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Auf Bitten seines Sohnes, des +berühmten Geschichtsschreibers Otto, später Bischofs von Freisingen, +berief er in die neue Stiftung Mönche des vom heiligen Robert im Jahre +1098 gegründeten Cistercienser-Ordens, und zwar aus dem burgundischen +Kloster ~Morimund~, dem Otto damals als Abt vorstand. Trotzdem +die Abtei zu wiederholten Malen von Bränden heimgesucht, von den +feindlichen Ungarn und Türken überfallen wurde, blieb sie dennoch in +ihren Haupttheilen in fast ursprünglicher Form erhalten, eine seltene +Ausnahme unter den Klosterstiftungen. + + + =Der große Hof.= + +Die Abtei wird gegen West und Nord von einem Meierhofe, Gasthofe und +von Beamtenwohnungen umschlossen, welche ~den äußeren Stiftshof~ +bilden. Die Façade des eigentlichen Stiftsgebäudes ist im Barockstyl +erbaut. Unmittelbar über dem Hauptportale ist ein Wappenschild zu +sehen, dessen linkes Feld ~eine schwörende Hand~ -- das Wappen des +Stiftes Heiligenkreuz, -- zeigt, wie solches in den Räumen des Stiftes +wiederholt angebracht ist. + +Das Hauptportale, durch das man in den von Arcaden umschlossenen +~inneren Stiftshof~ kommt, überragt ein Thurm mit dem vom Abt Gerhard +im Jahre 1720 erbauten ~Hornwerk~, einer mächtigen Orgel, welche an +hohen Feiertagen den C-Accord durch mehrere Octaven hindurch erklingen +läßt -- bei 1000 Pfeifen. + +Gegenüber dem Portale der Kirche erhebt sich eine herrliche vom G. +Giulliani erbaute ~Dreifaltigkeitssäule~, welche einem Gelübde des +Abtes Gerhard wegen der glücklichen Abwendung der im Jahre 1713 +wüthenden Pest von Heiligenkreuz ihren Ursprung verdankt. Die Säule +ließ erst Abt Robert in den Jahren 1734-1736 erbauen. Die drei Statuen +in den Nischen des Unterbaues _vis-à-vis_ der Kirche stellen den +Gründer des Stiftes Leopold den Heiligen, links den heiligen Benedict, +rechts den heiligen Bernhard, die oberen Statuen links den heiligen +Sebastian, rechts den heiligen Rochus, rückwärts den heiligen Carl +Borromäus vor. Die dazwischen liegenden Reliefs bedeuten auf der +Vorderseite die heilige Rosalia, links die heilige Magdalena, rechts +den heiligen Petrus, darüber thürmt sich eine Wolkensäule auf, deren +Spitze die heilige Dreifaltigkeit krönt und in deren Mitte die Krönung +Mariens dargestellt ist. Gleichfalls ein Werk Giulliani's ist der +idyllische, unter Abt Robert (1728-1755) errichtete ~Josefsbrunnen~, +den heiligen Josef mit dem Jesukind darstellend. Um den Sockel herum +drei Engel, Glaube, Hoffnung und Liebe vorstellend. Die Reliefs: Jesus +am Jacobsbrunnen, Hagar und Ismael, Jacob und Rebekka. + + + =Gemälde-Gallerie.= + +Im ersten Stocke des westlichen Hoftractes ist ~eine kleine +Gemälde-Gallerie~ untergebracht. Fresken und reiche Stuckarbeit +schmücken den imposanten Saal. Aus der Gemäldesammlung sind +hervorzuheben: Eine Sammlung altdeutscher Gemälde, Moses in der Wüste +und Studienkopf von Jordans, Blumenstück, Niederländer-Mondlandschaft +von van de Noer, heiliger Franziskus von Carraccio, Judith von Cortona, +_Mater dolorosa_, Kreuzabnahme und Krönung Mariens von Altomonte, Maria +mit dem Kinde von Peter v. Strudel, großes Schlachtgemälde »Entsatz +Wiens 1683« von Rugendas. + + + =Museum.