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-The Project Gutenberg eBook of Das Friedensfest, by Gerhart Hauptmann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Das Friedensfest
-
-Author: Gerhart Hauptmann
-
-Release Date: December 11, 2022 [eBook #69523]
-
-Language: German
-
-Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed
- Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
- produced from images generously made available by The
- Internet Archive)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS FRIEDENSFEST ***
-
-
- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1894 so weit
- wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
- wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
- verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
- fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
-
- Der Ausdruck ‚et cetera‘ wird im ursprünglichen Text mit Hilfe
- der Tironischen Note ‚Et‘ dargestellt. Da diese Note in vielen
- Zeichensätzen nicht enthalten ist, wird in der vorliegenden Fassung
- die im Deutschen gebräuchliche Abkürzung ‚etc.‘ verwendet.
-
- Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
- Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
- Sonderzeichen gekennzeichnet:
-
- Regieanweisungen: _Unterstriche_ (kleinere Schriftgröße)
- Fettdruck: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
- Antiqua: ~Tilden~
-
- ####################################################################
-
-
-
-
- Das Friedensfest.
-
- [Illustration]
-
-
-
-
- Von =Gerhart Hauptmann= erschienen im gleichen Verlage:
-
-
- =Vor Sonnenaufgang.=
-
- Soziales Drama.
-
- 6. Auflage.
-
-
- =Einsame Menschen.=
-
- Drama.
-
- 3. Auflage.
-
-
- =Die Weber.=
-
- Schauspiel aus den vierziger Jahren.
-
- 6. Auflage.
-
-
- =College Crampton.=
-
- Comödie.
-
- 2. Auflage.
-
-
- =Der Biberpelz.=
-
- +Eine Diebscomödie.+
-
- 2. Auflage.
-
-
- Jeder Band eleg. geh. Mark 2.--
- „ „ eleg. geb. „ 3.--
-
-
- =Der Apostel.= -- =Bahnwärter Thiel.=
-
- Novellistische Studien.
-
- Geheftet Mark 1,50, gebunden Mark 2,50.
-
-
- =Hannele.=
-
- +Eine Traumdichtung.+
-
- Reich illustrirt.
-
- Geheftet Mark 5.--, in Prachtband gebunden Mark 7.50.
-
-
-
-
- GERHART HAUPTMANN.
-
- [Illustration]
-
- Das
- Friedensfest.
-
- =Eine Familienkatastrophe.=
-
- Bühnendichtung.
-
-
- Sie finden in keinem Trauerspiele Handlung, als
- wo der Liebhaber zu Füßen fällt ⁊c. ...
-
- Es hat ihnen nie beifallen wollen, daß auch
- jeder innere Kampf von Leidenschaften, jede
- Folge von verschiedenen Gedanken, wo eine die
- andere aufhebt, eine Handlung sei; vielleicht
- weil sie viel zu mechanisch denken und fühlen,
- als daß sie sich irgend einer Thätigkeit dabei
- bewußt wären. -- Ernsthaft sie zu widerlegen,
- wurde eine unnütze Mühe sein.
-
- +Lessing.+
- Abhandlungen über die Fabel.
-
-
- [Illustration]
-
- =Berlin 1894.=
-
- +S. Fischer, Verlag.+
-
-
-
-
- Den Bühnen gegenüber Manuscript.
-
-
-
-
- =Dem Dichter=
-
- =Theodor Fontane=
-
- ehrfurchtsvoll
-
- zugeeignet.
-
-
-
-
-Handelnde Menschen.
-
-
- =~Dr. med.~ Fritz Scholz,= 68 Jahre alt. } Soweit möglich,
- =Minna Scholz,= dessen Ehefrau, 46 Jahre alt.} muß in
- =Auguste,= 29 Jahre alt } } den Masken
- =Robert,= 28 Jahre alt } deren Kinder. } eine Familienähnlichkeit
- =Wilhelm,= 26 Jahre alt } } zum Ausdruck
- } kommen.
- =Frau Marie Buchner,= 42 Jahre alt.
- =Ida,= ihre Tochter, 20 Jahre alt.
- =Friebe,= Hausknecht, 50 Jahre alt.
-
- * * * * *
-
-Die Vorgänge dieser Dichtung spielen sich ab an einem Weihnachtsabend
-der 80er Jahre in einem einsamen Landhaus auf dem Schützenhügel bei
-Erkner. (Mark Brandenburg).
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Der Schauplatz
-
-
-_aller drei Vorgänge ist eine hohe, geräumige Halle, weiß getüncht,
-mit alterthümlichen Bildern, wie auch mit Geweihen und Thierköpfen
-aller Art behangen. Ein Kronleuchter aus Hirschgeweihen in der Mitte
-der Balkendecke angebracht, ist mit frischen Lichtern besteckt.
-Mitten in der Hinterwand ein nach innen vorspringendes Gehäuse mit
-Glasthür durch die man das schwere, geschnitzte Eichenportal des Hauses
-erblicken kann. Oben auf dem Gehäuse befindet sich ausgestopft ein
-balzender Auerhahn. Seitlich über dem Gehäuse rechts und links je ein
-Fenster, befroren und zum Theil mit Schnee verweht._
-
-_Die Wand rechts weist einen offenen, thorartigen Bogen auf, der nach
-der Treppe in die oberen Stockwerke führt. Von zwei niedrigen Thüren
-derselben Wand führt die eine nach dem Keller, die andere zur Küche.
-Die gegenüberliegende Wand hat ebenfalls zwei Thüren, welche beide
-in ein und dasselbe Zimmer führen. Zwischen diesen Thüren eine alte
-Standuhr, auf deren Dach ein ausgestopfter Kauz hockt. Die Möblirung
-des Raumes besteht aus alten, schweren Eichenholztischen und Stühlen.
-Parallel mit der Seitenwand, rechts vom Zuschauer eine weiß gedeckte
-Tafel. Rechts im Vordergrund ein eisernes Oefchen mit längs der Wand
-hingehender Rohrleitung. Alle Thüren sind bunt, die Thürfüllungen mit
-primitiven Malereien, Papageien ⁊c. darstellend versehen._
-
-
-
-
-Erster Vorgang.
-
-
-_Die Halle ist mit grünen Reisern ausgeschmückt. Auf den Steinfliesen
-liegt ein Christbaum ohne Fuß. +Friebe+ zimmert auf der obersten
-Kellerstufe einen Fuß zurecht. Einander gegenüberstehend zu beiden
-Seiten der Tafel beschäftigen sich Frau +Buchner+ und Frau +Scholz+
-damit, bunte Wachslichte in den dazu gehörigen Tüllen zu befestigen.
-Frau Buchner ist eine gesundaussehende, gut genährte, freundlich
-blickende Person, einfach, solid und sehr adrett gekleidet. Schlichte
-Haartracht. Ihre Bewegungen sind bestimmt, aber vollständig
-ungezwungen. Ihr ganzes Wesen drückt eine ungewöhnliche Herzlichkeit
-aus, die durchaus echt, auch wenn die Art, mit der sie sich kund
-giebt, zuweilen den Eindruck der Ziererei macht. Ihre Sprache ist
-geflissentlich rein, in Momenten des Affects deklamatorisch. Ein Hauch
-der Zufriedenheit und des Wohlbehagens scheint von ihr auszugehen.
--- Anders Frau Scholz: Sie ist eine über ihre Jahre hinaus gealterte
-Person mit den beginnenden Gebrechen des Greisenalters. Ihre
-Körperformen zeigen eine ungesunde Fettansammlung. Ihre Hautfarbe
-ist weißlichgrau. Ihre Toilette ist weniger als schlicht. Ihr Haar
-ist grau und nicht zusammengerafft; sie trägt eine Brille. Frau
-Scholz ist schußrig in ihren Bewegungen, ruhelos, hat eine zumeist
-weinerliche oder winsliche Sprechweise und erregt den Eindruck
-andauernder Aufgeregtheit. Während Frau Buchner nur für andere zu
-existiren scheint, hat Frau Scholz vollauf mit sich selbst zu thun.
--- Auf der Tafel zwei fünfarmige, mit Lichtern besteckte Girandolen.
-Weder der Kronleuchter noch die Girandolen sind angesteckt. Brennende
-Petroleumlampe._
-
-+Friebe+ _(führt mit dem Beil einen Schlag)_: Da jeht mer ooch keen
-Schlag nich fehl.
-
-+Frau Scholz+: -- ffff!!! Ich kann’s doch aber nich hören, Friebe! wie
-oft hab’ ich Ihn’n schon ... wie leicht kann Ih’n das Beil abfahren.
-Auf Steinen hackt man nich Holz!
-
-+Friebe+: Da jarantir ick for. Wofor wär ick d’nn sonst zehn Jahre
-Rejimenter jewesen?
-
-+Frau Buchner+: Regimenter?
-
-+Frau Scholz+: Er war Vorarbeiter in den königlichen Forsten.
-
-+Friebe+: Keen -- _(er schlägt zu)_ -- Schlag da -- ä! _(er schlägt)_
-komm ich for uff.
-
-_(Er steigt herauf, betrachtet, was er gemacht hat, bei der Lampe und
-befestigt dann den Christbaum, so daß er aufrecht steht. Friebe ist
-klein, bereits ein wenig gebeugt, obeinig und hat eine Glatze. Sein
-kleines, bewegliches Affengesichtchen ist unrasirt. Kopfhaare und
-Bartstoppeln spielen in’s Gelblichgraue. Er ist ein Allerweltsbastler.
-Der Rock, welchen er trägt, ein Ding, das von Putzpulver, Oel,
-Stiefelwichse, Staub ⁊c. starrt, ist für einen doppelt so großen
-Mann berechnet, deshalb die Aermel aufgekrempt, die Rockflügel
-weit übereinander gelegt. Er trägt eine braune, verhältnißmäßig
-saubre Hausknechtsschürze, unter welcher er von Zeit zu Zeit eine
-Schnupftabacksdose hervorzieht, um mit Empfindung zu schnupfen. Der
-Baum ist befestigt, Friebe hat ihn auf die Tafel gehoben, steht
-davor und betrachtet ihn)._ Een janzet -- schönet -- richtijet --
-Tannenbäumken! _(mit wegwerfender Ueberlegenheit zu den Frauen
-hinüber)_ ’t is woll jar keens, wat?
-
-+Frau Buchner+: Als ehemaliger Forstmann müssen Sie ja das wohl
-unterscheiden können.
-
-+Friebe+: Na jewiß doch, det wär ja noch verrückter! was de nu de
-Fichte is ....
-
-+Frau Scholz+ _(unterbricht ihn ungeduldig)_: Wir dürfen uns beileibe
-nich aufhalten Friebe. Meine Tochter hat extra gesagt: Daß Du mir
-Frieben schickst.
-
-+Friebe+: Na .... i! .... meinswejen doch _(mit einer wegwerfenden
-Handbewegung ab durch die Küchenthür.)_
-
-+Frau Buchner+: An dem habt Ihr wohl was?
-
-+Frau Scholz+: I warum nich gar! ’n ganz verdrehter Zwickel.
-Wenn nich mei Mann .... na sehen Se, so war mei Mann; diese alte
-Schnupftabacknase, die war nu für ihn, die mußt’ er den ganzen Tag um
-sich haben, sonst war ihm nich wohl. Ein zu merkwürdiger Mann!
-
-+Auguste+ _(in Hast und Bestürzung von draußen herein. Innen angelangt
-schlägt sie die Glasthür heftig in’s Schloß und stemmt sich dagegen,
-wie um Jemand den Eintritt zu verwehren.)_
-
-+Frau Scholz+ _(auf’s heftigste erschrocken schnell nach einander)_: O
-Gottogottogott!!!
-
-+Frau Buchner+: -- Ja -- was ...?
-
-_(Auguste ist lang aufgeschossen und +auffallend+ mager, ihre
-Toilette ist hochmodern und geschmacklos. Pelzjacke, Pelzbarrett,
-Muff. Gesicht und Füße sind lang; das Gesicht scharf mit schmalen
-Lippen, die fest aufeinander passen und Zügen der Verbitterung. Sie
-trägt eine Lorgnette. Mit der Aufgeregtheit der Mutter verbindet sie
-ein pathologisch offensives Wesen. Diese Gestalt muß gleichsam eine
-Atmosphäre von Unzufriedenheit, Mißbehagen und Trostlosigkeit um sich
-verbreiten.)_
-
-+Auguste+: Draußen .... meiner Seele .... es ist Jemand hinter mir
-hergekommen.
-
-+Frau Buchner+ _(die Uhr ziehend)_: Wilhelm vielleicht schon -- nein,
-+doch+ nicht. Der Zug kann noch nicht da sein, _(zu Auguste)_ warten
-Sie doch mal! _(sie greift nach der Thürklinke, um sie zu öffnen)._
-
-+Auguste+: Nich doch, nich doch!
-
-+Frau Buchner+: Sie sind nervööös, liebes Kind, _(sie geht durch die
-Glasthür und öffnet das Außenportal. Ein wenig zaghaft)_ Ist Jemand
-hier? -- _(resolut)_ Ist Jemand hier? _(Pause, keine Antwort.)_
-
-+Frau Scholz+ _(erbost)_: Großartig wirklich -- Ich dächte ma hätte
-gerade genug Aufregung. Man kann ja den Tod davon haben. Was Du och
-immer hast.
-
-+Auguste+: Haben! haben! _(batzig)_ was ich nur immer haben soll?!
-
-+Frau Scholz+: Du bist ja recht liebenswürdig zu deiner Mutter!
-
-+Auguste+: Ach, meinswegen! -- soll man sich etwa nicht fürchten, wenn
-man .... im Stockfinstern -- mutterseelenallein ....
-
-+Frau Buchner+ _(die Hände von rückwärts um ihre Taille legend,
-begütigend)_: Hitzkopf, Hitzkopf! -- wer wird denn immer gleich soo
-sein?! -- Kommen Sie _(ist ihr beim Ablegen behülflich)_ so -- sehen
-Sie!?
-
-+Auguste+: Ach Frau Buchner, ’s is’ auch wahr!
-
-+Frau Buchner+: Hört mal, Herrschaften! vier lange Tage sind wir nun
-schon bei Euch. Ich dächte .... wollt Ihr mich nicht Du nennen? --
-ja?! -- schön! also .... _(umarmt und küßt Auguste, desgleichen Frau
-Scholz)._
-
-+Frau Scholz+ _(bevor sie die Umarmung entgegennimmt)_: Wart nur wart,
-ich habe Wachshände.
-
-+Frau Buchner+ _(zu Auguste, welche an das Oefchen getreten ist, um
-sich zu wärmen)_: Gelt, jetzt ist Dir schon gemüthlicher? -- war die
-Bescheerung hübsch?
-
-+Auguste+: Na, ich geh jedenfalls nicht mehr hin. Schlechte Luft, eine
-Hitze zum Umkommen.
-
-+Frau Buchner+: Hat der Herr Pastor schön gesprochen?
-
-+Auguste+: So viel steht fest: wenn ich arm wäre, ich hätte auf die
-Rede des Großmann hin .... wahrhaftig den ganzen Bettel hätte ich ihnen
-vor die Füße geschmissen.
-
-+Frau Buchner+: Es ist aber doch ein großer Segen für die armen Leute.
-
-_(Man hört hinter der Scene durch eine helle, schöne Frauenstimme
-gesungen:)_
-
- [1] „Wenn im Haag der Lindenbaum
- Wieder blüht,
- Huscht der alte Frühlingstraum
- Durch mein treu Gemüth.“
-
- [1] Herzenstestament. Komponirt von +Max Marschalk+.
-
-
-_(Ida tritt ein von der Treppe her. Sie ist zwanzig Jahre alt und
-trägt ein schlichtes, schwarzes Wollkleid. Sie hat eine schöne, volle
-Gestalt, sehr kleinen Kopf und trägt das lange, gelbe Haar bei ihrem
-ersten Auftreten offen. In ihrem Wesen liegt etwas Stillvergnügtes,
-eine verschleierte Heiterkeit und Glückszuversicht; demgemäß ist der
-Ausdruck ihres klugen Gesichts meist heiter, geht aber auch mitunter
-plötzlich in einen milden Ernst über oder zeigt spontan tiefes
-Versonnensein.)_
-
-+Ida+ _(ein Handtuch um die Schultern gelegt, einige Cartons auf dem
-Arm)_: Es kam doch Jemand?
-
-+Frau Scholz+: Auguste hat uns ’n schönen Schreck eingejagt.
-
-+Ida+ _(rückwärts nach der Treppe deutend)_: Da oben ist’s auch recht
-ungemüthlich; _(lachend)_ ich hab gemacht, daß ich runter kam.
-
-+Frau Scholz+: Aber Kindel! über Dir wohnt ja jetzt noch Robert.
-
-+Ida+ _(stellt die Cartons auf den Tisch; öffnet sie und entnimmt ihnen
-einige Gegenstände)_: Wenn auch! der ganze Stock ist doch immer +leer+.
-
-+Frau Buchner+: Dein Haar müßte doch nun bald trocken sein, höre?
-
-+Ida+ _(den Kopf anmuthig wendend und zurückwerfend)_: Fühl mal!
-
-+Frau Buchner+ _(thut es)_: O bewahre! -- du hätt’st zeitiger baden
-sollen, Kind.
-
-+Ida+: Was die alte Mähne doch für Mühe macht, eine ganze halbe Stunde
-hab ich am Ofen gehockt. _(sie hat einem der Cartons eine gelbseidne
-Börse entnommen, die sie Augusten hinhält.)_ Die Farbe ist nett, wie?
-’S is ja nur so ein kleines Späßchen. Hat er schon manchmal Börsen
-gehabt?
-
-+Auguste+ _(über ihr Peluchejaquet hinweg, an dem sie herumreinigt,
-achselzuckend)_: Weiß nicht _(sie bringt ihre kurzsichtigen Augen
-prüfend in nächste Nähe der Börse)_. Bischen sehr locker im Muster
-_(sogleich wieder in ihre vorige Arbeit vertieft)_. Der Peluche ist hin.
-
-+Ida+ _(ein Kistchen Cigarren aufbauend)_: Ich freu mich recht! -- daß
-Ihr nur nie einen Baum geputzt habt --?
-
-+Auguste+: Wenn man’s recht bedenkt: eigentlich ist das doch auch
-nichts für Erwachsene.
-
-+Frau Scholz+: Nie! da hätt ich ihm nur kommen sollen, mei Mann hätt
-mich schöne gestenzt. Bei meinen seligen Eltern .... ja wenn ich denke
-.... was war das für ein scheeenes Familienleben! Kein Weihnachten
-ohne Baum _(gleichsam Gang und Maniren des Vaters copirend)_, wenn der
-Vater so am Abend aus dem Bureau kam und die +schööö+nen Lehmannschen
-Pfefferkuchen mitbrachte! _(sie bringt Daumen und Zeigefinger, als ob
-sie ein Stückchen dieses superben Kuchens damit hielte, in die Nähe
-des Mundes)_, ach ja, das sind vergangene Zeiten! +Mei+ Mann, -- der
-aß nich mal Mittags mit uns zusammen. Er wohnte oben, wir unten; der
-reine Einsiedler. Wollte man was von ihm, dann mußte man sich weeß Gott
-hinter Frieben stecken.
-
-+Auguste+ _(am Ofen, wo sie anlegt)_: Ach, red doch nicht immer so!
-
-+Frau Scholz+: Heiz Du lieber nich so unsinnig.
-
-+Auguste+: Ja, soll’s denn nicht warm werden?
-
-+Frau Scholz+: Die ganze Hitze fliegt ja heut zum Schornstein ’naus.
-
-+Auguste+ _(unschlüssig, erbost)_: Ja, soll denn nu nicht angelegt
-werden?
-
-+Frau Scholz+: Laß mich zufrieden!
-
-+Auguste+ _(wirft die Kohlenschaufel geräuschvoll in den Kasten)_: Na,
-dann nicht! _(wüthend links ab)._
-
-+Ida+: Ach, Gustchen, bleibt da! _(zu Fr. Scholz)_ paß auf, ich werd’
-sie schon wieder fidel machen _(ihr nach, ab.)_
-
-+Frau Scholz+ _(resignirt)_: So sind meine Kinder alle! -- nein, so ein
-Mädel wirklich! -- und kein Halten. Bald möcht’ se das, bald jen’s.
--- Da fällt’s ihr uffemal ein .... da muß se lernen. Dann steckt se
-oben und red wochenlang ke Wort -- dann kommt se sich wieder mal ganz
-überflüssig vor. -- Ach Du mein Gott ja, Du bist zu beneiden! So’n
-liebes Dingelchen wie +Deine+ Tochter is ....
-
-+Frau Buchner+: Aber +Gustchen+ doch +auch+.
-
-+Frau Scholz+: So allerliebst, wie sie Clavier spielt, und diese
-reizende Stimme! wie gern +ich+ so ein paar +Töne+ höre! ....
-
-+Frau Buchner+: Warum spielst Du denn garnicht?
-
-+Frau Scholz+: I! da käm ich scheen an, da wäre mein bischen Ruhe
-vollends hin. Auguste ist ja +so+ nervös ....! gerade wie ihr Vater,
-den konnte man auch jagen mit dem Clavierspiel.
-
-+Frau Buchner+: Deinen +Wilhelm+ solltest Du jetzt spielen hören; +der+
-hat sich vervollkommnet! -- was wäre denn Ida ohne +ihn+? von +ihm hat+
-sie ja doch alles gelernt, was sie kann.
-
-+Frau Scholz+: Ach ja, Du sagtest’s ja schon. Talentvoll ist er; davon
-is nicht die Rede. Es war ’ne Lust, ihn zu unterrichten.
-
-+Frau Buchner+: Ach und er denkt mit solcher Rührung an die Zeit
-zurück, wo sein Muttelchen ihm die Anfangsgründe beibrachte.
-
-+Frau Scholz+: So?! mein Gott ja, schöne Zeiten waren das ja auch. --
-... Damals dacht ich: -- ... Alles kommt anders .... -- es regt mich
-doch sehr auf.
-
-+Frau Buchner+: Es regt Dich .... was?
-
-+Frau Scholz+: Nu, daß er kommt; wie sieht er denn jetzt eigentlich so
-aus?
-
-+Frau Buchner+: Gut -- dick -- gesund -- Du wirst Dich freuen über
-Deinen Sohn.
-
-+Frau Scholz+: Ich muß mich wirklich wundern, daß der Junge kommt. Mei
-Herz hat mir manchmal richtig weh gethan; und was ich blos für Papier
-verschrieben hab’. Nich mal geantwortet hat er seiner alten Mutter.
-Wie hast Du ihn nur dazu gebracht? das kann ich nich +begreifen+, das
-+kann+ ich nich begreifen.
-
-+Frau Buchner+: Ich? o nein, Ida hat das über ihn vermocht.
