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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75588 ***
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+ Anmerkungen zur Transkription
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+ Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter
+ oder unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original
+ in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~.
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+[Illustration: Cover]
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+Rein / Die Friedensburg bei Leutenberg
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+ Thüringer Heimatbücher
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+ Veröffentlichungen des Thüringer Heimatbundes
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+ Band I
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+ Berthold Rein
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+ Die Friedensburg bei Leutenberg
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+ *
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+ [Illustration]
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+ 1·9·2·5
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+ Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
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+ Berthold Rein
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+ Die Friedensburg bei Leutenberg
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+ Eine thüringische Grenzfeste
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+ und ihre Bewohner
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+ *
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+ [Illustration]
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+ 1·9·2·5
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+ Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
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+Die Ausstattung besorgte Willi Geißler
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+Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Greifenverlag Rudolstadt 1925.
+Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt, in der Ehmcke-Fraktur.
+Buchbinderarbeit ebenfalls von dort.
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+[Illustration]
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+Vorwort
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+Die Friedensburg ist oft das Ziel von Wanderungen oder der Ort,
+wo Erholung in der frischen grünen Bergwelt gesucht wird. Wer die
+eigenartige Stimmung genießt, die das Schloß vermittelt, empfindet dann
+auch den Wunsch, etwas von den vergangenen Geschlechtern zu vernehmen,
+die hier gelebt haben, und aus deren Lebensbedürfnissen heraus die
+Gebäude entstanden sind. Die Frage wird dann oft gestellt: Wann ist die
+Burg gebaut worden? – Die Antwort kann nur lauten: Eine Burg ist das
+Werk von Jahrhunderten! – Man hat ihre Geschichte abzulesen an der Form
+der Bauteile, am Baustoff, an gediegener oder flüchtiger Arbeit und
+an den Schmuckbeigaben ihrer Einrichtung. Aber diese Formenschrift zu
+entziffern, gelingt nicht ohne weiteres und ist nicht jedem geläufig.
+Dann erhebt sich die Frage nach geschichtlicher Belehrung in Büchern
+oder Urkunden. Gedruckte Literatur über Leutenberg ist nur ganz
+spärlich vorhanden. Einzelaufsätze sind in Fachschriften zerstreut. Die
+Urkunden der Stadt sind Opfer der Feuersbrünste geworden, mit denen
+Leutenberg heimgesucht wurde wie kaum eine zweite Stadt. Die Urkunden
+im ehemals Fürstlichen, jetzt Thüringischen Staatsarchiv zu Rudolstadt
+sind noch nicht zusammenhängend durchforscht worden auf Leutenberger
+Nachrichten hin.
+
+Durch das überaus gütige Entgegenkommen des Staatsarchivars Herrn
+Geheimen Rat Dr. Bangert, der auf Ordnung und Verzeichnisse der
+Archivschätze die Kraft eines vollen Manneslebens verwendet hat, war
+es mir möglich, die unter vielen Gesichtspunkten zerstreut liegenden
+Angaben zu finden und in knapper Fassung zusammenzustellen. Die
+Bilderschätze der Heidecksburg in Rudolstadt, die aus dem sechzehnten
+und siebzehnten Jahrhundert erhalten geblieben sind, haben, soweit sie
+Leutenberg betreffen, die heimatliche Forschung noch wenig beschäftigt.
+Was davon deutlich zu erkennen und nachzuweisen war, habe ich hier mit
+verwertet und berücksichtigt.
+
+Die Stammtafeln des Hauses Schwarzburg von Oskar Vater haben mir bei
+der Arbeit wesentliche Hilfe geleistet. Für das späte Mittelalter
+diente Paul Jovius, ~Chronicon Schwarzburgicum~, als Wegweiser, doch
+war dabei manches zu berichtigen.
+
+Meine Aufgabe erblickte ich nicht in gelehrter Deutung der Nachrichten,
+sondern in schlichter, allgemein verständlicher Schilderung des Lebens,
+das sich die Jahrhunderte hindurch auf der Burg abgespielt hat.
+Heimatliebe hat mich dabei geleitet. Heimatkunde tut uns not.
+
+ Rudolstadt, Frühjahr 1925.
+ Dr. Berthold Rein.
+
+
+
+
+Schriftliche Urkunden über die Burg Leutenberg im frühen Mittelalter
+fehlen. Der Gipfel des steilen Berges eignete sich als Zufluchtstätte,
+hier konnten die Bewohner des Ortes Hab und Gut unterbringen, wenn
+im Tal Unruhen drohten. Der Blick reichte von hier über Täler und
+auf Höhen, wenn feindlicher Zuzug zu befürchten war. Als Fluchtburg
+und Wachtburg mag dann ein festes Haus entstanden sein für einen
+Burgvogt. Dieser übte den Landesschutz aus und überkam allmählich
+Herrschaftsrechte.
+
+Der Reichtum der Gegend bestand in Feldbau und Viehzucht, Wiesen-
+und Waldflur, Wildbahn und Fischwasser, sowie im Bergwerk. Flößerei
+und Kohlenbrennerei wurden zeitig ausgeübt. Deutsche und sorbische
+Bevölkerung, Ackerbauer und Viehzüchter, wohnten nebeneinander und
+hatten oft einen Schiedsrichter nötig, um nachbarlich in Frieden
+auszukommen. Wander- und Handelsverkehr führte von Norden und Osten
+namentlich nach Süden vorüber, bedurfte sicheren Geleites und trug
+dafür Zollabgaben ein. Als Unterbehörden dienten die adeligen
+Gutsbesitzer, die auf Anruf Bewaffnete zu stellen hatten. Am
+lebhaftesten war der Verkehr und am stärksten die Verantwortung da, wo
+der Weg über den Roten Berg in das Saaletal bei Eichicht einmündete
+und in das Loquitztal weiterlief. Das scharfe Auge und die starke
+Hand des Burggrafen überwachte und beschirmte die Ordnung der ganzen
+Herrschaft. Diese war nach Osten deutsches Grenzgebiet gegenüber dem
+stark gemischt deutsch-sorbischen Vogtland und dem bis in späte Zeit
+mangelhaft überwachten und unsicheren Böhmen.
+
+Vom zwölften Jahrhundert an erscheinen Grafen aus dem Hause Schwarzburg
+als Bewohner des festen Hauses Leutenberg. Ein Heinrich von Leutenberg
+besitzt um 1187 den Wald Winthagen bei Ludwigstadt, ein anderer
+unterschreibt 1301 einen Kaufbrief als Zeuge.
+
+Aus dem vierzehnten Jahrhundert stammt im wesentlichen der massive
+Westflügel der bis heute erhaltenen Burganlage. Er schmiegt sich im
+Grundriß als Viereck mit stumpfen und spitzen Winkeln dem Felsboden an,
+ist kräftig unterkellert und wurde von vier Rundtürmen flankiert, deren
+stärkster noch heute links am Torweg aufsteigt.
+
+Am 30. Juli 1326 verkaufte der kinderlose Graf Günther XV., oberster
+Landrichter von Thüringen, auf einer Tagung der Schwarzburger zu Erfurt
+das Haus und die Stadt zu »Luthenberg« an seine Vettern Heinrich IX.
+und Günther XVIII. Seine Neffen, Heinrich X. in Arnstadt und Günther
+XXI. in Blankenburg, der spätere Deutsche König, stimmten zu, daß
+dieser Teil des Schwarzburgischen Erbes von dem gemeinsamen Besitz
+abgetrennt wurde. Das ließ sich insofern leicht ausführen, als nicht
+andere Lehensherren dabei mitzusprechen hatten, denn die Herrschaft
+Leutenberg war unmittelbares Reichslehen.
+
+Heinrich IX. war Pfleger und Oberamtmann in Thüringen, er starb 1361.
+In erster Ehe war er vermählt mit Helene von Schaumburg. Ein Jahr nach
+deren Tode schloß er 1342 eine zweite Ehe mit Helene, einer Tochter
+Friedrichs IV., des Burggrafen von Nürnberg. Sie brachte als Witwe
+Ottos V. von Orlamünde-Lauenstein den Leutenberger Grafen Beziehungen
+zu der Nachbarburg über dem Loquitztal ein.
+
+Heinrichs IX. Söhne teilten 1362 ihren Besitz in der Weise, daß
+Günther XII. auf der Schwarzburg blieb und Heinrich XV. seinen Sitz
+in Leutenberg erhielt. Er heißt 1367 Graf zu Schwarzburg und Herr zu
+Leutenberg und ist der Stammvater der Leutenberger Linie, die bis 1564
+blühte.
+
+Die Leutenberger Grafen und Gräfinnen, die durch Beruf und Schicksal
+veranlaßt wurden, die heimatliche Burg zu verlassen, nehmen in der
+Kriegs- und in der Kirchengeschichte von Deutschland, wie in der
+Geschichte der Schwarzburgischen Länder, ehrenvolle Stellungen ein.
+Von denen, die in der Heimat ihr Leben beschlossen, wurden mehrere in
+einer Gruft an der Klosterkirche bestattet. Diese stand östlich von der
+heutigen Stadtkirche, wo sich jetzt die neue Schule erhebt, und erlag
+dem großen Brande im Jahre 1800.
+
+Heinrich XV., 1359–1402, war noch ein Kind, als sein Vater starb. Seine
+Mutter, zum zweiten Male Witwe geworden, mußte sich fürsorglich ihres
+Sohnes und seiner Erbschaft annehmen. Heinrichs Halbbruder Gerhard war
+erfolgreicher, tatkräftiger Staatsmann und streitbarer Held als Bischof
+von Naumburg und Fürstbischof von Würzburg. Heinrichs Gemahlin, Anna
+von Gleichen, pflegte besonders ihren Besitz Remda. Das Leutenberger
+Schloß wird 1375 kriegsbereit genannt. Es mag um diese Zeit für die
+kinderreiche Herrschaftsfamilie und deren Hofhaltung erweitert worden
+sein durch Anbau nach Norden hin, soweit heute das massive Haus am
+obersten kleinen Schloßhof reicht.
+
+Heinrich XXII., 1375–1438, folgte seinem Vater 1402 in der Herrschaft.
+Er hatte den Bergbau auf Gold zwischen Saalfeld und Lauenstein zu
+verteidigen gegen die Übergriffe und Ansprüche der Markgrafen von
+Meißen, die von Saalfeld aus vordrangen. Seine Gemahlin Elisabeth
+von Orlamünde brachte ihm mit ihrem Heiratsgut Orlamünde auch den
+Lauenstein zu. Kriege und Aufläufe entstanden daraus namentlich um
+den Goldberg. Ein Vertrag zwischen den Schwarzburger, Orlamünder und
+Leutenberger Grafen sollte den Fehden 1404 ein Ende setzen durch die
+Grenze »bei der Geßra«. Die Erb- und Besitzstreitigkeiten ruhten
+aber nicht und machten richterliche Entscheidungen auf dem Konzil zu
+Konstanz nötig.
+
+Das Urteil ist enthalten in einer Urkunde vom 30. April 1417. Im
+Augustinerkloster zu Konstanz verrichtet als Hofrichter König Sigmunds
+sein Amt Günther XXVIII., Graf von Schwarzburg und Herr zu Ranis.
+Heinrich von Leutenberg klagt gegen Günther von Schwarzburg. Er
+fordert »alle die Brief, die do hielten über Lutemberg, Schloß und
+Stat, – über Lantzendorf, Jamen, Glide, Lemtze, Hersdorf, Grüne,
+Witensberg, Gortzbach, Ußel, Heuendorf, Smydbach und über die Gut,
+die er het zu der Lichtentann, Wittichendorf, Rode, Steinbach, Zelle
+und über die Pröpsty und Behusung doselbs, Cüschinde, Hogkenruwe,
+über die Smydt doselbs, über Lockuwitz, Lasen, Arembach, Dolen,
+Knobelichstorf, Fischersdorf, Bretternitz, Duswitz, Eichich, über die
+Fischwasser an der Sal und über die zwey Wasser, genant die Sorowitz,
+und die Loquwitz, über Lomen, Munswitz, Steisdorf, Swendichen, Ylmen,
+Aldengeseße, Rupelsdorf, Wisebach, Hersbach, Swymbach, Ezelrode, über
+die Fischwasser und Mülen, Wisewachs und über alle ire Tyche, wo die
+legen in den obgeschrieben iren Guten«.
+
+Die Urkunden über den gemeinsamen Besitz, wie Langewiesen, müssen
+»in ein gemein Hand« gelegt werden, die über Remda, das Erbe von
+mütterlicher Seite, sowie über die Herrschaft Leutenberg müssen dem
+Kläger ausgeliefert werden.
+
+Abgesehen von geringen Veränderungen hat das Leutenberger Gebiet
+seinen Bestand bis in die Neuzeit behalten. Nachbarländer waren im
+fünfzehnten Jahrhundert die Landgrafschaft Thüringen bei Saalfeld, die
+Markgrafschaft Meißen bei Ziegenrück, nach Osten die Grafschaft Reuß,
+nach Süden die Burggrafschaft Nürnberg und das Bistum Bamberg. Da die
+Grafen der Leutenberger Linie zugleich Anteil an dem Stammgebiet
+Schwarzburg behielten, ergaben sich die vielfachen schwierigen
+Auseinandersetzungen bei jeder Erbteilung.
+
+Heinrich XXV., 1412–1463, übernahm 1438 das Erbe seines Vaters und
+bahnte friedlichen Ausgleich mit der sächsischen Nachbarschaft an. Er
+war verheiratet mit Brigitte von Reuß-Gera, der Witwe eines Herrn von
+Schönburg zu Glauchau. Die Ansprüche von verwandten und verschwägerten
+Nachbarn wollten nicht zur Ruhe kommen. Als er vorübergehend von der
+Burg abwesend war, benutzte Graf Ludwig von Gleichen die Gelegenheit zu
+einem Überfall. Vom Lauenstein aus rückte er nächtlicherweile 1447 vor
+den Burgeingang, wurde hier aber gestellt. Die schwache Besatzung hielt
+ihn auf bis zum Anbruch des Tages. Dann zog er ab. Dieses mehr heiter
+als ernst zu nehmende Ereignis aus der Zeit des Faustrechts würde wohl
+vergessen sein, wenn es nicht 1793 in einer romantisch-scherzhaften
+Ballade dichterisch verherrlicht worden wäre.
+
+Auf Fürstentagen zu Naumburg, Erfurt, Halle und Zeitz strengte man
+sich an, die Besitzstreitigkeiten um die Grenzgebiete beizulegen. Ein
+Vergleich kam schließlich in Gera zustande. Von diesem Friedensschluß
+will man die Benennung der Burg ableiten, doch kommt der Name
+Friedeburg tatsächlich erst in Schriftstücken des achtzehnten
+Jahrhunderts vor, als man anfing, im Auftrage der Staatsbehörde
+geschichtliche Aufzeichnungen zu sammeln.
+
+Heinrich XXV. starb in Leutenberg und wurde in der Grafengruft
+beigesetzt. Er hatte dem Kloster am Fuße seines Schloßberges vier
+Schock ewigen Zinses aus dem Dorf Laasen vermacht. Seine Witwe fügte
+für Prior und Konvent noch fünf Gulden jährlichen Zins hinzu. Ein
+gewaltiger Brand legte kurz vor seinem Tode fast die ganze Stadt
+in Trümmer. Die Burg bewährte sich dabei als Zufluchtstätte für
+Obdachlose.
+
+
+
+
+Balthasar, 1453–1525
+
+
+Heinrichs Sohn Balthasar war erst zehn Jahre alt, als er den Vater
+verlor. Seine Erziehung muß christlich, ritterlich und wissenschaftlich
+geleitet worden sein, doch sind nähere Angaben darüber nicht mehr
+aufzufinden. Gelehrte Schriftsteller, die ihn persönlich kannten,
+schildern ihn als ernsten Herrn von jähem und starkem Sinn, doch
+von rechtschaffenem und aufrichtigem Gemüt. Sein Schriftwechsel hat
+sich zu einem großen Teil erhalten. Wer sich in diese Berichte und
+Geisteserzeugnisse vertieft, empfindet den Leutenberger Grafen als
+Seelenverwandten seines großen Zeitgenossen Luther. Er war eine gerade
+Natur, streng rechtlich, kampfbereit, gütig und milde gegen Schwache,
+ritterlich-scherzhaft und begabt mit treffendem Mutterwitz.