= + +Der erste Saal enthält eine reiche ornithologische und mineralogische +Sammlung, dann Conchilien und Petrefacten. Aus den im zweiten Zimmer +untergebrachten Gegenständen sind zu erwähnen: zwei Broncestatuen aus +dem 16. Jahrhundert, Adam und Eva, reizende Nippchen aus Porzellan und +Elfenbein, eine egyptische Mumie, gegen 170 Thonskizzen Giulliani's, +darunter: Dreifaltigkeitssäule, Josefsbrunnen, Kreuzwegstatuen, +Vexirbilder und eine kleine Sammlung von alten Waffen. + + + =Kirche.= + +Die äußere Façade, streng im romanischen Styl, -- Mitte des 12. +Jahrhunderts -- wirkt durch die beabsichtigte Unsymmetrie äußerst +interessant. + + A. ~Das romanische Langhaus.~ + +Das Innere der Kirche bietet einen fast überwältigenden Anblick. Zwei +Reihen von 20 quadratischen Pfeilern theilen das Langhaus in drei +Schiffe. Die Wände derselben entbehren jedes decorativen Schmuckes, wie +es den Cisterciensern durch ihr Ordensstatut geboten war. Die einzige +Abwechslung bilden die Gurtenträger hoch oben an den Scheidewänden +des Mittelschiffes, welche durch Halbpfeiler mit angefügten Säulchen +gebildet werden. + + Grabsteine. + +Im Pfeiler vor dem rechten Wasserbecken ist der Grabstein des +Bildhauers und Lehrers Raphael Donners, eines langjährigen Familiars +des Klosters + + Giovanni Giulliani † 1744, + +in der Nähe des linken Weihwasserbeckens jener des + + Martin Altomonte † 1745, + +eines der bedeutendsten Kirchenmalers des vorigen Jahrhunderts, +angebracht. + +~Im rechten Seitenschiffe~ stehen die Grabsteine der Aebte: + + 1. Marian I. † 1705, + 2. Michael II. † 1658, + 3. Clemens, † 1693, des zweiten Gründers des Stiftes, + 4. Johann VI. † 1599; + +~im linken Seitenschiff~: + + 1. Ritter Johann Griffo, Bürger von Wien, + 2. Ritter Stephan Ciciling, beide aus dem Anfange des 14. + Jahrhundertes, + 3. Abt Johann Franz von Schlierbach † 1644, + 4. Abt Conrad III. von Heiligenkreuz, † 1558 mit Epitaph, auf der + Vorderseite den heiligen Conrad mit der Spinne im Kelch zeigend + (dieser soll, wie die Legende erzählt, durch den Genuß einer Spinne, + welche in den Kelch gefallen war, gestorben sein), die Kehrseite zeigt + einen vor dem »_Ecce homo_« knienden Cistercienser mit dem Spruchbande: + _Fili Dei, miserere mei_. + +Im Mittelschiff sind besonders beachtenswerth die ~eingelegten +Kirchenbänke~, 1802 verfertigt von den Laienbrüdern Caspar Willer und +Lucas Barth. + + B. Der gothische Chor. + +Eine dreischiffige Halle, die den Charakter der Kirchenbauten des 14. +Jahrhunderts trägt. Auffallend ist ~der geradlinige Chorabschluß~, +eine Eigenthümlichkeit der Cistercienserkirchen, wie beispielsweise +bei dem Mutterkloster Citeaux. Interessant ist auch die Gruppirung +der Seitenaltäre um den freistehenden Hochaltar, ebenfalls eine +Eigenthümlichkeit der Kirchen dieses Ordens. Der Einbau der Thurmstiege +stammt aus dem Jahre 1466. Bemerkenswerth sind auch die Eckknollen an +den Füßen der Vierungssäulen. + +~Die Bodenfliese~ sind neu, jedoch Imitation der aufgefundenen, im +Museum verwahrten Originale. + +Ein Meisterwerk ist die von Professor D. Avanzo entworfene ~Kanzel~, +gebaut 1885, in den Giebeln des Deckels die vier Kirchenväter. + +Eine Steinschranke mit einem Eisengitter schließt das Presbyterium von +dem übrigen Theile des Chores ab. + +Links vom Eingange erscheint wieder das Wappen des Stiftes, rechts +jenes des Abtes Heinrich Grünbeck (grüner Bach im goldenen Feld). Das +Gitter aus Weinlaubmotiven zusammengesetzt, wurde angefertigt vom +Kunstschlosser Baierlein in Wien. Innerhalb der Schranke erhebt sich +der