-
-+Frau Scholz+: Robert kümmert sich ja auch nicht viel um uns, aber er
-kommt doch wenigstens alle Jahr einmal um die Weihnachtszeit ein paar
-Tage. Das lobt man sich doch! aber Wilhelm .... sechs volle Jahre ist
-er nich hiergewesen: er und mein Mann sechs volle Jahre! Kommt sie denn
-mit ihm aus?
-
-+Frau Buchner+: Ida? sehr gut, in jeder Hinsicht.
-
-+Frau Scholz+: Das ist aber doch zu wunderlich Du kannst Dir nämlich
-nich denken, +wie+ verschlossen der Junge immer war, ganz wie der
-Vater. Keinen Spielkameraden, keinen Schulfreund, kein Nichts hatte er.
-
-+Frau Buchner+: Ja, ja, so war er anfänglich auch uns gegenüber. --
-Er wollte durchaus nicht anders als zu den Clavierstunden unser Haus
-betreten.
-
-+Frau Scholz+: Na und dann is er doch gekommen?
-
-+Frau Buchner+: Das heißt .... ja. Er sagte; wir sollten ihn nur
-vorläufig in Ruhe lassen, und wenn er so weit wäre, dann würde er schon
-selbst kommen. Wir waren so vernünftig, ihm seinen Willen zu lassen,
-und richtig, nachdem wir ein halbes Jahr gewartet -- eigentlich schon
-+nicht mehr+ gewartet -- kam er. Von da ab Tag für Tag. Da ist es denn
-nach und nach so ganz anders geworden.
-
-+Frau Scholz+: Ihr müßt hexen können. Die Verlobung +allein+ schon ist
-ja ein ganz unbegreifliches Wunder für sich.
-
-+Frau Buchner+: Mit Künstlern muß man umzugehen wissen. Ich hab’s
-gelernt, -- mein seliger Mann war auch einer.
-
-+Frau Scholz+: Und -- die -- Geschichte mit -- Vater? -- hat er Euch
-auch in -- diese Geschichte eingeweiht?
-
-+Frau Buchner+: N--ein liebe Freundin. -- Siehst Du, das ist der
-allereinzigste Punkt, das ist .... In diesem Punkt hat er sich noch
-nicht überwinden können. Es läge ja nichts daran, aber Du kannst mir
-glauben, er leidet an der Erinnerung furchtbar. Bis auf den heutigen
-Tag leidet er. Nicht am wenigsten freilich dadurch, daß er die Sache
-geheim hält. Jedenfalls muß er darüber hinweg kommen, auch über diese
-Sache.
-
-+Frau Scholz+: I’ Gott bewahre -- nee, nee, nee, Alles was recht is.
-Ehre Vater und Mutter: die Hand, die sich gegen den eigenen Vater
-erhebt .... aus dem Grabe wachsen solche Hände. Wir haben uns gezankt,
-ja doch! wir haben beide Fehler mei Mann und ich; aber das sind +unsre+
-Sachen. Kein Mensch hat sich da ’neinzumischen, am wenigsten der eigne
-Sohn. -- Und wer hat die Sache ausbaden müssen? natürlich ich. So ’ne
-alte Frau die hat ’n breiten Puckel. Mei Mann ging aus dem Hause, noch
-am selbigen Tage, und eine halbe Stunde später auch Wilhelm. Da half
-kein reden. Erst dachte ich, sie würden wiederkommen, aber wer nicht
-kam, das waren sie. Und Wilhelm allein, kein andrer Mensch is Schuld
-d’ran, kein andrer Mensch.
-
-+Frau Buchner+: Wilhelm mag eine schwere Schuld haben, davon bin ich
-überzeugt, aber sieh mal, wenn man Jahre lang gebüßt hat und -- -- --
-
-+Frau Scholz+: Ne, ne! i Gott! wo denkst Du hin?! darüber kann man nich
-so leicht hinweggehen. Das wäre noch schöner! es ist ja sehr schön von
-Dir, daß Du Dich des Jungen so angenommen hast, -- es ist ja auch sehr
-hübsch, daß er kommt, ja warum denn nicht? Aber im Grunde, was nützt
-das alles? so leicht sind die Klüfte nicht auszufüllen. -- Ja, ja, es
-sind Klüfte, -- richtige -- tiefe Klüfte zwischen uns Familiengliedern.
-
-+Frau Buchner+: Ich glaube doch, daß wir Menschen mit dem festen,
-ehrlichen Willen ....
-
-+Frau Scholz+: Der Wille, der Wille! geh mer nur damit! das kenn ich
-besser. Da mag man wollen und wollen und hundertmal wollen, und Alles
-bleibt doch beim Alten. Ne, ne! das ist ’n ganz andrer Schlag Deine
-Tochter: die is so, und Wilhelm is so, und beide bleiben, wie sie sind.
-Viel zu gutte Sorte für Einen von uns, viel, viel zu gutt. -- Gott ja
-der Wille der Wille! -- ja ja Alles gutter Wille -- Dein Wille ist sehr
-gutt, aber ob Du damit was erreichen wirst --? ich glaube nicht.
-
-+Frau Buchner+: Aber ich hoffe es um so fester.
-
-+Frau Scholz+: Kann ja alles sein. Ich will ja nichts verderben. Im
-Grunde freue ich mich ja auch von ganzem Herzen auf den Jungen, nur
-regt es mich sehr, sehr auf und paß auf: Du stellst es Dir viel zu
-leicht vor.
-
-+Ida+ _(links hereinkommend zu Fr. Scholz, zuthunlich)_:
-Schwiegermütterchen, sie vergoldet Nüsse.
-
-+Frau Buchner+: Es wird Zeit Idchen! Du mußt Dich hübsch machen. Er
-kann jetzt jeden Augenblick hier sein.
-
-+Ida+ _(erschrocken)_: Soo? schon?
-
-+Frau Scholz+: Ach macht ok keene Geschichten! für den Jungen is sie
-viel zu schön.
-
-+Frau Buchner+: Ich hab Dir das Blaue zurechtgelegt _(Ida’n
-nachrufend)_ und steck die Broche an, hörst Du! _(Ida ab)_
-
-+Frau Buchner+ _(fortfahrend zu Fr. Scholz)_: Auf Schmuck giebt sie
-garnichts.
-
-_(Das Außenportal des Hauses geht.)_
-
-+Frau Scholz+: Wart .... wer? .... _(zu Fr. Buchner)_ thu mer den
-Gefallen Du .... ich kann ihn jetzt noch nicht sehen, ich ....
-
-+Frau Buchner+ _(an der Treppenthür hinaufrufend)_: Ida! Dein Wilhelm
-kommt.
-
-_(~Dr.~ Scholz tritt ein durch die Glasthür.)_
-
-_~Dr.~ Scholz ist ungewöhnlich groß, breitschultrig, stark
-aufgeschwemmt. Gesicht fett, Teint grau und unrein, die Augen
-zeitweilig wie erstorben, zuweilen lackartig glänzend, vagirender,
-Blick. Er hat einen grauen und struppigen Backenbart. Seine Bewegungen
-sind schwerfällig und zitterig. Er spricht unterbrochen von keuchenden
-Athemzügen, als ob er Mehl im Munde hätte und stolpert über Silben._
-
-_Er ist ohne Sorgfalt gekleidet: ehemals braune, verschossene
-Sammetweste Rock und Beinkleider von indifferenter Färbung. Mütze
-mit großem Schild, steingrau, absonderlich in der Form. Rohseidnes
-Halstuch. Wäsche zerknittert. Zum Schnäuzen verwendet der Doctor ein
-großes, türkisches Taschentuch. Er führt bei seinem Eintritt ein
-spanisches Rohr mit Hirschhornkrücke in der Rechten, hat einen großen
-Militär-Reisehavelock umgehängt und trägt einen Pelzfußsack über den
-linken Arm._
-
-~Dr.~ +Scholz+: ~Servus! servus!~
-
-+Frau Scholz+ _(den Doctor wie eine überirdische Erscheinung
-anstarrend)_: Fritz! -- --
-
-~Dr.~ +Scholz+: Ja wie Du sehen kannst.
-
-+Frau Scholz+ _(mit einem Schrei ihren Mann umhalsend)_: Fritz!!!
--- -- --
-
-+Auguste+ _(öffnet die Thür links, fährt zugleich zurück)_: Der Vater!
-
-_(Fr. Buchner mit starrem Ausdruck rückwärts schreitend, ab durch linke
-Seitenthür.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+: Ich bin’s, wie Du siehst. Vor allem, Du: ist Friebe da?
-
-+Friebe+ _(guckt durch die Küchenthür, erschrickt, kommt vollends
-hervor)_: Herr Doctor!! _(er stürzt auf ihn zu, faßt und küßt seine
-beide Hände)_ nu bitt’ ick eenen Menschen! Jott soll mir’n Thaler
-schenken!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Pssst! -- sehen Sie mal nach -- schließen Sie die
-Hausthür fest _(Friebe nickt und vollführt den Befehl mit freudigem
-Eifer.)_
-
-+Frau Scholz+ _(vor Staunen außer sich)_: Aber sag mer nur Fritz! sag
-mer nur .... die Gedanken fliegen mer davon, _(ihn weinend umhalsend)_
-ach Fritz! was hast Du mir für Kummer gemacht in der langen Zeit!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(seine Frau sanft zurückdrängend)_: Ach, Du .... mein
-Leben ist auch .... wir wollen uns doch lieber nicht von Anfang an mit
-Vorwürfen .... Du bist doch immer die alte wehleidige Seele, _(mit
-gelinder Bitterkeit)_ übrigens würde ich Dich sicher nicht belästigt
-haben, wenn nicht .... _(Friebe nimmt ihm Mantel, Fußsack ⁊c. ab.)_
-Es giebt Lebenslagen, liebe Minna .... wenn man wie ich einflußreiche
-Gegner hat.
-
-_(Friebe ab durch den Treppenausgang, mit den Sachen des Doctor.)_
-
-+Frau Scholz+ _(gutmüthig schmollend)_: Es hat Dich doch Niemand
-geheißen Fritz! Du hatt’st doch hier ’n sichres, warmes Zuhause. So
-schön hätt’st Du leben können!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Sei nicht böse, aber: daß verstehst Du nicht!
-
-+Frau Scholz+: Na ja; ich bin ja nur ’ne einfache Person, das mag ja
-möglich sein, aber Du warst ja wirklich auf Niemand angewiesen, es war
-doch garnicht nöthig, daß Du ....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Pssst, es war sehr nöthig _(halbwegs geheimnißvoll)_
-auf Schuld folgt Sühne, auf Sünde folgt Strafe.
-
-+Frau Scholz+: Na ja -- freilich Fritz -- es hat wirklich auch viel an
-Dir mitgelegen _(sie wirft von jetzt ab bis zum Schluß des Gesprächs
-fortwährend ängstliche Blicke nach der Hausthür, als befürchte sie
-jeden Augenblick die Ankunft Wilhelms)_, wir hätten doch so ruhig --
-so zufrieden .... wenn Du nur gewollt hätt’st.
-
-~Dr.~ +Scholz+: +Alles+ hat an mir gelegen, ganz und gar +Alles+.
-
-+Frau Scholz+: Da bist Du nu auch wieder ungerecht.
-
-~Dr.~ +Scholz+: I! ich will ja auch nicht bestreiten: viel Gemeinheit
-hat sich verbunden gegen mich; das ist ja bekannt: -- zum Beispiel
-denke Dir: in den Hotels -- die Kellner -- keine Nacht konnte ich
-durchschlafen, hin und her, hin und her auf den Corridoren und gerade
-immer vor +meiner+ Thür.
-
-+Frau Scholz+: Aber sie werden Dich doch am Ende nicht +absichtlich+
-gestört haben.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Nicht? -- Du, hör mal, das verstehst Du nicht!
-
-+Frau Scholz+: Na es kann ja sein; die Kellner sind ja mitunter
-niederträchtig.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Niederträchtig! ja wohl, niederträchtig! -- übrigens
-wir können ja später darüber reden. Ich habe etwas Kopfschmerz _(faßt
-nach dem Hinterkopf)_ da! Auch so eine Infamie! ich weiß ganz gut, wem
-ich das zu verdanken habe .... ich will mich nur noch vergewissern, ob
-ich sie durch einen gesunden Schlaf vertreibe. Ich bin +sehr+ müde.
-
-+Frau Scholz+: Aber oben ist nicht geheizt! Fritz.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Denk Dir mal an, in einer Tour von Wien. Nicht geheizt?
-macht nichts: Friebe besorgt das schon. -- Sag mal, wie steht’s mit
-Friebe? -- was ich fragen wollte? ist er noch so zuverlässig?
-
-+Frau Scholz+: Friebe is, wie er immer war.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Das dacht ich mir doch! -- auf Wiedersehen!
-_(nachdem er seiner Frau die Hand gedrückt, wendet er sich mit tief
-nachdenklichem Ausdruck und schreitet auf den Treppenausgang zu. Den
-Tannenbaum bemerkend, bleibt er stehen und starrt ihn verloren an.)_
-Was heißt denn das?
-
-+Frau Scholz+: _(zwischen Furcht, Beschämung und Rührung)_: Wir feiern
-Weihnachten!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Feiern? -- -- _(nach einer langen Pause, in Erinnerung
-verloren)_ das -- ist -- lange -- her! _(sich wendend mit echter
-Empfindung redend)_ Du bist +auch+ weiß geworden.
-
-+Frau Scholz+: Ja Fritz, -- wir beide ....
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(nickt, wendet sich weg. Ab durch den Treppenausgang)_.
-
-+Frau Buchner+ _(hastig von links)_: Also Dein Mann ist wieder da?!
-
-+Frau Scholz+: Daß is wie so .... wie wenn .... ich weeß nich! Jesus,
-was soll ich nur davon denken?
-
-+Frau Buchner+: Daß es eine Schickung ist, liebe Freundin! für die wir
-alle dankbar sein müssen.
-
-+Frau Scholz+: Ach, der sieht aus! -- +der+ hat gelebt! So ein Leben,
-wie der geführt haben mag: von einem Land in’s andre, von einer Stadt
-.... ach! der hat eingelegt!
-
-+Frau Buchner+ _(will die Treppe hinauf)_.
-
-+Frau Scholz+ _(erschreckt)_: Wo denn hin?
-
-+Frau Buchner+: Ida von dem freudigen Ereigniß verständigen! _(ab durch
-den Treppenausgang)_.
-
-+Frau Scholz+: O Gott ja! ne ne, wo denkst Du hin! Das dürf’n mer
-’n nich merken lassen! Da kenn ich meinen Mann zu gutt! wenn der
-rauskriegt, daß noch Jemand außer ihm oben wohnt .... da käm ich schön
-an!
-
-+Frau Buchner+ _(schon auf der Treppe)_: Ich werd’ schon ganz leise ....
-
-+Frau Scholz+: Nur ganz leise! das wär’ so was!
-
-+Frau Buchner+: Ganz leise geh ich.
-
-+Frau Scholz+: O Gottogott! nur schon +ja+ ganz leise!
-
-+Frau Scholz+ _(außer Fassung)_: Na natürlich! was soll man nu machen?
-und nu der Wilhelm noch. Todtenangst hab ich ausgestanden. Wenn er nu
-mit Vater zusammengetroffen wäre? Jeden Augenblick konnte er eintreten.
-Was werde ich alte Frau noch Alles erleben müssen!
-
-+Auguste+: Ein zu merkwürdiges Gefühl, Mama, zu merkwürdig! Man hatte
-sich so daran gewöhnt. -- Wie wenn ein Todter nach Jahren wieder
-aufsteht. Ich hab Angst, Mama.
-
-+Frau Scholz+: Am Ende ist er mit seinem Gelde alle geworden?
-
-+Auguste+: Na das wäre doch ....! meinswegen! das wäre noch das letzte.
-
-+Frau Scholz+: Na auf welche Weise wir dann blos auskommen sollten ...
-da könnten wir nur gleich betteln geh’n.
-
-+Ida+ _(in Toilette von oben, freudig. Augusten die Hand drückend,
-innig.)_ Gustchen! also wirklich?! ach das freut mich. _(Frau Scholz
-und Auguste peinlich berührt)._
-
-+Robert+ _(aus einer der Thüren links. Er ist mittelgroß, schmächtig,
-im Gesicht hager und blaß. Seine Augen liegen tief und leuchten
-zuweilen krankhaft. Schnurr- und Kinnbart. Er raucht aus einer Pfeife
-mit ganz kurzem Rohr türkischen Taback.)_
-
-+Robert+ _(leichthin)_: Es wird ungemüthlich bei Dir Mutter!
-
-+Frau Scholz+: Nanu fängt der +auch+ noch an!
-
-+Auguste+: Meinswegen _(verstohlen, scheele Blicke auf Idas Toilette)_.
-
-+Robert+ _(zu Ida die ihn angeblickt hat)_: Ja, so bin ich nun mal,
-Fräulein Ida!
-
-+Ida+ _(schüttelt ungläubig den Kopf)_:. Nein -- nein.
-
-+Robert+: Wieso nicht? -- Ich halte es nicht für der Mühe werth, ’n
-paar gleichgültige Gefühle zu heucheln. -- Wirklich nicht!
-
-+Ida+: Nein -- nein.
-
-+Auguste+ _(ausbrechend)_: Du bist empörend, Robert!
-
-+Robert+: Nicht mit Absicht. Empöre sich Niemand!
-
-+Auguste+: Meinswegen.
-
-+Robert+: Na item.
-
-+Auguste+: Item, item -- Quatsch!
-
-+Robert+ _(mit geheucheltem Erstaunen)_: Verzeih’, -- ich glaubte ....
-aber Du hältst ja nichts mehr auf äußere Reize.
-
-+Ida+ _(schlichtend)_: Ach Herr Robert ....
-
-+Robert+: Ja -- soll ich mich denn nicht meiner Haut ....?
-
-+Auguste+ _(von Thränen halb erstickt)_: Ganz Du! -- ganz Du! Dein
-ganzes .... mein Alter .... geradezu perfid! -- Frau Buchner! das
-soll nicht gemein sein? -- mir .... ich -- die ich hier gesessen hab
-.... bei der Mutter hier -- die schönste .... schönste Zeit meines
-.... Lebens verbracht, während Ihr .... ich .... geradezu wie eine
-Dienstmagd ....
-
-+Robert+: Das klingt sehr echt, -- in der That! -- geh doch zur Bühne!
--- _(mit verändertem Ton, brutal)_ mach keine schlechten Scherze! hör
-mal: Du und der Märtyrernimbus, das wirkt einfach putzig. Du bist eben
-wo anders noch weniger auf Deine Rechnung gekommen, als zu Hause, das
-ist die Wahrheit!
-
-+Auguste+: Mutter! Du bist Zeuge: hab ich nicht drei Anträge abgewiesen!
-
-+Robert+: Hui! Wenn Mutter nur mit dem nöthigen Gelde rausgerückt
-hätte, dann hätten Dich die Herren gewiß mit in Kauf genommen.
-
-+Frau Scholz+: Geld? _(auf Robert zutretend, ihm die Hand hinhaltend)_
-da nimm ein Küchenmesser! -- schneid mir’s raus! schneid mir das Geld
-aus der Hand!
-
-+Auguste+: +Sie mich?+ willst Du die Absagebriefe sehen?
-
-+Frau Scholz+ _(unterbechend)_: Kinder! _(sie macht eine Bewegung,
-als ob sie ihre Brust für den Todesstoß entblößen wollte)_ da hier!
--- macht mich doch lieber gleich todt! habt ihr denn nich +so+ viel
-Rücksicht für mich? nich +so+ viel? -- wie ....? großer Gott nich fünf
-Minuten .... ich weiß nich, was das blos für Kinder ...., nich fünf
-Minuten halten sie Frieden.
-
-+Robert+: Na ja freilich! ich sag ja schon: -- es wird eben wieder
-ungemüthlich.
-
-+Friebe+ _(geschäftig aus dem oberen Stockwerk. Er flüstert Fr. Scholz
-etwas zu, worauf hin diese ihm einen Schlüssel einhändigt. Friebe ab in
-den Keller)_.
-
-+Robert+ _(hat stillstehend den ganzen Vorgang beobachtet. Im selben
-Augenblick, als Friebe in der Kellerthür verschwindet)_: Aha!
-
-+Auguste+ _(hat ihrerseits Robert im Auge behalten. Nun bricht sie aus,
-entrüstet)_: Pietätlos bist Du -- durch und durch.
-
-+Robert+: Na item.
-
-+Auguste+: Aber Du spielst Komödie; Du lügst ganz erbärmlich, und das
-ist das Widerwärtige daran!
-
-+Robert+: In Hinsicht auf Vater meinst Du?!
-
-+Auguste+: Allerdings in Hinsicht auf Vater.
-
-+Robert+ -- _(achselzuckend)_: -- Wenn Du meinst ....
-
-+Auguste+: Ja -- das .... das .... ja -- denn -- wenn es anders wäre,
-dann .... ja .... dann wärst Du ein Wicht.
-
-+Frau Scholz+ _(dazwischen redend)_: Wird denn das irgend bald aufhören
-oder was ....
-
-+Robert+ _(gleichmüthig)_: Dann +bin+ ich ein Wicht. Nun, und?
-
-_(Ida seit geraumer Zeit unruhig in Erwartung ab durch die Glasthür.)_
-
-+Auguste+: Pfui, schamlos!
-
-+Robert+: Schamlos, ganz recht, das bin ich.
-
-+Frau Buchner+: Herr Robert! ich glaube Ihnen nicht .... Sie sind
-besser, als Sie uns glauben machen wollen, -- besser, als Sie selbst
-glauben sogar.
-
-+Robert+ _(mit gelindem, sich steigerndem Sarkasmus, kalt)_: Verehrte
-Frau Buchner! -- es ist ja vielleicht äußerst liebenswürdig .... aber
-wie gesagt: -- ich weiß nicht recht, wie ich zu der Ehre .... ja ich
-muß sogar Ihre Liebenswürdigkeit geradezu ablehnen. Meine Selbstachtung
-ist vorläufig wenigstens noch keineswegs so gering, daß ich Jemand
-nöthig hätte mich ....
-
-+Frau Buchner+ _(in gelinder Verwirrung)_: Das ist ja auch garnicht
-meine Absicht. -- Nur .... Ihr Vater -- ....
-
-+Robert+: Mein Vater ist für mich ein ~Doctor medicinae~ Fritz Scholz.
-
-+Auguste+: Ja, ja, red’ nur!
-
-+Robert+: Und wenn ich diesem Menschen nicht ganz so gleichgültig
-gegenüberstehe, als irgend einem X- oder Y-Narren, so liegt das
-+da+ran, daß ich .... na ~item~ .... _(er raucht)_ weil ich .... na
-eben: ich bin eben gewissermaßen ein Produkt seiner Narrheit.
