – Dieses wird von
+selbst geschehen, wenn man so lange Zeit wartet.
+
+
+=Der Haselstock thut Wunder.=
+
+Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig, oder ein kleines Stück
+Fleisch an einen Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht,
+dreht sich der Stock von selbst über den Kohlen. – Dabei ist aber weder
+der Vogel, noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht sich von der
+Hitze natürlich zusammen und – dreht sich.
+
+
+=Vom Alpdrücken.=
+
+Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel selbst, oder irgend ein
+Gespenst sein. Er kommt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer,
+wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl gar herab und peinigt
+den Schlafenden. – Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im Körper
+ein Zusammenziehen der äußern Theile, krampfhafte Zufälle, Erstarrung
+u. s. w. Vollblütigkeit, das Liegen auf dem Rücken, das niedrige
+Kopfliegen, Ueberladung des Magens erwecken jene ängstlichen Träume und
+– das Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd. S. 180 ff.)
+
+
+=Heilung einer Fistel.=
+
+_Dr. Joh. Dolæus_ erzählt in den
+Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch- und botanischen
+Abhandlungen _Tom._ V. Wahrnehm. LXI.:
+
+Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten Fürstin von Nassau-Diez
+aufhielt, so erzählte mir der berühmte _Dr._ Geilfuß, es seie ihm
+jemand bekannt, der lange Zeit an dem Schenkel mit einer Fistel
+beschwert gewesen, woraus verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen
+Papier, Haare u. s. w. hervorkamen. Man habe vielerlei Arzneien, aber
+vergeblich, gebrauchet; endlich habe sich ein Mensch, den der Pöbel für
+einen Zauberer hielt, angegeben, und das Geschwür in Kurzem zu heilen
+versprochen. Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt, so habe er
+ein aschfarbiges Pulver in die Wunde gestreuet, und blos dadurch den
+Kranken in wenig Tagen geheilet. _Dr._ Geilfuß versicherte mir, es sei
+dieses Pulver nichts anderes, als =Asche von einer verbrannten Hexe=
+gewesen.
+
+Solche Dinge glaubten damals auch =gelehrte Männer=!
+
+
+
+
+=Dritte Abtheilung.=
+
+ Erzählungen
+ von
+ =Geister=- und =Gespenster-Erscheinungen=,
+ mit hier und da
+ eingestreuten natürlichen Erklärungen.
+
+ _Verba movent, Exempla trahunt._
+
+
+
+
+Das Gespenst im Hause.
+
+
+_Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252._ erzählt seinem Freunde
+=Sura= eine Geschichte von einem Hause in Athen, welches von einem
+Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt worden, und hätte leer
+gestanden, bis endlich der Philosoph =Arthenodorus= hineingezogen,
+den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in den Hof gefolgt, wo
+er verschwunden sei. Den Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit
+angezeigt und aufgraben lassen, wo man denn die Gebeine einer Person
+gefunden hätte, welche in Ketten gelegen, und die er habe begraben
+lassen; worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden wäre.
+
+Mehrere Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben, obgleich er
+selbst sagt, _ex ponam ut accepi_ (daß er das Erzählte =gehört= habe),
+und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen!
+
+
+
+
+=Anzeigen des Todes.=
+
+
+I.
+
+Der Rektor Gottfried =Vockerodt= in Gotha, der 1727 starb, hinterließ
+einen Sohn, welcher in Halle studirte. Dessen Mutter und Schwester
+wohnten noch in Gotha. Einstmals, da beide in der Stube sitzen, hören
+sie, daß jemand mit starken Schritten die Treppe herauf kömmt. Die
+Mutter geht hinaus, und erblickt ihren Sohn, der sich vor sie stellt,
+aber zu ihrem Schrecken eine große Wunde in der Brust hat, aus der das
+Blut hervorströmt. Da sie ihn anreden will, sinkt er vor ihr nieder
+und verschwindet. Am folgenden Tage erhält sie durch einen Boten die
+Nachricht, daß ihr Sohn um dieselbe Stunde, da er ihr erschienen war,
+auf der Saalbrücke in Halle erstochen worden sei.
+
+Diese Erscheinung ist wegen der dabei eingetroffenen Umstände, als
+wichtig für den Geisterglauben, anzusehen; jedoch ebenfalls, wie alle
+andern, wo historischer Beweis der Thathandlung und die Glaubwürdigkeit
+der Zeugen fehlen, widerlegbar. Auch sind vorhergegangene Umstände der
+Mutter nicht berührt worden, welche fähig gewesen sein können, diese
+Vision zur Wirklichkeit zu bringen. Konnte nicht ein Landsmann der
+Mutter kurz vorher von ihres Sohnes bevorstehendem Duell Nachricht
+gegeben haben, und sie sich mit gewissen Vorstellungen gequält, bis sie
+jene Vision hatte, zu welcher Zeit ihr Sohn zufällig erstochen wurde.
+– Warum erschien das Gespenst nicht sogleich in der Stube, und machte
+erst Geräusch eines Kommenden, das die Mutter dann allein sahe?
+
+
+II.
+
+_Dr._ =Jung=, genannt Stilling, erzählt in seiner »Theorie der
+Geisterkunde, Nürnberg 1808.« eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser
+sonst würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie gezeigt, daß
+er ein Schwärmer und der =abergläubigste Kopf= sei; er hat alles
+=frischweg= geglaubt und so leider! dem Publikum wieder gegeben. –
+Seine Wahrheit sucht er besonders auf Glaubwürdigkeit der Personen zu
+stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst geschehen ist. Von
+vielen solchen abergläubigen und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie
+ein Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten Schaden nur
+bringen können, wollen wir die wichtigste herausheben, welche nach der
+Erzählung des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes von Seckendorf
+hier notirt worden ist.
+
+König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Vater König Friedrichs II.,
+stand mit dem König August II. von Polen in so freundschaftlichen
+Verhältnissen, daß sie einander, wenn es möglich war, wenigstens
+einmal des Jahres sahen. Dies geschah auch noch kurz vor dem Tode des
+Letzteren. Derselbe schien sich damals ziemlich wohl zu befinden,
+nur hatte er eine etwas bedenkliche Entzündung an einer Zehe. Die
+Aerzte hatten ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken sehr
+gewarnt, und der König von Preußen, welcher dieses wußte, befahl seinem
+Feldmarschall von Grumbkow (der den König bis an die Grenze begleitete
+und ihn dort in einem königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen
+sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß alles sorgfältig vermeiden
+möchte, wodurch die dem König von Polen aus erwähnter Ursache von den
+Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung im Genusse des Weines überschritten
+werden könnte.
+
+Als aber König August noch gleichsam zu guter Letzt einige Bouteillen
+Champagner verlangte, so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst liebte,
+nach, und genoß dessen auch seiner Seits so viel, daß er sich, indem er
+über den Hof des königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an einer
+Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich daher in einem Tragsessel
+zum König August bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des
+andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm noch einige Aufträge an
+König Friedrich Wilhelm geben wollte. Hierbei war der König von Polen,
+außer einem vorn geöffneten Hemde, nur mit einem kurzen polnischen Pelz
+bekleidet.
+
+In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen Augen erschien er am
+1. Februar 1733 früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall von
+Grumbkow und sagte zu ihm:
+
+_Mon cher Grumbkow! je viens de mourir ce moment a Varsovie._
+
+Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches damals noch wenig
+Schlaf gestatteten, hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner
+=Nachtlampe= und durch seine dünnen Bettvorhänge, bemerkt, daß sich die
+Thür seines Vorzimmers, worin sein Kammerdiener schlief, öffne, daß
+eine lange menschliche Gestalt herein komme, in langsam feierlichem
+Schritt um sein Bett herumgehe, und seine Bettvorhänge schnell öffne.
+Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so, wie Letzterer nur wenige
+Tage vorher lebendig vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten
+Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige Worte gesprochen hatte,
+wieder zu eben der Thür hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur
+nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener: ob er den nicht auch
+gesehen habe, der so eben gerade da herein und hinaus gegangen sei? –
+Der Kammerdiener hatte nichts gesehen.
+
+Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang an seinen Freund, den
+damals bei König Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl.
+königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen von Seckendorf, und bat
+letzteren, die Sache dem König mit guter Art bei der Parade zu
+hinterbringen. Bei dem Gesandten von Seckendorf befand sich, als
+ihm das Grumbkowsche Billet schon früh um fünf Uhr zukam, dessen
+Schwestersohn und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf, nachheriger
+Brandenburg-Anspachscher Minister, und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath.
+Jener sagte zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen darbot: sollte
+man nicht denken, die Schmerzen hätten den alten Grumbkow zum Visionär
+gemacht? Ich muß aber den Inhalt dieses Billets noch heute dem König
+hinterbringen.
+
+Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre) langte durch die von
+Warschau bis Berlin von drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen
+Uhlanen und Preußischen Husaren die Nachricht in Berlin an, daß der
+König von Polen in der nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung
+gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei.
+
+Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der Verf. fort, beruht auf der
+Glaubwürdigkeit solcher Personen, an deren Kopf und Herz zu zweifeln
+Verbrechen sein würde. =Sie ist also gewiß!= –
+
+Können denn große Herren nicht auch Visionen, wie ein anderer gemeiner
+Mann, haben und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte nicht schlafen,
+seine Schmerzen rührten von dem übertretenen Befehl her, keinen Wein
+dem König von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß genossen
+hatte. Er dachte natürlich an den schon kranken König, welches Uebel
+ihn ergriffen haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen Idee bei
+ihm, die Einbildung wirkte mit, und die Erscheinung läßt sich durch die
+Sinnen-Täuschung, wie alle übrigen, natürlich erklären. Und des Königs
+Tod zur selbigen Zeit giebt blos der Erzählung einen Anstrich von
+Wahrheit, doch keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des kranken
+Grumbkow fehlen.
+
+
+
+
+Das Sehen seiner selbst.
+
+
+Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Rostock der Professor
+der Mathematik und Hauptpastor an der Jacobikirche, =Becker=, in
+Gesellschaft verschiedener guter Freunde, die er bei sich bewirthete,
+in einen theologischen Streit gerieth, indem er behauptete, daß ein
+bestimmter Gottesgelehrter in seiner Schrift eine gewisse Meinung
+hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte er sich und ging in
+seine Bibliothek, um das Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst
+auf dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich zu sitzen
+pflegte. Er ging näher und sah über die rechte Schulter des Sitzenden,
+bemerkte auch, daß dieses sein anderes Selbst mit einem Finger der
+rechten Hand auf eine Stelle der vor sich liegenden aufgeschlagenen
+Bibel wieß, und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein Haus, du
+mußt sterben. – Voll von Gedanken ging er zurück und kam mit einigem
+Tiefsinn zur Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob man ihm
+schon die Sache auszureden, auch alle nachtheilige Bedeutung kraftlos
+zu machen bemüht war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung, es
+würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten, daher er auch von seinen
+Freunden Abschied nahm. Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen 6
+Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen Alter. –
+
+Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die, wenn sie auf diese oder jene
+Art angegriffen werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes
+geschieht, das Bild eines Gegenstandes, der außer uns nicht wesentlich
+da ist, in uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen Gehirn
+also beschaffen ist, einige Schritte von sich ein Phantom zu erblicken
+glaubt.
+
+Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel wegen einer
+Leichenpredigt aufgeschlagen und sich jene Stelle lebhaft eingeprägt,
+die er aber nachher wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem Alter
+war. Da er nun, wie Andere in ähnlichen Fällen, eine Vision seiner
+selbst erhielt, so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten jene
+Stelle wieder einfiel und auch diejenige Stellung wieder darstellte,
+in der er sonst, wenn er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz
+vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle Leute von schwachem
+Gesichte es häufig thun, die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße
+Lebhaftigkeit und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den wichtigen Inhalt
+dieser biblischen Stelle mußte nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung
+des Nervengeistes, die der Stärke der Vorstellung entsprach und gemäß
+war, zum Begleiter haben, so wie die vergesellschaftete Idee von seinem
+ehemaligen Sitzen und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften
+Einbildung, sich seiner Seele in einem großen Lichte darstellte, womit
+ebenfalls derjenige Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in den
+Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu sein pflegt, wenn man außer
+sich ein Weisen mit dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket. Becker
+war nun in banger Erwartung; Furcht und Angst ergriffen ihn, und sein
+alter schwächlicher Körper wurde zerrüttet.
+
+
+
+
+=Vom Doppelsehen.=
+
+
+Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen, Heiraten, Begräbnisse,
+Streitigkeiten, Schlachten u. s. w. sehen. Auch sollen sie Geister
+sehen können. Diese Art Menschen müssen also nebst dem ordentlichen
+Gesicht noch ein außerordentliches Nachgesicht haben, und solche
+Doppelseher soll es besonders in Schottland gegeben haben.
+
+Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was geschehen wird: z. B. einen
+Mann ohne Kopf, welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie einen
+Menschen mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, so bedeutet es dessen
+unverhofften Tod. Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie einen
+Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese Doppelseher, wenn die Sache
+wichtig ist, schwitzen, zittern und schreien; andere Zeit lachen sie
+wieder.
+
+»Aber,« bemerkt der Autor, =Joh. Beaumont=, in seinem
+historisch-psychologisch- und theologischen Traktat von Geistern,
+Hexereien u. s. w. – »die Personen, welche diese Gabe besitzen, sind,
+wie man angemerkt, mehrentheils =lasterhaft=.« – Ueberhaupt sind die
+Doppelseher leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals Betrüger. –
+
+Die =Pferde= und =Hunde= sollen auch die wandelnden Geister, Hexen und
+Gespenster sehen und – riechen. –
+
+=Beaumont= erzählt folgende zwei Geschichten von Doppelsehern:
+
+Eine Person von großer Gelehrsamkeit und vornehmen Stande reis’te einst
+mit vielen Dienern auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von ihnen
+ging etwas voraus, und indem er in ein Haus treten wollte, prallte er
+mit einem Schrei und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über einen
+Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was es gäbe? Da entgegnete er mit
+ernstem Gesicht: Man solle nicht in das Haus gehen, weil in kurzem
+ein Todter herausgetragen werden würde, denn verschiedene Personen,
+die solchen trugen, wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr lachte
+über diese Geisterseherei und ging in das Haus, erkundigte sich aber
+doch, ob eine kranke Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war
+keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder Highländer. Aber nichts
+destoweniger starb er am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende
+das Haus verlassen hatte.
+
+Die zweite Geschichte ist folgende:
+
+Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen Familie befanden,
+erzählten dem Autor, daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei
+Mannspersonen zur linken Hand stehen gesehen hätten. Sie nannten die
+Herren und zweifelten nicht, da diese gleichen Standes wären, die
+Tochter werde einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht den andern
+nach des Ersten Tode. Endlich erschien noch ein Dritter, der der
+Tochter am nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht, ob sie
+ihn schon genau beschreiben konnten. Nach einigen Monaten erschien der
+Dritte in wirklicher Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher
+übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf die Tochter, und beide
+leben auf der Insel Skye (nämlich im 16. Jahrhundert).
+
+
+
+
+=Der Poltergeist.=
+
+
+Manches Gespenster-Blendwerk würde sich in der wahren Gestalt zeigen,
+wenn ein unerschrockener Muth, dasselbe genau zu untersuchen, sich
+demselben näherte.
+
+In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit von Breteuil, bemerkte man
+ein oft wiederholtes Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob das
+ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich ein schreckenvolles Geheul
+hören ließ. Doch ereignete sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu
+bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den Tag Aller-Heiligen.
+Diese Beunruhigung erregte eine solche zaghafte Furcht, welche
+verursachte, daß Niemand den Muth hatte, diesen Ort zu bewohnen, bis
+auf den Pachter, der so glücklich war, von diesem Geiste nicht im
+Geringsten beleidigt zu werden, dahingegen Fremde, die dreist genug
+waren, daselbst zu schlafen, mit Schlägen so empfangen wurden, daß
+man die Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen konnte. Dieses
+Geisterspiel dauerte verschiedene Jahre, und that dem Besitzer, einem
+Präsidenten, beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter sein Landgut
+um einen sehr geringen Pacht überlassen mußte. Endlich bot er alle
+seine Kräfte auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür er die
+Sache mit vollem Rechte hielt, ein Ende zu machen. Daher reiste er um
+diejenige Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist geschäftig
+zu beweisen pflegte. Er legte sich in seinem Schlosse zu Bette, und
+gesellte neben sich noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die den
+ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten Lärm mit Pistolen auf
+den Geist Feuer zu geben. Allein nur in einer Kammer, die über des
+Präsidenten seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse und Lärmen, das
+dem Herumschleppen mit Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die
+Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten und beunruhigten
+ihn mit eifrigen Bitten, er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen,
+weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge. Ihre Erzählungen
+und ihre Bitten bewog die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen, sich
+nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere Untersuchung ihnen
+zu überlassen. Sie gingen auch Beide hinauf, mit der Pistole in der
+einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs sahen sie nichts, als
+einen dicken Rauch, nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis
+nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist in der Mitte sich in ganz
+schwarzer Gestalt darstellte und allerhand Sprünge machte, doch aber,
+wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und Dampfes, sich gar bald
+den Augen der Zuschauer wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer
+der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf dem Kopfe und einen
+Abscheu erregenden Schweif, so daß auch der eine Edelmann zur Retirade
+anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden sei; der andere war
+jedoch beherzter und erwiederte, der Rauch sei von Stückpulver, und
+die große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes erhelle
+schon daraus, daß er nicht einmal die Kühnheit und Macht habe, die
+Lichter auszublasen. Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte
+auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges los, mußte aber dennoch
+mit einiger Verwunderung wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung blieb
+und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn setzte, wodurch der Edelmann
+beinahe aus seiner Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich
+und ging dem Gespenste näher auf den Leib, um durch den Sinn des
+Gefühls mehreren Aufschluß in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da
+er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und Berühren auszuweichen
+suchte. Da er nun zu nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus und
+eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann leicht denken, daß diese
+Flucht des Edelmannes Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden Siege
+Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem Feinde nachsetzte, und der
+mannichfaltigen krummen Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst
+durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor, bis der Geist an einen
+Maierhof kam, den er offen fand und darin seine Zuflucht suchte. Doch
+stürzte er erst gegen die Mauer, wo der Edelmann selbigen zu erhaschen
+glaubte, obschon vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend
+nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute herbei, die an dem Orte, wo
+das Gespenst verschwunden zu sein schien, nachgraben mußten, wo er dann
+bald eine Thür zu einem verborgenen Gange gewahrte. Er stieg hinunter
+und fand seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten, daß man
+nicht hart fallen konnte, wenn man übereilt hineinsprang. Nun jagte er
+das Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit heraus zu gehen.
+Und siehe, es war der Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die
+gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse wirkungs- und kraftlos
+machte. Er wurde hierauf mit der Bedingung entlassen, daß er seinem
+Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte.
+
+ * * * * *
+
+Herr _Dr._ Jung tischt uns noch eine andere Geschichte eines
+=Poltergeistes= auf, wobei er, wie in seinem ganzen Werke, als
+=eifriger Vertheidiger= der Geister-Erscheinungen, Erklärungen giebt,
+welche dem gesunden Menschenverstand das Grab bauen müssen.
+
+Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen, sagt er, die das ernste
+göttliche Gericht auf lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen
+zum warnenden Beispiel, auf der Grenze zwischen dieser und jener Welt
+zu verweilen, bis ihr ewiges Schicksal entschieden ist (_sic!_).
+
+Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger und Handwerksmeister
+in einer Stadt schrieb mir vor ein Paar Jahren eine merkwürdige
+Geister-Erscheinung, die einem seiner Freunde begegnet, aber mit der
+es noch nicht ganz im Klaren ist, weswegen ich sie auch hier nicht ganz
+erzählen mag. –
+
+Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem Brief einer Geschichte,
+die er selbst erlebt hat; ich bat ihn, mir diese ausführlich
+mitzutheilen; hier folgt sie mit seinen eigenen Worten:
+
+Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem lieben unvergeßlichen Meister
+*** in *** in Arbeit, allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen zubrachte,
+ehe ich mich in die Schweiz, und zwar nach Basel in Arbeit begab. Da
+ich nun von Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen schwachen
+Spuren) gesehen hatte, so war ich Tag und Nacht nicht furchtsam,
+sondern jederzeit und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken. Da
+geschah es nun öfters spät in der Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer
+etwas zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch jedesmal im
+Finstern, für mich und meine Nebengesellen, gern verrichtete, und ich
+kann wohl sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch aber schon
+gehört hatte; das schrieb ich denn, weil ich von nichts wußte und
+von nichts wissen wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien,
+den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so mögen ungefähr fünf Wochen
+verflossen gewesen sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne ein
+Licht mitgenommen zu haben, von meiner Schlafkammer wieder herunter in
+die Stube kam, daß unsere damalige Magd D.... von St.... zu lächeln
+anfing, und dabei sagte: der L.... fürchtet sich doch nicht; geht doch
+einmal kecklich auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es wird ihm
+anders kommen, wenn ihm einmal unser Sackträger begegnet, oder sich
+recht hören läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich weiter
+nichts; übrigens ging mir doch ein großes Licht über die Furcht auf,
+die man für den Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies nämlich
+niemand einzeln, geschweige ohne Licht, außer mir, wagte. Daher merkte
+ich bald, daß man da ein Gespenst ahnen müsse.
+
+Nun war aber meine Spannung, =so etwas= auch zu sehen, oder von der
+Art, gründlich zu hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer
+lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache erfahren hatte. Nun waren
+die Osterfeiertage vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus,
+daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und wirklich geschah es
+auch; denn als ich einmal mit meinen Nebengesellen des Nachts in die
+Schlafkammer ging, so fing es über derselben, also auf dem vierten
+Boden (denn unsere Kammer war drei, und dieser Boden vier Treppen
+hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von jeher die meisten Unruhen
+gespürt worden waren, ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen,
+gerade so, als wenn einer ganz matt und mühsam in alten Pantoffeln
+einherschleicht, und in der Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während
+diesem waren alle drei Gesellen im Bett, und mein Schlafkammerad
+schlüpfte indessen so unter die Decke hinunter, daß nichts von ihm
+bemerkt werden konnte, ich aber behorchte die Sache genau und athmete
+kaum hörbar. Da sich nun das Geschlürfe von hinten her bis über
+unsere Bettstellen gezogen hatte, so that es auf einmal einen so
+fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere Bettstellen zitterten.
+Es war just ein Fall, als wenn einer, von der Last gedrückt, einen
+schweren Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen. Ich muß
+gestehen, daß ich noch nie einen solchen schauerlich dumpfen Fall
+gehört habe; unterdessen dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang
+fort, ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein Nebengeselle, der
+unter der Decke steckte, an, und sagte ganz leise: Du wirst verstehen,
+warum wir Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete ich laut, den
+will ich aber auch sehen, ehe ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht!
+sei doch still, Du machst uns alle noch unglücklich! Ich lachte, und
+war gerade im Begriff, aus dem Bette und hinauf zu steigen, aber er
+hielt mich und bat um alles willen, doch stille zu sein und bei ihm zu
+bleiben. Dies that ich ungern, doch nahm ich mir vor, es zu thun, wenn
+alle schlafen würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich schliefen
+wir ein.
+
+Des andern Morgens erzählten wir unserm Meister, was sich die Nacht
+zugetragen und was ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte es
+ohne Verwunderung an, und sagte mit einem besondern Nachdruck, der
+ihm ganz eigen war: Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind
+in unserm Hause nichts Neues, und waren einst die Ursache, daß es
+mein Großvater kaufen konnte. Er war aus M... in H... und auf der
+Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann einige Jahre zubrachte, ehe
+er sich entschloß, hier zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der
+damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann, war deswegen ausgezogen,
+und gesonnen, es dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater,
+ein religiöser und unerschrockener Mann, benutzte diesen Umstand und
+ging hin, es zu kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel, daß
+er es selbst besehen konnte; aber er selbst ging nicht mit, sondern
+überließ es ihm sogleich käuflich um einen sehr geringen Preis und
+erzählte ihm, warum das Haus so ins Unglück gekommen und was ihm von
+den Vorfahren her gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert
+Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von denen einer noch diese Stunde
+im Hause umherschwebe und des Nachts, besonders auf jenem Boden, die
+Menschen beunruhige. Die Ursache, warum? habe bisher Niemand erfahren
+können; aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters könne er in dem
+Hause selbst, so wie auch an den daran gebauten, wahrnehmen, z. B.
+Klostergemälde, Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren; und wenn er
+hinter dem Ofen in der mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die
+Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle erst diese Stube gemacht
+worden sein. (Dies alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie Ihr
+selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen hinderten meinen Großvater
+nicht; er zog ein und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von ihm, daß
+sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und ein solcher Fall im Hause habe
+hören lassen, aber so öfters und so heftig sei es damals nicht gewesen,
+auch habe er und die Seinigen nie etwas zu Gesicht bekommen, und schon
+damals war dem Unruhmacher der Name =Sackträger= gegeben worden. Unter
+diesen Umständen starb mein guter Großvater, und mein seliger Vater
+bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas lauter.
+
+Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens ***, das untere Stock zur
+Wohnung. Da dieser nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem Ofen
+stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte, hörte er endlich das
+schmale Gänglein herauf, das von der großen steinernen Kellertreppe in
+den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein leises Schlürfen, das ihm
+die nahe Ankunft eines lebenden Wesens verkündete und auch wirklich
+nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen, mit einer Kutte
+und einer ziemlich schwarzen Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen
+ihn herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu bleiben und etwa sein
+Begehren anzuhören, erschrak so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh,
+alles verschloß und verriegelte, sein Brod im Ofen stecken und, weil
+er vor hellem Tage nicht heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ.
+Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause. Hernach hat ihn in eben
+dieser Gestalt auch unser, auf diesem Boden wohnender Hausherr, der
+Weber gesehen, gerade als er die Steige des dritten Bodens auf den
+vierten hinaufschlich. Auch liegen des Webers Gesellen, die neben Eurer
+Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen Beunruhigungen willen,
+nicht mehr droben, sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch so
+ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer steht auch leer bis diesen Tag.
+Dieses ist es, sagte mein guter Meister, was ich von diesem Umstand
+zu reden weiß. Das war mir aber einstweilen schon genug, ich kannte
+ihn, daß er mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt war,
+sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen wäre, lieber nichts
+daraus gemacht hätte. Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich nun
+auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er nur nicht frech, wir wollen Ihm
+gewarnt haben. Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis ich
+wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören, allein es geschah
+nicht alle Nacht, sondern sehr unbestimmt.
+
+Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines lieben Meisters seliger
+Bruder, ein Zeugmacher, der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank,
+und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger ließ sich der
+Geist oben auf der Bühne hören, so daß ich über dem Anhören dieser
+übernatürlichen Bewegungen, Tönen und Fallen manche Stunde schlaflos
+zubrachte[28]. Dies sagten wir dann unserm Meister, dem ging es diesmal
+mehr zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte, besonders
+aber, als vollends mein Nebengesell, der Schaden an seiner Gesundheit
+angab, gehen wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich konnte,
+und er blieb dann auch wirklich bis folgende Weihnachten. Aber die
+Krankheit des lieben seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben
+an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende und ging ein zu seines
+Herrn Freude. Ich war bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind und
+bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle tragen in die dritte
+Kammer von der Stube abwärts, wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe
+dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen entzogen wurde. Des
+Abends, da ich vorher manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit meinem
+Nebengesellen zu Bette; aber was geschah? Jetzt ließ sich der Geist
+auf eine solche Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn ich daran
+denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt, so fing es wieder an,
+von hinten schwer und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei
+Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die Decke, allein diesmal
+nützte es nichts, denn diesen Vorgang hörten alle, weil es gleich
+darauf einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that, daß wieder
+alles zusammen zitterte. Ich behorchte es genau, und hörte, daß es nun
+eine Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s, als sich nach
+derselben ein Mark und Bein durchdringender hohler Seufzer hören ließ;
+diesen zu beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten, daß
+kein Mensch und keine Kreatur einen solchen kläglichen, trauer- und
+schauerlichen Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen, war
+es, wie wenn ein schwer Gefallener sich wieder allmälig aufzuraffen
+suchte und doch nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff des
+Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht und eine Pause wieder
+ohnmächtig da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern und dann
+wieder auszuglitschen, und darunter hinein die fürchterlichsten Seufzer
+hören zu lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören, und das
+Nämliche ließ sich auch in der zweiten Nacht hören.
+
+[28] Der Erzähler vergißt, daß er bei der nächsten Gelegenheit auf dem
+Boden gehen wollte. d. H.
+
+Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften Menschen hätte geschehen
+können, denn, wie gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und aus dem
+Hause wäre um alles in der Welt Niemand auf den Boden gegangen, und
+von außen konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des seligen Mannes
+sagten wir unserm Meister nun, was sich in den verflossenen Nächten
+ereignet habe. Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er erzählte
+die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath *** und dann auch
+dem Herrn Hofkaplan ***, besonders aber bezog er sich auf die letzten
+Unruhen. Allein diese ließen sich auf die Sache nur in so weit ein,
+daß sie den Schluß machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder so
+selig in jene Wohnungen übergegangen, es diesem noch unseligen Geiste
+sehr schmerzen müsse, daß er auf diese Weise noch hier schweben solle,
+das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die außerordentliche Unruhe
+über den Heimgang seines seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß er
+sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus sei zu schließen, daß
+seine Erlösung noch ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem
+lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend, weil er auf diese
+Art so bald keinen Ausgang hoffen durfte.
+
+Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden,
+des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der
+Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er,
+gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete
+laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem
+Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so
+sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber
+Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich,
+daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes
+zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas
+sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen
+Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte
+meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten
+Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war;
+aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter
+kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so
+sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener
+Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch
+öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer
+mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen.
+Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und
+seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre.
+– Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht;
+und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle
+that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell
+sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich
+bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß
+ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht
+von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w.
+aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als
+ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich
+hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich
+stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise
+aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute
+mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe
+und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der
+Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich
+her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben
+auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen
+dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in
+der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen,
+was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden
+wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang,
+der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so
+still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber
+während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen
+Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde
+mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir
+fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle
+drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht
+gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun;
+– aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um
+mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke
+des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr
+4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß
+alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand
+ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich;
+ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens;
+auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich
+können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere,
+aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause
+mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache
+erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem _Esse_ ist, doch sich
+nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses _Seculi_, und bei dem
+Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w.
+
+So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige Freund. –
+
+Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch noch einige Erklärungen
+des Herrn _Dr._ Jung hinzufügen.
+
+»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte er, da auch seine Absicht
+recht und gut war, nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die
+=Rebenbüschel= auseinander riß und also wahrscheinlich =die Dunsthülle
+des Geistes= mit seinen Händen durchwühlte; dies hätte =bösartige= und
+=gefährliche Geschwüre verursachen können=, die ihm das Leben gekostet
+hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist kein bösartiges,
+sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges, schwer leidendes Wesen zu
+sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben kann; =folglich= ist auch
+seine =Dunsthülle= nicht =entzündet= und =giftig=. Es kann aber auch
+sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein grauer Schatten in
+den Reißern sich verlor, seine =Hülle verließ und in sein Element
+zurückkehrte=.«
+
+Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr _Dr._ =Jung= frischweg die
+obige Erzählung und Geistererscheinungen glaubt; allein eine =solche=
+Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte nicht erwartet.
+
+Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig, daß sich der Geist
+zwei Mal in seiner Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht
+hoffe er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können, =nahm daher sein
+gewöhnliches Kostüm= an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte
+er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch so gern gesehen
+und mit ihm gesprochen hätte? – Antwort: Weil er sich für diesen
+muthigen frommen Menschen =fürchtete=; – vielleicht hatte dieser auch
+die =Eigenschaft= nicht, daß er ohne Gefahr auf ihn wirken und sein
+Ahnungsorgan entwickeln konnte.«
+
+Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt über den jetzigen
+Unglauben an Geistererscheinungen. Heißt dies nicht die vorige
+Dunkelheit wieder hervorrufen?
+
+Die ganze obige lange Erzählung ist ein Märchen, wie so viele andere,
+wo Geister in gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen die
+Absicht des Betrügers selten finden. Ein furchtsamer Mensch bleibt in
+keinem Hause, wo es spuken soll, und verkauft es lieber unterm Preis.
+Alle sogenannten Spukereien entstanden, wenn man =genau= untersuchte,
+entweder aus natürlichen Ursachen, oder waren =Betrug=. – _Dr._ Jung
+sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem Gesellen, weil er so
+muthig gewesen, =gefürchtet=. Dieser, als er noch nichts von dem Geiste
+erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen, Ratten und Mäuse;
+aber wie er von dem Sackträger hörte, gab ihm seine Einbildungskraft
+eine andere Richtung und er hörte mehr.
+
+Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen zu zergliedern, das jeder
+Vernünftige erkennt und in die Spinnstuben und Herbergen gehört.
+
+
+
+
+=Das Glockengeläute.=
+
+
+_Baxter_ in seinem historischen _Discours_ von Erscheinungen und Hexen
+erzählt unter andern Albernheiten auch folgende:
+
+Bei Herrn =Harlakenden= in Essex, in der Priorie, welches Haus vormals
+dem Grafen von Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes
+Begräbniß, über welchem eine Kammer war. In dieser schliefen zwei
+seiner Diener, der Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher.
+Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr der Klang eines
+=Glockengeläutes= hören. Da sie nun dieses bekräftigten, legte sich
+am Abend der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine Neugierde
+zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche
+Klang einer großen Glocke=, die geläutet wurde, vernehmen, welches ihn
+so in Furcht und Schweiß setzte, daß er seine Diener stieß, welche
+erwachend sagten: Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! – Dieses
+brachte ihn wieder zu sich selbst, da er sie reden hörte. – Bei einer
+besondern Gelegenheit brachte Herr Thomas Shepherd nebst einigen
+andern Kirchendienern und frommen Leuten eine Nacht im Gebet daselbst
+zu, indem er einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente, um den
+Teufel zu vertreiben. Und von dieser Zeit an wurde niemals wiederum
+dergleichen Getöse in der Kammer gehört. – Der Herr Urian muß großen
+Respekt vor Herrn Shepherd gehabt haben, sogleich abzuziehen. Seltsam
+ist es, daß nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer das Geläute
+hörten.
+
+Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte!
+
+
+
+
+Zwei Gespenster-Geschichten.
+
+
+I.
+
+Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser
+Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort
+angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern,
+die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit
+viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten
+Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die
+Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen
+zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist
+auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf
+dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter
+gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das
+Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen,
+rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin.
+Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch
+war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen
+konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf
+den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich
+bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft
+heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann.
+– »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein
+Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die
+größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß
+uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen.
+Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte
+nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im
+Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!«
+versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl.
+
+
+II.
+
+Der oben erwähnte _Dr._ =Jung= erzählt folgende
+Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger
+zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen:
+
+Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes:
+
+ =Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten
+ Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn
+ Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem
+ Tode gemißbraucht werde.=
+
+Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin _N. N._) nach meiner
+Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme,
+und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am
+2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen
+mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur,
+gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich
+wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir
+diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei?
+Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben.
+
+=Ich=: Wie heißest Du? =Antwort=: Nenne mich Immanuel! – Von nun an
+erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7,
+Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald
+schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche
+Bewegungen.
+
+Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem
+Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es
+denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer
+herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch
+daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir
+sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die
+ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen
+lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund
+von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der ***
+zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl.
+Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich
+geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel
+dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er
+weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein
+Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum =ich= ihn
+nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu
+bestimmt, so etwas zu sehen.
+
+Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren,
+die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes,
+den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß
+auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des
+Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß
+ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen
+Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann;
+allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den
+Kirchhof =illuminirt=.
+
+So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu:
+
+1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern
+Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach
+einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich
+Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart
+einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir
+aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte.
+Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau
+Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.
+
+2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese
+Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und =Stubendecke=
+hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner
+Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr.
+
+3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt
+spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen
+Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie
+weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich
+ausdrücken können, weiß ich nicht.
+
+Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:
+
+Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags
+Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an
+meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine
+schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet,
+einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den
+Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind
+zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und
+jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß
+die Klinke weit wegflog.
+
+Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags
+in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte
+sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom
+schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der
+schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf
+einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen
+Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst
+Niemand. So weit die Frau Pastorin.
+
+Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze
+wegen übergehe u. s. w.
+
+ *******
+ Pfarrer zu *****
+ den 21ten August 1807.
+
+Herr _Dr._ =Jung= glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern:
+Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse
+über das Geisterreich giebt; daß es keine leere =Vision= sei, was
+die Frau Pfarrerin sieht, =sondern daß sie wirklich Wesen aus dem
+Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen
+Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf
+den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt=. Auch das Wegspringen
+der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl,
+sind =Beweise= für das =wirkliche Dasein= des unglücklichen Geistes
+eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem
+Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt.
+Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet
+hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen
+Punkt kommt vieles an: =denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe,
+so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre
+Richtigkeit=. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste
+ihres Erlösers und Seligmachers im =Hades=. –
+
+Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten
+Jahrhundert etwas Tolleres schreiben!
+
+Wenn kein =Betrug= dabei Statt gefunden haben mag, da so viele
+Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit
+ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes:
+
+Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre
+Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte.
+
+Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der
+Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man
+alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder
+plötzlich, und man weiß nicht warum?
+
+Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren
+gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter
+geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das
+Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch
+gestoßen haben.
+
+Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht!
+
+In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!
+
+So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte
+an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der
+freilich liegen bleibt.
+
+Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern =heilige Feste feiern=,
+und =Illumination anstellen=, welches Herr _Dr._ Jung glaubt, weil
+die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem =Auferstehungskeim=
+überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht
+über alle menschlichen Begriffe!
+
+So ist das ganze Buch voll, und Herr _Dr._ =Jung= sagt noch: Es ist
+fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren
+Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen,
+daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben,
+sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich
+gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank
+geworden sind.
+
+=Geistige Geschwüre= erhält auch der Leser, wenn er durch den
+=schwarzen Geist seines Buches= geht!!!
+
+
+
+
+=Die Necromantisten.=
+
+
+Herr L. =Fischer= erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig
+1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte:
+
+Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie
+ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie
+versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten
+wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und
+dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären?
+Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu
+fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die
+gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die
+Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise:
+wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein.
+Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde
+den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die
+Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf
+welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei
+Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett
+gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen
+Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte,
+daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten
+Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die
+Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils
+auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte
+mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß
+im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen
+Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen
+und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen,
+ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang
+eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand
+sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der
+Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den
+Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen
+Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer
+sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch
+entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder
+zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür,
+schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und
+fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder
+ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm
+hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf
+den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich
+beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er
+eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch
+18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme:
+Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den
+Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der
+Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge
+nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles
+gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten
+es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es
+geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem
+grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde
+umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb,
+bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich,
+wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause.
+– Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte
+alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke
+gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil
+die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger,
+daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner
+Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den
+Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die
+Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er
+3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte
+Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem
+in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal,
+dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte
+Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr
+mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den
+Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne,
+die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem
+Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam
+aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten
+mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie
+verlaufene Barbiergesellen wären.
+
+
+
+
+Schwedenborg’s Betrügerei.
+
+
+Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772)
+seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst
+von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon
+damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er
+ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden
+hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß
+sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes,
+als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth
+und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte
+Graf F... die Sache.
+
+Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die
+Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen
+Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath
+und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und
+da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht
+geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu
+fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die
+Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen
+hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war;
+denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin
+ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen
+wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten
+ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in
+Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte
+des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen
+sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte
+darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr
+gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen
+Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und
+dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel
+zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu
+stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde.
+
+Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr
+_Dr._ Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg
+glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt.
+
+
+
+
+=Die Hexe.=
+
+
+=Remigius=[29] in seiner =Dämonolatrie= erzählt folgendes Faktum aus
+Inquisitions-Akten:
+
+[29] Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in
+sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe.
+
+Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus
+dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen
+Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten
+Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter
+der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen
+sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat
+die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung
+dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel
+war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz.
+Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen
+in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts
+gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer
+ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte
+die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen =ohne Salz=
+aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich
+gereicht wurde.
+
+Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind
+Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich
+ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem
+Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht
+einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der
+Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod
+betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich
+zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum
+Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt.
+
+Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.
+
+Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu,
+und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und
+den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr,
+da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier
+Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen,
+gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt.
+
+Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß
+weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren,
+sondern blos ihre =Rache= ausübten.
+
+In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein
+Inquisitor in Sicilien, _Ludovico a Parama_, bezeuget.
+
+
+
+
+=Hexen-Prozeß.=
+
+
+=Frommann= in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt:
+
+Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte
+dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir
+auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn
+oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften,
+oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel
+betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns
+bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und
+gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher
+doch Eure Meinung.
+
+Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns
+in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen
+rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich
+einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige
+Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich
+über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag
+mit Sicherheit zufahren. –
+
+Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater _pro_ und _contra_
+gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen
+schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist
+mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft,
+Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn
+ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben
+ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu
+zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten
+herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget.
+
+Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem
+Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung
+und Stillschweigen entgegen setzen.
+
+
+
+
+=Der Hexenmeister.=
+
+
+_Dr._ =Hauber= in seiner _Biblioth. magic._ XV. St. S. 215 erzählt:
+
+Ein Mathematikus zu =Aix= in der Provence stellte im Jahr 1664 ein
+Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin,
+und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen
+das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner
+Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene,
+die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr
+deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber
+wurde von der Kammer _de la Tournelle_ als ein Zauberer angesehen, und
+mit dem Skelete verbrannt!
+
+
+
+
+=Die gerettete Hexe.=
+
+
+Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich
+folgende Anekdote zu:
+
+Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie =weinen= wollten, wenn
+sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen,
+den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich
+wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere
+Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. –
+Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein –
+Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und
+rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war.
+
+
+
+
+=Die Hexenwage.=
+
+
+Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu =Oudewater= in
+Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der
+großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers
+und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren
+es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs
+Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin
+bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts
+Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.«
+
+
+
+
+=Die Behexte.=
+
+
+In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen
+inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von
+dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr
+wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen,
+und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare,
+Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette
+hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie
+in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen
+habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und
+andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission
+ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages
+der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum
+eine Menge krummer Nadeln =ohne Köpfe= heraus zu nehmen beschäftigt
+war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte
+öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe
+an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man
+brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und
+diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem
+Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an,
+und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach
+einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn
+man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission
+bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln
+an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar
+leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die
+Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im
+Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der
+Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den
+Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art
+Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien.
+Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete
+sie: =daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen,
+Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen
+wollen=!
+
+Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert?
+
+
+
+
+Bezauberung des Viehes.
+
+
+Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich
+dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich
+selbst ausgesogen haben.
+
+Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres
+1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank
+zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß
+sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich
+in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah
+mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am
+Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die
+Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging
+noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und
+brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte.
+
+Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen,
+daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden,
+als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen
+auspreßt.
+
+
+
+
+=Wind machen.=
+
+
+I.
+
+_=Olaeus Magnus=_ sagt, daß die alten Finnen und Isländer den Schiffern
+Wind machen könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich drei Knoten,
+mit dem Unterrichte, wenn sie den ersten auflösten, würden sie einen
+gelinden Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren, und
+wenn sie den dritten löseten, würden sie Sturm haben.
+
+Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so verändert sich der Wind
+sehr, daß also die Lootsen schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie
+ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau kennen und lustig rufen:
+Seid ruhig, wir haben den Wind ins Schnupftuch geknüpft!
+
+
+II.
+
+_=Dietmarus Blefkenius=_ in der Beschreibung Islands versichert, als er
+aus Island mit einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte ihm
+ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei Knoten gebunden, gegeben,
+mit der Erinnerung, wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches
+Wetter, solle er einen Knoten nach dem andern öffnen. Als sie nun
+ungefähr bis zum 20. September gefahren und schon Spanien im Gesichte
+hatten, wurde plötzlich Windstille, welche drei Tage anhielt. Da dachte
+er an sein Schnupftuch und löste einen Knoten auf, und bald darauf
+bekamen sie guten Wind. Da er aber noch etwas schwach ging, löste er
+den zweiten und dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in Lissabon
+waren.
+
+Sehr natürlich! denn nach einer Windstille erfolgt jedesmal Wind und
+Sturm, und ohne die Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein.
+
+
+
+
+=Hexenfahrt.=
+
+
+Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte schon viele Hexen verbrennen
+lassen, und fing endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas
+ausrichten könnten. Er ließ daher einige in eine Stube sperren und
+blieb selbst bei ihnen. Sie legten sich auf das Lager und schliefen
+ein. Als man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und sagten: Ei, Herr
+Amtmann, wie waren wir doch so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s,
+daß etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte, wie sie nicht aus
+der Stube gekommen wären, entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das
+sagen? War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese u. s. w. (Siehe
+_Paulus Frisius_ im kurzen Bericht, den ganzen Handel von der Zauberei
+belangend, _Cap._ 3)
+
+Also =Träume= wurden für Wahrheiten ausgegeben. – Diese Tollheit gehört
+ins Narrenhaus! Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu sagen, wenn sie
+Schaden gethan haben sollten.
+
+
+
+
+=Der gläubige Prediger.=
+
+
+Die Magd eines Predigers in Thüringen machte jedesmal, wenn sie Brod
+säuerte, einige Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses sah,
+verbot ihr solche abergläubische Dinge. Als die Magd aber, um ihr
+Recht zu behaupten, das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen
+hatte, wodurch das Brod unschmackhaft wurde, fragte der Herr sie um die
+Ursache, da doch sonst das Brod immer gut gewesen sei.
+
+Ich habe das Kreuz über den Teig nicht gemacht, antwortete die Magd. –
+Sie hatten es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei.
+
+Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’ künftig so viel Kreuze, als
+Du willst, nur gieb mir schmackhaftes Brod.
+
+Der =Betrug= ließ also den aufgeklärten Geistlichen, wenn auch nicht
+daran glauben, doch den Aberglauben geschehen.
+
+
+
+
+=Frei-Schützenkunst.=
+
+
+Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie Kugeln auf sich ohne
+Verletzung schießen lassen, täuschen mit einem Kunststückchen.
+Sie verfertigen nämlich Kugeln von dünnem Glas und füllen sie mit
+Quecksilber, wodurch sie das Ansehen und die Schwere einer Bleikugel
+erhalten. Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr geladen wird,
+zerstößt man sie mit dem Ladestocke, wodurch sie ihre Wirkung verliert.
+Andere haben noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen sie schnell in
+die Pistole stecken und, wenn sie geladen, wieder herausziehen und den
+geladenen Lauf in die Tasche praktiziren.
+
+=J. L. Hartmann= in seinem neuen Teufels-Stücklein (Frankfurt 1678.)
+erzählt unter Andern:
+
+Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge Albrecht zu Sachsen und
+überreichte ihm einen Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen,
+welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen sollte.
+
+Da will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen, entgegnete der Herzog,
+ließ ihn vor das Thor in das Feld führen, den magischen Knopf an den
+Hals hängen, zog sein Schwert und – durchstach den armen Juden.
+
+
+
+
+=Der Freischütz.=
+
+
+In den »Unterredungen von dem Reiche der Geister, fünfte Unterredung,
+Leipzig 1731.« wird Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt.
+
+Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser Schreiber, Namens Georg Schmidt,
+18 Jahre alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser hatte eine
+vertrauliche Bekanntschaft mit einem Bergjäger derselben Herrschaft,
+welcher nicht allein vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand,
+sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen wußte. Der Schreiber
+war ein guter Schütze im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer
+seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er einst zu dem Jäger, um
+sich bei demselben Raths zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu
+sein gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den 30sten Juli, am
+Abdous-Tage, in der Nacht mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen;
+alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen 60 treffen würden,
+wohin er zielen würde, drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären,
+müßten nothwendig fehlen.
+
+Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu gewinnen, eingenommen,
+konnte kaum die Zeit erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle, Form und
+was zu der Arbeit gehört, mit, und begab sich mit einbrechender Nacht
+auf einen Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen war. So bald man
+daselbst angekommen, machte der Jäger einen weiten Kreis mit seinem
+Waidmesser, und setzte gewisse Charaktere rings umher, welche der
+Schreiber aber nicht lesen konnte. Nachdem hieß der Jäger Letzteren
+in den Kreis treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen.
+Darauf befahl er ihm, daß er seine Kohlen und das Gießgeräthe vor sich
+hinlegen, und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen 11 und 12 Uhr
+mit seinem Gusse fertig sei; denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine
+Kugel daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein. Ferner ermahnte
+er ihn, sich durch nichts stören zu lassen, was ihm auch zu Gesichte
+käme, damit er sich nicht an der Arbeit hindern lasse.
+
+Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und befohlen, keinen Laut von
+sich zu geben, so stellten sie sich Rücken an Rücken und erwarteten
+die eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen zu schlagen,
+als die Kohlen von selbst zu glühen anfingen. Nun machten sie sich
+ans Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen, da kam ein
+altes Weib auf sie zu, welches mit hölzernen Kochlöffeln umhangen
+war, einen großen Lärm damit machte, und sie fragte, ob sie nichts
+von ihrer Waare gebrauchen könnten? – Sie aber fuhren stillschweigend
+fort zu gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich hörten
+sie das Rollen einiger Wagen, welche auch gerade auf sie zufuhren,
+und dann am Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem dieses
+Phantom vorüber, erschien ein Trupp Reiter, welcher ebenfalls über
+ihnen seinen Weg durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde Heer,
+mit Hörner-Klang, großem Geschrei und gehetztem Wilde, nebst Jägern
+und Hunden, welches abermals den Weg über ihnen wegnahm. Zuletzt kam
+einer auf einem schwarzen Pferde langsam vor den Kreis geritten, und
+fragte sie, was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in seiner Gegend
+vorgenommen hätten? – Da sie nun gleich mit dem Gießen fertig waren,
+so gab der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem Namen 63 Kugeln
+gegossen, von welchen drei Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns
+geben! – Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm die Gieß-Kelle nebst
+den gegossenen Kugeln geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir haben
+sie in Deinem Namen gegossen, und weil die Zeit noch nicht um ist,
+so bleiben sie unser. – Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas
+darauf, welches einen solchen penetranten Geruch von sich gab, daß
+Beide ohnmächtig zu Boden sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen.
+Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen, wo sich der Jäger, der
+solches schon gewohnt war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht
+von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf die Kugeln zusammen,
+und eilte in das nahe gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete, daß
+ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst aber nahm die Flucht durch
+das Salzburgsche Gebirge. –
+
+Als der halbtodte Schreiber in die Stadt gebracht worden war, kam er
+in gerichtliche Haft, wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen
+Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß eingeleitet. Das
+Urtheil brachte ihm das Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner
+Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe davon.
+
+Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen Oper von Weber: »Der
+Freischütz;« – dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei, die
+mit einem jungen, unerfahrenen Menschen leicht vorgenommen werden kann.
+Da die =Nebenumstände= der Geschichte fehlen, so können wir auch den
+=Betrug= nicht näher beleuchten.
+
+
+
+
+=Die Wünschelruthe.=
+
+
+Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem
+wohlhabenden Bauernburschen bekannt, und versicherte ihm, daß er durch
+sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie gingen hierauf
+an einen gewissen Ort, wo der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe
+schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in der nächsten Nacht um
+12 Uhr der Schatz gehoben werden könnte, wenn sie nur so viel Geld
+hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei. – Ich bin arm, sagte
+der Bergmann, und diese meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich
+durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich geworden bin. Die
+unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben
+lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler in der Tasche
+habe. Merken sie aber, daß ich weniger oder wohl gar nichts bei mir
+führe, so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn
+schon in Händen zu haben.
+
+Nun empfing er das verlangte Geld, welches der Bauer sich erspart
+hatte, es aber jetzt gern hergab, weil er dadurch mit einem Male reich
+zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder an den bestimmten Ort und
+fingen um zwölf Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas
+hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie
+er vorgab, sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit
+aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Bauer zu erkennen,
+daß kein Ungeweihter zugegen sein dürfte, wenn der Schatz gehoben
+würde. Dieser gehorchte zitternd dem Schatzgräber. – Allein der listige
+Bergmann schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam nicht wieder;
+während der Bauer in ein hitziges Fieber fiel und starb.
+
+
+
+
+=Die Wahrsagerin.=
+
+
+Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines Städtchens, und die Weiber
+weissagten den Leuten daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen zogen
+sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes Weib verspätete sich. Sie
+fragte daher auf dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor von ihr
+hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht wisse, welchen Weg die Zigeuner
+genommen hätten.
+
+Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder giebst, die ich Dir gestern
+gegeben habe, so will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd. Du weißt
+das nicht einmal, wo die Zigeuner so eben hingegangen sind, und Du
+unterstandest Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen zu
+wollen!
+
+
+
+
+=Der Kobold.=
+
+
+In dem Hause eines Predigers spielte eine Magd den Kobold eine Zeit
+lang. Es kam ihr zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig war
+und der Prediger nicht weit sehen konnte. Einst besuchte ein anderer
+Prediger diesen. Die Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ,
+wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie Kobolde zu thun pflegen,
+mit Steinen. Der fremde Prediger merkte sich die Gegend in der Stube,
+woher die Steinchen kamen, und gab Acht auf die Magd, doch so, daß sie
+es nicht merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus der Tasche holte
+und damit warf. Er bemerkte die geschwinde Handbewegung und den Wurf
+des Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und redete sie hart an. Sie
+kam bald außer Fassung, gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand
+ohne Gespensterbanner.
+
+
+
+
+=Schatzgräberei.=
+
+
+In der »Monatlichen Unterredung von dem Reiche der Geister« im VI.
+Stück, S. 733 ff., wird Folgendes erzählt:
+
+Zu Prag befand sich neben der alten St. Michaeliskirche in der Altstadt
+ein altes Kloster, welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt wurde.
+Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr des Abends ein alter Bauer an die
+Klosterpforte und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke. Als man ihm
+geöffnet und um sein Begehr gefragt, verlangte er den Vorsteher des
+Klosters zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer der Zeit war,
+und brachte ihn zu dem Vorsteher. Diesem machte er bekannt, daß er mit
+ihm in den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier vertraute
+Personen mit sich nehmen und, nebst andern nöthigen Werkzeugen zum
+Graben, auch einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher, auf
+einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute und ging mit dem Bauer in den
+Keller. Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen der Vorsteher
+nicht gedacht hatte, und klopfte an die Mauer, daß ein Stück nach dem
+andern nach und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen gebaute
+Thür zeigte. Sogleich legten Alle Hand an und eröffneten die Thür ohne
+große Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten, in welchem sie
+aber nichts fanden. Der Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben,
+wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf verlor er sich aus dem
+Gesichte.
+
+Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen nun an zu graben, stießen
+auf etwas Hartes, das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten sie
+der Wahrheit des verschwundenen Bauers oder Geistes. Da sie aber den
+harten Körper nicht allein aus der Erde bringen konnten, so wurden noch
+einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe diese ankamen, sah man eine =große
+Schlange= aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen ihnen in
+der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne jemand Schaden zuzufügen. Da
+die Gehilfen ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten sie einen
+=großen zinnernen Kasten=, in Gestalt eines =Sarges=, aus der Erde,
+welchen sie sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf gingen sie
+wieder hinab, um weiter nachzusuchen, und fanden eine =eiserne Truhe=
+mit drei großen Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu dem Sarge
+brachten und sich vergnügt zur Ruhe legten.
+
+Am andern Morgen wurden nun durch einen Schlosser die beiden Kasten
+geöffnet. In der Truhe fanden sie =schwarze Kohlen=, im Sarge ein
+Todtengerippe, und in der Asche eine güldene Kette und einen güldenen
+Ring mit einem Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde in die Moldau
+geworfen.
+
+Die Kohlen waren von den unterirdischen Geistern verwandelt worden,
+hieß es.
+
+Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei?
+
+
+
+
+Entdeckung der Geisterbeschwörer.
+
+
+Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und besonders in den
+Jahren 1819 bis 1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter Kreise,
+im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen vor, wodurch die
+Betrogenen an den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit
+aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber anstellte. Unter
+funfzehn Beispielen, von welchen die Criminalakten des Großherzoglich
+Weimarischen Criminal-Gerichts zu Weida sprechen und deren
+Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor _Dr._ =Bischoff= 1824
+in einem Werkchen »Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert u.
+s. w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur einige, und zwar die kürzesten,
+zur Warnung ebenfalls mittheilen.
+
+Die Handelsfrau =Juliana Sophia= D..., geb. B..mann, in Schleiz war in
+ihrer frühern Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei S... geäfft
+worden. Man hatte nämlich drei Mal nach ihr geworfen; aufgebracht
+hierüber, schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte ihr sodann
+zugerufen: sie werde noch in ihrem 64sten Jahre hier glücklich sein.
