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-The Project Gutenberg eBook of Elektrotechnisches Experimentierbuch,
-by Eberhard Schnetzler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Elektrotechnisches Experimentierbuch
- Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente
- unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender
- Hilfsmittel
-
-Author: Eberhard Schnetzler
-
-Release Date: December 11, 2022 [eBook #69522]
-
-Language: German
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ELEKTROTECHNISCHES
-EXPERIMENTIERBUCH ***
-
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- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1909 so weit
- wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
- wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
- verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
- fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
-
- Die Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Kapitels verschoben.
- Als Multiplikationszeichen wurde im Original ein Punkt auf der
- Grundlinine (.) eingesetzt; in der vorliegenden Version wird
- für dieses Zeichen der mittig gesetzte Punkt (·) verwendet, um
- Verwechslungen mit einem Punkt am Satzende vorzubeugen.
-
- Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
- Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
- Sonderzeichen gekennzeichnet:
-
- fett: #Rautenzeichen#
- gesperrt: ~Tilden~
- Antiqua: _Unterstriche_
-
- ####################################################################
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-
-
-
- Elektrotechnisches
- Experimentierbuch
-
-
- Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer
- Experimente unter Verwendung einfachster, meist
- selbst herzustellender Hilfsmittel.
-
-
- Von Eberhard Schnetzler.
-
-
- Mit 250 Abbildungen.
-
- #Einundzwanzigste neubearbeitete Auflage.#
-
-
- [Illustration]
-
-
- Stuttgart, Berlin, Leipzig.
-
- Union Deutsche Verlagsgesellschaft.
-
-
-
-
- Alle Rechte,
- insbesondere das der Übersetzung wie der sämtlichen
- im Werke mitgeteilten Original-Konstruktionen vorbehalten.
-
- Druck und Copyright 1909 der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in
- Stuttgart.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Vorwort
-
-
-Bei der Ausarbeitung vorliegenden Buches war ich erstens bestrebt,
-eine klare Anleitung zur Ausführung von Experimenten zu geben;
-zweitens sollten die physikalischen Vorgänge soweit wissenschaftlich
-erklärt werden, als es dem Zwecke des für die Jugend bestimmten Buches
-entsprechen konnte; drittens habe ich dem Umstande Rechnung getragen,
-daß unsere jungen Physiker sich oft mit sehr geringen Mitteln begnügen
-müssen; ich habe deshalb bei jedem Kapitel eine eingehende Beschreibung
-der ~Selbstherstellung~ der nötigen Apparate gegeben und auch hierbei
-wieder keine zu großen Anforderungen an den Besitz von Werkzeugen oder
-gar Werkzeugmaschinen gestellt. Diese Anleitungen sind die Ergebnisse
-~praktischer~ Erfahrungen; nach Möglichkeit habe ich ungeprüfte Ideen
-vermieden, da sie fast nie einer wirklichen Ausführung entsprechen.
-
-Um den drei Teilen: Anfertigung der Apparate, Ausführung der
-Experimente und theoretische Erklärung derselben durch das ganze
-Buch hindurch einen inneren Zusammenhang zu geben, erkläre ich in
-erzählender Form, wie sich ein Knabe, Rudi, Apparate herstellt für
-Experimentalvorträge, die er vor einem Auditorium von Verwandten hält,
-wie er in diesen Vorträgen die Experimente ausführt, und wie er die
-Vorgänge erklärt. Was sich in diese Form nicht einpassen ließ, aber
-dennoch nicht fehlen durfte, ist in einem Anhange nachgetragen.
-
-Ich kann dem jungen Leser nichts näher ans Herz legen, als durch
-Abhalten kleiner Vorträge sich selbst in seiner Liebhaberwissenschaft
-zu prüfen; denn: _docendo discimus_. Ein zweiter Vorteil ist hierbei
-auch der Umstand, daß man gezwungen ist, auf ein bestimmtes Ziel
-hinzuarbeiten; das Experimentieren des jungen Physikers verliert dann
-den Charakter der gedankenlosen Spielerei, den es sonst so oft trägt,
-und macht seine Arbeit zu einer angenehmen, unterhaltenden, aber
-dennoch ernsten und Nutzen bringenden.
-
-Da die ersten Auflagen des Buches bei den jungen Physikern so großen
-Anklang gefunden haben, sah ich mich veranlaßt, das Buch einer erneuten
-Durchsicht zu unterziehen. Nur weniges, das sich als überflüssig
-zeigte, konnte gestrichen werden, dafür mußte Neues, Wichtigeres an die
-Stelle treten. Auch mußten manche älteren Versuchsanordnungen durch
-neuere ersetzt werden, entsprechend den Fortschritten der Physik und
-Elektrotechnik. Auch wurde der Bau einiger Apparate neu beschrieben.
-
- Eberhard Schnetzler.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
- 1. Vortrag. Reibungs- und Influenzelektrizität 1
-
- 2. Vortrag. Der galvanische Strom 55
-
- 3. Vortrag. Die praktische Anwendung des elektrischen
- Gleichstroms 112
-
- 4. Vortrag. Induktions- und Wechselströme 157
-
- 5. Vortrag. Von der Geissler- zur Röntgenröhre 209
-
- 6. Vortrag. Elektrische Schwingungen 230
-
- Anhang 274
-
- Telephonanlage 274
-
- Rheostate 286
-
- Taschenakkumulator 291
-
- Universal-Volt-Ampere-Meter 294
-
- Elektroskop 306
-
- Anlage für Funkentelegraphie 307
-
- Kraftmaschine mit Gewicht 311
-
- Alphabetisches Sachregister 315
-
- Verzeichnis der Abbildungen 319
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Erster Vortrag.
-
-Reibungs- und Influenzelektrizität.
-
-
-Es war ein schwüler, heißer Sonntagnachmittag, als unser Rudi in seinem
-Dachkämmerchen, das er sich zur Werkstätte eingerichtet hatte, unwillig
-die Werkzeuge beiseite legte: „Heute ist es da oben zu heiß,“ seufzte
-er und ging hinunter in die Wohnung, um zu sehen, was denn seine
-Geschwister machten. Er hatte noch zwei ältere Schwestern und einen
-jüngeren Bruder; er fand sie alle drei beisammensitzen und sich eifrig
-damit beschäftigen, eine Siegellackstange zu reiben und dann damit
-kleine Papierschnitzelchen anzuziehen. Mit einiger Selbstgefälligkeit
-fragte er, ob sie denn überhaupt wüßten, was sie da machten, und woher
-das käme, daß diese Papierschnitzel von dem geriebenen Siegellack
-angezogen würden. „Ja, der Siegellack wird elektrisch, und die
-Elektrizität zieht an,“ meinte eine der Schwestern. Ob dieser naiven
-Erklärung lachte Rudi seine Schwester aus, die ihm nun erwiderte: „Wenn
-du alles Elektrische so gut verstehst, so könntest du uns auch ab und
-zu etwas davon erklären; aber du sitzest den ganzen Tag in deiner
-Dachkammer und läßt uns nichts wissen und nichts sehen von deinen
-Experimenten.“ -- „Und wenn man einmal hinaufkommt,“ meinte die jüngere
-Schwester, „dann sieht man überall mit großen Buchstaben geschrieben:
-‚Berühren gefährlich‘, oder ‚Vorsicht, geladen‘, oder ‚Gift‘; man
-traut sich kaum, etwas anzusehen.“ -- „Ja, das ist gar nicht schön
-von dir,“ fiel der kleine Karl ein, und nun entspann sich ein kleiner
-Streit zwischen den Kindern, in dem Rudi angeschuldigt wurde, daß
-er seine Geschwister vernachlässige. Da kam zur rechten Zeit die
-Mutter dazwischen und schlichtete den Streit. Sie machte nun Rudi den
-Vorschlag, er solle in einer Reihe von kleinen Experimentalvorträgen
-sie über die Geheimnisse seiner Spezialwissenschaft belehren.
-
-Das war für Rudi ein neuer Gedanke, der ihn nun ganz fesselte. Er ging
-gleich auf seine „Bude“, wie er sein Zimmer nannte, setzte sich in
-den bequemsten Stuhl und besann sich nun, über was er seinen ersten
-Experimentalvortrag halten und wen er dazu einladen sollte.
-
-Da er ein kluger und ruhig überlegender Kopf war, so hielt er es
-für das beste, mit dem Einfachsten anzufangen. „Reibungs- und
-Influenzelektrizität,“ meinte er, „das wird wohl reichen für einen
-Vortrag.“ Nun kam ihm aber ein Bedenken: er hatte ja gar nicht genug
-Apparate für einen solchen Vortrag; aber auch das war schließlich kein
-Hinderungsgrund für einen Jungen, der dem Grundsatz huldigte: „Hat man
-keines, so macht man eines.“ Er stellte sich also zusammen, was er an
-Apparaten schon habe, und was er sich noch machen müsse.
-
-Eine Reibungselektrisiermaschine, ein Elektrophor, ein Elektroskop und
-zwei Leidener Flaschen hatte er sich schon hergestellt; es fehlten ihm
-nur noch eine Influenzelektrisiermaschine und einige zur Demonstration
-besonders geeignete Apparate. So brauchte er zwei genügend große
-Gestelle zum Aufhängen von elektrischen Pendeln und einen sogenannten
-Konduktor, um die elektrische Verteilung zeigen zu können, ferner einen
-Apparat zum Nachweis der ausschließlich oberflächlichen Verteilung
-der Elektrizität auf Leitern. Außerdem wollte er auch zeigen, daß die
-Elektrizität Wärme erzeugen könne; auch hierzu mußte er sich einen
-geeigneten Apparat machen, und die Franklinsche Tafel durfte natürlich
-nicht fehlen.
-
-Wir wollen nun zunächst sehen, wie Rudi sich die
-Reibungselektrisiermaschine und die Leidener Flaschen hergestellt hat
-und wie man sich die übrigen Apparate mit einfachen Mitteln ohne große
-Kosten herrichten kann.
-
-[Sidenote: Glas, Hartgummi, Holundermark.]
-
-Eine rote Siegellackstange, einen Hartgummistab, der aber auch durch
-einen Hartgummikamm oder -federhalter ersetzt werden kann, sowie einen
-Glasstab und einige Holundermarkkügelchen muß man sich kaufen. Glas
-und Hartgummigegenstände beschafft man sich am besten und sichersten
-bei einem Mechaniker. Das Holundermark kann man auch selbst gewinnen:
-Im Winter sammelt man einige starke einjährige Triebe und macht das
-Mark durch Abspalten des Holzes frei. Mit einem scharfen Messer werden
-die Kügelchen roh geschnitzt und schließlich durch Rollen zwischen den
-Händen schön rund gemacht.
-
-[Sidenote: Seide.]
-
-Außerdem brauchen wir eine Anzahl guter Seidenfäden. Nicht alle
-Sorten sind gleich gut, da sehr oft das zum Färben verwandte Pigment
-metallhaltig ist. Die äußere Seidenumspinnung der elektrischen
-Leitungsschnüre (meist grün) ist ziemlich zuverlässig; man wickelt
-davon einen Strang, etwa 30 bis 40 _cm_, ab und auf ein Stückchen
-Karton auf.
-
-[Sidenote: Elektrisches Pendel.]
-
-Zwei Gestelle für die elektrischen Pendel werden folgendermaßen
-hergestellt: Man richtet sich ein kreisrundes Brettchen von 10
-_cm_ Durchmesser und 1 _cm_ Dicke, rundet die Kanten mit Feile und
-Glaspapier ab und klebt auf die Unterseite an drei Stellen nahe dem
-Rande je ein 3 bis 4 _mm_ starkes Korkscheibchen fest. Aus 2 _mm_
-starkem Eisen- oder besser Messingdraht biegen wir nun einen Bügel,
-dessen Maße, Form und Befestigungsart wohl zur Genüge aus Abb. 1
-hervorgehen.
-
-[Illustration: Abb. 1. Gestell zum elektrischen Pendel.]
-
-[Sidenote: Verwendung von Messing.]
-
-Es sei an dieser Stelle gleich noch einiges über die Verwendung von
-Messing gesagt. Messing ist nicht gerade billig und kann wohl meistens
-durch Eisen ersetzt werden. Da es sich aber viel leichter bearbeiten
-läßt als Eisen und nicht rostet, so wird man es in den meisten
-Fällen diesem vorziehen. Außerdem sind die blanken Messingteile an
-physikalischen Apparaten viel schöner; sie sind leicht zu reinigen und
-machen dann durch ihren Glanz einen erfreulichen, sauberen Eindruck.
-Eisen darf oft wegen seiner magnetischen Eigenschaften gar nicht
-verwendet werden.
-
-[Sidenote: Elektrophor.]
-
-Elektrophore können auf sehr verschiedene Arten hergestellt werden;
-es sei hier nur eine angegeben; die Anfertigung erfordert einige
-Aufmerksamkeit, sichert aber schließlich ein zweifellos gutes Resultat.
-
-[Illustration: Abb. 2. Form zum Elektrophor.]
-
-Wir machen uns aus starkem Papier, etwa Packpapier, einen
-kuchenblechförmigen Behälter, 20 bis 30 _cm_ im Durchmesser, 1 bis 1,5
-_cm_ hoch. Während der Boden nur eine Lage stark zu sein braucht, muß
-das Papier für den Rand mindestens fünffach genommen werden. Zum Gießen
-muß die Form auf eine ebene Unterlage gestellt werden, und der Boden
-darf keine Falten werfen. -- Eine bessere Form erhält man, wenn man auf
-ein völlig ebenes und glattes Brett ein kreisrundes, ziemlich starkes
-und völlig glattes Stanniolblatt legt und darum herum einen Papierrand
-wie oben aufklebt (Abb. 2).
-
-Die Herstellung der Masse erfordert nun einige Sorgfalt: Wir wägen
-5 Teile (ca. 250 _g_) ungebleichten Schellack, 1 Teil Terpentin und
-1 Teil Wachs ab. In einer reinen Pfanne werden zuerst über mäßigem
-Feuer das Wachs und das Terpentin zusammengeschmolzen; dann wird bei
-stärkerer Hitze und unter ständigem Umrühren mit einem Glasstabe der
-Schellack ganz langsam in kleinen Portionen zugegeben; man warte
-mit der folgenden Portion jeweils so lange, bis die vorausgegangene
-~völlig~ vergangen ist. Ist so aller Schellack zusammengeschmolzen,
-so nimmt man das Gefäß vom Feuer und läßt es ein paar Minuten ruhig
-stehen. Zum Gusse muß die Form ein wenig angewärmt und völlig eben
-gestellt worden sein. Nun wird die Masse langsam eingegossen und
-die etwa entstehenden größeren Luftblasen werden mit dem Glasstabe
-beseitigt. Ist alle Masse eingelaufen und gleichmäßig verteilt, so darf
-sie vor dem völligen Erkalten nicht mehr berührt werden. Am sichersten
-ist es, man läßt sie 5 bis 6 Stunden stehen; nun wird der Papierrand
-abgerissen, und etwa zurückbleibende Papierreste werden mit ~kaltem~
-Wasser abgewaschen. Der Stanniolbelag auf dem Boden wird sorgfältig
-abgezogen, und die Kanten rundet man mit Messer und Feile säuberlich
-ab. Zum Gebrauche nehme man ~die~ Seite nach oben, welche beim Gusse
-unten war.
-
-Den Deckel für das Elektrophor kann man auf verschiedene Arten
-herstellen. Er soll etwa 3 _cm_ kleiner sein als der Kuchen und kann
-aus Messing-, Kupfer- oder Zinkblech gefertigt werden: man schneidet
-eine kreisrunde Scheibe und wölbt durch Hämmern den Rand etwas nach
-oben, doch achte man sehr darauf, daß die Scheibe selbst völlig eben
-bleibe. In der Mitte der Scheibe wird ein Stückchen Messingrohr mit
-etwa 1 _cm_ lichter Weite aufgelötet und in dieses ein Glasstab
-eingekittet.
-
-[Sidenote: Schellackkitt.]
-
-Als Kitt kann gewöhnlicher roter Siegellack verwendet werden; besser,
-aber etwas schwieriger herzustellen ist der Schellackkitt: Man gibt
-in einen großen Blechlöffel oder in ein kleines Pfännchen etwa drei
-Teelöffel Schellacklösung -- Schellack wird in Weingeist gelöst -- und
-stellt das Gefäß auf einem großen Eisenblech, welches das Entzünden der
-Masse verhindern soll, über die Flamme eines Bunsenbrenners.
-
-Sobald die Lösung heiß geworden ist, wird ungelöster Schellack
-beigegeben, und zwar so viel, bis eine dickflüssige Masse entstanden
-ist. Nun gießt man noch einige Tropfen Spiritus zu, rührt mit einem
-Glasstab um, zündet die Masse an, bringt sie ~brennend~ an die
-zusammenzukittenden Teile, die schon vorher etwas angewärmt werden
-mußten, und bläst dann sofort die Flamme aus; man hat nun noch Zeit,
-die einzelnen Teile in die richtige Stellung zueinander zu bringen;
-war das Verhältnis von geschmolzenem und gelöstem Schellack richtig,
-so ist der Kitt nach 12 bis 24 Stunden trocken und ohne spröde zu
-sein derartig fest, daß an ein Trennen der zusammengekitteten Teile
-nicht mehr zu denken ist. Dieser Kitt erträgt sogar eine ziemlich hohe
-Temperatur, ohne weich zu werden.
-
-[Sidenote: Prüfung der Isolierfähigkeit des Glases.]
-
-Zum Griff läßt sich nicht jedes Glas gleichgut verwenden, da manche
-Sorten schlecht isolieren. Um die Isolierfähigkeit von Glas zu prüfen,
-verfährt man folgendermaßen: Man hängt an zwei ~leinenen~ Fäden je ein
-Holundermarkkügelchen auf und befestigt die Fäden an der Glasstange.
-Das Glas muß vorher gründlich gereinigt, dann mit destilliertem Wasser
-und endlich mit Weingeist abgewaschen werden. Ladet man nun die beiden
-Kügelchen durch Berühren mit einer geriebenen Siegellackstange negativ
-elektrisch, so stoßen sie sich ab und dürfen bei trockenem Wetter
-während der ersten 20 Minuten sich nur wenig nähern, wenn das Glas
-als ein hinreichend guter Isolator gelten soll. Zuverlässiger ist die
-Prüfung mit dem Elektroskop, das auf Seite 9 beschrieben ist. Man
-ladet das Elektroskop und beobachtet, wie weit die Blättchen in einer
-bestimmten Zeit zusammengehen; dann ladet man wieder bis zum gleichen
-Ausschlag und berührt mit dem Glasstab, den man fest in der Hand hält,
-den Knopf des Elektroskopes; gehen jetzt die Blättchen merklich rascher
-zusammen, als das erste Mal, so ist das Glas kein guter Isolator.
-
-Wir können uns auch noch auf eine etwas einfachere Art einen
-Elektrophordeckel herstellen: Wir überziehen eine Scheibe aus starker
-Pappe sorgfältig mit Stanniol, das wir mit dem Eiweiß eines ungekochten
-Eies aufleimen. Als Griff verwenden wir hierbei drei Seidenfäden, die
-wir am einen Ende zusammenknüpfen; die drei freien Enden werden an der
-Pappescheibe befestigt.
-
-[Sidenote: Konduktor.]
-
-Abb. 3 zeigt den Konduktor; er besteht aus einem viereckigen Brettchen
-(_a_), das an den Ecken mit Korkstollen versehen ist, aus dem Glasfuß
-(_b_), der mit Siegellack in ein entsprechendes Loch des Grundbrettes
-eingekittet ist, und dem oberen, metallenen Teil; diesen stellen wir
-uns aus einer etwa 3 _cm_ weiten und 15 _cm_ langen Messingröhre
-her (_c_). Nun beschaffen wir uns zwei messingene Herdkugeln (_d_,
-_d_), deren Durchmesser etwa 5 _mm_ größer ist als der der Röhre,
-und welche so in diese eingelötet werden, daß die Ansätze der Kugeln
-nach innen kommen. An der Mitte wird nun noch ein etwa 2 _cm_ langes
-Messingröhrchen (_e_) angelötet, in welches das obere Ende des
-Glasstabes eingekittet wird. Statt Messing zu verwenden, kann man sich
-auch den oberen Teil des Konduktors bei einem Drechsler von Holz drehen
-lassen; dieser Teil wird dann sorgfältig mit Stanniol überklebt, oder
-mit Graphitstaub eingepinselt und dann galvanisch verkupfert.
-
-[Illustration: Abb. 3. Konduktor.]
-
-[Illustration: Abb. 4. Messingkugeln für den Konduktor.]
-
-[Sidenote: Grosse Messingkugeln.]
-
-Nun sollten wir noch eine Messingkugel von etwa 7 _cm_ Durchmesser
-haben; diese sind oft sehr schwer zu beschaffen, aber wir können uns
-auch hier mit einer mit Stanniol zu überziehenden Holzkugel begnügen.
-Man kann sich aber auch anders helfen: In jedem Metallwaren- oder
-Küchengerätegeschäft kann man sich zwei gleichgroße, halbkugelförmige
-Messingschöpflöffel kaufen, von denen man die meist angenieteten
-Stiele entfernt, die Nietlöcher zu- und die beiden Halbkugeln
-aufeinander lötet. Gleichzeitig kauft man sich noch zwei etwas größere
-Schöpflöffel, die zusammengelegt einen genügenden Hohlraum bilden,
-um die eben erwähnte Kugel völlig zu umhüllen. Auch hier werden die
-Stiele entfernt. Die geschlossene Kugel erhält nun noch einen Ansatz
-von Messingrohr, in den man den Glasfuß einkittet, der wie bei dem
-Konduktor auf einem Holzbrettchen befestigt wird. Die beiden größeren
-Halbkugeln erhalten, wie das aus der Abb. 4 zu ersehen ist, je einen
-Glasgriff, der in der üblichen Weise befestigt wird. Da man mit ihnen
-die Kugel soll völlig umschließen können, so müssen sie da, wo sie den
-Fuß der Kugel umfassen sollen, je einen halbkreisförmigen Ausschnitt
-von entsprechender Weite erhalten.
-
-[Sidenote: Franklinsche Tafel.]
-
-Die Franklinsche Tafel: Eine auf ihre Isolierfähigkeit geprüfte
-Glastafel 30 : 30 _cm_ groß, bekleben wir beiderseits je mit einem
-15 : 15 _cm_ großen Blatt Stanniol, so daß ringsherum ein 7½ _cm_
-breiter Rand frei bleibt. Auf ein ovales Brett, 30 cm lang, 12 _cm_
-breit, nageln wir zwei 2 _cm_ hohe Leistchen auf, die um etwa 2 _mm_
-mehr, als die Glasdicke beträgt, voneinander entfernt sind, und kitten
-die Scheibe in den so erhaltenen Spalt. Nun wird noch der freie
-Glasrand mit dünner Schellacklösung bestrichen. (Über Schellackbezug
-siehe bei der Influenzelektrisiermaschine, Seite 20.)
-
-[Sidenote: Leidener Flasche.]
-
-Die Leidener Flasche: Bevor wir uns eine solche herstellen, wollen
-wir sehen, wie wir die guten Glassorten schon äußerlich, soweit
-als das überhaupt möglich ist, von den schlechten unterscheiden
-können. Betrachten wir ungefärbte Gläser im durchfallenden Lichte,
-so erscheinen sie uns meist alle farblos; betrachten wir sie dagegen
-auf der Schnittfläche, so scheinen die einen grün, die anderen
-blau, seltener rot oder farblos. Gläser, die auf der Schnitt- oder
-Bruchfläche bläulich oder rötlich erscheinen, sind von vornherein
-für elektrische Zwecke unbrauchbar. Grünliches Glas, gewöhnliches
-Fensterglas, ist oft recht gut; am sichersten geht man mit farblosem;
-doch unterlasse man auch hier nicht, die zu verwendenden Gläser erst
-auf ihre Isolierfähigkeit nach der oben angegebenen Methode zu prüfen.
-
-Für Leidener Flaschen, an die keine allzugroßen Anforderungen gestellt
-werden, kann man gewöhnliche Einmachgläser gut verwenden. Diese werden
-gründlich gereinigt und zuletzt mit etwas Weingeist abgewaschen.
-Nun wird das Stanniol zuerst innen, dann außen möglichst blasen-
-und faltenlos mit ~Eiweiß~ aufgeklebt. Wer nicht sehr gewandt ist,
-wird gut daran tun, den Belag nicht in einem Stück aufzukleben,
-sondern in etwa 5 bis 10 _cm_ breiten Streifen. Die Höhe des Belags
-soll bei kleinen Flaschen ¾, bei großen ⅔ der Gesamthöhe der Flasche
-betragen. Der oben frei gebliebene Glasrand wird mit einem dünnen
-Schellacküberzug versehen. Ähnlich wie es nachher beim Elektroskope
-beschrieben ist, wird hier eine mit einer Messingkugel versehene
-Metallstange in der Flasche befestigt. Um das untere Ende dieser Stange
-wird ein aus mehreren Stanniolstreifen bestehendes Büschel herumgelegt
-und mit Bindfaden befestigt; die freien Enden dieser Streifen sollen
-auf dem Boden der Flasche aufliegen.
-
-Wir können uns auch aus großen Reagenzgläsern eine große Anzahl kleiner
-Leidener Flaschen machen und sie zu einer Batterie zusammenstellen,
-indem wir alle inneren Beläge miteinander verbinden und ebenso alle
-äußeren.
-
-[Illustration: Abb. 5. Elektroskop.]
-
-[Sidenote: Elektroskop.]
-
-Zur Herstellung eines Elektroskopes brauchen wir eine etwa 10 _cm_
-hohe, 7 _cm_ breite, sehr gut isolierende Flasche mit nicht zu engem
-Hals. Ein etwa 5 _mm_ starkes Messingstängchen wird an einem Ende
-meißelartig zugefeilt und an das andere Ende wird eine Messingkugel
-oder ein Blechscheibchen, dessen Rand abgerundet ist, aufgelötet. Nun
-wird diese Messingstange in ein Glasrohr gesteckt, in das sie aber
-nur knapp hineingehen soll, und das so lang sein muß, daß nur das
-zugeschärfte Ende frei bleibt. Ein Kork, der gut auf die Flasche paßt,
-erhält ein Loch, durch das die Glasröhre mit der Messingstange so weit
-hindurchgesteckt wird, daß das untere Ende der Stange etwa 7 _cm_ vom
-Boden der Flasche entfernt ist. Aus ganz dünnem Stanniol, oder besser
-aus unechtem Blattgold schneiden wir uns zwei 4 _mm_ breite, 5 _cm_
-lange Streifen, die man übrigens auch von einem Goldschläger vorrätig
-beziehen kann, und kleben sie mit einer möglichst geringen Spur von
-Eiweiß so auf den beiden zugeschärften Seiten der Messingstange an, daß
-sie dicht nebeneinander und parallel zueinander herunterhängen. Die
-Arbeit des Aufhängens der Blättchen erfordert vollkommen ruhige Luft;
-man halte womöglich auch den Atem an. Die Abb. 5 zeigt das fertige
-Elektroskop. (Über die Herstellung eines feineren Instrumentes siehe im
-Anhang.)
-
-[Sidenote: Reibungselektrisiermaschine.]
-
-Nun wollen wir sehen, wie sich Rudi seine Reibungselektrisiermaschine
-mit verhältnismäßig wenig Mitteln hergestellt hat. -- Zuerst sah
-er sich nach einer geeigneten Scheibe um. Sich eine solche bei dem
-Mechaniker zu kaufen, war ihm zu teuer. Da er einmal einen alten, schon
-mehrfach gesprungenen Spiegel in der Gerätekammer gesehen hatte, so
-fragte er seine Mutter, ob er diesen für seine Zwecke verwenden dürfte,
-und er erhielt die Erlaubnis. Ein ziemlich großes Stück des Glases war
-noch unbeschädigt; dies trug er zum Glaser und ließ es sich zu einer
-runden Scheibe schneiden, die einen Durchmesser von 30 _cm_ bekam.
-
-[Illustration: Abb. 6. Angelötete Scheibe.]
-
-[Illustration: Abb. 7. Die Stützen des Rohrs.]
-
-[Sidenote: Befestigung der Achsen an Glasscheiben.]
-
-Nun schabte er mit einem alten Messer den Quecksilberbelag ab und ging
-mit der Scheibe zu einem Glasgraveur, um sich ein Loch in die Mitte der
-Platte bohren zu lassen. Da der Graveur aber keine Garantie für die
-Platte übernehmen wollte und sagte, bei dem Bohren springe jede dritte
-Platte, so besann sich Rudi, wie er diesem Übel abhelfen könnte. Mit
-Flußsäure ätzen, das wäre ihm bei dem dicken Glase zu langsam gegangen;
-aber er hatte eine andere Idee: ließe sich denn nicht die Notwendigkeit
-eines Loches umgehen? Gewiß, und zwar ganz leicht. Triumphierend über
-den guten Einfall ging nun Rudi mit seiner Scheibe wieder nach Hause.
-Hier suchte er zuerst nach einer geeigneten Metallstange oder Röhre für
-die Achse und fand dann auch ein 20 _cm_ langes und 1,5 _cm_ dickes
-Stück eines Gasrohres, das er in zwei gleiche Teile auseinandersägte,
-worauf er die Schnittränder völlig eben feilte. Nun schnitt sich Rudi
-aus 1 bis 2 _mm_ starkem Messingblech zwei 6 _cm_ große Scheiben aus
-und lötete sie so auf die eben gefeilte Schnittfläche, wie es Abb. 6
-zeigt; dabei mußte er besonders darauf achten, daß die Längsachse des
-Rohres völlig senkrecht auf der Ebene der Blechscheibe stand; um einem
-Verbiegen der Blechscheibe gegen die Achse vorzubeugen, lötete er vier
-3 _mm_ breite Blechstreifen so an die Scheibe einerseits und an dem
-Rohr anderseits an, wie dies in Abb. 7 zu erkennen ist. Den Rand der
-Blechscheibe krümmte er mit einer Flachzange etwas von der Achse weg
-um, wie dies ebenfalls aus der Abb. 7 hervorgeht. Nachdem nun so zwei
-völlig gleiche Achsenstücke hergestellt waren, bezeichnete Rudi den
-Mittelpunkt der Scheibe mit einem kleinen Tintenpunkt; er hatte die
-Mitte mit Hilfe der beiden Mittelsenkrechten zweier Sehnen gefunden.
-Nun bereitete er sich einen Schellackkitt, wie dies Seite 5 schon
-beschrieben wurde, goß davon in genügender Menge um den Mittelpunkt
-der Scheibe herum und drückte die Blechscheibe mit der angelöteten
-Achse darauf; dann bemühte er sich, diese noch möglichst senkrecht zur
-Glasscheibe zu stellen. Allein sein Bemühen war vergebens, denn der
-Kitt war zu rasch hart geworden. Nun hieß es, die Achse nochmals von
-der Scheibe los zu bekommen; Erwärmen hätte nicht viel geholfen und
-zudem die Glasscheibe gefährdet; den Schellack mit Spiritus aufzulösen
-ging auch nicht, da er zum größten Teil unter der Blechscheibe lag.
-Rudi versuchte nun mit einem spitzen Instrument zwischen Glas- und
-Blechscheibe einzudringen; dies brachte ihm schließlich Erfolg. Er
-befreite beide Scheiben von dem alten Schellack und begann die Arbeit
-von neuem. Was für Fehler trugen nun an dem Mißerfolge die Schuld?
-Erstens hatte er den Schellackkitt beim Auftragen zu lange brennen
-lassen; dadurch war nicht nur zu viel Spiritus verbrannt, sondern
-der geschmolzene Schellack war überhitzt worden, was ihn in eine
-fast unschmelzbare harte Masse verwandelte. Zweitens hätten beide
-Gegenstände, Glas- und Messingscheibe, etwas vorgewärmt werden müssen;
-doch daß er letzteres vergessen hatte, war sein Glück, denn sonst wäre
-es ihm wohl kaum noch gelungen, die beiden Teile unbeschädigt wieder
-zu trennen. Beim zweiten Versuch gelang ihm nun das Zusammenkitten
-zu voller Zufriedenheit. Er hatte sich diesmal auch einer recht
-praktischen Hilfseinrichtung zum raschen Senkrechtstellen der Achse
-bedient: Er machte sich aus starker Pappe ein Winkelscheit, dessen
-Form aus Abb. 8 hervorgeht; der Ausschnitt im Scheitel des rechten
-Winkels dient dazu, daß das Winkelscheit, ohne durch die Messingscheibe
-behindert zu werden, sowohl auf der Glasplatte, als auch an der Achse
-angelegt werden kann; sobald er die Achse auf den Schellack aufgedrückt
-hatte, überzeugte er sich mittels dieses Winkelscheites von ihrer
-richtigen Stellung. In der gleichen Weise befestigte Rudi die andere
-Achse, genau in der Verlängerung der ersten.
-
-[Illustration: Abb. 8. Winkelscheit.]
-
-[Sidenote: Glasätzen mit Flusssäure.]
-
-Für solche, die es vorziehen, das Loch durch die Platte mit Flußsäure
-zu ätzen, sei erwähnt, daß mit Flußsäure ~sehr vorsichtig~ umgegangen
-werden muß, schon weil ihre Dämpfe den Schleimhäuten des Mundes und
-der Nase äußerst gefährlich sind, und weil sie, auf die Haut gebracht,
-sehr bösartige Wunden verursacht. Sie wird in Gummi- oder Bleigefäßen
-aufbewahrt und ist in jedem Geschäft, das Chemikalien führt, zu
-haben. Es ist sehr zu empfehlen, beim Hantieren mit dieser Säure ein
-Fläschchen mit konzentriertem Ammoniak bereitzustellen; ist von der
-Säure etwas an einen unrichtigen Platz gekommen, so gießt man reichlich
-Ammoniak zu, wodurch ein Schaden sicher verhindert wird.
-
-Um ein Loch in die Platte zu ätzen, muß man erst die ~ganze~ Platte
-auf beiden Seiten mit einer Wachsschicht überziehen und dann an der
-Stelle und in der Größe des erwünschten Loches das Wachs abschaben
-und den Wachsrand noch bis zu 5 _mm_ wallartig erhöhen. In das dadurch
-entstandene Näpfchen wird nun Flußsäure gegossen und mit einem
-Papierhütchen wird es zugedeckt. So bleibt dann die Platte etwa 2
-Stunden liegen, nach welcher Zeit das angeätzte Glas mit einem Nagel
-oder sonst einem spitzen Gegenstand aufgeschabt wird; dies wird alle 2
-bis 3 Stunden wiederholt. Über Nacht läßt man stehen; am nächsten Tag
-wird mit Fließpapier die noch vorhandene Flüssigkeit aufgesaugt und
-durch frische Flußsäure ersetzt. Dies setzt man fort, bis ungefähr die
-Hälfte der Glasdicke durchgeätzt ist, und beginnt dann mit dem gleichen
-Verfahren von der anderen Seite.
-
-Hat man also eine durchbohrte Scheibe, so kann man die Achse aus einem
-Stück machen. Etwas mehr als halbe Glasdicke neben der Mitte der Achse
-wird auf diese eine Messingscheibe aufgeschoben und angelötet, und
-daran wird nun die Glasscheibe mit Schellack angekittet. Dann wird eine
-zweite Messingscheibe auf die Achse geschoben und auf der Glasplatte
-festgekittet; diese auch noch an der Achse anzulöten ist unnötig.
-
-[Illustration: Abb. 9. Reibungselektrisiermaschine.]
-
-Nachdem nun Rudi die Achsen in der erwähnten Weise an der Scheibe
-angebracht hatte, schritt er zur Anfertigung des Gestelles. Abb. 9
-zeigt die fertige Maschine. (Da die einzelnen Maße von der Größe der
-Scheibe abhängen, geben wir keine Zahlen an, sondern verweisen nur auf
-die aus der Abbildung hervorgehenden Größenverhältnisse.) _a_ ist ein
-starkes Brett aus hartem Holz; Rudi hatte zuerst Tannenholz verwendet;
-doch da dieses sich nach gar nicht langer Zeit warf, so mußte er es
-durch Nußbaumholz ersetzen. Wer dennoch Tannenholz verwenden will,
-muß auf der Unterseite mindestens drei Leisten aus hartem Holz quer
-zu den Fasern des Brettes aufleimen und anschrauben (Leimen oder
-Schrauben allein genügt nicht!); _b_, _b_ sind die beiden Lagerträger,
-die aus Tannenholz gefertigt sein dürfen; sie werden an die Seiten
-des Brettes _a_ angeschraubt. Um ihnen noch mehr Halt zu geben,
-schraubte Rudi in der Art Leisten an den Rand des Brettes, daß die
-Träger gewissermaßen in einer Vertiefung festsaßen. Die Lager selbst
-machte er folgendermaßen: er wickelte um die Achse einen 2 _mm_ starken
-Kupferdraht, Windung hart an Windung, bis er auf diese Weise ein 6
-_cm_ langes Stück umwunden hatte, das er von der Achse abstreifte,
-mit Lötwasser bestrich, mit einem Plättchen dünn gehämmerten Lotes
-umgab und so lange in eine Bunsenflamme hielt, bis alles Lot sich
-schön zwischen den Windungen verteilt hatte. Es war so ein Röhrchen
-entstanden, das er nun in zwei gleiche Teile zersägte, welche die
-Achsenlager bilden sollten; als er sie jedoch wieder auf die Achse
-schieben wollte, paßten sie nicht mehr darauf, denn es war etwas zu
-viel Lot in das Innere gelaufen; dies entfernte er mit der Rundfeile,
-bis sie sich ohne zu großen Spielraum aber doch leicht auf der Achse
-hin und her schieben ließen. Nun bohrte Rudi in die oberen Enden der
-Lagerträger je ein Loch, das so groß war, daß ein Lagerröhrchen gerade
-noch hindurchgesteckt werden konnte, und sägte, die Mitte dieses Loches
-kreuzend, den oberen Teil des Lagerträgers ab (siehe Abb. 10). Mit
-zwei Holzschrauben konnte er diesen wieder aufschrauben und so das
-Lagerröhrchen fest einklemmen.
-
-[Illustration: Abb. 10. Lagerträger.]
-
-[Illustration: Abb. 11. Gestell des Reibzeugs.]
-
-Für die Kurbel benutzte Rudi eine 4 _mm_ starke Eisenstange (_l_ in
-Abb. 9), die er rechtwinkelig umbog, worauf er über das eine Ende einen
-hohlen Griff (_m_) stülpte und das andere in das an dem einen Ende der
-Achse angebrachte Loch einnietete.
-
-Abb. 11 zeigt das Gestell des Reibzeuges. Hierbei bediente sich Rudi
-eines starken massiven Glasstabes (_b_), den er in den Holzklotz _a_
-fest einkittete; den Holzklotz _c_ machte er etwas höher und bohrte
-ein Loch ein, in das der Glasstab nur knapp hineinging; hier kittete
-er ihn ~nicht~ ein. Nun sägte er sich aus starkem (3 bis 4 _mm_)
-Zigarrenkistenholz zwei gleiche rechteckige Brettchen, deren Länge etwa
-⅔ des Scheibendurchmessers betrugen und die halb so breit als lang
-waren. Diese Brettchen beklebte er je auf einer Seite mit einer nicht
-zu dicken Lage von gewöhnlicher Watte. Dann richtete er sich aus 1 bis
-2 _mm_ starkem Messingblech vier etwa 5 _mm_ breite Streifen (_d_ in
-Abb. 11), die er einerseits an dem Brettchen _e_, anderseits an _c_
-festschraubte und derart zusammenbog, daß sich die gepolsterten Seiten
-der Brettchen _e_, die nach innen gerichtet waren, berührten.
-
-[Illustration: Abb. 12.]
-
-[Illustration: Abb. 13. Reibfläche.]
-
-Aus Kalbleder fertigte Rudi die Reibfläche: er schnitt sich zwei
-Stücke, deren Form aus Abb. 12 hervorgeht; die Löcher am Rande
-dienten dazu, um das Leder auf die in Abb. 13 angegebene Art über
-das Reibzeugbrettchen zusammenzuschnüren; er hatte dabei auch nicht
-vergessen, daß die ~Fleischseite~ des Leders das Glas berühren muß.
-
-[Sidenote: Amalgamieren.]
-
-Obgleich Rudi die Amalgamierung der Reibkissen erst zuletzt vornahm,
-so sei dies doch schon hier beschrieben. Er holte sich das Amalgam bei
-einem Mechaniker, hätte es sich aber auch selbst bereiten können: man
-schmilzt in einem Tontiegel zuerst 1 Gewichtsteil Zinn, und wenn alles
-geschmolzen ist, gibt man in kleinen Stücken 1 Gewichtsteil Zink zu;
-hat sich auch dieses alles verflüssigt, so wird der Tiegel vom Feuer
-genommen, und es werden unter Umrühren 2 Gewichtsteile Quecksilber,
-das vorher etwas angewärmt wurde, zugeschüttet; das Ganze wird nun
-unter ständigem, tüchtigem Umrühren -- man kann dazu den Stiel einer
-Tonpfeife verwenden -- in Wasser gegossen. Die dabei entstandenen
-Amalgamkörnchen werden zwischen Filtrierpapier getrocknet und in einem
-Reibschälchen zu Pulver verrieben. -- Mit solchem Amalgam rieb er die
-Fleischseite der beiden Lederlappen tüchtig ein und spannte sie dann
-wieder auf die Reibzeugbrettchen.
-
-An dem Holzklotze _c_ (Abb. 11) kann man nun entweder eine große
-Herdkugel oder eine mit Kugelenden versehene Messingröhre anbringen,
-ähnlich der in Abb. 3 dargestellten, aber kürzer als diese; dieser Teil
-der Maschine ist in den Abbildungen nicht gezeichnet; Rudi ließ ihn
-auch anfangs weg, brachte ihn aber später doch noch an.
-
-[Sidenote: Spitzenkamm.]
-
-Wir wollen nun noch sehen, wie der Spitzenkamm hergestellt und an der
-Maschine angebracht wird. Rudi verwendete als Träger wieder einen
-starken Glasstab, doch es genügt hier auch eine starke Glasröhre. Den
-Stab kittete er wie bei dem Reibzeug in die Ausbohrung des Klötzchens
-_f_ (Abb. 9). Auf ihn setzte er das etwas größere Holz _g_ und kittete
-auch dieses, nachdem er das Brettchen _i_ und die Kugel _k_ daran
-befestigt und alle seine Kanten und Ecken wohl abgerundet hatte, fest;
-_k_ soll möglichst groß sein und kann wie die in Abb. 4 ersichtliche
-Kugel des Konduktors hergestellt werden. Das Brettchen _i_ hatte Rudi
-nur angeleimt; da es ihm aber später einmal wegbrach, so ist es ratsam,
-es mit einer Schwalbenschwanzfuge in _g_ einzulassen.
-
-Für den Spitzenkamm sägte sich Rudi zwei handspiegelförmige Brettchen
-aus Zigarrenkistenholz und schnitt sich zwei gleichgeformte
-Pappscheiben; letztere beklebte er beiderseits mit starkem
-Stanniolpapier und steckte in je drei konzentrischen Kreisen eine große
-Anzahl kurzer Stecknadeln hindurch. Diese stacheligen Pappescheiben
-klebte er nun mit der Seite, auf welcher die Köpfe der Stecknadeln
-waren, auf dem Holzbrettchen fest, das er an das Brettchen _i_
-anschraubte. Dabei zeigte sich aber, daß sich jetzt die Spitzen so
-nahe gegenüberstanden, daß sich die Glasscheibe nicht zwischen ihnen
-hätte drehen können, ohne verkratzt zu werden oder die Nadelspitzen
-umzubiegen; er legte deshalb zwei kleine Pappestückchen zwischen _i_
-und die Spitzenkämme _h_, wodurch diese, nachdem sie wieder befestigt
-waren, den richtigen Abstand erhielten. Die Kugel _k_ mußte nun noch
-mit den Nadeln in leitende Verbindung gebracht werden; Rudi bohrte
-durch _g_ in Abb. 9 ein Loch, das hart neben dem Ansatz von _k_ begann
-und neben dem Brettchen _i_ bei dem Ansatz des einen Spitzenkammes
-endete. Durch dieses Loch führte er einen Kupferdraht, den er
-einerseits mit dem Stanniolbelag des Spitzenkammes in innige Berührung
-brachte, anderseits an den Ansatz der Kugel _k_ anlötete.
-
-Nun mußte Rudi noch den Reibzeug- und den Spitzenkammträger auf dem
-Grundbrett _a_ befestigen, was er dadurch erreichte, daß er beide mit
-je vier Schrauben von unten her an _a_ festschraubte. Das Reibzeug
-ließ sich trotzdem noch leicht abnehmen, da ja das Klötzchen _c_ (Abb.
-11) nicht auf _b_ aufgekittet, sondern nur darübergeschoben war. An
-diesem Reibzeug befestigte Rudi nachträglich zwei Flügel aus Seide (man
-kann auch Wachstaffet verwenden), die sich beiderseits an die Scheibe
-anlegen sollten und die an ihrem äußeren Rande zusammengenäht waren;
-ihre Form ist aus Abb. 9, _o_ zu ersehen. Sie sollen verhindern, daß
-auf dem Wege vom Reibzeuge zum Spitzenkamme die Glasscheibe von ihrer
-Elektrizität verlöre.
-
-Zuletzt überzog Rudi alle Holzteile und die beiden Glassäulen mit
-Schellackfirnis.
-
-Um diese Maschine vor dem für viele elektrische Apparate sehr
-schädlichen Verstauben zu bewahren, fertigte er sich als Schutz aus
-starkem Packpapier eine große Hülle, die er, wenn die Maschine nicht
-gebraucht wurde, käseglockenartig darüber stülpte.
-
-[Sidenote: Elektrisches Flugrad.]
-
-Das elektrische Flugrad ist sehr einfach herzustellen: man schneidet
-sich aus gewöhnlichem Weiß- oder Messingblech ein rundes Scheibchen,
-das man genau in der Mitte mit einem Körnerpunkt versieht; auf dieses
-Scheibchen lötet man nach den vier verschiedenen Seiten radial nach
-außen gerichtet vier lange Stecknadeln, deren Spitzen dann alle
-rechtwinkelig nach der gleichen Seite umgebogen werden. Ein 20 _cm_
-langes und 4 bis 5 _mm_ starkes Glasröhrchen wird in ein Fußbrettchen
-eingekittet, und mit Siegellack wird eine lange Stecknadel im oberen
-Ende befestigt. Das Flugrädchen wird nun mit dem Körnerpunkt auf
-die Stecknadelspitze aufgesetzt und muß in horizontaler Lage im
-Gleichgewichte schweben; sollte dies nicht zutreffen, so kann man durch
-Auftropfen von etwas Siegellack auf die Unterseite des Scheibchens das
-Flugrädchen ausbalancieren.
-
-[Sidenote: Lanesche Massflasche.]
-
-Es sei nun noch die elektrische Maßflasche von Lane erwähnt: auf
-einem mit Stanniol überzogenen Grundbrettchen wird eine kleine
-Leidener Flasche aufgeleimt oder festgekittet, jedoch so, daß der
-äußere Flaschenbelag in leitender Verbindung bleibt mit dem Belag des
-Brettchens; 5 _cm_ neben der Flasche wird ein Messingstab in dem Brette
-befestigt, der oben in Höhe der Kugel der Leidener Flasche ein 2 bis 3
-_mm_ weites Loch erhält, in welchem sich ein entsprechend starker etwa
-10 _cm_ langer Messing- oder Kupferdraht leicht hin und her schieben
-läßt; diesen Draht versieht man an dem einen Ende mit einer Kugel, am
-anderen biegt man ihn zu einer kleinen Schleife.
-
-[Illustration: Abb. 14. Luftthermometer.]
-
-[Sidenote: Luftthermometer.]
-
-Nun können wir uns noch einen einfachen Apparat herstellen, mit dem
-wir die Erwärmung von Leitern beim Durchgang von Elektrizität durch
-sie nachweisen können. Abb. 14 zeigt diesen Apparat im Schnitt: auf
-dem Grundbrett _a_ wird ein kleineres Brettchen _b_ befestigt; darauf
-wird ein Glaszylinder _c_ aufgekittet. Für diesen Glaszylinder kann
-man den Lampenzylinder eines Auerlichtes verwenden, von dem man sich
-ein entsprechendes Stück absprengen läßt. _d₁_ und _d₂_ sind zwei
-in Paraffin gekochte Korke, durch welche ein innen und außen zu
-Häkchen _f_ umgebogener Draht führt; in _d₁_ ist außerdem noch eine
-Öffnung, in die die Glasröhre _g_ einmündet, deren Form aus der Figur
-hervorgeht; _e_ ist eine aus dünnem Eisendraht gewundene Spirale. Wer
-einem gelegentlichen Durchschmelzen dieser Spirale vorbeugen will,
-muß Platindraht verwenden. Die Spirale wird auf folgendem Wege in
-den Zylinder gebracht. Sie wird mit ihrem einen Ende in den Haken
-des Korkes _d₁_ eingehakt, worauf dieser, die Spirale voran, in den
-Zylinder geschoben wird; nun zieht man von der anderen Seite das noch
-freie Ende der Spirale vorsichtig aus dem Zylinder heraus, hakt es
-in den Haken von _d₂_ und drückt darauf _d₂_ in den Zylinder. Darauf
-bringt man in die Glasröhre _g_ etwas gefärbtes Wasser und steckt sie,
-wie aus der Abbildung ersichtlich, in die Öffnung von _d₁_.
-
-[Sidenote: Die Influenzelektrisiermaschine.]
-
-Rudi brauchte nun zu seinem Vortrag noch eine
-Influenzelektrisiermaschine; diese lieh er sich einstweilen bei
-einem Schulkameraden, weil er die Anfertigung dieser Maschine für
-später aufschieben mußte. Da es jedoch für manchen jungen Bastler
-von Interesse sein wird, zu erfahren, wie man die verschiedenen
-Schwierigkeiten, die sich der Selbstanfertigung einer Influenzmaschine
-entgegenstellen, leicht umgehen kann, so wollen wir schon jetzt davon
-eine Beschreibung geben.
-
-[Sidenote: Glasscheiben.]
-
-Wir beginnen zunächst mit den Glasscheiben; die Scheiben, die für
-Reibungselektrisiermaschinen gut verwendet werden können, sind für
-Influenzmaschinen nicht immer die geeignetsten; die Hauptsache ist, daß
-das Glas gut isoliert. Wir suchen zuerst, ob wir in unserem Glasvorrat
-etwas Geeignetes finden[1]; wenn nicht, dann suchen wir bei einem
-Glaser die beste Glassorte aus, wobei auch darauf zu achten ist, daß
-die Glastafeln möglichst eben sind. Wir lassen uns nun zwei kreisrunde
-Scheiben schneiden, deren Durchmesser womöglich 60 _cm_, keinesfalls
-aber weniger als 30 _cm_ betragen darf. Wer ganz sicher gehen will und
-größere Auslagen nicht scheut, besorgt sich die Glasscheiben bei einem
-Mechaniker oder von ~Warbrunn, Quilitz u. Co. zu Berlin~, welche Firma
-auch ausgezeichnete Gläser für Leidener Flaschen liefert.
-
-[Illustration: Abb. 15. Rudi bei der Anfertigung einer
-Influenzelektrisiermaschine.]
-
-[Sidenote: Der Schellacküberzug.]
-
-Durch die Mittelsenkrechten zweier Sehnen finden wir die Mitten der
-Scheiben und bezeichnen sie je mit einem Tuschepünktchen; ist die
-Tusche fest aufgetrocknet, so werden die Scheiben zuerst mit Seifen-,
-dann mit reinem, gewöhnlichem, endlich mit destilliertem Wasser und
-zuletzt mit Weingeist abgewaschen; der Weingeist muß selbst rein sein
-und darf nur mit einem ganz reinen Schwämmchen aufgetragen werden.
-Die zweite Aufgabe ist, beide Scheiben mit einem feinen Überzug von
-Schellackfirnis zu versehen. Wir lassen 30 _g_ Schellack in ¼ Liter
-Spiritus sich vollständig lösen und gießen kurz vor dem Gebrauch noch
-100 _ccm_ reinen Spiritus zu und schütteln kräftig; die Lösung wird
-noch filtriert und ist dann gebrauchsfertig; soll sie längere Zeit
-aufbewahrt werden, so lege man, um die Feuchtigkeit zu binden, ein paar
-Gelatinestreifen hinein und halte die Flasche stets gut geschlossen.
-Das Auftragen der Lösung geschieht mit einem ~großen, weichen~ Pinsel,
-der vor dem Gebrauch durch Klopfen und Waschen von allem Staub befreit
-werden muß. Es ist ziemlich wichtig, einen schönen gleichmäßigen
-Schellacküberzug zu erzielen, und es dürfte wohl manchem nicht auf
-das erste Mal gelingen. Die Scheibe wird auf eine Zigarrenkiste oder
-besser auf eine runde Pappschachtel gelegt, deren Durchmesser etwa
-handbreit kleiner ist, als der der Scheibe. Die Schellacklösung wird
-in ein offenes Gefäß gegossen. Doch bevor wir mit dem Überstreichen
-beginnen, muß die Scheibe angewärmt werden; ist es Sommer, so können
-wir sie einfach etwa eine halbe Stunde den Sonnenstrahlen aussetzen,
-andernfalls muß die Erwärmung künstlich geschehen (am besten über einer
-Dampf- oder Warmwasserheizung). Die Scheibe darf so warm sein, daß wir
-sie gerade noch mit der Hand anfassen können. Nun wird sie auf die oben
-erwähnte Unterlage gelegt, so daß der äußere Rand auf der Unterseite
-frei bleibt. Das Überstreichen muß recht gewandt ausgeführt werden; mit
-großen Strichen überfahren wir die Fläche und achten darauf, daß keine
-Stelle frei bleibt, aber auch keine zweimal überstrichen wird, damit
-wir einen möglichst gleichförmigen Überzug erhalten. Wir streichen mit
-der rechten Hand, in der linken haben wir ein in Spiritus getauchtes
-Läppchen, mit welchem wir alles, was von der Lösung am Rand auf die
-Unterseite der Scheibe gelangt, sofort abwischen. Hat man keinen
-gleichmäßigen Überzug erzielt, so tut man am besten, die ganze Scheibe
-mit Spiritus abzuwaschen und von vorn zu beginnen. Ist der Anstrich bei
-beiden Seiten gelungen, so läßt man sie an einem staubfreien Orte, etwa
-in einer großen Tischschublade, einen Tag liegen. Die anderen Seiten
-der Scheiben werden genau so behandelt, nur dürfen sie diesmal nicht
-so stark erwärmt werden und es muß ein Überlaufen von Schellackfirnis
-unbedingt vermieden werden. ~Man bezeichne sich die zuerst bestrichenen
-Seiten der Scheiben.~ Diesmal lassen wir sie nur 5 bis 6 Stunden in der
-Schublade liegen und stellen sie dann ~senkrecht~ an einem staubfreien
-Orte so auf, daß sie außer an den Kanten nirgends anliegen; so lassen
-wir sie 2 Tage unberührt stehen.
-
-[Illustration: Abb. 16. Anfertigung der Achsenrohre.]
-
-[Illustration: Abb. 17. Achsenrohr.]
-
-[Illustration: Abb. 18. Aufgelötete Messingscheibe.]
-
-[Sidenote: Die Achsenansätze.]
-
-Unterdessen fertigen wir die beiden Achsen an. Dazu brauchen wir
-zunächst zwei Messingstäbe, je 15 _cm_ lang und 5 bis 7 _mm_ dick,
-ferner 50 _cm_ blanken, geglühten, 2 _mm_ starken Kupferdraht. Den
-Draht reiben wir mit Glas- oder Schmirgelpapier sauber und wickeln
-ihn dann in dicht nebeneinanderliegenden Windungen zu einer 3 _cm_
-langen Spirale auf einen der Messingstäbe auf (Abb. 16); ein Stück
-Lötzinn wird zu einem feinen Plättchen ausgehämmert und um die
-mit Lötwasser bestrichene Spirale herumgebogen, aus der wir den
-Messingstab herausziehen und sie dann in die Flamme eines Spiritus-
-oder Bunsenbrenners halten, bis sich das Lot gleichmäßig zwischen den
-Windungen verteilt hat. Nachdem sich dies so entstandene Rohr abgekühlt
-hat, sägen wir es mit einer in den Laubsägebogen eingespannten
-Metallsäge in vier gleiche Teile. Diese vier Ringe sollen sich immer
-noch bequem über die Messingstange schieben lassen; sollte dies
-Schwierigkeiten machen, weil vielleicht etwas zu viel Lot in das Innere
-gedrungen ist, so entferne man dies mit der Rundfeile. Nun schneide man
-aus Messingblech zwei Rechtecke von je 30 × 65 _mm_. Bei jedem machen
-wir an dem einen Ende mit einer Blechschere 10 bis 12 Einschnitte
-von je 2 _cm_ Länge parallel zu den Längskanten, so daß also 45 _mm_
-uneingeschnitten übrig bleiben. Auf jedes Blech legen wir zwei von
-den vier Ringen, den einen am inneren Ende der Einschnitte nach innen
-zu, den anderen am entgegengesetzten nicht eingeschnittenen Rande,
-so daß zwischen ihnen etwa 3 _cm_ Raum bleibt; dann rollen wir das
-Blech fest um die Ringe. Es wird keinen vollständig geschlossenen
-Zylinder bilden, vielmehr wird ein etwa 4 _mm_ breiter Zwischenraum
-frei bleiben. Wir umwickeln nun diesen Blechzylinder fest mit Draht und
-löten ihn mit den Kupferringen zusammen. Nach dem Abkühlen entfernt
-man den Draht. Eines der so erhaltenen Achsenrohre zeigt Abb. 17:
-_a_ sind die Kupferdrahtringe, _b_ ist der Blechzylinder mit den
-durch Einschneiden entstandenen Streifen _c_. Um nachher diese beiden
-Achsenrohre an den Glasscheiben ankitten zu können, schneiden wir uns
-aus Messingblech zwei Scheiben von je 6 _cm_ Durchmesser und sägen
-bei jeder genau in der Mitte ein Loch, durch welches das in Abb. 17
-dargestellte Achsenrohr sich gerade noch hindurchschieben läßt; nachdem
-wir das getan haben, biegen wir die Blechstreifen um und löten sie an
-der Messingscheibe fest (Abb. 18). Nunmehr wird die ebene Blechscheibe
-_a_ mit einer Flachzange am ganzen Rande, von der Achse weg ein wenig
-krumm gebogen, wie das in der Abb. 19 deutlich zu sehen ist; aus dieser
-Zeichnung geht auch hervor, wie dieser in der Abb. 18 abgebildete
-Teil auf der Glasscheibe aufzukitten ist: _G_ ist die Glasscheibe,
-_S_ der Schellackkitt, _B_ die Messingscheibe, _R_ die Kupferringe
-und _H_ die Messinghülse. Das Aufkitten mit Schellack erfolgt genau
-in der schon bei der Reibungselektrisiermaschine angegebenen Weise;
-nur müssen wir, um das Achsenrohr mit dem schon erwähnten Winkelmaß
-(Abb. 8) genau senkrecht zu stellen, eine der beiden Messingstangen
-in das Rohr stecken und dann wie oben beschrieben verfahren (siehe
-auch Abb. 20). Diese Achsenrohre müssen bei beiden Scheiben auf die
-~zuerst~ bestrichenen Seiten aufgekittet werden. Sollte sich nach
-dem Auftrocknen des Kittes herausstellen, daß die Achsenrohre doch
-nicht genau senkrecht stehen, was man am deutlichsten erkennt, wenn
-man die Scheiben auf ihren Achsen rotieren läßt, so kann man noch
-folgende Vorkehrung treffen: Wir löten, wie aus Abb. 21 hervorgeht,
-eine Messingscheibe _M_, ähnlich der Scheibe _B_, nur etwas kleiner,
-aber dicker als diese mit ein paar Millimeter Abstand an. (Mit dem
-Lötkolben rasch anlöten, damit sich das Glas nicht zu sehr erwärmt!) Am
-sichersten geht man, wenn man diese Vorrichtung gleich von vornherein,
-also schon vor dem Aufkitten, an dem Achsenrohr anbringt. Vorher haben
-wir schon nahe dem Rande in gleichen Abständen drei Löcher gebohrt
-und über jedes Loch eine Schraubenmutter (_R_) gelötet. (Wir können
-auch das Muttergewinde in die Scheibe _M_ selbst bohren.) Mit drei
-Metallschrauben, die wir durch diese Muttern eindrehen und verschieden
-stark anziehen, können wir nun mit Leichtigkeit die senkrechte Stellung
-der Achsenrohre erreichen. Nun müssen wir noch auf die Innenseite der
-einen Scheibe genau in der Mitte, also dem Achsenrohr gegenüber, mit
-einem Tropfen Schellack ein Zweipfennigstück aufkleben.
-
-[Illustration: Abb. 19. Aufkitten auf die Glasscheibe.]
-
-[Illustration: Abb. 20. Anlegen des Winkelmaßes.]
-
-[Illustration: Abb. 21. Vorrichtung zur Erzielung der senkrechten
-Achsenstellung.]
-
-Während der übrigen Arbeit sollen die Scheiben unberührt liegen
-bleiben. Wir richten uns deshalb zwei Holzklötzchen her, die wir je mit
-einem Loch versehen, in das die Achsenrohre eingesteckt werden, so daß
-die Scheiben in horizontaler Lage aufbewahrt werden können, ohne daß
-das Glas selbst irgendwo aufliegt. An einem staubfreien abgeschlossenen
-Platze werden die Scheiben bis auf weiteres aufbewahrt.
-
-[Illustration: Abb. 22. Maschinengestell.]
-
-[Sidenote: Das Maschinengestell.]
-
-[Illustration: Abb. 23. Achsenträger.]
-
-[Illustration: Abb. 24. Außenseite eines Achsenträgers.]
-
-[Sidenote: Die Achsenträger.]
-
-Wir wenden uns nun zu dem Maschinengestell. Zuerst schneiden wir uns
-eine Pappscheibe, genau so groß wie die Glasplatten, und stecken
-durch sie eine Messingstange, 30 _cm_ lang und genau so stark (5 bis
-7 _mm_), wie die schon erwähnten Achsen. Abb. 22 zeigt das Gestell im
-Grundrisse; _Gl_ sollen die später einzusetzenden Glasscheiben sein.
-Entsprechend ihrer Größe wählen wir nach Anleitung des Grundrisses
-ein starkes Grundbrett _a_ von ausreichender Länge und Breite. _c_ in
-Abb. 22 zeigt die Befestigungsstelle der Achsenträger (Abb. 23). Man
-fertige sie beide aus Holzstücken, deren Länge je um 7 _cm_ mehr als
-der Scheibenradius beträgt und mache sie unten 10, oben 6 _cm_ breit.
-Oben ist ein etwa 15 _mm_ weites Loch _a_ zu bohren, und daneben sägen
-wir zu beiden Seiten einen Schlitz _b_ von 20 _mm_ Länge und 5 _mm_
-Breite. Auf der Innenseite des Achsenhalters befestigen wir mit vier
-Holzschrauben eine Eisen- oder Messingplatte (in Abb. 23 durch die
-punktierte Linie und mit _b_ bezeichnet), die das Loch _a_, nicht aber
-die seitlichen Schlitze verdeckt. Die Platte muß ziemlich stark sein
-(3 _mm_) und kann nötigenfalls durch Aufeinanderlöten von zwei oder
-drei Blechscheiben hergestellt werden. Ehe diese Platte aufgeschraubt
-wird, ist sie mit einer mittleren Durchbohrung zu versehen, weit genug
-(5 bis 7 _mm_), daß die Scheibenachse gerade noch hindurchgesteckt
-werden kann. Die Platte ist so aufzuschrauben, daß ihre Durchbohrung
-mit dem Loche _a_ konzentrisch wird. Abb. 24 zeigt in etwas größerer
-Darstellung die Außenseite eines Achsenträgers und eine daraufliegende
-Metallplatte _a_ von etwa 5 × 1 _cm_ Größe, die das Loch _c_ und die
-beiden Schlitze _d_ bedeckt und drei Durchbohrungen hat: eine runde in
-der Mitte (5 bis 7 _mm_ weit) und zwei viereckige, die Schlitze _d_
-rechtwinkelig kreuzend. Diese Metallplatte wird jedoch folgendermaßen
-befestigt: man steckt durch die einander kreuzenden Schlitze je eine
-Metallschraube von 5 _mm_ Dicke, deren Kopf man durch Überschieben
-eines breiten flachen Metallringes vergrößert, und schraubt eine
-passende Schraubenmutter auf das Gewinde. Die Platte _a_ in Abb. 24
-wird dadurch festgehalten und kann nach Lüftung der beiden Muttern nach
-oben, unten und der Seite verschoben werden; denselben Teil zeigt Abb.
-25 im Schnitt, _a_ ist die verstellbare Metallplatte, _b_ der hölzerne
-Achsenträger, _c_ das runde Loch darin und _d_ die Achse.
-
-[Illustration: Abb. 25. Achse im Träger.]
-
-[Illustration: Abb. 26. Schematischer Aufriß der Maschine.]
-
-Die beiden Achsenträger sind nun an den zwei in Abb. 22 mit _c_
-bezeichneten Stellen auf dem Grundbrette zu befestigen, indem wir
-zunächst von dessen Unterseite her je zwei Schrauben eindrehen, durch
-das Brett hindurch bis in die Achsenträger. Da diese Befestigung
-wahrscheinlich nicht ausreichen würde, so schneiden wir von einer
-sogenannten Glaserlatte vier längere (je 10 _cm_) und vier entsprechend
-kürzere Stücke ab und schrauben sie bei jedem Achsenträger um dessen
-Fuß herum so auf das Grundbrett auf, daß sie seitlich ganz fest an den
-Trägern anliegen und diese wie in einer Versenkung stehen. Zur Probe
-und Abschätzung der Größenverhältnisse kann nun die Pappscheibe mit
-ihrer Achse in die Achsenlager der Träger eingesetzt werden. Abb. 26
-zeigt einen schematischen Aufriß der Maschine, wobei _S_ die Scheibe,
-_T_ die Achsenträger bezeichnet.
-
-[Sidenote: Die Spitzenkammträger.]
-
-Nunmehr sind die Träger _g_ der beiden Spitzenkämme _Sp_ anzubringen.
-Die Träger _g_ sind Glasstäbe oder dickwandige Glasröhren, etwa 2 _cm_
-im äußeren Durchmesser und an Länge etwa gleich den Achsenträgern _T_.
-Sie sind innen und außen genau so zu reinigen wie die Glasscheiben
-und auch in der gleichen Weise ebenfalls innen und außen mit einem
-Schellacküberzug zu versehen und dann 1 bis 2 Tage an einem staubfreien
-Orte liegen zu lassen. Unterdessen besorgen wir uns zwei Holzklötze
-(Abb. 26 _k_), jeden 4 × 4 _cm_ breit und 5 _cm_ hoch. Jeder dieser
-Klötze erhält von oben nach unten eine 3 _cm_ tiefe Bohrung, die so
-weit ist, daß wir die Glassäule bequem mit Siegellack oder Schellack
-einkitten können. Das obere Ende der Röhre (wenn wir eine solche und
-keinen Glasstab benutzt haben) wird mit einem Korke verschlossen und
-dann, wenn wir sicher sind, daß keine Feuchtigkeit in dem Rohre ist,
-das heißt, wenn es sich auf der Innenseite nach ein paar Stunden noch
-nicht beschlagen hat, mit Siegellack abgedichtet. Nachdem letzteres
-geschehen ist, krönen wir die Glassäule mit einem Holzklotz _f_, 4 × 4
-_cm_ breit, 7 _cm_ hoch. Die Kammträger werden 3 _cm_ vom Scheibenrande
-entfernt an den in Abb. 22 mit _b_ bezeichneten Stellen aufgeschraubt
-und ebenso wie die Achsenträger mit Lattenstückchen umgeben.
-
-[Sidenote: Die Triebräder.]
-
-Die nächste Arbeit besteht in der Anfertigung der Triebräder, die
-in Abb. 27 mit _R_ bezeichnet sind. Man stellt sie aus Holz her und
-versieht sie am Rande mit einer Furche zur Aufnahme der Triebschnur.
-Die Achse dieser Triebräder muß durch entsprechende Löcher gehen, die
-in _T_ einzubohren sind, und soll nahe unter den untersten Scheibenrand
-zu liegen kommen. Um einen leichteren Gang zu erreichen, können
-wir die Lager dieser Achse _T_ mit Lagerröllchen ausstatten, deren
-Herstellung schon bei Abb. 16 beschrieben wurde. Zur Befestigung der
-Triebräder bohre man an den entsprechenden Stellen dünne Löcher in
-die Achse und treibe Drahtstifte hindurch, an welchen dann die Räder
-so befestigt werden, daß sie sich auf der Achse nicht mehr drehen
-können. Mit ebensolchen Drahtstiften ist die Achse selbst in ihren
-Lagern zu fixieren. Am einen Ende feilt man die Achse vierkantig und
-befestigt mit größter Vorsicht an ihr die Kurbel _k_, die mit einem
-entsprechenden Loche versehen sein muß.
-
-[Illustration: Abb. 27. Antrieb der Scheiben.]
-
-[Sidenote: Das Einsetzen der Scheiben.]
-
-Nun erfolgt das Einsetzen der Glasscheiben (Abb. 28). Die Scheiben
-werden hervorgeholt und man steckt die zu Anfang unserer Betrachtung
-erwähnten je 15 _cm_ langen Messingachsen _b_ von außen durch die
-Metallplatten _c_ und durch _h_ in die Achsenrohre _a_, nachdem man
-an entsprechenden Stellen die ebenfalls mit einer Furche versehenen
-Triebrollen _d_ auf ihnen befestigt hat. Die Achsen _b_ werden so weit
-nach innen geschoben, daß die beiden Glasscheiben _g_ in der Mitte
-sitzend nur noch durch das auf der einen aufgekittete Geldstück _f_
-voneinander getrennt sind; durch Verstellen der Platten _c_ muß man
-es dahin bringen, daß die Scheiben _g_ genau vertikal und zueinander
-vollkommen parallel stehen. Da wo sich die Achsenrohre auf den Achsen
-drehen, werden diese ~gleich~ etwas eingeölt.
-
-[Illustration: Abb. 28. Achsenlager der Scheiben.]
-
-[Illustration: Abb. 29. Stellung der Spitzenkämme.]
-
-[Illustration: Abb. 30. Durchschnitt des Spitzenkammträgers.]
-
-[Illustration: Abb. 31. Spitzenkammträger.]
-
-[Sidenote: Die Spitzenkämme.]
-
-Wir kommen nun zur Herstellung der Spitzenkämme. Ihre Größe im
-Verhältnis zu den Scheiben, sowie ihre Stellung zu denselben geht aus
-dem schematischen Grundriß der Abb. 29 hervor; dabei sind _c_, _c_ die
-Holzklötze, welche die schon erwähnten Spitzenkammträger krönen. Nun
-sind zuerst einmal alle Ecken und Kanten dieser Holzklötzchen völlig
-abzurunden; dann erhalten sie auf zwei einander gegenüberliegenden
-Seiten je eine Furche, die so weit und tief ist, daß sie die nachher
-für den Spitzenkamm zu verwendende Röhre genau zur Hälfte in sich
-aufnimmt; Abb. 30 ist ein Schnitt, Abb. 31 eine Ansicht dieses Teiles.
-Die Spitzenkämme selbst werden bei kleinen Maschinen aus mindestens
-5 _mm_, bei großen aus mindestens 10 _mm_ weiten Messingröhren
-hergestellt. Wir brauchen vier gleichlange Stücke, welche in Abb. 29
-mit _Sp_ bezeichnet sind. Ferner benötigen wir zwei etwa 3 _cm_ weite
-Messingrohre, wie wir solche schon zu dem in der Abb. 3 dargestellten
-Konduktor verwendet haben, ihre Länge soll etwa gleich dem Abstand der
-beiden Achsenträger _T_ sein. Jedes dieser Rohre erhält drei Bohrungen.
-Das erste Loch sei möglichst nahe dem einen Ende; die Mitte des zweiten
-Loches sei von der Mitte des ersten genau um die Dicke des Holzklotzes
-_c_ (4 _cm_) entfernt; das dritte Loch ist nahe dem anderen Ende. Diese
-Bohrungen sollen so weit sein, daß wir die Messingröhren _Sp_ und _b_
-gerade noch hindurchschieben können. Die Röhren _Sp_ erhalten da, wo
-sie an _c_ anliegen sollen, je eine Bohrung, durch welche sie mittels
-einer Holzschraube an _c_ festgeschraubt werden können. Statt hierbei
-Holzschrauben zu verwenden, können wir uns bei einem Mechaniker vier
-Messingkügelchen drehen und je mit einem Muttergewinde versehen lassen,
-ebenso zwei 3 _mm_ starke Messingstäbchen etwa 6 _cm_ lang, und an den
-Enden ebenfalls mit Gewinde versehen. Wir durchbohren nun nicht nur
-die Rohre _Sp_, sondern auch _c_, so daß wir die Messingstäbchen ganz
-hindurchstecken und durch beiderseitiges Aufschrauben der Kugelmuttern
-die Rohre _Sp_ an _c_ anklemmen können.
-
-Nun müssen wir die Spitzenreihen auflöten. Die Spitzen sollen etwa 1
-_mm_ Abstand von den Glasscheiben haben. Wir besorgen uns eine große
-Anzahl von Stecknadeln von passender Größe. Wir dürfen für eine 20
-_cm_ lange Spitzenreihe 80 bis 100 Nadeln rechnen. Die Rohre _Sp_
-werden auf einer Seite etwas flach gefeilt, die Nadeln werden einzeln
-mit Schmirgelpapier abgerieben und mit den Spitzen in entsprechenden
-Abständen in einen Pappstreifen gesteckt und mit ihren Kopfenden --
-die Köpfe selbst sind alle mit einer Drahtzange abgezwickt worden --
-auf die abgeflachte Seite des Rohres gelegt; durch Beschweren und
-Unterstützen werden beide Teile in dieser Lage festgehalten und mit
-Lötwasser bestrichen; unter Anwendung von ziemlich viel Lot werden die
-Nadeln aufgelötet. Nach dem Erkalten wird die ganze Lotstelle sorglich
-rund gefeilt. Sollte sich nachher herausstellen, daß einige Nadeln zu
-lang sind und die Glasscheiben berühren, so kann man sie durch Biegen
-nach oben oder unten auf ihren richtigen Abstand bringen. Ist dies
-alles geregelt, so können wir die Rohre _a_ über die noch frei über _c_
-hinausragenden Endstücke von _Sp_ schieben und anlöten. An die Enden
-selbst löten wir kleine Kugeln _k_. Die Enden der Rohre _a_ haben wir
-schon vorher, wie bei dem Konduktor in Abb. 3, mit Kugelhauben versehen.
-
-[Sidenote: Die Elektrodenstangen.]
-
-Nun wären noch die Elektrodenstangen anzubringen; ihre Form geht aus
-Abb. 29 hervor; sie werden aus dem gleichen Material gefertigt wie
-die Spitzenkämme und müssen sich in der für sie bestimmten Bohrung in
-_a_ hin und her schieben lassen. Die inneren Enden werden mit Kugeln
-versehen, die äußeren müssen isolierende Griffe erhalten. Diese können
-wir uns selbst in der Weise herstellen, daß wir die mit einer groben
-Feile aufgerauhten Enden mehrfach mit in Schellackfirnis getränktem
-Bindfaden umwickeln und nach dem Auftrocknen des Schellacks mit einer
-dicken Schicht roten Siegellacks überziehen.
-
-[Sidenote: Die Ausgleicher.]
-
-Abb. 26 zeigt nun noch die beiden Ausgleicher _A_, die wir aus zwei
-Kupferdrähten von 3 _mm_ Stärke herstellen; die Länge der Drähte darf
-etwas weniger als der Durchmesser der Scheiben betragen. Sie werden
-mit ihren Mitten an den Achsenträgern befestigt und erhalten an ihren
-Enden aus Metalldresse hergestellte Pinselchen, die auf den Scheiben,
-etwa 4 _cm_ vom Rande, leicht aufliegen sollen. Die Stellung der beiden
-Ausgleicher ist aus Abb. 26 zu ersehen: _A₂_ ist der vordere und bildet
-mit den Kämmen einen Winkel von 45°, _A₁_ befindet sich auf der anderen
-Seite der Scheiben und kreuzt _A₂_ unter einem rechten Winkel.
-
-[Illustration: Abb. 32. Stanniolbeläge an den Außenseiten der Scheiben.]
-
-[Sidenote: Aufkleben des Scheibenbelages.]
-
-Nun geht die Maschine ihrer Vollendung entgegen. Wir nehmen die
-Scheiben nochmals heraus und bestreichen alle Holzteile mit Schellack.
-Die Scheiben selbst versehen wir jetzt mit den Stanniolbelägen: Wir
-zeichnen auf einen Bogen Papier einen Kreis, dessen Durchmesser gleich
-dem Scheibendurchmesser ist. Dieser Kreis ist in Abb. 32 mit _a_
-bezeichnet; außerdem zeichnen wir mit einem 2 bis 2,5 _cm_ kleineren
-Radius einen zweiten (_b_) und mit einem je nach Scheibengröße 6 bis
-10 _cm_ kleineren Radius einen dritten konzentrischen Kreis (_c_). Den
-Umfang der Kreise _b_ und _c_ teilen wir dann in 16 bis 24 gleiche
-Teile und verbinden die Teilpunkte paarweise. Endlich zeichnen wir wie
-in Abb. 32 um diese Linien schraffierte Flächen auf, die etwa halb
-bis ein Drittel so breit sind als ihre Zwischenräume. Einen dieser
-Sektoren schneidet man heraus und fertigt sich nach seinem Muster die
-doppelte Anzahl (32 bis 48) Beläge aus starkem Stanniol. Man legt
-nun zunächst die eine, dann die andere Scheibe auf die Zeichnung und
-beklebt eine jede da, wo die schraffierten Flächen durchscheinen, mit
-Stanniolbelägen. Das Bekleben geschieht folgendermaßen: man bestreicht
-den Stanniolstreifen auf einer Seite mit einem Pinsel mit Spiritus,
-legt ihn mit der bestrichenen Seite auf die Glasplatte, gleich genau an
-seinen Platz, und streicht ihn dann mit dem Finger fest auf, ohne ihn
-aber dabei zu verschieben.
-
-[Illustration: Abb. 33. Auflegen der Treibschnüre.]
-
-[Sidenote: Die Treibschnüre.]
-
-Sind die Sektoren alle aufgeklebt, so kann die Maschine wieder
-zusammengesetzt werden, und es fehlen dann nur noch die Treibschnüre.
-Da sich die Scheiben in entgegengesetzter Richtung drehen müssen, so
-können wir dies nur dadurch erreichen, daß wir auf der einen Seite
-die Schnur direkt, auf der anderen sich kreuzend über Triebrad und
-Triebrolle führen. Abb. 33 veranschaulicht diese Anordnung.
-
-Pünktliche, saubere Arbeit ist die erste Bedingung für das Gelingen.
-Wer alle hier gegebenen Anweisungen genau befolgt, dem bleibt der
-Erfolg sicher nicht aus. Die Maschine selbst muß auch nach der
-Fertigstellung sehr sorglich behandelt werden. Vor allem muß sie bei
-Nichtgebrauch vor dem schädlichen Verstauben bewahrt bleiben, weshalb
-es sehr ratsam ist, eine Papierhülle herzustellen, wie dies schon
-bei der Reibungselektrisiermaschine (Seite 17) beschrieben wurde. --
-Läßt bei ein- bis zweijährigem Gebrauche die Wirkung der Maschine
-nach, so sind die Scheiben völlig von ihrem Überzug und ihren Belägen
-zu befreien und müssen von neuem hergerichtet werden, genau so, wie
-das erste Mal. -- Für den Besitzer einer Influenzelektrisiermaschine
-ist eine Reibungselektrisiermaschine überflüssig; diese hat nur den
-Vorzug, daß sie einfacher herzustellen ist; dagegen ist sie weniger
-leistungsfähig und erfordert viel mehr Arbeit, um aus ihr die benötigte
-geringe Menge von Elektrizität zu erhalten. Die Influenzmaschine kann
-für viele Versuche einen Funkeninduktor ersetzen.
-
-[Sidenote: Die letzten Vorbereitungen zum Vortrag.]
-
-Da unser Rudi alles, was er einmal anfing, auch pünktlich und gut
-ausführte und lieber etwas mehr Zeit aufwandte, als etwas schlecht
-zu machen, so war es über seinen Vorbereitungen Winter geworden. Die
-nötigen Apparate waren fertig, auch wäre es in seinem Dachkämmerchen
-jetzt zu kalt gewesen, um noch darin zu arbeiten. Es handelte sich
-nun noch darum, den Vortrag selbst auszuarbeiten und schließlich denn
-auch wirklich zu halten. Die Ausarbeitung des Vortrags machte unserem
-Rudi zwar mehr Mühe, als er sich anfangs vorgestellt hatte, doch wurde
-er verhältnismäßig bald damit fertig, und nun wurden die Zuhörer und
-Zuhörerinnen geladen auf einen Sonntagnachmittag 6 Uhr.
-
-Es galt zunächst, das größte Zimmer der Wohnung in ein Auditorium
-umzuwandeln. Zu diesem Zwecke wurde, von den schweren Möbeln abgesehen,
-alles aus dem Zimmer herausgeräumt; zwei Schritte von der einen
-kürzeren Wand entfernt wurde ein langer Tisch aufgestellt und vier
-Schritte davon begannen die Stuhlreihen. Auf dem Tisch hatte Rudi die
-Apparate so aufgestellt, wie er sie nacheinander in seinem Vortrag
-brauchte. Die Mitte des Tisches hatte er freigelassen. Außerdem versah
-er die einzelnen Lampen des Kronleuchters nach der Seite der Zuhörer
-mit Lampenschirmen, so daß der Experimentiertisch zwar hell beleuchtet,
-die Stuhlreihen aber im Schatten waren. Mit der Ausführung der
-einzelnen Experimente hatte Rudi bereits seine jüngere Schwester Käthe
-vertraut gemacht; sie sollte ihm während des Vortrags assistieren.
-
-[Sidenote: Der Vortrag.]
-
-Unter allerlei Vorkehrungen, die noch getroffen werden mußten, verging
-der Nachmittag, die geladenen Gäste begannen zu kommen, und als die
-letzte Tante eingetreten war und Platz genommen hatte, erschien Rudi,
-gefolgt von seiner Schwester, die sich auf der einen Seite auf einen
-Stuhl setzen mußte, stellte sich hinter seinen Tisch, schlug bedächtig
-sein Vortragskonzept auf, ließ einen forschenden Blick über die Zuhörer
-schweifen und begann also zu sprechen:
-
-„Meine Herren und Damen! Zuerst meinen besten Dank für Ihr zahlreiches
-Erscheinen. Ich hoffe, daß es mir gelingt, Ihnen heute einige
-interessante und lehrreiche Experimente vorzuführen, Experimente aus
-dem Gebiet der Reibungs- und Influenzelektrizität.“
-
-[Sidenote: Die geriebene Siegellackstange.]
-
-„Das Wort Elektrizität stammt von dem griechischen Worte Elektron,
-das Bernstein bedeutet. Es war schon den alten Griechen bekannt,
-daß Bernstein, wenn er gerieben wird, die Fähigkeit erlangt, kleine
-leichte Gegenstände anzuziehen. Wie Sie alle wissen, ist Bernstein
-ein Harz, und wir können daher dieses bekannte Experiment mit jeder
-Siegellackstange wiederholen (Käthe war aufgestanden, rieb nun die
-bereitgelegte Siegellackstange mit einem wollenen Lappen und führte
-das Experiment aus), wie Sie hier sehen. Es gibt nun noch eine ganze
-Reihe von Körpern, die durch Reibung diese Fähigkeit erlangen, die,
-wie wir uns ausdrücken, elektrisch werden. So werden wohl manche von
-Ihnen schon die Beobachtung gemacht haben, daß beim Kämmen der Haare
-mit einem Kautschukkamme dieser elektrisch wird und die Haare anzieht;
-oft hört man dabei ein Knistern, und im Dunkeln sieht man kleine
-Fünkchen überspringen. Hier wird ein Stab aus Hartgummi gerieben, er
-zeigt die gleiche Fähigkeit, ebenso dieser Glasstab. Wer eben den
-Vorgang genau beobachtet hat, konnte sehen, daß einige der angezogenen
-Papierschnitzel, kaum daß sie an dem Glasstab hingen, gleich wieder
-weggeschleudert wurden. Woher mag das kommen?“
-
-[Sidenote: Anziehung und Abstossung.]
-
-[Sidenote: Leiter und Nichtleiter.]
-
-[Sidenote: Die verschiedenen Elektrizitäten.]
-
-[Sidenote: Erklärungen über die elektrischen Erscheinungen.]
-
-„Ich habe hier an diesen beiden Gestellen je ein Holundermarkkügelchen
-an einem Faden aufgehängt. Ich reibe diesen Hartgummistab mit einem
-Katzenfell, und Sie sehen, wenn ich ihn hier in die Nähe bringe,
-so wird das Holundermarkkügelchen sehr rasch angezogen, doch kaum
-hängt es am Stab, so wird es heftig abgestoßen und weicht nunmehr
-ständig dem Stab aus. Ich will nun das gleiche Experiment mit
-diesem zweiten Holundermarkkügelchen anstellen: es wird ebenfalls
-angezogen, doch springt dieses nicht ab; es bleibt vielmehr fest
-hängen; ich reiße es los, es wird wieder angezogen. Was mag nun den
-Unterschied in diesen beiden Erscheinungen hervorrufen? Dies erste
-Kügelchen wird immer noch abgestoßen, das zweite angezogen. Wenn Sie
-genauer zusehen, so bemerken Sie, daß das erste Kügelchen hier an
-einem seidenen, das zweite an einem leinenen Faden aufgehängt ist.