+
+Kaum achtzehn Jahre alt kündigte er seinem Vetter Heinrich XXVI. die
+Vormundschaft und nahm die Verwaltung seines Besitzes zielsicher in die
+eigene Hand. Er fand viel aufzuräumen. Alte Überlieferungen hatten sich
+verschleppt und unhaltbare Zustände erzeugt. Sein ganzes Leben sollte
+ein Kampf werden, daheim in Grenz- und Rechtsverhandlungen, fern der
+Heimat in Kriegsdiensten. Über die letzteren mögen die Akten in Süd-
+und Norddeutschland zerstreut liegen, über die ersteren werden wir gut
+unterrichtet durch die sorgfältige Art, wie er Briefentwürfe aufbewahrt.
+
+Im Jahre 1472 vertritt der Neunzehnjährige seine Hoheitsrechte über die
+Rittergüter. Gegen Kunz und Reinhart von Mosen führt er einen Prozeß
+über die Einkünfte des Lauensteins bis vor die Feme, »den Freien Stuhl
+des Heimlichen Gerichts zu Volkmarsen«. Von 1474 an wahrt er seine
+Lehensansprüche in Verhandlungen mit dem Rat zu Erfurt. Zu gleicher
+Zeit läuft ein Rechtsstreit gegen seinen Vormund um Anteile an der
+gemeinsamen Herrschaft Schwarzburg, besonders um das Dorf Langewiesen.
+Heinrich schlägt die sächsischen Herzöge als Schiedsrichter vor,
+Balthasar weist sie zurück. Er mißtraut ihnen wegen der Saalfelder
+Nachbarschaft und erkennt sie überhaupt nicht als zuständige Behörde
+an, da er unmittelbarer Reichsgraf ist.
+
+Als Freund des jungen Herzogs Georg von Bayern-Landshut nimmt er
+1475 an dessen prunkvoller Hochzeit mit der Tochter des Polenkönigs
+Kasimir in Landshut teil. Fast alle Fürsten Mittel- und Süddeutschlands
+samt Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian waren zugegen.
+Balthasar muß sich gut eingeführt haben, denn Georg der Reiche
+empfiehlt ihn an Kurfürst Philipp nach Heidelberg, und beide setzen
+den Schwarzburger 1478 als Pfleger der Herrschaft Heideck ein, die
+südlich von Nürnberg liegt. So war Balthasar mit fünfundzwanzig Jahren
+Verwaltungsbeamter und militärischer Befehlshaber geworden, und er
+behielt diese Würden inne bis 1505.
+
+Inzwischen kämpft er auf eigene Faust hartnäckig gegen den Bischof von
+Würzburg um Ansprüche, die er von seinen Eltern ererbt hat. Dieser
+Feldzug endet zwar glücklich für ihn, setzt ihn aber in Schulden, da
+viel Kriegsvolk zu entlohnen ist. Rührend nimmt sich aus, wie er in
+einem Briefe an die Mutter in Leutenberg mit den Seinen daheim fühlt
+und sorgt: »Liebe Frau und Mutter, ich bitt Euch gar freundlich, Ihr
+wollet Euch Erhart von Waldenfels Hausfraue und das Seine lassen
+befohlen sein, angesehen daß er in meinem Dienst ist. Das will ich
+allweg um Euch verdienen.«
+
+Bis 1486 steigert sich seine wirtschaftliche Bedrängnis. Auf Mittwoch
+nach Neujahr setzt er eine Tagung im Rathaus zu Leutenberg an, um die
+Herrschaft Leutenberg an seinen Vetter Heinrich XXVI. zu verkaufen.
+Dieser erscheint aber nicht und gibt später vor, er habe seinen Dienst
+bei Herzog Albrecht von Sachsen nicht verlassen können, außerdem sei
+Leutenberg beschwerlich von Leipzig aus zu erreichen. Als Balthasar
+hört, daß Heinrich sich Langewiesen vom Kaiser hat verschreiben
+lassen, sammelt er Streitkräfte. Darauf nehmen sich Kurfürst Friedrich
+der Weise und Herzog Johann von Sachsen ihres Rates und Vasallen
+Heinrich an und verwarnen seinen kampfbereiten ehemaligen Mündel.
+Trotzig antwortet dieser, er habe nicht zum Angriff, sondern zur
+Verteidigung gerüstet, und entschieden weist er die Sachsen auch nur
+als Unterhändler zurück. Unfruchtbar verläuft daher ein besonderer
+Versöhnungsversuch in Torgau 1487. Als Heinrich XXVI. stirbt, ist
+Balthasar wieder in sein Amt nach Landshut zurückgekehrt. Er erklärt
+sich von dort aus bereit zu einem Vergleich, dann kann die Fehde 1488
+in Jena beigelegt werden.
+
+Auf der Burg Leutenberg beginnt drei Jahre später ein Neubau im
+Anschluß an das alte Haus. War Hofhaltung und landwirtschaftlicher
+Betrieb durch die Amtsleute stark erweitert worden? Waren die leichten
+Anbauten aus Vaters Zeiten verwittert? Hegte der bald Vierzigjährige
+trotz aller scherzhaften Abrede doch Heiratsgedanken? Einen Teil seiner
+landesherrlichen Befugnisse, das ~Jus patronatus~, übertrug er dem
+Prior seines Klosters Johannes Ellinck, einem geborenen Leutenberger.
+War es christliche Andacht, war es der Wunsch, die Ritterschaft
+des Heiligen Grabes zu erwerben: er beschließt, nach Jerusalem zu
+wallfahren. Er errichtet sein Testament, nimmt 6000 Gulden auf bei
+den Äbten von Saalfeld und Paulinzelle und verschreibt ihnen dagegen
+den dritten Teil der Herrschaft Leutenberg. Auf dieser Palästinafahrt
+1493–94, an der auch Friedrich der Weise und Lukas Kranach teilnehmen,
+lernt Balthasar die sächsische Ritterschaft kennen, darunter seine
+späteren Schwäger, die Grafen von Sack zu Mühltruff. Zurückgekehrt
+vermählt er sich 1495 mit deren Schwester Anna, einer feinen und
+sorgsamen Hausfrau und Landesherrin.
+
+Schon 1496 zieht ihn der Waffendienst wieder in die Ferne, obwohl
+das häusliche Glück durch ein Söhnchen befestigt worden war. Kaiser
+Maximilian rüstete gegen König Karl von Frankreich, und Balthasar folgt
+seinem Aufgebot nach Italien. Die Kosten für den Aufwand von Rittern
+und Knechten deckt eine Anleihe bei dem Abt von Paulinzelle.
+
+Leutenberg erhielt in demselben Jahre ein neues Stadtrecht entsprechend
+den veränderten Lebensverhältnissen. Schon 1497 scheint Balthasar
+wieder daheim zu sein, denn seine schriftlichen Befehle an seinen
+Schreiber Johann Siebensun wettern über liederliche Wirtschaft mit
+Frauensleuten in Schwarzburg: »Dann ob du mehr dergleichen übest, so
+wollten wir dich strafen, ob du gleich neun Weihen auf der Platten
+sitzen hättest.«
+
+Inzwischen waren Balthasars Beziehungen zu den Sachsen vertrauensvoll
+geworden, so daß er 1498 als Schiedsrichter zwischen Herzog Georg
+von Sachsen und dem Pfalzgrafen bei Rhein, Herzog Georg in Ober- und
+Niederbayern, angerufen wurde, als diese wegen Sitz und Stimme im
+Reichstag verhandelten.
+
+Von Heideck aus beklagt sich der um die Heimat Besorgte, daß er von
+seinem Vetter Günther in dem Anteil an der Herrschaft Schwarzburg
+geschmälert wird. Er möchte dieses Anrecht am liebsten verkaufen.
+Seine Amtsleute weist er an, sie sollen auf der Hut sein, man hat ihm
+in Nürnberg berichtet, Leutenberg soll überfallen werden. Im Mai 1500
+ist er bereit, seinen Teil an der Grafschaft Schwarzburg seinem Vetter
+abzutreten gegen 7000 Gulden auf Wiederkauf. Für 1379 Gulden verkauft
+er Unterloquitz an den Abt Georg von Saalfeld.
+
+Ein Aufgebot Georgs des Reichen ergeht 1501, der bayrisch-pfälzische
+Erbfolgekrieg bereitet sich vor. Auch Balthasar folgt dem Ruf. Er wird
+1503 Hauptmann von Ingolstadt, und als sein fürstlicher Freund am Ende
+des Jahres stirbt, tritt er für dessen Schwiegersohn Ruprecht von der
+Pfalz ein, dessen Gegner von den Sachsen unterstützt werden. Dann löst
+er 1504 seine Beziehungen zu den Bayern und nimmt sächsischen Dienst
+an als Rat Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen. Am 10.
+September 1505 verzeichnen seine Büchsenmeister Peter Vischer und Hans
+Kessel gewissenhaft das Kriegs- und Hausgerät, das von Heideck nach
+Leutenberg überführt worden ist. Es war eine stattliche Anzahl von
+Notschlangen und Büchsen in der Burg unterzubringen, Pulvervorräte und
+Geschosse waren im Turm zu verstauen, die Pulvermühle samt Zubehör fand
+im Pfarrhofe Platz, Rüstungen, Jagdzeug, Kleider und Betten waren zu
+versorgen.
+
+Der Fünfzigjährige richtet sich neu in der Heimat ein, hat aber wie
+alle großen und kleinen Landesherren seiner Zeit viele Sorgen um die
+täglichen wirtschaftlichen Fragen. Er beginnt zu klagen, wie er »ytzo
+mit Vehden und großen Handlungen beladen« ist, und beruft sich gern auf
+seine ritterliche Ehre: »wir sind ein frummer und tugendlicher Graf zu
+Schwarzburg«.
+
+In einem erregten Briefwechsel, bei dem die Boten zwischen Leutenberg
+und Saalfeld hin und her hasten, setzt er dem Abt Georg zu,
+Spielschulden zu bezahlen an Leutenberger Untertanen. Er schont
+zunächst dessen geistliche Würde, erinnert ihn aber schließlich
+notgedrungen und immer kräftiger daran, wie »Spott, Beschämen und
+Schaden mag erwachsen«, wenn die Öffentlichkeit erfährt, »Ihr habt
+gespielt, seid trunken gewesen und Geld darob schuldig worden«.
+
+Aus Balthasars Niederschriften geht als ergötzliches Sittenbild jener
+Zeit hervor ein Beleidigungsprozeß mit Klage und Wiederklage in den
+Jahren 1506–1508. Dr. Kitscher, ein geistlicher Beamter der sächsischen
+Kurfürsten, schleicht sich an den Generalvikar der Augustinerorden,
+Dr. Staupitz, auf einem Fürstentag zu Koburg heran, um ihm ein
+günstiges Urteil über seine Amtsführung zu entlocken. Staupitz,
+der scharfe Menschenkenner und später der Förderer Luthers, spielt
+aber vorsichtig darauf an, daß er erfahren hat, Kitscher lebt in
+unsittlichen Beziehungen zu einer adeligen Jungfrau aus Weida und zu
+einer Bübin in Altenburg. Kitscher, höchst enttäuscht und entrüstet,
+greift zur Feder und veröffentlicht eine urkräftige Schmähschrift gegen
+Unbekannt. Er will erzwingen, daß ihm der Urheber der Gerüchte genannt
+wird. Allmählich verlautet, daß der Leutenberger Graf scherzhaft derbe
+Ausdrücke über Kitschers blühendes Aussehen und weltliche Gewohnheiten
+geäußert hat. Nun spitzt sich die Feindschaft zu. Balthasar fühlt
+sich durch jene Schmähschrift getroffen und an seiner Ehre gekränkt.
+Wie um sich selbst Standhaftigkeit einzuflößen, zeichnet er in seinen
+Briefentwurf zwei gekreuzte Degen mit der Umschrift: »Halt hart, liebe
+werte Schwarzburg!« Er setzt dann auch dem Gegner markig zu, bis dieser
+sich unter dem Druck seines nicht recht sauberen Gewissens windet und
+schließlich klein beigeben muß. Ein Vergleich kommt 1508 zustande und
+wird auf einem Blatt mit schönen gotischen Lettern von Weimar aus
+veröffentlicht.
+
+In demselben Jahre gibt Balthasar seiner Stadt Leutenberg ein neues
+Stadtregiment »mit Rat und Bedenken der Bürgermeister und Ratspersonen«.
+
+Im Jahre 1509 baut er eine neue Schmelzhütte mit sechs Öfen, und
+seitdem pflegt er auf Grund der Erfahrungen, die er in der sächsischen
+Verwaltung gesammelt hat, den Bergbau um Sormitz, Loquitz und Saale.
+Als Schutzherr der Kirche beweist er sich 1512, indem er das verfallene
+Gotteshaus am Fuße seines Burgberges zu Ehren der Maria Magdalena
+neu errichten läßt. Seinen Anteil an der Herrschaft Schwarzburg
+verpfändet er abermals, doch den Weinwachs zu Blankenburg läßt er sich
+wohlweislich nicht entgehen.
+
+Aus seinem sächsischen Amt entlassen, erhält er ein Gnadengeld von 50
+Gulden vierteljährlich »in Ansehung der treuen, willigen und nutzbaren
+Dienstbarkeit«. Feinsinniges Verhalten und bescheidenes Selbsturteil
+geht aus seinen Eingaben nach Weimar hervor.
+
+Seine Klagen wiederholen sich, er fühlt sich »mit Schwachheit umgeben
+und mit schwerem Gemüt« beladen. Zu Schiedsrichterämtern ruft man ihn
+nach Bamberg, Böhmen und Sachsen, er muß sich immer mehr wehren gegen
+Reisen nach auswärts: »Ich han so eine unlustige Krankheit, daß ich
+mich billich vor allen ehrenwerten Leuten schäme.«
+
+Um Ordnung in seinen Haushalt zu bringen, greift der einst so
+Freigebige und Uneigennützige auf alte Außenstände zurück. Es
+entwickelt sich ein lebhafter Briefwechsel mit seinen Schwägern Hans
+und Kaspar Sack zu Mühltruff und deren Schwager Ulrich von Zedwitz.
+Balthasar hat »den Säck« auf ihrer Palästinafahrt Vorschüsse geleistet.
+An diese erinnert er jetzt eindringlich, auch erwartet er, daß seiner
+Frau nun endlich ihr Erbteil ausgezahlt wird. Die Schuldner schweigen
+sich aus. Später ergehen sie sich in trotzigen Reden gegen die
+Leutenberger Boten, erwidern die Briefe aber nicht. Tagungen werden
+ihnen vorgeschlagen in Saalburg, Remptendorf, Weißbach und Drognitz.
+Sie fürchten sich jedoch, sächsisches Gebiet zu verlassen, obwohl ihnen
+ihre Schwester freies Geleit zusichern will unter Balthasars Siegel
+oder Petschaft und Handzeichen. Anna fährt selbst nach Mühltruff:
+umsonst! Balthasar droht mit Klage an den Fürstenhöfen und mit
+Bekanntgabe in den Familien, wo Hans Sack als Brautwerber auftritt:
+umsonst! Anna beschwört sie in schwesterlicher Liebe: »Mit Wissen und
+Vorwillen meines lieben Vaters seliger Gedächtnus und Euer bin ich
+dem wohlgeboren, meinem lieben Herrn und Gemahl aus sunder Gunst und
+Neigung, die er zu mir gehabt, vermählt worden.« – »Mein Herze hat um
+das von meinem väterlichen und mütterlichen Erb gefällig gewesen,
+getraut und glaubt mich darauf mit Vermächtnus wie bekannt versehen. So
+Ihr aber Euch dermaß erzeiget, so werden ungezweifelt alle Verwandte
+der Herrschaft Leutenberg nach wenig Verscheinung der Zeit mit ihren
+Pflichten, Eiden und Gelübden meinem Sohn Hans Heinrich zugewiesen und
+eingegeben. Alsdann, so der allmächtig Gott nach Geschehung seines
+Willens schicken wolle, so ich meinen Herrn überlebt, müßt ich meinem
+Sohn als eine Dienerin zu Gnaden leben, dann ich hätte nichts mir
+zuständig.« Die Not drängt sie, sie fürchtet, daß sie als Witwe »viel
+minder dann ein Dienstmaid« dasteht. Balthasar bewegt sich gelegentlich
+in Worten, die an Luthers Sprachweise anklingen: »Die Säck tun diese
+Ding mit Schweigen verschlucken, wie hungrig Säu Molken trinken.« »Man
+hätte fürwahr den Unflat nit erwarten dürfen zu seiner Zeit.« Lang
+ziehen sich die Verhandlungen hin, und noch im Jahre 1559 wechseln die
+Beamten von Mühltruff und Leutenberg Briefe, weil die Schulden noch
+nicht abgetragen sind.
