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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI, - Heft 7-9 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: October 6, 2022 [eBook #69101] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 7-9 *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 7 bis 9 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band XI - - _Inhalt_: Kriegerehrungen aus Porzellan – Schradenwanderung – - Tierschutz – Hexenabend – Wolftitz – Werbekunst in Dorf und - Stadt – Die Osterblume am Wachtelberg bei Wurzen – Ein altes - Patrizierhaus – Gefährdete heimische Pflanzenwelt – Zur - Geschichte des Bibers in Sachsen – Vom romantischen zum - denkenden Wanderer – Das Abkochverbot – Antons – - Die Pflege der Schönheit und Eigenart der Heimat als soziale - Aufgabe gerade für unsere arme Zeit – Das Raubwild im Haushalte - der Natur – Landheimbau – Heimatschutzbewegung und Hotel – - Die Pfarrlinde in Markersbach bei Gottleuba – Die Bekämpfung - der Nonne – Johann Pezel und die Turmsonate – Schußpreise - für Raubvögel – Schattenbäume für den Hof – Förderung des - Anbaues von Nußbäumen – Die Postsäule von Aue - - Einzelpreis dieses Heftes M. 50.–, Bezugspreis für einen Band - (aus 12 Nummern bestehend) M. 200.–, für Behörden und Büchereien - M. 50.–. Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, - _Mindest_jahresbeitrag M. 50.–, freiwillige Einschätzung - erbeten - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokasse Dresden 610 - - Dresden 1922 - - - - -Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten ... - - -Im letzten Hefte unserer Mitteilungen erbaten wir freiwillige Beiträge -zur Erhaltung der Zeitschrift. Wenn dieses stattliche Heft im alten -Umfange noch erscheinen kann, so ist dies ein Erfolg obiger Bitte, eine -Tat unserer Mitglieder. Und dabei hat noch nicht einmal ein Zehntel -unserer 21000 Freunde unserm Aufruf entsprochen. Wir haben so viele -und so begeisterte Zuschriften über den Wert unserer Mitteilungen, -unserer grünen Hefte, empfangen, daß unser Wille »durchzuhalten« noch -stärker geworden ist, selbst von einer Einschränkung des Umfanges der -Zeitschrift wollen unsere Mitglieder nichts wissen. Unser herzlichster, -aufrichtiger Dank sei denen gesagt, die uns halfen. An die, die uns ihr -Scherflein noch nicht brachten, die vielleicht glaubten, es hat doch -keinen Zweck, ein Durchhalten sei unmöglich, richten wir die Bitte, -dem letzten Hefte die Zahlkarte zu entnehmen und uns einen Betrag -freiwillig für weiteres Durchhalten zu spenden. Die Zeiten haben sich -sehr, sehr geändert, mehrere Millionen Mark sind notwendig, damit die -Sächsischen Heimatschutz-Mitteilungen weiter erscheinen können. Wenn -uns alle unsere 21000 Mitglieder helfen, wird es möglich sein, und -darum bitten wir. - - _Dresden_, im September 1922 - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - - ~Dr. ing. e. h.~ _Karl Schmidt_, Geh. Baurat - _O. Seyffert_, Hofrat Professor - - - - - Band XI, Heft 7/9 1922 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern -herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. September 1922 - - - - -Kriegerehrungen aus Porzellan - -von der Staatlichen Porzellanmanufaktur, Meißen - - -Ein neuer Kunstwillen hat sich in alle Zweigströme der schaffenden -Künste ergossen, ist über mannigfache Klippen dahingebraust und oft auf -Untiefen geraten und hat doch immer und unaufhaltsam die Schaffenden -zu neuem Ausdruck mit fortgerissen. Es ist wohl ratsam, von Zeit zu -Zeit im bunten Wirbel der neuen Erscheinungen Ausblick zu halten und -bei solchen Erzeugnissen der werdenden Kunst, die ernster Kritik -standhalten, prüfend haltzumachen. - -Noch vor Kriegsende und besonders nach der Niederlegung der Waffen -empfand man es als sittliche Pflicht, dem Gedenken der Opfer des -verlorenen Krieges würdige Erinnerungszeichen zu setzen und ging mit -opferwilligen Händen und viel Liebe an diese Aufgabe heran. Wenn auch -einer stattlichen Reihe dieser Denkmäler ein guter künstlerischer -Erfolg beschieden war, so wurden doch andernorts diese gutgemeinten -Ehrungen gar zu oft katalogmäßige Ware oder gar kunstwidrige Greuel -schlimmster Art. Da ist es uns eine rechte Freude, an dieser Stelle -von einer Reihe guter Leistungen auf einem Sondergebiet plastischen -Schaffens berichten zu können, nämlich von den in der Staatlichen -Porzellanmanufaktur Meißen entstandenen Kriegergedenktafeln. Man wird -fragen, eignet sich Porzellan denn zu monumentalem Ausdruck, ist es -denn nicht zu zart und zu flüssig für den Ausdruck des Herben, den -man doch bei solchen Toten geweihten Denkzeichen fordern muß? Man sehe -sich aber darauf die hier abgebildeten Erzeugnisse unserer Meißner -Manufaktur an, und man wird zugeben müssen, daß ihnen durchaus jene -ernste Würde innewohnt, zu der uns der Anblick oder die Erinnerung -an liebe Tote zwingt. Und doch ist das nicht die einzige Empfindung, -die uns bei Versenkung in die Tafeln beherrscht, ich finde bei aller -Getragenheit spiegeln diese mannigfachen Gebilde sämtlich auch eine -Erhobenheit wider: sie sind frei von Mutlosigkeit und wirken in dieser -für unser Volk so entsetzlich hoffnungslosen Zeit wie ein feiner -Sonnenstrahl, der sich zwischen schwarzen Winterwolken durchstiehlt, -als wolle er sagen, es muß doch endlich Frühling werden. - -[Illustration: Abb. 1 =Gedenkplatte in der Großdobritzer Kirche=] - -Gehen wir zunächst von den Kleinsten der hier vorgeführten, sämtlich -vom Bildhauer Paul Börner stammenden Keramiken aus. Sie wurden für -malerische Dorfkirchen geschaffen und in deren Innern an sorgfältig -ausgewählter Stelle in die Architektur der Kirchenwände eingefügt. -Während die für einen Gefallenen des Siebziger Krieges gewählte Tafel -in der Großdobritzer Kirche (Abb. 1) wegen ihres strengen und trotz -der geringen Größe monumentalen Ausdruckes hervorgehoben werden muß, -erinnert das in der Liebschützer Kirche aufgehängte Ehrenzeichen -(Abb. 2) mit seinen trauernden Engelköpfen an ältere Vorbilder -volkstümlicher Kunst. Es ist ein rührender Zug schlichter Liebe in -dieser Weihetafel; das ist eben das Beste an diesen Schöpfungen, daß -sie weit entfernt vom Reindekorativen und der Ausdruck eines inneren -Erlebnisses sind. - -Nicht ganz auf gleicher Höhe steht die in der Porzellanmanufaktur -selbst aufgehängte Gedenktafel für die Gefallenen des Werkes. -Inschrifttafel und ihre Umrahmung sind nicht in so innige Verbindung -gebracht worden, als man hätte wünschen müssen, auch ist das Figürliche -ohne genügenden inneren Zusammenhang. Aber im ganzen zeigt auch diese -Arbeit, was aus dem Porzellan herausgeholt werden kann. - -[Illustration: Abb. 2 =Gedenkplatte in der Liebschützer Kirche=] - -Nun aber zu der im ehrwürdigen Meißner Rathaus an bedeutungsvoller -Stelle des Treppenhauses angebrachten Gedächtnistafel (Abb. 3) für die -städtischen Beamten und Angestellten. Eine Schriftfläche von schöner -Umrißlinie fügt sich formvollendet zwischen die Konturen der sie -tragenden trauernden Frauengestalten. Ausdruck von Gesicht und Haltung, -Faltenwurf und plastische Abtönung, alles klingt in prächtiger Harmonie -zusammen. Trotz starker stilistischer Sonderart ist das Übertriebene, -das wir oft an neueren Kunstwerken bedauern, vermieden. Komposition und -Ausdruck, Ideeliches und Stoffliches halten sich die Wage. - -Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich behaupte, daß uns solche -Leistungen ein gut Stück weiter vorwärts bringen und vielleicht tragen -unsere Abbildungen dazu bei, festeingewurzelte Vorurteile gegen das -neue Kunstwollen zu mildern und zu beheben. - -Aber auch im braunen Böttcherporzellan, dessen Wiederbelebung die -Porzellanmanufaktur tatkräftig und mit schönem Erfolg fördert, wurden -verschiedene Versuche angestellt. So wurde den im Kriege gebliebenen -Arbeitern und Angestellten der Meißner Jutespinnerei eine derartige -Tafel geschaffen. Etwas nüchtern und vielleicht etwas fabrikmäßig wird -manchem die hierfür gewählte, streng geometrische Zusammenreihung von -Namenstafeln erscheinen, aber das erfordert eben gerade der Organismus -eines großen Industriewerkes, wo das Gefühlsmäßige zurückgedrängt, -intimere Bildungen ausgeschlossen werden. - -[Illustration: Abb. 3 =Gedächtnistafel im Rathaus zu Meißen=] - -Welche reichen Entwickelungsmöglichkeiten sich darbieten, zeigen -die beiden Schlußabbildungen (Abb. 4). Die obere, für die Kirche in -Röhrsdorf bestimmte Platte beweist, verglichen mit der Großdobritzer -Platte, auf wie einfachem Wege der kleinere Entwurf für eine größere -Zahl von Gefallenen nutzbar gemacht werden kann, die untere Zeichnung, -für eine studentische Verbindung berechnet, aber lehrt uns, wie durch -Zusammenreihung kleiner Namenstafeln derartige Gedächtnisplatten -je nach der Eigenart der Wandflächen und je nach der Gefallenenzahl -entstehen und reizvoll gestaltet werden können. - -[Illustration: Abb. 4 =Denkplatten für die Röhrsdorfer Kirche= (oben) -=und für eine studentische Verbindung= (unten)] - -Es ist hier nicht möglich, auf die in Ausführung begriffene -Umwandlung der mittelalterlichen Nikolaikirche in Meißen zu einer -Kriegergedächtniskirche einzugehen. Auch dieses großzügige Unternehmen -wurde der Staatlichen Porzellanmanufaktur anvertraut. Der Lösung -dieser Aufgabe sehen wir mit Spannung entgegen, die nicht ganz frei -von Sorge ist, daß der Eingriff in das mittelalterliche Gepräge des -Kircheninneren zu stark werden könne, aber der Vorwurf, daß wir bei -solchen Aufgaben die Gegenwart und ihre künstlerischen Tendenzen nicht -zu Worte kommen lassen, soll nicht erhoben werden können, auch war -die Erhaltung dieses vom Verfall bedrohten unbenützten Bauwerkes nur -dadurch möglich, daß man ihm einen neuen Zweck gab. - - ~Dr.~ Paul Goldhardt. - - - - -Schradenwanderung - -Von _Edgar Hahnewald_ - - -Drei Großenhainer Kasernenjahre lang lag der bewaldete Hügelzug -nördlich der flachen Ebene vor meinen Augen. Dahinter lockte das -Unbekannte, die Ferne, die Freiheit, das Unerreichbare. Diese blaue -Mauer verstärkte das Gefühl des Gebundenseins: darüber hinaus konnte -der Blick nicht schweifen. Felddienstritte drangen nie bis dahin vor, -denn dicht vor diesen Hügeln lief die Zickzacklinie der Grenze; der -blaue Wall schied Sachsen und Preußen. - -Die Karte zerlegte den Hügelzug in benannte Gruppen: das Pfeifholz, -die Heidelberge, die Finkenberge, den Latschenberg. Aber das waren -Namen, die vor der sinnlichen Wahrnehmung nichts besagten – da erhob -sich die blaue Mauer, fern und unerreichbar. Dahinter lag eine andere -Welt, von der Sehnsucht sich eine Vorstellung bildete, die sich nicht -an die Karte band. Der kleine Hügelzug, an sich um nichts bedeutender -als tausend andere Hügel in der weiten Welt, bekam eine Bedeutung: er -begrenzte drei Jahre lang einen Lebensbereich. - - * * * * * - -Später, als man die Freiheit genoß, so weit zu wandern wie der -Geldbeutel reichte, lockten andere Fernen. Die symbolische Hügelmauer -nördlich von Großenhain geriet in Vergessenheit. - -Aber eines Tages fand ich in den Kursächsischen Streifzügen -von Otto Eduard Schmidt die Schilderung einer Fahrt um die -Meißnisch-Lausitzische Nordostgrenze. Und während ich las, trat jener -blaue Grenzwall wieder deutlich vor mich hin. Und aus der Begrenztheit -dreier Großenhainer Jahre rückte ihn das Buch in den weitgespannten -Rahmen der Kulturgeschichte. - -Denn: dieser Hügelzug, der aus der Röderniederung südlich von -Elsterwerda allmählich ansteigt und in einer ungefähr zwanzig Kilometer -langen Schlangenlinie nach Osten streicht, um sich in der Gegend von -Ortrand im Lausitzer Wald- und Hügelland fast unauffällig zu verlieren, -war in der Zeit der germanischen Eroberung tatsächlich ein Grenzwall, -der zwei Welten trennte. Diesseits, südlich der Hügelmauer, lag das von -fränkischen und thüringischen Kolonisten durchsetzte meißnische Land, -jenseits dämmerten die slawischen Gaue der Niederlausitz. - -Es war kein Zufall, daß die Deutschen nur bis zu jenen Hügeln und nicht -weiter vordrangen, denn hinter diesem Wall bildete ein unzugänglicher -Urwald ein natürliches Hindernis. Im Norden begrenzte ihn ein zweiter -Hügelzug. Dazwischen fließen heute die Pulsnitz und die Schwarze Elster -in einem sauberen, nahezu gradlinigen Spitzwinkel aufeinander zu, um -sich bei Elsterwerda zu vereinigen. Damals aber versumpften sie im -Urwald zwischen der nördlichen und südlichen Hügelkette. Berge, Urwald -und Sumpf bildeten die natürliche, schützende Grenze, eine viele -Stunden lange und mehrere Stunden breite Flächengrenze, wie sie damals -die Deutschen liebten. Sie hatte schon die Semnonen und Hermunduren, -die Lusizi und Dalaminzier voneinander geschieden. Sie schied nun die -Mark Meißen von der slawischen Niederlausitz. Sie scheidet seit der -Abtrennung der Provinz Sachsen sächsisches und preußisches Gebiet. Die -fränkischen Kolonisten erstiegen gerade noch den Wall und schoben an -seinem Nordhange entlang eine Reihe von Siedlungen gegen den Urwald -vor, die alle heute noch daliegen: Wainsdorf, Merzdorf, Seiffertsmühl, -Groeden, das schon die Dalaminzier als Deckung gegen die Liusitzen -angelegt hatten, Hirschfeld, Großthiemig, Frauwalde, Großkmehlen -(Kmehlen bedeutet Hopfendorf), Burkersdorf und Ortrand. Vermutlich -waren diese Siedlungen durch Verhaue untereinander verbunden; sie -bildeten eine Grenzwacht auf vorgeschobenem Posten. - -Unter den Dörfern erstreckte sich der düstere, sumpfige Urwald. Und -»wenn sich nun im Herbste die weißen Nebelschleier aus dem Sumpfwald -hoben und das Brüllen des Elchs und des Auerochsen aus der Tiefe -herauftönte, da fürchteten sich nicht nur die Ahnfrau und die Kinder, -sondern auch den Männern war es wie eine tröstende Verheißung der -Nähe des Christengottes, wenn der Sakristan in der Dämmerstunde -das Glöcklein läutete. Sie nannten den unheimlichen Wald, den sie -vor sich sahen, den Schraden, das heißt den Wald der bösen Geister -(althochdeutsch: ~scrato~ = böser Geist, neuhochdeutsch: Schratt.)« - - * * * * * - -Diese Kunde gab mir Schmidts Buch. - -Noch heute heißt jenes Gebiet zwischen den beiden Hügelketten der -Schraden, und der Volksmund spricht von den Schradendörfern. Der -Schradenwald ist längst verschwunden, das Oberbuschhäuser Forstrevier, -das einen kleinen Teil der Ebene bedeckt, hat mit seinen schnurgeraden -Gestellen gar keine Ähnlichkeit mit einem Urwald. Wo einst Elch -und Auerochs durch unwirtliche Wildnis brachen, breiten sich heute -künstlich entwässerte Wiesen und Felder. Aber immer noch hebt sich der -Schraden schon auf der Karte als eine andere Welt von seiner Umgebung -ab. Neben der dichter besiedelten Großenhainer Pflege und von ihr durch -das dunkle Gestrichel der Hügel getrennt, liegt er als große leere -Fläche ohne Dörfer, durchsetzt von dem feinen Raster, der auf der Karte -sumpfige Wiesen kennzeichnet, durchzogen von geradlinigen Straßen und -Wassergräben und den beiden feingezackten Bändern der Pulsnitz und der -Schwarzen Elster. Vor allem diese beiden Flußkanäle geben dem Schraden -das besondere Gepräge. - -Und man beschließt: da liegt eine andre Welt und da mußt du einmal hin. - - * * * * * - -Das stand als Vorhaben lange fest. Und nun, auf einer Osterwanderung -von Radeburg nach Großenhain am Zickzacklauf der Röder entlang kam -wieder dieser blaue Hügelwall in Sicht und lockte. - -Am nächsten Morgen fuhr ich in den Schraden. - - * * * * * - -In der Nacht setzte starker Regen ein, und am Morgen regnete es noch. -Es regnete während der Bahnfahrt nach Ortrand, es regnete auf die -samtbraunen Äcker, auf die malachitgrünen Saaten, auf fröstelnde Dörfer -in der Ebene. Es regnete in Ortrand. Ein herbstlich kühler Wind trieb -graue Wolken über die kleine Stadt, deren gefällige Bescheidenheit -selbst noch bei solchem Wetter anheimelt. Man geht nur einige Minuten -und steht schon am jenseitigen Rande des Städtchens. Die hohen Bäume -einer sauberen Allee rahmen hübsche Kleinstadtbilder ein: halb -übersponnen von sprossendem Gezweig gucken braune Dächer über die -Obstgärtchen weg, eine alte Kirche ragt, umringt von Dächern, Narzissen -betupfen regengrüne Graspläne, über andere Dächer weg spitzt ein keckes -Kapellentürmchen, ein Wasserstrahl gulkert in einen Steintrog, eine -Frau in verwaschenem blauem Rock und blauer Hausjacke kommt und setzt -ihren Eimer unter den Strahl und macht sich gar nichts aus dem Regen, -draußen liegen grüne Wiesen mit Baumreihen an Wassergräben. Das alles, -vom Regen bespritzelt, von grauem Gewölk überflogen, sah recht hübsch -aus. Dabei gab es keine großen Geschichten mit Lichteffekten. Dach, -Wiese, Acker, Garten gaben sich dem Regen so naiv grün, braun, rotbraun -hin, wie sie eben von Haus aus sind. - -Und als die Frist bis zum Abgange des Zuges nach Großenhain zurück bald -verstrichen war, hörte der Regen auf. Fünf Minuten später lag Ortrand -hinter uns und Kmehlen vor uns zu beiden Seiten der Allee mit den hohen -Bäumen. Links stieg ein bewaldeter Hügelzug aus Feldern auf. Das war -die blaue Mauer, und jetzt marschierten wir hinter ihr entlang. - - * * * * * - -Kmehlen, das alte Hopfendorf, hat zwei Sehenswürdigkeiten: einen -reichgeschnitzten, reichvergoldeten niederländischen Flügelaltar -des Brüsseler Bildschnitzers Jan Bormann, ein Werk, von dem die -Kunsthistoriker heute noch nicht wissen, wie es in das weltferne -Schradendorf geriet, und ein Wasserschloß. Schmucklos und dunkel -steigen die Mauern aus dem tiefen Wassergraben auf, der das burgartige -Schloß umzieht. Schwere, runde Ecktürme verstärken den Eindruck der -Wehrhaftigkeit. Spätere Zeiten haben Blumen, gefällige Holzbrücken, -verschnittene Hecken hinzugefügt, und wohl auch die Renaissancegiebel -sind später hinzugekommen, die die Schwere des dunklen Daches -auflockern und gleichsam das Schloß leichter gegen den Himmel -aufstreben lassen. Aber man kann sich das Schloß wohl gut in die -graue Schradenvergangenheit zurückdenken, wenn in Novembernächten -die Nordstürme in den alten Kastanien zausen, wenn der Regen auf -das Dach rauscht und um das feuchte Dunkel der Gräben Schatten aus -Nordlands-Balladen ziehn: »Der Sturmwind brauste im Kamin, die Hunde -heulten laut am Tor ...« - - * * * * * - -Freundlicher, gleichsam sommerlich auch unter Aprilwolken liegt das -Wasserschloß Lindenau in der Pulsnitzaue. Von Kmehlen geht man auf -lichten Wegen nur ein halbes Stündchen bis dahin, aber Schloß und -Dorf Lindenau zählen schon zur Lausitz, weil sie jenseits des Flusses -liegen. Diese Landschaft hat einen eigenartigen, frohstimmenden Reiz. -Unter lichten Birken und breitästigen Eichen fließt die Pulsnitz heran. -Zwischen hochbogigen Bäumen sieht man hinaus auf den weiten Schraden, -auf die Vorpostenkette der Dörfer am Hügelhang. Linker Hand liegt ein -lockerer Auwald. Muskulöse Eichen, riesenstarke Erlen, weißstämmige -Birken mit dem feinsten Zweigregen um sich, tausend weiße Anemonen -blühen zu ihren Füßen, Linden mit der feinen Kuppelarchitektur ihrer -noch kahlen, eben erst sprossenden Äste, saftige Wiesen darunter, und -Wasserläufe von allen Seiten – wie ein alter englischer Park liegt das -da. Und dann wird es wirklich ein Park. Rhododendronbüsche breiten -sich unter Bäumen aus, Edelkoniferen treten zu schönen Gruppierungen -zusammen. Es ist kein Zaun da, der den Schloßpark abschließt – ein -Graben mit samtbraunem Wasser ersetzt ihn. Und dann steht ein heiteres -Schloß mitten drin, ein Schloß mit Renaissancegiebeln rechts und -links und einem schlanken Turm in der Mitte. Gegenüber, in der Reihe -der Wirtschaftsgebäude, steht ein Torhaus mit einem Türmchen. Und -geht man durch das weitgewölbte Tor, so steht dahinter eine weiße, -ländliche Kirche, und an einer geraden Straße mit hohen Bäumen reiht -sich das Dorf auf. Parkweg und Wassergraben zwischen Schloß und Torhaus -überspreiten uralte Linden mit ihrem Gezweig. Kastanien sprossen da -und dort, Lärchen streben auf, von den grünen Funken der aufbrechenden -Knospen umschwärmt, und hinter Gezweig und Gezweig steht das Schloß, -der schlanke Turm vor der Baumfülle des Parks, von stillen Wässern -umzogen, vom Bogen des Tores eingerahmt. Man ahnt, wie sonnig und -schattig, wie licht und kühl an blühenden Junitagen das alles sein wird. - -Das ist Lindenau, Linden-Au an der Pulsnitz. - - * * * * * - -Und dann die Pulsnitz selber. - -Es regnete wieder. Während wir im Dorfgasthaus einen Kaffee tranken -(die Wirtin plättete in der Gaststube und draußen bauschte der Wind -eine Karussellplane) hatte es begonnen. Vor uns lagen einige Stunden -Weg durch den Schraden, ohne Haus, ohne Dach – noch konnten wir -umkehren, nach Ortrand zurückgehen. - -Aber vor uns zog die Pulsnitz hinaus in die Weite, ein schmales -Silberband zwischen glatten Grasdämmen, in der nebligen Ferne -verschwindend. Das lockte uns hinaus. - -Und nun lag der Schraden vor uns, um uns. - - * * * * * - -Man tritt in diese Landschaft, wie man einen Raum betritt – mit einem -Schritt. Da liegt die Parkaue mit ihren Bäumen, mit dem Schloß, mit dem -Reiz einer gewissen Verfeinerung – und da breitet sich der Schraden, -die einsame Ebene im Regengrau, mit Wasserspiegeln und Sümpfen und -Torfstichen, mit Birkenalleen und verstreuten Bäumen im Grenzenlosen. - -Grenzenlos – so lag der Schraden vor uns. Der Horizont verschwand im -Grau. Alle Formen lösten sich auf und wurden weich im Gesprühe, das -uns der Wind entgegentrieb. Es regnete nicht entschieden, es war mehr -ein nässendes Wehen, als ob fortwährend die Kohlensäurebläschen eines -Selterwassers ins Gesicht spritzelten. Und nach einer halben Stunde -war man naß. Dabei sickerte durch die übereinander hintreibenden -Wolkenschleier ein milchiger Lichtschimmer, der das Grau ringsum -durchscheinend machte und keine Trostlosigkeit aufkommen ließ. Die -Landschaft überließ sich einer Melancholie, die ihr selber wohltat. - -In den flachen Wässern spiegelte sich der geronnene Himmel. Durch das -Wasser sproßte spitzes Gras. Regenperlen bedeckten das junge Grün mit -einem ganz zarten Silberreif. Sumpfdotterblumen tupften die Wiesen -mit ihrem selbstzufriedenen Gelb. Es war ein Vergnügen, die fetten, -fleischig knapsenden Stengel zu brechen und den leuchtenden Strauß wie -einen Klumpen Sonne durch den silbergrauen Tag zu tragen. - - * * * * * - -Geradefort, kilometerweit, wie mit dem Lineal gezogen, durchschneidet -die Pulsnitz den Schraden. Der Moorgrund schimmert durch die Flut – -klarflüssiges, samtbraunes Glas scheint zwischen grünen Uferrändern -dahinzufließen. Im Dialekt der Gegend heißt das Flüßchen »die -Pulse« – das Wort gibt das gleichmäßig ruhige Wallen dieses Wassers -lautmalerisch wieder. Blickt man aber geradeaus, so liegt die Pulsnitz -als gestrecktes Silberband in die grüne Ebene eingelassen. Hohe Dämme, -ebenso geradlinig gezogen wie der Fluß selbst, fassen die Ufer ein. -Manchmal steht ein Baum dicht dabei, ein Gebüsch wächst halb auf den -Damm herauf, eine helle Birkenallee kommt von weither, steigt über die -Dämme und zieht weiter, eine Brücke spiegelt sich im Fluß, vereinzelte -Bäume stehen nah und fern in den Sumpfwiesen, und weit drüben, halb -verloren im Grau, dämmert der Hügelzug mit den Schradendörfern. - - * * * * * - -Stundenlang schritten wir auf dem »Pulsdamm« dahin. Weit und breit -war kein Mensch. Einmal ging ein Bauernwagen über eine ferne Brücke -– Karren, Pferdchen, Brücke und ein Baum dabei trafen sich für ein -Weilchen als feingeschnittenes Schattenbild grau in grau über dem -Silberfluß, dann verschwand das lautlose Gefährt hinter flockigem -Gebüsch und wir waren wieder allein in der weiten Landschaft, unter dem -verschleierten Himmel, der als graue Riesenwand von der flachen Erde -aufstieg und unter dem Fluß und Damm, Baum und Wiese groß und einsam -ihre stillen Reize ausbreiteten. - -Über den naßgrünen Wiesen flatterten schwarzweiße Kiebitze im -Taumelflug. Unaufhörlich erfüllten sie die Luft mit ihren besorgten -Rufen. Manchmal klingt es schnalzend: knuiuiui knuii, manchmal erregt, -durch die Luft fallend: kiwitt – kiwitt. Kiebitzrufe im Nebel – in der -Erinnerung steigt die Einsamkeit russischer Landschaften auf. Sand und -Sumpf und Nebel im Frühlingslicht und Kiebitzschreie im litauischen -Moor: kiwitt – kie-witt ... - - * * * * * - -Das Sprühen hatte aufgehört – man empfand es kaum noch, so gut stimmte -es zu dieser Landschaft. Die grauen Wolken flogen höher. Von den Hügeln -in der Ferne hoben sich die Schleier. Die Dörfer grüßten. - -Und nun standen wir an einem Kreuzweg. Geradeaus blinkte die Pulse. -Und quer zu ihrem Lauf zog eine Straße durch das weite Land, eine vom -Regen reinlich gewaschene Straße, von weißstämmigen Birken gesäumt. Das -zarte Gezweig flutete wie gelöstes Frauenhaar über der hohen Wölbung -zusammen. Unter den Birken hin liefen Gräben mit klarem Wasser, in dem -grüne Gewächse wie von Glas umschlossen sproßten. - -Die Pulsnitz lockte und die Straße lockte. Wir schlugen die Straße ein -und marschierten unter den Birken hin. Draußen hinter der Säulenreihe -der weißen Stämme lag die weite Ebene. Fichtenwald mit schnurgeraden -Schneisen. Verträumte Kanäle. Und wieder die Ebene. - -Und wieder ein samtbrauner Fluß zwischen hohen Dämmen: die Schwarze -Elster. Der Fluß ist breiter und die Dämme sind höher, aber reizvoller -ist die Landschaft an der Pulsnitz. - -Wir gingen von Plessa nach Elsterwerda immer auf dem Elsterdamme hin. -Rechts begrenzten Hügel die kargere Landschaft: der nördliche Grenzwall -des Schradens. Links, leicht verschleiert im kühlen Grau weitete sich -die eigentliche Schradenlandschaft mit Gräben und Wässern und Dämmen -und Sümpfen und dem lockeren Geflock der Bäume in der Wiesenaue und mit -dem graublauen Hügelsaum in der Ferne. Als dunklerer Streifen und ganz -allmählich an den Elsterlauf heranbiegend zog drüben der Pulsnitzdamm -durch die Ebene, an den man an der Elster zurückdenkt und den man -noch einmal gehen wird, im Hochsommer, wenn die Mittagsglut über dem -duftenden Heu der Schradenwiesen zittert. - - - - -Tierschutz - - -Als ich vor vielen Jahren mal in Ziegenrück übernachtete, lag im Zimmer -meines Gasthofes ein altes Schwarzburg-Rudolstädter Gesangbuch von -1856, das ich aufschlug und folgendes schöne Lied darin fand: - - Der weise Schöpfer, dessen Ruf - Einst mächtig scholl: Es werde! - Und aller Welt Bewohner schuf, - Bestimmte diese Erde - Nicht für den Menschen nur allein, - Auch Tiere schuf er groß und klein, - Des Lebens sich zu freuen. - - Sein Wille war, daß ihre Zahl - Sich allenthalben mehre. - Sie füllen Wälder, Berg und Tal - Und Seen, Flüß’ und Meere, - Beleben hier die hohe Luft - Und dort der Erde tiefste Kluft - Und freuen sich des Lebens. - - Nie kann des klügsten Menschen Sinn - Der Arten Anzahl wissen, - Doch sänk auch nur die kleinste hin, - So wär’ das Band zerrissen, - Das auf der weiten Gotteswelt - Die Wesen aneinanderhält - Zu einem großen Ganzen. - - Das kleinste Tier betritt die Welt - Mit mir auf gleiche Weise, - Es fühlt sein Dasein und erhält - Sich auch mit Trank und Speise, - Hat ebenso, wie ich ein Herz, - Hat Sinneskraft, fühlt Lust und Schmerz, - Und liebt wie ich, das Leben. - - Dem, der für alles Sorge trägt, - Dem Schöpfer aller Dinge, - Ist nichts, was auf der Welt sich regt, - Zu klein und zu geringe. - Er, dessen Huld kein Engel mißt, - Er, der des Menschen Vater ist, - Ist auch des Wurmes Schöpfer. - - Und er, der alle Wesen liebt, - Er sollte mir erlauben - Dem Tiere, dem er Leben gibt, - Mutwillig es zu rauben? - Was gäbe mir wohl den Beruf, - Ein Leben, das die Allmacht schuf, - Aus Leichtsinn zu zerstören? - - Nein, kein Geschöpf, das mit mir lebt, - Darf ich aus Frevel quälen; - Mag, was mich übers Tier erhebt, - Mag auch Vernunft ihm fehlen. - Sie macht mich zu der Gottheit Bild, - Doch lehrt sie mich auch, göttlich mild, - Glück um mich her verbreiten. - - Vernunft, du sollst mich immer mehr - Die wahre Weisheit lehren, - In der Geschöpfe großem Heer - Will ich den Schöpfer ehren. - Wer stolz ein Mitgeschöpf verschmäht, - Das unter Gottes Aufsicht steht, - Entehrt auch seinen Schöpfer. - - Wen eines Tieres Qual erfreut, - Der sieht mit kaltem Herzen - Gar bald auch seiner Brüder Leid - Und spottet ihrer Schmerzen. - Wer frech sein Mitgeschöpf betrübt - Und Härt’ und Grausamkeit verübt, - Der kann auch Gott nicht lieben. - -Warum ich das alte Lied ganz hersetzte? Weil es eine berechtigte Klage -der Tierschützer ist, daß die christliche Kirche sich wenig um die -Tiere kümmert. Beweis: Die gähnende Leere der Gesangbücher, soweit der -Tierschutz in Frage kommt. Es gab aber eine Zeit, wo es hierin besser -war. So z. B. enthielt das _alte_ Magdeburger Gesangbuch von 1837 eben -dieses und auch ein anderes gutes Tierschutzlied. - -_Heimatschutz umfaßt unbedingt auch Tierschutz._ Ich glaube, der Satz -bedarf keiner besonderen Begründung. Pflanze und Tier beleben erst die -an sich tote Rinde. Es ist daher nicht zu verteidigen, wenn selbst -zu wissenschaftlichen Zwecken Vögel, die zu Zeiten (nur zu gewissen -Zeiten!) schädlich sind, in maßloser Weise in Unzahl abgeschossen -werden, um ihren Mageninhalt zu untersuchen. Dadurch muß die Natur -notwendig verarmen und kein Geringerer als ein Brehm hat schon auf -die bedauerliche Tierarmut Westeuropas hingewiesen. Im allgemeinen -vollzieht die Natur selber den notwendigen Ausgleich und tritt einer -übermäßigen Vermehrung einer Art entgegen. Wir können also Herrn Prof. -~Dr.~ Hoffmann nur recht geben, wenn er Einspruch erhebt gegen den -Abschuß zahlloser Elstern, und was noch weit schlimmer ist, von so -seltenen Vögeln wie Wasseramseln, die man nur noch an Gebirgswässern -trifft, ferner von insektenfressenden Singvögeln. Und beistimmen -muß ihm jeder, wenn er sagt, daß der durch die Magenuntersuchung -unter der Vogelwelt angerichtete Schaden _viel größer_ ist als der -Nutzen, den diese Untersuchungen uns und den überlebenden Artgenossen -gebracht haben. ~Nisi utile est quod agimus, _vana_ est gloria nostra~ -(Hufeland). - - ~Dr.~ Pause. - - - - -»Hexenabend« - -Von ~Dr. phil.~ _Gerhard Stephan_ - - -In der Nacht des 30. April zum 1. Mai reiten die Hexen zum Brocken, -um dort mit dem Teufel ihre alljährliche Versammlung abzuhalten. Auf -ihrer Fahrt nach dem Harz verwünschen und verzaubern sie Haus und Hof, -Felder und Gärten. Doch vor offenem Feuer scheuen sie zurück, deshalb -werden im Kamin und auf Bergeshöhen mächtige Brände unterhalten. Die -Grundstücke werden durch Kreuze, die mit Kreide an die Türpfosten -gemalt werden, geschützt, auch die Anfangsbuchstaben der heiligen -drei Könige, C(aspar), M(elchior) und B(althasar), werden gern -dazugeschrieben. - -So geschah es im Mittelalter. In unserer Zeit glaubt kein Mensch mehr -an diesen tollen Unfug, aber die Sitte des Feuerbrennens und der -Kreidebemalung hat sich vielerorts, besonders auch in katholischen -Gegenden, erhalten. So auch bei uns im Kamenz-Bautzner Bezirke, und -zwar besonders in den wendischen Gegenden, während die deutschen -Gebiete nur in ihren Grenzstreifen sich am »Hexenabend« beteiligen. - -Die Jugend ist es natürlich, die diese Sitte hochhält. Tagelang vorher -sieht man die Jungens von Haus zu Haus laufen, um sich einen alten -Besen zu erbetteln. Und auch gar mancher, der noch nicht ausgedient -hat, muß dran glauben nach dem bekannten Motto: »Geh weg, oder ich -find’ch«. Die Besen werden schön mit Holzwolle und ähnlichen brennbaren -Stoffen ausgestattet, besonders Teer und Petroleum werden gern -verwendet, und nun ruhen sie im Schuppen – den Abend erwartend. - -Doch damit man nicht selbst den teuflischen Geistern verfällt, wird man -von einer liebevollen Hand »bekreuzelt« oder, in schlichtes Deutsch -übersetzt, einem der Rücken mit Kreide vollgeschmiert. Da kann man -oft recht erboste und anderseits wirklich »teuflisch« sich freuende -Menschenkinder beobachten. Aber merkwürdig: Es scheint, als ob nur der -Choleriker eines solchen »Schutzes« vor dem Reich des Satans bedürfe! - -Es beginnt kaum zu dunkeln, da brennen schon die Feuer auf den Höhen. -Wir steigen den Kamenzer Hutberg hinan. Vor uns und hinter uns ein -unendlicher Schwarm. Denn der »Hexenabend« ist ein Ereignis. Das weiß -auch der geschäftstüchtige Hutbergwirt – im alten Gasthaus hat er – -zeitgemäß – eine »Ef-Zet-Likörstube« eingerichtet. Nun, wir nehmen sie -nicht in Anspruch, sondern wenden uns lieber der »Mark« zu, wo auf -der Höhe ein gewaltiges Feuer brennt. Und daherum die »Hexen«, das -heißt eigentlich sollten es ja gerade deren Vertreiber sein, aber im -Volke, wo sich die »historischen« Zusammenhänge etwas verwischt haben, -sind es eben die »Hexen«. Sie schwingen ihre Besen im Kreise. Einem -feurigen Rade gleicht es von fernen. »Auch die brave Polizei ist wie -gewöhnlich schnell dabei«, – um den unvergleichlichen Busch in etwas -abgeänderter Form zu zitieren – ihr Zweck wird ersichtlich aus dem -immer wiederkehrenden Mahnwort: »Daßerr mirr ni de Felderr zerrtrretet«. - -Wir blicken in die Ferne. Soweit das Auge nach Osten und Südosten -schaut – Feuer und Feuerräder. Die wendische Gegend. Über fünfzig kann -man zählen, die vorderen noch groß und mächtig, dazwischen öfters der -Schatten vorbeihuschender Gestalten – es sieht ganz unheimlich aus. -Nach dem Horizont zu wird es immer kleiner und die fernsten Feuer – -in der Wittichenauer, Königswarthaer und Bautzner Gegend grüßen nur -als kleine Punkte. Anders ist das Bild gegen Westen. Hier hemmen -allerdings die letzten Ausläufer der Kamenzer Berge einen weiten Blick, -aber soviel ist doch ersichtlich: außer in den nächsten Orten, wie -Lückersdorf und Gelenau, gibt es nur vereinzelte Brände. Das Gelände -liegt im Schatten der Nacht. Die Deutschen Kolonistendörfer. So zeigt -sich auch hier der Unterschied zwischen zwei Volksstämmen, aber wie -überall mit der »Übergangszone«. - - * * * * * - -Unsre hiesigen »Pfadfinder«, unter ihrem tätigen Feldmeister Mai, -feierten ihren »Hexenabend« besonders schön. Sie waren schon am -Nachmittag ausgerückt – zum Galgenberg, in einen alten Steinbruch, -der sich schluchtartig nach hinten zog. Hier begann bald ein rühriges -Treiben. Nachdem jede Gruppe um ihren Wimpel ihre mitgebrachten Sachen -(was mochten die wohl alles enthalten?) verstaut hatte und die große -Fahne auf der Höhe eingerammt war, um Gönnern und Freunden den Weg zu -zeigen, gings an die Arbeit. Da mußte zunächst Holz herbeigeschafft -werden – also zog ein Holzholerkommando mit einem Wagen los in den -nahen Busch. Die andern aber scharten sich um Satanas, den Oberteufel, -und probten für die »Wolfsschluchtszene« des »Freischütz«. Und als sie -dann im Abenddunkel beim Schein des Holzfeuers gespielt wurde – »frei« -nach Carl Maria von Weber oder besser Friedrich Kind, mit Hexen und -Teufeln, mit Irrlichtern und Schrecken, da wirkte sie in ihrer Umgebung -recht hübsch. Dann kam ein fröhlicherer Teil: Man sprang über das Feuer -unter allerlei Heil- und Weherufen, die Besen wurden entzündet und der -Schwarm der Hexen und »Hexriche« machte einen feierlichen Umzug um -den Steinbruch. Einem vorbeifahrenden Zuge, aus dem die Klänge einer -Gitarre ertönten, wurde eine besondere Ehrung durch das Schwenken der -Besen zu teil – der Anblick für die Zuschauer war prächtig. Volkslieder -am verglimmenden Feuer und ein fröhlicher Heimmarsch bildete den -Abschluß für diesen Tag, während der folgende, der 1. Mai, der ja -bekanntlich dieses Jahr schulfrei war, unsere Pfadfinder – ~carpe -diem~ – draußen am Deutschbaselitzer Teiche in einem Waldlager bei -selbstgekochtem Essen wiedersah. - - - - -Wolftitz - -Von ~Dr.~ Ing. _Hubert Ermisch_, Leipzig - -Bilder von _J. Mühler_, Leipzig - - -Dort, wo sich im Süden der weiten Leipziger Ebene die ersten Höhenzüge -zeigen, liegt freundlich eingebettet die alte Töpferstadt Frohburg. - -An einem prächtigen Vorfrühlingstage wanderte ich durch die stillen -Straßen des Städtchens. Wer ahnt, daß hier der Sitz einer Kunsttöpferei -ist, die – besonders durch die Ausstellungen auf der Leipziger Messe – -einen Weltruf hat? - -Auf der Höhe hinter der Stadt, wo die alte Chemnitzer Straße die -stattlichen Rittergutsbauten und das Schloß hinter sich läßt, bietet -sich dem Auge ein überraschend schönes Landschaftsbild. Der Horizont -wird gerahmt von den weitgedehnten Waldungen, hinter denen das -berühmte Schloß Gnandstein liegt. Links ragen über die Hügel die zwei -nadelspitzen Türme der Kirche von Greifenhain. Vor uns an den Wald -geschmiegt, zum Teil von drei Seiten vom Wald umgeben, liegen die -beiden fast zu einem verschmolzenen Dörfer Streitwald und Wolftitz, -zwei als Sommerfrischen und Ausflugsorte allen Leipzigern wohlbekannte -Stätten. Weiter nach rechts an der alten Chemnitzer Straße, umgeben von -prächtigem alten Baumbestand, liegt das Rittergut Wolftitz. Der erste -Anblick erweckt den Eindruck eines alten umwehrten Ritterschlosses. Ein -spitzgedeckter Turm ragt zwischen den hohen Giebeln und breitgelagerten -Dächern hervor. Die ganze Gruppe der Gebäude und Bäume bildet ein -so einheitliches Ganzes, daß es in kunstliebenden Augen nur helle -Freude wecken kann. Und noch eine weiter rechts vor dem Walde auf -einem vorgelagerten Hügel sichtbare schöne, alte Baumgruppe zieht -das Auge unwillkürlich an. Man denkt an alte heidnische Opferstätten -oder an die Hünengräber der Lüneburger Heide. Diese Vermutung barg -etwas Wahres in sich: Es ist die Totengruft, die Begräbnisstätte der -Herren von Einsiedel, die seit 1455 Besitzer von Schloß und Rittergut -Wolftitz sind. Ein selten schöner, weihevoller Platz, würdig des alten -Herrengeschlechtes. - -Ich wandere von der Höhe hinter dem Frohburger Schloß talwärts auf -Wolftitz, meinem Ziele zu. - -Kunstgeschichtliche Streifzüge soll man nicht unvorbereitet -unternehmen. Das hat bei Schloß Wolftitz einige Schwierigkeiten. Die -»Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler«, die -sich zur Zeit der Bearbeitung dieses Gebietes im Wesentlichen mit -kirchlichen Bauten beschäftigt, sagt über das Schloß nur wenig. Die -geschichtlichen Nachrichten stammen aus dem bekannten Schumannschen -Ortslexikon von Sachsen. Aus diesen beiden Quellen kann man entnehmen, -daß der Bau des heutigen Schlosses Wolftitz aus dem fünfzehnten -Jahrhundert stammt und 1625 bis 1626 restauriert wurde. Beides wird -bestätigt durch die Architekturreste, die sich am Bau befinden. Die -schlichten Fasenfenster, die spitzen Giebel sind noch gotischen -Ursprunges, die Balkendecken und die meisten anderen künstlerischen -Schmuckteile stammen aus dem zweiten Viertel des siebzehnten -Jahrhunderts. Der Bau scheint im dreißigjährigen Kriege, der in dieser -Gegend erst in den dreißiger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts -wütete, wenig gelitten zu haben. - -[Illustration: Abb. 1 =Schloß Wolftitz=, Blick vom Pächterhof aus] - -Die Landstraße führt zwischen dem Schloß und der ehemaligen Schmiede -hindurch. Neben der Schmiede sieht man ein schönes barockes Tor und -seitlich zwei gleichfalls barocke Figuren. Das Tor führt nach dem -sogenannten Lustgarten, der jetzt der Obstgarten des Schlosses ist. -Der Name in Verbindung mit den Architekturresten weist auf die Zeit, -da man an die Herrensitze kleine nach französischer Art zugestutzte -Architekturgärten anfügte. Was der prachtliebende August der Starke -in und um Dresden in großem Stile ausführte, das fand in etwas -bescheidenerem Umfang wohl auch hier Aufnahme. - -Gegenüber diesem Portal zum Lustgarten lag der jetzt leider -verstümmelte Eingang zum Schloßhof. Wie er gestaltet war, das läßt sich -nur mutmaßen aus dem im Torpfeiler vermauerten Schlußstein mit der -immer wiederkehrenden Jahreszahl 1625. Der Blick in den Hof ist überaus -erfreulich. Breitästig steht ein schöner alter Nußbaum in seiner -Mitte. Links, das Wirtschaftsgebäude mit seinen großen Toren barg wohl -dereinst Rosse und Wagen, darüber zieht sich eine reizvoll ausgebildete -Holzgalerie. Der Hof wird beherrscht von dem Treppenturm, der sich an -den einen Flügel des Schlosses – wohl ursprünglich dem eigentlichen -Wohnflügel – anlehnt. Nach der äußeren und inneren Gestaltung des -Treppenturmes möchte ich auch ihn dem Umbau der Jahre 1625 bis 1626 -zuschreiben. Wo dereinst die alte Uhr die Stunden kündete, hat nun ein -Wasserbehälter zu Nutz und Frommen der Schloßbewohner seinen Platz -gefunden. - -[Illustration: Abb. 2 =Wolftitz=, Schloßhof] - -Leider stört in der schönen Harmonie des Schloßhofes das neben dem -Hofeingang gelegene Försterhaus, dessen Architektur sich so gar -nicht den anderen Bauten – besonders durch das recht flache Dach – -anschmiegt. Wie leicht hätte man mit nahezu gleichen Mitteln diesen -Mißton vermeiden können. - -[Illustration: Abb. 3 =Schloß Wolftitz=, Tor zum Lustgarten] - -Das Schloß, das sich mir gastlich öffnete, betrat ich zunächst in dem -dem Hoftor gegenüberliegenden Flügel, den ein Spätrenaissancedachaufbau -über dem Portal ziert. Vermutlich war dies der Saalbau. Die neuerdings -erfreulicher Weise freigelegten alten gekehlten Balkendecken gehen -durch die ganze Geschoßtiefe hindurch, das Erdgeschoß ist überwölbt. -Eine für die Zeit der Erbauung immerhin breite gradläufige Treppe führt -zu diesem großräumigen Obergeschoß hinauf. Heute ist das ganze Geschoß -durch eine Anzahl eingefügter Trennwände und durch eine liebevolle -Behandlung der Wände, Decken und vor allem der Fensternischen zu -einer sehr behaglichen und sonnigen Wohnung umgewandelt worden. Die -freigelegten Balkendecken fügen sich trefflich ein. Jede Zeit hat dem -Schlosse ihre Spuren hinterlassen und ich glaube, daß dieser Ausbau der -ehemaligen Festsäle des Schlosses ein Musterbeispiel genannt werden -kann für unsere Zeit. Wir sind arm geworden in der großen Welt. Unsere -Heimat, unser deutsches Heim wird aber die Quelle werden für einen -neuen Reichtum. - -Im Gegensatz zu diesem ausgebauten Saalbau trägt der an den Turm sich -anschließende Flügel noch ganz den Charakter des alten Herrenschlosses. -Über dem architektonisch ausgeschmückten Rundbogentor sind die -Wappen derer von Einsiedel und von Haugwitz angebracht. Eine weite -überwölbte Halle empfängt uns. Die Schlußsteine dieser Gewölbe zeigen -übereinstimmend das Wappen der Einsiedel. Von der Halle aus ist die -sogenannte Kapelle zugänglich, ein rechteckiges geräumiges Zimmer mit -einer schönen gegliederten Holzdecke, die die Inventarisation auf die -Jahre um 1530 datiert. Hier haben nach alten Verträgen die Pfarrer -von Frohburg aller vierzehn Tagen zu predigen. Schumann erzählt, daß -das Rittergut nach Eschefeld eingepfarrt sei, während eigentümlicher -Weise das Dorf zu Greifenhain gehöre. Die Kapelle enthält ein schönes -Taufbecken, Nürnberger Arbeit aus der ersten Hälfte des sechzehnten -Jahrhunderts, auf dem der Sündenfall dargestellt ist. Außerdem sind -eine Anzahl Bilder beachtlich, unter denen zwei echte Chranachsche -Gemälde: Georg den Bärtigen und eine Judith darstellend, sowie die -beiden von Luther und Melanchthon aus der Chranachschen Schule wohl -die bedeutendsten sind. Die Farbstimmung des ganzen Raumes ist -überaus wohltuend. Möchte doch die beabsichtigte Neubemalung – wenn -sie wirklich nicht zu umgehen ist – nur einem Künstler ersten Ranges -übertragen werden. Denn bei der nahezu gänzlichen Architekturlosigkeit -des Raumes bedeutet die Farbstimmung alles. - -Die eigentlichen Wohnräume des Schlosses liegen im Obergeschoß. Sie -gruppieren sich um den schönen bildergeschmückten Vorsaal. Auch -hier oben scheinen noch unter den Putzflächen der Decken, an denen -vereinzelt Stuckverzierungen zu sehen sind, die alten Balken der -Renaissance der Wiedererweckung zu harren. Schöne eingebaute Schränke, -der Schmuck der noch alten Renaissancetüren und vor allem auch eine -Anzahl Öfen aus der Zeit um 1800 lenken den Blick auf sich. - -Sehenswert sind auch die Holzkonstruktionen der riesenhaften Dächer. Da -ist noch nichts zu spüren von Holzmangel. Die Holzstärken wirken wie -ein Spott auf unsere »Normen«. - -An das Herrenhaus schließt sich der große Pachthof an. Besonders -die Blicke von dort auf die hochgiebligen Flügel des Schlosses sind -malerisch. - -Prächtig schön ist der Wald, der zu dem Rittergut gehört. Der -verstorbene Förster August Schmidt und der jetzige Förster Böttrich, -der nunmehr dreißig Jahre diesen Wald und seinen guten Wildbestand -behütet, haben sich damit ein lebendiges Denkmal gesetzt. Möchte jeder, -der dort Stunden der Erholung genießt, wie vor allem allsommerlich -die vielen Sommerfrischler von Wolftitz und Streitwald mithelfen die -Schönheit dieses Waldes zu behüten. - -Dort wo die Dorfstraße auf die Hauptstraße stößt, steht der von den -Schloßherren gestiftete Kriegergedächtnisstein von Wolftitz. Schlicht -und ernst, ein Zeichen der schweren Zeit, aber auch ein Zeichen dafür, -daß man heute wie dereinst vor dreihundert Jahren Sinn für edle schöne -Kunst in Wolftitz hat. - - - - -Werbekunst in Dorf und Stadt - - -Der Kampf der Heimatfreunde gegen die Auswüchse des Reklamewesens hat -in der Regel seinen tiefsten Anlaß in der geringen künstlerischen -Qualität der Reklamemittel, die allein der Zweck, zu wirken, heiligte. - -In der schönen Gottesnatur draußen zwar richtet sich die Kampfansage -wohl an das Auftreten geschäftsmäßiger Anpreisungen überhaupt: denn -in der Stille des Waldes, an grünen Hängen und zwischen blumigen -Auen kränkt den Wanderfrohen schon der Versuch, ihn mehr oder -minder gewaltsam in seiner reinen Freude an der ewigen Schöpfung -durch Hinweise auf Erzeugnisse der Industrie oder auch besonders -bemerkenswerte Ereignisse des Geschäftslebens stören zu wollen. In -den Straßen der großen und kleinen Städte des Landes, im heimatlichen -Dorfbilde aber ist es nicht das Vorhandensein der Reklame schlechthin, -was das Auge auf Schritt und Tritt beleidigt, es ist viel mehr noch die -mangelnde Fähigkeit, die Anforderungen der Werbekunst mit den Gesetzen -der Baukunst, des Städtebaues, in Einklang zu bringen. - -Sieh, wie ungeschickt sitzt dort das grasgrüne lackierte Schild am -ehrwürdig grauen Giebel des schönen alten Hauses, an dem eine schlichte -deutliche Schrift in zurückhaltender Farbgebung dem Fremden dasselbe -künden könnte, wie das häßliche Schild, nur in viel edlerer Sprache! -Oder wie schrecklich plump hängt das himmelblaue Blechbanner mit -den gußeisernen Quasten an der freundlichen Schauseite der behäbig -gelagerten Herberge, der ein Wirtshauszeichen, nach alter guter -deutscher Art an langer Eisenstange befestigt, der schönste Schmuck -sein würde. Und dann die vielen schwarzglänzenden Glasfirmenschilder -mit den steifen gelben Buchstaben! Überhaupt – fort mit dem Glas in -der Außenreklame, wo es fast stets alsbald in einen unüberbrückbaren -Widerspruch zu Holz und Stein des Straßenbildes tritt. Eins der -schönsten Städtebilder in sächsischen Landen können wir seit einiger -Zeit nicht mehr betrachten, ohne zugleich den Ärger über eine riesige, -buntfleckige Glastafel hinunterschlucken zu müssen, auf der eine -Unmenge verschiedener Firmen in allen Farben des Regenbogens einander -überschreien, um ihre Erzeugnisse anzupreisen. Das wäre nicht nötig -gewesen, denn erst kürzlich ist es der umsichtigen Verwaltung einer -kleinen Stadt unser engeren Heimat gelungen, sich mit Erfolg der -Entstellung des wohlerhaltenen Stadtbildes durch solcherlei Reklame zu -widersetzen: Fürwahr ein schöner Beweis praktischen Heimatschutzes, der -Nachahmung verdient. - -Alles in allem nochmals: Nicht die Tatsache, _daß_ Reklame gemacht -wird, ist es, was uns grämt, sondern _wie_ sie gemacht wird, wie -häßlich, wie wenig überlegt, wie kunstlos. Und doch ist gegenwärtig -gerade die Werbekunst derjenige Zweig der angewandten Kunst, dem Not -und ungeheuerliche Teuerung im Gegensatz zu anderen Gebieten noch am -wenigsten schwere Fesseln anlegten. Wir sehen ja allenthalben auch -recht erfreuliche Anzeichen dafür, daß sich hier eine zielbewußte -Fortentwicklung fühlbar macht. »Daß wir die Reklame als Kunst ernst -nehmen, ist ein Zeichen unserer Zeit.