+– Dieser Vorfall war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand des
+Nachdenkens.
+
+Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause ihres Nachbars W... ein Schatz
+liege, und daß auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen Kriege
+viel Geld vergraben worden sei. Durch diese Sage fühlte sie sich in die
+Ueberzeugung versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei.
+
+Der Nachbar W... hatte in der Person des sogenannten Steudel-Müllers
+einen Mann gefunden, der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern hatte;
+sie sprach mit ihm über den Vorfall auf dem Schweinsberge, und erhielt
+das Versprechen, daß ihr zwei Männer zugeführt werden sollten, die
+schon große Thaten verrichtet hätten.
+
+Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er brachte =zwei katholische
+Geistliche= in die Wohnung der D... Man beschloß, den =Stammgeist= zu
+fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem Schweinsberge läge, und ob er
+der D... bestimmt sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe Stelle, wo
+man nach der D... geworfen hatte.
+
+Einer der Geistlichen zog ein Licht aus der Tasche, zündete es an
+und steckte es in die Erde. Dann ging er einige Mal um dieses Licht
+herum und sprach unverständliche Worte. Kaum hatte er geendet, als
+eine =glänzende Gestalt= sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr
+vernehmlichen Sprache erzählte: es liege hier an mehreren Orten Geld,
+es könne gehoben werden, man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage
+das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches 200 Rthlr. koste. Sei
+der Schatz glücklich gehoben, so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige
+katholische Kapelle bezahlt werden.
+
+Darauf betete der Geist einen Psalm und verschwand. Dann vernahm man im
+Holze ein solches Heulen und Wehklagen, daß die D... nicht wußte, was
+sie in der Angst ihres Herzens beginnen sollte.
+
+Man trat den Rückweg an, und da erfuhr dann die D... von den
+Geistlichen, daß die Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien, welche
+sich grämten und ärgerten, daß die Schätze verrathen worden wären.
+
+Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur Beischaffung des siebenten Buch
+Mosis, und der Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden 100 Rthlr.
+dazu zu legen. – Leider haben aber die Geistlichen das Buch nicht
+gebracht, und die D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben!
+
+Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren sechs Personen, nämlich:
+
+ 1) der Steudel-Müller,
+ 2) ein Sattler, }
+ 3) ein Schlosser, } aus Auma,
+ 4) ein Scribent, }
+ 5) ein Weib, }
+ 6) ein Landstreicher, Namens Klopfer.
+
+Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen vor. Bei der
+Beschwörung richteten indeß die im Gebüsch versteckten, der Sattler und
+der Scribent, die Geistermaschine[30] vor, welche das Weib regierte und
+die Fragen beantwortete, alsdann mit den Beiden das Wehklagen erhob
+und sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler theilten natürlich
+die Betrüger unter sich, und unterließen weitere Versuche, weil die
+D... wenig Vermögen hatte.
+
+[30] Sie ist eine Art Sack aus grober Leinwand, welche schwarz gefärbt
+ist. Vorn darauf ist eine magische Figur gemalt; der Sack hat oben und
+unten Reife, und inwendig brennen einige Lichter, welche die Figur
+erleuchten, und ein magisches Licht über den Kreis verbreiten. Werden
+die Lichter ausgelöscht, so ist die Figur verschwunden.
+
+
+
+
+=Ein zweites Beispiel.=
+
+
+Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen arbeitete gegen Johannis 1802
+auf seinen Feldern, als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und ihm
+einen Brief überreichte. H... erbrach das Siegel, las und staunte. Es
+wurde ihm von den Obern eines genannten Klosters gemeldet: »Daß in
+einem seiner Holzgrundstücke ein großer Schatz liege; daß ein Mönch
+abgesendet worden sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem H...,
+die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.«
+
+Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so erklärte der Ueberbringer: Der
+Mönch sei schon unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen und ihm
+sein Holzgrundstück zeigen.
+
+Die nahe Aussicht auf ein unerwartetes Glück machte einen so tiefen
+Eindruck auf H..., daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen Acker
+verließ und schnellen Schrittes auf dem Wege forteilte, den, nach der
+Angabe des Alten, der Mönch eingeschlagen hatte.
+
+Er traf den Wundermann, führte ihn in das bezeichnete Holzgrundstück,
+wo auch der keuchende Alte eintrat.
+
+Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo der Schatz vergraben lag,
+und forderte den H... auf, ein =Nösel Schnaps= zu holen, womit die
+Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine Wohnung, brachte das
+geistige Erweichungsmittel und mußte sich nun abermals entfernen.
+
+Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung, und es dauerte nicht lange,
+als auch der Mönch dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz
+gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte, betraten der Mönch, der
+alte Mann und H... den Weg nach dem Holzgrundstücke.
+
+Dort angelangt, zog der Mönch den magischen Kreis und sprach
+unverständliche Worte. Es entstand ein =Geräusch=, veranlaßt durch
+böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und nun erschien eine =weiße
+Gestalt= am Kreise, die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem
+Beschwörer zu sprechen.
+
+»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe aus 80,000 Rthlr., aus
+einer großen silbernen Monstranz und aus den zwölf Aposteln, massiv von
+Silber und in Lebensgröße. Er könne sehr leicht gehoben werden, wenn
+der Beschwörer den Zwang der Erde herbeigeschafft haben werde.«
+
+Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu bekommen sei? und erhielt die
+Antwort: »Morgen Mittag kommt eine Person in das Rathhaus zu O...feld,
+welche das Buch besitzt.«
+
+Der Geist wurde nun wieder abgedankt und der Rückweg in H...s Wohnung
+angetreten. Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn das Kloster
+nicht mit Geld versehen habe, obgleich es hätte wissen können, daß ohne
+Instrument kein Schatz zu heben sei.
+
+H... meinte jedoch, das habe gar nichts zu bedeuten, er sei schon im
+Stande, Geld zu schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen,
+welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition überlassen wolle. Der
+Mönch dankte für das gefällige Anerbieten und forderte den H... auf,
+morgen selbst mit nach O...feld zu gehen und auf jeden Fall die 200
+Laubthaler mitzunehmen.
+
+Das geschah. Man traf im Rathhause zu O...feld den beschriebenen Mann.
+Der Mönch ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte ihn aber zur
+Herausgabe des Buches nicht bewegen.
+
+Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche und ging; worüber H... ganz
+trostlos war, und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen.
+
+Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt, nochmals bearbeitet und
+endlich auch, nachdem H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu
+Herausgabe des Buches vermocht, welches H... in Empfang nahm.
+
+Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde, der ältliche Mann wurde
+durch Kopfweh genöthigt, nach O...feld zurück zu gehen, um sich in
+dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und nur der Mönch allein
+begleitete den H... nach Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch
+in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu verrichten, aber H... hat
+weder ihn, noch seinen Kameraden jemals wieder gesehen. –
+
+An dieser Betrügerei hatten vier Personen Theil genommen. Sie hatten
+nämlich erfahren, daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten
+sich daher, ihm einen Betrug zu spielen. Der Eine brachte den Brief,
+der Andere gab sich für einen Jesuiten aus, und =trank= den Branntwein,
+den er zur Erweichung der Erde bestimmte; ein Dritter spielte den
+Geist, und der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das er in einer
+Auktion für einen Groschen erhalten hatte, für 200 Laubthaler, welche
+die Betrüger unter sich verteilten.
+
+
+
+
+=Fragmente=
+
+ über
+ politisch-religiöse Sekten und Mystiker.
+
+
+
+
+Ueber Sekten überhaupt.
+
+
+Das Wort =Sekten= bezeichnet den Inbegriff von Personen, welche
+einer und derselben Lehre und gleichen Grundsätzen zugethan sind.
+Es giebt politische, philosophische und religiöse Sekten, aber auch
+politisch-religiöse.
+
+Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen und Ecstasen
+gegründet, und beschäftigen sich mit Uebungen, denen oft die
+Ueberspannung der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne eine bald
+mehr, bald weniger merkliche Richtung zu der Ungebundenheit giebt.
+Mehrere dieser Sekten wurden sogar von =Weibern= gestiftet.
+
+Heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime
+Ordenskünste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht und
+durch Vorspiegelung verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei,
+Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime Schrift und Wissenschaft
+der indischen und ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen
+– der große Bund der Pythagoräer, der aber schon in dem Sinne früher
+bestanden hatte – Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie
+für die Eingeweihten gegen die willkührliche Alleinherrschaft und die
+Herrschaft des Volkes entgegen zu setzen gesucht.
+
+Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen Orden und Wissenschaften
+mehrere; die Namen der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc. sind
+bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus spukt noch allenthalben.
+
+
+
+
+=Jesuiten.=
+
+
+Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus, Aufklärung, Philosophie und
+Irreligion, Wissenschaften und böotische Dummheit finden wir in der
+Hand des =Jesuitismus=, der durch alle Länder und Völker hindurch
+läuft, im Finstern schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer
+Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem ausführt,
+das nur der menschliche Geist erfinden kann.
+
+Und dieser Orden existirt?
+
+Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder restaurirt.
+
+Ist er nicht auszurotten?
+
+Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines Stammbaumes sind nicht zu
+finden. Nur ein Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre ein
+immerwährender Kampf gegen ihn!
+
+
+
+
+=Illuminaten.=
+
+
+Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste durch eine Bulle aufgehoben
+worden waren, und derjenige, welcher sie wieder herstellen würde,
+darin =verflucht= wurde, trat plötzlich eine Sekte auf, welcher man
+schreckliche Grundsätze schuld gab und die sich gegen die verborgenen
+Jesuiten verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten sich
+=Illuminaten=, oder =Erleuchtete=. Unter andern sollen sie gelehrt
+haben: der Selbstmord sei eine himmlische Wollust; des Ordens Wachsthum
+sei aus Gott, Vaterland und Gewissen; der Zweck heilige die Mittel;
+das Beste des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung, Todtschlag,
+Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion, kurz alles, was die Jesuiten gelehrt
+haben sollten. Man spürte diesen Orden schon in mehreren Landen, wußte
+aber seinen Hauptsitz nicht. In Baiern schien man mehr Spuren von ihm
+zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied zu entdecken und zu
+erkennen, bis die Jesuiten ihn verriethen und der Baierschen Regierung
+im Jahr 1785 anzeigten.
+
+Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind der Jesuiten und hegte
+neotorische Grundsätze, daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er
+nannte seine Zuhörer zuerst =Erleuchtete=, =Illuminaten=. Bald darauf
+sandte er einen Anhänger Namens =Zwakh= nach Augsburg, um das Geheimniß
+der Freimaurer zu erhalten, welches auch geschah; allein er erfuhr
+auch, daß die Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten. Hierauf
+ließ er durch den Marquis =de Constarza= den Freiherrn =von Knigge= zum
+Beistand einladen, der auch erschien und die Illuminaten zu Freimaurer
+rektifizirte. Er ging aber bald wieder ab.
+
+Der =erste= Grad dieses Ordens waren die =Minervaten=; sie bildeten das
+Noviziat, kannten Niemand und studirten fort.
+
+Im =zweiten= Grade hießen die Mitglieder =Freimaurer=, wo man auch
+nicht viel erfuhr, als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde. Die
+=Unbrauchbaren= blieben hier stehen!
+
+Im =dritten= Grade erschienen die =kleinen Illuminaten=; hierzu wurden
+die Tauglichen genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades und einen
+einzigen Obern.
+
+Im =vierten= Grade waren die =großen Illuminaten=. Sie hatten einige
+des ersten, zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht.
+
+Im =fünften= Grade waren die =dirigirenden Illuminaten= oder =Regenten=.
+
+Alle Mitglieder kannten die Obern nicht; letztere hießen daher auch
+die =Verschwundenen=. Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber
+nicht kannte, schrieb man: _quibus licet_, wenn man wollte, daß die
+Provinzenräthe ihn erhalten sollten; an die Provinzialen schrieb man:
+_Soli_, an den General _Primo_. Den Brief übergab jedes Ordensglied,
+er mochte _quibus licet_, _Soli_ oder _Primo_ gehören, seinem
+ihm bekannten Mitgliede, dieser dem nächsten, und so gingen alle
+Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise hinauf, und die
+Antworten und Befehle wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte,
+aus welcher Hand dieses alles kam.
+
+
+
+
+=Die Rosenkreuzer=
+
+
+wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bekannt. Ihr
+angeblicher Stifter hieß =Christian Rosenkreuz=; er hatte lange
+Zeit in den Pyramiden von Aegypten und im Orient gelebt, und dort
+göttliche Weisheit und Kunst erlernt, und dies sei schon im vierzehnten
+Jahrhundert geschehen. Der Zweck dieses geheimen Bundes war angeblich
+eine allgemeine Verbesserung der Kirche, so wie Gründung einer
+dauernden Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen. Allein man wollte
+den =Stein der Weisen= suchen, und ihre =Charlatane= und =Adepten=
+spukten lange in der Welt herum, bis sie in der letzten Hälfte des
+vorigen Jahrhunderts mit Cagliostro und Schröpfer verloschen.
+
+
+
+
+=Schröpfer,=
+
+
+welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leipzig lebte und
+großes Aufsehen durch seine Charlatanerie machte, war nichts als ein
+Betrüger. Er wollte den soliden Freimaurer-Orden reformiren, wurde aber
+dafür auf die Finger geklopft. Allein als =Geister-Beschwörer= errang
+er ein Ansehen bei Hohen und Niedern, und erwarb sich durch seine
+=optischen Zauberspiegel= und =Zauberlaternen=, durch narkotisches
+Räucherwerk und berauschende Getränke den Glauben seiner Jünger und
+Gönner und ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im Jahr 1774 aus
+Verzweiflung, da wahrscheinlich ein Plan einer geheimen Parthei nicht
+ausgeführt werden konnte.
+
+
+
+
+=Cagliostro=
+
+
+oder eigentlich _Giuseppe Balsamo_, in Palermo 1743 geboren, war
+anfangs in dem Orden der barmherzigen Brüder und widmete sich der
+Arzneiwissenschaft, wurde aber wegen Ausschweifungen aus dem Orden
+wieder gestoßen. Um sich zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit
+=Zauberkünsten= und =Schatzgräberei= zu täuschen. Bald darauf fand er
+in Calabrien ein schönes Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand
+bieten mußte, und er trat nun öffentlich als =Graf Cagliostro= auf. So
+durchflog er Spanien, Portugal, Frankreich, England, und erwarb sich
+durch seine Betrügereien und durch seine verschmitzte Frau ansehnliche
+Summen. Er verkaufte =Schönheitswasser= für alte und häßliche Frauen,
+und =Lebenstinkturen=, und seine Frau ihre – Tugend. Als aber
+dieser Handel zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer neuen
+Sekte werden, wurde deshalb in London Freimaurer, und erschien als
+=Wunderthäter=, =Magier=, und =kurirte Kranke unentgeltlich=. Auf diese
+Weise durchzog er wieder verschiedene Länder, war in Curland, dann in
+Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen Halsbandgeschichte in
+die Bastille kam. Daraus wieder entlassen, floh er nach London, von
+da in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789 wegen Freimaurerei
+und Ketzerei in die Engelsburg gesetzt und zuletzt zu einer
+lebenslänglichen Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse
+starb.
+
+
+
+
+Die Seherin von Prevorst,
+
+
+eigentlich =Friederike Hauffe= [geboren 1801 im Dorfe Prevorst bei
+Löwenstein im Würtembergischen], hat großes Aufsehen erregt und
+bedeutende Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit soll sich bei
+ihr das Ahnungsvermögen entwickelt und durch Träume kund gethan
+haben; die =Haselruthe= schlug ihr auf Wasser und Metalle an. [Hier
+muß der vernünftige Mann schon stutzen und die kommende Erzählung
+mitleidig-lächelnd erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff sie oft ein
+Wehegefühl und Frieren, und dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo
+Gräber waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich an gewissen
+Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen! Den ersten Geist sah sie in
+der Mitternacht im eignen großväterlichen Hause. [Da haben wir also die
+Geisterseherin schon als Kind; mit ihm werden wohl auch die Geister
+in dem zerrütteten Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre verheiratete
+sie sich, versank aber bald in eine unerklärliche Schwermuth, weinte
+Tage lang unter dem Dache des älterlichen Hauses und schlief, fünf
+Wochen lang, nie mehr. [_sic!_] Am Tage ihrer Verheiratung war das
+Leichenbegängnis des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld.
+Auf seinem Grabe wurde es ihr auf Einmal ganz leicht und hell, und in
+ihrem Innern ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar 1822 träumte
+ihr in der Nacht, als sollte sie sich zu Bette legen; aber da lag schon
+in demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach laut, weshalb ihr
+Mann sie weckte. Am andern Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn
+Tage lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald darauf brachen
+heftige Brustkrämpfe aus, welche später abwechselnd mit Blutflüssen
+und Kindbettfieber sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war nun so
+gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen hin Alles fühlte und
+hörte. [Das passirt Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um diese
+Zeit fühlte sie, daß sie =sieben= Tage lang jeden Abend um =sieben=
+Uhr ein =nur von ihr= gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie
+ihre Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen Leser!]
+Durch dieses geistige Magnetisiren in noch tieferen Schlaf gefallen,
+gab sie an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten sei. So wurde
+sie im Juni 1824 einer geregelten magnetischen Behandlung unterworfen.
+Ahnungsvolle Träume, Divinationen, Voraussehen in Glas- und
+Krystallspiegeln sprachen von ihrem aufgeregten Leben, so daß sie z.
+B. in einem Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand, Personen, die
+erst nach einer halben Stunde das Zimmer betraten, schon im Voraus sah.
+[Also auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte Behandlung
+so wohlthätig auf sie, daß sie ihre weiblichen Geschäfte wieder
+verrichten konnte und zuletzt blos alle =sieben= Wochen magnetisirt
+wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo sie künstlich entbunden werden
+mußte, verfiel sie wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen
+aller Art, und es stellte sich ein verstärkter magnetischer Zustand
+aufs Neue ein. Der Schlaf blieb aus, sie weinte die Nächte durch,
+hatte Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer abgezehrter und
+elender. Wenn in dieser Periode ein Freund, der oft um sie war, sie
+mit dem Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen berührte, sagte
+sie dem _Dr._ =Kerner= jedesmal einen Spruch, der auf ihn und seinen
+Seelenzustand Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken, diese Krankheit
+sei durch =dämonische Einflüsse= erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem
+als =Teufelsbanner= in Ruf stehenden Manne. [Dies ist also wirklich in
+unserm neunzehnten Jahrhunderte geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein
+grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze herumgedreht wurde, dann in
+Schlaf verfiel, in welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf Einmal
+eine, Allen fremde Sprache redete, die sie ihre innere nannte. [Warum
+hat man nicht eine =Grammatik=, oder wenigstens einen =Wegweiser=
+herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache erlernen!] Ein
+Amulet, das jener Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben,
+sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken vor mehreren Anwesenden
+über ihre Brust und Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß
+man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir glauben, daß über das laufende
+Amulet die Kinder lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer
+den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder giebt.] Endlich zog
+man den _Dr._ =Kerner= zu Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das
+Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben hat: »Die Seherin von
+Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das
+Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.« 2 Thle. Stuttgart 1832.
+
+Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde ein wahres Marterbild, für
+welches der Tod eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten brachten
+sie endlich, fast gegen den Willen des Arztes, nach Weinsberg, wo sie
+den 25. Novbr. 1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam. Der Arzt
+erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht mehr auf das, was sie im Schlafe
+spreche, Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches Verfahren
+homöopathischer Art fort; allein es war zu spät, und er mußte wieder
+zum Magnetismus seine Zuflucht nehmen. –
+
+Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser kranken Frau anführen; wer
+noch mehr davon wissen will, lese das oben angeführte Werk.
+
+Sie hatte beinahe keine organische Kraft mehr und lebte, wie sie
+selbst sagte, nur von dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so war
+der Geist der Metalle, der Pflanzen, der Menschen und der Thiere ihr
+fühlbar und wirkte auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr stets
+Kopfschmerz. Bei einem Gewitter =fühlte sie die Blitze immer früher,
+als Andere sie sahen, und zwar im Unterleibe=. [Sollte das nicht
+vielleicht statt =Blitze= – =Gewitter= heißen?] Aus der Luft, sagte
+sie, komme ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte ein Fenster
+bei Tage und bei Nacht, selbst in der strengsten Winterkälte, geöffnet
+bleiben; auch behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen
+sich die Geister bedienen, um sich hörbar und sichtbar zu machen [Nun
+wissen also die Leser, daß man Geister =sehen= kann]; sie hüllen sich
+in einen =Stoff=, der sich in der Luft befindet, ein. [Dieses ist sehr
+fein gegeben, aber der Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen
+vorbereitet.] Je höher man sie brachte, desto magnetischer wurde sie.
+So oft sie in das =rechte= Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in
+demselben hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde immer noch ein
+Bild, das aber weder dem Andern, noch ihrem eignen Bilde vollkommen
+glich; sie hielt es für das Bild des innern Menschen dessen, den
+sie ansah; bei Manchem erschien es ihr ernster, oder auch schöner,
+verklärter, als das äußere. In dem rechten Auge der Thiere sah sie ein
+blaues Flämmchen. Sie sah durch die Herzgrube, erkannte die innern
+Theile, besonders die leidenden Organe ihres Körpers, und sprach von
+einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie behauptete auch, die Bewohner
+der linken Seite des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen Dank,
+Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß, daß der Mond Bewohner und auch
+Zimmerleute, Maurer u. s. w., wie auf unserer Erde, habe. Aber wie
+sahen sie denn aus? Warum haben Sie keine Zeichnung oder wenigstens
+eine genaue Beschreibung geliefert?] Für die Krankheiten Anderer
+hatte sie ein so außerordentliches Gefühl, daß sie bei Annäherung
+eines Kranken, besonders nach dessen Berührung, alsbald die gleichen
+Empfindungen in denselben Teilen des Körpers erhielt, und zum größten
+Erstaunen des Kranken ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen
+konnte. [Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der den Patienten
+=gar nicht anrührte=, und doch sogleich die Leiden desselben wußte,
+denn seine Frau hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr
+Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.] So heilte diese kranke
+Frau auch eine Gräfin von M.
+
+Nun wollen wir auch Etwas von ihrer =Mystik= erzählen.
+
+Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin,
+wo ich erwache, wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich
+über die Brust verbreitet und gegen die linke Seite hin wie befestigt
+ist. Dieser Ring, welcher schwer und schmerzend ist, hat unter sich
+noch fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er hat zwölf Theile,
+und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser
+Zeit begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet wirkliche Sterne.
+Diese sind Wohnungen seliger Geister niedern Grades. [Wir verstehen
+die Madame nicht; liegt es an uns? In den =Gedärmen= des Leibes können
+wir uns solche Bilder nicht denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher,
+die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja die Bewohner des Mondes
+auf der linken Seite bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?] Der
+dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt ist noch heller,
+als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe,
+die, je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die =Gnadensonne=
+nennen. [_Sic!_] Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele
+andere Geister mit mir, und als bestehe Alles, was da lebt und webt,
+aus Fünkchen aus dieser Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus
+ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab,
+und Ihr ganzer Inhalt wird mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt,
+in welcher dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von
+den sieben Jahren enthalten ist. So kann man =nach dem Tode= in Einer
+Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem Tode in seinem eignen
+Körper? Ei! ei!] Der =Lebenskreis= ist kleiner, liegt unter ihm und
+hat 13¼ =Abtheilungen=. Er ist leicht, wie Luft und Geist. Im
+Mittelpunkte desselben liegt Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und
+das ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in
+diesem Lebenszirkel eine ganz andere, höhere; daher die Ahnungen, die
+in jedem Menschen von einer höhern Welt liegen. Auf diesem innern Ringe
+sehe ich meine =Gefühle= als Zahl und Zeichen stehen; es sind die
+Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung geht. Die eine Zahl,
+der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die
+irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann.
+Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige und kann bei
+jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und
+die himmlische. Beide Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der
+Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein
+Verhältniß zur Außenwelt; in der andern das Wort für jeden Einzelnen
+und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt. Allein dies
+ist nicht etwa eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern es bleibt
+ihm die Wahl zwischen dem Guten und Bösen; ergreift er aber das Böse
+durch eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben: so verliert er die
+Grundzahl, und ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim
+gestellt. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie die Grundzahl
+des Menschen übersteigen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl
+durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter.
+Für jede Sünde, jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl im
+Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses duldet, notirt dies, und
+nach dem Erwachen [dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt da
+steht, liegt dann Alles klar vor Einem, und es ist dann der eigene
+Geist des Menschen der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze
+Natur, durch Alles, was lebt und webt. – Beim Tode wird der Geist von
+der Seele, so wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht. Dann
+lößt sich auch die Seele; dies ist der Moment des Todeskampfes, wo aber
+selige Geister der Seele beistehen. [Da haben wir den =Astralgeist=,
+wie er lebt und webt! Wie kommt denn diese =kranke Person= dazu?] Der
+Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz richtig!], er verbindet
+die Seele mit dem Leibe, [also wieder ein Medium zwischen Seele und
+Körper?] und den Leib mit der Welt. Er geht mit der Seele nach dem
+Tode über und ist unzerstörbar. [Paracelsus sagt doch, daß sein
+=Astralgeist= zerstörbar sei; aber die =kranke Frau= will noch mehr
+haben! Was kann denn auch eine nervenschwache (zuweilen närrisch
+genannte) Frau kluges sprechen; dies wäre ja eine _contradictio in
+subjecto_.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische Hülle um den
+Geist [ob die Kranke schon die ätherische Hülle den Umstehenden genau
+beschrieben haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft im eigentlichen
+Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts in Nichts gesehen], und die
+Geister des Zwischenreichs [wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit
+seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen besondern
+Stoffes =Töne= hervorbringen, die =Schwerkraft= in den Körpern aufheben
+und sich den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam! das haben
+Sie vielleicht von =Hörensagen=; denn da Sie keine =Geographie=
+und =Geschichte= der Länder kennen sollen u. s. w., werden Sie
+wahrscheinlich auch die Geographie und Geschichte der Seele und des
+Körpers nicht kennen.] In reinen Menschen bleibt dieser Nervengeist
+in dem Körper zurück, sie können sich daher nicht =hörbar= machen und
+=spuken= nicht. – [Welcher Unsinn! oder wie es meine =denkenden Leser=
+nennen wollen!]
+
+Ich male mir, sagt diese =kranke Person= ferner, diese Gestalten
+nicht selbst aus. Ich habe nicht die mindeste Freude an ihnen, ich
+bin geplagt durch sie; auch denke ich nicht an sie, außer ich sehe
+sie [_Sic!_], =oder man fragt mich über sie=. Leider ist mein Leben
+so beschaffen, daß mein Geist in eine =Geisterwelt= schaut [nämlich
+in die =Intestinen= ihres Körpers!], die gleichsam auf unserer Erde
+ist, und so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern oft in
+großer Menge und von verschiedener Art. [Vielleicht von Baskiren- und
+Kalmucken-Art?] Mit vielen komme ich in gar keine Berührung [dieses mag
+die einzige Wahrheit sein!], andere wenden sich zu mir, ich rede mit
+ihnen [natürlich, in der Geistersprache!], und sie bleiben oft Monat
+lang in meinem Umgange. Ich sehe sie oft zu den verschiedensten Zeiten,
+bei Tage und bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und in allen
+Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen. Oft treten sie vor mein
+Bett und wecken mich, wo dann andere Personen, die bei mir schlafen,
+von ihnen träumen, ohne daß ich ihnen etwas über ihre Erscheinung
+gesagt hätte. [_Sic!_] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen Wolke; im
+Sommer aber und im Mondenscheine sehe ich sie heller, als im Dunkeln.
+[Dies mag Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske
+Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen Augen sehe ich
+sie nicht [wir auch nicht!], aber ich =fühle= ihre =Gegenwart=. [Wie
+ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist immer so, wie sie =wohl= im
+Leben war, aber wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt aus der
+Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!], nur farblos, grau; so auch
+ihre =Kleidung, wie sie wohl im Leben war= [welche Widersprüche!],
+aber wie aus einer Wolke; nur die =Bessern sind gleich gekleidet=,
+sie tragen ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem Gürtel um
+die Mitte des Leibes. Ihre =Gesichtsfarbe= ist auch ähnlich der der
+Lebenden, nur auch grau, meistens traurig und düster; die Augen sind
+hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah ich nie. Die Bessern erscheinen
+heller, die Bösen dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser,
+wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau hätten wir es nie
+gewußt!] Alle weibliche Wesen haben dieselbe Kopftracht, eine über die
+Stirn herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung. Der Gang der
+=Bessern= ist schwebend, die =Bösen treten schwerer auf=, so daß man
+sie zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen, Rauschen, wie mit
+Papier, durch Schlürfen, wie in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen,
+als ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit derer auf sich
+zu richten, die sie nicht sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie
+eine Trommel um, schlügen einen Marsch u. s. w., so würde man doch
+weit besser ihre Gegenwart erfahren.] Sie können aber auch schwere
+Dinge bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen, und je dunkler ein
+Geist ist, desto mehr spukhafte Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß
+hat die kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser Gesellschaft
+gezählt.] Oft saugen Geister, besonders dunklere, die religiösen
+Worte, welche ich sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch wie
+heller und leichter werden!! Diejenigen Geister, die meistens zu mir
+kommen, sind in den untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm
+Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche. Das sind =Geister,
+deren Geist= in diesem Leben theils durch Hinziehen nach der Außenwelt
+niederblieb [meint sie den Astralgeist?], theils solche, die nicht im
+Glauben an die Erlösung durch Christum starben [haben diese türkische
+oder chinesische Kleidung?], oder solche, denen noch irgend ein
+irdischer Gedanke an die Seele im Sterben anklebte, und der sie nun
+auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht die Besserung einzig aus
+sich selbst. Sie wollen, ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen
+und durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß die Bittenden nicht
+haben warten lassen.] Auch glauben sie [nämlich die Geister], das
+Aufdecken einer Unthat, die =auf ihrem Geiste= lastet, könnte ihnen
+Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß die Madame die Theorie der Geisterkunde
+studirt hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige Geister wenden,
+aber ihre =Schwere= zieht sie mehr zu den Menschen hin. – =Solche
+Hilfe= suchte bei ihr einer aus der Familie =Weiler= vom Lichtenberg,
+in Gestalt eines Ritters [ob er auch ein Schwert an der Seite gehabt
+hatte? Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben müssen,
+denn Geister sind keine Kleinigkeiten, man sieht sie nicht alle Tage!],
+ein Brudermörder, ferner ein Mönch =in einer Kutte=, [war dieser ein
+Karthäuser oder ein Kapuziner? Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein
+Mörder, nachher ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die Geschäfte
+des Kaufmanns F. zu dessen großem Nachtheile geführt hatte und wegen
+eines =Geheimbuches= [?] beunruhigt wurde, hierauf ein weiblicher
+Geist, aber nur kurze Zeit, nachher ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder
+eines Kindes, das sie im Stalle begraben hatten, und mit ihnen ein
+schwarzer Mann, der ihnen das Gift für das Kind gegeben hatte, dann
+ein großer Mann in einem =weißen Rocke=, der zwei Waisen um ihre Habe
+betrogen hatte; er brachte einen schwarzen, =feindlich gesinnten= Mann
+mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder vom Guten abzulenken
+suchte. Der Schwarze erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit
+großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig! wie _Dr._ =Fausts=
+Mephistophilus], und bald nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach
+diesen ein alter Mann mit einem langen Barte, einem Hute, ähnlich dem
+der Tyroler, kurzem Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen Dank!
+dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur hätten Sie, Madame, auch
+sagen sollen, was für Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen
+oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529 gestorben. Bald nach
+diesem eine noch dunklere Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind
+desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte. Auf diese folgte
+eine Lichtgestalt mit einer Glorie, der verstorbene Stiftsprediger T.
+zu Oberstenfeld, ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser Mann;
+dann zum Beschluß mehrere unbedeutende Geister. [Kann wohl des Unsinns
+mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen Sie nicht mehr,
+geehrte Leser, sondern bedauern Sie das gehirn- und nervenkranke Weib
+und diejenigen, die solche Dinge glauben!]
+
+Diese kranke Frau starb endlich den 5. August 1829; aber noch in der
+Todesstunde sah die Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen, =die
+auch Geister wahrnahm=, eine hohe, lichte Gestalt ins Zimmer treten,
+und in demselben Momente that die Sterbende einen heftigen Schrei der
+Freude. [Ob wir wohl die Schwester als zweite Auflage erhalten werden?]
+
+
+
+
+=Der Wunderdoktor.=
+
+
+Da wir einmal dem Lande Würtemberg so nahe sind, so kann zugleich,
+neben der Seherin von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor hier ein
+Plätzchen finden.
+
+Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt:
+
+Die Würtemberger Blätter berichten von einem neuen =Wunderdoktor=. Bei
+Ravensburg habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen Fall
+gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert und das Schlüsselbein
+zersprengt. Alles habe rath- und trostlos um den Unglücklichen
+gestanden, da habe ein Hufschmied sich erboten, er wolle die Kur
+übernehmen, und ohne Einrichtung, ohne Verband, und ganz wohlfeil habe
+er den Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller Krüppel sei,
+lahm, einhüftig, mit verwirrtem Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt.
+Das Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart!
+
+
+
+
+Prinz von Hohenlohe,
+
+der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts.
+
+
+Sein Titel ist: =Alexander Leopold=, Prinz von
+Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er ward geboren den 17. August
+1793 zu Kupferzell bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf Ludwig
+Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, war der Erste, welcher aus
+dieser Familie 1667 zur römischen Kirche übertrat, nachdem er =vorher
+von mancherlei Geisterbeschwörungen und Goldmacherkünsten umgeben
+gewesen war=. Seine Mutter war sehr andächtig und hatte ihn, als den
+Lieblingssohn, der Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung
+zum Militairstande und übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer
+in dem Convicte zu Schillingsfürst. Eilfjährig und bereits ganz dem
+geistlichen Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora zu studiren,
+in das Theresianum nach Wien; 1808 ging er nach Bern und 1810 nach
+Wien zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er daselbst in das
+erzbischöfliche Seminar für junge Priester, nachher in eine ähnliche
+Pflanzschule zu Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819 sein
+Gebetbuch »_Sacerdos catholicum in oratione et contemplatione etc._«
+widmete. Doch waren seine theologischen Studien durch Reisen und
+=Welterfahrungen= öfters unterbrochen, bis er 1814 nach Ellwangen
+zurückgerufen wurde, um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs
+Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst, auf der neuen Universität,
+besonders unter Leitung des General-Vicariathsraths und Professor der
+Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In diesem Jahre wurde er vom
+Metropolitanstift von Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing er
+schon an, =Bettler= und =wundersüchtige Frauen= aufzusuchen.
+
+Im Januar 1815 erhielt er die Weihe des Subdiaconats, und fing an,
+durch eine Predigt über die Bedeutung der heiligen Taufe und der
+Sterbekerze sein Talent zum Kanzelredner zu zeigen. Die Priesterweihe
+ertheilte ihm der Oheim den 16. September 1815. Das folgende Jahr
+reiste er nach Rom, wo er von den Jesuiten in ihrem Hauptsitze, auf
+dem _Monte Cavallo_, aufgenommen wurde, vom Cardinal Somaglia die
+Erlaubniß, in jeder Kirche Roms Messe zu lesen, erhielt, und sich im
+_Collegio Romano_ den englischen Jüngling, den heiligen Aloysius Gonga,
+zum Fürsprecher zu Erhaltung eines reinen Herzens erbat. Dann bekam
+er Wohnung und Kost im Jesuiter-Collegium. Hierauf begann er seine
+geistlichen Uebungen, wo er sich die Fragen »Hinterging dich die Welt,
+das Fleisch, der Satan? Ach schreckliche Zurückerinnerungen!!« ans Herz
+legte, sich besonders den heiligen Xaverius als den =Seeleneiferer=
+zum Patron wählte, und an dem alten Pater, Beichtiger Panisoni,
+bewunderte, =wie die heilige Pflanze der Keuschheit den Verstand gegen
+Stumpfheit kräftig schütze=, während er selbst glaubte, daß =heute
+alle die Sünden, die sein Herz beschweren, in das Meer der göttlichen
+Erbarmung geworfen waren=. Nachdem er Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität
+zum heiligen Paul geworden war, und die päpstliche Bevollmächtigung,
+Rosenkreuze, Crucifixe etc. jedesmal bis auf 3000 Stücke zu
+benediciren, erhalten hatte, verließ er 1817 Rom.
+
+Er kam unter andern auch nach München, wo man ihn aber bald der
+=Scheinheiligkeit= beschuldigte, und weil man in seinen Predigten einen
+untergelegten römischen Text zu bemerken glaubte. Selbst in Bamberg,
+wo ihn der König 1817 zum geistlichen Rath bei dem Generalvicariat
+ernannt hatte, verschrie man ihn schon als =Römling und als einen dem
+Jesuitismus und Obscurantismus Verschwornen=. Unter andern machte sich
+unser Mystiker durch eine Rede bekannt – »Was ist der Zeitgeist?« –
+die an die Kaiser Franz und Alexander, und an den König von Preußen
+gerichtet war. Er sagt darin: »nur der ächte Christ ist auch getreu
+gehorsamer Unterthan. Ein solcher aber ist ihm nur der =ächt-römische=!«
+
+_Dr._ Bergold, Pfarrer zu Hasfurt, brachte den Fürsten Hohenlohe in
+Bekanntschaft mit einem noch aus =Gaßners= Zeiten her, durch eine
+Jesuiten-Tradition enthusiasmirten, schon lange an ein begeisterndes
+Erbeten von Wunderkuren gewöhnten Bauer, =Martin Michel=, zu
+Unterwittighausen, einem badischen Orte an der baierisch-fränkischen
+Grenze. Von diesem faßte der Prinz den vielversprechenden Zuruf auf:
+daß doch er, der Priester, noch mehr Wunder zu erbeten vermögen
+müßte, als der Bauer. Der Versuch wurde gewagt, daß der Bauer im
+Beisein des Prinzen und Priesters einer Prinzessin, Mathilde von
+Schwarzenberg, welche der Mechanist Heine zu Würzburg wegen einer
+Rückgrats-Verschiebung seit acht Monaten durch Maschinen allmälig
+schon zum Sitzen und Stehen gebracht hatte und jetzt das Gehen selbst
+versuchen lassen wollte, im Vertrauen auf den =Namen Jesu und die
+heilige Dreifaltigkeit=, ohne Wissen des Arztes, zum Gehen aufforderte.
+Sie faßte auf Michels Zuspruch Glauben und Muth, und der Versuch
+entsprach. [_Sic!_] Seit dem Gelingen aber trat nun, weiterhin ohne
+dem Bauer, der Prinz-Domherr als der =Wunderthäter= hervor, wirkte
+zugleich durch =persönliche Haltung=, durch das Imposante eines
+priesterlichen Prinzen, durch seine Art von Predigten, durch =geist-=
+und =weltliche Verbindungen, Umgänge= u. s. w., und erregte schnell
+ein Zusammenströmen der Hilfsbedürftigen, von denen er gewöhnlich
+festen Glauben, auch die heilige Beichte forderte, alsdann über sie mit
+Anstrengung betete und sie – bald erschüttert, bald wirklich gebessert,
+bald mit guten Hoffnungen, oft aber auch mit der Verzweiflung, =daß ihr
+Glaube nicht stark genug sei= – entließ. Indeß gelang im Würzburger
+und Bamberger Hospital keine der vielen, von dem Prinzen versuchten
+Heilungen, und die Sanitäts-Polizei wurde befehligt, die Wunder nur in
+ihrer Gegenwart versuchen zu lassen und genau zu beobachten.
+
+Unmuthig (sagt der Schriftsteller, von dem wir diese Notizen nehmen)
+eilte der =Wundermann= ins Bad Brückenau. Man hörte aber nicht,
+daß dieses von Kranken leer geworden sei. Eine traurige Erklärung
+vielmehr, wie sehr sich die Augenkrankheit des Prinzen Friedrich von
+Hildburghausen (jetzt von Altenburg), da er aus Vertrauen auf das
+priesterliche Gebet keine Arzneimittel mehr gebrauchte, verschlimmert
+hatte, erschien unterm 1. September 1821 von Hildburghausen aus in den
+Zeitungen.
+
+Als nun die Aussichten der Wunderkuren des Prinzen =bedenklicher=
+wurden, legte er die Sache, als ein bloßes Phänomen von Folgen auf
+seine Gebete, den 16. Juli 1821 dem Papste selbst vor. Allein die
+Antwort des Papstes blieb in den Händen des Bischofs von Würzburg und
+ist uns nicht bekannt worden. Man war aber auch zu Rom behutsam genug,
+auf die Tridenter Synode, daß neue Wunder ohne Prüfung und Billigung
+des Bischofs nicht zugelassen werden sollten, und auf die Mirakel-Bulle
+von Benedict XIV. zu verweisen. Der Prinz war dort persönlich im
+Andenken, und meinen gleich Manche, die Person des Wundertäters thue
+gar nichts zur Sache, so zweifeln doch Andere, ob die Gottheit, um
+gegen die =Pest der Neuerer= seine Kirche durch Wunder siegend zu
+machen, den seiner Priesterthumskraft allzuviel zuschreibenden acht und
+zwanzigjährigen Bisthums-Canditaten gewählt habe. Andere gingen bis auf
+P. Gaßner, dessen Einfluß auf die Hohenlohische Nachbarschaft und den
+unabgerissenen Faden zurück, welcher die Sache an starken Verkehr mit
+den Jesuiten festknüpfte.
+
+Nach erhaltenen Winken von Rom wurde jetzt die ganze Sache nicht mehr
+Mirakel zum Beweis für die Kirche genannt, sondern blos priesterliches
+Gebet um Heilungen. Der von Brückenau zurück gekommene =Wunderbeter=
+erklärte aber auch sich selbst für erschöpft und verweigerte durchaus
+unter Aufsicht der Sanitäts-Polizei zu wirken. Reisen nach Wien und
+Ungarn entrückten ihn der allzusehr aufgeregten Beobachtung. Dafür
+ertheilte er aber jetzt =Scheine=, daß er für Kranke, die sich z. B. in
+Marseille und in Schottland an ihn gewendet haben, zu einer bestimmten
+Stunde Messe lesen und beten wolle, und daß sie in der =nämlichen
+Stunde= sich mit ihm in Gebet zu Gott vereinigen sollen.
+
+Ob nun das Andrängen an Gott, wenn es zu gleicher Zeit geschieht, auf
+die Gottheit oder auf das Vertrauen der armen Kranken um so wirksamer
+sei, darf man kaum fragen, weil in diesen Dingen alles Fragestellen
+an den Verstand dem Pestübel der Aufklärung ähnlich sein soll. Der
+Gedanke aber, auf die nämliche Stunde in weiter Entfernung ein Gebet zu
+bestellen, ist lächerlich, da, wenn von Bamberg aus zu Marseille ein
+Gebets-Verein Punkt acht Uhr bestellt ist, der zu Bamberg Betende lange
+geendiget haben wird, ehe der zu Marseille, der Stunde nach, beginnen
+kann.
+
+
+
+
+Bei dem Verleger dieses Werkes sind zu haben:
+
+
+ =Domänen=, die, nebst Bemerkungen zu der Schrift: Der Weimarische
+ Landtag von 1832. 8. geh. 4 gr.
+
+ =Inhalt.=
+ 1) Die Domänen und adeligen Güter.
+ 2) Die Vereinigung der Ober-Administrations-Behörden.
+ 3) Die souveräne Advokatenzunft.
+ 4) Die demagogische Kaserne.
+ 5) Die Weimarische Preßfreiheit.
+ 6) Die politische Kirche.
+
+ =Entwurf einer Advokaten-Ordnung= für das Großherzogthum S.
+ Weimar-Eisenach. 1832. 8. geh. 8 gr.
+
+ _=Gräbner, Dr. K.=, Frictions-Theorie. Ueber die Ursache der
+ Entstehung der Weltkörper-Atmosphären, deren Verschiedenheit in
+ Ausbrechung ihrer Lichtentwickelung u. s. w. Aphorismen zu einer
+ Hypothese der höhern Physik._ 1832. gr. 8. broschirt. 6 gr.
+
+ =Henß, Adam=, das politische Glaubensbekenntniß und die
+ staatsbürgerlichen Ansichten eines teutschen Bürgers und Handwerkers.
+ 1832. 8. geh. 6 gr.
+
+ =Inhalt.=
+ 1) Staat.
+ 2) Regierungsform.
+ 3) Volk.
+ 4) Vaterland.
+ 5) Volksvertretung.
+ 6) Rechtspflege.
+ 7) Gemeinde-Verwaltung.
+ 8) Polizei.
+ 9) Preßfreiheit.
+ 10) Reaction.
+ 11) Pfaffenthum.
+ 12) Juden.
+ 13) Staatsbürger.
+
+ =Heß, _Dr._ Mendel=, Großherzoglicher Landrabbiner, Predigt, gehalten
+ in Weimar, am 21. Jun. 1832. 8. geheftet. 2 gr.
+
+ =Heß, _Dr._ Mendel=, Confirmationsrede. 8. geh. 1 gr.
+
+ =Lentin=, _Dr._ Land-Thierarzt, Hausmittel für kranke Thiere, als
+ freundlicher Rath für Viehbesitzer. 1833. 8. geh. 18 gr.
+
+ =Romantik=, die, des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer Nomenklatur
+ der Romanschreiber von 1800 bis 1831, und einer Zahlangabe der
+ jährlich herausgekommenen Romane von 1700 bis 1831. Herausgegeben von
+ dem Verfasser der »Aphorismen über Schriftstellerei unserer Zeit.«
+ 1833. 8. geheftet. 1 Rthlr.
+
+
+=Romane.=
+
+ =Artemisio=, die Schauer-Ruine der alten Riesensteinburg, oder
+ Ritter-, Räuber- und Geistergeschichten der Vorzeit. 1833. 8. geh.
+ 20 gr.
+
+ =August=, Merlins Liebe und Zauberei. Phantasiestück. 1832. 8. geh.
+ 14 gr.
+
+ =Bartels=, Friedrich, das Bombardement von Antwerpen im Jahre 1830.
+ Historisch-romantisches Gemälde aus Belgiens neuester Geschichte.
+ 1833. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Bilder= aus dem Leben. Vom Verfasser der Novantiken. 1833. 8. geh.
+ 20 gr.
+
+ =Ditmar von Cromsdorf=, oder das =Moosweibchen=.
+ Historisch-romantische Erzählung des dreizehnten Jahrhunderts, von
+ dem Verfasser der Novantiken. 1834. 8. geh. 12 gr.
+
+ =Gräbner=, Karl, Novantiken. Bilder der Vergangenheit und Gegenwart.
+ Mit einer lithographirten Abbildung. 1833. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Jeremias=, Joseph, sonderbare Schicksale des Sängers Joseph Gradweg.
+ Ein curioser Roman. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr. 8 gr.
+
+ =Desselben= Hugo Raynald, oder das späte Glück. Historisch-romantische
+ Erzählung aus den Zeiten der lombardischen Kriege in den Jahren 1162
+ bis 1176. 1832. 8. geh. 20 gr.
+
+ =Insel=, die, historisch-romantische Erzählung aus Rußlands und Polens
+ Vorzeit. Vom Verfasser des Czar von Casimow. 1832. 8. geh. 20 gr.
+
+ =Märchen.= Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geheftet. 20 gr.
+
+ =Opitz=, Wilhelm, Paul Arner und seine Gesellen, oder die
+ Räuberhochzeit im Höllenthale. Roman für die Lesewelt jetziger Zeit,
+ nach biographischen Skizzen und Sagen aus dem letzten Jahrzehend des
+ vorigen Jahrhunderts. 1832. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Desselben= Uso von Drachenburg, oder die Entweihung der Todtengruft.
+ Ein Roman nach Sagen der Vorzeit des zwölften Jahrhunderts. 1833. 2
+ Bde. 8. 1 Rthlr. 16 gr.
+
+ =Querner=, Godofred, Volksmährchen. 1833. 3 Bände. 8. geh. 2 Rthlr.
+
+ =Renegat=, der, und die =Jesuiten= in den Jahren 1809 bis 1828. Eine
+ Geschichte voller Abentheuer. Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8.
+ geh. 20 gr.
+
+ =Schloß=, das geheimnißvolle, am See, oder die Verschwundenen. Ein
+ Roman aus neuerer Zeit. Von dem Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.
+ 22 gr.
+
+ =Schumann=, F. W., Curiositäten. Eine Sammlung von komischen Aufsätzen
+ und Druckfehlern, lächerlichen Bekanntmachungen, drolligen Briefen,
+ schnurrigen Einfällen und merkwürdigen Predigten u. s. w. Freunden des
+ Frohsinns und der guten Laune als ein Präservativ gegen die =Cholera=
+ gewidmet. 1832. 8. geheftet. 12 gr.
+
+ =Sneh, Mada=, die reisenden Handwerker. Ein romantisches Gemälde aus
+ der wirklichen und idealen Welt. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr.
+
+ =Spadolino Stefano=, der räthselhafte Räuber-Hauptmann in den
+ Umgegenden Roms. 1832. 8. geh. 22 gr.
+
+
+
+
+Taf. 1.
+
+
+Fig. 1.
+
+ 4 9 2
+ 3 5 7
+ 8 1 6
+
+[Illustration: Siegel des Saturns]
+
+
+Fig. 2.
+
+ 16 3 2 13
+ 5 10 11 8
+ 9 6 7 12
+ 4 15 14 1
+
+[Illustration: Siegel des Jupiters]
+
+
+Fig. 3.
+
+ 11 24 7 20 3
+ 4 12 25 8 16
+ 17 5 13 21 9
+ 10 18 1 14 22
+ 23 6 19 2 15
+
+[Illustration: Siegel des Mars]
+
+
+Fig. 4.
+
+ 6 32 3 34 35 1
+ 7 11 27 28 8 30
+ 19 14 16 15 23 24
+ 18 20 22 21 17 13
+ 25 29 10 9 26 12
+ 36 5 33 4 2 31
+
+[Illustration: Siegel der Sonne]
+
+
+
+
+Taf. 2.
+
+
+Fig. 5.
+
+ 22 47 16 41 10 35 4
+ 5 23 48 17 42 11 29
+ 30 6 24 49 18 36 12
+ 13 31 7 25 43 19 37
+ 38 14 32 1 26 44 20
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+
+[Illustration: Siegel der Venus]
+
+
+Fig. 6.
+
+ 8 58 59 5 4 62 63 1
+ 49 15 14 52 53 11 10 56
+ 41 23 22 44 45 19 18 48
+ 32 34 35 29 28 38 39 25
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+ 9 55 54 12 13 51 50 16
+ 64 2 3 61 60 6 7 57
+
+[Illustration: Siegel des Merkur]
+
+
+
+
+Taf. 3.
+
+
+Fig. 7.
+
+ 37 78 29 70 21 62 13 54 5
+ 6 38 79 30 71 22 63 14 46
+ 47 7 39 80 31 72 23 55 15
+ 16 48 8 40 81 32 64 24 56
+ 57 17 49 9 41 73 33 65 25
+ 26 58 18 50 1 42 74 34 66
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+ 36 68 19 60 11 52 3 44 76
+ 77 28 69 20 61 12 53 4 45
+
+[Illustration: Siegel des Mondes]
+
+
+Fig. 8.
+
+[Illustration: Wider die Feuersbrunst]
+
+
+
+
+Taf. 4.
+
+
+Fig. 9.
+
+[Illustration: Chiromantie]
+
+
+
+
+Taf. 5.
+
+
+Fig. 10.
+
+[Illustration: Zauberkreis]
+
+
+
+
+Taf. 6
+
+
+Fig. 11.
+
+[Illustration: Siegel der sieben Geister]
+
+
+Fig. 12.
+
+[Illustration: Pentaculum Salomonis]
+
+
+
+
+Taf. 7
+
+
+Fig. 13.
+
+[Illustration: Gürtel Salomons]
+
+
+Fig. 14.
+
+[Illustration: Zauberstab]
+
+
+
+
+Taf. 8
+
+
+Fig. 15.
+
+[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten]
+
+
+Fig. 16.
+
+[Illustration: Geisterfürst Marbuel]
+
+
+
+
+Taf. 9
+
+
+Fig. 17.
+
+[Illustration: Zeichen auf dem Mantel]
+
+
+Fig. 18.
+
+[Illustration: Zeichen auf der Hand]
+
+
+
+
+Taf. 10
+
+
+Fig. 19.
+
+[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten]
+
+
+Fig. 20.
+
+[Illustration: Geister von einem Schatz vertreiben]
+
+
+
+
+Liste korrigierter Druckfehler
+
+
+Im Inhaltsverzeichnis ab Seite iii waren mehrere Seitenzahlen falsch
+angegeben. Sie wurden folgendermaßen geändert:
+
+ „Vom Bannen und Festmachen“: Seite 44 korrigiert zu 45.
+ „Schatzgräberei“: Seite 96 korrigiert zu 97.
+ „Das Mutisheer“: Seite 126 korrigiert zu 127.
+ „Christnacht, helle und finstere“: Seite 114 korrigiert zu 115.
+ „Gespenst, das, im Hause“: Seite 134 korrigiert zu 133.
+
+Seite 2: „ine“ durch „eine“ ersetzt (Sie ist eine behende, reine Kunst
+ohne Ceremonie, ...)
+
+Seite 25 „_acculta_“ durch „_occulta_“ ersetzt (_Agrippa_ in seiner
+_occulta philosophia_ ...)
+
+Seite 32 „Hilfswurzbind,“ durch „Hilfswurz, bind“ ersetzt (... Mannstreu,
+Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit zusammen in Herzkraut, und ...)
+
+Seite 64: „un“ durch „und“ ersetzt (... ihre Länge, Züge, Lage,
+Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.)
+
+Seite 66: „Spases“ durch „Spaßes“ ersetzt (Des Spaßes wegen lasse man
+sich ...)
+
+Seite 170: „=gewönliche=“ durch „=gewöhnliche=“ ersetzt (Als es zwei
+Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche Klang einer großen Glocke=, die
+geläutet wurde, vernehmen, ...)
+
+Seite 177: „daß“ durch „das“ ersetzt (Die Besuche dieses Wesens, das
+sich Immanuel nennen läßt, ...)
+
+Seite 210: „Urthel“ durch „Urtheil“ ersetzt (Das Urtheil brachte ihm
+das Schwert; ...)
+
+Seite 230: „Aristrokratie“ durch „Aristokratie“ ersetzt (Alle diese
+hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten ...)
+
+Seite 258: „=Exsuiten=“ durch „=Ex-Jesuiten=“ ersetzt (... und
+übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer in dem Convicte zu
+Schillingsfürst.)
+
+Seite 265: „Brückenan“ durch „Brückenau“ ersetzt (Der von Brückenau
+zurück gekommene =Wunderbeter= ...)
+
+Taf. 1, Fig. 4: Im magischen Quadrat kam die Zahl 23 doppelt vor, sie
+wurde in der 1. Zeile, 2. Spalte durch 32 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 111 beträgt.
+
+Taf. 2, Fig. 5: Im magischen Quadrat kam die Zahl 28 doppelt vor, sie
+wurde in der 5. Zeile, 1. Spalte durch 38 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 175 beträgt.
+
+Taf. 3, Fig. 7: Im magischen Quadrat kam die Zahl 25 doppelt vor, sie
+wurde in der 8. Zeile, 6. Spalte durch 52 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 369 beträgt.
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***
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+ Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens | Project Gutenberg
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+
+
+
+/* Image: 93 x 800; w/h = 0.11625*/
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+ text-align: center;
+ page-break-inside: avoid;
+ max-width: 100%;
+}
+
+ /*float: left;*/
+ /*clear: left;*/
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+figure.inline{
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+
+/* comment out next line and uncomment the following one for floating figleft on ebookmaker output */
+
+
+div.inline{
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+}
+
+/* Footnotes */
+.footnotes {
+ border: 1px dashed;
+ background-color: #FAFAE6;
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+
+.footnote {
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+
+/* Poetry */
+/* uncomment the next line for centered poetry */
+/* .poetry-container {display: flex; justify-content: center;} */
+.poetry-container {
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+
+
+/* Transcriber's notes */
+.transnote {
+ background-color: #E6E6FA;
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+ /* font-size: 95%;*/
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+
+div.tn-list p{
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+ text-indent: 0;
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+
+ </style>
+</head>
+<body>
+<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***</div>
+
+
+<div class="transnote">
+
+<p class="s2 center">Anmerkungen zur Transkription:</p>
+
+<p class="s01">Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend
+übernommen, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+Die Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt; Textpassagen, die im
+Original in Antiqua gedruckt sind, wurden hier <em class="antiqua">kursiv</em> dargestellt.
