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Band - 12 - -Author: Kurt Kersten - -Editor: Rudolf Leonhard - -Release Date: January 14, 2023 [eBook #69795] - -Language: German - -Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net. This book was produced from images - made available by the HathiTrust Digital Library. - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MOSKAUER PROZESS GEGEN -DIE SOZIALREVOLUTIONÄRE 1922. REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION *** - - - - AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART – - - - - - AUSSENSEITER - DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART – - - - HERAUSGEGEBEN VON - RUDOLF LEONHARD - - BAND 12 - - - VERLAG DIE SCHMIEDE - BERLIN - - - - - DER MOSKAUER PROZESS - GEGEN DIE SOZIALREVOLUTIONÄRE - 1922. - REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION - - - VON - KURT KERSTEN - - - VERLAG DIE SCHMIEDE - BERLIN - - - EINBANDENTWURF - GEORG SALTER - BERLIN - - - Copyright 1925 by Verlag Die Schmiede Berlin - - - - - - -An der Bahnlinie Moskau-Saratow liegt mitten im Kiefernwald die kleine -Datsche eines reichen Kaufmannes; grün und blau schimmern die Holzwände -durch den Sommermorgen eines furchtbaren Jahres; als der Streckenwächter -früh vorüberkam, fiel ihm auf, daß Garten- und Haustür offenstanden; der -Rasen war zertrampelt – der Mann in der hellen Russenbluse stutzte, ging -scheu in den Garten, zögerte noch einen Augenblick, bevor er die -Treppenstufen hinaufging – plötzlich stieß er einen Schrei aus, wandte -sich um und lief davon – „Mord – Mord –“ brüllte er durch den Wald – - -Nach einer Weile kehrte er mit einem jungen Sanitätssoldaten zurück, -beide hielten den Revolver schußfertig in der Hand und gingen zögernd -die Treppe hinauf, ihnen entgegen gähnte ein dunkler Flur – gerade vor -der Öffnung lag ein dicker Mann im Nachthemd – mit starren, weit -geöffneten Augen, blutigem, vertrocknetem Schaum vor dem schwarzen Mund -– der Sanitäter bückte sich, entblößte eine zottige Brust, horchte, -befühlte – erhob sich nach einer Weile, zuckte die Achseln: „Herzschlag -–“ Der Wächter setzte scheu den Fuß über den Leichnam hinweg – eine -Zimmertür stand offen – Spinde, Wandschrank schienen durchwühlt, auf der -Erde lag ein Bankkontobuch; sämtliche Schubfächer des altertümlichen -Vertikos waren erbrochen – Akten, Briefe aber unberührt – es schien den -Tätern nur am baren Gelde gelegen zu sein. - -Alle Nachforschungen nach den Tätern blieben erfolglos. - -Das Reich war in Aufruhr und Menschenleben billig; seit vier Jahren -wütete Krieg in der ganzen Welt, seit einem halben Jahr herrschten die -Arbeiter und Bauern in Rußland – eben noch erstreckte sich ihre Macht -auf die Weichbilder von Moskau und Petrograd, von der Wolga rückten -tschechoslowakische Söldner unter Führung von Ententeoffizieren gegen -Kasan und berannten die Stadt, in Kiew wehte die schwarz-weiß-rote -Fahne, in Archangelsk landeten Amerikaner und Engländer, vom Ural, vom -Dongebiet her breiteten sich Kosakenschwärme unter der Führung -zaristischer Generale weit übers Land aus, Gutshöfe brannten, Bauern -wurden von Offiziersbataillonen grausam zu Tode gemartert, in den -Städten traute keiner dem andern – Einbrüche am hellen Tage waren keine -Seltenheit, staatliche Ämter wurden mit Einverständnis der Beamten -ausgeraubt, eben erst war ein vergeblicher Versuch in Moskau gemacht -worden, den feuerfesten Schrank des Gouvernements-Ernährungskomitees zu -sprengen, offenbar war den Tätern der Sauerstoff ausgegangen, das Schloß -war zur Hälfte geschmolzen; einige Tage später drangen am hellen Tage -fünf vermummte Männer in das Postgebäude an der Twerskaja, der -belebtesten Straße Moskaus, ein, hatten die Eingangstür verriegelt, -riefen den Beamten und Kunden „Hände hoch“ zu, schwangen Handgranaten, -zückten Messer, hielten den Finger am Revolverhahn und plünderten die -Kasse – entnahmen ihr über 100000 Rubel – entfernten sich dann, und ehe -sich noch jemand vom Schreck erholt hatte und auf die Straße lief, waren -die Banditen längst verschwunden. - -Einige Tage später las man in der Presse der ganzen Welt: „Ausraubung -eines Postamtes am hellen Tage in Moskau – Die Täter entkommen – Das -russische Chaos – Nieder mit den Bolschewiki.“ - - * * * * * - -In denselben Tagen finden in den Städten neue Sowjetwahlen statt. Die -Wahlagitation ist im heftigsten Gange; in Petersburg herrscht ungestörte -Pressefreiheit, einer der eifrigsten Agitatoren in den Fabriken ist der -junge Wolodarski – eben 27 Jahre alt, gebürtig aus Wolhynien, seit -frühster Jugend in der revolutionären Bewegung: der Vierzehnjährige -arbeitet schon in illegalen Organisationen, der Siebzehnjährige sitzt -bereits als „Politischer“ im Gefängnis – drei Jahre später verbannt ihn -das zaristische Gericht nach Archangelsk, 1913 flieht er nach Amerika, -bei Kriegsausbruch redigiert er mit Bucharin in New-York eine Zeitung -„Neue Welt“ – immer führt er ein wahres Hundeleben, immer sind ihm -Spitzel auf den Fersen, immer machen sich Provokateure an ihn heran, -auch in den U. S. A. sieht er Kerkermauern – endlich wehen in Rußland -rote Fahnen; einige Monate nach Kerenskis Aufstieg arbeitet Wolodarski -schon in Petersburg, macht innerhalb kurzer Frist schwindelnd Karriere: -eben noch Agitator des Peterhofer Bezirks, sitzt er nun schon im -Petersburger Sowjet, kommt ins Exekutivkomitee, wird ein glühender, -hinreißender Sprecher, alle Bezirke telephonieren: - -„Schickt uns Wolodarski“ – „Schickt uns Wolodarski.“ – - -Nach dem Oktoberumsturz wird Wolodarski Volkskommissar für Presse und -Agitation. Im Frühjahr 1918 ist er Chefredakteur der „Roten Zeitung“. Im -Juni finden die Wahlen statt – Wolodarski arbeitet an hervorragender -Stelle – er ist es, der Pressefreiheit gibt – am nächsten Tage liest man -in einer Petersburger Zeitung: „Es gibt im Smolny zwei besonders -unangenehme Juden – Sinowjew und Wolodarski.“ Einen Tag später wird -gewählt – Resultat: - - Bolschewiki: 72. - Linke S.R.: 9. - Parteilose: 4. - -Am Abend sprach Wolodarski in einer Versammlung der Eisenbahner der -Nikolajew-Bahn, noch umtoste ihn der Beifall der proletarischen Masse, -als er schon im Auto saß, um in eine Maschinenfabrik zu fahren und eine -zweite Rede zu halten. - -In der Farforstraße hält plötzlich sein Auto. - -„Was ist los?“ - -„Kein Benzin.“ - -Wolodarski steigt aus, will einen Laden suchen – vielleicht kann man -irgendwo etwas Benzin auftreiben – kaum ist er zehn Schritte gegangen, -da eilt ihm ein Mann entgegen, Wolodarski beachtet ihn nicht, da ein -Knall, ein Schlag gegen die Brust, er taumelt, fällt zu Boden – eben -noch sieht er den Täter enteilen, über einen Zaun hinwegklettern – dann -noch eine Detonation – ein Sausen und Wimmern durch die Lüfte – noch -einige Revolverschüsse – schon kniet Grischa Sinowjew neben dem -sterbenden Wolodarski. - -Man bahrt den Leichnam im Taurischen Palais auf; das Proletariat von -Petersburg defiliert am Sarg in langen, langen Zügen vorüber, alle -Fabriken halten Meetings ab, geschlossen rücken die Belegschaften der -großen Fabriken an, eine alte Arbeiterin küßt die bleiche Stirn des -Toten, eine Arbeiterfrau führt ihr Kind an den Sarg: „Siehe – für dich -ist er gestorben.“ – - - * * * * * - -Der Mörder ist entkommen, in den Zeitungen der sowjetfeindlichen Presse -erscheinen beunruhigte Artikel, am Tage nach der Ermordung liest man -befremdenderweise im Zentralorgan der Sozialrevolutionäre eine -Erklärung: - -„Das Petrograder Bureau des Zentralkomitees der Partei der -Sozialrevolutionäre erklärt, daß _keine_ Organisation der Partei zu der -Ermordung des Kommissars für Pressewesen, Wolodarski, in irgend welcher -Beziehung steht.“ - -Niemand hatte sie beschuldigt, niemand mit Fingern nach ihnen gezeigt, -weshalb regen sie sich, weshalb wehren sie ab? Wundern sie sich, wenn -zwei Tage später Sinowjew in einer Sitzung des Petrograder Sowjets -ausruft: „Wir wissen nicht, wer der Mörder ist, doch es wäre -wünschenswert, wenn von den Sozialrevolutionären am Begräbnis des -Genossen Wolodarski niemand teilnehmen würde.“ - -Wundern sie sich? Sie schweigen. - -Einige Wochen später fällt der alte Genosse Uritzki einem Attentat zum -Opfer; als Täter kommt ein „Volkssozialist“ in Betracht. Indessen sind -die Tschechoslowaken schon auf halbem Wege nach Nishni-Nowgorod, immer -enger wird der furchtbare Ring, in Jaroslaw bricht ein grauenhafter -Bürgerkrieg aus, die ganze Stadt ist nach fünf Tagen ein Trümmerhaufen, -die Ermordung Mirbachs und Eichhorns versteift die Beziehungen zu -Deutschland, man gelangt durch Zufall in den Besitz von Papieren, die -unwiderleglich von einer engen Verbindung zwischen bürgerlichen -Verbänden und der französischen Militärkommission zeugen, der -französische Botschafter Noulens hatte in Wologda sein Archiv verloren – -– dann versuchen die linken S.R. in Moskau zu putschen – die -Herrlichkeit dauert einen knappen Tag – der Wirrwarr wird größer – die -„Rote Garde“ ist schlecht bewaffnet, in Lumpen gekleidet, der Hunger -quält in den Augen – an allen Fronten entbrennt der Kampf – innerhalb -des Kreises züngeln die Flammen – und mitten in dieser verzweifelten -Situation schießt eine kleine Jüdin einen Revolver ab – eines Abends in -den ersten Septembertagen – die Schüsse treffen Wladimir Iljitsch Lenin. -Das ganze Land ist erschüttert. Ein Stöhnen entringt sich der russischen -Arbeiterschaft: Lenin schwer verwundet. - -Diesmal kennt man kein Zögern mehr. Jetzt erst geht man zur Gegenwehr -über. Noch in dieser Nacht verhaftet man 500 Offiziere, erschießt sie am -frühen Morgen. Und die nächsten Septembertage erleben im ganzen Land, -soweit die Macht der Bolschewiken reicht, Hausuntersuchungen, -Verhaftungen, Verhöre – in den ersten Morgenstunden hört man immer -Salven knattern – und einige Tage später zieht Trotzki in Kasan ein, -treiben Budjenis „Rote Reiter“ die Tschechoslowaken und Kosaken vor sich -her, langsam fällt die Weiße Flut, langsam drängt man Entente- und -Zarengenerale über die Wolga und an die Gestade des Eismeeres zurück – -wenige Wochen später bricht die kaiserliche deutsche Armee zusammen, die -roten Fahnen wehen in Riga und Kiew. Langsam sieht Lenin seiner Genesung -entgegen. - -Und wer hatte auf ihn geschossen? Wer hatte in ihm das Land getroffen? - -Fanny Kaplan – Mitglied der Sozialrevolutionären Partei. - - * * * * * - -Im Laufe der nächsten Jahre verdichten sich Anklagen und Beweise wider -diese Partei; allmählich gelingt es, zahlreiche Führer zu verhaften, -Gerüchte zu bestätigen, da erscheint im Herbst 1921 in Berlin -eine russische Broschüre eines G. Ssemjonow, Die Partei der -Sozial-Revolutionäre in den Jahren 1917-1918. (Ihre Kampftätigkeit und -militärischen Aktionen.) Die Broschüre erregt in der gesamten -Emigrantenpresse ein ungeheures Aufsehen; Auszüge erscheinen in -deutschen Zeitungen, zwischen Emigrantenorganen entspinnen sich -Pressefehden, Presseprozesse. In derselben Zeit wird bekannt, daß ein -Prozeß gegen 34 Mitglieder der S.R. in Moskau stattfinden wird. Und was -enthält jene staubaufwirbelnde Broschüre? - -Ich Ssemjonow – ehemaliges Mitglied der S.R., Führer der -Kampforganisation – habe Attentate, Sprengungen und Expropriationen -vollführt – ich habe mit meinen Leuten das Postamt in der -Kammerherrengasse am hellichten Tage ausgeplündert, ich bin mit -Gefährten in die Datsche eines Kaufmannes eingebrochen, der vor Schreck -tot zusammenbrach, als er uns sah, ich habe das Attentat auf Wolodarski -inszeniert, ich habe Attentate auf Lenin und Trotzki vorbereitet, ich -weiß von der Verbindung unserer Partei mit der Entente, Deutschland und -bürgerlichen Organisationen. Existierten bloße Verbindungen? Von dort -erhielten wir Gelder, Aufträge, Material, im Einverständnis mit der -Entente, in ihrem Auftrag mordeten, plünderten, sprengten wir. Sämtliche -Maßnahmen, die ich im Interesse der Partei ergriffen habe, erfolgten im -Einverständnis mit dem Zentralkomitee unserer Partei; die -hervorragendsten Männer gaben uns die Lizenz. Dabei herrschte innerhalb -der Partei völlige Plan- und Kopflosigkeit; aus reiner Verzweiflung -schien jedes Mittel recht – erst nach langer Haft kam mir zum -Bewußtsein, von welchen haltlosen Menschen wir mißbraucht wurden, daß -wir nicht im Interesse der arbeitenden Klasse handelten, sondern gegen -ihre Interessen. – Alle Angaben Ssemjonows wurden einige Wochen später -von einer gewissen Lydia Konoplewa bestätigt – ja sie verstärkte noch -den Verdacht gegen das Z.K. der Partei, das seine Genehmigung zu -sämtlichen Attentaten gegeben habe. - - * * * * * - -[Illustration: Der Verteidiger Murawiew unterhält sich mit den -Angeklagten, Mitglieder der sozialrevolutionären Partei: Gotz, -Hendelmann, Tatareew u. a.] - -Im Frühjahr hatte sich das Material gegen die verhafteten S.R. bereits -so verdichtet, daß auf der Berliner Konferenz der II., II½. und III. -Internationale die Vertreter der II. und II½. Internationale von der -III. Internationale das Versprechen zu ertrotzen suchten, kein -Todesurteil über die S.R. zu verhängen, die Zulassung ausländischer -Verteidiger zu befürworten – man geriet in ernste Besorgnis; hatte man -früher immer und immer wieder geschrien: weshalb laßt ihr diese Leute so -lange in Untersuchungshaft sitzen – weshalb laßt ihr sie nicht frei – -schlug man jetzt einen anderen Weg ein: man suchte zu verschleppen, zu -bemänteln, verschwieg die Tatsachen, ging über die eigentlichen -Anschuldigungen hinweg, vermied überhaupt sie zu erwähnen, klammerte -sich an reine Formalitäten, und schrie und schrie und gab keine Antwort, -wenn man fragte: „Und wie verhält es sich mit den Fakten“? – - -Sonntagnachmittag im Juni 1922. Als das Flugzeug von Moskau eben auf dem -großen Flugplatz in Kowno, den die deutsche Armee im Weltkrieg angelegt -hatte, gelandet war, und die Passagiere der Kabine entstiegen, rief -ihnen schon von weitem der deutsche Flugplatzführer der Derutra zu: -„Rathenau ist ermordet“ – „Der Dollar 375.“ „Die Nationalisten“ – Der -junge Schriftsteller konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Dollar, -Mord und Nation – deutsche Atmosphäre.“ Und während man sich noch rings -um ihn ernst unterhielt, ob der Dollar noch weiter fallen würde, dachte -er: „Wird man die Täter ergreifen? Wird man ihnen den Prozeß machen? -Wird man vor allem den Hintergrund enthüllen, die wahren treibenden -Kräfte feststellen?“ Und er gedachte jenes seltsamen Prozesses, dem er -soeben in Moskau beigewohnt hatte, er gedachte jener doppelt seltsamen -Demonstration im Gerichtssaal, die am vierten Jahrestag der Ermordung -Wolodarskis stattgefunden hatte. Und während das Flugzeug wieder -startete und bald über Deutschland hinschwebte, vergegenwärtigte sich -der junge Schriftsteller lebhaft noch einmal die Erlebnisse der -vergangenen Woche, des 20. Juni. - -Am vierten Jahrestag der Ermordung Wolodarskis zogen schon am frühen -Morgen aus allen Bezirken die Arbeiter ins Innere der Stadt, um die -Mittagsstunde füllten Hunderttausende den Roten Platz vor dem Kreml. An -den Gräbern der gefallenen Revolutionäre zogen die Belegschaften aller -Moskauer Betriebe vorüber. Und auf der Rednertribüne erschien ein großer -blonder Mann – erschien der Vorsitzende des Obersten Tribunals Pjatakow -und erklärte den demonstrierenden Arbeitern: „Das Urteil wird gerecht, -wird erbarmungslos sein. Noch ist es nicht an der Zeit, es zu fällen.“ - -Und einen langen Sommertag über zogen die Massen russischer Arbeiter -durch die Iberische Pforte hinab zum Swerdlowplatz, an einem barocken -Säulenbau vorüber, jede Belegschaft hielt einen Augenblick an, und einer -ihrer Sprecher rief nach jenem Hause Worte der Rache hinüber – die ganze -Stadt dröhnte vom Schritte der Arbeiterbataillone, die ganze Stadt -hallte vom Gesang der Internationale. - -Und als der Abend hereinbrach, und die Massen sich langsam entfernt -hatten, passierte der junge Schriftsteller die Postenketten des -Prunkgebäudes, betrat die weiten unteren Räume des Hauses, in denen eine -Kompagnie des Tschekaregimentes untergebracht war; breite Marmortreppen -führten in den ersten Stock. Wieder forderten Soldaten in braunen -Uniformen mit breiten roten Querstreifen auf der Brust den Ausweis, die -Wände spiegelten ein reges Treiben, weithin erstreckten sich -Wandelhallen, und in einem Seitenraum war eine Ausstellung von Bildern -und Dokumenten – grauenhaften Urkunden der Scheußlichkeiten des -Bürgerkrieges; da hingen die Proklamationen der Partei der S.R., die -Aufrufe zum Sturz der Sowjets, da hingen Flugschriften und -Proklamationen, Reden Awxentijews, Artikel Tschernows und unzählige -Photographien – Photographien der Generale des Zaren, Photographien von -Führern der S.R., Bilder gesprengter Brücken und Stationen, -Photographien langer Reihen von Särgen und Massengräbern, Bilder der 26 -Bolschewiken, die in Baku von den S.R. hingerichtet wurden, -Photographien schauderhaft zugerichteter Leichen – und dann Bilder -Wolodarskis, Uritzkis, Bilder vieler, vieler Kinder, vieler Waisen, -deren Eltern Koltschak hinrichten ließ. - -Und als der junge Schriftsteller erschüttert diese Kammer der Seufzer -und Tränen, der Lügen und Heuchelei verließ, öffnete er eine kleine Tür -und befand sich plötzlich in einem gewaltigen Saal – Säulenreihen zogen -sich zur Linken und Rechten, mächtige Leuchter hingen von der hohen -Decke herab – am anderen Ende des Saales saßen und standen auf einem -Podium zahlreiche Männer und einige Frauen – zwischen mächtigen Säulen -waren gewaltige rote Tücher gespannt, große Lettern verkündeten: „Das -Proletariat ist der Schutzschild der Revolution.“ - -An einem Tische mitten auf dem Podium sitzen die Richter – und in ihrer -Mitte sehen wir wieder Pjatakow. Rechts scharen sich hinter einer Sperre -dicht hinter- und nebeneinander in zwei Gruppen getrennt 34 Angeklagte, -vor ihnen sitzen an langen Tischen die Verteidiger; hart an der Rampe -steht ein kleiner Tisch – vor ihm sitzt der Ankläger Krylenko – neben -ihm ein langer Tisch, an dem drei andere Ankläger sitzen: Lunatscharski, -der Historiker Pokrowski, die greise Klara Zetkin. Die Reihen der -Angeklagten umspannt ein Kordon jener Soldaten in braunen Uniformen mit -den breiten Litzen, sie tragen die spitzen Helme der Krieger Iwans des -Schrecklichen, das Gewehr mit aufgepflanztem Seitengewehr bei Fuß. Zur -Rechten öffnet sich eine breite Tür – herein tritt eine Deputation -Moskauer Arbeiter – eine ältere Frau ist unter ihnen, sie durchschreiten -den überfüllten Zuschauerraum, in dem wohl 2000 Menschen sitzen, und -steigen langsam die Treppen zum Tribunal hinauf. Und unter tiefem -Schweigen begannen die Arbeiter zu reden – junge und alte – -leidenschaftlich brach es aus ihnen los – Anklagen und wieder Anklagen – -Ein Arbeiter von Kasan erzählte erregt von den Grausamkeiten der S.R. in -Kasan, es sprach jener Arbeiter, der die Fanny Kaplan nach ihrem -Attentat auf Lenin festgenommen hatte, und ein langer, breiter Mann mit -einer fürchterlichen Stimme erzählte noch einmal vom Eindruck, den der -junge Wolodarski auf sie gemacht hatte; wie aus einem Krater brodelten -Anklagen, Verwünschungen los – „Rache für Wolodarski“ schrie es durch -den Raum – und die Männer hinter der Barriere saßen mit gesenkten -Häuptern festgebannt da – ohne die Möglichkeit der Flucht, allen Blicken -preisgegeben, gerichtet, geächtet, gestraft. - -Niemals zuvor in der Weltgeschichte wird die Stimme der Masse so -vernehmlich, so eindrucksvoll gesprochen haben wie in dieser Sommernacht -zu Moskau im Prunksaale des ehemaligen Adelsklubs. - - * * * * * - -Zehn Tage währte nun schon dieser Prozeß. Am 10. Juni hatte er begonnen; -einige Tage zuvor waren die ausländischen Verteidiger in Moskau -eingetroffen, vor dem Bahnhof hatte sie die Arbeiterschaft mit Pfiffen -begrüßt. Am Tage der Eröffnung hatte der Führer der II. Internationale, -Vandervelde, vor dem Tribunal das Mißgeschick, als Justizminister S. -Majestät des Königs der Belgier verhöhnt zu werden, weil er sich im -Westlerdünkel erhaben fühlte über die Justizmethoden der -Arbeiterrepublik. - -Die 34 Angeklagten trennten sich in zwei Lager – zur Linken saßen 25 -Männer und Frauen – die Offiziere der Partei: - - Gotz, Abram Rafalowitsch - Donskoi, Dmitri Dmitrijewitsch - Gerstein, Lew Jakowlewitsch - Lichatsch, Michail Alexandrowitsch - Iwanow, Nikolai Nikolajewitsch - Ratner-Eljkind, Jewgenija Moisjewna - Rakow, Dmitrij Fedorowitsch - Fedorowitsch, Florian Florianowitsch - Wedenjapin, Michail Alexandrowitsch - Gendeljmann-Grabowski, Michail Jakowlewitsch - Morosow, Sergej Wladimirowitsch - Artemjew, Nikolai Iwanowitsch - Ratner, Grigoric Moisjewitsch - Timofejew, Jewgenij Michajlowitsch. - -Gotz, Donskoi, Wedenjapin und Gendeljmann, Gerstein, Lichatsch, Iwanow, -Ratner-Eljkind, Ratner, Fedorowitsch, Timofejew saßen seit 1917 im -Zentralkomitee der Partei; Artemjew, Morosow und Ratner waren Mitglieder -des Moskauer Bureaus des Zentralkomitees. - -Diese 14 Personen werden angeklagt, ihre Partei so geleitet zu haben, um -den Sturz der von der proletarischen Revolution eroberten Macht der -Arbeiter- und Bauernräte herbeizuführen. Sie haben alle Mittel und -Kräfte der Partei zu diesem Zwecke verwandt. - -Man beschuldigt sie: - -1. Der Vorbereitung bewaffneter Aufstände gegen die Sowjetmacht in -Petrograd und Moskau. Bildung militärischer Stäbe und besonderer -Kampforganisationen. Sie unterhielten Verbindung mit anderen -konterrevolutionären Organisationen und nahmen ihre finanzielle Hilfe in -Anspruch; gemeinsam mit ihnen organisierten sie technische Organe, -Stäbe, Stadtkommandos für bewaffnete Aufstände. - -2. Im Namen der Partei traten sie in Verbindung mit den Vertretern des -internationalen Kapitals – mit den offiziellen Vertretern der -kapitalistischen Ententestaaten zur Zeit, als diese sich im -Kriegszustande mit der R.S.F.S.R. befanden. Sie halfen diesen Staaten -das Gebiet der Sowjetrepublik besetzen, verschafften ihnen Nachrichten -und informierten sie über die innere Lage des Landes. Sie nahmen die -militärische, finanzielle und technische Hilfe dieser Staaten in -Anspruch. - -3. Verbindung mit weißgardischen Heeresleitungen, mit den Generalen -Krasnow, Alexejew und Denikin, mit den in den Randgebieten der -R.S.F.S.R. entstandenen bürgerlich-nationalistischen gegenrevolutionären -Zentren, den sogenannten Regierungen der Ukraine, des Kuban und -Dongebietes. Sie haben mit allen Mitteln unter dem Namen der „Regierung, -der Mitglieder der Konstituante“ zur Befestigung der entstehenden -gegenrevolutionären Zentren beigetragen, besonders in Samara, im Norden, -in Ufa und Omsk. Sie halfen diesen gegenrevolutionären Zentren in ihrem -bewaffneten Kampfe gegen die Sowjetregierung durch Hochverrat und -Spionage. - -4. Organisation von Kampfgruppen zwecks Verübung terroristischer Akte -gegen die Funktionäre der Sowjetmacht Sprengung von Eisenbahngeleisen, -Ausraubung von Sowjetinstitutionen. Sie leiteten die Tätigkeit dieser -Gruppen. Und benutzten die auf diese Weise erlangten Mittel für die -Fortsetzung ihrer gegenrevolutionären Arbeit. - -Gegen einzelne Angeklagte wird noch besondere Anklage erhoben: - - 1. _Gotz_ (Mitglied des Z.K.P.S.R.): Agitation unter den Truppen - nach dem Oktoberumsturz, Aufforderung auf Meetings zum bewaffneten - Widerstand, Vorbereitung und Leitung des Junkeraufstandes am 29. - Oktober. Teilnahme an den Sitzungen der Militärkommissionen der - bürgerlichen Verbände. Teilnahme an den Akten des individuellen - Terrors. - - 2. _Donskoi_ (Mitglied des Z.K.P.S.R.): Leiter der Militärkommission - nach Auflösung der Konstituante; in konspirativer Verbindung mit den - bürgerlichen Organisationen Filonenko und Iwanow, Teilnahme an - Konferenzen mit Offizieren des Generals Alexejew, erteilte - Genehmigung zu terroristischen Akten und war mit Anschlägen auf - Lenin und Trotzki einverstanden. Er war der eigentliche Inspirator - aller Unternehmungen Ssemjonows, er ermutigte zu Expropriationen und - Sprengungen, er stellte die Verbindung zur französischen - Militärmission her. - - 3. _Iwanow_: Aus eigener Initiative schlug Iwanow dem Z.K. - terroristische Akte vor, rechtfertigte sie und erteilte