« Man sucht und findet neue Wege. -Mit Wohlgefallen ruht das Auge da und dort auf einer schönen alten -Schauseite, die in neuem, kräftig farbigem Gewand erstrahlt, mit einer -klaren ruhigen Schrift das verkündend, was noch vor kurzem viele grelle -Schilder und Tafeln durcheinanderbrüllten. Trefflich ausgeführte -Plakate finden wir allerorten. In der eindrucksvollen Dresdner -Werbeschau konnten wir viel finden von dem, was wir suchen und in -weitester Verbreitung wünschten: wie, von den besten Künstlern geführt, -eine neuartige Werbekunst neue Bahnen sucht und zu schönen Hoffnungen -wohl berechtigt. Weite Gebiete stehen dieser Kunstart offen, große -Entwicklungsmöglichkeiten liegen auf ihrem Wege: auch in der Gegenwart, -denn die Reklame birgt, wenn sie gut ist, schon in sich die Deckung -der für sie aufgewendeten Kosten. Umsomehr gilt es jetzt, diejenigen -Kreise, die die praktische Ausübung des Reklamewesens betreiben, auf -die hohe Bedeutung der ihnen anvertrauten Kulturaufgabe hinzuweisen. - -Die Werbekunst im heutigen Sinne ist eine durchaus neuzeitliche -Kunstart, die Überlieferung fehlt ihr. Darum ist sie bisher so -fremd gewesen im Stadtbild, darum wird es ihr noch immer so schwer, -sich mit ihrer Sprache hineinzuleben und hineinzufühlen in die -Formensprache der Baukunst. Das wird ihr um so rascher gelingen, -je gründlicher und sicherer der junge Nachwuchs der Ausübenden die -Grundbegriffe von Formen- und Farbenschönheit, Schriftwirkung, Stil -und Materialgerechtheit beherrscht. Daran muß vor allem an Lehr- und -Studienanstalten des Kunstgewerbes gearbeitet werden, wenn Handwerk -und Industrie das Reklamewesen zu künstlerischer Höhe führen wollen. -Trefflich hat kürzlich in Dresden der Reichskunstwart ~Dr.~ Redslob -den Weg zur Erreichung dieses Zieles vorgezeichnet: »Unser Streben -muß dahin gehen, die Kunst aus ihrer vereinzelten Stellung als Fach -zu befreien, und wieder alles mit Kunst zu erfüllen, wie es einst -selbstverständlich war. Der Wunsch nach Formengebung muß wieder etwas -ganz Notwendiges sein. Höchst wichtig ist dabei, die enge Verbindung -zwischen Kaufmann und Künstler zu schaffen, ohne die unser ganzes -Wirtschaftsleben leiden muß.« - -Aber auch du, der du deine Heimatstadt, dein Heimatdorf lieb hast, -sollst an dem Ziel, die Reklame zu veredeln, mitarbeiten, kannst -mitarbeiten. Denn dein Auge ist mehr, als du denkst, geübt, wohl -zu entscheiden, was dem vertrauten Straßenbild, dem schönen alten -Marktplatz mit dem Brunnen, den schlichten Bürgerhäusern oder dem guten -Gasthof schadet mit zu Vielem und zu Häßlichem an Reklame, was ihnen -frommt an schönem guten Beiwerk dieser Art. Betrachte aufmerksam, -was da und dort an Trefflichem neu entstand und versuche, das auch -in deinem Heimatort heimisch werden zu lassen. Ein gutes Wort, ein -wohlmeinender Rat tun schon viel. Und sei gewiß: allmählich wird es -gelingen, jene schlichtbescheidene Straßen-Werbekunst zurückzugewinnen, -die vordem das Straßenbild schmückte, die nur vorübergehend von -einer traditionslosen, überlauten Unkunst verdrängt worden war. Dann -aber könnte etwas Unerwartetes geschehen: Reklame und Heimatschutz, -bisher zwei leider so oft feindliche Brüder, würden sich verbünden zu -gemeinsamem Werke, das dem schönen alten Heimatbilde wieder zu einer -würdigen, bescheidenen und dabei doch wirkungsvollen Belebung durch -gute Reklame verhilft. - - Nicolaus - - - - -Die Osterblume am Wachtelberg bei Wurzen - -Von Professor ~Dr.~ _Arno Naumann_ - -Mit Aufnahmen von ~Dr. med.~ _Hoffmann_, Wurzen - - -Nach einem im Leipziger Zentral-Theater am Karfreitag gehaltenen -Vortrag beschloß ich, in Wurzen zu übernachten, um am Ostersonnabend -früh ein Naturdenkmal aufzusuchen, das mir als Mensch wie als Botaniker -gleich beachtenswert erschien: »die Osterblume am Wachtelberg«. - -Als _Mensch_ reizte mich die _Schönheit dieser heimischen Pflanze_, -die mich vordem ein einziges Mal als vereinzelter Herbstblüher am -Staffelstein in Franken entzückt hatte, als _Botaniker_ trieb es mich, -diesen interessanten _sächsischen Standort einer pflanzengeographisch -bedeutsamen Pflanze_ zu besuchen. - -Früh schon begab ich mich zu meinem pflanzenkundigen Vereinsbruder, -Herrn Konrektor Oberstudienrat ~Dr.~ Hoffmann, Wurzen, und wanderte mit -ihm bei herrlichstem Frühjahrssonnenschein zu dem eine halbe Stunde -südlich von Wurzen gelegenen, Bismarckturm-gekrönten Porphyrhügel des -Wachtelberges. Seine vereinzelten Birken zeigten schon den lichtgrünen -Schleier sprossenden Laubes, und östlich des Gipfels breitete ein -Kiefernwald seine dunklen Kronen (Abb. 1). Der Wachtelberg bietet einen -erfreuenden Blick auf den Muldenlauf, dessen tote Arme der Landschaft -einen besonderen Charakter verleihen. Unsere Blicke schweifen über den -Wald des Rehberges, umfassen den Planitzwald und ruhen schließlich auf -den fernen Auenwäldern, die sich längs eines diluvialen Flußbettes bis -gegen Leipzig ziehen. Aus ihnen hebt sich die Ruine von Machern. - -Wir waren zur rechten Zeit gekommen, denn überall am Südhang und an -den trockenen Böschungen des Kiefernwaldes erblühte im herrlichsten -Blauviolett dieses lenzholde Florenwunder, dem Linné den Namen ~Anemone -Pulsatilla~ verlieh. Besser erscheint mir hierfür der selbständige -Gattungsbegriff ~Pulsatilla~ mit ~vulgaris~ als Artnamen. Als deutsche -Bezeichnung für diese Pflanze findet man in den Floren vielfach den -Namen »Küchenschelle«, einen Namen, der in den meisten Pflanzenbüchern -gedankenlos nachgedruckt worden ist. Er müßte, da er sich von der -Ähnlichkeit der Blüte mit einer Kuhglocke abzuleiten scheint, besser -in »Kühchenschelle« abgeändert werden. Deshalb ist der von Hallier in -seiner Flora von Deutschland gewählte Name _Kuhschelle_ annehmenswert. -Wir aber wollen in unserer Arbeit den um Wurzen gebräuchlichen, so -treffenden Namen »Osterblume« beibehalten und uns dieser volkstümlichen -Bezeichnung freuen. Die fünf deutsche Arten zählende Gattung -~Pulsatilla~ ist besonders blütenschön und wird daher in mehreren Arten -auch als lenzverkündender Gartenschmuck gepflegt, selten freilich mit -glücklichem Erfolg. - -[Illustration: Abb. 1 =Der Wachtelberg mit der Osterblume=] - -Zwei _weißblühende Arten_ besitzen wir in der hochgebirgischen -_~Pulsatilla alpina~_, die auch im Harz und den Sudeten wächst und in -der oft _rosa überhauchten_ heidegewohnten _~Pulsatilla vernalis~_, -die besonders häufig in Westpreußen trockene Hügel im ersten Frühling -schmückt, aber auch im sächsischen Heidegebiet vorkommt (Lausa, -Pulsnitz, Großenhain). - -In der _hellvioletten Blütenfarbe_ gleicht unserer süd- und -westeuropäischen Osterblume die osteuropäische Schwester _~Pulsatilla -patens~_, deren Grundblätter aber nicht eine doppelte Fiederung, -sondern eine reizende Fingerung zeigen. Mit Entzücken denke ich -noch der herrlichen Ostertage, an denen ich mit meinem lieben Vater -in Nordböhmen am Kahleberg bei Kundratitz diese herrliche Pflanze -zu Tausenden erblühen sah, die dunklen Basaltrücken in leuchtendes -Blau hüllend. Einen ganz anderen Eindruck macht die _nickende_ -~Pulsatilla pratensis~, deren glockig zusammengeneigte Perigonblätter -braunrot bis dunkelviolett schimmern. Im nordböhmischen Elbtal ist -dieselbe, ebenfalls zur Osterzeit, auf allen trockenen Höhen und -rasigen Wegrändern zu finden und führt dort den ansprechenden Namen: -»Osterglocke«. In Deutschland besitzt sie besonders nördliche und -östliche Verbreitung. In Sachsen besiedelt sie sonnige Stellen des -Elbtalgebietes, fand in unseren Heimatschutzheften bereits in meinem -Aufsatz über das Ketzerbachtal Erwähnung und ist dort auch nach -Aufnahmen »unseres Ostermaier« bildlich dargestellt[1]. - -Die Osterblume findet sich am Wachtelberg auf trockner Grastrift mit -vorherrschendem Feinrasen des Schafschwingels (~Festuca ovina~). -Das nackte Gestein von Pyroxen-Quarzporphyr wird oft überzogen -von den fingerblättrigen Polstern des Frühlingsfingerkrautes -(~Potentilla verna~), welches zur Zeit unseres Besuches seine -niedlichen goldgelben Blüten erschloß. Duftende Polster des Quendels -(~Thymus Serpyllum~) schoben sich dazwischen, und der Besenginster -hatte an seinen immergrünen Ruten bereits Blütenknospen angesetzt, -während dunkle Heidekrautbüsche noch in winterlicher Zerzaustheit -wie leblos dazwischenstarrten. Von anderen Pflanzen konnte ich -teils aus winterlichen Resten, teils frisch sprießend erkennen: -Pechnelke, Hornkraut (~Cerastium arvense~), Johanniskraut (~Hypericum -perforatum~), Fetthenne (~Sedum maximum~), Mauerpfeffer (~Sedum acre~), -Färbeginster (~Genista tinctoria~), Silberfingerkraut (~Potentilla -argentea~), Feldbeifuß (~Artemisia campestris~), Habichtkraut -(~Hieracium Pilosella~), Rispenflockenblume (~Centaurea paniculata~) -und Golddistel (~Carlina vulgaris~); alles Pflanzen, welche sich mit -dem Verwitterungsgrus von Silikatgesteinen begnügen. - -In einem Briefe an den Landesverein Heimatschutz vom Mai 1920 sagt mein -Freund, Herr Universitätsoberbibliothekar ~Dr.~ R. Schmidt, Leipzig: -»Von der sonstigen Flora des Wachtelberges erfreuten mich besonders ein -paar in schönster Blüte stehender Holzbirnensträucher (~Pirus Achras~) -mit den charakteristischen Zweigdornen und große Trupps der ~Teesdalea -nudicaulis~. Pflanzen, die als Seltenheiten zu bezeichnen wären, habe -ich außer Kuhschelle nicht bemerkt.« - -[Illustration: Abb. 2 =Die Osterblume=] - -Die Seltenheit dieser Blume bewog schon im Jahre 1910 den einsichtigen -Stadtrat von Wurzen, sich an die Amtshauptmannschaft Grimma _mit der -Klage zu wenden, »daß die Gefahr besteht, daß sie, wenn weiterhin -das Abpflücken der Osterblume durch Spaziergänger erfolgt, völlig -verschwinde«_. Die Amtshauptmannschaft riet dem Stadtrat, sich -zunächst an den Landesverein »Sächsischer Heimatschutz« zu wenden. -Dieser beauftragte den leider so früh heimgegangenen Kustos des -Sächsischen Herbariums, Herrn Professor ~Dr.~ B. Schorler, mit der -Bearbeitung der Angelegenheit. Schorler erkundete, daß für die von -der Osterblume besiedelten Triften als Besitzer der Gemeindevorstand -Schmidt, Dehnitz, und der dortige Gutsbesitzer Robert Rasch in Frage -kämen. Dabei betont Schorler in seinem Gutachten, »daß unsere Pflanze -eine west- beziehungsweise südwesteuropäische Art ist, welche im -Osten Deutschlands völlig fehlt.« In Mitteldeutschland sind die zwei -sächsischen Standorte _Bienitz_ und _Wachtelberg_ die am weitesten -nach Osten vorgeschobenen Posten und werden in fast allen Floren von -Deutschland erwähnt. Die Osterblume wird am Wachtelberge sicherlich -einen weit ausgedehnteren Standort besessen haben, ist aber durch -Steinbruchsbetrieb und Feldwirtschaft schon recht eingeschränkt worden. -Nimmt man nun hinzu, daß der Bismarckturm als Aussichtspunkt viele -Besucher heranzieht, so ist die Gefahr des Verschwindens nahegerückt, -zumal sie als erster Frühlingsblüher besonders lockt und in manchem -Gartenbesitzer den Wunsch rege macht, dieselbe auszugraben und in -seinen Garten zu verpflanzen, um sich im eigenen Heim alljährlich -dieser Blütenschönheit zu freuen. Herrlich ist ja auch der in der -Sonne weitgeöffnete, violette, sechszählige Blütenstern, aus dessen -Mitte sich die zahlreichen goldgelben Staubgefäße wirkungsvoll abheben -(Abb. 2). Die doppelt gefiederten Grundblätter der Pflanze erscheinen -erst später, nur ein dicht unter der Blüte befindliches, gleich dem -Stengel weißlich behaartes Hochblatt ist zur Blütezeit erkennbar. -Das freiblättrige Perigon, die vielen Staubblätter und zahlreichen -Pistille, welche beide auf dem Blütenboden stehen, erweisen die -Zugehörigkeit der ~Pulsatilla~ zur _Familie der Hahnenfußgewächse_, -die so manches Giftgewächs umfaßt, darunter auch unsere Osterblume, -welche früher infolge eines kampferartigen Stoffes als Arzneipflanze -geschätzt wurde. - -Nach dem Abblühen verlängert sich der Blütenstengel bis zu fast -einem halben Meter Höhe und trägt die nunmehr herangereiften, mit -Federschwanz versehenen Einzelfrüchte, ganz ähnlich wie die nahe -verwandte Clematis. Der fedrige Fruchtschopf erinnert auch an den -bekannten »Teufelsbart« ihrer Hochgebirgsschwester ~Pulsatilla alpina~. -Es ist ein köstlicher Anblick, wenn die Sonne durch die hochstengeligen -Federköpfe scheint und sie wie Silberfiligran aufleuchten läßt. -Schmidt, welcher an einem Osterblumenstock des Wachtelberges -dreiundvierzig Blüten in verschiedenen Entwicklungsstadien zählte, -bemerkt hierzu: - - Nicht weniger angenehm wie der Anblick dieser Blütenpracht war - mir die große Menge der Fruchtstände mit ihren heranwachsenden - Federschweifen; ich schätze sie an die Tausend. Es steht somit - fest, daß eine recht stattliche Zahl Blüten pflückenden Händen - entronnen ist und Gelegenheit findet, ihre Samenanlagen zu - reifen und sich zu verbreiten. Ich konnte beobachten, daß die - ~Pulsatilla~ von ihrem ursprünglichen Gelände aus mit einigen - Stöcken in die Sohle des ehemaligen Steinbruches vorgedrungen - war. _Dagegen fand ich an den anderen Seiten des Berges, - zwischen Bismarckturm und Windmühle, nur ein einziges Exemplar._ - -Dies letzte beweist augenfällig, wie an den Orten regen Begängnisses -dieser Pflanze von den Bergbesuchern nachgestellt wird. Es wäre -aber _nicht nur eine ästhetische Einbuße_, wenn dieser herrliche -Frühlingsbote vom Wachtelberg verschwände, sondern auch _ein -unersetzlicher floristischer Verlust_, da uns dieses Vorkommen der -Pflanze auf einen von Südwesteuropa zu uns herstrahlenden Wanderweg -dieser Pflanzen hinweist, den sie mit so manchem andern Gewächs -genommen. Es ist in Wahrheit eine Urkunde, welche eindringlich vom -Entstehen unseres heimischen Florenbildes aus nach der Eiszeit zu uns -hergewanderten Bürgern entlegener Pflanzengebiete zu uns spricht. -Die mit Federanhang versehenen Früchte können, vom Winde entführt, -sicherlich eine weite Luftreise unternehmen. Es ist daher sehr -wahrscheinlich, daß der Wachtelberg dereinst seinen Osterblumenbestand -von dem etwa zwanzig Kilometer westlich gelegenen Bienitz bei Leipzig -empfangen hat. Der Bienitz selbst verdankt diesen Schmuck indirekt -einem präglazialen Saalelauf, der diesen pflanzenberühmten Hügel -mit herangeführtem Muschelkalk versorgt und die an den Saaleufern -verbreitete Pflanze darauf angesiedelt hat. - -Nach alledem kann es jedermann nur dankbarst begrüßen, daß auf -Anregung der Amtshauptmannschaft Grimma schon im Frühjahr 1912 auf dem -Wachtelberggelände Verbotstafeln angebracht worden sind mit folgendem -Wortlaut: - - Heimatschutz! - - »Das unbefugte Betreten dieses Grundstücks, sowie das - Abpflücken, Abzupfen und Abschneiden von Feld- und Wiesenblumen - ist bei Strafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Haft - - _verboten_. - - §§ 19 und 14 des Forst- und Feldstrafgesetzes. - - _Grimma_, den 27. März 1911. Die Amtshauptmannschaft.« - - »Der Wachtelberg trägt inmitten der fruchtbaren Getreidefelder - noch heute seine ursprüngliche Pflanzenwelt und zeigt uns, - wie die Flora der sonnigen Hügel östlich von den Leipziger - Auenwäldern zusammengesetzt war, bevor der Mensch mit seinen - Kulturflächen sie zerstörte. Er ist also als Naturdenkmal - anzusehen, das uns wie eine wertvolle Urkunde von alten Zeiten - berichtet. Dieses auch für unsere Nachkommen zu erhalten, - ist unsere Pflicht. Leider sind die seltenen Pflanzen des - Berges durch Abrupfen und Ausgraben schon so vermindert, daß - die Gefahr ihrer völligen Vernichtung vorhanden ist. Um dies - zu verhindern, hat die Amtshauptmannschaft auf die Bitte des - Sächsischen Heimatschutzes das obige Verbot erlassen.« - -Diese Art, Pflanzenschutz zu treiben, erscheint mir vorbildlich! Der -Wortlaut eines _Verbotes_, das bei unerzogenen Menschen meist auf -Widerstand stößt, muß eben in seiner polizeimäßigen Schärfe _gemildert_ -werden _durch eine belehrende und fesselnde Angabe der Verbotsursache_. -Letzteres ist unbedingt angebracht, denn der Einsichtige wird sich -dieser Betonung einer unabweisbaren heimatlichen Pflicht nicht -verschließen. Ein in solcher Form begründetes Verbot wird selbst in -unserer verbotsfeindlichen Zeit wirksam sein. Wo es _noch_ versagt, -werden auch alle anderen Mittel, welche zum Schutze von Naturdenkmälern -vorgeschlagen und erdacht sind, hinfällig, _denn ein gefühlsroher -Mensch ist mit Nichts zu packen; er bleibt eben ein Schandfleck auf dem -Kulturgewand seines Volkes_! - - -Fußnoten: - - [1] Vergleiche auch ~Dr.~ Naumann: »Praktische Wege des - Heimatschutzes«, Heft 12, Bd. I, S. 417. - - - - -Ein altes Patrizierhaus - -Aufnahme von _Konrad Richter_, Auerbach i. V. - - -Auch in Sachsen stößt der Wanderlustige gar nicht so selten auf -wenig bekannte Bauten, die einer näheren Betrachtung wert sind. Alte -Herrensitze und Baumgehöfte, Dorfkirchen, Rathäuser und Kleinhausbauten -sind oft geschildert und dargestellt worden. Ein Patrizierhaus, wie das -in der Abbildung gezeigte, findet man in Sachsen und vor allem auf dem -Lande oder im Gebirge selten. Die reicheren Bürger, die in der Lage -waren, sich vornehme Häuser zu bauen, suchten den Schutz der Stadt und -das Zusammenleben in ihr; Patrizierhäuser auf dem Lande oder in kleinen -Orten kannte man nicht. - -[Illustration: Abb. 1 =Altes Patrizierhaus in Stützengrün= (Ansicht von -Südwesten)] - -[Illustration: Abb. 2 =Altes Patrizierhaus in Stützengrün= (Ansicht von -Südosten)] - -Um so überraschter ist man, in der kleinen Gemeinde Stützengrün i. V. -ein so behäbiges, auf Wohlstand und Geschmack hinweisendes Haus zu -finden. Der Bauherr hat zweifellos nicht irgendeine zufällige Planung -durch einen Unternehmer zur Ausführung bringen lassen, er hat bewußt -Form und Anlage seines Hauses geprüft und sich seinen Baumeister -gesucht. Die sicherlich nicht in jeder Einzelheit fein durchgebildeten -Formen des Hauses, die fast auf süddeutschen Einfluß hinweisen, lassen -die Gesamtanlage doch außerordentlich wirkungsvoll erscheinen. Die -horizontale Gliederung, die gleichmäßige Verteilung der Fenster und -die Betonung ihrer Achsen durch gleich große Dachgeschoßfenster, die -Durchführung der Achsenbeziehungen, die Hervorhebung des Einganges -durch einen kleinen Giebelvorbau, die schmucken Fensterläden, die -Putzgliederung und die starke Schattenwirkung des weit vorspringenden -Gesimses sind die Bestandteile dieses ausgezeichneten Werkes. Dazu -betont die Besonderheit des Hauses noch das in dieser Gegend sonst -nicht heimische Mansardendach, das aber zu diesem breitgelagerten Hause -mit seiner süddeutschen barocken Form gehört. - -Möge die Veröffentlichung die Freude am Finden heimischer Kunstwerke -fördern. - - ~Dr.~ Conert. - - - - -Gefährdete heimische Pflanzenwelt - -Von _Paul Apitzsch_, Ölsnitz i. Vogtl. - - -Ein sonnengoldner Sommertag blauet über den weiten Wäldern des -südwestlichen Vogtlandes. Ich wandre in der Herrgottsfrühe -mutterseelenallein von _Bad Elster_ das Kesselbachtal aufwärts und -erreiche bei der Theresienruh die sächsisch-tschechoslowakische -Grenze. Zwischen Hochwald und mooriger Wiese zieht der mit granitnen -Marksteinen besetzte Grenzweg dahin. Dort, wo vom Grenzpfad schmale -Waldsteige nach den böhmischen Dörfern Krugsreuth und Thonbrunn -abzweigen, liegen die Quellen des Kesselbaches. Lind fächeln im -Frühwind auf geschwellten Moospolstern die weißen Fähnchen des -Wollgrases (~Eriophorum vaginatum~). Dazwischen leuchten zwei -Bergorchideen: die roten Blütenstände des gefleckten Knabenkrautes -(~Orchis maculata~) und die gelblichweißen, stark duftenden Armleuchter -der zweiblättrigen Platanthere (~Platanthera bifolia~). Zwischen -Schachtelhalm und Farnkraut stehen vereinzelt, aus smaragdgrünen -Blattrosetten emporragend, die veilchenblauen Blüten des Fettkrautes -(~Pinguicula vulgaris~) und zu kleinen Genossenschaften vereinigt die -mit roten Drüsenhärchen versehenen Blattsterne des rundblättrigen -Sonntaues (~Drosera rotundifolia~), zwei immer seltner werdende -insektenfressende Sumpfgewächse. An dem Höhenwege von der Theresienruh -nach der Agnesruh und der Alberthöhe wächst im Preiselbeergestrüpp eine -weitere botanische Seltenheit, die, außer im Vogtlande, nirgends in -Sachsen vorkommt: die Buchsbaum-Ramsel (~Polygala Chamaebuxus~). Ihre -starren, dunklen Blätter unterscheiden sich kaum vom Preiselbeerlaub, -während die gelblichen Blüten denen des Waldwachtelweizens ähneln. - -Wenn im Spätsommer die Waldblößen im purpurnen Glanze der Weidenröschen -(~Epilobium angustifolium~) glühen, dann erscheinen überall an sonnigen -Hängen die giftigen Blüten des blaßgelben Fingerhutes (~Digitalis -ambigua~). Während dieser noch allerwärts im Vogtland und in andern -Gebirgswäldern häufig vorkommt, ist sein gleichfalls giftiger Bruder, -der rotblühende ~Digitalis purpurea~, bereits dem Aussterben nahe. -Vor zwanzig Jahren waren die purpurnen Fingerhüte im Steinicht -zwischen Plauen und Elsterberg, im Triebtal und Kemnitzbachtale -keine Seltenheit. Heute sucht man sie dort vergebens. Sie sind -verdorben, gestorben. Ebenso gefährdet ist das Dasein der wenigen noch -wildwachsenden Türkenbuntlilien (~Lilium Martagon~) im Burgsteingebiet -und am Kandelhof bei Gutenfürst. Großstädtische Sommerfrischler und -botanisierende Schüler werden dafür Sorge tragen, daß dieser Schmuck -des Bergwaldes demnächst verschwindet. Im Frühherbst erscheinen dann -die Heerscharen der Heidekräuter oder ~Ericaceen~. Die gewöhnliche -Besenheide (~Erica vulgaris L.~ oder ~Calluna vulgaris Salisb.