+
+Als üble Nachbarschaft war Balthasars Verhältnis zu dem Prior und
+den Mönchen des Klosters in Leutenberg angewachsen. Persönliche und
+sachliche Beweggründe kamen dabei ins Spiel. Von 1507 bis 1517 läuft
+ein Briefwechsel, den er mit der Ordensbehörde in Leipzig führt.
+Dorthin war Johannes Ellinck übergesiedelt, nachdem er zum Lesemeister
+der Heiligen Schrift aufgerückt war. Als Vertreter des Provinzials
+Hermann Rabe beantwortet er die Briefe des Leutenberger Grafen. Die
+Gegnerschaft zwischen Burg und Kloster hatte klein begonnen. Balthasar
+hatte das eine Mal Leute, die zur Messe gehen wollten, zu sich
+gerufen. Das andere Mal hatte er einem Kirchenbesucher, während dieser
+niedergekniet war, zugewinkt, er möchte einem Priester, der gerade
+ohne Meßdiener amtierte, das Wasser zur Handwaschung gießen. Dafür
+beschimpfte ihn der Prior von der Kanzel herab, beschuldigte ihn des
+Kirchenfrevels und behauptete: der Graf achtet sich höher denn Gott.
+Besorgt um ihren kranken Gemahl hatte sich die Gräfin Anna von einem
+Heilkünstler und Wahrsager aus Tambach ein Amulett anfertigen lassen.
+Balthasar versichert zwar, daß er es nicht angelegt hat. Doch »Mönch
+Linck« verklagt ihn wegen Zauberei und Abgötterei und verkleinert so
+das Ansehen des Landesherrn. Balthasar macht geltend, was er Treues und
+Gutes schon dem Kloster gewährt hat, und versichert, gewißlich auch
+weiter will er die Diener Gottes fördern, wie er nur kann. Sein Wunsch
+ist, er möchte einmal in der Klostergruft, auf seinem väterlichen Erbe,
+bei seinen frommen Ahnen begraben liegen. Die Leipziger Ordensvorsteher
+hoffen, der Streit soll in Frieden allmählich ausklingen. Sie
+verleugnen auch wohl den Empfang eines Beschwerdebriefes und
+versprechen höchstens, persönlich einmal in Leutenberg einzutreffen,
+kommen aber nicht dazu.
+
+Dann geht Balthasar zu schwereren Anklagen über. Er zeigt an, im
+Kloster wird widernatürliche Unzucht getrieben. Er beschwert sich,
+die Mönche haben einen heimlichen Gang über die Klostermauer und den
+Stadtgraben angelegt, dadurch ist die Sicherheit der Stadt gefährdet.
+Ringsum in den Nachbarländern wütet Mordbrand, und die Leutenberger,
+genugsam gewarnt durch Schadenfeuer, müssen Posten an den Toren
+stellen, während den verborgenen Ein- und Ausgang im Kloster niemand
+überwachen kann. Am Kirchberg hat der Prior ackern und säen lassen, wo
+es ihm nicht zusteht, dadurch ist den Bürgern die Viehtreibe versperrt.
+Um das ganze Kloster sind Stangen errichtet mit Schlägen für 60–70 Paar
+Tauben, die schädigen die Feldflur im Übermaß. Die Brauhausverordnungen
+werden von den Brüdern wild übertreten. Der Graf droht, den Mönchen
+soll keine Hilfe mehr geleistet werden beim Einbringen der Ernte, nur
+mit eigenem Geschirr dürfen sie künftig im gräflichen oder städtischen
+Brauhaus brauen. Schlimmsten Falles wird er sich nicht bedenken, ihnen
+die Kirche und den Gottesdienst wieder zu entziehen. Immer wieder
+versichert er aber demütig, er will sich nicht mehr mit dem Kloster
+beschäftigen, als ihm zukommt. Als ein armer und kranker Mann möchte
+er nicht noch Leibes und Lebens beraubt werden, sondern in Frieden
+heimgehen. Ein Sittenbild jener Zeit: Altes versinkt, Neues steigt
+sturmgeladen herauf!
+
+Ergreifende Kleinbilder entfalten sich in Bestellzetteln, die
+ausgehen, Bittschriften, die einlaufen, privaten und amtlichen
+Entscheidungen, die der alte Herr zu treffen hat. Mancher Seufzer
+entschlüpft seiner Feder: »Wenn der Wolf alt wird, so reiten ihn die
+Krähen!« Bald verhandelt er in diplomatisch gefälligen Wendungen
+über Grenzfälle mit Ludwig von Aib, Hauptmann auf dem Gebirge in
+brandenburgisch-kulmbachischem Dienst, bald versichert er wortreich
+einem Beamten des Bischofs von Bamberg, wie er als ein armer gemeiner
+Diener dem geistlichen Fürsten wohl nach allem Vermögen in Treuen
+dienen möchte, aber seinen Untertanen muß ihr Recht werden. Der Wirt
+von Steinbach hat den Schäfer Klaus Müller von Roda um 40¼ Gulden für
+verkaufte Schafe betrogen. Die bischöflichen Räte wollen die Sache
+verschleppen. Balthasar gibt aber nicht nach, bis der Schuldige »durch
+den Nachrichter mit Ernst besprochen« wird und sein »armer Freund« 40
+Gulden in Bamberg erheben kann.
+
+Sein Schwarzburger Vetter hat Aufruhr niederzukämpfen gehabt und
+bietet den halben Teil der Herrschaft Schwarzburg aus. Darüber werden
+Tagfahrten in Leutenberg und Blankenburg gehalten, und Balthasar stellt
+ein Verzeichnis der Bergwerke um Leutenberg auf. Mit Rechtsbeiständen
+hat er nicht gern zu schaffen. Von einem derselben versichert er: »So
+iß ich auch nit gern heiß Suppen mit ihm.«
+
+Die armen Leute von Munschwitz können ihr Land fast nicht erhalten.
+Balthasar nimmt sich ihrer an, als der Gutsherr auf Löhma ihnen
+zusetzt, weil sie bei einem Holzschlag auf dem Löhmberg die Grenze
+verletzt haben sollen. Der Kirchner von St. Jakob hat Holzfrevel
+begangen, der Key von Steinsdorf hat Beulwitzsche Eichen gefällt: »die
+soll man nicht ungestraft lassen, doch einen jeglichen nach Gehalt
+seiner Übung«.
+
+Der Schmied Hofheinz in Wurzbach muß vor das Leutenberger Gericht
+geladen werden. Sein Sohn hat den Heberndorfer Untertan Blidler
+verwundet. Der Vater hat den schuldigen Sohn gehaust, geherbergt,
+geatzt, getränkt und gehalten. Dafür muß er zur Rechenschaft
+gezogen werden. Friedrich von Gahma und Nickel in Gleima sind in
+einen Messerdiebstahl verwickelt und sollen in Lobenstein vernommen
+werden. Dazu bedarf es herüber und hinüber erst der Genehmigung der
+Landesbehörden.
+
+Von der Leipziger Messe bringt ein Leutenberger Kaufmann die Kunde
+mit, die Bamberger und Nürnberger Fuhrleute sollen überfallen werden.
+Darum müssen Hans von Thun auf dem Lauenstein und die von Beulwitz im
+Eichicht scharfe Wache aufstellen und ihre Leute in Bereitschaft halten.
+
+Ein Aufruhr droht auch in das Leutenberger Gebiet überzugreifen.
+Deshalb hat Hans von Oberweimar in Weitisberge, genannt Ulfrich, mit
+seinen Leuten kriegsbereit auf der Burg anzutreten. Geleitsfragen sind
+umständlich zu regeln: kein Leutenberger darf Saalfeld betreten, der je
+gegen Sachsen gekämpft hat. Übergriffe am Fischwasser und im Wildbann
+erregen die Gemüter. Die Bürger sollen die Mauer unter der Badestube
+im Schloß aufrichten helfen und mit Schiefer decken. Die Bretter
+dazu liefert der Müller: »doch soll man dem Armen, ob es anders zu
+denken ist, hilflich sein«. Die Läden am Pulverturm soll man auftun,
+die Glasfenster zulassen: »doch daß man aufs Unwetter groß Achtung
+hab, daß dem Pulver nichts widerfahr«. Zwei Wagenpferde soll man
+verkaufen, »dann ihrer ist genug an vieren«. Landsendorfer Untertanen
+haben durch Spiel, Trunkenheit und andere Leichtfertigkeit ihre Güter
+vernachlässigt: Schultheiß, Dorfmeister und die ganze Gemeinde werden
+scharf angelassen, bei 10 Gulden Strafe haben sie zu wachen, daß das
+unterbleibt.
+
+Im Sommer 1520 will der Graf Günther von Schwarzburg seinem Vetter,
+den er auf dem Reichstag zu Worms vertreten muß, ein klein Pferdlein
+zusenden, ins Kloster und zu seinem Garten zu reiten. Balthasar
+wehrt jedoch ab, er braucht es nicht mehr, da ihm der Markgraf von
+Brandenburg ein Eselein geschickt hat.
+
+Müde und mit Sorgen überladen tritt der erst achtundsechzig Jahre alte
+Kriegshauptmann, Friedensrat und Burgherr 1521 die Herrschaft an seinen
+Sohn Hans Heinrich ab und erwartet das Lebensende. Am 18. Juni 1525
+erlöst ihn der Tod, dann nimmt ihn die Gruft seiner Väter auf.
+
+Der Südflügel des Schlosses, wie er noch heute steht, der massive Teil
+des Nordflügels bis zu gleicher Länge, der starke Neue Turm, sowie
+der mittlere Schloßhof überhaupt stammen aus Balthasars Bauzeit. Daß
+außerdem noch Fachwerk- und leichte Holzgebäude vorhanden waren, die
+restlos verschwunden sind, muß immer bedacht werden. Bis 1491 ging
+die Zufahrt zur Burg über die Felsen hinauf, die gesprengt wurden, um
+Bauplatz für den Südflügel zu gewinnen. Dadurch entstand der Tunnel,
+über dessen Eingang Balthasars Wappen und Namen prangten und, wenn
+auch zertrümmert, noch zu sehen sind.
+
+Münzkundige kennen zwei kleine Münzen, die Graf Balthasar 1493 prägen
+ließ. Freunde des Kunsthandwerks oder der Waffenkunde werden sich
+gern durch zwei schöne Geschützrohre im Rudolstädter Schloßhof an den
+Leutenberger Artilleriehelden und seine bayrische Laufbahn erinnern
+lassen.
+
+
+
+
+Johann Heinrich, 1496–1555
+
+
+Balthasars Sohn Hans Heinrich war Vertreter einer neuen Zeit. Über
+sein Leben fließen die heimatlichen Geschichtsquellen spärlich. Er
+war humanistisch gebildet, mit Männern der Wissenschaft befreundet,
+verkehrte in Jena mit Lehrern der Hochschule und erwies sich als fromm
+und tapfer in Kirchen- und Staatsangelegenheiten.
+
+Zum Verdruß des Vaters hatte er 1517 eine Palästinafahrt unternommen,
+um die Ritterschaft des Heiligen Grabes zu erwerben. Daraus waren neue
+drückende Verpflichtungen entstanden. Die kaiserliche Bestätigung
+seiner Herrschaft Leutenberg empfing er 1521 auf dem Reichstag zu
+Worms durch Karl V. Als die Bauernaufstände ringsum die Nachbargebiete
+in Unruhe versetzten, ließ er 1525 die Gewehre und Waffen seiner
+Untertanen einfordern. Wie es um diese Bewaffnung bestellt war, geht
+noch aus den Verzeichnissen darüber hervor. Jeder Bürger war von
+Pflicht und Rechts wegen gehalten, je nach der Größe seines Besitzes
+»ein püchs, ein armbrust und wynd, oder ein helmpartn« in gutem Stand
+zu führen.
+
+Durch die Ehe mit Margarete von Weida knüpfte er 1527
+verwandtschaftliche Beziehungen auch zu den Mansfelder Grafen an. Als
+das Kloster Paulinzelle aufgelöst wurde, nahm er sich des Abtes an,
+trat aber selbst 1530 in Augsburg zur Reformation über und erfreute
+sich des Schutzes und der Freundschaft der sächsischen Kurfürsten und
+Herzöge, besonders Johann Friedrichs des Großmütigen.
+
+Die Rechtsstreitigkeiten um das schwarzburgische Erbe liefen weiter
+und wurden 1541 durch ein kaiserliches Mandat auf dem Reichstag zu
+Regensburg verglichen; die Herrschaft Leutenberg war bereits 1536
+wieder eingelöst worden. Diese Verpfändungen oder Verkäufe auf
+Wiederkauf hingen ganz allgemein mit dem Mangel an Zahlungsmitteln in
+jener Zeit zusammen: »Es will niemand bar Geld haben.«
+
+Das Schloß Leutenberg bedurfte 1542 der Ausbesserung. Andreas Thiem,
+der Schieferdecker von Heberndorf, wird aus Selb, wo er arbeitet, dazu
+heimgerufen.
+
+Als verlautet, daß Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig einen
+Überfall auf die sächsischen Lande vorbereitet, ergeht 1545 das
+Aufgebot, auch Hans Heinrich soll Montag nach Michaelis in Weimar
+erscheinen »mit allen Knechten und Pferden in blanker oder sonst guter
+Rüstung, Armzeug, Knie, Köpf, Spieß und Hauben und allem dem, so zum
+Ernst und Krieg gehörig«.
+
+Aufgebote ergehen, und Anlässe zu Reisen mehren sich, da klagt der erst
+Zweiundfünfzigjährige, er ist »mit Schwachheit beladen und nie aus dem
+Bett gekommen«. Es war allgemein böse Zeit. Sein Amtmann Heinrich von
+Heldorff in Schwarzburg jammert: »Das Sterben will noch nit nachlassen
+und will immer weiter überhand nehmen. – Gott der Allmächtig wolle uns
+für die Straf seine Barmherzigkeit verleihen, und daß wir uns auch
+besserten.«
+
+Als 1546 der Erbstreit der Mansfelder Grafen geschlichtet werden
+sollte, war mit Luther und Fürst Wolfgang von Anhalt auch Hans Heinrich
+von Leutenberg als Schiedsrichter und Berater in Eisleben tätig.
+Verwandtschaft, vielfache gemeinsame wirtschaftliche Beziehungen zu
+den Mansfeldern und die genaue Kenntnis von deren Bergwerksrechten um
+Leutenberg befähigten ihn zu einem friedlichen und sachlichen Urteile.
+Dabei wurde er Zeuge von Luthers Tod, über den er sofort in die Heimat
+berichtete.
+
+Im Jahre 1551 befindet er sich mit Wolfgang von Anhalt im Lager des
+Kurfürsten Moritz von Sachsen, um dessen Streit mit der Stadt Magdeburg
+beilegen zu helfen.
+
+In Vorahnung des Lebensendes erneuert er 1554 sein Testament: seine
+Gemahlin Margarete mit ihren drei Töchtern erhält Recht auf Behausung
+im Schloß und 500 Gulden Jahreszins auf ihr eingebrachtes Heiratsgut.
+Bei seinen schönburgischen Verwandten ereilt ihn der Tod in Glauchau
+am 14. März 1555. Zwei Tage darauf findet die Beisetzung in Leutenberg
+ohne Gepränge statt.
+
+Zwei Bronzegeschütze im Schloßhof zu Rudolstadt erinnern an die Zeit
+von Hans Heinrich, das eine trägt nur die Jahreszahl 1522, das andere
+die Anfangsbuchstaben von Ernst Peter Graf Mansfeld.
+
+
+
+
+Philipp, 1540–1564
+
+
+Drei Söhne von Hans Heinrich waren als Kinder gestorben, der vierte,
+Graf Albert, fünfundzwanzig Jahre alt als strebsamer, hochbegabter
+Student am 26. Januar 1555 in Jena. Sein Lehrer, Professor Stiegel, hat
+ihm in einem wortreichen Nachruf ein Denkmal gesetzt. Der fünfte Sohn,
+Philipp, folgte dem Vater in der Herrschaft. Über seine Ausbildung und
+Lebensschicksale sind nur vereinzelte Nachrichten auf uns gekommen. Der
+Magister Bonaventura Albrecht aus Saalfeld, bekannt als Liederdichter
+der Reformationszeit, war sein Lehrer. Studien in Jena scheinen dann
+gefolgt zu sein.