-
-+Frau Buchner+ _(gleichsam betäubt)_: Verzeihen Sie! -- hier kann ich
-nun doch nicht mehr mit -- So etwas wagen Sie auszusprechen!? mich
-überläuft es förmlich.
-
-+Frau Scholz+ _(zu Fr. Buchner)_: Laß gut sein, laß gut sein! Du wirst
-bei uns noch Dinge erleben ....
-
-+Auguste+: Was das nun auch wieder heißen soll, Mutter! -- wir sind,
-wie wir sind. Andre Leute, die wer weiß +wie+ thun, sind um nichts
-besser.
-
-+Robert+: Es giebt in der That noch immer naive Seelen, die sich
-nicht wohl fühlen, wenn sie nicht an ihren Mitmenschen herumbessern und
-herumflicken können. Veralteter Zauber! -- Zopf!
-
-+Frau Buchner+ _(Robert bei beiden Händen fassend, herzlich)_: Herr
-Robert! ich fühle mich im Dienste einer +bestimmten+ Sache. Das feit
-mich. Aus Herzensgrund: Sie haben mich nicht beleidigt.
-
-+Robert+ _(ein wenig aus der Fassung)_: Sie sind eine +merkwürdige+
-Frau.
-
-+Friebe+ _(kommt aus dem Keller. Er trägt in der linken Hand drei
-Flaschen Rothwein -- und zwar so, daß die Finger geklemmt sind -- unter
-der linken Achselhöhle eine Flasche Cognac. Mit der rechten Hand hält
-er die Kellerschlüssel. Zu Fr. Scholz tretend, geschäftig)_: Nun man
-fix die Cigarren!
-
-+Frau Scholz+: Gott ja, Friebe! ich weiß ja garnicht ....
-
-+Robert+: Im Schreibtisch, Mutter.
-
-+Frau Scholz+: Ach so .... _(sie nimmt das Schlüsselbund und sucht
-fahrig nach dem rechten Schlüssel)_.
-
-+Auguste+: Du kennst doch den Schreibtischschlüssel.
-
-+Robert+: Mit gradem Bart.
-
-+Frau Scholz+: Richtig! -- wart! ....
-
-+Robert+: Gieb mal ....
-
-+Frau Scholz+: Wart nur, wart! -- hier! ach nein doch! -- ich bin ganz
-verwirrt. _(Robert das Bund hinreichend.)_ Da.
-
-+Robert+ _(den richtigen Schlüssel abziehend und Friebe hinreichend)_:
-Da -- Lassen Sie Sich meines Vaters Cigarren gut schmecken.
-
-+Friebe+: Na ooch noch! det krijt den ollen Zacken den janzen Tach nich
-aus de Kinnladen _(es wird stark an der Klingel gerissen)_ komm schon!
-_(Friebe ab nach oben.)_
-
-+Frau Scholz+: Da wird der Wein bald alle werden .... Großer Gott,
-wohin soll das führen? der viele Wein! immer die theuren, schweren
-Cigarren! ich sag ja, er wird sich noch zu Grunde richten.
-
-+Robert+: Das muß Jedem unbenommen bleiben.
-
-+Frau Buchner+: Was meinen Sie?
-
-+Robert+: Sich auf seine eigne Art zu vergnügen. Ich wenigstens würde
-mir dieses Recht auf keine Weise verkümmern lassen. Selbst nicht durch
-Gesetze. Sonderbar übrigens! --
-
-+Frau Buchner+: Wie? ....
-
-+Robert+: Sonderbar! --
-
-+Frau Buchner+: Weshalb betrachten Sie mich so eingehend? ist es an
-mir, -- das Sonderbare?
-
-+Robert+: Wie man’s nimmt. Sie sind mehrere Tage bei uns und denken
-noch immer nicht an’s Abreisen.
-
-+Auguste+: So’n Gerede!
-
-+Frau Scholz+: Das hört nich auf! _(schüttelt verzweifelt den Kopf)._
-
-+Robert+ _(mit brutaler Heftigkeit)_: Na Mutter, ist es etwa nicht
-wahr? -- Hat es bei uns irgend ein Fremder je länger als einen halben
-Tag ausgehalten? -- haben sie sich nicht alle von uns zurückgezogen,
-Nitzssches, Lehmann’s ....?
-
-+Auguste+: Als ob wir auf fremde Leute angewiesen wären. -- Meinswegen!
-wir sind uns selber genug ....
-
-+Robert+: Ja, vollauf wirklich: _(brutal im Ton)_ ich saaage Ihnen,
-Frau Buchner! in Gegenwart wildfremder Menschen kamen sie sich derart
-in die Haare, daß die Fetzen flogen. Die Mutter riß das Tischtuch
-herunter, der Vater zerkeilte die Wasserflasche. -- Heiter! nicht? --
-heitre Scenen, heitre Kindheitseindrücke!?
-
-+Auguste+: Du solltest Dich verkriechen vor Scham, gemeiner Mensch!
-_(schnell ab.)_
-
-+Frau Scholz+: Siehst Du nu? daran bin ich nu seit Jahrzehnten, seit
-Jahrzehnten gewöhnt! _(ab in Bewegung.)_
-
-+Robert+ _(unbeirrt fortfahrend)_: Kein Wunder allerdings. Ein Mann von
-vierzig heirathet ein Mädchen von sechzehn und schleppt sie in diesen
-weltvergessenen Winkel. Ein Mann, der als Arzt in türkischen Diensten
-gestanden und Japan bereist hat. Ein gebildeter, unternehmender Geist.
-Ein Mann, der noch eben die weittragendsten Projekte schmiedete,
-thut sich mit einer Frau zusammen, die noch vor wenigen Jahren
-fest überzeugt war, man könne Amerika als Stern am Himmel sehen. Ja
-wirklich! ich schneide nicht auf. Na und darnach ist es denn auch
-geworden: ein stehender, fauler, gährender Sumpf, dem wir zu entstammen
-das zweifelhafte Vergnügen haben. Haarsträubend! Liebe -- keine Spur.
-Gegenseitiges Verständniß -- Achtung -- nicht Rühran -- und dies das
-Beet, auf dem wir Kinder gewachsen sind.
-
-+Frau Buchner+: Herr Robert! ich möchte Sie recht sehr bitten ....
-
-+Robert+: Schön! -- am Reden liegt mir garnichts. Die Geschichte ist
-außerdem ....
-
-+Frau Buchner+: Nein, nein. Ich möchte Sie nur um etwas bitten; es eilt.
-
-+Robert+: Bitten? -- mich?
-
-+Frau Buchner+: Könnten Sie’s nicht +mir+ zu Liebe thun .... könnten
-Sie nicht .... Wäre es denn garnicht möglich .... Könnten Sie nicht für
-diesen Abend einmal Ihre Maske ablegen?
-
-+Robert+: Sehr gut! -- Maske ablegen?
-
-+Frau Buchner+: Ja, denn es ist wirklich nicht Ihr wahres Gesicht, was
-Sie herauskehren.
-
-+Robert+: Was Sie sagen!
-
-+Frau Buchner+: Versprechen Sie mir, Herr Robert ....
-
-+Robert+: Aber ich weiß ja garnicht ....
-
-+Frau Buchner+: Wilhelm .... Ihr Bruder Wilhelm kann jeden Augenblick
-kommen und ....
-
-+Robert+ _(unterbrechend)_: Frau Buchner! wenn -- Sie -- mir -- doch
--- glauben wollten! Ihre Bemühungen -- ich versichere Sie -- sind ganz
-umsonst. Dies alles führt zu nichts -- zu garnichts. Wir sind alle von
-Grund aus verpfuscht. Verpfuscht in der Anlage, vollends verpfuscht in
-der Erziehung. Da ist nichts mehr zu machen. Es sieht Alles recht gut
-aus: Weihnachtsbaum -- Lichter -- Geschenke -- Familienfest, aber es
-ist doch nur obenhin; eine gequälte, plumpe Lüge -- weiter nichts! --
-Und nun gar noch der Vater. Wenn ich nicht wüßte, wie unzugänglich er
-ist -- auf Ehre! ich würde glauben, Sie hätten ihn hierher gebracht.
-
-+Frau Buchner+: Bei Gott, nein! das gerade hat meine Hoffnung belebt.
-Das kann kein Zufall sein, das ist Fügung. Und deshalb aus Grund meiner
-Seele: seien Sie freundlich und gut zu Ihrem Bruder! Wenn Sie wüßten,
-wie gut er von Ihnen spricht, mit welcher Liebe und Achtung ....
-
-+Robert+ _(unterbrechend)_: Ja, und der Zweck?
-
-+Frau Buchner+: Wie.
-
-+Robert+: Weshalb soll ich zu ihm freundlich und gut sein?
-
-+Frau Buchner+: Das fragen Sie?!
-
-+Robert+: Ja.
-
-+Frau Buchner+: Nun -- doch wohl zunächst, um ihm die Rückkehr in’s
-Elternhaus nicht von vornherein zu verleiden.
-
-+Robert+: O, wir tangiren einander nicht, wie Sie zu glauben scheinen,
-und -- übrigens, wenn Sie meinen, daß sich seiner beim Eintritt in
-diese Räume etwa eine subtile Rührung bemächtigen wird ....
-
-+Frau Buchner+: Ihr Bruder ist ein so guter, im Grunde so edler Mensch!
--- Er hat einen Riesenkampf gekämpft, bevor er sich zu diesem Schritt
-entschloß. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, er kommt mit dem
-heißen Wunsche einer Aussöhnung.
-
-+Robert+: Ich begreife garnicht, was das heißen soll! Aussöhnen?! mit
-was will er sich denn aussöhnen? Ich verstehe so was garnicht. Wir
-verstehen uns doch sonst untereinander so ziemlich, wir Geschwister.
-Das ist mir ganz neu. Ich habe ihm nichts vorzuwerfen. Andererseits
-sind Thatsachen nicht zu vertuschen. -- Ich frage Sie: Glauben Sie, daß
-ich besondere Hochachtung vor meinem Vater empfinde --? Nicht wahr?
-nein --? Oder lieb’ ich ihn vielleicht? -- Empfinde ich vielleicht
-kindliche Dankbarkeit? -- Nun sehen Sie, zu alledem habe ich auch nicht
-den mindesten Grund. Wir sind uns gegenseitig zeitlebens im besten
-Falle Luft gewesen. -- Zu Zeiten, als wir uns gegenseitig für unser
-Unglück verantwortlich machten, haben wir uns sogar geradezu gehaßt.
--- Nun, zwischen Vater und Wilhelm ist dieser selbe Haß ausgeartet.
-Das ist mir durchaus begreiflich. Wenn ich nicht wie Wilhelm verfahren
-bin, so ist das vielleicht Zufall. Also, ich habe nichts gegen ihn, --
-notabene, wenn ich ihn nicht sehe. Seh’ ich ihn aber, dann geht alle
-meine Ueberlegung zum Teufel, dann bin ich etwas .... etwas .... na,
-wie soll ich sagen? dann .... dann seh’ ich eben nur den Menschen, der
-+meinem+ Vater -- nicht seinem, sondern meinem Vater -- in’s Gesicht
-geschlagen hat.
-
-+Frau Buchner+: O du großer Gott!
-
-+Robert+: Und da steh’ ich für garnichts ein, durchaus für garnichts.
-
-+Frau Buchner+: O du großer Gott! das also ist es. -- Geschlagen,
-sagten Sie? -- in’s G--esicht? -- seinen +eignen+ Vater?
-
-+Robert+: Na item. --
-
-+Frau Buchner+ _(halb von Sinnen)_: O du großer Gott! o du großer Gott!
-aber -- dann .... dann kann ich ja .... dann muß ich ja auf der Stelle
-mit Ihrem guten, alten Vater reden, dann ....
-
-+Robert+ _(tief erschrocken)_: Mit wem?
-
-+Frau Buchner+ _(halb weinend)_: Mit Ihrem guten, alten, armen,
-gemißhandelten Vater.
-
-+Robert+ _(sucht sie festzuhalten)_: Um Himmelswillen, mit wem wollen
-Sie ....?
-
-+Frau Buchner+: Lassen Sie mich! ich muß, muß. _(ab durch den
-Treppenausgang.)_
-
-+Robert+ _(ihr nachrufend)_: Frau Buchner! _(sich wendend)_ Hysterie,
-verdammte!
-
-_(Er zuckt mit den Achseln und durchmißt den Raum; mehrmals noch
-nimmt er plötzlich einen Anlauf, wie um ihr nachzueilen, ändert aber
-jedesmal seinen Entschluß, giebt ihn schließlich ganz auf und beruhigt
-sich gewaltsam bis zu einem Stadium scheinbaren Gleichmuths. In diesem
-Stadium beschäftigt ihn anfänglich seine Tabakspfeife: er klopft sie
-aus, füllt sie mit neuem Tabak, den er einem Beutel entnimmt, setzt
-sie in Brand und scheint mehrere Augenblicke dem Genuß des Rauchens
-ganz allein hingegeben. Sein Interesse fängt in der Folge an, sich dem
-Christbaum und den Geschenken auf der Tafel zuzuwenden, breitbeinig
-davorstehend und Alles überblickend lacht er, die Pfeife im Munde,
-wiederholt bitter auf. Plötzlich stutzt er dann und beugt sich,
-nachdem er die Pfeife in die Hand genommen, tief über die Tafel. Sich
-aufrichtend, scheint er jetzt erst die Entdeckung zu machen, daß er
-allein ist. Scheu wie ein Dieb umherblickend, beugt er sich abermals,
-ergreift mit Hast die gelbseidne Geldbörse, führt sie den Augen
-näher und mit einer jähen leidenschaftlichen Bewegung an die Lippen.
-Dieser Moment zeigt das Aufblitzen einer unheimlichen, krankhaften
-Leidenschaftlichkeit. Ein Geräusch stört ihn. Augenblicklich liegt die
-Börse an ihrem alten Platz. Auf den Zehen gehend, sucht Robert sich
-davon zu schleichen. Im Begriff durch die erste Seitenthür links zu
-verschwinden, bemerkt er, wie durch die Nebenthür seine Mutter, Frau
-Scholz, eintritt, und steht seinerseits still.)_
-
-+Frau Scholz+ _(geht schwerfällig aber eilig quer durch den Saal bis
-zum Treppenausgang; hier horcht sie)_.
-
-+Robert+ _(sich zurückwendend)_: Sag’ mal, Mutter! -- was +will+ denn
-eigentlich diese Frau?
-
-+Frau Scholz+ _(erschreckt)_: O Gottogottogott!! -- Du erschrickst
-ein’n aber auch ....
-
-+Robert+: Was .... w .... was beab .... was die Buchner hier eigentlich
-beabsichtigt, möchte ich gerne wissen.
-
-+Frau Scholz+: Wenn ich lieber wüßte, -- was der Vater .... Was will er
-denn eigentlich? ja -- sag’ mir! -- was -- will er?
-
-+Robert+: Na, die Unterkunft wirst Du ihm doch wohl nicht verweigern
-wollen?
-
-+Frau Scholz+ _(halb weinerlich trotzend)_: Ich seh nicht ein, -- so
-lange hat er mich nicht nöthig gehabt. Man war doch wenigstens sei’
-eigner Herr. Nu wird’s wieder schön losgehen, das Gekujenire. Nu wird
-man woll uff seine alten Tage noch wie e kleenes Kind pariren müssen.
-
-+Robert+: Du mußt immer übertreiben! Es geht partout nicht anders:
-übertrieben muß werden.
-
-+Frau Scholz+: Paß Du nur uff, wenn er morgen das leere Glashaus sehen
-wird. Ich kann doch für den Prast nicht extra eenen Gärtner halten!?
--- und die Ameisenkästen sind ooch weg. Meinswegen brauchen keene
-Blumen wachsen, man krigt doch blos Kopfschmerzen davon! Und erscht das
-Ungeziefer! -- ich weiß nich, was er daran blos hat. Und deshalb muß
-man sich runterlumpen lassen. Das Halloh blos! ich ängst’ mich schon zu
-Tode -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Ach ’s is nich mehr hibsch uff der
-Welt.
-
-+Robert+ _(hat, während Frau Scholz noch redet, sich achselzuckend zum
-Gehen gewendet; nun steht er still und spricht zurück)_: Ist’s irgend
-früher mal hübscher gewesen?
-
-+Frau Scholz+: Nun +das+ -- dächt ich!!!
-
-+Robert+: So? na dann muß das wohl +vor+ meiner Zeit gewesen sein. _(ab
-durch die erste Thür links.)_
-
-+Frau Scholz+ _(schon wieder lauschend an dem Treppenausgang)_: Wenn
-ich zurückdenke .... oben wird ja gesprochen .... _(sie schließt auf,
-sieht sich allein, horcht abermals unruhig und verschwindet schließlich
--- die Hand am Ohr -- mit einem Gesicht voll Gram, Kummer und Neugier
-durch den Treppenausgang)_.
-
-_(+Ida+ und +Wilhelm+ durch die Glasthür. +Wilhelm+: mittelgroß,
-kräftig, wohlaussehend. Blonder kurzgeschorener Kopf, Kleidung
-gutsitzend, nicht geckenhaft. Paletot, Hut, Reisetasche. Seine Linke
-ist um die Schultern Ida’s gelegt, die ihn ihrerseits mit dem rechten
-Arm umfaßt hält und den leise Widerstrebenden vorwärts drängt.)_
-
-+Ida+: Siehst Du, nu bist Du drin! die Hauptsache ist nu schon
-überstanden.
-
-+Wilhelm+ _(schwer aufseufzend)_: O nein, Du!
-
-+Ida+: Du kannst mir glauben, Deine Mutter freut sich sehr, sehr auf
-Dich. Auch Gustchen _(sie zieht ihm die Winterhandschuhe ab)_. Wo hast
-Du denn +die+ her?
-
-+Wilhelm+: Du kennst also nun meine -- Mutter?
-
-+Ida+: Alle, Schatz! -- seit heute dutzen wir uns sogar.
-
-+Wilhelm+: Wie bist Du mit -- ihnen zufrieden?
-
-+Ida+: Seelensgute Menschen, das weißt Du ja selbst.
-
-+Wilhelm+ _(von jetzt ab befangener mit jedem Augenblick, gedehnt und
-wie im Selbstgespräch redend)_: Merk--würdig _(seine Augen haften
-an dem Christbaum, in den Anblick desselben versinkend, ist er
-unwillkürlich stehen geblieben)_.
-
-+Ida+ _(ihm den Paletot aufknöpfend)_: Aber Schatz! das ist doch nicht
-der erste Christbaum, den Du ...
-
-+Wilhelm+: Hier ja -- und Du kannst, +kannst+ mir nicht nachfühlen --
-+wie+ sonderbar ....
-
-+Ida+ _(ihm -- was er mechanisch geschehen läßt -- den Paletot
-abziehend)_: Bitte, bitte Willy! _(den Paletot über’m Arm, Hut und
-Reisetasche in der Hand, vor ihm stehend)._ Willy! -- sieh mich an ...
-_(anfeuernd)_ stark .... _(einen Augenblick lang steht sie straff
-aufgerichtet, dann legt sie die Sachen schnell beiseite und kehrt zu
-Wilhelm zurück)._ Du -- hast mir ver--sprochen ....
-
-+Wilhelm+: Hast Du mal .... Ida! .... hast Du mal .... ein Gruftgewölbe
-mit Kränzen und ....
-
-+Ida+ _(erschrocken)_: Aber Wilhelm! _(ihn stürmisch umarmend, außer
-sich)_ das ist bös! das ist wirklich bös! das ist wirklich sehr, sehr
-bös.
-
-+Wilhelm+ _(sie sanft zurückdrängend, mit unterdrückter Bewegung)_:
-Ach, dabei ist ja garnichts _(kühl, abwesend)_. Sei gut, sei gut!
-............
-
-+Ida+: Ach, wie Du doch bist!
-
-+Wilhelm+ _(den Baum durchmusternd)_: Sonst -- Alles -- beim Alten
-....... Ida! -- das mußt Du mir wirklich wirklich -- anrechnen!
-
-+Ida+: Mir wird auf einmal so bange, Willy. Ob es am Ende nicht besser
-gewesen wäre ..... Mutter hat ja gewiß nicht gewußt, daß es Dir so,
-+so+ schwer werden würde und ich ... ich dachte ja nur ... weil es
-Mutter sagte ... ich wollte es ja garnicht. Aber nun ... nun bist Du
-einmal so weit, nun sei auch .... hörst Du? .... thu mir die Liebe!
-.... ach _(sie umarmt ihn)_.
-
-+Wilhelm+ _(von Idas Armen ein wenig weiter hereingezogen, mit Zeichen
-tiefer, innerer Erschütterung)_: .. Jeder Schritt vorwärts .... was hab
-ich hier nicht Alles durchlebt!
-
-+Ida+: Nur nicht aufwühlen! nicht das Alte aufwühlen!
-
-+Wilhelm+: Sieh mal! -- jetzt wird mir doch klar -- Deine Mutter hätte
-mir das +nicht+ rathen sollen. -- Sie ist immer so zuversichtlich,
-so ..., ich hab’s ja gewußt, ich sagte es ihr -- aber diese naive,
-felsenfeste Zuversicht .... hätt ich mich doch nur nicht verblenden
-lassen!
-
-+Ida+: Ach wie Du doch Alles schwer nimmst, Wilhelm! glaub mir, Du
-wirst morgen anders sprechen -- wenn Du sie erst Alle wiedergesehen
-hast! .... Du bist dann doch wenigstens vor Dir selbst gerechtfertigt.
-Du hast bewiesen, daß es Dir ernstlich darum zu thun war, mit Deiner
-Familie in Frieden zu leben.
-
-+Wilhelm+: Wenn man so Alles wiedersieht, -- die alten Plätze alle --
-Alles tritt so heraus --, so hervor, weißt Du! -- die Vergangenheit
-kommt einem so nah, -- so aufdringlich nah; man kann sich ... förmlich
-wehrlos ist man.
-
-+Ida+ _(ihn weinend umhalsend)_: Wenn ich Dich so sehe, Wilhelm ....
-ach glaub nur ja nicht .... glaub doch nur um Himmelswillen nicht etwa,
-ich hätte Dich dazu gedrängt, wenn ich .... wenn ich auch nur geahnt
-hätte .... glaub doch +das+ nur nicht! Du thust mir ja so furchtbar
-leid.
-
-+Wilhelm+: Ida! -- zu Dir gesagt -- ich kann Dich versichern, daß ich
-hier fort muß. -- Offenbar! -- ich bin diesem Ansturm nicht gewachsen
--- offenbar! -- es ruinirt mich möglicherweise -- auf immer. -- Du
-bist ja ein Kind! -- ein süßes, reines Kind, Ida -- was weißt Du. --
-Gott sei ewig Dank, daß Du nicht einmal ahnen kannst, was mich ... was
-der Mensch neben Dir .... zu Dir gesagt -- Haß! Galle! -- schon als ich
-hereintrat ...