Ssemjonow - Aufträge. - - 4. _Gerstein_: Leiter der militärischen Propaganda, sanktionierte - den Empfang der Gelder von bürgerlichen Organisationen, betätigte - sich in der Ukraine, leitete Verhandlungen mit der französischen - Mission. - - 5. _Timofejew_: unterhielt Verbindungen zur französischen Mission, - entsandte Offiziere in die Wolgaprovinzen, war über die Tätigkeit - der Terrorgruppen informiert und gab seine Einwilligung zu ihren - Plänen. - - 6. _Wedenjapin_: war der Beauftragte des Z.K. der S.R. in Samara, - stand in Verbindung mit den Tschechoslowaken, war über die - terroristische Tätigkeit informiert, unterstützte Mitglieder der - Terrorgruppen durch Geld. - - 7. _Lichatsch_: war bevollmächtigter Leiter der Militärabteilung des - Z.K., nahm an gemeinsamen Sitzungen konterrevolutionärer Verbände - teil, erhielt Gelder aus englischen Quellen, war Mitglied der - „Nordregierung“ in Wologda und Archangelsk. - - 8. _Morosow_, 9. _Artemjew_: Konspirative Tätigkeit in Moskau. - Vorbereiter des Aufstandes in der Wolgagegend. - - 10. _Ratner-Elkind_: Erhielt als Kassiererin des Z.K. der S.R. die - aus Expropriationen stammenden Gelder von Ssemjonow und war über - ihre Herkunft unterrichtet. - - 11. _Ratner_, Gregor: Mitglied der Militärgruppe. War unterrichtet - über die terroristische Tätigkeit. - - 12. _Rakow_: Erhielt von Ssemjonow geraubte Gelder. - - 13. _Fedorowitsch_: Konspirative Tätigkeit, stand in Verbindung mit - Savinkow. - - 14. _Gendelmann_: stand in Verbindung mit Ententekommissionen, war - im Wolgagebiet aktiv, Teilnehmer der Ufakonferenz. - -Gegen andere 20 Mitglieder der Partei der S.R. wurde weiter Anklage -erhoben; als Mitglieder der P.S.R. hatten sie nach den Direktiven des -Z.K. der S.R. konterrevolutionäre Aktionen vollführt, die auf den Sturz -der Sowjetmacht hinzielten. - - 1. _Agapow_, Wladimir Wladimirowitsch: Mitglied einer Sprengkolonne, - Verbindungsmann zwischen Donskoi und der Kolonne. - - 2. _Altowski_, Arkadi Iwanowitsch: Wegen Teilnahme an militärischen - Organisationen und allgemeiner konspirativer Tätigkeit. - - 3. _Utgoff-Deruschinski_: Wegen Teilnahme an militärischen - Organisationen und allgemeiner konspirativer Tätigkeit. - - 4. _Liberow_, Alexander Wassiljewitsch: Wegen Teilnahme an - militärischen Organisationen und allgemeiner konspirativer - Tätigkeit. - - 5. _Slobin_: Wegen Teilnahme an militärischen Organisationen und - allgemeiner konspirativer Tätigkeit. - - 6. _Gorkow-Dobroljubow_: Wegen Teilnahme an militärischen - Organisationen und allgemeiner konspirativer Tätigkeit. - - 7. _Iwanowa-Iwanowa_: Als Mitglied der Zentralen Kampforganisation, - nahm an den Vorbereitungen eines Attentates auf Lenin teil, - beobachtete Wolodarski und Trotzki, traf Vorbereitungen, um einen - Zug in die Luft zu sprengen, in dem Trotzki fuhr. - - 8. _Ssemjonow_, Grigori Iwanowitsch: Organisator einer militärischen - Spezialorganisation, deren Aufgabe in der Vorbereitung und - Ausführung terroristischer Akte und Expropriationen bestand. Ihre - Tätigkeit war vom Z.K. sanktioniert. Diese Organisation vollführte - den Mord an Wolodarski, plante Attentate gegen Sinowjew und Uritzki, - bereitete Attentate gegen Lenin und Trotzki vor. Sie bereitete - ferner Expropriationen vor und führte sie aus. - - 9. _Daschewski_: Teilnehmer an Expropriationen und Vorbereitungen - terroristischer Akte. - - 10. _Konoplewa_: Mitglied der Organisation Ssemjonow. Trieb - Propaganda im Landheer und in der Marine. War an den Vorbereitungen - von Attentaten beteiligt. Erbot sich, auf Lenin zu schießen und - verständigte sich mit dem Z.K. Beteiligt an Expropriationen. - - 11. _Jefimow_: Mitglied der Terrorgruppe; Komplize der Konoplewa. - Teilnehmer von Expropriationen. - - 12. _Usow_: War als Attentäter Lenins designiert; nahm an den - Vorbereitungen der Attentate gegen Trotzki und Lenin teil; - beteiligte sich an Expropriationen. Mitglied einer Sprengkolonne. - - 13. _Fjedorow-Koslow_: Am Attentat gegen Wolodarski beteiligt. - Sollte auf Lenin schießen. Helfershelfer bei Expropriationen. - - 14. _Subkow_: Mitglied der Kampforganisation und Terrorgruppe, - beteiligt an Vorbereitungen von Attentaten gegen Lenin und Trotzki. - Helfershelfer bei Expropriationen. - - 15. _Pelewin_: Nahm an Vorbereitungen von Attentaten teil; - beteiligte sich an Expropriationen; stand mit einem - Kriminalverbrecher in Verbindung, dem er einen besonderen Apparat - zur Schmelzung von Tresoren abkaufte, und der sich an der - Expropriation im Landhaus an der Eisenbahn Moskau-Saratow - beteiligte. - - 16. _Ljwow_: Mitglied der Kampforganisation; bei Expropriationen - behilflich. - - 17. _Moratschewski_: Organisierte Gruppen, beherbergte den Mörder - Wolodarskis. - - 18. _Stawskaja_: (Fanni Jefremowna) Mitglied der Kampforganisation; - nahm an Vorbereitungen von terroristischen Akten teil, war im - Wolgagebiet tätig. - - 19. _Berg_: Nahm an Vorbereitungen des bewaffneten Aufstandes teil. - - 20. _Ignatiew_: Mitglied des Z.K. der Partei der Volkssozialisten. - War im „Verband zur Rettung des Vaterlandes und der Revolution“. - Unterhielt Verbindung zu bürgerlichen Organisationen, übermittelte - Gelder, stand in Beziehung zu fremden Militärmissionen. - - * * * * * - -34 Männer und Frauen standen vor dem Obersten Revolutionstribunal, 34 -Männer und Frauen verkörperten die leidenschaftlichen Anstrengungen, der -Novemberrevolution den Garaus zu machen, ihre Wurzeln wieder -auszureißen, vor keinem Mittel zurückzuschrecken, keine Verbindung zu -scheuen, rastlos zu arbeiten, das durch Kriegswirren an den Rand des -Abgrunds gebrachte Land nicht zur Ruhe kommen, vielmehr alle Künste -spielen zu lassen, die eine jahrzehntelange Erfahrung in konspirativer -Tätigkeit unter dem Zarismus gezüchtet, verfeinert hatte. Es gab kein -Verbrechen, dessen sie nicht fähig waren, sie kannten keine Skrupel, -dachten dabei nie an ihre eigene Person, sie setzten sich restlos ein -und waren Meister ihres Faches geworden, Terror, Expropriationen, -Sprengungen waren ihnen zur Kunst geworden, der Tod war ihr steter -Gefährte, wie unsichtbar war bleiches Totengebein ihr ständiger -Begleiter – es gab in dieser Partei längst eine Psychologie des -politischen Mörders, es gab Analysen seiner Seelenstimmung; ehedem – -nach der fünfer Revolution hatte Savinkow in seinen Büchern diese -Stimmungen geschildert, er hatte das zwiespältige Wesen dieser Menschen -geschildert, er hatte ihr Grauen, ihre seelische Nacht gemalt, ihre -Fragen gestellt, ihre Unruhe, ihre Unrast in Worten festgehalten. Sie -waren alle Romantiker, Abenteurer, längst losgerissen von jeden -Beziehungen zur bürgerlichen Welt; die revolutionäre konspirative -Tätigkeit war ihnen zum Selbstzweck geworden; die Konspiration war ihr -Beruf, die Negation ihre einzige Antwort, die Ratlosigkeit ihr ständiges -Grundgefühl. Die Sozialrevolutionäre waren die Erben der alten -Narodniki: jener Männer und Frauen, die Turgenjew zuerst geschildert -hat, deren Urtyp Bassarow war, den man heute ganz fälschlich immer zum -Urbild Lenins macht. In der „Neuen Generation“ findet man eine solche -echte Sozialrevolutionärin: konspirativ, längst verzichtend auf alle -Geschenke des Lebens und jedes Wohlleben, immer gehetzt und immer im -Zuge. Die Männer und Frauen, die Alexander II. hinrichteten, waren -solche Narodniki – sie waren die Vorkämpfer der Revolution in den -Jahren, als es in Rußland noch kein Industrieproletariat gab. Und es ist -typisch, daß alle diese Narodniki Intellektuelle waren, dem Bürgertum -entsprangen und in Fehde mit ihrer Klasse lebten. „Ins Volk gehen“ hieß -jener Terminus, den man auch bei Turgenjew so oft findet. Ins dumpfe, -unterdrückte Volk, das noch wie im Halbschlummer lag und wohl wußte, daß -es ihm nicht gut ging, aber nicht wußte, wie es sich befreien sollte. - - [Illustration: Gesamtansicht des Saales im Vereinshaus] - -Die Lehre vom „individuellen Terror“ war ein Fundament des Programms der -S.R. geworden; sie konnte nur mit einer solchen unwiderstehlichen Macht -in einer Partei um sich greifen, die früher nie mehr als eine Sekte sein -wollte und sein konnte. Erst aus dem Zusammenschluß zahlreicher „Sekten“ -hat sich 1900 jenes Gebilde der S.R.P. ergeben, die gar keine straffe -Einheit darstellte, und deren eigentlichstes Rückgrat immer nur -„Kampforganisationen“ gewesen sind, die mit unerhörter Kühnheit und -seltenem Raffinement, mit grenzenloser Todesverachtung und fanatischem -Enthusiasmus beinahe ein volles Jahrzehnt Attentat auf Attentat gegen -die Vertreter des Zarismus verübten. Und fast alle diese Richter und -Rächer des Volkes sind in den Tod gegangen. Sie ließen sich festnehmen, -sie wurden zuweilen gefoltert, sie erlitten die grausamen Methoden einer -ruchlosen Justiz, sie erlitten Schmähungen, manche erfuhren noch – mit -dem Strick um den Hals – daß man nicht einmal unter diesem verrotteten -Regime zu hängen verstand. Kibaltschisch wurde viermal gehängt, Kalajew -zweimal ... - -Ein seltsamer mystischer Zauber hat alle diese Menschen umfangen. Von -Kalajew, dem Attentäter des Großfürsten Sergius, werden die Worte -überliefert: „Ich will für meine Sache sterben“ – Worte, die schon ein -Sektierer, ein Märtyrer im Rausch gesprochen haben könnte. Andere -schritten unter dem Gesang ihrer Revolutionshymne zum Galgen, bevor sie -in die ewige Nacht hinüberschwebten. Sie haben ihr eigenstes Ich bis in -jene Sphären zu steigern vermocht, in denen längst die Stimme der -Erkenntnis schwieg. - -Sie hatten es immer mit dem „Ich“ zu tun. Sie sahen immer nur die -Persönlichkeit, sie sind in Wahrheit Persönlichkeitsfanatiker gewesen, -die letzten fernen Nachgeborenen der Renaissance. - -Personen waren ihre Feinde. Personen sahen sie auf Rußlands Thron, in -Rußlands Ämtern, auf Personen warfen sie die Bomben, Personen lauerten -sie wochen-, oft monatelang auf – ach Wilhelm Tell – dieser Urtyp eines -Sozialrevolutionärs, hatte es leicht hinter seinem Holunderstrauch. - -Man kann hier schon fast von einer Systematik des politischen Mordes -sprechen. Savinkow hat eine ganze Schule ausgebildet. Junge Menschen -liefen zu Tschernow wie zu einem Heiligen, um sich von ihm theoretisch -über die Berechtigung des individuellen Terrors unterweisen zu lassen. - -Und so fruchtlos im Grunde alle diese Attentate gewesen sind, auf die -große Masse hat diese Sekte von Frauen und Männern, die mit dem Tode -vertrauter schienen als gewöhnlich, eine faszinierende Wirkung ausgeübt. -Ein dunkel strahlender Schimmer von Romantik umgab diese Helden; er war -stärker als das Dämmerlicht der engen Gelehrtenstube Lenins. - -Aber die Geschichte hat es weniger mit Personen als mit Verhältnissen zu -tun. Und auch der Tod ist nur eine individuelle Angelegenheit. Der -vornehmste Unterschied zwischen den S.R. und den Bolschewiki ruht gerade -in dieser verschiedenen Auffassung von Personen und Verhältnissen. - -Als der Zar und die ganze alte Autokratie im Frühjahr 1917 gestürzt -wurde, war es natürlich, daß die Bauern und auch zahlreiche Arbeiter in -ungeheuren Scharen zur S.R. übergingen. Die S.R. wurden zur eigenen -Überraschung eine Massenpartei, ihnen vertraute die unterdrückte -Bauernschaft, für die nicht nur erst der Krieg grausame Folgen gehabt -hatte – sie wollten ihr Land haben, sie wollten der Lasten ledig sein, -mit denen sie der Grundbesitz beschwert hatte, sie wollten vor allem das -Ende des aussichtslosen Krieges, der ihnen ihre Söhne raubte. Die -„Provisorische Regierung“ Kerenskis setzte sich aus Vertretern der -Großindustrie, des Großgrundbesitzes und der Kleinbürger zusammen. Sie -war fest entschlossen, den Krieg an der Seite der Entente -weiterzuführen, sie unterstrich jetzt den Charakter des -Befreiungskrieges gegen den deutschen Imperialismus, aber sie gab -bereits viele Forderungen des Zarismus preis: die Kuppel der Hagia -Sophia entschwand in unsichtbare Fernen. Die Entente aber hat einen -eisernen Druck auf die „Provisorische Regierung“ ausgeübt, weil sie die -russische Hilfe gegen die Mittelmächte nicht zu entbehren glaubte, weil -ihr das Geld leid tat, das sie für die Ausrüstung des russischen Heeres -hergegeben hatte. Man brauchte Rußland. Und trieb es bis an den -äußersten Abgrund. Die fremden Botschafter und Militärmissionen ließen -alle ihre Künste spielen, die II. Internationale entsandte ihre -Vertreter, um Kerenski an der Stange zu halten. Dabei mußte der -russische Generalstabschef Gurko erklären, im Laufe des Jahres 1917 -bedürfe das russische Heer unbedingt der Ruhe. Den fremden Botschaftern -blieb die Lage weder in den Städten noch auf dem Lande verborgen. Die -Bewegung gegen den Krieg wurde immer stärker. Die Julioffensive an der -deutschen Front brach nach Teilerfolgen zusammen, noch wurde ein -Aufstandsversuch der Bolschewiki mühsam abgewehrt, inzwischen wechselten -die Minister; die Front geriet in Zersetzung, die Deutschen machten -erfolgreiche Vorstöße, die Offensive der Alliierten im Westen kam trotz -ungeheurer Opfer nicht vom Fleck. In den Städten wuchs die Not. Die -Bauern sahen bald, daß der Sturz des Zarismus an ihrer Lage nichts -geändert hatte; die S.R. Minister gaben eitle Versprechungen und waren -völlig ohnmächtig, setzten nichts in ihren Ressorts durch; überall -herrschte Sabotage und offene Brüskierung. Tschernow ging. Und Kerenski -redete. - -Eine Weile schien sogar eine Militärdiktatur zu drohen, der General -Kornilow marschierte gegen Petrograd, um „Ordnung“ zu schaffen – -Kerenski schien mit ihm zu verhandeln, ja sogar mit ihm im Einvernehmen -zu stehen – die Arbeiter von Petrograd haben Kornilow davongejagt. Und -dann brach plötzlich das ganze Gebäude kläglich zusammen, als die Partei -der Bolschewiki geschlossen und entschlossen vorstieß, den alten -Staatsapparat völlig zertrümmerte, den Bauern das Land gab, der Armee -den Frieden, den Arbeitern die ökonomische Freiheit und die Herrschaft. - -Die Bolschewiki schufen die Einheit Rußlands. Arbeiter, Soldaten, Bauern -– die werktätigen Schichten wurden zusammengeschlossen. Die Bolschewiki -vermochten ihren sämtlichen Forderungen zu genügen. - -Gegen sie standen die Fremden – die Fremden aller Art: die Klasse der -Großindustriellen und Großgrundbesitzer, die ohne Privilegien nicht mehr -zu leben vermochten, die fremden Botschafter und Militärmissionen, die -Parteiführer, die seit dem März 1917 Rußland regiert und Rußland nicht -verstanden hatten; nun war ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen, -sie verloren nicht nur alle materiellen Grundlagen, sie verloren vor -allem auch die Bindung mit der Gesamtheit der Nation, sie waren nicht -mehr Rußland. Sie waren Außenseiter einer Gesellschaft geworden, die -nach neuen ökonomischen Gesetzen ihr Dasein zu formen bestrebt war. - -Mitten in das Chaos des Krieges verkündeten die Bolschewiki _ihre_ -Kriegslosung gegen das Kapital. Sie verließen die Schützengräben der -Nation und warfen die Schützengräben zwischen den Klassen auf. Die S.R. -aber zögerten nicht einen Augenblick und harrten in den Schützengräben -der Nation aus, obschon einer der ihren – Tschernow – Teilnehmer der -Zimmerwalder Konferenz gewesen war. - - * * * * * - -In den Verhandlungen gaben die Angeklagten zu, den Kampf mit allen -Mitteln gegen die Bolschewiki geführt zu haben, und unumwunden rief -Timofejew aus: „Wir werden nie aufhören, euch zu bekämpfen, wir stehen -zu unseren Taten.“ - -So erweiterte sich das Tribunal über den Gerichtshof hinaus, so -vollendete sich in diesem Saale das Schicksal der russischen Revolution. -Der Prozeß war der dramatisch bewegte Schlußakt des Bürgerkrieges in -Rußland. Über zwei Monate zogen sich die Redeschlachten hin, die -Angeklagten genossen vollste Redefreiheit, manche ergingen sich in -stundenlangen Ausführungen, nie wurde einem Redner das Wort entzogen, -zuweilen kam es zu Beifallsäußerungen im Saale, die der Vorsitzende -ruhig aber bestimmt rügte. Die gewandtesten Sprecher Rußlands lieferten -sich Gefechte. Nie wurden Ankläger oder Vorsitzende im Ton kleinlich und -gehässig; nirgends hat man in einem bürgerlichen Staate erlebt, daß -Angeklagte so menschlich, so unpersönlich behandelt wurden. Die S.R. -haben diesen Prozeß selbst verlangt, sie fürchteten sich nicht vor dem -Ende an der Mauer; als die ausländischen Verteidiger ihnen im Gefängnis -eröffneten, daß man Garantien besitze, die Todesstrafe würde nicht -verhängt werden, lächelten sie – darauf komme es nicht an, viel mehr -liege ihnen daran, sprechen zu dürfen. Da ihre Partei zerschlagen, ihre -Presse verboten war, bot sich jetzt die einzige Möglichkeit, noch einmal -für die alten demokratischen Ideen, für das Ideal der Volksgemeinschaft -zu werben – in aller Öffentlichkeit. - -Die Bolschewiki haben diesen Prozeß in aller Öffentlichkeit geführt vor -dem Angesicht Europas, um die S.R. in ihrer Stellung zur arbeitenden -Klasse zu entlarven. Sie luden den greisen Anatole France nach Moskau -ein, sie brauchten seine Skepsis nicht zu scheuen. Anatole France ist -nicht gekommen. - -Damals begannen die Wellen der Revolution zu verebben, der Faszismus -blühte in Deutschland, die Möglichkeit der Weltrevolution rückte in die -Ferne, die Wirtschaftspolitik Rußlands mußte jene neue Richtung -erfahren, die unter dem Namen NEP bekannt geworden ist. Der Staat war -bemüht, unter allen Umständen den Wirtschaftsapparat fest in der Hand zu -behalten, der Privatwirtschaft und dem Auslandskapital nur die -notwendigsten Zugeständnisse zu machen. So kam es darauf an, diesen -Unterschied zwischen dem Staatssozialismus der Bolschewiki und dem -Wirtschaftsanarchismus der S.R. zu unterstreichen. Und jede Anklage -gegen die S.R. bedeutete zugleich eine Verteidigung des eigenen Systems. -Hatten die S.R. mit ihren Methoden die Arbeiter und Bauern zugunsten der -Besitzenden preisgegeben, so versuchten die Bolschewiki alle -Konzessionen nur im Interesse der Arbeiter und Bauern zu machen. -Zentralisation hier, und Dezentralisation dort. Den Arbeitern der Welt -sollte gezeigt werden, wie sich die S.R. so völlig im Gegensatz zu den -Bolschewiki den imperialistischen Mächten angeboten hatten. Die -unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat sollten -aufgezeigt werden, und überall bemühte man sich, den Charakter der S.R. -zu enthüllen, die einen Volksstaat, aber keinen proletarischen Staat zu -errichten gedachten. Der Prozeß war eine in der Weltgeschichte unerhörte -Demonstration aggressiven Charakters gegen die Parteien der Erde, die -versuchten, Gegensätze zu überbrücken, statt zu verschärfen. Der Beweis -sollte erbracht werden, daß die S.R. Außenseiter der neuen -Gesellschaftsordnung waren. Und so läßt sich bei der Eröffnung -internationaler Perspektiven das Erscheinen deutscher und belgischer -Advokaten vor dem Tribunal erklären: Vandervelde, Liebknecht, Wauters, -Rosenfeld. Man empfing sie höhnisch beim Betreten des sowjetrussischen -Gebietes, Moskauer Arbeiter pfiffen sie bei ihrer Ankunft aus, und im -großen Demonstrationszug sah man die Karikaturen dieser Männer, die als -Politiker aus einer verlorenen Sache eine Sache der Märtyrer zu machen -gedachten und davonliefen, als man ihnen nicht zugestehen wollte, daß -ihre Stenogramme offiziellen Charakter trügen. Vandervelde offenbarte -sein völliges Mißverständnis für die proletarische Struktur des -russischen Staates, als er die belgische Justiz rühmte – höhnisch rief -man ihm, dem „Proletarierführer“, zu: Minister Seiner Majestät. War er -nicht noch im Kriege sogar als Beauftragter dieses Königs erschienen, um -dem Zaren seine Reverenz zu machen und auf russische Arbeiterführer im -Sinne des „Durchhaltens“ einzuwirken? Der Name „Liebknecht“ hatte unter -den russischen Arbeitern besonderen Klang, in jeder Stadt geht man heute -durch eine „Karl-Liebknecht-Straße“ – nun erschien der Bruder des -ermordeten Karl, um Männer zu verteidigen, die angeklagt waren, auf -Lenin, Trotzki, Sinowjew Attentate geplant, Wolodarski ermordet zu -haben! Die Masse des russischen Proletariats war in ihrem tiefsten -Innern aufgewühlt – sie fühlte sich selbst zum Richter über Männer -berufen, die ihre eigensten Interessen gefährdet hatten. So waren -Angeklagten- und Verteidigerbänke nicht mehr zu trennen, Verteidiger -wurden zu Angeklagten. Sie konnten nicht anders entrinnen als durch -Einsprüche gegen formale Verletzungen, endlich durch die Flucht. - - * * * * * - -Die erste Gruppe der Angeklagten hat in diesen Monaten kein eigentliches -Geständnis gemacht; ihre Taktik lief stets darauf hinaus, durch den -Angriff die Anklagen zu parieren, dabei verwickelten sie sich ständig in -Widersprüche; ihre Lage war um so gefährdeter, da die Werkzeuge der -Methoden ihrer Politik sich gegen sie wandten. Sie gaben zu, den -Junkeraufstand organisiert und Truppen in Marsch von Gatschina gegen -Petrograd gesetzt zu haben, sie konnten nicht leugnen, mit den -Militärmissionen in Verbindung gestanden zu haben, sie vermochten -natürlich nicht ihre Teilnahme an der Konstituante von Samara zu -bestreiten. Ihre ganze Haltung gegen die Sowjets versuchten sie ja -gerade durch ihr Festhalten an der Konstituante, an den -parlamentarischen Regierungsformen zu erklären; damit wurde das ganze -Problem „Demokratie“ und „Diktatur“ aufgeworfen; alle ihre Schritte -begründeten sie mit diesem Kampf für die Konstituante, jenes Parlament, -das nur einen einzigen Tag zusammentreten durfte, in dem die S.R. die -Mehrheit hatten, deren Präsident Tschernow gewesen war. Die Wahlen zur -Konstituante waren monatelang verzögert worden; die „Provisorische -Regierung“ ist eigentlich nur eine Art Direktorium gewesen; niemand -wünschte den Zusammentritt des Parlamentes, das die Schwierigkeiten nur -noch erhöhen konnte. Erst als die Sowjets die Macht an sich gerissen -hatten, versuchten die S.R. _ihre_ Konstituante auszuspielen, zu ihrem -Schutz bewaffnete Demonstrationen zu veranstalten. Aber Zeugen, -Mitglieder der S.R., bekundeten, daß sich niemand fand, der für die -Konstituante sein Leben eingesetzt hatte, die militärischen -Organisationen versagten völlig – und in der späten Abendstunde des 5. -Januar 1918 genügte die Aufforderung eines einzigen Mannes, eines -Matrosen: die Konstituante wurde aufgelöst – „Alle Macht den Räten“ – -den unmittelbar aus den Betrieben hervorgegangenen Deputierten. - -Der II. Rätekongreß hatte bereits drei Tage nach der Machtergreifung -durch die bolschewistische Partei die neue Regierung bestätigt; man war -sich des rein proletarischen Charakters dieser Regierung bewußt, vor -allem aber ihrer radikalen Einstellung gegen die Bourgeoisie in allen -ihren Schattierungen. Die S.R.P. befand sich in völliger Auflösung und -Verwirrung; ihre Führer versuchten sich sofort einiger Regimenter zu -versichern; aber Gotz wurde ausgelacht, Tschernow hatte den Kopf -verloren, Kerenski zog sich um und verschwand bei Nacht und Nebel. In -dieser verzweifelten Lage knüpfte Gotz sofort Verbindungen mit -bürgerlichen Organisationen an, aber vergebens brachte man bewaffnete -Organisationen zusammen, – es existierten nur noch Stäbe ohne Soldaten. -In Petrograd schlugen sich die Junker tapfer zwei Tage lang – Gotz -leugnet nicht, als Mitglied eines Militärstabes gemeinsam mit -bürgerlichen Elementen diese Revolte der jungen Bourgeoisie organisiert -zu haben. Er muß zugeben, daß auf der Seite der Junker keine Arbeiter -gekämpft haben; für das Tribunal war diese Gemeinschaft der Führer der -S.R. mit Vertretern der Bourgeoisie von entscheidender Bedeutung. Und -mit derselben Genugtuung wurde festgestellt, daß sich an den Umzügen für -die Konstituante in der Mehrheit Damen und Herren, aber fast keine -Arbeiter beteiligt hatten. - -Damals saßen noch in Rußland die Botschafter und Militärmissionen der -Entente, denen über Nacht die Aufgabe erwuchs, die Interessen jener -Kapitalisten wahrzunehmen, die große Kapitalien in der russischen -Industrie angelegt hatten. Der Sturz der Kerenskiregierung hatte die -Entente eines Bundesgenossen beraubt, der zwar nicht mehr imstande -schien, der deutschen Front einen entscheidenden Schlag zu versetzen, -aber mindestens zahlreiche Kräfte zu fesseln vermochte, die eine -Offensive der Deutschen im Westen unmöglich machten. Die Botschafter -hatten bereits längst den Zusammenbruch Rußlands vorausgesehen; die -Entente war ferner unzweifelhaft nicht imstande, Rußland mit -Kriegsmaterial so ausreichend zu versorgen, um weiter als ernstlicher -Gegner Deutschlands in Betracht zu kommen. Es mußte der Entente nach dem -Zusammenbruch der russischen Front vor allem daran gelegen sein, vor der -sozialen Revolution zu retten, was nur irgend möglich war. Paléologue -hat bereits seit dem Kriegsausbruch argwöhnisch die Arbeiterbewegung -beobachtet und verzweifelt die Mißerfolge der Kerenskiregierung -verfolgt. Ungeheure Kapitalien waren in der russischen Industrie -fundiert. Die Nationalisierung der Betriebe war vor allem ein Schlag -gegen das ausländische Kapital. Notwendig mußte sich bei solcher Lage -ein enges Bündnis zwischen allen besitzenden Schichten und den -Ententevertretern ergeben. Und die Demokratie, die das Eigentum -unbedingt anerkannte und die Freiheit des Individuums postulierte, mußte -die Staatsform sein, zu der sich diese Koalition bekannte. In den S.R. -sah man dank ihres moralischen Einflusses auf breite Massen die -geeigneten Männer, einer solchen Politik Dienste zu leisten. - - * * * * * - -Am achten Verhandlungstage erschien vor dem Obersten Tribunal ein -merkwürdiger, schwarzgekleideter Mann mit hagerem, hartem -Gesichtsausdruck, dunklen, unbeweglichen, unerbittlichen Augen; seine -Sprache verriet französischen Akzent, seine Aussagen erfolgten mit -großer Bestimmtheit und Energie. Der Mann erinnerte eher an einen -strengen Asketen einer mittelalterlichen Sekte, er hatte etwas -Mönchisches in seiner kalten Unnahbarkeit und Geschlossenheit. - -Es war der ehemalige Offizier der französischen Republik – Pierre -Pascal, der vor dem Tribunal die Beziehungen zwischen den -Ententevertretern und der sozialrevolutionären Partei schilderte. - -Pascal war an der Westfront verwundet worden, da er nicht mehr -felddiensttauglich war, wurde er der französischen Militärmission in -Rußland überwiesen. Beim Ausbruch der Oktoberrevolution sympathisierte -Pascal mit den Bolschewiki; als die Militärmission Rußland verlassen -mußte, blieb Pascal zurück und arbeitete für die russische -kommunistische Partei. Er war ein Kamerad jenes Hauptmanns Sadoul, der -im Frühjahr 1925 vom Kriegsgericht zu Orleans wegen Hochverrat -freigesprochen wurde. - -In seinen Aussagen erklärte Pascal: - -„Als Angestellter der französischen Mission hatte ich verschiedene -Arbeiten zu verrichten. Eine Zeit lang wurde ich mit der Dechiffrierung -und mit der Redaktion der für die Kommandanten der Mission, die Generäle -Lavergne und Niessel bestimmten Berichte betraut. _Die französische -militärische Mission unterhielt ständig enge Verbindung mit den S.R._ -Das Ziel der Tätigkeit der französischen Mission in der Periode vom -Oktoberumsturz bis zum Brest-Litowsker Frieden war, Rußland zu _zerlegen -und zu schwächen_. - -Zum Zwecke der politischen Schwächung teilten die Verbündeten Rußland in -Einflußsphären. Frankreich wurde der Süden zugeteilt, die Krim und ein -Teil des Kaukasus inbegriffen. Der andere Teil des Kaukasus kam in die -englische Einflußsphäre. Repräsentant des Einflusses in der südlichen, -Frankreich zugeteilten Sphäre war General Berthelot, der sich damals in -Rumänien befand. Zum Zwecke der wirtschaftlichen Schwächung Rußlands hat -Frankreich damals die Streiks unterstützt, besonders den Streik der -Staatsangestellten und Beamten. Außerordentliche Aufmerksamkeit hat es -dem Streik im Kommissariat für die Volksernährung gewidmet. „_Dieser -Streik_,“ erklärte der Chef der Mission, „_wird eine große Bedeutung_ -haben.