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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte - -Author: Eugen Fröhner - -Release Date: October 4, 2022 [eBook #69094] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was - produced from images generously made available by The - Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR -TIERÄRZTE *** - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1910 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute - nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original - unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert. - - Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden, außer im Titel und im - Schmutztitel, als deren Umschreibungen (Ae, Oe, Ue) dargestellt. Die - Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Abschnitts verschoben. - - Der Punkt ‚Anhang. Diverse andere Giftpflanzen’ im Inhaltsverzeichnis - der Originalvorlage wurde, entsprechend der Struktur des Buches, - in die Punkte ‚Diverse andere Giftpflanzen’ und ‚Anhang. Die - Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet’ aufgeteilt. - - Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere - Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen - gekennzeichnet: - - Unterstrichen: _Unterstriche_ - Fettdruck: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - Tiefgestellte Symbole werden von geschweiften Klammern umgeben; - zusätzlich wird ein Unterstrich vorangestellt, wie z. B. in der - chemischen Formel C_{n}H_{2n + 2}. - - #################################################################### - - - - - TOXIKOLOGIE - - FÜR - - TIERÄRZTE. - - - - - LEHRBUCH - - DER - - TOXIKOLOGIE - - FÜR - - TIERÄRZTE - - VON - - ~Dr.~ MED. EUGEN FRÖHNER, - GEH. REGIERUNGSRAT UND PROFESSOR AN DER K. TIERÄRZTLICHEN HOCHSCHULE - ZU BERLIN. - - - _Dritte umgearbeitete Auflage._ - - [Illustration] - - - STUTTGART - VERLAG VON FERDINAND ENKE - 1910. - - - - - Das Übersetzungsrecht wird vorbehalten. - - - Druck der Hoffmannschen Buchdruckerei in Stuttgart. - - - - -Vorwort zur dritten Auflage. - - -In den letzten zehn Jahren hat auch die Toxikologie viele neue -Forschungen und Beobachtungen zu verzeichnen. Die Arbeiten auf dem -Gebiete der +allgemeinen+ Toxikologie behandeln vor allem die -Frage der elementaren Giftwirkung, die feineren Veränderungen der -Ganglienzellen bei der Narkose, die Wirkung der Blutgifte (Hämolysine), -die toxische Leukozytose und Glykosurie. Im +speziellen+ Teil -haben zahlreiche neue Experimentaluntersuchungen über Mineral- und -Pflanzengifte, sowie sehr viele kasuistische Mitteilungen über -Vergiftungen bei den Haustieren Aufnahme gefunden. Sie betreffen -z. B. die Unempfindlichkeit der Wiederkäuer gegenüber der Digitalis, -die Vergiftungen durch indische Rübkuchen, blausäurehaltige -ausländische Bohnen und Futterkalk, die chemischen Bestandteile und -die physiologische Wirkung der Kornrade, das angebliche Vorkommen -der Kainitvergiftung beim Wild, das Vergiften des Raubzeugs -durch Strychnin, die Gefährlichkeit der Aloe bei gleichzeitiger -Verabreichung anderer Abführmittel (Brechweinstein, Kalomel), die -Frage der Schachtelhalm- und Pilzvergiftung, die neuen Forschungen -über Schlangengifte, die Vergiftungen durch Rizinussamen und Filmaron, -Naphthalin und Naphthol, Kokain und Arekolin. Neu aufgenommen wurden -endlich die Vergiftungen durch Rainfarnkraut, Wiesenschaumkraut, -Jakobskraut, Kornblumen, Kleeseide, Brennesseln, Hopfendolden, -Mohrrüben, Melasse u. a. - - +Berlin+, im März 1910. - - =E. Fröhner.= - - - - -Vorwort zur ersten Auflage. - - -Die Herausgabe einer tierärztlichen Toxikologie ist mir von -verschiedenen Seiten nahegelegt worden. Mit Rücksicht auf diese -Anregungen und in Erwägung des Umstandes, dass wir in der Tierheilkunde -ein selbständiges Lehrbuch der Giftlehre nicht besitzen, dass vielmehr -die Toxikologie bisher immer nur anhangsweise in den tierärztlichen -Lehrbüchern der speziellen Pathologie, Diätetik, Pharmakologie und -gerichtlichen Tierheilkunde zur Geltung gekommen ist, habe ich -den Versuch gemacht, unter Sammlung der wichtigsten klinischen -und experimentellen Tatsachen und mit Hinzufügung einiger eigener -Beobachtungen die tierärztliche Toxikologie besonders zu bearbeiten. -Von tierärztlichen Quellen, welche mir hierbei zu Gebote standen, sind -zu erwähnen die ausgezeichnete Darstellung der Vergiftungen in dem -+Gerlach+schen Handbuch der gerichtlichen Tierheilkunde (1872), die -sehr instruktive Bearbeitung der Giftpflanzen in dem +Dammann+schen -Handbuch der Gesundheitspflege, die kurze Zusammenstellung der -wichtigsten Vergiftungen in dem von +Friedberger+ und +mir+ -herausgegebenen Lehrbuche der speziellen Pathologie, endlich die -kasuistischen Veröffentlichungen der periodischen tierärztlichen -Literatur, von welchen als besonders reichhaltig die „Mitteilungen -aus der tierärztlichen Praxis im preussischen Staate“ hervorzuheben -sind. Von medizinischen Quellen habe ich die toxikologischen Werke -von +Kobert+, +Lewin+, +Husemann+, +Böhm+, +Kunkel+, +Hermann+ und -+Dragendorff+ zu nennen. - -Bei der Sichtung und Bearbeitung des Stoffes habe ich vorwiegend -die praktischen Zwecke des Tierarztes im Auge behalten. -Gifte, welche zur Zeit keinerlei praktisches, sondern nur -wissenschaftlich-toxikologisches Interesse haben, wie Kurare, -Pikrotoxin, Santonin und andere, sind in den speziellen Teil -nicht aufgenommen worden. Dagegen haben die für die tierärztliche -Praxis wichtigen Vergiftungen nach Aetiologie, Symptomatologie, -Sektionsbefund, Behandlung, Nachweis und Kasuistik ihrer Bedeutung -entsprechend angemessene Berücksichtigung gefunden. - -Bezüglich der Einteilung der Gifte begegnet man denselben -Schwierigkeiten, wie bei der Einteilung der Arzneimittel. Die -idealste Gruppierung wäre auch in der Toxikologie diejenige, welche -die chemische und physiologische Verwandtschaft der einzelnen Gifte -zur Grundlage nimmt (Digitalisgruppe, Atropingruppe, Nikotingruppe, -Blutgifte, Herzgifte). Diese Einteilung lässt sich indessen bei der -Vielseitigkeit der einzelnen Gifte nicht durchführen. Das Chloroform -z. B. ist ebenso gut ein Blutgift, als ein Herzgift und Nervengift. Ich -bin deshalb zu der einfachsten Einteilung in mineralische, pflanzliche -und tierische Gifte zurückgekehrt, obwohl sich auch hier manche Gifte, -wie z. B. der Alkohol oder das Chloroform schwer einreihen lassen. -Vielleicht sind in späteren Zeiten mit dem Fortschritte der einer -höheren Entwicklung noch sehr wohl fähigen Toxikologie auch diese -Mängel leichter zu beseitigen als heutzutage. - - +Berlin+, im Mai 1890. - - =E. Fröhner.= - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - Vorwort V - - Einleitung 1 - - - =Allgemeine Toxikologie= 3 - - Der Begriff Gift 3 - - Einteilung der Gifte 5 - - Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen 8 - - Modifikation der Giftwirkung 12 - - Wirkungsweise und Schicksale der Gifte 19 - - Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen 25 - - Chemisch-physikalischer Nachweis der Vergiftungen 28 - - Der physiologische Nachweis der Vergiftungen 34 - - Allgemeine Prognose der Vergiftungen 44 - - Die Behandlung der Vergiftungen 46 - - - =Spezielle Toxikologie= 55 - - =I. Mineralische Gifte= 55 - - Phosphorvergiftung 55 - - Arsenikvergiftung 64 - - Bleivergiftung. Saturnismus 77 - - Quecksilbervergiftung. Merkurialismus 88 - - Kupfervergiftung 100 - - Zinkvergiftung 105 - - Brechweinsteinvergiftung 107 - - Sonstige Metallvergiftungen 112 - - Kochsalzvergiftung 116 - - Salpetervergiftung 120 - - Glaubersalzvergiftung 124 - - Kainitvergiftung 125 - - Vergiftung durch Barytsalze 127 - - Vergiftung durch chlorsaures Kali 130 - - Vergiftung durch Aetzalkalien 132 - - Vergiftung durch ätzende Säuren 135 - - Vergiftung durch Essigsäure 137 - - Vergiftung durch Oxalsäure 139 - - Jodoformvergiftung 142 - - Karbolsäurevergiftung 146 - - Petroleumvergiftung 156 - - Kohlenoxydvergiftung 159 - - Leuchtgasvergiftung 161 - - Schwefelwasserstoffvergiftung 162 - - Alkoholvergiftung 165 - - Chloroformvergiftung 171 - - =II. Pflanzliche Gifte= 182 - - Kolchikumvergiftung 182 - - Klatschrosenvergiftung 186 - - Nikotinvergiftung 193 - - Strychninvergiftung 197 - - Vergiftung durch Kornrade 203 - - Vergiftung durch Kichererbsen 209 - - Vergiftung durch Taxus 212 - - Vergiftung durch Buchsbaum 214 - - Vergiftung durch Digitalis 215 - - Vergiftung durch Oleander 219 - - Vergiftung durch Goldregen 222 - - Vergiftung durch Helleborus 223 - - Vergiftung durch Veratrin 226 - - Vergiftung durch Akonit 230 - - Vergiftung durch Atropin 232 - - Vergiftung durch Bilsenkraut 237 - - Vergiftung durch Stechapfel 238 - - Vergiftung durch Kokain 239 - - Vergiftung durch Ranunkeln 242 - - Vergiftung durch Bingelkraut 244 - - Vergiftung durch Wolfsmilch 247 - - Vergiftung durch Fleckschierling 248 - - Vergiftung durch Wasserschierling 251 - - Vergiftung durch Gartenschierling 252 - - Vergiftung durch Blausäure 253 - - Vergiftung durch Kartoffelkeime (Solaninvergiftung) 258 - - Vergiftung durch Taumellolch 263 - - Vergiftung durch Flachs 265 - - Vergiftung durch Eserin 267 - - Vergiftung durch Pilokarpin 269 - - Arekolinvergiftung 271 - - Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen 272 - - Vergiftung durch Sauerampfer 273 - - Vergiftung durch Narzissus 275 - - Vergiftung durch Seidelbast 275 - - Vergiftung durch Rhododendron 276 - - Vergiftung durch Oenanthe crocata 278 - - Vergiftung durch Schöllkraut 279 - - Vergiftung durch Arum maculatum 280 - - Vergiftung durch Asklepias vincetoxicum 281 - - Vergiftung durch Stephanskörner 282 - - Vergiftung durch Taumelkerbel 283 - - Vergiftung durch Steinklee (Kumarin) 283 - - Vergiftung durch Flachsseide 286 - - Vergiftung durch Antirrhinum majus 286 - - Vergiftung durch Terpentinöl 287 - - Vergiftung durch Sadebaum 288 - - Vergiftung durch Kampfer 289 - - Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen 291 - - Vergiftung durch Pfeffer 295 - - Vergiftung durch Aloe 296 - - Vergiftung durch Rizinuskuchen 298 - - Vergiftung durch Krotonöl 303 - - Vergiftung durch die Semina Ricini majoris 306 - - Vergiftung durch Robinia pseudoacacia 306 - - Vergiftung durch Kreuzdornbeeren 307 - - Vergiftung durch Podophyllin 308 - - Vergiftung durch Eicheln 308 - - Vergiftung durch Filixextrakt 309 - - Vergiftung durch Santonin 312 - - Vergiftung durch Adlerfarnkraut 315 - - Vergiftung durch Rainfarnkraut 316 - - Vergiftung durch Lupinen 316 - - Vergiftung durch Wicken und Platterbsen 319 - - Vergiftung durch Schachtelhalm 320 - - Vergiftung durch Buchweizen 323 - - Vergiftung durch Wachtelweizen 325 - - Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen 326 - - Vergiftung durch Mutterkorn 329 - - Vergiftung durch Schimmelpilze 335 - - Vergiftung durch Brandpilze 340 - - Vergiftung durch Rostpilze 343 - - Vergiftung durch Kernpilze 347 - - Ptomainevergiftung (Fleischvergiftung) 351 - - Vergiftung durch Giftschwämme 357 - - Diverse andere Giftpflanzen 359 - - =Anhang.= Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet 367 - - - =III. Tierische Gifte= 371 - - Kantharidenvergiftung 371 - - Vergiftung durch Schlangenbisse 374 - - Vergiftung durch Bienenstiche 378 - - - =Register= 383 - - - - -Einleitung. - - -Die Toxikologie, die Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf -den Tierkörper (τόξον = Gift; intoxicatio = Vergiftung) bildet -neben der Pharmakologie (Lehre von den Arzneimitteln) ein eigenes -Fach, das für den Tierarzt fast noch wichtiger ist, als für den -Menschenarzt. Die tierärztliche Toxikologie hat nämlich ausser -der rein +wissenschaftlichen+ Seite zahlreiche +praktische+ -Beziehungen zur Diätetik und Landwirtschaft, zur Seuchenlehre -und Veterinärpolizei, sowie zur gerichtlichen Tierheilkunde. Für -die +Landwirtschaft+ haben namentlich seit der Einführung neuer -Futtersurrogate und künstlicher Düngermittel, sowie mit der Zunahme -der Futterverfälschungen die sog. Futtervergiftungen praktische -Bedeutung erlangt. Es sei hier nur an die zahlreichen Fälle von -Vergiftung durch Baumwollsamen, Rizinuskuchen, Senföl haltige -Futterkuchen, Chilisalpeter, Befallungspilze, verdorbenes Futter usw. -erinnert. Für die +Veterinärpolizei+ sind verschiedene Vergiftungen -von differentialdiagnostischem Interesse wegen der Aehnlichkeit ihrer -Symptome mit dem Krankheitsbild gewisser Tierseuchen. Beispiele -hierfür sind die Pilz- und Fleischvergiftung (Milzbrand, Rinderpest, -Schweinerotlauf), die Mutterkornvergiftung (seuchenhafter Abortus), -die Bleivergiftung (Wut) und die Quecksilbervergiftung (Maul- -und Klauenseuche, Pocken). Die Toxikologie ist ausserdem für das -Verständnis der Pathogenese vieler Seuchen von grundlegender Bedeutung -geworden, weil die meisten Infektionskrankheiten pathogenetisch als -Intoxikationen aufzufassen sind, d. h. als Vergiftungen durch die von -den Infektionserregern (Bakterien) erzeugten Gifte (Toxine). Für die -+gerichtliche+ Tierheilkunde sind die sog. Medizinalvergiftungen als -Gegenstand der technischen Begutachtung (Entschädigungsklagen seitens -der Tierbesitzer) von praktischer Bedeutung. Dieselben sind gewöhnlich -auf Fehler in der Dosierung bei der Anwendung stark wirkender Mittel -zurückzuführen. Die Häufigkeit dieser Kunstfehler wächst mit der -Einführung neuer Applikationsmethoden. Im übrigen ist dieser Zweig der -praktischen Toxikologie auch früher schon als sehr wichtig erkannt -worden, wie insbesondere die ausführliche Abhandlung der Vergiftungen -in der gerichtlichen Tierheilkunde von +Gerlach+ (1872) beweist. - -Die Toxikologie zerfällt in einen allgemeinen und einen speziellen -Teil. Während die +allgemeine+ Toxikologie Betrachtungen über den -Begriff und die Einteilung der Gifte, über Ursachen und Pathogenese -der Vergiftungen, über Abhängigkeit der Giftwirkung von inneren und -äusseren Verhältnissen, über Erkennung, Behandlung und Nachweis der -Vergiftungen ganz im allgemeinen enthält, hat sich die +spezielle+ -Toxikologie mit der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Gifte, -sowie mit den Veranlassungen, den Krankheitserscheinungen, dem -pathologisch-anatomischen Befunde, der Behandlung und dem Nachweise -der einzelnen Vergiftungen zu befassen. Die spezielle Toxikologie -baut sich mithin ähnlich wie die Pathologie und Chirurgie auf einer -Reihe +klinischer+ Fälle auf und hat mit diesen Disziplinen ausserdem -noch das gemein, dass sie gleichzeitig auch die +Therapie+ in sich -schliesst. In diesem Sinne kann man die Toxikologie wohl auch -bezeichnen als die +spezielle Pathologie und Therapie der Vergiftungen+. - - - - -Allgemeine Toxikologie. - - -Der Begriff Gift. - -Je nach dem individuellen Standpunkt kann man den Begriff „Gift“ auf -sehr verschiedene Weise definieren. Der Kliniker, der Pharmakologe, -der Apotheker, der Jurist und schliesslich der Laie verbinden mit -dem Worte Gift verschiedenartige Vorstellungen. Deshalb ist es -schwer, eine allgemein gültige und nach allen Richtungen zutreffende -Begriffsbestimmung zu geben. Man kann die Schwierigkeiten der -Definition dadurch vermindern, dass man zwischen Giften im +weiteren+ -und solchen im +engeren+ Sinne unterscheidet. +Gifte im weiteren -Sinne+ können alle diejenigen chemisch wirkenden Stoffe genannt -werden, auf welche der Körper bezw. das tierische Protoplasma durch -Krankheitserscheinungen reagiert. Hierher würden fast alle differenten -Arzneimittel gehören. Aber auch Stoffe, welche an und für sich -unschädlich und sogar zum Aufbau und Fortbestand des Tierkörpers -unumgänglich notwendig sind, wirken unter Umständen durch ihre Menge -oder zu starke Konzentration giftig, so das Kochsalz, die Kalisalze, -das Fleischextrakt, die Eisensalze, die Salzsäure. Es können ferner -ganz indifferente Stoffe, wie das destillierte Wasser oder das -Glyzerin, dadurch schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen, -dass sie in Abweichung von dem gewöhnlichen Wege der Einverleibung -mittels intravenöser Injektion direkt mit dem Blut in Berührung -kommen und die roten Blutkörperchen auflösen (Hämoglobinämie). Auch -andere, an sich unschädliche Stoffe erzeugen bei einzelnen Individuen -Vergiftungserscheinungen, so z. B. der Buchweizen bei unpigmentierten -Tieren. Ausserdem würden hierher die Fälle von sog. Idiosynkrasie zu -rechnen sein. Früher hat man wohl auch als Vergiftung aufgefasst -das Einbringen von Milch, Oel und sonstigen unlöslichen Stoffen -in die Venen, wodurch lediglich eine mechanische Verstopfung der -Lungenkapillaren mit ihren Folgezuständen bedingt wird. Endlich hat -man in der Pathologie die Infektionsstoffe als Gifte bezeichnet; man -vergleiche die Ausdrücke „Blutvergiftung“, „Rotzgift“, „Pockengift“. -Danach müssten eigentlich auch die pathogenen Bakterien an sich -als Gifte im weiteren Sinne des Wortes dem System der Toxikologie -einverleibt werden. - -Die angeführten Beispiele zeigen, wie notwendig es im praktischen -Interesse ist, den Begriff Gift einzuschränken. - -Als =Gifte= im +engeren, eigentlichen Sinne+ dürfen nur solche Stoffe -bezeichnet werden, bei welchen die nachfolgenden Voraussetzungen -zutreffen: - -1. Die Wirkung auf den Körper muss eine rein +chemische+ sein, -physikalische Wirkungen sind ausgeschlossen. - -2. Die betreffenden Stoffe müssen schon in verhältnismässig +geringer+ -Menge +erheblich+ gesundheitsschädlich wirken (das Kochsalz ist in -diesem Sinne kein Gift, weil es nur in grossen Dosen eine Vergiftung -bedingt). - -3. Die Giftwirkung muss schon bei der +gewöhnlichen+ Art der -+Einverleibung+ (Magen, Lunge, Haut) zustande kommen, nicht erst bei -intravenöser, intraperitonealer oder subkutaner Applikation. - -4. Der Stoff muss bei der überwiegenden Mehrzahl der Tiere, nicht bloss -bei einzelnen (Idiosynkrasie) giftig wirken. - -5. Eine +Organisation+ dürfen die betreffenden Stoffe +nicht+ besitzen; -sie dürfen also nicht wie die Bakterien Lebewesen sein. Dagegen können -sie von belebten Organismen abstammen (Pflanzengifte, Bakteriengifte, -Tiergifte). - -Danach lautet die Definition: +Gifte im engeren Sinne sind solche -unbelebte Stoffe, welche auf chemischem Wege schon in sehr geringer -Menge und bei gewöhnlicher Art der Einverleibung regelmässig erhebliche -Störungen der Körperfunktionen hervorrufen.+ - - =Giftgesetze.= In Deutschland ist die Abgabe von Giften im Handel, - in den Apotheken und seitens der Tierärzte durch verschiedene - gesetzliche Bestimmungen geregelt. Die wichtigsten sind folgende: - 1. Das Gesetz betr. den +Handel mit Giften+ vom 29. November - 1894 enthält die Vorschriften für den gewerbsmässigen Handel mit - Giften (Aufbewahrung und Abgabe der Gifte, Ungeziefermittel). - Dieses Giftgesetz ist abgeändert worden durch den Beschluss des - Bundesrats vom 1. 2. 06 betr. die Aufnahme des Lysols und anderer - Kresolseifenlösungen in das Verzeichnis der Gifte (der Handel mit - Kreolin wird durch diese Bestimmung nicht betroffen). 2. Das Gesetz - betr. den Verkehr mit +blei-+ und +zinkhaltigen+ Gegenständen vom 25. - Juni 1887 sowie betr. die Verwendung +gesundheitsschädlicher+ Farben - vom 5. Juli 1887. 3. Das +Deutsche Strafgesetzbuch+ (Vergiftung, - fahrlässige Tötung). 4. Das +Nahrungsmittelgesetz+ vom 14. Mai 1879 - („gesundheitsschädlich“, § 12). 5. Die +Kaiserliche Verordnung - betr. den Verkehr mit Arzneimitteln+ vom 22. Oktober 1901 (die - im Verzeichnisse B aufgeführten Mittel dürfen nur in Apotheken - feilgeboten oder verkauft werden). 6. Die +Bundesratsvorschriften - betr. die Abgabe stark wirkender Arzneimittel+, sowie die - Beschaffenheit und Bezeichnung der Arzneigläser und Standgefässe - in den Apotheken vom 13. Mai 1896. 7. Das +Deutsche Arzneibuch+, - 4. Ausgabe, enthält in Tabelle B „die gewöhnlich Gifte genannten - Arzneimittel, welche unter Verschluss und sehr vorsichtig - aufzubewahren sind (Arsenik, Atropin, Homatropin, Hydrargyrum - bichloratum, bijodatum, cyanatum, oxydatum, praecipitatum - album, salicylicum, Liquor Kalii arsenicosi, Sublimatpastillen, - Phosphor, Physostigmin, Skopolamin, Strychnin und Veratrin)“. 8. - Das +tierärztliche Dispensierrecht+ gestattet in Preussen nach - der Ministerialverfügung vom 23. Juli 1833 die Verabreichung der - Arzneimittel in tierärztlichen Hausapotheken „mit Ausschluss der - Gifte“ (Tabelle B des Deutschen Arzneibuchs). - - -Einteilung der Gifte. - -Man kann die Gifte nach ihrer Abstammung, Zusammensetzung und -Wirkung in verschiedene Gruppen einteilen. Eine rein äusserliche -Einteilung, welche aber den Vorzug der Uebersichtlichkeit und -Einfachheit besitzt und sich deshalb auch für die vorwiegend -praktischen Zwecke des vorliegenden Lehrbuches am besten eignet, -ist die in +mineralische+, +pflanzliche+ und +tierische+ Gifte. -Eine andere Einteilung unterscheidet zwischen +Arzneigiften+, d. h. -solchen, welche gleichzeitig als Arzneimittel benützt werden, und -+Nahrungsgiften+, also solchen, welche mit der Nahrung, namentlich von -den Pflanzenfressern, aufgenommen werden. Von Bedeutung ist ferner -die Einteilung in +Fremdgifte+, d. h. von ausserhalb des Tierkörpers -stammende, und +Selbstgifte+, d. h. im Tierkörper selbst entstehende -Gifte (+Autointoxikation+). Besonders wichtig sodann ist die Einteilung -der Gifte nach ihrer Wirkung. Danach hat man früher die Gifte in drei -grosse Gruppen geteilt: die +scharfen+ (Acria), die +narkotischen+ -(Narcotica) und die +scharfnarkotischen+ Gifte (Acria-Narcotica). -Als scharfe Gifte bezeichnete man solche, welche am Orte der -Applikation (Haut, Digestionsschleimhaut) eine ätzende (korrosive) -oder stark reizende (irritierende) Wirkung äussern und hauptsächlich -hierdurch giftig wirken. Hierher gehören die ätzenden Alkalien und -Säuren, der Brechweinstein, der Sublimat und andere Metallsalze, die -Kanthariden, das Krotonöl, Euphorbium, Senföl, Terpentinöl. Dagegen -verstand man unter narkotischen (neurotischen) Giften solche, welche -ohne Lokalwirkung im wesentlichen nur durch eine Beeinflussung -des Nervensystems giftig wirken, wie Strychnin, Morphin, Eserin, -Arekolin, Pilokarpin, Solanin, Blausäure, Chloroform, Kohlenoxyd. -Scharfnarkotische endlich nannte man solche Gifte, welche zuerst am -Ort der Applikation, insbesondere im Magen und Darm, eine lokale -reizende Wirkung, und später nach ihrer Resorption ausserdem noch -eine allgemeine Einwirkung auf das Nervensystem besitzen: Kolchikum, -Digitalis, Veratrin, Tabak, Akonit, Ranunkeln, Buchsbaum, Eibenbaum, -Karbolsäure, Kresole, Bleisalze. - -Die neuere wissenschaftliche Toxikologie legt ihrer Einteilung die -Wirkung der Gifte auf die einzelnen +Körperorgane+ zugrunde. Danach -lassen sich folgende Gruppen unterscheiden: - -1. +Herzgifte+: Digitalisglykoside, Szillaglykoside, Strophanthin, -Oleandrin, Helleborein, Konvallamarin, Adonidin, Antiarin, Thevetin, -Nerein, Koffein, Chloroform, Kalisalze, Baryumsalze, Pilokarpin, -Arekolin, Nikotin. 2. +Blutgifte+: Kalium chloricum, Natrium und -Kalium nitrosum, Pyrogallussäure, Arsenwasserstoff, Nitrobenzol, -Amylnitrit, Paraldehyd, Chloroform, Saponin, Rizin, Abrin, Phallin, -Helvellasäure, Kohlenoxyd, Toluylendiamin. 3. +Gehirngifte+: Morphin, -Atropin, Hyoszin, Taxin, Zytisin, Alkohol, Chloroform etc. 4. -+Rückenmarksgifte+: Strychnin, Bruzin, Thebain, Nikotin, Kornutin -etc. 5. +Muskelgifte+: Blei, Kupfer, Purinstoffe (Koffein), Veratrin, -Kalisalze, Barytsalze. 6. +Stoffwechselgifte+: Blausäure, Phosphor, -Arsenik. 7. +Uterusgifte+: Sekale. 8. +Darmgifte+: Eserin, Arekolin, -Chlorbaryum. 9. +Drüsengifte+: Pilokarpin, Arekolin, Quecksilber. -10. +Nierengifte+: Kanthariden, Terpentinöl, Kolchikum, Quecksilber, -Kupfer, Blei, Wismut, Jod, Jodoform, Aloin, Salizylsäure. - -Auch nach der +chemischen Verwandtschaft+ und +physiologischen -Wirkung+ lassen sich die Gifte einteilen. So spricht man von einer -+Atropingruppe+ (Atropin, Hyoszin), +Nikotingruppe+ (Nikotin, Eserin, -Pilokarpin, Arekolin, Muskarin), +Digitalisgruppe+ (Digitoxin, -Szillitoxin, Strophanthin, Oleandrin, Helleborin, Konvallamarin, -Spartein, Adonidin), +Koniingruppe+ (Koniin, Kurare), +Morphingruppe+ -(Morphin, Kodein, Heroin, Dionin, Peronin, Papaverin, Narzein), -+Strychningruppe+ (Strychnin, Akonitin, Bruzin), von +Baryum-+, -+Blei-+, +Kupfer-+, +Quecksilbervergiftung+ usw. Eine systematische, -auf physiologischer Grundlage aufgebaute Einteilung der Gifte ist -z. B. von +Loew+ (1893) versucht worden. Die physiologische Wirkung der -einzelnen Gifte zeigt jedoch nach Dosis und Tiergattung sehr grosse -Verschiedenheiten. - -Eine eigenartige Gruppe von Giften bilden endlich die in abgestorbenen -oder kranken Organen von Tieren und Pflanzen entstehenden giftigen -Umsetzungsprodukte oder +metabolischen+ Gifte (Ptomaine, Toxine, -Fäulnisgifte, Bakteriengifte, Nahrungsgifte). - - =Autointoxikation.= Mit dem Namen +Autointoxikation+ (endogene - Intoxikation, Toxikose) bezeichnet man die +Selbstvergiftung+ - durch einen im Innern des Körpers selbst gebildeten (nicht - von aussen eingeführten) und ins Blut resorbierten Giftstoff. - Solche Giftstoffe sind vor allem beim normalen Stoffwechsel - entstehende Zersetzungsprodukte des Eiweisses, Fettes und - Zuckers, nämlich die +Kohlensäure+, sowie die zahlreichen im - Harn und in der Galle ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte, - namentlich verschiedene +Harnbasen+, +Harnstoff+, +Harnsäure+ und - +Gallensäuren+. Die durch die genannten Selbstgifte hervorgerufenen - Krankheitserscheinungen (+Erstickung+, +Urämie+, +Ammoniämie+, - +Gicht+, +Cholämie+) sind als Autointoxikationen aufzufassen, - welche durch Zurückhaltung der giftigen Stoffwechselprodukte im - Körper entstehen (sog. +Retentionstoxikosen+). Die Pathogenese - dieser Autointoxikationen, insbesondere der Urämie und Cholämie, - sind übrigens noch wenig erforscht (Vorstufen des Harnstoffs und - der Gallensäuren?). Eine andere Gruppe von Autointoxikationen - wird durch abnorme Umsetzungsprozesse im Blut und in den tätigen - Körperorganen verursacht. Hierher gehört die übermässige Bildung - von +Traubenzucker+, sowie das Auftreten der Oxybuttersäure und - Azetessigsäure bei der +Zuckerharnruhr+ (sog. +Produktionstoxikosen+ - oder +Nosotoxikosen+). Wahrscheinlich ist auch die Hämoglobinämie - der Pferde und die Gebärparese der Rinder eine derartige, durch - die Bildung abnormer Stoffwechselprodukte im Körper (Muskel, - Euter) veranlasste Autointoxikation. Aehnliche Vorgänge scheinen - bei der Verbrennung stattzufinden (giftige Zersetzungsprodukte - des Blutes und der verbrannten Gewebe). Auch die Entfernung der - Schilddrüse (Thyreoidektomie) hat eine schwere Autointoxikation - zur Folge (Cachexia strumipriva); man führt dieselbe auf abnorme - innere Sekretionsvorgänge zurück (+dyskrasische Autointoxikation+). - Eine letzte Form der Resorptions-Autointoxikation bilden die - sog. +Intestinaltoxikosen+ (enterogene Autointoxikation), - Selbstvergiftungen durch Giftstoffe, welche von den normal - im Darmkanal vorhandenen, nicht pathogenen Fäulnisbakterien - (Saprophyten) gebildet werden. Ein Beispiel hierfür ist der bei - der Fäulnis des Darminhaltes schon unter normalen Verhältnissen - entstehende, giftig wirkende +Schwefelwasserstoff+. Dagegen können - die analogen, bei der Einwirkung pathogener Mikroorganismen - (Milzbrand, Rotlauf, Starrkrampf usw.) im Tierkörper entstehenden - Toxine nicht zu den Autointoxikationen gerechnet werden, da bei ihnen - die giftproduzierenden Bakterien von aussen in den Tierkörper gelangt - sind (septische Intoxikation). - - -Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen. - -Die Ursachen der Vergiftungen bei unseren Haustieren sind sehr -mannigfaltiger Art. Die wichtigsten Veranlassungen sind: - -1. Die Aufnahme von +Giftpflanzen+ seitens der Pflanzenfresser -durch die Nahrung. Trotz fortgesetzter Ausrottung der giftigen -Gewächse, namentlich auf Weiden, Wiesen und Feldern, sowie trotz der -instinktiven Fähigkeit der Herbivoren, giftige von ungiftigen Pflanzen -zu unterscheiden -- eine Fähigkeit, welche allerdings bei anhaltender -Stallfütterung und zunehmender Domestikation abzunehmen scheint -- -ist die Zahl der Vergiftungsfälle infolge der Aufnahme giftiger -Pflanzen alljährlich immer noch sehr bedeutend. Die gefährlichsten -dieser Giftpflanzen sind die Herbstzeitlose, der Fingerhut, der -wilde Mohn, die Kornrade, die Kichererbse, der Tabak, die Nieswurz, -der Eibenbaum, der Buchsbaum, der Sturmhut, der Schierling, die -Tollkirsche, das Bilsenkraut, der Stechapfel, das Bingelkraut, der -Taumellolch, der Oleander, die Narzissusarten, Ranunkeln, Eupborbien, -Daphne, sowie verschiedene terpentinölhaltige Pflanzen. Aber auch für -gewöhnlich ungiftige Pflanzen können unter Umständen den Charakter von -Giftpflanzen annehmen, z. B. die Lupinen. Die wirksamen Bestandteile -der Giftpflanzen sind namentlich Alkaloide (über 150 bekannt) und -Glykoside, ausserdem ätherische Oele und Säuren. - -2. Die Aufnahme +verdorbener Nahrungsmittel+. Hierher gehört in erster -Linie die Ansiedlung von Schimmelpilzen, Rostpilzen und Brandpilzen -auf den verschiedenen Futtersorten und auf dem Streumaterial. Sodann -sind namentlich die Fabrikationsrückstände und Surrogate: Schlempe, -Rübenschnitzel, Malzkeime, Biertreber, die verschiedenen Oelkuchen, -das Palmkernmehl, Baumwollsaatmehl usw., sowie die Rückstände der -Haushaltung in der Form des sog. Spülichts und der Küchenabfälle sehr -häufig der Verderbnis unterworfen. Weiter sind hierher zu zählen die -Vergiftungen, welche durch Verfütterung von verdorbenem Fleisch, -verdorbenen Wurstwaren, faulenden Fischen, altem Käse bedingt werden; -sog. Fleisch-, Wurst-, Fisch-, Käsevergiftung. Auch die Vergiftung -durch Heringslake ist zum Teil hierher gehörig. - -3. Die Nähe von +Fabriken+ und sonstigen +gewerblichen Anlagen+, in -welchen Gifte verarbeitet werden. Am gefährlichsten sind in dieser -Beziehung Blei-, Silber- und Kupferbergwerke, welche teils durch ihre -Metalle (Blei), teils durch ihren Gehalt an Arsenik (Freiberger Hütten -in Sachsen) in weitem Umkreis das Leben der Haustiere gefährden. -Manche dieser Metalle gehen sogar in Form organischer Verbindungen in -die Pflanzen über und veranlassen so indirekt bei Pflanzenfressern -Vergiftungen. So erzeugt in Kärnten das auf Bleiglanz und Galmei -wachsende Gras Monilia coerulea bei weidenden Tieren Saturnismus; -seine Asche enthält nämlich 2 Prozent Bleioxyd = 0,05 Prozent der -ganzen Pflanze = 50 gr Bleioxyd in 100 kg Gras. Aehnliches kommt bei -barythaltigen Pflanzen vor. Auch fliessende Gewässer können entweder -durch Fabrikanlagen verdorben (Vergiftung auch der Fische) oder -infolge Aufnahme giftiger Metalle aus dem umgebenden Erdreich nach -weiten Entfernungen hin schädlich werden, wie z. B. der Bleibach -in der Rheinprovinz und die ebenfalls bleihaltige Innerste in der -Provinz Hannover. In ähnlicher Weise bieten auch Gasanstalten -(Vergiftungen durch Gaswasser, Einatmen von Leuchtgas), Kohlenbergwerke -(Grubengasvergiftung), Brennereien (Alkoholvergiftungen) und andere -gewerbliche Etablissements, ja selbst einfache Feuerungseinrichtungen -(Kohlenoxydgas) Gelegenheiten zu Vergiftungen. - -4. +Therapeutische Kunstfehler+, namentlich Fehler in der Dosierung -und in der Anwendung der verschriebenen Medikamente. Derartige -„Arzneivergiftungen“ kommen infolge falscher Dosierung hauptsächlich -bei stark wirkenden Medikamenten, so bei der Verordnung des Phosphors, -des Arseniks, des Brechweinsteins, der Aloë, des Krotonöls, der -Kanthariden, des Sublimats, Chlorbaryums, des Kalomels, der grauen -Quecksilbersalbe, des Extractum Filicis, sowie der Alkaloide Strychnin, -Veratrin, Eserin, Pilokarpin, Arekolin und Morphin vor. Fehler in der -Anwendung ereignen sich am häufigsten bei äusserlicher Applikation, -so bei zu ausgedehnter Teer- oder Karboleinreibung, ferner beim Baden -räudekranker Schafe (Arsenik-, Tabak-, Sublimat-, Karbolbäder), sowie -bei intravenöser (Chloralhydrat, Chlorbaryum) und intratrachealer -Applikationsmethode (Strychnin). Auch die Nichtbeachtung gewisser -diätetischer und anderer Massregeln, z. B. die Erlaubnis zum Einspannen -von Pferden, welchen ein Drastikum verordnet wurde, das gleichzeitige -Verabreichen von Brechweinstein und Aloë gegen Spulwürmer beim Pferd, -das Unterlassen von Schutzmassregeln gegen das Ablecken giftiger -Salben, die Wahl einer unrichtigen Arzneiform oder Konzentration haben -nicht selten eine Vergiftung zur Folge. - -5. +Verwechslungen+ seitens des dispensierenden Apothekers, Drogisten, -Kaufmanns, Tierarztes, sowie seitens der Laien und Tierbesitzer. -Solche Verwechslungen können teils durch undeutlich geschriebene -Rezepte sowie durch falsche Deutung derselben (Sublimat statt Kalomel, -Kalium sulfuratum statt Kalium sulfuricum, Formalin statt Furunkulin), -teils durch irrtümliches Vergreifen in den Standgefässen, teils durch -Unvorsichtigkeit des Drogisten oder Händlers bei Abgabe der Mittel -vorkommen. Letzteres bezieht sich insbesondere auf die dem freien -Handverkauf überlassenen, häufig schon aus jedem Kramladen beziehbaren -Mittel (Verwechslungen von Bleizucker, Salpeter, Alaun mit Glaubersalz). - -6. +Ausgelegte Gifte+ zur Vertilgung von Ratten, Mäusen, Schaben, -Wanzen. Denselben fallen am häufigsten Hunde und Katzen, sodann -Schweine und das Geflügel zum Opfer. Sie bestehen aus Strychnin, -Phosphor, Arsenik, Sublimat, Baryt, Meerzwiebel usw. - -7. +Giftfarben.+ Bedeutung für die Tierheilkunde haben vor allem die -+Bleifarben+ und Bleianstriche (Bleiweiss, Bleiglätte, Mennige), -welche zu zahllosen Vergiftungen beim Rind Veranlassung geben, sowie -die grünen, +arsenikhaltigen+ Tapeten (Schweinfurter und Scheelesches -Grün). Andere giftige Farben sind: Königsblau, Smalte, Mineralblau, -Sächsischblau, Bremer Blau, Kobalt-Ultramarin; Chromgelb, Pikrinsäure, -Antimongelb, Kasseler Gelb, Kölner Gelb, Mineralgelb, Rauschgelb, -Operment, Pariser Gelb, Anilingelb, gelber Ultramarin, Zinkgelb; -Braunschweiger Grün, Berggrün, Bremer Grün, Chromgrün, Englischgrün, -Kaisergrün, Kasseler Grün, Laubgrün, Moosgrün, Neapeler Grün, Neuwieder -Grün, Patentgrün, Oelgrün, Wiener Grün; Berliner Rot, Amarantrot, -arsenhaltiges Anilinrot, Chromrot, Kupferrot, Pariser Rot, Wiener Rot; -Kremserweiss, Schieferweiss, Schneeweiss, Silberweiss, Zinkweiss. -Ausser den oben genannten Blei- und Arsenfarben sind überhaupt -alle Farben giftig, welche +Chrom+, +Baryum+, +Antimon+, +Kupfer+ -(Grünspan), +Kadmium+, +Kobalt+, +Molybdän+, +Nickel+, +Quecksilber+, -+Wolfram+, +Zink+, +Zinn+, +Uran+ und +Wismut+ enthalten. Ungiftig -sind die arsenfreien Anilin-, Ultramarin- und Alizarinfarben, die -Farbstoffe der Pflanzen, die eisenhaltigen Farbstoffe, wozu z. B. -der rote Bolus gehört, sowie der Zinnober. Indigo, Methylviolett -(Pyoktanin), Malachitgrün, Eosin und verschiedene andere Benzol- und -Anthrazenderivate wirken übrigens namentlich in fein gepulvertem -Zustand örtlich reizend und entzündungserregend („Eosinschweine“). - -8. Durch den +Biss+ oder +Stich+ giftiger Tiere werden verhältnismässig -wenig Vergiftungen veranlasst. Meist ist es die Kreuzotter, seltener -die Redische Viper, welche in Europa für die Haustiere gefährlich wird. -Von Insekten kommen hauptsächlich die Bienen und die Kolumbakzer Mücken -in Betracht. - -9. Endlich sind die durch +Böswilligkeit+ herbeigeführten Vergiftungen -zu erwähnen. Am häufigsten kommen sie wohl bei Hunden, Katzen und beim -Geflügel vor, vereinzelt jedoch auch bei den grösseren Haustieren, wie -Pferd und Rind. Gewöhnlich werden hierzu der Phosphor, der Arsenik und -das Strychnin benützt (ortsübliche Rattengifte). - - Das =kunstgemässe Vergiften= der Haustiere wegen Krankheit, zu hohen - Alters, Gemeingefährlichkeit usw. wird namentlich bei +Hunden+ - und +Katzen+ vielfach angewandt. Im Hundespital der Berliner - tierärztlichen Hochschule werden jährlich gegen 3000 Hunde und - Katzen vergiftet. Das hierbei verwendete Gift ist eine 10prozentige - wässerige =Blausäure=lösung. Dieselbe wird mittels einer Pravazschen - Spritze in der Dosis von einigen Kubikzentimetern in die Subkutis - oder in die Lunge gespritzt; bei Katzen genügt ein blosses Einbringen - einiger Tropfen in den Lidsack oder auf die Maulschleimhaut. Man kann - Hunde und Katzen auch durch Einschütten einer =Zyankalium=lösung - (1-2,0 in Wasser oder Essig gelöst) töten. Die Vergiftung dauert - jedoch hierbei etwas länger, und das Einschütten ist nicht immer ganz - leicht; man sorge ferner für frisches, unzersetztes Zyankalium. Noch - umständlicher ist die Benützung des =Chloroforms= zum Vergiften, wenn - man nicht etwa, wie ich es früher getan habe, das Chloroform (einige - Kubikzentimeter) direkt ins Herz spritzt. (Die Tötung von Hunden mit - Chloroform im Veronalschlaf -- 2 bis 8 g Veronal -- wird von Jakob - empfohlen.) Die Anwendung des =Strychnins= bei Hunden ist wegen der - für den Zuschauer sehr peinlichen und oft länger, als vermutet, - andauernden Krampfwirkung zu vermeiden. Dagegen eignet sich dasselbe - gut zum Vergiften von +Füchsen+ und anderem Raubzeug (ausgelegte - Heringsköpfe, Fleischstücke usw.). Ausserdem hat man +Eserin+, - +Chlorbaryum+ (unsicher) und besondere +Kohlensäure+-Apparate - angewandt. - - +Pferde+ werden ebenfalls am schnellsten und sichersten durch - Blausäure getötet, welche am besten intravenös oder intratracheal - beigebracht wird (tödliche Dosis der reinen Blausäure = 1 g; danach - lässt sich die anzuwendende Menge der Blausäurelösungen berechnen). - Statt Blausäure kann man auch Strychnin (0,5 intratracheal) anwenden, - weil das Pferd diesem Mittel gegenüber sehr empfindlich ist. Auch die - intravenöse Anwendung von +Chlorbaryum+ (0,5) wird empfohlen. - - +Elefanten+ werden ebenfalls am besten mit Blausäure getötet. Man - nimmt die 100-200fache Dosis vom Pferd (100-200 g reine Blausäure) - und reicht sie am besten zusammen mit Schnaps (Rum) oder in - Brotwecken (Lechner). - - +Ratten+ und +Mäuse+ können durch Strychninweizen, Phosphorlatwerge, - Ratin (Bakterienkulturen der Mäuseseptikämie) usw. vergiftet werden. - Auch die +Meerzwiebeln+ werden als ein für den Menschen ungiftiges - Rattenvertilgungsmittel in der Landwirtschaft angewandt (Mengung - frischer Zwiebeln mit der doppelten Menge Fleisch, Zerkleinerung mit - der Hackmaschine, Formung haselnussgrosser Kugeln, Anbraten mit Talg, - Bestreuen mit Zucker, Auslegen in den Ställen). Das sog. „Ratin II“ - scheint nichts anderes als ein Meerzwiebelpräparat zu sein (vgl. das - Kapitel Meerzwiebel). - - -Modifikation der Giftwirkung. - -Die Intensität der Wirkung eines und desselben Giftes ist nicht immer -die gleiche, sie wird vielmehr durch verschiedene äussere und innere -Umstände modifiziert. Als wichtigste Faktoren, welche die Giftigkeit -eines Stoffes beeinflussen, kommen folgende in Betracht: - -1. Die =Dosis=, in welcher das Gift verabreicht wird. Je nach der -Grösse derselben kann die Wirkung entweder sehr stark, mittelstark, -schwach oder selbst gleich Null sein. Jedes Gift wird in verschwindend -kleiner Dosis wirkungslos; man kann diese kleinste Menge +indifferente -Dosis+ nennen. Ist das Gift gleichzeitig ein Arzneimittel, so -bezeichnet man die im Rahmen physiologischer Wirkungen sich haltenden -Quantitäten als +therapeutische Dosen+ (Minimal-, Maximaldosis). -Grössere Gaben, welche eine ausgesprochene Vergiftung erzeugen, -heissen +toxische Dosen+; tritt endlich im Verlauf der Vergiftung der -Tod ein, so spricht man von einer +tödlichen Dosis+ (dosis letalis). -Diese tödliche Dosis ist um so kleiner, je grösser die Giftigkeit -eines Stoffes ist. Sehr giftig sind namentlich die Blausäure und -manche Alkaloide (Akonitin, Nikotin, Strychnin), indem Zentigramme -bezw. Dezigramme hinreichen, um ein Pferd zu vergiften. Am giftigsten -scheint das Toxin der Starrkrampfbazillen (Tetanotoxalbumin) zu sein -(¼ Milligramm = 1/200 Tropfen tötet ein Pferd!). Man hat versucht, -durch Vergleichung der Giftigkeitsdosen der einzelnen Gifte für jedes -die sog. +Toxizität+ (Schwellenwert, Giftigkeitsgrenze) zu finden, -also den Uebergang der indifferenten in die toxische Dosis für jedes -Gift ziffernmässig festzustellen. Der allgemeinen Durchführung dieses -Plans steht indes die Tatsache gegenüber, dass jede Tiergattung ein -und demselben Gift gegenüber sich anders verhält. Aus diesem Grund -muss von der Aufstellung einer allgemeinen Giftigkeitsgrenze Abstand -genommen werden. Die Feststellung der Giftigkeitsgrenze der einzelnen -Gifte durch Versuche an Fischen (+Richet+) hat daher für die übrigen -Tiergattungen ebensowenig Geltung, wie die Bestimmung der Toxizität -zahlreicher narkotischer Gifte an Froschlarven (+Overton+, +H. Meyer+). - -2. Die =Form= des Giftes. Es ist bekannt, dass der Phosphor in einer -ungiftigen Form, als sog. roter Phosphor vorkommt, welche dadurch -hergestellt wird, dass man den gewöhnlichen giftigen Phosphor bei -Abwesenheit von atmosphärischer Luft auf 200 bis 250° erhitzt. Er -wird dadurch in Fett unlöslich und deshalb im Magen und Darm nicht -resorbiert. Aehnliche Verhältnisse kommen bei vielen sogen. isomeren -Verbindungen vor. So ist das α-Naphthol wesentlich giftiger als -das β-Naphthol; viele Ortho-Verbindungen haben eine andere Wirkung -als die entsprechende Meta- oder Para-Verbindung. Weiter ist die -Giftigkeit eines Körpers sehr verschieden, je nachdem derselbe in -löslicher oder unlöslicher Form, in Stücken, grob- oder feingepulvert, -in konzentrierter oder in verdünnter Lösung aufgenommen wird. Der -Arsenik ist am wenigsten giftig in Stücken, mit der Feinheit des -Pulvers nimmt seine Giftigkeit zu, am giftigsten ist er in Lösung. -Auch die Art des Lösungsmittels ist von Bedeutung. Phosphor in Oel -gelöst wird viel rascher und ausgiebiger resorbiert, als in andern -Flüssigkeiten; Kanthariden in Salbenform aufgenommen (Ablecken) wirken -aus demselben Grunde giftiger, als in Substanz. Alkoholische Lösungen -von Strychnin oder Blausäure werden im Magen viel schneller resorbiert, -als wässerige. Auflösungen der Karbolsäure in alkalischen Flüssigkeiten -oder in Oel sind weniger giftig, als solche in Wasser. Endlich gibt -es noch eine Reihe anderer Bedingungen. Durch Regenwasser ausgelaugte -Lupinen sind ungiftig, viele Metallsalze (Brechweinstein, Bleizucker) -und alle Alkaloide verlieren an Giftigkeit, wenn gleichzeitig Tannin -oder zufällig ein anderes Gegengift mit aufgenommen wird. Warme -Arsenikwaschungen, ferner kalte, aber im Sommer, in heissen Stallungen -oder bei erhitzten Tieren vorgenommene Waschungen sind gefährlicher -als kalte Waschungen im Frühjahr oder Herbst (Beobachtungen in -Schleswig-Holstein). - -3. =Alter= und =Abstammung= des Giftes. Sehr viele Gifte verändern -oder verlieren mit der Zeit infolge von Zersetzung ihre Wirksamkeit. -Beispiele sind namentlich die Glykoside und manche Alkaloide: -Digitalis, Secale cornutum, Akonit, Belladonna, Eserin, Pilokarpin, -Morphin, Apomorphin, Rhizoma Filicis, die Präparate der Blausäure -(Umwandlung der Blausäure im Bittermandelwasser in ameisensaures -Ammonium, des Zyankaliums in Kaliumkarbonat), der Phosphor (Umwandlung -zu amorphem), Karbolwasser (Verdunstung der Karbolsäure), die -ätherisch-öligen Mittel (Verdunstung der ätherischen Oele), Chlorkalk -(Verdunstung von Chlor), Bleiessig (Bildung von Bleikarbonat), Aetzkali -und Aetzkalk (Umwandlung zu kohlensaurem Kalium und kohlensaurem -Kalk). Auch das Umgekehrte wird zuweilen beobachtet; alte graue -Quecksilbersalbe ist z. B. giftiger, als frisch bereitete (Bildung von -leichter resorbierbarem fettsaurem Quecksilber). Dasselbe gilt für -altes Krotonöl (Abspaltung freier, giftiger Krotonolsäure). Bezüglich -der Bedeutung der Abstammung für die Giftigkeit ist hervorzuheben, -dass die Lupinen je nach dem Standort und der Gegend bald giftig, -bald ungiftig sind, dass ferner die Mohnpflanze in Europa nur ganz -verschwindende Mengen von Opiumalkaloiden enthält gegenüber dem grossen -Opiumgehalt derselben Pflanze in Kleinasien, Persien, Aegypten. Es mag -ausserdem an die Hanfpflanze erinnert werden, welche bei uns ungiftig -ist, während sie in derselben Spezies in Indien ein starkes Gift -liefert (indischer Hanf, Haschisch). Die Giftigkeit vieler Pflanzen -wechselt endlich nach den Jahreszeiten. Die meisten Giftpflanzen sind -am giftigsten zurzeit der Blüte; andere Pflanzen sind überhaupt nur -in bestimmten Monaten giftig, z. B. die Springgurke (Elaterium) nur -im Juli. Ein eigentümliches Verhältnis zeigt der Faulbaum (Rhamnus -Frangula), dessen Rinde im ersten Jahr nach der Gewinnung Erbrechen und -dann vom zweiten Jahr ab Purgieren erzeugt. - -4. Die =Applikationsweise=. Alle Gifte wirken vom +Magen+ aus -wesentlich schwächer, als von der Subkutis, von der Trachealschleimhaut -oder von Wunden aus. Manche Gifte sind vom gesunden Magen aus -überhaupt wirkungslos, so zahlreiche Bakterientoxine (Wut, Tetanus), -die Saponinsubstanzen, das Schlangengift und einige Pfeilgifte -(zersetzende, antitoxische Wirkung des Magensaftes). Auch bei stark -gefülltem Magen wirken die meisten Gifte wesentlich schwächer als bei -leerem Magen, weil die Resorption langsamer vor sich geht; ausserdem -werden manche Gifte durch gewisse Bestandteile des Futterinhaltes -des Magens, z. B. Alkaloide durch gerbsäurehaltige Nahrungsmittel, -Metallsalze durch ein eiweissreiches Futter unschädlich gemacht. -+Die Giftigkeit eines Stoffes vom Magen aus verhält sich zu seiner -Giftigkeit von der Subkutis und von Wunden aus etwa wie 1 : 10.+ -Uebrigens kann dieses Verhältnis je nach der Tiergattung auch enger -sein. So verhält sich beim Strychnin die tödliche stomachikale Dosis -zur tödlichen subkutanen wie 1 : 10 beim Schaf, wie 1 : 5 beim Pferd, -wie 1 : 3 beim Schwein, wie 1 : 2 beim Hund. Auch bei der Resorption -von Wunden aus ist die Giftigkeit ganz erheblich gesteigert; so -tötet der Arsenik per os Pferde in Gaben von 10-15 g, Hunde in Gaben -von 0,2 g, während von Wunden aus für Pferde 2,0 g und für Hunde -0,02 g zur Tötung ausreichen. Diese erhöhte Giftigkeit von Wunden -aus hat namentlich eine praktische Bedeutung für die Anwendung von -Aetzmitteln (Arsenik in Stücken bei Brustbeule, Nieswurzstecken) -sowie von Räudebädern unmittelbar nach der Schur (Arsenik-, Tabak-, -Karbolbäder). Die rektale Applikation wirkt etwa gleich stark, wie die -per os. Am stärksten ist die Wirkung der Gifte bei der intratrachealen, -intraperitonealen und intravenösen Injektion. +Die intratracheale -Applikation wirkt etwa 20mal, die intravenöse 25-50mal stärker, als die -Einführung vom Magen aus.+ - -5. Die =Ausscheidung= des Giftes aus dem Körper. Dieselbe beeinflusst -hauptsächlich den Verlauf und die Dauer einer Vergiftung; je -rascher das Gift den Körper wieder verlässt, um so kürzer ist auch -die Krankheitsdauer und umgekehrt. Langsam, erst etwa im Verlauf -einer Woche ausgeschieden werden z. B. die Glykoside der Digitalis -(Digitoxin) und das Strychnin, weshalb die Nachwirkung bei beiden -Giften ziemlich lang ist (kumulative Wirkung bei wiederholter -Einverleibung). Ausserdem sind durch eine sehr verlangsamte, Wochen -und Monate dauernde Ausscheidung die Salze der schweren Metalle -(Blei, Quecksilber, Kupfer, Arsen) charakterisiert, indem dieselben -organische Verbindungen mit dem Eiweiss der Körperzellen eingehen -(sog. Organdepositorien). Dieser Umstand erklärt auch die Tatsache, -dass chronische Vergiftungen am häufigsten Metallvergiftungen sind. -Am schnellsten werden die Chlor-, Brom- und Jodverbindungen der -Alkalien ausgeschieden (Chlornatrium, Bromkalium, Jodkalium); die -Hauptmenge derselben verlässt den Körper durch den Harn innerhalb 24 -Stunden. Die Ausscheidung der Gifte aus der Blutbahn geschieht durch -die Nieren, die Leber, die Speicheldrüsen, die Pankreasdrüse, die -Milchdrüse, die Darmdrüsen, Schweissdrüsen, Talgdrüsen, Schleimdrüsen -und die Lunge. Die meisten Gifte werden durch den Harn ausgeschieden. -Die Schwermetalle und das Strychnin werden dagegen in der Hauptsache -durch die Leber (Galle), das Morphium durch den Magen eliminiert. -- -Auch durch die Verlangsamung oder Beschleunigung der +Resorption+ -kann die Wirkung der Gifte beeinflusst werden. So tritt z. B. bei der -Kolchikumvergiftung die Wirkung des Giftes später ein, als bei anderen -Intoxikationen, weil das Kolchizin ein sehr schwer resorbierbares -Alkaloid ist. - -6. Die =Tiergattung=. Eine Reihe von Giften wird in ihrer Wirkung -wesentlich modifiziert durch die Tiergattung. Zunächst zeigen im -Vergleich zum +Menschen+ die Haustiere mehreren Giften gegenüber ein -ganz verschiedenes Verhalten. Während für den Menschen wegen seines -hoch entwickelten Gehirns und Nervensystems viele Nervenmittel, -namentlich die Alkaloide Morphium, Atropin, Hyoszin und Koniin sehr -starke Gifte sind, erweist sich deren Giftigkeit bei den Tieren als -eine ganz erheblich schwächere. Beispielsweise ertragen Hunde und -Pferde pro Kilogramm Körpergewicht 10mal mehr, Tauben 500mal mehr -und Frösche sogar 1000mal mehr Morphium als der Mensch. Während beim -Menschen schon 5 mg Atropin eine schwere Vergiftung bedingen können, -bleiben Hunde und Kaninchen nach Dosen von 500 mg, also nach der -hundertfachen Dosis, am Leben. - -Unter den einzelnen Tiergattungen selbst machen sich ebenfalls -bedeutende Unterschiede im Verhalten gewissen Giften gegenüber geltend. -So sind für Pflanzenfresser, besonders aber für die +Wiederkäuer+ -(Rind, Schaf und Ziege) die +Metallsalze+ viel stärkere Gifte, -als für die Fleischfresser und Omnivoren (Hund, Katze, Schwein). -Wahrscheinlich ist die Erklärung dieser Tatsache in dem Umstande zu -suchen, dass bei der eigentümlichen Einrichtung des Verdauungsapparates -der Pflanzenfresser, namentlich der Wiederkäuer, die eingeführten -Metallgifte viel längere Zeit (mehrere Wochen) im Magendarmkanal -verbleiben und daher ausgiebiger zur Resorption gelangen als bei den -Fleischfressern, bei welchen der Inhalt des Verdauungsschlauches nur -etwa einen Tag in demselben verweilt. So ist z. B. die tödliche Dosis -des Kalomels für das Rind nicht wesentlich höher als für das Schwein -(10 g), Ochsen sterben nach der Einreibung einer Gewichtsmenge grauer -Salbe, welche von Hunden ohne Schaden ertragen wird (30 g). Ebenso -empfindlich wie gegen Quecksilber sind die Wiederkäuer gegen Blei. -Während die tödliche Dosis des Bleizuckers für das Pferd zwischen 500 -und 700 g beträgt, sind für ein gleich schweres Rind zuweilen schon -50 g tödlich. Aehnliches beobachtet man bezüglich der Kupfersalze. -Umgekehrt sind die Wiederkäuer viel weniger empfindlich bezw. bis -zu einem gewissen Grade unempfindlich gegenüber der stomachikalen -Einverleibung der +Digitalisblätter+, weil die Digitalisglykoside in -den Vormägen zersetzt und unwirksam gemacht werden (bei intravenöser -Einverleibung besteht kein Unterschied!). Während z. B. Pferde nach -der innerlichen Verabreichung einer einmaligen Dosis von 25-30 g -getrockneter Digitalisblätter an Digitalisvergiftung sterben, ertragen -Kühe diese Dosis 4 Tage hintereinander, zusammen also 120 g Folia -Digitalis, ohne überhaupt darauf zu reagieren (20 g Digitalisblätter -im Infus intravenös eingespritzt wirken dagegen auch beim Rind -tödlich). Weitere Beispiele sind das ausserordentlich verschiedene -Verhalten der einzelnen Tiergattungen gegenüber dem +Chloroform+, -welches namentlich für die Wiederkäuer ein gefährliches Narkotikum -bildet, die starke Giftigkeit des Krotonöls und Brechweinsteins -für Pferde im Gegensatz zum Hund, die grosse Empfindlichkeit der -Katzen gegenüber der Karbolsäure und ihre geringe Empfindlichkeit -gegenüber dem Apomorphin, von welchem sie als Emetikum eine 10mal -grössere Dosis bedürfen, als grosse Hunde (während beim Schwein gar -kein Erbrechen dadurch hervorgebracht werden kann); die relativ -geringe Empfindlichkeit der Kaninchen gegen Belladonna und der Hühner -gegenüber der Brechnuss; die Empfindlichkeit der Vögel gegen Aether; -die Unempfindlichkeit des Igels gegen Kanthariden, Giftschlangen und -Giftpflanzen, der Frösche gegen Kurare, sowie der Insekten gegen -Muskarin, Kohlenoxyd und andere Gifte. - -7. Die =Grösse= und das =Alter= der =Tiere=. Im allgemeinen ist die -Giftwirkung einer und derselben Dosis um so schwächer, je grösser die -betreffenden Tiere sind. Setzt man die grösseren Haustiere, Pferd und -Rind = 1-2, so ergeben sich als entsprechende Verhältniszahlen für -Schafe, Ziegen und für Schweine = ½-⅕, für Hunde (und Menschen) = -1/10, für Katzen und Geflügel = 1/20. Ebenso nimmt im allgemeinen mit -dem Alter die Widerstandsfähigkeit gegen Gifte zu, das höchste Alter -ausgeschlossen. Ist z. B. die tödliche Dosis eines Giftes für ein -ausgewachsenes 6jähriges Pferd = 1, so beträgt sie für ein einjähriges -= ½, für ein halbjähriges = ¼, für ein vierteljähriges = ⅛, für ein -einen Monat altes = 1/16 usw. Ausnahmen kommen auch von dieser Regel -vor; so ertragen junge Hunde grössere Kalomeldosen als erwachsene. -Junge Hunde (Säuglinge) sind jedoch dem Santonin gegenüber 100mal -empfindlicher als erwachsene Hunde. - -8. Von sonstigen, die Giftwirkung beeinflussenden Momenten sind zu -erwähnen das =Geschlecht= (Kühe ertragen häufig grössere Giftdosen als -Ochsen, weil durch die Milch das Gift zum Teil aus dem Körper entfernt -wird; vergl. die Schlempevergiftung), die =Konstitution= (kräftige, -schwache) sowie eine bei manchen Tieren vorhandene +individuelle -Empfindlichkeit+ oder =Idiosynkrasie=. Die letztere besteht darin, -dass manche Individuen gegen gewisse (giftige oder ungiftige) Stoffe -auffallend überempfindlich sind, wie z. B. einzelne Pferde und Rinder -gegen Chloroform, Morphium, Eserin, Arekolin und Pilokarpin oder -manche Hunde gegen Kalomel, Filixextrakt und Arekanuss. - -Eine +Angewöhnung+ an Gifte als modifizierender Faktor der Giftwirkung, -wie sie beim Menschen beobachtet wird (Morphium, Alkohol, Nikotin, -Koffein, Kokain, Chloralhydrat, Arsenik, Rizinusöl) kommt bei den -Haustieren seltener vor (Arsenik, Santonin, Morphin, Rizin). Das -Zustandekommen der Angewöhnung ist dunkel (gesteigerte Fähigkeit -der Zersetzung? Bildung von Antikörpern? Zelluläre Immunität?). -Manche Tiere scheinen ferner gewissen Giften gegenüber, ähnlich -wie bei Seuchen, eine individuelle +Immunität+ zu besitzen (Rade, -Schimmelpilze, Rostpilze, Brandpilze, Saponinsubstanzen). - -Die +kumulative+ Wirkung einzelner Gifte (Strychnin, Digitalis), d. h. -die Tatsache der Summierung der Effekte mehrerer Einzeldosen erklärt -sich teils aus der langsamen Ausscheidung dieser Gifte aus dem Körper, -teils aus dem langsamen Abklingen der Wirkung der einzelnen Dosen. - - =Die Gewöhnung an Gifte.= Höhere Organismen (Menschen, Tiere) können - sich ebenso an einzelne Gifte gewöhnen („giftfest“ oder „immun“ - werden), wie niedrige, einzellige Organismen (Hefe, Bakterien, - Protozoen). Von der +Hefe+ ist bekannt, dass sie sich besonders an - Flusssäure und Fluoride, ausserdem an Formaldehyd, Kupfersalze und - Alkohol gewöhnt. Das sog. Effrontsche Flusssäureverfahren steigert - sogar die Gärkraft der Hefe aufs zehnfache und hält andere schädliche - Bakterien ab; dabei beruht die Gewöhnung an das Fluor auf der - Umwandlung des in die Zellen eindringenden löslichen Fluorammoniums - in unlösliches Fluorkalzium. +Bakterien+ gewöhnen sich an Borsäure, - Karbolsäure, Sublimat, Arsenik, Lithiumsalze usw. Pathogene Bakterien - werden sogar widerstandsfähiger durch Sublimat, Milzbrandbazillen - passen sich an Arseniklösungen an. Dasselbe gilt für +Schimmelpilze+, - namentlich für Penicillium glaucum, welche sich überhaupt leicht - an Metallsalze (Kupfer, Quecksilber, Nickel, Kobalt), ausserdem - an Chinin, Morphin, Kokain, Atropin, Alkohol, Pyrogallussäure - usw. gewöhnen. Unter den +Protozoen+ gewöhnen sich namentlich - die +Trypanosomen+ bald an Arsenpräparate, speziell an Atoxyl - (atoxylfeste Stämme), ferner an Fuchsin, Trypanrot und Trypanblau; - andere Protozoen gewöhnen sich an Chinin, Sublimat und konzentrierte - Kochsalzlösungen. - - Von den höhern Organismen gewöhnen sich +Menschen+ im allgemeinen - leichter und häufiger an Gifte als +Tiere+. Diese Gewöhnungen stellen - indessen zum Teil chronische Vergiftungen dar, indem sie mehr oder - weniger erhebliche Störungen des Allgemeinbefindens bedingen. Am - bekanntesten ist die Gewöhnung an das +Morphium+. Während jedoch - der Mensch sich an die 25fache Dosis gewöhnen kann, liessen sich - Versuchshunde nur an die 3fache tödliche Menge gewöhnen (Faust, - Arch. f. exp. Path. 1900); die Ursache der Gewöhnung scheint - auf einer Zerstörung oder Zersetzung des Morphins durch die an - dieses Gift gewöhnten Individuen zu beruhen. Die beim Menschen - so häufige Gewöhnung an +Alkohol+ ist bei Tieren, speziell bei - Hunden, Schweinen und Kaninchen bisher nicht gelungen (negative - Versuche von Dahlström, Strassmann, Dujardin-Beaumé u. a.). Dagegen - gewöhnen sich Menschen und Tiere an +Arsenik+. Aehnlich wie bei den - steiermärkischen Arsenikessern liessen sich Hunde an grosse Dosen - Arsenik, bis zu 0,4 g pro Kilo, gewöhnen, jedoch nur bei innerlicher - Verabreichung; bei subkutaner Injektion waren die arsenikfesten - Hunde ebenso empfindlich gegen das Gift wie die an Arsenik nicht - gewöhnten (Hausmann, Cloëtta). Ueber die Gewöhnung an +Rizin+ - („Rizinfestigkeit“) vergleiche das Kapitel Rizinusvergiftung. -- - Genaueres über die Gewöhnung an Gifte findet sich bei +Hausmann+, - Ergebnisse der Physiologie, VI. Jahrgang, 1907. - - -Allgemeines über Wirkungsweise und Schicksale der Gifte im Tierkörper. - -Man unterscheidet herkömmlicherweise zwischen örtlicher Giftwirkung -und Fernwirkung der Gifte. Die +örtliche+ Giftwirkung besteht in -Rötung, Schwellung, Entzündung, Verätzung, Anästhesierung der Haut, -Schleimhäute und Wunden. Eine grössere Anzahl von Giften besitzt -nur eine solche Lokalwirkung, so namentlich die einfachen Akria -und die Aetzmittel. Die reizende Wirkung der Akria wird durch die -Einwirkung auf die Nerven und Gefässe (Hyperämie, Entzündung, -Blasen-, Pustel-, Eiterbildung), die Aetzwirkung durch Ertötung -der Gewebe bedingt (Eiweissgerinnung durch Säuren und Metallsalze, -Auflösung des organisierten Eiweisses durch Laugen, Wasserentziehung -durch gebrannten Kalk und Schwefelsäure, Wasserstoffentziehung -durch Chlor). Dabei wird der Unterschied zwischen der reizenden -und ätzenden Wirkung häufig nur durch die Konzentration der Lösung -bedingt, indem bei gewissen Konzentrationsgraden keine Nekrose mehr -entsteht, sondern eine reparable entzündliche Reaktion. Auch im -bakterienfreien, sterilisierten Zustand erzeugen die Akria, unter -die Haut gespritzt, Eiterung ohne Mitbeteiligung von Eiterbakterien -(Versuche mit Krotonöl). Die +Fernwirkung+ der Gifte wird nicht durch -die Nervenleitung, sondern durch das Blut vermittelt, durch welches -dieselben in die einzelnen Körperorgane übergeführt werden. Danach -beginnt die Fernwirkung (Allgemeinwirkung) mit dem Uebergang der -Gifte ins Blut. Sie besteht in einer Einwirkung der Gifte auf die -Parenchymzellen der einzelnen Organe, also der Ganglienzellen des -Gehirns, der sezernierenden Leber-, Nieren-, Drüsenzellen, und kann -daher in gewisser Beziehung ebenfalls als Lokalwirkung aufgefasst -werden. - - Die +elementare Giftwirkung+, d. h. die Reaktion zwischen - chemischem Stoff und lebendem Protoplasma besteht entweder in einer - gegenseitigen chemischen Bindung mit Schädigung und Zerstörung des - Protoplasmas oder im osmotischen Eindringen des Giftes in die Zellen - ohne chemische Veränderung der letzteren. Das schnelle Eindringen - mancher chemisch indifferenter Stoffe (Alkohol, Aether) in das - Protoplasma wird auf das Vorhandensein fettähnlicher Bestandteile - (Lipoide) im Protoplasma zurückgeführt, welche die Aufnahmefähigkeit - der Zellen für Alkohol etc. bedingen (Overton). Dabei verhalten - sich die verschiedenen Arten von Protoplasma gegen ein und dasselbe - chemische Agens verschieden (+spezifische Affinitäten+). Das - Strychnin z. B. besitzt eine spezifische Affinität zum Rückenmark, - das Morphium und Atropin zum Gehirn, das Kohlenoxyd zum Hämoglobin. - Die Giftreaktion äussert sich dabei entweder in einer Steigerung oder - in einer Verminderung der Zellfunktion. - - Die +Resorption+ der Gifte ins Blut kann vom Darmkanal, von der - Haut und von der Lunge aus folgen. Die Resorption im +Darmkanal+ - geschieht teils aktiv durch die intra- und interepitheliale - Resorption und durch die Leukozyten (lipoidunlösliche Stoffe: - Salze, Metalle, Proteine), teils durch passives Passieren der - Epithelien (lipoidlösliche Stoffe: Alkohol usw.). Von der entzündlich - veränderten, also beschädigten Darmschleimhaut aus erfolgt die - Resorption besonders schnell (Giftigkeit des sonst unschädlichen - Saponins und Wismuts, Giftwirkung normaler Brechweinsteindosen bei - gleichzeitiger Verabreichung von Aloe). Die unverletzte +Haut+ - besitzt ein sehr geringes Resorptionsvermögen für Gifte, indem das - Fett der Talgdrüsen und die verhornten Epidermiszellen wässerige - Lösungen abhalten (nach Beseitigung des Fetts durch Aetherwaschung - findet eine geringe Resorption wasserlöslicher Stoffe statt). Die - bisher angenommene Durchlässigkeit der intakten Haut für Gase wird - neuerdings bestritten (die Haut der einzelnen Versuchstiere scheint - sich verschieden zu verhalten). Eine sehr intensive Resorption - findet dagegen nach Entfernung der Epidermis statt. In der +Lunge+ - werden Gase und Dämpfe durch die feuchten Alveolarepithelien und die - Gefässendothelien rasch resorbiert (Chloroform). Nach der Aufnahme - der Gifte ins +Blut+ erfolgt sofort die innere Absorption von seiten - der Gewebe (ein wenige Minuten danach vorgenommener Aderlass vermag - die tödliche Vergiftung wegen der bereits erfolgten Fixierung des - Giftes in den Geweben nicht mehr aufzuhalten). - -Die Schicksale, d. h. die +chemischen Veränderungen+, welche die Gifte -im allgemeinen bei ihrer Wanderung durch den Tierkörper erfahren, sind -sehr mannigfaltiger Art. Nur wenige derselben passieren den Körper -in unverändertem Zustande (Kochsalz, Glaubersalz). Zum grossen Teil -beruht die toxische Wirkung eben auf diesen chemischen Umsetzungen. Im -Nachstehenden sind die wichtigsten derselben kurz zusammengestellt. - -1. +Veränderungen der Gifte im Digestionsapparate.+ Bei einzelnen -giftigen Glykosiden findet bereits in der Mundhöhle unter der -Einwirkung des +Speichels+ eine Zersetzung statt (Amygdalin). -Wichtiger sind die im +Magen+ durch die Einwirkung des Magensaftes -und des Mageninhaltes bedingten Umsetzungen. Die Salzsäure des Magens -macht z. B. die im Zyankalium enthaltene Blausäure frei nach der -Formel: CNK + ClH = CNH + ClK; sie verwandelt ferner manche an sich -unlösliche Metalle (Blei) zu löslichen Chloriden (Chlorblei). Aehnlich -wirkt die im Magen vorhandene Milchsäure. Der Mageninhalt wirkt -teils durch seine Menge, teils durch einzelne seiner Bestandteile -modifizierend auf die Gifte ein. In ersterer Beziehung gilt der -schon erwähnte Satz, +dass die meisten Gifte bei vollem Magen (und -daher namentlich bei den Wiederkäuern) weniger stark wirken, als -bei leerem oder wenig gefülltem+. Die Erklärung hierfür ist in der -starken Verdünnung, verminderten oder verlangsamten Resorption, sowie -in der teilweisen Zersetzung der Gifte durch den Mageninhalt (z. B. -des Brechweinsteins durch das in vielen Futterpflanzen enthaltene -Tannin) zu suchen. Von den Bestandteilen des Mageninhalts befördern -die Albuminate die Resorption vieler Metalle (Quecksilber, Blei, -Zink, Kupfer, Chrom), indem sie dieselben in Metallalbuminate -überführen. Auch der Kochsalzgehalt des Mageninhaltes kommt in -Betracht, indem z. B. Sublimat sich in die leichter resorbierbare -Sublimat-Chlornatriumverbindung umwandelt. Im +Darmkanal+ bedingen -der alkalische Pankreassaft und die Galle, sowie die im Dickdarm -eintretenden Fäulnisprozesse (Entwicklung von Wasserstoff in Statu -nascente) verschiedenartige chemische Umsetzungen. So wird unter -der Einwirkung des alkalisch reagierenden Dünndarmsaftes die schwer -lösliche arsenige Säure (Arsenik, As_{2}O_{3}) zu leicht resorbierbarem -arsenigsaurem Kali (AsK_{3}O_{3}) umgesetzt; das unlösliche und daher -an sich wenig giftige Santonin verwandelt sich in leicht lösliches -santoninsaures Natrium und Kalium. Die Galle befördert die Löslichkeit -giftiger Oele und Harze, indem sie dieselben verseift (Krotonöl, -Rizinusöl, Aloe, Jalapen). Der im Dickdarm gebildete Wasserstoff führt -den Schwefel in Schwefelwasserstoff, den Phosphor und Arsenik in -Phosphor- und Arsenwasserstoff über. Endlich findet bei vorhandenem -Fettgehalt der Nahrung im Darmkanal eine Auflösung mancher Gifte durch -das Fett und infolgedessen leichtere Resorption derselben statt; -hierher gehören namentlich der Phosphor und das in den Kanthariden -enthaltene Kantharidin. - -2. +Veränderung der Gifte im Blute und in den Geweben.+ Beim Uebergang -der Gifte ins Blut finden die wichtigsten Veränderungen der Gifte -statt. Es sind zunächst einfache +chemische Bindungen+, welche -manche Gifte eingehen; so verbindet sich die Oxalsäure in den Nieren -mit Kalk zu oxalsaurem Kalk, der Arsenik mit Kalium oder Natrium zu -arsenigsaurem Kalium und Natrium, das Chlor, Brom und Jod ebenfalls mit -diesen Alkalien zu Chlorkalium, Bromkalium, Jodkalium; das Kohlenoxyd -verbindet sich mit dem Hämoglobin. Von +Synthesen+ sind zu erwähnen -die namentlich in der Niere vor sich gehenden Aetherschwefelsäure-, -Glykuronsäure- und Uraminosäure-Synthesen. Hierher gehört die Bildung -von Sulfonverbindungen (Umwandlung der Karbolsäure und der Kresole -zu phenolsulfonsaurem und kresolsulfonsaurem Kali), von gepaarten -Glykuronsäuren (Umwandlung des Chloralhydrats in Urochloralsäure, des -Kampfers in Kamphoglykuronsäure), sowie von Uraminosäureverbindungen -(Umwandlung der Salizylsäure in Salizylursäure, der Benzoesäure in -Hippursäure). Sehr zahlreich sind ferner +Oxydationen+ der Gifte -im Blut und in den Geweben. So wird Phosphor zu Phosphorsäure, -Schwefel zu Schwefelsäure, Blei zu Bleioxyd, Alkohol, Aldehyd und -Essigsäure zu Kohlensäure und Wasser, Benzol zu Phenol, Naphthalin -zu Naphthol, Karbolsäure zu Brenzkatechin und Hydrochinon oxydiert. -Daneben kommen unter der Einwirkung der Muskel- und Drüsentätigkeit -im Körper +Reduktionen+ vor. Namentlich alle an Sauerstoff sehr -reichen Salze (chlorsaures Kali, Nitrate, Chromsäure) werden zu -niedrigen Oxydationsstufen reduziert. Desgleichen beobachtet man -bei einer grösseren Anzahl von Giften im Blute sowie in den Muskeln -und in der Leber +Spaltungen+ und Zersetzungen. Dieselben betreffen -hauptsächlich die Alkaloide und Glykoside (Eserin, Pilokarpin, -Morphium, Koffein, Amygdalin). Endlich findet man bei einer nicht -geringen Anzahl von Giften +Assimilationen+ von seiten des Tierkörpers. -So ist es beispielsweise bekannt, dass im Knochen die Phosphorsäure -(phosphorsaurer Kalk) durch arsenige Säure (arsenigsaurer Kalk) ersetzt -werden kann. Hierher gehört auch die +Ablagerung+ (Deposition) der -Metalle in verschiedenen inneren Organen, namentlich des Quecksilbers -in der Leber (Organdepositorium), wo sie in Form von Metallalbuminaten -gewissermassen assimiliert werden (Bindung an die Nukleoalbumine und -Nukleine). - -3. +Verhalten der Gifte bei der Ausscheidung aus dem Körper.+ Die -wichtigsten Ausscheidungsorgane des Körpers sind die +Nieren+ und -die +Leber+. Durch die +Nieren+ werden namentlich die Salze der -Halogene (Jodkalium, Bromkalium) in so kurzer Zeit aus dem Körper -ausgeschieden, dass die Hauptmenge innerhalb 24 Stunden mit dem Harn -aus dem Körper entfernt wird. Viel langsamer werden die Salze der -Schwermetalle durch die Nieren ausgeschieden (Wochen, Monate). Wegen -ihrer Beteiligung an der Ausscheidung der Gifte sind die Nieren und -die Leber bei sehr vielen Vergiftungen in erster Linie gefährdet, -wie die schweren Nierenaffektionen bei Kanthariden-, Terpentinöl-, -Kolchikum-, Quecksilbervergiftung, sowie die krankhaften Entartungen -der Leberzellen bei Phosphor- und Arsenikvergiftung beweisen. Für die -gasförmigen und flüchtigen Gifte (Chloroform, Alkohol, Kohlenoxyd, -Grubengas) sind die +Lungen+ das Hauptausscheidungsorgan. Neben -diesen Drüsen wirken jedoch noch andere, nicht minder wichtige, bei -der Ausscheidung der Gifte mit. Es sind namentlich die +Magen-+ -und +Darmdrüsen+ zu erwähnen. Dieselben besitzen speziell für die -Eliminierung des Morphiums (Magen), Phosphors, Arseniks, Quecksilbers, -überhaupt der Schwermetalle eine viel grössere Bedeutung als die -Nieren und erkranken deshalb sehr häufig im Verlauf der Vergiftung -(sog. Gastro-Enteritis glandularis oder Adenitis parenchymatosa). -Weiter beteiligen sich an der Ausscheidung von Giften die +Talg-+ -und +Schweissdrüsen+ der Haut, welche ebenfalls bei dieser -Tätigkeit schwere Beschädigungen erleiden können (Hautexantheme -bei Merkurialismus, Bromvergiftung, Jodvergiftung, Schlempemauke), -die +Speicheldrüsen+ (Salivation bei Quecksilbervergiftung), die -+Schleimdrüsen+ der Respirationsschleimhaut (Bronchitis, Laryngitis, -Rhinitis bei Quecksilber- und Jodvergiftung), die +Tränendrüse+ -und, was namentlich für das Rind von grosser Bedeutung ist, die -+Milchdrüse+. Die gesteigerte Funktion dieser letzteren Drüse bedingt -es, dass Milchkühe manchen Vergiftungen gegenüber widerstandsfähiger -sind als andere Tiere (Schlempemauke), weil durch die Milch das -eingedrungene Gift rasch und in reichlicher Menge aus dem Körper -entfernt wird. Auf der anderen Seite können die milchsezernierenden -Drüsenzellen durch manche Gifte (Phosphor, Jod) so stark bei der -Ausscheidung derselben betroffen werden, dass eine Atrophie der -Milchdrüsen mit dauerndem Versiegen der Milch die Folge ist. - - Die Frage der =Geniessbarkeit des Fleisches vergifteter Tiere= ist - auf Grund zahlreicher experimenteller Untersuchungen und praktischer - Beobachtungen zu +bejahen+. Die von +mir+ und +Knudsen+ (Monatshefte - für prakt. Tierheilkunde I. u. II. Bd.) mit den giftigsten - Alkaloiden Strychnin, Eserin, Pilokarpin und Veratrin bei Hammeln - und Kaninchen angestellten Versuche haben gezeigt, +dass das Fleisch - der vergifteten Tiere entweder gar kein Gift oder nur so minimale - Spuren enthält, dass es durchaus unschädlich ist+ (+Selbstversuche+, - +Versuchstiere+). Diese Tatsache erklärt sich einerseits aus +der - reduzierenden Einwirkung der Muskeltätigkeit und des Blutes+ auf - die Alkaloide, andererseits aus der Entgiftung des Körpers durch - zahlreiche Sekretionsorgane (Nieren, Leber, Darmdrüsen, Milchdrüse). - Zu demselben Ergebnis ist bezüglich des Strychnins +Schneider+ - gelangt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde XI. Bd.); danach wurden - je 5 Gänse und Enten, ferner 6 Hühner und 8 Tauben mit Strychnin - vergiftet und sämtliche an Strychninvergiftung gestorbenen Tiere ohne - Schaden verzehrt (Selbstversuche). Aehnliche Beobachtungen haben - bezüglich Strychnin, Eserin und Apomorphin +Feser+, bezüglich Arsenik - +Sonnenschein+, +Spallanzani+ und +Zappa+, bezüglich Oleandrin - +Veronesi+ (Selbstversuche), bezüglich Brechweinstein +Harms+, - bezüglich Blei +Albrecht+, +Laho+ und +Mosselmann+ veröffentlicht. - Die letzteren (Brüsseler Annalen 1893) vergifteten einen jungen - Stier mit Bleifarbe; bei dem am 6. Tage gestorbenen Tier wurde in - +den Muskeln überhaupt kein Blei gefunden+. Hunde, welche wochenlang - mit dem Fleisch des Stieres gefüttert wurden, zeigten nicht die - geringsten Störungen des Allgemeinbefindens. Ueber weitere Fälle - von Unschädlichkeit des Fleischgenusses vergifteter Tiere berichtet - +Ostertag+ (Handbuch der Fleischbeschau). - - Anders liegen die Verhältnisse bezüglich der +Leber+, der +Nieren+, - des +Magens+ und +Darmes+, sowie des +Euters+ bezw. der +Milch+. - In den genannten Drüsen und Organen findet eine Ausscheidung der - Gifte aus dem Blute statt; dieselben sind daher mehr oder weniger - gifthaltig und ihr Genuss unter Umständen +gesundheitsschädlich+. - Dies gilt insbesondere für den Darmkanal, die Nieren und das Euter. - Die Leber ist namentlich für metallische Gifte ein Depositorium, - während die Alkaloide in der Leber, ähnlich wie im Fleisch, - zersetzt werden (+Schiff+, +Roger+, eigene Beobachtungen). Das - Euter und die Milch sind von den genannten Exkretionsorganen am - giftreichsten. Dies wird auch durch die tierärztliche Erfahrung - bewiesen, wonach mehrfach +Erkrankungen durch die Aufnahme der+ - =Milch= +vergifteter Tiere+ beobachtet worden sind. So erkrankten - Saugkälber und Fohlen nach der Verabreichung von Arsenik an die - Mutterkühe bezw. Mutterstuten (+Spinola+, +Huxel+), Lämmer und Hunde - nach der Aufnahme der Milch einer mit Brechweinstein behandelten Kuh - (+Harms+), Saugkälber nach der Verfütterung von radehaltigem Mehl - an die Muttertiere (+Tabourin+), desgleichen nach Verfütterung von - Rizinuskuchen (+Bollinger+). Die Milch von Kühen, welche Kolchikum - aufgenommen hatten, zeigte sich auch dann giftig, wenn die Kühe keine - auffallenden Krankheitserscheinungen aufwiesen (+Ungar. Vet.-Ber.+ - 1900). In der Milch von Kühen, die mit alkoholhaltiger Schlempe - gefüttert worden waren, wiesen +Weller+ und +Teichert+ bis zu 1 Proz. - Alkohol nach. +Klingemann+ fand nach Verabreichung von 100-200 g - Alkohol bei Kühen, dass 0,5 g davon durch die Milch ausgeschieden - wurden. Aehnliche Vergiftungsfälle sind beim Menschen nach dem - Genusse der Milch von Tieren beobachtet worden, welche Giftpflanzen - und andere Gifte aufgenommen hatten (vgl. +Fröhner+, Ueber die - Bedeutung der Milchmittel, Monatshefte für prakt. Tierheilkunde II. - Bd.). Dagegen ist bei der +therapeutischen+ innerlichen Verabreichung - des Bleis und Kupfers, sowie bei der fortgesetzten Einwirkung - kleiner Dosen der Blei- bezw. Kupfergehalt der Milch so gering, dass - eine gesundheitsschädliche Wirkung nicht möglich ist (+Baum+ und - +Seliger+, Berl. Arch. 1895 u. 1896). +Storch+ (B. T. W. 1902), sah - trotz lange fortgesetzter medikamenteller Dosen von Chloralhydrat - bei Kühen (50,0) und Schafen (8-15,0) keine schädigende Wirkung auf - die säugenden Jungen oder Versuchstiere, nicht einmal der Chlorgehalt - der Milch stieg nach der intravenösen Injektion von Chloralhydrat. - Nach +van Itallie+ (Holl. Vet.-Zeit. 1904) sollen von Arzneimitteln - überhaupt nicht in die Milch übergehen: Morphium, Eserin, Pilokarpin, - Jod, Salizylsäure und Terpentinöl. - - -Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen. - -Die durch die Einverleibung von Giften hervorgerufenen -Krankheitserscheinungen und pathologisch-anatomischen Veränderungen -sind im allgemeinen nicht sehr leicht von den gewöhnlichen Krankheiten -zu unterscheiden. Die sichere, zweifelsfreie Beantwortung der Frage, -ob im gegebenen Fall eine Vergiftung vorliegt oder nicht, lässt sich -in der Mehrzahl der Fälle nicht auf klinisch-anatomischem Wege, -sondern nur mit chemisch-physikalischen Hilfsmitteln bewirken. -Sehr häufig bietet aber doch der Krankheitsbefund allein wichtige -Anhaltspunkte dafür, dass eine Vergiftung mutmasslich oder sehr -wahrscheinlich vorliegt, und vereinzelt lässt sich wohl auch eine -solche auf rein klinischem Wege mit Sicherheit nachweisen, wie z. B. -die Strychninvergiftung. Viel weniger Schwierigkeiten sind natürlich -für die Beurteilung derjenigen Vergiftungen vorhanden, bei welchen -die Natur des Giftes im voraus bekannt ist, so namentlich bei den -Arzneivergiftungen. - -=Klinische Symptome.= Die für die klinische Diagnose wichtigsten Punkte -sind kurz zusammengefasst folgende: - -1. Das +plötzliche+ Auftreten einer schweren Erkrankung +ohne -nachweisbare Ursache+ (Erkältung, Infektion, Ueberanstrengung) mit -raschem, oft tödlichem Verlauf. Das Auftreten dieser Krankheit -im unmittelbaren Anschluss an die +Futteraufnahme+, sowie das -+gleichzeitige+ Erkranken anderer Tiere ist besonders wichtig -(Anamnese). - -2. +Gastrische Erscheinungen+: Appetitlosigkeit, gestörte Rumination, -+Speicheln+ (Merkurialismus, Pilzvergiftung), +Kaukrämpfe+ und -Zähneknirschen (Blei-, Kochsalz-, Lakenvergiftung), +Trismus+ -(Strychninvergiftung), Stomatitis (Aetzgifte, Pilzvergiftung, -Quecksilbervergiftung), Trockenheit der Maulschleimhaut und -+Schlinglähmung+ (Belladonna, Pilzvergiftung), Würgen und +Erbrechen+, -Hämatemesis, +Kolikerscheinungen+ (Acria und Acria-Narcotica), -+Verstopfung+, +Aufblähen+, Tenesmus, +Durchfall+, blutiger, -schleimiger, schaumiger, übelriechender Kot, Aufhören der -Milchsekretion, +Ikterus+ (Phosphorvergiftung, Lupinose). - -3. +Nervöse Erscheinungen+: +Depression des Sensoriums+, Benommenheit, -Schläfrigkeit, rauschartige Narkose, +Schwindel+ (Chloroform, Alkohol, -Lolium temulentum), +psychische Erregung+, Unruhe, Schreckhaftigkeit, -Aufregung, Tobsucht (Bleivergiftung, Alkoholvergiftung), +zerebrale -Krämpfe+ (Eklampsia saturnina), +spinale Krämpfe+ bezw. +Tetanus+ -(Strychnin, Nikotin), +Zwangsbewegungen+ (Extractum Filicis), -zerebrale, spinale und periphere +Lähmungen+ (Bleilähmung, -Taxusvergiftung), +Schwächezustände+, +Zittern+, +Kehlkopflähmung+ -(Kichererbse, Bleivergiftung), +Blasenlähmung+, Mastdarmlähmung, -+Amaurosis+ (Bleivergiftung), Mydriasis, Myosis, Ptosis, Nystagmus -(Lakenvergiftung), Hyperästhesie, +Anästhesie+, +Kollaps+. - -4. +Kardiale Erscheinungen.+ Dieselben treten namentlich bei den -Herzgiften (Digitalisgruppe) in Form einer Beeinflussung der Frequenz, -Stärke, sowie des Rhythmus der Herztätigkeit auf und äussern sich -in +Verlangsamung+, +Beschleunigung+, +Unregelmässigkeit+ des -Herzschlages und Pulses, in +Herzklopfen+, verminderter Herzkraft, -+Schwäche+ des +Pulses+, +Unfühlbarkeit+ desselben und schliesslicher -+Herzlähmung+. Weitere Störungen der Zirkulationsorgane sind +Zyanose+, -+Temperaturverminderung+ oder +erhöhte Körpertemperatur+. - -5. +Harnveränderungen.+ Eine Reihe von Giften erzeugt charakteristische -Veränderungen des Harns. So beobachtet man +Polyurie+ (Pilzvergiftung), -+Oligurie+, +Strangurie+ und +Anurie+ mit Urämie (toxische Nephritis -bei Kantharidenvergiftung), +Hämaturie+ (Baumwollsamenvergiftung), -+Hämoglobinurie+ (Vergiftung durch Kali chloricum, Nitrobenzol, -Bienenstiche), +Braun-+ und +Grünfärbung+ (Karbol- und Teervergiftung), -+Glykosurie+ (Morphium-, Chloroform-, Aether-, Kohlenoxyd-, -Oxalsäurevergiftung). - -Von sonstigen für die Diagnose wichtigen allgemeinen -Krankheitserscheinungen sind zu erwähnen die teils direkt infolge von -Blutveränderungen oder Lähmung der Respirationsorgane teils indirekt -infolge von Herzlähmung eintretende +Dyspnoe+ (Blausäurevergiftung), -+Exantheme+ (Quecksilber-, Brom-, Schlempevergiftung), +Urticaria+ und -+Hautnekrose+ (Rostpilze, Kernpilze), +Ernährungsstörungen+ (chronische -Blei-, Arsenik-, Quecksilberkachexie), +Abortus+ (Sekale- und andere -Pilzvergiftungen, sowie bei schweren Vergiftungen überhaupt infolge -Veränderung der Blutverteilung oder Dyspnoe), +Sterilität+ (chronische -Arsenikvergiftung). - -6. +Oertliche Reizerscheinungen+, bestehend in Rötung, Schwellung, -Entzündung und +Verätzung+. Dieselben sind charakteristisch für die -Akria und lassen sich während des Lebens auf der Haut, sowie auf der -Schleimhaut der Maul- und Rachenhöhle nachweisen. Manche scharfe Gifte -sind durch eine besondere Farbe des +Aetzschorfes+ ausgezeichnet, so -die Salpetersäure durch einen +gelben+, das Formaldehyd durch einen -+braunen+, die Salzsäure durch einen +grauweissen+, die Essigsäure -durch einen +weissen+ Schorf. - -=Anatomische Veränderungen.= Ihre Bedeutung für die Diagnose der -Vergiftungen ist beschränkt. Sehr viele Gifte, welche während des -Lebens ausgeprägte klinische Erscheinungen bedingen, so die ganze -Reihe der reinen Narcotica, hinterlassen keinerlei anatomisch -erkennbare Veränderungen im Tierkörper. Das einzig Charakteristische -ist daher bei ihnen der +negative Sektionsbefund+. Im Gegensatz -hierzu findet man bei den scharfen und scharfnarkotischen Giften -auf der Schleimhaut des Digestionsapparates die Erscheinungen der -+Entzündung+ und +Korrosion+ (Rötung, Schwellung, Hämorrhagien, -Erosionen, Geschwüre, kruppöse, diphtheritische Beläge, Perforation). -Ausser diesen lokalen Veränderungen in den ersten Wegen beobachtet man -als wichtigste Allgemeinveränderungen +Verfettung+ der +Muskeln+ und -+Drüsen+ (Phosphor-, Arsenikvergiftung), +Nephritis+ und +Zystitis+ -(Kanthariden, Terpentinöl), +Nierenverkalkung+ (Quecksilber, -Blei, Kupfer, Wismut, Jod, Jodoform), +akuten Hydrozephalus+ und -+Hydrorhachis+, +Hämorrhagien+ in verschiedenen Organen, sowie zuweilen -spezifische Veränderungen des +Blutes+: lackfarbige Beschaffenheit -(Blutgifte), kirschrote Farbe (Kohlenoxydvergiftung), hellrote Farbe -des Venenblutes (Blausäurevergiftung). Man hat sich indessen vor -Verwechselungen mit postmortalen gewöhnlichen Veränderungen sehr -zu hüten. Die Erscheinungen der Suffokation (Blutüberfüllung der -Lungen und des Herzens) findet man auch bei Tieren, welche nicht an -Vergiftung, sondern eines gewöhnlichen Todes verstorben sind. - - =Differentialdiagnose der Vergiftungen.= Zahlreiche Krankheiten - können teils wegen ihres +plötzlichen+ Verlaufs (apoplektiforme - Krankheiten), teils wegen der +gleichzeitigen+ Erkrankung mehrerer - Tiere (Infektionskrankheiten), teils wegen der auffallenden - +nervösen+ Symptome (Nervenkrankheiten) mit Vergiftungen verwechselt - werden. - - 1. =Apoplektiforme= Krankheiten sind namentlich Ueberhetzung - bei Pferden, Rindern und Schweinen, Hitzschlag, Sonnenstich, - Herz-, Lungen- und Gehirnlähmung, Milzbrandapoplexie, perakut - verlaufender Schweinerotlauf und Schweineseuche (Schweinepest), sowie - Geflügelcholera, perakute Septikämie, Magen- und Darmruptur, sowie - innere Verblutung (Aorta, Leber). - - 2. =Infektionskrankheiten= sind Milzbrand, Rinderpest, - Schweinerotlauf, Maul- und Klauenseuche, Kälberruhr, Pocken - (Pilzvergiftung, Schlempevergiftung, Quecksilbervergiftung), - seuchenhafter Abortus (Mutterkornvergiftung), Tuberkulose, Wut - (Bleivergiftung), Leberegelseuche (Lupinose). - - 3. =Nervenkrankheiten= sind Starrkrampf (Strychninvergiftung), - Eklampsie und Epilepsie (Bleivergiftung), Gehirnentzündung - (Klatschrosenvergiftung), zerebrale und spinale Lähmungen - (Pilzvergiftung, Equisetum- und Loliumvergiftung), Kehlkopflähmung - (Blei-, Kichererbsenvergiftung). - - Endlich können Todesfälle nach +Räudebädern+ bei Schafen infolge - Aspiration der Badeflüssigkeit und Erstickung, Ueberhitzung oder - Erkältung mit Vergiftungen verwechselt werden (Arsenik-, Tabak-, - Kreolinvergiftung). - - -Der chemisch-physikalische Nachweis der Vergiftungen. - -Die überwiegende Mehrzahl der Vergiftungen lässt sich -mit wissenschaftlicher Sicherheit nur auf dem Wege der -chemisch-physikalischen Analyse nachweisen. Als Untersuchungsobjekte -dienen in erster Linie der Inhalt des Magens und Darmes, sodann das -Blut, ausserdem die Leber, Nieren, Muskeln und der Harn, alle in -möglichst frischem Zustand. Anorganische Gifte sind, weil sie sich -während der Untersuchung nicht verändern und in ihren Reaktionen besser -studiert sind, wesentlich leichter nachweisbar als die zersetzlichen, -noch sehr wenig charakterisierten organischen Verbindungen, namentlich -die Alkaloide und Glykoside. Der chemische Nachweis der Vergiftungen -beginnt mit einer Vorprüfung, der die eigentliche Analyse folgt. - -1. =Die Vorprüfung.= Vor der eigentlichen chemischen Untersuchung -sind Vorversuche darüber anzustellen, welche Art oder Klasse von -Giften in dem zu untersuchenden Material etwa vorhanden sein könnte. -So lassen sich schon durch den gewöhnlichen +Gesichtssinn+ oder -mittels der +Lupe+ oder des +Mikroskops+ Jodoform, Kalomel, Arsenik, -roter Präzipitat, Kanthariden, sowie sehr viele Pflanzenteile (Semen -Strychni, Semen Colchici, Folia Digitalis, Folia Belladonnae, -Herba Hyoscyami, Folia Nicotianae) sowie der Phosphor (Leuchten im -Dunkeln) nachweisen. Auch die +Farbe+ kann bei Pikrinsäure (gelb), -Quecksilberjodid (rot), Kupferoxyd (schwarz), Kalomel (weiss) usw. auf -die Art der Vergiftung hinführen. Die +Reaktion+ lässt Säuren und -saure Salze, sowie Basen erkennen. Durch den +Geruch+ lässt sich die -Anwesenheit von Blausäure, Phosphor, Karbolsäure, Kreosot, Jodoform, -Chloroform, Kampfer, Terpentinöl, Aether, Alkohol, Nikotin feststellen; -dieser für die einzelnen Gifte charakteristische Geruch wird namentlich -beim Erwärmen des Untersuchungsmaterials mittels Säuren, am besten bei -der Destillation, wahrgenommen. Die kristalloiden Körper (Metallsalze, -alle löslichen Salze, Alkaloide, Säuren, Alkalien) lassen sich ferner -auf dem Wege der +Dialyse+ trennen. Metalle (Blei, Quecksilber) können -ausserdem durch +Elektrolyse+ nachgewiesen werden. Zu diesen Vorproben -wird nach +Dragendorff+[1] nur etwa 1/20 des Untersuchungsmaterials -verwandt. Das übrige wird in 4 Teile geteilt; das erste Viertel wird -der +Destillation+ unterworfen und auf flüchtige Gifte (Blausäure, -Phosphor, Chloroform, Karbolsäure, Alkohol, Aether) untersucht, das -zweite durch +Ausschütteln+ auf Alkaloide und sonstige organische -Gifte, das dritte auf schwere Metalle durch +Lösung+ derselben nach -+vorhergegangener Zerstörung der organischen Substanz+ und teilweiser -Behandlung mit +Schwefelwasserstoff+, das vierte durch einfaches -+Ausziehen+ mit +Wasser+ (Alkalien und Säuren). - -2. =Der Nachweis der schweren Metalle.= Während die Salze der -Alkalien und die Säuren von dem Untersuchungsmaterial sehr leicht -durch einfaches Ausziehen mit Wasser zu trennen und dann auf ihre -Spezialreaktionen zu untersuchen sind, lassen sich die schweren Metalle -und ihre Salze (+Arsen+, +Quecksilber+, +Blei+, +Kupfer+, +Zink+, -+Antimon+) nicht ohne weiteres aus dem Körper der vergifteten Tiere -extrahieren, weil sie mit dem Körpereiweiss sogen. metallorganische -Verbindungen (Metallalbuminate) gebildet haben, in welchen die -betreffenden Metalle ihre charakteristischen Reaktionen verloren -haben. Die Metalle müssen daher aus diesen organischen Verbindungen -durch ein vorbereitendes Verfahren zuerst wieder frei gemacht werden. -Dieses +Freimachen+ der Metalle aus ihren Albuminatverbindungen -geschieht durch +Zerstören+ der +organischen Substanz+ mittels +Chlor+ -oder +Salpeter+ oder +anorganischen Säuren+. a) Mit +Chlor+ werden -die organischen Beimengungen in der Weise zerstört, dass man sie mit -+Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+ zusammenbringt, welche zusammen -Chlor entwickeln. Die zerkleinerten Substanzen werden etwa mit -demselben Gewichte Salzsäure versetzt, nötigenfalls mit destilliertem -Wasser verdünnt und in einem geräumigen Glaskolben, welcher damit -nur etwa zur Hälfte gefüllt wird, im Wasserbade erhitzt, nachdem sie -einen Zusatz von etwa 2 Proz. Kali chloricum erhalten haben. Das -Dunkelwerden der Flüssigkeit beim Erwärmen zeigt den Zeitpunkt an, dass -das chlorsaure Kali verbraucht ist und ersetzt werden muss. Man bringt -dann vorsichtig, um das Aufschäumen zu vermeiden, von Zeit zu Zeit etwa -ein Gramm chlorsaures Kali hinzu. Wird nach einem ¼-½stündigen Erhitzen -die Flüssigkeit nicht mehr dunkler, so genügt die Chloreinwirkung -und die Zerstörung ist beendet. Die Flüssigkeit wird sodann in einer -Porzellanschale erwärmt, bis das Chlor entwichen ist, heiss filtriert -und der Rückstand mit heissem destilliertem Wasser ausgewaschen. Im -Filtrate sind dann Arsen als +Arsensäure+, Quecksilber als +Sublimat+, -Blei als +Bleichlorid+, Antimon als +Antimonchlorid+, Kupfer als -+Kupferchlorid+, Zink als +Chlorzink+ enthalten. -- b) Mit +Salpeter+ -wird nach vorherigem Erhitzen der Untersuchungsmasse mit gleichem -Gewichte +Salpetersäure+ und Neutralisieren der Säure mit Aetzkali -oder kohlensaurem Kali die Masse ebenfalls etwa in gleichem Gewichte -versetzt, ausgetrocknet und in kleinen Portionen im Porzellantiegel -+geglüht+, wobei neue Portionen erst nach dem Verpuffen und Weisswerden -der vorhergehenden eingefüllt werden. Der Rückstand wird mit heissem -Wasser aufgenommen. Diese Methode, welche auf einer +Oxydation+ beruht, -ist stärker als die vorhergehende; sie verwandelt die Metalle in -Oxyde resp. Kalisalze: +arsensaures+, +antimonsaures+, +chromsaures -Kali+, +Bleioxyd+, +Kupferoxyd+ etc. -- c) Mit +anorganischen Säuren+: -Salzsäure, Königswasser, Schwefelsäure, Salpetersäure, Schwefelsäure -und Salpetersäure etc., zerstört man die organischen Substanzen durch -+Erhitzen+. - -Sind die Metalle auf diese Weise frei gemacht und in +Lösung -übergeführt+, so werden sie aus der erkalteten, noch freie Salzsäure -enthaltenden klaren Flüssigkeit durch +Schwefelwasserstoff+ als -Schwefelmetalle (Sulfide) +abgeschieden+. Zu diesem Zwecke leitet -man gewaschenen, arsenfreien Schwefelwasserstoff ein, bis die -Flüssigkeit vollständig damit gesättigt ist, lässt dieselbe 24 Stunden -stehen, sättigt noch einmal mit Schwefelwasserstoff, filtriert den -entstandenen +Niederschlag+ ab und wäscht ihn anfangs mit gesättigtem -Schwefelwasserstoffwasser, dann 2-3mal mit gekochtem destilliertem -Wasser aus. - - Die einzelnen Metalle geben hierbei folgende Niederschläge: - - I. +Arsen+ einen +gelben+, in Schwefelammonium löslichen, in - Salzsäure unlöslichen Niederschlag von Schwefelarsen. - - II. +Antimon+ einen +orangegelben+, in Schwefelammonium und in warmer - Salzsäure löslichen Niederschlag von Schwefelantimon. - - III. +Quecksilber+ einen +schwarzen+, in Schwefelkalium und - Königswasser leicht, in Schwefelammonium wenig, in Salzsäure schwer - löslichen Niederschlag von Schwefel-Quecksilber. - - IV. +Blei+ einen +schwarzen+ (anfangs roten oder rotbraunen), in - Salpetersäure ziemlich leicht löslichen, in Schwefelalkalien nicht, - in konzentrierter Salzsäure schwer löslichen Niederschlag von - Schwefelblei. - - V. +Kupfer+ einen +schwarzen+, in Zyankaliumlösung, Salpetersäure - und in Salzsäure löslichen, in Schwefelammonium und siedender - verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) ziemlich unlöslichen Niederschlag - von Schwefelkupfer. - - Das Filtrat, welches von den obigen Niederschlägen abfiltriert wurde, - enthält noch Zink und Chrom, welche nur aus essigsaurer, resp. - alkalischer Lösung durch Schwefelwasserstoff ausgefällt werden. - Deshalb wird das (salzsaure) Filtrat mit so viel +essigsaurem Natron+ - versetzt, bis alle freie Salzsäure in Chlornatrium verwandelt und - +Essigsäure+ frei geworden ist. Hierauf fällt Schwefelwasserstoff - - VI. +Zink+ in Form eines weissen Niederschlages von Schwefelzink, - aus, der sich in verdünnter warmer Schwefelsäure farblos löst. - Endlich fällt Schwefelwasserstoff aus dem durch +Aetzammoniak+ - alkalisch gemachten Filtrate - - VII. +Chrom+ als grünbläulichen, in Kalilauge löslichen Niederschlag - von Schwefelchrom. - -3. +Der Nachweis der Alkaloide und Glykoside.+ Die einzelnen Alkaloide -und Glykoside geben zwar mit einer grossen Anzahl von Reagentien -Niederschläge und Farbenreaktionen, diese letzteren sind jedoch -nicht sehr charakteristisch und kommen häufig mehreren Alkaloiden -gleichzeitig zu. Der Nachweis der Alkaloide wird daher nicht sowohl auf -chemischem, als vielmehr auf physikalischem Wege in der Weise erbracht, -dass man das verschiedene Verhalten der einzelnen Alkaloide gegen -bestimmte Lösungsmittel untersucht (Abscheidungsmethode der Alkaloide -nach +Stas-Otto+). Es sollen hier zuerst die allgemeinen Reagentien -der Alkaloide und dann das spezielle Abscheidungsverfahren besprochen -werden. - - -I. Allgemeine Reagentien auf Alkaloide und Glykoside. - -Die Alkaloide und Glykoside geben mit einer grossen Anzahl von Körpern -+Niederschläge+. Von solchen Reagentien sind zu nennen: +Gerbsäure+ -(bildet mit den meisten Alkaloiden farblose oder gelbliche tanninsaure -Salze), +Jod+, +Jod-Jodkaliumlösung+ und +Jodtinktur+ (gibt mit den -meisten Alkaloiden einen kermesfarbigen Niederschlag, mit Chinin, -Atropin, Nikotin einen rotbraunen, mit Koffeïn einen schmutzig -dunkelbraunen, mit trockenem Kolchizin bei sehr starker Verdünnung -des Reagens eine violette Farbe, mit Solanin in saurer Lösung dagegen -keinen Niederschlag), +Platinchlorid+ (gibt 1 : 3000 mit Strychnin -sofort einen gelben, in kalter Salzsäure nicht löslichen Niederschlag, -mit Nikotin einen fast weissen, in Salzsäure löslichen Niederschlag, -mit Morphin und Kolchizin anfangs eine geringe Trübung, nach 24 Stunden -einen kristallinischen Niederschlag, mit Koniin, Digitalin, Solanin, -Atropin, Eserin, Veratrin, Akonitin keinen Niederschlag), +Goldchlorid+ -(meist gelbliche oder weisse Niederschläge), +Phosphormolybdänsäure+ -(aus molybdänsaurem Ammoniak in saurer Lösung durch Mischen mit -einer salpetersauren Lösung von phosphorsaurem Natron dargestellt -und den sauren Lösungen der Alkaloide tropfenweise zugefügt, -gibt amorphe weissgelbliche Niederschläge), +Metawolframsäure+, -+Phosphorantimonsäure+, +Formalinschwefelsäure+, +Sublimat+, -+Kalium bichromicum+, +Kalium permanganicum+, +Kaliumplatinzyanür+, -+Kaliumsilberzyanid+, +Kaliumkadmiumjodid+, +Kaliumwismutjodid+, -+Kaliumquecksilberjodid+, +Chlorjod+, +Brombromkalium+, -+Natriumsulfantimoniat+ etc. - - Weiter geben viele Alkaloide mit gewissen Reagentien eigentümliche - +Färbungen+. Die wichtigsten dieser Farbenreaktionen, +welche - übrigens im allgemeinen für den Nachweis der Alkaloide wenig - beweiskräftig sind+, weil sie häufig mehreren Alkaloiden gleichzeitig - zukommen, sind folgende: +Schwefelsäure+ mit Zusatz von +Kalium - bichromicum+ zur schwefelsauren Lösung des Alkaloids färbt +Strychnin - violettblau+, +rot+ und +grün+. +Reine konzentrierte Schwefelsäure+ - färbt +Veratrin+ anfangs grüngelb, später blutrot, nach einer halben - Stunde prachtvoll +karminrot+; Strychnin, Koffeïn, Chinin, Morphin, - Atropin, Akonitin bleiben ungefärbt. +Rauchende Salpetersäure+ färbt - +Pilokarpin+ blassgrün. +Ammoniak+ färbt +Eserin+ beim Eindampfen - im Wasserbade blau oder blaugrau. +Schwefelsäure+ mit Zusatz von - salpetersaurem +Wismut+ färbt +Morphium+ dunkelbraun. +Konzentrierte - Schwefelsäure mit molybdänsaurem Natron+ (0,01 pro cm) = +Fröhdes - Reagens+ löst Morphin sogleich prachtvoll violett; die Farbe wird - später grün, braungrün und gelb. Auch die +spektroskopische+ - Untersuchung benützt man zuweilen zum Nachweis von Alkaloiden und - anderen Giften; das keine spezifische Farbenreaktion besitzende - +Akonitin+ zeigt im ultravioletten Teil des Sonnenspektrums - charakteristische Absorptionsstreifen. - - -II. Die Stas-Ottosche Abscheidungsmethode der Alkaloide. - -Dieselbe beruht nicht auf der Bildung von Niederschlägen oder in dem -Auftreten von Farben, sondern auf der +verschiedenen Löslichkeit+ -der einzelnen Alkaloide in +Alkohol+ und +Aether+ etc., teils bei -+saurer+, teils bei +alkalischer+ Reaktion. Es lässt sich durch diese -Methode eine grössere Anzahl von Alkaloiden aus Gemengen mit anderen -Stoffen entweder in reinem Zustande oder in charakteristischen Gruppen -isolieren. Das Verfahren ist im allgemeinen folgendes: Die Alkaloide -bilden mit Säuren, namentlich mit +Weinsäure+, saure Salze, welche in -Wasser und meist auch in +Alkohol+ löslich sind. - -a) Aus diesen +sauren+ wässerigen Lösungen nimmt +Aether+ nur auf: -+Digitalin+, +Kolchizin+, +Kantharidin+, +Pikrotoxin+, +amorphes -Akonitin+. - -b) Aus der +alkalisch+ gemachten wässerigen Lösung zieht +Aether alle -Alkaloide+ aus mit einziger +Ausnahme+ von +Morphin+, +Apomorphin+, -+Kurarin+. - -c) +Morphin+ lässt sich aus diesem Gemenge durch +Amylalkohol+, -+Apomorphin+ durch Salmiaklösung ausziehen, während +Kurarin+ -zurückbleibt. - - Die genauere Ausführung der =Stas-Ottoschen Methode= ist folgende: - Die zu untersuchenden Massen werden mit der doppelten Menge starken - +Weingeistes+ und mit +Weinsäure+ bis zur stark sauren Reaktion - versetzt, längere Zeit bei 70-75° C. digeriert, warm abgepresst, - der Auszug nach dem Erkalten filtriert, der Rückstand noch 1-2mal - in gleicher Weise mit Alkohol und Weinsäure extrahiert, und dann - die gesammelten Filtrate bei 35° C. eingedampft, bis der grösste - Teil des Alkohols verdunstet ist. Ein etwa entstandener Niederschlag - (Fette etc.) wird durch Filtration entfernt. Schüttelt man nun das - saure Filtrat mit +Aether+, so kann man +Digitalin+, +Kolchizin+, - +Kantharidin+ und +Pikrotoxin+ dadurch isolieren, dass man den - Aetherabzug verdampfen lässt. - - Der Rückstand (alle Alkaloide und Glykoside ausser den 4 genannten - enthaltend) wird, nachdem er im Vakuum über Schwefelsäure zur - Trockene verdunstet ist, mit absolutem Alkohol 24 Stunden mazeriert, - filtriert, das Filtrat bei 35°C. verdunstet, der zurückbleibende - Teil in wenig +Wasser+ gelöst und mit +Natrium bicarbonicum+ bis zur - alkalischen Reaktion versetzt, worauf er sofort mit dem 4fachen Volum - reinen +Aethers+ anhaltend geschüttelt, der Aetherauszug abgehoben - und bei gewöhnlicher Temperatur auf einem Uhrschälchen verdunstet - wird. Auf dem Uhrschälchen bleiben +alle Alkaloide+ mit +Ausnahme+ - von +Morphin+, +Apomorphin+ und +Kurarin+ zurück; dabei lassen sich - +Nikotin+ und +Koniin+ leicht schon durch ihren +Geruch+ bestimmen, - ausserdem bilden sie im Gegensatze zu den anderen kristallinisch oder - amorph auftretenden Alkaloiden eine +ölige Flüssigkeit+. - - Kristallinische oder amorphe +feste+ Rückstände können behufs - Reindarstellung des Alkaloids mit Natron- oder Kalilauge versetzt und - mit frischem Aether ausgezogen werden, der +sogleich+ verdunstet - wird, worauf der Rückstand mit ein paar Tropfen Alkohol gelöst und - die Lösung der freiwilligen Verdunstung überlassen wird, wobei meist - Kristalle erhalten werden. Ist dies nicht der Fall, so löst man den - Rückstand noch einmal in stark verdünnter Schwefelsäure, dekantiert - die wässerige Lösung, verdunstet die Schwefelsäure, neutralisiert - mit reinem kohlensaurem Kali, verdunstet im Vakuum und nimmt den - Rückstand mit absolutem Alkohol auf, worauf nach dem Verdunsten - desselben das Alkaloid meist sehr rein erhalten wird. - - +Morphin+ wird aus der alkalischen wässerigen Lösung (vergl. oben - nach dem Zusatze von Natrium bicarbonicum) direkt mit +Amylalkohol+ - ausgeschüttelt und nach dessen Verdunsten rein erhalten. - - - [1] Vergl. auch das neue Lehrbuch der chemischen Toxikologie und die - Anweisung zur Ausmittlung der Gifte von +Gadamer+, Göttingen 1909. - - -Der physiologische Nachweis der Vergiftungen. - -=Allgemeines über die Methoden und den Gang der toxikologischen -Untersuchungen.= Die Angaben über die toxikologische bezw. -pharmakologische Wirkung der einzelnen Gifte auf die verschiedenen -Organe und Tiere sind das Resultat exakter experimenteller Forschung. -Als Versuchsobjekte dienen vor allem Säugetiere (Pferd, Rind, Schaf, -Ziege, Schwein, Hund, Katze, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse -etc.), sowie Geflügel. Für die Zwecke der tierärztlichen Toxikologie -empfiehlt es sich, mit möglichst grossen Säugetieren, am besten mit den -gewöhnlichen Objekten der tierärztlichen Therapie, also mit Pferden, -Wiederkäuern, Hunden und Schweinen zu experimentieren und dabei den -fundamentalen Unterschied zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern -wohl zu beachten. Versuche mit Kaltblütern (Fröschen, Fischen, -Schlangen, Würmern, Egeln, Schnecken etc.) haben ein vorwiegend -theoretisch-wissenschaftliches Interesse. Dies gilt insbesondere für -das Hauptversuchstier der humanen Toxikologen und Pharmakologen, den -Frosch, der übrigens als Kaltblüter auf zahlreiche Gifte ganz anders -reagiert, als die Warmblüter. Zu besonderen Zwecken endlich dienen -als Versuchsobjekte Bakterien, Algen, Amöben, Infusorien, Hefezellen, -Leukozyten, rote Blutkörperchen, höhere Pflanzen, Helminthen. Auch -ausgeschnittene Körperorgane können zu Versuchen verwendet werden, so -namentlich das Herz, die Muskeln und Nerven, die Leber, die Nieren, die -Milz. - -Die Feststellung der physiologischen Wirkung und die methodische -Zergliederung der Wirkung der einzelnen Gifte ist oft eine sehr -komplizierte und schwierige experimentelle Aufgabe. In dieser -Beziehung verdienen die nachstehenden kurzen allgemeinen Bemerkungen -Beachtung[2]. - -=Blutgifte.= Die Wirkung der Gifte auf das Blut kann makroskopisch, -mikroskopisch, chemisch, spektroskopisch und physikalisch, ausserhalb -und innerhalb des Tierkörpers untersucht werden. Sie kann sich entweder -darin äussern, dass die +Blutgerinnung+ und damit die Blutverteilung -im Körper geändert wird, oder darin, dass das Blut selbst in seinen -wichtigsten Bestandteilen umgewandelt und +zersetzt+ wird. - -1. Die =Blutgerinnung= wird durch einzelne Gifte gehemmt (Blausäure, -Schlangengifte, Blutegelferment, Chinin), durch zahlreiche andere -gesteigert (Rizin, Abrin, Spinnengift). Manche Gifte heben ferner -die Fähigkeit des Blutkuchens auf, das Serum auszupressen. Bezüglich -der Art der Einwirkung der Gifte auf die Blutgerinnung sind die -Untersuchungen über das Wesen der Gerinnung von Bedeutung. Zur -Fibrinbildung sind bekanntlich mindestens zwei Stoffe nötig: die -aus den Blutkörperchen abstammende sog, fibrinogene Substanz, das -+Fibrinogen+, sowie das +Fibrinferment+. Letzteres ist vorwiegend -im Zellkern der weissen Blutkörperchen enthalten. Die Tätigkeit des -Fibrinferments wird nun durch viele Gifte angeregt oder ersetzt (sog. -fibrinbildende Gifte), durch andere verlangsamt oder aufgehoben. Von -+Gerinnung erzeugenden Stoffen+ bezw. Giften sind besonders zu nennen -das +Rizin+, die fermentartig wirkende Phytalbumose der Rizinussamen, -welches die roten Blutkörperchen zu einem lackartigen Klumpen verklebt -und sogar defibriniertes Blut von neuem zum Gerinnen bringt, das -+Abrin+, das Toxalbumin der Samen von Abrus precatorius mit noch -stärkerer fibrinbildender Wirkung, sowie +das Blut fremder Spezies+. -Die Folgen der Blutgerinnung bestehen in Thrombose, Embolien, Anämie, -Blutstauung, Entzündung, Nekrose, Geschwürsbildung, Hämorrhagien und -anderen durch die Störung der Blutzirkulation bedingten Erscheinungen. - -2. Eine =Blutzersetzung= durch Gifte kann entweder in der Auflösung -der roten Blutkörperchen (+Hämolyse+) oder in der Bildung von -+Methämoglobin+ oder in einer +spezifischen+ Einwirkung auf den -Blutfarbstoff bestehen. - -Das Hämoglobin wird in den roten Blutkörperchen durch ein -eigentümliches Protoplasma, das sog. Diskoplasma, gebunden. Geht das -Diskoplasma durch irgend eine schädliche Einwirkung zugrunde, so werden -die +roten Blutkörperchen zerstört+ und das Hämoglobin geht frei in -das Blutserum über. Ausserdem wird namentlich bei der Zerstörung der -weissen Blutkörperchen Fibrinferment frei, wodurch die Blutgerinnung -beschleunigt wird. Die lösende Einwirkung der Gifte auf die roten -Blutkörperchen, wodurch das Hämoglobin frei im Serum gelöst wird, -erfolgt zuweilen noch in sehr starken Verdünnungen. Das +Phallin+ löst -sie beispielsweise zum Teil schon in einer Verdünnung von 1 : 500000, -sowie vollständig bei einer solchen von 1 : 125000 auf; ähnlich -verhalten sich das +Saponin+, das wahrscheinlich durch Entziehung -von Cholesterin hämolytisch wirkt, die +Helvellasäure+, das Gift der -Morchel, der +Arsenwasserstoff+ und +Phosphor+. - -Als +Methämoglobin+ bezeichnet man ein Oxyhämoglobin mit sehr fest -gebundenem Sauerstoff, welcher infolgedessen für die Atmung nicht -abgegeben wird, im Gegensatz zum gewöhnlichen, die Respiration durch -den nur leicht gebundenen Sauerstoff ermöglichenden Oxyhämoglobin. Das -Methämoglobin hat eine sepiabraune Farbe; unter dem Einfluss der in der -Leiche auftretenden Fäulnisprozesse zersetzt es sich bald. - -Die Umwandlung des Hämoglobins in +Methämoglobin+ und dessen -Auflösung im Blutserum kann mit oder ohne gleichzeitige Auflösung -der Blutkörperchen erfolgen. Reine Methämoglobin bildende Gifte -sind +chlorsaures Kali+, +Pyrogallol+, die +Aldehyde+ (Paraldehyd), -+Nitrobenzol+, +Nitroglyzerin+, die +Nitrite+, die +Pikrinsäure+ -und ihre Salze, das +Anilin+, +Antifebrin+ und Phenazetin, der -+Schwefelkohlenstoff+, das Toluylendiamin u. a. Das im Blutserum -gelöste Methämoglobin wird teils in der Leber zu Bilirubin zersetzt -(Pleiochromie der Galle), teils als Parhämoglobin in Leber, Milz und -Knochenmark unlöslich deponiert, teils als Hämoglobin mit dem Harn -ausgeschieden (Methämoglobinurie). - -Eine +spezifische+ Einwirkung auf das Hämoglobin besitzen endlich -der +Schwefelwasserstoff+, das +Stickoxyd+, die +Blausäure+ und das -+Kohlenoxyd+ (Bildung von Schwefelmethämoglobin, NO-Hämoglobin, -CNH-Hämoglobin, CO-Hämoglobin). Zum Kohlenoxyd hat beispielsweise das -Hämoglobin eine 200mal stärkere Affinität als zum Sauerstoff. - - =Leukozytengifte.= Die amöboide Bewegung der weissen Blutkörperchen - wird durch sehr viele Gifte +gelähmt+, z. B. durch Chinin. Eine - Vermehrung der weissen Blutkörperchen (+Hyperleukozytose+) findet - man namentlich nach scharfen Einreibungen (Kantharidensalbe, Senföl) - sowie nach der subkutanen Applikation der Akria. Eine Verminderung - der Zahl der weissen Blutkörperchen (+Hypoleukozytose+) wird durch - Chloroform, Strychnin und andere Gifte bedingt. - -=Nervengifte.= Je nach der Art des Giftes, der Applikationsmethode -und Dosis sowie nach der Tiergattung reagiert das Nervensystem auf -die Nervengifte durch sehr verschiedene Erscheinungen, welche im -allgemeinen andeuten, dass man es mit einem Nervinum zu tun hat. -Solche Erscheinungen sind z. B. +Krämpfe+, +Lähmungen+, +psychische -Benommenheit+, +Schlaf+, +Koma+, +Raserei+. Bezüglich des Ortes der -Einwirkung, speziell zur Entscheidung der Frage, +ob das Gift ein -Gehirngift, Rückenmarkgift oder peripheres Gift ist+, muss folgendes -beachtet werden. Schlafsucht, psychische Depression, Anfälle von -Raserei deuten immer auf eine +zerebrale+ Einwirkung hin. Epileptiforme -(eklamptische) Krämpfe entstehen in der Mehrzahl der Fälle in -den +motorischen Grosshirnrindenzentren+ (kortikale Zentren). Es -scheinen indessen auch in anderen Teilen des Grosshirns, so in den -Vierhügeln, im Linsenkern, in den Gehirnschenkeln motorische Zentren -vorhanden zu sein (subkortikale Zentren). +Jedenfalls aber deuten -epileptiforme (eklamptische) Krämpfe auf einen zerebralen Ursprung -hin.+ Hirnkrampfgifte oder Krampfgifte im engeren Sinn sind z. B. Blei, -Atropin, Veratrin, Akonitin und Pikrotoxin (das Strychnin ist dagegen -ein Rückenmarkskrampfgift). Ausserdem können Krämpfe und Lähmungen -vom verlängerten Mark (Kopfmark) und Rückenmark, sowie von den -peripheren Nerven ausgehen. Die von den psychomotorischen Rindenzentren -ausgehenden Krämpfe lassen sich, abgesehen davon, dass häufig die -Psyche mitgestört ist, daran erkennen, dass sie nach Exstirpation -dieser Zentren ausbleiben. Ebenso kommen Krämpfe, welche ihren Ursprung -in der Medulla oblongata besitzen, nach Durchschneidung des Halsmarks -nicht mehr zustande; die hierbei auftretenden Krämpfe müssen spinalen -Ursprung haben. Die motorische Erregung der peripheren Nerven äussert -sich in Form von isolierten, oft fibrillären Zuckungen, welche auch -nach Durchschneidung des zuführenden Nervenastes fortdauern. +Lähmungen -zerebralen Ursprungs+ lassen sich durch das negative Resultat der -elektrischen Reizung der freigelegten motorischen Rindenzentren als -solche feststellen, Lähmungen peripherer motorischer Nerven in -analoger Weise durch das negative Resultat der Reizung der freigelegten -peripheren Nerven, z. B. des Ischiadikus. Lähmungen von Gehirnnerven -erstrecken sich lediglich auf die von den betreffenden Nerven -versorgten Gebiete. - -Es lässt sich ferner eine +periphere oder zentrale+ Nervenbeeinflussung -durch Unterbindung der zuführenden Blutgefässe (z. B. der Arteria -femoralis) mit Sicherheit auseinander halten. So erzeugt Strychnin als -zentrales Rückenmarksgift auch nach Unterbindung der Arteria femoralis -Tetanus der Schenkelmuskulatur, solange die periphere Nervenleitung -(Ischiadikus) besteht. Umgekehrt bleiben die Schenkelmuskel erregbar, -wenn bei einem kurarisierten Tiere von vornherein die Femoralis -unterbunden wird, das die peripheren motorischen Nerven lähmende -Kurare somit nicht nach der Peripherie gelangen kann (intramuskuläres -Nervenendgift). - -Die Frage endlich, ob eine periphere Lähmung oder ein peripherer -Krampf ihren Sitz im +Nerven oder Muskel+ haben, ist nicht immer -sicher zu entscheiden. Reizzustände der peripheren Nerven lassen sich -durch Kurare beseitigen, weil dasselbe die peripheren motorischen -Nervenendigungen lähmt, nicht aber Reizzustände der Muskelsubstanz. - - =Narkose.= Die allgemeine Narkose wird gewöhnlich auf eine zentrale - Einwirkung der Nervengifte auf die +Ganglienzellen+ zurückgeführt. - Nach den Untersuchungen von +Nissl+ (Zeitschr. f. Psychiatrie, - 54. Bd.) findet man die Ganglienzellen der Grosshirnrinde bei der - Alkoholvergiftung in rundliche, blass gefärbte Gebilde verwandelt, - in denen die Kerne und Dendriten verschwunden sind. Bei der - Morphiumvergiftung sind die Rindenganglien verkleinert, die - Zellkörperchen (Nisslkörper) spärlich, klein und schwächer gefärbt. - H. +Meyer+ (Arch. für exp. Pathol., Bd. 42, 46 u. 47) und +Overton+ - (Studien über die Narkose, Jena 1901) führen die narkotische Wirkung - der Alkohol-Aethergruppe auf die +Lösung+ fettartiger Stoffe - (+Lipoide+) in den Ganglienzellen durch den Alkohol, Aether usw. - zurück (Lezithin, Protagon). Infolge Auflösung der Lipoide können - die Ganglienzellen grössere Mengen von Alkohol usw. aufnehmen und so - narkotisiert werden. Die Reihenfolge der Narkose bei dieser Gruppe - ist gewöhnlich die, dass zuerst die Grosshirnrinde (Sensorium, - Bewusstsein, Empfindung), sodann das Rückenmark (Motilität, Reflexe) - und zuletzt das verlängerte Mark (Atmungszentrum, vasomotorisches - Zentrum) gelähmt werden. - -=Herzgifte.= Die Entscheidung der Frage, ob die Wirkung der +Herzgifte+ -eine myogene, d. h. auf den Herzmuskel gerichtete ist, oder ob -sie einen neurogenen Ursprung hat (intrakardiale Ganglien, Vagus, -Sympathikus), ist oft sehr schwierig zu entscheiden. Die Digitalis -wird gewöhnlich als ein Muskelgift aufgefasst, das durch starke -Muskelkontraktion systolischen Herzstillstand herbeiführt, während die -Wirkung des Chloroforms als Herznarkotikum zweifelhaft erscheint. Auf -die +Blutgefässe+ wirken manche Gifte verengernd (konstriktorisch), -andere erweiternd (dilatatorisch). Die Verengerung und Erweiterung -der Gefässe wird entweder durch eine zentrale Wirkung auf das -vasomotorische Zentrum im verlängerten Mark (Chloroform, Antipyrin) -oder durch periphere Wirkung bedingt und stellt im letzteren Fall -teils eine Muskelwirkung (Digitalis), teils eine Nervenendwirkung dar. -+Vasokonstriktorische+ Gifte sind die Digitalisglykoside, Strophanthus, -Chlorbaryum und Adrenalin; +vasodilatatorisch+ wirken die Alkohole und -Aether, Chloroform und Chloralhydrat, sowie die Nitrite (Amylnitrit). - -Die Art und der Ort der Einwirkung von Giften auf das Herz und -auf den Zirkulationsapparat lässt sich teils durch Bestimmung des -Blutdrucks (Manometer), der Blutgeschwindigkeit (Stromuhr) und der -Gefässweite, teils durch Untersuchung des Pulses und Herzschlages -(Sphygmograph), teils mittels Durchschneidung und Reizung des -Vagus, des Sympathikus und des Halsmarks (vasomotorisches Zentrum), -teils endlich direkt am ausgeschnittenen Herzen (Williamsscher -Apparat) nachweisen. +Steigerung des Blutdrucks+ kann bedeuten: eine -gesteigerte Arbeitsleistung des Herzens (Digitalis, Koffeïn), oder -eine Gefässverengerung infolge Reizung des vasomotorischen Zentrums -in der Medulla oblongata (Zystisin; die Blutdrucksteigerung fehlt -nach dem Durchschneiden des Halsmarks) oder infolge einer Reizung der -peripheren vasomotorischen Nerven (die periphere Gefässkontraktion -tritt auch nach Durchschneidung des Halsmarks ein). Gesteigerte -Arbeitsleistung des Herzens darf als ausschliessliche Ursache des -gesteigerten Blutdrucks nur dann angenommen werden, wenn nach Lähmung -der zentralen (Halsmarkdurchschneidung) und peripheren (Amylnitrit) -vasomotorischen Apparate trotzdem noch Blutdrucksteigerung eintritt. -+Sinken des Blutdrucks+ kann bedingt sein: durch geschwächte -Muskeltätigkeit des Herzens (die Kompression der Bauchaorta vermag dann -den Blutdruck zu steigern), oder durch Lähmung des vasomotorischen -Zentrums (negatives Resultat der elektrischen Reizung desselben), -oder durch Lähmung der peripheren Vasomotoren (negatives Resultat der -elektrischen Reizung des die Gefässe des Kaninchenohrs bei Erregung -kontrahierenden Halssympathikus), oder durch periphere Lähmung der -Splanchnikusendigungen in der Bauchhöhle (die sonst bei Reizung -der peripheren Enden des durchschnittenen Splanchnikus eintretende -Blutdrucksteigerung kommt nicht zustande). +Verlangsamung des Pulses+ -(toxische Bradykardie) ist entweder die Folge einer Reizung des im -verlängerten Marke gelegenen Vaguszentrums (Vagusdurchschneidung -beseitigt dann die Verlangsamung), oder der kardialen Vagusendigungen -(die verlangsamende Wirkung tritt auch nach durchschnittenem Vagus -ein; Atropin erzeugt Beschleunigung), oder einer Muskellähmung des -Herzens (Atropin bleibt wirkungslos). Abnorme +Beschleunigung des -Pulses+ (toxische Tachykardie) kann durch Reizung des Nervus accelerans -(Sympathikus), der sog. Beschleunigungsfasern ausserhalb des Herzens -(Durchschneidung des Accelerans beseitigt die Beschleunigung) oder -im Herzen (die elektrische Reizung der peripheren durchschnittenen -Vagusendigungen wirkt dann pulsverlangsamend, weil der Vagus hierbei -intakt bezw. unbetätigt ist), oder durch Vaguslähmung bedingt sein -(Reizung der durchschnittenen Vagusendigungen bleibt erfolglos, -desgleichen Muskarin). - -=Atmungsgifte.= Zum Studium ihrer Wirkung bedient man sich -gewisser Apparate (Mareyscher Registrierapparat, Atmungskurve, -Respirationsapparate); ausserdem beobachtet man die Intensität und -Frequenz der Atmung. Von funktionellen Einrichtungen des Körpers -können durch die Atmungsgifte betroffen werden das Atmungszentrum -in der Medulla oblongata (nach neueren Untersuchungen bestehen -ausserdem noch ein Inspirationszentrum in den Sehhügeln, ein -Exspirationszentrum in den Vierhügeln, ein Hemmungszentrum in der -Grosshirnrinde sowie untergeordnete Respirationszentren im Rückenmark), -die Leitungsbahnen der Vagi, die peripheren Vagusendigungen in der -Lunge, die Bronchialdrüsen, Bronchialmuskeln und Kehlkopfmuskeln, -die Atmungsmuskeln (Zwerchfell und Hilfsmuskeln), sowie endlich der -Gefässapparat der Lunge. Die Analyse der Wirkung der Atmungsgifte -ist daher nicht leicht. +Lungenödem+ (Rasselgeräusche, schaumiger -Ausfluss aus der Nasenhöhle und Maulhöhle, Dyspnoe) kann entweder durch -vermehrte Sekretion der Bronchialdrüsen (Pilokarpin, Arekolin) oder -durch abnorme Durchlässigkeit der Lungenkapillaren (Chloralhydrat) -oder durch Blutstauung in der Lunge (Herzgifte) entstehen; man -unterscheidet deshalb genauer ein toxisches und mechanisches -(Herzgifte) Lungenödem. +Beschleunigung+ und +Verstärkung+ der Atmung -kann durch Reizung der Atmungszentren (Blausäure, Kampfer) oder der -peripheren Vagusendigungen in der Lunge (Ammoniak) oder durch Erregung -der Bronchialmuskeln (Eserin) bedingt sein; hört die Beschleunigung -nach Durchschneidung der Vagi auf, so ist eine periphere Erregung -der den Atmungsreflex vermittelnden Vagusenden in der Lunge als -Ursache anzunehmen. +Verlangsamung+ und +Abschwächung+ der Atmung ist -entweder die Folge einer Lähmung der Atmungszentren, wobei häufig das -+Cheyne+-+Stocke+sche Atmungsphänomen vorübergehender Pausierung der -Atmung beobachtet wird (Gehirngifte, Herz- und Gefässgifte mit Anämie), -oder einer Lähmung der Respirationsmuskeln (Kurare, Schlangengift) oder -einer Reizung des zerebralen Hemmungszentrums (Exstirpation desselben -beseitigt die Atmungsschwäche) oder einer Lähmung der Lungenenden des -Vagus (Atropin). Löst die elektrische Reizung der durchschnittenen -Nervi phrenici keine Zwerchfellskontraktionen aus, so handelt es sich -um Lähmung des Zwerchfells als Ursache der Atmungsschwäche. Lähmung der -Vagusendigungen ist anzunehmen bei sehr verlangsamter aber gleichzeitig -intensiver Atmung. Lähmende Gifte für das Atmungszentrum (Asphyktika) -sind namentlich +Blausäure+ und +Schwefelwasserstoff+. - -=Nierengifte.= Die Hauptwirkung ist auf das +Nierenepithel+ gerichtet. -In den leichten Graden der Vergiftung entsteht nur eine +Reizung+ -des Nierenepithels mit Hyperämie und Beschleunigung des Blutstroms, -welche sich in vermehrter Harnabsonderung äussert (Koffein und andere -Purinstoffe). Die stärkeren Nierengifte erzeugen +Epithelnekrose+ -in den Harnkanälchen als Hauptform der toxischen Nephritis mit -Verkalkung des abgestorbenen Epithels (Quecksilber, Salizylsäure) -oder mit nachfolgender Bindegewebsneubildung (Blei). Andere -Nierengifte verursachen in erster Linie eine +Glomerulonephritis+ -(Kanthariden). Die Funktionsstörung der Nierenepithelien äussert sich -in +Albuminurie+, die der Glomeruli in Oligurie und +Anurie+. Sind -die Glomeruli intakt und nur die Nierenepithelien der Harnkanälchen -erkrankt, so entsteht +Polyurie+ mit vermindertem spezifischem -Gewicht des Harns (Verlust des Konzentrationsvermögens des Epithels -der Harnkanälchen). Manche Blutgifte wirken gleichzeitig ebenso wie -das freigewordene Hämoglobin als Nierengifte (+Hämoglobinurie+). Die -bei diesen Vergiftungen auftretende +Glykosurie+ hat meist einen -hämatogenen Ursprung (Morphium, Chloroform u. a.) oder sie entsteht in -der Leber (Verlust der Glykogen-Synthese durch Phosphor); in manchen -Fällen scheint jedoch Zucker in den Nieren durch Abspaltung aus dem -Zelleiweisse zu entstehen (Chromsäure, Quecksilber). - -Die durch die Nierengifte in den Nieren hervorgerufenen Veränderungen -lassen sich in verschiedener Weise feststellen. Man findet insbesondere -makroskopisch oder mikroskopisch sichtbare anatomische Veränderungen -an den Nieren (entzündliche oder degenerative Affektion namentlich des -Nierenepithels durch Kolchikum, Kanthariden, Phosphor etc.; Verkalkung -durch Quecksilber, Blei usw.); Vergrösserung der Niere infolge -Gefässerweiterung durch Koffein, Verkleinerung der Niere infolge -Gefässverengerung durch Digitalis und Strophanthus. Die Steigerung -des Sekretionsdruckes der Niere wird manometrisch durch Einführung -eines Apparates in die Ureteren bestimmt (Diuretika). Eine spezifische -Erregung der Nierenepithelien (Koffein) wird dann angenommen, wenn -das Gift auch nach Ausreissung der Nierennerven und bei vermindertem -Blutdruck diuretisch wirkt. Synthetische Prozesse untersucht man -chemisch an der ausgeschnittenen und zerkleinerten Niere. An der -+Blase+ lassen sich ebenfalls anatomische Veränderungen, sowie Krämpfe -und Lähmungen bei gewissen Giften feststellen. - - =Magen- und Darmgifte.= Neben verschiedenartigen anatomischen - Veränderungen der Schleimhaut des +Magens+, unter welchen die - Perforation durch Arsenik und die Degeneration der Magendrüsen durch - Phosphor besonders hervortreten, beeinflussen die Gifte die Sekretion - und die Bewegungen des Magens. Die letzteren werden vom Nervus Vagus - innerviert, dessen Reizung die Magenbewegung beschleunigt. Wichtig - ist die Beziehung des im Grosshirn gelegenen Brechzentrums zu der - Muskulatur des Magens. Wirkt ein Brechmittel nach der Durchschneidung - der Vagi, welche das Brechzentrum mit dem Magen verbinden, nicht - mehr, so ist es als zentrales Brechmittel zu bezeichnen. Nach - neueren Untersuchungen hat man 3 Abteilungen des Brechzentrums zu - unterscheiden, nämlich je ein in den Vierhügeln gelegenes Zentrum für - die Kontraktionen der Kardia und der Magenwandungen (Zerstörung der - Vierhügel macht das Erbrechen unmöglich), sowie ein im Linsenkern - gelegenes Hemmungszentrum für die Kardia, dessen Reizung den - Sphincter Cardiae an der Kontraktion, somit also am Verschlusse des - Magens hindert. - - Im +Darm+ können die Gifte entweder auf die Schleimhaut, oder - auf die Darmdrüsen oder auf die Darmmuskulatur oder endlich auf - die Darmnerven einwirken. So entsteht eine Darmentzündung durch - lokale Reizung scharfer Gifte (Krotonöl), durch Ausscheidung - reizender Gifte mittels der Darmdrüsen (Merkurialismus), durch - Veranlassung von Gerinnung in den Darmgefässen (Saponin), sowie - nach starker Erweiterung der Gefässe der Darmschleimhaut infolge - von Splanchnikuslähmung (Arsenik). Reizung der Darmdrüsen wird - durch Pilokarpin und Arekolin, der Darmmuskulatur mit konsekutivem - Darmtetanus durch Eserin, Blei und Chlorbaryum erzeugt. Erregung der - in die Darmwandungen eingelagerten, die rhythmische peristaltische - Tätigkeit des Darmes regulierenden peripheren Nervenapparate - (Auerbachsche und Meissnersche Plexus) bedingt gesteigerte - Darmbewegungen (Muskarin), desgleichen Reizung der peripheren - motorischen Vagusendigungen (Nikotin). Dagegen hat die Reizung - des Splanchnikus, des Hemmungsnerven des Darmes, verminderte - Peristaltik zur Folge (Morphium), während umgekehrt die Lähmung des - Splanchnikus gesteigerte Darmperistaltik bedingt (Atropin). Ueber die - Beeinflussung der im Gehirn gelegenen Zentren der Darmbewegung und - Darmhemmung durch Gifte ist bisher wenig bekannt: Zetrarin soll z. B. - ein zentrales Peristaltikum sein. - - =Uterusgifte.= Der nicht trächtige Uterus wird durch Gifte viel - weniger leicht beeinflusst, als der trächtige. Kontraktionen des - Uterus entstehen entweder durch Reizung des im Lendenmark gelegenen - Uteruszentrums (Kornutin, Nikotin, Strychnin); in diesem Fall lassen - sich am ausgeschnittenen Uterus keine Kontraktionen durch das - Gift auslösen, auch wirkt das Gift nicht mehr nach Zerstörung des - Rückenmarkes. Oder sie entstehen im Uterus selbst und zwar infolge - Reizung der glatten Muskulatur, wenn auch am ganglienfreien Horn des - ausgeschnittenen Uterus Kontraktionen eintreten, während es sich - beim Ausbleiben der letzteren um eine Reizung der Uterusganglien - handelt. Ebenso kann eine Lähmung der Uteruskontraktionen durch Gifte - ihren Ausgangspunkt vom Rückenmark, von der Muskulatur oder von den - Ganglienzellen des Uterus nehmen. - - =Lebergifte.= Die anatomischen Veränderungen in der Leber bestehen - in Verfettung der Leberzellen (Phosphor, Arsenik), akuter - Atrophie (Lupinose), Leberzirrhose (Alkohol beim Menschen). Das - physiologisch-mikroskopische Bild des sezernierenden Leberparenchyms - erzeugen die Cholagoga (Aloe, Rheum, Salizylsäure). Auf chemische - Synthesen wird die Leber ausserhalb des Körpers untersucht. Die - Gallensekretion wird durch Anlegung von Gallenfisteln geprüft. - Die Frage der hepatogenen oder hämatogenen Entstehung des - Gallenfarbstoffes wird durch Ausschalten der Leber (Unterbindung der - Gefässe, Exstirpation) beantwortet. - - =Speicheldrüsengifte.= Die Untersuchung erfolgt durch Einführen - von Speichelkanülen (Unterschied zwischen Hund und Katze!). Eine - Vermehrung der Speichelsekretion kann verursacht sein durch - Reizung der peripheren Geschmacksnerven (Durchschneidung sistiert - die Sekretion), durch zentrale Reizung des Speichelzentrums - (Durchschneidung der sekretorischen Drüsennerven sistiert sie), - durch Reizung der peripheren Enden der Speichelnerven (+Pilokarpin+, - +Arekolin+, +Eserin+) oder durch Reizung der Drüsenzellen selbst - (Wirkung vom Blute aus bei durchschnittenen Speichelnerven). Eine - Aufhebung der Speichelsekretion wird durch periphere Lähmung der - Speichelnerven (+Atropin+ im Gegensatz zu Pilokarpin und Arekolin) - bedingt. Es wird daher auch eine periphere Reizung dann angenommen, - wenn Atropin die Vermehrung der Speichelsekretion sistiert. -- Die - Wirkung der Gifte auf die +Schweisssekretion+ ist analog. - - =Stoffwechselgifte.= Als solche sind zu nennen: Der +Phosphor+, - +Arsenik+ und die +Schilddrüsenpräparate+ (Vermehrung der - N-Ausscheidung im Harn), die +Blausäure+ (Verminderung des - O-Verbrauchs), das +Chinin+, die +Salizylsäure+ u. a. Anatomisch - lassen sich Störungen des Stoffwechsels durch verschiedene - Veränderungen an den inneren Körperorganen nachweisen (körnige - Trübung, fettige Degeneration). Chemisch wird der Stoffwechsel - kontrolliert durch die Untersuchung des Harns, des Kots, der - ausgeatmeten Luft bezw. Kohlensäure (Respirationsapparat) sowie - der Körpertemperatur (Thermometer, Kalorimeter). Bezüglich - der Wirkung der Gifte auf die +Temperatur+ kommen entweder - Temperaturverminderungen (Antipyretika) oder Temperaturerhöhungen vor - (Kokain, Koffein, β-Naphthylamin, Mallein, Tuberkulin). Die Wirkung - ist eine zentrale (Wärmezentren) oder periphere. Reizung des im - Corpus striatum gelegenen Wärmezentrums erzeugt Fieber, Lähmung oder - Exstirpation, Temperaturherabsetzung. - - =Pupillengifte.= +Verengerung+ (Myose) kann bedingt sein durch eine - periphere Reizung des Okulomotorius (Pilokarpin, Arekolin) oder - des Musculus Sphincter Iridis (Eserin) oder durch eine Lähmung - des Erweiterungszentrums im Gehirn (Morphium beim Hund). Letztere - wird angenommen, wenn am herausgeschnittenen Auge keine Myose - hervorgebracht werden kann, oder wenn bei lokaler Einträuflung in den - Lidsack keine Verengerung eintritt, sondern nur nach intravenöser - oder subkutaner Applikation. Eine periphere Reizung der Okulomotorius - als Ursache der Myose wird angenommen, wenn die Myose durch Atropin - aufgehoben wird und am exstirpierten Bulbus fortdauert. - - +Erweiterung+ (Mydriase) wird entweder verursacht durch periphere - Lähmung des Verengerungsnerven der Pupille, des Okulomotorius - (Atropin), oder durch periphere Reizung des Erweiterungsnerven, - des Sympathikus (Hydronaphthylamin), oder durch Reizung des - Erweiterungszentrums im Gehirn (Akonitin, Morphium bei Katzen). - Die zentrale Mydriase lässt sich sofort beseitigen, wenn man die - Verbindung des Zentrums und der Pupille, nämlich den Halssympathikus, - durchschneidet. Lähmung der peripheren Okulomotoriusäste (Atropin) - muss angenommen werden, wenn am ausgeschnittenen Froschauge Mydriase - erzeugt wird. Bei Vögeln entsteht durch Kurare periphere Mydriase - infolge Lähmung der willkürlichen Muskeln der Pupille (Sphinkter). - - - [2] Ausführliches findet man bei +Kobert+, Lehrbuch der - Intoxikationen, +Hermann+, Lehrbuch der experimentellen - Toxikologie, +Böhm+, Allgemeine Toxikologie. - - -Die allgemeine Prognose der Vergiftungen. - -Die toxikologische Statistik lehrt, dass die Prognose bei vielen -Vergiftungen unserer Haustiere +nicht so ungünstig+ ist, wie -man dies eigentlich nach der Intensität der Krankheitserscheinungen -erwarten sollte. Aus diesem Grunde darf man bei schlachtbaren Tieren -im allgemeinen nicht zu frühzeitig die Notschlachtung anraten. -Insbesondere lasse man sich durch das Auftreten von Zuckungen und -Krämpfen sowie von starken psychischen Erregungserscheinungen nicht -verleiten, diesen Symptomen unter allen Umständen eine schlimme -prognostische Bedeutung beizulegen. +Aufregung und Muskelkrämpfe sind -im allgemeinen weniger schlimm als Lähmungserscheinungen.