~) ist ja -durchaus nicht gefährdet, wenn auch während der Kriegszeit hektargroße -Flächen in Ackerland umgewandelt und ebenso große Gebiete des oberen -Vogtlandes entheidet wurden und ihr Pflanzenwuchs als Stallstreu -Verwendung fand. Aber sehr selten geworden ist die großblütige Sumpf- -oder Moorheide (~Erica Tetralix~), die meines Wissens nur noch an einer -einzigen Stelle des Vogtlandes vorkommt. Aus leicht begreiflichen -Gründen werde ich diesen einzigen und letzten Standort nicht verraten. -Ich würde sonst vielleicht das Gegenteil von dem erreichen, was ich -beabsichtige. - -Eine spezifisch vogtländische ~Ericacee~, die in Otto Wünsches -»Exkursionsflora für Sachsen« als »sehr selten« bezeichnet wird, ist -die fleischfarbene _~Erica carnea~_ oder _Schneeheide_. Im Gegensatz -zu ihren Schwestern, die sämtlich an der Schwelle zwischen Spätsommer -und Frühherbst in Blüte stehen, ist die Schneeheide ein Kind des -Vorfrühlings, und ihre roten Polster sind ein hervorragender Schmuck -der sächsisch-böhmischen Bergwälder bei Brambach, Schönberg, Wildstein. -Ihr Vorkommen beschränkt sich im allgemeinen auf die südvogtländische -Granitinsel rund um den Kapellenberg, wenn auch hier und da in den -Kontaktgebieten, so im Muskowitschiefer bei Hennebach und Dürrngrün -in Böhmen, Schneeheide vorkommt. Als im Jahre 1885 der Eisenbahndamm -zwischen Ölsnitz und Adorf mit Brambacher Granitschutt beschottert -wurde, gedieh auch dort Schneeheide; sie kränkelte aber bald und -ging schließlich ein. Im Jahre 1906 versuchte ich, an der Südseite -des Hasenpöhles bei Ölsnitz Schneeheide zu akklimatisieren. Kräftige -Pflanzen aus den der Fürstenschule St. Afra in Meißen gehörigen -Brambacher Rittergutswaldungen wurden eingesetzt. Jedem Steckling -war ein großer Ballen heimatlicher Erde und reichlich Granitsand in -die Fremde mitgegeben worden, um die Lebensbedingungen möglichst -günstig zu gestalten. Vier Jahre später habe ich Schneeheidesamen -aus Mieders und Fulpmes im unteren Stubaital in Tirol ebenfalls am -Ölsnitzer Hasenpöhl unter Zuhilfenahme von vogtländischem Granitsand -ausgesät. Und der Erfolg beider Versuche? Die gepflanzte ~Erica -carnea~ gedieh zunächst ganz prächtig, ging aber dann stockweise -ein, und die letzten spärlichen Exemplare starben 1919 am Heimweh. -Der ausgesäte Same mag von vornherein die Aussichtslosigkeit der -Entstehung fortpflanzungsfähiger Schneeheideexemplare geahnt haben und -– ging gar nicht erst auf. Granitner Grund scheint eine Mitbedingung -des Fortkommens der Schneeheide zu sein. Wesentlicher jedoch als -die Kausalität zwischen Granit und Schneeheide scheint mir die -hochinteressante Beziehung zwischen dem Vorkommen der Schneeheide und -dem Vorhandensein radioaktiver Wässer zu sein. Es fällt unwillkürlich -auf, daß die Schneeheide ausgerechnet im Bereich der sächsischen -und böhmischen Bäder: Bad Elster, Brambach, Franzensbad, Karlsbad, -Königswart und Marienbad vorkommt. Alle diese Bäder besitzen, wie schon -Felix Heller in Band X, Heft 4–6, Jahrgang 1921 der »Mitteilungen des -Landesvereins Sächsischer Heimatschutz« ausführt, Quellen mit mehr -oder weniger starkem Radiumgehalt. Brambach, mit der weitaus größten -Zahl Macheeinheiten (2200), hat auch die stärkste Bodenbedeckung -mit Schneeheide. »Es liegt da nahe, die Radioaktivität des Wassers -als Ursache des Gedeihens der Pflanze anzusehen oder eine durch -Radium-Emanation bedingte höhere Bodenwärme.« Wissenschaftlich -ausgeführte pflanzenbiologische Untersuchungen könnten hier Klarheit -schaffen. - -Die Schneeheide ist stark gefährdet, da sie in den blütenarmen Monaten -März und April Verkaufsobjekt, Handelsware, Erwerbsgegenstand geworden -ist. Trotz strenger Verbote der Amtshauptmannschaft Ölsnitz und der -Bezirkshauptmannschaft Eger setzt bei beginnender Schneeschmelze -alljährlich ein förmlicher Vernichtungskampf ein; und so ist das -Fortbestehen der obervogtländischen Schneeheide genau so gefährdet wie -das in den Alpenländern von einer rücksichtslosen Fremdenindustrie -bedrohte Edelweiß. - -Zu den aussterbenden Gewächsen der heimischen Wälder gehört noch ein -anderes Vorfrühlingskind: der Kellerhals oder Seidelbast (~Daphne -Mezereum~). In Wildrosenhecken und im Schlehdorngesträuch leuchten -an kahlen, holzigen Stengeln scharlachrote Blüten und hellgrüne -Blattspitzen. Ein starker Geruch, wie von bitteren Mandeln, entströmt -den Giftblüten. Auch das prächtige Pfaffenhütchen (~Evonymus europaea~) -unsrer Wälder wird seltener. Je charakteristischer und auffallender -eine Pflanzenerscheinung ist, desto mehr fällt sie der Beachtung und – -Vernichtung anheim. - -Unsre Heimat hat in ihrem großen Lebeweseninventarium nicht nur -aussterbende Tiere zu verzeichnen, sondern auch untergehende Pflanzen. -Insoweit dieses völlige Verschwinden mit unbedingt notwendigen -Kulturfortschritten ursächlich in Zusammenhang steht – ich denke -an das Zurückgehen der Sumpf- und Moorflora infolge Urbarmachung -bisher brachliegender Hochmoore –, ist dies wohl bedauerlich, -kann aber im Interesse gesunder kultureller Weiterentwicklung des -Menschengeschlechts nie und nimmer aufgehalten werden. Die Menschheit -kann nicht hungern, um etwa eine seltene Torfmoosart der Nachwelt -zu erhalten. Aber die gefährlichsten Feinde der seltnen Flora sind -nicht die Pioniere der Kultur, sondern sogenannte »Naturfreunde«. Ihr -deutschen Jungen, gefährdet nicht die letzten Reste einer sterbenden -Pflanzenwelt, indem ihr die wehrlosen Leiber derselben zusammenpreßt -und euerm furchtbaren Herbarium einverleibt! Diese Totenkammern, -diese Leichenhäuser, diese Mumiensammlungen tragen die Schuld, wenn -die eigenartigsten und charaktervollsten Vertreter unsrer heimischen -Pflanzenwelt dem Tode geweiht sind. Andachtsvoll stehe ich vor der -einzigen und letzten ~Erica Tetralix~ meiner Heimat. Ich rühre sie -nicht an. So gehe hin und tue desgleichen! - - - - -Zur Geschichte des Bibers in Sachsen - -Von _Rud. Zimmermann_, Dresden - - -Zu den Mitteilungen über das Vorkommen des Bibers in Sachsen von ~Dr.~ -Koepert in Band X, Heft 1–3, Seite 56–58 der Heimatschutz-Mitteilungen -seien mir einige ergänzende Angaben gestattet. - -Der Biber, dessen einst viel weiter ausgedehntes Verbreitungsgebiet -in Deutschland heute zu dem letzten, räumlich kleinen Vorkommen -im Gebiet der Mulde und der Elbe zwischen den Städten Dessau und -Magdeburg zusammengeschrumpft ist, hat sich in unserem Vaterlande -Sachsen ziemlich lange gehalten; sein letztes Vorkommen an der -Mulde bei Wurzen ist erst in den vierziger Jahren des verflossenen -Jahrhunderts erloschen. Allerdings hat er es bei uns nie zu einer -besonders großen Verbreitung gebracht; die ganze Natur des Landes, das -nur in seinen nördlichen Teilen dem Tiere zusagende Aufenthaltsorte -bieten konnte, ist einer weiteren Ausdehnung seines Vorkommens von -vornherein hinderlich gewesen. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit -stoßen wir auf seine ersten Spuren im heutigen Sachsenlande: Funde -eines Unterkieferastes einmal in einer neolithischen Erdgrube bei -Zauschwitz nahe bei Pegau (unweit der Elster) und zum anderen in der -Heidenschanze bei Coschütz südwestlich von Dresden, sei er aus der -slawischen oder der vorslawischen Zeit, denen sich spätere weitere -sechs Kieferreste von Leckwitz unweit der Elbe aus slawischer Zeit -angeschlossen haben, sind die ersten sicheren Belege vom Vorkommen des -Tieres in nachdiluvialer Zeit und geben uns gleichzeitig Kunde von -der Verwendung seines Fleisches in der »Küche« der vorgeschichtlichen -Bewohner unseres Landes. In geschichtlicher Zeit nennt den Biber -Lehmann in seinem »Historischen Schauplatz derer natürlichen -Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge«, 1699. Er -schreibt: »Biber sind nicht so gemein als die Fischotter, welche aber -von den dazu bestellten Otternfängern aufgesucht und ausgegraben -werden.« Jedoch dürfte er sich dabei, da der Biber seinem ganzen Wesen -und seiner Lebensweise nach aber wohl kaum jemals im Erzgebirge, auf -das sich ja die Lehmannsche Darstellung bezieht, vorgekommen sein -dürfte, schwerlich auf eigene Erfahrungen und Kenntnisse gestützt, -sondern lediglich unverbürgtes Gerede wiedergegeben haben. Wie Lehmann, -so erwähnen auch andere spätere Schriftsteller den Biber nur dem Namen -nach, geben aber niemals einen Fundort an oder sprechen sich über -solche so allgemein aus, daß wir uns daraus kaum ein genaueres Bild -von der ehemaligen Verbreitung des Tieres im heutigen Sachsen machen -können. v. Fleming in seinem »Vollkommenen deutschen Jäger«, 1719, und -ebenso Döbel in seiner »Jäger-Practica«, 1746, gedenken des Tieres nur -kurz; v. Fleming sagt, daß »dieses Tier hier zu Lande sehr rar ist, und -man nur wenige oder keinen antreffen wird,« während Döbel genauer ein -Vorkommen nur aus dem Dessauischen, also überhaupt nicht aus Sachsen, -anführt. Erst Dietrich aus dem Winckell erwähnt ihn 1805 in seinem -»Handbuch für Jäger« »von der Mulde«, fügt dem aber leider auch wieder -keine genauere Ortsbezeichnung bei, so daß sich nicht entscheiden -läßt, ob er dabei auch die Mulde heute sächsischen Anteiles im Auge -gehabt hat. Ebenso sagt Pölitz in seiner »Geschichte, Statistik und -Erdbeschreibung des Königreichs Sachsen«, 1808–1810 (das damals aber -ja noch die jetzt preußische Provinz Sachsen mit umfaßte), »daß man -Biber allgemein in der Elbe und Neiße findet«, bis dann schließlich -1822 Schumann im achten Bande seines »Lexikons von Sachsen« sich als -erster Schriftsteller genauer über das Vorkommen des Tieres ausläßt und -uns mitteilt, daß »Biber nur an der Mulde bei Wurzen und an der Elbe -bei Strehla vorkommen.« Ein uns erhalten gebliebenes Verzeichnis des -während der Regierungszeit des Kurfürsten Johann Georg I. (1611–1656) -auf Jagden entweder von diesem selbst oder in seinem Beisein erlegten -Wildes führt 37 erbeutete Biber auf, und ein weiteres aus der -Regierungszeit seines Nachfolgers Johann Georg II. (1656–1680) gibt gar -597 Biber als erlegt an (die Angabe im neuen Brehm, Säugetiere, zweiter -Band, Seite 443, von 347 Stück – nach Genthe – muß dementsprechend -berichtigt werden) von denen neun vom Kurfürsten selbst erbeutet worden -sind. Doch darf man dabei nicht vergessen, daß damals das Land eben -auch noch die Provinz Sachsen mit umfaßte, die ja wohl ohne allen -Zweifel den Löwenanteil an den erlegten Bibern geliefert haben wird. - -Der Fang der Biber, die man lange Zeit hindurch fälschlicherweise als -arge Fischräuber ansprach – erst Döbel in seiner »Jäger-Practica« läßt -sie als solche nicht mehr gelten – lag im ehemaligen Kursachsen den -Fischotter- und Biberfängern ob, die im Frühjahr und Herbst in ihren -Bezirken von einem Amt zum anderen zu reisen und neben den Fischottern -und dem übrigen kleinen Raubzeug auch dem Biber nachzustellen hatten. -Sie erhielten, solange sie unterwegs waren, für sich, ihre Gehilfen -und ihre Hunde eine tägliche Auslösung, und gegen Aushändigung der -erlegten Tiere oder ihrer Felle noch einen besonderen Fanglohn. Der -Biber scheint sich auch einer gewissen Schonzeit, allerdings weniger -aus rein weidmännischen Gründen, sondern, wie es scheint, mehr einer -bestimmten Verwendung seines Wildbretes wegen (als Fastenspeise), -erfreut zu haben, wie aus einer Verordnung des Oberhofjägermeisters -von Wolffersdorf vom 28. Februar 1750 an den Otter- und Biberfänger -Kluge in Dittersbach bei Chemnitz hervorgeht. In dieser Verordnung -wird dem Genannten vorgehalten, daß er »die Biber ohne Unterschied -der Zeit gefangen und eingeliefert, da doch laut bereits erteilter -Verordnung solches nicht eher als zur jetzigen Fastenzeit, da es -hergegen daran mangelt, geschehen sollen,« und ihm von neuem anbefohlen -wird, »künftig keinen Biber eher als zur Fastenzeit zu fangen und in -der Haut ins Dresdener Provianthaus einzuschicken.« »Dafern ein Biber -von ungefähr eingeht, so ist solcher jedoch jedesmal in der Haut -zum Dresdener Provianthaus einzuschicken.« Von den Fischotter- und -Biberfängern waren außer dem bereits von ~Dr.~ Koepert erwähnten, der -in Hintergersdorf seinen Sitz hatte, noch drei weitere angestellt, -je einer in Elbenau an der Elbe (Regierungsbezirk Magdeburg) und in -Liebenwerda an der Schwarzen Elster, also in der heutigen Provinz -Sachsen, der dritte in Dittersbach bei Chemnitz, dessen Bezirk gleich -dem Hintergersdorfer nur auch heute noch sächsisches Gebiet umfaßte, -nämlich die Ämter Augustusburg, Wolkenstein, Grünhain, Schwarzenberg, -Stollberg, Chemnitz, Rochlitz, Colditz, Grimma, Wurzen, Leisnig und -Sachsenburg. Im Jahre 1764 wurde durch eine Verordnung des damaligen -Landesverwesers, des Prinzen Xaver, die Einrichtung der Fischotter- -und Biberfänger, die mindestens bis ins siebzehnte Jahrhundert -zurückreicht, aufgehoben. Es scheint, als ob neben diesen, von der -Landesregierung bestellten Biber- und Otterfängern aber auch noch -einzelne Ämter eigene Fänger verpflichteten. Pfau wenigstens berichtet -uns, daß das Rochlitzer Amt 1651 einen solchen anstellte, der 1656 vier -Biber an der Zschopau bei Waldheim fing. - -Leider aber sind uns weder über die Mengen der von den Fängern -erbeuteten Biber – und noch weniger über die Orte der Erbeutung -sichere Angaben überliefert, es müßte dann sein, daß die -fünfhundertsiebenundneunzig Biber aus der Zeit Johann Georgs II. zum -großen Teil den Fängern zum Opfer gefallen sind. Aus den Verordnungen -an den Dittersbacher und den Hintergersdorfer Fänger aber wissen wir -jedenfalls mit voller Sicherheit, daß auch im Gebiete des heutigen -Sachsens Biber erbeutet worden sind, und wir werden dabei wohl kaum -fehlgehen, wenn wir annehmen, daß sie ausschließlich im nordsächsischen -Flachland teils an der Mulde, teils an der Elbe und wahrscheinlich auch -in der Oberlausitzer Niederung, die wohl zum Bezirk des Liebenwerdaer -Fängers gehört hat, gefangen worden sind. - -Für die Oberlausitz erwähnt den Biber die Zittauer Forstordnung -vom Jahre 1730. Jedoch ist nach Tobias hier der letzte bereits -1785 oder 1787 bei Leschwitz oder Deutsch-Ossig in der heutigen -preußischen Oberlausitz gefangen worden, so daß die oben angeführte -Angabe von Pölitz vom Vorkommen in der Neiße schon für ihre Zeit -nicht mehr richtig gewesen ist. Immerhin wurden um die Mitte des -achtzehnten Jahrhunderts in Bautzen noch Biberhüte angefertigt und -weithin verschickt. Wann der Nager an der Elbe sächsischen Anteiles -ausgerottet worden ist, ist leider nicht mehr festzustellen; außer der -Mitteilung Schumanns vom Jahre 1822 besitzen wir von hier keinerlei -Nachrichten mehr über ihn. Wohl aber liegen über sein Vorkommen -und sein Verschwinden an der Mulde bei Wurzen einige verläßlichere -Unterlagen vor. Das fürstliche Museum zu Waldenburg besitzt einen -1846 bei Wurzen erlegten Biber und außerdem befinden sich noch, wie -1909 ~Dr.~ Hesse mitteilt, im Leipziger Zoologischen Museum zwei -Stücke gleichfalls von der Mulde. Das eine, ein altes Tier, trägt -als Datum den 30. Januar 1809, das andere aber ist leider ohne Datum -und nur mit der Fundortsangabe »Nischwitz bei Wurzen« ausgezeichnet. -Hesse vermutet auf Grund der Abfassung und der Schrift des Zettels, -daß es etwa gleichzeitig mit dem Waldenburger Stück, vielleicht aber -auch noch bedeutend früher als dieses erbeutet sein könnte. Ein -1869 zuerst in der Gartenlaube erschienener Aufsatz Guido Hammers, -der dann auch in dessen 1891 herausgekommene »Wild-, Wald- und -Weidmannsbilder« übergegangen ist, berichtet von einem wildernden -Schäfer in einem Dorfe bei Wurzen, der einen Biber an der Mulde in -einem Eisen fing, das Wildbret mit seinen Vertrauten verzehrte, -Fell und Geil aber nach Leipzig schaffte, wo es Hehler heimlich -verwerteten. Nach einer Auskunft Hammers an Fickel ist der Zeit -dieses Vorganges aber nicht mehr sicher nachzukommen, doch dürfte der -letzte Biber auf Püchauer Flur, nördlich von Wurzen erbeutet worden -sein. In dem Waldenburger Biber besitzen wir demnach das nachweisbar -späteste Belegstück für das Vorkommen des Bibers in Sachsen. – Für -ein Vorkommen des Tieres weiter flußaufwärts an der Mulde wie auch -an der Elbe besitzen wir mit Ausnahme jener schon erwähnten Angabe -von Waldheim aus historischer Zeit keinerlei Anhalt – für die Elbe -allerdings läßt der schon eingangs erwähnte Coschützer Fund auf ein -Vorkommen stromaufwärts bis in die Dresdener Gegend wenigstens in -vorgeschichtlicher Zeit schließen – und auch des Tieres Wesen und -Lebensweise sprechen, wie eingangs ebenfalls bereits angedeutet, gegen -eine größere Verbreitung landeinwärts. Aus dem Gebiete der Vereinigten -Mulde dürfte unser Tier in das der Zwickauer Mulde kaum weiter als -über die Strecke Colditz–Rochlitz–Wechselburg vorgedrungen sein – -ein von Pfau als Stütze für ein häufigeres Vorkommen bei Rochlitz -angeführter Flurnamen bezieht sich auf eine Stelle, deren ganzer -Charakter gegen ein dauerndes Vorkommen des Nagers spricht – und für -das Gebiet der Freiberger Mulde, deren Unterlauf für ein Vorkommen -des Tieres viel geeigneter erscheint, als der der Zwickauer Mulde, -wird sein Vorkommen aus dem Charakter des Tales bis über die Gegend -Roßwein–Nossen hinaus wahrscheinlich. Einzeln mag er dann, wie der -schon erwähnte Fund in der Zschopau bei Waldheim beweist, in den -Unterlauf der Nebenflüsse aufgestiegen sein. Ein 1636 beim Fischen in -der Mulde in Zwickau gefangener Biber, und ein anderer, 1748 auf einem -Elbheger bei Niedermuschitz bei Meißen erbeuteter, dürften lediglich -einzelne versprengte Tiere gewesen sein. Darauf deutet ja auch schon -der Umstand hin, daß die zeitgenössischen Chronisten sie besonders -erwähnen, demnach ihre Erbeutung als ein ungewöhnliches Ereignis -aufgefaßt haben. – Aus der Einrichtung der Biber- und Otterfänger auf -ein häufigeres Vorkommen und eine weitere Verbreitung zu schließen, -ist meines Erachtens falsch; die Fänger waren zur Vertilgung von -Raubzeug überhaupt angestellt und hatten dabei eben auch, soweit er in -ihren Bezirken überhaupt vorkam, dem als Fischräuber angesprochenen -Biber mit nachzustellen, und daß sie diesen dabei nie in großen Mengen -fingen, geht deutlich auch aus der oben wiedergegebenen Vermahnung des -Dittersbacher Fängers hervor, in der es heißt: »da es dann hergegen -daran mangelt«, was aber bei einem häufigeren Vorkommen des Tieres -nicht der Fall hätte sein können. Wenn daher Berge annimmt, daß man den -Biber schon damals bei uns nicht mehr in größeren Kolonien, sondern -immer nur einzeln oder familienweise antraf, so wird man ihm darin nur -beistimmen können. - -Ob schließlich das durch den Zauschwitzer Fund wenigstens für die -vorgeschichtliche Zeit gesicherte Vorkommen des Nagers auch in der -Weißen Elster noch in die geschichtliche Zeit hinein angedauert hat, -läßt sich heute kaum entscheiden, doch spricht meines Erachtens nichts -gegen die Annahme, daß der Biber dort wenigstens noch bis ins frühe -Mittelalter hinein vorkam, und dort erst später seinem Schicksal -erlegen ist. - - _Anmerkung_: Eine Zusammenstellung des Schrifttums und der - Quellen zu vorliegender Arbeit findet sich am Schlusse meiner - Untersuchung »Zur Geschichte des Bibers im Gebiete des - ehemaligen Königreichs Sachsen« im »Naturwissenschaftlichen - Beobachter« 62, Frankfurt a. M. 1921, S. 97 bis 104. - - - - -Vom romantischen zum denkenden Wanderer - -Von ~Dr.~ _Kurt Schumann_ - - -Es dürfte eine reizvolle Aufgabe sein, einmal eine Geschichte _des -Wanderns und des Wanderers_ zu schreiben, von den Tagen an, da Abraham -auf Geheiß des in jenen Zeiten noch sehr menschlich mit seinen -Geschöpfen verkehrenden lieben Gottes fortzog »aus seinem Vaterlande, -aus seiner Freundschaft und aus seines Vaters Hause« ins Gelobte Land -Kanaan bis ins Zeitalter des Wandervogels, der Feriensonderzüge und der -Mount-Everest-Besteigung. Was würde da nicht alles an unseren Augen -vorüberziehen, selbst wenn man von den großen Massenwanderungen in -den Zeiten des Krieges, der religiösen Begeisterung oder des Hungers -absähe: der wandernde Prophet, der Minnesänger, der fahrende Schüler -und der Handwerksbursche, der Bettelmönch und der Pilger, Goethe und -Rousseau, Seume und Scheffel. Jede Zeit hat ihre Wanderer gehabt, -Wanderer, die den Weg ebenso schätzten wie das Ziel, die um des -Wanderns willen die warme Ofenecke mit der Landstraße vertauschten. -Trotzdem kann man wohl behaupten, daß erst das vergangene Jahrhundert -den Wanderer als Allgemeinerscheinung hervorgebracht hat. Mit Rousseau, -dem ersten Wandervogel, fing es an, dann kamen die Romantiker, die uns -die großen Volksliedersammlungen erwanderten, dann der »Spaziergänger -nach Syrakus«, dann Eichendorff, dessen Wanderlieder heute noch in -jedem Wald erklingen, Wilhelm Müller, der Sänger der durch Schuberts -Vertonung überall bekannt gewordenen »Müllerlieder«, und Heinrich -Heine, dessen Lieder aus der Harzreise die herrlichen Verse einleiten: - - »Auf die Berge will ich steigen, - Wo die frommen Hütten stehen, - Wo die Brust sich frei erschließet, - Wo die freien Lüfte wehen, - Wo die dunklen Tannen ragen, - Bäche rauschen, Vögel singen - Und die stolzen Wolken jagen.« - -Im unberührtesten deutschen Waldgebiet aber steht das Denkmal Adalbert -Stifters, des Dichters des »Hochwald«, am Blöckensteinsee. – Ein -Hinweis auf die »Kulturstudien« Riehls, Rudolf Baumbachs »Lieder -eines fahrenden Gesellen« und Fontanes »Wanderungen durch die Mark -Brandenburg« möge diesen literarhistorischen Überblick schließen; denn -es ist Zeit, auf eine ganz andere Kategorie von Wanderern aufmerksam zu -machen, die Wandertrieb und Wanderstil ebenso stark beeinflußt haben, -wie unsre wandernden Dichter. - -Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts nahm mit den glänzenden -Erstersteigungen Whympers der Alpinismus einen verheißungsvollen -Aufschwung. Die großen Alpenklubs bildeten sich und in ihrem Gefolge -die verschiedenen Mittelgebirgsvereine, auf deren Tätigkeit und das -gewaltige Wachsen der Großstädte der außerordentliche Aufschwung des -Wanderns im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts zurückzuführen -ist. Der Wandertyp dieser und bis zu einem gewissen Grade auch -noch unsrer Zeit ist der »Tourist«. Er hat die Fehler und Vorzüge -der Periode, die ihn wachsen sah, der Periode des wirtschaftlichen -Aufschwungs. Er schafft sich eine praktische Kleidung, baut Wege und -Hütten, sorgt für gute Karten, gründet allenthalben Sektionen, die Geld -für seine Zwecke in reichem Maße zusammenbringen, macht stramme Touren, -die Körper und Geist allerhand zumuten, nur eines tritt bei ihm in den -Hintergrund, was die romantische Periode vor ihm in überreichem Maße -besaß, die Poesie des Wanderns, das tiefe Erleben und Verstehen der -Landschaft. Oder wäre es sonst möglich gewesen, daß dreißig Jahre lang -vor den Augen von hunderttausend Touristen unsre Heimat in einer Weise -verschandelt wurde, daß die nächsten zehn Generationen es nicht wieder -gut machen können? - -Da kam die notwendige Ergänzung von einer Seite, die mit dem -Wandern zunächst gar nichts zu tun hatte, die nichts war als eine -Protestbewegung gegen die »Alten«, gegen den Materialismus der Zeit, -gegen die Unterdrückung einer Altersstufe: die Jugendbewegung, deren -erste Verkörperung der Wandervogel war. Er stellte sich nicht etwa -in Gegensatz zur Touristik, denn die kannte er kaum. Er entstand und -gedieh am besten ja auch da, wo die Touristik nicht zu Hause war, im -Flachland und in den aller Großartigkeit und aller Gebirgsvereine -baren unbeachteten Mittelgebirgen Hessens und Frankens, an den Seen -der Mark und in den Einöden der Heide. Er lief ohne Karte »ins Blaue«, -verschmähte Wege und Unterkunftshäuser, kroch zu den Bauern ins Stroh, -pfiff auf Bergschuhe, Spirituskocher und Thermosflasche, Lodenmantel -und Wanderstock, »tippelte« eine Stunde und lag drei Stunden im Grase, -versunken in die Schönheit eines Kiefernwaldes, eines Sonnenunterganges -oder eines alten Bauerngehöftes, nährte sich von »Heuschrecken und -wildem Honig« und sang dazu Lieder, die so alt waren, daß sie Arnim -und Brentano hundert Jahre früher nicht entdeckt hatten. Eher vergaß -er den Brotbeutel als die Laute. Das war soviel Romantik auf einmal, -daß sie den älteren Zeitgenossen und ihren Vertretern auf dem Gebiete -des Wanderns nur ein Lächeln entlockte. Glücklicherweise blieb es nicht -dabei, und das ist das Verdienst _der_ Alten, die innerlich jung genug -geblieben waren und ähnlich fühlten wie diese Jungen, im Gegensatz zu -ihnen aber deren unausgegorenes Gefühl in Willen und Tat umsetzten. Und -diese Taten hießen: _Dürerbund_ und _Heimatschutz_. - -Die Rede von Ferdinand Avenarius vor der freideutschen Jugend auf -dem Hohen Meißner im Oktober 1913 besiegelte den Bund zwischen dem -Heimatgefühl der Jungen und dem Heimatwollen der Alten. Diese große -Bewegung konnte nicht ohne Einfluß auf Art und Stil aller Wanderer -bleiben, zumal auch die dem Wandervogel verwandten Jugendbünde diesen -von ihm übernahmen. Eine der erfreulichsten Erscheinungen unsres -sonst