“ Die Streikenden vernichteten alle Vorräte. Moskau blieb ohne -Zufuhr von Nahrungsmitteln. Das Geld für die Streikenden gaben die -Banken, besonders die _Russisch-Asiatische Bank_, die ganz unter dem -Einfluß der französischen Mission stand. - -Die politische Arbeit der französischen Mission leitete der französische -Gesandte Noulens. Er hielt sich damals in Wologda auf, wo er den _Stab -der Konterrevolution_ schuf. Dort wurde ein genauer Plan einer -bewaffneten Eroberung von Sowjetrußland ausgearbeitet. Es wurde -beschlossen, die Basis für den späteren Aufmarsch der Konterrevolution -an verschiedenen Punkten der Peripherie Sowjetrußlands zu schaffen. -Tschechoslowakische, elsässische, serbische, polnische Legionen wurden -organisiert. Im Interesse der konterrevolutionären Arbeit wurden in die -größeren Städte Rußlands legale französische Konsuln geschickt. Die -Aufstände der Tschechoslowaken und in Jaroslaw wurden unter der aktiven -und unmittelbaren Teilnahme der französischen militärischen Mission und -des gewesenen französischen Gesandten Noulens entfacht. - -Nach dem Aufstand der Tschechoslowaken entfaltete die französische -Mission eine noch lebhaftere Tätigkeit. Es wurde ein Plan ausgearbeitet, -Moskau in einem engen Kreise zu umzingeln. Man beschloß, Jaroslaw, -Nishnij-Nowgorod, Tambow und andere im Kreise um Moskau liegende Städte -zu besetzen. Ziel dieser Umzingelung war, Moskau und Zentralrußland zu -isolieren, die Zufuhr der Nahrungsmittel zu verhindern und in der -Hauptstadt Hungersnot hervorzurufen. Aus diesem Grunde wurden die -Aufstände in Jaroslaw, Tambow und anderen Städten angezettelt. - -Als die Aktion der Tschechoslowaken und der Aufstand in den Provinzen -nicht zum Erfolg führten, ging die französische Mission zu einer anderen -Art von Tätigkeit über. Ich _selbst habe ein chiffriertes Telegramm -gelesen, in dem über Terror gesprochen wurde. Ich kann bestimmt sagen, -die französische Mission hat sich mit Aufforderungen zum Terror befaßt. -Sie hat darauf spekuliert, der Terror werde blutige Repressalien_ der -Sowjetregierung hervorrufen. Die _Repressalien_ würden die Empörung -_wecken und so die Zahl_ der Gegner der Sowjetregierung vermehren. Als -ich am _zweiten_ Tag nach dem _Attentat auf Lenin_ in die Mission kam, -hat mich der Chef der Mission, Lavergne, mit der Frage empfangen: „Haben -Sie gelesen, was sie über uns schreiben? Als ob wir an dem Attentat an -Lenin beteiligt wären ...“ Als ich schwieg, sagte General Lavergne: „Ich -weiß nicht, wie weit Lockart (der ehemalige englische Gesandte in -Moskau) beteiligt ist; _ich_ bin nicht beteiligt.“ Dies sagte er so, daß -ich den Eindruck hatte, _General Lavergne müsse_ an dem _Attentat_ -beteiligt sein.“ - -Auf die Frage des Verteidigers Murawjew, welche politischen Ziele die -französische Mission verfolgt habe, ob sie die Sowjets stürzen wollte -oder für den Kampf mit Deutschland zu gewinnen suchte, antwortete -Pascal: „Meiner Ansicht nach war das letzte, eigentliche Ziel der -französischen Regierung, die Regierung der Sowjets zu stürzen.“ - -„Was waren die Pläne der französischen Mission?“ fragte Krylenko den -Zeugen. - -„Die Sowjetmacht zu stürzen. Zuerst scheinbar eine Koalitionsregierung -zu bilden, dann aber sich von den sozialistischen Elementen zu befreien, -und eine Kadettenregierung zu bilden.“ - -„Wie war das Verhältnis der französischen Mission zu den russischen -Arbeitermassen?“ ... „Das verächtlichste!“ erwiderte Pascal. - -„Glauben Sie, daß die französische Mission eine Partei unterstützt -hätte, die den Sturz der Sowjetmacht nicht anstrebte?“ - -„Noulens hätte es nicht getan,“ erwiderte Pascal kurz und mit Nachdruck. - -„Wie war das persönliche Verhältnis Noulens’ zu den Russen?“ „Ich wies -darauf schon hin, daß alle, angefangen vom Chef der Mission, bis zum -letzten französischen Offizier, von den Russen mit der größten -Verachtung sprachen ...“ – Eines Tages kehrte Pascal im Zuge mit Noulens -nach Moskau zurück. Der Zufall wollte es, daß er mit einem russischen -Soldaten in einem Wagen übernachten mußte. Als Noulens davon Kenntnis -erhielt, sprach er seine Mißbilligung darüber aus, daß Pascal mit einem -Bolschewiken zusammen war. Pascal bemerkte, es wäre kein „Bolschewik“, -sondern ein gewöhnlicher russischer Soldat. Darauf erwiderte Noulens: -„Ganz egal, ich will nicht, daß ein Russe in meinem Zuge übernachtet.“ - -Der Verteidiger Schubin interessiert sich für die Frage: Wie hätte sich -die französische Regierung zu einem Kriege der Sowjetmacht gegen -Deutschland verhalten. - -Pascal erwidert: - -„Der Haß der französischen Regierung gegen die Bolschewiki war so groß, -daß sie kaum die ruhige Existenz dieser Macht zugelassen haben würde.“ - -„Wurde die östliche Front letzten Endes doch geschaffen?“ fragten den -Zeugen die Verteidiger der zweiten Gruppe der Angeklagten. - -„Ja, es wurde eine antisowjetistische, aber nicht eine antideutsche -Front gebildet,“ erwidert Pascal. - -Krylenko kommt auf die Frage der Subventionen der verschiedenen -antisowjetistischen Organisationen durch die französische Mission zu -sprechen. - -Pascal erklärte, daß alle diese Organisationen der Sowjetmacht feindlich -gesinnt waren und aus französischen Staatsmitteln unterstützt wurden. -Der Sekretär Petit habe Pascal selbst mitgeteilt, welche Gruppen von den -Franzosen Gelder empfingen. - -Der Verteidiger Tager ersucht Pascal, auszusagen, welche terroristischen -Akte die S.R. mit moralischer Billigung der Entente zur Ausführung -gebracht hätten. Pascal weist auf die Verwundung Lenins, den Mord -Wolodarskis hin. - -Die Aussagen Pascals machten einen sehr starken Eindruck, der noch durch -Aussagen anderer Franzosen verstärkt wurde. - -_Frossard_, der Sekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs wurde -drei Stunden lang über die Beziehungen der französischen Regierung zu -sowjetfeindlichen Organisationen vernommen. Seine Aussage ergab: Die -Politik der französischen Regierung baute sich von 1917 bis 1922 auf -ununterbrochenen Interventionen auf. Die französische Regierung dachte -nicht daran, die Macht in Rußland einer _sozialistischen Regierung zu -übergeben, denn sie betrachtete als feste Regierungsform für Rußland die -konstitutionelle Monarchie und unterstützte alle auf einen Sturz der -Bolschewisten zielenden Versuche, gleichviel, von wem sie ausgingen_. -Die Ententebotschafter hätten alle Mittel aufgeboten, den -konterrevolutionären Versuchen im Innern des Landes Vorschub geleistet -und Anschläge gegen einzelne Vertreter der Sowjetmacht angestiftet. -Diese Aktionen haben der französischen Republik monatlich 50 Millionen -Francs gekostet; die Gesamtkosten aller Interventionen kamen dem -französischen Volke auf etwa 1 Milliarde Francs zu stehen. - -Der Angeklagte _Timofejew_ bemüht sich, den Beweis zu führen, die S.R. -wären Gegner jeder Intervention gewesen. Aber kann er bestreiten, daß -die Tschechoslowaken von französischen und englischen Offizieren geführt -wurden und als Elitetruppe der Regierung von Samara galten? daß die S.R. -im Wolgagebiet gemeinsam mit diesen Truppen gekämpft haben? Kann er -bestreiten, daß er selbst Verhandlungen mit der Entente geführt hat? -Krylenko legt ihm Dokumente vor, aus denen das engste Einvernehmen der -S.R. mit den Ententetruppen im Murmangebiet erhellt, die Entente hat -dort sogar ohne jeden russischen Einfluß völlig selbständig operiert; es -gab ein alliiertes Oberkommando, von dem die S.R. Vertreter Befehle -empfingen! Timofjejew versucht noch einmal einzuwenden, es habe sich nur -um die Wiederaufrichtung der Front gegen das imperialistische -Deutschland gehandelt – noch einmal greift Pascal ein und wiederholt -seine Aussagen über die Einstellung der Entente zur Sowjetregierung – es -kam in erster Linie darauf an, die Diktatur des Proletariats zu stürzen -und der kapitalistischen Ordnung zur Macht zu verhelfen. Das war der -ganze Sinn des Kampfes gegen die Sowjets. - -Einige Tage später eröffnete _René Marchand_ dieselben Perspektiven; er -kann konkrete Angaben über die direkten Beziehungen der Ententemissionen -zu den S.R. machen. _In seiner Gegenwart erhielt das Mitglied der -Mission, Ehrlich, 50000 Rubel für die S.R. von der Mission. Über andere -Anweisungen der Mission habe er noch vom Kassierer der Mission erfahren. -Nach Abfahrt der französischen Mission wurden die Gelder für -Unterstützung der S.R. dem dänischen Konsulat übergeben, mit dem der -S.R. Elias Minor in Verbindung gestanden habe._ - -Der ehemalige Kriegsminister _Werchowski_ bestätigt die Gelderhergabe -der Entente an weißgardistische Organisationen, der Name eines Generals -_Suwarow_ taucht auf, der von der französischen Mission Gelder empfing -und an Organisationen weiterleitete. Dieser Suwarow war Mitglied eines -Militärstabes, dem Vertreter verschiedener bürgerlicher Parteien -angehörten; aber auch der S.R. _Gotz_ war Mitglied des Stabes; er -bestreitet es nicht. - -Die Aussagen dieser Zeugen haben im Frühjahr 1925 in Orleans eine -Bestätigung durch den _Major Laurent_ erfahren, dessen Name bereits im -Moskauer Prozeß aufgetaucht war: René Marchand hatte ausgesagt, daß -dieser Laurent mit den S.R. verhandelt hätte, um militärische -Organisationen vorzubereiten, man hatte besonders lange darüber beraten, -wie man S.R. in die Rote Armee als Kommandeure einschmuggelte. - -Laurent ist in Orleans persönlich erschienen und erklärte unter seinem -Eid vor dem bürgerlichen Gericht, daß man terroristische Akte gegen die -Führer der Sowjets nicht nur moralisch gebilligt, sondern selbst solche -Attentate gegen Trotzki und andere Führer der Sowjetrepublik geplant -hätte ... - -Man hat immer versucht, die Beziehungen der S.R. zur Entente zu -verschleiern, Semjonow, der vor Gericht keineswegs im Mittelpunkt stand, -wurde als einziger Zeuge dargestellt; da er den S.R. den Rücken gewandt -und ihre Machenschaften preisgegeben hatte, war es ein leichtes, ihn als -Provokateur hinzustellen. Aber dabei verschwieg man, daß dieser Semjonow -immer eine große Rolle in den Kampforganisationen gespielt hatte und auf -dem Parteitag der S.R. zum führenden Mitglied des Stabes der -Kampforganisation der S.R. ernannt worden war; er hatte nie eine geringe -Rolle gespielt; ihm war die gesamte terroristische Tätigkeit in den -Reihen der Sowjettruppen anvertraut, als die Samararegierung auf allen -Fronten gegen Moskau vorrückte. Semjonow hatte sein Leben in die Schanze -geschlagen. Vor Gericht erblickte man einen mittelgroßen, etwas -schmächtigen Mann von einigen 30 Jahren, er erinnerte eher an einen -Menschen, der aus einem Bureau kam, als an einen Terroristen; hellblond, -bleich, immer etwas übernächtigt, offenbar schwer in innere Kämpfe -verstrickt, äußerst nervös, nur während seiner Aussagen stets -gleichmütig, ganz ohne jede Pose – war er in diesen Verhandlungen am -meisten exponiert – er – als Renegat – war leicht anzugreifen, dabei -trafen seine eigenen Angriffe immer die wundesten Stellen. Wenn -Schwierigkeiten entstanden, so infolge der Zwiespältigkeit und Halbheit -der S.R. überhaupt; ihr Schwanken und Schillern, ihre Halbheit und -Unschlüssigkeit erschwerte die einfache, klare Feststellung der -Vorgänge. Die S.R. Partei war nie ein festes Gefüge – sie war es erst -recht nicht im Bürgerkriege, in der Zeit der Illegalität. Es konnte sehr -leicht möglich sein, daß die Mitglieder der Zentralkomitees durchaus -nicht derselben Meinung waren, und daß jener billigte, was dieser -verwarf. Es gab eine Instanz, die für alles Geschehen verantwortlich -war: eben das Zentralkomitee – aber es gab im Grunde keine Personen, die -verantwortlich sein wollten – es gab Meinungen von Personen. Und jemand -konnte schon individuell seinem Standpunkt Ausdruck gegeben haben – war -es für die Partei als Ganzes unbequem, so leugnete man später ab. Es gab -keine Führung, kein Programm, niemand gab Direktiven, weil alle sich -berufen fühlten. Semjonow, ein altes Mitglied der Partei, holte sich für -alle seine Unternehmungen die Genehmigung des Z.K. Da er rührig, -umsichtig und verwegen war, schien er wertvoll – man ließ ihn deshalb -gewähren, gab ausweichende Antworten, wollte bestimmte Akte geschehen -lassen und zauderte wieder, sie zu genehmigen. Eine Weile ließ sich das -Spiel der halben Zusage, des Nein-Ja-Sagens schon an; aber als sehr -ernste Taten geschehen waren, und die Mitglieder der Partei verlangten, -die Partei solle zu diesen Taten stehen, wich das Z.K. scheu zurück; der -Mord auf Wolodarski hätte eine Steigerung verlangt – wenn nicht gerade -den offenen Aufstand – so doch die offene Erklärung gegen die -proletarische Regierung – aber da nun die S.R.P. eine Arbeiterpartei -sein wollte, bedeutete solche Erklärung eine Kampfansage ans Proletariat -– Lenin war längst ein den Arbeitern teurer Name, welche Partei, die -auch nur mit der Arbeiterschaft sympathisierte, hätte ein solches -Attentat gutheißen können! Also wich man aus und gab die Täter, die ihr -Leben eingesetzt hatten, preis. Wundert man sich, daß die Täter endlich -das Lager verließen, in dem man ihnen nie den Rücken deckte? Mußten sie -nicht allmählich gewiß sein, daß diese Partei gar nicht wußte, was sie -wollte, wohin ihr Weg führte. Semjonow schreckte zurück, von -bürgerlichen Organisationen Gelder zu empfangen – Donskoi, Mitglied des -Z.K., erklärte höhnisch: „Non olet.“ Eine Weile schien es noch, als -könnten die S.R. eine selbständige Politik treiben; dann aber ballte -sich eine mächtige Front zusammen, die Bürger vor allem erwachten aus -ihrer Betäubung, die Entente bot alle Kräfte auf, ließ alle Minen -springen – die weißen Generale drängten von allen Seiten ins Land, die -S.R. wurden in die zweite Linie gestoßen, den Bürgern, den Generalen, -den fremden Missionen war offenbar, daß die Parolen der S.R. nirgends -mehr verfingen; der Kampf ließ sich nur noch mit brutalsten Mitteln -führen, das Gerede von der Demokratie sollte ein Ende haben, -rücksichtslos schob man alle Kulissen beiseite: auf offener Bühne -erschien der weiße Schrecken; die S.R. verhandelten mit dem -französischen Botschafter Noulens über die Zusammensetzung einer neuen -Regierung im Falle des Sieges der Samarafront. Die S.R. designierten -Tschernow: „Genug von sozialistischen Experimenten. Ich will nichts von -Tschernow wissen,“ erklärte Noulens barsch, damals einer der wahren -Herrn des weißen Rußlands. Die S.R. standen plötzlich verlassen da. Man -mag zur Beleuchtung der Lage die Memoiren weißer Generale nachlesen: sie -strotzen von Verachtung für die S.R. Je heftiger der Bürgerkrieg tobte, -desto geringer wurde der Einfluß der S.R. Sie hätten die Reihen der -Konterrevolution verlassen können – aber nachdem sie sogar eine ganze -Front der „Konstituante“ formiert hatten, war es unmöglich, diesen -Bankrott einzugestehen, ohne – mit blutbefleckten Händen – dem Fluche -der Lächerlichkeit, der Verachtung preisgegeben zu sein. Die Partei als -Ganzes mußte schon weiter vegetieren; aber ihr nie festgefügter Bau -zitterte in allen Gründen – die Mitglieder sprangen ab – so erklärt sich -Semjonows Abfall, seiner Komplizin Konopleva Reue, der anderen Bußgang – -je heftiger der Bürgerkrieg tobte, desto schärfer erkannte der S.R., wer -auf der Barrikade neben ihm stand – nicht der Arbeitsmann aus dem -Betrieb, nicht der Bauer, sondern der weiße Offizier, der Beamte, der -Student. Zu wessen Gunsten sollte Lenin fallen?! - - * * * * * - -Sawinkow hat 1924 in jener aufregenden Nachtsitzung vor dem Tribunal die -grauenhaft erniedrigenden Gefühle geschildert, die er in den Vorzimmern -der Ententeminister empfand. Er schildert sein Entsetzen, als Churchill -auf eine Karte wies und ihm „unser“ Rußland zeigte – diesen Ekel -Sawinkows sollte Semjonow nicht empfunden haben? Oder jener andere -Ignatiew, der auch zur 2. Gruppe der Angeklagten gehörte und sich vor -allem im Gebiete von Archangelsk betätigte?! Ignatiew schilderte, wie -die Ententetruppen im Norden gehaust hatten, Sondergerichte einsetzten, -Stäbe ernannten, denen die Russen untergeordnet waren. Immer wieder -durchtönte dieselbe Melodie dieses Trauerepos: wir wurden verächtlich -behandelt, man benutzte uns, die Besetzung von Archangelsk erfolgte nur -im Interesse der großindustriellen Machthaber. Ignatiew schilderte die -Taten der Weißen – immer waren die Arbeiter nur die Opfer, immer -richtete sich alles gegen das Proletariat. Der Blick auf den Nebenmann -war für den argwöhnischen, schwankenden Beobachter erschütternde -Erkenntnis. - -Da saß unter den Angeklagten der 2. Gruppe ein hellblondes, mittelgroßes -Geschöpf – Lydia Konoplewa; erinnerte an ein Bauernmädchen, das sich -„hochgearbeitet“ hatte, vielleicht Lehrerin geworden war (die -kleinbürgerliche Physiognomie war überhaupt ein auffallendes Merkmal -aller dieser Typen); sie war ein guter Soldat der S.R. geworden, -sicherlich ohne eigene Gedankenwelt, aber vom festen Willen erfüllt, für -die Unterdrückten zu kämpfen; verwegen, erfinderisch, losgerissen von -jeder Tradition und den Formen der alten Gesellschaft, bereit, ihr Leben -zu opfern. Für sie hatte die Haltlosigkeit der S.R. die größte -Enttäuschung bedeutet; von ihr existiert ein Brief an Tschernow, in dem -sie sich auf Unterredungen mit ihm beruft, in deren Verlauf er sich -entrüstet über die ausweichende Haltung ihrer Auftraggeber ausgesprochen -und den Terror gebilligt habe. Aus dem Briefe spricht das Gefühl der -tief enttäuschten, verlassenen Kreatur, die man noch obendrein verhöhnt, -weil sie den Rückweg in die Gesellschaft, diesmal in die Gemeinschaft -des Proletariats, zurückfinden wollte. Diese Angeklagten der II. Gruppe -wollten keine Außenseiter sein, sie sind nicht die Führer der Partei -gewesen, vielleicht wird man sagen, sie hätten deshalb nicht draußen -bleiben können; aber sie waren irregeleitete, ausgenützte Geschöpfe – -sollten sie, da sie Reue empfanden und bekannten, die neue proletarische -Gemeinschaft nicht aufnehmen, gegen die sie ehedem die Hand erhoben -hatten, die jäh herniederfiel, als plötzlich die Erkenntnis zuckte: -_für_ wen erhebe ich die Hand?! - -Die wahren S.R., die Führer der Partei, die Offiziere und Auftraggeber -kämpften noch vor dem Tribunal um diese isolierte Partei als um ein -Ganzes. Ein tragischer Schatten huschte zuweilen über ihr Geschick. Ihre -Anhänger im Lande hatten sie längst verlassen. Die Ruinen von Jaroslaw -waren ein furchtbares Memento. Die S.R. hatten die Macht gehabt, und die -Probe nicht bestanden. Die Bolschewiki hatten in vielen Stücken ihr -Programm ausgeführt – das warf man ihnen vor – „ihr habt uns bestohlen“. -Aber die Bolschewiki hatten es ausgeführt. - -Die Führer kämpften vor dem Angesicht Europas; sie wichen in die weiten -Wüsteneien ihrer Zersplitterung und Haltlosigkeit zurück, wenn man sie -festhalten wollte; im Grunde waren sie echte Russen, wahre -Kutosowrussen, aber 1812 hat diese Methode des Ausweichens Rußland -gerettet; die Leute, die sich jetzt ins Weite verloren, gaben ihre -Partei preis, ihren ganzen Kampf um die Demokratie. Sie verwickelten -sich in unlösbare Widersprüche: sie waren gegen Interventionen, aber sie -waren überall mit den intervenierenden Mächten verbunden, sie waren -gegen die Bourgeoisie, aber sie standen mit bürgerlichen Organisationen -in engster Verbindung und empfingen sogar Gelder von ihnen, sie wollten -die Front gegen Deutschland errichten, aber sie waren bereit, Boten ins -deutsche Hauptquartier zu senden, sie scheuten den Terror, aber sie -haben in ihren Zeitungen nach geschehener Tat gejubelt, sie wollten -verhindern, daß Geld an Deutschland abgeliefert würde, aber sie wollten -den Zug unbewacht stehen lassen, wenn die Sprengung geschehen war ... -Sie wollten eine Partei der Arbeiter sein, aber nach der -Oktoberrevolution organisierten sie zuerst eine Erhebung der -Offiziersschüler. Sie waren nicht gegen die Sowjets, aber für die -Konstituante, sie hatten den Zusammentritt der Konstituante nicht -beschleunigt, obschon sie es vermocht hätten; aber sie erhoben die -Konstituante zum unantastbaren Heiligtum, nachdem die Konstituante -längst nicht mehr dem Willen des Volkes entsprach. Man fand einen Brief -von Gotz, in dem es von dunklen Anspielungen wimmelte; u. a. kam auch -der bekannte Satz, der alte Wahrspruch der S.R.P., vor: „Im Kampf wirst -du dein Recht erwerben!