+ Auch die -Behandlung der Exzitationszustände ist viel erfolgreicher als die der -toxischen Lähmungen. - -Die Prognose einer Vergiftung hängt in erster Linie von der Art des -Giftes ab. Als sehr gefährliche Vergiftungen mit +ungünstiger+ Prognose -müssen namentlich bezeichnet werden die Vergiftungen mit +Blausäure+, -+Phosphor+, +Arsenik+, +Chlorbaryum+, +Strychnin+, +Nikotin+, -+Veratrin+, +Digitalis+, +Oleander+, +Buxus+, +Taxus+, +Blei+, -+Quecksilber+, +Karbolsäure+, +Krotonöl+, +Kanthariden+, +Kolchikum+, -+ätzenden Säuren+ und +Alkalien+. Im übrigen kommt es bei allen diesen -starken Giften wesentlich mit darauf an, in welcher Dosis und Form, bei -welchem Füllungszustand des Magens usw. sie aufgenommen worden sind. -Bei den Fleischfressern, welche sich erbrechen können, nehmen manche -Vergiftungen einen günstigeren Verlauf, als bei Pflanzenfressern. - -Als Vergiftungen mit im allgemeinen günstiger Prognose sind namentlich -bei den Pflanzenfressern die +Alkaloidvergiftungen+ zu bezeichnen, -Strychnin und Nikotin ausgenommen. Dies gilt besonders für die -+Atropin+-, +Hyoszin+- und +Morphium+vergiftung. Aber auch Eserin, -Pilokarpin und Arekolin sind deshalb nicht so sehr gefährlich, weil -gute Gegengifte für sie zur Verfügung stehen. Ausserdem ist bei vielen -+Pflanzenvergiftungen+ die Mortalitätsziffer trotz scheinbar schwerer -Vergiftungserscheinungen erfahrungsgemäss relativ gering. Dies gilt -namentlich für die Vergiftung mit +Klatschrosen+, +Bucheckern+, für -viele +Pilzvergiftungen+, für die +Merkurialis-+, +Lolium-+, +Rade-+, -+Equisetum-Vergiftung+. Aehnlich verhält sich die +Kochsalz-+ und -+Salpetervergiftung+ (vergl. unten). - - =Prognose bei einzelnen Vergiftungen.= Die +Klatschrosen+, von - welchen angenommen wird, dass sie Morphium oder ein morphiumähnliches - Alkaloid als wirksames Gift enthalten, erzeugen beim Rind ein sehr - typisches Bild einer Vergiftung, welches sich durch Anfälle von - Raserei und Tobsucht, wutähnliche Anfälle, epileptiforme Krämpfe, - Taumeln, Schlummersucht, Bewusstlosigkeit etc. charakterisiert. - Trotz der Hochgradigkeit der nervösen Symptome sind Todesfälle - ziemlich selten, so dass die Prognose der Vergiftung eine ziemlich - günstige ist. Die +Bucheckern+ enthalten einen alkaloidartigen - Giftstoff, das Fagin, das ebenfalls heftige Vergiftungserscheinungen - bedingt. Ein Pferd zeigte infolge der Aufnahme von 2 Pfund - Bucheckernölkuchen Kolik, Schwanken, hochgradige Schreckhaftigkeit, - sowie Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Das Tier war so aufgeregt, - dass es bei der geringsten Berührung in äusserste Raserei geriet. - Die Verabreichung von Gegengiften beseitigte die Krankheit im - Verlaufe von 12 Stunden (Warner). +Atropin+ und +Hyoszin+ haben - bei Hunden und Katzen, welche enorme Dosen (0,5-1,0 pro die) - ertragen, vorübergehend die schwersten Vergiftungserscheinungen: - starke Unruhe, hochgradige Aufregung, Krampfanfälle zur Folge. - Nach kurzer Zeit pflegen sich die Tiere indessen wieder zu erholen - (Kobert; eigene Untersuchungen). Pferde zeigen nach der Verfütterung - von Bilsenkrautsamen rasende Zufälle, sowie Beschleunigung des - Pulses und der Atmung, erholen sich indessen ebenfalls wieder - leicht (Viborg). Die +Pilzvergiftungen+, namentlich die durch - +Schimmelpilze+ und +Mutterkorn+, nehmen gleichfalls nicht selten - trotz äusserst gefahrdrohender Zufälle einen gutartigen Verlauf. - Zwei Pferde zeigten nach der Aufnahme von verschimmeltem Brot - anhaltende und heftige Kolik, Schwanken mit dem Hinterteil, - Schwindel und Niederfallen, wobei sie etwa ½ Stunde ohne Gefühl, - wie tot am Boden lagen. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten - gegen die Wand, gerieten in Schweissausbruch und zeigten wieder - denselben Anfall wie vorher. Trotzdem genasen sie (Perrin). Auch die - Mortalitätsziffer der Mutterkornvergiftung ist trotz der schweren - Krankheitserscheinungen eine geringe. Die +Merkurialisvergiftung+, - welche sich bei Pflanzenfressern und Schweinen in Kolikerscheinungen, - Harndrang, blutrotem Harn, Empfindlichkeit und Steifheit in der - Nierengegend, Atmungsbeschleunigung, Zittern und Schwäche äussert, - lässt ebenfalls in den meisten Fällen eine günstige Prognose zu. - Aehnlich ist das Verhalten der Haustiere gegenüber dem +Solanin+. - Bei der +Loliumvergiftung+ hat man dasselbe beobachtet, wie ein von - Wiegel veröffentlichter Fall zeigt. Eine Kuh stürzte plötzlich, - wie vom Blitze getroffen, zusammen; dieser apoplektiforme Anfall - wiederholte sich dreimal hintereinander, worauf allgemeine - Empfindungslosigkeit, Schlafsucht und Verlangsamung der Respiration - eintrat. 1½ Stunden darauf erhob sich die Kuh wieder und zeigte - sofort einen ganz erstaunlichen Appetit. Die +Radevergiftung+ nimmt - zuweilen einen ähnlich günstigen Verlauf. Röll beobachtete bei - einem Pferde nach der Aufnahme von Rademehl Schlingbeschwerden, - sowie einen Zustand der Betäubung nach Art des Dummkollers; am - Tage darauf hatte sich das Pferd wieder vollständig erholt. Auch - die +Kochsalz-+ und +Salpetervergiftung+, von welchen namentlich - die letztere sehr gefürchtet ist, zeigt nicht selten eine günstige - Prognose, wie zahlreiche in der Literatur vermerkte Fälle beweisen. - Ja selbst bei der +Kolchikumvergiftung+, welche von jeher als eine - der gefährlichsten Vergiftungen bei unseren Haustieren aufgefasst - worden ist, beträgt die durchschnittliche Mortalitätsziffer nicht - mehr als 25-30 Proz. Noch wesentlich geringer ist diese Ziffer bei - den Vergiftungen mit +Santonin+, +Alkohol+, +Rizinus+, sowie durch - +Schlangenbisse+. - - -Die Behandlung der Vergiftungen. - -Die Behandlung der Vergiftungen erfolgt mittelst der sog. -Gegenmittel oder Gegengifte (+Antidote+). Diese Gegenmittel können -sehr verschiedener Natur sein und auf sehr verschiedene Weise ihre -giftwidrige Wirkung ausüben. Man unterscheidet vier Gruppen: 1. Die -+mechanischen+ oder +physikalischen+ Gegenmittel; 2. die +chemischen+ -Antidote; 3. die +physiologischen+ (dynamischen, organischen, -konstitutionellen, empirischen) Gegengifte oder +Antagonisten+; 4. die -+symptomatische+ Behandlungsmethode der Vergiftungen. - -1. Die =physikalischen= oder =mechanischen= Gegenmittel -wirken dadurch giftwidrig, dass sie die eingedrungenen Gifte -entweder auf rein mechanischem Wege aus dem Körper entfernen: -+Brechmittel+, +Abführmittel+, +harntreibende+, +schweisstreibende+, -+speicheltreibende Mittel+, +Magenausspülung+, +Aderlass+, +künstliche -Atmung+, oder dieselben einhüllen und die Aufsaugung resp. den Kontakt -mit der Schleimhaut dadurch verhindern: +einhüllende Gegenmittel+ -(+Eiweiss+, +Milch+, +Oel+, +schleimige Mittel+). - -Die +Brechmittel+ sind bei den dazu geeigneten Tieren (Hunden, -Schweinen, Katzen) in allen frischen Vergiftungsfällen in erster -Linie anzuwenden. Die wichtigsten Brechmittel sind das +Apomorphin+ -(Hunden zu 2-10 mg, Katzen zu 20-50 mg subkutan injiziert), das -+Veratrin+ (Schweinen 0,02-0,03 subkutan), das +Rhizoma Veratri albi+ -(Schweinen 1,0-2,0, Hunden 0,1 bis 0,2 per os oder als Klysma), +Radix -Ipecacuanhae+ (Schweinen und Hunden 1-3,0, Katzen 0,25-0,75), der -+Brechweinstein+ (Schweinen 1-2,0, Hunden 0,1-0,3, Katzen 0,05-0,2), -der +Kupfervitriol+ als spezifisches Brechmittel bei Phosphorvergiftung -(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,5, Katzen 0,05-0,2), der +Zinkvitriol+ -(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,3), endlich als Hausmittel das -+Kochsalz+ (Hunden 1-2 Teelöffel), das +Senfmehl+ (Hunden 1-2 Teelöffel -in einem Glas warmem Wasser), +Schnupftabak+ (Hunden eine Prise in -einem Esslöffel Wasser) usw. - -Von +Abführmitteln+ empfehlen sich besonders wegen ihrer raschen -Wirkung das +Arekolin+ und +Eserin+ (Pferden 0,05-0,1 subkutan). -Ausserdem kann die +Aloe+ (Pferden 25-50,0, Rindern 50-75,0), das -+Rizinusöl+ (Pferden 500-750,0, Rindern 500 bis 1000,0, Schafen und -Ziegen 50-250,0, Schweinen 50-100,0, Hunden 15-60,0, Katzen und -Geflügel 10-20,0) und das +Kalomel+ (Pferden 2-8,0, Schweinen 1-4,0, -Hunden 0,2-0,4, Katzen und Geflügel 0,1-0,2) angewandt werden. Auch -das +Glaubersalz+ ist als Abführmittel angezeigt, namentlich bei der -Bleivergiftung der Rinder (500-1000,0). Die harntreibenden, schweiss- -und speicheltreibenden Mittel haben eine wesentlich schwächere -evakuierende Wirkung, sie werden daher nur bei chronischen Vergiftungen -angewandt. - -Die +einhüllenden Gegenmittel+ werden hauptsächlich bei Vergiftungen -durch Aetzmittel angewandt, um die Magendarmschleimhaut vor -Anätzung zu schützen und gleichzeitig die Resorption zu hindern. Am -gebräuchlichsten ist die Verabreichung von +Milch+, +Eiweiss+ (Eiweiss -der Eier für sich oder mit Wasser geschüttelt; sog. Eiweisswasser), -+Schleim+ (Leinsamenschleim, Gerstenschleim, Haferschleim, -Quittenschleim, Gummi arabicum, Abkochungen von Eibischwurzel, -Malvenblättern, Salepschleim, Tragantschleim), +Fetten+ und +Oelen+ -(Schweinefett, Butter, Olivenöl, Repsöl, Mohnöl, Mandelöl, Rizinusöl, -Emulsionen). Die fetten Oele und die Milch sind jedoch kontraindiziert -bei Phosphor- und Kantharidenvergiftung, weil sie die Resorption der -genannten Gifte befördern. -- Bei vergifteten Wunden (Schlangenbisse) -wird das Gift durch Ausschneiden, Ausbrennen oder Ausätzen entfernt. - -2. Die =chemischen= Gegengifte wirken dadurch giftwidrig, dass sie -die in den Körper eingedrungenen Gifte zersetzen oder in Verbindungen -umwandeln, welche ungiftig oder weniger giftig sind. Das einfachste -Beispiel chemischer Antidote bilden die ätzenden +Alkalien+ und -+Säuren+, welche sich gegenseitig unter Aufhebung ihrer Alkali- -und Säurenatur zu nicht ätzenden Salzen neutralisieren (Kalilauge, -Natronlauge, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures und doppeltkohlensaures -Natron und Kali, Seife einerseits; Schwefelsäure, Salzsäure, -Salpetersäure, Essigsäure, Oxalsäure andererseits). Weiter gehören -hierher das +Kochsalz+ als spezifisches Antidot des Höllensteins, -welcher dadurch zu Chlorsilber zerlegt wird (bei Sublimatvergiftungen -wirkt die Verabreichung von Kochsalz im Gegenteil schädlich, weil -dasselbe die Resorption des Sublimats infolge Bildung der leicht -löslichen Kochsalz-Sublimatverbindung befördert), das +Eisen+ als -Gegengift gegen Arsenik (Bildung von schwer löslichem arseniksaurem -Eisen), Blausäure, Quecksilber- und Kupfersalze, das +Ferrozyankalium+ -als Antidot gegen Kupfervergiftungen (ungiftiges Ferrozyankupfer) und -ätzende Eisensalze, z. B. Eisenchlorid (Bildung von Berliner Blau), -die +Kupfersalze+ als wichtigste Gegengifte gegen Phosphorvergiftung -(Bildung von ungiftigem Phosphorkupfer), die +gebrannte+ und -+kohlensaure Magnesia+ als Gegengift gegen Säuren (Bildung von -Magnesiasalzen), Arsenik, Metallsalze (Zerlegung), das +Jod+ und -die +Jodsalze+ als Gegengifte gegen die Alkaloide im allgemeinen -(Niederschlag), sowie gegen chronische Metallvergiftungen (Bildung -löslicher und daher aus dem Körper eliminierbarer Metalljodide), -das +Bromkalium+ und +Natrium subsulfurosum+ als Bindemittel für -Jod und Jodoform (Bildung von Jodalkalien), der +Schwefel+ und -+Schwefelwasserstoff+ als Antidot gegen Quecksilber-, Blei-, Kupfer-, -Brechweinstein-, Arsenikvergiftung (Bildung unlöslicher Metallsulfide), -die +Schwefelsäure+ und +schwefelsauren Salze+ als spezifische -Mittel gegen Bleivergiftung (Bildung von unlöslichem Bleisulfat), -Karbolsäurevergiftung (ungiftiges phenolsulfonsaures Kali), -Kalkvergiftung (Bildung von Gips) und Baryumvergiftung (schwefelsaurer -Baryt), die +Kalksalze+ (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Kreide, -Schneckenschalen, Austerschalen, Eierschalen, Marmor, Sepiasteine, -Zuckerkalk) als spezifisches Gegengift gegen Oxalsäurevergiftung (der -oxalsaure Kalk ist als unlösliche Verbindung ungiftig), das +Tannin+ -und die +gerbsäurehaltigen Pflanzen+ (Eichenrinde, Weidenrinde, -Salbeiblätter, Kaffee, Tee, Eicheln, Galläpfel, Tinte, Chinarinde, -Catechu, Ratanhiawurzel, Tormentillwurzel, Nussbaumblätter etc.) -als wichtigste Antidote gegen die Vergiftung mit Alkaloiden und -Glykosiden (Bildung schwer löslicher oder unlöslicher gerbsaurer -Salze), mit Metallsalzen, namentlich mit Brechweinstein, Bleizucker, -Höllenstein und Eisenvitriol (Bildung von Metalltannaten), +Ammoniak+, -+Chlor+, +übermangansaures Kali+, +Eisenchlorid+, +Chromsäure+ -als lokale Gegengifte bei Schlangenbissen und Insektenstichen, -+altes Terpentinöl+, +Kalium permanganicum+, Kobaltnitrat, -Wasserstoffsuperoxyd und Ozonwasser als Antidot des Phosphors -(Oxydation zu Phosphorsäure), +Eiweiss+ als chemisches Gegengift gegen -Metallsalze (Bildung von Metallalbuminaten), ätzende Säuren (Bildung -von Säurealbuminaten), gegen Chlor-, Brom- und Jodvergiftung, +Leim+ -und +Kleber+ gegen Metallvergiftungen (z. B. Sublimatvergiftung), -Alaun- und Gerbsäurevergiftung (Bildung von Niederschlägen), +fette -Oele+ gegen Vergiftung durch Alkalien und Säuren (Verseifung), -+Stärkemehl+ als Antidot gegen Jod (Bindung unter Blaufärbung), die -+Tierkohle+ als Gegengift gegen Alkaloide und Metalle. - -3. Die =physiologischen= oder =dynamischen= Gegengifte sind nicht -gegen das Gift selbst, sondern gegen dessen +Wirkungen+ gerichtet -(Antagonisten) und haben den Zweck, durch Erzeugung einer der -Giftwirkung entgegengesetzten Wirkung (Erregung -- Lähmung) die erstere -aufzuheben. Man unterscheidet einen +einseitigen+ (einfachen) und einen -+doppelseitigen+ oder +wechselseitigen+ (mutuellen) +Antagonismus+. -Einseitig ist derselbe, wenn nur das eine Gift die Wirkung des anderen, -aber nicht umgekehrt, aufhebt, doppelseitig oder wechselseitig, wenn -eine gegenseitige Aufhebung stattfindet. Ausserdem spricht man von -einem +wahren+ (direkten) und +scheinbaren+ (indirekten) Antagonismus, -je nachdem die beiden Gifte auf ein und dasselbe Organ (Nervensystem, -Muskel, Drüsen) oder auf verschiedene Organe einwirken. So ist z. B. -Kurare nur ein indirekter Antagonist des Strychnins, weil es nicht wie -dieses auf das Rückenmark, sondern auf die peripheren Muskelnerven -einwirkt. Das Vorkommen eines wahren doppelseitigen Antagonismus ist -nach neueren Untersuchungen fraglich. Es kann zwar ein lähmendes -Gegengift, wie z. B. das Atropin, die erregende Wirkung eines andern, -z. B. des Eserins auf den Okulomotorius (Mydriasis, Myosis) aufheben, -dagegen lässt sich eine vorhandene Atropinlähmung des Okulomotorius -(Mydriasis) durch die erregende Wirkung des Eserins (Myotikum) nicht -wieder beseitigen. - -Die wichtigsten physiologischen Gegengifte sind: a) +Atropin+ als -Gegengift gegen +Morphin+ und +Chloroform+. Der Antagonismus zwischen -Atropin und Morphin ist ein doppelseitiger, aber zum Teil indirekter. -Das lähmende Morphin beseitigt die durch das Atropin hervorgerufene -psychische Erregung durch direkte antagonistische Einwirkung auf -das Gehirn; dagegen wird durch das erregende Atropin die lähmende -Wirkung des Morphins auf das Herz indirekt in der Weise gehoben, -dass das Atropin die nervösen Zentren des Herzens erregt, während -das Morphin den Herzmuskel selbst gelähmt hat. b) +Atropin+ als -Gegengift gegen +Pilokarpin-+, +Eserin-+, +Arekolin-+, +Muskarin-+ und -+Nikotinvergiftung+. c) +Bromkalium+, +Chloralhydrat+, +Chloroform+, -+Koniin+, +Kurare+ als Gegengift gegen +Strychnin+ und +Pikrotoxin+. d) -+Amylnitrit+ als Antagonist des gefässverengernden +Mutterkorns+ und -+Adrenalins+. e) +Koffein+ als Antidot gegen +Morphin+, +Chloroform+ -und +Alkohol+. - -4. Die =symptomatischen= Gegenmittel bestehen darin, dass einzelne -Hauptsymptome der Vergiftungen behandelt werden. So gibt man gegen -Lähmungserscheinungen Exzitantien (Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, -Koffein, Kaffee, Veratrin, Strychnin, Hyoszin, Ammoniak, kohlensaures -Ammonium), gegen schmerzhafte Koliken Morphium und andere Narkotika, -gegen Durchfälle Styptika, gegen Verstopfung Laxantien, gegen starkes -Erbrechen die Opiate, gegen hohes Fieber Antipyretika, gegen Krämpfe -die Sedativa etc. - - =Zusammenstellung der Antidote bei den wichtigsten - Einzelvergiftungen.= Die ausführlichere Besprechung der - antidotarischen Behandlung der Einzelvergiftungen ist Sache - der speziellen Toxikologie. An dieser Stelle sollen nur die - bemerkenswertesten Vergiftungen mit ihren Antidoten kurz - zusammengestellt werden. - - +Akonitinvergiftung+: Brechmittel, Tannin, Jod, Tierkohle, Atropin, - Digitalis, künstliche Atmung, Exzitantien. - - +Alaunvergiftung+: Eiweiss, Milch, Leimlösung, Kalkwasser, gebrannte - Magnesia, Ammoniak, Abführmittel. - - +Alkalien, ätzende+: Essig, verdünnte Säuren (Salzsäure, - Schwefelsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure), fette Oele, Milch, - Emulsionen, schleimige Mittel, Eispillen, Morphium, Magenausspülung. - - +Alkoholvergiftung+: Kaffee, Koffein, Ammoniak, kohlensaures - Ammonium, Kampfer, Atropin, Hyoszin, kalte Begiessungen des Kopfes, - Klistiere, Priessnitzsche Umschläge, warme Einhüllungen. - - +Aloevergiftung+: Opium, Tannin, schleimige Mittel. - - +Ammoniakvergiftung+: verdünnte Säuren, Fette, Oele, Milch, - schleimige Mittel, Tracheotomie; gegen die Krämpfe Morphium, - Chloralhydrat, Bromkalium. - - +Anilinvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, frische - Luft, kalte Begiessungen. - - +Arsenikvergiftung+: Brechmittel, Eisenpräparate, Ferrum hydricum in - aqua (= Antidotum Arsenici), Ferrum oxydatum saccharatum, Magnesia - usta, Tierkohle, Schwefel, Schwefelleber, Schwefeleisen, Eiweiss, - Milch, Schleim, Exzitantien. Zu vermeiden sind Alkalien und fette - Oele (Rizinusöl). - - +Atropinvergiftung+ (Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel): - Brechmittel, Gerbsäure, Morphium, Pilokarpin, Eserin, Arekolin, - gegen die psychische Erregung Chloroform, Chloralhydrat, Sulfonal, - Bromkalium. - - +Baryumvergiftung+: verdünnte Schwefelsäure, schwefelsaures Natrium - und Kalium, schwefelsaure Magnesia, Brechmittel. - - +Bingelkrautvergiftung+: Brechmittel, Eiweiss, Milch, Opium, - Gerbsäure. - - +Blausäurevergiftung+: Brechmittel, Eisenoxydhydrat, - Wasserstoffsuperoxyd, übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Atropin, - künstliche Respiration, Exzitantien, kalte Begiessungen. - - +Bleivergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, verdünnte Schwefelsäure, - Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum, Magnesium sulfuricum, - Schwefel, Schwefelwasserstoff, Gerbsäure, Eiweiss, Milch, - symptomatische Behandlung (Opium, Morphium). Bei chronischer - Bleivergiftung Jodkalium. - - +Brechweinsteinvergiftung+: Gerbsäure, kohlensaures Natron, verdünnte - Säuren, Schwefel, Schwefelleber, Opium, Eiweiss, Schleim, Exzitantien. - - +Chlor- und Chlorkalkvergiftung+: Natrium oder Magnesium - subsulfuricum, Einatmen von Schwefelwasserstoff und Ammoniak - (verdünnt); innerlich Liquor Ammonii anisatus, Eiweiss, Schleim. - - +Chloroform-+, +Chloralhydrat-+ und +Aethervergiftung+: Exzitantien, - namentlich Atropin, Hyoszin (Skopolamin), Strychnin, Veratrin, - Koffein, Ammoniak, kohlensaures Ammonium, Hautreize, kalte - Begiessungen, künstliche Respiration, Transfusion. - - +Chromsäurevergiftung+: Eiweiss, Magnesia usta, Exzitantien. - - +Cytisusvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien. - - +Digitalisvergiftung+ vergl. Fingerhutvergiftung. - - +Eibenbaumvergiftung+: Abführmittel, Exzitantien, Atropin, Hyoszin, - Koffein, Veratrin, Strychnin, Kampfer, Aether, Alkohol, Ammoniak, Jod - (Lugolsche Lösung). - - +Equisetumvergiftung+: Abführmittel, Kampfer, Aether, Koffein, - Atropin, Hyoszin, Veratrin, Hautreize. - - +Essigvergiftung+: Seifenwasser, Sodawasser, Kreide, kohlensaurer - Kalk, gebrannte Magnesia, Milch, Exzitantien. - - +Fingerhutvergiftung+: Brechmittel, Nitroglyzerin, Amylnitrit, - Tannin, Kampfer, Aether, Atropin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus, - Wein, Hautreize. - - +Gerbsäurevergiftung+: Eiweiss, Leim, Schleim, Abführmittel. - - +Glaubersalzvergiftung+: Schleim, Opium, Kampfer, Aether, Ammonium - carbonicum. - - +Grubengasvergiftung+: Frische Luft, künstliche Respiration, - Hautreize, kalte Begiessungen, Exzitantien, Transfusion. - - +Grünspanvergiftung+: Eiweiss, Ferrozyankalium, Eisenpulver, Magnesia - usta. - - +Helleborusvergiftung+: Gerbsäure, Opium, Exzitantien, Kampfer. - - +Herbstzeitlosenvergiftung+: Brechmittel, Tannin, Jod (Lugolsche - Lösung), Opium, Morphium, Schleim, feuchtwarme Wicklungen, - Exzitantien. - - +Höllensteinvergiftung+: Brechmittel, Eiweiss, Kochsalz, verdünnte - Salzsäure. - - +Insektenstiche+: Waschung mit Ammoniakwasser, Chlorwasser, Alkohol, - Bleiwasser, Abführmittel. - - +Jod- und Jodoformvergiftung+: Stärkemehl, Mehlwasser, Eiweiss, - Bromkalium, Bromnatrium, Natrium und Kalium bicarbonicum, Natrium - subsulfurosum, Exzitantien, Brechmittel, Abführmittel. - - +Kalichlorikumvergiftung+: Brechmittel, Infusion physiologischer - Kochsalzlösung, Exzitantien. - - +Kantharidenvergiftung+: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien; keine - fetten Oele! - - +Karbolvergiftung+: Brechmittel, Magenausspülung, Sulfate, verdünnte - Schwefelsäure, Seifenwasser, Zuckerkalk, Kalkwasser, Terpentinöl, - Jodtinktur, Eiweiss, Milch, Oel, Exzitantien (Aether, Kampfer, - Koffein, Hyoszin). - - +Kichererbsenvergiftung+: Tracheotomie, Koffein, Atropin, Strychnin, - Veratrin, Hautreize, Abführmittel. - - +Kochsalzvergiftung+: Viel Wasser, Schleim, Oel, Aether, Kampfer, - Atropin, Koffein, symptomatisch gegen Krämpfe Sedativa. - - +Kohlenoxydvergiftung+: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, - alkalische Kochsalzinfusion, Nitroglyzerin; Exzitantien, künstliche - Respiration, Hautreize. - - +Kokainvergiftung+: Tannin, Jod, Amylnitrit, Chloralhydrat. - - +Kolchikumvergiftung+ vergl. Herbstzeitlosenvergiftung. - - +Konvallariavergiftung+: Tannin, Exzitantien, Kampfer, Aether. - - +Krotonölvergiftung+: Schleim, Eiweiss, Opium, Exzitantien. - - +Kreosotvergiftung+: Brechmittel, Schleim, verdünnte Schwefelsäure, - schwefelsaures Natrium, Bittersalz, Seife, Exzitantien. - - +Kornradevergiftung+: Abführmittel, Tannin, Schleim, Exzitantien. - - +Kupfervergiftung+: Abführmittel, Brechmittel, Eiweiss, - Ferrozyankalium, Eisenpulver, Magnesia usta, Tierkohle, Exzitantien. - - +Lakenvergiftung+: Viel Wasser, Schleim, Oel, Exzitantien, Sedativa. - - +Leuchtgasvergiftung+: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, Hautreize, - künstliche Atmung, Transfusion. - - +Lupinenvergiftung+: Futterwechsel, Präparierung der giftigen - Lupinen, verdünnte Säuren (keine Alkalien!), Rizinusöl, Krotonöl. - - +Morphiumvergiftung+: Atropin, Hyoszin (Skopolamin), Koffein, Kaffee, - Tee, Hautreize. - - +Muskarinvergiftung+: Atropin, Hyoszin. - - +Mutterkornvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Chloralhydrat, - Amylnitrit, Gerbsäure, symptomatische Behandlung. - - +Nikotinvergiftung+: Abführmittel, Tannin, Jodlösung, Tierkohle, - Exzitantien, Pansenschnitt. - - +Oleandervergiftung+: Abführmittel, Schleim, Tannin, Exzitantien. - - +Opiumvergiftung+: Atropin, Hyoszin, Koffein, Abführmittel, - Exzitantien. - - +Oxalsäurevergiftung+: Kalkwasser, Zuckerkalk, Kreide, Magnesia usta, - Exzitantien, Diuretika. - - +Petroleumvergiftung+: Brechmittel, Hautreize, Aether, Kampfer, Wein, - Ammonium carbonicum, Koffein, künstliche Atmung. - - +Phosphorvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, altes Terpentinöl, - Kupfervitriol, überhaupt Kupfersalze, Kalium permanganicum, - Kobaltnitrat, Wasserstoffsuperoxyd, Exzitantien, Infusion alkalischer - Kochsalzlösung. Fette und fette Oele sind zu vermeiden. - - +Physostigminvergiftung+: Atropin, Hyoszin, symptomatische Behandlung. - - +Pilokarpinvergiftung+: Atropin, Hyoszin, Agarizin, Exzitantien. - - +Pilzvergiftung+: Abführmittel, einhüllende Mittel, Exzitantien, - Hautreize, Tannin, Jod, Kalomel (bei Fliegenpilzvergiftung: Atropin). - - +Ptomainevergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, Jodwasser, - Tierkohle, Kalomel, Aether, Kampfer, Koffein, Atropin, Wein, - Ammoniak, symptomatische Behandlung. - - +Quecksilbervergiftung+: Eiweiss, Milch, Eisenpulver, Schwefel, - Schwefelleber, Schwefelwasserstoff, Magnesia usta, symptomatische - Behandlung; bei chronischen Vergiftungen: Jodkalium, Anregung des - Stoffwechsels. - - +Ranunkelvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, Exzitantien. - - +Sabinavergiftung+: Schleimige, einhüllende Mittel, Opium, Morphium. - - +Salpetervergiftung+: Schleimige Mittel, Oel, Aether, Weingeist, - Wein, Kampfer, Ammonium carbonicum, Hautreize. - - +Salpetersäurevergiftung+: Verdünnte Alkalien, Eiweiss, Schleim, Oel, - Opium. - - +Salzsäurevergiftung+: Dasselbe. - - +Santoninvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Aether, - Chloralhydrat, Kampfer, Wein, symptomatische Behandlung. - - +Schierlingvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Veratrin, - Strychnin, Koffein, Atropin, Aether, Kampfer, kohlensaures Ammonium, - Tannin. - - +Schlangengift+: Oertlich Chlorwasser, Chlorkalkwasser, Lösungen - von übermangansaurem Kali, Chromsäure (1proz.), Eisenchlorid, - Ammoniakwasser, Karbolwasser, Kreolinwasser; innerlich Alkohol, - Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus. - - +Schwammvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, - symptomatische Behandlung. - - +Schwefelkohlenstoffvergiftung+: Frische Luft, Exzitantien. - - +Schwefelsäurevergiftung+: Verdünnte Alkalien, Kalkwasser, Soda, - gebrannte Magnesia, Kreide, Schleim, Oel, Eispillen, Exzitantien, - Salizylsäure. - - +Schwefelwasserstoffvergiftung+: Frische Luft, Aether, Kampfer, - Einatmung von Chlorgas, Exzitantien, Hautreize, Infusion, Aderlass, - subkutane Kochsalzlösung. - - +Solaninvergiftung+: Tannin, Abführmittel, Exzitantien. - - +Strychninvergiftung+: Chloralhydrat, Chloroform, Bromkalium, Aether, - Sulfonal, Morphin, künstliche Atmung, Tannin, Jodwasser, Brechmittel, - Magenausspülung. - - +Tabakvergiftung+ vergl. Nikotinvergiftung. - - +Taumellolchvergiftung+: Abführmittel, Aether, Kampfer, Atropin, - Koffein, Hautreize. - - +Terpentinölvergiftung+: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien. - - +Veratrinvergiftung+: Tannin, Jod, Opium, Sedativa, einhüllende - Mittel, Exzitantien. - - +Vergiftung mit wildem Mohn+: Abführmittel, Tannin, Opium, - Morphium, Chloralhydrat, Bromkalium, kalte Sturzbäder auf den Kopf, - evakuierende Klistiere. - - +Wurmfarnvergiftung+: Abführmittel, Exzitantien. - - +Zinkvergiftung+: Eiweiss, Schleim, Milch, Tannin, Opium, Natrium - und Kalium carbonicum und bicarbonicum, Schwefelleber, Gerbsäure, - Exzitantien. - - - - -Spezielle Toxikologie. - - -I. Mineralische Gifte. - - -Phosphorvergiftung. - - =Chemie des Phosphors.= Der Phosphor findet sich in der Natur - nirgends in freiem Zustande, sondern immer gebunden, meist in der - Form phosphorsaurer Salze. Er ist als freies Element zuerst im - Jahre 1669 von +Brand+ in Hamburg aus Menschenharn dargestellt - worden; aus dem phosphorsauren Kalke der Knochen wurde er erst - im Jahre 1771 durch +Scheele+ gewonnen. Seine Bedeutung für die - Toxikologie beginnt erst mit dem Jahr 1833, dem Zeitpunkt der - Erfindung der Phosphorstreichhölzer. Ausser dem besonders in - den +Knochen+ in grosser Menge (85 Proz. der Asche) enthaltenen - Kalziumphosphat kommen phosphorsaure Verbindungen auch sonst im - Tierkörper z. B. als phosphorsaures Kali vor; es enthalten ferner - alle Pflanzen phosphorsaure Salze; endlich ist der Phosphor ein - normaler Bestandteil der Ackererde und findet sich in grösserer Menge - in gewissen Mineralien, so z. B. im Phosphorit, Apatit, Wawellit, - Vivianit und Grünbleierz. Zur Darstellung des Phosphors wurden - früher ausschliesslich die Knochen benutzt; dieselbe wurde nur von - vereinzelten Fabriken betrieben (Birmingham, Lyon, Kaluga). Die von - Fett und Leim befreiten Knochen wurden gebrannt, mit Schwefelsäure - behandelt und mit Kohle geglüht, worauf die entweichenden - Phosphordämpfe in Wasser aufgefangen, gereinigt und in Stangen - geformt wurden. Neuerdings stellt man den Phosphor aus mineralischen - Phosphaten (Phosphorit) im elektrischen Ofen dar. - - Der Phosphor tritt in 3 allotropen Modifikationen auf: 1. - +Gewöhnlicher, giftiger, farbloser Phosphor+, bildet farblose, später - schwach gelbe, durchsichtige, wachsartige Stangen von ozonartigem - Geruch. Er kristallisiert in Oktaedern, ist in der Kälte spröde, - bei gewöhnlicher Temperatur wachsartig und schmilzt bei 44° unter - Wasser zu einer farblosen Flüssigkeit; er verdampft schon bei - gewöhnlicher Temperatur und +leuchtet+ im Dunkeln an feuchter - Luft unter Entwicklung ozonartig riechender Dämpfe (Ozonbildung, - Oxydation zu phosphoriger Säure und Phosphorsäure). An der Luft, beim - Erhitzen und beim Reiben entzündet sich der Phosphor und verbrennt zu - Phosphorsäureanhydrid. In Wasser ist er so gut wie unlöslich; das mit - Phosphor geschüttelte Wasser nimmt aber Spuren von Phosphor auf und - kann daher giftig wirken. Leichter löst er sich in Alkohol, Aether - und fetten Oelen, besonders leicht in Schwefelkohlenstoff, Benzol, - Terpentinöl und ätherischen Oelen. Sauerstoffreiche Verbindungen, - namentlich ozonhaltiges, altes Terpentinöl, Wasserstoffsuperoxyd, - übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Salpetersäure usw. oxydieren den - Phosphor rasch zu Phosphorsäure (PO_{4}H_{3}). Mit Schwefel, Chlor, - Brom und Jod verbindet er sich direkt, ebenso gibt er mit Lösungen - von Kupfer-, Silber-, Gold- und Quecksilbersalzen Niederschläge von - Phosphormetallen (Phosphorkupfer etc.). Bei längerer Aufbewahrung - überzieht sich der Phosphor unter der Einwirkung des Lichtes und - der Luft mit einer Schichte amorphen Phosphors. 2. +Amorpher, - roter, ungiftiger Phosphor+, im Jahre 1845 entdeckt und seit 1852 - zur Fabrikation der schwedischen Streichhölzer (Reibfläche der - Schachteln) verwendet, aus dem vorigen dargestellt durch Erhitzen - auf 250-260°, ein amorphes, dunkelrotes, geschmack- und geruchloses - Pulver oder rotbraune, metallisch glänzende Stücke mit muschligem - Bruche, unlöslich in den Lösungsmitteln des gewöhnlichen Phosphors, - nicht leuchtend und sich erst bei 260° entzündend. Der rote Phosphor - ist per os aufgenommen ungiftig, weil er auch in Fett unlöslich ist - und daher von der Magen- und Darmschleimhaut nicht resorbiert wird; - bei intravenöser Injektion erzeugt er jedoch wie der gewöhnliche - Phosphor Leber-und Nierenverfettung. 3. +Metallischer+ oder - +rhomboedrischer Phosphor+, schwarze, glänzende Kristalle durch - Erhitzen des Phosphors bis zur Rotglut dargestellt. - - Der +Phosphorwasserstoff+, PH_{3}, ist ebenso giftig wie der - gewöhnliche Phosphor. PH_{3} soll auch die Ursache der Phosphoreszenz - des Fleisches sein und von den Leuchtbakterien erzeugt werden, was - mit Rücksicht auf die Unschädlichkeit des leuchtenden Fleisches - unwahrscheinlich ist. Mit dem Leuchten des Holzes, gewisser Schwämme - und des Meeres hat PH_{3} jedenfalls nichts zu tun. PH_{3} riecht - knoblauchartig. - -=Aetiologie der Phosphorvergiftung.= +Toxikologische+ Bedeutung hat -nur der gewöhnliche, giftige Phosphor. Derselbe wird allgemein zur -Herstellung von +Ratten-+ und +Mäusegift+ (Phosphorteig, Phosphorbrei, -Phosphorpaste, Phosphorpillen) in Wohnungen, Stallungen und auf -dem Felde benützt und gibt so Veranlassung zur zufälligen oder -böswilligen Einverleibung. Ausserdem haben namentlich früher die -+Phosphorzündhölzer+ zuweilen Vergiftungen bedingt. Dieselben wurden in -der Weise angefertigt, dass die mit Schwefel überzogenen Hölzchen in -eine Phosphoremulsion getaucht wurden, welche mittels Gummi oder Leim -unter Beimengung von Russ, Mennige etc. hergestellt war. +Auf jedes -dieser Phosphorstreichhölzer kamen pro Kopf etwa 5 Milligramm Phosphor, -so dass also z. B. 20 derselben 0,1 Phosphor, d. h. die für einen -Hund tödliche Dosis enthielten.+ (Die therapeutische Maximaldosis des -Phosphors für den Menschen beträgt 1 Milligramm). Ungiftig sind dagegen -die sog. schwedischen Streichhölzer, welche keinen Phosphor, sondern -ein Gemenge von chlorsaurem Kali und Schwefelantimon oder Mennige -enthalten, während die Reibfläche der Schachteln einen Ueberzug von -amorphem Phosphor besitzt. Endlich können Phosphorvergiftungen durch -+zu hohe Dosierung des Phosphors+ bedingt werden. Die beim Menschen -nach der Einatmung von +Posphordämpfen+ in Fabriken beobachteten -chronischen Vergiftungen sind bei den Haustieren bisher noch nicht -beobachtet worden. Dagegen wurden Fälle von akuter Vergiftung durch -Einatmen von Phosphordämpfen auch bei den Haustieren konstatiert. Die -tödlichen und therapeutischen Dosen des Phosphors für die einzelnen -Haustiere betragen: - - +Tödliche+ Dosis +Therapeutische+ Dosis - +Pferd+ und +Rind+ 0,5-2,0 0,01-0,05 - +Schaf+ und +Schwein+ 0,1-0,2 0,002-0,005 - +Hunde+ 0,05-0,1 0,0005-0,002 - +Katzen+ und +Geflügel+ 0,01-0,03 0,0005-0,001 - -=Krankheitsbild.= Die Phosphorvergiftung (Phosphorismus) kommt bei -allen Haustieren, am häufigsten aber beim Geflügel, bei Schweinen -und Hunden vor. Das Krankheitsbild ist je nach der Form, in welcher -der Phosphor aufgenommen wird (kleinere Stücke, Zündholzkuppen, -Phosphorbrei, Phosphoröl), ferner je nach dem Inhalt und -Füllungszustand des Magens, nach der Applikationsmethode (innerlich, -subkutan), sowie je nach der Tiergattung verschieden. Namentlich -bei Pferden verläuft die Phosphorvergiftung zuweilen ohne besondere -charakteristische Krankheitserscheinungen; auch beim Geflügel (Hühnern, -Enten) werden häufig nur ganz allgemeine Symptome wahrgenommen. -Das typische Krankheitsbild der Phosphorvergiftung, wie es sich -insbesondere bei Hunden und Schweinen entwickelt, setzt sich aus -lokalen und allgemeinen Erscheinungen zusammen. - -1. Die +Lokalerscheinungen+ werden durch eine reizende und ätzende -Einwirkung des Phosphors auf die Schleimhäute des Digestions- und -Respirationsapparates bedingt. Sie bestehen in Appetitlosigkeit, -+Erbrechen+ (Phosphorgeruch und Leuchten des Erbrochenen im Dunkeln), -Blutbrechen, Unruheerscheinungen, +Kolikanfällen+, Stöhnen, Winseln, -Durchfall; bei Anätzung der Maul- und Schlundschleimhaut findet -man ausserdem Speicheln, Anschwellung der Zunge, sowie Lähmung des -Schlingvermögens. Nach dem Einatmen von Phosphordämpfen beobachtet man -sehr starken Husten, leuchtenden Atem, Erstickungsanfälle, hochgradige -Atemnot, die Erscheinungen des Lungenödems, sowie beim Rind zuweilen -Hautemphyseme am Hals und Thorax infolge des durch den Husten -entstandenen interstitiellen Lungenemphysems. - -2. Die +Allgemeinerscheinungen+ beginnen mit dem Uebergang des -Phosphors ins Blut. Die Resorption des in Wasser unlöslichen Phosphors -wird durch den Fettgehalt des Darminhaltes bedingt. Ausserdem -durchdringt der rasch verdampfende Phosphor die Magenwand und die -benachbarten Organe und bewirkt so eine direkte Degeneration der -Gewebszellen (Magendrüsen, Leber). Der Phosphor wirkt als heftiges -+Zellen-+ und +Stoffwechselgift+ unter Zersetzung der Zellen bezw. -des Körpereiweisses zu +Fett+, Leuzin, Tyrosin, Milchsäure usw. -Dabei erweist er sich vorwiegend als +Drüsen-+ und +Muskelgift+, -indem er eine Nekrobiose sowie fettige Degeneration namentlich -der +Leber-+, +Magendrüsen-+ und +Nierenzellen+, der Muskelfasern -des +Herzens+, der +Skelettmuskeln+, sowie des Endothels und der -Muskelfasern der +Gefässe+ hervorruft. Eigentümlicherweise bleibt -der Phosphor im Blute sehr lange unoxydiert; seine Oxydation zu -Phosphorsäure geschieht vorwiegend in den Geweben (Protoplasmagift). -Die Verfettung der Skelettmuskeln äussert sich in allgemeiner, -+lähmungsartiger Körperschwäche+ und Hinfälligkeit, die des Herzmuskels -in +Herzschwäche+, stark vermindertem Blutdrucke, schwachem, -unfühlbarem Puls und Herzschlag, Sinken der Körpertemperatur und -Herzlähmung. Die Verfettung der Leberzellen wird teils auf eine -Fettbildung in den Zellen selbst, teils auf einen Fettransport -nach der Leber, somit gleichzeitig auf Fettdegeneration und -Fettinfiltration zurückgeführt. Sie kann infolge Vergrösserung der -Zellen zu Vergrösserung der Leberdämpfung, sowie zu Gallenstauung und -+Ikterus+, einem sehr charakteristischen, aber nicht regelmässigen -Symptom der Phosphorvergiftung führen. Die kranke Leber hat ausserdem -die Fähigkeit der Glykogensynthese verloren, was sich durch Auftreten -von Zucker im Harn äussert (+Glykosurie+). Die Nierenverfettung -äussert sich klinisch durch +Albuminurie+ und +Lipurie+. Die fettige -Degeneration der Gefässmuskulatur und des Gefässendothels bedingt -eine Brüchigkeit aller Gefässe und infolgedessen +Hämorrhagien+ auf -den Schleimhäuten (Nasenbluten, blutiger Ausfluss aus der Scheide, -Hämaturie, Hämatemesis) und in die Haut. Als besondere Erscheinungen -beobachtet man endlich bisweilen bei Schweinen Aufregung und sonstige -zerebrale Erregungserscheinungen, beim Geflügel eigentümliche hüpfende -Körperbewegungen, und endlich bei Milchkühen, offenbar als eine Folge -des nekrotisierenden, verfettenden Einflusses des Phosphors auf die -Drüsenzellen, nach überstandener Vergiftung ein absolutes, bleibendes -Versiegen der Milch (+Schindelka+). - -Der +Verlauf+ der Phosphorvergiftung ist bei den Haustieren immer -+akut+. Die ersten Allgemeinerscheinungen treten, insbesondere bei -den Pflanzenfressern, wegen der +langsamen Resorption+ des Giftes -meist nicht vor Ablauf mehrerer Stunden, zuweilen erst nach mehreren -Tagen ein. Die kürzeste Krankheitsdauer beträgt 10-15 Stunden; meist -sterben die Tiere am +zweiten+ und +dritten+, häufig aber auch erst -am dritten bis fünften Tage nach der Aufnahme des Phosphors. Zuweilen -tritt der Tod ganz plötzlich infolge von Herzlähmung ein, nachdem sogar -im übrigen Befinden eine wesentliche Besserung vorausgegangen war. -Ausnahmsweise wird ein perakuter Verlauf (3-5 Stunden) beobachtet. - - =Chronische Phosphorvergiftung.= Dieselbe tritt in verschiedenen - Formen auf. 1. Als sog. +Phosphornekrose+ des Unterkiefers - und Oberkiefers wurde sie früher häufig beim Menschen in - Phosphorzündholzfabriken beobachtet. Namentlich bei Arbeitern mit - schlechten Zähnen entstand eine nekrotisierende Kieferperiostitis, - indem sich der Phosphor mit den bei jeder Eiterung entstehenden - eiweissartigen Stoffen zu stark reizenden Phosphorptomainen - verband. Experimentell wurden diese Erscheinungen auch bei - Kaninchen nach längerer Einatmung von Phosphordämpfen, sowie nach - subkutaner Injektion von Phosphoröl erzeugt (+Gelenkvereiterung+, - Korneaabszesse). 2. Die +Phosphorzirrhose+ der +Leber+ und +Niere+, - d. h. eine chronische interstitielle Hepatitis und Nephritis - mit Bildung einer Schrumpfleber und Schrumpfniere lässt sich - experimentell bei Tieren durch lange fortgesetzte Fütterung kleiner - Phosphorgaben hervorrufen. In der zirrhotischen Phosphorleber hat man - Neubildung von Gallengängen beobachtet. - -=Sektionsbefund.= Bei sehr raschem Verlauf können charakteristische -Veränderungen in den inneren Organen fast vollständig fehlen. -Der anatomische Befund ist ferner je nach der stärkeren oder -schwächeren Lokalwirkung (Aetzwirkung) des Phosphors verschieden, -indem gastroenteritische Veränderungen in einzelnen Fällen, z. B. -nach Aufnahme von Phosphoröl, nicht auftreten. Auch die ikterische -Verfärbung der Schleimhäute kann fehlen. In der Mehrzahl der -Vergiftungsfälle lässt sich jedoch ein sehr prägnanter anatomischer -Befund konstatieren. Meist findet man die +Schleimhaut+ des +Magens+ -und +Dünndarms+ (zuweilen auch die der Maulhöhle, des Schlundkopfes -und Schlundes) höher gerötet, geschwollen, von Blutungen durchsetzt, -erodiert, geschwürig verändert und zuweilen sogar umschrieben -verschorft. Die +Magendrüsen+ sind fettig-körnig degeneriert -(Gastritis glandularis). Die +Leber+ ist stark geschwollen und -vergrössert, brüchig, ikterisch, die Leberzellen sind verfettet; -gleichzeitig entsteht das Bild der Fettleber durch Einwanderung von -Fett aus anderen Fettdepots in die Leberzellen, so dass die Leberzellen -infolge der zahlreichen Fettröpfchen oft gar nicht mehr zu erkennen -sind. Die +Nieren+ sind vergrössert, das Nierenepithel verfettet. Der -+Herzmuskel+ und die +Skelettmuskeln+ sind ebenfalls verfettet und -von Hämorrhagien durchsetzt, die Schleimhäute und das Bindegewebe -ikterisch. Die Fettdegeneration der Leberzellen lässt sich schon 6-8 -Stunden, die der Nierenzellen 12 Stunden nach der Einverleibung des -Phosphors nachweisen. Viele Organe weisen +Hämorrhagien+ auf, so -namentlich die Pleura, das Perikard, das Mittelfell und Gekröse, die -Lunge, das subkutane und intermuskuläre Bindegewebe. Der Magen- und -Darminhalt zeigt im Dunkeln +Phosphoreszenz+ und fällt durch seinen -knoblauchartigen +Geruch+ auf (PH_{3}). Zuweilen beobachtet man -auch Leuchten der Leber. Nach der Einatmung von Dämpfen findet man -Laryngitis, Bronchitis, Lungenhyperämie und Lungenödem. - -=Behandlung.= Bei Schweinen, Hunden und Katzen gibt man möglichst -rasch eine Auflösung von +Kupfervitriol+ als Brechmittel (Schweinen -0,5-1,0, Hunden 0,1-0,5, Katzen 0,05-0,2). Ein zweites, ebenfalls sehr -wirksames Gegengift besteht in +altem, ozonhaltigem Terpentinöl+, -welches als Emulsion mit schleimigen Mitteln in grossen Dosen -verabreicht wird (Rindern eine einmalige Dosis von 100-250,0, Pferden -50-100,0, Schafen und Schweinen 25-50,0, Hunden 5-10,0, Katzen -und Hühnern 5 bis 10 Tropfen); man nimmt an, dass eine ungiftige -Verbindung, die terpentinphosphorige Säure entsteht. Neuere Gegenmittel -sind das +übermangansaure Kali+ (KMnO_{4}) in ⅕-⅓proz. Lösung, das -+Wasserstoffsuperoxyd+ (H_{2}O_{2}) in 1-3proz. wässeriger Lösung und -das +Kobaltnitrat+ (Co(NO_{3})_{2}), sauerstoffreiche Verbindungen, -welche den Phosphor zu ungiftiger Phosphorsäure oxydieren. Ausserdem -gibt man gegen die Lähmungserscheinungen, besonders gegen die mit -starkem Sinken des Blutdrucks verlaufende Herzschwäche +Exzitantien+ -(Aether, Kampfer, Wein, Kaffee, Tee, Koffein, Atropin, Hyoszin, -Veratrin, Strychnin). +Zu vermeiden ist die Verabreichung von fetten -Oelen und von Milch+, weil dieselben den Phosphor lösen und die -Resorption desselben befördern. - -=Nachweis der Phosphorvergiftung.= Der chemische Nachweis des Phosphors -hat entweder den Phosphor in Substanz, oder leuchtende Dämpfe, -oder den Phosphorwasserstoff zu konstatieren. Die Trennung von dem -Untersuchungsmaterial erfolgt durch +Destillation+; wegen der raschen -Oxydation des Phosphors hat die Untersuchung möglichst frühzeitig -stattzufinden. Die wichtigsten qualitativen Methoden des Nachweises -sind die von +Mitscherlich+, +Scheerer+, +Dussard+ und +Blondlot+, -sowie von +Fresenius+ und +Neubauer+. - -1. Nach +Mitscherlich+ wird das Untersuchungsmaterial nach -vorausgegangener Zerkleinerung und Zusatz einiger Tropfen Schwefelsäure -in einer geräumigen Kochflasche mit Wasser erhitzt, wobei der Phosphor -mit den Wasserdämpfen überdestilliert und mittels eines Glasrohrs in -einen Kühlapparat geleitet wird. Wenn die Flüssigkeit auf etwa 90-100° -erhitzt ist, geht der Phosphor in Form von im Dunkeln +leuchtenden -Dämpfen+ durch das eingeschaltete Glasrohr über. Mit 1 mg Phosphor -in 200000facher Verdünnung lässt sich noch ein deutliches Leuchten -erzielen. - -2. Nach +Scheerer+ lassen sich Phosphor und phosphorige Säure -durch ihre Eigenschaft, +Silbersalze zu reduzieren+, nachweisen. -Ihre Dämpfe +schwärzen+ nämlich Filtrierpapierstreifen, welche mit -+salpetersaurem Silber+ getränkt sind (Reduktion zu metallischem -Silber). Da jedoch Schwefelwasserstoff infolge der Bildung von -Schwefelsilber eine ähnliche Reaktion gibt, muss gleichzeitig eine -Probe auf etwa vorhandenen +Schwefelwasserstoff+ durch +Bleipapier+ -(mit Bleizuckerlösung getränktes Papier) vorgenommen werden. Statt -Bleipapier kann auch ein mit Arsenik oder Brechweinstein getränkter -Papierstreifen verwendet werden. Die Methode wird in der Weise -ausgeführt, dass in die mit der phosphorhaltigen Substanz gefüllte -Flasche zwei Papierstreifen, ein Silber- und ein Bleistreifen, gebracht -und durch den Stöpsel festgehalten werden. +Alleinige Schwärzung -des Silberstreifens beweist die Anwesenheit von Phosphor+; bei -gleichzeitiger Schwärzung des Bleistreifens ist die Methode, und hierin -liegt der Hauptnachteil derselben, nicht anwendbar. - -3. Nach +Dussard+ und +Blondlot+ wird der Phosphor als -+Phosphorwasserstoff+ nachgewiesen, welcher mit +grüner+ Flamme brennt. -Zu diesem Zweck versetzt man die zu untersuchende Flüssigkeit in einer -Flasche mit doppelter Oeffnung mit +Schwefelsäure+ und reinem +Zink+, -worauf sich Wasserstoff in statu nascente und Phosphorwasserstoff -entwickelt, der, durch eine Glasröhre geleitet und beim Austreten aus -derselben angezündet, mit grüner Flamme brennt. Vor dem Anzünden muss -das Gas behufs Reinigung von Schwefelwasserstoff eine U-Röhre mit -Bimssteinstücken gefüllt passieren, welche mit Kalilauge befeuchtet -sind. Da die Glasspitze durch ihren Natrongehalt eine gelbe Flamme -erzeugt, wodurch die grüne Flamme des Phosphorwasserstoffs verdeckt -wird, muss am Ende des Glasrohres eine Platinspitze befestigt werden. - -4. Nach +Fresenius+ und +Neubauer+ wird die zu untersuchende -Substanz in einer Kohlensäureatmosphäre der Destillation unterworfen -(+Mitscherlich+). Hierbei kann schon durch das Leuchten im Dunkeln der -Nachweis des Phosphors geliefert werden. Das Destillat wird dann mit -einer Lösung von salpetersaurem Silber versetzt (+Scheerer+), auch wenn -kein Leuchten zu sehen war. Der Niederschlag von Phosphorsilber wird -gesammelt und in den Wasserstoffapparat gebracht (+Dussard-Blondlot+), -hierauf der gebildete Phosphorwasserstoff angezündet und an seiner -grünen Flamme erkannt. Diese Methode, welche die sämtlichen übrigen -miteinander kombiniert, ist als die beste zu bezeichnen, weil sie -selbst kleinste Mengen von Phosphor nachweist und auch in solchen -Fällen Resultate gibt, in welchen die Methode von +Mitscherlich+ -versagt. Ausserdem eignet sich die Methode auch zur +quantitativen+ -Analyse; hierbei wird der in der Silberlösung befindliche Niederschlag -von Phosphorsilber durch Königswasser oxydiert und die entstandene -Phosphorsäure durch Zusatz von Magnesialösung als +pyrophosphorsaure -Magnesia+ ausgefällt, gewogen und auf Phosphor (100 : 28) berechnet. - - =Kasuistik.= Ein Pferd, welches von einer als Rattengift - aufgestellten Phosphorlatwerge 2 g Phosphor gefressen hatte, zeigte - erst nach 3½ Tagen Krankheitserscheinungen, welche in Kolik, - Speicheln, Verdrehen der Augen und Zuckungen bestanden; schliesslich - stürzte es zusammen und starb nach 3 Stunden (+Haubner+, Sächs. - Jahresber. 1860). -- Ein rotziges Pferd erhielt 6 Dosen von 0,5 - Phosphor in Leinöl innerhalb 3 Tagen; es starb, ohne sichtbare - Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben, plötzlich am 4. Tage - (+Lowag+, Magazin 1860). -- 16 Ferkel erkrankten gleichzeitig an - Phosphorvergiftung; dieselben wurden matt und elend, 10 davon lagen - hilflos und steif im Stalle, waren unfähig aufzustehen, und zeigten - in regelmässigen Intervallen Zuckungen am Unterkiefer. Die 6 anderen - liefen wie berauscht im Stalle umher und schrien bei jeder Berührung. - Sämtliche Tiere verendeten; eines am 2. Tage, sechs am 3. Tage, die - anderen neun am 10. bis 12. Tage. Bei der Sektion fand man auf der - Magenschleimhaut eine scharf begrenzte, zehnpfennigstückgrosse Stelle - dunkelbraunrot gefärbt und mit einem trockenen, ziemlich festen - Schorf bedeckt (+Hodurek+, Oesterr. Vereinsmonatsschrift 1885). - -- Ein Pferd, welches infolge des Einatmens von Phosphordämpfen - gestorben war, zeigte bei der Sektion die Erscheinungen des akuten - Lungenödems, sowie fettig-körnige Entartung des Herzmuskels - (+Csokor+, Oesterr. Vierteljahrsschrift 1885). -- Eine Schafherde - erkrankte an Phosphorvergiftung nach dem Weiden auf einem Kleefelde, - auf welchem zur Vertilgung der Mäuse Stücke von Mohrrüben mit - Phosphorlatwerge bestrichen in die Mäuselöcher gelegt worden - waren. 35 Schafe starben am 2-5. Tage darauf (+Schöngen+, Mitt. - a. d. tierärztlichen Praxis in Preussen, Bd. 14). -- Hunde und - Schweine starben nach Gaben von 0,03-0,09 Phosphor innerhalb 2-5 - Tagen; dieselben waren traurig, matt, ohne Appetit, einzelne - zeigten Erbrechen, Unruhe und Winseln. Hühner und Enten starben - nach der Aufnahme von 7½ mg Phosphor, ohne andere Erscheinungen - als Traurigkeit zu zeigen (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- - Phosphorvergiftung beim Rind wurde einmal bei einem zur Sektion - eingelieferten Rinde festgestellt, das plötzlich beim Austrieb auf - die Weide zusammengebrochen und verendet war, nachdem es vorher - noch gesund und munter seine Mittagsmahlzeit im Stalle verzehrt - hatte. Neben deutlicher, aber mässiger Magendarmentzündung fand sich - beginnende Leberverfettung. Durch Anwendung der Mitscherlichschen - Probe, der eine kleine Menge Panseninhalt unterworfen wurde, - konnten eine Stunde lang andauernde, ganz intensiv leuchtende - Phosphordämpfe hervorgerufen werden. Hiernach muss die Menge des - Giftes sehr gross gewesen sein und dies erklärt den höchst akuten - Verlauf. Der Besitzer hatte zu fraglicher Zeit Phosphorlatwerge - zur Vergiftung von Mäusen aufgestellt und ist jedenfalls das Tier - durch Zufall direkt über einen Topf mit Latwerge geraten (+Walther+, - Sächs. Jahresber. pro 1895). -- Ein Pferd, welches phosphorhaltiges - Rattengift (Brotscheiben) gefressen hatte, wurde morgens gelähmt - am Boden liegend gefunden. In kurzen Zwischenräumen traten Krämpfe - und krampfartige Bewegungen des gelähmten Unterkiefers ein. Die - Zunge hing gelähmt aus dem Maul heraus. Die Pupillen waren ad - maximum erweitert, die Kopfschleimhäute zyanotisch. Ausserdem wurden - periodisch auftretende Brechbewegungen beobachtet. Nach dreistündiger - Krankheitsdauer starb das Pferd (+Müller+, Sächs. Vet.-Ber. pro - 1900). -- Hühner hatten von Phosphorpaste (Rattengift) gefressen - und starben nach vorausgegangener Abmagerung und Hinfälligkeit - schlagartig, indem sie tot von der Sitzstange fielen oder im Laufen - begriffen plötzlich starben; die Sektion ergab fettige Degeneration - des Herzens und der Leber, sowie tief ziegelrote Färbung der - Eingeweide (+Graham-Gillam+, Journ. of comp., Bd. XV). -- Ein Hund - hatte auf unerklärte Weise Phosphor zu sich genommen; dem Geruche - nach zu urteilen, war die aufgenommene Menge ziemlich gross. Das - Tier zeigte Mattigkeit und Erbrechen; die ausgebrochenen Massen - waren stark schleimig und rochen deutlich nach Phosphor. Das Tier - erhielt Cupr. sulfuric. 1,0, Aqu. destill. 50,0 viertelstündlich 1 - Esslöffel. Das Erbrechen hielt noch ca. 1½ Stunden an, es liessen - jedoch die Vergiftungserscheinungen nach ca. ½ Tag allmählich nach, - und nach Verlauf von 2 Tagen war das Tier wieder wohl und munter - (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1902). -- Hühner, welche Phosphorlatwerge - gefressen hatten, zeigten ein Krankheitsbild, das den Verdacht der - Hühnercholera erweckte, andere Hühner zeigten Taumeln, Durchfall - und Koma (+Hocke+, +Träger+, Jahresb. d. preuss. Tierärzte - 1904). -- Nach der Aufnahme von verschlepptem Rattengift starb - ein Schwein an blutiger Magendarmentzündung, desgleichen zeigten - 48 Hühner Durchfall und Leberschwellung (+Dosse+, +Schaumkell+, - ibid.). -- 3 Pferde starben, wahrscheinlich infolge Aufnahme von - Rattengift, nach vorausgegangenen Kolikerscheinungen. Die Sektion - ergab korrosive Schlundentzündung, fleckige Rötung der Magen- und - Darmschleimhaut, sowie Schwellung und braungelbe Farbe der Leber - (+Keller+, ibid. 1907). -- Einem 10 kg schweren Versuchshunde gab - ich vormittags 11 Uhr 0,1 Phosphor in 50,0 Lebertran ein. 2 Stunden - nach der Verabreichung zeigte sich derselbe traurig und erbrach von - Zeit zu Zeit schleimige Massen. Das Abendfutter wurde mit Appetit - aufgenommen. Der Puls war um diese Zeit etwas beschleunigt und - deutlich schwächer geworden. Am andern Morgen war die Futteraufnahme - ebenfalls noch eine gute. Das Tier zeigte jedoch allgemeine - Mattigkeit und Traurigkeit, die Atmung war sehr angestrengt, der Puls - äusserst schwach, die Schleimhäute anämisch, schmutzig grau gefärbt. - Gegen Mittag wurde der Gang schwankend und taumelnd, die Psyche - stark eingenommen, der Puls sank von 72 auf 56 Schläge p. M., die - Temperatur von 38,0 auf 37,5° C. Die Atmungsbeschwerden steigerten - sich gegen Mittag, das Tier konnte sich nicht mehr vom Boden erheben, - der Puls wurde unfühlbar, es trat heftiges Erbrechen, Stöhnen, - Umsehen nach dem Leibe ein. 28 Stunden nach der Verabreichung des - Phosphors starb das Tier unter komatösen Erscheinungen, nachdem eine - halbe Stunde vor dem Tode krampfartige Zuckungen der Halsmuskulatur - vorausgegangen waren. Die +Sektion+ ergab: hämorrhagische - Gastroenteritis und Nephritis, parenchymatöse Hepatitis und - Lungenödem, ausserdem partiellen Leberikterus. Mikroskopisch - zeigte sich Fettdegeneration der Leber- und Nierenzellen, sowie - ausgesprochene körnige Trübung der Muskelfasern des Herzens neben - beginnender Trübung der Skelettmuskulatur. - - -Arsenikvergiftung. - - =Chemie der Arsenverbindungen.= Das Metall Arsen kommt in der Natur - in grosser Verbreitung teils in reinem Zustand, teils an Sauerstoff, - Schwefel und an Metalle gebunden vor. Das reine Arsenmetall (As) - findet sich gediegen kristallisiert oder in nierenförmigen traubigen - Massen als +Scherbenkobalt+ oder +Fliegenstein+. Die wichtigsten - Schwefelverbindungen sind das +Realgar+ (As_{2}S_{2}) und das - +Auripigment+, Operment oder +Rauschgold+ (As_{2}S_{3}). Mit - Sauerstoff zusammen kommt Arsen in der Natur vor als +Arsenblüte+ - (As_{2}O_{3}). Metallverbindungen (Arsenerze) sind der +Arsenkies+ - oder +Misspickel+ (AsFeS und AsFe_{2}S_{2}), der +Speisskobalt+ - (As_{2}Co), +Glanzkobalt+ (AsCoS), +Kupfernickel+ (AsNi), - +Kupfernickelglanz+ (AsNi_{2}S_{2}), das +Weissnickelerz+ (As_{2}Ni). - Ausserdem kommen kleinere Mengen von Arsenmetall in den meisten - Mineralerzen vor, so in den Eisenerzen, Silbererzen, Kupferkiesen, im - Bleiglanz, in der Zinkblende, in den Antimonerzen etc. - - Der =Arsenik= (weisser Arsenik, arsenige Säure, As_{2}O_{3}) findet - sich in der Natur in kleinen Mengen als Ueberzug auf arsenhaltigen - Erzen; sog. +Arsenblüte+. Gewöhnlich wird er aber hüttenmännisch - durch Oxydation der Arsenerze dargestellt. Er kann z. B. durch - Rösten (Oxydation) des Arsenkieses gewonnen werden. Meist wird er - jedoch als +Nebenprodukt+ beim Rösten anderer arsenhaltiger Erze, - so namentlich von Silbererzen, Kupfererzen, Bleierzen, Zinnerzen, - Kobalterzen erhalten. Beim Erhitzen dieser Erze an der Luft (Rösten) - wird das Metall Arsen zu arseniger Säure (As_{2}O_{3}) oxydiert, - wobei letztere als weisser Rauch (+Hüttenrauch+) in Verbindung - mit anderen flüchtigen Stoffen sich verflüchtigt. Wird dieser - Hüttenrauch in sog. Giftkammern aufgefangen, so schlägt sich dort - der Arsenik als feuchtes Pulver, sog. Giftmehl nieder, welches durch - Sublimieren gereinigt und in eine glasartige Masse umgeschmolzen - wird. Der Arsenik ist teils amorph, teils kristallinisch, beide - +Modifikationen+ gehen leicht ineinander über; während der frisch - sublimierte Arsenik eine farblose oder schwach gelbliche, amorphe - Glasmasse darstellt, trübt sich der ältere mit der Zeit und - bildet eine trübe porzellanartige, kristallinische Masse. Beide - Modifikationen besitzen eine +verschiedene Löslichkeit+ in Wasser; - der kristallinische Arsenik löst sich 1 : 80, der amorphe dagegen - schon 1 : 25 in kaltem Wasser. Da nun die Präparate des Handels - inkonstante Gemenge von kristallinischem und amorphem Arsenik - darstellen, lässt sich eine genaue Löslichkeitsziffer für dieselben - nicht angeben. In der Technik benützt man namentlich die Arsensäure - und das arsenigsaure Kupfer. Offiziell ist eine 1proz. Arseniklösung - in Pottasche = Liquor Kalii arsenicosi. - - Für die Toxikologie sind die nachstehenden +Eigenschaften+ des - Arseniks von Bedeutung. Beim Erhitzen auf Kohle verbrennt der Arsenik - unter Reduktion zu Arsen mit Knoblauchgeruch. Erhitzt man Arsenik in - einem Glasrohr neben Kohle, so schlägt sich das metallische Arsen - in Form eines sog. Arsenspiegels als grauschwarzer Belag innen am - Glase nieder. Das Arsen wird ferner als grauschwarzes Pulver aus - sauren Lösungen durch Zinn ausgefällt. Schwefelwasserstoff fällt - aus salzsauren Lösungen gelbes Schwefelarsen. Mit Alkalien bildet - der Arsenik in Wasser lösliche Arsenite (arsenigsaure Salze), z. B. - mit Pottasche arsenigsaures Kalium (AsO_{3}K_{3}); dagegen bildet - er mit Metallsalzen, namentlich mit Eisenoxydulsalzen, in Wasser - unlösliche und daher ungiftige Arsenite (arsenigsaures Eisen; vergl. - das Antidotum Arsenici). - - Der =Arsenwasserstoff=, AsH_{3}, unterscheidet sich in seiner - Giftwirkung ganz wesentlich vom Arsenik (vergl. S. 70). - -=Aetiologie der Arsenikvergiftung.= Die Ursachen der bei den Haustieren -ziemlich häufigen Arsenikvergiftungen sind mannigfaltiger Natur. Wie -beim Phosphor gibt ausgelegtes +Rattengift+ in Form von arsenikhaltigen -Brotkugeln oder Arsenikpasten Veranlassung zu Vergiftungen, namentlich -in Viehstallungen. Sodann kommen Vergiftungen teils aus +Zufall+ -und +Versehen+, teils aus +böswilliger Absicht+ zustande. 15 Pferde -erhielten z. B. aus Versehen je 80 Gramm Arsenik; Hühner starben, -als sie nach dem Ausklopfen von Renntierfellen den eingestreuten -Arsenik aufnahmen; Schweine krepierten, als sie arsenikhaltige -Badeflüssigkeit tranken. Am häufigsten geben +Arsenikbäder+ bei Schafen -Veranlassung zu Vergiftungen, wenn dieselben zu frühzeitig nach der -Schur angewendet werden. Auch +Arsenikwaschungen+ bei +Pferden+ haben -oft Vergiftungen zur Folge, wenn pro Pferd mehr als 500 Gramm einer -1proz. Lösung (= 5 Gramm Arsenik) verwendet werden. Namentlich in -der Provinz Schleswig-Holstein und in den Marschländern der Provinz -Hannover sind von alten Zeiten her 2malige Arsenikwaschungen pro Jahr -bei den grösseren Haustieren gegen Läuse und sonstiges Ungeziefer im -Gebrauch. Meist wird folgende Mischung genommen: 5 Liter Wasser mit 15 -Gramm Arsenik werden reichlich mit Pottasche versetzt; diese Menge der -⅓prozentigen Arseniklösung ist für ein Pferd oder Rind berechnet. Trotz -der starken Verdünnung sind Vergiftungen sehr häufig. Gefährlich sind -die Waschungen insbesondere dann, wenn zufällig Hautwunden vorliegen, -wenn die Lösungen warm oder bei stark erhitzten Tieren oder in sehr -warmen Ställen zur Anwendung gelangen. Auch durch die +vorausgehende -Anwendung von konzentrierten Karbollösungen+, wodurch die Haut -angeätzt und ihr Resorptionsvermögen erhöht wird, sind mehrmals -Arsenikvergiftungen beim Behandeln räudiger Pferde beobachtet worden. - -Eine sehr grosse Bedeutung, insbesondere für die chronische -Arsenikvergiftung, besass namentlich früher der +Hüttenrauch+. -Bekannt ist in dieser Hinsicht die als chronische Arsenikvergiftung -aufzufassende sog. Hüttenkrankheit unter dem Viehbestand im Bereiche -der Freiberger Hütten in Sachsen. Der Hüttenrauch daselbst enthielt -neben schwefliger Säure und geringen Mengen von Bleioxyd und Zinkoxyd -grössere Mengen von Arsenik, welcher als Flugstaub die gesamte Flora -der Umgebung überzog und mit dem Futter aufgenommen wurde, was unter -dem dortigen Viehbestand eine gewissermassen enzootische, die Viehzucht -jener Gegend schwer schädigende chronische Arsenikvergiftung zur -Folge hatte. Weitere Vergiftungen ereignen sich durch +arsenikhaltige -Farben+. Unter denselben sind zu nennen das +Scheelesche Grün+ -(arsenigsaures Kupfer, Mineralgrün, Smaragdgrün) von der Formel Cu_{3} -(AsO_{3})_{2}, und das +Schweinfurter Grün+ (Wiener Grün, Mitisgrün), -eine Verbindung von arsenigsaurem und essigsaurem Kupfer. Auch -+arsenhaltige Anilinfarben+ können Vergiftungen veranlassen. Diese -Farbenvergiftungen ereigneten sich früher, als die +grünen Tapeten+ -die oben genannten Farbstoffe enthielten, häufiger als in der neueren -Zeit; sie kamen z. B. bei Kühen vor, wenn die alten abgerissenen -Tapeten auf den Dünger geworfen oder als Streumaterial verwendet und -von den Tieren gefressen wurden. Neuerdings sind durch die Anwendung -von Schweinfurter Grün gegen den Coloradokäfer in Amerika zahlreiche -Vergiftungen bei Haustieren vorgekommen. Seltener sind die Vergiftungen -durch die übrigen Arsenverbindungen, wie +Kobalt+ (als sog. schwarzer -Schwefel von Pferdehändlern und Stallknechten zur Aufbesserung der -Ernährung verabreicht) und +Operment+. Ebenfalls nicht sehr zahlreich -sind die Fälle, in welchen säugende Tiere durch die arsenikhaltige -Milch der +Muttertiere+ vergiftet wurden. Ein 14 Tage altes Fohlen -erkrankte z. B. 12 Stunden nach der Aufnahme von Arsenik durch die -Mutterstute und starb 1½ Stunden darauf, während das Muttertier die -ersten Krankheitserscheinungen erst einige Stunden nach dem Tode -des Fohlens zeigte (+Huxel+, Berl. Archiv 1886). In gleicher Weise -sah +Hertwig+ nach der Verabreichung von Milch einer Ziege, welche -innerhalb zwei Tagen 3 Gramm Arsenik erhalten hatte, bei zwei Hunden -starkes Erbrechen. Endlich sind manche +Arzneimittel+ arsenikhaltig -(Brechweinstein, Spiessglanz, Goldschwefel). - -Eine weitere Ursache der Arsenikvergiftungen ist endlich in -+fehlerhafter Dosierung+ seitens des behandelnden Tierarztes zu suchen. -Eine solche kann entweder bei der innerlichen Anwendung des Arseniks -als Wurmmittel und Plastikum, oder bei der chirurgischen Applikation -desselben als Aetzmittel vorkommen. Auffallenderweise differieren -die Angaben der einzelnen Beobachter über die Höhe der tödlichen -Arsenikdosis sehr bedeutend. So wird von +Gohier+ berichtet, dass -Pferde selbst nach einer Gabe von 30 Gramm Arsenik gesund blieben, -während andere (+Walch+) schon nach 3 Gramm Arsenik Pferde sterben -sahen. In ähnlicher Weise sollen Rinder und Schafe das eine Mal Gaben -von 30 Gramm Arsenik und darüber gut ertragen haben, während sie ein -anderes Mal nach 5 Gramm starben. Die Erklärung dieser abweichenden -Angaben ist in verschiedenen Umständen zu suchen. Zunächst wirkt der -Arsenik von der Haut, das heisst von Wunden aus, etwa 10mal stärker -als vom Magen aus. Es sind ferner alle Arseniklösungen, namentlich -die Lösungen in Säuren und Alkalien (Arsenikessig, Liquor Kalii -arsenicosi), wegen der leichten Resorptionsfähigkeit giftiger als -der Arsenik in Substanz. Ebenso ist gepulverter Arsenik leichter -resorbierbar und daher wirksamer als Arsenik in Stücken; während -letztere mehr eine lokale, ätzende Wirkung besitzen, bedingen der -gepulverte und gelöste Arsenik sehr rasch eine Allgemeinvergiftung. -Weiter kommt in Betracht, dass die im Handel befindlichen -Arsenikpräparate eine sehr verschiedene Löslichkeit besitzen und -ausserdem nicht selten mit ungiftigen Stoffen (Gips) verunreinigt -sind. Schliesslich ist, wie bei allen Giften, der Füllungszustand des -Magens und Darmes in Betracht zu ziehen; damit hängt auch die Tatsache -zusammen, dass die Wiederkäuer im allgemeinen wegen der Verteilung -des Arseniks in den grossen Futtermassen des Pansens gegen denselben -widerstandsfähiger sind, als Fleischfresser und Pferde. Im Durchschnitt -beträgt die +tödliche Arsenikdosis+ - - bei +innerlicher+ Verabreichung von +Wunden+ aus - - für Rinder 15-30,0 2,0 - „ Pferde 10-15,0 2,0 - „ Schafe und Ziegen 10-15,0 0,2 - „ Schweine 0,5- 1,0 0,2 - „ Hunde 0,1- 0,2 0,02 - „ Hühner 0,1- 0,15 0,01 - „ Tauben 0,05- 0,1 0,005 - -=Krankheitsbild der Arsenikvergiftung.= Die einzelnen Fälle von -Arsenikvergiftung zeigen nach Symptomen und Verlauf grosse -Verschiedenheiten. Während bei Aufnahme des Arseniks per os zuerst -gastrische und dann allgemeine Erscheinungen auftreten, fehlen erstere -zuweilen, aber nicht immer, bei epidermatischer Anwendung des Giftes. -Es ist ferner ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Krankheitsbild -der akuten und dem der chronischen Arsenikvergiftung. Im übrigen haben -die Symptome der Arsenikvergiftung grosse Aehnlichkeit mit denjenigen -der Phosphorvergiftung; auch der Arsenik wirkt örtlich reizend und -ätzend und ruft nach seiner Resorption Nekrobiose und Verfettung der -wichtigsten Körperdrüsen, des Herzmuskels und der Skelettmuskeln hervor. - -1. +Symptome der akuten Arsenikvergiftung.+ Die ersten -Krankheitserscheinungen nach der Aufnahme des Arseniks bestehen in -+Erbrechen+, Speicheln, Würgen, +Kolik+, Verstopfung; später kommt ein -hochgradiger, übelriechender, häufig blutiger +Durchfall+, zuweilen -auch Blutharnen hinzu. Dabei sind die Tiere oft aufgeregt und in -Angst, die Schleimhäute sind hochrot und zuweilen gelbbraun gefärbt. -Bei subakutem Verlauf beobachtet man ferner bei manchen Rindern -und Schafen eine phlegmonöse, schmerzhafte Anschwellung hinter dem -Schaufelknorpel des Brustbeins mit Abszedierung und Bildung einer -+Labmagenfistel+ oder +Vorfall+ des +Labmagens+ (seltener der Haube), -wenn nämlich ein Stückchen Arsenik die Labmagenwandung durchgeätzt und -eine Perforation herbeigeführt hat. Die Allgemeinerscheinungen äussern -sich in einer +lähmungsartigen Schwäche+ der gesamten Körpermuskulatur, -in Schwanken, Taumeln, psychischer Depression, Pupillenerweiterung, -sowie in +Herzschwäche+ (sehr frequenter, schwacher und selbst -unfühlbarer Puls, Kälte der extremitalen Teile, abgeschwächter oder -unfühlbarer Herzschlag). Meist ist auch die Atmung sehr beschleunigt -und angestrengt. Der Tod erfolgt in den sehr seltenen perakuten Fällen -schon innerhalb weniger Stunden (Asphyxia arsenicalis), bei langsamerem -Verlauf in einigen Tagen unter den Erscheinungen eines +allgemeinen -Komas+. -- Bei äusserlicher Anwendung des Arseniks findet man lokal -die Erscheinungen der Entzündung und Verschorfung; innerlich treten -bald nur die Erscheinungen der Lähmung, bald jedoch auch heftige -gastroenteritische Symptome auf. - -2. +Symptome der chronischen Arsenikvergiftung.+ Dieselbe kommt als -sog. „+Hüttenrauchkrankheit+“ im Bereich der Freiberger Hüttenwerke -vor und verläuft unter dem Bild einer +chronischen Kachexie+. Die -Rinder gehen in der Ernährung zurück, werden auffallend mager, zeigen -das Bild der +Harthäutigkeit+ und des +chronischen Ekzems+ (starke -Hautabschuppung), +chronischen Husten+ und +anhaltende Durchfälle+, -leiden an Störungen im +Sexualsystem+ (Abortus, Sterilität, -Nichtabgang der Nachgeburt, Uteruskrankheiten, Milchmangel) und gehen -schliesslich infolge einer allmählich zunehmenden +lähmungsartigen -Schwäche+ (Arseniklähmung, Tabes arsenicalis), zuweilen auch unter den -Erscheinungen der +allgemeinen Wassersucht+, zugrunde. Die Dauer dieser -Krankheitserscheinungen kann einige Jahre betragen. - - =Arseniklähmung (Paralysis arsenicalis).= Sie kommt vereinzelt bei - akuter, meist jedoch bei +chronischer+ Arsenikvergiftung vor. Beim - Menschen geht gewöhnlich eine Anästhesia dolorosa arsenicalis voraus. - Die Arseniklähmung kann motorisch oder sensibel auftreten, und auch - als Hemiplegie, Hemianästhesie, Amaurosis, Lähmung der Stimmbänder, - Anaphrodisie etc. verlaufen. Meist führt sie zu Muskelatrophie und - Kontrakturen. Zuweilen entwickelt sich die Arseniklähmung aus einer - multiplen Neuritis. Auch bei Tieren lässt sich experimentell eine der - Arsenikparalyse des Menschen ähnliche Lähmung erzeugen, welche mit - gleichzeitiger Atrophie der Hinterbeine verläuft; bei der Sektion - findet man die Muskeln und peripheren Nerven atrophisch, erstere - unter dem Bilde der Koagulationsnekrose (+Alexander+). Auch in der - grauen Substanz des Rückenmarks hat man degenerative Veränderungen - nachgewiesen. - -=Sektionsbefund.= Die anatomischen Veränderungen bei der +akuten -Arsenikvergiftung+ bestehen in Rötung, Schwellung, Ekchymosierung -und +Anätzung+ der +Magenschleimhaut+. Bei Rindern beobachtet man -zuweilen Verätzungen der Labmagenschleimhaut mit Geschwürsbildung -und Perforation des Pansens, des Labmagens und der Bauchwand. -Charakteristische Allgemeinveränderungen sind die +fettige -Degeneration+ der +Magendrüsen+ (Gastritis glandularis), die -+Verfettung+ der +Leber+, +Nieren+, des +Herzmuskels+ und anderer -Organe. Mitunter beobachtet man bei Arsenikkadavern Mumifikation. Bei -der +chronischen Arsenikvergiftung+ findet man ältere +Geschwüre+ -und +Narbenbildung+ im Labmagen und Dünndarm, Geschwüre auf der -Trachealschleimhaut, starke Abmagerung, allgemeine Hydrämie und endlich -als sekundäre Erscheinung +Lungentuberkulose+ (tuberkulöse käsige -Pneumonie). - -=Behandlung.= Das älteste Gegengift des Arseniks ist das sog. -+Antidotum Arsenici+. Es besteht aus einer Auflösung von -+Eisenoxydhydrat+ in Wasser (Ferrum hydricum in aqua) und soll -dadurch wirken, dass es mit dem Arsenik einen schwerlöslichen und -daher ungiftigen Niederschlag von basisch arsenigsaurem Eisenoxyd -bildet(?). Es wird frisch dargestellt aus einer wässerigen Lösung -von Liquor Ferri sulfurici oxydati (100 : 250) mit einer Mischung -von Magnesia usta in Wasser (15 : 250). Die Dosis beträgt für Hunde -viertelstündlich einen Esslöffel, für Pferde und Rinder ¼-1 l. Auch -gewöhnliches +Eisenpulver+, Eisenfeile, Hammerschlag, das Löschwasser -der Schmiede und andere Eisenpräparate, wie z. B. +Ferrum oxydatum -saccharatum+, sind als Gegenmittel zu gebrauchen. Ein wirksameres -chemisches Antidot ist die +gebrannte+ und die +kohlensaure Magnesia+ -(Bildung unlöslicher arsenigsaurer Magnesia). Man gibt von Magnesia -usta Hunden viertelstündlich ½-1 g, Pferden und Rindern 10-20 g, -mit der 20fachen Menge Wasser zusammen (sog. Magnesiahydrat). Auch -+Schwefel+, +Schwefelleber+ und +Schwefeleisen+ kann als Gegenmittel -gegeben werden (Bildung von Schwefelarsen). Als einhüllende Mittel -verabreicht man Eiweiss und Schleim. Gegen die Lähmungszustände werden -Exzitantien (Aether, Alkohol, Wein, Atropin, kohlensaures Ammonium, -Koffein) angewandt. Alkalien sind wegen der Beförderung der Resorption -zu vermeiden (Bildung leicht löslicher arsenigsaurer Alkalien). - - =Arsenwasserstoff.= Der Arsenwasserstoff, AsH_{3}, besitzt eine - vom Arsenik ganz wesentlich verschiedene Giftwirkung. Er ist eines - der stärksten +Blutgifte+, welches die roten Blutkörperchen sehr - rasch auflöst und Hämoglobinämie erzeugt. Schon wenige Milligramm - töten den Menschen (Darstellung von Wasserstoff aus arsenhaltigem - Zink); über 30 Vergiftungsfälle beim Menschen sind nach +Kobert+ - bekannt geworden. Bei der Sektion findet man Ikterus, Schwellung der - Milz und Leber sowie Hämoglobin-Infarkte der Niere; der Harn ist - dunkelrot (+Hämoglobinurie+), häufig besteht Strangurie und Anurie. - Der Gallefarbstoffgehalt der Galle ist um das 10-20fache vermehrt - (+Pleiochromie+); die Galle ist teerartig, zähflüssig. Besonders - empfindlich gegen AsH_{3} zeigten sich bei den Versuchen Katzen. Das - einzige Gegenmittel bildet die Kochsalzinfusion. Aehnlich wie AsH_{3} - scheint SbH_{3}, der Antimonwasserstoff, zu wirken; dagegen zeigt der - Phosphorwasserstoff, PH_{3}, eine reine Phosphorwirkung (vgl. S. 56). - -=Nachweis.= Werden bei der Sektion kleinere Stücke von Arsenik im Magen -oder Darm vorgefunden, so genügen zum Nachweis des Arseniks einige -+allgemeine Arsenikreaktionen+. Soll dagegen der Arsenik in den Organen -(Leber, Nieren, Blut, Muskeln) nachgewiesen werden, so ist hierzu -zunächst die Zerstörung der organischen Substanz erforderlich, worauf -die spezielle Untersuchung im +Marshschen Apparat+ folgt. - -1. +Allgemeine Arsenikreaktionen.+ Die wichtigsten derselben sind -folgende: a) Auf +glühenden Kohlen+ entwickeln Arsenikstücke -Arsendämpfe, welche nach +Knoblauch+ riechen. b) Mit +essigsaurem Kali+ -in einem Röhrchen erhitzt entwickelt der Arsenik den charakteristischen -Geruch nach +Kakodyl+. c) +Salpetersaures Silberoxyd+ gibt in der -Lösung der arsenigsauren Alkalien einen +gelben+ Niederschlag von -arsenigsaurem Silberoxyd (statt Höllenstein kann auch Sublimat -genommen werden). d) +Schwefelsaures Kupferoxyd+ gibt in der genau -mit Ammoniak neutralisierten wässerigen Lösung des Arseniks einen -+hellgrünen+ Niederschlag von arsenigsaurem Kupfer (Scheeles Grün), -welcher sich in überschüssigem Ammoniak mit dunkelblauer Farbe löst. -e) +Schwefelwasserstoff+ gibt mit freier arseniger Säure und ihren -mit Salzsäure angesäuerten Alkalisalzen einen +gelben Niederschlag+ -von dreifach Schwefelarsen (As_{2}S_{3}), welcher in Schwefelammonium -und Alkalien löslich ist. f) Eine Lösung von +Zinnchlorür+ (S = -1,45) zerlegt den Arsenik zu +schwarzbraunem+, metallischem Arsen -(schwarzbraune Flocken). g) Ein +blankes Kupferblech+ überzieht sich -in der mit Salzsäure versetzten Lösung der arsenigen Säure mit einem -+grauweissen+ Beschlag (Arsen-Kupferlegierung). Dieser Beschlag tritt -auch bei Quecksilber und Antimon auf, weshalb diese Reaktion für sich -+allein+ zum Nachweis des Arsens nicht genügt. - -2. +Der Nachweis des Arseniks im Marshschen Apparate.+ Demselben geht -die Trennung des Arsenmetalls von den organischen Beimengungen voraus. -Diese Trennung geschieht durch Zerstören der letzteren mit +Salzsäure+ -und +Kali chloricum+ (Chlor) oder durch Verpuffen mit +Salpeter+. -Die letztere Zerstörungsmethode ist anzuwenden, wenn die organischen -Massen durch Chlor schwer zu zerstören sind (grosse Körpermassen, -Knorpel, Knochen, Sehnen); aus dem Verpuffungsrückstande müssen vor -der Fällung mit Schwefelwasserstoff die Nitrate und Nitrite durch -Erhitzen mit überschüssiger Schwefelsäure entfernt werden. Hierauf -wird der Rückstand mit dem 10fachen Volum destillierten Wassers gelöst -und in der beschriebenen Weise mit Schwefelwasserstoff behandelt, -wonach ein +gelber+ (blassgelber bis zitronengelber) Niederschlag von -+Schwefelarsen+ (As_{2}S_{3} + As_{2}S_{5}) entsteht. +Der Niederschlag -von Schwefelarsen muss zur weiteren Untersuchung im Marshschen Apparate -vorher wieder löslich gemacht werden+ (Umwandlung des Schwefelarsens -in Arsenik oder Arsensäure). Dies geschieht +entweder+ dadurch, -dass man ihn in Aetzammoniak löst, mit gleichen Teilen kohlensaurem -Natron und dem doppelten Gewichte Natronsalpeter mischt, trocknet, -im Porzellantiegel verpufft; +oder+ durch wiederholtes Abdampfen -mit stärkster Salpetersäure bis zum Zurückbleiben eines hellgelben -Niederschlages, welcher mit Aetznatron neutralisiert, mit kohlensaurem -Natron und Natronsalpeter gemengt und dann verpufft wird; +oder+ durch -Auflösen in Aetzammoniak, Neutralisieren mit Schwefelsäure, Uebersäuern -und Erhitzen unter Zusatz von einigen Zentigramm gepulverten -Natronsalpeters; +oder+ durch Auflösen mit Brom und nachheriges -Entfernen des überschüssigen Broms durch leichtes Erwärmen. - -Sodann erfolgt die eigentliche Untersuchung des in Lösung (As_{2}O_{3}, -As_{2}O_{5}) übergeführten Arsenniederschlags im +Marsh+schen -+Apparate+. Derselbe +reduziert+ zunächst die Oxyde des Arsens durch -+Wasserstoff+ unter Bildung von +Arsenwasserstoff+ und zerlegt -dann den Arsenwasserstoff durch +Glühen in metallisches Arsen+, -welches als sog. „+Arsenspiegel+“ sich am Glasrohr niederschlägt. -+Metallisches Arsen oder Schwefelarsen werden im Marshschen Apparate -nicht zu Arsenwasserstoff umgewandelt, können also in demselben nicht -untersucht werden.+ Der Arsenwasserstoff kann auch +angezündet+ werden, -wobei er zu Arsen und Wasser verbrennt; das +Arsenmetall+ schlägt -sich dann an einer in die Flamme gehaltenen +Porzellanplatte+ als -+Beschlag+ nieder. Das Verfahren ist im einzelnen folgendes: In eine -geräumige, nur bis zu einem Drittel zu füllende, mit einem doppelt -durchbohrten Korke oder mit mehreren Oeffnungen versehene Flasche -wird der gelöste Arsenniederschlag mit chemisch reinem Zink und -verdünnter +Schwefelsäure+ (1 : 8) versetzt. Durch die eine Oeffnung -des Korks wird ein bis zum Boden der Flasche gehendes +Trichterrohr+ -zum Nachfüllen der Säure eingebracht; die andere Oeffnung enthält ein -kreisförmig gebogenes Rohr, durch welches der Arsenwasserstoff in ein -mit +Chlorkalzium+ (Entwässerung des Arsenwasserstoffs) gefülltes -Glasrohr geleitet wird. Von hier tritt der Arsenwasserstoff dann in -das zum +Erhitzen+ bestimmte ½-¾ m lange, arsen- und bleifreie, 5-7 mm -weite und 1½ mm dicke, an seinem Ende in eine feine Spitze ausgezogene, -schwer schmelzbare Glasrohr, welches mittelst des +Bunsenschen -Brenners+ an einer Stelle bis zur Rotglühhitze geglüht wird, worauf -sehr bald hinter dieser Stelle der +Arsenspiegel+ als metallischer -Anflug auftritt. +Erhält man nach stundenlangem Durchleiten keinen -Anflug, so ist bestimmt kein Arsen vorhanden.+ - -Um sicher festzustellen, dass der Metallanflug in der Glasröhre aus -+Arsen+ besteht, ist eine genaue Prüfung des „Arsenspiegels“ notwendig. -Derselbe soll eine +graue+ oder braune, metallglänzende Masse +hinter+ -der erhitzten Stelle bilden, welche unter der Lupe nicht aus Kügelchen -(Quecksilber) bestehen und an den Rändern nicht geschmolzen sein soll -(Antimon). +Beim Betupfen mit unterchlorigsaurem Natron soll der -Arsenspiegel fast momentan verschwinden+ (im Gegensatz zu Antimon). -Ausserdem soll nach Betupfen mit wenig +Schwefelammoniumlösung+ und -+vorsichtigem+ Erhitzen ein +gelber+ Rückstand von Schwefelarsen -bleiben (Schwefelantimon ist orangegelb). Endlich gibt der Arsenspiegel -beim Verdampfen (Erhitzen der Glasröhre) einen charakteristischen -+Knoblauchgeruch+. - -3. +Die quantitative Arsenikbestimmung.+ Quantitativ wird das Arsen -entweder annähernd nach der +Grösse+ des Arsenspiegels oder genauer als -+arsensaure Ammoniakmagnesia+ (die mit Salzsäure und chlorsaurem Kali -behandelte Masse wird mit Ammoniak und Magnesiamischung gefällt, der -Niederschlag wiederum mit Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt und -gefällt, darauf gereinigt, filtriert, mit Ammoniakwasser ausgewaschen -und gewogen; er enthält 60,53 Prozent Arsensäure = 39,477 Arsen), -oder als +Arsensulfür+ bestimmt (Einleiten von Schwefelwasserstoff -in die salzsaure Lösung, Filtrieren, Reinigen, Auswaschen, Wägen des -Niederschlages; 100 Teile Arsensulfür (As_{2}S_{3}) = 61 Teile Arsen). - -4. +Der biologische Nachweis des Arsens.+ Verschiedene Schimmelpilze, -namentlich das Penicillium brevicaula, entwickeln bei ihrem Wachstum -in arsenhaltigen Nährstoffen gasförmige, nach +Knoblauch+ riechende -Arsenverbindungen (sog. Arsenpilze). Diese Wirkung der Schimmelpilze -ist schon früher als ätiologisches Moment bei der Entstehung von -Arsenvergiftungen in Zimmern mit arsenhaltigen Tapeten bekannt -gewesen. Neuerdings wird dieselbe zum Nachweis von Arsenik im Harn -etc. empfohlen (+Gosio+, +Ebel+, +Buttenberg+, +Hausmann+ u. a.). -Die zu untersuchenden Massen werden mit sterilisiertem Brotbrei und -einer Aufschwemmung einer sporenhaltigen Schimmelkultur zusammen in -einem Kolben bei 37° im Brutschrank gehalten, worauf nach 1-3 Tagen -der charakteristische widerliche Knoblauchgeruch auftritt (noch bei -1/100000 g Arsenik). Die gasförmigen Arsenikverbindungen lassen sich -dann ausserdem auch chemisch im +Marsh+schen Apparat nachweisen. - - =Kasuistik.= Die tierärztliche Literatur enthält eine grosse Anzahl - sowohl klinischer als experimenteller Beobachtungen über akute und - chronische Arsenikvergiftungen. Ein Teil derselben soll hier im - Auszuge wiedergegeben werden. - - 1. +Pferde.+ 15 Pferde erhielten aus Versehen je etwa 80 g Arsenik; - 12 davon starben innerhalb 4 Tagen (nach 20, 36, 48, 72, 96 Stunden). - Die Erscheinungen bestanden in starker Rötung der Konjunktiva, - Kolik, Zittern, Schweissausbruch, unfühlbarem Puls. Die Fäzes wurden - unter heftigen Anstrengungen abgesetzt und hatten einen deutlichen - Knoblauchgeruch. Bei denjenigen Pferden, welche über 36 Stunden am - Leben blieben, trat infolge von Verätzung der Magenwand eine Lähmung - des Magens ein (+Nodet+, Recueil 1884). -- Ein Pferd hatte wiederholt - von seinem Besitzer täglich 6 g Arsenik erhalten. Dasselbe war in - einem Zustande starker Aufregung, speichelte sehr stark, frass nicht, - die Haare waren gesträubt, die Extremitäten kühl, der Puls schwach, - die Konjunktiven geschwollen und gelblichbraun gefärbt, die Pupillen - erweitert, die Peristaltik vermehrt, der Kot dünnflüssig, schleimig - und sehr übelriechend, der Gang taumelnd, die Gliedmassen steif, die - Atmung stark beschleunigt und erschwert, der Körper mit Schweiss - bedeckt; das Tier zeigte bald Kolikerscheinungen, bald lag es mit - gestreckten Gliedmassen, ohne dass es zum Aufstehen veranlasst werden - konnte. Das Pferd wurde geheilt (+Michaud+, Schweizer Archiv 1883). - -- Ein Pferd, welches von seinem Wärter Kobalt (schwarzen Schwefel) - erhalten hatte, starb nach wenigen Stunden an heftiger Kolik; die - Sektion ergab Entzündung und Ulzeration im Magen und Blinddarm - (+Tombs+, The Veterinary Record 1849). -- 3 Pferde erhielten täglich - eine Messerspitze voll Operment auf das Futter (in 5 Tagen zusammen - etwa 250 g). 3 Tage darauf erkrankte das erste, am 4. Tage die beiden - anderen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in Schäumen, Kolik - (am 5. Tage), Drängen auf den Kot, vermehrtem Urinieren, kalten - Extremitäten, Pupillenerweiterung. Die Sektion ergab Gastroenteritis - (+Hertwig+, Magazin Bd. 14 und 22). -- 2 Pferde, welche je mit 10 - g Arsenik gegen Räude gewaschen wurden, starben (+Mire+, Revue - vét. 1876). -- Ein Pferd starb von 4 g grobgepulvertem Arsenik, - welcher in 3 frische Wunden gebracht wurde, nach 2 Tagen; ein - anderes nach 60 Stunden, als 2 g feingepulverter Arsenik in eine - Wunde gebracht wurden. Lokal entstand eine 2 Zoll hohe Geschwulst - mit 1 Fuss Durchmesser. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, - Atemnot, Herzklopfen, unfühlbarem Puls und Kolik. Bei der Sektion - fand man eine starke Entzündung des ganzen Magendarmkanals - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Nach +Regenbogen+ - starben zwei räudige Pferde infolge der von einem polnischen Juden - angeratenen Waschung mit einer Abkochung von ½ Pfd. Arsenik in ¾ l - Wasser (Berl. Arch. 1898 S. 792). -- +Flum+ beobachtete bei einem - dämpfigen Pferde nach 3maliger Verabreichung von 1 g Arsenik pro - Tag Kolikerscheinungen (D. Th. W. 1895). Einen ähnlichen Fall hat - +Römer+ beschrieben (ibid. 1899). -- +Hauptmann+ sah bei einem Pferde - starke Aufblähung, schwankenden Gang, hochgradige Benommenheit des - Sensoriums sowie örtliche Entzündungserscheinungen in der Maulhöhle - und im Pharynx (Tierärztl. Zentralbl. 1900 S. 193). -- Weitere - Fälle von Arsenikvergiftungen bei Pferden haben +Wittlinger+ und - +Bucher+ beschrieben (Berl. Arch. 1900 S. 363). -- Dass Pferde - längere Zeit hindurch kleinere Dosen von Arsenik gut ertragen, - indem sie sich an das Gift gewöhnen, beweisen die nachstehenden - experimentellen Beobachtungen. 8 Pferde, welchen +Hertwig+ 30 bis - 40 Tage hindurch täglich einmalige Arsenikdosen von 1,25-4,0 in - Mehlpillen verabreichte, zeigten während dieser Zeit und noch 3 - Monate nachher keinerlei üble Zufälle. Dagegen wurde bei sämtlichen - 8 Pferden das Haar glätter und 5 davon wurden auch sichtbar mehr - beleibt (Arzneimittellehre 1872). Aehnliche Beobachtungen hat - +Kopitz+ (Preuss. Annalen der Landwirtschaft 1872 S. 601) gemacht. -- - Ich selbst habe einem kräftigen Versuchspferd in der Zeit vom 1. Juni - bis 30. September 1889 im ganzen 115 g frisch gepulverten Arsenik in - Einzeldosen von 1 g gefüttert. In der ersten Hälfte der Versuchszeit - besserte sich darauf der Nahrungszustand und das Allgemeinbefinden - des Pferdes ganz erheblich, indem es innerhalb 2 Monaten um 22 kg - Körpergewicht zunahm; in der zweiten Hälfte trat jedoch ein Rückgang - der Ernährung ein, so dass das Pferd am Ende des Versuchs wieder - schlechter genährt aussah und sein ursprüngliches Gewicht (420 kg) - wieder zeigte. - - 2. +Rinder.+ 4 Kühe hatten Rattengift (arsenikhaltige Brotkugeln) - gefressen. Sie versagten das Futter, verloren die Milch, zeigten - starken Durchfall und waren sehr hinfällig. Eine Kuh starb - nach einigen Tagen; bei der Sektion fand man eine korrosive - Darmentzündung, sowie ein grosses Loch in der linken Seite des - Wanstes mit Austritt des Mageninhaltes in die Bauchhöhle. Die zweite - Kuh war bald wieder hergestellt. Die 3. war 10-14 Tage krank. Die - 4. kränkelte ebenfalls längere Zeit; nach etwa 10 Wochen fiel in - der Gegend des Schaufelknorpels ein handtellergrosses Hautstück - mitsamt den unterliegenden Bauchdecken brandig ab, worauf eine - Magenfistel zurückblieb (+Hesse+, Magazin 1857). -- Eine Kuh, - welche Arseniklatwerge gefressen hatte, zeigte nach einigen Stunden - Appetitlosigkeit, Kolik und blutigen Durchfall und starb nach 45 - Stunden (+Koch+, Preuss. Mitt. 7. Jahrgang). -- 9 Rinder hatten - grüne Rouleauxlappen gefressen. Sie zeigten unterdrückte Fresslust, - heftigen Durchfall, grosse Schwäche und Angst, Krämpfe in den - Halsmuskeln, Erstickungsanfälle und Pupillenerweiterung. Ein Tier - starb am 3. Tage, die übrigen genasen im Verlaufe einer Woche. Die - Sektion ergab korrosive Gastroenteritis (+Brabänder+, Magazin 1855). - -- Mehrere Kühe hatten alte grüne Tapeten gefressen; eine derselben - starb am Abend desselben Tages, eine zweite in der darauffolgenden - Nacht, 3 andere erkrankten am Tage darauf. Die Erscheinungen waren: - Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Speicheln, Kolik, Trippeln, Durchfall, - Tenesmus (+Eilert+, ibidem). -- R. +Fröhner+ beobachtete bei einer - Kuh eine schwere Vergiftung (Aufblähen, Kolik, grosse Schwäche, - Lähmungserscheinungen) nach der Aufnahme von etwa 10 g Schweinfurter - Grün (D. Th. W. 1895, S. 130). -- +Durréchou+ sah bei einer Kuh - nach der täglichen Verabreichung von 5 g Arsenik Kolik und tödliche - Peritonitis infolge Perforation des Pansens an 6 Stellen (Revue vét. - 1895 S. 385). -- Eine Labmagenfistel bei einer im übrigen gesunden - Kuh nach der Aufnahme von arsenikhaltigem Weizen haben +Talbot+ und - +Mettam+ beschrieben (The Veterinarian 1897). -- Zur Vertilgung des - Koloradokäfers wurden in Amerika die Felder mit grossen Mengen von - Schweinfurter Grün bestreut. Die stehenden Gewässer daselbst wurden - deshalb nach Regengüssen stark arsenhaltig. 6 Rinder, welche aus - solchen Pfützen tranken, starben nach 1-2 Stunden unter heftigen - Kolikerscheinungen und starkem Speicheln (+Sattler+, Tiermed. - Rundschau 1886/87). -- 4 Mastrinder erkrankten schwer an Kolik. - Die Sektion ergab diffuse Labmagen- und Dünndarmentzündung; in der - Labmagenschleimhaut fanden sich hirsekorngrosse Anätzungen. Die Tiere - hatten Arsenik, gepulvert mit Weizenkleie, als Mastmittel erhalten, - und zwar täglich eine Handvoll dieser Mischung (+Fortenbacher+, - Preuss. Ber. pro 1906). -- Wie Pferde, so können sich auch Rinder an - längere Zeit hindurch verabreichte kleinere Mengen Arsenik gewöhnen. - So fütterte +Körte+ (+Meyers+ Ergänzungsblätter 1869) eine Anzahl - Mastochsen mit steigenden Mengen Arsenik in täglichen Dosen von - 0,06-0,36 g während einer sehr langen Mastperiode ohne jede Störung - des Allgemeinbefindens; die Tiere wurden im Gegenteil sehr fett. - +Spallanzani+ und +Zappa+ (Clinica veterinaria 1886) fütterten - Kühe 10 Tage hindurch mit je 0,2 g Arsenik. Während anfangs der - Nährzustand etwas zurückging, trat später Körpergewichtszunahme und - Besserung im äusseren Habitus der Tiere ein. Dieselbe Beobachtung - machten sie bei Schafen und Schweinen (0,05 g pro die) und bei - Tauben (2-4 mg pro die). Sie kamen zum Resultate, dass man täglich - von gepulvertem Arsenik ohne nachteilige Folgen verabreichen kann: - Rindern 0,15 mg pro Kilo Körpergewicht, Schafen 1 mg, Schweinen 0,4 - mg und Tauben 1 mg. Bezüglich der Zulässigkeit des +Fleischgenusses+ - von Tieren, welche mit Arsenik behandelt wurden, haben die - Versuche von +Spallanzani+ und +Zappa+ ergeben, dass selbst das - Fleisch von Tieren, welche mit Arsenik vergiftet wurden, nicht - gesundheitsschädlich wirkt, viel weniger das Fleisch von Tieren, - welche unter Beihilfe des Arseniks gemästet werden. Einer Kuh - wurden beispielsweise nach und nach 70 g Arsenik beigebracht. Beim - Schlachten enthielt der Körper derselben nur noch ¼ g. Relativ am - meisten Arsenik enthielt die Leber, darauf folgten die Nieren, das - Gehirn, das Fleisch, die Hautanhänge, die Knochen, das Blut und die - Milch. Die für den Menschen giftige Minimaldosis von 0,1 g Arsenik - wäre demnach erst in 9 kg Leber vorhanden gewesen. Dementsprechend - war auch die Verfütterung des Fleisches und der Milch an junge - Schweine und Hunde resultatlos. Die Milch enthielt 0,00005 pro - Mille Arsenik. Ein ähnliches Ergebnis hat eine Untersuchung von - +Sonnenschein+ gehabt. Die Körperteile einer Kuh, welche innerhalb - eines halben Jahres 506½ g Arsenik bekommen hatte, enthielten nach - der Schlachtung an Arsenik: 1 kg Fleisch 0,28 mg, 1 kg Leber 0,12 mg, - 1 kg Milz 2 mg, 1 kg Niere 3 mg. - - 3. +Schafe.+ 150 Schafe wurden in einer Arseniklösung gebadet, welche - in 500 l 3½ kg Arsenik enthielt. Innerhalb der ersten drei Stunden - nach dem Bade starben 30 Stück, in den weiteren 4 Tagen 105 Stück. - Die übrigen Tiere erkrankten zwar, genasen aber (+Nagel+, Berliner - Archiv 1890). -- Eine Schafherde, bestehend aus 229 Stück, wurde - wegen Räude in einer Arseniklösung gebadet. 12 Stück krepierten, - 28 Stück zeigten 2 Monate hindurch tiefe brandige Zerstörung und - Geschwürsbildung auf der Haut (The Veterinarian 1852). -- Ein - Schaf erhielt in 2½ Monaten etwa 20 g Arsenik. Nach Verabreichung - von etwa 12 g zeigten sich die ersten Vergiftungserscheinungen: - unterdrückte Fresslust und Munterkeit, sowie eine schmerzhafte - Stelle in der rechten Schaufelknorpelgegend, welche sich später - zu einer bruchartigen, walnussgrossen Geschwulst und schliesslich - zu einer Labmagenfistel mit späterem partiellen Labmagenvorfall - umwandelte (+Haubner+, Sächs. Jahresbericht 1860). -- +Röbert+ - hat eine Arsenikvergiftung bei 100 Schafen beobachtet. Dieselben - weideten auf einem Kleefelde, das in allernächster Nähe eines - Hüttenwerkes gelegen war. Bereits nach 2 Stunden zeigten die - Tiere die ersten Krankheitssymptome, welche sich in grosser - Mattigkeit, lähmungsartiger Schwäche, Schwanken, Versagen des - Futters, diarrhoischem Kote, lividem Aussehen der Schleimhäute - äusserten; 1/10 davon ging ein. Der Sektionsbefund war der bei - Arsenikvergiftung übliche. Das Blut war teerartig, schlecht geronnen, - es bestand Ekchymosierung der Schleimhaut des Verdauungsapparates - usw. (Sächs. Jahresber. pro 1892). -- +Scott+ beobachtete eine - Arsenikvergiftung bei Lämmern nach einem Räudebad. 19 Lämmer starben - nach 12-36 Stunden unter Vergiftungserscheinungen (Speichelfluss, - Nasenausfluss, Zähneknirschen, Stöhnen, Schwanken, Durchfall, Koma). - Andere erkrankten 10 bis 12 Tage nach dem Baden. Die Sektion ergab - leichte Entzündung im 4. Magen, subkutane Blutungen, Petechien - und seröse Infiltration in den Muskeln (Vet. Record 1904 S. 853). - -- Auch Schafe können sich an kleinere Dosen Arsenik gewöhnen. - So zeigten die Versuchsschafe von +Weiske+ (Tageblatt der Grazer - Naturforscherversammlung 1875) bei 20tägiger Fütterung von je - 0,005-0,18 g Arsenik bessere Ausnützung des Futters und Vermehrung - des Körpergewichts durch Fleischansatz. +Cornevin+ (Journal de Lyon - 1886 und 1888) fütterte 9 Schafe je eine Woche hindurch mit 7tägigen - Pausen zuerst 0,3, dann 0,6, dann 1,0 und zuletzt 1,3 g Arsenik - (mithin die grosse Menge von 22,4 g Arsenik pro Schaf innerhalb 2 - Monaten). Erscheinungen einer Darmaffektion fehlten hiebei gänzlich; - der Fettansatz wurde jedoch nicht gefördert, und zwar deshalb, weil, - wie +Cornevin+ glaubt, der Arsenik in Pulverform sich in den grossen - Futtermassen der Wiederkäuermägen verliert. Dagegen zeigte sich nach - Verabreichung der +Fowler+schen Lösung, wobei mit 0,25 begonnen und - gradatim bis zu 5,0 gestiegen wurde, insbesondere bei schwächlichen - Schafen eine deutliche Gewichtszunahme. - - 4. +Schweine.+ Ein halbjähriges Schwein starb nach 1,2 g Arsenik - binnen 40 Stunden (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- 22 - Schweine tranken von einer zur Schafwäsche benützten Flüssigkeit und - krepierten sämtlich. Die Sektion ergab starke kruppöse Stomatitis - und Pharyngitis (The Veterinarian 1855). -- Schweine zeigen nach - täglich 2maliger Verabreichung von 0,05 Arsenik nach 8-14 Tagen - Appetitverminderung, Erbrechen, Durchfall, blutige Exkremente, grosse - Mattigkeit, starke Abmagerung und sterben nach etwa 20-30 Tagen - (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Auch bei Schweinen kommt eine - Gewöhnung an den Arsenik vor. Sie ertragen nach den Untersuchungen - von +Giel+ (Archiv für experimentelle Pathologie 1878), wenn sie - jung, kräftig und gut gehalten sind, ½-2 mg Arsenik pro die ganz - ausgezeichnet, zeigen im Vergleiche zu den Kontrolltieren entschieden - besseres Wachstum, bekommen ein schöneres, glänzenderes Fell, werden - fetter, haben längere und dickere Knochen und werfen grössere, - stärkere Junge. - - 5. +Hunde.+ Nach 0,2-0,6 Arsenik zeigen Hunde wiederholtes - Erbrechen, Winseln, beschwerliches Atmen, Angst, Unruhe, Entleerung - schwarzrotgefärbter diarrhoischer Kotmassen, grosse Schwäche, Koma; - nach 6-30 Stunden tritt der Tod ein (+Hertwig+; eigene Versuche). - -- Ein mittelgrosser Hund starb auf 0,25 Scherbenkobalt nach 18 - Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis (+Renault+, - Recueil 1834). -- Ein Hund erkrankte auf 0,6 Schweinfurter Grün - nach ½ Stunde unter Kolikerscheinungen, genas aber nach 4 Stunden; - ein anderer, kleiner Hund starb nach 0,3. Ein junger Hund starb - ferner nach der Verabreichung von 0,6 Scheeleschem Grün nach 1½ - Stunden (+Meurer+, Caspers Wochenschrift für Tierärzte 1843). -- - Eine Arsenikvergiftung nach der Aufnahme von Feldmäusen hat +Heilig+ - bei einem Hunde beobachtet (Oesterr. Monatsh. 1897 S. 169). -- Zwei - Dachshunde erkrankten nach dem Zerzausen eines ausgestopften Fuchses - an schwerer Arsenikvergiftung; einer genas nach Verabreichung von - Magnesia und Eisenoxydhydrat. Bei dem anderen fand sich bei der - Sektion Arsenik als weisses, streusandähnliches Pulver im Magen - (+Röbert+, Sächs. Jahresber. pro 1901). -- Ein Hund starb 1½ - Stunden nach der Aufnahme von Rattengift (0,2 Arsenik) perakut; - der Sektionsbefund war mit Ausnahme einer umschriebenen erosiven - Gastritis negativ (+Jakob+, Münch. Woch. 1909). -- Nach der Aufnahme - von arsenikhaltigem Mäusegift erkrankte ein Hund unter Erbrechen und - Lähmungserscheinungen; er genas nach Verabreichung von Antidotum - Arsenici nach 24 Stunden (+Roelcke+, Zeitschr. f. Vet. 1909). - - 6. +Hühner.+ Von 10 Hühnern eines Weissgerbers, welche von dem - weissen, in Renntierfelle eingestreuten Pulver gefressen hatten, - starben 8 (+Weigel+, Sächs. Jahresber. 1888). -- Nach +Cornevin+ - ertragen Hühner 0,02 g Arsenik pro die eine Woche hindurch, sterben - aber bei 0,05 g pro die und einer einmaligen Dosis von 0,1-0,15 g. - - -Bleivergiftung. Saturnismus. - - =Chemie der Bleiverbindungen.= Das Metall Blei wird fast - ausschliesslich aus dem +Bleiglanz+, PbS, hüttenmännisch gewonnen. - Der Bleiglanz findet sich meist mit anderen Erzen, namentlich mit - Silber-, Kupfer-, Zink-, Antimon- und Eisenerzen zusammen auf - Gängen der verschiedensten Gebirgsformationen. Durch Rösten des - Bleierzes wird teils reines metallisches Blei, teils Bleioxyd - gewonnen. Letzteres wird sodann mit Kohle zu metallischem Blei - reduziert. Bleibergwerke finden sich in Deutschland namentlich in - Freiberg (Sachsen), im Harz (Ober- und Unterharz), in Oberschlesien - (Tarnowitz), in den Bezirken Aachen und Köln, in Hannover, Westfalen - und Nassau. Das metallische Blei findet Verwendung zur Herstellung - von Kugeln, Platten, Röhren, Draht, Glasuren und Lötmasse für - Koch- und Essgeschirre, als Ausbesserungsmaterial für Mühlsteine, - sowie zur Darstellung verschiedener chemischer Bleipräparate. Die - wichtigsten +chemischen Eigenschaften+ des Bleies sind folgende. - Vor dem Lötrohr auf Kohle geschmolzen gibt es einen dunkelgelben - Beschlag mit blauweissem Rande. Mit Soda vor dem Lötrohr geschmolzen, - bildet es eine weiche Bleiperle, deren Lösung in Salpetersäure durch - Schwefelsäure weiss gefällt wird. An feuchter Luft überzieht sich - Blei mit einer dünnen Schichte von Bleioxyd. Lufthaltiges Wasser - greift das Blei stark an, indem sich lösliches Bleioxydhydrat bildet; - die gleichzeitige Anwesenheit von Chloriden, Nitraten, Ammoniak und - fauligen Stoffen befördert die Auflösung des Bleis (Gefährlichkeit - der Benützung von Bleiröhren zu Trinkwasserleitungen). - - Die für die Toxikologie wichtigsten Bleiverbindungen sind ausser dem - +metallischen Blei+ folgende: 1. Die +Bleiglätte+ (Silberglätte, - Goldglätte, Massikot, Lithargyrum) ist Bleioxyd, PbO, welches in - den Bleihütten durch Erhitzen des Bleis an der Luft gewonnen wird - und je nach dem angewandten Hitzegrade eine hellgelbe (Silberglätte) - oder rotgelbe (Goldglätte) Farbe zeigt. Es ist in Wasser schwer - löslich, in Salpeter- und Essigsäure leicht löslich, löst sich - ferner in Salzsäure und bildet mit Fetten Firnisse, Pflaster und - Kitte. 2. Die +Mennige+ (rotes Bleioxyd, Pariser Rot, Minium), - Pb_{3}O_{4}, wird aus Bleiglätte durch weiteres Erhitzen dargestellt. - Sie hat eine schöne, blendend rote, zuweilen feurig oder orangerote - Farbe, löst sich in Essigsäure, Salzsäure und Salpetersäure, und - wird zu Anstrichen, Glasuren, Kitten, Pflastern, sowie in der - Zündhölzerfabrikation verwandt. 3. Das +Bleiweiss+ (kohlensaures - Blei, Cerussa), PbCO_{3}, wird in ausgedehnter Weise als Malerfarbe - benützt. 4. Der +Bleizucker+ (Bleiazetat, neutrales essigsaures - Blei), Pb (C_{2}H_{4}O_{2})_{2} + 3 H_{2}O, wichtig als Arzneimittel, - sowie zur Darstellung von Firnissen, Farben und Beizen. 5. Der - +Bleiessig+ (basisches essigsaures Blei), Liquor Plumbi subacetici, - aus Bleizucker und Bleioxyd dargestellt, ein äusserlich angewandtes - Arzneimittel. - -=Aetiologie der Bleivergiftung.= Eine der häufigsten Ursachen der -Bleivergiftung ist die Aufnahme von +Bleifarben+. Die Literatur (vgl. -S. 84) enthält eine ausserordentlich grosse Anzahl von Beobachtungen, -in welchen Haustiere, namentlich Rinder, durch das Fressen oder -Ablecken bleihaltiger Oelfarben (+Bleiweiss+, +Bleiglätte+, +Mennige+) -erkrankt und gestorben sind. Es handelt sich dabei insbesondere um -frisch angestrichene Futtergeschirre, Trinkeimer, Bottiche, Krippen, -Gitter, Hühnerställe; zuweilen werden sogar grössere Mengen reiner -Oelfarbe aufgenommen. Sehr gefährlich hat sich auch das Einreiben von -Zugochsen mit Salben aus Mennige am Hals erwiesen, indem die Tiere sich -gegenseitig die bleihaltige Salbe ableckten. Auch Vergiftungen durch -die Aufnahme grösserer Mengen roter, bleihaltiger Oblaten sind bei -Rindern beobachtet worden. Ausserdem sind Vergiftungsfälle bei Pferden -und Katzen in Mennige- und Bleiweissfabriken beschrieben worden. - -In enzootischer Verbreitung findet man die Bleivergiftung bei -sämtlichen Haustieren in der Umgebung von +Bleihütten+ und -+bleihaltigen Flüssen+. Von Hüttenwerken sind in dieser Beziehung -zu nennen die Ober- und Unterharzer Hütten (Blei- und Zinkhütten in -Stolberg, Kupferhütten zu St. Helens), die Hüttenwerke in Oberschlesien -(Friedrichshütte), Rheinland, Westfalen und in Freiberg (Sachsen), -welche teils durch den sog. Hüttenrauch und Flugstaub die gesamte -Vegetation der nächsten Umgebung mit einer bleihaltigen Staubschichte -überziehen, teils durch fortgewehten und fortgeschwemmten Pochsand und -Haldensand und durch abgefahrenen Bleidünger (Bleiasche) Vergiftungen -nicht bloss unter den Haustieren, sondern unter der gesamten -benachbarten Tierwelt veranlassen. Das im Boden enthaltene Blei geht -sogar unter Umständen in Form organischer Verbindungen in die Pflanzen -über und erzeugt so indirekt bei Pflanzenfressern Bleivergiftung -(vgl. die Beobachtungen in Kärnten S. 9). Aehnlich giftig wirken die -Abwässer von Bleiweissfabriken. Auch die mit städtischen Abfuhrstoffen -(Strassenkot) gedüngte Erde ist zuweilen bleihaltig und dann -gesundheitsschädlich (+Mosselmann+ und +Hébrant+). Von bleihaltigen -Flüssen sind zu erwähnen die +Innerste+ im Hildesheimischen, welche -auf einer Strecke von 50-60 km Blei mit sich führen soll, sowie der -+Bleibach+ in der Rheinprovinz (Aachen, Köln; Kreisen Schleiden und -Euskirchen). Diese Flüsse überziehen namentlich nach Ueberschwemmungen -die umliegende Niederung mit einer Schichte bleihaltigen Schlammes und -Sandes und bedingen so in ihrem gesamten Stromgebiete Bleivergiftungen -durch Aufnahme von bleihaltigem Sand und Erdboden mit dem Futter. -Wird ein derartiger +bleihaltiger Sand+ verladen, so kann er z. B. -in +Reitbahnen+ infolge Einatmens bei Pferden eine chronische -Bleivergiftung (Rohren) herbeiführen. - -Das +metallische Blei+ wird in Form von +Schrotkörnern+ und -+Bleistücken+ namentlich von Rindern und vom Geflügel aufgenommen, -wenn es z. B. nach der Verwendung zum Flaschenspülen ins Futter, ins -Trinkwasser oder auf den Dungplatz gelangt ist. Auch durch Weiden in -der Nähe von Schiessplätzen und Aufnahme der daselbst umherliegenden -Bleikugeln sind Bleivergiftungen beim Rind früher veranlasst worden. -Im Magen einer an Bleivergiftung gestorbenen Kuh fand man 300, bei -einer anderen 250 g Bleischrot, in dem einer Taube 4 g; im ersteren -Falle wurde durch Vermittlung der +Milch+ bei dem 1 Monat alten Kalb -ebenfalls eine tödliche akute Bleivergiftung hervorgerufen. Bleikugeln -in Wunden sind dagegen ungiftig (Abkapselung). Vergiftungen durch -bleihaltiges +Trinkwasser+ aus +Bleiröhren+ sind bei den Haustieren -gleichfalls nachgewiesen worden (+Walther+). Bleihaltige Lötmasse -in Vogelkäfigen hat bei Zimmervögeln Veranlassung zu Bleivergiftung -gegeben (+Regenbogen+). - -Endlich ereignen sich Bleivergiftungen durch +Verwechslungen+ und -+therapeutische Fehlgriffe+. So sind öftere Male Vergiftungen dadurch -vorgekommen, dass vom Händler (Drogisten) statt Glaubersalz Bleizucker, -sowie dass statt Futterkalk oder Kreide Bleiweiss abgegeben wurde. -In einem Fall verabreichte ein Landwirt seinen 5 Rindern 2½ kg -Bleiweiss; in einem anderen wurden an 10 Rinder irrtümlicherweise -statt Spiessglanz täglich etwa 50 g Bleizucker 3 Tage hintereinander -abgegeben. 5 Rinder erhielten aus Versehen ⅜ kg Bleizucker, welcher zur -äusserlichen Anwendung bestimmt war, in Wasser gelöst zum Trinken. Eine -Kuh starb, als sie innerhalb 3 Tagen 50 g Bleizucker gegen Blutharnen -erhalten hatte. Die +tödliche Dosis+ des +Bleizuckers+ beträgt für - - +Rinder+ 50-100 g - +Pferde+ 500-750 „ - +Schafe+ und +Ziegen+ 20- 25 „ - +Schweine+ und +Hunde+ 10- 25 „ - -=Krankheitsbild der Bleivergiftung.= Das Blei besitzt in allen seinen -Verbindungen lokal eine +ätzende+ Wirkung (Bildung von Bleialbuminat). -Nach seiner Resorption wirkt es +erregend+ auf die Nervenzentren -der +Grosshirnrinde+ (Psyche, motorische Zentren) und auf das -+vasomotorische Zentrum+. Ausserdem wirkt das Blei infolge einer -primären degenerativen Atrophie der peripheren motorischen Nervenfasern -+lähmend+ auf die +quergestreiften Körpermuskeln+. Bei länger -fortgesetzter Verabreichung beobachtet man +Wucherung+ und +Neubildung+ -von +Bindegewebe+ in allen wichtigeren Organen (Darm, Leber, Nieren, -Gehirn, Rückenmark, Retina, Sympathikus), +Degenerationszustände+ -in den peripheren motorischen Nerven, namentlich im +Rekurrens+, -und im +Rückenmark+, sowie +Muskelatrophie+ (beim Pferd namentlich -in den Kehlkopfmuskeln). Die Resorption des Bleis findet von allen -Körperstellen aus, selbst von der Haut (Wunden) und von der Lunge aus -statt. Insbesondere wird im Magen und Darm das metallische Blei und -das sonst unlösliche Bleisulfat resorbiert. Besonders rasch ist die -Resorption der löslichen Bleisalze. Dagegen erfolgt die +Ausscheidung+ -des Bleis sehr langsam durch die Drüsen (Harn, Speichel, Galle, Milch). -Am empfindlichsten von allen Haustieren gegen Blei ist das +Rind+. -Das Pferd verträgt 10mal grössere Dosen. Ausserdem sind die Vögel -sehr empfindlich. Man unterscheidet eine akute und eine chronische -Bleivergiftung (akuten und chronischen Saturnismus). - -1. +Symptome der akuten Bleivergiftung.+ Die wichtigsten -Lokalerscheinungen sind +Erbrechen+, Würgen, starker +Speichelfluss+, -+Kolik+ (Bleikolik), +anhaltende Verstopfung+, Tympanitis, -unterdrückte Futteraufnahme und Milchsekretion, seltener Durchfall. -Die Allgemeinerscheinungen äussern sich zunächst in kortikalen -Gehirnstörungen, nämlich in +Zittern+, +Zuckungen+, +Kaukrämpfen+ -und +epileptiformen Anfällen+, neben welchen starke +psychische -Erregung+, Vorwärtsdrängen, choreaähnliche Zufälle, sowie namentlich -bei Rindern förmliche +Tobsuchtsanfälle+ einhergehen (Mania saturnina). -Auf dieses Stadium der Erregung folgt das der Lähmung: +Schwäche+, -+Betäubung+, +Schwindel+, +Schlafsucht+, +Parese+ und +Paralyse+ der -+Nachhand+, +Lähmung+ der +Zunge+, +Lähmung einzelner Muskelgruppen+, -allgemeine oder halbseitige +Anästhesie+, tiefes +Koma+. Der +Puls+ ist -auffallend +hart+, oft +drahtförmig+, seine Frequenz bald vermehrt, -bald verlangsamt. Die Schleimhäute sind anfangs hochgerötet, später -schmutziggrau verfärbt (Bleisaum beim Hund; PbS). Die Atmung ist -erschwert und beschleunigt. Trächtige Tiere abortieren häufig. Die -Dauer dieser Krankheitserscheinungen schwankt zwischen 24 Stunden -(perakuter, milzbrandähnlicher Verlauf) und einigen Wochen (akuter und -subakuter Verlauf). Zuweilen bleiben partielle Muskellähmungen zurück. - -2. +Symptome der chronischen Bleivergiftung.+ Bei +Rindern+ äussert -sich die chronische Bleivergiftung in allgemeinen Ernährungsstörungen -und zunehmender +Abmagerung+ (Cachexia saturnina), in hochgradiger -+Körperschwäche+ (Tabes saturnina), intermittierenden, durch eine -Bindegewebswucherung in der Umgebung der Darmganglien hervorgerufenen -+Kolikanfällen+ (Colica saturnina; Bleikolik), +Bewegungsstörungen+ -und +Lahmheiten+ (Arthralgia saturnina; Rheumatismus saturninus), -+zerebralen Erregungszuständen+ (Encephalopathia saturnina), welche -sich namentlich in Form +epileptischer Anfälle+ äussern (Eklampsia -saturnina). Auf der Haut findet man zuweilen starkes +Hautjucken+, -sowie +pustulöse Exantheme+. Zuweilen bilden sich ferner +Amblyopie+ -und +Amaurosis+ (Amaurosis saturnina), sowie +motorische Lähmungen+ -verschiedener Natur (Paralysis saturnina) mit starkem +Muskelschwund+ -(Atrophia saturnina), zuweilen auch mit bleibenden +Muskelkontrakturen+ -(Contractura saturnina) aus. Die Maulschleimhaut zeigt in manchen -Fällen die Erscheinungen der +ulzerösen Stomatitis+ mit einem sog. -+Bleisaum+ der Zähne (Verdacht der Maul- und Klauenseuche). Daneben -können sich die Erscheinungen eines +Bronchialkatarrhs+ entwickeln. -Endlich beobachtet man habituellen Abortus oder Sterilität. - -Bei +Pferden+ zeigt die chronische Bleivergiftung ein wesentlich -anderes Krankheitsbild. Meist beobachtet man als einziges auffälliges -Symptom +Kehlkopfpfeifen+, wodurch die Pferde zur Arbeit unbrauchbar -werden. Die saturnine Hartschnaufigkeit wird namentlich in -Bleigegenden, sowie bei Reitpferden beobachtet, wenn dieselben in -Reitbahnen mit bleihaltigem Sand bewegt werden. Nach den Untersuchungen -von +Thomassen+ wird das Kehlkopfpfeifen bei der Bleivergiftung durch -eine +periphere Neuritis des Nervus recurrens+ mit Degeneration des -Nerven und späterer Bindegewebsneubildung veranlasst (vergl. S. 87). -Nach +Schmidt+ soll sich das saturnine Rohren von dem gewöhnlichen -Kehlkopfpfeifen klinisch dadurch unterscheiden, dass die Dyspnoe beim -Unterbrechen der Bewegung nicht sofort aufhört, sondern eher noch -zunimmt, und dass der ganze Anfall auch dann abläuft, wenn das Pferd -nur bis zum Beginn des Hörbarwerdens der ersten Stenosengeräusche -bewegt worden ist. Wichtiger ist der Umstand, dass beim saturninen -Rohren eine +beiderseitige+ Kehlkopflähmung vorhanden ist. - -Beim +Geflügel+ (Hühner, Tauben, Dompfaffen) hat man ausser gastrischen -Störungen, Krämpfen und Lähmungserscheinungen starke +Anschwellung+ und -+Absterben+ der +Zehenglieder+ beobachtet. - - -=Sektionsbefund.= Bei dem +akuten+ Saturnismus findet man die -Erscheinungen einer +korrosiven Gastroenteritis+: Rötung, Entzündung, -Verschorfung, Geschwürsbildung auf der Magendarmschleimhaut, graue bis -schwarze Verfärbung der Darmzotten (Schwefelblei), sowie Blässe und -Kontraktion des ganzen Darmrohrs; in den Gehirnkammern, Gehirn- und -Rückenmarkshäuten wird eine Ansammlung seröser Flüssigkeit beobachtet -(Hydrozephalus und Hydrorhachis). Die +chronische+ Bleivergiftung ist -anatomisch ausser durch allgemeine Abmagerung und fettige Degeneration -der inneren Organe durch +Bindegewebswucherung+, namentlich in -der Niere (Nephritis saturnina, Bleiniere, Schrumpfniere), in der -Umgebung der Darmganglien (Mesenteritis saturnina), sowie in der Leber -charakterisiert. Dass speziell auch bei Tieren die beim Menschen häufig -beobachtete Bleiniere (Schrumpfniere, Nierenzirrhose) vorkommt, beweist -ein von +Gilly+ beim Rind beobachteter Fall (vergl. die Kasuistik). -Ausserdem hat man +Kalkinfarkte+ in der +Niere+ bei Versuchstieren -beobachtet. - - -=Behandlung.= Neben der Verabreichung von Brechmitteln und -Abführmitteln, sowie von Eiweiss, Milch und Schleim gibt man -bei der akuten Bleivergiftung verdünnte +Schwefelsäure+ oder -+schwefelsaure Salze+, namentlich Glaubersalz und Bittersalz, um -die Bildung eines Niederschlags von schwer löslichem schwefelsaurem -Blei herbeizuführen. Die Kolikanfälle, sowie die motorischen und -psychischen Erregungszustände werden +symptomatisch+ mit Morphium oder -Chloralhydrat, die Lähmungszustände mit Exzitantien (Kampfer, Aether, -Alkohol, Atropin, Strychnin, Elektrizität) behandelt. Bei der im -übrigen meist unheilbaren chronischen Bleivergiftung kann versuchsweise -+Jodkalium+ zur Beschleunigung der Ausscheidung des Bleis aus dem -Körper (Jodblei) gegeben werden. Bei Pferden empfiehlt sich ausserdem -die Vornahme der +Tracheotomie+. - - -=Nachweis der Bleivergiftung.= Da das Blei mit dem Eiweiss des Körpers -eine sog. metallorganische Verbindung eingeht, so können die einzelnen -Bleireaktionen erst nach Freimachung des Bleis aus seiner Verbindung -vorgenommen werden. - -Die +Trennung+ des Bleis von den organischen Massen geschieht nach der -früher beschriebenen Methode mit +Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+, -wobei das Blei in Chlorblei übergeht. Die kochend heiss filtrierte, -salzsaure Lösung wird sodann durch +Schwefelwasserstoff+ gefällt, -wobei sich ein Niederschlag von +schwarzem Schwefelblei+ bildet, -welcher schnell zu filtrieren und dann sofort weiter zu untersuchen -ist. Das schwarze Schwefelblei ist zum Unterschied von dem ebenfalls -schwarzen Schwefelquecksilber in +warmer Salpetersäure+ löslich -(Bildung von salpetersaurem Blei), in Salmiakgeist, Schwefelammonium, -Schwefelalkalien und Salzsäure unlöslich. Die Lösung des salpetersauren -Bleioxyds wird durch nachstehende +Bleireaktionen+ weiter untersucht: -a) +Schwefelsäure+ oder schwefelsaure Salze gehen einen Niederschlag -von +weissem+ schwefelsaurem Blei, welcher in Wasser und Säuren -unlöslich ist und durch Schwefelwasserstoffwasser oder Schwefelammonium -+geschwärzt+ wird. b) +Salzsäure+ oder Chloride geben einen +weissen+ -Niederschlag von Chlorblei, der durch Salmiakgeist nicht gefärbt wird -(im Gegensatz zu Quecksilber). c) +Jodkalium+ gibt einen +gelben+ -Niederschlag von Jodblei, welcher sich in der Hitze auflöst. d) -+Chromsaures+ Kali gibt einen +gelben+, in Kalilauge löslichen -Niederschlag von chromsaurem Bleioxyd. Ausserdem geben +Zyankalium+, -+gelbes Blutlaugensalz+, +Kali-+ und +Natronlauge+, +Salmiakgeist+ -und +kohlensaure Alkalien+ einen +weissen+ Niederschlag (Zyanblei, -Bleioxydhydrat, kohlensaures Blei). +Quantitativ+ wird das Blei als -+Schwefelblei+ gewogen; 100 Teile Schwefelblei enthalten 86,6 Teile -Blei. - - =Kasuistik.= Die alljährlich anwachsende Kasuistik der - Bleivergiftungen gehört zu den reichhaltigsten im ganzen Gebiete der - Toxikologie. Es soll im Nachstehenden nur eine Auswahl der für die - einzelnen Tiergattungen wichtigsten Vergiftungsfälle wiedergegeben - werden. - - 1. +Rind.+ 12 Rinder erhielten von einem Landwirt als Mittel - gegen Lecksucht 250 g Bleiweiss. Drei davon, welche am meisten - aufgenommen hatten, erkrankten an hartnäckiger Verstopfung, - Tympanitis, Lähmung der Magen- und Darmperistaltik, sehr starkem - Speicheln, Zittern, Amaurosis, Betäubung, Schwindelanfällen, - Krämpfen, sowie Kolikanfällen 2-3 Stunden vor dem Tode. Durchfall - trat nicht ein. (+Strebel+, Schweizer Archiv 1884). -- 2 Kühe - erhielten gegen Blutharnen in 3 Tagen 48 resp. 52 g Bleizucker. - Die erstere starb. Beide erkrankten nach Ablauf von 7-8 Tagen und - zeigten Muskelschwäche, Zittern, Steifheit der Glieder, Knacken in - den Gelenken, Lähmung der Nachhand, periodische Aufregung, sowie - maniakalische Erscheinungen (+Fischer+, Bad. Mitt. 1885). -- 4 - Kühe und ein Bulle erhielten aus Versehen ¾ Pfund Bleizucker in - einem Eimer Wasser gelöst in die Krippe gegossen. Am 3. Tage danach - erkrankten 2 Kühe und mussten am 9. und 10. Tage getötet werden. - Die 3. Kuh erkrankte am 4. Tage, der Bulle am 5. und die letzte Kuh - am 6. Tage; diese 3 Tiere genasen (+Krekeler+, Preuss. Mitt. 1885). - -- Mehrere Zugochsen wurden mit einer Mischung von Mennige und Oel - eingerieben. 6-7 Wochen darauf erkrankten sie, indem zuerst Diarrhöe - und später anhaltende Verstopfung auftrat. Die zufällig bei der - Sektion vorgefundenen Nierensteine färbten sich bei der Berührung - mit Schwefelleber schwarz (+Hodurek+, Oesterreich. Monatsschr. - 1883). -- In einer Brennerei waren die Bottiche mit Mennige sehr - dick angestrichen. Die Maische hatte den Anstrich gelöst. Durch - den Genuss der Schlempe erkrankten viele Kühe an Bleivergiftung - (+Magnus+, Preuss. Mitt. 1872). -- 8 Kühe wurden zur Vertilgung - der Läuse mit Bleisalbe eingerieben und auf die Einreibung noch - Bleiweiss eingestreut; sie erkrankten sämtlich (+Schöngen+, Preuss. - Mitt. 1874). -- Rinder, welche Mennige aufgenommen hatten, zeigten - Speichelfluss, Verstopfung, Kaukrämpfe, Amaurose, Rückenmarkslähmung, - einmal Zungenlähmung, ein anderes Mal tiefes Koma, ein drittes Mal - allgemeine Krämpfe (+Lavigne+, Recueil 1883). -- Eine Kuh frass - 2 Pfund weisser Oelfarbe. Sie zeigte Stumpfsinn, Verstopfung, - Kolikanfälle, beschleunigtes, schnaufendes Atmen, schnellen, harten, - später unfühlbaren Puls, Sehstörung, plötzliche Unruhe, Krämpfe, - Steifheit der Vorder- und abwechselnd der Hinterfüsse. Dauer der - Krankheit 3 Wochen; Genesung (+van Dommeln+, Het Repertorium 1853). - -- 4 Kühe und ein einjähriges Kalb erhielten gegen die Lecksucht - innerhalb 8 Tagen zusammen 5 Pfund Bleiweiss, 3 mussten getötet - werden. Sie zeigten Aufstützen des Kopfes, Drängen gegen die Wand, - krankhaftes Abbiegen des Halses, Geifern, Zähneknirschen, Schluchzen, - Pupillenerweiterung. Bei der Sektion fand man Erweichung der - Gehirnsubstanz, sowie Flüssigkeit zwischen den Gehirnhäuten (+Hess+, - Schweizer Archiv 1851). -- 10 Kühe erhielten je 250 g Bleizucker, - statt Glaubersalz; alle starben innerhalb 8 Tagen (+Kaumann+, Magazin - Bd. 27). -- 10 Rinder erhielten aus Versehen 3 Tage hintereinander - je zweimal etwa 50 g Bleizucker. 6 Stück krepierten innerhalb 2-6 - Tagen; die übrigen 4 mussten nach 5 Wochen infolge eines Rückfalls - getötet werden. Die Krankheitserscheinungen bestanden unter anderem - in Kolik, Muskelzuckungen, Aufstützen des Kopfes, hochgradiger - Mattigkeit und Erschöpfung, starker Abmagerung, lebhaftem Hautjucken, - pustulösem Hautausschlag über den ganzen Körper, Verkalben, Husten, - Speichelfluss, plötzlicher Lähmung (+Prinz+, Magazin 1. Bd.). -- - Mehrere Kühe nahmen auf der Weide in einer Gegend, wo Schiessübungen - abgehalten wurden, Bleikugeln auf. Sie magerten ab, gaben wenig - Milch, zeigten trockene Haut und blasse Schleimhäute. Bei der - Sektion fand man 2-8 kg abgeplattete Bleikugeln im Pansen, ausserdem - die Erscheinungen der Leberatrophie und interstitiellen Nephritis - (+Gilly+, Recueil 1889). -- Nach der Aufnahme von bleiweisshaltigem - Dünger auf einer Wiese erkrankten 8 Rinder unter den Erscheinungen - einer schweren Gehirnentzündung; sie zeigten maniakalische Anfälle, - Zwangsbewegungen, Zähneknirschen, Erblindung, starken Speichelfluss - und Zusammenstürzen. Die Sektion ergab starke Gehirnkongestion - (+Laho+ und +Mosselmann+, Belg. Annalen 1893). Dieselben Autoren - gaben einem jungen Stier von 185 kg Gewicht, um experimentell die - Frage der Geniessbarkeit des Fleisches vergifteter Tiere zu prüfen - (vergl. S. 24), 4 Tage lang hindurch je 50 g Bleiweissfarbe, worauf - derselbe am 4. Tage starb. -- 9 Rinder, welche mit dem Futter - abgekratzte alte Mennige aufgenommen hatten, zeigten Speicheln, - Zähneknirschen, anhaltende Verstopfung, Pulsverlangsamung (32 p. M.), - Zittern, partielle Zuckungen, Zwerchfellskrampf, Pupillenerweiterung, - Sehstörungen, Blindheit, schwerfälligen Gang und schwere psychische - Affektionen. Der Tod trat nach 4-10 Tagen ein; die Sektion ergab - einen negativen Befund (+Lehmann+, Berl. Archiv 1893 S. 459). -- - Einen ähnlichen Fall bei 2 Kühen (Apathie, Muskelzittern, stossendes - Atmen) hat +Sundt+ beobachtet (ibid. 1894 S. 343). -- Ueber - chronische Bleivergiftung bei Kühen, welche auf einem Schiessfeld - Bleikugeln aufgenommen hatten, berichtet +Magnin+ (Rec. 1893 S. 432). - -- Ein Rind erhielt von einem Pfuscher 120 g Bleizucker verschrieben, - wovon täglich der 3. Teil eingegeben werden sollte. Dasselbe zeigte - starkes Zittern, stieren Blick, Tobsucht, Schäumen und Zähneknirschen - und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab starke Magen- und - Darmentzündung und Gehirnhyperämie (+Köcher+, Berl. Archiv 1894 S. - 343). -- 2 Kühe zeigten nach der Aufnahme von Bleifarbe schwere - Tobsucht und Krämpfe (+Metzger+, D. th. W. 1895 S. 436). -- 3 Kühe, - welche Mehltrank mit Bleischrot vorgesetzt bekamen, erkrankten unter - Erscheinungen der Zerebrospinal-Meningitis, indem sie Krämpfe, - Unruhe, Aufregung und schliesslich Lähmung zeigten (+Pawlat+, - österr. Mon. 1896 S. 145). -- 2 Kühe leckten den Mennigeanstrich im - Stall ab und zeigten Salivation, Krämpfe, Vorwärtsdrängen, sowie - tobsuchtähnliche Anfälle (+Wallmann+, Berl. Arch. 1896 S. 349). -- - Nach der Aufnahme von Abwässern einer Bleiweissfabrik erblindeten - 2 Rinder auf beiden Augen; bei einem derselben stellte sich nach - 14 Tagen das Sehvermögen wieder ein (+Appenrodt+, Berl. Arch. 1897 - S. 196). -- 2 Rinder erkrankten 24 Stunden nach der Aufnahme von - Mennigefarbe und starben im Verlauf weiterer 24 Stunden, nachdem - sie Appetitlosigkeit, übelriechenden Durchfall, Vorwärtsdrängen - und Sichüberschlagen gezeigt hatten. Die Sektion ergab hochgradige - Entzündung des Labmagens (+Freitag+, Sächs. Jahresber. pro 1897 S. - 146). -- Nach der Aufnahme von ½ l Mennigefarbe zeigte eine Kuh - 48 Stunden später Appetitlosigkeit und Verstopfung, am 3. Tage - Kolik, Brechbewegungen, Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe mit starkem - Speicheln, Vorwärtsdrängen, epileptiforme Anfälle, Schlafsucht und - allgemeine Schwäche, welche in Lähmung überging und am 5. Tage zum - Tode führte (+Haubold+, ibid. S. 147). -- Nach dem Ablecken von - frischem Mennigeanstrich starben 3 Kühe noch an demselben Tage, 3 - wurden am Tag darauf notgeschlachtet; alle zeigten Appetitlosigkeit, - Verstopfung, krampfhafte Kaubewegungen, Vorwärtsdrängen, Schwäche der - Nachhand und Muskelzittern; 1 Kuh tobte, 1 verfiel in Schlafsucht - (+Fasold+, Berl. Arch. 1899 S. 212). -- Mehrere Kühe zeigten - nach dem Ablecken von Mennige und Bleiweiss heftige Aufregung, - Zittern, Salivation, Zähneknirschen, Kolik, Erblindung und Lähmung - (+Hoefnagel+, Holl. Zeitschr. 1899). -- Eine Kuh zeigte nach dem - Ablecken von Malerfarbe Zittern, periodische Zuckungen am Hals - und Kopf, fallsuchtähnliche Anfälle, Vorwärtsdrängen, Durchfall, - Tympanitis, harten Puls und angestrengte Atmung; der Haubeninhalt - des notgeschlachteten Tieres zeigte 2 Prozent metallisches Blei - (+Ebinger+, Schweiz. Arch. 1901 S. 179). -- 4 Kühe starben nach der - Aufnahme von Bleiweiss unter Kolikerscheinungen (+Lebrun+, Recueil - 1902). -- Eine Kuh starb nach dem Ablecken einer mit Mennige frisch - bestrichenen Krippe unter Lähmungs- und Krampferscheinungen (Berl. - Tier. Woch. 1901). -- 10 Kühe und 2 Kälber starben bezw. mussten - geschlachtet werden, nachdem sie Leinkuchenmehl erhalten hatten, - dem 2 Proz. Bleiweiss beigemengt war; sie zeigten Vorwärtsdrängen, - Trismus, intermittierende Anfälle von Aufregung und Tobsucht, - Krämpfe, Bewusstlosigkeit und Sopor (+Dahle+, Norweg. Vet.-Zeitschr. - 1901). -- Im Kreise Kempen starben 3 Kühe an Bleivergiftung dadurch, - dass der Besitzer Bleizucker statt Glaubersalz mit dem Futter - verabreichte. Derselbe Besitzer hatte 4 Monate vorher 3 Kühe nach - vermeintlicher Verabreichung von Glaubersalz notschlachten müssen - (der Drogist, der den Bleizucker irrtümlich verabfolgte, leistete - 1500 Mark Entschädigung). In einem anderen Falle erkrankten von - 12 Kühen eines Stalles 7 an Bleivergiftung nach der Aufnahme von - Mennige, mit der eiserne Träger angestrichen waren, wobei viel - Farbe verschüttet wurde. 5 Kühe starben. Die chemische Untersuchung - ergab im Dünndarm und in den Organen Blei. In demselben Kreise - starben 2 Kühe ebenfalls nach der Ableckung einer frisch mit Mennige - angestrichenen Säule; sie zeigten Speicheln, Durchfall, Auftreibung - des Hinterleibs, kleinen, beschleunigten Puls, hohes Fieber, - Zittern, Krämpfe und Tobsucht (Preuss. Vet.-Ber. pro 1899-1901). -- - 4 Rinder leckten Mennige aus einer Tonne und starben plötzlich unter - milzbrandverdächtigen Symptomen; eines derselben verfiel in Raserei - und starb wie vom Blitz getroffen. 6 andere Rinder starben nach der - Aufnahme von Bleiweiss infolge einer Verwechslung mit Futterkalk - unter Erscheinungen, welche den Verdacht auf Maul- und Klauenseuche - erweckten (ibid. 1904). -- Eine Kuh starb nach mehrtägiger Krankheit - unter Lähmungs- und Krampferscheinungen, nachdem sie einen frischen - Mennigeanstrich abgeleckt hatte (+Haase+, Berl. T.-W. 1901). -- - 7 Absatzkälber starben unter Tobsuchtserscheinungen, nachdem - der Kälberzwinger mit mennigehaltiger Oelfarbe angestrichen war - (+Steffani+, Sächs. Jahresber. 1902). -- 3 Rinder erkrankten nach - der Aufnahme von Bleifarbe (Mennige) unter Verdauungsstörungen, - Verlangsamung des Herzschlags und Zuckungen (+Mattern+, Woch. f. - Tierh. 1902). -- Eine Massenvergiftung von Kühen nach Verabreichung - von Rüben, deren Standort von der stark bleihaltigen Oker (Harz) - überflutet worden war, hat +Dammann+ beschrieben; 8 Kühe starben, 15 - schwerkranke und 19 leichterkrankte genasen nach der Verabreichung - von Glaubersalz und Leinsamenschleim; bei allen Genesenen wurde - starker Rückgang der Milchsekretion beobachtet (D. T.-W. 1904 Nr. - 1). -- Alljährlich erkrankten mehrere Jungrinder, welche auf der - Weide den Bodensatz und die Beschläge von Akkumulatoren aufgenommen - hatten, die gereinigt worden waren (Bleisulfat?); die Tiere zeigten - Muskelzittern, Sopor, Speicheln, Zähneknirschen, Durchfall und - Verstopfung (+Rehaber+, Münch. tierärztl. Woch. 1909). -- Weitere - Fälle von Bleivergiftung finden sich in den Jahresberichten der - preuss. beamteten Tierärzte 1902-1909. In einem Falle (Jahresber. - pro 1907) erkrankten und starben 5 Kühe nach der Fütterung von - ungewaschenen Rüben und Rübenblättern, die von einem Felde in der - Nähe von Bleibergwerken stammten; die Vergiftungen hörten auf, - als die Blätter gar nicht mehr und die Rüben nur nach gründlicher - Reinigung gefüttert wurden. Dass im übrigen einzelne Rinder - relativ grosse Mengen von Bleiverbindungen ertragen, zeigt eine - Beobachtung von +Baum+ und +Seliger+ (Berl. Arch. 1895), welche - einer Versuchskuh täglich steigende Dosen von 3-15 g Bleizucker, - innerhalb 80 Tagen insgesamt 520 g, verabreichten, ohne bei derselben - Krankheitserscheinungen wahrzunehmen (!). - - Ueber enzootische Bleivergiftungen in der Nähe von Bergwerken und - Flüssen vergl. +Meyer+: Die Verheerungen der Innerste im Fürstentum - Hildesheim. Hottingen 1822. +Fuchs+: Die schädlichen Einflüsse - der Bleibergwerke auf die Gesundheit der Haustiere, insbesondere - des Rindviehs, 1842; +Freitag+: Die schädlichen Bestandteile des - Hüttenrauchs, +Thiel’s+ landwirtschaftliche Jahrbücher 1882; - +Schröder+ und +Reuss+: Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch - und die Oberharzer Hüttenrauchschäden 1883. - - 2. +Pferde.