im Jahre 1887 gleichfalls vom Prof. D. Avanzo erbaute ~Hochaltar~; +der Unterbau aus Marmor mit Glasmosaiken geziert. Die Retabel, dem +sogenannten Verduner-Altare in Klosterneuburg nachgebildet, ist aus +Goldbronce. Die Emails stellen Scenen aus dem Leben der heiligen +Maria dar, welcher sowohl Kirche als Altar geweiht ist, u. zw. links +die Geburt und Darstellung im Tempel, rechts die Verkündigung und +Heimsuchung, im Mittelstück die Krönung; darüber wölbt sich auf vier +Säulen aus Unterberger Marmor ein reicher ~Bronce-Baldachin~, gekrönt +mit einem doppelten Thürmchen, in welchem die heilige Dreifaltigkeit +dargestellt ist. + + =Session.= + +Im gleichen Style mit dem Hochaltar ist die reiche Session. Die +prächtigen Stühle aus Goldbronce und die Umrahmungen nach Entwürfen des +Prof. D. Avanzo. Die Rückwand der Session wird gebildet von einem circa +1500 gewebten flandrischen Gobbelin, den Stifter -- heiligen Leopold -- +mit seiner Familie darstellend, eine Widmung des Dr. Fuchsmagen. Nicht +zu übersehen ist die ~hängende Ampel~. + + =Im linken Chorschiff.= + +An der Wand des romanischen Querschiffes das Altarblatt, des nach der +Türkeninvasion errichteten alten barocken Hauptaltares, ~ein großes +Gemälde von Rottmayr~, die Krönung Mariens darstellend. + +Zu den schönsten Kunstüberresten nicht bloß des Stiftes sondern des +Mittelalters überhaupt gehören ~die gemalten Glasfenster des gothischen +Chores~, die in den oberen Partien dem Ende des 13. Jahrhunderts +angehören. + +Die Farben der Fenster sind von wunderbarer Tiefe und Kraft, die +Zeichnung der Figuren einfach und strenge, die romanischen Kunstformen +entlehnten Ornamente sind im hohen Grade elegant und vollendet. Die +Figuren in den Fenstern stellen dar, u. zw. ~die alten in dem linken +Fenster des Chorabschlusses~ von oben nach unten: Zacharias, Habakuk, +Samuel; ~die neuergänzten~: Abraham, Joachim, Josef. ~Im rechten +Seitenfenster ebenso~: Vitus, Hippolytus, Mauritius; die neuergänzten: +Ephraim, Augustinus, Gregorius. Das mittlere Fenster ist gänzlich +restaurirt. Die Figuren nach Zeichnung des Professors Klein stellen von +oben nach unten je vier Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen dar. + +Von edler Wirkung sind die beiden Altäre + + 1. ~Der Benedictialtar~, die Statue von Bildhauer Erler; besonders + schön ist die Einfügung des Heiligenscheines in das rückwärts + angebrachte Fenster. + 2. ~Der Altar des heiligen Leopold~, des Stifters. Die Statue von + Bendel. Beide Altäre sind 1890 gebaut. + + Im Chorabschluß. + + 1. Im Prospect des linken Seitenschiffes erhebt sich an der Mauer + des Chorabschlusses ~der Bernhardialtar~ 1894 erbaut. Auf einem + Unterbau aus rothem und weißem Salzburger Marmor erhebt sich der + reiche Aufbau aus Goldbronce. Unter dem Baldachin steht die vom + Bildhauer Beyer modellirte Statue des Heiligen. Links und rechts von + demselben Künstler entworfen: Darstellungen aus dem Leben des Heiligen + (Hautereliefs) u. zw.: Aufnahme in das Kloster, Bekehrung Herzogs + Wilhelm von Aquitanien, die Kreuzzugpredigt zu Speier und eine Vision + Mariens. + 2. In der Mitte des Chorabschlusses vor dem großen gänzlich + restaurirten Chorfenster steht ~der Kreuzaltar~, der zugleich als + ~Speisealtar~ dient. Ueber der Kreuzigungsgruppe im Giebelfeld ~der + Pelikan~, der seine Jungen mit eigenem Blute nährt, -- ein Symbol des + Altarsacramentes. + 