bisher so wenig erfreulichen Jahrhunderts ist die Tatsache, daß -sich alle diese Bewegungen: Touristik, Jugendbünde und Heimatschutz -gegenseitig befruchten und ergänzen. Und eines der angenehmsten -Produkte dieser Wechselbeziehungen ist der _Wanderer unsrer Tage_. -Das zeigt sich schon rein äußerlich. Er legt ebensowenig Wert auf die -komfortable Korrektheit des Touristen wie auf die Formlosigkeit des -Wandervogels. Er wandert barhäuptig und halsfrei, aber wenn die Sonne -brennt oder wenn es stundenlang regnet, dann hindert ihn kein Prinzip, -den Hut aus dem Rucksacke zu holen oder den Kragen zuzuknöpfen. Seine -Unterkunftshäuser sind keine Hotels mit Speisekarte und Himmelbett, -aber sie bestehen auch nicht nur aus einem Dach, einem Tisch und einem -Heuhaufen. Dagegen legt er großen Wert darauf, daß sie sich in die -Landschaft einfügen, in der sie stehen, und daß ihre Ausstattung so -beschaffen ist, daß der eben geschilderte Wanderer hineinpaßt. Nichts -dokumentiert besser die gekennzeichnete Entwicklung des Wanderers von -1900 bis 1920 als seine Unterkunftshütten. Welchen hervorragenden -Anteil der _Heimatschutz_ gerade auf diesem Gebiete hat, brauche ich -hier nicht darzulegen. - -Auch die Wahl der _Wandergebiete_ zeigt den neuen Menschen. Er zieht -nicht nur in Heide und Moor, aber er schätzt ihre feineren Reize -neben den großartigen der Alpen und des Schwarzwaldes, durchwandert -Gebirge, die bisher die Touristik nicht gewürdigt hatte und findet -in Vogelsberg und Rhön, Jura und Erzgebirge, Weserbergland und Eifel -Schönheiten, von denen die Touristenweisheit sich nichts hatte träumen -lassen. Er würdigt von Kulturstätten im Gegensatz zum Wandervogel -nicht nur Burgruinen und mittelalterliche Nester; der Hafen von Emden -und die Parks der Barockschlösser, der Leipziger Hauptbahnhof und die -Münchner Galerien haben ihm nicht weniger zu sagen als die malerischen -Gäßchen von Rothenburg und Kronach oder die zerfallenen Mauern von -Hanstein und Hirsau. Wichtiger noch als der Gegenstand ist die Art -seiner Betrachtung. Hier handelt es sich nicht nur um Mischung von -Touristen- und Wandervogeleigenschaften, wenngleich ihm auch die mehr -beobachtende Einstellung des einen ebenso vertraut ist, wie die mehr -gefühlsmäßige des anderen. Hier setzt eine ganz neue Betrachtungs- und -Erfassungsweise ein, die ich kurz bezeichnen möchte als das _denkende -Erleben_ der Landschaft. Man muß schon bis auf Goethe zurückgehen, um -einen Wanderer zu finden, wie er sich jetzt als Gattung auszubilden -beginnt. Es ist unmöglich, an dieser Stelle alle die Wurzeln, die -zu dieser Entwicklung führen, aufzudecken (Ratzels Deutschland; die -amerikanischen Einflüsse in der geographischen Wissenschaft; die -Wanderfreude der jungen Geographengeneration; die Erweiterung des -erdkundlichen Unterrichts auf der Mittelschule; die zentrale Stellung -der Heimatkunde im Gesamtunterricht der Grundschule usw.). Nur auf -eine Institution muß ich hinweisen, die diese Entwicklung unter den -alten Wanderern mächtig gefördert hat, die _Volkshochschule_ mit ihren -verschiedenen Ausstrahlungen. Schließlich möchte ich noch versuchen, -diesen neuesten Wanderertyp, den ich den _denkenden_ nennen will, -mit wenigen Worten zu charakterisieren. Der Hauptzug seines Wesens -ist, daß er Zusammenhänge sucht und findet, wo seine Vorgänger nur -Einzeltatsachen sahen. Für ihn ist ein Dorf nicht eben ein Dorf, ein -Berg ein Berg, ein Tal ein Tal, ein Wald ein Wald. Die Rundlinge der -Elbaue und des Niederlands haben für ihn ein anderes Gesicht als die -Waldhufendörfer des mittleren Erzgebirges und die Streusiedelungen -auf dem Kamme, denn er kennt ihre Geschichte und den Zusammenhang -mit der Landschaft, in der sie liegen. Wenn er in den Tharandter -Wald geht, genießt er _vier_ Wälder, wo der Normaltourist nur -_einen_ sieht; denn einen ganz anderen Charakter hat der Buchenwald -auf dem Basalt des Landberges als der Fichtenwald auf den weiten -Porphyrdecken um Grillenburg, der Kiefernforst auf den Sandsteinhöhen -des Markgrafensteins als der Mischwald an den Gneishängen des -Weißeritztales. Jedes Tal, in dem junge und greisenhafte Formen -wechseln, in dem auf die vom Sturzbach durcheilte Schlucht die -weiche Mulde folgt, in der derselbe Bach in großen Windungen in -selbstgeschaffener Aue müde dahinschleicht, läßt vor seinem Auge nicht -nur die Geschichte des Tales, sondern diejenige der ganzen Landschaft -aufsteigen, in die es eingebettet ist. - -Für ihn bekommen die _Namen_ der Berge, Straßen, Siedlungen, die -unsre Vorfahren ihnen mit feinem Gefühl gaben, weil sie ihr Vaterland -_kannten_ und nicht nur im Munde führten, neues Leben. Die groteske -Welt des Elbsandsteins klingt ihm entgegen aus den mit Stein, Horn, -Hörnel, Turm, Tor, Wand, Schlucht, Schlüchtel, Klamm und Gründel -zusammengesetzten Namen. Nur eine bedeutende Erhebung in der -Sächsischen Schweiz führt den Namen: Berg, und diese besteht nicht -aus Sandstein, sondern aus Basalt: der Winterberg. Er trägt auch -nicht wie alle andern den dürren Kiefernwald auf seinem Rücken, -sondern Buchenwald. Ähnliche Gegensätze spiegeln sich in Namen wie: -Sandschlucht – Steingrund, Verlorenes Wasser – Nasse Aue. Die Geologie -des Vaterlandes wird lebendig, wenn sie uns entgegentritt in Namen -wie: Grauberg (Gneis), Blauberg (Schiefer), Roter Berg, Rotes Vorwerk, -Purpurberg (Porphyr, roter Quarz), Rotes Wasser (Zinnwäschen), -Weißenstein, Weißenfels, Weißwasser (Kalk, Quarz, Granit), Eisenborn -und Kupferberg. – Eschenhau, Eschdorf, Eichwald, Eichberg, Eichleite, -Buchholz, Buchberg, Erlenschlucht, Lindhardt, Lindigt, Tanndorf, -Tännigt, Kiefernhöhe, Fichtelberg und unzählige ähnliche Namen spiegeln -den ursprünglichen Baumbestand wider, der leider bis auf die Flecke, -wo der Untergrund es verbot, der nivellierenden Forstwirtschaft zum -Opfer gefallen ist oder vom Kulturlande verdrängt wurde. Von den -fränkischen und thüringischen Auswanderern, die in unsre Gebirge -mit Axt und Pflug eindrangen, oder den Agenten (Locatores), die sie -dahin führten und dann als Schulzen (Erbgerichte) betreuten, künden -uns folgende Dorfnamen: Ullersdorf (Ullrich), Cunnersdorf (Konrad), -Dittersdorf (Dietrich), Hartmannsdorf, Waltersdorf, Rathmannsdorf, -Ottendorf, Leupoldishain, Nikolsdorf, Erkmannsdorf, Nenntmannsdorf, -Hennersbach und Reinholdshain. Fürstennamen tragen einerseits die neben -deren Schlössern gebildeten Ortschaften: Moritzburg, Augustusburg, -Karlsruhe, Ludwigsburg, anderseits die Exulantensiedelungen, die unter -ihrem Schutz entstanden: Georgenfeld (Gottgetreu), Johanngeorgenstadt, -Carlshafen. Endlich noch ein paar Namen, die Leben und Wirtschaft -unsrer Vorfahren widerspiegeln: Hammergut, Schäferei, Butterstraße, -Salzstraße, Kirchweg, Mühlweg, Leichenweg, Rabenhügel und Galgenberg. - -Ich glaube, diese Namenübersicht, die selbstverständlich zu einem -dicken, höchst interessanten Buch ausgebaut werden könnte, zeigt -schon, wie weit und wie tief das Gebiet des »denkenden« Wanderers -ist. Sie zeigt aber auch, daß man nicht von heute auf morgen in -diese Wandererkategorie übergehen kann. Schule, Volkshochschule, -Heimatschutzvorträge und eine reiche Literatur bieten aber dem -Wollenden und Ausdauernden die Mittel, um diese Ziele zu erreichen. -Vielleicht ist ein andermal Gelegenheit, die sämtlichen Hilfswerke des -denkenden Wanderers wohlgeordnet aufmarschieren zu lassen; an dieser -Stelle will ich nur auf die Bücher hinweisen, die _ausgearbeitete -Touren_ bieten. Es sind dies in erster Linie die Dresdner, Chemnitzer, -Lausitzer[2] und Leipziger[3] Wanderbücher, herausgegeben von -Erdkundelehrern der betreffenden Orte. Dem vorwiegend historisch -eingestellten Wanderer werden Schmidts Kursächsische Streifzüge, -dem geologisch interessierten die Führer von Beck, Nessig (Dresdens -Umgebung), Krenkel (Nordwestsachsen), Beger (Lausitz) und Credner -(Granulitgebirge) reiche Anregung geben[4]. - -Der unselige Krieg hat uns siebzigtausend Quadratkilometer deutschen -Landes geraubt. Wie viele von uns haben sie gekannt? Wer kennt von -den uns verbleibenden vierhundertsiebzigtausend Quadratkilometern nur -den hundertsten Teil so, wie es eines Volkes der Denker und Dichter, -Goethes und Humboldts, würdig ist? – Schöne Anfänge auf diesem Gebiete -lassen schöneren Fortgang erhoffen. Die Volkshochschulkurse, die -sich dieser Aufgabe widmen, sind überlaufen, und die geographischen -Wanderbücher, die ebenfalls denkende Wanderer erziehen wollen, -»gehen« beinahe wie Courts-Mahlersche Romane. Erfreulicherweise -zeigt sich dabei auch wieder die Wahrheit des Karl Brögerschen -Kriegsliederrefrains: »daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein -getreuester war.« Möchten diese Pioniere auf dem behandelten Gebiete -recht bald viele Kameraden aus _allen_ Schichten finden, die mit -ihnen ein neues gemeinsames Glück sich erkämpfen in der _schauenden_, -_fühlenden_ und _denkenden_ Eroberung der Heimat. - - -Fußnoten: - - [2] Erschienen bei Wittig und Schobloch, Dresden-Wachwitz - 1921/22. - - [3] Verlag von Bressendorf, Leipzig 1920. - - [4] Vergleiche auch die weniger geographisch als literarisch - bedeutungsvollen Schilderungen in Johanna M. Lankaus - _Dresdner Spaziergängen_ und Edgar Hahnewalds _Grünen - Film_. Weitere Wanderaufsätze von letzterem (Oschatz, - Leisnig, Mühlberg, Strehla, Pulsnitz, die Röder, der - Valtenberg, der Triebenberg, Stolpen, Bischofswerda, der - Schraden usw.) erschienen in der Dresdner Volkszeitung. – - An gleicher Stelle finden sich des Verfassers erdkundliche - Wanderungen: 2. November 1921: Moritzburg, 23. November: - Gottleuba-Nollendorf, 4. März 1922: die Heide, 1. April: - Auf den Spuren der Eiszeit, 15. April: Durchs Meißner Land, - 26. April, 13. Mai: Auf der Wetterwarte, 24. Juni: Auf der - Zille. - - - - -Das Abkochverbot. - - -Das vom Finanzministerium im Sommer 1921 erlassene Verbot des -Mitführens von Geräten zum Abkochen in den fiskalischen Waldungen -außerhalb der öffentlichen Wege hat manche Verstimmung in der -Bevölkerung erregt und ist mehrfach als unbegründete Beschränkung der -persönlichen Freiheit bezeichnet und deshalb auch in der Sitzung des -Vorstandes Abteilung Naturschutz des Sächsischen Heimatschutzes zur -Erörterung gestellt worden. - -Über die Gründe, die zu dieser Maßnahme geführt haben, gab -Oberforstmeister Feucht als Vorstand des Forstbezirks Schandau, der in -erster Linie von zahlreichen und umfänglichen Brandschäden im Jahre -1921 betroffen worden war, folgende Aufklärung: - -Bei dem anhaltend schönen, trocknen und heißen Wetter, das im Frühjahr -1921, Sommer und Herbst mit ganz kurzen Unterbrechungen geherrscht -hatte, ergossen sich in die Sächsische Schweiz Ströme von Wanderern, -von wilden und zahmen Wandervögeln, Pfadfindern und Bergsteigern, die -zum großen Teile Geräte zum Abkochen mit sich führten. - -Durch das Abkochen und vielfach grobe Fahrlässigkeit beim Rauchen sind -in den Waldungen der Sächsischen Schweiz mit ihren dürren Sandböden -und flachgründigen Felsbestockungen zahllose Brände von zum Teil -erheblichem Umfange verursacht worden, deren Verhütung die Forstbeamten -fast machtlos gegenüberstanden, da alle Warnungen und Verbote nichts -fruchteten. - -Das Abkochen ist, wie man hier vielfach beobachten konnte, in eine -bloße Spielerei und einen groben Unfug ausgeartet, denn wenn jemand -einen eintägigen Ausflug von Dresden in die Sächsische Schweiz macht, -liegt wirklich keine Notwendigkeit vor, deshalb sich mit großen -Kesseln zum Abkochen abzuschleppen, um so weniger, als gerade in der -Sächsischen Schweiz an allen Ecken und Enden Wirtshäuser und sonstige -Erfrischungsgelegenheiten in reichlichem Maße vorhanden sind. - -Das kurze Vergnügen des Abkochens, das namentlich für jugendliche -Gemüter mit einem gewissen romantischen Schimmer umgeben ist, kommt -schließlich dem Lande und der Allgemeinheit der Steuerzahler sehr -teuer zu stehen. Beträgt doch die Summe der Waldbrandschäden und -Löschungskosten allein in den Staatsforsten im Jahre 1921 über -dreiviertel Million Mark. - -Besonders gefährlich ist dieses Abkochen neuerdings noch dadurch -geworden, daß leider jetzt vielfach auch die Kletterer begonnen -haben, auf für gewöhnliche Sterbliche unzugänglichen Felsen und -Hörnern abzukochen, wo für die Forstbeamten das Löschen bei der -schwierigen Zugänglichkeit der Brandherde und bei der Unmöglichkeit, -das Bodenfeuer auf solchen Felsen durch Überwerfen mit Erde und Sand -zu löschen, eine ebenso undankbare wie lebensgefährliche Arbeit -ist, weil genügend Erde auf diesen nur mit einer Rohhumusschicht -bedeckten Felsen fehlt. Wenn sich bei solchen Löschungsarbeiten -plötzlich der Wind dreht, wie dies bei Waldbränden häufig der Fall -ist, so können die Arbeiter kaum schnell genug ausweichen und geraten -selbst in Lebensgefahr. Wurden doch mehrfach an solchen Brandstellen -die Kochgeräte aufgefunden, welche die Wanderer, die vielfach keine -Ahnung von der Gefahr und dem raschen Umsichgreifen eines Waldbrandes, -namentlich bei heftigem Winde, haben, bei ihrer raschen Flucht vor dem -Feuer im Stiche lassen mußten. - -Solche Brände auf kaum zugänglichen Felskegeln und Hörnern dauern -oft wochenlang und verursachen durch die ständige Bewachung der -bedrohten Bestände unterhalb dieser Felsen gewaltige Kosten, da -Tag und Nacht Arbeiter zur Stelle sein müssen, um die immer wieder -herabstürzenden glimmenden Humusmengen und die schließlich an den -Wurzeln durchgebrannten abstürzenden alten Kiefern der Felsbestockung -zu löschen, um neue Brände in den Beständen am Fuße der Felsen zu -verhüten. - -So währte z. B. der am Sonntag, den 26. Juni, ausgebrochene, mehrfach -in den Tageszeitungen geschilderte Brand auf dem kleinen Lorenzstein -wochenlang. Immer wieder flammte das Feuer, das nach dem leider zu -kurzen Regen am 3. Juli bereits erloschen schien, bei stürmischem Winde -wieder auf und eine der uralten Kiefern nach der anderen stürzte, -nachdem sie an den Wurzeln durchgebrannt war, brennend ab, wie -namentlich in der Nacht weithin beobachtet werden konnte. Auch zwei -weitere Gewitterregen am 20. und 26. Juli löschten den glimmenden Humus -nicht völlig, denn an den heißen schwülen Tagen des 30. und 31. Juli -brach das Feuer infolge stürmischen Windes nochmals aus und erlosch -erst, nachdem aller Humus an den ergriffenen Stellen verbrannt war. - -Schweren Schaden hat auch der gewaltige Brand an dem Hangstein, -Lamm und Lokomotive verursacht, woselbst am Sonntag, den 24. Juni, -bei stürmischem Südostwind gegen 6 Hektar mit der ganzen schönen -Felsbestockung dieser weit und breit bekannten malerischen Felsgruppe -am Amselgrund vernichtet worden ist. Die Löschungskosten haben allein -gegen vierzehntausend Mark betragen, der Schaden gegen vierzigtausend -Mark. - -Der ebenfalls an einem Sonntag, den 31. Juli, ausgebrochene Brand -der Felsbestockung im Schrammsteingebiete brannte bis zum 11. -August und erforderte eine ununterbrochene Bekämpfung und Bewachung -der Bestände am Fuße der Wände, wofür ein Kostenaufwand von -dreitausenddreihundertneunundsechzig Mark entstanden ist. Kleinere -Brände auf unzugänglichen Felsen brachen noch mehrfach aus, z. B. -auf dem Goldstein, den Thorwalder Wänden und noch am 2. Oktober, -ebenfalls einen Sonntag, auf einem Felsenhorn zwischen Rauschen- und -Falkeniergrund. Dieser Brand schwelte ebenfalls über eine Woche und -verursachte gleichfalls umfängliche Löschungs- und Bewachungskosten von -über dreitausend Mark. - -In der Sächsischen Schweiz ist aber fast noch mehr als der materielle -Verlust durch solche Brände vom Standpunkte des Heimatschutzes aus die -unersetzliche Vernichtung der malerischen Felsbestockung der alten -Kiefern mit ihren abenteuerlichen Formen zu beklagen, die vielfach -jahrhundertelang den Stürmen und der Dürre in fast unbegreiflicher -Weise getrotzt haben und nunmehr vielleicht niemals wieder auf diesen -Höhen wachsen werden. - -Ein künstlicher Anbau ist auf solchen Standorten ganz ausgeschlossen, -nur die Natur selbst kann durch das eine oder andere Samenkorn, das von -vielen Tausenden der Wind auf eine geeignete Stelle weht, allmählich -wieder einen spärlichen Nachwuchs erzeugen. Aber auch diese Hoffnung -ist nur schwach begründet, denn durch das von unverständigen Menschen -an diese sonst unzugänglichen Orte gebrachte Feuer ist auch die gesamte -Humusschicht, die im Laufe von Jahrhunderten sich auf diesen Höhen -langsam angesammelt hatte und die einer kümmerlichen, aber zähen und -ausdauernden Baumvegetation die spärlichen Nährstoffe lieferte, mit -verbrannt. Die Aschenreste werden vom Regen abgespült oder vom Winde -verweht und schließlich bleiben nur die nackten Felsen übrig, auf denen -vielleicht nie wieder ein Samenkorn wird Fuß fassen können. - -Die Versammlung hielt nach diesen Ausführungen weitere Schritte von -seiten des Heimatschutzes nicht für angezeigt. - - - - -»Antons« - -Von Denkmalpfleger ~Dr.~ _Bachmann_ - -(Aufnahmen von _J. Ostermaier_, Blasewitz) - - -Jedem Dresdner ist das kleine Landhaus wohl bekannt, das schräg -gegenüber, flußabwärts der Waldschlößchenbrauerei auf dem Johannstädter -Ufer gelegen ist. Fast das ganze Jahr hindurch lag bisher das Anwesen -mit seinen schönen Baumgruppen trotz nächster Nähe der Großstadt in -idyllischer Ruhe da, die nur von Spaziergängern oder Sporttreibenden -belebt wurde. Einmal aber, im Sommer, zur Zeit der großen Vogelwiese, -bildet »Antons«, wie die Dresdner es nennen, eine Insel in den -hochgehenden Wogen der Volksfeststimmung. - -[Illustration: Abb. 1 =Antons im Jahre 1754= - -(aus Dresdner Geschichtsblätter 1918)] - -Antons ist nicht immer, wie bis zum Jahre 1921, Sommersitz einer -Dresdner Familie gewesen. Carl Hollstein gibt uns darüber in Nr. 4 der -Dresdner Geschichtsblätter von 1918 genauen Aufschluß. Danach wurde -das Schlößchen mit dem Garten, ersteres aber noch ohne den Dachreiter -und die Veranda (siehe Abb. 1), von dem Oberfloßinspektor der Elster- -und Erzgebirgischen Flößerei, Christian Gottlob Anton, unter Kurfürst -Friedrich August II. im Jahre 1754 angelegt und mit Gerechtigkeiten -versehen: »sowohl der Gastier und Ausspannung, als auch des -Branntweinbrennens, diesen und einheimische und fremde Biere und Weine -einzulegen, zu verzapfen und verschänken usw.« Auch eine Kegelbahn -wurde in einem der langen Wirtschaftsflügel untergebracht. - -Antons war demnach auch Ausflugsort für die Dresdner und Kneipe -zugleich und ist solches bis weit in das neunzehnte Jahrhundert -geblieben. So wird es also auch der exzentrische E. Th. A. Hoffmann -gekannt haben, als er einige Jahre in Dresden verlebte, und so finden -wir ja auch Antons in seinen Novellen genannt. - -[Illustration: Abb. 2 =»Antons«.= Schauseite an der Elbe] - -Auch Kriegsstürme sind oft darüber hinweggebraust, merkwürdigerweise -ohne besondere Spuren hinterlassen zu haben. Truppen Friedrichs des -Großen lagen hier während des Angriffs und der Beschießung auf Dresden -und besonders heftig tobten im August 1813 um Antons, das benachbarte -»Stückgießers« und das »Lämmchen« die Kämpfe zwischen Napoleons Garden -und den angreifenden Russen, wie das der Freund Dresdner Geschichte in -A. Brabants Buch »In und um Dresden 1813« nachlesen mag. - -[Illustration: Abb. 3 =»Antons«.= Blick auf die Gartenrückseite des -Hauptgebäudes mit dem Rondell] - -Antons hat verschiedentlich den Besitzer gewechselt. Nach dem Erbauer -war lange Jahre das Anwesen Eigentum des Geh. Kriegsrates von Broizem, -der eine Baumallee von dem Fürstenwege (heute Blumenstraße) bis -zum rückwärtigen Eingang anlegte, die aber vermutlich schon 1813 -fortifikatorischen Maßnahmen zum Opfer fiel. Bis 1832 gehörte dann -Antons einem Herrn von Limburger, der es an die bekannte alte Dresdner -Bankiersfamilie von Kaskel verkaufte, in deren Händen es bis zur -Übernahme durch die Stadt, 1921, verblieb. - -[Illustration: Abb. 4 =»Antons«.= Die Kegelbahn mit dem Hauptgebäude im -Hintergrund] - -Wie die Zeichnung (Abb. 2) erkennen läßt, ist das Schlößchen selbst ein -durchaus anspruchsloser, aber feingegliederter Bau, typisch für den -Landhausstil seiner Entstehungszeit (1754). Was dem Ganzen aber die -charakteristische Note gibt, ist die gutempfundene Eingliederung ins -Landschaftsbild, geschaffen aus jenem untrüglich sicheren Geschmacks- -und Stilempfinden heraus, das die Bauherren und Baumeister jener Tage -auszeichnete und das wiederzugewinnen ja das Bemühen und die Sehnsucht -unserer Tage ist. - -[Illustration: Abb. 5 =»Antons«.= Die Aussichtsterrasse im Gartenwinkel] - -Im staatlichen Inventarisationswerk (Bd. Dresden 3, Seite 738) -gibt Cornelius Gurlitt uns eine kurze Baubeschreibung, desgleichen -Mackowsky in »Erhaltenswerte bürgerliche Baudenkmäler in Dresden«. -Die in den Abmessungen durchweg bescheidenen Räume gliedern sich zu -seiten einer Mitteltreppe. Im Erdgeschoß ist unter anderem ein Salon -untergebracht, der sich mit einer breiten gedeckten Holzveranda -nach dem Garteninnern öffnet, gleichzeitig aber auch durch das hier -in der Gartenmauer angebrachte Lattengitter den Blick auf die Elbe -gestattet. Im Obergeschoß ist nach der Loschwitzer Seite ein zweiter -Salon gelegen, mit zierlicher Blumentapete und Rokokostuckdecke -in einfachen Mustern. Auch die fein profilierten Türen tragen -bescheidenes Rokokoschnitzdekor. Freilich die schönen Stilmöbel und die -Kristallüster sind mit dem Auszuge der letzten Bewohnerin verschwunden -und das ehemals so feinsinnig zusammengestimmte Milieu von Antons -ist damit leider für immer dahin. Das Aussichtstürmchen mit der Uhr, -das »Belvedere«, und der von einfach profilierten Pfeilern getragene -Balkonvorbau über dem Haupteingang an der Elbseite sind, wie schon -erwähnt, spätere Zutat des neunzehnten Jahrhunderts, gliedern sich -aber dem Gesamtbild in trefflicher Weise ein, wie ein Vergleich der -Abbildungen 1 und 2 eindrucksvoll lehrt. - -[Illustration: Abb. 6 =»Antons«.