+ Nach der Aufnahme von mit Bleisand verunreinigtem - Futter wurden Pferde von Schweratmigkeit befallen, welche an - Hartschnaufigkeit erinnerte und mit Erstickungsanfällen verbunden - war. Einige Pferde starben an Erstickung. Manche Pferde zeigten so - hochgradige Dyspnoe, dass sie nicht einmal im Schritt geführt werden - konnten. Erleichterung konnte nur durch die Tracheotomie geschafft - werden (+Stolz+, Preuss. Mitt. Bd. III). -- In der Umgebung von - Bleiwerken erkrankten Pferde häufig lediglich unter den Erscheinungen - einer Respirationsbeschwerde, während Ernährungsstörungen und andere - spezifische Erscheinungen vollkommen fehlen (+Schmidt+, Preuss. Mitt. - 1879; Berliner Archiv 1885 u. 1886). -- Ein Pferd zeigte auf 500 g - Bleizucker in 2 l Wasser gelöst Kolik, Schwäche, Steifheit, blasse - Maulschleimhaut, kleinen und schwachen Puls, hatte sich jedoch nach - 12 Stunden wieder erholt (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- 360 - g Bleiglätte tötete ein Pferd (+Dominik+), während 240 g nur eine - geringe Beschleunigung der Pulsfrequenz zur Folge hatten (+Gerlach+, - Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- +Beckmann+ (Zeitschr. f. Vetkde. - 1891 S. 253) fand als Ursache des im Winter bei 18 Pferden einer - Eskadron auftretenden Kehlkopfpfeifens das Einatmen von bleihaltigem - Sand der Reitbahn, welcher aus der Nähe eines alten Bleiwerks bezogen - wurde. Der Sand enthielt grosse Mengen von Bleioxyd. Die Pferde - waren sonst durchaus gesund, waren gut genährt und zeigten keinerlei - Störungen im Digestions- und Zirkulationsapparat. Wurden sie wenige - Minuten im Trab geritten, so beobachtete man ein pfeifendes, - inspiratorisches Geräusch und gleichzeitig so hochgradige Atemnot, - dass manche Pferde umzufallen drohten. Nach dem Reiten waren die - Pferde sehr aufgeregt und schwitzten stark. Nach 5-15 Minuten Ruhe - waren die Atmungsbeschwerden verschwunden. Von den 18 Pferden starben - 2 an Erstickung, 3 wurden geheilt, die übrigen blieben Pfeifer. - Bei der Sektion der gestorbenen Pferde fand man den hinteren und - seitlichen Ringgiesskannenmuskel geschwollen, die Schleimhaut des - Kehlkopfes verdickt und von neugebildeten Gefässen durchzogen. -- - In einem Regimente erkrankten innerhalb 24 Stunden 9 Pferde an - Kolik infolge Beleckens der neuen mit Mennige bestrichenen Barren - (Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1893). -- 4 Pferde erhielten aus einer - ½ km langen Bleirohrleitung, welche 2 Jahre lang leer geblieben - war, Trinkwasser und erkrankten an Verdauungsstörungen, leichten - Kolikanfällen, Muskelschwäche, Steifheit der Glieder, starkem Knacken - der Gelenke, Atmungsstörungen und dummkollerartigen Erscheinungen; - alle 4 Pferde starben (+Walther+, Sächs. Jahresber. pro 1896 S. - 148). -- 8 Pferde eines Gutes, welches einen halben Kilometer - von einem Bleiwerk entfernt war, erkrankten der Reihe nach an - Bleivergiftung. Ein 3 Monate altes Fohlen zeigte die Erscheinungen - der Fohlenlähme, zwei andere, ältere Fohlen Steifheit des Rückens - und der Gliedmassen. Eine alte Stute erkrankte an Kehlkopfpfeifen, - welches nach längerer Behandlung mit Jodkalium wieder verschwand; - dasselbe Pferd zeigte später während des Fressens plötzliche - Erstickungsanfälle mit rohrendem Husten, welche rasch zum Tode - führten. 2 andere Stuten zeigten ebenfalls akutes Rohren und Dyspnoe - (durch Jodkalium geheilt). Die Leber der gefallenen Pferde war stark - bleihaltig, desgleichen die untersuchten Futtermittel (+Mosselmann+ - und +Hébrant+, Belg. Annalen 1899). -- Fütterungsversuche, welche - +Thomassen+ mit Plumbum carbonicum (5-20 g pro die) bei 2 Fohlen - anstellte, ergaben schon nach 4-6 Wochen das Auftreten von Rohren - unter gleichzeitiger starker Abmagerung und Schreckhaftigkeit. Bei - der Sektion wurde folgendes ermittelt: Der Nervus recurrens war - beiderseits, links aber mehr als rechts degeneriert; er zeigte die - Erscheinungen der parenchymatösen Neuritis mit Zerfall des Myelins - und Achsenzylinders, sowie Bindegewebsneubildung. Auch am Nervus - vagus war starke Degeneration der Markscheide wahrzunehmen. Die - Kehlkopfmuskeln zeigten mikroskopisch atrophische Degeneration. In - der Medulla oblongata und spinalis wurden geringe Veränderungen der - Ganglien (Vaguskerne) gefunden, im Nervus sympathicus partielle - Bindegewebsneubildung. Der beim Menschen zuerst erkrankte Nervus - radialis war normal, desgleichen der Ischiadikus und Tibialis - (Holl. Zeitschr. 1903). -- Militärpferde erkrankten an Kolik und - Darmentzündung nach der Aufnahme mennigehaltigen Trinkwassers aus - angestrichenen Tränkbottichen (+Hentrich+, Zeitschr. f. Vetkde. 1909). - - 3. +Schafe.+ Ein altes Schaf erhielt 30 g Bleizucker. Dasselbe - erkrankte noch an demselben Tage und starb nach 8 Tagen (+Gerlach+). - -- +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Berliner Archiv 1884) fütterten - 2 Schafe mit kleinen Dosen Bleizucker (0,5-3,0 pro die). Das eine - starb nach der Verabreichung von zusammen 150 g nach 3 Monaten, - das andere bei einer Gesamtmenge von 164 g nach 4 Monaten an - chronischer Bleivergiftung. Die Symptome derselben waren nicht - sehr charakteristisch: abnehmende Fresslust, Traurigkeit, - gestörtes Wiederkauen, trockene Wolle, grosse Muskelschwäche, - Unruheerscheinungen, verzögerter Kotabsatz, Durchfall, Verringerung - der Harnsekretion, Abnahme der Harnstoffausscheidung, zuweilen - Albuminurie, jedoch keine Symptome von Enzephalopathie, Arthralgie - und Bleilähmung. Bei der Sektion war chronischer Darmkatarrh, - fettige Degeneration der Leber, diffuse Nephritis, Quellung der - Leber- und Nierenzellen, sowie eine eigentümliche Kerndegeneration - der Nierenepithelien zu konstatieren. Die chemische Untersuchung - ergab, dass am meisten Blei enthielten die Leber, die Nieren, die - Speicheldrüsen, die Milz, die Knochen und das Zentralnervensystem. - - 4. +Hunde.+ Ein Hund wurde von Arbeitern einer Bleihütte mit Brot - gefüttert, welches Bleiglätte enthielt. Es trat alsbald Unruhe, - Geifern, Würgen und noch an demselben Tage der Tod unter Konvulsionen - ein. Bei der Sektion fand man die Schleimhaut des Magens dunkelrot, - an einigen Stellen trocken und korrodiert, die Schleimhautfalten - wulstig geschwollen, das Gehirn stark hyperämisch (+Dietrich+, - Preuss. Mitt. 1874). -- Ein Hund starb auf 14 g innerhalb 28 Stunden - (+Orfila+, Toxikologie); ein anderer starb auf 8 g Bleifeile nach - 18 Tagen. Ferner starben Hunde bei täglicher Verabreichung von - 0,2-0,5 Bleizucker nach 5-8 Wochen an chronischer Bleivergiftung - (Gesamtverbrauch 10 bis 30 g). -- 2 Pferde und 1 Hund erkrankten - in der Nähe einer Blei- und Silberhütte schwer an Bleivergiftung - (+Tappe+, Berl. Arch. 1901). -- Die Erscheinungen der chronischen - Bleivergiftungen bei Hunden sind nach den experimentellen - Untersuchungen von +Heubel+ und +Maier+ (Pathogenese und Symptome - der chronischen Bleivergiftung 1871): Appetitlosigkeit, Erbrechen, - Speichelfluss, Durchfall, hochgradige Abmagerung, namentlich - Muskelatrophie am Rücken und an den Hinterschenkeln, vorübergehende - Kolikanfälle, Schwäche der hinteren Extremitäten, Zittern - (eigentliche Muskellähmung fehlte), ausgeprägte Eklampsia saturnina - (in der 4. oder 5. Woche), verzögerter Kotabsatz und Verstopfung. - Bei der Sektion fand sich in allen Organen (Darm, Leber, Nieren, - Gehirn, Rückenmark) eine starke Bindegewebswucherung, zunächst in den - Gefässwandungen mit konsekutiver Kompression der Gefässe, Atrophie - der Darmdrüsen, Darmfollikel und Darmzotten, sowie Atrophie der - Darmganglien. - - 6. +Schweine.+ Ein ½jähriges Schwein erkrankte nach 8 g Bleizucker, - erholte sich aber wieder nach 4 Tagen (+Gerlach+). -- Mehrere - Schweine leckten ein frisch angestrichenes Stallgitter ab; sie - zeigten Erbrechen, Verstopfung und Krämpfe (+Dinter+, Sächs. - Jahresber. 1864). - - 6. +Geflügel.+ Hühner wurden auf einem verlassenen Blendelagerplatz - gehalten. Mehrere Hähne erkrankten und starben; sie zeigten dunklen, - geschrumpften Kamm, gesträubtes Gefieder und lagen am andern Tage - tot im Stall. Die Hühner erkrankten nicht, aber sie legten Eier ohne - Schalen (+Dietrich+, Preuss. Mitt. 1874). -- Enten schlutterten in - Jauche, welche Bleizucker enthielt; sie starben nach wenigen Tagen - (+Krekeler+, ibidem). -- Tauben, welche bleihaltige Glasur von - Trinkgefässen, sowie eine frisch mit Bleiweiss gestrichene Dachrinne - abgepickt hatten, zeigten starke Anschwellung der Zehen, schnelles - Absterben einzelner Zehenglieder, Unruhe, Taumeln, epileptiforme - Krämpfe, Erbrechen und Speicheln (Dresd. Bl. f. Geflügelzucht 1896 - S. 408). -- Dompfaffen in einem Drahtkäfig aus verzinntem Draht, - der durch bleihaltige Lötmasse verbunden war (60 Proz. Bleigehalt; - das Lot der Kochgeschirre für den Menschen darf nur 10 Proz. Blei - enthalten), zeigten Traurigkeit, Zittern, Schwäche, Benommenheit und - Schlafsucht und starben nach 8 Tagen. Der Sektionsbefund war negativ; - die Körperorgane enthielten Blei (+Regenbogen+, Berl. T. W. 1908 S. - 544). - - -Quecksilbervergiftung. Merkurialismus. - - =Chemie der Quecksilberverbindungen.= Das reine +metallische - Quecksilber+ wird hüttenmännisch aus dem natürlich vorkommenden - Quecksilber durch Reinigung oder aus dem Zinnober (HgS) durch Rösten - dargestellt. Es ist ein glänzendes, silberweisses, flüssiges, - schweres Metall, welches schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunstet - und sich nur in Salpetersäure löst. Mit Metallen bildet es Amalgame. - Es dient zur Herstellung der +grauen Quecksilbersalbe+, sowie anderer - Quecksilberpräparate. Der +Sublimat+ (Quecksilberchlorid, Hydrargyrum - bichloratum), HgCl_{2} bildet ein schweres, weisses, ätzend - schmeckendes Pulver, in 1 : 16 kaltem, sowie 1 : 3 heissem Wasser - löslich, das sich beim Erhitzen wie alle Quecksilberverbindungen - verflüchtigt, mit Alkalien gelbrot, mit Jodkalium scharlachrot, mit - Schwefelwasserstoff schwarz, mit Ammoniak weiss färbt, metallisches - Kupfer amalgamiert und mit Eiweisslösungen Niederschläge gibt. - +Kalomel+ (Quecksilberchlorür, Hydrargyrum chloratum), Hg_{2}Cl_{2}, - bildet ein gelbweisses, schweres, in Wasser unlösliches, - geschmackloses Pulver, das beim Erhitzen ebenfalls flüchtig - ist und sich mit Alkalien schwarz färbt. Der +rote Präzipitat+ - (Quecksilberoxyd, Hydrargyrum oxydatum), HgO, bildet ein gelbes, oder - gelbrotes schweres Pulver, das in Säuren leicht löslich ist und sich - beim Erhitzen unter Abscheiden von Quecksilber verflüchtigt. Der - +weisse Präzipitat+ (Hydrargyrum bichloratum ammoniatum), HgClNH_{2}, - bildet ein weisses, in Wasser unlösliches, beim Erhitzen flüchtiges, - schweres Pulver, das sich mit Natronlauge in Ammoniak und gelbes - Quecksilberoxyd zerlegt. +Quecksilberjodid+ (Hydrargyrum bijodatum - rubrum), HgJ_{2}, bildet ein lebhaft scharlachrotes, in Wasser - unlösliches, beim Erhitzen flüchtiges Pulver, das sich in Jodkalium - und Spiritus farblos löst. Giftig sind endlich auch die Dämpfe des - Knallquecksilbers. - - -=Aetiologie der Quecksilbervergiftung.= Die meisten -Quecksilbervergiftungen sind Medizinalvergiftungen, deren Ursprung -gewöhnlich in einer +Unterschätzung der Gefährlichkeit aller -Quecksilberpräparate, namentlich beim Rind+, zu suchen ist. Im -Speziellen ist über die ätiologische Bedeutung der einzelnen -Quecksilberpräparate folgendes zu bemerken. - -1. Die +graue Quecksilbersalbe+ gibt am häufigsten Veranlassung zu -Vergiftungen. Sie ist besonders für die Wiederkäuer und namentlich -für das Rind, bei welchem sie zur Vertilgung der Läuse, gegen -Euterentzündungen etc. eingerieben wird, eines der giftigsten -Arzneimittel. +30 g Quecksilbersalbe können bei erwachsenen Rindern -schon schwere Vergiftungserscheinungen bedingen.+ Im Gegensatze hierzu -sind Pferde, Schweine und Hunde gegen die Salbe nur wenig empfindlich. -Ein Jagdhund frass z. B. 170 g Salbe auf einmal, ohne schwere -Krankheitserscheinungen zu zeigen (+Deijermans+). Schweine ertragen -bis zu 80 g Salbe ohne zu erkranken (+Reiche+). Ein Pferd starb erst, -nachdem innerhalb eines Monats 3240 g Salbe, also über 3 kg, verbraucht -waren (+Schubarth+). Ein anderes Pferd starb ebenfalls erst nach einem -Monate, nachdem täglich 120 g Salbe (zusammen über 3½ kg) eingerieben -worden waren (Alforter Schule). In einem Pferdestalle, in welchem ein -Pferd mit grauer Salbe längere Zeit behandelt wurde, erkrankte ein -daselbst eingestellter Stier infolge Einatmung der Quecksilberdämpfe -an Merkurialismus, während das Pferd vollständig gesund blieb. Dagegen -scheinen Katzen und Vögel wieder sehr empfindlich zu sein; so starben -Kanarienvögel nach dem Einreiben von 0,5 der grauen Salbe (+Hertwig+). - -2. Der +Sublimat+ ist das stärkste aller Quecksilberpräparate. Er gibt -zu Vergiftungen Veranlassung durch seine Verwendung als +Rattengift+, -sowie als Antiseptikum in der +Chirurgie+ und +Geburtshilfe+. Auch -hier zeigt wieder das Rind die grösste Empfindlichkeit; es können -z. B. Uterusausspülungen mit 1promilligem Sublimatwasser bei Kühen -eine allgemeine Quecksilbervergiftung zur Folge haben. Ebenso hat man -nach unvorsichtiger +Sublimatdesinfektion+ von +Rinderstallungen+ -schwere Quecksilbervergiftungen bei den nachher eingestellten -Rindern beobachtet. Dagegen sind nach dem Gebrauche des Sublimats -als Desinfektionsmittel bei Pferden Vergiftungen bisher nicht -beobachtet worden. Sogar das Anlegen von Aetzligaturen auf den -Samenstrang zum Zwecke der Kastration hat bei Bullen in zahlreichen -Fällen Merkurialismus zur Folge gehabt (+Junginger+, +Schmidt+ und -andere bayerische Tierärzte). Im Jahr 1901 erkrankten in Hessen, -Bayern, Preussen, in der Schweiz und in Italien zahlreiche Rinder -an Merkurialismus, nachdem sie auf den Vorschlag von +Baccelli+ -intravenöse Injektion von Sublimat gegen Maul- und Klauenseuche -erhalten hatten, trotz kleinster Dosen (0,02-0,05 pro Rind); in der -Schweiz allein erkrankten 30 Kühe hiernach an Quecksilbervergiftung -(+Hirzel+, +Tamborini+, +Boschetti+ u. a.) Die +tödliche Dosis+ des -Sublimats beträgt für Rinder per os 4-8 g, subkutan 0,5 g, für Pferde -5-10 g, für Schafe 4 g, für Hunde und Katzen 0,1-0,3 g. - -3. +Kalomel+ ist ebenfalls in erster Linie für Rinder ein sehr -gefährliches Gift; +schon 8-10 g können bei erwachsenen Rindern -schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen+. Schafe und Ziegen -zeigen von 1-5 g ab schwere bezw. tödliche Vergiftungen; Ziegen sind -im allgemeinen empfindlicher als Schafe (+Reiche+, +Müller+). Kälber -zeigen sogar allgemeinen Merkurialismus nach dem Einstreuen von Kalomel -ins Auge gegen Keratitis (+Lippus+). Dagegen ertragen Hunde und -Schweine ziemlich grosse Kalomeldosen, erstere bis zu 2, letztere bis -zu 10 g. Besonders gefährlich ist die gleichzeitige Verabreichung von -Kalomel und Aloe; Pferde können hierbei schon nach 3 g Kalomel sterben -(vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). - -4. +Quecksilberjodid+ ist ebenso giftig wie Sublimat. Ein 2½jähriger -Bulle starb z. B. nach dem Einreiben einer Salbe, welche 5 g -Hydrargyrum bijodatum rubrum enthielt. Auch bei Pferden sind nach dem -Einreiben der Salbe Vergiftungen beobachtet worden. Ebenfalls giftig -wirkt das +Hydrargyrum oxycyanatum+ (Ausspülungen des Uterus beim Rind -mit Lösungen 1 : 6000). - -5. Der +rote Präzipitat+ steht hinsichtlich seiner Giftigkeit zwischen -dem Sublimat und Kalomel. Pferde zeigen nach 10 g, Hunde nach 0,2-0,5 g -schwere Vergiftungserscheinungen. - -6. Das +metallische Quecksilber+ kann von Hunden und Schweinen -innerlich in sehr grossen Gaben (250-500,0) ohne schädliche Wirkung -aufgenommen werden. Dagegen ist auch hier das Rind besonders -empfindlich; in einem von +Lübke+ beschriebenen Falle erkrankte -ein Rind an Merkurialismus, welchem innerlich gegen Verstopfung -20 g Quecksilber eingegeben wurden. Sehr giftig sind ferner die -+eingeatmeten Quecksilberdämpfe+, wie klinische und experimentelle -Beobachtungen gezeigt haben. Sie erzeugen infolge Umwandlung des -Metalls zu löslichen Verbindungen bronchitische und pneumonische -Erscheinungen, sowie im allgemeinen Merkurialismus. So erkrankten und -starben z. B. auf dem Schiffe „Le Triomphe“, in dessen Schiffsraum eine -grössere Menge von Quecksilber ausgelaufen war, ausser der Mannschaft -auch sämtliche in dem Schiff befindliche Tiere (Schweine, Schafe, -Ziegen, Katzen, Geflügel, Mäuse) an Quecksilbervergiftung. - - -=Krankheitsbild der Quecksilbervergiftung.= Die Erscheinungen des -Merkurialismus sind je nach den einzelnen Quecksilberpräparaten -insofern etwas verschieden, als die einen derselben (Sublimat, -Quecksilberjodid, Quecksilberoxyd) in erster Linie und zuweilen -ausschliesslich eine ätzende und erst in zweiter Linie eine allgemeine -Wirkung ausüben, während die graue Quecksilbersalbe und häufig auch -das Kalomel von vornherein die Erscheinungen eines allgemeinen -Merkurialismus hervorrufen. Ausserdem wird das Krankheitsbild durch -die Art und Weise der Applikation wesentlich beeinflusst. So erzeugt -der Sublimat, wenn er innerlich aufgenommen wird, gewöhnlich eine -korrosive, schnell tödlich verlaufende Gastroenteritis, während er -vom Uterus oder von der Haut aus allgemeinen Merkurialismus bedingt. -Auf diese besonderen Verhältnisse kann hier nicht genauer eingegangen -werden, es sollen vielmehr nur die charakteristischen Erscheinungen des -allgemeinen Merkurialismus übersichtlich zusammengestellt werden, wobei -bemerkt wird, dass nicht immer sämtliche aufgeführte Symptome in einem -und demselben Falle beobachtet werden. Die wichtigsten Erscheinungen -sind: - -1. +Salivation+, +Stomatitis ulcerosa+, Auflockerung des Zahnfleisches, -Lockerwerden und Ausfallen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch -aus dem Maule. - -2. +Magendarmkatarrh+, mit vorwiegender Beteiligung des Blinddarms bei -den Pflanzenfressern, später profuse, selbst blutige +Diarrhöe+ mit -graugrünem, dünnflüssigem, oft aashaft riechendem Kote. - -3. +Husten+, eiteriger Nasenausfluss, +Bronchoblennorrhöe+, selbst -+Bronchopneumonie+, angestrengte, selbst dyspnoische Atmung, -übelriechendes Exspirium, Nasenbluten. - -4. +Hautexantheme+, in der Hauptsache +Ekzema impetiginosum+ und -+squamosum+, beginnend mit starkem +Jucken+, infolgedessen Nagen -und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und Borkenbildung neben -bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der Subkutis, Bildung von -Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle. +Lieblingsstellen+ -sind: die Umgebung der eingeriebenen Stelle, die Gegend der Augen, des -Flotzmaules, Afters, Euters und der Scheide, die Trielfalte, sowie die -Beugeflächen der Gelenke. - -5. +Lähmungsartige Schwäche+, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, -Zittern (+Tremor mercurialis+), Schreckhaftigkeit und Delirien -(+Erethismus mercurialis+), Lähmung einzelner Muskeln, Amaurose, -Taubheit, Anästhesie, +Abmagerung+. - -6. +Nephritis+ (Anurie, Albuminurie, Zylindrurie) und -+Kalkinkrustation+ der +Niere+ (Nekrose des Nierenepithels mit -Kalzinifikation infolge mangelnder Fähigkeit der Kalkabscheidung). - -7. +Blutungen in den verschiedensten Organen+, besonders den -Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus). -Zuweilen erfolgt der Tod durch innere Verblutung oder Nasenbluten. -Endlich bedingt das Quecksilber einen starken Zerfall der roten -Blutkörperchen (Hämolyse). - -Der +Verlauf+ ist entweder +akut+, besonders bei jungen Tieren und -bei vorwiegend lokaler Aetzung im Magen und Darm. Sublimat kann so -innerhalb einiger Stunden schon eine tödliche Vergiftung herbeiführen, -ohne dass es zu allgemeinem Merkurialismus kommt. Die Dauer des akuten -Merkurialismus ist sehr verschieden und beträgt mehrere, selbst 10-14 -Tage. Oder der Verlauf ist +chronisch+, mehrere Wochen, selbst Monate -dauernd. In einzelnen Fällen hat man bei Milchkühen andauerndes -Versiegen der Milchsekretion nach Ablauf der Quecksilbervergiftung -beobachtet. In der Regel findet man ferner nach dem Verschwinden der -Vergiftungserscheinungen noch wochen- und monatelang Eiweiss im Harn. - - -=Sektionsbefund.= Man findet zunächst mehr oder weniger ausgeprägte -+Entzündungszustände auf der Schleimhaut des Digestionstraktus+ in -verschiedenen Graden: ulzeröse Stomatitis (kann fehlen), punktförmige -und fleckige Rötung, hämorrhagische Erosionen, Geschwürsbildung -im Magen, besonders auf der Höhe der Schleimhautvorsprünge und im -Labmagen; die Mukosa ist oft ödematös geschwollen, die Submukosa -serös infiltriert, so dass die Darmschleimhaut schlotternde Wülste -bildet; daneben beobachtet man hochgradige Anämie des Darmes. Das -subperitoneale Bindegewebe ist ebenfalls ödematös, mit fleckigen -Hämorrhagien durchsetzt. Die +Leber+ ist anämisch, geschwollen. -Die +Nieren+ sind +entzündlich+ geschwollen, serös infiltriert, -ekchymosiert und zuweilen vollständig +mit Kalk inkrustiert+ -(eigentümlicherweise ist die Verkalkung der Niere bisher nur beim -Menschen und beim Kaninchen beobachtet worden; beim Hund findet man -statt dessen +fettige Degeneration+ des Nierenepithels). In chronischen -Fällen kann sich Nierenzirrhose entwickeln. Der +Herzmuskel+ zeigt -fettige Entartung und Hämorrhagien, die Gehirnsubstanz ist anämisch, -weich, wässerig-glänzend; unter der Arachnoidea, sowie in der -Gehirnrinde finden sich Blutungen. Die +Respirationsschleimhaut+ ist -entzündlich geschwollen und zeigt zuweilen einen kruppösen Belag. Die -+Lunge+ ist blutreich, von Hämorrhagien, bronchopneumonischen Herden -und Abszessen durchsetzt; die bronchialen und mediastinalen Drüsen sind -geschwollen. Die +Haut+ und das +Unterhautbindegewebe+ ist anämisch, -das Unterhautbindegewebe serös infiltriert, unter den ekzematösen -Hautstellen ekchymosiert; die +Körpermuskulatur+ ist auffallend -blass, welk, wie gekocht, von fleckigen, düsterbraunroten Ekchymosen -durchsetzt, dabei stark sulzig infiltriert, so dass beim Einschneiden -eine fleischwasserähnliche Flüssigkeit abläuft. Das +Blut+ erscheint -schwarzrot, schmierig, schlecht geronnen. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Quecksilbervergiftung beginnt mit der -Entfernung der Ursachen, also namentlich beim Rind mit dem Abwaschen -der eingeriebenen Quecksilbersalbe. Das nächste Bestreben muss sein, -das eingedrungene Quecksilber in eine unlösliche und ungiftige -Form, nämlich in Schwefelquecksilber, überzuführen. Zu diesem Zweck -verabreicht man +Schwefel+, +Schwefelleber+, +Schwefeleisen+; -auch Eisenpräparate, namentlich +Eisenpulver+ und +Eisenvitriol+, -sind Gegenmittel. Daneben verabreicht man +einhüllende+ Mittel, -namentlich Eiweiss, Milch und Schleim, und behandelt die einzelnen -Vergiftungserscheinungen symptomatisch, indem man insbesondere gegen -die Lähmung Exzitantien (Aether, Weingeist, Kampfer, Kaffee, Atropin) -gibt. Dagegen ist Kochsalz nicht angezeigt, weil es im Gegenteil -die Löslichkeit und Resorption namentlich des Sublimats befördert. -Als Mittel gegen die merkurielle Stomatitis wird +Kali chloricum+ -als Mundwasser verordnet. Die chronischen Fälle von Merkurialismus -werden wie die chronische Bleivergiftung versuchsweise mit +Jodkalium+ -behandelt; eine vollständige Entgiftung des Körpers ist jedoch erst -nach vielen Monaten zu erwarten. - - -=Nachweis.= Auch beim Quecksilber ist, wie beim Blei, behufs -des chemischen Nachweises eine vorhergehende Trennung desselben -aus seinen metallorganischen Verbindungen vorzunehmen. Dieselbe -geschieht durch +Zerstörung+ der letzteren mittels +Salzsäure+ und -+chlorsaurem Kali+. Das Quecksilber wird dadurch in +Sublimat+ -übergeführt und nach Einleiten von +Schwefelwasserstoff+ in die -salzsaure Lösung als +schwarzes Schwefelquecksilber+ gefällt. Der gut -ausgewaschene Niederschlag löst sich zum Unterschiede von Schwefelblei, -Schwefelkupfer und Schwefelsilber in Salpetersäure +nicht+. Die Lösung -des Niederschlags in +Königswasser+, in welchem das Schwefelquecksilber -+leicht+ löslich ist, wird sodann zur Trockene verdunstet und -unter Zusatz von einigen Tropfen Salzsäure in Wasser aufgenommen, -worauf nachfolgende +qualitative Reaktionen+ angestellt werden (die -Lösung enthält Sublimat): a) Mit +Kalilauge+ versetzt entsteht ein -+gelbroter+ Niederschlag von Quecksilberoxyd. b) Mit +Jodkalium+ -bildet sich ein scharlachrotes Quecksilberjodid. c) Mit +Salmiakgeist+ -entsteht ein +weisser+ Niederschlag von weissem Präzipitat. d) -Mit +Zinnchlorürlösung+ (1 Tropfen) entsteht anfangs ein weisser -Niederschlag, später scheidet sich +graues metallisches Quecksilber+ -ab. e) Ein +blanker Kupferstreifen+ wird +weiss amalgamiert+. f) Durch -+Elektrolyse+ schlägt sich das Quecksilber +metallisch+ am Zinn nieder. - -+Quantitativ+ wird Quecksilber als +Metall+, +Kalomel+ oder -+Schwefelquecksilber+ dargestellt und gewogen (100 Teile Kalomel = -85 Teile Quecksilber). Am häufigsten führt man das Quecksilber aus -salpetersäurefreien Lösungen mit Zusatz von etwas Salzsäure durch -kurzes Kochen mit genügender Lösung von +Zinnchlorür+ in Kalomel -(Quecksilberchlorür) über, welches beim Erkalten ausfällt und dann -filtriert, getrocknet (vorsichtig mit Filtrierpapier und über -Schwefelsäure; nicht durch Erwärmen, weil flüchtig) und gewogen wird. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Aus der überaus grossen Zahl der - namentlich beim Rind in der tierärztlichen Literatur beschriebenen - Quecksilbervergiftungen mögen die nachstehenden besonders - interessanten Fälle kurz registriert werden. Einer Kuh wurden - gegen Milchknoten 60 g graue Salbe nach und nach eingerieben. Nach - 3 Wochen trat starke Abmagerung ein, die Haare waren struppig, - leicht ausfallend. Auf dem Rücken zeigte sich eine dicke Lage von - Schuppen und eisenerzähnlichem Staub. An Stelle der ausfallenden - Haare sickerte eine gelbrötliche Flüssigkeit aus. Am Euter, an der - Innenfläche der Hinterschenkel, an den Beugeflächen des Sprung- - und Ellenbogengelenks bemerkte man blutrünstige Stellen. Das Tier - genas bald wieder, die Milchsekretion kehrte aber nicht wieder - (+Piepenbrock+, Preuss. Mitt. 1877). -- Eine Kuh, welche mit grauer - Salbe eingerieben wurde, zeigte unter anderen Erscheinungen der - Quecksilbervergiftung Nasenbluten, das im Verlaufe von 36 Stunden - zum Tode führte (+Jansen+, Preuss. Mitt. 1879). -- Ein 2½jähriger - Bulle erhielt gegen eine Geschwulst in der Parotisgegend eine - Einreibung nach folgendem Rezept: Hydrargyri bijodati rubri 5,0; - Unguenti Cantharidum 75,0; Olei Crotonis 0,5. Nach 8 Tagen zeigte - derselbe die ausgesprochenen Erscheinungen des Merkurialismus - (Durchfall, Hautausschlag etc.) und verendete nach 7wöchentlicher - Krankheitsdauer (+Schleg+, Sächs. Jahresber. 1881). -- Sieben - Kühe und zwei Kälber wurden durch Einreiben von zusammen 250 g - grauer Salbe vergiftet; sie zeigten unter anderem Vereiterung der - Lymphdrüsen und Lymphgefässe (+Haubold+, Sächs. Jahresber. 1887). - -- Eine gesunde Kuh erhielt 4 g Sublimat in 200 g destilliertem - Wasser gelöst. Sie zeigte vorübergehend Rülpsen, Geifern, Husten und - Appetitverminderung, war aber am folgenden Tage wieder munter. 5 - Tage nachher erhielt sie 8 g Sublimat in ½ l destilliertem Wasser. - Es trat sofort Geifern und Rülpsen ein, Fressen und Wiederkäuen - hörten jedoch erst am nächsten Tage auf; gleichzeitig trat weicheres - Misten, erschwertes Atmen und ein sehr kleiner, beschleunigter Puls - auf. In den nächsten Tagen sistierte die Futteraufnahme gänzlich, - der Kot wurde dünn, stinkend und blutig, es stellte sich grosse - Mattigkeit ein, das Tier lag anhaltend, magerte stark ab und starb - am 14. Tage (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- 2 Kühe wurden - wegen eines Ekzems mit 30 g grauer Salbe eingerieben. Acht Tage - darauf zeigten sie geringen Appetit, Husten, pochenden Herzschlag - sowie zahlreiche stecknadelkopf- bis erbsengrosse, beim Konfluieren - bis markstückgrosse Blutungen auf allen sichtbaren Schleimhäuten, - namentlich auf den Konjunktiven, welch letztere so intensiv waren, - dass die Bulbi über die Augenlider vorgedrängt wurden. Bei der - Notschlachtung wurden auch zahlreiche Blutungen auf allen serösen - Häuten gefunden. Endokardium und Epikardium waren so vollständig - mit Blut durchtränkt, dass sie ein schwarzrotes Aussehen hatten. - Auch die Körpermuskulatur war reichlich mit Blutungen durchsetzt. - -- Eine Kuh und ein Stier wurden mit grauer Salbe gegen Ungeziefer - eingerieben, die Kuh abortierte und starb den Tag darauf. Der Stier - zeigte über den ganzen Körper einen leicht blutenden Hautausschlag, - Husten, Nasenbluten, Abmagerung. Bei der Notschlachtung fand - man zwei grössere Blutherde in der Lunge, ausserdem bedeutende - fettige Degeneration der Leber und Nieren (+Freytag+, Sächs. - Jahresbericht 1893). -- +Lucet+ (Recueil 1896) bestreitet die - grössere Empfindlichkeit der Wiederkäuer gegenüber dem Quecksilber; - er will seit 15 Jahren Quecksilbersalbe in Dosen von 30-50 g bei - zahlreichen Kühen ohne Gefahr angewandt und diese Dosis bei - Mastitis sogar täglich 2mal wiederholt haben. Eine Versuchskuh - erhielt innerhalb 4 Tagen 250 g Quecksilbersalbe eingerieben, ohne - dass ausser geringgradigem Speichelfluss Krankheitserscheinungen - beobachtet wurden; die frisch bereitete Salbe bestand aus gleichen - Gewichtsteilen Quecksilber und Schweinefett. (Da in der Praxis - gewöhnlich nicht frisch bereitete, sondern ältere Quecksilbersalben - zur Anwendung gelangen, die bekanntlich viel giftiger wirken, ist - die von +Lucet+ ausgeführte Untersuchung nicht beweiskräftig.) -- - Ein 3½jähriger Ochse erhielt durch Versehen des Apothekers statt - 30,0 Extr. Aloes 30,0 Kalomel innerhalb 16 Stunden auf 4mal. Es - entwickelte sich hierauf ein allgemeiner Quecksilberausschlag. Das - in grossen Dosen als Gegenmittel angewandte Ferrum sulfuricum hatte - nach 5wöchentlicher Krankheitsdauer Heilung zur Folge (+Dotter+). -- - Ein Bauer kaufte einen Fingerhut voll Quecksilber, verrieb es mit - Fett und rieb damit einen Ochsen und eine 8 Monate alte Kalbin gegen - Ungeziefer ein. Der Ochse blieb gesund, dagegen starb die Kalbin - nach 14 Tagen unter den Erscheinungen des Merkurialismus, nachdem - sie 8 Tage vorher abortiert hatte (+Noack+, Sächs. Jahresber. 1891). - -- Mehrere Kühe erkrankten nach dem Einreiben von grauer Salbe; - sie zeigten ödematöse Anschwellungen und seröse Exsudation an den - Füssen, bläuliche Verfärbung des Euters, Speicheln, Lockerung der - Schneidezähne, Fieber, Gefühllosigkeit und Festliegen (+Kunze+, - ibid.). -- Eine 6jährige, kräftige Kuh erhielt gegen Aktinomykose - eine subkutane Injektion von 0,5 Sublimat und starb infolgedessen - an Merkurialismus (+Mortensen+, dänische tierärztl. Monatsschr. - 1892 S. 169). -- Eine Kuh erkrankte an Merkurialismus, nachdem sie - 5 g grauer Salbe abgeleckt hatte (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. pro - 1895). -- 9 Rinder erkrankten nach dem Einreiben von zusammen 500 - g grauer Salbe (+Pröger+, ibid.). -- Mit grauer Salbe eingeriebene - Rinder zeigten blutigen Ausfluss aus Nase und Maul, grosses - Juckgefühl, fortwährend Reiben und Belecken, Muskelzittern, lose - Zähne, Geschwüre am Zahnfleisch, stinkenden Durchfall, schmerzhaften - Husten, Schlingbeschwerden, Geschwüre auf der Nasenschleimhaut, - üblen Geruch der ausgeatmeten Luft, Abmagerung bis zum Skelett - sowie Lähmungserscheinungen (+Hable+, Oesterr. Zeitschr. 1889 S. - 125). -- Nach der Desinfektion eines Rinderstalles mit Kalkwasser - und 5promilliger Sublimatlösung erkrankten zahlreiche Rinder an - Merkurialismus (+Rosolino+, Clin. vet. 1898). -- Eine ähnliche - Beobachtung ist in Schweden gemacht worden: von 92 Kühen erkrankten - 75 und starben 10 Stück an Merkurialismus, nachdem der Stall mit - Sublimat (1700 g!) desinfiziert worden war (Schwed. Zeitschr. 1893). - -- Ein Rind erkrankte nach dem Eingeben von 20 g metallischem - Quecksilber (+Lübke+, Zeitschr. f. Vetkde. 1896 S. 54). -- Von 2 - zusammen mit 75 g grauer Salbe eingeriebenen Rindern starb das - eine, das andere erkrankte an chronischer Vergiftung (+Ellinger+, - Berl. Arch. 1898 S. 298). -- Nach einer Sublimatausspülung des - Uterus erkrankte ein Rind schwer an Merkurialismus (+Beier+, Sächs. - Jahresber. pro 1897 S. 148). -- Bei einem mit Sublimat-Aetzligatur - kastrierten Stier traten am 17. Tage nach der Kastration die - Erscheinungen der Quecksilbervergiftung auf: schleimiger - Nasenausfluss, Geschwüre am Flotzmaul, an den Lippenrändern und - auf der Maulschleimhaut, Speichelfluss, impetiginöses Ekzem am - Triel, an der Schweifrübe und an den Fussgelenken, Husten, Dyspnoe, - Bronchitis, Appetitlosigkeit, Benommenheit; Genesung nach 3 Wochen - (+Junginger+, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1891 S. 453). 2 ähnliche - Fälle bei kastrierten Stieren beobachtete +Antretter+ (ibid. S. 456). - -- +Schmidt+ (ibid. 1900 S. 62) beobachtete in den Jahren 1886-1894 - alljährlich vereinzelte Fälle von Quecksilbervergiftung bei Stieren, - welche mit Sublimatligaturen kastriert wurden. Ausserdem beschreibt - er ein seuchenartiges Auftreten des Merkurialismus infolge einer - Einreibung von grauer Salbe (Einatmung von Quecksilberdämpfen). -- - +Luginger+ (Berl. Tierärztl. Woch. 1902 S. 63) hat zwei schwere Fälle - von Vergiftung beim Rind mit Ausgang in Heilung beobachtet, welche - durch die Einreibung von grauer Salbe veranlasst waren; beide Kühe - zeigten nach der Genesung eine auffallende Zunahme des Körpergewichts - und starken Fleischansatz. -- +Ortmann+ (ibid. S. 173) sah nach - Sublimatinjektionen in die Scheide und Sublimatwaschungen (gegen - seuchenhaftes Verwerfen) 2 Kühe nach 10 bezw. 14 Tagen sterben, - nachdem profuser stinkender Durchfall und Husten vorausgegangen - war. -- +Kronburger+ (Woch. f. Thierh. 1902) sah nach dem Einreiben - einer gänseeigrossen Menge grauer Salbe bei einem Ochsen diesen und - noch zwei andere Rinder unter lungenseucheähnlichen Erscheinungen - erkranken und 2 Tiere starben; die Vergiftungserscheinungen bestanden - in ungemein häufigem quälendem Husten, Stöhnen, Dyspnoe, hohem - Fieber, starker Abmagerung, sowie schleimig-blutigen Darmabgängen. - -- +Seegert+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1903) sah von 60 Stück Jungvieh - nach dem Einreiben von grauer Salbe gegen Läuse (70-80 g pro Haupt) - 16 an Quecksilbervergiftung sterben; 5 Wochen nach Anwendung der - Salbe erreichte die Zahl der schwerkranken Tiere ihren Höhepunkt; - bis zum Eintritt des Todes lagen die Tiere 4-8 Tage unter grosser - Schwäche auf der Streu. -- 20 Ochsen eines Gutes erkrankten nach - der Einreibung von grauer Salbe an Atembeschwerden, Fieber, - Appetitlosigkeit, häufigem Husten, Hautausschlägen am Maul und an - der Innenfläche der Gliedmassen, Hautblutungen und Blutharnen; 2 - Ochsen starben an Nierenblutung, 2 an brandiger Lungenentzündung, 4 - wurden notgeschlachtet und zeigten schwere Nierenentzündung; die 12 - übrigen erholten sich langsam nach monatelangem Kranksein (Preuss. - Vet. Ber. pro 1900). -- Ein Jungrind zeigte nach der Einreibung - von grauer Salbe Abmagerung, struppiges Haarkleid, pustulösen - Ausschlag an beiden Halsseiten, an den inneren Schenkelflächen und - am Unterbauch, eiterige Konjunktivitis, Bronchitis, sehr schwachen - Puls und grosse Mattigkeit mit nachfolgendem Tod. Eine daneben - stehende Kuh zeigte nur Pustelausschlag und genas (+Sator+, Woch. - f. Tierh. 1902). -- 2 Kühe erhielten ein Gemisch von grauer Salbe - (120 g) und Terpentinöl (60 g) eingerieben. Beide erkrankten schwer - an Merkurialismus; sie zeigten Juckreiz, Stomatitis ulcerosa mit - Speichelfluss, Hautausschlägen und Appetitlosigkeit; 1 Kuh starb - plötzlich an Bronchitis, Nephritis und Peritonitis; die andere stark - abgemagerte wurde notgeschlachtet. Der Besitzer erhielt von dem - Drogisten eine Entschädigung (+Röbert+, Sächs. Jahresber. 1902). - -- Ein Kurpfuscher behandelte den ansteckenden Scheidenkatarrh - einer Kuh durch Einschmieren der Scheide mit grauer Salbe. Die Kuh - starb, nachdem starkes Speicheln, ausgebreiteter Hautausschlag - und stinkender Durchfall vorausgegangen war. Der Sektionsbefund - erinnerte wegen der ausgedehnten Hämorrhagien an Milzbrand - (+Schmidt+, T. Rundschau 1903). -- Intravenöse Sublimatinjektionen - nach +Baccelli+ gegen Maul- und Klauenseuche bei Rindern erzeugten - vielfach schwere, akute und chronische Quecksilbervergiftung. Die - akute begann nach 4-5 Tagen und endete nach 8 bis 18 Tagen. Die - chronische Quecksilbervergiftung stellte sich bei 356 Rindern nach - 15-30 Tagen ein, als sie niemand mehr erwartet hatte (+Tamborini+, - +Boschetti+, +Titta+, Giorn. d. soc. vet. 1902 u. 1903). -- In der - Schweiz erkrankten nach der von +Baccelli+ empfohlenen intravenösen - Injektion von Sublimat (0,02-0,05) in 30 Fällen Rinder 10-14 Tage - nachher an Quecksilbervergiftung (+Hirzel+, Schweiz. Arch. 1902). -- - Bei gesunden Rindern entstand nach intravenösen Sublimatinjektionen - von 0,35-0,50 eine Vergiftung; über 5promillige Sublimatlösungen - erzeugten ferner Thrombosierung der Jugularis (+Günther+, T. Zentr. - 1902). -- Aehnliche Resultate erhielt +Schmidt+ (B. T. W. 1902). -- - In Bayern erkrankten infolge der intravenösen Injektion von Sublimat - nach +Baccelli+ 3 Rinder an Quecksilbervergiftung. -- Eine Kuh starb - nach der Verabreichung von 8 g Kalomel an Quecksilbervergiftung (+F. - Müller+, Diss. 1908). -- Ein 4 Monate altes Kalb erkrankte nach - dem Einreiben von 12-15 g der offizinellen grauen Salbe tödlich - an Quecksilbervergiftung nach 20 Tagen (Speichelfluss, Durchfall, - Exanthem) und musste notgeschlachtet werden. Der Sektionsbefund - war negativ (+Reiche+, B. T. W. 1908). -- Ein Schweizer Apotheker - musste 1000 Franken Schadenersatz zahlen, weil er im Handverkauf 100 - g 20proz. grauer Salbe für 5 Kühe gegen Ungeziefer abgab, worauf 2 - Kühe an Quecksilbervergiftung starben und 3 schwer erkrankten. Alle - 5 Kühe hatten zusammen nur 60 g Salbe eingerieben bekommen (Schweiz. - Woch. für Chemie u. Pharm. 1908 Nr. 5). -- Rinder erkrankten - schwer an Merkurialismus, nachdem sie gegen seuchenhaften Abortus - Uterusausspülungen mit Hydrargyrum oxycyanatum (1 : 6000) erhalten - hatten (+Haubold+, Sächs. Jahresber. 1909). -- 3 Fälle von beim Rind - nach dem Einreiben grauer Salbe (1mal 30 g) hat +Hasak+ beobachtet - (Oesterr. Monatsschr. 1909). - - 2. +Schafe+ und +Ziegen+. Eine Schafherde, aus 335 Hammeln bestehend, - wurde in einer Sublimatauflösung gebadet, worauf die ganze Herde - innerhalb 2-3 Wochen krepierte. Es waren im ganzen 5 Pfd. Sublimat - verbraucht worden. Die Tiere zeigten Abmagerung, eingefallene - Flanken, schwankenden, schleppenden Gang, unterdrückte Fresslust, - blasse Schleimhäute (+Kuhlmann+, Preuss. Mitt. Bd. 13). -- Ein Schaf - starb nach dem Eingeben von 4 g Sublimat in 4 Stunden (+Hertwig+). - -- Von 20 Schafen, welche zusammen 20 g Kalomel erhalten hatten - (1 g pro Kopf), starben 18 an Merkurialismus (+Graefe+). -- Eine - junge Ziege starb nach 1 g Kalomel schon in 27 Stunden an typischer - Quecksilbervergiftung; 30 g graue Salbe töteten eine erwachsene Ziege - nach 7 Tagen, desgleichen 100 g 10proz. Sublimatsalbe eine andere - Ziege in derselben Zeit (+Reiche+, Diss. 1905). -- Einmalige Dosen - von 1,5 g Kalomel können bei erwachsenen Ziegen unter Umständen schon - toxisch wirken (+F. Müller+, Diss. 1908). - - 3. +Pferde.+ 1-2 g Sublimat Pferden eine Woche hindurch täglich in - Pillenform mit Althaea gegeben, hatten keine sichtbare Veränderung - zur Folge, auch nicht, als diese Gaben verdoppelt wurden. Wurde - jedoch Sublimat Pferden täglich in steigender Dosis (1-8 g) 14 - Tage lang gegeben, so zeigte sich Appetitlosigkeit, vermehrter - Harnabsatz, heftiger, zuletzt blutiger Durchfall, grosse Schwäche - und Kolikerscheinungen mit tödlichem Ausgang. 4 g Sublimat - verursachten bei einem Pferde nur vorübergehende Kolikschmerzen. - Dagegen starb ein anderes Pferd auf 15 g Sublimat nach 12 Stunden - unter heftigen Kolikerscheinungen, Recken und starkem Speicheln - (+Rysz+, Arzneimittellehre 1825). -- Bei einem Pferd war wegen einer - phlegmonösen Anschwellung des rechten Hinterfusses eine Mischung - von Ungt. Hydrarg. ciner. 50,0 und Ol. Rapae 150,0 eingerieben. Es - kamen nur etwa zwei Drittel der angegebenen Menge zur Verwendung. Am - 5. Tage nach der Einreibung zeigte das Pferd, welches so lange gut - gefressen hatte, plötzlich Schweissausbruch über den ganzen Körper, - stöhnte und zitterte und legte sich nieder, wobei es flach auf der - Seite lag. Die Bindehäute und die Nasenschleimhaut waren dunkelrot - gefärbt. Die Zahl der Pulse betrug 56 in der Minute, die Atmung war - angestrengt; die Innenwärme stand auf 39,8° C. An verschiedenen - Stellen des Körpers fanden sich kleine, bis erbsengrosse Knötchen - zahlreich vor, aus welchen auf Druck eine übelriechende, grünlich - gelbe und zähflüssige Masse sich entleerte. In den nächsten Tagen - nahm die Haut an der betreffenden Gliedmasse eine lederförmige - Beschaffenheit an, auch kamen in der Unterhaut einige Abszesse zur - Entwicklung. Schliesslich trat Heilung ein (+Pr. Mil. Vet. Ber.+ - pro 1895). -- Zwei Pferde wurden an allen 4 Fesseln 2 Tage hindurch - mit Quecksilberbijodidsalbe (1 : 6) eingerieben. Darauf zeigten sie - Appetitlosigkeit, blutig-eiterigen, übelriechenden Nasenausfluss, - schwachen und sehr frequenten Puls, Dyspnoe, Bronchitis und - Bronchopneumonie, graugrünen, breiartigen Kot sowie grosse - Schwäche und Hinfälligkeit. 1 Pferd starb innerhalb 24 Stunden, - nachdem ausserdem Blutharnen aufgetreten war. Die Sektion ergab - hämorrhagische Gastroenteritis, Bronchopneumonie, hämorrhagische - und kruppöse Laryngitis, Tracheitis und Bronchitis (+Pr. Mil. Vet. - Ber.+ pro 1897). -- Eine kombinierte Sublimat-Kantharidenvergiftung - nach einer scharfen Einreibung bei einem Pferde hat +Paust+ - beschrieben (B. T. W. 1899 S. 98). -- Ein Pferd erhielt 6 Tage - hindurch gegen Würmer 4 g Kalomel und erkrankte am 8. Tage unter - den Erscheinungen von Durchfall, Kolik und Lähmung; bei der Sektion - wurde unter anderem eine akute Nephritis festgestellt (+Mc Donough+, - Am. vet. rev. 1897). -- Ein kleines, leichtes Droschkenpferd starb - nach der Verabreichung von 10 g Kalomel an akuter hämorrhagischer - Gastroenteritis (+Lemke+, Zeitschr. f. Vetkde. 1900). -- Nach - den Einreibungen von etwa 30 g einer Quecksilberbijodidsalbe - gegen Spat zeigte ein Pferd einen nässenden Ausschlag über den - ganzen Körper, starken Juckreiz, Haarausfall, Durchfall, sowie - ziegelrote Konjunktiva. Nach der innerlichen Verabreichung von - Schwefel trat Heilung ein (+Teetz+, Berl. Tierärzt. Woch. 1900 - S. 530). -- Ein Pferd frass eine Schachtel, welche +Angerer+sche - Sublimatpastillen enthielt, und erkrankte hierauf an Kolik und - Durchfall; am 8. Tage war es wieder hergestellt (+Kronacher+, Woch. - f. Tierh. 1901). -- Intravenöse Sublimatinjektionen erzeugten bei - Versuchspferden von 0,15 g ab leichte, von 0,25 g ab typische, - von 0,5 g ab schwere, von 1,0 g ab tödliche Quecksilbervergiftung - (+Zimmermann+, Fortschr. d. Vet. Hyg. 1903). -- 100 g graue Salbe, - gegen Brustbeule eingerieben, verursachte allgemeinen Haarausfall, - Schwanken und Herzklopfen (+Briese+, Preuss. Vet. Ber. 1904). -- Ein - Pferd, das innerhalb 3 Tagen 48 g Kalomel in Pillenform erhalten - hatte, zeigte keinerlei Krankheitserscheinungen, starb dagegen - nach der Verabreichung von 32 g Kalomel in Pulverform, innerhalb - 2 Tagen gegeben, an Merkurialismus (+F. Müller+, Diss. 1908). -- - Ein 10jähriger Schimmelwallach wurde vom Besitzer am 6. Februar - 1906 gegen Ungeziefer mit grauer Quecksilbersalbe in der Rippen-, - Lenden- und Kruppengegend eingerieben. Darauf hin zeigte das Pferd - anhaltenden Durchfall, Speichelfluss, Schwäche und Appetitlosigkeit, - welche erfolglos behandelt wurden. Am 13. Februar wurde es der Klinik - zugeführt. Die Untersuchung ergab einen sehr schlechten Nährzustand, - struppiges, aufgebürstetes Haarkleid, 39,2° Mastdarmtemperatur - sowie 68 schwache Pulse. Die Haut zeigte über den ganzen Körper - zerstreut, namentlich aber in der Kruppen-, Lenden- und Rippengegend - fünfpfennig- bis markstückgrosse Blasen und Pusteln. Ausserdem - bestand starker Speichelfluss, höhere Rötung der Maulschleimhaut, - hochgradiger stinkender Durchfall und Anurie. Die ausgeatmete Luft - war übelriechend; auf der höher geröteten Nasenschleimhaut zeigten - sich Blutungen. Das Pferd zeigte so grosse Muskelschwäche, dass - es umzufallen drohte; das Sensorium war stark benommen. Trotz der - eingeleiteten Behandlung (Schwefelkalium, Exzitantien) starb das - Pferd schon am 15. Februar unter den Erscheinungen einer septischen - Gastroenteritis. Bei der Sektion wurde eine akute Entzündung der - Drüsenschleimhaut des Magens, eine blutige Entzündung des Leer- und - Hüftdarms, Nekrose und Zerreissung der Blinddarmwand, serös-fibrinöse - und eiterig-jauchige Peritonitis, katarrhalische Nephritis, sowie - akute multiple Milzschwellung als Todesursache festgestellt. Die - genauere Menge der eingeriebenen Quecksilbersalbe konnte nicht - festgestellt werden (+Fröhner+, Monatshefte für prakt. Tierhlkde. - 1906). - - 4. +Hunde.+ Ein Jagdhund, welcher 170 g graue Salbe gefressen und - erst 1½ Stunden nachher ein Brechmittel erhalten hatte, zeigte sich - am folgenden Tage nur wenig krank und war bald wieder hergestellt. - Auffallend war nur, dass demselben einige Tage hindurch viele Haare - ausfielen. (+Deijermans+, Holländische Zeitschr. 1883). -- Hunde - starben auf 0,2-0,4 Sublimat nach 7, 10 und 30 Stunden, nachdem sie - heftiges blutiges Erbrechen, blutige Diarrhöe und zuletzt Lähmung - gezeigt hatten (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Ein Hund, - welcher sich etwa 5 g roter Präzipitatsalbe (1 : 10) abgeleckt hatte, - starb unter den Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis - innerhalb 24 Stunden (eigene Beobachtung). -- Nach +Trasbot+ soll der - Hund sehr empfindlich gegen graue Salbe sein (franz. Uebersetzung der - Spec. Pathologie von Friedberger und Fröhner S. 157). -- Ein Hund - bekam nach der Einreibung von grauer Salbe gegen Läuse eine Iritis - (+Soffner+, Zeitschr. f. Vet. 1904). -- Nach den Untersuchungen von - +F. Müller+ (Giessen 1908) laxieren Hunde erst auf eine einmalige - Dosis von 0,3-0,4 Kalomel. - - 5. +Schweine.+ Eingehende experimentelle Untersuchungen über den - Merkurialismus bei Schweinen hat +A. Reiche+ angestellt (Inaug. - Diss. Giessen 1905). Sie ergaben, dass das Schwein keine besondere - Empfindlichkeit gegenüber dem Quecksilber besitzt und viel grössere - Dosen erträgt als die Wiederkäuer. Die Einreibung der +grauen Salbe+ - hatte bis zu 80 g keinerlei schädliche Wirkung. Grössere Dosen - veranlassten nur einen mehrstündigen Durchfall. 400 g Salbe in 50 - Tagen eingerieben, erzeugten bei einem Schwein Merkurialismus, - das Tier erholte sich jedoch wieder. Erst nach 600 g Salbe, in - einem Zeitraum von 100 Tagen eingerieben, starb ein Schwein. 2-4 - g +Kalomel+ erzeugten bei Schweinen im Gewicht von 10-16 kg nur - Durchfall. 6 g Kalomel hatte bei einem 18 kg schweren Schwein (= - 0,3 g pro kg Körpergewicht) akuten Merkurialismus und Tod nach 42 - Tagen zur Folge. Auf 8 g Kalomel starb ein 18 kg schweres Schwein - nach 9 Tagen. 10 g Kalomel, einem 12 kg schweren Schwein innerhalb - 30 Tagen verabreicht, hatten den Tod nach 8 Tagen zur Folge. Die - Einreibung von 800 g 10proz. +Sublimatsalbe+ tötete ein Schwein nach - 8 Tagen. Die Vergiftung äusserte sich hauptsächlich in Durchfall - und Tremor, sowie starker Abmagerung; Speichelfluss und Exantheme - fehlten. Die Sektion ergab vor allem Diphtherie des Dickdarms. -- - Zehn 11-12 Wochen alte Ferkel, welche gegen Juckreiz mit grauer Salbe - eingerieben wurden, starben nach +Meyer+ (Preuss. Vet. Ber. pro 1907) - an Vergiftung (Magendarmentzündung, Blutung). - - 6. +Geflügel.+ Eine Amazone (Chrysotis) erkrankte unter starkem - Speichelfluss, rostrotem Durchfall und Lähmungserscheinungen nach - dem Einatmen von Knallquecksilbergasen eines Schiesstandes und starb - an Quecksilbervergiftung (Ornith. Monatsschrift 1904). - - -Kupfervergiftung. - - =Chemie der Kupferverbindungen.= Das an und für sich nicht giftige - +metallische Kupfer+ findet sich teils gediegen, teils in Form von - Kupfererzen (Kupferglanz, Kupferkies, Rot-, Bunt-, Schwarzkupfererz) - in weiter Verbreitung. In feuchter Luft verwandelt es sich zum Teil - in basisch kohlensaures Kupfer, wobei es von einer grünen Schicht - (Patina) überzogen wird. Ausserdem findet bei Luftzutritt eine - teilweise Lösung des Kupfers statt, wenn in kupferhaltigen Gefässen - saure Flüssigkeiten und Nahrungsmittel, welche Essigsäure, Milchsäure - oder Weinsäure enthalten, längere Zeit stehen. Bei Luftabschluss - dagegen, wie es beim Kochen geschieht, bei welchem der Zutritt der - Luft durch die entweichenden Wasserdämpfe verhindert wird, findet eine - Auflösung des Kupfermetalls nicht statt. Von giftigen Kupfersalzen - kommen namentlich in Betracht der +Kupfervitriol+, CuSO_{4} + - 5 H_{2}O, das schwarze +Kupferoxyd+, CuO, das +kohlensaure Kupfer+, - das +essigsaure Kupfer+ (Grünspan, Aerugo), Cu(C_{2}H_{3}O_{2})_{2} + - H_{2}O, der +Kupferalaun+ sowie mehrere +Kupferfarben+, namentlich das - +Schweinfurtergrün+, eine Verbindung von arseniksaurem und essigsaurem - Kupfer, Cu_{2}(AsO_{2})_{3}.C_{2}H_{3}O_{2}, das Braunschweigergrün, - Kalkgrün, Mineralgrün, Bremerblau, Kalkblau, Bergblau, Berggrün. - Sehr giftig ist auch das zum Grünfärben der Gemüse benützte - phyllozyaninsaure Kupfer, eine Chlorophyllverbindung des Kupfers. - - -=Aetiologie der Kupfervergiftung.= Die bei den Haustieren im Gegensatze -zum Menschen ziemlich seltenen und daher praktisch weniger wichtigen -Kupfervergiftungen sind meistens auf die Verfütterung von sauren oder -gärenden Nahrungsmitteln zurückzuführen, welche längere Zeit unter -Zutritt von Luft in +kupfernen Kesseln+ oder Gefässen aufbewahrt worden -waren. Von solchen kupferhaltigen Nahrungsmitteln sind zu erwähnen -Schlempe, Molken, saure Milch, saure Speiseüberreste, Kartoffelbrei -usw. Sie enthalten das Kupfer in Form von essigsaurem, milchsaurem, -äpfelsaurem, weinsaurem, zitronensaurem, kohlensaurem und fettsaurem -Kupfer. Am häufigsten gibt der Gehalt der Nahrungsmittel an essigsaurem -Kupfer (+Grünspan+) Veranlassung zu Kupfervergiftung, weshalb die -letztere wohl auch mit dem Namen „Aeruginismus“ belegt wird (Aerugo = -Grünspan). Im Vergleich hiezu sind die durch Einverleibung von anderen -Kupfersalzen, so von +Kupfervitriol+, +Kupferoxyd+, +Kupferalaun+, -sowie von Kupferfarben bedingten Kupfervergiftungen, experimentelle -Versuche ausgenommen, mehr vereinzelt. So wird über einen Fall -berichtet, in welchem Pferde nach dem Genusse von Weizen erkrankten, -welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war (+Landvatter+, -+Reimers+). In ähnlicher Weise erkrankten Kühe nach der Verabreichung -von Glaubersalz, welchem Kupferoxyd als Beize gegen den Brand des -Weizens beigemischt war (+Bloch+), sowie nach Verfütterung von -Weinlaub, das zur Abwehr der Reblaus mit Kupfervitriollösung bespritzt -worden war (+Schmidt+, +Padovani+, +Ohler+). Es können sich ferner -Vergiftungen ereignen bei Resorption des Kupfersulfates von Wunden aus; -so starb beispielsweise ein Hund, welchem 0,6 gepulverter Kupfervitriol -in eine Wunde gebracht wurde (+Gerlach+). Lämmer können nach zu grossen -Dosen Kupferoxyd (Bandwurmmittel) erkranken. Die Vergiftung durch -Schweinfurtergrün ist nicht in erster Linie eine Kupfer-, sondern eine -Arsenikvergiftung (vgl. S. 66). - -+Das reine metallische Kupfer ist ungiftig+, wenn es z. B. in Form von -Kupfermünzen aufgenommen wird. Ein Hund hatte ein grosses, kupfernes -Sousstück 12 Jahre lang unbeschadet im Magen (+Nichoux+). Es ist -deshalb auch der von +Zundel+ berichtete Fall, in welchem bei einem -wegen Beisssucht wutverdächtigen Hunde zwei Kupfermünzen in der Nähe -des Pylorus sowie Darmentzündung gefunden wurden, aus diesem wie aus -anderen Gründen nicht als Kupfervergiftung aufzufassen. Auch beim -Menschen scheint das metallische Kupfer ungiftig zu sein (Bronze- und -Kupferarbeiter). - - -=Krankheitsbild der Kupfervergiftung.= Bei den Haustieren handelt es -sich in der Regel um eine +akute+ Kupfervergiftung (die chronische -experimentelle vgl. unten). Die Kupferwirkung ist dabei ähnlich wie -die Zinkwirkung zunächst lokal eine entzündungserregende und ätzende -(+Gastroenteritis+). Die Allgemeinerscheinungen sind vorwiegend die -einer +Muskellähmung+. Demnach äussert sich die Kupfervergiftung -(Kuprismus) zunächst in Erbrechen, Würgen, Kolik, Verstopfung, -Durchfall und Verlust des Appetits, wozu sich später Unsicherheit im -Gehen, Schwächezustände, Muskellähmung und Anästhesie, sowie vereinzelt -Konvulsionen gesellen. Daneben beobachtet man die Erscheinungen der -Herzlähmung: kleinen, schwachen, oft verlangsamten Puls, schwachen -Herzschlag, sowie erschwerte Atmung. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -in verschiedenen Graden entzündlich verändert; zuweilen besteht auch -Magenerweiterung (+Trasbot+). - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in der Verabreichung von +Eisenpulver+ -und +gebrannter Magnesia+ (um metallisches Kupfer auszufällen) sowie -von +Schwefel+ (Bildung von Schwefelkupfer) und +Ferrozyankalium+ -(Bildung von Ferrozyankupfer). Als einhüllendes Mittel gibt man ferner -+Eiweiss+, +Milch+ und +Schleim+. Auch Milchzucker und Tierkohle -sind als Gegenmittel empfohlen worden. Die Kolikschmerzen und -Lähmungserscheinungen werden symptomatisch behandelt. - - -=Nachweis.= Dem eigentlichen Nachweise des Kupfers hat die +Trennung+ -des Kupfers von +organischen Beimengungen+ vorauszugehen. Dieselbe -erfolgt durch Zerstören der letzteren mittelst +Salzsäure+ und -+chlorsaurem Kali+, wobei das Kupfer als Kupferchlorid in Lösung -geht. Aus der schwach sauren Lösung fällt dann +Schwefelwasserstoff -schwarzes Schwefelkupfer+ aus. Der Niederschlag muss unter möglichstem -Abschluss von Luft schnell filtriert und mit ausgekochtem, -schwefelwasserstoffhaltigem Wasser ausgewaschen werden. Das -Schwefelkupfer ist in Zyankaliumlösung (Zyankupfer) und Salpetersäure -(salpetersaures Kupfer) leicht löslich. Die Lösung des salpetersauren -Kupfers ist +blaugrün+ und durch folgende +Kupferreaktionen+ noch -weiter zu untersuchen: a) Salmiakgeist gibt anfangs einen bläulichen -Niederschlag, der sich beim Ueberschusse des Salmiakgeistes +lasurblau+ -löst. b) Ferrozyankalium gibt in der schwach salzsauren Lösung einen -+braunroten+ Niederschlag von Ferrozyankupfer. c) Metallisch blankes -Eisen überzieht sich in der angesäuerten Kupferlösung mit einer -+hellroten Kupferschicht+. Diese sehr einfache Kupferreaktion kann -auch bei verdächtigen Nahrungsmitteln in der Weise vorgenommen werden, -dass man ein blankes Messer in dieselben eintaucht. Ausserdem geben -+Kali-+ und +Natronlauge+ in verdünnten kalten Lösungen von Kupfer -+grünliche+ oder +blaue+ Niederschläge, welche beim Erhitzen +schwarz+ -werden; +kohlensaures Kali+, -- +Natron+, -- +Baryum+ geben +blaugrüne+ -Niederschläge, +Jodkalium+ und Rhodankalium +weisse+ Niederschläge. - -+Quantitativ+ wird das Kupfer durch Auflösung des Schwefelkupfers -in Salpetersäure, Eintrocknen, Erhitzen und Glühen in Form von -+Kupferoxyd+ nachgewiesen, welches gewogen und auf Kupfer berechnet -wird. 100 Teile Kupferoxyd entsprechen 79-85 Teilen Kupfer. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ Zwei Pferde erkrankten nach dem Genusse - von Weizen, welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war. Sie - zeigten Verstopfung, Kolik, Fieber, sowie starrkrampfähnliche - Muskelsteifheit. Eines starb, das andere genas, blieb aber noch - einige Wochen hindurch steif (+Landvatter+, Repertorium 1882). -- - Von 45 g Kupfervitriol ab zeigten Pferde Vergiftungserscheinungen - (Kolik, Verstopfung, Durchfall) und starben auch zuweilen - (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Ein Pferd zeigte nach 30 - g Grünspan nach 2 Stunden Unruhe, Angst und Kolikerscheinungen; - auf 60 g Grünspan trat schon nach ¼ Stunde Kolik ein, der anfangs - beschleunigte Puls wurde sehr schwach und sank auf 30 Schläge p. - M. Trotz fortgesetzten guten Appetits traten am 6. Tage plötzlich - grosse Schwäche und Krämpfe mit tödlichem Ausgange ein (+Dupuy+, - Journal de Lyon 1830). -- Ein 1½jähriges Fohlen zeigte Erbrechen - nach dem Anlegen von Kluppen, welche mit Kupfervitriol bestrichen - waren (+Georges+, B. T. W. 1895 S. 592). -- Ein 1jähriges Fohlen, - welchem 5 g Kupfersulfat unter die Haut gespritzt wurden, starb schon - am 3. Tage unter hochgradiger Muskelschwäche, Schwanken, Hämaturie - und sehr erheblicher lokaler Anschwellung. Ein anderes 1jähriges - Fohlen erhielt am 1. Tage 1 g Kupfersulfat subkutan, in den nächsten - 4 Tagen je ½ g subkutan, worauf es am 9. Tage nach vorausgegangenen - starken und diffusen Anschwellungen starb. Die Sektion ergab Nekrose - und Verkalkung des Nierenepithels in Form von Kalkzylindern (+v. - Kossa+, Zieglers Beitr. z. path. Anat. 1901, 29. Bd. S. 173). -- - Bei erwachsenen Pferden sollen 10 g Kupfersulfat subkutan in stark - verdünnten wässerigen Lösungen injiziert, Vergiftungserscheinungen - hervorrufen und 15 g den Tod verursachen. Ein 1jähriges Fohlen zeigte - schon nach der Injektion von 1 g Vergiftungserscheinungen und starb - nach 3 g in 6 Tagen injiziert; die Sektion ergab starke entzündliche - Schwellung und Nekrose an der Injektionsstelle, sowie hämorrhagische - Nephritis und Nierenverkalkung (+Ernst+, Veterinarius 1900). -- 4 - Fohlen frassen stark mit Kupfervitriol gebeizten Weizen. Sie zeigten - Durchfall, Lähmung, Krämpfe, gelbrote Schleimhäute und starben an - hämorrhagischer Gastroenteritis (+Reimers+, B. T. W. 1905 S. 789). - - 2. +Rinder.+ Zwei Bullen im Alter von 18 Wochen erhielten - täglich 2 Mass Leinsamenabkochung mit Milch, welche in kupfernem - Kessel aufbewahrt wurde. Sie erkrankten vorübergehend unter den - Erscheinungen der Indigestion (+Arnold+, Schweizer Archiv 1852). - -- 2 Kühe zeigten auf die zufällige Verabreichung von Kupferoxyd - Kolik, Würgen und Erbrechen (+Bloch+, B. T. W. 1890). -- Ein Rind - erkrankte unter Kolikerscheinungen, nachdem es reichliche Mengen - von Weinlaub gefressen hatte, das zur Abwehr der Reblaus mit - Kupfervitriol bespritzt war (+Padovani+, Giorn. di Vet. mil. 1893). - Einen ähnlichen Fall bei einem Ochsen hat +Plotti+ beschrieben - (Clin. vet. 1899). -- Chronische Vergiftungsfälle in Form von - Diarrhöe, chronischen Verdauungsstörungen, Abortus und Siechtum - hat +Wilhelm+ bei Kühen nach der Aufnahme kupferhaltiger Abwässer - beobachtet (Sächs. Jahresber. pro 1898 S. 132). -- Ein Ochse, dessen - Hörner mit Kupfervitriol angestrichen waren, zeigte Krämpfe und - Speichelfluss (Bull. vét. 1900). -- Nach Verfütterung von Weinlaub, - welches mit 2-6proz. Kupfervitriollösung bespritzt war, erkrankten - im Jahr 1906 zahlreiche Rinder, auch Saugkälber, an Gastroenteritis - unter Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Kolik (+Ohler+, Woch. - f. Tierh. 1906). +Ade+ und +Markert+ führen diese Vergiftungen - durch kupferbespritzte Rebenblätter bei den Muttertieren auf eine - kombinierte Kupfer-Toxinwirkung, bei den Saugkälbern auf letztere - allein zurück; +Albrecht+ ist dieser Meinung beigetreten (ibidem). - -- Rinder erkrankten nach dem Genuss von Rüben eines Ackers, auf den - kupferhaltige Abwässer einer chemischen Fabrik abgeleitet wurden - (+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1909). - - 3. +Schweine.+ Vier Ferkel erhielten gekochte Kartoffeln und - Mohrrüben, welche in einem kupfernen Kessel aufbewahrt worden - waren. Sie zeigten anfallsweise Krämpfe, Taumeln, Zusammenstürzen, - Erbrechen, Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, sowie Aufblähung: - 3 davon starben (+Saake+, Magazin Bd. 24). -- Mehrere Schweine - zeigten nach der Aufnahme von Molken, in welchen Kupfergeschirr - behufs Scheuerung über Nacht gelegen war, starke Tympanitis, - Taumeln, Durchfall und Dyspnoe; die Ferkel zeigten Erbrechen, - Krämpfe, Taumeln, Umfallen und plötzliches Verenden (+Eggeling+, - Berl. Arch. 1889). -- 55 Schweine erkrankten nach der Aufnahme - von Molken, welche in Kupfergeschirren gekocht waren; 35 davon - starben. Sie zeigten Kolik, Auftreibung, Durchfall, Kreuzschwäche, - Herzschwäche, schwachen Puls, Dyspnoe, Pupillenerweiterung, Nystagmus - (+Kirst+, Berl. Arch. 1892 S. 458). -- +Lucas+ (Berl. Arch. 1893 - S. 312) beschreibt eine Kupfervergiftung bei 2 Schweinen, welche - Futter aus einem mit Grünspan bedeckten Kessel erhalten hatten. - Die Tiere zeigten Zittern, Kolik, Meteorismus, Pupillenerweiterung - und unaufhörliches Blinzeln. Bei der Sektion fand man umfangreiche - Erosionen der Magenschleimhaut, Hyperämie und Entzündung der Lungen - (?). +Jacobi+ (ebendaselbst) hat eine ähnliche Vergiftung bei 2 - Schweinen beobachtet; bei der Sektion wurde Magendarmentzündung - konstatiert. - - 4. +Ziegen.+ Eine Ziege bekam Fleischbrühe, welche in einem kupfernen - Kessel aufbewahrt und sauer geworden war. Dieselbe erkrankte am - 3. Tage und starb am 4. 15 Personen, welche die am Tage vor der - sichtbaren Erkrankung gemolkene Milch genossen hatten, erkrankten - an Ekel, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen (+Frorieps+ - Notizen 1828). -- Eine Vergiftung durch Kupfervitriol, welcher mit - Rebenblättern aufgenommen war, hat bei einer Ziege +Latschenberger+ - beschrieben (Oesterr. Zeitschr. 1892 S. 210). - - 5. +Hunde+ sterben, +wenn sie am Erbrechen gehindert werden+, auf - 0,6 Kupfervitriol, sowie 0,3-1,0 Grünspan innerhalb 8 Tagen; auf 2 g - Vitriol innerhalb 3 Tagen, nach 30 g Vitriol innerhalb 24 Stunden. - Ist das Erbrechen jedoch ermöglicht und werden die Kupferpräparate - im Futter eingehüllt verabreicht, so werden kleinere Dosen (0,1-1,0 - Kupfervitriol) monatelang ertragen. Ein Hund, welcher täglich 4 g - Kupfervitriol erhielt, zeigte erst nach mehreren Wochen Abmagerung - und Diarrhöe und starb schliesslich. +Kupferoxyd+ wirkt für Hunde - tödlich subkutan zu 0,4, intravenös zu 0,025. Der Grünspan tötet - Hunde intravenös in Dosen von 0,01 unter Erbrechen (+Orfila+, - Toxikologie). - - 6. +Gänse+ starben nach der Verfütterung von Unkraut, das mit - Kupfervitriollösung benetzt war (Tierärztl. Zentralbl. 1897 S. 329). - - - =Chronische Kupfervergiftung.= Die für den Menschenarzt sehr - wichtige, vielfach in verneinendem Sinn beantwortete Frage des - Vorkommens einer chronischen Kupfervergiftung ist durch Versuche - tierärztlicher Toxikologen (+Ellenberger+ und +Hofmeister+, - +Baum+ und +Seliger+) in bejahendem Sinn gelöst worden. Nach den - Untersuchungen von +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Berliner Archiv - 1883) ertragen Schafe längere Zeit kleinere Dosen, erkranken - und sterben dann aber an chronischer Kupfervergiftung. 3 Schafe - erhielten täglich 0,5-3,0 g Kupfervitriol; das eine in 52 Tagen 89 - g, das zweite in 114 Tagen 185,5 g, das dritte in 50 Tagen 50 g. - Die wesentlichsten Krankheitserscheinungen waren: +Albuminurie+, - +Ikterus+, +Hämoglobinurie+ und +Hämaturie+. Daneben bestand grosse - Muskelschwäche und Mattigkeit, sowie Abmagerung mit zeitweise - eintretender Verstopfung und Verdauungsstörungen. Bei der Sektion - fand sich konstant eine +hämorrhagische, parenchymatöse Nephritis+, - fettige Degeneration und Ikterus der Leber, körnige Trübung der - Körpermuskulatur und des Herzfleisches, ikterische Verfärbung aller - Organe, akuter resp. chronischer Magendarmkatarrh, Milztumor, - Lungenödem. - - Weitere Versuche von +Baum+ und +Seliger+ (Berliner Archiv 1898) - haben diese Befunde im allgemeinen bestätigt. Die genannten Autoren - haben zahlreiche Versuche mit verschiedenen Kupferverbindungen - (Cuprum aceticum, sulfuricum, oleinicum, haemolicum) an Schafen, - Ziegen, Hunden und Katzen angestellt. Ein kleiner Hund erhielt z. - B. 7 Monate lang insgesamt 15 g Kupfervitriol, eine Ziege in 4½ - Monaten 65 g Kupfervitriol, eine andere innerhalb eines Jahres 278 - g, ein grosser Jagdhund in 47 Tagen 47 g, ein Schaf in 9 Monaten 333 - g, eine Katze in 7 Monaten 21 g Kupfervitriol; eine Katze starb, - nachdem sie in 29 Tagen 1 g Grünspan erhalten hatte, eine andere - nach Einverleibung von 10 g Grünspan in 142 Tagen usw. Die von ihnen - aus diesen Versuchen gezogenen Schlüsse sind folgende: „1. Man kann - in einwandsfreier Weise durch längere Zeit fortgesetzte Verabreichung - kleiner, nicht akut reizender Kupfermengen eine wirkliche - +chronische Kupfervergiftung+ im wissenschaftlichen Sinne erzeugen. - 2. Die chronische (bezw. subchronische) Kupfervergiftung ist im - wesentlichen dadurch charakterisiert, dass intra vitam Abmagerung, - Schwäche und Aufhören des Appetits der Versuchstiere, vereinzelt - Haarausfall und Krämpfe und schliesslich der Tod eintreten, während - sich durch die Sektion -- und zwar durch die makroskopische und - mikroskopische, verbunden mit der chemischen Untersuchung der - Organe -- in den meisten Fällen ein chronischer, mehr oder weniger - heftiger Dünndarmkatarrh, in allen Fällen krankhafte Veränderung - der Leber und Nieren (parenchymatöse Trübung der Epithelzellen, - parenchymatöse und fettige Degeneration und schliesslich Atrophie - oder Zerfall derselben mit Ablagerung von Blutfarbstoffen, besonders - Hämosiderinmassen) und eine Ablagerung bedeutender Kupfermengen - in der Leber (und wahrscheinlich auch in den Nieren) nachweisen - lassen. Ausnahmsweise, bezw. nicht konstant wiederkehrend, gesellen - sich zu diesen Erscheinungen noch Magenkatarrh, Blutungen im Herzen - und Zwerchfell, starkes Hervortreten der Malpighischen Körperchen - der Milz, Anämie oder auch Hyperämie des Gehirns, krankhafte - Veränderungen des Pankreas. Ausnahmsweise fehlen die erwähnten, - intra vitam zu beobachtenden Erscheinungen gänzlich oder treten erst - ganz kurz vor dem Tode auf. 3. Die Intensität der geschilderten - krankhaften Erscheinungen und Organveränderungen und das zeitliche - Auftreten derselben hängen im wesentlichen von der Tierart, von der - individuell verschiedenen Widerstandskraft einzelner Tiere +einer+ - Art und von der Grösse und Art der Kupferpräparate ab, so dass z. - B. Katzen im allgemeinen als die empfindlichsten Tiere und Cuprum - oleinicum als das gefährlichste Präparat anzusehen sind.“ +Baum+ - und +Seliger+ haben ausserdem experimentell gezeigt, dass das per - os einverleibte Kupfer in der Regel nicht oder nur in Spuren mit - der +Milch+ ausgeschieden wird, so dass also derartige Milch nicht - gesundheitschädlich wirkt, dass das verabreichte Kupfer dagegen - in grossen Mengen auf den +Fötus+ übergeht und in dessen Organen - abgelagert wird. - - Nach +v. Kóssa+ (Zieglers Beitr. z. pathol. Anat. 1901, 29. Bd., S. - 172) ist die +Verkalkung der Nieren+ und +Leber+ ein spezifisches - Symptom der chronischen Kupfervergiftung (Cuprum sulfuricum) bei - Versuchskaninchen. - - -Zinkvergiftung. - - =Chemie der Zinkverbindungen.= Das +metallische+ Zink wird - hüttenmännisch aus verschiedenen Zinkerzen dargestellt, so aus dem - +Galmei+ oder Zinkspath, ZnCO_{3}, aus der Zinkblende, ZnS, aus - dem Rohzinkerz, ZnO, und Kieselzinkerz. Es ist an und für sich - ebensowenig giftig wie Kupfer. Bleiben jedoch in Zinkgefässen - saure Speisen längere Zeit stehen, so findet eine teilweise Lösung - des Zinks z. B. zu essigsaurem Zink statt und es können dadurch - Zinkvergiftungen entstehen. Von giftigen Zinksalzen kommen in - Betracht das Zinkoxyd (Zinkweiss), ZnO, ein in Wasser unlösliches, - aber in Säuren lösliches weisses Pulver, das ätzende +Chlorzink+, - ZnCl_{2}, der +Zinkvitriol+, ZnSO_{4} + 7 H_{2}O, charakterisiert - durch seine farblosen, nadelförmigen, ekelhaft schmeckenden - Kristalle, das +essigsaure Zink+, Zn(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}, das - +kohlensaure Zink+, ZnCO_{3}, sowie die pflanzensauren Zinksalze. - - -=Aetiologie der Zinkvergiftung.= Zinkvergiftungen sind bei unseren -Haustieren sehr selten. Sie sind früher häufiger vorgekommen -als jetzt, und zwar namentlich in der Umgebung von Zinkhütten -durch das ablaufende, zinkhaltige sog. +Galmeiwasser+, sowie in -+Hüttenrauchbezirken+ zusammen mit Blei- und Arsenikvergiftungen. -Alle auf zinkreichen Böden wachsenden Pflanzen nehmen Zink auf -(Altenberg bei Aachen). Auch +Verwechslungen+ zwischen dem Zinkvitriol -und dem ebenfalls nadelförmig kristallisierenden Bittersalz können -zu Zinkvergiftungen führen. Vergiftungen durch +zinkhaltige -Nahrungsmittel+ sind bisher nur in einem Fall beobachtet worden, in -welchem 4 Kühe durch den zinkhaltigen Teig vergiftet wurden, welcher -an dem Zinklaufrand von Mühlsteinen klebte (+Hahn+). Es ist ferner von -+Konservenbüchsen+ festgestellt, dass sie mitunter Zink an den Inhalt -(Erbsen) abgeben. - - -=Krankheitsbild der Zinkvergiftung.= Das Zink wirkt wie das Kupfer -lokal reizend und ätzend (+Gastroenteritis+), allgemein +lähmend+ -auf die +quergestreifte Körpermuskulatur+ und auf das +Herz+. Die -Erscheinungen der Zinkvergiftung bestehen daher in +Erbrechen+, Kolik, -Durchfall, +Schwäche-+ und +Lähmungszuständen+, +Herzschwäche+. Bei -längerer Dauer treten ausserdem die Symptome der Anämie und Kachexie -hinzu. Bei der Sektion findet man umschriebene gastroenteritische -Herde und Geschwüre, sowie starke Schrumpfung und Anämie der -Magendarmschleimhaut. - - -=Behandlung.= Als Gegengifte werden empfohlen +Gerbsäure+, +Schwefel+, -+gebrannte Magnesia+, +Natrium bicarbonicum+, Zuckerwasser, Eiweiss, -Milch, Schleim; symptomatisch Opium, Morphium und Exzitantien. - - -=Nachweis.= Die +Trennung+ des Zinks von den organischen Substanzen -erfolgt wie beim Kupfer durch Zerstörung der letzteren mittels -+Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+, wodurch das Zink in Chlorzink -übergeführt wird. Das Ausfällen von +weissem Schwefelzink+ durch -Einleiten von +Schwefelwasserstoff+ muss in +essigsaurer+ Lösung -geschehen (Zusatz von essigsaurem Natron). Das schnell abfiltrierte -und mit Schwefelwasserstoff ausgewaschene Schwefelzink ist leicht -löslich in Salpetersäure und warmer Schwefelsäure; die eingedampfte -Lösung wird in Wasser aufgenommen und durch folgende Reaktionen weiter -auf Zink untersucht: a) Kalilauge, Natronlauge und Salmiakgeist fällen -+weisses+ Zinkoxydhydrat. b) Kohlensaures Kali und Natron fällen -+weisses+ basisches Zinkkarbonat. c) Ferrozyankalium fällt +weisses+ -Ferrozyanzink. +Quantitativ+ wird Zink als +Schwefelzink+ bestimmt; 100 -Teile ZnS enthalten 67 Teile Zink. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ An den Mühlsteinen wurde der Laufrand - auf einer zolldicken Zinkmasse neu hergestellt. Die an diesem - Zinklaufrande angeklebte Teigmasse abgekratzt und 4 Rindern im - Getränke gegeben, hatte Vergiftungserscheinungen zur Folge. Die - chemische Untersuchung der Teigmasse wies in derselben Zinkoxyd - nach (+Hahn+, Preuss. Mitt. 1877). -- Weidevieh, welches aus den - Wassergruben getränkt wurde, in die Galmeiwasser floss, erkrankte - unter den Erscheinungen einer heftigen Kolik, sowie an mehrere Tage - andauernden Durchfällen. Ebendaselbst erkrankten Gänse und Enten; - sie wurden taumelig, liessen die Köpfe hängen und verendeten rasch - (+Przybilka+, Magazin Bd. 18). - - 2. +Schweine.+ Mehrere Schweine krepierten, nachdem sie auf einer - Wiese in der Nähe von Zinkhütten geweidet hatten. Sie zeigten 3 - Wochen hindurch Abmagerung, Anämie, Mattigkeit, schwankenden Gang, - Durchfall, Appetitlosigkeit, Stöhnen und starben nach 6 Wochen. - Bei der Sektion fand man den Darmkanal zusammengeschrumpft und die - Magenschleimhaut ganz weiss gefärbt (+Weynen+, Veterinärbericht 1839). - - 3. +Hunde.+ Nach der Anwendung von Zinkoxyd gegen Ekzem erkrankte - ein Hund an Kolikerscheinungen, Schwellungen am Kopf und Sinken der - Innentemperatur; ausserdem zeigten eine Taube und eine Ente nach - der Aufnahme von Zinkoxyd starkes Erbrechen (+Boucher+, Journ. de - Lyon 1893). Sonst liegen nur experimentelle Untersuchungen vor. - Ein Hund zeigte auf 30 g Zinkvitriol Erbrechen und Mattigkeit, - genas aber wieder; bei unterbundenem Schlunde erfolgte jedoch - bei dieser Dosis der +Tod+ nach 3 Tagen. Subkutan töteten 4-6 g - Zinkvitriol Hunde innerhalb 5-6 Tagen nach vorausgegangener Lähmung - und Erbrechen (+Orfila+). Intravenös hatten 0,2-0,4 g Zinkvitriol - Erbrechen und Lähmung zur Folge. 9-18 g Zinkoxyd erzeugten Erbrechen - und Gastritis. Ein Hund, welcher in 4 Monaten 72 g Zinkoxyd mit - der Nahrung erhielt, zeigte Erbrechen, grosse Schwäche, Zittern, - vom 3. Monate ab Krämpfe und Stumpfsinn. Bei der Sektion zeigte - sich Gastroenteritis (+Michaelis+). -- Beim +Menschen+ beobachtet - man nach sehr langer Aufnahme kleinster Zinkmengen (zuweilen erst - nach 10 Jahren bei Zinkarbeitern) Erscheinungen einer chronischen - Rückenmarksaffektion sowohl an den Vorder- als an den Hintersträngen, - welche sich in Hauthyperästhesie und späterer Anästhesie, - gesteigerter Reflexerregbarkeit, krampfhaften Muskelzuckungen, Ataxie - und schliesslicher lähmungsartiger Schwäche äussern. - - -Brechweinsteinvergiftung. - - =Chemie.= Der Brechweinstein ist ein +Antimonsalz+, nämlich - eine Verbindung von Antimonoxyd und Weinstein von der Formel: - C_{4}H_{4}O_{4}(OK)(O.SbO). Seine Giftwirkung ist eine - Antimonwirkung. Er bildet ein weisses, kristallinisches, etwas - verwitterndes Pulver, welches in 17 Teilen kaltem, sowie in 3 Teilen - heissem Wasser löslich ist und beim Erhitzen verkohlt. Mit Kalkwasser - gibt er einen weissen (weinsaurer Kalk), mit Schwefelwasserstoff - einen orangeroten Niederschlag von Schwefelantimon (Sb_{2}S_{5}). - Ausserdem werden seine Lösungen durch Gerbsäure gefällt. - - -=Aetiologie der Brechweinsteinvergiftung.= Der Brechweinstein, -welcher als Antimonverbindung zu den giftigsten Metallsalzen gehört, -kann ausser einer zu +hohen Dosierung+ auch durch die +Form+ seiner -Anwendung eine Vergiftung herbeiführen, wenn er nämlich in ungelöstem -Zustand verabreicht wird und dadurch ätzend wirkt in Dosen, die an -und für sich nicht giftig wirken. Ausserdem wird die Giftigkeit -des Brechweinsteins erheblich gesteigert durch die gleichzeitige -Verabreichung von Aloe (vergl. S. 111). +Am empfindlichsten gegen -den Brechweinstein sind Pferde.+ Sie sterben durchschnittlich nach -Einzelgaben von 15-30 g, namentlich dann, wenn der Brechweinstein in -+nüchternem+ Zustand verabreicht wird (die therapeutische Einzeldosis -beträgt für Pferde 2-10 g, die therapeutische Tagesdosis 10-15 g). Viel -weniger empfindlich sind Rinder, welche selbst Gaben von 50 g ohne jede -sichtbare Reaktion ertragen; dasselbe gilt für Schafe, welche erst auf -zirka 25 g Brechweinstein sterben. Schweine und Hunde sind ebenfalls -weniger empfindlich, weil sie sich erbrechen können. Hunde blieben z. B. -nach 4 g Brechweinstein am Leben, wenn sie sich erbrachen, während sie -bei unterbundenem Schlund schon nach ¼ oder ½ g starben. - -In einzelnen Fällen hat man beobachtet, dass bei Kühen, welchen -Brechweinstein eingegeben wurde, die +Milch+ giftige Eigenschaften -zeigte. So erkrankten Ziegenlämmer und Hunde an heftigem Durchfall, als -sie die Milch einer mit grösseren Mengen Brechweinstein behandelten Kuh -gefüttert erhielten (+Harms+). - - -=Krankheitsbild.= Der Brechweinstein wirkt +ätzend+ auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates und erzeugt daher zunächst das Krankheitsbild -einer +korrosiven Gastroenteritis+. Nach seiner Resorption äussert -sich die Antimonwirkung ähnlich wie die Arsenikwirkung vorwiegend in -einer +Lähmung des Herzmuskels+, sowie in gesteigerter Sekretion aller -+Körperdrüsen+ mit nachfolgender Verfettung derselben. Der Tod erfolgt -unter den Erscheinungen einer +allgemeinen Lähmung+. Demnach sind die -Einzelerscheinungen folgende. Hat der Brechweinstein in Substanz (in -ungelöstem Zustand, z. B. in Latwergen) oder in konzentrierten Lösungen -auf die Maulschleimhaut eingewirkt, so erzeugt er zunächst eine -+ulzeröse Stomatitis+ mit Geschwürsbildung und starkem Speicheln. Die -spezifische Wirkung auf den Magen besteht bei Schweinen, Hunden, Katzen -und beim Geflügel in +Erbrechen+. Letzteres wurde vereinzelt auch -bei Pferden beobachtet. Die Darmwirkung äussert sich in +Durchfall+ -und +Kolikerscheinungen+. Nach der Resorption des Brechweinsteins -treten die Erscheinungen der +Herzlähmung+ in den Vordergrund des -Krankheitsbildes. Die Herztätigkeit ist anfangs beschleunigt, später -verlangsamt, der Puls sehr schwach, unregelmässig und aussetzend. Die -Atmung ist infolge der Herzschwäche und der dadurch bedingten Stauung -des Blutes in der Lunge erschwert; bei längerer Dauer der Vergiftung -kann sich selbst eine +hypostatische Lungenentzündung+ ausbilden. Dazu -kommen +Schwindelanfälle+, +Zittern+ und +Krämpfe+. Der Tod erfolgt -entweder langsam unter zunehmender +Mattigkeit+ oder plötzlich infolge -von +Herzlähmung+. - -Bei der +Sektion+ findet man +hämorrhagische Entzündung+ und -+Diphtherie+ der Digestionsschleimhaut, namentlich im +Magen+ und -im +Dünndarm+, Lungenhyperämie, hämorrhagische Infarkte und selbst -Entzündung der Lunge, Verfettung des Herzmuskels und der Körperdrüsen. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegenmittel gegen Brechweinstein ist die -+Gerbsäure+ (Bildung von unlöslichem Antimontannat). Man gibt sie -entweder in Form des reinen Tannins oder gerbstoffhaltiger Abkochungen -(Eichenrinde, Weidenrinde, Chinarinde, Kaffee, Salbeiblätter, -Tormentillwurzel). Ausserdem verabreicht man +einhüllende+ Mittel: -Eiweiss, Schleim, Oel. Von sonstigen chemischen Antidoten, welche -den Brechweinstein zersetzen, sind zu nennen: kohlensaures Natron, -verdünnte Säuren, Schwefel, Schwefelleber. Die Kolikanfälle behandelt -man +symptomatisch+ mit Opium oder Morphium, die Herzschwäche mit -Koffein, Atropin, Hyoszin, Aether, Kampfer oder Alkohol. - - -=Nachweis.= Die +Trennung+ des Antimons von seinen organischen -Verbindungen wird in derselben Weise durch +Zerstörung der -organischen Substanzen+ mittels Chlor ausgeführt, wie beim Arsenik. -+Schwefelwasserstoff+ fällt dann aus der (schwach) salzsauren Lösung -+orangegelbes Schwefelantimon+, welches sich in +Salzsäure+ beim -+Erwärmen leicht löst+, während es in Aetzammoniak und Lösungen von -saurem schwefligsaurem Natron fast unlöslich ist (in Schwefelalkali -und Schwefelammonium ist es wie Schwefelarsen löslich). Im Marshschen -Apparat verwandelt es sich in Antimonwasserstoff, welcher einen -+Antimonspiegel+ beim Erhitzen liefert. +Dieser Antimonspiegel löst -sich im Gegensatz zum Arsenspiegel nicht in unterchlorigsaurem -Natron+, entwickelt auch beim Verdampfen +keinen+ Knoblauchgeruch. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ Nach einer einmaligen Dosis von 15 g - Brechweinstein zeigte ein Pferd Zittern, schwachen, beschleunigten - Puls (60-70 schwache Pulsschläge), angestrengtes Atmen, Schwanken, - Appetitlosigkeit, Husten. Am 4. Tage stellten sich wassersüchtige - Anschwellungen am Bauch und Schlauch ein, worauf das Pferd verendete - (+Weber+, Berl. tierärztl. Wochenschr. 1890). -- +Korff+ (Zeitschr. - f. Vetkde. 1892 S. 500) beobachtete bei einem Pferde nach einer - Dosis von 15,0 Brechweinstein deutliche Vergiftungserscheinungen, - welche im wesentlichen in Erbrechen und Durchfall bestanden. Nach - der Verabreichung von 15 g Tannin als Gegengift genas das Tier. - -- +Röbert+ (Sächs. Jahresber. 1893) berichtet über einen Fall - von tödlicher Vergiftung beim Pferd nach der Verabreichung von - 40 g Brechweinstein. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, - Anätzungen im Maule, heftigem Durchfall, Herzklopfen, schwachem, - drahtförmigem Pulse. Der Tod trat nach 3 Tagen ein. Die Sektion - ergab Anätzungen im Maule und Schlundkopfe, Rötung und Schwellung - der Magenschleimhaut, sehr viele Geschwüre im Dünn- und Dickdarm, - sowie akute septische Perforativ-Peritonitis. -- +Kramer+ (D. T. W. - 1895) behandelte eine Vergiftung bei einem Pferde, das innerhalb 2 - Tagen 24 g Brechweinstein erhalten hatte und hochgradige Schwäche - zeigte; die Heilung erfolgte erst nach 5wöchentlicher Behandlung. - -- Ein Pferd erhielt irrtümlich 30 g Brechweinstein auf einmal - eingeschüttet. Es wurde sehr aufgeregt, speichelte, schnaubte - heftig unter Auswurf von Schleimflocken; nach einigen Stunden starb - es unter Schweissausbruch und starkem Durchfall (+Maury+, Journal - du Midi 1862). -- Nach den Versuchen von +Hertwig+ zeigen gesunde - Pferde nach 4-8 g nur etwas vermehrtes Urinieren; nach wiederholten - Dosen entsteht Verminderung der Pulszahl, pochender Herzschlag, - Mattigkeit, Diarrhöe, Polyurie; bei fortgesetzter Anwendung sehr - grosse Schwäche. 15 g in Pillenform haben vermehrte Absonderung - der Schleimhäute, gesteigerte Pulsfrequenz, vermehrte Peristaltik, - reichliche Kotentleerung, sowie leichte Kolik zur Folge. Dieselbe - Dosis (15 g) in Wasser gelöst und auf einmal gegeben erzeugt - Kolik, Zittern, Pulsbeschleunigung, Nachlass dieser Erscheinungen - nach einigen Stunden, stärkeres Wiederauftreten derselben an den - folgenden Tagen und meist Tod am 6.-8. Tage. 30 g in einer Pille oder - Latwerge bedingt eine sehr heftige, aber nicht tödliche Wirkung; - 30 g in flüssiger Form bewirkt heftige Kolik mit Krämpfen und - Schweissausbruch, sowie nach 8 Stunden den Tod. Auf 60 g in flüssiger - Form tritt der Tod nach 2½ Stunden, auf 90 g in Latwergenform nach - 4 Tagen ein (Kolik, Stomatitis ulcerosa, Lähmung der Nachhand). - +Intravenös+ entsteht auf 0,6-4,0 als schwächste Wirkung vermehrte - Peristaltik, Kotentleerung, gesteigerte Diurese, erhöhte Atmungs- und - Pulsfrequenz, jedoch keine Appetitstörung. Bei höhergradiger Wirkung - beobachtet man fast unfühlbaren Puls, Steigen der Pulsfrequenz - über 120 pro Minute, röchelndes, krampfhaftes Atmen, dünnflüssigen - Kot, Schweissausbruch, Tränenfluss, Speicheln, Lecken, Recken, - Rülpsen, Kolik, Zittern, sowie Muskelkrämpfe an der Schulter, am - Halse, an den Schenkeln. 8 g intravenös haben sehr heftige Krämpfe, - Schwindel, Lähmung, sowie Tod nach 1½-3 Stunden zur Folge; eine - Wirkung auf den Darm fehlt hierbei. -- +Dieckerhoff+ und +Wagner+ - (B. T. W. 1893 Nr. 39) fanden bei ihren Versuchen über die Dosierung - und Wirkung des Brechweinsteins bei Pferden, dass derselbe in der - herkömmlichen Dosis und Form unschädlich ist, dass es sich aber - empfiehlt, die Dosis von 15 g nicht zu überschreiten und an demselben - Tag auch nicht zu wiederholen. Für kleine Ponys sind 15 g schon - tödlich; ein leichtes Arbeitspferd starb nach 20 g Brechweinstein - an hämorrhagischer Gastroenteritis. -- Nach +Günther+ (D. T. W. - 1906 S. 543) zeigten 4 schwere Pferde, welche nüchtern je 12 g - Brechweinstein erhalten hatten, 3 Stunden nachher Unruhe, starkes - Aufblähen, Atemnot, Schweissausbruch, Zittern und Schwanken; nach 6 - Tagen erfolgte Heilung. -- Zwei 1 Jahr alte Ardennerfohlen erhielten - gegen Spulwürmer je 8 g Brechweinstein in Wasser gelöst verschrieben. - Der Besitzer verteilte das Mittel jedoch ungleich, so dass eines der - Fohlen 12 g erhielt. 24 Stunden darauf erkrankte dieses Füllen unter - Schweissausbruch, Zittern, Herzschwäche, Dyspnoe, Schwanken, Krämpfen - und Absinken der Innentemperatur auf 35,8°; noch an demselben Tage - starb es. Die Sektion ergab zahlreiche kleine, oberflächliche - Geschwüre auf der Zunge, im Dünndarm und Grimmdarm (+Lüer+, D. T. - W. 1908 S. 377). -- Die von +Möller+-Alpirsbach (ibid. S. 417) - nach einer Tagesdosis von 8-12 g Brechweinstein bei 12 Pferden - beobachteten eigenartigen Erscheinungen von Hufrehe und Herzschwäche - sind wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass überflüssigerweise 1-2 - Stunden nachher noch eine Aloepille verabreicht wurde. Dass durch - einen Zusatz von Aloe die Giftwirkung von Abführmitteln erheblich - gesteigert wird, hat die Erfahrung beim Kalomel gelehrt, das bei - Zugabe einer Aloepille Pferde schon in einer Dosis von 3 g zu töten - vermag (vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). Dass andererseits - der Brechweinstein für sich allein in den genannten Dosen ungiftig - ist, beweisen die zahlreichen und übereinstimmenden Beobachtungen - anderer. +Reissinger+ (Woch. f. Tierheilk. 1908) hat in den - letzten 10 Jahren den Brechweinstein ungefähr 600mal in täglichen - Dosen von 15-20 g gegeben, jedoch in keinem einzigen Falle danach - Vergiftungserscheinungen beobachtet; eine Aloepille nach 1-2 Stunden - nachzuschicken, hält er gleichfalls für überflüssig. +Simon+ (ibid.) - hat seit 8 Jahren alljährlich 70-80mal den Brechweinstein in Dosen - von 15-20 g ohne jeden Nachteil gegeben, desgleichen Prof. +Albrecht+ - (ibid.), der den Brechweinstein seit vielen Jahren schweren Pferden - in Dosen von 20 g, mittleren zu 15 g, Jährlingen zu 10-12 g und - halbjährigen Fohlen zu 6-8 g verabreicht. Auch +Dorn+ (ibid.) - verwendet seit Jahren den Brechweinstein in Dosen von 20 g für - erwachsene Pferde und hat in Hunderten von Fällen nie eine Vergiftung - beobachtet. +Merkt+ (T. Rundschau 1908) gibt den Brechweinstein seit - 20 Jahren in einer Tagesdosis von 25 g auf 3mal und hat noch niemals - die geringsten Vergiftungserscheinungen danach beobachtet. +Storch+ - (Berl. tierärztl. Woch. 1909) hat beim Pferd mindestens 100mal - Brechweinstein in Dosen von 8-12 g ohne Spuren von Giftwirkung oder - Rehe verabreicht; nur ein einziges Pferd zeigte danach vorübergehende - Kolikerscheinungen. - - 2. +Rinder.+ Eine Kuh erhielt aus Versehen 51 g Brechweinstein auf - einmal mit einer Flasche Wasser eingeschüttet, ohne dass irgendwelche - Vergiftungserscheinungen auftraten. Einer anderen Kuh wurden - 46 g ebenfalls ohne Nachteil verabreicht. Dagegen erkrankten 3 - Ziegenlämmer und 2 kleine Hunde, welche die Milch der letzteren Kuh - gefüttert erhalten hatten, an heftiger Diarrhöe (+Harms+, 4. Hannov. - Jahresber.). -- Versuchskühe zeigten auf 8-30 g Brechweinstein nichts - besonderes, nur vermehrtes Urinieren (+Hertwig+, +Viborg+). Selbst - 128 g innerhalb 4 Tagen verabreicht blieben bei einer Kuh ohne - deutliche Wirkung. 40 g einer Kuh auf einmal in Auflösung gegeben, - hatten nach +Gilbert+ keine sichtbare Wirkung. Nach diesen Angaben - ist es fraglich, ob die Beobachtung von +Rüffert+ (Preuss. Mitt. III) - richtig ist, welcher bei einem Stiere nach 30 g Brechweinstein, in - Leinsamenschleim gegeben, Kolik und plötzlichen Tod gesehen haben - will. Zum Zwecke der Nachprüfung habe ich einer alten, schwächlichen, - kleinen Versuchskuh 30 g Brechweinstein in Leinsamenschleim - verabreicht; diese Dosis ist bei derselben ohne jede sichtbare - Wirkung geblieben und hatte nicht einmal eine Verdauungsstörung zur - Folge. - - 3. +Schafe+ zeigten nach 12 g in gelöster Form und nach 16 g in - einer Mehlpille verabreicht keinerlei Wirkung (+Viborg+, +Gilbert+). - Dagegen töteten 24 g ein Schaf. Intravenös hatten 0,3-0,36 g grosse - Mattigkeit, kleinen frequenten Puls, angestrengtes Atmen und - wiederholten Mistabsatz zur Folge. -- +Baum+ (Monatsh. f. prakt. - Tierhlkde. 1892) stellte experimentell fest, dass bei Schafen nach - 5 g, bei Ziegen nach 4 g Brechweinstein Vergiftungserscheinungen - auftreten. Die Milch der betr. Tiere erwies sich indessen auch bei - sehr hohen Dosen als unschädlich. - - 4. +Schweine+ erbrechen sich erst von 0,6 g ab; zuweilen tritt - aber Erbrechen selbst nach grösseren Dosen (1,2-2,0) nicht ein. 4 - g hatten bei einem ¾jährigen Eber nach 15 Minuten Erbrechen zur - Folge, das über eine Stunde dauerte, ausserdem Kolikerscheinungen, - Appetitlosigkeit und Mattigkeit; am 3. Tage war das Tier wieder - gesund. 8 g Brechweinstein in einem halben Liter Wasser gelöst, - bewirkten bei einem 9 Monate alten Eber nach 1½ Stunden 5maliges - Erbrechen, Appetitlosigkeit, Betäubung, starken Durst, nach Aufnahme - des Wassers wiederholtes Erbrechen, sowie am folgenden Tage nach - anscheinender Besserung Krämpfe und den Tod. -- Ein Mutterschwein, - das gegen Ferkelfressen einen Kaffeelöffel Brechweinstein erhalten - hatte, zeigte Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss und Krämpfe; Tannin - beseitigte sofort die Vergiftungserscheinungen (+Gebhard+, Woch. f. - Tierhlkde. 1905). - - 5. +Hunde+ ertragen bis zu 4 g Brechweinstein, wenn sie sich - erbrechen können. Bei unterbundenem Schlunde sterben sie jedoch - (ebenso wie Katzen) nach 0,25-0,5 g innerhalb 2-3 Stunden. Von - +Wunden+ aus tötet der Brechweinstein Hunde und Katzen zu 0,1-0,3 - in wenigen Stunden. +Intravenös+ haben 0,06-0,12 nach ½ Stunde - Erbrechen, 0,24 wiederholtes Erbrechen, Mattigkeit, beschwerliches - Atmen, unregelmässigen, schnellen Puls, Zittern, Krämpfe und nach - 16-24 Stunden den Tod zur Folge. - - 6. +Hühner+ und andere Vögel erbrechen sich leicht nach 0,06-0,2 g. - - -Sonstige Metallvergiftungen. - - -=Alaunvergiftung.= Dieselbe ist in einigen Fällen bei Rindern -beobachtet worden, welche +aus Versehen statt Glaubersalz+ Alaun -erhielten. Ein Rind erhielt 125 g rohen Alaun, worauf es +Verstopfung+ -und +Kolikerscheinungen+ zeigte; nach 4 Tagen war Genesung eingetreten. -Eine Kuh erhielt vom Besitzer statt des verordneten Glaubersalz ½ Kilo -Alaun; sie erkrankte sofort schwer und musste notgeschlachtet werden -(+Siebert+, Berl. Arch. 1900). Dagegen erkrankte ein anderes Rind, -das ebenfalls aus Versehen statt Glaubersalz innerhalb 6 Stunden 750 -g Alaun zusammen mit Leinöl und Leinsamenschleim erhielt, nur leicht -unter Verdauungsstörungen und Speicheln und genas (+Noack+, Preuss. -Vet.-Ber. 1904). Hunde starben, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden, -nach 35-50 g, Katzen nach 5-10 g Alaun (+Orfila+). Die Wirkung des -Alauns ist eine lokal ätzende (Bildung von Aluminiumalbuminat). Die -Allgemeinwirkung des Aluminiums äussert sich in Lähmung und Somnolenz. -+Das Aluminiummetall ist ungiftig.+ - - -=Eisenvergiftung.= Von den Eisenpräparaten wirken in grösseren Dosen -giftig der +Eisenvitriol+ und der +Liquor Ferri sesquichlorati+. -Dieselben sind reizende und ätzende Gifte für die Magendarmschleimhaut -(+korrosive Gastroenteritis+) und Uterusschleimhaut (+diphtheritische -Endometritis+), sowie für die Leber und Nieren (+Hepatitis+ und -+Nephritis+). Es sind hierüber teils klinische, teils experimentelle -Beobachtungen vorhanden. Danach sterben +Pferde+ nach der innerlichen -Verabreichung von ca. 250 g Eisenvitriol. So beobachtete +Gohier+ -bei einem Pferd nach 285 g, bei einem Esel nach 180 g und bei einem -¼jährigen Fohlen nach 90 g Eisenvitriol heftige Darmentzündung mit -tödlichem Ausgange innerhalb 24 Stunden. +Viborg+ sah bei einem älteren -Pferd auf 180 g Erbrechen, Kolik, grosse Schwäche, Verstopfung, -häufiges Urinieren, nach 6 Tagen hatte sich das Tier wieder erholt. -Eine Stute zeigte nach dem Ausspülen des Uterus mit Eisenchloridlösung -heftige Kolik, Krämpfe, Dyspnoe, hohes Fieber, starkes Drängen und -starb nach 48 Stunden; die Sektion ergab diphtherische Endometritis, -sowie hämorrhagische Pleuritis (+Binder+, Tierärztl. Zentralbl. -1894). Drei unter milzbrandverdächtigen Erscheinungen (blutige -Darmentzündung) gestorbene Schafe hatten mit dem Futter zufällig -Eisenvitriol aufgenommen (+Keller+, Preuss. Vet.-Ber. pro 1907). -Bei +Hunden+ entsteht schon von 2 g Eisenvitriol ab Erbrechen und -Magendarmentzündung, nach 8 g der Tod. Beim +Geflügel+ hat man -gelegentlich der Desinfektion der Stallungen mit Eisenvitriol -Erkrankungen infolge Aufnahme desselben beobachtet. Ausserdem -sind Gänse nach der Aufnahme des Abwassers einer mit Eisenvitriol -arbeitenden Imprägnieranstalt für Telegraphenstangen gestorben -(korrosive Entzündung der Schleimhaut des Vormagens). - -Bei +subkutaner+ Applikation starben 3 Hunde auf 7,5 g Eisenvitriol -nach 12, 15 und 27 Stunden. Die Sektion ergab Magendarmentzündung und -ausgebreitete Hämorrhagien. +Intravenös+ entsteht beim Pferd nach 5 g -Unruhe, unterdrückte Fresslust und Verstopfung; beim Hunde nach ½ g -Erbrechen und Kolik. - - -=Silbervergiftung.= Dieselbe bezieht sich meistens auf den -+Höllenstein+ und ist ausschliesslich experimenteller Natur, -soweit sie die Haustiere betrifft. Man unterscheidet eine akute -und chronische Silbervergiftung. 1. Die +akute+ Silbervergiftung -(Höllensteinvergiftung) verläuft unter dem Bild einer -+Gastroenteritis+. Die tödliche Dosis ist sehr variabel je nach -dem Füllungszustand des Magens und der Form, in welcher der -Höllenstein gegeben wird (Stücke, Pulver, Lösung). Einige +Hunde+ -starben schon nach 0,75 bis 1,25 g Höllenstein, während andere -vier Tage hintereinander je 4,0 g ertrugen. +Menschen+ starben -nach 10-30 g, +Kaninchen+ auf 4,0 g, +Schafe+ ertragen 4 g. -- Das -Verschlucken silberner Münzen erzeugt, wie klinische Erfahrungen -lehren, keine Silbervergiftung. 2. Die +chronische+ Silbervergiftung -(+Argyriasis+) wird nach fortgesetzter Fütterung von Versuchstieren -mit Silberpräparaten beobachtet. Dieselbe äussert sich in Abnahme -des Körpergewichts, Atrophie des Fettgewebes, chlorotischer -Blutbeschaffenheit, degenerativen Prozessen in den Muskeln und -Körperdrüsen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des Digestions- -und Respirationsapparates mit profuser Sekretion der Schleimhäute -und sog. Silbersaum des Zahnfleisches (Ag_{2}S), endlich in einer -+Rückenmarksaffektion+ mit Muskel- und Gefühlslähmung, welche -im Hinterteil beginnt und anatomisch in Vakuolenbildung der -Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen -beobachtet man auch Gehirndepressionserscheinungen nach längerer -Höllensteinanwendung. - -Die beim Menschen nach der längeren medikamentellen innerlichen -Verabreichung von Silberpräparaten eintretende +Graufärbung+ der Haut -(Argyrosis) ist keine Vergiftungserscheinung. Sie entsteht infolge -Ablagerung feinster Körnchen von reduziertem metallischem Silber -in die oberste Schichte des Koriums, ins Bindegewebe und in die -Schweissdrüsenknäuel. Diese Schwarzfärbung der Haut findet man nur -beim Menschen nach Verabreichung von ca. 30 g Höllenstein, nicht bei -Versuchstieren (Hunden, Ratten). Dagegen beobachtet man bei Menschen -und Tieren eine +Silberablagerung in inneren Organen+, namentlich in -den Mesenterialdrüsen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, auf -den serösen Häuten, in der Glissonschen Scheide der Leber und in den -Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz frei. - - -=Chromvergiftung.= Besonders giftige Chromverbindungen sind die -+Chromsäure+ CrO_{3}, das +Kaliumchromat+ K_{2}CrO_{4} und das -+Kaliumdichromat+ oder doppeltchromsaure Kali K_{2}Cr_{2}O_{7} -(starke Oxydationsmittel). Die akute Chromvergiftung äussert sich -in korrosiver Gastroenteritis, parenchymatöser und hämorrhagischer -Nephritis, Albuminurie, Hämaturie, Gelbfärbung der Sklera, Schwindel, -Dyspnoe, Konvulsionen und Koma. Pferde sterben nach der Aufnahme von -15-30 g Kaliumdichromat. Infolge Verwechslung mit Natrium bicarbonicum -starb z. B. ein Pferd nach 30 g Kali dichromicum an hämorrhagischer -Gastroenteritis (+Desoubry+ und +Simmonet+, Rec. 1906). Subkutan können -bei jungen Hunden schon 0,1-0,2 tödlich werden. Nach +Kossa+ erzeugen -die Chromate ausserdem bei allen Warmblütern, namentlich beim Hund, -Glykosurie. Weniger giftig wirken Chromalaun, Chromgrün und Chromgelb -(Bleichromat). Bei der +chronischen+ Chromvergiftung (Menschen in -Chromfabriken) beobachtet man interstitielle Nephritis, sowie Haut- und -Schleimhautgeschwüre (Rhinonekrosis chromica). - - =Wismutvergiftung.= Das therapeutisch als Magenmittel und in - der Chirurgie angewandte +Bismutum subnitricum+ kann in grossen - Dosen ein der Quecksilbervergiftung ähnliches Krankheitsbild - erzeugen (Bismutosis). Nach älteren Versuchen zeigten Hunde und - Katzen nach 3-5 g Bismutum subnitricum schwere Vergiftung und - starben nach 15 g sehr rasch (+Orfila+). Diese Wirkungen sind nach - neueren Beobachtungen nicht auf das Wismut, sondern auf die früher - regelmässigen Verunreinigungen des Wismutsalzes mit Arsen, Antimon, - Tellur (sog. Wismutatem) und Blei zu beziehen. Absolut reines - Bismutum subnitricum soll vom Menschen in täglichen Dosen bis zu 20 g - ertragen werden (+Trousseau+). Dagegen wirken +lösliche Wismutsalze+ - stark giftig, nach subkutaner Anwendung derselben erfolgt bei - Säugetieren der Tod schon nach 1-2 Tagen unter Krämpfen. Bei der - Sektion findet man den Dickdarm und sein Gekröse intensiv schwarz - gefärbt (Schwefel-Wismut); +auf der Dickdarmschleimhaut sieht man - nekrotische Herde+. Es wird angenommen, dass der Schwefelwasserstoff - des Dickdarms das in den Darmkapillaren gelöst zirkulierende - Wismutsalz als unlösliches Schwefelwismut ausfällt und so eine - Verstopfung der Kapillaren mit konsekutiver Nekrose der Schleimhaut - bedingt, ähnlich wie beim Merkurialismus (+H. Meyer+). Auch sonst - sind die Erscheinungen der Bismutosis denen des Merkurialismus - ziemlich ähnlich. Man beobachtet nämlich ebenfalls +Stomatitis - ulcerosa+, +Schwarzfärbung des Zahnfleisches+, +Darmkatarrh+ - und +Nephritis+. Bei Versuchstieren wurden ausserdem +Krämpfe+ - beobachtet. Beim Einbringen in die Brust- und Bauchhöhle entstand - Pleuritis bezw. Peritonitis. - - - =Borvergiftung.= Sowohl die +Borsäure+, als der +Borax+ und andere - Borpräparate sind für Tiere und Menschen giftig. Ein Hund starb nach - 30 g Borax an Darmentzündung; Kaninchen sterben nach 2-4 g Borsäure - unter Erscheinungen der Gastroenteritis, Muskel- und Nervenlähmung. - Nach Versuchen von +Annett+ (Lancet 1900) starben 5 junge Ziegen - nach 4wöchentlicher Verabreichung von Milch, welche pro Liter 2 g - Borsäure enthielt, unter den Erscheinungen von Durchfall, Abmagerung - und Mattigkeit. Nach +Puppe+ (Aerztl. Sachverst.-Zeitg. 1907) - zeigten 4 Hunde, welche mit borsäurehaltigem Fleisch (1½ Proz.) - gefüttert wurden, starke Abmagerung und Darmblutungen und gingen - zugrunde (Stoffwechselgift). Auch beim Menschen wirkt die Borsäure - schon in geringen Mengen giftig (+Kobert+, +Schlenker+, +Forster+, - +Rost+, +Kister+, +Mattern+, +Rubner+, +Rosenthal+, +Binswanger+ u. - a.). Versuche im amerikanischen Ackerbauministerium an 12 jungen - Männern (1905) ergaben, dass schon die tägliche Verabreichung von - 0,5 Borsäure bei längerer Verabreichung Verdauungsstörungen erzeugt - und das Allgemeinbefinden ungünstig beeinflusst. +Die Schädlichkeit - der Borpräparate als Konservierungsmittel ist im Gegensatz zu - der Behauptung von Liebreich schon in kleinen Dosen als erwiesen - zu erachten.+ Es kommt hinzu, dass die im Handel gebräuchlichen - Fleischkonservierungsflüssigkeiten nicht etwa schwache, sondern - ziemlich konzentrierte, +3-4prozentige Borsäurelösungen+ bilden - (Fasslebern), welche für den Menschen zweifellos gesundheitsschädlich - sind; ein Kilogramm derartig konservierter Fasslebern enthält - 30-40 g Borsäure(!). Besonders gefährlich ist die Borsäure sodann - für jugendliche Organismen (Borsäurezusatz zur Kindermilch). In - Deutschland sind daher die Borpräparate als Zusatz zu Nahrungsmitteln - verboten (Bundesratsbeschluss vom 18. 2. 02). Auch die Preuss. - Med.-Deputation hat sich in diesem Sinne geäussert (1907). - - - =Zinnvergiftung.= Ob Zinnvergiftungen durch zinnhaltige - Nahrungsmittel, Konserven etc. zustande kommen können, wird teils - bejaht (+Kobert+), teils verneint (+Lehmann+). Experimentell ist - jedoch festgestellt, dass +Zinnchlorür+ Hunde in Dosen von 5 g unter - den Erscheinungen der korrosiven Gastroenteritis tötet, und dass - sich durch fortgesetzte Darreichung von Zinnpräparaten bei Hunden - und Katzen eine typische chronische Zinnvergiftung erzeugen lässt, - deren Haupterscheinungen in Ataxie und Motilitätsstörungen bestehen - (+Ungar+ und +Bodländer+). - - - =Manganvergiftung.= Die löslichen Mangansalze, namentlich das - übermangansaure Kali und das schwefelsaure (früher offizinelle) - Manganoxydul wirken in grösseren Gaben giftig, indem sie Erbrechen, - Lähmung der Motilität und Sensibilität, Ikterus, Leber- und - Nierenentzündung zur Folge haben (ähnlich wie bei Chromvergiftung). - +Carozzo+ (Clin. vet. 1900) sah bei 2 Pferden nach der innerlichen - Verabreichung von 10 g Kalium permanganicum in 1 l Wasser - Muskelzittern, starken Schweissausbruch, Speichelfluss, anämische - Schleimhäute, häufigen Kotabsatz, sowie hohe Puls- und Atemfrequenz; - ein Pferd zeigte ausserdem Manegebewegungen und Blutharnen und starb - nach 5 Tagen unter tiefem Koma. - - - =Uranvergiftung.= Das Uran ist eines der giftigsten Metalle. Die - Uransalze wirken zunächst stark ätzend (Uranalbuminat); 1 mg Uranoxyd - ist ferner bei subkutaner Applikation pro Kilogramm Körpergewicht - tödlich für Hunde und Katzen. Die Allgemeinerscheinungen - bestehen in Glykosurie, parenchymatöser Degeneration der - wichtigsten Körperorgane, Nephritis, Abmagerung und Inanition. - Die Stoffwechselstörung ist eine Folge der Aufhebung der inneren - Gewebsatmung wie bei Blausäure (+Woroschilsky+). - - - =Osmiumsäurevergiftung.= Die Osmiumsäure und ihre Salze wirken stark - reizend und ätzend auf Haut und Schleimhäute; selbst durch die Dämpfe - der Osmiumsäure können Schleimhautentzündungen entstehen. Nach der - Resorption erzeugen die Osmiumverbindungen Nephritis, Gastroenteritis - und Pneumonie (Vorsicht beim Mikroskopieren). - - Vergiftungserscheinungen bedingen endlich die löslichen Salze des - +Nickels+, +Kobalts+, +Platins+, +Golds+, +Kadmiums+, +Berylliums+, - +Wolframs+, +Molybdäns+, +Zeriums+, +Thalliums+, +Vanadiums+ und - +Siliziums+. Näheres über diese Metallvergiftungen vergl. bei - +Kobert+, Lehrbuch der Intoxikationen. - - -Kochsalzvergiftung. - - =Allgemeines.= Das +Kochsalz+, ClNa, welches aus dem +Steinsalz+ (99% - Chlornatrium) gewonnen und mit rotem Ton, Kohle, Russ, Wermut etc. - vermischt als sog. +Viehsalz+ (denaturiertes Kochsalz) verfüttert - wird, kann als ein Gift im eigentlichen Sinne des Wortes nicht - aufgefasst werden, weil es immer nur in grossen Gewichtsmengen - Krankheitserscheinungen verursacht. Die freiwillige Aufnahme - grösserer, gesundheitsschädlicher Mengen von Kochsalz beobachtet - man namentlich bei Pflanzenfressern, und zwar insbesondere bei den - Wiederkäuern, welche wegen der Salzarmut des Futters eine grosse - Begierde nach Kochsalz haben. Auch Schweine und Hunde erkranken - häufig nach dem Genusse salzhaltiger Küchenabfälle, von Kesselbrühe - (Wurstmacher), Schinkenbrühe, sowie von Salz- und Pökellake. Nicht - selten ereignen sich ferner Vergiftungen durch das unvorsichtige - Verabreichen grösserer Kochsalzgaben als Heilmittel oder Diätetikum. - Allerdings müssen hierbei sehr grosse Mengen gegeben werden, ehe - Krankheitszustände auftreten. Die +tödliche Kochsalzdosis+ beträgt - nämlich für Rinder 1½-3 kg, für Pferde 1-1½ kg. für Schafe und - Schweine 125-250 g, für Hunde 30-60 g (3,7 g pro Kilo Körpergewicht). - Ueber die Vergiftung mit +Heringslake+ vergl. das Kapitel - Fleischvergiftung. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Kochsalz wirkt in grösseren -Mengen oder in konzentrierten Lösungen (Salzlake) zunächst reizend und -+entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des Digestionsapparates. -Nach seiner Resorption ins Blut wirkt es in diesen grossen Dosen als -+lähmendes Nervengift+ (Natriumwirkung). Wegen dieser Doppelwirkung -kann es auch als ein Akre-Narkotikum bezeichnet werden. Die ersten -Krankheitserscheinungen bestehen in starkem Durst, unterdrückter -Futteraufnahme, Würgen und +Erbrechen+, höherer Rötung und Trockenheit -der Maulschleimhaut, +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+, Polyurie. -Die nervösen Symptome äussern sich in allgemeiner +Körperschwäche+, -Taumeln, rauschartigem Zustand, Zusammenstürzen, Unfähigkeit sich zu -erheben, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Amaurosis+, Schlinglähmung, -Sopor, +allgemeiner Lähmung+, zunehmender Herzschwäche und damit -zusammenhängend Dyspnoe. Meist tritt der Tod sehr rasch innerhalb -eines Tages ein; die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt 6-48 -Stunden. In vereinzelten Fällen führt die Kochsalzvergiftung zu einer -mehr chronischen Erkrankung, welche sich in Darmerscheinungen (Abgang -kruppöser Membranen beim Rind), sowie in Anämie und Abmagerung äussert. - -Bei der +Sektion+ findet man zuweilen keinerlei auffallende -Veränderungen im Körper. Meist beobachtet man indessen die -Erscheinungen einer akuten Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut. -Bei den Wiederkäuern zeigt der Labmagen die schwersten Veränderungen. -Die Entzündung äussert sich in Schwellung, Rötung und Ekchymosierung; -bei längerem Verlauf kommt es beim Rind zur Ausbildung einer kruppösen -Enteritis. Vereinzelt findet man auch die Blasenschleimhaut höher -gerötet. Das Blut ist zuweilen auffallend hellrot und dünnflüssig. - - -=Behandlung.= Die gastroenteritischen Erscheinungen werden durch -Verabreichung deckender, einhüllender Mittel bekämpft. Bei -den Wiederkäuern verabreicht man zu diesem Zweck gewöhnlich -+Leinsamenabkochungen+ in Verbindung mit Opium. Auch +ölige Mittel+ -(Leinöl, Mohnöl, Olivenöl, Repsöl) können gegeben werden. Ausserdem -empfiehlt sich die Verabreichung von +viel Wasser+. Gegen die Lähmung -des Nervensystems und des Herzens gibt man +Exzitantien+, namentlich -den +Aether+ in wiederholten subkutanen Dosen, den +Kampfer+ (als -Kampferspiritus oder Kampferöl subkutan), den +Liquor Ammonii anisatus+ -(bei kleineren Tieren), das +Ammonium carbonicum+ (bei grösseren), das -+Atropin+, +Hyoszin+, +Koffein+, +Veratrin+ und +Strychnin+. - - -=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt samt der Schleimhaut -mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert und dampft das Filtrat -ein. Dasselbe zeichnet sich dann durch einen intensiven salzigen -Geschmack, sowie durch das Auskristallisieren von kubischen -Kochsalzkristallen aus. Als Chlornatrium werden diese Kristalle ferner -nachgewiesen durch die Gelbfärbung der Flamme (Natriumreaktion) und -durch den weissen Niederschlag, welchen sie mit salpetersaurem Silber -geben (Chlorreaktion). Man kann auch versuchen, das Kochsalz durch -Dialyse rein zu erhalten. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Zwei lecksüchtige Ochsen erhielten 4 - Pfd. Kochsalz. Sie verschmähten das Futter, taumelten, stiessen - wie blind an Gegenstände, stürzten zusammen, konnten sich nicht - wieder erheben, zeigten erweiterte Pupillen, unfühlbaren Puls und - Herzschlag, sowie starke Benommenheit des Sensoriums. Der eine Ochse - wurde rasch geschlachtet; der andere blieb 14 Tage krank und zeigte - später die Erscheinungen eines schweren Darmleidens (Verstopfung, - Durchfall, Abgang von blutigem Schleim und Kruppmembranen mit dem - Kote), weshalb er ebenfalls getötet wurde (+Stohrer+, Schweizer - Archiv 1842). -- Zwei lecksüchtige Kühe erhielten abends 10 Pfd. - Salz; am andern Morgen waren beide tot. Eine andere Kuh erhielt etwa - 4-5 Pfd. Salz; drei Stunden später war sie unfähig, sich zu erheben, - zeigte Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, Kolikerscheinungen, - starken Schweissausbruch und Krämpfe (+Landel+, Repertor. 1859). - -- Eine lecksüchtige Kuh erhielt 3 Pfd, Kochsalz. Sie zeigte - starken Durchfall, häufiges Harnen und die Erscheinungen einer - schweren Erkrankung, kam jedoch mit dem Leben davon (+Lehmann+, - Schweiz. Archiv 1850). -- In einem Viehbestand wurde den Kühen, um - die Milchergiebigkeit zu steigern, mehrere Wochen hindurch grosse - Mengen gepulvertes Steinsalz gegeben. 15 Kühe zeigten schwere - Abmagerung, Kreuzschwäche, Versiegen der Milchsekretion, hochgradigen - Durchfall, sowie jauchige Zellgewebsentzündung an den Kronen und - starben teils, teils mussten sie getötet werden (+Uhlig+, Sächs. - Jahresber. 1893). -- Eine Massenvergiftung bei 25 Rindern durch einen - Viehsalzleckstein, welcher sich im Wasser des Tränkbarrens gelöst - hatte, hat +Horn+ beobachtet (Woch. f. T. 1895 S. 185); drei Kühe - lagen gelähmt am Boden und mussten notgeschlachtet werden, sechs - Kühe zeigten einen rauschartigen Zustand, Bewusstlosigkeit, kaum - fühlbaren, verlangsamten Herzschlag und Drang nach dem After. Vier - dieser Kühe erholten sich nach sechs Stunden langsam unter öfterem - Wiederkehren schwindelähnlicher, schlafsüchtiger Zustände; bei - der fünften hielt der rauschartige Zustand 24 Stunden an, während - die sechste wegen anhaltender Lähmungserscheinungen schliesslich - geschlachtet werden musste. -- Einen ähnlichen Fall hat +Boudry+ - beobachtet (Oesterr. Mon. 1898); danach erhielten 11 Kühe gegen - Lecksucht je 600-1200 g Kochsalz, von denen drei wegen allgemeiner - Lähmung geschlachtet werden mussten und eine starb. - - 2. +Pferde.+ Ein Pferd erhielt gegen Würmer 3 Flaschen - Sauerkrautlake. Es zeigte heftige Kolikerscheinungen und starb unter - nervösen Zufällen nach 3 Stunden (+Kammerer+, Bad. Mitt. 1888). -- 12 - Pferde hatten 6 Tage hintereinander 1 Metze Viehsalz im Trinkwasser - erhalten. Sie erkrankten an schwankendem Gang, Durchfall, Polyurie - und zum Teil an Kreuzlähmung, genasen aber alle (+Vogel+, Preuss. - Mitt. Bd. 7). - - 3. +Schafe.+ Eine Herde von 300 Schafen erhielten 2-3 Metzen rotes - Viehsalz. 10 Stück erkrankten, 8 zeigten Lähmungserscheinungen, 2 - starben. Die Sektion ergab Entzündung im Labmagen und rote Flecken im - Darmkanal (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). - - 4. +Schweine.+ Ein 4 Monate altes Schwein erhielt 6 Tage lang je 30 g - Kochsalz in Milch. Am 6. Tage zeigte sich das Tier krank, am 7. lag - es gelähmt auf der Seite, zitterte, machte automatische Bewegungen - mit den Beinen und atmete angestrengt. Tod am 12. Tage. Sektion: eine - talergrosse Stelle der Magenschleimhaut zeigte hochgradige Entzündung - mit Zerstörung des Epithels und plastischem Exsudate; ausserdem - war die Schleimhaut des ganzen Darmkanals entzündet, Gehirn und - verlängertes Mark waren hyperämisch und ödematös (+Gerlach+). -- 15 - Schweine, deren Futter durch ein Versehen 5 l Viehsalz beigemischt - worden waren, zeigten Appetitlosigkeit, Durst, Kolik, Dyspnoe, - Eingenommenheit des Kopfes, Zittern und Lähmung des Hinterteils. - Bei der Sektion fand man Hyperämie der Gehirnhäute und Gehirnödem - (+Scharsig+, Berl. Arch. 1893 S. 311). -- 4 Ferkel erhielten Wasser, - in welchem Schinken gekocht worden war, mit Kartoffeln zusammen. Sie - zeigten auffallende Schwäche, Drehbewegungen, sowie epileptische - Anfälle. 3 Stück starben nach 2, bezw. 7, bezw. 10 Tagen. Die Sektion - ergab starke Hyperämie des Magens und Darms, sowie der Hirnhäute - und der grauen Hirnsubstanz (+Ujhelyi+, Veterinarius 1892). -- 44 - Schweine erhielten pro Tag 340 g Meersalz (denaturiertes Kochsalz); - sie zeigten Schwäche, Schwanken, Schreien, grossen Durst und - Erbrechen; 7 davon starben (J. de Lyon 1896). -- 97 Läuferschweine - erhielten zur Anregung des Appetits vom Fütterer 4 kg Viehsalz - im Getränk verabreicht, worauf 37 Stück erkrankten; das Fleisch - derselben, ohne Salzzusatz gekocht, schmeckte wie gesalzenes - Fleisch (+Fickert+, Berl. Arch. 1901). -- 5 Schweine starben unter - Lähmungserscheinungen, nachdem sie von einem geplatzten Salzsack Salz - aufgenommen hatten. 6 andere starben nach dem Trinken von Pökellake; - sie waren hochgradig aufgeregt, wie „verhext“, sprangen an den Wänden - in die Höhe, erbrachen sich und taumelten (+Müssemeier+, +Harde+, - Preuss. Vet. Ber. 1904). Aehnliche Fälle sind in den Jahren 1906 und - 1907 beobachtet worden (ibid.). - - 5. +Hunde.+ Ein Hund hatte grössere Mengen von Kesselbrühe - aufgenommen; eine Stunde darnach zeigte er heftige Krämpfe und starb - nach Ablauf einer Stunde (+Adam+, Wochenschrift 1884). -- Eine - Ulmer Dogge hatte sich während der Nacht über den Inhalt eines am - Abend vorher entleerten Fasses von Pökelschweinsknochen gemacht. - Gegen Morgen fand man das Tier schwerkrank neben dem Fasse liegen, - es zeigte so grosse Schmerzen, dass es laut winselte und sich - fortwährend in die Vorderfüsse biss, so dass die Knochen und Sehnen - blosslagen; dabei bestand viel Speichelfluss, blutiger Durchfall, - Erbrechen, Auftreibung und Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes. - Harn dick, teerartig und blutig. Das Tier konnte nicht stehen und - zeigte Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Nach 2tägigem Leiden - trat der Tod ein. Bei der Sektion fand man Entzündung der Maul- und - Rachenschleimhaut, des Magens und Darmes, ausgedehnte Blutungen in - der Schleimhaut des letzteren, im Magen leichte Anätzungen, die - Schleimhaut am Pylorus um das Doppelte geschwollen. Hochgradige - parenchymatöse Nierenentzündung, Nieren fast noch einmal so gross - als normal. In den übrigen Organen Blutüberfüllung, Blut dunkel, - teerartig (+Röbert+, Sächs. Jahresbericht 1895). - - 6. +Geflügel.+ Durch die Verfütterung gedämpfter Kartoffeln, die - mit Salz eingestampft worden waren, starben auf einem Rittergute - innerhalb 14 Tagen 25 Gänse (+Möbius+, Sächs. Jahresber. pro 1895). - -- Zur Beseitigung unbequemer Nachbarhühner in Gärten dient in - manchen Gegenden eine Mischung von Kochsalz und Roggenschrot, nach - deren Aufnahme die Hühner sich nicht mehr stehend erhalten können - und unter Lähmungserscheinungen sterben (+Düker+, Preuss. Vet. - Ber. pro 1907). -- Hühner und Gänse erkrankten nach Aufnahme von - Anchovissalzlake (Bull. vét. 1903). -- 5 Störche starben plötzlich - nach der Verfütterung gesalzener Fische; die Sektion ergab ein - negatives Resultat (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. pro 1893). - - -Salpetervergiftung. - - =Allgemeines.= Der Salpeter kommt in 2 Formen im Handel vor. 1. Der - +Kalisalpeter+ (Mauersalpeter, prismatischer Salpeter), KNO_{3}, - ist namentlich früher sehr vielfach als Fiebermittel sowie gegen - Entzündungskrankheiten therapeutisch angewandt worden. Verwechslungen - des Salpeters mit Glaubersalz, Bittersalz und Kochsalz haben hiebei - in zahlreichen Fällen Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. Während - z. B. die therapeutische Dosis des Salpeters für Rinder und Pferde - nur 10-20 g beträgt, beläuft sich die des Glaubersalzes auf 250-1000 - g. Dabei erzeugen schon 50 g Kalisalpeter bei Pferden zuweilen - schwere Vergiftung. Seltener hat das Ablecken salpeterhaltiger - Mauerwandungen (z. B. bei Lämmern) eine Vergiftung mit Kalisalpeter - bedingt. 2. Der +Chilisalpeter+ (Natronsalpeter, Würfelsalpeter), - NaNO_{3}, wird seit etwa 50 Jahren in ausgedehntem Masse als - Düngermittel benützt. Durch zufällige Aufnahme oder absichtliche - Verabreichung sind seit Einführung desselben Vergiftungen bei den - Haustieren, insbesondere beim Rind, in grosser Zahl beobachtet - worden. Gefährlich hat sich hiebei namentlich das Auswaschen der - Salpetersäcke und das Trinken des salpeterhaltigen Waschwassers - erwiesen. Bei diesen Vergiftungen mit Chilisalpeter werden immer - sehr grosse Mengen des Salpeters (¼-2½ kg) aufgenommen. Die - +tödliche Dosis+ des Salpeters ist je nach dem Füllungszustand - des Magens verschieden. Der Kalisalpeter ist ferner giftiger als - der Natronsalpeter. Pferde und Rinder sterben durchschnittlich - nach 100-250 g, Schafe und Schweine nach 30 g, Hunde nach 5 g - Kalisalpeter. Bei letzteren können sich Vergiftungen auch durch - Verabreichung grösserer Mengen von Schiesspulver ereignen. - - Von +Barth+ (Toxikologische Untersuchungen über den Chilisalpeter, - Bonn 1879) ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass der - Chilisalpeter durch eine Verunreinigung mit +Nitrit+ (NaNO_{2}) und - durch Umwandlung des Nitrats im Körper zu Nitrit giftig wirke. Die - teilweise Umwandlung zu Nitrit im Körper ist von +Binz+ bestätigt - worden (1902). Meine eigenen diesbezüglichen Untersuchungen - (Repertorium 1880) haben ergeben, dass der chemisch reine, - nitritfreie Natronsalpeter ebenso stark oder noch stärker wirkt, als - der unreine, zuweilen nitrithaltige Düngersalpeter. Es schliesst - ferner der perakute Verlauf der Salpetervergiftung eine vorhergehende - Umwandlung des Nitrats in Nitrit innerhalb des Körpers aus. - Endlich lässt sich bei der Durchsicht der einschlägigen Literatur - nachweisen, dass immer grosse Mengen von Chilisalpeter (250-2500 g) - aufgenommen wurden, so dass die betreffenden Vergiftungen auf eine - reine Salpeterwirkung zurückgeführt werden müssen. Ueber giftige - Nitroverbindungen vgl. S. 125. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Beide Arten von Salpeter erzeugen -zunächst infolge Reizung der Digestionsschleimhaut eine +schwere -Gastroenteritis+, an welche sich +apoplektiforme Lähmungserscheinungen+ -anschliessen. Die Vergiftung beginnt gewöhnlich mit -Unruheerscheinungen, heftiger +Kolik+, Würgen, +Erbrechen+, Speicheln, -Schäumen, Aufblähen, Polyurie. Früher oder später folgt dann eine rasch -zunehmende +Schwäche+ und +Hinfälligkeit+, Schwanken, Taumeln, Zittern, -Zusammenstürzen, Sinken der Körpertemperatur, Herzklopfen, Koma, und -häufig endet das Vergiftungsbild +apoplektiform+ unter plötzlichem -Eintritt des Todes mit oder ohne Krämpfe. +Die gesamte Krankheitsdauer -beträgt meist nur wenige Stunden.+ In einzelnen Fällen hat man bereits -5 Minuten nach der Aufnahme des Salpeters einen tödlichen Ausgang der -Vergiftung konstatiert, wenn die Verabreichung desselben in nüchternem -Zustand erfolgte (+Crönlein+). - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens (Labmagens) und -Dünndarms braunrot, purpurrot oder kirschrot verfärbt und geschwürig -verändert (hämorrhagische Gastroenteritis), den Darminhalt blutig oder -braungefärbt, die Baucheingeweide stark hyperämisch, die Nieren und die -Blasenschleimhaut entzündet und von Blutungen durchsetzt, das Blut von -auffallend hellroter oder schmutzig braunroter Farbe. Bei perakutem -Verlauf fehlen charakteristische Veränderungen. - - -=Behandlung.= Wie bei der Kochsalzvergiftung müssen auch hier zunächst -einhüllende, schleimige und ölige Mittel mit viel Wasser verabreicht -werden. Die Lähmungserscheinungen werden mit exzitierenden und -belebenden Mitteln, insbesondere mit Aether, Kampfer, Veratrin und -Atropin behandelt. - - -=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt nebst der Schleimhaut -mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft das Filtrat ein -und lässt den Salpeter auskristallisieren. Gelbfärbung der Flamme -besagt die Anwesenheit von Natron-, Violettfärbung von Kalisalpeter. -Spezielle Salpeterreaktionen sind: das Verpuffen auf glühender Kohle -und die Braunfärbung mit Schwefelsäure und Eisenvitriol. Man kann auch -versuchen, den Salpeter durch Dialyse rein zu erhalten. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Chilisalpetersäcke wurden in Wasser - aufgeweicht. 3 Kühe, welche von dem Wasser abends tranken, wurden - am Morgen tot gefunden. Die Sektion ergab Schwellung, Rötung und - Ekchymosierung der Schleimhaut des Magens, Darmes und der Blase, - dünnflüssiges Blut, dunkelrote Farbe und Erweichung der Nieren - (+Rabe+, Preuss. Mitt. 1874). -- 2 Kühe erhielten je 250 g Salpeter - statt Glaubersalz. Sie starben beide innerhalb 6 Stunden. Bei der - Sektion fand man Petechien auf der Labmagenschleimhaut. Das Fleisch - und die Eingeweide waren blassgelb (+Möbius+, Sächs. Jahresber. - 1888). -- Eine Kuh erhielt durch das Versehen eines Krämers morgens - nüchtern statt Glaubersalz 360 g Salpeter eingeschüttet. Das - Tier zeigte sofort Zittern und Krämpfe, stürzte zusammen, liess - die Zunge aus dem Maule hängen und starb nach 5 Minuten. Sektion: - negativ (+Crönlein+, Magazin Bd. 18). -- 2 Kühe hatten zusammen 1 - Pfd. Salpeter statt Glaubersalz bekommen; nach ½ Stunde stürzten - sie unter Zittern und Krämpfen tot zusammen. Die Sektion ergab - ausser missfarbigem, schmutzig rotbraunem Blute nichts Besonderes - (+Weinmann+, Ad. Wochenschr. 1859). -- Eine Rinderherde von 48 - Stück erhielt in 2 Tagen 20 Pfd. Viehsalz, welches zur Hälfte aus - Chilisalpeter bestand. Am 2. Tage starb eine Kuh fast plötzlich, 3 - andere krepierten innerhalb 5 Minuten, eine weitere bald darauf. - 2 Kühe zeigten Schwäche im Kreuz; beim Aderlasse war kein Blut - zu bekommen. Alle übrigen Kühe bekamen Durchfall, waren aber am - nächsten Tage wieder gesund (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde - 1872). -- +Kettritz+ (Berl. Archiv 1893) beschreibt eine Vergiftung - bei 4 Kühen, welche Waschwasser von Salpetersäcken getrunken - hatten. Der Tod trat unter heftigen Zuckungen im Verlaufe von 2 - Stunden ein. Bei der Sektion fand man hochgradige Entzündung des - Labmagens, Zwölffinger- und Leerdarms. -- Mehrere Kühe frassen - Klee von einem Felde, das mit Chilisalpeter bestreut war, und - erkrankten. Die Sektion einer derselben ergab starke Entzündung - der Mägen und des Dünndarms, Hyperämie und Entzündung der Nieren, - sowie fleckige Rötung der Blasenschleimhaut (+Rost+, Sächs. - Jahresber. 1891). -- Von 26 Kühen, welche auf der Weide ein Gemenge - von Chilisalpeter und Sand aufgenommen hatten, starben plötzlich - 19 Stück, nachdem Drängen, Stöhnen, grosse Unruhe, Schwanken - und Lähmung vorausgegangen waren. Die 7 genesenden Kühe lagen - stundenlang auf einer und derselben Stelle. Bei der Sektion fand - man hochrote diffuse Verfärbung der Schleimhaut des Labmagens - und Dünndarmanfangs, welche mit zahlreichen runden, dunkel- bis - bläulichroten Flecken durchsetzt war und auf der Höhe der Falten - der Labmagenschleimhaut und am Uebergang zum Pylorus am stärksten - hervortrat (+Klebba+, Berl. Arch. 1892, S. 460). -- 2 Kühe, welche - Waschwasser von Chilisalpetersäcken getrunken hatten, starben nach 16 - bezw. 56 Stunden (+Bénard+, Journal de Lyon 1892). -- +Wankmüller+ - (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894 S. 258) beobachtete bei 19 Rindern - einer Kunstdüngerfabrik eine Vergiftung durch Chilisalpeter; das - Fleisch der notgeschlachteten Tiere war in allen Fällen geniessbar. - -- Ein Ochse trank das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Eine - Stunde darauf zeigte er schwankenden Gang, schmerzhaften Harnabsatz, - allgemeine Muskellähmung und Unempfindlichkeit. Der Puls war hart - und klein, aber von normaler Frequenz. Nach 2 Tagen trat auf die - Verabreichung von Kaffee, sowie schleimigen Dekokten Heilung ein - (+Legrand+, Arm. belg. 1887). -- 2 Kälber, welche Wasser aus - Bottichen getrunken hatten, in denen Chilisalpetersäcke zum Reinigen - lagen, starben nach 15-20 Minuten; die Sektion ergab lediglich - kirschrotes, flüssiges Blut (+Güttlich+, Berl. Arch. 1894). -- Eine - Kuh, welche irrtümlicherweise 250 g Salpeter (statt Glaubersalz) - erhalten hatte, musste notgeschlachtet werden. Die Sektion ergab - hochgradige Labmagenentzündung (+Möbius+, Sächs. Jahresber. 1898). - -- Ob die von Buhl (Wochenschr. f. Tierheilk. 1898 S. 329) auf - das Ablecken von Mauersalpeter in den Stallungen zurückgeführten - Krankheitsfälle echte Salpetervergiftungen waren, ist sehr fraglich. - -- 3 Rinder hatten auf einer mit Chilisalpeter gedüngten Weide - gierig denselben aufgeleckt und erkrankten an heftigem Durchfall, - Schlafsucht, hochgradiger Schwäche, Lähmung und Herzklopfen. Die - Sektion ergab Enteritis und auffallend hellrotes, nicht gerinnendes - Blut (+Winkler+, Woch. f. T. 1901). -- Ein Landwirt behandelte - die Maul- und Klauenseuche mit Salpeter. Infolgedessen starben 2 - hochtragende Kühe und 1 Mastochse innerhalb 24 Stunden unter profusem - Durchfall. Die Sektion ergab Entzündung des Magens und Darms mit - braunroter Verfärbung der Schleimhaut (+Markert+, ibid. 1902). -- - 3 Rinder verendeten apoplektisch nach der Aufnahme von reichlich - vorhandenem, durch Regen ausgelaugten Mauersalpeter; die Sektion - ergab hochgradige Magendarmentzündung, Nephritis, Hämatolysis sowie - blasse Muskulatur (+Gutbrod+, Monatsh. f. prakt. Tierh. 1901). -- 3 - Kühe hatten den Inhalt eines Chilisalpetersackes ausgeschleckt und - zeigten Taumeln, Speicheln und pochenden Herzschlag; 1 Kuh verendete - innerhalb 5 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergab starke Rötung - der Schleimhaut der Mägen (+Schank+, Woch. f. Tierh. 1902). -- 5 - Kühe tranken das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Sie zeigten - profusen Durchfall, Schweissausbruch und Zittern; 4 starben ½ Stunde - nach Beginn der Krankheit. Die Sektion ergab braunroten Darminhalt, - Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis (+Schmidtke+, Preuss. Vet. - Ber. 1904). -- Eine Kuh erhielt ½ kg Kalisalpeter (statt Glaubersalz) - eingeschüttet, blieb jedoch am Leben, da beim Einschütten ein - grosser Teil gleich wieder erbrochen wurde (+Vogel+, B. T. W. 1904 - S. 790). -- Nach der Verfütterung von Rübenblättern, welche mit - Chilisalpeter gedüngt waren (sog. Kopfdüngung), erkrankten vielfach - Rinder unter plötzlicher Hinfälligkeit, Herzklopfen, Schwanken und - Zusammenstürzen; der Tod trat zuweilen unter Krämpfen schon nach - ¼-½ Stunde ein (+Lüdecke+, Z. f. Vet. 1909). -- Zahlreiche Fälle - finden sich ferner beschrieben in den Jahresberichten der preuss. - Kreistierärzte 1902-1907. - - 2. +Pferde.+ Ein kolikkrankes Pferd erhielt aus Versehen 250 g - Kalisalpeter statt Glaubersalz; es wurde, ohne Schaden zu erleiden, - nach 36 Stunden wieder hergestellt (+Haarstick+, Preuss. Mitt. 1874). - -- Bei mehreren Versuchspferden traten nach 250-500 g Kalisalpeter - zwar Vergiftungserscheinungen (Kolik, Muskelschwäche), aber ohne - tödlichen Ausgang auf (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872); dagegen - starben nach Versuchen an der Lyoner Tierarzneischule 2 Pferde auf - 240 g Salpeter innerhalb 24 Stunden. -- Ein Pferd zeigte nach der - Verabreichung von 50 g Kalisalpeter eine deutliche Vergiftung, welche - sich in Kolik, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, kaum fühlbarem Puls, - sowie Dyspnoe äusserte (+Piot+, Recueil 1892 S. 405). -- Ein Pferd - nahm Wasser aus einer Tonne auf, in der Chilisalpetersäcke gewaschen - wurden, und starb unter den Erscheinungen einer Darmentzündung und - einer Lähmung der Nachhand nach 24 Stunden (+Schöneck+, Berl. Arch. - 1896 S. 345). - - 3. +Schafe.+ 200 Mutterschafe erhielten statt Kochsalz Salpeter - als Lecke. Nach einer Stunde traten zahlreiche Erkrankungen auf. - Die Tiere wälzten sich, schäumten, stöhnten und blökten und lagen - gelähmt am Boden. 20 Stück krepierten innerhalb einer Stunde. Die - Sektion ergab eine heftige Entzündung des Labmagens und Darmes, sowie - hellrotes dünnflüssiges Blut (+Melzbach+, Preuss. Mitt. 2. Jahrgang). - - 4. +Ziegen.+ Infolge Streuen von Kunstdünger erkrankten 2 Ziegen - unter Maul- und Klauenseuche ähnlichen Erscheinungen: starkem - Speicheln, unterdrückter Futteraufnahme, Aufblähung, Schwäche und - Hinfälligkeit (+Zink+, W. f. T. 1901). - - 5. +Schweine.+ 30 g Salpeter, einem Versuchsschwein mehrere Tage - hindurch mit Milch verabreicht, erzeugten Erbrechen, grosse - Hinfälligkeit und steifen Gang; nach 14 Tagen hatte sich das Tier - wieder erholt (+Gerlach+). -- 6 Läuferschweine, denen ein Arbeiter - aus Rache Salpeter auf das Futter streute, starben an heftiger - Entzündung der Magen- und Dünndarmschleimhaut (+Prietsch+, Sächs. - Jahresber. 