3. Das Gegenstück zum Bernhardialtar ist der ebenfalls 1894 + aufgeführte ~Marienaltar~ mit der heiligen Maria als Himmelskönigin. + Die Reliefs stellen dar: Geburt Christi, Anbetung der heiligen drei + Könige, _Pietà_ und Tod Mariens. Der figurale Theil ist ebenfalls von + Beyer. + + Im rechten Chorschiff. + +Im selben Styl und zu gleicher Zeit (1890) sind: + + 1. ~der Josefsaltar~ und + 2. der Altar des heiligen Stefan gebaut. Die Statuen beider Altäre + sind von Erler. Beachtenswerth ist auch die schöne Anordnung der + Altäre rechts und links: Links ~der Heilige Benedict~, der Verfasser + der Regel für die abendländischen Mönchsorden, rechts ~der heilige + Stefan~, der Verfasser der _charta charitatis_, der Grund-Constitution + des Cistercienser-Ordens, welche der Heilige in der Hand hält; links + ~der heilige Leopold~, der Gründer des Stiftes, rechts der heilige + Josef, der Patron der ganzen Kirche; links ~der heilige Bernhard~, der + größte Heilige des Ordens und rechts ~die heilige Maria~, die Königin + aller Heiligen, sowie der gesammten Christenheit; als Abschluß endlich + ~am Kreuzaltar~ der gekreuzigte Heiland der Menschen. + +Auf dem neu -- 1875 -- gebauten romanischen Musikchor ist die ~kleine +Orgel~ mit 11 Register aus der Zeit des Abtes Robert (1728-1755) +angebracht, darunter sieht man eine frühgothische, jetzt vermauerte +Thür, die in die ehemalige Sacristei führte; davor stehen ~vier +romanische Leuchter~ aus der Gründungszeit des Stiftes. -- ~Der +gothische Taufstein~ mit Broncedeckel wurde unter Abt Edmund +(1841-1877) hergestellt. + + =Der Kreuzgang.= + +Vom rechten Seitenschiff des romanischen Theiles der Kirche gelangt man +durch eine romanische Pforte (die romanische Thür aus dem Jahre 1884) +~in den Kreuzgang~, der im blühendsten Uebergangsstyle gebaut, mit +seinen über 300 rothen Marmorsäulchen einen äußerst prächtigen Eindruck +macht. Der Bau stammt seinem architektonischen Charakter nach aus dem +Ende des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ungefähr aus +derselben Zeit, wie die Façade der Kirche. Unter dem Herrn Prälaten +Grünbeck wurde er restaurirt und 1894 mit einem neuen Pflaster versehen. + + a) ~Fußwaschungsgang~. + +Eine neue Stiege mit dem Stifts- und Prälatenwappen -- 1894 ebenfalls +von Professor D. Avanzo ausgeführt -- führt ~in den Fußwaschungsgang~, +so genannt, weil hier am Gründonnerstage zwölf Greisen von ebensovielen +Mitgliedern des Stiftes nach dem Beispiele des Heilandes die Füße +gewaschen werden. Dieser Theil enthält überaus werthvolle Glasmalereien +aus dem Beginne des 13. Jahrhunderts; besonders reich sind auch die +Capitäler, Consolen und Schlußsteine. Die Glasmalereien oben in den +Rundfenstern des Fußwaschungs-, Capitelhaus- und Pförtnerganges sind +durchaus, die in denen des Refectoriumsganges zum Theil neu. Die beiden +Gruppen an den Enden des Fußwaschungsganges, ~die Büßerin Magdalena +und die Fußwaschung~ sind wie die in diesem Gange angebrachte Session +und Kanzel aus der Meisterhand Giulliani's. Die Oelgemälde in den +Bogenfeldern, Scenen aus dem Leben des heiligen Bernhards darstellend, +stammen aus der Zeit des Abtes Marian I. (1693-1705) gemalt vom +Laienbruder Stefan Molitor. + + b) ~Pförtnergang~. + +Capitäler, Kelchform aufweisend, Consolen und Schlußsteine sind durch +reiche Blattornamente geziert. Dieser Gang mit den zwei anstoßenden +Travees des