“ Wundert man sich, wenn Gotz umwunden erklärte, -dieser Ausdruck beziehe sich nur auf den Kampf _um_ die Konstituante, -nicht aber um den Kampf _gegen_ die Sowjets?! - -Die Führer versuchten sich durch solche Methoden des Ausweichens zu -retten, aber gerade diese Taktik wurde ihnen zum Verhängnis, um so -kräftiger stieß das Tribunal nach und plötzlich entlarvte sich eine -Partei, die gar kein festes Gefüge, keine straffe Organisation war, -sondern eher wirkte wie ein Schwarm zusammengelaufener ratloser, -verärgerter Menschen. Wie imposant richtete sich im Gegensatz dazu das -eherne Gebäude der bolschewistischen Partei auf! - - * * * * * - -Die Haltung der S.R. zu den terroristischen Akten offenbarte ihre ganze -Schwäche als Partei, die sich vor Gericht zugleich als ihre Stärke -erwies. Niemand hat gezweifelt, und niemand konnte Einspruch erheben, -daß die Attentate auf Lenin, Trotzki und Wolodarski von Mitgliedern der -Partei vorbereitet und ausgeführt waren. Fanny Kaplan, die Lenin schwer -verwundet hatte, war eine Sozialrevolutionärin; Semjonow und die -Mitglieder seiner Kampforganisationen gehörten zur Partei. Der Prozeß -rollte nicht die Frage der Täterschaft auf; sie war längst entschieden. -Dem Tribunal kam es vielmehr darauf an, in den Hintergrund einzudringen, -die Zusammenhänge zwischen den Offizieren und Soldaten festzustellen, -das Z.K. als eine Mordzentrale zu entlarven, die Partei zu überführen, -daß sie zu Attentaten auf Arbeiterführer angestiftet hätte. Bewiesen war -längst, daß die Ententemissionen Attentate auf bolschewistische Führer -moralisch billigten; bewiesen konnte aber nicht werden, daß zwischen den -Missionen und dem Z.K. Verabredungen für bestimmte Attentate bestanden -haben. Möglich ist es schon; gelegen war den Missionen an solchen -Attentaten. Die Führer des Z.K. konnten nicht bestreiten, daß sie um die -Absichten von Attentaten gewußt haben; Semjonow hat sowohl Gotz wie -Donskoi von seinen Plänen benachrichtigt; beide konnten dieser Aussage -nicht widersprechen, sie bestritten energisch, Semjonow ermuntert zu -haben, Gotz will ausdrücklich Semjonow geraten haben „_er möchte noch -mit der Ausführung warten_.“ Aber ein striktes Verbot des individuellen -Terrors seitens der Partei ist _nie_ ergangen, nach vollbrachter Tat -rückte das Z.K. öffentlich von den Tätern ab, aber in Gebieten, wo die -Bolschewiki nicht die Macht besaßen, jubelte die Presse der S.R. auf. -Eine moralische Verurteilung der Täter seitens der Partei ist _nie_ -erfolgt, geschweige daß man die Täter etwa ausgeschlossen hätte. Als -Wolodarski ermordet wurde, spielte sich folgende merkwürdige Szene ab, -die Tschernow in einer Emigrantenzeitung geschildert hat: - -„Das Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre S. M. Postnikow hat mir -über diesen Fall wörtlich folgendes mitgeteilt: - -„Der Mord an Wolodarski erfolgte in der Hitze der Wahlkampagne zum -Petrograder Sowjet. Plötzlich kommt die unerwartete Nachricht: -Wolodarski durch einen Schuß getötet. Natürlich nutzten die -Bolschewisten dies sofort aus, um die Zeitung zu schließen und durch die -schärfsten Repressalien unsere ganzen Wahlerfolge zu annullieren. Ich -lief sofort zu Gotz und fragte ihn, was los sei. Er antwortete: ein -Arbeiter, seiner Überzeugung nach Sozialrevolutionär, der einen ernsten -Parteiauftrag hatte, war Zeuge, wie das Automobil Wolodarskis eine Panne -erlitt; er konnte sich nicht zurückhalten und schoß auf ihn, da er ihn -für den Urheber der in Petrograd unter dem Regime Sinowjews begangenen -Grausamkeiten hielt. „Wissen Sie, wenn wir in einer anderen Lage wären – -fügte Gotz hinzu, – wie wir dann nach unseren Traditionen verfahren -müßten? Wie man solches eigenmächtiges Handeln an einem Mitglied, das -auf einem ihm anvertrauten revolutionären Posten steht, bestrafen -müßte?“ - -Diese Erklärung Tschernows spielte vor Gericht eine große Rolle. Man -fragte Gotz vergebens, welchen „ernsthaften Parteiauftrag“ hatte dieser -S.R.? Merkwürdig, daß er sich gerade jetzt „nicht zurückhalten“ konnte, -merkwürdig, daß Gotz an der Handlung nur auszusetzen hatte, daß sie -„eigenmächtig“ erfolgte! Und wie seltsam kontrastierte zu diesem -Gespräch die Weisung Gotz’ an Semjonow, man sollte noch warten. Und was -wußte Tschernow zu Semjonows Angaben zu sagen? Sie sind eine ... -„verräterische Denunziation.“ Lydia Konoplewa hat in einem öffentlichen -Brief an Tschernow eine Frage gerichtet, ohne je eine Antwort erhalten -zu haben: - -„Sie stützen sich auf die Erzählung S. P. Postnikows über seine -Unterhaltung mit Gotz nach der Ermordung Wolodarskis: „Ich lief sofort -zu A. R. Gotz und fragte ihn, was los sei. Er antwortete: ein Arbeiter, -Sozialrevolutionär seiner Überzeugung nach, der einen wichtigen -Parteiauftrag hatte, war Zeuge, wie das Automobil Wolodarskis eine Panne -erlitt –, er konnte sich nicht zurückhalten und schoß auf ihn ...“ - -Halten Sie es nicht für möglich, Viktor Michailowitsch, daß Gotz die -Wahrheit vor Postnikow verbarg, wie sie den meisten Mitgliedern der -Partei der Sozialrevolutionäre verborgen blieb? – Postnikow hatte, wie -Sie selbst wissen müssen, nicht die geringste Beziehung zur -militärischen Arbeit und der Kampfarbeit in der damaligen Zeit. - -Doch selbst diese so zweifelhafte „Zeugenaussage“ brauchen Sie nicht -vorsichtig genug. - -Was ist das für ein „ernster Parteiauftrag“, den Sergejew hatte? – Es -ist etwas seltsam, daß das mit „einem ernsten Parteiauftrag“ versehene -Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre sich gerade in diesem -günstigen Augenblick in der Nähe Wolodarskis befand und überdies noch -mit einem Revolver und einer Handgranate in der Hand.“ - -Im Prozeß wiederholte Semjonow sein Bekenntnis in der Broschüre: er habe -sich Mitte Mai 1918 an _Donskoi_ gewandt und ihm den Vorschlag gemacht, -zu terroristischen Aktionen überzugehen. _Donskoi freute sich über -diesen Vorschlag_ sehr. Bald darauf traf Semjonow auch mit Gotz -zusammen, mit dem er eine Unterredung über die Organisierung -terroristischer Aktionen hatte. _Gotz wies darauf hin_, daß in erster -Linie gegen _Sinowjew und Wolodarski Attentate verübt werden_ müßten. -_Nachdem er die Zustimmung des Zentralkomitees_ erhalten hatte, begann -Semjonow mit der Organisierung einer „Kampfabteilung“, die die geplanten -Attentate verüben sollte. Die Beobachtung Sinowjews und Wolodarskis -wurde der Iwanowa übertragen. Sie stellte fest, daß es am leichtesten -wäre, auf Wolodarski ein Attentat zu verüben, der häufig Meetings zu -besuchen pflegte. Als Tatort wurde der zu der Obuchowschen Fabrik -führende Weg, den Wolodarski mit dem Auto öfters passierte, ausersehen. -Als die Vorbereitungen zur Ermordung Wolodarskis getroffen waren, -erstattete Semjonow dann Gotz Bericht. Gotz gab jedoch Semjonow den Rat, -mit der Ausführung seines Vorhabens zu warten. Dies fand Semjonow sehr -merkwürdig, da sich das _Zentralkomitee der Partei der S.R. doch bereits -prinzipiell mit dem Attentat auf Wolodarski einverstanden erklärt -hatte_. Am nächsten Tage begab sich Sergejew an den Tatort, um sich zu -überzeugen, wie dieser von dem Auto Wolodarskis passiert werde. Von -seinem Wagen aus fragte Sergejew den Semjonow noch, wie er sich zu -verhalten habe, wenn die Gelegenheit günstig sei, um auf Wolodarski zu -schießen. _Semjonow antwortete_, daß in solchem Falle eben gehandelt -werden müsse. Zufällig blieb das Auto Wolodarskis nicht weit von dem als -Tatort ausersehenen Platze stehen. Wolodarski verließ sein Automobil und -ging Sergejew entgegen, der mehrere Schüsse auf Wolodarski abgab und ihn -tötete. Es gelang Sergejew zu entfliehen. Am Abend des gleichen Tages -begab er sich in die Wohnung Semjonows, wo er Unterkunft fand. 2 bis 3 -Tage blieb Sergejew in Petersburg, dann wurde er von Semjonow nach -Moskau geschafft. Am Tage nach der Ermordung Wolodarskis erschien eine -Erklärung des Zentralkomitees der Partei der S.R., die Partei der S.R. -habe mit diesem Morde nichts zu schaffen. Semjonow betonte, daß diese -Erklärung für ihn und die anderen Mitglieder der Kampforganisation ein -furchtbarer Schlag gewesen wäre. Bald darauf erschien der -Bevollmächtigte des Zentralkomitees, Rabinowitsch, der Semjonow -erklärte, er habe kein Recht gehabt, das Attentat zu verüben, er hätte -vielmehr die Einwilligung Gotz’ abwarten müssen. Eine Weile später -machte Rabinowitsch Semjonow den Vorschlag, mit ihm ein Meeting zu -besuchen, und um alle Zweifel Semjonows zu zerstreuen, sagte er ihm, daß -die Sache der Terroraktionen gut stehe, und alle Spuren verwischt seien, -so daß Semjonow ruhig zu dem Meeting gehen könne. - -Kurz nach der Ermordung Wolodarskis hatte Gotz eine Zusammenkunft mit -Semjonow, in deren Verlauf Gotz erklärt haben will, er sei zu seiner -großen Überraschung vor eine vollendete Tatsache gestellt worden. -Vielleicht entspricht diese Angabe von Gotz der Wahrheit; aber fest -steht, daß man Semjonow nicht in die Arme fiel, als er weitere Attentate -organisierte. Gotz gab offen zu, die Ermordung Wolodarskis habe das Z.K. -moralisch gebilligt; man habe nie in Erwägung gezogen, den Attentätern -ihre Parteirechte zu entziehen. So kann man ohne Zweifel resultieren, -daß das Z.K. durch Gotz ausweichende Bescheide gab, die Tat geschehen -wissen, aber sie nicht inspiriert haben wollte. Und als man sah, welche -tiefe Erregung in den breiten Massen der Tod Wolodarskis auslöste, -schreckte man erst recht zurück und veranlaßte die Übersiedlung der -Kampforganisation Semjonow von Petrograd nach Moskau. - -In Moskau hat die Gruppe sofort wieder ihre Tätigkeit aufgenommen. -Diesmal wollte man Lenin selbst treffen. Semjonow hat der Fanny Kaplan -Munition und Gift verschafft, Donskoi wurde von Semjonow informiert; die -Angeklagte Stawskaja bekundet, Donskoi sei über die Vorbereitungen zu -dem Attentat auf Lenin genau unterrichtet gewesen, das Mitglied der Z.K. -Timofjejew machte als Einwand gegen terroristische Akte nur geltend, man -dürfe die Bolschewiki nicht zu Märtyrern machen. Aber hat nicht die -Angeklagte Eugenie Ratner bereits erklärt, die Partei lasse sehr wohl -Terrorakte gegen die Bolschewiki gelten? und stand Eugenie Ratner dem -Z.K. nicht sehr nahe? Und war nicht außer jenem Attentat der Fanny -Kaplan noch ein zweites Attentat auf Lenin geplant gewesen, in das Lydia -Konoplewa verwickelt war, die im Februar 1918 B. N. Rabinowitsch den -Vorschlag machte, W. I. Lenin zu töten. „Ich schlug vor, dies in Form -eines individuellen Aktes auszuführen, um die Partei keinen Repressalien -auszusetzen, hielt es jedoch für notwendig, die prinzipielle Stellung -des Zentralkomitees zu dieser Frage festzustellen. Aus diesem Anlaß -führte ich Unterhandlungen mit dem Mitglied des Zentralkomitees A. R. -Gotz. – Gotz pflichtete mir bei und holte die Meinung des Büros des -Zentralkomitees ein, das sich damals in Moskau befand. Speziell zu -diesem Zweck fuhr Rabinowitsch nach Moskau. Die Sanktion des Büros des -Zentralkomitees für den individuellen Akt wurde erteilt. Außerdem gab -uns das Büro als Führer der terroristischen Gruppe das Mitglied des -Zentralkomitees W. Richter bei.“ - -Aus dem Attentat wurde nichts; Gotz hat selbst später die Vorbereitungen -inhibiert. - - * * * * * - -Ein Attentatsversuch gegen Trotzki mißlang, weil Trotzkis Zug von einem -anderen Bahnhof abfuhr. Die Teilnehmer erzählen von einer merkwürdigen -Nachtwanderung am Eisenbahndamm, und während sämtliche Beteiligte ihr -Vorhaben eingestehen, behauptet die Angeklagte Iwanowa, sie habe die -Bombe in jener Nacht nur mit sich herumgeschleppt, um sie auf die -Wachtmannschaften, nicht aber auf Trotzki zu werfen ... - -_„Die S.R. Partei hatte prinzipiell nichts gegen die Attentate -einzuwenden,“ gestand Timofejew._ Er erzählt, daß Semjonow, von -Gewissensbissen getrieben, bei ihm erschienen wäre und _das Anerbieten -stellte, Koltschak und Denikin zu töten. Und Timofjejew willigte in das -Attentat gegen Koltschak ein. Das Attentat gegen Denikin verbot er, da -Denikin die Konstituante nicht auseinandergejagt hätte und auf dem -Territorium seiner Herrschaft die S.R. Organisationen nicht auflösen -ließ_. - -Im Saale herrschte eine tiefe furchtbare Stille, als Timofjejew diese -Aussage machte. - -„Welche Gewissensbisse haben Semjonow zu diesem Entschluß veranlaßt?“ -fragt Krylenko. - -_„Semjonow hatte das Gefühl, daß er sich mit der Organisation von -Attentaten gegen die Revolution versündigt hat. Semenow fühlte damals -Reue über seine blutigen Taten, die er gegen die Revolution verbrochen -hat,“ antwortete Timofjejew._ - -„Welche Taten meinen Sie?“ fragt Krylenko. - -„_Jene terroristischen Akte im Jahre 1918_,“ lautet die Antwort -Timofjejews. - -„_Sie hatten also Kenntnis von diesen?_“ fragt Krylenko. - -„_Ich hatte von ihnen Kenntnis_,“ antwortet Timofjejew. - -Aber hat es im Z.K. der S.R. eine einheitliche Stellung zum -individuellen Terror gegeben? Die Frage ist nicht geklärt worden. Zwei -ehemalige S.R. sagten als Zeugen über eine Sitzung des Z.K. aus, in der -man sich über die Frage des individuellen Terrors schlüssig werden -wollte. Tschernow und ein großer Teil der Anwesenden habe für den Terror -gestimmt, ein ebenso großer Teil habe ihn verworfen – und zuletzt sei -man auseinandergegangen, ohne einen endgültigen Beschluß gefaßt zu -haben. In diesem ausweichenden, unentschiedenen Verhalten enthüllt sich -der ganze schwankende Charakter der S.R. Fühlten sie eine gewisse Scham, -die Hand gegen Arbeiterführer zu erheben? Wollten sie keine Märtyrer -machen? Mußten sie nicht noch vielmehr jetzt im Prozeß alle Rednerkünste -aufbieten, um die Hintergründe zu verschleiern und sich nicht vor einem -Arbeiterpublikum, im Arbeiterrußland als Arbeitermörder zu bekennen?! Es -spielte sich ein erbitterter Kampf um die Hintergründe, um die -Feststellung der wahren Antreiber zu Meuchelmorden ab. Die S.R. Partei -war empfindlich getroffen, wenn der klare Beweis geführt werden konnte, -daß es eine Mörderzentrale im Z.K. gab. Der klare Beweis ist nicht -erbracht worden. Festgestellt wurden nur die Uneinigkeit im -Zentralkomitee und seine Mitwisserschaft; festgestellt wurden die -moralische Billigung und der Versuch, die Terrorgruppen zu schützen. Und -durch die Aussagen Pascals konnte der Beweis geführt werden, daß die -Mordtaten der S.R. im Lager der Entente Gefühle hoher Befriedigung -auslösten. Man hat nie feststellen können, wie sich die Verhandlungen -zwischen den S.R. und der Ententemissionen in Details abspielten. Den -Unterredungen hat niemand beigewohnt, es existiert kein Stenogramm, kein -Dokument. Aber als Lenin schwer verwundet aufs Lager hingestreckt wurde, -jubelte die S.R. Presse, atmete man in den Missionen auf, und der -französische Offizier Laurent grübelte mit seinen Kumpanen nach: Wie -töten wir Trotzki? ... Draußen vor den Toren Moskaus stand an einer -Eisenbahnbrücke eine hohe weibliche Gestalt: Iwanowa. Das Umschlagtuch -barg eine Bombe. Und die brennenden Augen bohrten sich fiebernd in die -schwüle Nacht: blinkten noch immer nicht die Lichter von Trotzkis Zug? - - * * * * * - -Die Expropriationen und Sprengungen hat man zugegeben. Darüber wurde -nicht lange gestritten. Man gestand, Material von den Franzosen erhalten -zu haben, um Eisenbahnzüge zum Entgleisen zu bringen, Brücken zu -sprengen. Donskoi hat keine Ausflüchte gemacht. Das waren -„Kriegsoperationen“ der Front der Konstituante. Auch die -Expropriationen, die Bestechungen von Beamten, die Einbrüche ins Post- -und Telegraphenamt an der Ecke Twerskaja-Kammerherrengasse, in -staatliche Lebensmittellager gab man zu. Von dem Tode des reichen -Kaufmannes wußte das Z.K. nichts; diese Tat hat Semjonow nicht -berichtet. Es berührt schon merkwürdig, daß man sich nicht über diese -Einbrüche und Diebstähle erregte – es waren Bagatellen – nachdem man als -Mörder entlarvt war. - - * * * * * - -Die Aufstände in Archangelsk, im Murmangebiet, die Errichtung der -Wolgaregierung, der Aufruhr in der Ukraine und alle diese offenen -Kampfhandlungen der S.R. gegen die Sowjets haben nicht so sehr im -Mittelpunkt des Interesses gestanden, wie jene terroristischen -Handlungen. Die Bolschewiki haben den individuellen Terror nie gebilligt -und ihn schon zur Zarenzeit verurteilt. Sie waren dank ihrer -marxistischen Schulung überzeugt, daß der Erfolg der Revolution nur -einer Massenbewegung zu verdanken ist. Und immer hatte sich schon im -Gegensatz zwischen individuellem und Massenterror am auffälligsten der -Unterschied zwischen den beiden Parteien enthüllt. Der individuelle -Terror entsprang nicht nur einer völlig verzweifelten Stimmung und einer -ausgesprochenen persönlichen Einstellung; er konnte nur in Kreisen zum -Prinzip erhoben werden, in denen man davon überzeugt war, daß Menschen, -einzelne Personen die Geschichte machen. Die Bolschewiki wußten, daß -jeder revolutionäre Fortschritt einer Umwälzung der Verhältnisse, der -Produktionsmethoden entspringen muß. Nur Massenbewegungen konnten nach -Ansicht der Bolschewiken zur Eroberung der Macht führen. Die Geschichte -hat ihnen Recht gegeben. Die Oktoberrevolution 1917 ist eine solche -unwiderstehliche Massenbewegung gewesen, der die bolschewistische Partei -Richtung und Ziel gewiesen hat. Und die verzweifelten Aktionen der S.R. -nach der Oktoberrevolution beweisen, wie sehr ihnen die Leitung der -Massen entglitten war. Und wie ungeheuerlich erschienen dem russischen -Arbeiter die terroristischen Akte gegen seine Führer, die niemandem -frommten als dem Großgrundbesitz und dem Großkapital, hinter denen die -Entente als Antreiberin stand. Unzweifelhaft haben nationale Elemente -eine gewisse Rolle gespielt – die bolschewistische Revolution war eine -Umwälzung der ökonomischen Besitzverhältnisse, aber die proletarische -Revolutionsidee verschmolz zugleich mit einem starken nationalen -Selbstbewußtsein – der Arbeiter empfand zum ersten Male, daß er ein -Vaterland hatte – ein Begriff, der für die Vertreter des Kapitals -niemals mehr als eine Kulisse gewesen ist, die man je nach der -Konjunktur hin- und herschob. Die Tätigkeit der S.R. erschien deshalb in -einem noch schlimmeren Lichte, als gegen Ende des Prozesses sich auf den -Tischen des Tribunals Berge von Dokumenten häuften, durch die der Partei -nachgewiesen wurde, daß sie bis tief in die jüngste Zeit hinein sich mit -dem Ausland verbunden hatte, um die Sowjets zu stürzen. Man muß sich in -jene Tage zurückversetzen, in denen Sowjetrußland erst von wenigen -Staaten anerkannt war, von der gesamten Bourgeoisie geächtet war, und -Flutwellen der Verleumdung sich über das Gesicht Rußland ergossen. Auch -Rußland hatte gegen eine Welt von Feinden gekämpft und geblutet, an -allen Fronten des Reiches hatten die Heere der Arbeiter und Bauern die -von den Westmächten, Deutschland und Amerika ausgerüsteten weißen Armeen -aufgehalten; im Innern hatten die S.R. durch ihre terroristischen Akte -die Moral und Widerstandskraft zu schwächen gesucht, Hunger, Not, -Entbehrungen, Kälte, Epidemien suchten das ungeheure Reich heim, das der -imperialistische Krieg schon genug mitgenommen hatte. Die Heere der -Arbeiter und Bauern hatten den Feind nicht nur aufgehalten, sondern -besiegt; der Freiheitskampf dieses Volkes wird vielleicht in seiner -ganzen gewaltigen heroischen Größe erst späteren Geschlechtern offenbar -werden; vielleicht wird man ihm Genugtuung widerfahren lassen. Die Heere -der Fremden und Weißen wurden von expropriierten Kapitalisten vorwärts -gejagt, von den Bankherren der City und Wallstreet, die -keine Möglichkeit mehr sahen, ihre Kapitalien in russischen -Industrieunternehmungen anzulegen – und sehr günstig bei den niedrigen -Löhnen und der relativen Bedürfnislosigkeit der russischen Arbeiter, die -von den Kosaken des Zaren jahrzehntelang immer wieder trotz tapferer -Gegenwehr zur Arbeit getrieben waren. Die Herrschaft des Proletariats in -Rußland bedeutete für das ausländische Kapital die Versperrung von -Ausbeutungsmöglichkeiten, bedeutete den Ausfall Rußlands als Kolonie. -Und da sich dem Expansionsdrang des Kapitals bis zum heutigen Tage in -Rußland unüberwindbare Widerstände entgegensetzen, das Kapital aber auf -Rußland angewiesen ist, erscheint dieser Konflikt unlösbar, so lange der -proletarische Staat besteht. Aus solchem Gegensatz erwächst der -Weltkonflikt der nächsten Jahrzehnte. - -An einem der letzten Prozeßtage wurde dem Angeklagten Timofjejew ein -Dokument mit der Frage: „Kennen Sie diese Unterschrift?“ überreicht. -„Sensinow?“ – „Ja.“ „Und erkennen Sie diese Unterschrift als echt an?“ -Der Angeklagte zögerte eine Weile und sagte dann: „Ja!“ Und diesem -Dokument folgten unzählige andere Schriftstücke, aus denen hervorging, -daß die Partei der S.R. in engster Abhängigkeit von ausländischen -Regierungen stand. Sensinow, ein alter Sozialrevolutionär, hatte in der -Regierung der Konstituante von Samara gesessen, war nach dem -Zusammenbruch der Front ins Ausland geflohen und hatte in Frankreich ein -„_Administratives Zentrum_“ gebildet, dem die bekanntesten Führer der -S.R. beigetreten waren: Kerenski, Awxentijew, Bruschwit, Tschernow, -Machin und einige andere! Das Pariser Geheimarchiv dieser ausländischen -Geheimorganisation war in die Hände der Sowjetregierung gefallen, das -Material belastete die S.R. aufs Schwerste. Unter den Dokumenten -befanden sich Briefe, aus denen hervorging, daß die Partei im Jahre 1921 -von der französischen und tschechoslowakischen Regierung, ferner von -Weißgardisten Gelder empfangen hatte, um Aufstände in Rußland zu -organisieren. In einem Briefe Sensinows an das Mitglied des -„Administrativen Zentrums“, Rogowski, heißt es: - -„_Gestern hatte ich eine Unterredung mit Benesch, die 50 Minuten -dauerte. Er war wie immer liebenswürdig und entgegenkommend; ich denke, -er ist auch aufrichtig. Ich berührte im Gespräch unsere Möglichkeiten -und unsere tatsächliche Lage._ Ich schilderte ihm das Bild des Ganzen. -‚Wir halten eure Arbeit für nützlich und notwendig, sowohl für Rußland, -wie auch für uns. Wir werden es daher nicht dazu kommen lassen, daß eure -Arbeit aufgegeben wird; _vom Januar an werdet ihr wöchentlich 50000 -Kronen bekommen, ich (Benesch) werde persönlich dafür Sorge tragen, daß -dieser Betrag auf 60000-65000 Kronen erhöht wird_‘.“ (_Benesch ist der -Premierminister der Tschechoslowakei_.) Am 21. Dezember berichtet -Sensinow an Rogowski: „_Vor vier Tagen erhielt ich 80000 Kronen; dieses -Geld wurde uns ohne jede Mahnung von unserer Seite ausgezahlt._“ - -Als nächster Geldgeber erscheint der ehemalige russische Botschafter -Bachmetjew, in dessen Händen sich auch heute noch bedeutende Summen aus -dem russischen Staatsschatz befinden. Am 12. April 1921 sendet Kerenski -an Bachmetjew über die tschechoslowakische Gesandtschaft in Paris -folgendes chiffrierte Telegramm: „Ich erhielt aus Rußland die Bitte um -eine äußerste Kräfteanstrengung. Das von Ihnen geschickte Geld gewährte -eine wirkliche Hilfe am Bestimmungsorte. Es ist notwendig, die Hilfe -ohne Verzug sofort fortzusetzen. Die unaufschiebbare Geldnot verlangt -meine schleunige Abreise nach Amerika.“ Im Brief vom 13. März teilt -Sensinow an Kerenski mit: „Gestern erhielten wir von Ihnen aus Paris -eine Anweisung auf 50000 Francs und von Bachmetjew telegraphisch 25000 -Dollars.“ - -Als Geldgeber fungiert ferner der weiße General Bitscherachow. Die S.R. -erhielten von ihm während der Jahre 1918/19 20000 Francs und im Jahre -1920 einige hundert Pfund Sterling. Woher stammen diese Gelder? Darüber -schreibt am 21. März 1921 der S.R. Ter-Pogosian an den S.R. Minor: „Die -Gelder im Besitze L. Bitscherachows stammen aus zwei Quellen. Nach der -Auflösung der persischen Front durch die Bolschewiki organisierte -Bitscherachow eine Freischärlerabteilung. Die Engländer zahlten ihm -monatlich einen bestimmten Betrag für die Unterhaltung dieser Truppe. -Die englischen Subsidien überstiegen die Ausgaben, so daß bei -Bitscherachow Reste blieben. Außerdem hatte er noch Gelder aus jenen -Beträgen, die nach dem Umsturz und der Beseitigung der bolschewistischen -Regierung in Baku und Petrowsk in den Besitz der Bakuschen weißen -Diktatur kamen. Hauptsächlich die Gelder der Staatsbahnen, folglich also -Staatsgelder ... In Anbetracht dessen hatten wir Grund, diese Summen -nicht als Bitscherachow persönlich gehörig aufzufassen, ihre -Bereitstellung für soziale und politische Zwecke erscheint als völlig -gerechtfertigt.