1901). - - 6. +Hühner.+ In einem Hühnerhof waren binnen 14 Tagen 28 Hühner - und 1 Hahn gestorben. Die Krankheit dauerte bei einigen nur wenige - Stunden, bei anderen bis zwei Tage. Bei der Sektion eines Huhnes - wurde festgestellt: entzündliche Rötung und teilweise Verätzung - der Schleimhaut des Kropfes. Als Ursache ergab sich Vergiftung - mit Chilisalpeter. Die Hühner hatten nämlich Wasser, in dem - Chilisalpetersäcke ausgewaschen waren, aufgenommen (+Ammerschläger+, - Woch. f. Tierh. 1906). - - - =Nitroverbindungen.= Die NO_{2}- (Nitro-) Verbindungen, sowie die - Nitrite (salpetrichsauren Salze) sind starke +Blutgifte+. Hieher - gehört das +Nitrobenzol+ (Mirbanöl, falsches Bittermandelöl) = - C_{6}H_{5}NO_{2}, eine hellgelbe, zum Parfümieren von Seifen - etc. vielfach verwendete, bittermandelölartig riechende - Flüssigkeit. Dieselbe tötet Hunde schon in einer Dosis von 1 g. - Die Vergiftungserscheinungen bestehen in Auflösung der roten - Blutkörperchen, Methämoglobinämie, Poikilozytose, Krämpfen und - Lähmungserscheinungen. Im Blut findet man einen für Nitrobenzol - charakteristischen Absorptionsstreifen (+Filehne+). Auch das - +Amylnitrit+, +Natrium-+ und +Kaliumnitrit+ (Natrium und - Kalium nitrosum), +Aethylnitrit+, +Propyl-+, +Butylnitrit+, - +Dinitronaphthol+, +Dinitrokresol+, sowie die +Pikrinsäure+ = - C_{6}H_{2}(NO_{2})_{3}OH und ihre Salze erzeugen Methämoglobinämie. - Die Pikrinsäure verursacht ausserdem Gelbfärbung der Schleimhäute - (sog. Pikrinikterus), Gastroenteritis und Nephritis. Auch das - +Anilin+, C_{6}H_{5}NH_{2}, bedingt infolge seiner Verwandtschaft - mit Nitrobenzol, C_{6}H_{5}NO_{2}, Methämoglobinämie neben einer - lähmenden Einwirkung auf das Nervensystem; bei der Sektion findet - man neben den durch die Methämoglobinämie bedingten Veränderungen - die Organe imprägniert mit schwarzblauen Körnchen von Anilinschwarz. - Aehnlich wirkt +Dinitrobenzol+ (Roburit) = C_{6}H_{4}(NO_{2})_{2}, - sowie +Nitroglyzerin+ (Sprengöl, Dynamit) = C_{3}H_{5}(ONO_{2})_{3}. - Ueber Vergiftungen durch =Dynamit= bei mehreren Rindern hat +Hable+ - berichtet (Oestr. Zeitschr. 1889 S. 122). Dieselben hatten von - dem zum Sprengen von Felsen bestimmten, am Wege liegenden Dynamit - gefressen (!). Die Sektion ergab punktförmige und streifige Blutungen - in der Schleimhaut der Rachenhöhle, des Kehlkopfes, der Luftröhre und - am Endokardium, streifenförmige Rötung im Dünndarm, sowie im Pansen - braunrote, weiche, nudelförmige, teilweise noch in Papier eingehüllte - Dynamitmassen; die Stellen der Pansenwand, an welchen diese Massen - lagen, zeigten eine kirschrot verfärbte, vom Epithel entblösste - Schleimhaut. - - -Vergiftung durch Glaubersalz. - - =Allgemeines.= Das +Glaubersalz+, Na_{2}SO_{4}, wird gewöhnlich - in seiner kristallisierten Form (+ 10 H_{2}O) als allgemein - gebräuchliches Stomachikum, Laxans, Antikatarrhalikum angewandt, - und zwar ohne Gefahr in ziemlich grossen Gaben, so z. B. Rindern in - einmaligen Dosen von ½-1 kg. Nur wenn auf einmal sehr grosse Dosen, - z. B. 1½-3 kg Rindern verabreicht werden, oder wenn die Tiere beim - Eingeben grösserer Gaben vollständig nüchtern sind, oder endlich - wenn das getrocknete Glaubersalz, Natrium sulfuricum siccum, welches - wegen des Verlustes seines Kristallwassers doppelt so stark wirkt - als das gewöhnliche, in denselben Dosen verschrieben wird, wie - letzteres, können sich Vergiftungen ereignen. -- Aehnlich liegen die - Verhältnisse beim +Bittersalz+, MgSO_{4} + 7 H_{2}O. - - -=Krankheitsbild.= Die Vergiftung durch Glaubersalz hat sehr viel -Aehnlichkeit mit der Kochsalzvergiftung. Auch das Glaubersalz wirkt -zunächst lokal +reizend+ auf die +Darmschleimhaut+, während es nach der -Resorption eine +lähmende+ Natriumwirkung auf das Nervensystem ausübt. -Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen sind daher +Kolikanfälle+, -wässeriger +Durchfall+, unterdrückte Futteraufnahme, starker Durst, -+lähmungsartige Körperschwäche+, Unvermögen aufzustehen, +abnorm -häufiger Harnabsatz+ sowie Koma; der Tod tritt nach mehrtägiger -Krankheitsdauer ein. Anatomischer Befund und +Behandlung+ wie bei -Kochsalzvergiftung. - - -=Nachweis.= Man laugt den Inhalt des Magens und Darmes nebst der -Schleimhaut mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft -das Filtrat ein und lässt das Glaubersalz auskristallisieren. Die -Kristalle geben die charakteristischen Reaktionen des +Glaubersalzes+: -sie färben die Flamme gelb (Natriumreaktion) und geben mit Barytwasser -einen weissen Niederschlag (Sulfatreaktion). Das +Bittersalz+ -wird in ähnlicher Weise durch die Magnesiumreaktion nachgewiesen -(Tripelphosphatbildung). - - =Kasuistik.= Eine 300 kg schwere Simmentaler Kuh hatte gegen - Pansenüberfüllung vom Besitzer in 2stündiger Pause je 750 g, also - zusammen 1500 g Glaubersalz erhalten. 3 Stunden darauf stellte sich - ein besorgniserregender, wässeriger Durchfall ein. Ausserdem bestand - abnorm häufiger Harnabsatz, indem alle 3-4 Minuten je 300-500 g Harn - zur Entleerung gelangten. Weitere Vergiftungserscheinungen waren - heftige Kolik, starkes Drängen, hochgradige allgemeine Schwäche, - Lendenlähme, Tremor, Benommenheit des Sensoriums, Herzklopfen und - Dyspnoe. Infolge der eingeleiteten Behandlung trat am 5. Tage - Heilung ein (+Hess+, Schweiz. Arch. 1896 S. 245). -- Eine Kuh - erhielt innerhalb eines Tages 3 kg Glaubersalz; sie zeigte Kolik, - wässerigen Durchfall, Unvermögen aufzustehen, Körperhaltung wie beim - Kalbefieber, sowie subnormale Körpertemperatur. Bei der Sektion - fand man eine hochgradige hämorrhagische Entzündung im Labmagen und - Dünndarm; die Schleimhaut erschien wie mit roter Tinte bespritzt - (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. pro 1898). -- Ein Hengst erhielt - in 2-3 Tagen 3500 g Glaubersalz gegen Verstopfungskolik und starb - nach 5 Tagen unter hochgradigem Durchfall und Lähmungserscheinungen - (+Kettritz+, Berl. Arch. 1897 S. 196). -- +Gmeiner+ (Monatshefte f. - prakt. Tierhlkde. IX. Bd. 1898 S. 472) hat in zahlreichen Fällen, - in welchen die Besitzer Rindern 3 Pfd. Glaubersalz auf einmal - oder mehrere Tage hintereinander 1-2 Pfd. gegeben hatten, leichte - Vergiftungserscheinungen in Form von allgemeiner Schwäche und - oft wochenlang anhaltendem lähmungsartigem Zustand der Darmwand - beobachtet. -- Nach +Hess+, +Schaffer+ und +Lang+ (Schweiz. landw. - Jahrb. 1893) zeigt die Milch eigentümliche Veränderungen, wenn - Glaubersalz in mittelgrossen Dosen längere Zeit an Milchkühe - verabreicht wird. Sie gibt dann beim Melken keinen Schaum und - besitzt einen glaubersalzähnlichen Geschmack; das Kasein der - Milch zeigt eine erheblich verminderte Gerinnungsfähigkeit, der - Fettgehalt der Milch ist dagegen gestiegen. Alle Kühe zeigten ferner - auffällige pathologische Veränderungen am Euter (Katarrh, Mastitis, - Zystenbildung). - - Eine Vergiftung durch +Bittersalz+ bei einem Ochsen, der binnen - 2 Tagen 4 kg eingeschüttet erhielt, hat +Schultz+ beobachtet - (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1895 S. 150). - - -Vergiftung durch Kainit. - - =Allgemeines.= Der Kainit ist ein in den Steinsalzlagern von - Stassfurt, Leopoldshall etc. vorkommendes, aus +schwefelsaurem - Kalium+, +schwefelsaurer Magnesia+ und +Chlormagnesium+ bestehendes - Mineral von der Formel K_{2}SO_{4} · MgSO_{4} · MgCl_{2} + 6 H_{2}O, - welchem im Rohzustande ausserdem noch Kochsalz, Gips und Ton, - sowie Spuren von Eisen beigemengt sind, infolgedessen er schmutzig - hellrote Stücke mit beständig feuchter Oberfläche bildet. Er stellt - das Rohmaterial für die Kaliumindustrie dar und wird wegen seines - hohen Kaligehaltes auch als sehr wertvolles Düngermittel in der - Landwirtschaft verwendet. Hierbei sollen sich wie beim Chilisalpeter - Vergiftungen ereignen. Ueber solche Fälle haben +Schilling+ (Berliner - Arch. 1887), +Schwaneberger+ (ibid. 1889), +Möbius+ (Sächs. - Jahresber. 1893 u. 1902) und +Nörner+ (Kgl. Forstzeitung 1904) - berichtet. +A. Feser+, +Schneider+ und +Stroh+ bezweifeln dagegen auf - Grund ihrer Versuche das Vorkommen von Kainitvergiftungen (vergl. S. - 126). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Von 5 Kühen, welche von dem im -Stall und auf der Düngerstätte ausgestreuten Kainit geleckt hatten, -starben 2 ganz plötzlich, 3 wurden sehr krank. Sie zeigten starkes -Speicheln, +Durchfall+, +Mattigkeit+, ziegelrote Schleimhäute, -sowie hohes Fieber (40,8° C). Bei der +Sektion+ fand man die -Schleimhaut aller 4 Mägen gerötet, insbesondere war die des Labmagens -dunkelrot und mit tiefdunklen, stecknadelkopf- bis markstückgrossen -+Hämorrhagien+ durchsetzt. Die Dünndarmschleimhaut war blutrot, -geschwollen und ebenfalls von zahlreichen Ekchymosen durchsetzt, die -Dickdarmschleimhaut zeigte katarrhalische Schwellung. Die Milzpulpa war -kirschrot, die Nieren waren von hämorrhagischen Punkten durchsetzt, -unter dem Endokard und Epikard zeigten sich ebensolche Blutungen. -Das Krankheitsbild sowohl, wie auch der Sektionsbefund zeigten viel -Aehnlichkeit mit dem der Salpetervergiftung (+Schilling+). -- Von 12 -erkrankten Ochsen starben 3; die Krankheitserscheinungen bestanden -in kolliquativem Durchfall, blassen Schleimhäuten und Geschwüren am -Zahnfleisch und in der Nase (+Schwaneberger+). -- Schafe zeigten -nach der Aufnahme von Kainit Lähmung, Durchfall und Darmentzündung -(+Nörner+), Hühner und Tauben starben angeblich infolge Streuens von -Kainit auf Aeckern und Wiesen (+Möbius+). Andere Fälle sind in den -preussischen Jahresberichten (1906) beschrieben. -- +Riechelmann+ -(Berl. Archiv 1893) vermutet bei 13 Rehen, welche kurz hintereinander -tot im Walde gefunden wurden, eine +Kainitvergiftung+, da ein grösseres -Areal des Forstes behufs Besamung mit Kainit gedüngt worden war. Die -Sektion ergab u. a. Hämorrhagien im Labmagen. -- +Wagner+ (Bad. Mitt. -1888) warnt vor dem Einstreuen von Kainit in den Stallungen, weil er -+Verätzung+ der +Hufkronen+ und +Klauenkronen+, sowie des +Euters+ -erzeuge. - -Im Gegensatze hierzu konnte +A. Feser+ (Beobachtungen über -vermeintliche Kainitvergiftung. Diss. 1903) bei angeblich vergifteten -Rehen Strongylen als Todesursache nachweisen. Er ist ferner auf Grund -von Versuchen bei Wiederkäuern und Geflügel der Meinung, dass diese -Tiere freiwillig so grosse Mengen von Kainit gar nicht aufnehmen, dass -sie dadurch Schaden leiden könnten. Ein Schaf erhielt 950 bezw. 3750 -g Kainit in 37 bezw. 40 Tagen, ein Jungstier 2250 bezw. 3800 g in 6 -bezw. 8 Tagen, ohne etwas Krankhaftes zu zeigen (nur der Kot war ab -und zu etwas weicher). +Schneider+ und +Stroh+ (Deutsche tierärztl. -Woch. 1906) sahen beim Schaf nach 200 g, beim Rind nach 500 g Kainit -keine Wirkung; auf 600 g Kainit zeigte das Rind Kolik. Sie sind der -Ansicht, dass Kainit nur giftig wirke, wenn Giftstoffe beigemengt sind -(Schwefelsäure, Fluorwasserstoff, Arsenik, Aetzkalk, Rhodanammonium). - - - =Vergiftung durch phosphorsauren Kalk.= 6 Rinder eines Bäckers, - welche aus Versehen statt Mehl je 2 Kilo phosphorsauren Kalk - erhielten, erkrankten an heftigem Durchfall und auffallender - Schwäche; 2 Kühe starben am 5. bezw. 8. Tag der Krankheit (+Braun+, - Woch. f. Tierheilkunde 1909). - - - =Vergiftung durch Ammoniak-Superphosphat.= 2 Pferde, welche - grössere Mengen zusammen mit +Chlorkalium+ aufgenommen hatten, - zeigten schwankenden Gang, Schwäche, kalten Schweiss, unterdrückte - Peristaltik, Puls- und Atmungsbeschleunigung. Bei der Sektion fand - man entzündliche Rötung der Schleimhaut des ganzen Darms bes. des - Dickdarms, sowie Anätzungen der Magenschleimhaut (+Gensert+, Berl. - tierärztl. Wochenschr. 1892). -- Aehnliche Fälle haben +Gips+ (Berl. - Arch. 1892) und +Sourrel+ (Revue vét. 1897) bei Rindern beobachtet. - +Schneider+ und +Stroh+ (D. T. W. 1906) verneinen auf Grund von - Versuchen die Giftigkeit des Superphosphats und Thomasphosphatmehls. - Ersteres erzeugte bei Schafen 30 Tage lang zu je 10 g und 10 Tage - lang zu je 100 g (= 1000 g), letzteres in 10 Tagen zu 1000 g - verabreicht, lediglich Appetitstörung. - - -Vergiftung durch Barytsalze. - - =Allgemeines.= Die Verbindungen des Baryums sind mit Ausnahme des - schwefelsauren Baryums oder Schwerspats (BaSO_{4}) sehr stark - giftig. Von giftigen Barytverbindungen kommen in Betracht: 1. Das - +Baryumoxyd+ (Aetzbaryt, Baryt), BaO, eine weisslichgraue, poröse, - leicht zerreibliche Masse von stark alkalischer Reaktion, welche sich - unter Bildung von Baryumhydroxyd in Wasser löst; sog. Barytwasser. - 2. Der +kohlensaure Baryt+ (Baryumkarbonat, Witherit), BaCO_{3}, - ein weisses, geruch- und geschmackloses, in Wasser kaum lösliches - Pulver, welches u. a. zur Vertilgung von Ratten und Mäusen Anwendung - findet. 3. Das +Chlorbaryum+, ein in Wasser leicht lösliches Salz von - unangenehmem, scharfem Geschmack (wichtiges Reagens). Ausserdem sind - stark giftig das salpetersaure, essigsaure und chromsaure, sowie das - Schwefelbaryum. Nach +Crawford+ (Amer. Jahresber. 1908) sollen ferner - die die sog. Lokokrankheit verursachenden Astragaluspflanzen giftige - Baryumsalze enthalten. Barytvergiftungen sind neuerdings namentlich - bei Pferden infolge der Anwendung des Chlorbaryums als Kolikmittel - häufig vorgekommen. - - -=Wirkung.= Die Baryumsalze wirken auf die Magen- und Darmschleimhaut -zunächst +reizend+ und +ätzend+ (Erbrechen, Kolik, Durchfall). Die -allgemeinen Erscheinungen der Baryumvergiftung, welche am raschesten -nach der Verabreichung leicht löslicher Barytsalze (Chlorbaryum, -salpetersaures und essigsaures Baryum) auftreten, bestehen in -+tonisch-klonischen und eklamptischen Krämpfen+, +Darmtetanus+, -+Herzlähmung+ (digitalisähnliche Wirkung), sowie in +lähmungsartiger -Muskelschwäche+, vorwiegend der Extremitäten. Im übrigen sind die -Erscheinungen der Chlorbaryumvergiftung sehr verschieden, je nachdem -das Mittel intravenös, subkutan oder per os verabreicht wird. +Bei -der intravenösen Injektion giftiger Dosen sterben Pferde meist -plötzlich oder im Verlauf weniger Minuten unter Vorwärtsdrängen, -Zusammenstürzen und Krämpfen infolge von Herzlähmung (apoplektischer -Tod).+ Bei der innerlichen oder subkutanen Einverleibung lässt -sich die spezifische +Krampfwirkung+ des Baryums auf die glatte -Muskulatur des +Darmes+ und die quergestreiften +Muskeln+, sowie die -digitalisartige, lähmende Wirkung auf das +Herz+ genauer verfolgen. -Der +Darmtetanus+ äussert sich durch schwere, schmerzhafte +Kolik+ -mit heftigem +Durchfall+ und Entleerung grosser Mengen dünnflüssiger -Kotmassen. Gleichzeitig beobachtet man Kaubewegungen, Speicheln, -Würgen, Erbrechen, mitunter auch Schreien. Die Reizung der motorischen -Zentren hat +strychninartige+, +tetanische+, sowie +klonisch-tonische -Muskelkrämpfe+ zur Folge, welche in Anfällen namentlich die -Rückenmuskeln und die Muskeln der Extremitäten befallen und bald in -+motorische, allgemeine Lähmung+ übergehen (Taumeln, Kreuzschwäche, -Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit). Die Lähmung des +Herzens+ endlich -äussert sich in hochgradiger +Pulsbeschleunigung+ und Dyspnoe. - - -=Sektion.= Bei derselben findet man den Darmkanal leer, wie -ausgewaschen, die Schleimhaut zuweilen entzündlich geschwollen, das -Herz parenchymatös verändert, wie gekocht. Bei perakutem Verlauf -(intravenöse Injektion) ist der Befund rein negativ. - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in akuten und subakuten Fällen wie bei -der Strychninvergiftung in der Anwendung +krampfstillender+ Mittel -(Morphium, Opium, Bromkalium, Chloroform, Chloralhydrat), sowie von -Atropin (Herzexzitans). Bei perakuten Fällen ist sie erfolglos. - - =Kasuistik und Experimentelles.= Die grundlegenden - Experimentaluntersuchungen über die Wirkung der Baryumsalze, speziell - des Chlorbaryums, stammen von +Böhm+ (Arch. f. exper. Path. u. Pharm. - Bd. III). Danach ist das Chlorbaryum vor allem ein Krampfgift, - welches bei intravenöser Injektion Hunde in Dosen von 0,1-0,2, - Katzen in Dosen von 0,03-0,05 unter sofortigen tonisch-klonischen, - alle Körpermuskel befallenden +Krämpfen+ und äusserst intensiver - +Entleerung des Darminhaltes+ tötet. +Bei kleinen, nicht tödlichen - Dosen kommt es bloss zu starken Kotentleerungen+ und vorübergehenden, - unbedeutenden Schwächezuständen der Körpermuskulatur. Nach +Kobert+ - (Lehrbuch der Intoxikationen) kommt die tetanische Wirkung des - Baryums auf den Darm teils durch die Reizung der Auerbachschen und - Meissnerschen Plexus, teils durch direkte Muskelwirkung zustande; - sodann bewirkt das Baryum Reizung der motorischen Gehirnzentren und - besitzt ausserdem eine digitalisartige Wirkung auf das Herz und die - Gefässe. - - Eine zufällige Chlorbaryumvergiftung beim +Pferd+ hat +Dieckerhoff+ - (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1895) beobachtet. 2 Brauereipferde - leckten verschüttetes, in Säcken verpacktes Chlorbaryum und - erkrankten beide ¾ Stunden darauf an sehr heftiger Kolik; eines - derselben starb bereits 1 Stunde nach der Aufnahme des Salzes unter - allgemeinen Lähmungserscheinungen, das andere starb nach 14 Stunden. - Bei der Sektion des zuerst gestorbenen war die Schleimhaut des - Magens und Darmes entzündlich gerötet und geschwollen und der ganze - Digestionsapparat wie ausgewaschen. Im Anschluss hieran angestellte - experimentelle Untersuchungen bei +Pferden+, +Rindern+ und +Schafen+ - ergaben folgendes: +Pferde+ zeigen nach innerlicher Verabreichung - von 6-12 g, sowie nach der intravenösen Injektion von 0,5-1,25 g - Chlorbaryum unter Kolikerscheinungen sehr starke Darmentleerungen. - Bei der intravenösen Applikation stellt sich die darmentleerende - Wirkung augenblicklich ein; bei gefülltem Mastdarm werden die darin - vorhandenen Kotmassen schon innerhalb der ersten Minute abgesetzt, - bei leerem Mastdarm werden nach 3-5 Minuten geballte oder breiförmige - Kotmassen ausgeschieden. Die Dauer dieser entleerenden Darmwirkung - beträgt 2-6 Stunden. Bei innerlicher Anwendung des Chlorbaryums in - flüssiger Form erfolgt die Kotentleerung erst nach 15-45 Minuten, - in Bolusform erst nach 1½-2 Stunden. Dosen über 8-12 g innerlich - gegeben, wirken beim Pferd giftig bezw. tödlich (allgemeine - Lähmung). +Rinder+ ertragen dagegen innerlich 40 g und intravenös 3 - g Chlorbaryum. 2 +Schafe+ ertrugen 4 g Chlorbaryum innerlich ohne - nachteilige Wirkung, dagegen starb ein Bock und ein 4 Monate altes - Lamm nach 6 g. Die Vergiftungserscheinungen traten hierbei erst nach - 20 Stunden ein und äusserten sich hauptsächlich in Schwäche und - Lähmung. - - Die hierauf im Jahr 1895 von +Dieckerhoff+ empfohlene +Anwendung des - Chlorbaryums als Kolikmittel beim Pferd+ hat namentlich in der ersten - Zeit zahlreiche tödliche Chlorbaryumvergiftungen zur Folge gehabt. - Insbesondere nach der intravenösen Injektion sind häufig Pferde - augenblicklich oder innerhalb weniger Minuten tot zusammengestürzt. - Solche Fälle sind von +Angerstein+, +Mollereau+, +Müller+, +Ries+, - +Podkopajew+, +Freitag+, +Simon+, +Schatz+, +Röder+, +H. Feser+, - +Kunze+ u. a., sowie namentlich in der +preuss. Armee+ beobachtet - worden (Zeitschr. f. Vetkde. 1896; Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1896-1899.) - Im Jahr 1895 sind nicht weniger als 8 Pferde in der preussischen - Armee an Chlorbaryumvergiftung gestorben. Diese Fälle sind folgende: - - 1. Ein kräftiges, gut genährtes Pferd erkrankte leicht an Kolik. Es - verschmähte das Futter, sah sich wiederholt nach dem Hinterleibe um - und warf sich häufig nieder. Die Zahl der Pulse betrug 40 in der - Minute, der Puls war weich und kräftig; die Atmung nicht erheblich - beschleunigt. Die Darmtätigkeit lag etwas danieder. Patient erhielt - eine Injektion von Chlorbaryum 0,7 in 10,0 Wasser (destilliert) - gelöst. Das Eindringen von Luft in die Vene war ausgeschlossen, weil - die Einführung der Hohlnadel mit grösster Vorsicht vorgenommen wurde. - Das Pferd fiel gleich nach der Einspritzung nieder, sprang nochmals - auf, stürzte dann um und verendete. Bei der Zerlegung wurden im Magen - und Darmkanale keine Veränderungen gefunden. Das Herz war schlaff, - erweitert, in den Herzfurchen befanden sich viele kleine Blutungen. - Die Herzkammern waren mit dunklem, locker geronnenem Blute gefüllt. - An den übrigen Organen konnten keine Veränderungen nachgewiesen - werden. - - 2. Ein Pferd zeigte mässige Unruhe, etwas aufgetriebenen Hinterleib, - gespannte Bauchdecken und unterdrücktes Darmgeräusch. Die Zahl - der kräftigen, gleich- und regelmässigen Pulse betrug 46, die - der Atemzüge 16 in der Minute. Unter genauer Befolgung aller - Vorsichtsmassregeln -- Abscheren der Haare, Desinfektion der Haut an - der Einstichstelle und der Instrumente, vorheriges Entfernen der - Luft aus der Kanüle und Spritze -- erhielt Patient eine Einspritzung - von 1,0 Chlorbaryum, in 10,0 destilliertem Wasser gelöst, in die - rechte Halsvene. Gleich nach der Injektion fing das Pferd an zu - taumeln, stürzte nieder und starb unter Erscheinungen höchster - Atemnot innerhalb 5 Minuten. Die Zerlegung ergab starke Füllung - des Magens und der unteren Grimmdarmlagen mit Inhaltsmassen und am - Herzen ausser Verdickung der Ränder der Mitralklappen die Zeichen der - Herzlähmung. - - 3. Ein Pferd erkrankte nachmittags an Kolik. Es lag ausgestreckt - in seinem Stande und stöhnte, den Kopf häufig nach dem Hinterleibe - umdrehend. Nach energischem Antreiben stand das Pferd auf und - schwankte beim Gehen. Der Puls war wenig fühlbar; es wurden 82 - Pulse und 22 Atemzüge in der Minute gezählt. Schweissausbruch. - Darmgeräusche unterdrückt. Patient erhielt eine intravenöse Injektion - von 0,75 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser gelöst. Ungefähr - 7 Minuten nach der Applikation des Mittels stürzte Patient nieder - und verendete. Die Zerlegung ergab hämorrhagische Entzündung der - Dünndarmschleimhaut. Am Herzen bestanden die Merkmale der Herzlähmung. - - 4. Ein grosses und kräftiges Pferd, welches seit 2 Stunden an Kolik - litt, zeigte normale Färbung der Bindehaut, 40 gleichmässige, - kräftige und weiche Pulse, etwas verminderte Darmperistaltik und - mässige Unruhe. Es erhielt eine Aloepille und intravenös 1,0 - Chlorbaryum. Nach 10 Minuten stürzte das Pferd, welches im Schritt - geführt wurde, um und verendete. Ausser einer leichten Rötung der - Dünndarmschleimhaut konnten am Verdauungsapparate keine Veränderungen - festgestellt werden. Das Herz zeigte eine auffällige Erschlaffung, - beide Herzkammern waren stark mit Blut gefüllt. - - 5. Bei einem kolikkranken Pferde, bei welchem nach einer subkutanen - Eserininjektion keine Wirkung eingetreten war, wurde schliesslich - Chlorbaryum intravenös appliziert. Bald nach der Injektion stürzte - das Pferd zusammen und verendete. Die Zerlegung konnte nicht - vorgenommen werden. - - 6. Ein Pferd, welches seit etwa 2 Stunden krank war, zeigte grosse - Unruhe, war aber nur wenig im Hinterleibe aufgetrieben. Die Anwendung - der peristaltikerregenden Massnahmen, Einreibungen des Hinterleibs - mit Terpentinöl, Klistiere usw. hatte keinen Erfolg. Darauf wurde - dem Patienten eine Chlorbaryumlösung (0,8 g Chlorbaryum) intravenös - appliziert. Die Injektion wurde mit grosser Vorsicht ausgeführt. - Einige Minuten später stürzte das Pferd nieder und starb. Bei - der Zerlegung wurden im Magen und Darmkanale keine Veränderungen - gefunden, welche den Tod des Tieres hätten herbeiführen können. Das - Herz war mit tiefdunklem locker geronnenem Blute gefüllt. - - 7. Bei einem kolikkranken Pferde trat nach einer Injektion von - 0,8 Chlorbaryum in die Drosselvene apoplektisch der Tod ein. - Die Zerlegung ergab pralle Füllung des Magens mit Futtermassen, - im übrigen keine auffallenden Veränderungen. Der Puls war nicht - erheblich beschleunigt gewesen, dabei kräftig. - - 8. Ein älteres, leicht an Kolik erkranktes Pferd erhielt intravenös - 0,7 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser injiziert. Nach einigen - Minuten stürzte das Pferd nieder und verendete. - - Versuche bei +Schweinen+ ergaben nach +Kabitz+ (D. T. W. 1905), - dass das Baryumsulfat und die Steinchenform des Karbonats ungiftig - sind, dass jedoch das reine Baryumkarbonat Schweine in Dosen von 1 g - pro Kilogramm Körpergewicht rasch tötet (Kaubewegungen, Knirschen, - Speicheln, Apathie; kein Durchfall). - - -Vergiftung durch chlorsaures Kali. - - =Allgemeines.= Das +chlorsaure Kali+, +Kalium chloricum+, - KClO_{3}, bildet glänzende, blätterige, farblose Kristalle von - salpeterähnlichem, kühlendem Geschmack und wird als spezifisches - Antiseptikum bei Stomatitis ulcerosa, als Diuretikum und Spezifikum - gegen Blasenkatarrhe angewandt. Vergiftungen bei den Haustieren - nach der klinischen Anwendung des Salzes sind noch nicht beobachtet - worden. Dagegen sind Vergiftungen beim Menschen, namentlich - bei Kindern (Diphtherie), sowie bei Personen mit verminderter - Blutalkaleszenz (Fieber, Dyspnoe, Aufnahme von Säuren) in grösserer - Anzahl nach dem unvorsichtigen Gebrauche des chlorsauren Kalis - konstatiert. Aus der zahlreichen Literatur dieser Vergiftungen sind - namentlich die Arbeiten von +Marchand+ (Virchows Archiv Bd. 77) und - +v. Mering+ (Das chlorsaure Kali 1885) zu erwähnen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Dass die +Haustiere+ in gesundem -Zustande sehr grosse Dosen von Kali chloricum ohne besonderen -Nachteil ertragen, haben mir einige Versuche beim Rind, Pferd, Schaf -und Hund gezeigt. Eine kleine, junge, 4 Zentner schwere Versuchskuh -erhielt 50 g und 2 Tage darauf 100 g chlorsaures Kali, ohne -irgendwelche Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Dasselbe Resultat -ergaben Versuche mit 30 und 40 g beim Pferde. Ein 70 Pfund schwerer -Hammel zeigte auf 25 g Kali chloricum keinerlei Reaktion; 50 g des -Salzes hatten zwar allgemeine Mattigkeit, unterdrückte Fresslust -und Wiederkauen zur Folge, nach 3 Tagen hatte sich jedoch das Tier -wieder vollständig erholt. Ein 9½ kg schwerer kleiner Versuchshund -äusserte nach der Verabreichung von 10 g chlorsaurem Kali keinerlei -Krankheitserscheinungen; nach 20 g des Salzes (nüchtern verabreicht) -war ausser Brechreiz und vermehrtem Durst ebenfalls nichts Krankhaftes -an dem Tiere nachzuweisen. Die +tödliche+ Dosis des chlorsauren -Kalis beträgt nach +Zimmermann+ (Veterinarius 1900) für Pferde -250 g, für Rinder 500 g, für Schafe 100 g, für Hunde 60 g. Die -Vergiftungserscheinungen sind die gleichen wie beim Menschen (vgl. -unten). - -Beim +Menschen+ hat sich das Kali chloricum schon in kleinen Dosen als -ein sehr gefährliches +Blutgift+ (+Methämoglobinämie+) erwiesen, wenn -es nüchtern oder bei Krankheiten angewandt wurde, welche mit sehr hohem -Fieber, Atmungsbeschwerden oder mit Nierenentzündungen verlaufen. Die -Krankheitserscheinungen sind als Folgezustände der Methämoglobinämie -und der Anhäufung der Zerfallsprodukte des Blutes in der Niere, Leber, -Milz und im Knochenmark anzusehen. Die wichtigsten derselben sind: -Ikterus, grauviolette Flecken auf der Haut, Herzschwäche, hochgradige -Atemnot, Durchfall, Erbrechen, Leberschwellung, Milzschwellung, -+Hämoglobinurie+ (braune Hämoglobinzylinder, gelbbraune, amorphe -Schollen), +Nephritis+, Oligurie, Anurie, sowie +urämische Zufälle+ -(Delirien, Benommenheit, Koma, urämisches Erbrechen, Krämpfe, Eklampsia -uraemica). Bei der Sektion findet man das Blut +schokoladebraun -verfärbt+, spektroskopisch nur +einen+ Absorptionsstreifen zwischen -C und D im Roten zeigend, die roten Blutkörperchen entweder zerfallen -oder entfärbt (Schatten) oder in der Gestalt verändert (Poikilozytose), -Milz, Leber und Nieren vergrössert, das Knochenmark braun verfärbt, -die Harnkanälchen der Nieren durch braune, zylinderförmige oder -unregelmässig gestaltete Methämoglobinmassen verstopft. - - -Vergiftung durch Aetzalkalien. - - =Allgemeines.= Von den Aetzalkalien haben am meisten Bedeutung - für die tierärztliche Toxikologie der +Aetzkalk+, CaO, der - +Salmiakgeist+, NH_{3}, und die +Kalilauge+, KOH. Seltener sind - Vergiftungen durch kohlensaures Ammonium, kohlensaures Natrium - (Soda, Verwechslung mit Glaubersalz) und Kalium (Pottasche). - Die Vergiftung durch Schwefelleber, K_{2}S_{3}, ist teils eine - Aetzkalivergiftung, teils eine Schwefelwasserstoffvergiftung (vgl. - S. 162). Aetzkalkvergiftungen können sich bei Gelegenheit der - Desinfektion der Stallungen ereignen. Ammoniakvergiftungen werden - entweder durch zu hohe Dosierung (volkstümliches Mittel gegen - akutes Aufblähen des Rindes) oder zu starke Konzentration des - Salmiakgeistes bei innerlicher Anwendung desselben als Aetzmittel - (z. B. beim Bestreichen der sog. Steinzunge des Rindes, beim Legen - von Fontanellen) oder durch zufälliges Einatmen des Gases veranlasst. - Vergiftungen durch Kalilauge kommen bei Hunden nach dem zufälligen - Trinken derselben vor. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die lokalen Veränderungen nach -Einwirkung der oben genannten Aetzalkalien bestehen zunächst in -Entzündung und +Anätzung+ der +Lippen+, der +Maulschleimhaut+, der -+Zunge+, der +Schlundkopf-+ und +Schlundschleimhaut+, welche sich durch -Schwellung und Verschorfung der betroffenen Teile, starkes Speicheln, -Schlingbeschwerden und Erbrechen kennzeichnen. Der Aetzschorf ist -im Gegensatz zu dem trockenen Säureschorf meist weich, schmierig, -gelatinös gequollen (+Kolliquation+). Nach dem Einatmen von Ammoniak -entsteht ferner starker +Hustenreiz+, +beschwertes Atmen+, +Pneumonie+, -sowie +Aushusten kruppöser Entzündungsprodukte+. +Meyer+ (Oesterreich. -Vierteljahrsschr. 1883) berichtet über einen Fall, in welchem 54 -Pferde einer Brauerei durch das Einatmen von Ammoniak aus einem -Kühlapparat vergiftet wurden. Die Krankheitserscheinungen bestanden in -schmerzhaftem Husten, blutigschaumigem Nasenausfluss, sowie Anätzung -der Nasen-, Rachen- und Augenschleimhaut. Die Hälfte der Pferde starb -nach kurzer Krankheitsdauer unter den Erscheinungen einer schweren -Bronchitis und des +Lungenemphysems+. Bei 2 Pferden blieb hochgradiges -Lungenemphysem zurück; die übrigen Pferde erholten sich allmählich -im Verlauf von 14 Tagen. +Binder+ sah nach dem Einschütten von 50 -g Ammoniak bei Rindern und Pferden Verätzung der Maulschleimhaut, -Schlingbeschwerden, Husten, Kolik, profuse Diarrhöe und in einem Fall -sogar +Perforation+ der +Brustportion+ des +Schlundes+. Aehnliche -Vergiftungserscheinungen bei Rindern nach dem Einschütten von -Salmiakgeist haben +Schauber+ und +Sepp+ beobachtet (Woch. f. Tierh. -1902 und 1908); eine Kuh zeigte nach 100 g unverdünnten Salmiakgeistes -heftige Atemnot, Husten und korrosive Stomatitis und Pharyngitis, genas -aber. +Penning+ (T. Bl. f. Niederl. Indien 1895) sah bei Pferden nach -der Aufnahme von ungelöschtem Kalk +Lungenödem+ und Darmentzündung. - -Die Einwirkung auf die Magendarmschleimhaut äussert sich in Form einer -+schweren korrosiven Gastroenteritis+. So starb beispielsweise ein -+Versuchshund+ nach dem Eingeben von 2 g reinen Ammoniaks in 23 Stunden -an Magendarmentzündung (+Orfila+). Ein +Pferd+ starb nach 30 g an -Darmentzündung innerhalb 16 Stunden, ein anderes nach 90 g innerhalb -50 Minuten unter heftigen Krämpfen (+Hertwig+). 11 Kühe, welche statt -Glaubersalz Soda erhalten hatten, starben unter den Erscheinungen der -Darmentzündung (+Eggeling+, Berl. Arch. 1895). Der Tod erfolgt bei -Vergiftung mit Aetzkalk und Kalilauge unter allgemeinen komatösen -Erscheinungen, bei der Ammoniakvergiftung dagegen unter tetanischen -Krämpfen (Ammoniak-Tetanus). - -Bei der +Sektion+ findet man +kruppöse+ oder +diphtherische -Stomatitis+, +Pharyngitis+ und +Oesophagitis+, bei -Salmiakgeistvergiftung auch +kruppöse Laryngitis+, Tracheitis, -Bronchitis und +Pneumonie+, hochgradige Entzündung, braun- bis -schwarzrote Verfärbung, sulzige Schwellung und +Korrosion+ der -+Magenschleimhaut+. Der Blutfarbstoff wird in alkalisches Hämatin -umgewandelt, so dass das Blut eine braune, dicke, gelatinöse Masse -bildet. Von den Weichteilen werden am schnellsten die Muskeln -nekrotisch, während das Bindegewebe und die Gefässe wenig oder gar -nicht angegriffen werden (+Carbone+). - - -=Behandlung.= Im ersten Stadium der Vergiftung besteht die Therapie -in der Verabreichung verdünnter +Säuren+, namentlich des überall -vorrätigen Essigs. Sodann gibt man zur Einhüllung der korrodierten -Schleimhäute +ölige+ und +schleimige+ Mittel in Verbindung mit Opium. -Die Kollapserscheinungen werden symptomatisch durch Exzitantien -(Aether, Kampfer) behandelt. Brechmittel und Abführmittel sind -wegen der Gefahr einer Magen- resp. Darmruptur zu vermeiden. Bei -laryngealer Stenosenbildnng im Verlaufe der Ammoniakvergiftung kann die -Tracheotomie notwendig werden. - - -=Nachweis.= Vergiftungen durch Aetzalkalien sind vor allem an der stark -alkalischen Reaktion des Mageninhaltes zu erkennen. Zum genaueren -Nachweis der Natur der Vergiftung müssen die entsprechenden Kali-, -Kalk- und Ammoniakreaktionen vorgenommen werden. 1. +Aetzkali+ färbt -die Flamme violett und gibt mit Weinsäure einen kristallinischen -Niederschlag von Weinstein, welcher nach dem Glühen das stark -alkalisch reagierende, mit Säuren aufbrausende kohlensaure Kali -hinterlässt, welches die Flamme ebenfalls blau färbt. Ausserdem -gibt die mit Salzsäure neutralisierte Lösung der Kalisalze mit -Platinchlorid und Alkohol einen gelben kristallinischen Niederschlag -von Kalium-Platinchlorid, welcher auch zur quantitativen Bestimmung -benützt werden kann; 100 Teile desselben entsprechen 19,27 Teilen -Kalium. 2. Der Nachweis des +Aetzkalks+ wird durch Einäscherung des -Untersuchungsmaterials, Auflösen der Asche in Salzsäure (Chlorkalzium), -Ausfällen der Phosphorsäure durch Eisenchlorid und Chlorammonium, -Versetzen der Chlorkaliumlösung mit Ammoniak und Ausfällen des Kalks -durch Oxalsäure als oxalsaurer Kalk geliefert. Das Chlorkalzium -kann ferner an der +orangeroten+ Färbung der Flamme durch seine -Lösung erkannt werden (Kalkreaktion); ausserdem gibt Schwefelsäure -einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Kalk (Gips), der zum -Unterschiede von schwefelsaurem Baryt in unterschwefligsaurem Natron -löslich ist. 3. Das +Ammoniak+ wird durch seinen Geruch, sowie durch -die Bildung weisser Nebel bei Annäherung eines in Salzsäure getauchten -Glasstabes nachgewiesen (Bildung von Chlorammonium). - - =Salmiak.= Mit dem Ammoniak nicht zu verwechseln ist der Salmiak, - Ammonium chloratum, ClNH_{4}. Derselbe wirkt in grossen Dosen - ebenfalls giftig. +Pferde+ zeigen nach 90-180 g grössere Röte der - Schleimhäute, schnelleres Atmen, sehr vermehrtes Urinieren, häufige - Entleerung von weichem Kote (+Hertwig+). Ein Pferd starb, nachdem - es innerhalb 5 Tagen 750 g Salmiak erhalten hatte, am 5. Tage - (+Delafond+); andere Pferde, welche täglich 3-4mal Dosen von 30 g - erhielten, starben nach 26-38 Tagen (+Hertwig+). +Hunde+ sterben nach - 6-8 g Salmiak bei unterbundenem Schlunde nach einer Stunde, nachdem - Brechneigung, Kolik, Schwäche, starke psychische Erregung (wütendes - Umherlaufen, klagendes Geheul), sowie tetanusartige Konvulsionen - vorhergegangen sind (+Orfila+). Mittlere Dosen, längere Zeit hindurch - angewandt, erzeugen Verdauungsstörungen, Abmagerung, Mattigkeit - und Schwäche; so sterben Hunde, nachdem sie täglich 3-4mal Dosen - von 2 g erhalten, nach 12-16 Tagen. +Kaninchen+ sterben auf 2 g - Salmiak innerhalb 10 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergibt - heftige Magendarmentzündung. Auch nach der subkutanen Injektion von - +Ammoniumsulfat+ zeigen Kaninchen strychninartige Krämpfe (+Vaerst+, - B. T. W. 1904). - - - =Schmierseife.= +Schultz+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) will bei - einem Rind eine tödliche Darmentzündung nach dem Eingeben von 250 g - Schmierseife beobachtet haben (?). (Das an Indigestion leidende Tier - hatte vorher 3½ Pfd. Glaubersalz erhalten!) Meine eigenen Versuche - ergaben, dass 250,0 Schmierseife für Rinder und 100,0 für Schafe - ohne jede schädliche Wirkung sind. +Bissauge+ (Journ. de Lyon 1901) - sah bei einer Ziege, die 300 g Seife verzehrt hatte, stinkenden und - blutigen Durchfall sowie Lähmungserscheinungen; nach 8 Tagen trat - Heilung ein, die Milchsekretion blieb jedoch sistiert. - - - =Kalium carbonicum.= Die tödliche Dosis für den Hund beträgt 10-15 g - (Herzlähmung, Kollaps). - - - =Natrium bicarbonicum.= Fast ungiftig. Hunde, wochenlang mit 15 g pro - Tag gefüttert, zeigen Erbrechen, Durchfall und Abmagerung. - - -Vergiftung durch ätzende Säuren. - - =Allgemeines.= Im Gegensatz zu äusseren Verätzungen, welche bei - Pferden und Hunden zuweilen vorkommen, sind innerliche Vergiftungen - mit ätzenden Säuren bei den Haustieren sehr selten. Bisher sind nur - Vergiftungen mit +Schwefelsäure+ konstatiert worden. Dieselben haben - sich bei Pferden (+Gerlach+, Gerichtliche Tierheilkunde 1872) und - Kühen (+Bubendorf+, Zündels Jahresbericht 1883) nach der Aufnahme - von Stroh ereignet, welches zum Verpacken von Schwefelsäureflaschen - gedient hatte und von der Säure durchtränkt war. In einem Fall soll - die Vergiftung auch dadurch entstanden sein, dass Schwefelsäure zur - Maische hinzugesetzt wurde (+Johne+, Sächs. Jahresbericht 1880). - Häufiger sind, namentlich in Berlin, äussere Verätzungen von Pferden - und Hunden durch zersprungene Schwefelsäureballons oder durch - die vielfach im Haushalt benützte Schwefelsäure (sog. Oleum oder - Vitriolöl). Vergiftungen durch +Salpetersäure+ oder +Salzsäure+ sind - bis jetzt klinisch nicht zur Beobachtung gelangt, auch nicht durch - +Phosphorsäure+, der schwächsten anorganischen Säure. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftungserscheinungen -sind zunächst lokaler Natur. Sie bestehen in +Verätzung+ der +Haut+, -sowie der +Lippen-+ und +Maulschleimhaut+ mit nachfolgender reaktiver -Entzündung, Speicheln und Schlingbeschwerden. Gleichzeitig entstehen -infolge der Verätzung der Magenschleimhaut Würgen, +Erbrechen+ und -schwere +Kolikanfälle+ mit Lähmung der Magen- und Darmperistaltik. Der -tödliche Ausgang tritt meistens sehr rasch unter den Erscheinungen -der Herzschwäche und tiefen Kollapses ein. Bei der Sektion findet man -ulzeröse, korrosive Stomatitis, Pharyngitis, Oesophagitis, Gastritis -und Enteritis, unter Umständen auch Magenperforation und Peritonitis. -Seltener entwickeln sich bei den Tieren Strikturen des Schlundes und -Magens. Die Aetzschorfe auf der Haut sind bei den Mineralsäuren meist -fest. - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in der möglichst raschen Verabreichung -verdünnter +Alkalien+, namentlich von Seifenwasser, Kalkwasser, -Sodalösung, Pottaschelösung, verdünnter Natronlauge und Kalilauge, -Magnesia usta und carbonica, ferner von Opium in Verbindung mit -einhüllenden, +schleimigen+ und öligen Mitteln, endlich in der -Anwendung von Exzitantien (Aether oder Kampfer subkutan). - - -=Nachweis.= Die Vergiftungen mit Schwefelsäure, Salpetersäure, -Salzsäure lassen sich zunächst durch die charakteristische +Farbe+ -des Aetzschorfs und die stark saure Reaktion des Schorfes und -Mageninhaltes nachweisen. Sodann werden die Säuren durch Wasser -ausgezogen und mittelst ihrer charakteristischen Reaktionen untersucht. -1. Die +Schwefelsäure+ gibt mit Chlorbaryum oder salpetersaurem Baryt -weisse Niederschläge, welche in verdünnter Salz- oder Salpetersäure -unlöslich sind; ferner mit Bleizucker einen weissen Niederschlag von -Bleisulfat, der nur in kochender Salz- und Salpetersäure löslich -ist. 2. Die +Salpetersäure+ bildet, mit metallischem +Kupfer+ und -+Schwefelsäure+ versetzt, rote Dämpfe von Untersalpetersäure; sie -färbt sich ferner mit wenig Eisenvitriollösung und Schwefelsäure -an der Berührungsstelle +tiefbraun+; mit einer wässerigen Lösung -von Diphenylamin und Schwefelsäure färbt sie sich blau. 3. Die -+Salzsäure+ ist an ihrem charakteristischen Geruch (Dämpfe) und an -dem weissen, käsigen, voluminösen Niederschlag mit Höllensteinlösung -(Chlorsilber) zu erkennen, der sich in Salmiakgeist, Zyankaliumlösung -und unterschwefligsaurem Natron leicht löst. Sie wird auch quantitativ -als Chlorsilber nachgewiesen; 100 Teile Chlorsilber entsprechen 25,44 -Teilen Salzsäure. - - =Allgemeine Giftwirkung der Säuren.= Werden Tieren experimentell - +innerlich+ auf einmal tödliche Dosen +verdünnter+ Säuren - beigebracht, so sterben sie an +allgemeiner Säurevergiftung+ infolge - +Verlust der Blutalkaleszenz+. Dabei tritt der Tod schon ein, noch - ehe das Blut ausgesprochen sauer reagiert; die vollständige und - anhaltende Neutralisation der Alkalien des Blutes genügt, um den Tod - herbeizuführen. Die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Säuren - ist je nach der Tiergattung verschieden. Hundeblut neutralisiert z. - B. viel grössere Mengen Säuren durch verfügbares Ammoniak als dies - bei Kaninchen der Fall ist. Auch im Hungerzustand können dem Blute - durch die auftretenden Säuren (Schwefelsäure aus dem Schwefel des - Eiweisses, Phosphorsäure aus dem Lezithin der Blutkörperchen) soviel - Alkalien entzogen werden, dass eine Art von Säurevergiftung des - Blutes eintritt. Bei länger fortgesetzter Säureverabreichung können - auch chronische Vergiftungen auftreten; bei Lämmern entsteht nach - mehreren Monaten Verarmung des Skeletts und Fleisches an Kalksalzen - (+Weiske+). -- Nicht zu verwechseln mit Säurevergiftung ist die bei - jeder Leiche normal auftretende saure Reaktion des Blutes und der - Muskulatur infolge der Bildung von Milchsäure, Bernsteinsäure und - flüchtigen Fettsäuren. - - -Vergiftung durch Essigsäure. - - =Allgemeines.= Essigsäure bildet sich aus Alkohol durch die Tätigkeit - des Essigsäure-Gärungspilzes, Mykoderma aceti. Vergiftungen - durch Essigsäure kommen bei unseren Haustieren namentlich in - Branntweinbrennereien vor, wenn der Alkohol sich teilweise zu - Essigsäure verwandelt hat und die Schlempe dadurch grössere Mengen - von Essigsäure enthält, oder wenn die Schlempe vor dem Verfüttern in - saure Gärung übergegangen ist. Auf diese Weise können viele Tiere zu - gleicher Zeit vergiftet werden. So beobachtete +Mummenthey+ (Preuss. - Mitt. 1883) eine Essigsäurevergiftung bei 80 Kühen eines Stalles. - Vereinzelte Fälle sind ferner beschrieben von +Stockfleth+ (Tidskrift - for vetrinairer Bd. 7), +Eckhardt+ (Ad. Wochenschrift 1881) und - +Ward+ (The vet. journ. Bd. 23). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Essigsäurevergiftung äussert -sich durch +gastroenteritische+ und +Lähmungserscheinungen+. Sie -beginnt gewöhnlich mit gastrischen Störungen (Appetitlosigkeit, -unterdrücktes Wiederkauen), +Kolik+ und +Durchfall+, woran sich -+Schwanken+, +Betäubung+, Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie -+Kollaps+ anschliessen. - -Um die Wirkung der Essigsäure bei den Wiederkäuern genauer kennen -zu lernen, habe ich einer 20 kg schweren Ziege 150 g einer 5proz. -Essigsäurelösung (der gewöhnliche Hausessig enthält 6 Proz. Essigsäure) -eingegeben, worauf der Tod nach 24 Stunden erfolgte (tödliche Dosis -der Essigsäure für Wiederkäuer = 0,4 pro kg Körpergewicht). Die -Vergiftungserscheinungen waren folgende: Schon eine Stunde nach der -Verabreichung zeigte die Ziege starke Atemnot, sowie die Symptome eines -beginnenden +Lungenödems+. Ausserdem war der Hinterleib, namentlich -die Nierengegend, bei der Palpation sehr schmerzhaft und es wurde -+blutiger Harn+ abgesetzt; gleichzeitig bestand starkes Schäumen und -Speicheln. Nach 6 Stunden trat hochgradige +Mattigkeit+ und +Schwäche+ -und zuletzt ein +lähmungsartiger+ Zustand ein. Bei der +Sektion+ fanden -sich die Erscheinungen eines ausgesprochenen +Lungenödems+ mit starker -Lungenhyperämie, sowie die Symptome einer +entzündlichen Reizung der -Magendarmschleimhaut+ (Rötung der Labmagenschleimhaut, starke Rötung -und Schwellung der Dünndarm- und Dickdarmschleimhaut mit erbsengrossen -Hämorrhagien, Schwellung der Peyerschen Plaques); ausserdem bestand -+parenchymatöse Nephritis+ und +Hepatitis+. - - -=Behandlung.= Dieselbe ist im wesentlichen die gleiche, wie bei -der vorigen Vergiftung. Man gibt verdünnte Alkalien, namentlich -Seifenwasser und Sodalösung als chemisches Gegengift, verabreicht -einhüllende, schleimige Mittel und bekämpft die Lähmungserscheinungen -symptomatisch durch Exzitantien. - - -=Nachweis.= Die Essigsäure lässt sich zunächst durch den -charakteristischen Essiggeruch und die saure Reaktion nachweisen. -In freiem Zustande (sie geht sehr bald in Salze über) wird sie -entweder durch Destillation oder Extraktion mit Alkohol von den -Untersuchungsmassen getrennt und ist als Essigsäure daran zu erkennen, -dass ihre wässerige Lösung mit etwas +Eisenchlorid+ sich +blutrot+ -oder tief +weinrot+ färbt, eine Farbe, die durch Zusatz einiger -Tropfen Salmiakgeist noch intensiver wird. Sie gibt ferner, mit -Natron gesättigt und getrocknet, sowie mit einem Körnchen Arsenik -trocken erhitzt, den charakteristischen Kakodylgeruch, mit Alkohol und -Schwefelsäure erhitzt, einen Essigäthergeruch. - - =Vergiftung durch Ameisensäure.= Die Ameisensäure kommt in Tieren - (Ameisen, Bienen, Wespen, Hornisse, Prozessionsraupen) und Pflanzen - (Brennessel) vor, welche dadurch giftig auf den tierischen Organismus - einwirken können; vgl. das Kapitel über Bienenstiche. Diese - Vergiftungen sind jedoch nur zu einem geringen Teil auf die Wirkung - der Ameisensäure, in der Hauptsache vielmehr auf ein gleichzeitig - im Giftsekret der Bienen etc. enthaltenes Enzym bezw. Toxin - zurückzuführen. Reine Ameisensäure wirkt wie die übrigen ätzenden - Säuren. - - - =Vergiftung durch Milchsäure.= Neben lokaler Aetzung entsteht bei - Versuchstieren Endokarditis (+Rauch+). Nach +Kobert+ kommen ferner - akute oder subakute Autointoxikationen durch Milchsäure vor, so bei - starker Darmgärung, im Fieber, bei allen Zuständen von Verminderung - der Blutalkaleszenz, bei sauerstoffarmer Luft, bei Blausäure-, - Phosphor- und Kohlenoxydvergiftung. -- In ähnlicher Weise bildet sich - bei der Zuckerharnruhr im Blute die Oxybuttersäure, Azetessigsäure - und das Azeton als Selbstgift (Coma diabeticum). - - - =Vergiftung durch Weinsäure.= Bei Versuchstieren fällt die rosarote - Verfärbung der Magenschleimhaut und des Blutes auf. - - -Vergiftung durch Oxalsäure. - - =Allgemeines.= Die +Oxalsäure+ (Kleesäure, Zuckersäure) wird - fabrikmässig durch Oxydation von Traubenzucker mit Salpetersäure - oder durch Erhitzung von Zellulose mit Aetzalkalien dargestellt. - Sie hat die Formel C_{2}H_{2}O_{4} = 2(COOH) und kristallisiert - in wasserhellen, geruchlosen, stark sauer schmeckenden Prismen; - ihre Lösung gibt mit Kalkwasser einen unlöslichen Niederschlag von - oxalsaurem Kalk (Kristalle von Briefkuvertform). Vergiftungen durch - freie Oxalsäure, welche beim Menschen sehr häufig sind (Gebrauch zum - Putzen von Messing- und Kupfergerät, Entfernen von Tintenflecken), - wurden in der Tierheilkunde bisher nur vereinzelt (+Mire+, Revue - vétér. 1881; 2 eigene Beobachtungen) beim Hund festgestellt. - - Während die Oxalsäure in freiem Zustand in der Natur nicht vorkommt, - findet sie sich in Form oxalsaurer Salze in mehreren Pflanzen. Von - besonderer Wichtigkeit ist das saure +oxalsaure Kalium+, welches - unter dem Namen +Kleesalz+, +Sauerkleesalz+, +Bitterkleesalz+ - (Sal Acetosellae) bekannt ist und in grösseren Mengen namentlich - in verschiedenen +Rumexarten+ vorkommt und bei unseren Haustieren - zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gibt (vgl. die Vergiftung durch - Rumexarten). Vergiftungen durch Verwechslung von Bitterkleesalz - mit Bittersalz sind bei den Haustieren, soviel bekannt, noch nicht - vorgekommen. -- Experimentell hat das in seiner Allgemeinwirkung der - Oxalsäure und den Oxalaten sehr ähnliche +Oxamid+ von der Formel - 2(CONH_{2}) eine gewisse Bedeutung erlangt (vgl. S. 140). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Oxalsäure wirkt je nach der -Konzentration +reizend+ oder +ätzend+ auf die Magendarmschleimhaut. -Die Erscheinungen bestehen daher zunächst in Uebelkeit, Würgen, -+Erbrechen+, Schlingbeschwerden und mehr oder weniger heftigen -+Kolikanfällen+. Nach ihrer Resorption ins Blut kann sie entweder sehr -rasch unter den Erscheinungen von Bewusstlosigkeit, Zusammenstürzen, -Krämpfen, starkem Sinken der Innentemperatur und Herzlähmung zum Tod -führen, oder sie bedingt im weiteren Verlauf charakteristische Symptome -von seiten des +Nervensystems+ und der +Nieren+. Die ersteren bestehen -in Zuckungen sowie tetanischen Krampfparoxysmen, welche später in -Lähmung übergehen. Die Nieren erkranken hauptsächlich dadurch, dass -die im Blute gebildeten +Kalziumoxalatkristalle+ eine +mechanische -Verstopfung+ der +Harnkanälchen+, sowie eine Verlegung des gesamten -sezernierenden Nierenparenchyms bedingen (+Kobert+ und +Küssner+), was -+Anurie+ und +Urämie+ mit tödlichem Ausgang zur Folge hat. Ausserdem -besteht Albuminurie, Hämaturie und Glykosurie. Bei der +Sektion+ findet -man die Erscheinungen einer +korrosiven+, häufig auch +hämorrhagischen -Gastroenteritis+. In den +Nieren+ beobachtet man konstant +zwischen -Rinde und Mark eine weisse, aus Kalziumoxalat bestehende Zone+. -Aehnliches wird nach der innerlichen Verabreichung von +Oxamid+ -beobachtet, wobei sogar förmliche Konkremente von Kalziumoxalat die -Ausführungsgänge der Nierenpapillen, die Harnleiter und die Harnröhre -verstopfen können (künstliche Harnsteine). Das Blut zeigt zuweilen eine -hellkirschrote Farbe. - -Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von Kalkwasser, -Zuckerkalk, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, sowie von -harntreibenden Mitteln. Der +Nachweis+ wird durch die Anwesenheit -der briefkuvertähnlichen Kalziumoxalatkristalle in der Niere, -Darmschleimhaut, Leber etc. geliefert; dieselben haben wohl auch die -Form von Nadeln, Wetzsteinen und Garbenbündeln. - - =Toxikologische Versuche.= Um die Wirkung der Oxalsäure auf - Pflanzenfresser und Fleischfresser kennen zu lernen, habe ich - Versuche mit derselben beim Schaf und Hund gemacht. - - 1. Ein 10 kg schwerer +Hund+ erhielt 10 g Oxalsäure in Wasser gelöst. - Sehr bald nach dem Eingeben (3 Minuten) stellte sich +Erbrechen+, - starke Unruhe, sowie heftiges +Stöhnen+ ein. 1 Stunde nachher zeigte - sich sehr angestrengtes Atmen, Mattigkeit bei der Bewegung, sowie - hochgradige Schmerzhaftigkeit bei der Palpation des Hinterleibs, nach - weiteren 3 Stunden +blutiger Durchfall+ mit Zunahme der Mattigkeit - und starker psychischer Depression. Am Tage nach der Verabreichung - hatte sich das Allgemeinbefinden gebessert; Erbrechen und Durchfall - bestanden jedoch fort, ausserdem war die Innentemperatur von 39,3° - C auf 37,4° C gefallen. Am 2. Tage sank die Temperatur auf 36,9° - C, die Mattigkeit des Tieres nahm zu, dasselbe lag schliesslich - gelähmt am Boden und starb in der darauffolgenden Nacht. Bei der - +Sektion+ fand man +hämorrhagische Gastritis+ und +Proktitis+, - +katarrhalische Enteritis+, +parenchymatöse+ und +hämorrhagische - Nephritis+, +Oxalatinfarkt der Niere+, sowie +Leberverfettung+. Der - genaue Sektionsbefund war folgender: Die Schleimhaut des +Magens+ - ist geschwollen, diffus gerötet und ebenso wie die geschwollene - Schleimhaut des +Dünndarmes+ mit grauweissem, zähem, glasigem - Schleime bedeckt. Im +Mastdarm+ ist die Schleimhaut in Falten, - Längsfalten gelegt und auf der Höhe der Falten punktförmig gerötet. - Die +Nieren+ fühlen sich derb an; die Züge der geraden Harnkanälchen - sind grauweiss, trübe und verbreitert, die Grenzschicht stark - gerötet. Im ganzen Parenchym der Niere, besonders aber in der - Rindenschicht finden sich sehr zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem - Kalk+; die geraden Harnkanälchen sind mit ihnen teilweise angefüllt - und erscheinen bei der makroskopischen Betrachtung als feine weisse - Striche. Die Rindenschicht erscheint sehr breit und setzt sich von - der Grenzschicht scharf ab. +An den Grenzen zwischen beiden macht - sich ein hellerer Saum bemerkbar.+ Das Nierenepithel ist stark - desquamiert, die Zellen vergrössert und in starker Verfettung - begriffen. Durch fettigen Detritus sind die Zellen vielfältig schon - gänzlich verfallen und ihre Konturen nicht mehr zu erkennen. Diese - Massen füllen die Harnkanälchen zusammen mit roten Blutkörperchen - und den Oxalsäurekristallen aus. Zwischen den +Leberzellen+ finden - sich ebenfalls vereinzelt Kristalle von +oxalsaurem Kalke+ vor. - Die Leberzellen selbst sind ausserordentlich stark in Verfettung - begriffen. In den vergrösserten Zellen besteht in vielen der - Zellinhalt aus grösseren und kleineren Fetttröpfchen. In der Blase - finden sich zirka 5 g einer milchigen Flüssigkeit, die aus Blasen-, - Nierenepithel und vielen Samenfädchen besteht. Ferner finden sich - Kristalle von +oxalsaurem Kalk+ darin. - - 2. Ein 70 Pfd. schwerer +Hammel+ erhielt 25 g Oxalsäure in Wasser - gelöst; 4 Stunden nach dem Einschütten der Arznei starb das - Versuchstier. Es zeigte starke Eingenommenheit der Psyche, starke - Schmerzhaftigkeit bei Druck auf den Hinterleib und die Nierengegend, - Brechbewegungen, sehr schwachen Puls, Unruheerscheinungen, Speicheln, - blutigen Durchfall, sowie gegen das tödliche Ende hochgradige - Dyspnoe. Die Sektion ergab folgenden Befund: Die Schleimhaut des - +vierten Magens+ erscheint geschwollen, in Falten gelegt, trüb, - glasig und gerötet. Die Rötung ist besonders ausgeprägt auf der - Höhe der Falten. Die Schleimhaut des +Dünndarms+ erscheint in den - Anfangsabschnitten gleichfalls geschwollen und schwach gerötet, - die des +Mastdarms+ ist geschwollen und graurot gefärbt. Die Milz - ist vergrössert, blaugrau gefärbt und von einer ziemlich steifen - Konsistenz. Auf der Schnittfläche tritt die braunrote Pulpa etwas - zurück, Lymphfollikel und trabekuläres Gewebe sind deutlich - kenntlich. Die +Leber+ ist geschwollen, die Ränder sind abgerundet, - die Kapsel gespannt und durchsichtig. Die Farbe der Leber ist eine - graubraune, die Konsistenz eine mürbe. Die Schnittfläche erscheint - sehr blutreich und ist ziemlich gleichmässig braunrot gefärbt. Die - Grenzen der Leberläppchen sind kaum kenntlich. Die Nierenkapseln - lassen sich leicht abziehen, die Farbe der +Nieren+ ist eine - hellgraubraune, ihre Konsistenz ziemlich derb. Auf der Schnittfläche - erscheint die Rindensubstanz rötlich grau, trüb, undurchsichtig. Die - Glomeruli erscheinen als kleine rote Pünktchen. Die Züge der geraden - Harnkanälchen sind erweitert und lassen sich auch in der Grenzschicht - noch gut erkennen. Aus den Sammelröhren fliesst bei Druck eine - schleimige, grauweisse, zähe Masse ab. -- Lungen- und Brustfell sind - glatt und glänzend. Die Lungen sind hellrot und in allen Teilen - lufthaltig. Die Schnittfläche erscheint rosafarben, feucht, glänzend. - Bei Druck wird eine feinblasige, schaumige Flüssigkeit entleert. - Die +mikroskopische+ Untersuchung des +Harns+ ergibt eine sehr - reichliche Menge von +oxalsauren Kalksalzen+, welche in drusenartiger - Anordnung liegen. Die meisten haben eine länglich-viereckige Gestalt, - einzelne lassen einen quadratischen Mittelpunkt erkennen, von dem - 4 gleichgestaltete, leicht quergestreifte Strahlen abgehen. Neben - diesen sternförmigen Kristallen werden auch vereinzelt nadelförmige, - mit feiner Spitze und ziemlich breiter Basis gefunden. Weiter ist - Blasenepithel und Nierenepithel nachzuweisen. Die Reaktion ist - neutral, Gallenfarbstoffe sind in geringer Menge und Eiweiss zu 1 - Proz. vorhanden. In der +Rindenschicht+ der +Niere+, aber auch in - der Mark- und Grenzschicht finden sich zerstreut im +Parenchym+ - zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem Kalk+. Die Kristalle werden - auch in den Harnkanälchen nachgewiesen. Das Epithel derselben ist - teilweise deformiert, die Zellen sind getrübt. Ferner finden sich in - den Harnkanälchen zahlreiche rote Blutkörperchen. Die +Leberzellen+ - sind mit Fettkörnchen reichlich angefüllt und scheinen etwas - vergrössert. Zwischen ihnen finden sich vereinzelt +Kristalle+ von - +oxalsaurem Kalk+. Der Sektionsbefund ist mithin ein ähnlicher wie - beim ersten Versuche. - - - =Oxalurie.= Mit diesem Namen wird eine beim Menschen, namentlich - in England, beobachtete chronische Krankheit bezeichnet, welche - sich durch sehr reichliche Ausscheidung von oxalsaurem Kalk im Harn - charakterisieren, mit schweren psychischen Depressionszuständen - verlaufen und eine Prädisposition für Diabetes mellitus bilden soll. - Man bringt die Bildung des Kalziumoxalats mit anhaltender Körperruhe - und unvollständiger Verbrennung des Eiweisses in Verbindung. - Vereinzelt soll die Krankheit auch durch den Genuss oxalhaltiger - Pflanzen und Limonaden beim Menschen entstehen. Sie wird daher wohl - auch als „chronische Oxalvergiftung“ aufgefasst (+Kobert+). Bei den - Haustieren ist nichts Derartiges bekannt. - - -Jodoformvergiftung. - - =Allgemeines.= Vergiftungen mit Jodoform kamen früher besonders bei - +Hunden+ vor, wenn dieselben sich das auf die Wunde aufgestreute - Jodoform ableckten. Ich habe selbst mehrere solche Fälle bei - Hunden beobachtet. Auch +Albrecht+ hat einen Fall veröffentlicht - (Wochenschr. f. T. 1887). Die +tödliche Dosis+ des Jodoforms soll - für Warmblüter nach den Untersuchungen von +Poljäkow+ (Russischer - Veterinärbote 1884) bei Einführung in die serösen Säcke 0,5 g - pro Kilo Körpergewicht, 1,0 g bei stomatikaler und 1,5-2,0 g bei - subkutaner Anwendung betragen. Von Wunden aus wirkt Jodoform - jedenfalls schon in kleineren Dosen tödlich. Auch verhalten sich - nicht alle Tiere gleich. So starb z. B. eine ältere Kuh, welcher ich - versuchsweise 50 g Jodoform innerlich verabreichte, nach 36 Stunden - unter Temperaturabfall, Krämpfen und Narkose; die Sektion ergab - Gastroenteritis, Drüsenveränderungen und Lungenhypostase. Dagegen - ertrug ein 10 Tage altes Kalb 5 g Jodoform innerlich ohne jede - Reaktion. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Jodoform wirkt dadurch, dass -es im Körper freies Jod abgibt. Die Jodoformvergiftung ist also im -wesentlichen eine Jodvergiftung. Man hat dabei zwischen einer akuten -und chronischen Vergiftung zu unterscheiden. - -1. Die +akute Jodoformvergiftung+ (akuter Jodismus) äussert sich -zunächst in +leichten gastrischen Störungen+ (Appetitverlust, -Erbrechen, Verstopfung), sodann in +Schläfrigkeit+, +Betäubung+ und -+Koma+, welche von +Krampfanfällen+ unterbrochen werden. Hunde zeigen -zuweilen schon anfangs +starke Aufregung+ und selbst wutähnliche -Zufälle. Weiter findet +starkes Sinken der Innentemperatur+ statt und -es entwickeln sich die Zeichen der +Herzschwäche+ (sehr frequenter, -kleiner Puls, pochender Herzschlag, Dyspnöe, Oligurie, Albuminurie). - -Bei der +Sektion+ findet man als Hauptveränderungen +Verfettung+ der -grossen +Körperdrüsen+ (Leber, Niere), des +Herzmuskels+ und der -+Skelettmuskeln+, sowie zuweilen +Glomerulonephritis+ und +Verkalkung+ -der +Niere+. - -2. Die +chronische Jodoformvergiftung+ (chronischer Jodismus) verläuft -unter den Erscheinungen der chronischen Jodvergiftung. Dieselben -bestehen in +Abmagerung+, +Schwund der Drüsen+, namentlich der -Milchdrüse, +Jodexanthem+ und +Katarrh der Schleimhäute+, insbesondere -der Nasenschleimhaut (Jodschnupfen), der Lidbindehaut, der Kehlkopf- -und Bronchialschleimhaut. Die beim Menschen ausserdem vorkommenden -zerebralen Störungen (Melancholie, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, -Gedächtnisschwäche) sind bei den Haustieren bisher nicht beobachtet -worden. - - -=Behandlung.= Man hat zunächst das Jodoform durch +Brechmittel+ aus dem -Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote gegen +Jod+ gibt es wenige. -Man kann versuchen, durch grosse Dosen von +Stärkemehl+ (Jodstärke) -oder +Eiweiss+ (Jodalbuminat) das Jod unwirksam zu machen. Auch die -Verabreichung von +Natrium+ und +Kalium bicarbonicum+, sowie von -+Bromkalium+ zur Bindung des Jods ist empfohlen worden. Ausserdem -wird +Natrium subsulfurosum+ (Natriumthiosulfat) von der Formel -Na_{2}S_{2}O_{3} als spezifisches Antidot gegen Jodvergiftung empfohlen -(J_{2} + 2 Na_{2}S_{2}O_{3} = 2 NaJ + Na_{2}S_{4}O_{6}). Daneben wird -+symptomatisch+ mit +Exzitantien+ behandelt (Aether, Kampfer, Koffein -etc.). - - -=Nachweis.= Das im Magen und Darm enthaltene Jodoform wird aus -dem schwach alkalisch gemachten wässerigen Destillat mit +Aether+ -ausgeschüttelt. Es kristallisiert dann nach dem Verdunsten des Aethers -meist in charakteristischen +gelben hexagonalen Tafeln+ aus; seltener -bildet es undeutliche Kristalle oder ist amorph. Erhitzt man ferner die -Lösung des Jodoforms in wenig Alkohol mit sehr wenig +Phenolnatrium+, -so zeigt sich sehr bald am Boden eine rötliche Abscheidung von -+Rosolsäure+, welche sich in verdünntem Weingeist mit schöner -karminroter Farbe löst. - -In den inneren Körperorganen kann das Jodoform als solches nicht -mehr nachgewiesen werden, weil es sich unter Abspaltung von Jod -zersetzt hat. Zum Nachweise dieses im Körper an Kalisalze gebundenen -Jods müssen die zu untersuchenden Massen zunächst durch +Glühen+ -mit +Natronsalpeter+ von organischen Beimengungen befreit werden, -worauf der Rückstand mit Kohle gemengt und geglüht, nach dem Erkalten -mit Alkohol ausgezogen, der Auszug verdunstet, der Rückstand -(Jodnatrium) in wenig Wasser gelöst und vorsichtig mit verdünnter -+Schwefelsäure+ übersättigt wird. Die schwefelsaure Flüssigkeit -wird sodann unter Zusatz von etwas Braunstein oder chromsaurem Kali -überdestilliert und das Jod dadurch in Form violetter Dämpfe frei -gemacht. Das übergegangene Destillat gibt ferner auf Zusatz von -kaltem +Stärkekleister+ +Blaufärbung+ und mit +Chloroform+ oder -+Schwefelkohlenstoff+ eine +violette+ Farbe. - - =Jod.= Vergiftungen durch freies Jod sind bei den Haustieren bisher - nicht beobachtet worden. Dagegen haben experimentelle Versuche mit - Jod bei unseren Haustieren folgendes ergeben. +Hunde+ starben nach - der innerlichen Verabreichung von 8-12 g Jod (+Hertwig+). Ferner - genas ein Hund auf 4,7 g Jod nach vorausgegangenem heftigem Erbrechen - und Schluchzen (+Orfila+), ein anderer nach 6 g Jod. Nach 14tägiger - Verabreichung von täglich 2mal 0,6-0,9 g Jod zeigten Versuchshunde - starke Abmagerung, Erbrechen und Diarrhöe. Nach +Böhm+ starben Hunde - nach intravenöser Applikation von 0,04 freiem Jod pro kg; 0,02 - und 0,03 g werden dagegen noch gut ertragen. Pferde zeigen nach - 14tägiger innerlicher Verabreichung von täglich 2mal 2-4,0 g Jod - starke Abmagerung und Durchfall; 4-8,0 g Jod intravenös eingespritzt - erzeugten Taumeln, Betäubung, Zusammenstürzen, Atmungsbeschleunigung, - konstant schmerzhaften Husten, Pupillenerweiterung und Mattigkeit - (+Hertwig+). Auf die roten Blutkörperchen wirkt Jod auflösend - (+Methämoglobinämie+); ähnlich wirken die jodsauren Salze. Einen - Fall von Jod-Idiosynkrasie bei einem Hund nach Verabreichung von - Lebertran hat +Frick+ beschrieben (D. t. W. 1898). Kaninchen zeigen - bei Jodvergiftung (0,1) Hämaturie und Nierenverkalkung (+v. Kossa+). - - - =Jodkalium.= Die innerliche Anwendung des Jodkaliums gegen - Aktinomykose des Rindes und Botryomykose des Pferdes hat - neuerdings vielfach +akuten+ und +chronischen Jodismus+ (vergl. - S. 143) zur Folge gehabt. +Gerö+ (Veterinarius 1901) verabreichte - einem 1½jährigen Stier gegen Sarkom innerlich in 4 Tagen 70 g - Jodkali, worauf derselbe schwer erkrankte und Schwellung der - Augenlider, Tränenfluss, Zähneknirschen und Speicheln, rote - Flecken auf der Nasenschleimhaut, Strangurie, Albuminurie, sowie - Lähmungserscheinungen zeigte, sich jedoch wieder erholte. +Bouchet+ - (Progr. vét. 1902) sah bei einem Pferd, das gegen Aktinomykose ein - ganzes Jahr lang insgesamt 1½ kg Jodkalium erhielt, Haarausfall - über den ganzen Körper, sowie nässende Ekzeme an allen fein - behaarten Körperstellen. +Schuster+ (Woch. f. T. 1906) beobachtete - bei einem Zuchtstier mit Zungenaktinomykose, der in 6 Tagen 60 g - Jodkalium erhalten hatte, Ekzem über den ganzen Körper, Nasen- und - Augenausfluss, sowie Appetitlosigkeit. In dem von +Wester+ (Holl. - tierärztl. Zeitschrift 1898) beschriebenen Fall zeigte ein Pferd nach - 5 Dosen von je 10 g Jodkalium am 5. Tage Appetitlosigkeit, Husten, - Jodexanthem, besonders am Kopf, starke Abmagerung und Schwanken. Ich - habe ähnliche Fälle bei Pferden mit Samenstrangfisteln beobachtet, - welche in der Praxis mit Jodkalium vorbehandelt waren. Neuerdings - (Monatsh. f. pr. T. 1907) beobachtete ich ein ausgedehntes squamöses - und krustöses Exanthem mit starker Hautverdickung bei einem Pferd, - das 20 Tage lang täglich 5 g Jodkalium innerlich und ausserdem - subkutan 50 g Jodipin erhalten hatte. - - - =Jodzyan.= Das Jodzyan von der Formel CNJ wird als - Konservierungsmittel für zoologische Sammlungen benützt und ist - sehr stark giftig (Jodwirkung = Methämoglobinämie, ausserdem - Blausäurewirkung). - - - =Brom.= Vergiftungen durch freies Brom oder durch Bromsalze - sind bei den Haustieren ebenfalls noch nicht zur klinischen - Beobachtung gelangt. Nur in einem Fall konnte ich bei einem an - Starrkrampf erkrankten Pferde, welches innerhalb 4 Tagen 500 g - Bromkalium erhalten hatte, ein über den ganzen Körper verbreitetes - +Bromexanthem+ mit starker Schwellung und teilweiser +Nekrose+ der - Haut beobachten. Dagegen ist experimentell festgestellt, dass Hunde - nach einmaligen Dosen von 20-50 g, Pferde nach solchen von 250-300 - g Bromkalium sterben. Es lässt sich ferner auch bei Tieren ein - +chronischer Bromismus+ experimentell hervorrufen. Derselbe äussert - sich in psychischer Depression, +Abmagerung+, +lähmungsartiger - Schwäche+, Impotenz, Zittern, Konjunktivitis, +Laryngitis+, - Bronchialkatarrh, +Magendarmkatarrh+, sowie +Ekzembildung+ auf - der Haut (Urtikaria, Furunkulosis, Akne, Geschwüre etc. infolge - Ausscheidens freien reizenden Broms in die Talgdrüsen und - Schweissdrüsen der Haut; +Bromexanthem+). Die +Sektion+ ergibt - ausgebreitete +parenchymatöse Myelitis+, sowie stellenweise - Sklerosierung des Rückenmarks, +parenchymatöse+ Veränderungen der - +zerebralen Ganglienzellen+ (Volumsvergrösserung) neben +fettiger - Muskelentartung+. Das Einatmen von +Brom+ erzeugt ähnliche - Entzündungszustände der Respirationsschleimhaut wie das Chlor. - - - =Chlorvergiftungen= sind bei den Haustieren sehr selten. In - einem von +Rost+ beobachteten Falle standen Pferde in einer - chemischen Fabrik in der Nähe der geöffneten Chlorkammern; sie - zeigten hochgradige Atemnot, sehr schmerzhaften Husten und die - Erscheinungen des Lungenödems. Einen ähnlichen Fall hat +Lungwitz+ - (Sächs. Jahresber. 1900) bei Rindern nach der Desinfektion eines - Stalles mit Chlorkalk beobachtet. Bezüglich des +Chlorkalks+ ist - durch Versuche von +Hertwig+ festgestellt, dass von den Tieren - innerlich ziemlich grosse Dosen ertragen werden. Nach 1000,0 g bei - Pferden und Kühen, 30,0 g bei Schafen und Ziegen, 15,0 g beim Hund - war nur etwas Puls- und Atmungsbeschleunigung, Tränen, vermehrter - Harn- und Kotabsatz, sowie ein Chlorgeruch des Harns zu bemerken. - Chlorwasser ertrugen Pferde und Rinder noch in Dosen von 1500 g, - dagegen starben Hunde auf 150 g. Intravenös hatte Chlorkalk beim - Pferde (mit 120 g Wasser gemischt) Schwindel, Mydriasis, Blässe der - sichtbaren Schleimhäute, Zusammenstürzen und nach 30-50 Minuten den - Tod zur Folge. 60 g Chlorwasser intravenös gegeben, erzeugten bei - einem Pferde Mattigkeit und Zittern. +Beier+ (Zeitschr. f. Vetkde. - 1902, S. 170) hat einen tödlichen Fall von Chlorkalkvergiftung - bei einem Militärpferde beobachtet, das etwa 300 g Chlorkalk in - 10 l Wasser (Hufbad) aufgenommen hatte. Das Pferd zeigte hierauf - +kolikartige+ Erscheinungen, schmutzig ziegelrote Farbe und - Schwellung der Augenschleimhäute, drahtförmigen Puls (60 Schläge - bei 38,5° C.), pochenden Herzschlag und verendete plötzlich. Die - Sektion ergab brandige Entzündung des gesamten Verdauungskanals - (schwarze Verfärbung des Zungengrundes, starke Schlundkopfentzündung, - gelbsulzige Massen in der Umgebung des sonst intakten Schlundes, - namentlich der Brustportion desselben (ähnliche Massen am Dünn- und - Dickdarmgekröse), blutige Entzündung der Darmschleimhaut (besonders - der Mastdarmschleimhaut). Alle Teile des Magen- und Darminhalts - zeigten starken Chlorgehalt. - - - =Fluorwasserstoffsäure.= Die Fluorwasserstoffsäure von der Formel - FH wirkt durch ihre Dämpfe ähnlich reizend wie die Salzsäure. Das - Fluornatrium, FNa, soll nach +Tappeiner+ ein Protoplasmagift sein, - welches subkutan lokale Eiterung und Nekrose, auf der Hornhaut - Geschwüre und intravenös Krämpfe erzeugt; als spezifische Erscheinung - soll ausserdem Salivation auftreten. Bei der Sektion findet man - ulzeröse Gastroenteritis und Nephritis. Im übrigen widersprechen sich - die Angaben über die Giftigkeit bezw. Nichtgiftigkeit der Flusssäure - und des Fluornatriums sehr. Die nach Verfütterung von +phosphorsaurem - Futterkalk+ bei Schweinen beobachteten Krankheitserscheinungen - (mangelnde Fresslust, Abmagerung, Somnolenz, Schwäche und Lähmung; - Schwellung, Hämorrhagien und Aetzung der Magendarmschleimhaut bei der - Sektion) werden von +Dammann+ und +Manegold+ (Deutsch. tierärztl. - Woch. 1904) auf den Fluornatriumgehalt des verfütterten Kalkes - zurückgeführt. Da vergleichende Versuche mit löslichen Fluorsalzen - bei Schweinen nicht gemacht wurden und die Angaben über die - Giftigkeit der Fluorverbindungen sehr differieren, bleibt die Frage - unentschieden, wodurch die Schädlichkeit des Futterkalks bedingt war. - - -Karbolsäurevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Karbolsäure veranlasst in verschiedenen Formen - Vergiftungen bei den Haustieren. 1. Die +reine Karbolsäure+ - (kristallisierte Karbolsäure) ist eine farblose oder kaum rötliche, - erstarrte kristallinische Masse, welche sich in 1 : 20 Wasser löst. - Mit 1/10 Wasser gemischt, bildet sie die verflüssigte Karbolsäure - (Acidum carbolicum liquefactum). Die reine Karbolsäure hat seit - ihrer Einführung als Antiseptikum (1870) zahlreiche Vergiftungen - verursacht. Dieselben sind teils bei der Wundbehandlung (namentlich - bei Katzen), teils in der Geburtshilfe (Ausspülung des Uterus beim - Rind und Hund), vor allem aber bei der Behandlung der Räude der - Schafe, Hunde und Pferde mittels Karbolbädern und Karbolwaschungen - beobachtet worden. 2. Die +rohe Karbolsäure+ des Handels stellte - früher das Rohprodukt der reinen Karbolsäure dar und enthielt - bis zu 80 Proz. derselben. Gegenwärtig ist sie nahezu ganz frei - von Karbolsäure und besteht fast ausschliesslich aus den höheren - Homologen der Karbolsäure, namentlich Kresolverbindungen; vergl. - S. 154. Vergiftungen ereignen sich bei der Anwendung der rohen - Karbolsäure als Desinfektions- und Räudemittel. 3. Der +Teer+ wird - teils als Holzkohlenteer, teils als Steinkohlenteer benützt. Er - enthält in beiden Formen grössere Mengen von Karbolsäure (neben - Kreosot, Naphthalin, Kresol, Holzessigsäure, Brenzkatechin, Benzol) - und gibt bei der Räudebehandlung (Teereinreibungen bei Hunden und - Katzen) und Desinfektion (Ablecken des Teeranstrichs durch Rinder) - Veranlassung zur Karbolvergiftung. 4. Das +Kreosot+ enthält in der - im Handel vorkommenden Form immer grössere Mengen von Karbolsäure; - das reine, offizinelle, aus Buchenholzteer dargestellte Kreosot soll - dagegen nur aus Guajakol und Kreosol bestehen. Kreosotvergiftungen - zeigen sich bei Hunden, Schafen, Pferden und Katzen bei der - Räudebehandlung; sie stellen meistens Karbolvergiftungen dar. 5. Der - +Holzessig+ enthält neben Karbolsäure Kresol, Essigsäure, Holzgeist - und Azeton. 6. Das +Kreolin+, +Lysol+, +Bazillol+ und andere ähnliche - Kresolpräparate enthalten entweder gar keine oder nur Spuren von - Karbolsäure, können also für gewöhnlich eine Karbolvergiftung nicht - bedingen. Ueber die Giftwirkung der Kresole vergl. S. 154. 7. Das - +Gaswasser+ bildet sich neben dem Steinkohlenteer als wässeriges - Destillat bei der Gasfabrikation. Es enthält neben Karbolsäure - und Teerbestandteilen namentlich Zyan- und Ammoniumverbindungen - (Zyanammonium, chlorsaures Ammonium und Schwefelammonium). Es - gibt zu Karbolvergiftungen Veranlassung, wenn in der Nähe von - Gasfabriken weidende Rinder von dem Gaswasser trinken. 8. Das - +stinkende Tieröl+ besteht aus Karbolsäure, Kreosot, Pyridinbasen und - Ammoniumverbindungen; Vergiftungen ereigneten sich früher bei der - Anwendung als Räudemittel und Wurmmittel. 9. Der +Russ+, welcher in - der Hauptsache aus Kohle besteht, enthält ebenfalls geringe Mengen - von Karbolsäure und Kreosot und kann bei reichlicher Aufnahme eine - Karbolvergiftung bedingen (vergl. die Kasuistik). - - -=Krankheitsbild.= Die Karbolsäure wirkt in konzentriertem Zustand -örtlich +ätzend+. Nach ihrer Resorption wirkt sie als zentrales -Nervengift teils +lähmend+, teils +krampferregend+. +Die Erscheinungen -der Karbolvergiftung bei Tieren unterscheiden sich durch das -Hinzutreten von Krämpfen wesentlich von der Karbolvergiftung beim -Menschen.+ Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind: +Verätzung+ -der Lippen- und Mundschleimhaut bei konzentrierter Anwendung; -Appetitverminderung, Speicheln, +Erbrechen+, Diarrhöe, leichte -+Kolikschmerzen+, Aufbiegen des Rückens; schmutzig getrübter, -+grünlichbrauner+ (Hydrochinon), eiweisshaltiger, nach Karbolsäure -riechender +Harn+; Parese und Paralyse der Nachhand, +Lähmung+ des -ganzen Körpers, zuweilen plötzliches Zusammenstürzen, +Zittern+, -Schreckhaftigkeit, Unruhe, +tonisch-klonische Krämpfe+, +Betäubung+, -+Koma+, +Kollaps+; +Sinken der Innentemperatur+ bei Beschleunigung des -Pulses; unregelmässige, erschwerte Respiration. Zuweilen entwickeln -sich die Symptome einer +Nephritis+ (weisse und rote Blutkörperchen, -Zylinder im Harn). Der +Verlauf+ der Karbolvergiftung ist zuweilen -ausserordentlich rasch; in anderen Fällen kann die Dauer 2-3 Tage, -zuweilen auch viel länger betragen (bis zu 14 Tagen). - - -=Sektionsbefund.= Bei konzentrierter innerlicher Verabreichung -findet man die Erscheinungen einer +korrosiven Gastroenteritis+. Die -Allgemeinveränderungen, wie sie namentlich nach der epidermatischen -Anwendung der Karbolsäure auftreten, bestehen in Leberverfettung, -parenchymatöser Degeneration des Herzens, Verfettung der Nieren und -zuweilen in parenchymatöser Nephritis. Daneben findet man dunkles, -schlecht geronnenes, schmieriges Blut, Gehirn- und Lungenhyperämie, -Piaödem, serösen Erguss in die Ventrikel, sowie Karbolgeruch aller -Organe. - - -=Behandlung.= Das wichtigste chemische Antidot der Karbolsäure ist die -+Schwefelsäure+. Sie wird entweder als solche in sehr stark verdünntem -Zustand oder in Form der schwefelsauren Alkalien, namentlich als -+Glaubersalz+ und +Bittersalz+ verabreicht (Bildung von ungiftigem, -phenolsulfonsaurem Kalium im Blut). Auch +Seife+ wird als ein gutes -Gegengift empfohlen (Bildung einer Emulsion, Umwandlung der Karbolsäure -in ungiftiges Phenolnatrium). Neuere Gegenmittel sind +Jodtinktur+ -(Bildung von Jodphenol) und Terpentinöl. Ausserdem verabreicht man -+einhüllende+ Mittel, namentlich +Eiweiss+, welches mit Karbolsäure -einen Niederschlag gibt; auch +Leimwasser+ besitzt diese Eigenschaft. -Bei Hunden und Pferden kann man ferner eine +Magenausspülung+ -vornehmen. Die Lähmungserscheinungen behandelt man mit +exzitierenden+ -Mitteln, namentlich mit subkutanen Aether- und Kampferinjektionen, mit -Hoffmannstropfen, Wein, Kaffee, Koffein, Atropin, Hyoszin oder Veratrin. - - -=Nachweis.= Die Karbolsäure ist meist schon allein durch den +Geruch+ -festzustellen. Auch die +schwarzbraune+ Verfärbung des +Harns+, -sowie die +grauweissen Aetzschorfe+ sind klinische Kennzeichen. -Zum Zweck des chemischen Nachweises wird die Karbolsäure aus den -Eingeweiden und dem Blut gewöhnlich durch +Destillation+ nach -vorheriger schwacher Ansäuerung mit Schwefelsäure oder Phosphorsäure -abgeschieden, wobei sofort der +kreosotartige+ Geruch des Destillates -auffällt. Aus dem Destillat wird sodann die Karbolsäure durch -Schütteln mit Aether ausgezogen und nach dem Verdunsten des Aethers -konzentriert erhalten. Eine andere Extraktionsmethode besteht -darin, dass der mit Schwefelsäure angesäuerte Mageninhalt mit dem -vierfachen Alkohol gemischt, nach 24 Stunden filtriert und der -Alkohol im Vakuum bei möglichst niederer Temperatur abdestilliert -wird. Der mit Petroleumäther entfettete Rückstand wird sodann mit -Benzin ausgeschüttelt, welches die Karbolsäure leicht aufnimmt. -Behufs Vornahme der Einzelreaktionen wird die Karbolsäure in Wasser -gelöst. Diese Reaktionen sind folgende: 1. +Bromwasser+ gibt mit -wässerigen Karbollösungen einen +gelblichweissen, kristallinischen -Niederschlag+ von +Tribromphenol+[3], welcher mikroskopisch aus -einem Gewirre feiner, häufig zu Drusen vereinigter Kristallnadeln -besteht (Empfindlichkeit 1 : 100000; bei starker Verdünnung tritt der -Niederschlag nur langsam ein). Dieser Niederschlag kann auch gesammelt, -gewogen und auf Karbolsäure berechnet werden (quantitative Analyse). -2. +Schwefelsaures Eisenoxyd+ färbt die wässerige Karbollösung noch -bei 1 : 2000 +blaulila+, +Eisenchlorid violett+. 3. +Ammoniaklösung+ -(¼) und +Chlorkalklösung+ (einige Tropfen einer 5prozentigen) färben -das Karbolwasser nach gelindem Erwärmen +königsblau+ noch bei einem -Karbolgehalt von 1 : 20000. 4. +Salpetersaures Quecksilberoxydul+ -(NO_{2}haltig) mit Karbollösung erwärmt, gibt eine +Rosafärbung+; -Empfindlichkeit 1 : 100000. 5. +Anilin+ und unterchlorigsaures Natron -in gleichen Teilen der stark verdünnten Säure zugesetzt, geben eine -+Blaufärbung+ (= erythrophenolsaures Natron), welche sich bei Zusatz -einer Säure in Rot umwandelt; Empfindlichkeit 1 : 66000. 6. +Eiweiss+ -und Leim werden durch konzentrierte Karbolsäure aus ihren Lösungen -+ausgefällt+; auf der Haut entsteht ein +weisser Aetzschorf+. 7. Ein -+Fichtenspan+, der in wässerige Karbollösung getaucht ist, wird beim -Befeuchten mit konzentrierter Salzsäure +blau+ (unsicher). - - -=Kreosot= färbt sich in ganz reinem Zustand (Kreosol-Guayakol) -im Gegensatz zur Karbolsäure mit Eisenchloridlösung unter Zusatz -von Weingeist +grün+, bei Wasserzusatz wird die Lösung +farblos+. -Weil jedoch das Kreosot meist Karbolsäure enthält, wird die Lösung -nach Wasserzusatz gewöhnlich violett. +Ein Mittel, Kreosot bei -gleichzeitiger Anwesenheit von Karbolsäure nachzuweisen, gibt es nicht.+ - - =Karbolsäure.= Am empfindlichsten gegen Karbolsäure sind +Katzen+; - sie können schon durch sehr kleine Dosen von Wunden aus (0,5-1,0) - sehr rasch vergiftet werden. Hunde sterben nach der innerlichen - Verabreichung von 2-7 g. Am wenigsten empfindlich scheinen +Pferde+ - gegenüber der innerlichen Anwendung der Karbolsäure zu sein. Nach - +Munk+ (Berliner Archiv 1882) ertrugen mittelgrosse Pferde ohne - Nachteil 100 g Karbolsäure auf einmal, sowie 500 g im Verlauf einer - Woche; er führt dies auf die vermehrte Oxydation der Karbolsäure - im Blut des Pferdes und auf die raschere Umwandlung zu Hydrochinon - zurück. -- Von den in der Literatur verzeichneten Vergiftungsfällen - mögen die nachstehenden kurz erwähnt sein. Einem mit einem - Widerristschaden behafteten Pferde wurden 350 g einer konzentrierten - spirituösen Karbolsäurelösung innerhalb 2 Tagen eingerieben. Am - 2. Tage stürzte das Pferd plötzlich zusammen, zeigte allgemeine - Lähmung, starken Schweissausbruch, angestrengte Atmung, unfühlbaren - Puls, Erweiterung der Pupille und starb bald hernach. Die Sektion - ergab lediglich eine schwarze teerartige Beschaffenheit des Blutes - (+Thoms+, Preuss. Mitt. 1879). -- Von 5 räudigen Pferden, welche vom - Besitzer 3mal innerhalb 6 Tagen mit einer spirituösen Karbollösung - (1 : 3) eingerieben worden waren, starben 2 am 3., die übrigen 3 - bis zum 10. Tage unter heftigen Kolikerscheinungen, hochgradiger - Schwäche und Entleerung eines dunkelbraun gefärbten Harnes (Berl. - Arch. Bd. 13). -- Im Regiment Chasseurs d’Afrique wurde ein räudiges - Pferd mit einer 10proz. Lösung von roher Karbolsäure eingerieben. - Nach einer Stunde zeigte es heftiges Zittern, Schreckhaftigkeit, - Schwanken, Muskelzuckungen am ganzen Körper, sowie beschleunigte - Atmung; die Haut war an den eingeriebenen Stellen geschwollen und - schmerzhaft (+Décroix+, Recueil 1873). -- Nach dem Berieseln einer - grossen Hautwunde mit Karbolwasser (rohe Karbolsäure) traten 8 - Stunden darauf Zittern, Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie nach - 6stündiger Krankheitsdauer der Tod ein (+Schäfer+, Berl. Arch. 1885). - -- Nach Abnahme der Nachgeburt bei einer Kuh wurde der Uterus mit - einer Auflösung von 140 g Karbolsäure in 12 l Wasser ausgespült. - Bald darauf stellten sich allgemeines Zittern und Schwanken, - sowie periodische Krampfanfälle, besonders an den Nackenmuskeln, - Augenmuskeln und Ohrenmuskeln ein. Die Atmung war sehr erschwert, und - das Tier hatte Mühe, sich auf den Beinen zu erhalten. Nach 4stündiger - Dauer waren die Erscheinungen wieder verschwunden (+van Leuwen+, - Holl. Vet.-Zeitschr. 1888). -- Karbolsäurelösung, tropfenweise auf - die Haut von Katzen gebracht, hatte klonisch-tonische Krämpfe zur - Folge (ibidem 1887). -- 120 Schafe wurden in Karbollösung gebadet. - 15 starben, mehrere fielen schon während des Badens um. Die Atmung - war sehr angestrengt (+Schmitt+, Preuss. Mitt. 1881). -- Von 40 - mit Karbolsäurelösung gewaschenen Schafen starben 23 (+Schumann+, - ibidem 1883). -- Hühner starben an Karbolvergiftung nach Aufnahme - von Karbolkalk (Oesterreich. Vierteljahrsschrift 1883). -- Ein - Rattenfänger zeigte nach dem Waschen einer Wunde mit 2½proz. - Karbolwasser Zittern, Taumeln, Zusammenstürzen, Muskelzuckungen, - sowie völlige Bewusstlosigkeit; nach 2 Tagen entstand ausgedehnte - Mumifikation der Haut (+Schmid+, Woch. f. Tierh. 1900). -- Ferkel - zeigten angeblich nach der Desinfektion des Stalles mit reiner - Karbolsäure Apathie, Zittern, beschleunigte Atmung und Herztätigkeit, - dunkelrote Farbe der Ohren und aufgehobene Fresslust; die Sektion - soll amyloide und fettige Degeneration der Leber ergeben haben - (+Teply+, ibid. 1905). - - - =Teer.= Experimentelle Untersuchungen über Karbolvergiftung nach - +Teereinreibungen+ sind von +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Sächs. - Jahresber. 1882) an Hunden und Schafen gemacht worden. Ein räudiger - Jagdhund, welcher über den ganzen Körper leicht eingeteert wurde, - zeigte sich am nächsten Tag matt und unlustig, frass schlecht und - lag viel. Die Temperatur war von 39,0° auf 37,2° gesunken. Am 2. - und 3. Tag fiel die Temperatur auf 36,0°. Die Atmung war beschwert. - Am 4. Tag trat Lähmung eines Hinterbeines, sowie grosse allgemeine - Schwäche ein. Am 5. Tag war die Lähmung vollständig, namentlich war - Paralyse der Nachhand vorhanden, der Harn war von grünlichbrauner - Farbe, enthielt Gallenfarbstoffe und Spuren von Eiweiss. Nach - Verabreichung von Glaubersalz trat innerhalb 3 Wochen Genesung - ein. Nach einer später 2mal wiederholten Einteerung des ganzen - Körpers zeigte derselbe Versuchshund Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - Zittern und Sinken der Körpertemperatur. Am 4. Tag war Karbolsäure - im Harn, sowie am 6. Tag Lähmung des Hinterteils nachzuweisen. - Es bestand starkes Speicheln (Ablecken). In den nächsten Tagen - traten Muskelzuckungen auf. Unter Zunahme der Mattigkeit starb der - Hund am 15. Tag unter Krämpfen. Die Sektion ergab hämorrhagische - Gastroenteritis, Leberverfettung, Nierenverfettung, parenchymatöse - Degeneration des Herzmuskels, Lungenödem, sowie starke seröse - Hyperämie in der Brust- und Bauchhöhle. Die Magendarmentzündung war - durch Ablecken des Teers entstanden. Ein ebenfalls eingeteertes - Schaf zeigte ähnliche Erscheinungen. Die Temperatur sank von 39,5 - auf 38,4°; im Harn war Karbolsäure und Eiweiss nachzuweisen; der - Tod erfolgte unter klonischen Krämpfen. Bei der Sektion fand man - parenchymatöse Nephritis, markige Schwellung der Gekrösdrüsen, - leichten Magendarmkatarrh und vereinzelte Hämorrhagien, Oedem der - Pia, Anfüllung der Seitenventrikel des Gehirns mit Serum. Bei - einem zweiten Schaf, bei welchem nur der vierte Teil des Körpers - überfirnisst wurde, zeigte sich Temperaturabfall, grünlichbrauner, - Eiweiss, Epithelien, Leukozyten und Karbolsäure enthaltender - und deutlich nach Karbolsäure riechender Harn, sowie Parese der - Nachhand. Nach Verabreichung von Schwefelsäure und Glaubersalz - trat bald Besserung ein. -- +Grosswendt+ (Zündels Jahresbericht - 1881) beobachtete bei Kühen, welche den Teeranstrich von den Wänden - abgeleckt hatten, starkes Speicheln, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - dunkelgefärbten Harn, Polyurie, schwarzen, breiartigen Kot, sowie - Schwäche im Hinterteil. Eine Kuh starb nach 15 Tagen. -- Ein Rind, - dem wegen Hornbruchs ein Teerverband mit reichlichem Eindringen von - Teer in die Stirnhöhle angelegt worden war, zeigte einen starken - soporösen Zustand, der nach Anwendung von Kaffee und Branntwein - verschwand (+Beel+, Holländ. Zeitschr. 1890). -- Eine Kuh zeigte - nach dem Trinken von Wasser aus einem Teerfass verminderten Appetit, - Speicheln und dunklen Harn (+Gebhard+, Woch. f. T. 1902). - - - =Kreosot.= Die giftige Wirkung des reinen, karbolsäurefreien Kreosots - auf die verschiedenen Haustiere ist geringer als die der Karbolsäure. - Die +Vergiftungserscheinungen+ bestehen, abgesehen von den örtlichen - Veränderungen, in +Lähmungszuständen+ und +Betäubung+; im Gegensatz - zur Karbolsäure sollen Krämpfe fehlen. Hunde sterben nach +Hertwig+ - auf 2-8 g Kreosot unter Eintritt von Schwäche, Schwindel, Lähmung, - Erbrechen und Erstickungsanfällen. Bei dem oft hohen Karbolgehalt - der gewöhnlichen, nicht offizinellen Kreosotsorten des Handels - stimmt das Bild der Kreosotvergiftung jedoch häufig mit dem der - Karbolsäurevergiftung vollkommen überein. So beobachtete +Germain+ - (Recueil de méd. vét. 1882) nach der Einreibung von 130 g Kreosot - bei Pferden Schwanken, Hinfälligkeit, Herabhängen der Lippen und - Ohren, allgemeines Zittern, Zusammenbrechen, Salivation, klonische - Krämpfe in den hinteren Extremitäten, sowie komatöse Erscheinungen. - -- Eine tödliche Kreosotvergiftung bei einem mit Dermatoryktesräude - behafteten Pferde ist in der preussischen Armee beobachtet worden - (Pr. Mil. Vet.-Ber. 1894). - - - =Holzessig.= Die Wirkungen des Holzessigs auf die einzelnen Haustiere - sind in früheren Zeiten von +Justinus Kerner+, +Berres+, +Hertwig+, - +Schubarth+ u. a. eingehend untersucht worden. Das Vergiftungsbild - stimmt mit dem der Karbolsäure- und Kreosotvergiftung überein. - +Katzen+ stürzen nach 2-4 g Holzessig augenblicklich zusammen, - bekommen über den ganzen Körper Konvulsionen, schreien, zeigen - Erbrechen, Speicheln, Urinabgang und sterben nach 1½-2 Minuten. - Kleinere +Hunde+ sterben nach 15 g unter den Erscheinungen - hochgradiger Mattigkeit und Abstumpfung, Zittern, Speicheln, - Husten; grössere Hunde ertragen 30 g ohne lebensgefährliche Folgen, - wenn dieselben mit der Schlundsonde eingegeben werden (+Hertwig+). - +Schafe+ sterben auf 60 g, +Hühner+ auf 8 g (Betäubung, Schwanken, - Zuckungen, Erbrechen, blaurote Verfärbung des Kammes). Dagegen - ertragen +Kühe+ und +Pferde+ bis zu 360 g rohen Holzessig ohne - Nachteil. -- Ein mit Holzessig gegen Strahlkrebs behandeltes - Pferd starb angeblich 8 Tage später unter den Erscheinungen der - Karbolvergiftung (+Wilhelm+, Sächs. Jahresber. 1888). - - - =Kreolin.= Das karbolsäurefreie und unzersetzte Kreolin ist als - Antiseptikum und Räudemittel in der üblichen Applikationsform und - Konzentration ungiftig. Bei stärkeren Konzentrationen (4-10proz.), - in zersetztem Zustand (Säurezusatz, Flaschenreste), bei starkem - Karbolgehalt (Artmannsches Kreolin), bei der regelwidrigen - Einreibung des ganzen Körpers, sowie bei innerlicher Verabreichung - in grösseren Dosen wirkt es dagegen namentlich bei Pferden giftig. - Die +Vergiftungserscheinungen+ sind ziemlich dieselben wie bei der - Karbolvergiftung: +Muskelzittern+, +klonisch-tonische Krämpfe+, - Schweissausbruch, +Schwäche+, Taumeln, zuweilen plötzliches - +Zusammenstürzen+, allgemeine +Lähmung+, +Herzlähmung+ (sehr - frequenter, unfühlbarer Puls, subnormale Körpertemperatur), - +Dyspnoe+, +dunkelbrauner Harn+, Albuminurie. Die Behandlung - besteht in der Anwendung von Exzitantien und in der Verabreichung - von Sulfaten. Typisch ist der nachfolgende, bei einem Militärpferd - beobachtete Fall von Kreolinvergiftung (Pr. Mil. Vet.-Ber. pro 1895). - Zur Vertilgung der Läuse wurden 2 Pferde mit Kreolinlösung gewaschen. - Eine 4prozentige Lösung von Pearsonschem Kreolin hatte sich nicht - wirksam gezeigt, es wurde daher bei der zweiten Waschung eine - 6prozentige gewählt. Beide Pferde waren vor der Waschung vollkommen - gesund und hatten keine Verletzungen. Gewaschen wurden namentlich der - Kopf, die Mähne, die Kruppe und die Gliedmassen, die übrigen Teile - des Körpers wurden nur angefeuchtet und glatt gebürstet. Gleich nach - dem Waschen stürzte das eine der Pferde in seinem Stand nieder; das - Auge schien wie gebrochen, die Augenbindehaut war tiefrot gefärbt, - die Pupille erweitert. Die Nüstern wurden weit aufgerissen, das Maul - geöffnet. Der Herzschlag war tumultuarisch; beide Herztöne waren - nicht zu unterscheiden. Der Puls unfühlbar, die Arterie klein und - hart. Die oberflächliche Atmung wurde 92mal in der Minute ausgeführt - und geschah röchelnd. Ferner bestand anhaltendes hochgradiges - Muskelzittern; in den Gliedmassenmuskeln traten tonisch-klonische - Krämpfe ein. Alle Versuche, den Kranken auf die Beine zu bringen, - waren erfolglos; Patient war unfähig zu stehen. Der Appetit lag - vollständig darnieder. Das Pferd wurde sogleich mit reinem Wasser - abgewaschen und innerlich Branntwein, Kampfer und Digitalis - verabreicht. Nach 1½ Stunden hatte es sich soweit gebessert, dass es - mit Hilfe zum Stehen gebracht werden konnte. Nach 3-4 Stunden waren - auffällige Gesundheitsstörungen nicht mehr vorhanden. Am anderen - Tage zeigten sich die Gliedmassen stark geschwollen; auch am Hals - und an der Kruppe bestand Schwellung. An diesen Stellen lag die Haut - in Falten und fühlte sich pergamentartig an, stellenweise konnten - förmliche Risse in der Oberhaut nachgewiesen werden. Ausserdem - war die Haut an den Gliedmassen und an der Unterbrust mit einer - bernsteingelben, klebrigen Flüssigkeit bedeckt. Der abgesetzte - Harn hatte eine braunrote Farbe. Die Fäzes waren kleingeballt, - braunrot und wurden unter Stöhnen abgesetzt; dieselben hatten - einen auffallenden Kreolingeruch. In den folgenden Tagen nahm die - Hautschwellung langsam ab, dagegen machten sich starke Abschuppung - der Oberhaut und Haarausfall bemerkbar. Nach etwa 10 Tagen konnte - das Pferd wieder in den Dienst gestellt werden. Bei dem zweiten - Pferde waren die Vergiftungserscheinungen weniger hochgradig. Es warf - sich gleich nach dem Waschen auch nieder, stand aber nach einiger - Zeit und nachdem es etwa 5 Minuten lang eine hundesitzige Stellung - innegehabt hatte, wieder auf und zeigte Appetit. Der Puls war hart, - die Zahl seiner Schläge betrug 96 in der Minute. Die Atmung geschah - angestrengt und 60mal in der Minute. Das Muskelzittern war weniger - stark ausgesprochen. Die Bindehäute ziegelrot. Beim Führen taumelte - das Pferd. Am folgenden Tage waren die Beine geschwollen, der Harn - dunkelgefärbt; die Fäzes hatten Kreolingeruch. Auch bei diesem Pferde - trat in den folgenden Tagen Ausfall der Haare ein, die Haut nahm eine - pergamentartige Beschaffenheit an. Die Schwellung der Gliedmassen - hielt länger an als beim ersten Pferde. -- Nach der Anwendung von - Artmannschem Kreolin starben von 50 gebadeten Schafen 42 innerhalb - 36 Stunden unter den Erscheinungen der Karbolvergiftung; sie zeigten - Schwanken, Niederstürzen, Krämpfe und Unvermögen aufzustehen - (+Dette+, Berl. Arch. 1894). Einen ähnlichen Fall hat +Nevermann+ - beschrieben (ibid. 1897). Dagegen sind die von +Kunert+ (ibid.) - und +Ehrle+ (Woch. f. T. 1891) beschriebenen Fälle zweifelhaft. - -- Experimentelle Untersuchungen über die Giftigkeit des Kreolins - bei Hunden und Katzen hat +Hobday+ (Journ. of comp. path. 1896) - veröffentlicht. Danach sollen besonders junge und edle Hunde sehr - empfindlich gegen Kreolin sein; 56 g Kreolin töteten bei energischer - Einreibung in die Haut einen 7 kg schweren Terrier. -- +Stöverud+ - (Nord. Z. 1899) beobachtete eine Kreolinvergiftung bei 30 jungen - Ziegen. - - - =Lysol.= Die Lysolvergiftung äussert sich ähnlich wie die - Kreolinvergiftung. 4 Pferde wurden gegen Läuse mit einer 3proz. - Lysollösung (je 300 g Lysol auf 10 l Wasser) gewaschen. Am 4. Tage - nachher (!) erkrankten 3 Pferde, von denen 2 nach 3 bezw. 4 Tagen - starben. Sie zeigten Dyspnoe, pochenden Herzschlag, 72-76 schwache - Pulse, hochgradige Schwäche, allgemeinen Schweissausbruch und starben - unter Krämpfen. Die Sektion ergab Myokarditis, hämorrhagische - Nephritis und Lungenödem (+Borchardt+, Zeitschr. f. Vet. 1897). - Einen ähnlichen Fall hat +Reinhardt+ (ibid. 1898) beschrieben. - Ein Pferd zeigte nach einer Lysolwaschung des ganzen Körpers (!) - mit 3proz. Lysollösung (300,0 : 10 l Wasser) 20 Minuten später - Unruhe, Schweissausbruch, heftiges Zittern, unfühlbaren Puls, - Lähmungserscheinungen, sowie kaffeebraunen Harn; nach subkutanen - Aethereinspritzungen trat schnelle Heilung ein. Der von +Uthoff+ (B. - t. W. 1895) beschriebene Fall ist dagegen zweifelhaft. -- +D’Alleux+ - berichtet, dass von 9 mit 5proz. Lysollösung gebadeten Hühnern 5 - unter Zuckungen und Lähmungserscheinungen starben (Woch. f. T. - 1897). Ein Hund zeigte nach dem Einreiben einer 8proz. spirituösen - Lysollösuug (nur die Beine und die Ohren wurden eingerieben), - Zusammenstürzen, Schweissausbruch, allgemeine Lähmung, Herzschwäche - und Krämpfe, genas jedoch nach Verabreichung von Kampfer und - Glaubersalz. - - - =Bazillol.= Die Vergiftung gleicht der Lysol- und Kreolinvergiftung. - Ein mit Läusen behaftetes Pferd wurde mit einer warmen 4proz. - Bazillollösung über den ganzen Körper gewaschen. 15 Minuten darauf - fand man es schwer am Boden liegen. Die Pulszahl betrug 100 p. M., - der Puls war ausserordentlich schwach, die Zahl der Atemzüge 40. Die - sichtbaren Schleimhäute waren dunkelrot gefärbt. Gleichzeitig bestand - heftiges Zittern und Zittern des ganzen Körpers. Aufgehoben schwankte - das Pferd und drohte umzustürzen. Nach 2 Stunden schien der Anfall - vorüber. Am folgenden Tage entwickelte sich jedoch eine tödliche - Bronchitis und Bronchopneumonie, an der das Pferd am 5. Tage unter - Erscheinungen des Lungenödems starb. Das Pferd hatte 2 vorausgehende - Waschungen ohne Schaden ertragen. Ebenso unschädlich waren 200 - andere Bazillolwaschungen geblieben! (+Willamowski+, +Hain+, Z. f. - Vet. 1901). Nach +Paszotta+ (Monatsh. f. pr. Tierhlkd. 1901) beträgt - die tödliche Dosis des Bazillols bei Pferden 1,5 g, bei Schafen 1,0 - g, bei Kaninchen 2,4 g pro Kilo Körpergewicht. Bei toxischen Gaben - sinkt die Körpertemperatur, die Tiere stürzen gelähmt zusammen und - zeigen Betäubung, fibrilläres Muskelzittern und tonisch-klonische - Krämpfe. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung unter den Erscheinungen - des Lungenödems. - - - =Kresol.= Das Kresol = C_{6}H_{4}.CH_{3}.OH (methylisierte - Karbolsäure) steht dem Phenol an Giftigkeit nach. Die 3 vorhandenen - Verbindungen des Kresols, das Ortho-, Meta- und Parakresol, - verhalten sich bezüglich ihrer Giftigkeit verschieden; am stärksten - giftig ist das Orthokresol, am schwächsten das Metakresol. Die - Giftwirkung des Orthokresols äussert sich in Lähmung des Herzens, des - Rückenmarks, sowie der sensorischen und motorischen Nerven, ferner - in Erregung des Reflexhemmungszentrums. Im Jahr 1902 entstand ein - allgemeines Fischsterben im Neckar von der Mündung des Feuerbachs - bis zum Einfluss der Murr, als in Zuffenhausen 30000 l Teeröle - (Eisenbahnschwellen-Imprägnierung) in den Feuerbach entleert - wurden. -- Die Kresole verlieren an Giftigkeit, wenn sie an Natrium - gebunden oder durch Seifen emulgiert werden (+Kreolin+, +Lysol+, - +Bazillol+). Werden jedoch die im Kreolin gebundenen Kresole z. B. - durch Säurezusatz frei, so wirken sie giftig (Kresolvergiftung von - Pferden durch Waschungen mit Kreolinwasser und Essig gegen Läuse). -- - Eine Vergiftung durch +Kresolschwefelsäure+ bei Schweinen hat +Migge+ - beschrieben (Preuss. Vet.-Ber. pro 1907). Eine Schweinebucht war mit - 25-40proz. (statt 3proz.) Kresolschwefelsäurelösung desinfiziert - worden. Nach 2 Stunden waren 8 Schweine schwer erkrankt, 6 lagen wie - schlafend auf der Streu, 3 starben nach 5 Stunden. Die Sektion ergab - Verätzung der Haut des Rüssels, der Lippen, der Maulschleimhaut, - Rachen- und Magenschleimhaut. - - - =Pyrogallol.= Das auch unter dem Namen Pyrogallussäure bekannte - Pyrogallol = C_{6}H_{3}(OH)_{3} ist ein stark reduzierendes Gift für - die roten Blutkörperchen, welche unter Bildung von +Methämoglobin+ - aufgelöst werden. Dadurch entstehen ähnliche pathologische Zustände - wie bei Vergiftung mit Kali chloricum (Methämoglobinurie mit - ihren Folgen). Vergiftungen können sich u. a. durch Einreiben - konzentrierter Pyrogallolsalben (10%) auf die Haut ereignen. - Aehnliches gilt für das +Chrysarobin+, die +Hydrazine+ = - H_{2}N.NH_{2} (Methyl-, Dimethyl-, Aethyl-, Phenyl-, Azetylphenyl-, - Lävulinsäurephenyl-Hydrazin), das +Hydroxylamin+ = NH_{2}.OH - (das im Körper nach Biel zu dem ebenfalls reduzierend wirkenden - Nitrit umgewandelt wird) und die +Aldehyde+ = C_{2}H_{4}O (Aldehyd, - Metaldehyd, Paraldehyd, Formaldehyd, Benzaldehyd). Dass speziell - +Paraldehyd+ stark reduzierend auf die roten Blutkörperchen des - Pferdes wirkt und Methämoglobinämie bei demselben erzeugt, haben - meine diesbezüglichen Versuche ergeben (vgl. S. 178). - - - =Salizylsäure.= Nach den Untersuchungen von +Feser+ und +Friedberger+ - wird das Allgemeinbefinden von Tieren durch kleinere Dosen - Salizylsäure auch bei anhaltender Verabreichung nicht gestört. So - zeigten Hunde, Schafe, Kühe und Pferde nach dem 14 Tage hindurch - fortgesetzten Eingeben kleinerer Mengen (0,5 g pro die für Hunde, - 3,0 g für Schafe, 10,0 g für Rinder und Pferde) nicht einmal - irgendwelche Appetitstörungen. Auch sehr grosse einmalige und - wiederholte Dosen wurden von Pflanzenfressern gut ertragen. Ein 9 - Ztr. schweres +Pferd+ zeigte nach 300 g Salizylsäure, innerhalb - 3 Tagen eingegeben, nur eine längere Verdauungsstörung auf Grund - lokaler Anätzung der Maulhöhlen- und Magenschleimhaut, dagegen - keinerlei Vergiftungserscheinungen. Ein 32 kg schweres +Schaf+ blieb - nach 50 g Salizylsäure, innerhalb 3 Tagen verabreicht, ganz gesund, - desgleichen ein anderes, 30 kg schweres, nach 65 g salizylsaurem - Natrium, welche in der kurzen Zeit von 2 Tagen eingegeben wurden. - Dagegen zeigten sich Fleischfresser, namentlich Hunde, ziemlich wenig - widerstandsfähig. Wenn es auch wegen des bald nach der Aufnahme - eintretenden Erbrechens nie gelang, einem +Hund+ per os eine tödliche - Dosis Salizylsäure beizubringen, so waren doch bei der Anwendung - von ca. 1 g Salizylsäure pro 5 kg Körpergewicht charakteristische - +Vergiftungserscheinungen+ wahrzunehmen. So zeigte ein kleiner, 4½ - kg schwerer Hund nach der Aufnahme von 0,8 g Salizylsäure (innerhalb - 6 Stunden gegeben) Erbrechen, Muskelzittern, Schwäche im Hinterteil - und steifen Gang; ein anderer, 27 kg schwerer Hund war nach 4 g in - der hinteren Körperhälfte gelähmt, die hinteren Gliedmassen waren - völlig gebrauchsunfähig und dabei krampfhaft gestreckt. Auch das - salizylsaure Natrium erwies sich in grösseren Dosen, namentlich - subkutan, als ein starkes Gift. Bei einem 4½ kg schweren Hunde - trat nämlich nach der subkutanen Einspritzung von 5 g Natrium - salicylicum der Tod ein. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Dyspnoe, unregelmässigem, aussetzendem Pulse, Pupillenerweiterung, - Traurigkeit, Erbrechen, Lähmung der Nachhand, Konvulsionen, - Kaukrämpfen, allgemeinem Starrkrampf, sowie ausserordentlich erhöhter - Reflexerregbarkeit. Ein anderer, 8-1\2 kg schwerer Hund verendete - nach Injektion von 8 g des Salzes in die Bauchhöhle an Erstickung, - nachdem Erbrechen, Dyspnoe und Lähmungserscheinungen vorausgegangen - waren. Diese Angaben sind neuerdings durch +Albrecht+ bestätigt - worden. Nach +Walther+ und +Gmeiner+ (Berl. Arch. 34. Bd.) wirkt die - Salizylsäure und ihre Derivate (Salol, Salipyrin, Aspirin u. a.) - bei den Haustieren wie beim Menschen schon in gewöhnlichen Dosen - (2-5 g Natrium salicylicum beim Hund) schädigend auf die +Niere+ - (Albuminurie, Harnzylinder, Nierenepithel, Leukozyten im Harn). - -- Das +Salol+ stellt eine Doppelverbindung von Salizylsäure und - Karbolsäure dar, welche angeblich ungiftig sein soll. Wie Erfahrungen - beim Menschen gelehrt haben, können durch zu grosse Dosen sowohl - die Erscheinungen der Salizylvergiftung (Albuminurie, Dysurie, - Nephritis), als der Karbolvergiftung (Koma, Sopor) erzeugt werden. - Dasselbe konstatierte +Willenz+ bei seinen Versuchen mit Pferden und - Hunden; er beobachtete Albuminurie, Nephritis, Tobsucht, Krämpfe, - Enteritis, Herzschwäche und Kollaps. Ein Terrier zeigte nach +Otto+ - (Sächs. Jahresber. 1904) nach der fortgesetzten Verabreichung von - Salol (2mal 0,2 pro die) Polyurie und Abmagerung. - - - =Gaswasser.= Eine Sterke, welche von den flüssigen Abfällen einer - Gasanstalt aufgenommen hatte, wurde auf der Wiese liegend gefunden, - stöhnend, angestrengt atmend, unvermögend zu stehen. Das Maul war - geöffnet und mit schwarzgrau gefärbtem Schaum gefüllt. Bei der - Sektion fanden sich im Wanst 20 l einer breiartigen, stark nach Teer - riechenden Masse; die Schleimhaut der 4 Mägen war schwarz gefärbt - (+Munckel+, Preuss. Mitt. 1882). - - - =Oleum animale foetidum.= Das stinkende Tieröl wirkt giftig unter den - Erscheinungen von Lähmung und Krämpfen bei Pferden in Dosen von 90 - g, bei Hunden von 10 g ab. Die tödliche Dosis beträgt für Pferde 150 - g, für Hunde 25 g. -- Ein Pferd erhielt als Wurmmittel 270 g Oleum - animale foetidum; hierauf lag es laut stöhnend am Boden und starb - unter Krämpfen (+Lies+, Zeitschr. f. Vetkde. 1903). - - - =Russ.= Der Russ (Kienruss, Glanzruss) kann unter Umständen eine - Karbolvergiftung bedingen. Von einer Schafherde, welche auf einem - mit Russ gedüngten Weizenfelde weidete, erkrankten 7 Schafe unter - Lähmungserscheinungen, 3 starben, 10 zeigten angestrengte Atmung - und Verstopfung. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der - Psalterschleimhaut, sowie Schwarzfärbung des Mageninhalts. - - - =Benzol.= Das Benzol, C_{6}H_{6}, ist ein ebenso starkes Gift wie die - Karbolsäure. Es erzeugt nach vorausgegangener Aufregung Betäubung, - Schwäche, Taumeln, Zittern und Tod unter Konvulsionen. Pferde - sterben nach 750, Hunde nach 10 g (+Hertwig+). Gefährlich sind auch - Benzoleinreibungen auf die Haut, namentlich für Katzen. Aehnlich - wirken +Hydrochinon+, +Brenzkatechin+ und +Resorzin+, sämtliche von - der Formel C_{6}H_{4}(OH)_{2}. - - - =Chinosol.= Das Chinosol, ein Chinolinpräparat - (+Oxychinolinpyrosulfat+), wirkt nach +Schneider+ (Monatshefte - f. prakt. Tierhlkde. X. Bd.) beim Rind erst in Dosen von 130 g, - beim Schaf in Dosen von 35 g tödlich. Die Vergiftungserscheinungen - bestehen in Niesen, Husten, Speichelfluss, motorischer Lähmung, - Tympanitis, Kolik und Hämaturie; die Sektion ergibt Lungenödem, - Gastroenteritis und Nephritis. - - - =Orzin und Kresorzin.= Zwei Phenolderivate von der Formel - C_{6}H_{3}.CH_{3}.OH.OH wirken nach +Brenneisen+ (Diss. Leipzig - 1906) besonders auf Katzen stark giftig (Krämpfe, Lähmungen), welche - schon nach subkutanen Dosen von 1 g zugrunde gehen. - - - [3] Für die Zwecke der Fleischbeschau hat +Glage+, um auch Spuren von - Karbolsäure im Fleisch rasch nachweisen zu können, die - Brommethode wesentlich vereinfacht (vorheriges Eindampfen mit - Natronlauge). Vergl. die genauere Vorschrift in der Zeitschr. f. - Fleisch- u. Milchhygiene 1901, S. 193. - - -Vergiftung durch Petroleum. - - =Allgemeines.= Das Petroleum findet sich als Rohpetroleum - (Erdöl, Steinöl, Bergöl, Mineralöl, Naphtha) in verschiedenen - Ländern (Amerika, namentlich Pennsylvanien, Kaukasus, Rumänien, - Galizien, Hannover, Bayern). Es ist das Produkt der Zersetzung - vorweltlicher Seetiere, also animalischen Ursprungs, und zwar - ist es wahrscheinlich aus den Fett- und Transtoffen jener - Meertiere durch allmähliche Zersetzung entstanden. Je nach dem - Fundort besteht es aus verschiedenartigen +Kohlenwasserstoffen+, - hauptsächlich aus solchen der Formel C_{n}H_{2n + 2} (Paraffine, - Ethane), welche vom Methan (CH_{4}) bis zum Zeresan (C_{30}H_{62}) - in ununterbrochener Reihe vorhanden sind. Die Hauptbestandteile - des +raffinierten+ Petroleums sind Oktan (C_{8}H_{18}), Nonan - (C_{9}H_{20}), Dekan (C_{10}H_{22}), Undekan (C_{11}H_{24}), Dodekan - (C_{12}H_{26}), Tridekan (C_{13}H_{28}), Tetradekan (C_{14}H_{30}), - Pentadekan (C_{15}H_{32}), Hexadekan (C_{16}H_{34}) und Heptadekan - (C_{17}H_{36}). Die im +Rohpetroleum+ ausserdem enthaltenen - Kohlenwasserstoffe sind der Petroleumäther (Pentan, Hexan, Heptan), - sowie festes Paraffin (C_{18}H_{38} bis C_{28}H_{58}) und Zeresin - (C_{29}H_{60} bis C_{35}H_{72}). Ausserdem findet man im Petroleum - stets Terpene (C_{10}H_{16}), aromatische Kohlenwasserstoffe der - Benzolreihe (C_{6}H_{6}), Phenole, Naphthalin, Naphthene, sowie - Petrolsäuren von der Formel C_{n}H_{2n − 2}O_{2}, endlich Spuren - von Schwefel (0,05-0,1 Proz.). Das +Benzin+ wird durch Destillation - des Petroleums gewonnen und besteht hauptsächlich aus Hexan und - Heptan. Vergiftungen mit Petroleum ereignen sich bei der Anwendung - desselben als Räudemittel und Antiparasitikum, sowie als Stomachikum - und Kolikmittel; auch durch zufällige Aufnahme können sie z. B. bei - Schweinen vorkommen. Vergiftungen durch Benzin sind nach dem Waschen - bei Hunden beobachtet worden. - - -=Krankheitsbild.= Das Petroleum ist im allgemeinen ein sehr wenig -giftiger Stoff. Die Vergiftungserscheinungen äussern sich nach der -innerlichen Aufnahme in +gastrischen+ Störungen, ausserdem bei -innerlicher und äusserlicher Applikation in +Schwindel+, +Betäubung+, -+rauschartigem+ Zustand und +Lähmungserscheinungen+. Aehnlich wirkt -+Benzin+. Die +Behandlung+ der Petroleumvergiftung besteht in der -Verabreichung von Brechmitteln, Abführmitteln, sowie von Exzitantien -(kohlensaures Ammonium, Aether, Kampfer). Der Nachweis ist durch den -charakteristischen Geruch leicht zu führen. - -In der +Literatur+ sind folgende Fälle verzeichnet. Zwei Schweine -rieben sich an einem Petroleumfass, wodurch der Spunden gelockert -wurde und Petroleum ausfloss. Sie tranken eine grössere Menge davon, -worauf sie Betäubung und Schreckhaftigkeit, sowie trübe Augen und -kalte Aussentemperatur zeigten. Nach Verabreichung eines Brechmittels -(Rhizoma Veratri albi) trat Genesung ein (+Kayser+, Preuss. Mitteil. -1880). In einem anderen Fall wurden 26 Ochsen, die in einem kleinen -und niedrigen Stalle zusammengepfercht waren, zur Vertilgung der Läuse -mit je einem halben Quart Petroleum eingerieben, wonach sie sich -gegenseitig ableckten. Sie zeigten höhere Rötung der Haut, unterdrückte -Fresslust, Traurigsein, sowie mässiges Fieber, genasen jedoch alle -(+Rüffert+, Preuss. Mitt. 1874). Eine Kuh, welche ⅔ l Petroleum mit ⅓ l -Branntwein zusammen eingeschüttet erhalten hatte, zeigte Schwäche und -Lähmung im Hinterteil, Auftreibung, häufigeren Harnabsatz und starb -nach 23 Stunden (+Röpke+, ibidem 1881). Nach +Poincaré+ sollen ferner -die in den Petroleumwerken verwendeten Zugtiere zuweilen Schlafsucht, -Appetitlosigkeit und heftiges Hautjucken zeigen. 5 Pferde, welche mit -je 1½ l Petroleum energisch über den ganzen Körper eingerieben wurden, -zeigten allgemeine Lähmungserscheinungen, so dass sie sich im Liegen -nicht wieder erheben konnten; 3 Pferde starben (+Mégnin+, Recueil -1892). Einen ähnlichen Fall hat +Martin+ beschrieben (Progr. vét. -1898): 5 Pferde starben nach dem Einreiben von je 1½ l Petroleum nach -7-10 Tagen (Dermatitis, Nephritis, Zystitis). +Salles+ (ibid.) sah bei -2 jungen Ochsen nach dem Einreiben von je ½ l Petroleum Schwanken und -Zusammenstürzen. +Gmeiner+ (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. IX. Bd., -S. 570) sah nach dem Einschütten von 1 l Petroleum bei einem Pferde -Kolik, Benommenheit des Sensoriums, Taumeln und hochgradige Mattigkeit. -+Ehlers+ (Berl. Arch. 1897) beobachtete bei einem mit Petroleum -eingeriebenen Hund eine vollständige Lähmung des Hinterteils. Eine -ähnliche Vergiftung bei einer Ziege, die wegen Läusen mit Petroleum -gewaschen wurde, hat +Eppinger+ beobachtet (Tierärztl. Zentralblatt -1900). Nach +Möbius+ (Sächs. Jahresber. pro 1898) starben 6 Gänse -infolge der Aufnahme von petroleumhaltigem Wasser. Ein mit Benzin -gewaschener Hund zeigte schwere Bewusstlosigkeit und Herzschwäche, -genas jedoch nach der Verabreichung exzitierender Mittel (+Guhrauer+, -Z. f. Vetkde. 1909). - - =Naphthalin.= Ein Pferd, welches aus Versehen innerlich Naphthalin - erhalten hatte, zeigte die Erscheinungen der Hämoglobinurie - (+Siedamgrotzky+, Sächs. Jahresber. pro 1892). -- 14 junge +Hühner+, - welche in einen Raum gesperrt wurden, in dem sich in Schränken und - Kisten mit Naphthalin bestreute Kleider und Pelze befanden, wurden - am andern Morgen tot, 1 Mutterhenne in Krämpfen liegend gefunden - (+Jagmin+). -- Kaninchen zeigen nach längerer Verabreichung von - Naphthalin Trübung der Linse (Naphthalinstar), Trübung und Ablösung - der Netzhaut, Atrophie der Papille und Nephritis (+Bouchard+ u. a.). - -- Ein Hund, welcher auf Teppichen gelegen hatte, die mit Naphthalin - bestreut waren, zeigte vorübergehende Erscheinungen von Tobsucht - (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1901). -- +Regenbogen+ (Berl. T. W. 1903) - berichtet über einen forensischen Fall von Naphthalinvergiftung bei - 12 Pferden, die gegen Druse je einen Esslöffel voll Rohnaphthalin als - „Kropfpulver“ aus einer Apotheke erhalten hatten und darauf unter - Kolikerscheinungen und Dunkelfärbung des Harns schwer erkrankten; - bei einem gestorbenen Pferde ergab die Sektion Nephritis und - Leberentzündung. Die hierauf von +Regenbogen+ an Pferden, Rindern - und Hunden angestellten Versuche mit Naphthalin lehrten, dass 20-25 - g für Pferde giftig, 30 g tödlich wirken durch Auflösung der roten - Blutkörperchen. Die Vergiftung äussert sich durch Hämoglobinurie, - Nephritis, Cholurie und allgemeinen Ikterus. - - - =Naphthol.= Ein Pferd, welches gegen die sog. Sommerräude mit - spirituöser Naphthollösung eingerieben wurde, zeigte heftige - Reizung der Kopfschleimhäute, epileptiforme Krämpfe abwechselnd mit - Depression, Hämoglobinurie, Albuminurie, Anurie und Kollaps. Die - Sektion ergab hämorrhagische Nephritis, Ikterus, sowie Degeneration - der Leber und des Herzens (+Regenbogen+, B. T. W. 1903). - - -Vergiftung durch Kohlenoxyd. - - =Allgemeines.= Das Kohlenoxyd, CO, ist ein sehr giftiges Gas, - welches bei der Verbrennung der Kohle unter ungenügendem Zutritt von - Sauerstoff an Stelle der sonst gebildeten Kohlensäure entsteht: C + - O_{2} = CO_{2} (Kohlensäure); C + O = CO (Kohlenoxyd). Es findet sich - hauptsächlich im sog. +Kohlendunst+, der sich bei falscher Stellung - der Ofenklappen, sowie bei Heizung von Räumen mit Kohlenpfannen und - Gasöfen ohne Abzug bildet, und in welchem es zu 0,3-0,5 Proz. neben - Kohlensäure (6 Proz.), Sauerstoff und Stickstoff enthalten ist. - Ausserdem ist es der giftigste Bestandteil des +Leuchtgases+ (vergl. - die Vergiftung durch Leuchtgas). Vergiftungen durch freies Kohlenoxyd - sind bei Hunden, Pferden, Rindern, Katzen und Ziegen beobachtet - worden. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Wesen der Kohlenoxydvergiftung -besteht in einer +Blutvergiftung+, nämlich in einer Verdrängung -des Sauerstoffs aus seiner Verbindung mit dem Hämoglobin durch das -Kohlenoxyd. Das Oxy-Hämoglobin, welches die Sauerstoffaufnahme und -die innere Sauerstoffübertragung vermittelt und damit als Grundlage -der Atmung dient, verwandelt sich in das die Abgabe von Sauerstoff -und somit die Atmung verhindernde und daher Erstickung bedingende -+Kohlenoxyd-Hämoglobin+. Die Affinität des Hämoglobins zum Kohlenoxyd -ist 200mal stärker, als die zum Sauerstoff. +Die roten Blutkörperchen -selbst werden durch Kohlenoxyd weder aufgelöst, noch in ihrer Form -verändert.+ Die chemische Bindung des Kohlenoxyds an das Hämoglobin ist -schon äusserlich an der violetten bis hellkirschroten Farbe des Blutes -zu erkennen. Tiere, welche Luft mit einem Gehalt von 0,05-0,2 Proz. -Kohlenoxyd einatmen, sterben an Kohlenoxydvergiftung. Ob das Kohlenoxyd -ausser seiner Wirkung auf das Blut auch noch eine direkte Wirkung -auf das Nervensystem und andere Organe besitzt, ist streitig. Nach -+Geppert+ und +Kobert+ ist das Kohlenoxyd auch ein Nervengift, indem es -die Ganglienzellen des Gehirns und die peripheren Nerven lähmt; es ruft -ferner in den Muskeln und Drüsen degenerative Veränderungen hervor und -steigert als Stoffwechselgift den Eiweisszerfall enorm. - -Die Kohlenoxydvergiftung hat in ihren Einzelerscheinungen und in ihrem -Wesen viel Aehnlichkeit mit der Blausäurevergiftung. Man beobachtet -zunächst +Schwindel+, +Taumeln+, +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, -sowie +Lähmungserscheinungen+ namentlich an den hinteren Extremitäten; -später treten +Krämpfe+ und +Erstickungserscheinungen+ auf. Die -Erscheinungen der Lähmung können längere Zeit (Wochen lang) anhalten. -Bei der +Sektion+ findet man auffallend +hellrotes, flüssiges Blut+ -in allen Organen, sowie die Erscheinungen der Erstickung, verbunden -mit hellroten kleinen Blutaustritten in verschiedenen Organen. -- Das -Kohlenoxyd geht auch von der Mutter auf den Fötus über. - - -=Behandlung.= Sie besteht wie bei der Leuchtgasvergiftung in sofortiger -Zufuhr von +frischer Luft+ oder in Sauerstoffinhalation, in der -Vornahme eines +Aderlasses+ verbunden mit +Transfusion+ von Blut -derselben Spezies oder einer 0,6proz. alkalischen Kochsalzlösung, sowie -in der Anwendung von +Exzitantien+ (Hautreize, kalte Duschen, subkutane -Kampfer- und Aetherinjektionen, Elektrizität). - - -=Nachweis.= Ausser durch die +kirschrote+, +violette+ oder +rosarote -Färbung des Blutes+ bei der Sektion lässt sich das Kohlenoxyd chemisch -durch +Sublimat+ (pfirsichrote Färbung des Blutes) oder +Chlorkalzium+ -(defibriniertes Blut mit dem doppelten Volum Aetznatronlauge wird bei -Zusatz von Chlorkalzium karminrot), endlich durch +Kupfervitriol+ (2 -ccm Blut mit ebenso viel Wasser und 3 Tropfen einer zu einem Dritteil -gesättigten Kupfervitriollösung geben einen ziegelroten Niederschlag) -nachweisen. Wichtiger ist der Nachweis des Kohlenoxyds im Blute -mittels des +Spektroskops+. Kohlenoxydblut zeigt nämlich 2 ähnliche -+Absorptionsstreifen+, wie gesundes Blut; dieselben +schwinden+ -aber auf Zusatz +reduzierender+ Mittel (Schwefelammonium) oder von -Zyankalium +nicht+, wie im gesunden Blute. - - =Kasuistik.= 2 Hunde zeigten nach der zufälligen Einatmung - von Kohlenoxydgas schwankenden Gang, Sehstörungen, starke - Pupillenerweiterung, Verlust des Gehörs, Verlangsamung des - Herzschlages, sowie Lähmungserscheinungen. Bei dem einen Hund - verschwanden die Lähmungserscheinungen nach 14 Tagen, der andere - musste dagegen getötet werden, nachdem innerhalb 3 Wochen eine - Besserung nicht eingetreten war (+Rietzel+, Ad. Woch. 1885). - -- Ein kalter Stall, in welchem 2 Ochsen standen, sollte durch - glühende Kohlen erwärmt werden. Eine Stunde darauf zeigten die - Tiere Bewusstlosigkeit, niedere Kopfhaltung, Kauen und Speicheln, - Atembeschwerden, unfühlbaren Puls und Nasenbluten; das Verbringen in - freie Luft, kalte Begiessungen und Aderlass hatten Wiederherstellung - der Tiere zur Folge (+Nicklas+, Wochenblatt 1. Bd.). -- In ein - festverschlossenes Zimmer wurden 4 brennende Kohlenbecken und ein - Hund versuchsweise eingebracht. Nach 15 Minuten zeigte derselbe - Schlafsucht, Unruhe und Heulen, nach 30 Minuten Krämpfe und - Atmungsbeschwerden, nach 50 Minuten starb der Hund (+Orfila+, - Toxikologie). -- +Leonhardt+ (Berl. Arch. 1893) berichtet über eine - Kohlenoxydvergiftung bei 2 Pferden, welche in ihrem Stalle infolge - Einatmung von Kohlenoxyd tot aufgefunden wurden und bei denen die - spektroskopische Untersuchung des Blutes (+Rubner+) die Diagnose - bestätigte. Einen ähnlichen Fall hat +Hock+ (Woch. f. T. 1896) - beobachtet. -- In einem mit Koksofen geheizten Stall starben 2 Pferde - und der Diener, 2 andere Pferde blieben am Leben, wahrscheinlich weil - sie standen; eines derselben zeigte Benommenheit, Mangel an Appetit - und Verlangsamung des Pulses (24). Die Sektion der gestorbenen Pferde - ergab kirschrotes, unvollständig geronnenes Blut, Anhäufung desselben - in den Lungen, leere Herzkammern, sowie Anämie der Gefässe der - Unterhaut (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1899). -- Infolge Einatmung von - Kohlendunst starben 2 Ziegen, 1 Pferd und 1 Katze; 2 Hühner blieben - gesund (+Berg+, Zeitschr. f. Vet. 1904). -- Zum Vergiften von Hunden - wird neuerdings das sog. Generatorgas empfohlen (CO oder CO + H oder - CH_{4}). -- Die experimentelle tödliche Dosis des Kohlenoxyds für - Hunde beträgt etwa 1 g. - - -Vergiftung durch Leuchtgas. - - =Allgemeines.= Das Leuchtgas wird gewöhnlich dargestellt durch - trockene Destillation der Steinkohlen, welche in eisernen - Retorten auf etwa 1000 Grad erhitzt werden. Es ist eine Gemenge - von +Kohlenwasserstoffen+ der Methan-, Azetylen-, Aethylen- und - aromatischen Reihe mit +Kohlenoxyd+ etc. und enthält als wichtigsten - Kohlenwasserstoff das +Methan+ (CH_{4}), das sog. Sumpf- oder - Grubengas. Die giftige Wirkung grösserer Mengen von Leuchtgas - (kleinere Mengen sind unschädlich) ist nur zum Teil auf seinen Gehalt - an +Methan+ (40 Proz.) zurückzuführen. +In der Hauptsache kommt der - Gehalt des Leuchtgases an Kohlenoxyd+ (5-10 Proz.) +in Betracht+. - Ueber klinische Beobachtungen von Leuchtgasvergiftungen bei den - Haustieren (Pferd, Katze) ist von +Gerlach+ und +Csokor+ (Gerichtl. - Tierheilkunde; Oesterr. Vierteljahrsschrift 1888) berichtet worden. - Experimentelle Untersuchungen an Tieren sind von +Biefel+ und +Polek+ - (Zeitschrift für Biologie Bd. 16) gemacht worden. - - -=Krankheitsbild.= Die Erscheinungen der Leuchtgasvergiftung sind -im wesentlichen dieselben wie bei der +Kohlenoxydvergiftung+. Zum -Teil haben sie Aehnlichkeit mit dem Bild der +Chloroformnarkose+. -Sie bestehen in +Benommenheit+ des +Sensoriums+, Betäubung, -+Taumeln+, +Muskelschwäche+, +Lähmung+ der Extremitäten, Atemnot, -Pulsbeschleunigung, sowie in anhaltendem Auftreten allgemeiner -+Krämpfe+; durch letztere unterscheidet sich die Leuchtgaswirkung -von der Chloroform- und Aethernarkose. Bei der +Sektion+ findet man -das Blut hellrot gefärbt (Kohlenoxyd-Hämoglobin) und dünnflüssig; -das Gehirn und seine Häute sind stark hyperämisch. Zuweilen fällt -schon während des Lebens eine hellrote Farbe der Schleimhäute -auf. Die +Behandlung+ besteht in Zufuhr frischer Luft oder in -Sauerstoffinhalation, Einleitung künstlicher Atmung, sowie in der -Anwendung von Exzitantien (Aether und Kampfer subkutan, Kaffee, Wein, -kalte Begiessungen). - - =Azetylengas.= Das auch im Leuchtgas enthaltene Azetylen von der - Formel C_{2}H_{2} wird gewöhnlich aus Kalziumkarbid und Wasser - dargestellt: CaC_{2} + 2 H_{2}O = Ca(OH)_{2} + C_{2}H_{2}. Nach den - Untersuchungen von +Panisset+ (Recueil méd. vét. 1903) ist das reine - Azetylen im Gegensatz zum Leuchtgas kaum giftig zu nennen. Ein Hund - blieb z. B. 3 Stunden in einem Luftgemenge, das 20 Proz. Azetylen - enthielt, ohne zu erkranken. Die gegenteilige Ansicht +Liebreichs+ - beruht auf der Anwendung eines unreinen, Kohlenoxyd enthaltenden - Azetylens. - - -Vergiftung durch Schwefelwasserstoff. - - =Allgemeines.= Der Schwefelwasserstoff, SH_{2}, ist ein sehr - giftiges Gas, welches im freien Zustande in grösseren Mengen - (5-10 Proz.) im sog. +Kloakengas+ (Latrinengas, Mistgrubengas) - vorkommt. Schwefelwasserstoff entwickelt sich ferner in grosser - Menge bei der Verwendung der +Schwefelleber+ (Kalium und Natrium - sulfuratum) zu Räudebädern oder zu innerem Gebrauch. Ausserdem - bildet sich Schwefelwasserstoff nach der innerlichen Verabreichung - von +Schwefel+ im Darmkanal. Von dem im Darmkanal gesunder Tiere aus - den Eiweisskörpern der Nahrung gebildeten Schwefelwasserstoff hat - man früher angenommen, dass derselbe in grösseren Mengen, z. B. bei - der Kolik der Pferde, eine Selbstvergiftung (Autointoxikation) des - Körpers herbeiführen könne; Beweise für diese Annahme fehlen indes. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Schwefelwasserstoff gehört -zu den giftigsten Gasen. Er ist ein +lähmendes+ Gift für +Gehirn+ und -+Rückenmark+. Ausserdem ist der Schwefelwasserstoff ein +Blutgift+, -welches das Oxyhämoglobin in der Leiche zu +Schwefel-Methämoglobin+ -zersetzt. Nach den Untersuchungen von +Lehmann+ sterben Tiere in einer -Atmosphäre, welche nur 1-3 pro Mille Schwefelwasserstoff enthält, schon -binnen 10 Minuten +apoplektisch+ unter sehr heftigen Konvulsionen und -grosser Atemnot. Eine Luft, welche ½ pro Mille Schwefelwasserstoff -enthält, wirkt ebenfalls tödlich unter Krämpfen und unter den -Erscheinungen eines +entzündlichen Lungenödems+. Daneben wirkt der -Schwefelwasserstoff reizend auf die Kopf- und Respirationsschleimhäute -(+Rhinitis+, +Konjunktivitis+, +Laryngitis+). - -Die Erscheinungen der Schwefelwasserstoffvergiftung bestehen in -+Mattigkeit+, +Schwäche+, +Betäubung+, +Krämpfen+, Verlangsamung -und schliesslicher +Lähmung der Atmung+. Nach +Chaussier+ starb ein -Pferd, welchem 10 l Schwefelwasserstoffgas in den Mastdarm eingeführt -wurden, im Verlauf einer Stunde. Bei der +Sektion+ findet man einige -Zeit nach dem Tode eine +grünlich-schwarze, tintenartige Verfärbung+ -des +Blutes+, Zerfall der roten Blutkörperchen, Verschwinden der -Absorptionsstreifen des Oxyhämoglobins im Spektrum und Ersetzung durch -den Streifen des reduzierten Hämoglobins (Schwefel-Hämoglobins). Da -im übrigen die Bildung von Schwefel-Hämoglobin in jeder faulenden -Leiche stattfinden kann, ist sie für die Schwefelwasserstoffvergiftung -nicht charakteristisch. Ausserdem beobachtet man die Erscheinungen -der Suffokation (Blutüberfüllung der Lunge, des Herzens und der -grösseren Gefässe). Die +Behandlung+ ist dieselbe wie bei der -Kohlenoxydvergiftung; als chemisches Antidot wird ferner die Inhalation -von Chlorgas empfohlen. Der +Nachweis+ geschieht durch den Geruch, -sowie chemisch durch Schwarzfärbung von Papierstreifen, welche mit -Bleizuckerlösung getränkt sind (Bildung von Schwefelblei). - - =Schwefel.= Die Giftigkeit des Schwefels beruht einerseits auf - der +reizenden Wirkung+ des Schwefels +auf die Darmschleimhaut+, - andererseits auf seiner +Umwandlung zu SH_{2}+. Die Erscheinungen der - Schwefelvergiftung sind: +Gastroenteritis+ mit +heftiger Kolik+ und - Entleerung dünnflüssiger, schwärzlicher, nach +Schwefelwasserstoff+ - riechender Massen, +Koma+, Geruch der ausgeatmeten Luft nach - Schwefelwasserstoff. Aehnlich äussert sich die Vergiftung mit - +Schwefelleber+. Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von - Eisen, gebrannter Magnesia, Exzitantien, schleimiger Mittel. Eine - charakteristische Schwefelvergiftung bei Pferden ist von +Demblon+, - +Mosselmann+ und +Hébrant+ (Belg. Annal. 1898) beschrieben worden. - Danach erhielten 9 Pferde zusammen 4 kg Schwefel (3-400 g pro - Stück). 3 Pferde verendeten innerhalb 24 Stunden unter heftigen - Kolikerscheinungen und Durchfall; die Sektion ergab Gastroenteritis, - Lungenödem und starken SH_{2}-Geruch aller Organe. Dass im übrigen - der Schwefel nur wenig giftig ist, beweisen die Versuche von - +Hertwig+. Dieser gab einem mittelstarken, 9jährigen Pferd innerhalb - 16 Tagen 2800 g (nahezu 3 kg) Schwefel in der Weise, dass am ersten - Tag 30 g, am zweiten 60, am dritten 90 g u. s. f. verabreicht - wurden. Am dritten Tag (180 g) roch die Hautausdünstung deutlich - nach Schwefel (Bleireaktion). Die Absonderung des Schleimes in der - Nase vermehrte sich täglich; am 7. Tag (840 g) trat Durchfall ein, - der bis zum 17. Tag (Tag der Tötung) fortdauerte. +Die Fresslust - wurde niemals getrübt+; trotzdem magerte das Pferd bei gutem Futter - sichtbar ab, wurde täglich kraftloser, so dass es am 16. Tag nicht - mehr allein von der Streu aufstehen konnte. Puls und Atem waren - bis zum letzten Tag normal; Kolikerscheinungen traten nicht auf. - Vom 10. Tag ab wurde das Blut immer dunkler und zuletzt selbst - in den Arterien fast schwarz; dabei war es sehr dünnflüssig und - langsam gerinnend. Am 17. Tag wurde das Pferd getötet. Die Sektion - ergab ausgebreiteten Schwefelwasserstoffgeruch aller Organe, sowie - leichte gastroenteritische Erscheinungen. Diesem +Hertwig+schen - Versuche gegenüber muss eine angebliche Beobachtung von +Fogliata+ - (Giornale di Anat. Fisiol. e Pathol. 1866) als sehr unwahrscheinlich - erscheinen. +Fogliata+ hält nämlich 45 g für die Maximaldosis des - Schwefels bei Pferden (!). Er will bei einem 3jährigen Fohlen nach - Verabreichung von etwas über 30 g reinen Schwefels eine innerhalb - 18 Stunden unter Diarrhöe verlaufende tödliche Gastroenteritis - beobachtet haben(?); eine Arsenikvergiftung soll dabei ausgeschlossen - gewesen sein. Nach +Mosselmann+ und +Hébrant+ haben bei Fohlen - 250 g, bei erwachsenen Pferden 500 g Schwefel eine Vergiftung zur - Folge. -- Nach +Hébrant+ (Belg. Annal. 1900) sollen in Belgien - bei Hunden sehr oft Schwefelvergiftungen vorkommen (Eingeben von - Schwefel als Prophylaktikum gegen die Staupe im Frühjahr) und sich - in Kolik, Erbrechen, Durchfall, selbst blutigem Erbrechen und - Durchfall, Somnolenz, Anämie der Schleimhäute mit häufig tödlichem - Ausgang äussern. -- Ueber eine Vergiftung beim Rind und Schwein hat - +Fabretti+ berichtet (Giorn. vet. 1900). -- Aehnlich wie Schwefel - wirken Selen und Tellur. Letzteres findet sich zuweilen in unreinen - Wismutsalzen und bedingt durch seine Umwandlung zu Tellurwasserstoff - = TeH_{2} den aashaften knoblauchartigen Geruch der ausgeatmeten Luft - (sog. Wismutatem). Sehr giftig sind ferner das tellursaure Natrium, - sowie die selenige Säure und ihre Salze. - - - =Schwefelleber.