Fußwaschungsganges scheint der älteste Theil des +Kreuzganges zu sein. + +Längs der Wand sind die früher an verschiedenen Stellen des Bodens +gelegenen ~Grabsteine der Wohlthäter des Stiftes~ aufgestellt. + + 1. Hugo von Aigen, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 2. Ulrich von Himberg, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 3. Heinrich von Zebingen, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 4. Conrad von Wildeck, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 5. Adelheid von Ulrichskirchen † 1246. + 6. Dietmar v. Engelschalksfeld † 1271. + 7. Otto Turso, 13. Jahrhundert. + 8. Otto in Foro (vom hohen Markt), Wiener Bürger † 1277 oder 1288. + 9. Berthold v. Arnstein, zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 10. Conrad Mazo † nach 1286. + 11. Otto v. Haslau † 1289. + 12. Bertha von Ror, zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. + 13. Sifrid Leublo, Bürger von Wien † 1289. + 14. Berthold Treun, Marschall von Oesterreich, 13. Jahrhundert. + 15. Albert Veuslo, † um 1294. + 16. Abt Johann I. von Heiligenkreuz † 1321 und seine Mutter Gisla. + 17. Otto Turso v. Rauheneck † 1331. + 18. Wulfing v. Harssendorf † 1324. + 19. Gräfin Eulalia de Avis † 1338. + 20. Bischof Nicolaus von Tribau † 1402. + 21. Johann v. Neudeck, 14. Jahrhundert. + Bemerkenswerth ist auch ~die neue romanische Pforte~ 1894. + + c) Refectoriumsgang. + +In den Fenstern ist ein Theil ~der alten Glasgemälde~ erhalten, ebenso +wie im Fußwaschungsgange, aus dem Anfange des 13. Jahrhundertes +stammend. Die Thür vis-à-vis dem Brunnenhause führt in's +~Sommerrefectorium~, einen langen Saal mit prachtvoller Stuckarbeit, +Fresken (Tercola) und Oelgemälden, 1687 gebaut, 1712 restaurirt. An +der linken Wand in Oelgemälden die allegorischen Gestalten der Demuth, +der vier Cardinaltugenden und Glaube, Hoffnung und Liebe; über der +Hauptthür das Porträt des Erbauers, des Abtes Clemens (1658-1693). + +~An der Wand in den Bogenfeldern~: + + 1. Der heilige Bernhard, + 2. der heilige Malachias, + 3. der heilige Bonifaz, Bischof von Lausanne, + 4. der heilige Conrad, + 5. die Bestätigung des Cistercienser-Ordens, + 6. die Familie des heiligen Bernhard, + 7. das Colossalgemälde »die Speisung der 5000«, 1742 von Altomonte + in seinem 83. Lebensjahre gemalt. + +~In der Mitte der Wölbung sind die Fresken~: + + 1. Esau und Jacob, + 2. Vision des heiligen Bernhard, + 3. Heiliger Benedict in der Einsamkeit, + 4. Abraham und die Engel, + 5. die Büßerin Magdalena, + 6. das Abendmahl. + +Außerdem begleiten diese Fresken rechts und links eine Reihe von +Bildern, von denen die linksseitigen die österreichischen und die +rechtsseitigen die ungarischen Güter des Stiftes mit den betreffenden +Donatoren darstellen. Gegenüber dem Refectorium erhebt sich ~das +gothische Brunnenhaus~ aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. +Die berühmten Glasgemälde stammen zum Theile aus dem Ende des 13. +Jahrhunderts. Das vereinzelte Glasgemälde im zweiten linksseitigen +Fenster stellt den König Alexander auf dem Panther reitend dar -- +Zeichen des Sieges. + + ~Das linksseitige Fenster mit den Bildern der Babenberger zeigt~ + + Heiligenkreuz -- Klosterneuburg, + (Ansichten der beiden Stifte in ursprünglicher Gestalt); + dann folgen: + + Heiliger Leopold -- Agnes, + Adalbert -- Leopold IV. der Freigebige, + Otto von Freisingen -- Heinrich