+
+Graf Philipp war wohl auch von Jugend auf schwächlich. Außerdem
+lasteten die mißlichen Vermögensverhältnisse schwer auf ihm. Seine
+drei Schwestern verheirateten sich nach Braunschweig, Hohnstein und
+Plauen, sein jüngerer Bruder, Sighart, verunglückte noch als Knabe in
+Schwarzburg durch einen Sturz aus dem Fenster. Kaum 19 Jahre zählte der
+Graf, als er sich vermählte mit Katharina, einer geborenen Herzogin von
+Braunschweig-Grubenhagen. Sie war 16 Jahre älter als er und verwitwet
+aus einer Ehe mit Johann Ernst von Sachsen-Koburg.
+
+In Leipzig, wo er sich zur Kur bei einem Spezialarzt aufhielt, starb
+der letzte Graf von Leutenberg am 8. Oktober 1564. Die Beisetzung
+erfolgte in Leutenberg. Seine Witwe war ein unglücklicher Charakter,
+überstolz auf ihre Abstammung, unruhig und führerlos. Sie starb
+in Saalfeld 1581. Mit ihren Anliegen beschäftigte sie lebhaft die
+schwarzburgischen, sächsischen und kaiserlichen Behörden, so daß sich
+die Verhandlungen lang hinzogen und erst nach ihrem Tode beigelegt
+wurden.
+
+
+
+
+Das Schloß als Witwensitz
+
+
+Bereits seit 1554 stand das Schloß nur unter der Aufsicht von
+Schloßhauptleuten. Doch wohnte die Dienerschaft von zwei Witwen und
+drei nach auswärts verheirateten Gräfinnen noch da, die sich das
+Recht auf einen Wohnsitz vorbehalten hatten. Es entstand daher große
+Not, als im Sommer 1567 fast das halbe Schloß abbrannte, und die
+stehengebliebenen Teile zusammenzubrechen drohten.
+
+Herrenloser Betrieb war in der Burg eingerissen. Am 18. März 1567
+schreibt die Gräfinwitwe Margareta: »An meine getreue Dienerin Martte
+uff unserem Haus zu Leutenberg: Daß Du auch aus dem Schloß nit gehest,
+sondern wir Dich und die andern, die wir noch im Schloß beneben unserm
+Vieh haben, darin behalten wollen bis auf unser Zukunft. – Desgleichen
+hat mir die alte Gräfin zu Schwarzburg gesagt, wo ihr Gesinde essen,
+so sollt Ihr auch mit ihnen essen, denn ich Euch nichts schicken kann,
+bis ich mit ihnen verglichen werde, Ihr Euch auch wollt gegen den
+Hauptmann haben, so daß er nicht über Euch zu klagen habe.«
+
+Ein Brief des Schössers Johann Schüffener an den Schloßhauptmann vom
+26. März erwähnt die Gräfin Katharina: »Daß sie aber Euer Gnaden bei
+unserer alten Gräfin übel ausgetragen, ist hier nicht neu, denn es
+ist ihr alter Brauch. – Wann sie ihr wesentlich Bleibens wieder hier
+anstellen würde, ich wollt eher auf allen Vieren davonkriechen.«
+
+Aus dem Briefe eines Grafen Günther an den Schösser in Leutenberg geht
+hervor, daß Graf Philipps Witwe oft gemahnt worden ist, das Schloß zu
+erneuern. »Wenn sie in das Haus einziehen will, Du wollest sie mit
+glimpflichen Worten abweisen und vermahnen, daß sie solches müßig zeihe
+und etwan in ein Wirtshaus bis auf unseren ferneren Bescheid einziehen
+wolle. – Und Du wollest ihr Gesind alsbald aus dem Haus abschaffen
+und sie etwan in ein anderes Haus ziehen und das Ihrige, so sie
+bedürfen, aus dem Haus folgen lassen und alsbald alle Türen und alles
+verschließen.« Die Gräfin Katharina selbst war zur Kur in Karlsbad und
+beklagt sich auf der Heimreise von Hof Pegnitz aus am 1. November bei
+ihrem »Schwager«, daß der Schösser ihr Gesinde »kompellieren« will,
+sie ist bereit, in ein, zwei, drei Bürgerhäuser zu ziehen, weil der
+Feuersunfall im hintern Schloß auch ihre Wohnräume daneben verderbet
+hat.
+
+Da auch »beinahe die ganze Stadt in Feuersnöte geraten« ist, wird
+der Schriftwechsel dringender, und am 16. November gibt Christoph
+von Enzenberg dem Schloßhauptmann Eitel Kurt Glock den Auftrag, der
+Neubau soll vorbereitet werden. Der Bauanschlag sieht 700 bis 800
+Taler vor, einen Betrag, der ziemlich viel bedeutet nach damaligem
+Wert, und neben dem noch die vertragsmäßig zu leistenden Frondienste
+und Sachlieferungen anzusetzen wären. Es muß demnach ein stattlicher
+Oberbau oder ein Anbau im Nordflügel entstanden sein.
+
+Die Herrschaft Leutenberg wechselte nun rasch ihre Landesherren.
+Schon 1563 ließ Friedrich der Mittlere, Herzog von Sachsen, Landgraf
+in Thüringen und Markgraf zu Meißen, durch drei Weimarische Räte die
+Gemeinde Leutenberg den Huldigungseid leisten. Vier Jahre später
+wurde diese Abhängigkeit gelöst. Nach Graf Philipps Tode ging das
+Leutenberger Erbe an Albrecht VII. zu Rudolstadt und seinen Bruder
+Johann Günther von Sondershausen über. Graf Albrecht nahm sich 1571
+des Amtes Leutenberg an und regelte die »Gerechtigkeiten, Mannschaft,
+Zugehörungen, Einkommen und Nutzungen«. Dem Stadtrat erteilte er
+1578 das Privileg, auf dem neu erbauten Rathaus Bier und Branntwein
+zu schenken. Die Dörfer müssen das Bier in der Stadt nehmen, schoß-
+und zinsbare Güter dürfen nicht an Auswärtige verkauft werden. Nur
+Hausgenossen, nicht angesehene Bürger haben mehr als Treiber zur
+Hasenjagd und als Fröner zu dienen. Im Frühjahr darf der gräfliche
+Schäfer keinen umzäunten Grasgarten mehr öffnen und betreiben.
+
+Graf Philipps hinterlassene Schulden ließen sich aber so bald nicht
+tilgen, und die Schwierigkeiten in der Landesverwaltung wuchsen
+übermächtig an. Deshalb verkaufen 1598 Graf Albrecht von Rudolstadt und
+seine vier Neffen von Sondershausen ihre Hoheit über die Herrschaft
+Leutenberg, Schloß, Stadt, Vorwerk Roda und 13 Dörfer für 56100 Gulden
+auf Wiederkauf nach sechs Jahren. Käufer war Melchior von Bodenhausen,
+auf Arnstein, Mühldorf und Almen, Kurfürstlich sächsischer Rat und
+Hauptmann, der auch Blankenhain innehatte. Der ausführlich abgefaßte
+Kaufvertrag sieht besonders vor, das »bishero in ziemlichen Abfall
+gekommene Schloß« von Jahr zu Jahr »zu rektifizieren und auszurichten«
+– »gegen Tilgung notdürftiges Bauholzes und Erstattung der Baukosten«.
+Während der Bodenhausenschen Verwaltung, die bis 1607 dauerte, sind
+tatsächlich Bauten im Schloß ausgeführt worden »an der alten Kirche«,
+die eingegangen war, »am vorderen Bau«, am Turm und am Brunnen. Doch
+läßt sich Genaueres nicht erschließen.
+
+Im Jahre 1605 starb Albrecht VII. in Rudolstadt und hinterließ
+vier Söhne und sechs Töchter aus erster Ehe, sowie eine erst
+siebenunddreißig Jahre alte Witwe aus zweiter Ehe, die ihren
+Pflegekindern eine treue Erzieherin blieb.
+
+
+
+
+Elisabeth, 1568–1617
+
+
+Elisabeth stammte aus dem pfälzischen Grafengeschlecht von
+Leiningen-Westerburg, hatte ihrem um 31 Jahre älteren Gemahl reiche
+Mittel eingebracht, und ihre Stiefsöhne waren nun bestrebt, sich
+dankbar zu beweisen. Sie ließen das Schloß Leutenberg neu herrichten,
+setzten bei den Grafen in Schwarzburg durch, daß ihrer Pflegemutter das
+Reichslehen Leutenberg zugewiesen wurde, wozu Kaiser Rudolf Konsens
+erteilte, und 1608 zieht die neue Herrin in ihr Wittum ein.
+
+In Schloß, Stadt und Amt stehen ihr Hoheitsrechte zu, ausgenommen sind
+die Nutzungen an Bergwerken, die ritterschaftlichen und die freien
+Mannslehen. Vornehme Ausstattung und reiche Schätze barg das Schloß,
+wie die Inventarien von 1608 und 1618 ausweisen.
+
+Die Gräfin »beschwert ihr Gewissen damit«, unter den Geistlichen der
+Umgegend »eine genugsam geklärte Person« zu finden als Schulmeister für
+Schloß und Stadt. Günther Brömel aus Ilm, zuletzt in Königsee, hält
+Probepredigt, erwirbt die Anerkennung der Gräfin und beweist sich als
+treuer Seelsorger bis an ihr Sterbelager.
+
+Wir erhalten Einblick in die Wirtschaftsführung des großen
+Haushaltes, wenn 55 Gulden für Fische aus Erfurt zu verrechnen sind,
+für »Halbfisch, Bricken, Hering, Lachs, Bickling, Sbierollen und
+Stockfisch«. Wir müssen staunen über ihre Gewänder, ihre Pelze, ihre
+mit ~Æ W~ gezeichneten Wäschevorräte, ihren Reichtum an Schmuck, und
+wir erfahren, daß ein Positiv und zwei Clavicordia zum Mobiliar der
+Burg gehören. Eine Apotheke im Schloß verwaltet die Gräfin selbst,
+und besorgt schickt sie Arzeneien nach Rudolstadt, als dort die Pest
+ausbricht. Bloche aus der Mühle, Wein aus Rudolstadt, die Erträgnisse
+des Schafhofes Roda erscheinen in ihren Schriftstücken für die
+Hofhaltung.
+
+Die alten Teile des Schloßbaues bereiten Kummer. Die Küche unter dem
+Gemache der Gräfin ist feuergefährlich: »Weil auch dise stunde wider
+ein balcken in der Küchen entzwey geglummet und herunter gefallen,
+welcher auch gleich den andern mit blech beschlagen gewesen, undt wir
+befürchten, es mechte eins mals gros Unheill doraus entstehen, als
+bitten wir, Euer Liebden wollen doch die Anordnung thun, darmit gantz
+Eisern stebe an stadt solcher balcken mechten eingemauert werdenn.« Der
+Sturm hat das Gebäude »bey dem alten Dorme« verschoben, den Kachelofen
+im Frauenzimmer umgestoßen, eine getäfelte Stube ist Mäusegeniste, die
+Wände werden mit schwarzgrünen Teppichen beschlagen. Hans Pfau aus
+Krölpa besorgt den »neuen Bau« und richtet die Kapelle, die düster und
+öde liegt, wieder zu. Auch die Kirche in der Stadt ist baufällig, der
+Pfarrer kann auf der Kanzel nicht lesen bei dunklem Wetter, »der Rat
+und das arme Völklein hat kein Vermögen«, die Gräfin hilft und stiftet
+auch eine neue Orgel.
+
+Treuherzig und pfälzisch-witzig nehmen sich ihre Briefe aus in der
+Schreibung ihrer Heimatsprache, so wenn sie sich an den nur wenige
+Jahre jüngeren Stiefsohn wendet eines Reitpferdes wegen für die Reise:
+»ich bitte Euer Liebden helffe ia das bestde dozu, das ich ia das
+pferdt mochtde bekommen, atder es mosch auch ein ansehen habben, E. L.
+wissen wol, wi es sein soll, E. L. scuchen mir ein schon pert auß, ich
+wil E. L. ein mall weider ein schon freulin weider helffen außscuchen,
+E. L. haben es mir nicht vor ebel, das ich E. L. selber nicht weider
+habben geschriben, den der bott gar ser weider gros eile hatt. So hei
+mitt wil ich E. L. in schutz und schirm des almichtigen befellen«.
+
+Von 1613 ab vernehmen wir Klagen über Unpäßlichkeit, obwohl die Gräfin
+erst fünfundvierzig Jahre alt ist. Sie vertröstet sich, ihr Leiden
+werde »mit dem abgewiesenen Märzen verschleichen«, vorläufig gibt sie
+sich zufrieden, sie kann noch »umbschleichen, spazieren gehen und
+fahren«. Nach und nach wird es einsam um sie, die Pflegekinder fliegen
+aus in die Welt, und als ihre letzte Stunde herannaht, äußert sie
+dringendes Verlangen nach dem altbewährten Seelsorger, der von Ilm
+herbeigerufen wird.
+
+Am 26. Oktober 1617 befreit ein sanfter Tod die opferfreudige
+Schloßherrin von ihren Sorgen. Heikle Rechtsfragen erheben sich um
+ihren reichen Nachlaß. Die Beisetzung in einem kostbaren Zinnsarg
+findet statt, aber erst am 24. Dezember erfolgt mit stattlichem Zuge
+die Überführung der Leiche nach Rudolstadt.
+
+Dort wurde sie in der zwiefachen Höhle unter dem Fürstenstand der
+Stadtkirche beigesetzt, wo bereits ihr Vater und ihre Schwester
+Hermanna ruhten. Auf dem goldenen Reliefbild am Fürstenstand ist
+Elisabeth dargestellt hinter Juliana, der ersten Gemahlin Albrechts.
+
+Der älteste Stiefsohn Karl Günther zu Kranichfeld übernimmt die
+Herrschaft Leutenberg und läßt die Beamten vereidigen. Die Burg und
+der große landwirtschaftliche Betrieb stehen wieder unter Aufsicht von
+Schloßhauptleuten. Als einer derselben tritt Daniel von Watzdorff im
+Jahre 1628 auf. Er erhält am 27. Januar Befehl, daß die Lehensleute
+und ihre Hintersassen »eine halbe Kompagnie Reuter einlogieren und
+akkomodieren« sollen. In der Tat rückte jedoch eine ganze Kompagnie ein
+und lag elf Wochen in Burg und Stadt.
+
+Leutenberg und die Amtsdörfer hatten 5175 Taler Kontribution
+aufzubringen. Was sonst noch an Lasten zu tragen und an Schäden
+zu erleiden war, darüber sind die unmittelbaren Nachrichten durch
+Feuersbrünste zugrunde gegangen. Aus dem Jahre 1640 verlautet, daß die
+Pfarrwohnung eingeäschert wurde.
+
+Die Salvagardie, die der regierende Graf Ludwig Günther 1641 bei
+dem kaiserlichen Kriegsrat Generalfeldmarschall Hatzfeld für seine
+Schwarzburgischen Länder auswirkte, mag auch dem Leutenberger Gebiet
+zugute gekommen sein. In Vorahnung des Todes wies er die Herrschaft
+Leutenberg seiner Gemahlin Amilie als Wittum zu und das Schloß, wo er
+gute Jugendjahre bei seiner zweiten Mutter Elisabeth verlebt hatte, als
+Wohnsitz.
+
+
+
+
+Amilie Antonie, 1614–1670
+
+
+Am 30. und 31. März 1647 zählt ein genaues Inventarium des Schlosses
+und Amthauses die einzelnen Räume auf und berichtet sowohl über den
+baulichen Zustand wie auch über die Wohngeräte. »Vors erste ist
+das Schloß, an Dach und Fach, wie auch sonsten noch, auser was die
+Schwedischen eine Zeitlang darauf gelegene Trajouner an Fenstern,
+und Ofen, sowohl Ständen in Reisigen- und Gutschstellen verwüstet,
+in guthen baulichen Weßen.« Nur »die Grundmauer unter dem Waschhaus
+befindet sich also mangelhafftig, daß sich das Obergebäude darnach
+gesenkt«, weshalb die große Feueresse auseinanderzubrechen droht.