-Es muß also zwischen Seide und Leinen ein ganz besonderer mit der
-Elektrizität zusammenhängender Unterschied bestehen. Sehen wir zu,
-daß wir noch mehr Stoffe nach dieser Art voneinander unterscheiden
-können. Ich will einmal das Kügelchen mit den Fingern berühren; nun
-wird es von dem frischgeriebenen Hartgummistab wieder angezogen, doch
-alsbald wieder abgestoßen. Berühre ich es mit diesem Glasstab, der
-nun nicht mehr elektrisch ist (Käthe hatte ihn unterdessen, um ihn zu
-entelektrisieren, mehrmals durch eine zu diesem Zwecke aufgestellte
-Weingeistflamme gezogen), so verliert es seine Eigenschaft, von dem
-Hartgummistab abgestoßen zu werden, nicht; berühre ich es dagegen
-mit dieser Messingröhre, so fällt es wieder in seinen ursprünglichen
-Zustand zurück und wird wieder erst von dem Ebonitstab angezogen. Ich
-wiederhole nun dieses Experiment mit Gummi, Eisen, Holz, Schwefel,
-Seide, Leinen, Porzellan, Kupfer. Diejenigen Stoffe, bei deren
-Berührung das Holundermarkkügelchen seinen Zustand nicht ändert, will
-ich hier (rechts), die anderen hier (links) hinlegen. (Er führte die
-Versuche aus.) Sie sehen nun, hier (rechts) liegt der Gummischlauch,
-diese Schwefelstange, das Seidentuch und der Porzellanteller, hier auf
-dieser Seite (links) ist es dies Messer, der Holzstab, das Leinentuch
-und der Kupferdraht. Wir können also hier die verschiedenen Stoffe
-in zwei Gruppen trennen: in solche, die den elektrischen Zustand des
-Holundermarkkügelchens ableiten, und in solche, die ohne Einfluß auf
-ihn sind. Die Stoffe, die diesen elektrischen Zustand abzuleiten
-vermögen, nennen wir kurz Leiter, die anderen nennen wir Nichtleiter
-oder Isolatoren. Es wären also Glas, Siegellack, Seide, Porzellan,
-Gummi, Schwefel Nichtleiter oder Isolatoren, dagegen Leinen, der
-menschliche Körper, Holz, die verschiedenen Metalle Leiter der
-Elektrizität zu nennen. Daraus erklärt sich nun auch, warum sich
-das Holundermarkkügelchen am Leinenfaden anders verhält wie das am
-Seidenfaden. (Kaum hatte Rudi das letzte Experiment beendet, als seine
-kleine Assistentin das Holundermarkkügelchen mit dem ~Leinenfaden~
-entfernte und dafür ein solches an einem ~Seidenfaden~ an dem Gestell
-aufhängte.) Ich habe nun hier zwei Holundermarkkügelchen, beide an
-Seidenfäden, also isoliert aufgehängt. Ich will nun jedes einzeln mit
-diesem geriebenen Glasstab berühren; Sie sehen das gleiche Schauspiel
-wie vorhin, und nun werden beide von dem Glasstab abgestoßen; ich
-rücke nun die beiden Gestelle zusammen, so daß unter normalen
-Verhältnissen die Kügelchen einander berühren müßten, aber sie stoßen
-nun einander ab; ich berühre sie mit der Hand, und jetzt hängen sie
-ganz friedlich dicht nebeneinander. Jetzt will ich das eine wieder
-mit dem geriebenen Glasstab berühren (nachdem er die Gestelle wieder
-auseinandergerückt hatte), das andere aber mit diesem Ebonitstab
-und nun die Gestelle vorsichtig wieder einander nähern: Sie sehen,
-die Kügelchen ziehen einander an, jetzt sind sie beisammen und nun
-fallen sie wieder auseinander und reagieren auch aus allernächster
-Nähe nicht aufeinander. Es muß also zwischen der Elektrizität des
-Glases und des Ebonits ein Unterschied bestehen. Ich will nun einmal
-den gleichen Versuch mit Ebonit und Siegellack machen. (Das Reiben
-der Stäbe besorgte stets Käthe mit großem Eifer.) Nun verhalten sich
-die Kügelchen so wie vorhin, als ich beide mit dem Glasstab berührte;
-also ist zwischen der Elektrizität des Siegellacks und des Ebonits
-kein Unterschied. Ferner ersehen wir aus diesen Versuchen, daß, wenn
-beide Kügelchen mit der gleichen Elektrizität ‚geladen‘ sind -- um
-diesen Ausdruck jetzt schon zu gebrauchen -- sie einander abstoßen,
-dagegen anziehen, wenn sie verschiedene Elektrizitäten tragen. Sie
-sehen daraus, meine Herren und Damen, daß das Sprichwort: ‚Gleich
-und gleich gesellt sich gern‘ hier nicht gilt. Über die eigentliche
-Natur der elektrischen Erscheinungen war man lange Zeit nicht ins
-klare gekommen. Hypothesen kamen und gingen, und früher wurde ein
-heftiger und leidenschaftlicher Kampf um die einzelnen Erklärungen
-geführt. Es ist heute nicht meine Aufgabe, Ihnen die geschichtliche
-Entwicklung darzutun, ich will nur versuchen, Ihnen ein Bild, oder
-richtiger gesagt: Bilder der Vorgänge zu entwerfen, Bilder, die
-Ihnen verständlich sein können und die sich an die Tatsachen so nahe
-anlehnen, daß sie für Sie als Erklärungen der Erscheinungen gelten
-können.“
-
-[Illustration: Abb. 34. Vorgang der Anziehung und Abstoßung.]
-
-„Man weiß heute, daß die elektrischen Erscheinungen eng verknüpft
-sind mit den magnetischen, daß sie als Zustände des hypothetischen
-Aethers aufzufassen und qualitativ mit Licht und Wärme identisch
-sind. So kam es auch, daß die Erkenntnis der elektrischen Vorgänge
-fast alle bis dahin noch vorhandenen Rätsel der Lichterscheinungen
-gelöst hat. Wird ein Körper gerieben, so werden durch diese Reibung
-die den Molekülen beigeordneten, die elektrischen Werte tragenden
-sogenannten ~Elektronen~, die vorher willkürlich durcheinander lagen,
-in eine bestimmte Ordnung und Stellung zueinander gebracht; dadurch
-wird nicht nur der geriebene, sondern auch der reibende Körper in
-den eigentümlichen elektrischen Zustand versetzt. Daß auch der
-reibende Körper elektrisch wird, sehen Sie hier: Ich fasse diesen
-amalgamierten Lederlappen, um ihn von meiner Hand zu isolieren, mit
-dem Seidentuche an und reibe damit den Glasstab, mit welchem ich das
-eine Holundermarkkügelchen berühre; mit diesem Reibzeug berühre ich
-das andere Holundermarkkügelchen, und nun sehen Sie, daß die beiden
-einander anziehen, also entgegengesetzt oder, wie man zusagen pflegt,
-ungleichnamig geladen sind. Man kann sich die Elektrizitäten als zwei
-verschiedene Stoffe denken, die alle Körper erfüllen und die für
-gewöhnlich nicht zur Geltung kommen, da, wenn von beiden gleichviel
-vorhanden ist, sie einander binden. Durch Reibung aber werden beide
-getrennt; der eine bleibt auf dem reibenden, der andere auf dem
-geriebenen Körper. Diejenige Elektrizität, die der Glasstab beim Reiben
-annimmt, bezeichnen wir mit diesem Zeichen (hier machte Rudi auf eine
-an der Türe hinter seinem Tisch angebrachte Tafel mit Kreide ein
-+-Zeichen) und nennen sie positive Elektrizität; die andere, welche der
-Siegellack- oder Hartgummistab annimmt, wird mit diesem Zeichen (−)
-versehen und heißt negative Elektrizität. Den Vorgang der Anziehung
-und Abstoßung soll Ihnen diese Zeichnung hier veranschaulichen (Käthe
-hielt einen großen, mit weißem Papier überzogenen Pappendeckel
-in die Höhe, auf welchen Rudi die obenstehende Abb. 34 in großem
-Maßstabe aufgezeichnet hatte.) Sie sehen hier, dies stellt eine
-Holundermarkkugel dar; die positiven und negativen Elektrizitäten
-sind regellos verteilt. Bringe ich nun diesen positiv elektrischen
-Glasstab in die Nähe, so werden die negativen Elektrizitätsteilchen
-der Kugel auf die dem Stab zugekehrte, die positiven dagegen auf
-die entgegengesetzte Seite wandern; da nun die ungleichnamigen
-Elektrizitäten einander näher sind als die gleichnamigen, so wird die
-Holundermarkkugel angezogen. Doch da nun bei der Berührung ein Teil
-der positiven Elektrizität vom Glasstab auf die Kugel, von dieser aber
-ein Teil der negativen Elektrizität auf den Glasstab übergeht, so wird
-auf der Kugel bald ein Überschuß von positiver Elektrizität sein,
-und deshalb wird nun das Kügelchen abgestoßen. Anders verhält sich
-die Sache, wenn ich das Holundermarkkügelchen an einem ~Leinenfaden~
-aufhänge, es also in leitende Verbindung mit der Erde bringe: dann
-flieht die abgestoßene Elektrizität nicht nur auf die andere Seite des
-Kügelchens, sondern nimmt ihren Weg durch den leitenden Faden hindurch
-bis in die Erde, und es bleibt nur die angezogene Elektrizität zurück;
-deshalb wird auch das am Leinenfaden aufgehängte Kügelchen nicht
-abgestoßen, wie das am Seidenfaden befestigte.“
-
-[Illustration: Abb. 35. Darstellung der Verteilung der Elektrizitäten.]
-
-[Sidenote: Elektrische Verteilung.]
-
-„Um diese Vorgänge gewissermaßen dem Auge sichtbar zu machen, dient
-dieser einfache Apparat hier: ein auf einer isolierten Glassäule
-ruhendes und mit Kugelenden versehenes Messingrohr; hier nahe den
-beiden Enden habe ich je zwei Holunderkügelchen an ~leinenen~ Fäden
-aufgehängt. Bringe ich nun diesen stark geriebenen Ebonitstab in die
-Nähe des einen Endes dieses Konduktors, so sehen Sie, daß die Kügelchen
-beider Paare einander abstoßen. Die Erklärung dieser Erscheinung
-gibt Ihnen diese Tafel hier (Käthe nahm die zweite Tafel hoch, auf
-der das in Abb. 35 dargestellte Schema zu sehen war): Dieser negativ
-geladene Ebonitstab zieht die positiven Elektrizitätsteilchen auf die
-ihm zugekehrte Seite des Konduktors und treibt alle anderen nach dem
-entgegengesetzten Ende; daher werden die beiden Kügelchen eines jeden
-Paares gleichnamig geladen und stoßen einander deshalb ab. Entferne ich
-nun den Stab wieder, so sinken sie zusammen.
-
-Ich kann die Verteilung der Elektrizitäten auch noch anders nachweisen.
-Ich entferne zu diesem Zwecke die Kügelchen. Hier habe ich an einem
-Seidenfaden eine kleine Messingkugel aufgehängt; bringe ich sie
-mit einem elektrisch geladenen Körper in Berührung, so nimmt sie
-dessen Elektrizität an, wie vorhin jenes Holundermarkkügelchen. Ich
-will nun an diesem Gestell hier das elektrische Pendel, wie man die
-Einrichtung auch nennt, mit positiver Elektrizität laden, indem ich
-es mit dem geriebenen Glasstabe berühre. Bringe ich nun wieder wie
-vorhin den Ebonitstab in die Nähe des Konduktors und berühre mit diesem
-Messingkügelchen, das durch den Seidenfaden von meiner Hand isoliert
-ist, das dem Ebonitstab zugewandte Ende dieses Leiters, so muß es
-dessen Elektrizität annehmen; welcher Natur diese ist, können wir an
-dem elektrischen Pendel sehen; es ist positiv geladen und wird von
-dem Messingkügelchen abgestoßen, also enthält letzteres auch positive
-Elektrizität, welche ich ihm durch Berühren mit der Hand entziehe. Ich
-mache nun den gleichen Versuch, berühre das dem Ebonitstab abgewandte
-Ende des Konduktors, und Sie sehen, daß das Holundermarkpendel von dem
-Messingkügelchen angezogen wird. Wir haben also wirklich auf diesem
-Konduktor die beiden Elektrizitäten getrennt.
-
-Ich bringe nun an dem Konduktor die beiden elektrischen Pendel wieder
-an. Wenn ich den Ebonitstab in die Nähe bringe, so divergieren sie,
-wenn ich ihn entferne, so fallen sie wieder zusammen. Wenn ich aber
-diesen Konduktor, während der Hartgummistab in der Nähe ist, einen
-Augenblick mit dem Finger berühre und dann den Stab entferne, so
-divergieren nun beide Pendel, obgleich ich den elektrischen Stab
-weit entfernt halte. Die Erklärung des Vorganges ist sehr einfach:
-Berühre ich den Konduktor, dessen Elektrizitäten durch die Nähe
-des elektrischen Stabes verteilt sind, mit der Hand, so wird die
-abgestoßene negative Elektrizität zur Erde abgeleitet, während seine
-positive, durch die negative des Ebonits gebunden, allein zurückbleibt;
-entferne ich nun zuerst die Hand, dann den Stab, so bleibt der Rest
-positiver Elektrizität auf dem ganzen Leiter verteilt zurück, wie die
-Pendel zeigen; daß nun an beiden Enden wirklich gleiche Elektrizitäten
-sind, können wir wieder mit dem Messingkügelchen nachweisen (hier
-führte Rudi den oben genannten Versuch nochmals aus). Dadurch sind
-wir also in stand gesetzt, einem isolierten Körper eine elektrische
-Ladung zu geben. Man sagt, z. B., dieser Messingkonduktor sei positiv
-geladen. Bringe ich in die Nähe eines solchen geladenen Körpers einen
-ungeladenen, mit der Erde in leitender Verbindung stehenden, z. B.
-meinen Finger, so sehen Sie, daß ein kleiner Funke überspringt. (Damit
-dieser Funke besser gesehen werde, beschattete Käthe mit einem großen
-schwarzen Karton den Konduktor und die Hand ihres Bruders.) Was ist
-nun dieser Funken, woher kommt er und wann tritt er auf? Die positive
-Elektrizität des Konduktors zieht die negative Elektrizität meines
-Körpers an; es sammelt sich also in meiner Fingerspitze eine gewisse
-Menge negativer Elektrizität an; je mehr ich den Finger dem Konduktor
-nähere, desto stärker naturgemäß wirken die beiden Elektrizitäten
-aufeinander und schließlich so stark, daß sie den Widerstand, den der
-Luftzwischenraum ihnen entgegensetzt, überwinden und sich durch die
-Luft hindurch vereinigen.
-
-[Sidenote: Das Elektroskop.]
-
-Hier habe ich nun noch einen einfachen Apparat, der dazu dient,
-geringere Mengen von Elektrizität nachzuweisen: Er besteht aus einer
-Glasflasche, durch deren Kork ein Messingstäbchen geht, das hier unten
-zwei Plättchen aus ganz dünnem Metall trägt. Bringe ich in die Nähe
-dieser Kugel einen elektrischen Körper, so tritt, wie vorhin bei dem
-Konduktor, elektrische Verteilung ein, weshalb die beiden Plättchen, da
-sie gleichnamig geladen sind, divergieren.
-
-[Sidenote: Das Elektrophor.]
-
-Die Tatsachen der elektrischen Verteilung hat man benutzt, um einen
-einfachen Apparat zur Erzeugung von Elektrizität zu konstruieren. Es
-ist das Elektrophor. Sie sehen hier eine Scheibe aus Schellack; ich
-lege sie auf ein Blatt Stanniol und reibe sie mit einem Fuchsschwanz
-ab, wodurch sie elektrisch wird. Lege ich nun einen Metalldeckel hier
-darauf, so wird in ihm die Elektrizität so verteilt, daß die positive
-auf der Unterseite, von der negativen des Kuchens gebunden, die
-negative auf der Oberseite sich befindet; berühre ich den Deckel mit
-der Hand, so leite ich dadurch die abgestoßene negative Elektrizität
-ab und es bleibt nur noch positive zurück. Hebe ich die Metallscheibe
-jetzt an dem isolierenden Glasgriff empor, so kann ich ihr, wie vorhin
-bei dem Konduktor, mit dem Finger einen Funken entlocken.
-
-[Sidenote: Oberflächenverteilung und Spitzenwirkung.]
-
-Aus all diesen Experimenten geht also, um dies nochmals zu betonen,
-deutlich hervor, daß die gleichnamigen Elektrizitäten einander
-abstoßen, sich so weit voneinander entfernen, als sie nur können, und
-daß die ungleichnamigen einander anziehen und binden. Wenn wir dies
-bedenken, dann müssen wir zur Annahme kommen, daß z. B. bei einer
-elektrisch geladenen Kugel sich die größte Menge der Elektrizität auf
-der Oberfläche ansammeln muß, da ja die einzelnen elektrischen Teilchen
-einander fliehen, soweit sie nur können; oder daß bei einem mit Ecken
-und Spitzen versehenen Körper sich die Elektrizität besonders in diesen
-anhäuft. Dies ist auch in der Tat der Fall, wie wir mit dieser Kugel
-beweisen können: Ich will sie einmal mittels des Elektrophors mit
-positiver Elektrizität laden und ebenso dieses Holundermarkkügelchen.
-Sie sehen, das Holundermark wird abgestoßen; nun umgebe ich die Kugel
-mit diesen beiden Halbkugeln (Abb. 4), entferne sie wieder, und Sie
-sehen, diese stoßen das Holundermarkkügelchen ab, während nun die Kugel
-unelektrisch geworden ist.
-
-[Sidenote: Das elektrische Flugrad.]
-
-Daß sich die Elektrizität besonders stark in Spitzen anhäuft und
-infolge davon auch leicht aus diesen in die Luft ausströmt, beweist
-das sogenannte elektrische Flugrad. Ich habe hier ein Rädchen mit
-umgebogenen Spitzen; ich setze es auf eine Nadel, welche ich durch
-ein Kettchen mit dieser Maschine, die ich nachher noch erklären
-werde, verbinde; durch die Drehung der Scheibe dieser Maschine wird
-Elektrizität erzeugt, die sich nun in den Nadelspitzen ansammelt,
-und schließlich so stark aus ihnen ausstrahlt, daß sich infolge des
-Rückstoßes das Rädchen dreht. Nehme ich das Rädchen ab, halte diese
-einzelne Nadelspitze gegen die Flamme der Kerze hier und lasse die
-Maschine drehen, so sieht es aus, als ob von dieser Spitze ein Wind
-ausginge; dies ist auch in der Tat der Fall, und die Erscheinung rührt
-daher, daß infolge der starken Ansammlung der Elektrizität in der
-Spitze die benachbarten Luftteilchen ebenfalls elektrisch werden, und
-da sie nun die gleiche Elektrizität enthalten wie die Spitze, so werden
-sie von dieser abgestoßen, was dann die Winderscheinung, elektrischer
-Wind genannt, verursacht.
-
-[Sidenote: Kondensatoren.]
-
-Aus den eben vorgeführten Experimenten ist ersichtlich, daß es nicht
-gerade so ganz einfach sein wird, auf einem Leiter eine größere Menge
-von Elektrizität anzusammeln; denn sobald sie eine gewisse Dichte
-erreicht hat, so fängt sie an, einfach in die Luft auszuströmen.
-Um dies zu verhindern, hat man, ich möchte sagen, eine kleine List
-angewendet:
-
-[Sidenote: Franklinsche Tafel.]
-
-Ich habe hier eine Glastafel, auf beiden Seiten mit Stanniol überzogen;
-lade ich mit dem Elektrophor die eine Seite mit positiver Elektrizität,
-so wirkt diese verteilend auf die Elektrizitäten des anderen Belages:
-die negative wird angezogen, die positive abgestoßen. Berühre ich
-nun diesen Belag mit dem Finger, so leite ich die freie, abgestoßene
-Elektrizität fort; nun ist hier nur noch negative und auf der anderen
-Seite positive Elektrizität; da beide einander anziehen und sich
-deshalb binden, so kann ich nun noch mehr positive Elektrizität
-zuführen. Der gleiche Vorgang wird sich wiederholen, und ich kann ein
-drittes Mal laden u. s. f. bis zu einer gewissen Grenze, die wir später
-kennen lernen werden. Erwähnt sei noch, daß es nicht einerlei ist,
-welcher Stoff sich zwischen den beiden Leitern befindet. Stelle ich
-zwei Metallplatten, die den Stanniolblättern dieser Tafel entsprächen,
-mit geringem Abstand einander gegenüber, so daß nur Luft dazwischen
-ist, so kann ich keine so starke Ladung erzeugen, als wenn ich z. B.
-eine isolierende Flüssigkeit (Petroleum) oder einen festen Körper
-dazwischen bringe. Die ~Kapazität~, d. i. Aufnahmefähigkeit für
-Elektrizitätsmengen, ist also nicht nur von der Größe des Leiters,
-sondern auch von der Natur der isolierenden Substanz abhängig. Man
-hat nun bestimmt, wievielmal größer die Kapazität der gleichen
-Metallplatten bei gleichem Abstand wird, wenn man statt Luft andere
-Isolatoren verwendet; die Zahlen, die sich dabei für die verschiedenen
-Stoffe ergeben haben, nennt man deren ~Dielektrizitätskonstanten~
-bezogen auf Luft = 1. Wir werden nachher eine Methode kennen lernen,
-die uns erlaubt, die Kapazität eines Kondensators zu messen. Habe ich
-zwei Metallplatten, die auf Glasfüßen isoliert nur 5 _mm_ voneinander
-entfernt stehen, so kann ich, sofern nur Luft zwischen den Platten ist,
-auf der einen Platte, während die andere zur Erde abgeleitet ist, eine
-gewisse Elektrizitätsmenge aufladen; bringe ich z. B. Glas dazwischen,
-so kann mehr Elektrizität in die Platte dringen. Ich führe den Versuch
-nicht aus, weil er mich zu lange aufhielte.
-
-[Sidenote: Leidener Flasche.]
-
-Nichts anderes als eine veränderte Form dieser Tafel, die auch die
-Franklinsche Tafel genannt wird, ist die Kleistsche oder Leidener
-Flasche. Sie sehen eine solche hier. Will ich sie laden, so stelle
-ich sie so auf, daß der äußere Stanniolbelag in leitender Verbindung
-mit der Erde steht, damit die freie Elektrizität abströmen kann. Ich
-kann die Leidener Flasche dadurch laden, daß ich möglichst oft aus
-dem geladenen Elektrophorteller ein Fünkchen in den Messingknopf der
-Flasche, der durch diese Stange mit dem inneren Belag in Berührung
-steht, überspringen lasse. (Während Rudi so sprach, führte Käthe den
-Versuch aus.) Nachdem nun etwa fünfzig kleine Fünkchen in die Flasche
-übergegangen sind, will ich das Laden unterbrechen und den gebogenen
-Draht, den ich an diesem isolierenden Griffe anfasse, mit dem einen
-Ende an den äußeren Belag anlegen und das andere der Kugel nähern
-(ein heller klatschender Funke sprang über). Nun haben die beiden
-Elektrizitäten, die sich durch das Laden auf den Belägen angesammelt
-haben, durch den mittels des Entladers verkürzten Luftzwischenraum
-hindurch einander ausgeglichen, wodurch die Flasche unelektrisch, das
-heißt entladen worden ist.
-
-[Illustration: Abb. 36. Messen der Kapazität.]
-
-[Sidenote: Die Massflasche.]
-
-Die Mengen der Elektrizität, die sich in einer solchen Flasche
-ansammeln lassen, sind nicht unbegrenzt, sondern hängen von der Größe
-der Stanniolbeläge und von dem Dielektrikum ab; je mehr Elektrizität
-ein Kondensator, wie solche Sammelvorrichtungen auch genannt werden, zu
-fassen vermag, desto größer ist seine Kapazität, und wir können diese
-Kapazität eines Kondensators messen, indem wir die eines anderen als
-Maß benutzen. Einen solchen Maßstab sehen Sie hier; er ist im Grunde
-nichts anderes, als eine gewöhnliche Leidener Flasche. Ich kann z. B.
-messen, wievielmal so groß die Kapazität dieser großen Flasche ist als
-die einer kleineren. Ich stelle den Kondensator, dessen Kapazität ich
-messen will, ~isoliert~ auf. (Käthe, welche unterdessen die Apparate
-zusammengestellt und verbunden hatte, verwendete zur isolierenden
-Aufstellung der großen Flasche den Elektrophorkuchen, den sie noch
-mit einem vierfach zusammengelegten Seidentuche bedeckte. Dann
-stellte sie den Karton mit dem in Abb. 36 dargestellten Schema auf.)
-Ich verbinde den äußeren Belag der zu messenden mit dem inneren der
-messenden Flasche und den inneren der ersteren mit dem Konduktor der
-Elektrisiermaschine. Setze ich nun diese in Bewegung, so wird die große
-Flasche geladen; die dabei frei werdende Elektrizität auf dem äußeren
-Belag der großen Flasche wird hier aber nicht zur Erde abgeleitet,
-sondern dazu benutzt, die Maßflasche zu laden. Stelle ich nun diese
-beiden Kugeln (_a_ _a_ in Abb. 36) auf einen bestimmten Abstand, so
-wird sich die Maßflasche, sobald sie eine gewisse Ladung erhalten hat,
-durch den geringen Zwischenraum hindurch entladen, um gleich wieder
-von der immer noch frei werdenden Elektrizität des äußeren Belages neu
-geladen zu werden, bis ein zweiter Funke überspringt. Dieser Vorgang
-wiederholt sich so lange, bis auf der großen Flasche keine freie
-Elektrizität mehr auftritt, das heißt bis sie ganz geladen ist. Ich
-lasse nun die Maschine in Bewegung setzen und zähle die überspringenden
-Funken: eins -- zwei -- drei -- vier -- fünf -- sechs -- -- nun kommt
-keiner mehr. Die hier frei werdende Elektrizität hat also ausgereicht,
-die kleine Flasche sechsmal zu laden. Ich will nun statt dieser
-eine größere Flasche benutzen. (Rudi schaltete jetzt seine größte
-Leidener Flasche ein und wiederholte den Versuch, wobei zwölf Funken
-übersprangen.) Hier sind nun zwölf Funken übergesprungen, also gerade
-nochmal so viel wie bei der kleineren Flasche; die Kapazität dieser ist
-also nur halb so groß, als die der großen. Der besprochene Apparat wird
-nach seinem Erfinder die Lanesche Maßflasche genannt.
-
-[Sidenote: Die Reibungselektrisiermaschine.]
-
-Ich will nun noch die Maschine, die ich heute schon mehrmals gebraucht
-habe, und ihre Wirkungsweise erklären. Sie erinnern sich ja noch, daß
-der Glasstab, mit dem amalgamierten Lederlappen gerieben, elektrisch
-wurde. Hier bei dieser Maschine wird eine Glasscheibe dadurch,
-daß man sie zwischen zwei anliegenden, amalgamierten Lederkissen
-dreht, elektrisch; unweit des Reibzeuges ist die Scheibe von zwei
-mit vielen Spitzen versehenen Brettchen umfaßt; die Spitzen, die
-aus Stecknadeln hergestellt sind, stehen in metallischer Verbindung
-mit der Messingkugel. Erinnern Sie sich nun an die Erscheinungen
-der elektrischen Verteilung, so werden Sie leicht einsehen, daß von
-der positiv geladenen Glasscheibe die positive Elektrizität in die
-Kugel abgestoßen, die negative aber in die Spitzen angezogen wird.
-Die Folge davon ist, daß die negative Elektrizität, von den Spitzen
-auf die Glasscheibe ausströmend, diese unelektrisch macht, auf dem
-Konduktor dagegen sich freie positive Elektrizität zeigt. Aber nicht
-nur dies tritt ein, sondern man kann geradezu sagen, daß die positiven
-Elektrizitätsteilchen der Glasscheibe, da sie einander gegenseitig
-abstoßen, einander selbst in die Spitzen hineinjagen, oder, wie man
-sich fälschlicherweise auszudrücken pflegt, von diesen ausgesaugt
-werden; daher auch der Name Saugspitzen.
-
-[Sidenote: Die Influenzelektrisiermaschine.]
-
-Eine zweite Maschine, die ebenfalls zur Erzeugung von Elektrizität
-dient, sehen Sie hier vor sich; es ist die sogenannte Wimshurstsche
-Maschine. Sie ist auf dem Prinzip der Influenz -- daher auch
-Influenzelektrisiermaschine genannt -- konstruiert. Elektrische
-Influenz ist im allgemeinen nicht verschieden von der schon eingehend
-besprochenen elektrischen Verteilung. Hier sind zwei Ebonitscheiben,
-die in entgegengesetzter Richtung gedreht werden; diese aufgeklebten
-Stanniolsektoren wirken gegenseitig etwa so, wie bei den Versuchen
-über elektrische Verteilung der Hartgummistab und der Konduktor. Die
-Ableitung der freien Elektrizität, die dort durch Berühren mit der Hand
-hergestellt wurde, besorgen hier die Ausgleicher; nur werden dabei die
-freien Elektrizitäten der Sektoren, die jeweils von diesen Pinselchen
-berührt werden, nicht zur Erde abgeleitet, sondern sie gleichen
-einander aus; daher der Name Ausgleicher. Durch diese Wechselwirkungen
-wird erreicht, daß die Stanniolsektoren der beiden Glasscheiben
-gerade dann ~gleiche~ Ladung haben, wenn sie einander zwischen den
-Spitzenkämmen gegenüberstehen. Da jedoch die beiden Elektrizitäten
-einander abstoßen, so treiben sie einander in die Spitzen, und durch
-die Elektrodenstangen, die zu Anfang zusammenstoßen müssen, findet ein
-Ausgleich der beiden Elektrizitäten statt. Entferne ich nun die Kugeln
-etwas voneinander, so geht ein kontinuierlicher Funkenstrom über.
-
-[Illustration: Abb. 37. Darstellung des Ausgleiches der Elektrizitäten.]
-
-[Sidenote: Ausgleich der verschiedenen Elektrizitäten.]
-
-Über den Ausgleich der Elektrizitäten will ich nun noch einiges
-erwähnen. Sie haben solche Ausgleiche bei dem Funken des
-Elektrophortellers und bei der Entladung einer Leidener Flasche schon
-gesehen. Wir haben oben gesagt, daß die Elektrizität als ein Zustand
-des Äthers aufzufassen ist, ein Zustand, der von bestimmten Punkten
-eben jener oben schon erwähnten Elektronen ausgeht und sich mit diesen
-im Raum bewegen kann. Wir haben bisher hauptsächlich Erscheinungen der
-ruhenden Elektronen betrachtet; in dem Ausgleich der verschiedenen
-Elektrizitäten erkennen wir aber bewegte Elektronen. Wie man sich
-nun den Vorgang eines derartigen Ausgleiches vorstellen kann, möge
-Ihnen aus folgender Analogie erhellen: Sie erblicken hier auf dieser
-Tafel (Rudis Schwester erhob den Karton, dessen Zeichnung in Abb. 37
-dargestellt ist) zwei Behälter, deren einer mit Wasser gefüllt ist;
-hier unten ist ein Hahn, den wir uns vorerst geschlossen denken wollen.
-Der gefüllte Behälter stellt einen positiv geladenen Leiter dar, der
-leere einen solchen mit negativer Ladung; der ~geschlossene~ Hahn kommt
-der isolierenden Substanz gleich, die die beiden Leiter noch trennt.
-Öffne ich nun den Hahn, so fließt ein Teil des Wassers in den anderen
-Behälter, bis es in beiden gleich hoch steht. Die analoge Erscheinung
-bei entgegengesetzt elektrisch geladenen Körpern tritt ein, wenn wir
-sie mit einem Draht verbinden, oder so nahe zusammenrücken, daß ein
-Funke überspringt. Dabei ist aber eines noch zu beachten: bei dem
-Beispiel mit den Wasserbehältern scheint der Ausgleich nur in der einen
-Richtung und zwar in der des fließenden Wassers zu geschehen; wir
-müssen uns deshalb die ursprüngliche ~Leere~ des Behälters _A_ auch als
-ein bewegliches Medium vorstellen, das beim Öffnen des Hahns in _B_
-hinüberfließt, also entgegen dem Wasserstrom. Ich will einmal annehmen,
-_B_ sei mit zwei Raummengen Wasser, die hier mit zwei Pluszeichen
-angegeben sind, gefüllt; diesen entsprechen zwei Raummengen ~Leere~
-im Behälter _A_, die mit zwei Minuszeichen veranschaulicht seien.
-Öffne ich nun den Hahn, so fließt die Hälfte der Wassermenge aus _B_
-in _A_ hinüber; dadurch ist nun _A_ nur noch halb leer, _B_ dagegen
-nur noch halb voll; in jedem Behälter ist also ein Raumteil Leere und
-ein Raumteil Wasser. Die zweite Figur der Tafel zeigt Ihnen diesen
-Zustand. Sie sehen hier in jedem Behälter je ein + und ein -; auf die
-elektrischen Verhältnisse übertragen, heißt das so viel als daß der
-Körper _A_ und der Körper _B_ nun unelektrisch sind.
-
-[Sidenote: Der elektrische Strom.]
-
-Wenn man von einem elektrischen Strome spricht, so versteht man
-gewöhnlich nur den positiven Richtungsstrom darunter, das heißt in
-unserem Beispiel nur den Fluß des Wassers aus dem gefüllten in den
-leeren Behälter. Man darf aber dabei nie vergessen, daß ebenso, nur in
-entgegengesetzter Richtung, der negative Strom fließt. Was in unserem
-Beispiel die Röhre ist, durch die bei geöffnetem Hahn das Wasser
-fließt, ist bei der Elektrizität eine leitende Verbindung, z. B. ein
-Metalldraht. Also so wie durch die Röhre das Wasser, so fließt durch
-den Draht, der zwei entgegengesetzt geladene Körper verbindet, ein
-elektrischer Strom, oder genauer zwei Ströme, ein positiver und ein
-diesem entgegengesetzter negativer.
-
-[Sidenote: Erwärmung durch den elektrischen Strom.]
-
-Daß in einem zwei verschieden geladene Körper verbindenden Draht
-tatsächlich etwas vor sich geht, beweist neben vielem anderen der
-Umstand, daß sich dieser Draht erwärmt. Die Erwärmung können wir
-mit einem Apparat (Abb. 14) nachweisen. Ich habe hier in einem
-geschlossenen Raum eine Drahtspirale, durch welche ich einen
-elektrischen Strom leiten kann; wird nun durch diesen Strom der Draht
-warm, so wird die Luft erwärmt, dehnt sich aus, drückt dadurch auf
-die blaue Flüssigkeitssäule in der Glasröhre und wird sie um einige
-Dezimeter herunterschieben. (Rudi machte den Versuch, indem er die
-Entladung seiner größten Leidener Flasche durch die Drahtspirale des
-Apparats gehen ließ.)
-
-[Sidenote: Der Blitz.]
-
-Ich will nun noch einiges über die allen bekannte elektrische
-Erscheinung des Gewitters sagen. Der Blitz ist ein riesenhafter
-elektrischer Funke, oft von mehreren Kilometern Länge. In seiner Natur
-ist er von den Funken, die ich hier erzeugen kann, nicht verschieden;
-auch er ist der Weg eines elektrischen Ausgleiches durch die Luft.
-Die Lichterscheinung rührt von der kolossalen Erwärmung der Luft
-und der Staubteilchen her, die dabei ins Glühen geraten. Woher die
-Wolken, zwischen denen der Blitz überspringt, ihre elektrische Ladung
-erhalten, kann heute noch niemand bestimmt sagen, es bestehen allerhand
-Hypothesen hierüber, doch ist keine haltbar genug, um der Erwähnung
-wert zu sein. Wir müssen uns mit einer allgemeinen Betrachtungsweise
-zufrieden geben. Wenn wir eine isolierte Spitze oder besser eine Flamme
-mit den Blättchen eines guten Elektroskopes (siehe Anhang) verbinden
-und sie an einer langen Stange in die Luft hinaufhalten, während das
-Gehäuse mit der Erde leitend verbunden ist, so erhalten wir einen
-Ausschlag, dessen Größe von vielen Faktoren, z. B. Ort, Jahreszeit,
-Feuchtigkeit, Temperatur, Abstand von der Erde usw. abhängig ist.
-Diese Tatsache beweist, daß von den höheren Luftschichten nach der
-Erde zu ein Potentialgefälle vorhanden ist, das man bei sehr großen
-Schwankungen auf rund 100 Volt pro Meter veranschlagen kann; daraus
-folgt, daß die ganze Erdoberfläche eine starke negativ-elektrische
-Ladung besitzt. Dieses bei gutem Wetter ziemlich gleichmäßige
-Spannungsgefälle erleidet bei Wolken- und Gewitterbildungen ganz
-beträchtliche Störungen, die so stark werden können, daß zwischen
-Wolken und Erde oder zwischen zwei Wolken Spannungsdifferenzen
-auftreten, die in die Millionen Volt betragen. Die Folge dieser großen
-Spannungen ist der Blitz. Sind die Spannungen nicht so stark, daß es
-zum Funkenausgleich kommt, so findet eine allmähliche Ausstrahlung der
-Elektrizität statt, was sich bei Nacht durch feine „Büschellichter“,
-auch „St. Elmsfeuer“ genannt, zu erkennen gibt: An Blitzableitern,
-Hausvorsprüngen, Schiffsmasten und ähnlichen hervorragenden
-Gegenständen sieht man bläuliche Lichtbüschel, die den Glimmentladungen
-unserer Elektrisiermaschinen gleichen. Endlich sei auf die ebenfalls
-elektrische Erscheinung des „Nordlichtes“ besser „Polarlicht“ noch
-hingewiesen; man sieht in polaren Zonen nachts eigenartige prächtige
-Lichterscheinungen am Himmel, die in ihrer Häufigkeit und Intensität im
-Zusammenhang zu stehen scheinen mit den Perioden der Sonnenflecke. Man
-will sie mit den Erscheinungen, die wir später bei den Geißlerröhren
-kennen lernen werden, in Zusammenhang bringen, doch sind gerade hier
-die bekannten Tatsachen noch zu spärlich. Es fehlt uns eben für die
-Elektrizität ein Sinn; wir können sie nicht sehen, nicht hören, nicht
-schmecken usw. Das ist auch der Grund, warum es so lange dauerte, bis
-es gelang, mehr in das Wesen der Elektrizität einzudringen, nur aus
-ihren Wirkungen konnte man auf ihre Gesetze schließen. Dem ernsten
-und unermüdlichen Forscherstudium ist es aber heute gelungen, den
-Zusammenhang dieser bisher so geheimnisvollen Naturerscheinungen mit
-den übrigen unseren Sinnen direkt zugänglichen und daher viel früher
-erkannten zu finden. Noch nicht alle Fragen sind gelöst, aber der Weg
-der Erkenntnis liegt offen vor uns.“
-
-[Sidenote: Kritik des Vortrages.]
-
-Sich verbeugend schlug Rudi sein Vortragskonzept, in das er nur selten
-einen flüchtigen Blick geworfen hatte, zu, und während die Zuhörer
-eifrig Beifall klatschten, verschwand er, gefolgt von seiner Schwester,
-mit würdiger Miene, wie er gekommen. -- Unter den Zuhörern war auch
-ein sachkundiger Onkel, der den Abend noch in der Familie verbrachte.
-Diesen bat Rudi um eine ausführliche Kritik über den Vortrag, welche
-etwa folgendermaßen lautete:
-
-„Zuerst muß ich bemerken, daß der ganze Vortrag ein klein wenig zu
-lang war; er hat zu vielerlei gebracht, und das hat sicher viele des
-Aufpassens ungewohnte Zuhörer ermüdet. Du hättest manches weglassen
-können, wie z. B. die ausführliche Beschreibung der Maßflasche; auch
-hätten andere Abschnitte wie der über elektrische Verteilung kürzer
-zusammengefaßt werden dürfen. Die Anordnung des Ganzen war gut, nur
-hätte ich die Beschreibung der Reibungselektrisiermaschine früher
-gebracht. Auch die Experimente waren gut ausgeführt bis auf die ersten
-Versuche mit den Holundermarkkügelchen, die sich, da sei weiß waren,
-von dem weißen Kleide der meist dahinterstehenden Käthe kaum abhoben;
-ein schwarzer Karton, hinter den elektrischen Pendeln aufgestellt,
-hätte diesen Übelstand beseitigt. Im übrigen kann ich,“ fuhr der Onkel
-zu Käthe gewandt fort, „der kleinen Assistentin nur meine größte
-Bewunderung und Anerkennung aussprechen. Ferner hätte ich an deiner
-Stelle, wie schon gesagt, vieles kürzer gestaltet, dafür aber noch
-eingehender über die Gewitterbildung gesprochen. Den Blitzableiter
-und seine Wirkung hast du ganz vernachlässigt, und das hatte doch
-sicher sehr viele der Zuhörer interessiert; das hättest du schon bei
-der Erwähnung der Spitzenwirkung vorbringen können.“ „Ja,“ warf Rudi
-ein, „den Blitzableiter habe ich im Vortrag nur vergessen, im Konzept
-steht ein ganzer Abschnitt darüber.“ „Dann habe ich nichts weiter
-auszusetzen; du hast laut und deutlich gesprochen, und das ist immer
-viel wert.“ Nun sprachen die beiden noch über die verschiedensten
-Experimente, und Rudis Onkel wußte noch ein wenig gekanntes, aber
-leicht ausführbares und sehr interessantes Experiment: Die Benutzung
-einer Influenzelektrisiermaschine als Motor.
-
-[Sidenote: Die Influenzmaschine als Motor.]
-
-Am sichersten gelingt der Versuch mit zwei Influenzmaschinen,
-einer größeren und einer kleineren; man kann aber auch eine der
-Influenzmaschinen durch eine gute Reibungselektrisiermaschine
-ersetzen. Von der Maschine, die als Motor dienen soll, entfernt man
-die Treibschnüre und verbindet die auseinandergeschobenen Elektroden
-durch zwei Kupferdrähte mit den sich anfangs berührenden Elektroden
-der größeren Influenzmaschine, die man nun in Gang setzt, wonach die
-Elektroden so weit als möglich voneinander entfernt werden. Dadurch
-erhalten die beiden Spitzenkämme der als Motor dienenden Maschine
-entgegengesetzte Ladungen, z. B. der rechte positive, der linke
-negative; so werden beide Scheiben auf der rechten Seite positiv und
-auf der linken negativ elektrisch; sie stoßen also einander ab und
-beginnen sich in entgegengesetzter Richtung zu drehen, wobei die
-elektrischen Vorgänge genau so, nur in umgekehrter Reihenfolge, wie bei
-der die Elektrizität erzeugenden Maschine eintreten. Es ist möglich,
-daß dabei anfangs die beiden Scheiben derart einander das Gleichgewicht
-halten, daß sie sich nicht von selbst zu drehen beginnen; es genügt
-dann ein kleiner Anstoß der einen Scheibe. Hat man die Maschine kurz
-vorher in Gang gesetzt, so läuft sie sicher von selbst an.
-
-Es sei nun noch erwähnt, daß der Besitzer eines sogenannten
-Elektrophorkastens die darin meist sehr zahlreich vorhandenen
-elektrischen Spielzeuge in einem solchen Vortrage nur möglichst
-kurz vorführen soll; sie unterhalten zwar die Zuschauer, haben aber
-theoretisch zu wenig Bedeutung; es sind eben nur Spielzeuge, und wir
-haben darum auch die Beschreibung ihrer Herstellung weggelassen.
-
-
- [1] Siehe auch, was bei den Leidener Flaschen über die Glasfarbe
- gesagt ist.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Zweiter Vortrag.
-
-Der galvanische Strom.
-
-
-Da Rudis erster Vortrag allgemeine Anerkennung bei seinen Verwandten
-und Bekannten gefunden hatte, ließ er nicht viel Zeit verstreichen,
-bis er an die Vorbereitungen zu einem zweiten ging. Er wollte diesen
-wissenschaftlicher gestalten als den ersten und darum nur Freunde und
-solche Verwandte einladen, bei denen er mehr Vorkenntnisse voraussetzen
-konnte. Für die Tanten und Cousinen wollte er dann außerdem noch einen
-gemeinverständlichen Vortrag halten.
-
-Da es zu weit führen würde, so sei diesmal nicht der ganze Vortrag
-wörtlich wiedergegeben, sondern es sollen nur die ausgeführten
-Experimente beschrieben werden. Auch setzte sich Rudi diesmal das, was
-er sprechen wollte, nicht wörtlich auf, sondern legte sich nur eine
-Übersicht zurecht, die er während des Vortrages auf dem Tisch liegen
-hatte; damit er nicht wieder einen Teil vergesse, strich er jeweils den
-behandelten Abschnitt in seiner Niederschrift, dem Konzept, durch.
-
-Auch diesmal sollte Käthe wieder die Assistentin sein; sie half nicht
-nur bei der Ausführung der Versuche, sondern sogar bei der Herstellung
-der Apparate selbst.
-
-[Sidenote: Geschichte der Entdeckung des galv. Stromes.]
-
-In der Einleitung des Vortrages erwähnte Rudi, daß man während
-langer Zeit keine andere Methode als die der Reibung und Influenz
-zur Erzeugung von Elektrizität kannte, bis im Jahre 1789 Galvani,
-Professor der Medizin in Bologna, eine ihm anfangs unerklärliche
-Beobachtung machte: er hatte, um den Einfluß der Luftelektrizität auf
-die Nerven zu untersuchen, an einem eisernen Geländer eine Anzahl an
-einen Kupferdraht befestigte Froschschenkel aufgehängt. Sobald nun der
-Wind diese hin und her blies und die unteren Enden der Schenkel das
-Eisengeländer berührten, zuckten sie heftig zusammen. Galvani selbst
-kam aber dem Wesen dieser Erscheinung nicht auf die Spur, und erst
-Volta stellte fest, was für Bedingungen erfüllt sein müßten, damit
-der Versuch gelänge. Erstens mußten irgend zwei verschiedene Metalle
-vorhanden sein (bei Galvanis Versuch waren es Eisen und Kupfer), die
-einander einerseits unmittelbar berühren, anderseits aber durch eine
-salzige oder sauere Flüssigkeit verbunden sind (der im Salzwasser
-gewaschene Froschschenkel). Der Froschschenkel selbst war für das
-Gelingen des Versuches nur insofern nötig, als er einen an sich
-unsichtbaren Vorgang anzeigte, indem er durch sein Zucken erkennen
-ließ, daß irgend etwas in ihm vorginge.
-
-[Illustration: Abb. 38. Darstellung des galvanischen Stromes.]
-
-[Sidenote: Die Entstehung des galv. Stromes.]
-
-Volta fand nun durch eine ganze Reihe von Versuchen folgendes: Werden
-zwei verschiedene Metalle in eine angesäuerte Flüssigkeit gebracht
-und außerhalb derselben durch einen Draht verbunden, so spielt sich
-in dem dadurch gebildeten geschlossenen Kreis ein ganz bestimmter
-Vorgang ab. Der Anzeiger dieses Vorganges war anfangs der zuckende
-Froschschenkel, doch entdeckte man bald eine ganze Anzahl besserer
-und zweckmäßigerer (sicherer) Mittel, um das Vorhandensein dieses
-Zustandes nachzuweisen. Man fand die Ähnlichkeit dieser Erscheinungen
-mit den bekannten elektrischen Vorgängen und ein sicheres, wenn
-auch nicht sehr feines Erkennungsmittel war die Erwärmung, die alle
-vom Strom durchflossenen Leiter zeigen. Hier wies Rudi auf den
-entsprechenden Versuch in seinem letzten Vortrag hin, während Käthe
-folgendes einfache Experiment ausführte: In einem Glasgefäß (_Gl_
-in Abb. 38) hatte sie verdünnte Schwefelsäure (1 Teil Schwefelsäure
-und 10 Teile Wasser. ~Man muß hierbei zuerst das Wasser eingießen,
-und dann unter ständigem Umrühren mit einem Glasstabe langsam die
-Schwefelsäure zugießen, da eine sehr starke Erwärmung eintritt~)[2].
-In diese Flüssigkeit tauchte sie während des Vortrages eine Zink- und
-eine Kupferplatte, die einander selbst nicht berühren durften; an jeder
-Platte war ein etwa 30 _cm_ langer Kupferdraht angelötet. Zum Nachweis
-der Erwärmung bei geschlossenem Kreis hängte sie an die Drahtenden
-eine kleine 1 Volt-Glühlampe, die nun hell aufleuchtete, sobald die
-Platten in die Flüssigkeit kamen. Auch mit dem in Abb. 14 dargestellten
-Luftthermometer wies Rudi die Erwärmung des Drahtes nach und sprach
-dann über die Vorgänge, die den elektrischen Strom erzeugten.
-
-[Sidenote: Die elektromotorische Kraft.]
-
-Wenn man irgend zwei verschiedene Metalle, z. B. Kupfer und Zink,
-in eine angesäuerte Flüssigkeit taucht, so entsteht auf jedem der
-beiden Metalle eine elektrische Spannung, das ist eine gewisse
-elektrische Ladung, und zwar ist immer die eine der beiden Platten
-positiv, die andere negativ elektrisch. Verbindet man nun die beiden
-Platten mit einem Leiter, z. B. einem Kupferdraht, so gleichen sich
-die verschiedenen Ladungen aus, doch es bilden sich sofort wieder
-neue, so daß durch den Draht ein fortwährender Strom fließt. Dabei
-bemerken wir, daß sich das Zink unter Wasserstoffbildung viel rascher
-in der verdünnten Schwefelsäure auflöst als unter normalen Umständen,
-ohne die Gegenwart eines anderen Metalles. Es spielt sich also auch
-neben dem elektrischen ein chemischer Vorgang ab, und zwar ist der
-chemische der primäre, der elektrische dagegen der sekundäre. Chemische
-Vorgänge sind es, die den beiden Metallplatten ihre verschiedene Ladung
-erteilen. Jedoch müssen auch noch andere Einflüsse dabei im Spiele
-sein, denn man hat gefunden, daß es genügt, zwei verschiedene Metalle
-ohne Feuchtigkeit miteinander in Berührung zu bringen, um auf ihnen
-verschiedene Ladungen hervorzurufen; allein die Anschauungen über diese
-Dinge sind noch nicht geklärt. Wir wollen nur daran festhalten, daß,
-wenn irgend zwei verschiedene Metalle in eine angesäuerte Flüssigkeit
-gebracht werden, auf ihnen entgegengesetzte Ladungen entstehen. Man
-hat nun durch Versuche die Metalle so in einer Reihe angeordnet, daß
-je ein vorhergehendes mit irgend einem nachfolgenden in eine saure
-Flüssigkeit gebracht, immer positiv elektrisch wird, während das zweite
-negative Ladung erhält. Dabei ist der Unterschied in der Stärke der
-beiden Ladungen, die sogenannte ~Spannungsdifferenz~, umso größer,
-je weiter die Stoffe in der genannten Reihe, der ~Spannungsreihe~,
-auseinanderstehen. Je stärker die Spannungsdifferenz ist, umso stärker
-wird auch der Strom sein, der den verbindenden Draht durchfließt. Der
-Strom wird also von einer unbekannten, wahrscheinlich von chemischen
-Vorgängen herrührenden Energie in Bewegung gesetzt und erhalten, und
-man spricht deshalb von einer ~elektromotorischen Kraft~; je größer sie
-ist, umso stärker ist auch der Strom, den sie in Bewegung setzen kann.
-
-Soviel sprach Rudi etwa über die theoretischen Dinge und ging dann
-dazu über, den Zuhörern die verschiedenen Arten von Stromquellen, bei
-denen chemische Energie zur Erzeugung der Elektrizität verwendet wird,
-vorzuführen.
-
-[Sidenote: Herstellung verschiedener Elemente.]
-
-Da es nicht nur von theoretischem, sondern auch von praktischem
-Interesse ist, wie man mit einfachen Mitteln starke, ausgiebige
-Stromquellen, sogenannte Elemente, sich herstellen kann, so sei an
-dieser Stelle die Anfertigung einer größeren Anzahl der verschiedensten
-Elemente beschrieben.
-
-Das einfachste Element ist schon in der Abb. 38 dargestellt;
-es gibt 1,1 bis 1,2 Volt; es ist ziemlich konstant, jedoch für
-Demonstrationszwecke nur bei kurzer Benützung geeignet, da der sich
-an der Zinkelektrode bildende Wasserstoff mit der Zeit lästig auf die
-Atmungsorgane wirkt.
-
-[Illustration: Abb. 39. Leclanché-Elemente.]
-
-[Sidenote: Das Leclanché-Element.]
-
-Ein sehr einfaches und leicht herzustellendes Element ist das von
-Leclanché. Wir können uns die Bestandteile dazu kaufen. Abb. 39
-zeigt zwei verschiedene Formen: Bei _A_ dient ein Hohlzylinder aus
-Retortenkohle mit Braunstein gefüllt als positive Elektrode, bei _B_
-steht dagegen ein Kohlenstab, in ein Gemisch von Kohle und Braunstein
-eingebettet, in einem porösen Tonzylinder. Die einzelnen Bestandteile
-der Elemente sind bei beiden: erstens ein Glasgefäß (_gl_). Hierzu
-können gewöhnliche Einmachgläser verwendet werden; auch kann man von
-hinreichend weiten Flaschen den oberen Teil samt dem Hals absprengen.
-Dazu wird die Flasche vorsichtig über einer Flamme so stark als möglich
-erwärmt (jedoch bei weitem nicht bis zum Glühen!) und dann entlang
-der Stelle, an welcher der Sprung entstehen soll, mit einem nassen
-Bindfaden umgeben, worauf der Hals abfällt. Um die dabei entstehenden
-außerordentlich scharfen Ränder des Glases unschädlich zu machen,
-versieht man sie mit einem Wulst von Siegellack, der aber sehr heiß auf
-das vorgewärmte Glas aufgetragen werden muß, da er sonst schlecht hält.
-Wir können uns auch vier- oder mehrkantige Gläser nach der auf Seite
-78 u. ff. beschriebenen Weise herstellen. Zweitens ein Zinkzylinder
-(_z_). Diesen biegen wir aus mindestens 1,5 _mm_ starkem Zinkblech
-und versehen ihn mit drei Ansätzen, die auf dem Glasrande aufliegend
-ihn tragen; außerdem wird an einem der Ansätze ein 30 _cm_ langer, 1
-bis 2 _mm_ starker, unisolierter, zur Spirale gewundener Kupferdraht
-angelötet und die Lotstelle mit Asphaltlack bestrichen. Drittens bei
-_A_ aus einem hohlen Kohlenzylinder (_K_), der mit feingekörntem
-Braunstein (_B_) gefüllt und unten mit einem Kork verschlossen ist;
-oben in dem Kohlenzylinder ist eine Klemmschraube (_Kl_) befestigt.
-Bei Abb. _B_ haben wir einen porösen Tonzylinder (_T_) in dem, wie
-schon erwähnt, ein in einem gleichteiligen Gemisch von feingekörntem
-Braunstein und feingekörnter Retortenkohle (Reststücke von
-Bogenlampenkohlen) oder Koks (_Bk_) eingebettet ein Kohlenstab (_K_)
-steht, der um einige Zentimeter den Tonzylinder überragt. An dem freien
-Ende wird eine Klemme (_Kl_) angebracht. Die Braunsteinkohlefüllung
-darf den Zylinder nicht ganz ausfüllen, sondern es sollen oben 2 bis 3
-_cm_ freibleiben, welcher Raum dann mit Kolophonium (_Ko_) ausgegossen
-wird. Beide Elemente werden bis einige Zentimeter vom oberen Rande mit
-gesättigter Salmiaklösung gefüllt. Alle Kohlen und auch die Tonzylinder
-müssen an ihren oberen Enden, soweit diese aus der Flüssigkeit
-herausragen sollen, einige Minuten in kochendes Paraffin getaucht
-werden. Ein mit entsprechenden Ausschnitten versehener Deckel aus einem
-Stück in Paraffin gekochter, nicht zu schwacher Pappe verhindert das zu
-rasche Verdunsten der Flüssigkeit.
-
-[Illustration: Abb. 40. Holzstab für Anfertigung von Gipszylindern.]
-
-[Sidenote: Anfertigung von Gipszylindern.]
-
-Da wir bei den nachher zu beschreibenden Daniellschen und Bunsenschen
-Elementen ebenfalls poröse Zylinder brauchen, so sei an dieser Stelle
-die Herstellung solcher aus Gips beschrieben.
-
-An Hand der folgenden fünf Abbildungen 40 bis 44 ist das Verfahren
-leicht zu erklären. Wir richten uns einen etwa 30 _cm_ langen, 3 bis 4
-_cm_ dicken, runden Holzstab (ein Stück Besenstiel) her und umwinden
-ihn mit einer dünnen Schnur oder einem starken Leinenfaden, wie dies
-aus Abb. 40 bei dem unten freien Ende des Holzstabes zu sehen ist. Um
-diesen herum wickeln wir nun mehrere Lagen eines starken Papieres, bis
-der Stab so dick geworden ist, als der Hohlraum des Zylinders weit sein
-soll. Das Abrollen der Papierumhüllung verhindern wir durch Umwinden
-mit einem dünnen gewöhnlichen Nähfaden. Abb. 40 zeigt diesen ersten
-Bestandteil der Gußform. Nun brauchen wir zwei Gummiringe, die so
-stark sein müssen, als die Wandungen des Zylinders dick werden sollen.
-Diese Ringe können wir aus einem Gummischlauche herstellen, indem wir
-Stücke von passender Länge über eine Kordel ziehen und die Enden mit
-Gummilösung zusammenkleben. An einem Ringe werden, wie Abb. 41 zeigt,
-an zwei Stellen Bindfäden befestigt. Bevor die Ringe auf den Stab
-geschoben werden, wird dessen Papierbelag mit Fett (Schweineschmalz)
-eingerieben. Die obere Fläche soll möglichst eben sein, etwa vorhandene
-Spalten zwischen den einzelnen Papierlagen müssen mit Fett angestrichen
-werden. Nun wird der eine Ring mit den Fäden auf das obere Ende des
-Stabes geschoben; der andere von unten her so weit von diesem entfernt,
-als die Tiefe des Zylinders betragen soll. Aus der Abb. 42 ist diese
-Anordnung deutlich zu erkennen.
-
-[Illustration: Abb. 41. Gummiring.]
-
-[Illustration: Abb. 42. Holzstab nach Befestigen der Gummiringe.]
-
-Des weiteren richten wir uns aus starkem Papier einen ziemlich
-langen Streifen, der etwa 5 _cm_ breiter ist, als der Abstand der
-beiden Gummiringe beträgt. Dieser Papierstreifen soll, wie aus
-dem Längsschnitt der Abb. 43 zu ersehen ist, über den Stab, durch
-die Gummiringe von ihm getrennt, aufgerollt werden und zwar so,
-daß der entsprechende Rand der Papierhülle 1 _cm_ (oder mehr, je
-nachdem die Stärke des Bodens gewünscht wird) über das obere Ende
-des Stabes hinausragt. Die Innenseite der Papierhülle muß ebenfalls
-stark eingefettet sein, und man bestreicht deshalb am besten vor dem
-Aufwickeln ein entsprechend breites Stück mit Fett. Das selbsttätige
-Aufrollen der Hülle verhindert man wiederum durch Umwinden mit
-Bindfaden.
-
-[Illustration: Abb. 43. Aufrollen des Papierstreifens.]
-
-[Illustration: Abb. 44. Die fertige Form zur Herstellung von
-Gipszylindern.]
-
-Der Hohlraum, der in Abb. 43 mit _h_ bezeichnet ist, wird nun mit
-ziemlich dickflüssigem Gipsbrei unter Benützung eines Messers
-ausgestrichen, und außerdem wird die Stelle auch außen noch mit einem
-Wulst von Gips (_l_) umgeben. Ebenso wird an dem oberen Ende ein
-Gipskranz _m_ angebracht.
-
-Sind die Gipswülste, die zur Erhöhung der Festigkeit der Form dienen,
-genügend getrocknet, so wird der obere Gummiring mit Hilfe der beiden
-Fäden herausgezogen, und nun ist die Form fertig. Abb. 44 zeigt, wie
-man sie in einem mit Erde gefüllten Blumentopfe bequem senkrecht
-aufstellen kann.
-
-Im Gusse darf nur ganz reiner, guter Gips verwendet werden. Wir gehen
-am sichersten, wenn wir uns an einem bereits erhärteten Stückchen Gips
-davon überzeugen, ob es, in verdünnte Schwefelsäure geworfen, seine
-Festigkeit nicht verliert. Der Gipsbrei darf nicht zu wässerig sein, er
-soll gerade noch gut fließen, wenn er in die Form gegossen wird. Etwa
-mitgerissene Luftblasen werden durch vorsichtiges Erschüttern der Form
-zum Steigen gebracht und an der Oberfläche dann abgestrichen. Um dem
-Boden eine Wölbung nach innen zu geben, wird irgend ein nicht zu stark
-gewölbter Gegenstand (z. B. ein Schaumlöffel oder irgend ein passender
-Deckel) eingefettet und auf die Form gedrückt, so daß noch etwas Gips
-auf den Seiten herausquillt.
-
-Ist der Guß -- man kann dies an dem oben herausgequollenen Gips
-erkennen -- hinreichend erhärtet, so wird die Form aus dem Blumentopf
-herausgenommen und umgedreht und der um den Holzstab gewundene
-Faden wird an dem freien Ende herausgezogen. Dadurch wird der Stab
-frei und kann auch herausgenommen werden. Nun rollt man den inneren
-Papierstreifen nach innen zusammen und nimmt ihn ebenfalls heraus. Die
-äußere Hülle springt nach Entfernung der Gipswülste und der Schnur von
-selbst los. Runden wir noch die meist zu scharfen Kanten mit einem
-Messer ab, so ist der Zylinder fertig.
-
-Indem wir den Holzstab mit verschieden starken und langen Papierbelägen
-umwickeln, können wir den Zylindern die verschiedensten Formen geben.
-Die einzelnen Bestandteile der Form lassen sich wieder zusammensetzen
-und von neuem gebrauchen.
-
-[Illustration: Abb. 45. Kohlenelektrode.]
-
-[Illustration: Abb. 46. Trockenelement (Durchschnitt).]
-
-[Sidenote: Kohlenelektroden.]
-
-Für Leclanché-Elemente sind die sog. Kohlebeutelelektroden der
-Verwendung von Tonzellen vorzuziehen, schon deshalb, weil sie viel
-einfacher herzustellen sind. Die Ansicht einer solchen Elektrode zeigt
-Abb. 45, der Durchschnitt ist in Abb. 46 dargestellt. Wir besorgen uns
-eine gewöhnliche Bogenlampenkohle, deren Dicke sich nach der Größe
-des Elementes richten muß. Für ein Element mittlerer Größe soll sie
-etwa 1,5 bis 2,0 _cm_ dick und 15 bis 20 _cm_ lang sein. Der Kohlestab
-muß zu ¾ bis ⅘ seiner Länge in einem mit einem Braunsteinkohlegemisch
-gefüllten Tuchbeutel stecken. Wir feilen nahe dem unteren Ende der
-Kohle eine nur wenig tiefe Ringnut ein und ebenso an der Stelle, bis
-zu welcher der Beutel reichen soll. Ein beiderseits offenes Säckchen
-aus starkem Leinenstoff wird einerseits in die untere Nut eingebunden
-und mit einem gleichteiligen Gemisch aus ziemlich fein gekörntem
-Braunstein und Koks (oder Retortenkohle) gefüllt. Damit der Beutel
-eine regelmäßige Form erhält, umgeben wir ihn mit einem Zylinder
-aus Pappdeckel, den wir mit einer Schnur umwinden, damit er einigen
-Druck aushält. Jetzt wird die Füllung unter Zugabe von Wasser mit
-einem Holzstab so fest als möglich in das Säckchen hineingepreßt und
-festgestampft; dann wird der obere Rand des Säckchens in die obere
-Ringnut der Kohle eingebunden. Nach Entfernung des Pappzylinders wird
-der Beutel noch mit Schnur befestigt, wie dies aus der Abb. 45 zu
-ersehen ist. Der aus dem Beutel herausragende Teil der Kohle wird in
-kochendes Paraffin getaucht und dann wird am oberen Ende die Rundung
-mit der Feile etwas abgeflacht, damit eine Klemmschraube bequem
-angesetzt werden kann.
-
-[Illustration: Abb. 47. Zinkzylinder.]
-
-[Sidenote: Das Trockenelement.]
-
-Auch die in neuerer Zeit so sehr beliebt gewordenen Trockenelemente
-kann man sich leicht selbst herstellen; sie sind ebenfalls nach
-dem System von Leclanché konstruiert. An Hand der Abb. 46 sei
-ihre Anfertigung erklärt: Als Behälter (_a_ in Abb. 46) für das
-Trockenelement wählen wir ein Glasgefäß von passender Größe; den
-Zinkmantel (siehe unten) selbst als Gefäß zu benutzen, ist nicht
-empfehlenswert. Ferner fertigen wir uns aus starkem Zinkblech einen
-zylindrischen Mantel mit einem Fortsatzstreifen an. Wie aus einem Stück
-Blech zwei solcher Mäntel ohne Materialverlust geschnitten werden,
-zeigt Abb. 47. Der Zinkmantel (_b_ in Abb. 46) soll mit 2 bis 3 _mm_
-Spielraum in das Glasgefäß hineinpassen. Endlich stellen wir uns eine
-Kohlebeutelelektrode (_c_) her, deren Durchmesser je nach der Größe
-des Elementes 2 bis 5 _cm_ kleiner ist, als der des Zinkzylinders.
-Die Füllung (_d_) besteht aus feinem, reinem Sägemehl von weichem
-Holz, das 1 bis 2 Stunden in einer gesättigten Salmiaklösung gelegen
-hat. Kurz vor Gebrauch wird das Sägemehl in einen Leinenbeutel
-gefüllt und durch leichtes Pressen von der überschüssigen Flüssigkeit
-befreit. Dann gibt man in das Glasgefäß erst eine etwa 5 _mm_ dicke
-Schicht davon auf den Boden; hierauf werden der Zinkzylinder und die
-Kohlenelektrode, die vorher in Salmiaklösung stand, eingesetzt und
-der freie Raum zwischen diesen sowie zwischen Zink und Glas mit der
-genannten Füllmasse ausgefüllt. Mit einem geeigneten Holzstab muß die
-Masse recht fest zusammengestampft werden. Die dabei an die Oberfläche
-tretende Flüssigkeit gießt man erst ab, wenn die Füllung beendet ist;
-letztere soll die obere Fläche des Kohlebeutels noch etwa 5 _mm_ hoch
-bedecken. Ist die überschüssige Flüssigkeit abgegossen, so ebnet man
-die Oberfläche der Füllung, steckt zwei kleine Gummischläuchlein
-(Ventilschlauch) (_e_, _e_) etwa 5 _mm_ tief hinein und gießt nicht zu
-heißes Paraffin auf die Füllung direkt auf, eine 2 bis 3 _mm_ dicke
-Schicht (_f_). Jetzt wird der noch freie Glasrand innen mit einem
-Wattebausch sehr sorgfältig getrocknet. Die nächste Deckschicht (_g_)
-besteht aus Kolophonium-Wachskitt, dem außer ziemlich viel Leinöl auch
-etwas Spiritus (etwa 5 Volumenprozent) zugesetzt ist; der Kitt muß auch
-nach dem Erkalten noch eine zähe, fadenziehende Masse bilden. Hiervon
-wird eine 5 bis 10 _mm_ dicke Lage eingegossen, wobei der Kitt sehr
-heiß sein soll. Für die oberste Schicht (_h_) verwenden wir wieder
-Paraffin oder Asphalt.
-
-Die käuflichen Trockenelemente sind meist nach Verfahren hergestellt,
-die Fabrikgeheimnisse sind. Die Leistung sehr vieler dieser Fabrikate
-ist sehr gut, insbesondere kommen für die kleinen Taschenlämpchen sehr
-gute, kleine Batterien (meist 3 Elemente) in den Handel. Da Rudi gerade
-diese kleinen Taschenlämpchen viel gebrauchte, sei hier einiges über
-sie gesagt.
-
-Die Trockenbatterien zu 3 Elementen, meist zusammen in ~einer~
-Papierhülle, leisten 4 Volt und bringen ein kleines Lämpchen zum hellen
-Leuchten; besonders erfreut war Rudi, als auch diese 4-Volt-Lämpchen
-mit Metallfaden, statt Kohlenfaden ausgerüstet wurden, wodurch bei
-gleichem Stromverbrauch mehr als die dreifache Helligkeit erzielt
-wurde. Ein Brechen des feinen Metallfadens ist nicht zu befürchten, da
-er zu kurz ist; sie sind also weit weniger empfindlich als die großen
-Metallfadenlampen, die gegen Erschütterungen sehr empfindlich sind.
-
-Wer einen möglichst konstanten, starken Strom gebraucht, muß sich
-schon eine Batterie von Bunsen- oder Daniellelementen herstellen;
-auch Chromsäurebatterien sind recht geeignet. Wer gute Gelegenheit
-zum Akkumulatorenladen hat, beschafft sich natürlich eine
-Akkumulatorenbatterie. Wo solche Gelegenheit fehlt und größere Kosten
-nicht gescheut werden, sind die ~Kupronelemente~ entschieden am meisten
-zu empfehlen.
-
-[Sidenote: Das Bunsenelement.]
-
-Das Bunsenelement besteht aus einem Glasgefäß, in dem ein dicker
-Zinkzylinder steht; in dem Gefäß befindet sich verdünnte Schwefelsäure
-(auf 10 Teile Wasser 1 Teil Schwefelsäure) und ein poröser Tonzylinder,
-in dem in konzentrierter, gewöhnlicher Salpetersäure ein starker
-Kohlenstab steht. Dies Element gibt 1,9 Volt.
-
-[Illustration: Abb. 48. Das verbesserte Bunsenelement.]
-
-[Sidenote: Das Daniellsche Element.]
-
-Das Daniellsche Element besteht ebenfalls aus einem Glasgefäß mit
-einem porösen Tonzylinder. In ersterem steht ein Kupferzylinder in
-gesättigter Kupfervitriollösung, in letzterem ein starker Zinkstab oder
-Zinkmantel in verdünnter Schwefelsäure oder auch Zinksulfatlösung. Die
-erzeugte elektromotorische Kraft beträgt hier etwa 1,1 Volt.
-
-[Sidenote: Verbessertes Bunsenelement.]
-
-Die beiden obigen Elemente haben in der beschriebenen Form für uns
-eigentlich mehr theoretisches als praktisches Interesse. Rudi hatte
-sich eine stattliche Batterie aus abgeänderten Bunsenelementen
-hergestellt, die ihm einen starken und konstanten Strom, mit dem er
-auch Akkumulatoren laden konnte, lieferte. Abb. 48 zeigt ein solches
-Element. Die Kohlenelektrode stellen wir aus vier flachen Kohlenplatten
-her, die, ungefähr ein Viereck bildend, um die Tonzelle aufgestellt
-sein sollen. Es handelt sich nun darum, die vier Kohlenplatten gut und
-fest miteinander zu verbinden. Können wir Platten verwenden, deren
-obere Enden, wie in Abb. 49, mit Klemmschrauben versehen sind, so
-stellen wir uns aus dickem, geglühtem Kupferdraht einen Ring her, wie
-ihn Abb. 51 zeigt. Durch die vier an den breitgeschlagenen Stellen
-eingebohrten Löcher werden die Schraubenenden der Kohlen gesteckt und
-mittels Muttern festgeschraubt.
-
-[Illustration: Abb. 49. Kohlenplatte mit eingebrannter Polschraube.]
-
-[Illustration: Abb. 50. Kohlenplatte mit Klemmschrauben.
-
-_a_ Klemme zur Befestigung des Metallstreifens (für jedes Element drei
-erforderlich). _b_ Klemme für denselben Zweck, jedoch gleichzeitig zum
-Anschrauben des Poldrahtes (für jedes Element eine erforderlich).]
-
-Stehen uns nur einfache Kohlenplatten zur Verfügung, so versehen wir
-sie an ihrem oberen Ende mit einem Loch, durch das wir Metallschrauben
-mit Muttern hindurchstecken können (Abb. 50). Durch einen entsprechend
-gebogenen und mit vier Löchern versehenen Kupferblechstreifen werden
-die Kohlen miteinander verbunden, wie dies in Abb. 48 deutlich zu
-erkennen ist. Die oberen Enden der Kohlen müssen in kochendes Paraffin
-getaucht, die Metallteile mit Asphaltlack bestrichen werden. Auf den
-Boden der Tonzelle gießt man etwas Quecksilber (dies ist zwar ~nicht~
-unbedingt nötig und verhindert nur rascheres Auflösen des Zinks) und
-stellt einen gut amalgamierten starken Zinkstab hinein. Nun wäre das
-Element noch zu füllen: Wir stellen den Tonzylinder in das Standglas
-und geben zuerst eine als Depolarisator wirkende Masse auf den Boden
-des Gefäßes, einige Zentimeter hoch. Die Masse besteht aus 6 Teilen
-pulverisiertem, doppeltchromsauren Kali, die mit 60 Teilen Kalialaun
-in einem Glas- oder Porzellangefäß unter Zugießen von 10 Teilen
-konzentrierter Schwefelsäure mit einem Glasstab zusammengerührt werden.
-Die dabei entstehende Masse ist teigartig und kann längere Zeit offen
-aufbewahrt werden.
-
-[Illustration: Abb. 51. Breitgeschlagener Kupfer- oder Messingdraht.]
-
-Nun wird zuerst der Tonzylinder mit verdünnter Schwefelsäure (1 : 10)
-und dann das Glasgefäß mit verdünnter Chromsäure (1 : 9) angefüllt.
-Hier sind Volumteile gemeint. Diese Elemente eignen sich besonders zum
-Laden von Akkumulatoren.
-
-[Sidenote: Das Chromsäureelement.]
-
-Wir wollen nun noch die Chromsäureelemente, die nur in Form von
-sogenannten Tauchbatterien verwendet werden, kurz besprechen. Unser
-Rudi war zwar ein persönlicher Feind dieser Elemente, denn er hatte
-schlechte Erfahrungen damit gemacht. In der Tat erfordert eine
-Chromsäurebatterie zu ihrer guten Instandhaltung mehr Arbeit und
-Sorgfalt, als sie eigentlich wert ist. Jedoch ist ihre Herstellung
-ziemlich einfach und billig.
-
-[Illustration: Abb. 52. Holzgestell für Chromsäurebatterie.]
-
-Die positive Elektrode des Elements besteht aus zwei Kohlenplatten,
-zwischen denen eine starke Zinkplatte steht und die negative
-Elektrode bildet. Die Chromsäurelösung wird aus 1 Gewichtsteil
-doppeltchromsaurem Kali, 12 Gewichtsteilen Wasser und 2 Gewichtsteilen
-Schwefelsäure hergestellt. Die Schwefelsäure gieße man, wie schon
-erwähnt, unter ständigem Umrühren langsam zu. Die Elektroden müssen
-so aufgehängt werden, daß sie mit einem einfachen Handgriff in die
-Gläser eingetaucht und herausgezogen werden können. Wir können uns
-hierfür verschieden konstruierte Holzgestelle herrichten. Abb. 52
-zeigt ein solches, bei dem Kohle und Zink aus der Flüssigkeit gehoben
-werden. Diese Art von Batterien ist den vielfach noch gebräuchlichen
-Chromsäureflaschenelementen, wie Abb. 53 ein solches zeigt, entschieden
-vorzuziehen; diese seien nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.
-
-[Illustration: Abb. 53. Chromsäureflaschenelement.]
-
-Jede Batterie, die nicht in kürzester Zeit schlecht werden soll,
-bedarf sorgfältiger und reinlicher Wartung. Man stelle sie deshalb
-nicht an unzugänglichen Orten auf. Größere Batterien von solchen
-Elementen, die Wasserstoff entwickeln (fast alle, bei denen Zink in
-Schwefelsäure steht), sollen nicht in einem bewohnten Zimmer sein.
-Bei den Salmiakelementen wird regelmäßig das verdunstete Wasser der
-Lösung durch frisches ersetzt; die Gläser sollten stets mit Deckeln
-versehen sein. Sobald sich innerhalb oder außerhalb an den Elementen
-Salze gebildet haben, sind Gefäß und Elektrode gründlich davon zu
-befreien, zu reinigen, einige Stunden, die Elektroden aber getrennt, in
-verdünnte Salzsäure zu stellen, dann mit Wasser gründlich abzuspülen
-und schließlich neu zu füllen. Die aus der Flüssigkeit herausragenden
-Teile der Kohle müssen immer mit einem guten Paraffinüberzug versehen
-sein; freie Teile der Zinkelektroden werden am vorteilhaftesten mit
-Asphaltlack bestrichen. Verbindende Drähte sind entweder zu verlöten
-oder mittels guter Klemmschrauben fest anzuschließen; mangelhafte
-Verbindungsstellen bilden große Widerstände.
-
-[Sidenote: Der Akkumulator.]
-
-Als das beste und brauchbarste Element, das wir kennen, ist jedenfalls
-der Bleiakkumulator zu bezeichnen. Eine günstige Gelegenheit, den
-Akkumulator selbst zu laden oder laden zu lassen, darf wohl bei den
-meisten jungen Lesern vorausgesetzt werden; für geringere Ansprüche
-genügt auch eine der oben beschriebenen Batterien zum Laden der
-Akkumulatoren.
-
-[Illustration: Abb. 54. Einteilung des Werkbleistreifens in Platten.]
-
-Die Selbstanfertigung eines guten Akkumulators ist nicht so schwierig,
-als wohl manchem scheinen möchte. Ein wenig Geduld müssen wir haben;
-denn ein großer Teil der Arbeit, das Ausstanzen der Löcher, ist nicht
-gerade sehr unterhaltend.
-
-Zuerst müssen wir uns klar darüber werden, wie viel Zellen mit wie viel
-und wie großen Platten wir herstellen wollen. Wir nehmen einmal an, es
-sollten zwei Zellen, jede zu fünf Platten angefertigt werden und jede
-Platte 10 _cm_ lang und 5 _cm_ breit sein, also 50 _qcm_ Fläche haben.
-In diesem Falle genügt ein 1,5 _mm_ dickes Bleiblech, da wir jede
-Platte aus zwei Lagen bestehen lassen werden; bei mehr als 50 _qcm_
-muß das Blei 2 _mm_ stark sein. Wir haben also zwei Zellen, jede zu
-fünf Platten, die je aus zwei Lagen zusammengesetzt sind, deren jede 50
-_qcm_ Fläche hat. Wir brauchen also 2 · 5 · 2 · 50 _qcm_ = 1000 _qcm_;
-dabei haben wir aber die Fortsätze noch nicht in Rechnung gezogen, die
-an den Platten sein müssen. Diese machen nochmals 200 _qcm_ aus, so
-daß im ganzen 1200 _qcm_ erforderlich sind. Um das Material möglichst
-auszunützen, kaufen wir uns einen 1 _m_ langen, 12 _cm_ breiten und 1,5
-_mm_ starken Streifen von gewöhnlichem Werkblei. Dieser wird nach dem
-in Abb. 54 angegebenen Muster in Doppelplatten eingeteilt, die alle mit
-langen Fortsätzen versehen sind. Die beiden Hälften einer Doppelplatte
-hängen bei Nr. II bis IX so zusammen, wie es Abb. 55 zeigt. Nur bei _X_
-haben wir die langen Seiten gemeinsam und bei Nr. I gar keine. Nachdem
-wir die Einteilung auf den Bleistreifen aufgezeichnet haben, schneiden
-wir die Doppelplatten heraus (Abb. 55).
-
-[Illustration: Abb. 55. Eine Doppelplatte.]
-
-[Illustration: Abb. 56. Maschine zum Ausstanzen der Löcher.]
-
-Um die wirksame Fläche der Platten zu vergrößern, müssen wir sie
-mit einer großen Anzahl von Löchern versehen; wir wollen auf jeden
-Quadratzentimeter Fläche ein 4 _mm_ weites Loch annehmen. Wir ritzen
-gitterartig Linien auf den Doppelplatten (Abb. 55) ein, deren erste
-5 _mm_ vom Rande entfernt ist, während jede folgende 1 _cm_ von der
-vorhergehenden absteht, somit fünf Linien parallel zu den langen,
-20 parallel zu den kurzen Seiten. In den 100 Schnittpunkten beider
-Liniensysteme sind die Löcher auszustanzen, wozu wir uns eine
-einfache Maschine anfertigen, die Abb. 56 im Schnitt zeigt. Auf ein
-2 _cm_ starkes quadratisches Brett wird eine Eisenplatte genagelt
-oder besser in das Brett eingelassen; sie enthält in ihrer Mitte ein
-Loch, das 4 _mm_ weit sein und möglichst scharfe Kanten haben soll.
-Außerdem verschaffen wir uns eine genau in das Loch passende, also
-auch 4 _mm_ starke Eisenstange (_f_), die 7 bis 8 _cm_ lang und auf
-einem Ende möglichst eben und scharfkantig abgefeilt sein muß. An
-zwei gegenüberliegenden Stellen am Rande des Brettes _a_ werden zwei
-2 bis 3 _cm_ dicke Holzklötzchen (_c_ und _d_) und über diese eine
-3 _cm_ starke und etwa 5 _cm_ breite Leiste (_e_) aufgenagelt. In
-letztere wird genau über dem Loch in der Eisenplatte eine Durchbohrung
-angebracht, die so weit ist, daß die Eisenstange _f_ leicht, doch ohne
-zu viel Spielraum zu haben, hindurchgeschoben werden kann. Ebenso
-erhält das Brett _a_ eine sich nach unten erweiternde Fortsetzung
-(_b_) des Loches in der Eisenplatte. Die Stange _f_ muß, durch die
-Bohrung in _e_ gesteckt, genau auf das Loch in der Platte stoßen. Wir
-legen nun die Bleiplatte so auf diesen Apparat, daß eine der durch
-die Schnittpunkte der eingeritzten Linien bezeichneten Stellen genau
-unter den etwas in die Höhe gehobenen Stab _f_ zu liegen kommt, auf
-den nun mit dem Hammer ein kräftiger Schlag ausgeübt wird; ein kleines
-Bleischeibchen fällt dann zu dem Loche _b_ heraus. Wir verschieben
-nun die Bleiplatte bis zum nächsten Schnittpunkt und wiederholen die
-gleiche Manipulation, und so fort, bis alle 1000 Löcher durchgestanzt
-sind. Wer etwas Mühe sparen will, kann vier Doppelplatten, die dann
-beim Montieren die beiden äußersten Platten in jeder Zelle bilden,
-ungelocht lassen.
-
-[Illustration: Abb. 57. Eine zusammengebogene Doppelplatte.]
-
-Nun wird jede Doppelplatte II bis IX so zusammengebogen, daß die
-beim Ausstanzen oberen Seiten nach innen kommen, jedoch ohne
-einander zu berühren (Abb. 57); die Platte X läßt sich entsprechend
-längs der mittleren Langseite biegen. Die beiden Platten I muß man
-unter Zwischenlegen von Glasröhren einstweilen zusammenbinden.
-In ein genügend weites und tiefes Glasgefäß stellen wir fünf der
-zusammengebogenen Doppelplatten, durch Glasröhren voneinander getrennt,
-so ein, daß die erste, dritte und fünfte ihre Fortsätze nach links
-haben, die zweite und vierte nach rechts; ebenso in einem zweiten
-Glas die übrigen fünf Platten. Beide betten wir in eine mit Sägemehl
-angefüllte Kiste und verbinden nun die sechs Fortsätze der einen Seite
-untereinander mit einem Kupferdraht, ebenso die vier Fortsätze der
-anderen Seite. Die beiden Drahtenden führen wir zu zwei Klemmschrauben,
-die wir an der Kiste angebracht haben, und bezeichnen das Drahtende,
-das von den sechs Fortsätzen kommt, mit - (minus), das andere mit +
-(plus). Nun werden die beiden Gefäße mit verdünnter Schwefelsäure --
-1 Teil Schwefelsäure auf 9 Teile Wasser -- soweit angefüllt, daß die
-Platten, von den Fortsätzen abgesehen, vollständig in der Flüssigkeit
-stehen. Um die Platten zur weiteren Behandlung geeigneter zu machen,
-werden sie geladen und zwar zuerst in umgekehrter Richtung, das
-heißt der ~positive~ Pol des Ladestromes wird mit dem ~negativen~ des
-Akkumulators, und der ~negative~ mit dem ~positiven~ verbunden. So läßt
-man 2 Stunden lang einen 1½ Ampere starken Strom bei mindestens 5 Volt
-hindurchgehen. Dann dreht man den Strom um und verbindet die positiven
-Pole miteinander und ebenso die negativen und ladet nun 5 Stunden. Wir
-können nun den gleichen Vorgang wiederholen, das heißt wieder 2 Stunden
-verkehrt und 5 richtig laden, doch ist dies nicht unbedingt nötig. Nach
-dem Laden sehen die vier positiven Platten schwarzbraun, die sechs
-negativen grau aus. Sie werden nun alle aus den Gefäßen herausgenommen
-und an einem Platze, wo die verdünnte Schwefelsäure nichts schaden
-kann, zum Abtropfen aufgestellt. Unterdessen rühren wir in einem
-irdenen oder porzellanenen Schälchen etwa 150 _g_ Mennige und in einem
-anderen ebensoviel Bleiglätte mit verdünnter Schwefelsäure (1 : 10)
-zu einem dicken, jedoch noch gut plastischen, nicht zu trockenen Brei
-an. Dann nehmen wir eine der positiven (braunen) Doppelplatten heraus,
-biegen sie auseinander, legen sie auf eine ebene Unterlage, streichen
-die Löcher gut mit dem Mennigebrei aus und bedecken die Platte außerdem
-noch 1 _mm_ hoch damit. Ist dies geschehen, so wird die Bleiplatte
-wieder zusammengebogen, diesmal aber, ohne einen Zwischenraum darin
-zu lassen; dann legt man sie zwischen zwei Bretter und beschwert
-diese mit ein paar Kilogramm. Genau so wird mit den übrigen braunen
-Platten verfahren und auch mit den grauen, nur daß letztere mit der
-gelben Bleiglätte behandelt werden. Wer eine zarte Haut, oder gar
-wunde Stellen an den Fingern hat, unterlasse es ja, das Auftragen
-des mit verdünnter Schwefelsäure angerührten Breies mit den Fingern
-zu besorgen, obwohl diese die besten Instrumente für solche Arbeit
-sind. Man schnitze sich ein flaches Stäbchen und besorge es damit.
-Wer dennoch die Hände dazu gebrauchen will, stelle eine Schüssel mit
-Wasser, in das er soviel Ammoniak (Salmiakgeist) gegeben hat, daß
-es stark danach riecht, neben sich und halte die Hände alle 2 bis 3
-Minuten einige Sekunden hinein, oder ziehe Gummihandschuhe an. Sind
-Kleidungsstücke mit Schwefelsäure bespritzt worden, so betupfe man
-sie an der betreffenden Stelle reichlich mit Salmiakgeist. Nun wird
-jede Platte für sich in saubere (alte) Leinwand -- man kann sich zu
-diesem Zweck auch billigen Schirting kaufen, der aber vor dem Gebrauch
-gewaschen werden muß -- eingehüllt und so einen Augenblick in verdünnte
-Schwefelsäure getaucht; dann werden je fünf Platten aufeinander und
-die beiden Stöße nebeneinander gelegt und mit etwa 50 kg beschwert. So
-bleiben sie über eine Nacht; dann werden sie wieder ausgepackt und 24
-Stunden in verdünnte Schwefelsäure gestellt. Endlich werden sie wieder
-herausgenommen und an einem geschützten, aber nicht etwa geheizten Orte
-zum Trocknen aufgestellt.
-
-[Illustration: Abb. 58. Das Vernieten der Platten.
-
-(Es sind hier sechs Lochreihen statt fünf angenommen.)]
-
-Um die beiden Hälften der einzelnen Platten fest zusammen zu halten,
-werden sie miteinander vernietet. Man bohrt an den in der Abb. 58
-mit Sternchen bezeichneten Stellen Löcher und steckt kurze Stückchen
-Bleidraht von entsprechender Dicke hindurch, so daß sie auf jeder Seite
-1 _mm_ herausragen mögen. Da das Blei sehr weich ist, so fällt es nicht
-schwer, die Drahtstückchen durch einfaches Klopfen mit dem Hammer so zu
-vernieten, daß sie nicht mehr über die Platte herausragen.
-
-Damit sind die Hauptbestandteile des Akkumulators, die Platten,
-fertig, und wir können zu ihrem Einbau in die Glasgefäße schreiten.
-Da die Bleiplatten nicht unmittelbar auf dem Boden aufstehen dürfen,
-weil sonst etwa abbröckelnde Stückchen von Bleioxyd einen Kurzschluß
-verursachen könnten, so stellen wir sie auf zwei 1 _cm_ starke
-Glasröhren, die wir auf dem Boden jedes Gefäßes mit ein paar Tropfen
-Siegellack befestigen. Jetzt können die Platten eingesetzt werden,
-wieder wie vorher, die Fortsätze der negativen auf der einen, die
-der positiven auf der anderen Seite. Jede Platte ist dabei von der
-folgenden durch je zwei 3 bis 4 _mm_ dicke Glasröhren zu trennen.
-Statt der Glasröhren kann man auch starkwandigen, entsprechend
-dicken Gummischlauch verwenden. Der Rand des Glasgefäßes soll 2 bis 3
-_cm_ höher als der obere Rand der Platten sein, da die Schwefelsäure
-mindestens einen halben Zentimeter hoch über den Platten stehen soll
-und außerdem noch ein gut schließender Deckel angebracht werden muß.
-Wir füllen das Glas bis 1,5 _cm_ vom oberen Rande mit Wasser und
-achten dabei besonders darauf, daß die Bleifortsätze und der Teil der
-inneren Glaswand, der nicht unter Wasser ist, völlig trocken bleiben,
-da sonst die abschließende Vergußmasse nicht genügend fest haften
-bleibt. Nun wird in der einen Ecke des Behälters mit etwas Wachs ein 3
-bis 4 _mm_ weites Glasröhrchen angebracht, das oben mit dem Gefäßrand
-abschneidet und unten gerade noch unter den Wasserspiegel taucht. In
-der Mitte stellen wir auf die Platten ein 1 _cm_ weites, 2 bis 3 _cm_
-langes Glasröhrchen. Dann wird in einem kleinen Pfännchen oder in einem
-Blechlöffel Paraffin geschmolzen und in möglichst heißem Zustand auf
-das Wasser gegossen, wo es sich dann rasch verbreitet und erstarrt.
-Es soll überall an den Glaswänden und den Bleistreifen gut anliegen;
-nötigenfalls gießt man noch etwas nach. Die Paraffinschicht braucht
-nicht stärker als etwa 2 _mm_ zu sein; denn der eigentliche Verschluß
-wird genau so hergestellt, wie dies oben beim Trockenelement schon
-beschrieben wurde. Ist der Guß völlig erkaltet, so gießen wir das
-Wasser aus.