-
-+Ida+: Wollen wir gehen? wollen wir augenblicklich von hier fortgehen?
-
-+Wilhelm+: Ja, -- denn -- in dieser Umgebung -- selbst Du! -- ich
-unterscheide Dich kaum mehr von den Andern. -- Ich verliere Dich! -- es
-ist ein Verbrechen von mir, schon allein, daß +Du hier+ bist.
-
-+Ida+: Wenn Du doch nur deutlich sein könntest, Wilhelm! es muß doch --
-hier etwas Furchtbares passirt sein, was ....
-
-+Wilhelm+: Hier? ein Verbrechen! um so furchtbarer, weil es nicht als
-Verbrechen gilt. Man hat mir hier mein Leben gegeben und hier hat
-man mir dasselbe Leben -- zu Dir gesagt -- fast möchte ich sagen:
-systematisch verdorben -- bis es mich anwiderte -- bis ich daran trug,
-schleppte, darunter keuchte wie ein Lastthier -- mich damit verkroch,
-vergrub, versteckte, was weiß ich -- aber man leidet namenlos -- Haß,
-Wuth, Reue, Verzweiflung -- kein Stillstand! -- Tag und Nacht dieselben
-ätzenden, fressenden Schmerzen _(deutet auf die Stirn)_ da! ....
-_(deutet auf’s Herz)_ und -- auch -- da!
-
-+Ida+: Was soll ich nur thun, Wilhelm? ich getraue mir garnicht mehr --
-Dir etwas zu rathen -- ich bin so ....
-
-+Wilhelm+: Ihr hättet zufrieden sein sollen -- daß ich glücklich so
-weit war, +wie+ ich war. -- Es war ja Alles glücklich so weit abgeblaßt
--- jetzt erst erkenne ich, +wie+ weit _(überwältigt von Erregung bricht
-er auf einen Stuhl zusammen)_.
-
-+Ida+ _(mit unterdrücktem Aufschrei)_: Wilhelm!
-
-+Frau Buchner+ _(in fliegender Hast durch den Treppenbogen. Auf Wilhelm
-zustürzend)_: Wilhelm, hören Sie mich, Wilhelm! -- jetzt denken Sie an
-das, was wir gesprochen haben. Jetzt -- wenn ich Ihnen so viel gelte
-.... Ich beschwöre Sie .... Jetzt zeigen Sie .... Ja ich fordre ....
-Ich verlange von Ihnen als Mutter meines Kindes ..... Wilhelm! ....
-Es liegt nun an Ihnen, -- an Ihnen allein .... Wilhelm, Sie haben
-furchtbar gefehlt! -- Sie haben eine furchtbare Schuld -- Sie werden
-wieder froh werden. -- Ich hab es gethan .... ich habe mit Ihrem Vater
-geredet, er ....
-
-+Wilhelm+ _(steif in die Höhe schnellend, mit starrem Ausdruck und
-lallender Stimme)_: V--Vater? -- -- wie? -- m... mit m...einem
-V...ater? _(er wankt, taumelt wie ein Blödsinniger und sucht seine
-Sachen zu ergreifen.)_
-
-+Ida+ _(tief erschrocken)_: Wil... W...
-
-+Wilhelm+ _(giebt durch Zeichen zu verstehen, man soll ihn nicht
-unterbrechen)_:
-
-+Ida+: Ach -- Mutter -- Wilhelm -- ... Du .... Du hättest ihm -- das
-nicht -- gleich sagen sollen.
-
-+Frau Buchner+: Wilhelm! sind Sie ein Mann?! Sie können uns doch nicht
-belogen haben. Wenn Sie noch einen Funken Liebe für uns, -- für Ida ...
-Ich fordre Sie auf ... Ich, eine Frau ...
-
-+Ida+ _(wirft sich Wilhelm, der schon seine Sachen ergriffen hat,
-entgegen und hält ihn -- indem sie ihn umschlingt -- fest)_: Du darfst
-nicht fort, oder ich .... Mutter! wenn er geht -- ich gehe mit ihm!
-
-+Wilhelm+: Warum -- habt Ihr mir das verschwiegen?
-
-+Ida+: Nichts ... Du mußt doch nicht gar so schlecht von uns .... Wir
-haben Dir nichts verschwiegen.
-
-+Frau Buchner+: Wir alle, Ihre Mutter, Ihre Schwester, wir waren alle
-ahnungslos, -- eben so ahnungslos, wie Sie. Vor wenigen Minuten ist er
-angekommen -- ohne sich vorher anzumelden; und, sehen Sie, da dachte
-ich gleich ....
-
-+Wilhelm+: Wer -- hat Ihnen +das+ -- mitgetheilt?
-
-+Frau Buchner+ _(unter Thränen seine Hand ergreifend)_: Sie haben
-furchtbar, furchtbar gefehlt.
-
-+Wilhelm+: Sie wissen also --?
-
-+Frau Buchner+: Ja, jetzt ....
-
-+Wilhelm+: Alles?
-
-+Frau Buchner+: Ja Alles; -- und, sehen Sie, daß ich Recht hatte, --
-daß Sie noch etwas mit sich herumschleppten? das +war+ das Geheimniß.
-
-+Wilhelm+: Sie wissen, daß ich ....?
-
-+Frau Buchner+ _(nickt bejahend)_.
-
-+Wilhelm+: Und Ida --? soll sie einem Menschen zum Opfer fallen, wie
-... wie ich bin, -- des ... weiß sie’s? ... weißt Du’s -- Ida -- auch?
-
-+Ida+: Nein Wilhelm -- aber -- ob ich das weiß oder nicht; -- das ist
-wirklich ganz gleichgültig.
-
-+Wilhelm+: Nein. -- Diese Hand, die Du ... die Dich oft ... diese Hand
-hat ... _(zu Frau Buchner)_ Ist es das?
-
-+Frau Buchner+ _(nickt bejahend)_.
-
-+Wilhelm+ _(zu Ida)_: Wie schändlich hab’ ich Dich betrogen! -- ich
-bring’s nicht über mich. -- Später! .......
-
-+Frau Buchner+: Wilhelm! Ich weiß, was ich verlange, aber ich ... Sie
-+müssen+ sich vor Ihrem +armen+ Vater erniedrigen -- erst dann werden
-Sie sich wieder ganz frei fühlen. Rufen Sie ihn an! beten Sie ihn an!
-ach Wilhelm! das müssen Sie thun! Seine Kniee müssen Sie umklammern --
-und wenn er Sie mit dem Fuße tritt, wehren Sie sich nicht! reden Sie
-kein Wort! geduldig wie ein Lamm! glauben Sie mir -- einer Frau, die
-Ihr Bestes will.
-
-+Wilhelm+: Sie wissen +nicht+ ... Sie wissen doch nicht, was Sie von
-mir ... O Sie müssen Gott dankbar sein, Frau Buchner, daß er Ihnen
-Ihre eigene Grausamkeit verborgen hat. Ruchlos mag das sein. Was
-ich gethan habe, mag ruchlos sein. Aber was ich durchgemacht habe,
--- da! -- innerlich durchgekämpft, durchlitten -- diese furchtbaren
-Peinigungen .... Er hat Alles auf mich geladen -- und am Ende zu allem
-noch diese +verfluchte+ Schuld ......... Aber dennoch .......! _(nach
-einem langen, tiefen Blick, in Ida’s Augen, sich aufringend, bis zu
-einem festen Entschluß)._ Vielleicht -- gelingt es mir -- +dennoch+!
-
-
-
-
-Zweiter Vorgang.
-
-
-_Der Raum ist leer. Sein Licht erhält er zum Theil von einer
-im Treppenraum angebrachten rothen Ampel, dann aber, und zwar
-hauptsächlich, durch die offenen Thüren linker Hand aus dem
-Seitengemach. Hier sitzt man, wie das Klingen der Gläser, das Klappern
-und Klirren von Tellern und Bestecks verräth, bei Tafel._
-
-_(Ida, gleich darauf Wilhelm aus dem Nebengemach)._
-
-+Ida+: Endlich! _(einschmeichelnd.)_ Du mußt doch nun an Vater denken,
-Willy! sei mir nicht böse, aber wenn Du Vater etwas -- abzubitten hast,
-dann mußt Du doch nicht warten, bis +er+ zu Dir +herunter+ ..........
-
-+Wilhelm+: Wollte Vater zu Tisch ’runterkommen!
-
-+Ida+: Versteht sich! Mama hat ihn ....
-
-+Wilhelm+ _(umschlingt und preßt Ida plötzlich, mit impulsiver
-Leidenschaftlichkeit stürmisch an sich)_.
-
-+Ida+: Ei ..... ach -- Du -- wenn Jemand .... mein Haar wird ja ......
-
-+Wilhelm+ _(läßt die Arme schlaff an ihr heruntergleiten, faltet die
-Hände, senkt den Kopf und steht, jäh ernüchtert, wie ein ertappter
-Verbrecher vor ihr)_.
-
-+Ida+ _(ihr Haar ordnend)_: Was für ein stürmisches Menschenkind Du
-doch bist.
-
-+Wilhelm+: Stürmisch nennst Du das. -- Ich nenne es -- ganz -- anders
-.........
-
-+Ida+: Aber Willy! -- warum denn nun auf einmal wieder so
-niedergeschlagen? unverbesserlich bist Du doch.
-
-+Wilhelm+ _(ihre Hand krampfhaft fassend, den Arm um ihre Schulter
-legend, zieht er sie hastigen Schrittes mit sich durch den Saal)_:
-Unverbesserlich. Ja, siehst Du! das eben ..... ich fürchte ja nichts so
-sehr, als daß ich ..... als daß alle Deine Mühen um mich vergebens sein
-könnten. Ich bin so entsetzlich wandelbar! _(auf die Stirn deutend)_ da
-hinter ist kein Stillstand! Schicksale in Secunden! mich selbst fürcht’
-ich. Vor sich selbst auf der Flucht sein: kannst Du Dir davon einen
-Begriff machen? Siehst Du, und so fliehe ich -- mein Leben lang.
-
-+Ida+: Am Ende .... ach nein das paßt nicht -- --
-
-+Wilhelm+: Sag’ doch!
-
-+Ida+: Manchmal .... ich hab’ mir nur schon manchmal gedacht ....
-wirklich, es ist mir manchmal so vorgekommen, als ob -- sei nicht böse
--- als ob garnichts da wäre, wovor Du fliehen müßtest. Ich habe selbst
-schon ....
-
-+Wilhelm+: O Du, das glaube nicht! hast Du Robert beobachtet, hast Du
-gesehen?
-
-+Ida+: Nein -- was?
-
-+Wilhelm+: Hast Du bemerkt, wie er mich begrüßte? Der, siehst Du, der
-weiß, daß ich vor mir fliehen muß, der kennt mich. Frage den nur, der
-wird Dich aufklären! Damit droht er mir nämlich. Du, Du, das weiß ich
-besser. Gieb nur Acht, wie er mich immer anblickt! Ich soll Angst
-kriegen, ich soll mich fürchten. Ha ha ha, -- nein, lieber Bruder,
-so erbärmlich sind wir denn doch nicht. Und nun siehst Du wohl ein,
-Ida, daß ich das nicht zulassen darf, -- ich meine, Du darfst Dir
-keine Illusionen machen über mich. Es giebt nur eine Möglichkeit: ich
-muß offen sein gegen Dich. Ich muß es soweit bringen ..., Ich ringe
-darnach. Wenn Du mich ganz kennst, dann .... Ich meine wenn Du mich
-dann noch erträgst .... oder wenn Du -- mich noch lieben kannst ....
-dann .... das wäre ein Zustand .... dann würde etwas in mich kommen
-.... was Muthiges, Stolzes sag’ ich Dir .... dann lebte doch Einer, und
-wenn sie mich Alle verachteten ................................. _(Ida,
-voller Hingebung, schmiegt sich an ihn.)_
-
-+Wilhelm+: Und jetzt .... jetzt werde ich Dir auch .... bevor ich zu
-Vater hinaufgehe .... Du weißt was ich meine?!
-
-+Ida+ _(nickt)_.
-
-+Wilhelm+: Jetzt sollst Du .... Ich muß es über mich gewinnen Dir zu
-sagen, was mich -- mit meinem -- Vater .... Ja, Ida, -- ich will’s
-thun ........, ....... _(Arm in Arm schreitend)_ Stelle Dir vor! ich
-war hier zu Besuch .... nein -- so kann ich nicht anfangen. -- Ich muß
-weiter zurückgehen. -- Du weißt ja, als ich mich damals schon eine
-lange Zeit selbst durchgeschlagen ........ das hab’ ich Dir wohl noch
-garnicht erzählt?
-
-+Ida+: Nein, .... aber ruhig .... nur ja nicht unnöthig .... rege Dich
-nur nicht auf, Willy!
-
-+Wilhelm+: Siehst Du das ist wieder so ein Fall: ich bin feig! ich
-habe es bis jetzt nicht gewagt, Dir von meiner Vergangenheit zu
-erzählen .... auf jedenfall ist es auch ein Wagniß. -- Man wagt
-etwas, -- auch vor sich selbst .... einerlei! wenn ich das nicht mal
-über mich brächte, wie sollt’ ich’s dann fertig bringen -- zu Vater
-hinaufzugehen?!
-
-+Ida+: Ach, Du! quäle Dich nicht! -- jetzt stürmt so vielerlei auf Dich
-ein.
-
-+Wilhelm+: Du hast wohl Furcht? -- wie? Du fürchtest wohl Dinge zu
-hören ....?
-
-+Ida+: Pfui, pfui, so mußt Du nicht sprechen!
-
-+Wilhelm+: Nun also -- dann stelle Dir vor: hier oben wohnte Vater. Bis
-er Mutter nahm hatte er einsam gelebt, und so wurde es bald wieder; er
-führte sein einsames Sonderlingsleben weiter ........ Mit einem Mal
-verfiel er dann auf uns -- Robert und mich, um Auguste hat er sich
-garnicht gekümmert. -- Volle zehn Stunden täglich hockten wir über
-Büchern .... Wenn ich das Kerkerloch sehe -- heutigen Tags noch ......
-es stieß an sein Arbeitszimmer. Du hast’s ja gesehen!
-
-+Ida+: Der große Saal oben --?
-
-+Wilhelm+: Ja, der -- Wenn wir in diesen Raum eintraten, da mochte
-die Sonne noch so hell zum Fenster ’reinscheinen, -- für uns war es
-dann Nacht .... Na siehst Du -- da .... da liefen wir eben zur Mutter
-.... Wir liefen ihm einfach fort -- und da spielten sich Scenen ab --:
-Mutter zog mich am linken, Vater am anderen Arm .... Es kam soweit:
-Friebe mußte uns hinauftragen. Wir wehrten uns, wir bissen ihm in die
-Hände; natürlich half das nichts, unser Dasein wurde nur unerträglicher
-............. Aber widerspenstig blieben wir, und nun weiß ich, fing
-Vater an uns zu hassen. Wir trieben es so lange, bis er uns eines Tages
-die Treppe hinunterjagte. Er konnte uns nicht mehr ertragen -- unser
-Anblick war ihm ekelhaft.
-
-+Ida+: Aber Dein Vater -- das giebst Du doch zu? -- eine gute Absicht
-hat er doch gehabt mit Euch. Ihr solltet eben viel lernen, wie ....
-
-+Wilhelm+: Bis zu einem gewissen Grade mag er ja auch damals eine gute
-Absicht -- vielleicht gehabt haben. Aber wir waren ja zu der Zeit erst
-Jungens von neun oder zehn Jahren und von da ab, hört die gute Absicht
-auf. -- Im Gegentheil: damals hat er die Absicht gehabt, uns total
-verkommen zu lassen. -- Ja, ja! Mutter zum Possen .... Fünf Jahre lang
-waren wir im verwegensten Sinne uns selbst überlassen .... Banditen und
-Tagediebe waren wir .......... Ich hatte noch etwas, ich verfiel auf
-die Musik. Robert hatte nichts -- Aber wir verfielen auch noch auf
-ganz andre Dinge -- deren Folgen wir wohl kaum jemals verwinden werden
-.........................
-
-Schließlich schlug Vater wohl das Gewissen. Es gab fürchterliche Scenen
-mit Mutter. Am Ende wurden wir doch aufgepackt und in einer Anstalt
-untergebracht. Und als ich mich an das Sklavenleben dort nicht mehr
-gewöhnen konnte und davonlief, ließ er mich einfangen und nach Hamburg
-schaffen; Der Taugenichts sollte nach Amerika ... Der Taugenichts lief
-natürlich wieder davon. Ich ließ Eltern Eltern sein und hungerte und
-darbte mich auf meine eigene Faust durch die Welt. Robert hat ungefähr
-die gleiche Carrière hinter sich.
-
-Aber Taugenichtse sind wir deshalb in Vaters Augen doch geblieben ....
--- später war ich einmal so naiv eine Unterstützung von ihm zu fordern
--- nicht zu bitten! Ich wollte das Conservatorium besuchen. Da schrieb
-er mir auf einer offenen Postkarte zurück: Werde Schuster. -- Auf diese
-Weise, Ida! sind wir so eine Art ~self made man~ -- aber wir sind nicht
-besonders stolz darauf.
-
-+Ida+: -- Wahrhaftig Willy .... ich kann wahrhaftig nicht anders ....
-ich fühle Dir +wirklich Alles+ nach; aber -- ich kann augenblicklich
-nicht ernst .... Sieh mich nicht so fremd an, bitte, bitte!
-
-+Wilhelm+: O Du, -- das ist bitter -- und nicht zum Lachen.
-
-+Ida+ _(ausbrechend)_: ’S ein +Jubel+gefühl, Wilhelm! ich muß Dir
-sagen .... es mag selbstsüchtig sein, -- aber ich freue mich so
-furchtbar -- daß Du, das so brauchen kannst .... Ich will Dich ja so
-lieb haben, Wilhelm! .... Ich sehe so mit einem Mal Zweck und Ziel.
-Ach, ich bin ganz confus! Ich bedaure Dich ja so sehr. Aber je mehr ich
-Dich bedaure, je mehr freue ich mich. Verstehst Du, was ich meine? Ich
-meine ...... ich bilde mir ein, -- ich könnte Dir vielleicht Alles,
-was Du entbehrt hast .... alle Liebe, die Du entbehrt hast, mein ich,
-könnte ich Dir vielleicht reichlich ....
-
-+Wilhelm+: Wenn ich’s nur -- verdiene, -- Du! -- denn nun kommt --
-etwas, -- was mich allein -- betrifft ............ Vor Jahren ....
-nein -- es ist .... Ich kam nämlich später hie und da besuchsweise zur
-Mutter. -- Mach’ Dir’ mal klar, Ida! -- wenn ich so das ganze Elend
-wiedersah .... mach Dir ’mal klar wie mir da -- zu Muthe werden mußte.
-
-+Ida+: Deine Mutter -- litt wohl -- sehr?
-
-+Wilhelm+: In manchen Dingen, denk’ ich ja heut’ anders über Mutter.
-Immerhin, die Hauptschuld trägt Vater doch. Damals kam mir’s vor, als
-ob er Mutter widerrechtlich hier gefangen hielte. Ich wollte gerade,
-sie sollte sich von ihm trennen.
-
-+Ida+: Aber -- das konnte Deine Mutter -- garnicht, das, --
-
-+Wilhelm+: Sie folgte mir ja auch nicht. Sie hatte nicht den Muth. --
-Nun -- mit welchen Augen ich Vater ansah .... nun, das kannst Du Dir
-vielleicht denken.
-
-+Ida+: Sieh’ mal Wilhelm! -- Du warst vielleicht doch nicht ganz
-gerecht gegen Deinen Vater .... Ein Mann ....
-
-+Wilhelm+ _(ohne Ida’s Einwurf zu beachten)_: Einmal -- beging ich --
-die Thorheit -- einen Freund von mir .... Unsinn Freund .... flüchtiger
-Bekannter, -- ein Musiker .... Ich brachte ihn also mit hierher. Das
-war eine Auffrischung für Mutter. Sie spielte nämlich -- eine Woche
-lang --, täglich mit ihm vierhändig ........ Da also .... haarsträubend
-.... so wahr wie ich vor Dir stehe --; kein Schatten einer Möglichkeit!
--- und am Ende der Woche -- schrieen es ihr -- Dienstboten -- in’s
-Gesicht.
-
-+Ida+: Verzeih’! .... Ich .... Um was --?
-
-+Wilhelm+: Mutter! .... Mutter sollte .... Meine Mutter sollte ....
-Sie sollte -- denke Dir! sie wagten es ihr offen vorzuwerfen, daß sie
--- ein schlechtes -- Verhältniß -- mit .... das heißt! ich stellte die
-Person zur Rede .... frech .... der Kutscher hätte es ihr gesagt ....
-ich zum Kutscher und der .... der .... der will es .... der sagt mir
-geradezu, ich habe es vom Herrn .... vom Herrn selber -- .... Natürlich
-.... wo werde ich ihm denn so was glauben?! -- oder -- wenigstens --
-sträubte ich mich -- bis -- ich -- ein Gespräch -- belauschte, -- was
-Vater -- im Stall .... im Pferdestall mit dem Burschen -- hatte, --
-und -- Du kannst mir -- glauben: -- die Hände -- starben -- mir -- ab,
--- wie ich -- ihn da -- über meine -- Mutter -- reden hörte.
-
-+Ida+: Sei doch nur .... Laß Dich doch nur .... reg’ Dich doch blos
-nicht so +furchtbar+ auf. Du bist ja ganz ....
-
-+Wilhelm+: Ich weiß nicht mehr .... Ich weiß nur .... Es steckt etwas
-in uns Menschen .... der Wille ist ein Strohhalm .... man muß so etwas
-durchmachen .... Es war wie ein Einsturz ... Ein Zustand wie ....
-und in diesem Zustand befand ich mich plötzlich in Vaters Zimmer.
--- Ich sah ihn. -- Er hatte irgend etwas vor -- ich kann mich nicht
-mehr besinnen was. -- Und da -- hab’ ich ihn -- buchstäblich -- mit
--- diesen -- bei -- den Händen -- ab--ge--straft. _(Er hat Mühe sich
-aufrecht zu erhalten)._
-
-+Ida+ _(Ihre Augen stehen voll Thränen, die sie trocknet. Bleich und
-erschüttert starrt sie einige Augenblicke auf Wilhelm hin, dann küßt
-sie still weinend seine Stirn)_.
-
-+Wilhelm+: Du -- Barmherzige.