+
+Es werden außer den Wohnungen für Herrschaft, Gäste Amtsleute und
+Dienerschaft, nebst den Stallungen, namentlich Räume genannt, die
+einen Schluß auf die Größe des Betriebes gestatten, wie Wollengewölbe,
+Brenngewölbe, Kornböden, Kelterhaus, Darr- und Brauhaus, Kontore,
+Apotheke mit Laboratorium und Niederlage, Wasch- und Badehäuser,
+Zeughaus, Reithaus und Gewächshäuser. Der unterste, heute mit Gras
+überzogene Schloßhof trug den größten Teil dieser Wirtschaftsgebäude.
+
+Amilie Antonie, geborene Gräfin von Oldenburg-Delmenhorst, hatte am
+15. Juni 1614 das Licht der Welt erblickt. Sie war 1637 als Kanonissin
+in das Stift Quedlinburg eingetreten und kurz darauf zur Taufe ihrer
+Nichte Amilie Juliane von Barby und Mühlingen nach Rudolstadt
+gekommen. Hier lernte sie der um dreiunddreißig Jahre ältere Graf
+Ludwig Günther kennen, und am 4. Februar 1638 führte er sie als seine
+Gemahlin in die Heidecksburg ein. Sie sollte seinem Hause und seinem
+Lande in schwerer Zeit eine umsichtige und treusorgende Mutter und
+Herrin werden. Ihr Delmenhorster Erbe brachte große Barmittel und
+reiche Ausstattung ein. Dagegen wurde ihr eine ansehnliche Leibrente
+und für den Witwenfall Haus, Stadt und Amt Leutenberg zugeschrieben.
+
+Sie regte geistiges Leben und wirtschaftlichen Verkehr im Lande an
+und förderte durch zahlreiche Aufträge Kunst und Handwerk. Mit der
+Delmenhorster Heimat blieb sie in reger Verbindung. Der Handelsmann
+Martin Sommer aus Mellenbach besorgt Einkäufe für sie in Bremen. Johann
+Gerstenberger in Erfurt, Ratsoberster und Handelsmann, vermittelt ihr
+»Convoy«, das heißt Speditions- und Bankgeschäfte, mit Gerhart Arndt
+in Hamburg, dem Faktor ihres Vaters. Waren, die in Rudolstadt nicht zu
+beschaffen sind, läßt sie durch Boten auswärts holen, Schmuckwaren in
+Nürnberg, Kleiderstoffe in Leipzig.
+
+Von 1639 bis 1646 schenkte sie ihrem Gemahl vier Töchter und einen
+Sohn, Albert Anton. Zu den eignen Kindern nahm sie dann ihr verwaistes
+Patenkind von Barby auf. Diese Pflegetochter wurde 1665 ihre
+Schwiegertochter. Mitten in den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges
+verlor Amilie Antonie 1646 den Gemahl. Tapfer nahm die junge Witwe
+Vormundschaft und Regentschaft in die Hand, beraten und unterstützt
+durch Heinrich II. von Reuß-Plauen.
+
+Über ihren Witwensitz Leutenberg ließ sie Inventur aufnehmen als
+Grundlage für weitere Bauarbeiten, die bis 1656 laufen. Dann fand am
+16. Juni ein feierlicher Einzug statt, bei dem die Ritterschaft der
+Lehensgüter aufwarten mußte. Siegmund und Ludwig von Dobeneck ritten
+ihr entgegen mit Gefolge, Christoph Georg Ernst von Beulwitz auf Löhma
+und Christoph Albrecht von Watzdorf aus Weitisberge versahen den
+Ehrendienst bei der Schloßherrin auf der Burg. Die Festgäste bezogen
+ihre Quartiere in der ganzen Stadt, ebenso die Lobensteiner Musikanten,
+die aufzuspielen hatten. Im Amt Leutenberg waren zu dieser Zeit 399
+Untertanen lehenspflichtig, in der Stadt selbst 71 Mannespersonen und
+31 Witwen.
+
+In das Jahr 1659 fällt eine Besuchsreise nach Oldenburg, zwei Jahre
+später fährt sie zu ihrer Schwester Juliana, Herzogin zu Würtemberg und
+Teck, nach Weildingen. Als ihr Sohn, volljährig geworden, die Regierung
+übernimmt, zieht sie sich gänzlich auf ihr Schloß Leutenberg zurück.
+Fünf Jahre, bis zu ihrem Tode, herrschte nun reges Leben auf der Burg,
+und großer Segen ging als Rat und Tat hinaus in Stadt und Herrschaft.
+
+Während der Friedensverhandlungen 1646 bis 1648 wendet sie sich in
+einem offenen Schreiben an den schwedischen Legaten in Osnabrück um
+»Abwendung der hiesigen Orts einlogierten Löwenhauptischen Völker«.
+Elias Augustinus Hüffler, Schwarzburgischer Rat und Abgesandter
+zu den Friedenstraktaten, soll einen Schutzbrief auf die Ober- und
+Unterherrschaft auswirken. Er vertröstet, die Verhandlungen gehen
+nur schwerfällig vorwärts. Dann wendet sich die Gräfin an Heinrich
+Christoph von Griesheim, den Pfalz-Neuburgischen Geheimen Rat beim
+schwedischen Hofe, um ein Protektorium. Endlich schreibt sie selbst
+wiederholt an die Königin von Schweden. Sie ist besorgt um ihr Leibgut
+Leutenberg, »darzu ein kleines Städtlein und ezliche geringe Dörfer, so
+anizo mit gar wenig Leuten besetzt, bei Durchzügen mit Einquartierung,
+Proviant- und Gold-Pressuren beschweret, auch wohl durch Plünderungen
+vollends gänzlichen ruinieret werden«. Die Königin möchte sich doch
+gnädigst willfährig erweisen, Ludwig Günther sei aus dieser schnöden
+Trübseligkeit abgefordert, sie selbst mit den kleinen unmündigen
+Kindern in Herzeleid und Trauer versetzt.
+
+Der amtliche Schriftwechsel zieht sich hin, unterdessen sind vier
+Kompagnien von je hundert Dragonern samt 87 gemeinen Knechten zu
+verpflegen. Auf jede Kompagnie entfallen monatlich 1431 Gulden ohne
+Servis und Fourage. Von Erfurt aus wird unerträgliche Kontribution
+gefordert, und in Hof wirkt ein Bittgesuch nur höhnische Antwort der
+Kriegshauptleute aus. Dem Kommandanten des Regiments aber geht der
+scharfe Befehl zu, das zur Unterhaltung Nötige einzutreiben wie in
+Feindesland.
+
+Als die Friedensglocken läuteten, waren noch lange Jahre hindurch Not
+und Krankheit und wüste Lebensführung in Palast und Hütte, in Stadt und
+Land zu überwinden, und doch erfüllte Dankgefühl das Herz der Gräfin,
+und sie suchte sichtbaren Ausdruck dafür.
+
+In der eigenen Familie sorgte sie für gewissenhafte Ausbildung und
+religiöse Erziehung der Jugend. Seit 1650 war eine stattliche Reihe
+von Lehrern tätig. Im Schlosse Leutenberg wird unter den Räumen eine
+Schulstube und ein Präzeptorstüblein aufgeführt. Einen Ehrenplatz
+nimmt Johannes Hedwig ein, der sieben Jahre lang die älteren Kinder
+unterrichtet, bis er als Pfarrer nach Königsee übersiedelt. Mit ihrem
+»Magister«, seiner Frau und seiner Tochter stehen die Gräfinnen in
+vertrautem, freundschaftlichem Verkehr. Er überlebte sie alle. Von ihm
+war christliche Lebensauffassung, ernste Wissenschaft und fließende
+Latinität namentlich auf Amilie Juliane und Ludämilie Elisabeth
+übergegangen.
+
+Von 1651 bis 1657 wurden die Lehrer der älteren gräflichen Kinder und
+der Pagen stets mit peinlich genauen Instruktionen versehen. Es waren
+dies die Theologen Johannes und Nikolaus Molwitz, Johann Valentin
+Schneider und Johann Heinrich Schröter. Als Sprachmeister des jungen
+Grafen erscheinen die Franzosen Pasté und Bersoy, als Berater und
+Repetenten die Rechtskandidaten Johann Christoph Falkner und Ahasverus
+Fritsch. Für die jüngeren Gräfinnen treten von 1658 bis 1661 als Lehrer
+die Theologen Christian Metzel und Georg Haucke ein. Inspektion übte
+die Gräfinmutter persönlich aus, und sie fand dabei umsichtige Hilfe
+an dem Oberhofmeister Hermann von Biesenrod.
+
+Freunde der Literatur und Heimatgeschichte seien nur einen Augenblick
+daran erinnert: Amilie Juliane als Dichterin reifer Frauenlieder,
+Ludämilie Elisabeth mit jungfräulich zarten Gesängen, der
+Oberhofmeister Niklas Ernst von Günderode, der Magister und Hofprediger
+Johann Georg Roth, der Rechtsgelehrte und Staatsmann Ahasverus Fritsch,
+sie alle gehören der Geschichte des deutschen Kirchenliedes an und
+sind der Wissenschaft dieses Literaturzweiges bekannt. Daß sie in
+Leutenberg miteinander verkehrten und von dort ihre Geistesrichtung
+auf die nachfolgenden Geschlechter vererbten, verdient mit Heimatstolz
+festgehalten zu werden.
+
+Die Kirchen der Nachbardörfer versorgte Amilie Antonie mit würdiger
+Ausstattung, bald mit einem Predigtstuhl, bald mit einem Tauftisch,
+bald mit einem Orgelwerk. Sie fühlte, das Gotteshaus war die Stätte,
+wo auf eine Stunde der Jammer und die Wüstenei des Alltags vergessen
+werden konnten. Auch die Stadtkirche von Leutenberg bedurfte wieder
+der Hilfe. Dort erinnerten die Wappenschilder der früheren gräflichen
+Schutzherren an vergangene Geschlechter. Eine Tafel mit lateinischer
+Inschrift in Versen berichtete über das Schicksal der ausgestorbenen
+Grafenfamilie. Eine andere Tafel war Kriegsdenkmal aus jüngster
+Zeit. Ein schwedischer Offizier hatte Frau und Kinder aus Stendal
+nachreisen lassen. Bei der Fahrt von Saalfeld herauf waren sie mit
+dem Wagen gestürzt und in der Sormitz ertrunken. Die Beisetzung war
+in Leutenberg erfolgt. Für Pfarrer und Adjunkt, die bisher im Kloster
+hatten wohnen müssen, kaufte die Gräfin am 13. Februar 1661 das
+»Schieferhaus gegenüber der Kirche samt Gärtlein« um 300 Gulden von den
+Erben des verstorbenen Pfarrers Johann Bock. Eine neue Lehrerstelle und
+das Rektorat stiftete sie aus eigenen Mitteln. Das war Kriegsfürsorge
+für die Jugend, die schwer gelitten hatte.
+
+Von 1647 bis 1670 tritt kein »Diener« der Gräfin in ein Hofamt ein,
+ohne genaue Abgrenzung seiner Rechte und Pflichten. Christian von
+Heidenreich wird Wittumsrat und Oberhofmeister. Er hat im Schloß alles
+zu überwachen, den Burgvogt zu befehligen, führt die Aufsicht über die
+Vorwerke Cumbach, Roda und Geschwende, hält den Förster in Leutenberg
+an, auf Jägerei und Fischerei zu achten, muß bei Kriegsbeschwerung
+Salvagardien auswirken und hat »allen etwa einreißenden Lastern zu
+steuern, unordentliche Gefräße und Winkelgesäufe abzuschaffen«. Sein
+Nachfolger wird 1669 Niklas von Günderode aus Zopten. Unter den
+Wittumsräten gewinnt das Vertrauen und die Freundschaft der Gräfinnen
+Volkmar Happe, ebenso der Schösser und Verwalter im Wittum Johann
+Oberländer. Johann Köllner aus Schleiz amtiert als Burgvogt und
+Küchenschreiber, Wilhelm Konrad Straubel als Verwalter von Herschdorf
+und Rosental, Johann Stölgefuß aus Rittersdorf als Kornschreiber. In
+stetem Verkehr, persönlich oder schriftlich, erteilt der Hofmedikus Dr.
+Anton Mack von Rudolstadt aus Rat in Gesundheitsfragen und ebenso in
+der Führung der Apotheke, aus der die Gräfinnen angelegentlichst die
+Kranken in Stadt und Land während jener seuchenreichen Zeit versorgen.
+Gottfried Schreck ist Amtsschreiber, Heinrich Balthasar Rückhardt
+Hofschneider, rückt aber später zum Burgvogt auf. Als Lakaien dienen
+Hans Bunsold und Werner David, der letztere zugleich als Gärtner.
+Nikodemus Ruhland als Koch, Hans Heinrich Grahmann als Schlächter,
+ihnen zugeteilt Hieronymus Müller von Cumbach als Bankkoch, das heißt
+Schlachtgehilfe, Erhart Friedrich und Nikol Lißmann als Hofkellner
+besorgen Küche und Wein- und Biervorräte. Kurt Knabe erhält als Bäcker
+eingehende Unterweisung über den Bedarf von Brot und Feingebäck für
+den Haushalt. Anton Heußler und der Förster zu Lichtentanne Christoph
+Kreutzer führen die Aufsicht über das Wittumsgehölz, dürfen »Wildpret
+schießen und fällen«, müssen aber die Hälfte davon an die Hofstatt
+abliefern. Häute von Bären und Luchsen geben sie »gegen Rekompenz« an
+die Herrschaft, Bälge von Wölfen und Füchsen behalten sie für sich.
+Christoph Ernst Vogler hat Köhler, Holzfäller und Schneidemüller
+zu beaufsichtigen, auch den Wildgarten und das Fischwasser. Hans
+Streitberg in Kaulsdorf ist Hoffischer, Andreas Ziermann Hausknecht,
+Anselm Röber Schlotfeger und Hans Wagner Schafmeister. Eine vollkommene
+Rangordnung ließe sich abstufen nach den Gehältern, die, außer
+reichlichen Naturalien, von 150 Gulden bis herab zu 18 Gulden betragen.
+
+Mit Lebensnahrung und -notdurft mußten auch die versorgt werden, die
+nicht Angestellte waren, aber als Taglöhner in Burg, Stadt, Flur und
+Wald dienten. Zur täglichen Nahrung gehörten die Getränke, die jedem
+nach fest überliefertem Satze zustanden und beschafft sein wollten.
+In den Kellereien lagerten Neckarwein, Frankenwein, Frankenhäuser,
+Blankenburger, Landwein, Kräuterwein, Naumburger und Leutenberger Bier.
+
+Welche Handwerker, Künstler und Gelehrte in Stadt und Land bei der
+Gräfin Beschäftigung fanden, darüber geben ihre Hausakten genaue
+Auskunft.
+
+Auf drei Terrassen erhoben sich die Burgbauten. Vor dem heutigen
+Eingang, links und rechts unter der Zugbrücke, lagen die Blumengärten
+mit Gewächshäusern, in denen Zitronen und Feigen reiften und Granat-
+und Lorbeerbäume gediehen. Küchengärten nahmen die Terrassen nach Osten
+hin ein, in das Ilmtal hinunter erstreckte sich der Tiergarten. Darin
+stand eine große Heuschopfe und ein Lusthaus, neu wieder aufgebaut
+vom Zimmermann Hans Thieme aus Heberndorf. Ein Rundgang führte in
+Stockwerkhöhe um einen Turm, dessen Spitze einen kupfernen Drachen als
+Windfahne trug. Ein Wandbild im Obergeschoß der Burg hat treulich die
+Erinnerung daran bewahrt. Der ganze Schloßberg nach Süden trug Garten-
+und Weinbergterrassen.
+
+Das erste Eingangstor war als Ehrenpforte für den Einzug 1656 gebaut
+worden, der Kalkverputz zeigt noch die rot und weiß aufgemalten
+Steinquadern und unter dem Vorsprung des Schutzdaches die Jahreszahl in
+Barockzügen. Das Torwächterhäuschen rechts war 1656 bereits errichtet
+worden auf alten Grundmauern aus Balthasars Zeit. Es brannte 1658
+nieder und wurde dann neu aufgebaut. Der zweite Torbogen stammt aus
+der Zeit der Gräfin Elisabeth. An dem mittelalterlichen runden Turme
+links fällt aufmerksamen Besuchern oft der ährenförmige Verband der
+Steine auf. Er wird als römisches ~opus spicatum~ für besonders alt
+gehalten, rührt aber doch wohl erst von Balthasars Bauzeit her. Als
+man 1491 den Burgeingang, der, wie ausdrücklich in den Bauakten gesagt
+wird, vorher weiter rechts hinauf führte, hier hart an dem Erdgeschoß
+des Turmes anlegte, mag das Mauerwerk durch vorgesetzte Schichten gegen
+Verschiebung geschützt worden sein. Der Tunnel trägt Balthasars Wappen
+und Namen über dem Torbogen. Die Ställe rechts im Tunnel waren für die
+Reisigenpferde bestimmt.