= Die Schwefelleber (+Schwefelkalium+, Kalium - sulfuratum) von der Formel K_{2}S_{3} + K_{2}S_{2}O_{3} kann bei - äusserlicher Anwendung als Räudemittel, sowie bei innerlicher - Verabreichung (Verwechslung mit Kalium sulfuricum) schwere - Vergiftungserscheinungen veranlassen. Die Giftwirkung setzt sich - zusammen aus der +ätzenden Kaliwirkung+ (Dermatitis, korrosive - Gastroenteritis, Kolik) und der +Schwefelwasserstoffwirkung+ - (Betäubung, Lähmung, Krämpfe). Bei Hunden wirken schon 2-4,0, bei - Pferden und Rindern 30-60,0 giftig. Eine Vergiftung mit Schwefelleber - bei 12 räudigen Pferden nach dem Waschen mit 10proz. Lösung ist im - Berliner Archiv (1898, S. 298) beschrieben. Die Tiere wurden 1 Stunde - nach der Waschung sehr unruhig, atmeten sehr schnell und zeigten - sich zuletzt sehr abgestumpft; an den kräftig geriebenen Hautstellen - trat starke Schwellung und später Ablösung der Haut in Fetzen - ein. Sämtliche Pferde erholten sich bis zum nächsten Tag wieder - vollständig. - - - =Schweflige Säure.= Die schweflige Säure, SO_{2}, entwickelt - sich beim Verbrennen des Schwefels. Sie kann gelegentlich der - Desinfektion von Stallungen, bei der Entleerung von Gefrierapparaten, - sowie beim Einatmen von Flugstaub (Rösten von Bleierzen) - Vergiftungserscheinungen bei Pferden, Rindern und anderen - Haustieren hervorrufen. Dieselben äussern sich in +Konjunktivitis+, - +Laryngitis+ (Husten), +schweren Atembeschwerden+, krampfhaftem - Stimmritzenverschluss, sowie in der Ausbildung einer +kruppösen - Bronchitis+ und +Pneumonie+ (reduzierende Wirkung, Umwandlung zu - Schwefelsäure). Nach +Ogata+ erkranken Tiere schon bei einem Gehalt - der Luft von ½ Vol. pro Mille SO_{2} und sterben bei einem solchen - von 3 pro Mille unter Dyspnoe und Krämpfen. Nach +Kionka+ erzeugen - schon ½proz. wässerige Lösungen im Magen intensive Gastritis, 5proz. - Lösungen haben nach 3-5 Minuten den Tod der Versuchstiere zur Folge. - In den Lungenkapillaren entstehen schon intra vitam Gerinnungen. - Wegen ihrer starken Giftigkeit in Gasform wird daher neuerdings - flüssig gemachte schweflige Säure unter dem Namen +Piktolin+ zur - Vertilgung von Ratten und Mäusen empfohlen (+Kosselt+). +Tempel+ - (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1893, Nr. 35) beobachtete bei 4 - Pferden und 4 Schweinen eine Vergiftung mit SO_{2} (schweflige - Säure), welche aus einem Gefrierapparat in den Stall gelangt war. - Die Sektion ergab katarrhalische bezw. diphtheritische Entzündung - der Respirationsschleimhaut, Lungenemphysem, Bronchopneumonie, - Blutstauung und parenchymatöse Veränderungen. -- +Köbert+ (Sächs. - Jahresber. 1892, S. 110) beschreibt eine SO_{2}-Vergiftung bei 2 - Pferden, welche nach dem Einatmen von Flugstaub beim Rösten von - Bleierzen auftrat, der zum grössten Teil aus schwefliger Säure - bestand. Die Tiere zeigten heftige Entzündungserscheinungen von - seiten der Kopf- und Respirationsschleimhäute, sowie der Lunge - (Husten, Dyspnoe, Nasenausfluss etc.). Ein Pferd starb nach 5, das - andere nach 10 Tagen unter Bildung eines Hautemphysems am Vorderteil - und nach Eintritt von Lungengangrän. Bei der Sektion fand man Gangrän - der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut, jauchige Bronchitis und - Pneumonie, flächenhafte Blutungen auf der Nasenschleimhaut, sowie - Stomatitis ulcerosa. -- Ein Hund war aus Versehen in einem Zimmer - zurückgelassen worden, das zur Vertreibung von Wanzen geschwefelt - worden war. Er zeigte grosse Mattigkeit, hochrote Farbe der - sichtbaren Schleimhäute, Salivation, Konjunktivitis und Keratitis, - Dyspnoe, inspiratorisches laryngeales Rasseln, Husten, Laryngitis, - Tracheitis, Bronchitis und Bronchiolitis, Fieber (40,3°) und - gesteigerte Pulsfrequenz (156 Pulse); nach 22 Tagen war er wieder - gesund (+Jakob+, Woch. f. Tierh. 1908). - - - =Sulfite.= Die +Salze+ der +schwefligen Säure+ (+Natrium+, - +Kalium+, +Calcium sulfurosum+ und +subsulfurosum+), welche - früher als ungiftige innerliche Antiseptika gegen verschiedene - Infektionskrankheiten empfohlen wurden, sind ebenfalls stark - giftig. Nach +Pfeiffer+ (Arch. f. exp. Path. Bd. 27) wirken sie - schon in Dosen von 0,6 pro Kilo tödlich durch +Gefässlähmung+ - und +Herzlähmung+; bei innerlicher Verabreichung erzeugen sie - ferner infolge Abspaltung der ätzenden freien schwefligen Säure - +Gastroenteritis+ (+Kionka+, Zeitschr. f. Hyg. 1896). Nach neueren - Versuchen von +Kionka+ an Hunden erzeugte der fortgesetzte Genuss von - mässigen Mengen schwefligsauren Natrons Abortus, Absterben der Fötus, - entzündliche Schwellung und Rötung der Darmmukosa, sowie Blutungen in - inneren Organen (Deutsch. med. Woch. 1902 Nr. 6). Auch beim Menschen - wurden gastrische Störungen beobachtet (+Bernatzik+ und +Braun+). - Aus diesem Grunde wirken die Sulfite als konservierender Zusatz zu - Nahrungsmitteln (Fleisch) +gesundheitsschädlich+. Ein derartiger - Zusatz ist daher verboten worden (Bundesratsbeschluss vom 18.2.02). - - - =Untersalpetersäure und Salpetrigsäure-Anhydrid.= Die - Untersalpetersäure, NO_{2} (Stickstoffdioxyd), bildet sich aus - NO, Stickoxyd, sofort bei Zutritt von Luft. NO_{2} sowohl, wie - N_{2}O_{3} (Salpetrigsäureanhydrid) erzeugen beim Einatmen - Laryngitis, Tracheitis und Lungenödem, sowie als Allgemeinwirkung - Methämoglobinämie. Ebenso wirken die salpetrigsauren Salze - (+Nitrite+). N_{2}O, Stickstoffoxydul (Lustgas) wirkt narkotisierend - auf das Grosshirn. Aehnlich reizend wie die Dämpfe der salpetrigen - Säure wirken nach +Binz+ die Dämpfe des +Ozons+, O_{3}; die - Allgemeinwirkung des Ozons ist eine narkotisierende bezw. - hypnotisierende (+Schulz+); bei der Sektion findet man Verfettung der - Leber, der Nieren und des Herzens. - - - =Schwefelkohlenstoff.= Der Schwefelkohlenstoff, CS_{2}, ist - experimentell bei Tieren als +Blut-+ und +Nervengift+ festgestellt. - Er erzeugt Methämoglobinämie, Krämpfe und Lähmung. Beim Menschen - kommt in Kautschukfabriken eine chronische Vergiftung vor, welche - sich in Geisteskrankheit, epileptiformen Krämpfen, Tabes etc. - äussert. +Dierks+ (Preuss. Vet.-Ber. pro 1906) berichtet über eine - Vergiftung bei 2 Pferden, die gegen Gastruslarven 36 bezw. 100 - g Schwefelkohlenstoff in Kapseln erhalten hatten; beide Pferde - „erkrankten schwer und gingen nach 9 Tagen ein“. - - -Alkoholvergiftung. - - =Allgemeines.= Der Alkohol (Spiritus, Weingeist) entsteht aus - den Kohlenhydraten unter der Einwirkung des Hefepilzes. Man - unterscheidet einen 100prozentigen (wasserfreien), 99prozentigen - (absoluten), 91prozentigen (höchst rektifizierten) und einen - 68prozentigen (rektifizierten oder verdünnten Alkohol). Die - verschiedenen Branntweine enthalten 40-50 Proz. Alkohol (neben - Fuselöl und Aldehyd), der Wein 8-10, das Bier 3-5 Proz. Reine - Alkoholvergiftungen kommen bei den Haustieren nur ausnahmsweise z. - B. nach zu hoher Dosierung des Weingeistes vor. Gewöhnlich wird - den Haustieren Gelegenheit zur freiwilligen Aufnahme des Alkohols - in Brennereien und Brauereien durch alkoholhaltige Schlempe und - Treber, Branntweinmaische, Biermaische, starkes Branntweinspülicht, - Spülwasser von Spiritusfässern, Weintrester, Apfelweintrester, - gärenden Most, Lagerbier etc. gegeben. Da hierbei zuweilen neben dem - Alkohol auch noch die gärenden Futtermassen im Darm ihre Wirkung - äussern, treten als Komplikation der Alkoholvergiftung mitunter auch - gastrische Zufälle (Tympanitis, Kolik) auf. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Erscheinungen der +akuten -Alkoholvergiftung+ (akuter Alkoholismus) äussern sich anfangs in -Erregungs-, später in Lähmungszuständen des Gehirns. Zunächst zeigen -die Tiere Unruhe und +Aufregung+, selbst +Tobsucht+, +Zerstörungssucht+ -und +wutähnliche Anfälle+ (namentlich Rinder). Gleichzeitig sind die -sichtbaren Schleimhäute hochgerötet, der Herzschlag ist pochend, -der Puls beschleunigt; zuweilen beobachtet man auch aufgeregten -Geschlechtstrieb und vereinzelt selbst Abortus. Später beobachtet -man +Schwanken+, +Taumeln+, +rauschartigen+ Zustand, Betäubung, -Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit, sowie +allgemeine Lähmung+. Der -tödliche Ausgang erfolgt unter den Erscheinungen des +Kollapses+ unter -starker Temperaturerniedrigung und Pulsverlangsamung, sowie zuweilen -unter vorausgegangenen Krämpfen. Das Zentralnervensystem wird durch -den Alkohol in nachstehender Reihenfolge gelähmt: Hirnrinde und -Grosshirn, Kleinhirn, Rückenmark, zuletzt das verlängerte Mark mit dem -Atmungszentrum. - -Bei der +Sektion+ findet man das Gehirn mit seinen Häuten und -Blutleitern sehr blutreich; die Gehirnsubstanz ist zuweilen -von hämorrhagischen Herden durchsetzt, auch findet man in den -Gehirnventrikeln oft grössere Mengen blutigen Serums. Die -Darmschleimhaut zeigt bisweilen die Erscheinungen einer hämorrhagischen -Entzündung, wobei der Darminhalt blutig ist. Auch an anderen -Stellen, namentlich im Herzen und in der Subkutis, sind Hämorrhagien -gefunden worden. Das Blut ist dünnflüssig, von schwarzroter Farbe. -Der Magen- und Darminhalt fällt durch seinen Alkoholgeruch auf. -Die +mikroskopische+ Untersuchung des Gehirns ergibt auffallende -Veränderungen der Ganglienzellen des Grosshirns; sie sind in rundliche, -blasse Gebilde verwandelt, der Kern, die Nisslkörper und die Dendriten -verschwinden. - -+Chronische Alkoholvergiftungen+ sind klinisch nur vereinzelt, so -angeblich bei dem Hunde eines Destillateurs (+Spinola+) beobachtet -worden. Speziell über die beim Menschen so häufige +Leberzirrhose+ -als Erscheinung des chronischen Alkoholismus ist in der Tierheilkunde -nichts bekannt. Es ist sogar trotz der von mehreren Seiten -angestellten experimentellen Untersuchungen noch eine offene Frage, -+ob sich überhaupt durch die fortgesetzte Verabreichung von Alkohol -bei Tieren künstlich Leberzirrhose erzeugen lässt+. Die Resultate -der bisher ausgeführten Experimente sind sehr widersprechend. -Ueber positive Resultate berichten +Strauss+, +Rechter+ u. a. Auch -das im Gegensatz zum Landschwein angeblich häufige Vorkommen von -Leberzirrhose bei Schweinen; welche mit Bierresten aus städtischen -Restaurationen gefüttert werden (+Tschauner+), soll für das Vorkommen -der Leberzirrhose wenigstens beim Schwein sprechen. Dagegen konnten -+Afanassijew+, +Strassmann+, +von Kahlden+, +Lafitte+, +Pohl+, -+Fieweger+ u. a. bei ihren Versuchen mit Hunden und anderen kleinen -Haustieren experimentell keine ausgesprochene Leberzirrhose erzeugen; -sie fanden lediglich Verfettung der Leberzellen, Hyperämie der -Leber, sowie kleinzellige Infiltration (vergl. S. 170). +Mairet+ -und +Combemale+ wollen beobachtet haben, dass die Nachkommenschaft -experimentell mit Weingeist gefütterter Hunde geschwächt erschien und -frühzeitig starb; die gefütterten Hunde selbst sollen schliesslich -Hodenatrophie gezeigt haben. - - -=Behandlung.= Die Behandlung der Alkoholvergiftung ist eine -symptomatische. Sie besteht in der Anwendung von +Exzitantien+. Neben -kalten Sturzbädern auf den Kopf und der Applikation hautreizender -Mittel gibt man innerlich oder subkutan +Kaffee+, +Koffein+, Aether, -Kampfer, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium, Atropin, Hyoszin und -Veratrin. Ausserdem sind die Tiere vor Abkühlung zu schützen (warme -Decken). - - -=Nachweis.= Der chemische Nachweis des Alkohols erfolgt mittels -Destillation. Man destilliert ihn nach vorheriger Ansäuerung der zu -untersuchenden Masse über und weist ihn im Destillat durch seinen -charakteristischen Geruch, seine Brennbarkeit und die Möglichkeit der -Oxydation zu Aldehyd und Essigsäure nach. Der Alkohol färbt ferner -ein Gemisch von +chromsaurem Kali+ und Schwefelsäure intensiv +grün+ -(Reduktion des Chromsalzes), entwickelt, unter einer Glasglocke -mit +Platinmoor+ zusammengebracht, den Geruch des Aldehyds und der -Essigsäure (Oxydation), wobei die Essigsäure weiter durch Erwärmen -mit Kali und einigen Körnchen Arsenik im Glasrohr in das sehr -übelriechende +Kakodyl+ = As_{2}(C_{2}H_{5})_{4}O übergeführt werden -kann. Endlich gibt eine alkoholhaltige Flüssigkeit mit einigen Tropfen -einer heissgesättigten Lösung von +Molybdänsäure+ in konzentrierter, -reiner Schwefelsäure eine tiefblaue Färbung. Schliesslich lässt -sich der Alkohol sehr sicher auch durch die äusserst empfindliche -Jodoformprobe nachweisen. Dieselbe besteht darin, dass man den im -Destillate enthaltenen Alkohol durch Zusatz von Kalilauge und Jod -(bis zur gelbbraunen Färbung) in kristallinisches Jodoform umwandelt, -welches +mikroskopisch+ in Form +gelber+, hexagonaler Tafeln erkannt -werden kann. Oder man verwandelt den Alkohol durch Schwefelkohlenstoff -(2-3 Tropfen) und Kali in Xanthogensäure und erwärmt das Gemenge -mit +molybdänsaurem Ammonium+ (1 Tropfen einer Lösung 1 : 10) und -verdünnter Schwefelsäure (1 : 8), worauf +Rotfärbung+ eintritt. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ 16 Mastkühe eines Brennereibesitzers - hatten alkoholhaltige Schlempe (beim Abdampfen stellte sich nachher - ein Gehalt von 7 Proz. heraus) genossen. Am andern Morgen fand - man 1 Kuh verendet, 14 Stück mussten geschlachtet werden und nur - ein Tier genas. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in - unterdrückter Futteraufnahme, Taumeln, Aufstützen des Kopfes, starker - Rötung der Konjunktiva und Maulschleimhaut, beschleunigter Atmung, - kurzem, mattem Husten, beschwerlichem Aufstehen, grosser Mattigkeit - und Hinfälligkeit, Hin- und Hertrippeln, Zuckungen und Krämpfen - in den Gliedmassen, sowie Gefühllosigkeit; die letztgenannten - Erscheinungen wiesen auf einen baldigen tödlichen Ausgang hin. Die - Dauer der Vergiftung betrug einige Stunden bis 2 Tage. Bei der - Sektion fand man höhere Rötung der sichtbaren Schleimhäute, Ausfluss - dünnen Blutes aus der Nase, dunkelrotes, nicht geronnenes Blut, die - Subkutis sehr blutreich, an handgrossen Stellen dunkelrot gefleckt, - die Farbe des Kadavers im ganzen schmutziggelb. Auf dem Pansen - fanden sich grössere und kleinere dunkelrote Flecken, der Dünndarm - war von aussen gerötet, an einzelnen Stellen schwarzrot gefärbt. - Die Leber war zum Teil blass und bleifarbig. Der Darminhalt bestand - aus einem dunkelroten, teils schokolade-, teils blutähnlichen Brei - von dünnflüssiger Konsistenz. Die Lungen waren dunkel gerötet, - der Herzmuskel welk, blass, mit kleineren, schwarzen Blutflecken - durchsetzt. Die Gehirnblutleiter waren mit schwarzem flüssigem Blute - gefüllt, die Rinden- und Marksubstanz des Gehirns war sehr blutreich - und enthielt apoplektische Herde, die Adergeflechte waren geschwollen - und die Hirnkammern mit blutigem Serum gefüllt (+Knipp+, Preuss. - Mitt. 1878). -- Der ganze Viehstand eines Besitzers (90 Rinder) - erkrankte dadurch, dass aus Versehen Maische unter die Schlempe - geriet. Die Tiere taumelten wie betrunken, zeigten Zähneknirschen, - starke Tympanitis und später Zuckungen der Halsmuskel. Bei der - Sektion fand man braune, dünne, hefenartige Ergiessungen in den - Siebbeinmuscheln und am Gehirn (+Krausse+, ibidem). -- Eine - Ochsenherde zeigte nach der Fütterung alkoholhaltiger Schlempe das - Bild der Betrunkenheit: Aufregung, stieren Blick, Taumeln, Wut, - Zerstörungssucht, betrunkenes Am-Boden-liegen etc. (+Haselbach+, - Oesterreich. Vereinsmonatschr. 1884). -- 3 Kühe hatten an einem - Tag 60 l Lagerbier erhalten und erkrankten unter dem Bilde der - Alkoholvergiftung (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. 1887). -- In - einer Brennerei erkrankten 20 Rinder, nachdem grössere Mengen - alkoholhaltiger Maische mit der Schlempe verfüttert worden waren. - 6 Stück krepierten im Verlaufe des ersten Tages, 10 am 3. und 5 an - den darauffolgenden Tagen. Die Tiere zeigten unruhiges, wildes - Benehmen, Brüllen und Toben, beschleunigte Atmung, Rötung der - Konjunktiva usw. Bei der Sektion fand man Ansammlung von Serum in - den Gehirnkammern, Hyperämie der Gehirnhäute, sowie viel Schaum - in der Trachea und in den Bronchien (+Vorberg+, Veterinärbericht - 1850). -- Eine Kuh verkalbte nach Ablauf einer durch Maischgenuss - erzeugten Alkoholvergiftung am 6. Tage (+Schutt+, Magazin Bd. 21). - -- 58 Kühe zeigten nach reichlicher Schlempefütterung Taumeln, - Schwanken und Durchfall (+Schleg+, Sächs. Jahresber. 1892). -- Nach - der Verfütterung gedämpfter Kartoffel mit grünem Gerstenmalz zeigten - fast sämtliche Kühe die Erscheinungen der akuten Alkoholvergiftung - (+Ziegenbein+, Berl. Arch. 1898). -- Eine Kuhherde erkrankte nach - Verfütterung von Biertrebern an Alkoholvergiftung; die Tiere zeigten - Unruhe, stieren Blick, Schwanken, Zusammenstürzen und länger - andauerndes Versiegen der Milch (+Berndt+, Berl. Arch. 1890). -- - Eine Kuh, welche 3 l Branntwein an einem Tag erhalten hatte, zeigte - sich sehr aufgeregt und bösartig, worauf ein tiefes Koma und nach 24 - Stunden der Tod erfolgte (+Bissauge+, Recueil 1895). -- Eine schwere - Alkoholvergiftung nach der Verfütterung frischer Weissbiertreber - wurde bei der Mehrzahl der Kühe eines Molkereibesitzers beobachtet; - sie äusserte sich in Benommenheit, Stöhnen, Herzklopfen und - sistierter Milchsekretion; die Biertreber enthielten 1¼ Proz., - die aus den Trebern abgesickerte Flüssigkeit 20 Proz. Alkohol - (+Eggeling+, Preuss. Vet.-Ber. 1905). -- Eine Kuh, welcher vom - Besitzer 2 l Kornbranntwein eingegeben worden waren, zeigte völlige - Berauschung und lag schwer röchelnd am Boden; nach entsprechender - Behandlung erholte sie sich erst am 3. Tag (+Kreutzer+, Woch. f. - Tierh. 1909). - - 2. +Pferde.+ Ein klinischer Fall von Alkoholvergiftung ist von - +Courrioux+ (Presse vétér. 1884) beschrieben worden. Ein Pferd, - welches zufällig 5 l Branntwein mit 10 l Wasser aufgenommen hatte, - erkrankte unter den Erscheinungen eines schweren Rausches und - starb nach 60 Stunden. -- +Schirmann+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1894 - S. 199) beobachtete eine auffallend starke Alkoholwirkung bei - einem kolikkranken Pferde, dem ½ l Schnaps eingegeben worden war. - Das Pferd schlief hierauf 3 Stunden lang. Anderen Pferden hat S. - gegen Brustseuche innerhalb 2 Tagen 2 l absoluten Alkohol, täglich - 1 l in 3 Portionen mit je 5 l Wasser, ohne irgendeine narkotische - Wirkung verabreicht. -- Ein Pferd trank 4 l gärenden Weinmost. - Nach 10 Minuten zeigte es schwankenden Gang, konnte sich kaum mehr - aufrecht erhalten, fiel dann um und blieb bewegungslos liegen. - Nach elf Stunden erhob es sich und zeigte anhaltende schaukelnde - Bewegungen (+Mestre+, Recueil 1892). -- Experimentelle Untersuchungen - haben ergeben, dass die Intensität der Alkoholwirkung ausser von - der Menge wesentlich auch von der Konzentration des verabreichten - Alkohols sowie davon abhängt, ob die Tiere fieberhaft erkrankt - sind oder nicht. Sehr konzentrierter Alkohol ist viel giftiger - als ein verdünnter Weingeist in Quantitäten, welche bezüglich des - Alkoholgehalts ersterem gleichkommen. Der konzentrierte Alkohol wirkt - nämlich ausser als Narkotikum auch noch entzündungserregend auf die - Schleimhaut des Magens und Darmes. Von verdünntem Alkohol wird, wenn - man denselben auf konzentrierten Alkohol berechnet, von fieberlosen - Tieren das Doppelte der tödlichen Dosis des konzentrierten Alkohols - ertragen; fieberhaft erkrankte ertragen das 4- und 5fache. +Rektal+ - wirkt der Alkohol nach Versuchen von +Baum+ (Archiv f. Tierhlkde. - 1897) örtlich entzündungserregend (hämorrhagische und selbst - nekrotisierende Entzündung der Dickdarmschleimhaut; katarrhalische - Entzündung der Dünndarmschleimhaut). Wird der Alkohol nicht wieder - zum Teil per anum entleert, so wirken von 93proz. Alkohol 200-250 g - bei Pferden tödlich. Der Tod wird teils durch die Darmentzündung, - teils durch Gehirnlähmung bedingt. Gesunde Pferde werden nach 250,0 g - absolutem (99proz.) unverdünntem Alkohol sehr unruhig und aufgeregt, - steigen in die Höhe, fallen nach 2 Minuten nieder, schlagen heftig - mit den Füssen und mit dem Kopfe, verdrehen die Augen, werden - unempfindlich und bewusstlos und verenden nach 10 Minuten. 120-180,0 - g absoluter Alkohol bedingen ähnliche Zufälle, die Tiere bleiben - jedoch am Leben (+Hertwig+). Nach intravenöser Einspritzung von 30-60 - g absolutem Alkohol sterben Pferde schon nach 1-3 Minuten. Dagegen - ertragen gesunde Pferde von dem Spiritus dilutus (68proz. Alkohol) - einmalige Dosen bis zu 500 g und mehr, ohne zu sterben, indem sie - nur nach vorausgegangener Erregung berauscht und betäubt werden. - Fiebernde Pferde ertragen, ohne berauscht zu werden, 1-1½ l absoluten - Alkohol in verdünntem Zustande. - - 3. +Schweine.+ Nach der Verabreichung von Wein- und Bierresten sah - +Mattern+ (Woch. f. Tierh. 1902) auffallende Munterkeit, Hochspringen - an den Wänden, später Zuckungen und Krämpfe und schliesslich - allgemeine Betäubung und Lähmung; 1 Schwein starb, 2 wurden - notgeschlachtet, die 3 anderen genasen nach 4-5 Tagen. -- Durch - tägliche Verabreichung von 1-1,5 g Alkohol pro kg Körpergewicht hat - +Dujardin-Beaumetz+ (Comptes rendus 1883) bei Schweinen experimentell - chronischen Alkoholismus erzeugt. Die Erscheinungen bestanden in - Schläfrigkeit, galligem und schleimigem Erbrechen, Durchfall, - Zittern, Schwäche und Lähmung des Hinterteils, Atembeschwerden. - Bei der Sektion fand man Rötung und Blutung der Darmschleimhaut, - Hepatitis, Lungenhyperämie, blutige Herde in und zwischen den - Muskeln, sowie atheromatöse Degeneration der Aorta und der grossen - Gefässe. - - 4. +Hunde+ sterben nach 30-60 g absolutem Alkohol, wenn derselbe - in unverdünntem Zustand eingegeben wird, nachdem starke Aufregung, - Erbrechen, Taumeln und Betäubung vorausgegangen sind; bei der Sektion - findet man die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis. - Dieselbe Dosis tötet Hunde bei subkutaner Applikation. Dagegen - ertragen fiebernde Hunde leicht 100-200 g absoluten Alkohol, wenn - derselbe mit viel Wasser eingegeben wird. -- Ein kleiner Terrier - erhielt täglich einen Kaffeelöffel Kognak; er zeigte sich hiernach - wie dumm und schwankte beim Gehen (+Bissauge+, Recueil 1892). - - 5. +Ziegen+ und +Schafe+ können sich an verdünnten Alkohol allmählich - so gewöhnen, dass sie bis zu 180 und 300 g Branntwein ertragen - (+Hertwig+). - - 6. +Katzen+ sterben nach 25 g absolutem unverdünntem Alkohol unter - denselben Erscheinungen wie Hunde. - - 7. +Geflügel+ (Enten, Hühner, Truthühner), welche in Branntwein - eingemachte Kirschen verzehrt hatten, zeigten starke Trunkenheit; 6 - Hühner und 1 Ente starben (+Bissauge+, Recueil 1892). - - =Experimentaluntersuchungen über die Wirkung des Alkohols auf die - Leber bei Tieren.= +Magnan+ (Compt. rend. de Biol. 1869) sah bei - Hunden, die täglich 20-60 g Alkohol erhielten, ausser ulzeröser - Gastritis fettige Degeneration der Leber. +Dujardin-Beaumetz+ - und +Audigé+ (Recherches exp. sur l’alcoolisme chronique; Paris - 1884-1885) gaben 18 Schweinen 3 Jahre lang Alkohol in Dosen von - 1-1,5 g pro kg; alle Tiere nahmen hiebei an Gewicht zu; die Leber - war bei der Schlachtung sehr hyperämisch, zeigte jedoch in keinem - Falle interstitielle Hepatitis. +Strauss+ und +Block+ (Etude exp. - sur la cirrhose alcoolique; Paris 1887) fanden bei Kaninchen, die - 3-12 Monate hindurch Alkohol bekamen, eine härtere Konsistenz der - Leber sowie kleinzellige Infiltration im interazinösen Gewebe; - Spindelzellen und Narbengewebe wurden nirgends beobachtet (trotzdem - bezeichnen die Verfasser den Zustand als „frische Zirrhose“). - +Afanassijew+ (Zieglers Beiträge 1890) sah bei Kaninchen und Hunden - nach monatelangen Alkoholgaben starke Hyperämie, Fettinfiltration - und fettige Degeneration der Leber sowie kleinzellige Infiltration - (Anfangsstadium der Leberzirrhose?); die Versuchshunde - zeigten Nekrose der Leberzellen mit herdförmiger Bildung von - Narbenbindegewebe (kleinherdige Leberzirrhose?). +von Kahlden+ (ibid. - 1891) beobachtete bei seinen Versuchstieren Leberverfettung sowie - Hyperämie der Leberkapillaren, konnte jedoch Rundzelleninfiltration - nicht feststellen. +Lafitte+ (L’intoxication alcoolique; Paris 1892) - sah Hyperämie der Leber und Atrophie der Leberzellen beim chronischen - Alkoholismus der Kaninchen; das interazinöse Leberstroma war jedoch - stets intakt. +Rechter+ (Recherches exp. sur la cirrhose alcoolique, - Brüssel 1892) sah bei Kaninchen nach 5-9 Monate langer Verabreichung - von Alkohol (30-50 g pro die) in einem Fall eine kleinzellige - Infiltration um die Endäste der Vena portae herum bei sonst - intaktem Leberparenchym; in einem andern Falle (9 Monate) zeigte - sich die Leberoberfläche narbig, die Konsistenz der Leber deutlich - vermehrt, ausserdem bestand deutliche Bindegewebsneubildung in der - Umgebung der Leberläppchen. Einen der menschlichen Zirrhose sehr - ähnlichen Befund bot ferner ein Hund, der 4 Monate hindurch Alkohol - erhalten hatte (von den Venae centrales drang junges Bindegewebe - bis an die Peripherie der Leberläppchen, wo sich schmale Züge von - interstitiellem Bindegewebe entwickelt hatten). Die Untersuchungen - von +Pohl+ (Arch. f. Pharm. 1893) verliefen negativ (lediglich - Leberverfettung). +Fieweger+ (Diss. Cöthen 1909) fand bei seinen - Versuchen im pharmak. Institut der Berliner Tierärztl. Hochschule - (Regenbogen) bei Hunden, Katzen, Schweinen und Kaninchen, die 100 - Tage lang 3-5 g Alkohol pro kg Körpergewicht erhalten hatten, relativ - geringfügige Leberveränderungen: Fettinfiltration, vereinzelt auch - fettige Degeneration der Leberzellen, sowie Hyperämie der Kapillaren. - Eigentliche zirrhotische Veränderungen wurden bei allen Tieren - vermisst. Nur bei einem Kaninchen schien eine frische Hepatitis - interstitialis in Form einer zelligen Infiltration vorzuliegen. - - -Chloroformvergiftung. - - =Allgemeines.= Chloroformvergiftungen können sich beim - Chloroformieren der Haustiere aus verschiedenen Veranlassungen - ereignen. Die Ursachen sind häufig in dem Tier selbst oder in - der Tiergattung gelegen. So ist bekannt, dass +Hunde+ wegen der - Häufigkeit der bei ihnen vorkommenden Herzfehler das Chloroformieren - im allgemeinen schlecht ertragen. Auch bei +Pferden+ ist das - Chloroformieren nicht ganz ungefährlich (vgl. unten). Es kann ferner - +unreines+, zersetztes Chloroform die Veranlassung zur Vergiftung - abgeben. In dieser Hinsicht ist namentlich eine Beimengung des stark - giftigen Aethylidenchlorids, Amylchlorids und Methylenchlorids, - sowie des Phosgengases gefährlich. Endlich kann die Veranlassung - zu dem tödlichen Ausgang der Chloroformierung in einem +Versehen+ - des Tierarztes liegen, wenn derselbe die vorgeschriebenen - Vorsichtsmassregeln während der Narkose nicht beachtet. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Chloroform wirkt in tödlichen -Dosen giftig durch +Lähmung+ des +Atmungszentrums+. Ausserdem ist -es ein +lähmendes+ Gift für den +Herzmuskel+, welcher unter seiner -Einwirkung fettig degeneriert. Der Uebergang der Chloroformnarkose -in Chloroformvergiftung gibt sich daher durch die Erscheinungen der -beginnenden Herzlähmung zu erkennen. Der +Puls+ wird +schwach+ und -+aussetzend+, der +Herzschlag unfühlbar+, die +Atmung sistiert+, die -+Pupillen erweitern sich+, die +Temperatur sinkt+, das aus der Wunde -fliessende Blut zeigt +venöse+ Farbe (Erstickungsblut). Bei der Sektion -findet man +Verfettung+ des +Herzmuskels+, der +Skelettmuskulatur+, der -+Gefässwandungen+, der +Leber+ und +Nieren+. Endlich ist das Chloroform -ein +Blutgift+; nach subkutanen Injektionen entsteht infolge -Zersetzung der roten Blutkörperchen Hämoglobinurie. - -Zuweilen kommt es vor, dass der Tod erst mehrere Tage nach der -Chloroformnarkose eintritt, nachdem die Tiere sich scheinbar wieder -vollständig erholt haben. Ueber die Ursache dieser sog. +tödlichen -Nachwirkung+ des Chloroforms hat +Ostertag+ (Virchows Archiv 1889) -experimentelle Untersuchungen angestellt und hierbei gefunden, dass -die Nachwirkung des Chloroforms in der Erzeugung von +Verfettungen+ -in den verschiedensten Organen besteht, hauptsächlich aber einer -Fettmetamorphose der +Herz-+ und +Skelettmuskulatur+ und einer -sekundären Fettinfiltration der +Leber+. Die Fettmetamorphose -resultiert aus einer Einwirkung des Chloroforms auf das Blut -(+Auflösung der roten Blutkörperchen+) und auf die +Gewebszellen+ -selbst (Ertötung). Der nachträgliche Tod nach Chloroformverwendung -erfolgt durch +Lähmung des Herzens+. Die Herzlähmung selbst wird -herbeigeführt durch eine bisweilen nur wenig in die Augen tretende -+anatomische Schädigung+ des +Myokardiums+ und eine gleichzeitig -sich geltend machende allmähliche +Suffokation+ (Oligozythämie und -mangelhafte Respiration infolge Verfettung der Atmungsmuskeln). - - -=Verhalten der einzelnen Tiergattungen.= Die einzelnen Tiergattungen -zeigen dem Chloroform gegenüber ein sehr verschiedenartiges Verhalten. -Besonders giftig wirkt das Chloroform auf +Rinder+, +Schafe+, -+Ziegen+ und +Katzen+. Aber auch für +Hunde+ und +Pferde+ ist das -Chloroformieren nicht ungefährlich. Im einzelnen ist folgendes zu -bemerken: - -1. Für =Pferde= beträgt die toxische Dosis des Chloroforms -durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht (+Negotin+). Im übrigen -können erfahrungsgemäss viel kleinere Dosen bei manchen Pferden giftig -wirken. In den Jahren 1895-1899 sind in meiner Klinik 800 Pferde -unter Chloroformnarkose operiert worden. Eines dieser Pferde ist an -Chloroformvergiftung, und zwar nachdem erst 55 g verbraucht waren, -+gestorben+. Ein zweites ist in +schwere Chloroformasphyxie+ verfallen -und konnte nur durch schnelle Injektion von Skopolamin gerettet werden. -Bei 6 anderen Pferden hat die +Atmung vorübergehend ausgesetzt+. 5 -Pferde (eigentümlicherweise lauter Kryptorchiden) zeigten nach dem -Chloroformieren stundenlang anhaltendes +Erbrechen+, allerdings -ohne nachteilige Folgen. 1 Pferd bot nach dem Chloroformieren das -Bild einer +akuten Stimmbandlähmung+ dar, indem es im Stand der Ruhe -längere Zeit hindurch laut rohrte. 2 Pferde starben endlich einige -Tage nach dem Chloroformieren an einer akuten +gangräneszierenden -Pneumonie+. Wenn ich das alles zusammenfasse und noch dazu hervorhebe, -dass das gebrauchte Chloroform von tadelloser Beschaffenheit, und die -von mir angewandten Chloroformmengen relativ geringe waren, indem -ich nur ausnahmsweise eine ganz tiefe Narkose einleitete, und der -durchschnittliche Verbrauch nur 20-60 g (20-225 g) betrug, so drängt -sich mir die Schlussfolgerung auf: +dass das Chloroform für Pferde kein -ungefährliches Narkotikum ist+. - -+Vennerholm+ (Zeitschr. f. Tiermed. 1898) hat ebenfalls einige Fälle -von +Chloroformtod+ bei Pferden infolge von Herz- und Atemlähmung -beobachtet. Ein Pferd starb beispielsweise ganz plötzlich an -systolischer Herzlähmung. 2 andere chloroformierte Pferde starben -infolge von +Lungenentzündung+; andere, besonders alte Pferde, zeigten -in den ersten Tagen nach dem Chloroformieren schwere +Dyspnoe+ -(Herzschwäche). Mehrmals wurde ferner +Steckenbleiben von Futterbissen -im Schlund+ konstatiert, wenn die Pferde nach beendigter Narkose Futter -aufnahmen (Schlundlähmung); V. rät daher, den chloroformierten Pferden -erst einige Stunden nach der Narkose Futter zu verabreichen. - -Tödliche Fälle von Chloroformvergiftung sind ferner von +Lanzillotti+ -und +Knauer+ (nekrotisierende Pneumonie), sowie in der preussischen -Armee (Preuss. Milit. Vet. Bericht, Jahrg. 5) konstatiert worden. -Heftiges, eine Viertelstunde anhaltendes Würgen und Geifern bei tief -chloroformierten Pferden haben +Georges+ und +Röder+ beobachtet (Sächs. -Jahresber. 1898); letzterer sah ausserdem bei 2 Pferden schwere -Erstickungsanfälle (Glottisödem), welche nur durch die Tracheotomie -gehoben werden konnten. - - =Kasuistik.= Die beiden von mir beobachteten Fälle von schwerer - Chloroformvergiftung bei Pferden sind folgende: - - 1. Eine 12 Jahre alte braune Stute wurde am 3. September - 1895 in die chirurgische Klinik eingestellt zum Zweck der - Hufknorpelfisteloperation. Die Voruntersuchung ergab einen - mittelmässigen Nährzustand, etwas schwachen, aber regelmässigen - Puls, reine Herztöne, 36 Herzschläge, 37,8° C Temperatur, 20 - Atemzüge, rege Futteraufnahme, blassrote Färbung der Konjunktiva, - sowie etwas benommenes Sensorium. Am linken Vorderfuss bestand - eine veraltete Hufknorpelfistel verbunden mit Lahmheit. Das Pferd - wurde in gewöhnlicher Weise zur Operation vorbereitet und am 6. - September geworfen. Auch an diesem Tage hatte das Pferd 36 Pulse, - 20 Atemzüge und 37,8° C Temperatur. +Beim Chloroformieren fiel auf, - dass das Pferd ausserordentlich schnell in Narkose verfiel.+ Nach - kaum 10 Minuten, bei einem Verbrauche von nur 15 g Chloroform, - konnte mit der Operation begonnen werden. +Nach weiteren 30 - Minuten, nachdem im ganzen 55 g Chloroform verbraucht waren, wurde - die Atmung plötzlich sehr beschleunigt und sistierte nach einer - weiteren Minute vollständig.+ Gleichzeitig wurde der bis dahin - normale +Puls unfühlbar+, die Venen des Kopfes und Halses schwollen - stark an und es war leichter Schweissausbruch bemerkbar. Die sofort - angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Es wurden - während einer halben Stunde kalte Waschungen des Kopfes, Halses - und Thorax vorgenommen, zwei subkutane Atropininjektionen gemacht, - künstliche Atmungsbewegungen am Thorax ausgeführt und schliesslich - sogar ein Aderlass gemacht, alles vergeblich. Die Sektion bestätigte - die Diagnose Chloroformvergiftung. Es wurden bei sonst negativem - Befunde eine Erweiterung des rechten Herzens mit Systole der linken - Herzkammer, starke Hyperämie der Venen des Halses und Kopfes, Zyanose - der Leber und Lungen, sowie subepikardiale Hämorrhagien vorgefunden. - Durch die eingehende Vernehmung des Ueberbringers des Pferdes liess - sich nachträglich folgendes ermitteln. +Das Pferd war am 8. Juli - 1895 an Hitzschlag erkrankt+ und wurde bis zum 20. Juli tierärztlich - behandelt. Während dieser Zeit zeigte es die Erscheinungen eines - schweren Gehirnleidens. Vom 20. Juli bis zum 3. September war zwar - eine Besserung eingetreten. Das Pferd zeigte sich aber so matt, dass - es in der Zwischenzeit bis zum 3. September, dem Tag der Einstellung - in die chirurgische Klinik, nicht wieder eingespannt werden konnte. - - 2. Ein mit Hufkrebs behafteter 9jähriger, brauner Hengst wurde am - 20. November 1896 abgeworfen und unter Chloroformnarkose operiert. - Die Operation, welche in der Entfernung des ganzen Fleischstrahls, - der ganzen Fleischsohle und etwa drei Viertel der Fleischwand - mittelst Hauklinge, Rinnmesser, Lorbeerblattmesser, Schere und - scharfem Löffel bestand, dauerte 1½ Stunden. +Während der Operation - setzte, als im ganzen erst 48 g Chloroform verbraucht waren, die - Atmung plötzlich aus.+ Der sonst in der Regel wirksame Versuch, - die Atmung durch flache Schläge auf die Bauchdecke anzuregen, - versagte in diesem Falle gänzlich, auch kaltes Wasser, frische Luft, - Kompression des Thorax usw. konnten die Chloroformasphyxie nicht - beseitigen. Da eine Atropinlösung zufällig nicht zur Hand war, - wurde dem Pferd eine vorrätig gehaltene subkutane Skopolaminlösung - (0,1) eingespritzt. Diese Injektion hatte sofortiges Wiederkehren - der Atembewegungen zur Folge, so dass die Operation beendet werden - konnte. Als das Pferd hierauf in seinen Stand zurückgebracht war, - zeigte es ganz eigentümliche Erregungszustände. Vor allem fiel das - laute, trompetenförmige, an Elefantengebrüll erinnernde, anhaltende - Schnauben und Wiehern des Pferdes auf. Sodann zeigte sich das Pferd - den ganzen Tag über psychisch sehr aufgeregt, ja selbst am anderen - Tag waren die zerebralen Erregungserscheinungen sowie die Steigerung - der Atemfrequenz noch nicht vollständig verschwunden. Im übrigen - blieb diese Skopolaminlösung ohne nachteiligen Einfluss auf das - Allgemeinbefinden sowie auf den Verlauf der Heilung. - - Eine Studie über die Verantwortlichkeit des Tierarztes für den - Chloroformtod hat +Bärner+ veröffentlicht (Zeitschr. f. Tiermed. 1900 - S. 28). - -2. Für =Hunde= ist das Chloroform im allgemeinen gefährlich, da es -leicht zu +Lähmung des Atmungszentrums+ und Herzens führt (+Negotin+, -eigene Beobachtungen). Manche Hunde ertragen allerdings grössere -Chloroformmengen gut (+Ostertag+, +Albrecht+). Das Exzitationsstadium -ist meistens kurz, indem die Tiere einige Minuten hindurch sehr -unruhig werden und bellen oder heulen. Während der Narkose besteht -Speichelfluss. Sehr häufig sistiert die Atmung dann plötzlich unter -starker Erweiterung der Pupillen und Zyanose der Schleimhäute, -während das Herz noch einige Zeitlang fortschlägt. Bei 7 Hunden trat -nach Verbrauch von 25-40 g Chloroform nach 5-22 Minuten Stillstand -der Atmung ein, so dass das Leben nur durch künstliche Respiration -erhalten werden konnte; 20 Hunde starben nach 1-22 Minuten und nach -einem Chloroformverbrauch von 1-65 g infolge von Atmungslähmung -(13), gleichzeitiger Atmungs- und Herzlähmung (4) bezw. Herzlähmung -(3) (+Negotin+). Nach +Hobday+ (800 Fälle) soll dagegen der Hund -bei Anwendung der nötigen Vorsicht (Bauchlage, Vorrätighalten -von Gegenmitteln) ein geeignetes Objekt für die Chloroformierung -darstellen; im übrigen hat auch +Hobday+ 9mal Vergiftungserscheinungen -und 3mal tödliche Chloroformvergiftung beobachtet (!). - -3. Für =Katzen= ist das Chloroform nach +Negotin+ ein noch +viel -gefährlicheres+ Mittel als für Hunde. Das Exzitationsstadium ist kurz -und sehr ausgeprägt und geht rasch in tiefe Anästhesie über. Der Tod -trat in vielen Fällen unter den Erscheinungen der Atmungslähmung in -einem Zeitraum von 1½-20 Minuten und nach einem Verbrauch von 6-7 -g Chloroform ein. Auch nach +Guinard+ sind Katzen gegen Chloroform -ausserordentlich empfindlich, indem sie häufig verenden. +Müller+ sah -bei einer kräftigen Katze den Tod nach 8 g Chloroform in 7 Minuten, bei -einer anderen nach 6 g in 4 Minuten eintreten. Im übrigen scheinen auch -bei Katzen Ausnahmen von dieser Regel vorzukommen. So hat +Ostertag+ -bei seinen Versuchen gefunden, dass sich eine tiefe Narkose bei Katzen -lange unterhalten lässt. Nach Versuchen von +Kappler+ starben die in -einem Sack betäubten Tiere erst nach ¼-¾stündiger Chloroformierung -und nach einem Verbrauch von 100-300 g Chloroform. Offenbar kommt -bei Katzen auch die Methode des Chloroformierens wesentlich mit in -Betracht. +Hobday+ hat 120 Katzen chloroformiert; er hebt ebenfalls -hervor, dass Katzen noch viel empfindlicher sind als Hunde und daher -mit noch grösserer Sorgfalt chloroformiert werden müssen. - -4. Beim =Rind= treten während der Narkose Krampfanfälle einzelner -Muskelgruppen in Form von +Tetanus+ und +Opisthotonus+ auf. Das -Erregungsstadium ist sehr kurz (1-5 Minuten) und stark ausgesprochen; -nach weiteren 2-4 Minuten stellt sich Schlaf ein, dem komplette -Empfindungslosigkeit folgt. Nebenerscheinungen hiebei sind -Speichelfluss, Tränen, Erbrechen, Sistieren der Pansentätigkeit sowie -+Tympanitis+. Nach Ablauf der Narkose zeigen die Tiere mehrere Stunden -hindurch einen schwankenden Gang. Die Dauer der Narkose beträgt bei -einem Verbrauch von 50-140 g Chloroform 40-60 Minuten (+Negotin+). Bei -innerlicher Verabreichung von 50-75 g Chloroform beobachtete ich bei -einer Kuh Schwanken in der Hinterhand ohne wesentliche Benommenheit des -Sensoriums. - -5. Bei =Schafen= und =Ziegen= sind während der rasch eintretenden -Narkose lebensgefährliche Komplikationen zu beobachten: +krampfartiges -Atmen+, +Stillstand der Respiration+, +Tympanitis+, +Erbrechen+, -+Aspiration von erbrochenen Futtermassen in die Luftröhre+, +akute -Bronchopneumonie+, +Zyanose der Schleimhäute+, +Opisthotonus+. Die -Auftreibung des Abdomen erklärt sich aus der Lähmung der Magen- und -Darmwandung. In der Regel erfolgt der Tod, auch nach überstandener -Narkose, unter Erstickungserscheinungen. Die Sektion ergibt als -Todesursache eine akute Bronchopneumonie. Auch schwere Gehirnstörungen, -z. B. Drehbewegungen, sowie Erscheinungen von Gehirnödem werden -nach der Narkose beobachtet. Der Tod trat in der Regel 12 bis 14 -Stunden nach Beendigung des Chloroformierens ein. Während von den -chloroformierten Schafen alle starben, starben von neun narkotisierten -Ziegen 2 (+Negotin+). Von 6 chloroformierten Schafen erkrankten 5 -schwer; 4 davon verendeten nach 1-5 Tagen (+Malzew+). - -6. Bei =Schweinen= erweist sich das Chloroformieren +ungefährlich+. -Nach kurzer heftiger Erregung tritt Schlaf und vollkommene -Empfindungslosigkeit ein. Nach der Narkose erholen sich die Tiere -rasch. Zu einer tiefen 25-136 Minuten dauernden Narkose wurden 22-100 -g Chloroform verbraucht (+Negotin+). +Ehrhardt+ (Zürich) hat 1000 -Schweine chloroformiert; bei Horizontallage ist nach ihm selbst die -tiefe Narkose durchaus ungefährlich. - -7. Für =Hühner= scheint das Chloroform ebenfalls ein +unschädliches+ -Narkotikum zu sein. Das Exzitationsstadium fehlt oft ganz oder ist sehr -kurz; nach ½-3 Minuten tritt Schlaf, nach ½ bis 10 Minuten vollständige -Empfindungslosigkeit ein. 18-105 Tropfen erzeugten eine 57-137 Minuten -lange Narkose; ein Tier starb an Bronchopneumonie (+Negotin+). - - -=Behandlung.= Stellen sich im Laufe einer Chloroformnarkose die -Erscheinungen der Herzschwäche oder Atmungslähmung ein, so muss in -erster Linie sofort mit dem Chloroformieren ausgesetzt und für Zufuhr -+frischer Luft+ gesorgt werden. Ferner sind +Exzitantien+ anzuwenden. -Man appliziert kalte Duschen auf den Kopf, lässt die Haut frottieren -oder appliziert beim Pferd kräftige Schläge mit der flachen Hand -in der Flankengegend. Ausserdem macht man subkutane Einspritzungen -von +Hyoszin+ (+Skopolamin+) oder +Atropin+ in Dosen von 0,05-0,1 g -für Pferde. Nach den Versuchen von +Paukul+ bewährten sich von allen -Methoden der Wiederbelebung am besten +Kompression der Herzgegend+ -nach +König-Maass+ in Verbindungen mit subkutanen Injektionen von -Skopolamin. Bezüglich der +Prophylaxe+ vgl. mein Lehrbuch der -Arzneimittellehre 8. Aufl. 1909 S. 99. - - -=Nachweis.= Der qualitative Nachweis des Chloroforms wird mittelst der -+Isonitrilreaktion+ geliefert. Man destilliert die zu untersuchenden -Teile (Lunge, Blut, Herzmuskulatur) und erwärmt das Destillat mit -weingeistiger Kalilauge und Anilin, wobei sich ein unangenehmer -charakteristischer Geruch nach Isonitril-Isozyanbenzol, C_{6}H_{5}CN, -entwickelt. Eine andere Reaktion besteht in der vorübergehenden -Blaufärbung beim Erwärmen des Destillates mit wenig β-Naphthol und -starker Kalilauge auf 50°. - - =Chloralhydrat.= Die tödliche Dosis des Chloralhydrats beträgt - bei +Pferden+ 150-200 g bei innerlicher oder rektaler Anwendung, - 50-75 g bei intravenöser. Die Versuche von +Negotin+ ergaben - folgendes: Bei rektaler Applikation (1 : 12-20) erzeugten Dosen - von 0,5 g Chloralhydrat pro kg Körpergewicht schwankenden Gang, - Zusammenstürzen der Tiere nach ¼-½ Stunde, sowie die Erscheinungen - der Proktitis. 0,6 g pro kg Körpergewicht hatten 4-5stündigen - Schlaf sowie nach 1-2 Stunden Anästhesie zur Folge. Bei der Sektion - erschien die Mastdarmschleimhaut dunkelrot, ödematös geschwollen, - blutunterlaufen und stellenweise desquamiert; die abgestossene - Epithelschicht bildete einen membranartigen Ueberzug über die - Kotballen. Die Submukosa enthielt eine gelatinös sulzige, orangegelbe - Flüssigkeit. Bei intravenöser Injektion (1 : 2) trat sehr rasch, - zuweilen noch während der Injektion, Zusammenstürzen, Anästhesie und - 2stündiger Schlaf ein. Die Dosis betrug 90-120 g. Bei der Sektion - war ausgebreitete Thrombose der Jugularis, sowie in zwei Fällen - heftige Phlebitis nachzuweisen (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. VI. - Bd.). -- Bezüglich der +intravenösen+ Injektion von Chloralhydrat - beim Pferd lautet das Urteil verschieden. +Vennerholm+ (Zeitschr. - f. Tiermed. 1. Jahrg.) empfiehlt bei Pferden, bei welchen das - Abwerfen zu gefährlich ist, die intravenöse Injektion von 50-60 g - Chloralhydrat in 150 g Wasser gelöst, filtriert und auf Blutwärme - gebracht, zum Zweck der allgemeinen Narkose. Dabei gibt er zu, +dass - in jedem Fall die Gefahr einer Periphlebitis und Thrombosierung der - Jugularis besteht+. Diese Thrombophlebitis soll jedoch zwar sehr - bedenkliche Erscheinungen bedingen, aber nur äusserst selten zum - Tod führen. Ich habe diese Angaben an Anatomiepferden nachgeprüft - und in einem Fall eine tödliche Verblutung aus der thrombosierten - Jugularis sowie Thrombosierung der Blutleiter im Gehirn, in einem - anderen Fall ausgedehnte Thrombosierung und Obliteration der - Jugularis festgestellt. +Cadiot+ und +Almy+ (Alfort) weisen auf - die grosse Gefahr der Phlebitis und Periphlebitis hin. Sie haben - ferner bei ganz einwandsfreier intravenöser Applikation des - Chloralhydrats ein Pferd nach einer sehr mässigen Dosis (10 g pro 100 - kg Körpergewicht) unter asphyktischen Erscheinungen sterben sehen. - +Pfeiffer+ (Operationskursus 1907) empfiehlt dagegen die intravenöse - Chloralinjektion. +Jedenfalls ist die intravenöse Injektion des - Chloralhydrats wegen der Gefahr der Thrombose nicht unbedenklich.+ - - Bei +Rindern+ beobachtete ich nach Klistieren von 25, 40 und 50 - g Chloralhydrat keinerlei Wirkung. Per os hatten 25, 35 und 40 g - +Schwanken+ in der +Hinterhand+ nach etwa einer Viertelstunde, 50 und - 75 g Schwanken im Kreuz nach 10 Minuten und Zusammenstürzen nach 20 - Minuten zur Folge. Erst bei diesen letzteren Dosen trat gleichzeitig - auch +Bewusstlosigkeit+ und +Unempfindlichkeit+ auf, welche ca. 3 - Stunden dauerten und an das Bild des Kalbefiebers erinnerten. +Hess+ - sah ein Rind nach 40 g per os in einer halben Stunde verenden. - - +Hunde+ werden durch narkotische Chloraldosen (2-5 g bei kleinen, - 5-10 bei grossen) häufig stark aufgeregt, rennen im Zimmer hin - und her und sind gegen Berührung sehr empfindlich. Auf dieses - Exzitationsstadium folgt Schwanken und Taumeln, Umfallen, zunehmende - Teilnahmslosigkeit gegen die Umgebung, Betäubung und Schlaf mit - starker Unempfindlichkeit, welcher mehrere Stunden andauert. Während - desselben sinkt die Temperatur, wie ich in einem Fall beobachten - konnte, bis um 2 Grade. Die tödliche Chloraldosis für Hunde beträgt - 10-25 g. +Negotin+ fand bei seinen Versuchen folgendes. Bei der - innerlichen Verabreichung des Chloralhydrats (1 : 4-7) wurden - die Tiere zunächst zum Teil traurig, betäubt, schwankten, fielen - zu Boden, teils wurden sie unruhig und aufgeregt und winselten - kläglich. Zuweilen gesellte sich hiezu bald Durchfall. Nach 0,25 g - Chloralhydrat pro kg Körpergewicht trat innerhalb 40 Minuten sodann - ein leichter, kurzdauernder Schlaf ein. Nach Dosen von 0,4-0,5 pro - kg Körpergewicht trat ein 1-1½stündiger Schlaf nach durchschnittlich - 20 Minuten ein; nach dem Erwachen beobachtete man starkes Zittern, - der Appetit und das allgemeine Wohlbefinden kehrten jedoch bald - wieder zurück. Bei Dosen von 0,5-0,9 pro kg Körpergewicht trat - nach 18 Minuten Schlaf und hierauf nach einigen Minuten völlige - Empfindungslosigkeit ein, welche 2-5 Stunden anhielt; während der - Narkose und nach dem Erwachen litten die Hunde an Durchfall. 1,0-1,6 - pro kg Körpergewicht erzeugten Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, - sowie nach 10 Minuten langer Narkose Tod infolge von Herz- und - Atmungslähmung. Nach +Schulze+ zeigte ein 12½ kg schwerer Hund nach - 25 g Chloralhydrat (2 g pro kg) eine 7stündige Narkose, ohne zu - sterben. - - Bei +Katzen+ wirken 0,15 g pro kg Körpergewicht giftig (+Lesage+). - - - =Paraldehyd.= Pferde zeigen nach meinen Versuchen (Berl. klinische - Wochenschr. 1887) auf 500 g Paraldehyd neben Erscheinungen der - Schwäche und Lähmung Hämoglobinurie infolge der Zersetzung der roten - Blutkörperchen durch das Paraldehyd. Die tödliche Dosis für Hunde - beträgt 3-4 g pro kg Körpergewicht. Ausführlicheres findet sich in - meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 124. - - - =Sulfonal.= Die tödliche Dosis beträgt nach meinen Untersuchungen - für Pferde und Rinder 150-200 g (0,5 pro kg Körpergewicht). Die - Erscheinungen der Sulfonalvergiftung bestehen in einem Tage lang - andauernden schlafartigen Zustand, welcher mit gesteigerter - Reflexerregbarkeit und Krämpfen abwechselt. Bei der Sektion findet - man regelmässig eine hämorrhagische resp. ulzeröse Gastroenteritis. - Vergl. Genaueres in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. - 122. - - - =Aether.= Die Todesdosis des Aethers betrug in einem Falle beim - Pferde 750 g nach vorausgegangener einstündiger Inhalation - (+Seifert+). Vergl. Genaueres über die Giftwirkung des Aethers in - meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 117. - - - =Antifebrin.= Um die Giftwirkung des Antifebrins bei den Haustieren - kennen zu lernen, habe ich Versuche bei gesunden Pferden, Rindern, - Schafen, Ziegen und Hunden gemacht (Monatshefte f. prakt. Tierheilk. - V, S. 145). Dieselben haben ergeben, +dass das Antifebrin für die - Haustiere ein sehr wenig giftiges Mittel ist+. Mit Ausnahme eines - von +Ehrle+ beim Pferd beschriebenen Falles (Kollapserscheinungen - nach 60 g Antifebrin) und einer von +Prietsch+ gemachten Mitteilung - (Sächsischer Jahresber. 1907), wonach ein Landwirt seinen beiden - kranken Rindern das Antifebrin nicht abwog, sondern nach Gutdünken - verabreichte, worauf sie unter Sinken der Temperatur und Atemnot 8 - Stunden nach dem Eingeben verendet sein sollen, ist bisher keine - Antifebrinvergiftung nach dem Gebrauch des Mittels bei Haustieren - vorgekommen. Die von +Ehlers+ (Berliner tierärztl. Wochenschrift - 1898) angeblich bei einer Kuh nach der Verabreichung von 3 Dosen - Antifebrin à 25,0 beobachtete tödliche Antifebrinvergiftung ist - sehr zweifelhaft. +Ehrhardt+ (Züricher Klinik) hebt besonders - hervor, dass er trotz jahrelanger Verabreichung von 2-3maligen - Einzeldosen von 20-30,0 (40,0-90,0 pro die) bei Pferden und Rindern - niemals nachteilige Folgen beobachtet hat. Nach meinen Versuchen - ertragen gesunde Pferde 300 g, Rinder 250 g, grosse Hunde und - Schafe 10 g Antifebrin, ohne zu sterben. Die tödliche Dosis beträgt - durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht; nur der Hund scheint etwas - empfindlicher zu sein (tödliche Dosis = ½ g pro kg Körpergewicht). - Die +Vergiftungserscheinungen+ bestehen im wesentlichen in - +motorischer Lähmung+, zerebraler Depression mit +Schlafsucht+, - +Sinken der Körpertemperatur+, +Herzklopfen+ und leichten - +gastrischen Störungen+. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken: - - 1. +Motorische Lähmung+ ist das erste von allen durch Antifebrin - erzeugten Vergiftungssymptomen. Dieselbe tritt beim Pferde schon - nach 60-75 g ein. Sie äussert sich in unsicherem Gange, Schwäche - im Hinterteil, Schwanken, Taumeln, Einknicken in den Gelenken, - Uebergreifen der Schwäche auf die Vorderbeine, Zusammenfallen, - Unvermögen aufzustehen und schliesslich in allgemeiner Muskellähmung. - Bei grossen Dosen treten diese Lähmungserscheinungen bereits wenige - Minuten nach dem Eingeben des Antifebrins auf. Berücksichtigt man - die Tatsache, dass das Antifebrin in Wasser schwer löslich ist - (1 : 200), so muss diese ausserordentlich rasche Resorption des - Mittels vom Magen aus merkwürdig erscheinen. Damit hängt auch die - auffallende Erscheinung zusammen, dass gewöhnlich schon ½-1 Stunde - nach dem Eingeben der Höhepunkt der motorischen Lähmung, welche sich - sogar auf den Sphincter ani ausdehnt, erreicht ist. - - 2. +Zerebrale Depression+ und +Schlafsucht+ ist nicht bei allen - Tieren und nicht immer in gleicher Intensität wahrzunehmen. Bald - zeigt sich nur eine gewisse Mattigkeit und psychische Benommenheit - (Pferd), bald beobachtet man einen kurzen, vorübergehenden - schlafsüchtigen Zustand bezw. Schlafsucht (Hund), bald tritt ein - stundenlanger, tiefer, ruhiger Schlaf ein (Rind und Kalb), bald ist - endlich ein rauschartiger Zustand wahrzunehmen, der an das Bild der - Alkohol- oder Chloroformnarkose erinnert (Ziege, Schaf). Während der - Hypnose ist gleichzeitig auch die sensible Erregbarkeit herabgesetzt. - - 3. +Ein Sinken der Körpertemperatur+ lässt sich konstant bei - allen Tieren nachweisen. Dasselbe tritt aber in der Regel erst - +nach+ erfolgter motorischer und psychischer Depression und zwar - synchron mit dem Höhepunkt derselben ein. Die Temperatur beginnt - durchschnittlich etwa 1 Stunde nach Verabreichung des Antifebrins - deutlich zu sinken. Die tiefste Temperatur ist nach ca. 4-10 - Stunden zu konstatieren. Der Temperaturabfall beträgt im Maximum - 3-4° C. Starkes Herzklopfen mit erheblicher Pulsbeschleunigung ist - gleichzeitig mit der Abnahme der Körpertemperatur wahrzunehmen. Die - +Atmung+ ist bei manchen Tieren sehr +beschleunigt+, bei anderen - normal. - - 4. Von +gastrischen Störungen+ wurden im späteren Verlaufe der - Vergiftung wahrgenommen Speichelfluss, Sistieren der Futteraufnahme - und des Wiederkauens, Verstopfung, Tympanitis, leichte - Kolikerscheinungen (Stöhnen, Unruhe, Meckern, Brüllen), sowie beim - Rinde eine kruppöse hämorrhagische Enteritis. - - 5. Besonders auffallende Veränderungen zeigt der +Harn+. Während - derselbe am 1. Tage gewöhnlich eine normale Farbe aufweist, selbst - in einigen tödlich verlaufenden Fällen, ist vom 2. Tage ab eine - zunehmende +Dunkelfärbung+ desselben wahrzunehmen, welche meist - mehrere Tage, mitunter sogar eine Woche, anhält. Der Harn zeigt - eine +dunkelbernsteingelbe+, +rotgelbe+, +dunkelbraunrote+, - +schwarzbraune+, ja selbst eine +tintenschwarze+ Farbe, sowie alle - Nuancen zwischen den genannten Farben (Azetylparamidophenol). - - 6. Die +Sektion+ der an Antifebrinvergiftung gefallenen Tiere ergibt - mit Ausnahme +entzündlicher Veränderungen im Digestionsapparat+ - einen ziemlich negativen Befund. Der Tod erfolgt unter dem Bilde der - Erstickung (Lungenödem, suffokatorische Hämorrhagien im Herzen). - Die spektroskopische Untersuchung des Blutes ergab niemals das - Vorhandensein von Hämoglobinämie. Danach wirkt das Antifebrin bei den - Haustieren nicht als Blutgift. - - - =Antipyrin.= Ueber den Grad der Giftigkeit und die Art der - Giftwirkung des Antipyrins bei den Haustieren habe ich eine Reihe - von Versuchen angestellt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde - V, S. 399). Ein 42 kg schwerer Hund ertrug die zweimalige - innerliche Verabreichung von 50 g Antipyrin ohne auffallende - Störungen des Allgemeinbefindens. Ein anderer 26 kg schwerer Hund - blieb gesund, trotzdem er im Verlauf von 14 Tagen insgesamt 80 g - Antipyrin innerlich erhalten hatte. 10 g Antipyrin erzeugten bei - subkutaner Injektion lokale Abszesse, dagegen keine nennenswerten - Allgemeinstörungen. +Pferde+, +Rinder+ und +Schafe+ zeigten nach - Dosen von 0,5-0,8 g Antipyrin pro kg Körpergewicht zwar eine - deutliche Vergiftung, blieben aber am Leben. Ein 360 kg schweres - Pferd blieb z. B. nach der innerlichen Verabreichung von 300 g - Antipyrin am Leben, desgleichen ein 480 kg schweres Rind nach - 250 g und ein 37 kg schweres Schaf nach 25 g Antipyrin. +Die - tödliche Dosis des Antipyrins beträgt für Rinder und Schafe 1 g - pro kg Körpergewicht.+ Beispielsweise starb ein 480 kg schweres - Rind nach dem Eingeben von 500 g Antipyrin. Das Antipyrin wirkt - auf die Haustiere als +Atmungsgift+ und +Krampfgift+, sowie als - +leichtes Akre+, nicht aber als Blutgift. Die von mir beobachteten - Vergiftungserscheinungen sind folgende: - - - 1. Die Antipyrinvergiftung beginnt mit +Zittern, Aufregung, - Unruhe, Schreckhaftigkeit und Atmungsstörungen+. Die letzteren - äussern sich in einer zunächst periodischen, anfallsweisen, später - kontinuierlichen Dyspnoe, welche wohl auf eine Erregung des in der - Medulla oblongata gelegenen Atmungszentrums durch das Antipyrin - zurückzuführen ist. Daneben sind Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, - leichte Kolikerscheinungen (Rind, Schaf), Erbrechen bezw. - Blutbrechen (Hund), verzögerter Kotabsatz, leichte Konjunktivitis - und Rhinitis, sowie Schweissausbruch (Pferd) zu konstatieren. - Die Körpertemperatur gesunder Tiere scheint durch Antipyrin sehr - verschiedenartig beeinflusst zu werden. Während beim Pferd und Rind - ein Temperaturabfall um ca. 1° beobachtet wurde, zeigten die übrigen - Versuchstiere (Hund, Schaf) eine Temperatursteigerung, welche bei den - Hunden 0,8-2,5, beim Schaf sogar 3,3° betrug. - - 2. Der Höhepunkt der Antipyrinvergiftung ist durch das Auftreten von - +Krämpfen+ charakterisiert. Dieselben stellen zunächst klonische - Krämpfe dar, welche aber bald in einen tonischen Krampf bezw. in - Tetanus (Orthotonus, Opisthotonus) übergehen. Dieser Starrkrampf - hielt beim Rind nicht weniger als 17 Minuten lang an; er ist als die - indirekte Todesursache (Erstickung) anzusehen. - - 3. Der +Harn+ der Versuchstiere zeigte ausser der bei Zusatz von - Eisenchlorid eintretenden Rotfärbung (Antipyrinreaktion) und ausser - der zuweilen ziemlich lange anhaltenden Polyurie (Pferd, Rind, - Hund) keinerlei Veränderungen, namentlich keine Verfärbung, keine - Hämoglobinurie, keine Albuminurie; nicht einmal die Reaktion wurde - geändert. Wie die spektroskopische Untersuchung des Blutes der - beiden gestorbenen Tiere in zweifelloser Weise ergab, lag auch - keine Methämoglobinämie vor. Das Antipyrin darf mithin als ein - Blutgift nicht bezeichnet werden. Interessant war es, dass bei dem - Versuchspferd nach der Verabreichung von 300 g Antipyrin der Harn - noch 14 Tage lang die Antipyrinreaktion zeigte, wodurch die bekannte - langsame Ausscheidung des Antipyrins bestätigt und illustriert wird. - - - =Eosin.= Das Eosin, ein Derivat des +Fluoreszeins+ - (Resorzinphtaleins), nämlich +Tetrabromfluoreszeinkalium+, wird seit - 2 Jahren in Deutschland zur Denaturierung der Futtergerste verwendet. - Die mit Eosin gefärbte Gerste erzeugt bei Schweinen nach längerer - Verabreichung angeblich eine Eosinvergiftung („Eosinschweine“), die - sich in einer mitunter tödlich verlaufenden Magendarmentzündung - äussern soll. Eine vom Reichsschatzamt angeordnete Nachprüfung hat - ergeben (vergl. den Deutschen Reichsanzeiger vom 13. 1. 10), dass - es ungewöhnlich grosser Mengen von Eosin bedarf, um Schweine krank - zu machen. Zwei Versuchsschweine zeigten selbst nach der Aufnahme - von 240 und 300 Gramm Eosin keine Gesundheitsstörungen. Diese Menge - beträgt das 6000fache der mit der Futtergerste täglich aufgenommenen - Menge von 0,05 Gramm Eosin. Ebensowenig zeigten im Jahre 1908 die - Bromberger Versuchstiere Krankheitserscheinungen, trotzdem sie 106 - Tage lang mit einer Eosingerste gefüttert worden waren, welche 20mal - mehr Eosin enthielt, als die gewöhnliche Eosingerste. - - - - -II. Pflanzliche Gifte. - - -Kolchikumvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Zeitlose+ oder +Herbstzeitlose+, +Colchicum - autumnale+, ist ein zu den Kolchikazeen (Liliazeen) gehöriges - Zwiebelgewächs, welches auf fruchtbaren und feuchten Wiesen Europas, - mit Ausnahme der Länder im Norden und am Mittelmeer vorkommt. Die - Zeitlose ist durch eine eiförmige, braune, mit häutiger Schale - umgebene, 3½ cm lange und ½ cm dicke Zwiebel gekennzeichnet, welche - tief im Boden steckt und an der Unterseite feine Wurzeln trägt. Der - Stengel blüht im Herbst, indem er 1-4 violettrötliche trichterförmige - Blüten treibt. Im Frühjahr darauf entwickeln sich dann die grossen, - langen, lanzettförmigen, spitzen, glänzend grünen Blätter (3-4), - zwischen denen sich die braunen, eiförmigen Fruchtkapseln ausbilden. - Die Samen, welche im Mai und Juni zur Reife gelangen, sind in - frischem Zustande weiss, getrocknet dunkelbraun, von rundlicher, - verkehrt eiförmiger Gestalt, 1-5 mm gross, fein grubig punktiert; - sie besitzen einen sehr bitteren, kratzenden Geschmack. Sie - enthalten namentlich in den braunen Schalen in den beiden innersten - Zellreihen zu 0,2-0,3 Proz. das giftige Alkaloid der Zeitlose, das - =Kolchizin=, einen gelblichen, amorphen, intensiv bitteren Körper - von der Zusammensetzung C_{22}H_{25}NO_{6} und das weniger giftige - +Kolchizein+ von der Formel C_{21}H_{23}NO_{6}; die Blätter, Zwiebel - und Blüten sind ebenfalls, wenn auch weniger kolchizinhaltig. - - -=Krankheitserscheinungen und Sektionsbefund.= Das Kolchizin ist ein -sehr starkes, wenn auch langsamer als andere Alkaloide wirkendes -Gift, welches in reinem Zustand Katzen schon in Dosen von 5 mg, -Menschen und Hunde in Dosen von 30 mg unter den Erscheinungen -der +Magendarmentzündung+ und +allgemeinen Lähmung+ tötet. Eine -Laxierwirkung entsteht bei Tieren schon nach Gaben von ¼ mg Kolchizin -pro kg Körpergewicht. Vergiftungen durch die Samen der Herbstzeitlose -ereignen sich hauptsächlich zur Sommerszeit (Mai, Juni) bei Rindern, -Pferden, Ziegen und Schweinen nach der Aufnahme von zeitlosenhaltigem -Futter, welches zuweilen bis zur Hälfte aus Kolchikum besteht. Auch im -Herbst können durch Aufnahme von Blütenblättern Vergiftungen entstehen. -Endlich geben ausgerodete Knollen in vereinzelten Fällen Veranlassung -zu Kolchikumvergiftung. Die beim Menschen beobachtete Einverleibung des -Giftes durch kolchikumhaltige Ziegenmilch (+Ratti+) scheint auch bei -Tieren (Säuglingen) vorzukommen. Die Milch von Kühen, welche Kolchikum -aufgenommen hatten, zeigte sich nämlich auch dann giftig, wenn die Kühe -keine auffallenden Krankheitserscheinungen aufwiesen (Ungar. Vet.-Ber. -1900). - -Die Einzelerscheinungen der Kolchikumvergiftung bestehen in -Appetitlosigkeit, Erbrechen, Speicheln und Schlingbeschwerden -(selten), +Kolik+, anhaltendem, häufig blutigem, +ruhrartigem -Durchfall+, +Tympanitis+ (bei Kühen), +vermehrtem Harnabsatz+, Drängen -auf den Harn, zuweilen +Hämaturie+ und Albuminurie (+Nephritis+), -und schliesslich +Anurie+. Weiterhin beobachtet man Anästhesie, -+Benommenheit+ des +Sensoriums+, Abstumpfung und Somnolenz bis zur -+Bewusstlosigkeit+, +Lähmung+ und +Schwäche+ namentlich im Hinterteil, -Zittern, Steifheit, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. -Ausnahmsweise treten im Anfang Gehirnreizungserscheinungen mit späterer -Depression auf. Der Puls ist schwach und unfühlbar, zuweilen beobachtet -man auch starkes +Herzklopfen+, die Atmung ist angestrengt, die -Pupille erweitert, es findet Schweissausbruch statt, die sichtbaren -Schleimhäute sind livide verfärbt, die extremitalen Teile kühl. Der -Tod tritt durchschnittlich nach 1-3tägiger Krankheitsdauer ein. Die -+Mortalitätsziffer+ beträgt 25-50 Proz. - -Bei der +Sektion+ findet man die Magen- (Labmagen-) und Darmschleimhaut -entzündlich geschwollen, von hämorrhagischen Herden durchsetzt und den -Darminhalt häufig blutig (hämorrhagische Gastroenteritis). In vielen -Körperorganen sind Ekchymosen vorhanden. Das Blut ist von dunkler Farbe -und schlecht geronnen. Zuweilen findet man auch Nierenentzündung und -Leberverfettung. - - -=Behandlung.= Das wichtigste chemische Antidot gegen die -Kolchikumvergiftung ist die +Gerbsäure+ (Bildung von unlöslichem -gerbsaurem Kolchizin). Man gibt entweder das reine Tannin (Rindern -10-25,0, Pferden 5-15,0, Schafen und Ziegen 2-5,0), oder tanninhaltige -Abkochungen, wie schwarzen Kaffee, Tee-, Eichenrinden-, Weidenrinden-, -Salbei-, Gerberlohe-Dekokt. Auch Jod in Form von Lugolscher Lösung wird -empfohlen. Ausserdem behandelt man die Darmentzündung mit +schleimigen+ -einhüllenden Mitteln und grösseren Gaben von +Opium+ (dieselbe -Dosis wie beim Tannin), oder macht subkutane Morphiumeinspritzungen -(Pferden 0,5). +Symptomatisch+ behandelt man die Schwäche- und -Lähmungserscheinungen mit subkutanen Injektionen von Aether, Kampfer, -Atropin oder Koffein. Endlich kann man beim Rind bei sichergestellter -Diagnose und noch nicht zu weit vorgeschrittenem Stadium der Vergiftung -den +Pansenschnitt+ mit nachfolgender manueller Entfernung des Giftes -ausführen. - - -=Nachweis.= Der Nachweis der Kolchikumvergiftung gelingt wohl immer -schon durch die +botanische+ Bestimmung der Pflanze. Der +chemische+ -Nachweis des Kolchizins erfolgt nach der Extraktion desselben aus dem -Magen- und Darminhalt, sowie aus dem Blut mittels +Chloroform+ nach -der im allgemeinen Teil genauer angegebenen Stas-Ottoschen Methode des -Alkaloidnachweises. Das Chloroform extrahiert das Kolchizin aus der -+sauren+, wässerigen Lösung (vergl. S. 33). Nach dem Verdunsten des -Chloroforms bleibt es als +gelblich+ gefärbte amorphe Masse zurück, -welche charakteristische Reaktionen zeigt. Dieselben sind folgende: 1. -+Gelbfärbung+ durch +konzentrierte Schwefelsäure+. 2. +Violettfärbung+, -später braun und gelb werdende Färbung durch +Salpetersäure+, die -gelb gewordene Lösung in Salpetersäure wird durch Kali rot gefärbt. -Durch rauchende Salpetersäure wird es violett bis indigoblau gefärbt. -3. +Blaufärbung+ durch konzentrierte +Schwefelsäure+ mit sehr wenig -Salpetersäure (Erdmanns Reagens). Schwefelsäurebihydrat löst Kolchizin -gelb auf; ein Zusatz von einem Tropfen Salpetersäure erzeugt einen -Farbenwechsel von grün zu blau, violett, blassgelb. 4. +Grünfärbung+ -durch +Eisenchlorid+ (dunkelgrüne Farbe). Die physiologische Reaktion -ist wenig ausgeprägt; +Frösche+ sterben auf 1-5 cg Kolchizin unter -fibrillären Muskelzuckungen und +Tetanus+, +Katzen+ sterben dagegen -schon auf 5 mg reinen Kolchizins. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde+. Ein Pferd hatte mit dem Heu, welches - 23½ Proz. Kolchikum enthielt, etwa 3⅓ kg Kolchikum aufgenommen. - Am 2. Tag nach der Fütterung zeigte sich der Appetit vermindert, - das Pferd erschien traurig und unlustig zur Arbeit. Am 3. Tag - stellte sich plötzlich heftiges Laxieren, sowie ein auffallend - starkes, mit Erschütterung des Brustkorbes verbundenes, in einer - Entfernung von einem Meter hörbares, anhaltendes Herzklopfen ein. - Die übrigen Erscheinungen bestanden in Kälte der extremitalen - Teile, schwachem, zuletzt unfühlbarem Pulse, Benommenheit des - Sensoriums, Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit und starkem Durchfall. - Am 4. Tag war das Pferd nicht mehr imstande sich zu erheben, es war - völlige Unempfindlichkeit, sowie hochgradige Apathie und Somnolenz - aufgetreten und das Tier starb unter starkem Schweissausbruch und - heftigen Konvulsionen. Die Sektion ergab als Hauptbefund eine akute - hämorrhagische Gastroenteritis neben alten Schwielen im Myokardium - (+Friedberger+, Ad. Woch. 1876). -- Ein Pferd, welches die Blüten - der Herbstzeitlose in grösserer Menge gefressen hatte, zeigte - heisse Maulschleimhaut, Speicheln, kaum fühlbaren Puls, schwankenden - Gang, Steifheit des Rückens und der Beine, stelzenartigen Gang, - Vorwärtsdrängen, fast ganz aufgehobene Empfindlichkeit, sowie - beim Eingeben von Arznei Erbrechen. Das Pferd genas am 5. Tag, - nachdem schwarzer Kaffee, Glaubersalz, Aloe und Kampfer angewandt - worden waren (+Kirnbauer+, Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1882). -- - 6 Pferde erhielten ein Vierteljahr hindurch im Heu täglich etwa - 80 g Herbstzeitlose. Sie zeigten abwechselnd Appetitstörungen und - Durchfall, so dass sie die Hälfte der genannten Zeit zum Dienste - unbrauchbar waren (+Trachsler+, Schweizer Archiv 1844). -- Von 60 - Pferden, welche inhaltlich der Literatur (bis 1872) durch Aufnahme - von Kolchikum mit dem Heu vergiftet wurden, starben 25 Proz. - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Ein Pferd zeigte - 6-7 Stunden nach der letzten Futteraufnahme Kolik, Speicheln, - Zähneknirschen, dünnbreiigen, blutigen Durchfall, Schlingbeschwerden, - 90 Pulse, 30 Atemzüge, Schwanken und Eingenommenheit. Die - Untersuchung des Heus gab einen grossen Gehalt an Herbstzeitlose. - Am 3. Tag war das Pferd nach der Verabreichung von Tannin und - Leinsamenabkochung wieder hergestellt (+Becher+, Zeitschr. f. - Vetkde. 1890). -- 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme von Heu, - welches stellenweise fast zur Hälfte aus Herbstzeitlose bestand. Sie - zeigten Kolik, Harndrang, rotbraunen Harn, Durchfall und Schwanken. - Ein Pferd starb nach 4stündiger Krankheitsdauer; die Sektion ergab - hämorrhagische Gastroenteritis (+Weinbeer+, ibid.). -- +Albrecht+ - (Woch. f. T. 1904) hat während seines 11jährigen Aufenthalts in - Freising fast jedes Jahr einen oder mehrere Vergiftungsfälle bei - Pferden beobachtet. Sie traten regelmässig in Stallungen auf, in den - Zeitlose enthaltendes Heu als Häcksel verabreicht wurde. Dagegen - traten Vergiftungen nie auf, wenn solches Heu auf die Raufe gegeben, - also unzerschnitten verfüttert wurde. Kolikerscheinungen können - nach seinen Wahrnehmungen vollständig fehlen. Die Krankheitsdauer - betrug bei tödlichem Ausgang 1-3 Tage. Ein Pferd zeigte abweichend - von dem gewöhnlichen Krankheitsbild auch die Erscheinungen der - Gehirnentzündung: hochgradige Erregungserscheinungen im Wechsel mit - Depression, so dass die Diagnose schwierig war. Der Fall lehrte - ferner, dass altes Heu kaum weniger gefährlich ist, als neues. -- - Eine vollständige Lähmung und hämorrhagische Darmentzündung bei 2 - Pferden beobachtete +Schuester+ (ibid. 1907), Kolik bei Pferden - +Götting+ (Preuss. Vet.-Ber. 1904 und 1906). - - 2. +Rinder.+ 2 Kälber frassen von den Blüten der Herbstzeitlose. - Eines derselben zeigte allgemeine Lähmung, Unvermögen aufzustehen, - Zähneknirschen, Aufblähung, Drängen auf den Harn und Kot, Zittern - und Pupillenerweiterung (+Kolb+, Preuss. Mitt. 1872). -- 2 Kühe - frassen ausgerodete Knollen der Herbstzeitlose. Sie zeigten - Kolikerscheinungen und stieren Blick. Eine Kuh starb nach 3 Tagen, - die Sektion ergab Darmentzündung (+Ehrmann+, Repertor. 1882). -- Nach - Versuchen an der Wiener Tierarzneischule waren zur Vergiftung von - Rindern 4-5 Pfund getrockneter Herbstzeitlose nötig (+Nicol+, Magazin - 4. Bd.). -- +Gerlach+ hat berechnet, dass die tierärztl. Literatur - bis 1872 zusammen etwa 150 Kolchikumvergiftungen bei Rindern mit - einer Mortalitätsziffer von 40 Proz. enthält; die Quantitäten des - aufgenommenen Materials (Blätter und Samenkapseln) betrugen in - einzelnen Fällen 3-5 Pfund (Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- 2 Kühe - erkrankten nach der Aufnahme von Heu, das mit vielen Samenkapseln - vermischt war; sie zeigten Schweissausbruch, Speicheln, Brechneigung, - Kolik, heftigen, andauernden, später blutigen Durchfall, vermehrten - Harnabsatz, dunkelroten Harn, Abstumpfung, Schlafsucht, Zittern, - Schwanken, kleinen, elenden Puls und vereinzelt anhaltendes - Herzklopfen. Genesung nach 6 Tagen (+Hetzel+, Repertorium 1889). - -- 6 Rindviehstücke erkrankten 1 Tag, nachdem sie auf der Weide - Herbstzeitlose aufgenommen hatten, unter Erscheinungen der Unruhe, - Stöhnen, Geifern, Mattigkeit, Schwanken, auffallendem kleinem, - beschleunigtem Puls, unterdrückten Pansengeräuschen und ruhrartigem - Durchfall. Die Sektion eines gefallenen Rindes ergab hämorrhagische - Entzündung des Labmagens, Darmes und der Blase (+Baumgartner+, - D. T. W. 1893). -- 2 Rinder erkrankten auf der Weide unter - Kolikerscheinungen, Schwanken, Apathie, übelriechendem Durchfall - und sehr schwachem Puls. Die Sektion ergab entzündliche Rötung der - drei ersten Mägen, sowie hämorrhagische Entzündung des Labmagens - und Dünndarms (+Kösler+, ibid.). -- 1 Kuh und 4 Kälber erkrankten - auf der Weide; sie zeigten starkes Speicheln, Zähneknirschen, - Meteorismus, Kolik und ruhrartigen Durchfall; 2 Kälber verendeten - infolge heftiger Entzündung des Labmagens und Darmes (+Mesnard+, - Recueil 1894). -- 35 Zuchtkühe erkrankten nach der Fütterung von - kolchikumhaltigem Gras an heftigem Durchfall, bei 3 Kühen wurden - blutige Abgänge, sowie Kolikerscheinungen beobachtet. 8 Kühe - verendeten am 4.-7. Tage; die übrigen genasen sehr langsam. Die - Sektion ergab hämorrhagische Entzündung im Pansen, sowie besonders - stark im Labmagen und Darm, ausserdem subendokardiale und subpleurale - Blutungen (+Baumgärtel+, Sächs. Jahresber. 1898). -- Eine ganze - Rinderherde aus 141 Stück bestehend, erkrankte nach dem Weiden auf - einer mit Herbstzeitlose stark besetzten Wiese. Sämtliche Tiere - zeigten schwankenden Gang und Diarrhöe; bei den schwerkranken war - profuser Durchfall mit Tenesmus, grosse Hinfälligkeit, Zähneknirschen, - sowie sehr unsicherer Gang mit Kreuzen der Hinterfüsse vorhanden. 9 - der 16 schwer erkrankten Tiere starben. Die Sektion ergab heftige - Entzündung des Dünn- und Dickdarms, sowie Ekchymosen am Perikardium. - Bei den überlebenden 7 schwerkranken Rindern wurde neben starker - Abmagerung ein Absterben grosser Flächen der Haut beobachtet - (+Révész+, Veterinarius 1896). -- Von 4 Kühen zeigte nach der - Aufnahme von Herbstzeitlose 1 starke Diarrhöe, Polyurie, Kolik, - Zittern und Lähmungserscheinungen und verendete nach 36 Stunden: - die Sektion ergab Labmagen- und Dünndarmentzündung. Die 3 anderen - zeigten nur Durchfall und Polyurie (+Trinchera+, Clin. vet. 1896). -- - Nach der Aufnahme von Kolchikumblüten erkrankten ½-¾jährige Rinder - an Diarrhöe und Hinfälligkeit mit subakutem Verlauf der Vergiftung - (Notschlachtung); dagegen zeigten 2 ältere Rinder nach der Aufnahme - der Samenkapseln die Erscheinungen der perakuten Magendarmentzündung: - heftige, blutige Diarrhöe, Eingenommenheit des Sensoriums, - Zusammenstürzen und Tod unter Krämpfen (+Schuester+, Woch. f. - Tierheilk. 1902). -- Jungrinder erkrankten auf der Weide unter - Kolikerscheinungen, blutigem Durchfall, Zittern, Unempfindlichkeit - und Lähmungserscheinungen; bei allen trat der Tod nach einigen Tagen - ein (+Musterle+, ibid. 1909). - - 3. +Schweine.+ Eine Schweineherde von 32 Stück, welche durch eine - Feststrasse getrieben wurde, deren Schmuck unter anderem aus - Herbstzeitlose bestand, erkrankte im Verlauf von 24 Stunden (+Stolz+, - Magazin Bd. 14). -- Nach den statistischen Zusammenstellungen von - +Gerlach+ starben von 38 erkrankten Schweinen 23. -- 10 Schweine - erkrankten an Kolchikumvergiftung, 5 davon starben. Ausser den - gewöhnlichen Vergiftungserscheinungen (Mattigkeit, Schwanken, starke, - leicht blutige Diarrhöe, Kälte der extremitalen Teile, pochender - Herzschlag, psychische Depression) wurden als besondere Symptome - beobachtet sehr beschleunigte Atmung, Albuminurie, Lungenhyperämie - bezw. Lungenödem und starke Leberschwellung (+Albrecht+, Woch. f. T. - 1897). - - -Klatschrosenvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Klatschrose+ oder der +wilde Mohn+, +Papaver - Rhöas+, ist eine als Unkraut auf den Getreidefeldern (Roggen, - Weizen) und Kleeäckern vielfach vorkommende, in der Zeit vom - Mai bis August blühende, durch ihre grossen, scharlachroten, - vierblättrigen, am Grunde schwarzgefleckten Blüten charakterisierte - Papaverazee. Die bekannte, einjährige Pflanze wird bis zu einem - Meter hoch, besitzt einen rauhen, haarigen Stengel, mattgrüne, tief - fiederspaltige, den Stengel nicht umfassende Blätter, sowie eine - kahle, verkehrteiförmige, am Grunde abgerundete, mit 8-12kerbiger - Narbenscheibe versehene Kapsel. Im Gegensatz hierzu besitzt der - +Saatmohn+ oder +Gartenmohn+, Papaver somniferum, welcher von - Juni bis August blüht, weisse oder rote, an der Basis violette - Blumenblätter, wesentlich grössere Blüten (bis 10 cm gross), einen - kahlen, graugrün bereiften Stengel, abstehend behaarte Blütenstiele, - blaugrüne, kahle, nach oben hin stengelumfassende Blätter, sowie - kugelige oder eiförmige, bis 6 cm grosse Kapseln, mit 7-15strahliger, - am Rande gekerbter Narbenscheibe. - - -=Wirksame Bestandteile.= Die Klatschrose ist am +giftigsten+ während -der Blütezeit und im Beginn der Samenbildung (grüne Köpfe); vor der -Blüte und nach vollendeter Reife der Kapseln enthält sie nur wenig -giftige Bestandteile, so dass sie ohne Schaden verfüttert werden kann. -+Ueber die chemische Natur des Klatschrosengiftes fehlen genauere -Kenntnisse.+ Das in allen Teilen der Pflanze, namentlich in den Blüten -nachgewiesene +Rhöadin+ scheint ein indifferenter, ungiftiger Körper -zu sein, welcher weisse, geschmacklose, mit verdünnten Säuren noch -bei einer Konzentration von 1 : 1 Million sich rot färbende Kristalle -von der Formel C_{21}H_{21}NO_{6} bildet und sich bei entsprechender -Behandlung in Rhoeagenin und einen roten Farbstoff spaltet. Nach -+Dietrich+ sollen die Blüten von Papaver Rhoeas +Morphin+ (0,7 Proz.) -enthalten (Pharmazeutisches Zentralblatt Bd. 29). Auch +Selmi+ will in -den unreifen Fruchtkapseln ein dem Morphium sehr ähnliches Alkaloid -gefunden haben. Es ist aber fraglich, ob die Vergiftungserscheinungen -auf diesen Morphingehalt zu beziehen sind. Allerdings bedingt -auch das reine Morphin, namentlich bei Rindern, starke zerebrale -Vergiftungserscheinungen; dagegen lassen sich die bei der Vergiftung -auftretenden Reizungserscheinungen seitens der Darmschleimhaut nicht -auf das Morphin beziehen. Auch wird von anderer Seite bestritten, dass -in den Blüten der Klatschrose Morphin vorkommt (+Hesse+). Es kann daher -zurzeit nur allgemein aus den Symptomen der Klatschrosenvergiftung -gefolgert werden, dass im wilden Mohn ein +scharf narkotisches+ Gift -enthalten ist, welches einerseits eine stark erregende Wirkung auf -das Gehirn, andererseits eine entzündungserregende Wirkung auf die -Darmschleimhaut ausübt. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das ausserordentlich -charakteristische Bild der Klatschrosenvergiftung, welches man bei -+Rindern+ in den Monaten Juni und Juli zu beobachten Gelegenheit hat -(bei anderen Tieren ist die Vergiftung seltener), ähnelt dem Bilde -der akuten Gehirnentzündung. Die Tiere zeigen nach vorausgegangener -Unruhe und Schreckhaftigkeit Anfälle von +Raserei+ und +Tobsucht+, -so dass sie oft für wutkrank gehalten werden. Die Anfälle äussern -sich in wildem Blick, Brüllen, Neigung zum Stossen, Bohren und -Beissen, Losreissen von der Kette, wildem Umherrennen, Zähneknirschen, -hochgeröteten Schleimhäuten. Neben diesen maniakalischen Erscheinungen -gehen +epileptiforme Krämpfe+ einher, welche anfallsweise und oft -wiederholt auftreten und teils in Zuckungen der Gesichtsmuskel und -krampfhaftem Verdrehen des Kopfes und Halses, teils in Zusammenstürzen -und heftigen allgemeinen Konvulsionen bestehen und von einem Zustande -der +Bewusstlosigkeit+ abwechselnd unterbrochen werden. Während des -letzteren zeigen die Tiere Taumeln, +Schlummersucht+, sowie einen -rauschartigen Zustand mit vollkommener Anästhesie. Neben diesen -zerebralen Erscheinungen gehen +gastrische Störungen+ einher; -dieselben äussern sich in Speicheln, +Kolikzufällen+, +Tympanitis+, -+ruhrartiger+, bisweilen selbst +blutiger Diarrhöe+. Die Dauer der -tobsüchtigen und epileptiformen Anfälle beträgt meist nicht mehr als -einige Stunden, im Maximum einen Tag. Die Gesamtdauer der Krankheit -kann jedoch mehrere Tage betragen. Trotz der Hochgradigkeit der -nervösen Symptome sind Todesfälle ziemlich selten, so dass die Prognose -der Vergiftung ziemlich günstig ist. - -Bei der +Sektion+ findet man gewöhnlich nur die Erscheinungen einer -Magendarmentzündung, sowie starke Hyperämie des Gehirns und seiner -Häute. In einzelnen Fällen hat man ausserdem das Vorhandensein einer -Nephritis konstatiert. - - -=Behandlung.= Da die Klatschrosenvergiftung wahrscheinlich auf der -Einwirkung eines mit dem Morphin verwandten Alkaloides beruht, so ist -zunächst die Verabreichung von +Tannin+ und gerbsäurehaltigen Mitteln -(vergl. Kolchikumvergiftung) angezeigt. Im übrigen ist die Behandlung -eine +symptomatische+. Die Erregungserscheinungen bekämpft man durch -kalte Begiessungen des Kopfes, sowie durch Verabreichung von Bromkalium -(25-50,0), die Lähmungserscheinungen durch Exzitantien, die gastrischen -Störungen durch Verabreichung schleimiger Mittel. Im allgemeinen -kann bei dem meist günstigen Verlauf der Vergiftung ein zuwartendes -Verfahren eingeschlagen werden. - - =Kasuistik der Klatschrosenvergiftung.= 2 Kühe hatten grünen Roggen - mit viel Klatschrosen erhalten. Sie zeigten Schreckhaftigkeit, - Unruhe, Aufregung, vorübergehende Tobsucht, Zuckungen der - Gesichtsmuskeln, stieren Blick, Erweiterung der Pupille, Blindheit, - Taumeln, Auftreibung des Hinterleibs. Nach 5tägiger Krankheitsdauer - mussten sie geschlachtet werden (+Eggeling+, Preuss. Mitt. - 1882). -- 6 Ochsen, welche Kaff mit viel Köpfen des wilden Mohns - gefressen hatten, erschienen dem Eigentümer der Tollwut verdächtig, - weil sie Anfälle von Raserei und Wildsein, Knirschen, Geifern, - sowie epileptische Erscheinungen (5-10 Minuten lange Krämpfe mit - Bewusstlosigkeit abwechselnd) gezeigt hatten (+Bahr+, Preuss. - Mitt. 1878). -- 20 Pferde, welche grüne Klatschrosen aufgenommen - hatten, zeigten leichte Kolik, wilden Blick, Pupillenerweiterung, - Schlummersucht, Schwanken, Unempfindlichkeit, sowie einen - rauschartigen Zustand (+Ravard+ und +Guilmont+, Ref. Repertor. - 1854 u. 55). -- Von 18 Rindern, welchen Klee mit viel Klatschrosen - gefüttert wurde, erkrankten innerhalb 16 Stunden 12. Sie zeigten - tobsüchtige Erscheinungen, Zuckungen, Krämpfe mit nachfolgenden - Perioden kurzer Betäubung. Einige Tiere wurden von den Anfällen, - die durchschnittlich 5-8 Minuten anhielten, wiederholt befallen. - Sämtliche Tiere genasen im Verlauf von 24 Stunden (+Wilhelm+, Sächs. - Jahresbericht 1893). -- +Walther+ (ibid.) beobachtete bei Rindern - grosse Somnolenz, Taumeln und Niederstürzen; in der Regel gingen die - Erscheinungen nach einigen Stunden vorüber. -- Auch +Möbius+ (ibid.) - beobachtete im Juni zahlreiche Vergiftungsfälle ohne schlimme Folgen. - -- +Tappe+ (Berl. Arch. 1894) sah bei Kühen Schreckhaftigkeit und - Tobsuchtsanfälle, Zuckungen der Gesichtsmuskel, Pupillenerweiterung, - stieren Blick, Taumeln, Kreuzschwäche und Kreuzlähmung. -- +Godfrin+ - (Belg. Annal. 1892) sah bei Kühen Schlafsucht, Meteorismus, - Kotverhaltung, sowie Verlangsamung von Puls und Atmung; starke Gaben - von Kaffee und Glaubersalz führten baldige Besserung herbei. -- - +Eberhard+ (Woch. f. Tierh. 1901) beobachtete bei 6 Rindern Unruhe, - Brüllen, Versuche sich von der Kette loszureissen, Krämpfe am Kopf - und Hals, sowie Verdrehen der Augen; nach 2 Stunden waren die Tiere - wieder vollkommen ruhig. - - =Vergiftung durch Opium, Morphium und Saatmohn.= Im Gegensatz - zum Menschen sind Vergiftungen durch Opium und Morphium bei den - Haustieren äusserst selten, unter anderem aus dem Grunde, weil die - Tiere wesentlich grössere Dosen ertragen, als der Mensch. Die Opium- - und Morphiumvergiftungen haben daher in der Tierheilkunde mehr ein - experimentell-wissenschaftliches, als ein klinisches Interesse. Ueber - die Morphium-Atropinvergiftung vergl. Atropin. Ueber die Wirkung des - Morphins bei den +einzelnen Haustieren+ sind eingehende vergleichende - Untersuchungen von +Guinard+ (la Morphine et l’Apomorphine, Paris - 1898) gemacht worden. Danach sind die +Einhufer+ (Pferd, Esel) am - empfindlichsten von allen Haustieren gegenüber dem Morphium. Die - mittlere toxische Dosis beträgt nämlich pro kg Körpergewicht beim - Pferd 7, beim Esel 9, beim Rind 15, bei der Katze 40, beim Hund - 65, beim Schwein 200 und bei der Ziege 400 mg. Hinsichtlich der - narkotischen Wirkung verhalten sich die einzelnen Tiergattungen - ebenfalls sehr verschieden. - - 1. Der +Hund+ zeigt allein von allen Haustieren eine eigentliche - Morphiumnarkose. Besonders empfindlich sind junge Hunde (ähnlich - wie Kinder); schon 2-7 mg pro kg Körpergewicht können bei - ihnen tödlich wirken, während erwachsene Hunde 10 mg sehr gut - ertragen. +Therapeutische+ Dosen erzeugen Kaubewegungen, vermehrte - Speichelsekretion, Drängen auf den Hinterleib und zuweilen Erbrechen, - die Herztätigkeit ist verlangsamt. Nach 10-15 Minuten tritt - Unruhe auf, sowie Unvermögen, sich mit dem Hinterteil aufrecht zu - erhalten; manche Hunde legen sich nieder und verfallen in Schlaf. - Hierbei ist die Sensibilität jedoch nicht herabgesetzt, sondern - die Reflexerregbarkeit sogar erhöht. Anästhesie entsteht nur bei - sehr grossen, toxischen Dosen. +Tödliche+ Dosen (60 mg pro kg - Körpergewicht) erzeugen zunächst festen Schlaf. Nach etwa 1½ Stunden - treten in tiefer Narkose plötzliche, anfallsweise, heftige Bewegungen - auf, wobei die Hunde meist erwachen. Sie können sich indessen nicht - erheben und verenden unter Trismus, Augenrollen und strychninartigen - tetanischen Krämpfen. -- Nach meinen eigenen Beobachtungen - differiert bei Hunden die Todesdosis zwischen 0,1 bei kleinen und 2,0 - bei grossen Hunden. - - 2. Das +Pferd+ zeigt nach 0,4 g Morphium Stampfen, Hin- und - Hertreten, Laufsucht und später Niedergeschlagenheit und - stumpfsinniges Benehmen. 0,75 g verursachen eine Steigerung und - längeres Anhalten dieser Erscheinungen, sowie ausserdem Steifheit - der Gliedmassen. 1,5 g verursachen lebhafte Exzitation, Trippeln, - Wiehern, Unaufmerksamkeit auf die Umgebung, sowie Unempfindlichkeit - gegen Berührung und Nadelstiche. Daneben beobachtet man Drängen - gegen die Wände, Spreizen der Hinterbeine, Taumeln, Nystagmus, - Verstopfung, tiefe Atmung und Pulsbeschleunigung. Esel zeigen - ähnliche Erscheinungen von Exzitation; intravenös wirken 1,5 g - Morphium tödlich. -- Nach meinen eigenen Versuchen starben Pferde - nach 10-20 g Morphium. Ein Versuchspferd erhielt z. B. +subkutan+ in - 250 ccm Wasser gelöst 10 g Morphinum hydrochloricum. Schon 5 Minuten - nach der Injektion fing es an unruhig zu werden. Die Unruhe steigerte - sich schnell, so dass sie schon nach ½ Stunde einen hohen Grad - erreichte. Insbesondere bestand stundenlanges Nachvorwärtsdrängen, - so dass sich das Tier die Brust und die Augenbogen blutig drückte. - Die Psyche war hochgradig benommen. Häufig nahm das Pferd eine - sägebockähnliche Stellung der Gliedmassen ein, wobei der Schweif - steif gestreckt wurde. Gleichzeitig bestand starkes Herzklopfen und - sehr beschleunigter Puls (120 pro Minute). Die Körpertemperatur - stieg am Nachmittag auf 41° C., um gegen Abend wieder zu sinken. - Am anderen Morgen schien das Tier wieder beruhigt, es zeigte sogar - wieder Appetit, indem es Futter aufnahm. Indessen war es doch sehr - matt, so dass es sich legte. Gleichzeitig war der Puls unfühlbar - geworden. 26 Stunden nach der Injektion verendete das Pferd ruhig - unter den Erscheinungen der Herzlähmung. Die Sektion ergab das - Vorhandensein parenchymatöser Veränderungen am Myokardium, sowie - starken Blutreichtum der Lungen. - - 3. Das +Rind+ zeigt nach 0,25-0,5 g Morphium Kaubewegungen, starkes - Speicheln, gesteigerte Erregbarkeit, Scharren, Hin- und Hertreten, - steife Bewegungen, Muskelzittern und gesteigerte Pulsfrequenz; nach - 9 bis 10 Stunden tritt Beruhigung mit Niedergeschlagenheit, jedoch - keine Schlafsucht ein. 1,5-2,0 g Morphium rufen tobsuchtähnliche - Erscheinungen hervor, ferner Tränen, Speichelfluss, Muskelzittern - und Schwäche im Hinterteil. Schwache und alte Kühe zeigten nach - 1,4-2,5 g Morphium nach einem vorausgegangenen Exzitationsstadium - tiefen, rauschartigen Schlaf mit Anästhesie und starker Aufblähung. - Im Gegensatz zum Hund (und Menschen) sind Kälber weniger empfindlich - als erwachsene Rinder. -- Nach meinen eigenen Versuchen (1893) zeigen - Rinder nach 1-2 g Morphium starke Aufregung. Sie ertragen ferner - 5 g subkutan und selbst 25 g per os, ohne zu sterben. Ein 115 kg - schweres Versuchskalb erhielt z. B. eine subkutane Injektion von 5 g - Morphinum hydrochloricum, in 125 ccm Wasser gelöst. Bereits nach 10 - Minuten stellte sich starke Unruhe und Aufregung ein, welche später - zunahmen. Das Tier drängte anhaltend gegen die Halfter, zeigte grosse - psychische Benommenheit, Stunden lang röchelnde, dyspnoische Atmung, - abundanten Speichelfluss und enorme Auftreibung der linken Flanke. - Die Körpertemperatur stieg von 38° C. auf 41° C. Am nächsten Morgen - waren fast alle Erscheinungen wieder verschwunden und am zweiten - Tage nach der Injektion war das Allgemeinbefinden des Kalbes bis - auf den noch etwas verzögerten Kotabsatz wieder völlig normal. Eine - 345 kg schwere Kuh erhielt per os 25 g Morphinum hydrochloricum - eingeschüttet. 4 Stunden darauf stellte sich Unruhe und Aufregung - ein, welche später zunahm und den ganzen Tag anhielt. Am Tage darauf - dauerten die Erregungserscheinungen noch fort, die Futteraufnahme - stellte sich indessen wieder ein. Am sechsten Tag war das Tier - wieder völlig hergestellt. Erscheinungen von Narkose wurden an der - Kuh während der ganzen Dauer des Versuchs nie wahrgenommen. -- Nach - +Hess+ (Berl. Arch. 1901) bedürfen Rinder ausserordentlich grosser - Mengen Morphium, um betäubt zu werden. Ein Kalb von 90 kg Gewicht - erhielt 90 g Morphium (1 g pro kg) eingegossen, ohne dass Schlaf - entstand; es traten vielmehr viele Stunden hindurch Erregungszustände - und nach 24 Stunden der Tod ein. Ein anderes Kalb starb nach 3 - Stunden auf 0,9 g pro kg. Ein 3 Wochen altes Kalb zeigte nach 0,024 g - pro kg subkutan tiefe Narkose nach 50 Minuten; ein anderes starb 41 - Stunden nach derselben Dosis unter Lähmung, aber ohne Narkose. 0,004 - g Morphium pro kg erzeugten in einem anderen Falle sechsstündige - Unruhe, 0,008 g pro kg schwere Aufregung und Lungenödem. - - 4. Die +Katze+ reagiert auf Morphium durch Erregung und Krämpfe, - ohne dass Narkose eintritt. Kleine Dosen erzeugen ferner Erbrechen, - nicht dagegen grosse. Junge Katzen sind viel weniger empfindlich, als - erwachsene; sie bleiben nach 0,05 g Morphium am Leben, während ältere - Tiere schon nach 0,04 g sterben. - - 5. Das +Schwein+ besitzt grosse Resistenz gegen Morphium; - Narkose tritt nicht ein; die tödliche Dosis beträgt 200 mg - pro kg Körpergewicht. Der Tod erfolgt nach vorausgegangenen - Erregungserscheinungen. Auffallend ist die intensive Blässe der Haut. - -- Nach +Hess+ starben Schweine nach 0,3 und 0,6 g Morphium pro kg - Körpergewicht in tiefer Narkose. - - 6. Die +Ziege+ und das +Schaf+ sind ebenfalls sehr resistent. - Die Maximaldosis kann bei der Ziege sogar auf 250-300 mg pro kg - Körpergewicht normiert werden. Narkose und Gehirnstörungen fehlen. - Charakteristisch ist die Sucht, in Gegenstände der Umgebung hinein - zu beissen. -- Nach +Hess+ scheinen die Ziegen gegen Morphium fast - immun zu sein. 1 g pro kg (5-26 g Morphium pro Ziege) bewirkt keine - Narkose, sondern versetzt die Tiere in Unruhe und Aufregung. Ein - Schaf wurde durch 0,36 g pro kg narkotisiert, ein anderes durch 0,2 g - pro kg anfangs aufgeregt, dann einige Tage lang matt. - - 7. Der +Elefant+ reagiert im ausgewachsenen Zustand nach einer - Beobachtung von +Lustig+ auf 30 g Morphium nicht. In einem von - +Frick+ beschriebenen Fall trat bei einem erwachsenen Elefanten die - Narkose auf etwa 44 g Morphium ziemlich intensiv ein, jedoch erst - nach 3 Stunden, und dauerte 24-36 Stunden. Die Verabreichung des - Morphiums geschah zusammen mit 4 l Rum, 1 l Wasser und ½ g Saccharin. - - 8. Das +Geflügel+ (Hühner, Truthühner, Gänse) zeigt nach den - Versuchen von +Awtokratoff+ Schläfrigkeit, verlangsamte Atmung, - Pupillenverengerung, sowie Blässe und Schlaffheit des Kammes und der - Kehllappen (subkutane Injektion 1proz. Lösungen). - - 9. +Ratten+ ertragen nach +Rübsamen+ (Arch. f. Pharmakol. 1908) - pro kg 1Omal mehr Morphium als der Hund und 100mal mehr als der - Mensch; die tödliche Dosis beträgt 40 mg pro 100 g Körpergewicht. - Sie sind ferner leicht an Morphium zu gewöhnen (gesteigerte - Zersetzungsfähigkeit, zelluläre Immunität). - - +Klinische+ Bedeutung besitzen meist nur die vereinzelten - Beobachtungen von Morphiumvergiftung, welche bei Kühen nach der - Aufnahme von =Mohnköpfen= (+Papaver somniferum+) gemacht worden sind. - Diese Mohnköpfe enthalten Spuren von Opiumalkaloiden (im Maximum - 0,03 Proz. Morphium und 0,04 Proz. Narkotin). Die Erscheinungen - dieser Mohnvergiftung haben oft grosse Aehnlichkeit mit der - Klatschrosenvergiftung, indem sie ebenfalls im wesentlichen unter - dem Bilde der Aufregung und Tobsucht verlaufen; es fehlen jedoch - die entzündlichen Erscheinungen seitens des Digestionsapparates - (Diarrhöe etc.). So beobachtete +Waltrupp+ (Preuss. Mitt. Bd. 3) bei - 2 Kühen, welche dem Eigentümer der Tollwut verdächtig erschienen, - starke Aufregung, Brüllen, unruhiges Hin- und Hertreten, Tympanitis, - sowie Verstopfung. +Leonhard+ (Repertor. 1850) beobachtete bei - 4 Rindern Kolikerscheinungen, Unruhe, Wälzen, Stöhnen, Brüllen, - Zähneknirschen, Schäumen, stieren Blick, Tympanitis und Verstopfung. - +Zipperlen+ (Repertor. 1888) konstatierte bei einer Kalbin, welche - Häcksel mit vielen zerkleinerten Mohnköpfen erhalten hatte, starke - Aufregung und Unruhe, Hin- und Herspringen, an der Kette zerren, - Tobsucht, starken Schweissausbruch, plötzliche Harnverhaltung etc. - Aehnliche Erscheinungen sah er bei 10 Rindern, welche trockene - Mohnköpfe erhalten hatten; es genasen jedoch sämtliche Tiere. - Nach +Hannemann+ (Preuss. Vet. Ber. 1904) zeigten Kühe, welche - im Grünfutter grosse Mengen von Mohnkapseln erhielten, keine - Krankheitserscheinungen; dagegen wurden ihre Kälber durch die Milch - vergiftet. Die Kälber waren nämlich in den ersten Lebenstagen - gelähmt, schlafsüchtig, hatten keinen Trieb zum Saugen und starben - nach 12-24 Stunden. -- Eine Vergiftung durch =Opium= bei einem Hund - beobachtete +Jakob+ (Woch. f. Tierh. 1908). Ein Windhund hatte - vom Besitzer innerhalb eines Tages 40 g Opiumtinktur = 4 g Opium - erhalten. Er zeigte darauf Unruhe und Aufregung, Hyperästhesie und - gesteigerte Reflexerregbarkeit, Schwanken, veränderte Gesichtszüge, - Sinken der Körpertemperatur und der Pulsfrequenz, sowie periodischen - Atmungsstillstand; die Giftwirkung dauerte 30 Stunden; der Hund wurde - geheilt. -- +Groll+ (ibid.) beobachtete bei einer Kuh nach einer - subkutanen Injektion von 1 g Morphium starkes Brüllen, Steigen in den - Futterbarren, Stossen mit den Hörnern gegen die Wand und Schlagen mit - den Füssen; nach und nach trat Beruhigung ein. - - Die +Behandlung+ der Morphiumvergiftung besteht in der Verabreichung - von Atropin (spez. Antidot), Hyoszin, Koffein und anderen - Exzitantien. In den oben erwähnten klinischen Fällen genügt - zum +Nachweis+ der stattgefundenen Mohnvergiftung vollkommen - die +botanische+ Untersuchung des Magen- und Darminhalts. Der - Vollständigkeit halber mögen hier indessen auch die +chemischen+ - Methoden des Morphiumnachweises erwähnt sein. Die Abscheidung des - Morphiums aus dem Untersuchungsmaterial erfolgt am besten nach der - Methode von +Dragendorff+ (vgl. S. 199), wobei jedoch überall statt - Benzol +Amylalkohol+ als Extraktionsmittel angewandt wird. Ausserdem - hat bei Anwesenheit grösserer Mengen von Morphin die Aufnahme des - Morphins in den Alkohol bei erhöhter Temperatur stattzufinden, - und es muss das Morphin sofort nach seiner Abscheidung aus der - Salzlösung vom Amylalkohol aufgenommen werden. Bei Untersuchung - des Harns muss zur möglichst vollständigen Entfernung des - Harnstoffes das Ausschütteln mit Amylalkohol mehrmals geschehen. - Die wichtigsten Morphiumreaktionen sind: 1. Die +Husemann+sche - mittelst Schwefelsäure und Salpetersäure. Man löst das Morphium in - konzentrierter Schwefelsäure auf und versetzt die Lösung nach 15-18 - Stunden mit einigen Tropfen verdünnter Salpetersäure oder ein paar - Körnchen gepulverten Salpeters, worauf die anfangs rötliche Lösung - schön blauviolett, schnell blutrot und dann tief+orange+ wird. Die - Reaktion gelingt auch bei Anwesenheit von 1/100 mg Morphin. 2. - Das +Fröhdesche Reagens+ mit Molybdänschwefelsäure. Konzentrierte - Schwefelsäure, welche pro 1 ccm 1 cg molybdänsaures Natron - enthält, färbt Morphin noch bei einer Menge von 5/1000 mg sogleich - prachtvoll +violett+, worauf eine grüne, braungrüne, gelbe und rote - Farbe entsteht. 3. +Salpetersäure+ färbt Morphin +orangegelb+. 4. - +Eisenchlorid+ färbt die +neutrale+ Lösung des salzsauren oder - schwefelsauren Morphiums königsblau. Die Eisenchloridlösung muss - sehr stark verdünnt sein. Ebenso umgibt sich ein Kristall von - schwefelsaurem Eisenoxydammon in einer neutralen Morphiumsalzlösung - mit einer blauen Zone. Eine weitere, vom Deutschen Arzneibuch als - besonders charakteristisch aufgenommene Morphinreaktion ist die - +Braunfärbung+ bei Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure und - Bismuthum subnitricum. - - - =Apomorphin.= Bei manchen Pferden und Rindern scheint eine - +individuelle+ Empfindlichkeit gegenüber therapeutischen - Apomorphindosen zu bestehen. Einem mit Lecksucht behafteten Pferd - gab +Kegel+ (Berl. Arch. 1894) 0,25 Apomorphin subkutan, worauf - sich bei dem Tier hochgradige Aufregung einstellte, die einer - grossen Mattigkeit Platz machte. Die nach 8 Tagen vorgenommene - Wiederholung der gleichen Prozedur hatte den Tod des Tieres zur - Folge. Auch +Schumacher+ und +Flum+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1892 - und 1894) beobachteten bei lecksüchtigen Rindern nach Dosen von - 0,15 bezw. 0,2 hochgradige Aufregung, Tobsucht, Krämpfe und sogar - raschen Tod. -- Ausführlicheres über die Wirkung des Apomorphins auf - die einzelnen Haustiergattungen findet sich in meinem Lehrbuch der - Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909, S. 150. - - -Tabakvergiftung. - - =Botanisches.= Der Tabak wird in Europa in 3 Sorten kultiviert. - 1. +Nicotiana Tabacum+, Tabak, virginischer Tabak (Solanee), hat - rispenförmige Blüten mit rosenroter Korolle, länglich lanzettliche, - beiderseits verschmälerte, bis 60 cm lange und 15 cm breite Blätter, - sowie einen stielrunden, oberwärts ästigen, bis 1½ m hohen Stengel. - 2. +Nicotiana makrophylla+, der Marylandtabak, eine Varietät des - vorigen, hat sehr breite, eirunde Blätter. 3. +Nicotiana rustica+, - der Bauerntabak, blüht mit grüngelber, tellerförmiger, kurzer - Korolle, hat gestielte, eiförmige, stumpfe Blätter, sowie einen - klebrigen, kurzhaarigen, bis 1 m hohen Stengel. In Australien sind - ausserdem Vergiftungen durch +Nicotiana suaveolens+ beobachtet worden. - - Das giftige Alkaloid des Tabaks, das =Nikotin=, bildet in reinem - Zustand ein schweres, farbloses, später gelbliches, flüchtiges Oel - von starkem Tabakgeruch und scharfem, brennendem Geschmack; Formel - C_{10}H_{14}N_{2}. Es ist in den grünen Blättern in sehr schwankenden - Mengen, nämlich von 1½-3 Prozent, in fertigem, trockenem Tabak zu - 0,5-5 Prozent enthalten. Längere Zeit abgelagerte Tabake enthalten - wegen der Flüchtigkeit des Nikotins wesentlich weniger von demselben, - als frische, ein- und zweijährige Tabake. Am wenigsten Nikotin - enthält der Havannatabak (Nicotiana repanda, mit weisser Korolle). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Nikotin gehört zu den -stärksten Giften (es übertrifft z. B. die Giftigkeit des Koniins um das -16fache). Neben seiner +reizenden Wirkung+ auf die +Schleimhäute+ und -die Darmmuskulatur (+Darmtetanus+) ist es ein erregendes Rückenmarks-, -Gehirn- und Herzgift (+Tetanus der quergestreiften Muskeln+, -+Atmungskrämpfe+; +digitalisähnliche Wirkung auf das Herz+). Wegen -der Flüchtigkeit des Nikotins findet eine Aufnahme desselben auch von -der unverletzten Haut aus statt. Kaninchen, Katzen und Hunde sterben -schon nach sehr geringen (½-2 Tropfen = 0,02-0,1 g) Mengen von Nikotin. -Pferde zeigen schon nach der subkutanen Injektion von 0,05 Nikotin -Vergiftungserscheinungen (+Ellenberger+). Vögel sterben nach dem -Einatmen eines Tropfens Nikotin innerhalb weniger Sekunden; sie sterben -sogar schon bei Annäherung eines in Nikotin getauchten Glasstabes -an den Schnabel. Die tödliche Dosis der getrockneten Tabakblätter -beträgt für Pferde und Rinder 3-500 g, Schafe und Ziegen 30 g, Hunde -und Katzen 5-25 g. Nächst dem Nikotin wirken am giftigsten die im -Handel vorkommenden Tabaklaugen, sowie die Tabakabkochungen; besonders -empfindlich gegen Nikotin scheinen Rinder zu sein. Nikotinvergiftungen -ereignen sich bei den Haustieren am häufigsten nach der epidermatischen -Anwendung des Tabaks gegen Hautparasiten, namentlich gegen Räude -(+Waschungen und Bäder mit Tabaklauge und Tabakabkochung+), da das -Nikotin wegen seiner Flüchtigkeit schon durch die unverletzte Haut -eindringt. Ausserdem kommen Tabakvergiftungen in Gegenden mit Tabakbau -vor, wenn Tiere, und zwar sind es meistens Rinder, auf dem Feld von den -Tabakblättern fressen. Besonders gefährlich sollen die halbverwelkten -Blätter sein. Vergiftungen mit reinem Nikotin sind bei unseren -Haustieren nur nach experimentellen Versuchen beobachtet worden. - -Die wesentlichsten Erscheinungen der Nikotinvergiftung sind: +Würgen+, -+Erbrechen+, +Speicheln+, +Kolik+, +Tympanitis+, +Durchfall+, -+Polyurie+. +Grosse Muskelschwäche+, +Schwanken+, +Zusammenstürzen+, -+Unvermögen aufzustehen+, +Lähmung+, +Zittern+. +Klonisch-tonische -Krämpfe der Körpermuskulatur+, +Opisthotonus+, +Zwerchfellkrämpfe+, -+Kontraktionen der Augenmuskeln+. +Stumpfsinn und Betäubung.+ -+Anfangs verlangsamte, später ausserordentlich beschleunigte und sehr -unregelmässige Herzaktion+, +stürmisches Herzklopfen+, +Kälte der -extremitalen Teile+, +erschwerte+, +selbst dyspnoische Atmung+. Dabei -ist das Bild der Vergiftung verschieden, je nachdem das Nikotin von -der Haut oder vom Darm aus aufgenommen wird. Bei epidermatischer -Anwendung des Tabaks (Räudebehandlung) können gastrische Erscheinungen -vollständig fehlen; der Tod kann hier lediglich unter den Erscheinungen -von Krämpfen mit nachfolgender Lähmung sehr rasch, z. B. schon -innerhalb ¼-½ Stunde, eintreten. Die durchschnittliche Dauer der -Nikotinvergiftung nach innerlicher Aufnahme beträgt etwa 24 Stunden, -doch kann die Rekonvaleszenz oft sehr lange (8-14 Tage) dauern. -- -Ueber chronische, unter dem Bild der +Amblyopie+ und +Amaurose+ -verlaufende Tabakvergiftungen bei Pferden ist aus Australien berichtet -worden (vgl. S. 197). - -Bei der +Sektion+ findet man nach der Aufnahme des Tabaks per -os die Erscheinungen einer katarrhalischen oder hämorrhagischen -Gastroenteritis. Nach Räudebädern und Tabakwaschungen findet man -jedoch nur ganz allgemeine anatomische Veränderungen (Ekchymosen in -verschiedenen Organen, namentlich unter der Pleura und unter dem -Peritoneum, Hyperämie der Lungen, des Gehirns und Rückenmarks). - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegengift des Nikotins ist das +Tannin+, -wofern die Vergiftung durch Aufnahme des Nikotins vom Magen aus -zustande gekommen ist; das Tannin bildet mit dem Nikotin einen -unlöslichen Niederschlag von tanninsaurem Nikotin. Statt dem reinen -Tannin (Dosis für Rinder 15-25 g) können auch tanninhaltige Abkochungen -(Kaffee, Tee, Eichenrinde, Gerberlohe) eingegeben werden. Ausserdem -wird die Verabreichung von +Jod-jodkalium+ (Lugolscher Lösung) -empfohlen, da auch durch das Jod das Nikotin ausgefällt wird. Im -übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+ (Exzitantien gegen -Lähmungserscheinungen, Bromkalium gegen Krämpfe). Bei Rindern hat -man endlich die Vornahme des +Pansenschnittes+ und die nachfolgende -manuelle Entfernung der Tabakblätter angeraten. - - -=Nachweis.= Nach der Aufnahme von Tabakblättern genügt das -Vorhandensein derselben im Magen, sowie der charakteristische -Tabakgeruch in Verbindung mit den beschriebenen Erscheinungen -der Vergiftung vollkommen zum Nachweis der stattgefundenen -Nikotinvergiftung. Sollte es bei der epidermatischen Anwendung des -Nikotins (Räudebäder, Tabakwaschungen) in einem Fall unentschieden -sein, ob der tödliche Ausgang wirklich durch Nikotinvergiftung bedingt -wurde, so muss zur Sicherstellung der letzteren der +chemische+ -Nachweis des Nikotins im Blut und in den inneren Organen des Körpers -geliefert werden. Zu diesem Zweck muss das Nikotin zunächst aus den -Körperorganen extrahiert werden. Diese Abscheidung des Nikotins kann -nicht nach der gewöhnlichen Stasschen oder Dragendorffschen Methode -erfolgen, weil das Nikotin sehr leicht zersetzlich und flüchtig -ist. +Dragendorff+ empfiehlt daher, nach vorheriger Reinigung des -sauren Auszuges mit Benzol das Nikotin aus +ammoniakalischer+ -Flüssigkeit durch möglichst leicht siedenden und fast geruchlosen -Petroleumäther auszuziehen und den Petroleumäther sodann auf -einem mit ätherischer Salzsäure benetzten Uhrschälchen bei einer -Temperatur von nicht über 30° zu verdunsten. Der Aetherauszug hat -den charakteristischen +Nikotingeruch+, und der Rückstand ist von -+harzig-amorpher+ Beschaffenheit. Eine andere Abscheidungsmethode ist -die durch +Destillation+. Man rührt die zu untersuchende Substanz mit -viel Wasser zu einem dünnen Brei an, versetzt mit Kalilauge bis zur -stark alkalischen Reaktion und destilliert aus einer Glasretorte mit -vorgelegtem Kühlapparat über. Das Destillat zeigt dann den +Geruch+ des -Nikotins, welches mit +Aether+ ausgeschüttelt und durch Verdunsten des -Aethers rein gewonnen werden kann. - -Die +Reaktionen+ des auf die eine oder andere Weise gewonnenen -Nikotins sind folgende: 1. Die physiologische Reaktion ist neben -dem Geruch der wichtigste Nachweis des Nikotins. +Frösche+ zeigen -nämlich nach subkutaner Injektion kleinster Mengen von Nikotin eine -ganz +charakteristische Stellung+. Die vorderen Extremitäten werden -nach hinten an die Seitenwände des Bauches angelegt, während die -Hinterschenkel rechtwinklig zur Längsachse des Tieres stehen und die -Unterschenkel dabei so stark gebeugt werden, dass die Fusswurzeln -einander auf dem Rücken berühren. 2. Die sog. Roussinschen Kristalle -sind rubinrote, in reflektiertem Licht dunkelblau schillernde, oft -zollange Nadeln, welche auf Zusatz von +ätherischer Jodlösung+ zu einer -ätherischen Nikotinlösung (1 : 100) aus der zunächst entstehenden -öligen Masse allmählich auskristallisieren. - -Andere Reaktionen sind: +blutrote+ oder +braune+ Färbung durch -Chlorgas; +rötlicher+ kristallinischer Niederschlag durch -Platinchlorür; +flockiger+ Niederschlag durch Gallussäure; +Geruch+ -nach +Tabakkampfer+ beim Aufgiessen eines Tropfens Nikotin auf trockene -Chromsäure unter Verglimmen. - - =Kasuistik.= 5 Kälber im Alter von 2-8 Monaten, welche mit Tabaklauge - gewaschen wurden, zeigten bald darauf Zittern, Atmungsnot, - Schweissausbruch, Aufblähung, Verstopfung und Lähmung (+Lydtin+, Bad. - Mitt. 1887). -- 3 Kühe, welche mit Tabakbrühe aus einer Tabakfabrik - gewaschen worden waren, stürzten der Reihe nach zusammen und starben - nach etwa ¼ Stunde (+Prehr+, Preuss. Mitt., Bd. 4). -- Rinder, welche - frisch geerntete Tabakblätter gefressen hatten, zeigten Unruhe, - Kolik, Zittern, Schwäche, Durchfall, Herzklopfen, Atmungskrämpfe, - Pupillenerweiterung und Lähmung (+Kohlhepp+, Bad. Zeitschr. 1848). - -- Hunde zeigten nach dem Aufbringen von 3-4 Tropfen Nikotin auf die - Zunge Angst, Unruhe, Zittern, beschleunigtes Atmen, Zusammenbrechen, - Konvulsionen, Opisthotonus, Winseln etc. und starben nach wenigen - Minuten (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Ein Pferd - zeigte 10 Minuten nach dem Waschen mit unverdünnter Tabakgose - hochgradige Schwäche, so dass es jeden Augenblick umzufallen drohte, - Zittern und Schweissausbruch über den ganzen Körper, Krämpfe - der Halsmuskulatur, brettharte Beschaffenheit der letzteren, - gestreckte Kopfhaltung, Vorfall der Nickhaut, Retraktion der Bulbi, - dunkelrote Verfärbung der Augenschleimhäute, Speichelfluss, harten, - sehr beschleunigten Puls (90 p. M.), stark pochenden Herzschlag, - aussetzende Atmung, sowie Benommenheit des Sensoriums. Genesung - (+Krämer+, Zeitschr. f. Veterinärkunde 1892, S. 550). -- Mehrere - Kühe wurden mit Tabakextrakt (Lecker Viehwaschmittel) gewaschen. - Sie zeigten Zittern, Unruhe, grosse Schwäche, Rotation der Bulbi, - Dyspnoe, Durchfall, Dysurie, sowie pfeifende Atmungsgeräusche. - Eine Kuh starb; eine andere zeigte noch nach 8 Tagen grosse - Muskelschwäche (+Matthiesen+, B. T. W. 1889). -- 2 Rinder zeigten - nach der Aufnahme welker Tabakblätter Erbrechen, Kolik, Aufblähen, - tonisch-klonische Krämpfe, sowie chronisches Siechtum. Die Sektion - ergab Gastroenteritis neben Blutungen in den Nieren und Körpermuskeln - (+Römer+, D. T. W. 1900). -- Ein Landwirt liess 9 Rinder gegen Läuse - mit flüssigem Tabakauszug waschen; infolgedessen verendeten innerhalb - einer Stunde 4 Rinder im Alter von 3-15 Monaten (Illust. Landw. Zeit. - 1902). -- Nach +Schröder+ (Woch. f. Tierh. 1908) wird bei dem stark - ausgedehnten Tabakbau im Kreise Kandel und bei dem grossen Mangel - an passenden Trockenstellen der grüne Tabak zum Trocknen an alle - möglichen Plätze und so auch oft an Scheunen und Stallungen gehängt. - Beim Ein- oder Ausspannen gehen die Tiere an dem aufgehängten - Tabak vorbei, nehmen hierbei mitunter Blätter auf und fressen - dieselben und ziehen sich Vergiftung zu. Am gefährlichsten ist der - halbdürre Tabak, bei dem die Rippen noch grün sind. Am folgenden Tag - stellen sich die ersten Symptome der Nikotinvergiftung ein: Fehlen - der Rumination, starkes Speicheln, Versagen der Futteraufnahme, - Kolik, Durchfall, beständiges Liegen auf der Streu, Unvermögen zum - Aufstehen, Lähmungen, besonders des Hinterkiefers, und vor allem - stark eingenommene Psyche. Man sieht den Tieren die Angst und die - ausserordentliche Hinfälligkeit schon am Gesichtsausdruck an. An - eine Rettung ist nicht zu denken und daher sofortige Schlachtung - angezeigt. -- In Australien (Neusüdwales) sollen im Jahr 1894 - bei Pferden infolge der Aufnahme des australischen Tabaks, der - Nicotiana suaveolens, epizootische Fälle von Erblindung (Amblyopie, - Amaurose) beobachtet worden sein, bei welchen die Pferde anfangs - unfähig waren, im Dunkeln zu sehen, und nach ½-2 Jahren angeblich - vollständig erblindeten (+Husemann+, D. med. Woch. 1894). -- Versuche - an Hunden mit dem von der französischen Monopolverwaltung in den - Handel gebrachten Tabaksaft sind von +Adam+ und +Lesage+ angestellt - worden (Recueil 1899). -- Ein Hund, der gegen Eingeweidewürmer Tabak - erhalten hatte, zeigte Krämpfe der Kau-, Hals- und Bauchmuskeln, - Schlinglähmung und Kollaps (+Livesey+, Journ. of comp. 1905). -- - Kaninchen sollen nach intravenösen Injektionen von Nikotin an - Arteriosklerose der Aorta erkranken (+Adler+ und +Hensel+, Deutsch. - med. Woch. 1906, S. 1826). - - -Strychninvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der Brechnuss (Krähenaugen), dem Samen von - Strychnos nux vomica, enthaltene Strychnin ist ein sehr giftiges - Alkaloid, welches bei den Haustieren teils infolge falscher - Dosierung, besonders bei intratrachealer Injektion oder zu lange - fortgesetzter Verabreichung (kumulative Wirkung, Ansammlung in der - Leber) Veranlassung zu Vergiftungen gibt, teils infolge von Aufnahme - strychninhaltigen Rattengiftes (Strychninweizen, Strychningrütze), - sowie von strychninhaltigem, zum Vergiften von Füchsen ausgelegtem - Fleisch, Heringsköpfen, Margarinepillen etc., letzteres namentlich - bei Hunden. Vergiftungen können sich auch dadurch ereignen, dass - in den Apotheken Strychninlösungen längere Zeit vorrätig gehalten - werden. In diesen vorrätigen Lösungen enthält oft der Rest infolge - Verdunstung des Wassers eine grössere Menge von Strychnin als - der Berechnung nach erwartet werden sollte. Werden z. B., wie - ich dies in einem Fall beobachtet habe, in einem Rezept 3 mg - Strychnin verschrieben und der Apotheker benützt zur Herstellung - dieses Rezeptes nicht, wie vorgeschrieben, die Wage, sondern eine - vorrätige, ältere Strychninlösung, aus deren Konzentration er die - 3 mg berechnet, so kann hierbei eine wesentlich grössere Dosis als - die beabsichtigte zur Anwendung gelangen. Vergiftungen durch die - Brechnuss selbst sind seit der Darstellung des Strychnins und der - ausschliesslichen Verwendung desselben nicht mehr vorgekommen (ein - älterer Fall ist von +Mewes+, Preuss. Mitt., Bd. 14 beim Pferd - beschrieben). - - Die +tödliche Dosis+ des Strychnins beträgt bei +subkutaner+ - Applikation durchschnittlich bei den Haustieren pro kg Körpergewicht - 0,5-1 mg. Danach betragen die niedersten subkutanen Todesdosen beim - +Rind+ 0,3-0,4 g, beim +Pferd+ 0,2-0,3 g, beim +Schwein+ 0,05 g, beim - +Hund+ 0,005-0,02 g, bei der +Katze+ 0,002-0,005 g. Beim +Geflügel+ - schwankt die Dosis sehr je nach der Gattung (vgl. S. 202). Bei - +intratrachealer+ Injektion wirkt beim Pferd schon 0,15 g tödlich. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Strychnin ist ein spezifisches -erregendes +Rückenmarksgift+, welches +Starrkrampf+ auslöst. Das -Bild der Strychninvergiftung ist daher im wesentlichen das des -+Starrkrampfes+ (Tetanus toxicus). Die Tiere zeigen tetanische, -blitzartig auftretende, über den ganzen Körper sich ausbreitende -Krampfanfälle von sekunden- bis minutenlanger Dauer, steife, gestreckte -Haltung der Extremitäten, des Halses, der Wirbelsäule, des Schweifes, -hochgradige +Schreckhaftigkeit+, sowie Dyspnoe während der Anfälle. -Von +diagnostischer+ Bedeutung ist die Auslösung eines Krampfanfalls -bei kleineren Tieren durch das Aufrichten derselben. Der Tod erfolgt -durch Erstickung. Der Verlauf ist im allgemeinen +sehr akut+. Von der -Aufnahme des Strychnins bis zum Auftreten von Krämpfen vergeht jedoch -eine sehr verschiedene Zeit, desgleichen vom Beginn des Tetanus bis -zum tödlichen Ende, je nach der Dosis, Form und Applikation, sowie -je nach der Tiergattung. Bei +Pferden+ beobachtete man nach der -intratrachealen Injektion des Strychnins zuweilen schon in wenigen -Minuten apoplektiformen Tod. +Schafe+ sterben nach subkutaner Injektion -durchschnittlich nach 12 Minuten. Bei +Hunden+ kann nach der Anfnahme -mittlerer Dosen per os je nach dem Füllungszustand des Magens längere -Zeit vergehen, bis die Vergiftung in die Erscheinung tritt (1-2 -Stunden) und die Vergiftung selbst, d. h. die Krämpfe, mehrere Stunden -(5-7) andauern; nach dieser Zeit ist meist keine Lebensgefahr mehr -vorhanden. Endlich ertragen Tiere, welche sich erbrechen können (Hunde, -Katzen, Füchse, Wölfe und anderes Raubzeug), oft auffallend grosse -Dosen von Strychnin. - -Die +Sektion+ ergibt wie beim gewöhnlichen Starrkrampf im allgemeinen -ein +negatives+ Resultat; als sekundäre Veränderungen beobachtet man im -Herzen und in der Lunge die Symptome der Erstickung. Vereinzelt wurde -eine konservierende Wirkung des Strychnins auf den Kadaver beobachtet; -ein Hundekadaver war z. B. noch nach 20 Tagen frisch (+Noack+). - - -=Behandlung.= Bei Hunden gibt man zunächst ein +Brechmittel+ -(Apomorphin subkutan); im Notfall dient auch ein Esslöffel -voll Kochsalz als Brechmittel. Das bewährteste Gegenmittel -gegen Strychnin ist das +Chloralhydrat+. Dasselbe wird speziell -Hunden in Dosen von 0,5-5,0, am besten in schleimigen Lösungen -rektal so lange verabreicht, bis der Krampf nachlässt. Auch eine -mehrere Stunden hindurch fortgesetzte oder öfters wiederholte -+Chloroformierung+ und +Aetherisierung+ oder eine kombinierte -+Chloralhydrat-Chloroformbehandlung+, sowie die Anwendung von -+Morphium+, +Sulfonal+, +Bromkalium+ oder grosser Dosen von +Alkohol+ -ist zu empfehlen. Als chemisches Antidot gibt man +Tannin+ oder -gerbsäurehaltige Mittel, im Notfall schwarzen Kaffee oder Tee. -Ausserdem kann man bei drohender Erstickung künstliche Atmung einleiten. - - -=Nachweis.= Für gewöhnlich genügt zum Nachweis der Strychninvergiftung -der ausserordentlich charakteristische +klinische+ Befund. Zum -Zweck des +chemischen+ Nachweises muss das Strychnin zunächst aus -den Körperorganen (Magen, Blut, Leber, Nieren) extrahiert werden. -Hierzu bedient man sich entweder der Methode von +Stas+ und +Otto+ -(Extraktion mit +Aether+, vergl. S. 33) oder einer von +Dragendorff+ -(Extraktion mit Benzol) angegebenen Methode. Nach der letzteren werden -die zu untersuchenden Objekte in fein zerkleinertem Zustand mit -+schwefelsäurehaltigem Wasser+ bis zur deutlich sauren Reaktion in der -Weise versetzt, dass auf 100 ccm Untersuchungsmaterial höchstens 5 ccm -verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) kommen. Man digeriert einige Stunden -lang bei einem Temperaturmaximum von 50°, koliert und presst, zieht -den Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem Wasser aus, koliert -und presst wieder, mischt die Kolaturen und verdunstet im Wasserbad -bis fast zur Konsistenz eines dünnen Sirups, welcher sodann mit dem -3-4fachen Volum +Alkohol+ (90-95 Proz.) 24 Stunden mazeriert wird, -worauf man filtriert. Das Filtrat wird destilliert, bis der Alkohol -übergegangen ist. Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird auf -ca. 50 ccm verdünnt, mit 25 ccm reinem +Benzol+ versetzt, anhaltend -geschüttelt, das Benzol abgehoben und mit neuem Benzol geschüttelt, -welches ebenfalls abgehoben wird. Die zurückbleibende wässerige -Flüssigkeit wird sodann mit Ammoniak deutlich alkalisch gemacht und -auf 40-50° erwärmt, wodurch das Strychnin frei gemacht und durch -anhaltendes Schütteln mit Benzol (25 ccm) in demselben aufgelöst wird. -Dasselbe Verfahren wird mit einem zweiten Benzolquantum wiederholt, -die Benzolmengen werden dann gemischt und das Benzol dann verdunstet. -Bleibt hierbei das Strychnin nicht in ganz reinem Zustand zurück, -so löst man den Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem Wasser -auf, übersättigt mit Ammoniak, schüttelt wieder mit Benzol aus und -verdunstet. Eine dritte Abscheidungsmethode ist von +Erdmann+ und -+Uslar+ (Extraktion mit +Amylalkohol+) angegeben. Das zerkleinerte und -mit Wasser zum dünnen Brei angerührte Untersuchungsobjekt wird mit -Salzsäure angesäuert, 1-2 Stunden bei 60-80° digeriert, koliert und -nochmals auf dieselbe Weise extrahiert. Die vereinigten wässerigen -Auszüge werden mit +Ammoniak+ stark alkalisch gemacht und zur Trockene -verdunstet. Der Rückstand wird gepulvert und mit +Amylalkohol+ -wiederholt ausgekocht. Die heiss filtrierten Amylalkoholauszüge werden -mit dem 1Ofachen Volum heissen salzsauren Wassers in Glaszylindern -stark geschüttelt, wodurch das Strychnin in letzteres übergeht. Zur -Extraktion von Fett wird die salzsaure Wasserlösung nochmals mit -Amylalkohol ausgeschüttelt. Dann wird mit Ammoniak neutralisiert und -das Strychnin durch Schütteln mit warmem Amylalkohol ausgezogen, -welcher zuletzt verdunstet wird, worauf das Strychnin zurückbleibt. - -Das abgeschiedene Strychnin wird nun auf seine Identität durch -verschiedene +Reaktionen+ geprüft. 1. Die wichtigste ist die -+Blaufärbung+ durch +Schwefelsäure+ und +Kalium dichromicum+. Man -löst das Strychnin in konzentrierter Schwefelsäure und bringt in -diese Lösung ein Kriställchen von doppeltchromsaurem Kali, worauf -sich violettblaue Streifen bilden, die später in Rotbraun übergehen. -Man kann die Reaktion auch in der Weise anstellen, dass man das -Strychnin in wenig schwefelsäurehaltigem Wasser löst und diese Lösung -mit einer Lösung von Kaliumdichromat (1 : 200) versetzt, worauf sich -Gruppen schön goldgelber Kristallnadeln abscheiden, welche sich in -konzentrierter Schwefelsäure blau lösen. Die Reaktion wird noch -durch 1/1000 mg Strychnin hervorgerufen. 2. Die +Blaufärbung+ mit -+Vanadin-Schwefelsäure+ ist ebenfalls sehr empfindlich. Eine Lösung -von vanadinsaurem Ammonium in Schwefelsäure (1 : 200) gibt mit -Strychnin eine violettblaue, blauviolette, violette, zinnoberrote, -lang anhaltende Färbung, bei welcher die Farbenübergänge von Blau -zu Blauviolett und Rot viel langsamer erfolgen, als beim ersteren -Reagens. 3. Der +physiologische+ Versuch wird angestellt mit +Fröschen+ -(Todesdosis des Strychnins = 0,05 mg) und +Mäusen+ (Todesdosis = 0,02 -mg). Das Auftreten von +Starrkrampf+ bei den Versuchstieren beweist mit -Sicherheit das Vorhandensein von Strychnin. - - =Kasuistik.= Ein gegen Kehlkopfpfeifen mit +intratrachealen+ - Strychnininjektionen behandeltes Pferd zeigte nach der - Injektion von 0,11 g Strychnin nach etwa 20 Minuten hochgradige - Vergiftungserscheinungen: Zuckungen, ausserordentliche - Schreckhaftigkeit und Zusammenbrechen mit dem Hinterteil. Im - Blut liessen sich Spuren von Strychnin nachweisen. Die Krämpfe - dauerten 20 Minuten, die Schreckhaftigkeit mehrere Stunden an. Ein - zweites Pferd zeigte nach 0,09 g ähnliche, jedoch geringgradigere - Vergiftungserscheinungen. Bei einem dritten Pferd traten nach 0,08 - g ebenfalls leichte Vergiftungserscheinungen ein. Eine Heilwirkung - liess sich nicht konstatieren. Danach ist bei intratrachealer - Injektion 1 cg pro Zentner Lebendgewicht die höchste therapeutische - Dosis für das Pferd (+Vogt+, Woch. f. Tierhlkde. 1891). -- Ein - grosser Hund erhielt von seinem Besitzer, einem Arzt, 0,05 - Strychninum arsenicosum eingegeben. Die hienach auftretende schwere - Vergiftung verschwand erst nach 10 Stunden nach Anwendung von - Morphium, Chloralhydrat und zweistündigem Chloroformieren (+Wolf+, - Sächs. Jahresber. 1897). -- Ein Rattenfänger hatte mit Strychnin - bestreute Fische gefressen (Rattengift). Die nach Ablauf einer Stunde - erfolgte Verabreichung von 3 g Chloralhydrat hatte mehrstündigen - Schlaf und dauernde Heilung zur Folge (+Sauer+, Woch. f. T. 1899). -- - 1 Vorstehhund erkrankte nach dem Fressen von Fuchsgift an heftigem - Tetanus; Chloralhydratklistiere (5,0) hatten totähnlichen Schlaf - zur Folge, worauf am andern Tage ein Rückfall eintrat, der sich - nach nochmaliger Anwendung von Chloralhydrat am 3. Tag wiederholte, - worauf Genesung eintrat (+Rosenfeld+, Tierärztl. Zentralbl. 1899). - -- Durch Strychnin vergiftete Hunde genasen nach Verabreichung einer - grossen Handvoll Seesalz (Journ. of comp. 1900), desgleichen Hühner - nach dem Eingeben kleiner Körnchen Atropin (+Ehlers+, D. T. W. 1900). - -- Weitere Vergiftungen von Hunden, Katzen und Schweinen sind von - +Merkle+, +Zix+ (Woch. f. T. 1898 u. 1899), +Uhlich+, +Deich+ (Sächs. - Jahresber. 1898 u. 1899), +Phail+ (Vet. journ. 1898), +Videlier+ - (Recueil 1897), +Rancillia+, +Maignon+ (Jour. de Lyon 1901 u. 1905) - u. a. beschrieben worden. - - - =Experimentalversuche.= Das Verhalten der einzelnen Haustiere - gegenüber dem Strychnin ist nach +Feser+ (Berl. Archiv 1880 u. 1881) - und +Schneider+ (Monatshefte für prakt. Tierheilk. 1900) folgendes: - - 1. +Pferde+ ertragen +subkutane+ Dosen von 0,1-0,2 mg Strychnin - pro Kilo Körpergewicht ohne Nachteil, indem sie nur leichte und - vorübergehende Zufälle zeigen. 0,3 mg pro Kilo Körpergewicht - subkutan injiziert sind für sehr alte, geschwächte, rückenmarkskranke - Pferde schon eine tödliche Dosis, während sie von jungen, kräftigen - Pferden meist ohne Gefahr ertragen werden. 0,4 mg Strychnin pro Kilo - Körpergewicht töten jedoch jedes Pferd bei subkutaner Injektion - sicher innerhalb kurzer Zeit. Bei der +innerlichen+ Verabreichung - sind 5mal grössere Dosen nötig, als die oben genannten; die subkutane - Injektion verhält sich also zur stomachikalen beim Pferd wie 1 : 5 - (+Feser+). - - 2. +Hunde+ zeigen nach +subkutanen+ Dosen von 0,1-0,2 mg pro Kilo - Körpergewicht eine leichte vorübergehende Wirkung. 0,2 mg pro - Kilo Körpergewicht subkutan werden von gesunden Hunden zwar noch - ertragen, sind aber für kranke Hunde gefährlich und sollten nur mit - grösster Vorsicht angewandt werden; sie erzeugen heftige, allgemeine - Starrkrampfanfälle und Zusammenstürzen. 0,3 bis 0,4 mg haben eine - schwere Vergiftung und häufig den Tod nach 12 Minuten bis 1½ Stunden - zur Folge. 0,5 mg pro Kilo Körpergewicht und darüber töten jeden - Hund bei subkutaner Applikation nach 10-50 Minuten. +Innerlich+ - gegeben bleiben 0,1-0,2 mg pro Kilo Körpergewicht ohne jede sichtbare - Wirkung. 0,3 bis 0,4 mg zeigen zuweilen heftige, zuweilen aber - auch gar keine Wirkung und eventuell Tod. 1 mg Strychnin pro Kilo - Körpergewicht tötet bei innerlicher Verabreichung jeden Hund. Beim - Hund verhält sich also die subkutane zur stomachikalen Dosis wie - 1 : 2. -- Bezüglich der +kumulativen+ Wirkung des Strychnins ergaben - die Versuche, dass subkutan 0,05 mg pro Kilo stündlich bis 10mal, 0,1 - mg pro Kilo dagegen stündlich nur 3mal ohne Gefahr angewandt werden - können; 0,2 mg pro Kilo dürfen subkutan höchstens 2mal und nur in - grossen Pausen gegeben werden. Innerlich kann man 10 Dosen à 0,1 - mg pro Kilo stündlich hintereinander geben; 0,2 mg pro Kilo können - 5mal 2stündlich hintereinander gegeben werden. Grössere Dosen wirken - giftig (+Feser+). - - 3. +Schafe+ äussern nach +subkutanen+ Dosen von 0,1 - 0,2 mg pro - Kilo Körpergewicht nur leichte vorübergehende Zuckungen; 0,3 mg - bedingen dagegen eine sehr heftige Wirkung und 0,4 mg pro Kilo den - Tod. +Innerlich+ bleiben 0,6 - 1,2 mg pro Kilo wirkungslos; 3,0 mg - haben eine sehr kräftige Wirkung, 4,0 mg pro Kilo den Tod zur Folge. - Die subkutane Applikation verhält sich zur stomachikalen wie 1 : 10 - (+Feser+). - - 4. +Schweine+ zeigen auf +subkutane+ Injektion von 0,1 mg pro Kilo - keine Reaktion; 0,2-0,3 mg haben eine geringe, vorübergehende - Wirkung; 0,4-0,6 mg pro Kilo bedingen eine sehr heftige Vergiftung, - welche jedoch meist nach 2-4stündiger Dauer in Genesung übergeht. - 0,6-0,7 mg wirken tödlich. Die subkutane verhält sich zur - stomachikalen Applikation wie 1 : 3 (+Feser+). -- 2 Schweine zeigten - nach der Verfütterung von 0,15 und 0,2 g Strychn. arsenicos. - keinerlei Krankheitserscheinungen (+Salles+). - - 5. Unter dem +Geflügel+ sind gegen tödliche Strychnindosen am - widerstandsfähigsten die +Hühner+; die tödliche subkutane Dosis - beträgt für sie 3-5 mg pro Kilo Körpergewicht, die stomachikale - 30-140 mg. Dann folgen die +Tauben+ (tödliche subkutane Dosis - 1,0-1,5, stomachikale 8-11 mg), +Enten+ (1,0 bezw. 3-4,5) und +Gänse+ - (1-2 bezw. 2,5-3 mg). Der Eintritt der Wirkung erfolgt bei subkutaner - Applikation in 2-10 Minuten, bei innerlicher in 3-20 Minuten. Das - Fleisch der mit Strychnin vergifteten Tiere erwies sich beim Genuss - als ganz unschädlich (+Schneider+). -- Nach +Falck+ (Med. Zentralbl. - 1899) sind Hühner und anderes Geflügel gegen die Brechnuss selbst, - sowie gegen wässerige Strychninlösungen, wenn dieselben in die - Speiseröhre oder in den leeren Kropf appliziert werden, ziemlich - widerstandsfähig (langsame Resorption, Zersetzung des Strychnins im - Blut). Dagegen sterben sie, wie andere Tiere, rasch bei subkutaner - Einspritzung wässeriger und bei stomachikaler Verabreichung - alkoholischer Strychninlösungen. -- +Vogel+ (Zeitschr. f. Biol. - 1896) untersuchte bei Hühnern, ob die Einverleibung grosser Mengen - von Strychnin eine giftige Beschaffenheit der +Eier+ bedinge. Er gab - Hühnern in 12-16 Tagen 0,28-0,36 Strychnin, hat aber in den Eiern - niemals Strychnin nachweisen können. -- Nach +Molitoris+ (Z. f. a. - Chemie 1905) scheiden Hühner grosse Strychninmengen aus, ohne Schaden - zu nehmen; in ihrem Blut lässt sich durch Farbenreaktion noch 1/1000 - mg Strychnin nachweisen. - - =Absichtliche Strychninvergiftung von Tieren zum Zweck der Tötung.