“ - -Endlich gaben die russischen Industriellen selbst große Summen. Zur Zeit -des Kronstadter Aufstandes öffneten sie ihre Portefeuilles. - -Ein Teil der Dokumente beleuchtete die engen Beziehungen zwischen den -S.R. und der französischen Regierung. Kerenski hat verschiedene Male mit -Berthelot, dem Direktor des französischen Außenministeriums, und mit -Briand selbst korrespondiert und mündlich verhandelt. - -Im Besitz solcher Mittel und Beziehungen legten die S.R. ein -Spionagenetz an, das von Konstantinopel bis Reval reichte, sie schickten -Sendboten ins Innere des Landes, trieben militärische Spionage und -sondierten die Kommandeure der Roten Armee. Ein Oberst Machin ist der -Leiter dieses militärischen Spionagedienstes; aus einem Briefe geht -hervor, daß Machin sich in Reval mit französischen Offizieren in -Verbindung zu setzen hatte. Kerenski entsandte einen Oberst nach -Konstantinopel und gab ihm einen Brief an den französischen -Militärvertreter mit, den General Pellet. Die Minister der Randstaaten -empfingen die Boten der S.R., und wenn den S.R. der Empfang zu kühl -schien, versuchten sie durch englische Vermittlung einen Druck ausüben -zu lassen. In allen Hauptstädten Europas entfalteten die S.R. eine -fieberhafte Tätigkeit; sie hielten verschiedene Zeitungen, bauten ihren -Apparat aus, saßen in den Vorzimmern der Minister und Bankiers, -versuchten die Errichtung einer großen weißen Front, schüchterten die -Kleinstaaten durch die Großmächte ein, nutzten sämtliche Verbindungen -aus, verbreiteten Märchen über Rußland und ließen kein Mittel -unversucht, um dem neuen Staate zu schaden. Dies alles vollzog sich mit -der Skrupellosigkeit, dem Raffinement, der Hartnäckigkeit und dem Haß -des Unterlegenen und Verdrängten, dessen Zeit vorüber ist, und der eine -rastlose Tätigkeit zu entfalten sucht, um sich zu betäuben und der Welt -zugleich seine Brauchbarkeit zu beweisen. - -Im Januar 1921 schien der Same aufzugehen. In Kronstadt brach eine -Meuterei aus; über das Eis der Newa drangen die Truppen der Sowjets und -nahmen mit stürmender Hand die Seefestung. Der Aufruhr ist unzweifelhaft -von den S.R. entfacht worden. Damals weilte Tschernow in Reval und -schickte Telegramme nach Kronstadt; andere bemühten sich um Proviant und -Munition für die aufständige Festung. In einem Flugblatt des -„Revolutionären Rußland“ schreibt Tschernow: - -„Kronstadt hat sich erhoben. Durch sein heroisches, aufopferndes -Beispiel ruft es ganz Rußland zu dem langersehnten Befreiungswerke. -Petrograd hat den Generalstreik erklärt. Ihr aber, Tyrannen und -Despoten, laßt es Euch gesagt sein, daß die Tage Eurer, dem gesamten -Volke verhaßt gewordenen Herrschaft gezählt sind. Wenn Ihr um Euer Leben -bangt, wenn Ihr am Leben hängt, verschwindet aus dem Wege. Das Volk -kommt, es wird Euch richten.“ - -Im Laufe des Jahres versuchte man im Kaukasus eine Bewegung zu -entfachen; das „Administrative Zentrum“ hielt verschiedene Sitzungen ab, -in denen die Vorbereitungen zu Aufständen beraten wurden. Es existiert -das Protokoll einer solchen Sitzung, in der Machin die finanzielle und -ökonomische Vorbereitung „zum Aufstande und Sturze der Bolschewisten“ -verlangt. Bruschwit spricht von der Notwendigkeit, „Militärkaders -vorzubereiten und eine starke, leistungsfähige militärpolitische -Organisation zu haben.“ Kerenski erklärt: Wir haben unsere Fachleute und -unsere Leiter in den bestehenden Organisationen in Rußland und verlangen -ihre Unterschrift als Garantie ihres politischen und militärischen -Lebenswandels. - -Im November 1921 wird sogar schon wieder eine „terroristische -Kampfgruppe“ gegründet. Ihre Haupttätigkeit aber entfalten jetzt die -S.R. im Kaukasus, man gründet im Inneren Geheimorganisationen, erbittet -und erhält von den Franzosen materielle Unterstützung und erklärt sich -bereit im Falle eines Fehlschlages die eingegangenen Schulden durch -Übermittlung von Nachrichten an die französische Konterspionage -abzutragen. - -Bis ins Jahr 1922 hinein reichten die schriftlichen Beweise dieser -konspirativen Tätigkeit der S.R. Die Angeklagten in Moskau waren an -diesen Unternehmungen aktiv nicht beteiligt. Man legte ihnen sämtliche -Dokumente vor. Man stellte ihnen die Frage: billigt ihr diese Methoden -der Auslandsdelegation eurer Partei, im Bunde mit der großen und kleinen -Entente neue Interventionskriege herbeizuführen, dank materieller -Unterstützung der Westmächte das Land mit einem Netz von -Geheimorganisationen zu überziehen und Rußland in neues unsagbares Elend -zu stürzen. Die Angeklagten wichen aus. Die Methoden ihrer Kameraden im -Auslande schienen ihnen verwerflich; aber im Angesicht ihres eigenen -Todes weigerten sie sich, von ihren Parteigenossen abzurücken. „Also -billigt ihr, was jene tun?“ „Wir sind, wie am ersten Tage eurer -Herrschaft, gegen euch und werden euch mit _allen_ Mitteln bekämpfen.“ - - * * * * * - -Nach fünfzig Sitzungstagen, nach einer Vernehmung von etwa 100 Zeugen -und der Verlesung einer Fülle von Dokumenten begannen die Plaidoyers. -Die Vertreter des Arbeiter- und Bauernrußlands erhielten zuerst das -Wort; dann sprachen die Vertreter der III. Internationale: Klara Zetkin, -der Tscheche Mune, der Ungar Bokanyi. Auf die Angeklagten hat die Rede -Klara Zetkins einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Der Name -dieser tapferen, unermüdlich im Dienste der Sache des Proletariats -tätigen Frau, die immer in der vordersten Front stand, noch als Greisin -in die Kerker des deutschen Kaiserreiches wanderte, war auch für die -S.R. ein – man muß schon sagen – heiliger Name. Sie wußten, daß diese -Frau die letzte war, die sich beeinflussen ließ. Diese Frau erhob ihre -Anklage ganz gewiß aus eigenster innerster Überzeugung, die Reinheit -ihres Willens und Denkens war unantastbar. Erhob sich auch diese Frau -gegen sie, so fühlten sie sich in ihrem Innersten schuldig. Es ist -verbürgt, daß das Auftreten der Klara Zetkin die Angeklagten außer -Fassung brachte, sie haben es selbst gestanden. - -Klara Zetkin hielt den S.R. vor, es handele sich nicht um die Wege und -Mittel, deren sich eine Partei bediene, es handele sich vielmehr um die -Ziele, in deren Interesse diese Mittel angewendet wurden. Die S.R. -wollten das Proletariat wieder der Bourgeoisie unterwerfen, deren Joch -es durch den heldenhaften Kampf der russischen Arbeiter und Bauern -abgeschüttelt hatte. Die S.R.P. habe alles getan, um die Revolution zu -untergraben: „Ein Verbrechen, mit dem man nicht einmal den Mord von -Hunderten, den Mord von Tausenden, den Mord von Millionen vergleichen -kann.“ Die S.R. stehen vor dem Gericht der russischen Arbeiter und -Bauern, vor dem Gericht des proletarischen Staates. Es ist wahr, daß sie -vor einem Klassengericht stehen. Aber wo gibt es ein Gericht, das über -den Klassen steht? Es gibt zwei Arten von Klassengerichten: das -bürgerliche und das proletarische Klassengericht. Das revolutionäre -Gericht der Arbeiter ist eine mächtige Waffe in den Händen des -Proletariats im Kampfe gegen die Bourgeoisie. - -Die russischen Arbeiter begannen die Weltrevolution. Die S.R. haben -alles getan, um ihren Weg aufzuhalten, sie behaupten, daß sie gegen -Usurpatoren kämpfen, aber es gibt keine Usurpatoren, die ohne Massen die -Macht behaupten können. Die S.R. sind das beste Beispiel: sie ergriffen -die Macht, ohne Massen hinter sich zu haben – mit Hilfe des Auslandes. - -Die S.R. berufen sich auf ihre revolutionäre Vergangenheit – ja, sie -haben den Zarismus tapfer bekämpft. Aber als sie selbst an der Macht -waren, stellten sie sich, statt die Revolution im Bunde mit dem -Proletariat fortzusetzen, auf die Seite der Bourgeoisie; in ihrer -äußeren Politik waren sie abhängig von der internationalen Bourgeoisie, -in ihrer inneren von der russischen Bourgeoisie. Die S.R. nannten sich -eine Bauernpartei, aber sie haben auf dem Lande mit den Waffen in der -Hand den Kampf der Bauern gegen die Gutsbesitzer unterdrückt. In der -äußeren Politik haben sie den imperialistischen Krieg fortgeführt. - -Die S.R. haben durch ihren Kampf gegen die Sowjets den Wiederaufbau des -russischen Wirtschaftslebens verhindert; sie haben in diesem Kampfe -gegen die Sowjetmacht alle möglichen Mittel angewendet: Bündnis mit dem -Ausland, Bündnis mit der Reaktion, den Terror. - -Klara Zetkin setzte sich dann für die geständigen, reuigen Angeklagten -der II. Gruppe ein, die geglaubt hatten, für die Revolution zu kämpfen, -aber später erkannten, daß sie gegen die Revolution gekämpft hatten. Sie -gerieten in einen tragischen Konflikt, und standen vor der Frage: Wie -können wir unsere Verbrechen sühnen? Sie fanden nur den einen Weg: -Offenes Geständnis. So sühnten sie ihre Schuld. „Die Arbeiter, Bauern -und das Oberste Tribunal sind sich dieser Beichte bewußt und werden -Milde walten lassen. Aber die Stimme des Gewissen wird sie bis zum Tod -wegen ihrer Verbrechen am Proletariat verfolgen. Und das ist für sie -Strafe genug!“ - -Die Verteidiger, die aus dem Auslande den S.R. zu Hilfe eilten, haben -nie daran gedacht, Arbeiter in ihren eigenen Ländern zu verteidigen. -Vandervelde war als Justizminister Seiner Majestät der höchste Richter -in jenen Prozessen, die von der belgischen Bourgeoisie gegen die -flämischen Autonomisten und Anarchisten geführt wurden. 1500 Menschen -wurden in die Zuchthäuser gesteckt, viele wurden zum Tode verurteilt. -Und niemals haben die Vertreter der 2. und 2½. Internationale zu -protestieren gewagt, nur jetzt erscheinen sie plötzlich auf dem Plan. -Klara Zetkin verweist auf die Justiz in Deutschland, in dessen Kerkern -6000 politische Gefangene schmachten, für die kein Vertreter der II. -Internationale seine Stimme erhoben hat. - -„Im Namen der III. Internationale gebe ich der Überzeugung Ausdruck, daß -das Gericht es verstehen wird, die Errungenschaften des Proletariats zu -schützen und die notwendigen Mittel zu finden!“ - -Der Ungar Bokanyi, der Volkskommissar der ungarischen Räterepublik, -erinnert an seine eigene Kerkerzeit nach dem Sieg der Horthys: „Damals -kam uns Vandervelde nicht zu Hilfe!“ Er vergleicht die weiße und die -rote Justiz, er spricht aus eigensten Erfahrungen und schließt: „Das -Oberste Tribunal kann auf seine Unparteiischkeit und Objektivität stolz -sein. Das Oberste Tribunal wird ein Urteil fällen, das den Interessen -des Proletariats entspricht!“ - -Der Tscheche Muna hatte zweimal in den Kerkern der tschechischen -Republik gesessen, im Weltkrieg war er in russische Gefangenschaft -geraten, aber er hatte sich nicht jenen tschechischen Legionen -angeschlossen, die unter Führung von Ententeoffizieren und im Bunde mit -den S.R. den Kampf gegen das Rote Moskau geführt hatten. Muna schildert -die Lage der tschechischen Legion, ihren Kampf im Interesse der -besitzenden Klasse, er schildert das reaktionäre tschechische -Offizierkorps, weist auf Zeugnisse tschechischer Offiziere hin, aus -denen klar hervorgeht, daß sie die Verbindung mit den S.R. suchten und -gemeinsam mit weißen Offizieren arbeiteten. Er führt die belastenden -Aussagen der Prozeßzeugen Pascal, Mariski und Dworschets an. Der Zeuge -Dworschets hatte bekundet, daß die S.R. nur mit Hilfe der -Tschechoslowaken in Samara ihre Macht behaupten konnten. Die S.R. Partei -war mit Hilfe der Tschechoslowaken der Kernpunkt, um den sich die ganze -russische Gegenrevolution sammelte. Infolgedessen trägt die S.R. Partei -die volle Verantwortung für alle Opfer des Bürgerkrieges; für das Blut -der Arbeiter und Bauern, für das Blut der Rotarmisten, das an allen -Fronten des Bürgerkrieges vergossen wurde. Die gegenrevolutionäre -Haltung der S.R. Partei nützten auch die Sozialpatrioten der -westeuropäischen Staaten aus, und nur mit ihrer Hilfe gelang es der -Bourgeoisie Westeuropas, die durch den Krieg erschütterte -kapitalistische Ordnung vorübergehend zu befestigen. - -Ich werde mich nicht auf irgendeinen Gesetzesparagraphen berufen, indem -ich die Bestrafung der Angeklagten fordere, da ja die Arbeiterklasse -Rußlands und das revolutionäre Proletariat Europas bereits sein Urteil -fällte, ohne das Urteil des Obersten Revolutionären Tribunals -abzuwarten. - -Das Urteil des revolutionären Proletariats lautet: „Vollständiger -politischer Tod der S.R. Partei!“ Wie immer das Urteil des Obersten -Tribunals ausfallen sollte, es kann nicht so streng werden, als das -bereits gefällte Urteil des revolutionären Proletariats aller Länder. - -Die S.R. Partei hat sich mit ihren Handlungen ein tiefes Grab -geschaufelt. Das internationale Proletariat stößt sie mit seinem Urteil -in dieses Grab, und dem Obersten Tribunal bleibt nichts übrig, als über -dem Leichnam der S.R. Partei das Grabmal zu errichten. - -Am nächsten Tage begründet Krylenko als „Oberster Ankläger“ in einer -ununterbrochenen zehnstündigen Rede sämtliche Anklagepunkte: Das -proletarische Gericht hat die Aufgabe, den Arbeiterstaat gegen -verbrecherische und gefährliche Handlungen zu verteidigen. Dieser Prozeß -ist nicht da, um Rache zu üben, sondern um Verbrechen zu sühnen, zu -unterbinden, zu verhüten. Einige Angeklagte haben selbst erklärt, daß -sie auf das Recht, Aufstände gegen die Sowjetmacht zu organisieren, -nicht verzichten werden. Vom Standpunkte des revolutionären Rechtes aus -hätte das Gericht nach dieser Erklärung sofort den Prozeß abbrechen und -die Frage umgehender Anwendung sozialer Schutzmaßregeln in Erwägung -ziehen können. - -Krylenko hält es für bewiesen, daß die S.R. schon in den ersten Tagen -der Oktoberrevolution in den vordersten Reihen der bürgerlichen -Bataillone standen; er hält es für bewiesen, daß die S.R. Gelder von der -Entente erhielten, und beruft sich auf das Geständnis des Angeklagten -Lichatsch, er hält ihnen die konspirative Verbindung mit bürgerlichen -Verbänden vor, die Zersetzungsversuche in der Roten Armee und ruft -erregt aus: „Die Arbeiter und Bauern Rußlands werden Ihnen schon ihre -Rechnung vorlegen! Wir werden mit Ihnen nicht scherzen! Es handelt sich -um den Schutz und die Verteidigung des proletarischen Staates, für den -so viel Blut geflossen ist, und für den wir alle unser Leben eingesetzt -haben!“ - -Die Verbindung mit der Entente erstrebte den Sturz des neuen Staates; -die S.R. stellten mit Vertretern der Entente gemeinsame Programme auf: -Die Entente sendet Offiziere und Techniker und liefert Sprengmittel. Die -S.R. sprengen Brücken, Eisenbahnen; organisieren den Terror. Krylenko -schildert die Aufstände der S.R. in Samara, Archangelsk und in der -Ukraine, im Don- und Kubangebiet, er verweist auf die Dokumente des -„Administrativen Zentrums,“ aus denen hervorgeht, daß die Partei bis in -die letzte Zeit hinein am Sturz der Sowjetmacht gearbeitet hat. - -„Ich stelle jetzt die Fragen, ob die Angeklagten eine für die -Sowjetrepublik gefährliche Tätigkeit ausgeübt haben oder nicht, und ob -ihnen gegenüber die Maßnahmen angewendet werden sollen, die gegen -Personen, die die Sicherheit des Staates bedrohen, vorgesehen sind.“ - -Beide Fragen beantwortet Krylenko mit Ja. - -Er geht dann zur terroristischen Tätigkeit der Partei der S.R. über, und -stellt an Hand von Dokumenten und Zeugenaussagen fest, daß die -Mitglieder des Zentralkomitees der Partei der S.R. für die -terroristische Tätigkeit der Partei voll verantwortlich sind. - -Für die Angeklagten der ersten Gruppe – mit Ausnahme von drei -Angeklagten – fordert Krylenko die Anwendung des höchsten Strafausmaßes. -„Das Revolutionstribunal ist ein Organ des Klassenkampfes der -Arbeiterklasse, das gegen die Feinde des Proletariats gerichtet ist, und -aus diesem Grunde kann es für die Angeklagten der ersten Gruppe, mit -Ausnahme jener, die ich schon genannt habe, nur eine Strafe geben: den -Tod durch Erschießen. Für alles Blut, alle Schrecken, alle Leiden, die -wir in Laufe von fünf Jahren erdulden mußten, und die von ihnen -wissentlich verursacht wurden. Die Angeklagten haben hier erklärt, daß -sie auch in Zukunft alle ihre Kräfte darauf richten wollen, jenes Werk, -für das wir nun schon fünf Jahre lang kämpfen, zu vernichten. Wir haben -das Recht auf Selbstschutz und Selbstverteidigung.“ - - * * * * * - -Die Angeklagten erheben sich zum letzten Waffengang. Fast ein jeder -ergeht sich in stundenlangen, sehr eingehenden Ausführungen; vielleicht -zum letzten Male bietet sich ihnen Gelegenheit, in aller Öffentlichkeit -mit ihren Feinden abzurechnen, im Saale sitzen Verwandte und Freunde, -sie haben ein kleines Publikum, das mit ihnen sympathisiert und ihr -Testament weiterverkünden wird. Sie verteidigen noch einmal ihre -Positionen, die von ihnen in der Februarrevolution so leicht erobert -wurden, wie sie ihnen wieder verloren gingen. Sie vermeiden es, sich -allzu sehr in Einzelheiten zu verlieren und schieben den Kampf mit ihren -Gegnern auf die Plattform der großen Auseinandersetzung zwischen -Demokratie und Diktatur, zwischen Klassenausgleich und Klassenkampf. Sie -leugnen nie, daß sie Feinde dieses Staates sind, vor dessen Gericht sie -stehen müssen, und dem sie nur Rede stehen, weil sie ihrer Partei dienen -zu können glauben. - -Hendelmann, ehedem Rechtsanwalt, der im Prozeß Anklägern und Tribunal -oft Schwierigkeiten bereitet hatte, erhebt nochmals prozessuale -Einwände, schützt das Zentralkomitee vor der Anklage, daß es den Terror -sanktioniert habe – im Gegenteil: die Partei habe stets den -Massenaufstand propagiert, das geplante Attentat auf den Zug Trotzkis -wäre eine „bloße Demonstration“ gewesen, mit der Organisierung eines -Attentats auf Lenin hätte sich die Konoplewa nur wichtig machen wollen, -Wolodarskis Ermordung sei ein rein individueller Akt der -Kampforganisation Semjonow gewesen; in der Frage der Expropriationen -kann Hendelmann nichts bestreiten, er versucht den Eindruck nur -abzuschwächen: es habe sich nur um ... simulierte Expropriationen -gehandelt; den Einbruch ins Postamt habe man mißbilligt ... Krylenko -unterbricht Hendelmann mit der Frage: „Weshalb habt ihr das Verbot des -Terrors und der Expropriationen nicht in aller Öffentlichkeit -kundgegeben, weshalb habt ihr Semjonows Gruppe nicht aufgelöst?“ Und -Hendelmann weicht aus. - -„Ich ersuche das Tribunal, über sämtliche Mitglieder der ersten Gruppe -dasselbe Urteil zu fällen, denn keiner wünscht den anderen zu -überleben!“ - -Der Angeklagte Lichatsch, Organisator des Aufstandes im Gebiet von -Archangelsk, verzichtet aufs Wort. - -Timofejew eröffnet seine Rede mit einer Erklärung: - -„Ich erkläre kategorisch, daß Ihr von uns weder Reue noch Versöhnung -noch Lossagung von unserer Vergangenheit erwarten sollt. Krylenko -bezeichnete uns als Rückfällige. Ja, wir sind rückfällig von Eurem -Gesichtspunkte. Wir bestehen auf unserem früheren Standpunkte, und in -dieser Hinsicht sind wir reuelose Rückfällige.“ - -Die Verhandlungen mit Ententevertretern gibt er zu, den Empfang von -Geldern bestreitet er. Aber: „Die Landung der Verbündeten in Archangelsk -war uns willkommen! Denn ihr Ziel war die Fortsetzung des Krieges gegen -Deutschland, und nur aus diesem Grunde traten wir mit der Entente in -Verbindung. Wir haben nichts zu bereuen, wir leugnen unsere -Vergangenheit nicht.“ - -Gotz gibt einen historischen Abriß der russischen Revolution und -beleuchtet von Fall zu Fall die Niederlage der S.R. Die -Verteidigungsrede von Gotz schildert das Fiasko der ganzen Partei: Wir -hatten keine Kräfte in entscheidenden Augenblicken, das Militär war -nicht für uns, die Massen waren nicht auf unserer Seite. „Wir haben eine -richtige Politik geführt, und künftig werden wir ebenso arbeiten wie -bisher ...“ - -Eugenie Ratner versucht die Partei von dem Vorwurf des Kleinbürgertums -zu befreien, Rakow wehrt sich gegen die Behauptung, die Partei habe die -Interessen der Großbourgeoisie wahrgenommen, er rühmt die Haltung der -Partei gegen Koltschak und bestreitet die Verbindung mit dem -Banditenführer Antonow im Gouvernement Tambow. - - * * * * * - -Als erster Verteidiger erscheint der junge Advokat Tschlenow, -Verteidiger der Konoplewa und Daschewkis, die zur zweiten Gruppe der -Angeklagten gehörten. - -Seine Aufgabe bestehe darin, seine Klienten vom Vorwurf der Provokateure -und Verräter zu befreien. - -Die erste Gruppe stellt eine kollektive Einheit dar, repräsentiert das -Z.K. der Partei. Dies Z.K. veröffentlichte in den Zeitungen, daß keine -einheitliche Parteiorganisation zu den terroristischen Akten Beziehungen -hatte. Kann man unter solchen Umständen Aussagen erwarten, durch die sie -feststellen würden, daß das Z.K. lügt? In dieser Frage sind sie alle -gebunden und werden die Wahrheit um so weniger sagen, da sie das -Tribunal als ihre Feinde betrachten. - -Sie selbst machten vor dem Prozeß keine Aussagen, und hier handeln sie -geschlossen nach den Direktiven des Z.K.; deshalb ist es -selbstverständlich, daß in ihren eigenen Aussagen keine Widersprüche -erscheinen können. Um so schlimmer, wenn man einige Widersprüche in -ihren Aussagen findet. - -So kann man sich auf E. Iwanowa berufen. Sie benahm sich recht -lächerlich, aber sie benahm sich so, weil es die Interessen der Partei -erfordern. Sie hat schon einmal eine Aussage vor der Tscheka abgegeben. -Was hat sie dort ausgesagt? Parteizugehörigkeit: Sie gehöre keiner -Partei an. Ferner: Bitte mich nicht zu verhören, da ich nicht normal -bin. Endlich: Ich bin eine Anhängerin der Sowjetmacht, aber habe in -manchen Beziehungen andere Ansichten, als die Kommunisten. - -So muß angenommen werden, daß die Angeklagten als Parteimitglieder alle -Tatsachen ableugnen, die ihnen unangenehm sind. Daher stammt die -Theorie: Wer ein anständiges Parteimitglied sein will, der darf keine -unangenehmen Aussagen machen; wer aber solche Aussagen macht, ist ein -Verräter. „In diesem Falle dürfen Sie aber nicht verlangen, daß das -Tribunal Ihnen Glauben schenken soll. Und wenn sich einige in Ihrer -Partei enttäuscht fühlten und zu den Kommunisten übergingen, wie sollten -sie Unwahres aussagen, wenn sie damit beginnen, daß sie die schwersten -Verbrechen auf sich nehmen.“ - -Angenommen aber, daß Semjonow und Konoplewa nicht die Wahrheit gesagt -hätten, könnte Hendelmann auch in diesem Falle nicht behaupten, daß die -terroristischen Akte ohne Billigung des Z.K. durchgeführt wurden. - -Die kriegerischen Reden Tschernows und der Eugenia Ratner auf dem -Vierten Parteikongreß und der dort veröffentlichte Brief Gotz’, in dem -er für den Fall der Auflösung der Konstituante mit der Anwendung „der -alterprobten Taktik“ droht, sind natürlich noch kein Beweis dafür, daß -der Vierte Kongreß der Sowjetmacht den terroristischen Krieg erklärt -hat. Aber diese Drohung mit dem Terror hatte in den Reihen der -Parteimitglieder eine terroristische Stimmung hervorgerufen. Es waren -keine Beschlüsse über den Terror da, aber die einzelnen Mitglieder des -Z.K. haben sich so benommen, daß in den aktivsten Elementen der Partei -die tiefe Überzeugung erweckt wurde, der Terror wäre nützlich und vom -Z.K. gebilligt. - -In den Statuten der Kampforganisation heißt es: daß die -Kampforganisation den bereits begonnenen terroristischen Akt auch gegen -das Verbot des Z.K. durchführen könne, und daß der Führer sich nur mit -einem Z.K.-Mitglied und nicht mit allen Z.K.-Mitgliedern ins -Einverständnis zu setzen brauche. Deshalb war es nicht notwendig, daß -Semjonow den Fall außer mit Gotz noch mit anderen besprach. - -Die Untersuchung stellte fest, daß mehrere Z.K.