+
+Das Obergeschoß des Südflügels wird von der obersten, ältesten
+Hofterrasse aus betreten. Es enthielt das große Rote Gemach, das
+hauptsächlich zu Besuchszwecken diente. Als Kammer gehörte dazu der
+nach der Stadtseite hin anstoßende Raum. Bei jedem Schlafraum war ein
+»Sekret«, ein Abort, vorgesehen.
+
+Nach der Hofseite stößt an das Rote Gemach das heute so eigenartig
+genannte Apfelzimmer. Es wird oft angestaunt und mit mehr Dichtung als
+Wahrheit gedeutet. In den Bauakten führt es den Namen Buntes Gemach
+oder auch Pappstube. Die Abrechnung über die Arbeiten darin befindet
+sich bei dem Inventar 1667 mit Angaben der Einzelposten. Wände und
+Decke waren mit Holzlatten beschlagen, darüber war grobe Leinwand
+gespannt. Für 8 Taler 9 Groschen 8 Pfennig Papier wurde zerstoßen
+und, mit Leim und Kreide vermischt, zu den Tafeln geformt, die ein
+Blumenmuster flach erhaben tragen und den Wandschmuck bilden. An die
+Decke ließ die Gräfin ein Kreuz malen und in den vier Feldern die
+verschlungenen Buchstaben ~I H S~. Das sind die Anfangsbuchstaben der
+Worte ~in hoc signo <vinces>~, in diesem Zeichen (wirst du siegen).
+Die Legende sagt, daß dem Kaiser Konstantin das Kreuz und die drei
+Buchstaben in den Wolken erschienen und ihn zum Übertritt in das
+Christentum veranlaßten. Später galten die drei Buchstaben einfach als
+Christusmonogramm, und als solches setzte es Amilie Antonie regelmäßig
+über jedes Schriftstück, das aus ihrer Hand hervorging. Für die Arbeit
+im Bunten Gemach erhielt der Hofmaler Hans Heinrich Siegfried 12 Taler,
+ein Leutenberger Maler 9 Taler 16 Groschen. Die Gesamtkosten beliefen
+sich auf 8 Taler 13 Groschen 1½ Pfennig.
+
+Der nach Osten angrenzende Raum hieß die Bunte Kammer, er liegt jetzt
+wüst. Von da aus führte eine Treppe höher der Zugang zu Balthasars
+Neuem Turm. Einen Treppenturm in Fachwerk ließ Amilie Antonie anlegen
+zum Schloßhof hinunter. Ein jetzt vollständig verschwundener Gang
+überbrückte von der Bunten Kammer aus den Hof und endigte in der Grünen
+Kammer. Seine Spur zeigt sich an den ausgehackten Stellen am Turm.
+Dieser Gang war überdacht, er empfing Licht durch vier Fenster an der
+Hofseite und durch zwei vergitterte Öffnungen auf der Stadtseite. Die
+Grüne Kammer lag in einem Anbau, der gleichfalls nicht mehr erhalten
+ist. Er erhob sich auf der Terrasse vor der Kirchtür. Im Oberstock
+führte eine Verbindungstür zum Grünen Saalgemach, für den die Grüne
+Kammer als Vorraum diente.
+
+Unter dem alten Westbau auf dem obersten Schloßhof bilden starke,
+wiederholt erneuerte Tonnengewölbe die Keller. Von dem einen aus lief
+ein unterirdischer niederer Gang früher ins Freie am alten Burgweg.
+Jetzt ist er halb verfallen und endet in einem Stall des Südbaues. Die
+zwei Räume im Erdgeschoß des alten Baues dienten als Kleiderkammer
+und Rollenkammer. Die Kleiderkammer stößt westlich an den Alten Turm
+und führt östlich in das Erdgeschoß eines ebenfalls mittelalterlichen
+Turmes, dessen Oberteile abgetragen und durch einen Fachwerkbau mit
+Spitzhaube ersetzt wurden. Eine Tür aus der Kleiderkammer mündet in das
+kleine Gelbe Gemach über dem Tunneleingang, das mit dem Roten Gemach
+in Verbindung steht. Es war wiederholt Hofmeister-Amtsstube. An die
+Rollenkammer stieß ein Beigewölbe.
+
+Der neue Fachwerkturm mit geschweifter Haube führt »den Wendel hinauf«
+links zu den Räumen des alten Baues. Dieser enthielt im ersten
+Obergeschoß nach Süden zu das Eßzimmer für gemeinsame Mahlzeiten, mit
+Ausblicken in den Schloßhof und in das Sormitztal, nach Norden zu
+lag die Wohnung der älteren Gräfinnentöchter mit dem Blick in das
+Ilmtal. Das zweite Obergeschoß war für die Schneiderei eingerichtet und
+enthielt sonst noch Schlafzimmer.
+
+Am obersten Schloßhof lagen ferner zu ebener Erde Vorratsgewölbe und
+ein kleines Kontor. Die Bauten, die vom alten Bau stumpfwinkelig nach
+Nordosten und dann nach Osten hin weitergeführt worden sind, gehören
+mit ihrem massiven Mauerwerk dem Mittelalter bis zu Balthasars Zeit an.
+An den Fachwerkbauten sind mehrere Perioden abzulesen. Eine ältere wird
+man der Zeit Melchiors von Bodenhausen um 1600 zuweisen dürfen, eine
+jüngere der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, die jüngste im obersten
+Stockwerk des Ostflügels gehört nachweislich erst der Zeit an, als
+Amilie Antonie bereits gestorben war. Sie lassen sich unterscheiden an
+der Ausführung des Balkenwerks und der Fensterumrahmung.
+
+»Den Wendel hinauf« nach rechts gelangte Amilie Antonie zu ihren
+Gemächern. Als Wohnzimmer diente ihr der saalartige Raum eine Treppe
+hoch. Er hieß der Weiße Saal und seit 1800 der Gerichtssaal. Er empfing
+Licht von Norden durch vier, von Süden durch fünf Fenster. Ein Vorbau
+bildete ein liebliches kleines Gemach, wo die Schloßherrin ihren
+Arbeitstisch hatte und den Betrieb im Schloßhof überwachen konnte. Die
+Heizung erfolgte vom »kleinen Heizgemach« aus auf dem Gang. Zur Linken
+nach Norden hin lag ihr geräumiges Schlafzimmer mit vier Fenstern in
+den lauschigen Nischen des alten dicken Gemäuers. Einige Stufen höher
+erreichte sie eine kleine Küche für persönlichen gelegentlichen
+Gebrauch. Ein Kochkamin ist noch, wenn auch in Trümmern, erhalten.
+Durch eingezogene Wände und Verlegung von Tür- und Fensteröffnungen ist
+im Jahre 1800 an diesen Räumen manches verändert worden. Auch der Ofen
+in Empireform stammt aus diesem Notjahre des großen Stadtbrandes.
+
+Vom Wohnzimmer der Gräfin führen in den neueren Flügel über dem großen
+Schloßhof Räume weiter, die durch die Brandunfälle von Elisabeths
+Zeiten bis 1800 wiederholt Veränderungen erlitten haben. Sie dienten
+im siebzehnten Jahrhundert für die Schloßherrschaft als Zugang zum
+Großen Saal. Die Decke desselben zeigt noch schönes Stuckwerk in
+Renaissanceformen, die Wände waren mit Tuchtapete verkleidet, 120
+Gemälde bildeten den künstlerischen Schmuck. Sie zeigten Bildnisse
+aus der gräflichen Familie und der weiteren Verwandtschaft; auch
+Landschaften, »historische Stücke« und Wappen waren dabei. Eine Empore
+für die Trompeter konnte auf einer schmalen Treppe in einem engen Anbau
+vom Untergeschoß herauf erreicht werden.
+
+An den Großen Saal stieß das Grüne Saalgemach, ebenfalls ein Prunkraum,
+mit Bildern und »Landtafeln« geziert. Beide Säle hatten vom Schloßhof
+her noch einen Zugang für Gäste in Gestalt einer überdachten Treppe da,
+wo sie rechtwinklig aneinanderstoßen.
+
+Zurück zum Wendel! Im zweiten Obergeschoß dehnte sich das Gebiet
+der Jugend aus. An dem langen geknickten Gang lagen die Zimmer der
+jüngeren Kinder und ihrer Pfleger, sowie das Präzeptorstüblein. Weiter
+reihte sich die Hofapotheke an mit Alkoven und Nebenraum. Dann schloß
+ein Kornboden diese Flucht ab. Erst nach dem Tode von Amilie Antonie
+wurde er zu den fünf Kammern und Stuben ausgebaut, die wir jetzt dort
+finden.
+
+In dem letzten dieser Zimmer hat eine Falltür zu gruseligen
+Wahngebilden verführt. Mißliebige Gäste sollen hier meuchlings versenkt
+und in das mit Stacheln versehene Burgverlies gestürzt worden sein.
+Wer sehen kann und will, sieht: von hier führte eine schmale Treppe
+hinunter zum Trompeterchor am Festsaal und von da zu einem Raum
+ebener Erde und endlich zu der tiefer liegenden Kirche. Da diese in
+älteren Zeiten Brauhaus gewesen war, wird die schmale Treppe auch als
+Verbindung zum Kornboden gedient haben. Sie blieb dann beibehalten für
+den Verkehr der Dienerschaft und konnte jederzeit betreten werden, ohne
+daß Herrschaftszimmer zu durchschreiten waren.
+
+Die Dachgeschosse des alten wie des neuen Baues waren durch
+Schadenfeuer oft heimgesucht worden, die ausgebauten Giebelstuben
+dienten als Heim für Dienerinnen.
+
+Im großen Schloßhof führt eine Spitzbogentür jetzt zu den großen
+Kellern, eine zweite, rundbogige zur Küche, die mit Butter- und
+Mehlgewölben in Verbindung stand. Dann folgte ein großer Raum, früher
+als Kelter-, später als Backraum benutzt, und in der Ecke nach dem
+Ilmtal zu befand sich die Junker- oder hintere Kirchstube, die an die
+Empore der Kirche anstieß.
+
+Schon unter der Gräfin Elisabeth wird erwähnt, daß das frühere
+Brauhaus Kirche geworden war, aber in Unordnung lag. Der Ausbau dieses
+Raumes sollte Amilie Antonies Dank für den wiedererlangten Frieden
+werden. Trotz der Furcht vor der Türkengefahr, die auf das tägliche
+Leben drückte, betreibt die Gräfin zwei Jahre hindurch lebhaft die
+Arbeiten, bis am 1. Advent 1664 der Hofprediger Roth die feierliche
+Einweihung vornehmen kann. Verwüstet und verwahrlost liegt auch heute
+wieder dieser Raum da. Aber er vermittelt die Stimmung des siebzehnten
+Jahrhunderts, ähnlich wie ein zermürbtes Pergament uns Geist und Form
+aus längstvergangenen Zeiten fühlbar nahebringt. Vorbildliches Handwerk
+in Stein- und ganz besonders in Eisenarbeit zeigt die Eingangstür
+vom Süden her. Wenn die Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel huschen
+und mit Licht und Schatten um die altersgraue Tür und das junge Grün
+spielen, ist Weihestimmung gegeben. Der Altertumsfreund sucht im Boden
+der Terrasse und am Gemäuer die Spuren der Vorbauten und Aufgänge, die
+einst hier standen.
+
+Der Fußboden des Kirchschiffes war mit glasierten Ziegeln ausgelegt.
+Die Tischlerarbeit am Gestühl und an den Brüstungen der Emporen bewegt
+sich in breiten Barockformen, die Bildschnitzerei ist gutgemeinte
+Leistung. Wenn sie nicht vom Standort des hohen Kunstgewerbes bewertet
+wird, legt sie Zeugnis ab von Geschmack und Geschick ehrlicher
+heimatlicher Meister. Dann ist auch die Kanzel in ihrer Formensprache,
+vom Moses, der sie trägt, bis zum triumphierenden Christus, der sie
+krönt, ein Geistesdenkmal, genau wie ein Kirchenlied jener Zeit, das
+uns in manchen Zügen befremden mag, aber doch immer wieder anzieht.
+
+Dann rauschen die Hofdamen herein und betreten ihren Stand neben
+dem Engel, dann sitzen die Dienerinnen jede abgemessen auf dem ihr
+zukommenden Platz, dann wacht der gestrenge Oberhofmeister von der
+Empore aus über die Seinen, und hoch oben schauen die Köpfe der
+Küchenjungen über die Brüstung. Eben haben die Gräfinnen in ihrer
+Empore die hohen Lederstühle erreicht und schauen hinüber zur Kanzel
+und zur Sakristei. Da nickt die Perücke des Herrn Organisten zwischen
+den Prospektpfeifen »des Positivs mit dem Brustwerklein«, dann klingt
+es: »Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte!«
+
+An der Wand, die zur gräflichen Empore aufsteigt, ist eine Ahnenprobe
+angebracht, nicht ein Stammbaum, wie die meisten Besucher es sich
+erklären. Der Stammbaum würde von einem Ahnenpaare ausgehen und dessen
+Nachkommen anführen. Die Ahnenprobe hier ging von Amilie Antonie aus
+und stieg bis zu sechzehn standesgemäßen Voreltern auf. Studiosus
+Büchner aus Leutenberg hat Wappen und Inschriften 1748 noch vollständig
+gesehen und nachgezeichnet.
+
+Sechs größere Bilder zierten die Kirche: 1. die vier Evangelisten, 2.
+die Taufe Christi, 3. der gute Hirt, 4. der Einzug in Jerusalem, 5. das
+kananäische Weib, 6. das samaritanische Weib. Sie sind verschwunden.
+
+Ein Sandstein mit schönen Schriftzügen ist hinter dem Altar in die
+Wand eingelassen: ~In solius Dei vere sancti honorem sacram hanc aedem
+extruxit illustris comes et domina domina Aemilia comes in Schwartzburg
+et Honstein nata comes in Oldenburg et Delmenhorst etc. Vidua. Jovae
+humiliter confidens.~ (Zur Ehre Gottes, des allein wahrhaft heiligen,
+errichtete dieses geweihte Haus die erlauchte Gräfin und Herrin
+Frau Amilie, Gräfin in Schwarzburg und Honstein, geborene Gräfin in
+Oldenburg und Delmenhorst usw. Witwe. Dem Ewigen in Demut vertrauend.)
+
+ * * * * *
+
+Sie war die Letzte ihres Stammes.
+
+ * * * * *
+
+Die Künstler und Handwerker in der Leutenberger Kapelle sind zum Teil
+dieselben, die die Stadtkirche in Rudolstadt hatten ausschmücken
+helfen. Als Maler haben mitgearbeitet Jakob Martini, Johann Heinrich
+Siegfried und Adam Förtsch. Die Orgel lieferte Wolfgang Bartholomäus
+Albrecht: wie schade, daß sein Werk verschwunden ist! Schloß Gehren
+besitzt noch ein liebliches kleines Instrument aus derselben Zeit. Als
+Glockengießer wird Hiob Breitinger genannt. Daneben quittiert Hans Rosa
+über einen Betrag. Er gehört der Volkstedter Glockengießerfamilie an,
+die nach Apolda übersiedelte. Eisenarbeiten leisteten Hans Bühl und der
+Hofschmied Ahmann, Holzarbeiten Asmus Valtin Fleck, Glaserei Christoph
+Möller. Außer ihnen bestätigen noch den Empfang von Zahlung Jakob und
+Gabriel Fleck, Andreas Schrött, Nikol Schmiedigen, Philipp Hofmann und
+Barthol Methfessel ohne nähere Angaben ihrer Lieferungen.
+
+In harter Arbeit war dieses kleine Friedensdenkmal entstanden. Ganze
+Dörfer und Güter lagen verlassen, Häuser standen verwahrlost, Mittel
+und Mut fehlten, lichtscheues Raubgesindel schlich durch die Flur.