= - +Pferde+ werden nach +Bock+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1906) am - schnellsten und sichersten in der Weise getötet, dass man ihnen eine - Lösung von 0,4 g Strychninum nitricum in 10 g Glyzerin intravenös - injiziert. Schon nach 3-4 Sekunden tritt blitzartiges Zusammenstürzen - und sofortiger Tod ein. Nach der intravenösen Injektion von 0,3 g - Strychnin brach ein Pferd nach 47 Sekunden zusammen und starb in - 5 Minuten unter tetanischen Erscheinungen (ibidem 1901). Gesunde - +Hunde+ starben nach +Ben Danou+ (Revue vet. 1902) am schnellsten - nach der intrapleuralen Injektion von 5 ccm einer gesättigten Lösung - von Strychninsulfat; bei nervenkranken Hunden verzögert sich jedoch - der Eintritt des Todes sehr. +Raubzeug+ vergiftet man nach +Merck+ - (Jahresber. 1900) am besten in der Weise, dass man feingepulvertes - Strychnin mit etwas Muskelfleisch zu einer Fleischpille formt und - diese in ein etwas grösseres Stückchen Fleisch steckt. Zur Vergiftung - von Füchsen steckt man das in einer Gelatinekapsel befindliche - Strychnin in einen Heringskopf, den man allseitig mit einer Naht - schliesst, oder in das ausgehöhlte Innere einer nussgrossen - Margarinepille, oder in die Bauchhöhle eines getöteten kleinen Tieres - (Vogel, Maus, Ratte). Die tödliche innerliche Dosis des Strychnins - beträgt hiebei für Füchse 0,05-0,1, Wölfe 0,25, Bären, Tiger und - Löwen 0,5-1,0. Die Strychninsalze erhalten sich jahrelang unzersetzt; - tritt die gewünschte Wirkung beim Raubzeug nicht ein, so hängt dies - nicht vom Präparat, sondern von dem Erbrechen der Tiere, sowie vom - Füllungszustand ihres Magens ab. - - -Vergiftung durch Kornrade. - - =Botanisches.= Die +Rade+ oder +Kornrade+, +Agrostemma Githago+ - (Familie der Karyophyllazeen; Unterfamilie Sileneen), ist ein - bekanntes, rotblühendes Unkraut auf Getreidefeldern (Roggen, Weizen), - mit einem ½-1 m hohen weissfilzigen Stengel, langen, spitzen, - graugrünen Blättern und einzelnen, langgestielten, roten Blüten. - Die allein giftigen +Samen+ sind schwarz oder dunkelbraun, kugelig, - nierenförmig, 2-3 mm gross und besitzen eine regelmässige höckerige - Oberfläche (Aehnlichkeit des Samens mit einer eingerollten Raupe). - Die Samen besitzen einen sehr charakteristischen mikroskopischen - Bau, welcher für den Nachweis derselben sehr wichtig ist. Die - Oberhautzellen sind nämlich ausserordentlich gross, geweihartig - verästelt, nach aussen gebuckelt, sehr dick und an der Oberfläche mit - winzigen Höckerchen besetzt; ihr Inhalt besteht aus einer rotbraunen - Substanz. Ebenfalls sehr charakteristisch sind die im Endosperm der - Samen vorkommenden +Stärkekörperchen+; dieselben haben eine spindel-, - spulen-, flaschen- oder eiförmige Gestalt, sind äusserst klein - (0,02-0,1 mm gross) und durch Einlagerung winziger Stärkemehlkörnchen - getrübt; in Wasser gebracht zerfallen sie, wodurch die beschriebenen - winzigen Körnchen frei werden und eine molekulare Bewegung zeigen - (wichtig für den Nachweis des Vorhandenseins von Rade im Mehl). - - Die Radesamen enthalten als giftigen Bestandteil das +Githagin+, - ein Glykosid, welches mit dem =Saponin= (+Sapotoxin+) identisch - ist (+Agrostemma-Sapotoxin+) und in Sapogenin und Zucker zerfällt. - Ausserdem enthalten sie eine zweite, gleich giftige Saponinsubstanz, - die +Agrostemmasäure+. Der Gehalt an Saponinsubstanzen beträgt 6-7 - Proz. Vergiftungen ereignen sich nach Verfütterung von Radeschrot, - sowie durch radehaltiges Mehl und Kleie infolge von mangelhaftem - „Ausreutern“ des Korns in der Mühle. - - -=Allgemeines über Saponinsubstanzen.= Unter diesem Namen fasst man eine -Anzahl glykosidischer Stoffe zusammen, welche nach +Kobert+ in etwa -150 Pflanzenarten (30 Familien) vorkommen und neben ihrer chemischen -Homologie mit der Grundformel C_{n}H_{2n-8}O_{10} gemeinschaftlich -nachstehende Eigenschaften besitzen: Schäumen in wässerigen Lösungen -(daher der Name Saponin, seifenartiges Glykosid), kratzenden -Geschmack, +entzündungserregende Wirkung auf Haut und Schleimhäute+ -(Dermatitis, Rhinitis, Konjunktivitis, Gastroenteritis), Auflösung der -roten Blutkörperchen (+Hämolyse+), sowie geringe oder ganz fehlende -Resorption vom Darmkanal aus. Die letztgenannte Eigenschaft erklärt die -eigentümliche Tatsache, dass bei intakter Darmschleimhaut grosse Dosen -der Saponinsubstanzen ertragen werden, ohne eine Allgemeinvergiftung zu -verursachen (vergl. die Kornradevergiftung), während bei vorhandenem -Katarrh oder bei Geschwüren der Darmschleimhaut die Resorption erhöht -und die Giftwirkung viel stärker ist. Ausserdem soll das Saponin -im normalem Darm in eine ungiftige Verbindung umgewandelt werden. -Subkutan erzeugen die Saponinsubstanzen Eiterung ohne Bakterien -(aseptische Eiterung); intravenös beigebracht wirken sie rasch tödlich -infolge Auflösung der roten Blutkörperchen und zwar schon in Dosen -von ½-1 mg pro kg Körpergewicht. Die anatomischen Veränderungen -bestehen ähnlich wie bei Phallinvergiftung in Zerstörung der roten -Blutkörperchen, Darmentzündung, Verfettung der Leber, der Nieren -etc. Zu diesen Saponinsubstanzen rechnet man +Saponin+, +Sapotoxin+, -+Sapogenin+, +Saporubin+, die +Quillajasäure+, +Polygalasäure+ -und +Agrostemmasäure+, das +Githagin+, +Zyklamin+, +Senegin+, -+Parillin+, +Assamin+ und +Melanthin+. Man spricht ferner von einem -Agrostemma-Sapotoxin, Quillaja-Sapotoxin, Gypsophila-Sapotoxin, -Sapindus-Sapotoxin usw. - - -=Krankheitsbild der Radevergiftung.= Die Saponinsubstanzen der Kornrade -(Sapotoxin, Agrostemmasäure) wirken entzündungserregend auf alle -Schleimhäute (+Gastritis+, +Enteritis+, +Stomatitis+, +Pharyngitis+, -+Konjunktivitis+, +Rhinitis+, +Laryngitis+), sowie +lähmend+ auf das -Zentralnervensystem und das Herz. Ausserdem sind sie ein starkes Gift -für die +roten Blutkörperchen+, welche dadurch aufgelöst werden. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen demnach in +Speicheln+, -+Schlingbeschwerden+, +Erbrechen+, +Kolik+, +Durchfall+, +Mattigkeit+. -Bei der +Sektion+ findet man hauptsächlich die Erscheinungen einer -intensiven +Gastroenteritis+, sowie lackfarbige Beschaffenheit des -Blutes. - -Eigentümlicherweise ist die Empfindlichkeit der einzelnen Tiergattungen -gegen das Radegift sehr verschieden. +Gänzlich immun scheinen Schafe, -Ziegen und Nagetiere (Kaninchen) zu sein.+ Auch erwachsene Rinder sind -wenig oder gar nicht für das Gift empfänglich. Am empfindlichsten -sind dagegen Hunde, Pferde, Schweine, Kälber und Hühner. Merkwürdig -ist ferner, dass sich manche Tiere mit der Zeit an die Radefütterung -+gewöhnen+, indem die giftige Wirkung des Saponins bei längerer -Verabreichung der Rade abnimmt, und dass das radehaltige Futter bei -einer und derselben Tiergattung nicht immer gleich stark giftig wirkt, -indem zuweilen sehr grosse Quantitäten von den Tieren ohne Gefahr -verzehrt werden. Ob dieses verschiedene Verhalten der Radesamen auf -Zersetzungen des Saponins oder auf einen verschiedenen Gehalt des -Rademehls oder auf eine zeitliche und örtliche Ungiftigkeit der -Radesamen nach Art der Lupinen oder auf eine gewisse prädisponierende -Beschaffenheit der Darmschleimhaut bei einzelnen Tieren (leichte -Verletzungen) zurückzuführen ist, muss dahingestellt bleiben. Auch -+individuelle+ Verschiedenheiten sind nicht selten. Sodann sind +junge -Tiere empfindlicher+, als alte. - - -=Therapie.= Die Behandlung der Radevergiftung besteht in der -Verabreichung von schleimigen, einhüllenden, sowie von exzitierenden -Mitteln (Aether, Kampfer, Koffein, Kaffee). In +prophylaktischer+ -Beziehung ist ferner ein Futterwechsel vorzunehmen. Ausserdem kann -durch gelindes +Rösten+ des Radepulvers in eisernen Pfannen das Saponin -zerstört werden (die Backofenhitze zerstört nicht alles Saponin!). -Endlich lässt sich durch ein bestimmtes +Schrotverfahren+ nicht nur die -schwarze Schale der Radesamen, sondern auch die vom Embryo gebildete -schwarze Randpartie entfernen, in welcher das Saponin ausschliesslich -seinen Sitz hat. - - -=Nachweis.= Zum Nachweis der Radevergiftung können die verabreichten -Futterstoffe (Kleie, Mehl) und der Magendarminhalt entweder einer -botanisch-mikroskopischen oder einer chemischen Untersuchung -unterworfen werden. - -Der +botanische+ Nachweis besteht in dem Auffinden der im Eingang -genauer beschriebenen schwarzen, warzigen Samenschalen mit ihren -charakteristischen Zellen (Untersuchung mit der Lupe), sowie in der -Feststellung der charakteristischen Stärkekörperchen im Mehl mittels -des Mikroskops. Der +chemische+ Nachweis der Radevergiftung stützt sich -auf gewisse Reaktionen des Githagins. 1. Schüttelt man 2 g Mehl mit 10 -ccm einer Mischung von 20 g 70proz. Alkohol und 1 g Salzsäure in einem -Reagensglas und lässt den Inhalt stehen, so nimmt die Flüssigkeit eine -gesättigt +orangegelbe+ Farbe an. 2. Man digeriert 500 g Mehl mit 1 l -85proz. Alkohol im Wasserbad, filtriert heiss, fällt das Filtrat mit -absolutem Alkohol, trocknet den Niederschlag bei 100°, nimmt ihn mit -kaltem Wasser auf, fällt den Auszug nochmals mit absolutem Alkohol, -filtriert und trocknet wieder. Durch dieses Verfahren wird das Githagin -(Saponin) rein dargestellt als ein +gelblichweisses+ Pulver von -+brennend bitterem Geschmack+, welches sich in Wasser leicht löst und -damit geschüttelt stark +schäumt+. - -Grössere Mengen von Rade im Mehl lassen sich endlich häufig schon durch -die +blaue+ Farbe des Rademehls nachweisen. - - =Kasuistik und Fütterungsversuche.= +Pusch+ (Ueber die Schädlichkeit - der Kornrade. Deutsche Zeitschr. für Tiermed. 1890) hat eine - grössere Reihe von Fütterungsversuchen bei den verschiedenen - Haustieren angestellt, welche folgendes ergeben haben. 1. Zwei - +Pferde+ wurden mit 1130 und 4400 g Rade gefüttert, die im Jahre - 1888 geerntet war; sie zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen. - Ein anderes Pferd erkrankte dagegen bereits nach 325 g 1889er Rade - an Stomatitis. Ein viertes Pferd erhielt 6½ kg Rade in 9 Tagen; - es zeigte heftiges Speicheln, ulzeröse Stomatitis (Erosionen), - Pharyngitis, Nasenausfluss und Husten. Eine Stute zeigte ausserdem - nach Verfütterung von 12 kg Rade in 12 Tagen häufiges Urinieren und - Blinken. Niemals entstand eine chronische Erkrankung; bei keinem - der Pferde wurden ferner spinale Lähmungserscheinungen beobachtet, - wie sie angeblich nach Haubner und Dieckerhoff bei Radevergiftung - vorkommen sollen. 2. Ein +erwachsenes Rind+ erhielt 8640 g Rade - in 5 Tagen ohne sichtbar zu erkranken. (Nach einer Mitteilung von - Oekonomierat Schulz in Petershagen verfütterte derselbe ohne den - geringsten Nachteil 400 Zentner reine Kornrade an 100 Zugochsen in - täglichen Gaben von 1 Pfund!). Dagegen starb ein 13 Tage altes +Kalb+ - nach der Verfütterung von 400 g Rade in einem Tage; die Sektion ergab - Entzündung des Rachens und Labmagens, Dünndarmkatarrh und Lungenödem. - 3. Zwei erwachsene +Schafe+ erhielten 12 kg Rade in 64 Tagen bezw. 11 - Kilo in 30 Tagen, ohne, abgesehen von einem leichten Nasenkatarrh, - zu erkranken. 4. Ein 6 Wochen altes +Schwein+ erhielt in 20 Tagen - 5420 g Rade; es zeigte lediglich starken Husten. 5. Ein alter +Hund+ - (Pinscher) erkrankte nach 50 g unter Erbrechen, Diarrhöe, Kolik - und Schwäche. 6. Ein +Huhn+ wurde den ganzen Sommer mit Schrot - gefüttert, das zu 44 Proz. aus Rade bestand, ohne zu erkranken. 7. - Vier +Kaninchen+ wurden ½ Jahr ausschliesslich mit radehaltigem - Schrot (25-44proz.) gefüttert; sie zeigten anfangs Nasenkatarrh und - Niesen, das sich allmählich verlor; sonst traten keine krankhaften - Erscheinungen ein. -- 2 junge Pferde zeigten nach der Aufnahme von - Rade starkes Speicheln, Zähneknirschen, Kolik, Kollern im Leibe, - übelriechende Diarrhöe, Zittern und Steifigkeit (+Contamine+, - Annal. de Bruxelles 1885). -- Ein Pferd, welches mit dem Hafer - grössere Mengen von Radesamen aufgenommen hatte, starb unter den - Erscheinungen einer dumpfen Kolik, sowie grosser, zunehmender - Schwäche (+Déchet+, Revue vétér. 1886). -- Ein Versuchspferd erhielt - 120 g Rademehl und am Tag darauf 1 Pfund Radebrot. Am nächsten Tag - zeigte es Appetitlosigkeit, Schlingbeschwerden, Traurigkeit und - Betäubung, indem es z. B. wie ein dummkolleriges Pferd Futter im - Maule behielt, ohne zu kauen; am Tag darauf hatte es sich wieder - vollständig erholt (+Röll+, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 11). -- - Nach +Lehmann+ und +Mori+ (Arch. f. Hyg. 1889) sind von allen Tieren - die Nagetiere gegen Kornrade am wenigsten empfindlich; ein Kaninchen - erhielt z. B. in 7 Tagen 105 g Radepulver, ohne zu erkranken. -- - +Sturm+ (Wiener landw. Zeitung 1889) fütterte jahrelang 2-3 kg - reines Radeschrot an Mastkühe und Ochsen ohne Schaden, desgleichen - +Meissl+ (ibid.) an Schweine monatelang bis 500 g pro Stück und Tag. - -- 7 Hunde zeigten nach dem Eingeben von Rademehl Unruhe, Erbrechen - und Schlingbeschwerden; bei der Sektion wurden Schwellung und - Rötung der Rachen- und Magenschleimhaut festgestellt (+Pillwax+ und - +Müller+, ibid.). -- Ein 19 Pfund schweres Versuchsschwein starb nach - der täglichen Verfütterung von 20-100 g Rade neben anderem Futter - nach 14 Tagen; ein anderes, 25 Pfund schweres Schwein verzehrte - allmählich bis 350 g Rade, blieb aber gesund. Eine Ziege starb nach - 3wöchentlicher täglicher Verfütterung von 300-500 g Rade neben - Heu. Die Sektion ergab starke Darmentzündung, sowie Exsudation im - Rückenmarkskanal (+Ulrich+, Bad. Mitt. 1882). -- Ein mit Rademehl - vergifteter Hund zeigte Unruhe, Erbrechen, Schlingbeschwerden, - Mattigkeit, Abstumpfung und Betäubung; bei der Sektion fand man - verschiedengradige, selbst kruppöse Entzündung der Schleimhaut der - Rachenhöhle, des Schlundes, des Magens, Dünndarms, Dickdarms und - Mastdarms, sowie des Kehlkopfes, Gehirnhyperämie und Hydrocephalus - acutus internus (+Röll+, l. c.). -- Eine Massenerkrankung von - Saugkälbern (Gastroenteritis) nach Verfütterung radehaltigen Mehls - hat +Tabourin+ (Recueil 1876) beschrieben. Fütterungsversuche bei - 4 Kälbern ergaben Unruhe, Zähneknirschen, Speicheln, Durchfall und - Koma. Bei der Sektion wurde Entzündung des Schlundkopfs, sowie - heftige Entzündung des Labmagens festgestellt. -- Nach +Viborgs+ - Versuchen erkrankte ein Hund von 60 g Rademehl, genas aber wieder; - ein Hund starb nach 30 g. -- +Stier+ (Berl. tierärztl. Wochenschr. - 1893, Nr. 51) beschreibt eine Kornradevergiftung bei 48 Mastschweinen - infolge Verfütterung von radehaltigem (6proz.) Roggenschrot. Die Haut - der Tiere war wie besät mit nadelkopf- bis zehnpfennigstückgrossen - Hämorrhagien; die Schweine zeigten ferner Taumeln und Schwanken, - Benommenheit des Sensoriums, Blutbrechen, Geifern, Dyspnoe, - Heiserkeit, dunkelroten bis teerschwarzen Harn, Dysurie, sowie - Schlingbeschwerden. -- +Monin+ (Petersb. landwirtsch. Zeitung 1889) - fütterte 6 schwache, magere Schafe täglich mit ¼-1 kg Rade, so dass - jedes Schaf im Laufe eines Monats etwa 20 g Rade erhielt; die Tiere - wurden nicht nur nicht krank, sondern ihr Nährzustand besserte sich - bedeutend. -- Nach +Kruskal+ (Arb. d. pharmakol. Instituts zu Dorpat - 1891) starben Hähne an Darmentzündung, wenn 21-37 g Rademehl pro kg - in den Magen eingeführt wurden. Katzen starben bei unterbundenem - Schlund nach 0,16 g Sapotoxin pro kg; ein Kaninchen erkrankte - dagegen nicht, als es in zehn Tagen 150 g Rademehl erhalten hatte. - -- +Kornrauch+ (Oesterr. Monatsschr. 1894, S. 489) berichtete über - Fütterungsversuche der Wiener landwirtschaftlichen Station bei 3 - Schweinen, welche 40-70proz. Radefutter ohne Schaden ertrugen, und - bezeichnet sogar das Radefutter als Mastfutter. -- Nach +Pourquier+ - (Revue vét. 1895) ist die Kornrade ein gutes Futtermittel für Schafe; - ein Schäfer verfütterte allein in einem Winter 3800 kg Radesamen. - -- +Perussel+ (J. de Lyon 1895) beobachtete akute Radevergiftung - bei Pferden und Mastochsen, welch letztere täglich 5 kg 80proz. - Rademehl erhielten. Die Erscheinungen bestanden in Appetitstörung, - Aufhören des Wiederkauens, Kolik, Diarrhöe, Unvermögen zu schlingen, - Koma und Dekubitus; die Sektion ergab Enteritis. -- Nach der - Verfütterung radehaltiger Kleie erkrankte eine Mutterstute mitsamt - dem saugenden Fohlen an Magendarmkatarrh (+Schultz+, Berl. Arch. - 1897). -- +Sabatzky+ (ibid. 1898) berichtet über eine Vergiftung - bei Schweinen, welche radehaltige (50proz.) Roggenkleie gefüttert - erhalten hatten. Die Erkrankung trat 14 Tage nach dem Beginn der - Fütterung zuerst bei den Ferkeln auf, dann auch bei den älteren - Schweinen. Die Erscheinungen bestanden in Appetitlosigkeit, - Schwellungen am Halse und Lähmung. Die Sektion ergab Gastroenteritis. - 20 Schweine verendeten, 8 wurden notgeschlachtet. -- +Peter+ (ibid. - 1899) sah auf einem Gute 17 Lämmer und einige ältere Schafe, welche - mit kornradehaltigen (50proz.) Mühleabfällen gefüttert wurden, - unter Gleichgewichtsstörungen, Krämpfen und Speicheln erkranken. - -- +Brummel+ (Veterinarius 1900) beobachtete bei einem 5jährigen - Pferd nach der Aufnahme grösserer Mengen von Kornrade Steifheit - der Gliedmassen, Taumeln, Trismus und Schlingbeschwerden. -- - +Hagemann+ (Bericht an den preuss. Landwirtschaftsminister und - Landw. Jahrb. 1903) hat durch Fütterungsversuche nachgewiesen, dass - die Verfütterung von kornradehaltigem Futter, wie es im Betriebe - des Müllereigewerbes gewonnen wird, bei unseren Haustieren keine - Vergiftung hervorruft. Milchkühe gaben nach Kornradeverfütterung - Milch mit einem minderwertigen Fette von anormaler Beschaffenheit. - Hühner und Gänse starben dagegen an Durchfall und Darmentzündung - in 24 Stunden, wenn sie 1,5 g bezw. 3-5 g Sapotoxin erhielten. -- - +Kronacher+ (Woch. f. Tierh. 1900) sah bei drei Kühen nach der - Verfütterung von radehaltigem Haferschrot Appetitlosigkeit, Stöhnen, - Husten und Speicheln; 1 Kuh verendete, 2 wurden notgeschlachtet. - -- +Lohmann+ (Z. f. öff. Chemie 1903) studierte die Giftigkeit - des Saponins für den Menschen (Schaumweine, Brauselimonaden) - an Kaninchen und fand, dass sie sehr grosse Dosen ohne Schaden - ertrugen (0,5-7 g Saponin per Tag). -- +Gips+ und +Ruthe+ (Berl. - Arch. 22. Bd.) sahen angeblich Pferde an Kornradevergiftung sterben - (Taumeln, Benommenheit, Atembeschwerden). -- +Ludewig+ (Diätetik - des Truppenpferdes 1904) sah bei Pferden nach der täglichen - Fütterung von 300 g Radesamen Kolikerscheinungen und Lähmung des - Sehnerven. -- +G. Müller+ (Sächs. Jahresber. 1905) glaubt, dass - beim Geflügel in der Praxis Radevergiftungen nicht vorkommen, - weil die Samen nicht freiwillig gefressen werden. Hühner zeigten - nach der Einverleibung von 5-10 g Samen nichts, nach 20 g leichte - Krankheitserscheinungen, nach 30 g Samen schwere Erkrankung und Tod - (hochgradige Atemnot, Speicheln, Rasseln, Blaufärbung des Kammes, - Tod nach 7-14 Stunden); die Sektion ergab Aetzstellen im Kropf und - Drüsenmagen. Tauben zeigten nach 1Otägiger Verabreichung von je 1 - g Radesamen nichts, starben aber nach einer Dosis von 2,5 g; die - Sektion ergab nekrotisierende Entzündung der Kropfschleimhaut. - -- Nach +Steinbrenner+ (Woch. f. T. 1908) erkrankten bei einem - Müller 2 Kühe an Kornradevergiftung. Das verfütterte, sogenannte - Tripplo war Schrot von den Kornrückständen, von Unkrautsamen, - vorherrschend Kornrade. Das Krankheitsbild bestand in Lähmung und - Eingenommenheit des Sensoriums. Die eine Kuh entleerte breiigen Kot, - bei der andern bestand Verstopfung mit hochgradiger Tympanitis, - die zu dreimaligem Troikarieren Anlass gab. Die eine Kuh verendete - an Magendarmentzündung, bei der anderen blieb eine Lähmung zurück; - die Kuh wurde schliesslich wegen Dekubitalgangrän getötet. -- - +Albrecht+ (ibid. 1907 u. 1908) fand bei seinen Versuchen, dass - Hühner trotz grosser Mengen eingegebener Radesamen nicht erkrankten, - und schliesst daraus, dass das Huhn offenbar die giftige Substanz der - Radesamen in seinem Verdauungsapparat zu zerlegen und unschädlich - zu machen imstande ist. Auch die Versuche mit Ziegen fielen negativ - aus. Eine trächtige Ziege erhielt wochenlang täglich 100-150 g - geschrotenen Radesamen, ohne zu erkranken. Auch bei gleichzeitiger - Verabreichung von hartem, die Darmschleimhaut mechanisch reizendem - Stroh frass die Ziege im ganzen 2¼ kg Radeschrot, ohne zu erkranken. - Die gleichzeitige Verabreichung von Abführmitteln (Natriumsulfat) - löste ebenfalls keine Erkrankung aus, trotzdem 6 kg Radesamen - innerhalb 21 Tagen verabreicht wurden (auch Abortus trat nicht - ein). Bezüglich der in der Literatur mitgeteilten widersprechenden - Ergebnisse der Radefütterung schliesst sich +Albrecht+ der Meinung - von +Pott+ (Handbuch der tierischen Ernährung 1907) an, dass nicht - alle Radesamen giftig bezw. gleich giftig sind, und dass der - Giftgehalt möglicherweise wie bei den Lupinen durch besondere, nicht - bekannte Ursachen bedingt wird (Befallungspilze?). -- +Brandl+ hat - bei seinen Versuchen über das Sapotoxin von Agrostemma Githago - (Arch. f. exp. Path. u. Pharmak. 1906 u. 1908) festgestellt, dass - dasselbe zu Sapogenin und Zucker zerfällt, und dass dem Sapogenin - eine ähnliche, wenn auch etwas geringere Giftwirkung zukommt, wie - dem Sapotoxin; ausserdem enthalten die Radesamen eine zweite, - gleichgiftige Saponinsubstanz, die Agrostemmasäure. Die angestellten - Fütterungsversuche ergaben folgendes: 1. +Hühner+ und +Tauben+ nahmen - Radesamen aus einem gemischten Körnerfutter freiwillig niemals - auf, und verschmähten auch Futter, das mit Rademehl bestäubt war. - Absichtlich beigebrachtes Rademehl erzeugte bei Tauben schon in - der geringen Menge von 2-3 g, bei Hühnern von 3-8 g eine deutliche - Vergiftung; 10 g pro kg Taube und 15 g pro kg Huhn wirkten nach - 2-3 Tagen tödlich. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Erbrechen, Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Durchfällen, Taumeln und - Lähmung. Dasselbe Krankheitsbild entstand nach der Einverleibung - von Agrostemma-Sapotoxin und Agrostemmasäure; dabei hatte es den - Anschein, als ob sich die Tiere an gewisse Mengen dieser Gifte - gewöhnten. 2. +Hunde+ zeigten von 0,05-0,08 Sapotoxin ab Erbrechen - und Durchfall. 3. +Schweine+ verschmähten anfangs Futter, dem 20 - g Kornrademehl beigemengt war, nahmen es aber dann, als es mit - Wasser angerührt war. Die tägliche Verabreichung von 50-100 g - Rademehl erzeugten bei einem Schwein heftiges Erbrechen und starken - Durchfall; ein anderes Schwein erhielt in 82 Tagen 6⅓ kg Rademehl - und nahm dabei um 3 kg an Körpergewicht zu; wenn die tägliche Dosis - auf 100-125 g gesteigert wurde, stellte sich Erbrechen, Husten und - Appetitlosigkeit ein. Nach der Verabreichung von 18 g Sapotoxin - zeigte ein 18 kg schweres Schwein Würgen und Erbrechen und starb an - Gastroenteritis und Hämolyse. 4. +Kaninchen+ erkrankten erst, wenn - 12 g Kornrademehl = 0,45 g Sapotoxin pro kg einverleibt wurden. - 15-17 g Kornrademehl pro kg wirkten nach 15-12 Stunden tödlich - (Durchfall, Magendarmentzündung). Danach ertragen Kaninchen viel - grössere Mengen von Kornrade, als Schweine und Geflügel (Verhältnis - 3 : 2: 1); um Krankheitserscheinungen hervorzurufen, braucht man - pro kg Körpergewicht bei Kaninchen 12 g, bei Schweinen 7-9 g, bei - Hühnern und Tauben 4-5 g Kornrade. 5. Ein +Pferd+, welches in 2 - Tagen 100 g Sapotoxin = 1400 g Rademehl erhalten hatte, zeigte keine - Krankheitserscheinung, desgleichen nicht ein +Rind+, das 50 und 90 - g Sapotoxin, sowie in 14 Tagen 4⅓ kg Rademehl erhalten hatte. Für - grosse Haustiere ist danach Futter mit einem Gehalt von 5-12 Proz. - Kornrade, wie es im normalen Betrieb des Müllereigewerbes gewonnen - wird, wahrscheinlich gefahrlos. -- Nach +Neumayer+ (ibid. 1908) - beruht die hämolytische Wirkung des Sapotoxins auf das Blut auf - einer direkten Schädigung der roten Blutkörperchen an der Oberfläche - (Zellgift); im Verdauungsapparat erzeugt es akute Geschwürsbildung. - -- +Holterbach+ (Berl. tierärztl. Woch. 1909) beobachtete bei - einem 8 Wochen alten Kalbe nach der Aufnahme von radehaltigem (10 - Proz.) Roggen Mattigkeit, Durchfall, Taumeln, Lähmung, Polyurie und - Konjunktivitis. - - -Vergiftung durch Kichererbsen. Lathyrismus. - - =Botanisches.= Die +Kichererbse+, +Cicer arietinum+ (Lathyrus cicer), - ist eine einjährige Hülsenfrucht (Familie Papilionazeen, Unterfamilie - Vizieen) mit roten, achselständigen Blüten und zweisamigen Hülsen, - sowie unpaar gefiederten, 13-17jochigen Blättern und ovalen, gesägten - Blättchen. Die Samen sind rundlich höckerig, über erbsengross, an - den Widderkopf erinnernd („arietinum“). Mikroskopisch sind die Samen - charakterisiert durch die ungleiche Länge der Palisadenzellen, welche - in ihrem mittleren Teile dünnhäutig sind. Die ebenfalls zuweilen - giftige +Platterbse+, +Lathyrus sativus+, welche im südlichen Europa - zur Brotbereitung gebaut wird, hat kantige, beilförmige, glatte - Samen, eine zweiflügelige Hülse, weissrosafarbige oder blaue Blüten, - einpaarig gefiederte Blätter, sowie einen geflügelten Stengel. - Aehnlich giftig wirkt zuweilen die +schwarze italienische Wicke+, - +Lathyrus Clymenum+, die +Paternostererbse+ und die +Luzerne+. - Lathyrus cicer und sativus sollen vor der Samenbildung unschädlich - sein, während Lathyrus Clymenum stets giftig wirken soll. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Kichererbsen enthalten -einen seiner genaueren Natur nach bisher noch unbekannten Giftstoff, -welcher zu gewissen nervösen Organen ganz spezifische Beziehungen -hat, und zwar in erster Linie zu denjenigen des Kehlkopfes (+N. -recurrens+) und zum +Rückenmark+. Werden Kichererbsen Pferden längere -Zeit hindurch verfüttert, so erkranken dieselben zunächst unter dem -Bild des +Kehlkopfpfeifens+. Daneben gehen die Erscheinungen einer -+chronischen Rückenmarksentzündung+ einher. Die Tiere sind zunächst -sehr schreckhaft und aufgeregt und zeigen im weiteren Verlauf die -Symptome einer +spinalen Lähmung+ sowohl motorischer als sensibler -Art, welche namentlich zuerst die hinteren Extremitäten in Form von -+Kreuzschwäche+ befällt (transversale Myelitis mit motorischer und -sensibler Paraplegie), und sich zunächst durch einen +schwankenden+ -Gang bemerkbar macht. +Im Stande der Ruhe erscheinen die Tiere meist -vollständig gesund+, indem sie die Erscheinungen des Rohrens, sowie die -Rückenmarkslähmung erst bei der Bewegung erkennen lassen; namentlich -ist auch der Appetit gewöhnlich unverändert. Manche Pferde zeigen -jedoch auch im Stall ein weiteres charakteristisches Symptom des -Lathyrismus, nämlich eine auffallende +Beschleunigung+ des +Pulses+ -(beginnende Lähmung des Vaguszentrums), welche sich bei der Bewegung zu -ausgeprägtem +Herzklopfen+ steigert. Der Tod erfolgt meist erst nach -monatelanger Krankheitsdauer unter den Erscheinungen der +Erstickung+. -Das Vergiftungsbild bei Rindern ist ähnlich, es fehlen jedoch die -Erscheinungen des Kehlkopfpfeifens. - -Bei der +Sektion+ findet man in vorgeschritteneren Stadien der -Krankheit eine +Atrophie+ und +Verfettung+ der +Kehlkopfmuskeln+ -(Stimmritzenerweiterer), sowie degenerative Zustände in den -Ganglienzellen der Vorderstränge des Rückenmarkes und des Vaguskerns. - -Die +Behandlung+ besteht neben Aenderung der Fütterung in der Vornahme -der +Tracheotomie+, wodurch die Pferde wieder arbeitsfähig gemacht -werden können, in der Verabreichung von +Strychnin+ (0,05-0,1 subkutan -für Pferde), sowie in der Anwendung +reizender Einreibungen+ in der -Kreuzgegend. Ausserdem ist Weidegang anzuempfehlen. - - =Kasuistik.= Zwölf Arbeitspferde, welche ein Vierteljahr hindurch - täglich 8 Pfd. Kichererbsenheu erhalten hatten, zeigten nach dem - Aussetzen dieses Futters die Erscheinungen der Rückenmarkslähmung und - Hartschnaufigkeit. 4 starben; die übrigen wurden durch die Vornahme - der Tracheotomie wieder hergestellt (+Lenglen+, Recueil 1860). -- - 35 Zugpferde erkrankten nach der Fütterung der Gemüseblatterbse - (Lathyrus sativus); 19 starben, 2 mussten getötet werden, nur 14 - genasen. Die Pferde erschienen im Stande der Ruhe bis auf das - Vorhandensein einer Pulsbeschleunigung gesund, insbesondere war der - Appetit ungestört; dagegen schwankten sie im Gehen und zeigten bei - der Bewegung im Freien, besonders in kalter, windiger Luft, Atemnot - und Röcheln, sowie Bluthusten, einige starben apoplektisch. Die - Behandlung bestand in der Vornahme der Tracheotomie, Verordnung von - Laxantien und Einreibungen auf den Kehlkopf, sowie in Anordnung - des Weidegangs. Bei der Sektion fand sich in einem Fall Schwund - der M. cricoarytaen. post. und lateral. und des M. thyreoarytaen.; - der linke Rekurrens war ferner auffallend dünn; die mikroskopische - Untersuchung der Muskeln ergab das Bild der Atrophie. In drei - anderen Fällen zeigten die Kehlkopfmuskeln mit Ausnahme des M. - crico-thyreoideus Verlust der Querstreifung und Verfettung; ausserdem - fand man Atrophie der Ganglienzellen im Vaguskern, sowie Atrophie - der multipolaren Ganglienzellen in den Vorderhörnern des Rückenmarks - (+Leather+, The veter. journ. 1885). -- Von 17 mit dem Samen von - Lathyrus sativus gefütterten Pferden erkrankten plötzlich 6 an so - hochgradigem Kehlkopfpfeifen, dass 2 erstickten und die übrigen - dem Erstickungstod nahe waren (+Lies+, B. Th. W. 1895). 2 schwere - Arbeitspferde erkrankten nach monatelangem Genuss kleiner Mengen - (46 kg insgesamt) Platterbsen an Kehlkopfpfeifen (+Call+, The - Vet., Bd. 63). -- 7 Kühe, welche auf einem mit Lathyrus clymenum - und alatum bepflanzten Acker frei weideten, zeigten bei vollkommen - erhaltener Fresslust und fieberlosem Zustand motorische und - sensible Lähmung der hinteren Gliedmassen, Unvermögen aufzustehen - und tonisch-klonische Krämpfe (+Alessandro+, Mod. Zooj. 1892). -- - Kühe, welche einen Monat lang ausschliesslich mit Lathyrus clymenum - gefüttert wurden, zeigten Verminderung und schliesslich Sistierung - der Milchsekretion, Schläfrigkeit, ataktische Bewegungen der - Hinterhand und schliesslich vollständige Lähmung derselben; Rohren - fehlte. Der Tod trat gewöhnlich eine Woche nach dem Auftreten der - Lähmung ein. Die Lähmung stellte sich zuweilen noch 14 Tage nach - dem Aufhören der Lathyrusfütterung ein. Die Sektion ergab Hyperämie - und entzündliche Infiltration im Lendenmark (+Perrussel+, Recueil - 1896). -- Von 16 mit Lathyrus clymenum gefütterten Kühen erkrankten - 5 unter den Erscheinungen von Stumpfsinn, Lähmung, Kau- und - Schlingbeschwerden, Amaurose und Anästhesie (+Lucet+, Recueil 1898). - -- Mehrere Pferde, welche täglich 3 Pfd. Platterbsen erhielten, - erkrankten an Lathyrismus. 3 stürzten unter den Erscheinungen - der grössten Atemnot vor einem leichten Wagen nieder und mussten - geschlachtet werden. Die übrigen zeigten schwankenden Gang, sowie - pfeifendes Atmungsgeräusch und hochgradige Atemnot bei der Bewegung. - Die Obduktion ergab schwarzrote Farbe und blutige Durchtränkung - der gesamten Halsmuskulatur mit markstückgrossen Blutherden, - dunkelrote Färbung sämtlicher Kehlkopfmuskeln, sowie der Kehlkopf- - und Trachealschleimhaut (+Vollers+, Schleswig-Holstein. Mitt. 1896). - -- Aehnliche Fälle von Lähmung hat +Braasch+ (ibid. 1895) nach der - Verfütterung der russischen Zahnerbse bei 14 Pferden beobachtet. -- - +Mulotte+, (D. T. W. 1893) konstatierte Kehlkopfpfeifen bei Pferden - nach der Verfütterung von Luzerner Kleeheu. -- Nach +Schuchardt+ - (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1892) ist auch die sog. Lokokrankheit - (Loco Disease) der Pferde und des Rindviehes auf den Hochsteppen - im Innern von Nordamerika als Lathyrismus aufzufassen, der durch - die Aufnahme verschiedener Leguminosen, namentlich von Astragalus - mollissimus, bedingt wird. -- Ein 230 kg schweres, gesundes - Versuchspferd erhielt im Verlauf von 2 Monaten 136 kg Mehl aus - den Samen von Lathyrus sativus. Nach etwa 14 Tagen zeigte es eine - Steigerung der Pulsfrequenz auf 45, am 30. Tag erschien es etwas - reizbarer, die Hinterbeine waren steif, über den ganzen Körper traten - Muskelzuckungen auf, namentlich im Verlauf der Kruppenmuskeln und - an der Schulter, im Hinterteil war geringgradige Kreuzschwäche zu - bemerken, der Schweif wurde fortwährend zitternd hin und her bewegt. - Einige Tage darauf nahm das Schwanken im Kreuz zu; dagegen wurden - abnorme Atmungsgeräusche im Trab nicht bemerkt. Nach dem Aufhören der - Fütterung verschwanden alle Krankheitserscheinungen (+Agonigi+, Il - nuovo Ercolani 1900). -- Vergiftungen durch =Platterbsen=, Lathyrus - sativus, bei Pferden (Kehlkopfpfeifen, schwankender Gang) sind von - +Leather+ (Vet. journ. 1885), +Call+ (The Vet. 1890), +Lies+ (B. T. - W. 1895), +Vollers+ (Schleswig-Holst. Mitt. 1896) u. a. beschrieben - worden. -- Ueber Lathyrismus beim Menschen vgl. +Schuchardt+, - Deutsches Archiv f. klin. Medizin 1887 u. 1888, Bd. 40. - - -Vergiftung durch Taxus (Eibenbaum). - - =Botanisches.= Der +Eibenbaum+, +Taxus baccata+ (Konifere), welcher - in bergigen Gegenden Deutschlands wild vorkommt, wird häufig in - Gärten als Zierpflanze und in Hecken (Taxushecken) kultiviert. - Er wächst teils als Strauch, teils als Baum (bis 10 m hoch) und - ist durch seine immergrünen, oben dunkelgrünen, unten hellgrünen, - länglich breiten, spitzen, steifen Nadeln, seine rotbraunen Aeste, - sowie seine scharlachroten Beeren gekennzeichnet, welche violette - Samen einschliessen. Der Eibenbaum enthält namentlich in den Nadeln - einen scharf reizenden Stoff (Ameisensäure), sowie ein narkotisch - wirkendes Alkaloid, das =Taxin=. Vergiftungen sind bei allen - Haustieren beobachtet worden. Dieselben ereignen sich nach dem - Abweiden von Taxushecken und Taxuszierpflanzen in Gärten, Parken und - Schlossanlagen, nach der Aufnahme von Taxusblättern mit der Streu, - in Girlanden etc. Einen ähnlichen, vielleicht denselben Giftstoff - enthalten die Nadelhölzer der Gattung Cephalotaxus, welche jedoch - 6mal weniger giftig sind, als die Eibe. Die Ansicht, dass die Zweige - des weiblichen Eibenbaumes nicht giftig sein sollen, ist unrichtig; - nur die hellgrünen Winternadeln der Eibe sind bis zum Zeitpunkt ihrer - Dunkelgrünfärbung ungiftig (+Cornevin+, Journal de Lyon 1891 u. 1893). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Eibenbaum ist eines der -ältesten bekannten Gifte, welches wegen der Schnelligkeit und -Gefährlichkeit seiner Wirkung von jeher sehr gefürchtet war. Pferde -und Schafe sterben sehr rasch, meistens schon innerhalb einer Stunde, -nach der Aufnahme von 100-200 g, Rinder nach etwa 500 g, Schweine -nach 75 g, Hunde und Hühner nach 30 g Taxusblättern. Je nachdem -das narkotisch wirkende Taxin oder die in den Nadeln enthaltene -scharfe Substanz mehr zur Wirkung gelangt, ist das Vergiftungsbild -ein anderes. Tritt die +Taxinwirkung+ in den Vordergrund, so -stürzen die Tiere oft schon wenige Minuten nach der Aufnahme der -Taxusblätter +apoplektiform+ zusammen, oder sie verenden im Verlauf -einer Viertelstunde bis einer Stunde unter +Taumeln+, +Brüllen+, -+Zusammenstürzen+ und +Konvulsionen+. Kommt jedoch gleichzeitig infolge -langsamerer Resorption des Taxins auch die scharf reizende Wirkung -der Taxusblätter zur Geltung, so kompliziert sich das Krankheitsbild -der reinen Taxinvergiftung mit dem der +Gastroenteritis+, und der -Verlauf verlängert sich auf mehrere Stunden bis einige Tage. Die -Tiere zeigen dann zunächst +Würgen+, +Erbrechen+, +Speicheln+, -+Schäumen+, +Verstopfung+, +Tympanitis+, +Polyurie+, +Hämaturie+, -+Strangurie+ (Symptome einer Nephritis und Zystitis), und als Ausdruck -der Taxinwirkung +Schwindel+, +Betäubung+, +Zittern+, +Schwanken+, -+Zusammenstürzen+ und +Konvulsionen+. - -Bei der +Sektion+ findet man in den Fällen von apoplektiformem Verlauf -nichts Charakteristisches; bei längerer Krankheitsdauer beobachtet man -die Erscheinungen der Magen- und Darmentzündung, Gehirnhyperämie und -Gehirnödem. - -Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; man verabreicht Abführmittel, -einhüllende und exzitierende Mittel, sowie als chemisches Gegengift -Lugolsche Lösung. Beim Rind kann man auch den Pansenschnitt und im -Anschluss daran die manuelle Entleerung der Blätter versuchen. - -Der +Nachweis+ der Vergiftung ist im wesentlichen ein botanischer -(Nachweis der grünen Nadeln); es ist deshalb der chemische Nachweis -des Taxins (Extraktion nach der Stas-Ottoschen Methode mit Chloroform, -Rotfärbung mit konzentrierter Schwefelsäure) meist überflüssig. - - =Kasuistik.= 6 junge Rinder erkrankten nach der Aufnahme von - Taxusblättern. Eines derselben starb apoplektisch unter Konvulsionen - und lautem Brüllen, ein zweites nach 4 Tagen. Die übrigen genasen - nach 8 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Erbrechen, Tympanitis, - Verstopfung, Polyurie, Strangurie, Hämaturie, sowie allgemeinem Sopor - (+De Bruin+, Holländ. Zeitschr. 1883). -- 4 Rinder drehten sich - nach der Aufnahme von Taxusblättern plötzlich im Kreis, taumelten - und fielen in wenigen Minuten tot nieder (+Read+, The Veterinarian - 1844). -- 5 Fohlen weideten auf einem Platz, welcher mit einer - Taxushecke eingefasst war. 2 derselben starben plötzlich. Die - übrigen zeigten Zittern, Muskelzuckungen, Verlangsamung des Pulses, - unfühlbaren Herzschlag, Schwanken, Abstumpfung, Unempfindlichkeit, - Polyurie, Strangurie etc., von Zeit zu Zeit fielen sie wie tote - Körper um. Bei der Sektion der krepierten Tiere fand man Zweige und - Blätter des Eibenbaumes im Magen, die Magendarmschleimhaut dunkel - gerötet, im Dickdarm linsengrosse rote Flecken, den Darminhalt - blutig, die Gehirnhäute stark hyperämisch (+Gerlach+, Gerichtl. - Tierheilkunde 1872). -- Eine Schafherde hatte Eibenbaumblätter - gefressen. Mehrere Tiere wankten, taumelten, fielen um, stöhnten, - verdrehten die Augen und schlugen mit dem Kopf gegen den Boden. Nach - etwa einer Viertelstunde standen die Tiere wieder auf und fingen - wieder an zu fressen. Nach 1-3 Stunden wiederholte sich derselbe - Anfall, bei einigen war derselbe sogar ein drittes Mal zu beobachten - (+Mönch+, ibidem). -- +Dewez+ (Belg. Annal.) sah nach Aufnahme von - Eibenblättern Meteorismus, Harnzwang, blutigen Harn, Nephritis, - Hyperämie der Scheidenschleimhaut und tödliches Koma. -- +Hess+ - (Repertorium 1889) beobachtete bei zwei Pferden 2 Stunden nach dem - Fressen von Eibenblättern plötzlich auffallend schwere Erkrankung - und apoplektiformen Tod; die Sektion ergab gastroenteritische - Erscheinungen. -- 3 Rinder frassen in der Nacht von Eibenkränzen, - welche abends als Streu verwendet waren, und krepierten sämtliche - zwischen 4 und 5 Uhr morgens unter Zittern, Brüllen und - Zusammenstürzen. Bei der Sektion fand man die Labmagenschleimhaut - fleckig kirschrot gefärbt und geschwollen, die Schleimhaut des - Pansens und der Haube stellenweise dunkelrot, die Dünndarmschleimhaut - streifig gerötet (+Hable+, Oesterr. Zeitschr. 1889). -- 6 Rinder, - welche bereits faulende Eibenbaumblätter gefressen hatten, fielen - plötzlich um und starben in kurzer Zeit unter Krämpfen ähnlich wie - bei der Blausäurevergiftung (+Wallis Hoare+, Vet. Record 1893). - -- 2 Kühe starben nach der Aufnahme von Taxusblättern unter den - Erscheinungen von Schwindel, Zittern und Herzschwäche; bei der - Sektion fand man Ekchymosierung der Schleimhaut im Schlund, Magen - und Darm (+Kegelaer+, Holl. Zeitschr. 1894). -- Innerhalb 2 Tagen - verendeten 6 Kühe eines Besitzers ohne vorhergegangene auffallende - Krankheitserscheinungen ganz plötzlich nach kurzem Taumeln und - Zusammenstürzen unter Brüllen, nachdem sie den Abfall geschnittener - Taxusbäume gefüttert erhalten hatten (+Arndt+, Berl. Arch. 1895). -- - 2 Ziegen erkrankten nach dem Fressen von Taxusblättern unter starkem - Aufblähen, Schwanken, Taumeln und Schlafsucht; eine derselben wurde - durch den Pansenstich und Einbringen von Kognak und Glaubersalz - in den Pansen geheilt (+Schüler+, Zeitschr. f. Veterinärkunde - 1898). -- Die Pferde eines ganzen Zuges französischer Kürassiere - (24 Stück) frassen im Jahr 1870 im Park von Pange von den Zweigen - des Eibenbaumes und starben sämtlich apoplektiform mit Ausnahme - zweier Pferde, welche wegen Uebermüdung die Futteraufnahme versagt - hatten (+Lorenz+, Zeitschr. f. Vetkde. 1901 S. 7). -- Ein kräftiges - Arbeitspferd starb nach der Aufnahme von 139 g Eibenblätter schnell - unter Taumeln, lautem, löwenähnlichem Gebrüll und tetanischen - Krämpfen; ein 2jähriges Fohlen starb nach dem Fressen von 110 g - der Blätter im Verlauf von 10 Minuten unter Niederstürzen und - betäubendem Gebrüll (ibidem). -- 2 Fohlen zeigten nach der Aufnahme - von Taxusblättern Schwanken, stieren Blick und Schweissausbruch; - eins starb, die Sektion ergab purpurrote Flecken auf der Magen- und - Darmschleimhaut (+Phail+, Vet. journ. 1900). -- 2 Ziegen hatten - eine alte Girlande aufgefressen und zeigten starke Aufblähung, - Taumeln, sowie Schlafsucht. Die eine wurde notgeschlachtet, die - andere durch den Pansenstich und Abführmittel gerettet (B. T. W. - 1900). -- +Giancola+ (Giorn. soc. vet. 1901) hat das Taxusgift in - Form spiessiger Kristalle isoliert. -- +Graham+ (Journ. of comp. - 1903) beschreibt einen Vergiftungsfall beim Pfau und Schwein. -- 2 - Pferde starben, nachdem sie reichlich Taxusblätter in einem Park - gefressen hatten; bei der Sektion war der Schlund gelähmt und mit - Futter wurstartig gefüllt, das Blut erinnerte an Blausäurevergiftung - (Preuss. Vet. Ber. 1904). -- 2 Rinder, welche nur eine Handvoll - Nadeln und Zweige gefressen hatten, zeigten Zittern, Taumeln, - Lähmung, wiederholtes Zusammenstürzen, Tympanitis und Harndrang - (+Grimme+, ibid. 1906; D. T. W. 1907). -- 35 Ferkel wurden in eine - Bucht getrieben, in der abgeschnittene Taxusäste lagen. Nach 6 - Stunden war 1 Tier tot, 12 andere waren schwer erkrankt; sie zeigten - Taumeln, schwankenden Gang, lagen am Boden, zitterten und zeigten - Zuckungen am Kopf; nach weiteren 6 Stunden starben noch 2 Tiere - (+Migge+, Preuss. Vet. Ber. pro 1907). -- Experimentelle Versuche - mit Taxusblättern sind in grosser Zahl von +Viborg+, +Havemann+ und - +Orfila+ gemacht worden. - - -Vergiftung durch Buxus (Buchsbaum). - - =Botanisches.= Der aus dem Orient stammende +Buchsbaum+ oder - Splintbaum, +Buxus sempervirens+, aus der Familie der Euphorbiazeen, - kommt in Süd- und Mitteleuropa bis Thüringen wild vor und wird - in Gärten zur Einfassung von Wegen kultiviert. Sein Holz wird zu - Holzschnitten und Drechslerarbeiten verwendet. Der Buchsbaum hat sehr - charakteristische Blätter. Dieselben sind lederartig, immergrün, oben - glänzend, unten heller, länglich eiförmig bis rundlich, kurzgestielt, - an der Spitze stumpf oder ausgerandet, mit einem oberseits - hervorragenden Mediannerven und zahlreichen zarten, randläufigen - Seitennerven versehen; sie lassen sich leicht in eine obere und - untere Blattschicht trennen. Sie enthalten 3 Alkaloide: das =Buxin=, - +Parabuxin+ und +Buxinidin+, sowie ein bitteres Harz. Hauptalkaloid - ist das Buxin, ein weisses, lockeres, amorphes, sehr bitteres Pulver, - welches mit Bebeerin, Pelosin und Bibirin identisch ist. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Buxin ist in seiner -Wirkung mit dem Taxin nahe verwandt. Wie dieses besitzt es eine -narkotische, die Nervenzentren +lähmende+, stark giftige Wirkung. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen in +Schwindel+, +Betäubung+, -+Schwanken+, +rauschartigem Zustand+ und enden meist sehr rasch -unter +Konvulsionen+ tödlich. Zuweilen komplizieren sie sich auch -mit den Erscheinungen einer Gastroenteritis (Erbrechen, Kolik, -Durchfall). Pferde sterben in kurzer Zeit nach der Aufnahme von 750 -g Buchsbaumblättern unter dem Bild der Enteritis (+Viborg+). Hunde -starben nach 0,8 Buxin nach vorausgegangenem Erbrechen, Durchfall, -Zittern und Schwindel (+Conzen+). Einen Fall von Buxusvergiftung bei -Schweinen hat +Hübscher+ (Schweizer Archiv 1884) beschrieben. Die Tiere -hatten abgeschorene Sprösslinge von Buchsbaumhecken als Streumaterial -erhalten. Am andern Tag fand man ein Schwein tot im Stall, 3 andere -starben gegen Mittag. Die Haupterscheinungen waren starker Durst, -schwankender Gang, sowie ein rauschartiger Zustand. Purgieren wurde -nicht beobachtet. Bei der Sektion fand man die Erscheinungen der -Gastritis. - -Die +Behandlung+ der Buchsbaumvergiftung ist neben der Verabreichung -von Brechmitteln und Abführmitteln eine symptomatische, exzitierende. -Als Gegengift kann +Tannin+ versucht werden. - - -Digitalisvergiftung. - - =Botanisches.= Der +rote Fingerhut+, +Digitalis purpurea+ - (Skrophularinee), wächst wild in ganz Westeuropa bis Norwegen, - besonders an lichten Stellen in Bergwäldern (Thüringen, Sachsen, - Harz, Schwarzwald, Vogesen) auf Basalt, Porphyr und Sandstein. - Dagegen kommt die Pflanze nicht vor in den Alpen, auf dem Jura und - auf der schweizerischen Hochebene. Der rote Fingerhut ist eine - zweijährige Pflanze, welche im ersten Jahr eine grosse Rosette - mit bodenständigen Blättern bildet. Im zweiten Jahr treibt die - Pflanze einen bis 2 m und darüber hohen, einfachen, stielrunden, - samtartig graufilzigen Stengel. Die eiförmigen bis eilanzettlichen, - zugespitzten, 5-20 cm langen, gekerbten Blätter sind unterseits - graufilzig behaart und von einem reichen, kleinmaschigen Adernetz - durchsetzt. Die traubigen Blüten zeigen 4 cm lange, hängende, - hellpurpurrote, bauchige Glocken mit dunkelroten Flecken auf der - Innenfläche. - - Der rote Fingerhut enthält namentlich in den Blättern mehrere sehr - giftige Glykoside und Bitterstoffe: das =Digitoxin=, +Digitalin+, - +Digitalein+ und +Digitonin+. Vergiftungen ereignen sich bei den - Haustieren teils durch zu hohe Dosierung, teils durch den zufälligen - Genuss der Pflanze (Waldheu, Zierpflanze). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Digitalisglykoside sind -ausgesprochene +Herzgifte+. Sie erregen im ersten Stadium ihrer Wirkung -den +Vagus+, das +vasomotorische Zentrum+ und den +Herzmuskel+, -wodurch die Herzaktion verlangsamt und der Blutdruck gesteigert -wird. Im späteren Verlauf werden die genannten Organe gelähmt, was -eine Beschleunigung des Pulses und ein Sinken des Blutdrucks zur -Folge hat. Daneben besitzen sie eine leicht reizende Wirkung auf die -Magen-Darmschleimhaut. Die +Todesdosis+ der trockenen Digitalisblätter -beträgt für +Pferde+ durchschnittlich 25 g (= 100-200 g der frischen -Blätter), für +Hunde+ 5 g. Der Tod tritt auch ein, wenn diese -Dosis innerhalb weniger Tage in Form kleinerer Gaben verabreicht -wird. Viel weniger empfindlich gegen die Digitalisblätter sind die -Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). Nach neueren Versuchen von -+Salvisberg+ ertrugen Kühe +per os+ ohne jede Reaktion 120 g trockene -Digitalisblätter, in 4 Tagen verabreicht, mithin das Vierfache der -tödlichen Dosis für Pferde. Bei +intravenöser+ Einverleibung eines -Digitalisinfuses sind die Wiederkäuer jedoch ebenso empfindlich, wie -andere Tiere. S. schliesst hieraus, +dass im Magen der Wiederkäuer die -Digitalisglykoside durch Zersetzung unwirksam werden+ und weist auf die -unbefriedigenden Erfolge der innerlichen Digitalisbehandlung in der -Bujatrik hin. -- Das Digitoxin wirkt tödlich für die Katze bei 4 mg pro -kg Körpergewicht, für den Hund bei 1,7 mg pro kg und das Kaninchen bei -3,5 mg pro kg. - -Die +Erscheinungen+ der Digitalisvergiftung sind bei Aufnahme der -frischen oder getrockneten Blätter zunächst gastroenteritischer Natur: -+Speicheln+, +Würgen+, +Erbrechen+, +Kolik+, +heftiger Durchfall+. -Bald tritt jedoch die spezifische Herzwirkung deutlich in den -Vordergrund. Die +anfangs verlangsamte Herztätigkeit+ wird hochgradig -+beschleunigt+, es besteht starkes +Herzklopfen+, die Herztöne sind -sehr laut, von metallischem Klang, der anfangs übervolle Puls wird -+klein+, +unregelmässig+ und zuletzt +unfühlbar+. Die im Beginn -beobachtete Aufregung (Gehirnhyperämie) macht später den Erscheinungen -der Gehirnanämie (Blutdruckerniedrigung): +Betäubung+, +Mattigkeit+, -+Schwanken+ und selbst +Lähmungszuständen+ Platz. Daneben beobachtet -man +Krampfzufälle+, sowie Erscheinungen der +Nierenreizung+ (Polyurie, -Albuminurie, Strangurie). - -Bei der +Sektion+ findet man ausser Gastroenteritis und systolischer -Herzlähmung meist nur suffokatorische Erscheinungen. - - -=Behandlung.= Ein spezifisches Gegengift gegen die Digitalisvergiftung -gibt es nicht. Die Behandlung ist daher eine rein symptomatische. -Namentlich sind +Exzitantien+ für den Herzmuskel zu verabreichen, so -+Kampfer+, +Alkohol+, +Wein+, +Kaffee+, +Tee+, +Koffein+, +Atropin+ und -+Hyoszin+. Ausserdem können gefässerweiternde Mittel (+Amylnitrit+, -+Nitroglyzerin+) angewandt werden. Bei Rindern kann ferner der -Pansenschnitt versucht werden. Allgemeine Antidote sind +Tannin+, -Jodlösung und Tierkohle. - - -=Nachweis.= +Botanisch+ lässt sich eine Digitalisvergiftung dann leicht -nachweisen, wenn die Pflanze selbst aufgenommen wurde; charakteristisch -ist insbesondere die filzige, samtartige Behaarung der Unterseite -der Blätter, sowie das vielmaschige Adernetz derselben. Behufs des -+chemischen+ Nachweises der Digitalisglykoside müssen dieselben -ähnlich wie die Alkaloide zuerst aus dem Magen- und Darminhalt -extrahiert werden. Bei der +Abscheidung+ der Digitalisglykoside -aus Untersuchungsmaterial ist wie beim Kolchizin zu beachten, dass -dieselben schon aus +saurer+ Lösung durch +Aether+, +Benzol+, -+Chloroform+ oder +Amylalkohol+ extrahierbar sind. Man nimmt gewöhnlich -das +Digitalin+ mit Benzol auf und schüttelt aus dem Benzolauszug -das +Digitalein+ mit Chloroform aus, worauf durch Verdunsten der -betreffenden Lösungsmittel die Glykoside ziemlich rein erhalten werden. -Bei dieser Abscheidung nach der +Stas+schen Methode durchtränkt man -nach +Dragendorff+ zweckmässig das Untersuchungsmaterial mit +Eisessig+ -und fügt dann behufs Extrahierens Wasser zu. Nach der Methode von -+Homolle+, welche zur Abscheidung des französischen „Digitalins“ (in -der Hauptsache aus +Digitoxin+ bestehend) dient, wird zunächst der -flüssige Teil des Untersuchungsmaterials von dem festen durch Kolieren -getrennt, der feste Teil getrocknet, zerrieben und 2-3mal mit +Alkohol+ -ausgezogen. Der flüssige Teil wird mit Chloroform geschüttelt und der -nach dem Verdunsten des Chloroforms bleibende Rückstand in +Alkohol+ -gelöst. Beide alkoholischen Flüssigkeiten werden gemischt, mit frisch -gefälltem, noch feuchtem +Bleioxydhydrat+ digeriert, abfiltriert, das -Filtrat mit Tierkohle entfärbt, zur Sirupdicke verdunstet und anhaltend -mit Chloroform geschüttelt. Hierauf wird das Chloroform abgetrennt, -verdunstet und der Rückstand mit Alkohol von 50° versetzt. Nach dem -Verdunsten des Alkohols bleibt das „Digitalin“ ziemlich rein zurück. - -Die wichtigsten +Einzelreaktionen+ des Digitalins sind: 1. Die -+physiologische+ Reaktion, welche darin besteht, dass einem Frosch -eine Spur der Digitalinlösung unter die Haut gespritzt wird. Noch ein -Milligramm erzeugt allmähliche +Verlangsamung+ des Herzschlags und Tod -durch +Herzstillstand+ in der Systole. 2. Die +Gelbgrünfärbung+ mit -konzentrierter Salzsäure (Digitalin und Digitoxin). 3. Die +Rot-+ -oder +Violettfärbung+ mit Uebergang in +Smaragdgrün+ bei Wasserzusatz -durch +Schwefelsäure+ und +Brom+ (Digitalin und Digitalein). 4. Die -+Grünbraunfärbung+ durch +Schwefelsäure+ und +Gallensäure+ (Digitalin, -Digitalein, Digitonin). 6. Die +Blaugrünfärbung+ durch Auflösung in -einer Mischung gleicher Teile konzentrierter Schwefelsäure und Alkohol, -Erwärmen bis zur Gelbfärbung und Zusatz eines Tropfens verdünnter -+Eisenchloridlösung+. - - =Kasuistik.= Ein Pferd, welchem ich innerhalb 24 Stunden 25 g - getrocknete Digitalisblätter gab, starb nach Ablauf von 48 Stunden - unter den oben beschriebenen Krankheitserscheinungen. Besonders - charakteristisch war neben den kardialen Symptomen das Auftreten - einer Lähmung der Unterlippe 10 Stunden vor dem Tod, wodurch der - Kopf des Tieres eine ganz eigenartige Physiognomie erhielt. -- 3 - Pferde erkrankten nach dem Genuss von digitalishaltigem Klee, 2 - davon starben. Die Erscheinungen bestanden in allgemeiner Aufregung, - Kolik, fadenförmigem Puls, Taumeln, Zittern, grosser Schwäche des - Hinterteils, Zuckungen, Koma und Umfallen. Bei der Sektion fand man - Gastroenteritis und Endokarditis (+Derache+, Annal. de Bruxelles - 1877). -- 70 Pferde, welche mit dem Kleeheu grössere Mengen von - Digitalis purpurea aufgenommen hatten, erkrankten am Tag darauf. - Sie standen fast alle wie dummkollerig vor der Krippe, versagten - das Futter, speichelten, hatten starken Durst, setzten viel Harn - ab und zeigten zum Teil Kolikerscheinungen. Der Puls war bei den - einen verlangsamt, bei den andern sehr beschleunigt, aussetzend - und schwach. Ein Pferd zeigte Brechbewegungen, Erblindung, - Schwanken und grosse Hinfälligkeit; es starb am 3. Tag. Ein anderes - Pferd starb am 7. Tag. Bei der Sektion fand man umschriebene - Magendarmentzündung und bei dem Pferd, welches Brechbewegungen - geäussert hatte, eine Magenzerreissung (+Krichler+, Preuss. Mitt. - Bd. 6). -- Drei Schafböcke, welchen aus Versehen Pflanzen aus - einem Arzneipflanzenbeet vorgeworfen wurden, das u. a. Digitalis - purpurea enthielt, wurden am andern Morgen tot gefunden. Die - chemische Untersuchung des Darminhalts ergab das Vorhandensein - von Digitoxin und Saponin (+Dammann+ und +Behrens+, Deutsch. - tierärztl. Woch. 1903). -- Acht Enten starben plötzlich nach dem - Fressen von Blättern der Digitalis purpurea unter den Erscheinungen - der Geflügelcholera (Durchfall, Schwanken); die Sektion ergab - Herzlähmung, Magendarmentzündung und Lungenhyperämie (+Kothe+, Berl. - Tierärztl. Woch. 1903). -- +Salvisberg+ (Ueber die Wirkung von - Digitalis und Digitalisglykosiden auf den Organismus verschiedener - Wiederkäuer, Inaug.-Diss. 1907, Delsberg) hat in seiner Privatpraxis - oft beobachtet, dass die Folia Digitalis beim Rind nicht dieselbe - Wirkung zeigten wie beim Pferd, sondern als Herzmittel, Diuretikum - und Fiebermittel meist wirkungslos blieben. Er hat daher Versuche - bei Wiederkäuern angestellt, welche folgendes ergaben. Eine +Ziege+ - erhielt innerhalb 8 Tagen 60 g Folia Digitalis im Infus ohne jede - Wirkung (am 8. Tag 30 g!). Ein +Schaf+ zeigte gleichfalls auf - 47 g Digitalisblätter im Infus, innerhalb 7 Tagen verabreicht, - keinerlei Veränderungen im Allgemeinbefinden (am 7. Tage wurden 15 - g verabreicht). Eine +Kuh+ erhielt in 7 Tagen 70 g Digitalisblätter - im Infus, 2 andere in 3 Tagen 65 g und 80 g in Substanz, ohne - darauf zu reagieren. Hierauf erhielten 2 Kühe 4 Tage hindurch je - 30 g Digitalisblätter in Substanz, zusammen also in 4 Tagen 120 g - Digitalisblätter eingeschüttet, ohne irgend eine Wirkung danach zu - zeigen. Auch das Digitoxin wirkte per os bei einem Schaf in der - 5Ofachen Tagesdosis des Menschen (0,1) nicht, während es subkutan - schon in einer Dosis von 0,01 eine starke Herzwirkung äusserte. - Auch bei intravenöser Injektion eines Digitalisinfuses zeigten 2 - Ziegen und eine Kuh eine deutliche Digitaliswirkung; die Kuh konnte - durch die intravenöse Injektion von 20 g Digitalis im Infus (20 : 400) - nach 20 Minuten getötet werden. S. schliesst daraus, dass die - Digitalisblätter, +per os+ gegeben, den Körper der Wiederkäuer nicht - beeinflussen, weil die Digitalisglykoside im Magen so umgeformt, - gebunden oder zerstört werden, dass sie für den Organismus der - Wiederkäuer wirkungslos sind. Bei +intravenöser+ Applikation eines - Digitalisinfuses tritt dagegen dieselbe Herzwirkung ein wie bei den - übrigen Tiergattungen. - - =Vergiftung durch Meerzwiebel= (Scilla maritima). Die giftigen - Glykoside der Meerzwiebel sind das +Szillain+ oder +Szillitoxin+, - das +Szillipikrin+ und +Szillin+. Ihre Wirkung ist eine - +digitalisähnliche+ und gleichzeitig +örtlich reizende+. Nach - +Hertwig+ tritt bei Schweinen, Hunden und Katzen nach 0,25-2,0 Bulbus - Scillae Erbrechen, Laxieren und vermehrter Harnabsatz, nach 45,0 der - Tod infolge von Darm- und Nierenentzündung sehr rasch ein. 2 Pferde - starben nach 60,0 am 4. Tag; 30,0 erzeugten beim Pferd und Rind - starkes Laxieren. -- Sechs Schweine hatten Meerzwiebeln gefressen, - welche als Rattengift ausgesetzt waren; sie erkrankten unter - rotlaufartigen Erscheinungen und Krämpfen (+Kleinpaul+, Berl. Arch. - 1896). -- Ueber das Vergiften von Ratten mit Meerzwiebel vgl. S. 11. - Nach +Mereshkowsky+ und +Sarin+ ist das in Dänemark angeblich als - Bakterienkultur zur Vertilgung der Ratten empfohlene „Rattin II“ gar - nicht bakteriellen Ursprungs, sondern das Gift der roten Meerzwiebel - (Scilla maritima cum bulbo rubro); Zentr. für Bakt., Bd. 51, S. 6. - - -Vergiftung durch Oleander. - - =Botanisches.= Der +gemeine Oleander+ oder +Rosenlorbeer+, +Nerium - Oleander+ (Apozynee), welcher wild an den Ufern des Gardasees an - Felsen wächst, wird bei uns als Topfpflanze kultiviert. Er bildet 1-2 - m hohe Bäumchen mit weissen oder rosenroten Blüten und lanzettlichen, - 3ständigen, unterseits gleichlaufend aderigen Blättern. Die Pflanze - enthält namentlich in den Blättern 2 Glykoside: das =Oleandrin=, - welches sich in Zucker und Digitaliresin spaltet, sowie das +Neriin+, - welches mit dem Digitalein identisch ist. Vergiftungen ereignen - sich durch das Abfressen der Blätter von den Bäumen und durch das - Verfüttern derselben. -- Ein ähnliches Gift, das +Neriodorin+, - enthält der wohlriechende Oleander, +Nerium odorum+. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Oleandrin und Neriin sind -+Herzgifte+, welche mit den Digitalisglykosiden in ihrer zuerst -erregenden und dann lähmenden Wirkung auf den Vagus und Herzmuskel -vollkommen übereinstimmen; ausserdem besitzen sie gleich jenen eine -entzündungserregende Wirkung auf die Digestionsschleimhaut. Die -Erscheinungen der Oleandervergiftung bestehen daher im wesentlichen -in +Erbrechen+, +Kolik+, +Durchfall+, +Polyurie+ einerseits, in -+Herzklopfen+, +Pulsverlangsamung+, +starker Pulsbeschleunigung+, -+Aussetzen und Schwachwerden des Pulses+, später +allgemeiner -Schwäche+, +Zittern+, +Taumeln+ und +Hinfälligkeit+ andererseits. -Zuweilen beobachtet man auch im Beginn der Vergiftung +starke -Aufregung+ (Gehirnhyperämie infolge Blutdrucksteigerung, -Herzaffektion). Bei der Sektion findet man akute Magendarmentzündung, -Blutung ins Darmrohr, gelbbraune Verfärbung der Darmschleimhaut, -Herzlähmung, sowie Blutungen unter dem Endokardium. Die Behandlung ist -dieselbe wie bei der Digitalisvergiftung. - -Oleandervergiftungen sind namentlich in Italien beobachtet worden. -So berichtet +Gibellini+ (Giornale di med. vet. 1864), dass von 17 -Rindern, welche Gras mit Oleanderblättern vermischt erhielten, 6 -sehr schnell starben und 5 schwer erkrankten. Die letzteren zeigten -Schwanken, Mattigkeit, pochenden Herzschlag, schwachen, aussetzenden -Puls, Pupillenerweiterung, Appetitlosigkeit, Durchfall und Polyurie; -4 davon starben plötzlich unter Kolikerscheinungen. Die Sektion ergab -Gastroenteritis. +Generali+ (Gazetta med. vet. 1871) sah von 6 Ochsen, -welche durchschnittlich 30-40 Blätter von Oleanderbäumen abgefressen -hatten, 4 unter den Erscheinungen von Schwäche, Zittern, Mydriasis, -Herzklopfen, unregelmässigem, aussetzendem Puls, Kälte der extremitalen -Teile, Durchfall und Polyurie erkranken. Auch in Deutschland und -Oesterreich-Ungarn sind mehrere Fälle von Oleandervergiftungen bei -Pferden, Rindern und Gänsen beobachtet worden. +Jössinger+ (Oesterr. -Monatsschr. 1893) beobachtete bei einem Pferd nach der Aufnahme von -Oleanderblättern Speicheln, Tympanitis, sehr pochenden, beschleunigten -Herzschlag (130 Schläge p. M.), unfühlbaren Puls, Dyspnoe, gespreizte -Stellung, Einknicken der Beine beim Gehen, sowie stieren Blick; -der Tod erfolgte nach 14 Stunden. Bei der Sektion fand er heftige -Endokarditis, namentlich in der linken Herzkammer, Schwellung der -Lymphdrüsen, blasse Muskulatur, sowie schwarzes, nicht geronnenes Blut. -+Himmelstoss+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1890) beobachtete bei 2 Kühen -nach dem Fressen von Oleanderblättern Aufregung, Pulsverlangsamung, -aussetzenden Puls, Herzschwäche, Abstumpfung, allgemeine Lähmung, -Sinken der Körpertemperatur, starken Durchfall, Polyurie und -Pupillenerweiterung. +von Rátz+ (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. -1893) fand bei der Sektion einer an Oleandervergiftung verendeten Gans -kruppöse Gastritis, Gastroenteritis, Ekchymosen in der Darmserosa -und unter dem Perikardium, sowie fettige Degeneration der Leber. -+Siebenrogg+ (Repertorium 1890) sah bei 2 Kühen, welche Oleanderblätter -aus dem Hausgarten einer Apotheke gefressen hatten, heftigen -Durchfall, Taumeln, Lähmung, kaum fühlbaren, sehr beschleunigten Puls, -pochenden und doppelschlägigen Herzschlag, Tympanitis und Anurie; -auffallenderweise war die Milchsekretion nicht gestört. Ein Pferd -zeigte am Tag nach der Aufnahme von Oleanderblättern heftige Kolik, -später Zittern, 80 kleine, harte Pulse sowie Dyspnoe und starb am -4. Tag (Pferdefreund 1892). +Bolz+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1895) -sah bei 9 Rindern, welche im Frühjahr abgefallene, halberfrorene -Oleanderblätter von 20 Bäumen gefressen hatten, starke Eingenommenheit -des Sensoriums, 120-130 kleine, aussetzende Pulse, pochenden -Herzschlag, blutigen Durchfall, Schwanken, Schwäche, Zusammenstürzen, -sowie wiederholte Anfälle von Agonie. Sie erholten sich im Verlauf von -8 Tagen. +Der aussetzende Puls-+ und +Herzschlag dauerte jedoch noch -mehrere Wochen an+. Ein Pferd frass von Oleanderbüschen, welche vor -einem Hotel aufgestellt waren und starb am andern Tag unter anhaltenden -Kolikerscheinungen; die Sektion ergab blutige Dünndarmentzündung, -sowie zahlreiche Ekchymosen am Endokardium (+Bongartz+, Berl. Arch. -1899). +Röbert+ (Sächs. Jahresber. 1897) sah 2 Gänse nach dem Fressen -von Oleanderblättern unter profusem Durchfall und heftigen Zuckungen -nach 12 Stunden sterben; bei der Sektion fand man hochgradige -Darmentzündung. Nach +Adam+ (Wochenschrift 1865) starben von 13 Gänsen, -welche von einem Oleanderbaum gefressen hatten, 5 über Nacht, 2 zeigten -einen lähmungsartigen Zustand, die übrigen 6 etwas taumelnden Gang und -unterdrückte Fresslust; die Sektion ergab Gastritis. +Diem+ (ibid. -1904) sah bei einem Pferd nach der Aufnahme von Oleanderblättern -Kolik, Speichelfluss, Durchfall und Harndrang. +Veronesi+ (Giorn. -soc. vet. 1901) ass ohne Nachteil das Fleisch von Tieren, die an -Oleandervergiftung starben. 15 Hühner verendeten unter Taumeln (Preuss. -Vet. Ber. 1906). - - =Convallamarin.= In der +Maiblume+, +Convallaria majalis+ (Liliazee) - findet sich ebenfalls ein Glykosid mit digitalisähnlicher Wirkung, - das +Convallamarin+, neben dem reizend und purgierend wirkenden - +Convallarin+. Die Erscheinungen der Convallariavergiftung stimmen - daher mit denjenigen der Digitalis- und Oleandervergiftung vollkommen - überein (Herzaffektion, gastroenteritische Erscheinungen). Ueber eine - Vergiftung durch Maiblumen bei Gänsen, welche von einem halbwelken - Strauss gefressen hatten, ist von +Roullier+ berichtet worden (Journ. - de Lyon 1888). - - Ebenfalls eine digitalisähnliche Wirkung besitzen das +Strophanthin+, - das im afrikanischen Pfeilgift, Strophanthus hispidus und Combé, - enthaltene Glykosid (Genaueres über die Giftwirkung bei Tieren findet - sich in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909), das - +Adonidin+, das Glykosid der Adonisblume, Adonis vernalis, und - anderer Adonisarten, das +Apozynin+, das Glykosid des indianischen - Hanfes, Apocynum cannabinum, das +Thevetin+, das Gift der Apozynee - Thevetia neriifolia, das +Antiarin+, das Glykosid des javanischen - Giftbaumes Antiaris toxicaria (Pfeilgift von Java), das +Ditain+, - das Glykosid des javanischen Ditarindenbaumes, Alstonia scholaris, - das +Coronillin+ (Coronilla scorpioides, Kronenwicke), das +Ouabain+ - (Acocanthus Ouabaio), das +Akokantherin+ und +Abyssinin+, Glykoside - des Pfeilgiftes der Wakamba und Wagogo in Deutschostafrika, auch im - Holz von Acocanthera Schimperi vorkommend, das +Evonymin+, +Zerberin+ - und +Tanghinin+ (Apozyneen), das +Muavin+ (Muavarinde), +Tulipin+ - (Tulipa Gesneriana, Gartentulpe), +Kaktin+ (Cactus grandiflorus) - +Gloriosin+ (Gloriosa superba, Prachtlilie), +Vincin+, +Vernonin+ und - +Koptin+. - - -Vergiftung durch Goldregen (Cytisus Laburnum). - - =Botanisches.= Der +Goldregen+ oder Bohnenbaum, +Cytisus Laburnum+ - (Familie Papilionazeen, Unterfamilie Genisteen), ist ein mehrere - Meter hoher Zierstrauch in Gärten mit goldgelben, in langen Trauben - herabhängenden, monadelphischen Blüten (Blütezeit Mai-Juni), - dreizähligen Blättern und seidenhaarigen, flachen, einfächerigen - Hülsen mit je 8 nierenförmigen, glatten, schwarzbraunen Samen. Die - Pflanze enthält das stark giftige Alkaloid Zytisin von der Formel - C_{11}H_{14}N_{2}O, eine geruchlose, strahlig kristallinische, - weisse Masse von bitterem Geschmack, welche sich mit Salpetersäure - orangegelb, mit Kaliumdichromat zuerst gelb, dann grün färbt. Am - meisten Zytisin findet sich in der Wurzelrinde, sehr viel ferner - in der Stammrinde, in den Blättern, Blütenknospen, grünen Hülsen, - Samen und Keimen, nur wenig dagegen im Holz des Stammes. Die - Blätter und Hülsen nehmen mit der Reifung der Frucht an Giftigkeit - ab, dagegen bleibt die Wurzelrinde das ganze Jahr hindurch gleich - giftig. Austrocknung und anhaltendes Sieden sind ohne Einfluss auf - die Giftigkeit. Ausser Cytisus Laburnum sind sehr stark giftig C. - alpinus, purpureus, Waldeni und biflora, ferner ziemlich giftig C. - elongatus; dagegen sind schwach giftig C. nigricans und supinus, - ganz ungiftig sind C. sessilifolius und capitatus. Auch das im - Stechginster, Ulex europaeus, enthaltene +Ulexin+ ist mit Zytisin - identisch. Die ersten Untersuchungen über das Zytisin sind von - +Husemann+ und +Marmé+ gemacht worden; die neueren Arbeiten stammen - von +Cornevin+, +Partheil+, +Radziwillowicz+ u. a. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Zytisin besitzt verschiedene -Wirkungen, nämlich eine +tetanische+, strychninähnliche, -eine +lähmende+, kurareähnliche, eine +gefässverengernde+, -digitalisähnliche, und endlich eine +entzündungserregende+. Am -empfindlichsten sind Pferde. Dieselben sterben nach der Aufnahme von -0,5 g Samen pro kg Körpergewicht innerhalb 2½ Stunden unter +häufigem -Gähnen+, +starkem Schweissausbruch+, +Schwindel+, +Betäubung+ und -+Krämpfen+. Im Gegensatz hiezu ertragen Schafe und Ziegen ziemlich -grosse Mengen und sind vom Magen aus überhaupt schwer zu vergiften; bei -subkutaner Injektion des Giftes sterben sie unter den Erscheinungen von -Betäubung und Schwäche. Auch Hühner und Tauben sind sehr unempfindlich. -Die Todesdosis für einen Hund beträgt 6 g Samen pro kg Körpergewicht. -Kaninchen können selbst 30 g Samen ohne Schaden geniessen. Hunde -erbrechen sich sofort, so dass vom Magen aus eine Vergiftung nicht -möglich ist. Nach der subkutanen Einverleibung des Giftes zeigen -sie Uebelkeit, Erbrechen, Würgen, Salivation, angestrengte Atmung, -Polyurie, grosse Unruhe, Muskelzittern, Schläfrigkeit, Anästhesie, -rhythmisches Oeffnen und Schliessen der Kiefer und sterben unter -Krämpfen; die Sektion ergibt schwache Entzündung im Magen und Darm, -sowie Verengerung des Pylorus und der Stimmritze. Katzen sind noch -empfindlicher (Experimentelle Untersuchungen von +Cornevin+, Journal de -Lyon 1887). - -Das reine +Zytisin+ tötet bei subkutaner Injektion pro kg Körpergewicht -Katzen und Hunde in Dosen von 2-3 mg, Hühner und Tauben in solchen von -7-9 mg, Ziegen in Dosen von 73 mg; die letzteren sollen das Zytisin -durch die Milch ausscheiden und dabei gesund bleiben (+Radziwillowicz+). - -Die klinischen Beobachtungen von Zytisinvergiftungen bei den Haustieren -sind nicht sehr zahlreich. Nach +Brett+ (The Veterinarian 1889) -zeigten sich Rinder nach dem Genuss des Goldregens unfähig, sich zu -erheben, indem namentlich die vorderen Gliedmassen +gelähmt+ waren, -ausserdem bestand auffällige +Schläfrigkeit+, Mydriasis und Tympanitis. -12 Stunden darauf waren +Speichelfluss+, +Brechanstrengungen+, -+Muskelerschlaffung+, unterbrochen von Zuckungen der Gliedmassen, -Ueberköten, +Taumeln+, +Schlingbeschwerden+ und +Schlinglähmung+ -wahrzunehmen; die Krankheit dauerte 4 Tage, endete jedoch mit -Genesung. Einen Fall bei zwei Schweinen hat +Byrne+ (Vet. journ. 1895) -beobachtet; dieselben zeigten grosse Mattigkeit, Eingenommenheit und -starben unter Krämpfen; bei der Sektion wurde blutige Darmentzündung -gefunden. Ueber Vergiftungen bei Pferden haben +Demilly+ (Bull. soc. -vét. de Marne 1854) und +Collard+ (Recueil 1908) berichtet. +Scholz+ -(Berl. Arch. 1900) beobachtete, dass 6 Hühner nach der Aufnahme des -Samens in einem Garten verendeten. - -In +therapeutischer+ Beziehung werden Brechmittel, Tannin, sowie -Chloralhydrat empfohlen. Im übrigen ist die Behandlung wie bei der -Digitalisvergiftung. - - -Vergiftung durch Helleborusarten. - - =Botanisches.= Helleborusvergiftungen können sich durch die Aufnahme - nachstehender 3 Helleborusarten (Ranunkulazeen) ereignen: - - 1. +Helleborus viridis+, die +grüne Nieswurz+ (Bärenfuss), kommt - in Gebirgswäldern Süd- und Mitteldeutschlands vor; man findet sie - auch zuweilen angepflanzt und dann wieder verwildert. Sie blüht im - April, Kelch und Blumenblätter sind gelbgrün. Die nach der Blüte - erscheinenden Blätter sind gross, lang gestielt und zeigen 7-12 - fussförmig gestellte Blättchen. Der Schaft ist 30-50 cm hoch. Das - braunschwarze geringelte Rhizom ist kriechend, bis 10 cm lang und - 1 cm dick, verzweigt und besitzt viele fleischige, bis 10 cm lange - Wurzeln. Die Pflanze ist am giftigsten im Mai und Juni. - - 2. +Helleborus niger+, die +schwarze Nieswurz+ (Christwurz, - Christblume, Weihnachtsrose, Winterrose, Schneerose), ist in - Bergwäldern Süd- und Mitteleuropas einheimisch und wird auch in - Gärten kultiviert. Sie blüht vom Dezember ab; ihre Blüte ist sehr - gross, der Kelch schneeweiss, die Blumenblätter gelb. Die Blätter - sind lang gestielt, fussförmig. Der Stengel ist 15-25 cm hoch, - 1-2blütig. Das Rhizom ist schief oder senkrecht. - - 3. +Helleborus fötidus+, die +stinkende Nieswurz+, wächst in Süd- und - Westdeutschland, besonders auf kalkigem Boden. Sie besitzt grünliche, - kugelig-glockige Blüten von äusserst unangenehmem Geruch, fussförmige - Laubblätter, sowie einen 30-50 cm hohen, ästigen, reichblütigen - Stengel. - - Die genannten Nieswurzarten enthalten 2 sehr giftige Glykoside: das - =Helleborein=, namentlich in Helleborus niger vorkommend, von der - Formel C_{26}H_{44}O_{15}, farblose Warzen oder eine gelblich amorphe - Masse bildend, welche sich beim Erhitzen bräunt, mit Schwefelsäure - sich braunrot-violett färbt und in Zucker und Helleboretin zerfällt, - und das +Helleborin+, welches am meisten in Helleborus viridis - enthalten ist, von der Formel C_{36}H_{12}O_{6}, glänzende Nadeln - bildend, welche sich mit Schwefelsäure hochrot färben und sich in - Zucker und Helleboresin zerlegen lassen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Von den beiden -Helleborusglykosiden ist das +Helleborein+ das giftigere. Es besitzt -neben einer +reizenden+ Lokalwirkung eine +digitalisähnliche+ Wirkung, -während das schwächere +Helleborin+ neben einer ebenfalls reizenden -Lokalwirkung Aufregung, Atmungsbeschleunigung, Krämpfe und +allgemeine -Lähmung+ erzeugt. Das Krankheitsbild der Helleborusvergiftung -setzt sich daher zusammen aus gastroenteritischen, kardialen, -Erregungs- und Lähmungserscheinungen. Die Tiere zeigen +Erbrechen+, -+Geifern+, +Zähneknirschen+, +Kolik+, +Tympanitis+, +blutigen -Durchfall+; +epileptiforme Krampfanfälle+, +Aufregung+, +Brüllen+, -+Zusammenstürzen+; +Herzklopfen+, +gesteigerte Pulsfrequenz+; -+Betäubung+, +Schwindel+, +Stumpfsinn+, +Schwäche+, +Koma+. Bei der -Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis. Die Therapie -ist eine rein symptomatische; sie besteht in der Anwendung von -einhüllenden, schleimigen, sowie von exzitierenden Mitteln (Kampfer, -Aether, Kaffee, Weingeist, Liquor Ammonii anisatus, Atropin). Als -Gegengift kann Tannin oder Lugolsche Lösung versucht werden. - -Die Wirkungen der Helleborusarten im einzelnen sind folgende: - -1. Die =schwarze Nieswurz= hat in früheren Zeiten, als das sog. -Nieswurzelstecken namentlich in der Bujatrik als ableitendes Mittel -gebräuchlich war, nicht selten Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. -Dasselbe war der Fall, wenn die Haarseile vor ihrer Anwendung -mit Nieswurzpulver bestreut wurden. Nach älteren Versuchen von -+Orfila+ starben kleine Hunde schon nach dem Aufstreuen von 0,36 -g gepulverter Nieswurz auf Wunden. Ein grosser Hund zeigte nach -dem Einbringen von 8 g Nieswurzpulver in eine Schenkelwunde nach 6 -Minuten heftiges Erbrechen, nach 45 Minuten Schwindel, Angst, sowie -Lähmung des Hinterteils und starb nach 2½ Stunden. Nach den Versuchen -+Hertwigs+ zeigen Pferde und Rinder nach dem Eingeben von 8-30 g -der Wurzel, Schafe und Ziegen nach 4-12 g etwa 12 Stunden nachher -heftigen, häufig blutigen, anhaltenden Durchfall, Muskelzuckungen, -Zittern, Kolikerscheinungen und grosse Mattigkeit, und sterben unter -Unfühlbarwerden des Pulses nach 40-50 Stunden. Schweine und Hunde -erbrechen sich nach 0,3-1 g; 4-8 g haben starkes Erbrechen, Purgieren, -blutige Diarrhöe und Krampfanfälle zur Folge; wird das Erbrechen -verhindert, so erfolgt unter den Erscheinungen grosser Angst, von -Schwindel, Lähmung und Krämpfen nach 30-48 Stunden der Tod. 15-30 g der -Wurzel, in Abkochung gegeben, hatten bei einem Hund Erbrechen, über den -ganzen Körper verbreitete Krämpfe, Lähmung, Unfühlbarwerden des Pulses -und Herzschlages, sowie nach ½ Stunde den Tod zur Folge. Intravenös -erzeugte 1 g der Wurzel im Infus bei einem Pferd Atmungskrämpfe, -Zittern, Brechbewegungen, Schäumen, Geifern und grosse Mattigkeit; ein -anderes Pferd starb nach 4 g unter heftigen Krämpfen binnen 10 Minuten. -Eine Kuh zeigte nach der intravenösen Injektion von 1 g schwarzer -Nieswurz Zittern, Muskelzuckungen am Hals, an der Brust und am Bauch, -und nach 4 Minuten Erbrechen; nach 4 Stunden hatte sie sich wieder -erholt. - -2. Die +stinkende Nieswurz+ gibt insbesondere bei Rindern und Schafen -durch das Abweiden oder die Benützung als Streumaterial Veranlassung -zu Vergiftungen. Nach +Landel+ (Repertorium 1845) zeigten Rinder nach -der Aufnahme derselben Appetitlosigkeit, Geifern, Zähneknirschen, -Tympanitis, blutigen, dünnflüssigen, übelriechenden Kot, Herzklopfen, -gesteigerte Puls- und Atmungsfrequenz. Bei der Sektion fand man die -Erscheinungen der Magendarmentzündung. +Schilling+ und +Berger+ (Bad. -Mitt. 1888) sahen bei Rindern und Schafen heftige epileptiforme -Krampfanfälle, welche 10 Minuten dauerten und sich halbstündlich -wiederholten, Brüllen, Zittern, Niederstürzen, Verdrehen der Augen und -Pupillenerweiterung. - -3. Die +grüne Nieswurz+ hatte bei 6 Hämmeln starkes Aufblähen, Kolik, -blutige Diarrhöe, Krämpfe und Zuckungen zur Folge, so dass 2 derselben -geschlachtet werden mussten. Der Sektionsbefund ergab das Vorhandensein -von Gastroenteritis. - - -Veratrinvergiftung. - - =Allgemeines.= Veratrinvergiftungen können sowohl durch die +weisse - Nieswurz+, als durch das Veratrin bedingt sein. 1. Die +weisse - Nieswurz+, +Veratrum album+ (weisser Germer), gehört zur Familie - der Kolchikazeen und ist ein in den Alpen und Voralpen auf feuchten - Wiesen perennierendes meterhohes Kraut mit dunkelbraunem, knolligem, - verkehrt kegeligem, oben geschopftem, rings mit langen, dünnen, - gelbbraunen Nebenwurzeln besetztem Wurzelstock, einfachem Stengel, - grossen, elliptischen Blättern und grünlich weissen, gestielten - Blüten. Die Pflanze, namentlich das Rhizom, enthält eine Reihe von - Alkaloiden, und zwar als wichtigstes das +Pseudojervin+, ferner das - +Jervin+, +Rubijervin+, +Veratralbin+, sowie Spuren von +Veratrin+. - 2. Das +Veratrin+ des Handels stammt nicht von der weissen Nieswurz, - sondern von den Sabadillsamen (Veratrum officinale). Es ist ein - weisses, lockeres, amorphes Pulver, welches ein inkonstantes Gemenge - verschiedener Alkaloide darstellt, namentlich von +Zevadin+ und - +Veratridin+. - - -=Aetiologie.= Die Ursachen der Veratrinvergiftung sind in den meisten -Fällen in +Dosierungsfehlern+ zu suchen. Rhizoma Veratri sowohl, -als das Veratrin sind schon in mittleren, therapeutischen Gaben -sehr heroisch wirkende Mittel, so dass eine, wenn auch unbedeutende -Ueberschreitung der Durchschnittsdosis leicht Vergiftungserscheinungen -verursachen kann. Dazu kommt, dass das Veratrin kein konstantes -Präparat, sondern ein +inkonstantes Gemenge verschiedener Alkaloide+ -ist, so dass es je nach der Darstellung und Herkunft in seiner Wirkung -wechselt. Dieser Umstand muss zur Erklärung der Tatsache herbeigezogen -werden, dass bei Pferden in einzelnen Fällen therapeutische Mitteldosen -von 0,1 Veratrin eine tödliche Vergiftung bedingt haben; zum Teil mag -hier allerdings auch eine besondere, individuelle Empfindlichkeit -(Idiosynkrasie) gegen das Mittel mitgewirkt haben. Ausnahmsweise werden -Vergiftungen durch Waschungen der Haut mit Nieswurzabkochungen (gegen -Läuse) oder durch das sog. Nieswurzelstecken veranlasst (meist wird -schwarze Nieswurz gebraucht). - -Die +tödliche Dosis+ des +Veratrins+ beträgt bei subkutaner Injektion -für Pferde durchschnittlich 0,5-1,0, für Rinder 0,25-0,5, für Hunde -0,02-0,1, für Katzen 0,005-0,01. Vergiftungserscheinungen werden -bei Pferden schon von 0,2 Veratrin ab wahrgenommen. In einem Fall -beobachtete +Martens+ sogar eine tödlich verlaufende Vergiftung bei -2 Pferden nach der Injektion der allgemein angewandten Mitteldosis -von 0,1 Veratrin. Im Gegensatz hierzu hat +Albrecht+ Pferden sogar -bis zu 0,4 Veratrin ohne schwere Zufälle gegeben; ich selbst habe bei -Pferden Dosen bis zu 0,2 mehrere Male angewandt, ohne eine Vergiftung -zu beobachten. Die +weisse Nieswurz+ tötet Pferde bei intravenöser -Injektion von 15-30 g der Tinktur, Rinder bei innerlicher Verabreichung -von 100-200 g der Wurzel, Hunde bei behindertem Erbrechen schon nach -Verabreichung von 0,6 der Wurzel. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Wirkung der in der -Nieswurz und im Veratrin enthaltenen Alkaloide ist ziemlich -dieselbe. Sie besteht in +lokaler Reizung+ der Schleimhäute, starker -+psychischer+ und +motorischer Erregung+, sowie schliesslich in -+Lähmung+ der +quergestreiften Muskel+ und des +Herzens+. Im -Gegensatz zur Helleborusvergiftung sind die gastroenteritischen -Erscheinungen schwächer und fehlen bei der subkutanen Anwendung -des Veratrins meist ganz. Die Hauptsymptome der Veratrinvergiftung -sind: heftiges +Erbrechen+, +Würgen+, Rülpsen, Schluchzen, -Brechbewegungen, +Speicheln+, vermehrte Peristaltik, +Durchfall+, -+Kolik+; starke +psychische Erregung+, selbst tobsuchtartige -Anfälle, +tonisch-klonische+, selbst +tetanische Krämpfe+, Zittern, -Schweissausbruch; Mattigkeit, Atemnot, +allgemeine Lähmung+. Der Tod -erfolgt meist innerhalb 10-20 Stunden. - -Bei der +Sektion+ findet man nach der innerlichen Anwendung der -Nieswurz gastroenteritische Erscheinungen. Nach der subkutanen -Anwendung des Veratrins fehlen dieselben. In einem Fall fand +Gips+ bei -einem an Veratrinvergiftung verendeten Pferd an der Injektionsstelle -ein umfangreiches Blutextravasat, welches sich bis in die tieferen -Muskellagen erstreckte. Die +gesamte Körpermuskulatur+ war +getrübt+, -von +grauroter+ Farbe, +trocken+ und +mürbe+; dieselben Veränderungen -zeigte das +Myokardium+; der Herzbeutel war zur Hälfte mit einer -dunkelroten Flüssigkeit angefüllt; unter dem Endokard befanden sich -zahlreiche hämorrhagische Herde; die Bauchhöhle enthielt 8 l, die -Brusthöhle 4 l einer blutig gefärbten Flüssigkeit; in den Bronchien -befand sich blutiger Schaum. - - -=Therapie.= Die Behandlung der Veratrinvergiftung besteht in -der Verabreichung von +Tannin+ oder von +Lugol+scher +Lösung+ -als Gegengift, in der Anwendung schleimiger, einhüllender -Mittel (Leinsamenabkochung, Gummi) gegen die Erscheinungen der -Gastroenteritis, sowie in der +symptomatischen+ Bekämpfung -der Erregungs- (Morphium, Bromkalium, Chloralhydrat) und -Lähmungserscheinungen (Kampfer, Aether, Alkohol, Ammonium carbonicum, -Liquor Amonii anisatus, Atropin). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Veratrins aus dem Magendarminhalt, -dem Blut und den Muskeln geschieht nach der Methode von +Dragendorff+ -(vergl. S. 199) mittels Benzol oder Petroleumäther (auch Amylalkohol -und Chloroform kann benützt werden). Zu beachten ist, dass ein Teil -des Veratrins schon aus der sauren (schwefelsauren) wässerigen Lösung -durch Benzol, Amylalkohol und Chloroform ausgezogen werden kann. -Spezialreaktionen für das Veratrin sind: 1. +Rotfärbung+ durch Zusatz -von konzentrierter Schwefelsäure oder von +Bromwasser+ (vorsichtiger -Zusatz eines gleichgrossen Volums). 2. +Prachtvolle Rotfärbung+ bei -Zusatz konzentrierter rauchender +Salzsäure+ (noch bei 1/10 mg deutlich -zu erkennen). Man übergiesst den auf dem Uhrgläschen befindlichen -Rückstand mit 1 ccm rauchender +Salzsäure+ und löst ihn möglichst -schnell darin auf, worauf die Flüssigkeit in ein Reagensglas gebracht -und etwa 1-2 Minuten im Sieden erhalten wird. Die rote Veratrinlösung -hält sich wochenlang. 3. +Grün-+, +Blau-+, +Violettfärbung+ bei Zusatz -von +Zucker+ und konzentrierter +Schwefelsäure+ in geringer Menge. -Hierbei färbt sich das Veratrin anfangs gelb, später dunkelgrün, -dann schön blau, zuletzt missfarben violett. 4. Die +physiologische+ -Reaktion des Veratrins bei einem +Frosch+ besteht im Auftreten von -+Brechbewegungen+ und +Verlangsamung+ der Herztätigkeit von 60 auf 30, -10 und zuletzt 0 Schläge in der Minute. Diese Erscheinungen beobachtet -man noch nach ½ mg in 0,1 ccm essigsaurer Lösung bei subkutaner -Injektion. Grössere Dosen erzeugen ausserdem +Tetanus+ in Form von -Streckkrämpfen; so zeigen sich bei einem Frosch nach 2 mg Veratrin -(in 0,5 ccm Lösung subkutan) sofort Brechbewegungen, nach 15 Minuten -Tetanus, nach 1 Stunde stirbt das Tier. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ 2 Pferde frassen im Februar die Blätter - des weissen Germer. Sie zeigten starkes Speicheln, leichte Kolik und - häufiges Würgen, waren jedoch am Abend wieder gesund. Auch sonst - beobachtet man öfters beim Alpenvieh bei Futtermangel Aufnahme - des weissen Germer und im Anschluss daran Speicheln und Erbrechen - (+Kuschee+, Tierärztl. Zentralbl. 1894). -- 18 Pferde zeigten nach - der Aufnahme von Blättern des weissen Germer Appetitlosigkeit, - Mattigkeit, Aufregung, Unruhe, Krämpfe, Salivation, Stomatitis, - Brechreiz, Kolik und Dyspnoe (+Varga+, Veterinarius 1898). -- 3 - Pferde erhielten infolge einer Verwechslung ein Pulver, welches viel - Sabadillsamen enthielt. Sie zeigten Speicheln, Erbrechen, starken - Durchfall, fielen nach 4 Stunden um und bekamen tetanische Krämpfe; - eines starb nach 9 Stunden unter heftigem, anhaltendem Tetanus, das - andere genas (+Lund+ und +Larsen+, Dänische Monatsschrift 1897). - -- 2 junge Pferde hatten je 0,1 Veratrin subkutan erhalten. Sie - starben nach 16 resp. 20 Stunden, nachdem Zuckungen, Krämpfe und - Brechanstrengungen vorausgegangen waren (+Martens+, Preuss. Mitt. - 1881). -- Ein Pferd zeigte nach einer Veratrininjektion sehr starke - Unruhe, tobsüchtiges Benehmen und später Lähmung; es starb nach - 30 Stunden. Bezüglich der Sektion vergl. S. 227 (+Gips+, Preuss. - Mitt. 1880). -- Ein Pferd, welches eine zu grosse Dosis Rhizoma - Veratri erhalten hatte, zeigte als Haupterscheinungen anhaltendes - Würgen, angestrengte Atmung, hohe Pulsfrequenz und sehr schwachen, - elenden Puls. Die Behandlung bestand in der Anwendung von Alkohol - und Ammonium carbonicum (+Gresswell+, The Veterinarian 1886). -- - Experimentelle Untersuchungen von +Waldinger+ ergaben, dass das - Rhizoma Veratri in Dosen von 15-30 g bei Pferden nur geringe Wirkung - hervorruft; selbst 120 g erzeugten nur Kolik und Brechbewegungen - 4 Stunden hindurch. Dagegen ist nach +Hertwig+ die intravenöse - Injektion der Tinctura Veratri von sehr starker und rascher Wirkung; - 2-15 g derselben bedingen sofort Atembeschwerden, Kotentleerung, - Kolik, Brechbewegungen, Kontraktionen des Schlundes, der Hals- - und Bauchmuskeln, Rülpsen, Schluchzen, Speicheln, Tränenfluss, - vermehrtes Urinieren und zuweilen ganz abundanten Schweissausbruch; - 15-30 g der Tinktur hatten bei intravenöser Anwendung nach wenigen - Minuten den Tod unter Schwindel, Zusammenstürzen, Atembeschwerden - und Konvulsionen zur Folge. Ein 1 Quadratzoll grosses und etwa ½ cm - dickes Stück Nieswurz erzeugte, +subkutan+ appliziert, Muskelzittern, - Dyspnoe nach 1-2 Stunden, Würgen, Brechneigung, Speicheln, vermehrte - Peristaltik, Diarrhöe, sowie lokale Entzündung und Geschwulstbildung. - - 2. +Rinder.+ Ein 1jähriges Rind starb nach der subkutanen Injektion - von 0,25 Veratrin innerhalb 8 Stunden, ein Ochse nach der - Verabreichung von 60 g weisser Nieswurz in Pillenform am 2. Tag - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Nach experimentellen - Untersuchungen bedingt die Nieswurz in Gaben von 20-30 g nur - schwache Erscheinungen; 90 g erzeugten Kolik und 180 g den Tod unter - Erscheinungen der Magendarmentzündung (Lyoner Tierarzneischule). 125 - g im Dekokt riefen starke Aufregung und Kolik hervor; das betreffende - Rind blieb aber am Leben (+Ithen+). - - 3. +Schafe+ und +Ziegen+ zeigten nach 8-15 g des Rhizoma Veratri - Würgen, Erbrechen und Diarrhöe (+Gerlach+). - - 4. +Katzen+ starben auf 5-10 mg Veratrin; +Hunde+ auf 2-10 cg. Das - Rhizoma Veratri tötet die letzteren schon von 0,6 g ab, wenn das - Erbrechen durch Unterbinden des Schlundes verhindert wird; können die - Tiere jedoch erbrechen, so ertragen sie sogar bis zu 8 g (+Hertwig+). - Intravenös töten schon 15-20 Tropfen. - - 5. +Frösche+ zeigen auf 0,5 mg Veratrin +Brechbewegungen+ und - Verlangsamung des Herzschlages von 60 auf 30 und 10; auf 2 mg sofort - Brechbewegungen und 15 Minuten darauf +Tetanus+, worauf der Tod nach - etwa einer Stunde eintritt (physiologischer Nachweis des Veratrins). - - -Akonitvergiftung. - - =Botanisches.= In Deutschland kommen mehrere Akonitarten vor. Die - wichtigste ist +Aconitum Napellus+, der +Sturmhut+ oder +Eisenhut+ - (Helmblume, Rachenblume, Ziegentod, Würgling, Mönchskappe, - Narrenkappe, Venuswagen), eine zu den Ranunkulazeen gehörige - Bergpflanze (έν ἀχόναις, auf Felsen) der nördlichen Halbkugel bis - Norwegen und Schweden, welche häufig in Gärten als Zierpflanze - kultiviert wird. Die im Juni bis September blühende Pflanze zeichnet - sich durch charakteristische, in Trauben stehende, blaue (violette, - rote, weisse) Helmblüten aus, deren Helm breiter als hoch und - halbkreisförmig gewölbt ist; die Nektarien sind auf gekrümmtem Nagel - wagrecht nickend. Das Rhizom ist rübenartig, aus zwei nebeneinander - stehenden (einem vorjährigen und einem frischen) dunkelgraubraunen, - fingerlangen Wurzelstöcken bestehend; der bis 1½ m hohe Stengel - ist aufrecht und einfach, die Blätter sind oben dunkelgrün, unten - heller gestielt, derb, handförmig. Andere giftige Akonitarten sind: - +Aconitum Stoerkeanum+ (neomontanum), ziemlich selten, an denselben - Standorten vorkommend wie die vorige, mit 3 Rhizomen, blauen, - violetten oder weissen Blüten, nach oberwärts gekrümmten Nektarien, - schief geneigtem Nagel und mehr hohem als breitem Blütenhelm; - +Aconitum variegatum+ mit Blütennektarien, welche auf geradem Nagel - aufrecht stehen; endlich +Aconitum Lycoctonum+, der Wolfseisenhut - (Hundsgift, Gelstern), eine in Bergwäldern nicht sehr häufig - vorkommende, gelb blühende, nur mit einem Rhizom versehene und in - seiner Wirkung von den anderen Akonitarten abweichende Pflanze. - - Die drei erstgenannten Akonitarten enthalten ein sehr stark - giftiges Alkaloid, das =Akonitin= oder Akonitoxin von der Formel - C_{33}H_{43}NO_{12}. Dieses Akonitin ist je nach der Darstellung - ein sehr verschiedenartiges, sehr inkonstantes Präparat (deutsches, - französisches, belgisches, englisches Akonitin). Aconitum Lycoctonum - enthält kein Akonitin, sondern zwei kurareähnlich wirkende Alkaloide: - das +Lykakonitin+ und +Myoktonin+, welche sich in die früher als - Hauptbestandteile bezeichneten Körper Lykoktonin und Akolyktin - spalten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Akonitin gehört zu den -stärksten Giften. Reine Präparate desselben töten Hunde schon in -Dosen von wenigen Milligrammen. Von der getrockneten Wurzel wirken 5 -g für Hunde, von der frischen Wurzel 3-400 g tödlich für Pferde. Es -wirkt örtlich auf die Schleimhäute +reizend+, +entzündungserregend+; -die allgemeine Wirkung besteht in einer +Erregung+ der +motorischen -Zentren+, sowie in +Lähmung+ des +Atmungszentrums+ und +allgemeiner -Lähmung+. Akonitvergiftungen sind im allgemeinen ziemlich selten, -weil die Pflanze allmählich ausgerottet und auch als Arzneimittel, -wenigstens in Deutschland, fast gar nicht angewandt wird (in Belgien -sind durch zu grosse Dosen von Akonitin bei Pferden Vergiftungen -vorgekommen). Man beobachtet sie zuweilen bei Rindern und Ziegen, wenn -dieselben auf Bergweiden die Giftpflanze aufnehmen. Auch Schafe sollen -in Gebirgsländern durch das Abweiden der jungen Frühjahrssprösslinge -erkranken. Seltener erkranken Pferde nach der Aufnahme der -Gartenpflanze (Samen). Die wichtigsten Krankheitserscheinungen sind -+starkes Speicheln+, Recken, +Würgen+, +Aufstossen+, +Erbrechen+, -Zähneknirschen, +Durchfall+, +sehr schmerzhafte Kolik+, +Unruhe+, -+Angst+, +Geschrei+, +Winseln+, +Stöhnen+, +Krampfanfälle+, -+Aufblähung+, +Schwäche+, +Lähmung+, +Taumeln+, +Zittern+, +Mydriasis+, -+Bewusstlosigkeit+, +Zusammenstürzen+. Der Tod erfolgt meist schon nach -wenigen Stunden unter Krämpfen. - -Bei der +Sektion+ findet man entzündliche Veränderung auf der -Magendarmschleimhaut, zuweilen auch schon auf der Maulschleimhaut, -sowie Gehirnhyperämie. - -Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von Tannin, sowie -von exzitierenden Mitteln (Kampfer, Aether, Alkohol, kohlensaures -Ammonium). Auch die Digitalis soll durch ihre erregende Wirkung auf das -Herz ein gutes Antidot sein. - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des reinen kristallisierten Akonitins -(Aconitinum nitricum crystallisatum) wird nach der Methode von -+Dragendorff+ (vergl. S 199) aus alkalischer Lösung durch +Benzol+ -(oder +Petroleumäther+ oder Chloroform) vorgenommen. Dagegen wird -zur Abscheidung von Akonitin aus Akonitkraut oder nach Einverleibung -käuflichen, unreinen, amorphen Akonitins +Benzol+ oder +Chloroform+, -nicht Petroleumäther, benützt. Es entziehen ferner Aether und -Amylalkohol das unreine Akonitin aus +sauren+ Flüssigkeiten. Soll ein -Untersuchungsobjekt +nur+ auf Akonitin untersucht werden, so empfiehlt -es sich, wegen der grossen Empfindlichkeit dieses Alkaloids auch -gegen verdünnte Mineralsäuren und Basen, statt des umständlicheren -Dragendorffschen Verfahrens das Untersuchungsmaterial einfach mit -Alkohol unter Zusatz von möglichst wenig +Weinsäure+ auszuziehen, den -Alkohol zu verdunsten und die alkalischen Lösungen, wo solche notwendig -sind, durch Zusatz von +Natrium bicarbonicum+ herzustellen. - -Die beiden Akonitinsorten verhalten sich auch den Reagentien -gegenüber verschieden: 1. Das +reine Akonitin+ gibt in schwach -essigsaurer Lösung mit +Jodkalium+ eine +kristallinische+ Verbindung, -welche unter dem Mikroskope aus +tafelförmigen Platten+ besteht. -Dieses rein kristallisierte Akonitin zeigt keine Farbenreaktionen. -2. Das +gewöhnliche, amorphe Akonitin+ färbt sich beim Stehen -seiner Lösung in konzentrierter +Schwefelsäure+ oder beim Erwärmen -mit +Phosphorsäure+ schön +rot-violett+ und mit +Zucker+ und -+Schwefelsäure+ schön +rot+ (Zersetzungsprodukte des reinen Akonitins). - - =Kasuistik.= +Knopf+ (Berl. tierärztl. Woch. 1891) beschreibt - eine Vergiftung durch Aconitum Napellus bei 28 Rindern, - welche die Giftpflanze auf der Weide aufgenommen hatten. Die - Vergiftungserscheinungen waren: Stöhnen, Unvermögen aufzustehen, - Sinken der Innentemperatur (bis 36,7°), Versiegen der Milchsekretion, - Pupillenerweiterung, Verstopfung bezw. Durchfall, Schmerz bei - Druck auf die Bauchdecken; das Bewusstsein blieb frei. 2 Kühe - starben. Die Sektion ergab das Vorhandensein einer Gastroenteritis, - hochgradige Gehirnhyperämie, sowie auffallend helle Farbe der Leber. - -- +Kaufmann+ (Recueil 1900) beschreibt eine Akonitinvergiftung bei - 6 Pferden; 6 mg Akonitin wirkten bei einem Pferde schon tödlich. - -- 7 Rinder frassen reife Eisenhutkörner an einem Gartenzaun und - starben nach 24 Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis: - Kolik, Speicheln, Aufblähung, Durchfall, Schwanken (Preuss. Vet.- - Ber. 1904). -- +Prietsch+ (Sächs. Jahrg. 1907) sah bei einem Pferde - nach der Aufnahme von Samen in einem Garten gleichfalls Kolik und - Schwanken; die Genesung erfolgte erst nach 4 Tagen. - - -Atropinvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Tollkirsche+, +Atropa Belladonna+ (Wutkirsche, - Wolfskirsche, Teufelsbeere, Waldnachtschatten), ist eine über - Meter hohe, buschige Solanazee mit purpurbraunen, drüsig - flaumigen Stengeln, trübgrünen, ganzrandigen Blättern und - grossen, schmutzigvioletten, einzeln in den Achseln stehenden, - überhängenden Glockenblüten. Die glänzend schwarzen vielsamigen - Beeren sitzen auf dem flach ausgebreiteten Kelch. Die Belladonna - enthält nur in den jungen Wurzeln +Atropin+, dagegen in den - ausgewachsenen Wurzeln und den übrigen Pflanzenteilen +Hyoszyamin+. - Das im Handel vorkommende „Atropin“ ist ein Gemenge der beiden - genannten Alkaloide. Atropinvergiftungen haben sich teils durch - zu hohe Dosierung und unzweckmässige Kombinierung des Atropins - (Morphium-Atropineinspritzungen gegen Schulterlahmheit beim Pferd), - teils durch die Aufnahme von Belladonnablättern bei Rindern (selten) - ereignet. - - -=Atropinwirkung.= Die Alkaloide der Belladonna, das Hyoszyamin -und Atropin, wirken +pupillenerweiternd+, die +Speichelsekretion -beschränkend+, sowie stark +erregend+ auf das +Gehirn+ („Tollkirsche“) -und das +Herz+; der Tod erfolgt durch +Lähmung+ dieser Organe. Die -Vergiftungserscheinungen bestehen daher in +Pupillenerweiterung+, -+Sehstörungen+, +starker Aufregung+, +Tobsucht+, +Krampfanfällen+, -+Herzklopfen+, +verminderter Speichelsekretion+ und infolgedessen -Trockenheit der Maulschleimhaut und der Zunge, +gastrischen Zufällen+; -später tritt +Schwäche+ und +Lähmung+ auf. Die Behandlung ist -eine symptomatische; als Gegengift werden namentlich Morphin und -Chloralhydrat, sowie Tannin empfohlen. - - -=Verhalten der einzelnen Tiergattungen.= Die Haustiere, namentlich -die Pflanzenfresser, sind gegen das Atropin im Vergleich zum Menschen -+wenig empfindlich+. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken: - -1. +Pferde+ ertragen nach meinen Erfahrungen Dosen von 0,05-0,5 -g Atropin, ohne lebensgefährlich zu erkranken. Die gewöhnlichen -Erscheinungen nach diesen relativ sehr grossen Dosen sind Herzklopfen, -Steigerung der Pulsfrequenz, Unruhe, Aufregung, Mydriasis, verminderte -Speichelsekretion und Unterdrückung der Futteraufnahme; Tobsucht -wird in der Regel nicht beobachtet. Nur bei einzelnen Pferden -traten wohl infolge einer Idiosynkrasie schon nach Dosen von 0,05 -tobsuchtartige Erscheinungen auf. Aehnlich sind die Erscheinungen nach -der Aufnahme von Belladonnakraut. Nach +Hertwig+ zeigten 20 Pferde -auf die Verabreichung von 120 bis 180 g trockenem Belladonnakraut -Pupillenerweiterung, Trockenheit im Maul, Tympanitis, Verstopfung, -Kolik, sehr beschleunigte Herztätigkeit und Pulszahl, Mattigkeit und -Schwäche; eigentümlicherweise fehlten zerebrale Erregungszustände. Die -gleichen Symptome wurden nach 60-90,0 trockener Wurzel beobachtet; -180,0 g derselben töteten. Klistiere von 15,0 trockenem Kraut auf -180,0 Kolatur, 3-4mal an einem Tag wiederholt, riefen leichte -Vergiftungserscheinungen und eine Lähmung des Sphincter ani hervor. -8-16,0 der Belladonnatinktur (8,0 : 45,0 Spiritus) intravenös -appliziert, hatten eine schwere Vergiftung zur Folge, welche sich -in Unruheerscheinungen, Angst, Atemnot, starker Pulsbeschleunigung, -Mydriasis, Zittern, Zuckungen, Kolik, Betäubung und Taumeln äusserte. -Einzelne Pferde tobten auch und gingen wie blind auf die Wände zu. 240 -g der Tinktur intravenös gegeben, töteten. - -2. +Kühe+ werden von der Belladonnawirkung stärker betroffen. -30 g der Wurzel und 60 g der Blätter erzeugten Tympanitis und -Pulsbeschleunigung, 60-90 g der Wurzel eine zweitägige starke -Vergiftung; 120 g der Wurzel hält +Hertwig+ beim Rind für die tödliche -Dosis. - -3. +Hunde+ ertragen im Verhältnis zum Menschen und zu anderen Tieren, -namentlich zum Pferd, besonders grosse Atropingaben und können sich -allmählich an das Gift gewöhnen. Ich habe beispielsweise einem 25 kg -schweren Hund im Verlauf eines Nachmittags (innerhalb 6 Stunden) 1,0 -g Atrop. sulfuric. auf 2mal eingegeben; derselbe zeigte zwar jedesmal -starke Unruheerscheinungen und hochgradige Aufregung, verbunden mit -Krampfanfällen, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder vollständig. -Grosse Hunde ertragen annähernd dieselbe Dosis wie ein Pferd. - -4. +Schafe+ ertrugen 90,0 g trockene Blätter, 120,0 g getrocknete -Wurzel und selbst 60,0 g Belladonnaextrakt (+Gerlach+). - -5. +Ziegen+ zeigten nach der Verfütterung von 750 g frisch getrockneter -Belladonnablätter nur eine starke Mydriasis ohne jede andere auffällige -Erscheinung (+Gerlach+). Die Unempfindlichkeit der Schafe und Ziegen -gegen Belladonna ist übrigens lange bekannt. Schon +Münch+ bemerkt in -seiner „Praktischen Anweisung, wie Belladonna bei den Tieren anzuwenden -ist, Stendal 1787“, dass Ziegen die Belladonna pfundweise und Schafe -die Blätter mit Begierde fressen. - -6. +Kaninchen+ sind besonders indifferent gegen Atropin. +Hertwig+ -hat Kaninchen wochenlang nur mit Belladonnablättern gefüttert, wobei -dieselben ausser Pupillenerweiterung keinerlei abnorme Erscheinungen -zeigten, vielmehr ganz munter blieben; im Urin derselben liess sich -Atropin nachweisen. Die tödliche Dosis des Atropins für Kaninchen liegt -erst bei 1,0 g (beim Menschen wirken schon 0,1 g sicher tödlich, und -schon 5 mg bedingen eine schwere Vergiftung). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Atropins aus den -Untersuchungsobjekten erfolgt am besten nach der Methode von -+Dragendorff+ (vergl. S. 199); hierbei ist zu beachten, dass das -Atropin aus seiner Lösung in Benzol in der Kälte auskristallisiert. -Da das Atropin eines der am leichtesten zersetzlichen Alkaloide ist, -müssen hohe Temperaturgrade, sowie ätzende Alkalien und starke Säuren -streng vermieden werden; es empfiehlt sich ferner im Vakuum bei -möglichst niedriger Temperatur abzudampfen. Das abgeschiedene Atropin -kann auf verschiedene Weise agnosziert werden. 1. Die +physiologische+ -Methode des Nachweises ist die sicherste. Man löst einen Teil -desselben in wenig Wasser auf und bringt die Lösung in den Lidsack -eines Kaninchens, einer Katze, eines kleinen Hundes, worauf sehr bald -+Pupillenerweiterung+ eintritt. Diese Pupillenerweiterung wird noch -durch 0,005 mg Atropin erzeugt. 2. Mit +rauchender Salpetersäure+ und -+weingeistiger Aetzkalilösung+ färbt sich Atropin schön +rotviolett+. -Die Reaktion, welche noch durch 0,001 mg Atropin hervorgerufen wird, -führt man in der Weise aus, dass man kleine Mengen des Alkaloids -mit 3-4 Tropfen rauchender Salpetersäure löst und im Wasserbade -verdunstet, bis ein gelblicher Rückstand hinterbleibt, welcher bei -Zusatz einer Lösung von Aetzkali in 90proz. Weingeist sich schön -violett färbt. - -Andere Reaktionen sind: +Rotfärbung+ nach Uebergiessen mit 1-5proz. -alkoholischer (50 Proz.) Sublimatlösung (2 ccm) und schwachem -Erwärmen, +Blumengeruch+ beim Erwärmen von Atropin mit konzentrierter -Schwefelsäure (nach den einen Geruch nach Orangeblüten, nach den -anderen Blütengeruch von Prunus Padus oder Spiraea Ulmaria). -Endlich rötet Atropin im Gegensatz zu den meisten Alkaloiden -+Phenolphthaleinpapier+. - - =Kasuistik.= Am häufigsten sind =Atropinvergiftungen= bei Pferden - beobachtet worden infolge der von +Tempel+ empfohlenen +kombinierten - Morphium-Atropininjektion+ gegen +Schulterlahmheit+. Die Kombination - wirkt, wie ich mit +F. Preusse+ festgestellt habe, dadurch so - gefährlich, dass sich die +sekretionsbeschränkende Wirkung des - Atropins+ auf die Speicheldrüsen (Trockenheit der Maul- und - Rachenschleimhaut, erschwertes bezw. aufgehobenes Schlingvermögen) - und Darmdrüsen, insbesondere die Bauchspeicheldrüse (Eindickung - und schwere Beweglichkeit des Darminhalts), mit der stopfenden, - +die Darmperistaltik lähmenden Wirkung des Morphiums+ verbindet. - Infolgedessen kann sich leicht eine schwere +Verstopfungskolik+ - mit ihren Folgen (Tympanitis, Magenruptur) einstellen. Die in der - tierärztlichen Literatur beschriebenen einzelnen Vergiftungsfälle - sind von +F. Preusse+ (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde, 1899) - gesammelt worden. Die wichtigsten Fälle sind folgende: - - +Meinicke+ applizierte einem an akuter Schulterlahmheit leidenden - Offizierspferde die Tempelsche Mischung (Atropin 0,05, Morphium 0,2) - subkutan und beobachtete nachstehende Vergiftungserscheinungen: - Bereits nach 10 Minuten trat eine Erweiterung der Pupillen ein, wenig - später begann das Tier die Zunge aus dem Maule herauszustrecken. - Angebotenes Heu und Wasser vermochte es nicht abzuschlucken. Die - Frequenz des Pulses betrug nach Ablauf von 15 Minuten bereits 60 - Schläge, er war drahtförmig und spritzend; ¾ Stunden nach der - Injektion war er nicht mehr zählbar und die Arterienwand kaum noch - zu fühlen. Die Herzaktion geschah tumultuarisch, die Respiration - langsam, 8mal in der Minute. Ungefähr nach Verlauf einer Stunde war - das Stadium acmes der Intoxikation erreicht, indem der Herzschlag - stark pochend 110-116mal in der Minute erfolgte, Muskelzittern und - Schwanken im Hinterteil auftrat, der Blick stier und ängstlich wurde - und die Pupillen ad maximum erweitert waren. Das bis dahin ruhige - Tier stieg alsdann einigemal mit den Vorderfüssen an den Boxwänden - hoch, wurde aber bald wieder still. Nach 1½, 2, 3 Stunden wurden - resp. 90, 70, 60 Herzschläge gezählt. Das Pferd trug ein mattes, - müdes Benehmen zur Schau, der Appetit war vollkommen unterdrückt. Am - Tag darauf waren Puls, Herzschlag und Atmung zur Norm zurückgekehrt, - und gegen Abend geschah die Futter- und Getränkaufnahme wieder - in genügendem Masse. -- +Scholte+ injizierte einem schweren - Percheronwallach die genannte Morphium-Atropinlösung. Nach einer - Viertelstunde begann das Pferd zu scharren, bekundete hochgradige - Angst, Atemnot, Muskelzittern, hatte eines drahtförmigen Puls von - 66 Schlägen in der Minute und einen pochenden Herzschlag. Wenig - später versuchte das Tier an der Wand emporzugehen, biss in die Stäbe - der Raufe und hing sich vor Schmerz förmlich in die Halfter. Diese - Erscheinungen hielten bis zu 50 Minuten nach der Einverleibung des - Mittels an und wurden dann von einer Müdigkeit, Schläfrigkeit und - Appetitlosigkeit gefolgt. Am nächsten Tag war der Wallach wieder - munter. -- +Meyerstrasse+ sah 8 Stunden nach der Injektion ein - Pferd unruhig werden, sich häufig wälzen und dyspnoisch atmen. Es - bestand Tympanitis, vollständige Sistierung der peristaltischen - Geräusche, häufiges Drängen, aber nur Absetzen schleimiger Massen. - Auf die Verabreichung einer Aloepille hin wurde die Kolik gehoben. - Ein anderes Pferd bekundete sehr intensive Vergiftungssymptome, - namentlich Tobsucht, die indessen nach 3stündiger Fortdauer gänzlich - zurückgingen. -- +Noack+ beobachtete bei einer englischen Stute - regelmässig 2 Stunden nach jeder der beiden vorgenommenen Injektionen - eine ziemlich heftige Blähkolik, +Freitag+ konstatierte in 2 Fällen - schon kurze Zeit nach der Einverleibung des Arzneipräparates - Kolikerscheinungen. Bei sämtlichen 8 Pferden schwanden dieselben - nach ungefähr 5 Stunden, die Lahmheit war jedoch nicht beseitigt. - -- Auf eine Injektion der vereinigten Mittel hin geriet ein Pferd, - einer Beobachtung von +Bruns+ zufolge, in einen rauschartigen - Zustand und zeigte eine Atemfrequenz von 40 Zügen in der Minute. - Die gleiche Aufregung trat nach einer zweiten, 5 Tage später - vorgenommenen Einspritzung zutage. -- +Lungwitz+ konstatierte - bald nach der Injektion bei einem Pferd eine starke, etwa fünf - Stunden anhaltende Aufregung und Unruhe, Vorwärtsdrängen mit in - die Höhe gestrecktem Kopfe und andauerndes Seitwärtstreten, Puls- - und Atmungsbeschleunigung, sowie eine öftere Entleerung von Harn - in geringen Quantitäten und nach kurzen Intervallen. -- Ein Pferd - drängte 3 Stunden nach der gewöhnlichen Injektion, wie +v. Lojewski+ - mitteilt, gewaltig nach vorwärts, schlug mit den Hinterextremitäten - nach dem Bauche, hatte ad maximum erweiterte Pupillen, eine trockene - Maulschleimhaut und eine holzige Zunge. Die Muskulatur der linken - Schulter oszillierte beständig. Puls und Atmung waren beschleunigt. - Nach fünf Stunden hatten die Erscheinungen den Höhepunkt erreicht - und wurden jetzt schnell durch Morphium kupiert. Am folgenden Tag - zeigte das Tier nur noch eine gewisse Mattigkeit. -- +Meltzer+ nahm - 4 Stunden nach der Injektion folgende Vergiftungssymptome wahr: - Das Pferd war stark tympanitisch aufgetrieben, die Peristaltik lag - gänzlich darnieder. Es blickte angsthaft um sich und war über den - ganzen Körper mit Schweiss bedeckt. Die Atmung vollzog sich pumpend - und die Herzaktion tumultuarisch, die Frequenz der letzteren war - nicht genau zu ermitteln. Der Patient scharrte ununterbrochen mit - den Vorderfüssen, das Hinterteil schwankte stark bei der Bewegung. - Als Antidot wurde eine Mischung von Eserin, Morphium, Kalomel, - Kirschwasser und Kaffee mit Erfolg ordiniert. Am folgenden Tag - war das Tier wieder wohl, die Lahmheit jedoch nicht gewichen. - +Meltzer+ ist der Ansicht, dass es sich in diesem Fall wohl um eine - Idiosynkrasie gehandelt hat. -- Selbst auf die Verabreichung der - gewöhnlichen Lösung, auf 3 aufeinanderfolgende Tage gleichmässig - verteilt, sah +Jess+ stets eine sehr unliebsame, mit Tympanitis und - Darniederliegen der Darmbewegungen einhergehende Kolik auftreten. - Bei einem Pferd zeigten sich diese Nebenwirkungen des Mittels in - Form von über eine Stunde anhaltenden Gehirnerscheinungen, indem das - Tier an den Wänden hochstieg, beständig mit den Vorderextremitäten - schlug und mit dem Hinterteil stark schwankte. Ein weiterer Patient, - dem ein Dritteil der vorschriftsmässigen Mischung injiziert war, - bekam ebenfalls Kolik und wurde am Abend desselben Tages im Stall - tot aufgefunden. Eine Sektion unterblieb leider. -- +Strecker+ - bemerkte an einer schweren belgischen Stute 3 Stunden nach der - Injektion mässiges Muskelzittern und Unruheerscheinungen, sich - in häufigem Hin- und Hertreten äussernd. Abends warf sich das - Pferd zu wiederholten Malen heftig nieder, trieb rasch auf und - starb wenig später. Bei der Obduktion wurde als causa mortis eine - Magenruptur ermittelt. -- +Krämer+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1901) sah - bei einem Militärpferd nach einer Atropin-Morphiumeinspritzung - (0,05 : 0,2) kolossalen Schweissausbruch, heftige Unruhe, starke - Schlingbeschwerden, Mydriasis, Dyspnoe, sowie heftiges Anrennen gegen - die Krippe. Die Unruheerscheinungen hielten 4 Stunden an; auch am - folgenden Tag bestand noch ziemliche Schwäche in der Nachhand. -- - +Güntherberg+ (ibid.) sah bei einem schulterlahmen Pferd nach einer - Atropin-Morphiuminjektion (0,02 : 0,1) heftige Unruheerscheinungen, - drahtförmigen Puls, stieren Blick, sowie Tod nach 24 Stunden; - die Sektion ergab eine 1½ m lange Invagination des Dünndarms. - -- +Neffgen+ (D. T. W. 1906) sah bei einem 8jährigen schweren - Oldenburger nach der subkutanen Injektion von 0,5 Atropin hochgradige - Unruhe, Pupillenerweiterung, Taumeln, sowie Tod nach 21 Stunden. - - Vergiftungen durch die Aufnahme der =Belladonnablätter= bei - Rindern sind in der tierärztlichen Literatur nur ganz vereinzelt - beobachtet worden. +Hering+ (Pathologie 1859) sah bei 2 Kühen nach - der Aufnahme von Waldgras Toben, Niederstürzen und Aufblähung; - +Nagy+ (Veterinarius 1897) bei einem Rind, das auf der Weide - Belladonnablätter gefressen hatte, starke Aufblähung, Anrennen an - Gegenstände, Pupillenerweiterung, 70 Pulse, unsicheren Gang und - häufige Darmentleerungen; die eingeleitete Behandlung (Abführmittel, - kalte Begiessungen) hatte in 2 Tagen vollkommene Genesung zur Folge. - -- Nach +Gerö+ (Veterinarius 1901) sollen ungarische Pferdehändler - bei dämpfigen Pferden betrügerischerweise einen Aufguss von - Belladonnakraut eingeben, wodurch Pupillenerweiterung, Verstopfung - und Aufblähung, Sphinkterenparalyse, beschleunigte Herzaktion, - Trockenheit der Maulschleimhaut, sowie hochgradige Aufregung - entstehen soll. G. will 36 Fälle derartiger Vergiftungen, darunter 11 - Todesfälle beobachtet haben. - - -Vergiftung durch Bilsenkraut. - - =Botanisches.= Das +Bilsenkraut+, +Hyoscyamus niger+, ist eine auf - Schutt, wüsten Plätzen, Kirchhöfen etc. wachsende Solanazee mit - fleischiger, möhrenartiger Wurzel, klebrigem, weichhaarig zottigem, - drüsigem, bis ½ m hohem Stengel, grünen, bis 20 cm langen und 10 cm - breiten, eiförmigen, buchtig gezahnten, ebenfalls klebrigzottigen - Blättern, sowie schmutziggelben, violett netzartigen, glockigen, - widerlich riechenden Blüten. Die zweifächerigen Kapselfrüchte - enthalten sehr zahlreiche Samen. Im Bilsenkraut sind 2 Alkaloide - enthalten, das +Hyoszin+ oder =Skopolamin= und das +Hyoszyamin+. Auch - in der Wurzel von Skopolia atropoides ist Skopolamin enthalten. - - -=Krankheitsbild.= Das Hyoszin (Skopolamin) stimmt in seiner -mydriatischen Wirkung, sowie in seiner erregenden Wirkung auf das -Gehirn und Herz mit dem +Atropin+ ziemlich überein. +Das Krankheitsbild -der Bilsenkrautvergiftung ist daher im wesentlichen das gleiche, -wie das der Belladonnavergiftung.+ Auch dem Hyoszin (Skopolamin) -gegenüber verhalten sich die Haustiere viel weniger empfindlich -als der Mensch. Während beim Menschen schon auf 2 mg Hyoszin -Vergiftungserscheinungen zu beobachten sind, ertragen Hunde und Katzen -das 100-300fache dieser Dosis. Eine kleine Katze blieb noch nach 0,6 -g Hyoszin am Leben (+Kobert+). Diese geringe Empfindlichkeit der -Tiere gegenüber dem Hyoszin ist wohl auch der Hauptgrund dafür, dass -Bilsenkrautvergiftungen bei den Haustieren ebenso selten sind, wie -Belladonnavergiftungen. In der tierärztlichen Literatur finden sich nur -folgende Fälle verzeichnet. Nach +Cruzel+ (Journ. de méd. vét. 1828) -hatte eine Kuh im Frühjahr eine grössere Menge frischen Bilsenkrautes -gefressen; nach 2 Stunden fiel sie um, zeigte Pupillenerweiterung, -starke Injektion der Konjunktiva, sichtbares Pulsieren der Karotiden, -Konvulsionen, krampfhaftes, röchelndes Atmen, häufige Harnentleerungen, -sowie allgemeine Körperschwäche. Nach +Graess+ (Berl. Arch. 1897) -starben 29 junge Hühner an Bilsenkrautvergiftung, während die alten -Hühner nicht erkrankten. +Regenbogen+ (B. T. W. 1903) beobachtete bei -einem Pferd nach der Injektion von 0,02 Hyoszin Raserei, Hochsteigen, -Schlagen mit dem Kopf gegen die Krippe und angestrengte Atmung, -offenbar als Ausdruck einer Idiosynkrasie. - -+Behandlung+ wie bei der Atropinvergiftung. - - =Experimentelles.= Von den zahlreichen, früher mit Bilsenkraut - angestellten +toxikologischen Versuchen+ sind folgende erwähnenswert. - +Pferde+ zeigten auf 90-120 g Bilsenkraut im Dekokt starke Mydriasis, - Steigerung der Pulsfrequenz von 35 auf 72, Zuckungen am Halse und - an den Lippen; nach 3-5 Stunden waren die Erscheinungen vorüber - (+Gohier+). Die Verfütterung von 2 Pfd. frischer Wurzel erzeugte nur - Tympanitis und Kolik (+Viborg+). Ein Eselhengst blieb nach 1½ Pfd. - ausgepressten Bilsenkrauts am ersten Tag ganz gesund; am zweiten Tag - stieg der Puls von 24 auf 70 und die Atmung wurde angestrengt. 1 - Pfd. halbreifer Samen steigerte bei einem Pferd schon nach ½ Stunde - den Puls von 34 auf 60 und beschleunigte die Atmung; am anderen - Tag war die Pulsfrequenz wieder eine normale, das Tier zeigte aber - rasende Zufälle, genas jedoch wieder. +Hertwig+ sah nach 180-360 g - des frischen und trockenen Krauts, der Wurzel und Samen lediglich - Pulssteigerung und Tympanitis. Intravenös trat nach 8 g Infus des - trockenen Krautes Unruhe, vermehrter, aussetzender Puls, Mydriasis, - Zittern, Mattigkeit, Taumeln, momentane Raserei, Strangurie auf, nach - 16 g schreckliches Toben, völlige Bewusstlosigkeit, Schweissausbruch, - Konvulsionen, sowie der Tod nach 2 Stunden. Eine +Kuh+ zeigte nach - Aufnahme frischen Bilsenkrautes Mydriasis, Pulsation der Karotiden, - Niederstürzen, Konvulsionen und Durchfall. +Hunde+ zeigten nach 8 - g Extraktaufnahme Erbrechen, Beschleunigung der Herztätigkeit und - Mydriasis. - - -Vergiftung durch Stechapfel. - - =Botanisches.= Der +Stechapfel+, +Datura Stramonium+, ist eine - überall in Europa vorkommende, im 16. Jahrhundert durch Zigeuner - eingeschleppte Solanazee, welche auf Schutthaufen, in Kirchhöfen, - an Hecken etc. vorkommt. Er bildet einen bis zu 1 m hohen Strauch, - mit dickem, hohlem, kahlem, gabelartig verzweigtem Stengel, - gestielten, eiförmigen, buchtig gezähnten, kahlen Blättern, weissen, - trichterförmigen, 5lappigen, aufrechten Blüten mit sehr langer - Blumenkrone und blassgrünem, röhrigem Kelch, sowie mit grossen, - dornigen, 4fächerigen Kapseln. Der Stechapfel enthält 2 Alkaloide: - das =Atropin= (Stramoniumatropin) und +Hyoszyamin+. Beide zusammen - wurden früher als „Daturin“ bezeichnet. -- Eine atropinähnliche - Wirkung besitzt auch das +Ephedrin+, welches in Ephedra vulgaris - enthalten ist. - - -=Krankheitsbild.= Die Wirkung des Stechapfels stimmt mit derjenigen der -+Belladonna+ und des +Bilsenkrautes+ überein. Das Krankheitsbild setzt -sich aus den Erscheinungen der +Pupillenerweiterung+, der +zerebralen+ -und +kardialen Erregung+ mit späterer +Lähmung+ zusammen. Vergiftungen -mit Stechapfel sind ebenso selten wie bei jenen. In der Literatur sind -nur die folgenden Fälle beschrieben. Eine Kuh zeigte nach der Aufnahme -des Krautes wutartige Symptome: starke Aufregung, Zusammenstürzen, -Lähmung, Tympanitis, genas aber nach 5 Tagen (+Koppitz+, B. T. W. -1906). -- 7 Gänse zeigten nach dem Fressen der Blätter und Stengel -Taumeln und Umfallen und starben innerhalb weniger Minuten (+Zarnack+, -ibid. 1901). - - =Experimentelles.= Die in früheren Zeiten mit der Pflanze - angestellten +experimentellen+ Untersuchungen haben im wesentlichen - folgendes ergeben. +Pferde+ zeigten nach der Verabreichung von 1 Pfd. - frischer Stechapfelblätter Mydriasis und schnelleren Puls (+Viborg+). - 2 Pfd. der abgeblühten Pflanze riefen leichte Kolikerscheinungen - und Auftreibung hervor. 2½ Pfund reife Samen töteten ein Pferd nach - 52 Stunden; Symptome: schneller, kleiner Puls, Auftreibung, Kolik. - +Hertwig+ spritzte Pferden intravenös 8-16 g Tinctura Stramonii ein, - desgleichen ein Infus von 8 g des Krautes; darauf zeigten sich starke - Puls- und Atmungsbeschleunigung, Pupillenerweiterung, Abstumpfung, - Schwindel, Zittern, Geifern, Gähnen, Krämpfe. +Ziegen+ ertrugen 240 g - ausgepressten Stechapfelsaft ohne weitere Erscheinungen; ein Widder - zeigte nach derselben Gabe häufigeres Atmen und Urinieren. +Hunde+ - äusserten nach 120 g ausgepressten Saftes Unruhe, Winseln, Erbrechen, - Zittern, genasen aber wieder. Auf 16 g Extrakt starb ein Hund nach 7 - Stunden unter den Erscheinungen der Atropinvergiftung (+Orfila+). - - -Vergiftung durch Kokain. - - =Allgemeines.= Das dem Atropin chemisch und physiologisch - nahestehende +Kokain+ ist das Alkaloid der Kokablätter (Erythroxylon - Coca, Erythroxylee) und hat die Formel C_{17}H_{21}NO_{4}. Es wird - in der Tierheilkunde seit etwa 10 Jahren in der Form des Cocainum - hydrochloricum subkutan als Diagnostikum bei Lahmheiten des Pferdes - vielfach angewandt; hierbei sind zuweilen Vergiftungserscheinungen - beobachtet worden. Seltener haben sich Vergiftungen bei den - Haustieren nach der Anwendung des Kokains als lokales Anästhetikum - vor Operationen ereignet, sowie beim sog. Doping der Rennpferde - (künstliche Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Kokain und andere - Stimulantien). - - Die toxische Wirkung des Kokains auf verschiedene Tiergattungen ist - zuerst von +v. Anrep+ (Pflügers Archiv 1880) eingehend untersucht - worden. Später haben namentlich +Fröhner+ (Arzneimittellehre 1889), - +Rahnenführer+ (Berl. Arch. 1902) und +C. Fischer+ (Monatshefte - für praktische Tierheilkunde 1904) die Giftwirkung bei Tieren - festgestellt. - - -=Symptome.= Neben der örtlichen +anästhesierenden+ Wirkung des Kokains -auf die peripheren Nerven der Haut und Schleimhäute treten nach der -Resorption des Kokains ins Blut +Erregungserscheinungen+ im Gebiete -der +psychomotorischen+ Rindenzentren des +Grosshirns+ ein, welche an -das Bild der Atropinvergiftung erinnern und sich je nach Dosis und -Tiergattung verschieden äussern. - -1. Nach +kleinen+ Dosen (0,01-0,015 g Kokain pro kg Körpergewicht) -zeigen +Hunde+ freudige Erregung, ausgelassene Munterkeit, sowie -eine rastlose Tätigkeit aller Muskeln, welche sich in planlosem Hin- -und Herlaufen, Springen, Hüpfen, tänzelnden Bewegungen, beständigem -Umherlaufen im Kreise, Schweifwedeln, sowie pendelnden Kopfbewegungen -äussert. Eine ähnliche psychische Erregung zeigen Pferde und Rinder, -sowie Katzen, die besonders empfindlich sind; sehr widerstandsfähig -sind dagegen Tauben. Gleichzeitig wird infolge Einwirkung auf das -Rückenmark die +Reflexerregbarkeit gesteigert+; die Tiere sind -schreckhaft und zittern. Manche +Pferde+ zeigen schon nach der -subkutanen Injektion von 0,5 g Kokain (diagnostische Injektion bei -Lahmheit) vorübergehende Aufregung, Schreckhaftigkeit, Unruhe und -Zittern (Idiosynkrasie?). Auch +die Pulsfrequenz, der Blutdruck, die -Atemfrequenz und die Körpertemperatur sind gesteigert+; +die Pupille -ist erweitert+; +die Peristaltik ist vermehrt+; es besteht +Speicheln+. - -2. +Mittlere Dosen+ (von 0,015-0,02 pro kg ab beim Hund) bewirken -+hochgradige psychische Aufregung, sowie krampfhafte Unruhe -aller Körpermuskeln+. Es treten rhythmische Kontraktionen aller -Skelettmuskeln, sowie +tetanische und tonisch-klonische Krämpfe+ mit -Opisthotonus, epileptiformen Anfällen, Roll- und Schwimmbewegungen -und den verschiedensten Koordinationsstörungen auf; die Atmung wird -dyspnoisch. - -3. +Grosse Dosen+ (von 0,02 pro kg ab beim Hund) +lähmen+ die +nervösen -Zentralorgane+ und zwar zuerst das Grosshirn, dann die +Vierhügel+, -das verlängerte Mark und das Rückenmark und töten durch +Lähmung -des Atmungszentrums+. Der Sektionsbefund ist, abgesehen von den -suffokatorischen Erscheinungen, negativ. - -Beim +Menschen+ beobachtet man endlich nach lange fortgesetztem -Kokaingebrauch ähnlich wie beim Morphium schwere und bleibende -+psychische Störungen+ in Form von Epilepsie und Paranoia -(+Kokainismus+). - - -+Behandlung.+ Die +Prophylaxe+ der Kokainvergiftung besteht darin, dass -man die Dosen bei der diagnostischen Injektion nicht zu hoch nimmt -oder gleichzeitig mit dem Kokain einige Tropfen +Adrenalin+ 1 : 1000 -einspritzt (gefässkontrahierende, die Resorption verlangsamende bezw. -verhindernde Wirkung). Während der Erregungserscheinungen empfiehlt es -sich, die Pferde an der Hand zu bewegen. Symptomatische Gegenmittel -sind +Bromkalium+, +Chloralhydrat+ und +Amylnitrit+. - - -=Nachweis.= Da das Kokain sich im Blute anscheinend sehr schnell -zersetzt, ist der chemische Nachweis im Körper schwierig. Der -+physiologische+ Nachweis besteht in vorübergehender Unempfindlichkeit -der Zungenspitze bei Berührung. +Chemische+ Reaktionen sind: +weisser+ -in Weingeist und Aether leicht löslicher Niederschlag in der -wässerigen, mit Salzsäure angesättigten Lösung durch Sublimatwasser, -+brauner+ durch Jodlösung, weisser durch Kalilauge. - - =Experimentalversuche über die Kokainwirkung bei den verschiedenen - Haustieren.= Die innerliche Kokainwirkung beim +Hund+ ist - individuellen Verschiedenheiten unterworfen. Ich habe in einem - Fall einem Hund von 10 kg Körpergewicht 0,15 g Cocainum muriaticum - (0,015 pro kg) ohne auffällige Erscheinungen subkutan injiziert. - Ein anderer 32 kg schwerer Hund zeigte nach der Injektion von 0,5 - g Cocainum muriat. (ebenfalls 0,015 pro kg) das deutliche Bild der - Kokainerregung, desgleichen ein 8 kg schwerer nach 0,12 Kokain. - Bei +Pferden+ beobachtete ich nach subkutaner Injektion von 0,5 g - Kokain (0,001 pro kg) vereinzelt Unruhe, Aufregung, Zittern und - Schreckhaftigkeit. Nach der Injektion von 2,0 g Kokain (0,005 pro - kg) beobachtete ich regelmässig +Unruheerscheinungen+, Scharren - mit den Vorderfüssen, Wiehern, +Schreckhaftigkeit+, +Aufregung+, - sogenanntes Leineweben, Pulssteigerung bis auf 96, Speicheln, - +sehr häufigen Kotabsatz+, laut kollernde Peristaltik, Mydriasis, - und nach 50 Minuten +tobsuchtähnliche+ Zufälle (Hochsteigen, - Vorwärtsdrängen, Versuche, die Halfterkette loszureissen, Seitwärts- - und Rückwärtsspringen) mit einer +aufs höchste gesteigerten - Reflexerregbarkeit+; erst nach 2 Stunden war das Allgemeinbefinden - wieder normal. +Kühen+ gab ich 4, 6, 10 und 16 mg Kokain pro - kg Körpergewicht. Eine 5jährige Kuh zeigte nach der Injektion - von 1,0 g Cocainummuriaticum (0,004 pro kg Körpergewicht) sehr - lebhaften Blick, +unruhiges Benehmen+, Schütteln mit dem Kopf, - grosse Empfindlichkeit gegen +Fliegen+, lebhaftes Wedeln mit dem - Schweif, +Schreckhaftigkeit+, +starke Vermehrung der Peristaltik+ - mit wiederholtem Absatz dünnflüssigen Kotes, häufigen Harnabsatz, - Temperatur- und Pulssteigerung. Die Wirkung hatte etwa nach ¾ Stunden - ihre Höhe erreicht. Von da ab liessen die Unruheerscheinungen nach - und das Tier hatte sich 1½ Stunden nach dem Beginn des Versuchs - wieder vollkommen beruhigt. Dieselbe Kuh zeigte nach der Injektion - von 1,5 g Kokain ähnliche, aber hochgradigere Erscheinungen, - namentlich starke Aufregung und Schreckhaftigkeit, fortgesetzten - diarrhoischen Kotabgang, Harndrang mit tropfenweissem Harnabsatz, - Speicheln, sowie leichtes Schwanken. 1½ Stunden nach Beginn des - Versuches waren auch hier die Erscheinungen wieder zurückgegangen, - das Tier zeigte aber noch eine mehrstündige Mattigkeit. 2,5 g Kokain - erzeugten ähnliche, noch stärkere Erregungserscheinungen. 4,0 g - Kokain (0,016 pro kg Körpergewicht) riefen bei einer Kuh ein 4 - Stunden andauerndes Exzitationsstadium hervor mit +tobsuchtartiger - Aufregung+, äusserster Schreckhaftigkeit, +Absatz dünnflüssigen, - diarrhoischen Kotes+, +anhaltendem Drängen auf den Harn+, Speicheln, - Rülpsen, Temperatursteigerung bis um 1°, Pulsbeschleunigung, - Mydriasis und Schwanken. Nach dem Verschwinden dieser Symptome war - das Allgemeinbefinden wieder ganz normal. Aehnliche Beobachtungen hat - +Negotin+ bei seinen Versuchen am Hund gemacht. -- Nach +Fischer+ - (Monatshefte für prakt. Tierheilkde. 1904) steigt die Empfindlichkeit - der Tiere gegen Kokain mit ihrer Grösse; die tödliche Dosis pro kg - Körpergewicht beträgt nach ihm bei Fröschen 0,42 g, Tauben 0,06, - Katzen und Hunden 0,03, Ziegen 0,015, Rindern und Pferden 0,018 (= - 6-8 g Kokain als Todesdosis für Pferde); bei diesen tödlichen Dosen - stieg die Körpertemperatur um 2,6-3,2°. - - =Kasuistik.= +Wilkie+ (Journ. of comp. 1891) beobachtete bei - einer Setterhündin, die vor der Operation eines Mammatumors eine - 15proz. Kokaininjektion erhalten hatte, nach etwa 3 Minuten - klonische Krämpfe, Speichelfluss, Zungen- und Lippenlähmung, - Pupillenerweiterung und Manegebewegungen. Nach 3 Tagen war der - Hund wieder hergestellt. -- +Parant+ (Tierärztl. Rundschau 1908) - beobachtete nach der Instillation einer 4proz. Kokainlösung (5-6 - Tropfen) in den Lidsack einer Katze heftige Krämpfe, maximale - Pupillenerweiterung und Erblindung; erst nach 15 Tagen war das Tier - wieder ganz hergestellt. -- Nach +Suffran+ (Revue Toulouse 1909) - zeigte ein 20 kg schwerer Hund nach 0,06 g Kokain (intrakutan) - Halluzinationen, Aufregung, Krämpfe, Speicheln und Anästhesie. -- - +Rahnenführer+ (Berl. Arch. 1902) weist darauf hin, dass namentlich - bei edlen Pferden die Injektion von 0,5 Kokain eine leichte - Vergiftung (Exzitationsstadium) zur Folge hat; zahlreiche ähnliche - Fälle hat auch +Eberlein+ beobachtet; bei Herabsetzung der Dosis auf - 0,2 und darunter fehlten die Vergiftungserscheinungen. Wegen der - giftigen Nebenwirkung des Kokains wird neuerdings das 10mal weniger - giftige Alypin zu diagnostischen Injektionen empfohlen. - - -Vergiftung durch Ranunkeln. - - =Botanisches.