-
-_(Man hört die Stimme des Doktors von der Treppe her.)_
-
-+Wilhelm+: Und nun, -- wenn je! _(Er rafft sich auf, Ida küßt ihn
-nochmals. Er hat krampfhaft ihre Hand gefaßt. Wie die Stimme des
-Doktors schweigt, hört man fröhliches Gelächter aus dem Nebenzimmer.)_
-
-+Wilhelm+ _(mit Bezug auf das Lachen, wie auch auf das Kommen des
-Doktors, den man die Treppe herunter steigen hört.)_: Ihr habt eine
-wunderbare Macht! _(Ein Händedruck beiderseitiger Ermuthigung, dann
-trennt sich Ida von Wilhelm. Bevor sie abgeht, kehrt sie noch mal um,
-faßt Wilhelms Hand und sagt:)_ Sei tapfer! _(ab.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+: _(noch auf der Treppe.)_ Ä! großer Unsinn! .... rechts
-Friebe! -- ä! Ellbogen .... nicht halten, nicht halten! Donnerwetter!!!
-
-+Wilhelm+ _(je weiter der Doktor herunterkommt, um so aufgeregter
-erscheint Wilhelm. Seine Farbe wechselt oft, er fährt sich durch die
-Haare, athmet tief, macht die Bewegungen des Klavierspielens mit der
-Rechten ⁊c. Hierauf ist deutlich wahrzunehmen, wie Strömungen für und
-wieder in ihm kämpfen, -- wie er in seinem Entschluß wankend wird. Er
-scheint fliehen zu wollen, da bannt ihn das Hervortreten des Doktors.
-Er hat eine Stuhllehne gefaßt, um sich zu stützen und steht zitternd
-und bleich da. Der Doctor ist ebenfalls, zu seiner vollen imponirenden
-Größe aufgerichtet stehen geblieben und mißt seinen Sohn mit einem
-Blick, der nacheinander Schreck, Haß und Verachtung ausdrückt. Es
-herrscht Stille; Friebe, der den Doctor stützend und ihm vorleuchtend
-ebenfalls eingetreten in, benützt dieselbe, um sich davonzuschleichen,
-ab in die Küche. Wilhelm scheint einen Seelenkampf physisch
-durchzuringen. Er will reden, die Kehle scheint ihm zu versagen, es
-kommt nur zu lautlosen Bewegungen der Lippen. Er nimmt die Hand von
-der Stuhllehne und schreitet auf den Alten zu. Er geht unsicher, er
-taumelt, er kommt in’s Wanken, steht, will auf’s Neue reden, vermag es
-aber nicht, schleppt sich weiter und bricht die Hände gefaltet, zu des
-Alten Füßen nieder. In des Doctors Gesicht hat der Ausdruck gewechselt:
-Haß, Staunen, erwachendes Mitgefühl, Bestürzung.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+: Junge .... mein lieber Junge! mein .... _(er sucht ihn
-bei den Händen zu erheben.)_ Steh, doch nur -- auf! .... _(er faßt
-Wilhelm’s Kopf, der schlaff hängt, zwischen beide Hände und kehrt ihn
-sich zu.)_ Sieh’ mich .... Junge .... sieh’ mich doch ’mal -- an. Ach,
-was ist denn -- mit ....?
-
-+Wilhelm+ _(bewegt die Lippen)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(mit bebender Stimme)_: Was ... was ... sagst Du zu
-mir? ich ...
-
-+Wilhelm+: V ... Vater -- ich ....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Wie -- meinst Du --?
-
-+Wilhelm+: Ich -- habe Dich .. habe Dich .... h ... h ...
-
-~Dr.~ +Scholz+: Unsinn, Unsinn! jetzt nicht von solchen .....
-
-+Wilhelm+: Ich bin -- an Dir -- zum Verbrecher ....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Unsinn, Unsinn! ich weiß garnicht, was Du willst? alte
-Sachen sind alte Sachen. Thu mir die einzige Liebe, Junge! ...
-
-+Wilhelm+: Nun -- nimm’s von mir! nimm -- die Last von mir!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Vergeben und vergessen, Junge! vergeben und vergessen
-.....
-
-+Wilhelm+: Dank .... _(er athmet tief auf, das Bewußtsein verläßt ihn.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+: Junge! was machst Du mir denn für Sachen! was .....
-
-_(Er hebt und schleppt den Ohnmächtigen allein bis in einen in der Nähe
-stehenden Lehnstuhl. Bevor er ihn niedergesetzt hat, kommen +Ida+,
-+Robert+, +Auguste+, +Frau Scholz+ und +Frau Buchner+ hastig aus dem
-Nebengemach, +Friebe+ aus der Küche.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+: Wein! schnell etwas Wein!
-
-+Ida+ _(geht und ist sogleich mit Wein zurück)_.
-
-+Frau Scholz+: O Gottogottogott! Wasser! .. gleich mit Wasser
-besprengen!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(flößt ihm Wein ein)_.
-
-+Auguste+: Was war denn?
-
-+Ida+ _(bleich und in Thränen, legt ihre Wange an die Wilhelms)_: Wie
-eiskalt er sich anfühlt.
-
-+Frau Scholz+: Ueber was hat sich denn der Junge blos so aufgeregt, das
-möcht’ ich blos wissen: ... das ist mir doch rein ....
-
-+Robert+ _(ihre Hand fassend und zugleich ihre Rede abschneidend,
-verweisend)_: Mutter!!!
-
-+Frau Buchner+: Besprengen, besprengen, Herr Doctor!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Pst, pssst, habt Ihr .. haben Sie vielleicht ~eau de
-Cologne~?
-
-+Frau Buchner+: Ja _(sie giebt ihm ein Flacon)_, bitte.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Danke _(er bestreicht dem Ohnmächtigen die Stirn)_.
-
-+Ida+ _(zum Doctor)_: Es ist -- doch hoffentlich ... nicht
-wahr? nur ... _(sie bricht in Schluchzen aus)_ ach er sieht so
-schrecklich rührend aus, wie ..... wirklich wie -- todt sieht er aus.
-
-+Robert+ _(tröstet Ida)_.
-
-+Frau Scholz+: Wie der Junge blos schwitzt! _(sie wischt ihm die
-Stirn.)_
-
-+Wilhelm+ _(gähnt)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Pst. _(er und Alle blicken mit Spannung auf Wilhelm.)_
-
-+Wilhelm+ _(räuspert sich, dehnt sich, öffnet und schließt die Augen,
-wie ein Schlaftrunkener, legt den Kopf wie zum Schlaf zurück.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(hörbar)_: Gott sei dank!
-
-_(Er richtet sich auf, wischt sich die Stirn mit dem Taschentuch
-und mustert gerührt und halb verlegen seine Umgebung. Ida ist ihrer
-Mutter unter Lachen und Weinen um den Hals gefallen. Robert steht
-kaum Herr seiner Bewegung mit gefalteten Händen da und läßt seine
-Blicke abwechselnd über alle Anwesenden hingleiten. Auguste geht, das
-Taschentuch zusammengeballt vor dem Munde, hastig auf und ab, und
-hält jedes Mal im Vorübergehen einen Augenblick vor Wilhelm inne, um
-ihn forschend zu betrachten. Friebe geht auf den Zehenspitzen ab. Des
-Doctors Blick trifft den seiner Frau. Schüchtern und gerührt wagt sie
-sich näher, faßt leise seine Hand und klopft ihn auf den Rücken.)_
-
-+Frau Scholz+: Alterchen --!
-
-+Auguste+ _(ahmt die Mutter nach, umarmt und küßt dann den Vater, was
-dieser geschehen läßt, ohne seine Hand aus der seiner Frau zu nehmen.)_
-
-+Auguste+ _(an seinem Halse)_: Mein Herzensväterchen!
-
-+Robert+ _(plötzlich entschlossen tritt er auf seinen Vater zu und
-schüttelt ihm die Hand)_.
-
-+Frau Scholz+ _(giebt des Doctors Hand frei und führt ihm Ida zu)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(blickt erst Ida dann Wilhelm an und richtet einen
-fragenden Blick auf Frau Buchner)_.
-
-+Frau Buchner+ _(nickt bejahend)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(macht eine Gebärde, die etwa ausdrückt: ich will
-nichts verreden, ich kann mich vielleicht täuschen. Hierauf streckt er
-dem Mädchen seine Hand entgegen)_.
-
-+Ida+ _(kommt, nimmt seine Hand, beugt sich darauf nieder und küßt
-sie)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(zieht seine Hand gleichsam erschreckt zurück)_.
-
-+Wilhelm+ _(seufzt tief auf. Alle erschrecken)_.
-
-+Auguste+ _(in der Thür zum Nebengemach winkt Frau Scholz, dann ab)_.
-
-+Frau Scholz+ _(macht dem Doctor Zeichen, die besagen: man solle sich
-in’s Nebengemach begeben, des Patienten wegen)_.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(nickt bestätigend und entfernt sich Hand in Hand mit
-Frau Scholz behutsam)_.
-
-+Frau Buchner+ _(der Ida bedeutet hat, sie wolle bei Wilhelm bleiben,
-ebenfalls ab in’s Nebenzimmer)_.
-
-+Robert+ _(leise)_: Fräulein Ida, würden Sie ... möchten Sie mir wohl
-die Wache diesmal überlassen?
-
-+Ida+ _(freudig überrascht)_: Herzlich gern! _(Händedruck ab in’s
-Nebengemach.)_
-
-+Robert+ _(rückt einen Stuhl neben den Wilhelm’s und läßt sich, den
-Schlafenden beobachtend, darauf nieder. Nach einem Weilchen zieht er
-seine Tabakspfeife aus der Tasche, um sie in Brand zu setzen, erinnert
-sich aber zur rechten Zeit der Gegenwart des Patienten und steckt sie
-sogleich wieder ein)_.
-
-+Wilhelm+ _(seufzt, streckt die Glieder)_.
-
-+Robert+ _(leise und behutsam)_: Wilhelm.
-
-+Wilhelm+ _(räuspert sich, schlägt die Augen fremd und verwundert auf
-und sagt nach einer Weile -- als hätte ihn die Anrede Roberts erst
-jetzt getroffen)_: -- Ja!
-
-+Robert+: Wie ist Dir denn jetzt?
-
-+Wilhelm+ _(nachdem er Robert eine Weile nachdenklich angeblickt hat,
-mit schwacher Stimme)_: Robert? -- nicht?
-
-+Robert+: Ja -- ich bin’s ... Robert .. wie geht’s Dir denn?
-
-+Wilhelm+: Gut _(räuspert sich)_ ganz gut -- jetzt. _(er lächelt
-gezwungen, macht einen schwachen Versuch, sich zu erheben, der fehl
-schlägt.)_
-
-+Robert+: O, Du! das ist doch wohl noch ein Bischen gar zu zeitig,
-nicht?
-
-+Wilhelm+ _(nickt bejahend, seufzt, schließt erschöpft die Augen)_
-..................
-
-+Wilhelm+ _(schlägt die Augen groß und ruhig auf und spricht leise aber
-klar)_: Was ist denn eigentlich passirt? -- hier? --
-
-+Robert+: Ich glaube, Wilhelm! es wird das Beste sein, wir lassen das
-vorläufig auf sich beruhen ..... Die Versicherung geb’ ich Dir: etwas
-... ich jedenfalls hätte es niemals für möglich gehalten.
-
-+Wilhelm+ _(vergeistigt)_: -- Ich -- auch nicht.
-
-+Robert+: -- Wie soll man denn auch ... ä! Kohl! das war ja auch
-absolut nicht vorauszusehen! -- aber es ist eben doch vorgefallen.
-
-+Wilhelm+: Ja -- nun fällt mir -- nach und nach ... es -- war --
-lieblich! _(seine Augen füllen sich mit Thränen.)_
-
-+Robert+ _(mit leisem Beben in der Stimme)_: Ein sentimentales
-Weibsbild ist man doch ......................... So viel steht wieder
-’mal bombenfest: man hat wieder ’mal so in’s Blaue ’nein verdammt.
-Gekannt haben wir den Alten doch nicht, -- das können wir doch wohl
-nich’ gerade behaupten.
-
-+Wilhelm+: Vater? -- nein! wir sind ja Alle -- so blind, so blind!
-
-+Robert+: Das -- weiß Gott! -- sind wir ....................
-
-+Wilhelm+: Wie mir das vorkommt! -- wunderfremd. Er liebt uns ja! der
-alte Mann ist ja so himmlisch gut!
-
-+Robert+: Das +kann+ er sein, und das wußte ich bis jetzt nicht.
-
-+Wilhelm+: Mir dämmert manches! ......................
-
-+Robert+: Mit dem Verstande -- und so -- sieh ’mal -- hat ich das ja
-längst erfaßt. -- Alles ist +geworden+. Verantwortlich hab’ ich Vater
-nicht gemacht. -- Heißt das, schon seit Jahren nicht mehr. -- Nicht für
-mich, überhaupt für Keinen von uns. Aber heut hab’ ich’s +gefühlt+;
-und das ist, kannst Du glauben, noch ganz was andres ................
-Ehrlich, mich hat’s geradezu aus dem Gleichgewicht gebracht. -- Als
-ich ihn so sah -- so um Dich bemüht ... förmlich, wie ein Schlag war
-mir da! -- und nun muß ich mir immer sagen: -- warum ist denn das nun
-nicht ..... na warum denn nicht? es ist doch jetzt in uns lebendig
-geworden, es war doch also in uns -- warum ist es nicht schon früher
-hervorgebrochen? In Vater, in Dir -- und in mir wahrhaftigen Gott auch?
-es war doch in uns! Und nun hat er das so in sich hinein gewürgt --
-Vater mein ich -- na und wir ja auch -- so viele Jahre lang .....
-
-+Wilhelm+: Das ist mir nun aufgegangen: ein Mensch kehrt nicht
-nur jedem seiner Mitmenschen eine andere Seite zu, sondern er ist
-thatsächlich jedem gegenüber von Grund aus anders ........
-
-+Robert+: Warum muß denn das so sein zwischen uns! warum müssen denn
-wir uns nur immer und ewig abstoßen?
-
-+Wilhelm+: Das will ich Dir sagen: Herzensgüte fehlt uns! nimm z. B.
-Ida! Was Du Dir erklügelt hast, das lebt in ihr. Sie sitzt nie zu
-Gericht, Alles greift sie so weich, so mitleidig an -- die zartesten
-Dinge -- das schont so, verstehst Du! das ... und das glaub’ ich ist es
-.............................
-
-+Robert+ _(manlig werdend, sich erhebend)_: Wie ist Dir jetzt so? --
-
-+Wilhelm+: Recht frei ist mir doch jetzt ....
-
-+Robert+: Ä -- was nutzt das Alles! .... Ja -- was ich wollte -- sagen?
-vielleicht wird’s doch gut mit Euch!
-
-+Wilhelm+: Was denn?
-
-+Robert+: Na, wie denn? Du und ... na, und Ida natürlich.
-
-+Wilhelm+: Vielleicht! ... Die Beiden haben eine Macht -- auch Frau
-Buchner -- aber doch Ida hauptsächlich. Ich habe gedacht, das könnte
-mich retten .......... Zuerst wehrte ich mich ja ...............
-
-+Robert+ _(gedankenvoll)_: Das haben sie! -- sie haben eine Macht und
-deshalb ..... anfänglich -- offen gesagt, hab’ ich’s Dir verübelt.
-
-+Wilhelm+: Das fühlte ich wohl.
-
-+Robert+: Na, nimm ’mal an: ich hörte von einer Verlobung, und nun sah
-ich Ida; treppauf, treppab sang sie und so fröhlich -- ohne eine Idee
-von ....
-
-+Wilhelm+ _(erhebt sich)_: Ich verstand Dich ja auch, ich gab Dir ja
-sogar recht, was willst Du!
-
-+Robert+: Nu ja doch! -- ich bin ja auch ... es ist ja auf diese Weise
-ganz was anders. -- Ich muß ja zugeben ... wie gesagt ... überhaupt ..
-ganz frisch schon?
-
-+Wilhelm+: Vollkommen.
-
-+Robert+: Dann kommst Du wohl also bald?
-
-+Wilhelm+: Ich will nur noch .... geh doch einstweilen Du!
-
-+Robert+: Schön! _(geht, kommt zurück)_ hör ’mal Du! ich kann nicht
-anders, ich muß Dir sagen, Deine ganze Handlungsweise -- Vater
-gegenüber -- und auch -- überhaupt, ist hochachtenswerth. Ich hab’ Dich
-auch so -- überfallen förmlich -- mit meiner verfluchten Bornirtheit.
-Man .... hol’s der Teufel! Ich habe seit langer Zeit wieder zum ersten
-Male so ’ne Art unabweisbares Bedürfniß, verstehst Du! mich selbst
-anzuspucken. Das genügt Dir doch, wie? -- na, Du wirst mir doch nun
-auch die Liebe thun und -- wenn ich Dich .... ja wohl, gekränkt habe
-ich Dich ununterbrochen, seit Du hier bist. Also -- es thut mir leid!
-hörst Du!
-
-+Wilhelm+: Bruder! _(sie schütteln sich mit Rührung die Hände.)_
-
-+Robert+ _(zieht ruhig die Hand aus der Wilhelms, bringt seine
-Tabackspfeife hervor, entzündet sie, pafft, und sagt dabei vor sich
-hin)_: Acrobaten -- seele! -- pf! pf! na ~item~. _(Hierauf wendet
-er sich zum Gehen. Bevor er die Thüre des Seitengemaches ausklinkt,
-spricht er über die Schultern zu Wilhelm:)_ Ich -- will sie Dir
-herausschicken!
-
-+Wilhelm+: Ach -- Du laß doch! .... na -- wenn Du ....
-
-+Robert+ _(nickt bejahend, verschwindet in der Thür. Ab.)_
-
-+Wilhelm+ _(athmet befreit auf. Volle Freude über das Geschehene
-bemächtigt sich seiner.)_
-
-+Ida+ _(kommt aus dem Nebenzimmer, fliegt in seine Arme)_: Willy!!!
-
-+Wilhelm+: -- Jetzt -- jetzt .... Du .... Ihr .... Ihr beiden goldnen
-Seelen habt mich losgekämpft. Jetzt -- ein ganz neues Leben! .... Du
-glaubst nicht, wie mich das hebt! ordentlich groß stehe ich vor mir
-da! -- O Du! das merke ich jetzt erst -- das hat doch furchtbar auf
-mir gelastet .... Und nun fühl’ ich auch Kraft! Kraft fühle ich, Du!
--- verlaß Dich d’rauf, ich erreiche es nun doch noch! ich werd’s ihm
-zeigen, was der Taugenichts kann! ich werde Vater den Beweis liefern.
-Ich werde ihm beweisen, daß etwas in mir lebt: eine Kraft, eine Kunst,
-vor der sie sich beugen sollen .... die starrsten Köpfe werden sich
-beugen, ich fühl’s! -- das hat mich nur niedergeknebelt, glaubst Du!
-es kribbelt mir in den Fingerspitzen, glaubst Du! .... Ich möchte
-schaffen, schaffen! ....
-
-+Ida+: Siehst Du, so ist’s recht! nun endlich hast Du Dich
-wiedergefunden. -- Liebster, ich möchte jauchzen. -- Jauchzen
-möcht ich. -- jubeln .... Siehst Du, wie ich recht hatte; nichts
-ist erstorben in Dir! es schlief nur! Es wacht Alles wieder
-auf, sagt’ ich Dir immer. Es ist aufgewacht, siehst Du nun!
-..................................
-
-_(Sie umarmen, küssen sich und schreiten dann in einander verschlungen
-in stummer Glückseligkeit durch den Saal.)_
-
-+Wilhelm+ _(bleibt stehn, schaut mit glücklichem Staunen in die
-Augen seiner Braut, dann läßt er den Blick weiter schweifen, rings
-herum durch den Raum und sagt)_: In diesen eiskalten Mauern .... wie
-Frühlingszauber ist das!
-
-_(Einige Küsse; eng verschlungen stumm im Glück schreiten sie weiter.)_
-
-+Ida+ _(singt piano mit schelmischer Beziehung auf etwas in der
-Vergangenheit; etwas, wie: nun, siehst Du wie recht ich hatte.)_
-
-Wenn im Hag der Lindenbaum Wieder blühet, Huscht der alte
-Frühlingstraum ...
-
-+Frau Scholz+ _(tritt ein, gewahrt die Beiden, will sich schnell wieder
-entfernen)_.
-
-+Ida+ _(hat es bemerkt, bricht ihr Lied ab, fliegt auf Frau Scholz
-zu)_. Nicht fortlaufen, Schwiegermuttelchen!
-
-+Frau Scholz+: I warum nich’ gar! Ihr könnt mich ja garnicht brauchen.
-
-+Wilhelm+: _(umarmt und küßt seine Mutter und hilft sie mit
-hereinziehen)_.
-
-+Frau Scholz+ _(launig)_: Du bist wohl nich’ recht gescheidt. Ihr seid
-wohl ... Ihr reißt mir ja ...
-
-+Wilhelm+: Ach was, Mutter! das ist ja jetzt Alles einerlei -- Mutter!
-Du siehst einen anderen Menschen vor Dir _(zwischen Mutter und Braut,
-beider Hände haltend.)_ Komm, altes Mamachen; -- seht Euch in die
-Augen! -- so -- gebt Euch die Hände!
-
-+Frau Scholz+: Närr’scher Kerl!
-
-+Wilhelm+: Küßt Euch!
-
-+Frau Scholz+ _(nachdem sie sich mit der Schürze über den Mund
-gefahren)_: Na, dummer Kerl! -- das .... da ist doch weiter nichts
-dabei .... da brauchst Du uns doch nicht .... gelt Ida! _(sie küssen
-sich lachend)._
-
-+Wilhelm+: Und nun Friede!
-
-+Frau Scholz+: Nich berufen, Junge!
-
-+Friebe+: _(eine dampfende Punschterine tragend, aus der Küche in das
-Nebengemach)_.
-
-+Wilhelm+: Oho!!! -- na dann also ... Friebe! ist er gut?
-
-+Friebe+ _(im Vorübergehen)_: I, von det Zeich kenn’n Se mer dreiste
-wat vorsetzen, da bring ick ooch noch keen’n Schluck nich ieber de
-Lippen.
-
-+Wilhelm+: Nich’ möglich, Friebe!
-
-+Friebe+: Friher, ja -- jetzt, bin ick -- längst abjeschmissen. Jetz’
-trink ick -- nur -- mehrschtentheels -- b. -- bitt’ren Schnaps _(ab)_.
-
-+Ida+ _(hat Wilhelm die Cravatte in Ordnung gebracht und den Rock
-zurecht gerückt)_: So nu ....
-
-+Wilhelm+: Schon gut, Du! -- ist Vater heiter?
-
-+Frau Scholz+: Er erzählt so. -- Manchmal versteht man’s garnicht.
-
-+Wilhelm+: Das Herz pocht mir doch wieder!
-
-+Frau Scholz+: Wenn nur Robert nich’ so viel tränke.