-
-Es sind nun noch die Bleifortsätze zusammenzulöten. Wir biegen die vier
-Bleistreifen der negativen Platten nach der Mitte zusammen, umwinden
-sie mit einem Draht, so daß sie fest aneinander liegen, und schmelzen
-die Oberfläche der vier Enden mit einem bis zur Rotglut erhitzten
-und reichlich mit Salmiak gereinigten Lötkolben zusammen; Lötwasser
-darf dabei ~nicht~ verwendet werden. Ebenso werden die Streifen der
-positiven Platten miteinander vereinigt. Gleichzeitig können wir sowohl
-an den negativen wie an den positiven Fortsätzen je einen 10 bis 20
-_cm_ langen starken Bleidraht anschmelzen.
-
-Jetzt haben wir den Akkumulator nur noch zu füllen: wir gießen
-in 9 Volumteile ~destilliertes~ Wasser 1 Volumteil konzentrierte
-reine Schwefelsäure (unter Beobachtung der bereits erwähnten
-Vorsichtsmaßregeln). Nachdem sich die Flüssigkeit abgekühlt hat,
-wird die Akkumulatorenzelle damit angefüllt und das in den Verschluß
-eingegossene Glasrohr in der Mitte mit einem _Gummi_stöpsel
-verschlossen, während das kleine in der Ecke offen bleibt.
-
-[Illustration: Abb. 59. Fertige Akkumulatorzelle.]
-
-Die nun fertige Zelle wird in einem geeigneten Holzkasten in Sägemehl
-eingebettet. An dem Holzkasten bringen wir zwei Klemmschrauben an,
-zu denen die Bleidrähte geführt werden. Mit roter Ölfarbe wird unter
-jede Klemme das ihr zukommende Vorzeichen gesetzt. Abb. 59 zeigt den
-fertigen Akkumulator. Über das Laden und den Gebrauch der Akkumulatoren
-wird weiter unten (S. 80/81) noch ausführlich gesprochen werden; jetzt
-wollen wir noch sehen, wie wir uns auf einfache Weise selbst gute
-Gefäße für Akkumulatoren herstellen können.
-
-[Illustration: Abb. 60. Der Boden des Holzgestelles.]
-
-[Sidenote: Herstellung von Glasbehältern.]
-
-Wir verwenden gewöhnliche Glasplatten, etwa alte photographische
-Platten, von denen die Schicht abzuwaschen ist, und schneiden uns für
-jede Zelle fünf Scheibchen -- vier Seiten und eine Bodenfläche -- in
-passender Größe. Dann fertigen wir uns aus Zigarrenkistenholz ein
-Gestell, in welches die zugeschnittenen Gläser gerade hineinpassen, und
-dessen Herstellungsweise aus den beiden Abb. 60 und 61 hervorgeht. Die
-etwa 1 _cm_ breiten Holzleistchen müssen, wenn sie geschnitten sind,
-mit Glaspapier schön geglättet und dann einige Minuten in Paraffin
-gekocht werden. Hierauf läßt man sie abkühlen, schabt das oberflächlich
-anhaftende Paraffin mit einem Messer ab und setzt die Leistchen, wie
-Abb. 61 zeigt, zu dem Gestell zusammen. Nun bereiten wir uns wieder den
-bekannten Kolophonium-Wachskitt, nehmen aber diesmal etwas mehr Leinöl,
-etwa 3 bis 3,5 _g_ auf 10 _g_ Kolophonium. Mit dieser kleberigen,
-fadenziehenden Masse bestreichen wir zuerst die Ränder des Scheibchens,
-das den Boden bilden soll, und legen es an seinen Platz im Gestell;
-ebenso verfahren wir dann mit den für die Seitenwände bestimmten
-Glasplatten, die darauf zwar alle schon fest zusammenhalten, aber noch
-nicht genügend dicht schließen.
-
-[Illustration: Abb. 61. Das Holzgestell.]
-
-Einen an Leinöl ärmeren Kitt (0,5 bis 1 _g_ : 10 _g_), dem wir etwas
-gewöhnlichen Asphalt (3 _g_) zusetzen, erhitzen wir unter tüchtigem
-Umrühren bis zum Sieden[3] und gießen damit die inneren Kanten des
-Gefäßes aus. War der Guß genügend heiß, so wird er sich überall gut an
-das Glas angeschlossen haben, was man daran erkennt, daß die Masse
-in den Kanten hohl liegt, wie dies in Abb. 62 _a_ angedeutet ist. Ist
-sie dagegen nicht in dieser Weise auf die Glasplatten übergeflossen,
-sondern zusammengeballt geblieben, wie in Abb. 62 _b_, so muß man
-sie an Ort und Stelle mit einem dicken, glühenden Nagel nochmals zum
-Schmelzen bringen, wobei sie sich dann richtig an das Glas anschmiegt.
-Ein anderer für solche Zwecke ebenfalls sehr geeigneter Kitt wird
-dadurch hergestellt, daß man erst 50 Teile Kolophonium schmilzt, dann
-50 Teile rohes Bienenwachs zugibt und in der siedenden Masse 10 bis 20
-Teile Guttapercha auflöst. Endlich können wir die Kittfugen noch mit in
-Alkohol gelöstem roten Siegellack überstreichen, der aber vollkommen
-trocken sein muß, bevor die Gläser gefüllt werden.
-
-[Illustration: Abb. 62. Ausgießen der Kanten des Gefäßes.]
-
-Die Rahmen für solche Gefäße können wir uns auch aus Blechstreifen
-zusammenlöten, doch ist gerade bei Akkumulatoren paraffiniertes Holz
-vorzuziehen, da Metall von der Säure sehr stark angegriffen wird. Die
-Glasplatten halten auch ganz ohne Rahmen sehr fest zusammen, doch sind
-sie in solchen vor dem Zerbrechen mehr geschützt und können bequemer
-getragen werden. Sollen sie dennoch ohne Gestell gefertigt werden, so
-ist es zu empfehlen, die zusammenzukittenden Ränder der Glasscheiben
-vorher mit Flußsäure rauh zu machen. (Über die Handhabung der Flußsäure
-siehe Seite 12.) Auf alle Fälle müssen sie unbedingt rein sein, weshalb
-sich ein vorheriges Abwaschen mit Natronlauge empfiehlt. Die so
-gereinigten Stellen sollen mit den Fingern nicht mehr berührt werden.
-
-~Für die Bedienung und Instandhaltung der Akkumulatoren~ beachte man
-folgendes: Jede geladene Akkumulatorenzelle hat eine Spannung von 2,2
-(max.) Volt. Beim Zusammenschalten mehrerer Zellen gilt genau das
-gleiche, was auf den folgenden Seiten allgemein von Elementen gesagt
-ist. Der Ladestrom für eine Akkumulatorenbatterie muß immer eine etwas
-höhere Spannung haben, als die geladene Batterie. Die Stromstärke
-richtet man mit Hilfe eines Regulier- oder Lampenwiderstandes
-(siehe Anhang) so ein, daß beim Beginn der Ladung gerade eben eine
-leichte Gasentwicklung zu bemerken ist; es sollen nur vereinzelte
-kleine Gasbläschen von den Platten aufsteigen. Die Ladung soll dann
-bei gleichbleibendem Strom so lange fortgesetzt werden, bis die
-Gasentwicklung anfängt stürmisch zu werden. Man kann im allgemeinen
-rechnen, daß der Ladestrom pro Quadratdezimeter Oberfläche der
-positiven Platten während 8 bis 10 Stunden mit 0,5 Ampere wirken
-soll. Stärker darf auch der Entladestrom nicht sein; nur ganz kurze
-Augenblicke (5 bis höchstens 10 Sekunden) kann man etwa die vierfache
-Stromstärke dem Akkumulator entnehmen, ohne ihn zu schädigen.
-
-Der obere Plattenrand soll immer von der Säure bedeckt sein; ist
-sie durch Verdunsten weniger geworden, so wird destilliertes Wasser
-nachgegossen. Sollen mehrere Zellen dauernd zu einer Batterie
-vereinigt werden, so dürfen die Verbindungen nur aus Blei (Draht oder
-Blechstreifen) bestehen und müssen in der oben angegebenen Weise
-verschmolzen werden. Man sehe immer von Zeit zu Zeit zwischen den
-Platten durch, ob sich nichts dazwischen gesteckt hat, denn es kommt
-leicht vor, daß losgelöste Mennige zwischen den Platten Kurzschluß
-bildet; solche Teilchen sind zu entfernen. Akkumulatoren, die zum
-Laden nicht aus dem Haus getragen werden müssen, werden vorteilhaft
-nicht mit einem festen Verguß, sondern nur mit einem lose aufsitzenden
-Deckel verschlossen. Werden die Akkumulatorenzellen in Holzkästen
-eingebaut, so sollten diese stets seitliche Öffnungen haben, durch die
-man zwischen die Akkumulatorenplatten sehen kann. Sind Platten infolge
-langen Gebrauches schlecht geworden oder haben sie sich verbogen, so
-werden sie herausgenommen und getrocknet; dann entfernt man durch
-leichtes Klopfen alles lose sitzende Bleisuperoxyd und streicht
-in die mit verdünnter Schwefelsäure angefeuchtete Platte wie oben
-neuen Mennigebrei ein. Darauf werden die Platten zwischen feuchten
-Leinenlappen ein paar Stunden gepreßt und endlich wieder eingesetzt.
-
-[Sidenote: Kupronelement.]
-
-Endlich sei noch das Kupronelement (Kupferoxydelement) erwähnt, das
-wohl von allen primären Elementen -- so nennt man alle obengenannten
-Elemente zum Unterschied vom Akkumulator, den man auch sekundäres
-Element nennt -- das beste ist; es liefert bei 0,9 Volt einen sehr
-konstanten Strom und erfordert fast keine besondere Bedienung. Es hatte
-aber für Rudi einen sehr großen Nachteil: die guten Fabrikate sind sehr
-teuer und die billigeren älteren Konstruktionen nicht empfehlenswert.
-
-[Illustration: Abb. 63. Luftthermometer zum Nachweis des
-Peltiereffektes.]
-
-[Sidenote: Thermoelemente.]
-
-Zum Schluß seien auch noch die Thermoelemente erwähnt, die für unsere
-Zwecke nur theoretisches Interesse haben, da sie als Stromquellen
-nicht in Betracht kommen. Rudi führte in seinem Vortrage ungefähr
-folgendes aus: Wir haben gesehen, daß bei der Berührung von zwei
-verschiedenen Metallen auf diesen eine Spannungsdifferenz auftritt,
-die unter Zwischenschaltung von Elektrolyten recht groß werden kann.
-Es zeigen sich überhaupt immer eigentümliche Erscheinungen und nicht
-nur solche elektrischer Natur bei der Berührung verschiedener Stoffe.
-So hat man (Peltier) z. B. gefunden, daß die Temperatur der Lötstelle
-zweier verschiedener Metalle sich beim Stromdurchgang verändert,
-und zwar je nach den Metallen und der Stromrichtung positiv oder
-negativ. Zum Nachweis dieser Temperaturveränderung baute sich Rudi
-folgenden Apparat, der im wesentlichen zwei hintereinander geschaltete
-Luftthermometer darstellt. Die Anordnung erkennen wir aus der etwas
-schematisierten Abb. 63. Die Thermometergefäße bestehen aus zwei
-kurzen Stücken eines weiten Glasrohres _a_, _a₁_ (in der Abbildung
-im Schnitt gezeichnet), die beiderseits durch Korke verschlossen
-sind; die Korke _b_ und _b₁_ erhalten je ~eine~, _c_ und _c₁_ je zwei
-Bohrungen. Einen etwa 3 _mm_ starken Eisendraht _d_ hämmert man an
-seinen Enden _e_, _e_breit und schneidet gerade ab; an die dadurch
-entstandenen Schneiden lötet man die ebenso hergerichteten Enden je
-eines 3 _mm_ starken Kupferdrahtes _f_ und _f₁_; die freien Enden
-werden mit Klemmschrauben _g_ und _g₁_ versehen. Dieser Streifen
-_f_, _d_, _f₁_ wird mittels der Korke _b_ und _c_ so zwischen den
-beiden Glasrohrstücken festgehalten, wie dies aus der Figur erhellt.
-Durch die zweite Bohrung der beiden Korke _c_ und _c₁_ sind die oben
-rechtwinkelig umgebogenen Glasröhren _h_ und _h₁_ eingelassen, deren
-untere Enden durch den Gummischlauch _i_ miteinander verbunden sind.
-_h_ und _h₁_ sind etwa zur Hälfte mit irgend einer farbigen Flüssigkeit
-gefüllt. Die Korke werden mit Siegellack oder Kolophonium-Wachskitt
-abgedichtet. Der ganze Apparat ist auf einem Grundbrett _k_
-aufmontiert, auf dessen Unterseite die Leiste _l_ angeschraubt wird,
-die so hoch sein muß, daß _k_ mit der Tischebene einen Winkel von
-etwa 10° bildet. Leitet man von einem oder mehreren Elementen (bei
-Akkumulatoren muß, weil sonst durch Kurzschluß Schaden entstehen
-könnte, ein Widerstand vorgeschaltet werden) einen Strom z. B. von
-_g_ nach _g₁_, so sieht man, daß in _h_ die Flüssigkeit steigt und
-in _h₁_ entsprechend fällt; d. h. so viel, als daß sich die Luft in
-_a_ zusammenzieht, also ~abgekühlt~ wird, in _a₁_ sich ausdehnt,
-also ~erwärmt~ wird. Wird die Stromrichtung umgekehrt, so dreht sich
-auch die Temperaturerscheinung um. Indem man diesen Versuch auch mit
-anderen Metallen als mit Eisen und Kupfer ausführt, ergibt sich wie
-bei der Voltaschen Säule eine Spannungsreihe, in der die Metalle so
-angeordnet sind, daß, wenn der Strom von einem vorstehenden zu einem
-nachstehenden fließt, die Lötstelle immer abgekühlt wird und daß der
-Grad der Abkühlung umso stärker ist, je weiter die beiden Stoffe in der
-Reihe auseinanderstehen. Die wichtigsten Stoffe der Reihe sind: Wismut,
-Quecksilber, Platin, Gold, Kupfer, Zinn, Blei, Zink, Silber, Eisen,
-Antimon.
-
-Wenn man nun den Apparat so abändert, daß man den in Abb. 63 mit
-_d_ bezeichneten Eisendraht länger (etwa 20 _cm_) macht und ihn
-nicht in ein Luftthermometer einschließt, sondern die eine Lötstelle
-in eine Kältemischung (Salz-Eis), die andere in siedendes Wasser
-bringt, also die eine abkühlt und die andere erwärmt, und die Klemmen
-_g_ und _g₁_ mit einem Galvanoskop verbindet, so zeigt dieses das
-Vorhandensein eines Stromes an, der um so stärker ist, je größer die
-Temperaturdifferenz an den beiden Lötstellen ist. Untersucht man auch
-hier verschiedene Metalle, so ergibt sich die gleiche Spannungsreihe
-wie oben, bei welcher Anordnung der positive Strom an der wärmeren
-Lötstelle von einem in der Reihe früher zu einem in der Reihe später
-stehenden Metall fließt.
-
-Die in solchen Thermoelementen erzeugten Ströme, die thermoelektrischen
-Ströme, sind aber so schwach, daß sie in der Praxis nur für eine ganz
-spezielle Verwendung Bedeutung haben, nämlich zu Temperaturmessungen.
-Da man auch die schwächsten elektrischen Ströme noch mit großer
-Genauigkeit messen kann und da bei einem Thermoelement sich die
-allergeringste Temperaturänderung in einer, wenn auch geringen, so
-doch meßbaren Änderung des Thermostromes äußert, so benutzt man das
-Thermoelement, verbunden mit einem feinen Galvanometer, direkt zur
-Messung kleinster Temperaturdifferenzen.
-
-Nachdem wir die Herstellung der verschiedensten Elemente kennen gelernt
-haben, wollen wir hören, was Rudi über die Gesetze des galvanischen
-Stromes vorgetragen und welche erklärenden Versuche er dabei ausgeführt
-hat.
-
-[Sidenote: Die Gesetze des galvanischen Stromes.]
-
-Was wir unter elektromotorischer Kraft verstehen, haben wir schon
-gehört, wie auch, daß sie abhängig ist von der Größe der Spannung, die
-infolge der chemischen Einflüsse auf den beiden Elektroden auftritt.
-Noch nicht erwähnt haben wir, wie Rudi an einem sehr einfachen
-Experimente zeigte, von welcher Bedeutung für die elektromotorische
-Kraft eines Elementes sowohl die Natur der beiden Elektroden als auch
-die der Flüssigkeit sei: In ein Standglas mit Wasser stellte er eine
-Eisen- und eine Zinkplatte, die je mit einem längeren Draht versehen
-waren, und wies mit einem Multiplikator, dessen Herstellung später
-beschrieben wird (Seite 92 bis 96), das Vorhandensein eines sehr
-schwachen Stromes nach. Dann schaltete er den Multiplikator aus und
-eine 1,5 Volt-Glühlampe in den Stromkreis ein, die ~nicht~ glühte;
-aber als er etwas Schwefelsäure unter das Wasser mischte, begann der
-Kohlenfaden schwach rot zu werden, leuchtete aber erst dann hell auf,
-als die Eisenplatte durch eine solche von Kupfer ersetzt wurde.
-
-Ein zweiter Versuch sollte zeigen, daß je nach den Verhältnissen ein
-Strom bei gleichbleibender elektromotorischer Kraft verschieden stark
-sein kann: In den Stromkreis eines Leclanchéelementes schaltete Rudi
-mit zwei kurzen Drähten eine 1,5 Volt-Glühlampe ein, die hell glühte.
-Dann ersetzte er den einen der kurzen Drähte durch einen sehr langen
-und sehr dünnen Kupferdraht, worauf das Lämpchen nur noch mit halber
-Kraft glühte. Darauf vertauschte er den Kupferdraht mit einem kurzen
-Nickelindraht, und die Lampe wurde noch etwas dunkler. An Hand dieser
-Versuche wies er darauf hin, daß die Stärke eines Stromes nicht nur
-von der ihn treibenden Kraft abhängt, sondern auch von der Natur
-der ihn leitenden Stoffe und von der Länge und Dicke seines Weges.
-In dem langen Draht ist der Strom schwächer als in dem kurzen; bei
-gleichlangen Drähten verliert er in Nickelin mehr von seiner Kraft als
-in Kupfer, in einem dünnen Draht mehr als in einem dicken. Es scheinen
-also die Metalle zwar den Strom zu leiten, aber nicht, ohne ihm einen
-gewissen Widerstand entgegenzusetzen; denn sonst würde der Strom nicht
-in einem langen Leiter mehr geschwächt werden als in einem kurzen, in
-einem dünnen nicht mehr als in einem dicken. Auch leiten verschiedene
-Metalle verschieden gut. Haben wir nun recht aufgepaßt, so konnte uns
-nicht entgehen, daß wir es hier mit drei Größen zu tun haben: 1. mit
-der elektromotorischen Kraft, unmittelbar abhängig von der Spannung,
-die auf den Elektroden entsteht, und deren Maßeinheit das ~Volt~ ist;
-2. mit der Stromstärke, denn je heller die Lampe glühte, desto stärker
-mußte der sie durchfließende Strom sein; die Einheit für die Stärke
-oder die Intensität des Stromes ist 1 ~Ampere~; 3. mit dem Widerstand,
-den wir in ~Ohm~ messen. (Die elektromotorische Kraft sei fernerhin
-immer mit _E_, die Intensität des Stromes mit _J_ und der Widerstand
-mit _W_ bezeichnet; man setzt oft auch die Anfangsbuchstaben der drei
-Einheiten: _V_, _A_, _O_.) Durch genaue Messungen hat man nun ein sehr
-einfaches Gesetz gefunden, das zwischen diesen Größen besteht: es ist
-das Ohmsche Gesetz und sagt aus, daß _J_ umso größer ist, je größer _E_
-und je kleiner _W_ ist, oder in eine Formel gefaßt: _J_ proportional
-_E_/_W_. Man hat zur Vereinfachung die drei Einheiten so gewählt, daß
-sogar _J_ = _E_/_W_ ist. Daraus ergibt sich _E_ = _J_ · _W_, oder in
-Worten: _E_ ist umso größer, je größer _J_ und je größer _W_ ist;
-ferner ergibt sich, daß _W_ umso größer ist, je größer _E_ und je
-kleiner _J_ ist: _W_ = _E_/_J_.
-
-Des weiteren schaltete Rudi in den Stromkreis eines Leclanchéelementes
-eine 2 Volt-Glühlampe[4], die nur schwach glühte; dann schaltete
-er zwei Elemente hintereinander, das heißt so, daß er den Kohlepol
-des einen mit dem Zinkpol des anderen verband; als er nun die Lampe
-einschaltete, glühte sie hell. Diesen Vorgang erklärte er wie folgt:
-Wie schon erwähnt, besteht auf den Elektroden eines Elementes eine
-Spannungsdifferenz; hier beträgt sie etwa 1 Volt; das Zink hat eine
-Ladung ~negativer~ Elektrizität von ½ Volt, das Kupfer eine solche
-~positiver~ Elektrizität von ½ Volt. Bringe ich nun das Zink mit der
-Erde in leitende Verbindung, so sinkt sein Potential (= Spannung) auf
-den Wert 0; da aber die Spannungsdifferenz des Elementes immer gleich
-1 ist, so muß nun das Potential des Kupfers auf 1 Volt steigen. Bringe
-ich das Zink in Verbindung mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine,
-so steigt seine Spannung auf 100000 Volt und folglich die des Kupfers
-auf 100001 Volt. Daraus ergibt sich nun folgende praktisch sehr
-wichtige Tatsache: Schalte ich eine größere Anzahl von Elementen,
-sagen wir zehn, so, daß jeweils die negative Elektrode des einen mit
-der positiven des nächsten verbunden wird, so wirkt in der dadurch
-entstandenen Reihe (Kette) eine zehnmal größere elektromotorische
-Kraft als in ~einem~ Element; denn nehmen wir die Spannung auf dem
-Kupfer des ersten Elementes als 1 Volt an, so werden alle mit ihm
-verbundenen aber sonst isolierten Leiter dieselbe Spannung annehmen.
-In unserem Fall wird das Zink des zweiten Elementes ebenfalls die
-Spannung von 1 Volt erhalten, damit steigt aber das Potential des
-Kupfers im zweiten Element auf 2 Volt; da mit dieser Kupferplatte aber
-die dritte Zinkelektrode ebenfalls eine Spannung von 2 Volt erhält, so
-steigt diese beim dritten Kupferpol auf 3 Volt und so fort, bis wir
-bei der zehnten und letzten positiven Elektrode eine Spannung von 10
-Volt haben. Bei dem Zink des ersten Elementes haben wir das Potential
-0 angenommen und so ergibt sich eine Spannungsdifferenz von 10 Volt;
-es ist also auch die elektromotorische Kraft dieser Kette zehnmal
-größer als die eines einzelnen Elementes. Wir können nun aber auch alle
-gleichnamigen Elektroden miteinander verbinden, also die Zinkplatten
-aller Elemente zusammen und die Kupferplatten zusammen; dadurch
-gewinnen wir an elektromotorischer Kraft nichts. Die Vorteile dieser
-Schaltungsweise werden wir nachher kennen lernen.
-
-Wir können nun mit Hilfe des Ohmschen Gesetzes einige einfache
-Berechnungen machen. Nehmen wir an, wir hätten eine Anzahl von
-Elementen und einen Stromkreis von einem bestimmten Widerstand
-gegeben. Wir wollen nun berechnen, wie wir die Elemente schalten
-müssen, ob hintereinander oder nebeneinander, um einen möglichst
-starken Strom zu erhalten. Nehmen wir ein Bunsenelement und verbinden
-wir seine Pole mit irgend einem Widerstand (z. B. einer Glühlampe),
-so ist nach dem Ohmschen Gesetz die Intensität des Stromes gleich
-der elektromotorischen Kraft des Bunsenelementes dividiert durch den
-gesamten Widerstand; dabei ist nicht zu vergessen, daß der Strom
-auch die Flüssigkeit des Elementes zu passieren hat und in ihr einen
-Widerstand findet, der umso kleiner ist, je größer und einander näher
-die Elektroden sind; man nennt ihn den ~inneren~ Widerstand des
-Elementes.
-
-Vereinige ich nun etwa zehn Elemente so, daß ich jeweils den Kupferpol
-des einen mit dem Zinkpol des nächsten verbinde, also hintereinander
-oder, wie man auch zu sagen pflegt, in Serie, so tritt in dieser
-Anordnung von Elementen die zehnfache elektromotorische Kraft eines
-einzigen Elementes auf. Aber auch der innere Widerstand ist nun zehnmal
-so groß, so daß sich für die gesamte Stromstärke ergibt: ~zehnfache
-elektromotorische Kraft eines Bunsenelementes geteilt durch den äußeren
-Widerstand plus dem zehnfachen inneren eines Elementes~; oder in einer
-Formel geschrieben: _J_ = 10 _E_/(_O_ + 10 _W_). Dabei sei mit _O_ der
-äußere, mit _W_ der innere Widerstand bezeichnet. Ist nun der äußere
-Widerstand so klein im Verhältnis zum inneren, daß wir ihn, ohne einen
-allzu großen Fehler zu begehen, vernachlässigen können, so haben wir
-_J_ = 10 _E_/(10 _W_) oder _J_ = _E_/_W_. In diesem Falle ist es also
-ziemlich gleich, ob man ein oder zehn hintereinander geschaltete
-Elemente benützt.
-
-Ist dagegen der äußere Widerstand sehr groß, so daß man ihm gegenüber
-den inneren vernachlässigen kann, so ist annähernd: _J_ = 10 _E_/_O_.
-Diesmal haben wir also beinahe die zehnfache elektromotorische Kraft,
-als wenn wir nur ~ein~ Element benützten.
-
-Nun kann man aber auch die zehn Elemente so zusammenschalten, daß man
-einerseits alle Zink-, anderseits alle Kohlenelektroden miteinander
-verbindet, das heißt, wie schon erwähnt, daß man sie alle nebeneinander
-schaltet. Dadurch gewinnen wir zwar nichts an elektromotorischer Kraft,
-dafür haben wir aber nur ⅒ des inneren Widerstandes eines einfachen
-Elementes. Die Stromstärke berechnet sich hier also folgendermaßen:
-_J_ = _E_/(_O_ + ⅒ _W_).
-
-Nehmen wir nun den äußeren Widerstand sehr klein an, so ist _J_ =
-_E_/(⅒ _W_) = 10 _E_/_W_, die Intensität ist also nahezu zehnmal so
-groß, als wenn wir nur ein Element gebrauchten. Ist umgekehrt dagegen
-der äußere Widerstand sehr groß, so ist _J_ = _E_/_O_, also nicht
-stärker als bei nur einem Element.
-
-Daraus ergibt sich also die Regel:
-
-Will man von einer Anzahl von Elementen einen möglichst starken Strom
-erhalten, so schalte man sie bei einem sehr großen äußeren Widerstand
-hintereinander, bei einem sehr kleinen dagegen nebeneinander. Wir
-können auch die beiden Schaltungsweisen kombinieren, je nachdem es das
-Verhältnis des äußeren zum inneren Widerstand als günstig erscheinen
-läßt. Abb. 64 zeigt fünf verschiedene Schaltungsweisen.
-
-[Illustration: Abb. 64. Darstellung fünf verschiedener Schaltungsarten.]
-
-Bei all diesen Versuchen hatte Rudi, um die verschiedenen Stromstärken
-sichtbar zu machen, sich kleiner Glühlampen bedient. Er tat dies, um
-nicht Apparate verwenden zu müssen, die er erst später beschreiben
-wollte. Bei manchen Versuchen wäre es trotzdem geeigneter gewesen, wenn
-er sich des Galvanoskopes oder eines Voltmeters bedient hätte. Da für
-die nächsten Versuche diese Apparate unumgänglich nötig sind, so seien
-sie an dieser Stelle beschrieben.
-
-[Illustration: Abb. 65. Galvanoskop.]
-
-[Sidenote: Einfaches Galvanoskop.]
-
-Um einen aus einem Pappestreifen gebogenen Rahmen wickeln wir einige
-Windungen von isoliertem Kupferdraht auf. In den Rahmen stellen wir
-einen gewöhnlichen Kompaß und drehen nun ersteren so, daß seine
-Windungen parallel der Magnetnadel verlaufen. Schicken wir dann
-einen Strom durch den Draht, so wird die Magnetnadel aus ihrer
-Nord-Südrichtung abgelenkt und kommt in einer zu den Windungen nahezu
-senkrechten Stellung wieder zur Ruhe. Rudi hatte sich in dieser Art
-besonders für Demonstrationszwecke einen ziemlich großen Apparat
-hergestellt (Abb. 65). Auch die große, 10 _cm_ lange Magnetnadel hatte
-er sich selbst gefertigt, indem er ein Stück einer alten Uhrfeder
-zuerst völlig durchglühte, ihm dann durch Beschneiden mit einer
-Blechschere die doppelte Lanzettform gab und in die Mitte ein Loch
-bohrte, durch das er, nachdem er die Nadel wieder gehärtet hatte,
-ein auf einer Seite zugeschmolzenes kurzes Glasröhrchen (etwa 5 _mm_
-lang) steckte, um es dann mit etwas Siegellack zu befestigen (besser
-wäre auch hier unser Kolophonium-Leinölkitt). Durch Streichen mit
-einem starken Magneten verlieh er nun der Nadel eigenen Magnetismus.
-Eine durch einen Kork gesteckte Nähnadel bildete die Spitze, auf der
-die Nadel schwebte. Wie Magnete herzustellen sind, werden wir noch an
-anderer Stelle des Buches (S. 103) ausführen.
-
-[Sidenote: Vertikalgalvanoskop.]
-
-Für den Nachweis sehr schwacher Ströme genügt jedoch dieses Instrument
-nicht; auch ist es, selbst wenn es noch so groß ausgeführt ist,
-zur Demonstration wenig geeignet, da man es, um Beobachtungen zu
-machen, von oben betrachten muß. Rudi hatte sich deshalb auch noch
-ein Vertikalgalvanoskop hergestellt. Abb. 66 zeigt ein solches von
-ziemlich einfacher Art. Der Rahmen, auf den der isolierte Kupferdraht
-aufgewunden wird, ist 10 _cm_ lang, 0,5 _cm_ breit, 3 _cm_ tief und ist
-aus dünnem Zink- oder Messingblech gefertigt. Abb. 67 zeigt das Netz,
-Abb. 68 den fertigen Rahmen, der auf der Außenseite mit einem dicken
-Schellacküberzug versehen und dann mit 30 bis 40 _m_ eines 0,5 bis 0,6
-_mm_ starken isolierten Kupferdrahtes umwickelt wird.
-
-[Illustration: Abb. 66. Vertikalgalvanoskop.]
-
-[Illustration: Abb. 67. Netz für das Vertikalgalvanoskop.]
-
-[Illustration: Abb. 68. Rahmen.]
-
-Nun biegen wir uns einen 2 bis 3 _mm_ starken Messingdraht so wie den
-in Abb. 66 mit _b_ bezeichneten und befestigen an ihm den Blechrahmen
-in der ebenfalls aus der Abbildung hervorgehenden Weise. Auf den beiden
-oberen Rändern des letzteren werden noch zwei Blechstreifchen (_d_)
-angelötet, die als Lager für die Achse dienen und deren Form Abb. 69
-_d_ zeigt. Bei einem Mechaniker kaufen wir uns einen flachen, etwa
-9 _cm_ langen Stabmagneten (_e_) -- wir können ihn uns auch selbst
-anfertigen, wie es bei der magnetelektrischen Maschine beschrieben
-ist --, den wir in der Mitte mit einem Band aus Messingblech (_m_)
-versehen. Dabei legen wir die Enden des Bandes nicht übereinander,
-sondern biegen sie nach oben und löten sie zusammen. Dadurch entsteht
-eine kleine Lasche, welche wir durchbohren, um das 1,5 _cm_ lange
-Stück einer Stricknadel (_l_) hindurchzuschieben und festzulöten.
-Außerdem wird daran ein etwa 10 _cm_ langer, 1 _mm_ starker Kupferdraht
-(_f_) angelötet. An der Unterseite des Bandes wird ein kürzeres Stück
-Draht angelötet, an welchem wir ein kleines Scheibchen aus Bleiblech
-(_n_) befestigen. An dem Draht _f_ bringen wir ein Scheibchen aus
-Messingblech (_k_) so an, daß wir es verschieben können, außerdem
-an seinem oberen Ende eine herzförmige Zeigerspitze (_g_) aus rotem
-Papier. Über dem gebogenen Teil des Drahtes _b_ (Abb. 66) befestigen
-wir eine aus weißem Karton ausgeschnittene Skala (_h_). Nun sind die
-beiden Drahtenden der Spule noch zu zwei Klemmen (_i_, _i_) auf dem
-Grundbrette zu führen, und der Apparat ist fertig.
-
-[Illustration: Abb. 69. Stabmagnet.]
-
-Obgleich das eben beschriebene Instrument schon recht empfindlich ist
--- die Empfindlichkeit läßt sich durch Verschieben der Messingscheibe
-_k_ nach oben vermehren, durch Verschieben nach unten verringern --, so
-wird es uns nicht für alle Fälle genügen, und wir wollen deshalb sehen,
-wie wir uns einen Apparat fertigen können, der an Empfindlichkeit für
-schwache elektrische Ströme nichts zu wünschen übrig läßt.
-
-[Sidenote: Der Multiplikator.]
-
-Der Multiplikator, wie man ein solches Instrument nennt, ist im Prinzip
-nicht anders konstruiert, als die beiden obigen Apparate: ein Magnet,
-der sich senkrecht zu den vom Strome durchflossenen Windungen einer
-Drahtspule zu stellen sucht.
-
-[Illustration: Abb. 70. Multiplikator im Vertikalschnitt.]
-
-Abb. 70 zeigt uns den Multiplikator im Vertikalschnitt: _a_ ist ein
-kreisrundes Grundbrett, an dessen Rande drei verstellbare Schrauben die
-Füße bilden. Auf dem Brett liegen mit 3 bis 4 _mm_ Zwischenraum zwei
-Drahtspulen nebeneinander (_b_ und _c_), die beide im allgemeinen genau
-so zu verfertigen sind, wie die des Vertikalgalvanoskopes, nur müssen
-sie kleiner sein als jene, etwa 7 _cm_ lang, 2 _cm_ breit, und es darf
-der Spulenrahmen nicht aus Weißblech gemacht werden, wie überhaupt
-jede Spur von Eisen an dem Apparat zu vermeiden ist. Für die Rahmen
-verwenden wir dünnes Zink-, Kupfer- oder Messingblech, oder wir kleben
-sie aus Karton zusammen. Das Bewickeln hat für jede Spule mit 30 bis
-34 _m_ 0,4 _mm_ starken Drahtes zu geschehen, und es muß jede Lage von
-der nächsten durch ein in Schellackfirnis getränktes Papier getrennt
-werden. Man sehe sich vor, daß die Isolierung des Drahtes nirgends
-verletzt werde. Die fertigen Spulen klebt man mit Schellack in 3 bis 4
-_mm_ Abstand genau in die Mitte des Grundbrettes. Die beiden äußeren
-Drahtenden werden zu zwei Klemmen auf den Rand des Brettes _a_ geführt,
-die beiden inneren werden miteinander verbunden. Sind die Spulen
-richtig gelegt worden, so muß ein elektrischer Strom ~beide~ in der
-~gleichen~ Richtung durchfließen.
-
-Bei diesem Instrument kommt nun nicht nur ~eine~ Magnetnadel
-zur Verwendung, sondern ein System von zweien, ein sogenanntes
-~astatisches Nadelpaar~. Dies besteht aus zwei miteinander verbundenen
-und parallelen Magnetnadeln, die mit den ungleichnamigen Polen
-übereinanderliegen. Von einer ziemlich dünnen Stricknadel schneiden
-wir uns zwei Stäbchen ab, das eine 6 _cm_, das andere 7 _cm_ lang. Die
-beiden Enden des längeren schleifen wir auf einem Schleifsteine zu
-feinen Spitzen aus. Die Nadeln werden dann, nachdem sie magnetisiert
-sind, in einem Abstande, der sich aus der Dicke der Spulen ergibt (5
-bis 7 _mm_), so miteinander verbunden, wie es Abb. 71 darstellt: mit
-einem geglühten und mit Glaspapier gereinigten, etwa 8 _mm_ starken
-Kupfer- oder Messingdrahte wird die Mitte zuerst der kürzeren, dann mit
-dem richtigen Abstande die der längeren Nadel umwunden und schließlich
-das Ende des Drahtes zu einem Häkchen umgebogen, dessen oberste Stelle
-genau über der Mitte der beiden Nadeln liegen muß. Um der Befestigung
-noch mehr Halt zu geben, löten wir die Windungen des Kupferdrahtes
-zusammen. Dies hat mit einem Lötkolben zu geschehen und muß möglichst
-rasch ausgeführt werden, damit die Härte des Stahles der Nadeln nicht
-durch zu große Erhitzung leidet.
-
-[Illustration: Abb. 71. Astatisches Nadelpaar.]
-
-Zum Aufhängen des Nadelpaares an einem Seidenfaden dient uns der
-Drahtbogen _e_, der aus 3 bis 4 _mm_ starkem Messingdrahte gebogen ist
-und mindestens 20 _cm_ hoch sein soll. Nachdem wir die beiden Schenkel
-des Bogens unten in das Grundbrett eingelassen und befestigt haben,
-sägen wir ihn oben in der Mitte auseinander, um zwischen die dadurch
-entstandenen Enden ein 4 bis 5 _mm_ weites dünnwandiges Messingröhrchen
-einzulöten, wie es Abb. 72 _a_ im Schnitt, _b_ in der Ansicht zeigt. Da
-in diesem Röhrchen der Stift _f_ (Abb. 70), der als Aufhängepunkt für
-den Seidenfaden dient, verschiebbar sein soll, so müssen die Wandungen
-des Röhrchens federnd an ihm anliegen, was dadurch erreicht wird,
-daß wir es von oben und unten mit zwei Sägespalten versehen (siehe
-Abbildung 72 _b_) und dann seitlich etwas zusammendrücken. An dem Stift
-_f_, der oben mit einem Knopf, unten mit einem Häkchen zu versehen ist,
-werden einige nicht gedrehte Kokonfäden (_g_) befestigt, deren unteres
-Ende in das Ringchen des Nadelpaares eingeknüpft wird. Die für diesen
-Zweck geeignetsten Kokonfäden sind als Seidenumspinnung an den ~guten~
-elektrischen Kabelschnüren zu finden. Auch aus loser, nicht zu stark
-gedrehter Stickseide können wir gute Kokonfäden herausziehen. Der Faden
-muß so lang sein, daß bei einer mittleren Stellung des Stiftes _f_
-die untere Nadel genau in der Mitte des Hohlraumes der beiden Spulen
-schwebt; die obere Nadel ist so weit von der unteren entfernt, daß sie
-nun einige Millimeter über der oberen Fläche der Spulen steht, auf
-welche noch eine mit einer Gradeinteilung versehene runde Kartonscheibe
-(_h_) aufgeklebt wird; diese muß in ihrer Mitte einen 7 _cm_ langen, 4
-_mm_ breiten Spalt haben, damit man die Nadel herausnehmen kann.
-
-[Illustration: Abb. 72. Messingröhrchen für den Multiplikator.]
-
-Damit wäre unser Multiplikator in der Hauptsache fertig, nur müssen
-wir die überaus leicht bewegliche Nadel vor Luftströmungen schützen
-können, was wir durch eine über den ganzen Apparat gestülpte Glasglocke
-erreichen. Wir können uns aber auch selbst eine durchsichtige
-Schutzhülle herstellen, die uns nicht so teuer zu stehen kommt, indem
-wir uns aus ebenen Glasplatten einen viereckigen Kasten nach Art
-der auf Seite 79 beschriebenen Glasbehälter fertigen. Wer gar einen
-unbrauchbar gewordenen, noch nicht zerschnittenen ~Rollfilm~ erhalten
-kann, der verfahre wie folgt: Sagen wir, die Schutzhülle soll einen
-Durchmesser von 10 _cm_ und eine Höhe von 20 _cm_ bekommen. Wir
-schneiden uns von dem Film, der etwa 10 _cm_ breit sein mag, zwei 32
-_cm_ lange Stücke ab und befreien sie durch Abwaschen in mäßig warmem
-Wasser von ihrer Gelatineschicht. Aus starkem Karton kleben wir uns
-einen 10 _cm_ weiten und 1 _cm_ breiten Ring, den wir mit Essigäther,
-welcher ein Lösungsmittel für Zelluloid ist, bestreichen, und ziehen
-dann den Filmstreifen darüber, dessen übereinanderfallende Ränder wir
-ebenfalls mit Essigäther bestreichen und zusammenkleben. Den zweiten
-Streifen kleben wir oben an dem ersten an. Dadurch ist ein etwa 20 _cm_
-hoher Zylinder entstanden, dessen oberer Rand, wie der untere, noch
-durch einen Kartonstreifen verstärkt wird. Die eine der Öffnungen des
-Zylinders wird mit einer kreisrunden Zelluloidscheibe zugeklebt, und
-die Schutzhülle ist fertig.
-
-[Sidenote: Volt- und Amperemeter.]
-
-Die oben beschriebenen Apparate dienen, wie der Name schon sagt, mehr
-dazu, das ~Vorhandensein~ galvanischer Ströme gewissermaßen sichtbar
-(Galvano~skop~) zu machen, weniger um ihre Stärke zu messen; dazu
-gebrauchen wir besondere Meßinstrumente, ~Voltmeter~ und ~Amperemeter~
-(Galvano~meter~).
-
-[Illustration: Abb. 73. Schema eines Voltmeters.]
-
-Abb. 73 zeigt uns das Schema eines Voltmeters. An dem Grundbrette _a_,
-das mit Stollen versehen wird, ist die Rückwand _b_ angeschraubt. Auf
-_a_ befestigt ist die Drahtspule _c_, deren Bewickelung sich nach
-der Größe der mit dem Instrument zu messenden Spannungen richten
-muß. _d_ ist ein Eisenkern aus gut durchgeglühtem weichem Eisen,
-der mit einer Drahtschlinge an dem Hebel _e_ aufgehängt ist. Abb.
-74 zeigt diesen Hebel in etwas größerem Maßstabe: Ein dünnes etwa 1
-_cm_ langes Messingröhrchen (_m_), das glatt über einen 3 bis 4 _cm_
-langen Messingstift paßt, dient als Lager im Drehpunkt des Hebels. Der
-Hebel selbst (_h_ in Abb. 74) wird aus 1 _mm_ starkem Messingblech
-geschnitten und auf _m_ angelötet. Das Verhältnis der Armlängen geht
-aus der Figur hervor. Der Zeiger _z_ wird aus Kupferdraht hergestellt
-und an _h_ angelötet. Der Messingstift _f_ ist in _b_ eingelassen. Die
-Spiralfeder _g_ ist aus etwa 0,5 _mm_ starkem ungeglühtem Kupferdraht
-hergestellt und soll einen Durchmesser von 1 bis 1,5 _cm_ haben.
-Entsprechend den drei Einschnitten im Hebel sind auf dem Brett _b_
-drei Häkchen, _h₁_,_ h₂_, _h₃_ angebracht; dadurch kann man die
-Feder an drei verschiedenen Punkten des Hebels angreifen lassen und
-damit die Empfindlichkeit des Instrumentes regulieren. _i_ ist ein
-Kartonstreifen, auf den die Skala eingezeichnet wird.
-
-[Illustration: Abb. 74. Hebel.]
-
-Für unsere Zwecke wird für die Spule eine Bewickelung von 40 _m_
-eines 0,3 bis 0,5 _mm_ starken Kupferdrahtes geeignet sein. Da nun
-ein Voltmeter, um als solches zu dienen, nicht in den Hauptstromkreis
-eingeschaltet werden darf, sondern im Nebenschluß liegen muß, so müssen
-wir einen Draht von geringerem Widerstand als dem der Spule auf der
-Rückseite des Brettes _b_ anbringen. Wir verwenden dazu einen 1 _mm_
-starken, 5 _m_ langen Kupferdraht, dessen Enden wir wie auch die der
-Spule zu Klemmen führen, die auf dem Grundbrette _a_ angebracht sind.
-Näheres über die Schaltungsweise werden wir später hören.
-
-Ein Amperemeter unterscheidet sich nur dadurch von einem Voltmeter,
-daß es in den Hauptstromkreis eingeschaltet wird und deshalb die
-Windungen der Spule in geringerer Zahl und von dickerem Draht sein
-müssen. Wir werden also etwa 3 bis 5 _m_ eines 1,5 bis 2 _mm_ starken
-Kupferdrahtes verwenden. Bei einem Mechaniker lassen wir uns die
-Instrumente durch Vergleich mit guten Präzisionsapparaten eichen.
-
-Abb. 75 zeigt uns eine andere Konstruktion eines Galvanometers welches
-dadurch wirkt, daß sich in einer Drahtspule eine feste Eisenplatte und
-ein bewegliches Eisenplättchen befinden; geht nun ein Strom durch den
-Draht, so werden beide Eisenteile gleichnamig magnetisch und stoßen
-einander ab.
-
-[Illustration: Abb. 75. Andere Konstruktion eines Galvanometers.]
-
-[Illustration: Abb. 76. Rahmen des Galvanometers.]
-
-Wir stellen uns aus dünnem Messingblech einen Rahmen her, dessen Form
-Abb. 76 zeigt; die vordere Begrenzungsplatte ist in der Abbildung
-weggelassen; sie soll ziemlich größer sein als die hintere und auch
-aus etwas stärkerem Blech hergestellt werden. Auf dem Boden des
-Rahmens befestigen wir eine 2 bis 3 _mm_ starke Eisenplatte. In dem
-Winkel, den diese Eisenplatte mit der geraden Seitenwand des Rahmens
-bildet, soll die Drehungsachse für das bewegliche Plättchen liegen.
-Da die Lagerreibung möglichst gering sein muß, stellen wir uns ein
-Spitzenlager her: Ein Eisenstäbchen, 2 _mm_ stark und 3 _mm_ länger
-als der Rahmen, wird an beiden Enden spitz zugefeilt. Nun wird aus
-dünnem Weißblech ein rechteckiges Plättchen geschnitten, dessen Größe
-sich aus der Konstruktion ergibt und außerdem aus Abb. 75 zu ersehen
-ist und das, wie der aus Kupferdraht herzustellende Zeiger, an das
-Eisenstäbchen anzulöten ist (siehe Abb. 77). Sowohl an der vorderen
-als auch an der hinteren Begrenzungsplatte werden zwei kleine Arme
-(_e_ in Abb. 78) so angebracht, daß sie noch in die Öffnung des
-Rahmens hineinragen. Beide erhalten je an einem ihrer Enden kleine
-kegelförmige Vertiefungen (mit dem Körner einzuschlagen!), die zur
-Aufnahme der Spitzen des Eisenstäbchens dienen. Einer dieser Arme darf
-angelötet sein, während der andere mit zwei Schrauben befestigt wird.
-Für die Bewickelung gilt bei diesem Instrument das gleiche wie bei dem
-oben beschriebenen. Bevor wir jedoch den Draht auf den Metallrahmen
-aufwinden, müssen wir ihn mit in Schellack getränktem Papier umkleben.
-
-[Illustration: Abb. 77. Das Plättchen mit Zeiger.]
-
-[Illustration: Abb. 78. Anbringen der Arme zur Aufnahme der Spitzen des
-Eisenstäbchens.]
-
-Ein rechteckiges Brettchen wird auf ein Grundbrett aufgeschraubt
-und erhält oben eine Öffnung, die so groß ist, daß wir den hinteren
-Teil des Rahmens durchschieben können, daß sie aber von der
-vorderen Begrenzungsplatte ganz bedeckt wird; letztere wird mit
-vier Schrauben an dem Brett befestigt. Jetzt soll der Zeiger nicht
-senkrecht herunterhängen, sondern unten etwas nach links sehen; das
-Eisenplättchen soll horizontal liegen, mit dem Zeiger einen Winkel von
-100 bis 110° bilden und in einem Abstand von höchstens 2 _mm_ über der
-Eisenplatte schweben. Ist es so leicht, daß es dem nach links ragenden
-Zeiger nicht das Gleichgewicht halten kann, so hilft man sich, indem
-man es mit einigen Tropfen Siegellack beschwert. Die Drahtenden werden
-zu Klemmen geführt, und schließlich wird die Skala angebracht, wie dies
-oben beschrieben wurde.
-
-[Sidenote: Die Messbrücke.]
-
-Zur Bestimmung von Widerständen bedient man sich im allgemeinen der
-sogenannten Wheatstoneschen Brücke, die sehr einfach und leicht
-herzustellen ist. Abb. 79 gibt die Ansicht einer solchen von oben,
-Abb. 80 einen Querschnitt. _a_ ist ein 10 _cm_ breites, 1,10 _m_
-langes Brett aus gutem Holz (etwa Nußbaum); darauf aufgeschraubt sind
-in einem Abstand von 2 _cm_ die beiden Leisten _b₁_ und _b₂_, zwischen
-denen der 3 _cm_ lange Schieber _c₁_ sich hin und her schieben läßt.
-Auf diesen Schieber wird ein Messingblech aufgeschraubt, dessen Form
-aus Abb. 80 II (von oben gesehen) und III (von der Seite gesehen) zu
-erkennen ist. An den Enden des Brettes werden zwischen den Leisten _b₁_
-_b₂_ quadratische Brettchen aufgeleimt; auf diesen werden je mit einer
-Klemmschraube die Enden eines 1 _mm_ starken Nickelindrahtes befestigt.
-Der Draht muß gut angespannt sein und genau in der Mitte zwischen _b₁_
-und _b₂_ verlaufen; außerdem muß er auf der Spitze des Kontaktbleches
-_e_ fest aufliegen. Auf dem Brettchen _b₂_ wird nun noch ein Metermaß,
-auf dem auch die Millimeter eingezeichnet sind, angebracht und auf dem
-Schieber eine Noniuseinteilung, deren Nullpunkt ~genau~ vor der Spitze
-des Kontaktbleches _e_ liegen muß.
-
-[Illustration: Abb. 79. Die Wheatstonesche Brücke.]
-
-[Illustration: Abb. 80. Querschnitt der Wheatstoneschen Brücke.]
-
-Nun brauchen wir noch einen oder mehrere Vergleichswiderstände, das
-heißt Drähte, deren Widerstände, in Ohm gemessen, uns bekannt sind.
-In den einschlägigen Geschäften kann man sich geeichte Widerstände
-kaufen. Außerdem sei erwähnt, daß ein 1 _m_ langer und 0,5 _mm_ starker
-Nickelindraht einen Widerstand von etwa 2 Ohm, und daß ein 4 _m_ langer
-und 0,3 _mm_ starker Kupferdraht einen solchen von ungefähr 1 Ohm
-besitzt.
-
-[Illustration: Abb. 81. Der Kommutator.]
-
-[Illustration: Abb. 82. Seitenansicht des Kommutators.]
-
-[Sidenote: Der Kommutator.]
-
-Es fehlt uns nun noch der Kommutator oder Stromwender, das ist eine
-Einrichtung, um mit einem einfachen Handgriff die Richtung des Stromes
-in einer Leitung zu ändern. An den beiden Schmalseiten eines Brettchens
-(_B_ in Abbildung 81) befestigen wir je zwei Klemmschrauben (_a_,
-_b_, _c_, _d_). Dann machen wir zwei 5 _mm_ starke und 7 _cm_ lange
-Messingblechstreifen (_e₁_ _e₂_) durch kräftiges Hämmern federnd und
-geben ihnen die aus Abb. 82 (Seitenansicht) zu erkennende Form. Ihre
-Mitten werden mit einem Hartgummi- oder Beinstäbchen (_f_), welches
-mit Nieten befestigt wird, verbunden. Die nicht aufgebogenen Enden der
-Federstreifen werden durchbohrt und bei α und β so angeschraubt, daß
-sie sich gerade noch leicht drehen lassen. Die in Abb. 81 mit I, II,
-III bezeichneten Punkte sind drei flachgewölbte, messingene Ziernägel,
-die so anzubringen sind, daß jeweils zwei davon unter den Enden der
-Federn _e₁_ und _e₂_ liegen. Nun werden die Klemmen _a_ mit α und _b_
-mit β durch ein kurzes Stück Kupferdraht, das beiderseits anzulöten
-ist, verbunden. Ebenso werden I mit _c_, II mit _d_ und III wieder mit
-_c_ verbunden. Die einzelnen Verbindungsdrähte dürfen nicht in leitende
-Verbindung miteinander kommen, die Enden von _e₁_ und _e₂_ müssen
-federnd und fest auf den Nagelköpfen aufliegen. Verbinde ich nun den
-positiven Pol einer Stromquelle mit _a_, den negativen mit _b_, so ist
-bei der in Abb. 81 gezeichneten Stellung der Federn _d_ die positive
-und _c_ die negative Klemme. Schiebe ich nun die Messingstreifen so,
-daß sie die Köpfe II und III berühren, so wird _c_ positiv und _d_
-negativ.
-
-Nachdem wir nun mit der Beschreibung aller der Apparate, die Rudi im
-weiteren Verlauf seines Vortrages gebrauchte, zu Ende gekommen sind,
-wollen wir in nachstehendem hören, welche Versuche er damit anstellte.
-
-[Sidenote: Der Einfluss des galvanischen Stromes auf den Magneten.]
-
-Rudi legte seine große Magnetnadel auf die Spitze des Gestelles, das
-er sich für das elektrische Flugrad (Seite 17) gemacht hatte, und
-versah deren nach Norden zeigende Spitze mit einem roten, die nach
-Süden zeigende mit einem weißen Papierchen, um die Bewegungen der
-Nadel deutlicher sichtbar zu machen. Er zeigte mit einem gewöhnlichen
-Stabmagnet die Anziehung und Abstoßung der ungleichnamigen und
-gleichnamigen Pole. Dann leitete er durch einen einfachen, zur Spirale
-gewundenen Draht einen starken Akkumulatorenstrom -- dabei durfte er
-die Einschaltung eines Widerstandes (siehe Anhang) nicht vergessen,
-da es sonst einen Kurzschluß (Seite 153) gegeben hätte -- und zeigte,
-daß diese Spirale die gleichen Eigenschaften aufwies, wie der Magnet.
-Nun ließ er von seiner Schwester den Strom ausschalten und zog die
-Spirale auseinander, so daß er einen gestreckten Draht in den Händen
-hatte, welchen er parallel über die wieder zur Ruhe gekommene Nadel
-hielt. Als Käthe den Strom wieder einschaltete, wurde die Nadel von
-ihrer Nord-Südrichtung abgelenkt. Die gleichen Versuche machte Rudi mit
-einigen aus ~vielen~ Windungen bestehenden Drahtspulen, wies auf die
-nun erhöhte Wirkung hin und erklärte, daß die Wirkung einer solchen
-Spule umso größer ist, je größer das Produkt aus der Zahl der Amperes
-und der Zahl der Windungen (~Amperewindungen~) ist.
-
-[Sidenote: Die Kraftlinien.]
-
-Um den Begriff der Kraftlinien zu erläutern, legte Rudi einen
-starken Stabmagneten unter einen weißen Karton, den er mit feinen
-Eisenfeilspänen bestreute und durch Klopfen mit dem Finger leicht
-erschütterte; dabei ordneten sich die Eisenspäne nach den Kraftlinien
-des Magneten. Solche Kraftlinienbilder hatte sich Rudi schon vor dem
-Vortrag mehrere hergestellt und sie durch sehr reichliches Bestäuben
-mit Fixativ fixiert; diese gab er nun seinen Hörern, da die Linien
-des anderen beim Herumgeben zu bald zerstört worden wären. Um zu
-zeigen, daß sich um jeden Strom, auch wenn er geradlinig verläuft, ein
-kreisförmiges magnetisches Feld ausbreite, steckte Rudi durch das Loch
-einer dünnen Messingscheibe, die er mit Eisenfeile bestreute, einen 3
-_mm_ starken Kupferdraht, mit dem er seine Akkumulatorenbatterie ~nur
-einige Sekunden~ kurz schloß, während er gleichzeitig die Blechscheibe
-etwas erschütterte; dabei ordneten sich die Feilspäne in konzentrischen
-Ringen um den Draht herum. (Man sei bei diesem Versuche vorsichtig,
-da der Draht durch den Kurzschluß bis zum Glühen oder gar Schmelzen
-erhitzt werden kann!) Wie sich nun diese Kraftlinien bei einer Spule so
-vereinigen, daß sie eine ähnliche Anordnung wie beim Magneten erhalten,
-erläuterte Rudi an einer Tafel, auf der das in Abb. 83 wiedergegebene
-Bild aufgezeichnet war. Bei dieser Gelegenheit wies er auch darauf hin,
-daß die Größe der magnetischen Kraft mit der Zahl der Kraftlinien, die
-z. B. durch 1 _qcm_ gehen, also mit der Dichte der Linien wächst.
-
-[Illustration: Abb. 83. Verlauf der Kraftlinien in einer vom
-elektrischen Strome durchflossenen Drahtspirale.]
-
-[Sidenote: Der Elektromagnet.]
-
-Für den nächsten Versuch stellte Rudi eine Spule (mit etwa 300
-Windungen) so in der Nähe seiner Magnetnadel auf, daß diese, sobald
-durch jene ein Strom in Stärke von drei Leclanché-Elementen floß, ein
-wenig abgelenkt wurde. Ohne den Strom auszuschalten, schob er dann
-einen Eisenstab in die Spule; dadurch wurde die magnetische Kraft
-sofort um so viel stärker, daß die Magnetnadel ganz nach der Spule
-hingezogen wurde. Dabei wies er darauf hin, daß jetzt die Kraftlinien
-der Windungen nicht mehr ~allein~ wirken, sondern auch das Eisen
-selbst magnetisch machen und dieses nun eigene Kraftlinien erzeugt.
-Ferner erwähnte er, daß sich nicht alle Sorten von Eisen gleich stark
-vom elektrischen Strome magnetisieren lassen und daß weiches Eisen
-sich ganz anders verhalte wie Stahl. Er tauchte ein Stück eines gut
-durchgeglühten 3 _mm_ starken Eisendrahtes in Eisenfeilspäne, welche
-~nicht~ angezogen wurden; dann steckte er über den Draht eine kleine
-vom Strom durchflossene Spule, und nun wurden die Feilspäne angezogen;
-darauf entfernte er die Drahtrolle, und die Späne fielen herab.
-Denselben Versuch machte er auch mit einer stählernen Stricknadel; als
-er aber hierbei die Drahtspule entfernte, fielen die Feilspäne nicht
-herab, sondern blieben hängen. Die Erklärung dieser Vorgänge führte
-Rudi etwa folgendermaßen aus: Wir müssen uns die Moleküle des Eisens
-als mit zwei magnetischen Polen versehen vorstellen. Für gewöhnlich
-liegen diese kleinsten Teile gänzlich ungeordnet, so daß sie ihre
-magnetischen Wirkungen gegenseitig aufheben. Durch die Kraftlinien
-einer magnetischen Drahtspule werden die Moleküle so geordnet, daß nach
-der einen Richtung alle ihre nordmagnetischen Pole, nach der anderen
-alle südmagnetischen zeigen; dadurch summieren sich ihre Wirkungen,
-so daß an den Enden des Stabes der stärkste Magnetismus auftritt,
-wie dies ja auch beim gewöhnlichen Stahlmagneten der Fall ist. Wird
-der elektrische Strom unterbrochen, so fallen beim weichen Eisen die
-Moleküle wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. Anders dagegen beim
-Stahl oder auch schon beim gehärteten Eisen. Wir wollen einmal das
-Stück von weichem Eisendraht, das, wie wir vorhin gesehen haben, nur so
-lange magnetisch blieb, als es vom Strome umflossen war, härten, indem
-wir es in glühendem Zustande in kaltes Wasser tauchen, und dann den
-Versuch wiederholen. Nun verhält es sich, wie vorhin die Stricknadel,
-es behält seinen Magnetismus; glühen wir es wieder aus, so verliert es
-ihn wieder. Vollständig verliert dagegen selbst das weichste Eisen den
-ihm einmal beigebrachten Magnetismus nicht; der zurückbleibende Rest
-wird ~remanenter~ Magnetismus genannt. Darüber werden wir im nächsten
-Vortrag noch ausführlicher sprechen.
-
-In dem nächsten Versuch erläuterte Rudi die Beziehung zwischen
-Stromrichtung und Magnetpol. Er stellte einen Elektromagneten so
-weit von der großen Magnetnadel auf, daß diese gerade noch deutlich
-sichtbar abgelenkt wurde. In den Stromkreis der Drahtspule hatte er den
-Kommutator eingeschaltet, mit dessen Hilfe er -- nachdem er ihn zuvor
-kurz beschrieben hatte -- die Stromrichtung änderte. Dadurch wurde die
-vorhin angezogene Nadelhälfte jetzt abgestoßen, und die andere strebte
-nun dem Elektromagneten zu. Rudi wies darauf hin, daß die Bezeichnung
-der Pole von der Stromrichtung abhinge und zeigte diese Tatsache auch
-an dem Vertikalgalvanoskop, dessen Zeiger bei der einen Stromrichtung
-nach rechts, bei der anderen nach links hin ausschlug. An dieser Stelle
-erwähnte Rudi auch die Amperesche Schwimmerregel: Denkt man sich in dem
-Draht der Magnetisierungsspirale in der Richtung des positiven Stromes
-schwimmend, so daß man mit dem Gesicht dem Magnetstab zugewendet ist,
-so muß dessen Nordpol zur linken Seite des Schwimmers entstehen.
-
-Über einige praktische Anwendungen des Elektromagneten, wie elektrische
-Klingel, Telegraph u. s. w. werden wir im nächsten Vortrage hören;
-jetzt wollen wir noch die Wirkungsweise der einzelnen Meßinstrumente
-genauer kennen lernen.
-
-[Sidenote: Die Wirkungsweise der Messinstrumente.]
-
-Das einfache Nadelgalvanoskop ist nichts anderes als eine flache
-Drahtspule, durch welche, sobald sie ein Strom durchfließt, Kraftlinien
-laufen, die die Magnetnadel in ihre Richtung zwingen. In der gleichen
-Weise kommt die Wirkung des Vertikalgalvanoskopes zu stande.
-
-Ebenso verhält sich der Multiplikator; nur daß wir hier eine durch
-vier Umstände erhöhte Empfindlichkeit haben. Erstens ist die
-Beeinflussung der Erde auf das Nadelpaar sehr herabgesetzt, da die
-beiden ungleichnamig übereinanderliegenden Pole nach entgegengesetzten
-Richtungen streben. Sie spielen trotzdem in die Nord-Südrichtung ein,
-da der Magnetismus der oberen (längeren) Nadel etwas stärker ist.
-Zweitens haben wir bei diesem Instrument ~zwei~ Drahtspulen, also
-mehr Amperewindungen und damit mehr Kraftlinien. Drittens wirken die
-Kraftlinien nicht nur innerhalb der Spule auf das Nadelpaar, sondern
-auch außerhalb, und zwar auf beide Nadeln in gleicher Weise -- obgleich
-diese mit den ungleichnamigen Polen übereinanderliegen -- da die
-Kraftlinien außerhalb der Windungen in entgegengesetzter Richtung
-laufen, wie die innerhalb der Windungen. Viertens bietet die Art der
-Aufhängung am Kokonfaden der Drehung nur einen sehr geringen Widerstand.
-
-Die Wirkungsweisen der beiden auf Seite 96 bis 99 beschriebenen
-Instrumente ist dort schon hinreichend erklärt worden; wir wollen jetzt
-nur noch hören, warum das Voltmeter, entgegengesetzt dem Amperemeter,
-im Nebenschluß liegen muß. Doch bevor wir das verstehen können, müssen
-wir die Spannungsverhältnisse an den verschiedenen Stellen eines vom
-Strome durchflossenen Leiters kennen lernen.
-
-[Sidenote: Das Spannungsgefälle.]
-
-Zu dem Versuch, den wir dabei ausführen, müssen wir schon einen
-praktischen Gebrauch von dem im Nebenschluß liegenden Voltmeter machen.
-Wir verbinden die Pole eines Bunsenelementes mit einem etwa 1 _m_
-langen, zum Kreise gebogenen Nickelindrahte von 0,5 _mm_ Stärke. Dann
-führen wir von den beiden Stellen des Drahtkreises, die den Polen des
-Elementes am nächsten liegen, je einen Kupferdraht zu den Klemmen
-unseres Voltmeters, das, wenn wir es für diesen Versuch verwenden
-wollen, mindestens Zehntelvolt anzeigen muß. Ist unser Instrument
-nicht so empfindlich, so müssen wir statt ~eines~ 5 bis 10 Elemente
-hintereinandergeschaltet oder unser Vertikalgalvanoskop verwenden,
-das freilich nur die relativen, nicht die absoluten Spannungsgrößen
-angibt. Verwenden wir das Voltmeter, so müssen wir den auf der Rückwand
-angebrachten Nebenschlußdraht ~ausschalten~, da der Nickelindraht nun
-seine Stelle vertritt. (Für die weiteren Betrachtungen nehmen wir an,
-wir hätten das in Abb. 66 dargestellte Vertikalgalvanoskop verwendet.)
-Nachdem wir also die genannte Verbindung hergestellt haben, werden
-wir einen Ausschlag der Nadel nach rechts etwa bis zur Ziffer 6 der
-Skala bekommen. Rücken wir nun die beiden Drahtenden, die wir um den
-Nickelindraht herumgebogen haben, von den Polen des Elementes weg
-und der Mitte des Drahtes zu, so wird der Ausschlag der Nadel immer
-kleiner und kleiner, bis sie auf 0 zur Ruhe gekommen ist. Jetzt werden
-die verschobenen Drahtenden noch 10 oder 20 _cm_ voneinander entfernt
-sein. Wir schalten, ohne im übrigen etwas zu verändern, statt des
-Galvanoskopes unseren Multiplikator ein, der, da er viel empfindlicher
-ist, jetzt noch kräftig ausschlägt. Wir schieben nun die Drahtenden
-noch weiter zusammen, bis auch dieses Instrument keinen Strom mehr
-anzeigt; sie werden dann nur noch wenige Zentimeter voneinander
-entfernt sein.
-
-[Illustration: Abb. 84. Schematische Darstellung eines
-Stromkreislaufes.]
-
-Diese Erscheinung erklärte Rudi an zwei Zeichnungen, die er in großem
-Maßstabe ausgeführt hatte und die in den Abb. 84 und 85 dargestellt
-sind. Eine Glasröhre sei mit verdünnter Schwefelsäure gefüllt und
-einerseits mit einer Kupferplatte _K_, anderseits mit einer Zinkplatte
-_Z_ verschlossen, so daß sie ein Voltasches Element bildet; von _Z_
-nach _K_ führt ein Draht. Wir haben dann einen geschlossenen Stromkreis
-_K_--_a_--_Z_--_b_--_K_. Bei _K_ haben wir ½ Volt positiver Spannung;
-wie wir vorhin gesehen haben, sinkt diese, je weiter wir uns der
-Mitte (_a_) des Drahtes nähern, bis sie hier auf dem Wert 0 angelangt
-ist. Gehen wir noch weiter, so sinkt die positive Spannung noch mehr,
-das heißt sie geht in eine negative Spannung über, bis sie bei _Z_
-den Wert −½ Volt erreicht hat. Verfolgen wir nun die Potentiale
-auch in der Flüssigkeit, so finden wir, daß bei _Z_ ein plötzlicher
-Wechsel eintritt: von −½ Volt (der Zinkplatte) steigt die Spannung
-(der Flüssigkeit) auf +½ Volt, um von da ab wieder bis 0 (bei _b_)
-zu sinken, bis sie bei _K_ wieder den Wert −½ Volt erreicht hat.
-Den plötzlichen Wechsel der Potentiale bei _K_ und _Z_ verursacht
-die elektrische Scheidekraft, die Kraft, der wir das Entstehen der
-elektromotorischen Kraft verdanken. In Abb. 85 sei _~KZ~_ ein vom
-Strome durchflossener Leiter. Bei _K_ hat die Spannung den positiven
-Wert _~KA~_, bei den Punkten _a_, _b_, _c_, _d_ sinkt sie ständig (die
-Längen der Linien _~aa₁~_, _~bb₁~_, _~cc₁~_, _~dd₁~_ u. s. w.), bei _M_
-ist sie gleich 0 und bei _Z_ gleich dem negativen Wert _~ZB~_.
-
-[Illustration: Abb. 85. Schema des Spannungsgefälles.]
-
-[Illustration: Abb. 86. Schaltungsschema für Volt- und Amperemeter.]
-
-[Sidenote: Die Voltmeterschaltung.]
-
-Jetzt ist auch leicht zu verstehen, warum ein Voltmeter nicht wie
-das Amperemeter in den Hauptstromkreis eingeschaltet werden darf.
-Betrachten wir das Schema in Abb. 86: _A_ ist eine Stromquelle, _X_ ein
-Leitungsnetz, _B_ das in den Hauptstrom eingeschaltete Amperemeter,
-das, um dem Strom möglichst wenig Widerstand zu bieten, aus wenig
-Windungen eines dicken Drahtes besteht. Weil der Widerstand des
-Instrumentes nahezu gleich 0 ist, besteht auch zwischen den Klemmen
-α und β fast kein Spannungsunterschied. Anders verhält sich dies
-bei den beiden Punkten γ und δ, an welchen die Zuleitungsdrähte zum
-Voltmeter _C_ angeschlossen sind: Hier herrscht die Spannungsdifferenz,
-die die elektromotorische Kraft der Stromquelle bei dem Widerstand
-des Leitungsnetzes _X_ hervorzurufen im stande ist. Das Voltmeter
-besteht aus vielen Windungen eines dünnen Drahtes, damit es der
-Hauptleitung nicht zu viel Strom entziehe; denn durch den großen
-Widerstand des langen dünnen Drahtes fließt nur ein geringer
-Bruchteil des Hauptstromes, dem nur der vielmal kleinere Widerstand
-_X_ entgegensteht. Fehlt ein natürlicher Hauptstromkreis bei einer
-Stromquelle, deren Spannung gemessen werden soll, so muß er künstlich
-hergestellt werden (vergleiche Seite 97).
-
-[Sidenote: Widerstandsbestimmung.]
-
-Wir haben jetzt gesehen, wie wir Stromstärken und Spannungen messen
-können, und wollen nun noch eine einfache Art der Widerstandsbestimmung
-kennen lernen.
-
-[Illustration: Abb. 87. Wheatstonesche Brücke.]
-
-Lassen wir ~einen~ elektrischen Strom durch zwei gleiche Drähte
-fließen (_a_, α, _b_ und _a_, β, _b_ in Abb. 87) und verbinden zwei
-beliebige Stellen (α und β) dieser Leitungen miteinander, so wird nur
-dann ein Strom durch diese Verbindung, die auch ~Brücke~ genannt wird,
-fließen, wenn die Spannungen an den beiden Anschlußstellen (α und β)
-verschieden sind, das heißt, wenn an den Enden des Verbindungsstückes
-eine Potentialdifferenz besteht. Ist diese nicht vorhanden, so kann in
-αβ auch kein Strom fließen. Denken wir uns nun das Spannungsgefälle
-der beiden Drähte _a_, α, _b_ und _a_, β, _b_ graphisch dargestellt,
-so bekommen wir zweimal die Abb. 85. Markieren wir hier auf den
-beiden Abbildungen zwei Punkte gleicher Spannungen, z. B. _e_, so ist
-das Verhältnis _~Ke~_ : _~eZ~_ bei der einen Abbildung gleich dem
-Verhältnis _~Ke~_ : _~eZ~_ bei der anderen. Nehmen wir auch an, der
-Widerstand der beiden Zweigdrähte sei verschieden, so gilt doch das
-Gleiche. In Abb. 88 sei I der Zweigdraht mit größerem, II der mit
-geringerem Widerstand; die Spannung ist an den Enden beider gleich
-_~KA~_ und _~ZB~_, und nur die durch die Länge von _~KZ~_ ausgedrückten
-Widerstände sind verschieden. Zeichnen wir nun hier zwei Punkte
-gleicher Spannungen ein, z. B. in I ~α_x_~ und in II ~β _x_~, so ist
-auch hier ~_K_α~ : ~α_Z_~ = ~_K_β~ : ~β_Z_~. Das Gleiche gilt auch
-dann, wenn wir annehmen, daß einer der Zweigdrähte aus zwei Teilen mit
-verschiedenen Widerständen bestehe.
-
-[Illustration: Abb. 88. Spannungsgefälle in zwei verschiedenen
-Widerständen.]
-
-[Illustration: Abb. 89. Wheatstonesche Brücke.]
-
-Wir spannen nun einen homogenen, an allen Stellen gleichstarken Draht
-gerade aus, wie ~_ab_~ in Abb. 89, und betrachten ihn als einen Zweig
-unserer Doppelleitung, die vom Element _E_ gespeist wird; den anderen
-Zweig stellen wir zusammen aus einem unbekannten Widerstande _X_ und
-einem bekannten _V_ (Vergleichswiderstand). In die Brücke ~αβ~ schalten
-wir unseren Multiplikator _G_. Wenn es nicht der Zufall gerade gewollt
-hat, so ist jetzt die Spannung bei α nicht gleich der bei β, weshalb
-uns der Multiplikator einen Strom anzeigen wird. Verschieben wir nun
-das Drahtende bei β nach rechts oder links, so werden wir leicht die
-Stelle finden, die mit α auf gleicher Spannung ist, was wir daran
-erkennen, daß der Multiplikator keinen Strom mehr anzeigt. Daß der
-ausgespannte Draht ~_ab_~ dem Nickelindraht (_a_) unserer Meßbrücke
-(Seite 100) und das Drahtende β dem Schieber (_c_) gleichkommt, braucht
-nicht näher erwähnt zu werden. Da auf unserer Meßbrücke ein Maßstab
-angebracht ist, so können wir leicht das Verhältnis ~_a_β~ : ~β_b_~
-ablesen; wir wissen aber auch, daß dies gleich ~_a_α~ : ~α_b_~ ist.
-Nehmen wir an, daß der Schieber unserer Brücke, die in 100 Teile
-(Zentimeter) geteilt ist, bei 75 steht, ferner daß unser bekannter
-Widerstand 10 Ohm habe, so können wir folgende Proportion aufstellen:
-75 : 25 = _X_ : 10; daraus ergibt sich _X_ = 30 Ohm.
-
-Wollen wir genaue Messungen machen, so müssen wir zu den Verbindungen
-der einzelnen Apparate möglichst kurze und dicke Drähte verwenden,
-damit wir ihre Widerstände vernachlässigen können, ohne dabei einen
-merkbaren Fehler zu begehen.
-
-Will man Widerstände bei Anwendung von Wechselströmen (siehe vierter
-Vortrag) messen, so können zur Bestimmung der Stromlosigkeit der
-Brücke unsere bisher gebrauchten Apparate nicht verwendet werden. Man
-bedient sich in diesem Falle des Telephons (siehe Anhang). Wird dieses
-von einem Wechselstrom durchflossen, so gerät durch den Wechsel der
-Magnetpole die Membrane in Schwingung und gibt einen Ton von sich;
-ist es tonlos, so ist es auch stromlos. Hat man kein Telephon zur
-Verfügung, so genügt es, einen einfachen kleinen Elektromagneten mit
-möglichst vielen Windungen eines dünnen Drahtes in einem Kästchen
-einer Membran gegenüber zu bringen, wie das auch bei dem im Anhang
-beschriebenen Telephon gemacht ist.
-
-
- [2] Schwefelsäure zersetzt sehr rasch jede organische Substanz,
- weshalb man seine Hände und Kleider vorsichtig vor ihr schützen
- soll. Verdünnte Schwefelsäure wirkt nicht so rasch, doch hat man
- damit sich oder seine Kleider begossen, so unterlasse man es
- nicht, sofort mit Ammoniak (Salmiakgeist) die betreffenden Stellen
- abzuwaschen.
-
- [3] Das Schmelzen dieser sehr leicht entzündbaren Stoffe darf ~nie~
- auf dem ~offenen~ Feuer geschehen. Zwischen Schmelzgefäß und
- Flamme soll sich immer ein großes Stück Eisenblech oder ein Stück
- starken Drahtstramines befinden.
-
- [4] Man kann sich für diese Versuche auch des Vertikalgalvanoskopes
- (Abb. 66) bedienen, dessen Empfindlichkeit man durch Entfernen des
- Regulierschiebers an der Nadel herabgemindert hat.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Dritter Vortrag.
-
-Die praktische Anwendung des elektrischen Gleichstroms.
-
-
-[Illustration: Abb. 90. Rudi hält seinen dritten Vortrag.]
-
-Den dritten Vortrag bestimmte Rudi wieder für solche Hörer, bei denen
-er keinerlei Vorkenntnisse, außer solchen, die sie sich in seinem
-ersten Vortrag erworben hatten, vorauszusetzen brauchte. Er sprach
-deshalb auch hier nochmals, aber kürzer, über die ~Entdeckung des
-galvanischen Stromes~ und die ~Beschaffenheit eines Elementes~ sowie
-über die Zusammenstellung mehrerer Elemente zu einer ~Batterie~. Dann
-ging er dazu über, an der Hand der bereits bekannten Experimente
-den ~Einfluß des galvanischen Stromes auf den Magneten~ zu zeigen
-und die Beschaffenheit und Wirkung eines ~Elektromagneten~ zu
-erklären. Dann kam er auf die Beschreibung der ~elektrischen
-Klingel~, des ~Telegraphen~ und der ~Elektromotoren~ zu sprechen.
-Um auch das Wesen der Dynamomaschine erklären zu können, sprach
-er eingehender über ~Magnetinduktion~ und ~Induktionsströme~,
-beschrieb die ~magnetelektrische Maschine~ und führte schließlich die
-~Dynamomaschine~ vor. Die verschiedenen ~Ankerkonstruktionen~, wie
-~_T_-, Ring- und Trommelanker~, berührte er nur kurz. Damit hatte er
-hinreichend über die Erzeugung des galvanischen Stromes gesprochen
-und erklärte nun die ~elektrische Straßenbahn~, ~die Bogenlampe~,
-~das Glühlicht~, elektrisch betriebene ~Ventilatoren, Heiz- und
-Kochapparate~ u. s. w. Dann ging er zur Beschreibung des ~Akkumulators~
-über und sprach noch kurz über ~Spannungen~, ~Leitungsnetze~,
-~Sicherungen~ und ~Kurzschluß~, um mit einer an seine Ausführungen
-über Induktionsströme anschließenden Beschreibung des ~Telephons~ den
-Vortrag zu schließen.
-
-Auf dem Bild Seite 112 sehen wir Rudi, wie er nach dieser Disposition
-unter Käthes Assistenz die Herstellung der dabei benutzten Apparate und
-die mit ihnen ausgeführten Experimente beschreibt.
-
-[Illustration: Abb. 91. Die elektrische Klingel.]
-
-[Sidenote: Die elektrische Klingel.]
-
-Eine elektrische Klingel ist sehr einfach herzustellen. Abb. 91 zeigt
-uns eine solche im Grundriß. _a_ ist ein Grundbrett von beliebigem
-Holz; _b_ ist ein Elektromagnet, den Abb. 92 im Schnitt zeigt: _a_ ist
-ein Stück Bandeisen, in das die beiden Magnetschenkel _b₁_ und _b₂_
-eingenietet sind. _c_, _c_ sind die Drahtspulen. Die Rähmchen für diese
-drehen wir aus Holz oder kleben sie aus Karton zusammen. Das Bewickeln
-von Drahtspulen haben wir im zweiten Vortrag Seite 93 behandelt. Für
-eine Drahtrolle verwenden wir je nach Größe 12 bis 20 _m_ eines 0,4
-bis 0,6 _mm_ starken Kupferdrahtes (für geringere Ansprüche genügen
-auch 8 bis 10 _m_ eines etwas stärkeren Drahtes). ~Die Endflächen der
-Magnetpole werden mit Papierscheibchen beklebt, weil sonst der Anker
-infolge des remanenten Magnetismus ab und zu haften bleiben könnte.~
-_c_ (Abb. 91) ist ein federnder Blechstreifen, den wir aus einer alten
-Uhrfeder oder aus Messingblech herstellen, das wir durch kräftiges
-Hämmern auf dem Ambos elastisch machen, daran wird _e_, der Eisenanker
-(ein Stück Bandeisen), angenietet oder angelötet. Die Magnetkerne und
-der Anker müssen gut durchgeglüht werden. _d_ ist ein Holzklotz, an
-dem das eine Ende der Feder _c_ befestigt ist, das andere Ende wird
-mit einem Messinghämmerchen oder einer Messingkugel versehen; etwa in
-der Mitte wird ein Stückchen Platinblech aufgelötet, dem gegenüber die
-Kontaktspitze _f_ auf einer kleinen Messingsäule ruht. Es ist gut,
-wenn man _f_ mit einem Muttergewinde versieht, durch das eine Schraube
-eingedreht werden kann; an dieser lötet man vorn ein kurzes Stückchen
-Platindraht auf, das die Kontaktspitze bildet. Am Ende des Brettchens
-_a_ wird die Glockenschale _g_ angebracht. Wie die einzelnen Teile
-untereinander in leitende Verbindung zu setzen sind, geht aus der
-Abbildung hervor. Über dem ganzen kann eine Schutzhülle aus Holz oder
-Pappe angebracht werden; die Glocke selbst muß natürlich frei bleiben.
-
-[Illustration: Abb. 92. Elektromagnetkern mit Spulen (Schnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 93. Schnitt durch den Kontaktknopf.]
-
-[Sidenote: Der Kontaktknopf.]
-
-Wir können uns auch ohne Drehbank recht hübsche Kontaktknöpfe
-herstellen: Auf ein rundes Grundbrettchen _a_ (Abb. 93) wird in
-der Mitte ein Nagel mit einem breiten Messingkopf _b_ (Reißnagel)
-eingeschlagen. Aus gehämmertem Messingblech schneiden wir einen
-spiralförmigen Streifen (Abb. 94), den wir so mit dem breiteren Ende
-neben _b_ anschrauben, daß das etwas in die Höhe gebogene schmälere
-genau über _b_ zu stehen kommt. Die Kapsel stellen wir uns durch
-Übereinanderleimen von 3 bis 4 Ringen aus Zigarrenkistenholz her.
-(Siehe Abb. 93.)
-
-[Illustration: Abb. 94. Feder für den Kontaktknopf.]
-
-[Illustration: Abb. 95. Schaltungsschema einer Klingelanlage.]
-
-[Illustration: Abb. 96. Der Morseschreiber (Seitenansicht).]
-
-Zur Erklärung der Schaltungsweise der elektrischen Hausklingel stellte
-Rudi eine Tafel auf, deren Zeichnung Abb. 95 zeigt.
-
-[Sidenote: Der Morsesche Telegraph.]
-
-Der Morsesche Telegraphenapparat ist nicht so schwer herzustellen, wie
-es vielleicht manchem scheinen möchte. Die ganze Konstruktion ist aus
-den beiden Abb. 96 (Seitenansicht) und 97 (Grundriß) zu erkennen. _a_
-ist das Grundbrett; _b₁_ und _b₂_ sind die Achsenträger für die Achse
-(_c_) des gleicharmigen Hebels _d_, der aus einem Holzstäbchen mit
-quadratischem Querschnitte herzustellen ist. Für _c_ nehmen wir ein
-Messing- oder Eisenstäbchen, eventuell einen starken Nagel. Die Achse
-soll im Hebel fest sitzen, sich in ihren Lagern in _b₁_ und _b₂_ aber
-leicht drehen lassen. In das eine Ende des Hebels wird der Anker, der
-mindestens 4 _mm_ dick und 1 _cm_ breit sein soll, eingelassen; das
-andere Ende wird mit einer Drahtöse versehen, in welche die Spiralfeder
-_g_ eingehängt werden kann; letztere wird aus 0,6 bis 0,7 _mm_
-starkem Messingfederdraht durch Aufwickeln auf ein bleistiftstarkes
-Metallstäbchen hergestellt. Die Spannung regulieren wir erst später
-durch Verlängern oder Verkürzen des Aufhängehakens _p_. Statt der
-Spirale kann auch einfach eine Gummischnur verwendet werden.
-
-[Illustration: Abb. 97. Der Morseschreiber (Aufsicht).]
-
-Der zweispulige Elektromagnet _f_ wird ebenso hergestellt wie der
-der elektrischen Klingel; er muß aber etwas größer und stärker sein.
-Auf dem Hebel _d_ wird an dem Ankerende ein etwa 1 _cm_ breiter
-Blechstreifen aus gehämmertem, 0,5 bis 0,7 _mm_ starkem Messingblech
-angebracht. Dieser Streifen soll nahezu so lang sein wie der Hebel
-selbst. Das vorderste Ende (1 _cm_) wird rechtwinkelig aufgebogen und
-ein kurzes Stückchen Messingrohr mit etwa 5 _mm_ lichter Weite, in das
-wir später einen weichen Bleistift stecken, wird daselbst festgelötet.
-In den _Lagerträgern i₁_ und _i₂_ sind, wie dies in Abb. 98 zu sehen
-ist, zwei gedrehte Holzwalzen (_k₁_ und _k₂_) eingelassen, die 1,5
-bis 2 _cm_ dick sind. Der eine Lagerfortsatz der Walze _k₂_ muß etwas
-länger sein, damit wir eine Kurbel an ihm befestigen können.
-
-[Illustration: Abb. 98. Rollen zur Bewegung des Papierstreifens
-(Schnitt).]
-
-Da beide Walzen stets fest aufeinanderliegen müssen, so sind die
-Lager von _k₁_ so einzurichten, daß sie vermittels zweier Schrauben
-niedergedrückt werden können, wie dies aus Abb. 99 zu ersehen ist:
-Aus dem oberen Ende des Lagerträgers _i_ wird ein rechteckiges Stück
-(_a_), das die Bohrung für die Rollenachse enthält, herausgesägt und
-der dadurch entstandene rechteckige Einschnitt noch etwas vertieft.
-Damit _a_ nicht nach außen herausfallen kann, werden die Enden der
-Rollenachsen, nachdem die Stückchen _a_ darübergeschoben sind, mit
-kleinen Scheibchen (_c_, Abb. 98) beklebt. Durch Aufschrauben des
-Leistchens _b_ (Abb. 98 und 99) wird _a_ niedergedrückt, und dadurch
-werden die beiden Rollen, die wir noch je mit einem Stückchen
-Gummischlauch überziehen, aufeinandergepreßt. Die Lagerträger _i_ sind
-so auf _a_ anzuschrauben, daß _k₁_ gerade unter das Messingröhrchen,
-das wir am Ende von _h_ angelötet haben, zu liegen kommt. Die beiden
-Träger _l₁_, _l₂_ haben oben offene Einschnitte, so daß wir den runden
-Holzstab, auf den wir die Papierstreifenrolle aufschieben, bequem
-einsetzen können. Nun führen wir noch die beiden Drahtenden des
-Elektromagneten zu zwei Klemmen an einem Ende des Brettchens _a_.
-
-[Illustration: Abb. 99. Rollen zur Bewegung des Papierstreifens
-(Seitenansicht).]
-
-Wer etwa eine alte Wanduhr, die ihren Zweck als solche nicht mehr
-erfüllt, besitzt, kann diese zum maschinellen Antrieb für die Rollen
-_k_ benutzen. Alles für diesen Zweck Unnötige wird von der Uhr
-entfernt; also Zifferblatt, Zeiger, auch die Zahnradübersetzung 1 : 12
-für den Stundenzeiger; ferner wird Pendel, Anker und Ankerrädchen
-herausgenommen. Das Rädchen, das zum Antrieb für das Ankerrädchen
-gedient hat, wird durch Anlöten zweier Blechplättchen mit Windflügeln
-versehen. Die Hauptachse, auf der der Minutenzeiger saß, wird mit der
-Rolle _k₂_ verbunden. Die Uhr selbst wird auch auf dem Grundbrette
-befestigt. In dem Werke bringen wir einen Hebel so verstellbar an,
-daß er das Flügelrädchen entweder freigibt oder festhält. Sollte nun
-die Geschwindigkeit, die die Uhr den Rollen erteilt, zu groß sein,
-so können wir, falls der Antrieb mit einem Gewicht erfolgt, dieses
-verkleinern. Bei Federantrieb geht das nicht; wir müssen deshalb das
-Ankerrädchen wieder einsetzen und an dieses die Flügel anlöten; durch
-Verbiegen der letzteren können wir die Geschwindigkeit noch weiter
-regeln. War die Geschwindigkeit zu gering, so müssen wir eben noch ein
-weiteres Übersetzungsrädchen herausnehmen.
-
-[Illustration: Abb. 100. Morsetaster.]
-
-Wir brauchen nun noch den Taster, der in Abb. 100 dargestellt ist.