+Gesperrt gedruckter Text erscheint je nach den Möglichkeiten des Lesegeräts
+<em class="gesperrt">gesperrt oder auch anders</em>. Am Ende des Textes befindet sich
+eine Liste korrigierter Druckfehler.</p>
+
+</div>
+
+<figure class="figcenter illowe32 x-ebookmaker-drop" id="cover">
+ <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt="Buchdeckel">
+</figure>
+
+<div class="newpage">
+<figure class="figcenter illowe32" id="frontispiece">
+ <a href="#Faust_Buch"><img class="w100 padtop3 padbot3" src="images/frontispiece.jpg" alt="Titelkupfer"></a>
+</figure>
+</div>
+
+
+
+
+<div class="chapter">
+<h1 class="mbot2">
+<span class="s1"><em class="gesperrt">Bilder</em></span><br>
+der<br>
+<span class="s2">Wunderkunst und des Aberglaubens.</span>
+</h1>
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center">Mit</p>
+<p class="s3 center">Berücksichtigung der sogenannten Zauberbücher</p>
+<p class="center">von</p>
+
+<p class="s2 center"><em class="antiqua">Albertus M., Dr. Faust, Paracelsus,<br>
+Trittheim, Agrippa u. a. m.</em></p>
+</div>
+
+<hr class="w20">
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center"><em class="gesperrt">Herausgegeben</em></p>
+<p class="s01 center">von</p>
+<p class="s3 center"><em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Karl Gräbner</em>.</p>
+</div>
+
+<hr class="w30">
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="p0 mleft30 mbot0"><em class="antiqua">Somnia, terrores magicos, miracula, sagas,<br>
+Nocturnos lemures, portentaque Thessala rides!</em></p>
+
+<p class="right mright15 mtop0 padbot5"><em class="antiqua"><i><span class="smcap">Horat.</span>
+lib. II. Epist. II.</i></em></p>
+</div>
+
+<hr class="full">
+
+<p class="center">Mit 20 bunten und schwarzen bildlichen Darstellungen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowe32" id="verzierung">
+ <img class="w100 padtop3 padbot3" src="images/verzierung.jpg" alt="Verzierung">
+</figure>
+
+
+<p class="s3 center">Weimar 1834.</p>
+<p class="center">Druck und Verlag von Karl Gräbner.</p>
+
+</div>
+
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_iii">[S. iii]</span></p>
+<hr class="full">
+
+<h2 class="padtop3" id="Inhalt"><span class="s3"><em class="gesperrt">Inhalt.</em></span></h2>
+</div>
+<hr class="w10">
+
+
+<p class="center s3">
+<em class="gesperrt">Erste Abtheilung.</em></p>
+
+<p class="center s4">
+<em class="gesperrt">Wunderkunst.</em></p>
+<table class="toc s01">
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td class="right">Seite</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Einleitung</td>
+ <td class="right"><a href="#Einleitung">1</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von den Gespenstern</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_den_Gespenstern">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Astral-Geist</td>
+ <td class="right"><a href="#Astral_Geist">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Necromantie</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Necromantie">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der sogenannten Hexerei</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_der_sogenannten_Hexerei">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Hexen-Sabbath</td>
+ <td class="right"><a href="#Hexensabbath">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von Elben, Holder und Hulderchen</td>
+ <td class="right"><a href="#Elben_Holder">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Wind- und Wettermachen</td>
+ <td class="right"><a href="#Wind_Wetter_machen">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexen-Salbe</td>
+ <td class="right"><a href="#Hexen_Salbe">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von Entzauberung und Amuletten</td>
+ <td class="right"><a href="#Entzauberung_Amulette">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von den Siegeln der Planeten</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_der_Planeten">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Das Siegel des Saturns</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Saturn">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Jupiters</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Jupiter">37</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Mars</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Mars">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Sonne</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Sonne">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Venus</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Venus">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Merkur</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Merkur">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>&ensp;&nbsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;"&ensp;&nbsp;Mondes</td>
+ <td class="right"><a href="#Siegel_Mond">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><span class="pagenum" id="Page_iv">[S. iv]</span>Der Heckethaler</td>
+ <td class="right"><a href="#Heckethaler">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Wehrwolf</td>
+ <td class="right"><a href="#Vom_Wehrwolf">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Bannen und Festmachen</td>
+ <td class="right"><a href="#Vom_Bannen_und_Festmachen">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Einen stehend zu machen</td>
+ <td class="right"><a href="#Einen_stehend_zu_machen">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Wider die Feuersbrunst</td>
+ <td class="right"><a href="#Wider_die_Feuersbrunst">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Feuersegen</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Feuersegen">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann</td>
+ <td class="right"><a href="#Blut_stillen">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger</td>
+ <td class="right"><a href="#Wurm_am_Finger">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Bannen des Wildes</td>
+ <td class="right"><a href="#Bannen_des_Wildes">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Frei-Schützenkunst</td>
+ <td class="right"><a href="#Frei_Schuetzenkunst_50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Das Noth-Hemd</td>
+ <td class="right"><a href="#Noth_Hemd">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der Waffensalbe</td>
+ <td class="right"><a href="#Waffensalbe">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der Wünschelruthe</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_der_Wuenschelruthe">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Springwurzel</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Springwurzel">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Alraunwurzel</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Alraunwurzel">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Das Sieblaufen, (<em class="antiqua">Oscinomantia</em>)</td>
+ <td class="right"><a href="#Das_Sieblaufen">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><em class="antiqua">Speculum Salomonis</em>, oder der Spiegel Salomons</td>
+ <td class="right"><a href="#Speculum_Salomonis">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Unsichtbarmachen</td>
+ <td class="right"><a href="#Vom_Unsichtbarmachen">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der Chiromantie</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_der_Chiromantie">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der Geomantie</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_der_Geomantie">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von der Onomantie oder Weissagung aus den Namen</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_der_Onomantie">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Von den Geistern</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_den_Geistern">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Berggeister</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Berggeister">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Kobold</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Kobold_78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Wassergeister</td>
+ <td class="right"><a href="#Wassergeister">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Das wüthende Heer</td>
+ <td class="right"><a href="#Das_wuethende_Heer">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vom Bannen der Geister</td>
+ <td class="right"><a href="#Vom_Bannen_der_Geister">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Zauberkreis</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Zauberkreis">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><span class="pagenum" id="Page_v">[S. v]</span>Beschwörungen</td>
+ <td class="right"><a href="#Beschwoerungen">86</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Mantelfahrt</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Mantelfahrt">95</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Schatzgräberei</td>
+ <td class="right"><a href="#Von_Schatzgraeberei">97</a></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<hr class="w30">
+
+<div class="newpage">
+<p class="center s3">
+<em class="gesperrt">Zweite Abtheilung.</em></p>
+<p class="center s4">
+<em class="gesperrt">Vom Aberglauben.</em></p>
+</div>
+
+<table class="toc s01">
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td class="right">Seite</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Acker, wer darauf säen will</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_116_2">116</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Ahnung beim Scharfrichter</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_121_1">121</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Alpdrücken</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_128_3">128</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Basilisk, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_122_1">122</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Bibel befragen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_127_2">127</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Blei gießen in der Christnacht</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_114_3">114</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Christnacht, helle und finstere</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_115_1">115</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Dreifuß, keinen leeren auf dem Feuer stehen lassen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_107_1">107</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_120_1">120</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Exorcismus</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_125_3">125</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Finger, mit diesem soll man nicht nach dem Himmel zeigen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_106_2">106</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Fistel-Heilung</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_129_1">129</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Gevattern, wenn sie über ein Wasser kommen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_109_1">109</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Guckuk, im Frühjahre schreien hören</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_105_1">105</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Haase, wenn er über den Weg läuft</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_113_2">113</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Haselstock thut Wunder</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_128_2">128</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Jäger-Kunststückchen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_112_1">112</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Jüdel, das</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_119_1">119</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Johanniskraut, dessen Kraft</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_113_1">113</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><span class="pagenum" id="Page_vi">[S. vi]</span>Kehrig, über dasselbe gehen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_106_1">106</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kinder leicht reden zu lehren</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_117_1">117</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kinderspiele auf den Straßen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_110_2">110</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kleeblatt, vierblätteriges</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_110_3">110</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kopf, ohne, in der Christnacht</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_112_2">112</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Köpfe, drei, an den Menschen zu machen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_111_2">111</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Korn, dessen jährlichen Preis zu erfahren</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_117_3">117</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kröpfe zu heilen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_108_1">108</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Lichter, wenn sie auf dem Altar auslöschen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_112_3">112</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Mann, ob die Mädchen in diesem Jahre einen erhalten</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_110_1">110</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Mutisheer, das</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_127_1">127</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Nasenbluten zu stillen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_128_1">128</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Osterwasser holen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_120_2">120</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Schuhwerfen, das</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_108_2">108</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Spiegel, in diesen soll man des Nachts nicht sehen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_111_1">111</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Stube, in derselben soll man sich niedersetzen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_117_2">117</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Sympathie zwischen Todten und Lebendigen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_116_1">116</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Todte, welche schmatzen</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_124_1">124</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Todtenuhr, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_123_1">123</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Umkehren, das, ist nicht gut</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_114_1">114</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vampyr, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_125_1">125</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Vieh beschreien</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_126_1">126</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Weib, ein altes, wenn es einem begegnet</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_114_2">114</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Worte, gefrorne und eingeschlossene</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_121_2">121</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Zahl 13, die ominöse</td>
+ <td class="right"><a href="#Page_125_2">125</a></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<hr class="w30">
+
+<div class="newpage">
+<p><span class="pagenum" id="Page_vii">[S. vii]</span></p>
+
+<p class="center s3"><em class="gesperrt">Dritte Abtheilung.</em></p>
+<p class="center s4">
+<em class="gesperrt">Erzählungen von Geister- und Gespenster-Erscheinungen,
+mit hie und da eingestreuten
+natürlichen Erklärungen.</em></p>
+
+</div>
+
+<table class="toc s01">
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td class="right">Seite</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Anzeigen des Todes</td>
+ <td class="right"><a href="#Anzeigen_des_Todes">134</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Behexte, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Behexte">197</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Bezauberung des Viehes</td>
+ <td class="right"><a href="#Bezauberung_des_Viehes">200</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Doppelsehen, das</td>
+ <td class="right"><a href="#Vom_Doppelsehen">144</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Entdeckung der Geisterbeschwörer im 19. Jahrhundert</td>
+ <td class="right"><a href="#Entdeckung_der_Geisterbeschwoerer">218</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Freischütz, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Freischuetz">206</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Frei-Schützenkunst</td>
+ <td class="right"><a href="#Frei_Schuetzenkunst_205">205</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Gespenster-Geschichten</td>
+ <td class="right"><a href="#Gespenster_Geschichten">172</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Gespenst, das, im Hause</td>
+ <td class="right"><a href="#Das_Gespenst_im_Hause">133</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Glockengeläute, das</td>
+ <td class="right"><a href="#Das_Glockengelaeute">170</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexe, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Hexe">190</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexenprozeß</td>
+ <td class="right"><a href="#Hexen_Prozess">193</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexenmeister, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Hexenmeister">195</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexe, die gerettete</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_gerettete_Hexe">196</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexenwaage, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Hexenwage">197</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Hexenfahrt, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Hexenfahrt">203</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Kobold, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Kobold_214">214</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Necromantisten, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Necromantisten">183</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Prediger, der gläubige</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_glaeubige_Prediger">204</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Poltergeist, der</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Poltergeist">147</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Schatzgräberei</td>
+ <td class="right"><a href="#Schatzgraeberei">215</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Sehen seiner selbst</td>
+ <td class="right"><a href="#Das_Sehen_seiner_selbst">141</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Schwedenborg’s Betrügerei</td>
+ <td class="right"><a href="#Schwedenborgs_Betruegerei">188</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><span class="pagenum" id="Page_viii">[S. viii]</span>Wahrsagerin, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Wahrsagerin">213</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Wind machen</td>
+ <td class="right"><a href="#Wind_machen">201</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Wünschelruthe, die</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Wuenschelruthe">211</a></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<hr class="w30">
+
+<div class="newpage">
+<p class="center s3">
+<em class="gesperrt">Fragmente</em></p>
+<p class="center s4">
+<em class="gesperrt">über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.</em></p>
+</div>
+
+<table class="toc s01">
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td class="right">Seite</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Ueber Sekten überhaupt</td>
+ <td class="right"><a href="#Ueber_Sekten_ueberhaupt">229</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Jesuiten</td>
+ <td class="right"><a href="#Jesuiten">231</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Illuminaten</td>
+ <td class="right"><a href="#Illuminaten">232</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Rosenkreuzer</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Rosenkreuzer">235</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Schröpfer</td>
+ <td class="right"><a href="#Schroepfer">236</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Cagliostro</td>
+ <td class="right"><a href="#Cagliostro">237</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Die Seherin von Prevorst</td>
+ <td class="right"><a href="#Die_Seherin_von_Prevorst">239</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Der Wunderdoktor</td>
+ <td class="right"><a href="#Der_Wunderdoktor">257</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>Prinz von Hohenlohe</td>
+ <td class="right"><a href="#Prinz_von_Hohenlohe">258</a></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<hr class="w30 padbot5">
+
+
+
+
+<div class="chapter padbot5">
+<p class="s3 center"><em class="gesperrt">Erste Abtheilung.</em></p>
+
+<hr class="w15">
+
+<h2 id="Erste_Abtheilung"><em class="gesperrt">Die Wunderkunst.</em></h2>
+<hr class="w30">
+</div>
+
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_1">[S. 1]</span></p>
+<hr class="full padbot3">
+
+<h3 id="Einleitung"><em class="gesperrt">Einleitung.</em></h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der
+Natur, wodurch man die verborgenen Geheimnisse
+derselben untersucht, zu ergründen strebt, um dadurch
+einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört in die
+Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der <em class="gesperrt">natürlichen
+Wunderkunst</em>, oder <em class="gesperrt">Magie</em> – Eine sogenannte
+<em class="gesperrt">Zauberkunst</em>, wobei Geisterbeschwörungen,
+Charaktere und andere übernatürliche Dinge
+vorkommen, giebt es nicht!</p>
+
+<p>Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von
+<em class="gesperrt">Sympathie</em> und <em class="gesperrt">Antipathie</em>, deren Unerklärliches,
+auf einer gewissen Stufe der Cultur, erzeugte
+den <em class="gesperrt">Aberglauben</em>. So auch die Begierde, <em class="gesperrt">in
+die Zukunft zu schauen</em>, um sich solche nach
+Willkühr anzueignen, und endlich das Bestreben,<span class="pagenum" id="Page_2">[S. 2]</span>
+<em class="gesperrt">höhere Wesen</em> (wenn der Mensch sie ahnet) in
+seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen,
+um durch diese zu erlangen, was man durch
+eigne Kraft nicht möglich machen kann – Das sind
+wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und
+der nächste Ursprung des <em class="gesperrt">Zauber-Aberglaubens</em>
+alter und neuer Zeiten gewesen.</p>
+
+<p>Bei allen Völkern gab es sogenannte <em class="antiqua">Magi</em> oder
+Weise: die Griechen und Römer nannten sie <em class="gesperrt">Philosophen</em>,
+die Indier <em class="gesperrt">Braminen</em>, die Celten und
+Gallier <em class="gesperrt">Druiden</em>, <em class="gesperrt">Barden</em>; bei den Aegyptiern
+waren es die <em class="gesperrt">Priester</em>, bei den Juden die <em class="gesperrt">Cabbalisten</em>
+und <em class="gesperrt">Propheten</em>. Noch finden wir Verehrer
+der Magie: den <em class="antiqua">Angekok</em> in Grönland, den
+<em class="antiqua">Schaman</em> in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer,
+den <em class="antiqua">Wogulitze</em>, und den <em class="antiqua">Abipone</em> in Paraguay;
+in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf
+den Caraiben die <em class="antiqua">Playen</em>, in Afrika bei den Kafern
+und Hottentoten die <em class="antiqua">Gangas</em> oder <em class="antiqua">Fetischirer</em>, die
+<em class="antiqua">Singhilis</em> der <em class="antiqua">Gager</em>, die <em class="antiqua">Mirabus</em> in Madagaskar
+u. s. w. Aber Allen liegt nur eine <em class="gesperrt">Hauptidee</em>
+zum Grund, welche Alle leitet und beherrscht. –</p>
+
+<p>Der berühmte, auch marktschreiersche <em class="antiqua">Theoph.
+Paracelsus</em> sagt von der Magie überhaupt: »Sie
+ist <span id="Page_2_1">eine</span> behende, reine Kunst ohne Ceremonie, Beschwörungen,<span class="pagenum" id="Page_3">[S. 3]</span>
+Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider,
+Kerzen, Licht, Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk,
+Charakter, Stiften, Bücher, ohne die <em class="antiqua">Pentacula</em>,
+die <em class="antiqua">Sigilla Salomonis</em>, ohne Krone, Scepter,
+Gürtel, Ring u. s. w. Nur die <em class="antiqua">Necromantie</em>
+hat mit diesen Dingen zu thun. Die Magie gebraucht
+allein den <em class="gesperrt">Glauben</em>, der Berge versetzt.
+Aber wenn sie gemißbraucht wird, mag auch Zauberei
+daraus geboren werden.« – Gleich darauf
+theilt er aber seine Magie in 6 Species ein:</p>
+
+<p>1) <em class="antiqua">Magica artis</em>, Auslegung übernatürlicher
+Dinge.</p>
+
+<p>2) <em class="antiqua">M. Transfigurativa</em>, Transformirung von
+einem Leib in den andern, wie es zu Mosis Zeiten
+geschehen ist.</p>
+
+<p>3) <em class="antiqua">M. Characteralis</em> lehrt Wörter machen,
+welche so viel wirken als des Arztes Arzenei.</p>
+
+<p>4) <em class="antiqua">Gamaheos</em>, welches thut, was natürliche
+Instrumente thun, z. B. ein Schlüssel öffnet ein
+Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie
+macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar
+macht.</p>
+
+<p>5) <em class="antiqua">Altera in Altera</em>, Bilder zu machen, welche
+andern Menschen gleichen. Durch diese Bilder<span class="pagenum" id="Page_4">[S. 4]</span>
+kann man demjenigen, den es vorstellt, alles anthun,
+ohne ihn zu berühren.</p>
+
+<p>6) <em class="antiqua">Ars Cabalistica.</em> Z. B. es kann Einer im
+Occident mit einem Andern im Orient reden; denn
+was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das
+kann diese Kunst 100 Meilen.</p>
+
+<p>Ist unser <em class="antiqua">Paracelsus</em> hier nicht über die Grenze
+der Natur geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß
+nichts helfen wird! – In seiner <em class="antiqua">Necromantie</em>
+lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu
+machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne
+Versuche gemacht habe.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Tharsander</em>, in seiner <em class="antiqua">Magia Naturalis</em>, sagt:
+die Magie soll eine Wissenschaft geheimer Dinge
+und der verborgenen Kräfte in der Natur sein, wodurch
+man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten,
+und solche Wirkungen hervorbringen kann,
+welche übernatürlich zu sein scheinen. Sie wird eingetheilt
+in die <em class="gesperrt">Teuflische</em> und <em class="gesperrt">Natürliche</em>.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teuflische</em>, welche auch
+<em class="antiqua">ceremonialis</em><a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a>
+genannt wird, ist eine geheime Wissenschaft, sich mit
+den Geistern bekannt zu machen und durch deren<span class="pagenum" id="Page_5">[S. 5]</span>
+Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten.
+Sie führt sonst den Namen <em class="gesperrt">Zauberei</em>.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">natürliche
+Magie</em><a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a> ist eine Wissenschaft
+der natürlichen Dinge und ihrer verborgenen,
+theils wider einander streitenden Kräfte und Eigenschaften,
+welche nicht jedermann bekannt sind, derer
+man sich also zu bedienen weiß, daß, indem man
+sie mit einander absondert, daraus bewundrungswürdige
+und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch
+die übereinstimmenden und wider einander streitenden
+Kräfte und Eigenschaften versteht man die sogenannte
+<em class="gesperrt">Sympathie</em> und <em class="gesperrt">Antipathie</em>.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">natürliche Magie</em> wird ferner eingetheilt
+in eine <em class="gesperrt">schlechterdings natürliche</em>, wo
+die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der
+Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine
+<em class="gesperrt">künstliche</em>, da man durch Hilfe der mathematischen
+Wissenschaften wunderbare Wirkungen hervorbringt,
+z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche
+Magie wird auch noch eingetheilt in die <em class="gesperrt">weissagende</em>
+und <em class="gesperrt">würkende</em>. Die erste geht mit Anzeigung
+verborgener und Vorhersagung zukünftiger<span class="pagenum" id="Page_6">[S. 6]</span>
+Dinge um; in der zweiten aber wird Geschicklichkeit
+und Kunst mit den geheimen Wissenschaften
+verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt,
+z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn
+das Eisen, womit jemand verwundet worden, mit
+einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art die
+Wunde heilt. –</p>
+
+<p>Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung
+einige gelehrte und weise Männer anführen, die
+theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch eigene
+und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei
+gerathen sind.</p>
+
+<p>Der weise <em class="antigesperrt">Salomo</em> selbst konnte nicht dem
+Verdacht der Zauberei entgehen. Die große Anzahl
+magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben werden,
+beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige
+davon: 1) <em class="antiqua">Clavicula Salomonis</em>; 2) das Buch
+<em class="antiqua">Lamene</em>; 3) das Buch <em class="antiqua">Pentaculorum</em>; 4) das
+Buch <em class="antiqua">de officiis Spirituum</em>; 5) das Buch <em class="antiqua">Razziel</em>;
+6) <em class="antiqua">Speculum Salomonis</em> u. s. w.</p>
+
+<p>Der Bischof <em class="antigesperrt">Albertus Magnus</em> von Regensburg,
+war ein großer Gelehrter, Philosoph und Theolog,
+daher der Beiname des Großen. Er fiel in
+den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen
+redenden Kopf, verfertigt haben soll. Einige<span class="pagenum" id="Page_7">[S. 7]</span>
+Bücher über Magie, die aber untergeschoben worden
+sind, machten ihn noch verdächtiger.</p>
+
+<p><em class="antigesperrt">Dr. Ioh. Faust</em>, der allbekannte Zauberer,
+dessen Leben idealisch aufgefaßt, aber geschichtlich
+unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender Schüler
+und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst
+mit erfand, gewesen sein. Eben so ist auch sein
+Buch: »<em class="antiqua">Dr. Faust</em> Höllenzwang,« wie sein Leben,
+erdichtet.</p>
+
+<p><em class="antigesperrt">Theophrastus Bombastus Paracelsus</em>
+von Hohenheim (gest. 1541), den wir schon oben
+kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie,
+als auch in der Arzneikunst und Religion eine
+auffallende Rolle gespielt, und wird noch jetzt von
+Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über Magie
+hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit
+seiner Ideen, die Undeutlichkeit seiner Schreibart
+und die Dunkelheit einer Menge Wörter machten
+es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er
+selbst hat sich niemals seiner großen Geheimnisse,
+die er sich rühmte, bedient.</p>
+
+<p><em class="antigesperrt">Ioh. Trittheim</em>, Abt im Kloster Sponheim,
+war ein geschickter Mathematiker, Geschichtschreiber,
+Redner und Theolog, und wurde besonders von seinen
+Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der<span class="pagenum" id="Page_8">[S. 8]</span>
+Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich
+gehabt haben, der ihm Alles eröffnete – Das war
+freilich sein Verstand! – Sein Werk: <em class="antiqua">de Steganographia</em>,
+von verborgenen Schriften, welches aber
+untergeschoben sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig.</p>
+
+<p><em class="antigesperrt">Heinr. Cornelius Agrippa</em>, ein Schüler
+des <em class="antiqua">Trittheim</em>, war ein sehr gelehrter Mann.
+Seiner <em class="antiqua">Philosophia occulta</em> wurde ein viertes Buch
+voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen
+angehängt, daher dieser vortreffliche Mann
+auch in den Verdacht der Zauberei kam, obgleich er
+in seinem Buche <em class="antiqua">de vanitate scientiarum</em> seine
+Verachtung dagegen gezeigt hat.</p>
+
+<p>So viel von den Berühmtesten, wenn diese als
+Zauberer nicht gelten, so werden die kleinen, die Betrüger
+und Taschenspieler von selbst wegfallen.</p>
+
+<p>Die neuern, als <em class="antigesperrt">Schwedenborg</em>,
+<em class="antigesperrt">Schrepfer</em>,
+<em class="antigesperrt">Saint Germain</em>,
+<em class="antigesperrt">Gassner</em>,
+<em class="antigesperrt">Messmer</em>,
+<em class="antigesperrt">Cagliostro</em>, die Wunderheilungen des
+Fürsten <em class="antigesperrt">Hohenlohe</em>, des Bauers
+<em class="antigesperrt">Martin Michel</em>
+u. a. m. wollen wir jetzt mit Stillschweigen
+übergehen.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_9">[S. 9]</span>In
+den frühesten Zeiten machten schon die Menschen
+bei geringen Entdeckungen natürlicher Dinge
+große Geheimnisse daraus, und setzten das unwissende
+Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten
+sie einen Wundernamen. In der Folge gaben
+sie vor, geheime Künste zu besitzen, die aber nichts
+waren. Die natürliche Magie ist aber nichts anders,
+als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten
+Wunderkünste sind natürlich.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Magie</em> wird also immer demjenigen eine
+geheime Wissenschaft bleiben, welcher die Kräfte der
+Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt sie ein
+Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer
+noch viele neue Entdeckungen in der Natur geben,
+aber deswegen ist es und bleibt Alles nichts
+Uebernatürliches.</p>
+
+<p>Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen
+Lesern und Leserinnen nach und nach die
+alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt,
+aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden
+haben, zu Tage fördern, nicht um die Dinge
+nach zu machen, sondern von der Entdeckung die
+Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur,
+Leichtgläubigkeit und Betrügerei der Zauberei und
+Hexerei Nahrung geben.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_10">[S. 10]</span>Denn
+eine gewisse Classe von Menschen in
+Städten und Dörfern legt jetzt noch einen großen
+Werth auf <em class="gesperrt">Zauberbücher</em>, und kauft sie sehr
+theuer, wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten
+hat. Handschriften sind es gemeiniglich, die
+unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß solche
+Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen
+zu finden sind. –</p>
+
+<p>Wir werden daher auch aus mehrern <em class="gesperrt">Handschriften</em>,
+die sich in Criminalprocessen von Geisterbannern
+und Schatzgräbern vorgefunden haben,
+Auszüge (<em class="gesperrt">durch freundliche Mittheilung</em>)
+mit wunderlichen Figuren geben können – Das
+ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen: die erste
+handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben,
+die dritte giebt Erzählungen, welche auf die
+erste Abtheilung Bezug haben.</p>
+
+<p>Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten
+Plane, viele Abscheuligkeiten, wobei Gottes
+Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand, Leichtsinn
+und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken.</p>
+
+<p>So möge nun die <em class="gesperrt">Zauberei</em> oder <em class="gesperrt">Hexerei</em>
+anfangen, und, nach unserm Plane, recht viel Gutes
+stiften!</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p class="mbot0"><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Oder
+die <em class="gesperrt">schwarze Magie</em>, davon <em class="gesperrt">Schwarzkunst</em> und
+<em class="gesperrt">Schwarzkünstler</em>.</p>
+<p class="right mtop0 mright2em">D. H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Auch
+die <em class="gesperrt">weiße Magie</em> genannt.</p>
+</div>
+
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_11">[S. 11]</span></p>
+
+<h3 id="Von_den_Gespenstern"><em class="gesperrt">Von den Gespenstern.</em></h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen
+Alterthum den Glauben an Gespenster, denn die
+Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange, sagt ein
+neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein
+mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet,
+und eine Eigenschaft der einen Sache zur Eigenschaft
+der andern macht. Es kann kommen, wenn man
+eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine
+sie für die des Freundes, den er erwartet, der Andere
+für die des Feindes, den er fürchtet, und der Diener
+die Stimme für die seines Herrn hält.</p>
+
+<p>Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden,
+behalten die Furcht, und die Nacht, den Kopf
+mit Gespenstern angefüllt, erzeugt Phantome, die
+nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische<span class="pagenum" id="Page_12">[S. 12]</span>
+Dünste brachten das <em class="gesperrt">Spuken</em> und die <em class="gesperrt">Gespenster</em>
+hervor. Die Bewohner der Klöster fanden
+ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine
+Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen
+den Gespensterglauben nicht nur zu lassen, sondern
+auch zu verstärken.</p>
+
+<p>Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll
+eine geistige Substanz sein, die einen Körper angenommen,
+und darin sich sehen, hören und fühlen läßt,
+kurz, der <em class="gesperrt">Geist des Verstorbenen</em>.</p>
+
+<p id="Astral_Geist">Dieser Geist, welchen Einige den <em class="gesperrt">Astral-Geist</em>
+oder <em class="gesperrt">Sternen-Geist</em> nennen, soll sich nebst der
+Seele im Menschen befinden. Der Mensch bestände
+nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen
+Leib, der unsterblichen Seele, und einem Mittelding
+zwischen diesen beiden, dem Astralgeist. Diese Lehre
+der Trialisten hat schon Plato angeführt, dann kam
+sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die
+Christen. Herr <em class="antiqua">Paracelsus</em> ist vom Astralgeist eingenommen
+und sagt: »der Mensch besteht aus drei
+großen Substanzen, die erste ist die <em class="gesperrt">Seele</em>, von Gott
+kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend;
+die andere der <em class="gesperrt">Geist</em>, der aus dem Firmamente
+kommt, und aus Feuer und Luft besteht, auch
+endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung<span class="pagenum" id="Page_13">[S. 13]</span>
+findet; die dritte Substanz ist der grobe <em class="gesperrt">Leib</em>, welcher
+aus Erde und Wasser besteht, und wieder zur
+Erde werden muß.«</p>
+
+<p>Da die Seele und der Körper des Menschen
+von ganz verschiedener Natur und verschiedenen Wesen
+sind, so kann man schwer begreifen, worin das
+Band und die genaue Vereinigung derselben besteht,
+daher bei diesen zwei Extremen, die gegen einander
+sind, nicht anders als durch ein Mittelding, welches
+in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern
+näher kommt, verbunden und vereinigt werden können.
+Dieses Mittelding sei zwar kein Geist, oder
+ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine sehr reine
+und subtile Materie, die wegen der Subtilität der
+Seele näher komme, als der grobe Leib des materiellen
+Wesens wegen dem Körper näher sei, als die
+ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines solchen
+Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit
+zu Hilfe, der sich oft bei den Menschen zwischen dem
+Verstand und den sinnlichen Begierden findet. Die
+Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen Kräfte
+des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte
+der Seele sein.</p>
+
+<p>Dieser Astralgeist, sagt <em class="antiqua">Paracelsus</em>, erscheint nach
+dem Tode des Menschen noch eine Zeitlang, da er<span class="pagenum" id="Page_14">[S. 14]</span>
+das Vermögen, die Gedanken, Einbildungen und Begierden,
+welche er beim Abschied vom Körper empfängt,
+und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume
+Zeit zu behalten u. s. w.</p>
+
+<p>Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung,
+die sich von selbst und mit wenigen Worten widerlegt!
+Kann die Seele auf den Körper nicht wirken, so kann
+sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch
+materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge
+in der Natur sind entweder einfach oder zusammengesetzt,
+ein Drittes giebt es nicht, also woher ein
+Mittelding zwischen Seele und Leib!</p>
+
+<p>Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele,
+namentlich <em class="antiqua">Paracelsus</em>, das <em class="gesperrt">Spuken</em> der Verstorbenen
+und das <em class="gesperrt">Erscheinen nach dem Tode</em> erklären.
+Aber gewiß! weder sie noch wir haben den
+Geist eines Verstorbenen gesehen.</p>
+
+<p>Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem
+Verstorbenen, auch von einem Lebenden trennen
+und einem andern erscheinen – denn ist diese einmal
+vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm
+zurück<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> –
+Daher das <em class="gesperrt">Sehen seiner selbst</em>, die<span class="pagenum" id="Page_15">[S. 15]</span>
+<em class="gesperrt">vielfältige Gegenwart</em> einer Person an verschiedenen
+und entfernten Orten, und das <em class="gesperrt">Doppelsehen</em>
+gehört zu den Täuschungen, Fabeln und
+Betrügereien<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a>.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Betrüger</em><a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>,
+<em class="gesperrt">Diebe</em><a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a>
+und <em class="gesperrt">Verliebte</em>
+haben stets die Rolle eines Gespenstes gespielt. So
+sagt noch ein altes französisches Sprichtwort von den
+Verliebten:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Où sont filettes et bon vin</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">C’est là où hante le Lutin.</em></div>
+</div>
+<div class="stanza">
+<div class="verse">(Bei Mädchen und bei gutem Wein</div>
+<div class="verse">Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.)</div>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a>
+S. dritte Abtheilung. <a href="#Das_Gespenst_im_Hause">Das
+Gespenst im Hause.</a> <a href="#Anzeigen_des_Todes">Anzeige des Todes.</a></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a>
+S. dritte Abtheilung. <a href="#Das_Sehen_seiner_selbst">Sehen
+seiner selbst.</a> <a href="#Vom_Doppelsehen">Das Doppelsehen.</a></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a>
+S. dritte Abtheilung. <a href="#Der_Poltergeist">Der
+Poltergeist.</a> <a href="#Das_Glockengelaeute">Glockengeläute.</a></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a>
+S. dritte Abtheilung. <a href="#Gespenster_Geschichten">Gespenstergeschichte.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_16">[S. 16]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Necromantie"><em class="gesperrt">Die Necromantie.</em></h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten
+aus ihren Gräbern, wenn man von ihnen geheime
+und künftige Dinge erfahren will. <em class="antiqua">C. Agrippa</em>
+nennt zwei Arten dieser Zauberei: <em class="antiqua">Necyomantie</em>,
+wodurch man die verstorbenen Körper sogar wieder
+lebendig dargestellt, und <em class="antiqua">Sciomantie</em>, wenn blos ein
+Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie
+ist sehr alt, denn die Betrügerin zu Endor
+ließ ja den Schatten (Können denn Schatten auch
+sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen
+ist diese Kunst eine große
+Betrügerei<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a>. Die
+Kunststücke mit dem sogenannten <em class="gesperrt">Zauberspiegel</em>,
+wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren,
+so auch mit der <em class="gesperrt">Zauberlaterne</em>, wodurch man<span class="pagenum" id="Page_17">[S. 17]</span>
+Gestalten in freier Luft präsentiren kann – finden
+wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und
+Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser
+verweise.</p>
+
+<p>Alle Necromantisten sind feine Betrüger.
+Schwedenborg, Schrepfer und Cagliostro waren
+solche Subjekte, und die größten Geisterbanner,
+die sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte
+täuschten (S. Abth. III. <a href="#Schwedenborgs_Betruegerei">Schwedenborg</a>).</p>
+
+<p>Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei,
+wie jenen, als ein gewisser Engländer,
+<em class="antiqua">Sawney</em>, ein berüchtigter Seher und Wahrsager,
+große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen
+Statüen u. s. w. erblickte, welche aber alle
+von – <em class="gesperrt">Eis</em> und <em class="gesperrt">Schnee</em> waren, und als die
+Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die
+Neugierigen nichts sahen!</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a>
+S. dritte Abtheilung. <a href="#Die_Necromantisten">Die Necromantisten.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_18">[S. 18]</span></p>
+
+<h3 id="Von_der_sogenannten_Hexerei">Von der sogenannten Hexerei.</h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen,
+findet man den Glauben an höhere, gute und
+böse Geister, und bei uns brachte man in der
+unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten
+bis 17ten Jahrhundert – die Wunder des Teufels
+in ein System, behandelte sie wie andere
+natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche
+mit dem Uebernatürlichen durcheinander
+mischte. Von dieser Zeit an untersuchte man die
+Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen
+Diebstahl u. s. w., daher also die verwirrten
+Ideen in diesem Zeitalter bei allen Gelehrten
+und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III.
+<a href="#Die_Hexe">die Hexe</a>, <a href="#Hexen_Prozess">der
+Hexenprozeß</a>, <a href="#Der_Hexenmeister">der Hexenmeister</a>.)</p>
+
+<p>Ueberhaupt hat die <em class="gesperrt">Inquisition</em>, da sie
+der Unglücklichen Güter einzog, erst die Hexerei
+bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg<span class="pagenum" id="Page_19">[S. 19]</span>
+die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich
+durch die Bulle des Papstes <em class="antiqua">Innocens</em> VIII.,
+den 4. December 1484. Diese Bulle brachte die
+Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht
+begründet und verbreitet wurden, und zwar durch
+Erklärungen über die Wirklichkeit von Teufelskünsten
+und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um
+der Sache noch mehr Gewicht zu geben, erschien
+sogar zur <em class="gesperrt">Erläuterung</em> das furchtbare Buch,
+der <em class="gesperrt">Hexenhammer</em>, 1489.</p>
+
+<p>In Teutschland brennten die Flammen, welche
+Unschuldige hinrichteten, und solche Tage, wo
+eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage
+des gemeinen Mannes. (S. Abth. III. <a href="#Die_gerettete_Hexe">die gerettete
+Hexe</a>.)</p>
+
+<p>Aber Teutsche waren es auch, die besonders
+und mit Gründen den allgemeinen Glauben an
+Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. –
+Cornelius Loos, noch besonders ein <em class="gesperrt">Priester</em>
+zu Mainz, war einer der ersten, welcher die Ungerechtigkeiten
+der Hexenprozesse zu zeigen sich
+erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen,
+wenn er nicht auch verbrannt seyn wollte. Er
+starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner
+(gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen<span class="pagenum" id="Page_20">[S. 20]</span>
+die Hexenprozesse. – Endlich trat zu Anfang
+des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf:
+Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft
+zu Halle, und kann als der eigentliche Zerstörer
+des Hexenprozesses betrachtet werden.</p>
+
+<p>In der Folge wurde aller Zauberglauben
+durch die <em class="gesperrt">Naturwissenschaft</em> vernichtet, doch
+ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger
+Zeit publizirt man noch Berichte von
+<em class="gesperrt">Wunderkuren</em> durch Zeitungen, wie der Hang
+zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder
+besteht. –</p>
+
+<p>Im Allgemeinen wird die <em class="gesperrt">Hexerei</em> oder
+<em class="gesperrt">Zauberei</em> folgendermaßen beschrieben:</p>
+
+<p>Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch
+mit dem Teufel, welcher in einer menschlichen,
+thierischen oder andern Gestalt erscheint, einen
+Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet,
+und dasselbe mit seinem Blute unterschreibt, vermöge
+aber dessen Gott und die Religion verleugnet,
+und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet,
+auch nach Verfließung einer bestimmten Zeit
+sich demselben mit Leib und Seele zu eigen übergiebt;
+wogegen der Teufel verspricht, einem solchen
+Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und<span class="pagenum" id="Page_21">[S. 21]</span>
+mancherlei Ergötzlichkeiten zu schaffen, ihm beizustehen,
+daß er große und wunderbare Dinge
+ausrichten, und andern Menschen nach Belieben
+Schaden zufügen könne, ihn auch zu gewisser
+Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen,
+wo der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen
+die Versammlung hält, wo sie sich mit
+Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w.
+recht lustig machen.</p>
+
+<p>Im weitläufigen Sinn versteht man aber
+von Hexerei, wenn ein Mensch verschiedene ungewöhnliche
+und abergläubische Mittel und Ceremonien
+vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder
+Schaden zu thun, ob er gleich nicht ausdrücklich
+mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man
+muß aber die <em class="gesperrt">Magie</em> der Alten von der heutigen
+Zauberei unterscheiden, welche letztere von
+der erstern entstanden ist.</p>
+
+<p id="Hexensabbath">Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts,
+halten jährlich dreimal den sogenannten
+<em class="gesperrt">Hexensabbath</em>. Der Ort der Versammlung
+heißt bei uns in Teutschland der <em class="gesperrt">Blocksberg</em>,
+in Italien <em class="antiqua">Noce di Benevento</em>, in Schweden
+<em class="antiqua">Blocula</em>; in andern Ländern wird man vielleicht
+auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen<span class="pagenum" id="Page_22">[S. 22]</span>
+sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen,
+auf Kirchhöfen, oder lieber bei einem See oder
+Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch
+Ungewitter erregen kann. An dem Ort,
+wo der Sabbath gehalten wird, soll nichts
+wachsen.</p>
+
+<p>Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden
+sich die Zauberer und bestreichen sich mit einem
+Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen
+Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie
+zum Schornstein hinaus, an dessen Ende sie einen
+großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen,
+der sie ergreift und nach dem Versammlungsort
+hin und zurück bringt. Sie bedienen
+sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als
+schwarze Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen
+und Hunde, oder auch Ofengabeln, Spinnrocken
+und Besen, worauf sie durch die Luft fahren.</p>
+
+<p>In der Versammlung erscheint nun der Teufel,
+als Vorsteher in mancherlei Gestalt, bisweilen
+wie ein Mensch, aber öfter als ein – Bock.
+So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer
+Krone von schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten
+und eins an der Stirn, mit welchem er der
+Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden<span class="pagenum" id="Page_23">[S. 23]</span>
+Haaren, mit blassem und verstörtem Gesicht,
+großen, runden, aufgesperrten, feurigen und häßlichen
+Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem
+ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch,
+halb Bock, mit Händen und Füßen, fast wie ein
+Mensch, außer daß die Finger alle gerade und
+spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände
+sind krumm, wie die Krallen der Raubvögel, die
+Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist
+so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche
+Stimme, und ein melancholisch verdrüßliches
+Gesicht.</p>
+
+<p>Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer
+ein unter seinem Schwanze befindliches
+schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der
+Tanz an, und die Hexen singen:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Alegremonos Alegremos</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Que gente nue va tenemos.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+<p class="p0">Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her,
+und machen tausenderlei krumme Sprünge. Nach
+dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die aufgetragenen
+Gerichte sind ekelhaft, doch – der
+neugierige Leser muß alles wissen: – Sie bestehen
+aus Kröten, Aas, Leichnamen und ungetauften<span class="pagenum" id="Page_24">[S. 24]</span>
+Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod
+von schwarzer Hirse.</p>
+
+<p>Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel
+an einen Tisch und nimmt die Huldigung der
+Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern,
+ablegen, indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln
+in Händen haben, die sie nach geendigter
+Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen,
+wieder zustellen, der sie bis zur künftigen
+Versammlung aufhebt. Wenn dieses zu Ende,
+fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift,
+den Menschen zu schaden, sie nöthig hätten?
+u. s. w. – und ertheilt ihnen Rath und Hilfe.</p>
+
+<p>Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath
+mit, als Farrenkraut, Mistel, Wegerich,
+Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder,
+welches der Teufel in Stücken hackt, alles
+kochen läßt und von dem Fette die <em class="gesperrt">Salbe</em> macht.</p>
+
+<p>Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft,
+von der uns <em class="antiqua">de Lancre Tableau de
+l’Inconstance des mauvais Anges et Demons</em>
+erzählt hat.</p>
+
+<p>Da wir aber einmal bei dem Teufel sind,
+so müssen wir doch noch etwas von seiner Person
+und seinen Umtrieben reden.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_25">[S. 25]</span><em class="antiqua">Agrippa</em> in seiner
+<span id="Page_25_1"><em class="antiqua">occulta philosophia</em></span> giebt
+von den <em class="gesperrt">bösen Dämonen</em> neun Ordnungen an:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p class="numlist">1) Diejenigen, welche man die <em class="gesperrt">falschen Götter</em>
+nennt, die den Namen der Gottheit
+gleichsam usurpirt haben und als Götter
+verehrt seyn wollen. So wie jener, welcher
+Christus alle Schätze der Welt zeigte,
+und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm
+niederfallen und ihn anbeten würde. Der
+Oberste dieser Dämonen wird <em class="antiqua">Beelzebub</em>
+genannt.</p>
+
+<p class="numlist">2) Die <em class="gesperrt">Lügner</em>. Ein solcher war bei dem
+Propheten <em class="antiqua">Achab</em>, bei der Hexe von Endor
+und bei den Orakeln. Der Oberste
+dieser Teufel hieß <em class="antiqua">Python</em>.</p>
+
+<p class="numlist">3) Die <em class="gesperrt">Gefäße der Ungerechtigkeit</em> und
+des Zornes Gottes. Sie sind die Erfinder
+allerlei Uebel. Der Oberste wird <em class="antiqua">Belial</em>
+genannt.</p>
+
+<p class="numlist">4) Die <em class="gesperrt">Rächer der Laster</em>. Der Oberste
+heißt <em class="antiqua">Asmodeus</em>.</p>
+
+<p class="numlist">5) <em class="gesperrt">Weissager</em>, <em class="gesperrt">Betrüger</em>, <em class="gesperrt">Verblender</em>,
+welche Mirakel nachahmen und Böses thun,
+wie die Schlange der Eva. Der Oberste
+heißt <em class="antiqua">Satan</em>.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_26">[S. 26]</span></p>
+
+<p class="numlist">6) <em class="gesperrt">Wettermacher.</em> Es sind ihrer vier, nach
+den vier Hauptwinden, und der Oberste
+heißt <em class="antiqua">Merizim</em>.</p>
+
+<p class="numlist">7) <em class="gesperrt">Furien</em>, Stifter der Zwietracht und des
+Kriegs. Der Oberste heißt <em class="antiqua">Abaddon</em>.</p>
+
+<p class="numlist">8) <em class="gesperrt">Verläumder</em>. Die Griechen nennen sie
+<em class="antiqua">Diabolos</em>, unsere <em class="gesperrt">Teufel</em>. Der Oberste
+ist <em class="antiqua">Astaroth</em>.</p>
+
+<p class="numlist">9) <em class="gesperrt">Versucher</em>, böse Geister. Der Oberste
+heißt <em class="antiqua">Mammon</em> (Begierde nach Reichtum).</p>
+</div>
+
+<p>Man hat sehr verschiedene Auslegungen des
+Namens Teufel. Einige sagen, das Wort Teufel
+bedeute einen <em class="gesperrt">Zerstörer</em>; andere – einen
+<em class="gesperrt">Verführer</em>; die Griechen nennen ihn <em class="gesperrt">Verläumder</em>;
+daher kann auch das Wort nicht allein
+eine <em class="gesperrt">Person</em>, sondern mehr <em class="gesperrt">Handlungen</em>
+und <em class="gesperrt">Gewohnheiten</em> bedeuten.</p>
+
+<p>Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund
+gestürzt und gebunden ist, so bleibt er
+doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar
+noch manchen Gegenständen seinen Namen geliehen.</p>
+
+<p>So giebt es unter vielen andern die <em class="gesperrt">Teufels-Inseln</em>
+(die Bermuden), von den Spaniern
+zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen
+Felsen <em class="antiqua">los Diabolos</em> nannten.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_27">[S. 27]</span>Der
+<em class="gesperrt">Blocksberg</em> auf dem Harz, berüchtigt
+durch die Hexenversammlung.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teufelshochzeit</em> ist ein Berg in Ungarn,
+unweit dem Bergstädtchen Boza, und wird
+wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen
+Gewitter so genannt.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Teufelsgrund</em> ist ein tiefes Thal im
+Riesengebirge unweit Greifenberg.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teufelsgrube</em> wird eine Höhle in
+dem bei Goslar gelegenen Rummelsberge genannt,
+wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben
+soll.</p>
+
+<p>Das <em class="gesperrt">Teufels-Mör</em> ist eine Gegend bei
+Bremen, unweit der Weser, wo zwischen Moor
+eine Viehweide liegt.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Teufelsweg</em> auf den Gebirgen, welche
+Savoyen von Piemont scheiden, ist unter mehreren
+Pässen einer, welcher <em class="antiqua">le Pas de Diable</em> heißt,
+wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe
+zu stürzen.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teufelskirche</em>. In dem fürchterlichen
+Thale bei Altdorf, zwischen Weihofen und Grunsberg,
+ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße
+eines waldbewachsenen Berges, welche so genannt
+wird.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_28">[S. 28]</span>Die
+<em class="gesperrt">Teufelsleiter</em> ist ein steiler Berg bei
+dem Flecken Lorch, wo ein steiler Weg hinauf geht.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teufelsmauer</em>. Sie ist ein Werk
+der Römer, welche einen Wall oder Pfahlhecke
+zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten.
+Noch kann man ihre Ruine sehen, welche bei
+Pföring an der Donau anfängt und bis an den
+Neckar läuft.</p>
+
+<p>Auch wird ein Berg einige Stunden von
+Quedlinburg die <em class="gesperrt">Teufelsmauer</em> genannt, weil
+er wie von über einander liegenden Steinen zusammengetragen
+erscheint.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Teufelsbrücke</em>, am St. Gotthardsberge
+in der Schweiz.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Regensburger Brücke</em> soll auch durch
+Beihülfe des Teufels erbaut worden seyn.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Teufelsthurm</em>, ein auf einem Felsen
+stehender Thurm, unfern des Strudels in der
+Donau.</p>
+
+<p>So giebt es auch <em class="gesperrt">Teufelsmühlen</em>, z. B.
+zwischen Corvey und Hameln, wo ein starkes,
+aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad
+treibt.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Teufelssteine</em> nennt der gemeine Mann
+große Blöcke, weil er ihren Ursprung nicht kennt.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_29">[S. 29]</span>Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel
+tragen – der <em class="gesperrt">Seeteufel</em>.</p>
+
+<p>Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen
+Teufel, z. B.: Teufels-Abbiß (<em class="antiqua">Morsus
+Diaboli</em>), Teufels-Aepfel (Coloquinten), Teufels-Dreck
+(<em class="antiqua">Assa foetida</em>), Teufels-Ingber
+(<em class="antiqua">Arum</em>), Teufels-Scheu (<em class="antiqua">Daemonum fuga</em>,
+Johanniskraut) u. s. w.</p>
+
+<p>Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören,
+was er von der <em class="gesperrt">Erkennung einer Hexe</em>
+sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders
+den Samstag und den Freitag, hat besondere
+Zeichen an sich, als krumme Glieder, besonders
+eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht
+u. s. w. Sie hängt auch Zaubereien an sich,
+kocht selten und wäscht sich nicht, kehrt in der
+Kirche rücklings um und will gern allein und
+für sich seyn. (S. Abth. III. <a href="#Die_Hexenwage">die Hexenwage</a>.)</p>
+
+<hr class="w30">
+
+<h4 id="Elben_Holder"><em class="gesperrt">Elben, Holder und Hulderchen, die
+bösen und guten Dinger, die reisenden
+und fahrenden Kinder.</em></h4>
+
+<p>Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten
+und vielerlei Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß<span class="pagenum" id="Page_30">[S. 30]</span>
+erhielt jede Hexe ihren <em class="gesperrt">Geist</em>, oder einen
+besondern <em class="gesperrt">Leibteufel</em>. Im funfzehnten
+Jahrhundert war es nichts Ungewöhnliches, daß
+eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche Kinder
+zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich
+Würmer waren, stifteten sie das Unheil:
+z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III.
+<a href="#Die_Behexte">die Behexte</a>, <a href="#Bezauberung_des_Viehes">Bezauberung
+des Viehes</a>), Krankmachen,
+sogar Tödten. Diese Geburten, Elben,
+Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das
+Hexenpulver wurde.</p>
+
+<p>Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh
+krank machen:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p class="numlist">1) durch <em class="gesperrt">bloße Worte</em>, wenn sie z. B. die
+Kinder <em class="gesperrt">beschrieen</em>. Man lobte die Kinder
+ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte
+es! – Die Hexen aber sagten: Ei, daß
+dich mein Gott behüte! Dadurch aber sollen
+sie nicht den wahren Gott, sondern den
+Satan verstehen.</p>
+
+<p class="numlist">2) Durch bloßes <em class="gesperrt">Anschauen</em>, z. B. mit Triefaugen.</p>
+
+<p class="numlist">3) Durch <em class="gesperrt">zauberische Salben</em> an die Hausthür
+und andere Orten geschmiert. Oder</p>
+
+<p class="numlist">4) durch <em class="gesperrt">Charaktere</em>.</p>
+
+<p class="numlist"><span class="pagenum" id="Page_31">[S. 31]</span>5)
+Durch etwas <em class="gesperrt">Vergraben</em> unter die Thürschwelle.</p>
+</div>
+
+
+<h4 id="Wind_Wetter_machen"><em class="gesperrt">Vom Wind- und Wettermachen.</em></h4>
+
+<p>Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz,
+Donner und Hagel machen könnten. Sie nehmen
+nämlich große Kieselsteine und werfen sie
+gegen Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach
+stäuben sie gen Himmel, tauchen einen Besen ins
+Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen
+eine Grube in die Erde, gießen Wasser hinein
+und rühren es mit dem Finger herum; sie sieden
+Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken
+oder Hölzer kreuzweise am Ufer eines Wassers
+u. s. w. (<em class="antiqua">Wierus de Lamiis</em> erzählt mehr
+davon.)</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Wind</em> haben die Hexen immer gemacht.
+(S. Abth. III. <a href="#Wind_machen">Windmachen</a>.)</p>
+
+
+<h4 id="Hexen_Salbe"><em class="gesperrt">Hexen-Salbe.</em></h4>
+
+<p>Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst,
+und nahmen dazu gewisses Fleisch, kochten es in
+einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben
+schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark
+einsieden. Hernach vermischten sie es mit Eppich,<span class="pagenum" id="Page_32">[S. 32]</span>
+Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und Weihrauch.
+Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz,
+Fünffinger-Kraut, Fledermausblut, Nachtschatten
+und Oel, und machten daraus eine
+Salbe. Damit schmierten sie sich und rieben die
+Glieder ein, worauf sie dieselben wieder mit
+Oel und Fett bestrichen.</p>
+
+<p>Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe
+eine <em class="gesperrt">betäubende</em> Kraft hat, daß sie die Hexen
+nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte, sondern
+davon auch mancherlei Gesichter im Traume
+hatten, von denen sie vorher eingenommen waren,
+und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III.
+<a href="#Hexenfahrt">Hexenfahrt</a>.)</p>
+
+
+<h4 id="Entzauberung_Amulette"><em class="gesperrt">Von Entzauberung und Amuletten.</em></h4>
+
+<p>In der Hexengeschichte, wo man den Menschen
+Qualen schuf, war man auch in Mitteln
+erfinderisch, solche zu heilen.</p>
+
+<p>Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel,
+Christwurzel, Cardobenedikten, Liebstöckelwurz,
+Mannstreu, <span id="Page_32_1">Hilfswurz, bind</span> dies mit Siebengezeit
+zusammen in Herzkraut, und trag es immer
+im Busen.</p>
+
+<p>Ein Anderes:</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_33">[S. 33]</span>Abbiß,
+Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn,
+Säwbrod, Tollkraut, Hundszung, Herzgesperr,
+Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug,
+Bärenklau und Wolfsmilch. Binde dies alles in
+Lappenblätter mit Bettlerseil und Faulbaumrinden
+fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts
+von dir an einen Ort, dahin du nicht mehr
+kommst. So weichen zur Stund alle Zauberer
+und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret
+von ihrem Gifte.</p>
+
+<p>Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine
+und andere natürliche Dinge an den Hals, vorzüglich
+erhielten <em class="gesperrt">Amulette</em> die Kinder, sie vor
+Hexerei zu bewahren. Man machte auch Kreuze
+über verschiedene Dinge. (S. Abth. III. <a href="#Der_glaeubige_Prediger">der gläubige
+Prediger</a>.) Man blieb aber nicht bei den
+natürlichen Dingen, sondern machte Buchstaben,
+Wörter, Zeichen oder Bilder auf Pergament,
+Papier oder andere Dinge, oder man grub es
+in Steine, Metalle. Diese Anhängsel wurden
+auch dem Vieh und leblosen Dingen angehängt.
+– Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst
+das bekannte <em class="antiqua">Abracadabra</em>, welches zu den Zeiten
+des römischen Kaisers <em class="antiqua">Severus</em> und <em class="antiqua">Caracalla</em>
+von einem Arzt <em class="antiqua">Sammonicus</em> gekommen<span class="pagenum" id="Page_34">[S. 34]</span>
+sein soll. Man schreibt es auf Papier, wie
+folgt:</p>
+
+<table class="fix center mwidth20">
+ <tr>
+ <td><em class="antiqua">A</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">d</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">d</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">d</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">d</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">d</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">c</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">r</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td><em class="antiqua">b</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td><em class="antiqua">a</em></td><td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ <td></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<p>Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem,
+der eine Krankheit hat, an den Hals gehängt.</p>
+
+<p>Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa
+im 4. Buche seiner <em class="antiqua">Philosophia occulta</em>: Es
+gleicht einem erwürgten Lamme, welches sieben
+Hörner und Augen, und unter den Füßen ein
+mit sieben Siegeln verschlossenes Buch hat, aus
+Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers geschrieben:
+Siehe, es hat überwunden der Löwe, der
+da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel David,
+aufzuthun das Buch, und zu brechen seine sieben
+Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan<span class="pagenum" id="Page_35">[S. 35]</span>
+vom Himmel fallen, wie einen Blitz. Und diese
+Worte: Siehe, ich habe euch die Gewalt gegeben,
+zu treten auf Schlangen und Scorpionen,
+und über alle Gewalt der Feinde, und euch soll
+nichts schaden. Zuletzt schreibt man darauf die
+10 Haupt-Namen Gottes: <em class="antiqua">El</em>, <em class="antiqua">Elohim</em>, <em class="antiqua">Elohe</em>,
+<em class="antiqua">Zebaoth</em>, <em class="antiqua">Elion</em>, <em class="antiqua">Escerchie</em>, <em class="antiqua">Adonay</em>, <em class="antiqua">Jah</em>,
+ <em class="antiqua">Tetragrammaton</em>,
+<em class="antiqua">Saday</em>.</p>
+
+<p>Dieses soll eine große Kraft besitzen, und
+zur Beschwörung der Geister höchst nützlich und
+nöthig sein.</p>
+
+<hr class="tb">
+
+<p id="Siegel_der_Planeten">Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die
+<em class="gesperrt">Siegel der Planeten</em> zu machen, welche große
+Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie
+nach himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und
+Zeit mache und bereite, und – bei sich trage.</p>
+
+<p>Dieses sind die Amulette oder Talismane,
+von denen die Alten und Neuen so viel gehalten
+haben:</p>
+
+
+<h4 id="Siegel_Saturn"><em class="gesperrt">Das Siegel des Saturns.</em></h4>
+
+<p>Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die
+eine Seite wird ein Quadrat, worin neun kleine
+Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen und<span class="pagenum" id="Page_36">[S. 36]</span>
+perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz,
+muß die Zahl 15 addirt werden können. –
+Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln, sind
+in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der
+andern Sterne, welche demselben Planeten unterworfen
+sind; denn ein Planet heißt ein vornehmer
+Stern, darum muß er auch andere Sterne
+unter sich haben und dieselben regieren. – Auf
+der andern Seite des Siegels soll das Bild des
+Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und
+mit einer Schaufel die Erde grabend, stehen;
+auf seinem Haupt soll er einen Stern und den
+Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen
+oder Charakter<a id="FNAnker_8" href="#Fussnote_8" class="fnanchor">[8]</a>. Wenn der Mond an
+einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt,
+und Saturn eines rechten Ganges und
+guten Wesens ist, so wird das Siegel in Schnelligkeit
+gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen
+Tuche getragen. – Dieses Siegel ist
+gut für schwangere Weiber, dann mehrt sich alles
+bei dem Träger; und wenn der Reiter es im
+linken Stiefel trägt, wird sein Pferd keinen
+Schaden leiden.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_37">[S. 37]</span>Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn
+Saturn in seinem Rückgang ist, an einem Samstag,
+und in seiner Stunde, so verhindert er alles
+Vornehmen, und wer es trägt, dem gelingt nichts,
+und nimmt alles ab.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_8" href="#FNAnker_8" class="label">[8]</a>
+S. <a href="#fig_1">Fig. 1.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Siegel_Jupiter"><em class="gesperrt">Das Siegel des Jupiters.</em></h4>
+
+<p>Es wird von feinem englischen Zinn gegossen;
+auf der einen Seite das Quadrat mit
+16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben
+angeführten Linien muß die Zahl 34 addirt werden
+können. Auf der andern Seite soll ein
+Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche
+lesend, stehen, auf dem Haupte einen Stern mit
+dem Namen <em class="antiqua">Jupiter</em>, dabei sein Zeichen oder
+Charakter<a id="FNAnker_9" href="#Fussnote_9" class="fnanchor">[9]</a>. Am Donnerstag, wenn der Mond
+in die Wage tritt, im ersten Grad, wird das
+Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in
+einem blauseidenen Tuche getragen. – Dieses
+Siegel giebt Liebe, Huld und Gunst von allen
+Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem
+mehrt es sich, und nimmt zu von Tag zu Tage,
+und macht seinen Träger glücklich in allen Handlungen.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_9" href="#FNAnker_9" class="label">[9]</a>
+S. <a href="#fig_2">Fig. 2.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_38">[S. 38]</span></p>
+
+
+<h4 id="Siegel_Mars"><em class="gesperrt">Siegel des Mars.</em></h4>
+
+<p>Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet
+werden. Die eine Seite ist wieder
+quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt,
+muß in den Linien die Summe 65 stehen. Auf
+der andern Seite steht das Bild des Planeten:
+ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine
+Tartsche, in der Rechten ein blankes Schwert
+haltend; auf seinem Haupt ein Stern, der Name
+des <em class="antiqua">Mars</em> und das
+Zeichen<a id="FNAnker_10" href="#Fussnote_10" class="fnanchor">[10]</a>. Dieses Siegel
+giebt Stärke und Sieg in jedem Kampf, überwindet
+die Feinde und giebt keinen Schaden.
+Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt,
+so müssen die Feinde verlieren. Wenn man aber
+das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht,
+wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen
+Aspekt steht, so wird das Gegentheil:
+Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_10" href="#FNAnker_10" class="label">[10]</a>
+S. <a href="#fig_3">Fig. 3.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Siegel_Sonne"><em class="gesperrt">Siegel der Sonne.</em></h4>
+
+<p>Dieses wird vom feinsten Golde gemacht,
+das Quadrat wird mit 6 multiplizirt und in den
+Linien muß man die Zahl 111 addiren können.<span class="pagenum" id="Page_39">[S. 39]</span>
+Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten
+stehen: ein gekrönter König, auf einem
+Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten,
+auf dem Haupte eine Sonne, und den Namen
+<em class="antiqua">Sol</em> und das
+Zeichen<a id="FNAnker_11" href="#Fussnote_11" class="fnanchor">[11]</a>; zu den Füßen liegt
+ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im
+Löwen tritt, im ersten Grad etc., muß das Siegel
+gemacht werden, und dieses trägt man in
+einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt
+Gunst und Gnade vor allen Fürsten, und erhöht
+den Menschen täglich, daß er an Ehre und
+Gut zunimmt.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_11" href="#FNAnker_11" class="label">[11]</a>&nbsp;S.
+<a href="#fig_4">Fig. 4.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Siegel_Venus"><em class="gesperrt">Siegel der Venus.</em></h4>
+
+<p>Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf
+der einen Seite quadrirt, das Quadrat mit 7
+multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden
+kann. Auf der andern Seite steht das Bild
+des Planeten: ein Weib, in ihrer Linken eine
+Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen
+Stern mit dem Namen <em class="antiqua">Venus</em> und dann das
+Zeichen<a id="FNAnker_12" href="#Fussnote_12" class="fnanchor">[12]</a>.
+Neben ihr steht ein Kind mit Bogen
+und Köcher. Dies Siegel wird an einem<span class="pagenum" id="Page_40">[S. 40]</span>
+Freitag gemacht, wenn der Mond im Stier oder
+in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten
+Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen
+Tuche. – Es giebt Gunst und Liebe
+zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft
+und giebt Geschicklichkeit in der Musik.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_12" href="#FNAnker_12" class="label">[12]</a>&nbsp;S.
+<a href="#fig_5">Fig. 5.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Siegel_Merkur"><em class="gesperrt">Siegel des Merkur.</em></h4>
+
+<p>Dieses muß von coagulirtem Quecksilber
+(oder auch vom Blei) gegossen werden. Die
+Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das
+eine kommt die Zahl oder das Quadrat, in das
+Andere das Bild. Das Quadrat wird mit
+8 multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen.
+Das Bild des Planeten ist ein Mann mit Flügel
+auf dem Rücken und an den Füßen, einen
+Stab in der rechten Hand, woran zwei Schlangen
+sich winden, auf seinem Haupte ein Stern,
+dann der Name <em class="antiqua">Mercurius</em> und sein
+Zeichen<a id="FNAnker_13" href="#Fussnote_13" class="fnanchor">[13]</a>.
+Das Siegel wird gegossen, wenn der Merkur in
+Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn der Mond
+in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt
+es in einem purpurfarbenseidenem Tuche. Es<span class="pagenum" id="Page_41">[S. 41]</span>
+giebt Gunst, Verstand zur Philosophie und allen
+natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim
+Schlafengehen unter das Haupt legt, wird alles
+erfahren, was man wünscht.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_13" href="#FNAnker_13" class="label">[13]</a>&nbsp;S.
+<a href="#fig_6">Fig. 6.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Siegel_Mond"><em class="gesperrt">Siegel des Mondes.</em></h4>
+
+<p>Es wird von feinem Silber gegossen, auf
+der einen Seite das Quadrat, welches mit 9
+multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen
+stehen. Auf der andern Seite ist das Bild des
+Planeten: ein Weib mit einem umschwebenden
+Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen
+halben Mond in der Rechten haltend; auf
+ihrem Haupte ein Stern und der Name <em class="antiqua">Luna</em>,
+mit dem Zeichen<a id="FNAnker_14" href="#Fussnote_14" class="fnanchor">[14]</a>.
+Wenn der Mond in gutem
+Aspekt an einem Montag, wenn er in den Steinbock
+oder in die Jungfrau eintritt, im ersten
+Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in
+einem weißen Tuche bei sich getragen. Dieser
+Talisman schützt vor vielen Krankheiten, ist auch
+den Auswandernden gut, und denen, die viel
+Land bauen; es beschützt sie vor Mörder und
+Räuber und macht alle Dinge beständig.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_14" href="#FNAnker_14" class="label">[14]</a>&nbsp;S.
+<a href="#fig_7">Fig. 7.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_42">[S. 42]</span></p>
+
+
+<h4 id="Heckethaler"><em class="gesperrt">Der Heckethaler.</em></h4>
+
+<p>Darunter versteht man ein Stück Geld, welches,
+wenn es ausgegeben wird, jedesmal wieder
+in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer
+vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben
+wir zwei Anweisungen; wenn also die eine nicht
+hilft, soll die andere helfen, woher schon das
+ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige
+also, welcher das Heckegeld zu haben wünscht,
+soll sich in der Christnacht auf einen Kreuzweg
+setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches
+man haben will, Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten
+etc., um sich herum machen und sich nicht
+umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und
+rückwärts zählen, so oft es ihm beliebt, sich aber
+ja nicht irre machen lassen, denn unterm Zählen
+würden Gespenster und Larven ihn stören wollen.
+Endlich werde der Teufel erscheinen und auch ein
+Stück Geld von der Sorte, die man zählte, dazu
+legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.</p>
+
+<p>Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige,
+welcher solches Heckegeld wünschte, solle in
+der Christnacht eine schwarze Katze in einen Sack
+stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen.
+Wenn solches geschehen, müsse er die Katze<span class="pagenum" id="Page_43">[S. 43]</span>
+dem Teufel, der sich in der Kirchthür sehen ließ,
+übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing.
+Der Teufel riß sogleich die Katze in tausend
+Stücken, indeß müßte aber der Mensch eilen,
+daß er wieder unter einem Dache käme, ehe
+der Teufel mit der Katze fertig würde, sonst
+bräche er ihm den Hals.</p>
+
+<p>Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in
+die Kirchthür tritt, um eine Katze zu kaufen!</p>
+
+
+<h4 id="Vom_Wehrwolf"><em class="gesperrt">Vom Wehrwolf.</em></h4>
+
+<p>Schon in den ältesten Zeiten glaubte man,
+daß man durch Zauberei sich und andere in
+Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen
+könne. – Ein Wehrwolf ist dem Wesen
+nach ein Mensch, der von dem Teufel das
+Vermögen empfangen haben soll, thierische und
+andere Gestalten, bald einer Katze, bald eines
+Hundes, Pferdes, besonders aber eines Wolfes,
+nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben.
+Zur Zeit der Hexenprozesse wurden auch vermeinte
+Wehrwölfe verbrannt. <em class="antiqua">Bodinus</em>, der Hexenrichter
+war, erzählt in seiner <em class="antiqua">Dæmonomanie
+des forciers</em>: daß ein gewisser <em class="antiqua">Aegidius Garnier</em>,
+welcher am Michaelistage, in der Gestalt<span class="pagenum" id="Page_44">[S. 44]</span>
+eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren,
+ohnfern <em class="gesperrt">Dole</em>, in einem Weinberg zerrissen,
+gefressen, und seiner Frau davon mit nach Hause
+gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten
+verübt hatte, zu <em class="gesperrt">Dole</em> den 18. Januar 1583
+lebendig verbrannt wurde.</p>
+
+<p>Eine schwarze Katze oder einen schwarzen
+Hund hält noch Mancher aus dem Pöbel für
+eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber
+ist daher gekommen, daß die alten Weisen ihre
+Lehren bildlich vortrugen, und ihre Lehren und
+Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten,
+die von dem größern Haufen buchstäblich verstanden
+wurden. Sie sagten z. B. ein Schwelger
+verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger
+in einen Hund u. s. w. Da dieses nun durch
+menschliche Kräfte nicht möglich zu machen war,
+erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene <em class="antiqua">Circe</em>,
+die die Menschen in Thiere verwandeln sollte,
+wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_45">[S. 45]</span></p>
+
+<h3 id="Vom_Bannen_und_Festmachen">Vom Bannen und Festmachen.</h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß
+es sich nicht von der Stelle bewegen kann, heißt
+<em class="gesperrt">bannen</em>, z. B. Diebe, welche das Gestohlene
+nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht
+weiter brenne u. s. w. Von diesen wollen wir
+einige Beispiele angeben.</p>
+
+
+<h4 id="Einen_stehend_zu_machen"><em class="gesperrt">Einen stehend zu machen.</em></h4>
+
+<p>Die christliche Magie hat dieses Kunststück
+erfunden. Folgendes ist die <em class="gesperrt">Formel</em>; wer sie
+aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten,
+damit er nicht davon läuft.</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="stanza">
+<div class="verse">Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen
+sollen dich erschricken in deinem Leibe, der
+erste mit einer Leber, der zweite mit einer
+Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr
+reitet oder gehet zu Fuß, gebunden sollt ihr
+seyn, vest gebunden,</div>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<div class="verse"><span class="pagenum" id="Page_46">[S. 46]</span>So
+gewiß und vest,</div>
+<div class="verse">So vest, so vest, so vest,</div>
+<div class="verse">Als der Baum hält seine Aest,</div>
+<div class="verse">Und der Ast hält seine Aest,</div>
+<div class="verse">Und der Hirsch hält seine Zungen,</div>
+<div class="verse">Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen.</div>
+<div class="verse">So gewiß und wahr sollt ihr stehen,</div>
+<div class="verse">Als der heilige Johannes stand am Jordan,</div>
+<div class="verse">Da er den lieben Herrn Jesum getaufet,</div>
+<div class="verse">Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen,</div>
+<div class="verse">Bis die liebe göttliche Mutter</div>
+<div class="verse">Einen andern Sohn gebähret.</div>
+<div class="verse">So gewiß sollt ihr sein gebunden</div>
+<div class="verse">Zu dieser Tag und Stunden</div>
+<div class="verse">Im Namen Gottes †&nbsp;†&nbsp;† u.&nbsp;s.&nbsp;w.</div>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Lossprechung"><em class="gesperrt">Lossprechung des Gebundenen.</em></h4>
+
+<div class="blockquot">
+<p>So mit und wahr ich euch hier im Namen
+der heil. Dreifaltigkeit gebunden, so mit und
+wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder
+auflösen. Im Namen des Vaters †&nbsp;†&nbsp;†
+Amen.</p>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_47">[S. 47]</span></p>
+
+
+<h4 id="Wider_die_Feuersbrunst"><em class="gesperrt">Wider die Feuersbrunst.</em></h4>
+
+<p>Schon die Alten legten viel auf die <em class="gesperrt">Kraft
+der Worte</em>, und die christliche Magie hat sie
+beibehalten.</p>
+
+<p>Wer also das Feuer bannen will, soll an
+die Häuser die Worte: <em class="antiqua">Arse Vorse</em> schreiben,
+dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben
+auf einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem
+Monde, zwischen 11 und 12 Uhr,
+mit frischer Tinte und einer neuen Feder die
+<a id="text_fig_8" href="#fig_8">Figur 8</a>. Bei einer Feuersbrunst werfen sie
+diesen Teller in das Feuer. Dies wird noch
+zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal
+nicht hilft. Oder man schreibt auf die Unterrinde
+eines Brodes <em class="antiqua">Aghela</em>, oder auf einen Zettel,
+welchen man in das Brod bäckt und solches
+aufhebt, um es bei einem entstehenden Feuer
+mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer
+zu werfen.</p>
+
+
+<h4 id="Der_Feuersegen"><em class="gesperrt">Der Feuersegen.</em></h4>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse">Feuer stehe still, um Gottes Will,</div>
+<div class="verse">Um des Herrn Jesu Christi Willen,</div>
+<div class="verse">Feuer stehe still in deiner Gluth,</div>
+<div class="verse"><span class="pagenum" id="Page_48">[S. 48]</span>Wie
+Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut.</div>
+<div class="verse">Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen,</div>
+<div class="verse">Daß du nicht weiter kannst von dannen,</div>
+<div class="verse">Sondern behältst alle deine Funken und Flammen,</div>
+<div class="verse">Amen! Amen! Amen!</div>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Blut_stillen"><em class="gesperrt">Ein Segenspruch, womit man das Blut
+stillen kann.</em></h4>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Sanguis mane in venis,</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Sicut Christus pro te in poenis:</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Sanguis mane fixus,</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Sicut Christus crucifixus.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Wurm_am_Finger"><em class="gesperrt">Ein Segenspruch gegen den Wurm am
+Finger.</em></h4>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse">Gott Vater fährt gen Acker,</div>
+<div class="verse">Er ackert fein wacker,</div>
+<div class="verse">Er ackert drei Würmer heraus,</div>
+<div class="verse">Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth,</div>
+<div class="verse">Hier liegen alle Würmer todt.</div>
+</div>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_49">[S. 49]</span>So
+soll man auch das Feuergewehr versagen
+können, daß es nicht losgehe, – Hunde besprechen,
+daß sie nicht bellen u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p id="Bannen_des_Wildes">Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei
+dem <em class="gesperrt">Bannen des Wildes</em> verfährt man also:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p>Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn
+das Bild eines Mannes, der in der rechten
+Hand einen gespannten Bogen hält, worauf
+ein Pfeil liegt, – im Gießen und Stechen
+spricht man: durch dieses Bild binde ich alles
+Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. – Wenn nun der dritte Grad des
+Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches
+Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit
+spreche man: durch dieses Bild binde ich alles
+Wild u.&nbsp;s.&nbsp;w. Hierauf werden beide Bilder
+so zusammengelegt, daß die Seiten, worauf
+gestochen, zusammenstoßen, und dann fest gebunden,
+und in ein grünseidenes Tuch gewickelt
+und bei sich getragen. Man darf aber zu keiner
+andern Zeit auf die Jagd gehen, als
+wenn der Mond im Widder, Löwen oder
+Schützen ist.</p>
+</div>
+
+<p>Ob wohl jemand, der nicht schießen kann,
+auch treffen wird!</p>
+
+<p id="Frei_Schuetzenkunst_50"><span class="pagenum" id="Page_50">[S. 50]</span>Das
+eigentliche <em class="gesperrt">Festmachen</em>, die <em class="gesperrt">Frei-Schützenkunst</em>,
+ist eine Kunst, daß der Mensch
+mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S.
+Abth. III. <a href="#Frei_Schuetzenkunst_205">Frei-Schützenkunst</a>,
+<a href="#Der_Freischuetz">der Freischütz</a>.)
+Insgemein wird sie die <em class="gesperrt">Passauische Kunst</em>
+genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau
+ein Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem
+der Scharfrichter zu Passau den größten Theil
+der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt
+haben soll, von wo sie weiter bekannt wurde.
+Er gab ihnen papierne Zettel mit Charakteren
+und Wörtern: <em class="antiqua">Arios</em>, <em class="antiqua">Beji</em>,
+<em class="antiqua">Glaji</em>, <em class="antiqua">Alpke</em>, <em class="antiqua">nalat</em>,
+<em class="antiqua">nasala</em>, <em class="antiqua">eri lupie</em>, bezeichnet, zu verschlucken.</p>
+
+<p>Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs
+Matthias gut davon kamen, so war die
+Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten
+Gruppen Rudolphs II. gar keinen Widerstand
+leisteten. – Das beste Zettelchen wird
+wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!</p>
+
+<p>Andere Abergläubige tragen auch die <em class="gesperrt">Länge
+Jesu</em> bei sich, um gegen den Schuß sicher zu
+seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand
+breit und fünf Fuß lang; denn so groß soll
+Jesus gewesen seyn. Dies steht auf dem Riemen
+gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem<span class="pagenum" id="Page_51">[S. 51]</span>
+bei dem heiligen Grabe gefunden haben,
+und Papst Clemens VIII. soll nicht nur diese
+Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem
+Papier gedruckt stehen, und die für deren
+Anbetung verliehenen Gnaden gut geheißen und
+bestätigt haben.</p>
+
+
+<h4 id="Noth_Hemd"><em class="gesperrt">Das Noth-Hemd.</em></h4>
+
+<p>Ein Mädchen von sieben Jahren muß das
+Garn spinnen, und aus demselben Leinwand
+würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit
+Kreuznähten zusammengesetzt wird, worauf heimlich
+drei Messer darüber gelegt und gestrichen
+werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche
+angezogen. – Wenn es nun nicht gegen
+Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede,
+daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden
+sei u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+
+<h4 id="Waffensalbe"><em class="gesperrt">Von der Waffen-Salbe.</em></h4>
+
+<p>Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr
+<em class="gesperrt">viele</em> und <em class="gesperrt">verschiedene</em> Rezepte von dieser
+wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu
+können. Wir wollen eine anführen, und zwar
+nach Paracelsus:</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_52">[S. 52]</span></p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p><em class="antiqua">Rz.</em> Moos von einer Menschenhirnschale,
+2 Unzen, dessen Mumie 1 Unze, &#189; Unze Leinöl,
+2 Quart Rosenöl, armenisch <em class="antiqua">bolus ana</em>
+1 Unze, untereinander gemischt, und eine Salbe
+daraus gemacht, wozu Andere noch 1 Unze
+Terpentin nehmen.</p>
+</div>
+
+<p>Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher.
+Wenn einer gestochen, gehauen oder geschlagen
+worden, so nimm diese Salbe, und salbe
+die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts,
+den Schaden darfst du nicht damit binden.
+Nimm ein reines Tüchlein, binde den Schaden
+damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe
+auf, thue sie nicht in Wind, sondern an einen
+heimlichen Ort, nicht zu warm, noch zu kalt, so
+heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen,
+wie sich der Patient hält, so schaue die Wehr
+an, hat sie rothe Flecklein, so hält er sich nicht.
+Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in
+ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe
+die Wehr durch ein frisches Feuer, mache sie aber
+nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er über
+20 Meilen Weges über Land ist u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_53">[S. 53]</span></p>
+
+<h3 id="Von_der_Wuenschelruthe">Von der Wünschelruthe.</h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten
+bekannt, wird auch nach ihrer mannichfaltigen
+Anwendung <em class="gesperrt">Wendes-, Windes-,
+Wünschel-, Schlag-, Spring-, Gold-,
+Glücks-</em> und <em class="gesperrt">Erlenruthe</em> genannt, zuweilen
+auch die <em class="gesperrt">göttliche Ruthe</em> – mit welcher, in
+vorigen Zeiten besonders, mancherlei Betrügereien
+wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben
+worden sind. Sie wird von einer Haselstaude,
+auf Anhöhen, nicht an sumpfigen Orten,
+und zwar im Sommer, Mittags bei hellem
+Wetter, <em class="gesperrt">unterwärts</em> gebrochen; sie muß zwei
+Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden
+fest zusammen gemachten Fäusten, daß die
+Finger in die Höhe zu stehen kommen, gefaßt
+werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige
+zusammen sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der<span class="pagenum" id="Page_54">[S. 54]</span>
+Sucher Schritt vor Schritt gehen und sich bisweilen
+bücken, damit die magnetische Kraft desto
+eher die Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun
+der Fuß eine Metallader berührt, so dreht sich
+der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als
+wenn das verborgene Metall die Ruthe an sich
+zöge, und – man findet das Silber – wenn
+welches verborgen liegt!</p>
+
+<p>Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt
+der Jesuit <em class="antiqua">Athanasius Kircher</em> in seinem dritten
+Buche <em class="antiqua">de Art. Magnet.</em>: Wenn eine Pflanze
+eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern
+habe, so nehme sie die Natur und Eigenschaft
+desselben Metalls, über welchem sie wachse, an
+sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen
+Dunst oder Ausdämpfung der Atome per
+<em class="antiqua">inspirationem insensibilem</em> kommt, durch die
+Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das
+mit ihr übereinkomme, an sich ziehe. Diese Sympathie
+sei gleich wie beim Magnet und Eisen.</p>
+
+<p>Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu
+einem jeden Metall eine besondere Ruthe, da jedes
+Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft
+stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf
+Silber, die von Eschenholz auf Kupfer, die von<span class="pagenum" id="Page_55">[S. 55]</span>
+Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen
+von Eisen oder Kupfer.</p>
+
+<p>Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben,
+<em class="gesperrt">Quellen</em> aufzusuchen.</p>
+
+<p>Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger
+aber läuft auf Betrug oder Selbstbetrug
+hinaus. (S. Abth. III. <a href="#Die_Wuenschelruthe">Wünschelruthe</a>.)</p>
+
+
+<h4 id="Die_Springwurzel"><em class="gesperrt">Die Springwurzel.</em></h4>
+
+<p>Sie soll die Kraft haben, nicht allein die
+Schlösser aufzusprengen, sondern auch große Ketten
+zu zerreißen, um Schätze damit aufzuschließen.
+Man soll sie auf folgende Weise finden.
+Wenn man das Nest eines Grünspechts, einer
+Elster oder eines Wiedehopfs mit einem Keil
+zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder
+eine Wurzel, welches den Keil heraussprenge.
+Wer nun ein rothes oder weißes Tuch unter dem
+Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel
+fallen.</p>
+
+<p>Wer wohl die Probe gemacht haben mag?</p>
+
+
+<h4 id="Die_Alraunwurzel"><em class="gesperrt">Die Alraunwurzel.</em></h4>
+
+<p>Diese Pflanze (<em class="antiqua">Atropa Mandragora</em>) soll
+den Besitzer reich und glücklich machen; auch war<span class="pagenum" id="Page_56">[S. 56]</span>
+sie schon unter dem Namen <em class="antiqua">Circea</em>, von der Zauberin
+Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst
+von großem Nutzen sein sollte.</p>
+
+<p>Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens
+finden soll, so wird sie auch <em class="gesperrt">Galgenmännlein</em>
+genannt.</p>
+
+<p>Sie wird auf folgende Weise gegraben. An
+einem Freitag vor Sonnenaufgang (Andere sagen
+in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man
+sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben,
+aber vorher seine Ohren mit Baumwolle
+oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn
+sie aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei
+macht, das dem Sucher Schaden bringen würde.
+Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze
+steht, drei Kreuze darüber gemacht, die Erde
+rings umher abgegraben, daß die Wurzel nur
+noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt
+man sie mit einem Stricke, bindet solchen den
+Hund an den Schwanz, hält demselben ein Stück
+Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn
+nun der Hund nachfolgen will, reißt er die Wurzel
+aus der Erde und fällt todt nieder; dem
+Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem
+man nun die Wurzel, welche eine menschenähnliche<span class="pagenum" id="Page_57">[S. 57]</span>
+Gestalt haben soll, in seine Gewalt bekommen,
+muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden,
+auf ein weiches Lager in ein Kästchen
+legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden, neu
+anziehen und fleißig warten. So hat man denn
+einen Schatz, der Glück bringt, das steinerne
+Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld dabei,
+so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.</p>
+
+<p>Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls
+auf Betrügerei hinaus. Die Gefahr und
+Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als
+ein theures Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze,
+die gar nichts menschenähnliches hat, wird
+zu den <em class="gesperrt">betäubenden</em> gerechnet und in der Medizin
+nicht gebraucht.</p>
+
+
+<h4 id="Das_Sieblaufen"><em class="gesperrt">Das Sieblaufen</em>
+(<em class="antiqua">Oscinomantia</em>).</h4>
+
+<p>Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen
+will, wer etwas gestohlen, oder sonst eine
+böse That begangen hat. Man macht es also:
+Man nimmt eine Zange oder Erbscheere, die
+so lang ist, daß man das Sieb zu beiden
+Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe
+in die Höhe, daß es vertikal hängt. Darauf
+müssen zwei Personen die Zange mit ihrem<span class="pagenum" id="Page_58">[S. 58]</span>
+Mittelfinger von beiden Seiten zusammen
+halten, und der Hexenmeister spricht folgende barbarische
+Worte:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Dies, mies, Jeschet, benedæfet,</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">dowima, Enitemans.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+<p class="p0">Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen.
+So bald nun der Schuldige genannt wird,
+soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch verrathen.
+– Wenn nun den Siebhaltern die Hände
+zittern, oder bei Nennung eines Namens, den
+man <em class="gesperrt">besonders</em> in Verdacht hat, eine Bewegung
+geschieht – die natürlich geschehen wird –
+so wird und muß sich das Sieb drehen!</p>
+
+<p>Denselben Aberglauben treibt man auch mit
+einer Erb-Bibel und einem Erb-Schlüssel.</p>
+
+
+<h4 id="Speculum_Salomonis"><em class="antiqua">Speculum Salomonis</em>,
+oder <em class="gesperrt">der Spiegel Salomons</em>.</h4>
+
+<p>In einem Manuscripte, welches obigen Titel
+führt, werden drei Spiegel beschrieben und
+jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt.
+Diese Spiegel sollen aus den sieben Metallen,
+das Quecksilber mit darunter gerechnet, gefertigt
+werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift
+gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen)<span class="pagenum" id="Page_59">[S. 59]</span>
+an, in der Stunde, wenn der Mond neu wird,
+und thut Gold und Eisen in einen neuen Tiegel,
+schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt
+man die Worte mit Taubenblut auf Papier: <em class="antiqua">Teonemanuel
+Iskiroh</em>, und den Taufnamen desjenigen,
+für den der Spiegel bestimmt ist, wirft
+es hinein und läßt es mit verbrennen. Der Tiegel
+wird hierauf an einen sichern Ort gethan.
+Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel
+wieder aufs Feuer und wirft zu den vorigen
+zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere.
+Auf gleiche Weise wartet man, bis der
+Mond wieder neu wird, setzt den Tiegel aufs
+Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein.
+So wird es auch mit dem Silber und zuletzt
+mit dem Zinn und Quecksilber gemacht, wobei
+aber das Zettelchen mit den Charakteren und
+den Taufnamen nicht fehlen dürfen. Sind nun
+die sieben Metalle auf diese Weise zusammen geschmolzen,
+läßt man sie im Tiegel drei Tage
+nach dem neuen Mond stehen, dann in der
+Stunde, da vorher der Mond neu worden ist,
+schmelzt man die Materie und gießt die Spiegel
+in die Form. Bei Gießung des ersten Spiegels
+spricht man:</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_60">[S. 60]</span></p>
+
+<div class="avoid-break">
+<table class="list">
+<tr>
+ <td>Aus Gott kömmt</td>
+ <td rowspan="4" class="vcenter">&nbsp;<img class="brace4" src="images/rbrace.jpg" alt="}">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="4" class="vcenter">alle Weisheit.</td>
+</tr>
+<tr>
+<td>In Gott ist</td>
+</tr>
+<tr>
+<td>Bei Gott bestehet</td>
+</tr>
+<tr>
+<td>Gott der Vater liebet</td>
+</tr>
+</table>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p>Bei Gießung des andern Spiegels spricht
+man:</p>
+
+<table class="list avoid-break">
+<tr>
+ <td>Gott der Sohn erhält</td>
+ <td rowspan="3" class="vcenter">&nbsp;<img class="brace3" src="images/rbrace.jpg" alt="}">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="3" class="vcenter">alle Welt.</td>
+</tr>
+<tr>
+<td>Gott der Sohn erlöset</td>
+</tr>
+<tr>
+<td>Gott der Sohn speiset</td>
+</tr>
+</table>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p>Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht
+man:</p>
+
+<table class="list">
+<tr>
+ <td>Der heilige Geist erleuchtet</td>
+ <td rowspan="3" class="vcenter">&nbsp;<img class="brace3" src="images/rbrace.jpg" alt="}">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="3" class="vcenter">alle, die Wahrheit lieben.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>Der heilige Geist tröstet</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>Der heilige Geist stärket</td>
+</tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Sind die Spiegel fertig, so werden auf die
+Rückseite wunderliche Figuren und barbarische
+Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel
+polirt.</p>
+
+<p>Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond
+neu wird, in einem Rahmen oder Kasten, ebenfalls
+mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt
+man eine Frage auf Papier, legt es unter dem
+Spiegel, und erfährt, was man will. Aber nur
+derjenige darf in den Spiegel schauen, für den
+er gemacht worden ist.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_61">[S. 61]</span>Im ersten Spiegel sieht man, was an allen
+Orten geredet und gehandelt wird, als: was
+macht der Kaiser von China? Die Antwort
+wird im Spiegel erscheinen. Auch erfährt man
+durch ihn, was in versiegelten Briefen steht.</p>
+
+<p>Im zweiten Spiegel sieht man, was einem
+im Körper fehlt und wie ihm zu helfen sei. –
+Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin
+geschrieben, und die Schrift mit Pulver von Vitriol
+und Galläpfeln bestreut, damit sie sichtbar
+werde. Man kann auch durch diesen Spiegel
+Andern die Nativität stellen.</p>
+
+<p>Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten:
+Verbrechen, Diebstahl, Betrügerei etc.</p>
+
+<p>Der geneigte Leser sieht nun, was er von
+dem berüchtigten <em class="gesperrt">Spiegel Salomons</em> zu halten
+habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch
+des Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft
+ausgeht.</p>
+
+
+<h4 id="Vom_Unsichtbarmachen"><em class="gesperrt">Vom Unsichtbarmachen.</em></h4>
+
+<p>Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im
+grauen Alterthum Anhänger gehabt, z. B. der
+Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben,
+und Apollonius von Thyana machte sich schnell<span class="pagenum" id="Page_62">[S. 62]</span>
+unsichtbar, um dem Zorn des Kaiser Domitian
+zu entfliehen.</p>
+
+<p>Viele suchen die Kraft in einem Steinchen,
+das sich in einem Zeisig-Neste befände, und man
+es durch den Schatten im Wasser, oder einen
+Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen
+bei den Raben, wenn man nämlich einen
+jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn erwürgt,
+und bei dem Neste an einen Faden aufhängt;
+dann soll der alte Rabe wegfliegen, und das
+Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches,
+wenn er es dem todten Raben in den Schnabel
+gesteckt hat, denselben unsichtbar mache. Deswegen
+soll man an den todten Raben einen langen
+rothen Faden binden, um ihn zu finden.</p>
+
+<p>Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht
+so die folgende, auf andere Weise durch Beschwörungsformeln.
+– Man spricht:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p class="p0 mbot0">Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth?</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?</p>
+<p class="mtop0 mbot0">Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.</p>
+<p class="mtop0 mbot0">Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und
+Fuß. Seine heiligen fünf Wunden mich verbergen
+thun. Amen.</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0"><span class="pagenum" id="Page_63">[S. 63]</span>Gesegne
+mich Gott! Ich bin wohlgemuth,</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.</p>
+
+<p class="mtop0 mbot0">Christus, der Herr, der die Blinden sehend
+gemacht und die Sehenden blind machen
+kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln
+und verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet
+noch merket, sondern eure Augen stets von mir
+abwenden müßt. Amen.</p>
+
+<p class="mtop0 mbot0">Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth!</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut!</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich,</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Und was ich bet’ und will und greif’,</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Dem bin ich in Christo gleich,</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Als der Heilige im Himmelreich.</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Im Namen Gottes † † †. Amen.</p>
+
+<p class="mtop0 mbot0">Hierauf bete fünf Vater Unser und den
+Glauben, so wirst du unsichtbar erfunden
+werden.</p>
+</div>
+
+<p>Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede,
+sondern <em class="gesperrt">christliche</em> Magie, welche sich mit der
+kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im
+17. Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_64">[S. 64]</span></p>
+
+<h3 id="Von_der_Chiromantie">Von der Chiromantie.</h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und
+Bergen der flachen Hand, ingleichen aus den
+Adern auf den Händen und den Nägeln an den
+Fingern, von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit,
+Gesundheit und Krankheit zu
+urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm
+entweder schon begegnet oder begegnen wird, zu
+errathen und anzuzeigen. Sie wird eingetheilt
+in die <em class="gesperrt">physische</em> und <em class="gesperrt">astrologische</em>. Die erste
+hat allein mit der Beschaffenheit des Körpers
+und den damit verknüpften Gemüthsneigungen
+zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und
+Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden,
+Feinden u.&nbsp;s.&nbsp;w. – In der physischen Chiromantie
+betrachtet man die Linien in der Hand,
+ihre Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte <span id="Page_64_1">und</span>
+<span class="pagenum" id="Page_65">[S. 65]</span>Vermischungen mit einander. Auf gleiche Weise
+werden die Adern auf den Händen in Betrachtung
+gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre
+Länge, Breite, Farbe, Flecken u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p>Der Wahrsager begründet seine Thorheit
+darauf, daß Gott und die Natur nichts umsonst
+gemacht habe, folglich müßten die Zeichen
+auch ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben.
+– Da aber die Hände auf verschiedene Weise
+gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene
+Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man
+unter andern, ob der Mensch kurz oder lange leben
+werde. Nun sterben aber viele Kinder bald
+nach der Geburt, in deren Händen sich dennoch
+die Lebenslinie befindet – also wozu diese Linie,
+wenn sie nichts andeutet?</p>
+
+<p>Die astrologische Chiromantie wird daher so
+genannt, weil sie entweder verschiedene Dinge
+aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit
+Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget.
+So giebt es nun, wie in der physischen, verschiedene
+Linien in der Hand, als: die Lebenslinie,
+Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der
+Liebesgürtel, die Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie.
+– Dann giebt man Acht auf die in der<span class="pagenum" id="Page_66">[S. 66]</span>
+Hand befindlichen Berge, deren man, nach den
+sieben Planeten, auch sieben zählt und einem jeden
+seinen eignen Planeten zueignet, wovon er
+auch den Namen führt. Dann hat man auch
+noch einige Flächen, die zwischen gewissen Linien
+eingeschlossen liegen und ihre besondern Namen
+haben. In der physischen Chiromantie urtheilt
+man hierdurch nur vom gegenwärtigen Zustande
+des Menschen; die astrologische allein von zukünftigen
+Dingen.</p>
+
+<p>Was sollen nun, noch Einmal wiederholt,
+alle diese Linien u.&nbsp;s.&nbsp;w. gelten, wenn es Menschen
+giebt, welche die Heirathslinie besitzen und
+doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den
+Liebesgürtel haben, frühzeitig sterben, mit der
+Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des <span id="Page_66_1">Spaßes</span>
+wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten
+aus der Hand wahrsagen, und man wird
+den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren.
+(S. Abth. III. <a href="#Die_Wahrsagerin">die Wahrsagerin</a>.)</p>
+
+<p>Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist
+zu werden, der siehe <a id="text_fig_9" href="#fig_9">Fig. 9.</a> und lese weiter.</p>
+
+<p>Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten
+Namen: der Daumen (<em class="antiqua">Pulex</em>), der
+Zeigefinger (<em class="antiqua">Index seu demonstrativus</em>), der<span class="pagenum" id="Page_67">[S. 67]</span>
+Mittelfinger (<em class="antiqua">Medius</em>), der Goldfinger (<em class="antiqua">Annularis</em>)
+und der Ohrfinger (<em class="antiqua">Auricularis</em>).</p>
+
+<p>Den Hügel oder Berg am Daumen nennt
+man <em class="antiqua">Mons Veneris</em> (♀), den Berg am Zeigefinger
+<em class="antiqua">Mons Jovis</em> (♃), den am Mittelfinger
+<em class="antiqua">Mons Saturni</em> (♄), am Goldfinger <em class="antiqua">Mons Solis</em>
+(☉) und am Ohrfinger <em class="antiqua">Mons Mercurii</em> (☿).</p>
+
+<p>Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich
+befindet, heißt <em class="antiqua">Restricta</em>; man hat bisweilen
+4 Restrikten.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Lebenslinie</em> (<em class="antiqua">Linea Vitae</em>) fängt bei
+der Mittellinie an, zwischen dem Daum und Zeigefinger,
+umgeht den Berg des Daumes, und
+läuft bis an das Ende der flachen Hand.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Hauptlinie</em> (<em class="antiqua">Linea Capitis, Media
+naturalis</em>) fängt bei der Lebenslinie an und geht
+durch die Mitte der Hand bis an das Ende.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Tischlinie</em> (<em class="antiqua">Linea Mensalis</em>) fängt
+am Berge des Ohrfingers an und geht bis zum
+Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Glückslinie</em> (<em class="antiqua">Linea Saturni</em>) geht
+von der <em class="antiqua">Restricta</em> aus und bildet durch die andern
+Linien, indem sie dieselben durchschneidet,
+gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar
+nicht, oder sie geht bis zur Mittellinie, an den<span class="pagenum" id="Page_68">[S. 68]</span>
+Berg Saturn, oder sie fügt sich an die Mitte
+der Lebenslinie mit einigen Aesten.</p>
+
+<p>Wenn diese fünf Linien in einer gewissen
+Proportion stehen, so erzeugen sie gewisse Flächen
+zwischen denselben: den <em class="gesperrt">Tisch der Hand</em> (<em class="antiqua">Quadrangulus</em>
+oder <em class="antiqua">Mensa manus</em>), welcher zum
+Ohrfinger gehört; daneben sieht man den <em class="gesperrt">Triangel</em>,
+und unter demselben den <em class="gesperrt">Mondberg</em>
+(<em class="antiqua">Mons Lunae</em>), links vom Triangel liegt der
+<em class="gesperrt">Marsberg</em> (<em class="antiqua">Mons Martis</em>).</p>
+
+<p>Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien:
+die Lebenslinie, welche mit dem Herz, die Glückslinie
+mit der Leber und die Hauptlinie mit dem
+Hirn in Verbindung steht.</p>
+
+<p>Ist nun die <em class="gesperrt">Lebenslinie</em> lang und ganz,
+nicht zerschnitten, so bedeutet sie ein gesundes
+langes Leben.</p>
+
+<p>Wenn die <em class="gesperrt">Linie des Hauptes</em> krumm
+und zertheilt ist, bedeutet es Mangel an körperlicher
+Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und
+bösen Handlungen geneigt.</p>
+
+<p>Wenn die <em class="gesperrt">Glückslinie</em> lang und breit ist,
+bedeutet es ein glückliches Leben; ist sie zertheilt,
+Krankheit.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Triangel</em>, wenn er drei gleiche spitzige<span class="pagenum" id="Page_69">[S. 69]</span>
+Winkel hat, bedeutet einen frommen friedsamen
+Menschen.</p>
+
+<p>Wenn der <em class="gesperrt">Tisch</em> lang ist und viele kleine
+Linien hat, die gegen den Berg Jovis steigen,
+so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn
+aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und
+Mittelfinger endet, so bedeutet es, daß der Mensch
+am Haupt beschädigt werde, überhaupt Blutfluß.</p>
+
+<p>Wenn die <em class="gesperrt">Tischlinie</em> die rechte Hand
+durchgehet, bedeutet es einen bösen Menschen;
+ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so
+hat der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Tisch der Hand</em>, wenn er eng in
+der Mitte ist, bedeutet einen geizigen Menschen;
+ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er
+ein Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet
+einen gewöhnlichen Menschen.</p>
+
+<p>Hiermit werden die neugierigen Leser und
+Leserinnen zufrieden sein, – denn es giebt noch
+eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine
+Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit
+wir einen eigenen Band füllen könnten.</p>
+
+<p>Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch
+die ganzen Hände mit ihren Eigenschaften vornehmen:</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_70">[S. 70]</span>Eine
+<em class="gesperrt">lange Hand</em> mit <em class="gesperrt">langen Fingern</em>
+bedeutet einen langsam trägen Menschen, einen
+Phlegmatikus.</p>
+
+<p>Wenn die <em class="gesperrt">Mitte der Hand lang</em> und
+<em class="gesperrt">hart</em> ist, dabei die <em class="gesperrt">Finger lang</em> sind, bedeutet
+es einen diebischen Menschen.</p>
+
+<p>Ist die Mitte der Hand <em class="gesperrt">hart</em>, doch <em class="gesperrt">wohl
+proportionirt</em>, so bedeutet es ein langes anmuthvolles
+Leben; ist die Hand aber <em class="gesperrt">nicht gut</em>
+proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.</p>
+
+<p>Sind die Hände <em class="gesperrt">dünn</em> und <em class="gesperrt">lang</em>, doch
+nach dem Körper proportionirt, so ist der Mensch
+gottesfürchtig und ehrbar.</p>
+
+<p>Ist die Hand <em class="gesperrt">kürzer</em>, als sie sein sollte,
+so ist der Mensch stark und empfindlich.</p>
+
+<p>Ist die Hand <em class="gesperrt">kurz</em> und <em class="gesperrt">stark</em>, so bedeutet
+es einen sündhaften Menschen, und je mehr die
+<em class="gesperrt">Finger hart</em> sind, desto boshafter.</p>
+
+<p>Wenn eine Hand <em class="gesperrt">lang</em> und <em class="gesperrt">groß</em> ist, doch
+proportionirt, so bedeutet es einen sehr vernünftigen
+Menschen – einen Gelehrten!</p>
+
+<p>Wer <em class="gesperrt">lange Hände</em> und <em class="gesperrt">lange kleine
+Finger</em> hat, ist ein harter Mensch. Die Natur
+gab auch den <em class="gesperrt">Tyrannen</em> lange Hände!</p>
+
+<hr class="w20">
+<p><span class="pagenum" id="Page_71">[S. 71]</span></p>
+
+
+<h4 id="Von_der_Geomantie"><em class="gesperrt">Von der Geomantie.</em></h4>
+
+<p>Dies ist die sogenannte <em class="gesperrt">Punktirkunst</em>. –
+Ehemals zeichnete man die Punkte in Sand oder
+Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich
+die Frage oben auf das Blatt, damit man
+sie stets vor Augen hat, dann fängt man an zu
+punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der
+rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und
+zwar so, daß zwischen den vier Reihen ein Raum
+bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine Figur
+gemacht. Doch solche <em class="gesperrt">Punktirbücher</em>, die für
+sechs Pfennige verkauft werden, kennt jedermann;
+sie sind aber nichts weiter als ein Unterhaltungsspiel
+für – Spinnstuben.</p>
+
+<hr class="w20">
+<h4 id="Von_der_Onomantie"><em class="gesperrt">Von der Onomantie</em> <span class="s02">oder</span>
+<em class="gesperrt">Weissagung aus dem Namen.</em></h4>
+
+<p>Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben
+eine gewisse Zahl bedeuteten, und derjenige,
+in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen
+in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese
+Art der Wahrsagerei hieß <em class="antiqua">Sors Pythagorica</em>. In
+der Folge brachten es die Christen in eine rechte
+Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_72">[S. 72]</span>Man
+eignet den Buchstaben gewisse Zahlen
+zu, als:</p>
+
+<table class="fix center mwidth20">
+ <tr>
+ <td><em class="antiqua">A</em></td>
+ <td><em class="antiqua">B</em></td>
+ <td><em class="antiqua">C</em></td>
+ <td><em class="antiqua">D</em></td>
+ <td><em class="antiqua">E</em></td>
+ <td><em class="antiqua">F</em></td>
+ <td><em class="antiqua">G</em></td>
+ <td><em class="antiqua">H</em></td>
+ <td><em class="antiqua">I</em></td>
+ <td><em class="antiqua">K</em></td>
+ <td><em class="antiqua">L</em></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>1</td>
+ <td>2</td>
+ <td>3</td>
+ <td>4</td>
+ <td>5</td>
+ <td>6</td>
+ <td>7</td>
+ <td>8</td>
+ <td>9</td>
+ <td>10</td>
+ <td>20</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ <td> </td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td><em class="antiqua">M</em></td>
+ <td><em class="antiqua">N</em></td>
+ <td><em class="antiqua">O</em></td>
+ <td><em class="antiqua">P</em></td>
+ <td><em class="antiqua">Q</em></td>
+ <td><em class="antiqua">R</em></td>
+ <td><em class="antiqua">S</em></td>
+ <td><em class="antiqua">T</em></td>
+ <td><em class="antiqua">V</em></td>
+ <td><em class="antiqua">X</em></td>
+ <td><em class="antiqua">Z</em></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>2</td>
+ <td>12</td>
+ <td>22</td>
+ <td>4</td>
+ <td>10</td>
+ <td>24</td>
+ <td>7</td>
+ <td>16</td>
+ <td>4</td>
+ <td>20</td>
+ <td>1</td>
+ </tr>
+</table>
+
+<p>Statt des <em class="antiqua">W</em> nimmt man zwei Mal <em class="antiqua">V</em>, und
+statt des <em class="antiqua">Y</em> das <em class="antiqua">I</em>.</p>
+
+<p>Hierauf schreibt man die Taufnamen einer
+oder mehrerer Personen in ihrer Muttersprache
+auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen,
+welche man addirt. Die herausgekommene Summe
+wird mit 28 dividirt; was übrig bleibt, muß
+man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen
+beurtheilen:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p class="p0 mbot0"><em class="gesperrt">Rest:</em></p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;&ensp;1. 2.&ensp;&nbsp;ist Beherrscher des Widders
+(<img class="symbol wh01" src="images/symbol-01-widder.jpg" alt="♈">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;&ensp;3. 4.&emsp;&emsp;&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Stiers
+(<img class="symbol wh02" src="images/symbol-02-stier.jpg" alt="♉">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;5. 6. 7.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;der Zwillinge
+(<img class="symbol wh03" src="images/symbol-03-zwillinge.jpg" alt="♊">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;&ensp;8. 9.&emsp;&emsp;&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Krebses
+(<img class="symbol wh04" src="images/symbol-04-krebs.jpg" alt="♋">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">10. 11. 12.&emsp;&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Löwen
+(<img class="symbol wh01" src="images/symbol-05-loewe.jpg" alt="♌">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;13. 14.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;der Jungfrau
+(<img class="symbol wh06" src="images/symbol-06-jungfrau.jpg" alt="♍">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;15. 16.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;der Wage
+(<img class="symbol wh07" src="images/symbol-07-waage.jpg" alt="♎">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">17. 18. 19.&emsp;&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Scorpions
+(<img class="symbol wh02" src="images/symbol-08-skorpion.jpg" alt="♏">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">&emsp;20. 21.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Schützen
+(<img class="symbol wh09" src="images/symbol-09-schuetze.jpg" alt="♐">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0"><span class="pagenum" id="Page_73">[S. 73]</span>&emsp;22.
+23.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Steinbocks
+(<img class="symbol wh04" src="images/symbol-10-steinbock.jpg" alt="♑">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">24. 25. 26.&emsp;&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;&emsp;des Wassermanns
+(<img class="symbol wh11" src="images/symbol-11-wassermann.jpg" alt="♒">).</p>
+
+<p class="p0 mtop0">&emsp;27. 28.&emsp;&emsp;&emsp;"&emsp;&emsp;&emsp;der Fische
+(<img class="symbol wh12" src="images/symbol-12-fische.jpg" alt="♓">).</p>
+
+<p class="p0 mbot0">Der Widder, Löwe und Schütze sind <em class="gesperrt">feurig</em>;</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Die Zwillinge, Wage und der Wassermann
+<em class="gesperrt">luftig</em>;</p>
+
+<p class="p0 mtop0 mbot0">Der Krebs, Skorpion und die Fische sind
+<em class="gesperrt">wäßrig</em>;</p>
+
+<p class="p0 mtop0">Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock
+<em class="gesperrt">irdisch</em>.</p>
+</div>
+
+<p>Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei
+Namen in Ein Zeichen, so ist es gut und bedeutet
+<em class="gesperrt">Zufriedenheit</em>, und sind es Eheleute,
+so überlebt eins das andere nicht lange; sind sie
+uneinig, wird es bald Friede.</p>
+
+<p>Fällt ein Name in ein feuriges, der andere
+in ein wäßriges Zeichen, so bedeutet es <em class="gesperrt">Zank</em>
+und <em class="gesperrt">Unglück</em>. Der das feurige Zeichen hat,
+lebt länger, als der andere.</p>
+
+<p>Fällt ein Name in ein luftiges, der andere
+in ein wäßriges Zeichen, so ist die Bedeutung
+<em class="gesperrt">mittelmäßig</em>. Der im luftigen Zeichen behält
+die Oberhand.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_74">[S. 74]</span>Steht
+einer im luftigen, der andere im irdischen
+Zeichen, so ist es eine <em class="gesperrt">ganz unglückliche</em>
+Vorbedeutung, und der luftige behält die
+Oberhand.</p>
+
+<p>Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere
+in ein irdisches Zeichen, so bedeutet es
+<em class="gesperrt">Glück</em>, und der im wäßrigen spielt den Meister.</p>
+
+<p>Ein feuriges und luftiges Zeichen <em class="gesperrt">vertragen
+sich mit einander</em>, jedoch überlebt das
+luftige das feurige.</p>
+
+<p>Feuer und Erde <em class="gesperrt">vertragen sich nicht</em>;
+das feurige überlebt das irdische.</p>
+
+<p>Die luftigen und irdischen Zeichen sind <em class="gesperrt">böse</em>;
+das luftige hat die Oberhand.</p>
+
+<p>Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel
+angehen. Gesetzt, zwei Personen wollten
+sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste
+hieß <em class="gesperrt">Otto</em>; die Buchstaben ihres Namens geben
+76, diese mit 28 dividirt, bleibt 20 und fällt in
+das Zeichen des <em class="gesperrt">Schützen</em>, der <em class="gesperrt">feurig</em> ist. Der
+zweite Name hieß <em class="gesperrt">Amalia</em>, welcher 34 giebt
+und, durch 28 dividirt, 6 übrig läßt, welche
+Zahl in das Zeichen der <em class="gesperrt">Zwillinge</em> fällt und
+<em class="gesperrt">luftig</em> ist. – Also werden <em class="gesperrt">Beide sich mit<span class="pagenum" id="Page_75">[S. 75]</span>
+einander vertragen; das luftige aber
+überlebt das feurige</em>.</p>
+
+<p>Kann man die addirte Summe durch 28
+nicht dividiren, so behält man dieselbe.</p>
+
+<p>Man hat noch einige andere Arten dieser
+Wahrsagung, aber alle laufen ebenfalls auf Spielerei
+hinaus.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_76">[S. 76]</span></p>
+
+<h3 id="Von_den_Geistern"><em class="gesperrt">Von den Geistern.</em></h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:</p>
+
+<p>1) <em class="gesperrt">Feuergeister</em>, welche ihre Wohnungen
+in der obersten Luftgegend haben sollen. Sie erregen
+Blitz und Donner.</p>
+
+<p>2) <em class="gesperrt">Luftgeister</em>, welche man auch <em class="gesperrt">Poltergeister</em>,
+<em class="gesperrt">Sylvane</em>, <em class="gesperrt">Windleute</em> genannt hat,
+sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch Ungewitter
+erregen, den Menschen oft erscheinen und
+Schaden thun.</p>
+
+<p>3) <em class="gesperrt">Erdgeister</em>, die auf der Erde herumschweben,
+und wiederum in Wald-, Feld-, Berg-
+und Hausgeister eingeteilt werden.</p>
+
+<p>4) <em class="gesperrt">Unterirdische Geister</em>, welche in
+Höhlen und Bergen, besonders in Bergwerken
+wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren,
+auch Erdbeben und Winde erregen.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_77">[S. 77]</span></p>
+
+<p>5) <em class="gesperrt">Wassergeister.</em> Diese wohnen an wasserreichen
+Orten, in Brunnen, Flüssen, Seen,
+erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die
+Schiffe zu Grunde, und bringen die Menschen
+im Wasser um.</p>
+
+<p>6) <em class="gesperrt">Lichtscheue Geister.</em> Sie lassen sich
+niemals bei Tage sehen, sondern schwärmen des
+Nachts herum, machen allerhand Gepolter und
+fallen auch die Menschen an.</p>
+
+<p>Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen
+Geister und Menschen mit einem subtilen
+Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und
+eine lange, lange Zeit leben. –</p>
+
+<p>Ein Mehreres hiervon lese man: <a href="#Vom_Bannen_der_Geister"><em class="gesperrt">Vom
+Bannen der Geister.</em></a></p>
+
+
+<h4 id="Die_Berggeister"><em class="gesperrt">Die Berggeister.</em></h4>
+
+<p>Sie werden oft für einerlei Geister mit den
+Kobolden gehalten. Sie sollen in den Schachten
+und Gängen auf- und abfahren, und sich in
+allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben
+scheinen, Gänge erschroten, Kübel füllen, haspeln,
+ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie den
+Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen
+und Schimpfen dazu gereizt werden. Sie sollen<span class="pagenum" id="Page_78">[S. 78]</span>
+drei Fuß hoch sein, haben ein altes ernsthaftes
+Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem
+Schachthute bedeckt, worüber oft ein Schleier
+hängt; auch sollen sie ein Hinterleder tragen.</p>
+
+<p>Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen
+den Bergleuten, wozu ihre Einbildungskraft eine
+menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese
+Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung
+der Lichtstrahlen in den Dünsten verschiedene Abbildungen
+geben.</p>
+
+<p>Wir übergehen die Erzählungen von diesen
+Geistern.</p>
+
+
+<h4 id="Der_Kobold_78"><em class="gesperrt">Der Kobold.</em></h4>
+
+<p>Einige leiten das Wort von dem griechischen
+Worte <em class="antiqua">Kobalos</em>, Betrüger, Schmeichler – Andere
+von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt
+her; auch von einer Bergart, woraus blaue
+Farbe bereitet wird. Unter der ersten Bedeutung
+bezeichnet das Wort aber, was man auch
+ein <em class="gesperrt">Bergmännchen</em> nennt. Sonst wird unter
+<em class="gesperrt">Kobold</em> ein Hausgeist verstanden, der sich gern
+bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht,
+Arbeiten verrichtet, Possen treibt und den Menschen,<span class="pagenum" id="Page_79">[S. 79]</span>
+wenn sie nicht erzürnt werden, nicht leicht
+Schaden zufügen.</p>
+
+<p>Unter vielen Erzählungen ist der <em class="gesperrt">Hildesheimische
+Kobold</em>, Hödekin oder <em class="gesperrt">Hütgen</em>,
+bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen,
+runden Hute.</p>
+
+<p>Dieser und andere sind von Knechten und
+Mägden gespielt worden, daß, wenn etwas zerbrochen
+oder Schaden geschehen war, dieses der
+Kobold gethan haben mußte. Der Aufenthalt
+eines solchen Hausgeistes ist auch nicht von langer
+Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht
+der Entdeckung. (S. Abth. III. <a href="#Der_Kobold_214">der Kobold</a>.)</p>
+
+
+<h4 id="Wassergeister"><em class="gesperrt">Wassergeister.</em></h4>
+
+<p>Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister,
+die sich als Gespenster auf dem Wasser, bei
+den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar bewiesen.
+Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher
+Gestalt, und Viele nennen sie <em class="gesperrt">Wassernixen</em>,
+welche die Menschen zu sich in das Wasser
+ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher
+entstanden, um Kinder zu warnen, sich nicht in
+der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche
+Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man<span class="pagenum" id="Page_80">[S. 80]</span>
+diese Geister Nymphen, Najaden und Nereiden
+nannte.</p>
+
+
+<h4 id="Das_wuethende_Heer"><em class="gesperrt">Das wüthende Heer.</em></h4>
+
+<p>Es soll so viel heißen als Wodans Heer,
+und ist, der Sage nach, wohl allen Lesern bekannt.
+Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese
+Sage allgemein gewesen.</p>
+
+<p>Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur
+Winterszeit stark hören lassen, machen vielerlei
+Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört
+Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und
+Prasseln der dürren Baumäste u.&nbsp;s.&nbsp;w. Die Einbildungskraft,
+da man nichts sieht, wird nun die
+betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse
+schnauben, Rufen und Schreien (das Eulengeschrei
+kann mitwirken), und ohne genau zu untersuchen,
+entflieht der Furchtsame.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_81">[S. 81]</span></p>
+
+<h3 id="Vom_Bannen_der_Geister">Vom Bannen der Geister.</h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit
+der Menschen, daß sie sich eine Gewalt über unsterbliche
+Geister, die, ihrer Natur nach, weit
+höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu
+ihrem Dienste zwingen wollen. Daß ein Sprung
+vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein sollte,
+läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch
+unsere Vernunft glauben. Allein die Meinung,
+daß höhere Wesen auf den Menschen wirken und
+mit ihm in Verbindung treten können, streitet
+schon gegen die Erfahrung, und dann gegen unsere
+vernunftmäßigen Vorstellungen von dem Weltall
+und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem
+sich höhere Wesen wahrscheinlich befinden, so wie
+mit der menschlichen Bestimmung auf Erden und
+der künftigen Erreichung derselben! –</p>
+
+<p>Die Magier der Chaldäer und Perser, so<span class="pagenum" id="Page_82">[S. 82]</span>
+wie die alten ägyptischen Priester geben schon
+einen geheimen Umgang mit den Geistern vor.
+Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria
+erfand aber recht ordentliche Mittel und
+Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der
+Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere
+zeigten uns den allgemeinen Weg, gute
+und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen
+gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen
+Schrift, besonders die darin befindlichen Namen
+Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung
+aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch
+sie alle Geister beschwören wollen.</p>
+
+<p>Gewöhnlich werden die <em class="gesperrt">Geister der Planeten</em>
+beschworen, welche gewisse Namen erhalten
+haben, und ihnen die Regierung der Welt
+beigelegt werden. So heißt der Geist der Sonne
+<em class="gesperrt">Michael</em> – Der Geist des Mondes <em class="gesperrt">Gabriel</em> –
+Der Geist des Mars <em class="gesperrt">Samael</em> – Der Geist
+des Merkur <em class="gesperrt">Raphael</em> – Der Geist des Jupiters
+<em class="gesperrt">Sachiel</em> – Der Geist der Venus <em class="gesperrt">Anael</em>
+und der Geist des Saturn <em class="gesperrt">Cassiel</em>.</p>
+
+<p>Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses
+Zeichen, welches man wohl verstehen muß, weil
+viel darauf ankommen soll.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_83">[S. 83]</span>Will man nun einen Geist rufen, so wird
+von dem Beschwörer gefodert, daß er keinen
+Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig,
+lahm u.&nbsp;s.&nbsp;w., oder ihm ein Glied mangele,
+kurz, er muß ohne Makel sein. Ferner wird gefodert,
+daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im
+Glauben, vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht
+geizig sei. Hat er sich einen Geist zu seinem
+Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue
+Kleider anziehen, seine Sünden beichten, sich drei
+Tage allen Leidenschaften enthalten, den Armen
+Almosen spenden, am Abend nichts als Brod
+und Wasser genießen, und endlich an einem einsamen
+Ort, am Tage, welchem der Geist vorstehet,
+in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet,
+im angehenden Monde, oder auch zu einer
+andern Stunde sein Werk beginnen.</p>
+
+<p id="Der_Zauberkreis">Der
+<em class="gesperrt">Zauberkreis</em><a id="FNAnker_15" href="#Fussnote_15" class="fnanchor">[15]</a>
+wird nicht immer
+auf einerlei Art gemacht, wie vielleicht die Neugierigen
+glauben, sondern nach den Geistern, die
+man rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem
+Tage und der Stunde wird sich gerichtet. So
+muß man auch wissen, welchem Stern der Geist<span class="pagenum" id="Page_84">[S. 84]</span>
+vorstehet, in welcher Himmelsgegend er ist, und
+was für Verrichtungen er hat.</p>
+
+<p>Es werden drei Kreise von neun Fuß breit,
+jeder eine Hand breit von einander gemacht:
+1) wird im mittelsten Kreise die <em class="gesperrt">Stunde</em>, welche
+alle ihre besondern Namen haben, in welcher
+das Werk beginnen soll, geschrieben<a id="FNAnker_16" href="#Fussnote_16" class="fnanchor">[16]</a>;
+2) der <em class="gesperrt">Name</em> und
+3) das <em class="gesperrt">Siegel</em> oder <em class="gesperrt">Zeichen</em> des
+Geistes der Stunde<a id="FNAnker_17" href="#Fussnote_17" class="fnanchor">[17]</a>;
+4) der Name des
+Geistes, welcher dem Tage, wo man beginnt,
+vorsteht, nebst seinen Dienern<a id="FNAnker_18" href="#Fussnote_18" class="fnanchor">[18]</a>;
+5) der Name
+der gegenwärtigen Zeit<a id="FNAnker_19" href="#Fussnote_19" class="fnanchor">[19]</a>;
+6) der Name der
+Geister, die in derselben Zeit
+regieren<a id="FNAnker_20" href="#Fussnote_20" class="fnanchor">[20]</a>;
+7) der<span class="pagenum" id="Page_85">[S. 85]</span>
+Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man
+den Kreis macht<a id="FNAnker_21" href="#Fussnote_21" class="fnanchor">[21]</a>;
+8) der Name der Erde
+nach dem Theile der Zeit, wo man den Kreis
+macht<a id="FNAnker_22" href="#Fussnote_22" class="fnanchor">[22]</a>;
+9) die Namen der Sonne und des
+Mondes, nach der Zeit, wo man den Kreis
+macht<a id="FNAnker_23" href="#Fussnote_23" class="fnanchor">[23]</a>;
+10) in dem obersten Kreis werden
+in den vier Dreiecken der Name des Geistes,
+welcher zur selbigen Zeit der Luft vorsteht, und
+drei seiner Diener geschrieben<a id="FNAnker_24" href="#Fussnote_24" class="fnanchor">[24]</a>;
+11) im untersten
+Kreis werden die vier göttlichen Namen mit
+dazwischen gesetzten Kreuzen geschrieben<a id="FNAnker_25" href="#Fussnote_25" class="fnanchor">[25]</a>;
+12) in der Mitte des Kreises nach Osten kommt
+das <em class="antiqua">Alpha</em>, nach Abend das <em class="antiqua">Omega</em> mit einem durch
+den mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb
+des Kreises werden an den vier Dreiecken
+vier <em class="antiqua">Pentagoni</em> geschrieben. – So ist der Zauberkreis
+für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen,
+so wird der Kreis mit Weihwasser besprengt
+und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß<span class="pagenum" id="Page_86">[S. 86]</span>
+und das Kohlenfeuer<a id="FNAnker_26" href="#Fussnote_26" class="fnanchor">[26]</a>.
+Hierauf zieht man
+ein Priesterkleid oder ein weißleinwandenes Oberkleid
+an, welches aber auch zuvor mit einigen
+Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das
+eingesegnete <em class="antiqua">Pentaculum
+Salomonis</em><a id="FNAnker_27" href="#Fussnote_27" class="fnanchor">[27]</a> in die
+Hand, welches an dem Tage und der Stunde
+des Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament
+geschrieben sein muß; zuletzt ein Schwert
+oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit
+noch zwei Personen, und ruft nach den vier
+Weltgegenden die Geister, welche den sieben Planeten,
+den sieben Tagen der Woche, den Farben
+und den Metallen vorstehen. – <span id="Page_86_1">Erscheint nichts,
+so kommt alsdann die wahre Beschwörungsformel,
+welche wir der Curiosität wegen hersetzen
+wollen:</span></p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p id="Beschwoerungen">Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt
+mit göttlicher Macht und Willen, durch
+den mächtigsten Namen Gottes, <em class="antiqua">El</em>, beschwören
+wir euch kraft- und wundervoll (hier werden
+die Namen der Geister, die man wünscht,
+genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher<span class="pagenum" id="Page_87">[S. 87]</span>
+spricht und es geschieht, und durch alle
+Namen Gottes und durch den Namen <em class="antiqua">Adonay</em>,
+<em class="antiqua">El</em>, <em class="antiqua">Elohim</em>, <em class="antiqua">Elohe</em>, <em class="antiqua">Zebaoth</em>, <em class="antiqua">Elion</em>,
+<em class="antiqua">Escerchie</em>, <em class="antiqua">Jah</em>, <em class="antiqua">Tetragrammaton</em>, <em class="antiqua">Sadai</em>:
+Herr Gott, beschwören wir euch, und befehlen
+mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet
+hier neben diesem Kreis in angenehmer
+Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne Mißgestalt.
+Kommt alle als solche, weil wir euch
+befehlen durch den Namen <em class="antiqua">Y</em> und <em class="antiqua">V</em>, was
+Adam gehört und gesprochen hat; und durch
+den Namen Gottes <em class="antiqua">Agla</em>, was Loth gehört
+hat und Glück mit seiner Familie gehabt hat;
+und durch den Namen Loth, welchen Jakob
+vom Engel, der mit ihm stritt, gehört hat,
+und befreit wurde von der Hand seines Bruders
+Esau; und durch den Namen <em class="antiqua">Anephexeton</em>,
+welchen Aaron gehört, und die Rednergabe
+erhielt und weise wurde; und durch
+den Namen <em class="antiqua">Zebaoth</em>, welchen Moses nannte
+und alle Flüsse und Sümpfe des Landes Aegypten
+in Blut verwandelte; und durch den
+Namen <em class="antiqua">Escerchie Oriston</em>, welchen er nannte,
+und alle Flüsse voll Frösche wimmelten, daß
+sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles<span class="pagenum" id="Page_88">[S. 88]</span>
+vernichteten; und durch den Namen <em class="antiqua">Elion</em>,
+welchen Moses nannte und solchen Hagel hervorbrachte,
+wie vom Anfang der Welt nicht
+gewesen war; und durch den Namen <em class="antiqua">Adonay</em>,
+welchen Moses nannte und Finsterniß über das
+Land Aegypten kam; und durch den Namen
+<em class="antiqua">Alpha &amp; Omega</em>, welchen Daniel nannte und
+Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und
+im Namen <em class="antiqua">Emmanuel</em>, welchen drei Männer,
+<em class="antiqua">Sidrach</em>, <em class="antiqua">Misach</em> und <em class="antiqua">Abdenago</em> im feurigen
+Ofen sangen und befreiet wurden; und durch
+<em class="antiqua">Hagios</em> und den Sitz <em class="antiqua">Adonay</em>; und durch <em class="antiqua">ô
+Theos iscyros athanatos</em>; und durch die drei
+geheimnißvollen Namen, <em class="antiqua">Agla</em>, <em class="antiqua">on</em>, <em class="antiqua">Tetragrammaton</em>,
+beschwöre ich, und durch diese Namen
+und alle andere Namen unseres allmächtigen
+Gottes, des lebenden und wahren, welcher
+euch durch eure eigene Schuld aus dem Himmel
+gestoßen bis zu dem entferntesten Orte –
+wir beschwören euch und befehlen euch männiglich
+durch Ihn, welcher spricht und es geschieht,
+dem alle Kreaturen gehorchen, und
+durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier
+göttlichen Thiere, vor dem Sitz der göttlichen
+Majestät, vorn und hinten Augen habend, und<span class="pagenum" id="Page_89">[S. 89]</span>
+durch das Feuer, welches vor dem Throne
+flammt, und durch die heiligen Engel im Himmel,
+und durch sie, welche die Kirche Gottes
+genannt wird, und durch die höchste Weisheit
+des allmächtigen Gottes beschwören wir männiglich,
+daß ihr hier vor dem Kreis erscheint,
+um unsern Willen zu vollziehen in allem, was
+uns gefällt: durch den Sitz <em class="antiqua">Baldachiæ</em>, und
+durch den Namen <em class="antiqua">Primeumaton</em>, welchen Moses
+nannte, und die Erde verschlang <em class="antiqua">Datam</em>,
+<em class="antiqua">Corah</em> und <em class="antiqua">Abiron</em>; und in der Kraft jenes
+Namens <em class="antiqua">Primeumaton</em>, und in dem ganzen
+himmlischen Heer, fluchen wir euch, berauben
+wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer
+Freude, bis ihr in den Abgrund gestürzt, und
+stellen euch bis zum letzten Tage des Gerichts
+und verstoßen euch ins ewige Feuer in den
+Höllenpfuhl, wenn ihr nicht sogleich bei uns
+erscheint, an dem Kreis, um unsern Willen
+zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen
+<em class="antiqua">Adonay</em>, <em class="antiqua">Zebaoth</em>, <em class="antiqua">Adonay</em>, <em class="antiqua">Amioran</em>.
+Erscheinet, erscheinet! es befiehlt euch <em class="antiqua">Adonay</em>,
+<em class="antiqua">Saday</em>, der mächtige und schreckliche König,
+dessen Gewalt keine Kreatur entfliehen
+kann; ihr sollt künftig gebunden sein, wenn<span class="pagenum" id="Page_90">[S. 90]</span>
+ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich
+erscheint; es öffnet sich die Unterwelt,
+wo Heulen und Elend und ein ewiges, nie
+vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im
+Namen <em class="antiqua">Adonay</em>, <em class="antiqua">Zebaoth</em>, <em class="antiqua">Adonay</em>, <em class="antiqua">Amioran</em>,
+erscheinet, erscheinet! Was zaudert ihr?
+Eilet! Es befiehlt euch <em class="antiqua">Adonay, Saday, Rex
+regum, El, Aly, Titeip, Azia, Hyn, Jen,
+Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa,
+Eye, Exe, a El, El, El, a Hy, Hau, Hau,
+Hau, Va, Va, Va, Va</em>!</p>
+</div>
+
+<p>Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig
+gesprochen worden, lassen sich viele und mancherlei
+Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen,
+welche man aber wegbetet, bis die wahren
+Geister erscheinen.</p>
+
+<p>Werden nun meine freundlichen Leser wohl
+glauben, daß durch obige Worte Geister erscheinen
+werden, wenn der Beschwörer nicht eine
+versteckte Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei
+sich hat?</p>
+
+<p>Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine
+Stelle in der Bibel, Marc. 11, 24., welche sie
+auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem
+Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet,<span class="pagenum" id="Page_91">[S. 91]</span>
+so wirds euch werden. – Aber keine <em class="gesperrt">Geister</em>,
+davon steht nichts in der Bibel!</p>
+
+<p>Damit aber auch die Profanen diese und
+andere Zaubereien nicht lesen können, hat man
+ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern
+Figuren bestehet.</p>
+
+<p>Verschiedene Manuscripte von <em class="gesperrt">Teufels-Beschwörungen</em>,
+welche von Criminal-Gerichten
+den Betrügern und den Betrogenen abgenommen
+worden und uns zur Hand gekommen
+sind, beweisen die schrecklichste verwirrte Einbildungskraft.
+Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen,
+jedoch werden wir nur einige kurze Auszüge
+geben, wovon man das Ganze beurtheilen
+mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und
+Leserinnen einige wunderbare Titel von Manuscripten
+lesen, woraus wir auch schon früher
+Auszüge genommen haben:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p class="numlist">1)&ensp;<em class="antiqua">Arbatel de magia veterum.</em></p>
+
+<p class="numlist">2)&ensp;Des schwarzen Cyprian <em class="antiqua">Miracul-</em> oder
+Wunderbuch von 1500.</p>
+
+<p class="numlist">3)&ensp;<em class="antiqua">Raziel</em>, das alte Buch von der heiligen
+göttlichen <em class="gesperrt">Magie</em> unserm Vater <em class="gesperrt">Adam</em>,
+nachdem er aus dem Paradiese gestoßen;
+von den Engeln selbst offenbaret.</p>
+
+<p class="numlist"><span class="pagenum" id="Page_92">[S. 92]</span>4)&ensp;Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet
+des heiligen <em class="gesperrt">Christophori</em>, approbirt von
+dem bekannten <em class="gesperrt">Raphael Meyer</em> aus der
+Gesellschaft Jesu.</p>
+
+<p class="numlist">5)&ensp;<em class="antiqua">Citationes</em> der sieben Großfürsten aus dem
+VI. und VII. Buche <em class="antiqua">Mosis Bibliae Magicae</em>.</p>
+
+<p class="numlist">6)&ensp;<em class="antiqua">Zoroaster</em> des <em class="antiqua">Rabbi</em> und Juden <em class="antiqua">Clavis
+Artis</em>. Das Original ist von dem Autore
+auf eine Drachenhaut geschrieben <em class="antiqua">Anno
+Mundi</em> 1996. Hernach aber aus dem Arabischen
+ins Deutsche übersetzt worden. <em class="antiqua">Anno
+Christi</em> 1236 durch <em class="antiqua">S. V. R. et A. G.</em></p>
+
+<p class="numlist" id="Faust_Buch">7)&ensp;Meines (<em class="antiqua">Dr. Faust</em>) <em class="antiqua">Miracul-</em> und Kunst-Buches,
+genannt der <em class="gesperrt">Dreifache Höllen-Zwang</em>.
+Womit ich die Geister bezwungen,
+daß mir gebracht, was ich begehrt,
+es sei ☉ oder Silber, große oder kleine
+Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr,
+das habe ich alles mit diesem Buche zuwege
+gebracht, auch die Geister wieder lossprechen
+können. MCCCCLXXXIII. –
+Das Bild, welches voran gemalt stand,
+haben wir zum <a href="#frontispiece">Titelkupfer</a> gewählt.</p>
+
+<p class="numlist">8)&ensp;<em class="antiqua">Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti
+Magi Celeberrimi Leon</em> 1689.</p>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_93">[S. 93]</span>Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die
+sieben Großfürsten der Hölle also:</p>
+
+<p><em class="antiqua">Aziel</em>, der Schutzgeist der Erde und des
+Meeres.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Ariel</em> hat unter sich die Schätze zu Wasser
+und zu Land.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Marbuel</em> hat unter sich die versetzten Schätze
+und hilft zu allen geheimen Wissenschaften.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Mephistophilus</em> dient in Allem schnell zu
+Wasser und zu Land, und übergiebt die Pygmäen
+und <em class="antiqua">Spiritus familiares</em>.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Barbuel</em>, der Fürst aller Weisheit und
+Schätze, Großmeister zu Wasser und zu Land.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Aziabel</em>, Fürst der Berg- und Wassergeister
+und deren Schätze.</p>
+
+<p><em class="antiqua">Aniquel</em>, Fürst der Welt.</p>
+
+<p>Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit
+einer andern Formel citirt. Wir wollen, der
+Curiosität wegen, den Hauptfürsten <em class="antiqua">Mephistophilus</em>,
+welchen auch <em class="antiqua">Dr.</em> Faust gerufen hatte,
+hier einen Platz gönnen.</p>
+
+<p>Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der
+<em class="gesperrt">Gürtel Salomons</em>, welcher 4 Schuh lang
+und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit
+ungefärbter Seide genäht sein muß (<a id="text_fig_13" href="#fig_13">Fig. 13.</a>),
+<span class="pagenum" id="Page_94">[S. 94]</span>dann
+ein <em class="gesperrt">Zauberstab</em> von Myrrhenholz, 4
+Schuh lang (<a id="text_fig_14" href="#fig_14">Fig. 14.</a>),
+und <em class="gesperrt">magische Kerzen</em>
+von wildem Bienenwachs.</p>
+
+<p>Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide
+ohne Knöpfe, tritt man in den Kreis und
+spricht folgenden Unsinn:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p><em class="antiqua">O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath
+† vodescha † o Geist Mephistophilus
+† camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka
+milla † o esta sal Luna † o Geist Mephistophilus
+Deuschka † Voiberda † mera Saturnis
+† beca samo † beacca † ima † infoiecte
+† præstant † o Elohim † in Jehova
+† capes adasch † nichast † Adonai † iyii
+† inforna præca † Aglam † mihi jam aneschia
+† Fevora mihi † amo celo † Patriarch
+† &amp; Propheta † &amp; Evangelista † o Mephistophilus
+† mia hasti † paodi † Jesus
+† o Caste mihy † layamm chasta Fivastis
+casta aliamasta Jesus † Kischaco † Festa
+† Alamame † infarculem moaste fia pro amo
+infoas, mihi pro me fede † Jehova † Amia
+† Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla †
+Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam<span class="pagenum" id="Page_95">[S. 95]</span>
+† o Elui † o Acilam † o Immanuel † o
+Kirie † o Kirias eleyson, Amen.</em></p>
+</div>
+
+<p>Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst
+zuerst in der Gestalt, wie die <a id="text_fig_15" href="#fig_15">Figur 15.</a>
+angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p><em class="antiqua">O Mephistophilus † De gratias † Jesus
+† bene † benedictam † portam † o Mephistophilus
+† qua † suam † Diabolam † horas
+† sis Jesus † Amen.</em></p>
+</div>
+
+<p>Der Geisterfürst <em class="antiqua">Marbuel</em> erscheint, wenn er
+gerufen wird, in der Gestalt, wie die <a id="text_fig_16" href="#fig_16">Figur 16.</a>
+anzeigt.</p>
+
+<p id="Die_Mantelfahrt">Der Sage nach wird manchen Lesern <em class="antiqua">Dr.</em>
+Faust’s <em class="gesperrt">Mantelfahrt</em> bekannt sein; wer sich
+nun das Vergnügen machen will, eine solche
+Luftreise zu versuchen, der lese, wie Faust es
+gemacht hat. Wir lassen ihn daher selbst reden:</p>
+
+<p>»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf
+die Erde in die Runde, und auf den Mantel
+lege das Zeichen (<a id="text_fig_17" href="#fig_17">Fig. 17.</a>). In die Hand wird
+ein anderes Zeichen (<a id="text_fig_18" href="#fig_18">Fig. 18.</a>) genommen. Alsdann
+gehe rücklings auf den Mantel, daß Du
+<em class="antiqua">NB.</em> ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst;
+stehe stille und tritt <em class="antiqua">NB.</em> mit den Füßen ja nicht
+fort, sonst bist Du unglücklich. Wenn Du nun<span class="pagenum" id="Page_96">[S. 96]</span>
+recht stehest, so fange folgende Citation an, und
+melde darin den Ort, wo Du hin willst. So
+Du aus der Stube fahren willst, <em class="antiqua">NB.</em> so mache
+ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn
+der Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet
+durch die Mauer und wärest unglücklich. Merke
+aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.</p>
+
+
+<p class="center"><em class="gesperrt">Citation.</em></p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p>Ich rufe Dich Geist <em class="antiqua">Aziel Memomac</em>,
+und fahre mit mir nach <em class="antiqua">N</em>, und richte mit mir
+aus, was ich haben will.</p>
+</div>
+
+<p><em class="antiqua">NB.</em> Das sage drei Mal. Alsdann sage
+ferner:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p>O Du erhöre mich † <em class="antiqua">Jehova Ascher
+Kadosch pecol Kedoschim</em>, daß ich fahre,
+durch den Geist <em class="antiqua">Aziel</em> an Ort und Stelle gebracht
+werde.</p>
+</div>
+
+<p>Nun wird sich der Mantel erheben, und Du
+wirst gebracht werden, wohin Du willst.«</p>
+
+<p>Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer
+durch die Lüfte führt, hat die Gestalt, wie die
+<a id="text_fig_19" href="#fig_19">Fig. 19.</a> zeigt.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_15" href="#FNAnker_15" class="label">[15]</a>
+S. <a id="text_fig_10" href="#fig_10">Fig. 10.</a></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_16" href="#FNAnker_16" class="label">[16]</a>
+z. B. die <em class="gesperrt">erste Stunde</em> am Sonntag im <em class="gesperrt">Frühjahr</em> heißt
+<em class="antiqua">Yayn</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p class="mbot0"><a id="Fussnote_17" href="#FNAnker_17" class="label">[17]</a>
+Der <em class="gesperrt">Name</em> des Geistes der Sonne ist <em class="gesperrt">Michael</em>. Das
+<em class="gesperrt">Zeichen</em> s. <a id="text_fig_11" href="#fig_11">Fig. 11</a>,
+wo die Siegel der sieben Geister stehen:</p>
+
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">a</em>) Siegel des Geistes <em class="gesperrt">Michael</em>.</p>
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">b</em>)&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Gabriel</em>.</p>
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">c</em>)&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Samael</em>.</p>
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">d</em>)&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Raphael</em>.</p>
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">e</em>)&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Sachiel</em>.</p>
+<p class="mtop0 mbot0 mleft1em"><em class="antiqua">f</em>)&nbsp;&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Anael</em>.</p>
+<p class="mtop0 mleft1em"><em class="antiqua">g</em>)&nbsp;&emsp;"&emsp;&emsp;"&emsp;&ensp;"&emsp;&emsp;<em class="gesperrt">Cassiel</em>.</p>
+
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_18" href="#FNAnker_18" class="label">[18]</a>
+<em class="gesperrt">Michael</em>, <em class="gesperrt">Dardiel</em>, <em class="gesperrt">Huratapel</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_19" href="#FNAnker_19" class="label">[19]</a>
+<em class="gesperrt">Talui</em> (Frühling).</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_20" href="#FNAnker_20" class="label">[20]</a>
+Die Geister des Frühlings: <em class="gesperrt">Caracassa</em>, <em class="gesperrt">Core</em>,
+<em class="gesperrt">Amatiel</em>, <em class="gesperrt">Commissoros</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_21" href="#FNAnker_21" class="label">[21]</a>
+Das Hauptzeichen des Frühlings ist: <em class="antiqua">Spugliguel</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_22" href="#FNAnker_22" class="label">[22]</a>
+<em class="antiqua">Amadai</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_23" href="#FNAnker_23" class="label">[23]</a>
+<em class="antiqua">Abraym</em>, <em class="antiqua">Agusita</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_24" href="#FNAnker_24" class="label">[24]</a>
+<em class="antiqua">Varcan rex</em>, <em class="antiqua">Tus</em>,
+<em class="antiqua">Andas</em> und <em class="antiqua">Cynabal</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_25" href="#FNAnker_25" class="label">[25]</a>
+<em class="antiqua">Adonai</em>, <em class="antiqua">Eloy</em>, <em class="antiqua">Agla</em>, <em class="antiqua">Tetragrammaton</em>.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_26" href="#FNAnker_26" class="label">[26]</a>
+Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für
+<em class="gesperrt">Michael</em> Sandelholz.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_27" href="#FNAnker_27" class="label">[27]</a>
+S. <a id="text_fig_12" href="#fig_12">Fig. 12.</a></p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_97">[S. 97]</span></p>
+
+<h3 id="Von_Schatzgraeberei"><em class="gesperrt">Von Schatzgräberei.</em></h3>
+<hr class="w20 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo
+man nicht von vergrabenen Schätzen zu reden
+weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt
+oder leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender
+Wurm, oder ein faules Holz, welches leuchtet),
+da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch
+ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich
+in Gold, Silber und Edelsteinen, und
+es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr
+Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden
+etwas davon zu sagen, gestorben. Aber
+was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten
+voll Geld gefabelt wird, wer wollte so viel
+vergraben haben, und zwar ohne Beihülfe anderer
+Leute?</p>
+
+<p>Das sogenannte <em class="gesperrt">Schatzlicht</em> ist besonders
+am Johannistage zu sehen, und so wie man es<span class="pagenum" id="Page_98">[S. 98]</span>
+erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen
+Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er
+nicht verschwinde, oder entweichen kann. Oder
+man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe.
+Andere haben wieder eine andere Procedur: Man
+nimmt eine große Kerze von Menschenfett, und
+setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies
+Licht an einem Ort unter der Erde angezündet
+wird, daß es oftmals kracht und einen hellen
+Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen, daß
+ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des
+Schatzes ungefähr gefunden, so müssen die Geister
+citirt werden, welche den Schatz anweisen und
+überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues
+Hemd von ungewaschener Leinwand, von einer
+reinen Jungfrau verfertigt, angezogen haben; ein
+Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen
+von einem Gehenkten und – was des tollen
+Zeugs mehr ist.</p>
+
+<p>Oft wird aber auch der ganze Schatz in
+Kohlen und Hobelspäne verwandelt, und der Herr
+Schatzgräber hat dann eine gute Entschuldigung,
+sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III.
+<a href="#Schatzgraeberei">Schatzgräberei</a>.)</p>
+
+<p>Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein<span class="pagenum" id="Page_99">[S. 99]</span>
+Mittel: Man nehme Weihrauch und Myrrhen,
+beräuchere das Verwandelte damit, und spreche
+die Formel:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p>Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe
+den Geist vom Geld, in Ewigkeit, Amen.</p>
+</div>
+
+<p>Hierauf muß folgende Beschwörung drei
+Mal gesprochen werden:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p><em class="antiqua">O Jehova Amasalm hischacolam Jesus
+Maaschii Christe Nazarenus Rex, Elohim
+Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam,
+Schacor, Diabolam, Christe benedictam.</em></p>
+</div>
+
+<p class="p0">Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.</p>
+
+<p>So Du einen Schatz heben willst, sagt <em class="antiqua">Dr.</em>
+Faust, und dazu kommst, so schreibe diese Worte
+darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes,
+so kann es nicht verrücken:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Domini Seussa Kaatu.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+<p class="p0">Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du
+besser dazu kommen kannst, so schreibe diese
+Worte darauf:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">Saat Saato da</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Knuss Tetragrammaton</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Agla Elyla Elylam</em></div>
+<div class="verse"><em class="antiqua">Mazakat Hane.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+<p>Damit die Geister den besetzten Schatz
+verlassen<span class="pagenum" id="Page_100">[S. 100]</span>
+müssen, muß man die <a id="text_fig_20" href="#fig_20">Figur 20</a> haben.
+Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ <em class="antiqua">X</em>,
+auf ♄ welches dünn geschlagen und lege es
+neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz
+verborgen liegt, so werden die Geister alsobald
+davon weichen müssen, und Du kannst ihn ohne
+alle Gefahr herausnehmen.</p>
+
+<p>So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein
+Schatz liegt, so gehe dahin im Vollmond, nimm
+drei Hände voll Erde im Namen der heiligen
+Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand
+voll, im Namen des S. und eine im Namen des
+heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit welchem
+der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre
+es in einem saubern Zimmer bis auf den
+Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist
+eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten
+Fußspitze und sprich:</p>
+
+<div class="blockquot">
+<p>Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte
+Dich durch Christi Blut, daß Du mußt stille
+stehen und nicht wieder gehen, weder in die
+Tiefe noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit
+Gottes wird meinen Wunsch begleiten † † †.</p>
+</div>
+
+<p>Hierauf werden mit dem Stabe noch neun
+Kreise um sich gezogen. In den Kreis stelle man<span class="pagenum" id="Page_101">[S. 101]</span>
+einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei
+Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen,
+um hohl zu liegen, darunter kommen die drei
+Häuflein Erde, hernach das Evangelium St.
+Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben
+sein muß.</p>
+
+<p>Es müssen aber nur drei Personen, im Namen
+der heil. Dreieinigkeit und ein jeder mit
+dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan
+sein, in den Kreis treten; von Einem nur
+muß die Beschwörung geschehen. Die übrigen
+zwei Personen beten den Psalm <em class="antiqua">de profundis</em>;
+übrigens sollen auch diejenigen keine großen Sünden
+auf sich haben. Derjenige, welcher den Geist
+beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es
+☾ oder ☉ sein soll, auch den Schlag und Münze,
+ob es dem Wasser oder der Erde sein soll, begehren.
+Es muß derselbe mit einer Reliquie
+gefaßten Kreuz versehen sein, und so oft in einer
+Beschwörung ein † aufgezeichnet ist, über ihn
+und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste
+Particul ist des heil. Ignatii der Societät Jesu,
+oder von Innocens XI. – so ist man von allem
+Schrecken befreit.</p>
+
+<p>Fängt man an zu graben, so muß an den<span class="pagenum" id="Page_102">[S. 102]</span>
+Stiel der Schaufel folgendes mit Blut von einer
+schwarzen Katze geschrieben werden:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse"><em class="antiqua">† Seglane † Sextex Jahix leomanx.</em></div>
+</div>
+</div>
+
+<p class="p0">Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier
+Wochen ruhen lassen, ohne ihn zu besehen. Dann
+nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen
+giebt man dem ersten Bettler, den zweiten der
+Kirche und den dritten dem Armenhause, und
+theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –</p>
+
+<p>Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei
+s. Abth. III. <a href="#Entdeckung_der_Geisterbeschwoerer">Entdeckung der Geisterbeschwörer</a>
+zu Anfang des 19. Jahrhunderts.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter padbot5">
+<p><span class="pagenum" id="Page_103">[S. 103]</span></p>
+
+<p class="s3 center" id="Zweite_Abtheilung"><em class="gesperrt">Zweite Abtheilung.</em></p>
+<hr class="w15">
+<h2><em class="gesperrt">Vom Aberglauben.</em></h2>
+
+<hr class="w20">
+
+<p class="center">Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!</p>
+<hr class="w30">
+</div>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_105">[S. 105]</span></p>
+<hr class="full padbot3">
+
+<p class="drop-cap">Wir
+könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten
+aufzuzählen, welche die Abergläubischen in
+<em class="gesperrt">allen Lebensverhältnissen</em> anwenden: bei
+Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen,
+in der Oekonomie, bei Naturerscheinungen
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. Wir begnügen uns mit dem allgemein
+Bekannten und werden schon daran genug
+haben.</p>
+
+<hr class="w20">
+
+<h4 id="Page_105_1"><em class="gesperrt">Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale
+schreien hört, der soll diesen
+Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht,
+sag’ mir recht, wie viel
+Jahre ich leben soll?</em></h4>
+
+<p>So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so
+viel Jahre soll einer leben. – Welche Narrheit!
+Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird
+den Gukkuk 5, 10 bis 15 Mal hören, jedes
+Jahr mehr oder weniger.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_106">[S. 106]</span>Der
+Name Beckenknecht oder Bäckerknecht
+soll aus folgendem Märchen entstanden sein:</p>
+
+<p>Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den
+armen Leuten von ihrem Brodteig gestohlen, und
+wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn
+wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk!
+Worauf ihn Gott bestraft und in diesen
+Vogel verwandelt hätte.</p>
+
+
+<h4 id="Page_106_1"><em class="gesperrt">Es ist nicht gut, wenn man über das
+Kehrig geht.</em></h4>
+
+<p>Das ist wahr, denn man tritt es mit den
+Füßen an und bringt es auf reine Stellen; und
+überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man
+darüber gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau
+an. Allein die abergläubischen Weiber meinen:
+man habe kein Glück.</p>
+
+
+<h4 id="Page_106_2"><em class="gesperrt">Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern
+nach dem Himmel weißt.</em></h4>
+
+<p>Der Abergläubische meint, die Augen der
+Engel im Himmel würden mit den Fingern verletzt.
+– Es ist schon unschicklich, auf Jemand
+mit Fingern zu deuten, und deshalb wird es<span class="pagenum" id="Page_107">[S. 107]</span>
+den Kindern verboten. – <em class="antiqua">Rungius</em>, im ersten
+Stück seiner morgenländischen Fragmente für die
+Bibel 1783, S. 54, erzählt: Zwei Kaufleute
+in Persien hatten sich einst, um den König Sefi
+zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei
+mußte. Als er sich ihnen mit seiner Begleitung
+näherte, bat der eine seinen Freund, ihm den
+König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte.
+Dieser, der ihn oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben
+mit Fingern, damit er ihn von andern
+Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte
+er dieses gethan, so kamen einige Reiter, von
+welchen einer ihm die Hand abhieb.</p>
+
+
+<h4 id="Page_107_1"><em class="gesperrt">Es ist nicht gut, wenn man einen leeren
+Rost oder einen Dreifuß auf
+dem Feuer stehen läßt.</em></h4>
+
+<p>Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel
+voll Karpfen darauf stehen zu haben. Allein die
+Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer
+stehen bliebe, würde diejenige, welche es gethan,
+runzlicht und alt. Es ist also kein Wunder, daß
+diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen,
+wenn sie die Speisen davon genommen haben.
+Ein alter Dichter aber sagt:</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_108">[S. 108]</span></p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+<div class="verse">Nicht der Dreifuß, noch der Rost,</div>
+<div class="verse">Sondern eine <em class="gesperrt">magre Kost</em>,</div>
+<div class="verse">Vieles Schminken, Cordoisiren,</div>
+<div class="verse">Und mit Salben sich beschmieren,</div>
+<div class="verse">Diese und dergleichen Sachen</div>
+<div class="verse">Sind es, die die Runzeln machen.</div>
+</div>
+</div>
+
+
+<h4 id="Page_108_1"><em class="gesperrt">Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum
+zu pflanzen.</em></h4>
+
+<p>Man erbitte sich von einem Freunde Morgens,
+am Fastnachtstage, ein Stückchen rohes
+Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu
+einem jungen Weidenbaume, bohre ein Loch in
+den Stamm, lege das Fleisch mit der Zunge in
+das Loch, mache es wieder mit der Schale zu,
+und gehe davon. Man darf aber nicht wieder
+dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der
+Kropf bleibt am Halse. <em class="antiqua">Probatum est!</em></p>
+
+
+<h4 id="Page_108_2"><em class="gesperrt">Wenn ein Dienstmädchen wissen will,
+ob sie lange bei ihrer Herrschaft in
+Dienst bleiben oder bald abziehen
+werde, soll sie am Weihnachts-heiligen-Abend
+den Schuh werfen.</em></h4>
+
+<p>Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen<span class="pagenum" id="Page_109">[S. 109]</span>
+setzt sich in der Christnacht in die Stube
+auf die Erde, den Rücken nach der Thür zugekehrt,
+und schleudert nun den Schuh vom Fuße
+über den Kopf weg. Hierauf giebt sie Acht, wie
+der Schuh liegt: ist die Spitze desselben nach der
+Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie
+bald von ihrer Herrschaft abziehen werde; liegt
+aber der Schuh mit dem Absatze nach der Thür
+zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht,
+daß es wahr wird. Glaubt sie bald
+abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit vernachlässigen
+und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt
+sie, daß sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt
+zu machen suchen, und die Herrschaft, mit
+ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.</p>
+
+
+<h4 id="Page_109_1"><em class="gesperrt">Wenn die Gevattern mit dem Kinde
+zur Taufe gehen und über ein Wasser
+kommen, sollen sie Brod ins
+Wasser werfen.</em></h4>
+
+<p>Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel
+am Brode haben. – Dieses ist vermutlich
+ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.:
+»Laß dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst
+du es finden auf lange Zeit.«</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_110">[S. 110]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_110_1"><em class="gesperrt">Wie ein Mädchen erfahren soll, ob
+sie in einem Jahre einen Mann erhalten
+werde.</em></h4>
+
+<p>Sie muß am heiligen Christabend, in der
+Mitternacht, an das Hühnerhaus klopfen und
+sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen
+Mann; gackert die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).«
+– Wenn nun durch das Klopfen Hahn
+und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich
+sein kann: was soll nun das arme Mädchen
+glauben? – Die Thoren!</p>
+
+
+<h4 id="Page_110_2"><em class="gesperrt">Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen
+und Fahnen spielen, ist es ein
+Zeichen des kommenden Krieges.</em></h4>
+
+<p>Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden
+auch öfters die Kinder kriegerische Spiele vornehmen.</p>
+
+
+<h4 id="Page_110_3"><em class="gesperrt">Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet,
+hat beständig Glück.</em></h4>
+
+<p>Der Klee (<em class="antiqua">Trifolium</em>) hat drei Blätter, und
+nur ein Spiel der Natur (<em class="antiqua">Lusus naturæ</em>) giebt
+vier Blätter, so wie man so viele monströse Gewächse
+hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt<span class="pagenum" id="Page_111">[S. 111]</span>
+nicht oft gefunden wird, so hat nur derjenige
+von Glück zu sagen, der es findet. Ein Anderer
+muß lange darnach suchen.</p>
+
+
+<h4 id="Page_111_1"><em class="gesperrt">Des Nachts soll Niemand in den Spiegel
+sehen, denn der Teufel blickt
+hinein.</em></h4>
+
+<p>Das wär für die gern sich putzenden Damen,
+zum Ball, Theater u.&nbsp;s.&nbsp;w. nicht gut, auch dürften
+sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine
+wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben,
+als sich selbst – es müßte denn der Hoffarths-Teufel
+sein.</p>
+
+
+<h4 id="Page_111_2"><em class="gesperrt">Daß die Leute aussehen, als hätten sie
+drei Köpfe, zu machen.</em></h4>
+
+<p>Man nimmt von den Haaren eines todten
+Esels und macht daraus eine Schnur; dann
+nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der
+rechten Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs,
+bestreicht damit die Schnur, und legt sie dann
+über die Hausschwelle, so werden die Menschen,
+welche in das Haus treten, aussehen, als hätten
+sie drei Köpfe. Diese aber werden den Verfertiger
+der Schnur für – einen Esel halten.
+<em class="antiqua">Probatum est! De mirabilibus Albertus M.</em></p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_112">[S. 112]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_112_1"><em class="gesperrt">Ein Jägerstückchen.</em></h4>
+
+<p>Wenn man das Tuch, womit ein Jäger
+seine Büchse oder Flinte putzt, in ein in einer
+Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen
+gerichtet sein muß, steckt, das Loch mit einem
+Pflock von Hagedorn verstopft, so kann der Jäger,
+als bester Schütze, keinen gewissen Schuß
+thun. Daher sollen die Jäger ihre Putzlappen
+ins fließende Wasser werfen.</p>
+
+<p>Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu
+finden?</p>
+
+
+<h4 id="Page_112_2"><em class="gesperrt">Wessen Schatten in der Christnacht bei
+eingebrachtem Lichte keinen Kopf
+hat, der stirbt das Jahr.</em></h4>
+
+<p>Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen!
+Dies kann man aber jeden Tag, wenn man zwei
+Lichter in die Stube bringt. Auch hat der
+Schatten dadurch oft zwei Köpfe.</p>
+
+
+<h4 id="Page_112_3"><em class="gesperrt">Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem
+Altar von selbst auslöscht, so stirbt
+bald ein Geistlicher von dieser
+Kirche.</em></h4>
+
+<p>Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben;
+allein daß man durch das Auslöschen eines<span class="pagenum" id="Page_113">[S. 113]</span>
+Altarlichtes den Tod eines Geistlichen prophezeihen
+will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie
+leicht kann ein Zugwind das Licht ausblasen,
+oder im Winter bei großer Kälte, wo des Lichtes
+Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur
+Nahrung zu schmelzen, sie erlöschen muß. Die
+Kirchner werden noch mehr natürliche Ursachen
+angeben können.</p>
+
+
+<h4 id="Page_113_1"><em class="gesperrt">Sanct Johannis-Kraut ist von so großer
+Kraft, den T... und die Hexen
+zu vertreiben, daher auch der T...,
+aus Bosheit, die Blätter dieses
+Krautes mit Nadeln durchsticht.</em></h4>
+
+<p>Das Johannis-Kraut (<em class="antiqua">Hypericum perforatum</em>)
+hat eiförmige und durchlöcherte Blätter,
+welche der Aberglaube dem T... machen läßt,
+da man nach den Zeiten des Paracelsus dieses
+Kraut für Milzsüchtige gut fand, und es <em class="antiqua">Daemonum
+fuga</em>, <em class="gesperrt">Teufels-Scheu</em>, nannte.</p>
+
+
+<h4 id="Page_113_2"><em class="gesperrt">Wenn einem ein Hase über den Weg
+läuft, ist es nicht gut.</em></h4>
+
+<p>Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel
+besser! – Was sollte aber der arme Hase<span class="pagenum" id="Page_114">[S. 114]</span>
+Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes
+begegnete!</p>
+
+
+<h4 id="Page_114_1"><em class="gesperrt">Wenn man aus dem Hause geht oder
+verreis’t, soll man nicht wieder
+umkehren, sondern das Vergessene
+durch Andere bringen lassen.</em></h4>
+
+<p>Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen
+nicht gelingen. – Es ist zwar besser, man
+vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und
+man unterweges auf jemand warten soll, bis er
+das Vergessene nachbringe, so verliert man Zeit
+und hat oft Schaden davon.</p>
+
+
+<h4 id="Page_114_2"><em class="gesperrt">Wenn einem am Morgen beim Ausgehen
+ein altes Weib begegnet, ist
+es nicht gut.</em></h4>
+
+<p>Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß
+man vielen alten Weibern Hexerei Schuld gab.
+Es mag einem aber ein altes oder junges Weib
+begegnen, die Geschäfte werden nie anders.</p>
+
+
+<h4 id="Page_114_3"><em class="gesperrt">Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht
+geschmolzenes Blei ins Wasser
+gießt, erfährt es durch die
+Figuren, was der künftige Gatte
+für ein Geschäft treibt.</em></h4>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_115">[S. 115]</span>Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen
+Ländern getrieben, und manches gute Mädchen
+hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer
+leicht glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in
+den zerrissenen Stücken Blei immer gern das,
+was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen
+Mädchen in der Christnacht rückwärts ein
+Scheit aus einem Holzstoß, um zu erfahren, ob
+ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade
+sein werde.</p>
+
+
+<h4 id="Page_115_1"><em class="gesperrt">Helle Christnacht, finstere Scheuern;
+finstere Christnacht, helle Scheuern.</em></h4>
+
+<p>Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel;
+wenn der Mond in der Christnacht hell scheinet,
+so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern
+voll und finster sein; wenn aber Neumond und
+trübes Wetter ist, sollen die Scheuern nicht voll
+werden. – Der alte Julianische und der neu
+verbesserte Kalender weichen von einander ab,
+folglich, da diese und andere Bauern-Regeln
+schon alt sind, kann es auch jetzt mit der richtigen
+Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit<span class="pagenum" id="Page_116">[S. 116]</span>
+schon darin beweiset, denn einige Erfahrungen
+machen noch keine bestimmte Regel.</p>
+
+
+<h4 id="Page_116_1"><em class="gesperrt">Zwischen Todten und Lebendigen soll
+eine Sympathie herrschen.</em></h4>
+
+<p>Wenn man dem Todten etwas von einem
+Lebendigen in das Grab legt, soll Letzterer nicht
+lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht
+erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon
+erzählt. Aber es geht wohl natürlich zu. Derjenige,
+dem die Sache gehört, welche in das
+Grab gelegt worden, und an die <em class="gesperrt">Fabel</em> glaubt,
+wird durch seine Einbildung sich selbst bald in
+das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte
+daran schuld ist.</p>
+
+
+<h4 id="Page_116_2"><em class="gesperrt">Wer auf dem Acker etwas säen will,
+der soll den Saamen nicht auf den
+Tisch legen, er geht sonst nicht auf.</em></h4>
+
+<p>Wenn man Korn oder Waizen, das man
+zum Saamen bestimmt hat, aus Noth mahlen
+und backen läßt, so kommt er freilich auf den
+Tisch, und die Aussaat ist gehindert. Dies mag
+ein Spaßvogel gedacht haben, und andere nahmen
+es ernsthaft auf.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_117">[S. 117]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_117_1"><em class="gesperrt">Wenn die Kinder schwer reden lernen,
+soll man ihnen Bettelbrod zu essen
+geben.</em></h4>
+
+<p>Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden,
+daß die meisten Bettelkinder große Fertigkeit im
+Sprechen haben, um ihr Brod zu erbetteln, und
+dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere
+wieder bald reden zu machen!</p>
+
+
+<h4 id="Page_117_2"><em class="gesperrt">Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu
+haben, nicht aus der Stube gehn.</em></h4>
+
+<p>Man glaubt, es nehme den Kindern die
+Ruhe. Der Ursprung dieses Aberglaubens ist
+schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen:
+Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft
+der Hausfrau hinderlich, und macht mehr Geräusch,
+als der Sitzende, wodurch das schlafende
+Kind gestört wird.</p>
+
+
+<h4 id="Page_117_3"><em class="gesperrt">Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen
+Garbe kann man sehen, wie
+das Korn das folgende Jahr alle
+Quartale steigen und fallen werde.</em></h4>
+
+<p>Die Landleute machen folgendes Experiment:
+Wenn sie anfangen zu dreschen, nehmen sie die<span class="pagenum" id="Page_118">[S. 118]</span>
+erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen
+auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden
+worden ist), dreschen das Korn aus, und
+nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll
+Korn, streichen es ab und schütten es auf den
+Tisch, welches das erste Vierteljahr bedeutet.
+Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses
+geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und
+schütten es wieder in das Gefäß und streichen
+es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen,
+so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr;
+streichen sie aber nichts ab, so wird das Korn
+aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit
+den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber
+bei Messung des Korns nicht zutragen, daß man
+nicht immer <em class="gesperrt">gleich</em> abstreicht? daß man an den
+Tisch stößt, und bald etwas mehr oder weniger
+hat? Man mache nur den Versuch zur Ueberzeugung
+und lasse noch Einige dies Experiment
+machen, – wie verschieden wird die Weissagung
+ausfallen!</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_119">[S. 119]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_119_1"><em class="gesperrt">Wenn das Jüdel die kleinen Kinder
+nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel
+etwas zu spielen geben.</em></h4>
+
+<p>Viele Weiber werden nicht einmal das <em class="gesperrt">Jüdel</em>
+kennen, und doch treiben sie damit Aberglauben.
+Kleine Kinder von wenig Wochen thun
+oft während des Schlafes die Augen halb auf,
+und die Augenäpfel wenden sie in die Höhe,
+fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder
+fort, oder schreien. Wenn dieses geschieht, sagen
+die Abergläubischen: »das Jüdel spielt mit
+dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben,
+machen sie Folgendes: Sie kaufen, ohne zu
+handeln, einen kleinen, neuen, irdenen Topf mit
+einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes
+Badewasser gegossen und auf den warmen
+Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen und
+das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen
+finden sie kein Wasser mehr im Töpfchen und
+glauben, das Jüdel habe es herausgespielt, ohne
+zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen
+eingetrocknet ist. Ferner blasen sie Eier in des
+Kindes Brei und in die Suppe der Mutter aus,
+und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen
+Kartenblättern mit Zwirn an des Kindes<span class="pagenum" id="Page_120">[S. 120]</span>
+Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die
+Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand
+rasch in der Stube, daß die leichten Sachen sich
+bewegen müssen, da rufen die alten Weiber:
+Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der
+Wiege spielt! – Welche Albernheiten! und doch
+geschehen sie! Das Kind aber wird fort die
+Augen verdrehen und lachen und weinen, ohne
+das Spiel des Jüdels. Man gebe dem Kinde,
+welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und
+das alberne Jüdel verschwindet gewiß.</p>
+
+
+<h4 id="Page_120_1"><em class="gesperrt">Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.</em></h4>
+
+<p>Man soll es, wenn der Sirius sich sehen
+lasse, so daß Mond und Sonne einen nicht bescheinen,
+und zwar mit der linken Hand aus der
+Erde mit einem eisernen Instrumente graben.
+Die Griechen nennen dies Kraut <em class="antiqua">Peristecon</em>,
+die Römer <em class="antiqua">Verbena</em>, und wurde für ein heiliges
+Kraut bei den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut
+ist es nicht, daher wir auch das Experiment
+nicht machen können.</p>
+
+
+<h4 id="Page_120_2"><em class="gesperrt">Das Osterwasser</em></h4>
+
+<p class="p0">wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und<span class="pagenum" id="Page_121">[S. 121]</span>
+12 Uhr, aber stillschweigend. Es soll sich lange
+aufbewahren lassen und, damit gewaschen, eine
+feine Haut machen. – <em class="gesperrt">Jedes Wasser</em>, das
+im Frühlinge, und wenn die Sonne nicht scheint,
+geschöpft wird, hält sich länger und ist weicher,
+als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte.</p>
+
+
+<h4 id="Page_121_1"><em class="gesperrt">Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein
+Delinquent gerichtet werden soll.</em></h4>
+
+<p>Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem
+Schranke an einem Nagel hängt, fängt an
+sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter
+erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn
+auch nicht direct durch das Gericht, sondern
+durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode
+verurtheilt werde, und er und die Seinigen,
+welche von den Urältern her jene Sage glauben,
+werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert
+sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch
+der Todtengräber und der Tischler, der Särge
+macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt.</p>
+
+
+<h4 id="Page_121_2"><em class="gesperrt">Es soll gefrorne und eingeschlossene
+Worte geben.</em></h4>
+
+<p>Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben,<span class="pagenum" id="Page_122">[S. 122]</span>
+daß Worte durch Kälte erhalten, oder in ein
+gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner
+Zeit wieder gehört werden können! Was für
+eine Kälte müßte das sein, und sollte der Mensch
+nicht <em class="gesperrt">zuerst</em> erfrieren? Wie sollte aber auch die
+Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen
+vielleicht vom <em class="antiqua">Ovid. Metamorph. L.</em> II, 4.
+genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ:
+Midas hat Eselsohren.</p>
+
+<h4 id="Page_122_1"><em class="gesperrt">Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen
+werden, denn es bringt
+Unglück.</em></h4>
+
+<p>Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger
+Hahn legen und von einer Kröte im Miste ausgebrütet
+werden soll, soll ein monströses Geschöpf,
+der <em class="gesperrt">Basilisk</em>, entstehen, welcher sich in alten
+Höhlen, Brunnen und Gemäuern aufhält. Es
+soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt, Esaiä
+59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte
+haben in den ältern Zeiten über dieses fabelhafte
+Thier geschrieben, nur Einige haben es
+verworfen.</p>
+
+<p>Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die
+Menschen tödten und alles um sich her mit seinem<span class="pagenum" id="Page_123">[S. 123]</span>
+Hauche vernichten können; so bald er sich
+aber selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene
+Weise beschrieben, da ihn wohl Niemand
+lebendig oder todt gesehen haben wird,
+außer in einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er
+soll die Größe eines Huhns haben, Kopf und
+Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm
+und Hals sei gelbblau, der Leib und die Flügel
+gelb, blau, roth und grün gesprengt, habe lange
+gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht
+stehenden, gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten
+Schwanz.</p>
+
+<p>So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften
+Thiere.</p>
+
+<p>Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher
+einen Basilisken, der in Afrika mit Feuer getödtet
+worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius
+und <em class="antiqua">Dr.</em> Wedel in Jena, beschrieben das
+Thier; aber nachher erfuhr Letzterer in Hamburg
+von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein <em class="gesperrt">gekünstelter</em>
+gewesen sei.</p>
+
+
+<h4 id="Page_123_1"><em class="gesperrt">Von der Todtenuhr.</em></h4>
+
+<p>Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten
+oder Getäfel, gleich einer Uhr in abgemessenen<span class="pagenum" id="Page_124">[S. 124]</span>
+Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische
+an Unglück und Tod. <em class="antiqua">Linnæus</em> nennt diesen
+Wurm <em class="antiqua">Termitem fatalem</em>, und ist die bekannte
+<em class="gesperrt">Papierlaus</em> oder <em class="gesperrt">Bücherstaublaus</em>.</p>
+
+
+<h4 id="Page_124_1"><em class="gesperrt">Von Vampyren und schmatzenden
+Todten.</em></h4>
+
+<p>Unter den schmatzenden Todten versteht man
+gewisse todte Körper, weiblichen Geschlechts, welche,
+wenn Seuchen grassiren, ihre Grabtücher,
+Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken
+und dabei schmatzen und, so weit sie mit dem
+Munde reichen können, alles verzehren. Und
+dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen
+den Daumen nicht aus der Hand gethan, oder
+den Mund nicht unbedeckt gelassen.</p>
+
+<p>Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe
+kann nur von einem lebendig Begrabenen oder
+von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende
+Erzählung beweiset, herrühren.</p>
+
+<p>In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf
+dem Gottesacker hören. Es kamen viele Menschen,
+um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin.
+Sie hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus
+dem das Schmatzen seinen Ursprung haben sollte,<span class="pagenum" id="Page_125">[S. 125]</span>
+bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung <em class="gesperrt">junger
+Eulen</em> sei, die in einem Mauerloche der
+Kirche, welche nahe dabei war, befindlich waren.</p>
+
+
+<h4 id="Page_125_1"><em class="gesperrt">Die Vampyren oder Blutsauger.</em></h4>
+
+<p>Sie haben mit den obigen Verwandtschaft.
+Man versteht darunter todte menschliche Körper,
+welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen
+das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch
+tödten sollen. Unter den Raizen, Serviern ist
+dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr
+durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl
+und verbrennt den Körper.</p>
+
+
+<h4 id="Page_125_2"><em class="gesperrt">Die ominöse Zahl </em>13.</h4>
+
+<p>Vernünftige Personen haben noch jetzt den
+Aberglauben, mit 13 Personen nicht an Einem
+Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen
+möchte in wenigen Monaten eine Beute des Todes
+werden. – Dies kann immer geschehen,
+ohne daß die arme Zahl daran schuld ist.</p>
+
+
+<h4 id="Page_125_3"><em class="gesperrt">Exorcismus.</em></h4>
+
+<p>Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten
+Exorcisten, namentlich die Jesuiten, Kapuziner<span class="pagenum" id="Page_126">[S. 126]</span>
+u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen
+herplauderten, verstanden, und daß
+dieselben eine Kraft haben sollen? – Man höre
+nur die barbarischen Worte: <em class="antiqua">Theos Patir Heminas
+per Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa,
+Gebeche Banai Grabiai Elomnit</em> u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+
+<h4 id="Page_126_1"><em class="gesperrt">Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden
+ist.</em></h4>
+
+<p>Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen
+hat, kennen zu lernen, macht der Abergläubische
+mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall,
+melkt die Kuh, indeß er das Eisen glühend
+macht, gießt dann die Milch in das Loch, und
+buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis
+die Hexe kommt, welche, wie er glaubt, während
+diesem Buttern so sehr gepeinigt wird, daß
+sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst
+kommen, und etwas verlangen, um dadurch das
+Buttern zu verhindern. Man macht daher den
+Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht
+herein kann. Mancher ist dadurch in den Hexenverdacht
+gekommen, daß er zufällig gerade zu
+der Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei
+getrieben wurde.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_127">[S. 127]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_127_1"><em class="gesperrt">Das Mutisheer.</em></h4>
+
+<p>Es soll eine Menge Kinder sein, welche in
+den Wochen gestorben, ehe sie zur heiligen Taufe
+gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im
+Himmel aufgenommen zu werden, und hielten
+sie sich bald da, bald dort unter vielem Winseln
+und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es
+der Pöbel gehört haben. – Im Virgil <em class="antiqua">Aen.</em> VI.
+<em class="antiqua">v.</em> 435. steht etwas ähnliches.</p>
+
+
+<h4 id="Page_127_2"><em class="gesperrt">Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang
+erfahren will, muß man die
+Bibel von ungefähr aufschlagen;
+was man zuerst erblickt, daraus
+entdeckt man das Gesuchte.</em></h4>
+
+<p>Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung
+widerlegen.</p>
+
+<p>Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er
+eine mit Dornen und Stechbeeren bewachsene
+Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige
+Schrift den Anspruch bestimmen und traf
+auf die Stelle Jeremiä 10, 19: <em class="gesperrt">Ich denke
+aber, es ist meine Plage, ich muß sie
+leiden.</em> So unterblieb das nützliche Vorhaben.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_128">[S. 128]</span></p>
+
+
+<h4 id="Page_128_1"><em class="gesperrt">Das Nasenbluten zu stillen.</em></h4>
+
+<p>Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen
+und diese in der Hand gehalten, bis sie erwarmt,
+stillt das Nasenbluten. – Dieses wird
+von selbst geschehen, wenn man so lange Zeit
+wartet.</p>
+
+
+<h4 id="Page_128_2"><em class="gesperrt">Der Haselstock thut Wunder.</em></h4>
+
+<p>Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig,
+oder ein kleines Stück Fleisch an einen
+Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht,
+dreht sich der Stock von selbst über den
+Kohlen. – Dabei ist aber weder der Vogel,
+noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht
+sich von der Hitze natürlich zusammen und –
+dreht sich.</p>
+
+
+<h4 id="Page_128_3"><em class="gesperrt">Vom Alpdrücken.</em></h4>
+
+<p>Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel
+selbst, oder irgend ein Gespenst sein. Er kommt
+durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer,
+wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl
+gar herab und peinigt den Schlafenden. –
+Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im<span class="pagenum" id="Page_129">[S. 129]</span>
+Körper ein Zusammenziehen der äußern Theile,
+krampfhafte Zufälle, Erstarrung u.&nbsp;s.&nbsp;w. Vollblütigkeit,
+das Liegen auf dem Rücken, das
+niedrige Kopfliegen, Ueberladung des Magens
+erwecken jene ängstlichen Träume und – das
+Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd.
+S. 180 ff.)</p>
+
+
+<h4 id="Page_129_1"><em class="gesperrt">Heilung einer Fistel.</em></h4>
+
+<p><em class="antiqua">Dr. Joh. Dolæus</em> erzählt in den Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch-
+und botanischen
+Abhandlungen <em class="antiqua">Tom.</em> V. Wahrnehm. LXI.:</p>
+
+<p>Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten
+Fürstin von Nassau-Diez aufhielt, so erzählte
+mir der berühmte <em class="antiqua">Dr.</em> Geilfuß, es seie
+ihm jemand bekannt, der lange Zeit an dem
+Schenkel mit einer Fistel beschwert gewesen, woraus
+verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen
+Papier, Haare u.&nbsp;s.&nbsp;w. hervorkamen. Man
+habe vielerlei Arzneien, aber vergeblich, gebrauchet;
+endlich habe sich ein Mensch, den der
+Pöbel für einen Zauberer hielt, angegeben, und
+das Geschwür in Kurzem zu heilen versprochen.
+Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt,
+so habe er ein aschfarbiges Pulver in die Wunde<span class="pagenum" id="Page_130">[S. 130]</span>
+gestreuet, und blos dadurch den Kranken in
+wenig Tagen geheilet. <em class="antiqua">Dr.</em> Geilfuß versicherte
+mir, es sei dieses Pulver nichts anderes, als
+<em class="gesperrt">Asche von einer verbrannten Hexe</em> gewesen.</p>
+
+<p>Solche Dinge glaubten damals auch <em class="gesperrt">gelehrte
+Männer</em>!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter padbot5">
+<p><span class="pagenum" id="Page_131">[S. 131]</span></p>
+
+<p class="s3 center" id="Dritte_Abtheilung"><em class="gesperrt">Dritte Abtheilung.</em></p>
+<hr class="w15">
+<h2><em class="gesperrt">Erzählungen</em></h2>
+
+<p class="center s02">von</p>
+
+<p class="center s4"><em class="gesperrt">Geister</em>- und <em class="gesperrt">Gespenster-Erscheinungen</em>,</p>
+
+<p class="center s02">mit hier und da</p>
+
+<p class="center padbot2">eingestreuten natürlichen Erklärungen.</p>
+
+<p class="center"><em class="antiqua">Verba movent, Exempla trahunt.</em></p>
+<hr class="w30 padbot5">
+</div>
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_133">[S. 133]</span></p>
+
+<h3 id="Das_Gespenst_im_Hause">Das Gespenst im Hause.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap"><em class="antiqua">Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252.</em>
+erzählt seinem Freunde <em class="gesperrt">Sura</em> eine Geschichte
+von einem Hause in Athen, welches von einem
+Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt
+worden, und hätte leer gestanden, bis endlich
+der Philosoph <em class="gesperrt">Arthenodorus</em> hineingezogen,
+den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in
+den Hof gefolgt, wo er verschwunden sei. Den
+Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit angezeigt
+und aufgraben lassen, wo man denn die
+Gebeine einer Person gefunden hätte, welche in
+Ketten gelegen, und die er habe begraben lassen;
+worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden
+wäre.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_134">[S. 134]</span>Mehrere
+Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben,
+obgleich er selbst sagt, <em class="antiqua">ex ponam ut
+accepi</em> (daß er das Erzählte <em class="gesperrt">gehört</em> habe),
+und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen!</p>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Anzeigen_des_Todes"><em class="gesperrt">Anzeigen des Todes.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<h4 id="Page_134_1">I.</h4>
+
+<p>Der Rektor Gottfried <em class="gesperrt">Vockerodt</em> in Gotha,
+der 1727 starb, hinterließ einen Sohn, welcher
+in Halle studirte. Dessen Mutter und Schwester
+wohnten noch in Gotha. Einstmals, da beide
+in der Stube sitzen, hören sie, daß jemand mit
+starken Schritten die Treppe herauf kömmt. Die
+Mutter geht hinaus, und erblickt ihren Sohn,
+der sich vor sie stellt, aber zu ihrem Schrecken
+eine große Wunde in der Brust hat, aus der
+das Blut hervorströmt. Da sie ihn anreden will,
+sinkt er vor ihr nieder und verschwindet. Am
+folgenden Tage erhält sie durch einen Boten die
+Nachricht, daß ihr Sohn um dieselbe Stunde,
+da er ihr erschienen war, auf der Saalbrücke in
+Halle erstochen worden sei.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_135">[S. 135]</span>Diese
+Erscheinung ist wegen der dabei eingetroffenen
+Umstände, als wichtig für den Geisterglauben,
+anzusehen; jedoch ebenfalls, wie
+alle andern, wo historischer Beweis der Thathandlung
+und die Glaubwürdigkeit der Zeugen
+fehlen, widerlegbar. Auch sind vorhergegangene
+Umstände der Mutter nicht berührt worden, welche
+fähig gewesen sein können, diese Vision zur
+Wirklichkeit zu bringen. Konnte nicht ein Landsmann
+der Mutter kurz vorher von ihres Sohnes
+bevorstehendem Duell Nachricht gegeben haben,
+und sie sich mit gewissen Vorstellungen gequält,
+bis sie jene Vision hatte, zu welcher Zeit ihr
+Sohn zufällig erstochen wurde. – Warum erschien
+das Gespenst nicht sogleich in der Stube,
+und machte erst Geräusch eines Kommenden, das
+die Mutter dann allein sahe?</p>
+
+<hr class="w20">
+
+<h4 id="Page_135_1">II.</h4>
+
+<p><em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Jung</em>, genannt Stilling, erzählt in seiner
+»Theorie der Geisterkunde, Nürnberg 1808.«
+eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser sonst
+würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie<span class="pagenum" id="Page_136">[S. 136]</span>
+gezeigt, daß er ein Schwärmer und der <em class="gesperrt">abergläubigste
+Kopf</em> sei; er hat alles <em class="gesperrt">frischweg</em>
+geglaubt und so leider! dem Publikum wieder
+gegeben. – Seine Wahrheit sucht er besonders
+auf Glaubwürdigkeit der Personen zu
+stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst
+geschehen ist. Von vielen solchen abergläubigen
+und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie ein
+Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten
+Schaden nur bringen können, wollen wir die
+wichtigste herausheben, welche nach der Erzählung
+des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes
+von Seckendorf hier notirt worden ist.</p>
+
+<p>König Friedrich Wilhelm I. von Preußen,
+Vater König Friedrichs II., stand mit dem König
+August II. von Polen in so freundschaftlichen Verhältnissen,
+daß sie einander, wenn es möglich
+war, wenigstens einmal des Jahres sahen. Dies
+geschah auch noch kurz vor dem Tode des Letzteren.
+Derselbe schien sich damals ziemlich wohl
+zu befinden, nur hatte er eine etwas bedenkliche
+Entzündung an einer Zehe. Die Aerzte hatten
+ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken
+sehr gewarnt, und der König von Preußen,
+welcher dieses wußte, befahl seinem Feldmarschall<span class="pagenum" id="Page_137">[S. 137]</span>
+von Grumbkow (der den König bis
+an die Grenze begleitete und ihn dort in einem
+königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen
+sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß
+alles sorgfältig vermeiden möchte, wodurch die
+dem König von Polen aus erwähnter Ursache
+von den Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung
+im Genusse des Weines überschritten werden
+könnte.</p>
+
+<p>Als aber König August noch gleichsam zu
+guter Letzt einige Bouteillen Champagner verlangte,
+so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst
+liebte, nach, und genoß dessen auch seiner Seits
+so viel, daß er sich, indem er über den Hof des
+königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an
+einer Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich
+daher in einem Tragsessel zum König August
+bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des
+andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm
+noch einige Aufträge an König Friedrich Wilhelm
+geben wollte. Hierbei war der König von
+Polen, außer einem vorn geöffneten Hemde, nur
+mit einem kurzen polnischen Pelz bekleidet.</p>
+
+<p>In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen
+Augen erschien er am 1. Februar 1733<span class="pagenum" id="Page_138">[S. 138]</span>
+früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall
+von Grumbkow und sagte zu ihm:</p>
+
+<p><em class="antiqua">Mon cher Grumbkow! je viens de mourir
+ce moment a Varsovie.</em></p>
+
+<p>Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches
+damals noch wenig Schlaf gestatteten,
+hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner
+<em class="gesperrt">Nachtlampe</em> und durch seine dünnen Bettvorhänge,
+bemerkt, daß sich die Thür seines Vorzimmers,
+worin sein Kammerdiener schlief, öffne,
+daß eine lange menschliche Gestalt herein komme,
+in langsam feierlichem Schritt um sein Bett herumgehe,
+und seine Bettvorhänge schnell öffne.
+Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so,
+wie Letzterer nur wenige Tage vorher lebendig
+vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten
+Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige
+Worte gesprochen hatte, wieder zu eben der Thür
+hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur
+nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener:
+ob er den nicht auch gesehen habe, der so eben
+gerade da herein und hinaus gegangen sei? –
+Der Kammerdiener hatte nichts gesehen.</p>
+
+<p>Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang
+an seinen Freund, den damals bei König<span class="pagenum" id="Page_139">[S. 139]</span>
+Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl.
+königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen
+von Seckendorf, und bat letzteren, die Sache dem
+König mit guter Art bei der Parade zu hinterbringen.
+Bei dem Gesandten von Seckendorf
+befand sich, als ihm das Grumbkowsche Billet
+schon früh um fünf Uhr zukam, dessen Schwestersohn
+und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf,
+nachheriger Brandenburg-Anspachscher Minister,
+und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath. Jener sagte
+zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen
+darbot: sollte man nicht denken, die Schmerzen
+hätten den alten Grumbkow zum Visionär gemacht?
+Ich muß aber den Inhalt dieses Billets
+noch heute dem König hinterbringen.</p>
+
+<p>Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre)
+langte durch die von Warschau bis Berlin von
+drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen Uhlanen
+und Preußischen Husaren die Nachricht in
+Berlin an, daß der König von Polen in der
+nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung
+gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei.</p>
+
+<p>Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der
+Verf. fort, beruht auf der Glaubwürdigkeit solcher
+Personen, an deren Kopf und Herz zu<span class="pagenum" id="Page_140">[S. 140]</span>
+zweifeln Verbrechen sein würde. <em class="gesperrt">Sie ist also
+gewiß!</em> –</p>
+
+<p>Können denn große Herren nicht auch Visionen,
+wie ein anderer gemeiner Mann, haben
+und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte
+nicht schlafen, seine Schmerzen rührten von dem
+übertretenen Befehl her, keinen Wein dem König
+von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß
+genossen hatte. Er dachte natürlich an den
+schon kranken König, welches Uebel ihn ergriffen
+haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen
+Idee bei ihm, die Einbildung wirkte mit, und
+die Erscheinung läßt sich durch die Sinnen-Täuschung,
+wie alle übrigen, natürlich erklären. Und
+des Königs Tod zur selbigen Zeit giebt blos
+der Erzählung einen Anstrich von Wahrheit, doch
+keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des
+kranken Grumbkow fehlen.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_141">[S. 141]</span></p>
+
+<h3 id="Das_Sehen_seiner_selbst">Das Sehen seiner selbst.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in
+Rostock der Professor der Mathematik und Hauptpastor
+an der Jacobikirche, <em class="gesperrt">Becker</em>, in Gesellschaft
+verschiedener guter Freunde, die er bei sich
+bewirthete, in einen theologischen Streit gerieth,
+indem er behauptete, daß ein bestimmter Gottesgelehrter
+in seiner Schrift eine gewisse Meinung
+hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte
+er sich und ging in seine Bibliothek, um das
+Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst auf
+dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich
+zu sitzen pflegte. Er ging näher und
+sah über die rechte Schulter des Sitzenden, bemerkte
+auch, daß dieses sein anderes Selbst mit
+einem Finger der rechten Hand auf eine Stelle
+der vor sich liegenden aufgeschlagenen Bibel wieß,
+und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein
+Haus, du mußt sterben. – Voll von Gedanken
+ging er zurück und kam mit einigem Tiefsinn zur
+Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob
+man ihm schon die Sache auszureden, auch alle
+nachtheilige Bedeutung kraftlos zu machen bemüht<span class="pagenum" id="Page_142">[S. 142]</span>
+war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung,
+es würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten,
+daher er auch von seinen Freunden Abschied nahm.
+Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen
+6 Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen
+Alter. –</p>
+
+<p>Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die,
+wenn sie auf diese oder jene Art angegriffen
+werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes
+geschieht, das Bild eines Gegenstandes,
+der außer uns nicht wesentlich da ist, in
+uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen
+Gehirn also beschaffen ist, einige Schritte
+von sich ein Phantom zu erblicken glaubt.</p>
+
+<p>Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel
+wegen einer Leichenpredigt aufgeschlagen und sich
+jene Stelle lebhaft eingeprägt, die er aber nachher
+wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem
+Alter war. Da er nun, wie Andere in
+ähnlichen Fällen, eine Vision seiner selbst erhielt,
+so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten
+jene Stelle wieder einfiel und auch diejenige
+Stellung wieder darstellte, in der er sonst, wenn
+er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz
+vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle<span class="pagenum" id="Page_143">[S. 143]</span>
+Leute von schwachem Gesichte es häufig thun,
+die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße Lebhaftigkeit
+und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den
+wichtigen Inhalt dieser biblischen Stelle mußte
+nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung des Nervengeistes,
+die der Stärke der Vorstellung entsprach
+und gemäß war, zum Begleiter haben, so wie die
+vergesellschaftete Idee von seinem ehemaligen Sitzen
+und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften
+Einbildung, sich seiner Seele in einem
+großen Lichte darstellte, womit ebenfalls derjenige
+Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in
+den Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu
+sein pflegt, wenn man außer sich ein Weisen mit
+dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket.
+Becker war nun in banger Erwartung; Furcht
+und Angst ergriffen ihn, und sein alter schwächlicher
+Körper wurde zerrüttet.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_144">[S. 144]</span></p>
+
+<h3 id="Vom_Doppelsehen"><em class="gesperrt">Vom Doppelsehen.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen,
+Heiraten, Begräbnisse, Streitigkeiten, Schlachten
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. sehen. Auch sollen sie Geister sehen
+können. Diese Art Menschen müssen also nebst
+dem ordentlichen Gesicht noch ein außerordentliches
+Nachgesicht haben, und solche Doppelseher
+soll es besonders in Schottland gegeben haben.</p>
+
+<p>Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was
+geschehen wird: z. B. einen Mann ohne Kopf,
+welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie
+einen Menschen mit einem Tuch um den Kopf
+gewickelt, so bedeutet es dessen unverhofften Tod.
+Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie
+einen Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese
+Doppelseher, wenn die Sache wichtig ist, schwitzen,
+zittern und schreien; andere Zeit lachen sie
+wieder.</p>
+
+<p>»Aber,« bemerkt der Autor, <em class="gesperrt">Joh. Beaumont</em>,
+in seinem historisch-psychologisch- und
+theologischen Traktat von Geistern, Hexereien
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. – »die Personen, welche diese Gabe
+besitzen, sind, wie man angemerkt, mehrentheils<span class="pagenum" id="Page_145">[S. 145]</span>
+<em class="gesperrt">lasterhaft</em>.« – Ueberhaupt sind die Doppelseher
+leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals
+Betrüger. –</p>
+
+<p>Die <em class="gesperrt">Pferde</em> und <em class="gesperrt">Hunde</em> sollen auch die
+wandelnden Geister, Hexen und Gespenster sehen
+und – riechen. –</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Beaumont</em> erzählt folgende zwei Geschichten
+von Doppelsehern:</p>
+
+<p>Eine Person von großer Gelehrsamkeit und
+vornehmen Stande reis’te einst mit vielen Dienern
+auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von
+ihnen ging etwas voraus, und indem er in ein
+Haus treten wollte, prallte er mit einem Schrei
+und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über
+einen Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was
+es gäbe? Da entgegnete er mit ernstem Gesicht:
+Man solle nicht in das Haus gehen, weil in
+kurzem ein Todter herausgetragen werden würde,
+denn verschiedene Personen, die solchen trugen,
+wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr
+lachte über diese Geisterseherei und ging in das
+Haus, erkundigte sich aber doch, ob eine kranke
+Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war
+keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder
+Highländer. Aber nichts destoweniger starb er<span class="pagenum" id="Page_146">[S. 146]</span>
+am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende
+das Haus verlassen hatte.</p>
+
+<p>Die zweite Geschichte ist folgende:</p>
+
+<p>Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen
+Familie befanden, erzählten dem Autor,
+daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei Mannspersonen
+zur linken Hand stehen gesehen hätten.
+Sie nannten die Herren und zweifelten nicht, da
+diese gleichen Standes wären, die Tochter werde
+einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht
+den andern nach des Ersten Tode. Endlich erschien
+noch ein Dritter, der der Tochter am
+nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht,
+ob sie ihn schon genau beschreiben konnten. Nach
+einigen Monaten erschien der Dritte in wirklicher
+Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher
+übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf
+die Tochter, und beide leben auf der Insel Skye
+(nämlich im 16. Jahrhundert).</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_147">[S. 147]</span></p>
+
+<h3 id="Der_Poltergeist"><em class="gesperrt">Der Poltergeist.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Manches Gespenster-Blendwerk würde sich
+in der wahren Gestalt zeigen, wenn ein unerschrockener
+Muth, dasselbe genau zu untersuchen,
+sich demselben näherte.</p>
+
+<p>In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit
+von Breteuil, bemerkte man ein oft wiederholtes
+Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob
+das ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich
+ein schreckenvolles Geheul hören ließ. Doch ereignete
+sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu
+bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den
+Tag Aller-Heiligen. Diese Beunruhigung erregte
+eine solche zaghafte Furcht, welche verursachte,
+daß Niemand den Muth hatte, diesen
+Ort zu bewohnen, bis auf den Pachter, der so
+glücklich war, von diesem Geiste nicht im Geringsten
+beleidigt zu werden, dahingegen Fremde,
+die dreist genug waren, daselbst zu schlafen, mit
+Schlägen so empfangen wurden, daß man die
+Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen
+konnte. Dieses Geisterspiel dauerte verschiedene
+Jahre, und that dem Besitzer, einem Präsidenten,<span class="pagenum" id="Page_148">[S. 148]</span>
+beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter
+sein Landgut um einen sehr geringen Pacht
+überlassen mußte. Endlich bot er alle seine Kräfte
+auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür
+er die Sache mit vollem Rechte hielt, ein
+Ende zu machen. Daher reiste er um diejenige
+Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist
+geschäftig zu beweisen pflegte. Er legte sich in
+seinem Schlosse zu Bette, und gesellte neben sich
+noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die
+den ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten
+Lärm mit Pistolen auf den Geist Feuer zu geben.
+Allein nur in einer Kammer, die über des Präsidenten
+seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse
+und Lärmen, das dem Herumschleppen mit
+Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die
+Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten
+und beunruhigten ihn mit eifrigen Bitten,
+er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen,
+weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge.
+Ihre Erzählungen und ihre Bitten bewog
+die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen,
+sich nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere
+Untersuchung ihnen zu überlassen. Sie gingen
+auch Beide hinauf, mit der Pistole in der<span class="pagenum" id="Page_149">[S. 149]</span>
+einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs
+sahen sie nichts, als einen dicken Rauch,
+nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis
+nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist
+in der Mitte sich in ganz schwarzer Gestalt darstellte
+und allerhand Sprünge machte, doch aber,
+wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und
+Dampfes, sich gar bald den Augen der Zuschauer
+wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer
+der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf
+dem Kopfe und einen Abscheu erregenden Schweif,
+so daß auch der eine Edelmann zur Retirade
+anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden
+sei; der andere war jedoch beherzter und erwiederte,
+der Rauch sei von Stückpulver, und die
+große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes
+erhelle schon daraus, daß er nicht einmal die
+Kühnheit und Macht habe, die Lichter auszublasen.
+Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte
+auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges
+los, mußte aber dennoch mit einiger Verwunderung
+wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung
+blieb und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn
+setzte, wodurch der Edelmann beinahe aus seiner
+Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich<span class="pagenum" id="Page_150">[S. 150]</span>
+und ging dem Gespenste näher auf den Leib,
+um durch den Sinn des Gefühls mehreren Aufschluß
+in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da
+er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und
+Berühren auszuweichen suchte. Da er nun zu
+nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus
+und eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann
+leicht denken, daß diese Flucht des Edelmannes
+Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden
+Siege Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem
+Feinde nachsetzte, und der mannichfaltigen krummen
+Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst
+durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor,
+bis der Geist an einen Maierhof kam, den
+er offen fand und darin seine Zuflucht suchte.
+Doch stürzte er erst gegen die Mauer, wo der
+Edelmann selbigen zu erhaschen glaubte, obschon
+vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend
+nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute
+herbei, die an dem Orte, wo das Gespenst verschwunden
+zu sein schien, nachgraben mußten, wo
+er dann bald eine Thür zu einem verborgenen
+Gange gewahrte. Er stieg hinunter und fand
+seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten,
+daß man nicht hart fallen konnte, wenn<span class="pagenum" id="Page_151">[S. 151]</span>
+man übereilt hineinsprang. Nun jagte er das
+Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit
+heraus zu gehen. Und siehe, es war der
+Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die
+gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse
+wirkungs- und kraftlos machte. Er wurde hierauf
+mit der Bedingung entlassen, daß er seinem
+Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte.</p>
+
+<hr class="tb">
+
+<p>Herr <em class="antiqua">Dr.</em> Jung tischt uns noch eine andere
+Geschichte eines <em class="gesperrt">Poltergeistes</em> auf, wobei er,
+wie in seinem ganzen Werke, als <em class="gesperrt">eifriger Vertheidiger</em>
+der Geister-Erscheinungen, Erklärungen
+giebt, welche dem gesunden Menschenverstand
+das Grab bauen müssen.</p>
+
+<p>Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen,
+sagt er, die das ernste göttliche Gericht auf
+lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen
+zum warnenden Beispiel, auf der Grenze
+zwischen dieser und jener Welt zu verweilen, bis
+ihr ewiges Schicksal entschieden ist (<em class="antiqua">sic!</em>).</p>
+
+<p>Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger
+und Handwerksmeister in einer Stadt schrieb mir
+vor ein Paar Jahren eine merkwürdige Geister-Erscheinung,<span class="pagenum" id="Page_152">[S. 152]</span>
+die einem seiner Freunde begegnet,
+aber mit der es noch nicht ganz im Klaren ist,
+weswegen ich sie auch hier nicht ganz erzählen
+mag. –</p>
+
+<p>Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem
+Brief einer Geschichte, die er selbst erlebt hat;
+ich bat ihn, mir diese ausführlich mitzutheilen;
+hier folgt sie mit seinen eigenen Worten:</p>
+
+<p>Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem
+lieben unvergeßlichen Meister *** in *** in Arbeit,
+allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen
+zubrachte, ehe ich mich in die Schweiz, und zwar
+nach Basel in Arbeit begab. Da ich nun von
+Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen
+schwachen Spuren) gesehen hatte, so war
+ich Tag und Nacht nicht furchtsam, sondern jederzeit
+und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken.
+Da geschah es nun öfters spät in der
+Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer etwas
+zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch
+jedesmal im Finstern, für mich und meine Nebengesellen,
+gern verrichtete, und ich kann wohl
+sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch
+aber schon gehört hatte; das schrieb ich denn,
+weil ich von nichts wußte und von nichts wissen<span class="pagenum" id="Page_153">[S. 153]</span>
+wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien,
+den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so
+mögen ungefähr fünf Wochen verflossen gewesen
+sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne
+ein Licht mitgenommen zu haben, von meiner
+Schlafkammer wieder herunter in die Stube kam,
+daß unsere damalige Magd D.... von St....
+zu lächeln anfing, und dabei sagte: der L....
+fürchtet sich doch nicht; geht doch einmal kecklich
+auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es
+wird ihm anders kommen, wenn ihm einmal unser
+Sackträger begegnet, oder sich recht hören
+läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich
+weiter nichts; übrigens ging mir doch ein großes
+Licht über die Furcht auf, die man für den
+Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies
+nämlich niemand einzeln, geschweige ohne Licht,
+außer mir, wagte. Daher merkte ich bald, daß
+man da ein Gespenst ahnen müsse.</p>
+
+<p>Nun war aber meine Spannung, <em class="gesperrt">so etwas</em>
+auch zu sehen, oder von der Art, gründlich zu
+hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer
+lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache
+erfahren hatte. Nun waren die Osterfeiertage
+vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus,<span class="pagenum" id="Page_154">[S. 154]</span>
+daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und
+wirklich geschah es auch; denn als ich einmal
+mit meinen Nebengesellen des Nachts in die
+Schlafkammer ging, so fing es über derselben,
+also auf dem vierten Boden (denn unsere Kammer
+war drei, und dieser Boden vier Treppen
+hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von
+jeher die meisten Unruhen gespürt worden waren,
+ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen, gerade
+so, als wenn einer ganz matt und mühsam
+in alten Pantoffeln einherschleicht, und in der
+Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während diesem
+waren alle drei Gesellen im Bett, und mein
+Schlafkammerad schlüpfte indessen so unter die
+Decke hinunter, daß nichts von ihm bemerkt werden
+konnte, ich aber behorchte die Sache genau
+und athmete kaum hörbar. Da sich nun das
+Geschlürfe von hinten her bis über unsere Bettstellen
+gezogen hatte, so that es auf einmal einen
+so fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere
+Bettstellen zitterten. Es war just ein Fall, als
+wenn einer, von der Last gedrückt, einen schweren
+Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen.
+Ich muß gestehen, daß ich noch nie einen solchen
+schauerlich dumpfen Fall gehört habe; unterdessen<span class="pagenum" id="Page_155">[S. 155]</span>
+dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang fort,
+ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein
+Nebengeselle, der unter der Decke steckte, an, und
+sagte ganz leise: Du wirst verstehen, warum wir
+Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete
+ich laut, den will ich aber auch sehen, ehe
+ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht! sei
+doch still, Du machst uns alle noch unglücklich!
+Ich lachte, und war gerade im Begriff, aus dem
+Bette und hinauf zu steigen, aber er hielt mich
+und bat um alles willen, doch stille zu sein und
+bei ihm zu bleiben. Dies that ich ungern, doch
+nahm ich mir vor, es zu thun, wenn alle schlafen
+würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich
+schliefen wir ein.</p>
+
+<p>Des andern Morgens erzählten wir unserm
+Meister, was sich die Nacht zugetragen und was
+ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte
+es ohne Verwunderung an, und sagte mit einem
+besondern Nachdruck, der ihm ganz eigen war:
+Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind
+in unserm Hause nichts Neues, und waren einst
+die Ursache, daß es mein Großvater kaufen
+konnte. Er war aus M... in H... und auf
+der Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann<span class="pagenum" id="Page_156">[S. 156]</span>
+einige Jahre zubrachte, ehe er sich entschloß, hier
+zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der
+damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann,
+war deswegen ausgezogen, und gesonnen, es
+dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater,
+ein religiöser und unerschrockener Mann,
+benutzte diesen Umstand und ging hin, es zu
+kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel,
+daß er es selbst besehen konnte; aber er selbst
+ging nicht mit, sondern überließ es ihm sogleich
+käuflich um einen sehr geringen Preis und erzählte
+ihm, warum das Haus so ins Unglück
+gekommen und was ihm von den Vorfahren her
+gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert
+Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von
+denen einer noch diese Stunde im Hause umherschwebe
+und des Nachts, besonders auf jenem
+Boden, die Menschen beunruhige. Die Ursache,
+warum? habe bisher Niemand erfahren können;
+aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters
+könne er in dem Hause selbst, so wie auch an
+den daran gebauten, wahrnehmen, z. B. Klostergemälde,
+Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren;
+und wenn er hinter dem Ofen in der
+mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die<span class="pagenum" id="Page_157">[S. 157]</span>
+Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle
+erst diese Stube gemacht worden sein. (Dies
+alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie
+Ihr selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen
+hinderten meinen Großvater nicht; er zog ein
+und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von
+ihm, daß sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und
+ein solcher Fall im Hause habe hören lassen,
+aber so öfters und so heftig sei es damals nicht
+gewesen, auch habe er und die Seinigen nie
+etwas zu Gesicht bekommen, und schon damals
+war dem Unruhmacher der Name <em class="gesperrt">Sackträger</em>
+gegeben worden. Unter diesen Umständen starb
+mein guter Großvater, und mein seliger Vater
+bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas
+lauter.</p>
+
+<p>Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens
+***, das untere Stock zur Wohnung. Da dieser
+nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem
+Ofen stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte,
+hörte er endlich das schmale Gänglein herauf,
+das von der großen steinernen Kellertreppe in
+den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein
+leises Schlürfen, das ihm die nahe Ankunft eines
+lebenden Wesens verkündete und auch wirklich<span class="pagenum" id="Page_158">[S. 158]</span>
+nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen,
+mit einer Kutte und einer ziemlich schwarzen
+Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen ihn
+herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu
+bleiben und etwa sein Begehren anzuhören, erschrak
+so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh,
+alles verschloß und verriegelte, sein Brod im
+Ofen stecken und, weil er vor hellem Tage nicht
+heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ.
+Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause.
+Hernach hat ihn in eben dieser Gestalt auch unser,
+auf diesem Boden wohnender Hausherr, der
+Weber gesehen, gerade als er die Steige des
+dritten Bodens auf den vierten hinaufschlich.
+Auch liegen des Webers Gesellen, die neben
+Eurer Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen
+Beunruhigungen willen, nicht mehr droben,
+sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch
+so ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer
+steht auch leer bis diesen Tag. Dieses ist es,
+sagte mein guter Meister, was ich von diesem
+Umstand zu reden weiß. Das war mir aber
+einstweilen schon genug, ich kannte ihn, daß er
+mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt
+war, sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen<span class="pagenum" id="Page_159">[S. 159]</span>
+wäre, lieber nichts daraus gemacht hätte.
+Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich
+nun auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er
+nur nicht frech, wir wollen Ihm gewarnt haben.
+Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis
+ich wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören,
+allein es geschah nicht alle Nacht, sondern
+sehr unbestimmt.</p>
+
+<p>Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines
+lieben Meisters seliger Bruder, ein Zeugmacher,
+der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank,
+und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger
+ließ sich der Geist oben auf der Bühne hören,
+so daß ich über dem Anhören dieser übernatürlichen
+Bewegungen, Tönen und Fallen manche
+Stunde schlaflos zubrachte<a id="FNAnker_28" href="#Fussnote_28" class="fnanchor">[28]</a>.
+Dies sagten wir
+dann unserm Meister, dem ging es diesmal mehr
+zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte,
+besonders aber, als vollends mein Nebengesell,
+der Schaden an seiner Gesundheit angab, gehen
+wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich<span class="pagenum" id="Page_160">[S. 160]</span>
+konnte, und er blieb dann auch wirklich bis folgende
+Weihnachten. Aber die Krankheit des lieben
+seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben
+an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende
+und ging ein zu seines Herrn Freude. Ich war
+bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind
+und bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle
+tragen in die dritte Kammer von der Stube abwärts,
+wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe
+dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen
+entzogen wurde. Des Abends, da ich vorher
+manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit
+meinem Nebengesellen zu Bette; aber was geschah?
+Jetzt ließ sich der Geist auf eine solche
+Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn
+ich daran denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt,
+so fing es wieder an, von hinten schwer
+und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei
+Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die
+Decke, allein diesmal nützte es nichts, denn diesen
+Vorgang hörten alle, weil es gleich darauf
+einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that,
+daß wieder alles zusammen zitterte. Ich behorchte
+es genau, und hörte, daß es nun eine
+Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s,<span class="pagenum" id="Page_161">[S. 161]</span>
+als sich nach derselben ein Mark und Bein durchdringender
+hohler Seufzer hören ließ; diesen zu
+beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten,
+daß kein Mensch und keine Kreatur
+einen solchen kläglichen, trauer- und schauerlichen
+Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen,
+war es, wie wenn ein schwer Gefallener
+sich wieder allmälig aufzuraffen suchte und doch
+nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff
+des Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht
+und eine Pause wieder ohnmächtig
+da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern
+und dann wieder auszuglitschen, und darunter
+hinein die fürchterlichsten Seufzer hören zu
+lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören,
+und das Nämliche ließ sich auch in der
+zweiten Nacht hören.</p>
+
+<p>Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften
+Menschen hätte geschehen können, denn, wie
+gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und
+aus dem Hause wäre um alles in der Welt Niemand
+auf den Boden gegangen, und von außen
+konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des
+seligen Mannes sagten wir unserm Meister nun,
+was sich in den verflossenen Nächten ereignet habe.<span class="pagenum" id="Page_162">[S. 162]</span>
+Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er
+erzählte die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath
+*** und dann auch dem Herrn Hofkaplan ***,
+besonders aber bezog er sich auf
+die letzten Unruhen. Allein diese ließen sich auf
+die Sache nur in so weit ein, daß sie den Schluß
+machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder
+so selig in jene Wohnungen übergegangen, es
+diesem noch unseligen Geiste sehr schmerzen müsse,
+daß er auf diese Weise noch hier schweben solle,
+das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die
+außerordentliche Unruhe über den Heimgang seines
+seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß
+er sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus
+sei zu schließen, daß seine Erlösung noch
+ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem
+lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend,
+weil er auf diese Art so bald keinen
+Ausgang hoffen durfte.</p>
+
+<p>Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt,
+ihn zu bereden, des Nachts in der Stille
+auf diesem Boden zu wachen, ob sich der Geist
+nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt.
+Er, gedachter Weber, und ich saßen
+da bis Mitternacht, Keiner athmete laut; aber<span class="pagenum" id="Page_163">[S. 163]</span>
+so stille wir saßen, so war es doch noch stiller
+auf dem Boden, und ich glaube, wenn wir noch
+säßen, so würde es auch noch so sein. Auch
+wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein
+lieber Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger
+Nebengesell, und ich, daselbst des Abends
+zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe
+Gottes zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg,
+daß, obschon wir nie etwas sahen, doch nachher
+die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens
+einen Umstand muß ich über obiges Wachen
+noch bemerken: nämlich, damals hatte meine
+Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht,
+den höchsten Grad erreicht, und ich
+war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war;
+aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein
+Uhr wieder herunter kam, und das alte Gepolter
+wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so sehr
+ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß
+ein abgeschiedener Geist die Ursache dieser Bewegung
+sei, so sehr wurde ich auch durch öfteres
+Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und
+nun faßte ich immer mehr den Vorsatz, ihn ein
+Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen.
+Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am<span class="pagenum" id="Page_164">[S. 164]</span>
+Auskleiden waren, sagte und seufze einer die
+Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber
+wäre. – Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn
+ich da bin, so muckt er sich nicht; und kaum
+hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche
+Fälle that und noch lange die übrigen
+Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell sagte: Hör’
+L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück,
+ich bitte Dich, sei doch still; dies that ich
+auch, denn ich fühlte, daß ich zu jung gehandelt
+hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht
+von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen,
+dem Seufzen u.&nbsp;s.&nbsp;w. aufmerksam zu,
+und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien
+es, als ob sich das Geschlärpel allmälig meiner
+Kammerthür näherte, und ich hörte auch wirklich,
+daß das Schloß an derselben beunruhigt
+wurde; ich stieg daher, ganz in der Hoffnung,
+ihn zu Gesicht zu bekommen, leise aus dem Bett,
+und lief der Thür zu, machte schnell auf, und
+schaute mit großer Geschwindigkeit hinaus und
+den Gang hinum, aber ich sahe und hörte nichts,
+und als ich wieder in der Kammer war, so ging
+der Lärm auf dem obern Boden wieder an.
+Nun merkte ich, daß alles um mich her schlief,<span class="pagenum" id="Page_165">[S. 165]</span>
+und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes
+Vorhaben auszuführen; es war 2&#189; Uhr. Indessen
+dauerten die übernatürlichen dumpfen Fälle
+und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun
+ein wenig in der größten Stille an, und überlegte
+während dem Anhören der Unruhen, was
+ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen
+und mit ihm reden wollte. So studirt ging ich
+wieder der Thür zu und den finstern Gang, der
+an die obere Stiege führt, hindurch, und diese
+schlüpfte ich so still hinauf, daß mich auch kein
+Mäuslein hätte hören sollen; aber während ich
+so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer
+die dumpfen Fälle und das Gepolter. Ich hoffte
+also ganz sicher, diesmal werde mir’s nicht fehlen.
+Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir
+fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen
+einen Fuß über alle drei, damit war ich nun
+mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht
+gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet.
+– Da stand ich nun; – aber, Gott!
+wie schauerlich! – wie stille! – nie war es
+stiller um mich her. Ich schaute schnell umher,
+und bemerkte in der linken Ecke des Bodens,
+daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten<span class="pagenum" id="Page_166">[S. 166]</span>
+von ungefähr 4&#189; Schuh lang in Reben-Büschel
+verlor. Ich lief sogleich hin und riß alle übereinander,
+aber vergebens, ich sah und hörte
+nichts; nun stand ich noch ein wenig da, aber
+ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich; ich
+fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium
+war vergebens; auch hatte ich mich zur
+Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich
+können in der Schlafkammer lassen. – Und so
+könnte ich Ihnen mehrere, aber auf einen Zweck
+hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause
+mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach
+dem Fortgang der Sache erkundigt, höre auch,
+daß sie noch in ihrem <em class="antiqua">Esse</em> ist, doch sich nicht
+so heftig hören lasse, als im Anfang dieses
+<em class="antiqua">Seculi</em>, und bei dem Heimgange gedachten seligen
+Mannes u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p>So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige
+Freund. –</p>
+
+<p>Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch
+noch einige Erklärungen des Herrn <em class="antiqua">Dr.</em> Jung
+hinzufügen.</p>
+
+<p>»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte
+er, da auch seine Absicht recht und gut war,<span class="pagenum" id="Page_167">[S. 167]</span>
+nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die
+<em class="gesperrt">Rebenbüschel</em> auseinander riß und also wahrscheinlich
+<em class="gesperrt">die Dunsthülle des Geistes</em> mit
+seinen Händen durchwühlte; dies hätte <em class="gesperrt">bösartige</em>
+und <em class="gesperrt">gefährliche Geschwüre verursachen
+können</em>, die ihm das Leben gekostet
+hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist
+kein bösartiges, sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges,
+schwer leidendes Wesen zu
+sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben
+kann; <em class="gesperrt">folglich</em> ist auch seine <em class="gesperrt">Dunsthülle</em> nicht
+<em class="gesperrt">entzündet</em> und <em class="gesperrt">giftig</em>. Es kann aber auch
+sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein
+grauer Schatten in den Reißern sich verlor, seine
+<em class="gesperrt">Hülle verließ und in sein Element zurückkehrte</em>.«</p>
+
+<p>Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr
+<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Jung</em> frischweg die obige Erzählung und
+Geistererscheinungen glaubt; allein eine <em class="gesperrt">solche</em>
+Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte
+nicht erwartet.</p>
+
+<p>Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig,
+daß sich der Geist zwei Mal in seiner
+Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht hoffe<span class="pagenum" id="Page_168">[S. 168]</span>
+er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können,
+<em class="gesperrt">nahm daher sein gewöhnliches Kostüm</em>
+an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte
+er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch
+so gern gesehen und mit ihm gesprochen hätte?
+– Antwort: Weil er sich für diesen muthigen
+frommen Menschen <em class="gesperrt">fürchtete</em>; – vielleicht hatte
+dieser auch die <em class="gesperrt">Eigenschaft</em> nicht, daß er ohne
+Gefahr auf ihn wirken und sein Ahnungsorgan
+entwickeln konnte.«</p>
+
+<p>Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt
+über den jetzigen Unglauben an Geistererscheinungen.
+Heißt dies nicht die vorige Dunkelheit
+wieder hervorrufen?</p>
+
+<p>Die ganze obige lange Erzählung ist ein
+Märchen, wie so viele andere, wo Geister in
+gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen
+die Absicht des Betrügers selten finden. Ein
+furchtsamer Mensch bleibt in keinem Hause, wo
+es spuken soll, und verkauft es lieber unterm
+Preis. Alle sogenannten Spukereien entstanden,
+wenn man <em class="gesperrt">genau</em> untersuchte, entweder aus natürlichen
+Ursachen, oder waren <em class="gesperrt">Betrug</em>. – <em class="antiqua">Dr.</em>
+Jung sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem<span class="pagenum" id="Page_169">[S. 169]</span>
+Gesellen, weil er so muthig gewesen, <em class="gesperrt">gefürchtet</em>.
+Dieser, als er noch nichts von dem Geiste
+erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen,
+Ratten und Mäuse; aber wie er von dem Sackträger
+hörte, gab ihm seine Einbildungskraft eine
+andere Richtung und er hörte mehr.</p>
+
+<p>Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen
+zu zergliedern, das jeder Vernünftige erkennt und
+in die Spinnstuben und Herbergen gehört.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_28" href="#FNAnker_28" class="label">[28]</a>
+Der Erzähler vergißt, daß er bei der nächsten Gelegenheit auf dem
+Boden gehen wollte.</p>
+<p class="right mtop0 mright2em">d. H.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_170">[S. 170]</span></p>
+
+<h3 id="Das_Glockengelaeute"><em class="gesperrt">Das Glockengeläute.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p><em class="antiqua">Baxter</em> in seinem historischen <em class="antiqua">Discours</em> von
+Erscheinungen und Hexen erzählt unter andern
+Albernheiten auch folgende:</p>
+
+<p>Bei Herrn <em class="gesperrt">Harlakenden</em> in Essex, in der
+Priorie, welches Haus vormals dem Grafen von
+Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes
+Begräbniß, über welchem eine Kammer
+war. In dieser schliefen zwei seiner Diener, der
+Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher.
+Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr
+der Klang eines <em class="gesperrt">Glockengeläutes</em> hören. Da
+sie nun dieses bekräftigten, legte sich am Abend
+der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine
+Neugierde zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug,
+ließ sich <em class="gesperrt">der <span id="Page_170_1">gewöhnliche</span> Klang einer großen
+Glocke</em>, die geläutet wurde, vernehmen,
+welches ihn so in Furcht und Schweiß setzte, daß
+er seine Diener stieß, welche erwachend sagten:
+Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! –
+Dieses brachte ihn wieder zu sich selbst, da er
+sie reden hörte. – Bei einer besondern Gelegenheit<span class="pagenum" id="Page_171">[S. 171]</span>
+brachte Herr Thomas Shepherd nebst
+einigen andern Kirchendienern und frommen Leuten
+eine Nacht im Gebet daselbst zu, indem er
+einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente,
+um den Teufel zu vertreiben. Und von dieser
+Zeit an wurde niemals wiederum dergleichen Getöse
+in der Kammer gehört. – Der Herr Urian
+muß großen Respekt vor Herrn Shepherd gehabt
+haben, sogleich abzuziehen. Seltsam ist es, daß
+nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer
+das Geläute hörten.</p>
+
+<p>Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_172">[S. 172]</span></p>
+
+<h3 id="Gespenster_Geschichten">Zwei Gespenster-Geschichten.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<h4>I.</h4>
+
+<p>Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783
+erzählt folgendes. Kaiser Joseph soll auf seiner
+letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort angetroffen
+haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen
+Gespenstern, die unweit davon eine große
+Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit viel
+Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des
+Ortsrichters reisten Se. Majestät dahin, und der
+General Graf Kolloredo erbat sich die Ehre,
+voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste
+einnehmen zu dürfen, um Sr. Majestät
+nicht etwa der Gefahr der Hinterlist auszusetzen.
+Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß
+er auf dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen
+altfränkischen Ritter gesehen habe, der ihm sehr
+ernsthaft und bedeutend mit der Hand das Zeichen
+gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch
+selbst sehen, rief der Monarch, und ging hastig
+mit seiner geringen Begleitung dahin. Der Ritter
+winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der<span class="pagenum" id="Page_173">[S. 173]</span>
+Monarch war festen Schrittes so lange vorgerückt,
+bis man einander verstehen konnte, und
+nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer
+seid Ihr?« Auf den Knieen und mit herabgenommenem
+Visir antwortete der Ritter: Ich bin
+ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht
+Ihr hier?« – Mich trifft heute die Vorwache.
+– »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen
+300 Mann. – »Und warum arbeitet und dienet
+Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein Schandleben
+führet?« – Wir sind lauter Unglückliche,
+Ew. Majestät! die größtenteils gut erzogen wurden,
+und nachher so ins Elend sanken, daß uns
+nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben
+oder zu stehlen. Wir morden Niemanden, und
+rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte
+nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit,
+Ew. Majestät im Türkenkrieg zu dienen. –
+»Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!« versetzte
+der Kaiser, und hiermit verließ er getrost
+den Kerl.</p>
+<hr class="w20">
+<p><span class="pagenum" id="Page_174">[S. 174]</span></p>
+
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p>Der oben erwähnte <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Jung</em> erzählt folgende
+Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem
+sehr frommen Prediger zugeschickt worden. Der
+Verfasser spricht folgendermaßen:</p>
+
+<p>Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir
+anvertrauten Aufsatzes:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p><em class="gesperrt">Copia eines mir auf meine oft wiederholte
+Bitte überreichten Aufsatzes,
+den ich nach dieser genommenen
+Abschrift für den Herrn Hofrath
+Jung bestimmt, vernichten werde,
+damit er nicht nach meinem Tode
+gemißbraucht werde.</em></p>
+</div>
+
+<p>Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin
+<em class="antiqua">N. N.</em>) nach meiner Verheirathung 1799 eine
+mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme,
+und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen:
+Es erschien mir am 2ten Dezember desselben
+Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen
+mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine
+kleine menschliche Figur, gleich einem freundlichen<span class="pagenum" id="Page_175">[S. 175]</span>
+Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich
+wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach
+einiger Zeit erschien mir diese nämliche Gestalt
+wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie
+sei? Die Antwort war: Ich bin als ein Kind
+gestorben.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Ich</em>: Wie heißest Du? <em class="gesperrt">Antwort</em>: Nenne
+mich Immanuel! – Von nun an erschien mir dieses
+Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um
+7, Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr.
+Bald steht es neben mir, bald schwebt es im
+Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche
+Bewegungen.</p>
+
+<p>Einmal erschien es mir auf einer Reise,
+mehrere Meilen weit von meinem Wohnort, und
+da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen,
+hielt es denselben mit Kraft. Ein andermal, da
+ich eben einen Besuch bei einer herrschaftlichen
+Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch
+daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere
+Menschen um und bei mir sind, und redet mit
+mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die
+ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen
+und nachsprechen lernte. Es entdeckte mir<span class="pagenum" id="Page_176">[S. 176]</span>
+zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund
+von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist
+krank; heute kommt der *** zum Besuch zu Dir;
+deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl.
+Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im
+Finstern merken, daß ich geweckt oder am Einschlafen
+gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel
+dringend, sich doch auch von meinem Manne
+sehen zu lassen; aber er weigerte sich dessen und
+antwortete: das wäre nicht gut und er – mein
+Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich
+fragte: warum <em class="gesperrt">ich</em> ihn nur sehen könnte und
+dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind
+dazu bestimmt, so etwas zu sehen.</p>
+
+<p>Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof
+voller menschlichen Figuren, die ein Freudenfest
+feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes,
+den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde,
+wo mich Immanuel hieß auf die Knie fallen
+und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des
+Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren,
+war so sanft, daß ich nicht im Stande
+bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen
+Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen
+Stunden meinen Mann; allein dieser sah weiter<span class="pagenum" id="Page_177">[S. 177]</span>
+nichts, als einen grünen Platz und den Kirchhof
+<em class="gesperrt">illuminirt</em>.</p>
+
+<p>So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin.
+Ich füge noch hinzu:</p>
+
+<p>1) Die Besuche dieses Wesens, <span id="Page_177_1">das</span> sich
+Immanuel nennen läßt, dauern Jahr aus Jahr
+ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und
+nach einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden.
+Einst kam’s, da ich Mittags zugegen war.
+Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart
+einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte
+aber am Tisch, an dem wir aßen, ein Wackeln,
+das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte.
+Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre?