-
-+Wilhelm+: Ach Mutter heut .... heut ist das ja Alles einerlei! heut
-....
-
-+Ida+: Nun komm schnell, eh Dir erst wieder ...
-
-+Wilhelm+ _(zu Frau Scholz)_: Gehst Du mit?
-
-+Frau Scholz+: Geht nur, geht!
-
-_(Ida und Wilhelm ab in’s Nebenzimmer.)_
-
-+Frau Scholz+ _(... steht, sinnt nach, streicht sich mit der Hand die
-Stirne und begiebt sich zu Folge eines plötzlichen Einfalls an die Thür
-des Nebengemachs, wo sie lauscht.)_
-
-+Friebe+ _(tritt durch eben dieselbe Thür ein. Man merkt nun deutlich:
-er ist angeheitert)_: Frau Doktor!
-
-+Frau Scholz+: Was wollen Sie?
-
-+Friebe+ _(pfiffig geheimnißvoll)_: Ma hat sei Wunder, Frau Sch--olzen.
-
-+Frau Scholz+ _(zurückschreckend)_: Sie haben -- zu viel getrunken! Sie
-...
-
-+Friebe+: Ick -- lauer’ schon -- uf alle Arten, det ick .... det ick
-und ick wollte Sie wat mittheilen.
-
-+Frau Scholz+: Na ja, ja, ja! sagen Sie nur schnell, was Sie zu sagen
-haben.
-
-+Friebe+: Na, ick meen man blos ....
-
-+Frau Scholz+: So reden Sie doch nur, Friebe!
-
-+Friebe+: Ick meen man blos! -- det is doch nich taktmäßig. In diese
-F ..... Funktion -- da sind ooch all noch ville Sachen -- wo ick ooch
-verschweigen muß .... ick meen man blos -- Ihr +Mann+ -- der kann’t
-unmeejlich mehr lange machen ....
-
-+Frau Scholz+: O Jesis, Jesis, Friebe! hat er denn .... o Jesis! hat er
-denn geklagt? is’ er denn krank?
-
-+Friebe+: Na, uff so wat -- versteh ick mir doch?!
-
-+Frau Scholz+: Ueber was klagt er denn?
-
-+Friebe+: Ick sollt’ ja -- aber -- nich’ -- sagen.
-
-+Frau Scholz+: Is’ es denn ernst? _(Friebe nickt bestätigend.)_ Er kann
-doch aber nich’ vom Tode gesprochen haben?
-
-+Friebe+: Er hat sich -- sogar -- noch mehr -- sone Sachen bedient,
-aber ...
-
-+Frau Scholz+: Na nu drücken Sie sich doch endlich deutlich aus. Trinkt
-der Mensch ....!
-
-+Friebe+ _(aufgebracht)_: Ja ick .... na Järtner -- un’ Schuhwichser
-.... un’ was da allens vorfallen duht .... nee! -- ick brauch mir det
-nich’ .... in jede Funktion .... das .... in diese Funktion kommt --
-allens vor -- aber nee! .... da haben se -- det Janze ........ klar
-.... punkt! .... _(er macht kehrt, ab in die Küche)_.
-
-+Frau Scholz+: Der Mensch ist verrückt geworden.
-
-+Ida+ _(im Hin durch die Thüre des Nebenzimmers, diese hinter sich
-zudrückend. Sie ein klein wenig wieder öffnend, ruft sie ins Gemach
-zurück)_: Warten, Herrschaften! ruhig und folgsam warten!
-
-+Wilhelm+ _(sich hineindrängend)_: Ich will Dir ja nur helfen.
-
-+Ida+: Aber sonst Niemand!
-
-_(Ida und Wilhelm entzünden die Christbaumlichte.)_
-
-+Frau Scholz+: Du! -- hör ’mal! -- Wilhelm!
-
-+Wilhelm+ _(beschäftigt)_: Gleich, Mutterchen! -- wir sind gleich
-fertig.
-
-_(Der Christbaum, die Girandolen und der Kronleuchter stehen im Licht.
-Ida nimmt eine große Decke, welche über die Geschenke auf der Tafel
-gebreitet war, von diesen herunter.)_
-
-+Wilhelm+ _(tritt zur Mutter)_.
-
-+Ida+ _(ruft durch die Thüre des Seitengemachs)_: Jetzt.
-
-+Frau Scholz+ _(ist im Begriff Wilhelm etwas mitzutheilen, als sie
-durch den Eintritt des ~Dr.~ Scholz gestört wird. Es folgen nun:
-Auguste, Robert und Frau Buchner.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(vom Trinken geröthetes Gesicht. Mit affektirtem
-Staunen.)_ Ah! ah!
-
-+Frau Buchner+: Feenhaft!
-
-+Auguste+ _(befangen lächelnd.)_
-
-+Robert+ _(umgeht, die Pfeife im Munde, erst befangen, dann mehr und
-mehr ironisch lächelnd, den Raum)_.
-
-+Ida+ _(hat Wilhelm, der darob äußerst betreten ist, zu dem Platze
-geführt, wo seine Geschenke liegen)_: Lach’ mich nicht aus, Willy!
-_(sie hält ihm die Börse hin.)_
-
-+Wilhelm+: Nein aber, Ida! -- ich hab’ Dich doch gebeten ....
-
-+Ida+: Ich hatte sie ’mal für Vater gehäkelt. Das letzte Jahr vor
-seinem Tode hat er sie viel getragen. Da dacht’ ich ....
-
-+Wilhelm+ _(unter den Blicken der Beobachter mit steigender
-Verlegenheit)_: Ja wohl ... so so ... vielen Dank, Ida!
-
-+Robert+: Die Dinger müßten nur praktischer sein.
-
-+Frau Scholz+ _(durch Frau Buchner ebenfalls an den Tisch geführt)_:
-Aber was machst Du denn nur für Geschichten? ich kann Euch ja garnichts
-.... ich hab’ ja garnichts für Euch _(vor einem gehäkelten Tuche)_ nein
-... nein ... ne Du -- thu mer die Liebe! das hast Du für mich gehäkelt?
-ne sag’ mer nur -- fer mich alte Frau? na da dank’ ich Dir auch
-vielmals schön _(sie küssen sich.)_
-
-+Frau Buchner+: Ach ich -- freu’ mich nur, wenn Dir’s gefällt.
-
-+Frau Scholz+: Prachtvoll! -- wundervoll -- wunderschön! wie viele Zeit
-und Mühe! ne! ....
-
-+Ida+: Auch für Sie hätt’ ich was Herr Robert! Sie dürfen mich aber
-nicht auslachen!
-
-+Robert+ _(über und über roth werdend)_: Ä -- zu was denn!
-
-+Ida+: Ich hab mir’ gedacht -- Ihre +Tabakspfeife+ -- die wird
-Ihnen nächstens die Nasenspitze verbrennen -- und da hab ich mich
-Ihrer erbarmt und noch gestern schnell .... _(sie zieht eine neue
-Tabakspfeife, die sie auf dem Rücken gehalten, hervor und überreicht
-sie ihm)_ da ist das Prachtstück!
-
-_(Allgemeine Heiterkeit.)_
-
-+Robert+ _(ohne ihr die Pfeife abzunehmen)_: Sie scherzen, Fräulein!
-
-+Ida+: Na ja! aber mit dem Schenken ist’s mir bitter Ernst.
-
-+Robert+: Ach nein doch, nein doch, das glaub’ ich nicht!
-
-+Frau Scholz+ _(entrüstet leise zu Wilhelm)_: Robert ist
-+unausstehlich+!
-
-+Ida+: Aber nein, wirklich!
-
-+Robert+: Sehen Sie -- dies Ding da .... ich habe mich so d’ran gewöhnt
-.... i, und Sie scherzen ja auch wirklich nur!
-
-+Ida+ _(die Augen voll Thränen. Ihren Schmerz bemeisternd und mit
-zitternder Stimme)_: Nun -- ja -- wenn Sie -- meinen _(sie legt das
-Geschenk auf den Tisch zurück)_.
-
-+Frau Buchner+ _(hat während des letzten Gesprächs mehreremals leise
-Ida gerufen: nun eilt sie auf sie zu)_: Idchen -- hast Du denn
-vergessen?
-
-+Ida+: Was denn Mama?
-
-+Frau Buchner+: Du weißt doch! _(Zu den Uebrigen)_ nun sollen sie noch
-etwas zu hören bekommen.
-
-_(Ida, froh auf diese Weise ihre Bewegung verbergen zu können, folgt
-ihrer Mutter, die sie an der Hand gefaßt hat, in’s Nebenzimmer.)_
-
-+Frau Scholz+ _(zu Robert)_: Warum hast Du ihr die Freude verdorben?
-
-+Wilhelm+ _(geht, die Enden seines Schnurrbartes nervös kauend, unruhig
-umher und wirft ab und zu drohende Blicke auf Robert.)_
-
-+Robert+: Was denn? wie denn? ich weiß garnicht, was Du willst?
-
-+Auguste+: Na, freundlich war das allerdings nicht gerade.
-
-+Robert+: Laßt mich doch zufrieden! und überhaupt: was soll ich denn
-damit.
-
-_(Gesang und Klavierspiel, aus dem Nebenzimmer dringend, unterbricht
-die Sprechenden. Alle blicken einander erschrocken an.)_
-
-+Idas+ Stimme:
-
- Ihr Kinderlein kommet,
- O kommet doch all!
- Zur Krippe herkommet
- In Bethlehems Stall,
- Und seht, was in dieser
- Hochheiligen Nacht
- Der Vater im Himmel
- Für Freude uns macht!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(ist über das Verhalten Roberts immer finsterer
-geworden. Bei Beginn des Gesanges blickt er scheu -- wie Jemand, der
-einen Angriff fürchtet -- umher und sucht einen gewissen Abstand
-zwischen sich und jedem der Anwesenden möglichst unauffällig
-festzuhalten)_.
-
-+Frau Scholz+ _(bei Beginn des Gesanges)_: Ach wie schön! _(einen
-Augenblick lauscht sie hingegeben, dann bricht sie in Schluchzen aus.)_
-
-+Robert+ _(bewegt sich langsam, macht wie der Gesang anhebt ein
-Gesicht, wie: na nu hört’s auf, schreitet weiter, lächelt ironisch und
-schüttelt mehrmals den Kopf. Im Vorübergehen sagt er halblaut etwas zu
-Auguste)_.
-
-+Auguste+ _(halb und halb gerührt, platzt nun heraus)_.
-
-+Wilhelm+ _(hat bisher, ein Spiel widersprechender Empfindungen, an die
-Tafel gelehnt -- auf der Platte nervös Clavier spielend -- gestanden;
-nun steigt ihm die Röthe der Entrüstung in’s Gesicht.)_
-
-+Robert+ _(scheint gegen Ende des Gesanges unter den Tönen physisch zu
-leiden. Die Unmöglichkeit, sich den Eindruck derselben zu entziehen,
-scheint ihn zu foltern und mehr und mehr zu erbittern. Unmittelbar nach
-Schluß des Verses entfährt ihm -- gleichsam als Trümmerstück eines
-inneren Monologes -- unwillkürlich das Wort)_: Kinderkomödie, _(in
-einem beißenden und wegwerfenden Tone)_.
-
-_(Alle, auch der Doktor, haben das Wort gehört und starren Robert
-entsetzt an.)_
-
-+Frau Scholz+:} } Robert!!! +Auguste+: }
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(unterdrückt eine Aufwallung von Jähzorn)_.
-
-+Wilhelm+ _(macht in bleicher Wuth einige Schritte auf Robert zu.)_
-
-+Frau Scholz+ _(stürzt sich ihm entgegen, umarmt ihn)_: Wilhelm! -- thu
-mir die einzige Liebe!
-
-+Wilhelm+: Gut --! Mutter!
-
-_(Er geht, sich überwindend, erregt umher. In diesem Augenblick
-hebt der zweite Vers an. Kaum berühren die ersten Töne sein Ohr, so
-erzeugt sich in ihm ein Entschluß, in Folge dessen er auf die Thür des
-Seitengemaches zuschreitet.)_
-
- Da liegt es, ach Kinder!
- Auf Heu und auf Stroh;
- Maria und Josef
- Betrachten es froh,
- Die redlichen Hirten
- Knieen betend davor,
- Hoch oben schwebt jubelnd
- Der Englein Chor.
-
-+Frau Scholz+ _(stellt sich ihm in den Weg)_: Wilhelm! -- was machst Du
-denn!
-
-+Wilhelm+ _(ausbrechend)_: Sie sollen aufhören zu singen.
-
-+Auguste+: Du bist wohl nicht bei Trost.
-
-+Wilhelm+: Laßt mich zufrieden! ich sage sie sollen aufhören.
-
-+Frau Scholz+: Aber sei doch .... Du bist ja wirklich .... na gutt,
-dann siehst Du mich diesen Abend nicht mehr.
-
-+Robert+: Bleib doch Mutter! laß ihn doch machen! es ist ja seine
-Privatsache!
-
-+Wilhelm+: Robert! treib’s nicht zu weit! nimm meinen Rath an! Du
-hast mir vorhin eine Rührscene vorgemacht, das macht Dich nur noch
-wiederwärtiger.
-
-+Robert+: Sehr richtig: -- Rührscene. -- Bin selbst der Meinung .....
-
-+Wilhelm+ _(geht abermals auf das Seitengemach zu.)_
-
-+Frau Scholz+ _(ihn abermals aufhaltend.)_ O, Gottogottogott Junge,
-warum willst Du sie denn? .... _(der zweite Vers ist beendet)._
-
-+Wilhelm+: Weil Ihr es Alle miteinander nicht werth seit.
-
-+Robert+ _(dicht an Wilhelm herantretend, mit einem frechen,
-vielsagenden Blick in seine Augen)_: Du, vielleicht?
-
-+Frau Scholz+: O, Jesis ne, Ihr treibt’s doch wieder so weit _(der
-dritte Vers hebt an)_.
-
- Manch Hirtenkind trägt wohl
- Mit heiterem Sinn
- Milch, Butter und Honig
- Nach Bethlehem hin,
- Ein Körbchen voll Früchte
- Das purpurroth glänzt,
- Ein schneeweißes Lämmchen,
- Mit Blumen bekränzt.
-
-+Wilhelm+: Sie sollen aufhören!
-
-+Frau Scholz+ _(ihn wiederum festhaltend)_: Junge!!!
-
-+Wilhelm+: Einfach -- unter aller Würde. Es ist Blasphemie! es ist ein
-Verbrechen an diesen Menschen, wenn wir sie ...... ich .... ja auf Ehre
-ich werde schamroth für Euch alle!
-
-+Auguste+ _(pikirt)_: Na -- so ganz besonders schlecht und verächtlich
-sind wir am Ende doch wohl auch nicht.
-
-+Wilhelm+: Auguste -- mich ekelt’s!
-
-+Auguste+: Mag’s doch! -- ja, ja; nu’ auf einmal ist man hinten
-runtergerutscht. Nu’ giebt’s auszusetzen an der Schwester an allen
-Ecken und Enden. Da is’ das nich’ recht, da is’ jen’s nich’ recht. Aber
-das Fräulein Ida .....
-
-+Wilhelm+ _(außer sich, sie unterbrechend)_: Sprich nicht den Namen
-aus!!!
-
-+Auguste+: Na, so ’was! ich werd’ wohl von Ida ....
-
-+Wilhelm+: Laß den Namen aus dem Spiel, sag’ ich Dir.
-
-+Auguste+: Du bist wohl verrückt geworden, ich werd’ doch ..... die is’
-doch wahrhaftig auch kein Engel vom Himmel.
-
-+Wilhelm+ _(schreiend)_: Schweig’ still, sag’ ich!
-
-+Auguste+ _(wendet ihm den Rücken)_: Ach, was denn, Du bist einfach
-verliebt.
-
-+Wilhelm+ _(Auguste unsanft an der Schulter packend)_: Frauenzimmer,
-ich! .....
-
-+Robert+ _(packt Wilhelms Arm, spricht kalt und jedes Wort betonend)_:
-Wilhelm! -- hast -- Du -- etwa -- wieder Absichten? ...........
-
-+Wilhelm+: Teufel!
-
-+Auguste+: Das sagst Du? -- pfui, Du!? der die Hand gegen seinen eignen
-Vater erhoben hat.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(mit zornbebender Stimme in absolut befehlendem Tone)_:
-Auguste! -- Du wirst Dich entfernen! -- augenblicklich!!
-
-+Auguste+: Na -- ich möchte wissen ....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Du wirst Dich augenblicklich entfernen!
-
-+Frau Scholz+: O Du lieber Gott, warum nimmst Du mich denn nicht zu
-Dir! _(weinerlich)_ Auguste! Du hörst! -- folge dem Vater!
-
-+Robert+: I, -- Mutter! das würd’ ich ihr denn doch sehr verdenken.
-Sie ist doch kein kleines Kind mehr. Die Zeiten haben sich doch
-wahrhaft’gen Gott sehr verändert.
-
-~Dr.~ +Scholz+: Aber, ich habe mich nicht verändert. Ich bin der Herr
-im Hause. Ich werde Euch das beweisen.
-
-+Robert+: .... lachhaft!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(schreiend)_: Räu -- ber -- und -- Mör -- der --!!!
--- -- -- ich -- -- -- -- -- enterbe Euch!!! ich werfe Euch auf die
-Straße!
-
-+Robert+: Das ist ja direkt komisch.
-
-~Dr.~ +Scholz+: _(bemeistert einen furchtbaren Zornausbruch und spricht
-mit unheimlicher Ruhe und Festigkeit)_: Du, oder ich, einer von uns
-verläßt das Haus -- augenblicklich.
-
-+Robert+: Ich natürlich -- mit Herzensfreude.
-
-+Frau Scholz+ _(halb befehlend, halb bittend)_: Robert, Du bleibst!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Er geht.
-
-+Frau Scholz+: Fritz! hör’ mir zu! er ist der einzige ..... in den
-langen, einsamen Jahren hat er uns nicht vergessen, er .....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Er, oder ich --!
-
-+Frau Scholz+: Gieb nach, Fritz, thu’ mir die Liebe!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Laß mich zufrieden! er, oder ich!
-
-+Frau Scholz+: Ach, -- Ihr braucht ja meinswegen einander nicht
-begegnen, es geht ja ganz gut einzurichten ... aber ...
-
-~Dr.~ +Scholz+: Gut, ich weiche. -- Dir und Deiner Meute weiche ich! --
-Du und Deine Meute, Ihr habt von jeher den Sieg behalten!
-
-+Wilhelm+: Bleib’, Vaterchen! oder wenn Du gehst, laß mich diesmal mit
-Dir gehen.
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(unwillkürlich zurückfahrend, zwischen Zorn und
-Entsetzen)_: Laß mich zufrieden, -- Taugenichts! _(gedankenlos nach
-seinen Sachen suchend)_: Banditen und Tagediebe! -- Taugenichtse!
-
-+Wilhelm+ _(aufwallend)_: Vater! -- so nennst Du uns ... und bist es
-doch gewesen, der uns .... Ach Väterchen nein, nein, das will ich ja
-garnicht sagen! laß mich mit Dir gehn, ich will bei Dir bleiben, laß
-mich Alles wieder gut machen, was ich _(er hat seine Hand auf des
-Vaters Arm gelegt.)_
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(vor Schreck und Entsetzen wie gelähmt, retiriert)_:
-Laß los! ich sage Dir -- die Ränke der Verfolger werden zufällig .....
-werden zuverlässig -- zu Schanden werden. Sind das diese Leute, --
-diese Mächtigen, -- und diese mächtigen Menschen sind das Männer? einen
-Mann der, wie ich, einige Schuld hat, aber im Uebrigen dennoch ganz und
-gar -- und -- durch und durch -- und kurz und gut.
-
-+Wilhelm+: Vater! Vater! Väterchen! komm zu Dir, komm doch zu Dir!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(sich im Rythmus der Worte bewegend, halblaut)_: Und
-kurz und gut und ... ganz und gar ....
-
-+Wilhelm+: _(ihn umarmend, mit der instinctiven Absicht, seinen
-Actionsdrang zu hemmen)_: Faß Dich! nimm Dich zusammen!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(sich wehrend, wie ein kleines Kind flehend)_: Ach,
-schlag mich nicht! ach straf mich nicht!
-
-+Wilhelm+: Aber um Gottes Himmels .....
-
-~Dr.~ +Scholz+: Nicht schlagen! nicht -- wieder -- schlagen! _(er macht
-krampfhafte Anstrengungen sich aus Wilhelms Umarmung zu befreien)._
-
-+Wilhelm+: Abfaulen soll mir die Hand -- Väterchen glaub doch nicht,
-.... Väterchen denk doch nicht ......!
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(hat sich befreit, flieht hülferufend von Wilhelm
-gefolgt)_.
-
-+Wilhelm+: Schlag mich Du! schlag Du mich!
-
-~Dr.~ +Scholz+: Bitte, bitte, bitte, -- .... Hülfe.
-
-+Ida+ _(aus der Thür des Seitengemaches, todtenbleich)_.
-
-+Wilhelm+ _(ereilt den Vater, umarmt ihn auf’s neue)_:. Schlag Du mich
-....
-
-~Dr.~ +Scholz+ _(unter Wilhelms Umarmung auf einen Stuhl
-zusammenbrechend)_: Ich ... a ... ah! a -- ah! ... ich -- glaube -- es
--- geht -- zu Ende -- mit -- mir.
-
-+Wilhelm+: Vater!!!
-
-_(Frau Scholz und Auguste sind einander entsetzt in die Arme gesunken.
-Robert todtenbleich, hat sich nicht von der Stelle bewegt; sein Gesicht
-hat den Ausdruck unerschütterlicher Festigkeit.)_
-
-
-
-
-Dritter Vorgang.
-
-
-_Im Saale herrscht Halbdunkel. Die Lichter sind verlöscht bis auf
-einige auf dem Kronleuchter und ein einziges auf dem Christbaum. Vorn
-in der Nähe des Ofens am Tisch, den Rücken dem Nebenzimmer zugewendet,
-sitzt Wilhelm, die Ellbogen aufgestützt, sichtlich versunken in dumpfe,
-trostlose Grübelei. Robert und Frau Scholz betreten gleichzeitig die
-Halle, aus dem Nebenzimmer kommend._
-
-+Frau Scholz+ _(Mit Zeichen der Erschöpfung, in gedämpftem Tone
-redend)_: Ne, Junge! -- mach ok nich Geschichten! Jetzt -- ma weeß nich
-hin, nich her. -- Wenn’s nu was Schweres is, was d’nn dann?
-
-+Robert+: Du bist ja doch nicht allein, Mutter!
-
-+Frau Scholz+: Aber sag mer nur! das kann doch nich Dein richt’ger
-Ernst sein! Das ist ja überspannt! Wo willst Du denn jetzt mitten in
-der Nacht blos hin?