-Mitglieder, wie Iwanow, -Tschernow und Gotz, den Terror gegen die Vertreter der Sowjetmacht -prinzipiell anerkannt haben. - -Sehr interessant ist die Geschichte des Verbesserungsantrages Zumgins -zur Resolution Tschernows über den Terror. Merkwürdigerweise erinnern -sich dessen alle angeklagten Mitglieder des Z.K. nicht, obwohl dieser -Fall durch Burewitschs Aussagen festgestellt wurde. - -Nach Annahme der Tschernowschen Resolution wird sie nicht -veröffentlicht. Und als man die Angeklagten über die Ursache dieser -Verheimlichung fragte, antwortete Gotz, daß es auch Sachen gebe, die das -Gericht nicht zu wissen brauchte. Hendelmann gab eine andere Antwort: -Die Parteimitglieder waren nicht terroristisch gestimmt, deshalb lag -kein Grund zur Veröffentlichung der Resolution vor. Wenn aber eine -solche Resolution angenommen wurde, so beweist das doch, daß eine solche -Stimmung vorhanden war. - -Nehmen wir das erste Attentat auf Lenin. Da wurde nach Aussagen Jefimows -und Rabinowitschs das Moskauer Büro des Z.K. befragt. Dieses Attentat -versuchten die Angeklagten als eine Operette hinzustellen. Die -Mitglieder des Z.K. erklären, daß sich sehr viele Parteimitglieder an -sie wandten, mit dem Vorschlag, terroristische Aktionen zu organisieren. - -Und wenn das Z.K. von einer solchen Stimmung nichts wußte, hätte es sich -nach der Ermordung Wolodarskis und nach dem Attentat auf Lenin von ihrem -Vorhandensein überzeugen können. Man schoß. Es gab Opfer. Kann man von -Stimmungen sprechen? Es handelt sich um Tatsachen. Den Terror offen zu -erklären, war nicht erwünscht, aber wenn jemand einen terroristischen -Akt durchführte, mit dem das Z.K. sich nicht solidarisch zu erklären -brauchte, so war das dem Z.K. sehr angenehm. - -Aus dem Vergleich der Aussage Rabinowitschs mit den Aussagen Gotz und -Semjonows geht klar hervor, daß die Ermordung Wolodarskis mit Kenntnis -des Z.K. durchgeführt wurde, obwohl zu einer äußerst ungelegenen Zeit, -da sie die Wahlkampagne der S.R. sehr ungünstig beeinträchtigte. - -Auch das zweite Attentat auf Lenin wurde mit Kenntnis und Einverständnis -des Z.K. unternommen. Usow, Fedorow, Kozlow, Subkow und anderen waren -die Sanktionen des Z.K. bekannt. Und zwar nicht nur durch Semjonow, -sondern auch durch E. Iwanowa. Besonders Iwanowa überredete Usow, daß er -auf Lenin schießen solle. Dem Z.K. schien es besonders notwendig, das -Attentat später als Symptom des Volkszornes hinstellen zu können. Die -Angeklagten Gotz, Hendelmann und andere wundern sich, weshalb Semjonow -die terroristischen Akte mit Donskoj und Gotz und nicht auch mit -Timofejew besprochen habe. Das ist nicht verwunderlich. Nicht alle -Mitglieder des Z.K. waren Anhänger des Terrors; nur einige. Und die -Anhänger des Terrors verbargen ihre terroristischen Bestrebungen vor den -übrigen Mitgliedern und handelten hinter ihrem Rücken. Timofejew war -Gegner des Terrors. Deshalb hat man ihm die terroristischen Pläne nicht -mitgeteilt. Deshalb hat man Semjonow nicht zu ihm gelassen. Semjonow war -ein Werkzeug in den Händen derjenigen Mitglieder des Z.K., die für den -Terror waren. Diese Mitglieder dachten: Gelingt es nicht, kann man es -ableugnen, und der Partei wird kein Schaden erwachsen. Gelingt es aber – -die Sieger verurteilt man nicht. - -Auf die Uneinigkeit in den Reihen der S.R. weist der Verteidiger -Semjonows, Schubin, hin. Auch er erklärt die Verdunkelungsversuche in -der Terrorfrage ähnlich wie Tschlenow: _Das Z.K. war in der Frage des -Terrors nicht einig. Ein Teil war für, der andere gegen den Terror._ Die -Anhänger des Terrors handelten selbständig, ohne die Gegner des Terrors -in ihre terroristischen Pläne einzuweihen. - -Noch ein charakteristischer Umstand. _Weshalb zog Timofejew Semjonow -nicht zu den Sprengungsarbeiten heran, sondern organisierte die -Spezialabteilung Davidows? Weil die Kampforganisation eigene Aufgaben – -die terroristischen Aktionen – gehabt hat._ Außerdem mußte die -Sprengungsabteilung mit den Verbündeten in Verbindung treten, und -_Semenow war offensichtlich kein Anhänger der Beziehungen zu den -Verbündeten, besonders war er kein Anhänger des Geldempfangens von -ihnen_. Die _angeklagten_ Z.K.-Mitglieder berufen sich selbst auf das -Buch Semjonows und anerkennen alles das, was man nicht mehr ableugnen -kann. Sie gestehen die _Expropriationen in Buja_ und die _ganze -Kriegstätigkeit_. Aber das, was _ihnen_ unangenehm ist, und was _man_ -ableugnen _kann_, _verwerfen_ sie. Die objektive Logik der Dinge sagt -uns aber, daß die angeklagten Z.K.-Mitglieder die Lossagung vom zweiten -_Teil der Semjonow-Broschüre_ nicht _begründen_ können. - -Hendelmann erklärte in seiner Verteidigungsrede, daß die in der -Semjonowschen Broschüre angeführten Tatsachen der Sowjetmacht schon -längst vor der Herausgabe der Broschüre bekannt waren, daß sie es aber -nicht für möglich hielt, die Angaben Semjonows auszunützen, und gegen -die S.R. Partei eine Gerichtsverhandlung zu eröffnen. Diese Erklärung -Hendelmanns ist Unsinn. Es ist doch nicht denkbar, daß die Sowjetmacht, -die über die Beteiligung bestimmter Personen an terroristischen Aktionen -gegen Wolodarski, Lenin und Trotzki unterrichtet gewesen wäre, die -Attentäter auf freiem Fuß gelassen hätte, ohne gegen sie gerichtlich -einzuschreiten. - -Weshalb schrieb Semjonow seine Broschüre? Er war im Auslande, er sah, -wie das administrative Zentrum gegen die Sowjetmacht arbeitet, und -welchen Schaden es der Revolution bereitet. Diese Tätigkeit wollte -Semjonow durch seine Enthüllungen verhindern. - -Vor dem Obersten Tribunal sitzt derselbe Semjonow, der Wolodarski -ermordet, der auf Lenin geschossen hat. Wenn in ihm der alte Semjonow -nicht vernichtet ist, dann muß der auf der Anklagebank sitzende Semjonow -vernichtet werden. Wenn aber der alte Semjonow sich selbst vernichtet -hat, und vor uns hier ein neuer Semjonow sitzt, dann muß diesem neuen -Semjonow das Leben erhalten werden, da die Revolution dessen Leben -bedarf. - - * * * * * - -_Stawskaja_ war die Tochter eines unteren Beamten, ein hübsches, -schlankes Mädchen mit kleinem lieblichen Gesicht und schwarzen Haaren. -Die Achtjährige muß schon ihr Brot selbst verdienen. Die Fünfzehnjährige -ist Mitglied der S.R. Partei. Und mit 18 Jahren versucht sie den -zaristischen Gouverneur von Jekaterinoslaw zu erschießen, man macht ihr -den Prozeß, sperrt sie drei Jahre lang in den Kerker, „begnadigt“ sie zu -zwanzigjähriger Zwangsarbeit. Erst die Februarrevolution schenkt ihr die -Freiheit wieder, sie fährt in die Krim, folgt den Parolen der S.R., -tritt aus Empörung über den Brester Vertrag in die Kampforganisation -Semjonows, vollführt seine Befehle. Aber auf die Kunde des Verhaltens -der S.R. Partei zu den terroristischen Anschlägen bekennt sie sich: Dies -ist nicht mein Weg. Und da ist _Usow_, dessen Familie seit Jahren eng -mit den S.R. verwachsen ist. Mit 16 Jahren ist er Mitglied der Partei, -und außer der Partei hat für ihn nichts mehr existiert. Er war Arbeiter, -von Mißtrauen gegen die Intellektuellen erfüllt, ihm wollte man den -Revolver in die Hand drücken, um auf Lenin zu schießen – er konnte es -nicht und brach zusammen – er, der Arbeiter, konnte nie und nimmer auf -Lenin schießen, obschon es die Intellektuellen verlangten. Er verließ -die Partei, kehrte unter die Masse zurück, arbeitete in der Fabrik und -wollte büßen. Hernach ist er Rotarmist, Mitglied der R.K.P., aber erst -nach der Publikation von Semjonows Broschüre macht er sein Geständnis. -Er kann nicht schweigen. - -Der alte polnische Sozialist Felix Kon, ein hagerer Hüne mit wallenden -weißen Haaren und einer gewaltigen Stimme, verteidigt diese beiden -Menschen, schilderte ihre Herkunft, ihre Tragik und forderte -Freisprechung, denn „Ihr müßt ihnen durch Euer Urteil nicht nur das -Leben, sondern auch ihre revolutionäre Ehre zurückgeben.“ Der Georgier -Katanjan sprach für den Terroristen Jefimow, der vor langen Jahren mit -Gotz in Zwangsarbeit gewesen war. Gotz kennt Jefimow sehr gut, er hält -ihn für einen ehrlichen Menschen. Katanjan bemüht sich, den Beweis zu -führen, daß Jefimow die Wahrheit gesagt hat. Er war Mitglied einer -Terrorgruppe, aber als er die Richtung erkannte, in der sich die Politik -der S.R. bewegte, trat er aus der Partei aus. Katanjan plädiert für -Freispruch. - -Nun der blonde, bewegliche Bucharin: klein von Gestalt, aber immer -geladen mit Energien, so daß man zu glauben scheint, jeden Augenblick -wird eine Bombe explodieren; immer im Angriff, verschwenderisch in -seiner Satire, seiner Laune, seinem Hohn und seiner Boshaftigkeit. Er -war der „Allgemeine Verteidiger“ der zweiten Gruppe der Angeklagten. In -seiner Rede führte er in großen Zügen aus, was die S.R. und Bolschewiki -unterscheidet, es ist ein Sondergericht über die ganze Politik der S.R. -Partei, die nach Bucharin vom Ausbruche des Weltkrieges an durch Verrat -gekennzeichnet ist. Ihm liegt daran, zu beweisen, auf welchen Stühlen -vor Gericht die wahren Verräter sitzen. - -„Es kam mir gelegen, daß Eugenia Ratner hier die Zimmerwalder und -Kientaler Konferenzen erwähnt hat, denen auch Victor Tschernow -beiwohnte. Auf der Zimmerwalder und Kientaler Konferenz wurden zwei -Grundsätze angenommen: erstens keine Abstimmung für Kriegskredite und -zweitens keine Teilnahme an einer bürgerlichen Regierung. - -Die anwesenden Vertreter der S.R. Partei schlossen sich diesen -Resolutionen an. Folglich: wenn eine Parteiorganisation sich -sozialistisch nennt, und auf der Zimmerwalder Konferenz erklärt, daß sie -an keiner bürgerlichen Regierung teilnehmen und in der Periode des -imperialistischen Krieges für keine Kriegskredite stimmen wird – wenn -eine solche Parteiorganisation dies später dennoch tut, so ist sie ein -Verräter am Sozialismus. - -Bürgerin Ratner! Sie müssen zugeben, daß Ihre Partei, kaum einige Monate -nach der Zimmerwalder Konferenz, beide Punkte auf die beschämendste -Weise verraten hat. Ihre Partei nahm bei der erstbesten Gelegenheit an -einer Koalitionsregierung teil. Ihre Partei nahm an einer -imperialistischen Regierung teil, deren imperialistischer Charakter von -niemandem bestritten werden kann. Dadurch habt Ihr den einen Punkt der -Resolution verraten. - -Und wenn Ihr jetzt sagen wollt, daß Ihr keine formelle Erklärung, keine -formelle Abstimmung bezüglich der Kriegskredite abgegeben habt, so wird -dieser Umstand durch die Junioffensive aufgehoben, zu der Euch Mister -Buchanan gezwungen hat. Wenn Ihr dabei nicht vom bösen Willen geleitet, -sondern einfach gefoppt wurdet, so habt auch den Mut, das hier offen zu -gestehen.“ - -Weshalb fühlen die S.R. sich der II. Internationale so sehr verbunden? -Hat Tschernow nicht erklärt, die II. Internationale sei tot und werde -nie wieder auferstehen? weshalb erklärt hier Timofejew, sie ist wieder -auferstanden? Die II. Internationale hat Berge von Verbrechen an der -Arbeiterklasse aufeinander getürmt. Vielleicht besteht Eurer Meinung -nach die Korrektur der Stellungnahme der II. Internationale darin, daß -ihr Vertreter, Bürger Vandervelde, den niederträchtigsten -Friedensvertrag der Geschichte, den Versailler Vertrag unterzeichnet -hat, bei dessen Anblick man vor Scham vergehen muß. Oder erblickt Ihr -vielleicht den Glorienschein über dem Haupte der II. Internationale -darin, daß die Regierung der deutschen Sozialdemokratie, eine der -wichtigsten Organisationen der II. Internationale, Rosa Luxemburg -ermordet hat? - -Nein, es wird Euch nicht gelingen zu beweisen, daß die II. -Internationale ihre Stellung auch nur um ein Haar geändert hat. Im -Gegenteil, ihre Handlungen seit Kriegsende sind noch viel -niederträchtiger, noch viel schmutziger, tausendmal verbrecherischer als -ihr Verrat bei Kriegsausbruch. - -Werfen wir jetzt einen Blick auf die inneren Verhältnisse der Partei. -Eugenia Ratner hat uns den General Krasnow, diese schöne Figur der -russischen Gegenrevolution geschildert: Ich kann sagen, daß die Welt -einen solchen Terror gegen das Proletariat und hauptsächlich gegen das -Bauerntum, wie es der Terror Krasnows in Rostow und Umgebung war, noch -nie gesehen hat. Und jetzt bitte ich Euch, Genossen Richter, Euch dessen -zu erinnern, daß es derselbe Krasnow war, mit dem Gotz seinen Feldzug -zur Erwürgung der revolutionären Arbeiter Petrograds führen ließ. Bürger -Gotz hat mit dem Krasnowschen Heer die größten und fortgeschrittensten -revolutionären Kräfte angegriffen, die sich auf dem Gebiete des frühern -russischen Imperiums befanden. Diese Aktion ist die beste Charakteristik -der S.R. Partei. - -Was die „äußere Politik“ – wir nennen sie einfach Spionage – der S.R. -Partei betrifft, so sehen wir hier die S.R. Partei an einem Tische mit -Dumas, mit Ehrlich und anderen Vertretern des französischen -Imperialismus, die die S.R. Organisationen mit Geld und Sprengmaterial -versorgt haben. - -Als den S.R. hier vorgeschlagen wurde, die Tätigkeit des Administrativen -Zentrums entweder anzuerkennen oder aber zu verurteilen, erklärte Gotz, -daß sie sich unter Drohungen nicht lossagen können. Und der Angeklagte -Hendelmann gab seinem Zweifel an der Echtheit der Dokumente Ausdruck und -berief sich auf den Kölner Kommunistenprozeß. Dort erklärten aber die -Kommunisten kategorisch, daß die Londoner Dokumente Fälschungen seien. -Sie gaben nicht ablehnende und zweideutige Erklärungen ab. Dasselbe -sollten auch die Angeklagten des Prozesses tun. - -Es gibt hier nur drei Möglichkeiten: Entweder sind die Dokumente falsch, -dann müssen es die Angeklagten gerade heraus, kategorisch erklären, um -die Falschheit derselben zu beweisen. Wenn aber die Dokumente echt sind, -dann müssen sie entweder ihre Solidarität mit diesen Dokumenten ehrlich -erklären oder aber sich offen auf den Standpunkt stellen, daß sie mit -den in diesen Dokumenten figurierenden Personen nichts gemein haben, daß -daher also diese Personen als einfache Provokateure zu betrachten sind. -Und wenn ein Teil der Dokumente echt, ein anderer Teil falsch ist, dann -müssen die Angeklagten erklären, daß sie den echten Teil der Dokumente -entweder anerkennen oder sich von ihm lossagen und beweisen, daß der -andere Teil der Dokumente tatsächlich falsch sei. - -Die Angeklagten aber haben weder das eine, noch das andere getan. Weder -anerkannten sie die Dokumente, noch sagten sie sich von ihnen los. -Anzuerkennen wagten sie diese Dokumente nicht, sich von ihnen lossagen -konnten sie nicht, da sie noch bis heute mit dem Administrativen Zentrum -in Verbindung stehen. - -Es ist festgestellt worden, daß das Moskauer Zentralbüro der S.R. Partei -mit dem Administrativen Zentrum in Verbindung steht und von ihm Geld -erhält. Wenn sie sich also lossagen wollten, so hätten sie sich vom -_ganzen übrigen Teil der eigenen Partei lossagen müssen_. - -Von dem Standpunkte jenes Kriteriums, das der Zimmerwalder und Kientaler -Konferenz zum Ausgangspunkt diente, hat sich die S.R. Partei sowohl in -ihrer inneren, wie auch in ihrer äußeren Politik als systematische -Verräterin der Interessen der Arbeiterklasse und des Sozialismus -erwiesen. Und wenn sich in dieser Partei einige Leute befinden, die auf -Grund ihrer sozialen Abstammung mit diesem systematischen Verrat eine -Zeitlang sympathisierten, im Laufe ihrer weiteren Entwicklung aber die -Verräter preisgaben, so haben sie ein nützliches Werk geleistet. - -Wenn eine bestimmte Gruppe, nachdem sie aus der S.R. Partei austrat, den -Verrat enthüllte, veröffentlichte und ihre Führer an den Pranger -stellte, so ist das ein historisches Verdienst. Vom Standpunkte der -moralischen Rehabilitation könnt Ihr denken, was Ihr wollt. _Uns -interessiert nur, was vom Standpunkte der internationalen Revolution und -der revolutionären Arbeiterklasse nützlich und richtig ist._ - -Seit der Oktoberrevolution wart Ihr unter dem Pseudonym „Komitee zur -Rettung des Vaterlandes und der Revolution“, dann als „Verband der -Wiedergeburt“ und schließlich als „Komitee der Konstituante“ tätig. Nach -der Auflösung der Konstituante kam es so, daß jede zwei S.R., die zwei -Tage lang Mitglied der Konstituante waren, hier und da eine Macht -gründeten und sich für eine Staatsmacht hielten, für die die Partei -keine Verantwortung trägt. Es ist ganz natürlich, daß, sobald in letzter -Zeit die Möglichkeit unter fremdem Namen in Rußland aufzutreten schwand, -Ihr Euch im Auslande ein Pseudonym schaffen mußtet und Ihr habt es Euch -geschaffen. Es verblieb Euch die merkwürdige „Pariser Konstituante“ und -das „Administrative Zentrum“. - -Bei einer flüchtigen Analyse der S.R.-Spitzen muß eine besondere -Tatsache in die Augen fallen: In keiner revolutionären oder -pseudo-revolutionären Gruppierung kann man unter den führenden Kreisen -soviel Millionäre finden wie in der S.R. Partei. Vandervelde ist auch -ein Millionär und sprach hier vor dem Gericht im Namen seiner Millionen -und nicht im Namen von Millionen Arbeitern. Was die S.R. Partei -betrifft, so ist _Gotz Inhaber einer Handels- und Industrie-Firma, -Gunakow macht in Brillanten, Rabinowitsch war Inhaber einer Pelzfirma, -während Semjonow Eigentümer großer Teeplantagen ist_ usw. usw. Der -Kernbestand der S.R. Parteiführer geht nicht einfach aus den Familien -der demokratischen Intelligenz, sondern aus den Familien des -Großkapitals hervor. Der Umstand, daß in die S.R. Partei auch Arbeiter -und Bauern eingetreten sind, bedeutet nichts anderes, als daß in einer -bestimmten geschichtlichen Periode die Handels- und Industriebourgeoisie -und andere bürgerliche Gruppierungen versuchen, mit den Massen in -Verbindung zu treten. Während des Kampfes gegen den Zarismus versuchten -diese Gruppierungen einerseits die Intelligenz auszunützen, andererseits -sich auf das Bauerntum und teilweise auch auf die Arbeiterklasse zu -stützen. Als Resultat entstand eine ihrem sozialen Bestande nach aus -verschiedenen Elementen zusammengesetzte Gruppierung, die sich S.R. -Partei nennt. Es war ganz richtig, als sie Bürger Vandervelde hier mit -den Girondisten verglich, da ja die Girondisten eben eine -_großbürgerliche Gruppierung_ und nicht eine _Kleinbürger- und -Bauerngruppe_ waren. Unsere _russischen Girondisten stützen sich_ auf -dieselbe soziale Basis, und es war nur natürlich, daß sie während der -proletarischen Revolution ihr eigenes Gesicht gezeigt haben. - -Timofejew legt es den Kommunisten zur Last, daß sie als erste den -Bürgerkrieg begonnen haben. Erinnert Ihr Euch, wie wir in die Revolution -eingetreten sind? Ihr habt über den ganzen Apparat der Staatsmacht und -über die ganze Armee verfügt, wir aber waren nur ein kleines Häuflein – -wie Ihr Euch ausdrückt – deutscher Spione. Wenn man die Lage, von Eurem -Gesichtspunkte, von dem Gesichtspunkte der freien Konkurrenz, der für -die Massenorganisation kämpfenden Faktoren aus betrachtet, so waren alle -Vorteile dieses Kampfes auf Eurer Seite. Trotzdem wurdet Ihr geschlagen. -Und wenn wir dann, als wir an der Macht waren, die Euch verhaßte Tscheka -gegründet haben, so geschah das erst später. In dieser ungeheueren -Gärung hat nur diejenige Kraft das Recht zur geschichtlichen Existenz, -die in der gegeebenen historischen Phase das Land _organisieren, über -das Land regieren kann. Weder Nikolaus II. noch Ihr, noch die -Bourgeoisie konnten regieren._ - -Ich erlaube mir, einen Freispruch für die ganze zweite Gruppe zu -fordern, schon aus dem Grunde, weil Ihr, Mitglieder des Revolutionären -Tribunals, ja selbst erklärt habt, daß für Euch der Wille des -organisierten Proletariats nicht gleichgültig ist. Und das zu fordern, -beauftragte mich – wenn auch nicht formell – die Masse der organisierten -Arbeiter. Die Demonstration vom 20. Juni gab mir dieses Mandat. Ich -wandte mich damals an die Masse der demonstrierenden Arbeiter mit der -Frage, ob sie es für richtig halte, daß wir diese und diese Leute -verteidigen, und diese proletarische Riesenmasse antwortete: „Ja, Ihr -seid verpflichtet, es zu tun.“ - -Und nun im Namen dieser Arbeitermassen, die unsere Stellungnahme -billigen, fordere ich einen Freispruch für alle meine Klienten ohne -Ausnahme.“ - -Nach einer kurzen Rede von Sadoul, der für ein mildes Urteil plädiert, -folgt eine Replik des Staatsanklägers Lunatscharskis, in der er auf -verschiedene Einwände der Angeklagten eingeht und besonders ausführlich -auf den Vorwurf Gotz’ zu sprechen kommt, die Absicht wäre, durch diesen -Prozeß die S.R. Partei zu vernichten: „Gotz sagt: Ihr wollt unsere -Partei ermorden!“ Ja, ja, wir wollen es! Dieser Prozeß verfolgt dies -Ziel. Wir werden die Partei vernichten! Denn sie ist schädlich, -abscheulich und lächerlich, ihre Unreife und Unerfahrenheit, wie jede -kleinbürgerliche Schichtung, wie jeder Zwerg, der gegen elementare -Kräfte zu kämpfen gedenkt. - -Krylenko hebt in seiner Replik den Unterschied zwischen alter und neuer -Rechtsauffassung hervor: - -„Hendelmann rollte hier die Frage der prinzipiellen, individuellen und -kollektiven Verantwortlichkeit im strafrechtlichen Sinne auf. Hendelmann -erwähnte das richtige Prinzip, daß in Strafsachen jeder nur für sich die -Verantwortung tragen kann. Ein solches Prinzip war in den alten -zaristischen Gesetzen tatsächlich durchgeführt worden. In unserer -Strafgesetzgebung existiert aber dieses Prinzip nicht. Im gegenwärtigen -Prozeß muß die Frage in folgender Weise gestellt werden: _wenn eine -gewisse führende Körperschaft, die die Tätigkeit aller lokalen -Organisationen leitet, erklärt, daß sie für die Tätigkeit aller dieser -Organisationen die Verantwortung trägt, so unterliegen ihre Mitglieder -einer kollektiven Verantwortung_. - -Auf alle kategorischen Aussagen der zweiten Angeklagtengruppe antworten -die Angeklagten der ersten Gruppe: „Davon ist nichts wahr, das habt Ihr -alles nur erfunden.“ Ich frage Euch nun, aus welchem moralischen, -logischen oder politischen Grunde könnt Ihr behaupten, daß sie lügen? -... Auf die Fragen, die Euch unangenehm sind, antwortet Ihr nicht. - -Ich muß noch einmal auf die bereits in meiner ersten Rede behandelte -Frage des Strafausmaßes zurückgreifen. Ich gehe ausschließlich vom -Standpunkte der Nützlichkeit oder Gefährlichkeit der betreffenden Bürger -aus. Mir scheint, daß diese Frage bereits klar vor uns stehen kann. Es -liegen uns die Erklärungen Gotz, Hendelmanns und Timofejews vor. Gotz -erklärte: „Wir sterben, aber wenn wir sterben, so sterben wir mutig, und -wenn wir leben werden, so werden wir so handeln, wie wir bisher -gehandelt haben.“ Timofejew sagte: „Weder Lossagung noch Reue werdet Ihr -von diesen Bänken hören.“ Und Hendelmann schloß seine Rede mit der -Erklärung, daß sie uns tot und lebendig gefährlich sein werden. - -Wie sollen wir uns diesen Erklärungen gegenüber verhalten? müssen wir -oder müssen wir nicht das höchste Strafausmaß anwenden? Kann denn diese -Frage im Interesse der Staatszweckmäßigkeit anders gestellt werden? -Nein! Wenn wir um uns blicken, was in der Vergangenheit geschah, so -sehen wir: Petrograd – Junkeraufstand – Blut; Moskau – Oktoberaufstand – -Blut. Bei allen Bewegungen in Petrograd wurde Blut vergossen. Ferner: -die Epoche von Archangelsk, wo während eines ganzen Jahres die -englischen Kapitalisten herrschten. Auch dort – Blut und Blut. Samara, -Sibirien, Südrußland – Blut und Blut. Tambow – Blut und Blut. Kronstadt -– wiederum nur Blut und Blut. Überall, wo die S.R. nur auftraten, war -nichts anderes als Blut und Blut. Deshalb können wir hier mit einer -vollständigen Seelenruhe sagen: „Damit in der Zukunft kein Blut oder -weniger Blut fließe, muß hier Blut vergossen werden. - - * * * * * - -Die Angeklagten ergreifen – jeder Einzelne – nochmals das Wort zu -längeren Ausführungen, die sich einen vollen Tag hinziehen; die -Angeklagten der ersten Gruppe beharren auf ihrer gegnerischen -Einstellung, bestreiten noch einmal die Sanktionierung des Terrors durch -das Z.K., verklären die demokratische Idee und bekennen, den Kampf gegen -die Sowjets nicht ruhen zu lassen. Die Angeklagten der zweiten Gruppe -bekennen sich nochmals zu ihren Verbrechen an der Revolution und der -Arbeiterschaft, gestehen ihre Reue und als letzter spricht Semjonow: -„Meine Verbrechen lassen sich weder rechtfertigen noch wieder gutmachen. -Mein revolutionäres Gewissen hat mich bereits verurteilt.