-Er besteht aus einem Grundbrett und einem 1 _cm_ breiten und etwa 7
-_cm_ langen Streifen aus federndem Messingblech, ist an einem Ende
-auf dem Grundbrett aufgeschraubt und am anderen, wie die Abbildung
-zeigt, umgebogen. Unter dem umgebogenen Ende ist ein Nagel mit einem
-Messingkopf angebracht. Dieser ist mit der einen, die Feder mit der
-zweiten Klemme in leitender Verbindung; mit der dritten Klemme ist ein
-Blechstreifen leitend verbunden, der über die Feder reicht und diese,
-wenn sie nicht niedergedrückt wird, berührt. Es ist gut, wenn die
-Verbindungsdrähte nicht nur eingeklemmt, sondern festgelötet werden.
-
-Um den telegraphischen Verkehr zwischen zwei Stationen zu erläutern,
-hatte Rudi sich zwei Apparate gemacht, die er an den beiden Tischenden
-aufstellte und mit Batterie und Klingel so schaltete, wie die Abb.
-101 zeigt. Hier sind die Apparate der beiden Stationen (I und II)
-folgendermaßen bezeichnet: _M_ = Morseapparat, _T_ = Taster, _B_
-= Batterie (3 bis 4 Leclanché-Elemente), _g_ = Glocke und _U_ =
-Umschalter. Letzterer ist ähnlich konstruiert wie der Kommutator (siehe
-Seite 101); er erlaubt mit einem Handgriff entweder die Glocke, oder
-den Morseapparat einzuschalten.
-
-[Illustration: Abb. 101. Schaltungsschema der Morseapparate.]
-
-Angenommen, man will von Station I nach Station II telegraphieren, so
-hat man folgendes zu tun: Der Umschalter ist so zu stellen, daß der
-Morseapparat statt der Glocke eingeschaltet ist; dann wird der Taster
-niedergedrückt, wodurch die Glocke bei II ertönt. Dabei macht der
-Strom folgenden Weg: in _T₁_ wird der Kontakt _a₁_ geschlossen; von da
-geht der Strom nach _B₁_, _b₁_, _c₁_, _d₁_, _M₁_, _e₁_, _k₁_, _l₁_,
-_f_, _l₂_, und da hier _U₂_ noch auf die Glocke geschaltet ist, nach
-_o₂_, durch _g₂_ hindurch nach _p₂_, _n₂_, _i_, _n₁_, _m₁_, _g₁_ und
-_a₁_. Durch das Glockenzeichen aufmerksam gemacht, wird nun auf II der
-Umschalter von _g₂_ auf den Morseapparat umgeschaltet und zum Zeichen,
-daß dies geschehen, der Taster ein paarmal niedergedrückt; dies bemerkt
-man in I an dem Aufschlagen des Ankers auf den Elektromagneten. In II
-wird nun der Papierstreifen in Bewegung gesetzt und in I der Taster.
-Drücken wir diesen längere Zeit nieder, etwa 1 Sekunde, so wird in II
-ebensolang der Anker angezogen und dadurch der Bleistift auf das über
-die Rollen gleitende Papier gedrückt, wodurch ein Strich aufgezeichnet
-wird. Drückt man dagegen den Taster nur ganz kurz nieder, so wird
-dadurch nur ein Punkt entstehen. Aus verschiedenen Zusammenstellungen
-von Punkten und Strichen hat man ein Alphabet festgesetzt, das hier
-wiedergegeben werden soll.
-
-Die Zeichen für die Buchstaben sind:
-
- a . -- j . -- -- -- s . . .
- ä . -- . -- k -- . -- t --
- b -- . . . l . -- . . u . . --
- c -- . -- . m -- -- ü . . -- --
- d -- . . n -- . v . . . --
- e . o -- -- -- w . -- --
- f . . -- . ö -- -- -- . x -- . . --
- g -- -- . p . -- -- . y -- . -- --
- h . . . . q -- -- . -- z -- -- . .
- i . . r . -- . ch -- -- -- --
-
-Die Zeichen für die Zahlen sind:
-
- 1 . -- -- -- -- 4 . . . . -- 8 -- -- -- . .
- 2 . . -- -- -- 5 . . . . . 9 -- -- -- -- .
- 3 . . . -- -- 6 -- . . . . 0 -- -- -- -- --
- 7 -- -- . . .
-
-Weitere Zeichen sind noch für:
-
- Punkt . . . . . Komma . -- . -- . -- Fragezeichen . . -- -- . .
- Ausrufzeichen -- -- . . -- --
-
-Nachdem Rudi seiner Schwester auf diese Weise ein Telegramm über
-den Tisch hinüber gesandt und Käthe es übersetzt hatte, erwähnte er
-noch, daß man in der Praxis die eine der beiden Leitungen nicht legt,
-sondern den Strom durch die Erde leitet. Auch erklärte er, daß man
-mit dieser einfachen Einrichtung nicht auf sehr große Entfernungen
-telegraphieren könnte, da in dem großen Widerstand des langen Drahtes
-der Strom so sehr geschwächt würde, daß er nicht mehr im stande wäre,
-einen Morseapparat in Tätigkeit zu setzen. Man bediene sich deshalb der
-sogenannten Relais. Rudi beschrieb nur die Einrichtung und Schaltung
-des Relais, da er sich keines hergestellt hatte. Er mußte es jedoch
-später für die drahtlose Telegraphie anfertigen, und es sei deshalb
-schon hier beschrieben.
-
-[Sidenote: Das Relais.]
-
-Abb. 102 zeigt das Relais im Grundriß. Im wesentlichen ist es
-konstruiert wie die elektrische Glocke; nur fehlt die Glockenschale,
-und die Kontaktspitze befindet sich auf der Seite des Ankers, auf der
-auch der Elektromagnet ist. Der Anker steht ~höchstens~ 0,5 _mm_ von
-den Magnetpolen entfernt, und die Feder darf nicht sehr stark sein;
-ihre Spannung kann mit der Stellschraube _e_ reguliert werden. Man darf
-nicht vergessen, die Polenden mit Papier zu bekleben. Die Kontaktspitze
-ist so zu stellen, daß sie etwa 0,5 _mm_ von der ihr gegenüberliegenden
-Verlängerung der Feder absteht. Für normale Ansprüche genügt hier die
-gleiche Bewickelung, wie bei der Klingel. Nehmen wir mehr und etwas
-dünneren Draht, so wird das Instrument empfindlicher.
-
-[Illustration: Abb. 102. Relais im Grundriß.]
-
-Zum Gebrauche werden die Fernleitungen an die beiden Klemmen _a_
-und _b_ angeschlossen; die Klemme _c_ wird mit der einen Klemme des
-Morseapparates, _d_ mit dem einen Pol der Batterie und die andere
-Klemme des Apparats mit dem anderen Pole der Batterie verbunden. Kommt
-nun durch die Ferndrähte von der anderen Station ein Strom, so wird
-er, auch wenn er sehr schwach ist, den Anker des empfindlichen Relais
-anziehen; dadurch wird aber der lokale, durch den Morseapparat gehende
-Batteriestrom geschlossen und der Schreibstift auf den Papierstreifen
-niedergedrückt. Hört der Fernstrom auf, so geht der Anker des Relais
-zurück und unterbricht damit auch den lokalen Strom u. s. w.
-
-[Sidenote: Der Elektromotor.]
-
-Eine weitere, in der Praxis ungeheuer wichtig gewordene elektrische
-Maschine ist der Elektromotor.
-
-Alle die Konstruktionen, nach denen man sich gute Elektromotoren
-selbst anfertigen kann, hier zu beschreiben, würde zu weit führen. Es
-seien deshalb nur die Haupttypen erwähnt.
-
-[Illustration: Abb. 103. Elektromotor im Grundriß.]
-
-_a_) ~Mit zweipoligem Hufeisenanker.~ Der einfachste Motor besteht aus
-zwei einander mit den Polen gegenüberstehenden Elektromagneten, von
-denen der eine fest (~Feldmagnet~), der andere drehbar ist (~Anker~).
-Die Anordnung geht aus Abb. 103 hervor. _A_ ist der feste, _B_ der
-bewegliche Magnet; beide sind im wesentlichen ebenso hergestellt wie
-die der elektrischen Klingel, nur müssen hier die beiden Magnetschenkel
-weiter auseinanderstehen, da zwischen ihnen die Achse und deren
-Lagerträger Platz finden müssen. Das Verbindungsstück des drehbaren
-Magneten ist in der Mitte mit einer Bohrung versehen zur Aufnahme der
-Achse, die angelötet werden kann. Die Lager werden so hergestellt,
-wie es schon früher (siehe Seite 22 u. f.) beschrieben wurde, und
-müssen auch hier gleich eingeölt werden. Bei _c_ wird die Achse mit
-einer Feile etwas aufgerauht und auf eine Strecke von 1 bis 2 _cm_ in
-2 oder 3 Lagen mit Bindfaden umwunden. Dabei ist darauf zu achten,
-daß alle Windungen regelmäßig nebeneinander liegen. Der dadurch
-entstandene Wulst ist reichlich mit Schellacklösung (siehe Seite 20)
-zu bestreichen. Er muß so dick sein, daß wir gerade noch ein etwa 1,5
-_cm_ langes Stückchen Messingrohr darüberschieben können. Letzteres
-wird in zwei Halbzylinder zersägt und so auf dem Wulste befestigt, daß
-die beiden Hälften einander nicht berühren. Ihre Befestigung erfolgt
-dadurch, daß wir sie nahe den äußeren Rändern mehrmals mit einem
-starken Seidenfaden umwinden (siehe auch Seite 143, Abb. 121). Diesen
-Teil der Maschine nennt man den ~Kollektor~, obgleich die Bezeichnung
-hier nicht ganz richtig ist; besser wäre es, diesen Teil Kommutator zu
-nennen; denn er bewirkt, daß die Stromrichtung im Anker im geeigneten
-Moment geändert wird. Der Ausdruck Kollektor ist von den Ring- und
-Trommelankermaschinen übernommen. -- Die Enden der Ankerbewickelung
-sind an den beiden Halbröhrchen, deren Stellung zu den Magnetpolen
-aus Abb. 104 zu erkennen ist, anzulöten. Der Strom wird dem Anker
-durch zwei auf dem Kollektor schleifende Federn aus Kupferblech (_a_
-und _b_) zugeführt. Wie die einzelnen Drähte zu verbinden sind, geht
-aus Abb. 103 hervor. Der Strom tritt bei _d_ ein, geht durch die
-beiden Spulen des Feldmagneten zur oberen Schleiffeder (_b_), durch
-die Ankerwickelung zur unteren Schleiffeder (_a_) und durch _e_ zur
-Stromquelle zurück.
-
-[Illustration: Abb. 104. Wirkungsschema des Elektromotors.]
-
-Betrachten wir nun die drei schematischen Bilder der Abb. 104. In
-_A_ geht der Strom so durch den Draht, daß die Pole die vermerkten
-Vorzeichen erhalten. Die Folge davon ist, daß die Ankerpole von denen
-des Feldmagneten angezogen werden, bis sie die in _B_ angedeutete
-Stellung erreicht haben. Hier wird nun die Stromrichtung in der
-Ankerwickelung gewechselt, da der zur unteren Schleiffeder eintretende
-Strom jetzt durch die andere Kollektorhälfte in die Ankerwindungen
-eintritt; dadurch werden die einander gegenüberstehenden Pole
-gleichnamig magnetisch und stoßen einander ab, wodurch die Stellung _C_
-erreicht wird u. s. w.
-
-[Illustration: Abb. 105. Vierpoliger Hufeisenanker.]
-
-[Illustration: Abb. 106. Verlauf des Stromes beim vierpoligen Anker.]
-
-_b_) ~Mit vierpoligem Hufeisenanker.~ Wollen wir die Wirkung dieses
-Motors verstärken, so können wir statt eines zweipoligen einen
-vierpoligen Anker verwenden, wie ihn Abb. 105 zeigt. Dementsprechend
-ist auch der Kollektor vierteilig zu machen, und es sind die
-Drahtenden der einzelnen Spulen so mit den vier Kollektorlamellen zu
-verbinden, wie das Abb. 106 zeigt. Hier sind die beiden Schleiffedern,
-das heißt die Stellen, an denen der Strom ein- und austritt, mit
-den Pfeilen α und β bezeichnet. Wie dann der Strom die Magnetpole
-umkreist, ist durch kleine Pfeile angedeutet. Wir können uns neben der
-Ampereschen Schwimmerregel zur Bestimmung der Magnetpole noch eine
-andere, etwas einfachere Regel merken. Sehen wir auf die Polfläche
-eines Elektromagneten und lassen den Strom ~gegen~ die Richtung der
-Uhrzeigerbewegung, also ~links~ herum kreisen, so wird der Pol ein
-~Nordpol~; geht dagegen der Strom in gleicher Drehungsrichtung wie der
-Uhrzeiger, also rechts herum, so wird der Pol ein ~Südpol~.
-
-Wir können noch weiter gehen und auch den Feldmagnet vierpolig
-machen. Dann müssen aber die einander ~gegenüberstehenden~ Pole des
-Ankers jeweils ~gleichnamig~ magnetisch sein und ebenso die Pole des
-Feldmagneten. Die Stromumkehr im Anker muß immer dann erfolgen, wenn
-Anker und Feldmagnetpole einander gegenüberstehen.
-
-[Illustration: Abb. 107. Sechspoliger Elektromotor.]
-
-_c_) ~Mit sternförmigem sechspoligem Anker.~ Abb. 107 zeigt eine
-sechspolige Maschine, bei der aber Feldmagnete und Anker etwas anders
-angeordnet sind als bei der oben beschriebenen Maschine. Diese nach
-einer photographischen Aufnahme wiedergegebene Maschine kann sich jeder
-mit sehr geringen Hilfsmitteln anfertigen. Der Anker besteht aus einem
-sechsteiligen Stern, der aus geglühtem Eisendraht zusammengesetzt ist.
-Jeder Teil dieses Sternes besteht aus einem Drahtbündel, das fest
-mit dünnem Bindfaden zu umwinden ist. Durch die Mitte geht eine als
-Achse dienende Messingstange, die mit den Drähten verlötet ist. Damit
-die Polenden des Ankers alle gleichweit von der Mitte entfernt seien
--- und das ist sehr wichtig --, wurden die einzelnen Drähte zuerst
-etwas länger genommen und die umwundenen Bündel dann an der richtigen
-Stelle abgesägt; denn feilen lassen sich die Enden solcher Drahtbündel
-nicht gut. Die einzelnen Schenkel des Feldmagneten sind gleichfalls
-aus Drahtstücken hergestellt, die in ein aus vier Bandeisenstreifen
-hergestelltes und mit Draht umwundenes Sechseck eingeklemmt sind. In
-die vier Eisenbänder wurden an den sechs Stellen der Magnetschenkel
-halbrunde Ausschnitte eingefeilt, in welche die runden Drahtbündel
-eingeklemmt werden konnten, ohne ihre Form zu verlieren. Die Maschine
-ist für zweiphasigen Wechselstrom von 120 Volt gebaut, kann aber
-auch für Gleichstrom verwendet werden und dient zum Antrieb für eine
-Influenzelektrisiermaschine von 50 _cm_ Scheibendurchmesser. Der
-Abstand zweier Sechseckseiten beträgt 20 _cm_. Werden die Magnetenden
-noch mit Polschuhen versehen (siehe unten), so wird die Wirkung erhöht.
-
-_d_) ~Mit Doppel-_T_-Anker.~ Die Motoren mit dem Doppel-_T_-Anker sind
-zwar in ihrer Konstruktion sehr einfach, haben aber den Nachteil, daß
-wir uns den Anker, wie den Feldmagnet nicht selbst herstellen können.
-Wir kommen auf diese Ankerform bei der magnetelektrischen Maschine
-(Seite 138 u. f.) nochmals zurück und gehen darum hier nicht näher
-darauf ein. Bei all den hier beschriebenen Maschinen sind die Lager für
-die Achsen nach der auf Seite 22 u. f. angegebenen Weise anzufertigen
-und sofort zu ölen.
-
-_e_) ~Mit Ringanker.~ Rudi erklärte in diesem Vortrag auch den
-Grammeschen Ring ziemlich ausführlich. Er hatte sich einen
-Ringankermotor gebaut, der ihn allerdings sehr viel Zeit und Arbeit
-kostete, wobei er sich aber durch manchen Mißerfolg nicht abschrecken
-ließ.
-
-Es möge hier die Herstellung einer solchen Ringmaschine beschrieben
-werden; doch es sei vorher erwähnt, daß nur sauberste und sorgfältigste
-Arbeit einen guten Erfolg verbürgt.
-
-Zuerst wollen wir jedoch das Wesen des Grammeschen Ringes kennen
-lernen, das Rudi mit einem einfachen Experiment seinen Hörern klar
-machte. Er umwickelte zwei halbkreisförmig gebogene kleine Eisenstangen
-nach der in Abb. 108 angegebenen Weise in wenig Windungen mit je
-einem isolierten Kupferdrahte, durch den er dann in einer bestimmten
-Richtung den Strom schickte und die dabei entstehenden Magnetpole
-durch die Ablenkung der Magnetnadel erkennen ließ. Als er nun die
-beiden Halbkreise so mit den gleichnamigen Polen zusammenhielt, daß
-ein geschlossener Kreis entstand, wirkte der Ring wie ein einziger,
-zweipoliger Magnet.
-
-[Illustration: Abb. 108. Entstehung der Pole im Grammeschen Ring.]
-
-[Illustration: Abb. 109. Form f. d. Grammeschen Ring.]
-
-So einfach die Herstellung dieses Modells des Grammeschen Ringes ist,
-soviel Mühe und Sorgfalt erfordert der richtige Ringanker.
-
-Der Kern des Ankers, der die Form eines flachen Ringes erhält, wird
-aus 0,5 _mm_ starkem gut durchgeglühtem Eisendraht hergestellt, indem
-wir den Draht auf eine entsprechende Form aufwinden. Den Schnitt durch
-diese Form zeigt Abb. 109. Ein rundes Brettchen, dessen Durchmesser
-gleich dem der Öffnung des Ringes ist, wird beiderseits mit zwei
-größeren Brettchen begrenzt, so daß eine Rinne entsteht, in die der
-Draht hineingewickelt wird. (Die Größenverhältnisse der einzelnen Teile
-kann man der Abb. 114 entnehmen.) Zwischen die einzelnen Lagen wird
-reichlich eine dicke Schellacklösung gegossen, die nach dem Trocknen
-den Draht zusammenhält, so daß die runden Brettchen entfernt werden
-können.
-
-Der Ring wird nun mit zwölf kleinen Drahtspulen umgeben, wie wir
-aus Abb. 110 ersehen können. Um diese Spulen möglichst regelmäßig
-anbringen zu können, bezeichnen wir die betreffenden Stellen durch
-Papierstreifchen, die wir mit Schellack aufkleben. Jede Spule erhält
-drei bis vier Lagen eines ~gut~ isolierten Kupferdrahtes. Über die
-Drahtstärken wird weiter unten (Seite 134) noch ausführlich gesprochen
-werden. Kommt mit Baumwolle umsponnener Draht zur Verwendung, so ist
-dieser während des Aufwickelns mit Schellacklösung zu bestreichen.
-Bei doppelt mit Seide umsponnenem Draht ist das nicht nötig, es trägt
-jedoch zur größeren Festigkeit der Spulen bei. Die Drahtenden werden
-von ihrer Isolierung befreit, und jeweils wird der Anfang des Drahtes
-der einen Spule mit dem Ende des Drahtes der nächsten zusammengedreht.
-
-[Illustration: Abb. 110. Der mit 12 Spulen bewickelte Grammesche Ring.]
-
-[Illustration: Abb. 111. Holzkern für den Grammeschen Ring (Schnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 112. Schnitt durch Holzkern und Ring.]
-
-Um den Anker bequem auf eine Achse montieren zu können, lassen wir uns
-einen Holzkern drehen, den Abb. 111 im Durchschnitt zeigt. Der dickere
-Teil soll gerade in den bewickelten Ring hineinpassen und der dünnere
-einen Durchmesser von mindestens 1,5 _cm_ haben. Abb. 112 zeigt diesen
-Kern nochmals im Schnitt mit dem darübergeschobenen Ring, der an seiner
-Stelle genau senkrecht zu der Richtung der Längsbohrung fest sitzen
-muß. Um den Ring möglichst fest mit dem Holze zu verbinden, bestreichen
-wir beide Teile vor dem Zusammenfügen mit Schellackkitt (siehe Seite 5).
-
-Der dünnere Teil des Holzkerns wird nun in zwölf gleiche Teile
-eingeteilt; auf den Teilstrichen sollen Kupferblechstreifen befestigt
-werden, die, wie Abb. 113 zeigt, alle an ihrem hinteren Ende umgebogen
-sind und an dem dickeren Teil des Kernes anliegen. Die Streifen
-(~Kollektorlamellen~) sollen so breit sein, daß die Zwischenräume
-zwischen den einzelnen nur etwa 1 _mm_ betragen. Um die Lamellen sicher
-und regelmäßig befestigen zu können, verfahren wir folgendermaßen: Wir
-bestreichen den Kern mit sehr dicker Schellacklösung und drücken die
-heißgemachten Blechstreifen auf, wenn der Schellack fast getrocknet
-ist. Die Streifen müssen sofort genau an ihre richtige Stelle gebracht
-werden, da sie nachträglich nicht mehr verschoben werden können. Um zu
-verhindern, daß sie beim Gange der Maschine durch die Zentrifugalkraft
-abgeschleudert werden, müssen wir sie nahe dem vorderen und hinteren
-Ende mit in Schellack getränktem Bindfaden umwinden (siehe auch Abb.
-114). Nun werden die an dem dickeren Teil des Holzkernes anliegenden
-Enden der Kupferstreifen gereinigt und mit den zusammengedrehten
-Drahtenden der Spulen verlötet.
-
-[Illustration: Abb. 113. Ringanker mit Kollektor.]
-
-[Illustration: Abb. 114. Fertiger Motor (links Ansicht, rechts
-Schnitt).]
-
-Die übrigen Teile der Maschine sind alle aus Abb. 114 und 115 zu
-erkennen. Die linke Hälfte der Abb. 114 ist als ~Ansicht~ von vorne,
-die rechte als Horizontalschnitt gezeichnet; nur der Kollektor und
-das Schleiffedergestell sind nicht geteilt, sondern ganz als Ansicht
-gezeichnet.
-
-Zur Erzeugung eines kräftigen magnetischen Feldes, in welchem sich der
-Anker drehen soll, dienen zwei starke Elektromagnete. Für geringere
-Ansprüche genügt auch einer; es ist dann nur der untere in Abb. 114
-auszuführen.
-
-Der untere Magnet wird ähnlich hergestellt, wie der, den wir auf Seite
-113 kennen gelernt haben. In ein ziemlich langes Stück Bandeisen _b_
-(Abb. 114) wird in die Mitte ein Loch gebohrt, das später das Lager für
-die Achse aufnehmen soll. In einem Abstand von der Mitte, der sich aus
-der Figur ergibt, sind zwei starke Stücke Rundeisen _c_ einzunieten,
-die die Magnetschenkel bilden. Die Nietfortsätze (_d_) sind durch
-Befeilen oder auf der Drehbank herzustellen. Wer im Besitze eines
-Gewindeschneideapparates ist, tut am besten, alle in der Figur als
-vernietet gezeichneten Teile zu verschrauben. Um den Ring auf einer
-möglichst großen Fläche zu umfassen, werden die Pole mit sogenannten
-Polschuhen (_e_) versehen. Die Form eines Polschuhes ist aus Abb. 116,
-sein Größenverhältnis zum Anker an Abb. 115 (_e¹_) zu erkennen (_e¹_
-sind zwar die Polschuhe des oberen Magneten; diese aber haben genau
-dieselbe Form wie die des unteren). Bevor wir die Polschuhe aufnieten,
-müssen die fertig gewickelten Drahtspulen (_f_) über die Kerne
-geschoben werden. (Über Drahtstärken siehe unten.)
-
-Die beiden Schenkel des oberen Magneten sind etwas anders geformt.
-Damit die Gestelle der Schleiffedern Platz und Spielraum haben,
-sitzen die Kerne, die hier flach sind, weiter außen. _b¹_ ist ein
-Stück Bandeisen von derselben Stärke wie _b_. Es enthält in der Mitte
-ebenfalls eine Bohrung zur Aufnahme des Lagers, ferner zwei Löcher für
-die beiden Nietzapfen (_d¹_) des flachen Kernes _c¹_; dieser erhält auf
-seiner Außenseite einen kurzen Fortsatz (in der Figur etwas zu lang
-gezeichnet), der nach unten zeigt und dem Anker, wie dies aus der Figur
-zu ersehen ist, möglichst nahe steht. Die übrigen Löcher in _b¹_ werden
-jetzt auch gleich eingebohrt, doch soll erst später ihre Lage und Weite
-mitgeteilt werden. Diese Teile können wir auch in Abb. 115 erkennen.
-Die einzelnen Stücke sind da mit denselben Buchstaben bezeichnet wie
-in Abb. 114. Die linke Hälfte der Abbildung ist als von oben gesehen
-gezeichnet; die rechte ist so gedacht, als wäre die Maschine in Höhe
-der Kollektormitte durchschnitten und ebenfalls von oben gesehen.
-Entsprechend dem flachen Querschnitt der Kerne _c¹_ sind auch die
-Drahtspulen _f¹_ flach, genau über den Kern passend herzustellen.
-Die Polschuhe _e¹_ werden wie bei dem unteren Magneten erst dann
-aufgenietet, wenn die bewickelten Spulen über die Kerne geschoben
-sind. Da _c¹_ weiter von der Mitte entfernt ist als _c_, so muß _e¹_
-so an _c¹_ angenietet werden, daß die Abstände von _e_, _e_ und _e¹_,
-_e¹_ gleich sind; denn die Polschuhe sollen nachher beim Montieren der
-Maschine genau übereinander liegen.
-
-[Illustration: Abb. 115. Motor von oben gesehen (rechts Schnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 116. Gestalt eines Polschuhes.]
-
-Jetzt richten wir uns ein starkes Grundbrett (_a_) aus hartem Holze
-her, ferner zwei starke rechteckige Holzsäulen (_g_), die ihrer
-ganzen Länge nach zu durchbohren sind. Die Höhe der beiden Säulen muß
-folgender Summe ~genau~ gleich sein: der Entfernung der unteren Seite
-von _b_ bis zur oberen Fläche von _e_ plus 1 _mm_ plus der Dicke des
-bewickelten Ankers plus 1 _mm_ plus der Entfernung der unteren Fläche
-von _e¹_ bis zur unteren Seite von _b¹_. Durch die Längsbohrung von
-_g_ und durch entsprechend einzubohrende Löcher in _b_, _b¹_ und _a_
-wird eine an ihren Enden mit Gewinden versehene ~Messingstange~ (_h_)
-gesteckt, und durch Aufschrauben der Muttern _i_ und _i¹_ werden
-die einzelnen Teile fest zusammen gezogen. Es ist vorteilhaft, für
-die Mutter _i_ in dem Grundbrett eine Versenkung einzubohren. Auf
-der Unterseite von _g_ ist ein Einschnitt einzusägen, in den der
-Bandeisenstreifen _b_ genau hineinpaßt, so daß die Säule nicht auf _b_
-sondern auf _a_ aufsteht; natürlich darf der Einschnitt nur so groß
-sein, daß auch _b_ noch genügend fest gehalten wird.
-
-Für die Achse (_k_) des Ankers wählen wir eine je nach der Größe der
-Maschine 5 bis 10 _mm_ starke Messingstange. Nach ihrer Dicke muß sich
-die Weite der Bohrung durch den Holzkern (_l_) des Ankers richten.
-Letzterer wird dadurch an der Achse befestigt, daß wir ihn an einem
-an dieser angelöteten Messingblechscheibchen (_m_) anschrauben. Das
-untere Ende der Achse ist ein wenig abzurunden und zuerst mit gröberer,
-dann mit feinerer und schließlich mit allerfeinster Schmirgelleinwand
-abzureiben. Unter der mittleren Bohrung von _b_ ist ein starkes
-Glasplättchen (_n_) in _a_ einzulassen; es dient der Achse als
-Auflager. Die beiden Lager (_o_) in _b_ wie in _b¹_ werden auf die
-bekannte Weise mit Kupferdraht hergestellt und in den betreffenden
-Bohrungen eingelötet (siehe Seite 22 u. f.). Die Lager sind ~sofort~
-einzuölen.
-
-Sind nun die einzelnen Teile in der angegebenen Weise montiert, so muß
-sich der Anker ohne zu streifen zwischen den Polschuhen, von denen er
-~höchstens~ 1 _mm_ Abstand haben darf, drehen lassen.
-
-Es wären nun noch die Schleiffedern anzubringen. Sie sollen so den
-Kollektor berühren, daß die Magnetpole an den Punkten α und β (Abb.
-115) entstehen. Wie aus dem Schema Abb. 108 erhellt, entstehen die
-Pole da, wo der Strom ein- und austritt. Die Verbindungslinie der
-Berührungspunkte müßte also senkrecht stehen zu der Verbindungslinie
-der Mitten der Magnetkerne. In Wirklichkeit aber ist die günstige Lage
-der Berührungspunkte etwas im Sinne der Ankerdrehung verschoben. Da
-wir diese Lage nur durch Probieren herausfinden können, müssen wir die
-Schleiffedern an einem drehbaren Gestelle anbringen. Die günstige
-Stellung können wir daran erkennen, daß beim Gang der Maschine die auf
-dem Kollektor auftretenden Funken kleiner sind, als bei jeder anderen
-Lage. Eine Platte aus dünnem Holz (Ahorn) oder besser aus Vulkanfiber
-oder Hartgummi, deren Form aus Abb. 115 _p_ -- _p_ zeigt nur die eine
-Hälfte -- hervorgeht, ist in der Mitte durchbohrt und wird so auf _b_
-aufgelegt, daß die Achse durch diese Bohrung hindurchgeht. In jeder
-Ecke dieser Platte wird ein in Abb. 114 mit _q_ bezeichneter 2 bis
-3 _mm_ starker Kupferdraht befestigt. An je zweien auf der gleichen
-Seite sich befindenden Drähten wird ein federnder Kupferstreifen
-_r_ angelötet. _r_ ist so zu biegen und die zweimal rechtwinkelig
-umgebogenen Drähte _q_ sind so zu stellen, daß die Schleiffeder unter
-gelindem Druck auf dem Kollektor aufliegt. Hart neben _p_ ist ein Loch
-in _b¹_ einzubohren und mit einem Gewinde zu versehen, in das die
-Metallschraube _s_ (mit breitem Kopf) hineinpaßt. Indem wir nun _p_
-während des Ganges der Maschine um die Achse drehen, können wir, wie
-bereits erwähnt, die günstigste Berührungsstelle für die Schleiffedern
-ausfindig machen und sie in dieser Lage durch Anziehen der Schraube _s_
-fixieren.
-
-[Illustration: Abb. 117. Bewickelungsschema.]
-
-Wie die Spulen zu bewickeln und untereinander zu verbinden sind, geht
-aus dem Schema Abb. 117 hervor.
-
-[Sidenote: Bestimmung der Drahtstärken.]
-
-Jetzt wollen wir noch sehen, wie wir die Stärken und Längen der Drähte
-für unsere Bewickelungen bestimmen können. Man beachte folgende Punkte:
-
-1. Der Widerstand der Bewickelung des Feldmagneten soll stets etwas
-größer sein als der der Ankerwickelung (Feldmagnet = ⅗, Anker = ⅖). Der
-Widerstand eines Drahtes ist proportional seiner Länge und umgekehrt
-proportional seinem Querschnitte. Der Querschnitt _q_ berechnet sich
-aus dem Durchmesser des Drahtes nach der Formel: _q_ = π · (_d_/2)²,
-worin π = 3,14 ist. (Man benutze auch die Tabellen am Schlusse des
-Buches.)
-
-2. Der Widerstand in einem Ringanker ist gleich ¼ des Widerstandes im
-ganzen Ankerdraht, da dem Strom zwei Wege, die nur halb so lang sind
-als die genannte Ankerwickelung, offenstehen.
-
-3. Bauen wir einen Motor mit Rücksichtnahme auf eine bestimmte
-Stromquelle, so kann er um so größer ausgeführt werden, je mehr
-elektrische Energie uns zur Verfügung steht. Die Energie eines Stromes
-wird in Watt gemessen und ist gleich dem Produkt aus Spannung und
-Stromstärke. 1 Watt gleich 1 Volt mal 1 Ampere (siehe auch zweiter
-Vortrag S. 84 u. f.). Haben wir bei gegebener Energie verhältnismäßig
-hohe Spannung und geringe Stromstärke, so ist es nach dem Ohmschen
-Gesetze (S. 86 u. f.) vorteilhafter, längere und dünnere Drähte für
-die Bewickelung zu verwenden, als wenn wir eine geringe Spannung und
-eine große Stromstärke haben. Um einen Anhaltspunkt für die absoluten
-Maße zu geben, sei folgendes gesagt. Ist der Feldmagnet eines Motors
-an Größe dem Magnet einer mittelgroßen elektrischen Klingel gleich
-und steht uns eine Batterie von etwa 3 bis 6 Leclanché-Elementen zur
-Verfügung, so mag die Bewickelung des Feldmagneten gleich der der
-betreffenden elektrischen Klingel sein, also für jede Spule etwa 20 _m_
-eines 0,5 _mm_ starken Kupferdrahtes.
-
-4. Schalten wir die Magnet- und Ankerwickelung hintereinander
-(~Hauptstrommaschine~), das heißt so, daß der Strom zuerst die
-Magnetschenkel umkreist, dann durch den Ankerdraht fließt und
-schließlich wieder zur Stromquelle zurückkehrt (siehe auch Abb. 125),
-so ist der Gesamtwiderstand der Maschine größer, als wenn wir die
-beiden Wickelungen nebeneinander (~Nebenschlußmaschine~) schalten,
-also so, daß sich der Strom beim Eintritt in den Motor teilt und
-einerseits um den Feldmagnet, anderseits um den Anker fließt, um beim
-Austritt aus der Maschine sich wieder zu vereinigen und zur Stromquelle
-zurückzukehren (Abb. 126). Wollen wir einen Motor von vornherein als
-Nebenschlußmaschine bauen, so ist der Widerstand der Ankerdrähte
-eben so groß oder etwas kleiner zu wählen, als der der Drähte des
-Feldmagneten. Näheres über die Unterschiede dieser Schaltungsweisen ist
-bei der Beschreibung der Dynamomaschine ausgeführt (S. 148).
-
-5. Um aus den hier gegebenen Anhaltspunkten die Drahtmaße für eine
-der hier beschriebenen Maschinen berechnen zu können, vergleichen wir
-zuerst den für den Motor zur Verfügung stehenden Strom mit dem, den
-die unter 3. erwähnten 3 bis 6 Leclanché-Elemente liefern. Den inneren
-Widerstand des oben erwähnten Motors berechnen wir mit Hilfe der
-Widerstandstabelle (im Anhang) und erhalten für die Bewickelung des
-Ankers 3,2 Ohm, dies sind ⅖ des gesamten Widerstandes: es kommen auf
-den Feldmagneten ⅗, also 4,8 Ohm, so daß wir im ganzen einen Widerstand
-von 8 Ohm erhalten. Haben wir einen Strom, der die doppelte Anzahl von
-Watt liefert wie die 3 bis 6 Elemente, so sind die Dimensionen des
-Motors etwa 1,5mal so groß auszuführen; der gesamte Widerstand (8 Ohm)
-hat aber gleich zu bleiben für den Fall, daß auch das Verhältnis von
-Spannung zu Stromstärke gleichgeblieben ist. Wollen wir dagegen den
-Motor für einen Strom bauen, der zwar dieselbe Energie besitzt wie die
-Leclanchébatterie, aber bei geringerer Stromstärke eine höhere Spannung
-hat, so ist der Gesamtwiderstand der Maschine dadurch größer zu
-machen, daß man mehr Windungen macht, also längeren und dünneren Draht
-verwendet.
-
-6. Sind wir nun über die Dimensionen und die Drahtwiderstände der
-herzustellenden Maschine im klaren, so schätzen wir mit Hilfe der
-Widerstandstabelle Länge und Stärke des Drahtes, der auf eine Spule
-kommen soll, ungefähr ab. Um erkennen zu können, ob der Draht die
-gegebene Spule auch ausfüllt oder auf ihr hinreichend Platz findet,
-müssen wir den inneren Spulendurchmesser (also die Kerndicke) zu
-dem äußeren Spulendurchmesser addieren -- die Maße sind immer in
-Millimetern auszudrücken -- die Summe mit 2 dividieren und das Resultat
-mit π (π = 3⅐) multiplizieren. Wir erhalten dadurch die mittlere Länge
-einer Windung. Um die Zahl der Windungen festzustellen, müssen wir die
-Dicke des Drahtes mit der Isolierung kennen.
-
-Nehmen wir zum Beispiel an, der Kerndurchmesser sei 1 _cm_, der äußere
-Spulendurchmesser 3 _cm_, die Spulenlänge 5 _cm_, der Widerstand des
-Drahtes 1 bis 1,5 Ohm und die Drahtdicke hätten wir auf 0,5 _mm_,
-mit der Isolierung also auf 0,7 _mm_, geschätzt. Wir wollen nun die
-erforderliche Länge und den Widerstand berechnen.
-
- Spulendurchmesser = 30 _mm_,
- Kerndurchmesser = 10 _mm_,
-
-somit mittlere Länge einer Windung
-
- (10 + 30)/2 · π = 20 · ²²⁄₇ = 62,9 _mm_, rund 6,3 _cm_.
-
-Wieviel Windungen haben auf der 50 _mm_ langen Spule eines mit der
-Isolierung 0,7 _mm_ starken Drahtes Platz?
-
- 50 : 0,7 = #71,4# Windungen.
-
-Wieviel Lagen gehen auf die Spule, wenn ihr Halbmesser 15 _mm_, der
-Halbmesser des Kernes 5 _mm_ beträgt?
-
-15 − 5 = 10 _mm_; 10 : 0,7 = #14,3# Lagen.
-
-Somit ergeben sich 71,4 · 14,3 = #1021,02# Windungen. Jede Windung hat
-eine durchschnittliche Länge von 6,3 _cm_, also ergibt sich für die
-Gesamtlänge
-
- rund 1021 · 6,3 _cm_ = #64,32# _m_.
-
-Da die Dicke des Drahtes ohne die Umspinnung 0,5 _mm_ beträgt, so
-ergibt sich nach der Tabelle ein Widerstand von
-
- 64,32 · 0,08 = #5,1# Ohm.
-
-Wir haben also nicht sehr gut geschätzt; der Widerstand ist etwa 4mal
-zu groß. Wir müssen deshalb die gleiche Rechnung nochmals für einen
-etwas stärkeren Draht durchführen. Nehmen wir zum Beispiel für den
-nackten Draht 0,7, für den umsponnenen 1 _mm_ an, so brauchen wir davon
-31,5 _m_, deren Widerstand sich auf etwa 1,25 Ohm beläuft.
-
-7. Die hier angegebenen Verhältnisse brauchen nur dann berücksichtigt
-zu werden, wenn wir von dem Motor unter größtmöglicher Ausnützung
-der vorhandenen elektrischen Energie Arbeit verlangen. Soll die
-Maschine nur ein Spielzeug sein, das sich dreht, wenn man einen Strom
-hineinleitet, so sind wir daran nicht gebunden und können die Maße für
-die Bewickelungsdrähte ganz willkürlich wählen.
-
-[Sidenote: Induktionsströme.]
-
-Nachdem Rudi seine verschiedenen Motoren vorgeführt und erklärt hatte,
-ging er dazu über, soviel über Induktionsströme zu sprechen, als
-unbedingt zum Verständnisse der magnetelektrischen Maschine und der
-Dynamomaschine nötig war. An einigen kurzen Experimenten zeigte er
-zuerst die Haupterscheinungen der Magnetinduktion und dann die der
-Elektroinduktion.
-
-[Sidenote: Magnetinduktion.]
-
-Zur Demonstration der Entstehung von Induktionsströmen hatte sich Rudi
-eine große hohle Drahtspule gemacht, auf der nahezu 80 _m_ eines 0,5
-_mm_ starken Drahtes aufgewickelt waren. (Es genügen für diesen Versuch
-aber auch kleinere Spulen.) Eine größere Anzahl von Stricknadeln hatte
-er einzeln magnetisiert (Magnetisieren siehe Seite 90 u. 140) und dann
-so zu einem Bündel zusammengebunden, daß alle gleichnamigen Pole auf
-derselben Seite waren. Dadurch war ein starker Stabmagnet entstanden.
-Die Drahtenden der Spule verband Rudi mit seinem Vertikalgalvanoskop.
-Sobald er dann den Stabmagnet in die Spule hineinschob, schlug die
-Nadel des Instruments einen Augenblick nach der einen Seite aus;
-als er ihn herauszog, geschah der Ausschlag nach der anderen Seite.
-Das gleiche Experiment wiederholte er, indem er den Magnet viel
-rascher hineinsteckte und herauszog; dabei wurden die Ausschläge des
-Galvanoskopes größer als vorher.
-
-Nach diesem Versuche schob Rudi eine kurze Betrachtung über die
-Kraftlinien ein, über die er ja schon im zweiten Vortrag eingehend
-gesprochen hatte. Er erklärte fernerhin, daß, wenn ein Leiter der
-Elektrizität von Kraftlinien durchschnitten wird, in ihm elektrische
-Ströme auftreten. In einem beliebig geformten Leiter sind die Ströme
-ungeordnet und kommen nicht zur Geltung. Geben wir aber dem Leiter die
-Form eines langen, zur Spule aufgewickelten Drahtes, so summieren sich
-die kleinsten Stromimpulse zu einem durch seine Wirkungen erkennbaren
-elektrischen Strome. Ein Strom wird nur so lange erzeugt, als die
-Kraftlinien in Bewegung sind. Je rascher sie sich bewegen, desto
-stärker ist der Strom. Der Strom, der beim Eintritte von Kraftlinien in
-einem Leiter entsteht, ist in seiner Richtung dem Strom, der durch die
-austretenden Kraftlinien hervorgerufen wird, entgegengesetzt.
-
-[Sidenote: Elektroinduktion.]
-
-Ähnlich wie ein Stahlmagnet wirkt eine von einem Strome durchflossene
-Spule. Um auch das zu zeigen, hatte sich Rudi eine kleinere Spule
-gemacht, die in die größere eingesteckt werden konnte. Auch die
-kleinere Spule war hohl, so daß es möglich war, einen Eisenkern in sie
-hineinzuschieben. Rudi führte den Versuch zuerst ohne, dann mit dem
-Eisenkern aus. In letzterem Falle war die Wirkung bedeutend stärker, da
-durch die Gegenwart des Eisens die Zahl der Kraftlinien sehr vergrößert
-wurde.
-
-Der dritte Versuch bestand darin, daß Rudi die kleine Spule mit dem
-Eisenkern in der großen stehen ließ und den Strom zur kleinen plötzlich
-ein- und ausschaltete. Beim Einschalten des Stromes erhielt er den
-Ausschlag des Galvanoskopes nach derselben Seite wie beim Eintauchen
-des Magneten; das Ausschalten entsprach in dieser Beziehung seinem
-Herausnehmen.
-
-Nach diesen einleitenden Versuchen ging Rudi zur Erklärung der
-Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine über. Er hatte sich
-selbst eine solche gefertigt, und wir wollen nun sehen, wie man dabei
-zu Wege gehen muß, um zu einem sicheren und guten Ergebnisse zu
-gelangen.
-
-[Sidenote: Die magnetelektrische Maschine.]
-
-Um eine gutgehende magnetelektrische Maschine herstellen zu können,
-bedürfen wir vor allem eines starken Stahlmagneten, dessen Form von
-der des Ankers abhängt. Von den drei uns schon bekannten Ankerformen
-kommen nur die beiden in Abb. 118 dargestellten in Betracht.
-
-[Illustration: Abb. 118. Ankerformen für magnetelektrische Maschinen.]
-
-Für die Stahlmagnete eignet sich der dänische Stahl am besten; für
-unsere Zwecke jedoch genügt gewöhnlicher Werkzeugstahl, der in 50 bis
-70 _cm_ langen Stäben als Rund- und Bandstahl von den verschiedensten
-Querschnittdimensionen in den Handel kommt. Es können auch Sägeblätter
-verwendet werden.
-
-Die Doppel-_T_-Anker sind für solche Maschinen geeigneter als die
-sogenannten Hufeisenanker, haben aber den Nachteil, daß wir sie nicht
-selbst herstellen können. Man kann sie dagegen bei jedem Mechaniker
-kaufen.
-
-Der Werkzeugstahl kommt meist in weichem, geglühtem Zustand in den
-Handel; trotzdem ist es vorteilhaft, ihn vor der Bearbeitung nochmals
-durchzuglühen. Da es sich hier um ziemlich starke Stücke handelt, wird
-allerdings in den meisten Fällen selbst ein guter Bunsenbrenner nicht
-mehr genügen, die Eisenstäbe richtig zum Glühen zu bringen.
-
-[Illustration: Abb. 119. Die improvisierte Schmiedeesse (Schnitt).]
-
-[Sidenote: Die Schmiedeesse.]
-
-Wir müssen uns deshalb rasch eine kleine ~Schmiedeesse~ anfertigen. An
-das eine Ende eines Gummischlauches stecken wir einen alten Trichter
-aus Eisenblech, an das andere einen Blasebalg. Der Trichter wird mit
-der Öffnung nach oben in eine mit Sand gefüllte Kiste gesteckt und
-der Schlauch zu einem in die Seite eingebohrten Loche hinausgeleitet.
-Die Trichteröffnung wird etwa zur Hälfte mit etwas mehr als nußgroßen
-Kieselsteinen angefüllt. Den Schnitt durch diese Einrichtung zeigt Abb.
-119.
-
-Nehmen wir nun an, unser Anker habe einen Durchmesser von 25 _mm_
-und eine Länge von 30 _mm_, so brauchen wir ein 60 _cm_ langes, 12
-_mm_ breites und 3 _mm_ dickes, ferner ein 18 _cm_ langes, 15 _mm_
-breites und 3 _mm_ dickes Stück Bandstahl. Ersteres wird in zehn, je
-6 _cm_ lange, letzteres in vier, je 4,5 _cm_ lange Stäbe zerlegt. Wie
-diese später zu einem Magnetstock angeordnet werden, geht aus Abb.
-120 hervor. Um den Anker an einer möglichst großen Fläche nahe zu
-umschließen, müssen in den einander gegenüberstehenden Magnetschenkeln
-der Ankerkrümmung entsprechende Aushöhlungen angebracht werden
-(siehe Abb. 120 _A_). Um die einzelnen Stäbe zu einem festen Ganzen
-zusammenzuhalten, müssen die längeren an dem dem Ankerausschnitt
-entgegenliegenden Ende, die kürzeren an beiden Enden durchbohrt
-werden. Es erübrigt nun noch, alle Kanten, mit Ausnahme derer der
-Ankerausschnitte, mit Feile und Schmirgelpapier wohl abzurunden.
-
-Je dünner die einzelnen Stäbe sind, desto besser lassen sie sich
-magnetisieren, weshalb sich Sägeblätter sehr gut eignen. Auch können
-wir dann das Magnetisieren in Ermangelung eines starken Stromes durch
-Streichen mit einem Stahlmagneten bewerkstelligen (siehe unten). Zum
-Ausfeilen der Rundung für den Anker klemmen wir dann eine größere
-Anzahl solcher Blätter zusammen in den Schraubstock und befeilen sie
-mit der halbrunden Eisenfeile.
-
-[Sidenote: Härten und Magnetisieren von Stahlstäben.]
-
-Jetzt müssen die Stahlstäbe gehärtet werden. In einem Holzkohlenfeuer,
-das wir auf unserer Schmiedeesse entfachen, werden sie einzeln bis
-auf helle Rotglut erhitzt und dann direkt aus dem Feuer heraus in
-kaltes Wasser geworfen. Nachdem so alle Stäbe gehärtet sind, werden
-sie mit Schmirgelleinwand von der durch das Glühen entstandenen
-Oxydschicht etwas befreit und müssen dann magnetisiert werden.
-Zu diesem Zweck stellen wir uns eine Drahtspule her, in die die
-Stahlstäbe gerade hineinpassen. Die Bewickelung muß so gewählt werden,
-daß mit der uns zur Verfügung stehenden Stromquelle ein möglichst
-~starker~ Gleichstrom durch möglichst ~viele Windungen~ fließt. Mit
-Hilfe des Ohmschen Gesetzes (Seite 86 u. f.) ist es nicht schwer,
-das festzustellen. Ist unsere Stromquelle überhaupt schwach, so
-müssen wir den Strom entsprechend länger wirken lassen, was jedoch
-den Mangel an Intensität bei weitem nicht ersetzen kann. Es ist weit
-vorteilhafter, 12 Ampere 2½ Minuten wirken zu lassen, als z. B. 1
-Ampere 30 Minuten. Nach einem andern Verfahren, das aber auch einen
-starken Strom erfordert, verfährt man folgendermaßen: Man windet sich
-aus 2 bis 2,5 _mm_ starkem, isoliertem Kupferdraht eine Spule, die
-aber für die kürzeren Magnetstäbe nicht länger als 2 _cm_, für die
-längeren nicht länger als 2,5 bis 3 _cm_ sein darf. In diese Spule
-bringen wir den zu magnetisierenden Stab so, daß die Spule genau über
-seiner Mitte liegt; erst jetzt wird ein möglichst starker Strom durch
-die Windungen geschickt und der Stab so in der Spule etwa 15 bis 20
-mal hin und her geschoben, daß das Stabende der einen Seite immer nur
-bis zum Spulenende der gleichen Seite geführt wird. Man hört wieder in
-der Mitte auf und zwar so, daß jede Stabhälfte gleich oft durch die
-Spule gegangen ist; dann wird der Strom abgestellt. Steht uns kein
-starker Strom zur Verfügung, so tun wir gut daran, das Magnetisieren
-von einem zuverlässigen Mechaniker besorgen zu lassen. Stehen uns gute,
-starke Stahlmagnete zur Verfügung, so können wir unsere Stäbe auch
-durch Streichen magnetisch machen. Das einfachste Verfahren, wozu wir
-auch nur ~einen~ Magneten brauchen, besteht darin, daß man erst den
-einen, z. B. den Nordpol des Strichmagneten, in der Mitte auf den zu
-magnetisierenden Stab aufsetzt, ihn unter starkem Aufdrücken nach dem
-Ende zu führt, da hochhebt, in der Luft im Bogen zurückgeht, wieder
-in der Mitte aufsetzt u. s. f. 10 bis 20 mal; dann wiederholt man
-das gleiche Verfahren mit dem anderen Pol nach der anderen Seite des
-Stabes. Bessere Resultate gibt folgendes Verfahren: Wir legen zwischen
-2 Stabmagnete ein Holz, das so dick wie die Magnete und 1 bis 2 _cm_
-kürzer als die zu magnetisierenden Stäbe ist; rechts liegt der Nordpol,
-links der Südpol am Holz an. Darauf wird der Stahlstab so gelegt, daß
-seine Enden auf den Magnetpolen aufliegen. Zwei weitere Stabmagnete
-werden, durch ein 5 _mm_ dickes Hölzchen getrennt, so in der Mitte des
-Stabes aufgesetzt, daß sie mit diesem Winkel von 45° bilden und daß
-rechts der Nord-, links der Südpol aufliegt. Nun fährt man erst an das
-eine Ende (nicht darüber hinaus!), dann über die Mitte weg nach dem
-anderen u. s. f. 10 bis 20 mal und hört so in der Mitte auf, daß man
-gleich oft über jede Hälfte gefahren ist.
-
-Es ist besonders darauf zu achten, daß die eine Hälfte, also
-fünf Stück, der längeren Stahlstäbe an dem mit dem Ausschnitt
-versehenen Ende + (nord-) magnetisch, die andere Hälfte der Stäbe
-an dem ausgeschnittenen Ende − (süd-) magnetisch werden. Mit einer
-freischwebenden Magnetnadel stellen wir die Nord- und Südpole der
-einzelnen Magnete genau fest und bezeichnen sie deutlich mittels
-Tinte mit den Zeichen + und −. Nun werden diese Magnete in der aus
-Abb. 120 hervorgehenden Anordnung zusammengestellt. Zwei Eisenstäbe,
-die an beiden Enden mit Gewinden versehen sind, werden durch die
-Löcher geschoben, und mit je zwei Muttern werden die Magnete fest
-zusammengepreßt. Sollten an den Berührungsflächen der einzelnen
-Magnete infolge des Glühens oder eines anderen Umstandes Unebenheiten
-aufgetreten sein, so müssen diese durch Schleifen, was aber vor dem
-Magnetisieren auszuführen ist, mit Schmirgel beseitigt werden, feilen
-läßt sich gehärteter Stahl nicht mehr!
-
-Den so gewonnenen Magnetstock können wir dadurch verstärken, daß wir
-uns noch Magnete von passender Größe herstellen, mit denen wir die
-Zwischenräume zwischen den einzelnen Stäben ausfüllen, natürlich unter
-richtiger Berücksichtigung der Pole.
-
-[Illustration: Abb. 120. Der aus einzelnen Stäben zusammengesetzte
-Magnetstock.]
-
-[Illustration: Abb. 121. Gleich- und Wechselstromabnehmer auf einer
-Achse.]
-
-Wir kommen nun zur Bewickelung des Ankers. Je länger und dünner der
-Draht ist, den wir verwenden, desto höher ist die Spannung und desto
-geringer die Stromstärke. Für eine Maschine in den hier angegebenen
-Dimensionen dürfte ein 0,3 bis 0,5 _mm_ starker Draht die besten
-Resultate ergeben. Die Drahtenden werden zu einem Kollektor geführt,
-wie er schon auf Seite 123 beschrieben worden ist. Die Stellung der
-Schleiffedern ist hier genau dieselbe wie dort. Außer diesem Kollektor,
-der den in den Spulen induzierten Wechselstrom in Gleichstrom
-umwandelt, können wir auch einen solchen zur Abnahme von Wechselstrom
-auf der Achse anbringen. Er besteht einfach aus zwei nebeneinander
-liegenden, aber voneinander isolierten Metallringen. Abb. 121 zeigt
-beide Kollektoren nebeneinander auf einer Achse. Die Drahtenden der
-Spule, die zu dem äußeren der beiden Kollektoren führen, müssen
-natürlich ~unter~ dem inneren hindurchgehen.
-
-[Illustration: Abb. 122. Verschiedene Formen für Feldmagnete.]
-
-Verwenden wir statt des Doppel-_T_-Ankers den in Abbildung 118 _B_
-abgebildeten, so ist der dazu nötige Stahlmagnet etwas einfacher
-herzustellen. Abb. 122 zeigt drei verschiedene Formen. Für die
-Verwendung von Sägeblättern dürfte die Form _C_ am geeignetesten sein;
-natürlich müssen dann mehr als drei Streifen zusammengelegt werden. Die
-Stirnfläche des Feldmagneten soll mindestens 1 _qcm_ groß sein.
-
-Abb. 123 zeigt den Anker mit den Spulen (_d_) und deren Stellung zum
-Feldmagnet (_a_) im Schnitt; _c_ ist die Achse, _b_ der Ankerkern, _e_
-der Kollektor. Diese Teile sind den entsprechenden des auf Seite 123
-beschriebenen Elektromotors in jedem Punkte gleich. Für die Bewickelung
-gilt das nämliche wie beim Doppel-_T_-Anker.
-
-Der Anker der magnetelektrischen Maschine muß, um einen elektrischen
-Strom zu liefern, ziemlich rasch gedreht werden. Wir befestigen deshalb
-auf der Achse eine aus Hartholz gedrechselte Welle, über die wir einen
-Riemen oder eine Schnur zu einem Schwungrade leiten. Wir können dazu
-das Schwungrad einer Nähmaschine mit Fußbetrieb verwenden, wenn wir
-die Nähmaschine von dem Tischchen abheben. Wir können uns aber auch ein
-Schwungrad folgendermaßen selbst herstellen: Wir sägen uns aus einem
-breiten Brett, das wir eventuell aus anderen zusammenleimen, eine runde
-Scheibe. Auf ihre beiden Seiten kleben wir je einen Ring aus starkem
-Pappendeckel, der so groß ist, daß er den Rand der Scheibe um etwa 0,5
-_cm_ überragt. Dadurch wird eine Rinne gebildet, in der eine Schnur
-laufen kann, ohne abzugleiten. Es ist nun noch eine Kurbel anzubringen
-und die Scheibe auf einer Achse an einem Gestelle zu befestigen. Dessen
-Konstruktion ausfindig zu machen, überlassen wir der Phantasie des
-jungen Bastlers.
-
-[Illustration: Abb. 123. Schnitt durch die magnetelektrische Maschine
-mit Hufeisenanker.]
-
-[Sidenote: Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine.]
-
-Die Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine erklärte Rudi im
-Anschluß an die Experimente über Magneto- und Elektroinduktion. Dort
-haben wir gesehen, daß in einem Leiter elektrische Ströme entstehen,
-sobald Kraftlinien sich in ihm bewegen. Dabei konnten wir beobachten,
-daß das ~Ein~- oder ~Aus~treten der Kraftlinien für die Stromrichtung
-bedingend war. Maxwell hatte eine Regel aufgestellt, die uns gestattet,
-die Richtung des Induktionsstromes sicher festzustellen. Betrachten wir
-die Abb. 124, die die Kraftlinien eines Magnetstabes _NS_ darstellt;
-wir sehen an den eingezeichneten Pfeilen, daß diese Linien, vom Nordpol
-nach allen Seiten ausstrahlend, sich nach dem Südpol hin bewegen.
-Die Maxwellsche Regel heißt: ~Betrachtet man eine Drahtspule, die
-sich in einem magnetischen Felde[5] bewegt, in der Richtung der
-Kraftlinien, so bringen eintretende Kraftlinien einen Strom hervor, der
-der Uhrzeigerbewegung entgegengesetzt ist, austretende dagegen einen
-solchen, der dieselbe Drehungsrichtung hat wie der Uhrzeiger.~
-
-[Illustration: Abb. 124. Drahtringe, die sich in einem magnetischen
-Feld bewegen.]
-
-In Abb. 124 sind fünf Drahtringe eingezeichnet. Nehmen wir an, daß sich
-I und II von links nach rechts bewegen und III, IV und V von rechts
-nach links, so werden die induzierten Ströme in der eingezeichneten
-Richtung fließen.
-
-Betrachten wir nun die Verhältnisse bei unserer magnetelektrischen
-Maschine mit dem Hufeisenanker in der in Abb. 123 dargestellten Lage,
-so gehen die Kraftlinien im Bogen vom +-Pol des Stahlmagneten durch den
-Anker hindurch zum −-Pol. Dabei treten sie in die linke Drahtrolle von
-vorn, in die rechte von hinten ein, da sie in einem Bogen von einem
-Pol zum anderen gehen. Wird der Anker so gedreht, daß die linke Spule
-gewissermaßen nach oben aus der Bildfläche heraustritt und die rechte
-sich abwärts bewegt, so treten aus beiden Spulen Kraftlinien so lange
-~aus~, bis der Anker eine Drehung von 90° gemacht hat. Wird er dann
-weiter gedreht, so dringen Kraftlinien ~ein~, aber von der anderen, der
-hinteren Seite her, bis die Pole des Ankers, nachdem er sich um 180°
-gedreht hat, vor denen des Magneten stehen. Wir wollen die Richtung der
-während der halben Umdrehung in den beiden Spulen induzierten Ströme
-feststellen. Dabei soll „von vorn gesehen“ ~jedesmal~ die Richtung vom
-Anker zum Feldmagneten, „von hinten gesehen“ die umgekehrte Richtung
-angeben. Zuerst, während sich die linke Spule nach oben bewegt,
-treten von hinten kommende Kraftlinien aus ihr heraus, oder, wie man
-sich auch ausdrücken kann, die Zahl der von ~hinten~ in die Spule
-eindringenden Kraftlinien wird ständig ~geringer~; der Strom wird also
-von ~hinten~ gesehen im Sinne der Uhrzeigerbewegung durch die Spule
-fließen. Beginnt die Spule nach einer Drehung von 90° sich wieder
-abwärts zu bewegen, so wird die Zahl der von ~vorn~ eindringenden
-Kraftlinien beständig ~größer~. Betrachten wir nun wie vorhin die
-Spule von ~hinten~, so fließt der induzierte Strom immer noch im Sinne
-der Uhrzeigerbewegung. Jetzt wollen wir sehen, was unterdessen in
-der anderen Drahtrolle -- die ursprünglich rechts stand -- vor sich
-gegangen ist. Hier sind zuerst die von ~vorn~ kommenden Kraftlinien aus
-der Spule ~aus~getreten, dann -- nach einer Viertelumdrehung -- die von
-~hinten~ kommenden ~ein~getreten, also gerade umgekehrt wie bei der
-zuerst betrachteten Drahtrolle. Hier fließt demnach der Induktionsstrom
-von hinten gesehen ~entgegen~ dem Sinne der Uhrzeigerbewegung. Daraus
-folgt, daß der Strom in den Spulen, die sich oberhalb der Bildebene
-bewegen, in der einen, in denen, die sich unterhalb der Ebene bewegen,
-in der anderen Richtung fließt. Verbinden wir die Drahtenden der
-Spulen so wie bei einem gewöhnlichen Elektromagnet, bei welchem der
-Draht um den einen Magnetschenkel ~rechts~, um den anderen ~links~
-herum aufgewickelt ist, so werden sich die in den beiden Drahtrollen
-induzierten Ströme nicht entgegenfließen, sondern addieren; dagegen
-werden sie die Drähte während der ersten halben Umdrehung in der einen,
-während der zweiten in der anderen Richtung durchfließen, da ja in
-beiden Spulen in dem Augenblick, in dem sie die Pole des Feldmagneten
-passieren, der Induktionsstrom seine Richtung ändert.
-
-Führen wir die Drahtenden der Ankerspulen zu zwei ganzen, voneinander
-isolierten Ringen auf der Achse und leiten mittels zweier Schleiffedern
-den Strom in einen Draht, so durchfließt er diesen unter fortwährender
-Änderung seiner Richtung. Davon können wir uns überzeugen, wenn wir das
-Vertikalgalvanoskop mit den Schleiffedern verbinden und die Maschine
-ganz langsam in Gang setzen: nach je einer halben Ankerumdrehung wird
-die Nadel des Instrumentes zuerst nach der einen, dann nach der anderen
-Seite ausschlagen. Drehen wir aber den Anker sehr rasch, so bekommen
-wir überhaupt keinen Ausschlag, weil die einzelnen Impulse, die ständig
-ihre Angriffsrichtungen auf die Nadel ändern, so rasch nacheinander
-eintreffen, daß die Trägheit der Nadel und des Magneten diesen nicht
-erlauben, den Impulsen zu folgen. Wir können dagegen mit einer kleinen
-Glühlampe das Vorhandensein eines Stromes nachweisen, denn der
-Kohlenfaden wird in der gleichen Weise erhitzt, ob der Strom in der
-einen oder anderen Richtung ihn durchfließt.
-
-Um von der magnetelektrischen Maschine Gleichstrom abnehmen zu können,
-haben wir auch den zweihälftigen Kollektor auf der Achse montiert. Daß
-dieser als Kommutator, als Stromwender wirkt, haben wir schon auf Seite
-123 gesehen.
-
-[Sidenote: Die Dynamomaschine.]
-
-Sich selbst eine Dynamomaschine, die wirklich als Generator zu
-gebrauchen ist, anfertigen zu wollen, ist ein Unternehmen, das meistens
-daran scheitert, daß eben eine solche Maschine in allen ihren Teilen
-ganz genau berechnet sein will. Wer sich nach den Berechnungsangaben
-auf Seite 134 u. f. einen größeren Motor gebaut hat, kann unter
-Umständen das Glück haben -- es wäre ein Zufall --, daß derselbe auch
-als Generator zu verwenden ist. Unter den beschriebenen Motoren kann
-in dieser Beziehung am meisten von den vierpoligen mit Hufeisenanker
-oder von solchen mit Doppel-_T_-Anker erwartet werden. Wie wir die
-Maschinen auf ihre Fähigkeiten dieser Art hin zu prüfen haben, wird am
-Ende des Abschnittes erwähnt. Jetzt wollen wir zuerst hören, was Rudi
-in seinem Vortrag über das Prinzip der Dynamomaschine ausführte.
-
-[Illustration: Abb. 125. Schema einer Hauptstrommaschine.]
-
-Wir haben gesehen, daß, wenn sich ein Drahtkreis in einem magnetischen
-Felde bewegt, in diesem -- dem Drahtkreis -- ein elektrischer Strom
-erzeugt wird. Der Strom ist umso stärker, je stärker das magnetische
-Feld ist. Nun ist es eine bekannte Tatsache, daß wir ein Stück weiches
-Eisen mit Hilfe eines elektrischen Stromes zu einem viel stärkeren
-Magnet machen können als ein gleich großes Stück Stahl. Es lag deshalb
-der Gedanke nahe, für magnetelektrische Maschinen statt Stahlmagnete
-Elektromagnete zu verwenden und den Strom für diese entweder einer
-Batterie, oder einer kleineren magnetelektrischen Maschine zu
-entnehmen. Werner v. Siemens kam zuerst (i. J. 1867) auf den Gedanken,
-den Ankerstrom selbst zur Erregung der Feldmagnete zu verwenden. Auch
-das weichste Eisen, wenn es einmal magnetisch gemacht war, behält eine
-Spur von Magnetismus, die genügt, einen wenn auch sehr kleinen Strom im
-Anker zu erzeugen. Dieser kleine Strom wird um den Feldmagnet geleitet
-und macht ihn ein wenig stärker, wodurch auch der induzierte Strom
-wieder stärker wird und den Feldmagnet noch stärker macht u. s. f., bis
-die Grenze der Magnetisierungsfähigkeit des Eisens erreicht ist. Zur
-besseren Veranschaulichung dieses Vorganges stellte Rudi eine Tafel mit
-der in Abb. 125 dargestellten Figur auf.
-
-Diese Tafel zeigt die sogenannte ~Hauptstrom-~ oder ~Serienschaltung~,
-weil der Hauptstrom, das ist der ganze im Anker erzeugt werdende Strom,
-durch die Windungen des Feldmagneten fließt. Anders verhält sich das
-bei der in Abb. 126 dargestellten Schaltungsweise, der sogenannten
-~Nebenschlußschaltung~. Hier liegen die Feldmagnete im Nebenschluß zu
-dem im Anker erzeugten und durch das Leitungsnetz (_X_) fließenden
-Strom. Diese Schaltungsweise ist die gebräuchlichere, da durch einen
-bei _R_ (Abb. 126) eingeschalteten Rheostaten (siehe Anhang) die
-Spannung bequem reguliert werden kann. Mache ich den Widerstand in _R_
-größer, so sinkt die Spannung, mache ich ihn kleiner, so steigt sie.
-
-[Illustration: Abb. 126. Schema einer Nebenschlußmaschine.]
-
-[Illustration: Abb. 127. Schema einer Maschine mit Fremderregung.]
-
-Es können auch beide Schaltungsweisen kombiniert werden (Verbund-
-oder Compoundmaschine), doch ist hier nicht der Platz, auf all diese
-Einzelheiten einzugehen; wir wollen uns lieber nur mit solchen
-Experimenten beschäftigen, die den Verhältnissen unseres einfachen
-Laboratoriums angepaßt sind.
-
-So wollen wir z. B. sehen, wie wir einen Elektromotor zur
-magnetelektrischen Maschine machen können: Wir verbinden die Drahtenden
-der Feldmagnetwickelung mit einer Batterie und können dann, wenn
-der Anker gedreht wird, von den Schleiffedern Strom abnehmen. Diese
-Schaltungsweise zeigt Abb. 127.
-
-[Illustration: Abb. 128. Einschaltung eines Hilfsstromes in den
-Stromkreis der Dynamo.]
-
-Wollen wir mit einem unserer Motoren unser Glück probieren, ob er auch
-als Generator zu verwenden ist, so müssen wir folgendermaßen verfahren:
-Wir schalten Anker und Feldmagnet hintereinander (Serienschaltung), in
-den Stromkreis des Feldmagneten eine Stromquelle und in den äußeren
-Stromkreis ein Amperemeter _X_ ein, wie aus Abb. 128 ersichtlich
-ist. (Die Elemente können natürlich auch an einer anderen Stelle des
-Stromkreises eingeschaltet werden.) Dieser Hilfsstrom braucht nicht
-stärker zu sein, als daß er den Motor gerade noch in langsame Rotation
-versetzt. Drehen wir nun den Anker gewaltsam in entgegengesetzter
-Richtung, als er durch den Batteriestrom gedreht wurde, so wird er
-einen Strom erzeugen, der gleichgerichtet mit dem der Elemente ist.
-Während die Maschine im Gang ist, verbinden wir zuerst die beiden
-Punkte _a_ und _b_ (Abb. 128) durch einen kurzen Kupferdraht und
-schalten dann die Batterie aus. An dem angeschlossenen Amperemeter
-können wir jetzt sehen, ob das Glück uns hold war und unseren Motor
-auch als Generator arbeiten läßt.
-
-Nachdem Rudi die wichtigsten theoretischen Dinge über Motoren und
-Generatoren besprochen hatte, ging er dazu über, seinen aufmerksamen
-Zuhörern die praktische Anwendung dieser Maschinen im Großbetriebe zu
-erklären.
-
-[Sidenote: Die elektrische Lokomotive.]
-
-Zuerst führte er eine kleine elektrische Lokomotive vor. Er hatte sie
-sich aus einer Spielzeugeisenbahn, an deren Maschine die Betriebsfeder
-gebrochen war, hergestellt, indem er einen kleinen Elektromotor so
-auf der Lokomotive, von der er Kessel und Uhrwerk entfernt hatte,
-befestigte, daß die Welle des Motors unmittelbar auf dem oberen Rande
-des Lokomotivenrades auflag. Um die Reibung zwischen diesen beiden
-Rädern zu vergrößern, legte er in die Furche der Motorwelle einen
-kleinen Gummiring.
-
-Das Geleise der Bahn, das ein großes Oval bildete, befestigte er auf
-einem entsprechend großen Pappendeckel, den er, um ihm mehr Halt zu
-geben, auf der Unterseite mit Holzleistchen benagelte. In Abständen
-von etwa 10 _cm_ stellte er Tragmasten aus Weidenholzstäbchen auf und
-verband je zwei, die einander gegenüber standen, während das Geleise
-zwischen ihnen hindurchlief, mit einer Schnur. An dieser wurde die
-aus 1 _mm_ starkem Kupferdraht bestehende „Oberleitung“ befestigt.
-Damit die Unterseite, an welcher der stromabnehmende Schleifbügel
-entlanggleiten sollte, auch an den Befestigungsstellen völlig glatt
-sei, lötete er auf der Oberseite Drahthäkchen an, die in Schlingen
-der Aufhängeschnüre eingehängt wurden. Der Schleifbügel war in der
-Form gebogen, wie wir sie an unseren Straßenbahnen sehen, isoliert von
-dem übrigen Gestell auf der Lokomotive befestigt und mit der einen
-Polklemme des Motors verbunden. Die andere Klemme wurde mit dem Gestell
-der Maschine und außerdem mit einer auf der Radachse aufliegenden
-Schleiffeder in leitende Verbindung gebracht. Die einzelnen Schienen
-des Geleises waren untereinander verlötet. Der Strom eines kleinen
-Akkumulators, der durch die Oberleitung in den Motor eintreten und
-durch die Räder und Schienen wieder zurückfließen konnte, ließ unsere
-elektrische Lokomotive ohne Schwierigkeiten eine stattliche Anzahl
-kleiner Wagen mit ziemlich großer Geschwindigkeit hinter sich herziehen.
-
-[Illustration: Abb. 129. Einfache Bogenlampe.]
-
-[Sidenote: Die Bogenlampe.]
-
-Auch eine kleine Bogenlampe fertigte sich Rudi. Abb. 129 zeigt ihre
-Einrichtung: Auf dem Grundbrett _a_ ist die Säule _b_ errichtet, in
-welcher der Hebel _c_ mit dem Griff _d_ befestigt ist. Der Hebel ist
-aus Holz und darf sich nicht zu leicht um seine Achse drehen, damit
-er in jeder Lage, in die wir ihn bringen, stehen bleibt. Er hat bei
-_e_ ein Loch, in welchem die Kohle _K₁_ festgesteckt werden kann;
-für denselben Zweck ist in _a_, bei _f_ ein Loch. Für _K₁_ und _K₂_
-verwenden wir möglichst dünne Bogenlampenkohlen, die wir, wenn wir nur
-einen schwachen Strom zur Verfügung haben, mit dem Messer sehr fein
-zuspitzen. Um die Kohlen wickeln wir blanke Kupferdrähte, die zu den
-Klemmen _g_ und _h_ führen. Um den Lichtbogen zu erzeugen, verbinden
-wir die beiden Klemmen mit unserer stärksten Stromquelle, bringen die
-beiden Kohlespitzen zuerst miteinander in Berührung und rücken sie dann
-ein paar Millimeter auseinander, in welchem Augenblicke der Lichtbogen
-entsteht. Dies wird bei unserem einfachen Apparat aber nur kurze Zeit
-dauern, da die Kohlespitzen abbrennen; wir müssen deshalb von Zeit
-zu Zeit _K₁_, durch Verstellen des Hebels tiefer rücken. Bei großen
-Bogenlampen werden die Kohlenstifte durch ein selbsttätig wirkendes
-Uhrwerk auf dem richtigen Abstand erhalten.
-
-[Sidenote: Der Kurzschluss.]
-
-Um das Wesen des berüchtigten ~Kurzschlusses~ zu erklären, hatte
-Rudi für den Vortrag eine kleine Spielerei hergerichtet. Er klebte
-sich aus Packpapier ein kleines Häuschen und malte Fenster, Türen
-u. s. w. auf. An beiden Giebeln ließ er zwei weiße Isolierknöpfe sehen.
-Rechts und links vom Hause, den Giebeln gegenüber stellte er je eine
-Telegraphenstange auf. Von den Isolierknöpfen am linken Giebel des
-Hauses führten zwei starke Kupferdrähte über die Telegraphenstange nach
-der Akkumulatorenbatterie. Diese Leitungen setzte er mit zwei dünnen
-Eisendrähten durch das Haus hindurch über die Isolierknöpfe am rechten
-Giebel bis zu der zweiten Telegraphenstange fort, an welcher eine
-Leiter lehnte, auf der ein aus Papier geschnittener Arbeiter stand.
-Der Arbeiter schien an einer Glühlampe zu arbeiten, die an die beiden
-Eisendrähte angeschlossen war und glühte. In dem Papierhaus legte Rudi
-auf die Leitung leicht zusammengeballtes mit ~wenig~ Tropfen Petroleum
-beträufeltes Seidenpapier.
-
-Er erklärte, daß hier von einer starken Stromquelle in einer durch das
-Haus führenden Leitung der Glühlampe Elektrizität zugeführt werde.
-Die Glühlampe biete dem Strom einen sehr großen Widerstand, so daß er
-eine gewisse Stärke nicht überschreiten könne. Wenn nun aber der an
-der Leitung arbeitende Mann aus Unachtsamkeit ein Werkzeug, z. B. eine
-Zange fallen ließe, und sie würde so auf die beiden Leitungsdrähte zu
-liegen kommen, „wie dieses Stückchen Draht hier“ -- dabei legte er ein
-Stückchen Kupferdraht auf die beiden Eisendrähte --, so würde auch im
-großen das gleiche Ereignis eintreten wie hier im kleinen. Kaum hatte
-er das Kupferdrahtstückchen auf die Leitung gelegt, als diese anfing
-glühend zu werden und durchschmolz; einen Augenblick später stand das
-Haus in Flammen. Dadurch, daß der Strom, statt den schwierigen Weg
-durch die Glühlampe nehmen zu müssen, durch das Drahtstückchen ~kurz
-geschlossen~ -- daher das Wort „~Kurzschluß~“ -- war, wurde er so
-stark, daß die Leitungsdrähte zu glühen anfingen und das auf ihnen
-liegende Papier im Hause entzündeten. In Wirklichkeit liegt zwar kein
-Seidenpapier auf den Leitungsdrähten, diese sind aber meist mit leicht
-entzündlichen, sehr stark brennenden Materialien wie Pech, Wachs,
-Guttapercha u. s. w. isoliert.
-
-[Sidenote: Die Sicherungen.]
-
-Mit obigem Versuch kann man gleichzeitig auch noch einen zweiten
-verbinden, der zeigt, in welcher Weise die Sicherungen wirken. Zu
-diesem Zweck unterbrechen wir den einen der Zuleitungsdrähte zu dem
-Häuschen und überbrücken die Unterbrechung mit einem dünnen Streifchen
-von Stanniolpapier, das so viel Strom durchläßt, daß das Lämpchen
-noch hell leuchtet, aber doch so dünn ist, daß es ~sofort~ schmilzt,
-wenn die Leitung kurz geschlossen wird. Wir machen den Versuch dann
-zuerst mit der Sicherung, die so rasch durchschmilzt, daß der Strom
-unterbrochen wird, bevor der dünne Eisendraht im Häuschen zum Glühen
-kommen kann. Darauf verbinden wir die unterbrochene Stelle direkt und
-stellen den Kurzschluß noch einmal her, wobei nun wie vorhin das Haus
-in Flammen aufgehen wird.
-
-[Illustration: Abb. 130. Drahtschnecke für den Zigarrenanzünder.]
-
-[Sidenote: Der elektrische Zigarrenanzünder.]
-
-Rudi erwähnte nun noch die Verwendung der Elektrizität zu Heizzwecken,
-doch konnte er dazu keine Apparate oder Experimente vorführen, obgleich
-ein hierher gehöriger Apparat, zu dessen Betrieb nur ein paar kleine
-Akkumulatorenzellen nötig sind, nicht schwer herzustellen ist. Es ist
-der elektrische Zigarrenanzünder. Wir stellen durch einige Versuche
-fest, wie stark ein etwa 7 bis 10 _cm_ langer Eisendraht sein muß,
-damit er von dem ungeschwächten Strome unserer Akkumulatorenbatterie
-bis zur Weißglut erhitzt wird, ohne aber durchzuschmelzen. Der Draht
-wird zu einer Schnecke zusammengebogen, wie Abb. 130 zeigt. Dann
-besorgen wir uns -- bei einem Mechaniker wird das zu haben sein --
-ein kleines Stückchen Asbestpappe, von der wir ein rundes Scheibchen
-abschneiden, das so groß ist, daß es unsere Drahtschnecke reichlich
-überdeckt. Ein zweites Scheibchen von derselben Größe muß durch Spalten
-~möglichst dünn~ gemacht werden. Nunmehr richten wir uns einen runden
-Holzstab her von etwa 10 _cm_ Länge und mit einem Durchmesser, der
-dem der Asbestscheibchen gleich ist. Ferner brauchen wir noch einen
-mit mehreren Löchern versehenen Ring aus Messingblech, dessen äußerer
-Durchmesser ebenfalls gleich dem der Scheibchen und dessen innerer
-etwas größer als der der Drahtschnecke ist. Auf die eben abgefeilte
-Stirnseite des Holzstabes wird zuerst die dicke Asbestscheibe gelegt,
-dann die Drahtschnecke so, daß ihre Enden _a_ und _b_ (Abb. 130)
-rechts und links heraussehen, darauf kommt die dünne Asbestscheibe,
-und schließlich wird das Ganze durch Aufnageln des Messingringes
-zusammengehalten. Die freien Drahtenden löten wir an zwei dicken
-isolierten Kupferdrähten an; diese führen wir in Rinnen, die in den
-Holzstab geschnitten werden, nach dessen unterem Ende, wo sie an zwei
-Klemmschrauben enden. Den einen dieser Drähte können wir auch durch
-eine Kontaktfeder ersetzen, deren Befestigung aus der den ganzen
-Apparat darstellenden Abb. 131 hervorgeht. Wird ein hinreichend starker
-Strom durch die Drahtschnecke geleitet, so fängt diese an zu glühen,
-und dadurch wird auch die dünne Asbestscheibe glühend, an welcher
-dann die Zigarre angezündet werden kann. -- Für die Drahtschnecke
-~Platin~draht statt Eisendraht zu verwenden, ist, von dem hohen Preis
-des Platins abgesehen, natürlich weit vorteilhafter.
-
-[Illustration: Abb. 131. Der Zigarrenanzünder.]
-
-[Sidenote: Schluss.]
-
-Zum Schluß seines Vortrages erklärte Rudi noch kurz das wichtigste vom
-Akkumulator und vom Telephon. Bei der Erklärung des Akkumulators führte
-er ein einfaches Experiment aus: Er stellte in ein mit verdünnter
-Schwefelsäure (1 : 10) angefülltes Standglas zwei Bleiblechstreifen,
-die er kurz vorher mit einem Messer blank geschabt hatte. Durch diese
-Zelle leitete er den Strom von zwei Akkumulatoren, worauf die eine
-der Platten sich bräunte, die andere ihren Glanz verlor und grau
-wurde. Bevor er die Bleiplatten an den Akkumulator anschloß, brachte
-er sie mit dem Vertikalgalvanoskop in Verbindung, welches keinen
-Strom anzeigte; nachdem dann die eine Platte stark gebräunt war, tat
-er dasselbe nochmals, wobei nun die Nadel des Instrumentes so weit
-ausschlug, als es ihr möglich war.
-
-Endlich sprach Rudi noch über das Telephon. Dieser Apparat wird im
-nächsten Vortrag ausführlich behandelt werden.
-
-
-
-
-[Illustration:]
-
-
-
-
-Vierter Vortrag.
-
-Induktions- und Wechselströme.
-
-
-Schon im dritten Vortrag haben wir die grundlegenden Begriffe über
-Induktionsströme und ihr Entstehen kennen gelernt. In diesem Vortrage
-nun behandelte Rudi die schwierigeren Induktionserscheinungen, nämlich
-die Selbstinduktion und die Wirbelströme.
-
-Wir haben gesehen, daß, wenn wir in einer hohlen Drahtspule eine
-zweite von einem Strome durchflossene bewegen, in der äußeren Ströme
-induziert werden, deren Richtung wir mit Hilfe der Maxwellschen Regel
-(Seite 146) bestimmen können, wobei es natürlich einerlei ist, ob
-die induzierte Spule die äußere und die induzierende die innere
-ist, oder umgekehrt. Wir wollen nun auch noch sehen, wie sich die
-elektromotorische Kraft des induzierten (sekundären) Stromes zu der
-Intensität des induzierenden (primären) Stromes und der außerdem noch
-mitwirkenden Größen verhält.
-
-[Illustration: Abb. 132. Rudi mit den Vorversuchen für seinen Vortrag:
-„Wechselströme höherer Frequenz“ beschäftigt.]
-
-[Sidenote: Regeln zur Bestimmung der elektromotorischen Kraft des
-Induktionsstromes.]
-
-1. ~Je stärker der induzierende Strom (oder Magnet) ist, umso größer
-ist unter sonst gleichen Verhältnissen die elektromotorische Kraft des
-induzierten Stromes.~
-
-2. ~Je größer die Anzahl der Windungen des sekundären Stromkreises ist,
-umso größer ist die elektromotorische Kraft in diesem.~
-
-3. ~Je rascher die Entfernung des primären Stromes (oder Magneten)
-von der sekundären Spule geändert wird, oder je plötzlicher der
-primäre Strom geschlossen oder geöffnet wird, umso größer ist die
-elektromotorische Kraft des Induktionsstromes.~
-
-Aus diesen drei Regeln können wir folgendes allgemeine Gesetz ableiten.
-
-~Je größer die Zahl der Kraftlinien ist, die während der Zeiteinheit
-in die mit Drahtwindungen erfüllte Flächeneinheit ein- oder austreten,
-umso größer ist die elektromotorische Kraft des Induktionsstromes.~
-
-[Sidenote: Selbstinduktion.]
-
-Schon im vorigen Vortrag wurde erwähnt, daß ein- und austretende
-Kraftlinien in jedem Leiter der Elektrizität, von welcher
-Beschaffenheit oder Gestalt er auch sei, Induktionsströme hervorrufen.
-Wird eine Drahtspule von einem Strome durchflossen, den wir abwechselnd
-öffnen und schließen, so werden in ihr die Kraftlinien, die eine der
-vielen Windungen aussendet, die benachbarten Windungen treffen und
-dadurch in diesen Induktionsströme hervorrufen. Es fließt also hier der
-induzierende und der induzierte Strom in einem und demselben Drahte.
-Dabei ist die Richtung des induzierten Stromes, wie wir mit Hilfe der
-Maxwellschen Regel feststellen können, beim Schließen des primären
-Stromes diesem entgegengesetzt, beim Öffnen mit ihm gleichgerichtet.
-
-Diese Tatsachen können wir durch ein sehr einfaches Experiment
-erläutern. Wir verbinden den einen Pol einer Stromquelle mit
-einer Blechplatte, den anderen mit einem spitzen Nagel, den wir
-zur bequemeren Handhabung durch das vordere Ende eines Holzstabes
-geschlagen haben. Wir drücken abwechselnd den Nagel auf das Blech und
-heben ihn wieder ab. In dem Augenblick, in welchem sich die Spitze von
-dem Blech entfernt, können wir das Auftreten eines kleinen Fünkchens
-beobachten. Diese Erscheinung wird etwas verstärkt, wenn wir einen
-der Verbindungsdrähte, statt ihn ausgestreckt zu lassen, auf einen
-Bleistift aufwickeln; noch mehr verstärkt wird sie, wenn wir die
-Drahtspulen z. B. eines Elektromagneten in den Stromkreis einschalten.
-Der beim Schließen des Stromes entstehende Induktionsstrom ist, wie man
-auch schon an dem viel kleineren Funken erkennt, schwächer -- da er dem
-Hauptstrom ~entgegen~fließt -- als der beim Öffnen entstehende. Die
-beim Schließen und Öffnen auftretenden Funken nennt man Schließungs-
-und Öffnungsfunken.
-
-Diese Art von Induktion nennt man ~Selbstinduktion~, die dabei
-auftretenden Ströme ~Extraströme~. Sie entstehen nicht nur beim Öffnen
-und Schließen des Hauptstromes, sondern bei jeder Veränderung in seiner
-Stärke oder Richtung.
-
-[Sidenote: Wirbelströme.]
-
-Wir wollen jetzt sehen, wie sich diese Ströme in Leitern verhalten, die
-nicht die Gestalt eines Drahtes haben, z. B. in den Eisenankern von
-Dynamomaschinen. Hier wären massive Eisenmassen der Induktionswirkung
-derartig stark ausgesetzt, daß die darin auftretenden Induktionsströme,
-die in diesem speziellen Fall ~Wirbelströme~ genannt werden, die
-größten Verluste verursachen würden, weil sich dabei die zur Drehung
-des Ankers aufgewandte Energie zum großen Teil statt in Elektrizität
-in Wärme verwandeln würde. Es werden deshalb bei größeren Maschinen
-die Anker nicht aus einem Stücke hergestellt, sondern quer zu der
-Richtung der Wirbelströme unterbrochen, indem sie aus vielen dünnen
-Eisenblechplättchen, die durch Papierscheiben voneinander isoliert
-sind, zusammengesetzt werden.
-
-[Illustration: Abb. 133. Apparat zur Demonstration der Wirbelströme
-(von oben gesehen).]
-
-[Illustration: Abb. 134. Derselbe von der Seite gesehen.]
-
-Um zu zeigen, wie stark die Erwärmung von Leitern durch Wirbelströme
-werden kann, können wir uns einen Apparat herstellen, den Abb. 133 von
-oben, Abb. 134 von der Seite zeigt. _a_ ist ein starkes Grundbrett; auf
-diesem ist an dem Gestell _b_ der starke Elektromagnet _c_ befestigt.
-Die Form des Elektromagneten, dessen Pole sich einander unmittelbar
-gegenüberstehen müssen, geht zur Genüge aus der Abbildung hervor. Es
-sei nur erwähnt, daß der die beiden Schenkel verbindende Bügel, da er
-ziemlich lang ist, recht stark sein muß. Die Polenden sollen 4 bis
-höchstens 5 _mm_ voneinander abstehen. Zwischen den Polen soll sich
-der Rand einer 2 _mm_ starken Kupferscheibe _d_ bewegen. Wir können
-auch ein anderes Metall verwenden als Kupfer, das ziemlich teuer ist;
-nur Eisen ist ungeeignet, da es von dem Magneten angezogen wird; wir
-müßten es ganz genau in der Mitte zwischen den beiden Polen drehen, was
-aber nur sehr schwer zu erreichen ist, da man selten eine völlig ebene
-Blechplatte bekommen wird. Die Scheibe wird von einer Achse getragen,
-die in Lagern auf den beiden Lagerträgern (_e_) ruht. Die Lager sind
-wie üblich herzustellen (siehe Seite 22). An dem einen Ende der Achse
-wird eine kleine Welle (_f_) angebracht und darunter ein großes
-Übersetzungsrad (_g_), das mit einer Kurbel (_h_) versehen wird und um
-eine in dem Lagerträger befestigte Achse gedreht werden kann. Über das
-große und das kleine Triebrad wird eine starke Schnur oder ein runder
-Riemen gelegt, der sehr straff angespannt sein muß.