+Pest, Pocken und Masern wüteten, Aberglaube blühte, neue Kriegsqual
+drohte von Osten her. Die Landesmutter in Leutenberg, durch die Schule
+der Leiden gegangen, mit klarem Blick, mit warmem Herzen, mit festem
+Vertrauen, wies ihrem Hause und Lande den Weg zum Aufstieg.
+
+Das schwerste Schicksal ihrer Familie sollte sie nicht mehr erleben.
+Im Jahre 1672 erlagen drei ihrer Töchter innerhalb kurzer Zeit der
+Masernseuche.
+
+Amilie Antonie war nicht weltfremd. Treuherzig klingt ihre Sprache,
+wenn sie die kleinen Angelegenheiten des Tages verhandelt: »Haben zwei
+dage auch wider gewider gehabet, so genedich voruber gangen, aber zu
+Gleimen, wo es schloßen alß die hiener eiher geworffen, hat es denen
+ihr getrehde zuschlagen, gott helfe, das es sich den armen leiden wider
+vorhole.« Sie schickt ihren Töchtern »ein ieder ein paar hendischgen,
+weil der herbest nicht weit ist. Es sein auch 3 hornnebfchgen
+hierbei zu entfangen. Gott laß euch wol bekommen«. Sie ist sich den
+hochgelehrten Töchtern gegenüber bewußt, daß ihre eigene Schreibart
+unvollkommen bleibt, und setzt unter einen Brief die Bitte: »Nach dem
+leßen ins feuhr!«
+
+Nach zärtlichem Abschied von den Ihrigen gab sie am 4. Dezember 1670
+den Geist auf. Mit fürstlichen Ehren erfolgte die Überführung der
+Leiche nach Rudolstadt. Am 14. Februar 1671 verfaßte Johann Georg Roth
+ihr das »Ehrengedächtnis«, und am 1. März wurde sie in der Gruft unter
+der Stadtkirche beigesetzt.
+
+Sichtbare Erinnerungen an Amilie Antonie sind vorhanden in Gemälden.
+Ein Brustbild der Gräfin ist von Rudolstadt als Leihgabe auf die
+Friedensburg zurückgekommen. Es könnte der Erscheinung nach dasselbe
+sein, das Jeremias Heider im November 1644 gemalt hat, und ist in
+Auffassung und Darstellung einem zweiten verwandt, das auf der
+Heidecksburg bewahrt wird. Aus ihrem Delmenhorster Erbe stammen
+die sechs Bilder von der Hunosage, ebenfalls in Rudolstadt. Andere
+Zusammenhänge werden sich noch erschließen lassen. In der Münzkunde
+sind die Sterbetaler bekannt, die Graf Albert Anton zur Erinnerung an
+die Mutter prägen ließ.
+
+ * * * * *
+
+Nach dem Tode der Gräfinmutter bewahrten ihre Kinder dem Schlosse
+Leutenberg ein dankbares Andenken. Sophie Juliane, Gelehrte, Dichterin,
+Apothekerin und tüchtige Wirtschafterin, starb am 14. Februar 1672 in
+Rudolstadt. Briefe, die sie empfangen hat, sind erhalten geblieben.
+Ludämilie Elisabeth, in der Geschichte des Kirchenliedes hochgeschätzt,
+Braut des Fürsten Christian Wilhelm von Sondershausen, verschied am 12.
+März. Christiane Magdalene war ihr an demselben Tage vorangegangen.
+Die jüngste, Maria Susanna, lebte bis 1688. Sie scheint musikalisch
+tätig gewesen zu sein, bei ihrer Bestattung führte der Hofkapellmeister
+Erlebach eine von ihr komponierte Abschiedsarie auf.
+
+Die Pflegetochter Amilie Juliane, seit 1665 dem Grafen Albert Anton
+vermählt, nimmt eine ehrenvolle Stellung in der Geschichte des
+Kirchenliedes ein. Kaum wird sich ein evangelisches Gesangbuch finden,
+in dem nicht ihr Sterbelied: »Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!«
+enthalten ist. Mit der Friedensburg und ihren Bewohnerinnen steht sie
+in stetem Gedankenaustausch. Sie begleitet alle Ereignisse dort mit
+regem Anteil, gibt Aufträge an Künstler weiter, holt Ratschläge für die
+Apotheke ein und weiß in der Bevölkerung Bescheid. Der alte getreue
+Magister in Königsee steht hoch in Ehren, über die Fortschritte ihres
+Söhnchens müssen die Basen immer auf dem laufenden bleiben.
+
+Malerei, Dichtkunst und Glaubensleben sind seltsam vereinigt auf den
+Bildern, zu denen sie ihre Maler begeistert.
+
+Graf Albert Anton baut die letzten Räume vom Obergeschoß im
+Leutenberger Schloß noch aus, vermutlich entsprechend den Absichten der
+verstorbenen Mutter. Dann läßt er die Zimmer, die sie hauptsächlich
+benutzt hat, als Erinnerungsräume mit Wandgemälden ausstatten. Es sind
+biblische Vorgänge, für unser Gefühl manche eigenartig befremdend,
+andere wieder anziehend dargestellt. Auf alle Fälle sollten sie als
+ehrenwerte Zeugnisse des Barockgeschmacks geschont werden.
+
+Von den Hofmalern dieser Zeit ist nur einer in der Überlieferung
+bekannt geblieben, nämlich Seyfarth Lammers, 1647–1711. Von ihm
+stammen unzweifelhaft die jüngeren Bilder, besonders die Szenen
+aus den Türkenkriegen mit der Jahresangabe 1698. Sie sind lebhaft
+in der Bewegung, reich in der Erfindung und wirkungsvoll in der
+Perspektive. Gute Bildnisse weisen die Szenen aus Davids Leben auf,
+David mit Jonathan und David mit dem Haupte des Goliath, sowie eine
+Freundschaftsgruppe bestehend aus zwei jugendlichen Gestalten. Sie alle
+spielen auf Ereignisse aus dem Leben Albert Antons an.
+
+Von den Ölgemälden, die im Rudolstädter Schloß auf Lammers
+zurückzuführen sind, stellt eines die Kinder der Leutenberger Gräfin
+im Jünglings- und Jungfrauenalter dar. Ein anderes ist eine große
+Kreuzigungsgruppe, ein ideales Erinnerungsbild an das Leutenberger Jahr
+1668. Am Fuße des Kreuzes sind alle die Personen vereinigt, die dem
+Grafen Albert Anton im Leben besonders nahestanden. Außer seinem Vater
+und seinem Lehrer Ahasverus Fritsch: seine Gattin mit zwei Kindern,
+seine Mutter und seine vier Schwestern.
+
+Über das Schloß Leutenberg schweigen die Jahrzehnte. Nur vereinzelte
+Nachrichten sind erhalten über die Unternehmungen, die früher vom
+Schlosse aus verwaltet wurden. Das Schwefel-, Alaun- und Vitriolwerk
+in Leutenberg, das seit 1580 bestand, wird 1683 an eine Gewerkschaft
+verkauft. Über das Messingwerk Grünau schließt Albert Anton 1691 einen
+Vertrag mit Otto Wilhelm von Günderode auf Weitisberge.
+
+Noch einmal wurde, von 1726 bis 1732, die Friedensburg Herrensitz,
+als Prinz Wilhelm Ludwig von Schwarzburg den Wunsch hegte, sein
+Leben in der Stille zuzubringen. Er hatte unter dem Prinzen Eugen an
+den Türkenkriegen in Ungarn teilgenommen und war dann Oberst eines
+sächsischen Infanterieregiments in Freiberg gewesen. In Leipzig
+verheiratete er sich mit Henriette Karoline Gebauer, mit der er die
+Familie von Brockenburg gründete. Als er den Wohnsitz in Leutenberg
+aufgab, bezog er seine Güter in Gräfinau, Bücheloh und Geilsdorf.
+
+Ein großes Reiterbild im Schlosse Rudolstadt erinnert an ihn.
+
+Auch aus dem achtzehnten Jahrhundert kommt nur geringe Kunde über das
+Schloß Leutenberg und seine Umgebung auf uns. Der Glockenturm der
+Stadtkirche wird 1716 erneuert, 1749 wird die Kaplanei erbaut. Das
+Erbbegräbnis der Grafen verursacht Ausbesserungsarbeiten, die Dächer
+auf der alten Kapelle und auf dem Vorhaus zu den herrschaftlichen
+Ständen läßt Fürst Johann Friedrich 1749 wiederherstellen.
+
+ * * * * *
+
+Geistliche und weltliche Behörden erhalten von ihm den Auftrag, alles
+zu sammeln, was sich auf die Geschichte von Burg und Stadt bezieht.
+Daraufhin stellt der Amtmann Kriebel 1754 eine »Historische Nachricht
+von der Herrschaft Leutenberg« zusammen. »Da man von Leutenberger
+Nachrichten gar zu sehr bloß ist«, werden »die Kästen, in welchen
+archivische Nachrichten sein mögen«, aus der Kirche auf das Rathaus
+gebracht, es findet sich jedoch wenig Wertvolles darin. Kriebels
+Bericht faßt aber alles gewissenhaft zusammen.
+
+Über den landwirtschaftlichen Betrieb der Güter kommen vereinzelte
+Angaben zum Vorschein, das Messingwerk Grünau verursacht 1755
+Nachfrage, ob es weiterbetrieben oder als Hammerwerk eingerichtet
+werden soll.
+
+Am 16. Juni 1760 holte der Kammerdiener und Hofmaler Johann Christoph
+Morgenstern »59 Porträts mit schwarzen Rahmen, 7 historische Stücke
+mit weiß und goldenen Rahmen, 6 Stücke Hunoische historische Gemälde,
+6 dazu gehörige historische Tafeln, 3 einzelne historische Stücke,
+1 Porträt in Lebensgröße und 4 Küchenstücke« aus Leutenberg nach
+Rudolstadt. Sie waren zum Teil zerbrochen und sollten wiederhergestellt
+werden. Sie sind, wenigstens eine Anzahl von ihnen, noch vorhanden,
+mehrere auch gut erhalten, andere gehen ihrer Deutung und Auffrischung
+entgegen. Sie besitzen als kultur- und heimatgeschichtliche Denkmäler
+hervorragende Bedeutung.
+
+Über die Friedensburg erstattet der Landbaumeister Schellenschläger
+am 6. September 1763 ausführlichen Bericht. Sämtliche Fenster sind
+fast durchweg ruiniert, die Schieferbedachung ist aber noch ohne
+Hauptfehler, auch am Mauerwerk noch kein Schade. Es sei zu bedauern,
+wenn das Schloß verfallen sollte. Vom Dachboden bis unten hinaus muß
+der Schutt von Ofen, Kalk und Strohgeniste ausgeräumt werden. Der
+Schieferdecker Kaupert soll jährlich zweimal das Dach besteigen. Im
+Stallgebäude sind einige Kleibefelder herzustellen, Waschhaus und
+Reithaus sind abzutragen.
+
+Die Schloßuhr aus dem Turm mit der Wendeltreppe wird 1783 an die
+Gemeinde Unterloquitz für 20 Taler verkauft.
+
+Bei Stadtbränden 1726, 1734 und 1796 mag die Burg wiederum
+Zufluchtstätte für Obdachlose gewesen sein. In ganz großem Umfange
+wurde sie als solche in Benutzung genommen, als Leutenberg im Jahre
+1800 vollständig niederbrannte.
+
+Am 7. Mai brach ein Schadenfeuer aus und sprang von einem Schindeldach
+zum andern, bis in zwei Tagen fast alle Häuser in Asche gelegt waren.
+Nur zwei von ihnen blieben unversehrt. Entsetzlich war die Not der
+Bewohner, die auf den Dörfern Unterschlupf suchen mußten. Großes
+Verdienst erwarb sich der Amtmann North in der Fürsorge für die
+Obdachlosen. Damit die Behörden ihre Arbeit rasch wiederaufnehmen
+konnten, richtete er Diensträume im Schlosse ein. Er selbst, sein
+Sekretär Frosch und noch andere Beamte erhielten dort auch Notwohnung.
+Bis unter das Dach war das Schloß plötzlich wieder besetzt. Für das
+dritte Stockwerk mußte eine besondere Nottreppe angelegt werden.
+Zimmereinrichtungen ließ Fürst Ludwig Friedrich aus Schwarzburg und
+Paulinzelle kommen, bewegliche Gegenstände überwies er den Beamten als
+Eigentum, alles Niet- und Nagelfeste wurde in das Inventar Leutenberg
+überschrieben.
+
+Am 2. Dezember trug er nach einem Besuche auf dem Schlosse in sein
+Tagebuch ein, es sei alles recht schön geworden. Er war Fürst im
+friderizianischen Geist, und in der Art, wie er das Leben anschaulich
+erfaßte und verarbeitete, Zeit- und Gesinnungsgenosse Goethes. Sein
+Skizzenbuch zeigt drei Landschaftsaufnahmen von Leutenberg und zwei
+kleine Zeichnungen nach Gestalten aus den Wandgemälden des Schlosses.
+
+Ein und ein halbes Jahr dauerte der Notzustand auf der Burg. Dann war
+die Stadt neu erstanden mit breiter angelegter Hauptstraße.
+
+Im neunzehnten Jahrhundert wurde es ganz still auf der Burg. In das
+Torwächterhäuschen zog der Schieferdecker Frech ein, er hatte die
+Aufgabe, die Dächer in gutem Stand zu halten. Sohn und Enkel von ihm
+führten familientreu diesen Dienst bis heute fort.
+
+Blitzschläge trafen die Burg mehrmals, Schadenfeuer versetzten die
+Bürger noch öfter in Schrecken und Not, ein großer Brand verursachte
+1865, daß der Markt und seine Umgebung neue Gestalt erhielten.
+
+Die eingesessene Bevölkerung ging ihrem Gewerbe nach, stieg
+wohl gelegentlich zur Burg hinauf, erfuhr aber wenig von deren
+Vergangenheit. Rohe Hände richteten sinnlos Zerstörung an. Dann nahm
+der Rentamtmann Truppel, ein hochbegabter und selbstloser Heimatfreund,
+das Schloß in Schutz und Pflege. Er fertigte Zeichnungen und Pläne an,
+die er als Mappenwerk dem Fürsten Georg widmete.
+
+In breiterer Öffentlichkeit wurde Stadt und Burg wieder genannt, als
+Fürst Friedrich Günther seinen Kindern Sizzo und Helene 1860 den Titel
+Prinz und Prinzessin von Leutenberg beilegte.
+
+Fürst Günther und seine Gemahlin Anna Luise hielten und halten das Haus
+ihrer Ahnen hoch in Ehren.
+
+Künstler wie Ernst Liebermann und Adolf Männchen begeisterten sich an
+dem eigenartigen Zauber, den die Burg ausströmt.
+
+Seit einigen Jahrzehnten wird Leutenberg als Erholungsort immer
+mehr aufgesucht, und immer stärker erhebt sich die Frage nach
+geschichtlicher Auskunft über die Burg und ihre Bewohner. Die
+Friedensburg hat dabei das Schicksal anderer Burgen erfahren: was an
+Kenntnis der Vergangenheit fehlte, ersetzte man durch schwärmerische
+Gemütsdichtung. Das hängt uns heute noch an, und wir sollten diese
+Neigung uns durch nüchterne Prüfung ersetzen oder mindestens ergänzen.
+Der deutsche Burgherr im guten Mittelalter war Grundbesitzer. Deutsches
+Erwerbsleben beruhte auf der Landwirtschaft. Als dieser Betrieb für
+eine einzelne Familie zu groß wurde, entstand das Lehenswesen. Der
+Burgherr gewährte Schutz und empfing als Gegenleistung Naturalabgabe
+oder Dienst durch Arbeitskraft. Wer sich heute das Alltagsleben
+in einer Burg zu einem Gedankenbild aufbauen will, soll sich die
+Einzelzüge dazu auf einem großen Gutshof suchen.
+
+Wer Freude empfindet am Sehen und Sinnen, dem tritt Menschenwerk
+und Natur in lieblichem Verein entgegen. Aus den launischen
+Schieferschichten sind die Platten gebrochen, die das trotzige
+Mauerwerk bilden, an jede Biegung des Untergrundes schmiegt es sich
+an. In dem Kalkverputz der Wände haben Wind und Wetter ein feines Spiel
+von silbernen und goldenen Tönen erzeugt. Regen hat klobiges Balkenwerk
+fahl verwaschen, Sonne hat zierliche Zimmermannskunst mit roter Glut
+überhaucht. Gelbe Algen und braune Moose wuchern auf dem blauen
+Schieferpanzer. Aus allen Ritzen und Fugen grünen und blühen Kräuter,
+Stachelbeerbüsche nicken im Lufthauch, über dunklen Holderbüschen
+flattert das lichte Gewand der Birke. Aus Tannendüster und Buchenlust
+hat der Wald einen Mantel um den jähen Berghang gewoben.