II. Jasomirgott, + Ernest -- Conrad, Erzbischof von Salzburg. + +~Im rechtsseitigen Fenster, neu~, + + Lilienfeld -- Zwettl, + Leopold V. der Tugendhafte -- Heinrich I. der Katholische, + Heinrich von Mödling -- Raiza seine Gemahlin, + Heinrich der Grausame -- Richardis seine Gemahlin, + Friedrich II. der Streitbare -- Gertruds seine Gemahlin. + +Im Vereinigungspunkt der Rippen als ~Schlußstein~ der Heiland mit dem +Lebensbuch (Original im Museum). Unter den Fenstern läuft ringsum ein +mit spitzförmigen Blindbögen und mit reichem Maßwerke geschmücktes +gothisches Parapet. -- ~Der alte Brunnen in der Mitte aus Blei~ bildet +eines der kostbarsten Alterthümer des Stiftes. + + d) ~Capitelhausgang~. + +An den Ostflügel des Kreuzganges, Capitelhausgang genannt, ist das +sogenannte untere Dormitorium, die Todtenkapelle, das Capitelhaus und +die Annakapelle angebaut. + +~Vor dem Eingang in das Capitelhaus~ stehen an der Fensterwand: ein +Grabsteinfragment, Ulrich von Ebersdorf, 14. Jahrhundert, dann die +Grabsteine der Offnia von Seefeld und ihrer Kinder und des Dietrich von +Lichtenstein, beide aus dem 13. Jahrhundert. + + I. ~Die Annenkapelle~, früher die Sacristei, wurde von dem in +dieser Kapelle ruhenden Abt Gerhard (1705-1728) in die jetzige Gestalt +gebracht. + + II. Weniger verändert wurde das aus dem 13. Jahrhundert stammende +~Capitelhaus~, wenn es auch von Abt Gerhard und Abt Robert +(1728-1753) mit Fresken in der Manier der Barocke ausgeschmückt +wurde. Die Freskenbilder der hier begrabenen Babenberger sind ein +Werk des Laienbruders Mathias Gusner († 1772), die Glasgemälde, +darunter das 1863 auf der Pariser Ausstellung aufgestellte Radfenster +(Katharinenrad) wurden neu eingesetzt. + +Dieser ernste Raum ist ~doppelt geheiligt~, durch den Ordensgebrauch +und die Erinnerungen der Geschichte. Hier versammelten sich die +Ordensbrüder zur Berathung über die wichtigsten Angelegenheiten und +dann ruhen hier unter einfachen Grabsteinen die Fürsten des ruhmreichen +Babenbergergeschlechtes, nämlich: + + 1. Herzog Friedrich II. der Streitbare, gefallen in der Schlacht +gegen die Ungarn 1246. Der Tumbadeckel, den Herzog darstellend, ist +eines der ältesten mittelalterlichen Sculpturwerke dieser Art in +Oesterreich. + + 2. Herzog Friedrich I. der Katholische † 1198; sein Grabstein ist +ganz einfach und liegt am Boden im Vordertheile des linken +Seitenschiffes der Halle; + + 3. Neben ihm ruht, wie ein ebenfalls einfacher Grabstein besagt, +Herzog Leopold V. der Tugendhafte † 1194, der Spender der großen +Kreuzpartikel; + + 4. Herzog Heinrich der Grausame † 1228, Sohn Leopold VI.; + + 5. Leopold IV. der Freigebige, Markgraf von Oesterreich, Herzog +von Bayern † 1141; + + 6. und 7. Der Doppelgrabstein für Herzog Heinrich von Mödling +† 1223 und für seine Gemahlin Raiza, Tochter des Königs Wladislav I. +von Böhmen † 1182; + + 8. Deren Sohn Herzog Heinrich von Mödling der Jüngere † 1233; + + 9. und 10. Rudolf und Heinrich † 1300, Enkel König Rudolfs von +Habsburg. + +Die Grabsteine für 5, 6, 7, 8 und 9 liegen unter der Treppe vor dem +Altar. + +Rechts davon liegen: 11. und 12. Adalbert † 1136 und Ernest † 1137 +Markgrafen von Oesterreich, Söhne Leopolds des Heiligen. + + 13. und 14. Gertrud von Braunschweig † 1326, Gemahlin Friedrichs +des Streitbaren und Richardis, Gemahlin Heinrichs des Grausamen, +Tochter des berühmten Landgrafen Hermann von