= Die verschiedenen Arten von Ranunkulus, welche in - toxikologischer Beziehung in Betracht kommen, sind: - - 1. +Ranunculus sceleratus+, giftiger Hahnenfuss, Froscheppich, an - Teichen, Sümpfen und Gräben wachsend (daher auch früher Ranunculus - palustris benannt), eine bis meterhohe, krautartige Pflanze, mit sehr - dickem, hohlem, fleischigem, kahlem Stiel, blassgrünen, handförmig - geteilten Blättern, blassgelben, fünfblätterigen, sehr kleinen, - hinfälligen Blüten, zurückgeschlagenem Kelch, sowie bauchigen, - feinrunzeligen, kahlen, auf einem walzenförmigen Fruchtboden - stehenden Früchten. - - 2. +Ranunculus acris+, kleine Schmalzblume, Butterblume, - Wiesenranunkel, besitzt einen abgebissenen, reichfaserigen - Wurzelstock, aufrechten, flaumhaarigen Stengel, flaumhaarige, - bandförmig geteilte Blätter, grosse, goldgelbe Blüten mit rundem, - nicht gefurchtem Blütenstiel und abstehendem Kelch, sowie - zusammengedrückte, kahle, glatte Früchtchen, welche kugelige Köpfchen - bilden. - - 3. +Ranunculus arvensis+, der Ackerhahnenfuss, bis einen halben Meter - hoch werdend, besitzt einen faserigen Wurzelstock, kahlen Stengel, - dreigespaltene Blätter, blassgelbe, kleine, fünfblätterige Blüten mit - aufrechtstehendem Blütenkelch und dornige oder knotige Früchtchen. - - 4. +Ranunculus repens+, der kriechende Hahnenfuss, mit gebogenem, - nicht aufrechtem Stengel und kriechenden Ausläufern, tiefen, - handförmig geteilten Blättern und fünfblätteriger, gelber Blume. - - 5. +Ranunculus Ficaria+ (Ficaria verna, Ficaria ranunculoides), - Feigwarzenkraut, Pappelsalat, Pfennigsalat, wildes Löffelkraut, - kleines Schöllkraut, mit büschelig-knolligem Wurzelstock, - niederliegendem Stengel, herzförmigen Blättern, goldgelber Blume und - dreiblätterigem Kelch. - - 6. +Ranunculus bulbosus+, Butterkups, mit aufrechtem, an der Basis - zwiebelförmig verdicktem Stengel, grasgrünen, dreischnittigen - Blättern und grossen, goldgelben Blüten auf gefurchten Stielen. -- - Ausserdem sind zu erwähnen +Ranunculus Flammula+, der brennende - Hahnenfuss, +Ranunculus Lingua+, der grosse Hahnenfuss, +Ranunculus - lanuginosus+, +auricomus+ und +polyanthemus+. - - Die genannten Ranunkelarten enthalten einen scharfen Stoff, den - =Anemonenkampfer= (Ranunkulol, Anemonol, +Pulsatillenkampfer+), ein - festes und dabei flüchtiges ätherisches Oel, welches nadelförmige - Kristalle bildet und beim Behandeln mit Alkalien eine gelbe, - gummiartige Masse liefert und zu Anemonin und Anemoninsäure, zwei - nicht reizende Körper, zerfällt. Der Anemonenkampfer findet sich - auch in verschiedenen Anemonenarten, so in +Anemone pratensis+ - (Küchenschelle, Osterblume), welche überall in Europa auf sonnigen - Hügeln und Heiden, sowie am Rande lichter, trockener Wälder vorkommt - und schwarzviolette, glockige, nickende, aussen glänzend weisszottige - Blumen hat; ferner in +Anemone Pulsatilla+, in +Anemone vernalis+ und - +Anemone nemorosa+ (weisse Osterblume, Waldhahnenfuss, Windröschen), - einer in Laubwäldern und Gebüschen häufig vorkommenden, übrigens - ungiftigen (vergl. unten) Ranunkulazee mit weissen, oft rötlich - angeflogenen, kahlen Blüten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Anemonenkampfer besitzt -eine reizende, +entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates. In konzentrierter Form erzeugt er sogar in -Berührung mit der Haut Blasen. Das Krankheitsbild der Vergiftung durch -Ranunkeln äussert sich daher im wesentlichen durch die Erscheinungen -einer oft rasch tödlich verlaufenden +hämorrhagischen Gastroenteritis+, -welcher sich häufig noch die Erscheinungen der +Nephritis -haemorrhagica+ anschliessen, weil der Anemonenkampfer auch bei seiner -Ausscheidung durch die Nieren reizend wirkt. Die Allgemeinwirkungen -des Anemonols bestehen in Krämpfen und Betäubung. Die wichtigsten -Symptome der Vergiftung sind: +Brechbewegungen+, +Würgen+, +Speicheln+, -+Kolikerscheinungen+, +blutiger, ruhrartiger Durchfall+, +Hämaturie+, -+Albuminurie+, +Schreien+, +Brüllen+, +Taumeln+, +Krämpfe+, +Zittern+, -+Zusammenbrechen+, sowie zuweilen sehr rascher, +apoplektiformer Tod+. -Vergiftungen kommen bei allen Pflanzenfressern vor, namentlich aber bei -Rindern und Schafen, wenn auch nicht gerade sehr häufig. Man beobachtet -sie gewöhnlich dann, wenn die Tiere mit dem Grünfutter oder auf der -Weide Ranunkeln aufgenommen haben. Ranunkelhaltiges Heu hat dagegen -infolge der Verflüchtigung des Anemonenkampfers beim Trocknen seine -scharfe Wirkung fast ganz verloren. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -entzündlich geschwollen, von Hämorrhagien durchsetzt und den -Darminhalt blutig; die Nieren zeigen zuweilen die Erscheinungen einer -hämorrhagischen Nephritis. - -Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; sie besteht in der -Verabreichung einhüllender, schleimiger und adstringierender (Tannin) -Mittel. Der Nachweis geschieht auf botanischem Weg. - - =Kasuistik.= Zwölf Kühe erkrankten nach der Aufnahme von Grünfutter, - das im wesentlichen aus Ranunculus acris bestanden hatte, an einem - blutigen, ruhrartigen Durchfall (+Schleg+, Sächs. Jahresber. - 1884). -- 13 Rinder erkrankten im Frühjahr nach dem Weidegang auf - einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese, 6 davon starben - innerhalb 14 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, Unruhe, - Stöhnen, Brüllen, Kolikzufällen, Taumeln, Zittern, Bewusstlosigkeit, - Zusammenbrechen; der Verlauf war ein sehr akuter (½-1 Stunde). Bei - der Sektion fand man Entzündung der Schleimhaut des Wanstes und - der Haube (+Müller+, Magazin Bd. 24). -- 2 Rinder zeigten nach dem - Beweiden einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese heftiges - Brüllen, Umherspringen, Toben, Kolikerscheinungen, Aufblähen und - Speicheln; die Krankheitserscheinungen dauerten im ganzen 4 Tage - (+Meyer+, Schweizer Archiv Bd. 2). -- Eine Schafherde nahm auf der - Weide viel Ranunculus arvensis auf. Schon nach ½ Stunde zeigten - einige Tiere Zittern, Krämpfe, Taumeln, sowie klägliches Geschrei. - Binnen einer Stunde krepierten 21, ebensoviele waren scheintot, - erholten sich aber wieder nach kurzer Zeit. Bei der Sektion fand man - umschriebene Magenentzündung (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde - 1872). -- Vier Pferde, welche Ranunculus Flammula aufgenommen - hatten, starben an Gastroenteritis (+Stock+, The vet. journ. 1886). - -- Eine Schafherde hatte auf einem Esparsettefeld geweidet, auf dem - enorme Mengen von Ranunculus repens und arvensis wuchsen. Die ganze - Herde erkrankte an Durchfall, Aufblähung und Krämpfen. 137 Schafe - starben; bei der Sektion fand man Entzündung des Magens und Darmes - (+Eggeling+, Berl. Arch. 1891, S. 370). -- 2 Kühe starben plötzlich - nach der Aufnahme von Ranunkeln an der Entzündung des Labmagens und - Dünndarms (+Brause+, ibid. 1900). -- 12 Kühe und 1 Ochse starben - nach der Aufnahme von Ranunculus acris, sceleratus und bulbosus; sie - zeigten blutigen Durchfall, schwere Benommenheit und bei der Sektion - die Erscheinungen der Gastroenteritis (+Trouette+, Revue vét. 1900). - -- Eine Stute erkrankte nach der Verfütterung von Heu, das zu ⅓ aus - Ranunculus acris bestand, unter Erscheinungen der Kolik, Diarrhöe - und Hämaturie; nach 5 Tagen erfolgte Genesung. In ähnlicher Weise - erkrankten Kühe nach der Aufnahme von Ranunculus Ficaria; sie zeigten - Kolik und Durchfall, sowie vereinzelt Abortus (+Mesnard+, Recueil - 1894). -- 4 Rinder erkrankten nach der Verfütterung von Grünfutter - aus einem sumpfigen Graben, das viel Ranunculus sceleratus und - acris enthielt, unter Kolik, starkem Speicheln, Zittern, Taumeln - und Zusammenbrechen (+Wolf+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Bei der - Futternot im Jahr 1904 kamen Futtermittel zur Verwendung, die in - anderen Jahren kaum Beachtung finden. Ein Landwirt liess das in einem - toten Neissearme gewonnene Schilfgras an sein Rindvieh verfüttern. - Noch beim Verzehren des Futters verfielen vier Kühe unter einem 25 - Haupt starken Viehstapel plötzlich in Krämpfe und Zuckungen; bald - brachen sie vor der Krippe bewusstlos zusammen. Die Sektion ergab - eine leicht entzündliche Rötung der Pansen- und Haubenschleimhaut. In - dem Schilfgras waren die Blätter des Hahnenfusses in grosser Menge - vertreten. Sie wurden als zu Ranunculus sceleratus gehörig botanisch - festgestellt. Wie sich am Ort der Grasgewinnung erkennen liess, wuchs - der Ranunculus nicht in dem Schilf, sondern begleitete diesen in - etwa 1 m breitem Streifen. Hierdurch wird es erklärlich, weshalb nur - vier Haupt aus dem grossen Viehstapel der Giftwirkung anheimfielen. - Das Schilfgras war zurzeit der Verabreichung mit dem Ranunculus sehr - ungleichmässig gemischt. Das bei den ersten Schnitten gewonnene - Schilf war als Heu geerntet worden und bereits ohne Gefahr wie auch - in anderen Jahren verzehrt worden (+Hönscher+, Zeitschr. f. Vet. - 1905). - - +Vergiftungen durch Anemonenarten sind in der tierärztlichen - Literatur nicht enthalten.+ Fütterungsversuche von +Müller+ und - +Krause+ (Berl. Arch. 1897) mit Anemone nemorosa bei verschiedenen - Haustieren hatten ebenfalls ein negatives Resultat; der Pflanze kommt - danach eine eigentliche Giftwirkung nicht zu. - - -Vergiftung durch Bingelkraut. - - =Botanisches.= Das Bingelkraut (Euphorbiazee) kommt in zwei giftigen - Arten vor. 1. +Mercurialis annua+ (einjähriges Bingelkraut, - Bengelkraut, Ruhrkraut, Rehkraut, Schlangenkraut), ein auf - Schutthaufen, an Aeckern und Zäunen wachsendes einjähriges Kraut - mit kahlem, aufrechtem, ¼-½ m hohem, vierkantigem Stengel, länglich - eiförmigen, kerbig gesägten Blättern, festsitzenden weiblichen Blüten - (Juni-Oktober) und spitzhöckerigen Fruchtkapseln. 2. +Mercurialis - perennis+ (ausdauerndes Bingelkraut, Kuhkraut, Hundskohl, Speckmelde) - ist ein in Buchenwäldern häufig vorkommendes, perennierendes, 15-30 - cm hohes, kahles oder rauhhaariges Kraut mit einfachem, stielrundem - Stengel, glänzend dunkelgrünen, eiförmig länglichen Blättern und - langgestielten weiblichen Blüten (April-Mai). - - Beide Pflanzen enthalten das =Merkurialin=, einen purgierenden Stoff, - ausserdem Methylamin, Trimethylamin, ein ätherisches Oel und Indigo. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Bingelkraut enthaltene -Merkurialin wirkt +reizend+ auf die +Magendarmschleimhaut+ und -auf die +Nieren+. Das Krankheitsbild der bei den Pflanzenfressern -und beim Schwein beobachteten Merkurialisvergiftung besteht daher -vorwiegend in den Erscheinungen einer Gastroenteritis und Nephritis. -Die Tiere zeigen +Appetitlosigkeit+, +unterdrückte Rumination+, -+leichte Kolikerscheinungen+, +Verstopfung oder Durchfall+, -+vermehrte Harnsekretion+, +blutig gefärbten Harn+, +Drängen auf den -Harn+, +Eiweisszylinder im Harn+, +Steifheit in der Nierengegend+, -+Empfindlichkeit bei Druck in derselben+, +erschwerten Gang+, -+beschleunigte Atmung+, +Zittern+, +Schwäche+, +beschleunigten, -schwachen Puls+. In einem Fall wurde auch eine Rotfärbung der Milch -beobachtet. Die +Prognose+ der Vergiftung ist in den meisten Fällen -günstig; die Dauer der Erkrankung kann 4-6 Tage und darüber betragen. -Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis und -Nephritis. Die +Behandlung+ ist eine symptomatische (Verabreichung von -schleimigen, einhüllenden und von adstringierenden Mitteln, namentlich -von Tannin). Der +Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg. - -Von den in der Literatur enthaltenen Beobachtungen über -Merkurialisvergiftung sind zunächst die +experimentellen+ -Untersuchungen von +Schulz+ (Arch. f. experiment. Pathol. 1886) zu -erwähnen. Die Versuchstiere (Schweine und Kaninchen) zeigten neben -vermehrter Harnsekretion, enormer Ausdehnung der Blase (Blasenlähmung), -Harnzwang und Verstopfung einen blutrot gefärbten Harn, in welchem -jedoch Blutfarbstoff nicht nachzuweisen war. Die Natur dieses +roten+ -Farbstoffes ist nicht näher festgestellt worden. Vielleicht gehört -derselbe zu der Gruppe des Indigo, da das Bingelkraut tatsächlich -Indigo enthält. Auf Grund der Schulzschen Beobachtung muss ferner -die Frage aufgeworfen werden, ob die von den tierärztlichen -Beobachtern als Blutharnen und Blutmelken beschriebenen Erscheinungen -der Merkurialisvergiftung wirklich durch rote Blutkörperchen bezw. -Hämoglobin bedingt wurden, oder ob auch ihnen ein roter, indigoartiger -Farbstoff als Ursache zugrunde gelegen hat. +Von manchen wird die -Giftigkeit des Bingelkrauts überhaupt verneint+ (vgl. unten). Genauere -Untersuchungen auch hierüber sind hier sehr erwünscht. - - =Kasuistik.= +Vernant+ (Recueil 1883) beobachtete bei zwei Pferden - nach dem Genuss von Mercurialis annua Appetitlosigkeit, starke Rötung - der Konjunktiva, pochenden Herzschlag, beschleunigten Puls, Steifheit - in der Nierengegend, erschwerten Gang, sehr starke Polyurie sowie - blutigen Urin; die Genesung erfolgte nach drei Wochen. Bei einer Kuh - wurden dieselben Erscheinungen, ausserdem aber hochgradige Schwäche - wahrgenommen; die Genesung erfolgte schon nach vier Tagen. +Harms+ - (Magazin 1871) beobachtete als Hauptsymptom der Merkurialisvergiftung - Blutharnen; im Bodensatz des Harns fanden sich Eiweisszylinder, - Lymphzellen und braune Körnchen. +Jouguan+ (Recueil 1883) sah vier - Kühe unter den Erscheinungen einer Indigestion erkranken; ein Tier - starb. +Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) hat häufig bei Schweinen - Vergiftungen beobachtet, wenn die ärmeren Leute im Frühjahr aus den - Buchenwäldern Bingelkraut holten. +Dubois+ (Annal. d. Bruxelles 1847) - beobachtete bei Rindern Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schmerz bei - Druck auf die Nierengegend, leichte Kolikerscheinungen, Verstopfung - und Durchfall, sowie Absatz eines dunkelschwarzen Harns. +Schaak+ - (Journal de Lyon 1847) beobachtete bei einer Kuh Rotfärbung der - Milch, angestrengte Atmung, Harnbeschwerden, Abgang von schwarzem - Blut mit dem Harn, Genesung am 6. Tag. Von 2 anderen Kühen zeigte die - eine Verstopfung und Blutharnen, die andere Durchfall und Verkalben; - beide genasen. +Mesnard+ (Recueil 1894) sah bei einem Pferd nach - der Aufnahme von Mercurialis annua Kolik, roten Harn, kleinen Puls - und Zyanose der Schleimhäute. Bei der Sektion zeigten sich die - Nieren geschwollen und hyperämisch, ekchymosiert, im Nierenbecken - befand sich reines Blut (!), die Harnblase enthielt schwärzlichen, - stark eiweisshaltigen Harn. -- +Blackhurst+ (Vet. journ. 1896) - beschreibt eine Vergiftung durch Mercurialis perennis bei fünf Kühen; - drei derselben zeigten am folgenden Tag schleimigen Durchfall und - Speichelfluss, die beiden andern Entleerung dicker Blutkoagula aus - dem After, Kolik, Schwäche und Koma; alle 5 Kühe wurden geheilt. - -- +Oberwegner+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1899) sah bei einem - Schwein nach dem Fressen von Mercurialis annua die Erscheinungen der - Gastroenteritis, dunklen Harn, sowie Abortus. -- +Micucci+ (Giorn. - soc. vet. 1902) führt einen Fall von Hämoglobinurie beim Rind auf - das Bingelkraut zurück, das im Futter gefunden wurde (eine andere - Kuh, welche das Futter verweigert hatte, blieb gesund); der Harn - zeigte eine dunkelrote bis schwarzrote Farbe und enthielt so wenig - rote Blutkörperchen, dass die Farbe des Harns dadurch nicht erklärt - werden konnte. -- +Ganter+ (Bad. Mitteil. 1907) führt gleichfalls - schweres Blutharnen bei fünf Rindern darauf zurück, dass das Futter - ausschliesslich aus Bingelkraut bestand; im Nierenbecken fand sich - „blutiger“ Harn. -- +Perrussel+ (J. de Lyon 1899) beobachtete bei - 2 Kühen nach der Aufnahme von je 4-6 kg der Mercurialis annua - tödliche Kolik und getrübten schmutziggrünen Harn; die Sektion - ergab akute Darmentzündung, Nierenentzündung und pralle Füllung - der Blase mit rötlichem Harn. +Mathis+ (ibid.) bezweifelt dagegen - auf Grund eines Fütterungsversuches die Giftigkeit der Mercurialis - annua; er machte bei einem Ochsen die Gastrotomie und führte 9 Tage - lang je 4 kg frischer Merkurialis durch die Operationswunde in den - Pansen ein, ohne hiernach Gesundheitsstörungen zu beobachten. Auch - +Faure+ (ibid.) bezweifelt auf Grund von Versuchen an Kaninchen die - Giftigkeit des Bingelkrauts. - - -Vergiftung durch Wolfsmilch (Euphorbia, Tithymalus). - - =Botanisches.= Die Gattung +Euphorbia+ (+Tithymalus+), +Wolfsmilch+, - ist charakterisiert durch einen krautartig beblätterten Stengel, - gestielte gelbe, einhäusige Blüten mit glockenförmigem, - fünflappigem Kelch und einer derartigen Anordnung, dass eine - weibliche Blüte von 8-10 männlichen umgeben ist, endlich durch - eine 3fächerige, 3knöpfige, 3 Teilfrüchtchen bildende Kapsel. Von - giftigen Wolfsmilcharten kommen für die Haustiere in Betracht: - +Euphorbia Cyparissias+, die Zypressenwolfsmilch, +Euphorbia - Peplus+, die Gartenwolfsmilch, +Euphorbia helioskopia+, die - sonnenwendige Wolfsmilch, und +Euphorbia marginata+. Eine andere - giftige Wolfsmilchart ist +Euphorbia Lathyris+, das Maulwurfskraut - oder Springkraut, deren Samen als Springkörner oder +Semina - Cataputiae minoris+ bezeichnet werden. Der Milchsaft der genannten - Wolfsmilcharten enthält das giftige =Euphorbinsäureanhydrid= neben - dem indifferenten Euphorbon. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Milchsaft der Euphorbien -enthaltene Euphorbinsäureanhydrid hat eine +reizende+ Wirkung auf -+Haut+ und +Schleimhäute+. Die Erscheinungen der Euphorbiumvergiftung -sind daher wesentlich die einer +hämorrhagischen Gastroenteritis+: -Appetitlosigkeit, Speicheln, +Kolikzufälle+, Verstopfung, Tympanitis, -ruhrartiger, häufig +blutiger Durchfall+, pochender Herzschlag, -beschleunigter schwacher Puls, Betäubung, Schwindel, Konvulsionen. -Bei der Sektion findet man Rötung, Schwellung, Ekchymosierung und -Geschwürsbildung auf der Schleimhaut des Magens und Darms. Die -Behandlung besteht in der Verabreichung schleimiger und öliger Mittel -in Verbindung mit Opium oder Tannin; im übrigen ist die Therapie -symptomatisch. Der Nachweis wird auf botanischem Weg geführt. - -Euphorbiumvergiftungen kommen bei den Haustieren ziemlich selten -vor. Die Giftigkeit der einzelnen Wolfsmilcharten scheint überhaupt -nicht sehr hochgradig zu sein. +Dammann+ (Gesundheitspflege) -fütterte einen Hammel mit 3 Pfd. der sonnenwendigen Wolfsmilch, ohne -Vergiftungserscheinungen zu konstatieren. Von den in der Literatur -verzeichneten Vergiftungsfällen sind die nachstehenden bemerkenswert. -+Prietsch+ (Sächs. Jahresber. 1859) beobachtete bei einer Ziege nach -der Aufnahme von Euphorbia Peplus Kolikerscheinungen, Tympanitis, -Speicheln und Verstopfung. +Dennhardt+ (ibid. 1907) sah bei 5 Kühen, -die auf einer Rübenstoppel weideten, auf der massenhaft Euphorbia -helioskopia wuchs, starken Durchfall und plötzliches Versiegen der -Milch. +Baudius+ (Preuss. Mitteil. 6. Bd.) beobachtete bei einer -Rinderherde nach dem Genuss der Wolfsmilch Kolikerscheinungen, sowie -Gelbfärbung der Haut bei zwei weissen Ochsen. +Vincenti+ (Woch. f. -Tierh. Bd. 12) sah bei einem Rind nach der Aufnahme von Euphorbia -helioskopia Appetitlosigkeit, Durchfall und pochenden Herzschlag. -+Mesnard+ (Recueil 1894) beobachtete bei einem Pferd Durchfall, -Tenesmus und grosse Schwäche. Aehnliche Fälle sind von +Marquardt+ -(Repertor. 1876), +Schüpp+ (Schweizer Archiv Bd. 13) und +Röll+ -(Oesterr. Veterinärber. 1883) beschrieben worden. Endlich sollen -Vergiftungen beim Menschen nach dem Genuss von Ziegenmilch beobachtet -worden sein (+Menzel+, Quellenstudien im Interesse der Milchviehzucht). - - -Vergiftung durch Fleckschierling (Conium maculatum). - - =Botanisches.= Der +Fleckschierling+ oder +Landschierling+, +Conium - maculatum+ (Blutschierling, Mauerschierling, Wutschierling, - Schwindelkraut, Tollkraut, Ziegendill, Teufelspeterling), ist eine - auf Schutthaufen, unbebautem Land und an Wegen in ganz Europa wild - wachsende Umbellifere. Der Stengel hat eine Höhe von 1-2 m, ist - rund, aufrecht, ästig, bläulich bereift, am Grund rotbraun gefleckt - („Fleckschierling“). Die ganze Pflanze ist kahl, die Blätter sind - dunkelgrün und glänzend. Die unteren Blätter werden über 20 cm lang, - sie sind dreifach gefiedert und haben einen gleichlangen, runden, - hohlen, röhrigen Stiel, der am Grund in eine den Stengel umfassende - häutige Scheide übergeht. Der Blütenstand bildet eine doppelt - zusammengesetzte Dolde, die Blüten sind weiss. Die Samenrippen sind - zusammengedrückt, anfangs gekerbt, später wellenförmig. Die Pflanze - besitzt einen widerlichen, an Mäuseurin erinnernden Geruch, welcher - auch am eingetrockneten Kraut nach dem Befeuchten mit Kalilauge - nachzuweisen ist. Der Fleckschierling enthält das sehr giftige, - ölartige, flüchtige Alkaloid =Koniin= von der Formel C_{8}H_{17}N, - ausserdem das Konhydrin und Methylkoniin. - - -=Krankheitsbild.= Das Koniin ist ein +lähmendes+ Gift für die -+Bewegungsnerven in den quergestreiften Muskeln+, desgleichen für -das +Gehirn+ und +Rückenmark+; der Tod erfolgt durch +Lähmung des -Zwerchfells+. Ausserdem besitzt das Koniin eine +reizende+ Wirkung -auf Schleimhäute. Die Vergiftungserscheinungen bestehen zunächst -in +Speicheln+, +Würgen+, +Brechbewegungen+ und +Aufblähung+; die -Allgemeinwirkung äussert sich in allgemeiner +Muskelschwäche+, -unsicherem Gang, zunehmender +motorischer+ und +sensibler Lähmung+, -+Taumeln+, +Schwindel+, +Betäubung+, Pupillenerweiterung und -+Atmungskrämpfen+. Bei der Sektion findet man ausser leichten -gastroenteritischen Erscheinungen nichts Besonderes. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung von Tannin als chemisches Antidot, sowie -von exzitierenden Mitteln: Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, Kaffee, -Salmiakgeist, Ammonium carbonicum, Liquor Ammonii anisatus, Atropin, -Koffein, Strychnin etc. - -+Die Haustiere scheinen im allgemeinen gegenüber dem Koniin -weniger empfindlich zu sein als der Mensch.+ Ich habe dies -insbesondere bei Hunden konstatiert, bei welchen ich die Wirkung -des bromwasserstoffsauren Koniins experimentell prüfte. Die -subkutane +Todesdosis+ beträgt nämlich nach meinen Versuchen pro kg -Körpergewicht beim Hund 0,05 g (die Maximaldosis für den Menschen -wird pro Einzeldosis auf 2 mg angegeben!!). Zwei Hunde von 9 und 12 -kg Körpergewicht ertrugen Dosen von 0,04, 0,1, 0,2 und 0,3 g Coniinum -hydrobromicum subkutan ohne irgend welche sichtbare Allgemeinwirkung -(also das 100fache der Maximaldosis des Menschen). Erst Dosen von -0,5 und 1,0 Coniinum hydrobromicum töteten die Versuchshunde in -einem Zeitraum von etwa einer halben Stunde. Die hiebei beobachteten -Erscheinungen waren folgende: Die Tiere zeigten etwa ¼ Stunde -nach der subkutanen Injektion des Coniinum hydrobromicum leichte -Mattigkeit, Nachlass der freiwilligen Bewegungen, kratteligen, -unbeholfenen Gang, Schwanken und Taumeln, Unvermögen, sich auf den -Hinterfüssen vorn in die Höhe zu erheben, Einknicken im Karpalgelenk -(Schwäche der Streckmuskel), gespreizte rückständige Stellung, sowie -leichtes Speicheln mit Kaubewegungen. Im weiteren Verlauf nahm die -Muskelschwäche rasch zu, die Tiere legten sich auf den Boden und -versuchten vergebens wieder aufzustehen. Zuletzt lagen sie anhaltend -schlaff am Boden; wenn man sie aufhob, hingen Kopf und Hals ebenfalls -ganz schlaff herab und die Zunge hing gelähmt aus der Maulspalte -heraus. Der Harn floss von selbst ab (Lähmung des Sphincter vesicae). -Die Atmung wurde allmählich tiefer. Sodann waren anfallsweise Streck- -und Schüttelkrämpfe (epileptiforme Krämpfe) zu beobachten, welche in -ein leises Zittern übergingen. Die Pupille war erweitert und die Kornea -unempfindlich. Zuletzt trat ganz ruhig Stillstand der Atmung ein, -während das Herz noch einige Zeitlang fortschlug (noch etwa 60 Pulse). -Die Herztätigkeit war dabei bis zuletzt immer normal. - - -=Nachweis.= Neben dem +botanischen+ Nachweis, der wohl in den meisten -Fällen genügen dürfte, kann auch der +chemische+ Nachweis des Koniins -geliefert werden. Die +Abscheidung+ des sehr leicht zersetzlichen und -flüchtigen Koniins erfolgt auf dieselbe Weise wie die des Nikotins -(vgl. S. 196). Beim Verdunsten des +Petroleumätherauszugs+ auf dem mit -ätherischer +Salzsäure+ benetzten Uhrschälchen bleibt im Gegensatz -zum Nikotin ein +kristallinischer+ Niederschlag von salzsaurem -Koniin zurück. Das reine, nach dem Verdunsten des Aetherauszugs -ohne Säurezusatz zurückbleibende Koniin hat einen scharfen, -eigentümlichen +Geruch+, welcher verdünnt an +Mäuseurin+ erinnert. -Der Nachweis des Koniins als solches wird durch die +Kristallform+ -der beim Verdunsten des Petroleumäthers zurückbleibenden salzsauren -Koniinkristalle geliefert. Löst man den kristallinischen Rückstand -mit starker +wässeriger Salzsäure+ auf und trocknet diese Lösung -ein, so bilden sich +nadel-+ oder +säulenförmige Kristalle+, welche -angehaucht +koniinartig riechen+ und, bei 200maliger Vergrösserung -gesehen, entweder +sternförmig+ zu +Drusen+ zusammengelagert, oder -+balkengerüstähnlich+ ineinander gewachsen, oder +dendritisch+, +moos-+ -oder +schilfartig+ sind. Charakteristische Farbenreaktionen für Koniin -existieren zum Unterschied von Nikotin nicht. Die mit Salzsäure -eintretende blaugrüne Färbung weist auf eine stattgefundene Zersetzung -des Koniins hin. Dagegen gibt das Koniin +Niederschläge+ mit den -bekannten Alkaloidreagenzien. So wird eine Lösung von Koniin in 1/10 -ccm schwefelsäurehaltigen Wassers (1 : 10) durch +Kalium-Wismutjodid+ -und +Phosphormolybdänsäure+ etc. ausgefällt. - - +Kasuistik.+ Die +klinischen+ Fälle von Schierlingvergiftung sind - ziemlich selten. Nach +Schmidt+ (Oesterr. Vierteljahresschrift 1876) - starb ein Kalb nach der Aufnahme von 4 kg frischen Krautes. Nach - +Noll+ (Tierärztl. Zeitung 1846) starben 2 Ziegen 6 Stunden nach der - Aufnahme von Schierling, nachdem sie gespeichelt, die Augen verdreht, - sowie Bewusstlosigkeit und Krämpfe gezeigt hatten. Bei der Sektion - fand man leichte Rötung der Pansenschleimhaut, sowie Ekchymosen - auf der Schleimhaut des Psalters und Labmagens. Nach +Read+ (The - Veterinarian 1845) zeigten Lämmer Taumeln, allgemeine Lähmung, - Unempfindlichkeit und Zappeln. Bei der Sektion fand man scharlachrote - Flecken auf der Pansenschleimhaut. +Baranski+ (Berl. Arch. 1896) - sah bei Gänsen Lähmungserscheinungen und Durchfall. +Graffunder+ - (ibid. 1898) beobachtete bei Kälbern Aufblähung, Schwindel, - Taumeln, Pupillenerweiterung, Durchfall und Tod unter allgemeiner - Lähmung. -- +Plotti+ (Clin. vet. 1899) sah bei 2 Kühen und 1 Kalb - Kolik, epileptiforme Krämpfe und Tod infolge allgemeiner Lähmung. - +Graham-Gillam+ (Journ. of comp. 1902) beobachtete bei einem Esel - nach der Aufnahme grosser Mengen von Schierling Krampfkolik, stieren - Blick, Pupillenerweiterung, gesenkte Kopfhaltung und Tod. - - Die früher mit +Schierlingskraut+ angestellten +toxikologischen+ - Versuche haben nicht viel Bestimmtes ergeben. +Pferde+ zeigten nach - 1½ und 3½ Pfd. frischem, nach 180 g getrocknetem Kraut, sowie nach 1 - Pfd. Blätter und 1 Pfd. Saft nichts Besonderes (+Hertwig+, +Viborg+, - +Moiroud+); +Kühe+ nach 3 Pfd. frischem und ½ Pfd. trockenem Kraut - nur Tympanitis (+Hertwig+); +Schafe+ starben nach +Leblanc+, ebenso - +Hunde+ nach 240 und 400 g ausgepressten Saftes unter Erbrechen, - Schwindel und Zittern (+Orfila+). Ein Hund starb von 10 g des Pulvers - (+Devay+ und +Guilliermond+). +Intravenös+ töteten 4 g des Krauts - im Infus ein Pferd nach 8 Minuten; 4 g des Extrakts riefen bei - einem Pferd intravenös Schwanken, Taumeln, Zusammenstürzen, Lähmung - aller Teile, insbesondere der Zunge hervor. Hunde zeigten ähnliche - Erscheinungen (+Hertwig+). - - -Vergiftung durch Wasserschierling (Cicuta virosa). - - =Botanisches.= Der +Wasserschierling+, +Cicuta virosa+ - (Giftwüterich), ist eine Sumpfpflanze mit weissem, milchendem, - von Querständen gefächertem Wurzelstock, aufrechtem, bis über 1 m - hohem Stengel, dreifach gefiederten Blättern, schmalen, spitzen, - scharf gesägten Blättchen und weissen Doldenblüten. Das Kraut - besitzt einen petersilienartigen Geschmack. Der Wasserschierling - enthält das =Zikutoxin=, eine zähflüssige, widrig schmeckende, - sehr giftige Masse, welche in der frischen Wurzel zu 0,2 Proz., in - der getrockneten zu 3,5 Proz. vorhanden ist. Ausserdem enthält die - Pflanze ein ätherisches Oel, das Zikuten, von der Formel C_{10}H_{16}. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Zikutoxin ist ein -+Krampfgift+, welches tonisch-klonische, von den Kopf- und -Nackenmuskeln ausgehende und sich von da über den ganzen Körper, -namentlich auch auf die Atemmuskel verbreitende +Krämpfe+ erzeugt. Es -tötet Katzen in Dosen von 0,05 g pro kg Körpergewicht. Gleichzeitig -wirkt es +reizend+ und entzündungserregend auf die Schleimhaut -des Verdauungsapparates. Die Vergiftungserscheinungen bestehen in -+Speicheln+, +Erbrechen+, +Kolik+, +Tympanitis+, +epileptiformen -Anfällen+, +krampfhaften Kontraktionen der Hals- und Kopfmuskeln+, -+Schwindel+, +Taumeln+, +kollerartigem Benehmen+, +Schwäche+, -+Lähmung+, +Atmungskrämpfen+. Der Tod erfolgt meist innerhalb -24 Stunden. Bei der Sektion findet man entzündliche Rötung der -Magendarmschleimhaut, Lungenhyperämie, Gehirnhyperämie, sowie zuweilen -Gehirnödem. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Tannin und -je nach den Vergiftungserscheinungen in der Anwendung exzitierender -oder beruhigender Mittel. - - =Kasuistik.= +Experimentelle+ Verfütterungen von Wasserschierling - an Pferde sind von +Krause+ (Magazin Bd. 3) vorgenommen worden. - 500 g getrocknetes und gepulvertes Schierlingskraut erzeugten nach - 2 Stunden Appetitlosigkeit und Kolik, nach 4 Stunden Tympanitis, - Betäubung, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, nach 6 Stunden - krampfhaftes Abbeugen des Kopfes nach rechts, sowie krampfhafte, - automatenartige Bewegungen der Gliedmassen und des Unterkiefers - neben Unvermögen zu stehen, endlich nach 15 Stunden unter heftigen - allgemeinen Krämpfen Tod. Bei der Sektion fand man dunkelrote Flecke - auf der Schleimhaut des Magens, Blind- und Grimmdarms. Zwei andere - Pferde starben unter denselben Erscheinungen innerhalb 48 Stunden. - - +Klinische+ Fälle sind mehrfach beschrieben worden. +Kettritz+ - (Berl. Arch. 1804) sah 4 Kühe plötzlich sterben, welche am Rand - eines Teiches geweidet hatten; die Sektion ergab Magenentzündung. - 2 andere zeigten Aufblähung, Eingenommenheit und Mattigkeit, - genasen aber nach 3 Tagen. +Kruckow+ (ibid. 1895) beschreibt einen - ähnlichen Fall. 6 Ochsen, welche an einem Grabenrand geweidet - hatten, verendeten im Verlauf weniger Stunden. Sie zeigten zuerst - Aufblähung, dann Schwanken und Taumeln, worauf sie unter Krämpfen - verendeten; die Sektion ergab entzündliche Rötung des Magens. - +Wermbter+ (ibid. 1896) sah 3 Kühe plötzlich erkranken und innerhalb - einer Stunde sterben, welche an einem See geweidet hatten; eine Kuh - starb gewissermassen apoplektisch. Die andern zeigten Aufblähung, - Zittern, Speicheln, Krämpfe und Zusammenstürzen. Weitere klinische - Beobachtungen von Zikutavergiftungen bei Rindern und Schweinen sind - von +Gips+ (Berl. Arch. 1892), +Höhne+ (ibid. 1887), +Hackbarth+ - und +Collmann+ (Preuss. Mitt. 1883), +Damitz+ und +Oeltze+ (Magazin - 1840), +Schaller+ (ibid. 1864), +Weidmann+ (Schweizer Archiv Bd. 8) - u. a. gemacht worden. - - -Vergiftung durch Gartenschierling (Aethusa Cynapium). - - =Botanisches.= Der +Gartenschierling+, +Aethusa Cynapium+ (kleiner - Schierling, Hundspetersilie, Katzenpetersilie, Gleisse), ist eine - in Gärten, auf Aeckern, Schutthaufen, an Wegen etc. vorkommende - Umbellifere mit weissen Doldenblüten (Blütezeit Juli), rundem, - glattem, bis 1 m hohem, bläulich bereiftem, geflecktem Stengel, - 2-4fach fiederteiligen, an der Unterfläche glänzenden, fast - geruchlosen, beim Reiben mit der Hand lauchartig riechenden Blättern, - halbrunden, rinnenförmigen Blattstielen, langen 3blätterigen - Blütenhüllchen (dieselben sind länger als die Döldchen), sowie - dicken, scharfkantigen, ganzrandigen Samenrippen. - - -=Wirkung.= Der im Gartenschierling enthaltene Giftstoff ist seiner -Natur nach nicht genauer bekannt. Es sind von verschiedenen Seiten -überhaupt Bedenken erhoben worden, ob der Gartenschierling zu den -Giftpflanzen zu zählen ist (+Dammann+, +Harley+, +Kobert+). 2 Schafe, -welchen +Dammann+ 1-2 kg Gartenschierling in frischem Zustand -fütterte, zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen. Es ist deshalb -die Vermutung aufgestellt worden, dass der Gartenschierling bei den -angeblichen Vergiftungen mit anderen Schierlingsarten verwechselt -worden ist. Jedenfalls sind zum Zustandekommen einer Vergiftung -ausserordentlich grosse Mengen notwendig. In einem von +Wegner+ -(Magazin 1868) berichteten Fall zeigten 3 Kühe, welche zusammen etwa -42 kg Gartenschierling erhalten hatten, Appetitlosigkeit, +Speicheln+, -+taumelnden Gang+, +beschleunigtes Atmen+, +Herzklopfen+, +stinkenden -Durchfall+, +Zusammenstürzen+, +Unvermögen aufzustehen+, +Zuckungen+, -+Pupillenerweiterung+, +Lähmung des Hinterteils+ und zuletzt -+vollständige Lähmung+. Eine Kuh starb nach 10tägiger Krankheitsdauer. -Die Sektion ergab entzündliche Veränderungen im Labmagen und Dünndarm, -sowie Ansammlung von Serum im Gehirn und Rückenmark. +Behme+ -(Berl. Arch. 1896) sah nach der Aufnahme von Gras, welches viel -Gartenschierling enthielt, bei Kühen taumelnden Gang und Unvermögen zu -stehen; nach Ablauf einiger Stunden waren sie wieder gesund. - -Nach älteren Versuchen von +Orfila+ zeigte ein Hund, welcher 200 g -ausgepressten Saft erhalten hatte, Uebelkeit, Herzklopfen, Lähmung, -Betäubung und Krämpfe. +Möbius+ (Ad. Wochenschr. 1877) berichtet über -einen Vergiftungsfall bei 2 Schweinen, welche bereits nach 2 Stunden -starben. - - -Blausäurevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Blausäure kommt bei verschiedenen Gattungen der - Amygdaleen (Pruneen) in Form eines Glykosides, des =Amygdalins=, - vor. Im Tierkörper spaltet sich das Amygdalin unter der Einwirkung - des Emulsins in Blausäure, CNH, Bittermandelöl, C_{7}H_{6}O, - und Zucker, 2(C_{6}H_{12}O_{6}), indem es 2 Moleküle Wasser - aufnimmt. Das Amygdalin hat demnach die Formel C_{20}H_{27}NO. - Von amygdalinhaltigen Pflanzen sind zu erwähnen: 1. +Prunus - Amygdalus+, var. amara (früher Amygdalus communis benannt), der - +Bittermandelbaum+; die bitteren Mandeln enthalten 3,3 Proz. - Amygdalin. Aus den bitteren Mandeln wird das offizinelle Aqua - Amygdalarum amararum mit einem Blausäuregehalt von 1 pro Mille - dargestellt. 2. +Prunus laurocerasus+, der +Kirschlorbeerbaum+, - ein bis 6 m hoher Strauch mit lederartigen, immergrünen, länglich - zugespitzten, scharf sägezähnigen Blättern, aus welchen früher - das Aqua Laurocerasi dargestellt wurde. Derselbe enthält das mit - dem Amygdalin verwandte =Laurocerasin=. 3. +Prunus persica+, der - +Pfirsichbaum+, dessen Kerne über 2 Proz. Amygdalin enthalten - und dessen lanzettliche, spitz gesägte, an beiden Rändern - eingerollte Blätter ebenfalls giftig sind. 4. +Prunus Padus+, - der +Traubenkirschbaum+, ein 1-10 m hoher, in Laubwäldern und an - Flussufern wachsender Baum mit krautigen, fast kahlen, sommergrünen, - zugespitzten Blättern, ebenso giftig wie die Kirschlorbeerblätter. 5. - +Prunus domesticus+, der +Pflaumen-+ oder +Zwetschgenbaum+, dessen - Fruchtkerne (Zwetschgenkerne) etwa 1 Proz. Amygdalin enthalten. - 6. +Prunus Cerasus+ und +avium+, der +Kirschbaum+, mit 0,8 Proz. - Amygdalingehalt der Kirschkerne. Amygdalin findet sich ferner zu - einem halben Prozent in den Apfelkernen. Ausser den obengenannten - Amygdaleen und Pomazeen enthalten etwa 200 andere Pflanzenspezies - Blausäureglykoside, so z. B. Gymnema latifolium (Asklepiadee), Lasia - und Cyrtosperma (Aroideen), Pangium edule (Bixazee), Echinocarpus - Sigun (Tiliazee), Lucuma mammosa (Sapotazee), Phaseolus lunatus - und vulgaris (Papilionazeen), Jatropha Manihot (Euphorbiazee), - Agaricus oreades (Fungi). Sogar im Samenmehl von Linum usitatissimum - (Lein) hat man ein amygdalinartiges, blausäurehaltiges Glykosid, - das Linamarin, entdeckt. -- Im Tierreich findet sich Blausäure - im Drüsensekret der Tausendfüssler (Chilognathen), desgleichen - Zyanverbindungen (Zyan-Methyl, -Aethyl und -Amyl) im Gift der Kröten, - Tritonen und Salamander. - - Während Vergiftungen durch die freiwillige Aufnahme der genannten - Pflanzen und Pflanzenteile bei den Haustieren, namentlich bei den - Schweinen, Pflanzenfressern und beim Geflügel nicht selten sind, - haben die Vergiftungen mit reiner Blausäure und deren Präparaten - bei den Haustieren nur eine experimentell-toxikologische Bedeutung. - Die +reine Blausäure+ stellt in wasserfreiem Zustand eine farblose - Flüssigkeit dar, welche in freiem Zustand nirgends in der Natur - vorkommt, sondern im Laboratorium aus Zyanquecksilber und Salzsäure - nach der Formel Hg(CN)_{2} + 2 ClH = HgCl_{2} + 2 CNH dargestellt - wird. Die zu Vergiftungszwecken benützte +wasserhaltige Blausäure+ - (Prozentsatz durch Verdünnung mit Wasser beliebig zu regulieren) - wird durch Destillation von Zyankalium oder Ferrozyankalium mit - verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Das +Zyankalium+, CNK, durch - Einleiten von Blausäure in Kalilauge dargestellt und vielfach zu - Vergiftungszwecken (Hunde, Katzen) benützt, bildet amorphe weissliche - Stücke oder Stangen, welche an der Luft zerfliessen und bei - Säurezusatz (oder mit der Salzsäure des Magens) Blausäure entwickeln. - Giftig ist ferner Zyansilber, Zyanquecksilber und Zyangold. Das - +rohe Bittermandelöl+, welches bei der Zersetzung des Amygdalins - entsteht, ist wegen seines Blausäuregehaltes (5-12 Proz.) ebenfalls - giftig. An und für sich ungiftig ist +Ferrozyankalium+, das gelbe - Blutlaugensalz, K_{4}Fe(CN)_{6}; wird dasselbe jedoch gleichzeitig - zusammen mit einer Säure eingegeben, so wirkt es giftig durch - Blausäureentwicklung. Ungiftig ist ferner +Ferridzyankalium+, das - rote Blutlaugensalz, welches im Harn angeblich als Ferrozyankalium - ausgeschieden wird. - - -=Krankheitsbild.= Die Blausäure ist eines der stärksten Nervengifte. -Sie bewirkt Erregung und spätere Lähmung der grossen Zentren -des verlängerten Marks, namentlich des +Atmungszentrums+ und -+vasomotorischen Zentrums+, sowie der motorischen Zentren der -Grosshirnrinde, ausserdem +Narkose+ des +Grosshirns+. Sodann ist die -Blausäure ein spezifisches +Stoffwechselgift+, indem sie den Geweben -die Fähigkeit benimmt, Sauerstoff zu binden und zu verbrauchen (+innere -Erstickung+). +0,05 g der reinen, wasserfreien Blausäure (= 1 Tropfen) -töten einen grossen Hund; 0,5-1,0 g (12-20 Tropfen) ein Pferd.+ Die -tödliche Dosis des +Zyankaliums+ für den Hund beträgt 0,25-0,5 g; für -das Pferd 5-10,0 g. Kleinere Tiere, wie Vögel, Meerschweinchen etc., -sterben schon nach Verabreichung unwägbarer Mengen chemisch reiner -Blausäure (0,1 mg). - -Die +Erscheinungen+ der Blausäurevergiftung sind verschieden je nach -der aufgenommenen Menge. +Grosse+ Dosen haben einen +blitzähnlich -schnellen+, +schlagartigen+, +apoplektiformen+ Tod zur Folge. Die Tiere -stürzen unter einem lauten Schrei oder Geheul zusammen und verenden -unter rasch zunehmender Atmungsbeschwerde, Erbrechen und tetanischen -Krämpfen innerhalb weniger Minuten infolge einer sofortigen allgemeinen -Lähmung des Nervensystems (Vergiften der Hunde). Bei +mittleren+ Dosen -lassen sich drei Stadien der Blausäurevergiftung unterscheiden: - -1. Ein +dyspnoisches+ Stadium, beginnend mit +Schwindel+, +Taumeln+, -+Erbrechen+. Die +Atmung+ wird sehr +beschleunigt+ und +angestrengt+, -bei Pferden stöhnend und röchelnd. Die Tiere sind sehr unruhig und -ängstlich; die sichtbaren Schleimhäute sind hellrot gefärbt. - -2. Ein +konvulsives+ Stadium, in welchem die Tiere zusammenstürzen -und in +starrkrampfähnliche Krämpfe+ (+Orthotonus+, +Opisthotonus+, -+Trismus+) und +epileptiforme Zuckungen+ verfallen. Dabei findet -unwillkürliche Kot- und Harnentleerung statt; die Atmung wird -allmählich langsamer. - -3. Ein +asphyktisches+ Stadium mit schliesslichem +Aufhören+ der -+Atmungsbewegungen+, starkem +Sinken+ der +Temperatur+, +Verlangsamung -des Herzschlags+, +Anästhesie+, +Zyanose+, +Koma+ und +Tod+. - -Die +Aufnahme+ der Blausäure findet von allen Körperstellen, -insbesondere auch von der unverletzten Haut aus statt. Besonders -schnell wird sie von der Trachealschleimhaut und von der Konjunktiva -resorbiert; Katzen sterben z. B ½-1 Minute nach dem Einbringen -weniger Tropfen einer 2proz. Blausäure in den Lidsack (Berliner -Vergiftungsmethode). Die +Ausscheidung+ der Blausäure erfolgt im -unzersetzten Zustand namentlich durch die Lunge und die Haut. - - -=Sektionsbefund.= In den akut verlaufenden Fällen findet man das -+Blut+ oft +auffallend hellrot+, ein für die Blausäurevergiftung -sehr charakteristischer, durch die Bildung von +Zyan-Methämoglobin+ -bedingter Befund. Bei längerer Dauer der Vergiftung hat das Blut eine -dunkel schwarzbraune Farbe. Das Blut ist ferner arm an Gerinnseln. Im -übrigen findet man die Erscheinungen der Suffokation. Von Wichtigkeit -für den Nachweis der Blausäurevergiftung ist der +Geruch+ der inneren -Körperorgane nach +bitteren Mandeln+. - - -=Behandlung.= Neben der Verabreichung von +Brechmitteln+ hat man -als chemisches Gegengift die Anwendung von +Eisenoxydhydrat+ mit -Magnesia (Antidotum Arsenici) empfohlen, um die Bildung des ungiftigen -Eisenzyanürsalzes herbeizuführen. Ferner werden als chemische Antidote -+Wasserstoffsuperoxyd+, H_{2}O_{2}, +Kalium permanganicum+, KMnO_{4} -(0,5proz.) und +Kobaltnitrat+ empfohlen, sauerstoffreiche Körper, -welche die Blausäure zu ungiftigen Verbindungen (Zyansäure und Oxamid) -oxydieren. Wegen des rapiden Verlaufs der Blausäurevergiftung bleibt -jedoch nur eine +symptomatische+ Behandlung übrig. Gegen die Lähmung -des Atmungszentrums hat man insbesondere das +Atropin+ angewandt. Von -anderen +Reizmitteln+ sind Aether, Alkohol, Kampfer, Koffein, Veratrin, -Strychnin, kalte Begiessungen, elektrische Reizung der Nervi phrenici -im Gebrauch. Auch der Aderlass wird befürwortet. - -=Nachweis.= Der Nachweis der Blausäure muss möglichst schnell nach -dem Tode vorgenommen werden, weil die Blausäure sich im Kadaver bald -zu Ammoniak und Ameisensäure zersetzt. Die Blausäure wird behufs -Nachweis zunächst +überdestilliert+; die zu destillierende Flüssigkeit -muss vorher schwach sauer gemacht werden, am besten durch Weinsäure. -Die Temperatur beim Ueberdestillieren soll 100° C. nicht wesentlich -übersteigen (Zersetzung der Blausäure). Die +zuerst+ übergegangenen 2-3 -ccm des Destillates werden zunächst für sich allein untersucht, weil -sie meistens den grössten Gehalt an Blausäure besitzen; dann werden -weitere 2-3 ccm untersucht etc. Meist lässt sich die Blausäure schon -durch den Geruch (+Bittermandelgeruch+) des Destillates nachweisen. -Im Destillat, welches man in mehrere Teile teilt, wird die Blausäure -durch Zusatz gewisser Stoffe in die nachfolgenden charakteristisch -gefärbten Verbindungen übergeführt: 1. In +Berlinerblau+ durch Zusatz -von +Eisenvitriollösung+ und +Kalilauge+, Erhitzen bis zum Sieden, -Filtrieren, Ansäuern des Filtrates mit +Salzsäure+ und Beimengung eines -Tropfens verdünnter +Eisenchloridlösung+. Einfacher kann die Reaktion -in der Weise vorgenommen werden, dass man das Destillat mit einer -Lösung eines +Eisenoxyd-Oxydulsalzes+ und dann mit Kalilauge bis zur -deutlichen alkalischen Reaktion versetzt, schüttelt und Salzsäure bis -zur sauren Reaktion hinzufügt. 2. In +blutrotes Rhodaneisen+ verwandelt -man die Blausäure, indem man eine zweite Probe des Destillats mit -einigen Tropfen +Schwefelammonium+ im Wasserbade verdunstet, den -Rückstand in wenig Wasser löst, mit 1-2 Tropfen Salzsäure ansäuert -und einen Tropfen +Eisenchloridlösung+ hinzufügt; es bildet sich -Rhodaneisen = Ferridthiozyanat Fe_{2}(SCN)_{6}. Diese Reaktion ist -sehr empfindlich, sie gelingt noch bei einer Verdünnung der Blausäure -von 1 : 4 Millionen. (Aber Vorsicht wegen des Rhodangehaltes des -Speichels.) 3. In +blauviolettes Nitroprussidkalium+ führt man -die Blausäure über durch Versetzen des Destillates mit wenigen -Tropfen einer Lösung von +Kaliumnitrat+, ferner mit 2-4 Tropfen -+Eisenchloridlösung+ und sodann mit soviel verdünnter Schwefelsäure, -dass die braune Farbe eben gelb wird, worauf erwärmt, abgekühlt, -das überschüssige Eisen mit etwas Ammoniak gefällt, filtriert und -das Filtrat mit wenig +Schwefelammonium+ zusammengebracht wird. Es -bildet sich Nitroprussidkalium, K_{2}Fe(NO)CN_{5} mit prachtvoll -violetter oder blauer Farbe. 4. Mit +Guayaktinktur+ (3 Proz.) und -einigen Tropfen 1⁰⁰/₀₀iger Kupfervitriollösung versetzt, färben sich -Lösungen von Blausäure beim Umschütteln +blau+. Diese empfindlichste -aller Blausäurereaktionen wird jedoch auch z. B. durch Ammoniak -hervorgerufen, sie bedarf aber im positiven Falle einer Kontrollprobe, -während sie im negativen Falle die Abwesenheit der Blausäure sicher -beweist. 5. Mit +Pikrinsäure+ oder +Pikrinsalpetersäure+ (einige -Tropfen einer wässerigen Lösung) und etwas +Aetzkali+ versetzt, färbt -sich Blausäure beim Erwärmen auf 50-60° +blutrot+. - -+Quantitativ+ wird die Blausäure als +Zyansilber+ bestimmt. Die -überdestillierte Blausäure wird zum Zwecke der Entfernung von etwaiger -Salzsäure oder Borax rektifiziert, das Destillat mit Salpetersäure -angesäuert und die darin enthaltende Blausäure durch +salpetersaures -Silber+ als Zyansilber ausgefällt, der Niederschlag auf gewogenem -Filter filtriert, ausgewaschen, bei 110° getrocknet und gewogen. 100 -Teile des Niederschlags (Zyansilber) sind = 20 Teile wasserfreie -Blausäure = 48,66 Zyankalium. (Ein Teil der Blausäure wird indessen -beim Destillieren zersetzt!) - - =Kasuistik.= +Bittere Mandeln.+ Ein Pferd zeigte nach 250 g bitterer - Mandeln Pulsbeschleunigung, Flankenschlagen, Stöhnen und öfteren - Kotabsatz, war jedoch nach ½ Stunde wieder genesen (+Viborg+). -- Ein - kleiner Hund starb nach 6 g bitteren Mandeln unter den Erscheinungen - von Schwindel und Schwäche nach 6 Stunden (+Orfila+). -- Ein Schwein - zeigte nach mehrtägiger Verabreichung von 20-25 g bitterer Mandeln - Zittern und Unruhe, erholte sich aber immer wieder (+Gerlach+, - Gerichtl. Tierheilkunde). -- Eine Katze starb nach 4 g. Mehrere Gänse - zeigten nach dem Genuss der bitteren Mandeln Zittern, Lähmung und - grosse Beängstigung (+Schwarz+, Ad. Woch. 1861). -- Mandeltorte soll - namentlich für Papageien ein giftiger Leckerbissen sein (+Gerlach+). - -- Ein Papagei starb nach dem Genuss von bitteren Mandeln, indem er - von der Stange fiel und zitterte (+von Rátz+, Monatsh. f. prakt. - Tierhlkde. 1892). - - +Zwetschgenkerne.+ Vier Schweine starben plötzlich nach dem Genuss - derselben. Bei der Sektion fand man das Blut kirschrot und die - Magenschleimhaut stark gerötet und geschwollen (+Perdan+, Oesterr. - Vereinsmonatsschr. 1884). -- Eine Schafherde war in einen Garten - getrieben worden, in dem sehr viele abgefallene Zwetschgen lagen. - Viele Schafe erkrankten nach der Aufnahme derselben, 4 starben. Die - Tiere zeigten Taumeln, Umfallen, Pupillenerweiterung und schnaubende - Atmung; im Magen fanden sich viele zerbissene Zwetschgenkerne, - ausserdem eine blutige Entzündung. Das Blut war hellrot; das Fleisch - roch scharf nach bitteren Mandeln (+Bernhard+, Preuss. Vet. Ber. pro - 1906). - - +Kirschlorbeerblätter.+ Von 25 Schafen, welche die Blätter gefressen - hatten, starben 5 (+van Damm+). Einen weiteren Fall hat +Bartholeyns+ - (Bullet. Belg. 1886) veröffentlicht. - - +Pfirsichblätter.+ Drei Ziegen starben nach dem Genuss derselben - unter Atembeschwerden, Lähmungserscheinungen und Konvulsionen - (+Imthurn+, Tierarzt 1834). - - +Traubenkirschblätter.+ Zwei Kühe erkrankten nach dem Genuss - derselben; eine starb. Bei der Sektion wurden rote Flecke im Labmagen - und Darm vorgefunden (+Noll+). -- Nach der Aufnahme von Laub der - Traubenkirsche lagen einige Rinder ¼ Stunde in Ohnmacht (+Juell+, - Nord. Zeitschr. 1889). - - +Kirschkerne.+ Zwei Schweine erkrankten unter Schwanken, - Konvulsionen, Atembeschwerden, Herzklopfen (+Frey+, Magazin Bd. 15). - - +Zyankalium.+ Ein 1jähriges Fohlen starb nach der intrathorakalen - Injektion von 25 g Zyankalium nach 6 Stunden (+Röder+, Sächs. - Jahresber. 1893). - - +Blausäurehaltige Bohnen.+ Ueber eine Massenvergiftung von Pferden, - Rindern und Schweinen durch fremdländische Bohnen, sog. Javabohnen, - haben +Dammann+ und +Behrens+ (D. T. W. 1906) berichtet. Die Bohnen - stammten von +Phaseolus lunatus+ und +vulgaris+, +Dolichos+ und - +Cajanus indicus+, und erwiesen sich blausäurehaltig (0,1-1,5 pro - Mille), sowie für obige Tiere giftig. Das mit Wasser angerührte - Bohnenschrot entwickelte einen eigenartigen Geruch. ¼ kg des Schrots - verursachten bei einem Schaf sofort starke Atembeschleunigung, - Brechbewegungen, Zuckungen, Koma und Tod; das Blut zeigte eine - hellrote Farbe, der Panseninhalt roch deutlich nach Blausäure. - Eine Kuh zeigte 2 Stunden nach der Aufnahme von ¾ kg Bohnenschrot - beschleunigte Atmung, maximale Pupillenerweiterung, Zucken, sowie - Sinken der Körpertemperatur; nach dem Tod erschien das Blut hellrot. - -- In der Revue vétér. alger. et tunis. 1908 wird darauf hingewiesen, - dass viele importierte Körnerfrüchte Blausäure enthalten und zum - Nachweis der letzteren folgende einfache Methode empfohlen: Weisses - Filtrierpapier wird mit 1proz. Pikrinsäurelösung getränkt und - getrocknet. Hierauf wird es in eine Lösung von Soda (1 : 10) gebracht - und wieder getrocknet. Bringt man dieses Reagenzpapier in ein gut - verschlossenes Reagenzglas, an dessen Boden sich die betreffenden - Pflanzenteile in feuchtem, mazeriertem Zustand befinden, so färbt es - sich schon bei ganz minimalen Blausäuremengen rot. - - -Vergiftung durch Kartoffelkeime und Kartoffelkraut (Solaninvergiftung). - - =Allgemeines.= Das =Solanin= ist ein glykosidisches Alkaloid, - welches durch Kochen in Zucker und +Solanidin+, einen saponinartigen - Körper, zerfällt. Es ist in verschiedenen Solaneen enthalten: 1. - +Solanum tuberosum+, die +Kartoffel+, enthält Solanin in den +Samen+ - (Beeren), in den +Keimen+, im +Kraut+ und unmittelbar vor der - Reife unter der Schale. 2. +Solanum nigrum+, der +Nachtschatten+, - ein auf Schutthaufen und an schattigen Plätzen wachsendes, bis 1 - m hohes Kraut mit behaartem Stengel, buchtig gezahnten, ebenfalls - behaarten Blättern, weissen Blüten und schwarzen, glänzenden - Beeren gibt ebenfalls Veranlassung zu Solaninvergiftungen bei den - Haustieren. Dagegen sind bisher Vergiftungen nicht vorgekommen durch - die übrigen Solaneen: Solanum Dulcamara (Bittersüss), welches das - Dolkamarin, ebenfalls einen saponinartigen Giftstoff enthält, Solanum - Lycopersicum (Tomaten), Sol. mammosum (Jungfernbrust), Sol. Sodomaeum - und verbascifolium. In den Solaneen sollen ausser dem Solanin auch - noch atropin- und hyoszinähnliche Alkaloide mit mydriatischer Wirkung - enthalten sein. In der Kartoffel soll das Solanin nach +Weil+ (D. - med. W. 1902) nicht, wie bisher angenommen wurde, durch Keimung, - sondern durch Bakterienwirkung entstehen („Bacterium solaniferum“). - - -=Wirkung des Solanins.= Das Solanin wirkt +lähmend+ auf +Gehirn+, -+Rückenmark+ und +Herz+. Es besitzt demnach eine morphinartige Wirkung, -weshalb sich die Krankheitserscheinungen bei der Solaninvergiftung -häufig in +Betäubung+, +Schwanken+, +Taumeln+, +Kreuzschwäche+ und -+Lähmung+ äussern. - -Nach den Untersuchungen von +Perles+ (Archiv für exper. Pathol. 1890) -wirkt das Solanin ausserdem nach Art der Saponine unter Umständen auch -örtlich +reizend+ (+Gastroenteritis+). Wie das Sapotoxin der Kornrade -soll auch das Solanin von der intakten Darmschleimhaut aus sehr schwer -resorbiert werden, woraus seine geringe Giftigkeit für gesunde Tiere -verständlich würde. +Diese zeitweise Verschiedenheit in der Wirkung des -Solanins, welche bald eine allgemeine, lähmende, bald eine örtliche, -reizende ist und häufig überhaupt nicht in die Erscheinung tritt, -erklärt vielleicht die abweichenden Angaben über das Krankheitsbild der -Solaninvergiftung bezw. Kartoffelkrautvergiftung+ (vgl. unten). - -Bei der nervösen Form der Krankheit, wobei die Tiere zuweilen plötzlich -gelähmt umfallen und innerhalb weniger Minuten sterben, ist der -+Sektionsbefund+ gewöhnlich negativ. Bei der gastrischen Form findet -man dagegen die Erscheinungen der Gastroenteritis. -- Die +Behandlung+ -besteht in der Verabreichung von Tannin und exzitierenden Mitteln. - - -=Krankheitsbild der Solaninvergiftung.= Solaninvergiftungen ereignen -sich bei den Haustieren am häufigsten nach der Aufnahme +keimender -Kartoffeln+, sowie von +Kartoffelkraut+. Die in der tierärztlichen -+Literatur+ als „Solaninvergiftungen“ bezeichneten Krankheitsfälle sind -übrigens bei genauerer Prüfung nur zum Teil als wirkliche Vergiftungen -durch Solanin aufzufassen. Es sind offenbar mehrere Erkrankungen, -welche durch Ueberfütterung mit Kartoffeln oder Kartoffelkraut, durch -Aufnahme verdorbener, gärender, zersetzter Kartoffel, durch verdorbene -Kartoffelschlempe, durch pilzbefallenes Kartoffelkraut usw. verursacht -waren, als Solaninvergiftungen beschrieben worden. Entsprechend der -verschiedenartigen Wirkung des Solanins kann man mehrere klinische -Formen der Solaninvergiftung unterscheiden, eine +nervöse+, eine -+gastrische+ und eine +exanthematische+. - -1. Die =nervöse= Form ist die gewöhnliche Form der Solaninvergiftung. -Sie äussert sich im wesentlichen in Symptomen der +Betäubung+ und -+Lähmung+. Sie kann sich mit der gastrischen Form +komplizieren+. Die -tierärztliche Literatur enthält sehr zahlreiche Fälle der mehr oder -weniger reinen nervösen Form der Solaninvergiftung. Am häufigsten wird -dieselbe nach der Verfütterung von +Kartoffelkeimen+ beobachtet. - - =Kasuistik.= +Koppitz+ (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1883) - beobachtete bei Kühen nach der Verfütterung keimender Kartoffeln - im Frühjahr Schwäche im Hinterteil sowie stupiden, teilnahmslosen - Gesichtsausdruck. Nach +Schwanefeld+ (Berl. Archiv 1885) äusserte - sich dieselbe Vergiftung bei einer Ziege in allgemeiner Paralyse. - +Eggeling+ (Preuss. Mitteil. 1882) beobachtete bei 8 Kühen am - Tag nach der Verfütterung von Kartoffelkraut Schreckhaftigkeit, - Aufregung, Schwäche im Kreuz und in den Hinterbeinen, sowie - Lähmung des Hinterteils. +Fuchs+ (Bad. Mitteil. 1870) sah nach der - Aufnahme von Kartoffelkraut bei Kühen Taumeln und Zittern, die - Tiere konnten sich nicht auf den Beinen erhalten, stürzten vielmehr - gelähmt zusammen. +Prahl+ (Preuss. Mitteil. 1868) beschreibt eine - Solaninvergiftung nach der Verfütterung von Kartoffelkraut bei 8 - Kühen. Zwei derselben fielen plötzlich um, die eine starb nach - wenigen Sekunden, die andere lag 2 Tage gelähmt am Boden; die - übrigen zeigten Taumeln, Pupillenerweiterung und Seitwärtsstellung - des Kopfes. +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) sah nach - der Aufnahme von Kartoffelbeeren Hühner unter den Erscheinungen - von Traurigwerden, Mattigkeit, Taumeln und Umfallen sterben. 8 - Kühe erhielten infolge eingetretener Futternot stark gekeimte - Kartoffeln. Am 3. Tag zeigten sie Schwanken im Hinterteil, Zuckungen - in den Beinen, Unruhe, kurzes Atmen, Bohren und Stossen mit Kopf - und Hörnern in die Tröge, Verstopfung mit späterer Diarrhöe, - Betäubung, Apathie, Niederstürzen, Liegenbleiben, Zunahme der - Lähmungserscheinungen und Unempfindlichkeit im Hinterteil (Bild des - Festliegens). Auffallend war der faulige, penetrante Kotgeruch. - Nach dem Aussetzen der Fütterung und Einleitung einer Behandlung - verschwanden die Lähmungserscheinungen am 2. Tag, die enteritischen - Symptome jedoch erst am 8. Tag (+Walther+, Sächs. Jahresber. 1893). - Eine Kuh zeigte nach der Verfütterung von Kartoffelkraut Zittern, - taumelnden Gang und schliesslich vollständige Lähmung, so dass sie - unfähig war, sich zu erheben; gleichzeitig bestand übelriechender - Durchfall; das Tier ging nach dreiwöchentlicher Krankheitsdauer an - Erschöpfung zugrunde (+Hohenleitner+, Woch. f. Tierhlkde. 1894). - Als typische Symptome nach der Verfütterung von Kartoffelkraut beim - Rind beobachtete +Schulz+ (ibid. 1895) Lähmungserscheinungen in Form - von Schwanken und Festliegen, daneben bestand zuweilen Verstopfung, - Aufblähung und fast immer Ekzembildung auf der Haut. Die Kühe eines - Rittergutes erhielten pro Kopf und Tag 75 Pfd. gedämpfte Kartoffeln, - worauf sich bald bei fast allen Tieren neben hochgradigem Durchfall - eine derartige Lähmung des Hinterteils einstellte, dass die meisten - 3-4 Tage nicht aufstehen konnten und die andern einen schwankenden - Gang zeigten (+Liebener+, Berl. Arch. 1889). Eine Kuh, welche - grosse Mengen keimender Kartoffeln erhielt, zeigte hochgradige - Mattigkeit, Unempfindlichkeit der Haut, Schlafsucht, Durchfall und - lag gelähmt auf der Seite. +Krüger+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1893, - S. 308) beobachtete bei einem mit Kartoffeln gefütterten Pferd - ausgesprochene Erscheinungen einer Solaninvergiftung. Nachdem das - Pferd 10 Tage hindurch als Ersatz für Hafer bis zu 10 Pfd. Kartoffeln - erhalten hatte, zeigte sich am 11. Tag grosse Schreckhaftigkeit, - Taumeln, Schwanken, Kreuzschwäche, Pupillenerweiterung, Lähmung des - Mastdarms und der Blase, sowie der Kaumuskeln, der Ohren-, Nasen-, - Lippen- und Lidmuskeln. Die Sektion des nach etwa 3wöchentlicher - Krankheitsdauer verendeten Pferdes ergab einen durchaus negativen - Befund. +Höhne+ (Berl. Arch. 1891, S. 369) sah bei Schafen nach der - Aufnahme roher gekeimter Kartoffeln Erscheinungen von rasendem Koller - und Kreuzlähmung eintreten. +Zimmermann+ (ibid.) beobachtete bei - Milchkühen, die fortgesetzt Kartoffelbrei aus gedämpften Kartoffeln - erhalten hatten, eine Massenerkrankung in Form von Kreuzschwäche - und Kreuzlähme. Nach +Maier+ (D. T. W. 1893) zeigte eine Kuh nach - der Fütterung erfrorener Kartoffeln Unvermögen aufzustehen, Liegen - mit zurückgeschlagenem Kopf, völlige Apathie, sowie Durchfall. - 4 Rinder zeigten nach der Verfütterung gekeimter, gedämpfter - Kartoffeln Taumeln und Lähmungserscheinungen; eine Kuh war durch - leichten Händedruck zum Umfallen zu bringen; der Sektionsbefund - war durchaus negativ (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. 1897). Nach - +Albrecht+ (D. T. W. 1897) erkrankten nach der Verfütterung - gekeimter Kartoffeln, wobei auf 20 Pfd. Kartoffel täglich etwa 1 - Pfd. Keime kamen, 4 Kühe unter den Erscheinungen von Durchfall, - schwankendem Gang, sowie Gebärparese ähnlicher Haltung beim Liegen. - +Haubold+ (Sächs. Jahresber. 1900) sah bei 18 Mastschweinen nach - der Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln Schreckhaftigkeit, - Laufwut, seitliche Kopfhaltung, Pupillenerweiterung, Schwäche und - Lähmungserscheinungen; 2 Schweine verendeten nach kurzer Zeit. - +Schneider+ (Berl. tierärztl. Woch. 1902, S. 373) beobachtete eine - Massenerkrankung bei 1100 Schweinen eines Molkereibesitzers nach der - Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln. Die Krankheitserscheinungen - bestanden in Teilnahmlosigkeit, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - Sopor, schwachem Puls, wässerigem Durchfall, Lähmung im Hinterteil - und niedriger Körpertemperatur. Die Sektion zweier Schweine ergab - ausser entzündlichen Erscheinungen im Fundusteil des Magens ein - negatives Resultat. +Spörer+ (W. f. T. 1903) sah bei 2 Kühen - und einem Pferd nach der Fütterung stark gekeimter Kartoffeln - und Topinambur Benommenheit und Schwäche, sowie Sistieren der - Wanstbewegung; es trat Heilung ein. +Seitz+ (ibid.) sah beim Rind - nach der Fütterung alter gekeimter Kartoffeln Betäubung, Schwanken, - Taumeln, allgemeine Lähmung (am Boden liegen), verlangsamte Atmung, - reaktionslose Kornea und Ptosis; trotzdem trat Heilung ein. +Grebe+ - (Preuss. Vet. Ber. 1904) sah bei 7 Schweinen nach der Aufnahme - stark keimender Kartoffeln Schwanken, vollständige Lähmung der - Gliedmassen, Atemnot und Tod nach 6-10 Stunden. Nach +Döderlein+ - (W. f. T. 1906) erkrankten 2 Kühe, die mit stark gekeimten - Kartoffeln gefüttert waren, unter Lähmungserscheinungen, starker - Benommenheit, Empfindungslosigkeit und Durchfall; nach subkutanen - Kampferinjektionen trat Heilung ein. Ein ähnlicher Fall (derselbe?) - wird in dem Preuss. Vet. Ber. pro 1907 beschrieben. - -2. Die =gastrische= Form der Solaninvergiftung äussert sich -hauptsächlich in +Durchfall+, +Meteorismus+, +Erbrechen+, -+Speichelfluss+ und sonstigen Erscheinungen des +Magendarmkatarrhs+; -Lähmungserscheinungen fehlen. Dagegen hat man zuweilen aphthöse -Prozesse auf der Maulschleimhaut beobachtet. Diese reizende, -saponinähnliche Wirkung des Solanins findet man namentlich nach der -Verfütterung von grünem +Kartoffelkraut+. Dieselbe lässt sich auch -experimentell bei Versuchstieren herbeiführen. Zwei von +Hess+ und -+Wüthrich+ (Die Wirkung des grünen Kartoffelkrauts, Bern 1895) mit -Kartoffelkraut gefütterte Kühe zeigten schon nach 36 Stunden akutes -Aufblähen sowie intensiven Magendarmkatarrh mit Speichelfluss und -Rückgang der Milchsekretion. Die tierärztliche Literatur enthält -ebenfalls einige klinische Fälle dieser Vergiftungsform. Nach -+Körber+ (Preussische Mitteil. Bd. 5) zeigten 3 Kühe, an welche im -Frühjahr angefaulte und gekeimte Kartoffeln verfüttert worden waren, -unterdrückte Futter- und Wasseraufnahme, Niedergeschlagenheit, -+wässerigen Durchfall+, unwillkürlichen Abgang stinkender Massen, -Sinken der Körpertemperatur, Blässe der Schleimhäute und schliesslich -kaum fühlbaren Puls. Sie starben sämtlich im Verlauf von 36 bis 48 -Stunden; bei der Sektion fand man entzündliche Rötung der Labmagen- und -Dünndarmschleimhaut. - - Die Frage, ob ausser dem Solanin im Kartoffelkraut und in den - Kartoffelkeimen noch ein +anderer Giftstoff+ enthalten ist, welcher - die abweichende Wirkung auf die Verdauungsschleimhaut bedingt - (+Hess+ und +Wüthrich+, +Albrecht+), erledigt sich wohl durch die - nachgewiesene saponinartige Natur des Solanins. Diese Eigenschaft - erklärt ausreichend die Verschiedenheit des Vergiftungsbildes, - so dass sich die Annahme anderer, neben dem Solanin vorhandener - Giftstoffe erübrigt. Auch die früher sehr auffallend erscheinende - +Ungiftigkeit des chemisch reinen Solanins für gesunde Versuchstiere+ - wird durch die Saponinnatur des Solanins (Unschädlichkeit bei - intakter Schleimhaut) begreiflicher. Ich gab z. B. einer Versuchskuh - auf einmal 3,5 g Solaninum purum (Merck) und später 3,75 g Solaninum - hydrochloricum, ferner im Verlauf einer Woche 3,5 g Solanidin, ohne - hernach irgend welche Krankheitserscheinungen zu beobachten. Auch ein - Versuchsschaf zeigte auf je 1 g Solanin, Solaninum hydrochloricum - und Solanidin keine Reaktion. Ein kleiner 19 Pfd. schwerer - Versuchshund ertrug eine subkutane Injektion von 0,5 Solaninum - hydrochloricum (0,05 pro kg Körpergewicht) ohne jede Spur einer - Vergiftungserscheinung, desgleichen 0,5 Solanidin innerlich. 2 kleine - Kaninchen zeigten nach der subkutanen Injektion von 0,05, 0,1 und - 0,25 Solaninum hydrochloricum ebenfalls ausser lokaler Abszedierung - keine Reaktion. - -3. Nicht selten treten endlich =exanthematische=, an das Bild der -+Schlempemauke+ erinnernde Entzündungszustände der Haut zu den -gastrischen Störungen hinzu. So hat +Heiss+ (Wochenschr. f. Tierheilk. -1885) beim Rind einen sehr interessanten Vergiftungsfall nach der -Verfütterung von Kartoffelkraut beschrieben, dessen auffälligste -Krankheitssymptome in einer ulzerösen Stomatitis, Durchfall, -Konjunktivitis, Lidschwellung, sowie in einem +vesikulären+ und -+grindartigen Ekzem+ an den +Beinen+, in der Umgebung des +Afters+, an -der +Schwanzwurzel+, am +Euter+ und +Skrotum+, sowie am +Halsrande+ -bestanden. +Möbius+ (Sächs. Jahresber. 1893) beobachtete nach der -Fütterung mit Kartoffelkraut bei 1-3jährigen Rindern steifen Gang, -schmerzhafte, blaurötliche +Anschwellungen der Fussenden+ mit -Rissbildung und Exsudation, Abtrennung des Klauensaums, +Erosionen+ -und Blutungen auf der Maulschleimhaut, +Ekzeme+ am Skrotum, Rötung der -Scheidenschleimhaut sowie hohes Fieber (bis 41°). Aehnliche Fälle sind -von +Römer+ (D. T. W. 1895), +Hohenleitner+ (Wochenschr. f. Tierheilk. -1894), +Michaelis+ (B. T. W. 1895), +Model+ (Repertorium 1885) u. a. -beschrieben worden. Aehnlich wie bei der Lupinose und bei der Lecksucht -des Rindes verliert das Kartoffelkraut, welches im getrockneten -Zustande ein gutes Futtermittel darstellt, seine reizende Wirkung auf -die Haut, wenn es einmal gebrüht wird (Extraktion des Solanins!) - - =Solanum nigrum.= +Dietrich+ (Preuss. Mitt. 1876) sah 3 Ziegen nach - dem Genuss des Nachtschattens unter den Erscheinungen von Tympanitis - und Verdrehen des Kopfes erkranken; eine starb nach 8 Stunden. Nach - experimentellen Untersuchungen von +Viborg+ und +Orfila+ starben - Hunde nach Verabreichung des wässerigen Auszuges von Solanum nigrum - unter den Erscheinungen der Mattigkeit, Empfindungslosigkeit - und allgemeiner Muskellähmung. +Ziegenbein+ (Berl. Arch. 1899) - berichtet, dass 18 Enten nach der Aufnahme von Nachtschatten unter - Taumeln und Lähmungserscheinungen starben. Nach +Graham-Gillam+ - erkrankten 2 Schafe, welche Nachtschatten am Weg gefressen hatten. - Eines starb; das andere zeigte schwankenden Gang, Durchfall und - Pupillenerweiterung. - - -Vergiftung durch Taumellolch, Lolium temulentum. - - =Botanisches.= Der +Taumellolch+, +Lolium temulentum+ - (Schwindellolch, Schwindelhafer, Taumelhafer), gehört zu der Familie - der Gramineen und ist ein einjähriges, namentlich im Sommergetreide - vorkommendes Ackerunkraut, welches besonders auf Haferfeldern und - in nassen Jahren gedeiht. Die steifen, aufrechten Halme der ½-1 m - hohen Pflanze besitzen ca. 15 cm lange Aehren mit charakteristischen, - langen Hüllspelzen, welche die Aehrchen vollständig bedecken. - Ausserdem ist die Pflanze mikroskopisch dadurch ausgezeichnet, dass - der Spelzrand eine eigentümliche Haarbildung zeigt. - - Das wirksame Prinzip des Taumellolchs ist noch nicht in reinem - Zustand dargestellt; man hat früher als solches das +Loliin+, - einen glykosidischen Bitterstoff angenommen. Von anderen wird das - +Temulin+, ein Alkaloid von der Formel C_{17}H_{19}N_{2}O als - wirksamer Bestandteil bezeichnet. Derselbe soll bei Warmblütern - rauschartige Erscheinungen bedingen (+Hofmeister+). Ausserdem - ist die Vermutung aufgestellt worden, dass der Taumellolch eine - an sich ungiftige Pflanze ist, wie zahlreiche Fütterungsversuche - (+Nestler+, +Halm+, +Hertwig+, +Spinola+) erwiesen haben, und dass er - wahrscheinlich nur an gewissen Orten und zu gewissen Zeiten, ähnlich - wie die Lupinen, vielleicht durch Vermittlung von =Befallungspilzen= - giftig wirke. Die Annahme von Pilzen als Ursache der Loliumvergiftung - wird unterstützt durch die Untersuchungen über eine ähnliche - bei Menschen und Tieren vorkommende Vergiftung, durch das sog. - +Taumelgetreide+ (Taumelroggen). Man beobachtete nämlich in Russland - und Frankreich nach dem Genuss von Roggenbrot beim Menschen Taumel - und Schläfrigkeit; ähnliche Erscheinungen zeigten sich bei Hunden, - Schweinen und Hühnern. Französische Botaniker haben in den Körnern - des sog. Taumelroggens das Myzel eines zu den Diskomyzeten gehörenden - Pilzes, Endoconidium temulentum (Phialea temulenta) nachgewiesen, von - welchem angenommen wird, dass er durch ein giftiges Enzym den Kleber - und die Stärke des Roggens zersetze. +Woronin+ (Bot. Zeitung 1891, S. - 81) untersuchte das Taumelgetreide in Südussurien. Er fand folgende - +Pilzformen+, deren pathogene Wirkung noch genauer zu untersuchen - ist: Fusarium roseum, Gilberella Saubinetii, Cladosporium herbarum, - Helminthosporium, Epicoccum neglectum, Trichothecium roseum, Eurotium - herbariorum, Mikrokokken, Hymenula glumarum und Clodochytrium - graminis. Taumelgetreide findet sich nur in solchen Gegenden, die - viel unter feuchter Witterung zu leiden haben. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Taumellolchvergiftungen scheinen -früher häufiger, als heutzutage, vorgekommen zu sein. Zurzeit sind sie -ausserordentlich selten geworden, so dass die neuere Literatur nur -ganz vereinzelte Vergiftungsfälle beim +Pferd+ und +Rind+ aufweist. -Auch beim Menschen, bei welchem früher Taumellolchvergiftungen in -epidemischer Weise infolge loliumhaltigen Mehles und Brotes auftraten, -werden solche nur selten mehr beobachtet; nach +Kobert+ sind überhaupt -sichere Fälle von Vergiftung beim Menschen nicht nachgewiesen. Die -Hauptursache ist wohl in den Fortschritten der Bodenkultur und dem -Zurückdrängen des giftigen Unkrautes durch Ausrotten zu suchen. -Ausserdem hat man von jeher die Beobachtung gemacht, dass zum -Zustandekommen einer Vergiftung sehr grosse Mengen von Schwindelhafer -notwendig sind. So verfütterte +Nestler+ an 4 Pferde und an 2 Rinder -je etwa 6 Zentner Hafer mit einem Gehalt von 30 Proz. Lolchsamen, -ohne Krankheitserscheinungen zu beobachten. +Rosenkranz+ berichtet, -dass 4 Pferde monatelang mit Hafer gefüttert wurden, welcher 12 Proz. -Lolium enthielt, und dass sie ausser öfteren Schwindelanfällen nichts -Krankhaftes erkennen liessen. +Halm+ fütterte einem Pferde nach und -nach bis zu einer Metze reinen Lolchsamen, ohne charakteristische -Vergiftungserscheinungen zu beobachten. Hühner, welche innerhalb 14 -Tagen 3 Pfund, Schweine, welche eine Metze Schwindelhafer auf einmal, -Schafe, welche 1½ Pfund Mehl des Schwindelhafers aufgenommen hatten, -zeigten keinerlei Vergiftungserscheinungen (+Baillet+, +Spinola+). - -Die giftige Wirkung des Schwindelhafers äussert sich, wie schon der -Name sagt, in einer +narkotischen Beeinflussung+ des +Grosshirns+. -Die Krankheitserscheinungen bestehen in +Schwindelanfällen+, -+dummkollerartigem Benehmen+, +Schläfrigkeit+, +Schwanken+, -+Mattigkeit+, +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, +Pupillenerweiterung+, -+allgemeiner Gefühllosigkeit+; zuweilen gesellen sich hiezu auch noch -Kolikerscheinungen und Krämpfe. Der Verlauf ist bald chronisch, bald -akut; in einzelnen Fällen wird auch ein perakuter Verlauf beobachtet, -indem die Tiere apoplektiforme Anfälle von Betäubung und allgemeiner -Lähmung zeigen. Die +Sektion+ ergibt meist einen negativen Befund; -zuweilen findet man die Erscheinungen einer leichten Gastroenteritis, -sowie einer Hyperämie des Gehirns und Rückenmarkes. - -Die +Behandlung+ besteht in der Anwendung von Exzitantien. Man macht -subkutane Injektionen von Kampferspiritus, Kampferöl, Aether, Koffein, -Atropin, Veratrin, oder gibt innerlich Ammonium carbonicum. Auch kalte -Begiessungen des Kopfes, Frottieren der Haut, sowie die Anwendung von -hautreizenden Mitteln (Terpentinöl, Kampferspiritus) sind angezeigt. - - =Kasuistik.= +Meyer+ (Schweizer Archiv 1831) berichtet, dass - 2 Mutterpferde nach dem Verfüttern von loliumhaltigem Korn - Kolikerscheinungen, Pupillenerweiterung, unsicheren Gang, sowie - dummkollerartiges Benehmen zeigten. -- +Wiegel+, (Preuss. Mitteil. - 1872) beobachtete bei einer Kuh, dass dieselbe plötzlich, wie vom - Blitz getroffen, zusammenstürzte, ohne dass Schwanken und sonstige - Krankheitserscheinungen vorausgegangen wären. Diese apoplektiformen - Anfälle wiederholten sich 3mal hintereinander, worauf sich - Empfindungslosigkeit über den ganzen Körper, Schlafsucht, sowie - Verlangsamung der Respiration einstellten. 1½ Stunden darauf erhob - sich das Tier wieder und zeigte sofort einen ganz erstaunlichen - Appetit. 4 Stunden später erfolgte ein ähnlicher, aber schwächerer - Anfall, worauf völlige Genesung eintrat. -- +Magnus+ (Preuss. - Mitteil. Bd. 3) sah unter 14 Rindern 7 nach dem Genuss von - geschrotenem Lolchsamen unter den Erscheinungen der Bewusstlosigkeit - und unter allgemeinen Krämpfen erkranken; 2 derselben starben. - -- +Knudsen+ (Dän. Monatsschr. 1889) berichtet über zwanzig - Vergiftungsfälle beim Rind, die sich durch Lähmung des Hinterteils - auszeichneten. - +Gallé+ (Veterinarius 1897) sah bei 6 hochträchtigen - Stuten Abortus; das Futter enthielt 70 Proz. Lolium temulentum. - - -Vergiftung durch Flachs, Linum usitatissimum. - - =Botanisches.= Der +Flachs+ oder +Lein+, +Linum usitatissimum+, - wird in Deutschland vereinzelt teils als Oelpflanze (Leinöl), teils - als Faserpflanze (Flachs) kultiviert. Seine ausgepressten Samen - werden als Leinölkuchen zu Futter- und Düngerzwecken verwendet. Der - Flachs ist ein einjähriges Kraut mit meterhohem kahlem Stengel, - lanzettförmigen, drei-nervigen, 2½ cm langen Blättern und blass - azurblauen Blütendolden. Die Samen (Leinsamen) sind eiförmig, - flach, scharfrandig, ½ cm lang, mit brauner, glänzender, glatter, - dünner Schale und grünlichem Kern. Die Samenschale enthält ausser - Schleim (6%) ein amygdalinartiges Glykosid, das =Linamarin=, der - Kern fettes Oel (30%) und Eiweiss (25%). Der früher als Abführmittel - benützte +Purgierflachs+, +Linum catharticum+, ist ein 1jähriges, - 15 cm hohes Pflänzchen mit einnervigen Blättern und weissen Blüten. - Der Geschmack der Pflanze ist sehr bitter. Dieselbe enthält einen - glykosidischen Bitterstoff, das =Linin=, welches namentlich nach der - Blütezeit in grossen Mengen in derselben enthalten ist und weisse, - seidenglänzende, stark bitter schmeckende, stickstofffreie, neutral - reagierende Kristalle bildet. - - -=Krankheitsbild.= Die in der Literatur als Flachsvergiftung -bezeichneten Krankheitsfälle sind in ätiologischer Beziehung -offenbar nicht einheitlicher Natur. Dieselben betreffen nur zum Teil -wirkliche, echte Flachsvergiftungen. Ein grösserer Teil derselben -bezieht sich vielmehr auf eine Beimengung von +Rizinusschalen+ zu den -Leinsamenkuchen (vergl. Rizinusvergiftung). Andere Fälle scheinen -+Pilzvergiftungen+ (schimmelige, ranzige Leinkuchen), einzelne Fälle -vielleicht auch Vergiftungen durch beigemengten +Ackersenf+ oder andere -Giftpflanzen gewesen zu sein. - -Die echten Flachsvergiftungen haben eine verschiedenartige -Entstehungsweise. Zunächst ist mehrfach beobachtet worden, dass der -geröstete Flachs bezw. das in den Flachsrösten enthaltene Wasser bei -Schafen (+Güttlich+), Hunden, Gänsen (+Spinola+), ja selbst bei Fischen -(+Gerlach+) giftig gewirkt hat. Nach +Malzew+ (Petersburger Archiv für -Veterinärkunde 1887) erkrankte in einem russischen Dorfe sämtliches -Vieh durch den Genuss des Flusswassers, in welchem Flachs eingeweicht -wurde. Weiter sind Vergiftungen nach der Verfütterung von missratenem, -zu kurz gebliebenen Flachs bei Kühen und Schafen beobachtet worden. -Endlich haben die Leinsamenkapseln, wenn sie in allzugrosser Menge -aufgenommen wurden, zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. -Dass im übrigen der Flachs nur in grossen Mengen giftig wirkt, zeigen -die Versuche von +Harms+ (Hannoverscher Jahresbericht 1872 und 1873), -welcher einem Rind 15 Pfund grünen Flachs sowie einem Ziegenlamm 150 -g grüner Samenkapseln und 50 g trockener Samenkapseln ohne Nachteil -verabreichte, sowie ein Versuch von +Schmidt+ (Magazin Bd. 29), welcher -bei einem Schaf erst nach Verfütterung von 12 kg Samenkapseln eine -tödliche Vergiftung herbeiführen konnte. - -Ueber den im Flachs enthaltenen Giftstoff ist mit Sicherheit nichts -bekannt (Linamarin?). Aus den Vergiftungserscheinungen ist zu -entnehmen, dass es ein +scharf-narkotischer+ Stoff ist, welcher -vielleicht mit dem im Purgierflachs enthaltenen Linin identisch ist. -Die Krankheitserscheinungen bestehen in +heftiger Kolik+, +Durchfall+, -+Tympanitis+, +Unruheerscheinungen+, +Krämpfen+, +Harnverhaltung+, -+Zittern+ und +Taumeln+. Bei der Sektion findet man die Schleimhaut -des Magens und Darmes mehr oder weniger hochgradig entzündet. Die -Behandlung der Vergiftung ist eine symptomatische (Opium, schleimige -Mittel); als Gegengift kann Tannin gegeben werden. - - =Kasuistik.= Von den in der Literatur enthaltenen klinischen Fällen - von Flachsvergiftung sind folgende bemerkenswert. +Prietsch+ - (Sächs. Jahresbericht 1868) sah 7 Kühe nach der Verfütterung von - abgemähtem missratenem Flachs unter Kolikerscheinungen erkranken und - 2 davon im Verlaufe eines Tages sterben; bei der Sektion fand man - die Schleimhaut des Lösers und Dünndarms stark entzündet und den - Darminhalt sehr flüssig. Nach +Sipp+ (Preuss. Mitteil. Jahrg. 7) - zeigten Kühe unmittelbar nach der Aufnahme von zu kurz gebliebenem - Flachs Kolikerscheinungen, Stöhnen, Zittern, grosse Angst und - Taumeln. +Semmer+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin 1877) sah - bei Schweinen nach der Verfütterung von Leinsamenkapseln öfters - massenhafte Todesfälle; bei der Sektion wurde Fettdegeneration der - Leber und Nieren, sowie teerartiges Blut gefunden. Weitere Fälle sind - von +Güttlich+ (Preuss. Mitt. 1882), von +Huffelen+ (Bullet. Belg.), - +Lüdersdorf+ (Ann. der Landwirtschaft 1858) u. a. beschrieben worden. - - -Eserinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der +Kalabarbohne+ (Physostigma venenosum, - afrikanische Papilionazee) enthaltene Alkaloid Eserin (Physostigmin) - hat seit seiner Anwendung als Abführmittel beim Pferd und - Rind in mehreren Fällen schon in mittleren therapeutischen - Dosen Vergiftungserscheinungen bedingt. Diese giftige Wirkung - therapeutischer Eserindosen ist, wie ich a. a. O. (Monatshefte - für praktische Tierkeilkunde 1890) gezeigt habe, auf verschiedene - Ursachen zurückzuführen. In erster Linie ist die Inkonstanz der - chemischen Handelspräparate, welche je nach der Darstellung - verschiedenartige, in chemischer Beziehung durchaus nicht - einheitliche Produkte sind, als Ursache zu bezeichnen. In zweiter - Linie kann die giftige Wirkung sonst unschädlicher Dosen durch ein - abweichendes Verhalten des Tierkörpers bezw. Individuums bedingt - sein. In dieser Beziehung sind Pferde mit chronischen Krankheiten - der Atmungsorgane (Emphysem, chronische Bronchitis, chronische - Pneumonie), sowie solche Pferde, welche an Kolik infolge starker - Ausdehnung und mechanischen Hindernissen im Magen und Darm, sowie - an Herzschwäche im Verlauf der Kolik leiden (hohe Pulsfrequenz), - besonders empfindlich gegen sonst normale Dosen von Eserin, indem - sie unter der Einwirkung des Eserins teils an Lungenödem, teils an - Magen- und Darmruptur, teils an Herzlähmung zugrunde gehen können. In - einzelnen Fällen ist die Giftwirkung sonst unschädlicher Eserindosen - auf die Art und Weise der Injektion, sowie auf eine individuelle - Idiosynkrasie der betreffenden Tiere zurückzuführen. - - -=Krankheitsbild.= Das Eserin wirkt +tetanisierend+ auf alle +glatten -Muskelfasern+ des Körpers, namentlich auf die des +Darmes+, -ausserdem +erregend+ auf die +Sekretion+ der +Schweissdrüsen+, -+Tränendrüsen+ und +Speicheldrüsen+. In giftigen Dosen erzeugt -es ausserdem +Krämpfe der quergestreiften Körpermuskulatur+ mit -späterer +Muskellähmung+, sowie +Lähmung der Atmung+ (+Lungenödem+) -und des +Herzens+. Die Vergiftungserscheinungen bestehen daher in -+heftiger Kolik+, +anhaltendem, profusem Durchfall+, +Zittern+, -+ausgebreiteten Muskelzuckungen+, +grosser Schreckhaftigkeit+, +grosser -Atmungsnot+, +Schweissausbruch+, +Speicheln+, +Tränenfluss+, +häufigem -Harnabsatz+, +Pupillenverengerung+, +Schwäche+, +Hinfälligkeit+, -+allgemeiner Lähmung+. In einzelnen Fällen wurde ausserdem eine -sehr starke +zerebrale Erregung+ beobachtet, welche sich in -maniakalischen, tobsuchtartigen Anfällen, hochgradiger Aufregung, sowie -Zwangsbewegungen (Drängen nach vorwärts) äusserte. - -Das Eserin ist namentlich für +Fleischfresser+ ein ausserordentlich -heftiges Gift. Nach meinen Beobachtungen starben kleine Hunde schon -nach 5, grössere nach 10 mg. Katzen und Kaninchen starben nach 2-3 -mg. +Pferde+ und +Rinder+ ertragen relativ viel grössere Dosen. -Ich habe einem mittelgrossen, älteren Versuchspferd ½ g Eserinum -sulfuricum subkutan injiziert, wonach zwar eine schwere, aber nicht -tödliche Vergiftung auftrat. Nach +Feser+ werden auch vom +Rind+ -verhältnismässig hohe Dosen ohne Nachteil ertragen, so subkutan 1 mg -Physostigmin pro kg Körpergewicht = 0,3 pro dosi, stomachikal das -10fache; nur in einem Fall trat nach der subkutanen Injektion von 0,17 -bei heftigem Husten und Rülpsen infolge Eindringens von Futterbrei -in die Bronchien Erstickung auf. +Subkutan+ sind 0,03 ohne sichtbare -Wirkung, 0,06 von geringer, 0,1 von kräftiger Wirkung; 0,15-0,17 -erzeugen heftiges Purgieren; nach 0,3 tritt die Wirkung schon nach 5 -Minuten unter starker Dyspnöe, Muskelzittern etc. auf. +Innerlich+ -gegeben wirkt Physostigmin beim Rind auffallend schnell in relativ -geringen Dosen; so rufen 0,15 schwaches Purgieren, 0,3 starkes -Purgieren, 0,7 dasselbe mit deutlichen Kolikerscheinungen, 0,9-1,0 -Purgieren unter Stöhnen und Aechzen, 1,5 sehr heftiges Purgieren, 3,0 -ebenfalls sehr heftiges Purgieren unter Zittern und Atemnot hervor. -Dieselbe Wirkung hat die Einspritzung in den Wanst. Sehr empfindlich -sind im Gegensatz zum Rind die kleinen Wiederkäuer (+Schafe+, -+Ziegen+), gegenüber dem Eserin (+Kunke+). +Schweine+ scheinen dagegen -wenig empfindlich gegenüber dem Eserin zu sein; sie zeigen nach +Frank+ -selbst in subkutanen Gaben von 0,1 keine sichtbare Wirkung. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegengift des Eserins ist das +Atropin+, -ein physiologisches Antidot, welches erregend auf die durch das -Eserin gelähmten Zentralorgane der Atmung und des Herzens sowie -sekretionsbeschränkend auf die Körperdrüsen wirkt. Man gibt es Pferden -und Rindern subkutan in Dosen von 0,05-0,1. Ausserdem kann man -+Skopolamin+ (+Hyoszin+), Veratrin und Koffein anwenden. Gegen die -Erregungserscheinungen gibt man Sedativa (Morphium, Chloralhydrat, -Bromkalium). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Physostigmins aus dem -Untersuchungsmaterial ist deshalb mit grossen Schwierigkeiten -verknüpft, weil dasselbe eines der am leichtesten zersetzlichen -Alkaloide ist und sich schon am Licht rot färbt. Die Extraktion muss -daher im +dunklen Raume+ und bei möglichst +niederer Temperatur+ -vorgenommen werden. Dieselbe geschieht am besten nach der Methode von -+Dragendorff+ (vgl. S. 199) aus alkalischer wässeriger Lösung durch -Ausschütteln mit +Benzol+ (oder Amylalkohol oder Chloroform). Von den -Reaktionen auf Physostigmin ist zunächst wichtig die +physiologische+ -Reaktion, welche darin besteht, dass beim Einbringen der Lösung -des Mittels in das Auge eines Kaninchens oder Meerschweinchens -+Pupillenverengerung+ noch bei Anwesenheit von 1/2000 mg Eserin -eintritt. Die +chemischen+ Reaktionen des Physostigmins sind folgende: -In erwärmter Ammoniakflüssigkeit löst sich das kleinste Kriställchen -Eserin zu einer gelblichroten Flüssigkeit, welche beim Eindampfen im -Wasserbad einen blauen oder blaugrauen, in Weingeist mit blauer Farbe -löslichen Rückstand hinterlässt (Eserinblau). In einem Tröpfchen -Schwefelsäure löst sich der Verdampfungsrückstand mit +grüner+ Farbe, -welche bei allmählicher Verdünnung mit Weingeist in +rot+ übergeht. - - =Kasuistik.= +Friedberger+ (Münchener Jahresbericht 1884) beobachtete - bei einem 300 kg schweren, 18jährigen, mageren, bis auf hochgradiges - Lungenemphysem relativ gesunden Wallach nach der subkutanen Injektion - von 0,1 Physostigminum sulfuricum eine schwere Vergiftung. Eine halbe - Stunde nach der Injektion traten nämlich neben der spezifischen - Wirkung auf den Darmkanal starke Aufregung, feuriger Blick, Drängen - nach vorwärts, starkes Abbeugen des Kopfes, sowie intensives - Muskelzittern im Hinterteil ein; diesen Erscheinungen folgte nach - etwa 1½ Stunden tiefe Ermattung, welche auch in den nächsten Tagen - noch andauerte. Weiterhin stellten sich rascher Kräfteverfall, - Drängen beim Vorwärtsgehen, unsicherer, ataktischer Gang, sowie am - 5. Tage förmliche maniakalische Erscheinungen und Beisswut ein, - so dass das Pferd getötet werden musste. +Albrecht+ (Der Tierarzt - 1888) hat ebenfalls nach der Injektion von 0,1 Eserin bei einem - schweren Bauernpferde eine 10 Tage lang andauernde Vergiftung, - bestehend in heftigem Muskelzittern, Schwanken, Zusammenknicken, - Benommenheit, Pupillenerweiterung, Puls- und Atmungsbeschleunigung, - sowie Herzschwäche beobachtet. Im Gegensatz hierzu hat +Klemm+ (Bad. - Mitt. 1884) über Beobachtungen berichtet, wonach bei Pferden Dosen - von 0,2 Eserin 5mal hintereinander in vierstündigen Pausen, mithin - ein ganzes Gramm Eserin innerhalb 24 Stunden ohne Gefahr angewandt - wurden. Auch in der Rindviehpraxis kommen Fälle vor, in welchen - einzelne Rinder auf Durchschnittsdosen des Eserins ganz auffallend - stark reagieren. So hat +Albrecht+ 3 Fälle beschrieben, in welchen - bei Rindern nach der subkutanen Injektion von 0,15 Eserin schwere - Respirationsstörungen, sowie ganz exzessive Erregungserscheinungen - auftraten. +Ripke+ sah bei einem Rind schon nach der Injektion von - 0,1 Eserin Atemnot, Schäumen und Schwäche auftreten; ein anderes Rind - starb sogar nach 6 Stunden. Für Ziegen wirkten in einem Fall schon - 0,04 g Eserin giftig (+Gobbels-Copette+, Belg. Annal. 1895). - - -Pilokarpinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in den +Jaborandiblättern+ (Pilocarpus - pennatifolius, brasilianische Rutazee) enthaltene Alkaloid Pilokarpin - wirkt ebenfalls zuweilen wie das Eserin in therapeutischen Dosen - giftig, was teils auf die Inkonstanz der Präparate, teils auf - gewisse individuelle Körperzustände zurückzuführen ist. Besonders - gefährlich hat sich das Pilokarpin wegen des drohenden Lungenödems - bei chronischen Lungen- und Herzkrankheiten, sowie bei Behinderung - des Abschlingens (Pharyngitis) erwiesen. - - -=Krankheitsbild.= Das Pilokarpin bewirkt in erster Linie eine -+gesteigerte Sekretion der Drüsen+ (Speicheldrüsen, Schweissdrüsen, -Bronchialdrüsen, Darmdrüsen), in zweiter Linie eine Kontraktion der -+glatten Muskelfasern+ (Magen-Darmkanal, Sphincter pupillae). Die -Vergiftungserscheinungen bestehen in abundanter +Speichel-+ und -+Schweisssekretion+, +hochgradiger Dyspnoe+, +Durchfall+, +psychischen -Erregungs-+ und +Lähmungserscheinungen+. Wie beim Eserin werden auch -zuweilen durch das Pilokarpin tobsuchtartige Anfälle hervorgerufen. -Der Tod erfolgt in einzelnen Fällen apoplektisch, meist wird er jedoch -durch Erstickung infolge von Lungenödem bedingt. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Antidot der Pilokarpinvergiftung ist wie -beim Eserin das +Atropin+, welches ein starkes Erregungsmittel für das -Herz und die Atmung ist. Man gibt es Pferden und Rindern subkutan in -wiederholten Dosen von 0,05-0,1. - - -=Nachweis.= Das Pilokarpin wird genau so wie Eserin abgeschieden -(extrahiert). Die +physiologische+ Reaktion (Pupillenverengerung) -ist ebenfalls dieselbe wie beim Eserin; ausserdem kann die -speicheltreibende Wirkung als Reagens verwertet werden. Dagegen -unterscheidet es sich vom Eserin durch eine charakteristische -Farbenreaktion: mit +rauchender Salpetersäure+ tritt nämlich eine -leichte +Grünfärbung+ ein. - - =Kasuistik.= +Friedberger+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin - 1884) berichtet, dass bei einigen Pferden schon kleine Dosen - ungewöhnlich hochgradige Erscheinungen veranlassten, und dass die - Patienten insbesondere von hohen Dosen ungleich stark beeinflusst - wurden. +Siedamgrotzky+ (Sächs. Jahresber. 1886) sah bei Pferden - nach Dosen von 0,5-1,0 Pilokarpin gefahrdrohende Erscheinungen - eintreten. +Lies+ (Tiermed. Rundschau 1886/87) warnt vor grösseren - Dosen Pilokarpin, nachdem ihm ein Pferd nach der Injektion von - 1,0 Pilokarpin apoplektisch verendete. +Hoffmann+ (ibid. 1887) - beobachtete bei einem Pferd nach 0,8 Pilokarpin gefahrdrohende - Dyspnoe, bei einem anderen nach 1,1 eine tödliche Vergiftung. +Dette+ - (ibid. 1888) sah nach der Injektion von 0,7 Pilokarpin ein Pferd - innerhalb 3 Stunden wie vom Schlage gerührt zusammenstürzen, worauf - sich neben einer schweren Allgemeinaffektion tobsuchtartige Zufälle - einstellten, so dass dasselbe getötet werden musste. +Jungers+ (Der - Tierarzt 1883) konstatierte bei Pferden auf die Einspritzung von - 0,8 Pilokarpin 8 Tage lang ein schläfriges, kolleriges Benehmen. - +Maximilian+ (Berliner Archiv 1888) beobachtete 2mal, dass - sich 2 Tage nach der Pilokarpininjektion die Erscheinungen der - Pilokarpinwirkung wiederholten. +Philippi+ (Sächs. Jahresber. 1888) - sah nach der Einspritzung von 0,3 Pilokarpin bei einem gehirnkranken - Pferd Taumeln, 6 Stunden anhaltende Bewusstlosigkeit und dann - Tobsucht und Laufwut. +Rust+ und +Cleve+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1890) - beobachteten ebenfalls bei Gehirnentzündung nach 0,3 Pilokarpin - Atemnot und Erstickung im eigenen Speichel. +Overbeck+ (Holl. - Zeitschr. 1898) sah ein Pferd mit Pleuritis nach einer Injektion von - 0,3 Pilokarpin unter Schweissausbruch und Dyspnoe innerhalb 4 Stunden - sterben. Nach +Kunke+ (Diss. Bern 1908) sind Schafe und Ziegen - besonders empfindlich gegen Pilokarpin, indem sie schon nach 0,03 - bezw. 0,04 g Vergiftungserscheinungen zeigen (Lungenödem). - - -Arekolinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der +Arekanuss+ (Areca Catechu, Palme) - enthaltene Alkaloid Arekolin von der Formel C_{18}H_{13}NO_{2} wird - seit 15 Jahren (vergl. meine diesbezüglichen Untersuchungen in den - Monatsh. f. prakt. Tierheilk. 1894) in der Tierheilkunde allgemein - als Ersatz des Eserins und Pilokarpins namentlich bei der Kolik - und Hufrehe der Pferde angewandt. Vergiftungsfälle sind trotz des - häufigen Gebrauches in der Literatur nur vereinzelt beschrieben - worden. Wie beim Eserin und Pilokarpin scheinen einzelne Pferde - auch gegenüber dem Arekolin eine individuelle Empfindlichkeit zu - besitzen. Ausserdem können bei herzkranken Pferden, sowie bei - bereits eingetretener Herzschwäche (Kolik) unter Umständen schon - mittlere Dosen giftig wirken. Beim Gebrauch der Arekanuss als - Wurmmittel sind Vergiftungen bisher nicht beobachtet worden; ihre - angebliche besondere Giftigkeit für das Geflügel hat sich nach den - Untersuchungen von +Gizelt+ nicht bestätigt. - - -=Krankheitsbild.= Das Arekolin wirkt wie eine Kombination von -Pilokarpin und Eserin (+Drüsen-+ und +Darmreizung+). Therapeutische -Dosen (0,02-0,1) erzeugen beim Pferd Speichelfluss, Durchfall und -Schweissausbruch. Die Arekolinvergiftung tritt bei gesunden Pferden von -0,25 ab, bei Herzkranken und Kolikkranken (Herzschwäche) von 0,08 ab -ein und äussert sich in +epileptiformen+ und +tetanischen Krämpfen+, -+Herzlähmung+ und +Atmungslähmung+. Die Dosis von 0,5 g wirkt nach -meinen Versuchen für Pferde tödlich. - -Die +Behandlung+ der Arekolinvergiftung ist die gleiche, wie bei -der Vergiftung durch Pilokarpin und Eserin; sie besteht in der -Verabreichung von +Atropin+ oder +Skopolamin+ (Hyoszin) als Gegengift. -Auch der physiologische Nachweis ist derselbe. Chemische Reaktionen des -Arekolins sind Braunfärbung (Niederschlag) mit Jodlösung, Gelbfärbung -mit Bromwasser. - - =Kasuistik.= Ein 4jähriges, kolikkrankes Ackerpferd, das, wie sich - nachher herausstellte, schon längere Zeit vorher herzleidend war (die - Sektion ergab chronische Endokarditis und Perikarditis), erhielt - 0,08 Arekolin subkutan eingespritzt. Einige Minuten darauf wurde es - sehr unruhig, schlug um sich, bekam Atemnot, zeigte roten, blasigen - Schaum an beiden Nasenöffnungen und verendete 8-10 Minuten nach der - Injektion an Herzlähmung und Lungenödem. Der Besitzer teilte mit, das - Pferd sei schon vor Eintritt der Kolik im Acker sehr bald schlaff - und müde geworden und habe sich sehr schlecht genährt (+Wöhner+, - Woch. f. Tierh. 1906). Ein 14jähriges Pferd erhielt gegen Rehe 0,1 - Arekolin; schon 2 Minuten nach der Injektion zeigte es sehr starke - Vergiftungserscheinungen, welche über eine Stunde anhielten; das - Pferd erholte sich erst wieder in einigen Tagen (+Olsen+, Dän. Mon. - 1900). Nach +Titus+ (Jowa 1907) starb eine Kuh mit Gebärparese - nach 0,1, ein Schaf nach 0,01 Arekolin. Rinder sind überhaupt sehr - empfindlich gegen Arekolin, indem sie oft schon bei 0,1 g bedrohliche - Atemnot zeigen (+Kunke+, Diss. Bern 1908). Neuere Untersuchungen - über die Wirkung des Arekolins auf die einzelnen Tiergattungen sind - von +Ruckelshausen+ (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1910) - veröffentlicht worden. - - -Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen. - - =Botanisches.= Die +Bucheckern+ oder +Bucheln+ sind die 3kantigen - Früchte der Rotbuche, Fagus silvatica (Kupulifere). Sie bestehen aus - einer braunen, harten Schale und einem ölhaltigen Kern und werden - behufs Gewinnung des Bucheckernöls ausgepresst. Die Pressrückstände, - welche im wesentlichen aus den braunen Schalen bestehen, werden als - „Bucheckern-Oelkuchen“ bezeichnet und in manchen Gegenden an die - Haustiere verfüttert. Sie enthalten einen sehr giftigen Stoff, das - Fagin, eine mit dem Cholin verwandte, trimethylaminähnliche Base. - Das Fagin findet sich namentlich in der Schale, in geringeren Mengen - ferner in der Gerüstsubstanz des Kerns; das ausgepresste Bucheckernöl - ist dagegen ungiftig. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch -Bucheckern-Oelkuchen ereignen sich immer nur nach Aufnahme grösserer -Mengen derselben. Am empfindlichsten sind +Pferde+, bei welchen schon -½-1 kg Oelkuchen eine schwere und nach 1½ kg eine tödliche Vergiftung -eintritt. Dagegen sollen nach +Pusch+ Rinder wenig oder gar nicht -empfindlich sein (vergl. übrigens die von +Kammerer+ und +Vaeth+ -mitgeteilten Fälle von Vergiftung). Das Fagin tötet Katzen in Dosen von -0,4 g. Das Bucheckerngift hat in seiner Wirkung viel Aehnlichkeit mit -dem +Eserin+, +Nikotin+, +Strychnin+ und +Trimethylamin+; es erzeugt -nämlich +Darm-+ und +Muskeltetanus+. Die Vergiftungserscheinungen -beginnen gewöhnlich mit einem sehr +heftigen Kolikanfall+, in -dessen Verlaufe sich die +Schmerzen+ bis zur +Tobsucht+, +Raserei+ -und +Selbstzerfleischung+ steigern können. Ausserdem beobachtet -man +Schreckhaftigkeit+, sowie +tetanische+, an +Strychnintetanus -erinnernde Krämpfe von ausserordentlicher Heftigkeit+, abwechselnd -mit +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, +Schwanken+, +Taumeln+, -+Zusammenstürzen+ und +vollständiger Lähmung+. Der Verlauf der -Vergiftung ist meist sehr akut, indem die Tiere schon nach einigen -Stunden unter den Erscheinungen der Erstickung zugrunde gehen können; -für gewöhnlich ist der Ausgang der Vergiftung innerhalb 12 Stunden -entschieden. Der +Sektionsbefund+ ist wenig charakteristisch. -Neben suffokatorischen Erscheinungen findet man bisweilen starke -ödematöse Durchtränkung und selbst Flüssigkeitsansammlung im Gehirn -und Rückenmark; zuweilen zeigt auch die Magen- und Darmschleimhaut -umschriebene, fleckige Rötungen. Die +Behandlung+ ist neben der -Anwendung von Abführmitteln und der Verabreichung von Tannin als -chemischem Antidot eine rein +symptomatische+. Sie besteht in der -Anwendung von Beruhigungsmitteln, vor allem in der subkutanen -Injektion von +Morphium+. Der Nachweis der Vergiftung wird auf -botanischem Wege gesichert. - - =Kasuistik.= Nach +Wanner+ (Schweizer Archiv für Tierheilkunde - 1889) erhielten 2 Pferde eines Müllers grössere Mengen gemahlener - Bucheckern-Oelkuchen mit heissem Wasser zu einem Brei angerührt. - Das eine Pferd hatte 2 Pfund, das andere 3 Pfund aufgenommen. Beide - Pferde zeigten zunächst anhaltende Kolikerscheinungen und Schwanken - bei der Bewegung. Das erstere zeigte ferner bei der am Tage nach - der Aufnahme der Bucheckern vorgenommenen Untersuchung hochgradige - Schreckhaftigkeit, indem es bei der geringsten Berührung, ja sogar - bei einem blossen Geräusch, in äusserste Raserei geriet, welche - sich durch Beissen und Schlagen kundgab; ausserdem biss es sich - mindestens 300mal in die Vorderbrust. Eine genaue Untersuchung, - ja selbst eine Temperaturabnahme war unmöglich, da das Pferd - bei jeder Berührung biss und wie rasend ausschlug. Neben dieser - Schreckhaftigkeit waren periodische Lähmungserscheinungen in der - Nachhand zu bemerken, wobei das Pferd zu schwanken anfing und mit dem - Hinterteil nach einer Seite halb ging, halb fiel. Nach Verabreichung - von Pilokarpin und Morphium besserte sich der Zustand allmählich, - so dass die Krankheit innerhalb 12 Stunden gehoben war; es blieb - indessen eine 3tägige hochgradige Schwäche zurück. Das zweite Pferd - zeigte neben den Erscheinungen der Betäubung und Lähmung Krämpfe - und Zuckungen der gesamten Körpermuskulatur, sowie hochgradigen - Opisthotonus, wobei sich der ganze Vorderleib in die Höhe hob, so - dass das Pferd senkrecht auf die Hinterbacken zu sitzen kam und nach - rückwärts umfiel; dieser Vorgang wurde 8mal beobachtet. Das Pferd - verendete unter den heftigsten Konvulsionen. Bei der Sektion fand - man im Dünndarm und auf der Magenschleimhaut umschriebene, fleckige - Rötungen. Das Grosshirn zeigte eine auffallend seröse Durchtränkung, - sowie starke Gefässinjektion; dieselben Veränderungen waren im - verlängerten Mark und im Lendenmark nachzuweisen. -- +Kammerer+ und - +Vaeth+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) haben mehrere Vergiftungsfälle - beim Rind beobachtet; die Erscheinungen bestanden in Unruhe, Stöhnen, - Durchfall, Herzklopfen, Schwanken, Umfallen, sowie in schwarzroter - Verfärbung des Harns. -- +Hartenstein+ (Sächs. Jahresb. 1892) sah - bei zwei Pferden nach der Verfütterung von Oelkuchen tödliche Kolik. - -- +Pusch+ (Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1893) verfütterte - Bucheckern an verschiedene Haustiere (exkl. Schweine, welche von - jeher mit Bucheckern gemästet werden). Pferde, Ziegen und Schafe - nahmen sie sehr ungern oder gar nicht, Rinder dagegen sehr gern auf. - Rinder erwiesen sich dabei wenig oder gar nicht empfänglich. Pferde - dagegen zeigten schon nach der Verfütterung von 2 Pfund Bucheckern - Krankheitserscheinungen; ein Fohlen starb sogar nach der Verfütterung - von 2¾ Pfund. Auch Ziegen scheinen die Bucheckern schlecht zu - vertragen. -- +Binder+ (Tierärztl. Zentralbl. 1908) sah nach - Verfütterung unreifer Bucheckern heftige Kolik, Durchfall, Tenesmus, - Krämpfe, grosse Schwäche und Hinfälligkeit, sowie Harnbeschwerden - bei den Haustieren auftreten; bei der Sektion wurde Nephritis und - Zystitis nachgewiesen. - - Von älteren experimentellen und klinischen Untersuchungen über - die Bucheckern-Oelkuchen sind die Mitteilungen von +Gerlach+ - (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), +Hertwig+ (Magazin, Bd. 24), +Kaiser+ - (Magazin, Bd. 25), +Hering+ (Württ. landw. Korrespondenzblatt 1825), - +Tscheulin+ (Kritisches Repertorium 1825) und +Herberger+ (Archiv des - Apothekervereins 1830) zu erwähnen. - - -Vergiftung durch Sauerampfer, Rumex. - - =Botanisches.= Der Sauerampfer gibt in zwei Arten Veranlassung zu - Vergiftungen bei den Pflanzenfressern. 1. +Rumex acetosa+, der - gewöhnliche Sauerampfer (Polygonee) ist ein kahles, unbereiftes Kraut - mit grossen, grünen, pfeilförmigen, sauerschmeckenden Blättern und - rötlichen, zweihäusigen Blüten. 2. +Rumex acetosella+, der kleine - Sauerampfer, unterscheidet sich von dem vorigen durch zartere, - kleinere Blätter, welche spiess- oder hellebardenförmig sind. Beide - Ampferarten enthalten, wie auch +Oxalis acetosella+, der Sauerklee, - +saures oxalsaures Kalium+ von der Formel C_{2}O_{4}HK + H_{2}O, - welches auch unter dem Namen „Kleesalz“ oder „Sauerkleesalz“ (Sal - Acetosellae, Kalium bioxalicum) bekannt ist. Wegen der leichten - Löslichkeit dieses Oxalsäuresalzes wirken die genannten Pflanzen in - grösseren Mengen giftig. Die Sauerampfervergiftung ist demnach als - eine =Oxalsäurevergiftung= aufzufassen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Sauerampfer gibt am -häufigsten bei +Schafen+, wenn ihn dieselben in grossen Mengen -aufnehmen, Veranlassung zu Vergiftungen. Das Vergiftungsbild -stimmt im wesentlichen mit dem der +Oxalsäurevergiftung+ -(vgl. S. 139) überein. Die Tiere zeigen die Erscheinung einer -+Gastroenteritis+: +Appetitlosigkeit+, +Durchfall+, +Mattigkeit+ und -+Lähmungserscheinungen+. Bei der Sektion findet man Entzündung und -Hämorrhagien auf der Schleimhaut des Magens und Darmes. Die Behandlung -besteht in der Anwendung schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender -Mittel. - -Die +Literatur+ enthält nachstehende Fälle von Rumexvergiftung. -Nach +Biermann+ (Holländ. Zeitschrift 1886) erkrankten 7 Schafe -nach dem Beweiden eines stark mit Sauerampfer (Rumex acetosella) -besetzten Haferstoppelfeldes. Sie zeigten unterdrückte Fresslust und -Rumination, grosse Mattigkeit, anfangs Verstopfung, später Durchfall, -angestrengte Atmung, kaum fühlbaren Puls und Herzschlag; bei 2, -welche krepierten, ergab die Sektion Hyperämie und Ekchymosierung -der Magendarmschleimhaut, sowie starke Hyperämie der Lungen. Nach -+Matthias+ (Preuss. Mitth. 1881) starben 40 Schafe nach kurzer -Krankheitsdauer unter den Erscheinungen eines heftigen Durchfalls; bei -der Sektion fand man eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. +Michels+ -(Annal. de Bruxelles 1869) beobachtete bei einem Pferd 3 Stunden nach -der Aufnahme von Rumex acetosella tetanische Krämpfe, welche sich alle -5 Minuten wiederholten, dazwischen hinein Speicheln, unwillkürlichen -Harnabgang, Schwanken und Zittern; der Tod erfolgte nach einigen -Stunden. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der Schleimhaut des -Magens und Zwölffingerdarms. +Dentler+ (Repertorium 1864) sah 25 Schafe -nach dem Genusse von Sauerklee, Oxalis acetosella, sterben. - - -Vergiftung durch Narzissus. - - =Botanisches.= Vergiftungen durch Narzissus, die bekannte Zierpflanze - (Amaryllidee) der Gärten, kommen sowohl nach Aufnahme der Zwiebel - und des Krautes der gelbblühenden, als der weissblühenden Narzisse - vor. 1. +Narcissus Pseudonarcissus+, die gelbe oder gemeine - Narzisse (Sternblume), ist durch eine einzige, dottergelbe Blüte - (März, April), zweischneidigen Schaft und eirunde, braune Zwiebel - charakterisiert. 2. +Narcissus poëticus+, die weisse Narzisse, - besitzt weisse Blüten mit gelber Nebenkrone. Beide Narzissen - enthalten ein giftiges Alkaloid, das Narzitin, ätherisches Oel und - Harz. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Narzitin besitzt eine -lokal +entzündungserregende+ und späterhin +lähmende+ Wirkung. Die -Vergiftungserscheinungen setzen sich daher aus den Symptomen der -Magendarmentzündung (+Kolik+, +starker Durchfall+) und denjenigen -der +allgemeinen Körperschwäche+ und +Lähmung+ zusammen. Bei der -Sektion findet man die Erscheinungen einer hochgradigen Enteritis. -Die Behandlung besteht in der Anwendung schleimiger und exzitierender -Mittel, sowie in der Verabreichung von Tannin als Gegengift. - -Vergiftungen durch Narzissen sind bei Rindern, Schweinen und Ziegen -beobachtet worden. Nach +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) frass -eine Schweineherde die auf den Hof geworfenen Zwiebel von Narcissus -poëticus, worauf 16 Stück unter den Erscheinungen grosser Schwäche -und starken Purgierens krepierten; bei der Sektion fand man starke -Entzündung des Magens und Darms. Zwei Kühe starben nach dem Genusse von -Gras, welchem viel Narzissen beigemengt waren, am zweiten und dritten -Tage, nachdem sie grosse Mattigkeit, Stöhnen sowie Drängen auf den -Mastdarm gezeigt hatten. Aehnliche Fälle sind von +Dinter+ (Sächs. -Jahresbericht 1882), +Uhlig+ (ibidem 1878), +Johne+ und +Rosenkranz+ -(ibidem 1865), sowie von +Harms+ (Magazin 1871) beschrieben. - - -Vergiftung durch Seidelbast, Daphne. - - =Botanisches.= Die zu den Thymeläazeen gehörige Gattung Daphne kommt - in 2 Arten vor. 1. +Daphne Mezereum+, Seidelbast, Kellerhals, ist - ein in schattigen, feuchten Wäldern vereinzelt wild wachsender, - vielfach auch in Gärten als Zierpflanze kultivierter, über 1 m hoher - Strauch, welcher im Frühjahr blüht, bevor er noch Blätter getrieben - hat. Die Blüten sind rosenrot, wohlriechend, leicht abfallend und - sitzen zu dreien gebüschelt in den Achsen der vorjährigen Blätter. - Letztere sind krautartig, lanzettlich. Im August und September - entwickeln sich die scharlachroten Beeren. 2. +Daphne Laureola+, die - Lorbeerdaphne, wächst in Süddeutschland, auf den oberbayerischen und - österreichischen Alpen, sowie in Böhmen. Die Pflanze zeigt gelbgrüne, - krautartige Blüten, lederartige, wintergrüne Blätter, sowie schwarze - Beeren. - - Hauptbestandteil beider Daphnearten ist das =Mezerein=, das +Anhydrid - der Mezereinsäure+ (Mezereumharz). Ausserdem findet sich in der Rinde - das ungiftige Glykosid Daphnin von der Formel C_{15}H_{16}O_{9} + - 2 H_{2}O, welches mit dem Aeskulin isomer ist und zu Zucker und - Daphnetin zerfällt. In den Beeren ist ausserdem Kokkogninsäure - enthalten. Auch Daphne Gnidium enthält Mezerein. Ein ähnliches - scharfes Harz findet sich in Thapsia garganica (Südeuropa). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Anhydrid der Mezereinsäure, -welches sowohl in der Rinde, als auch in der Blüte, in den Blättern -und Beeren des Daphnestrauches vorkommt, ist ein gelbbraunes Harz von -stark +entzündungserregender+ Wirkung (Acre pustulans). Nicht bloss auf -Schleimhäuten, sondern auch auf der Haut entsteht unter der Einwirkung -des Mezereinsäureanhydrids und der genannten Pflanzenteile Schwellung, -Rötung, Entzündung, Blasen-, Pustel- und Geschwürsbildung. Nach der -innerlichen Aufnahme der Pflanze entsteht das Bild einer +schweren -Magendarmentzündung+ und +Stomatitis+, welche sich in +Speicheln+, -+Schlingbeschwerden+, +Erbrechen+, +Kolik+, +starkem Durchfall+, -+Strangurie+, sowie grosser +Mattigkeit+ und +Schwäche+ äussert. Bei -der Sektion findet man Schwellung, Entzündung und Geschwürsbildung auf -der Schleimhaut der Maulhöhle, des Magens und Darmes. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in -Verbindung mit Opium. - -Die tödliche Dosis der gepulverten Daphnerinde beträgt für Pferde 30 g -(+Wrigt+), Hunde starben bei unterbundenem Schlund auf 12 g der Rinde -nach 13 Stunden (+Orfila+). Vergiftungen mit den Blättern von Daphne -Laureola sind in England beobachtet worden, wo dieselben als Wurmmittel -angewandt wurden. Nach +Rose+ (The veterinary Record, Bd. 6) erkrankten -hiebei 5 Pferde unter den Erscheinungen von Stomatitis, Kolik, starkem -Durchfall, grossem Durst, grosser Schwäche, kleinem, beschleunigtem -Puls und beschleunigtem Atmen; 3 davon starben im Verlauf von 5 Tagen. - - -Vergiftung durch Rhododendron, Alpenrose. - - =Botanisches.= Die zu den Erikazeen gehörige Gattung Rhododendron - wird in verschiedenen Arten teils in wildem, teils in kultiviertem - Zustande die Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren. - 1. +Rhododendron hirsutum+, auf den Schweizer Alpen vorkommend, - ist ein kleiner immergrüner Strauch mit elliptischen oder - länglichlanzettlichen Blättern, sowie purpurroten oder rosenroten, - trichterförmigen, in einer Doldentraube stehenden Korollen. 2. - +Rhododendron ferrugineum+, ebenfalls eine Alpenpflanze, besitzt - purpurne, trichterförmige Korollen, die Blätter sind am Rande kahl - und unterseits dicht drüsig schuppig. 3. +Rhododendron maximum+, in - Nordamerika einheimisch, bei uns als Zierpflanze kultiviert, wird - bis 8 m hoch, hat länglich spitze Blätter, sowie purpurrote violette - Blütenkorollen, welche innen gelb punktiert sind. 5. +Rhododendron - ponticum+, aus Kleinasien stammend, in Gärten kultiviert. 5. - +Rhododendron chrysanthum+, die sibirische Schneerose, mit widerlich - riechenden und scharf schmeckenden Blättern. - - Die Rhododendronarten enthalten das =Andromedotoxin= als Giftstoff. - Ausserdem findet sich in ihnen wie in allen Erikazeen Arbutin, - Erikolin, Urson, Tannin, Gallussäure, Harz und ätherisches Oel. -- - Von Pflanzen, welche ebenfalls Andromedotoxin enthalten, sind zu - nennen die verschiedenen +Andromedaarten+ (A. polyfolia, japonica, - Moriana etc.), ferner Azalea indica, Kassandra-, Kalmia-, Monotropa- - und Pierisarten. - - -=Krankheitsbild.= Das Andromedotoxin ist ein scharfer, -+akonitinähnlich+ wirkender Stoff, welcher auf +Haut+ und -+Schleimhäuten+ +Entzündung+ hervorruft und auf das Zentralnervensystem -+betäubend+ und +lähmend+ einwirkt. Die Vergiftungserscheinungen -bestehen daher in +Speicheln+, +Würgen+, +Erbrechen+, +Kolik+, -+blutigem Durchfall+, +Erregungserscheinungen+, +Betäubung+ und -+Lähmung+. Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der -Gastroenteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender Mittel. - -Die tierärztliche +Literatur+ enthält einige Fälle von -Rhododendronvergiftung. +Piepenbrock+ (Preuss. Mitteil. 1877) -berichtet, dass von 2 Ziegen, welche in einem Blumengarten Zweige der -Alpenrose mit Begierde gefressen hatten, die eine nach Ablauf einer -Stunde heftiges Würgen und Erbrechen, starkes Geifern aus dem Maule, -Zähneknirschen, sowie Schweissausbruch über den ganzen Körper zeigte -und bei Berührung des Körpers schmerzhaftes Blöken äusserte; am Tage -darauf lag sie gelähmt, langausgestreckt im Stalle. Die zweite Ziege -stand betäubt, die Stirn gegen die Wand gestemmt; der Mist war hart, -der Kotabsatz verzögert und mit schmerzhaftem Blöken verbunden, im Kote -fanden sich blutige Striemen, der Puls war unfühlbar. Am 3. bezw. 5. -Tage trat bei beiden Tieren Besserung und am 8. Tag Genesung ein. Nach -+Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) krepierten von 100 jungen Schafen, -welche einen Rhododendronstrauch abgefressen hatten, mehrere, ausserdem -mussten 27 wegen schwerer Erkrankung geschlachtet werden. +Claussen+ -(Schleswig-Holst. Mitt. für Tierärzte 1896) sah bei 3 Ziegen -Erbrechen, Appetitlosigkeit und Erregungserscheinungen. +Marston+ -(The Veterinarian) beobachtete bei 2 Rindern starken Speichelfluss, -öfteres Erbrechen sowie Erregung bei Annäherung von Personen. +Wilson+ -(ibid. 1897) fand bei einer Ziege Traurigkeit, schwankenden Gang, -anhaltendes Speicheln, Verstopfung sowie krampfhafte Kontraktionen der -Bauchmuskeln mit Würg- und Brechbewegungen. Einen weiteren Fall von -Rhododendronvergiftung hat +Salembier+ (Bullet. Belg. 1886) beschrieben. - - -Vergiftung durch Oenanthe crocata, Rebendolde. - - =Botanisches.= Die zu den Umbelliferen gehörige, mit dem Schierling - nahverwandte +gelbsaftige Rebendolde+, +Oenanthe crocata+, ist ein - in Südeuropa, Frankreich, England und Belgien auf Sumpfwiesen und - an Wassergräben wild wachsendes Unkraut mit knollenförmiger Wurzel, - welche einen gelben, sehr giftigen Milchsaft enthält. Der giftige - Körper dieses Milchsaftes ist das Oenanthin, ein bräunliches Harz, - welches auch in der bei uns einheimischen röhrenförmigen Rebendolde, - +Oenanthe fistulosa+, enthalten ist, einer auf sumpfigen Wiesen und - in Wassergräben wachsenden, bis ¼ m hohen, im Juni und Juli blühenden - Umbellifere mit rübenförmiger Wurzel (früher als volkstümliches - Diuretikum angewandt). - - -=Krankheitsbild.= Das Oenanthin ist ein Harz, welches örtlich +stark -reizende+, +entzündungserregende+ Wirkung hat. Ausserdem ist es ein -+Krampfgift+ nach Art des Zikutoxins. Kaninchen zeigen nach Dosen -von 0,02 g krampfhafte Streckbewegungen der Vorderbeine, Lauf- und -Schwimmbewegungen, allgemeine klonische Krämpfe und sterben nach -30 Minuten unter Stillstand der Atmung (+Pohl+, Arch. für exper. -Pathol. 1894). Die Krankheitserscheinungen bestehen daher vorwiegend -in +Stomatitis+, +Kolik+, +Durchfall+, +Krämpfen+ und +allgemeiner -Lähmung+. Bei der Sektion findet man entzündliche Veränderungen der -Magendarmschleimhaut. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger und exzitierender Mittel. - -Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren nach dem Genusse der -ausgegrabenen Wurzeln. (Die grüne Pflanze soll nicht giftig sein.) -+Gaignard+ (Recueil 1895) sah bei Pferden und Rindern nach der -Aufnahme der Wurzeln Speicheln, Schwindel, Niederstürzen, Brüllen, -grosse Unruhe und Schweissausbruch, elektrische Muskelstösse, -epileptiforme Krämpfe, Verkrümmung des Halses und Rückens, tetanisehe -Härte der Muskeln und schliesslich Lähmung. Nach den Beobachtungen -von +Bellancy+ (Repertorium 1856) starb eine Kuh nach der Aufnahme -von 650 g der Wurzel von Oenanthe crocata schon nach Verfluss einer -Stunde. 400 g der Wurzel hatten Krämpfe, Atmungsnot, Anästhesie und -allgemeine Lähmung bei einer andern Kuh zur Folge. Ein Pferd starb -nach dem Genusse von 850 g der Wurzel schon innerhalb 25 Stunden unter -Krämpfen und Kolikerscheinungen. +Jouquan+ (Recueil 1885) beobachtete -bei einer Kuh ½ Stunde nach der Aufnahme der ausgegrabenen Wurzeln -heftige Kolik, starkes Brüllen, sowie unregelmässige Bewegungen der -Gliedmassen. +Hoare+ (The vet. journ. 1888) beschreibt eine Vergiftung -bei 8 Kühen, welche die Wurzeln und das Kraut der giftigen Rebendolde -gefressen hatten; 2 derselben starben. +Macadam+ (ibid. 1897) sah bei -Kühen wässerigen Durchfall, Gliederzittern und Lähmung; die Sektion -ergab entzündliche Schwellung der Magenschleimhaut. +Graham-Gillam+ -beobachtete bei 4 Schafen eine Entzündung des Labmagens, Duodenums und -Kolons. - - -Vergiftung durch Schöllkraut, Chelidonium. - - =Botanisches.= Das +Schöllkraut+, +Chelidonium majus+ (Maikraut, - Goldwurz, Gilbkraut, Augenkraut, Gottesgabe) ist eine überall in - Europa einheimische, perennierende, bis 1 m hohe Papaverazee, welche - in allen Teilen einen orangegelben Milchsaft enthält. Das starke, - rotbraune Rhizom sendet mehrere aufrechte, stumpfkantige, knotig - gegliederte, leicht zerbrechliche, weissliche, weich behaarte Stengel - aus. Die Blätter sind oben lichtgrün, unten blaugrün, zottig behaart, - leierförmig; die 4blätterigen Blüten sind gelb und in gestielten - Dolden angeordnet. Die schotenförmige Kapsel ist bis 5 cm lang, - 4 cm breit und enthält braune, schief eiförmige Samen. Die ganze - Pflanze ist durch einen widerlich scharfen Geruch, sowie durch einen - scharfen, brennenden, bitteren Geschmack ausgezeichnet. - - Der zu 25 Prozent im Schöllkraut enthaltene Milchsaft, welcher bei - heissem trockenem Wetter am giftigsten ist, enthält 2 Alkaloide. - 1. Das =Chelerythrin=, ein ausserordentlich giftiges, besonders in - den Wurzeln und in den unreifen Früchten enthaltenes Alkaloid von - der Formel C_{19}H_{17}NO_{4}, welches warzenförmige Kristalle von - brennendem, scharfem, bitterem Geschmack bildet, sich mit Säuren - sofort rot färbt und mit Säuren Salze bildet. 2. Das viel weniger - giftige +Chelidonin+ von der Formel C_{20}H_{19}NO_{5}, ein rein - weisses, geruchloses, bitter und kratzend schmeckendes Pulver. - Ausserdem enthält der Milchsaft Chelidonsäure, Chelidoninsäure, - Chelidoxanthin (Farbstoff), Zitronensäure und Aepfelsäure. - - -=Wirkung.= Das Chelerythrin besitzt eine +entzündungserregende+ -lokale Wirkung auf Haut und Schleimhäute und erzeugt daher bei -innerlicher Aufnahme +Erbrechen+, +Kolik+ und +starken Durchfall+. -Ausserdem besitzt es eine +harntreibende+, sowie eine teils erregende, -teils +lähmende+ Wirkung auf das Zentralnervensystem, welche sich -in Zuckungen, Sinken der Reflexerregbarkeit, Anästhesie, sowie in -Lähmung der Skelettmuskeln, des Herzens und des Atmungszentrums -äussert. Das Chelidonin besitzt eine morphinähnliche Wirkung. -Klinische Vergiftungen sind bei den Haustieren nur ganz vereinzelt zur -Beobachtung gelangt, da die Tiere die Pflanze wegen ihres scharfen, -brennenden Geschmackes meiden. +Schmidtke+ beobachtete bei einer -Ziege, die ausschliesslich Schöllkraut als Wildfutter einige Tage -hindurch erhalten hatte, Durchfall und Taumeln; die Sektion ergab das -Vorhandensein von Gastroenteritis. Experimentelle Untersuchungen haben -ergeben, dass Pferde und Rinder das Schöllkraut in Gaben bis zu ½ kg -gut ertragen, indem sie nur eine Vermehrung der Harnsekretion zeigen -(+Hertwig+). +Orfila+ sah bei einem Versuchshunde nach dem Eingeben -eines wässerigen Extraktes der Pflanze Erbrechen, Lähmung, Anästhesie, -Amaurose, Taubheit; in eine Wunde gebracht, hatte das Extrakt starke -entzündliche Schwellung, allgemeine Anästhesie, sowie den Tod zur -Folge. Das Schöllkraut wurde früher in der Tierheilkunde als Purgans, -Cholagogum und Diuretikum angewandt und wird neuerdings wieder in der -Menschenheilkunde benützt. - - -Vergiftung durch Aron, Arum maculatum. - - =Botanisches.= Der +Aron+, +Arum maculatum+ (Aronstab, Zehrwurz, - Fieberwurz, Zahnwurz, Fresswurz), findet sich in feuchten Laubwäldern - Mittel- und Südeuropas. Das Rhizom ist rundlich oval, fleischig, - kartoffelgross, sehr stärkemehlreich. Der Schaft trägt einen von - einer grossen Spatha umschlossenen, terminalen Kolben. Die Blätter - (2-3) sind spiessförmig oder pfeilförmig, lang gestielt und braun - gefleckt. Die Beeren sind rot. Der Aron enthält das =Aronin=, ein - angeblich mit dem Saponin identisches Alkaloid (nach andern ein - Alkaloid +Aroin+ bezw. ein Glykosid +Arin+). Aehnliche Stoffe - finden sich auch in den übrigen Aroideen: +Calla palustris+, - +Dieffenbachia+, +Caladium+ u. a., namentlich auch in den als - Topfpflanzen gezogenen Kallaarten. - - -=Wirkung.= Das Aronin besitzt, wie das Saponin, eine stark -+entzündungserregende+ Wirkung auf +Wunden+, +Haut+ und +Schleimhäute+. -Ein Vergiftungsfall beim Pferd ist von +Mergel+ (Russ. Archiv für -Veterinärmedizin 1884) beschrieben. Eine 8jährige Stute, welche -vor 3 Tagen einen Hufschlag in die Hüfte erhalten hatte, bekam an -dieser Stelle Befeuchtungen mit einem Infus der frischen Blätter -von Arum maculatum. Durch die Bewegungen des Schweifes wurde die -Flüssigkeit auch auf das Mittelfleisch und den After übertragen. -Die Vergiftungserscheinungen bestanden in starker Anschwellung des -Afters, der Vulva, des Euters und der Wundränder. Daneben beobachtete -man Zittern über den ganzen Körper, Stehen mit gespreizten Beinen -und gestrecktem Hals, beschleunigte Atmung, pochenden Herzschlag, -sowie starke Injektion der sichtbaren Schleimhäute. Am dritten Tag -trat der Tod des Pferdes ein. Kontrollversuche an Ratten, Mäusen und -Fröschen ergaben bei diesen Versuchstieren nach dem Einbringen des -Arons in Wunden ebenfalls eine tödliche, unter den Erscheinungen einer -Depression des Nervensystems verlaufende Vergiftung. - - -Vergiftung durch Schwalbenwurzel, Asklepias vincetoxicum. - - =Botanisches.= Die +Schwalbenwurzel+ (Hundswürger), +Asklepias - vincetoxicum+ (Cynanchum vincetoxicum), ist eine bis einen halben - Meter hohe Asklepiadee mit aufrechtem Stengel, herzförmigen - Blättern und weissen Doldenblüten. Sie enthält das giftige Glykosid - =Asklepiadin=, eine schwach gelbliche, amorphe, in Wasser leicht - lösliche Masse von grosser Zersetzlichkeit, welche in Zucker, - +Asklepin+ und Asklepion zerfällt. - - -=Wirkung.= Das Asklepiadin ist ein +Nierengift+, welches infolge -von Nierenreizung +Polyurie+ und +Nephritis+, sowie infolge von -Blasenreizung +Harndrang+ und +Cystitis+ erzeugt. In einem von +E. -Veith+ mitgeteilten Fall (Mitteilungen österr. Veterinäre 1844) -erkrankte eine Schafherde nach dem Genuss der Schwalbenwurzel unter -den Erscheinungen der Harnruhr. Mehrere Wochen und Monate hindurch -wurde beobachtet, dass Schafe hinter der Herde zurückblieben, hinten -breitbeinig gingen, sich häufig zum Harnen anstellten, öfters unter -Schmerzen einen klaren, wasserhellen Harn absetzten und bei Druck in -der Lendengegend grosse Schmerzhaftigkeit äusserten. Später träufelte -der Harn fortwährend unwillkürlich ab, die Tiere wurden sehr matt -und schwach, zeigten Schwindel und Taumeln und starben nach wochen- -und monatelanger Dauer der Krankheit. Bei der Sektion zeigten sich -die Nieren entzündlich verändert, die Schleimhaut der Blase wulstig -verdickt und von Hämorrhagien durchsetzt, die Harnleiter waren -ebenfalls verdickt. Fütterungsversuche, wobei täglich 30-90 g des -frischen Krautes gesunden Schafen verabreicht wurden, ergaben, dass -schon nach 3 Tagen häufiger Drang zum Harnabsatz und nach 8 Tagen das -obenbeschriebene Krankheitsbild zu konstatieren war. - -Eine +Behandlung+ der Vergiftung würde in der Verabreichung -von Laxantien, sowie in einer symptomatischen Behandlung der -Nierenentzündung bestehen (Tannin, Kali chloricum). - - -Vergiftung durch Stephanskörner, Delphinium Staphisagria. - - =Botanisches.= Das +Stephanskraut+, +Delphinium Staphisagria+ - (Läusekraut, scharfer Rittersporn) ist eine südeuropäische - Ranunkulazee mit blauen, traubenförmigen Blüten und bauchigen, - zottigen Samenkapseln, welche erbsengrosse, kantige Samen, - die sogenannten +Stephanskörner+ oder +Läusekörner+, Semina - Staphisagriae, einschliessen. Diese Stephanskörner wurden früher in - der Tierheilkunde äusserlich gegen Ungeziefer, sowie innerlich gegen - verschiedene Krankheiten angewandt. Sie enthalten 4 Alkaloide: das - =Delphinin=, +Staphisagrin+, +Delphinoidin+ und +Delphisin+. Diese - Alkaloide sind wahrscheinlich auch in geringer Menge in Delphinium - consolida, dem Feldrittersporn, einem auf Aeckern häufigen Unkraut - mit dunkelvioletten, einfach gespornten Blüten und schwarzbraunen, - kantigen, scharf und bitter schmeckenden Samen enthalten. In Amerika - sollen ferner Vergiftungen durch Delphinium bicolor und glaucum - vorkommen. - - -=Wirkung.= Das Delphinin besitzt eine +akonitinähnliche+ Wirkung, -indem es +spinale Krämpfe+ mit späterer +Lähmung+, Unempfindlichkeit, -Herzstillstand, sowie Asphyxie erzeugt; lokal wirkt es stark -+reizend+ auf +Haut+ und +Schleimhäute+. Hunde und Katzen starben -auf 0,01-0,03 Delphinin, nachdem sie +Speicheln+, +Würgen+, -+Erbrechen+, +Kolikerscheinungen+, +Abnahme+ der +Reflexerregbarkeit -und Sensibilität+, +Streckkrämpfe+, +sowie Lähmung des Herzens und -der Atmung+ gezeigt hatten. Das Staphisagrin hat eine koniin- und -kurareartige Wirkung (Delphocurarin); es tötet Hunde in Dosen von -0,2-0,3. Die gepulverten Samen töten Hunde in Dosen von 30 g vom Magen, -in Dosen von 8 g von der Haut aus; bei der ersteren Applikation findet -man bei der Sektion eine Entzündung der Magenschleimhaut (+Orfila+). - -Klinische Vergiftungen durch Stephanskörner sind, nachdem das Mittel -therapeutisch fast gar nicht mehr verwendet wird, sehr selten geworden. -In einem Fall beobachtete +Beier+ (Landwirtschaftliche Zeitung 1845) -bei 6 Pferden, welchen gegen Druse je 60 g Stephanskörner eingegeben -wurden, sehr heftige Kolikerscheinungen, Schweissausbruch, Betäubung -und Empfindungslosigkeit, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Die -Behandlung der Vergiftung würde in der Verabreichung von schleimigen, -einhüllenden Mitteln, Tannin, Opium, sowie von Exzitantien bestehen. - - -Vergiftung durch Taumelkerbel, Chaerophyllum temulum. - - =Botanisches.= Der +Kerbel+ oder +Taumelkerbel+, +Chaerophyllum - temulum+ (betäubender Kälberkropf) ist eine bis meterhohe, weiss - blühende Doldenpflanze (Umbellifere), welche einen dünnen, rauh - behaarten und dunkelrot gefleckten Stengel, doppelt gefiederte - Blätter, sowie schnabellose Früchte besitzt. Der Taumelkerbel enthält - das giftige =Chaerophyllin=. - - -=Wirkung.= Das Chaerophyllin ist ein +Acre-Narcoticum+. Es erzeugt -+Reizung der Magendarmschleimhaut+, +Betäubung+, +Taumeln+, -+Pupillenerweiterung+ und +allgemeine Lähmung+. Die tierärztliche -Literatur enthält 2 Fälle von Vergiftung bei Rindern und Schweinen. -Nach +Frey+ (Schweizer Archiv 1845) erkrankten 3 Kühe nach der Aufnahme -von Kraut und Wurzeln des Taumelkerbels unter den Erscheinungen der -Appetitlosigkeit, Schmerzhaftigkeit des Hinterleibs, Auftreibung des -Bauches, Injektion der Schleimhäute, Pupillenerweiterung, Benommenheit -des Sensoriums, Umstülpung des Afters, sowie Entleerung von Schleim -unter starkem, schmerzhaftem Drängen. Bei der Sektion fand man starke -Entzündung des Labmagens, sowie Rötung der Schleimhaut des Psalters -und Dünndarmes. +Kohli+ (Der Tierarzt 1862) beobachtete bei Schweinen -Pupillenerweiterung, sowie Lähmungserscheinungen, welche in der -Nachhand begannen; 3 derselben starben innerhalb 24 Stunden, ein -viertes innerhalb 36 Stunden. Die Sektion ergab das Vorhandensein einer -Gastroenteritis. - - -Vergiftung durch Steinklee, Melilotus officinalis. - - =Botanisches.= Der +Steinklee+, +Melilotus officinalis+ ist - eine bis meterhohe Papilionazee mit aufsteigendem Stengel, - fiedrigen, 3zähligen Blättern, vielblütigen, gestielten Trauben - und querfaltigen, 1samigen Hülsen. In der Schmetterlingsblüte sind - Fahne und Flügel gleich lang, sowie beide länger als das Schiffchen. - Der Steinklee enthält das =Kumarin=, ausserdem Melilotol, Harz und - ätherisches Oel. - - -=Wirkung.= Nach den Beobachtungen von +Carrey+ und +Collas+ (Journal de -Lyon 1888) sind die +Samen+ des Steinklees giftig. Der Giftstoff selbst -ist nicht genauer bekannt, seine Wirkung ist eine +lähmende+. Pferde, -welche täglich 2-3 Liter Steinkleesamen erhalten hatten, zeigten -eine eigentümliche Erkrankung, welche in der Hauptsache in einer -Lähmung der Rumpfmuskulatur bestand, während die Bewegungsfähigkeit -am Kopf erhalten war. Sonstige Krankheitserscheinungen waren nicht -wahrzunehmen. Die Tiere starben nach Ablauf von 10-12 Tagen; bei der -Sektion wurde ausser starker Lungenhyperämie sowie Schwellung der Leber -nichts Besonderes gefunden. Auch Lämmer und Rinder sollen erkrankt sein. - - =Kumarinvergiftung.= Das Kumarin gehört seiner chemischen Natur nach - zu den ätherischen Oelen. Es ist eine Kampferart mit Säurecharakter - von der Formel C_{9}H_{6}O_{2}, welche deshalb wohl auch als - Kumarinsäure oder Tonkabohnenkampfer bezeichnet wird. Man findet es - nämlich hauptsächlich in den +Tonkabohnen+, den Früchten von Dipterix - odorata, welche 1-1½ Proz. Kumarin enthalten. Daneben kommt es in - kleineren Mengen vor im +Ruchgras+ oder wohlriechenden Wiesengras - (Anthoxanthum odoratum), im +Waldmeister+ (Asperula odorata), im - +Steinklee+ (Melilotus officinalis), sowie in verschiedenen anderen - Pflanzen (Myroxylon toluiferum, Orchis fusca, Angraecum fragrans, - Liatris odoratissima). Ausserdem kann das Kumarin synthetisch aus der - Salizylsäure dargestellt werden. Aus den genannten Pflanzen wird es - durch Extraktion mit Alkohol und Aether gewonnen. Es bildet farblose, - säulenartige oder blättchenförmige Kristalle von dem gewürzhaften - Geruch des Waldmeisters und scharfem, bitterem, brennendem - Geschmacke. Die Löslichkeit in Wasser ist gering (1 : 500), dagegen - löst es sich leicht in Alkohol, Aether, fetten und ätherischen - Oelen. Beim Schmelzen mit Aetzkali zerfällt es in Salizylsäure und - Essigsäure. - - Die +Toxikologie+ des Kumarins ist zuerst von +Köhler+ (Zentralblatt - für die medizinischen Wissenschaften 1875) untersucht worden. Die - an Fröschen, Kaninchen, Hunden und Katzen angestellten Experimente - zeigten, dass das Kumarin für diese Tiere ein +lähmendes Gehirn-+ - und +Herzgift+ ist. Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen waren: - Betäubung, Anästhesierung und Herabsetzung der Reflexerregbarkeit - (Katzen taumelten wie betrunken umher, zeigten hochgradige - Muskelschwäche und blieben schliesslich gelähmt und bewegungslos - am Boden liegen), Lähmung des Herzens und zwar sowohl der - Vagusendigungen als auch der intrakardialen Hemmungszentren und des - Herzmuskels selbst, mit gleichzeitiger Erweiterung der peripheren - Gefässe und Sinken des Blutdrucks, Sinken der Körpertemperatur und - Herabsetzung der Erregbarkeit des Atmungszentrums. - - Meine eigenen Versuche mit Kumarin bei +Pflanzenfressern+ (Rindern, - Pferden, Schafen und Ziegen) haben ein von obigen Versuchen - abweichendes Resultat ergeben (Monatshefte für prakt. Tierheilkde. - 1890). Dasselbe ist folgendes: Das Kumarin tötet Pferde in Dosen von - 50 g, Schafe in solchen von 5 g. 25 g Kumarin sind für Pferde und - Rinder eine indifferente Dosis. +Das Kumarin ist für Pflanzenfresser - mithin kein starkes Gift.