-
-+Robert+: Wenn’s weiter nichts is! alle Augenblicke gehen Züge -- und
-fort muß ich! -- Diesmal kann ich’s wirklich nicht mehr aushalten --
-überhaupt -- ’s ist für uns Alle das Beste!
-
-+Frau Scholz+ _(weinerlich)_: ’S war immer so hibsch in den letzten
-Jahren. Ich sag schon -- nu missen die wieder kommen! Seit die Buchners
-hier sind, is’s wieder mal reen verdreht, Alles.
-
-+Robert+: Sei froh, daß Du die hast, Mutter!
-
-+Frau Scholz+: I, daß hätt’ ich ganz gutt selber machen können.
-
-+Robert+: Ich denke, er leidet niemand von uns um sich --; Vater --?!
-
-+Frau Scholz+ _(weinend)_: Accurat, als wenn ich ihm was Böses gethan
-hätte -- und dabei bin -- ich -- doch gewiß -- immer -- diejenige
-gewesen .... ich hab gewiß immer mei’ Bestes gethan -- sei mal gerecht,
-Robert! -- Ich hab ihm sein schönes Essen gekocht -- er hat seine
-warmen Strümpfe gehabt ....
-
-+Robert+: Ach laß doch das, Mutter! -- was hilft das end--lose
-Lamentiren?!
-
-+Frau Scholz+: Ja, das sagst Du! -- Du hast gut reden! -- aber wenn
-man sich abgerackert hat sei’ Leben lang -- man hat sich e’ Kopf
-zerbrochen, wie man’s und wie man’s blos recht macht -- und nu’ kommen
-fremde Menschen, und die werden vorgezogen!
-
-+Robert+: Ida ist immer noch bei ihm?
-
-+Frau Scholz+: Eine wildfremde Person -- ach ich möchte schon lieber
-garnicht mehr leben -- und dieser Lump! -- dieser Friebe! -- dieser
-Lump! -- wie der sich blos aufspielt! -- Gustel hat’s ihm aber
-gesteckt! -- Auguste hat ihm die Wahrheit aber ordentlich gesagt! --
-Dieser Kerl erdreistet sich -- er hat sie geradezu aus dem Zimmer
-hinausgedrängelt. Das Mädel war außer sich. -- Und das is nu seine
-Tochter .... ne ... wißt er Kinder: was ich in meinen Leben schon
-ausgestanden habe! -- ich mecht’s Keenem wünschen.
-
-+Robert+ _(unwillkürlich, mit einem kleinen Seufzer)_: Vater auch!
-
-+Frau Scholz+: Was --?
-
-+Robert+: Nichts. -- Vater auch sagte ich nur.
-
-+Frau Scholz+: Wie denn?
-
-+Robert+: Na -- Vater hat doch auch manches ausgestanden.
-
-+Frau Scholz+: Na meinswegen gewiß nich. Mich hat er nich sehr gemerkt.
-Ich bin gewiß anspruchslos.
-
-+Robert+ _(skeptisch)_: -- ’tja! -- ’tja! -- ’tja!
-
-+Frau Scholz+: Wart’ nur, wenn ich wer’ im Grabe liegen -- da werdt’er
-dann schon einsehen ..
-
-+Robert+: Ach, Mutter, laß doch nur; -- das hab ich ja schon hundertmal
-gehört.
-
-+Frau Scholz+: Mag’s doch! Ihr werd’t’s schon noch emal einsehen -- und
-paß uff -- in gar nich langer Zeit.
-
-+Robert+: Ach Mutter, ich bestreite ja doch garnicht, daß Du mancherlei
-gelitten hast -- unter Vater -- Ihr habt eben Beide gelitten. Ich
-begreife garnicht, weshalb Du mir das ....
-
-+Frau Scholz+: Dummes Gerede! -- was hat ihm denn gefehlt, möcht ich
-wissen?
-
-+Robert+ _(unüberlegt)_: Wenn Du’s durchaus wissen willst: Verständniß!
-
-+Frau Scholz+: Ich kann mich nicht klüger machen, wie ich bin.
-
-+Robert+: Das hat ja auch kein Mensch verlangt. -- Ueberhaupt .... es
-ist ja überhaupt Unsinn noch viel davon zu reden.
-
-+Frau Scholz+: Na nu hört’s ganz uff -- _(weinend)_ nu bin ich am Ende
-noch gar Schuld, daß er krank darnieder liegt, nu ....
-
-+Robert+: Das sag ich ja gar nicht.
-
-+Frau Scholz+: Das hast Du +wohl+ gesagt.
-
-+Robert+: Ach Mutter ....! Ich gehe lieber -- ich .... Mutter, ich kann
-wirklich nicht mehr.
-
-+Frau Scholz+: Nein! -- ich möchte wissen -- was ich mir vorzuwerfen
-hätte -- ich habe ein gutes Gewissen.
-
-+Robert+: Das magst Du behalten das magst Du auch meinethalben in
-Gottes Namen behalten! -- _(abwehrend)_ bitte -- nicht mehr!
-
-+Frau Scholz+: Die Geschichte mit dem Gelde meinst Du wohl?
-
-+Robert+: Ich meine gar keine Geschichte.
-
-+Frau Scholz+: Meine Eltern haben’s sauer verdient -- welche Frau wird
-sich das gefallen lassen? -- Dein Vater schmiß es geradezu zum Fenster
-naus.
-
-+Robert+: Aber Dein Onkel betrog Dich drum.
-
-+Frau Scholz+: Das konnte man nich wissen.
-
-+Robert+: Und Vater war gut zum Wiederverdienen?!
-
-+Frau Scholz+: Er hätte sich eben so gut verspeculiren können.
-
-+Robert+: _(lacht bitter.)_
-
-+Frau Scholz+: Ich bin eben ’ne einfache Seele -- der Vater war eben
-zu vornehm für mich. -- Seine Mutter hatte och so was Vornehmes. Aber
-mei’ Vater war früher bluttarm -- in mir steckt eben das Armuthsblutt!
-Ich kann mich nich anders machen. Na meinswejen -- die paar Jahre
-wird’s wohl noch gehen. Der liebe Gott wird mich schon bei Zeiten
-erlösen.
-
-+Robert+: Von Gott erlöst sein möchte man lieber!
-
-+Frau Scholz+: Pfui! das is e’ Hallunke, der das sagt. Ach --: von Gott
-erlöst sein -- da nähm’ ich mir ne Nadel und stäch mer se -- hier --
-in’s Herze -- in die Rippen. Wie scheußlich is das: von Gott erlöst
-sein! Wo wäre ich blos geblieben, wenn ich meinen Gott nich gehabt
-hätte. -- Willst Du d’nn wirklich fortgehn, Robert?
-
-+Robert+ _(schon auf der Treppe)_: Ach schweig schon, Mutter! Ruhe
-brauch ich -- Ruhe. _(ab)_
-
-+Frau Scholz+: Je ja! -- je ja, -- Ihr macht ein’n’s Leben nicht
-leicht! _(zu Wilhelm, der wie am Anfang noch immer antheillos am Tische
-brütet.)_ Nu denk’ Dir blos an --: Robert will fort!
-
-+Wilhelm+: Meinethalben!
-
-+Frau Scholz+: Sag mer nur --: wast sitzt Du denn immer so? das nutzt
-ja nischt, Du! -- sei doch nur vernünftig!
-
-+Wilhelm+ _(seufzt tief auf)_: Ach, ja!
-
-+Frau Scholz+: Das Seufzen nutzt gar nichts! sieh mich an! -- ich bin
-alt -- wenn ich mich hinsetzen wollte, wie Du .... Was geschehn ist,
-ist geschehn. -- Das ist nu mal nicht zu ändern. Hörst Du! lies was!
--- steh auf, nimm Dir ’n Buch und zerstreu Dich!
-
-+Wilhelm+ _(seufzt)_: Ach, Mutter! -- laß mich doch nur machen! -- ich
-störe ja doch Niemand! .... Ist Friebe vom Arzt zurück?
-
-+Frau Scholz+: Nein, eben nicht. Ich sag ja schon, wenn man mal ’n Arzt
-nöthig hat, da is gewiß keiner zu finden.
-
-+Wilhelm+: Es ist bedenklich, nicht? -- Ob es überhaupt noch mal werden
-wird?
-
-+Frau Scholz+: Gott, ja! wer kann das wissen!
-
-+Wilhelm+ _(starrt seine Mutter an, läßt plötzlich wild aufschluchzend
-die Stirn auf die Hände sinken)_.
-
-+Frau Scholz+: Ja, ja, mein Junge --: wer hätte das gedacht?! ich will
-ja nicht sagen .... ich will ja Niemand die Schuld zuschieben -- aber
-zanken hättet Ihr Euch doch heute nich grade wieder brauchen -- na --
-ma muß eben’s Beste hoffen. -- Er phantasirt ja nu wenigstens nich
-mehr. -- Wenn Ida doch nur ja nichts versähe! -- unser eins hat doch
-hundertmal mehr Erfahrung. -- Warum kann er denn zu Ida freundlich
-sein!? -- Ich beiße doch och nich! .... Ida is ja sonst ’n sehr ’n
-liebes Mädel is sie ja wirklich. -- Und Du nu erst! _(ihm auf dem
-Scheitel klopfend)_ Du kannst den lieben Gott schon danken -- da
-kannst Du lange warten, bis Du wieder eine, wie Ida, findst! .......
-_(vorsichtig, vertraulich)_ .... Sag’ doch mal -- sind die Buchners --
-gut situirt?
-
-+Wilhelm+ _(aufbrausend)_: Ach, laß mich zufrieden! -- wie soll ich das
-wissen! -- was geht das mich an!
-
-+Frau Scholz+: Was is denn da weiter?! -- ma’ wird doch ’mal fragen
-können -- Brummbär Du!
-
-+Wilhelm+: Ach, Mutter -- verschon’ mich! -- wenn Du eine Spur von
-Mitleid mit mir hast --: verschon’ mich! .... bekümmere Dich nicht um
-mich -- verschon’ mich!
-
-+Frau Scholz+: Na ja doch, ja! -- ich bin Euch eben überall im Wege. --
-So ’ne alte Frau, die is höchstens noch gutt zum anranzen.
-
-_(Auguste und Frau Buchner hastig aus dem Nebenzimmer.)_
-
-+Auguste+: Mutter!
-
-+Frau Scholz+: O Gott! was denn?
-
-+Auguste+: Friebe ist eben gekommen.
-
-+Frau Buchner+: Friebe hat keinen Arzt mitgebracht.
-
-+Auguste+: Der Vater hat ihn gefragt, und da hat er gesagt ....
-
-+Frau Buchner+: Er will keinen Arzt!!
-
-+Auguste+: Er schimpft so furchtbar -- er will ihn zur Thüre nauswerfen.
-
-+Frau Buchner+: Friebe will nicht noch ’mal gehen.
-
-+Auguste+: Sprich Du doch nur noch ’mal mit Friebe!
-
-+Frau Buchner+: Ja, sprich Du mit ihm! es ist doch dringend nöthig, daß
-........
-
-+Auguste+: Ein Arzt muß kommen -- sonst lauf’ ich selbst, ich fürchte
-mich nicht, und wenn ich bis Friedrichshagen laufen muß.
-
-+Frau Scholz+: I warum nich gar! -- jetzt mitten in der Nacht -- wart’
-nur, wart’ -- laß mich nur machen! _(Frau Scholz, Frau Buchner und
-Auguste hastig zurück ins Nebenzimmer.)_
-
-+Frau Buchner+ _(kaum verschwunden, erscheint wieder. Schon bevor sie
-abging, hat sie ihren Blick verstohlen und kummervoll mehrmals auf
-Wilhelm gerichtet, der immer noch stumm und düster auf seinem Platze
-verharrt. Ein Blick überzeugt Frau Buchner, daß, außer Wilhelm und ihr
-selbst, Niemand zugegen ist. Hastig zuerst, dann mehr zögernd, nähert
-sie sich Wilhelm.)_
-
-+Wilhelm+ _(hat ihre Annäherung bemerkt, hebt den Kopf)_: Was w...
-wollen Sie? ich -- habe Ihnen -- ja doch -- Alles vorher gesagt.
-
-+Frau Buchner+: Aber ich wollte es Ihnen nicht glauben. -- Ich konnte
-mir das nicht vorstellen.
-
-+Wilhelm+: Und jetzt glauben -- Sie es?!
-
-+Frau Buchner+: Ich -- weiß -- nicht ....
-
-+Wilhelm+: Weshalb belügen Sie mich? -- sagen Sie doch -- getrost, --
-ja. -- Daß es so kommen mußte, war ja .... es war ja so lächerlich
-selbstverständlich. -- Wie habe ich mich nur so können verblenden
-lassen!
-
-+Frau Buchner+ _(mit Fiebereifer)_: Wilhelm! ich halte Sie heute, wie
-damals, für einen guten und edlen Menschen. Ich versichere Sie: nicht
-einen Augenblick lang habe ich an Ihnen gezweifelt. Auch jetzt, wo mir
-auf einmal so angst und bange wird ....
-
-+Wilhelm+ _(erhebt sich, holt tief Luft ein, wie Jemand der
-Beklemmungen fühlt)_: Es ist mir nur .... ich wußte es ja längst und
-doch ......
-
-+Frau Buchner+: Ich komme zu Ihnen, Wilhelm! -- ich sage Ihnen offen
-.... es ist auf einmal so über mich gekommen. -- Ich sorge mich auf
-einmal so entsetzlich um Ida.
-
-+Wilhelm+: Ich muß gestehen ...... nur gerade jetzt -- --
-
-+Frau Buchner+: Ich weiß ja, Sie lieben das Kind. Es kann sie ja
-auch Niemand inniger lieben! -- Ich weiß, Sie werden mit allen
-Kräften streben, meine Tochter glücklich zu machen. An Ihrem Willen
-wird es nicht fehlen, aber nun .... nun habe ich so mancherlei
-.... nun habe ich so viel gesehen hier und -- erfahren. Da ist mir
-vieles ..... vieles von dem, was Sie mir früher gesagt haben, erst
-verständlich geworden. Ich verstand Sie nicht. Ich hielt Sie für
-einen Schwarzseher. Ich nahm Vieles gar nicht einmal Ernst. Mit einem
-festen, frohen Glauben kam ich hierher. Ich schäme mich förmlich.
-Was habe ich mir zugetraut! Solche Naturen wollte ich lenken, ich
-schwache, einfältige Person! -- Nun wankt Alles. Ich fühle auf einmal
-meine furchtbare Verantwortung: für mein Kind, für meine Ida bin ich
-doch verantwortlich. Jede Mutter ist doch verantwortlich für ihr
-Kind. Reden Sie mir zu, Wilhelm! sagen Sie mir, daß Alles noch gut
-werden wird! Sagen Sie mir: wir werden glücklich! --: Sie und Ida.
-Beweisen Sie mir, daß ich unnütz Furcht und Sorge habe, +Wilhelm+!
-...................
-
-+Wilhelm+: Warum -- haben Sie’s -- soweit -- kommen lassen? -- Ich habe
-Sie gewarnt -- und gewarnt. Was habe ich Ihnen gesagt? ich habe gesagt:
-wir Alle .... wir Geschwister .... daß wir unheilbar kranken ..... vor
-allem ich .... daß wir an uns schleppen. -- Binden Sie Ihre Tochter
-nicht an einen Krüppel, -- habe ich Ihnen gesagt. -- Warum haben Sie
-mir nicht glauben wollen?
-
-+Frau Buchner+: Ich weiß nicht. Ich weiß das selbst nicht.
-
-+Wilhelm+: Nun haben Sie mich eingeschläfert, mein Gewissen
-beschwichtigt, -- und jetzt -- halb toll bin ich geworden vor Glück.
--- Ich habe Augenblicke durchlebt -- durchkostet --! und auch andere
-wieder ...... Die furchtbarsten Kämpfe meines Lebens -- und nun --
-verlangen Sie .... nun man muß zusehen, -- vielleicht, ja vielleicht
-....
-
-+Frau Buchner+: Wilhelm! ich verehre Sie! -- ich weiß, daß Sie am Ende
-doch jedes Opfer bringen. Aber Ida .... wenn es für sie zu spät ist
-.... wenn sie daran zu Grunde geht!
-
-+Wilhelm+: Warum haben Sie mir denn nicht glauben wollen? -- Sie wissen
-nicht -- was mich das jetzt kostet. Stufe um Stufe mühsam gebaut habe
-ich mir -- ach, so mühsam! so mühsam! ... Dies Haus hier lag hinter
-mir. -- Gerettet war ich fast. -- Nun hat es mich wieder hereingerissen
-... Warum mußten Sie es nur so weit kommen lassen? warum ......
-
-+Frau Buchner+ _(unter Thränen)_: Ich weiß nicht! ich weiß das selbst
-nicht! ich habe das Kind erzogen. Es ist mir Alles in Allem gewesen; an
-seinem Glück zu arbeiten ist auf der Welt mein’ einziger Beruf gewesen.
--- Nun kamen -- Sie in unser Haus. -- Ich gewann Sie lieb. -- Ich
-dachte auch an Ihr Glück, ich ..... Das hätte ich vielleicht nicht thun
-sollen .... Ich dachte vielleicht eben so sehr an Ihr Glück -- und --
-wer weiß? -- am Ende -- zu -- allermeist -- an -- +Ihr+ Glück _(einen
-Augenblick lang starren Beide einander bestürzt in die Augen)_.
-
-+Wilhelm+: Frau Buchner!!!
-
-+Frau Buchner+ _(das Gesicht mit den Händen bedeckend, wie Jemand, der
-sich schämt, weinend ab durch den Treppenausgang)_.
-
-+Wilhelm+ _(thut mechanisch ein paar Schritte hinter ihr drein, steht
-still, sucht seiner inneren Bewegung Herr zu werden, muß sich aber
-plötzlich, von Weinen geschüttelt, an der Wand stützen.)_
-
-+Ida+ _(ihr Gesicht ist bleich, ihre Mienen drücken Ernst und Besorgniß
-aus. Sie tritt leisen Schrittes zu Wilhelm, umfaßt ihn und drückt ihre
-Wange an die seine)_: Ach, Willy! sieh’ ’mal: es kommen trübe und -- es
-kommen -- nicht, Willy? -- es kommen auch wieder helle Tage. Wer wird
-sich gleich so ..... so ganz und gar muthlos machen lassen.
-
-+Wilhelm+ _(leidenschaftlich stammelnd)_: Ida! -- Einzige!! --
-Liebste!! -- Süße -- wie soll ich denn nur ..... wie sollt ich denn nur
-jetzt leben ohne Dich? -- Deine Stimme, Deine Worte, Dein ganzes süßes,
-wunderbares Wesen, Deine Hände ...... Deine milden, treuen Hände.
-
-+Ida+: Denkst Du ich? -- Denkst Du ich möchte leben, ohne Dich? -- Nein
-Du! -- wir wollen uns umschlingen und nicht los lassen -- fest -- fest
--- und so lange es so ist ......
-
-+Wilhelm+: Ja, ja! -- aber -- wenn’s nun ’mal anders würde?
-
-+Ida+: Ach, sprich nicht so!
-
-+Wilhelm+: Ich meine ja nur .... man kann doch nie wissen ... Eins kann
-sterben ....
-
-+Ida+: Ach, wir sind jung.
-
-+Wilhelm+: Wenn auch. -- Einmal kommt’s doch auch -- alt werd’ ich so
-wie so nicht.
-
-+Ida+ _(heiß)_: Dann umarm’ ich Dich -- dann drück’ ich mich an Dich --
-dann geh’ -- ich -- mit Dir.
-
-+Wilhelm+: Ida! -- das sagt man so. -- Das thust Du doch nicht.
-
-+Ida+: Das thue ich!
-
-+Wilhelm+: Du denkst Dir das jetzt so -- Du weißt nicht wie schnell man
-vergißt.
-
-+Ida+: Ich könnte nicht athmen ohne Dich!
-
-+Wilhelm+: Das bildet man sich ein ....
-
-+Ida+: Nein, nein, nein, Wilhelm! .....................
-
-+Wilhelm+: So zu lieben -- wäre aber -- sogar eine Thorheit. Man wird
-doch nicht alles auf +eine+ Karte setzen.
-
-+Ida+: Ich -- versteh’ Dich -- nicht ganz.
-
-+Wilhelm+: Nur so .... ich .... sieh’ ’mal _(in ärgerlichem Tone)_.
-Ach, Du! -- das Thema ist unerquicklich! ...... wie geht es Vater?
-
-+Ida+: Er schläft jetzt -- aber was hast Du denn nur?
-
-+Wilhelm+ _(umhergehend)_: Das kommt so -- man weiß nicht wie.
-_(Plötzlich knirschend)_ -- Es giebt Momente, sag’ ich Dir ....! wenn
-einen die Wuth der Verzweiflung übermannt ..... in solchen Augenblicken
-kann ich mir denken .... in solchen Augenblicken kommt’s dazu, daß
-Menschen sich fünf Stock hoch -- den Kopf zuerst -- auf das Pflaster
-stürzen; -- förmlich wollüstig wird einem diese Vorstellung.
-
-+Ida+: Gott behüte! -- Solchen Vorstellungen mußt Du nicht nachhängen,
-Willy!
-
-+Wilhelm+: Warum denn nicht, möchte ich wissen? warum sollen Kerls,
-wie ich, zwischen Himmel und Erde herumschmarotzen? --: Nichtsnutzige
-Geschöpfe! -- Sich selbst ausmerzen -- das wäre doch noch was, -- dann
-hätte man doch +einmal+ etwas Nützliches gethan.
-
-+Ida+: Es ist ja im Grunde nicht zu verwundern: -- Du bist überreizt
-und abgespannt ...
-
-+Wilhelm+ _(in schroffen abweisenden Tone)_: Laß mich zufrieden Du, das
-verstehst Du nicht! _(über sich selbst erschrocken, verändert.)_ Ach,
-Du! -- Du mußt mir’s nicht übel nehmen. -- Geh’ doch lieber jetzt! Ich
-möchte Dich nicht verletzen. Und wie mir nun ’mal zu Muthe ist -- kann
-ich nicht -- einstehen für mich.
-
-+Ida+ _(küßt Wilhelm stumm auf den Mund, dann ab in das Seitengemach)_.
-
-+Wilhelm+: _(blickt ihr nach, geht, steht still, zeigt ein Gesicht voll
-Schrecken und Staunen und faßt sich an die Stirn, wie Jemand, der sich
-auf bösem Wege ertappt hat. Während dies geschieht, ist Robert durch
-den Treppenbogen eingetreten)_.
-
-+Robert+ _(den Hut in der rechten Hand, über’m Arm den Ueberzieher und
-eine Reisedecke, in der Linken einen Plaidriemen, begiebt sich bis an
-den Tisch, wo er die Sachen ablegt)_.