Thüringen. + + III. An das Capitelhaus schließt sich die ~Todtenkapelle~ an, vom +Abte Martin von Egris 1349 zu Ehren des heiligen Alexius gestiftet. +Hier ruhen der Stifter der Kapelle und der um das Stift hochverdiente +Abt Robert † 1755. + +~Das Radfenster~, gemalt 1845 von Friedrich Walzer, zeigt links den +ersten Abt Gottschalk, rechts den heiligen Leopold. Interessant sind +die barocken Leuchter, welche Todtengerippe darstellen. + +Rings an den Wänden herum sind ~Grabsteine verstorbener Capitularen des +Stiftes~ aus dem 17. und 18. Jahrhundert eingefügt. + + IV. Neben der Todtenkapelle ist das frühgothische etwa gleichzeitig +mit dem Capitelhaus gebaute ~untere Schlafhaus~. Diese Halle war einst +der Schlafraum der Mönche. + + + =Oberes Schlafhaus.= + +Vom unteren Schlafhause führt eine Stiege in das obere, Ende des 14. +Jahrhunderts gebaute Schlafhaus, eine mächtige, von 20 Säulen getragene +Halle im gothischen Style. Dieser kirchenartige Saal diente früher +ebenfalls als Schlafraum für die Mönche. + +An der Südwand stehen die zwei Colossalstatuen »~Sebastian und Rochus~« +von Giulliani. Vom selben Meister ist auch die Kreuzabnahme, eine sehr +belebte figurenreiche Gruppe. + +~An der Westwand sind fünf Gemälde angebracht~: + + 1. Der heilige Laurenz, das Hochaltarbild aus der ehemaligen + Mayerlinger Kirche, + 2. der heilige Benedict und seine Schwester, die heilige + Scholastica, gemalt von Rothmayr 1710, + 3. der heilige Leopold, gemalt von Altomonte 1729, + 4. Tod des heiligen Josef, von Altomonte 1731, + 5. der heilige Stefan, von Rothmayr 1710. + + + =Bibliothek.= + +Links in der südlichen Ecke dieser Halle führt eine Thür in die aus +zwei Sälen und zwei Zimmern bestehende Bibliothek, die ~über~ 40.000 +~Bände~ umfaßt, darunter 500 ~Handschriften~ aus dem 10., 11., 12., 13. +und 14. Jahrhundert, dann ~viele Incunabeln~ und seltene Bibelausgaben. +~Der große Saal~ mit Fresken von Rothmayr wurde 1701 vom Abt Marian +I. († 1701) erbaut; ~der zweite Saal~, der Gartensaal mit Stuckarbeit +und Fresken, wurde in der jetzigen Gestalt vom Abt Xaver (1824-1841) +eingerichtet. + + + =Schatzkammer.= + +Die Schatzkammer ist ein schmuckloser Raum, nur die alten +Paramentenkästen tragen reiches Schnitzwerk. + + 1. ~Ornate~: Davon wären hervorzuheben: + a) eine rothe Casel unter Abt Michael II. 1641 erworben; + b) ein rother Ornat aus der Zeit des Abtes Gerhard (1705-1728), + c) ein weißes goldgesticktes Meßkleid, selbsteigene Arbeit der + Kaiserin Maria Theresia; im Kelchtuch Vexirbilder. + 2. ~Kelche und Ciborien.~ Unter den Kelchen sind bemerkenswerth: + a) ein großer goldener Kelch vom Abt Clemens angeschafft, Augsburger + Arbeit aus dem Jahre 1679; + b) ein niedriger silberner, reich vergoldeter Kelch aus dem 17. + Jahrhundert; + c) ein spätgothischer Ciboriumdeckel aus dem 15. Jahrhundert; + d) ein Barockciborium; + 3. ~Mehrere Monstranzen.~ + 4. ~Infeln und vier Hirtenstäbe~: + a) silberner Krummstab vom Abt Gerhard; + b) gothisches Pastorale 1866; + c) silberner Krummstab aus dem Stifte St. Gotthard; + d) schönes Pastorale von einem Verehrer des gegenwärtigen Abtes, zu + dessen Profeß-Jubiläums 1893, gespendet. + 5. ~Reliquiare~: + a) eine Reliquie des heiligen Leopold, die Fassung 1756; + b) eine kleine Kreuzpartikel in schöner mit Steinen besetzter + Kreuzfassung; + c) ein Versehkreuz aus Bergkrystall, ebenfalls mit einer kleinen + Kreuzpartikel; + d) ein Dorn aus der Dornenkrone Christi; + e) Reliquien des heiligen Gregorius Magnus; + f) die große silberne Kreuzpartikelfassung, eine werthvolle + getriebene Arbeit aus dem Jahre 1749. + 6. ~Kirchengeräthe.