-
-Schicken wir nun durch den Elektromagneten einen starken Strom und
-lassen die Scheibe rotieren, so werden wir zuerst wahrnehmen, daß die
-Scheibe unserer Kraft einen umso größeren Widerstand entgegensetzt, je
-rascher wir sie drehen wollen. Erhalten wir die Kupferscheibe längere
-Zeit in möglichst rascher Rotation, so wird sie sich so stark erhitzen,
-daß daraufgegossenes Wasser laut zischend verdampft.
-
-[Sidenote: Dämpfung.]
-
-Ein zweiter Versuch zeigt, ~daß diejenigen Ströme, die in einem sich
-in einem magnetischen Felde bewegenden Leiter entstehen, stets so
-gerichtet sind, daß sie diesen Leiter in der entgegengesetzten Richtung
-zu bewegen streben~. Dieses Gesetz ist zuerst von Lenz ausgesprochen
-und nach ihm das ~Lenzsche Gesetz~ genannt worden. Um den Versuch
-auszuführen, nehmen wir die Schnur von dem Triebrad und der kleinen
-Welle herunter und versetzen, bevor der Elektromagnet erregt ist, die
-Scheibe in rasche Rotation, indem wir das freie Achsenende zwischen
-Daumen und Zeigefinger drehen. Wir werden jetzt längere Zeit warten
-müssen, bis die Scheibe wieder zur Ruhe kommt; darauf drehen wir sie
-nochmals an und schließen dann den Strom, der den Elektromagneten
-erregt; fast sofort wird die Scheibe zur Ruhe kommen.
-
-Diese Tatsache wird dazu benutzt, um die großen Schwingungszeiten
-der Nadeln von empfindlichen Meßinstrumenten zu ~dämpfen~, indem die
-z. B. auf eine Drahtspule reagierenden Magnete sich zwischen massiven
-Kupferplatten bewegen müssen, in denen sie bei ihrer Bewegung Ströme
-induzieren, die sie -- die Magnete -- in entgegengesetzter Richtung zu
-bewegen bestrebt sind. Dadurch wird ein zu langes Hin- und Herschwingen
-verhindert.
-
-[Sidenote: Einfache Elektrisiermaschine.]
-
-Wir haben gesehen, daß in einer einfachen Drahtspule beim Öffnen und
-Schließen des Stromes Induktionsströme entstehen, die so hoch gespannt
-sind, daß sie sogar einen kleinen Luftwiderstand unter Bildung eines
-Funkens überwinden können. Daß ein solcher Strom, wenn er durch den
-menschlichen Körper geleitet wird, in diesem deutlich gefühlt werden
-muß, ist ziemlich klar.
-
-[Illustration: Abb. 135. Schema einer elektrischen Klingel.]
-
-Wir wollen nun sehen, wie wir eine einfache elektrische Klingel als
-Elektrisiermaschine gebrauchen können. Wir verbinden die Klingel unter
-Einschalten eines Kontaktknopfes wie üblich mit einer Stromquelle. Um
-unnötiges Geräusch zu vermeiden, stopfen wir die Glockenschale mit
-Papier aus. Die Stellschraube an der Kontaktfeder stellen wir so, daß
-der Hammer sich möglichst rasch hin und her bewegt. Betrachten wir das
-Schema einer elektrischen Klingel in Abb. 135, so fließt der Strom von
-der Klemme _a_ durch die Windungen des Elektromagneten _b_ nach _c_ und
-durch die Feder und den Anker zur Kontaktspitze _d_, von wo er über _e_
-zur Batterie zurückkehrt. Wird nun der Anker angezogen und dadurch der
-Strom unterbrochen, so entsteht bei _d_ ein Öffnungsfunke; in diesem
-Augenblick muß also die Spannungsdifferenz zwischen _c_ und _d_ sehr
-groß gewesen sein. Schließen wir den Strom, so daß der Hammer ständig
-hin und her schwingt, und berühren wir mit der einen Hand _c_, mit der
-anderen _d_, so wird der Öffnungsstrom lieber den geringeren Widerstand
-unseres Körpers als den großen Luftwiderstand bei _d_ überwinden und
-deshalb zum größten Teil unseren Körper durchfließen.
-
-Wir können uns, um nicht immer _c_ und _d_ anfassen zu müssen, aus zwei
-Messingrohrstücken Handeln machen. An dem einen Ende des Rohres löten
-wir einen etwa 1 _m_ langen isolierten Kupferdraht fest und treiben
-auf der gleichen Seite einen Holzzapfen, der als isolierender Griff
-dienen soll, in die Röhre. Die freien Enden der Drähte werden dann
-mit _c_ und _d_ verbunden. Wollen wir für weitere Versuche die Stärke
-des elektrisierenden Stromes verändern, so müssen wir den Hauptstrom
-entsprechend regeln.
-
-[Sidenote: Der Induktionsapparat.]
-
-Der einfache Induktionsapparat dient dazu, Ströme niederer Spannung
-in solche hoher Spannung umzuwandeln. Man kann deshalb auch einen
-derartigen Apparat als Transformator bezeichnen.
-
-Im wesentlichen kennen wir den Apparat schon aus dem vorigen Vortrag.
-Er besteht aus einer inneren Drahtspule mit wenig Windungen eines
-dicken Drahtes und aus einer äußeren mit sehr viel Windungen eines
-dünnen Drahtes. Da, wie wir gesehen haben, die elektromotorische Kraft
-des Induktionsstromes mit von der Zahl der Kraftlinien abhängt, die
-ihn erzeugen, so wickeln wir den inneren, den primären Draht auf einen
-Eisenkern auf. Damit in diesem keine schädlichen Wirbelströme auftreten
-können, fertigen wir ihn nicht aus einem massiven Stück, sondern setzen
-ihn aus einzelnen Drahtstücken zusammen. Wir verwenden geglühten,
-oxydierten Eisendraht von 0,5 bis 1,5 _mm_ Stärke. Bevor wir den Draht
-in einzelne Stücke zerschneiden, müssen wir ihn strecken, da sonst,
-wenn die Stäbchen verbogen und verbeult sind, in dem Kerne unnütze
-Hohlräume entstehen. Zu diesem Zwecke befestigen wir in einem langen
-Zimmer oder im Korridor etwa an einer Türklinke das eine Drahtende;
-am anderen Ende des Raumes wickeln wir den Draht einige Male um einen
-etwa fingerstarken Holzstab und ziehen nun, den Stab mit beiden Händen
-umfassend, so lange und so stark an dem Draht, bis er an irgend einer
-Stelle reißt. Man ziehe vorsichtig, daß man beim Riß nicht zu Boden
-stürze. Den nun völlig geraden Draht läßt man ausgestreckt am Boden
-liegen und schneidet ihn hier in die einzelnen Stäbchen auseinander.
-Letztere werden mit dünner Schellacklösung bestrichen, nach dem
-Trocknen zu einem Bündel zusammengelegt und fest mit Leinenfaden in
-regelmäßig aneinanderliegenden Windungen umbunden.
-
-Unmittelbar auf den Eisenkern, der auf beiden Seiten höchstens 0,5
-_mm_ frei bleiben soll, wird der primäre Draht in zwei bis vier Lagen
-(genaueres über Drahtmaße siehe Seite 134 u. f.) und in einer Stärke
-von 0,8 bis 2 _mm_ möglichst regelmäßig aufgewunden. Das Anbringen von
-Randscheiben ist gänzlich überflüssig und hindert nur nachher beim
-Wickeln der sekundären Spule.
-
-Nachdem die Enden des primären Drahtes durch Anbinden vor dem Aufrollen
-bewahrt sind, wird die Spule mit zwei bis drei Lagen eines starken in
-Schellack getränkten Papiers umgeben. Der Rand der Papierhülle soll auf
-beiden Seiten genau mit der untersten Drahtlage abschneiden.
-
-Sobald der Schellack getrocknet ist, können wir mit dem Wickeln
-der sekundären Spule beginnen. Am geeignetsten ist ein möglichst
-dünner mit Seide umsponnener Kupferdraht. Verwenden wir einen mit
-Baumwolle isolierten Draht, so muß dieser während der Bewickelung mit
-Schellacklösung bestrichen werden. Die einzelnen Windungen müssen
-sauber und genau nebeneinander gelegt und jede Lage muß, bevor die
-nächste darüber gewickelt wird, mit einem dünnen, in Schellack oder
-heißes Paraffin getauchten Papier umgeben werden. Alle Lagen sollen
-gleichviel Windungen haben, damit sie alle gleich lang sind. Die
-dazwischen gelegten Papiere sollen auf jeder Seite 1 _mm_ über die
-äußerste Windung hinaussehen. Sollte beim Wickeln der Draht reißen,
-oder werden von vorneherein mehrere Drähte verwendet, so dürfen die
-Verbindungsstellen, die zu verlöten sind, nicht mitten in der Lage
-sein, sondern sind an ihren äußersten Rand zu verlegen. Wir müssen
-also den Draht, wenn er nicht zufällig aufgeht, da abschneiden, wo er
-eine Lage beendet hat. Bei kleinen Apparaten, an die wir keine großen
-Anforderungen stellen, braucht dieser Umstand nicht berücksichtigt zu
-werden, und man kann den Draht sparen.
-
-[Sidenote: Die Spulmaschine.]
-
-Das Bewickeln führt man am besten mit der Hand aus. Es ist ein
-zeitraubendes und mühsames Geschäft, namentlich wenn der Draht sehr
-dünn ist; wir können es aber, die nötige Geduld vorausgesetzt, mit
-der Hand pünktlicher machen, als mit einer Spulmaschine, die freilich
-den großen Vorteil der Zeitersparnis für sich hat. Abb. 136 zeigt
-eine solche Einrichtung. Die Spule, auf die wir aufwickeln, ist
-mit _c_ bezeichnet und sitzt fest auf einer aus starkem Eisendraht
-hergestellten Kurbel. _b_ ist die Rolle, von der der Draht abgenommen
-wird; damit er immer straff gespannt bleibt, wird _b_ durch die Feder
-_a_ gehemmt. Je breiter die Spule _c_, desto größer muß ihr Abstand von
-_b_ sein.
-
-[Illustration: Abb. 136. Spulmaschine.]
-
-Ist auch die sekundäre Spule fertig gewickelt, so werden ihre beiden
-Drahtenden vorläufig in der Mitte über der Rolle zusammengedreht.
-Dann können die Randscheiben aus dünnem Holz oder aus schellackierter
-Pappe angebracht werden. Diese Scheiben sitzen an den freien Enden des
-Drahtkernes fest auf. Der etwa noch vorhandene Zwischenraum zwischen
-ihnen und der Spule wird mit Paraffin ausgegossen. Ist dies erkaltet,
-so umgeben wir die ganze Rolle mit einer Schutzhülle aus Karton, die
-mit den Randscheiben abschneidet. Die Enden des die Hülle bildenden
-Kartonstreifens werden zusammengeleimt oder durch Umwickeln mit einer
-Lage Bindfaden zusammengehalten. Die Drahtenden der sekundären Spule
-werden durch zwei Löcher in der Kartonhülle herausgeleitet.
-
-In zwei quadratische Brettchen sägen wir je einen runden Ausschnitt,
-der gerade so groß ist, daß wir die fertige Spule hindurchschieben
-können. Auf einem Grundbrett von passender Größe werden diese beiden
-Brettchen so befestigt, daß die durch die beiden Löcher geschobene und
-hier angeleimte Spule auf beiden Seiten etwa 1 _cm_ frei herausragt.
-Auf den beiden Brettchen bringen wir zwei Klemmschrauben an, mit denen
-wir die freien Enden des sekundären Drahtes verbinden.
-
-[Illustration: Abb. 137. Schnitt durch einen einfachen
-Induktionsapparat.]
-
-Die Abb. 137 und 138 veranschaulichen diese Anordnung im Schnitt und im
-Grundriß. _a_ zeigt das Grundbrett, _b_ die quadratischen Brettchen,
-in deren runden Löchern die Spule ruht. _c_ ist der Eisenkern, _d_
-die primäre, _e_ die sekundäre Wickelung und mit _f_ sind die beiden
-Klemmen bezeichnet.
-
-Daß wir Induktionsströme erzeugen können, indem wir den primären
-Strom abwechselnd schließen und öffnen, haben wir bereits gesehen.
-Wir bringen deshalb an unserem Apparat eine Vorrichtung an, die
-die Unterbrechung in regelmäßigen, sehr rasch aufeinanderfolgenden
-Intervallen selbsttätig ausführt. Eine solche Einrichtung kennen
-wir schon von der elektrischen Klingel her (Seite 113). Die von der
-Klingelkonstruktion kaum abweichende Form des ~Unterbrechers~ an
-unserem Induktionsapparat ist aus den beiden Figuren zu erkennen:
-_g_ ist ein Eisenanker, der an der Feder _h_ angelötet ist; letztere
-ist an der Messingsäule _i_ so befestigt, daß _g_ gerade vor dem
-Eisendrahtkern steht, und zwar in einem Abstande von 2 bis 3 _mm_. _k_
-ist die in einer Messingsäule verschraubbare Stellschraube, die mit
-einer Kontaktspitze aus Platin versehen ist. Wie die Enden des primären
-Drahtes mit den Klemmen α und β verbunden werden, ist aus der Abb. 138
-ersichtlich.
-
-[Illustration: Abb. 138. Einfacher Induktionsapparat von oben gesehen.]
-
-Bei diesem Apparat können wir die Stärke des Induktionsstromes nicht
-unmittelbar regeln. Da es jedoch oft von Vorteil ist, diese je nach
-Bedarf ändern zu können, so sei weiterhin noch eine andere Form der
-Elektrisiermaschine beschrieben, die auch für die Ausführung der oben
-schon beschriebenen Versuche (Seite 137 u. f.) sehr praktisch ist.
-Der Hauptunterschied gegenüber dem zuvor angeführten Apparat besteht
-darin, daß die sekundäre Spule beweglich ist. In Abb. 139 bezeichnen
-die gleichen Buchstaben wieder die gleichen Teile wie in den beiden
-vorhergehenden Abbildungen. Der Eisenkern _c_ ist nach rechts 1,5
-bis 2 _cm_ länger als die primäre Spule _d_, mit der er links eben
-abschneidet. Er ist in dem starken Brettchen _b_ so befestigt, daß er
-mit seiner Bewickelung nach links hinausragt. Die sekundäre Spule
-_e_ wird auf eine Kartonhülle aufgewickelt, die glatt über _d_ paßt.
-Sie wird wie oben mit Randscheiben und einer Schutzhülle aus Karton
-versehen und auf dem Brettchen _l_ angeleimt, das so dick ist, daß,
-wenn es auf _a_ aufliegt, die darauf befestigte sekundäre Spule über
-die primäre geschoben werden kann. Rechts und links von dem Brettchen
-_l_ sind Leistchen auf _a_ anzunageln, damit es in der dadurch
-entstandenen Rinne Führung hat und ohne Beschädigung der Spulen hin und
-her geschoben werden kann. Der Unterbrecher wird hergestellt, wie oben
-schon beschrieben.
-
-[Illustration: Abb. 139. Induktor mit verschiebbarer sekundärer Rolle.]
-
-Es ist klar, daß der Induktionsstrom umso schwächer wird, je weiter
-wir die sekundäre Spule herausziehen; wir können also durch ihr Hin-
-und Herschieben die Stärke des sekundären Stromes ohne Abänderung des
-primären regeln.
-
-Schrauben wir die Stellschraube des Unterbrechers so weit nach vorn,
-daß der Anker am Eisenkern fest anliegt, so kann keine Unterbrechung
-des Stromes mehr stattfinden. Bewegen wir jetzt die sekundäre Spule hin
-und her, so erhalten wir, wie wir schon im dritten Vortrag (Seite 137
-u. f.) sahen, ebenfalls Induktionsströme.
-
-[Illustration: Abb. 140. Schaltungsschema des Kondensators.]
-
-[Sidenote: Der Funkeninduktor.]
-
-[Sidenote: Der Kondensator.]
-
-Wir wissen, daß die Spannung des Induktionsstromes mit von der
-Geschwindigkeit abhängt, mit welcher der erregende Strom unterbrochen
-wird. Ferner wissen wir, daß an der Unterbrechungsstelle jeweils
-ein Funke auftritt, wenn der Strom geöffnet wird. Das Auftreten des
-Funkens zeigt uns aber, daß der Strom nicht plötzlich unterbrochen
-wird, das heißt nicht in der kurzen Zeit von seinem normalen Wert auf
-0 herabsinkt, in der die tatsächliche Trennung des Leiters erfolgt,
-sondern daß er infolge der Selbstinduktion den Luftzwischenraum
-anfangs überwindend, nur allmählich schwächer wird, bis er ganz
-unterbrochen ist. Wollen wir also die Wirkung eines Induktionsapparates
-verstärken, so müssen wir danach trachten, den Funken an der
-Unterbrecherstelle möglichst zu verkleinern. Wir betrachten das
-Schema Abb. 140, in welchem _K_ den Eisenkern, _P_ die primäre, _s_
-die sekundäre Wickelung, _E_ die Stromquelle, _A_ den Eisenanker und
-_~ab~_ die Unterbrecherstelle bezeichnet. Wenn wir den zwischen _a_
-und _b_ entstehenden Funken verkleinern wollen, so müssen wir die
-Spannungsdifferenz dieser Punkte verringern, was wir dadurch erreichen,
-daß wir ihre Kapazität vergrößern, indem wir einen Kondensator
-(_Ko_) an sie anschließen, wie das auf der Abb. 140 zu ersehen
-ist. Der Kondensator muß eine große wirksame Fläche haben und wird
-deshalb aus einzelnen Stanniolblättern hergestellt, die durch Papier
-voneinander isoliert sind. Er wird in einem Kasten untergebracht,
-der zugleich die Grundlage für die Induktorrolle bildet, und von der
-Größe dieser hängen auch die Maße des Kastens ab. Die isolierenden
-Papierblätter schneiden wir aus nicht zu dünnem Seidenpapier (oder
-dünnem Paraffinpapier) so groß, daß sie mit etwa 0,5 _cm_ Spielraum
-in dem Kasten Platz finden. Die Stanniolblätter müssen 1 bis 2 _cm_
-kleiner sein als die Papiere und auf einer Seite einen 4 bis 5 _cm_
-langen Fortsatz haben (siehe Abb. 141). Um die Isolierfähigkeit der
-Seidenpapiere zu erhöhen, werden sie in Schellacklösung gebadet. In
-ein flaches Gefäß, etwa eine hinreichend große Entwicklungsschale, wie
-sie in der Photographie gebraucht werden, gießen wir den Schellack.
-Die zugeschnittenen Seidenpapiere werden dann einzeln durch die Lösung
-durchgezogen und mit je zwei Stecknadeln an einer ausgespannten Schnur
-zum Trocknen aufgehängt. Danach werden die Stanniolblätter, durch die
-schellackierten Papiere voneinander getrennt, so aufeinandergelegt,
-daß beim ersten der Fortsatz nach rechts, beim zweiten nach links,
-beim dritten wieder nach rechts u. s. w. herausragt, wie dies in Abb.
-141 zu sehen ist. Den fertigen Kondensator zeigt Abb. 142 _A_. Um die
-Fortsätze der Stanniolblätter fest zusammenzuhalten und gut mit einem
-Draht verbinden zu können, biegen wir uns aus Messingblech eine Klammer
-_a_ (Abb. 142 _B_) und versehen sie mit einem Muttergewinde und einer
-Schraube _b_. Damit sich letztere beim Zusammenklemmen der Fortsätze
-nicht in das Stanniol einbohrt, wird das Blechstückchen _c_ dazwischen
-gelegt.
-
-[Illustration: Abb. 141. Lage der Stanniolblätter mit ihren Ansätzen.]
-
-[Illustration: Abb. 142. Der fertige Kondensator.]
-
-Da der Kondensator aber nicht nur die Unterbrecherfunken abzuschwächen,
-sondern auch oszillatorische Schwingungen zu erzeugen hat, muß die
-Größe seiner Kapazität in einem bestimmten Verhältnis zu der Größe
-des ganzen Apparates stehen; die günstigste Bemessung findet man,
-wenn man zuerst nur wenig Blätter in den Kondensator legt und die
-damit erzielte Funkenlänge des Induktors mißt. Darauf legt man einige
-Blätter mehr ein und mißt -- natürlich unter sonst gleichen Bedingungen
--- wieder die Funkenlänge. Ist sie größer geworden, so legt man noch
-mehr Blätter ein u. s. f., bis die Länge der Funken wieder abnimmt.
-Als Anhaltspunkt mag folgendes dienen: nehmen wir an, die Länge der
-Stanniolblätter verhielte sich zur Breite wie ⅗ zu ⅖ und sie seien
-jeweils so lang wie die Induktorrolle, so mögen für kleine Apparate 30
-bis 40 Blätter genügen, für größere wird sich deren Zahl auf 200 bis
-250 belaufen. Wie der Kondensator einzuschalten ist, wurde oben schon
-besprochen.
-
-Solche Induktionsapparate, die mit Kondensatoren versehen sind, nennt
-man Funkeninduktoren, da man ziemlich starke Funken mit ihnen erzeugen
-kann; häufig werden sie auch mit dem Namen ihres ersten Erbauers
-~Ruhmkorff~ bezeichnet.
-
-Je größer wir die Funkeninduktoren bauen, desto mehr Sorgfalt ist auf
-die Isolierung der einzelnen Windungen und besonders der einzelnen
-Lagen zu verwenden. Denken wir uns einen Leiter, der gewissermaßen
-selbst elektromotorisch tätig ist, wie z. B. ein Element, so ist die
-Spannungsdifferenz zweier seiner Punkte um so größer, je weiter die
-Punkte von der Mitte entfernt sind (siehe Seite 106 u. f.). Ein solcher
-Leiter ist z. B. der sekundäre Draht eines Induktionsapparates. Ein
-Punkt des Drahtes in einer Lage ist von dem direkt über ihm liegenden
-Punkt des Drahtes in der nächsten Lage nur um einen Bruchteil eines
-Millimeters durch das jede Lage bedeckende Papier getrennt; da sich
-zwischen zwei solchen Punkten eine große Anzahl wirksamer Windungen
-befindet, so kann je nach der Größe des Apparates eine recht
-beträchtliche Potentialdifferenz zwischen diesen Punkten auftreten, die
-unter Umständen stark genug ist, die Isolierung zu durchschlagen und
-damit den Apparat sehr zu schädigen. Wir müssen deshalb bei Induktoren,
-deren Spulenmaße 10 bis 12 _cm_ in der Länge und 5 _cm_ im Durchmesser
-übersteigen, schon stärkeres Papier, das tüchtig mit Schellack oder
-heißem Paraffin zu bestreichen ist, zur Isolierung der einzelnen Lagen
-anwenden. Bei größeren Apparaten soll zur Isolierung ausschließlich
-~reines~ Paraffin, das in ~sauberen~ Gefäßen flüssig zu machen ist,
-angewendet werden.
-
-Sollen die Funkeninduktoren für eine Funkenlänge von zehn oder noch
-mehr Zentimeter gebaut werden, so genügt diese einfache Art der
-Isolierung auch nicht mehr. In diesem Falle müssen wir die Spule in
-zwei Teilen herstellen, die durch einen mehrere Zentimeter breiten
-Zwischenraum voneinander getrennt sind. Abb. 143 zeigt den Schnitt
-durch die Rolle eines solchen Apparates. Die Drahtenden der beiden
-Spulen _e₁_ und _e₂_ sind natürlich so miteinander zu verbinden, daß
-ein die Windungen durchfließender Strom den Kern stets in gleicher
-Richtung umkreist.
-
-[Illustration: Abb. 143. Schnitt durch die Rolle eines Funkeninduktors.]
-
-Ferner dürfen wir bei diesen größeren Induktoren die Befestigung der
-Spule nicht mehr in der oben beschriebenen Weise mit den Holzrähmchen
-(_b_) bewerkstelligen, sondern wir müssen, wie aus Abb. 143 hervorgeht,
-unter entsprechender Verlängerung des Eisenkerns die Randscheiben
-_R_ aus Holz herstellen. Sie müssen fest auf dem Kern aufsitzen und
-mindestens 5 _mm_ von der Spule abstehen. Ihr Durchmesser sei um 2 _cm_
-größer als der der Spule.
-
-Es müssen jetzt noch die Zwischenräume, die in Abb. 143 mit _P_
-bezeichnet sind, mit Paraffin ausgegossen werden. Wir legen um die
-Spule herum einen Kartonstreifen, der so groß ist, daß er beiderseits
-fest an den Randscheiben _R_ anliegt, aber die Spule nicht ganz
-umschließt, sondern oben einen 1 _cm_ breiten Spalt freiläßt, durch
-welchen das Paraffin in die Hohlräume _P₁_, _P₂_ und _P₃_ eingegossen
-wird. Nach Erkalten des Gusses wird der Karton wieder entfernt,
-da bei diesen größeren Apparaten die Schutzhülle aus einem besser
-isolierenden Material hergestellt werden muß. Am geeignetsten ist ein
-Überzug aus gutem Seidenstoff oder aus einer dünnen Hartgummiplatte,
-die in kochendem Wasser weich gemacht und dann solange als sie noch
-heiß und biegsam ist, um die Spule herumgelegt wird. Entlang der
-zusammenstoßenden Ränder der Ebonitplatte werden schon vor ihrem
-Erhitzen mit einem glühenden Nagel Löcher eingebrannt, durch die jetzt
-ein Seidenband genestelt wird, damit es die Hülle zusammenhält.
-
-[Illustration: Abb. 144. Befestigung der Induktorrolle.]
-
-Wie schon erwähnt, bildet der Kasten, in dem der Kondensator
-untergebracht wird, zugleich die Grundlage für die Induktorrolle. Um
-dieser einen sicheren Halt zu geben, werden die hölzernen Randscheiben
-(_R_) auf der Unterseite etwas abgeflacht und von der Innenseite des
-Kastens angeschraubt. Für sehr große und schwere Apparate dürfte sich
-die in Abb. 144 dargestellte Befestigungsart am meisten empfehlen. Die
-Randscheiben erhalten auf ihrem Umfange eine Furche, wie auch auf Abb.
-143 ersichtlich, durch die eine starke Saite läuft (_S_ in Abb. 144);
-diese geht durch entsprechende Löcher in dem Deckel (_a_) des Kastens
-hindurch und wird innen verknotet.
-
-[Sidenote: Isoliermethode bei grösseren Induktoren.]
-
-Für Apparate, die Funken von 15 _cm_ Länge und mehr liefern sollen,
-genügt es nicht, die sekundäre Wickelung in zwei oder vielleicht auch
-drei Spulen zu trennen, sondern wir müssen uns etwa 20 bis 30 einzelne
-ganz flache Spulen herstellen, die die Form von Scheiben mit einer
-Dicke von 0,5 bis 1 _cm_ und einen Durchmesser von 8 bis 16 _cm_ haben.
-Zum Wickeln der Scheiben müssen wir uns eine besondere Einrichtung
-herstellen. Zuerst fertigen wir auf der Drehbank eine Holzwalze,
-deren Durchmesser gleich dem der mit starkem Papier umwickelten
-primären Spule ist. Zwei Holzscheiben, die je auf einer Seite völlig
-eben sein müssen -- man stellt sie am besten auf der Drehbank her
--- sind in der Mitte durchbohrt, so daß sie knapp passend auf die
-Holzwalze aufgeschoben werden können. Jetzt schneiden wir uns einen
-Kartonstreifen, der 5 _mm_ breit und so lang ist, daß seine Enden, wenn
-er um die Holzwalze herumgelegt wird, gerade zusammenstoßen. Mit einem
-Papierstreifen leimen wir die Enden des Kartons zusammen und achten
-darauf, daß dieser selbst nicht an der Walze kleben bleibt. Nun werden
-die beiden Scheiben von rechts und links auf die Walze geschoben, so
-daß der Kartonring zwischen sie zu liegen kommt; die Scheiben werden
-fest an ihn angepreßt und mit ein paar in die Walze geschlagenen Nägeln
-oder mit Klammern festgehalten. Vorher mußten wir jedoch noch in jede
-Scheibe möglichst nahe des mittleren großen Loches ein kleines von
-1 bis 2 _mm_ Weite bohren. Bevor wir nun die zweite Scheibe auf die
-Holzwalze schieben, führen wir das Ende des aufzuwindenden Drahtes
-durch dieses kleine Loch, so daß ein Stück von etwa 10 _cm_ Länge
-herausragt und mit einem Reißnagel an der Holzwalze befestigt werden
-kann. Die Spulmaschine ist ähnlich herzustellen wie die auf Seite 165
-abgebildete; die abgeänderte Einrichtung ist aus Abb. 145 zu erkennen,
-wo mit _a_ das Grundbrett, mit _b_ das Lagerbrett, das oben mit einem
-Einschnitt für die Holzwalze versehen ist, mit _c_ der Träger der Spule
-_d_, von der der Draht abgenommen wird, mit _e_ die Holzscheibe, und
-mit _f_ die an _d_ schleifende Bremsfeder bezeichnet ist. Eine Kurbel
-ist überflüssig, da wir die dicke Holzwalze bequem selbst anfassen und
-drehen können.
-
-[Illustration: Abb. 145. Spulmaschine für den Funkeninduktor.]
-
-Wenn wir mit dem Bewickeln beginnen wollen, so stellen wir auf einen
-Spiritusbrenner ein Gefäß mit siedendem Paraffin hart neben die
-Spulmaschine und richten uns einen Pinsel her, der so schmal und lang
-ist, daß man mit ihm zwischen den beiden Holzscheiben bis auf die
-Holzwalze reichen kann. Mit diesem Pinsel tragen wir Paraffin auf den
-zwischen den Scheiben liegenden Ring auf, doch nicht zu viel, damit die
-Unterlage für die erste Wickelung nicht uneben wird. Jetzt beginnen wir
-mit dem Aufspulen des Drahtes. Jede Lage, die aus 20 bis 30 Windungen
-bestehen wird, soll mit einer dünnen Schicht von heißem Paraffin
-überstrichen werden. Nach jeweils fünf oder sechs Lagen, so lange die
-Windungen dem Kern noch nahe und somit klein sind, bei den mittleren
-Windungen nach je drei, bei den äußersten nach je einer Lage, schalten
-wir einen Streifen dünnen, paraffinierten Papiers ein.
-
-Wie aus Abb. 150 zu ersehen ist, soll der Durchmesser der nach den
-Spulenenden zu liegenden Scheiben kleiner sein, als der der in der
-Mitte liegenden. Ist eine Spule fertig gewickelt, so wird zuletzt noch
-soviel Paraffin aufgestrichen, daß die oberste Drahtlage noch 1 _mm_
-hoch überdeckt ist.
-
-Sollten sich während des Bewickelns durch das Bestreichen mit Paraffin
-Unebenheiten einstellen und die einzelnen Windungen nicht mehr genau
-nebeneinander legen lassen, so braucht uns das weiter keine Sorge zu
-machen; wir wickeln dann regellos unter reichlicher Zugabe von Paraffin
-einige Lagen auf, winden einen paraffinierten Papierstreifen mehrmals
-darüber, wickeln wieder einige Lagen, schalten wieder Papier ein und
-so fort. Das sorgfältige, regelmäßige Wickeln hat nur den Vorteil
-einer geringen Raumersparnis, den wir mit einem recht beträchtlichen
-Zeitverlust ziemlich teuer bezahlen müssen. Bei schlecht isolierten
-Drähten, z. B. solchen, die nur einmal mit Baumwolle umsponnen sind,
-ist es freilich doch sehr zu empfehlen, die Bewickelung möglichst
-regelmäßig auszuführen, da sich sonst einige Kurzschlußstellen bilden
-und bei größerer Zahl dem Apparat recht schädlich werden könnten.
-
-Nach Erkalten des letzten Paraffingusses werden die Holzscheiben
-entfernt. Sollte dies mit Schwierigkeiten verbunden sein, so kann
-man durch Beklopfen mit dem Hammer etwas nachhelfen. Dem Übelstande
-des Haftenbleibens können wir auch dadurch vorbeugen, daß wir die
-Innenseiten der Holzscheiben mit passenden, in Schellacklösung
-getränkten und gut getrockneten Papierscheiben belegen. An der Spule
-bleibt dann das Papier haften, während sich das Holz leicht löst; aber
-auch das Papier muß dann wieder sorgfältig, eventuell durch Befeuchten
-mit reinem Alkohol entfernt werden.
-
-In dieser Weise werden alle Spulen hergestellt. Dabei ist aber auf
-eines besonders zu achten. Bei der einen Hälfte aller Drahtscheiben
-beginnen wir mit der ersten Windung auf der ~rechten~ Seite, lassen
-also das Drahtende zu dem kleinen Loch der ~rechten~ Scheibe
-heraussehen und hören mit der letzten Windung auf der ~linken~ Seite
-auf; diese Spulen werden im folgenden mit I bezeichnet. Bei den Spulen
-der anderen Hälfte, die mit II bezeichnet sind, beginnen wir ~links~
-und hören ~rechts~ auf.
-
- [Illustration: Abb. 146.]
-
- [Illustration: Abb. 147.
-
- Verbindung der einzelnen Spulen.]
-
-Es handelt sich nun darum, alle die einzelnen Spulen auf die primäre
-Rolle aufzuschieben und ihre Drahtenden in gute leitende Verbindung zu
-bringen. Wir legen je eine Spule I und eine Spule II so aufeinander
-(siehe Abb. 146), daß die inneren Drahtenden _a₁_ und _a₂_, die vorher
-vollständig von ihrer Isolierung befreit wurden, aufeinander zu liegen
-kommen; die Enden selbst führen wir, wie Abb. 147 zeigt, nach rechts
-zu dem Loche der Spule hinaus und drehen sie so weit ~fest~ zusammen,
-daß wir die Drahtscheiben nachher noch 3 bis 5 _mm_ voneinander
-entfernen können. Darauf wird der überschüssige Draht abgeschnitten,
-so daß die zusammengedrehten Enden, die noch verlötet werden müssen,
-nur ein kleines Stümpfchen bilden. Letzteres wird mit einem kleinen
-Tropfen Lötwasser, das völlig säurefrei sein muß -- man setze zur
-Vorsicht noch etwas Salmiaksalz zu -- versehen; ein kleines Stückchen
-Lötzinn, das wir papierdünn gehämmert haben, wird auf die Drahtenden
-gelegt und mit einem 3 bis 4 _mm_ dicken glühenden, auf Salmiak von
-der Oxydschicht gereinigten Kupferdraht berührt, worauf es zwischen
-den Drähten verfließt. Das verlötete Ende wird zwischen den Spulen so
-nach außen gerichtet, wie das aus Abb. 148 zu ersehen ist. In gleicher
-Weise werden sämtliche Spulen I und II miteinander verbunden, und dann
-die einzelnen Paare auf die primäre Rolle aufgeschoben, alle freien
-Drahtenden nach oben gerichtet. Jede der Spulen soll von der nächsten
-einen 3 bis 5 _mm_ breiten Abstand haben, und die dadurch entstehenden
-Hohlräume müssen mit Paraffin ausgegossen werden, nachdem die hölzernen
-Randscheiben in der oben beschriebenen Weise befestigt wurden (Seite
-172).
-
-[Illustration: Abb. 148. Verbindung zweier Spulen.]
-
-[Illustration: Abb. 149. Kartonkamm zum Einrichten der Spulen.]
-
-Um diese Arbeit genau ausführen zu können, fertigen wir uns ein
-kammartiges Gebilde aus starkem Karton oder Pappendeckel (Abb. 149),
-dessen Zähne eine Breite von 5 _mm_ und eine Länge haben, die gleich
-dem Durchmesser der Drahtscheiben ist; die Zwischenräume zwischen den
-Zähnen sind gleich der Dicke der Drahtscheiben. Ferner richten wir
-uns einen Karton, der so groß ist, daß er, um die Rollen herumgelegt,
-an den hölzernen Randscheiben fest anliegt, aber oben nicht schließt,
-sondern einen zum Eingießen des Paraffins genügend breiten Spalt frei
-läßt. Bevor wir jedoch diesen Kartonmantel befestigen, legen wir die
-Zähne unseres Kammes zwischen die Drahtrollen, so daß alle genau in
-gleichem Abstande und parallel nebeneinander liegen. Dann erst wird der
-Karton herumgelegt und mit einer Schnur mehrfach fest umwickelt. Die
-Drahtenden müssen alle zu dem freigelassenen Spalt heraussehen. Jetzt
-kann der Kamm herausgenommen und das Paraffin eingegossen werden. Nach
-dem Erkalten des Gusses wird der Kartonmantel abgenommen, die freien
-Drahtenden werden verlötet und im übrigen wird verfahren, wie oben
-(Seite 172) schon beschrieben wurde.
-
-Für größere Induktoren seien außer dem Gesagten noch einige besondere
-Winke gegeben. 1. Da das Verhältnis der sekundären Rollenlänge zur
-Länge des Eisenkernes mit der primären Wickelung nicht einerlei ist, so
-ist es ratsam, sich die im Verhältnis zur übrigen Arbeit kleine Mühe
-zu machen, etwa 3 bis 5 verschieden lange Primärrollen herzustellen.
-Die Sekundärspule wird dann am besten auf ein Hartgummi-, eventuell
-auch Glasrohr aufmontiert, in das die Primärspulen gerade hineinpassen.
-Die beste Wirkung wird ausprobiert. Ist dann die größte oder die
-kleinste Spule die beste, so machen wir uns noch eine größere resp.
-kleinere. Als Ausgang für die Bemessungen dienen die in Abb. 150
-dargestellten Verhältnisse. (In Abb. 150 sind die einzelnen Scheiben
-der Deutlichkeit wegen dicker und daher in etwas geringerer Anzahl
-gezeichnet.) Als Ergänzung für die allgemeine Tabelle auf Seite 182
-dienen die folgenden Angaben speziell für die oben beschriebene
-Wickelungsart. Endlich muß bei solchen Apparaten die Isolation noch
-sorgfältiger hergestellt werden. Als isolierende Masse genügt auch
-hier reines Paraffin; besser ist es, wenn man 4 Teile Kolophonium
-schmilzt und darin 4 Teile Bienenwachs und 2 Teile Guttapercha löst.
-An Stelle des oben beschriebenen Kartonmantels wird jetzt ein ganz
-geschlossener Blechmantel gelegt; die Längsnaht wird verlötet und
-gegen die Randscheibe mit Glaserkitt oder einer Mischung aus Asbest
-und Wasserglas abgedichtet. In dem Blechmantel müssen zwei Löcher
-vorgesehen sein; durch das eine wird die Isoliermasse eingegossen,
-wobei die Luft durch das andere Austritt findet. Ist der Raum, der
-in Abb. 150 schwarz angelegt ist, ganz ausgefüllt, so wird das eine
-Loch in dem Mantel mit einem Kork verschlossen; in das andere wird
-mit einem durchbohrten Kork ein Glasrohr angesetzt, das man mit einer
-Wasserstrahlsaugpumpe verbindet. Während man den Blechmantel möglichst
-~gleichmäßig~ (durch eine größere Anzahl kleinerer Flämmchen) auf
-115 bis 120° erhitzt, saugt man mit der Strahlpumpe die Luft ab. Das
-Verfahren soll 24 Stunden ununterbrochen fortdauern; es hat den Zweck,
-die ~sehr schädlichen~ Luftreste aus der Isoliermasse zu entfernen.
-
-[Illustration: Abb. 150. Schematischer Schnitt durch einen großen
-Funkeninduktor.]
-
-Die Klemmschrauben, an die die Drahtenden der sekundären Wickelung
-geführt werden, dürfen keine Kanten, sondern müssen möglichst runde
-Formen haben, da, wie wir im ersten Kapitel schon sahen, hochgespannte
-Elektrizität aus Spitzen und scharfen Kanten leicht ausströmt (siehe
-Seite 44). Bei den größeren Apparaten ist es auch vorteilhaft, die
-Klemmen nicht auf die Randscheiben aufzuschrauben, sondern auf zwei
-Glassäulen zu befestigen, die wir neben der Induktorrolle in das
-Grundbrett eingelassen haben.
-
-[Illustration: Abb. 151. Kommutator (Horizontalschnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 152. Kommutator (Vertikalschnitt).]
-
-Ferner ist es vorteilhaft, auf dem Apparat noch einen Kommutator
-anzubringen; wir können ihn wie den auf Seite 101 beschriebenen
-herstellen. Geeigneter ist der im folgenden beschriebene Stromwender,
-der zugleich auch als Ausschalter dient. Eine Holzwalze _a_ (Abb.
-151 und 152) wird der Länge nach durchbohrt; zwei Achsenhälften _b_
-werden von rechts und links in die Bohrung hineingeschoben, dürfen
-aber einander innen nicht berühren. Wie sie befestigt werden, geht aus
-Abb. 153 hervor: wir löten an _b_ ein Messingscheibchen _c_ an, das
-an _a_ angeschraubt wird. Die eine Achsenhälfte (_b₂_) wird am Ende
-quer durchbohrt, und in dem Loch wird der dünnere Messingstift _f_,
-der als Griff dient, angelötet. Nun werden an _a_ auf zwei einander
-gegenüberliegenden Seiten die Kupferblechstreifen _d_ angeschraubt; der
-Streifen _d₁_ wird mit _b₁_ und _b₂_ mit _d₂_ in leitende Verbindung
-gebracht. Die Lagerträger _e_ verfertigen wir aus starkem Messingblech
-und die Lager selbst, welche hier nicht geölt werden dürfen, in der
-bekannten Weise (Seite 22). Zwei kupferne Schleiffedern _g_ werden
-so auf dem Grundbrett angeschraubt, daß sie rechts und links an der
-Walze _a_ schleifen. Jetzt verbinden wir _e₁_ mit der Kontaktspitze des
-Unterbrechers und _e₂_ mit dem freien Ende der primären Wickelung durch
-dicke Kupferdrähte oder Kupferblechstreifen. Die Verbindungsstellen
-sind zu verlöten. Auf den Federstreifen _e₁_ und _e₂_ ist je eine
-Klemmschraube (α und β) anzulöten. Steht nun die Walze _a_ wie in Abb.
-151, so tritt der Strom bei α ein und geht durch _d₁_, _b₁_ nach _e₁_,
-durch den Unterbrecher in den Apparat und kommt durch _e₂_, _b₂_, _d₂_
-und β zurück. Drehe ich _a_ um 90°, so ist der Strom ausgeschaltet;
-drehen wir in der gleichen Richtung nochmals um 90°, so geht der Strom
-von α zuerst nach _d₂_, _e₂_ und kommt durch _e₁_, _d₁_ nach β zurück,
-durchfließt also den Apparat in umgekehrter Richtung wie vorhin.
-
-[Illustration: Abb. 153. Befestigung der Achse des Kommutators.]
-
-[Sidenote: Drahtmasse für Induktionsapparate.]
-
-Bei einfachen Elektrisiermaschinen brauchen wir uns an keine bestimmten
-Verhältnisse der Bewickelungen zu halten; es gilt hier ganz allgemein:
-primäre Spule aus wenig Windungen eines dicken Drahtes, sekundäre Spule
-aus viel Windungen eines dünnen Drahtes.
-
-Bei der Herstellung von Funkeninduktoren halte man sich an die
-folgenden Tabellen Seite 182 und 183.
-
-[Sidenote: Unterbrecher.]
-
-Bei kleineren Apparaten bis zu 4 _cm_ Funkenlänge reicht der
-gewöhnliche Unterbrecher aus. Auch für größere Induktoren, bis zu
-15 _cm_ Funkenlänge, genügt diese Konstruktion, nur müssen dann die
-Kontaktteile des Unterbrechers aus ziemlich starken Platinstücken
-bestehen. Auch können wir, da bei den dicken Induktorrollen der
-Eisenkern ziemlich hoch liegt, die Feder des Hammers senkrecht
-stellen, wie aus Abb. 154 hervorgeht: _K_ bezeichnet den Eisenkern,
-_H_ den Hammer, _P_ den Platinkontakt, _F_ die Feder, die durch die
-Stellschraube _S_ mehr oder weniger gegen die Spule hineingedrückt
-werden kann, welcher Umstand es ermöglicht, die Schnelligkeit der
-Unterbrechungen etwas zu regeln. Man mache den Eisenkern _H_ möglichst
-leicht und den Hebel _c_ kurz.
-
-
-Maße für einfachere Funkeninduktoren
-
- Funkenlänge|| Primäre Rolle ||
- || ||
- || Drahtstärke | Zahl der ||
- || | Lagen ||
- mm || mm | ||
- ------------||-------------|----------||
- 1 bis 10 || 0,8 bis 1 | 2 ||
- 10 bis 50 || 1 bis 1,3 | 2 oder 3 ||
- 50 bis 100 || 1,3 bis 1,7 | 3 ||
- || | ||
- 100 bis 200|| 1,7 bis 2,2 | 3 oder 4 ||
- || | ||
-
-
- Funkenlänge|| Sekundäre Rolle ||
- || ||
- ||Drahtstärke| Drahtlänge | Drahtgewicht ||
- mm || mm | m | ca. kg ||
- ------------||-----------|---------------|-------------------------||
- 1 bis 10 ||0,1 |400 bis 800 |-- ||
- 10 bis 50 ||0,1 |1000 bis 7000 |-- ||
- 50 bis 100 ||0,1 bis 0,2|7000 bis 15000 |0,75 bis 1,5 (bei 0,1 mm)||
- || | |2,5 „ 5 ( „ 0,2 „ )||
- 100 bis 200||0,2 (0,1) |15000 bis 30000|5 bis 10 (bei 0,2 mm) ||
- || | |1,5 „ 3 ( „ 0,1 „) ||
-
-
- Funkenlänge|| Nötige
- || Stromspannung
- ||
- mm || Volt
- ------------||-------------
- 1 bis 10 || etwa 2 bis 5
- 10 bis 50 || etwa 5 bis 7
- 50 bis 100 || etwa 7 bis 8
- || (Akkumulator)
- 100 bis 200|| etwa 8 bis 12
- || (Akkumulator))
-
-
-Maße für bessere Funkeninduktoren
-
- Alle || ||
- Maße || Eisenkern ||
- in || ||
- mm || ||
- ------------||-------------------------||
- Funkenlänge ||Länge |Dicke |Stärke der ||
- || | |einzelnen ||
- || | |Eisendrähte||
- ------------||------|------|-----------||
- 100 ||150 |16 |0,8 ||
- 200 ||360 |35 |1 ||
- 300 ||600 |42 |1,2 ||
-
-
- Alle || ||
- Maße || Primärrolle ||
- in || ||
- mm || ||
- ------------||------------------------------------------||
- Funkenlänge ||Länge |Zahl der |Drahtstärke |Durchmesser ||
- || | Lagen | | ||
- || | | | ||
- ------------||------|---------|------------|------------||
- 100 || 140 | 2 | 1 | 34 ||
- 200 || 300 | 3 | 2 | 70 ||
- 300 || 540 | 3 | 2,5 | 85 ||
-
- Alle ||
- Maße || Sekundärrolle
- in ||
- mm ||
- ------------||-----------------------------------
- Funkenlänge ||Länge | Äußerer | Breite der
- || | Durchmesser | Einzelspulen
- || | |
- ------------||------|-------------|--------------
- 100 || 130 | 80 | 4
- 200 || 260 | 140 | 4
- 300 || 440 | 230 | 3
-
-
-[Illustration: Abb. 154. Einfacher Unterbrecher.]
-
-[Illustration: Abb. 155. Quecksilberunterbrecher.]
-
-[Illustration: Abb. 156. Träger des Hebels zum Quecksilberunterbrecher.]
-
-[Sidenote: Quecksilberunterbrecher.]
-
-Abb. 155 zeigt einen sehr gut arbeitenden und für Apparate bis zu
-30 _cm_ Funkenlänge ausreichenden Unterbrecher, einen sogenannten
-Quecksilberunterbrecher. Eine Messingsäule oder auch aus Holz
-gefertigte Säule _S_ wird an ihrem unteren Ende zur Beseitigung im
-Grundbrett etwas abgedreht und mit einem Gewinde versehen, an ihrem
-oberen zweiseitig abgeflacht. Auf diese abgeflachten Stellen werden
-zwei Messingblechstreifen (_a₁_ und _a₂_ in Abb. 156) angelötet, die je
-mit einer Bohrung zu versehen sind, in welche eine Stricknadel (_b_)
-hineinpaßt. _c_ zeigt uns einen gleicharmigen Hebel aus Aluminiumblech
-oder Holz, der links den Eisenanker (_H_) trägt und rechts zur Aufnahme
-eines 2 bis 3 _mm_ starken Kupferdrahtes (_d_) durchbohrt ist. In der
-Mitte erhält _c_ ein Loch, in welches die oben erwähnte Stricknadel
-paßt. Um die Säule _S_ wird ein Messingring (_R_) gelegt, der an
-einer Stelle durchlocht wird. Über das Loch lötet man eine kleine
-Schraubenmutter, durch die man eine Schraube eindrehen und damit den
-Ring an der Säule befestigen kann. Außerdem wird an _R_ ein Häkchen zum
-Einhängen der Feder _e_ angelötet. Unter das rechte Ende des Hebels
-wird auf einem Holzfuß _f_ ein kleiner Glasbehälter _g_ aufgestellt,
-in welchen das Quecksilber eingegossen wird. Das Ende des Drahtstiftes
-_d_ wird mit einer Platinspitze versehen. Ferner wird ein schmaler
-Messingblechstreifen (_h_) rechtwinkelig umgebogen, auf einer Seite
-durchbohrt, mit einem Muttergewinde versehen und mit der anderen über
-dem Anker (_H_) an der Randscheibe des Induktors angeschraubt. Durch
-das Gewinde geht die Schraube _i_, mit der wir die Entfernung des
-Ankers vom Magnetkerne _K_ regeln können. Zum Gebrauch wird über das
-Quecksilber, das von dem Platinende des Stiftes _d_ gerade berührt
-wird, eine etwa 2 _cm_ hohe Schicht Petroleum aufgegossen. Der
-Strom tritt durch einen über den Rand des Glases in das Quecksilber
-eingetauchten Kupferblechstreifen _k_ ein und geht durch _d_, _c_ und
-_b_ in die Säule _S_ und von da den üblichen Weg durch den Apparat.
-Bei welcher Stellung der Schraube _i_ und des Ringes _R_, durch dessen
-Verschieben die Spannung der Feder _e_ reguliert werden kann, der
-Unterbrecher am besten funktioniert, ist durch Probieren ausfindig zu
-machen.
-
-[Sidenote: Elektrolytischer Unterbrecher nach Wehnelt.]
-
-Für Unterbrechungen sehr hoher Zahl wird gewöhnlich der Wehneltsche
-oder elektrolytische Unterbrecher gebraucht. Für unsere Zwecke ist er
-jedoch nicht geeignet, schon deswegen nicht, weil er sehr starke Ströme
-erfordert. Rudi hatte sich trotzdem nur zur Demonstration für seinen
-Vortrag einen Wehneltschen Unterbrecher hergestellt, zu dessen Betriebe
-ihm seine zwölfzellige Akkumulatorenbatterie gerade ausreichte.
-
-An das Ende eines 2 bis 3 _mm_ starken Kupferdrahtes lötete er ein 5
-_mm_ langes Stückchen Platindraht und hämmerte es zur feinen Spitze
-aus. Diesen Draht schob er mit der Spitze voran in eine Glasröhre und
-schmolz sie gerade über der Platinspitze so ab, daß letztere noch
-1 _mm_ weit herausragte. Die Platin- und die daran anschließende
-Glasspitze brachte er in der Stichflamme des Lötrohrs bis zur hellen
-Weißglut, damit die beiden Teile innig miteinander verschmelzen
-sollten. An das aus der Glasröhre hervorragende Ende des Kupferdrahtes
-lötete er eine Klemmschraube. In ein ziemlich großes rundes Einmachglas
-stellte er dann einen halbzylindrischen Mantel aus Bleiblech, der einen
-über den Rand des Gefäßes hinausragenden Fortsatzstreifen trug, an dem
-eine Klemme angelötet war. Die Glasröhre befestigte er in einem auf
-das Gefäß passenden Holzdeckel nahe dem Rande, so daß er durch Drehen
-des Deckels sie der Bleiplatte beliebig nähern konnte. Die Röhre ragte
-von oben ungefähr bis in die Mitte des Gefäßes, das er mit verdünnter
-Schwefelsäure gefüllt hatte.
-
-Zum Gebrauch eines Wehneltschen Unterbrechers wird der Unterbrecher des
-Induktors kurz geschlossen; dann verbinden wir den ~positiven~ Pol der
-Akkumulatorenbatterie mit der Platinspitze und die Bleiplatte mit der
-einen Klemme des Induktionsapparates, dessen andere Klemme wir mit dem
-negativen Pol der Batterie verbinden. Der Kondensator ist hierbei am
-besten auszuschalten.
-
-Die Wirkungsweise dieses Apparates ist ungefähr folgende. Beim
-Durchgang des Stromes durch die Schwefelsäure entstehen durch
-Elektrolyse an den Elektroden Gase, und zwar tritt an der Platinspitze
-Sauerstoff, an der Bleiplatte Wasserstoff auf. Da nun aber der starke
-Strom die feine Platinspitze sehr stark erhitzt, so entwickelt sich um
-diese herum Wasserdampf, der durch die große Hitze in Sauerstoff und
-Wasserstoff zerlegt wird. Diese Gase nehmen ein so großes Volumen um
-die Spitze herum ein, daß diese ganz von der Flüssigkeit getrennt wird.
-Damit ist der Strom unterbrochen, die Gasblase steigt auf, und der
-Vorgang beginnt von neuem.
-
-Die an der Spitze auftretende Wärme ist so groß, daß die sich bildenden
-Gase bis zum Glühen erhitzt werden, was zur Folge hat, daß auch die
-Flüssigkeit eine hohe Temperatur annimmt, so daß man nach kurzer Zeit
-die Arbeit mit dem elektrolytischen Unterbrecher einstellen muß.
-
-Nachdem Rudi die verschiedenen Konstruktionen der Induktoren erläutert
-hatte, ging er dazu über, diejenigen Eigenschaften der Wechselströme
-zu besprechen, durch welche sie sich besonders von den Gleichströmen
-unterscheiden.
-
-[Sidenote: Wechselströme.]
-
-Die Ströme, die wir in unseren Induktoren erhalten, sind, wie wir
-gesehen haben, auch Wechselströme, das heißt Ströme, die fortwährend
-ihre Richtung ändern. Solche Ströme haben wir im vorigen Kapitel
-kennen gelernt. Die zweipolige magnetelektrische Maschine (Seite 138
-u. f.) liefert uns einen einfachen Wechselstrom, dessen Verlauf in
-Abb. 157 graphisch dargestellt ist. Stehen die Induktionsrollen des
-Ankers gerade vor den Magnetpolen, wenn wir beginnen, die Maschine in
-Rotation zu setzen, so steigt die elektromotorische Kraft und damit,
-wenn der Ankerdrahtkreis geschlossen ist, auch die Stromstärke von dem
-Wert 0 bei _a_ bis zu ihrem höchsten Wert bei α, den sie nach einer
-Ankerdrehung von 90° erreicht hat; jetzt fällt die Spannung wieder, bis
-sie bei _b_ nach einer Ankerdrehung von 180° wieder den Wert 0 erreicht
-hat. In diesem Augenblick ändert der Strom seine Richtung, was in der
-Figur daran zu sehen ist, daß die Kurve nicht mehr oberhalb der Linie
-_~ax~_ verläuft, sondern unterhalb. Hier wiederholt sich der gleiche
-Vorgang bei umgekehrter Stromrichtung. Hat der Anker eine volle Drehung
-(360°) gemacht, so ist die Spannung im Punkte _c_ wieder gleich 0, der
-Strom steigt und fällt wieder wie zu Anfang und so fort.
-
-[Illustration: Abb. 157. Kurve eines einfachen Wechselstromes.]
-
-[Illustration: Abb. 158. Kurve eines Induktorstromes.]
-
-Betrachten wir nun die Wechselströme, die in einem einfachen
-Induktionsapparat entstehen, während der Unterbrecher in Tätigkeit
-ist. Der Verlauf eines solchen Stromes ist in Abb. 158 versinnlicht:
-Wird der primäre Strom geschlossen, so erhalten wir im sekundären
-Draht einen Stromimpuls, der rasch ansteigt bis zu einem gewissen
-Maximalwert, der mit von der Geschwindigkeit, mit der der Strom
-geschlossen wird, abhängt, um sogleich wieder auf 0 herabzusinken (_a_
-in Abb. 158). Der Unterbrecher mag nun noch so rasch funktionieren,
-der Stromimpuls war so kurz, daß eine gewisse Zeit verstreicht, bevor
-der Strom wieder geöffnet wird. Diese Zeit ist in der Figur durch die
-Strecke _~xy~_ dargestellt. Bei _y_ tritt dann der Stromwechsel ein,
-und wir erhalten den anders gerichteten Öffnungsstrom (_b_), der noch
-viel rapider verläuft und einen höheren Maximalwert erreicht als der
-Schließungsstrom. Dann vergeht wieder eine gewisse Zeit (_x₁_, _y₁_),
-bis der Strom geschlossen wird und so fort.
-
-Es fragt sich nun: Wie können wir Spannungen und Stromstärken von
-Wechselströmen messen? Wie wir im vorigen Kapitel schon sahen (Seite
-148), reagiert z. B. unser Vertikalgalvanoskop aus den dort erwähnten
-Gründen nicht auf Wechselströme. Dagegen ließe sich denken, daß
-die Volt- und Amperemeter, bei denen weiche Eisenteile durch die
-magnetische Kraft einer Spule bewegt werden, auch auf Wechselströme
-reagieren, da ja, wenn der Elektromagnet seine Pole ändert, sich auch
-ebenso rasch die Pole des weichen Eisens ändern, dieses somit auf jeden
-Fall angezogen wird. Diese Überlegung ist wohl ganz richtig, doch wir
-würden zu sehr schlechten Resultaten kommen, wenn wir mit unseren
-Instrumenten Wechselströme messen wollten; denn erstens dürfen die
-verwendeten Eisenmassen nur sehr klein, zweitens muß das Eisen absolut
-weich sein, was eigentlich nur bei chemisch reinem Eisen der Fall ist,
-und drittens müssen die Instrumente für Wechselströme, und zwar für
-solche mit ganz bestimmten Perioden, geeicht sein.
-
-Rudi hatte sich zur Demonstration in seinem Vortrag zwei
-Meßinstrumente für Wechselstrom gefertigt, deren Konstruktion am
-Schlusse dieses Kapitels beschrieben ist. Das eine, ein sogenanntes
-Hitzdrahtinstrument, benutzt die Stärke der Ausdehnung, die ein vom
-Strome durchflossener kurzer dünner Draht infolge der Erwärmung
-erfährt, als Maßstab für die Stromstärke. Das zweite ist ein
-Elektrodynamometer, ein Instrument, das sich nur dadurch von unserem
-Vertikalgalvanoskop unterscheidet, daß statt des Stahlmagneten eine
-Drahtrolle ohne Eisenkern verwendet wird. Wenn ein solches Instrument
-von einem Wechselstrom durchflossen wird, so ändert sich die
-Stromrichtung gleichzeitig in der äußeren und in der inneren Spule,
-weshalb die Ablenkung der letzteren immer nach der gleichen Seite
-erfolgt. Auch das im Anhang beschriebene Universalinstrument ist zur
-Messung von Wechselströmen geeignet.
-
-Eine zweite Frage, die von vornherein nicht so begründet erscheinen
-mag, wie die erste, ist die, ob auch für Wechselströme das Ohmsche
-Gesetz (Seite 84 u. f.) gilt. Diese Frage ist nur bedingungsweise zu
-bejahen, nämlich dann, wenn der vom Strome durchflossene Leiter völlig
-frei ist von Selbstinduktion (Seite 158); ist dies nicht der Fall, so
-erhält das Ohmsche Gesetz Modifikationen, die von einer großen Anzahl
-einzelner Umstände abhängig sind.
-
-[Illustration: Abb. 159. Wheatstonesche Brücke.]
-
-[Sidenote: Impedanz.]
-
-Schicken wir z. B. durch eine Drahtspule mit einem Eisenkern, also
-durch einen Leiter mit sehr großem Selbstpotential, einen Wechselstrom,
-so bietet diesem die Spule einen größeren Widerstand, als sie einem
-Gleichstrom bieten würde, da die Spannung des Extrastromes der des
-Wechselstromes entgegenwirkt. Diese Tatsache läßt sich durch ein sehr
-einfaches Experiment beweisen: Auf Seite 109 u. f. haben wir die
-Wheatstonesche Brücke und ihre Benützung zur Messung von Widerständen
-kennen gelernt. Wir schalten nun, wie aus Abb. 159 hervorgeht, in den
-Stromkreis einer solchen Brücke eine mit einem Eisenkern versehene
-Drahtspule _S_, an Stelle des Vergleichswiderstandes bringen wir
-einen möglichst ~induktionsfreien~ Leiter, etwa einen Graphitstab,
-dessen Widerstand wir -- nur der Bequemlichkeit wegen -- annähernd
-gleich dem der Spule _S_ wählen, und stellen dann den Schlitten der
-Brücke so, daß das Galvanoskop stromlos ist. Jetzt wissen wir, daß
-sich der Widerstand von _S_ zu dem von _W_ verhält wie die Strecke
-_~ad~_ zur Strecke _~db~_; dabei ist es völlig einerlei, wie stark die
-elektromotorische Kraft in _E_ und wie groß der Widerstand von _g_
-ist. Wir können deshalb statt des Elementes _E_ eine magnetelektrische
-Maschine, die uns Wechselstrom liefert, und statt des Galvanometers ein
-~Telephon~ einschalten. Das Telephon ist nämlich eines der geeignetsten
-Instrumente, um das Vorhandensein selbst sehr schwacher Wechselströme
-noch zu erkennen, indem es diese durch Ertönen anzeigt. Die Einrichtung
-des Telephons selbst ist am Schlusse dieses Kapitels Seite 200
-beschrieben. Wenn aber eine Drahtspule einem Wechselstrom einen
-größeren Widerstand entgegensetzt als ein induktionsfreier Leiter vom
-selben Widerstand, so ist klar, daß jetzt in unserem Wheatstoneschen
-Systeme die Verhältnisse gestört sein müssen, was wir daran erkennen,
-daß der Stromzweig _~cd~_ nicht stromlos ist, wie vorhin, sondern
-von einem Teil des Wechselstromes durchflossen wird und das Telephon
-zum Ertönen bringt. Daß diese Veränderung tatsächlich auf eine
-~Vergrößerung~ des Widerstandes für Wechselströme in _S_ hinausläuft,
-erkennen wir daran, daß wir, um das Telephon zum Schweigen zu bringen,
-also um es stromlos zu machen, den Schlitten _d_ der Brücke nach _b_ zu
-verschieben müssen.
-
-Man bezeichnet den Widerstand, den die Einschaltung einer solchen Spule
-den Wechselströmen bietet, zum Unterschied von dem gewöhnlichen, in
-Ohm gemessenen Widerstand, als die ~Impedanz~ der Spule; sie ist um
-so größer, je höher das Selbstpotential der Spule ist, und je rascher
-die Richtungsänderungen des Wechselstromes aufeinander folgen. Die
-Impedanz führt bei Wechselströmen hoher Frequenz zu sehr eigentümlichen
-Erscheinungen, die wir im sechsten Vortrage genau kennen lernen werden.
-
-[Illustration: Abb. 160. Schema zum Versuch mit dem zweiphasigen
-Wechselstrome.]
-
-[Illustration: Abb. 161. Eisenring mit Magnetnadel.]
-
-[Sidenote: Mehrphasenströme.]
-
-Nach diesen Versuchen ging Rudi dazu über, die Anwendungen der
-Wechselströme in der Praxis zu besprechen. Zur Erklärung des
-zweiphasigen Wechselstromes und des Begriffes der Phasen überhaupt
-hatte er sich seinen Elektromotor (Seite 124), der zwei Feldmagnet-
-und vier Ankerpole hatte, besonders hergerichtet: Er brachte auf der
-Achse vier Schleifringe an, je zwei verband er mit den Drahtenden
-eines Rollenpaares, wie aus der schematischen Zeichnung in Abb. 160
-hervorgeht. In dieser Figur sind _N_ und _S_ die Pole des Feldmagneten,
-_A_, _A_ ist das eine, _B_, _B_ das andere Rollenpaar, _~xy~_ ist die
-Achse mit den vier Schleifringen α, β, γ, δ. Ferner fertigte er sich
-einen Ring aus Eisendraht, ähnlich dem Grammeschen Ringe (Seite 127).
-Auf diesen wickelte er vier Drahtspulen und verband je zwei einander
-gegenüberliegende so, wie aus dem Schema Abb. 160 zu erkennen ist; die
-vier freien Drahtenden verband er mit den vier Schleiffedern. Der Ring
-hatte einen mittleren Durchmesser von 6½ _cm_ und einen Querschnitt
-von 1 _qcm_. Jede Spule bestand aus etwa 40 bis 50 Windungen eines
-0,5 _mm_ starken isolierten Drahtes. Die in dem Ring verlaufenden
-Verbindungsstücke führte er nicht, wie in der Abb. 160 angegeben ist,
-durch die Mitte, sondern der inneren Ringseite entlang. In die Mitte
-des Ringes stellte er eine in einen Kork gesteckte Nadel, auf welcher
-eine Magnetnadel balancierte (Abb. 161). Die Feldmagnete erregte Rudi
-mit einem starken Akkumulatorenstrom und setzte dann mit Hilfe eines
-großen Übersetzungsrades den Anker in rasche Rotation. Sofort begann
-auch die Magnetnadel sich zu drehen. Wodurch mag nun diese Drehung
-verursacht werden?
-
-[Illustration: Abb. 162. Magnetisches Drehfeld.]
-
-Betrachten wir Abb. 162. Hier soll jeweils der mit _A_, _A_ bezeichnete
-Draht mit den Spulen _A_, _A_ (in Abb. 160), der Draht _B_, _B_ mit
-den Spulen _B_, _B_ verbunden sein. Wir wollen nun sehen, wie sich die
-Stromverhältnisse in einzelnen, herausgegriffenen Augenblicken während
-der Ankerdrehung verhalten. Bei der in Abb. 160 gezeichneten Stellung
-der Spulen wird der in _A_, _A_ induzierte Strom gerade seinen höchsten
-Wert erreicht haben, und in _B_, _B_ wird er sich gerade umdrehen, also
-im Augenblick gleich 0 sein. Um dies anzudeuten, ist in Abb. 162 I der
-Draht _A_, _A_ dick und der Draht _B_, _B_ punktiert gezeichnet. Bei
-der durch Pfeilspitzen angedeuteten Stromrichtung müssen also bei _N_
-und _S_ die entsprechenden magnetischen Pole entstehen, nach denen sich
-die Magnetnadel -- in der Figur ein Pfeil -- einstellt. Dreht sich
-nun der Anker weiter, bis _A_ und _B_ beide gleichweit von _N_ und _S_
-(Abb. 160) entfernt sind, so sind in beiden Drähten die Stromimpulse
-gleich stark und so gerichtet, wie aus Abb. 162 II zu erkennen ist;
-jetzt haben sich also die Pole des Ringes um 45° verschoben, und die
-Magnetnadel ist ihnen gefolgt. Abb. 162 III zeigt die Stromverhältnisse
-in dem Augenblick, da _A_, _A_ gerade die Pole des Feldmagneten
-passiert und deshalb stromlos ist, während durch _B_, _B_ der Strom mit
-voller Stärke fließt; die Pole des Ringes entstehen dann so, wie sie
-angedeutet sind. Dies geht so fort, bis der Anker eine ganze Drehung
-gemacht hat (Abb. 162, IV-VI); dann wiederholt sich der gleiche Vorgang.
-
-Setzen wir nun auf die Spitze statt der Magnetnadel eine nicht
-magnetische Nadel aus weichem Eisen auf, so wird diese sich ebenfalls
-drehen, da in ihr die Pole induziert werden. Wir können auch eine runde
-Weißblechscheibe in der Mitte mit einer Vertiefung versehen und auf die
-Spitze legen; wird der Ring von den beiden Wechselströmen durchflossen,
-so dreht sich die Scheibe.
-
-Den Raum, das Feld in einem solchen Eisenring, das von zwei (oder
-mehr) Wechselströmen in oben beschriebener Weise umflossen wird,
-nennt man ein ~magnetisches Drehfeld~. Von Wechselströmen, die sich
-wie die Genannten verhalten, sagt man, sie hätten verschiedene
-~Phasen~, oder es bestünde zwischen ihnen eine ~Phasendifferenz~. Die
-Phasendifferenz kann je nach der Anzahl der Wechselströme, die wir
-von einem Anker abnehmen, verschieden sein. In unserem Falle haben
-wir eine ~Phasendifferenz~ von 90°, das heißt während der Strom aus
-dem einen Spulenpaar, z. B. _B_, _B_, seinen ~geringsten~ Wert (= 0)
-hat, hat der Strom aus dem anderen Spulenpaar _A_, _A_, ~das um 90°
-gegen das erste verschoben ist~, seinen ~höchsten~ Wert. Man spricht
-in diesem Falle von einem ~zweiphasigen~ Wechselstrome. Würden wir von
-einem Anker mit drei Spulenpaaren drei Wechselströme abnehmen, so wäre
-zwischen diesen ein Phasenunterschied von je 60°. Solche Ströme nennt
-man ~Dreiphasenströme~.
-
-Wir wollen nun sehen, was geschieht, wenn wir zwei Wechselströme,
-zwischen denen eine Phasendifferenz besteht, durch ~einen~ Drahtkreis
-fließen lassen. Zeichnen wir wieder wie vorhin den Verlauf eines
-einfachen, sogenannten ~einphasigen~ Wechselstromes graphisch auf,
-so erhalten wir eine Linie wie _A_ in Abb. 163; dies sei der Strom,
-den die Rollenpaare _A_, _A_ (Abb. 160) liefern. Den Strom von _B_,
-_B_ zeichnen wir dann ebenfalls auf und erhalten die Linie _B_; die
-an derjenigen Stelle den höchsten Wert hat, an welcher _A_ gleich
-0 ist. Addieren wir nun die Spannungen beider Ströme da, wo sie
-gleichgerichtet sind, und subtrahieren wir sie, wo sie verschiedene
-Richtungen haben, so erhalten wir die Linie _C_, welche die Resultante
-der beiden Wechselströme in dem einen Leiter darstellt.
-
-[Illustration: Abb. 163. Kurve der aus zwei Wechselströmen mit
-verschiedener Phase entstehenden Resultante.]
-
-[Illustration: Abb. 164. Dreiphasiger Wechselstrom.]
-
-Auch einen ~dreiphasigen~ Wechselstrom mit einer Phasendifferenz von
-60° konnte Rudi erzeugen. Er hatte sich dafür einen besonderen mit
-drei Spulenpaaren, also mit sechs Spulen versehenen Anker hergestellt,
-indem er in eine runde, 2 bis 3 _mm_ starke Eisenplatte sechs
-zylindrische Stäbe einnietete, die den Rollen als Kerne dienten;
-diese Rollenpaare sind in Abb. 164 mit I _a_, I _b_, II _a_, II _b_
-und III _a_, III _b_ bezeichnet und werden so miteinander verbunden,
-wie das aus der Figur zu erkennen ist. Der Eisenring muß natürlich
-auch entsprechend drei Spulenpaare tragen. Aus der Figur erkennen
-wir ferner den Vorteil des dreiphasigen Wechselstromes: wir brauchen
-nämlich nicht, wie man anfangs meinen könnte, sechs Leitungen, sondern
-nur drei, die dann in der angedeuteten Weise mit den Spulen verbunden
-werden. Die Ankerspulenpaare können auf zweierlei Weise geschaltet
-werden: entweder, wie Abb. 165 zeigt, in ~Sternschaltung~ oder wie in
-Abb. 166 als ~Dreieckschaltung~. Die drei Leitungen werden durch die
-Verbrauchsstellen _W₁_, _W₂_, _W₃_, die aus Glühlampen, Heizapparaten,
-Motoren u. s. w. bestehen können, miteinander verbunden. In _W₁_, in
-_W₂_ und in _W₃_ fließt dann je ein einphasiger Wechselstrom, der
-sich, ähnlich wie in Abb. 163, aus zwei Wechselströmen, die eine
-Phasendifferenz von 60° haben, zusammensetzt. Die drei Resultanten
-haben dann wieder einen Phasenunterschied von 60°.
-
-[Illustration: Abb. 165. Die drei Spulenpaare in Sternform geschaltet.]
-
-[Illustration: Abb. 166. Die drei Spulenpaare im Dreieck geschaltet.]
-
-Die mehrphasigen Wechselströme -- in der Praxis aber eigentlich nur die
-dreiphasigen -- bezeichnet man auch als ~Drehströme~, da man mit ihnen
-ein magnetisches Drehfeld erzeugen kann.
-
-Um seinen Hörern die Verhältnisse von Stromstärken und Stromrichtungen
-in den drei Leitungen eines Drehstromes möglichst klar und anschaulich
-zu machen, fertigte sich Rudi einen einfachen Apparat. Er schnitt sich
-zwei 60 bis 70 _cm_ große runde Pappendeckelscheiben und befestigte
-in der Mitte der einen, um ein paar Zentimeter kleineren, einen etwa
-fingerdicken Holzstab als Achse, in die andere schnitt er in die Mitte
-ein Loch und drei 1 bis 2 _cm_ breite Schlitze, wie aus Abb. 167 zu
-erkennen ist. Auf die Scheibe mit der Holzachse malte er, wie ebenfalls
-die Abbildung zeigt, zwei Kreise, deren Durchmesser gleich der Länge
-der Schlitze in der anderen Scheibe waren. Die eine Kreisfläche
-malte er blau, die andere rot, den übrigen Pappendeckel schwarz
-und die Scheibe mit den Schlitzen weiß an. Letztere stellte er zur
-Demonstration mit der Kante auf dem Tisch auf und hielt sie senkrecht
-fest, während Käthe die Holzachse der farbigen Scheibe von hinten in
-das Loch der weißen hineinsteckte und sie dann langsam drehte. Dabei
-sah man von vorn, wie die drei Schlitze abwechselnd rot und blau
-wurden. Aber sie änderten ihre Farbe nicht plötzlich, sondern wenn der
-eine anfangs in seiner ganzen Länge die rote Farbe zeigte, so wurde der
-scheinbare Strich immer kürzer, bis man gar kein Rot mehr sah, dann
-kam Blau und wurde immer länger und nahm dann wieder ab u. s. w. Bei
-diesem Versuch stellen die drei Schlitze die drei Leitungen, Rot die
-eine, Blau die andere Stromrichtung und die Länge der in den Schlitzen
-erscheinenden Farbenstriche die Stromstärke vor.
-
-[Illustration: Abb. 167. Apparat zur Veranschaulichung eines
-Drehstromes.]
-
-[Sidenote: Transformatoren.]
-
-Daß man mit einem solchen Drehstrom sehr einfache Elektromotoren bauen
-kann, leuchtet nach den angestellten Experimenten mit dem Drehfeld
-(Abb. 162) ein. Ein weiterer noch viel wichtigerer Vorteil, den
-auch die einphasigen Wechselströme mit den Drehströmen teilen, ist
-die Fähigkeit, sich durch einfache Apparate auf andere Spannungen
-transformieren zu lassen. Solche Apparate sind im wesentlichen
-unseren Induktoren gleich, nur daß diese für Gleichströme, die durch
-eine besondere Vorrichtung periodisch unterbrochen werden müssen,
-eingerichtet sind, während jene einfach aus zwei getrennten, auf einen
-Eisenkern aufgewickelten Spulen bestehen, bei denen die Unterbrechung
-durch die periodische Richtungsänderung ersetzt wird.
-
-Was für einen Vorteil hat es aber im Großbetriebe, die Spannung eines
-Stromes transformieren zu können? Wir wissen, daß bei gegebener
-Drahtdicke der Widerstand einer Leitung um so größer wird, je länger
-wir sie machen. Wenn z. B. für die Beleuchtung einer Stadt die
-Wasserkräfte in einem weit entlegenen Gebirgstal ausgenützt werden
-sollen, so würde ein Strom mit normaler Spannung (110 Volt) entweder in
-der langen Leitung sehr große Verluste erleiden, oder man müßte, um das
-zu vermeiden, die Leitung aus ungeheuer dicken Drähten herstellen. Im
-ersten Falle tritt also ein Energieverlust ein, im zweiten würden die
-Kosten für die Leitung allein so groß werden, daß sich eine derartige
-Anlage niemals lohnen könnte. Nun geht aber aus dem Ohmschen Gesetz
-(Seite 84 u. f.) hervor, daß ein Strom mit einer gewissen Anzahl von
-Watt, sagen wir 1000, mit viel geringeren Verlusten durch eine Leitung
-fließt, wenn er hohe Spannung und geringe Stromstärke hat, als wenn die
-gleichen 1000 Watt mit geringer Spannung und großer Stromstärke durch
-dieselbe Leitung fließen müssen. Also ein Strom mit 1000 Volt und 1
-Ampere (gleich 1000 Watt) ist leichter in die Ferne zu leiten, als ein
-solcher mit nur 100 Volt und 10 Ampere (ebenfalls gleich 1000 Watt).
-Da sich nun aber Ströme mit sehr hohen Spannungen für den Betrieb von
-Lampen, Motoren u. s. w. schlecht eignen und außerdem für die mit den
-Leitungen in Berührung kommenden Personen lebensgefährlich sein können,
-so werden sie vor den Verbrauchsstellen auf niedere Spannung umgeformt,
-transformiert. In solchen Transformatoren bestehen die primären
-Wickelungen aus vielen Windungen eines dünnen Drahtes, die sekundären
-aus wenig Windungen eines dicken Drahtes. Von dem Verhältnis der
-primären zur sekundären Spannung hängt auch das Verhältnis der
-Drahtmaße der Bewickelung ab.
-
-Soviel etwa sprach Rudi über die Transformatoren; ein besonderes
-Experiment führte er dabei nicht vor, obgleich es nicht schwer
-gewesen wäre, sich einen kleinen Transformator herzustellen. Wie eine
-Maschine, die Drehstrom liefert, herzustellen ist, haben wir auf Seite
-194 gesehen. Speziell für diesen Versuch ist es von Vorteil, wenn
-die Bewickelung der sechs Ankerspulen aus recht dünnem Draht besteht
-(etwa 0,3 _mm_ stark). Den Transformator können wir als sogenannten
-Ringtransformator auf folgende Weise konstruieren. Wir stellen aus etwa
-0,5 bis 0,6 _mm_ starkem Eisendraht, den wir in einer Bunsenflamme --
-nicht etwa im Kohlenfeuer -- tüchtig durchgeglüht haben, einen Ring
-her, ähnlich dem, den wir für das magnetische Drehfeld anfertigten,
-und teilen ihn auf seinem Umfange in drei gleiche Teile ein, die wir
-durch drei um den Ring gebundene Bindfäden bezeichnen. Jetzt wickeln
-wir um jedes Drittel vier Lagen eines 0,3 _mm_ starken, isolierten
-Kupferdrahtes; das sind also drei einzelne Wickelungen, zwischen denen
-etwa 5 _mm_ frei bleiben sollen. Die sechs Drahtenden werden mit
-Seidenfäden festgebunden, das Ganze mit Schellacklösung überstrichen
-und mit einem in Schellack getränkten Papierstreifen umgeben. Darauf
-werden auf jede dieser Wickelungen zwei Lagen eines 1 _mm_ starken
-Kupferdrahtes aufgewickelt. Dieser Ring, der sechs dicke und sechs
-dünne Drahtenden hat, wird auf einem Brett befestigt, und die Drähte
-werden zu Klemmen geführt.
-
-Wir haben jetzt einen Drehstromgenerator und einen
-Drehstromtransformator, es fehlt uns nur noch der Drehstrommotor.
-Letzterer ist ebenfalls sehr einfach herzustellen. Wir versehen einen
-Eisendrahtring wie den des Transformators mit drei Spulenpaaren. Der
-Ring soll einen inneren Durchmesser von 4 _cm_, einen äußeren von 5
-_cm_ haben. Jede Spule soll aus drei Lagen mit je 10 Windungen eines
-0,5 _mm_ starken Drahtes bestehen. Die Verbindungsdrähte der einzelnen
-Spulen dürfen nicht durch die Mitte des Ringes gehen, sondern müssen
-auf dessen Außenseite verlaufen.
-
-Der Anker dieses Motors ist ebenfalls sehr einfach herzustellen.
-Wir biegen aus einem 1 bis 2 _mm_ dicken und 1 _cm_ breiten
-Eisenblechstreifen einen Ring, der mit 3 _mm_ Spielraum in den
-bewickelten Drahtring hineinpaßt. Die zusammenstoßenden Enden des
-Blechstreifens werden verlötet, und der ganze Blechring wird mit einem
-~nicht isolierten~, 1 _mm_ starken Kupferdraht so umwunden, wie aus
-Abb. 168 hervorgeht. Zwischen je zwei Windungen sei ein Zwischenraum
-von 3 bis 4 _mm_. Die Enden des Drahtes werden zusammen- und die
-Windungen an den Blechring angelötet Dieser Reif ist in Abb. 168
-dargestellt. Wir schieben ihn auf ein Holzscheibchen, das gerade so
-hineinpaßt, daß er fest sitzt. In der Holzscheibe wird eine Achse
-befestigt.
-
-[Illustration: Abb. 168. Kurzschlußanker.]
-
-[Illustration: Abb. 169. Schaltungsschema eines Transformators.]
-
-Der Ring, der das magnetische Drehfeld erzeugt, wird senkrecht auf
-einem Brettchen montiert; rechts und links werden die Lagerträger,
-die wir aus Messingblech verfertigen, angebracht. Der Anker muß sich
-spielend leicht und ohne zu streifen in dem Magnetringe drehen lassen,
-dessen sechs Drahtenden wir zu drei Klemmen führen, wie aus dem Schema
-Abb. 169 zu erkennen ist.
-
-Einen Anker, wie den eben beschriebenen, nennt man einen
-~Kurzschlußanker~, weil seine Wickelung kurz geschlossen (siehe
-Seite 153 u. f.) ist. Die mit dem Eisen des Ankerringes überall in
-leitender Verbindung stehenden Kupferwindungen haben den Zweck, die
-durch Induktion entstehenden Wirbelströme einen bestimmten Weg zu
-führen. Sie folgen also zum größten Teile dem besser leitenden Kupfer
-und verstärken dadurch noch den induzierten Magnetismus des Eisens.
-(Siehe auch, was darauf bezüglich bei der Erklärung des magnetischen
-Drehfeldes Seite 192 gesagt ist.) Weil der Magnetismus in solchen
-Ankern induziert ist, werden sie auch als ~Induktionsanker~ bezeichnet.
-
-Wie der Generator, das ist die stromerzeugende Maschine, der
-Transformator und der Motor miteinander zu verbinden sind, geht aus dem
-Schema in Abb. 169 hervor. Setzen wir den Generator in Gang, so wird
-sich auch der Motor drehen; je rascher wir den Anker des Generators
-rotieren lassen, desto rascher wird auch der Motor laufen. --
-
-[Illustration: Abb. 170. Schema des ersten Telephons.]
-
-[Sidenote: Das Telephon.]
-
-Zum Schlusse dieses Vortrages erklärte Rudi noch die Einrichtung
-des Telephons, das eine der bedeutendsten Nutzanwendungen der
-Induktionsströme darstellt.
-
-Das erste Telephon war auffallend einfach: Ein Stahlmagnet war an dem
-einen Pol mit einer Drahtspule versehen und in einem Gehäuse von Holz
-untergebracht, in dem, kaum einen Millimeter vom Magnetpol entfernt,
-eine dünne Eisenmembran befestigt war. Verband man nun die Spulen
-zweier solcher Telephone, wie aus Abb. 170 hervorgeht, so konnte man
-die Worte, die gegen die Membran I gesprochen wurden, bei II hören und
-umgekehrt. Wodurch wird nun die Fernleitung des Schalles in den beiden
-Drähten bewirkt?
-
-Wir wissen, daß ein Stück Eisen, wenn es in die Nähe eines Magneten
-gebracht wird, selbst magnetisch wird, somit selbst auch Kraftlinien
-aussendet und die des Magneten aus ihrer ursprünglichen Richtung
-ablenkt. Bei jeder Bewegung der Eisenmembran in unserem Telephon
-werden sich deshalb die Kraftlinien des Stahlmagneten etwas verändern
-und dadurch in der Drahtspule Induktionsströme erzeugen. Wird z. B.
-die Membran I gegen den Pol hinbewegt, so wird ein Induktionsstrom
-erzeugt, der so gerichtet ist, daß er den Magneten bei II verstärkt;
-dadurch wird auch die Membran II stärker angezogen, macht also auch
-eine Bewegung gegen den Pol hin. Entfernt sich die Membran I von ihrem
-Magnete, so entsteht der Induktionsstrom in umgekehrter Richtung,
-schwächt also in II den Magnet, und deshalb bewegt sich auch Membran II
-von ihrem Pol weg. Kurz, die Membran der einen Station macht ganz genau
-die Bewegung nach, in die wir die Membran der anderen bringen. Sprechen
-wir also gegen die Membran I, so wird diese von den auftreffenden
-Luftwellen (Schallwellen) in ganz bestimmter Weise in Schwingung
-gebracht. Da die Membran II aber die Bewegungen der Membran I genau
-mitmacht, so muß II ebenso schwingen wie I; dadurch werden der Luft in
-der Nähe von II dieselben Schwingungen mitgeteilt, die der Membran I
-die Bewegung erteilt haben; wir hören also bei II die gleichen Laute,
-die gegen I gesprochen werden.
-
-Eine derartig einfache Einrichtung hat aber den Nachteil, daß die
-Tonstärke sehr gemindert wird; denn ein großer Teil der Energie des
-Schalles wird dazu verbraucht, die Trägheit der ersten Membran zu
-überwinden und sie in Schwingung zu versetzen, und dann geht wieder
-ein Teil bei der Umsetzung der mechanischen Bewegungsenergie in
-elektrische Energie verloren. Wie wir wissen, wird in dem Widerstand
-eines Leiters die Energie eines elektrischen Stromes geschwächt; da
-sie aber nach dem Gesetz der Erhaltung der Energie nicht verloren
-gehen, nicht einfach verschwinden kann, so muß sie sich in eine andere
-Energieform verwandelt haben. Elektrische Energie wird in Widerständen
-zum Teil in ~Wärme~ umgesetzt, wie wir schon an den auf Seite 51 und
-57 beschriebenen Experimenten gesehen haben. Man nennt diese durch
-elektrische Ströme in Leitern hervorgerufene Wärme ~Joulesche~ Wärme.
-Dieser Vorgang spielt sich zum Teil, je nach dem Widerstand (Länge) der
-Leitung auch hier ab. Bei der zweiten Station finden in umgekehrter
-Reihenfolge dieselben Verluste noch einmal statt.
-
-[Illustration: Abb. 171. Schema des Mikrophones.]
-
-[Sidenote: Das Mikrophon.]
-
-Ein solches Telephon hatte eigentlich nur theoretisches Interesse;
-zum praktischen Gebrauch war es kaum anzuwenden, da die Töne an der
-Empfangsstation zu schwach wiedergegeben wurden. Dieser Mißstand
-wurde durch die Erfindung des ~Mikrophones~ durch Hughes beseitigt.
-Hughes befestigte auf einem Resonanzkästchen parallel nebeneinander
-zwei Kohlestäbchen und legte auf diese ein drittes. Dann verband er
-die eine der befestigten Kohlen mit einem Pol, die andere durch ein
-Bellesches Telephon _T_ -- so genannt nach ~Graham Bell~, dem Erfinder
-des vorher beschriebenen Telephones -- mit dem anderen Pol eines
-Elementes _E_ (Abb. 171). Wird bei dieser Einrichtung durch irgend
-eine Erschütterung der Deckel des Resonanzkästchens (_R_) rasch nach
-unten bewegt und mit ihm die beiden Kohlen _a_ und _b_, so wird das
-nur leicht aufliegende Stäbchen _c_ infolge seiner Trägheit nicht so
-rasch folgen können, es wird in dem Augenblick nicht so fest auf _a_
-und _b_ aufliegen als vorher; dadurch aber, daß der Kontakt geringer
-wird, wird der Widerstand für den Strom größer, der Strom selbst also
-schwächer. Wird umgekehrt der Resonanzboden gegen _c_ hinbewegt, so
-wird der Kontakt inniger und der Strom stärker. Die Stromstärke gerät
-demnach in Schwankungen, die den Schwingungen des Resonanzbodens analog
-sind. In genau derselben Weise schwankt dann die Stärke des vom Strome
-umflossenen Stahlmagneten, so daß schließlich die Membran des Telephons
-die Schwingungen des Resonanzbodens genau mitmacht. Einen derartigen
-Kohlenkontakt auf einem Resonanzboden nennt man ~Mikrophon~.