+antwortete die Frau Pastorin mit abgebrochenen
+leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.</p>
+
+<p>2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen
+und bemerken auch diese Figur; der sechsjährige
+Sohn sieht sie an der Wand und <em class="gesperrt">Stubendecke</em>
+hinaufsteigen und hin und her wandeln, und
+das kleine Kind auf seiner Mutter Armen lacht
+über diese kindliche Figur und greift nach ihr.</p>
+
+<p>3) Von der Sprache, in welcher Immanuel
+mit dieser Frau und umgekehrt spricht, habe ich<span class="pagenum" id="Page_178">[S. 178]</span>
+mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen
+Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich
+vermisse den Zettel. Wie weit es damit geht,
+und wie viel beide Theile in der Sprache sich
+ausdrücken können, weiß ich nicht.</p>
+
+<p>Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:</p>
+
+<p>Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am
+15ten Juni, Samstags Vormittags unter der
+Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand
+an meine Stubenthür, und sogleich öffnete
+sich die Thür, und es trat eine schwarze Figur,
+eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer
+gekleidet, einen Hut unter dem Arm, sein eigenes
+Haar tragend, einen Kragen um den Hals, nach
+alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein
+schlafendes Kind zu, und betrachtete dieses. Ich
+lief erschrocken zur Stube heraus, und jener ging
+zu einer andern Thür zurück, und warf diese
+dermaßen zu, daß die Klinke weit wegflog.</p>
+
+<p>Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im
+Juni, Sonnabends Nachmittags in der dritten
+Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und
+machte sie immer auf und zu. Ich denke, es
+ist mein Mann, da ich etwas vom schwarzen<span class="pagenum" id="Page_179">[S. 179]</span>
+Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein!
+und siehe, der schwarze Pfarrer trat herein, ich
+sprang erschrocken davon; jener warf einen Stuhl
+mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde.
+Ich rief meinen Mann, ging mit ihm in die
+Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst
+Niemand. So weit die Frau Pastorin.</p>
+
+<p>Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige
+Anekdoten, die ich der Kürze wegen übergehe
+u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<div class="poetry-container-r mbot1">
+<div class="poetry-c">
+<div class="verse">*******</div>
+<div class="verse">Pfarrer zu *****</div>
+<div class="verse">den 21ten August 1807.</div>
+</div>
+</div>
+
+<p>Herr <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Jung</em> glaubt dieses Märchen,
+denn er sagt unter andern: Diese Erzählung
+enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse
+über das Geisterreich giebt; daß es keine
+leere <em class="gesperrt">Vision</em> sei, was die Frau Pfarrerin sieht,
+<em class="gesperrt">sondern daß sie wirklich Wesen aus dem
+Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß,
+weil auch die Kinder den kleinen
+Engel bemerkten. Bei diesen, und
+besonders bei dem, das sie noch auf den
+Armen trägt, findet keine Täuschung
+Statt</em><span class="pagenum" id="Page_180">[S. 180]</span>. Auch das Wegspringen der Klinke, die
+Verwundung der Ferse, und der noch daliegende
+Stuhl, sind <em class="gesperrt">Beweise</em> für das <em class="gesperrt">wirkliche Dasein</em>
+des unglücklichen Geistes eines ehemaligen
+Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier
+auf dem Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts,
+als den Kirchhof illuminirt. Ich bedaure, daß
+ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet
+hatten, oder ob das Licht wirklich von
+Geistern herrührte? Auf diesen Punkt kommt vieles
+an: <em class="gesperrt">denn wenn der Pfarrer auch das
+Licht sahe, so ist auch dieses keine leere
+Vision, sondern die Feier hat ihre Richtigkeit</em>.
+Also feiern auch die abgeschiedenen
+Seelen die Feste ihres Erlösers und Seligmachers
+im <em class="gesperrt">Hades</em>. –</p>
+
+<p>Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm
+aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert etwas
+Tolleres schreiben!</p>
+
+<p>Wenn kein <em class="gesperrt">Betrug</em> dabei Statt gefunden
+haben mag, da so viele Nebenumstände mangeln,
+so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit ihrer
+Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur
+Folgendes:</p>
+
+<p>Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn<span class="pagenum" id="Page_181">[S. 181]</span>
+anfassen wollte? – Weil ihre Imagination aufhörte,
+als sie körperliche Bewegung machte.</p>
+
+<p>Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder
+sahen ihn an den Wänden und der Decke herumspazieren.
+– Was sehen die Kinder nicht alles!
+denen man alles weiß machen kann. Wie oft
+lachen und weinen die kleinen Kinder plötzlich,
+und man weiß nicht warum?</p>
+
+<p>Aber die eigene Sprache des Geistes! –
+Wenn der Zettel verloren gegangen war, warum
+wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter
+geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen
+Aufschluß. Aber das Wackeln des Tisches? –
+Frau Pastorin wird aus Begeisterung an
+den Tisch gestoßen haben.</p>
+
+<p>Was war denn der Zweck des Geistes? –
+Wir wissen es nicht!</p>
+
+<p>In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!</p>
+
+<p>So ist es auch mit dem schwarzen Geiste;
+die Frau Pastorin hatte an einem nicht genug,
+und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der
+freilich liegen bleibt.</p>
+
+<p>Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern
+<em class="gesperrt">heilige Feste feiern</em>, und
+<span class="pagenum" id="Page_182">[S. 182]</span><em class="gesperrt">Illumination
+anstellen</em>, welches Herr <em class="antiqua">Dr.</em> Jung glaubt,
+weil die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit
+ihrem <em class="gesperrt">Auferstehungskeim</em> überkleideten, und
+so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies
+geht über alle menschlichen Begriffe!</p>
+
+<p>So ist das ganze Buch voll, und Herr
+<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Jung</em> sagt noch: Es ist fester Grundsatz
+bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von
+deren Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst
+könnte ich Beispiele anführen, daß beherzte Leute
+sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben,
+sogar durch sie hingegangen sind, welches
+ihnen aber sehr schädlich gewesen, indem Geschwüre
+auf der Haut ausgefahren, und sie sehr
+krank geworden sind.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Geistige Geschwüre</em> erhält auch der Leser,
+wenn er durch den <em class="gesperrt">schwarzen Geist seines
+Buches</em> geht!!!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_183">[S. 183]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Necromantisten"><em class="gesperrt">Die Necromantisten.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Herr L. <em class="gesperrt">Fischer</em> erzählt in seinem Buche
+»Vom Aberglauben,« Leipzig 1791, Bd. I.,
+S. 319.) nachfolgende Geschichte:</p>
+
+<p>Wir gingen des Abends nach der Wohnung
+der Necromantisten, weil sie ihre Kunst nirgends
+anders, als in ihrem Hause spielen wollten. –
+Sie versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn
+wir bis Mitternacht warten wollten. Unterdeß
+suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien
+und dergleichen anzufüllen, und fragten endlich:
+ob wir furchtsam wären? Es schlug eilf Uhr,
+und man machte Anstalten, den Geist herauf zu
+fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben.
+Der Eine ging in die gerade über stehende Kammer,
+worin es ganz finster war, und warf die
+Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich
+der Andere ganz leise: wen er jetzt herauf fordern
+sollte? – es müßte aber ein Todter sein.
+Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte
+er von meinem Freunde den Degen, holte
+das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf<span class="pagenum" id="Page_184">[S. 184]</span>
+die Erde und setzte darauf einen mit schwarzem
+Tuch überzogenen Tisch, auf welchen er einen
+gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen
+zwei Lichter, von denen er nachher behauptete,
+daß sie aus Menschenfett gezogen worden. Zu
+seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen
+Charakteren bezeichnete Bücher, darin er
+aufschlug, und uns winkte, daß Keiner ein Wort
+reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten
+Degen, haute drei Mal um sich und machte einen
+Kreis, der bis an die Thür der Kammer ging.
+Endlich bildete er theils in der Luft, theils auf
+der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die
+Augen, schäumte mit dem Munde, wieß die
+Zähne u.&nbsp;s.&nbsp;w. Dann wurde er ruhiger und
+stieß im brüllenden Tone die Worte aus: Satan,
+ich beschwöre dich im Namen Beelzebubs und
+der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen
+und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann
+verdrehte er wieder die Augen, ward blaß und
+schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier
+sprang eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange
+aus dem Busen, wand sich um den Todtenkopf,
+und wollte schon auf uns los, als sie der Zauberer
+ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer<span class="pagenum" id="Page_185">[S. 185]</span>
+fluchte auf den Todtenkopf, als ob er die
+Schlange verschlungen hätte, und wir sahen Blutstropfen
+aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun
+wendete der Zauberer sich nach der Thür der
+Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch
+entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal
+an, trat wieder zurück und hieb mit dem
+Degen um sich, trat abermals an die Thür, schlug
+stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder
+in den Kreis und fing an zu zittern, hieb etliche
+Mal wie rasend um sich, ging wieder ganz leise
+an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte.
+Er nahm hierauf sein Zauberbuch, machte
+allerhand wunderliche Charaktere auf den Tisch,
+schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und
+rief: Satan, ich beschwöre dich, daß du mir den
+Todten herauf bringst. Dann sprang er eilends
+auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5,
+und endlich durch 18 Schläge. Nach Endigung
+dessen rief er mit fürchterlicher Stimme: Satan,
+ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal,
+daß du mir den Todten heraufbringst. Darauf
+entstand ein heftiges Gepolter in der Kammer,
+aus welcher der andere Necromantist hervorsprang,
+der Länge nach auf die Erde fiel und ausrief,<span class="pagenum" id="Page_186">[S. 186]</span>
+daß er den Geist des Aristoteles gesehen. Ich
+wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten
+es, weil ich mich zu sehr erschrecken
+möchte. Endlich ließen sie es geschehen. Himmel,
+was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann
+mit einem grauen Barte, eingefallenem Gesichte
+und einem langen Todtenhemde umkleidet, der
+die Augen zu bewegen schien, bald still stehen
+blieb, bald sich bewegte, als ob es auf mich
+zuwollte. Ich entsetzte mich, wich zurück, gab
+den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach
+Hause. – Es machte mich die ganze Nacht hindurch
+unruhig; ich überdachte alles, und endlich
+fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke
+gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht
+kann getragen haben, weil die Erfindung noch
+nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger,
+daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein
+könne. Um in meiner Ueberzeugung gewisser zu
+werden, ließ ich mir des andern Tages den Cicero
+fordern. Alle Ceremonien waren so wie am
+vorigen Tage, aber die Verschiedenheit der Schläge
+entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er 3, dann
+9 Mal u.&nbsp;s.&nbsp;w. an die Thür, weil C der dritte,
+I der neunte Buchstab des Alphabets ist. So<span class="pagenum" id="Page_187">[S. 187]</span>
+hatte der Beschwörer auch vorher dem in der
+Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles
+gesagt: erst 1 Mal, dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen,
+weil A der erste, R der siebenzehnte
+Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der
+Kammer; aber wie sehr mußte ich erschrecken,
+als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das
+den Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte
+ich die magische Laterne, die hinter einem
+Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach
+dem Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit
+Blut darin, welche es langsam aus den Augenhöhlen
+herausträufeln ließ. Die Necromantisten
+baten mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich
+erfuhr nachher, daß sie verlaufene Barbiergesellen
+wären.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_188">[S. 188]</span></p>
+
+<h3 id="Schwedenborgs_Betruegerei">Schwedenborg’s Betrügerei.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben
+zu London 1772) seltsame, bewunderte
+und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst von
+der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den
+Auftrag, ihren schon damals verstorbenen Bruder,
+den Prinz von Preußen, zu fragen: warum
+er ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet
+habe? Nach 24 Stunden hinterbrachte Schwedenborg
+der Königin die Antwort des Prinzen,
+daß sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne
+den Inhalt des Briefes, als sie und ihr verstorbener
+Bruder, in die größte Bestürzung gerieth
+und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. –
+Allein nachher erklärte Graf F... die Sache.</p>
+
+<p>Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution
+in Schweden war die Königin als eine
+der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen
+Lage schreibt sie an ihren Bruder, den
+Prinz von Preußen, um sich Rath und Hilfe bei
+ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort,
+und da der Prinz bald nachher starb, so
+erfuhr sie nie, warum er nicht geantwortet hatte;<span class="pagenum" id="Page_189">[S. 189]</span>
+daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist
+zu fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing,
+waren die Reichsräthe, die Grafen F... und
+H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen
+hatte, wußte so gut als der Erste, warum
+keine Antwort erfolgt war; denn Beide hatten
+beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der
+Königin ihre Meinung über Etwas zu sagen,
+was sie ihr fühlbar zu machen wünschten. Sie
+gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner
+und legten ihm die Worte in den Mund, die er
+sagen sollte. Schwedenborg froh, in Ermangelung
+übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten,
+eilte des andern Tages zur Königin und
+sagte ihr: der Geist des Prinzen sei ihm erschienen
+und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen,
+er hätte darum nicht geantwortet, weil er das
+Betragen seiner Schwester zu sehr gemißbilliget,
+da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen
+Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen
+vergossenen Blute wäre und dafür büßen müsse.
+Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel
+zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen
+und keine Unruhe zu stiften, wovon sie
+über kurz oder lang das Opfer sein würde.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_190">[S. 190]</span>Solche
+Auflösungen haben alle Wundergeschichten,
+die aber der Herr <em class="antiqua">Dr.</em> Jung unumstößlich
+für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg
+glaubt. Die Auflösung hat er entweder
+weggelassen, oder nicht gehabt.</p>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Die_Hexe"><em class="gesperrt">Die Hexe.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p><em class="gesperrt">Remigius</em><a id="FNAnker_29" href="#Fussnote_29" class="fnanchor">[29]</a>
+in seiner <em class="gesperrt">Dämonolatrie</em>
+erzählt folgendes Faktum aus Inquisitions-Akten:</p>
+
+<p>Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit
+Rom, daß seine Frau heimlich aus dem Bette
+stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf
+vor seinen Augen verschwand. Tags darauf setzte
+er ihr mit Drohungen und guten Worten so lange
+zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr
+unter der Bedingung, daß sie ihn das nächste
+Mal mit zum Hexentanz nehmen sollte. Dieß
+geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen
+waren, bat die Frau den Mann, ein wenig<span class="pagenum" id="Page_191">[S. 191]</span>
+bei Seite zu gehen, bis die Versammlung dem
+Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht
+haben. Der Teufel war, wie der Bauer
+sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der
+Tanz. Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft
+mit angefaßten Händen in runden Kreisen
+herum drehte, und dabei immer das Gesicht
+auswärts gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward
+von seiner Frau beim Fürsten Lucifer ein gutes
+Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment,
+und hatte die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu
+werden. Da die Speisen <em class="gesperrt">ohne Salz</em> aufgetragen
+wurden, foderte er ungestüm Salz, welches
+ihm auch endlich gereicht wurde.</p>
+
+<p>Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist!
+sprach er, – und weg sind Teufel, Zauberer,
+Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht
+sich ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten
+Orte, in bloßem Hemde, vor Frost
+und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er
+sieht einen Hirten im Felde und fragt: wo er
+in aller Welt hier sei? In der Grafschaft Benevent,
+ist die Antwort. Er muß sich Kleider
+und Brod betteln, um wieder heim zu kommen.
+Sein erster Gang ist aber sogleich zum Richter.<span class="pagenum" id="Page_192">[S. 192]</span>
+Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert,
+zum Bekenntniß gebracht und lebendig
+verbrannt.</p>
+
+<p>Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.</p>
+
+<p>Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst
+lange Zeit ihrem Manne ungetreu, und zuletzt
+auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich
+für sich und den hintergangenen Mann eine schreckliche
+Rache zu nehmen. Er fuhr ihr, da er
+wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum
+Tanze nach, sah hier Alles, machte die Anzeige
+davon, und die vornehme Dame ward eingezogen,
+gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und –
+lebendig verbrannt.</p>
+
+<p>Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich
+zu erklären, und daß weder der Bauer,
+noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen
+waren, sondern blos ihre <em class="gesperrt">Rache</em> ausübten.</p>
+
+<p>In Italien wurden in 150 Jahren über
+30,000 Hexen verbrannt, wie ein Inquisitor in
+Sicilien, <em class="antiqua">Ludovico a Parama</em>, bezeuget.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_29" href="#FNAnker_29" class="label">[29]</a>
+Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in
+sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_193">[S. 193]</span></p>
+
+<h3 id="Hexen_Prozess"><em class="gesperrt">Hexen-Prozeß.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p><em class="gesperrt">Frommann</em> in seinem dritten Buche von
+der Bezauberung erzählt:</p>
+
+<p>Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur
+Mittagsmahlzeit. Da sagte dieser über Tafel zu
+dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun
+wir auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen
+lassen, die von zehn oder zwölf Hexen angeklagt
+werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften,
+oder beim Sabbath erschienen wären?
+Ich glaube, wir werden vom Teufel betrogen,
+und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei,
+dessen wir uns bei dergleichen Anklagen bedienen,
+besonders da viele ansehnliche und gelehrte Leute
+hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget
+mir daher doch Eure Meinung.</p>
+
+<p>Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab
+zur Antwort: Was sollte uns in dieser Sache
+zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen
+rühren, da wir durch so viele Zeugnisse
+überwiesen sind? Kann man sich einen Skrupel
+machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige
+Personen also überführt würden? Ein<span class="pagenum" id="Page_194">[S. 194]</span>
+Richter hat nicht Ursache, sich über einer solchen
+Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern
+mag mit Sicherheit zufahren. –</p>
+
+<p>Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit
+dem Pater <em class="antiqua">pro</em> und <em class="antiqua">contra</em> gestritten hatte, der
+Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen
+schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit
+diesen Worten: Es ist mir leid, mein Pater,
+daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft,
+Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch
+nicht beschweren, wenn ich Euch in Verhaft nehmen
+lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben
+ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften
+gesehen. Um Euch zu zeigen, daß ich
+nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden
+Akten herbei bringen lassen, damit Ihr solche
+lesen möget.</p>
+
+<p>Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte
+mit niedergeschlagenem Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit
+ungeachtet, nichts als Bestürzung und
+Stillschweigen entgegen setzen.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_195">[S. 195]</span></p>
+
+<h3 id="Der_Hexenmeister"><em class="gesperrt">Der Hexenmeister.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p><em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Hauber</em> in seiner <em class="antiqua">Biblioth. magic.</em>
+XV. St. S. 215 erzählt:</p>
+
+<p>Ein Mathematikus zu <em class="gesperrt">Aix</em> in der Provence
+stellte im Jahr 1664 ein Skelet in der Mitte
+des Zimmers zwischen dem Fenster und der
+Thür hin, und gab ihm eine Zither in die
+Hände. Der Künstler setzte sich gegen das Fenster,
+und fing an, wenn die Luft hell und rein
+war, auf seiner Zither zu spielen, deren Saiten
+eben so gestimmt waren, wie jene, die er dem
+Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die
+Töne sehr deutlich, und brachte die Anwesenden
+zum Staunen. Der Künstler aber wurde von
+der Kammer <em class="antiqua">de la Tournelle</em> als ein Zauberer
+angesehen, und mit dem Skelete verbrannt!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_196">[S. 196]</span></p>
+
+<h3 id="Die_gerettete_Hexe"><em class="gesperrt">Die gerettete Hexe.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Bei einem Hexen-Prozeß zu London im
+funfzehnten Jahrhundert trug sich folgende Anekdote
+zu:</p>
+
+<p>Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören,
+daß sie <em class="gesperrt">weinen</em> wollten, wenn sie unschuldig
+wären. Eine solche aber stand, von der Folter
+zerrissen, den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos
+und versteinert da. Sogleich wandte sich
+der Priester gegen den Richter und rief: Ich
+versichere Euch auf meine priesterliche Ehre, daß
+dieses Weib eine Hexe ist. – Und ich versichere
+Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein
+– Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche
+Richter, und rettete die Unglückliche,
+von deren Unschuld er überzeugt war.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_197">[S. 197]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Hexenwage"><em class="gesperrt">Die Hexenwage.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts
+war zu <em class="gesperrt">Oudewater</em> in Holland der
+Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld
+gab, auf der großen Stadtwage wiegen zu lassen.
+In Gegenwart des Stadtschreibers und
+der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde
+entkleidet; waren es Weiber, so mußte die Hebamme
+dabei sein. Man zahlte dafür sechs Gulden
+und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches
+Certifikat, worin bescheinigt wurde: »Daß ihr
+Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts Teuflisches
+an ihrem Körper befindlich sei.«</p>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Die_Behexte"><em class="gesperrt">Die Behexte.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts
+wurde ein Mädchen in Sachsen inquirirt, welche
+vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch
+von dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt
+würde. Der Chirurgus nahm ihr wirklich, im<span class="pagenum" id="Page_198">[S. 198]</span>
+Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen,
+Beinen, und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener
+Art, Nägel, Haare, Pelzflecke, Werg
+und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter
+im Bette hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte
+mit dem Munde, gab vor, daß sie in dieser Zeit
+in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge
+gesehen habe. Endlich gingen von ihr durch den
+Urin sogar eiserne Nägel und andere seltsame
+Sachen. – Allein, als hernach eine strenge
+Commission ernannt worden war, entdeckte sich
+der Betrug. Denn als eines Tages der Chirurgus
+aus der schon gemachten Incision der
+Brüste wiederum eine Menge krummer Nadeln
+<em class="gesperrt">ohne Köpfe</em> heraus zu nehmen beschäftigt war,
+sah ein Bedienter der Königlichen Commission
+mit zu. Dieser sagte öffentlich, daß dieses nichts
+Wundersames sei, indem er eben dasselbe an seinem
+Körper ohne den geringsten Schaden nachthun
+wolle. Man brachte ihm darauf einige
+Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und
+diese nach und nach an einen muskulösen Theil
+des Armes mit wenigem Schmerz steckte. Die
+Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an,
+und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht<span class="pagenum" id="Page_199">[S. 199]</span>
+sprechen konnte. Nach einiger Zeit endlich sagte
+sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn man ihr
+eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die
+Commission bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß
+sie auf diese Weise die Nadeln an sich gebracht
+habe, und nachdem die Incision geschehen, es
+ihr gar leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster
+wegzunehmen, und in die Wunden Nägel,
+Haare und Lumpen zu stecken. Das in die
+Höhe werfen im Bette hätte sie durch Uebung
+auf einem Boden erlernt, und damit der Betrug
+noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit
+Kalk von den Wänden abgekratzt und diesen in
+den Mund genommen, wodurch eine Art Schaum
+entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre
+Betrügereien. Als man sie aber nach der Ursache
+dieses Betruges fragte, entgegnete sie:
+<em class="gesperrt">daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge
+hätte Mitleiden erregen, Geschenke erhalten,
+und sich einen Namen – in den
+Zeitungen machen wollen</em>!</p>
+
+<p>Haben wir solche Beispiele nicht auch im
+neunzehnten Jahrhundert?</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_200">[S. 200]</span></p>
+
+<h3 id="Bezauberung_des_Viehes">Bezauberung des Viehes.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch
+geben, und was man gewöhnlich dem Bezaubern
+zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die
+Kühe sich selbst ausgesogen haben.</p>
+
+<p>Bei Shrewsbury in England bemerkte eine
+Bauersfrau im Sommer des Jahres 1786, daß
+ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne
+daß sie krank zu sein schien. Sie gab nun auf
+die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß sie, wenn
+sie auf der Weide war, alle Tage um eine
+gewisse Zeit sich in einem Winkel der Wiese begab.
+Die Frau schlich der Kuh nach und sah
+mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große
+– Schlange der Kuh am Euter hing und sie
+aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher
+die Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte
+und tödtete. Die Kuh ging noch den übrigen
+Theil des Sommers hindurch alle Tage an den
+Ort und brüllte, als ob sie sich nach der Schlange
+sehnte.</p>
+
+<p>Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt
+sich daraus schließen, daß es den Kühen angenehmer<span class="pagenum" id="Page_201">[S. 201]</span>
+ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden,
+als wenn man sie, oft plump genug, durch
+Streichen mit den Händen auspreßt.</p>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Wind_machen"><em class="gesperrt">Wind machen.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<h4>I.</h4>
+
+<p><em class="antigesperrt">Olaeus Magnus</em> sagt, daß die alten Finnen
+und Isländer den Schiffern Wind machen
+könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich
+drei Knoten, mit dem Unterrichte, wenn sie
+den ersten auflösten, würden sie einen gelinden
+Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren,
+und wenn sie den dritten löseten, würden
+sie Sturm haben.</p>
+
+<p>Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so
+verändert sich der Wind sehr, daß also die Lootsen
+schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie
+ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau
+kennen und lustig rufen: Seid ruhig, wir haben
+den Wind ins Schnupftuch geknüpft!</p>
+<hr class="w20">
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_202">[S. 202]</span></p>
+
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p><em class="antigesperrt">Dietmarus Blefkenius</em> in der Beschreibung
+Islands versichert, als er aus Island mit
+einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte
+ihm ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei
+Knoten gebunden, gegeben, mit der Erinnerung,
+wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches
+Wetter, solle er einen Knoten nach dem
+andern öffnen. Als sie nun ungefähr bis zum
+20. September gefahren und schon Spanien im
+Gesichte hatten, wurde plötzlich Windstille, welche
+drei Tage anhielt. Da dachte er an sein Schnupftuch
+und löste einen Knoten auf, und bald darauf
+bekamen sie guten Wind. Da er aber noch
+etwas schwach ging, löste er den zweiten und
+dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in
+Lissabon waren.</p>
+
+<p>Sehr natürlich! denn nach einer Windstille
+erfolgt jedesmal Wind und Sturm, und ohne die
+Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_203">[S. 203]</span></p>
+
+<h3 id="Hexenfahrt"><em class="gesperrt">Hexenfahrt.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte
+schon viele Hexen verbrennen lassen, und fing
+endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas ausrichten
+könnten. Er ließ daher einige in eine
+Stube sperren und blieb selbst bei ihnen. Sie
+legten sich auf das Lager und schliefen ein. Als
+man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und
+sagten: Ei, Herr Amtmann, wie waren wir doch
+so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s, daß
+etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte,
+wie sie nicht aus der Stube gekommen wären,
+entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das sagen?
+War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. (Siehe <em class="antiqua">Paulus Frisius</em> im kurzen Bericht,
+den ganzen Handel von der Zauberei belangend,
+<em class="antiqua">Cap.</em> 3)</p>
+
+<p>Also <em class="gesperrt">Träume</em> wurden für Wahrheiten ausgegeben.
+– Diese Tollheit gehört ins Narrenhaus!
+Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu
+sagen, wenn sie Schaden gethan haben sollten.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_204">[S. 204]</span></p>
+
+<h3 id="Der_glaeubige_Prediger"><em class="gesperrt">Der gläubige Prediger.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Die Magd eines Predigers in Thüringen
+machte jedesmal, wenn sie Brod säuerte, einige
+Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses
+sah, verbot ihr solche abergläubische Dinge.
+Als die Magd aber, um ihr Recht zu behaupten,
+das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen
+hatte, wodurch das Brod unschmackhaft
+wurde, fragte der Herr sie um die Ursache, da
+doch sonst das Brod immer gut gewesen sei.</p>
+
+<p>Ich habe das Kreuz über den Teig nicht
+gemacht, antwortete die Magd. – Sie hatten
+es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei.</p>
+
+<p>Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’
+künftig so viel Kreuze, als Du willst, nur gieb
+mir schmackhaftes Brod.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">Betrug</em> ließ also den aufgeklärten
+Geistlichen, wenn auch nicht daran glauben, doch
+den Aberglauben geschehen.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_205">[S. 205]</span></p>
+
+<h3 id="Frei_Schuetzenkunst_205"><em class="gesperrt">Frei-Schützenkunst.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie
+Kugeln auf sich ohne Verletzung schießen lassen,
+täuschen mit einem Kunststückchen. Sie verfertigen
+nämlich Kugeln von dünnem Glas und
+füllen sie mit Quecksilber, wodurch sie das Ansehen
+und die Schwere einer Bleikugel erhalten.
+Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr
+geladen wird, zerstößt man sie mit dem Ladestocke,
+wodurch sie ihre Wirkung verliert. Andere haben
+noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen
+sie schnell in die Pistole stecken und, wenn sie
+geladen, wieder herausziehen und den geladenen
+Lauf in die Tasche praktiziren.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">J. L. Hartmann</em> in seinem neuen Teufels-Stücklein
+(Frankfurt 1678.) erzählt unter
+Andern:</p>
+
+<p>Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge
+Albrecht zu Sachsen und überreichte ihm einen
+Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen,
+welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen
+sollte.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_206">[S. 206]</span>Da
+will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen,
+entgegnete der Herzog, ließ ihn vor das
+Thor in das Feld führen, den magischen Knopf
+an den Hals hängen, zog sein Schwert und –
+durchstach den armen Juden.</p>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Der_Freischuetz"><em class="gesperrt">Der Freischütz.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>In den »Unterredungen von dem Reiche der
+Geister, fünfte Unterredung, Leipzig 1731.« wird
+Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt.</p>
+
+<p>Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser
+Schreiber, Namens Georg Schmidt, 18 Jahre
+alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser
+hatte eine vertrauliche Bekanntschaft mit einem
+Bergjäger derselben Herrschaft, welcher nicht allein
+vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand,
+sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen
+wußte. Der Schreiber war ein guter Schütze
+im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer
+seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er
+einst zu dem Jäger, um sich bei demselben Raths<span class="pagenum" id="Page_207">[S. 207]</span>
+zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu sein
+gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den
+30sten Juli, am Abdous-Tage, in der Nacht
+mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen;
+alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen
+60 treffen würden, wohin er zielen würde,
+drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären,
+müßten nothwendig fehlen.</p>
+
+<p>Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu
+gewinnen, eingenommen, konnte kaum die Zeit
+erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle,
+Form und was zu der Arbeit gehört, mit, und
+begab sich mit einbrechender Nacht auf einen
+Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen
+war. So bald man daselbst angekommen, machte
+der Jäger einen weiten Kreis mit seinem Waidmesser,
+und setzte gewisse Charaktere rings umher,
+welche der Schreiber aber nicht lesen konnte.
+Nachdem hieß der Jäger Letzteren in den Kreis
+treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen.
+Darauf befahl er ihm, daß er seine
+Kohlen und das Gießgeräthe vor sich hinlegen,
+und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen
+11 und 12 Uhr mit seinem Gusse fertig sei;
+denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine Kugel<span class="pagenum" id="Page_208">[S. 208]</span>
+daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein.
+Ferner ermahnte er ihn, sich durch nichts stören
+zu lassen, was ihm auch zu Gesichte käme, damit
+er sich nicht an der Arbeit hindern lasse.</p>
+
+<p>Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und
+befohlen, keinen Laut von sich zu geben, so stellten
+sie sich Rücken an Rücken und erwarteten die
+eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen
+zu schlagen, als die Kohlen von selbst
+zu glühen anfingen. Nun machten sie sich ans
+Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen,
+da kam ein altes Weib auf sie zu, welches
+mit hölzernen Kochlöffeln umhangen war,
+einen großen Lärm damit machte, und sie fragte,
+ob sie nichts von ihrer Waare gebrauchen könnten?
+– Sie aber fuhren stillschweigend fort zu
+gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich
+hörten sie das Rollen einiger Wagen, welche
+auch gerade auf sie zufuhren, und dann am
+Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem
+dieses Phantom vorüber, erschien ein Trupp
+Reiter, welcher ebenfalls über ihnen seinen Weg
+durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde
+Heer, mit Hörner-Klang, großem Geschrei und
+gehetztem Wilde, nebst Jägern und Hunden, welches<span class="pagenum" id="Page_209">[S. 209]</span>
+abermals den Weg über ihnen wegnahm.
+Zuletzt kam einer auf einem schwarzen Pferde
+langsam vor den Kreis geritten, und fragte sie,
+was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in
+seiner Gegend vorgenommen hätten? – Da sie
+nun gleich mit dem Gießen fertig waren, so gab
+der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem
+Namen 63 Kugeln gegossen, von welchen drei
+Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns geben!
+– Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm
+die Gieß-Kelle nebst den gegossenen Kugeln
+geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir
+haben sie in Deinem Namen gegossen, und weil
+die Zeit noch nicht um ist, so bleiben sie unser.
+– Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas
+darauf, welches einen solchen penetranten Geruch
+von sich gab, daß Beide ohnmächtig zu Boden
+sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen.
+Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen,
+wo sich der Jäger, der solches schon gewohnt
+war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht
+von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf
+die Kugeln zusammen, und eilte in das nahe
+gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete,
+daß ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst<span class="pagenum" id="Page_210">[S. 210]</span>
+aber nahm die Flucht durch das Salzburgsche
+Gebirge. –</p>
+
+<p>Als der halbtodte Schreiber in die Stadt
+gebracht worden war, kam er in gerichtliche Haft,
+wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen
+Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß
+eingeleitet. Das <span id="Page_210_1">Urtheil</span> brachte ihm das
+Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner
+Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe
+davon.</p>
+
+<p>Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen
+Oper von Weber: »Der Freischütz;« –
+dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei,
+die mit einem jungen, unerfahrenen
+Menschen leicht vorgenommen werden kann. Da
+die <em class="gesperrt">Nebenumstände</em> der Geschichte fehlen, so
+können wir auch den <em class="gesperrt">Betrug</em> nicht näher beleuchten.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_211">[S. 211]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Wuenschelruthe"><em class="gesperrt">Die Wünschelruthe.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe
+hatte, wurde mit einem wohlhabenden Bauernburschen
+bekannt, und versicherte ihm, daß er
+durch sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte.
+Sie gingen hierauf an einen gewissen Ort, wo
+der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe
+schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in
+der nächsten Nacht um 12 Uhr der Schatz gehoben
+werden könnte, wenn sie nur so viel Geld
+hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei.
+– Ich bin arm, sagte der Bergmann, und diese
+meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich
+durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht
+reich geworden bin. Die unterirdischen Geister
+werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben
+lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler
+in der Tasche habe. Merken sie aber, daß ich
+weniger oder wohl gar nichts bei mir führe, so
+werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich
+glaubt, ihn schon in Händen zu haben.</p>
+
+<p>Nun empfing er das verlangte Geld, welches
+der Bauer sich erspart hatte, es aber jetzt<span class="pagenum" id="Page_212">[S. 212]</span>
+gern hergab, weil er dadurch mit einem Male
+reich zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder
+an den bestimmten Ort und fingen um zwölf
+Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren.
+Als sie etwas hineingearbeitet hatten, fragte der
+Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie er vorgab,
+sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief
+stehe. Mit aller Arglist eines geübten Betrügers
+gab er dem Bauer zu erkennen, daß kein Ungeweihter
+zugegen sein dürfte, wenn der Schatz
+gehoben würde. Dieser gehorchte zitternd dem
+Schatzgräber. – Allein der listige Bergmann
+schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam
+nicht wieder; während der Bauer in ein hitziges
+Fieber fiel und starb.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_213">[S. 213]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Wahrsagerin"><em class="gesperrt">Die Wahrsagerin.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines
+Städtchens, und die Weiber weissagten den Leuten
+daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen
+zogen sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes
+Weib verspätete sich. Sie fragte daher auf
+dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor
+von ihr hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht
+wisse, welchen Weg die Zigeuner genommen
+hätten.</p>
+
+<p>Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder
+giebst, die ich Dir gestern gegeben habe, so
+will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd.
+Du weißt das nicht einmal, wo die Zigeuner
+so eben hingegangen sind, und Du unterstandest
+Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen
+zu wollen!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_214">[S. 214]</span></p>
+
+<h3 id="Der_Kobold_214"><em class="gesperrt">Der Kobold.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>In dem Hause eines Predigers spielte eine
+Magd den Kobold eine Zeit lang. Es kam ihr
+zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig
+war und der Prediger nicht weit sehen konnte.
+Einst besuchte ein anderer Prediger diesen. Die
+Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ,
+wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie
+Kobolde zu thun pflegen, mit Steinen. Der
+fremde Prediger merkte sich die Gegend in der
+Stube, woher die Steinchen kamen, und gab
+Acht auf die Magd, doch so, daß sie es nicht
+merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus
+der Tasche holte und damit warf. Er bemerkte
+die geschwinde Handbewegung und den Wurf des
+Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und
+redete sie hart an. Sie kam bald außer Fassung,
+gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand
+ohne Gespensterbanner.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_215">[S. 215]</span></p>
+
+<h3 id="Schatzgraeberei"><em class="gesperrt">Schatzgräberei.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>In der »Monatlichen Unterredung von dem
+Reiche der Geister« im VI. Stück, S. 733 ff.,
+wird Folgendes erzählt:</p>
+
+<p>Zu Prag befand sich neben der alten St.
+Michaeliskirche in der Altstadt ein altes Kloster,
+welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt
+wurde. Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr
+des Abends ein alter Bauer an die Klosterpforte
+und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke.
+Als man ihm geöffnet und um sein Begehr gefragt,
+verlangte er den Vorsteher des Klosters
+zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer
+der Zeit war, und brachte ihn zu dem Vorsteher.
+Diesem machte er bekannt, daß er mit ihm in
+den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier
+vertraute Personen mit sich nehmen und, nebst
+andern nöthigen Werkzeugen zum Graben, auch
+einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher,
+auf einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute
+und ging mit dem Bauer in den Keller.
+Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen
+der Vorsteher nicht gedacht hatte, und klopfte an<span class="pagenum" id="Page_216">[S. 216]</span>
+die Mauer, daß ein Stück nach dem andern nach
+und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen
+gebaute Thür zeigte. Sogleich legten Alle
+Hand an und eröffneten die Thür ohne große
+Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten,
+in welchem sie aber nichts fanden. Der
+Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben,
+wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf
+verlor er sich aus dem Gesichte.</p>
+
+<p>Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen
+nun an zu graben, stießen auf etwas Hartes,
+das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten
+sie der Wahrheit des verschwundenen Bauers
+oder Geistes. Da sie aber den harten Körper
+nicht allein aus der Erde bringen konnten, so
+wurden noch einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe
+diese ankamen, sah man eine <em class="gesperrt">große Schlange</em>
+aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen
+ihnen in der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne
+jemand Schaden zuzufügen. Da die Gehilfen
+ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten
+sie einen <em class="gesperrt">großen zinnernen Kasten</em>, in Gestalt
+eines <em class="gesperrt">Sarges</em>, aus der Erde, welchen sie
+sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf
+gingen sie wieder hinab, um weiter nachzusuchen,<span class="pagenum" id="Page_217">[S. 217]</span>
+und fanden eine <em class="gesperrt">eiserne Truhe</em> mit drei großen
+Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu
+dem Sarge brachten und sich vergnügt zur Ruhe
+legten.</p>
+
+<p>Am andern Morgen wurden nun durch einen
+Schlosser die beiden Kasten geöffnet. In der
+Truhe fanden sie <em class="gesperrt">schwarze Kohlen</em>, im Sarge
+ein Todtengerippe, und in der Asche eine güldene
+Kette und einen güldenen Ring mit einem
+Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde
+in die Moldau geworfen.</p>
+
+<p>Die Kohlen waren von den unterirdischen
+Geistern verwandelt worden, hieß es.</p>
+
+<p>Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei?</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_218">[S. 218]</span></p>
+
+<h3 id="Entdeckung_der_Geisterbeschwoerer">Entdeckung der Geisterbeschwörer.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts,
+und besonders in den Jahren 1819 bis
+1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter
+Kreise, im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen
+vor, wodurch die Betrogenen an
+den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit
+aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber
+anstellte. Unter funfzehn Beispielen, von welchen
+die Criminalakten des Großherzoglich Weimarischen
+Criminal-Gerichts zu Weida sprechen
+und deren Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor
+<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Bischoff</em> 1824 in einem Werkchen
+»Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert
+u.&nbsp;s.&nbsp;w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur
+einige, und zwar die kürzesten, zur Warnung
+ebenfalls mittheilen.</p>
+
+<p>Die Handelsfrau <em class="gesperrt">Juliana Sophia</em> D...,
+geb. B..mann, in Schleiz war in ihrer frühern
+Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei
+S... geäfft worden. Man hatte nämlich drei
+Mal nach ihr geworfen; aufgebracht hierüber,
+schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte<span class="pagenum" id="Page_219">[S. 219]</span>
+ihr sodann zugerufen: sie werde noch in ihrem
+64sten Jahre hier glücklich sein. – Dieser Vorfall
+war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand
+des Nachdenkens.</p>
+
+<p>Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause
+ihres Nachbars W... ein Schatz liege, und daß
+auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen
+Kriege viel Geld vergraben worden sei. Durch
+diese Sage fühlte sie sich in die Ueberzeugung
+versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei.</p>
+
+<p>Der Nachbar W... hatte in der Person des
+sogenannten Steudel-Müllers einen Mann gefunden,
+der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern
+hatte; sie sprach mit ihm über den Vorfall auf
+dem Schweinsberge, und erhielt das Versprechen,
+daß ihr zwei Männer zugeführt werden
+sollten, die schon große Thaten verrichtet hätten.</p>
+
+<p>Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er
+brachte <em class="gesperrt">zwei katholische Geistliche</em> in die
+Wohnung der D... Man beschloß, den <em class="gesperrt">Stammgeist</em>
+zu fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem
+Schweinsberge läge, und ob er der D... bestimmt
+sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe
+Stelle, wo man nach der D... geworfen hatte.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_220">[S. 220]</span>Einer
+der Geistlichen zog ein Licht aus der
+Tasche, zündete es an und steckte es in die Erde.
+Dann ging er einige Mal um dieses Licht herum
+und sprach unverständliche Worte. Kaum
+hatte er geendet, als eine <em class="gesperrt">glänzende Gestalt</em>
+sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr vernehmlichen
+Sprache erzählte: es liege hier an
+mehreren Orten Geld, es könne gehoben werden,
+man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage
+das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches
+200 Rthlr. koste. Sei der Schatz glücklich gehoben,
+so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige
+katholische Kapelle bezahlt werden.</p>
+
+<p>Darauf betete der Geist einen Psalm und
+verschwand. Dann vernahm man im Holze ein
+solches Heulen und Wehklagen, daß die D...
+nicht wußte, was sie in der Angst ihres Herzens
+beginnen sollte.</p>
+
+<p>Man trat den Rückweg an, und da erfuhr
+dann die D... von den Geistlichen, daß die
+Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien,
+welche sich grämten und ärgerten, daß die Schätze
+verrathen worden wären.</p>
+
+<p>Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur
+Beischaffung des siebenten Buch Mosis, und der<span class="pagenum" id="Page_221">[S. 221]</span>
+Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden
+100 Rthlr. dazu zu legen. – Leider haben aber
+die Geistlichen das Buch nicht gebracht, und die
+D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben!</p>
+
+<p>Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren
+sechs Personen, nämlich:</p>
+
+<table class="list">
+<tr>
+ <td colspan="3">1) der Steudel-Müller,</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>2) ein Sattler,</td>
+ <td rowspan="4">&nbsp;<img class="brace4" src="images/rbrace.jpg" alt="}">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="4">aus Auma,</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>3) ein Schlosser,</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>4) ein Scribent,</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>5) ein Weib,</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="3">6) ein Landstreicher, Namens Klopfer.</td>
+</tr>
+</table>
+
+
+<p>Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen
+vor. Bei der Beschwörung richteten indeß die
+im Gebüsch versteckten, der Sattler und der
+Scribent, die Geistermaschine<a id="FNAnker_30" href="#Fussnote_30" class="fnanchor">[30]</a>
+vor, welche das
+Weib regierte und die Fragen beantwortete, alsdann<span class="pagenum" id="Page_222">[S. 222]</span>
+mit den Beiden das Wehklagen erhob und
+sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler
+theilten natürlich die Betrüger unter sich, und
+unterließen weitere Versuche, weil die D... wenig
+Vermögen hatte.</p>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_30" href="#FNAnker_30" class="label">[30]</a>
+Sie ist eine Art Sack aus grober Leinwand, welche schwarz gefärbt
+ist. Vorn darauf ist eine magische Figur gemalt; der Sack hat oben und
+unten Reife, und inwendig brennen einige Lichter, welche die Figur
+erleuchten, und ein magisches Licht über den Kreis verbreiten. Werden
+die Lichter ausgelöscht, so ist die Figur verschwunden.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h3 id="Ein_zweites_Beispiel"><em class="gesperrt">Ein zweites Beispiel.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen
+arbeitete gegen Johannis 1802 auf seinen Feldern,
+als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und
+ihm einen Brief überreichte. H... erbrach das
+Siegel, las und staunte. Es wurde ihm von
+den Obern eines genannten Klosters gemeldet:
+»Daß in einem seiner Holzgrundstücke ein großer
+Schatz liege; daß ein Mönch abgesendet worden
+sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem
+H..., die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.«</p>
+
+<p>Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so
+erklärte der Ueberbringer: Der Mönch sei schon
+unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen
+und ihm sein Holzgrundstück zeigen.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_223">[S. 223]</span>Die
+nahe Aussicht auf ein unerwartetes
+Glück machte einen so tiefen Eindruck auf H...,
+daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen
+Acker verließ und schnellen Schrittes auf dem
+Wege forteilte, den, nach der Angabe des Alten,
+der Mönch eingeschlagen hatte.</p>
+
+<p>Er traf den Wundermann, führte ihn in
+das bezeichnete Holzgrundstück, wo auch der keuchende
+Alte eintrat.</p>
+
+<p>Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo
+der Schatz vergraben lag, und forderte den H...
+auf, ein <em class="gesperrt">Nösel Schnaps</em> zu holen, womit die
+Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine
+Wohnung, brachte das geistige Erweichungsmittel
+und mußte sich nun abermals entfernen.</p>
+
+<p>Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung,
+und es dauerte nicht lange, als auch der Mönch
+dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz
+gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte,
+betraten der Mönch, der alte Mann und H...
+den Weg nach dem Holzgrundstücke.</p>
+
+<p>Dort angelangt, zog der Mönch den magischen
+Kreis und sprach unverständliche Worte.
+Es entstand ein <em class="gesperrt">Geräusch</em>, veranlaßt durch<span class="pagenum" id="Page_224">[S. 224]</span>
+böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und
+nun erschien eine <em class="gesperrt">weiße Gestalt</em> am Kreise,
+die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem
+Beschwörer zu sprechen.</p>
+
+<p>»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe
+aus 80,000 Rthlr., aus einer großen silbernen
+Monstranz und aus den zwölf Aposteln,
+massiv von Silber und in Lebensgröße. Er könne
+sehr leicht gehoben werden, wenn der Beschwörer
+den Zwang der Erde herbeigeschafft haben
+werde.«</p>
+
+<p>Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu
+bekommen sei? und erhielt die Antwort: »Morgen
+Mittag kommt eine Person in das Rathhaus
+zu O...feld, welche das Buch besitzt.«</p>
+
+<p>Der Geist wurde nun wieder abgedankt und
+der Rückweg in H...s Wohnung angetreten.
+Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn
+das Kloster nicht mit Geld versehen habe, obgleich
+es hätte wissen können, daß ohne Instrument
+kein Schatz zu heben sei.</p>
+
+<p>H... meinte jedoch, das habe gar nichts
+zu bedeuten, er sei schon im Stande, Geld zu
+schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen,<span class="pagenum" id="Page_225">[S. 225]</span>
+welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition
+überlassen wolle. Der Mönch dankte für
+das gefällige Anerbieten und forderte den H...
+auf, morgen selbst mit nach O...feld zu gehen
+und auf jeden Fall die 200 Laubthaler mitzunehmen.</p>
+
+<p>Das geschah. Man traf im Rathhause zu
+O...feld den beschriebenen Mann. Der Mönch
+ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte
+ihn aber zur Herausgabe des Buches nicht bewegen.</p>
+
+<p>Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche
+und ging; worüber H... ganz trostlos war,
+und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen.</p>
+
+<p>Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt,
+nochmals bearbeitet und endlich auch, nachdem
+H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu
+Herausgabe des Buches vermocht, welches H...
+in Empfang nahm.</p>
+
+<p>Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde,
+der ältliche Mann wurde durch Kopfweh genöthigt,
+nach O...feld zurück zu gehen, um sich in
+dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und<span class="pagenum" id="Page_226">[S. 226]</span>
+nur der Mönch allein begleitete den H... nach
+Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch
+in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu
+verrichten, aber H... hat weder ihn, noch seinen
+Kameraden jemals wieder gesehen. –</p>
+
+<p>An dieser Betrügerei hatten vier Personen
+Theil genommen. Sie hatten nämlich erfahren,
+daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten
+sich daher, ihm einen Betrug zu spielen.
+Der Eine brachte den Brief, der Andere gab
+sich für einen Jesuiten aus, und <em class="gesperrt">trank</em> den
+Branntwein, den er zur Erweichung der Erde
+bestimmte; ein Dritter spielte den Geist, und
+der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das
+er in einer Auktion für einen Groschen erhalten
+hatte, für 200 Laubthaler, welche die Betrüger
+unter sich verteilten.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter padtop3 padbot5">
+<p><span class="pagenum" id="Page_227">[S. 227]</span></p>
+
+<h2 class="s2" id="Fragmente"><em class="gesperrt">Fragmente</em></h2>
+
+<p class="center s02">über</p>
+
+<p class="center s4">politisch-religiöse Sekten und Mystiker.</p>
+<hr class="w30">
+</div>
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_229">[S. 229]</span></p>
+<hr class="full padbot3">
+
+<h3 id="Ueber_Sekten_ueberhaupt">Ueber Sekten überhaupt.</h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p class="drop-cap">Das Wort <em class="gesperrt">Sekten</em> bezeichnet den Inbegriff
+von Personen, welche einer und derselben Lehre
+und gleichen Grundsätzen zugethan sind. Es giebt
+politische, philosophische und religiöse Sekten, aber
+auch politisch-religiöse.</p>
+
+<p>Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen
+und Ecstasen gegründet, und beschäftigen
+sich mit Uebungen, denen oft die Ueberspannung
+der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne
+eine bald mehr, bald weniger merkliche Richtung
+zu der Ungebundenheit giebt. Mehrere dieser
+Sekten wurden sogar von <em class="gesperrt">Weibern</em> gestiftet.</p>
+
+<p>Heidnische und christliche Priester haben die
+Völker durch geheime Ordenskünste in den Banden
+des Aberglaubens zu halten gesucht und durch Vorspiegelung
+verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei,<span class="pagenum" id="Page_230">[S. 230]</span>
+Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime
+Schrift und Wissenschaft der indischen und
+ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen
+– der große Bund der Pythagoräer, der
+aber schon in dem Sinne früher bestanden hatte
+– Alle diese hatten wahrscheinlich eine <span id="Page_230_1">Aristokratie</span>
+für die Eingeweihten gegen die willkührliche
+Alleinherrschaft und die Herrschaft des Volkes
+entgegen zu setzen gesucht.</p>
+
+<p>Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen
+Orden und Wissenschaften mehrere; die Namen
+der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc.
+sind bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus
+spukt noch allenthalben.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_231">[S. 231]</span></p>
+
+<h3 id="Jesuiten"><em class="gesperrt">Jesuiten.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus,
+Aufklärung, Philosophie und Irreligion, Wissenschaften
+und böotische Dummheit finden wir in
+der Hand des <em class="gesperrt">Jesuitismus</em>, der durch alle
+Länder und Völker hindurch läuft, im Finstern
+schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer
+Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem
+ausführt, das nur der menschliche
+Geist erfinden kann.</p>
+
+<p>Und dieser Orden existirt?</p>
+
+<p>Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814
+wieder restaurirt.</p>
+
+<p>Ist er nicht auszurotten?</p>
+
+<p>Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines
+Stammbaumes sind nicht zu finden. Nur ein
+Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre
+ein immerwährender Kampf gegen ihn!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_232">[S. 232]</span></p>
+
+<h3 id="Illuminaten"><em class="gesperrt">Illuminaten.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste
+durch eine Bulle aufgehoben worden waren, und
+derjenige, welcher sie wieder herstellen würde,
+darin <em class="gesperrt">verflucht</em> wurde, trat plötzlich eine Sekte
+auf, welcher man schreckliche Grundsätze schuld
+gab und die sich gegen die verborgenen Jesuiten
+verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten
+sich <em class="gesperrt">Illuminaten</em>, oder <em class="gesperrt">Erleuchtete</em>.
+Unter andern sollen sie gelehrt haben: der Selbstmord
+sei eine himmlische Wollust; des Ordens
+Wachsthum sei aus Gott, Vaterland und Gewissen;
+der Zweck heilige die Mittel; das Beste
+des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung,
+Todtschlag, Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion,
+kurz alles, was die Jesuiten gelehrt haben sollten.
+Man spürte diesen Orden schon in mehreren
+Landen, wußte aber seinen Hauptsitz nicht.
+In Baiern schien man mehr Spuren von ihm<span class="pagenum" id="Page_233">[S. 233]</span>
+zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied
+zu entdecken und zu erkennen, bis die Jesuiten
+ihn verriethen und der Baierschen Regierung im
+Jahr 1785 anzeigten.</p>
+
+<p>Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind
+der Jesuiten und hegte neotorische Grundsätze,
+daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er
+nannte seine Zuhörer zuerst <em class="gesperrt">Erleuchtete</em>, <em class="gesperrt">Illuminaten</em>.
+Bald darauf sandte er einen Anhänger
+Namens <em class="gesperrt">Zwakh</em> nach Augsburg, um
+das Geheimniß der Freimaurer zu erhalten, welches
+auch geschah; allein er erfuhr auch, daß die
+Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten.
+Hierauf ließ er durch den Marquis <em class="gesperrt">de Constarza</em>
+den Freiherrn <em class="gesperrt">von Knigge</em> zum Beistand
+einladen, der auch erschien und die Illuminaten
+zu Freimaurer rektifizirte. Er ging aber
+bald wieder ab.</p>
+
+<p>Der <em class="gesperrt">erste</em> Grad dieses Ordens waren die
+<em class="gesperrt">Minervaten</em>; sie bildeten das Noviziat, kannten
+Niemand und studirten fort.</p>
+
+<p>Im <em class="gesperrt">zweiten</em> Grade hießen die Mitglieder
+<em class="gesperrt">Freimaurer</em>, wo man auch nicht viel erfuhr,
+als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde.
+Die <em class="gesperrt">Unbrauchbaren</em> blieben hier stehen!</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Page_234">[S. 234]</span>Im
+<em class="gesperrt">dritten</em> Grade erschienen die <em class="gesperrt">kleinen
+Illuminaten</em>; hierzu wurden die Tauglichen
+genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades
+und einen einzigen Obern.</p>
+
+<p>Im <em class="gesperrt">vierten</em> Grade waren die <em class="gesperrt">großen
+Illuminaten</em>. Sie hatten einige des ersten,
+zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht.</p>
+
+<p>Im <em class="gesperrt">fünften</em> Grade waren die <em class="gesperrt">dirigirenden
+Illuminaten</em> oder <em class="gesperrt">Regenten</em>.</p>
+
+<p>Alle Mitglieder kannten die Obern nicht;
+letztere hießen daher auch die <em class="gesperrt">Verschwundenen</em>.
+Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber
+nicht kannte, schrieb man: <em class="antiqua">quibus licet</em>, wenn
+man wollte, daß die Provinzenräthe ihn erhalten
+sollten; an die Provinzialen schrieb man: <em class="antiqua">Soli</em>,
+an den General <em class="antiqua">Primo</em>. Den Brief übergab
+jedes Ordensglied, er mochte <em class="antiqua">quibus licet</em>, <em class="antiqua">Soli</em>
+oder <em class="antiqua">Primo</em> gehören, seinem ihm bekannten Mitgliede,
+dieser dem nächsten, und so gingen alle
+Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise
+hinauf, und die Antworten und Befehle
+wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte,
+aus welcher Hand dieses alles kam.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_235">[S. 235]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Rosenkreuzer"><em class="gesperrt">Die Rosenkreuzer</em></h3>
+</div>
+
+
+<p class="p0">wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts
+bekannt. Ihr angeblicher Stifter hieß
+<em class="gesperrt">Christian Rosenkreuz</em>; er hatte lange Zeit
+in den Pyramiden von Aegypten und im Orient
+gelebt, und dort göttliche Weisheit und Kunst
+erlernt, und dies sei schon im vierzehnten Jahrhundert
+geschehen. Der Zweck dieses geheimen
+Bundes war angeblich eine allgemeine Verbesserung
+der Kirche, so wie Gründung einer dauernden
+Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen.
+Allein man wollte den <em class="gesperrt">Stein der Weisen</em> suchen,
+und ihre <em class="gesperrt">Charlatane</em> und <em class="gesperrt">Adepten</em>
+spukten lange in der Welt herum, bis sie in
+der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit
+Cagliostro und Schröpfer verloschen.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_236">[S. 236]</span></p>
+
+<h3 id="Schroepfer"><em class="gesperrt">Schröpfer,</em></h3>
+</div>
+
+
+<p class="p0">welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
+in Leipzig lebte und großes Aufsehen durch seine
+Charlatanerie machte, war nichts als ein Betrüger.