= Durchblick im Park mit der alten -Platane.] - -Antons schönster Schmuck jedoch ist der dicht an das Haus anschließende -Garten, den man trotz seiner verhältnismäßig kleinen Abmessungen von -etwa 150 zu 100 Meter Länge und Tiefe gern als Park bezeichnen möchte. - -Riesige Kastanien und Linden umrahmen ein dicht am Hauptgebäude -gelegenes Rasenrondell (siehe Abb. 3) und verdecken es nach dieser -Seite fast gänzlich. Flußabwärts birgt sich die malerische alte -Kegelbahn, von Efeu umsponnen, dicht unter alten Baumriesen, kaum daß -die Sommersonne Platz hat, ein paar goldene Lichter auf Holzwerk und -Weg zu legen (Abb. 4). Verschlungene Wege, nach englischem Geschmack -angelegt und von Efeuhecken umrahmt, führen zu immer neuen, malerisch -schönen Durchblicken. In der südlichen Gartenecke, im Mauerwinkel -liegend, wird ein niedriger Aussichtsaltan sichtbar (siehe Abb. 5), von -herrlichen Kastanien und Linden beschattet, und unweit davon strebt aus -dunklen Efeubeeten eine mächtige Platane hell heraus (siehe Abb. 6). -So klein die Anlage ist, so wirkungsvoll erscheint sie hier durch -gärtnerische Kunst gestaltet. - -Lange hat so Antons mit einer Parkanlage im tiefen Frieden geruht, -ein Denkmal feinsinniger Kultur aus vergangenen Tagen. Heute nun -herrscht lebhaftes Bade- und Sportsleben in und um das alte Landhaus -herum und der stimmungsvolle Reiz des Ganzen ist damit wohl für immer -dahin. Der Freund der Heimat und sächsischer Kultur muß sich aber -fragen, ob zu dieser gewaltsamen Änderung wirklich ein zwingendes -Bedürfnis vorlag, ob es wirklich nötig war, ein Stück bester Dresdner -Tradition zu zerstören, um ein Luftbad mehr entstehen zu lassen in -einer Zeit, in der die den Elbufern benachbarte Bevölkerung sich mehr -und mehr gewöhnt, in der freien Elbe und an ihren Ufern ein möglichst -uneingeschränktes Freibadeleben zu genießen. Uns will es scheinen, -als hätten die für die »Modernisierung« von Antons von der Stadt -ausgegebenen Millionen an anderem Platze besser und zweckdienlicher -Verwendung finden können, denn auch die Erhaltung der Denkmäler alter -Kultur ist eine Ehrenpflicht des freien Volkes, und der Ertüchtigung -unserer Jugend dient in erster Linie auch der, der es unternimmt, sie -vom Werte der Tradition und von den Grundlagen unserer heutigen Kultur -zu überzeugen. - - - - -Die Pflege der Schönheit und Eigenart der Heimat als soziale Aufgabe -gerade für unsre arme Zeit - -Von _Fritz Koch_, Weimar - - -Wenn man für eine Notwendigkeit eintritt, die Schönheit und Eigenart -unsrer Heimat zu pflegen, so hört man nicht selten die Meinung, unsre -Zeit sei zu hart und zu arm, als daß sie sich mit solchen idealen -Dingen beschäftigen dürfte. Und doch hat unsre arme Zeit dazu erst -recht die Verpflichtung. - -Wer sich darüber klar werden will, muß freilich etwas weiter ausholen. -Denn mit einer nur äußerlichen Betrachtung kann man den Zielen und den -Notwendigkeiten des Heimatschutzes nicht beikommen. (Mit diesem Wort, -das auch den Schutz der Bau- und Naturdenkmäler einschließen will, -faßt man bekanntlich die Bestrebungen zur Pflege unsrer schönen Heimat -zusammen.) Es handelt sich beileibe nicht um eine Liebhaberei. Der -Heimatschutz ist vielmehr ein Teil einer großen Kulturbewegung. Der -materiell so günstige Aufschwung unsres Vaterlandes seit dem Kriege -von 1870 war unstreitig in mancher Beziehung nicht gleichbedeutend -mit Kultur. Man vergaß vielfach, daß materielles Wohlergehen nicht -Selbstzweck sein kann, sondern nur ein Mittel zu einer höheren -Entwicklung, die möglichst weiten Volksschichten Vervollkommnung -und Glück ermöglicht. Diese Überschätzung des Materialismus und -Kapitalismus ließ unter anderm auch die Rücksichten außer acht, die -man auf die Erhaltung der Schönheit und Eigenart des Bildes der Heimat -nehmen muß; denn die Heimat mit allen ihren Schönheiten ist schließlich -doch Gemeingut aller, ist etwas mehr als nur ein Objekt der Ausbeutung, -als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Die ärgsten Verunstaltungen -unsrer früher überall so schönen Orts- und Landschaftsbilder waren -die Folge. Andre wurden obendrein angerichtet bloß durch den Mangel -an Verständnis und an Fähigkeit, ein Haus, eine Wegeanlage usw. -vernünftig zu gestalten. Soweit man z. B. etwas Besonderes »für die -Kunst« tun zu müssen glaubte, wie beim Hausbau oder bei der Errichtung -von Denkmälern, machte sich ein übler Parvenügeschmack, ein hohles -Protzentum breit. - -Gegen diese Schädigungen der Heimat wandte sich die -Heimatschutzbewegung, als ein Teil jener Gegenströmung gegen den -Materialismus, die etwa seit der Wende des Jahrhunderts eine Erneuerung -unsrer gesamten Kultur erstrebt. Der Heimatschutz begann den Kampf -zum Schutze von idealen Gütern, die seines Erachtens das Leben in -der Heimat erst lebenswert machen. Von Anfang an hat er jedoch dabei -betont, daß er durchaus nicht überspannt und weltfremd vorgehen -wolle, und hat darauf hingewiesen, daß, von einer höheren Warte -aus betrachtet, seine Forderungen, die auf allgemeine kulturelle -und speziell vielfach auf schönheitliche Gründe gestützt werden, -schließlich doch auch das für die volkswirtschaftliche Entwicklung auf -die Dauer allein Segensreiche und Notwendige sind. »Es ist das, was wir -anstreben, keineswegs rückschrittlich, reaktionär oder romantisch, wie -man es vielleicht schelten wird; wir denken nicht daran, dem Rade der -Entwicklung, auch der wirtschaftlichen, in die Speichen zu fallen, um -es aufzuhalten oder gar zurückzudrehen, was wir doch nicht vermöchten, -– aber wir können und wollen es lenken, daß es nicht unnötig die -Schönheiten unsrer Heimat zermalmt und uns nicht hinabführt in den -Abgrund, sondern hinauf auf die Höhen wahrer Kultur. Daß diese Höhen, -die früher nur von einer privilegierten Minderheit beschritten werden -konnten, jetzt allen zugänglich gemacht werden, – das ist der einzige -wahre Sinn des modernen technischen Fortschritts!« (Fuchs, Professor -der Nationalökonomie an der Universität Tübingen, in »Heimatschutz und -Volkswirtschaft«, 1905.) Der Heimatschutz will, indem er für den Schutz -der Heimat wirkt, weitesten Kreisen den Blick öffnen für die Schönheit -und Eigenart unsrer Heimat. Er will mit seiner Arbeit allen Menschen -Möglichkeiten des Glücks und von Freuden erhalten, die doch gewiß zu -den besten gehören. - -Das ist die hohe soziale Aufgabe, die er übernommen hat, und das -macht auch seine besondere Bedeutung für unsre arme Gegenwart aus! -Gewiß, erst muß der Mensch – in dieser schweren Zeit doppelt – bemüht -sein, sein Brot zu verdienen und überhaupt zu leben. Aber so heißt es -auf jede Kultur verzichten, wenn man sagt, er könne in dieser Zeit -überhaupt für nichts andres mehr Sinn haben. Das ist aus äußeren -Gründen falsch. Solange es zu Alkohol und Tabak reicht, muß es auch -noch zu höheren, kulturellen Bedürfnissen reichen. Es ist aber auch aus -inneren Gründen unrichtig. Der Mensch lebt nicht von Brot allein, und -der Reichtum ist eine Sache, die nicht nur auf äußere Dinge gegründet -ist, sondern die ebenso in uns selbst liegt. Das bekannte Beispiel: -Ein Reicher, der sich das teuerste Klavier gekauft hat, kann allein -deshalb noch nicht darauf spielen. Aber auch ein Armer kann mit den -vielen geistigen Genüssen und Werten, die ihm trotz seiner Armut zu -Gebote stehen, nichts anfangen, solange er es nicht gelernt hat. Hier -liegt das Geheimnis. Noch heute gilt das Dichterwort: In deiner Brust -sind deines Schicksals Sterne. Je ärmer wir werden, je schlechter -es uns geht, um so mehr müssen wir lernen, unser Leben mit idealen -Werten auszustatten. Vor allem mit den Werten, die uns nichts kosten, -die jedem, auch dem Ärmsten im Volke, zu Gebote stehen, wenn er nur -seine Augen für die Schönheit dieser Welt offen hält. Man behaupte nun -etwa nicht, der »Mann aus dem Volke« habe dafür doch keinen Sinn! Das -ist einfach nicht wahr! Dutzende von Beispielen könnten zum Beweise -beigebracht werden. Und für den, der uns trotzdem nicht glaubt, ergibt -sich doch schließlich nur die Forderung an den Staat, besser als bisher -für die Erziehung der »breiten Massen« zu sorgen, damit sie auch an den -Genüssen der »sozial Höherstehenden« teilnehmen können. Zweifellos wird -die Volksbildung gar nicht genug tun können, die Kenntnis der Heimat -und die Freude an ihr zu vertiefen. Die Volkshochschule hat hier eines -ihrer besten Tätigkeitsfelder. Vor allem aber wird es natürlich Sache -der Schule sein, dieses Ziel weit mehr als früher in den Vordergrund zu -stellen. Es ist bekannt, daß sie sich dieser Aufgabe bewußt ist. Sie -kann dabei des Dankes und der Mitarbeit weitester Kreise sicher sein. - -»Die Schönheit unsres Vaterlandes ist ein nationaler Reichtum.« -Diesen Satz tragen die Veröffentlichungen des Heimatschutzvereins von -Frankreich (das schon im Frieden Millionen für diese Bestrebungen -aufwandte). Wir fügen hinzu: Sie ist ein Reichtum, den uns kein Feind -rauben kann, nur wir selbst. Vor dem Kriege wollte man oft mit einem -gewissen Schein des Rechtes geltend machen, es wäre nicht so schlimm, -wenn auch viele Gegenden verunstaltet würden. Bei den billigen -Verkehrsmöglichkeiten habe auch jeder Arbeiter, der in einer dumpfen -freudlosen Vorstadt lebe, die Möglichkeit, am Sonntag in eine schöne -Gegend zu fahren und sich dort zu erholen. Das ist bekanntlich jetzt -anders. Jetzt müssen wir darauf dringen, daß jeder Wohnort und jede -Landschaft nicht etwa nur gerade noch menschenwürdig, sondern so schön -bleibt, daß man sich dort wohl fühlen kann. - -Damit ist schon übergeleitet zu der Tatsache, daß der Heimatschutz -sich nicht nur auf ideale Forderungen gründet, sondern sich auch -mit vielen schwerwiegenden materiellen Interessen deckt; hier mit -der Pflege der Volksgesundheit. So ist er z. B. längst, bevor diese -Forderungen durch die neue Wendung der Politik vertreten wurden, für -Bodenreform eingetreten, für innere Kolonisation, vor allem dafür, daß -jedermann auch sein Gärtchen und sein Stück Land bekäme, weiter für -Verstaatlichung der Naturkräfte usw. Und wenn der Heimatschutz sich -gegen die Begradigung aller Wasserläufe wendet (deren Übertreibung -Hochwasserschäden, Austrocknung des Landes, Verminderung des -Fischreichtums mit sich gebracht hat) und gegen die Verunreinigung -der Gewässer, und wenn er sich für den Schutz der nützlichen Vögel -einsetzt, wenn er – um einige weitere Beispiele zu nennen –, vor -den schematischen Bebauungsplänen mit viel zu breiten kostspieligen -Straßen ebenso wie vor der Errichtung vieler überflüssiger Denkmäler -gewarnt hat, so vertritt er damit auch schwerwiegende Interessen rein -volkswirtschaftlicher Art. - -Ganz besonders gilt dies für die Ziele des Heimatschutzes auf dem -Gebiete des Bauwesens. Allenthalben ist von der Verbilligung des -Bauens die Rede, und doch müssen die amtlichen Stellen fast in jedem -Falle die Erfahrung machen, daß die Bauherren die Grundbedingung dazu -außer acht lassen. Sie wollen nicht einsehen, daß man bei den jetzigen -Verhältnissen (wenn man nicht zu den Reichen gehört) seinen Bau nur -dann durchsetzen kann, wenn im Äußern wie im Innern so einfach und -so sparsam wie möglich und auch wesentlich kleiner gebaut wird als -früher. Fast alle Bauherren lassen sich Bauzeichnungen machen, wie man -sie vor dem Kriege gewohnt war, möglichst im sogenannten »Villenstil«, -sehr reichlich groß, mit Vor- und Anbauten, Verzierungen und sonstigem -Aufwand. Und doch waren alle Einsichtigen schon vor dem Kriege längst -darüber einig, daß nur ein irregeleiteter Geschmack und die Sucht nach -dem Mehr-Scheinen-Wollen solche Bauten sich wünschen, und daß die -schlichten Wohnhäuser viel schöner sind. Was aber in der Zeit früheren -Reichtums in erster Linie Geschmacksfrage war, das ist heute zwingende -Notwendigkeit. Wir können uns solchen verfehlten Luxus einfach nicht -mehr leisten. Wir müssen heute schlicht bauen, praktisch, solid und -dauerhaft natürlich (denn das Unsolide ist auf die Dauer das Teuerste) -und bei aller Einfachheit trotzdem oder richtiger gerade deshalb -schön. »Die erste Bedingung für die Verbilligung eines Baues ist also -eine gute, der Armut unserer Zeit entsprechende Bauzeichnung. Fehlt -sie, dann nützt alle Sparsamkeit bei der Bauausführung nichts, es ist -dann unmöglich, daß der Bau billig wird.« (Aus einer Bekanntmachung -des Stadtrats Rennert in Meiningen, betreffend Baukostenzuschüsse.) -So sind die Forderungen, die der Heimatschutz auf dem Gebiete der -Architektur aus Gründen der Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit seit Jahren -erhoben hat, durch die wirtschaftlichen Zeitverhältnisse glänzend -gerechtfertigt worden. - -Aber nicht nur am Bauwesen, sondern überhaupt ist heute die -Notwendigkeit der Bestrebungen des Heimatschutzes in allen einsichtigen -Kreisen des Publikums anerkannt und ebenso auch durch den Staat. Der -Heimatschutz findet jetzt seine feste Stütze in der Reichsverfassung. -Artikel 150 stellt fest: »Die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und -der Natur, sowie die Landschaft genießen den Schutz und die Pflege -des Staates.« Damit ist ausdrücklich betont, daß der Staat seine -Verpflichtungen gegen die Heimatschutzsache mit der Schaffung von -Gesetzesvorschriften allein nicht erfüllt, sondern daß er auch sonst -Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege der Schönheit und Eigenart der -Heimat treffen muß. - -Es sind Maßnahmen und Aufwendungen, die sich hundertfach lohnen. - - - - -Das Raubwild im Haushalte der Natur - -Von _Hainz Alfred von Byern_ - - -»Wissen Sie,« sagte mir einmal ein Jagdherr, »das ist doch eigentlich -sonderbar, auf meinem ganzen Revier gibt es kein einziges Stück -Raubzeug, und trotzdem werden die Strecken von Jahr zu Jahr schlechter!« - -»Jawohl,« entgegnete ich, »eben _weil_ Sie alles Raubwild abschießen -lassen!« - -Der gute Mann sah mich ungläubig lächelnd an, er meinte wohl, ich wolle -einen Scherz machen. Aber dann klärte ich ihn auf: - -»Können Sie sich eine Großstadt, oder meinetwegen auch ein ganzes -Reich, ohne Sanitätspolizei denken?« - -»N–ein, – nein, eigentlich nicht –« - -»So, na sehen Sie, und da wollen Sie klüger sein als die Natur, -welche das Haarraubwild und die gefiederten Räuber einzig und allein -aus dem Grunde erschaffen hat, um die Ausbreitung von Seuchen, die -Fortpflanzung kranker und schwächlicher Stücke zu verhindern?! Denn -jeder Fuchs, Marder und Iltis _wittert_ es, ob ein Stück Wild krank -oder gesund ist, jeder Wanderfalke, Hühnerhabicht, Rauhfußbussard und -Milan schlägt das _schwächste_, zur Nachzucht ungeeignetste Stück, weil -er es am leichtesten erbeuten kann!« - -Mein Bekannter war recht nachdenklich geworden, und als ich ihn nach -drei Jahren wieder besuchte – ei siehe da! – die Strecken hatten sich -um fünfzig Prozent gehoben und Raubwild gab es gerade so viel, daß die -gesunden und kräftigen Stücke von der »freiwilligen Sanitätspolizei« -verschont blieben! – - -Bitte, meine Herren, fragen Sie mal jeden alten, erfahrenen -_Praktiker_! Er wird Ihnen – ich wette tausend zu eins! – sagen: -»Ein Revier, namentlich ein _Niederwildrevier_ ohne Raubwild _muß_ -herunterkommen, ist einfach ein Unding!« _Eine_ Ausnahme gibt es: die -Fasanerie! _Da_ freilich soll es heißen: Krieg _allen_ Räubern! Und -mit allen _weidgerechten_ Mitteln: Pulver und Blei, Knüppelfallen -und Kastenfallen, Krähenhütte und Hasenquäke, _aber nicht mit -dem aasjägerischen, hundsgemeinen Gift und diesen furchtbaren, -tierquälerischen Marterwerkzeugen, den Eisen, in denen sich so ein -armes Gottesgeschöpf eine lange, endlos lange Winternacht in stummen -Schmerzen, in Todesangst quält und windet_! - -Zwei Arten Raubwild verdienen keine Schonung: wildernde Hunde und -verwilderte Katzen. Die schieße ich ab wo und wann ich ihrer habhaft -werde. - -Aber es gibt mir einen Stich, wenn ich lese, daß Herr X. das -»Weidmannsheil« hatte, einen Adler zu erbeuten. Ja, meine Herren, -muß denn _alles_ »verruiniert« werden?! Muß das _wirklich_ sein?! -Ich meine, wir, unser heutiges Geschlecht, unsere »moderne« Zeit, -sind so bettelarm an ethischen Werten, an Dingen, die sich nicht mit -schmutzigen Markscheinen kaufen lassen! Soll uns denn die Freude an der -Natur, die Liebe zum Mitgeschöpf _auch_ noch genommen werden?! - -Wie meinten Sie, Verehrtester? Ein Marderbalg kostet jetzt -fünfzehnhundert Mark? Sehr richtig, und ein Hirsch ist ein brauner -Lappen! Aber, lieber Herr Neureich, Sie haben doch Kinder – Enkel -sogar? Na also, sehen Sie mal, sollen die vielleicht statt Füchse -Ratten, statt Falken Sperlinge schießen?! Dann sind sie nicht Jäger, -sondern »Kammerjäger«. - -»Jeder ist sich selbst der Nächste!« - -»Ach nein, Herr Neureich, jeder – Sie und ich, – sind ein Glied in -einer Kette, ein einziges Rädchen der gigantischen Maschine, und wir -haben die Pflicht – verstehen Sie mich recht: die _Pflicht!_ – das Erbe -nicht zu verschleudern, sondern zu erhalten und zu mehren! - -Sehen Sie nur einmal einem Wanderfalkenpaar bei seinen Flugspielen -zu, beobachten Sie eine Marderfamilie und – wenn Sie dann den rechten -Finger nicht auch mal vom Abzug lassen können, tun Sie mir leid – Sie -_Schießer_!!« - -Nun werden meine liebwerten Leser wohl bald aufsässig werden und sagen: -»Nächstens verlangt der Kerl noch eine gesetzliche Schonzeit für das -Raubzeug!« Ganz recht, meine Herren, das tue ich auch, wenigstens für -einige seltene Arten: Fischreiher, Adler, Edelfalken, Baummarder, -Uhu usw. _Warum soll denn bei uns etwas nicht gehen, das z. B. in -Mecklenburg schon seit einiger Zeit Landesgesetz ist?!_ - -Freilich – wie viele unsrer jetzigen Jäger können wohl einen -Rauhfußbussard von einem Mäusebussard, Wespenbussard oder -Hühnerhabichtweibchen unterscheiden? (Daß es – hm – »Jagdkarteninhaber« -gibt, die jeden Kuckuck als Sperbermännchen ansprechen, sei nebenbei -erwähnt.) - -Und – ich kenne Leute, die jedes Stück Raubwild grundsätzlich auf -die unglaublichsten Entfernungen beschießen mit der drastischen -Entschuldigung: »Ach was, das ist ja »_nur_« Raubzeug, hoffentlich -kriegt es ein paar Schrote ab!« - -Diesen Schindern und Aasjägern soll ein dreifaches Donnerwetter in die -Knochen fahren! Wie sagt Riesenthal? - - »Bewahr’s vor Mensch _und Tier zumal_, - _Verkürze_ ihm die Todesqual! - Sei außen rauh und innen mild, - _Dann_ bleibet blank dein Ehrenschild!« - -Laufen solche – solche – solche – (ich finde keinen Ausdruck aber -– platzen soll’n se! Bajonett’ soll’n se schwitzen! Ä Ephei soll’n -se wär’n un wuchern soll’n se um nix!) herum, haben sich als Jäger -kostümiert und sind doch nichts als schlecht verkleidete Henkersknechte! - -_Diese_ Sorte ist schuld, wenn das Weidwerk bei den breitesten -Volksschichten in Mißkredit gekommen ist, wenn uns von der grünen -Gilde (wie dies kürzlich eine der verbreitetsten Tageszeitungen tat) -»Sadismus« vorgeworfen wird! - -Ihr Gesangbuchchristen und Pharisäer: _ehrt den Schöpfer in seinem -Geschöpf_! Wer sagt euch denn, daß ihr mehr seid, ihr lieblichen -Ebenbilder Gottes, als die stumme, leidende, wehrlose Kreatur?! -Größenwahnsinnig seid ihr! – Vor Gott, dem Lenker aller Weltensysteme, -dem Gestalter und Erhalter dieser Ungeheuerlichkeit, die wir mit unsern -dumpfen, stumpfen Sinnen nicht begreifen können, seid ihr Mikroben, -seid ihr Stäubchen im Weltenall! - -_Eines_ allein bleibt: die Liebe, die sich für uns ans Kreuz schlagen -ließ, die Liebe, die auch im hilflosen Geschöpf ein gleichberechtigtes -Wesen sieht! - -Oder – _wie wollt ihr Barmherzigkeit erlangen, wenn ihr selbst kein -Erbarmen kennt_?! - -Und nicht nur ein Erbarmen aus Nützlichkeitsgründen, nein, _auch dem -verfehmten verfolgten Raubwild gegenüber_! - -Wohl bekomm’ euch meine Philippika, ihr Herren! - - - - -Landheimbau - - -Unser altes Landheim, die Sorge am Habichtsberg bei Cranzahl, hatten -wir verloren. Zu Pfingsten 1919 mußten wir sie verlassen, da das Haus -zum Abbruch von der Gemeinde Cranzahl verkauft worden war. Aber die -Amtshauptmannschaft Annaberg verbot den Abbruch, – und uns eröffnete -sich die Aussicht, unser Heim, das uns in so vielen Jahren, seit 1913, -lieb und traut geworden, wieder zu gewinnen, – als Ostern 1920 die -Sorge abbrannte. »Durch Funkenflug der Lokomotive« stand’s in der -Zeitung geschrieben. Aber wir wissen, daß das unmöglich ist. - -Wir suchten uns ein anderes Heim. In jetziger Zeit eine recht -schwere Aufgabe. Dieses Jahr, noch war Winter, untersuchten zwei von -unserer Ortsgruppe das Häusel im Schmalzgruber Hammerwerk auf seine -Bewohnlichkeit. Es war bereits stark verfallen, Türen und Fenster -fehlten, innen sah es schwarz und finster aus. Dem Verfall geweiht. - -»Das wird ein Heim für uns. Wir bauen es uns wohnlich aus!« - -Der Besitzer, Herr Fabrikbesitzer Paul Pilz in Niederschmiedeberg, -zeigte sich uns außerordentlich entgegenkommend, und bald war der -Vertrag abgeschlossen. Wir hatten ein Heim, das wir wieder unser nennen -konnten. Und für den Jungen bedeutet es eine große stolze Freude, wenn -er sagen kann, dies Haus ist unser. Er ist mit seinem Heimatboden näher -nun verbunden. - -Aber eine gewaltige Arbeit stand uns nun bevor: das Häusel ausbauen. -Kosten sollte, durfte und konnte es nicht viel. Arbeitslohn brauchten -wir keinen, da wir selbst die Arbeiter stellten. Herr Pilz überließ uns -viel Material für den Ausbau in der freundlichsten und freigebigsten -Weise, so daß wir hier in ihm eine mächtige Stütze fanden. Sein -Betriebsleiter, Herr Leichsenring, ging uns mit Rat und Tat zur Seite. - -So war es eine Lust zu schaffen. Und mancher, der vorüberging, hat sich -gewundert, wie eine Handvoll Annaberger Jungens und Studenten »mitten -im kalten Winter« schwer gearbeitet haben und dabei so lustig waren. - -Eins stand uns beim Ausbau von vornherein fest: das Häusel bleibt in -seiner Eigenart voll gewahrt. - -An einem frühen Sonntagmorgen vor den Osterferien rückte eine Schar -Jungen mit Handwagen, Hacken, Schaufeln, Eimern, Besen, Kellen, Hammer, -Beilen und einem Handofen von Annaberg weg nach dem neuen Heim in -Schmalzgrube. - -Kräftig ging der Angriff los. Das Wetter war prächtig, die Sonne lachte -dazu, und bald stand das ganze Häusel im Nebel, so kehrten und fegten -alle dienstbaren Geister darin herum und brachten den Dreck und Staub -hinaus aus dem Haus. Nur die Hose auf dem Leib, so schranzte alles, -daß es »nur so roochte«. Die zerfressenen Bretterdielen wurden auch -gleich herausgenommen, es waren nur noch kleine Stücke, »Fragmente«. An -diesem Tage war das Häusel sauber gekehrt, dahinter aber im Steinbruch -hatte sich ein ganz beträchtlicher Schutt- und Kehrichthaufen gebildet. -Schwarzgrau und verrußt sahen die aus, die aus dem Häusel herauskamen. -Im nahen Bache wurde sich gründlich gewaschen, um am späten Nachmittage -den Heimmarsch anzutreten. Nicht schlecht guckte unser lieber -Leichsenring über die Arbeit, die in den paar Sonntagsstunden geschafft -worden war. Ja, das war für die Buben ein ander Zugreifen und Schaffen, -als auf der Schulbank zu sitzen. - -Die Osterferien kamen. Mit ihnen neuer unerwarteter Schnee und neue -Kälte, dann wieder Tauwetter, kalter Wind und wieder Schnee. Das alles -in recht bunter Abwechslung. - -Das hielt uns nun nicht ab, den Bau mit Wucht weiterzuführen. Ein -Sachkundiger hatte uns einen Bauplan entworfen. Im übrigen half uns -Vater Leichsenring, wo er nur konnte. Und Mutter Leichsenring hatte -nichts weniger zu tun, als zweimal am Tage für durchschnittlich -fünfzehn Mann – alles starke Esser und keine Kostverächter – warmes -Essen zu kochen. Wir kochten diesmal nicht selbst, damit wir hiermit -keine Zeit verloren. Unser Nachtquartier hatten wir in einem -leerstehenden Zimmer des Nachbarhauses bezogen. - -Sofort begann die Arbeitsteilung. Die eine Hälfte der Mannschaft -arbeitete im Heim, die andere ging »auf Transport«. - -Uns war die Arbeit nicht leicht gemacht durch das böse Wetter. -Verdrießen aber konnte uns das nicht. - -In der unteren vorderen Stube arbeiteten immer drei bis vier Mann, -hackten den schwarzen Boden, der steinfest gefroren war mühsam, oft -nur splitterweise los. 25 Zentimeter tiefer wollten wir den Fußboden -legen in einer Fläche von 27 Quadratmetern, weil wir ihn betonieren -und darauf die Diele legen wollten. Acht Tage haben wir gebraucht, -um den förmlich zu Stein gefrorenen Boden herauszuhacken. Die Hände -wurden dabei steif und rissig. Die Hacke prellte ganz ekelhaft in den -Händen. Dabei kam beim Tieferlegen des Bodens das Grundwasser hervor, -so daß von Zeit zu Zeit ein Mann schöpfen mußte, was in der Kälte auch -nicht gerade ein Vergnügen war. Außerdem pfiff der Wind durch die öden -Fensterhöhlen. - -In der Hausflur und in der hinteren unteren Stube wurden Stützbalken -eingezogen. Im Obergeschoß rissen wir die Dielen heraus, um den -noch versteckt liegenden Unrat herauszuschaffen. Manch altes Schloß -und anderes verrostetes Eisenwerk fanden wir, so daß wir bald eine -»Raritätensammlung« anlegen wollten. Zwei wohlerhaltene Kinderkutschen -waren auch vorhanden. Wir benutzten den Oberteil davon zum Sand holen. -Der Sand wurde aus dem nahen Teiche von zwei Mann herausgeschaufelt, -in die Kinderkutschen geworfen und dann auf einem Schlitten von zwei -Mann über die abschüssige Wiese ans Haus herangefahren und dort -ausgeschüttet, wo ihn ein Mann durchs Sieb warf. Das Obergeschoß blieb -im übrigen unberührt, nur die gröbsten Löcher im Schindeldach wurden -mit Holzbrettern ausgebessert. - -Die andere Abteilung, die ungefähr sieben Mann stark »auf Transport« -rückte, hatte es nicht leichter. Da gab es Bretter, Balken, Schwarten, -Lehm und anderes mehr heranzuschaffen. Früh um sechs Uhr wurde zu -Herrn Pilz nach dem zweieinhalb Stunden entfernten Niederschmiedeberg -mit einem Tafelwagen gefahren. Im oberen Preßnitztal lag Schnee, -im unteren war er weggeschmolzen. Mit leeren Wagen abwärts zu Tale -ließ sich gut fahren. Ganz anders aber wieder zurück: vierzig große -schwere Bretter hatten wir aufgeladen. Wir mußten tüchtig schieben -und zerren, um den Wagen durch den aufgeweichten Schmutz der Straße -vorwärtszubringen. Toll aber wurde die Sache, als wir wieder in die -Region des Schnees kamen. Da brach natürlich der schwer beladene Wagen -erst recht ein. Wir griffen in die Speichen, um ihn vorwärtszubringen. -Nur stückweise. Wir schwitzten. Die Zeit verging rasend schnell. Ich -schickte einen Läufer nach dem eine Stunde entfernten Heim, daß die -Leute aus dem Heim uns mit Schlitten entgegenkämen. Indessen versuchten -wir mit unserer Last weiterzukommen. – Ein Geschirr auf der einsamen -Straße! – Ob wir anhängen dürften? – Ja, wenn wir mitschöben! – -Natürlich! – Mit drei Seilen banden wir fest. Gleich beim ersten Anzug -des Pferdes rissen alle drei Seile mitten durch. Also das nächste -Mal vorsichtiger anfahren! Es ging. Noch drei-viermal rissen uns die -Seile. Der Kutscher hatte eine bewundernswerte Geduld mit uns. Aber -wir kamen doch vorwärts. Bis das Gefährt nach Grumbach die neue Straße -abbog. Nun wieder allein. Nach einer Stunde kommt die Ablösung mit -zwei Schlitten. Umgeladen. Mit nur wenig Brettern auf dem Wagen fährt -die alte Transportmannschaft ins Heim, während die Ablösung mit dem -Schlitten nachkommt. Es ist bereits fünf Uhr nachmittag. Wir haben seit -diesen Morgen noch nichts als eine Schnitte Brot gegessen. Wir sind im -Heim, als ein Bote ankommt: der eine Schlitten sei zerbrochen. Also -alles noch einmal raus! Teils auf dem anderen Schlitten, teils auf den -Schultern bringen wir das letzte, immerhin noch große Stück die Bretter -ins Heim. Wir waren froh, diese Tagesarbeit hinter uns zu haben. - -Nicht besser war es anderntags mit der Lehmfuhre. Die war noch ein -bissel schwieriger. In dem Moor, in dem Walde bei Grumbach gruben wir -den Lehm, den wir zum Ofensetzen und Ausbessern der Holzverkleidung im -Obergeschoß verwenden wollten. Den Waldweg bis zur Grumbacher Straße -mußten wir erst ausschaufeln, so gut es ging. Und trotzdem wären wir -kaum noch durchgekommen, wenn uns nicht der Förster zu Hilfe kam, -Eisenketten mitbrachte und sich selbst gleich mit ins Zeug legte. -Sein Dackel lugte nicht schlecht. Unter lautem »Hühott« zerrten wir -die schwere Lehmfuhre durch den schneeigen Waldweg auf die offene -Landstraße. Dort konnten wir fahren bis durch Grumbach durch. Aber am -Ausgang des Dorfes lag wieder eine gewaltige Schneewehe, die wir nicht -überwinden konnten. Wir holten uns kurz entschlossen einen Ochsen vom -Bauern, spannten ihn vor den Wagen. Und nun vorwärts. Der Bauer hieb -auf den Ochsen ein und wir brüllten und schrien und schoben mit, bis -die kleine Anhöhe und die Schneestelle unter beängstigendem Gestöhne -des Wagens überwunden war. Seit jenem Tage sind wir mit dem Bauer gut -Freund. – Dann konnten wir die Straße wieder allein fahren; Schnee lag -da keiner mehr. - -So galt es noch manchen Transport zu vollbringen. Und die -Transportabteilung wurde darum nicht beneidet. - -Die Arbeit ging rüstig vorwärts. Der Boden der Stube war fünfundzwanzig -Zentimeter tief herausgeholt. In der Mitte hatten wir ein Wasserloch -gegraben, quer durch den Fußboden eine Schleuse und die Fensterwand an -einer Stelle durchstoßen, um Abfluß zu schaffen. Außen am Hause bauten -wir einen unterirdischen Flußlauf. - -Nun das Betonieren. Der Wassergraben im Fußboden wurde mit Steinen -ausgesetzt und überdeckt, dann legten wir eine Packlagerschicht von -Ziegelbrocken, die wir aus dem Herrenhaus herüber gehandlangert hatten, -wobei es manchen Riß in der Haut gab. In diese Schicht bauten wir -sieben Querbalken und zwei Längsbalken ein für die Dielung, nahmen sie -sorgfältig in die Wage, was gar nicht so einfach war, als wir es uns -vorgestellt hatten. Aus dem Herrenhaus schleppten wir nun die Säcke -Zement herüber, mischten den Zement mit Sand. Ein alter Schachtmeister -half uns dabei redlich mit. Es war das sein Palmsonntagsvergnügen, -wie er uns sagte. Solche Leute gibt es doch heute selten. Bis abends -neun Uhr betonierten wir. Da galt es tüchtig und sachkundig Zement -mischen, die Mischung in die Stube zu schleppen und Wasser zum Gießen -herbeitragen. Eine Zementschicht von fünf Zentimeter Dicke entstand. -Die Balken ragten noch drei Zentimeter heraus, damit das Dielenholz -nicht auf den Beton zu liegen kommt, sondern Luftzug möglich ist. In -der rechten Stubenecke gossen wir einen zehn Zentimeter hohen, zwei -Meter dreißig Zentimeter langen und ein Meter zehn Zentimeter tiefen -Sockel für den Ofen mit Herd. Mit einem gelernten Ofensetzer zusammen -setzten wir den Ziegelofen auf. Einen eisernen Ofen setzten wir nicht -hinein, da die Größe des Zimmers und die geschwungenen Fensterbögen -einen mächtigen Ofen mit Herd forderten. Für den Herd bestellten wir -eine Platte von ganz gewichtiger Größe, die uns zweitausendzweihundert -Mark kostete, eine ganz erkleckliche Summe für unsern Geldbeutel. Aber -dafür haben wir ein stilgerechtes Zimmer, in dem wir, wenn es nun ganz -fertig ist, uns wohlfühlen können. - -Unterdessen zimmert ein Junge mit einem gelernten Zimmermann, den -wir für einen Tag zur Verfügung gestellt bekommen haben, für die -Fenster die Mauerrahmen. Am ersten Tage wurden zwei Stück fertig, der -dritte angefangen, die nächsten zimmert der Junge kunstgerecht allein -mit Winkelmaß und allem Werkzeug. Zwei Mann mauern die Rahmen ein. -Auch hier muß mit der Wasserwage gearbeitet werden. Dann werden die -Fensterläden gebaut mit drei Querleisten in der ~Z~-Form und Angeln -und Sturmhaken. Auch hier lernen wir, daß der untere Winkel der -Querstreifen seinen Scheitelpunkt in der unteren Angel haben muß, damit -sich der Fensterladen nicht senkt. Alles will bedacht sein. Und weißt -du, wieviel Nägel man zu einem solchen Fensterladen von ungefähr einem -Quadratmeter Größe braucht? oder zu einem Quadratmeter Diele? - -Auf die Dielenbalken legten wir vorläufig Bohlen und Bretter und -besserten die Wände aus, putzten und verkalkten sie. Diese Arbeit war -gar nicht so einfach. Besonders schwierig waren die Fensterbogen, die -arg in Verfall geraten waren, auszubessern. Aber zwei von uns, die im -sonstigen Beruf sich ~stud. iur.~ und ~stud. med. vet.~ nennen, hatten -den Schwung, den Mörtel anzusetzen und zu verreiben, besonders gut weg. -Und nun ging es ans Weißen. Nachdem der Zement abgebunden hatte und -trocken war, wurden die gespundeten und feingehobelten Dielenbretter -genagelt. Sie zu schonen und vor allem vor dem Kalk zu bewahren, -streuten wir Sägespäne. - -Unsere Bauarbeit zog sich bis auf die Sonntage nach Ostern, bis in die -Pfingstferien; zu den Großen Ferien hoffen wir leidlich fertig zu sein. -Denn dann entfaltet der Wandervogel seine Schwingen und fliegt weit -hinaus in die Welt, bis in fremde Länder. Und in seinem Heim wohnen -geladene Gäste aus dem fernen Süden. - -Nach des Tages Last und Müh’ zogen wir uns in unser warm geheiztes -Quartier zurück. Zum Singen, das wir so sehr lieben, brachten wir es -in den Osterferien kaum, dazu waren durch das schlechte Wetter unsere -Kehlen zu rauh und heiser geworden. Aber der oder jener spielte auf der -Laute, oder wir lasen vor. Aus Selma Lagerlöfs »Gösta Berling«. Und -denen, die voriges Jahr mit oben in Schweden waren, tauchten frohe, -freudige Erinnerungen auf, wir sahen wieder die herrlichen Seen, -umschlossen von ernsten, rauschenden Wäldern, dachten an die schönen -Stunden, die wir auf stolzen Schlössern verlebten, wie weiland die -Kavaliere auf Eckeby im frohen Vermland. - -Und so haltens wir Wandervögel. In der sonnigen Sommerszeit schweifen -wir weit in die Ferne. Die Große Fahrt ist uns das Höchste, sie gibt -uns das Meiste und Wertvollste. Aber gern kehren wir zurück in unsere -Heimat, die unser ist. - -Annaberg im Erzgebirge. - - _Fritz Wollmann_, ~stud. rer. merc.~ - - - - -Heimatschutzbewegung und Hotel - - -Aus dem Bewußtsein der Kürze des eigenen Lebens ergibt sich für den -denkenden Mann, der seine Kraft an eine edle Aufgabe und ein hohes -Ziel gesetzt hat, die Aufgabe, Motive und Ergebnisse seines Daseins an -andere Männer weiterzugeben, daß, auch wenn sein Licht erlosch, sein -Werk nicht stirbt. Aber damit in seinem Geist weiter gearbeitet werden -kann, ist es nötig, Freunde und Schüler zu bilden. Es gibt keine große, -geistige Gemeinschaft, die ihr Werk erhalten wissen will, die nicht -ebenso verführe. Auch diejenigen, die ihre Heimat lieb haben, wirken -in diesem Sinne. Es darf gefragt werden, ob durch unsere Bestrebungen -schon alle erreichbaren Kreise berührt worden sind. An einen Stand -zu erinnern mag erlaubt sein, an den Stand der Kellner. Niemand -bezweifelt, daß seine Aufgabe nicht in der Sorge um gutes Essen und -Trinken für die Gäste aufgeht; des tüchtigen Kellners Ziel ist es, -dem Gast das Heim möglichst zu ersetzen. Er ist bemüht, dem Reisenden -Unterhaltungsmöglichkeiten nachzuweisen; er wird oft zum Berater für -Ausflüge, für Sehenswürdigkeiten. Um das tun zu können, wird er bemüht -sein, aus den Reisehandbüchern sich selbst eine umfassende Kenntnis -anzueignen. Aber sind diese Bücher ohne weiteres Hilfsmittel für den -Heimatschutz? Niemand wird über die bekannten Reisehandbücher gering -denken; sie bieten eine Fülle von Stoff. Aber es kann nicht von -ihnen verlangt werden, daß sie die stillen Schönheiten, daß sie das -Stimmungsvolle einer ganz schlichten Landschaft weitergeben, mitteilen -können. Das ist nur persönlichem Erleben und, wenn ich so sagen darf, -in der individuellen Mitteilung möglich. In dieser Art Mitteilung aber -bewegt sich hauptsächlich die hierher gehörige Aufgabe der Kellner. -Um sie zu erfüllen, bedürfen sie einer Einführung in das Wesen der -Heimatschönheit, brauchen sie selber Mitteilung erlebter Schönheit -und Stimmung. Für die Mitglieder des Heimatschutzes liegt hier eine -Aufgabe. Wir werden – wenn es die Gelegenheit gibt – auch dem Kellner -gegenüber es nicht an Mitteilung über die Schönheit seiner Stadt fehlen -lassen dürfen, wir werden doch auch in den größeren Hotels nach den -»Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz« fragen -müssen. Jedermann weiß, daß man in Gasthöfen bisweilen Lektüre trifft, -deren Wert man als fragwürdig bezeichnen darf. Warum sollen wir da -nicht für wirklich Wertvolles freudig eintreten? So möchten diese -Zeilen bitten, für die Heimatschutzbewegung in einem ganz besonderen -Berufe Freunde und Förderer zu gewinnen. - - Pfarrer _Herzog_, Aue i. E. - - - - -Die Pfarrlinde in Markersbach bei Gottleuba - - -Eine wichtige Aufgabe des Heimatschutzes ist von jeher die Erhaltung -alter Bäume. Die erheblichen Mittel, welche bisher für diese Art -Altershilfe Verwendung fanden, haben manchen ehr- und denkwürdigen Baum -vor völliger Zerstörung und Zusammenbruch bewahrt. - -[Illustration: =Die Markersbacher Pfarrlinde= (Phot. R. Wiehl, Dresden)] - -Auch der alten Pfarrlinde in Markersbach bei Gottleuba drohte -dieses Schicksal. Es wäre ein besonders schwerer Verlust gewesen, -stellt doch dieser Baum nicht nur ein durch Alter geweihtes -Naturdenkmal dar, sondern er ist auch als getreuer Schicksalszeuge -der Gemeinde kulturgeschichtlich von hohem Werte. Soll doch hier -unter seinem grünen Blätterdache, der Überlieferung nach, der erste -evangelisch-lutherische Gottesdienst abgehalten worden sein, -und da Markersbach 1576 seinen ersten evangelisch-lutherischen -Pfarrer erhielt, kann das Alter dieser Linde auf etwa vierhundert -Jahre angenommen werden. Daß bei diesem hohen Alter auch alle -lebensfeindlichen Einflüsse sich besonders geltend machten, ist -trotz des gesunden Aussehens des eineinhalb Meter im Durchmesser -habenden Stammes und der vollen Laubkrone nicht verwunderlich. Durch -die Öffnungen zweier vor langer Zeit abgebrochenen Hauptäste hatten -Regen und Schnee ungehindert Zutritt in das unzugängige, völlig hohle -Stamminnere und förderten die Fäulnis in besorgniserregender Weise. -Diese Gefahr für den Weiterbestand des Baumes ist jetzt beseitigt. -Die nicht ungefährliche, auf hohen Leitern auszuführende Arbeit des -Verschließens der Astöffnungen wurde in zweckentsprechender Weise von -Herrn Baumeister Reppchen in Gottleuba ausgeführt. Die Mittel hierzu -stiftete ein seit Jahren mit Markersbach und seinen Bewohnern innigst -verbundener Freund aller Heimatschutzbestrebungen, Herr Geheimer -Kommerzienrat Meinel-Tannenberg. - -Zum Danke dafür aber rauscht jetzt die alte ehrwürdige Pfarrlinde in -Markersbach besonders freudig und aus ihrer mächtigen Krone klingt -nicht nur in leisen Flüstern ein Lied aus längst vergangenen Tagen, -sondern sie kündet auch laut und vernehmlich das hohe Lied ihrer -Wohltäter. – - - _Georg Marschner._ - - - - -Die Bekämpfung der Nonne - -Von Oberforstmeister _Feucht_, Bad Schandau - - -Während der letzten Kriegsjahre hat im südwestlichen Böhmen, -zunächst in der Umgebung von Pilsen eine Massenentwicklung der Nonne -stattgefunden, die wegen Mangel an Arbeitskräften wie an Leim, für -den die Rohstoffe fehlten, überhaupt nicht bekämpft werden konnte und -bereits zu gewaltigen Kahlfraßflächen geführt hatte, ehe im Jahre -1919 überhaupt die erste Kunde davon zu uns nach Sachsen gekommen -ist. Aus diesen Kahlfraßgebieten sind nun bei schwüler Wärme und -starkem südöstlichen Winde gewaltige Schwärme meist weiblicher -Nonnenfalter abgeflogen, die in der Nacht vom 17. zum 18. Juli 1920 -die Staatsforstreviere der Oberforstmeisterei Schandau von Sebnitz bis -Gottleuba in einer Breite von fünfunddreißig Kilometer und etwa zehn -Kilometer Tiefe überfluteten. - -Von der Staatsforstverwaltung wurde sofort der Kampf gegen diese -unwillkommenen, gefürchteten Feinde unserer Fichtenwaldungen -mit allen verfügbaren Arbeitskräften an Männern, Frauen und -Schulkindern durch Sammeln und Töten namentlich der weiblichen -Falter aufgenommen. Das Ergebnis waren hundertdreitausend männliche -und zweihundertdreiundsechzigtausend weibliche Falter. Auch die -Gemeindevorstände und Privatwaldbesitzer sind auf Anregung der -Forstverwaltung zum sofortigen Sammeln veranlaßt worden. Leider konnte -diese Sammeltätigkeit bei der gewaltigen Größe der mit einem Schlage -befallenen Fläche von gegen dreihundertfünfzig Quadratkilometer nicht -so gründlich und vollständig mit den vorhandenen Arbeitskräften -durchgeführt werden, daß ein voller Erfolg der Sammeltätigkeit -möglich gewesen wäre. Dies zeigte sich bei den im Herbst und Frühjahr -vorgenommenen Eierzählungen, die in einzelnen Beständen schon Eiablagen -von tausend bis dreitausend und mehr Eiern an manchen Stämmen ergaben. -Es war also für das Jahr 1921 nichts Gutes zu erwarten. - -Der Falterflug des Jahres 1921 hat dies, zumal das Frühjahr und -der Sommer mit seiner anhaltenden warmen, trockenen Witterung, -die für die Entwicklung der Nonne äußerst günstig war, durchaus -bestätigt. Die Sammelergebnisse bei der Vertilgung von Raupen und -Puppen waren folgende: zweimillionenzweihundertvierzigtausend -Raupen, zweimillionenfünfhundertvierzehntausend Puppen und -fünfzehnmillionensiebenhundertzweiundfünfzigtausend Falter, -darunter dreizehnmillionensiebenhundertsiebenunddreißigtausend -weibliche Falter. Diese ungeheure Zunahme und das Ergebnis der -Probeeierzählungen an gefällten Stämmen gaben der Forstverwaltung -Veranlassung für das Jahr 1922 umfassende Volleimungen in Aussicht zu -nehmen. Diese Leimungen umfaßten eine Fläche von nicht weniger als -zweitausendachthundertdreißig Hektar. - -Leider war auch der Witterungsverlauf des Frühjahrs und des Sommers -1922 für die Entwicklung der Nonne wieder außerordentlich günstig. Das -Frühjahr trat zwar spät ein, es herrschte aber dann fast ununterbrochen -trockenes, windstilles Wetter, so daß die Entwicklung der Raupen bis -zur Verpuppung völlig ungestört vor sich ging. - -Die Folge war in vielen Beständen mehr oder weniger starker Lichtfraß, -stellenweise in den besonders stark belegten Flächen auch Kahlfraß, -jedenfalls war aber später festzustellen, daß viele Bestände, die -sonst unfehlbar dem vollen Kahlfraß zum Opfer gefallen wären, durch -den Leimring, der ungezählte Millionen von Spiegelräupchen vernichtete -und später ebensoviel alte Raupen abfing, nur lichtgefressen und -daher erhalten geblieben sind, so daß sich die Kosten für die Leimung -reichlich bezahlt gemacht haben. - -Gewaltig war in diesem Jahre der Falterflug, zeitweise machte er den -Eindruck eines starken Schneegestöbers. - -Ebenso wie 1920 uns aus Böhmen große Überflüge heimgesucht haben, sind -nun in diesem Jahr aus den Hauptbefallsgebieten der Sächsischen Schweiz -große Überflüge in nördlicher Richtung erfolgt und haben vermutlich die -Gebiete des Fischbacher Waldes, der Dresdner und der Lausnitzer Heide, -des Tharandter Waldes usw. heimgesucht und dort ihre Eier abgelegt, so -daß nunmehr auch diese Gebiete und ebenso die dortigen Privatwaldungen -für nächstes Jahr gefährdet erscheinen. - -Die ungeheuren Schäden, die man von den Bergen der Sächsischen Schweiz -gegenwärtig bei einem Blick nach Böhmen hinüber, aber auch schon in -den sächsischen Waldungen selbst, stellenweise zu Gesicht bekommt -und die großen Überflüge dieses Sommers, die auch die bewohnten -Ortschaften und offenen Fluren und Gärten überfluteten, haben nun -die öffentliche Meinung und weite bisher gleichgültigere Kreise -aufgerüttelt und auf die Größe der unseren Waldungen drohenden Gefahren -aufmerksam gemacht und die vorher vielfach fehlende Geneigtheit bei der -Bekämpfung der Nonne werktätig Hilfe zu leisten, geweckt. Dies zeigen -auch die zahlreichen in der Presse von mehr oder weniger berufenen -Verfassern gemachten, gutgemeinten Vorschläge, die Wahres und Falsches -durcheinandermischen und längst versuchte und als unwirksam wieder -aufgegebene Bekämpfungsmaßnahmen mit großer Begeisterung erneut -empfehlen. - -Es seien daher zur Aufklärung die bisher bekannten und in der Praxis -bewährten Bekämpfungsmaßnahmen in aller Kürze etwas näher beschrieben. - -[Illustration: Abb. 1 =Weiblicher Nonnenfalter= - -(Phot. Emil Wünsche Nachf., Dresden)] - -Die erste und sinnfälligste Maßnahme ist der Fang der Falter, -namentlich der weiblichen, um die Eiablage zu verhüten. (Abbildung 1 -zeigt einen weiblichen Falter an einen Fichtenstamm.) Diese Maßnahme -ist bei einer _beginnenden_ Nonnenkalamität oder bei eben erfolgten -Überflügen in bisher nicht befallene Waldgebiete die wirksamste -Vertilgungsmaßnahme, wenn sie _sofort_ nach dem Auftreten der Falter -mit möglichster Beschleunigung, also mit möglichst viel flinken und -raschen Arbeitskräften, vorgenommen wird. Man kann also in diesem -Falle, wenn man wirkliche Erfolge erzielen will, auf die Mitwirkung -von Schulkindern nicht verzichten, um so weniger als das erfolgreiche -Faltersammeln sich nur auf die _kurze_ Zeit vor und während der -Eiablage erstreckt. Falter zu sammeln, die ihre Eier abgelegt haben, -hat keinen Zweck, sie tun keinen Schaden mehr und sterben in Kürze ab. - -Sehr lebhaft sind zur Faltervertilgung neuerdings wieder Leuchtfeuer, -Fackeln, Scheinwerfer oder irgendwelche andere starke Lichtquellen -empfohlen worden, alle diese Mittel sind bereits bei früheren -Nonnenplagen, so z. B. in den Jahren 1908 bis 1910 in Sachsen und -1890/91 in Bayern in großem Maßstabe versucht worden, sämtlich -ohne durchschlagenden Erfolg. Herrscht zufällig einmal bei einem -Hochzeitsflug günstiges warmes Wetter, so fliegen wohl einige -Zehntausende Falter in die Leuchtfeuer, meistens aber sind es Männchen, -denn sowie die Weibchen mit der Eiablage beschäftigt sind, kümmern -sie sich um Feuer und Fackeln nicht im geringsten mehr und bei rauhem -kühlen Wetter tun dies auch die Männchen nicht. - -Weiter kommt in Frage das Sammeln von Eiern. Diese Maßnahme ist mühsam -und schwierig, denn die Eier sind gut unter Rindenschuppen verborgen, -die erst mit dem Messer abgeblättert werden müssen, um die Eier zu -finden. Will man die Eier abkratzen, fallen viele zu Boden und bleiben -entwicklungsfähig. Besser ist daher die Eier mit Teer zu überstreichen. -Im ganzen ist dieser Maßnahme nur geringe Bedeutung beizumessen, da man -nur den geringen Teil der Eier im untersten Stammabschnitt vernichten -kann. - -Bei sehr starkem Befall kann auch das Eiersammeln lohnen, wie -die Sammelergebnisse des Herbstes 1921 beweisen, die über -einundzwanzigmillionen Eier im Forstbezirk ergeben haben. - -Das Sammeln von Raupen kommt zumeist in Kulturen, in denen man die -Raupen ablesen kann, in Frage. In Althölzern kommen zeitweilig, -namentlich bei großer Hitze und kurz vor der Häutung große Massen von -Raupen aus den Kronen bis in den untersten Stammteil herab, so daß sie -hier ebenfalls mit gutem Erfolg in größeren Mengen vernichtet werden -können, wenn diese Erscheinung rechtzeitig bemerkt wird. - -Das Sammeln von Puppen ist nur neben dem gleichzeitigen Raupensammeln -und bei starkem Befall von Wert; da die Puppen in borkigen Beständen -ziemlich schwer zu finden sind, lohnt das Sammeln nicht sonderlich. - -Mehrfach ist auch das Bespritzen mit giftigen Flüssigkeiten -versucht worden. Dies empfiehlt sich namentlich zur Vertilgung -von Spiegelräupchen unter Verwendung der bekannten auch gegen -die Kiefernschütte gebräuchlichen Platzschen Pflanzenspritze mit -fünfprozentiger Lösung von Obstbaumkarbolineum. Unter Verwendung des -Verlängerungsrohres dieser Spritze kann man die Stämme bis hoch hinauf -mit dem Verstäuber erreichen. - -Auch mit giftigen Gasen, wie sie im Kriege Verwendung gefunden haben, -sind in Böhmen umfassende Versuche gemacht worden. Leider zeitigte auch -dieser Versuch keinen Erfolg. Es starben höchstens die Bäume ab, aber -nicht die widerstandsfähigen Raupen. - -[Illustration: Abb. 2 =Nonnenraupengespinste unter den Leimringen= - -(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)] - -Als letztes uns zu Gebote stehendes Mittel bliebe nur noch der -viel umstrittene Leimring zu besprechen. Seine Wirkung ist eine -doppelte. Zunächst fängt er alle unterhalb des Leimringes aus den -Eiern gekommenen Spiegelräupchen, die zum Fraße in die Baumkronen -hinaufsteigen wollen, ab, und verurteilt sie zum Hungertode. Wer -in der Sächsischen Schweiz in diesem Frühjahre derartige geleimte -Bestände besichtigt hat, wird bestätigen können, daß durch die -Leimringe schon in einem einzigen geleimten Bestande Millionen und -Milliarden von Räupchen vernichtet worden sind, bevor sie irgendwelchen -Schaden anrichten konnten. Die Abbildungen 2 und 3 geben davon ein -anschauliches Bild. Da man nun damit rechnen kann, daß etwa die Hälfte -der Raupen sich zu weiblichen Faltern entwickelt haben würden, so sind -für das nächste Jahr ebensoviel eierablegende Weibchen, die man beim -Sammeln im Falterzustande in gleichem Maße niemals gefangen hätte, mit -vernichtet worden. - -Zum besseren Verständnis der Abbildungen 2 und 3 sei noch folgendes -hinzugefügt: die im Frühjahr aus den Eiern ausgeschlüpften Räupchen -sitzen zunächst einige Tage dicht gedrängt in sogenannten Spiegeln -beisammen, ehe sie den