~ Romanische Leuchter aus dem 12. Jahrhundert, + silberne Meßkännchen, silberbeschlagenes Missale, ein von der + Kaiserin Maria Theresia gestickter Baldachin u.s.w. + 7. ~Kreuze~, darunter ein bleiernes Crucifix, ein Werk Raphael + Donner's. + 8. ~Raritäten~: + a) Elfenbeinbuchdeckel aus dem 9. Jahrhundert; den heiligen Gregor + darstellend; + b) byzantinische Madonna aus Serpentin, 11. Jahrhundert; + c) ein Bild aus Bernstein, Korallen und Elfenbein zusammengesetzt; + d) ein Altar aus Achit, korinthischem Marmor und Lazurstein u.s.w. + + + =Sommerchor.= + +Vom oberen Dormitorium gelangt man durch das Winterchor auf das +große Musikchor. Dort hinter der großen Orgel sind die ~kunstvoll +geschnitzten Chorstühle~ aufgestellt zum Theil von Giulliani -- die +Kniebänke älter. Die Holzreliefs enthalten das Leben Jesu, die Figuren +sind aus allen Ständen genommen, als: Krieger, Mönche, Dichter, +Künstler, Fürsten, Priester, Bischöfe, Cardinäle, Könige und Päpste. + + + =Orgel.= + +Die große Orgel mit zwei Manualen, 62 Register und 53 klingende +Stimmen, dann 2376 Pfeifen wurde 1802 von Ignaz Kober in Wien gebaut. +Von besonderer Schönheit sind die zarten Register, wie: Gamba, +Calicional, Flöte u.s.w. Mächtig klingt das Vollwerk, besonders die +Bässe, darunter zwei Register 32 Fuß. + + + =Sacristei.= + +Vom oberen Dormitorium führt eine Stiege zur Sacristei hinab, die vom +Abt Clemens 1667 erbaut, und mit Fresken ausgeschmückt ist. Die feine +~Stuckarbeit~ übertrifft an Schönheit der Zeichnung alle anderen Räume +dieses Styles im Stifte. + +~Die Paramentenkästen~ mit kunstvoller Holzmosaik, verfertigt 1802, +stammen aus den Händen der geschickten Laienbrüder Lucas Barth und +Caspar Willer. Hier wird auch ~die große Kreuzpartikel~ verwahrt, die +Herzog Leopold V. der Tugendhafte auf einem Kreuzzuge 1182 vom König +Balduin erhalten hatte und die er 1187 dem Stifte spendete. + + + =Bernhardikapelle.= + +Vom Sacristeihof gelangt man zur gothischen vom König Albrecht I. 1300 +gestifteten Bernhardikapelle, die unter Abt Marian I. 1697 in die +jetzige Form gebracht wurde. An der Außenseite dieser Kapelle stehen +die Grabsteine der Aebte Marian II. † 1803; Nicolaus II. † 1824 und +Alberik † 1787. + + + =Kreuzweg.= + +Lohnenswerth ist auch der Besuch des längs der Gaadnerstraße angelegten +Kreuzweges, zu welchem außerhalb des Wiener Thores rechts eine +Stiege führt. Derselbe wurde 1732 vom Abte Robert und den Einsiedler +Sebastian Zettel erbaut. In jeder Station ist eine Leidenscene in +Holzrelief in einer gemauerten Kapelle dargestellt. Längs des ganzen, +von einer Baumallee beschatteten Weges stehen Sandsteinfiguren, theils +von Giulliani, theils unter seiner Leitung von dem Familiaren Josef +Schnitzer ausgeführt. + +Den Abschluß bildet die mit einem Thürmchen geschmückte +~Kreuzwegkapelle~ und unten am Fuße des Hügels der ~idyllische +»Heilandsbrunnen«~, der den Heiland darstellt, aus dessen Seitenwunde +ein Wasserstrahl springt, darüber die Inschrift: »~Ihr werdet mit +Freude Wasser schöpfen aus dem Brunnen des Heilandes«~. Isaias 12, 3. + + + [Illustration] + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75371 *** |