+Er wollte den soliden Freimaurer-Orden
+reformiren, wurde aber dafür auf die Finger
+geklopft. Allein als <em class="gesperrt">Geister-Beschwörer</em> errang
+er ein Ansehen bei Hohen und Niedern,
+und erwarb sich durch seine <em class="gesperrt">optischen Zauberspiegel</em>
+und <em class="gesperrt">Zauberlaternen</em>, durch narkotisches
+Räucherwerk und berauschende Getränke
+den Glauben seiner Jünger und Gönner und
+ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im
+Jahr 1774 aus Verzweiflung, da wahrscheinlich
+ein Plan einer geheimen Parthei nicht ausgeführt
+werden konnte.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_237">[S. 237]</span></p>
+
+<h3 id="Cagliostro"><em class="gesperrt">Cagliostro</em></h3>
+</div>
+
+
+<p class="p0">oder eigentlich <em class="antiqua">Giuseppe Balsamo</em>, in Palermo
+1743 geboren, war anfangs in dem Orden der
+barmherzigen Brüder und widmete sich der Arzneiwissenschaft,
+wurde aber wegen Ausschweifungen
+aus dem Orden wieder gestoßen. Um sich
+zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit <em class="gesperrt">Zauberkünsten</em>
+und <em class="gesperrt">Schatzgräberei</em> zu täuschen.
+Bald darauf fand er in Calabrien ein schönes
+Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand
+bieten mußte, und er trat nun öffentlich als
+<em class="gesperrt">Graf Cagliostro</em> auf. So durchflog er Spanien,
+Portugal, Frankreich, England, und erwarb
+sich durch seine Betrügereien und durch
+seine verschmitzte Frau ansehnliche Summen. Er
+verkaufte <em class="gesperrt">Schönheitswasser</em> für alte und häßliche
+Frauen, und <em class="gesperrt">Lebenstinkturen</em>, und seine<span class="pagenum" id="Page_238">[S. 238]</span>
+Frau ihre – Tugend. Als aber dieser Handel
+zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer
+neuen Sekte werden, wurde deshalb in London
+Freimaurer, und erschien als <em class="gesperrt">Wunderthäter</em>,
+<em class="gesperrt">Magier</em>, und <em class="gesperrt">kurirte Kranke unentgeltlich</em>.
+Auf diese Weise durchzog er wieder verschiedene
+Länder, war in Curland, dann in
+Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen
+Halsbandgeschichte in die Bastille kam. Daraus
+wieder entlassen, floh er nach London, von da
+in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789
+wegen Freimaurerei und Ketzerei in die Engelsburg
+gesetzt und zuletzt zu einer lebenslänglichen
+Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse
+starb.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_239">[S. 239]</span></p>
+
+<h3 id="Die_Seherin_von_Prevorst">Die Seherin von Prevorst,</h3>
+</div>
+
+
+<p class="p0">eigentlich <em class="gesperrt">Friederike Hauffe</em> [geboren 1801
+im Dorfe Prevorst bei Löwenstein im Würtembergischen],
+hat großes Aufsehen erregt und bedeutende
+Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit
+soll sich bei ihr das Ahnungsvermögen entwickelt
+und durch Träume kund gethan haben;
+die <em class="gesperrt">Haselruthe</em> schlug ihr auf Wasser und
+Metalle an. [Hier muß der vernünftige Mann
+schon stutzen und die kommende Erzählung mitleidig-lächelnd
+erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff
+sie oft ein Wehegefühl und Frieren, und
+dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo Gräber
+waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich
+an gewissen Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen!
+Den ersten Geist sah sie in der Mitternacht
+im eignen großväterlichen Hause. [Da
+haben wir also die Geisterseherin schon als Kind;<span class="pagenum" id="Page_240">[S. 240]</span>
+mit ihm werden wohl auch die Geister in dem zerrütteten
+Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre
+verheiratete sie sich, versank aber bald in eine
+unerklärliche Schwermuth, weinte Tage lang unter
+dem Dache des älterlichen Hauses und schlief,
+fünf Wochen lang, nie mehr. [<em class="antiqua">sic!</em>] Am Tage
+ihrer Verheiratung war das Leichenbegängnis
+des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld.
+Auf seinem Grabe wurde es ihr auf
+Einmal ganz leicht und hell, und in ihrem Innern
+ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar
+1822 träumte ihr in der Nacht, als sollte
+sie sich zu Bette legen; aber da lag schon in
+demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach
+laut, weshalb ihr Mann sie weckte. Am andern
+Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn Tage
+lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald
+darauf brachen heftige Brustkrämpfe aus, welche
+später abwechselnd mit Blutflüssen und Kindbettfieber
+sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war
+nun so gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen
+hin Alles fühlte und hörte. [Das passirt
+Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um
+diese Zeit fühlte sie, daß sie <em class="gesperrt">sieben</em> Tage lang
+jeden Abend um <em class="gesperrt">sieben</em> Uhr ein <em class="gesperrt">nur von ihr</em><span class="pagenum" id="Page_241">[S. 241]</span>
+gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie ihre
+Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen
+Leser!] Durch dieses geistige Magnetisiren
+in noch tieferen Schlaf gefallen, gab sie
+an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten
+sei. So wurde sie im Juni 1824 einer geregelten
+magnetischen Behandlung unterworfen. Ahnungsvolle
+Träume, Divinationen, Voraussehen
+in Glas- und Krystallspiegeln sprachen von ihrem
+aufgeregten Leben, so daß sie z. B. in einem
+Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand,
+Personen, die erst nach einer halben Stunde das
+Zimmer betraten, schon im Voraus sah. [Also
+auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte
+Behandlung so wohlthätig auf sie, daß
+sie ihre weiblichen Geschäfte wieder verrichten
+konnte und zuletzt blos alle <em class="gesperrt">sieben</em> Wochen magnetisirt
+wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo
+sie künstlich entbunden werden mußte, verfiel sie
+wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen
+aller Art, und es stellte sich ein verstärkter
+magnetischer Zustand aufs Neue ein. Der Schlaf
+blieb aus, sie weinte die Nächte durch, hatte
+Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer
+abgezehrter und elender. Wenn in dieser Periode<span class="pagenum" id="Page_242">[S. 242]</span>
+ein Freund, der oft um sie war, sie mit dem
+Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen
+berührte, sagte sie dem <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kerner</em> jedesmal
+einen Spruch, der auf ihn und seinen Seelenzustand
+Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken,
+diese Krankheit sei durch <em class="gesperrt">dämonische
+Einflüsse</em> erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem
+als <em class="gesperrt">Teufelsbanner</em> in Ruf stehenden Manne.
+[Dies ist also wirklich in unserm neunzehnten Jahrhunderte
+geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein
+grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze
+herumgedreht wurde, dann in Schlaf verfiel, in
+welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf
+Einmal eine, Allen fremde Sprache redete, die
+sie ihre innere nannte. [Warum hat man nicht
+eine <em class="gesperrt">Grammatik</em>, oder wenigstens einen <em class="gesperrt">Wegweiser</em>
+herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache
+erlernen!] Ein Amulet, das jener
+Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben,
+sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken
+vor mehreren Anwesenden über ihre Brust und
+Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß
+man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir
+glauben, daß über das laufende Amulet die Kinder
+lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer<span class="pagenum" id="Page_243">[S. 243]</span>
+den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder
+giebt.] Endlich zog man den <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kerner</em> zu
+Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das
+Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben
+hat: »Die Seherin von Prevorst. Eröffnungen
+über das innere Leben des Menschen und über
+das Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.«
+2 Thle. Stuttgart 1832.</p>
+
+<p>Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde
+ein wahres Marterbild, für welches der Tod
+eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten
+brachten sie endlich, fast gegen den Willen des
+Arztes, nach Weinsberg, wo sie den 25. Novbr.
+1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam.
+Der Arzt erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht
+mehr auf das, was sie im Schlafe spreche,
+Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches
+Verfahren homöopathischer Art fort; allein es
+war zu spät, und er mußte wieder zum Magnetismus
+seine Zuflucht nehmen. –</p>
+
+<p>Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser
+kranken Frau anführen; wer noch mehr davon
+wissen will, lese das oben angeführte Werk.</p>
+
+<p>Sie hatte beinahe keine organische Kraft
+mehr und lebte, wie sie selbst sagte, nur von<span class="pagenum" id="Page_244">[S. 244]</span>
+dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so
+war der Geist der Metalle, der Pflanzen, der
+Menschen und der Thiere ihr fühlbar und wirkte
+auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr
+stets Kopfschmerz. Bei einem Gewitter <em class="gesperrt">fühlte
+sie die Blitze immer früher, als Andere
+sie sahen, und zwar im Unterleibe</em>.
+[Sollte das nicht vielleicht statt <em class="gesperrt">Blitze</em> – <em class="gesperrt">Gewitter</em>
+heißen?] Aus der Luft, sagte sie, komme
+ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte
+ein Fenster bei Tage und bei Nacht, selbst in
+der strengsten Winterkälte, geöffnet bleiben; auch
+behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen
+sich die Geister bedienen, um sich hörbar
+und sichtbar zu machen [Nun wissen also die
+Leser, daß man Geister <em class="gesperrt">sehen</em> kann]; sie hüllen
+sich in einen <em class="gesperrt">Stoff</em>, der sich in der Luft befindet,
+ein. [Dieses ist sehr fein gegeben, aber der
+Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen vorbereitet.]
+Je höher man sie brachte, desto magnetischer
+wurde sie. So oft sie in das <em class="gesperrt">rechte</em>
+Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in demselben
+hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde
+immer noch ein Bild, das aber weder dem Andern,
+noch ihrem eignen Bilde vollkommen glich;<span class="pagenum" id="Page_245">[S. 245]</span>
+sie hielt es für das Bild des innern Menschen
+dessen, den sie ansah; bei Manchem erschien es
+ihr ernster, oder auch schöner, verklärter, als
+das äußere. In dem rechten Auge der Thiere
+sah sie ein blaues Flämmchen. Sie sah durch
+die Herzgrube, erkannte die innern Theile, besonders
+die leidenden Organe ihres Körpers, und
+sprach von einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie
+behauptete auch, die Bewohner der linken Seite
+des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen
+Dank, Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß,
+daß der Mond Bewohner und auch Zimmerleute,
+Maurer u.&nbsp;s.&nbsp;w., wie auf unserer Erde, habe.
+Aber wie sahen sie denn aus? Warum haben Sie
+keine Zeichnung oder wenigstens eine genaue Beschreibung
+geliefert?] Für die Krankheiten Anderer
+hatte sie ein so außerordentliches Gefühl,
+daß sie bei Annäherung eines Kranken, besonders
+nach dessen Berührung, alsbald die gleichen Empfindungen
+in denselben Teilen des Körpers erhielt,
+und zum größten Erstaunen des Kranken
+ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen konnte.
+[Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der
+den Patienten <em class="gesperrt">gar nicht anrührte</em>, und doch
+sogleich die Leiden desselben wußte, denn seine Frau<span class="pagenum" id="Page_246">[S. 246]</span>
+hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr
+Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.]
+So heilte diese kranke Frau auch eine Gräfin
+von M.</p>
+
+<p>Nun wollen wir auch Etwas von ihrer
+<em class="gesperrt">Mystik</em> erzählen.</p>
+
+<p>Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen
+bin, bis dahin, wo ich erwache, wie
+einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich
+über die Brust verbreitet und gegen die linke
+Seite hin wie befestigt ist. Dieser Ring, welcher
+schwer und schmerzend ist, hat unter sich noch
+fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er
+hat zwölf Theile, und in diesen sehe ich die
+Haupteindrücke von dem, was mir in dieser Zeit
+begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet
+wirkliche Sterne. Diese sind Wohnungen seliger
+Geister niedern Grades. [Wir verstehen die Madame
+nicht; liegt es an uns? In den <em class="gesperrt">Gedärmen</em>
+des Leibes können wir uns solche Bilder nicht
+denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher,
+die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja
+die Bewohner des Mondes auf der linken Seite
+bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?]
+Der dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt<span class="pagenum" id="Page_247">[S. 247]</span>
+ist noch heller, als die Sonne. In ihm
+sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe, die,
+je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die
+<em class="gesperrt">Gnadensonne</em> nennen. [<em class="antiqua">Sic!</em>] Es kam mir
+vor, als schauten in diese Tiefe noch viele andere
+Geister mit mir, und als bestehe Alles, was
+da lebt und webt, aus Fünkchen aus dieser
+Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus
+ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben
+Sonnenkreise ab, und Ihr ganzer Inhalt wird
+mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt, in welcher
+dann der Inhalt aller Stunden, Minuten
+und Sekunden von den sieben Jahren enthalten
+ist. So kann man <em class="gesperrt">nach dem Tode</em> in Einer
+Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem
+Tode in seinem eignen Körper? Ei! ei!] Der
+<em class="gesperrt">Lebenskreis</em> ist kleiner, liegt unter ihm und
+hat 13&#188; <em class="gesperrt">Abtheilungen</em>. Er ist leicht, wie
+Luft und Geist. Im Mittelpunkte desselben liegt
+Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und das
+ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt
+liegt, so liegt in diesem Lebenszirkel eine ganz
+andere, höhere; daher die Ahnungen, die in jedem
+Menschen von einer höhern Welt liegen.
+Auf diesem innern Ringe sehe ich meine <em class="gesperrt">Gefühle</em><span class="pagenum" id="Page_248">[S. 248]</span>
+als Zahl und Zeichen stehen; es sind die
+Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung
+geht. Die eine Zahl, der Zehner, ist
+eine beständige bei jedem Menschen und zugleich
+die irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in
+die Außenwelt gehen kann. Die zweite Zahl,
+der Siebenzehner, ist keine beständige und kann
+bei jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich
+die innere Zahl und die himmlische. Beide
+Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der
+Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen
+als Mensch und für sein Verhältniß zur Außenwelt;
+in der andern das Wort für jeden Einzelnen
+und dessen inneres Leben, das er nach
+dem Tode mitnimmt. Allein dies ist nicht etwa
+eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern
+es bleibt ihm die Wahl zwischen dem Guten
+und Bösen; ergreift er aber das Böse durch
+eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben:
+so verliert er die Grundzahl, und ist alsdann
+dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim gestellt.
+Kommen von der Außenwelt so arge Dinge,
+daß sie die Grundzahl des Menschen übersteigen,
+so ist es des Menschen Tod. Wem
+diese Zahl durch gar nichts gestört wird, der erreicht<span class="pagenum" id="Page_249">[S. 249]</span>
+das höchste Lebensalter. Für jede Sünde,
+jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl
+im Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses
+duldet, notirt dies, und nach dem Erwachen
+[dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt
+da steht, liegt dann Alles klar vor Einem,
+und es ist dann der eigene Geist des Menschen
+der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze
+Natur, durch Alles, was lebt und webt. –
+Beim Tode wird der Geist von der Seele, so
+wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht.
+Dann lößt sich auch die Seele; dies
+ist der Moment des Todeskampfes, wo aber selige
+Geister der Seele beistehen. [Da haben wir
+den <em class="gesperrt">Astralgeist</em>, wie er lebt und webt! Wie
+kommt denn diese <em class="gesperrt">kranke Person</em> dazu?] Der
+Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz
+richtig!], er verbindet die Seele mit dem Leibe,
+[also wieder ein Medium zwischen Seele und Körper?]
+und den Leib mit der Welt. Er geht mit
+der Seele nach dem Tode über und ist unzerstörbar.
+[Paracelsus sagt doch, daß sein <em class="gesperrt">Astralgeist</em>
+zerstörbar sei; aber die <em class="gesperrt">kranke Frau</em> will
+noch mehr haben! Was kann denn auch eine nervenschwache
+(zuweilen närrisch genannte) Frau kluges<span class="pagenum" id="Page_250">[S. 250]</span>
+sprechen; dies wäre ja eine <em class="antiqua">contradictio in
+subjecto</em>.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische
+Hülle um den Geist [ob die Kranke schon
+die ätherische Hülle den Umstehenden genau beschrieben
+haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft
+im eigentlichen Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts
+in Nichts gesehen], und die Geister des Zwischenreichs
+[wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit
+seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen
+besondern Stoffes <em class="gesperrt">Töne</em> hervorbringen, die
+<em class="gesperrt">Schwerkraft</em> in den Körpern aufheben und sich
+den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam!
+das haben Sie vielleicht von <em class="gesperrt">Hörensagen</em>; denn
+da Sie keine <em class="gesperrt">Geographie</em> und <em class="gesperrt">Geschichte</em> der
+Länder kennen sollen u.&nbsp;s.&nbsp;w., werden Sie wahrscheinlich
+auch die Geographie und Geschichte der
+Seele und des Körpers nicht kennen.] In reinen
+Menschen bleibt dieser Nervengeist in dem Körper
+zurück, sie können sich daher nicht <em class="gesperrt">hörbar</em> machen
+und <em class="gesperrt">spuken</em> nicht. – [Welcher Unsinn!
+oder wie es meine <em class="gesperrt">denkenden Leser</em> nennen
+wollen!]</p>
+
+<p>Ich male mir, sagt diese <em class="gesperrt">kranke Person</em>
+ferner, diese Gestalten nicht selbst aus. Ich habe
+nicht die mindeste Freude an ihnen, ich bin geplagt<span class="pagenum" id="Page_251">[S. 251]</span>
+durch sie; auch denke ich nicht an sie,
+außer ich sehe sie [<em class="antiqua">Sic!</em>], <em class="gesperrt">oder man fragt
+mich über sie</em>. Leider ist mein Leben so beschaffen,
+daß mein Geist in eine <em class="gesperrt">Geisterwelt</em>
+schaut [nämlich in die <em class="gesperrt">Intestinen</em> ihres Körpers!],
+die gleichsam auf unserer Erde ist, und
+so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern
+oft in großer Menge und von verschiedener Art.
+[Vielleicht von Baskiren- und Kalmucken-Art?]
+Mit vielen komme ich in gar keine Berührung
+[dieses mag die einzige Wahrheit sein!], andere
+wenden sich zu mir, ich rede mit ihnen [natürlich,
+in der Geistersprache!], und sie bleiben oft
+Monat lang in meinem Umgange. Ich sehe sie
+oft zu den verschiedensten Zeiten, bei Tage und
+bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und
+in allen Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen.
+Oft treten sie vor mein Bett und
+wecken mich, wo dann andere Personen, die bei
+mir schlafen, von ihnen träumen, ohne daß ich
+ihnen etwas über ihre Erscheinung gesagt hätte.
+[<em class="antiqua">Sic!</em>] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen
+Wolke; im Sommer aber und im Mondenscheine
+sehe ich sie heller, als im Dunkeln. [Dies mag
+Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske<span class="pagenum" id="Page_252">[S. 252]</span>
+Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen
+Augen sehe ich sie nicht [wir auch
+nicht!], aber ich <em class="gesperrt">fühle</em> ihre <em class="gesperrt">Gegenwart</em>.
+[Wie ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist
+immer so, wie sie <em class="gesperrt">wohl</em> im Leben war, aber
+wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt
+aus der Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!],
+nur farblos, grau; so auch ihre <em class="gesperrt">Kleidung,
+wie sie wohl im Leben war</em> [welche Widersprüche!],
+aber wie aus einer Wolke; nur die
+<em class="gesperrt">Bessern sind gleich gekleidet</em>, sie tragen
+ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem
+Gürtel um die Mitte des Leibes. Ihre <em class="gesperrt">Gesichtsfarbe</em>
+ist auch ähnlich der der Lebenden,
+nur auch grau, meistens traurig und düster; die
+Augen sind hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah
+ich nie. Die Bessern erscheinen heller, die Bösen
+dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser,
+wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau
+hätten wir es nie gewußt!] Alle weibliche Wesen
+haben dieselbe Kopftracht, eine über die Stirn
+herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung.
+Der Gang der <em class="gesperrt">Bessern</em> ist schwebend, die <em class="gesperrt">Bösen
+treten schwerer auf</em>, so daß man sie
+zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen,<span class="pagenum" id="Page_253">[S. 253]</span>
+Rauschen, wie mit Papier, durch Schlürfen, wie
+in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen, als
+ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit
+derer auf sich zu richten, die sie nicht
+sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie
+eine Trommel um, schlügen einen Marsch u.&nbsp;s.&nbsp;w.,
+so würde man doch weit besser ihre Gegenwart erfahren.]
+Sie können aber auch schwere Dinge
+bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen,
+und je dunkler ein Geist ist, desto mehr spukhafte
+Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß hat die
+kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser
+Gesellschaft gezählt.] Oft saugen Geister, besonders
+dunklere, die religiösen Worte, welche ich
+sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch
+wie heller und leichter werden!! Diejenigen Geister,
+die meistens zu mir kommen, sind in den
+untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm
+Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche.
+Das sind <em class="gesperrt">Geister, deren Geist</em> in
+diesem Leben theils durch Hinziehen nach der
+Außenwelt niederblieb [meint sie den Astralgeist?],
+theils solche, die nicht im Glauben an
+die Erlösung durch Christum starben [haben
+diese türkische oder chinesische Kleidung?], oder<span class="pagenum" id="Page_254">[S. 254]</span>
+solche, denen noch irgend ein irdischer Gedanke
+an die Seele im Sterben anklebte, und der sie
+nun auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht
+die Besserung einzig aus sich selbst. Sie wollen,
+ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen und
+durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß
+die Bittenden nicht haben warten lassen.] Auch
+glauben sie [nämlich die Geister], das Aufdecken
+einer Unthat, die <em class="gesperrt">auf ihrem Geiste</em> lastet,
+könnte ihnen Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß
+die Madame die Theorie der Geisterkunde studirt
+hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige
+Geister wenden, aber ihre <em class="gesperrt">Schwere</em> zieht sie
+mehr zu den Menschen hin. – <em class="gesperrt">Solche Hilfe</em>
+suchte bei ihr einer aus der Familie <em class="gesperrt">Weiler</em>
+vom Lichtenberg, in Gestalt eines Ritters [ob
+er auch ein Schwert an der Seite gehabt hatte?
+Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben
+müssen, denn Geister sind keine Kleinigkeiten,
+man sieht sie nicht alle Tage!], ein Brudermörder,
+ferner ein Mönch <em class="gesperrt">in einer Kutte</em>,
+[war dieser ein Karthäuser oder ein Kapuziner?
+Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein Mörder, nachher
+ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die
+Geschäfte des Kaufmanns F. zu dessen großem<span class="pagenum" id="Page_255">[S. 255]</span>
+Nachtheile geführt hatte und wegen eines <em class="gesperrt">Geheimbuches</em>
+[?] beunruhigt wurde, hierauf ein
+weiblicher Geist, aber nur kurze Zeit, nachher
+ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder eines Kindes,
+das sie im Stalle begraben hatten, und mit
+ihnen ein schwarzer Mann, der ihnen das Gift
+für das Kind gegeben hatte, dann ein großer
+Mann in einem <em class="gesperrt">weißen Rocke</em>, der zwei Waisen
+um ihre Habe betrogen hatte; er brachte
+einen schwarzen, <em class="gesperrt">feindlich gesinnten</em> Mann
+mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder
+vom Guten abzulenken suchte. Der Schwarze
+erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit
+großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig!
+wie <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Fausts</em> Mephistophilus], und bald
+nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach diesen
+ein alter Mann mit einem langen Barte,
+einem Hute, ähnlich dem der Tyroler, kurzem
+Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen
+Dank! dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur
+hätten Sie, Madame, auch sagen sollen, was für
+Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen
+oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529
+gestorben. Bald nach diesem eine noch dunklere
+Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind<span class="pagenum" id="Page_256">[S. 256]</span>
+desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte.
+Auf diese folgte eine Lichtgestalt mit einer Glorie,
+der verstorbene Stiftsprediger T. zu Oberstenfeld,
+ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser
+Mann; dann zum Beschluß mehrere unbedeutende
+Geister. [Kann wohl des Unsinns
+mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen
+Sie nicht mehr, geehrte Leser, sondern bedauern
+Sie das gehirn- und nervenkranke Weib und diejenigen,
+die solche Dinge glauben!]</p>
+
+<p>Diese kranke Frau starb endlich den 5. August
+1829; aber noch in der Todesstunde sah die
+Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen,
+<em class="gesperrt">die auch Geister wahrnahm</em>, eine hohe,
+lichte Gestalt ins Zimmer treten, und in demselben
+Momente that die Sterbende einen heftigen
+Schrei der Freude. [Ob wir wohl die Schwester
+als zweite Auflage erhalten werden?]</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_257">[S. 257]</span></p>
+
+<h3 id="Der_Wunderdoktor"><em class="gesperrt">Der Wunderdoktor.</em></h3>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Da wir einmal dem Lande Würtemberg so
+nahe sind, so kann zugleich, neben der Seherin
+von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor
+hier ein Plätzchen finden.</p>
+
+<p>Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt:</p>
+
+<p>Die Würtemberger Blätter berichten von einem
+neuen <em class="gesperrt">Wunderdoktor</em>. Bei Ravensburg
+habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen
+Fall gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert
+und das Schlüsselbein zersprengt. Alles habe
+rath- und trostlos um den Unglücklichen gestanden,
+da habe ein Hufschmied sich erboten, er
+wolle die Kur übernehmen, und ohne Einrichtung,
+ohne Verband, und ganz wohlfeil habe er den
+Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller
+Krüppel sei, lahm, einhüftig, mit verwirrtem
+Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt. Das
+Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart!</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Page_258">[S. 258]</span></p>
+
+<h3 id="Prinz_von_Hohenlohe">Prinz von Hohenlohe,</h3>
+
+<p class="center s01">der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts.</p>
+<hr class="w10 padbot1">
+</div>
+
+
+<p>Sein Titel ist: <em class="gesperrt">Alexander Leopold</em>, Prinz
+von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er
+ward geboren den 17. August 1793 zu Kupferzell
+bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf
+Ludwig Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst,
+war der Erste, welcher aus dieser Familie 1667
+zur römischen Kirche übertrat, nachdem er <em class="gesperrt">vorher
+von mancherlei Geisterbeschwörungen
+und Goldmacherkünsten umgeben gewesen
+war</em>. Seine Mutter war sehr andächtig
+und hatte ihn, als den Lieblingssohn, der
+Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung
+zum Militairstande und übergab ihn einem <em class="gesperrt" id="Page_258_1">Ex-Jesuiten</em>,
+Riel, Lehrer in dem Convicte zu Schillingsfürst.<span class="pagenum" id="Page_259">[S. 259]</span>
+Eilfjährig und bereits ganz dem geistlichen
+Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora
+zu studiren, in das Theresianum nach Wien;
+1808 ging er nach Bern und 1810 nach Wien
+zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er
+daselbst in das erzbischöfliche Seminar für junge
+Priester, nachher in eine ähnliche Pflanzschule zu
+Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819
+sein Gebetbuch »<em class="antiqua">Sacerdos catholicum in oratione
+et contemplatione etc.</em>« widmete. Doch
+waren seine theologischen Studien durch Reisen
+und <em class="gesperrt">Welterfahrungen</em> öfters unterbrochen,
+bis er 1814 nach Ellwangen zurückgerufen wurde,
+um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs
+Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst,
+auf der neuen Universität, besonders unter Leitung
+des General-Vicariathsraths und Professor
+der Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In
+diesem Jahre wurde er vom Metropolitanstift von
+Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing
+er schon an, <em class="gesperrt">Bettler</em> und <em class="gesperrt">wundersüchtige
+Frauen</em> aufzusuchen.</p>
+
+<p>Im Januar 1815 erhielt er die Weihe des
+Subdiaconats, und fing an, durch eine Predigt<span class="pagenum" id="Page_260">[S. 260]</span>
+über die Bedeutung der heiligen Taufe und der
+Sterbekerze sein Talent zum Kanzelredner zu zeigen.
+Die Priesterweihe ertheilte ihm der Oheim
+den 16. September 1815. Das folgende Jahr
+reiste er nach Rom, wo er von den Jesuiten in
+ihrem Hauptsitze, auf dem <em class="antiqua">Monte Cavallo</em>, aufgenommen
+wurde, vom Cardinal Somaglia die
+Erlaubniß, in jeder Kirche Roms Messe zu lesen,
+erhielt, und sich im <em class="antiqua">Collegio Romano</em> den englischen
+Jüngling, den heiligen Aloysius Gonga,
+zum Fürsprecher zu Erhaltung eines reinen Herzens
+erbat. Dann bekam er Wohnung und Kost
+im Jesuiter-Collegium. Hierauf begann er seine
+geistlichen Uebungen, wo er sich die Fragen »Hinterging
+dich die Welt, das Fleisch, der Satan?
+Ach schreckliche Zurückerinnerungen!!« ans Herz
+legte, sich besonders den heiligen Xaverius als
+den <em class="gesperrt">Seeleneiferer</em> zum Patron wählte, und
+an dem alten Pater, Beichtiger Panisoni, bewunderte,
+<em class="gesperrt">wie die heilige Pflanze der Keuschheit
+den Verstand gegen Stumpfheit
+kräftig schütze</em>, während er selbst glaubte, daß
+<em class="gesperrt">heute alle die Sünden, die sein Herz beschweren,
+in das Meer der göttlichen
+Erbarmung geworfen waren</em>. Nachdem er<span class="pagenum" id="Page_261">[S. 261]</span>
+Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität zum heiligen
+Paul geworden war, und die päpstliche Bevollmächtigung,
+Rosenkreuze, Crucifixe etc. jedesmal
+bis auf 3000 Stücke zu benediciren, erhalten
+hatte, verließ er 1817 Rom.</p>
+
+<p>Er kam unter andern auch nach München,
+wo man ihn aber bald der <em class="gesperrt">Scheinheiligkeit</em>
+beschuldigte, und weil man in seinen Predigten
+einen untergelegten römischen Text zu bemerken
+glaubte. Selbst in Bamberg, wo ihn der König
+1817 zum geistlichen Rath bei dem Generalvicariat
+ernannt hatte, verschrie man ihn schon als
+<em class="gesperrt">Römling und als einen dem Jesuitismus
+und Obscurantismus Verschwornen</em>. Unter
+andern machte sich unser Mystiker durch eine
+Rede bekannt – »Was ist der Zeitgeist?« –
+die an die Kaiser Franz und Alexander, und an
+den König von Preußen gerichtet war. Er sagt
+darin: »nur der ächte Christ ist auch getreu gehorsamer
+Unterthan. Ein solcher aber ist ihm
+nur der <em class="gesperrt">ächt-römische</em>!«</p>
+
+<p><em class="antiqua">Dr.</em> Bergold, Pfarrer zu Hasfurt, brachte
+den Fürsten Hohenlohe in Bekanntschaft mit einem<span class="pagenum" id="Page_262">[S. 262]</span>
+noch aus <em class="gesperrt">Gaßners</em> Zeiten her, durch eine
+Jesuiten-Tradition enthusiasmirten, schon lange
+an ein begeisterndes Erbeten von Wunderkuren
+gewöhnten Bauer, <em class="gesperrt">Martin Michel</em>, zu Unterwittighausen,
+einem badischen Orte an der baierisch-fränkischen
+Grenze. Von diesem faßte der
+Prinz den vielversprechenden Zuruf auf: daß doch
+er, der Priester, noch mehr Wunder zu erbeten
+vermögen müßte, als der Bauer. Der Versuch
+wurde gewagt, daß der Bauer im Beisein des
+Prinzen und Priesters einer Prinzessin, Mathilde
+von Schwarzenberg, welche der Mechanist Heine
+zu Würzburg wegen einer Rückgrats-Verschiebung
+seit acht Monaten durch Maschinen allmälig schon
+zum Sitzen und Stehen gebracht hatte und jetzt
+das Gehen selbst versuchen lassen wollte, im Vertrauen
+auf den <em class="gesperrt">Namen Jesu und die heilige
+Dreifaltigkeit</em>, ohne Wissen des Arztes,
+zum Gehen aufforderte. Sie faßte auf Michels
+Zuspruch Glauben und Muth, und der Versuch
+entsprach. [<em class="antiqua">Sic!</em>] Seit dem Gelingen aber trat
+nun, weiterhin ohne dem Bauer, der Prinz-Domherr
+als der <em class="gesperrt">Wunderthäter</em> hervor, wirkte zugleich
+durch <em class="gesperrt">persönliche Haltung</em>, durch das
+Imposante eines priesterlichen Prinzen, durch seine<span class="pagenum" id="Page_263">[S. 263]</span>
+Art von Predigten, durch <em class="gesperrt">geist-</em> und <em class="gesperrt">weltliche
+Verbindungen, Umgänge</em> u.&nbsp;s.&nbsp;w., und erregte
+schnell ein Zusammenströmen der Hilfsbedürftigen,
+von denen er gewöhnlich festen Glauben,
+auch die heilige Beichte forderte, alsdann
+über sie mit Anstrengung betete und sie – bald
+erschüttert, bald wirklich gebessert, bald mit guten
+Hoffnungen, oft aber auch mit der Verzweiflung,
+<em class="gesperrt">daß ihr Glaube nicht stark genug
+sei</em> – entließ. Indeß gelang im Würzburger
+und Bamberger Hospital keine der vielen, von
+dem Prinzen versuchten Heilungen, und die Sanitäts-Polizei
+wurde befehligt, die Wunder nur
+in ihrer Gegenwart versuchen zu lassen und genau
+zu beobachten.</p>
+
+<p>Unmuthig (sagt der Schriftsteller, von dem
+wir diese Notizen nehmen) eilte der <em class="gesperrt">Wundermann</em>
+ins Bad Brückenau. Man hörte aber
+nicht, daß dieses von Kranken leer geworden sei.
+Eine traurige Erklärung vielmehr, wie sehr sich
+die Augenkrankheit des Prinzen Friedrich von
+Hildburghausen (jetzt von Altenburg), da er
+aus Vertrauen auf das priesterliche Gebet keine
+Arzneimittel mehr gebrauchte, verschlimmert hatte,<span class="pagenum" id="Page_264">[S. 264]</span>
+erschien unterm 1. September 1821 von Hildburghausen
+aus in den Zeitungen.</p>
+
+<p>Als nun die Aussichten der Wunderkuren
+des Prinzen <em class="gesperrt">bedenklicher</em> wurden, legte er die
+Sache, als ein bloßes Phänomen von Folgen
+auf seine Gebete, den 16. Juli 1821 dem Papste
+selbst vor. Allein die Antwort des Papstes blieb
+in den Händen des Bischofs von Würzburg und
+ist uns nicht bekannt worden. Man war aber
+auch zu Rom behutsam genug, auf die Tridenter
+Synode, daß neue Wunder ohne Prüfung und
+Billigung des Bischofs nicht zugelassen werden
+sollten, und auf die Mirakel-Bulle von Benedict
+XIV. zu verweisen. Der Prinz war dort
+persönlich im Andenken, und meinen gleich Manche,
+die Person des Wundertäters thue gar
+nichts zur Sache, so zweifeln doch Andere, ob
+die Gottheit, um gegen die <em class="gesperrt">Pest der Neuerer</em>
+seine Kirche durch Wunder siegend zu machen,
+den seiner Priesterthumskraft allzuviel zuschreibenden
+acht und zwanzigjährigen Bisthums-Canditaten
+gewählt habe. Andere gingen bis auf
+P. Gaßner, dessen Einfluß auf die Hohenlohische
+Nachbarschaft und den unabgerissenen Faden<span class="pagenum" id="Page_265">[S. 265]</span>
+zurück, welcher die Sache an starken Verkehr mit
+den Jesuiten festknüpfte.</p>
+
+<p>Nach erhaltenen Winken von Rom wurde
+jetzt die ganze Sache nicht mehr Mirakel zum
+Beweis für die Kirche genannt, sondern blos
+priesterliches Gebet um Heilungen. Der von
+<span id="Page_265_1">Brückenau</span> zurück gekommene <em class="gesperrt">Wunderbeter</em>
+erklärte aber auch sich selbst für erschöpft und
+verweigerte durchaus unter Aufsicht der Sanitäts-Polizei
+zu wirken. Reisen nach Wien und
+Ungarn entrückten ihn der allzusehr aufgeregten
+Beobachtung. Dafür ertheilte er aber jetzt <em class="gesperrt">Scheine</em>,
+daß er für Kranke, die sich z. B. in Marseille
+und in Schottland an ihn gewendet haben,
+zu einer bestimmten Stunde Messe lesen und
+beten wolle, und daß sie in der <em class="gesperrt">nämlichen
+Stunde</em> sich mit ihm in Gebet zu Gott vereinigen
+sollen.</p>
+
+<p>Ob nun das Andrängen an Gott, wenn es
+zu gleicher Zeit geschieht, auf die Gottheit oder
+auf das Vertrauen der armen Kranken um so
+wirksamer sei, darf man kaum fragen, weil in
+diesen Dingen alles Fragestellen an den Verstand<span class="pagenum" id="Page_266">[S. 266]</span>
+dem Pestübel der Aufklärung ähnlich sein soll.
+Der Gedanke aber, auf die nämliche Stunde in
+weiter Entfernung ein Gebet zu bestellen, ist lächerlich,
+da, wenn von Bamberg aus zu Marseille
+ein Gebets-Verein Punkt acht Uhr bestellt ist,
+der zu Bamberg Betende lange geendiget haben
+wird, ehe der zu Marseille, der Stunde nach,
+beginnen kann.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop padbot5">
+
+<div class="chapter">
+
+<p id="Verlagsanzeigen"><span class="pagenum" id="Page_267">[S. 267]</span>Bei
+dem Verleger dieses Werkes sind zu
+haben:</p>
+</div>
+
+
+<div class="publad">
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Domänen</em>, die, nebst Bemerkungen zu der Schrift:
+Der Weimarische Landtag von 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">4 gr.</p>
+
+<p class="center"><em class="gesperrt">Inhalt.</em></p>
+<p class="numlist">1) Die Domänen und adeligen Güter.</p>
+<p class="numlist">2) Die Vereinigung der Ober-Administrations-Behörden.</p>
+<p class="numlist">3) Die souveräne Advokatenzunft.</p>
+<p class="numlist">4) Die demagogische Kaserne.</p>
+<p class="numlist">5) Die Weimarische Preßfreiheit.</p>
+<p class="numlist">6) Die politische Kirche.</p>
+
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Entwurf einer Advokaten-Ordnung</em> für das
+Großherzogthum S. Weimar-Eisenach. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">8 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="antigesperrt">Gräbner</em><em class="antiqua">, Dr. K.,
+Frictions-Theorie. Ueber die
+Ursache der Entstehung der Weltkörper-Atmosphären,
+deren Verschiedenheit in Ausbrechung
+ihrer Lichtentwickelung u.&nbsp;s.&nbsp;w. Aphorismen zu
+einer Hypothese der höhern Physik.</em> 1832. gr. 8.
+broschirt.</p>
+<p class="mtop0 right">6 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Henß, Adam</em>, das politische Glaubensbekenntniß und
+die staatsbürgerlichen Ansichten eines teutschen Bürgers
+und Handwerkers. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">6 gr.</p>
+
+<p class="center"><em class="gesperrt">Inhalt.</em></p>
+<p class="numlist">1) Staat.</p>
+<p class="numlist">2) Regierungsform.</p>
+<p class="numlist">3) Volk.</p>
+<p class="numlist">4) Vaterland.</p>
+<p class="numlist">5) Volksvertretung.</p>
+<p class="numlist">6) Rechtspflege.</p>
+<p class="numlist">7) Gemeinde-Verwaltung.</p>
+<p class="numlist">8) Polizei.</p>
+<p class="numlist">9) Preßfreiheit.</p>
+<p class="numlist">10) Reaction.</p>
+<p class="numlist">11) Pfaffenthum.</p>
+<p class="numlist">12) Juden.</p>
+<p class="numlist">13) Staatsbürger.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Heß, <em class="antiqua">Dr.</em> Mendel</em>,
+Großherzoglicher Landrabbiner, Predigt,
+gehalten in Weimar, am 21. Jun. 1832. 8.
+geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">2 gr.</p>
+
+
+<p class="mbot0"><span class="pagenum" id="Page_268">[S. 268]</span><em class="gesperrt">Heß,
+<em class="antiqua">Dr.</em> Mendel</em>, Confirmationsrede. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">1 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Lentin</em>, <em class="antiqua">Dr.</em> Land-Thierarzt, Hausmittel für kranke
+Thiere, als freundlicher Rath für Viehbesitzer. 1833.
+8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">18 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Romantik</em>, die, des neunzehnten Jahrhunderts. Mit
+einer Nomenklatur der Romanschreiber von 1800 bis
+1831, und einer Zahlangabe der jährlich herausgekommenen
+Romane von 1700 bis 1831. Herausgegeben
+von dem Verfasser der »Aphorismen über Schriftstellerei
+unserer Zeit.« 1833. 8. geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr.</p>
+</div>
+
+
+<p class="center"><em class="gesperrt">Romane.</em></p>
+
+<div class="publad">
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Artemisio</em>, die Schauer-Ruine der alten Riesensteinburg,
+oder Ritter-, Räuber- und Geistergeschichten
+der Vorzeit. 1833. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">August</em>, Merlins Liebe und Zauberei. Phantasiestück.
+1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">14 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Bartels</em>, Friedrich, das Bombardement von Antwerpen
+im Jahre 1830. Historisch-romantisches Gemälde aus
+Belgiens neuester Geschichte. 1833. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Bilder</em> aus dem Leben. Vom Verfasser der Novantiken.
+1833. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Ditmar von Cromsdorf</em>, oder das <em class="gesperrt">Moosweibchen</em>.
+Historisch-romantische Erzählung des dreizehnten
+Jahrhunderts, von dem Verfasser der Novantiken.
+1834. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">12 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Gräbner</em>, Karl, Novantiken. Bilder der Vergangenheit
+und Gegenwart. Mit einer lithographirten Abbildung.
+1833. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Jeremias</em>, Joseph, sonderbare Schicksale des Sängers
+Joseph Gradweg. Ein curioser Roman. 1832. 8.
+geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr. 8 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Desselben</em> Hugo Raynald, oder das späte Glück. Historisch-romantische
+Erzählung aus den Zeiten der
+lombardischen Kriege in den Jahren 1162 bis 1176.
+1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+
+<p class="mbot0"><span class="pagenum" id="Page_269">[S. 269]</span><em class="gesperrt">Insel</em>,
+die, historisch-romantische Erzählung aus Rußlands
+und Polens Vorzeit. Vom Verfasser des Czar
+von Casimow. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Märchen.</em> Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8.
+geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Opitz</em>, Wilhelm, Paul Arner und seine Gesellen, oder
+die Räuberhochzeit im Höllenthale. Roman für die
+Lesewelt jetziger Zeit, nach biographischen Skizzen
+und Sagen aus dem letzten Jahrzehend des vorigen
+Jahrhunderts. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Desselben</em> Uso von Drachenburg, oder die Entweihung
+der Todtengruft. Ein Roman nach Sagen der Vorzeit
+des zwölften Jahrhunderts. 1833. 2 Bde. 8.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr. 16 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Querner</em>, Godofred, Volksmährchen. 1833. 3 Bände.
+8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">2 Rthlr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Renegat</em>, der, und die <em class="gesperrt">Jesuiten</em> in den Jahren 1809
+bis 1828. Eine Geschichte voller Abentheuer. Vom
+Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">20 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Schloß</em>, das geheimnißvolle, am See, oder die Verschwundenen.
+Ein Roman aus neuerer Zeit. Von
+dem Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">22 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Schumann</em>, F. W., Curiositäten. Eine Sammlung
+von komischen Aufsätzen und Druckfehlern, lächerlichen
+Bekanntmachungen, drolligen Briefen, schnurrigen
+Einfällen und merkwürdigen Predigten u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+Freunden des Frohsinns und der guten Laune als
+ein Präservativ gegen die <em class="gesperrt">Cholera</em> gewidmet. 1832.
+8. geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">12 gr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Sneh, Mada</em>, die reisenden Handwerker. Ein romantisches
+Gemälde aus der wirklichen und idealen Welt.
+1832. 8. geheftet.</p>
+<p class="mtop0 right">1 Rthlr.</p>
+
+<p class="mbot0"><em class="gesperrt">Spadolino Stefano</em>, der räthselhafte Räuber-Hauptmann
+in den Umgegenden Roms. 1832. 8. geh.</p>
+<p class="mtop0 right">22 gr.</p>
+
+</div>
+
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop padbot5">
+
+
+<div class="avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 1]</span></p>
+
+<p class="s3 right" id="Taf_1">Taf. 1.</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_1" href="#Siegel_Saturn">Fig. 1.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_3">
+ <tr>
+ <td>4</td><td>9</td><td>2</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>3</td><td>5</td><td>7</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>8</td><td>1</td><td>6</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="3"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig1.jpg" alt="Siegel des Saturns">
+</div>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_2" href="#Siegel_Jupiter">Fig. 2.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_4">
+ <tr>
+ <td>16</td><td>3</td><td>2</td><td>13</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>5</td><td>10</td><td>11</td><td>8</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>9</td><td>6</td><td>7</td><td>12</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>4</td><td>15</td><td>14</td><td>1</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="4"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig2.jpg" alt="Siegel des Jupiters">
+</div>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_3" href="#Siegel_Mars">Fig. 3.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_5">
+ <tr>
+ <td>11</td><td>24</td><td>7</td><td>20</td><td>3</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>4</td><td>12</td><td>25</td><td>8</td><td>16</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>17</td><td>5</td><td>13</td><td>21</td><td>9</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>10</td><td>18</td><td>1</td><td>14</td><td>22</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>23</td><td>6</td><td>19</td><td>2</td><td>15</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="5"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig3.jpg" alt="Siegel des Mars">
+</div>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_4" href="#Siegel_Sonne">Fig. 4.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_6">
+ <tr>
+ <td>6</td><td>32</td><td>3</td><td>34</td><td>35</td><td>1</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>7</td><td>11</td><td>27</td><td>28</td><td>8</td><td>30</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>19</td><td>14</td><td>16</td><td>15</td><td>23</td><td>24</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>18</td><td>20</td><td>22</td><td>21</td><td>17</td><td>13</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>25</td><td>29</td><td>10</td><td>9</td><td>26</td><td>12</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>36</td><td>5</td><td>33</td><td>4</td><td>2</td><td>31</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="6"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig4.jpg" alt="Siegel der Sonne">
+</div>
+</div>
+
+
+
+
+<div class="avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 2]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_2">Taf. 2.</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_5" href="#Siegel_Venus">Fig. 5.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_7">
+ <tr>
+ <td>22</td><td>47</td><td>16</td><td>41</td><td>10</td><td>35</td><td>4</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>5</td><td>23</td><td>48</td><td>17</td><td>42</td><td>11</td><td>29</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>30</td><td>6</td><td>24</td><td>49</td><td>18</td><td>36</td><td>12</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>13</td><td>31</td><td>7</td><td>25</td><td>43</td><td>19</td><td>37</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>38</td><td>14</td><td>32</td><td>1</td><td>26</td><td>44</td><td>20</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>21</td><td>39</td><td>8</td><td>33</td><td>2</td><td>27</td><td>45</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>46</td><td>15</td><td>40</td><td>9</td><td>34</td><td>3</td><td>28</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="7"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig5.jpg" alt="Siegel der Venus">
+</div>
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_6" href="#Siegel_Merkur">Fig. 6.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_8">
+ <tr>
+ <td>8</td><td>58</td><td>59</td><td>5</td><td>4</td><td>62</td><td>63</td><td>1</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>49</td><td>15</td><td>14</td><td>52</td><td>53</td><td>11</td><td>10</td><td>56</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>41</td><td>23</td><td>22</td><td>44</td><td>45</td><td>19</td><td>18</td><td>48</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>32</td><td>34</td><td>35</td><td>29</td><td>28</td><td>38</td><td>39</td><td>25</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>40</td><td>26</td><td>27</td><td>37</td><td>36</td><td>30</td><td>31</td><td>33</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>17</td><td>47</td><td>46</td><td>20</td><td>21</td><td>43</td><td>42</td><td>24</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>9</td><td>55</td><td>54</td><td>12</td><td>13</td><td>51</td><td>50</td><td>16</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>64</td><td>2</td><td>3</td><td>61</td><td>60</td><td>6</td><td>7</td><td>57</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="8"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig6.jpg" alt="Siegel des Merkur">
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 3]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_3">Taf. 3.</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_7" href="#Siegel_Mond">Fig. 7.</a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="magquad" id="magquad_9">
+ <tr>
+ <td>37</td><td>78</td><td>29</td><td>70</td><td>21</td><td>62</td><td>13</td><td>54</td><td>5</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>6</td><td>38</td><td>79</td><td>30</td><td>71</td><td>22</td><td>63</td><td>14</td><td>46</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>47</td><td>7</td><td>39</td><td>80</td><td>31</td><td>72</td><td>23</td><td>55</td><td>15</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>16</td><td>48</td><td>8</td><td>40</td><td>81</td><td>32</td><td>64</td><td>24</td><td>56</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>57</td><td>17</td><td>49</td><td>9</td><td>41</td><td>73</td><td>33</td><td>65</td><td>25</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>26</td><td>58</td><td>18</td><td>50</td><td>1</td><td>42</td><td>74</td><td>34</td><td>66</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>67</td><td>27</td><td>59</td><td>10</td><td>51</td><td>2</td><td>43</td><td>75</td><td>35</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>36</td><td>68</td><td>19</td><td>60</td><td>11</td><td>52</td><td>3</td><td>44</td><td>76</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td>77</td><td>28</td><td>69</td><td>20</td><td>61</td><td>12</td><td>53</td><td>4</td><td>45</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="no-border" colspan="9"></td>
+ </tr>
+</table>
+<img class="siegel" src="images/fig7.jpg" alt="Siegel des Mondes">
+</div>
+</div>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_8" href="#text_fig_8">Fig. 8.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig8.jpg" alt="Symbol gegen Feuer">
+</div>
+
+
+
+
+<div class="center avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 4]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_4">Taf. 4.</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_9" href="#text_fig_9">Fig. 9.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig9.jpg" alt="Chiromantie">
+</div>
+
+
+
+<div class="center avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 5]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_5">Taf. 5.</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_10" href="#FNAnker_15">Fig. 10.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig10.jpg" alt="Zauberkreis">
+</div>
+
+
+
+<div class="center avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 6]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_6">Taf. 6</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_11" href="#Fussnote_17">Fig. 11.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig11.jpg" alt="Siegel der Geister">
+</div>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_12" href="#FNAnker_27">Fig. 12.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig12.jpg" alt="Pentaculum Salomonis">
+</div>
+
+<div class="avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 7]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_7">Taf. 7</p>
+
+<div class="image-container">
+<div class="image-caption avoid-break">
+ <p class="s4 center"><a id="fig_13" href="#text_fig_13">Fig. 13.</a></p>
+ <img class="illofig13" src="images/fig13.jpg" alt="Gürtel Salomons">
+</div>
+
+<div class="image-caption avoid-break">
+ <p class="s4 center"><a id="fig_14" href="#text_fig_14">Fig. 14.</a></p>
+ <img class="illofig14 inline" src="images/fig14.jpg" alt="Zauberstab">
+</div>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 8]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_8">Taf. 8</p>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_15" href="#text_fig_15">Fig. 15.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig15.jpg" alt="Gestalt, in der der Höllenfürst erscheint">
+</div>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_16" href="#text_fig_16">Fig. 16.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig16.jpg" alt="Geisterfürst Marbuel">
+</div>
+</div>
+
+
+
+<div class="center avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 9]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_9">Taf. 9</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_17" href="#text_fig_17">Fig. 17.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig17.jpg" alt="Zeichen auf dem Mantel">
+</div>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_18" href="#text_fig_18">Fig. 18.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig18.jpg" alt="Zeichen in der Hand">
+</div>
+
+
+
+<div class="center avoid-break">
+<p><span class="pagenum">[Taf. 10]</span></p>
+<p class="s3 right" id="Taf_10">Taf. 10</p>
+
+<p class="s4 center"><a id="fig_19" href="#text_fig_19">Fig. 19.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig19.jpg" alt="Gestalt des Höllenfürsten bei der Mantelfahrt">
+</div>
+
+<div class="center avoid-break">
+<p class="s4 center"><a id="fig_20" href="#text_fig_20">Fig. 20.</a></p>
+<img class="tafel" src="images/fig20.jpg" alt="Symbolfigur zur Schatzgräberei">
+
+<p class="padbot5"> </p>
+</div>
+
+<div class="newpage">
+<figure class="figcenter illowe32" id="back-cover">
+ <img class="w100" src="images/back.jpg" alt="Buchrückseite">
+</figure>
+
+<p class="padbot5"> </p>
+</div>
+
+<div class="newpage transnote s01">
+<p class="center s2" id="Liste_korrigierter_Druckfehler">Liste korrigierter Druckfehler</p>
+
+<div class="tn-list">
+<p class="mbot0">Im <a href="#Inhalt">Inhaltsverzeichnis</a> ab Seite iii waren mehrere
+Seitenzahlen falsch angegeben. Sie wurden folgendermaßen geändert:</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">„Vom Bannen und Festmachen“: Seite 44 korrigiert zu 45.</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">„Schatzgräberei“: Seite 96 korrigiert zu 97.</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">„Das Mutisheer“: Seite 126 korrigiert zu 127.</p>
+<p class="p0 mtop0 mbot0">„Christnacht, helle und finstere“: Seite 114 korrigiert zu 115.</p>
+<p class="p0 mtop0">„Gespenst, das, im Hause“: Seite 134 korrigiert zu 133.</p>
+
+<p><a href="#Page_2_1">Seite&ensp;2</a>: „ine“ durch „eine“ ersetzt (Sie ist eine behende,
+reine Kunst ohne Ceremonie, ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_25_1">Seite&ensp;25</a> „<em class="antiqua">acculta</em>“
+durch „<em class="antiqua">occulta</em>“ ersetzt
+(<em class="antiqua">Agrippa</em> in seiner <em class="antiqua">occulta philosophia</em> ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_32_1">Seite&ensp;32</a> „Hilfswurzbind,“ durch „Hilfswurz, bind“
+ersetzt (... Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit
+zusammen in Herzkraut, und ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_64_1">Seite&ensp;64</a>: „un“ durch „und“ ersetzt
+(... ihre Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.)</p>
+
+<p><a href="#Page_66_1">Seite&ensp;66</a>: „Spases“ durch „Spaßes“ ersetzt
+(Des Spaßes wegen lasse man sich ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_170_1">Seite&ensp;170</a>: „<em class="gesperrt">gewönliche</em>“
+durch „<em class="gesperrt">gewöhnliche</em>“ ersetzt (Als es zwei Uhr schlug,
+ließ sich <em class="gesperrt">der gewöhnliche Klang einer großen
+Glocke</em>, die geläutet wurde, vernehmen, ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_177_1">Seite&ensp;177</a>: „daß“ durch „das“ ersetzt (Die Besuche
+dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_210_1">Seite&ensp;210</a>: „Urthel“ durch „Urtheil“ ersetzt (Das Urtheil brachte ihm das
+Schwert; ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_230_1">Seite&ensp;230</a>: „Aristrokratie“ durch „Aristokratie“ ersetzt
+(Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten ...)</p>
+
+<p><a href="#Page_258_1">Seite&ensp;258</a>: „<em class="gesperrt">Exsuiten</em>“ durch
+„<em class="gesperrt">Ex-Jesuiten</em>“ ersetzt (... und übergab ihn einem
+<em class="gesperrt">Ex-Jesuiten</em>, Riel, Lehrer in dem Convicte zu Schillingsfürst.)</p>
+
+<p><a href="#Page_265_1">Seite&ensp;265</a>: „Brückenan“ durch „Brückenau“ ersetzt
+(Der von Brückenau zurück gekommene <em class="gesperrt">Wunderbeter</em> ...)</p>
+
+<p>Taf.&ensp;1, <a href="#magquad_6">Fig.&ensp;4</a>: Im magischen Quadrat kam die Zahl 23 doppelt vor, sie wurde
+in der 1. Zeile, 2. Spalte durch 32 ersetzt, so dass die Summe aller Zeilen und Spalten 111 beträgt.</p>
+
+<p>Taf.&ensp;2, <a href="#magquad_7">Fig.&ensp;5</a>: Im magischen Quadrat kam die Zahl 28 doppelt vor, sie wurde
+in der 5. Zeile, 1. Spalte durch 38 ersetzt, so dass die Summe aller Zeilen und Spalten 175 beträgt.
+</p>
+
+<p>Taf.&ensp;3, <a href="#magquad_9">Fig.&ensp;7</a>: Im magischen Quadrat kam die Zahl 25 doppelt vor, sie
+wurde in der 8. Zeile, 6. Spalte durch 52 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 369 beträgt.</p>
+</div>
+</div>
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+<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***</div>
+</body>
+</html>
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+This book, including all associated images, markup, improvements,
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