-
-+Wilhelm+ _(bemerkt ihn und sagt, nachdem er ihn eine Weile
-beobachtet)_: Wohin -- willst Du?
-
-+Robert+: Fort.
-
-+Wilhelm+: Jetzt?
-
-+Robert+: Warum nicht? -- _(den Plaidriemen ausbreitend)_. Ich habe
-genug -- über und über sogar! -- Mutter wird künftig ..... wird künftig
-die Weihnachtstage -- ohne mich auskommen müssen -- _(nach dem Ofen
-umblickend)_. Es ist kalt hier.
-
-+Wilhelm+: Draußen friert’s.
-
-+Robert+ _(die Reisedecke rollend)_: So! -- um zehn thaute es doch.
-
-+Wilhelm+: Es ist umgeschlagen.
-
-+Robert+: Wie wird man nur den Berg ’runter kommen bei der Glätte?
-
-+Wilhelm+: Der Mond scheint ja!
-
-+Robert+: Wenn auch.
-
-..................
-
-+Wilhelm+: Er phantasirt nicht mehr.
-
-+Robert+: So, so!
-
-..................
-
-+Wilhelm+: Er will keinen Arzt.
-
-+Robert+: So, so!
-
-..................
-
-+Wilhelm+: Es ist so plötzlich gekommen, man --
-
-+Robert+: Hm -- ja, ja!
-
-+Wilhelm+: Es muß doch in ihm gesteckt haben.
-
-+Robert+: Natürlich -- sonst wäre er doch wohl nicht nach Hause
-gekommen .........
-
-..................
-
-+Wilhelm+: Mir graut -- was daraus werden soll?!
-
-+Robert+: Was soll man machen?!
-
-..................
-
-+Wilhelm+: Meiner Seele -- ich weiß nicht, was ich anfange, -- wenn
-er einmal stirbt ..... Mit meinem Bewußtsein! mit dem, was ich jetzt
-erkannt habe! ..... ich wüßte wirklich nicht ..... und nun noch die
-Reue, die Gewissensbisse ..... ä! -- was da! -- was liegt schließlich
-daran?!
-
-+Robert+: I, Du! -- da hätte man viel zu thun ..... der Alte ist ein
-Bischen anders -- na ja -- unsere Vorstellung stimmte nicht ganz.
-Gott, ja! aber das ändert doch nichts an der Sache.
-
-+Wilhelm+: Ich sage Dir -- es ist mir heiliger Ernst -- mit Wollust
-würde ich heut verzichten, auf das ganze elende Bischen Leben, wenn es
-ihm zu Gute käme.
-
-+Robert+ _(den Ueberrock anziehend)_: Das hat wenig Sinn Du -- meiner
-Ansicht nach -- Sieh mal, ich gehe jetzt in ein kleines, geheiztes
-Comptoirchen, setze mich mit dem Rücken an den Ofen -- kreuze die Beine
-unter dem Tisch -- zünde mir diese ..... selbe Pfeife hier an und
-schreibe -- in aller Gemüthsruhe hoffentlich, solche ..... na, Du weißt
-schon solche Scherze, ..... solche Reclamescherze: Afrikareisender
-..... nahe am Verschmachten, na ..... und da laß ich denn gewöhnlich
-eine Caravane kommen, die unsern Artikel führt. -- Mein Chef ist
-sehr zufrieden -- es geht durch den Inseratentheil aller möglichen
-Zeitungen; und was die Hauptsache ist --: Wenn ich da so sitze, siehst
-Du, und die Gasflamme den ganzen Tag so über mir fauchen höre -- von
-Zeit zu Zeit so’n Blick in den Hof -- so’n Fabrikhof ist nämlich was
-Wunderbares! -- was Romantisches, sag ich Dir! ..... mit einem Wort, da
-summt mich keine Hummel an.
-
-+Wilhelm+: Dann lieber gleich todt sein.
-
-+Robert+: Geschmacksache! -- Für mich ist es ein idealer Winkel
-geradezu; -- soll man sich denn immerfort aus dem Gleichgewicht bringen
-lassen, soll man sich denn kopfverwirrt machen lassen, -- ich werde
-so wie so zwei bis drei Tage gebrauchen um mich -- auf mein Bischen
-Lebensweisheit zu besinnen.
-
-+Wilhelm+: Sag was Du willst: das nenn ich feig.
-
-+Robert+: Na item, nenn es so. Früher oder später kommst Du doch
-auf meinen Standpunkt. Vater ist auch zuletzt auf diesen Standpunkt
-gekommen. Vater und Du, Ihr ähnelt einander zum verwechseln. Ihr seid
-dieselben Idealisten. Anno 48 hat Vater auf den Barrikaden angefangen,
-und als einsamer Hypochonder macht er den Schluß. -- Man muß sich an
-die Welt und an sich selbst +bei Zeiten+ gewöhnen, Du! -- eh man sich
-die Hörner abgelaufen hat.
-
-+Wilhelm+: Oder aber an sich arbeiten, um anders zu werden.
-
-+Robert+: Das sollte mir einfallen, ich bin, wie ich bin. Ich habe ein
-Recht so zu sein, wie ich bin.
-
-+Wilhelm+: Dann fordere Dein Recht auch offen!
-
-+Robert+: Ich werde mich hüten, denn ich will zu meinem Rechte
-+kommen+. Die Moralphilister sind nun mal in der Mehrheit. -- Uebrigens
-ich muß nun doch gehen -- also .... und wenn ich Dir rathen soll, Du:
-nimm Dich vor den sogenannten guten Vorsätzen in Acht!
-
-+Wilhelm+ _(kalt)_: Wie meinst Du denn das?
-
-+Robert+: Ganz einfach: man muß nicht +Dinge+ leisten wollen, die man
-seiner ganzen Naturanlage nach nun mal nicht leisten kann.
-
-+Wilhelm+: Zum Beispiel?
-
-+Robert+: I! -- zu mir kommen zum Beispiel manchmal solche Kerls, die
-mir den Kopf wer weiß wie heiß machen, von Idealen schwatzen. Man
-müsse für die menschheitlichen Ideale kämpfen, was weiß ich! -- ich
-und für Andere kämpfen! fabelhafte Zumuthung! -- und für was und zu
-was denn? -- Na aber wie ich Dich kenne, Dich beunruhigt so was, Du
-würdest herumlaufen, wie einer der gestohlen hat: was bin ich für ein
-Jammerkerl! würdest Du Dir in einem fort sagen. Hab ich nicht Recht? na
-und dann käme schließlich der gute Vorsatz, und der drückt einen dann,
-das kenne ich. Ich bin auch früher mit hunderterlei solcher Vorsätze
-herumgelaufen. -- Jahrelang -- und das ist kein Vergnügen sag ich Dir!
-
-+Wilhelm+: Ich weiß nicht recht, auf was Du hinaus willst?
-
-+Robert+: Etwas Bestimmtes habe ich auch durchaus nicht im Auge: --
-die Unruhe -- an der Du jetzt laborirst -- hat ja auch noch andre
-Ursachen ...... Ich jedenfalls ..... wenn ich früher merkte .... in
-früheren Zeiten habe ich ja auch ähnliches durchgemacht -- aber sobald
-ich merkte, daß die Geschichte über meine Kräfte ging, habe ich ihr
-gewöhnlich kurz entschlossen den Rücken gewandt.
-
-+Wilhelm+: Soll das ein Wink sein?
-
-+Robert+: Wink? -- ich wüßte nicht ..... also nochmals -- laß Dir’s gut
-gehen und .....
-
-+Wilhelm+: Sag mir doch mal Du -- rein objektiv -- es hat ein gewisses
-Interesse für mich .... es ist nur weil ....
-
-+Robert+: Bitte, -- was wünschest Du zu hören?
-
-+Wilhelm+: Du hast selbst vorhin etwas gesagt.
-
-+Robert+: Wann, vorhin?
-
-+Wilhelm+: Als wir über Vater sprachen.
-
-+Robert+: Ach richtig, ja -- was soll ich denn da gesagt haben?
-
-+Wilhelm+: Du sagtest, es würde vielleicht doch gut werden mit Ida und
-mir.
-
-+Robert+: Ja so, -- Euer Verhältniß, -- das hätte ich gesagt. --?
-
-+Wilhelm+: Das hast Du gesagt.
-
-+Robert+: Nu ja, ich habe da +manches+ gesagt.
-
-+Wilhelm+: Das heißt so viel, als -- Du bist von manchem, was Du da
-gesagt hast, zurückgekommen.
-
-+Robert+: Ganz recht, das bin ich.
-
-+Wilhelm+: Auch was die .... diese selbe Sache anbelangt ....?
-
-+Robert+: Euer Verhältniß?
-
-+Wilhelm+: Ja.
-
-+Robert+: Ist Dir das denn wichtig?
-
-+Wilhelm+: Ja, vielleicht.
-
-+Robert+: Ja.
-
-+Wilhelm+: Du bist also nicht mehr der Ansicht -- daß wir .....
-
-+Robert+: Nein.
-
-+Wilhelm+: Schön -- ich danke Dir -- Du bist offen -- ich danke Dir.
--- Aber nehmen wir mal an -- setzen wir den Fall, ich kehre der ganzen
-Sache den Rücken -- sehen wir zunächst mal ganz davon ab, was das für
-mich bedeuten würde angenommen -- also, ich ginge auf der Stelle mit
-Dir -- was sollte dann -- aus Ida -- werden?
-
-+Robert+: Hm -- Ida? -- Ida? _(zuckt die Achseln)_ hm ja, ja -- das
-läßt sich nicht so schnell .... das heißt -- besorgen würde mich das
-wirklich nicht so sehr.
-
-+Wilhelm+: Du!!! das ist Deine alte Perfidie! das kenne ich.
-
-+Robert+: Perfid? wieso denn? nein da täuschest Du Dich! um perfid zu
-sein ist mein Interesse doch nicht ausreichend -- mein Interesse an der
-Sache mein ich. Ich glaube wirklich nicht .....
-
-+Wilhelm+: Das weiß ich besser, Du. Du wirst mich doch nicht dieses
-Mädchen kennen lehren wollen?! es ist nun mal so -- verlaß Dich darauf!
-sie hat nun mal ein Gefühl für mich, ich kann’s nicht ändern -- ich
-bilde mir nichts ein darauf. -- Was wird also aus ihr werden, wenn ich
-davon laufe?
-
-+Robert+: Hm -- machst Du Dir also wirklich ernstlich darüber Gedanken?
-
-+Wilhelm+: Allerdings -- ja -- allerdings.
-
-+Robert+: Antworte mir doch gefälligst erst mal darauf: wenn Ihr Euch
-heirathet, was wird dann aus Ida?
-
-+Wilhelm+: Das kann kein Mensch wissen.
-
-+Robert+: O doch, Du! das weiß man --: Mutter.
-
-+Wilhelm+: Als ob Ida mit Mutter zu vergleichen wäre.
-
-+Robert+: Aber Du mit Vater.
-
-+Wilhelm+: Jeder Mensch ist ein +neuer+ Mensch.
-
-+Robert+: Das möchtest Du gern glauben. Laß gut sein! da verlangst
-Du zu viel von Dir. Die fleischgewordene Widerlegung bist Du ja doch
-selbst.
-
-+Wilhelm+: Das möchte ich wissen.
-
-+Robert+: I, das weißt Du sehr genau.
-
-+Wilhelm+: Schließlich kann man sich darüber hinaus entwickeln.
-
-+Robert+: Wenn man danach erzogen ist nämlich.
-
-+Wilhelm+: Ach, es hat keinen Sinn weiter zureden.
-
-+Robert+: Durchaus meine Ansicht.
-
-+Wilhelm+: Das kann ja doch zu nichts führen _(ausbrechend, außer
-sich.)_ Ihr wollt mich zu Grunde richten! -- Ich bin das Opfer eines
-Complots! -- Ihr habt Euch gegen mich verschworen, Ihr wollt mich
-abthun! -- Ihr wollt mich endgültig abthun!
-
-+Robert+: Das war Vaters zweites Wort.
-
-+Wilhelm+: Das ist lächerlich, -- Deine Bemerkungen sind einfach
-lächerlich! -- Habe ich etwa nicht Grund, das zu sagen -- wollt Ihr
-mich etwa nicht von Ida trennen? Es ist ..... aufrichtig gesagt -- mir
-fehlen die Worte ..... Es liegt eine so fabelhafte Anmaßung .... eine
-Brutalität liegt darin -- über alle Begriffe geradezu! Mit Ida soll ich
-Mitleid haben! -- wer hat denn mit mir Mitleid, sag mal? nenn mir einen
-Menschen! -- wer denn?
-
-+Robert+: Selbstverständlich! -- wenn Du so sprichst,
-selbstverständlich!
-
-+Wilhelm+: Man verlangt Opfer von mir. -- Auf einmal soll ich die
-unsinnigsten Opfer bringen! Ich soll ....
-
-+Robert+: Du kannst Dir jedes Wort getrost sparen. -- Unter solchen
-Verhältnissen selbstverständlich. -- Es ist Dein gutes Recht, das
-Mädchen fest zu halten.
-
-+Wilhelm+: Unter solchen Verhältnissen? -- unter was für Verhältnisse?
-sag mir doch bitte!
-
-+Robert+: Du sprachst von Ida -- vorhin -- meines Wissens ...
-
-+Wilhelm+: Nun ja -- also was --?
-
-+Robert+: Jetzt sprichst Du von Dir -- es kam so heraus -- na --
-mit einem Wort, wenn es Dir gleichgültig ist, was aus dem Mädchen
-wird -- wenn Du die nöthige Dosis .... nun sagen wir meinetwegen
-Rücksichtslosigkeit auf Lager hast .... wenn Du sie so nimmst .... so
-wie einen neuen Rock oder Hut oder so was ......
-
-+Wilhelm+: Robert! -- so durch und durch herzlos, wie Du bist, -- Du
-hast doch diesmal Recht -- ich gehe mit Dir .... hier aus dem Hause --
-heißt das -- gehe ich mit Dir .... ein Stück -- nicht weit -- und nun
-.... nun .... bin ich fertig -- mit Euch Allen. -- Ja, ja, jetzt bin
-ich -- rede nicht erst! -- jetzt bin ich wirklich fertig -- ganz und
-gar .......
-
-+Robert+ _(sieht ihn erstaunt an und zuckt dann mit den Achseln.)_
-
-+Wilhelm+ _(mit steigender Heftigkeit)_: Du, Du! -- gieb Dir keine Mühe
--- es gelingt Dir nicht -- mich kannst Du nicht täuschen mit Deiner
-harmlosen Ruhe. -- Recht hast Du allerdings, aber was Dich auf den
-rechten Gedanken gebracht hat, das sag ich Dir in’s Gesicht, das ist
-jämmerlicher Neid ..... das ist einfach tief klägliche Mißgunst! -- Du
-weißt sehr gut, daß ich ehrlich kämpfen würde, doch ihrer schließlich
-einigermaßen würdig zu werden. -- Du weißt sehr gut, wie dieses Mädchen
-mit ihrer Reinheit mich reinigt. Aber Du willst es nicht! Du willst
-mich nicht gereinigt wissen. -- Warum willst Du es nicht? -- nun weil
-.... weil Du selbst so bleiben mußt, wie Du bist ...... weil sie mich
-liebt und nicht Dich! -- Und deshalb hast Du mir diesen ganzen Abend
-mit Deinem Polizeiblick aufgelauert ..... hast mir immer und immer
-wieder zu erkennen gegeben, daß Du etwas von mir weißt -- ja wohl!
-Du hast ganz Recht! ich bin ein durch und durch lasterhafter Mensch.
-Nichts ist mehr rein an mir. Besudelt, wie ich bin gehöre ich nicht
-neben diese Unschuld, und ich bin auch entschlossen, kein Verbrechen zu
-begehen. Aber Du Robert! Du wirst dadurch nicht reiner; ein Glück für
-Dich, daß Du Dich nicht mehr schämen kannst!
-
-+Robert+ _(hat während des letzten Drittels von Wilhelms Rede seine
-Sachen genommen und ist dem Ausgang zugeschritten. Die Klinke in der
-Hand bleibt er stehen, als ob er reden wollte, besinnt sich eines
-anderen, zuckt resignirt mit den Achseln und entfernt sich sehr ruhig.
-Ab.)_
-
-+Wilhelm+ _(dem Davongegangenen nachrufend)_: Robert! -- Robert! --
-
-+Ida+ _(aus dem Nebenzimmer eintretend)_: Wen rufst Du denn?
-
-+Wilhelm+: Ach -- Du bist hier.
-
-+Ida+: Der Arzt ist drin, Wilhelm -- er sagt -- es sei doch ernst, es
-....
-
-+Stimme der Frau Scholz+ _(jammernd)_: Mein lieber guter Mann, ach!
-.... ach, mein lieber, guter Mann!
-
-+Wilhelm+: Was habe ich gethan! was habe ich nun wieder gethan!
-
-+Ida+: Es drückt mir das Herz ab. -- Ich möchte Dich gern -- nicht
-fragen, ich .... aber es muß etwas .... Du hast etwas Willy!
-
-+Wilhelm+: Gar Nichts habe ich -- in die Einsamkeit möchte ich wieder
--- dort ist unser Platz, Ida.
-
-+Ida+: Weshalb --? ich verstehe garnicht.
-
-+Wilhelm+ _(barsch und heftig)_: Ja, ja, ja! das ist ja die alte
-Leier --: ich versteh Dich nicht, ich versteh Dich nicht! -- Mutter
-und Vater haben auch ihr Leben lang verschiedene Sprachen gesprochen;
-Du verstehst mich nicht! Du kennst mich nicht! -- Du hast platte
-Backfischillusionen, und da habe ich nichts weiter zu thun, als mich
-zu verstecken vor Dir und zu verstecken -- bis ich ganz und gar zum
-elendesten Betrüger und Schurken werde.
-
-+Ida+ _(hat Wilhelm bestürzt angeblickt, nun weint sie)_.
-
-+Wilhelm+: Da siehst Du nun: dies ist mein wahres Gesicht. Und ich
-brauche nur einen Augenblick lang zu vergessen, was ich Dir gegenüber
-für eine Rolle spiele, da kommt es auch schon hervor. Du kannst mein
-wahres Gesicht nicht ertragen. Du weinst und Du würdest Jahre hindurch
-weinen, wenn ich nicht Mitleid mit Dir hätte. -- Nein, Ida, es darf
-zwischen uns nichts werden ..... ich bin zu dem festen Entschluß
-gekommen.
-
-+Ida+ _(An seinen Hals fliegend)_: Das ist nicht wahr! -- das ist nun
-und nimmermehr wahr!
-
-+Wilhelm+: Denk’ an das, was Du hier gesehen hast! sollen wir es von
-neuem gründen? -- sollen wir dieses selbe Haus von neuem gründen?
-
-+Ida+: Es wird anders werden! es wird besser werden, Wilhelm.
-
-+Wilhelm+: Wie kannst Du das sagen?
-
-+Ida+: Das +fühle+ ich.
-
-+Wilhelm+: Aber Du stürzst Dich blindlings in’s Verderben, Ida! ich
-reiße Dich in’s Verderben!
-
-+Ida+: Ich habe keine Furcht, -- davor habe ich keine Furcht, Wilhelm!
-hab’ nur wieder Vertrauen! gieb’ mir nur wieder Deine Hand! Dann werd’
-ich Dir etwas sein können -- stoß mich nur nicht von Dir ........
-
-+Wilhelm+: Gieb’ mich frei! -- zum ersten Mal liebst Du! -- Du liebst
-eine Illusion. Ich habe mich weggeworfen, wieder und wieder. Ich habe
-Dein Geschlecht in Andern geschändet. -- Ich bin ein Verworfener. --
-
-+Ida+ _(jauchzend und weinend ihn umhalsend)_: Du bist +mein+! Du bist
-+mein+!
-
-+Wilhelm+: Ich bin Deiner nicht werth!
-
-+Ida+: O sage das nicht! vor Dir bin ich klein, ach, wie klein! wie
-eine kleine, kleine Motte bin ich nur. Wilhelm, ich bin nichts ohne
-Dich! ich bin Alles durch Dich -- zieh’ Deine Hand -- nicht -- von mir
--- armseligen -- Geschöpfe!
-
-+Wilhelm+: Ida!!! -- ich Dir? Ida ich? ... _(umarmen und küssen sich
-unter Lachen und Weinen.)_ Ich soll meine Hand nicht von Dir ziehen? --
-Ja -- was -- sagst Du denn da -- was sagst Du -- denn nur -- da -- Du
--- böse .....
-
-+Ida+: Nun -- versprichst Du -- mir -- nun ...
-
-+Wilhelm+: Ich schwöre Dir -- jetzt .... _(ein markdurchdringender
-Aufschrei aus dem Nebenzimmer schneidet die Rede ab. Betroffen und
-entsetzt starren Ida und Wilhelm einander in die Augen)_.
-
-+Stimme der Frau Scholz+: Mein Mann -- stirbt ja! -- mein -- guter,
-lieber Mann -- stirbt ja doch -- mein Mann .... _(lautes Weinen)_.
-
-+Wilhelm+: Gott! -- mein Gott -- was? -- Vater!!! Vater!!! _(will sich
-in’s Nebenzimmer stürzen; halbwegs kommt Ida ihm zuvor.)_
-
-+Ida+: Wilhelm! -- komm’ zu Dir selbst! -- und -- geh’ nicht -- ohne
-mich!
-
-_(+Friebe+ kommt von Schluchzen geschüttelt aus dem Nebenzimmer und
-verschwindet in der Küche.)_
-
-+Auguste+ _(folgt Friebe auf dem Fuße. Vor Wilhelm stehen bleibend,
-stößt sie mühsam hervor)_: Wer -- trägt nun -- die Schuld? -- wer? wer
---? -- _(Sie bricht am Tisch zusammen, ein dumpfes und hohles Stöhnen
-entringt sich ihrer Brust. Das laute Weinen der Frau Scholz ist noch
-immer hörbar.)_
-
-+Wilhelm+ _(will ausbrechen)_: Auguste!
-
-+Ida+ _(an Wilhelm’s Brust beschwichtigend, mit bebenden Lauten)_:
-Wilhelm, -- ich glaube -- Dein Vater -- ist nicht mehr.
-
-_(Wilhelm will auf’s Neue ausbrechen, wird abermals durch Ida
-beschwichtigt, kämpft seinen Schmerz nieder, sucht und findet Ida’s
-Hand, die er krampfhaft in seiner drückt, und geht Hand in Hand mit dem
-Mädchen aufrecht und gefaßt auf das Nebengemach zu.)_
-
-[Illustration]
-
-
-Druck von +A. Klarbaum+, Berlin ~S.O.~
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS FRIEDENSFEST ***
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-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation's website
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-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
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-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without
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-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
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-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
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