Aufstieg in die Baumkronen beginnen. Bei ihren -Wanderungen spinnen sie ununterbrochen ihre feinen Fäden, die sie -auf den Unterlagen stellenweise festheften, so daß zuletzt feinste -schleierartige Gespinste entstehen. Diese Gespinste werden um so -dichter, je mehr Räupchen denselben Weg nehmen. Das ist namentlich -unter den Leimringen der Fall, unter denen sich schließlich gewaltige -Mengen von Spiegelräupchen ansammeln, die immer spinnend rastlos den -Stamm umwandern, am Leimring, den sie nicht überschreiten können, sich -an einen Gespinstfaden fallen lassen, um dann denselben Weg ruhelos zu -wiederholen, bis sie schließlich an Nahrungsmangel zugrunde gehen. - -Vielfach werden die leichten Räupchen, an ihrem feinen Spinnfaden -hängend, vom Winde nach Nachbarbäumen verweht, dadurch bildet sich -eine Querverbindung von einem Baum zum anderen, bei zahlreichen Raupen -vermehren sich diese Fäden rasch, kreuzen sich und werden von den -Räupchen nun gewissermaßen als Brücke von Baum zu Baum und von Ast zu -Ast benutzt und immer dichter versponnen, so entstehen schließlich auch -dichte Schleier zwischen nahe beieinanderstehenden Bäumen, in denen -ebenfalls Massen von Räupchen zugrunde gehen. - -Damit ist aber die Wirkung des Leimrings nicht erschöpft. Im Laufe -ihres Lebens kommen zahllose Raupen, wie alle früheren und jetzigen -Beobachtungen beweisen, sei es nun durch Sturm oder Regen oder aus -eigenem Antriebe, z. B. während der viermaligen Häutungen oder wegen -übergroßer Sonnenwärme in den Wipfeln, wenigstens einmal vom Baum herab -und werden dann am Wiederaufklettern durch den Leimring gehindert. Es -sammeln sich deshalb unter den Leimringen auch gewaltige Massen von -fast ausgewachsenen Raupen an, wie Abbildung 4 zeigt. Diese Raupen -können leicht vernichtet werden. Unterläßt man dies, so sind sie -doch, nachdem sie den etwaigen Unterwuchs und das Heidelbeerkraut -am Boden kahlgefressen haben, dem Nahrungsmangel ausgesetzt, so daß -sie massenhaft zugrunde gehen oder für Krankheitskeime besonders -empfänglich werden und bei dem dicht gedrängten Beisammensitzen, -manchmal in doppelter Schicht übereinander, sich gegenseitig anstecken. -Selbst der ungläubigste Thomas müßte beim Anblick derartiger Bilder -in der Natur sich zu der Überzeugung durchringen, daß der Leimring -gegenwärtig noch das relativ beste Mittel auch zur Einschränkung der -Massenvermehrung der Nonne ist. - -[Illustration: Abb. 3 =Nonnenraupengespinste unter den Leimringen= - -(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)] - -Das ist aber nicht seine einzige Wirkung. Fast größer noch ist seine -wirtschaftliche Bedeutung, insofern als er viele Bestände, deren -Eibelag für einen vollständigen Kahlfraß gerade hinreichen würde, durch -Vernichtung eines großen Teiles der fressenden Raupen davor bewahrt. -Dadurch werden große volkswirtschaftliche Schäden vermieden, die durch -den Abtrieb hiebsunreifer und darum minderwertiger Bestände, sowie -durch die übermäßige Vergrößerung der Wiederanbauflächen entstehen. Bei -früheren Nonnenkalamitäten sind die ungeheueren Kahlschlagsflächen erst -in zehn und mehr Jahren, nachdem der Boden durch das lange Bloßliegen -stark gelitten hatte, mit sehr großen Schwierigkeiten und Kosten wieder -angebaut worden. Außerdem wird durch den unregelmäßigen Kahlfraß der -Nonne, mitten aus den geschlossenen Beständen heraus, vielfach die -geordnete Bestandslagerung zerstört und Anlaß zu späterem ausgedehnten -Windbruch gegeben. - -Man kann daher jedem Waldbesitzer nur den Rat geben, seine -Fichtenbestände, wenn durch die nötigen Probeeizählungen der starke -Eibelag festgestellt ist, zu leimen, er erweist damit nicht nur -sich selbst einen Dienst, sondern auch der Allgemeinheit, indem er -dadurch zur Einschränkung der Weiterausbreitung der Nonnenplage -beiträgt. Die Bereitstellung erheblicher Staatsmittel zur möglichst -weitgehenden Durchführung der Leimung wäre deshalb vom allgemeinen -volkswirtschaftlichen Standpunkt aus durchaus gerechtfertigt. Ein -kleiner Waldbesitzer, der vielleicht nicht einmal schlagbaren Wald, -sondern nur jüngere Bestände besitzt, die ihm keinen Ertrag liefern, -könnte sonst die erheblichen Mittel, die das Leimen erfordert, vielfach -gar nicht aufbringen. Will er sich das Geld zu den in diesem Jahre -erheblichen Leimungskosten borgen, so wäre er mit Schulden belastet, -die ihn zugrunde richten könnten. - -Wie sich aus dem Gesagten ergibt, besitzen wir leider keine absolut -sicher wirkenden Bekämpfungsmittel gegen die Nonne. Mißerfolge bei -Anwendung eines oder des andern der geschilderten Mittel und selbst bei -Anwendung aller dieser Mittel gleichzeitig sind bei dem stellenweise -ungeheuren Massenauftreten der Raupen nicht ausgeschlossen. Das hat -vielfach zu der fatalistischen Auffassung geführt, überhaupt nichts -gegen die Nonne zu tun und alles der Natur zu überlassen. Diese -Auffassung muß verhängnisvoll wirken. Für die Natur ist es vollkommen -gleichgültig, ob eine gewisse Bodenfläche mit Wald bestockt ist oder ob -sie zur Grassteppe, zu Moor oder Heide oder Flugsandboden wird, für den -Menschen dagegen bedeutet dieses unter Umständen den Untergang. - -Große Hoffnungen hat man auf die »biologische« Bekämpfung, jetzt ein -sehr beliebtes Schlagwort, gesetzt, leider auch vergebens, denn alle -Versuche, künstlich Krankheiten bei den Nonnenraupen, namentlich die -sogenannte Wipfelkrankheit, zu erzeugen oder zu verbreiten, sind bis -jetzt gescheitert. Alle Infektionsversuche im Großen in der freien -Natur durch Ausbreiten von toten Raupen, Streu und Kot aus Orten, wo -die Wipfelkrankheit unter den Raupen bereits herrschte, waren erfolglos. - -Ebenso trügt die Hoffnung, die man auf die Wirkung von Schmarotzern, -Schlupfwespen und Raupenfliegen (Tachinen) setzt. Diese Tachinen sind, -wenn sich die Insektenwelt in der Natur im Gleichgewicht befindet, -nur in verhältnismäßig geringer Zahl vorhanden, da sie von der Zahl -der Wirtstiere abhängig sind, in denen sie sich entwickeln. Ihre -Massenentwicklung tritt deshalb erst ein, wenn die Wirtstiere sich -schon außergewöhnlich vermehrt haben. Sie können also den Nonnenschaden -ebenfalls nicht aufhalten, denn sie sind erst dann in Überzahl -vorhanden, wenn der Schaden im Walde bereits geschehen ist. - -[Illustration: Abb. 4 =Anhäufung von Nonnenraupen unter dem Leimring= - -(Phot. Forstwart Hohlfeld, Zeughaus, Sächs. Schweiz)] - -Auch die Wipfelkrankheit, die in früheren Fällen jedesmal der -Nonnenplage schließlich ein rasches Ende machte, tritt ebenfalls immer -erst dann ein, wenn der Kahlfraß weite Flächen der Waldungen bereits -vernichtet hat. So lange es uns nicht gelingt, die Erreger der immer -noch ungeklärten Wipfelkrankheit zu finden und auch außerhalb der -Raupen künstlich zu züchten, um sie schon beim Eintreten einer größeren -Nonnenvermehrung sofort zur Infektion von Raupen verwenden zu können, -um so die vernichtende Krankheit mit Erfolg künstlich zu verbreiten, -wird unsere biologische Bekämpfung der Nonne, wie zeither, so gut wie -erfolglos bleiben. - -Das ist zunächst das bis zu einem gewissen Grade betrübende Ergebnis -unserer heutigen biologischen Forschungen. Das darf uns aber nicht -entmutigen, diese Forschungen fortzusetzen. Ebensogut wie das -jahrzehntelange Suchen nach den Erregern mancher menschlichen -Krankheiten schließlich von Erfolg gewesen ist, wird dies hoffentlich -auch bei der rätselhaften Wipfelkrankheit, die seit Jahrzehnten die -Wissenschaft beschäftigt hat, gelingen. - -Jedenfalls dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen, so lange uns -die Wissenschaft keine besseren Bekämpfungsmittel in die Hand gibt, -sondern müssen die bisher angewendeten, erfahrungsmäßig wirksamen -Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen des Sammelns von Faltern, Eiern, -Raupen und Puppen und namentlich des Leimens der besonders gefährdeten -Bestände auch weiterhin im weitesten Umfang anwenden. Namentlich in den -erst in diesem Jahre neu befallenen Landesteilen Mittelsachsens und des -Niederlandes, wo die Plage noch in der Entwicklung begriffen ist, ist -das eine zwingende Notwendigkeit. Je umfassender und gründlicher die -Bekämpfung beim ersten Auftreten der Plage einsetzt, um so mehr ist auf -einen Erfolg zu hoffen. - - - - -Johann Pezel und die Turmsonate - -Von _Herbert Biehle_, Bautzen - - -Zu den vielen musikalischen Gebräuchen aus vergangenen Zeiten gehört -auch das Turmblasen. Wie 1670 der damalige Leipziger Stadtpfeifer und -spätere Bautzener Stadtmusikant Johann Pezel im Vorwort zu seiner -»Musicalischen Arbeit zum Abblasen um zehn Uhr in Leipzig« schrieb, war -es schon bei Persern und Türken üblich, beim Opfern die Gottheiten von -Türmen anzurufen. Derselbe Gedanke, Gott möglichst nahe zu stehen, und -eine gewisse Himmelssehnsucht, wie sie auch bei den gotischen Domen zum -Ausdruck kommt, liegt dem Turmblasen zugrunde. Diese schöne Sitte ist -hervorgegangen aus dem Hornrufe des Turmwächters, der das Herannahen -von Feinden, Feuerausbruch und die Stunden verkündete. So entstand -die besondere Hervorhebung der Haupttageszeiten mit ausgedehnteren -Melodien. Später erfuhr das Turmblasen durch Luther eine kräftige -Anregung; das von ihm begründete deutsche evangelische Kirchenlied -wurde eine wertvolle Bereicherung der Turmmusik. Und wie stimmungsvoll -und andachterweckend wirkt es, wenn im Sonnenglanze Trompeten und -Posaunen in den lichten Morgen hinein rufen: Wachet auf, ruft uns die -Stimme! Indessen entwickelte sich allmählich eine eigene Turmliteratur, -die in der Turmsonate gipfelt. Sie ist aus der einfachen Liedform nach -dem Vorbilde der italienischen Orchestersonate gestaltet. - -Unter den wenigen, die Turmsonate vertretenden Komponisten steht -Johann Pezel voran. Seine vierzig Turmsonaten sind für zwei Cornetti, -zwei Tromboni und Basso trombone gesetzt. Heute würde die Ausführung -technischen Schwierigkeiten begegnen; denn die edle Trompeterkunst wird -nicht mehr gepflegt. Pezel bevorzugt das strahlende ~C-dur~ oder die -ernste Stimmung des ~a-moll~. Er hat die »Musicalische Arbeit« in Druck -gegeben, weil er »verspüret, daß auch an anderen Orten dergleichen -verlanget werde«; und in der Tat sind seine anmutigen Bläserstücke -in sächsisch-thüringischen Landen oft erklungen und weit verbreitet -gewesen. Hier war ja durch die protestantische Idee der Laienhilfe beim -Gottesdienste der Musiksinn jedes einzelnen Bürgers geweckt und so der -geeignete Boden bereitet worden, auf dem auch die Turmmusik gedeihen -konnte. - -Pezel hat 1664–1669 als Kunstgeiger, 1669–1681 als Stadtpfeifer in -Leipzig gewirkt und war dann nach Bautzen berufen worden, wo er bis -zu seinem Tode 1694 als ~Director musicae instrumentalis~ lebte. -Aber nicht nur in seiner Eigenschaft als Stadtmusicus war er eine -bemerkenswerte Persönlichkeit. Die große Anzahl seiner gedruckten -Instrumentalwerke sicherte ihm besonders nach außen hin einen -bedeutenden Ruf und einen festen Platz in der Geschichte der deutschen -Instrumentalmusik. Um so verwunderlicher ist es, daß man sich über -Pezels nähere Lebensumstände noch ganz im Dunklen befand, bis es -Verfasser gelang, in den Akten des Bautzener Ratsarchivs darüber -Klarheit zu erlangen. Pezels Schaffenszeit gehörte jener Glanzperiode -sächsischer Musikpflege an, als dieses Land, wie kein zweites, die -bedeutendsten Musiker hervorbrachte. So wurde Sachsen auch die -Hauptpflegestätte der Werke Meister Pezels, den wir als den Klassiker -des gesamten deutschen Kunstpfeifertums seiner Zeit bezeichnen dürfen; -er war für unser weiteres Vaterland ein Stück bodenständige Heimatkunst. - -Außer Pezel hat 1696 der Leipziger Stadtpfeifer Gottfried Reiche -Turmsonaten geschrieben, und ihr letzter Vertreter ist der durch -sein Oratorium »Das Weltgericht« berühmte Friedrich Schneider aus -Altwaltersdorf bei Zittau gewesen. Er fand schließlich in einem -Oberlausitzer Bauern Schönfelder noch einen Nachfolger im vorigen -Jahrhundert. - -In vielen Städten, wie beispielsweise in Leipzig, Bautzen, Löbau, -Görlitz, gehörte es zu den Amtspflichten des Stadtmusikanten, mit -seinen Stadtpfeifergesellen in den Sommermonaten fast täglich vom -Rathausturme zu blasen, wie auch an den ersten Feiertagen, zu Neujahr -und bei sonstigen festlichen Anlässen. Vielleicht gibt diese Abhandlung -auch den Architekten und Kunsthistorikern Anlaß, die Frage zu -verfolgen, wieweit der Turmbau der damaligen und früheren Zeit diesen -musikalischen Veranstaltungen durch bauliche Maßnahmen zur Aufstellung -der Mitwirkenden in Gestalt von Galerien, Umgängen oder Balkonen -Rechnung trug. Gegenwärtig ist dieser musikalische Brauch fast völlig -in Vergessenheit geraten; wo er noch besteht, geschieht es auf Grund -alter Stiftungen mit dem Abblasen von Chorälen. - -Die Turmmusikpflege selbst darf als ein getreues Abbild jener alten -Beschaulichkeit gelten, als man noch Muße und Sinn hatte, den -schlichten Weisen der Stadtpfeifer vom Rathaus- oder Kirchturme zu -lauschen. Und zu dem Begriff des deutschen Kleinstadtidylls um 1700 -gehört auch die Turmsonate. Es wäre wohl lohnend, diese Perlen früherer -Kunst auch der Gegenwart zugänglich zu machen; denn sie war ein Stück -blühender Romantik. Und eine fromme Kunst. - - - - -Schußpreise für Raubvögel - -Von _Martin Braeß_ - - -Während die Jagdschutzvereine im Sinne des Natur- und Heimatschutzes -die »Raubzeugprämien« teils wesentlich eingeschränkt, teils vollständig -abgeschafft haben, glauben die _Brieftaubenzüchter_ ohne solche -Schußpreise nicht auskommen zu können, wie folgende, in verschiedenen -Tageszeitungen erschienene Veröffentlichung beweist: »Der Verband -deutscher Brieftaubenzüchter-Vereine setzt für das Jahr 1922 für den -Abschuß der den Brieftauben schädlichen Raubvögel, als Wanderfalken, -Hühnerhabichte und Sperberweibchen, eine Belohnung von zwanzig Mark für -das Paar Fänge aus. Diese Belohnung wird Ende Dezember 1922 ausgezahlt. -Zur Erhebung eines Anspruchs auf diesen Preis müssen die beiden Fänge -eines Raubvogels (nicht der ganze Raubvogel) bis spätestens Ende -November 1922 ... frei zugesandt werden.« - -Wenn man den _Sperber_ kurz hält, so haben wir dagegen gewiß nichts -einzuwenden. Er ist ein böser Geselle, der für unsre Kleinvögel -zu einer schlimmen Geißel wird; dazu findet er sich fast in allen -waldreichen Gegenden noch so häufig, daß eine Ausrottung dieses -Vogels vorläufig nicht zu befürchten ist. Aber was der Sperber gerade -den Brieftauben zuleide tun soll, ist nicht recht einzusehen. Auf -Haustauben stößt er nur dann, wenn sich in dem Schwarm eine junge -befindet, die noch nicht ganz flüchtig ist, wie er auch nur auf junge -Wildtauben Jagd macht. Eine _gesunde, flugfähige Brieftaube_ hat von -dem kleinen Räuber wohl nichts zu befürchten. Anders _Hühnerhabicht_ -und _Wanderfalke_. Indessen, diese schönen Vögel sind in den meisten -Gegenden unsres Vaterlandes bereits so selten geworden, daß man sie -schonen sollte; keineswegs aber darf man durch Schußbelohnungen -zu ihrer völligen Ausrottung auffordern. Die Brieftaubenzucht ist -gewiß kein bloßer Sport, keine nutzlose Spielerei, sondern hat ihre -Berechtigung, aber doch nur so lange und so weit, als sie sich nicht -in bewußten Gegensatz zu andern Bestrebungen setzt, die wie Heimat- -und Naturschutz von einer ungleich höheren und allgemeineren Bedeutung -sind. Der Brieftaubenzüchter muß eben beim Freiflug seiner Tauben mit -Verlusten mancherlei Art rechnen und darf nicht verlangen, daß die -Natur lediglich um seinetwillen ihrer schönsten Geschöpfe beraubt -werde, an deren herrlichem Fluge so viele Naturfreunde ihre Freude -haben. In Norddeutschland, namentlich auf der Seenplatte, die von -Ostpreußen bis nach Schleswig-Holstein zieht, mag der Wanderfalke noch -häufiger vorkommen; bei uns in Sachsen gehört er aber als Brutvogel -bereits zu den seltensten Naturdenkmälern, und auch seine Wanderflüge -im Herbst und Frühling führen ihn nicht allzuoft in unser Land. Ähnlich -verhält es sich mit dem Hühnerhabicht, wenn auch dessen völlige -Vernichtung für unsre Heimat noch nicht zu befürchten ist. Ich hoffe, -es wird sich, wenigstens in Sachsen, kein Jagdberechtigter finden, der -sich durch Abschuß so seltener Raubvögel die Prämie von zwanzig Mark -verdienen will – was sind übrigens heute zwanzig Mark nach Abzug der -Kosten für Patrone und Porto! - -Aber die Aufforderung der Brieftaubenzüchter-Vereine hat noch eine -schlimme Seite. Es ist bekannt, daß nicht jeder Jagdberechtigte die -Raubvögel nach ihrem Flugbilde richtig anzusprechen versteht, und so -wird gewiß mancher unschuldige Bussard, Turmfalke, manche Weihe u. a. -unerfahrenen Schützen zum Opfer fallen. - -Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß das Sächsische -Finanzministerium schon unter dem 30. Januar 1911, bzw. 20. Mai -1912 zwei Generalverordnungen erlassen hat, nach denen, »soweit -irgend zulässig«, die Turmfalken, _Wanderfalken_, Schrei-, See- und -Fischadler, die Uhus, Eulen, Weihe, Bussarde, ebenso der schwarze und -rote Milan zu schonen sind, selbst die Reiher, obgleich diese für -die Fischereiberechtigten gewiß ebenso und noch mehr als Schädlinge -bezeichnet werden müssen, wie jene obengenannten Raubvögel für die -Brieftaubenzüchter. Die einzelnen Berufs- und Interessentenkreise haben -sich eben der allgemeinen großen Idee unterzuordnen, und diese kann in -unserm Falle nur heißen: _Schutz der Natur_! - - - - -Schattenbäume für den Hof - -Von Gartenarchitekt _Hans S. Kammeyer_ - - -Wenn die brennende Mittagssonne in den Sommermonaten ungehindert vom -Himmel in den Hof strahlt, dann suchen Tier und Mensch ein schattiges -Plätzchen. Der Hof, auf dem sonst reges Leben herrscht, liegt -verlassen, selbst das Hühnervolk meidet die überreiche Wärme. - -Es ist unbedingt notwendig, daß ein breitkroniger Baum in einem -sonnigen Hof im Sommer Schatten bietet. Obstbäume sind so recht -geeignet als Hofbäume, weil sie alljährlich auch einen Ertrag bringen. -Während die Linde ein richtiger Hausbaum ist, wenn nicht mit dem Nutzen -gerechnet wird, wähle man breitkronige Sorten für den Hof, die zu -großen Bäumen heranwachsen. Ein rechtes Beispiel hierfür bietet der -Birnbaum. Wie prächtig sieht er in weißem Blütenschmuck aus. In seinem -Schatten stehen die Futterschüsseln und Trinkgefäße für das Federvieh. -Hier werden die Hühner in der Mittagsstunde gefüttert, ohne daß sie -unter der brennenden Sonne zu leiden haben. Zu allen diesen Vorteilen -hat man dann noch im Herbst die reiche Ernte. Wir laben uns an den -saftigen Birnen, die der Baum bietet. - -Höfe und Hofplätze, die nach Süden offen sind und die volle Sonne -hereinlassen, bepflanze man deshalb mit einem großwachsenden Hofbaum, -an dem sich später noch die Kinder und Kindeskinder erfreuen. - -An Obstbäumen kommen in Frage: _Apfel_: Reichsobstsorte Jacob -Lebel, Weißer geflammter Cardinal, Landsberger Renette; _Birne_: -Reichsobstsorte William Christbirne, Pastorenbirne und Prinzeß Marianne. - -Von Zierbäumen, die sich ebenfalls zur Anpflanzung eignen, sind zu -nennen: ~Aesculas hippocastanum~, Roßkastanie; ~Ailanthus glandulosa~, -Götterbaum; ~Catalpa speciosa~, Trompetenbaum; ~Juglans regia~, -Walnußbaum; ~Liriodendron tulipifera~, Tulpenbaum; ~Platanus -occidentalis~ und ~orientalis~, Platane. - - »Pflanz’ einen Baum, und kannst du auch nicht ahnen, - Wer einst in seinem Schatten tanzt, - Bedenke Mensch, es haben deine Ahnen - Eh’ sie dich kannten, auch für dich gepflanzt.« - - - - -Förderung des Anbaues von Nußbäumen - -Von _Hans Jacob_ - - -Die Anpflanzung des Walnußbaumes ist infolge der Verwüstungen durch -die Kriegsjahre für die Zukunft besonders bedeutsam geworden. -Viele Nußbäume sind der Holzgewinnung wegen abgeschlagen worden. -Der Walnußanbau soll und muß deshalb mit allen Mitteln gefördert -werden. Allerdings nicht wahllos, mit unsicherem Ergebnis, sondern in -planmäßiger Weise. Zur Pflanzung müssen solche Pflanzstätten ausgesucht -werden, an welchen erfahrungsgemäß der Nußbaum gut gedeiht und sichere -Erträge bringt. Nußbäume sind in geschlossenen Pflanzungen nur da -anzubauen, wo auf einen Ertrag der Unternutzung verzichtet werden kann. -Für Einzelpflanzungen aber, und hierzu ist der Nußbaum mehr als alle -andern Obstarten geeignet, gibt es fast allerorts noch eine ganze Menge -brauchbarer Stellen. So auf Gutshöfen, Dorfplätzen, an Wegescheiden -und an andern Orten, wo die Bäume nicht nur durch ihre Früchte Segen -bringen, sondern auch zur Verschönerung der Heimat beitragen. Während -man für solche Plätze die Anpflanzung fertig vorgebildeter Bäume -bevorzugen soll, dürfte für den Großanbau die Aussaat an Ort und -Stelle in Betracht zu ziehen sein. Da eine spätere Veredelung der -Nüsse erhebliche Schwierigkeiten bietet, hat man auf jeden Fall dafür -zu sorgen, daß als Saatgut nur Nüsse allerbester Abstammung verwendet -werden. Nur reichtragende, spätblühende, widerstandsfähige Sorten mit -großen, mäßig dünnschaligen Früchten sind geeignet. - - - - -Die Postsäule von Aue - - -Wenige Tage bevor das Heft 4/6 der »Mitteilungen« mit ~Dr.~ Kuhfahls -Postsäulenaufsatz in meine Hände kam, war es mir gelungen, einen Rest -der alten Auer Postsäule aufzufinden. Aufmerksam geworden darauf war -ich bei Gelegenheit einer Ausstellung: »Die Gesamtentwicklung der -Stadt Aue«, die ich eingerichtet hatte. Auf mehreren alten Bildern vom -Marktplatz war dort eine Postsäule zu sehen, und zwar an der Ecke der -jetzigen Markt- und Bahnhofsstraße (ehedem Lößnitzer Straße). Ältere -Leute kannten sie noch. Der einstige Posthalter Walther hatte sie, -als sie beseitigt werden sollte, in seinen Hof gestellt. Sein Sohn -half mir, die Säule ausfindig machen. Sie dient jetzt als Steinbank -an einem Hause Wiesenstraße 2, ist auf den sichtbaren zwei Seiten -ziemlich abgenutzt, läßt aber noch ein Posthorn, den Namen Schneeberg, -sowie Zahlenreste erkennen. Sockel und Spitze fehlen. Der Stein -(Granit) weist unten ein Loch zur Befestigung auf und verjüngt sich -obeliskenartig. Es besteht die Hoffnung, daß er wieder an geeigneter -Stelle aufgerichtet wird. - - ~Dr.~ _Sieber_, Aue. - -=Postmeilensäulen=: Zum Aufsatz von ~Dr.~ Kuhfahl im Heft 4/6 XI sind -uns und dem Verfasser erfreulicherweise eine Reihe von Mitteilungen -zugegangen. Allen Einsendern sei bestens gedankt. Um weitere -Ergänzungen wird gebeten. Dies neue Material wird später in einem -Nachtrag veröffentlicht werden. - - Die Schriftleitung. - - -Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – -Druck: Lehmannsche Buchdruckerei - -Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden. - - - - -Soeben erschienen: - - -Die Vegetationsverhältnisse des östlichen Erzgebirges - -von - -Professor ~Dr.~ Arno Naumann - -* - -Mit einer Kartenskizze - -(Sonderdruck aus der »Isis«, 46 Seiten Oktav) - -* - -Preis 20 Mark und Postgeld - -Zu beziehen: - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden-A. - -Schießgasse Nr. 24 - - - - -_Friedhof und Denkmal_ - -Halbmonatsschrift - -herausgegeben von - -Robert B. Witte - -Für Künstler, Gartenfachleute, Industrie und Gewerbe das _erste und -einzige reichillustrierte_ Organ der gesamten Friedhofskultur - -Das unentbehrliche Fachblatt für alle zuständigen Behörden - -Probenummer - -durch den Verlag der Zeitschrift - -_Friedhof und Denkmal_ - -G. m. b. H., Dresden-N. 6 - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - - Korrekturen: - - S. 139: Heist → Geist - ~scrato~ = böser {Geist} - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 7-9 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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