-
-[Illustration: Abb. 172. Schema einer Telephonanlage.]
-
-Jedoch auch diese Vorrichtung genügte nicht, wenn man auf sehr große
-Entfernungen sprechen wollte; der Strom des Elementes wurde in
-einer langen Leitung zu sehr geschwächt. Aber gerade der Umstand,
-daß der durch das Mikrophon gehende Strom durch die Schallwellen in
-Schwankungen gerät, ermöglicht es uns, ihn zu transformieren, auf eine
-andere Spannung zu bringen, genau so, wie wir die Wechselströme in
-den Transformatoren transformiert haben. Die sich dadurch ergebende
-Schaltungsweise ist aus Abb. 172 zu erkennen: I und II bezeichnen die
-beiden Fernsprechstationen. Wird nun in I gesprochen, so macht der
-Strom folgenden Weg: er fließt von Element _E₁_ durch das Mikrophon
-_M₁_ und durch die um einen Eisenkern _K_ gewundene primäre (dicke)
-Wickelung _p_ der Induktionsrolle _J₁_ zum Element _E₁_ zurück. Beim
-Durchgang durch das Mikrophon, gegen welches gesprochen wird, wird
-er bald stärker, bald schwächer, gerät also in Schwankungen. Dieser
-unstete Strom wird beim Durchgang durch _pp_ in _J₁_ in der sekundären
-Wickelung _ss_ auf hohe Spannung und geringe Stromstärke transformiert,
-so daß er jetzt ohne erhebliche Verluste in die Ferne geleitet werden
-kann. Er geht von _J₁_ zuerst durch das Telephon _T₁_, durch den einen
-Ferndraht zu dem Telephon _T₂_, durch _J₂_ und durch den anderen
-Ferndraht nach _J₁_ zurück. Da er in den Telephonen deren Stahlmagnete
-umkreist, teilt er ihrem Magnetismus seine eigenen Schwankungen mit,
-dadurch gerät die Eisenmembran in Schwingung, so daß man die gegen _M₁_
-gesprochenen Worte in _T₂_ hören kann. In der gleichen Weise kann man
-von Station II nach Station I sprechen.
-
-Bei einer praktischen Fernsprechanlage muß natürlich noch ein
-Anrufwecker (Klingel) und eine Vorrichtung vorhanden sein, die es
-gestattet, wenn nicht gesprochen wird, den Batteriestrom auszuschalten,
-damit die Elemente nicht erschöpft werden. (Siehe auch ~Herstellung
-einer Telephonanlage~ im Anhang.) --
-
-An dieser Stelle sei noch die Beschreibung der Herstellung der beiden
-vorerwähnten Meßinstrumente für Wechselstrom, dessen theoretische
-Betrachtungen auf Seite 187 nicht unterbrochen werden sollten,
-nachgeholt.
-
-[Sidenote: Das Hitzdrahtinstrument.]
-
-Ein genau arbeitendes Hitzdrahtinstrument können wir uns nicht
-selbst herstellen, wenigstens nicht für geringe Stromstärken, da
-es ohne korrigierende Vorrichtungen auch auf die Schwankungen der
-Lufttemperatur reagiert. Da es aber theoretisches Interesse darbietet,
-auch zur Demonstration sehr geeignet und, wenn keine Ansprüche an
-Genauigkeit und Präzision gestellt werden, sehr leicht anzufertigen
-ist, so sei seine Herstellung hier beschrieben.
-
-[Illustration: Abb. 173. Das Hitzdrahtinstrument.]
-
-[Illustration: Abb. 174. Lager für den Zeiger des Hitzdrahtinstrumentes
-(Vertikalschnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 175. Dasselbe (Horizontalschnitt).]
-
-Auf ein langes, schmales Grundbrett _a_ (Abb. 173), das mit Stollen
-zu versehen ist, wird ein rechteckiges Brett _b_ aufgeschraubt. In
-der linken oberen Ecke wird die Lagervorrichtung _c_ für den Zeiger
-befestigt. Letztere ist in Abb. 174 und 175 besonders dargestellt.
-Auf ein längliches, etwa 1 _mm_ starkes Messingplättchen _d_ wird der
-zweimal rechtwinkelig gebogene Bügel _e_ aufgelötet, der aus einem
-1 bis 1,5 _mm_ starken Messingblechstreifen gefertigt ist. Dieser
-Bügel erhält auf der Innenseite bei _f_ einen ziemlich tiefen mit
-einem Körner eingeschlagenen Punkt und bei _g_, genau dem Körnerpunkt
-gegenüber, ein Loch, in das ein Muttergewinde geschnitten wird, damit
-darin die Schraube _h_ eingedreht werden kann. Letztere erhält bei
-_i_ ebenfalls einen Körnerpunkt. Ein etwa 2 _mm_ starkes, rundes
-Eisenstiftchen _k_ wird auf beiden Seiten zugespitzt und muß zwischen
-_f_ und _i_ eingespannt werden können. An dieses Stiftchen wird ein
-2 _mm_ starker Eisendraht angelötet und an dem kurzen auch noch
-etwas über _k_ hinaussehenden Ende zum Häkchen _m_ gebogen. Soll das
-Instrument für Ströme mit mehreren Amperes bestimmt sein, so muß der
-Zeiger, um stärker belastet werden zu können, aus einem Blechstreifen
-hergestellt werden, etwa so, wie Abb. 176 zeigt.
-
-[Illustration: Abb. 176. Zeiger für das Hitzdrahtinstrument.]
-
-Das Stiftchen wird nun eingesetzt und die Schraube _h_ soweit
-angezogen, daß _k_ nicht herausfallen, sich aber noch leicht drehen
-kann. Dann wird ein Draht aus Nickelin (es kann auch Eisen, Platin,
-sogar Kupfer verwendet werden), dessen Dicke sich nach den zu messenden
-Stromstärken richten muß, an einem Ende mit einer Schleife versehen,
-hiermit in das Häkchen _m_ eingehängt und, von vorn gesehen, einmal
-links herum um _k_ gewunden und dann an der Klemme β befestigt. Der
-Draht muß so gespannt werden, daß der Zeiger _l_ horizontal liegt.
-Die Klemme α wird noch durch einen Kupferdraht mit _c_ verbunden,
-wonach eine Skala, wie in Abb. 173 zu sehen ist, auf _b_ angebracht
-wird. Der Zeiger wird durch das Scheibchen _n_ aus Messing- oder
-Bleiblech so weit beschwert, daß der Draht straff gespannt ist. Die
-Drahtdicke muß sich, wie schon erwähnt, nach der Stromstärke richten.
-Für die Wechselströme, die die auf Seite 138 u. f. beschriebenen
-magnetelektrischen Maschinen liefern, wird ein 12 bis 15 _cm_ langer
-(Strecke β bis _c_ Abb. 173), 0,1 bis 0,2 _mm_ starker Nickelindraht
-richtig sein. Ist der Draht aus einem besser leitenden Metall, so muß
-er dünner und nötigenfalls auch länger sein.
-
-Die Wirkungsweise des Instrumentes ist sehr einfach. Fließt durch den
-Draht ein Strom, so entwickelt sich infolge seines großen Widerstandes
-Joulesche Wärme (von der wir auf Seite 202 sprachen); der Draht wird
-deshalb länger und läßt den Zeiger sinken.
-
-[Sidenote: Das Elektrodynamometer.]
-
-Das ~Elektrodynamometer~ können wir bei sorgfältiger Ausführung
-weit empfindlicher und genauer arbeitend herstellen als das
-Hitzdrahtinstrument. Es besteht aus einer festen und einer beweglichen
-Drahtspule. Da beide Spulen gleichzeitig vom Strome durchflossen
-werden, so wird die bewegliche immer nach der gleichen Seite hin
-abgelenkt, auch wenn sich die Stromrichtung umkehrt.
-
-[Illustration: Abb. 177. Das Elektrodynamometer.]
-
-Abb. 177 zeigt ein Elektrodynamometer von oben gesehen. Wir stellen aus
-Messingblech einen Rahmen _a_ her, etwa 10 _cm_ lang, 2,5 _cm_ hoch
-und 1,5 _cm_ breit. Dieser Rahmen wird mit etwa 20 _m_ eines 0,7 bis
-0,8 _mm_ starken, isolierten Kupferdrahtes bewickelt. Je schwächer der
-zu messende Strom ist, desto dünner und länger muß der Draht sein. Ein
-zweiter Rahmen _b_, der in den ersten hineinpaßt, wird mit etwa 15 _m_
-Draht bewickelt. In die Mitten der Langseiten werden bei beiden Rahmen
-2 _mm_ weite Löcher gebohrt; auf diese Löcher werden bei dem größeren
-Rahmen (_a_) außen kurze Stückchen eines 3 _mm_ weiten Messingrohres
-aufgelötet, damit das Loch nicht von der Bewickelung verdeckt wird; bei
-dem kleineren Rahmen (_b_) wird durch die beiden ein 2 _mm_ starkes
-Messingstäbchen als Achse gesteckt; letzteres soll ziemlich fest
-sitzen, aber in den Bohrungen von _a_ sich leicht drehen können. Das
-eine Ende der Bewickelung von _b_ wird an der Achse angelötet; das
-andere Ende wird zu einem runden Blechscheibchen _c_ geführt, das mit
-Schellackkitt (Seite 5) auf _b_ befestigt wird. Auf diesem Scheibchen
-liegt das eine Ende der Bewickelung von _a_ auf. Jetzt wird der
-größere Rahmen, wie aus der Abbildung zu sehen ist, auf ein senkrecht
-stehendes Brett _d_ mit Schellackkitt aufgekittet. Die Klemme α wird
-mit dem noch freien Drahtende von _a_, die Klemme β mit einem an dem
-Rahmen von _a_ angelöteten Draht verbunden. Sollte der Rahmen _b_ sich
-im indifferenten Gleichgewicht befinden, so muß er so beschwert werden,
-daß seine Längsachse in der Ruhelage lotrecht steht.
-
-Wird das Instrument von einem Strome, sei es ein Gleich- oder ein
-Wechselstrom, durchflossen, so wird der Rahmen _b_ aus seiner
-lotrechten Lage abgelenkt. Wir können an dem beweglichen Rahmen einen
-Zeiger und auf _d_ eine Skala anbringen und das Instrument durch
-Vergleich mit einem anderen eichen; dabei müssen natürlich das zu
-eichende und das Vergleichsinstrument hintereinander geschaltet werden
-(siehe auch Seite 98).
-
-Das im Anhang beschriebene Universalinstrument ist ebenfalls
-für Wechselströme verwendbar. Wir können uns, wenn uns der oben
-beschriebene Apparat zu einfach und das Universalinstrument zu
-umständlich ist, etwa in der Mitte zwischen beiden halten.
-
-So können wir z. B. das oben beschriebene Instrument dadurch wesentlich
-verfeinern, daß wir die Lager der beweglichen Spule sorgfältiger
-herstellen, indem wir folgendermaßen verfahren: In die Mitten der
-Längsseiten der äußeren Spule wird, wie auch schon oben beschrieben, je
-ein Messingröhrchen eingesetzt. Nun darf aber die Achse der beweglichen
-Spule nicht in diesen Röhrchen gelagert sein, sondern muß freien
-Spielraum in ihnen haben und besonders gelagert werden. Zu diesem
-Zweck wird das Brett _d_ so durchbohrt, daß das Loch eine Fortsetzung
-zu den durch die Messingröhrchen gebildeten Öffnungen in der äußeren
-Spule darstellt. Die Lagerung der Achse kann dann in der auf Seite 205
-beim Hitzdrahtinstrument beschriebenen Weise hergestellt werden; die
-Stromzuführung geschieht in dem Fall entweder durch zwei auf der Achse
-sitzende Schleifringe oder nach der im Anhange beim Universalinstrument
-beschriebenen Methode. Auch ist es besser, die innere Spule so zu
-gestalten, daß ihre Längsachse die größere Ausdehnung hat.
-
-
- [5] Unter einem magnetischen Feld versteht man den von Kraftlinien
- durchdrungenen Raum in der Nähe eines Magneten.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Fünfter Vortrag.
-
-Von der Geissler- zur Röntgenröhre.
-
-
-Um anschauliche Experimente über den Durchgang der Elektrizität durch
-verdünnte, das heißt unter geringem Druck stehende Gase vorzuführen,
-brauchen wir vor allem eine hinreichend starke Quelle für hochgespannte
-Elektrizität. Für geringe Ansprüche genügen schon Funkeninduktoren
-von 1 bis 2 _mm_ Funkenlänge. Je größer und leistungsfähiger unser
-Apparat ist, desto glänzender und vielseitiger können wir unsere
-Versuche gestalten. Für sehr viele hierher gehörende Experimente ist
-die Influenzelektrisiermaschine dem Funkeninduktor vorzuziehen, da bei
-ihr, wenn man keine Kondensatoren einschaltet, die Lichterscheinungen
-ruhiger sind. Sie hat freilich den Nachteil, daß wir zu ihrer Bedienung
-eine zweite Person brauchen, und ferner, daß sie bei feuchtem Wetter
-nie sicher arbeitet.
-
-Da sich für die Verwendung von Leidener Flaschen beim Gebrauch der
-Influenzmaschine für die einzelnen Fälle keine genauen Angaben
-machen lassen, so sei hier ein für allemal gesagt, daß man sämtliche
-Experimente mit verschiedenen Kapazitäten anstellen soll; es ist auch
-hier der im Anhang beschriebene variable Kondensator recht brauchbar;
-es ist dann leicht zu erkennen, in welchem Falle man die bessere
-Wirkung erzielt. Der Kondensator verstärkt meist die Wirkung, die
-Lichterscheinungen werden aber unruhig und zuckend.
-
-Rudi bediente sich seiner selbstgefertigten Influenzmaschine
-(Seite 19 u. f.), die wir noch vom ersten Vortrage her kennen. Er
-hatte ja eine unermüdliche Assistentin, seine Schwester Käthe, die
-ihm bei allen Versuchen die Maschine drehte. Außerdem hatte er
-sich eine Trockenvorrichtung hergestellt, so daß er auch von dem
-Feuchtigkeitsgrade der Luft nur noch wenig abhängig war.
-
-[Sidenote: Der Trockenapparat.]
-
-Diese Trockenvorrichtung bestand aus einem Eisenblech, das etwa 30
-_cm_ länger und breiter war als das Grundbrett der Maschine und an
-dessen vier Ecken je eine lange Eisenstange eingenietet war, so daß das
-Eisenblech auf den vier Füßen hoch genug stand, um die Influenzmaschine
-unter sich aufzunehmen. Rechts und links von der Maschine stellte Rudi
-dann zwei Argandbrenner[6] mit Asbestzylinder so auf, daß der obere
-Zylinderrand sich etwa 6 _cm_ unter dem Eisenblech befand. Etwa zehn
-Minuten vor Gebrauch der Maschine zündete er die Lampen an; solange er
-die Maschine benützte, stellte er sie aber beiseite und ließ nur noch
-das heiße Eisenblech über ihr (Abb. 178).
-
-[Illustration: Abb 178. Trockenapparat für die Influenzmaschine.]
-
-Da an dem Tag des Vortrages die Luft außerordentlich trocken war,
-hielt es Rudi für überflüssig, den Trockenapparat zu verwenden. Er
-probierte kurz vor dem Vortrag alle wichtigen Experimente noch einmal
-durch, und sie gelangen mit seltener Leichtigkeit. Aber während des
-Vortrages wurde die Wirkung der Maschine immer schlechter, und er mußte
-schließlich entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben den Funkeninduktor
-verwenden.
-
-Es war Rudi bald klar, daß diese Störung nur daher kommen konnte, daß
-durch die Anwesenheit der vielen Personen die Luft im Zimmer ständig
-feuchter wurde. Er ließ deshalb bei dem nächsten Vortrage seine Hörer
-sich in einem anderen Zimmer versammeln und erst kurz vor Beginn
-in den Vortragsraum eintreten. Ferner hatte er die Maschine, bis er
-sie zum ersten Male gebrauchte, im angrenzenden Zimmer unter dem
-Trockenapparate stehen. Erst zum Beginn der ersten Experimente brachte
-Käthe die Maschine samt dem heißen Blechdach, aber ohne die Lampen,
-herein.
-
-[Illustration: Abb. 179. Schnitt durch die Vakuumpumpe.]
-
-[Sidenote: Die Vakuumpumpe.]
-
-Um zu zeigen, wie sich der Ausgleich der Elektrizitäten einer
-Influenzelektrisiermaschine in einem abgeschlossenen Raum bei
-zunehmender Verringerung des Luftdruckes verändert, bedürfen wir einer
-Luftpumpe, einer sogenannten Vakuumpumpe, die man sich in einfacher
-Form ziemlich leicht selbst herstellen kann.
-
-Abb. 179 zeigt den Schnitt durch eine solche Pumpe, die an jedem Tische
-befestigt werden kann, und für die wichtigsten Versuche ausreicht.
-(In der Abbildung ist der Zylinder der Pumpe im Verhältnis zum Teller
-größer gezeichnet, damit die einzelnen Teile deutlicher sichtbar sind.)
-
-Den Teller _a_ sägen wir aus einem 1 bis 2 _cm_ dicken Brette von
-Hartholz; er soll einen Durchmesser von 20 bis 25 _cm_ bekommen und
-muß vollkommen eben und in der Mitte mit einer Bohrung versehen sein.
-Um einem Verziehen des Holzes vorzubeugen, bestreichen wir ihn mit
-geschmolzenem Paraffin, das wir ziemlich reichlich auftragen und dann
-mit einem recht heißen Plätteisen nochmals überfahren, damit es gut in
-alle Poren des Holzes eindringt.
-
-Solange das Brett noch warm ist, wird auf die Oberseite eine 2 bis
-3 _mm_ dicke Schicht unseres bekannten Kolophonium-, Wachs- oder
-Leinölkittes, der ziemlich ~hart~ sein soll (Seite 66), aufgetragen.
-Darauf wird eine runde, ebenfalls mit einem Loch versehene angewärmte
-Glasplatte (_c_) (womöglich Spiegelglas) vorsichtig aufgepreßt (über
-das Durchbohren von Glas siehe Seite 12 und 13).
-
-Nach dem Erkalten muß die Glasplatte eben, bei Spiegelglas nur
-leicht matt abgeschliffen werden. Wir befreien eine unbrauchbare
-photographische Platte in der Größe von 9 × 12 _cm_ von ihrer
-Gelatineschicht und kitten mit Kolophonium-Wachskitt ein etwa 5 × 8
-_cm_ großes und 2 _cm_ dickes Holzklötzchen auf. Jetzt beschaffen
-wir uns die drei feinsten Nummern Schmirgelpapier, überschwemmen die
-ganze Glasplatte mit Wasser, streuen reichlich von dem wenigst feinen
-Schmirgel darauf und schleifen mit der Glasplatte die Platte des
-Tellers eben, wobei wir den an der Glasplatte befestigten Holzklotz
-als Griff benutzen. Beide Glasplatten werden matt, aber zuerst nur
-an einzelnen, an den erhabenen Punkten. Um sich von Zeit zu Zeit von
-dem Fortgang der Arbeit zu überzeugen, spült man den Glasteller mit
-Wasser ab und reibt ihn dann mit einem Tuche trocken. Die geebneten
-Stellen sind dann, da sie matt sind, leicht von den noch unebenen zu
-unterscheiden. Ist die ganze Platte gleichmäßig matt, was nach etwa
-einer halben Stunde tüchtigen Schleifens erreicht sein dürfte, dann
-schleifen wir während der Hälfte der bis jetzt aufgewendeten Zeit
-mit dem feineren, ebensolange mit dem feinsten Schmirgelpulver und
-schließlich ohne solches -- nur mit Wasser -- nach.
-
-Jetzt besorgen wir uns ein rechtwinkelig gebogenes Gasleitungsrohr
-_d_; beide Enden werden mit Gewinden versehen. Das Rohr muß sich
-gerade durch das Loch von _a_ hindurchschieben lassen. An dem kürzeren
-Schenkel wird der Ring _e_ angelötet, auf welchem _a_ aufliegt. Dann
-wird ein das Rohr eng umschließender Gummiring _f_ aufgelegt und mit
-der Schraubenmutter _g_ gegen _c_ gepreßt. Die Schraubenmutter wird
-schließlich an _d_ angelötet.
-
-Die Verbindungsstelle zwischen Rohr und Teller wird mit der Zeit leicht
-undicht; man kann deshalb gleich von vornherein alle in Frage kommenden
-Fugen mit Schellackkitt (Seite 5), auch Siegellack oder Emaillack
-überziehen, hauptsächlich auf der Seite, von welcher der Luftdruck
-wirkt, also auf der Außenseite.
-
-Der zweite wichtige Bestandteil unseres Apparates ist der sogenannte
-~Zweiwegehahn~. Er ist in der Abb. 179 im Querschnitte gezeichnet. Wir
-stellen ihn aus einem einfachen Gashahn (Abb. 180) her, den wir am
-besten neu kaufen. Ein solcher Hahn besteht aus einem kugelförmigen
-Mittelstück und zwei mit Gewinden versehenen Rohransätzen. In dem
-Mittelstück kann ein konischer Bolzen, der quer durchbohrt ist, gedreht
-werden. Steht diese Bohrung senkrecht zur Achse der Rohransätze, so ist
-der Hahn geschlossen, wird dieser um 90° gedreht, so ist er geöffnet.
-An den meisten Gashähnen sind in den Bolzen kleine Stifte, die eine
-Drehung von mehr als 90° verhindern; diese müssen entfernt werden, so
-daß man den Bolzen vollständig umdrehen kann. Jetzt wird letzterer
-so gestellt, daß der Hahn geöffnet ist; dann bohren wir durch das
-Mittelstück und durch die Hälfte des Bolzens ein Loch, wie dies aus den
-Abbildungen deutlich zu sehen ist (_h_ in Abb. 179).
-
-[Illustration: Abb. 180. Der in einen Zweiwegehahn veränderte Gashahn.]
-
-Der dritte Bestandteil ist die Pumpe. Wir kaufen uns ein 2 bis 3
-_cm_ weites, etwa 30 _cm_ langes starkwandiges Messingrohr (_i_).
-In dem einen Ende dieses Rohres wird der Ring _k_ eingelötet, der
-mit einem Muttergewinde versehen ist. In letzteres wird der Hahn _h_
-eingeschraubt und ebenfalls verlötet.
-
-Wir kommen nun zur Herstellung des Kolbens. Eine 2 bis 3 _mm_ starke
-Messing- oder Eisenscheibe _l_, die gerade in das Rohr hineinpaßt,
-erhält in der Mitte eine Bohrung (ohne Gewinde), durch die man das
-mit einem Gewinde versehene Ende der Eisenstange _m_ hindurchschieben
-kann. An dieser Stange ist das Messingscheibchen _p_ angelötet, dessen
-Halbmesser um etwa 2 _mm_ kleiner ist als der von _l_. Dann schneiden
-wir uns von alten Glacéhandschuhen drei bis vier runde Scheibchen, die
-in der Mitte mit einem Loch versehen sind, und deren Halbmesser etwa um
-5 _mm_ größer ist als der von _l_ und legen sie einige Zeit in reines
-Maschinenöl. Wenn sie vollständig durchtränkt sind, bringen wir sie auf
-das Messingscheibchen _p_, wie aus der Abb. 179 zu erkennen ist (_o_);
-darauf wird _l_ mit der auf _m_ aufgeschraubten Mutter _n_ fest gegen
-_p_ angepreßt. Das Blechscheibchen _q_ dient zur Führung der Stange _m_.
-
-Das Kolbenende der Stange _m_ soll so lang sein, daß es durch den
-Ansatz des Hahnes bis auf den Stöpsel hindurchgeht; es soll auch
-möglichst genau in jene Öffnung hineinpassen, damit der sogenannte
-schädliche Raum _s_ möglichst klein wird. Aus dem gleichen Grunde
-müssen wir auch noch die leeren Kanten bei _r_ mit Wachs oder Paraffin
-ausfüllen.
-
-Wir nehmen zu diesem Zweck den Stöpsel aus dem Hahne heraus und machen
-letzteren etwas warm, dann schieben wir den Kolben so weit in den
-Zylinder hinein, daß die Öffnung _s_ gerade noch frei bleibt. Jetzt
-stellen wir die Pumpe so auf, daß der Hahn oben ist, gießen durch
-letzteren möglichst heißes Paraffin in den Zylinder und drücken dann
-den Kolben so weit als möglich hinein, wobei natürlich wieder etwas
-Paraffin herausgetrieben wird. Nach dem Erkalten wird das Loch für den
-Stöpsel und der äußere Rohransatz vom Paraffin gereinigt. Letzterer
-wird nun, wie aus Abb. 179 zu erkennen ist, mit dem Rohre _d_ verbunden.
-
-Wir können uns auch noch eine Glasglocke, den Rezipienten, selbst
-herstellen. Wir beschaffen uns eine starkwandige, möglichst weite
-Flasche aus weißem Glas, deren Boden wir möglichst glatt entfernen
-müssen. Wir umkleben sie deshalb da, wo sie gesprengt werden soll,
-mit zwei mehrmals herumgewundenen Papierstreifen, die einen nur 2
-bis 3 _mm_ breiten Raum zwischen sich frei lassen. In dieser Rinne
-legen wir eine gut gezwirnte, möglichst harte Schnur einmal um die
-Flasche, befestigen an dem einen Schnurende ein 1 bis 2 _kg_ schweres
-Gewicht und an dem anderen einen runden Holzstab. Die Flasche lassen
-wir von einer zweiten Person halten und ziehen nun, die Schnur an dem
-Holzgriff fassend, das Gewicht auf, lassen es sinken, ziehen es wieder
-auf u. s. f., bis infolge der Reibung die Hitze so groß wird, daß die
-Schnur durchbrennt und das Gewicht zu Boden fällt. Jetzt wird das
-Bodenende der Flasche so rasch als möglich in kaltes Wasser getaucht.
-Entlang der von der Schnur berührt gewesenen Stelle springt der Boden
-ab. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man zuerst die Flasche
-unter ständigem Drehen über einer Flamme auf etwa 250° erhitzt und
-dann da, wo der Sprung entstehen soll, einen mit Salzwasser benetzten
-Bindfaden herumschlingt.
-
-Der dadurch entstandene Rand der Flasche ist jetzt noch eben zu
-schleifen; diese Arbeit nehmen wir auf einer möglichst ebenen
-Sandsteinplatte mit Wasser und Schmirgel vor.
-
-[Illustration: Abb. 181. Der Rezipient als Entladungsröhre.]
-
-Um elektrische Ausgleiche in dem Rezipienten vornehmen zu können,
-führen wir durch einen durchbohrten Gummistöpsel eine Messingstange
-ein, die die eine Elektrode bildet; als die andere Elektrode dient uns
-das durch den Teller führende Metallrohr. Der untere eben geschliffene
-Rand der Glasglocke wird zur besseren Abdichtung mit Talg eingerieben.
-Die ganze Anordnung geht aus Abb. 181 hervor: _a_ ist die Glocke, _b_
-der Teller, _c_ das Rohr, das zur Pumpe führt, _d_ der Gummistopfen, in
-dem die Messingstange _e_ steckt. Ein aus Draht gebogener und mit einer
-Kugel versehener Dreifuß _f_ bildet auf das Rohrende gesetzt die zweite
-Elektrode.
-
-Wer sich selbst Geißlersche Röhren herstellen will, der muß im
-Glasblasen einige Übung besitzen. Einfache Röhren sind nicht schwer
-herzustellen. Wir schmelzen in das eine Ende eines 0,5 bis 1 _cm_
-weiten Glasrohres -- die Länge richtet sich nach der Leistungsfähigkeit
-unserer Apparate -- einen Platindraht ein; nahe diesem Ende setzen
-wir ein etwas dünneres Röhrchen nach der Seite an und schmelzen
-dann auch in das andere Ende einen Platindraht ein. Wie diese Röhre
-mit dem Rezipienten zu verbinden ist, geht aus Abb. 182 hervor.
-In den Schlauch _a_ ist, damit er nicht von dem äußeren Luftdruck
-zusammengequetscht werde, eine eng gewundene Drahtspirale zu stecken.
-
-Während des Auspumpens der Röhre läßt man den elektrischen Strom
-hindurchgehen; ist dann die Lichterscheinung so, wie man sie wünscht
--- man kann sie natürlich nur im verdunkelten Zimmer gut sehen --, so
-pumpt man noch etwas weiter und schmilzt dann die Röhre ab.
-
-[Illustration: Abb. 182. Verbindung der Geißlerröhre mit dem
-Rezipienten zum Auspumpen.]
-
-Um die Verdünnungen in Röhren noch weiter treiben zu können, müssen
-wir die Geißlersche Röhre samt dem Schlauch _a_ (Abb. 182) und der
-Glasröhre, die durch den Gummistöpsel geht, mit Quecksilber anfüllen.
-Nachdem wir uns überzeugt haben, daß nirgendmehr Luftblasen haften,
-stecken wir den Gummistöpsel auf den Rezipienten und pumpen denselben
-aus, bis alles Quecksilber aus der Röhre zurückgesunken ist, aber nicht
-weiter, als bis zu der in Abb. 182 mit _b_ bezeichneten Stelle, da in
-dem Schlauch _a_ meistens Luftbläschen haften bleiben. In der Mitte
-zwischen _b_ und der Ansatzstelle wird das Röhrchen dann abgeschmolzen.
-
-Wie weit wir mit diesen Apparaten die Verdünnung in einer Röhre bringen
-können, hängt natürlich von ihrer Ausführung und Handhabung ab. Die
-für gewöhnliche Geißlersche Röhren nötige Verdünnung ist leicht zu
-erreichen; viel schwieriger ist es schon, Röhren für Kathodenstrahlen
-herzustellen. In Röntgenröhren schließlich ist die Verdünnung der Luft
-so stark, daß wir den Versuch, uns solche selbst herzustellen, von
-vornherein aufgeben müssen. --
-
-[Illustration: Abb. 183. Einfache Röhre auf dem Rezipienten.]
-
-[Illustration: Abb. 184. Geißlersche Röhren, ungefüllt.]
-
-[Sidenote: Experimente mit der Luftpumpe.]
-
-Wir setzen auf den Rezipienten, wie aus Abb. 183 hervorgeht, eine
-einfache Röhre mit eingeschmolzenen Platinelektroden, deren Abstand
-größer als die Schlagweite unseres Funkeninduktors oder unserer
-Influenzmaschine sein muß, und verbinden sie mit der Stromquelle.
-Wir wählen Platin, weil es zum Einschmelzen in Glas das geeignetste
-Metall ist, da es fast denselben Ausdehnungskoeffizienten hat wie
-Glas. Für einfachere Instrumente, wie das oben erwähnte, genügt auch
-Aluminiumdraht, der den Vorteil hat, wesentlich billiger zu sein; wenn
-wir dann die Einschmelzstelle, solange sie noch warm ist, mit gutem
-roten Siegellack überziehen, so hält sie sicher dicht. Im verdunkelten
-Raum sieht man dann an den Elektroden nur sehr schwaches Glimmlicht.
-Fängt man dann an, die Pumpe in Tätigkeit zu setzen, so wird der
-Lichtbüschel an der Kathode (negative Elektrode) heller, größer und
-schärfer abgegrenzt, und an der Anode (positive Elektrode) zeigt
-sich ein kleines helles Lichtpünktchen. Pumpt man weiter, so beginnt
-schließlich der ganze Raum zwischen den Elektroden schwach zu leuchten:
-ein violettes Lichtband zieht sich durch die Röhre, ohne aber ihre
-Breite ganz zu erfüllen. Bei weiterer Verdünnung wird der violette
-Streifen breiter, und man kann sehen, daß das Licht nicht einheitlich,
-sondern geschichtet ist; die Röhre scheint erfüllt von einzelnen hellen
-Scheibchen mit dunkeln Zwischenräumen. Dieses geschichtete Lichtband
-beginnt unmittelbar an der Anode, geht aber nicht ganz bis zur Kathode
-hin; hier bleibt ein dunkler Raum, der bei noch weiter gesteigerter
-Verdünnung immer größer wird. Das positive Licht wird immer kürzer und
-seine Schichtung immer undeutlicher.
-
-[Illustration: Abb. 185. Geißlersche Röhren. Zu füllen mit
-fluoreszierenden Flüssigkeiten.]
-
-[Illustration: Abb. 186. Hittorfsche (Crookessche) Röhre.]
-
-Hier hörte die Leistungsfähigkeit der Pumpe, die sich Rudi selbst
-gefertigt hatte, auf. Er hatte sich deshalb zur Demonstration der
-Kathodenstrahlen eine sogenannte Crookessche Röhre (Abb. 186) gekauft.
-Auch Geißlersche Röhren in verschiedenen Stufen der Evakuation und in
-sehr mannigfaltigen Formen kommen in den Handel (Abb. 184 und Abb. 185).
-
-[Sidenote: Die Kathodenstrahlen.]
-
-Wird die Verdünnung in der Röhre noch weiter getrieben, so verschwindet
-das positive Licht schließlich ganz, aber eine andere merkwürdige
-Erscheinung tritt dafür ein. Es gehen nämlich von der Kathode Strahlen
-aus, die man nicht sehen, sondern nur daran erkennen kann, daß sie die
-Glaswand der Röhre da, wo sie sie treffen, zum Fluoreszieren bringen.
-Bei unserer Röhre, in welche Drähte eingeschmolzen sind, wird das Glas
-um die Anode herum grün leuchten. Besteht die Kathode aus einem runden
-Blechscheibchen, so wird die dem Scheibchen gegenüberliegende Stelle
-zum Fluoreszieren gebracht. Ist zwischen die negative Elektrode und die
-gegenüberliegende Glaswand ein Gegenstand aus Metall gebracht, z. B.
-ein Kreuz _b_ wie in Abb. 187, so zeichnet dieser einen deutlichen
-Schlagschatten _d_ auf das Glas. Alle diese Erscheinungen weisen darauf
-hin, daß die Kathodenstrahlen sich senkrecht zu der Fläche des Punktes
-fortpflanzen, von dem sie ausgehen. ~Dabei ist es ganz einerlei, an
-welcher Stelle sich die Anode befindet.~
-
-[Illustration: Abb. 187. Crookessche Röhre.]
-
-Eine weitere eigentümliche Eigenschaft dieser Strahlen ist die, daß sie
-alle nicht metallischen Körper, die sie treffen, zur Phosphoreszenz
-bringen. Man hat Röhren hergestellt, in denen verschiedene Mineralien
-den Kathodenstrahlen ausgesetzt werden können; die Stoffe leuchten dann
-je nach ihrer Natur in verschiedenen Farben auf.
-
-Ferner kann man bemerken, daß das Glas einer Crookesschen Röhre,
-da, wo es von den Kathodenstrahlen getroffen wird, also an der grün
-fluoreszierenden Stelle, sich mit der Zeit stark erhitzt. Diese
-Erwärmung kann so weit gehen, daß das Glas weich wird und dem äußeren
-Luftdruck nachgibt. Von diesen Strahlen getroffene Metallteile können
-bis zur Weißglut, ja bis zum Schmelzen gebracht werden.
-
-Crookes entdeckte auch, daß die Kathodenstrahlen mechanische Wirkungen
-ausüben können. Um das nachzuweisen, hat man in der Röhre ein leichtes
-Flügelrädchen so angebracht, daß die obere Hälfte desselben sich gerade
-zwischen den Elektroden befand. Wurde ein Strom durchgeleitet, so
-drehte sich das Rädchen so, als ob von der Kathode ein Wind ausginge,
-der, die oberen Flügelchen treffend, es zur Rotation brachte.
-
-Bringen wir einen Magneten in die Nähe der Röhre, so sehen wir,
-daß er die Kathodenstrahlen ablenkt. Wir können mit ihm den grünen
-Fluoreszenzfleck von seiner ursprünglichen Stelle wegziehen; er
-folgt genau den Bewegungen des Magneten. Rudi machte diesen Versuch
-und verwendete dazu einen starken Elektromagneten, den er mit dem
-Akkumulatorenstrom erregte.
-
-Alle diese merkwürdigen Erscheinungen spielen sich ausschließlich in
-der Röhre ab. Keine Spur von diesen geheimnisvollen Strahlen scheint
-die Glaswand durchdringen zu können. Über die eigentliche Natur dieser
-Strahlen, überhaupt über diese Entladungsvorgänge weiß man noch so gut
-wie gar nichts.
-
-Nur das eine steht ziemlich sicher fest, daß die Kathodenstrahlen
-aus sehr kleinen Stoffteilen bestehen, die sich mit einer enormen
-Geschwindigkeit durch den fast leeren Raum der Röhre bewegen. Mit
-dieser Annahme lassen sich leicht für die oben erwähnten Eigenschaften
-der Kathodenstrahlen Erklärungen geben, deren nähere Behandlung aber
-hier zu weit führen würde.
-
-Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, die Kathodenstrahlen aus
-der Röhre herauszuführen in die normale Atmosphäre, aber man ist bis
-jetzt nicht weiter damit gekommen, als daß man eben nachweisen konnte,
-daß die Strahlen auch außerhalb der Röhre bestehen können.
-
-[Sidenote: Die Röntgenstrahlen.]
-
-Lange boten die Kathodenstrahlen nur theoretisches Interesse, bis
-Professor Röntgen im Jahre 1895 in Würzburg die Entdeckung machte, daß
-von der von den Strahlen getroffenen Stelle der Crookesschen Röhre
-andere Strahlen ausgehen, die sich wesentlich von den Kathodenstrahlen
-unterscheiden. Röntgen selbst nannte sie _X_-Strahlen, während sie
-sonst nach ihrem Entdecker ~Röntgenstrahlen~ genannt werden.
-
-Diese geheimnisvollen Strahlen sind selbst unsichtbar und geben sich
-nur durch verschiedene Wirkungen zu erkennen: Photographische Platten,
-von ihnen getroffen, werden geschwärzt. Dabei hat sich auch gezeigt,
-daß eine Papierverpackung oder eine Holzkassette der empfindlichen
-Bromsilbergelatine keinen Schutz gegen diese Strahlen bietet; sie
-gehen durch Holz und Papier fast ungeschwächt hindurch; nur dickere
-Metallschichten können sie nicht durchdringen. Im allgemeinen kann man
-annehmen, daß je dichter ein Körper ist, er sich desto undurchlässiger
-für Röntgenstrahlen zeigt. Diese Eigentümlichkeit ist besonders
-wichtig, und wir kommen später noch einmal darauf zurück.
-
-Eine zweite für die Praxis sehr wertvolle Eigenschaft der
-Röntgenstrahlen ist ihre Fähigkeit, Fluoreszenz zu erregen. So leuchtet
-z. B. ~Baryumplatincyanür~, wenn es von den Röntgenstrahlen getroffen
-wird, hell auf.
-
-Wir haben schon oben gesehen, daß die _X_-Strahlen da entstehen, wo
-die Kathodenstrahlen auf die Rohrwand auftreffen. Man hat nun durch
-Versuche gefunden, daß die Röntgenstrahlen überhaupt überall da
-entstehen, wo Kathodenstrahlen auf einen Gegenstand auftreffen.
-
-Da es, wie wir späterhin noch sehen werden, für photographische
-Aufnahmen mit Röntgenstrahlen nicht vorteilhaft ist, wenn die die
-Strahlen aussendende Fläche groß ist, so hat man die Röhren so
-konstruiert, daß die Kathodenstrahlen im Innern der Röhre auf ein
-Platinblech auftreffen. Von diesem Platinbleche gehen sie dann wie von
-~einem~ Punkt kegelförmig aus.
-
-[Illustration: Abb. 188. Röntgenröhren.]
-
-Abb. 188 zeigt eine der gangbarsten Formen der Röntgenröhren. In der
-Mitte des kugeligen Teiles der Röhre befindet sich das Platinblech,
-das, von den Kathodenstrahlen getroffen, die Röntgenstrahlen aussendet
-und als ~Antikathode~ bezeichnet wird. Diesem gegenüber (rechts) steht
-die Kathode, und in dem dritten Ansatz ist die Anode, die durch einen
-Draht mit der Antikathode verbunden ist.
-
-Nach diesen theoretischen Ausführungen ging Rudi dazu über, eine
-größere Anzahl von Experimenten mit der Röntgenröhre vorzuführen.
-Er bediente sich dabei des Funkeninduktors, da dieser besonders
-für diese Versuche geeigneter ist. Für solche, die keinen größeren
-Induktor, aber eine gute Influenzmaschine besitzen, sei gesagt,
-daß für photographische Aufnahmen die Maschine ~mit~ Leidener
-Flaschen verwendet werden kann. Will man dagegen ein Schattenbild
-auf dem Fluoreszenzschirm erzeugen, so kann man die Kondensatoren
-nicht gebrauchen, da das Bild dann derartig flimmert, daß die
-Augen schmerzen. Die besten Bilder erzielt man, wenn man vor jeder
-Elektrode der Röhre eine Funkenstrecke einschaltet, deren günstigste
-Größe man durch Probieren herausfinden muß. Abb. 189 zeigt eine
-durch Funkenstrecken mit der Influenzelektrisiermaschine verbundene
-Röntgenröhre. Die viereckigen Rähmchen, zwischen denen sich die Kugeln
-befinden, müssen natürlich aus einem isolierenden Material, etwa aus
-Hartgummi bestehen.
-
-Rudi hatte versucht, sich den Fluoreszenzschirm selbst herzustellen,
-indem er Kreide, Kochsalz und wolframsaures Natron zu gleichen
-Teilen innig mengte und die Mischung dann in einem Tontiegel drei
-Stunden lang mit einem Knallgasgebläse durchglühte. Die beim Erkalten
-zusammengesinterte Masse pulverte er, mengte sie mit einem Bindemittel
-(Gelatine) und strich sie auf einen Karton.
-
-Obwohl Rudi genau nach Vorschrift verfahren war, war seine Mühe hier
-von keinem guten Erfolg gekrönt, so daß er sich gezwungen sah, doch
-noch einen fertigen Fluoreszenzschirm zu kaufen.
-
-[Illustration: Abb. 189. Influenzmaschine und Röntgenröhre nach
-Bonetti.]
-
-Bevor Rudi die Durchleuchtung auf dem Fluoreszenzschirm zeigte,
-machte er ein ~photographisches~ Durchleuchtungsbild der Hand seiner
-Schwester. Er hatte zu diesem Zweck eine photographische Platte von der
-Größe 13 × 18 _cm_ in ein lichtdichtes schwarzes Papier so eingehüllt,
-daß die Schichtseite der Platte nur von ~einer~ Papierlage bedeckt
-war. Die Röhre befestigte er an einem Gestell derart, daß der von der
-Antikathode ausgehende Strahlenkegel senkrecht nach unten wirkte. Dann
-legte er die eingewickelte Platte mit der Schichtseite nach oben unter
-die Röhre in einem Abstand von etwa 30 _cm_ auf den Tisch. Auf die
-Platte legte dann Käthe ihre ausgestreckte Hand, und Rudi schaltete den
-Strom ein. Nach kurzer Zeit -- je nach der Größe der Röhre beträgt die
-Dauer etwa drei bis sechs Minuten -- stellte er die Bestrahlung ab.
-
-[Illustration: Abb. 190. Hand, von Röntgenstrahlen durchleuchtet.]
-
-Während nun Rudi noch einige erklärende Worte sprach, zündete Käthe
-eine Lampe mit rotem Zylinder an und löschte alle übrigen Lichter
-aus -- näheres über die Raumverdunkelung siehe unten. Alle nötigen
-Utensilien zum Entwickeln waren schon gerichtet. In wenigen Minuten, in
-denen Rudi auch noch das Wesentlichste über die photographische Platte
-und ihre Eigenschaften sagte, hatte die eifrige Assistentin das Bild
-fertiggestellt, und während er das äußerlich anhaftende Fixiernatron
-mit Wasser abspülte, machte seine Schwester wieder Licht und reichte
-dann die Platte herum. Man sah ganz deutlich die einzelnen Knochen der
-Hand, da an den unter diesen gelegenen Stellen die Bromsilbergelatine
-nicht geschwärzt, also fast ganz durchsichtig war. Auch die Konturen
-der Fleischteile waren deutlich zu erkennen, und besonders schön konnte
-man den Fingerring sehen.
-
-Die Kopie, das heißt das Positiv einer solchen Aufnahme gibt das Bild
-auf Seite 224 wieder.
-
-Man kann die photographische Platte auch so verpacken, daß man sie in
-der Verpackung, also bei hellem Licht, entwickelt und fixiert. Man
-verfährt dabei folgendermaßen: Aus starkem, englischem, dunkelrotem
-Fließkarton stellt man sich drei flache vierseitige Tüten her, die je
-auf einer Seite offen und so groß sind, daß in die erste eine Platte 13
-× 18 _cm_ eingeschoben werden kann, die zweite Tüte muß sich wiederum
-über die erste und die dritte schließlich über die zweite stülpen
-lassen. Hat man beim Einlegen der Platte die Öffnung der Tüte links,
-so muß die der zweiten rechts und die der dritten wieder links sein.
-Die Platte wird natürlich in der Dunkelkammer in die Papierhüllen
-gebracht und dann in eine lichtdichte Schachtel gelegt, der man sie
-erst kurz vor Gebrauch entnimmt. Nach der Exposition wird sie samt
-ihren Papierhüllen erst 1 bis 2 Minuten in Wasser gelegt, wobei man
-durch Streichen und leichtes Drücken die Luft aus den Hüllen zu
-entfernen sucht. Dann wird die äußerste der drei Hüllen unter Wasser
-entfernt und die jetzt nur noch von zwei Hüllen umschlossene Platte
-in einen ziemlich starken Entwickler mit ein wenig Bromkalium gelegt.
-Nach etwa 5 bis 10 Minuten (je nach Expositionsdauer, Platten- und
-Entwicklersorte) ist die Entwicklung beendet; dann kommt die Platte,
-immer noch eingehüllt, 5 Minuten in Wasser und darauf 15 bis 20 Minuten
-in ~frisches~, starkes Fixierbad. Nunmehr kann sie ihren Hüllen
-entnommen und bei Tageslicht betrachtet werden.
-
-Zum Schlusse wollte Rudi noch jedem einzelnen seiner Hörer ein
-Durchleuchtungsbild auf dem Fluoreszenzschirm zeigen. Er stellte
-deshalb die Röhre so am vorderen Rande des Experimentiertisches auf,
-daß die Strahlen schief nach oben und vorne fielen. Darauf zeigte
-er, bevor er den Raum verdunkeln ließ, wie der zu durchleuchtende
-Gegenstand und der Fluoreszenzschirm zu halten sind, und erklärte
-dabei die Wirkungsweise des letzteren etwa folgendermaßen: Wie
-wir vorhin schon gehört haben, ist Baryumplatincyanür ein Stoff,
-der in hohem Grade die Eigenschaft besitzt, von Röntgenstrahlen
-zur Fluoreszenz gebracht zu werden, das heißt er leuchtet an den
-bestrahlten Stellen, je nach der Stärke der Bestrahlung mehr oder
-weniger hell auf. Dieser Stoff wird auf einem schwarzen Karton
-gleichmäßig verteilt. Bringt man zwischen die Röntgenröhre und den
-Schirm, dessen fluoreszierende Seite natürlich von der Röhre ab-, dem
-Auge zugewandt sein muß, einen Gegenstand, z. B. einen Geldbeutel, oder
-ein Reißzeug, eine Hand, einen Arm, einen Regenschirm, so wird man
-jeweils von den dichtesten Teilen, im Beutel also von den Geldstücken,
-in der Hand von den Knochen usw., die schwarzen Silhouetten sich
-deutlich von der helleren Umgebung abheben sehen.
-
-Endlich wies Rudi noch auf den für einfache Verhältnisse ziemlich hohen
-Preis der Röntgenröhren und der Fluoreszenzschirme hin und bat seine
-Hörer, in dem dunklen Zimmer nicht zu drängen.
-
-Daß diese Bitte nicht unbegründet war, bewies ein kleiner Unfall, der
-trotz der Mahnung eintrat.
-
-Die meisten Anwesenden hatten schon das Geld in ihrem Beutel, ohne ihn
-zu öffnen, gezählt, oder ihr Handskelett oft nicht ohne ein heimliches
-Grausen bewundert, als eben eine Freundin Käthes, die von den Apparaten
-zurücktrat, dabei an eine hinter ihr stehende Person stieß, ausglitt
-und mit der unwillkürlich nach einem Halt ausgestreckten Hand gerade
-die eine Elektrode des Funkeninduktors ergriff. Mehr erschrocken als
-vor Schmerz fuhr sie, nach Mädchenart laut aufschreiend, zurück und
-fiel zu Boden; dabei riß sie die Röntgenröhre samt ihrem Träger mit.
-Weiteres Unheil wurde durch die geistesgegenwärtige und gewandte
-Handlungsweise Käthes verhindert, die trotz der völligen Finsternis
-sofort an dem unten beschriebenen Beleuchtungsmechanismus war und Licht
-machte. Jetzt war die Ordnung gleich wiederhergestellt. Niemand hatte
-Schaden gelitten, auch die Röhre nicht, da sie an den Drähten hängen
-geblieben und deshalb nicht zu Boden gestürzt war.
-
-Um nun bei den Personen, die noch nicht an der Reihe waren, einen
-ähnlichen Fall zu verhindern, stellte Rudi einen kleinen Tisch so vor
-den Experimentiertisch, daß jeweils nur ~eine~ Person an die Apparate
-herantreten konnte. --
-
-Ich will nun noch anführen, was für einen Beleuchtungsmechanismus Rudi
-für diesen Vortrag konstruiert hatte. Der Raum mußte nämlich, um die
-zarten Lichter in den Geißlerschen Röhren möglichst sichtbar zu machen,
-öfters verdunkelt werden. Da Rudi kein elektrisches Licht zur Verfügung
-hatte, mußte er das Gaslicht so einrichten, daß er es ohne Umstände
-öffnen und schließen konnte.
-
-In der Mitte des Zimmers hing ein Kronleuchter mit einem mittleren und
-vier äußeren Brennern. Den mittleren benutzte er nicht. Es handelte
-sich also darum, ohne zwischen die unter den Lampen sitzenden Leute
-treten zu müssen, das Licht anzünden und löschen zu können. Zur
-Entzündung des Gases verwendete Rudi die bekannten „~Selbstzünder~“.
-Sie haben für Auerbrenner die Form von Staubhütchen und bergen in sich
-Platinschwamm, an dem sich das Gas entzündet. ~Um einem Versagen dieser
-Selbstzünder vorzubeugen, hatte er sie vorher über einem Bunsenbrenner
-vorgeglüht.~
-
-Um die vier Gashähne von der Wand aus hinter seinem Tisch öffnen und
-schließen zu können, befestigte er an jedem einen Hebel aus dickem
-Draht mit einem kleinen Bleigewicht derart, daß das Gewicht den Hahn
-zuzog. Ferner befestigte er an jedem Hebel einen Bindfaden, den er
-durch einen nahe der Decke an der Gasleitung befestigten Porzellanring
-zog. Die vier Fadenenden verband er mit einer Schnur, die er an der
-Decke entlangführte, bis an die Wand, wo er sie wieder durch einen
-Porzellanring steckte und dann gerade herunterhängen ließ. Hing die
-Schnur lose, so war kein Licht; wurde sie angezogen, so öffneten sich
-die Hähne, und es wurde hell. Die Schnur konnte mit einer Öse in einen
-Nagel an der Wand eingehängt werden.
-
-Um bei den Versuchen mit Röntgenstrahlen nicht immer die Nacht
-abwarten, oder ein Zimmer verdunkeln zu müssen, kann man sich um den
-fluoreszierenden Karton herum einen Schirm legen, der die leuchtende
-Fläche und die Augen vor Tageslicht schützt. Abb. 191 zeigt diesen
-Apparat im Schnitt. _a_ ist der Fluoreszenzschirm, der in die Nute
-_b_ des Rahmens _c_ eingeschoben werden kann. An diesem Rahmen ist
-ein Tuchsack _d_ aus schwarzem, möglichst dichtem Tuch angeleimt. Der
-Sack wird nach oben etwas enger und ist an dem Rahmen _e_ befestigt.
-An letzterem sind zwei bogenförmig ausgeschnittene Kartonstücke
-angebracht; _f₁_ (ausgezogen) soll sich der Wölbung der Stirne über
-den Augen anschließen; _f₂_ (punktiert) hat einen Ausschnitt für
-die Nase. Um den Lichtabschluß möglichst vollkommen zu machen, sind
-diese Kartonstücke mit langhaarigem Samt überzogen. _g_ ist ein
-Handgriff, und _h_ sind zwei Strebehölzer, die die beiden Holzrahmen
-auseinanderhalten; sie sind abnehmbar, so daß man den ganzen Apparat
-auch zusammenlegen kann.
-
-[Illustration: Abb. 191. Schnitt durch den Lichtschutzschirm.]
-
-Zum Gebrauche wird der Baryumplatincyanürschirm (_a_) mit der
-fluoreszierenden Seite nach innen in den Rahmen eingeschoben. Dann läßt
-man die Röntgenstrahlen von vorne oder von unten auf die Rückseite des
-Schirmes, vor die man z. B. seine Hand hält, auffallen und nicht durch
-die obere Öffnung in den Apparat hinein.
-
-Zum Schlusse sprach Rudi noch einige Worte über die Verwendung der
-Röntgenstrahlen in der Medizin. Er sagte: Die erste Verwendung der
-Röntgenstrahlen in der Medizin lag sehr nahe; mit ihnen war den
-Chirurgen ein Mittel an die Hand gegeben, vor operativen Eingriffen
-sich von der Lage eines Fremdkörpers oder der Natur einer Fraktur
-zu überzeugen. Ferner können Veränderungen im Knochengewebe, wie
-solche z. B. bei Tuberkulose vorkommen, auf Radiogrammen, das sind
-Photographien mit Röntgenstrahlen, sehr leicht erkannt werden. Ein ganz
-neuer Zweig tat sich auf, als man entdeckte, daß die Röntgenstrahlen
-auch auf das Gewebe des organischen Körpers verändernd einwirken. Wird
-die Haut des menschlichen Körpers lange intensiv bestrahlt, so tritt
-Entzündung der betreffenden Stelle ein und es entstehen schwer heilende
-Wunden. Auch beim Arbeiten mit kleinen und schwachen Röntgenröhren ist
-einige Vorsicht geboten; man soll sich nie unnötig lang den Strahlen
-aussetzen und vor allem die Augen mit großen Schutzbrillen aus Bleiglas
-schonen. Beim Experimentieren blende man mit dünnem Bleiblech oder
-dicken Stanniolblättern die Röhre so ab, daß die Röntgenstrahlen nur an
-ihren Bestimmungsort gelangen.
-
-[Sidenote: Kritik.]
-
-Auch nach diesem Vortrage fehlte die Kritik von Rudis Onkel nicht.
-„Ich hätte“, meinte der Onkel, „noch etwa folgendes angeführt: Wie
-bekannt, ist es in letzter Zeit gelungen, aus gewissen Mineralien
-Stoffe zu isolieren, die die merkwürdige Eigenschaft haben, Strahlen
-auszusenden, die in ihren Wirkungen denjenigen Strahlen gleich sind,
-die in der Vakuumröhre beim Durchgang der Elektrizität entstehen. Man
-hat drei verschiedene Arten der Strahlen unterschieden, die immer alle
-drei von den aktiven Stoffen -- der bekannteste ist das Radium --
-ausgesandt werden. Die Unterschiede sind bedingt durch die Quantität,
-das Durchdringungsvermögen und durch die Beeinflussung des Magneten.
-Man bezeichnet die verschiedenen Arten mit α-, β- und γ-Strahlen.
-Die α-Strahlen sind die quantitativ vorherrschenden; sie haben ein
-geringes Durchdringungsvermögen und werden vom Magneten nur wenig
-beeinflußt. Die β-Strahlen werden stark vom Magneten abgelenkt und
-dringen tiefer in die Materie ein als die α-Strahlen. Die γ-Strahlen
-endlich haben die geringste magnetische Ablenkbarkeit und das größte
-Durchdringungsvermögen. Ganz analoge Unterschiede bestehen zwischen den
-unter verschiedenen Umständen entstandenen Strahlen der evakuierten
-Entladungsröhren. Man kann u. a. auch mit radiumhaltigen Stoffen
-Durchleuchtungsphotographien machen. Erwähnt sei endlich noch, daß in
-der Umgebung radiumhaltiger Stoffe die Luft leitend wird, so daß z. B.
-die statischen Ladungen isoliert aufgestellter Körper durch die Luft
-zur Erde abgeleitet werden.“
-
-
- [6] ~Argandbrenner~ sind Gasrundbrenner mit Zylinder.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Sechster Vortrag.
-
-Elektrische Schwingungen.
-
-
- „Werte Zuhörer!
-
-In meinem letzten Vortrage haben Sie von den rätselhaften Vorgängen
-gehört, die sich beim Durchgang der Elektrizität durch verdünnte Gase
-abspielen. Heute will ich Ihnen einige Erscheinungen vorführen, die
-auf den Laien gewöhnlich einen noch wunderbareren Eindruck machen, für
-die der Physiker aber verhältnismäßig leicht ungezwungene Erklärungen
-gefunden hat. Es handelt sich heute um ~elektrische Schwingungen~.
-
-Lassen Sie mich jedoch zuerst einige Worte über das verlieren, was man
-in der Physik unter Erklärung versteht!
-
-Hebe ich einen Stein in die Höhe und lasse ihn dann los, so fällt er zu
-Boden. Den meisten Menschen ist dies etwas völlig Selbstverständliches,
-und sie fragen gar nicht danach, ~warum~ der Stein fällt. Selbst
-Galilei, der die Fallgesetze entdeckt hat, der sich jahrelang mit
-fallenden Steinen experimentell beschäftigt hat, dachte nicht daran zu
-fragen, ~warum~ die Steine fallen.
-
-Erst der große Newton kam, als er -- so erzählt man -- einen Apfel vom
-Baume fallen sah, auf die bedeutungsvolle Frage: ~Warum?~, eine Frage,
-die in der Philosophie schon vor Jahrtausenden von den Gelehrten der
-alten Kulturvölker aufgeworfen, die aber für naturwissenschaftliche
-Ereignisse im engeren Sinne vor noch nicht 250 Jahren zum ersten Male
-gestellt wurde.
-
-Wenn Newton auch keine Antwort auf dieses ‚~Warum?~‘ fand, so ward
-ihm doch klar, daß diese geheimnisvolle Tatsache des fallenden
-Steines ~selbst~ die Antwort sei auf die Frage nach der Ursache
-von tausend anderen Naturereignissen. Ja, nach dem jetzigen Stande
-der Wissenschaften will es sogar den Anschein haben, daß wir
-überhaupt alle Naturerscheinungen mit diesem Gesetz der ~Schwere~,
-dem ~Gravitationsgesetz~, dem in erster Linie der fallende Stein
-unterliegt, erklären können. Ich sage ~alle~ Naturerscheinungen, nicht
-nur etwa die mechanischen, nein, auch die akustischen, die optischen,
-die elektrischen, die chemischen, die Erscheinungen des organischen und
-sogar des ~geistigen~ Lebens[7].
-
-Man sagt kurz, alle Naturereignisse können mit dem Gesetz der Schwere
-~erklärt~ werden. Wenn ich also z. B. frage: Warum dreht sich die Erde
-um die Sonne, und ich behaupte, weil ihre Masse dem Gravitationsgesetz
-unterliegt, kurz, weil sie schwer ist -- genauere Ausführungen hierüber
-würden zu weit führen --, so habe ich nur ~scheinbar~ eine Erklärung
-der Bewegung abgegeben, weil das Mittel, mit dem ich erklärt habe,
-selbst noch ein Rätsel ist. Und so, wie es bei diesem Beispiel ist, ist
-es mit allen Dingen unseres Erkennens; wir mögen forschen und suchen,
-so lange wir wollen, wir mögen noch so viel entdecken, zuletzt bleibt
-immer ein großes Fragezeichen stehen.
-
-Aber wenn man nichts erklären kann, was bedeutet denn dann das Wort
-~erklären~? Es bedeutet so viel wie ~vergleichen~. Ich vergleiche
-die Gesetze, nach denen der Stein fällt, mit denen, nach welchen die
-Himmelskörper sich bewegen, und finde, daß sie ähnlich oder gleich
-sind, oder daß sie in bestimmten Beziehungen zueinander stehen.
-
-Wenn ich jetzt die Erscheinungen der elektrischen Schwingungen zu
-~erklären~ versuche, so vergleiche ich die Vorgänge mit Erscheinungen,
-die uns aus dem alltäglichen Leben geläufig sind. So habe ich früher
-schon z. B. den elektrischen Strom im Drahte mit dem Wasserstrom in
-einer Leitung verglichen[7].
-
-Doch nun zur Sache!
-
-Sie wissen, daß man einen elektrischen Strom transformieren kann, das
-heißt, daß man einen starken Strom mit geringer Spannung in einen
-schwachen Strom mit hoher Spannung umwandeln kann. Die Konstruktion und
-Wirkungsweise der Transformatoren, der Induktionsapparate haben Sie in
-meinem vorletzten Vortrage kennen gelernt.
-
-Es wird Ihnen noch erinnerlich sein, daß wir von den Funkeninduktoren
-eine umso größere Wirkung erhoffen durften, je plötzlicher wir
-den induzierenden Strom unterbrachen. Ich habe seinerzeit als
-den wirksamsten Unterbrecher den von Wehnelt, der bis zu 2000
-Unterbrechungen in der Sekunde macht, erwähnt. Tatsächlich haben
-wir aber in einem Ihnen wohl vom ersten Vortrag her noch bekannten
-Apparat, in der Leidener Flasche ein Mittel, das uns erlaubt, durch
-den Induktionsapparat einen Strom zu senden, der in der Sekunde seine
-Richtung einige Millionenmal wechselt.
-
-Um diese Erscheinung zu erklären, muß ich auf die Natur der
-elektrischen Funkenentladungen im allgemeinen näher eingehen.“
-
-So weit vorläufig sei Rudis Vortrag wörtlich angeführt. Im folgenden
-wollen wir den Inhalt seiner Erklärungen und Experimente rein sachlich
-wiedergeben.
-
-[Sidenote: Elektrische Oszillation.]
-
-Wenn wir eine Leidener Flasche durch einen Funken entladen, so gleichen
-sich nicht etwa die entgegengesetzten Elektrizitäten der beiden Beläge
-einfach aus, sondern die Entladung geht recht umständlich vor sich.
-Während der Strom im ersten Augenblicke vom inneren zum äußeren Belege
-fließt, geht er im zweiten Augenblick in umgekehrter Richtung, im
-dritten wieder in der ursprünglichen und so fort, etwa 10- bis 20mal
-während der Dauer eines ungefähr ¹⁄₈₀₀₀₀ Sekunde andauernden Funkens,
-eine Entdeckung, die man dem Physiker Feddersen zu Leipzig verdankt.
-
-[Illustration: Abb. 192. _U_-Röhre zur Versinnlichung elektrischer
-Oszillation.]
-
-Dieses Hin- und Hergehen der Ladungen kann man durch ein einfaches
-Experiment leicht versinnlichen. Man füllt die beiden Schenkel einer 1
-bis 2 _cm_ weiten, _U_-förmig gebogenen Glasröhre bis zur Hälfte mit
-irgend einer farbigen Flüssigkeit (Abb. 192). Darauf stellt man die
-Röhre schief, so daß sich der eine Schenkel ganz füllt, während der
-andere leer wird, verschließt den gefüllten Schenkel mit dem Daumen und
-richtet dann die _U_-Röhre wieder auf. Nun soll der von der Flüssigkeit
-ausgefüllte Schenkel -- es sei der rechte -- die positive Ladung des
-einen Belages einer Leidener Flasche darstellen, der leere die negative
-Ladung des anderen Belages. Läßt man dann den Daumen los, so fließt die
-Flüssigkeit nicht etwa langsam zurück, bis sie auf beiden Seiten gleich
-hoch steht, wie bei dem Beispiel auf Seite 49, sondern sie schießt in
-dem linken Schenkel ~beinahe~ ebenso hoch in die Höhe, als sie zuerst
-im rechten war. Dann geht sie wieder zurück und so fort, bis sie erst
-nach einiger Zeit zur Ruhe kommt. In ähnlicher Weise, nur in viel
-kürzerer Zeit, schwanken die Ladungen der beiden Beläge einer Leidener
-Flasche hin und her.
-
-[Sidenote: Der Drehspiegel.]
-
-Rudi führte auch vor, wie man diese Tatsache nachgewiesen hat.
-Er hatte sich einen sogenannten Drehspiegel hergestellt; das ist
-eine Kombination von drei oder vier Spiegeln, die zu einem Prisma
-zusammengestellt und so montiert sind, daß sie sehr rasch um ihre
-Längsachse gedreht werden können.
-
-[Illustration: Abb. 193. Der Drehspiegel.]
-
-Rudi stellte sich diesen Drehspiegel folgendermaßen her: Er ließ
-sich von einem Glaser drei belegte Spiegelscheiben schneiden,
-jede 15 _cm_ lang und 9 _cm_ breit. Diese Scheiben klebte er mit
-Kolophonium-Wachskitt (Seite 79) auf ein aus Brettchen gefertigtes
-dreiseitiges Prisma so auf, daß die ~langen~ Seiten der Spiegel die
-Längskanten des Prismas bildeten. Das Aufkitten mußte sorgfältig
-geschehen und es durfte mit dem Kolophonium dabei nicht zu sparsam
-umgegangen werden, da die Scheiben, um nicht von der Zentrifugalkraft
-abgeschleudert zu werden, sehr fest sitzen müssen. Oben und unten
-wickelte Rudi über sie je einige Lagen Schnur und überstrich diese mit
-Tischlerleim. Die übrige Anordnung und die Vorrichtung zum Drehen geht
-wohl hinreichend deutlich aus der Abb. 193 hervor. Es sei nur noch
-erwähnt, daß die Achse des Spiegelprismas nicht zu schwach (mindestens
-8 _mm_ stark) gemacht werden durfte und ~ganz genau zentral~ sein
-mußte. Zum Antriebe verwendete Rudi das Übersetzungsrad der in Abb.
-134 (Seite 160) dargestellten Maschine. Die stets gut zu ölenden Lager
-wurden in der üblichen Weise (Seite 22) hergestellt.
-
-Den Versuch führte Rudi folgendermaßen aus: Er stellte so, wie das aus
-der Abbildung zu erkennen ist, eine Leidener Flasche (Seite 46 u. f.)
-dem Spiegel gegenüber auf. Um den äußeren Belag der Flasche legte er
-einen Blechstreifen, an dem ein 2 _mm_ starker Kupferdraht angelötet
-war; letzterer endete in eine kleine Messingkugel, die der durch eine
-Messingstange mit dem inneren Belag verbundenen gegenüber stand. Die
-Flasche wurde im mäßig verdunkelten Raum mit einem Funkeninduktor
-geladen, so daß ein kontinuierlicher Funkenstrom zwischen den Kugeln
-übersprang. Während nun Käthe den Funkeninduktor bediente, drehte
-Rudi den Spiegel und wies seine Hörer darauf hin, das Spiegelbild des
-Funkens zu betrachten. Dieses sah nicht, wie die meisten erwarteten,
-ebenso aus, wie der Funke selbst, sondern bei der Entladung sah man
-in dem Spiegel einen Lichtstreifen, der aber nicht zusammenhängend,
-sondern unterbrochen war; der Funke erschien im Spiegel als eine Reihe
-heller Punkte. Bevor Rudi diese Erscheinung näher erklärte, stellte
-er an Stelle der Leidener Flasche eine brennende Kerze auf, deren
-Spiegelbild beim Rotieren des Apparates zu einem kontinuierlichen
-Lichtband ausgezogen wurde.
-
-„Was beweist dieser Versuch?“ begann unser junger Dozent die
-Erläuterung. „Sie wissen, daß ein Lichtstrahl von einem Spiegel
-unter demselben Winkel zurückgeworfen wird, in dem er auffällt; in
-der gleichen Weise, wie ein Ball, der schief gegen die Wand geworfen
-wird, eben so schief, aber nach der anderen Seite, zurückprallt. Wenn
-die Lichtstrahlen der Kerzenflamme den ~ruhenden~ Spiegel treffen, so
-wird man ein unverändertes Bild sehen; dreht sich aber der Spiegel,
-so fallen die Lichtstrahlen in jedem Augenblick in einem anderen
-Winkel auf die reflektierende Fläche, werden deshalb auch in anderer
-Richtung zurückgeworfen. Die Folge davon ist, daß wir einen breiten
-zusammenhängenden Lichtstreifen sehen. Ist nun aber das Lichtband nicht
-zusammenhängend, sondern unterbrochen, so ist das ein Beweis dafür,
-daß die Lichtquelle nicht fortdauernd Licht aussendet. Dies Schwanken
-des Lichtes des elektrischen Funkens können wir mit unseren Augen
-deshalb nicht unmittelbar erkennen, weil jeder Lichteindruck länger
-empfunden wird, als er in Wirklichkeit andauert. Deshalb sehen wir
-auch die hellen Punkte des Lichtbandes gleichzeitig auftreten, während
-der folgende tatsächlich erst dann erscheint, wenn der vorausgegangene
-verschwunden ist[8].
-
-Diese Art einer elektrischen Entladung nennt man eine ~oszillierende~
-Entladung und den dabei die Leiter durchfließenden Strom einen
-Wechselstrom ~hoher Frequenz~.
-
-Der Physiker Hertz hat nachgewiesen, daß von einem geladenen
-Leitersystem, das sich durch einen oszillierenden Funken ausgleicht,
-~Wellen~ ausgingen, die selbst zwar unsichtbar waren, aber sich
-nach denselben Gesetzen fortpflanzen wie die Lichtstrahlen, deren
-Wellennatur zuerst von ~Newton~ geahnt, später von Maxwell erkannt und
-in bestimmte Gesetze formuliert wurde.
-
-Die Versuche, die beweisen, daß sich von einem oszillierenden Funken
-aus elektrische Wellen in den Raum ausbreiten, will ich nun hier
-vorführen. Ich muß jedoch vorher noch auf ein von Hertz angestelltes
-Experiment hinweisen, das ich leider nicht vorführen kann, da es mir
-trotz vieler Versuche infolge unzureichender Hilfsmittel nie gelang.
-
-Hertz konstruierte einen Apparat, den Sie im Schema auf der Tafel hier
-aufgezeichnet sehen. (Käthe hängte eine Tafel auf, deren Zeichnung
-Abb. 194 wiedergibt, und zeigte die von Rudi genannten Teile.) Mit _J_
-ist der Funkeninduktor bezeichnet, dessen sekundäre Pole durch eine
-Funkenstrecke _F_ miteinander verbunden sind. Von dieser Funkenstrecke
-sind nach beiden Seiten hin die Drähte _L_ gespannt, die in Kugeln
-enden. Wurde der Funkeninduktor in Tätigkeit gesetzt, so ging bei _F._
-ein Funkenstrom über und von den mit _F._ verbundenen Drähten gingen
-elektrische Wellen aus, die im stande waren, in dem fast zu einem Kreis
-geschlossenen Leiter _A_ Ströme hervorzurufen. Diese äußerten sich
-durch Entstehen von kleinen Fünkchen bei _F′_.
-
-[Illustration: Abb. 194. Schema des Hertzschen Wellenversuches.]
-
-[Illustration: Abb. 195. Der Fritter (Schema).]
-
-[Sidenote: Der Fritter.]
-
-Aber gerade in der Kleinheit dieser Fünkchen liegt die Schwierigkeit
-der Versuche. Ich bediene mich deshalb im folgenden eines Apparates,
-der von Branly erfunden wurde, des sogenannten ~Fritters~ oder
-~Kohärers~. Sie sehen auf der zweiten Tafel das Schema eines Kohärers
-aufgezeichnet. (Hier hielt Käthe eine Tafel vor, auf der die in Abb.
-195 wiedergegebene Zeichnung zu sehen war.) In einer Glasröhre befinden
-sich zwei Metallkolben, zwischen denen sich feine Metallfeilspäne
-befinden. Da der Kontakt der losen Feilspäne sehr schlecht ist, so
-bietet eine derartige Röhre dem Strom eines galvanischen Elementes
-einen fast unüberwindlichen Widerstand. Wenn wir also diese Röhre, den
-Fritter, mit einem Galvanoskop _G_ in den Stromkreis eines Elements
-_E_ schalten, so zeigt das Galvanoskop auf Stromlosigkeit. Wird aber
-der Fritter von elektrischen Wellen getroffen, so sinkt der Widerstand
-der Feilspäne sofort bis auf ein ganz geringes Maß, und die Nadel des
-Galvanoskopes schlägt kräftig aus. Diesen Versuch kann ich Ihnen hier
-vorführen.“
-
-[Illustration: Abb. 196. Der Fritter.]
-
-[Illustration: Abb. 197. Zum Fritter.]
-
-Rudi führte den Versuch hierauf mit einem selbstgefertigten Fritter
-aus, dessen Konstruktion hier beschrieben sei.
-
-An das Ende eines etwa 7 _cm_ langen und 2 _mm_ starken Kupferdrahtes
-(_a_ in Abb. 196 und 197) wird ein etwa 3 _mm_ großes dünnes
-Silberplättchen _b_ gelötet, das man aus einem Silberdraht durch
-Hämmern herstellt. Aus dem Rest des Silberdrahtes, den man sich von
-einem Juwelier beschafft -- es braucht kein reines Silber, sondern kann
-eine geringere Legierung sein --, biegt man den Ring _c_, der etwa
-4 bis 5 _mm_ weit sein soll. Man kann übrigens hierzu statt Silber
-auch ~Nickel~, im Notfall auch ~Zinn~ verwenden. Andere Metalle, wie
-Kupfer oder Eisen, sind nur bei den gröbsten Versuchen verwendbar.
-Jetzt wird ein etwa 5 bis 6 _mm_ dicker Kork (_k_) in der Mitte
-durchbohrt, und der Draht _a_ wird so hindurchgesteckt, wie dies
-aus den Abbildungen hervorgeht. Seitlich erhält der Kork eine Rinne
-zur Aufnahme des Drahtes _c_. Diese Teile werden so in eine passend
-weite Glasröhre (_Gl_) eingesteckt, daß _b_ konzentrisch in _c_
-liegt; beide Teile sollen in derselben Höhe auf dem oberen Korkrand
-aufliegen. Kork und Glas werden noch mit heißem Siegellack abgedichtet.
-Wie dieser Apparat auf einem Grundbrett angebracht wird, geht aus
-der Figur hinreichend deutlich hervor. Die Klemmschrauben seien
-mit zwei übereinanderliegenden, zueinander rechtwinkelig stehenden
-Bohrungen versehen. Die Feilspäne stellen wir uns durch Befeilen
-eines Fünfpfennigstückes -- Nickel -- so her, daß gröbere und feinere
-Feilspäne entstehen. Je mehr Späne in das Röhrchen eingefüllt werden,
-um so empfindlicher ist der Apparat. Für die meisten Versuche genügt
-eine etwa 2 _mm_ hohe Lage von Feilspänen.
-
-Zur Vorführung des ersten Experimentes schaltete Rudi den Fritter
-mit dem Vertikalgalvanoskop (Seite 91 u. f.) in den Stromkreis eines
-Elementes und ließ dann etwa 50 _cm_ von dem Fritter entfernt aus einem
-Elektrophordeckel (Seite 5) ein Fünkchen in seinen Finger überspringen.
-In demselben Augenblick zeigte das Galvanoskop einen starken Strom an.
-
-Die Erklärung für diese Erscheinung lautet folgendermaßen: Wird der
-Fritter von elektrischen Wellen getroffen, wie sie immer von einem
-elektrischen Funken ausgehen, so treten zwischen den einzelnen einander
-nur lose berührenden Feilspänen kleine Fünkchen auf -- aus demselben
-Grunde, weshalb bei dem Hertzschen Versuch bei _F′_ in Abb. 194
-Fünkchen auftreten --, die die kleinen Metallkörnchen gewissermaßen
-zusammenschweißen, welcher Umstand dann das Herabsinken des Widerstands
-zur Folge hat. Diese Erklärung ist einfach und bei oberflächlicher
-Betrachtung sehr einleuchtend, wird aber aus verschiedenen Gründen, auf
-die ich hier nicht näher eingehen kann, stark angegriffen.
-
-Wird der leitende Fritter, nachdem er von elektrischen Wellen getroffen
-wurde, erschüttert, so werden dadurch die verschweißten Feilspäne
-wieder voneinander getrennt. Das Galvanoskop wird deshalb zurückgehen
-und wieder Stromlosigkeit anzeigen, sobald man den Fritter z. B. mit
-einem Holzstäbchen anschlägt.
-
-„Mit diesem Fritter“, erklärte Rudi weiter, „haben wir nun ein
-empfindliches Reagens auf elektrische Wellen. Mit der Erfindung dieses
-Apparates war auch der erste Schritt getan zur praktischen Verwendung
-dieser geheimnisvollen Kraft, zur sogenannten ~drahtlosen Telegraphie~
-oder ~Funkentelegraphie~. Letztere Bezeichnung ist die bessere, da man
-kaum zu anderen Apparaten so viel ~Draht~ braucht, als gerade zu denen
-der ~drahtlosen~ Telegraphie.
-
-Bevor ich jedoch die Funkentelegraphie bespreche, möchte ich einige
-Versuche vorführen, die geeignet sind, Sie über das Wesen der
-elektrischen Wellen aufzuklären.
-
-Wir können die elektrischen Wellen in vielen ihrer Erscheinungsformen
-ungezwungen mit entsprechenden Erscheinungen der Luftwellen
-vergleichen. Man nimmt deshalb auch an, daß es ein Medium gebe, das
-sich zur Elektrizität ebenso verhält, wie die Luft zum Schall. Der
-Schall ist eine Wellenbewegung der Luft; wo keine Luft ist, kann auch
-kein Schall sein. Den Schall erzeuge ich dadurch, daß ich die Luft
-in rhythmische Schwingungen versetze, etwa durch Anschlagen einer
-Stimmgabel, einer Saite u. s. w. Das Medium nun, in dem sich die
-Elektrizität und das Licht fortpflanzt, ist für keinen unserer Sinne
-wahrnehmbar; man hat ihm den Namen Äther gegeben. Der Äther muß eine
-ungemein leichte, alle Stoffe durchdringende und den ganzen Weltenraum
-erfüllende Substanz sein. Wie ähnlich die elektrischen Schwingungen
-einerseits analogen Erscheinungen beim Licht, anderseits beim Schall
-sind, will ich Ihnen durch einige Experimente beweisen.“
-
-Bevor wir nun Rudis weitere Erklärungen wiedergeben, wollen wir zuerst
-wieder die Herstellung der Apparate beschreiben, die Rudi zu seinen
-Demonstrationen gebrauchte.
-
-[Sidenote: Die Resonanz.]
-
-Das erste hierhergehörige Experiment Rudis zeigte die elektrische
-~Resonanz~. Zum Vergleich mit den analogen Erscheinungen des
-Schalles führte er zuerst die akustische Resonanz vor. Er hatte zwei
-Stimmgabeln, die auf kleinen Resonanzkästchen befestigt waren und von
-denen die eine durch einen verstellbaren Gleitschuh auf verschiedene
-Töne abgestimmt werden konnte. Er stellte die beiden Stimmgabeln, die
-in der Tonhöhe um eine Terz differierten, so auf, daß sich die offenen
-Seiten der beiden Resonanzkästchen in einem Abstand von etwa 20 _cm_
-gegenüberstanden. Rudi schlug zuerst beide Gabeln kurz nacheinander
-mit einem Holzhämmerchen an, so daß man die Tondifferenz hören konnte;
-dann schlug er eine allein an[9], ließ sie ein paar Sekunden tönen und
-brachte sie dann durch Umfassen mit der Hand zum Schweigen. Letzteres
-wiederholte er noch zweimal und forderte seine Zuhörer auf, genau
-aufzumerken. Dann stimmte er die eine Gabel durch Verstellen des
-Gleitschuhes genau auf die andere ab und schlug beide nacheinander kurz
-an, so daß man die Tongleichheit erkennen konnte. Darauf versetzte
-er wieder eine allein in Schwingung und umfaßte sie nach ein paar
-Sekunden, wie zuerst mit der Hand; trotzdem hörte man den Ton noch ganz
-deutlich weiter klingen. Bevor jedoch der Ton von selbst verklungen
-war, berührte er auch die zweite Gabel, und sofort war nichts mehr zu
-hören. Auch diesen Versuch wiederholte Rudi noch ein paarmal.
-
-Diese Experimente führte Rudi aus ohne ein Wort dazu zu sprechen,
-von kurzen Aufforderungen zum Aufmerken abgesehen. Ebenso schweigend
-verhielt er sich bei dem folgenden Versuch, der die entsprechende
-elektrische Erscheinung vorführte.
-
-Für diesen Versuch sind zwei ~möglichst gleiche~ Leidener Flaschen
-nötig. Rudi hatte dazu zwei zylindrische Gläser verwendet (siehe Seite
-46 u. f.), die 30 _cm_ hoch waren und nahe 15 _cm_ im Durchmesser
-hatten. (Je kleiner die Flaschen sind, umso schwerer gelingt der
-Versuch!) Jede der Flaschen erhielt einen um ihren äußeren Belag
-gelegten Blechstreifen (_B_ in Abb. 198 und 199), an dem bei der einen
-Flasche (Abb. 198) ein gerader, etwa 2 _mm_ starker und 30 _cm_ langer
-Draht (_D₂_) angelötet war; bei der anderen Flasche war ein ebensolcher
-Draht (_D_) in der aus Abb. 199 ersichtlichen Form gebogen, an seinem
-Ende mit einer Kugel versehen und durch den Träger _T_ gestützt,
-der aus Glas, Hartgummi oder Vulkanfiber hergestellt war, auf dem
-Flaschenrand aufsaß und mit Schellackkitt (s. S. 5 u. 79) angekittet
-war. Dem Knopf der ersten Leidener Flasche gegenüber war, wie Abb.
-198 zeigt, ebenfalls ein Metallknopf befestigt, an dem der Draht _D₁_
-angelötet war, _D₁_ stand zu _D₂_ parallel. _D₁_ wurde von dem Rähmchen
-_R_ gehalten, das aus Hartgummi oder Vulkanfiber hergestellt war. Aus
-2 bis 3 _mm_ dicken Fiber- oder Ebonitplatten sägte er sich dazu zwei
-gleiche Rähmchen, versah sie an den in Abb. 198 mit _x_ bezeichneten
-Stellen mit Kerben, in denen die Stange _S_ und der Draht _D₁_ knapp
-Platz fanden. _S_ und _D₁_ wurden dann in der aus der Abbildung
-ersichtlichen Weise zwischen den beiden Rähmchen, indem diese mit
-Schrauben zusammengezogen wurden, eingeklemmt. Ferner wurden _D₁_ und
-_D₂_ durch einen verschiebbaren Draht _V_ miteinander verbunden.
-
-[Illustration:
-
- Abb. 198. Abb. 199.
-
-Leidener Flaschen für Resonanzversuche.]
-
-Man kann auch _D₁_ direkt an den Knopf der Stange _S_ anlöten. Dann muß
-man aber noch eine besondere Funkenstrecke dadurch herstellen, daß man
-einen Streifen Stanniol so über den Rand der Flasche legt, daß er den
-inneren Belag berührt, von dem äußeren aber einige Millimeter entfernt
-bleibt. Die Resonanzentladung geht dann zwischen dem Streifen und dem
-äußeren Flaschenbelag über.
-
-Diese beiden Flaschen stellte Rudi in einem Abstande von etwa 50 _cm_
-so auf, ~daß die Ebenen der beiden Schließungskreise einander parallel
-waren~. Der Bügel _V_ war fast bis an das Ende der Drähte _D₁_ und _D₂_
-geschoben. Die Flasche, die Abb. 199 darstellt -- sie heiße fernerhin
-_A_, die andere _B_ --, ließ er durch Käthe mit seiner Influenzmaschine
-laden, so daß in kurzen Intervallen bei _F′_ Funken überschlugen. Dann
-verschob er mit einem Glasstab den Bügel _V_ der Flasche _B_ langsam
-nach innen; kaum hatte _V_ einen bestimmten Punkt erreicht, als auch
-bei _F_ an der Flasche _B_ Funken übersprungen, obgleich diese mit
-keiner Elektrizitätsquelle verbunden war. Wurde das Laden der Flasche
-_A_ unterbrochen, so hörten auch die Funken bei _B_ auf. Traten bei _A_
-die Funken wieder auf, so traten sie auch bei _B_ auf, aber nur, wenn
-der Bügel _V_ sich an einer ganz bestimmten Stelle befand; wurde er
-verschoben, so blieben die Funken aus.
-
-Nachdem Rudi diese Erscheinung einige Male möglichst demonstrativ
-vorgeführt hatte, begann er die Erklärung:
-
-„Bei dem Versuch mit den Stimmgabeln haben Sie gesehen oder vielmehr
-gehört, daß, wenn beide Gabeln auf den gleichen Ton abgestimmt waren,
-auch beide erklangen, selbst wenn nur die eine angeschlagen wurde. Die
-Gleichheit der Tonhöhe, das heißt der Schwingungszahl in der Sekunde
-bei beiden Gabeln war dabei notwendig, denn wenn sie auf verschiedene
-Töne abgestimmt waren, gelang der Versuch nicht.
-
-Ganz ähnlich verhielten sich die Dinge bei den Leidener Flaschen. Was
-bei der Stimmgabel der Ton ist, ist hier der Funke; dem verstellbaren
-Gleitschuh dort entspricht hier der Drahtbügel, den ich hin und her
-schieben kann.
-
-Wenn ich die eine der gleichgestimmten Gabeln anschlage, so geraten
-ihre elastischen Zinken in Schwingungen; diese Schwingungen erschüttern
-die Luft, und es entstehen Luftwellen, die sich mit einer gewissen
-Geschwindigkeit von der Stimmgabel wegbewegen. Wenn man sich von
-diesem Vorgang ein Bild machen will, so denke man an die Wellenkreise,
-die ein in ein ruhiges Wasser geworfener Stein verbreitet. Diese
-Luftwellen schlagen nun in einem ganz bestimmten Takt, der eben dem
-betreffenden Ton eigen ist, an die andere Stimmgabel; da diese aber
-fähig ist, in dem gleichen Takt zu schwingen -- sie ist ja auf die
-gleiche Tonhöhe abgestimmt --, so muß sie den rhythmisch anschlagenden
-Luftwellen nachgeben, das heißt sie gerät selbst in Schwingungen.
-
-Ganz ähnlich verhält es sich bei den Leidener Flaschen. Entladet
-sich eine solche Flasche durch einen Funken, so geraten dabei die
-leitenden Teile in einen Zustand, den man nicht näher definieren kann,
-der aber dem Äther in ganz ähnlicher Weise wie die Stimmgabel der
-Luft rhythmische Stöße erteilt, so daß er von einer Wellenbewegung
-durchzittert wird. Treffen diese Wellen, die in einem ganz bestimmten
-Takt aufeinander folgen, an das Leitungssystem der anderen Flasche,
-so gerät dieses ebenfalls in jenen Zustand -- was sich durch das
-Auftreten von Funken äußert --, wenn es auf die gleiche Schwingungszahl
-abgestimmt ist (siehe auch die Kritik am Ende des Vortrages). Die
-Schwingungszahl eines derartigen Systemes hängt ab von Form und Größe
-der Flaschen und des Drahtkreises, durch den die Entladung vor sich
-geht.
-
-[Illustration: Abb. 200. Resonanzpendel.]
-
-Diesen Vorgang bezeichnet man in der Akustik wie in der
-Elektrizitätslehre als ~Resonanz~; ebenso finden wir in der Optik
-ähnliche Erscheinungen, und auch in der Mechanik gibt es eine Resonanz,
-wie ich Ihnen mit diesem Apparat zeigen will.“
-
-Hier stellte Käthe in den Vordergrund des Experimentiertisches einen
-Apparat, dessen Konstruktion aus Abb. 200 und der nun folgenden
-Beschreibung Rudis für den Leser hinreichend klar hervorgehen wird.