+
+Graf Balthasar und seine Ahnen haben Ostmark geschützt. Gräfin Amilie
+Antonie hat treue Sitte gewahrt, als Europa in welsches Wesen versank.
+Deutsche Geschichte im engen Rahmen der Heimat!
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis
+
+
+ Vorwort Seite 5
+
+ Balthasar, 1453–1525 14
+
+ Johann Heinrich, 1496–1555 29
+
+ Philipp, 1540–1564 32
+
+ Das Schloß als Witwensitz 33
+
+ Elisabeth, 1568–1617 37
+
+ Amilie Antonie, 1614–1670 41
+
+
+
+
+Zu den Bildern
+
+
+1. Die Friedensburg von Südost. Waldgrünes Thüringland! (J. V. von
+Scheffel, Im Lager vor Akkon). – 2. Torwächterhäuschen. – 3. Burghof
+nach Westen. – 4. Burghof nach Osten. – 5. Kaufbrief 1326. – 6. Auf dem
+Wendel. – 7. Ausschnitt aus dem großen Wandbild. – 8. Lagerszene von S.
+Lanzmers (F. Freiligrath, Zelte, Posten, Werdarufer!).
+
+
+Zwei Anlagen zu Seite 46 und zu Seite 8
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+
+Zu Seite 46
+
+~In monumenta generosorum comitum Schwarzburgensium et
+Leutenbergensium, patris, filii et nepotum, qui in familia fuerunt
+ultimi.~
+
+ ~Hoc generosa loco comites Schwarzburgia condit
+ Leutenbergiacae gentis alumna domus,
+ Quos generis propiore sui sub fine supremos
+ Ultimus ex ista stirpe creavit avus.
+ Cognitus in Bavaros animosis Balthasar armis,
+ Preses in Heidecca cum ditione fuit,
+ Cujus consiliis usus Fridericus in aula est,
+ E septem Sao providus ille viris.
+ Quem moriens habuit comitem quoque mortis, agresti
+ Rustica cum mota est seditione cohors.
+ Natus Joannes Henricus filius illi,
+ Nec patris consilio nec pietate minor.
+ Sancta Palestinae juvenis qui regna secutus
+ Auratae rediit nobilitatis eques.
+ Saxonicae factus quoque consiliarius aulae,
+ Fautor evangelii tunc orientis erat,
+ Fautor et Aonidum, quarum se docta facetus
+ Saepe jocabatur philtra bibisse senex.
+ Junctus Anhaldino mediator foedera pacis
+ Inter Mauricium Parthenopemque tulit.
+ Arbiter Islebiae juvit simul acta Lutheri,
+ Mutua lis comitum cum dirimenda fuit.
+ Octo pater postquam natorum funera vidit,
+ Extremum Glauchae clausit et ipse diem.
+ Mortuus Henricus cum Balthasar atque Gerhardus
+ Et cum Siggardo fratre Philippus erat.
+ Moesta Rutenorum domus est miserata Brigittam,
+ Margaridam Lunae castra professus Otho.
+ E quibus Alberti nimium miserabile fatum
+ Addictum studiis dum fera parca rapit.
+ Jamque adeo matris spes una sed ampla Philippus,
+ Qui genus assereret, prole superstes erat,
+ Qui patris insistens vestigia justus in omnes
+ Que pius in Christi templa scholasque fuit.
+ Quod duce Stigelio musas cum fratre secutus
+ Ornasset veris cor juvenile bonis,
+ Cum celebri notus fama per castra, per aulas
+ Facta tueretur gentis avita suae,
+ Conjugium subiit dignatus principe sponsa
+ Brunsviacae stirpis, quae Catharina fuit.
+ Sed sine prole illum morientem Lipsia vidit,
+ Lustra sub aetatis quinque peracta suae.
+ Usque adeo nihil est generi durabile nostro,
+ Sola dei bonitas fine paterna caret.~
+
+Zum Gedächtnis der edeln Grafen von Schwarzburg und Leutenberg, des
+Vaters, des Sohnes und der Enkel, die in ihrer Familie die letzten
+waren.
+
+Das edle Haus Schwarzburg in seiner Nebenlinie bestattet hier die
+Grafen, die vor dem nahenden Ende seines Geschlechtes der Urahn als
+die letzten seines Stammes erzeugte. Balthasar, bekannt durch seine
+mutvollen Waffentaten bei den Bayern, war Statthalter in Heideck mit
+Waffengewalt. Seinen Rat gebrauchte am Hofe Friedrich von Sachsen,
+jener weise Mann aus der Zahl der Sieben. Er starb mit ihm zusammen,
+als der Bauernstand durch den Bauernkrieg in Aufruhr war. Sein
+Sohn Johannes Heinrich stand dem Vater weder an Einsicht, noch an
+Frömmigkeit nach. Jung folgte er in der Regierung, und er kehrte aus
+dem Heiligen Lande als ein Ritter von vollendetem Adel zurück. Auch
+wurde er Rat am sächsischen Hofe, er war ein Beschützer des damals
+erwachenden Evangeliums und ein Freund der Musen, und oft scherzte der
+witzige Greis, er habe aus dem Becher ihrer Gelehrsamkeit getrunken.
+Zusammen mit dem Anhalter stiftete er als Vermittler Frieden zwischen
+Moritz und Magdeburg. Als Schiedsrichter unterstützte er in Eisleben
+Luther bei seiner Tätigkeit, als der beiderseitige Zwist der Grafen zu
+schlichten war. Acht Todesfälle mußte er als Vater erleben,
+seinen letzten Tag beschloß er selbst in Glauchau. Gestorben war
+Heinrich nebst Balthasar und Gebhard und mit dem Bruder Sighard auch
+Philipp. Das erhabene Haus der Reußen betrauerte die Brigitta, Otto
+der Bekenner in Lüneburg die Margareta. [?] Von diesen traf Albert ein
+überaus beklagenswertes Geschick: er hatte sich den Studien gewidmet,
+da entführte ihn die grausame Parze. Nunmehr war zur Weiterführung des
+Geschlechts von den Kindern nur noch Philipp am Leben, die einzige aber
+reiche Hoffnung der Mutter. Er trat in die Fußstapfen des Vaters und
+war gerecht gegen alle und fromm gegen Kirchen und Schulen. Weil er
+unter Anleitung Stiegels mit dem Bruder den Musen gefolgt war und sein
+junges Herz mit wahrem Gut bereichert hatte, und da er rühmlich bekannt
+in den Kriegesheeren und an den Fürstenhöfen die alten Ruhmestaten
+seines Geschlechtes mehrte, wurde er bei seiner Eheschließung einer
+fürstlichen Braut braunschweigischen Geschlechts für würdig erachtet.
+Sie hieß Katharina. Aber Leipzig sah ihn ohne Nachkommen sterben kurz
+vor Vollendung seines 25. Lebensjahres.
+
+Für unser Geschlecht gibt es bis heute nichts von Dauer, nur Gottes
+Vatergüte hat kein Ende.
+
+
+Zu Seite 8
+
+Wir, Gunther, von Gotis gnadin Grefe von Swartzburg der elder, Herre
+czu Blankenburg, Bekennen offenlich an disme genwertigin Briefe
+offenlich unde tun kunt allen den, di in gesen unde horen lese, daz wir
+rechte unde redelich virkouft habin unse hus und di Stad czu Luthenberg
+unse rechte eigen den Ediln mannen grefin Heinriche unde grefin Gunther
+den gebrudirn, der Swartzburg ist, unsen liben vetern, unde irn Erbin
+mit alleme rechte mit allen den eren, alse wir is wider si habin
+gekouft, und alse wir iz nu selber han. Also bescheidelich, daz iz in
+gevalle und uffe si trete schal, und uffe ir Erbin nach unsem tode,
+wanne Gott ubir uns gebutet. Wir bekennen ouch, daz in gehuldit habin
+unse Voyte unde Huslute unde Guterhandelute unde Kouflute und alli di,
+di czu der vorgnantin vesten gehoren, eine rechte und eine ware Hulde
+von unseme geheize. Also bescheidelich, daz si in nach unseme tode
+der selbin Hulde phlictic si schullin unde sich an si halde schullin
+alse an ihre rechte herrin, unde wolde wir si irgin anders wise, do
+in schullin si sich nicht ane kere, sundirn an daz erste globede und
+an den erstin Eyt. Wir globin ouch, daz wir kein voyt nicht setze noch
+intsetze schullin wie on tuns mit irme rate und mit irme willen. Wir
+globin ouch, daz wir daz vorgnante Erbe czu Lutenberg schullen an allin
+stucken bessere und nicht ergere. Wir globin ouch, ob die vorgnante
+vestin verlorn werde, des Got nicht enwolle, daz wir in helfe schullen
+mit gantzen truwin unde si uns widir, daz wir ein recht darume truigen
+unde darume nicheine sune nemen, iz in si dan wol unser beidir wille.
+Ouch globe wir alle dise vorbeschriben rede mit gantzen truwin unde bi
+unser warheit stete unde gantz czu haldene an alle argelist. Des gebe
+wir den vorgnantin unsen liben vetirn czu eime rechtin orkunde mit
+unseme Insigele und mit der ediln mannen Grefin Heinrichs und Grefin
+Gunthers unses Brudir Sone unsir vetern Insigiln bevestent unde wir di
+vorgnanten grefin Heinrichs sone bekennen, daz wir czu eime geczucnisse
+und durch bede unser liben vetern, den Swartzburg ist, und durch unses
+liben vetern grefin Gunthers des eldirn unse Insigel gehenget habin an
+disen selbin Brief. Ouch sint geczuge allir dirre vorgnanten rede der
+edile Herre Grefe Gunther von Kevernburg, unser liber ome, und diese
+Erbarn Rete H Otte von Wechmar, H Fritsche von Witzeleybin, H Albrecht
+von Rochusin, H Borchart von Bulverstete, H Herman von Grizheim, H
+Fritsche von Ischstethe, H Albrecht von Hophgartin, H Thiczel von
+Elcheleybin, H Heinrich von Lengevelt, H Ditherich von Kircheim und
+dise frome Knechte Ditzel und Otte von deme Hofe und andere frome Lute.
+Dirre Brief ist gegebin czu Erforthe nach Gotis gebort Dritzenhundirt
+Jar in dem sechsundczweincigisten Jare an der nestin Mittewochen nach
+sente Jacofes tage – – –
+
+ (30. Juli 1326.)
+
+
+Die drei Siegel:
+
+ 1. Graf Günther XV. zu Pößneck, oberster Landrichter in
+ Thüringen, gest. nach 1352, begraben in Stadtilm.
+
+ 2. Graf Heinrich X. zu Arnstadt, geb. um 1296, gest. 1336.
+
+ 3. Graf Günther XXI. zu Blankenburg, geb. 1304 in Blankenburg,
+ gest. 14. Juni 1349 in Frankfurt a. Main als Deutscher König.
+
+
+
+
+Der Greifenverlag zu Rudolstadt
+
+
+Gustav Schröer
+
+Wie das Herz es ihnen eingibt
+
+Neue Erzählungen
+
+Preis kart. M. 0.70, in Halbleinen gebunden M. 1.50
+
+_Deutsches Tageblatt_: Wir brauchen solche Erzähler, denn seine Kunst
+ist nicht papierne Literatur, sondern warmes pulsierendes Leben.
+
+
+Gustav Schröer
+
+Das Stärkere und andere Erzählungen
+
+Preis kartoniert M. 0.60
+
+_Thür. Allg. Ztg._: Schröer verdient, daß man ihn liest. Er versteht
+die Kunst, die heute fast ausgestorben ist: das Erzählen …
+
+
+Ernst Ludwig Schellenberg
+
+Die Bekehrung
+
+Legenden und Erzählungen / Einband von Willi Geißler
+
+Preis kartoniert M. 1.50
+
+_Der Wächter_: … Die Sprache ist edel, geklärt, fließend, voll
+Rhythmus. Seine Bücher leuchten von durchsichtiger Fülle.
+
+
+Ernst Ludwig Schellenberg
+
+Von Zeit und Ewigkeit
+
+Reimsprüche / Buchausstattung von Willi Geißler
+
+Preis kart. M. 1.—, geb. M. 1.60
+
+Hier spricht einer zu uns, der gerungen und gelitten hat, der helfen
+und retten möchte, der sein deutsches Volk innig liebt und zugleich
+niemals vergißt, daß die bleibenden Werte in einem überirdischen Reiche
+blühen und wirken und allein für Aufstieg und Gesundung maßgebend und
+förderlich sind.
+
+
+
+
+Luft- und Gebirgskurort
+
+Leutenberg
+
+in Thüringen
+
+*
+
+Inmitten ausgedehnter Tannenwaldungen in idyllischer Lage im schönen
+Sormitztal
+
+ Talsohle 302,
+ umliegende Wälder 500–700 Meter über N. N.
+ Sieben Seitentäler
+
+Nähe der Hauptstrecke Berlin–Leipzig–München
+
+Mäßige Preise
+
+Illustrierte Prospekte von der
+
+Kurverwaltung
+
+
+
+
+Schloß Friedensburg / Leutenberg
+
+Perle des Sormitztales
+
+Pension und Restaurant
+
+eine der schönsten Burgen Thüringens in herrlichstem Hochwald 100 m
+über der Stadt gelegen, auf schattigen, gepflegten Waldwegen _bequem_
+in 15 Minuten erreichbar
+
+_Staubfreie Höhenluft. – Alter Burggarten mit schönen Ausblicken
+und lauschigen Plätzchen. – Geschützte Veranden und gemütliche,
+originelle Gastzimmer. – Zwangloser Aufenthalt. – Logierzimmer in
+jeder gewünschten Lage. – Elektrisches Licht. – Wannen- und Sonnenbad.
+– Küche und Keller rühmlichst bekannt. – Forellen auf Bestellung. –
+Mäßige Preise. – Telephon Nr. 11_
+
+Oskar Frech
+
+
+Apotheke Leutenberg i. Thür.
+
+Besitzer: Apotheker _Fr. Rathing_
+
+Fernsprecher Nr. 19
+
+Lager gangbarer Spezialitäten und Toilette-Artikel
+
+Homöopathische und biochemische Mittel
+
+Photo-Artikel
+
+Entwickeln und Anfertigung von Abzügen
+
+
+
+
+Der Greifenverlag zu Rudolstadt
+
+
+Carl Seelig, Nachtgeschichten
+
+Aus der guten alten Zeyt
+
+Umschlagholzschnitt von _Willi Geißler_.
+
+Auf bestem holzfreien Papier. Halbleinen M. 3.—, Ganzleinen M. 3.50,
+Halbpergament M. 4.50
+
+_Deutsches Volkstum (Wilhelm Stapel)_: … derber und guter Humor,
+bewußt in der Nachfolge Hebels … machen mir viel Vergnügen. Eine sehr
+angenehme Lektüre, im Gegensatz zu dem vielen schleimigen Feuilleton.
+
+
+Jens Peter Jacobsen, Novellen
+
+Mit Bildern von _Ulrich Hallerstede_
+
+Halbleinen M. 3.—
+
+Es ist wohl nicht nötig, ausführlich auf die Schönheit dieser zarten,
+innigen und von seelischer Hellsichtigkeit erfüllten Erzählungen
+hinzuweisen, besonders da sie zwei bisher wenig bekannte Stücke bergen.
+Es sind reife Gaben des berühmten dänischen Dichters.
+
+
+Ludwig Bäte, Das ewige Vaterland
+
+Geschichten u. Bilder m. Radierungen v. _Franz Hecker_
+
+Buchausstattung von _Willi Geißler_
+
+Preis geschmackvoll gebunden M. 4.—
+
+_Wilhelm Scharrelmann in der »Weserzeitung«_: Wahre kleine Meisterwerke
+der Stimmungskunst finden sich in dem schön gebundenen Bande, der, mit
+Heckers Bildern geschmückt, eine eigenartige und wunderschöne Gabe
+darstellt.
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75588 ***