“ - - * * * * * - -Nach fünftägiger Beratung wird am 8. August 1922 das Urteil des Obersten -Tribunals des Allrussischen Zentralexekutivkomitees, bestehend aus dem -Vorsitzenden, Genossen G. L. Pjatakow und den Mitgliedern, Genossen O. -J. Karklin und A. W. Galkin verlesen. - -Man führt die Namen der 34 Angeklagten auf, bemerkenswert ist die Angabe -der Klassenzugehörigkeit eines jeden Angeklagten, unter den 34 -Angeklagten befinden sich 29 Personen, die bürgerlichen Verhältnissen -entstammen, Hochschulbildung genossen, in der Marine oder im Heer des -Zaren gedient haben; einige Personen sind vom Adel, der Angeklagte -Utgoff ist der Sohn eines Gendarmerieoffiziers, bei Gotz wird -ausdrücklich vermerkt: Kaufmannssohn, Donskoi, Hendelmann sind die Söhne -von Ärzten, Semjonow ist der Sohn eines Beamten, L. Konoplewa stammt aus -einer Lehrerfamilie. Pelewin ist Bauer, nur Usow, Kozlow und Subkow sind -Arbeiter. Der bürgerliche Charakter der S.R. Partei wird auf diese Weise -noch einmal besonders grell hervorgehoben. Die Arbeiter und Bauern, für -die vielleicht die S.R. Partei durch ihre Tradition noch immer von einem -Schimmer heroischer revolutionärer Tapferkeit umstrahlt war, sollten -wissen, aus welchen Kreisen diese Führer stammten; das Ziel war -Entlarvung der S.R. Partei als einer bürgerlichen Partei, die die -Arbeiterbewegung ins Schlepptau zu nehmen sucht. Immer wieder findet man -mit allem Nachdruck hervorgehoben: die Bewegung richtete sich gegen die -Arbeiter. - -Das Urteil gibt zunächst eine längere marxistische Analyse der -revolutionären Bewegung. In den Vordergrund wird der Kampf um den -Staatsapparat gestellt, dessen sich das Proletariat im Oktober 1917 -bemächtigte. Ihre Vollmacht erhielt die proletarische Regierung vom 2. -Allrussischen Rätekongreß der Arbeiter- und Bauerndelegierten, er -bestätigte am 27. Oktober die durch den Aufstand zur Macht gelangte -Arbeiter- und Bauernregierung. Als ihre erste Aufgabe erblickte sie die -Vernichtung des Widerstandes der Bourgeoisie, das Ziel war: die -Vernichtung der Klassenunterschiede durch Änderung der ökonomischen -Verhältnisse. Die Entscheidungsfrage lautete: Mit der Bourgeoisie oder -gegen sie? Kampf für oder gegen die Sowjetmacht? - -Die S.R. boten alles auf, um die Sowjetmacht zu stürzen. So arbeiteten -sie im Interesse der Bourgeoisie, und im Bunde mit ihr. Das Urteil geht -auf die einzelnen Aktionen ausführlich ein, die sich gegen den Staat, -der zugleich den Vertreter der Interesse der Arbeiter und Bauern -repräsentierte, richteten. - -Schon einen Tag nach der Bestätigung der Sowjetregierung durch den -Rätekongreß marschiert der S.R. Kerenski im Bunde mit dem General -Krasnow gegen Petrograd. In der Stadt selbst erheben sich die Junker -unter Führung eines Stabes, dem der S.R. Gotz angehört, der persönlich -wieder mit Krasnow in Verbindung steht. Krasnow und die Junker werden -geschlagen. Nach ihrer ersten Niederlage versuchen die S.R. einen -technischen Apparat zu organisieren. Für den Tag der Eröffnung der -Konstituante wird der Aufstand geplant, der als Farce endet. Das Gericht -sieht als erwiesen an, daß die S.R. in verschiedenen Regimentern -arbeiteten. Aber die Massen waren nicht zu gewinnen. Das Zentralkomitee -gab seinen Plan auf. Zweiter Mißerfolg. Nach der Auflösung der -Konstituante beginnt die geheime, die konspirative Tätigkeit der S.R. -Eine militärische Organisation arbeitet unter den Soldaten der Roten -Armee. Das Z.K. selbst nimmt Verbindung mit bürgerlichen Verbänden auf -und erhält von ihnen Gelder; man scheut sich sogar nicht mit einer -Organisation Fühlung zu nehmen, die Fäden zum deutschen -Hauptquartier-Ost gesponnen hat. Ein Mitglied der S.R., der Oberst -Postnikow, soll sogar ins deutsche Hauptquartier fahren, um mit dem -Vertreter Ludendorffs zu verhandeln. In Moskau bestehen engste -Beziehungen zu Bürgerwehren und Verbänden der Bischöfe. Die -Spionagetätigkeit in der Armee wurde fortgesetzt, die betreffenden -Organisationen ausgebaut; dabei wurde auf den Oberst Machin hingewiesen, -der als Mitglied der S.R. Partei und im Auftrag des Z.K. einen hohen -Posten in der Roten Armee bekleidete und im Kampf mit der Ufaregierung -zum Feinde überging. - -Der 8. Parteitag im Mai 1918 beschließt den Kampf mit der -Sowjetregierung auf allen Fronten und mit allen Mitteln aufzunehmen. Im -Wolgagebiet, in Archangelsk und Wologda kommt es zu erbitterten Kämpfen. -In Verbindung mit der französischen Mission gewinnt die S.R. die -tschechoslowakische Legion, die unter Führung französischer Offiziere -offenen Krieg mit den Sowjets führt. Die Tschechoslowaken werden die -Elitetruppe der Regierung von Samara, die sich unter Führung der S.R. -bildet. An der Regierung beteiligen sich Vertreter des Großgrundbesitzes -und der Industrie. In Archangelsk operieren die S.R. in engster Fühlung -mit den Ententetruppen und der russischen Bourgeoisie. In diesen Kämpfen -fiel den S.R. die entscheidende politisch organisatorische Rolle zu, -während die militärische Führung in den Händen der Ententegenerale und -russischer Weißgardisten lag. - -In der Ukraine, in Kuban und am Don bestanden Verbindungen zwischen den -S.R. und den dortigen sowjetfeindlichen Regierungsorganen. In der -bürgerlichen ukrainischen Rada sanktionierte die S.R. Fraktion die -Okkupation der Ukraine durch den deutschen und österreichischen -Imperialismus. Direkt oder indirekt erhielt die Partei finanzielle -Unterstützung von den Missionen der Verbündeten. Ferner bestand eine -direkte organisatorisch-persönliche Verbindung des Z.K. mit Vertretern -der Entente. Außerdem bestand eine enge Verbindung mit bürgerlichen -Organisationen; genannt werden die Organisation Filonenko, Iwanow und -der „Verband der Wiedergeburt“, dem Kadetten und weiter rechtsstehende -Vertreter angehören. Es kam zur Bildung einer zukünftigen russischen -Regierung, dem „Allrussischen Direktorium“, in dem Führer der S.R. -saßen. - -Nach dem Siege der Roten Armee 1919 vollzog sich ein Umschwung. Einige -Mitglieder der Konstituante von Samara gaben eine Erklärung ab, in der -sie auf den bewaffneten Kampf gegen die Sowjetmacht verzichteten. Aber -das Plenum des Z.K. spricht sich gegen jede Versöhnung mit den Sowjets -aus und veranlaßt sogar eine Untersuchung gegen die versöhnlichen -Mitglieder des Z.K. Diese Wendung hat den Austritt verschiedener -Mitglieder zur Folge. Um so entschiedener wird die Haltung der -Unversöhnlichen. Eine Resolution des Z.K., von Gotz, Helene Ratner und -Timofejew unterzeichnet, erklärt: - -„Die S.R. Partei darf ihre alten Positionen nicht verlassen und nicht -für einen einzigen Moment auf den bewaffneten Angriff verzichten. Wenn -die Bewegung ... gegen die Bolschewiki im gegebenen Augenblick nicht -erneuert werden kann, so wird die Aufgabe unserer Partei in der weiteren -Vorbereitung der Massen und Zusammenfassung der Elemente der Demokratie -bestehen, dort, wo diese Elemente sich noch erhalten haben.“ - -Am 13. Mai 1920 erläßt das Z.K. ein Rundschreiben, das einen bestimmten -Arbeitsplan der S.R. auf dem flachen Lande enthält: 1. Befestigung der -organisatorischen Position der S.R. Partei unter den sowjetfeindlichen -Elementen des Dorfes; 2. Provozierung bewaffneter Zusammenstöße der -Bauern mit der Sowjetmacht. - -Eine Folge dieses Zirkulars sieht das Urteil in der Bauernrebellion in -Tambow unter Führung des Banditen Antonow. 1921 versuchten die S.R. eine -ähnliche Bewegung in Sibirien zu organisieren. Für die Teilnahme der -S.R. an Unruhen in den Küstengebieten des Schwarzen Meeres wird ein -Aufsatz des Oberst Machin herangezogen; ferner gilt als Beweis ein -Aufsatz Tschernows, in dem die Taktik der S.R. gerühmt wird, endlich -Akten des „Administrativen Zentrums“. Der Oberst Woronowitsch wurde zu -den Aufständigen entsandt. - -Das „Administrative Zentrum“ beauftragt Woronowitsch in einem Briefe vom -19. August 1921, gezeichnet vom Sekretär der S.R. Partei, Fabrikant, -„mit der Bauernorganisation am Schwarzen Meer, mit dem Obersten Stab der -Bauernwehr usw. Verbindungen herzustellen.“ - -Die Septemberkonferenz der S.R. im Jahre 1920 beschloß in einer -Resolution den „bewaffneten Sturz der bolschewistischen Diktatur“. -Darauf senden die in Haft befindlichen Mitglieder der S.R. Partei Gotz, -Hendelmann, Wedenjapin, Donskoj, Lichatsch, Morosow, Rakow, H. Ratner, -Timofejew und Zeitlin anläßlich jener Resolution einen Brief an das -neugewählte Z.K., in dem es heißt: „Mit Freude erfuhren wir den -günstigen Ausgang der 10. Konferenz. Die 10. Konferenz erkennt -vollkommen richtig, daß die Hauptaufgabe der Partei in der Liquidierung -der Diktatur der gegenwärtig herrschenden Regierung besteht.“ - -Der Kronstadter Aufstand im Jahre 1921 ist von den S.R. gefördert -worden. Hinweise auf Telegramme und Artikel Tschernows, Akten des -„Administrativen Zentrums“. - -Einen breiten Raum nehmen im Urteil die Feststellungen des Obersten -Tribunals hinsichtlich der terroristischen Akte, Expropriationen und -Sprengungen ein. - -1. Wird auf eine Erklärung der S.R. Gotz, Ratner und Tschernow -hingewiesen, in der terroristische Akte gebilligt wurden. Dieser -Erklärung wurde nicht widersprochen. - -2. Im Februar 1918 fand eine Aussprache über den Terror im Z.K. statt. -Das Urteil stellt folgendes fest: Bei der Erwägung der Frage im Z.K. -kamen zwei Ansichten zum Ausdruck. Es gelang dem Gerichte nicht, den -Text des Z.K.-Beschlusses festzustellen. Es wurde nur festgestellt, daß -in der Motivierung die Mitglieder des Z.K. nicht einig waren. Eine -Motivierung wurde nicht angenommen, der Berichtigungsantrag des -Z.K.-Mitgliedes Zuntin (eines Gegners des Terrors) wurde abgelehnt; die -Resolution Tschernows (Anhänger des Terrors) wurde angenommen. Zuntin -trat aus dem Z.K. aus. Der Beschluß des Z.K. wurde nicht nur nicht in -weiteren Kreisen veröffentlicht, sondern war nicht einmal den -verantwortlichen Parteifunktionären bekannt, wie z. B. dem Leiter der -Militärkommission beim Z.K., Daschewski. Als Tschernow auf die -Enthüllungen Semjonows und Konopljewas hin die terroristische Tätigkeit -der S.R. Partei in Abrede stellte, hat er nicht ein einziges Mal diesen -Beschluß erwähnt. - -3. Hinweis auf die Terrorgruppe Semjonow, die von Z.K.-Mitgliedern -Aufträge erhielt. - -4. Als erwiesen wird angesehen, daß diese Gruppe von den -Z.K.-Mitgliedern Gotz und Donskoi Weisungen erhielt und auf Befehl des -Z.K. oder einer Gruppe von Z.K.-Mitgliedern handelte. - -5. Die Z.K.-Mitglieder Gotz, Donskoj, Gerstejn und der Bevollmächtigte -des Z.K. Rabinowitsch nahmen an der Organisation terroristischer -Aktionen, Expropriationen und Sprengungen teil. Die Z.K.-Mitglieder -Timofejew, Iwanow, H. Ratner und Wedenjapin hatten wenigstens teilweise -von dieser Tätigkeit Kenntnis. - -6. Die Ermordung des Genossen Wolodarski, das Attentat auf den Genossen -Lenin, das Attentat auf den Eisenbahnzug des Genossen Trotzki wurde -durch die Kampforganisation der Partei organisiert. Der Mörder des -Genossen Wolodarski, Sergejew und die Attentäterin auf den Genossen -Lenin, F. Kaplan, waren Mitglieder dieser Organisation und der S.R. -Partei. - -7. Diese Kampforganisation beging eine Reihe von Expropriationen, das -auf der Station Buij von Angestellten des Ernährungskommissariats -entnommene Geld im Betrage von ungefähr einer Million Rubel wurde auf -Beschluß des Z.K. in seine Kasse eingezahlt. - -8. Der Agent der französischen Mission für Sprengungen, Henry Virtimon, -stand mit dem Z.K. und mit Timofejew in enger Verbindung und erwies der -Sprengungsgruppe des Z.K. eine materielle Unterstützung. Timofejew hielt -die Annahme dieser Unterstützung für unbedenklich. - -9. Die Teilnahme aller Mitglieder des Z.K. an dieser verbrecherischen -Tätigkeit ist bewiesen worden. Die Teilnahme der Z.K.-Mitglieder und -anderer Parteimitglieder an den terroristischen Aktionen, -Expropriationen und an der Sprengungsarbeit wird in bezug auf jeden -Angeklagten einzeln festgestellt. - -Das Tribunal kam für die einzelnen Angeklagten zu folgenden -Feststellungen: - -Gotz, Wedenjapin, Hendelmann, Donskoi, Gerstein, Lichatsch, Iwanow, -Ratner-Elkind, Rakow, Federowitsch, Timofejew waren Mitglieder des Z.K. -der S.R. Partei, deren Ziel der Sturz der Arbeiter- und Bauernregierung -war, die Hochverrat im Bunde mit fremden Mächten beging, Verträge -verletzte, die die Sowjetrepublik abgeschlossen hatte, und Gebiete von -der Republik abzutrennen suchte. Gotz, Donskoi und Gerstein leiteten die -Tätigkeit terroristischer Terrorgruppen, die Attentate auf Lenin und -Trotzki planten und Wolodarski töteten. Timofjejew, Iwanow, H. Ratner, -Wedenjapin sind als Mitwisser zu verurteilen; ferner empfingen sie -Gelder, die in einem staatlichen Büro geraubt waren. Donskoi war -Anstifter dieses Raubes. Endlich unterhielten sie Beziehungen zu -ausländischen Staaten, die sich mit der Sowjetrepublik im Kriegszustand -befanden! Sie leiteten Sprengungsarbeiten. - -Artemjew, Morosow und G. Ratner waren Mitglieder des Moskauer Büros der -Z.K. und führten mit einigen Mitgliedern des Z.K. die ganze Tätigkeit -der Partei auf dem Gebiete der Arbeiter- und Bauernregierung. Sie haben -von der Existenz der Semjonowschen Kampfgruppe Kenntnis gehabt. - -Agapow, Altowski, Liberow, Gorkow, Lwow, Berg, Slobin, H. Iwanowa und -Utgoff waren Mitglieder verschiedener führender Organe der S.R. Partei -und vollzogen die Direktiven ihres Zentralkomitees; außerdem leitete -Agapow die Sprengungsgruppe des Z.K., die für Sprengungen, -Brandstiftungen und Zerstörung der Verkehrswege zu gegenrevolutionären -Zwecken organisiert wurde. - -Semjonow, Konopljewa, H. Iwanowa, Ussow, Subkow, Fedorow-Koslow, -Jefimow, Pelewin nahmen an der Tätigkeit der Kampfgruppe des Z.K. teil, -die terroristische Aktionen gegen die Führer der proletarischen -Revolution, bewaffnete Überfälle und bewaffnete Plünderungen zugunsten -der S.R. Partei ausführte, wobei Semjonow der Führer dieser Gruppe war, -und Semjonow, Konopljewa und Iwanowa für ihre Verbindung mit dem Z.K. -sorgten. Stawskaja trat später in die erwähnte Gruppe ein, nahm aber an -ihrer Tätigkeit keinen tatsächlichen Anteil. - -Daschewski leitete die militärische Organisation der S.R. Partei, wofür -er amnestiert wurde; außerdem aber half er der Ausführerin des -Attentates auf Genossen Lenin, dem Mitglied der S.R. Partei, Fanny -Kaplan, bei ihrem Eintritt in die Semjonowsche Kampfgruppe und hatte von -der Existenz dieser Gruppe Kenntnis. - -Ignatjew war Mitglied des Z.K. der Volkssozialistischen Partei und -handelte in unmittelbarer Verbindung mit den Mitgliedern des Z.K. der -S.R. Partei; nahm bis zu seiner Verhaftung an der gegenrevolutionären -Tätigkeit zum Sturze der Sowjetmacht teil, trat dem Komitee zur „Rettung -des Vaterlandes und der Revolution“ bei, beteiligte sich an der -Tätigkeit dieser Organisation gegen die Sowjetmacht, setzte sich mit den -gegenrevolutionären Organisationen Filonenkos und Iwanows und mit der -militärischen Kommission der S.R. Partei in Verbindung, trat in den -Kriegsstab des Verbandes der Wiedergeburt ein, wohnte den Sitzungen des -politischen Zentrums des Verbandes der Wiedergeburt bei und leitete die -gegenrevolutionären Aktionen in Wologda. Er setzte sich außerdem mit den -Vertretern der verbündeten Missionen und weißgardistischen -Organisationen in Verbindung, um die Sowjetmacht zu stürzen. - -Demzufolge verfügt das Tribunal: - -1. G. M. Ratner freizusprechen. - -2. J. W. Moratschewski wegen Mangel an Beweisen freizusprechen. - -3. Die Schuld der Angeklagten F. J. Stawskaja gemäß Paragraph 213 des -Strafgesetzbuches (Kriegsspionage) als unbewiesen zu betrachten. - -Das Tribunal verurteilt: - -4. P. W. Slobin, in Anbetracht des unbedeutenden Umfanges seiner -gegenrevolutionären Tätigkeit, seiner Nichtteilnahme an der illegalen -Tätigkeit der S.R. Partei während der letzten Zeit, seiner gutgesinnten -Arbeit in den Sowjetbehörden, auf Grund des Paragraphen 60 des -Strafgesetzbuches mit Anwendung des Paragraphen 28 zu zwei Jahren -Kerkerstrafe bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit unter Anrechnung -der Untersuchungshaft. - -5. G. R. Gorkow-Dobrolubow, in Anbetracht des unbedeutenden Umfanges -seiner gegenrevolutionären Tätigkeit und seiner prinzipiell ablehnenden -Haltung zum bewaffneten Kampfe, auf Grund des Paragraphen 60 mit -Anwendung des Paragraphen 28 zu drei Jahren Kerkerstrafe bei strenger -Einzelhaft, Zwangsarbeit, unter Anrechnung der Untersuchungshaft. - -6. W. R. Utgoff-Deruschinski, J. S. Berg und M. L. Lwow auf Grund des -Paragraphen 16, aber in Anbetracht des unbedeutenden Umfanges ihrer -gegenrevolutionären Handlungen, zu fünf Jahren Kerkerstrafe bei strenger -Einzelhaft und Zwangsarbeit, unter Anrechnung der Untersuchungshaft. - -7. P. N. Pelewin auf Grund der Paragraphen 76 und 68 zu drei Jahren -Kerkerstrafe bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit unter Anrechnung -der Untersuchungshaft. - -8. K. A. Usow, F. W. Subkow und F. F. Federow-Koslow auf Grund der -Paragraphen 64, 76 und 68, Subkow außerdem auch auf Grund des -Paragraphen 65, in Anbetracht der Größe ihres Verbrechens, aber mit -Rücksicht darauf, daß sie keine führende Rolle gespielt haben und mit -Rücksicht auf ihre proletarische Abstammung zu fünf Jahren Kerkerstrafe -bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit unter Anrechnung der -Untersuchungshaft. - -9. P. T. Jefimow auf Grund der Paragraphen 64, 76 und 68 zu zehn Jahren -Kerkerstrafe bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit, unter Anrechnung -der Untersuchungshaft. - -10. A. W. Liberow und N. I. Artemjew auf Grund des Paragraphen 60 zu -zehn Jahren Kerkerstrafe bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit, unter -Anrechnung der Untersuchungshaft. - -11. D. F. Rakow, F. F. Federowitsch und M. A. Wedenjapin auf Grund der -Paragraphen 57, 58, 60, 62 und 65, ungeachtet dessen, daß sie Mitglieder -des Z.K. sind, mit Rücksicht auf ihr Schlußwort, zu zehn Jahren -Kerkerstrafe bei strenger Einzelhaft und Zwangsarbeit unter Anrechnung -der Untersuchungshaft. - -12. A. R. Gotz, D. D. Donskoj, B. J. Gerstejn, M. J. -Hendelmann-Grabowski, M. A. Lichatsch, N. N. Iwanow, E. M. -Ratner-Elkind, E. M. Timofejew, S. W. Morosow, W. W. Agapow, A. I. -Altowski, W. I. Ignatjew, G. I. Semenow, L. W. Konopljewa, E. A. -Iwanowa-Iwanowa – zum Tode durch Erschießen. - -In Anbetracht dessen jedoch, daß Ignatjew sich von seiner -gegenrevolutionären Vergangenheit unwiderruflich lossagte, der -Sowjetmacht dient und als sozial-ungefährliches Element zu betrachten -ist, wendet sich das Tribunal auf Grund des Punktes 3 des Paragraphen -330 der Strafprozeßordnung an das Präsidium des Allrussischen -Zentral-Exekutivkomitees mit dem Ersuchen, Ignatjew von der Strafe zu -befreien. - -Bezüglich Semjonow, Konopljewa, Jefimow, Usow, Subkow, Federow-Koslow, -Pelewin, Stawskaja und Daschewski stellt das Tribunal fest: diese -Angeklagten haben sich beim Begehen ihrer schweren Verbrechen -wohlmeinend irreführen lassen und nahmen an, daß sie im Interesse der -Revolution kämpften; als sie aber die gegenrevolutionäre Rolle der S.R. -Partei begriffen, traten sie aus der Partei und verließen das Lager der -Feinde der Arbeiterklasse, in das sie durch einen tragischen Zufall -geraten sind. Die genannten Angeklagten haben den ganzen Umfang der -Ungeheuerlichkeit ihrer Verbrechen erkannt. Das Tribunal ist überzeugt, -daß sie in den Reihen der Arbeiterklasse mannhaft und selbstlos für die -Sowjetmacht gegen alle ihre Feinde kämpfen werden, und ersucht auf Grund -des Punktes 3 des Paragraphen 330 der Strafprozeßordnung das Präsidium -des Zentral-Exekutivkomitees um volles Erlassen ihrer Strafe. - -Auf Grund des Paragraphen 42 des Strafgesetzbuches verurteilt das -Tribunal außerdem die Angeklagten Artemjew, Wedenjapin, Gorkow, Slobin, -Lwow, Rokow, Federowitsch, Utgow, Liberow, Berg zum Verlust ihrer -bürgerlichen Rechte, und zwar auf Grund der Punkte a, b und c des -Paragraphen 40 des Strafgesetzbuches, auf die Dauer von fünf Jahren. - -Das Tribunal ordnet die Verhaftung der Angeklagten Ignatjew, Konopljewa, -Stawskaja, Semjonow und Usow an. - -Die Beweisgegenstände und Dokumente sind dem Archiv der -Oktoberrevolution zu übergeben. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens -trägt die Staatskasse. - - Der Vorsitzende des Tribunals: G. P. Pjatakow. - Mitglieder: O. Karklin, A. Galkin. - -Noch am gleichen Tage erscheint eine Verfügung des Allrussischen -Zentral-Exekutivkomitees, in der es heißt: - -1. Das Urteil des Obersten Tribunals bezüglich der Angeklagten Gotz, -Donskoj, Gerstein, Hendelmann-Grabowski, Lichatsch, H. Iwanow, E. -Ratner-Elkind, Timofejew, Morosow, Agapow, Altowsky und E. -Iwanow-Iwanowa wird bestätigt, der Vollzug der Strafe ist jedoch -aufzuschieben. - -Wenn die Partei der Sozialrevolutionäre ihre -unterirdisch-verschwörerische, terroristische, aufständische und -Kriegsspionage-Tätigkeit gegen die Sowjetmacht auch in der Tat -einstellt, wird sie dadurch auch jene ihre führenden Mitglieder von der -Todesstrafe befreien, die in der Vergangenheit diese Tätigkeit leiteten -und selbst am Prozeß die Absicht aussprachen, diese Tätigkeit auch in -der Zukunft fortzusetzen. - -Die Anwendung der Methoden des bewaffneten Kampfes gegen die Arbeiter -und Bauernmacht durch die Partei der Sozialrevolutionäre hingegen wird -das unvermeidliche Erschießen der verurteilten Aufwiegler und -Organisatoren gegenrevolutionärer Terroraktionen und Aufstände nach sich -ziehen. - -Sowohl die zum Tode Verurteilten, wie auch die zu langfristiger -Kerkerstrafe Verurteilten verbleiben in strenger Haft. - -2. Bezüglich Semjonow, Konopljewa, Jefimow, Usow, Fedorow-Koslow, -Pelewin, Stawskaja, Daschewski und Ignatjew beschloß das Präsidium des -Allrussischen Zentral-Exekutiv-Komitees, dem Ersuchen des Obersten -Tribunals über das völlige Erlassen ihrer Strafe stattzugeben. - -Moskau, den 8. August 1922. - - Vorsitzender des Allrussischen Zentral-Exekutiv-Komitees: - Gez. M. Kalinin. - - Sekretär des Allrussischen Zentral-Exekutiv-Komitees: - Gez. A. Enukidze. - -Wenige Monate später wird das Todesurteil überhaupt zurückgezogen, als -Strafe fünfzehnjährige Haft festgesetzt. 1924 wurde das Urteil endgültig -auf 5 Jahre Haft beschränkt. Im Jahre 1927 sind sämtliche Angeklagten in -Freiheit, wenn nicht zuvor ein internationaler Austausch der politischen -Gefangenen erfolgt ist. Es hängt von den westeuropäischen Regierungen -ab, ob diese Aktion durchgeführt wird! - - * * * * * - -Dies Urteil ist ein Friedensvertrag heutiger Zeit. Mit seiner -Ratifikation schließt eine große Periode russischer Geschichte ab, die -jedoch nicht nur die Geschichte der revolutionären Bewegung des -Proletariats geworden ist, sondern zugleich auch die Geschichte der -Eroberung des Staatsapparates durch das Proletariat. Erst seit diesem -Prozeß ist ein einheitliches proletarisches Rußland geschaffen; die S.R. -Partei hat nach diesem Prozeß in Rußland jeden Boden verloren und ihre -illegale konspirative Tätigkeit eingestellt. Außenpolitisch haben die -Interventionsversuche vorläufig einen Abschluß gefunden. Soweit bekannt -geworden ist, beschränkt sich die S.R.-Presse der Emigranten auf den -Papierkrieg gegen Sowjetrußland. Der russischen Arbeiterregierung blieb -eine Atempause, in der sie ihren Staat ausbauen konnte. - -So war dieser Prozeß mehr als ein politischer Prozeß kriminellen -Charakters. Nur so läßt sich auch die tiefe Erregung erklären, die seine -Verhandlungen in Europa auslösten. Noch einmal standen sich die Mächte -der Vergangenheit und Gegenwart gegenüber, allerdings mit ungleichen -Waffen. Nie ist so klar geschieden worden: Vertreter des Proletariats – -Verführer des Proletariats. Der S.R.-Prozeß war der Abschluß einer -großen historischen Epoche, aber er war zugleich eine erste große -öffentliche gerichtliche Abrechnung jener Vertreter des -Proletariats, die die Souveränität des Proletariats forderten, die -Klassenkampfauffassung bis in ihre letzten Konsequenzen verfochten, -während die S.R. eine Volksgemeinschaft nach westeuropäischen Prinzipien -verlangten, in der die Klassengegensätze verwischt werden. Der neue -Staat schloß diese Männer aus seiner Gemeinschaft aus, für ihn waren sie -Außenseiter, für jene aber wie für die bürgerliche Welt waren die -Vertreter jenes Staatsprinzips Außenseiter. So bekämpften sich zwei -Welten. Die Tragik der S.R. ruht in ihrer Halbheit, ihrem Schwanken. - -Wir müssen noch einmal auf den Terror zu sprechen kommen. Das Gericht -gewann die Überzeugung, daß die Partei einen gemeinsamen Beschluß nicht -gefaßt hat, es gab Strömungen für und wider den Terror. Aber selbst wenn -man annehmen wollte, das Gericht hätte sich geirrt und Gotz oder Donskoi -hätten wirklich nicht ihre Sanktion gegeben, oder sie nur als -Privatpersonen erteilt, bleibt immer wieder die Frage offen: aber -weshalb rückte das Z.K. nicht von der Terrorgruppe ab, weshalb erfolgte -keine Mißbilligung dieser Taten, weshalb gab man nur öffentlich die -Erklärung ab, die Partei sei an den Taten nicht beteiligt?! Wie anders -verhielten sich die S.R. in der Zarenzeit! Da verteilte man Flugblätter -und verkündete das Todesurteil öffentlich, da ging man vor Gericht und -zur Hinrichtung wie ein Märtyrer, ein Bote der Freiheit. Weshalb jetzt -diese Unklarheiten, diese Unaufrichtigkeit, dies Leugnen, diese -Widersprüche? Weil man mit sich selbst im Hader lag und nicht mehr an -seinen Sieg glaubte. Gotz konnte kein vernichtenderes Geständnis machen, -als er das Resumé der Tätigkeit seiner Partei zog: „Wir hatten die -Massen nicht hinter uns!