-
-„Hier wird eine Messingstange von den beiden Holzträgern so
-gehalten, daß sie sich leicht um ihre Längsachse drehen kann.
-Über diese Messingstange sind zwei Rohrstückchen geschoben, die
-ebenfalls beweglich sind. An jedem der Röhrchen ist ein dicker Draht
-angelötet, an dem sich eine runde Scheibe aus Bleiblech herauf- und
-herunterschieben läßt. Ich habe hier also zwei Pendel, deren Länge ich
-beliebig verändern kann.
-
-Nun ist es ein bekanntes Gesetz aus der Mechanik, daß ein Pendel
-umso rascher schwingt, je kürzer es ist und umgekehrt, wie bei der
-Stimmgabel. Ich will jetzt das eine Pendel ziemlich lang, das andere
-möglichst kurz machen -- Käthe schob die eine der Bleiplatten ganz nach
-oben, die andere ganz herunter, ~hielt die Messingstange in der Mitte
-fest~ und versetzte beide Pendel in Schwingung --. Sie sehen, das lange
-Pendel braucht viel mehr Zeit, um einmal hin und her zu gehen, als
-das kurze. Jetzt sind beide Pendel in Ruhe; ich stoße das kürzere an;
-es schwingt allein, obgleich die gemeinsame Achse infolge der Reibung
-dieses Röhrchens sich ebenfalls bewegt und man meinen sollte, daß diese
-Bewegung auch dem langen Pendel mitgeteilt würde. Jetzt will ich einmal
-das kurze zur Ruhe bringen und das lange in Schwingungen versetzen:
-auch das ist nicht im stande, seinem Nachbar seine Bewegung mitzuteilen.
-
-Nun will ich sie aber einmal beide ~gleich~ lang machen und das eine
-anstoßen: Sie sehen, schon nach drei, vier Schwingungen beginnt der
-Nachbar mitzuschwingen -- und jetzt pendeln sogar beide gleich stark.
-
-Näher kann ich hier auf diese mechanischen Erscheinungen nicht
-eingehen. Das letzte Beispiel möge nur zur Versinnlichung der
-elektrischen Resonanz dienen.“
-
-[Sidenote: Interferenz.]
-
-Die zweite hierher gehörige elektrische Erscheinung, die ebenfalls ihr
-Gegenstück bei der Akustik hat, ist die ~Interferenz~.
-
-Die Experimente, die die akustische Interferenz nachweisen, sind
-nicht gut für viele Zuhörer vorzuführen. Rudi beschränkte sich deshalb
-darauf, die Tatsachen an zwei schematischen Zeichnungen zu erklären.
-
-[Illustration: Abb. 201. Interferenz zweier Wellenzüge.]
-
-Denken wir uns einen Schallwellenzug schematisch durch eine wirkliche
-Wellenlinie aufgezeichnet (_A_ in Abb. 201); gleichzeitig sei ein
-zweiter Wellenzug dargestellt (_B_), der um eine halbe Wellenlänge
-gegen den ersten verschoben ist. Wir sehen, daß die Resultierende
-aus beiden Linien gleich Null ist, das heißt die beiden Töne müssen
-einander auch in der Wirklichkeit, wenn sie so zusammenfallen,
-aufheben, sie müssen verstummen.
-
-Diese Tatsache wird mit dem ~Interferenzrohr~ nachgewiesen, dessen
-Einrichtung aus Abb. 202 hervorgeht. Wir sehen hier ein Rohrsystem, das
-bei _c_ seinen Eingang hat, sich bei α in den oberen festen Gang _A_
-und den unteren veränderbaren _B_ teilt, sich bei β wieder vereinigt
-und bei _d_ ausläuft.
-
-[Illustration: Abb. 202. Interferenzrohr.]
-
-Erzeuge ich bei _c_ einen Ton, so entstehen Luftwellen, die sich durch
-_A_ und _B_ fortpflanzen und bei _d_ ausströmen; man wird also bei _d_
-den Ton hören -- oder nicht hören, je nachdem sich die Länge des Weges
-_A_ zu der des Weges _B_ verhält. Höre ich bei _d_, während der Ton bei
-_c_ andauert, und verändere gleichzeitig die Länge des Weges _B_ durch
-Zusammenschieben oder Auseinanderziehen der Röhren bei _x_, so werde
-ich wahrnehmen, daß der Ton bald verstummt, bald wieder ertönt. Das
-rührt daher, daß bei einem gewissen Verhältnis der Weglänge _A_ zu der
-Weglänge _B_ die sich bei β vereinigenden Schallwellen so treffen, wie
-es in Abb. 201 gezeichnet ist: Ein Wellenberg und ein Wellental treffen
-gerade zusammen und heben einander auf, die Tonstärke ist gleich Null.
-Dies kann bei verschiedenen Längen von _B_ der Fall sein; dann ist
-die Strecke, um die ich _B_ verlängern oder verkürzen muß, um den Ton
-gerade zweimal zum Verstummen zu bringen, ein unmittelbares Maß für die
-Gänge der betreffenden Schallwelle.
-
-Eine ganz ähnliche Erscheinung können wir bei den elektrischen Wellen
-nachweisen. Die Apparate, die zu diesen Versuchen nötig sind, können
-wir uns leicht selbst herstellen.
-
-[Illustration: Abb. 203. Blechkasten für den Funkeninduktor.]
-
-Zuerst müssen wir uns einen Blechkasten fertigen, in dem der
-Funkeninduktor samt der ihn treibenden Akkumulatorenbatterie
-untergebracht werden kann. Der Blechkasten muß einen Deckel haben,
-dessen Ränder weit übergreifen und fest anliegen. Ferner muß an ihm
-vor der Stelle, von der die elektrischen Wellen ausgehen, ein offenes
-Ansatzrohr _A_ (Abb. 203) befestigt sein, das einen quadratischen
-Querschnitt mit etwa 4 _cm_ Seitenlänge und eine Länge von etwa 5
-_cm_ hat. Vorteilhaft ist es, wenn man die Apparate in dem Deckel
-zusammenstellt und dann den Kasten umgekehrt darüberstülpt. An dem
-Blechkasten muß auch außerdem noch eine Öffnung sein, durch die man zu
-der Kontaktvorrichtung für den primären Strom gelangen kann, um die
-Tätigkeit des Funkeninduktors hervorrufen oder abstellen zu können.
-Diese Öffnung muß aber durch eine Schiebeklappe gut verschließbar sein.
-
-Der zweite Apparat, der ebenfalls noch in dem Kasten Platz finden muß,
-ist der Sender oder Radiator, von dem die elektrischen Wellen erzeugt
-werden. Dieser Radiator wird ähnlich hergestellt wie der auf Seite 252
-beschriebene und in Abb. 207 dargestellte[10], nur unter Verwendung
-von etwas kleineren Kugeln (etwa 3 _cm_ Durchmesser). Wie der Radiator
-so über dem Funkeninduktor anzubringen ist, daß er möglichst wenig
-Platz in Anspruch nimmt, überlasse ich der Phantasie des Lesers. Nur
-darauf sei noch hingewiesen, daß die Wände des Kastens überall von den
-Klemmen des Funkeninduktors genügenden Abstand haben müssen, da die
-Entladung sonst statt durch den Radiator durch das Blech vor sich geht.
-
-Wir kommen jetzt zur Herstellung des Interferenzrohres. Wer im
-Bearbeiten von Blech bewandert ist, verfertigt sich diesen Apparat ganz
-aus dünnem Weißblech; wer sich das jedoch nicht zutraut, macht ihn aus
-Pappe, die innen und außen vollkommen mit starkem Stanniol überzogen
-wird. Das Rohr, dessen Schnitt Abb. 204 zeigt, hat einen quadratischen
-Querschnitt mit 4 bis 5 _cm_ Seitenlänge. Der Teil _B_ ist, wie schon
-aus der Abbildung erhellt, so eingerichtet, daß er, ähnlich wie eine
-Posaune, ausgezogen oder eingeschoben werden kann. Dabei müssen die
-äußeren Rohrwände sich möglichst genau den inneren anlegen. Zur
-Verminderung der Reibung öle man die in Betracht kommenden Teile ein.
-Bei α und β setze man gemäß Abb. 204 je zwei Spiegel ein, die aus
-Stanniol mit Unterlage von Pappe angefertigt werden. Sie dienen zur
-Reflexion der Wellen.
-
-[Illustration: Abb. 204. Interferenzrohr.]
-
-Nun wollen wir sehen, wie Rudi die Experimente mit diesen Apparaten
-ausführte.
-
-Auf einer hinreichend hohen Unterlage stellte Rudi den Blechkasten
-mit den eingeschlossenen Apparaten derart auf, daß das Ansatzrohr
-nach rechts zeigte; über letzteres schob er den Ansatz _c_ des
-Interferenzrohres, dessen feste Hälfte _A_ auf dem Boden des Tisches
-aufstand. Ungefähr 30 _cm_ von der Öffnung _d_ entfernt, aber genau in
-gleicher Höhe vor derselben, stellte er den oben beschriebenen Fritter
-auf, in den für diesen Versuch möglichst wenig Feilspäne einzufüllen
-sind und den er so mit einer elektrischen Glocke zusammengestellt
-hatte, wie aus Abb. 205 hervorgeht. An den Klöppel der Klingel hatte er
-einen starken Draht _a_ angelötet, der so gebogen war, daß er, wenn die
-Glocke in Tätigkeit gesetzt wurde, an den Fuß des Fritters schlagend
-diesen erschütterte. Das Glockenbrett war durch eine Schraube fest mit
-dem Fritterbrett verbunden. Wie er zur Vorführung der Experimente die
-Apparate mit einem Element in leitende Verbindung brachte, erhellt aus
-Abb. 205.
-
-[Illustration: Abb. 205. Fritter mit Glocke und Schüttelvorrichtung.]
-
-Sobald nun Rudi den Funkeninduktor in Bewegung setzte, begann die
-Glocke zu ertönen, da der Fritter von elektrischen Wellen getroffen
-wurde und deshalb dem vom Elemente kommenden Strome keinen Widerstand
-mehr entgegensetzte. Die Glocke ertönte aber nur so lange, als
-der Funkeninduktor in Tätigkeit war; denn die Leitungsfähigkeit
-des Fritters wurde durch das Anschlagen des Drahtes _a_ mit jedem
-Hammerschlage der Glocke aufgehoben, um, so lange als er von
-elektrischen Wellen getroffen wurde, sofort wieder hergestellt zu
-werden. Blieben die Wellen aus, so blieb auch die Leitungsfähigkeit des
-Fritters aus, und die Glocke mußte verstummen.
-
-Diesen Vorgang erläuterte Rudi ziemlich eingehend, da er für die
-praktische Anwendung der drahtlosen Telegraphie sehr wichtig ist.
-
-Jetzt erst führte Rudi den eigentlichen Interferenzversuch aus. Er
-setzte den Funkeninduktor in Tätigkeit, so daß die Glocke ertönte; dann
-zog er den Teil _B_ des Interferenzrohres langsam aus; der Glockenton
-wurde schwächer und hörte plötzlich ganz auf, weil jetzt der Weg _B_
-um eine halbe Wellenlänge länger war als der Weg _A_ und deshalb die
-Wellen bei β in der schon oben angegebenen Weise einander trafen und
-aufhoben.
-
-Die Stelle des einen Schenkels des Interferenzrohres, die der Rand
-des Auszugrohres bezeichnete, als die Glocke aufhörte zu klingeln,
-markierte Rudi durch Ankleben eines gummierten Papierstreifchens.
-Darauf zog er das Rohr langsam weiter aus; die Glocke begann wieder
-zu tönen und verstummte wieder. Sobald als die Glocke wieder ruhig
-geworden war, zog Rudi das Rohr nicht mehr weiter aus, sondern beließ
-es an der Stelle und maß darauf die Strecke von der Papiermarke bis zum
-Rand des Rohres _B_. Es zeigte sich, daß die gemessene Strecke etwa 3
-_cm_ lang war; daraus ergibt sich also eine Wellenlänge von 6 _cm_.
-
-[Sidenote: Reflexion und Brechung.]
-
-Für die nächsten Versuche stellte Rudi die Apparate in dem Blechkasten
-ohne Unterlage auf den Tisch. Statt des Interferenzrohres steckte er
-ein etwa 15 _cm_ langes und 4 _cm_ weites, gerades Rohr auf den Ansatz
-des Blechkastens. Wenn nun in dem Radiator Funken übersprangen, so kam
-aus dem Rohr ein gerades Bündel von elektrischen Wellen heraus. Rudi
-konnte mit dem mit der Glocke verbundenen Fritter genau die Stellen
-des Raumes bestimmen, welche von elektrischen Wellen durchsetzt waren.
-Er stellte den Fritter 1 _m_ von der Rohrmündung entfernt so auf,
-daß die Glocke ertönte, und schob dann zwischen die beiden Apparate
-zuerst ein großes Brett, dann einen Pappendeckel; die Gegenstände
-müssen groß sein, da sich die verhältnismäßig langen Wellen ähnlich den
-Schallwellen leicht um sie herumbeugen; die Glocke tönte unverändert
-weiter; als er aber eine Blechscheibe dazwischenstellte, schwieg die
-Klingel. Die Blechscheibe war den Wellen also ein Hindernis, das
-sie nicht überwinden konnten, während sie durch eine Glasscheibe,
-durch eine Tortenplatte aus Steingut oder Porzellan, durch Hartgummi
-hindurchgingen. Es zeigte sich also, daß die Metalle, also die
-Stoffe, die im allgemeinen als Leiter der Elektrizität bekannt sind,
-die elektrischen Wellen aufhalten, während die Isolatoren ihnen den
-Durchtritt gestatten.
-
-Der nächste Versuch bestand darin, daß Rudi den Fritter ganz aus dem
-Bereiche des elektrischen Wellenstrahles herausrückte, so daß die
-Glocke verstummte. Dann hielt er eine ebene Blechscheibe so in die
-Richtung des Wellenstrahles, daß dieser, in einem bestimmten Winkel
-auffallend unter dem gleichen Winkel nach der anderen deren Seite
-zurückgeworfen (reflektiert), den Fritter traf, was das Ertönen der
-Glocke anzeigte. Abb. 206 zeigt im Aufriß die Aufstellung der Apparate
-und den Gang des Wellenstrahles.
-
-[Illustration: Abb. 206. Schema zum Reflexionsversuch.]
-
-Ein weiterer Versuch zeigte die Brechbarkeit der elektrischen Wellen
-beim Durchgang durch verschieden dichte Medien. Wie eine Konvexlinse
-die Lichtstrahlen, die parallel die Linse treffen, so bricht, daß sie
-sich hinter der Linse in einem Punkt vereinigen, so kann man auch die
-elektrischen Wellenstrahlen in einer Konvexlinse sammeln.
-
-Rudi stellte den Fritter so weit von dem Blechkasten entfernt auf --
-aber genau in der Richtung des Ansatzrohres --, daß die Glocke eben
-nicht mehr ertönte. Dann hielt er vor den Fritter einen mit Petroleum
-gefüllten Glaskolben -- eine Kochflasche von 1 bis 1½ Liter Inhalt
---, und die Glocke ertönte laut. Die in jener Entfernung schon sehr
-zerstreuten Strahlen wurden in der Kochflasche gesammelt und hinter
-ihr gerade im Fritter in einem Punkte vereinigt. Die geeignetste
-Entfernung der Flasche vom Fritter stellte Rudi schon vor dem Vortrage
-durch Probieren fest.
-
-„Durch diese Versuche,“ sprach Rudi weiter, „und noch manche andere,
-die ich hier nicht vorführen kann, hat man die große Ähnlichkeit der
-elektrischen Wellen mit den Lichtwellen nachgewiesen, und man darf
-als bewiesen annehmen, daß sowohl dem Licht wie auch der Elektrizität
-dasselbe Medium, der an sich freilich noch hypothetische Äther, zur
-Fortbewegung dient. Der Äther erfüllt den ganzen Raum. Wir können in
-ihm sich rasch fortpflanzende Schwingungen erzeugen und haben auch
-die Möglichkeit, das Vorhandensein solcher Schwingungen nachzuweisen.
-Damit ist theoretisch das Problem der drahtlosen Telegraphie gelöst.
-In der Praxis aber gestalten sich die Verhältnisse doch sehr viel
-umständlicher. Sie haben schon bei dem letzten Versuche gesehen,
-daß mit wachsender Entfernung die Wirkung der elektrischen Wellen
-auf den Fritter abnimmt und schließlich aufhört. Man hat deshalb
-zuerst versucht, die elektrischen Wellen ähnlich wie das Licht in
-einem Scheinwerfer, in einem Parabolspiegel zu erzeugen und ebenso
-mit einem Parabolspiegel, in dessen Brennlinie sich der Fritter
-befand, aufzufangen. Ich könnte Ihnen diese Parabolspiegelversuche
-hier vorführen; doch da sie eigentlich nichts Neues zeigen, so nehme
-ich davon Abstand. Wichtiger ist es, daß man die Fernwirkung der
-elektrischen Wellen dadurch sehr wesentlich verstärken kann, daß man
-mit den die Wellen erzeugenden und empfangenden Teilen der Apparate
-lang ausgestreckte und frei endende Drähte verbindet.“
-
-Bevor wir die nun folgenden Ausführungen Rudis anhören, wollen wir
-sehen, wie er sich die verschiedenen für die Experimente nötigen
-Apparate hergerichtet hatte.
-
-[Sidenote: Der Sender.]
-
-Der Sender wurde schon erwähnt, aber noch nicht genau beschrieben. Er
-ist in Abb. 207 gezeichnet. Zwei Metallkugeln _A_ und _A′_ von 5 bis 6
-_cm_ Durchmesser (über die Herstellung der Metallkugeln siehe Seite 7)
-werden gut angewärmt und ganz mit einem Überzug von rotem Siegellack,
-dem, um ihm die Sprödigkeit zu nehmen, einige Tropfen Leinöl zugefügt
-sind, überzogen. Ein dicker Schellacküberzug (siehe Seite 5) tut
-die gleichen Dienste. Bei jeder Kugel wird dann an zwei einander
-gegenüberliegenden Stellen eine 0,5 bis 1 _cm_ große Stelle von dem
-Überzug befreit.
-
-[Illustration: Abb. 207. Der Sender.]
-
-Die Befestigung der Metallkugeln in einem Holzgestell ist hinreichend
-deutlich aus der Abbildung zu erkennen: Auf dem Grundbrett _G_ sind
-zwei mit runden Ausschnitten versehene Trägerbrettchen _T_ befestigt
-und durch die Querleiste _Q_ fest miteinander verbunden. Auf den
-Trägern sitzen, durch Vulkanfiberklötzchen vom Holze isoliert, die
-beiden Klemmen _K₁_, welche mit _A_, und _K₂_, welche mit _A′_
-metallisch verbunden ist. Bevor wir jedoch diese Verbindung herstellen
-und die Entfernung von _T_ und _T′_ bestimmen, werden die beiden
-Kugeln durch den Ring _H_ fest miteinander verbunden. Der Ring, der so
-weit und breit sein muß, daß, wie aus der Abbildung ersichtlich, die
-daraufgesteckten Kugeln mit je einer vom Siegellack befreiten Stelle
-etwa 1 bis 5 _mm_ -- je nach der Stärke der Stromquelle -- voneinander
-entfernt sind, wird aus in Paraffin gekochter Pappe zusammengeklebt und
-wie die Kugeln mit einer Siegellack- oder Schellackschicht innen und
-außen überzogen. An einer Stelle _L_ ist zum Einfüllen von Petroleum
-die Öffnung _L_ gelassen, die mit dem Pfropfen _P_ verschlossen werden
-kann. _U_ ist eine Umhüllung (nicht notwendig) um _A_ und _A′_, ebenso
-hergestellt wie der Ring _H_, die die Kugeln aber nicht berührt und mit
-einem Loch _L′_ versehen ist, das nach dem Einfüllen des Öles in den
-Ring _H_ nach unten gedreht wird. Die beiden Kugeln werden mit dem
-Ringe dadurch dauernd verbunden, daß die beiden Berührungsfugen mit
-heißem Siegellack (bei Verwendung von Schellack mit Schellackkitt Seite
-5) ausgegossen werden. Jetzt wird das Kugelpaar in die Ausschnitte der
-beiden Träger eingeklemmt. Es schauen jetzt die äußeren beiden vom
-Siegellack befreiten Stellen über die Träger heraus; diesen blanken
-Stellen gegenüber stehen die kleinen Kügelchen _B_ und _B′_, die an
-den in _S_ verschiebbaren Stangen _R_ und _R′_ angelötet sind. Die
-Säulen _S_ sind aus Glas herzustellen und mit Holzköpfen zu versehen,
-über welche (siehe die links stehende Sonderzeichnung in Abb. 207)
-je ein Blechstreifchen _M_ gebogen wird, auf dem eine Klemme _K_
-angelötet ist. Die Säulenköpfe mit dem Blechstreifen _M_ sind derartig
-durchbohrt, daß die Stangen _R_ in der Bohrung unter Reibung an _M_ hin
-und her geschoben werden können.
-
-[Illustration: Abb. 208. Bifilare Wickelung.]
-
-[Sidenote: Der Empfänger.]
-
-Um den Empfänger möglichst empfindlich zu machen, müssen wir in die
-schon oben beschriebene Zusammenstellung von Glocke und Fritter ein
-Relais (siehe Seite 121) einschalten. Ferner müssen wir das Entstehen
-der Unterbrechungsfunken an der elektrischen Klingel verhindern, da
-von diesen Funken der Fritter in unerwünschter Weise beeinflußt werden
-kann. Im allgemeinen wird es genügen, das Werk der Glocke mit einer
-Metallkapsel zu überdecken. Ist der Fritter jedoch sehr empfindlich,
-so müssen die beiden Teile der Unterbrechungsstelle des Wagnerschen
-Hammers durch einen Widerstand von 500 bis 1000 Ohm -- durch Versuche
-genauer zu ermitteln -- verbunden werden. Verwenden wir für diesen
-Widerstand einen entsprechend langen und dünnen Nickelindraht, so ist
-es vorteilhaft, ihn ~bifilar~ auf eine Spule zu wickeln. Eine bifilare
-Wickelung stellt man folgendermaßen her: Man biegt den Draht in der
-Mitte seiner ganzen Länge um und wickelt ihn dann doppelt, so wie
-aus Abb. 208 hervorgeht, auf eine Spule auf. Solche Spulen besitzen
-keine Selbstinduktion. Man kann auch Graphitstäbe aus Bleistiften als
-Widerstand benutzen.
-
-Die beim Relais auftretenden Funken können dadurch unschädlich
-gemacht werden, daß wir diesen Apparat mit einem völlig geschlossenen
-Metallkasten überdecken. Auch kann das Relais weiter vom Fritter
-entfernt aufgestellt werden.
-
-Wollen wir nun, daß die vom Sender gegebenen Zeichen vom Empfänger
-nicht nur durch das Ertönen der Glocke angezeigt, sondern auch gleich
-niedergeschrieben werden, so müssen wir zu den bereits erwähnten
-Apparaten noch einen Morseapparat (Seite 115) schalten.
-
-Wie die einzelnen Apparate zu verbinden sind, ersieht man aus dem
-Schema Abb. 209; in dieser Abbildung ist auch die Schaltungsweise der
-Sendeapparate angegeben.
-
-[Illustration: Abb. 209. Anordnung der Apparate zur drahtlosen
-Telegraphie.]
-
-Mit _Akk._ ist die Akkumulatorenbatterie bezeichnet, die den
-Funkeninduktor _J_ speist. Die Leitung ist durch den Taster _T_
-unterbrochen, mit dessen Hilfe wir den Strom nach Belieben kurz oder
-lang einschalten können. Die Sekundärpole des Induktors verbinden wir
-unter Einschaltung eines Kondensators _K_ mit den Kugeln _B_ und
-_B′_ des Senders _S_. Unter Umständen funktionieren die Apparate aber
-~ohne~ Kondensator besser, was sich, wie auch die günstigste Größe des
-Kondensators, leicht durch einige Versuche ausfindig machen läßt. An
-die beiden Klemmen _K₁_ und _K₂_ des Senders (Abb. 207) schließen wir
-die beiden frei endenden, 50 bis 100 _cm_ langen und völlig gerade
-gestreckten Drähte _s_ an, die beide genau in einer Linie verlaufen
-sollen.
-
-Genau in der gleichen Weise werden die beiden Drähte _h_ (siehe auch
-Abb. 196) an die Klemmen α und β des Fritters _F_ angeschlossen. α
-von _F_ wird dann mit dem einen Pol eines Salmiakelementes, dessen
-anderer Pol mit der Klemme α des Relais _R_ und dessen Klemme β mit
-β von _F_ verbunden. Die Glocke (_Gl_) und der Morseapparat (_M_)
-werden nebeneinander geschaltet mit den Klemmen γ und δ des Relais und
-Batterie (_Bttr._) verbunden, wie das hinreichend deutlich aus der
-Abbildung hervorgeht.
-
-Sollte sich, was man durch einen Versuch feststellen mag, ein
-Hintereinanderschalten von Glocke und Morseapparat als vorteilhafter
-erweisen, so fallen die Verbindungen von β_M_ nach β_Gl_ und von α_M_
-nach α_Gl_ weg, dafür wird α_M_ mit β_Gl_ verbunden.
-
-Da zum Zeichengeben auf größere Entfernungen der Fritter möglichst
-empfindlich sein soll, so füllen wir, im Gegensatz zu den oben
-erwähnten Versuchen (vergleiche Seite 248) eine ziemlich hohe Schicht,
-etwa 5 bis 10 _mm_, von Feilspänen in das Röhrchen. Da beim Gebrauch
-des Morseapparates das fortdauernde Tönen der Glocke unnötig ist,
-die Erschütterung des Fritters durch den Glockenklöppel aber nicht
-ausbleiben darf, so steckt man unter die Glockenschale, um deren Schall
-etwas zu dämpfen, etwas Papier.
-
-Rudi erklärte, während Käthe die einzelnen Apparate zeigte, die
-ganze Einrichtung, wie sie in Abb. 209 dargestellt ist. Dann machte
-sich die eifrige Assistentin daran, die Türen der drei hinter dem
-Vortragsraum gelegenen Zimmer zu öffnen und die ~Send~apparate auf
-einen im hintersten Zimmer bereitgestellten Tisch zu transportieren.
-Unterdessen stellte Rudi die Empfangsapparate so auf, daß die
-Fangdrähte (_hh_ Abb. 209) des Empfängers denen des Senders (_ss_)
-parallel verliefen, und wies auf die Notwendigkeit dieses Umstandes
-hin. Ferner erwähnte er, daß die Entfernung der beiden Apparate jetzt
-etwa 17 bis 18 _m_ betrage.
-
-Darauf gab Rudi einer sich auf seine Frage hin freiwillig meldenden
-Dame aus dem Kreise seiner Zuhörer einen Briefkarton mit Bleistift
-und Umschlag und bat sie, einige Worte darauf zu schreiben und den
-Karton dann in den Umschlag zu stecken und diesen zuzukleben. Er
-begab sich gleich wieder hinter seinen Experimentiertisch. Als die
-Dame mit Schreiben fertig war, winkte Rudi seiner Schwester, welche
-den verschlossenen Brief mit in das hinterste Zimmer nahm, in dem die
-Sendapparate standen. Die letzte Türe schloß Käthe, die beiden anderen
-Türen -- damit man ja sah, daß alle drei Türen geschlossen seien --
-schloß Rudi.
-
-Er stellte sich ganz auf die Seite des Tisches, so daß er die Apparate
-nicht erreichen konnte. Er bat seine Hörer, sich einen Augenblick
-zu gedulden. Plötzlich begann das geheimnisvolle Geklapper des
-Morseapparates -- Rudi hatte sich einen solchen mit einem Uhrwerk
-hergestellt, so daß er ihn nicht bedienen mußte (siehe Seite 117
-u. f.) -- und der stumpfe Ton der abgedämpften Klingel. Käthe, die die
-Morseschrift (Seite 120) und die Handhabung des Morsetasters gelernt
-hatte, hatte den Brief geöffnet und ließ durch kürzeres und längeres
-Schließen und Öffnen des Primärstromkreises den Inhalt des Schreibens
-durch die drei Zimmer wandern, so daß er in Form von kurzen und langen
-Strichen auf dem Papierstreifen des Morseapparates niedergeschrieben
-wurde.
-
-Als die Apparate aufhörten zu arbeiten, riß Rudi den beschriebenen
-Papierstreifen ab und schrieb dessen Inhalt zuerst in Morseschrift,
-dann in Kursivschrift auf eine große Tafel, die er so aufstellte,
-daß alle sie sehen konnten. Unterdessen war Käthe gekommen und hatte
-den geöffneten Brief den Zuhörern zum Herumgeben überreicht, so daß
-sie sich überzeugen konnten, daß auf der Tafel genau dieselben Worte
-standen wie in dem Brief.
-
-„So wunderbar diese drahtlose Telegraphie manchem erscheinen mag, so
-ist sie im Grunde kaum wunderbarer als die Tatsache, daß Sie meine
-Stimme vernehmen. Zwischen mir und Ihnen sind auch keine Drähte
-gespannt; und da weder in meinem Halse noch in Ihren Ohren Drähte sind,
-so kann ich das Sprechen mit viel größerem Rechte eine ‚drahtlose‘
-Telegraphie nennen, als das Verfahren hier, zu dem ich Apparate
-brauche, die nichts weniger als ‚drahtlos‘ sind.“
-
-Damit schloß Rudi diesen Teil seines Vortrages ab, um zum zweiten
-Teil, den er zu Anfang schon gestreift hatte, zu den Versuchen
-mit Wechselströmen hoher Frequenz, den sogenannten ~Teslaströmen~
-überzugehen.
-
-Bevor wir jedoch Rudi in seinen Ausführungen fortfahren lassen, wollen
-wir zuerst wieder erklären, wie die Teslaapparate herzustellen und die
-Versuche auszuführen sind.
-
-[Sidenote: Teslatransformatoren.]
-
-Wir haben aus dem vierten Vortrage gelernt, daß der Grad der
-Plötzlichkeit der Unterbrechung des Primärstromes in einem
-Induktionsapparat und die Häufigkeit der Unterbrechung oder Änderung
-der Stromrichtung in einer Sekunde von besonderer Bedeutung für den
-sekundären Strom ist. Nun ist am Anfang dieses Vortrages schon darauf
-hingedeutet worden, daß in dem Entladungsstromkreis einer Leidener
-Flasche ein Wechselstrom von außerordentlich hoher Wechselzahl fließt,
-sowie eine Entladung vor sich geht.
-
-Einen solchen Entladungsstrom schicken wir durch die Primärspule
-eines Transformators. In der Sekundärspule entstehen dann Ströme mit
-scheinbar ganz abgeänderten Eigenschaften.
-
-Das Schema dieser Anordnung zeigt Abb. 210. _J_ ist der Funkeninduktor
-mit den Klemmen _K_ und _K′_. Von _K_ geht ein Draht zu dem äußeren
-Belag einer Leidener Flasche _L_, von hier zur Klemme _K₁_ des
-Transformators _T_; _K₁_ ist mit dem einen Ende der Primärspule
-_S_ von _T_ verbunden, das andere Ende der Spule führt über die
-verstellbare Funkenstrecke _F_ zur Klemme _K₂_, und von hier geht
-ein Verbindungsdraht über den inneren Belag der Leidener Flasche zu
-_K′_. Wenn also der Funkeninduktor in Tätigkeit ist, so wird _L_
-geladen und entladet sich durch _F_. In der Spule _S_ fließt also der
-Entladungsstrom der Leidener Flasche und induziert in der sekundären
-Spule _S′_, die im Verhältnis zu _S_ aus vielen Windungen eines dünnen
-Drahtes besteht, einen sehr hochgespannten Strom, der an den Kugeln
-_E₁_ und _E₂_ zur Entladung kommt.
-
-[Illustration: Abb. 210. Schaltungsschema des Teslatransformators.]
-
-Die Anordnung von primärer und sekundärer Spule ist beim Teslaschen
-Transformator etwas anders als bei den gewöhnlichen Induktoren. So
-ordnet man z. B. die primäre Spule gewöhnlich außerhalb der sekundären
-an. Ferner sind die Verhältnisse der Drahtmaße ganz anders. Die
-Primärspule besteht aus einem sehr dicken Draht mit nur einigen, weit
-voneinander abstehenden Windungen; die Sekundärspule aus einem sehr
-dünnen Draht, der aber bei weitem nicht so lang sein muß, als bei dem
-gewöhnlichen Funkeninduktor.
-
-Die im folgenden angegebenen Maße eignen sich besonders bei Verwendung
-von Funkeninduktoren von 10 bis 20 _cm_ Funkenlänge, oder einer etwa
-entsprechenden Influenzmaschine. Beim Gebrauch von kleineren Induktoren
-nehme man von den angegebenen Maßen ⅔ bis ½. Näheres über Drahtlängen
-ist bereits auf Seite 134 u. f. gesagt.
-
-[Illustration: Abb. 211. Teslatransformator (Schnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 212. Teslatransformator (Seitenansicht).]
-
-Abb. 211 zeigt den Apparat im Schnitt, Abb. 212 von der Seite gesehen.
-Wir fertigen uns zuerst die primäre Spule. Dazu beschaffen wir uns
-einen Zylinder (_Zy_) von einem Auerbrenner; der Zylinder darf keine
-Einschnürung haben, die Wandungen müssen ihrer ganzen Länge nach
-parallel sein. Auf den Zylinder winden wir einen 2,5 bis 3 _mm_
-starken, gut durchgeglühten, blanken Kupferdraht so auf, daß jede
-Windung von der folgenden einen Abstand von 1 _cm_ hat (_Sp_ in Abb.
-211). Läßt man nach dem Wickeln den Draht los, so wird die Spirale
-etwas auseinanderfedern und somit nicht mehr dicht am Zylinder
-anliegen. Wir überziehen deshalb und auch zur besseren Isolation
-letzteren nachträglich mit einer möglichst gleichmäßigen Schicht
-von Schellackkitt (Seite 5), dem wir, um leichtere Arbeit zu haben,
-ziemlich viel Schellacklösung zusetzen. Der Überzug muß so dick sein,
-daß die über den Zylinder geschobene Spirale fest aufsitzt. Der Draht
-an dem einen Ende der Spirale wird so gebogen, daß ein geschlossener
-Kreis entsteht. An diesen Kreis wird ein flacher Ring (_S_) aus
-Kupfer- oder Messingblech gelötet, dessen innerer Durchmesser gleich
-dem der Spirale ist, und dessen äußerer etwa 5 _mm_ mehr beträgt. Auf
-der anderen Seite endet die Spirale offen. Um ihr noch mehr Halt auf
-dem Zylinder zu geben, streicht man den Raum zwischen den einzelnen
-Windungen mit einer dicken Schellacklösung aus. Dabei ist jedoch
-besonders darauf zu achten, daß die Außenseite des Drahtes, besonders
-da, wo sie das Kontakträdchen _Rd_ berühren soll, nicht mit Schellack
-überzogen wird. An einem Rande des Zylinders wird nun noch ein 1 bis
-1,5 _cm_ breiter Ring _H_ aus Hartgummi mit Schellackkitt angekittet,
-der dazu dient, den Zylinder, während der Apparat in Tätigkeit ist, zu
-drehen.
-
-Die Träger _T₁_ und _T₂_ des Zylinders werden aus Holz oder besser
-aus Vulkanfiber hergestellt. Sie erhalten, wie aus den beiden Figuren
-deutlich hervorgeht, runde Ausschnitte, welche die beiden Enden des
-Zylinders in sich aufnehmen.
-
-Ferner werden die beiden Träger _T₁_ und _T₂_ unterhalb des eben
-erwähnten Ausschnittes noch mit zwei Bohrungen versehen, in die ein
-Glasstab oder ein dickwandiges Glasrohr aus gut isolierendem Glas
-eingekittet werden kann. Dieser Stab ist nur in Abb. 211 zu sehen und
-mit _Gl_ bezeichnet. Nahe dem rechten Ende dieses Stabes wird ein
-kurzes Messingrohrstückchen _r_ aufgekittet, an dem die Schleiffeder
-_F_ (aus gehämmertem Kupferblech) und der Kupferdraht β angelötet wird.
-_F_ soll an dem schon oben erwähnten Messingring _S_ schleifen.
-
-Außerdem kitten wir ein Messingrohr _R_, das etwa ⅓ so lang ist als
-der Glasstab, nahe dessen linkem Ende fest. An _R_ wird der Draht α
-angelötet. Auf _R_ soll sich das Rädchen _Rd_ leicht drehen und hin und
-her schieben lassen. _Rd_ wird aus Messing hergestellt und erhält auf
-seiner Peripherie eine halbkreisförmige Rinne, in welche gerade der
-Draht der primären Spirale hineinpaßt, wie aus Abb. 211 hervorgeht. Die
-Größe des Rädchens und der Abstand des Glasstabes vom Zylinder sind
-natürlich entsprechend zu wählen.
-
-Durch Drehen des Zylinders kann man bei dieser Anordnung bewirken, daß
-das Rädchen entweder das äußerste Ende der Drahtspirale berührt, oder
-eine beliebig weiter innen gelegene Stelle. Man kann also den bei α
-ein- und bei β austretenden Strom nach Belieben durch mehr oder weniger
-Windungen der Spirale gehen lassen, was deshalb große Vorteile bietet,
-weil wir dadurch das günstigste Verhältnis der Windungszahlen zwischen
-primärer und sekundärer Spule durch Probieren ausfindig machen können.
-Da sich dieses günstigste Verhältnis bei Verwendung verschiedener
-Leidener Flaschen, ja sogar verschiedener Verbindungsdrähte ändert, so
-ist der Vorteil, den diese Möglichkeit der Abstimmung bietet, nicht zu
-unterschätzen.
-
-Wir kommen jetzt zur Herstellung der sekundären Spule. Wir
-beschaffen uns ein gut isolierendes Glasrohr (_Glr_) oder besser
-noch der Sicherheit halber ein gleich bemessenes Hartgummirohr (über
-Isolierfähigkeit des Glases siehe Seite 6), 6 bis 8 _cm_ länger als der
-Lampenzylinder und 2 bis 3 _cm_ weit. Das Rohr wird, indem jedes Ende
-1 _cm_ weit frei bleibt, mit einem ohne Umspinnung 0,5 bis 0,7 _mm_
-starken, mit ~guter~ Seide isolierten Kupferdrahte bewickelt, indem wir
-Windung dicht an Windung legen. Wir stellen nur eine Lage her, die wir
-mit heißem Paraffin bestreichen. Besser ist es, das ganze bewickelte
-Rohr in einem geeigneten Gefäß so lange in kochendes Paraffin zu legen,
-bis keine Luftbläschen mehr aus den Drahtwindungen aufsteigen.
-
-Dies ist das einfachere Verfahren zur Herstellung der sekundären
-Wickelung. Eine viel sicherere Isolation -- und die ist bei den
-hochgespannten Strömen sehr wichtig -- erzielen wir folgendermaßen.
-
-Wir überziehen das Glasrohr mit einer 3 bis 4 _mm_ dicken Schicht
-von Schellackkitt und drehen auf der Drehbank -- falls wir keine
-besitzen, lassen wir das von einem Mechaniker machen -- diesen Überzug
-bis auf etwa 2 _mm_ Dicke ab. In diesen Schellacküberzug schneiden
-wir dann ein Schraubengewinde ein. In den Gewindegängen wird dann
-ein 0,5 bis 0,7 _mm_ starker ~nackter~ Kupferdraht aufgewunden. Das
-Gewinde dient also nur dazu, daß man den unisolierten Draht aufwickeln
-kann, ohne daß die einzelnen Windungen einander berühren. Dasselbe
-kann man aber auch dadurch erreichen, daß man auf den mit einem
-gleichmäßigen Schellackkittüberzug versehenen Glasstab zwei Drähte
-gleichzeitig nebeneinander aufwickelt, die Enden des einen festbindet
-und den anderen wieder entfernt. Die beiden Drahtenden müssen
-selbstverständlich einige Zentimeter frei von der Spule abstehen.
-
-Jetzt wird das bewickelte Glasrohr ganz etwa zehn Minuten in Spiritus
-gelegt und gleich nach dem Herausnehmen mit einer nicht zu dicken
-Schellacklösung bestrichen. Nach dem ~völligen Trocknen~ dieses
-Überzuges wird ein zweiter, dann ein dritter und vierter Überzug
-hergestellt, bis die Drahtwindungen völlig in Schellack eingebettet
-sind. Zur Herstellung der Schellacklösung verwende man nur ganz reinen
-Spiritus und achte darauf, daß in die Lösung kein Staub und dergleichen
-gerät. Die Schellacküberzüge, vor allem der erste, müssen völlig
-luftblasenfrei hergestellt werden.
-
-Ist so die sekundäre Spule fertiggestellt, so wird sie so in den
-beiden Trägern aus Holz (oder Vulkanfiber) befestigt, daß sie genau in
-der Mitte des Zylinders _Zy_ liegt. Diese Anordnung geht hinreichend
-deutlich aus den beiden Abb. 211 und 212 hervor.
-
-Zur Fertigstellung des Apparates wären jetzt nur noch die Drahtenden
-α und β der primären und γ und δ der sekundären Spule zu Klemmen zu
-führen.
-
-Die Klemmen dürfen, wie Abb. 212 zeigt, keine scharfen Kanten oder
-Ecken haben. Die beiden Klemmen α und β werden in einem Abstande, der
-etwa der Länge des Zylinders _Zy_ entspricht, nahe der einen Längsseite
-des Grundbrettes _G_ in diesem isoliert befestigt. Wir kitten zu
-diesem Zweck für jede Klemme mit rotem Siegellack ein hinreichend
-weites Stückchen Glas- oder Ebonitrohr in eine entsprechende Bohrung
-des Holzes. In dieses Rohr wird dann die Klemme mit Schellackkitt oder
-Siegellack eingekittet.
-
-Die Klemmen, zu denen die Drahtenden γ und δ führen sollen, werden
-auf hohen Glasfüßen befestigt, wie Abb. 212 zeigt. (Wegen Befestigung
-der Glasfüße vergleiche Seite 5.) Die Drahtenden der sekundären Spule
-werden nicht, wie in der Abb. 212 der Deutlichkeit halber gezeichnet
-ist, in Spiralwindungen zu den Klemmen geführt, sondern möglichst
-gestreckt ausgespannt. Außerdem wird ein enger, aber dickwandiger
-Gummischlauch (Ventilschlauch) über sie gezogen.
-
-Damit ist der Teslatransformator für unsere Versuche fertig, und es
-fehlt uns nur noch das Funkenmikrometer.
-
-[Sidenote: Das Funkenmikrometer.]
-
-Abb. 213 zeigt diesen Apparat im Querschnitt und von der Seite gesehen.
-_G_ ist das Grundbrett, auf das längs der langen Seiten zwei Leistchen
-_L_ geleimt sind, zwischen denen sich der Schlitten _Sch_ mit ein wenig
-Reibung hin und her schieben läßt. In dem Schlittenbrettchen _Sch_ ist
-das Messingröhrchen _R_ und in diesem die Glassäule _Gl_ eingekittet.
-Ebenso ist an dem einen Ende des Grundbrettes eine Glassäule befestigt.
-Auf jeder Glassäule ist ein kurzes, zylindrisches und an beiden Enden
-abgerundetes ~Zinkstück~ _Z_, das mit einer Querbohrung versehen ist,
-aufgekittet. Diese beiden Zinkstücke sind von einem noch ungebrauchten
-Zinkstab eines Salmiakelementes abgesägt, und die Enden sind rund
-gefeilt oder auf der Drehbank abgedreht worden. Außerdem ist an jeden
-ein Haken _H_ angelötet oder eingeschraubt. Der einfache in Zentimeter
-und Millimeter geteilte Maßstab _M_ ist so auf _L_ angeschraubt, daß er
-übergreifend den Schlitten _Sch_ am Herausfallen verhindert. Letzterer
-trägt eine Marke, die, wenn sich die beiden Zinkköpfe gerade berühren,
-auf den Nullpunkt des Maßstabes zeigt.
-
-[Illustration: (Querschnitt.) Abb. 213. Funkenmikrometer. (Von der
-Seite gesehen.)]
-
-[Sidenote: Einfacher Teslatransformator.]
-
-Man kann sich auch einen etwas einfacher konstruierten Teslaapparat
-fertigen. Abb. 214 zeigt einen solchen in perspektivischer Ansicht.
-Die primäre Drahtspule steht mit senkrechter Längsachse frei; in ihr
-steht die sekundäre Drahtspule, die ähnlich herzustellen ist wie die
-für den oben beschriebenen Apparat. Der Durchmesser beider Spulen kann
-hier etwas größer gewählt werden: für die primäre Spule 7 bis 8 _cm_,
-für die sekundäre etwa 4 _cm_. Man kann in diesem Fall den Glaszylinder
-eines Auerbrenners als Träger für die sekundäre Spirale verwenden.
-Das Funkenmikrometer ist hier auf dem Grundbrette des Apparates
-selbst angebracht. Im übrigen müssen die entsprechenden Teile in
-derselben Weise sorgfältig isoliert sein wie bei dem oben beschriebenen
-Transformator.
-
-[Illustration: Abb. 214. Teslascher Transformator.]
-
-Ein dritter Typus von Teslatransformatoren, dessen Herstellung aber
-nicht sehr zu empfehlen ist, unterscheidet sich von den beiden
-anderen dadurch, daß der primäre Draht nicht zu einer Spule, sondern
-zu einer in ~einer~ Ebene liegenden Spirale (Schnecke) aufgewunden
-ist. Die sekundäre Spule ist ebenfalls scheibenförmig und wird genau
-so hergestellt, wie die einzelnen Scheiben des auf Seite 168 u. f.
-beschriebenen Funkeninduktors. Die Drahtmaße der primären Spule sind
-hier den oben erwähnten gleich. Die sekundäre Wickelung wird jedoch aus
-einem 0,2 bis 0,3 _mm_ starken und etwa 4- bis 5mal so langen Draht,
-als wir für den erstbeschriebenen Apparat benötigten, in der bereits
-erwähnten Weise hergestellt. Einen derartig gefertigten Apparat besaß
-Rudi. Wir sehen diesen auf dem die Reproduktion einer Photographie
-darstellenden Bilde Seite 157.
-
-[Sidenote: Teslaversuche.]
-
-Wir kommen jetzt dazu, die Experimente zu besprechen, die Rudi in
-seinem Vortrag mit dem Teslatransformator ausführte.
-
-Rudi erklärte zuerst die Konstruktion und die Schaltungsweise der
-Teslatransformatoren und wies dann auf die abgeänderten Eigenschaften
-der Wechselströme hoher Frequenz hin:
-
-„Ich habe hier zum Betrieb meiner Apparate einen Akkumulator, der mir
-10 Volt liefert. Ich kann die Polklemmen anfassen, ohne irgend etwas
-zu spüren. Der Strom hat eine zu geringe Spannung, um durch den Körper
-hindurchzugehen. In dem Funkeninduktor, der eine Schlagweite von 15 bis
-20 _cm_ besitzt, wird der Strom auf Kosten seiner Intensität auf einige
-tausend Volt transformiert. Würde ich ~beide~ Pole dieses Apparates
-~gleichzeitig~ anfassen, wenn er in Tätigkeit ist, so bekäme ich einen
-Schlag, der unter Umständen heftig genug wäre, mir einen oder beide
-Arme für mein ganzes Leben zu lähmen. Nun wird dieser Strom durch
-die Leidener Flaschen in einen Wechselstrom von sehr hoher Frequenz
-verwandelt; darüber sprach ich ja zu Anfang. Diesen Wechselstrom
-transformiere ich, wie schon erwähnt, im Teslatransformator auf eine
-noch höhere Spannung.
-
-Wie sich nun die hierbei entstehenden Ströme verhalten, will ich Ihnen
-hier zeigen. Ich habe in die eine Polklemme des Transformators einen
-senkrecht in die Höhe stehenden Draht eingeschraubt, der frei endet.“
-
-Käthe verdunkelte das Zimmer, und Rudi setzte die Apparate in
-Tätigkeit. Von allen freien Metallteilen, besonders von den Klemmen der
-Apparate, zuckten feine blaue Lichtfädchen, die mitunter dichte Büschel
-bildeten, nach allen Seiten. Der blendende Entladungsfunke (siehe
-die Kritik Seite 270) der Leidener Flaschen, der am Funkenmikrometer
-übersprang, machte einen solchen Lärm, daß Rudi nicht weitersprechen
-konnte. Der senkrecht in die Höhe ragende, mit einer Klemme des
-Transformators verbundene Draht war zu einem funkensprühenden
-Lichtstreif geworden, von dessen Ende sich ein blauer, fein verästelter
-Lichtbaum unheimlich hin und her schwebend im Dunkel verlor. Jetzt
-faßte Rudi, der von dem unheimlichen Lichtschimmer schwach beleuchtet
-war, zum großen Erstaunen der Zuschauer mit der rechten Hand die freie,
-feuersprühende Klemme des Teslaapparates an und näherte den Zeigefinger
-der linken Hand, den er durch ein aufgeschobenes Stückchen Messingrohr
-verlängert hatte, dem vorhin erwähnten senkrecht stehenden Draht. Unser
-Bild Seite 157 zeigt die dabei auftretende Lichterscheinung. Rudi
-spürte kaum ein leichtes Zucken durch den Körper. Wenn man die nackte
-Haut den einschlagenden Funken aussetzt, so können brandwundenähnliche
-Verletzungen entstehen; man schützt sich deshalb, indem man die Funken
-in ein Metallstück, das man in der Hand hält, oder in der erwähnten
-Weise auf den Finger steckt, schlagen läßt.
-
-Darauf machte Käthe Licht, und Rudi stellte die Apparate ab.
-
-„Sie haben gesehen, daß ich den ganzen Strom durch meinen Körper gehen
-lassen konnte, ohne im mindesten Schaden zu nehmen. Man erklärt diese
-Tatsache damit, daß die Wechselströme von so außerordentlich hoher
-Wechselzahl überhaupt nicht in den leitenden Körper eindringen, sondern
-sich nur über dessen Oberfläche verbreiten.
-
-Interessant sind auch die Induktionserscheinungen dieser Wechselströme.
-Sie werden sich von meinem vorletzten Vortrag her erinnern, was
-man unter Impedanz versteht (Seite 189). Die Impedanz tritt bei
-Teslaströmen so stark auf, daß der Strom eher einen großen Widerstand
-zu überwinden, als durch einen fast widerstandslosen Draht zu fließen
-vermag.
-
-[Illustration: Abb. 215. Zu Versuchen über Induktionserscheinungen.]
-
-Ich habe hier (Abb. 215) einen Bogen aus dickem Kupferdraht; an den
-beiden Enden des Bogens ist diese Glühlampe befestigt. Würde ich
-die beiden Pole eines Akkumulators mit den Enden des Drahtes hier
-verbinden, so ginge aller Strom durch den dicken Kupferdraht, und die
-Lampe bliebe so gut wie stromlos. Leitet man dagegen einen Teslastrom
-durch dieses System -- Käthe führte den Versuch aus, indem sie die
-Elektroden des Teslaapparates mit den mit Klemmen versehenen Enden des
-Drahtbogens verband und dann die Apparate in Tätigkeit setzte -- so
-geht, wie Sie sehen, fast der ganze Strom durch den großen Widerstand
-der Lampe, da in dem dicken Kupferdraht die Selbstinduktion so groß
-ist, daß die Extraströme den ursprünglichen Strom fast aufheben
-(vergleiche vierter Vortrag Seite 189).
-
-[Illustration: Abb. 216. Versuche am Teslaschen Transformator.]
-
-Der Raum zwischen zwei Leitern, die mit den Elektroden verbunden
-sind, ist ganz durchsetzt mit elektrischen Wellen. Ich habe hier zwei
-Blechscheiben, die auf isolierenden Füßen stehen. Sie werden mit
-den Elektroden des Teslaapparates verbunden und etwa 50 bis 70 _cm_
-voneinander entfernt aufgestellt.“
-
-Käthe stellte die Apparate auf und verfinsterte das Zimmer. Rudi
-brachte in den Raum zwischen den Blechen verschiedene Geißlersche
-Röhren, die, ohne die Bleche zu berühren, hell aufleuchteten. Ferner
-brachte Rudi, während er den linken Blechschirm anfaßte, die rechte
-Hand in die Mitte zwischen die beiden Bleche: Es sah aus, als wenn
-die Hand eigenes Licht ausstrahlte Die Abb. 216 versucht annähernd,
-derartige Erscheinungen wiederzugeben.
-
-[Illustration: Abb. 217. Lichterscheinungen zwischen zwei mit dem
-Teslatransformator verbundenen Drahtkreisen.]
-
-Der nächste Versuch bestand darin, daß Rudi zwei Drahtkreise von
-verschiedenen Größen (10 und 15 _cm_ Durchmesser), die wie die
-Blechscheiben auf isolierenden Glasfüßchen standen, mit den Elektroden
-des Teslatransformators verband. Die Aufstellung der Drahtkreise und
-den Verlauf der Lichtstrahlen zeigt Abb. 217. Lebhafte Lichtbüschel
-sprühten zwischen beiden Kreisen hin und her.
-
-[Illustration: Abb. 218. Zum ersten Teslaschen Glühlampenversuch.]
-
-Für den folgenden Versuch hatte Rudi um die Gewindefassung
-(Edisonfassung) einer gewöhnlichen, etwa 16kerzigen Glühlampe einen 1,5
-_mm_ starken, blanken Kupferdraht gewunden und dessen Ende in einer
-der Transformatorklemmen befestigt, wie Abb. 218 zeigt. Als er dann im
-Dunkeln die Apparate in Tätigkeit setzte, leuchtete der ganze Hohlraum
-der Glühlampe in einem zarten, grünlichblauen Lichte. Der Kohlenfaden
-sah wie mit feinen, leuchtenden Dornen besetzt aus. Näherte man der
-Glasbirne den Finger, so schien dieser das Licht anzuziehen; an der dem
-Finger gegenüberliegenden Stelle des Glases aber war unter Umständen
-ein deutlicher hellgrüner Fleck zu sehen, der sich der Bewegung des
-Fingers entsprechend hin und her bewegte.
-
-Endlich wies Rudi noch auf die außerordentlich starke Induktionswirkung
-der Wechselströme hoher Frequenz hin. Er hatte sich aus 1,5 _mm_
-starkem isoliertem Draht eine einfache Schnecke von vier Windungen
-gedreht. Der Durchmesser der Schnecke war nahezu gleich dem der
-primären Wickelung seines Transformators (Seite 264). An die Enden des
-Drahtes war eine Glühlampe angeschlossen, deren Voltzahl mit der der
-zum Betriebe der Apparate nötigen Akkumulatoren übereinstimmte. Brachte
-Rudi diesen einfachen Drahtkreis in die Nähe der primären Spule des
-Transformators und parallel zu ihr -- die sekundäre Spule hatte er
-entfernt -- so leuchtete die Glühlampe hell auf, aber nicht wie vorhin,
-sondern der Faden glühte gerade so, als wenn die Lampe unmittelbar an
-den Akkumulator angeschlossen wäre.
-
-[Illustration: Abb. 219. Zum zweiten Teslaschen Lampenversuch.]
-
-Für Transformatoren mit spiraligen statt schneckenförmigen Spulen muß
-für diesen Versuch natürlich die Glühlampe auch an einen spiralig
-gewundenen Draht angeschlossen werden, wie Abb. 219 zeigt. Dabei ist
-aber darauf zu achten, daß die Steighöhe der Spirale (das heißt der
-Abstand zwischen den einzelnen Windungen) ~gleich~ der der primären
-Wickelung des Transformators ist. Die Längsachsen der Spiralen müssen
-einander parallel sein, wenn Induktionswirkungen auftreten sollen.
-
-Das war Rudis letzter Versuch. Mit einem Dank für das zahlreiche
-Erscheinen seiner Zuhörer schloß er den Vortrag ab.
-
-Während nun Rudis Mutter die verschiedenen Tanten noch mit einem
-Tee erfrischte, mußte der jugendliche Dozent noch manche Frage
-beantworten; aber gar häufig blieb ihm nichts anderes übrig als zu
-sagen: „Das wissen ~wir~ nicht.“ Dann kam auch sein uns schon bekannter
-kritischer Onkel zu ihm und machte ihn auf manches Wissenswerte
-aufmerksam. Wir halten es darum für angebracht, des Onkels Kritik der
-Hauptsache nach noch anzuführen:
-
-[Sidenote: Kritik.]
-
-„In der Einleitung des Vortrages hast du gesagt, einen Naturvorgang
-erklären heiße ihn mit einem anderen vergleichen. Das ist ja im
-allgemeinen ganz richtig. Du führtest aber da ein Beispiel an, in
-welchem der Vergleich eben gerade ~nicht~ einer Erklärung entspricht:
-Ich vergleiche den elektrischen Strom mit dem Wasserstrom in einer
-Leitung nur, um mir ein Bild zu machen. So sagt man z. B., der
-elektrische Strom ~fließt~ vom positiven zum negativen Pol. Mit
-diesem Ausdruck hantieren wir in dem ganzen Gebiet der praktischen
-Elektrotechnik; aber eine Erklärung ist dieses Bild nicht.
-
-Für wirkliche Erklärungen können die Vergleiche gelten, die wir
-zwischen den Erscheinungen im Äther und den Wellenbewegungen der von
-unseren Sinnen erkennbaren Materien wie Luft, Wasser, ausgespannte
-Seile u. s. w. anstellen. Wenn mich also jemand fragte: ‚Was ist
-Licht?‘ so würde ich sagen: Licht ist eine ~Wellenbewegung~, durch
-bestimmte Ursachen hervorgerufen in einem Medium, das wir mit unseren
-Sinnen nicht unmittelbar erkennen können. Bei dieser Erklärung liegt in
-dem Worte ~Wellenbewegung~ der Vergleich. --
-
-Eine Definition des Äthers geben zu wollen, ist heute noch sehr gewagt;
-theoretisch müssen wir den Äther als festen Körper auffassen; aber
-abgesehen von dem rein äußerlichen Widerspruch dieser Annahme wird sie
-von einer ganz anderen Seite mit großem Erfolg angegriffen. Ebenso
-haben auch die neuesten Forschungen auf dem Gebiet der Ätherphysik
-die von dir zitierte Anschauung, daß alle Naturerscheinungen auf
-die ~mechanischen~ Grundtatsachen zurückzuführen seien, vollkommen
-überwunden; nicht mehr mechanisch, sondern ~elektromagnetisch~ erklärt
-man heute alle Physik, auch die Mechanik.
-
-Der Drehspiegelversuch ist ja scheinbar sehr schön gelungen, aber
-nur scheinbar; dieser Versuch läßt sich mit so einfachen Mitteln gar
-nicht ausführen, da die Schwingungen viel zu schnell sind, als daß
-sie von einem so verhältnismäßig langsam rotierenden Spiegel zerlegt
-werden könnten. Was man bei deinem Experiment sah, waren nicht die
-Perioden der Oszillation, sondern wahrscheinlich die des Unterbrechers
-am Funkeninduktor. Immerhin war das Experiment anschaulich und hat das
-Wesen derartiger Untersuchungen gut wiedergegeben.
-
-Ferner halte ich die Reihenfolge der einzelnen Experimente bei zwei
-Gruppen von Versuchen für ungeschickt gewählt. Erstens hätte ich bei
-dem Drehspiegelversuch das kontinuierliche Lichtband der Kerzenflamme
-~vor~ den unterbrochenen Funkenbildern gezeigt. Ebenso wäre es bei der
-Resonanz besser gewesen, zuerst den Pendelversuch, dann die akustische
-und zuletzt die elektrische Resonanz zu zeigen, da es zum Verständnis
-immer besser ist, das Einfachere, das am leichtesten Begreifliche
-zuerst zu bringen.
-
-So hätte ich auch vor den Ausführungen über Ätherwellen ein
-sinnenfälliges Beispiel gebracht. Du hättest z. B. ein Seil mit einem
-Ende irgendwo befestigen können; das andere Ende hättest du dann in
-die Hand genommen und das mäßig gespannte Seil geschlingert, so daß
-es die Bewegung regelrechter Wellen deutlich zeigte. Außerdem hätte
-ich den sehr wesentlichen Unterschied zwischen Schall- und Ätherwellen
-hervorgehoben. Die Schallwellen sind sogenannte Longitudinalwellen,
-das heißt Wellen, die dadurch entstehen, daß sich die einzelnen -- in
-diesem Falle Luft- -- Teilchen ~in~ der Fortpflanzungsrichtung hin und
-her bewegen. Die Ätherwellen dagegen sind Transversalwellen, bei denen
-sich die einzelnen Teilchen ~senkrecht~ zur Fortpflanzungsrichtung
-bewegen.
-
-Eine richtige Longitudinalwelle kann man oft bei in Reih’ und Glied
-aufgestellten Soldaten sehen. Wenn die einzelnen Leute mit zu großen
-Abständen stehen, so daß man also überall noch hindurchsehen kann, und
-der rechte Flügelmann macht, einem Befehl gehorchend, einen großen
-Schritt nach links und dann, erkennend, daß der Schritt zu groß war,
-einen kleinen wieder nach rechts, so kann man folgendes Bild sehen:
-Bei dem ersten Schritt hat der Flügelmann seinen Nachbar angestoßen;
-dieser stößt, ebenfalls nach links tretend, den dritten Mann, der
-wieder den vierten u. s. f. Im ersten Augenblick kann man also
-zwischen den ersten drei oder vier Mann ~nicht~ mehr hindurchsehen,
-was zur Folge hat, daß diese Stelle des Gliedes gewissermaßen dunkler
-erscheint. Nun geht aber der erste Mann, der zweite u. s. f. wieder
-etwas zurück, dadurch werden die Abstände wieder etwas größer, die
-Stelle im Glied, die eben uns dunkel erschien, sieht jetzt wieder
-heller aus, dafür sieht die nächste Gruppe von drei oder vier Mann
-wieder dunkel aus und wird dann wieder hell, und so geht das fort.
-Es hat das Aussehen, als ob ein dunkler Fleck sich ziemlich rasch
-vom rechten zum linken Flügelmann fortbewegte. Steht nun der linke
-Flügelmann recht fest und weicht dem Anstoß nicht, so wandert der
-dunkle Fleck wieder zurück. Man hat dabei nicht nur das ~Bild~ einer
-Longitudinalwelle, sondern tatsächlich eine solche Welle selbst.
-
-Die Vorstellung einer Ätherwelle ist schon viel schwieriger. Das vorhin
-erwähnte Seil gibt nur ein unzulängliches Bild einer Ätherwelle, obwohl
-beide, sowohl die Seil- wie die Ätherwelle Transversalwellen sind.
-Jedoch zur Demonstration reicht das völlig aus.
-
-Man hat ja Apparate konstruiert, welche Bilder der verschiedenen
-Wellengattungen geben. Du hättest dir ganz einfach einen
-Longitudinalwellenapparat konstruieren können. Den macht man so: Man
-stellt sich aus Holzleisten einen 20 cm hohen rechteckigen Rahmen her,
-der senkrecht stehend auf einem Grundbrett befestigt wird. Die eine der
-senkrechten Seiten sei aus dickem Holz und gut im Grundbrett befestigt,
-die andere eine dünne, elastische Leiste. Die Länge ergibt sich von
-selbst. An der oberen Querleiste des Rahmens werden an 10 bis 15 _cm_
-langen Fäden 20 bis 50 gleich große und gleich schwere schwarze Holz-
-oder Steinkugeln so aufgehängt, daß zwischen je zwei eine 3 bis 5 _mm_
-große Strecke frei bleibt. Die erste und die letzte Kugel soll gerade
-an der betreffenden senkrechten Seite des Rahmens anliegen. Hinter den
-schwarzen Kugeln stellt man einen weißen Karton auf.
-
-Um nun eine Longitudinalwelle hervorzurufen, schlägt man mit einem
-kleinen Hammer leicht außen an die Stelle der dünnen Seitenleiste,
-an der innen die erste Kugel anliegt. Die Erscheinung ist dann genau
-dieselbe, wie ich sie vorhin bei den Soldaten beschrieben habe. --
-
-Jetzt noch eines. Bei den Teslaversuchen haben die Entladungsfunken
-nicht nur durch ihren Lärm, sondern auch durch ihr sehr blendendes
-Licht gestört. Du hättest das Funkenmikrometer in ein Kästchen aus
-Hartgummi- oder Vulkanfiberplatten einschließen sollen. Man könnte auch
-über die Zinkstücke runde Korkscheibchen schieben und darüber eine
-hinreichend weite Glasröhre stecken.“
-
-[Illustration: Abb. 220. Rudi an seinem Experimentiertisch.
-
-Die Apparate sind von links nach rechts gesehen: Akkumulatorenbatterie,
-Teslatransformator, Vertikalgalvanoskop, Rheostat, Funkenmikrometer,
-Lichtschutz für den Fluoreszenzschirm, Röntgenröhre, Righischer
-Radiator, Funkeninduktor, Influenzmaschine, Leidener Flasche.]
-
-Das war der letzte Vortrag, den Rudi aus dem Gebiet der Elektrophysik
-hielt. Er hatte sich noch eine ganze Anzahl von Apparaten hergestellt,
-die für jeden jungen Elektrotechniker Interesse haben, und die darum
-noch einzeln beschrieben werden sollen.
-
-
- [7] Vergleiche die Kritik am Ende des Vortrages.
-
- [8] Siehe die Kritik am Ende des Vortrags.
-
- [9] Besser ist es, die Gabeln mit einem Cello- oder Baßgeigenbogen,
- der reichlich mit Kolophonium zu versehen ist, anzustreichen; man
- zieht den Bogen dabei über die Endflächen der Gabelzinken.
-
- [10] Er kann viel einfacher sein; der Petroleumbehälter ist nicht
- unbedingt nötig.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Anhang.
-
-Wie man sich eine Telephonanlage herstellen kann.
-
-
-Da Stahlmagnete, wie sie für Telephone gebraucht werden, nicht im
-Handel zu bekommen sind, auch ziemlich teuer wären und wir sie kaum mit
-genügender Sorgfalt selbst herstellen könnten, so verwenden wir statt
-dessen Elektromagnete. Wir können dann auch den immerhin umständlich
-herzustellenden Transformator ganz weglassen, das heißt, ihn durch eine
-ganz besondere Anordnung ersetzen.
-
-Für eine Fernsprechanlage sind natürlich zwei vollkommen gleiche
-Stationen nötig. Im folgenden werden alle Angaben nur für eine Station
-gemacht, man hat sich also alles angegebene Material doppelt zu
-beschaffen.
-
-[Sidenote: Das Mikrophon.]
-
-Aus Zigarrenkistenholz sägen wir uns zwei Ringe; ihr innerer
-Durchmesser sei 7, ihr äußerer 9 _cm_. Zwischen sie wird mit gutem
-Tischlerleim ein in Wasser aufgeweichtes Pergamentpapier geklebt;
-dabei sollen die Fasern des Holzes der beiden Ringe einander senkrecht
-kreuzen. Außerdem müssen die Ringe mit einer nicht zu geringen Anzahl
-von Drahtstiftchen zusammengenagelt werden.
-
-Die Kohlenkontakte stellen wir uns aus Reststücken von
-Bogenlampenkohlen oder aus Elementkohlen her. Letztere dürfen aber
-noch nicht viel in der Elementfüllung gestanden haben. Wir brauchen
-zwei rechteckige Stücke; Form und Größe geben wir ihnen durch
-Sägen und durch Schleifen auf einem rauhen Stein. Jedes Stück ist
-40 : 15 : 10 _mm_ groß. Außerdem brauchen wir vier kleine Walzen mit
-kegelförmig zugespitzten Enden; diese sind 20 _mm_ lang, 7 _mm_ dick.
-In die rechteckigen Stücke werden mit einem Versenker (Krauskopf)
-vier trichterförmige Vertiefungen gebohrt. Abb. 221 zeigt in _a_ und
-_b_ diese Kohlenteile. Darauf werden, wie aus Abb. 222 hervorgeht,
-die beiden Kohlenstücke, die mit ihren Vertiefungen die vier Rollen
-zwischen sich aufgenommen haben, so auf die Pergamentmembrane _m_
-aufgeleimt, daß die kleinen Walzen nicht herausfallen können, aber doch
-völlig freien Spielraum haben, sich nirgends klemmen, und nur ganz lose
-aufliegen.
-
-[Illustration: Abb. 221. Kohlen zum Mikrophon.]
-
-[Illustration: Abb. 222. Mikrophon.]
-
-Aus starkem Messingdraht biegen wir zwei hufeisenförmige Klammern,
-löten an jeder einen Kupferdraht (_c_, _d_) fest, den wir zur Spirale
-drehen. Die Klammern werden so über die Kohlen geschoben (Abb. 222),
-daß diese mit Federkraft fest umschließen. Endlich wird der Holzring
-_R_ noch mit drei je 2 _cm_ hohen Holzstollen _A_, _B_, _C_ versehen.
-
-[Sidenote: Das Telephon.]
-
-Weniger einfach gestaltet sich die Herstellung des Hörapparates, des
-~Telephones~. Den Kern für den Elektromagnet biegt man sich (in kaltem
-Zustande) aus gewöhnlichem Bandeisen in Hufeisenform. Aus Abb. 223
-gehen alle Maße deutlich hervor. Die Enden des Hufeisens feilt man auf
-eine Ausdehnung von 18 _mm_ zu Zylindern von 7 _mm_ Durchmesser (Abb.
-224).
-
-[Illustration: Abb. 223. Hufeisenmagnet für das Telephon.]
-
-Die Rähmchen für die Drahtspulen fertigen wir aus dünnem (Messing-,
-Kupfer- oder) ~Zinkblech~. Sie sollen genau über die Schenkel des
-Magnetkernes passen und 4 _cm_ hoch sein. Ihre Form geht hinreichend
-deutlich aus Abb. 225 hervor. Die Spulen werden mit einer dicken
-Schellacklösung (Seite 5) überstrichen und nach dem Trocknen bewickelt.
-
-[Illustration: Abb. 224. Zylinderende des Magneten.]
-
-[Illustration: Abb. 225. Spule.]
-
-Für jede Spule brauchen wir 6 bis 7 _m_ mit Baumwolle isolierten, 0,7
-_mm_ starken Kupferdraht. Die Bewicklung ist sorgfältig auszuführen;
-jede Lage ist von der nächsten durch ein in Schellacklösung getränktes
-Papier zu trennen. Wir stellen vier oder fünf Lagen zu je 35 bis
-40 Windungen her. Die fertigen Spulen werden über die Schenkel des
-Magnetkernes geschoben und die zwei entsprechenden Drahtenden (siehe
-Seite 105 u. 133) miteinander ~verlötet~.
-
-Wir kommen jetzt zur Herstellung der sekundären Spulen, die auf
-das 18 _mm_ lange zylindrische Ende der Magnetschenkel geschoben
-werden sollen. (Über Anfertigung von Drahtspulen vergleiche Seite
-91, 165, 174 u. f.) Zur Anfertigung einer solchen Spule verfahren
-wir folgendermaßen. Wir umwinden eines der runden Schenkelenden mit
-einer regelmäßigen Lage von Nähfaden. Darüber wickeln wir in 3 bis
-4 Lagen dünnes Paraffinpapier in einem 16 _mm_ breiten Streifen.
-Darauf wird diese Paraffinhülle über einer Flamme etwas erwärmt, so
-daß sich das Paraffin zwischen den einzelnen Lagen vereinigt. Ist das
-durch die Erwärmung weich gewordene Papier wieder erstarrt, so ziehen
-wir den Faden zwischen Papier und Kern heraus und nehmen das kleine
-Papierröllchen ab. Es bildet die Grundlage für die Drahtspule. Bevor
-wir jedoch mit dem Bewickeln beginnen, umwickeln wir, wie vorhin das
-Polende, ein 7 _mm_ dickes, rundes Holzstäbchen mit Faden und schieben
-die kleine Papierhülle darauf, so daß sie fest sitzt.
-
-Zur Bewicklung nehmen wir 0,15 bis 0,2 _mm_ starken, mit ~Seide~
-isolierten Kupferdraht. Wir können eine Lage zu 60 Windungen rechnen,
-20 bis 30 Lagen sind erforderlich; für eine Windung brauchen wir im
-Durchschnitt 3,8 _cm_ Draht, somit brauchen wir für jede Spule (25
-Lagen angenommen) 25 · 60 · 38 _mm_ gleich 57 _m_ von 0,2 _mm_ starkem
-Draht. Sollen die beiden Stationen sehr weit auseinanderliegen (über
-1 bis 2 _km_), so empfiehlt es sich, 0,15 bis 0,1 _mm_ starken Draht
-zu gebrauchen und entsprechend mehr Windungen (bis 50 Lagen zu je 60
-Windungen) zu nehmen.
-
-Das Bewickeln führen wir am besten mit der Hand aus (Spulapparat Seite
-165 ist hierfür nicht zu empfehlen). Wir nehmen das Holzstäbchen mit
-dem Papierröllchen in die linke Hand, nachdem wir den Drahtanfang nahe
-dem Röllchen am Holzstäbchen befestigt haben. Dann drehen wir das
-Stäbchen zwischen Daumen und Zeigefinger der Linken und lassen den
-Draht durch die Rechte gleiten, mit dessen Daumen und Zeigefinger wir
-ihn lenken. Es muß Lage sorgfältig neben Lage gelegt werden. Sind wir
-nahe dem Ende des Papierröllchens angelangt, so ist die erste Lage
-beendet; sie wird mit heißem Paraffin bestrichen und mit einem dünnen
-Paraffinpapierplättchen umgeben. Schellack eignet sich hier deshalb
-nicht als Isoliermaterial, weil er zu langsam trocknet und die Finger
-in unangenehmer Weise klebrig macht. Darauf wird die zweite Lage gelegt
-u. s. w., bis die gewünschte Anzahl vorhanden ist.
-
-Spulenrähmchen mit Randscheiben zu verwenden, ist nicht vorteilhaft, da
-sie viel schwieriger zu bewickeln sind. Bei dem angegebenen Verfahren
-ist nur darauf zu achten, daß jede Lage genau so viel Windungen
-hat wie die vorhergehende; um das zu erreichen, brauchen die Lagen
-nicht gezählt zu werden, denn man sieht durch das durchscheinende
-Paraffinpapier, das beiderseits etwa 1 _mm_ überstehen soll, hindurch
-und erkennt leicht, wenn die eine Lage gerade so weit gewickelt ist als
-die vorhergehende.
-
-Die fertigen Spulen werden schließlich noch 2 bis 3mal mit einer dicken
-Schellacklösung überstrichen. -- Man achte darauf, daß die freien
-Drahtenden nicht abbrechen. Ist der letzte Schellacküberzug getrocknet,
-so werden die Spulen auf die Zylinderfortsätze der Elektromagnete
-geschoben, und die entsprechenden Drahtenden in derselben Weise wie die
-der primären Spulen miteinander verlötet.
-
-Abb. 226 zeigt die Anordnung der weiteren Teile des Telephons. Die
-primären Spulen (_B_, _a_ und _b_), -- die in der Abbildung übrigens
-versehentlich anstatt oval mit kreisrundem Schnitt gezeichnet sind, wie
-auch die Löcher in _a_ und _b_ oval sein müssen -- klemmen wir zwischen
-zwei Brettchen _c_ und _c₁_, die wir mittels der Holzschrauben _x_,
-_y_ und _z_ zusammenziehen. Auf diese Brettchen leimen wir eine aus
-Zigarrenkistenholz gesägte runde Scheibe (_C_, _I_), die zwei ovale
-Öffnungen (_a_ und _b_) hat, um die beiden Primärspulen des Magneten
-durchzulassen. Bei _A_ sehen wir die primären Spulen _a_ und _b_, das
-vordere Brettchen _c_, die Köpfe der drei Schrauben _x_, _y_ und _z_
-(in der Ansicht) und die Scheibe _I_ (im Schnitt) an dem Elektromagnet
-befestigt.
-
-[Illustration: Abb. 226. Die einzelnen Teile zum Telephon.]
-
-Am Rande der Scheibe _I_ errichten wir vier oder sechs nicht zu
-schwache Holzsäulen _S_, die in gleichmäßigen Abständen von unten her
-festzuschrauben sind. Diese Säulen müssen einen Rahmen _R_ tragen, der
-genau so hergestellt wird, wie der Rahmen _R_ des Mikrophons (Abb.
-222). Sein äußerer Durchmesser sei gleich dem der Scheibe _I_, sein
-innerer mindestens 7 _cm_. Genau in die Mitte der Pergamentmembrane
-_m_, auf die von den Magnetpolen abgewendete Seite, ist ein dünnes
-~kreisrundes~ Blechscheibchen _e_ aufzukleben, dessen Durchmesser 4 bis
-4,5 _cm_, also etwas mehr betragen soll, als der Abstand der äußeren
-Ränder der Polenden des Elektromagneten. Die Blechscheibe schneide man
-aus möglichst dünnem ~Weißblech~ mit einer gewöhnlichen Schere aus und
-achte dabei darauf, daß die Scheibe völlig eben und frei von Beulen
-bleibe. Das Aufleimen geschieht mit gewöhnlichem Tischlerleim oder
-Schellack.
-
-Darauf wird ein hinreichend langer Streifen Pergamentpapier, der so
-breit ist, als die Säulen _S_ hoch sind, etwas angefeuchtet, mit einem
-Ende an einer der Säulen angeklebt, dann mehrmals außen um die übrigen
-Säulen herumgewunden, und schließlich wird sein Ende wieder angeklebt.
-Es entsteht dadurch zwischen den Säulen ein völlig geschlossener Raum,
-in welchem die Magnetpole mit den sekundären Spulen eingeschlossen sind.
-
-An den Brettchen _c_ und _c₁_ bringen wir noch vier kleine
-Klemmschrauben α, β, γ und δ an. In der Abb. 226 sind die Klemmen β
-und δ so gezeichnet, als säßen sie auch an _c_, während sie an dem
-verdeckten _c₁_ zu befestigen sind. Die Drahtenden der primären Spule
-werden an α und β, die der sekundären an γ und δ angelötet. Wo es sich
-irgend ermöglichen läßt, sollen Drahtverbindungen immer angelötet
-werden.
-
-[Illustration: Abb. 227. Schnitt durch den Schallbecher.]
-
-Wir müssen jetzt noch über der Membrane einen Schallbecher anbringen.
-Wer eine Drehbank besitzt, dreht sich den Schallbecher aus einem Stück
-Holz. Wir können ihn aber auch ohne Drehbank sehr einfach auf folgende
-Weise herstellen. Wir sägen aus ~dünnem~ Zigarrenkistenholz oder aus
-starkem Pappendeckel sieben runde Scheiben (1 bis 7 in Abb. 227) von
-der Größe der in Abb. 226_c_ dargestellten und versehen jede mit
-einer einzigen zentralen Öffnung; die in Nr. 1 soll 1,5 bis 2 _cm_
-Durchmesser haben, die von Nr. 2 etwas mehr u. s. w. bis bei Nr. 7 der
-Durchmesser 6 bis 7 _cm_ groß ist. Diese sieben Brettchen -- wenn wir
-dickere Brettchen verwenden, genügen auch fünf -- werden, wie aus Abb.
-9 zu erkennen ist, aufeinandergeleimt; dann feilen wir die Kanten der
-treppenartigen Innenseite (in Abb. 227 ~rechts~) etwas rund (in Abb.
-227 ~links~) und leimen den Schalltrichter auf den Ring _R_ auf.
-
-Die Entfernung der Membrane von den Magnetpolen soll 0,5 bis 1 _mm_
-betragen; jedenfalls darf sie nicht zu nahe stehen, so daß sie durch
-die Anziehung des Elektromagneten auf das Blechplättchen mit den
-Magnetpolen in Berührung kommt. Man kann den Abstand leicht regulieren,
-indem man die Schrauben _x_, _y_, _z_ (in Abb. 226) etwas lockert, die
-Membrane mit dem ganzen Gehäuse in die richtige Lage bringt und danach
-die drei Schrauben wieder fest anzieht.
-
-Die für jede Station nötige Anrufklingel können wir uns ebenfalls
-selbst herstellen, nach der auf Seite 113 gegebenen Beschreibung.
-Ferner brauchen wir für jede Station 3 bis 4 gute Salmiakelemente
-(siehe Seite 58 u. f.).
-
-[Sidenote: Die Schaltvorrichtung.]
-
-Das Mikrophon und den Umschalter, vielleicht auch die Glocke,
-montieren wir auf einem mit Rückleisten versehenen starken Brette von
-passender Größe. Oben in der Mitte wird das Mikrophon _M_ befestigt,
-die Kohlenkontakte nach dem Brette zugekehrt (Abb. 228). Bei _P_ ist
-der Drehpunkt eines Hebels _a_, der von einer hinreichend starken
-Spiralfeder _F_ nach oben gezogen wird. Der Hebel wird aus einer dünnen
-Eisenstange oder einem hinreichend starken, nötigenfalls doppelten
-Blechstreifen hergestellt. An seinem Ende ist er so gebogen, daß
-das Telephon _T_ eingehängt werden kann, von dessen Gewicht er nach
-unten gezogen wird. Dieser Hebel wird mit einem mit Schellacklösung
-getränkten Leinenstreifen umwickelt. Darauf wird an drei Stellen (1,
-2, 3) je ein Streifen aus Messing- oder Kupferblech um den bewickelten
-Hebel herumgewunden. Die drei Streifen müssen völlig voneinander
-isoliert unverrückbar festsitzen, was man durch Anwendung von etwas
-Schellackkitt (Seite 5) am sichersten erreicht.
-
-[Illustration: Abb. 228. Schaltungsschema der Telephonanlage.]
-
-Jetzt schrauben wir unter dem mittleren (2) Blechring zwei
-Messingblechstreifen parallel nebeneinander so auf dem Grundbrett
-fest, daß sie federnd von hinten gegen den Ring 2 des niedergezogenen
-Hebels drücken und dadurch zwischen ihnen eine metallische Verbindung
-hergestellt wird. Zwei andere Paare von Messingblechstreifen stehen in
-ähnlicher Beziehung zu den Blechstücken 1 und 3, mit dem Unterschied,
-daß sie sich nicht unter, sondern über ihm befinden, der Kontakt also
-nur dann hergestellt wird, wenn durch das Aushängen des Telephons der
-Hebel von der Feder in die Höhe gezogen wird, in welcher Lage dann die
-beiden Messingstreifen bei 2 wieder voneinander isoliert sind.
-
-Ein zweiter Arm _b_ ist als zweiarmiger Hebel um die Achse _P¹_ drehbar
-und wird durch eine Feder _F¹_ links nach unten, also rechts nach oben
-gezogen. Er ist gerade wie der Hebelarm _a_ mit einem in Schellack
-getränkten Leinenstreifen zu umwickeln und trägt zwei Blechstücke (4
-und 5), die genau wie bei _a_ zu befestigen sind. ~Über~ 4 und ~unter~
-5 sind ebenfalls zwei Blechstreifen angebracht.
-
-Es ist nun noch zu besprechen, wie die einzelnen Teile miteinander
-zu verbinden sind. In der Abb. 228 sind die einzelnen Drähte weit
-auseinandergerückt gezeichnet, um das Schema übersichtlicher zu
-gestalten. In Wirklichkeit bohren wir bei den Stücken, an welche die
-Verbindungsdrähte angeschlossen werden sollen, Löcher durch das Brett
-und führen den Draht auf der Rückseite den kürzesten Weg zur nächsten
-Verbindungsstelle. Die Verbindungen sind mit isolierten, etwa 1 _mm_
-starken Kupferdrähten herzustellen.
-
-Der erste Stromkreis ist in der Abbildung durch einen ausgezogenen
-Strich dargestellt: er beginnt bei dem Zinkpol der Batterie _B_ und
-führt zur Klemmschraube _e_; von da führt eine weiche, etwa 1 _m_ lange
-Leitungsschnur zu der Klemme α der primären Telephonwickelung, von
-dessen Klemme β wiederum eine Leitungsschnur zu der Klemme _f_; sie
-ist mit dem Drahtende _c_ des Mikrophons verbunden, dessen Drahtende
-_d_ mit dem einen Metallstreifen bei 3 in leitender Verbindung steht.
-Der andere Blechstreifen bei 3 ist mit dem positiven Pole der Batterie
-verbunden.
-
-Der Strom des zweiten Kreises nimmt folgenden Weg: er kommt durch die
-Fernleitung _x_ zu Klemme _k_, geht von da durch eine Leitungsschnur zu
-δ, durch die sekundären Spulen zu γ, von γ durch eine Leitungsschnur
-zur Klemme _i_, von da zu dem einen Blechstreifen bei 1 und von dem
-anderen Blechstreifen zur Fernleitung _y_. Dieser Weg ist in der Figur
-einfach gestrichelt.
-
-Der dritte Stromkreis (punktiert) geht von der Fernleitung _x_ durch
-die Glocke _G_, den Kontakt 4, dann durch den Kontakt 2 zur Fernleitung
-_y_.
-
-Der vierte Stromkreis (strich-punktiert) nimmt vom negativen Pole der
-Batterie seinen Weg durch den Kontakt 5 zur Fernleitung _x_ und kommt
-durch _y_ zum positiven Pole der Batterie zurück.
-
-Hiermit ist die Ausrüstung einer Station beendet; wenn zwei solcher
-Stationen vorhanden sind, so braucht man sie nur noch durch eine
-doppelte Fernleitung miteinander zu verbinden, also die beiden _x_
-miteinander und ebenso die beiden _y_.
-
-Ist die Fernleitung sehr lang, so wird es unter Umständen nötig, für
-die ~Klingel~ ein Relais einzuschalten. Über die Herstellung eines
-Relais und dessen Schaltung siehe Seite 121.
-
-Will man nun von Station I mit Station II sprechen, so drückt man
-kurze Zeit den Hebel _b_ herab, um zunächst anzurufen. Dadurch wird
-folgender Stromkreis geschlossen: von dem positiven Pole der Batterie
-_B_ nach _y_, von da durch die Fernleitung nach dem _y_ der Station
-II, daselbst zum Kontakte 2, dann zum Kontakte 4, zur Glocke _G_, nach
-_x_, durch die Fernleitung zurück zum _x_ der Station I, zum Kontakte
-5 (der hier durch das Herabdrücken des Hebels _b_ geschlossen ist)
-und zurück zur Batterie. Demnach wird an der Station II die Klingel
-ertönen. Nun werden an beiden Stationen die Telephone abgehängt und die
-Hebel _a_ gehen in die Höhe; dadurch ist an jeder Station folgender
-Stromkreis geschlossen: von dem positiven Pole der Batterie _B_ durch
-den Kontakt 3 nach _d_ am Mikrophone, durch dessen Kohlenkontakt 1 nach
-_c_, von hier über _f_ nach β am Telephon, durch dessen primäre Spule
-nach _d_ und _e_, endlich zurück zur Batterie. Durch den so fließenden
-Strom wird der Elektromagnet des Telephons erregt. Wird nun gegen das
-Mikrophon gesprochen, so wird die Membrane durch die aufschlagenden
-Luftwellen erschüttert und mit ihr die Kohlenstücke. Durch die Bewegung
-der letzteren schwankt aber der Widerstand des Kohlenkontaktes, damit
-auch die Stärke des den Magnet umfließenden Stromes. Neben den hier
-dargelegten Lokalstromkreisen ist aber auch noch ein Fernstromkreis
-geschlossen, der beide Stationen verbindet; dieser verläuft von _x_
-an der Station I nach _k_, dann nach δ am Telephon, durch dessen
-sekundäre Spule nach γ, über _i_ durch den Kontakt 1 nach _y_ durch
-die Fernleitung zum _y_ der Station II, daselbst durch den Kontakt 1
-über _i_ nach γ, durch die sekundäre Spule des Telephons nach δ, über
-_k_ nach _x_ und durch die Fernleitung zurück zum _x_ der Station I.
-In Abb. 229 ist die Hauptsache dieser Darlegungen in einem Schema
-übersichtlich zusammengefaßt: rechts ein Lokalstrom, der die Batterie
-_B_, das Mikrophon _M_ und die primäre Spule des Telephons _T_ in sich
-schließt, links ein ebensolcher mit _B₁_, _M₁_ und _T₁_; zwischen
-beiden Stationen ist die Fernleitung, die rechts und links durch die
-sekundären Spulen von _T_ und _T₁_ geschlossen ist.
-
-[Illustration: Abb. 229. Wirkungsschema der Telephonanlage.]