“ - - * * * * * - -Es ist immer gesagt worden, die Sowjetrepublik hatte nicht das Recht, -über die S.R. zu Gericht zu sitzen; sie hatte durch die „Neue -ökonomische Politik“ das Recht verwirkt, über Konterrevolutionäre zu -richten. Der Prozeß fand in einem Zeitpunkt statt, in dem der -Kriegskommunismus aufgegeben und zu einer Art Staatssozialismus -übergegangen wurde. Aber gerade in dieser Zeit war die Sowjetrepublik -verpflichtet, die Grenzen zwischen sich selbst und den Vertretern der -Demokratie scharf zu ziehen. Und bis zum heutigen Tage sieht die -kapitalistische Welt im Außenhandelsmonopol das schwerste Hindernis -ihrer Expansions- und Kolonisationsbestrebungen in Rußland, ein -Hindernis, das Austen Chamberlain nicht anders als durch einen neuen -„Heiligen Krieg“ überwinden zu können glaubt. Die Republik hatte kein -Recht, sich gegen eine Partei zu wehren, die bis zum Tage der -Verhandlungseröffnung alle Hebel in Bewegung setzte, um die Republik zu -stürzen und dem europäischen Proletariat, das immer stärker in die -Defensive gedrängt wurde, den letzten Rückhalt zu rauben?! Der Staat -sollte sich nicht gegen seine erbittertsten Feinde wehren, deren -Schlußwort noch vor dem Tribunal lautete: „Wir werden euch mit allen -Mitteln bekämpfen!“? - - * * * * * - -Auch die deutsche Republik hat Prozesse gegen ihre Feinde führen müssen. -Wir brauchen hier nicht auseinanderzusetzen, wie der Prozeß gegen -Hitler, wie er gegen die sogenannte Tscheka geführt wurde. Zwischen -Extremen schwankt die deutsche Justiz, nach Willkür, nach Zeit; sie -scheint subjektiv. In denselben Tagen, in denen Rathenau ermordet wurde, -verhandelte man in Moskau gegen die S.R. Im Rathenau-Prozeß wurde an die -Drahtzieher nicht gerührt, nie wurde versucht, die Geldgeber -festzustellen, nie wurde das Netz von Verschwörercliquen zerstört, nie -wagte man sich an die wahren Auftraggeber heran. Im S.R.-Prozeß spielten -die Attentäter die geringere Rolle – man drang in die Hinterzimmer vor, -man stieg in die Abgründe und entdeckte die Auftraggeber in den -Kabinetten der Ententemissionen, in den geheimnisvollen -Absteigequartieren der Mitglieder des Z.K. der S.R. Im Hitler-Prozeß -sind nie gewisse Verbindungen zwischen Parteiführern und Hitler enthüllt -worden, die Geldgeber blieben diskret hinter dem Vorhang – Geld spielt -in der bürgerlichen Welt eine diskrete Rolle. Wie anders im S.R.-Prozeß! -Die ganze Front der Gegenrevolution wird entlarvt, geheime Verbindungen -werden ans Licht gezogen, illegale Organisationen festgestellt – es gab -kein Geheimnis, vor dessen Enträtselung man zurückschreckte, nirgends -ein Vertuschungsmanöver, nirgends ein Versuch zu verschweigen, zu -beschönigen. Die Republik hatte ihre Feinde erkannt, entlarvt, sie -wollte sie vernichten. - -Das Oberste Tribunal war ein Klassengericht. Daraus wurde kein Hehl -gemacht. Der Staatsgerichtshof der Deutschen Republik tat sich etwas -zugute auf seine Objektivität und fällte seine Urteile im Interesse der -mächtigsten Klasse. Das Oberste Tribunal hatte die Interessen der -Schichten im Auge, die der Staat repräsentierte. Der Staatsgerichtshof -entschied im Interesse der Mächte, die den Staatsapparat wieder fest in -ihre Hand zu gewinnen suchten. Das Oberste Tribunal wollte ein -Klassengericht sein, der Staatsgerichtshof ist es. Man braucht nicht -immer erst zu bekennen, was man ist. Man ist, was man ist. Das Wesen der -Staatsform deckt sich nicht immer mit den Interessen der stärksten -Mächte im Staate, in einer Demokratie, der biegsamsten Form, nun schon -gar nicht, ja _sie_ gerade liefert heterogensten Machtgruppen je nach -den Umständen die besten Werkzeuge, so lange man nicht wagt an den -ökonomischen Grundlagen zu rütteln. Die Bolschewiki haben diese -Grundlagen revolutioniert und eine Einheit zwischen Staatsform und -Klasseninteresse geschaffen, die sich nicht je nach den Umständen -maskieren läßt. - - * * * * * - -„Anfangs trat Mitjä dicht an Aljoscha heran, und plötzlich küßte er ihn. -Seine Augen brannten. - -..., Aljoscha, ich habe in diesen zwei letzten Monaten einen neuen -Menschen in mir entdeckt ... Dieser Mensch war immer in mir verborgen, -doch es wäre mir nie zum Bewußtsein gekommen, daß ich ihn in mir trug, -wenn Gott nicht dieses Gewitter geschickt. Unheimlich ist das Leben! ... -Man kann auch dort in den Erzgruben Sibiriens neben sich in genau solch -einem Zwangsarbeiter und Mörder ein menschliches Herz finden ... Und -ihrer gibt es so viele dort unter der Erde, Hunderte, und wir alle haben -schuld an ihnen! ... Denn alle sind für alle schuldig ... Und so gehe -ich denn für alle, denn irgend jemand muß doch für alle gehen! Ich habe -meinen Vater nicht erschlagen, aber ich muß hingehen. Ich nehme es auf -mich!“ - - * * * * * - -Gotz und Donskoi und Timofejew und die anderen haben Wolodarski -erschlagen lassen, sie wollten die Revolution töten, aber sie nahmen es -nicht auf sich. Ihre Freunde im Ausland schlossen sich zu konspirativen -Umtrieben zusammen, und als vor Gericht den Angeklagten die Dokumente -unterbreitet wurden, nahmen sie es wieder nicht auf sich. Aus falscher -Solidarität, mehr noch vielleicht aus Unvermögen, einen furchtbaren -Konflikt lösen zu können. „Sind die Dokumente echt?“ fragten zweifelnd, -zögernd die Gotz und Timofejew. Lag nicht in dieser Frage schon ein -Geständnis? rückten sie nicht mit ihr schon von den Auslandsdelegierten -ihrer Partei ab? Und dennoch zögerten sie, ein entscheidendes Wort zu -sagen. Die bürgerliche Meinung hätte ihnen zugeschrien: Feiglinge, -Verräter. Vielleicht war diese Zwangslage für die Angeklagten der ersten -Gruppe der furchtbarste seelische Konflikt. Das Material belastete die -Partei vor den russischen Arbeitern und Bauern am stärksten. Nun stand -ihre Partei so offensichtlich als die Partei der Interventionsmethoden -da – im Bunde mit dem Ausland, den Mächten des Versailler Vertrags, den -erbittertsten Feinden der Sowjetrepublik. Wer dachte nicht noch -schaudernd der Bürgerkriege, der gräßlichen Kämpfe mit den Weißen auf -allen Fronten; und hatte nicht gerade dieser siegreiche Kampf gegen -Entente und Weiße die Masse des Volkes geeint? Und nun war diese S.R. -Partei im Begriff, das Verbrechen wider die Nation zu erneuern? und -diese Angeklagten rückten nicht von solchen Methoden ab?! „Wir sind -nicht für diese Umtriebe verantwortlich, wir sitzen seit Jahr und Tag in -Haft.“ „Doch, ihr seid verantwortlich nach den Grundsätzen der -Kollektivität, nach der Auffassung, daß die Geschichte der Menschheit -eine Geschichte der Klassenkämpfe ist. Steht ihr diesseits oder jenseits -der Barrikade?“ - -Und im bitteren Konflikt entschieden sich die Angeklagten für ihren -Untergang – vielleicht waren sie dann „moralisch“ gerettet, hatten sie -moralisch gesiegt. So nahmen sie es nicht auf sich. - - * * * * * - -Es gibt noch eine Stelle in den „Brüdern Karamasoff“. Aljoscha verläßt -Mitjä und sucht Iwan auf, der es auf sich nahm und sich als Mörder -fühlte. - -„Iwan Fedorowitsch blieb plötzlich stehen. - -‚Wer ist denn deiner Meinung nach der Mörder?‘ fragte er kalt, und es -klang ein hochmütiger Ton in seiner Frage. - -‚Du weißt es selbst, wer,‘ entgegnete Aljoscha leise und ruhig ... - -Aljoscha fühlte, wie er plötzlich am ganzen Körper zitterte. - -‚Du weißt es selbst, wer,‘ kam es kraftlos aus ihm heraus. Er konnte -kaum atmen. - -‚Aber wer denn, wer?‘ schrie ihn Iwan wild auffahrend an. Seine ganze -Zurückhaltung war plötzlich verschwunden. - -‚Ich weiß nur das eine,‘ sagte Aljoscha immer noch im selben kraftlosen -betäubten Flüsterton: ‚– _nicht du_ hast den Vater erschlagen.‘ - -‚Nicht du!‘ Was heißt das, ‚nicht du?‘ Iwan stand wie erstarrt vor -seinem Bruder. - -‚Nicht du hast den Vater erschlagen, nicht _du_, _nicht du_!‘ -wiederholte Aljoscha fest. - -Sie schwiegen. Lange dauerte das Schweigen. - -‚Ich weiß es doch selbst, daß nicht ich es getan habe, redest du im -Fieber?‘ sprach schließlich Iwan, und er lächelte ein bleiches, -verzerrtes Lächeln. - -Er hatte sich mit den Blicken gleichsam festgesogen an den Bruder. Sie -standen sich beide wieder bei einer Straßenlaterne gegenüber. - -‚Nein, Iwan, du hast dir selbst wiederholt gesagt, daß du der Mörder -seiest!‘ - -‚Wann habe ich es gesagt? ... Ich war in Moskau ... Wann habe ich es -gesagt?!‘ stotterte Iwan mit abirrendem Blick ... - -... ‚Du hast dich beschuldigt und hast dir gesagt, daß der Mörder kein -anderer sein könne als du. Aber nicht du hast ihn erschlagen ...‘“ - - * * * * * - -Der andere tragische Konflikt entspann sich im Kampf zwischen den -Angeklagten der ersten und zweiten Gruppe. Die erste Gruppe -repräsentierte die Partei, wollte sie retten, mußte sie retten, stand -für sie. Um die Partei ging der Kampf, um diese geschlagene, sterbende, -ja schon verwesende Partei. Deshalb scheues Zurückziehen ins Zwielicht -von Höhlen, deshalb Zagen, Schwanken, Widersprüche. Es ging im Grunde -nie um Personen, immer um Parteien. Die anderen fühlten sich verraten, -geopfert, mißbraucht, irregeleitet. Sie waren überfahren worden und -wollten wieder aufstehen. Sie waren immer die Aktiveren, -Entschlosseneren gewesen, ja sie hatten die Partei vorwärts gedrängt, -ihr Impulse ins Blut gejagt, sie waren der eigentliche handelnde Körper, -dessen Seele zermürbt und hoffnungslos war. Ihre Einstellung gegen die -Sowjets war vor allem durch den Abschluß des Brester Friedens bestimmt, -der ja selbst in den Reihen der Bolschewiki eine tiefgehende Krisis -gezeitigt hatte, die nur die Parteidisziplin wieder überwand. Wir -wissen, wie die Demütigung der Nation die Gemüter bedrückt und verwirrt. -Der Brester Vertrag mußte doppelt schwer empfunden werden: denn er war -nicht nur die Demütigung einer Nation durch die andere; er war die -Demütigung einer Klasse durch die Klasse, die man eben im eigenen Lande -erst besiegt hatte – zum ersten Male in der ganzen Geschichte der -Menschheit – so entscheidend, so wuchtig. Und nun stürzte man wieder in -den Abgrund. - -So läßt sich begreifen, weshalb alte Parteigenossen sich von der Parole -des Z.K. locken ließen. Aber als immer deutlicher wurde, in welche -Abhängigkeit das Z.K. von der Entente geriet, welche Ziele die Entente -vor allem in Rußland selbst verfolgte, gingen jene „Einfachen“ mit sich -zu Rate und verließen ihre Partei: Diese Krisen und Wandlungen lassen -sich nicht mit „Gesinnungswechsel“ bezeichnen. Die Russen stehen nicht -so rasch auf dem Boden der Tatsachen. Die europäische Flinkheit und -demokratische Geschäftigkeit ist für den Russen unbegreiflich. Wer mit -der Macht der Finsternis ringt, kämpft lange mit sich selbst, bevor der -neue Mensch aus dem Chaos heraustritt. Im Grunde tauchen alle Probleme -der russischen Literatur auf, wenn wir an diesen Wandlungsprozeß der -Angeklagten der zweiten Gruppe denken. Sie fallen in Zweifel, sie hadern -mit sich selbst, sie beichten und werden „neue Menschen“. Der Kampf -zwischen den Angeklagtengruppen nahm oft erbitterte Formen an, aber -nicht ein Mal ist dieser Kampf zur Gemeinheit entartet; man würde im -Westen sofort bei ähnlichen Fällen beobachten, wie man versuchen würde, -die Schuld abzuwälzen, sich nur als den Verführten hinzustellen und im -Gassenjungentone zu schreien: „Ich bin es nicht gewesen“ – vielleicht -würde man sofort eine Dolchstoßlegende erfinden. - -Die Angeklagten der zweiten Gruppe haben nie ihre eigene Schuld in -Abrede gestellt: Wir haben gefehlt, wir haben getötet, wir haben uns an -der Revolution versündigt, straft uns. - -Die neue Gemeinschaft nahm sie auf. Es ist eines ihrer schönsten und -erhabensten Prinzipien, den ehrlich Reuigen aufzunehmen. Sie übte diesen -Grundsatz vom ersten Tage ihrer Herrschaft. Der General Krasnow hat -solches Vertrauen bitter enttäuscht. Semjonow, Ratner, Ignatiew, die -Männer aus dem Volke nicht. - - * * * * * - -Dieser Prozeß war die große Abrechnung mit der Konterrevolution; er -schied scharf zwischen den Strömen, die noch die heutige Menschheit -durchfließen. Das Tribunal war ganz bewußt das Organ einer siegreichen -Klasse. Der Prozeß erscheint deshalb so kompliziert, weil es sich um -eine Partei handelte, die zwischen den Linien stand, und deren -tragischer Auflösungsprozeß in Europa die Teilnahme aller Kreise und -Parteien erregte, die mißtrauisch, furchtsam, unsicher und zermürbt -nicht die Spannkraft besaßen, mit tausendjährigen Traditionen zu -brechen, die sogar schon den Instinkt überwuchert und infiziert haben. -Auch der Besitzlose unterliegt derselben Stimme der Verführung, die den -Besitzenden immer aufs Neue lockt, zur Macht herausfordert und die wahre -Gemeinschaft unmöglich macht. Wie einst die Jakobiner den Girondisten -den Prozeß machten, weil sie Feudalismus und Bourgeoisie zu versöhnen -suchten, standen sich jetzt Bolschewiki und Sozialrevolutionäre -gegenüber. Parteien und Menschen, die sich um Ausgleiche bemühen, um den -Weg nicht zu Ende gehen zu müssen, verstricken sich in alle Wirrnisse, -die Verhältnisse dem Menschen bereiten können. So erzeugt das Bündnis -von Neigung und Idee endlich sogar das kriminelle Verbrechen, weil -Tradition, Fehlschläge und Minderwertigkeitsgefühle der Tat nicht mehr -das reine Antlitz zu verleihen mögen. Die Bombe, die Alexander II. -zerriß, wurde nicht vom Mann mit gleichem Bewußtsein geworfen, wie es -jener besaß, der auf Wolodarski schoß. Der Held wird zum Verbrecher, die -Partei ist gerichtet, und die Einheit der werktätigen Masse unter -zielbewußter Führung ist geschaffen. - - * * * * * - -Alle Konflikte und Fragen, die seit 1914 die Welt bewegten und aus den -Fugen brachten, wirbelte der Prozeß auf: die Tendenzen der -imperialistischen Mächte, ihre Absichten, Rußland zur Kolonie zu machen -– also das ganze Problem der Akkumulation des Kapitals. Lenins These, -der Weltkrieg müsse unbedingt in die soziale Revolution umschlagen und -mit der Eroberung des Staatsapparates durch das Proletariat enden. Die -Frage: Demokratie oder Diktatur, Parlament oder Räte. Die Frage: Masse -und Partei, Masse und Revolution. Die Haltung des Kleinbürgertums. Die -lavierenden arbeiterfreundlichen Parteien. Die Legitimität einer -revolutionären Regierung. Die Mittel und Methoden des revolutionären -Kampfes: individueller oder Massenterror. - -Es war bezeichnend: Die bürgerliche Gesellschaft empfand diesen Prozeß -als eine Provokation und einen Schlag ins Gesicht. Sie sprach schon dem -Staate des Proletariats jede Existenzberechtigung ab; da er nun -existierte, nach fünf Jahren, trotz aller Interventionen und -Verleumdungskampagnen immer noch existierte, während die revolutionäre -Bewegung in den bürgerlichen Ländern vom Wellenkamm immer tiefer hinab -fiel, versuchte man zähneknirschend die Rechtsformalitäten zu -kritisieren und sprach dem Staate des Proletariats jede Berechtigung ab, -sich nicht nur überhaupt zu verteidigen, sondern auch zu richten. Der -alte warnende Satz, „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!“ -wurde wutschnaubend von der ohnmächtigen bürgerlichen Presse -hervorgestoßen. So kam es, daß sachliche Meldungen über den -Verhandlungsstoff als solchen überhaupt nicht in die bürgerliche -Öffentlichkeit drangen. Man lehnte das Gericht ab, man fühlte sich mit -den S.R. verbunden, sah in ihnen Bundesgenossen, Sachwalter, Märtyrer. -Wie hätte man über ihre „Verbrechen“ sprechen können, die in den Augen -der bürgerlichen Gesellschaft Heldentaten gewesen waren. Die bürgerliche -Gesellschaft aber rechtfertigte durch ihre Sympathiebeweise nun erst -recht die Strenge des Gerichts. Das Oberste Tribunal hat zuletzt nicht -einmal so sehr die Mittel verurteilt, deren sich die S.R. in ihrem Kampf -gegen die Sowjets bedient hatten. Es kam vielmehr auf das Ziel an. Und -das Ziel der S.R. war die Erhaltung der bürgerlichen Gesellschaft, der -elastischen demokratischen Staatsform, der kapitalistischen ökonomischen -Verhältnisse; für die Bolschewiki aber galten noch jene Worte, die -Wilhelm Liebknecht ein Jahr vor seinem Tode geschrieben hat: „Ein -Sozialist, der in eine Bourgeoisieregierung eintritt, geht entweder zum -Feind über oder er gibt sich in die Gewalt des Feindes. Er mag sich für -einen Sozialisten halten, ist es aber nicht mehr; er kann von seiner -Ehrlichkeit überzeugt sein, aber dann hat er nicht das Wesen des -Klassenkampfes begriffen – nicht begriffen, daß der Sozialismus den -Klassenkampf zur Grundlage hat.“ Gotz hatte in seiner letzten Rede vor -dem Tribunal behauptet, im Oktober hätten Arbeiter auf beiden Seiten der -Barrikade gekämpft. Wilhelm Liebknecht hätte ihm entgegengehalten: „Ich -bin für die Einheit der Partei – aber es muß die Einheit des Sozialismus -und der Sozialisten sein. Die Einheit mit Gegnern, mit Leuten, die -andere Ziele und andere Interessen haben, ist keine sozialistische -Einheit. Die Internationale Arbeiter-Assoziation hat deshalb den -Arbeitern gepredigt: Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk -der Arbeiter selbst sein.“ - - - - - ANHANG. - - - Überblick über die Tätigkeit der S.R. in den Jahren 1917-1922. - -Nach der Abdankung Nikolaus’ II. gelangen die S.R. zur Macht. Kerenski -ist ein S.R. Der Landwirtschaftsminister der Provisorischen Regierung – -Viktor Michailowitsch Tschernow – ist einer der bekanntesten Führer und -Theoretiker der S.R. Die Provisorische Regierung setzt den Krieg gegen -Deutschland fort, trotzdem Tschernow an der Zimmerwalder Konferenz -teilgenommen hatte. Am 7. November 1917 wird die Kerenski-Regierung -durch die Bolschewiki gestürzt. - -Im Augenblick _der Oktoberumwälzung gibt_ in Moskau die -Stadtverordnetenversammlung, die eine starke S.R.-Mehrheit hatte, den -Offiziersschülern den Befehl: _Mit den Waffen in der Hand gegen die -Arbeiter! Nach der Niederlage der Offiziersaspiranten in Petersburg sind -es die S.R. Gotz und Kerenski, die die Kosakenschwadronen des -Zarengenerals Krasnow gegen die Hauptstadt der Revolution anrücken -lassen._ - -_Im selben Jahre 1917 treten die S.R. in Verbindung mit einer -Weißgardisten-Organisation (Filonenko). Gleichzeitig agitieren die S.R. -unter den städtischen kleinbürgerlichen Schichten für die Sabotage der -Sowjetmacht in den Betrieben und Fabriken und für Streiks._ - - - 1918. - -_Am 5. Januar 1918 eröffnete die Konstituierende_ Versammlung ihre -Session; über _die Hälfte der Mitglieder waren S.R._ Am 8. Januar wurde -der dritte allrussische _Rätekongreß_, mit einer überwiegenden Mehrheit -von _Bolschewiki_ (_Kommunisten_), eröffnet. Die der Arbeiter- und -Bauernregierung feindlich gesinnte Konstituierende Versammlung wird -aufgelöst. Die _S.R. beginnen den bewaffneten Kampf_ gegen die -Sowjetmacht. In diese Zeit fällt die Hilfe der S.R. für General Krasnow, -ferner bricht in diesem Jahre der Aufstand der tschechoslowakischen -Truppen (der ehemaligen Kriegsgefangenen des Zarenheeres) aus, mit denen -zwei S.R.-„Regierungen“ – die fern-ostasiatische und die westsibirische -durch Vermittlung des englischen Obersten Hodgson, durch den General -Horvat und durch japanische Diplomaten Verhandlungen führten, um die -Revolution zu zertreten. - -Dann organisierten die S.R. die Rumpf-„Nationalversammlung“ in Samara. -Auf Befehl des französischen Botschafters am Zarenhof, Noulens, zahlte -die französische Botschaft an die S.R. Gotz, Timofejew und andere Gelder -zur Aushaltung der Samaraer „Konstituante“. - -Die Sozialrevolutionärin Kaplan verwundet Lenin schwer mit einer -vergifteten Kugel. - -Der S.R. Ssergejew erschießt Wolodarskij. - -Die Kampforganisation der S.R. organisiert Attentate auf Trotzki und -Sinowjew. - -Von der Militärorganisation der S.R. wird in den Reihen der Roten Armee -Spionage getrieben. Die S.R. führten „Expropriationen“ aus. In -Petersburg wurde das Volksernährungskommissariat beraubt, in Moskau das -Postamt Nr. 9, in Kaluga (südlich Moskau) wurde die Beraubung des -Gouvernements-Ernährungskomitees versucht usw. - -Als General Denikin nahe vor Tula (unweit Moskau im Süden) stand und -Koltschak auf Tjümenj (Ostural) rückte, erläßt das Zentralkomitee der -S.R. einen Aufruf an die Arbeiter, daß Denikin auf der Spitze seiner -Schwerter die Reaktion gegen die Arbeiter trage usw. In Wirklichkeit -bevollmächtigt das Z.K. gleichzeitig seine Mitglieder, Donskoj und -Daschjewskij, mit Denikin in Unterhandlungen zu treten. - -_Außerdem verbreitet die Zentrale der S.R. Partei in den Reihen der -Rotarmisten eine Proklamation, mit der Aufforderung, die Kampffronten -gegen Denikin und Koltschak zu verlassen._ - - - 1920. - -Im Jahre 1920 organisieren die S.R. einen „Bund der werktätigen -Bauernschaft“, sie organisieren einen Bauernaufstand im Bezirk Tambow -(südöstlich Moskau), an dessen Spitze der Bandenführer Antonow steht; -Aufstände in Sibirien und an der Schwarzen Meer-Küste. - - - 1921. - -_In Paris organisierten die S.R. Tschernow, Kerenski, Awksentiew -gemeinsam mit den Kadetten das „Komitee der Mitglieder der -Konstituante“._ - -Der Aufstand in Kronstadt wird von den S.R. mit allen Mitteln -unterstützt. - -Tätigkeit des „Administrativen Zentrums“; Gründung von -Geheimorganisationen; Vorbereitungen im Kaukasus. - - - - - In der Sammlung - AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART – - sind bis jetzt folgende Bände erschienen: - - - Band 1: - - ALFRED DÖBLIN - DIE BEIDEN FREUNDINNEN UND IHR GIFTMORD - - Band 2: - - EGON ERWIN KISCH - DER FALL DES GENERALSTABSCHEFS REDL - - Band 3: - - EDUARD TRAUTNER - DER MORD AM POLIZEIAGENTEN BLAU - - Band 4: - - ERNST WEISS - DER FALL VUKOBRANKOVICS - - Band 5: - - IWAN GOLL - GERMAINE BERTON - DIE ROTE JUNGFRAU - - Band 6: - - THEODOR LESSING - HAARMANN, DIE GESCHICHTE EINES WERWOLFS - - Band 7: - - KARL OTTEN - DER FALL STRAUSS - - Band 8: - - ARTHUR HOLITSCHER - DER FALL RAVACHOL - - Band 9: - - LEO LANIA - DER HITLER-LUDENDORFF-PROZESS - - Band 10: - - FRANZ THEODOR CSOKOR - SCHUSS INS GESCHAEFT - DER FALL OTTO EISSLER - - Band 11: - - THOMAS SCHRAMEK - FREIHERR VON EGLOFFSTEIN - Mit einem Vorwort von ALBERT EHRENSTEIN - - Band 12: - - KURT KERSTEN - DER MOSKAUER PROZESS GEGEN DIE SOZIALREVOLUTIONÄRE 1922 - - Band 13: - - KARL FEDERN - DER PROZESS MURRI-BONMARTINI - - Band 14: - - HERMANN UNGAR - DIE ERMORDUNG DES HAUPTMANNS HANIKA - - Ferner erscheinen noch Bände von: - - HENRI BARBUSSE, MARTIN BERADT, MAX BROD, E. I. GUMBEL, WALTER - HASENCLEVER, GEORG KAISER, OTTO KAUS, THOMAS MANN, LEO - MATTHIAS, EUGEN ORTNER, JOSEPH ROTH, RENE SCHICKELE, JAKOB - WASSERMANN, ALFRED WOLFENSTEIN. - - - OHLENROTH’SCHE BUCHDRUCKEREI ERFURT - - - Anmerkungen zur Transkription - -Die kräftig variierende Transliteration russischer Namen wurde -beibehalten. Der Name Семёнов kann so z. B. als Semjonow, Ssemjonow oder -Semenow auftauchen. Hier ist eine Liste der am häufigsten gefundenen -Varianten: - - Altowski, Altowsky - Awksentijew, Awksentiew, Awxentijew - Daschewski, Daschjewskij - Dobroljubow, Dobrolubow - Donskoj, Donskoi - Elkind, Eljkind - Eugenia, Eugenie - Fanny, Fanni - Fedorowitsch, Federowitsch - Fjedorow, Fedorow, Federow - Gerstejn, Gerstein - Grigorij, Grigori - Ignatjew, Ignatiew - Konoplewa, Konopleva, Konopljewa - Koslow, Kozlow - Lew, Lev - Michailowitsch, Michajlowitsch - Murawjew, Murawiew - Nishnij, Nishni - Sawinkow, Savinkow - Semjonow, Ssemjonow, Semenow - Sergejew, Ssergejew - Timofejew, Timofjejew - Utgow, Utgoff - Wolodarskij, Wolodarski - -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere -Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 132]: - ... wurde abgelehnt; die Resolution Tschernow ... - ... wurde abgelehnt; die Resolution Tschernows ... - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MOSKAUER PROZESS GEGEN DIE -SOZIALREVOLUTIONÄRE 1922. REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. 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