-
-Es wurde schon erwähnt, daß durch Sprechen gegen die Membran des
-Mikrophons der Station I die Magnetkraft in dem dortigen Telephon
-zum Schwanken komme; dieses Schwanken ruft in den sekundären Spulen
-Induktionsströme hervor (vergleiche Seite 137), die durch die
-Fernleitung fließen und an der Station II in den sekundären Spulen des
-dortigen Telephons die Magnetpole umkreisen, deren Magnetkraft dadurch
-ebenfalls ins Schwanken gebracht wird. Dieses Schwanken erfolgt genau
-in dem Rhythmus der das Mikrophon treffenden Schallwellen, weshalb die
-mit dem Blechscheibchen beklebte Pergamentmembran die gleichen Töne
-wiedergibt, die gegen das Mikrophon gesprochen werden (vergleiche auch
-Seite 200 bis 204).
-
-
-Wie man sich Rheostate herstellen kann.
-
-~Rheostate~ oder ~Regulierwiderstände~ sind beim Arbeiten mit stärkeren
-Strömen fast unentbehrlich. Es sei darum im folgenden die Herstellung
-von Rheostaten beschrieben.
-
-Gewöhnlich verwendet man für Regulierwiderstände schlechtleitende
-Metalllegierungen wie Nickelin oder Konstantan. Diese sind jedoch
-ziemlich teuer, und es wird deshalb manchem jungen Physiker erwünscht
-sein, zu erfahren, wie man sich Widerstände aus billigerem Material
-herstellen kann.
-
-[Illustration: Abb. 230. Graphitstäbe des Rheostaten mit ihren
-Drahtansätzen.]
-
-Wir verwenden den ziemlich schlecht leitenden Graphit, den wir in Form
-von Stäben der geringsten Sorte von Bleistiften entnehmen. Auf die Güte
-des Graphits und des Holzes zu Zeichenzwecken kommt es nicht an, es ist
-nur darauf zu sehen, daß die Graphitsäulen nicht schon von vornherein
-in der Holzfassung gebrochen sind. Das Holz entfernt man, indem man es
-abbrennt.
-
-Wir brauchen für unseren Rheostat sechs Graphitstäbe; jeder einzelne
-Stab wird an beiden Enden mit dünnem, blankem Kupferdraht fest
-umwickelt, und die einzelnen Windungen dieser Umwicklung werden
-verlötet. Diese Drahtansätze sollen an den oberen Enden 5 _cm_, an
-den unteren 10 _cm_ lang sein. Die kurzen Drähte von je zwei Stäben
-drehen wir mit einem weiteren Drahte, der um 15 _cm_ länger als ein
-Graphitstab ist, zusammen und erhalten so drei Stabpaare, deren jedes
-unten drei Drahtenden (_a_, _b_, _c_ in Abb. 230) aufweist. Diese
-drei Stabpaare werden auf einem quadratischen Brett von etwa 25 _cm_
-Seitenlänge in Gips oder Zement eingebettet. Man streicht auf das
-Brett eine 1 bis 1,5 _cm_ hohe Gipsschicht; der Gips soll nicht zu
-dünnflüssig, aber doch gut plastisch sein. Nachdem man die auf den Brei
-gelegten Graphitstäbe mit einem ebenen Brette gleichmäßig eingedrückt
-hat, schlägt man an acht bis zehn Stellen je einen Nagel mit breitem
-Kopf so weit in das Brett ein, daß er noch etwa 5 _mm_ weit über die
-Gipsschicht herausragt, welche daraus reichlich mit Wasser übergossen
-und dann mit einer zweiten Gipsschicht von etwa 1 _cm_ Dicke überdeckt
-wird. Oberfläche und Ränder des Gipsblockes werden nun noch glatt
-gestrichen und das Ganze läßt man dann in horizontaler Lage trocknen.
-
-[Illustration: Abb. 231 Der fertige Graphitrheostat.]
-
-Darnach wird, wie aus Abb. 231 hervorgeht, das Brett mit dem Gipsblock
-auf ein zweites größeres Brett aufgeschraubt, auf welchem auch der
-Schalthebel und die Klemmen angebracht werden.
-
-Man schlägt um den Punkt _A_ einen Kreisbogen mit dem Radius _b_
-und markiert sich darauf sieben Punkte, mit gegenseitigen Abständen
-von etwa 2 _cm_. In jedem dieser Punkte wird ein Ziernagel mit
-flachgewölbtem Messingkopf eingeschlagen, jedoch vorerst so, daß die
-Köpfe das Brett nicht berühren. Um die sieben Ziernägel werden die
-neun Drahtenden in folgender Weise herumgewickelt: Draht 1 um Nagel
-1, Draht 2 um Nagel 2, Draht 3 und 4 um Nagel 3, Draht 5 um Nagel 4,
-Draht 6 und 7 um Nagel 5, Draht 8 um Nagel 6, Draht 9 um Nagel 7, um
-welch letzteren man außerdem einen nachher zur Klemme _F_ zu führenden,
-dicken Kupferdraht schlingt. Darauf werden die Ziernägel vollständig
-eingeschlagen und die Drähte außerdem noch mit den Nagelköpfen verlötet.
-
-Der Kontakthebel _C_ wird aus einem Streifen starken Kupfer- oder
-Messingblechs hergestellt, das bei _A_ eine Bohrung erhält und dessen
-eines Ende mit einem Holzgriff _a_ versehen wird. Die Befestigung des
-Kontakthebels geschieht in folgender Weise (Abb. 232).
-
-[Illustration: Abb. 232. Befestigung des Kontakthebels.]
-
-Eine kreisrunde Scheibe _b_ aus dickem Kupfer- oder Messingblech wird
-in der Mitte mit einem Loche versehen und dann mittels zweier Schrauben
-mit versenkten Köpfen auf dem Holze _a_ befestigt; darauf legen wir den
-Kontakthebel _c_ so auf die Scheibe _b_, daß seine Durchbohrung auf
-deren Mitte liegt, bedecken diese Bohrung mit einer kleinen Spiralfeder
-_d_ und stecken durch diese, durch den Hebel und durch die Scheibe die
-Schraube _e_, die in _a_ eingeschraubt wird. An der Scheibe _b_ wird
-ein Kupferdraht _f_ angelötet, der zu der Klemme _E_ (Abb. 231) führt.
-
-Steht der Kontakthebel so wie in Abb. 231, so ist kein Widerstand
-eingeschaltet. Wird er aber nach links gedreht, so muß der Strom seinen
-Weg zuerst durch ~einen~, dann durch zwei und schließlich durch alle
-sechs Graphitstäbe nehmen.
-
-Die Graphitstäbe könnte man auch freistehend oder liegend befestigen;
-da sie jedoch sehr zerbrechlich sind, so ist das angegebene Verfahren
-vorzuziehen. Auch ist dann, wenn die Stäbe durch starke Ströme glühend
-werden, eine Gefahr ausgeschlossen.
-
-Haben die Graphitstäbe einen Querschnitt von 3 _qmm_, so ertragen sie
-eine Stromstärke von 20 bis 25 Ampere. Soll ein solcher Rheostat auch
-größeren Stromstärken standhalten, so müssen dickere Graphitstäbe
-gebraucht oder jeweils zwei nebeneinander geschaltet werden.
-
-Will man die Stromstärken feiner regulieren können, als es das
-jeweilige Ein- oder Ausschalten eines ganzen Graphitstabes erlaubt,
-so macht man das Grundbrett des oben beschriebenen Rheostaten etwas
-größer und bringt noch einen zweiten Drehhebel an, der auch über eine
-bogenförmige Reihe von Nagelköpfen schleift. Diese Nagelköpfe sind,
-wie aus Abb. 233 hervorgeht, alle mit einem einzigen, ebenfalls in
-den Gipsblock einzubettenden Graphitstab verbunden. Die Drähte, mit
-deren Zahl die Feinheit der Regulierbarkeit wächst, sind in gleichen
-Abständen voneinander um den Graphitstab herumzuwinden.
-
-[Illustration: Abb. 233. Widerstand für feine Regulierung.]
-
-Um schlechte Kontaktstellen zu vermeiden -- an solchen könnten bei
-starken Strömen schädliche Lichtbogen auftreten -- stelle man die
-Verbindung der Drähte mit dem Graphitstab folgendermaßen her. Man
-windet einen mit Glaspapier gereinigten etwa 0,6 _mm_ starken,
-~weichen~ Kupferdraht an der betreffenden Stelle in fünf regelmäßigen
-Windungen ~fest~ um den Graphitstab herum und dreht dann den Anfang und
-das Ende dieses Drahtstückchens fest zusammen. Auf diese Umwickelung
-wird dann ein starker (1 bis 1,5 _mm_) Kupferdraht aufgelötet, der zu
-den Kontaktköpfen führt.
-
-Dieser Sonderrheostat wird zwischen dem siebten Kontaktkopf und der
-Klemme _F_ eingeschaltet.
-
-Da der eben beschriebene Apparat wohl allen Anforderungen des jungen
-Lesers genügt, so will ich mit der Beschreibung anderer Konstruktionen
-keine Zeit verlieren; sie seien nur der Vollkommenheit wegen kurz
-erwähnt:
-
-Der Rheostat mit Nickelin oder Konstantandrähten ist im Prinzip genau
-so konstruiert wie der Graphitrheostat. Die Drähte werden aber nicht
-in Gips eingelegt, sondern zu Spiralen gedreht, die in Holzrahmen
-ausgespannt werden. Abb. 234 zeigt eine derartige Einrichtung.
-
-[Illustration: Abb. 234. Nickelinrheostat.]
-
-[Illustration: Abb. 235. Glühlampenrheostat.]
-
-Abb. 235 zeigt einen Glühlampenrheostat. Je mehr Glühlampen
-~nebeneinander~ in einen Stromkreis eingeschaltet werden, desto
-geringer wird der Widerstand. Mit der Zahl der ~hintereinander~
-eingeschalteten Lampen wächst der Widerstand. Bei dem in Abb. 235
-gezeichneten Apparat können 1 bis 20 Lampen nebeneinander in einen
-Stromkreis eingeschaltet werden.
-
-Es ist vorteilhaft, wenn die Widerstände, mit denen man arbeitet,
-~geeicht~ sind. Über das Messen von Widerständen siehe Seite 109.
-
-
-Der Taschenakkumulator.
-
-Die Selbstherstellung eines Akkumulators wurde schon auf Seite 72 bis
-80 ausführlich beschrieben. Abgesehen davon, daß ein Akkumulator, den
-man in der Tasche tragen können soll, viel kleiner, leichter und enger
-gebaut sein muß, ist ein vollkommen dichter Abschluß des Gefäßes von
-größter Wichtigkeit.
-
-Die Außenmaße für den Behälter sollen betragen: 10 _cm_ in der Breite,
-13 _cm_ in der Höhe und 1,7 _cm_ in der Dicke. Der Akkumulator soll
-aus drei Zellen bestehen, also 6 Volt liefern; jede Zelle enthalte
-3 Platten, die parallel der Breitseite oder 5 Platten, die parallel
-der Schmalseite eingebaut werden. Die Platten werden aus 1 _mm_
-dickem Bleiblech genau so hergestellt, wie schon auf Seite 73 u. 74
-beschrieben wurde. Zwischen den beiden äußersten (negativen) Platten
-einer Zelle und der Gefäßwand braucht kein Zwischenraum zu bleiben.
-
-Es handelt sich also nur noch um das Material, aus dem wir das Gefäß,
-und um die Masse, aus der wir den Verschluß herstellen.
-
-Für das Gefäß ist Zelluloid bei weitem das geeignetste, freilich auch
-das teuerste Material. Wir beschaffen uns Platten in passender Größe
-von etwa 1 _mm_ Dicke. Dabei ist nicht zu vergessen, daß das flache
-Gefäß drei Abteilungen, also zwei querteilende Zwischenwände haben muß.
-
-Die Zelluloidplatten bestellen wir uns am besten schon in passender
-Größe, andernfalls schneiden wir sie mit einer guten Schere zurecht,
-was sich aber nur dann gut bewerkstelligen läßt, wenn das Zelluloid
-nicht spröde ist. In diesem Falle wird es mit der Messerspitze
-angeschnitten, so zwischen zwei scharfkantige Brettchen gelegt, daß der
-Schnitt mit den Kanten der Brettchen zusammenfällt, und dann gebrochen.
-
-Zum Zusammenkitten der einzelnen Teile verwenden wir eine Lösung von
-Zelluloid in ~Essigäther~. Haben wir nicht genügend Abfallstückchen,
-die wir zum Auflösen verwenden können, so befreien wir einen alten oder
-schlechten Rollfilm von den Gelatineschichten -- die nichtrollenden
-Films sind auf ~beiden~ Seiten mit einer Gelatineschicht versehen
--- durch Abwaschen mit heißem Wasser, schneiden ihn dann in kleine
-Stückchen und legen diese in Essigäther. Die Lösung soll ~dickflüssig~
-sein. Die zu verbindenden Teile werden beide mittelst eines Pinsels mit
-dieser Lösung bestrichen und dann rasch zusammengesetzt. Nach völligem
-Trocknen wird noch etwas von der Zelluloidlösung in die Kanten, die von
-den Wandungen gebildet werden, eingegossen. Daraufhin lasse man das
-Gefäß einen Tag trocknen.
-
-Einfacher und billiger, aber weniger dauerhaft ist ein Behälter aus
-Pappe. Diesen kleben wir aus den Teilen zusammen, die wir aus hartem,
-nicht zu dünnem Pappendeckel schneiden. Zum Kleben verwendet man
-möglichst wenig Syndedikon (Fischleim). Nach dem Trocknen des Leimes
-wird der Behälter in Kolophonium-Wachskitt (Seite 66 u. 80) mit viel
-Leinöl etwa 30 Minuten lang gekocht. Darauf nimmt man ihn heraus und
-läßt alles überschüssige Kolophonium abfließen. Die Außenseite wird
-mit dünnem weißem Fließpapier belegt, welches ohne weiteres sofort
-festklebt, wenn man es mit dem Handballen ein wenig ausstreicht.
-Nach ~völligem~ Erkalten des Behälters werden seine drei Fächer mit
-~reinem~ Kolophonium (das heißt solchem ~ohne~ Leinöl), das man bis
-zur Dünnflüssigkeit erhitzt hat, bis etwa 1 _cm_ vom oberen Rande
-angefüllt; man achte darauf, daß nichts auf die äußere Papierbekleidung
-fließt. Diese Füllung darf nur einige Sekunden in dem Behälter bleiben,
-dann ist sie rasch auszugießen. Dadurch werden die Innenwände mit einem
-Überzug versehen, der nach dem Erkalten nicht mehr klebrig ist. Dem
-zuletzt erwähnten Kolophoniumguß kann man etwas (⅒) Asphalt zusetzen.
-Schließlich wird der äußere Papierbelag noch mit Eisenlack angestrichen.
-
-Die präparierten Bleiplatten werden, wie schon auf Seite 76 erwähnt
-wurde, eingesetzt; sie sollen auch auf Glasröhrchen, nicht unmittelbar
-auf dem Boden des Gefäßes stehen. Der obere Plattenrand soll 2,5 _cm_
-unterhalb des oberen Gefäßrandes zu liegen kommen. Die Fortsätze der
-Platten sollen schmal sein und müssen kurz vor der Herstellung des
-Verschlusses mit Schmirgelpapier sorgfältig gereinigt werden.
-
-Die Platten werden eingesetzt und die Zellen bis 2 _cm_ vom oberen
-Rande mit Wasser gefüllt. Statt der Glasröhrchen, die bei dem oben
-beschriebenen Akkumulator zum Entweichen der Gase dienen, werden in
-derselben Weise kleine, etwa 4 _cm_ lange Gummischlauchstückchen
-eingesetzt, in jede Zelle zwei. Der Abschluß wird durch fünf
-verschiedene, je 4 _mm_ dicke Güsse hergestellt.
-
-Der erste Guß wird sorgfältig auf das Wasser aufgegossen und besteht
-aus Kolophonium, dem man bis zu ⅓ Asphalt zusetzen kann. Nach dem
-Erkalten werden die noch herausragenden Bleistreifen und die Wände des
-Behälters mit Filtrierpapier ~sorgfältig getrocknet~.
-
-Der zweite Guß besteht aus Kolophonium-Wachskitt (Leinöl ziemlich
-reichlich), der möglichst heiß eingegossen werden muß. Ein guter
-Kontakt dieses Gusses mit den Wänden und mit dem Blei ist besonders
-wichtig. Man führt ihn am sichersten herbei, wenn man an den
-Berührungsstellen von Wand und Blei mit dem Kitt letzteren mit einem
-dicken, weißglühenden Nagel noch einmal in Fluß bringt.
-
-Der dritte Guß kann genau wie der zweite hergestellt werden. Weit
-sicherer ist jedoch folgendes Verfahren: Wir beschaffen uns eine kleine
-Blechbüchse mit Deckel, deren Boden- und Seitennaht nicht gelötet,
-sondern durch Falz hergestellt ist. In den Deckel wird ein kleines
-Loch geschlagen. Die Büchse umwickeln wir mit einem starken Draht, den
-wir zu einem langen Stiel biegen. In diese Büchse geben wir kleine
-Stückchen von einem alten Gummischlauch und halten sie über einen
-Bunsenbrenner. Der Gummi schmilzt, und ein sehr übelriechender, grauer
-Dampf strömt aus dem Loch des Deckels hervor. Der Dampf ist brennbar;
-wir zünden ihn an, und vermindern dadurch den peinlichen Geruch dieses
-Verfahrens ganz wesentlich. Ist der Gummi völlig geschmolzen, dann
-geben wir eine mittelgroße Tube voll Gummilösung -- wie man solche
-zum Pneumatikflicken gebraucht -- zu und vermischen diese tüchtig
-mit dem geschmolzenen Gummi; darauf wird die Masse noch einmal unter
-ständigem Umrühren kurz erhitzt; dann wird die Flamme gelöscht -- in
-einem Raum, in dem mit Benzin umgegangen wird, darf niemals eine offene
-Flamme brennen -- und so viel Benzin zugerührt, bis die Mischung ihre
-Zähigkeit etwas verliert. Jetzt wird sie aufgegossen; dabei helfen
-wir mit einem Holzstäbchen nach, damit sie sich überall gleichmäßig
-verteilt. Man achte darauf, daß dieser erst nach vielen Monaten völlig
-trocknende Gummibrei nur an die Stellen gelangt, für die er bestimmt
-ist, da man ihn dort, wo er einmal klebt, nur sehr schwer entfernen
-kann.
-
-Der vierte Guß darf erst nach zwei bis drei Tagen auf den dritten
-aufgegossen werden; er besteht aus Kolophonium, dem man nur wenig
-Leinöl zugefügt hat.
-
-Darauf kommt der fünfte Guß, der aus der käuflichen sogenannten
-Akkumulatorenvergußmasse oder aus Paraffin hergestellt wird.
-
-Die Bleistreifen werden in der richtigen Reihenfolge untereinander
-verlötet (siehe Seite 77) und am negativen Pol der ersten und am
-positiven der dritten werden Klemmschrauben angebracht.
-
-Das Wasser läßt man jetzt durch die Schläuche abfließen. Mit Hilfe
-eines Glastrichters, dessen Rohr zu einer hinreichend feinen Spitze
-ausgezogen ist, um in die engen Gummischläuche eingesteckt werden zu
-können, wird die Schwefelsäure eingegossen; sie soll den oberen Rand
-der Platten gerade noch bedecken, so daß zwischen ihr und dem Verguß
-ein 3 bis 4 _mm_ breiter Raum frei bleibt. In die oberen Enden der
-Gummischläuche werden zum Verschluß runde Holzstäbchen (Streichhölzer)
-eingesteckt.
-
-
-Herstellung eines Universal-Volt-Ampere-Meters.
-
-Das im folgenden beschriebene Instrument ist ein sogenannter
-Dynamometer (Seite 207). Es ist deshalb sowohl für Wechsel- wie für
-Gleichstrom zu verwenden; zufolge seiner Konstruktion kann es,
-was Spannungen und Stromstärken betrifft, in sehr weiten Grenzen
-gebraucht werden. Ferner kann es bei sauberer Arbeit zu einem richtigen
-Präzisionsinstrument gemacht werden.
-
-[Illustration: Abb. 236. Brett zum Wickeln der Spule.]
-
-Die Arbeit beginnt damit, daß man einem 1,5 _cm_ dicken, 10 _cm_
-breiten und beliebig langen Brettchen durch Abrunden der Kanten die
-Abb. 236 zu erkennende Form gibt. Dieses Brettchen umwickelt man nahe
-dem einen Ende mit einem nicht zu starken Bindfaden auf eine Strecke
-von etwa 7 _cm_, so daß Windung genau an Windung liegt. Darüber spannt
-man einen Streifen Pergamentpapier, dessen Enden man zusammenklebt,
-wobei man aber darauf achten muß, daß er nicht an dem Bindfadenbelag
-kleben bleibt. Darüber wird ein in einer dicken Schellacklösung
-getränktes Seidenpapier gelegt; ist das etwas angetrocknet, so wickelt
-man einen isolierten 0,4 bis 0,5 _mm_ starken Kupferdraht darauf[11],
-wiederum Windung genau an Windung, bis man einen 2 _cm_ breiten
-Belag erhalten hat. Darauf läßt man, indem man den Draht auf einer
-Schmalseite des Holzes quer herüberführt, einen 1,5 _cm_ breiten
-Zwischenraum und legt einen zweiten, ebenfalls 2 _cm_ breiten Belag an
-(Abb. 236, _a_ und _b_). Die beiden Beläge werden mit Schellacklösung
-bestrichen und mit Papier überzogen. Darauf wickelt man die zweite
-Lage; hat man von links nach rechts zu wickeln begonnen, so wickelt man
-nun von rechts nach links. Den Übergang von _b_ nach _a_ macht man auf
-der dem ersten Übergang entgegengesetzten Seite; dann wird wieder mit
-Schellack bestrichen, mit Papier belegt u. s. w., bis wir fünf oder
-sieben Lagen gewickelt haben. Der Übergang von _a_ zu _b_ wird oben,
-von _b_ zu _a_ immer unten gemacht. Die Drahtenden sollen je 10 _cm_
-frei von der Spule abstehen.
-
-Genau in derselben Weise werden fünf Lagen eines 1,0 _mm_, drei
-Lagen eines 1,5 _mm_ und eine Lage eines 2 _mm_ starken, isolierten
-Kupferdrahtes über die ersten Windungen gelegt.
-
-Auf diese Weise sind zwei verbundene Drahtspulen entstanden; aus
-jeder ragen vier 10 _cm_ lange Drahtenden hervor. Die Windungen
-müssen natürlich alle auf derselben Seite begonnen und in demselben
-Drehungssinne ausgeführt sein.
-
-Nun müssen die Spulen vom Holz abgenommen werden; da sie wahrscheinlich
-sehr fest aufsitzen, muß man erst den Belag von Bindfaden unter der
-Spule wegziehen. Um den Spulen mehr Halt zu geben, kann man jede quer
-zur Längsrichtung der Drähte mit schmalem Isolierband umwickeln. Ein
-dicker Schellacküberzug gibt auch hinreichend Halt.
-
-Abb. 237 zeigt, wie das Spulenpaar _a_, _b_ auf einem Grundbrett _c_
-befestigt wird: es erhalten die beiden Brettchen _e₁_ und _e₂_ je einen
-Ausschnitt, in den das untere Ende der Spulen genau hineinpaßt. Die
-beiden Brettchen werden auf _c_ befestigt und auf ihrer Oberseite durch
-die Brettchen _i₁_ und _i₂_ verbunden.
-
-[Illustration: Abb. 237. Befestigung der Spulen auf dem Grundbrett.]
-
-Damit ist der erste Hauptteil des Apparates fertig. Der zweite, die
-bewegliche innere Spule und ihre Lager, müssen mit besonderer Sorgfalt
-hergestellt werden, da von der Genauigkeit der Ausführung dieser Teile
-hauptsächlich die Zuverlässigkeit und Empfindlichkeit des Instrumentes
-abhängt.
-
-Wir kaufen uns ein 10 _cm_ langes, 3 _mm_ starkes Stück Rundstahl
-(Nickelstahl), das wir, falls es hart sein sollte, tüchtig durchglühen.
-Dabei ist aber darauf zu achten, daß sich das Stück nicht verbiegt.
-Ferner drehen wir uns aus einem sauberen, faser- und astlosen Stück
-Hartholz oder besser aus Hartgummi das in Abb. 238 im Schnitt mit
-Maßangaben und in Abb. 239 in der Außenansicht wiedergegebene
-Fassungsstück; dieses besteht aus drei Teilen, die in Abb. 239 mit _a_,
-_b_, _c_ bezeichnet sind; es ist seiner ganzen Länge nach durchbohrt;
-man achte darauf, daß die Längsbohrung genau zentrisch sei. In den
-beiden mit _b_ bezeichneten Teilen sind je drei 2 bis 3 _mm_ weite
-Löcher zu bohren, die in die Längsbohrung einmünden und um 120°
-gegeneinander verschoben sein sollen; sie sind in Abb. 238 durch zwei
-Paare punktierter Linien in _b_ angedeutet; in Abb. 239 sind natürlich
-nur je zwei dieser Löcher zu sehen. Der Teil _c_ wird längs einem
-seiner Durchmesser mit einer 2 _mm_ weiten Bohrung versehen. Ferner
-schneiden wir von einem starkwandigen Messingrohr, das sich gerade noch
-über _b_ schieben läßt, zwei 4 _mm_ breite Ringe ab und versehen sie
-mit je drei Bohrungen, die denen in _b_ entsprechen, jedoch etwas enger
-als diese sein sollen; sie werden außerdem mit Gewinden versehen, durch
-welche sich Schrauben bis in die Längsbohrungen eindrehen lassen.
-
-[Illustration: Abb. 238. Fassungsstück (Schnitt).]
-
-[Illustration: Abb. 239. Fassungsstück (Außenansicht).]
-
-Nun wird ein 10 _cm_ langer, 2 _mm_ starker Messing- oder Kupferdraht
-(kein Eisen!) durch das Loch in _c_ geschoben, so daß nach beiden
-Seiten gleiche Teile hervorragen; der Draht muß fest sitzen, was
-man nötigenfalls dadurch erreichen kann, daß man ihn in der Mitte
-ein klein wenig verbiegt. Über die beiden dadurch entstandenen
-Drahtschenkel wickelt man einen gut isolierten 0,4 bis 0,5 _mm_
-starken Kupferdraht in regelmäßigen Windungen auf. Die Bewickelung
-beginnt man bei einem Drahtschenkel da, wo er aus dem Mittelstück _c_
-heraustritt; an dem Ende des Drahtes angelangt, wickelt man wieder
-bis zur Anfangsstelle zurück, wo man den Draht mit einem Bindfaden
-anbindet, um ein Aufschnurren der Spirale zu verhindern. Darauf wird
-er um _b_ herum zum anderen Drahtschenkel geführt, der gerade so wie
-der erste bewickelt wird; dann wird wieder zum ersten, dann noch einmal
-zum zweiten übergegangen. Es sind somit auf jeden Schenkel vier Lagen
-aufzuwickeln. Das eine Drahtende ist auf dem einen, das andere auf dem
-anderen Messingring anzulöten. Die beiden länglichen Drahtspulen sind
-schließlich noch tüchtig mit Schellacklösung zu bestreichen.
-
-Jetzt schneiden wir das schon oben erwähnte Stahlstäbchen in der
-Mitte auseinander und feilen jedem an einem Ende eine etwa 2 _cm_
-lange Schneide an. Die Schneide ist zuerst mit einer gröberen, dann
-mit einer feinen Schlichtfeile sehr sorgfältig herzustellen. Die
-beiden die Schneide bildenden Flächen sollen einen Winkel von etwa
-50° einschließen. Nun werden die beiden Stäbchen (_h₁_ und _h₂_),
-wie aus Abb. 240 zu ersehen ist, beiderseits in die Bohrung in _a_
-gesteckt; sie dürfen aber nicht miteinander in leitende Berührung
-kommen, weshalb man sie am besten durch zwei Kartonscheibchen von
-dem durch _c_ laufenden Drahte trennt. Die Bohrung in _a_ ist etwas
-weiter (3,5 _mm_) als die Lagerstäbchen dick sind (3 _mm_), weshalb
-diese nun etwas Spielraum haben; die beiden Mündungen der Längsbohrung
-werden deshalb durch eingeklebte Papierstreifen so weit verengt, daß
-die Stäbchen _h_ nur noch knapp hineingehen. Das innere Ende von _h_
-hat dann wieder mehr Spielraum, wird aber durch die Schräubchen in _b_
-fixiert; mittelst dieser werden die beiden Stäbchen so gestellt, daß
-ihre Schneiden ~genau in einer Geraden~ liegen.
-
-[Illustration: Abb. 240. Fertiger Anker (Ansicht).]
-
-Abb. 240 zeigt den fertigen Anker in der Ansicht; die Lager _f₁_ und
-_f₂_ sind im Schnitt gezeichnet. Sie bestehen je aus einem rechteckigen
-Eisenplättchen (_g₁_ und _g₂_), das in der Mitte durchbohrt ist.
-Dies Eisenplättchen wird auf einem ebenen Sandstein mit feinem
-Schmirgelpulver und Wasser völlig eben geschliffen und schließlich
-mit dem Polierstahl (oder einem Glasstab) poliert. Darauf spannen wir
-einen etwa 0,4 _mm_ dicken Federstahldraht in einen Laubsägebogen ein,
-der ihn straff spannt. Das rechteckige Eisenplättchen befestigen wir
-mit ein paar seitlich eingeschlagenen Nägeln auf einem starken Brett,
-legen den gespannten Stahldraht parallel einer Seite quer über die
-Mitte des Plättchens und geben auf den Draht, der sich aber dabei nicht
-verschieben darf, ein paar kräftige Hammerschläge. Dadurch entsteht
-in _g_ eine kleine Rinne, in welche später die Schneide von _h_
-eingesetzt wird. Die beiden Lagerplättchen und die Achsenstäbe werden
-nun auf helle Rotglut erhitzt, in Öl abgeschreckt und schließlich
-dunkelbraun angelassen. An jedes der Plättchen _g_ wird ein einige
-Zentimeter langer Kupferdraht angelötet. Diese Lager werden nun auf den
-Holzklötzchen _f₁_ und _f₂_ befestigt, wie dies aus Abb. 237 erhellt.
-Die oberen Flächen von _g₁_ und _g₂_ müssen ~genau in einer Ebene~, die
-beiden mit dem Stahldraht hergestellten Rinnen ~genau in einer Geraden~
-liegen. Um dies sicher zu erreichen, verfährt man folgendermaßen.
-Man bringt auf die Endflächen von _f₁_ und _f₂_ etwas Glaserkitt und
-legt _g₁_ und _g₂_ darauf. Mit einem ausgespannten Faden prüft man
-zuerst, ob die Rinnen genau in einer Linie liegen; nötigenfalls werden
-die Plättchen verschoben, bis sie richtig liegen. Darauf werden sie
-beide gleichzeitig mit einer hinreichend großen, ~ebenen~ Glasplatte
-(Spiegelglas) oder sonst einem Gegenstand, der sicher eben ist, fest
-aufgedrückt; dann prüft man nochmals mit dem Faden, ob die Rinnen noch
-richtig liegen, drückt die Glasplatte nochmals auf u. s. f., bis man
-sicher ist, daß die beiden Lagerplättchen genau richtig liegen.
-
-Da wo die Schneiden der Achse über die Löcher in _g_ zu liegen kommen,
-werden sie mit Schmirgelpapier gereinigt und mit 2 bis 3 Windungen
-eines 1 _mm_ starken nackten Kupferdrahtes umwickelt; die Enden
-des Drahtes werden auf der Unterseite fest zusammengedreht, kurz
-abgeschnitten und verlötet (_e_).
-
-Die Mühe, das Lager in der eben beschriebenen Weise herzustellen,
-lohnt sich nur dann, wenn unbedingt genau und sorgfältig gearbeitet
-wird. Wer nicht genügend Handfertigkeit in diesen Arbeiten besitzt,
-der erhält mit den im folgenden angegebenen einfacheren Ausführungen
-wahrscheinlich ein genauer arbeitendes Instrument.
-
-[Illustration: Abb. 241. Einfachere Lagerung.]
-
-Die Stäbchen _h_ erhalten keine Schneide, dagegen dreht man ihnen
-nahe der Stelle, wo sie aus _a_ herausragen, eine Einschnürung an,
-wie dies aus Abb. 241 zu erkennen ist. Mit der Einschnürung ruht
-das Lagerstäbchen auf einem Streifen von Messingblech _d_, der an
-_f_ befestigt ist. Ferner wird an _h_, das in diesem Fall auch aus
-gewöhnlichem Rundeisen hergestellt werden kann, aus Kupferblech ein
-Scheibchen _e_ angelötet und unter diesem in _f_ eine entsprechende
-Vertiefung angebracht.
-
-Noch mehr vereinfachen kann man das Lager, wenn man statt des
-runden Stäbchens _h_ einen Messingblechstreifen verwendet, der
-mit seiner Kante auf der des Lagerbleches _d_ aufliegt. Es fällt
-damit der mittlere, in Abb. 238 und 239 abgebildete Teil ganz weg.
-Es wird einfach der etwa 1 _mm_ starke Messingblechstreifen an
-den Lagerstellen messerartig geschärft, und durch zwei eingesägte
-Schlitze in der Mitte wird der Kupferdraht, der Kern der Spulen,
-hindurchgesteckt und festgelötet. Die Zuleitungsdrähte zu den Spulen
-werden nach rechts und links auf dem Blechstreifen nach außen geführt
-und mit etwas Schellack- oder Kolophonium-Wachskitt auf dem Bleche
-befestigt. Die Enden des Drahtes werden nach unten gebogen und von der
-Umspinnung frei gemacht; sie sollen so lang sein, daß sie noch in die
-in _f_ eingebohrte Vertiefung hinabreichen.
-
-Abb. 242 zeigt diese Anordnung, die an Empfindlichkeit den beiden
-anderen kaum nachsteht und zudem viel einfacher herzustellen ist; sie
-hat aber den Nachteil, daß sie keine gleichmäßigen Ausschläge liefert,
-da sich die Schneiden des Lagers ständig verändern. Wir werden also
-auf diese Weise kein Präzisionsinstrument herstellen können. Immerhin
-werden wir mit den letztgenannten Anordnungen, wenn sie auch nur
-einigermaßen sauber ausgeführt sind, weit genauere Resultate erzielen
-als mit der ersten, wenn diese nicht sehr zuverlässig gearbeitet ist.
-
-[Illustration: Abb. 242. Lagerung mit einem Blechstreifen.]
-
-Wie diese Teile nun montiert werden, geht wohl zur Genüge aus Abb. 237
-hervor; es sei nur noch bemerkt, daß die beiden festen Spulen _a_ und
-_b_, die ursprünglich einen Abstand von 1,5 _cm_ haben, jetzt so nahe
-zusammengerückt werden, daß die Achse des Ankers gerade noch freien
-Spielraum hat. Sie werden dann in der schon erwähnten Weise mit etwas
-Schellackkitt auf dem Brettchen _e_ befestigt.
-
-[Illustration: Abb. 243. Die Platte des Stöpselkontaktes.]
-
-[Illustration: Abb. 244. Schema des Stöpselkontaktes.]
-
-Es sind nun noch die zehn Drahtenden (_a¹|₂_, _b¹|₂_, _c¹|₂_,
-_d¹|₂_, _l_ und _m_) mit einer aus _c_ (Abb. 237) anzubringenden
-Schaltvorrichtung zu versorgen. Diese Schaltvorrichtung wird durch ein
-System von sogenannten Stöpselkontakten hergestellt. Wir beschaffen uns
-zu diesem Zweck ein 8 _cm_ langes, 3 _cm_ breites und 2 _mm_ starkes
-Kupfer- oder Messingblech, in das wir die aus Abb. 243 hervorgehende
-Einteilung einritzen; an den mit ⦶ bezeichneten Stellen werden 2 _mm_
-weite Löcher gebohrt, durch welche die Schräubchen gehen sollen,
-mit denen die einzelnen Teile auf ihrer Unterlage befestigt werden.
-An den mit ⬤ bezeichneten Stellen werden 3 bis 4 _mm_ weite Löcher
-eingebohrt. Darauf wird dieses Blech auf seine Unterlage gelegt, und
-man bezeichnet genau die Stellen für die Schraubenlöcher. Dann werden
-die einzelnen Teile auseinandergesägt und mit so langen Schrauben auf
-ein Brettchen aufgeschraubt, daß sie durch das Brettchen hindurchgehen.
-Die zehn Drahtenden werden nun so, wie dies aus dem Schema (Abb. 244)
-hervorgeht, mit den einzelnen Teilen des Stöpselhalters verbunden,
-indem sie an die unteren Enden der Schrauben angelötet werden. Außerdem
-werden noch die beiden Klemmschrauben I und II mit den Stücken β und
-δ verlötet. Ferner drehen wir uns noch aus einem 4 bis 5 _mm_ starken
-Kupferdraht zehn ein wenig konische Stöpsel, die gut in die Löcher
-passen; zur besseren Handhabung kann man sie oben zu einer Schlinge
-biegen.
-
-Es wäre endlich noch der Zeiger und die Skala herzustellen. Der Zeiger,
-der an der Stirnseite des Stäbchens _h_ mittels eines Schräubchens
-angebracht wird, muß aus dünnem Messingblech hergestellt werden und
-zweiteilig sein. An der unteren Hälfte wird aus dem gleichen Blech ein
-rundes, auf dem Zeiger verschiebbares Scheibchen angebracht; außerdem
-verfertigen wir noch zwei andere aus dickerem Blech, so daß wir drei
-verschieden schwere Scheibchen haben, die wir sowohl einzeln als auch
-alle drei zugleich auf die untere Zeigerhälfte schieben können.
-
-Hinter dem Zeiger befestigen wir an dem Klötzchen _f_ ein kreisrundes
-Brettchen, dessen Durchmesser etwas mehr als die ganze Zeigerlänge
-beträgt und auf dessen Vorderseite ein weißer Karton aufgeklebt
-ist. In die in die Plättchen _g₁_ und _g₂_ gebohrten Löcher wird so
-viel Quecksilber gegossen, das es sich etwas über die Fläche von
-g herauswölbt. Im Falle daß die in Abb. 241 oder 242 angedeutete
-Konstruktion verwendet wurde, werden die Vertiefungen in _f₁_ und
-_f₂_, in die auch die Drähte _l_ und _m_ hineinragen, mit Quecksilber
-ausgefüllt.
-
-Nun bringen wir noch auf der Unterseite des mit Stollen zu versehenden
-Grundbrettes drei verschiedene Nebenschlußwiderstände an. Über deren
-genauere Bestimmung vergleiche Seite 108/109 und 97.
-
-Zuletzt ist das Instrument zu eichen. Wir können mit Hilfe unseres
-Stöpselschalters die vier verschiedenen Wickelungen hinter- oder
-nebeneinander schalten, können auch einzelne ausschalten, ganz wie
-wir wollen. Soll das Instrument z. B. als Amperemeter für starke
-Ströme benutzt werden, so schieben wir auf den Zeiger alle drei
-Ballastplättchen, das schwerste zu unterst, und schalten alle
-Drahtwindungen nebeneinander, was durch folgende Verbindung geschieht.
-Es werden durch Stöpsel verbunden (siehe Schema Abb. 243 und 244): β
-mit α mit 1, dann γ mit 3, dann γ mit 5, dann γ mit 7, dann δ mit 2,
-dann δ mit 4, dann δ mit 6 und endlich δ mit 8. Wollen wir dagegen
-sehr schwache Ströme messen, so müssen wir alle Drahtwickelungen
-hintereinanderschalten; dies geschieht durch die Verbindung von β mit α
-mit 1, 2 mit 3, 4 mit 5, 6 mit 7, 8 mit δ.
-
-Auf dem Skalenbrett haben wir sechs konzentrische Kreise aufgezeichnet
-und mit den Ziffern 1 bis 6 versehen. Für jede Skala gilt nur eine ganz
-bestimmte Schaltung und für Stromstärken in bestimmten Grenzen. So die
-Skala 1 als Voltskala für große Spannungen, Skala 2 als Ampereskala
-für große Stromstärken, Skala 3 als Voltskala für mittlere Spannungen,
-Skala 4 als Ampereskala für mittlere Stromstärken; Skala 5 als
-Voltskala für geringe Spannungen, Skala 6 als Ampereskala für geringe
-Stromstärken.
-
-Wie schon erwähnt, gehört zu jeder Skala eine besondere Schaltung;
-es wird darum von Vorteil sein, auf dem Grundbrett des Apparates ein
-Schaltungsschema anzubringen, auf dem mit verschiedenen Farben die
-verschiedenen Schaltungen angedeutet sind; dabei darf die Angabe der
-verwendeten Ballastplättchen und ihrer Lage am Zeiger nicht vergessen
-werden. Wie solche Instrumente durch Vergleich mit anderen geeicht
-werden, ist schon auf Seite 97 und 108 eingehend besprochen worden.
-
-Soll das Instrument auch für Wechselströme Verwendung finden, so muß
-dafür eine besondere Skala geeicht werden, an der auch die Periode des
-Wechselstromes angeschrieben ist. (Vergleiche Seite 188.)
-
-Schließlich können wir uns noch einen Schutzkasten mit einer Glaswand
-auf der Vorderseite herstellen, der so über das Ganze paßt, daß nur die
-Schaltvorrichtung freiliegt.
-
-
-Herstellung eines Elektroskopes.
-
-Wollen wir uns ein empfindlicheres Elektroskop herstellen, als das
-auf Seite 9 beschriebene, so können wir folgendermaßen zu Werke
-gehen: Wir lassen uns einen Streifen aus 2 _mm_ starkem Eisen- oder
-besser Messingblech schneiden, der 5 _cm_ breit und 45 bis 50 _cm_
-lang ist. Den Streifen biegen wir über irgend einen zylindrischen
-Gegenstand von etwa 15 _cm_ Durchmesser zu einem Reif zusammen, so
-daß die Ränder des Blechstreifens etwa 2 _cm_ übereinandergreifen, in
-welcher Lage sie verlötet werden. Wir lassen uns beim Glaser zwei etwa
-3 _mm_ starke Glasscheiben schneiden, deren Durchmesser etwas größer
-ist als der des Blechreifens. An der Lötstelle wird der Blechreifen
-auf einen Fuß gesetzt, wie aus der Abb. 245 zu ersehen ist. Von oben
-wird ein Messingstab in das Gehäuse eingeführt, der unten zugeschärft
-ist. Die Goldblättchen (siehe auch Seite 9 und 10) werden diesmal
-nicht aufgeleimt, sondern in einen feinen Sägespalt eingeklemmt. Die
-Stange, die die Goldblättchen trägt, wird durch ein Hartgummirohr vom
-Gehäuse isoliert mit gutem roten Siegellack eingekittet. Der Drehpunkt
-der Goldblättchen soll etwas über der Mitte liegen. Eine Skala mit
-Gradeinteilung wird so angebracht, wie aus der Abbildung ersichtlich
-ist. Endlich werden die beiden Glasplatten mit Siegellack beiderseits
-auf das Gehäuse aufgekittet. Ein kleines Häkchen am Fuß oder am Gehäuse
-dient zum Einhängen eines Drahtes oder einer Kette, die das Gehäuse mit
-der Erde in leitende Verbindung bringen soll.
-
-[Illustration: Abb. 245. Elektroskop.]
-
-
-Wie man mit selbst hergestellten Apparaten auf grössere Entfernungen
-drahtlos telegraphieren kann.
-
-Im letzten Vortrage Seite 254 u. f. haben wir gesehen, wie man mit den
-dort beschriebenen Apparaten auf 20 bis 30 _m_ noch sehr gut Telegramme
-übermitteln kann. Wir wollen nun noch darlegen, wie man es anzufangen
-hat, wenn man auf eine Entfernung von etwa 500 _m_ sich mittels der
-Funkentelegraphie verständigen will.
-
-Für jede einzelne Station brauchen wir einen Funkeninduktor (oder eine
-Influenzmaschine) mit Sender, Taster usw. und einen Fritter mit Relais,
-Glocke, Morseapparat usw., also die in Abb. 209 (Seite 254) schematisch
-wiedergegebene Zusammenstellung von Apparaten. Die beiden Fangdrähte
-sowohl des Senders wie die des Fritters bleiben weg. Dafür müssen wir
-einen möglichst langen, senkrecht hängenden Draht an den einen Pol des
-Senders bezw. Fritters anschließen, und den anderen Pol mit der Erde in
-leitende Verbindung bringen.
-
-Wir verfahren dabei etwa folgendermaßen: Aus einem Fenster im obersten
-Stock unseres Hauses oder aus einer Dachluke lassen wir einen Draht von
-hinreichender Länge bis zur Erde niederfallen. Den Draht befestigen wir
-an einem an einer Stange angebrachten Isolierknopf. Die Stange stecken
-wir so weit zum Fenster heraus, daß der Draht, der mit der Erde nicht
-in leitende Berührung kommen darf, völlig frei hängt. Er soll sich
-womöglich gerade vor dem Fenster des Zimmers befinden, in dem wir die
-Apparate aufstellen wollen. Letzteres geschieht natürlich am besten in
-einem Zimmer des untersten Stockwerkes, oder in einem nicht zu tief
-liegenden Keller (Souterrain).
-
-Die Apparate selbst können wir in beliebiger Anordnung aufstellen. Je
-einen Pol des Senders und des Fritters verbinden wir mit der Gas- oder
-besser mit der Wasserleitung; es muß eben eine gute Erdverbindung
-hergestellt sein. Den anderen Pol des Fritters verbinden wir mit dem
-unteren Ende des Fangdrahtes, damit ankommende elektrische Wellen auch
-gleich in Glocken- oder Schriftzeichen umgesetzt werden können. Wollen
-wir selbst elektrische Wellen in die Ferne schicken, so müssen wir
-deshalb die Verbindung zwischen Fangdraht und Fritter lösen und den
-Fangdraht mit dem noch freien Pol des Senders verbinden. Im übrigen
-verändern sich die auf Seite 254 beschriebenen Verhältnisse nicht. Die
-Fangdrähte der beiden Stationen seien in Bezug auf Material, Dicke und
-~Länge~ möglichst gleich.
-
-Dieses System der Funkentelegraphie ist von Marconi zuerst angewendet
-worden. Je nach den Umständen -- besonders bei Verwendung etwas
-primitiver Apparate -- dürfte man jedoch mit dem von Professor Braun
-angegebenen Verfahren bessere Erfolge erzielen. Das im folgenden
-angegebene Verfahren entspricht nicht genau der Braunschen Schaltung,
-sondern beruht nur auf dessen Grundprinzipien. Wir führen es hier an,
-weil wir durch eigene Versuche gefunden haben, daß es bei Verwendung
-einfacher Apparate -- besonders kleinerer Funkeninduktoren -- den
-Anforderungen eines jungen Physikers am meisten entspricht.
-
-[Illustration: Abb. 246. Schaltungsschema der Apparate für drahtlose
-Telegraphie.]
-
-Abb. 246 stellt schematisch die Schaltungsweise der Apparate dar,
-indem Geber- und Empfängerapparate getrennt gezeichnet sind. An jeder
-Station müssen natürlich beide Einrichtungen vorhanden sein; jedoch
-ist nur ~ein~ Fangdraht nötig. Durch einen einfachen Umschalter, den
-zu konstruieren wir der Phantasie des Lesers überlassen, kann der
-Fangdraht λ bei _x_ entweder an _s₂_ oder an _s₂′_ angeschlossen werden.
-
-Der Sender besteht aus dem Induktor _J_, dessen Primärstrom von dem
-Akkumulator _Akk._ geliefert wird und durch den Taster _T_ unterbrochen
-werden kann. An den Induktor wird in der bereits beschriebenen
-Weise (Seite 258) ein Teslatransformator (Seite 259 u. f.) _TTr_
-angeschlossen: _K₁_ ist der Kondensator, _s₁_ die primäre Wickelung
-des Transformators, _s₂_ dessen sekundäre Wickelung und _F_ die
-Funkenstrecke (Abb. 210). Statt dieser Schaltung kann man auch bei
-Verwendung von zwei Leidener Flaschen die in Abb. 247 angegebene
-verwenden. Der eine Pol der sekundären Spule des Transformators wird
-mit dem Luftdraht λ, der andere Pol mit der Erde verbunden.
-
-[Illustration: Abb. 247. Schaltung mit zwei Kondensatoren.]
-
-Für den Empfänger müssen wir uns zunächst zwei abstimmbare Spulen
-herstellen, _s₂′_ und _S_. Zu diesem Zweck beschaffen wir uns zwei
-weite, zylindrische Einmachgläser; auf jedes Glas sollen 20 bis 30
-_m_ eines 1 bis 2 _mm_ dicken nackten Kupferdrahtes so aufgewunden
-werden, daß die einzelnen Windungen einander nicht berühren. Die
-Gläser müssen also ziemlich groß sein; statt ihrer kann man auch mit
-Schellack überzogene Pappezylinder verwenden. Die Drahtspirale darf
-nur lose auf dem Zylinder aufsitzen und wird nur an den beiden Enden
-mittels Schellackkitt befestigt. Das eine Ende der Spule endet leer,
-das andere in einer Klemmschraube. Bevor jedoch das leer auslaufende
-Drahtende angekittet wird, wickeln wir um den Draht der Spirale einen
-dünnen, nackten Kupferdraht in ein paar Windungen auf, und drehen die
-Enden zusammen; es entsteht dadurch eine Hülse oder Öse, die sich
-leicht auf der lose sitzenden Spirale verschieben läßt. Erst wenn
-diese Hülse aufgeschoben ist, wird das leere Drahtende der Spirale
-angekittet. Die zusammengedrehten Drahtenden der Hülse werden zu einem
-Ringchen gebogen.
-
-Wir brauchen also für jede Station zwei solcher Spulen, die wir
-nebeneinander aufstellen. Die beiden mit Klemmen versehenen Drahtenden
-werden bei _x_ an den Luftdraht λ angeschlossen. In das Ringchen des
-Schiebers der einen Spule _s₂′_ wird ein Draht eingehängt, der mit
-der Wasserleitung verbunden wird. Den Schieber der zweiten Spule _S_
-verbinden wir mit der einen Elektrode des Fritters _Fr_, dessen andere
-Elektrode unter Zwischenschaltung eines Relais _R_ und eines Elementes
-_E_ mit dem zur Erde ableitenden Drahte verbunden wird. Parallel zu
-diesem Stromkreis ist ein Kondensator _K₂_ (~kleine~ Leidener Flasche)
-eingeschaltet, wie aus der Figur deutlich zu erkennen ist. Wie der
-Klopfer _Kl_, der Morseapparat _Mr_, das Relais _R_ und die Batterie
-_B_ zu schalten sind, ist aus den Ausführungen Seite 256 zu erkennen,
-außerdem zeigt es Abb. 246 deutlich an.
-
-Die günstigste Stellung der in der Abbildung mit Pfeilspitzen
-bezeichneten Schieber an den Spulen _s₂′_ und _S_ ist durch Probieren
-ausfindig zu machen. Für _S_ kann man im allgemeinen sagen, daß die
-Länge des aufgewundenen Drahtes von _x_ bis zur Berührungsstelle des
-Schiebers gleich der Länge des Luftdrahtes sein soll.
-
-Wir können die Abstimmbarkeit unseres Systemes noch erhöhen, indem
-wir auch die Kondensatoren so einrichten, daß wir die Kapazität
-variieren können. Wir wissen, daß die Kapazität eines Kondensators von
-der Größe der wirksamen Fläche abhängt; wir müssen daher versuchen,
-diese Größe leicht ändern zu können: Wir befestigen auf einem Brett
-(_a_) eine größere Anzahl dünner Blechscheiben (_b_), die etwa 1 _cm_
-Abstand haben sollen. (In der Abb. 248 sind der Deutlichkeit halber
-die Abstände größer gezeichnet.) An einer Messingstange _c_ sind
-halbkreisförmige Blechscheiben mit dem gleichen Abstand angelötet.
-Die Achse _c_ wird gut isoliert so gelagert (in der Abbildung sind
-die Lager nicht gezeichnet), daß die Scheiben _d_ genau zwischen die
-Scheiben _b_ hineingedreht werden können. Endlich werden alle Scheiben
-_b_ untereinander leitend verbunden, sie bilden den einen, _d_ den
-anderen Belag des Kondensators. Es ist klar, daß wenn die Achse _c_ so
-gedreht ist, daß die _d_ ganz zwischen den _b_ sind, die Kapazität am
-größten ist und daß sie immer kleiner wird, je weiter ich die Scheiben
-_d_ nach oben drehe. Solche Kondensatoren werden einfach den anderen
-parallel zugeschaltet.
-
-[Illustration: Abb. 248. Verstellbarer Kondensator.]
-fv
-
-Anfertigung einer Kraftmaschine mit Gewicht.
-
-Zum Antrieb von Influenzelektrisiermaschinen, magnetelektrischen
-Maschinen, Dynamos usw. eignet sich sehr gut die im folgenden
-beschriebene Maschine.
-
-Der ganze Apparat ist sehr einfach, nur dürfte seine Anbringung in
-einer Wohnung auf einige Schwierigkeiten stoßen. Wir müssen nämlich
-in der Decke eines nicht zu niedrigen Raumes einen Haken befestigen,
-der eine Tragkraft von einigen Zentnern haben muß; ferner müssen die
-Lagerträger einer Welle auf dem Boden angeschraubt werden. Wo dies
-nicht möglich ist, muß der ganze Apparat in ein hinreichend hohes
-Gestell aus starken Latten eingebaut werden.
-
-[Illustration: Abb. 249. Kraftmaschine mit Gewicht.]
-
-Abb. 249 zeigt die Kraftmaschine. Wir kaufen uns einen starken drei-
-bis fünfrolligen Flaschenzug _F_, den wir uns übrigens auch selbst
-herstellen können und den wir an der Decke befestigen. Auf dem
-Boden, aber nicht unmittelbar unter dem Haken, sondern etwas seitlich
-davon werden die beiden Lagerträger _L_ befestigt, in denen die
-Lager -- Herstellung siehe Seite 22 -- ruhen. In letzteren läuft die
-Welle _W_, die man aus einem Gas- oder Wasserleitungsrohr herstellen
-kann. Am linken Ende der Welle ist ein Sperrrad _S_, am rechten
-eine Übersetzungsrolle _R_ anzubringen. An den unteren Haken des
-Flaschenzuges wird das Triebgewicht _K_ angehängt. Außerdem ist in
-der Figur noch ein Sperrrad zu sehen, mit dem die Welle festgestellt
-werden kann; auch kann man noch eine Kurbel zum Aufwinden und bei einer
-größeren Anlage auch noch eine Bremsvorrichtung anbringen.
-
-Kann man von dem Fenster eines höher gelegenen Stockwerkes einen 2
-bis 3 _mm_ starken Draht nach unten frei ausspannen, so läßt man das
-Gewicht an diesem Draht außen an der Hauswand entlang laufen. Es
-erübrigt dann unter Umständen die Anwendung eines Flaschenzuges. Vor
-allem muß aber mit einem eventuellen Reißen des Seiles gerechnet und
-daher die nötigen Vorsichtsmaßregeln, zu denen auch der Laufdraht
-gehört, getroffen werden.
-
-Über die Handhabung dieses Apparates wird sich der junge Leser wohl
-ohne weiteres im klaren sein.
-
-[Illustration: Abb. 250. Rudis selbstgefertigte Apparate.]
-
-
- +================================================================+
- | #Drahtmaße.# |
- | |
- | ~Tabelle~ I. #Nickelindrähte.# |
- +=================+====================+=========================+
- | Durchmesser | Widerstand | Maximale Belastung |
- | | für jedes Meter | |
- | mm | Ohm | Ampere |
- +=================+====================+=========================+
- | 0,5 | 2,0 | 2 |
- | 0,6 | 1,41 | 3 |
- | 0,8 | 0,79 | 6 |
- | 1,0 | 0,51 | 10 |
- | 1,5 | 0,23 | 23 |
- | 2,0 | 0,13 | 38 |
- | 2,5 | 0,08 | 45 |
- | 3,0 | 0,06 | 50 |
- +=================+====================+=========================+
- | ~Tabelle~ II. #Kupferdrähte.# |
- +===========+===========+==============+=========+===============+
- |Durchmesser|Querschnitt|Widerstand für|Länge für|Länge für jedes|
- | | | jedes Meter |jedes Ohm| Kilogramm |
- | mm | qmm | Ohm | m | m |
- +===========+===========+==============+=========+===============+
- | 0,1 | 0,0079 | 2,21 | 0,45 | 14300 |
- | 0,2 | 0,0314 | 0,55 | 1,8 | 3576 |
- | 0,3 | 0,0707 | 0,24 | 4,0 | 1590 |
- | 0,4 | 0,126 | 0,13 | 7,2 | 894 |
- | 0,5 | 0,196 | 0,08 | 11,28 | 570 |
- | 0,6 | 0,283 | 0,06 | 16,25 | 397 |
- | 0,7 | 0,385 | 0,04 | 22,12 | 292 |
- | 0,8 | 0,50 | 0,03 | 28,90 | 223 |
- | 0,9 | 0,64 | 0,027 | 36,57 | 176 |
- | 1,0 | 0,79 | 0,022 | 45,14 | 143 |
- | 1,1 | 0,95 | 0,018 | 54,62 | 118 |
- | 1,2 | 1,13 | 0,015 | 65,00 | 100 |
- | 1,3 | 1,32 | 0,013 | 76,29 | 85 |
- | 1,4 | 1,54 | 0,011 | 88,48 | 73 |
- | 1,5 | 1,76 | 0,009 | 101,6 | 63 |
- | 1,6 | 2,01 | 0,008 | 115,6 | 53 |
- | 1,7 | 2,27 | 0,007 | 130,5 | 50 |
- | 1,8 | 2,54 | 0,006 | 146,2 | 44 |
- | 1,9 | 2,83 | 0,006 | 163,0 | 39 |
- | 2,0 | 3,14 | 0,0055 | 180,5 | 36 |
- | 2,2 | 3,80 | 0,0045 | 218,5 | 29 |
- | 2,3 | 4,15 | 0,0041 | 238,8 | 27 |
- | 2,5 | 4,90 | 0,0035 | 282,1 | 23 |
- | 2,6 | 5,30 | 0,0032 | 305,2 | 21 |
- | 2,8 | 6,15 | 0,0028 | 353,9 | 18 |
- | 3,0 | 7,07 | 0,0024 | 406,3 | 16 |
-
-
- [11] Vergleiche Berechnung von Drahtlängen Seite 134.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Alphabetisches Sachregister.
-
-
-Die Ziffern bezeichnen die Seitenzahlen.
-
- Abstoßung und Anziehung, elektrische 37, 38, 40, 41.
- -- magnetische 102-105.
-
- Achsenansätze 22-25.
-
- Achsenbefestigung an Glasscheiben 10-12.
-
- Achsenträger 13, 25-27.
-
- Akkumulatoren 72-81, 291-294.
-
- Akkumulatorenbehälter aus Glas 78-80.
- -- aus Zelluloid 291, 292.
-
- Akkumulatorenbehandlung 80, 81.
-
- Amalgamieren 15.
-
- Ampere 84-88.
-
- Amperemeter 96-99.
- -- Schaltung 108-109.
-
- Amperesche Schwimmerregel 105.
-
- Anker, Hufeisenanker 139.
- -- Kurzschlußanker 199.
- -- Ringanker 126-129.
- -- _T_-Anker 126, 139.
-
- Anode und Kathode 217.
-
- Anziehung und Abstoßung,
- -- elektrische 37, 38, 40, 41.
- -- magnetische 102-105.
-
- Astatisches Nadelpaar 93-94.
-
- Ätzen von Glas mit Flußsäure 12.
-
- Aufkleben von Stanniolbelägen 8, 9, 33, 34.
-
- Ausgleich, elektrischer 49, 50.
-
- Ausgleicher 33.
-
-
- Bahnen, elektrische 152.
-
- Baryumplatincyanür 221.
-
- Batterie, galvanische 88, 89.
-
- Behandlung der Akkumulatoren 80, 81.
-
- Belag für Influenzmaschinen 33, 34.
-
- Belag für Leidener Flaschen 8, 9.
-
- Beleuchtungsmechanismus mit Zimmerverdunkelung 227.
-
- Bifilare Wickelung 253-254.
-
- Bleilöten 77.
-
- Bleiplatten für Akkumulatoren 73, 74.
-
- Blitz 51, 52.
-
- Bogenlampe 153.
-
- Brechung und Reflexion der elektrischen Wellen 249-251.
-
- Bunsenelement 67.
- -- verbessertes 67-69.
-
-
- Chromsäureelement 70, 71.
-
- Crookessche Röhre 219-221.
-
-
- Dämpfung 161.
-
- Daniellelement 67.
-
- Dielektrizitätskonstante 45.
-
- Drahtlose Telegraphie 239, 251-257, 307-311.
-
- Drahtmaße 134-137.
- -- Tabellen 182, 183, 314.
-
- Drahtspulen 91, 276, 295.
-
- Drehspiegel 233, 234.
-
- Drehstrom 191, 196.
-
- Dreieckschaltung 195.
-
- Dreiphasenstrom 193-196.
- -- Demonstrationsapparat 196.
-
- Dynamomaschine 148-152.
-
- Dynamometer 207, 208.
-
-
- Eichen 98.
-
- Elektrische Bahn 152.
-
- Elektrische Klingel 113-115.
-
- Elektrische Lokomotive 152.
-
- Elektrische Oszillationen 232-236.
-
- Elektrisches Flugrad 17, 18, 44.
-
- Elektrisches Pendel 3, 39, 40.
-
- Elektrische Verteilung 41-43.
-
- Elektrischer Zigarrenanzünder 155, 156.
-
- Elektrisiermaschinen,
- -- Induktionselektrisiermaschine 166-168.
- -- Influenzelektrisiermaschine 19-35, 48, 49.
- -- Reibungselektrisiermaschine 10-18, 48.
-
- Elektrizitäten, positive und negative 38, 39.
-
- Elektroden 217, 218.
-
- Elektrodenstangen 32.
-
- Elektrodynamometer 207, 208.
-
- Elektroinduktion 138.
-
- Elektrolytischer Unterbrecher 185, 186, 232.
-
- Elektromagnet 103-105, 114, 276.
-
- Elektromotore 121-137.
- -- mit zweipoligem Hufeisenanker 122.
- -- mit vierpoligem Hufeisenanker 124.
- -- mit sechspoligem Sternanker 125-126.
-
- Elektromotorische Kraft 57, 58, 84-89.
-
- Elektrophor 4, 5, 43.
-
- Elektroskop 9, 10, 43, 306, 307.
-
- Elemente 58-84.
- -- Bunsenelement 67.
- -- Chromsäureelement 70, 71.
- -- Daniellelement 67.
- -- Kupferoxydelement 82.
- -- Kupronelement 82.
- -- Trockenelement 65-67.
-
- Elementschaltung 88-89.
-
- Empfänger 253-254.
-
- Entdeckung des galvanischen Stromes 55-56.
-
- Entladung, oszillierende 232-236.
-
- Erwärmung durch den elektrischen Strom 18-19, 51, 188.
- -- durch Kathodenstrahlen 219-221.
-
-
- Federunterbrecher 166-168, 181, 183-186.
-
- Flugrad, elektrisches 17, 18, 44.
-
- Fluoreszenz 219, 221, 223, 225.
-
- Fluoreszenzschirm 223, 225, 228, 229.
-
- Franklinsche Tafel 8, 45.
-
- Fritter 236-239, 248, 249.
-
- Froschschenkel 55, 56.
-
- Funkeninduktoren 168-181.
- -- Tabellen 182, 183.
- -- Isoliermaße 183.
-
- Funkenmikrometer 263.
-
- Funkentelegraphie 239, 251-257, 307-311.
-
-
- Galvanisches Element 56, 58-84.
-
- Galvanischer Strom 56.
-
- Galvanoskope 90-96.
- -- einfaches Galvanoskop 90.
- -- Vertikalgalvanoskop 91, 92.
- -- Multiplikator 92-95.
-
- Geißler-Röhre 215-219.
-
- Gesetze des galvanischen Stromes 84-89.
-
- Gipszylinder 60-63.
-
- Glas für elektrische Zwecke 2, 3, 8, 9.
-
- Glasätzen 12.
-
- Glasbehälter für Akkumulatoren 78-80.
-
- Glasglocke 214.
-
- Glaskitten 79, 80.
-
- Glasscheiben für Reibungselektrisiermaschinen 10.
- -- Influenzmaschinen 19, 20.
-
- Glasscheibenbefestigung 11, 12, 29, 30.
-
- Glassprengen 214-215.
-
- Glimmlicht 217, 218.
-
- Glühlampenwiderstand 290.
-
- Graphitrheostat 286-289.
-
- Gummikitt 293, 294.
-
-
- Härten von Stahlstäben 140, 141.
-
- Hammer, Neefscher 113, 114, 167.
-
- Hartgummi für elektrische Zwecke 2, 3.
-
- Hauptstrommaschine 149, 150.
-
- Hertzsche Wellen 235, 236.
-
- Hittorfsche Röhre 218, 219.
-
- Hitzdrahtinstrument 204-206.
-
- Holundermark 2, 3.
-
- Hufeisenanker 122-124, 139.
-
- Hufeisenmagnet 140-145.
-
-
- Impedanz 189, 190, 266.
-
- Induktion, elektrische 138.
- -- magnetische 137, 138.
-
- Induktionsanker 199.
-
- Induktionsapparate 163-183.
-
- Induktionsströme 137, 138, 158.
-
- Induktoren 168-180.
- -- Tabellen 182, 183.
-
- Influenzelektrisiermaschine 19-35, 48, 49.
- -- als Motor 54.
- -- mit Trockenapparat 210.
- -- und Röntgenröhre 222, 223.
-
- Interferenz 244-247.
-
- Interferenzröhre 245-247.
-
- Isolatoren 37, 38.
-
- Isolierfähigkeitsprüfung 6.
-
- Isoliermethoden für Funkeninduktoren 171-173, 176-179.
-
- Isoliermasse 178-179.
-
-
- Kapazität 45, 310-311.
-
- Kathode -- Anode 217.
-
- Kathodenstrahlen 219-221.
-
- Kitt, Gummikitt 293, 294.
- -- Kolophonium-Leinölkitt 66, 80.
- -- Schellackkitt 5, 6.
- -- wasserdichter 80.
-
- Klingel, elektrische 113-115.
-
- Kohärer 236, 237, 248, 249.
-
- Kohleelektroden 64, 65, 68.
-
- Kokonfäden 95.
-
- Kollektoren 122, 123, 128-130, 143, 144.
-
- Kolophonium-Leinölkitt 66, 80.
-
- Kommutator 101, 102, 123, 124, 143, 180, 181.
-
- Kondensatoren 8, 44, 45, 310, 311.
-
- Konduktor 6, 7.
-
- Kontaktknopf 114, 115.
- -- Stöpselkontakt 303-305.
-
- Kraft, elektromotor. 57, 58, 84-89.
-
- Kraftlinien 102-105, 145, 146.
-
- Kraftmaschine 311-313.
-
- Kugeln 7, 8.
-
- Kupferoxydelement 82.
-
- Kupronelement 82.
-
- Kurzschluß 153, 154.
-
- Kurzschlußanker 199.
-
-
- Lager für Achsen 13, 14, 22, 23.
-
- Lagerträger 14, 25-27.
-
- Lampenwiderstand 290.
-
- Leclanché-Element 58-63.
-
- Leidener Flasche 8, 9, 44-46.
- -- für Resonanzversuche 241.
-
- Leinöl-Kolophoniumkitt 66, 80.
-
- Leiter und Nichtleiter 37, 38.
-
- Lokomotive, elektrische 152.
-
- Longitudinalwellen 270-273.
-
- Löten von Blei 77.
-
- Luftpumpe 211-219.
-
- Luftthermometer 18, 19, 51.
- -- für Peltiereffekt 82.
-
-
- Magnet und galvanischer Strom 103-105.
-
- Magnetelektrische Maschine 138-148.
-
- Magnetinduktion 137, 138, 146.
-
- Magnetisches Drehfeld 192-194.
-
- Magnetische Kraftlinien 102, 103.
-
- Magnetisieren von Stahlstäben 140-143.
-
- Magnetpolbestimmung 124-125.
-
- Maßflasche nach Lane 18, 46-48.
-
- Maxwellsche Regel 145, 146.
-
- Mehrphasenströme 190-196.
-
- Meßbrücke 99, 100.
-
- Messing, seine Verwendung 3, 4.
-
- Messingkugeln 7.
-
- Meßinstrumente 96-99, 105-111.
- -- Schaltung 108-109.
- -- Wirkungsweise 105, 106.
-
- Metallkugeln 7, 8.
-
- Mikrophon 202-204, 274, 275.
-
- Morsetelegraph 115-121.
-
- Morseschreiber 115-116.
-
- Morseschrift 120.
-
- Morsetaster 118.
-
- Motor, elektrischer 121-137.
- -- mit Influenzmaschine 54.
-
- Multiplikator 92-96.
-
-
- Nadelpaar, astatisches 93-94.
-
- Nebenschlußmaschine 150.
-
- Neefscher Hammer 113, 114, 167.
-
- Nichtleiter 37, 38.
-
-
- Oberflächenverteilung 43, 44.
-
- Öffnungsfunken 159.
-
- Ohm 84-89, 109-111.
-
- Ohmsches Gesetz 87-89.
-
- Oszillation, elektrische 232-236.
-
-
- Peltiereffekt 82.
-
- Pendel, elektrisches 3, 39, 40.
-
- Pendel zum Resonanzversuch 243, 244.
-
- Phasendifferenz 193, 194.
-
- Photographieren mit Röntgenstrahlen 223-225.
-
- Polbestimmung für Elektromagnete 124-125.
-
- Polschuhe 130, 131.
-
- Präzisionsinstrument 294-306.
-
-
- Quecksilberunterbrecher 183-185.
-
-
- Radiator 252.
-
- Rahmen für Drahtspulen 91, 276, 295.
-
- Reflexion und Brechung 249-251.
-
- Reibungselektrisiermaschine 10-17, 48.
-
- Reibungselektrizität 36.
-
- Reibzeug 14, 15.
-
- Relais 121.
-
- Resonanz 239-244.
-
- Resonanzpendel 243, 244.
-
- Rezipient 215.
-
- Rheostate 286-291.
-
- Ringanker 126-129.
-
- Ringmagnet 127.
-
- Röntgenphotographien 223-225.
-
- Röntgenröhren 222.
-
- Röntgenstrahlen 221-229.
- -- Verwendung in der Medizin 228, 229.
-
-
- Schallbecher 280.
-
- Scheibenbelag 33, 34.
-
- Schellackkitt 5, 6.
-
- Schellacküberzug 20, 21.
-
- Schleifen von Glas 212.
-
- Schließungsfunke 159.
-
- Schmiedeesse 139, 140.
-
- Schutzhüllen für Instrumente 95, 96.
-
- Schwimmerregel, Amperesche 105.
-
- Seide 3, 95.
-
- Selbstinduktion 158-159.
-
- Sender 251-253.
-
- Sicherungen 154, 155.
-
- Spannungsgefälle 106-108, 110.
-
- Spitzenkamm 16, 17, 30-32.
-
- Spitzenkammträger 28, 29, 31, 32.
-
- Spitzenwirkung 43, 44.
-
- Spulenrahmen 91, 276, 295.
-
- Spulmaschine 165, 174.
-
- Stahlmagnete 140-144.
-
- Stanzmaschine 73.
-
- Sternschaltung 195.
-
- Stöpselkontakt 303-305.
-
- Strom, elektrischer 49, 50, 51.
-
- Stromwender 101, 102, 123, 124, 143, 180, 181.
-
-
- Tabelle für Induktoren 182, 183.
- -- für Drahtmaße 314.
-
- _T_-Anker 139.
-
- Taschenakkumulator 291-294.
-
- Telegraph, Morsetelegraph 115-121.
- -- Funkentelegraph 239, 251-257.
-
- Telephon 200-202, 203-204, 274-285.
-
- Telephonanlage 202-204.
-
- Thermoelement 82.
-
- Teslatransformatoren 257-263.
-
- Teslaversuche 265-270.
-
- Transformatoren 196-200.
- -- nach Tesla 257-263.
-
- Transversalwellen 270-273.
-
- Triebräder für Influenzmaschinen 28, 29.
-
- Trockenapparat für Influenzmaschinen 210.
-
- Trockenelement 65, 66.
-
-
- Universal-Volt-Amperemeter 294-306.
-
- Unterbrecher 166, 167, 183-186.
- -- elektrolytischer 185, 186, 232.
- -- Quecksilberunterbrecher 183 bis 185.
-
-
- Vakuumpumpe 211-217.
-
- Vergußmasse für Akkumulatoren 77, 293, 294.
-
- Vertikalgalvanoskop 91, 92.
-
- Volt 84-89.
-
- Volt-Amperemeter 294-306.
-
- Voltasches Element 56.
-
- Voltmeter 96-99.
-
- Voltmeterschaltung 108, 109.
-
-
- Watt 84-89.
-
- Wechselströme 186-189.
- -- hoher Frequenz 235.
-
- Wehneltunterbrecher 185, 232.
-
- Wellen, elektrische 236, 270-272.
-
- Wellenlänge 249.
-
- Wellentheorie 235.
-
- Wheatstonesche Brücke 109, 110, 189.
-
- Widerstände 286-291.
-
- Widerstandsbestimmung 109-111.
- -- für Gleichstrom 109.
- -- für Wechselstrom 111.
-
- Wimshurstmaschine 19-35, 48, 49.
-
- Wind, elektrischer 17, 18, 44.
-
- Wirbelströme 159, 161.
-
-
- _X_-Strahlen 221-229.
-
-
- Zelluloidbehälter 291, 292.
-
- Zigarrenanzünder, elektrischer 155, 156.
-
- Zinkzylinder 65.
-
- Zweiphasenstrom 191, 192.
-
- Zweiwegehahn 213.
-
-
-
-
-Verzeichnis der Abbildungen.
-
-
- Fig. Seite
-
- 1 Gestell zum elektrischen Pendel 3
-
- 2 Form zum Elektrophor 4
-
- 3 Konduktor 7
-
- 4 Messingkugeln 7
-
- 5 Elektroskop 9
-
- 6 Angelötete Scheibe 11
-
- 7 Die Stützen des Rohrs 11
-
- 8 Winkelscheit 12
-
- 9 Reibungselektrisiermaschine 13
-
- 10 Lagerträger 14
-
- 11 Gestell des Reibzeugs 14
-
- 12, 13 Reibfläche 15
-
- 14 Luftthermometer 18
-
- 15 Rudi bei der Anfertigung einer Influenzelektrisiermaschine 20
-
- 16 Anfertigung der Achsenrohre 22
-
- 17 Achsenrohr 23
-
- 18 Aufgelötete Messingscheibe 23
-
- 19 Aufkitten auf die Glasscheibe 24
-
- 20 Anlegen des Winkelmaßes 24
-
- 21 Vorrichtung zur Erzielung der senkrechten Achsenstellung 24
-
- 22 Maschinengestell 25
-
- 23 Achsenträger 26
-
- 24 Außenseite eines Achsenträgers 26
-
- 25 Achse im Träger 27
-
- 26 Schematischer Aufriß der Maschine 27
-
- 27 Antrieb der Scheiben 29
-
- 28 Achsenlager der Scheiben 30
-
- 29 Stellung der Spitzenkämme 30
-
- 30 Durchschnitt des Spitzenkammträgers 31
-
- 31 Spitzenkammträger 31
-
- 32 Stanniolbeläge an den Außenseiten der Scheiben 33
-
- 33 Auflegen der Treibschnüre 34
-
- 34 Vorgang der Anziehung und Abstoßung 40
-
- 35 Darstellung der Verteilung der Elektrizitäten 41
-
- 36 Messen der Kapazität 47
-
- 37 Darstellung des Ausgleiches der Elektrizitäten 49
-
- 38 Darstellung des galvanischen Stromes 56
-
- 39 Leclanché-Elemente 59
-
- 40 Holzstab für Anfertigung von Gipszylindern 60
-
- 41 Gummiring 61
-
- 42 Der Holzstab nach Befestigung der Gummiringe 61
-
- 43 Aufrollen des Papierstreifens 62
-
- 44 Die fertige Form zur Herstellung von Gipszylindern 62
-
- 45 Kohlenelektrode 64
-
- 46 Trockenelement 64
-
- 47 Zinkzylinder 65
-
- 48 Das verbesserte Bunsenelement 67
-
- 49 Kohlenplatte mit eingebrannter Polschraube 68
-
- 50 Kohlenplatte mit Klemmschrauben 68
-
- 51 Breitgeschlagener Kupfer- oder Messingdraht 69
-
- 52 Holzgestell für Chromsäurebatterie 70
-
- 53 Chromsäure-Flaschenelement 71
-
- 54 Einteilung des Werkbleistreifens in Platten 72
-
- 55 Eine Doppelplatte 73
-
- 56 Maschine zum Ausstanzen der Löcher 73
-
- 57 Eine zusammengebogene Doppelplatte 74
-
- 58 Das Vernieten der Platten 76
-
- 59 Fertige Akkumulatorzelle 78
-
- 60 Der Boden des Holzgestelles 78
-
- 61 Das Holzgestell 79
-
- 62 Ausgießen der Kanten des Gefäßes 80
-
- 63 Luftthermometer zum Nachweis des Peltiereffektes 82
-
- 64 Darstellung fünf verschiedener Schaltungsarten 89
-
- 65 Galvanoskop 90
-
- 66 Vertikalgalvanoskop 91
-
- 67 Netz für das Vertikalgalvanoskop 91
-
- 68 Rahmen 91
-
- 69 Stabmagnet 92
-
- 70 Multiplikator im Vertikalschnitt 93
-
- 71 Astatisches Nadelpaar 94
-
- 72 Messingröhrchen für den Multiplikator 95
-
- 73 Schema eines Voltmeters 96
-
- 74 Hebel 97
-
- 75 Andere Konstruktion eines Galvanometers 98
-
- 76 Rahmen des Galvanometers 98
-
- 77 Das Plättchen mit Zeiger 99
-
- 78 Anbringen der Arme zur Aufnahme der Spitzen des Eisenstäbchens 99
-
- 79 Die Wheatstonesche Brücke 100
-
- 80 Querschnitt der Wheatstoneschen Brücke 100
-
- 81 Der Kommutator 101
-
- 82 Seitenansicht des Kommutators 101
-
- 83 Verlauf der Kraftlinien in einer vom elektrischen Strome
- durchflossenen Drahtspirale 103
-
- 84 Schematische Darstellung eines Stromkreislaufes 107
-
- 85 Schema des Spannungsgefälles 108
-
- 86 Schaltungsschema für Volt- und Amperemeter 108
-
- 87 Wheatstonesche Brücke 109
-
- 88 Spannungsgefälle in zwei verschiedenen Widerständen 110
-
- 89 Wheatstonesche Brücke 110
-
- 90 Rudi hält seinen dritten Vortrag 112
-
- 91 Die elektrische Klingel 113
-
- 92 Elektromagnetkern mit Spulen (Schnitt) 114
-
- 93 Schnitt durch den Kontaktknopf 114
-
- 94 Feder für den Kontaktknopf 115
-
- 95 Schaltungsschema einer Klingelanlage 115
-
- 96 Der Morseschreiber (Seitenansicht) 115
-
- 97 Der Morseschreiber (Aufsicht) 116
-
- 98 Rollen zur Bewegung des Papierstreifens (Schnitt) 116
-
- 99 Rollen zur Bewegung des Papierstreifens (Seitenansicht) 117
-
- 100 Morsetaster 118
-
- 101 Schaltungsschema der Morseapparate 119
-
- 102 Relais im Grundriß 121
-
- 103 Elektromotor im Grundriß 122
-
- 104 Wirkungsschema des Elektromotors 123
-
- 105 Vierpoliger Hufeisenanker 124
-
- 106 Verlauf des Stromes beim vierpoligen Anker 124
-
- 107 Sechspoliger Elektromotor 125
-
- 108 Entstehung der Pole im Grammeschen Ring 127
-
- 109 Form für den Grammeschen Ring 127
-
- 110 Der mit 12 Spulen bewickelte Grammesche Ring 128
-
- 111 Holzkern für den Grammeschen Ring (Schnitt) 128
-
- 112 Schnitt durch Holzkern und Ring 128
-
- 113 Ringanker mit Kollektor 129
-
- 114 Fertiger Motor (links Ansicht, rechts Schnitt) 129
-
- 115 Motor von oben gesehen (rechts Schnitt) 131
-
- 116 Gestalt eines Polschuhes 131
-
- 117 Bewickelungsschema 133
-
- 118 Ankerformen für magnetelektrische Maschinen 139
-
- 119 Die improvisierte Schmiedeesse (Schnitt) 139
-
- 120 Der aus einzelnen Stäben zusammengesetzte Magnetstock 143
-
- 121 Gleich- und Wechselstromabnehmer auf einer Achse 143
-
- 122 Verschiedene Formen für Feldmagnete 144
-
- 123 Schnitt durch die magnetelektrische Maschine mit Hufeisenanker 145
-
- 124 Drahtringe, die sich in einem magnetischen Feld bewegen 146
-
- 125 Schema einer Hauptstrommaschine 149
-
- 126 Schema einer Nebenschlußmaschine 150
-
- 127 Schema einer Maschine mit Fremderregung 150
-
- 128 Einschaltung eines Hilfsstromes in den Stromkreis der
- Dynamo 151
-
- 129 Einfache Bogenlampe 153
-
- 130 Drahtschnecke für den Zigarrenanzünder 155
-
- 131 Der Zigarrenanzünder 156
-
- 132 Rudi mit den Vorversuchen für seinen Vortrag: „Wechselströme
- höherer Frequenz“ beschäftigt 157
-
- 133 Apparat zur Demonstration der Wirbelströme (von oben
- gesehen) 160
-
- 134 Derselbe von der Seite gesehen 160
-
- 135 Schema einer elektrischen Klingel 162
-
- 136 Spulmaschine 165
-
- 137 Schnitt durch einen einfachen Induktionsapparat 166
-
- 138 Einfacher Induktionsapparat von oben gesehen 167
-
- 139 Induktor mit verschiebbarer sekundärer Rolle 168
-
- 140 Schaltungsschema des Kondensators 169
-
- 141 Lage der Stanniolblätter mit ihren Ansätzen 170
-
- 142 Der fertige Kondensator 170
-
- 143 Schnitt durch die Rolle eines Funkeninduktors 172
-
- 144 Befestigung der Induktorrolle 173
-
- 145 Spulmaschine für den Funkeninduktor 174
-
- 146, 147 Verbindung der einzelnen Spulen 176
-
- 148 Verbindung zweier Spulen 177
-
- 149 Kartonkamm zum Einrichten der Spulen 177
-
- 150 Schematischer Schnitt durch einen großen Funkeninduktor 179
-
- 151 Kommutator (Horizontalschnitt) 180
-
- 152 Kommutator (Vertikalschnitt) 180
-
- 153 Befestigung der Achse des Kommutators 181
-
- 154 Einfacher Unterbrecher 183
-
- 155 Quecksilberunterbrecher 184
-
- 156 Träger des Hebels zum Quecksilberunterbrecher 184
-
- 157 Kurve eines einfachen Wechselstromes 187
-
- 158 Kurve eines Induktorstromes 187
-
- 159 Wheatstonesche Brücke 189
-
- 160 Schema zum Versuch mit dem zweiphasigen Wechselstrome 191
-
- 161 Eisenring mit Magnetnadel 191
-
- 162 Magnetisches Drehfeld 192
-
- 163 Kurve der aus zwei Wechselströmen mit verschiedener Phase
- entstehenden Resultante 194
-
- 164 Dreiphasiger Wechselstrom 194
-
- 165 Die drei Spulenpaare in Sternform geschaltet 195
-
- 166 Die drei Spulenpaare im Dreieck geschaltet 195
-
- 167 Apparat zur Veranschaulichung eines Drehstromes 196
-
- 168 Kurzschlußanker 199
-
- 169 Schaltungsschema eines Transformators 199
-
- 170 Schema des ersten Telephons 200
-
- 171 Schema des Mikrophones 202
-
- 172 Schema einer Telephonanlage 203
-
- 173 Das Hitzdrahtinstrument 205
-
- 174 Lager für den Zeiger des Hitzdrahtinstrumentes
- (Vertikalschnitt) 205
-
- 175 Dasselbe (Horizontalschnitt) 205
-
- 176 Zeiger für das Hitzdrahtinstrument 206
-
- 177 Das Elektrodynamometer 207
-
- 178 Trockenapparat für die Influenzmaschine 210
-
- 179 Schnitt durch die Vakuumpumpe 211
-
- 180 Der in einen Zweiwegehahn veränderte Gashahn 213
-
- 181 Der Rezipient als Entladungsröhre 215
-
- 182 Verbindung der Geißler-Röhre mit dem Rezipienten zum
- Auspumpen 216
-
- 183 Einfache Röhre auf dem Rezipienten 217
-
- 184 Geißlersche Röhren, ungefüllt 217
-
- 185 Geißlersche Röhren. Zu füllen mit fluoreszierenden
- Flüssigkeiten 218
-
- 186 Hittorfsche (Crookessche) Röhre 218
-
- 187 Crookessche Röhre 219
-
- 188 Röntgenröhren 222
-
- 189 Influenzmaschine und Röntgenröhre 223
-
- 190 Hand, von Röntgenstrahlen durchleuchtet 224
-
- 191 Schnitt durch den Lichtschutzschirm 228
-
- 192 _U_-Röhre zur Versinnlichung elektrischer Oszillation 232
-
- 193 Der Drehspiegel 233
-
- 194 Schema des Hertzschen Wellenversuches 236
-
- 195 Der Fritter (Schema) 236
-
- 196 Der Fritter 237
-
- 197 Zum Fritter 237
-
- 198, 199 Leidener Flaschen für Resonanzversuche 241
-
- 200 Resonanzpendel 243
-
- 201 Interferenz zweier Wellenzüge 245
-
- 202 Interferenzrohr 245
-
- 203 Blechkasten für den Funkeninduktor 246
-
- 204 Interferenzrohr 247
-
- 205 Fritter mit Glocke und Schüttelvorrichtung 248
-
- 206 Schema zum Reflexionsversuch 250
-
- 207 Der Sender 252
-
- 208 Bifilare Wickelung 253
-
- 209 Anordnung der Apparate zur drahtlosen Telegraphie 254
-
- 210 Schaltungsschema des Teslatransformators 258
-
- 211 Teslatransformator (Schnitt) 259
-
- 212 Teslatransformator (Seitenansicht) 259
-
- 213 Funkenmikrometer, Querschnitt und von der Seite gesehen 263
-
- 214 Teslascher Transformator 264
-
- 215 Zu Versuchen über Induktionserscheinungen 266
-
- 216 Versuche am Teslaschen Transformator 267
-
- 217 Lichterscheinungen zwischen zwei mit dem Teslatransformator
- verbundenen Drahtkreisen 268
-
- 218 Zum ersten Teslaschen Glühlampenversuch 268
-
- 219 Zum zweiten Teslaschen Lampenversuch 269
-
- 220 Rudi an seinem Experimentiertisch 273
-
- 221 Kohlen zum Mikrophon 275
-
- 222 Mikrophon 275
-
- 223 Hufeisenmagnet für das Telephon 276
-
- 224 Zylinderende des Magneten 276
-
- 225 Spule 276
-
- 226 Die einzelnen Teile zum Telephon 279
-
- 227 Schnitt durch den Schallbecher 280
-
- 228 Schaltungsschema der Telephonanlage 282
-
- 229 Wirkungsschema der Telephonanlage 285
-
- 230 Graphitstäbe des Rheostaten mit ihren Drahtansätzen 286
-
- 231 Der fertige Graphitrheostat 287
-
- 232 Befestigung des Kontakthebels 288
-
- 233 Widerstand für feine Regulierung 289
-
- 234 Nickelinrheostat 290
-
- 235 Glühlampenrheostat 290
-
- 236 Brett zum Wickeln der Spule 295
-
- 237 Befestigung der Spulen auf dem Grundbrett 297
-
- 238 Fassungsstück (Schnitt) 298
-
- 239 Fassungsstück (Außenansicht) 298
-
- 240 Fertiger Anker (Ansicht) 300
-
- 241 Einfachere Lagerung 301
-
- 242 Lagerung mit einem Blechstreifen 302
-
- 243 Die Platte des Stöpselkontaktes 303
-
- 244 Schema zum Stöpselkontakt 303
-
- 245 Elektroskop 306
-
- 246 Schaltungsschema der Apparate für drahtlose Telegraphie 308
-
- 247 Schaltung mit zwei Kondensatoren 309
-
- 248 Verstellbarer Kondensator 311
-
- 249 Kraftmaschine mit Gewicht 312
-
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