+ Bei allen Versuchstieren äussert sich - die Wirkung des in Substanz verabreichten Kumarins zuerst in einer - +entzündlichen Reizung der Magendarmschleimhaut+. Das in die Blutbahn - aufgenommene Kumarin wirkt in erster Linie als +Herzgift+, in - zweiter Linie als Atmungsgift. +Eine narkotische oder hypnotische - Wirkung des Kumarins wurde niemals konstatiert.+ Das Sensorium aller - Versuchstiere blieb vielmehr bis zum tödlichen Ende relativ frei. - Auch eine lähmende Einwirkung auf die Körpermuskulatur oder auf das - Rückenmark liess sich nicht feststellen. Die am Ende der Vergiftung - auftretende allgemeine Schwäche war vielmehr lediglich die Folge - der zunehmenden Herzschwäche. Der tödliche Ausgang wird durch die - lähmende Wirkung auf das Herz verursacht (Lungenödem). In einem Fall - erzeugte das Kumarin Ikterus und Nephritis, in allen anderen Fällen - fehlten diese Erscheinungen. Eine konstante Nebenerscheinung bildeten - endlich der Kumaringeruch der ausgeatmeten Luft, der Nasenausfluss - und die höhere Rötung der sichtbaren Kopfschleimhäute. - - Die vorstehenden Kumarinversuche wurden von mir speziell zur Lösung - der Frage unternommen, +ob die nach der Aufnahme von+ =frischem - Heu= +mitunter beobachteten eigentümlichen Krankheitsfälle als - Kumarinvergiftung aufzufassen sind+? - - Den kasuistischen Mitteilungen über angebliche Kumarinvergiftungen - bei Pferden ist folgendes zu entnehmen. In der Zeitschrift für - Veterinärkunde (1891, S. 457) teilt Rossarzt +Mierswa+ mit, dass - auf dem Schiessplatz zu Hammerstein das fast ausschliesslich aus - Ruchgras bestehende Heu abgemäht, gut getrocknet und, ehe es anfing - zu schwitzen, teils allein, teils mit anderem Heu vermischt an die - Pferde der reitenden Abteilung des Artillerieregiments Prinz August - verfüttert wurde. Nachdem diese Fütterung einige Zeit fortgesetzt - war, stellten sich bei einigen Pferden +leichte Kolikerscheinungen+ - ein. Andere Pferde zeigten +grosse Eingenommenheit des Kopfes+, - standen teilnahmslos im Stall, stützten den Kopf auf die Krippe, - hatten beim Vorführen einen +schwankenden Gang+ und zeigten rauhes, - aufgebürstetes Haar. Sobald die Verfütterung des betreffenden - Heus eingestellt wurde, verloren sich die bei vielen Pferden - konstatierbaren krankhaften Symptome. Der Beobachter hat daraus - den Schluss gezogen, dass in dem Ruchgras ein betäubender Stoff, - wahrscheinlich das Kumarin, enthalten sei, dessen Wirkung für - gewöhnlich nicht zur Geltung komme, weil das Ruchgras neben andern - Gräsern im Heu sich in der Minderheit befinde, dass er aber bei - ausschliesslicher Verfütterung des Ruchgrases schädliche Wirkungen - auf das Nervensystem zur Folge habe. - - Ueber einen zweiten ähnlichen Fall wird im Pferdefreund (1888, - Nr. 26) berichtet. 30 Pferde des Zirkus Lorch erkrankten im Juli - 1888 in Luzern plötzlich in der Nacht unter höchst eigentümlichen - Krankheitserscheinungen, welche sich in +unregelmässigem Herzschlag+, - starker +Rötung der Augen+, sowie in hohem +Fieber+ äusserten. Der - behandelnde Tierarzt stellte die Diagnose auf Intoxikation durch - ein „Herzgift“. 9 Pferde starben; die Sektion ergab einen durchaus - negativen Befund. Das Trinkwasser, die Bodenbeschaffenheit, der - verabreichte Hafer wurde als vollständig normal erfunden. Deshalb - wurde als Krankheitsursache die Verfütterung von jungem Heu - angenommen, eine Voraussetzung, welche durch Fütterungsversuche bei - Anatomiepferden bestätigt wurde. - - +Von diesen Fällen stimmt nur die zweite Beobachtung in - mehreren Punkten mit dem von mir erzeugten Krankheitsbilde der - Kumarinvergiftung überein.+ Hier wie dort liegt eine spezifische - Wirkung auf das Herz vor, in beiden Fällen wurden Rötung der - Kopfschleimhäute und Fieber als Begleiterscheinungen der Vergiftung - konstatiert. Es fragt sich nur, +ob in frischem Heu so viel Kumarin - enthalten ist, dass die Aufnahme desselben zu einer Kumarinvergiftung - führen kann+. Zwar liegen keine chemischen Analysen bezüglich des - Kumaringehaltes von frischem Heu vor. Ich möchte aber vom rein - theoretischen Standpunkte aus bezweifeln, dass das frische Heu - tatsächlich so viel Kumarin enthält, dass eine Kumarinvergiftung - zustande kommen kann. Denn wenn man eine starke Tagesration Heu - für ein Pferd zu 5 kg rechnet, so müsste das Heu 1 Proz. Kumarin - enthalten, um in 5 kg einen Gesamtgehalt von 50 g Kumarin, d. h. - die tödliche Dosis zu besitzen. Ein derartig starker, 1prozentiger - Kumaringehalt kommt allerdings der Tonkabohne zu. Vergleicht man aber - den Kumaringeruch der Tonkabohne mit demjenigen des frischen Heus, - so ist derselbe bei ersterer ungleich stärker, als bei letzterem. - Hauptsächlich aus diesem Grunde komme ich trotz der unzweifelhaften - Aehnlichkeit gewisser Krankheitsfälle zu dem Schlusse, +dass bei der - geringen Giftigkeit des Kumarins und bei dem geringen Kumaringehalt - des Heus eine Kumarinvergiftung nach Aufnahme von Heu wahrscheinlich - ist+. - - -Vergiftung durch Flachsseide, Cuscuta europaea. - - =Botanisches.= Die +Flachsseide+, +Cuscuta europaea+ (Konvolvulazee), - ist ein chlorophylloser, links windender, fadenförmiger - Stengelschmarotzer, welcher als Unkraut auf Hopfen, Klee usw. - parasitiert. Ueber die wirksamen Bestandteile der Pflanze ist - mit Sicherheit nichts bekannt. Da sie früher als Abführmittel - angewandt wurde und zu den Konvolvulazeen gehört, ist es nicht - unwahrscheinlich, dass der giftige Stoff der Pflanze das auch in der - Jalapenwurzel enthaltene Konvolvulin ist. - - -=Krankheitsbild.= Eine Vergiftung durch Flachsseide ist bei Schweinen -von +Glocke+ (Preuss. Mitt. 1872) beschrieben worden. 5 Ferkel im -Alter von 3-5 Monaten hatten Klee gefressen, welcher stark mit -Flachsseide überwuchert war. Die Tiere lagen auf der Seite, unvermögend -aufzustehen, machten Laufbewegungen mit den Beinen, der Kopf wurde -ruckweise nach dem Rücken und nach der Seite verzogen. Bei der Sektion -fand man die Schleimhaut des Kolons stark geschwollen, stellenweise -von streifigen Blutungen durchsetzt und mit gallertartigem Schleime -bedeckt. Das Ergebnis der Sektion in Verbindung mit den während des -Lebens beobachteten Krankheitserscheinungen weist darauf hin, dass die -Flachsseide einen +scharfnarkotischen+ Giftstoff enthält. - - -Vergiftung durch Orant, Antirrhinum majus. - - =Botanisches.= Der +Orant+ (Löwenmaul) kommt in 2 Formen vor: 1. - +Antirrhinum majus+, aus dem südlichen Europa stammend und 2. - +Antirrhinum Oronthium+, eine bei uns einheimische Skrofulariazee. Er - ist charakterisiert durch seine schöne purpurne oder weisse Blüte mit - 2lippiger Korolle, welche am Grunde der Röhre bauchig ist und deren - Unterlippe den Schlund vollständig schliesst. - - -=Krankheitsbild.= Der früher als Arzneimittel verwendete Orant -enthält einen nicht näher bekannten giftigen Stoff von +betäubender+, -+lähmender+ Wirkung. Vergiftungen bei Pferden sind von +Popow+ -(Russischer Veterinärbote 1884) beschrieben worden. Die Pflanze, -welche auf den Getreidefeldern russischer Gouvernements (Tombow, -Pensa, Woronesch) wächst, wird dort im trockenen Zustand von den -Pferden gern gefressen. Werden grössere Mengen derselben aufgenommen, -so zeigen die Tiere das Bild einer Narkose: Schwanken, Betäubung, -Abstumpfung des Gefühls, Bewusstlosigkeit, Schweissausbruch, sowie -sehr angestrengte Atmung. Das aus der Pflanze ausgepresste Oel -erzeugt nach experimenteller Untersuchung ebenfalls allgemeine -Lähmungserscheinungen. Die Behandlung der Vergiftung besteht in der -Verabreichung von Aloe und Kampfer. - - -Terpentinölvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in verschiedenen Abietineen (Pinus abies, - Pinaster, Larix, decidua, australis, Taeda) enthaltene Terpentinöl - ist ein ätherisches Oel von der Formel C_{10}H_{16}. Vergiftungen - ereignen sich zuweilen durch die Verabreichung zu grosser - Terpentinöldosen oder durch die Inhalation zu konzentrierter - Terpentinöldämpfe. Ausserdem kommen sie zustande durch die Aufnahme - von Fichtensprossen. Die früher als Terpentinölvergiftung aufgefasste - und auf das Fressen von jungen Fichtensprossen zurückgeführte sog. - enzootische Magendarmentzündung oder Waldkrankheit des Rindes dürfte - übrigens nach den neueren Untersuchungen über Piroplasmose in der - Hauptsache keine Vergiftung, sondern eine Infektionskrankheit - darstellen (seuchenhafte Hämoglobinurie, durch Zecken vermittelt und - durch Piroplasma bigeminum verursacht). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Terpentinöl besitzt -örtlich auf +Haut+ und +Schleimhäute+ eine stark +reizende+, -+entzündungserregende+ Wirkung. Wird es innerlich in grösserer Menge -aufgenommen, so erzeugt es eine unter den Erscheinungen von +Kolik+ -verlaufende +Gastroenteritis+, ausserdem die Erscheinungen einer -+Stomatitis+, +Pharyngitis+ und +Laryngitis+. Bei der Ausscheidung -durch die Nieren wirkt es ebenfalls reizend und veranlasst daher eine -mit +Hämaturie+ verlaufende +hämorrhagische Nephritis+. Im übrigen -sind, wie experimentelle Versuche gelehrt haben, +einmalige+ grössere -Terpentinöldosen verhältnismässig wenig giftig. So ertragen Pferde und -Rinder einmalige Dosen von 250-500 g; dagegen erzeugten 500-1000 g -Terpentinöl bei Pferden Kolik, Durchfall und Hämaturie. Hunde starben -nach 8-30 g Terpentinöl an Gastroenteritis (+Hertwig+). - -Neben der reizenden Einwirkung auf die Schleimhaut des -Digestionsapparates und auf die Nieren besitzt das Terpentinöl -auch eine spezifische Einwirkung auf das +Nervensystem+, indem -es dasselbe zuerst erregt und dann lähmt. Die Erscheinungen der -Terpentinölvergiftung nach dieser Richtung bestehen zunächst in -+hochgesteigerter Reflexerregbarkeit+, Zittern, Krämpfen, Herzklopfen, -Pulsbeschleunigung, Atmungsbeschwerden. So beobachtete +Grinzer+ -(Russisches Archiv für Veterinärmedizin 1886) bei einem Pferd nach -einer zu starken Terpentinölinhalation eine 2 Tage andauernde -hochgesteigerte Reflexerregbarkeit, Muskelzittern, anhaltenden -Husten, Herzklopfen, starke Injektion der sichtbaren Schleimhäute, -Zuckungen im Musculus Tensor fasciae latae und selbst Trismus. Auf -die Erregung folgt die +Lähmung+ der +Zentralapparate+. Die Tiere -zeigen Eingenommenheit des Sensoriums, Schwindel, Taumeln, Betäubung, -Sinken des Blutdrucks und der Herztätigkeit, sowie der Respiration, -Verlangsamung und Lähmung der Atmung und zuletzt allgemeine Lähmung. - -Bei der +Sektion+ findet man neben dem charakteristischen -Terpentinölgeruch die Erscheinungen der Gastroenteritis und -hämorrhagischen Nephritis. Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; -sie besteht in der Anwendung einhüllender, schleimiger und -exzitierender Mittel. - - =Kasuistik.= +Jansen+ (Preuss. Mitt. 1867) sah bei einem Pferd nach - der reichlichen Aufnahme von Fichtensprossen die Erscheinungen der - Stomatitis, Pharyngitis, Laryngitis und Gastroenteritis (Kolik). - +Green+ (The Veterinarian 1896) sah bei einem Fohlen nach dem - Eingeben von Terpentinspiritus profusen Schweissausbruch, Harndrängen - und Schmerzhaftigkeit der linken Niere bei rektaler Palpation. Nach - +Bermbach+ (Preuss. Vet.-Ber. 1900) verlammten zwölf Schafe nach der - Verfütterung von Tannen- und Fichtenzweigen, die im Herbst frische - Triebe angesetzt hatten. - - -Vergiftung durch Sadebaum, Juniperus Sabina. - - =Botanisches.= Der +Sadebaum+ oder +Sevenbaum+, +Juniperus Sabina+, - ist eine in Südeuropa, namentlich im Unterholz der Voralpenregion - wild wachsende, bei uns in Parkanlagen und Gärten kultivierte - Konifere, welche teils in Strauch-, teils in Baumform vorkommt. Der - Sadebaum ist charakterisiert durch immergrüne, zypressenähnliche - Zweige (Summitates Sabinae) von unangenehmen Geruch, welche - dicht besetzt sind mit meist glatt anliegenden, dachziegelartig - angeordneten, rautenförmigen, bläulichgrünen, kleinsten (2-5 mm - grossen) Blättchen; die Zweige tragen zur Zeit der Reife rundliche, - blau bereifte Beeren. Der wirksame Bestandteil des Sabinakrautes ist - das =ätherische Sabinaöl= von der Formel C_{10}H_{16}, ausserdem das - =Sabinol=, ein zu den Säureanhydriden gehöriger, sehr giftiger Stoff. - - Auch der +gemeine Wacholder+, +Juniperus communis+, welcher - das ätherische Wacholderöl, Oleum Juniperi, enthält, sowie der - +virginische Wacholder+, +Juniperus virginiana+, dessen ätherisches - Oel aus Zedernkampfer und Zedren besteht, kann zu Vergiftungen - Veranlassung geben. - - -=Wirkung.= Das ätherische Oel des Sabinakrautes wirkt ähnlich, aber -stärker als Terpentinöl +entzündungserregend+ auf +Schleimhäute+ und -+Nieren+; ausserdem besitzt es eine spezifische +tetanische+ Einwirkung -auf den +Uterus+ (Abortivum beim Menschen). Das +Sabinol+ ist angeblich -ein +Blutgift+ (Hämoglobinämie). Die Sadebaumspitzen sind namentlich -für die Wiederkäuer (Rinder und Schafe) und Hunde ein stark reizendes -Gift. Nach +Hertwig+ sterben Hunde auf 15-22 g Sadebaumspitzen an -Magendarmentzündung, wenn durch Unterbindung des Schlundes das -Erbrechen verhindert wird; dagegen ertragen Pferde Dosen von 120-360 g -und darüber längere Zeit hindurch ohne Schaden. Die Einwirkung auf den -+Uterus+ ist nach einigen keine direkte, spezifische, sondern eine rein -sekundäre, indem bei grösseren Dosen von Sabinakraut eine Hyperämie und -Entzündung aller Beckenorgane, also auch des Uterus mit nachfolgendem -Abortus eintreten soll. Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen -der Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis. - -Klinische Beobachtungen über Sabinavergiftung bei den Haustieren -finden sich in der tierärztlichen Literatur eigentümlicherweise nicht. -Dagegen hat +Cagnat+ (Repertorium 1860) nach der Aufnahme des gemeinen -Wacholders vereinzelt bei Ziegen Durchfall und tödliche Vergiftung -beobachtet. - - -Kampfervergiftung. - - =Allgemeines.= Der im +Kampferbaum+, +Cinnamomum Camphora+ (China, - Japan) enthaltene Kampfer stellt ein festes ätherisches Oel von - der Formel C_{10}H_{16}O dar, welches in verschiedenen Formen und - zwar sowohl in reinem Zustande als in Lösungen (Kampferspiritus, - Kampferöl, Kampferlinimente etc.) therapeutisch verwendet wird. - Vergiftungen ereignen sich nach der innerlichen Anwendung zu grosser - Dosen. Eine solche Kampfervergiftung nach der Einverleibung von - Kampferspiritus hat +Schwanefeldt+ (Berliner Archiv 1885) und +von - Ow+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1889) beim Rind beobachtet und beschrieben. - - -=Wirkung.= Der Kampfer wirkt ähnlich wie das Terpentinöl reizend und -+entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des +Magens+ und +Darmes+. -Er erzeugt daher in grossen innerlichen Gaben die Erscheinungen -der +Gastroenteritis+. So hat +Schwanefeldt+ beim Rind nach dem -Eingeben von Kampferspiritus eine kruppöse Darmentzündung beobachtet. -Neben dieser lokal reizenden Wirkung besitzt der Kampfer eine -+erregende+ Wirkung auf das +Nervensystem+. Dabei scheint der Kampfer -eigentümlicherweise subkutan in Form von Kampferöl viel weniger giftig -zu wirken, als per os. +Ich habe bei sehr vielen brustseuchekranken -Pferden das Kampferöl+ (1 : 4) +in Einzeldosen von+ 50 bis 150 g -(= 12-40 g +Kampfer+) +und in Tagesdosen von+ 100 bis 250 g (= 25-60 -g +Kampfer+) +subkutan ohne jede Vergiftungserscheinung subkutan -angewandt+. Giftiger scheint der Kampfer bei innerlicher Verabreichung -zu wirken. Versuche von +Hertwig+ haben in dieser Beziehung folgendes -ergeben: +Kleine+ Gaben per os (4-8,0 bei Pferden und Rindern; -2-4,0 bei Schafen; 0,5-2,0 bei Hunden) hatten höhere Rötung der -Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und Konjunktiva, kräftigeren, um -1-8 Schläge beschleunigten Puls, etwas hellere Rötung und schnellere -Gerinnung des Aderlassblutes, sowie Kampfergeruch der ausgeatmeten Luft -zur Folge. +Grössere+ Gaben per os (15-30,0 bei Pferden und Rindern; -4-6,0 bei Schafen; 2-4,0 bei Hunden) erzeugten dieselben Erscheinungen, -nur im höheren Grade, ausserdem leichte +Zuckungen+ der Lippen, der -Muskeln des Hinterkiefers und Halses, sowie der oberflächlichen Muskeln -der Hinterschenkel. Die Zuckungen wiederholten sich in ungleichen -Zwischenräumen und traten etwas später ein, als die Veränderungen des -Pulses. Die Empfindlichkeit war erhöht, die Atmung schneller, der Puls -zuletzt kleiner; die ausgeatmete Luft roch sehr stark nach Kampfer. -Sehr grosse Gaben per os (60-120,0 bei Pferden und Rindern; 8-15,0 -bei Schafen; 4-12,0 bei Hunden) erzeugten zunächst eine allgemeine -erregende Wirkung auf das Herz, den Puls, die Atmung, die Schleimhäute. -Dann kamen aber bald plötzlich eintretende +Konvulsionen+ mit -Erschütterung des ganzen Körpers, den Wirkungen +elektrischer Schläge+ -vergleichbar, +starrkrampfähnliche Kontraktionen+ der Streckmuskeln -des Halses (Orthotonus), sowie +Kaukrämpfe+. Gleichzeitig war die -+Empfindlichkeit sehr erhöht+; das geringste Geräusch löste die -Krampfanfälle aus. Manche Tiere stürzten während der Krämpfe zusammen -wie bei +Epilepsie+, indem sie am Boden mit den Beinen strampelten. Das -+Bewusstsein+ war +frei+. Die Dauer der Krämpfe betrug 4-12 Stunden. -Zuweilen wurden auch +Kolikerscheinungen+, +Harndrang+, sowie häufiges -Ausschachten ohne zu urinieren beobachtet. +Tödliche Dosen+ (dieselben -betrugen beim Pferd per os 60-180,0, beim Hund ab 8,0, beim Schaf -ab 15,0; die einzelnen Tiere zeigten indessen starke individuelle -Verschiedenheiten) erzeugten nach den Krämpfen +Lähmung+ des -+Hinterteils+ (bei Hunden und Schafen), +Verlust+ des +Sehvermögens+, -des +Gehörs+, +Gefühls+ und schliesslich auch des +Bewusstseins+, -starke +Betäubung+ und unter apoplektiformen Erscheinungen den Tod. -Bei der +Sektion+ war ein starker Kampfergeruch in allen Organen, -Entzündung der Magendarmschleimhaut, insbesondere im Dickdarm, höhere -Rötung der Blasenschleimhaut, ferner starke Hyperämie der Hirnhäute, -des Grosshirns und Rückenmarks, sowie des Kleinhirns, Hirnknotens und -verlängerten Marks zu konstatieren. - -Der +Nachweis+ einer Kampfervergiftung ist leicht schon durch den -Geruch zu führen. Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung -einhüllender, schleimiger Mittel, sowie von Beruhigungsmitteln. - - =Koffein.= Um die Giftwirkung des vielfach als Arzneimittel - angewandten Koffeins kennen zu lernen, habe ich bei +Pferden+, - +Rindern+, +Hunden+, +Ziegen+ und +Schweinen+ Versuche angestellt - (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. 1892). Das Resultat war folgendes: - +Das Koffein ist für die Haustiere ein verhältnismässig wenig - giftiges Arzneimittel.+ Für Pferd und Rind wirken erst 100 g, für - Ziege und Schwein 10 g, für Hunde 5 g tödlich. Die +tödliche Dosis+ - pro kg Körpergewicht beträgt beim Pferd 0,2, beim Rind, bei der Ziege - und beim Schwein 0,3, beim Hund 0,5. Die +Vergiftungserscheinungen+ - bestehen im wesentlichen in Reizung und später Lähmung des +Herzens+ - und der +Atmung+, in Steigerung der +Körpertemperatur+ (im Maximum - um 2,2°), in Reizungserscheinungen im Gebiet des +Digestions-+ und - +Harnapparates+ (Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harndrang), - sowie in +tetanischen+ Krämpfen. Danach ist das Koffein ein Herz- und - Atmungsgift, eine Akre für die Digestionsschleimhaut, ausserdem ein - Tetanikum. An der Injektionsstelle äussert das Koffein eine reizende, - entzündungserregende Wirkung. Subkutan wirkt das Koffein wesentlich - stärker als per os. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als - Pferde. Der Tod tritt bei tödlichen Koffeindosen durchschnittlich - nach 3 Stunden ein. Das Fleisch von Tieren, welche mit Koffein - vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann - also bei Rindern, welche nach vorausgegangener Koffeinbehandlung - notgeschlachtet werden, der Genuss des Fleisches, ohne Besorgnis - wegen des Koffeins, zugegeben werden, wenn der sonstige Zustand des - Tieres dies nicht verbietet. - - -Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen. - - =Botanisches.= Eine Reihe von Pflanzen aus der Familie der Kruziferen - wirkt durch den Gehalt an +Senföl+ oder ähnlichen ätherisch-öligen - Stoffen giftig, wenn grössere Mengen davon aufgenommen werden. - Dieselben sind: - - 1. +Brassica nigra+ (Sinapis nigra), der +schwarze Senf+, die - Stammpflanze der offizinellen Senfsamen (Semen Sinapis). Die - namentlich in Russland, Südfrankreich und Griechenland angebaute - Pflanze unterscheidet sich von den übrigen Brassikaarten dadurch, - dass alle ihre Blätter gestielt und die Schoten samt den Stielen - an die Blütenspindel angedrückt sind. Die Senfsamen enthalten das - +Sinigrin+ oder myronsaure Kali, ein Glykosid, aus welchem durch die - Einwirkung des Myrosins, eines ebenfalls in den Samen enthaltenen - Fermentes, das Allyl-Senföl oder Sulfozyanallyl von der Formel - C_{3}H_{5}CNS abgespalten wird. Auch der Sareptasenf, +Brassica - juncea+, enthält Sinigrin, während der in Deutschland angebaute - weisse Senf, +Sinapis alba+ (Semen Erucae), das +Sinalbin+ enthält, - welches unter der Einwirkung des Myrosins als scharfen Stoff das - Paraoxybenzyl-Senföl von der Formel C_{7}H_{7}OCNS liefert. In - grösseren Gaben wirkt auch das enzymartige Myrosin giftig. -- Das - Allylaldehyd (Akrolein) von der Formel C_{3}H_{4}O wirkt ebenfalls - stark reizend auf die Schleimhäute. - - 2. +Brassica Rapa+, +Raps+ und +Brassica Napus+, +Rübsen+, enthalten - das Krotonyl-Senföl, das sich namentlich in den +Rapskuchen+ bei - genügender Durchfeuchtung bildet. Der Raps ist charakterisiert durch - grasgrüne, unbereifte, haarige Blätter und kleine goldgelbe Blüten. - - 3. +Sinapis arvensis+, der +Ackersenf+ (fälschlich Hederich benannt), - ist ein verbreitetes Unkraut auf Aeckern mit etwa ½ m hohen Stengel, - eiförmigen, buchtig gezähnten, unten leierförmigen Blättern, gelber, - vierblätteriger Blumenkrone und stielrunden, perlschnurförmigen - Schoten. - - 4. +Raphanus Rhaphanistrum+ (Lampsana), der +Hederich+ oder - +Ackerrettig+, besitzt einen ½ m hohen, rauhen, astigen Stengel, - grosse, blassgelbe oder weisse, violett geaderte Blüten, oben - lanzettliche, unten leierförmige Blätter, sowie rosenkranzartig - eingeschnürte Schoten, welche bei der Reife in 3- bis 12samige Stücke - zerfallen. - - 5. +Cochlearia Armoracia+, der +Meerrettig+ (Pfefferwurzel), kommt in - ganz Europa an feuchten Plätzen wild vor und wird in Gärten und auf - Feldern (Bamberg, Nürnberg) kultiviert. Er besitzt eine zylindrische, - bis 6 cm dicke, oft 1 m tief senkrecht in den Boden hinabsteigende - Wurzel, einen meterhohen, ästigen Stengel, grosse, oblonge, - langgestielte, am Rand gekerbte, grundständige Blätter, sowie - fiederspaltige Stengelblätter. Er enthält ein mit dem Allyl-Senföl - fast identisches ätherisches Oel. - - 6. +Erysimum vulgare+, der +Wegsenf+ (gelbes Eisenkraut), ist - eine einjährige, aufrechte, flaumige Pflanze mit gelben, kleinen - Blüten, schrotsägeartigen, fiederteiligen Blättern und runden, - pfriemenartigen, flaumigen Schoten, welche 5-6mal länger als der - gleich dicke Stiel sind. - - 7. +Erysimum cheiranthoides+, der +lackartige Schotendotter+ - (fälschlich Hederich genannt), ist ein etwa ½ m hohes Unkraut auf - Aeckern mit dottergelber Blumenkrone, länglichen, lanzettförmigen - Blättern und linealen, scharfen, vierkantigen, fast kahlen Schoten. - - 8. +Erysimum crepidifolium+, die +Gänsesterbe+, eine gelbblühende, - in manchen Gegenden (Wettin, am salzigen See, auf Kalkboden etc.) - massenhaft vorkommende Kruzifere, soll ein namentlich für Gänse sehr - giftiges Alkaloid enthalten und Massensterben von Gänsen verursachen. - - 9. +Arabis tartarica+, die +Gänsekresse+, findet sich zuweilen im - Grünfutter. -- +Nasturtium officinale+, die +Brunnenkresse+, enthält - kein schwefelhaltiges Oel, sondern C_{9}H_{10}N. - - -=Allgemeine Wirkung des Senföls.= Das Senföl besitzt eine -+entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut des Magens und -Darmes; die Krankheitserscheinungen, welche nach der Aufnahme -obengenannter Pflanzen auftreten, sind daher im wesentlichen die -einer +Magen-Darmentzündung+: Kolik, Tympanitis, Durchfall. In -einzelnen Fällen kommt es auch im Verlauf der Vergiftung zu einer -Reizung des Nierenparenchyms, welche sich durch Hämaturie und -sonstige Erscheinungen einer +Nierenentzündung+ äussert, sowie zu -+Lebernekrose+. Die Allgemeinerscheinungen seitens des Nervensystems -bestehen in Hinfälligkeit, Mattigkeit, +Lähmungserscheinungen+, -Dyspnoe, +Herz-+ und +Atmungslähmung+. In einzelnen Fällen beobachtet -man auch Zwangsbewegungen, Vorwärtsdrängen und Krämpfe. - -Die +Behandlung+ der Senfölvergiftung besteht in der Verabreichung -schleimiger Mittel. - - -=Vergiftung durch Senfkuchen und Rapskuchen.= Vergiftungen durch reine -+Senfsamen+ sind bisher noch nicht beobachtet worden. Die Haustiere -ertragen ziemlich grosse Mengen derselben, Pferde 500 g, Rinder 700 g, -ohne zu erkranken (+Hertwig+). Auch nach der Verfütterung von reinem -+Raps+ tritt keine Senfölvergiftung ein, weil die Fermente des Pansens -und Dünndarms das dort gebildete Senföl zerstören (+Hagemann+, D. -landw. Tierzucht 1903). Dagegen sind nach Verfütterung von +Senfkuchen+ -und +Senfträbern+ kolikähnliche Zustände beim Rind konstatiert -worden (+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1869). Besonders häufig sind -Vergiftungen durch die Verfütterung von +senfölhaltigen Rapskuchen+, -welche vielfach gar nicht aus Raps oder Rübsen, sondern aus fremden, -ausländischen (+indischen+, +russischen+, +französischen+), sehr -scharfen und giftigen Senfarten und anderen Samen mit unbekannten -Giften bestehen. Nach +Stein+ (Ueber die Giftigkeit indischer -Rübkuchen, Berlin 1907) ist das im Raps und in den Rübsen enthaltene -Krotonylsenföl 5mal weniger giftig als das im schwarzen Senf enthaltene -Allylsenföl; die indischen Samen enthalten aber wahrscheinlich noch -andere Giftsubstanzen (Sareptasenf? Ptomaine?). Die fremdländischen -Rapskuchen bedingen namentlich bei jüngeren Tieren die Erscheinungen -einer Magen- und Darmentzündung, welche sich in Verstopfung, Aufblähen, -Durchfall, blutigem Kot, zuweilen selbst im Auftreten von Abortus -äussert. Daneben beobachtet man Gehirnreizungserscheinungen: Drängen, -Schieben, Drehen. +Wittrock+ (Berl. Arch. 1893 und Preuss. Vet. -Ber. 1904) sah nach der Verabreichung von Rapskuchen, der grosse -Mengen von Senföl enthielt, sämtliche Rinder eines Dominiums unter -den Erscheinungen einer Magendarmentzündung erkranken und mehrere -sterben; in einem zweiten Fall erkrankten 80 Milchkühe an Hämaturie -und Harndrang. +Nielsen+ (Dän. Monatsschr. 1897) beobachtete -nach der Verfütterung von französischen, aus indischen Senfarten -herrührenden Rapskuchen mit einem Senfölgehalt von 0,5 Proz. bei -zahlreichen Rindern Mattigkeit, sehr schnellen, oft unfühlbaren Puls -und subnormale Temperaturen; Kolik war meist nicht vorhanden. Die -Sektion ergab gelatinöse Infiltration im Bindegewebe des Pansens, -sowie hämorrhagische Entzündung der Pansenschleimhaut. Einen ähnlichen -Fall bei Rindern hat +Knudsen+ (ibid. 1901) beschrieben; die -Tiere, welche je 1½ Pfd. französischen Rapskuchen erhalten hatten, -zeigten Kolik, Atemnot, Benommenheit, Sinken der Körpertemperatur, -Appetit- und Milchmangel. Die Sektion ergab partielle Entzündung der -Pansenschleimhaut sowie dicke, gelbe, ödematöse Anschwellung der -Pansenwand. +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1902, S. 241) berichtet über -einen wahrscheinlichen Fall von Vergiftung bei Kühen durch Fütterung -grösserer Mengen von senfölhaltigem Rapskuchenmehl; die Erscheinungen -bestanden in Durchfall und Kolik; bei der Sektion wurde hochgradige -Entzündung der vier Mägen, besonders des Labmagens festgestellt. -+Emmerling+ berichtet über eine Erkrankung von 80-90 Kühen infolge -Fütterung von Rapskuchen, deren Hauptbestandteil der russische -Sareptasenf war. Die Tiere erkrankten an Kolik; die Sektion ergab -Entzündung der 4 Mägen, sowie des Dünndarms. Eigentümlicherweise war -eine Anzahl von Kühen, welche dasselbe Futter erhalten hatten, gesund -geblieben (Verschiedenheit der Rasse?). Aehnliche Vergiftungsfälle -sind ferner von +Haubner+ (Gesundheitspflege), +Anacker+ (Der Tierarzt -1870), +Stahl+ (Magazin 1873) und +Rathke+ (Preuss. Mitt. N. F. 1. -Bd.) beschrieben worden. Auch der Genuss der Rapspflanze selbst hat zu -Vergiftungen Veranlassung gegeben. Nach +Klein+ (Preuss. Mitt. 1881) -erkrankten 2 Kühe, welche blühenden Raps als Futter bekommen hatten, -unter den Erscheinungen der Aufblähung, Verstopfung, des Drängens -auf den Kot und Harn, sowie der Hämaturie. Bei der Sektion fand man -hämorrhagische Entzündung der Schleimhaut des Labmagens und Duodenums, -graugelbe brüchige Leber, sowie Ansammlung einer blutig serösen -Flüssigkeit in der Brust- und Bauchhöhle. - - =Vergiftung durch Ackersenf.= In einem von +Poncet+ (Recueil 1855) - beschriebenen Fall zeigten sich bei einem Pferd, welches längere - Zeit mit Ackersenf gefüttert wurde, Darmentzündung, Speichelfluss, - Husten, sowie eine profuse Bronchitis. In einem andern Fall zeigten - Rinder und Schafe nach der Fütterung von Rapskuchen, welcher viel - Ackersenf enthielt, Durchfall und vermehrtes Urinieren; jüngere - Lämmer starben in grösserer Anzahl (+Leistikow+, Preuss. Mitt. 1882). - Nach +Breitenreiter+ (Zeitschr. f. Vet. 1909) zeigten Kühe nach - Verfütterung von weissem Senf als Grünfutter, der bereits Schoten - angesetzt hatte, krampfartigen Husten, Kolikerscheinungen und Drängen - auf den Harn; am Tag darauf waren sie wieder gesund. - - - =Vergiftung durch Zwiebel.= Im Zwiebel und Knoblauch sind - schwefelhaltige ätherische Oele enthalten, welche mit dem Senföl - verwandt sind. Eine Zwiebelvergiftung bei Rindern hat +Goldsmith+ - beschrieben (Journ. of comp. Path. 1909). Die Tiere, welche grosse - Mengen gewöhnlicher Speisezwiebel aufgenommen hatten, zeigten die - Erscheinungen der Magendarmentzündung (Kolik, Durchfall, Verstopfung, - Erbrechen) und Nierenentzündung. Ein Rind starb. Der Harn, das - Fleisch und sämtliche Organe zeigten starken Zwiebelgeruch. - - - =Vergiftung durch Meerrettich.= Der Meerrettich wirkt wegen seines - Gehalts an einem mit dem Senföl nahe verwandten, wahrscheinlich - identischen Stoff in grösseren Mengen stark reizend auf die - Magendarmschleimhaut. Nach +Jarmer+ (Preuss. Mitt. Bd. 5) erkrankten - 10 Kühe nach der Aufnahme einer grösseren Quantität Meerrettich - unter den Erscheinungen einer sehr heftigen Kolik; vier davon - starben im Verlauf von 24 Stunden. Bei der Sektion fand man eine - sehr ausgedehnte Entzündung der Magenschleimhäute, insbesondere - zeigte die Pansenschleimhaut eine mehrere Zoll dicke, sulzige - Infiltration. Nach +Fairbank+ erkrankten 9 Rinder auf der Weide - unter Kolikerscheinungen; 2 starben; die Sektion ergab akute - Darmentzündung. In einem ähnlichen Fall wurde bei 3 Rindern eine - schwere Entzündung der Pansenschleimhaut beobachtet (Preuss. Vet. - Ber. pro 1907). - - - =Vergiftung durch Erysimum.= +Heyne+ (Preuss. Mitt. 1882) sah - bei 20 Kühen eine schwere Erkrankung. Dieselbe äusserte sich in - Appetitlosigkeit, Stöhnen, Kolikerscheinungen, starker Rötung der - Konjunktiva, sowie Hinfälligkeit; sämtliche Tiere genasen jedoch. - Nach der Aufnahme von Erysimum crepidifolium hat man massenhaftes - Sterben von +jungen Gänsen+ beobachtet; die der Geflügelcholera - ähnlichen Krankheitserscheinungen bestanden in Erbrechen, Unruhe, - Taumeln und Krämpfen (+Zopf+, +Biedenkopf+, +Grimme+, B. T. W. 1894, - S. 308; D. T. W. 1898, S. 27). - - - =Vergiftung durch Arabis tartarica.= Nach der Aufnahme grösserer - Mengen von +Arabis tartarica+ erkrankten, wie +Hertwig+ (Preuss. - Mitt. 1877) berichtet, 25 Pferde eines Gutes plötzlich. Sie zeigten - zunächst Speicheln und nach einer Stunde leichte Kolikerscheinungen; - gleichzeitig waren die Schleimhäute dunkel gerötet, der Blick - stier. Nach einigen Stunden erschienen sämtliche Pferde am ganzen - Körper, am Hals und an den Gliedmassen steif. Einige zeigten ferner - Lähmungserscheinungen, so dass sie sich nicht wieder erheben konnten. - Ein Pferd starb nach 36 Stunden, die anderen waren nach Ablauf von 14 - Tagen wieder gesund. - - -Vergiftung durch Pfeffer. - - =Allgemeines.= Der gewöhnliche +schwarze Pfeffer+, welcher von - Laien vielfach als Heilmittel bei Tieren angewandt wird, ist die - unreife, getrocknete Frucht von Piper nigrum, einer ostindischen - strauchartigen Piperazee. Der weisse Pfeffer ist die reife, ihrer - äusseren Hülle beraubte Frucht derselben Pflanze. Beide Pfefferarten - enthalten als Hauptbestandteil das Alkaloid =Piperin= von der Formel - C_{17}H_{19}NO_{3}, welches als Zersetzungsprodukt das Piperidin und - die Piperinsäure liefert, ausserdem das ätherische Pfefferöl. - - -=Wirkung.= Der Pfeffer besitzt infolge seines Gehaltes an Piperin eine -stark +reizende+, in grossen Gaben +entzündungserregende+ Einwirkung -auf die Schleimhäute. Je nach dem Ort der Applikation erzeugt er -daher +Stomatitis+, +Gastroenteritis+, +Proktitis+, +Vaginitis+, -+Laryngitis+, +Bronchitis+ und +Bronchopneumonie+. Bei Versuchstieren -entstand ausserdem Fettdegeneration und Nekrose der Leber. Die giftige -Wirkung des Pfeffers ist indessen früher vielfach überschätzt worden. -Mehrere angebliche Vergiftungen bei Schweinen sind auf eine durch -das Eingeben bedingte Fremdkörperpneumonie zurückzuführen. Nach den -Versuchen von +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) ertrugen junge -Schweine tägliche Dosen von ganzem oder feingestossenem Pfeffer -zu 1-4 g 8 Tage hintereinander, ohne Krankheitserscheinungen zu -zeigen. Jedenfalls können aber grössere Pfeffergaben eine tödliche -Magendarmentzündung zur Folge haben. So beobachtete +Ebersbach+ (Sächs. -Jahresb. 1867) bei 3 Schweinen im Alter von 7 bis 8 Monaten, welche je -einen Esslöffel gepulverten Pfeffer erhalten hatten, das Krankheitsbild -einer schweren Magendarmentzündung; bei zwei derselben, welche im -Verlauf der Vergiftung gestorben waren, wurde durch die Sektion das -Vorhandensein einer Gastroenteritis konstatiert. - -Die +Behandlung+ der Pfeffervergiftung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender, sowie schmerzlindernder Mittel (Opium). Der -+Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg. - - -Aloevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Aloe, der eingekochte Milchsaft verschiedener - Aloearten (Aloe ferox, Africana usw.), enthält als wirksamen - Bestandteil das =Aloetin= (Aloebitter), sowie das =Emodin= - (Aloeharz). Aloevergiftungen kommen zuweilen bei Pferden nach der - Verabreichung zu grosser Aloedosen oder infolge der Missachtung - gewisser diätetischer Vorsichtsmassregeln nach der Einverleibung - gewöhnlicher therapeutischer Aloedosen vor. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftung mit Aloe verläuft -unter +Kolikerscheinungen+ mit +erschöpfendem Durchfall+ und führt -nach 2-5 Tagen unter zunehmender +Mattigkeit+ und +Schwäche+ zum -Tod. Im allgemeinen ist die tödliche Einzeldosis die doppelte bis -dreifache der purgierenden. Am häufigsten ereignen sich tödliche -Vergiftungen, wenn 2 gewöhnliche Aloedosen zu rasch hintereinander -gegeben werden, indem die Wirkung der ersteren nicht abgewartet wird. -Auf diese Weise können z. B. 40 g Aloe, wenn sie in den ersten 3 Tagen -nach der Verabreichung einer ebensolchen Dosis nachgegeben werden, bei -kräftigen Pferden unter Umständen den Tod herbeiführen. Sehr gefährlich -ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Aloe und Kalomel -(+Regenbogen+). Es kann indessen auch eine einfache Aloedose von 30 -bis 40 g bei einem Pferd unter Umständen eine tödliche Purgierwirkung -zur Folge haben, wenn das Pferd nicht, wie es Vorschrift ist, während -der Dauer der Aloewirkung im Stall verbleibt, sondern zur Arbeit -verwendet und gleichzeitig Erkältungseinflüssen ausgesetzt wird. Auch -bei drusekranken Pferden kann die Aloe schon in normaler Laxierdosis -Vergiftungserscheinungen hervorrufen (+Albrecht+). - -Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis; bei -längerer Dauer der Vergiftung können indessen Entzündungserscheinungen -auf der Magen- und Darmschleimhaut fehlen, so dass nur die Leerheit und -allgemeine Blässe des Darmes als auffallende Veränderungen angetroffen -werden. Zuweilen besitzt der Darminhalt auch den charakteristischen -Aloegeruch. Die +Behandlung+ besteht in der Anwendung schleimiger -und stopfender Mittel (Opium, Tannin, Ferrum sulfuricum, Bleizucker, -Höllenstein). - - =Kasuistik.= Aloevergiftungen bei Pferden sind von +Gerlach+ - beschrieben worden. In einem Fall wurde einem mittelgrossen, - kräftigen Arbeitspferd eine Aloepille von 40 g Aloe gegeben; als - die gewünschte Wirkung nach 40 Stunden noch nicht eingetreten war, - gab der Eigentümer des Pferdes eine zweite, ebenso starke Aloepille - nach, worauf sich anhaltendes, heftiges Laxieren einstellte, an - welchem das Pferd krepierte (Gesamtdosis: 80 g). Bei einem andern - Pferd trat der Tod auf die Verabreichung von nur 30 g Aloe am 4. Tag - ein, nachdem das Pferd trotz der Aloepille zu anstrengender Arbeit - benützt worden war und sich ausserdem durch einen Gewitterregen eine - Erkältung zugezogen hatte. -- +Rasberger+ (Woch. f. Tierheilkunde - 1891) beobachtete bei 2 Pferden, welche in einem strengen Winter - 40-50 g Aloe erhalten hatten, starken Durchfall, Kolik und schweres - Allgemeinleiden. -- Nach +Kunze+ (Sächs. Jahresber. 1891) erhielt ein - Pferd innerhalb eines Tages 3 Aloepillen von je 30 g und starb in der - folgenden Nacht. -- +Paust+ (B. T. W. 1900) hat 3mal Rindern gegen - Tympanitis innerhalb 24 Stunden 110 g, bezw. innerhalb 48 Stunden - 140 und 150 g Aloe ohne Nachteil eingegeben. Auch +Mayr+ (Woch. f. - Tierh. 1901) sah ein Pferd nach einer einmaligen Verabreichung von - 80 g Aloe (und 6 g Arsenik) am Leben bleiben; die drastische Wirkung - dauerte im ganzen 24 Stunden an. +Regenbogen+ (B. T. W. 1903) weist - auf die grosse Giftigkeit einer Mischung von Aloe und Kalomel hin - (Inkompatibilität). 42 Pferde erhielten je ½-1 Pille, welche aus 20 g - Extraktum Aloes und 3 g Kalomel bestand; sie erkrankten an heftiger - Kolik, Durchfall und Schwäche; mehrere starben an hämorrhagischer - Gastroenteritis. +Bächstädt+ (Zeitschr. f. Vet. 1904) sah einen - mittelgrossen Wallach sterben, welcher in 2 Tagen 55 g Aloe (und 2 - g Kalomel!) erhalten hatte. Nach +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1907) - erkrankte ein drusekrankes Pferd (4jähriger Wallach) nach einer - gewöhnlichen Aloepille an 3tägigem, hochgradigem Durchfall und - grosser Schwäche; er hält es daher für sehr bedenklich, einem an - Druse kranken Pferd Aloe in Laxierdosis zu verabreichen. - - In einzelnen Fällen hat man endlich beobachtet, dass die +Milch+ - von Kühen, welche mit Aloe behandelt worden waren, beim Menschen - Durchfall erzeugte. - - -Vergiftung durch Rizinuskuchen. - - =Allgemeines.= Die von Ricinus communis (Euphorbiazee) stammenden - +Rizinussamen+ sind in Afrika und Ostindien einheimisch, jedoch - durch Kultur in allen wärmeren Zonen verbreitet (baumartiges - Gewächs im Süden, krautartige Pflanze im Norden) und in sehr vielen - Varietäten im Handel (indische, türkische, italienische, ungarische, - brasilianische, Javasamen usw.). Die 1-2 cm langen eiförmigen, - gelbgrau und braun getigerten Samen enthalten in ihrem Kern das - durch Auspressen gewonnene Rizinusöl. Die Pressrückstände, welche - als „Rizinuskuchen“ bezeichnet und häufig zur Verfälschung anderer - Oelkuchen, namentlich der Erdnusskuchen und der Leinkuchen, benützt - werden, enthalten namentlich im Samenkern ein sehr giftiges Ferment, - das =Rizin=, ein weisses, amorphes, neutrales Pulver, welches sich - am besten in 10prozentiger Kochsalzlösung löst und beim Kochen seine - Wirksamkeit verliert (eiweissartiger Körper; zu den Phytalbumosen - gehörend). Ausführliche Untersuchungen über das Rizin sind von - +Kobert+ und +Stillmark+ (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu - Dorpat, 1889, Heft III), +Cornevin+ (J. de Lyon 1897, S. 25), - +Ehrlich+ (Fortschritte d. Med. 1897) und +Miessner+ (Mitt. des - Kaiser Wilhelm-Instituts in Bromberg, 1909) angestellt worden. - - Für den +botanischen+ Nachweis der Rizinussamen ist ausser ihrer oben - beschriebenen Beschaffenheit von Wichtigkeit der +mikroskopische+ - Bau der Samenschale und der darunter befindlichen dünnen Samenhaut. - Die +marmorierte Samenschale+ zeigt 5-7eckige Epidermiszellen, - welche ein Zellulosenetz einschliessen, das teils ungefärbt, teils - rotbraun gefärbt ist und in dessen Hohlräumen sich oft Farbstoff - eingelagert findet. Unter der Epidermis folgt ein Schwammparenchym - aus 4-5 Zellenschichten. Hierauf folgt eine einzelne Schicht radial - gestreckter 4-8eckiger Zellen, in der kohlensaurer Kalk abgelagert - ist (für die Euphorbiazeen charakteristische Zellschicht!). Es folgt - eine aus sehr hohen und verholzten Zellen gebildete Palisadenschicht. - Die +Samenhaut+ ist durch Zellen gekennzeichnet, deren äusserst - eckige Begrenzung auffällt; sie enthält ferner massenhafte - Kristalldrusen von oxalsaurem Kalk. - - Mitunter erweisen sich Erdnusskuchen dadurch giftig, dass bei - der Pressung zufällig giftige Rizinuspartikel in die Oelkuchen - hineingeraten. Dies geschieht namentlich dann, wenn abwechselnd zur - Verpressung der Oelsamen die gleichen Apparate und Maschinen benützt - werden, welche vorher zur Verarbeitung der Rizinussamen gedient haben. - - -=Rizinwirkung.= Die giftige Wirkung der Rizinuskuchen steht in keiner -Beziehung zu ihrem Gehalt an Rizinusöl, sondern wird ausschliesslich -durch das in den Samenschalen enthaltene ausserordentlich -giftige +Rizin+ bedingt. Das Rizin erzeugt eine +hämorrhagische -Gastroenteritis+ mit starkem +Kräfteverfall+, +Somnolenz+, -+Konvulsionen+ und +Koma+. Die Giftigkeit des Rizins besteht nach -Kobert in seiner elementaren, +Fibringerinnung+ erzeugenden Einwirkung -auf das +Blut+ aller Wirbeltierklassen, selbst auf das bereits -defibrinierte Blut. Am giftigsten ist das Rizin von der Unterhaut aus; -es übertrifft bei dieser Applikationsmethode sowohl die Blausäure -als das Strychnin an Giftigkeit. Im Magen wird es zum Teil verdaut; -der übrige Teil wird resorbiert und bedingt bereits innerhalb der -Blutgefässe der Darmschleimhaut Blutgerinnung mit nachfolgender -+Geschwürsbildung+ (Selbstverdauung). Ausser der Blutwirkung kommt -als Todesursache bei der Rizinvergiftung nach den Untersuchungen von -+Cushny+, +Müller+ und +Stepanoff+ (Arch. f. exp. Path. 1898 f.) -auch die +örtlich reizende Wirkung des Rizins auf die Schleimhaut+ -in Betracht, wenn es aus dem Blute in den Magen und Darm wieder -ausgeschieden wird (Aetzwirkung an der Ausscheidungsstelle). - -Die grosse Giftigkeit der Rizinussamen erhellt aus folgenden, -experimentell festgestellten Tatsachen. Nach +Miessner+ beträgt -die tödliche Dosis der Rizinussamen nach +einmaliger+ Fütterung -durchschnittlich - - für Pferde 30-50 g = 0,1 g pro kg Körpergewicht - „ Rinder 350-450 „ = 2 „ „ „ - „ Kälber 20 „ = 0,5 „ „ „ - „ Schafe 30 „ = 1,25 „ „ „ - „ Ziegen 105-140 „ = 5,5 „ „ „ - „ Schweine 60 „ = 1,4 „ „ „ - „ Ferkel 15-20 „ = 2,4 „ „ „ - „ Kaninchen 1,5 „ = 1 „ „ „ - „ Gänse 1 „ = 0,4 „ „ „ - „ Hühner 18 „ = 14 „ „ „ - -Bei +mehrtägiger+ Fütterung tritt eine +kumulierende+ Wirkung ein; -die Todesdosis beträgt dann nur etwa die Hälfte der bei einmaliger -Fütterung, für Pferde z. B. nur 17-37 g (0,05 bis 0,07 g pro kg). Bei -+subkutaner+ Applikation ist beim Kaninchen die Giftwirkung 500mal -stärker, als bei stomachikaler (Todesdosis = 1 mg Rizinussamen). - -Eigentümlicherweise kann man Tiere an das Rizin allmählich so -+gewöhnen+, dass sie sogar die 100fache tödliche Dosis ertragen. Diese -„+Rizinfestigkeit+“ erklärt sich nach +Ehrlich+ durch die Bildung -einer gerinnungshemmenden Substanz im Blut mit +immunisierender+ -Wirkung, des „Antirizins“. +Cornevin+ gelang es ferner, durch -2stündiges Erwärmen der Rizinussamen ihre Giftigkeit so abzuschwächen, -dass die subkutane Einspritzung der Samen den Versuchstieren (Rindern -und Schweinen) Immunität gegen das Rizin verlieh. Er empfiehlt -infolgedessen die +Schutzimpfung+ gegen das Rizin als Vorbedingung -zur Verfütterung der Rizinussamen und Rizinuskuchen, indem er seine -Erfahrungen in nachstehenden Sätzen zusammenfasst: - -1. Das 2 Stunden lang auf 100° erhitzte Rizin verwandelt sich in -einen Impfstoff, der, unter die Haut injiziert, die Tiere gegen -Rizinusvergiftung immun macht. - -2. Die Wiederkäuer sind für die Rizinuswirkung empfänglicher als -Schweine und Hühnerarten. Beim Schweine genügen 2 durch 8tägige -Intervalle getrennte Impfungen zur Erzielung einer Immunität, während -bei andern Tiergattungen deren 3 nötig sind. - -3. Die durch die Vakzination erreichte Immunität ist von Dauer; das -Fleisch der mit Rizinusölkuchen gefütterten Tiere hat keinerlei -schädliche Eigenschaften. - -4. Man kann unbeschadet den Haustieren eine gewisse Quantität -Rizinuskörner oder Rizinuskuchen unter die Futterration mischen, wenn -man sie vorher gegen das heftige Gift derselben immunisiert hat. - -Nach +Miessner+ wirkt das +Serum+ rizinimmuner Tiere präzipitierend auf -rizinhaltige Flüssigkeiten (vergl. unten). - - -=Behandlung und Nachweis.= Die +Prophylaxe+ der Rizinusvergiftung -besteht darin, dass die gepulverten Rizinussamen vor der Verfütterung -+gekocht+ oder +gedämpft+ oder mit strömendem Wasserdampf behandelt -werden, wodurch das Rizin zerstört wird. Die eigentliche +Behandlung+ -der Rizinvergiftung ist im übrigen eine symptomatische. Sie besteht in -der Verabreichung von Tannin, von schleimigen, schmerzstillenden und -exzitierenden Mitteln. - -Der +Nachweis+ der Rizinusschalen erfolgt durch Lupenuntersuchung, -sowie durch die mikroskopische Untersuchung des Mehles (vergl. S. -298). Für das Rizin selbst fehlen charakteristische Reaktionen. -Dagegen lässt sich das Rizin mit Hilfe der +Präzipitationsmethode+, -also auf biologischem Wege in den Rizinussamen bezw. in verfälschten -Futtermitteln nachweisen. Nach +Miessner+ fällt das Serum rizinimmuner -Tiere (Antirizinserum) rizinhaltige Flüssigkeiten innerhalb weniger -Minuten. Bringt man eine filtrierte 1proz. mit 10proz. Kochsalzlösung -hergestellte Aufschwemmung des verdächtigen Futtermittels nach 24 -Stunden mit 0,1 Antirizinserum zusammen, so gibt die Präzipitation -Aufschluss darüber, ob tödliche oder untertödliche Mengen von -Rizinussamen in dem Futter enthalten sind. Bei rizinusvergifteten -Tieren lässt sich die Serodiagnose nicht verwerten. Ausser durch -die Präzipitationsmethode lässt sich die Menge des Rizinussamens in -einem verdächtigen Futter durch die subkutane Injektion des Futters -bei Kaninchen nachweisen (subkutane Todesdosis der Rizinussamen nach -+Miessner+ 1 mg). Ueber den Nachweis durch +Konglutination+ vergl. S. -302. - - =Kasuistik.= Die tierärztliche Literatur enthält zahlreiche Fälle - von Vergiftungen bei Pferden und Rindern, welche durch Verfütterung - von Rizinuskuchen oder von Oelkuchen bedingt waren, die sich - als mit Rizinuspressrückständen verfälscht erwiesen (auch beim - Menschen sind nach dem Genusse der Samen zahlreiche -- über 100 -- - Vergiftungsfälle beobachtet worden). Das Krankheitsbild entspricht - den oben genannten Erscheinungen der Rizinvergiftung. So berichtet - +Renner+ (Preuss. Mitt. 1874) über eine Vergiftung bei einer - grösseren Anzahl von Rindern nach der Verfütterung von Leinsamenmehl, - welches mit Rizinuspressrückständen vermischt war, wie sich durch - Lupenunersuchung nachweisen liess. Die Tiere erkrankten unter den - Erscheinungen von Appetitlosigkeit, Durchfall, Apathie, Störungen - des Bewusstseins und Krämpfen, genasen jedoch nach 2-3 Tagen. - +Regenbogen+ (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1888) beobachtete bei - 35 Pferden eine Vergiftung durch Leinsamenmehl, welches ebenfalls - mit Rizinusschalen verfälscht war. Die Tiere zeigten vollständig - unterdrückte Futteraufnahme, Kolikerscheinungen, Durchfall, - Schwäche im Hinterteil, Unvermögen zu stehen, Eingenommenheit des - Sensoriums. Ein Pferd starb innerhalb 24 Stunden, ein anderes - später, ein drittes musste wegen Aussichtslosigkeit einer Heilung - getötet werden. Bei der Sektion fand man Entzündung den Magens - und Zwölffingerdarmes, akute diffuse Nephritis, parenchymatöse - Degeneration des Herzmuskels und Lungenödem. -- +Eisenblätter+ - (Berl. Archiv 1893) sah von drei Schweinen, denen mit dem Futter - 2 Hände voll alte Rizinuskerne vorgeschüttet worden waren, 2 nach - einigen Stunden unter den Erscheinungen von Erbrechen und Durchfall - sterben. -- +Stödter+ (Hamb. Zentr.-Zeit. 1897) beobachtete bei 2 - Pferden, welche Rizinussamen im Hamburger Hafen gefressen hatten, - Kolik, Harndrang, Durchfall, Schweissausbruch, Pupillenerweiterung - und unfühlbaren Puls; die Sektion ergab Nephritis, Myokarditis und - hämorrhagischen Milztumor. -- +Vollers+ (Berl. Arch. 1894) berichtet, - dass mehrere Pferde unter den Erscheinungen der Magendarmentzündung - und Lähmung starben, welche amerikanische Kleie mit Rizinuskörnern - gefressen hatten. -- +Nikolski+ (Pet. Arch. 1897) sah bei 4 Pferden - nach der Aufnahme von Hafer, der 5 Proz. Rizinussamen enthielt, - Zwerchfellkrämpfe, Mydriasis, Schweissausbruch, Muskelkrämpfe und - starken Durchfall. -- +Smith+ (The Vet. 1898) sah bei 63 Rindern, - welchen Rizinussamen mit Erbsen gefüttert wurden, heftigen Durchfall. - -- Nach +Bollinger+ (Deutsche Zeitschr. für Tiermed., Bd. 6) erwies - sich auch die Milch von Tieren schädlich, welche mit Leinkuchen - Rizinussamen aufgenommen hatten. -- +Bierbaum+ (Beitrag zur - Giftigkeit des Semen Ricini communis. Inaug.-Diss. Gotha 1906) hat im - Auftrag der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schleswig-Holstein - mit Unterstützung des Preuss. Landwirtschaftsministeriums Versuche - mit Rizinussamen bei verschiedenen Haustieren angestellt, welche - folgendes ergeben haben. Die tödliche Dosis der Rizinussamen für - +Kaninchen+ beträgt 0,7-1 g pro kg Körpergewicht; die Samenschalen - erwiesen sich als ungiftig. +Ziegen+ und +Schafe+ nahmen ohne - Schaden längere Zeit hindurch kleine Mengen (1-2 g) Rizinussamen - auf, desgleichen später gegebene grössere Gaben von 10-50 g - (Immunität!). Die tödliche Dosis für Schweine schwankte zwischen - 1,6-8 g Rizinussamen pro kg Körpergewicht. Durch längere Fütterung - mit allmählich ansteigenden Mengen gelang es, bei Schweinen eine hohe - Immunität zu verleihen, so dass 93 g Rizinussamen ohne Schaden auf - einmal gegeben werden konnten. Ein Pferd starb nach der Verfütterung - von 125 g Rizinussamen (tödliche Dosis = 0,4 g pro kg Körpergewicht). - Bei allmählich ansteigender Dosis ertrug ein Pferd ohne Schaden - 2400 g Rizinussamen in 1½ Monaten. Ein +Hund+ starb in 3 Tagen nach - 0,8 g Rizinussamen pro kg Körpergewicht. +Hühner+ erwiesen sich - viel widerstandsfähiger (tödliche Dosis =13 g Rizinussamen pro kg - Körpergewicht). Noch resistenter waren +Tauben+, indem sie 15 g - pro kg ohne Schaden ertrugen; +Enten+ starben dagegen bei 7 g pro - kg. +Bierbaum+ zieht aus diesen Versuchen den Schluss, dass die - Giftigkeit der Rizinussamen für Tiere überschätzt worden ist und - weist darauf hin, dass die Futterstoffe meist nur geringe Mengen - von Rizinusteilen enthalten. Er bezweifelt ferner die Richtigkeit - der Angabe von +Soxhlet+, dass zur Tötung eines Ochsen oder Pferdes - 1,5 g Rizinusölkuchenmehl genüge. Andererseits ist nach ihm nicht - ausser acht zu lassen, dass die Resistenz von Tieren derselben Art - gegenüber den Rizinussamen verschieden ist, und dass vielleicht - vorhandene krankhafte Zustände des Magendarmtraktus begünstigend - wirken. Der Nachweis von Rizinussamen in einem Futtermittel genügt - für sich allein zum Beweise der Giftigkeit desselben nicht, da die - Samen ja vorher durch geeignete Behandlung entgiftet sein können; - beweisend sind nur Fütterungsversuche. -- Prof. Dr. +Schmidt+-Hamburg - (Zeitschr. f. öffentliche Chemie 1908, S. 245) fand bei seinen - Versuchen, dass geringe Mengen von Rizinussamen unschädlich - sind. Er tritt daher dafür ein, dass minimale, ungiftige Mengen - von Rizinus in Erdnusskuchen geduldet werden sollen. Er glaubt - ferner, dass bei der Pressung der Erdnusskuchen bei 80-85° die - gleichzeitig vorhandenen Rizinussamen ihre Giftigkeit verlieren, und - dass nicht alle angeblichen Futtervergiftungen nach Verabreichung - rizinhaltiger Erdnussrückstände wirkliche Rizinusvergiftungen sind. - +Miessner+ (Ueber die Giftigkeit der Rizinussamen, Mitt. des Kaiser - Wilhelms-Institut für Landwirtschaft in Bromberg, I. Bd., 1909, - 3. Heft) hat im Auftrag des preuss. Landwirtschaftsministeriums - toxikologische Untersuchungen über Rizinussamen angestellt, deren - wesentlichste Ergebnisse bereits erwähnt sind (vergl. S. 299). - Er hat ausserdem gefunden, dass die in Deutschland verarbeiteten - Rizinussamen stets gleich giftig sind, dass ihre Giftigkeit durch - Kochsalzzusatz nicht erhöht wird, dass das Rizin durch feuchte - Erwärmung auf 100° unwirksam wird, während es durch trockene - Hitze erst bei 130° zerstört wird, so dass also zur Entgiftung - der Pressrückstände eine feuchte Erwärmung auf 100° gefordert - werden muss. Ueber 90° feucht erhitzte Rizinussamenlösungen werden - durch Antirizinserum nicht mehr präzipitiert. Da die Schale - der Rizinussamen nach den Untersuchungen von M. überhaupt kein - Rizin enthält, so genügt nach M. der mikroskopische Nachweis der - Samenschale für sich allein noch nicht, um eine Rizinvergiftung zu - begründen. Vielmehr ist der Nachweis des Samenkerns erforderlich, der - allein das Rizin enthält. „Aber auch dieser Nachweis ist nur dann - von Bedeutung, wenn wir zugleich eine für eine Erkrankung des Tieres - notwendige Menge feststellen und ermitteln, dass diese ungekocht ist, - da gekochte Rizinussamen unschädlich sind.“ - - +Miessner+ und +Rewald+ (Die Konglutination der roten Blutkörperchen - durch Rizinussamen, Zeitschr. für Immunitätsforschung, II. Bd., - 1909) haben gefunden, dass die Rizinussamen durch das in ihnen - enthaltene +Konglutinin+ die Fähigkeit besitzen, rote Blutkörperchen - zusammenzuklumpen (+Konglutination+). Dagegen konglutieren die - gebräuchlichsten Futtermittel des Handels rote Blutkörperchen nicht. - Sie bezeichnen daher die Konglutination als ein ausgezeichnetes - Mittel zum forensischen +Nachweis von Rizinussamen+ in verfälschten - Futtermitteln. Zu diesem Zwecke vermischt man im Reagenzglas 2 ccm - eines 5proz. Fitrats des Futtermittels in 0,85proz. Kochsalzlösung - mit 10 ccm einer 3proz. Blutkörperchenaufschwemmung von Tauben-, - Kaninchen- oder Hundeblut. Sind Rizinussamen in dem Futter vorhanden, - so sind die roten Blutkörperchen innerhalb 1-2 Stunden am Boden - des Reagenzglases zu einem festen Klumpen zusammengeballt, während - die darüber stehende Flüssigkeit klar ist. Durch Einstellung - der Reagenzgläser in einen Thermostaten von 37° lässt sich die - Konglutination beschleunigen. - - =Abrin.= Das in den Samen von Abrus precatorius (Jequirity, - Paternostererbsen) enthaltene Toxalbumin +Abrin+ besitzt genau - dieselbe Fibringerinnung erzeugende Wirkung auf das Blut, wie Rizin, - dem es nach +Ehrlich+ und +Calmette+ auch darin gleicht, dass man - Tiere „abrinfest“ machen kann. Abrinfeste Tiere sind aber nicht - auch rizinfest und umgekehrt. Nach +Hellin-Kobert+ tötet Abrin - Tiere vom Blute aus in Dosen von wenigen Hundertstel Milligramm pro - kg Körpergewicht; auch erzeugt es noch in homöopathischen Dosen - im Lidsack Thrombose der Gefässe mit nachfolgender Entzündung - (Jequirity-Ophthalmie). Das Serum abrinfester Tiere wirkt stark - antitoxisch. - - -Vergiftung durch Krotonöl. - - =Allgemeines.= Die +Krotonsamen+, +Grana Tiglii+, sind die 2 cm - langen und 1,5 cm breiten elliptischen Kapselfrüchte von Croton - Tiglium, einer ostindischen Eupborbiazee. Der Samenkern enthält das - stark giftige +Krotonöl+, als dessen wirksamer Bestandteil die mit - der Rizinolsäure verwandte =Krotonolsäure= bezeichnet wird. Ausserdem - enthält die blassbräunliche Samenschale das =Krotin=, ein dem Rizin - sehr ähnliches, für die Blutkörperchen sehr giftiges Ferment. - Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren durch die innerliche - Verabreichung der Samen bei falscher Dosierung oder wiederholter - Anwendung, sowie durch die innerliche und äusserliche Anwendung des - Krotonöls. Eine ausführliche toxikologische Arbeit über das Krotonöl - ist von +E. v. Hirschheydt+ (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu - Dorpat, herausgegeben von Kobert, IV, 1890), sowie von +Elfstrand+ - (Ueber giftige Eiweisse, welche Blutkörperchen verkleben. Upsala - 1897) veröffentlicht worden. - - -=Wirkung der Krotonolsäure.= Die Krotonolsäure ist im Krotonöl -ursprünglich an Glyzerin gebunden als Krotonolsäure-Triglyzerid -enthalten. Dieser Körper besitzt an und für sich keine reizende -Wirkung, er ist vielmehr ein ebenso indifferentes Fett wie andere -Triglyzeride, z. B. die der Stearinsäure, Palmitinsäure, Oleinsäure. -+Nur die freie Krotonolsäure, sowie ihre Salze (krotonolsaures Natrium -und Kalium) sind stark reizende, ätzende Stoffe.+ Eine Abspaltung -freier Krotonolsäure findet im Krotonöl unter der Einwirkung -der Luft bei längerem Stehen statt; +älteres Krotonöl ist daher -giftiger als frisch ausgepresstes+. Dieser Umstand, die verschiedene -Giftigkeit der käuflichen Krotonölpräparate, erklärt die vielfach -gemachte Beobachtung, dass das Krotonöl namentlich bei Pferden in -einer und derselben Dosis bald sehr giftig, bald nur wenig wirksam -erfunden worden ist. Im Darmkanal findet ferner eine Verseifung -des Krotonolsäure-Triglyzerids statt, indem dasselbe zu Glyzerin -und krotonolsauren Alkalien zerlegt wird. Die letzteren besitzen -eine ebenso starke ätzende Wirkung wie die freie Krotonolsäure, -auf ihre Abspaltung ist daher die drastische Wirkung des Krotonöls -zurückzuführen. +Die Verseifung des Krotonöls im Darm ist aber bei -den einzelnen Tiergattungen verschieden intensiv.+ Am raschesten -erfolgt die Verseifung, also die Bildung von ätzenden krotonolsauren -Alkalien (Kalium, Natrium) beim Pferd und Rind. +Aus diesem Grund ist -das Krotonöl für Pferde und Rinder ein viel stärkeres Gift, als für -die übrigen Haustiere.+ Am spärlichsten und langsamsten geschieht die -Verseifung beim Hund, bei welchem ausserdem noch die Möglichkeit des -Erbrechens die Gefahr einer Vergiftung vermindert. Hierdurch erklärt -sich die Tatsache, +dass Hunde auffallend grosse Gaben von Krotonöl -ohne Schaden ertragen+. Am empfindlichsten gegenüber dem Krotonöl ist -der Mensch. - - -=Wirkung des Krotins.= Das Krotin gehört wie das Rizin und Abrin zur -Gruppe der pflanzlichen +Agglutinine+, d. h. fermentartigen Substanzen, -welche die roten Blutkörperchen mancher Tiergattungen zur Verklebung -und Ausfällung bringen. Ausserdem wirkt es auf gewisse Blutarten -+hämolytisch+, d. h. die roten Blutkörperchen auflösend. Unempfindlich -(refraktär) gegen Krotin scheint nur das Hundeblut zu sein, das ein -Antiagglutinin („Antikrotin“) enthält. Die letale Dosis des Krotins -beträgt bei subkutaner Applikation für das Kaninchen 0,05-0,08 g pro kg -Körpergewicht; bei intravenöser Darreichung ist die letale Dosis weit -geringer, während man bei Einführung des Krotins per os fast 0,5 g pro -kg Körpergewicht anwenden kann, ohne den Tod des Tieres herbeizuführen, -obwohl dasselbe unter den gleichen Erscheinungen erkrankt, wie bei der -subkutanen Einführung. - - -=Krankheitsbild der Krotonölvergiftung.= Das Krotonöl ist eines der -stärksten Akria. Es erzeugt +Dermatitis+, +Stomatitis+, +Pharyngitis+, -+Gastritis+ und +Enteritis+. Nicht bloss bei +innerlicher+ -Verabreichung, sondern auch bei +äusserlicher+ Einreibung des Oeles -kann infolge Resorption desselben eine Vergiftung entstehen. So tritt -beim Pferd nach dem Einreiben von 60 Tropfen, beim Schaf von 30 -Tropfen, beim Hund von 15-20 Tropfen Purgieren ein. Die +Erscheinungen+ -der Krotonölvergiftung sind die einer +heftigen, sehr schmerzhaften -Magendarmentzündung+ mit +ruhrartigen Durchfällen+; der Tod erfolgt -unter +allgemeiner Schwäche+ und +Erschöpfung+ nach 1-3 Tagen. Bei der -Sektion findet man korrosive Gastroenteritis, zuweilen auch Stomatitis -und Pharyngitis. - -Die +tödlichen Dosen+ des Krotonöls sind bei der Verschiedenartigkeit -des Gehaltes der käuflichen Präparate an freier Krotonolsäure und -bei dem verschiedenen Verhalten der einzelnen Tiergattungen dem -Krotonöl gegenüber äusserst variabel. So gibt +Hertwig+ als zulässige -Maximaldosis des Krotonöls für das Pferd 25 Tropfen an, während -+Sommer+ (Magazin Bd. 9, S. 455) bei einem rotzkranken kräftigen Pferd -nach 20 Tropfen Krotonöl in Pillenform den Tod am 4. Tag, bei zwei -anderen Pferden nach 30 Tropfen Krotonöl den Tod am 3. Tag eintreten -sah. Nach +Hertwig+ brauchen Hunde zum Purgieren 5-10 Tropfen und -sterben selbst nach 10-20 Tropfen nicht; nach +Gerlach+ soll bei Hunden -eine Quantität, welche 3 Tropfen des Oeles übersteigt (bei Pferden -eine solche von mehr als 15 Tropfen), tödlich werden können. +Hertwig+ -hat angegeben, unter 5 Tropfen bei Hunden keine diarrhoische Wirkung -erzielt zu haben; ich selbst habe mit 4 Tropfen reinem Krotonöl bei -mittelgrossen Hunden eine starke Laxierwirkung erhalten. Nach den -Versuchen von +Mayet+ und +Hallé+ (Annales d’hygiène 1871) hatten sogar -Gaben von 1 g Krotonöl (25 Tropfen) keine bemerkenswerte Wirkung bei -Hunden, 1,2 g Krotonöl (30 Tropfen) erzeugten nur Durchfall. Dagegen -hatten bei einem andern Hund 5 Tropfen Krotonöl in Pillenform gegeben -blutiges Erbrechen, blutigen Durchfall, sowie den Tod innerhalb 24 -Stunden zur Folge. Ein weiterer Versuchshund erhielt innerhalb 45 Tagen -nicht weniger als 10 g = 250 Tropfen Krotonöl; der Tod erfolgt erst -bei der letzten Gabe von 2 g = 50 Tropfen. Bei der Sektion fand man -die Magendarmschleimhaut bis zum Dickdarm mit Ausnahme von Schwellung -einiger Peyerschen Drüsenhaufen intakt. Dagegen zeigte die Schleimhaut -des Dickdarms einen kruppösen Belag, Verdickung, schwärzliche -Verfärbung, sowie frische und ältere Ulzerationen. - -Nach dem Entwickelten lässt sich eine sichere, genaue tödliche Dosis -des Krotonöls für die einzelnen Tiergattungen nicht aufstellen. Nur -beim +Pferd+ kann nach klinischen und experimentellen Erfahrungen der -Satz aufgestellt werden, +dass eine Ueberschreitung der Dosis von 20 -Tropfen Krotonöl in der Regel eine Vergiftung mit tödlichem Ausgang -zur Folge hat+. Beim Rind können als Maximaldosis durchschnittlich -40 Tropfen bezeichnet werden. Die +Krotonkörner+, welche früher statt -des Krotonöls gegeben wurden (Pferden zu 1,5-2,5, Rindern zu 2,5-3,5, -Schafen und Schweinen zu 0,5, Hunden zu 0,1-0,4), töten Pferde in Dosen -von 4-8 g nach 10-40 Stunden, Hunde in Dosen von 0,6-1,25, wenn das -Erbrechen verhindert wird. - - -=Behandlung.= Gegen die Vergiftung mit Krotonöl oder Krotonsamen -gibt es kein spezifisches Antidot, die Behandlung ist vielmehr eine -rein symptomatische. In erster Linie sind schleimige, einhüllende, -sowie schmerzlindernde und stopfende Mittel anzuwenden. Man gibt -namentlich +Leinsamenabkochungen+ in Verbindung mit +Opiumtinktur+, -ausserdem Tannin, Eisenvitriol, Bleizucker und Argentum nitricum. Die -Schwächezustände werden mit Exzitantien behandelt; man macht subkutane -Aether-, Kampfer-, Atropin-, Koffein- oder Veratrininjektionen. - -Der +Nachweis+ der Krotonölvergiftung wird auf chemisch-physiologischem -Wege erbracht. Man extrahiert das Oel aus dem Magendarminhalt mittels -Aether oder Chloroform und prüft das eingedickte Extrakt auf eine -etwaige pustelbildende Wirkung durch Einreibung auf die Haut von -Menschen oder Tieren. - - =Vergiftung durch die Semina Ricini majoris.= Als Semina Ricini - (Cataputiae) majoris werden die Samen des amerikanischen - +Purgiernussbaumes+, Jatropha Curcas = Curcas purgans, eines zu - den Euphorbiazeen gehörigen Baumes bezeichnet. Sie enthalten ein - scharf reizendes, in seiner Wirkung dem Krotonöl ähnliches Oel, - welches den Namen Teufelsöl (+Oleum infernale+) erhalten hat und - zur Seifenfabrikation und als Brennöl dient. Ausserdem sollen sie - nach +Kobert+ eine Phytalbumose enthalten. Dadurch, dass ihre - Pressrückstände den Erdnusskuchen beigemengt werden, geben sie - Veranlassung zu Vergiftungen beim Rind und Schwein. +Wolff+ (Berl. - Arch. 1889) sah bei 40 Milchkühen als Vergiftungserscheinungen - Schlingbeschwerden, kolikähnliche Anfälle, Durchfall, Anurie und - subnormale Körpertemperatur; die Sektion ergab hämorrhagische - Entzündung im Labmagen und Dünndarm mit Ekchymosen und - Geschwürsbildung. +Leonhard+ (ibid.) sah bei 28 Läuferschweinen - Kolik, Erbrechen, Diarrhöe und unstillbaren Durst; 12 Schweine - krepierten, nachdem blutige Diarrhöe eingetreten war. - - -Vergiftung durch Robinia pseudoacacia. - - =Botanisches.= Die +falsche Akazie+ (Papilionazee) enthält - verschiedene Gifte. Der Umstand, dass die Blätter beim Pferd - Stomatitis erzeugen, weist zunächst auf einen darin enthaltenen - scharfen Stoff hin. In der Rinde fanden +Power+ und +Cambier+ - (Amerikan. pharm. Rundschau 1890) zu 1,6% ein sehr giftiges - Toxalbumin, das =Robinin=, in Form einer Phytalbumose, welche eine - +rizinähnliche Wirkung+ besitzt und nach den Versuchen von +Kobert+ - tödliche Hämorrhagien im Darmkanal erzeugt. - - -=Krankheitsbild.= Ueber Vergiftung von Pferden durch die Rinde der -Pseudoakazie hat +Zapel+ (Zeitschr. f. Vetk. 1881, S. 456) berichtet. -Die Vergiftungserscheinungen waren: Darniederliegen der Darmperistaltik -bei geringer Auftreibung, ängstlicher stierer Blick, starke Erhöhung -der Puls- und Atemfrequenz, dunkelrote Färbung der sichtbaren -Schleimhäute, Schwäche im Hinterteil bis zur vollkommenen +Lähmung+ -sich steigernd. Die Sektion ergab wässerigen Darminhalt, gerötete -Darmschleimhaut, starkes Lungenödem, dunkles, wenig geronnenes Blut. -Auch in Frankreich sind bei 6 Militärpferden tödliche Vergiftungen -beobachtet worden (Progr. milit. 1893). Als ferner im Notjahr 1893 -die Akazie als Futterersatzmittel empfohlen wurde, starben einem -französischen Landwirt 3 Kühe (Figaro, 19. VIII. 1893). +Cornevin+ -(Journal de Lyon 1893) kommt dagegen auf Grund seiner Versuche mit -Blättern, Zweigen, Blüten, Hülsen und Samen von Robinia pseudoacacia -und andern Robiniaarten zu dem Schluss, dass dieselben für Pferde, -Rinder, Schafe und Ziegen ungiftig sind (?). - - -Vergiftung durch Kreuzdornbeeren. - - =Botanisches.= Die Beeren des Kreuzdorns, Rhamnus cathartica - (Rhamnee), welche als Fructus Rhamni catharticae (Baccae spinae - cervinae) offizinell sind, bilden kugelige, glänzend schwarze, - erbsengrosse, vierknöpfige Früchte, aus denen der violettrote - +Kreuzdornsaft+, Syrupus Rhamni catharticae, dargestellt wird. - Die Beeren wie der Saft enthalten als wirksamen Bestandteil das - =Rhamnokathartin=. - - -=Wirkung.= Das Rhamnokathartin, welches in den therapeutischen -Dosen des Kreuzdornsaftes die laxierende Wirkung bedingt, wirkt in -grösseren Gaben stark +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des -+Magens+ und +Darmes+. Vergiftungen durch Kreuzdornsaft ereignen sich -zuweilen, wie ich dies in mehreren Fällen beobachten konnte, bei -Hunden, wenn denselben von ihren Eigentümern zu grosse Mengen des als -Hausmittel bekannten Saftes als Laxiermittel verabreicht werden. Sie -erkranken und sterben dann unter den Erscheinungen einer schweren -+hämorrhagischen Gastroenteritis+. Während die therapeutische Dosis -für Hunde durchschnittlich 1-2 Esslöffel beträgt, sterben nach meinen -Beobachtungen Hunde auf die Verabreichung von 5-10 Esslöffel des -Kreuzdornbeerensaftes im Verlauf von 24 Stunden. Die +Behandlung+ -besteht in der Verabreichung von einhüllenden und styptischen Mitteln, -namentlich von Opium. - - -Vergiftung durch Podophyllin. - - =Botanisches.= Das Podophyllin ist das gelbe, harzartige Extrakt - des Wurzelstocks von Podophyllum peltatum, einer nordamerikanischen - Berberidee. Es enthält als wirksame Harze das =Podophyllotoxin= und - =Pikropodophyllin=. - - -=Wirkung.= Das Podophyllotoxin und Pikropodophyllin sind sehr starke -Gifte, welche reizend und +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates einwirken. Das in kleinen Dosen purgierend -wirkende Podophyllin erzeugt daher schon in relativ nicht grossen Gaben -eine +tödliche hämorrhagische Gastroenteritis+. So beobachtete ich bei -einem kleinen, 0,5 kg schweren Hund nach innerlicher Verabreichung -von 0,5 Podophyllin starkes Erbrechen, blutige Diarrhöe, Sinken der -Temperatur, Kollaps und nach 10 Stunden den Tod. Auch +Wirtz+ sah -einen Hund nach 0,6 g sterben. Ein kräftiges Versuchspferd, welchem -ich 25 g Podophyllin eingab, zeigte nach 18 Stunden Laxieren und -eine sehr heftige Kolik und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab -diphtheritische Schleimhautentzündung im Kolon, Darmblutung, starken -Leberikterus, sowie parenchymatöse Entzündung der Nieren und Milz. - - -Vergiftung durch Eicheln. - - =Allgemeines.= In den Eicheln, den Samen von Quercus Robur, ist eine - grössere Menge von =Gerbsäure= (7-9 Prozent) enthalten neben Spuren - eines ätherischen Oels. Besonders giftig scheinen nach den in England - gemachten Beobachtungen die unreifen Eicheln zu sein. - - -=Krankheitsbild.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von Eicheln, -namentlich nach dem Genuss der unreifen Eicheln, hat man bei allen -Haustieren, mit Ausnahme der Schweine, eine unter den Erscheinungen -einer +schweren Magendarmentzündung+ verlaufende Vergiftung beobachtet, -welche im wesentlichen wahrscheinlich durch den Tanningehalt der -Eicheln bedingt wird. Diese Vergiftungen sind am häufigsten in England -bei Pferden, Schafen und Rindern beobachtet worden. In den leichteren -Graden der Krankheit beobachtet man lediglich +Verdauungsstörungen+. -In höheren Graden entwickelt sich jedoch eine +Magendarmentzündung+ -mit anhaltender +Verstopfung+ und späterem ruhrartigem Durchfall, -Tenesmus, Blutabgang durch den After, sowie grosse Mattigkeit. In den -höchsten Graden soll die Vergiftung zuweilen grosse Aehnlichkeit mit -+Rinderpest+ zeigen. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -entzündlich verändert. In einzelnen Fällen hat man auch Exkoriationen -der Maulschleimhaut konstatiert. Die +Behandlung+ besteht in der -Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel; als chemisches -Gegengift kann die Anwendung von Leimwasser empfohlen werden. Der -+Nachweis+ kann botanisch oder chemisch (Blaufärbung von Eisenlösungen -durch das in den Eicheln enthaltene Tannin) geführt werden. - - =Kasuistik.= +Pugh+ (The Vet. 1894) hat in England, wo schon früher - ähnliche Beobachtungen gemacht wurden (ibid. 1868, 1869, 1871), - Vergiftungen durch Eicheln besonders beim Hornvieh im Herbst 1893 - beobachtet. Die ersten Zeichen waren leichte Abneigung gegen das - Futter, leichter Konjunktival- und Nasenkatarrh, allmähliches - Dunkelwerden der Fäzes und Hellwerden des Urins bei normaler - Temperatur und schwachem Puls. Später beobachtete er Widerwillen - gegen die Nahrung, rauhes Haar, gelbe schorfige Beschaffenheit - der Haut, aufgeschürzten Hinterleib, bisweilen Leibschmerzen mit - Stöhnen. Die Augen sanken in ihre Höhlen zurück, der Nasenkatarrh - wurde blutig, ebenso der Darmkatarrh. In den tödlichen Fällen wurde - die Temperatur subnormal. Kontinuierlichem Durchfall folgte Kollaps. - Die Mortalitätsziffer betrug 10%. Die anderen Tiere erholten sich - allmählich, wenn Eicheln nicht mehr gereicht wurden, dabei leicht - verdauliches Futter gegeben und symptomatische, besonders gegen den - Durchfall gerichtete Behandlung eintrat. Das Aufhören des Durchfalls - und sogar Verstopfung war prognostisch günstig. P. hebt hervor, - dass Eicheln, welche bekanntlich als Mastfutter gepriesen sind, - im frischen, wie im trockenen und gekeimten Zustand die von ihm - beobachteten Vergiftungen erzeugen können. -- +Thorburn+ (Vet. journ. - 1902) hat ebenfalls in England Vergiftungen durch Eicheln bei Rindern - gesehen; die Symptome bestanden in Verstopfung, später in wässerigem - Durchfall, Stöhnen, starker Abmagerung und hohem Fieber (40,5-41,8°). - -- Verdauungsstörungen und Verstopfung nach Verfütterung von - Eichenlaub und unreifen Eicheln hat bei Rindern +Schulz+ (Woch. f. - Tierhlkde. 1895) beobachtet. - - -Vergiftung durch Filixextrakt. - - =Allgemeines.= Das früher für ein ungiftiges Bandwurmmittel gehaltene - Filixextrakt hat sich nach neueren klinischen und experimentellen - Beobachtungen in grösseren Dosen als ein ziemlich starkes Gift - erwiesen. Die wichtigsten Bestandteile des aus dem Rhizom des - Wurmfarns durch Mazerieren mit Aether und durch Eindampfen gewonnenen - Extraktes sind die =Filixsäure= (+Filizin+), eine Säure von der - Formel C_{35}H_{40}O_{12}, welche zu 6-9 Proz. darin enthalten ist. - Nach andern Angaben soll das =Filmaron= oder +Aspidinolfilizin+ - der giftige Bestandteil sein, der sich zu Filixsäure und Aspidinol - zersetzt. Genaueres über die menschenärztliche und tierärztliche - Literatur der Filixvergiftang vergl. in meiner Abhandlung „Ueber - die Toxikologie des Filixextraktes“ (Monatshefte für praktische - Tierheilkunde 1890, I. Bd.), sowie bei +Gmeiner+, „Untersuchungen - über das Filmaron“ (D. T. W. 1907). - - -=Krankheitsbild.= Das Filixextrakt wirkt bei den Haustieren wie beim -Menschen in grösseren Dosen zunächst +entzündungserregend+ auf die -+Magendarmschleimhaut+. Nach seiner Resorption wirkt es +lähmend+ auf -+Gehirn+ und +Rückenmark+ (psychische Benommenheit, Manegebewegungen, -Amaurosis, motorische Lähmung). Endlich erzeugt es bei der Ausscheidung -der Filixsäure durch die Nieren eine +parenchymatöse Nephritis+. Das -Krankheitsbild ist nach meinen eigenen experimentellen Beobachtungen -folgendes: - -Die ersten Krankheitserscheinungen sind nach meinen Versuchen bei -Hunden und Schafen die einer +entzündlichen Reizung der Magen- -und Darmschleimhaut+: Erbrechen, Speichelfluss, Futteraufnahme -und Wiederkauen unterdrückt, vermehrter Kotabsatz, Durchfall, -Schmerzen bei der Palpation des Magens und Darmes. Nur bei perakutem -Krankheitsverlauf (Rind) fehlen gastroenteritische Symptome. Von -Allgemeinerscheinungen tritt zunächst eine +Affektion des Gehirns+ in -den Vordergrund. In der Hauptsache äussert sich dieselbe in Form einer -zunehmenden +Lähmung des Grosshirns+ unter dem Bild der +psychischen -Benommenheit+ und schwerer Depressionserscheinungen, welche -schliesslich in vollständige Apathie und Bewusstlosigkeit übergehen. -Diese zerebralen Lähmungserscheinungen kombinieren sich zeitweise -mit Erregungssymptomen, welche sich in +Zwangsbewegungen+ äussern: -Manegebewegungen, automatenhafte, pendelnde Bewegungen des Kopfes und -Halses. In einem Fall traten auch psychiche Erregungserscheinungen auf, -und zwar eröffneten dieselben das allgemeine Krankheitsbild (perakuter -Verlauf beim Rind). Im Zusammenhang mit den genannten zerebralen -Erscheinungen zeigen sich eigentümliche Vorgänge an den Augen, welche -im wesentlichen auf eine +Lähmung der Retina+ (Amaurosis) bezogen -werden müssen: Pupillenerweiterung, Blindheit, Anämie der Pupille. Aber -auch hier sind die Erscheinungen der Lähmung zuweilen mit derjenigen -der Erregung untermischt (Nystagmus, Pupillenverengerung). Die lähmende -Wirkung des Filixextraktes auf die Retina ist wenigstens in Form -einer Mydriasis meist sehr früh wahrnehmbar. Die +Herztätigkeit+ wird -durch das Filixextrakt in allen Fällen anfangs erregt, was sich in -verstärkter Herzaktion und vermehrter Pulsfrequenz äussert, später -gelähmt. Zu den augenfälligsten Symptomen des Vergiftungsbildes -gehört die +lähmende+ Wirkung auf den +Bewegungsapparat+; dieselbe -äussert sich in unsicherem, schwankendem, taumelndem Gang, allmählich -zunehmender Körperschwäche und schliesslicher allgemeiner Lähmung. -Vereinzelt war bei einem Versuchstier auch eine Monoplegie zu -beobachten. Erregungserscheinungen seitens der motorischen Sphäre -fehlten mit Ausnahme von Zähneknirschen in einem Fall gänzlich. Die -+Atmung+ endlich ist im ersten Stadium der Vergiftung +angestrengt+ -(Erregung des Atmungszentrums), im letzten Stadium geht jedoch die -Erregung in eine +Lähmung+ über und die Tiere sterben alle unter den -Erscheinungen der +Erstickung+. - -Die +Dauer+ und der +Verlauf+ der Vergiftung ist je nach der -verabreichten Dosis verschieden. Die ersten 15 g hatten bei einem -Versuchshund eine etwa 1tägige, die späteren 20 g eine 3tägige -Vergiftung zur Folge; die Wiederholung der letzteren Dosis noch während -des Andauerns der Giftwirkung tötete den Hund bereits nach 3 Stunden. -Zwei Schafe starben auf 25 resp. 50 g nach 6 resp. 36 Stunden, ein Rind -auf 100 g nach 4 Stunden. Danach scheint die kürzeste Krankheitsdauer -3-4 Stunden zu betragen. Die längste bei meinen Versuchen beobachtete -Dauer betrug 3 Tage; allem nach kann aber dieselbe auch eine wesentlich -längere sein. Endlich ist zu erwähnen, dass die ersten schweren -Vergiftungserscheinungen bei grossen Gaben schon nach Verlauf von ½-1 -Stunde auftreten. - - -=Sektionsbefund.= Die wesentlichsten Ergebnisse der Sektion sind -folgende. Zunächst ist eine +hämorrhagische Entzündung+ leichteren -Grades auf der Schleimhaut des +Magens+ (Labmagens) und des -+Dünndarms+ in Form von Schwellung, Rötung und fleckenartigen -Hämorrhagien, besonders auf der Höhe der Falten zu konstatieren. -+Gehirn+ und +Rückenmark+ zeigen die Erscheinungen des +akuten -Oedems+, +Hydrocephalus internus+ und +externus+, sowie +Hydrorachis+; -daneben habe ich in einem Fall eine erhebliche +Blutung im oberen -Längsblutleiter+ vorgefunden. Eine kleine Blutung liess sich bei -einem anderen Versuchstier zwischen Retina und Chorioidea in der -Nähe der Papille nachweisen; die Retina zeigte sich hiebei getrübt. -Die +Nieren+ bieten das Bild der +parenchymatösen Nephritis+, -welche sich makroskopisch durch graurote Verfärbung und weichere -Konsistenz, mikroskopisch durch Trübung, Aufquellung und Abstossung -des Nierenepithels, Bildung von Harnzylindern, sowie endlich durch das -Auftreten von Eiweiss im Harn (2 Proz. in einem Fall) kennzeichnet. -Vereinzelt war auch die Ausbildung einer hämorrhagischen Zystitis zu -konstatieren. Von +Allgemeinerscheinungen+ endlich sind hervorzuheben -die venöse Stauung in den inneren Organen und das Lungenödem -(suffokatorische Symptome), sowie die Schwellung der Leber und Milz. - -Das +Filmaron+ hat nach den Versuchen von +Gmeiner+ (vgl. unten) eine -ähnliche Giftwirkung wie das Filixextrakt. - - -=Behandlung.= Ist in einem Fall von Helminthiasis eine zu grosse Dosis -Filixextrakt zur Anwendung gelangt, so hat man zunächst die reizende -Wirkung desselben auf den Darm durch Eingeben +schleimiger+ Mittel -zu mildern. Im weiteren besteht die Behandlung in der Verabreichung -+exzitierender+ Mittel (subkutane Aether-, Kampfer-, Atropin-, -Koffein-, Veratrininjektionen). Zu vermeiden sind Fette und ölige -Stoffe, namentlich auch Rizinusöl, weil sie die Resorption der -Filixsäure bezw. des Filmarons erhöhen. - -Der +Nachweis+ einer Filixextraktvergiftung wird ausser dem sehr -charakteristischen klinischen Befund durch den spezifischen, ganz -intensiven +Geruch+ des Extraktes geliefert. - - =Kasuistik.= +Röder+ (Sächs. Jahresber. 1888) hat bei einem - kräftigen Mops, welchem innerhalb 3 Stunden 6 g Extractum Filicis - eingegeben wurden, Erscheinungen einer heftigen Gastroenteritis, - bedeutenden Kräfteverfall, periodische Krämpfe (Opisthotonus), starke - Pupillenerweiterung, sowie Tod nach etwa 14 Stunden; ferner bei einem - andern Mops, welcher 3 g erhalten hatte, eine ähnliche Erkrankung mit - anscheinender Blindheit, jedoch mit Ausgang in Genesung beobachtet. - Bei einem dritten Mops, welchem versuchsweise 3 g Extrakt gegeben - wurden, trat ebenfalls Gastroenteritis mit Krampfanfällen, jedoch - nach 2 Tagen wieder Genesung ein; 4 g hatten dieselben Erscheinungen, - sowie ausserdem einen 10 Stunden andauernden soporösen Zustand mit - 4tägiger Krankheitsdauer zur Folge. Dagegen blieben ein Mopsbastard - auf 6 g, ein Dachshund auf 5 g, sowie ein Jagdhund auf 10 g - Filixextrakt gesund. -- +Schlampp+ (Münch. Jahresber. 1891/92) - sah bei einem grossen Leonberger Vergiftungserscheinungen auf 4 g - Extrakt (Kollaps, Mydriasis, Netzhautblutung). -- Bezüglich der - von mir angestellten Versuche bei Hunden, Schafen und Rindern vgl. - Monatshefte für prakt. Tierheilkunde I. Bd. 1890. -- +Zimmermann+ (Z. - f. Tierh. 1904) beobachtete bei einer 4jährigen Bernhardinerhündin - nach der Verabreichung von 4 g Filixextrakt (ohne nachfolgendes - Abführmittel) eine schwere Vergiftung, die sich in Kollaps, - Pupillenerweiterung und Dyspnoe äusserte. -- +Gmeiner+ (D. T. W. - 1907) stellte bei seinen toxikologischen Versuchen mit Filmaron bei - Kaninchen, Hunden und Schafen im wesentlichen die Erscheinungen der - Filixextraktvergiftung fest: entzündliche Reizerscheinungen im Magen- - und Darmtraktus, Lähmung des Bewegungsapparates, Gehirndepression, - Erregung und Lähmung der Atmung, Amaurosis, Pupillenerweiterung, - sowie parenchymatöse Nephritis. - - -Vergiftung durch Santonin. - - =Allgemeines.= Das in den Wurmsamen, Flores Cinae, zu 2 Prozent - enthaltene Santonin von der Formel C_{15}H_{18}O_{3} ist ein bei - Hunden vielfach angewandtes Wurmmittel. Eine bei einem jungen - Leonbergerhund nach der Verabreichung von 0,06 g Santonin beobachtete - Vergiftung (Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. IV. Bd. 1893, S. 308) - veranlasste mich, die Toxikologie des Santonins bei Rindern, - Pferden, Schafen, Ziegen und Hunden experimentell zu prüfen (ibid. - S. 535). Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in - nachstehendem zusammengefasst. Vgl. im übrigen die Aehnlichkeit des - Bildes der Santoninvergiftung mit dem der Bornaschen Krankheit. - Santoninvergiftungen bei jungen Hunden sind neuerdings auch von - +Godfray+ beobachtet worden (The Vet. 1900). - - -=Wirkung des Santonins.= Die wichtigsten Erscheinungen der -Santoninvergiftung bei den Haustieren sind +epileptiforme Krämpfe+, -+Schlafsucht+, +psychische Benommenheit+, +Taumeln+, +Lähmung+, -+Sehstörungen+, +Myosis+, +gelbrote Verfärbung des Harns+, +Polyurie+, -+Strangurie+, +erhöhter Geschlechtstrieb+, Speicheln, Nasenausfluss, -leichte +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+ und +Verstopfung+, sowie -Störungen des Appetits und der Futteraufnahme. - -Die +Santoninkrämpfe+ haben den Charakter der eklamptischen -(epileptiformen) Krämpfe. Sie bestehen zunächst in blitzartigen -fibrillären Muskelzuckungen in der Umgebung des Maules, besonders an -den Maulwinkeln, an der Ober- und Unterlippe, in der Umgebung der -Nasenlöcher, im Gesicht, in der Backengegend, an den Augenlidern und -an den Ohren, sowie in rotierenden Bewegungen der Bulbi (Nervengebiet -des +Fazialis+, +Okulomotorius+, +Trochlearis+ und +Abduzens+). Hiezu -gesellen sich bei intensiverer Wirkung Kaukrämpfe (Nervengebiet des -+Trigeminus+), klonisch-tonische Krämpfe der Halsmuskeln (+Halsmark+), -der Rumpf- und Extremitätenmuskeln (+Rückenmark+), allgemeines -Muskelzittern, sowie gesteigerte Reflexerregbarkeit, welche sich in -hochgradiger Schreckhaftigkeit äussert. Das Santonin erweist sich -mithin zunächst als ein Krampfgift für die motorischen Gehirnnerven, -insbesondere für den VII., III., IV., VI. und V., sodann aber auch als -ein spinales Reizmittel. - -Das +Sensorium+ zeigt sich bei den leichten Graden der Vergiftung -intakt. In den höheren Graden sind starke psychische Depression, -ein dummkollerartiges Benehmen, sowie ausgesprochene und anhaltende -+Schlafsucht+ zu konstatieren. Namentlich beim Rind, Kalb und Pferd -ist ein 12-24stündiger ununterbrochener Schlaf, ja selbst ein -tagelang andauernder schlafsüchtiger Zustand nachzuweisen. Diese -intensive hypnotische Wirkung ist sehr bemerkenswert. Nur vereinzelt -gehen ihr starke psychische Erregungserscheinungen voraus (Brüllen, -Vorwärtsstürzen, gegen die Wand rennen beim Kalb). Die höchsten -bezw. letalen Grade der Vergiftung äussern sich in einer allgemeinen -+Lähmung+. Der lähmungsartige Zustand erinnert an das Bild der Koniin- -oder Morphinlähmung, dauert bei der tödlichen Vergiftung mehrere Tage -an und führt durch Ausbildung eines Lungenödems zum Tod. - -Sehr charakteristisch und von hervorragender diagnostischer Bedeutung -für die Santoninvergiftung ist die +Rotgelbfärbung+ des +Harns+. Der -Harn zeigt die Farbe des chromsauren Kalis bezw. einer konzentrierten -Müllerschen Flüssigkeit. Diese rotgelbe Farbe des Harns war bei allen -Versuchstieren: Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Hund in gleich intensiver -Weise vorhanden. Von diagnostischer Bedeutung ist ferner die auf -Zusatz von Laugen eintretende schöne Farbenreaktion (Uebergang des -Chromgelb in Karminrot). Die Rotfärbung des Harns ist bereits eine -Stunde nach dem Eingeben des Santonins nachzuweisen. Aus diesem Umstand -ergibt sich, dass das an sich unlösliche, und daher ungiftige Santonin -im Magendarmkanal sehr rasch in eine leicht lösliche, giftige und -resorbierbare Verbindung umgewandelt wird. - -Von den übrigen Symptomen sind noch erwähnenswert eine erhebliche -+Beeinträchtigung des Sehvermögens+, +Myosis+, die +Steigerung des -Geschlechtstriebs+ bei den männlichen sowohl, wie bei den weiblichen -Versuchstieren, geringgradige +Kolikerscheinungen+, +Verstopfung+ und -+Durchfall+, sowie als Ausdruck einer pilokarpinartigen Reizung der -Speichel- und Schleimdrüsen +Speicheln+ und +Nasenausfluss+. +Der -Sektionsbefund bei der Santoninvergiftung ist im allgemeinen negativ.+ -Mit Ausnahme parenchymatöser Veränderungen in den Nieren, in der Leber, -sowie in der Muskulatur lassen sich anatomische Veränderungen nicht -nachweisen. Am stärksten scheint das Nierenparenchym durch das Santonin -beschädigt zu werden. - - =Grad der Giftigkeit.= Bei der Wirkung des Santonins bildet einen - Hauptfaktor das Alter der Tiere in der Weise, dass Säuglinge pro - kg Körpergewicht etwa 100mal, halberwachsene Tiere etwa 2-4mal - empfindlicher gegen Santonin sind als erwachsene Tiere. Ein 10 Jahre - alter, 6 kg schwerer +Versuchshund+ zeigte nach der Verabreichung - von 10 g Santonin (= 1,7 g pro kg Körpergewicht) keine erheblichen - Störungen, während in dem von mir beobachteten Vergiftungsfall 0,06 - g Santonin ausreichten, um einen 3 kg schweren, 6 Wochen alten - Hund schwer zu vergiften. Die giftige Dosis betrug mithin 0,02 g - Santonin pro kg Körpergewicht! Das erwachsene Tier verhält sich zum - jungen wie 1,7 : 0,02, d. h. wie 85 : 1. Bei einem halberwachsenen, - 10 Monat alten +Bullenkalb+ im Gewicht von 147 kg traten nach 100 - g Santonin (0,7 pro kg Körpergewicht), bei einer erwachsenen, 6 - Jahre alten Kuh im Gewicht von 360 kg dagegen erst nach 500 bezw. - 1000 g Santonin (1,5 bezw. 3,0 pro kg Körpergewicht) schwere - Vergiftungserscheinungen auf. Kalb und Kuh verhalten sich demnach - wie 1,5 bezw. 3,0 : 0,7, also wie 2-4 : 1. Die tödliche Santonindosis - beträgt für das erwachsene Schaf 2 g pro kg Körpergewicht. Nach - meinen Versuchen starb nämlich ein 2jähriges, 27 kg schweres Schaf - auf die Verabreichung von 50 g Santonin. Dagegen blieb ein anderes - erwachsenes, 37 kg schweres Schaf nach derselben Dosis am Leben. - Im Gegensatz zu den übrigen Tieren wurden bei den Versuchsschafen - Krämpfe nicht beobachtet. - - Erwachsene Tiere in höherem Alter können sich sogar so an das - Santonin gewöhnen, dass es schwer ist, sie mit dem Mittel zu - vergiften. Die oben erwähnte Kuh erhielt zusammen 1935 g, also nahezu - 2 kg Santonin. Ich suchte sie zuerst durch 100, dann durch 250, dann - durch 500 und zuletzt durch 1000 g (1 kg) Santonin zu töten. Als sich - auch die letztgenannte Dosis nicht als ausreichend erwies, stand ich - von weiteren Versuchen ab, da sich das Tier dem Santonin gegenüber - ähnlich indolent erwies, wie beispielsweise Kühe dem Kochsalz und - Glaubersalz gegenüber. Ganz dieselbe Wahrnehmung wurde bei dem - 10jährigen kleinen Hund gemacht, bei welchem ich von der Tötung durch - Santonin ebenfalls Abstand nehmen musste, da er im ganzen 18,75 - g ohne viel Schaden ertrug und selbst auf 10 g des Mittels wenig - reagierte, und ihm diese 10 g schon ziemlich schwer wegen der relativ - grossen Menge des Pulvers beizubringen waren. Diese Angewöhnung - älterer Tiere an Santonin bildet gewissermassen ein Analogon zu der - von +Ehrlich+ nachgewiesenen künstlichen Immunität der Tiere gegen - Rizin und Abrin; man könnte nach obigen Versuchen ebenfalls von - „santoninfesten“ Tieren sprechen. - - -Vergiftung durch Adlerfarnkraut, Pteris aquilina. - - =Botanisches.= Der Adlerfarn oder Adlersaumfarn (Jesus Christuswurz), - Pteris aquilina (Polypodiazee), ist ein auf Heiden und in - lichten Wäldern vorkommendes Farnkraut mit einem unterirdischen, - federkieldicken, bis meterlangen, verzweigten Rhizom und zweizeilig - entfernt stehenden Blättern, welche mit dem Stiel bis 4 m hoch - werden. Ein schiefer Querdurchschnitt durch den Blattstiel zeigt die - Gefässbündel in Form eines JC oder Adlers (daher die Benennung). - Die Wurzel wurde früher als Anthelminthikum angewandt; das durch - Kochen entbitterte Rhizom wird auf den Kanarischen Inseln gemahlen - und zu Brot gebacken. Der Adlerfarn enthält als giftigen Bestandteil - die =Pteritannsäure=, einen mit der +Filixsäure+ wahrscheinlich - identischen Körper. - - -=Krankheitsbild.= Die Erscheinungen der Vergiftung durch -Adlerfarnkraut haben eine grosse Aehnlichkeit mit denjenigen der -Filixextraktvergiftung. Das Krankheitsbild ist ebenfalls durch -+Störungen des Bewusstseins+, +Pupillenerweiterung+, +Schwanken+ und -+Lähmungserscheinungen+ gekennzeichnet. Ein Fall ist von +Jarmer+ -(Magazin 1861) beschrieben worden. 24 Pferde wurden einige Wochen -hindurch mit Häckselstroh gefüttert, welches auf einem neubebauten -Heidelande gewachsen war und etwa ⅕ Adlerfarnkraut enthielt. Sie -zeigten Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verlust des -Gleichgewichts, Schwanken, Pupillenerweiterung, Injektion und -Gelbfärbung der Konjunktiva, verminderte Pulsfrequenz, Zusammenstürzen -und Krämpfe. 4 Pferde starben, 2 zeigten noch lange Zeit hindurch -motorische Lähmungserscheinungen, die übrigen genasen nach Verlauf von -14 Tagen. Bei der +Sektion+ der beiden gestorbenen Pferde fand man -starke Hyperämie des Gehirns und seiner Häute sowie Ansammlung von -Serum zwischen den Häuten des Kleinhirns und verlängerten Markes. - - -Vergiftung durch Rainfarnkraut, Tanacetum vulgare. - - =Botanisches.= Der Rainfarn, Tanacetum vulgare, ist eine 1-2 m hohe - Komposite mit goldgelben Blüten von unangenehmem Geruch und Geschmack - (altes Wurmmittel). Sie enthält das =ätherische Rainfarnöl=, nach - andern das +Tanazeton+ oder +Thujon+. Nach den Untersuchungen von - +Peyraud+ ist das ätherische Tanazetumöl ein starkes Krampfgift für - die höheren Tiere, indem es wutähnliche Erscheinungen hervorruft. - Diese sog. „Tanazetumwut“ äussert sich in Krämpfen der Rückenmuskeln - sowie der Muskulatur des Schlundkopfes und Kehlkopfes, verbunden mit - psychischer Erregung. - - -=Krankheitsbild.= Eine Vergiftung bei 5 Rindern ist von +Wessel+, -+Wilster+ u. +Bugge+ (B. T. W. 1907) beobachtet worden. Die -Erscheinungen bestanden in +Taumeln+, +Kaukrämpfen+ (Schaum vor -dem Mund, Kaubewegungen), starker +Benommenheit+ des +Sensoriums+ -(dummkollerartigem Benehmen), +Nystagmus+, Pupillenverengerung und -+Erblindung+; 3 Rinder starben. - - -Lupinenvergiftung, Lupinose. - - =Botanisches.= Die zu der Familie der Papilionaceen (Abteilung - Genisteae) gehörende Gattung +Lupinus+ wird als Futterpflanze - besonders in Norddeutschland in verschiedenen Arten kultiviert. - Die wichtigsten derselben sind: 1. +Lupinus luteus+, eine dicht - weichhaarige Pflanze mit goldgelben, wohlriechenden, festsitzenden - Blüten, neunzähligen Blättern und zottig rauhen Hülsen mit je 2-5 - nierenförmigen, schwarz- und weiss-gefleckten Samen. 2. +Lupinus - albus+, eine weichzottige Pflanze mit weissen, geruchlosen - Blüten, siebenzähligen Blättern und kurzbehaarten Hülsen mit 2-5 - stumpfkantigen, gelblichweissen oder rötlichweissen Samen. 3. - +Lupinus angustifolius+, eine kleinere, angedrückt weichhaarige - Pflanze mit kleinen blauen Blüten und zerstreut behaarten Hülsen mit - je 2-5 rundlich nierenförmigen, marmorierten Samen. Ausserdem können - giftig werden Lupinus Thermis, linifolius und hirsutis. - - Die Lupinensamen enthalten neben den Proteinsubstanzen (Konglutin) - einige Alkaloide (sogen. Lupinenalkaloide), nämlich das Lupinin, - Lupinidin und Lupanin, welche den bitteren Geschmack der Lupinen - bedingen. Die Giftigkeit der Lupinen wird jedoch nicht durch die - genannten Lupinenalkaloide, sondern durch ein anderes chemisches Gift - bedingt, welches sich mittels alkalisch gemachtem Wasser aus den - Lupinen ausziehen lässt. Auch durch den Regen wird wenigstens in den - oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenhaufen - das Gift ausgelaugt, so dass diese Schichten hierdurch ungiftig - werden. +Arnold+ und +Schneidemühl+ haben für dieses Gift den Namen - =Lupinotoxin= vorgeschlagen. Das besonders in den Schalen, bezw. - Hülsen und Körnern, aber auch in den übrigen Teilen der Pflanze - enthaltene Gift wird durch Extraktion mit 1½proz. Sodalösung - gewonnen. Im übrigen sind die Untersuchungen über den Giftstoff - der Lupinen nicht abgeschlossen. +Kobert+ hat das Lupinotoxin - von +Arnold+ und +Schneidemühl+ unwirksam gefunden. Ueber die - Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den Lupinen ist nichts - Sicheres bekannt. Vielleicht entsteht das Gift als +Umsatzprodukt - parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender Pilze+. Diese Annahme - wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Lupinen nicht - allgemein, sondern nur in gewissen Gegenden und zu gewissen Zeiten - giftig wirken. Einige Landwirte haben die Beobachtung gemacht, - dass die Lupinen nicht im ersten Jahr, sondern nur dann giftig - wirken, wenn sie mehrere Jahre auf demselben Felde angepflanzt - werden; ausserdem soll durch das Bestreuen der Lupinenäcker mit - künstlichem Dünger die Lupinose verhütet werden (Mitteilung von - +Sonnenberg+-Ostrowo). - - -=Krankheitsbild.= Die Giftwirkung der Lupinen zeigt eine sehr -grosse Aehnlichkeit mit der Wirkung des Phosphors. Die Lupinen -veranlassen +Verfettung+ und +akute gelbe Atrophie+ der +Leber+ -mit +Icterus gravis+, +parenchymatöse Nephritis+ und +Gastritis+, -+Herzverfettung+, +fettige Degeneration der Skelettmuskulatur+, -+Eingenommenheit der Psyche+, +Schwäche+ und +Lähmungserscheinungen+. -Die Krankheitserscheinungen der Lupinose, welche als Herdekrankheit -bei +Schafen+, namentlich in Norddeutschland, ausserdem vereinzelt -bei Ziegen, Pferden, Rindern, Schweinen und beim Damwild beobachtet -wurde, sind folgende: Die Tiere zeigen zunächst einen verminderten und -später ganz +aufgehobenen Appetit+, sowie Symptome einer +fieberhaften+ -Krankheit (Temperaturerhöhung, Pulsbeschleunigung). Nach einigen Tagen -tritt eine +ikterische+ Verfärbung der Konjunktiva und Sklera und -späterhin auch der Haut und der übrigen Schleimhäute auf. Dieselben -gelbsüchtigen Erscheinungen können jedoch auch fehlen. Ausserdem -beobachtet man teils +Mattigkeit+, starke +Eingenommenheit+ des -+Sensoriums+, welche sich bis zur +Bewusstlosigkeit+ steigern kann, und -+Lähmungserscheinungen+, teils +Schreckhaftigkeit+ und +Kaukrämpfe+ -(Trismus). Der Kotabsatz ist im Anfang meist verzögert, später wird -der Kot zuweilen teerartig, blutig und diarrhoisch. Der Harn ist -gelb gefärbt und enthält Gallenfarbstoffe, Gallensäuren, Eiweiss, -Harnzylinder, Nierenzellen, Rundzellen und Blasenepithelzellen. Die -Atmung ist gegen das Ende der Krankheit beschleunigt und erschwert: -zuweilen besteht ein schleimiger oder blutig-schleimiger Nasenausfluss. -Bei Pferden hat man ausserdem schwere zerebrale Depressionszustände, -sowie schwere ulzeröse Entzündung der Maulschleimhaut und -Nasenschleimhaut (Rotzverdacht) beobachtet. Schweine zeigen zuweilen -anhaltende Schlafsucht. - -Der +Verlauf+ der Lupinose ist entweder +akut+, wobei der tödliche -Ausgang schon innerhalb 1-2 Tagen erfolgen kann, meist indessen erst -nach 4-5tägiger Krankheitsdauer eintritt, oder +chronisch+, wenn -eine fortgesetzte Fütterung von nur geringgradig giftigen Lupinen -stattfindet. Diese chronische Lupinose verläuft meist ohne Ikterus -unter dem Bild der Bleichsucht und Kachexie; ausserdem beobachtet man -zuweilen Hautausschläge, namentlich am Kopf, sowie die Erscheinungen -des Nasen- und Konjunktivalkatarrhs. (Ausführlichere Angaben über die -Lupinose finden sich in dem Lehrbuch der speziellen Pathologie u. -Therapie von +Friedberger+ und +mir+, 7. Aufl. 1908.) - - -=Sektionsbefund.= Die wichtigsten Veränderungen weist die +Leber+ auf. -Sie zeigt das Bild der +akuten parenchymatösen Hepatitis+ mit +fettiger -Entartung+ der +Leberzellen+ und +akuter gelber Leberatrophie+. -Die Leberzellen zeigen zunächst starke körnige Trübung und fettige -Degeneration, wodurch eine Vergrösserung der Leber bedingt ist. Hieran -schliesst sich später infolge Resorption des Inhaltes der Leberzellen -eine Verkleinerung der Leber (akute gelbe Leberatrophie). Ausserdem -ist die Leber hochgradig ikterisch verfärbt, von zitronengelber, -ockergelber oder rotgelber Farbe. Bei der chronischen Lupinose -findet man +chronische interstitielle Hepatitis+ mit Verkleinerung, -Schrumpfung, Induration und höckeriger Oberfläche der Leber. Die -+Nieren+ zeigen das Bild der +parenchymatösen Nephritis+ mit körniger -Trübung des Nierenepithels und Ansammlung von Exsudatzylindern in den -Harnkanälchen; ausserdem kann eine katarrhalische +Zystitis+ zugegen -sein. Die Schleimhaut des +Digestionsapparates+ zeigt entzündliche -Rötung, katarrhalische Schwellung, +Hämorrhagien+, sowie glanduläre -Entzündung (+Gastritis glandularis+). Die +Muskulatur+ des Herzens, -sowie die Körpermuskulatur zeigt +körnige+ und +fettige Degeneration+, -graugelbe Verfärbung, Brüchigkeit und Neigung zu rascher Fäulnis. In -den meisten Organen finden sich +kapilläre Hämorrhagien+. Endlich -findet man die Schleimhäute, die Bauchhaut, die Subkutis, das Netz und -das Gekröse +gelb+ gefärbt. - - -=Behandlung.= Als chemische Gegengifte gegen das Lupinotoxin werden -+verdünnte Säuren+ empfohlen, welche das Gift unlöslich machen -sollen. Dagegen sind Alkalien wegen der Beschleunigung der Resorption -zu vermeiden. Von Säuren sind zu nennen der Essig, verdünnte -Schwefelsäure, Salzsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure und Weinsäure. -Als Abführmittel werden +Rizinusöl+ und +Krotonöl+ dem Glaubersalz -vorgezogen, weil letzteres die Lösung des Lupinotoxins beschleunigen -soll. Gegen die Depressionserscheinungen sind +Exzitantien+ (Aether, -Kampfer, Alkohol, Ammonium carbonicum) anzuwenden. Ausserdem hat -natürlich die weitere Fütterung von Lupinen zu unterbleiben. - -Der +Nachweis+ der Vergiftung wird durch die Untersuchung des -Futters geliefert. Ausser den Lupinensamen wirken die Lupinenschalen -und das Lupinenstroh giftig. Zuweilen kommt es auch vor, dass -Lupinenvergiftungen durch Verfälschung anderer Futterstoffe mit Lupinen -bedingt werden, z. B. von Oelkuchen, welche mit Lupinenschrot gemischt -sind. In diesem Fall wird der Nachweis durch Lupen- und mikroskopische -Untersuchung geführt. - - =Vergiftung durch Wicken.= Nach der Verfütterung von Wicken - hat man bei Pferden, Rindern und Schweinen eigenartige - Vergiftungserscheinungen beobachtet, welche zuweilen +Aehnlichkeit - mit dem Bild der Lupinose+ zeigten. +Stöhr+ (B. T. W. 1892) - beobachtete bei Pferden nach ausschliesslicher Wickenfütterung - +Abmagerung+, völlige +Kahlheit+, +Ikterus+, orangefarbene - Konjunktiva, pochenden Herzschlag, 60-100 Pulse p. M., sowie - Temperaturverminderung; die Sektion ergab auffallend grosse, - +orangefarbige Leber+. Auf einem andern Gute, wo pro Pferd und Tag - 15 Pfund halb Wickenschrot, halb ganze Wicken und daneben noch - Wickenheu gefüttert wurden, starben von 60 Pferden 10. Dieselben - waren allmählich stark abgemagert, hatten die Haare verloren und - waren unter Kolikerscheinungen verendet; bei der Obduktion fand man - Darmentzündung, sehr grosse, dunkelbraune Leber und Milzschwellung. - Bei Ochsen entwickelte sich ein der +Schlempemauke+ ähnliches - Hautleiden mit trockenem +Absterben wunder Hautstellen+. Gleichzeitig - starben 80 Schweine infolge von Darmentzündung und Leberschwellung. - -- +Wenke+ (Berl. Arch. 1894) sah nach der Wickenfütterung bei - Pferden +Schwäche+ und +Lähmung+ des +Hinterteils+, sowie Tod nach - wenigen Tagen; +Mason+ (Vet. journ. 1896) bei 4 Pferden +Amaurose+, - +Hufentzündung+ und Trismus. - - Nach der Verfütterung der =Zottelwicke= (Sandwicke, Vicia villosa), - auf der in Unmenge Jassus sexnotatus (Zwergzikade) lebte, erkrankten - 36 Rinder, von welchen 6 starben. Die Tiere zeigten Quaddeln, - zunächst am Kopf und Hals, welche sich später über den ganzen Körper - ausbreiteten, Husten, herpetischen Ausschlag im Maul, Rötung und - Zyanose der Schleimhäute, eitrigen Nasenausfluss, Rasselgeräusche in - der Lunge, Haarausfall, gänzlich unterdrückte Futteraufnahme, Verfall - der Kräfte, keuchende Atmung, dagegen freies Sensorium bis zu dem - nach 12-15 Tagen eintretenden Tod. Die Sektion ergab blutig-seröse - Ergüsse unter der Haut, entsprechend dem Sitze der Quaddeln, - ausgebreitete Entzündung in den ersten 3 Mägen, einmal katarrhalische - Entzündung des Labmagens, hochgradige Bronchitis und beginnende - Bronchopneumonie, Glottisödem, punktförmige Blutungen im Myokard, - lehmfarbige Leber, sowie vereinzelt Peritonitis und Nephritis - (+Röder+, Sächs. Jahresber. 1893). - - -Vergiftung durch Schachtelhalm. Equisetum. - - =Botanisches.= Die Gattung +Equisetum+, +Schachtelhalm+ (Katzenstert, - Duwock) bildet einen Ueberrest verloren gegangener Kryptogamen - der Vorwelt, welche besonders auf sumpfigem Boden und im Wasser - wachsen. Die Schachtelhalme sind charakterisiert durch ein - unterirdisches, kriechendes Rhizom, aufrechten, gegliederten, - hohlen, von gestreckten Internodien unterbrochenen Stengel, kleine, - rudimentäre, schildförmige, quirlständige, zu trockenhäutigen, - gezahnten Scheiden verwachsene Blätter mit Sporenbehältern an der - Unterseite. Die wichtigsten Arten sind: 1. +Equisetum arvense+, - der Ackerschachtelhalm oder das Heermoos, mit vierkantigen, rauhen - Aesten und einem Stengel, welcher im Frühjahr rötlich und im Sommer - grün ist. 2. +Equisetum palustre+, der Sumpfschachtelhalm (Kuhmoos), - mit gefurchtem, rauhem, einfach ästigem Stengel und sechszähnigen - Scheiden. 3. +Equisetum limosum+, der Schlammschachtelhalm, mit - einfachem, glattem, bis 80 cm hohem Stengel und zwanzigzähnigen - Scheiden. Seltener sind Vergiftungen durch +Equisetum hiemale+. - - Der Schachtelhalm ist ähnlich wie die Lupinen je nach dem Standort - und Klima eine bald giftige, bald ungiftige Futterpflanze, - welche gleich jenen an Giftigkeit verliert, wenn sie durch den - Regen ausgelaugt wird. Der Giftstoff selbst ist nicht genauer - bekannt. Vielleicht wird derselbe ebenfalls, wie man dies bei den - Lupinen annimmt, indirekt durch +Befallungspilze+ erzeugt. Nach - +Pancerzynski+ soll ein +alkaloidartiger+ Stoff, nach +Lohmann+ - das Alkaloid =Equisetin=, nach +Ludewig+ die +Akonitsäure+ der - giftige Bestandtteil sein (die letztere Annahme wurde von +Reinecke+ - widerlegt). Nach +Richter+ (Dessau) prädisponiert vielleicht die - gleichzeitige Aufnahme reizender Gräser (Riedgräser) zur Vergiftung - durch den sonst unschädlichen Schachtelhalm. Vielleicht gehören - manche Fälle von angeblicher Equisetumvergiftung ins Kapitel - Pilzvergiftung (vergl. S. 335). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der im Schachtelhalm enthaltene -Giftstoff besitzt eine +lähmende+ Wirkung auf das +Rückenmark+ und -das +Kleinhirn+. Equisetumvergiftungen sind bei Pferden, Rindern und -Schafen beobachtet und von alters her mit dem Namen „+Taumelkrankheit+“ -bezeichnet worden. Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in -+gesteigerter Reflexerregbarkeit+, auffallender +Schreckhaftigkeit+, -+Aufregung+ und +Aengstlichkeit+, sowie +Unsicherheit+ im +Gang+ und -in den +Körperbewegungen+. Später beobachtet man +Schwanken+ und -+Taumeln+, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Zusammenstürzen+, sowie -+allgemeine Lähmung+. Die Futteraufnahme ist meist längere Zeit -hindurch trotz der schweren motorischen Störungen normal, auch das -Bewusstsein ist gewöhnlich erst in den späteren Stadien der Vergiftung -gestört. Der Verlauf der Krankheit kann sehr akut sein, indem der Tod -zuweilen schon innerhalb einiger Stunden oder eines Tages eintritt. -Häufiger ist eine längere Krankheitsdauer von mehreren (2-8) Tagen. -Ausserdem kann sich bei fortgesetzter Aufnahme kleinerer Mengen des -Schachtelhalms auch eine chronische Vergiftung ausbilden, welche -unter den Erscheinungen der Abmagerung und Kachexie, verbunden mit -lähmungsartiger Schwäche, verläuft. - -Bei der +Sektion+ findet man angeblich Hyperämie, ödematöse -Durchtränkung, sowie Ansammlung seröser Flüssigkeit in den Häuten des -Kleinhirns und Rückenmarkes. - - -=Behandlung.= Vor allem muss mit der Fütterung gewechselt werden. -In leichteren Fällen der Erkrankung genügt diese Massregel allein. -Bei schwereren Erkrankungen sind neben Abführmitteln +Exzitantien+ -anzuwenden. Da die Vergiftung vorwiegend unter dem Bild einer spinalen -Lähmung verläuft, sind besonders +Strychnin+ (0,05-0,1 für Pferde), -+Veratrin+ (ebensoviel) und +Koffein+ (5-10,0) als erregende Mittel für -das Rückenmark und die Muskulatur anzuwenden. Ausserdem empfiehlt sich -die Verabreichung von kleinen Dosen +Aether+, +Kampfer+, +Alkohol+, -+Salmiakgeist+, +Ammonium carbonicum+, +Atropin+ oder +Hyoszin+. - - =Kasuistik.= Die Literatur der Equisetumvergiftung bei den Haustieren - (Pferd, Rind, Schaf) ist sehr reichhaltig. +Allemeier+ (Berl. - Arch. 1890) beobachtete bei 3 Pferden, deren Futter lediglich aus - Schachtelhalm (Equisetum hiemale) bestanden hatte, Schwanken, - leichtes Umfallen, mühsames Wiederaufrichten, sowie Lähmung des - Hinterteils; der Appetit war während der Krankheitsdauer gut. - Nach eingeführtem Futterwechsel trat im Verlauf von 2-6 Wochen - allmählich Besserung und Heilung ein. -- +Schmidt+ (Adams Wochenschr. - 1875) fand bei fünf Fohlen nach der Verfütterung von Equisetum - auffallende Schreckhaftigkeit, indem sie bei dem geringsten Geräusch - zusammenfuhren, ausserdem Taumeln, schwankende Bewegung und - Umknicken. Dabei war das Sensorium frei, der Appetit normal, die - Respiration regelmässig. 4 Fohlen genasen, 1 starb; bei der Sektion - fand man als Haupterscheinung eine Hyperämie des Kleinhirns. -- - +Pelschimofski+ (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1886) berichtet, dass - die Equisetkrankheit unterhalb Bozens an den Ufern der Etsch häufig - vorkommt, indem die tiefliegenden Wiesen von Equisetum palustre und - arvense bewachsen sind. Dagegen kommt die Krankheit in hochgelegenen - Gemeinden nicht vor. In den ersten Tagen der Erkrankung zeigen die - Tiere leichte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit, ängstlichen und - unsicheren Gang auf den Hinterbeinen, sowie leichtes Schwanken mit - der Nachhand. Später zeigt sich eine Zunahme der Unsicherheit im - Gehen, stärkeres Schwanken, sowie wechselnder Appetit, worauf eine - Lähmung der Nachhand und zuletzt auch Lähmung des Vorderkörpers - folgt; die Sensibilität ist während der ganzen Krankheitsdauer - erhalten. Der Tod tritt durchschnittlich nach 6-14 Tagen ein. Die - Prognose ist im allgemeinen günstig, bei ausgeprägtem Schwanken - dagegen ungünstig. -- +Dominik+ (Preuss. Mitt. 1858) fand bei - einem Pferd, welches während des Lebens Schwäche im Hinterteil, - taumelnden, unregelmässigen Gang, Schreckhaftigkeit, Aufregung - und Zusammenstürzen bei sonst normalen Funktionen gezeigt hatte, - bei der Sektion Ansammlung von Serum in den Rückenmarkshäuten. -- - +Leistikow+ (Berl. Arch. 1892) sah bei 3 Pferden Erscheinungen - der akuten Kreuzlähmung, gesenkte Kopfhaltung, serös-eitrigen - Augenausfluss, starke Schwellung der Lider und Konjunktiven, - randförmige Trübung der Kornea, schwankenden Gang und starkes - Einknicken der Hintergliedmassen. -- +Rind+ (B. T. W. 1894) hat - in der Danziger Niederung oftmals Equisetumvergiftung und zwar - ausschliesslich in den Monaten Januar bis Mai und bei solchen Pferden - beobachtet, welche kein Körnerfutter erhielten. Die Erscheinungen - bestanden in unsicherem Gang, Muskelschmerzen, Schwäche der Nachhand - und Lähmung. -- 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme grosser Mengen - von Equisetum arvense im Streustroh unter dem Bilde der Kreuzlähmung - bei vollständiger freier Psyche und gutem Appetit; eines davon - starb an allgemeiner Lähmung. Die leicht erkrankten Pferde erholten - sich in 8 Tagen; bei 3 schwerer kranken hielt die lähmungsartige - Schwäche mehrere Monate an, 2 davon genasen erst nach 4 Monaten - (Pr. Mil.-Vet.-Ber. 1896). -- +Pruns+ (B. T. W. 1899) bezweifelt, - dass die Taumelkrankheit, welche er im Winter 1899/1900 mehrmals - bei Pferden beobachtet hat, durch Equisetum veranlasst wird, da - sie wiederholt in Besitzungen aufgetreten ist, deren Ländereien - frei von Equisetum sind. -- +Löfmann+ (Finische Vet.-Zeit. 1901) - sah bei einem Pferde, welches 4 Monate Equisetumheu gefressen - hatte, Bewegungen wie bei einem trunkenen Menschen; der Appetit - war gut. Nach 4 Tagen trat vollständige Heilung ein. -- +Zix+ - (Woch. f. Tierheilk. 1905) hält eine bei Militärpferden in Landau - aufgetretene Erkrankung, die sich in Schwanken, Taumeln und Lähmung - der Hinterhand bei sonst ungestörtem Allgemeinbefinden äusserte, für - eine Schachtelhalmvergiftung. -- +Ludewig+ und +Wünsch+ (Zeitschr. - f. Vet. 1902) halten die im Sommer 1902 bei der 1. Eskadron des - 2. Leibhusarenregiments in Danzig aufgetretene Massenerkrankung - (sog. „Lendenmarkseuche“) auf Grund des Krankheitsbildes, - der Futteruntersuchung und eines Fütterungsversuches für - Schachtelhalmvergiftung. Die Krankheitserscheinungen bestanden - hauptsächlich in Lähmung der Hinterhand, des Schweifes, der - Blase und des Penis bei gutem Appetit, freiem Bewusstsein und - Fieberlosigkeit. Von seiten des Proviantamts wurde gegen die Diagnose - Schachtelhalmvergiftung geltend gemacht, dass das beschuldigte, aus - der Danziger Niederung stammende Heu nur 0,04 Prozent Schachtelhalm - enthielt, während bei anderen Truppenteilen Heu mit einem - Schachtelhalmgehalt bis zu 0,3 Proz. ohne jeden Schaden verfüttert - wurde, dass das fragliche Heu ferner seit Monaten an sämtliche - Pferde der Danziger Garnison ohne Nachteil verabreicht wurde (nur - die 1. Eskadron des 2. Leibhusarenregiments erkrankte), und dass - die Krankheit noch fortdauerte, trotzdem seit einigen Wochen ganz - schachtelhalmfreies Heu verfüttert wurde. -- +Lohmann+ (Arb. d. - Deutschen Landw.-Ges. 1905; Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) glaubt, dass - nicht die Akonitsäure, sondern alkaloidartige Nerven- und Muskelgifte - die Schachtelhalmvergiftung veranlassen („Equisetin“). Er fand solche - jedoch in grösserer Menge nur in Equisetum palustre. 600 g der - frischen oder 150 g der lufttrockenen Pflanze genügten, um ein junges - Kaninchen innerhalb einer Woche unter krampfartigen Erscheinungen - verenden zu lassen. Von Equisetum silvaticum waren über 3 kg frisches - Kraut nötig, um Kaninchen zu töten. Als ungiftig erwiesen sich - auch bei monatelanger, fast ausschliesslicher Fütterung Equisetum - arvense, pratense, maximum und limosum. -- +Reinecke+ (Monatshefte - f. prakt. Tierheilkde. 1903) hat Versuche mit Akonitsäure an Pferden - angestellt und bewiesen, dass diese ganz indifferente Säure nicht - das Schachtelhalmgift sein kann; Pferde ertrugen pro Tag 30 g, in 5 - Tagen sogar 95 g Akonitsäure, ohne Krankheitserscheinungen zu zeigen. - -- +Pancerzynski+ (Beitr. z. Kenntnis des Equis. pal. und limosum. - Dorpat 1890) fand bei seinen Versuchen, dass Equisetum palustre auf - Wiederkäuer in hohem Grade giftig wirkte, während es von Pferden ohne - Schaden aufgenommen wurde. Das umgekehrte Verhältnis besteht bei - Equisetum limosum. Die entgegengesetzten Angaben der Literatur sollen - auf einer Verwechslung der beiden Arten beruhen (?). -- Der +Preuss. - Vet.-Ber.+ pro 1906 enthält einen Fall von Schachtelhalmvergiftung - bei 3 Pferden (Schreckhaftigkeit, unsicherer und taumelnder Gang; - Heilung 3 Wochen nach Futterwechsel). -- +Richter+ (B.T.W. 1907) - beschreibt 2 Fälle von Schachtelhalmvergiftung beim Pferd; auffallend - war der grosse gleichzeitige Gehalt des Futters an Riedgräsern - (Karex), die vielleicht durch Reizung der Darmschleimhaut zur - Vergiftung prädisponieren. - - -Vergiftung durch Buchweizen, Fagopyrismus. - - =Botanisches.= Der +Buchweizen+, +Polygonum Fagopyrum+ (Fagopyrum - esculentum, Heidekorn, Heidegrütze) ist eine ursprünglich aus - dem Orient stammende einjährige, krautartige Polygonazee mit - endständiger, doldentraubiger Blüte und glänzenden, grauen, oft braun - marmorierten, scharfkantigen, 5-6 mm grossen Früchten. Der Buchweizen - ist eine häufig kultivierte Futterpflanze (Polygonum Persicaria wird - seltener angebaut), welche unter gewissen Umständen Vergiftungen - bei Schafen und Schweinen, seltener bei Ziegen, Rindern und Pferden - bedingt, und zwar sowohl im grünen, namentlich im blühenden Zustand, - als auch in Form des Strohs, der Stoppeln, des Spreus, Kaffs und - der Körner. Als Ursachen der Giftwirkung wurden =Befallungspilze= - angenommen. Nach +Koefeld+ soll der Buchweizen einen roten Stoff, das - +Fluorophyll+ enthalten, der die Ursache des Hautausschlags sein soll - („biologischer Sensibilator“). Nach +Oemke+ lässt sich der Giftstoff - durch Alkohol ausziehen (vergl. unten). Vergiftungen ereigneten sich - insbesondere bei gleichzeitiger +Einwirkung+ des +Sonnenlichts+ und - bei +weissen+ oder weissscheckigen Tieren während des Weidegangs, - viel seltener bei Stallfütterung und bei bewölktem Himmel; schwarze - oder schwarz angestrichene Tiere erkrankten nicht. In den letzten 20 - Jahren sind Vergiftungen durch Buchweizen nur selten vorgekommen, - vielleicht deshalb, weil die Körner nur noch ausnahmsweise an Tiere - verfüttert, sondern meist zu Gries und Grütze verarbeitet werden. - (Genaueres über das Vorkommen des Fagopyrismus findet sich in der - Speziellen Pathol. und Therapie von +Friedberger+ und +mir+, 1908, 7. - Aufl.). - - -=Krankheitsbild.= Der giftige Buchweizen enthält einen -+scharf-narkotischen+ Stoff, welcher auf Haut und Schleimhäute -eine +entzündungserregende+, innerlich auf das Zentralnervensystem -eine +krampferregende+ und +betäubende+ Wirkung ausübt. Die -Vergiftungserscheinungen bestehen hauptsächlich in einer -+Hautentzündung+ am +Kopf+, sowie an den weissen Körperstellen. -Die Haut ist +höher gerötet+ und +geschwollen+, gleichzeitig -besteht starker +Juckreiz+. In höheren Graden zeigt die Haut die -Erscheinungen einer +vesikulären+, +bullösen+, +phlegmonösen+ und -selbst +gangräneszierenden Dermatitis+ (Kopfrose, Blatterrose der -Schafe). Aehnliche Erscheinungen treten auch an den Kopfschleimhäuten -auf (+Konjunktivitis+, +Laryngitis+, +Stomatitis+, +Bronchitis+). -Wahrscheinlich handelt es sich bei der Entzündung der Haut und -Schleimhäute um die Ausscheidung eines scharfen Stoffes aus dem Blute -(+toxisches Exanthem+). Dabei zeigen die Tiere oft starke +Aufregung+ -und +Unruhe+, zuweilen sogar +tobsuchtartige Zufälle+. - -In vielen Fällen beschränkt sich die Vergiftung auf die beschriebene -Hautaffektion; sog. +Buchweizenausschlag+, +Fagopyrismus+. In -anderen Fällen beobachtet man auch zerebrale Erregungs- und -Lähmungserscheinungen, welche sich in +Krämpfen+, +Drehbewegungen+, -+Betäubung+, +Schwindel+ und +psychischer Benommenheit+ äussern. Diese -letzteren Symptome können zusammen mit der Entzündung der Haut oder für -sich allein auftreten. Vereinzelt kommen ferner +gastroenteritische -Zufälle+, sowie Erscheinungen der +Blasenreizung+ (Zystitis, -Strangurie) zur Beobachtung. - - -=Behandlung.= Prophylaktisch empfiehlt sich +Stallfütterung+ und -Vermeidung des Weidegangs im Sonnenschein. Kranke Tiere bleiben -ebenfalls im Stall und werden äusserlich mit +entzündungswidrigen -Mitteln+ (Bleiwasser), innerlich mit Abführmitteln behandelt. - - =Kasuistik.= Nach +Klein+ (Berl. Arch. 1890) traten bei einer - Schafherde nach dem Beweiden eines schlecht entwickelten - Buchweizenfeldes Rötung und schmerzhafte Schwellung der Gesichts- - und Kopfhaut, pustulöse Ekzeme der Lippen, starkes Juckgefühl, - Entzündung der Konjunktivalschleimhaut, hochgradige Gehirndepression, - Taumeln, Zuckungen und Zusammenbrechen auf; nach drei Stunden - hatte sich bei den Tieren die Fresslust wieder eingestellt, - und nach Ablauf von 5 Tagen waren alle wieder hergestellt. -- - +Richter+ (Preuss. Mitt. 1871) beobachtete bei Schweinen, welche - mit grossen Mengen von Buchweizen gefüttert wurden, unterdrückte - Futteraufnahme, trockenen Kot, Harnzwang, Fieber, Atmungsbeschwerden - und Krämpfe; bei der Sektion der gefallenen Tiere fand man Entzündung - der Magendarmschleimhaut, heftige Entzündung des Blasenhalses, - vereinzelt selbst Blasenrupturen, endlich starke Lungen- und - Gehirnhyperämie. -- +Rabe+ u. a. (Preuss. Mitt. Bd. 16 und N. F. Bd. - 17) konstatierten bei Pferden und Schweinen epileptiforme Anfälle - und Schwindelerscheinungen ohne entzündliche Veränderungen der - Haut. -- +Popow+ (Petersburger Arch. f. Veterinärmedizin 1888) sah - junge weisse Schweine nach der Verfütterung von Buchweizenkleie - erkranken. Die schwarzen, bunten und roten Schweine blieben dagegen - gesund. Die Vergiftungen ereigneten sich nur im Frühling und Sommer - an warmen, sonnigen Tagen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in - beschleunigtem Atmen, Unruhe, Schreien, Schäumen, Drehbewegungen, - andauernden krankhaften Zuckungen der Extremitäten und Lippen, - Umfallen, Gefühllosigkeit. Nach den Anfällen zeigten die Tiere grosse - Mattigkeit und schwankenden Gang, erholten sich aber bis zum nächsten - Tage. -- +Koschel+ (Berl. Arch. 1892), beobachtete bei Schweinen nach - der Fütterung mit Schalen der Heidegrütze Lähmung des Hinterteils - und Tod. -- +Oemke+ (Z. f. Physiol. 1909) konnte an weissen Mäusen - und Meerschweinchen durch Verfütterung von Buchweizen bei Belichtung - mit Sonnenschein die gleichen Hautaffektionen usw. hervorrufen, wie - sie bei Schafen vorkommen. Die blosse Verfütterung von Buchweizen an - weisse Mäuse und weisse Kaninchen genügt, um bei diesen Tieren den - Tod unter Lähmungserscheinungen hervorzurufen, wenn sie im diffusen - Tageslicht gehalten werden. Der Kern und die Schale sind gleich - giftig. Durch Alkohol extrahierter Buchweizen war ungiftig. Dagegen - wirkte der aus dem alkoholischen Extrakt durch Abdampfen gewonnene - Rückstand bei belichteten weissen Mäusen nach Einverleibung in den - Magen tödlich. - - - =Maisvergiftung.= Beim Menschen verläuft die unter dem Namen - +Maidismus+ oder +Pellagra+ (Lombardei) bekannte Maisvergiftung - chronisch unter den Erscheinungen des Ekzems (Dermatitis), der - Gastroenteritis, sowie von Delirien, Tobsucht, Blödsinn und spinaler - Lähmung. Die Ursachen sind nicht bekannt (Aspergillose? Bacillus - maidis? Pellagrocein?). Nach +Ceni+ und +Besta+ (Zentralbl. f. - allg. Pathol. 1902) soll es sich um eine Schimmelpilzvergiftung - (Aspergillosis), speziell um Toxine von Aspergillus fumigatus und - flavescens handeln. Der Maidismus des Menschen hat Aehnlichkeit - mit dem Fagopyrismus der Tiere (vergl. S. 323). Die tierärztliche - Literatur enthält ferner einen dem Maidismus des Menschen analogen - Vergiftungsfall bei Rindern. Nach der ausschliesslichen und - reichlichen Verfütterung von +Maisschlempe+ trat bei 12 Kühen - und 13 Kälbern eine +der Schlempemauke ähnliche+, aber heftiger - verlaufende Krankheit auf, welche den Eindruck einer dem Pellagra - des Menschen verwandten Intoxikation machte. Die Tiere lahmten, - zeigten starke Anschwellungen der Klauen-, Fessel- und Sprunggelenke, - starke Rötung der Haut und der sichtbaren Schleimhäute, Dyspnoe, - sowie stieren Blick; hochträchtige Kühe abortierten und gingen - sehr schnell zugrunde; die ausgetragenen Kälber starben nach - 2-3 Tagen. Die Sektion ergab multiple Arthritis und jauchige - Metritis. Auch ein Pferd erkrankte unter ähnlichen Erscheinungen; - dasselbe zeigte ausserdem Anschwellungen am Kopf, Hals und an den - Seitenbrustwandungen. - - -Vergiftung durch Wachtelweizen, Melampyrum. - - =Botanisches.= +Melampyrum pratense+, +silvaticum+, +nemorosum+ und - +commutatum+ (Wachtelweizen, Kuhweizen) sind Futterarten aus der - Familie der Skrophulariazeen, welche für gewöhnlich ohne Schaden - verfüttert werden. Melampyrum pratense ist ein 1jähriges Kraut mit - gegenständigen Blättern, kegelförmigen Blütenähren, purpurnen Blüten - mit röhrigglockigem Kelch, sowie sehr harten, glatten, Weizenkörnern - ähnlichen Samen. Aehnlich wirkt +Rhinanthus+ (Alectorolophus), der - sog. Klappertopf. Die Samen der genannten Melampyrumarten enthalten - das scharf narkotisch wirkende Glykosid =Rhinanthin=, welches auch in - anderen Skrophulariazeen enthalten sein soll. - - -=Wirkung.= Die Vergiftungserscheinungen bestehen in +Darmentzündung+ -und +Lähmung+. Da das Rhinanthin in den übrigen Teilen der Pflanze -nicht vorkommt, sind nur die Samen giftig, während die Pflanze -selbst ohne Schaden verfüttert werden kann. Eine Vergiftung durch -Wachtelweizen (Samen von Melampyrum silvaticum) ist von +Czako+ -(Ungarischer Veterinärbericht 1886/87) bei einem Schafbock beobachtet -worden; durch die Sektion wurde Hyperämie der Darmschleimhaut, -des Gehirns und der Gehirnhäute konstatiert. Angestellte -Fütterungsversuche mit den Samen an Kaninchen ergaben als wichtigste -Vergiftungserscheinungen +Schläfrigkeit+ und hochgradige +Abstumpfung+; -bei der Sektion wurde ebenfalls +Hyperämie+ des +Darmes+ und +Gehirns+ -vorgefunden. +Mesnard+ (Recueil 1894) sah bei einer Stute, die mit -dem Hafer viel Wachtelweizen erhielt, Kolik, Schwäche im Hinterteil, -Abgeschlagenheit, Herzklopfen, schwachen, kaum fühlbaren Puls, -Schwindel, blutigen Harn und schnellen Tod; bei der Sektion wurden -Darmentzündung, sowie Hyperämie und Hämorrhagien im Gehirn festgestellt. - - -Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen. - - =Allgemeines.= Die als Futtersurrogat eingeführten amerikanischen - Baumwollsaatkuchen (+Gossypium herbaceum+, Malvazee) bedingen - zuweilen, namentlich bei jüngeren Tieren charakteristische - Vergiftungserscheinungen. Auf diese Vergiftung ist zum erstenmal - im Jahre 1863 in England aufmerksam gemacht worden. Später haben - Gautier, Gips, Esser, Bongartz, Tietze u. a. die Krankheit genauer - untersucht und beschrieben. Die Ursache der Vergiftung ist mit - Sicherheit noch nicht festgestellt, sie scheint aber in einem - +scharf+ wirkenden +chemischen+ Körper gesucht werden zu müssen, - welcher nach Cornevin im Samenkern, nach andern in der braunen - +Samenschale+ enthalten ist. Die vollständigen abgeschälten - Baumwollsamen sollen nach den in Aegypten gemachten Beobachtungen - ungiftig sein, desgleichen das Baumwollsamenöl. Nach Peddi soll das - Toxin der Baumwollsamen mit dem +Muskarin+ verwandt sein. In der - Anwesenheit von Befallungspilzen (Schimmelpilzen) oder Spaltpilzen - ist die Ursache der Vergiftung wahrscheinlich nicht zu suchen. - Erfahrungsgemäss wirken Saatkuchen von bestem Aussehen und ohne - besonderen Geruch giftig. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Krankheitserscheinungen -sind im wesentlichen die einer +hämorrhagischen Gastroenteritis+ -und +Nephritis+. Die Tiere -- meistens erkranken jüngere Tiere, -Kälber und Lämmer -- zeigen +Verdauungsstörungen+, +Tympanitis+, -+Verstopfung+, +Durchfall+, +blutigen Kot+, sowie die Symptome der -Nieren- und Blasenreizung: +Hämaturie+, +Harndrang+, +Albuminurie+ und -+Blasenlähmung+. Ausserdem findet man +Muskelschwäche+, +Schwanken+, -+Schlafsucht+, +Lähmungserscheinungen+ und Abortus. In Amerika hat -man ferner schwere, oft zu Erblindung führende Augenerkrankungen -(+Hornhautgeschwüre+ infolge von Trigeminuslähmung) bei Rindern -beobachtet. Vereinzelt ist auch über das Auftreten von Ikterus -berichtet worden. Der Krankheitsverlauf ist zuweilen sehr akut, indem -der Tod schon nach wenigen Stunden eintreten kann. Meist beträgt -jedoch die Krankheitsdauer einige Tage. Bei fortgesetzter Verfütterung -kleinerer Mengen der giftigen Saatkuchen entsteht das Bild einer -+chronischen+, mehrere Wochen andauernden Vergiftung, welche sich in -Durchfällen, Abmagerung, zunehmender Mattigkeit, Kachexie, Hydrämie und -Auftreten von Katarrhen im Respirationsapparat äussert. Die +Sektion+ -ergibt bei akutem Verlaufe der Krankheit das Vorhandensein einer -hämorrhagischen Gastritis, Enteritis und Nephritis neben Schwellung der -Leber und Flüssigkeitsansammlung in den Körperhöhlen. Bei chronischem -Verlauf findet man allgemeine Abmagerung, wassersüchtige Zustände -(Hydrothorax, Aszites, Anasarka), sowie parenchymatöse Nephritis. - - -=Behandlung.= Neben dem Aussetzen der Fütterung mit Baumwollsamenkuchen -empfiehlt sich die Verabreichung von abführenden und einhüllenden -Mitteln, namentlich von +Rizinusöl+ (Kälbern und Schafen 50-100,0, -Lämmern 10-25,0) in Verbindung mit Leinsamenschleim als Emulsion. -Den blutigen Durchfall behandelt man mit Tannin oder Opium, die -Nieren- und Blasenentzündung mit Kali chloricum, die Schwäche und -Lähmungserscheinungen mit Exzitantien. - - =Kasuistik.= Eine ausführliche Beschreibung der Vergiftung hat zuerst - +Gautier+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin 1886) geliefert, - welcher mehrere Massenerkrankungen bei Kälbern beobachtete und auch - Fütterungsversuche anstellte. Zwei 10 Wochen alte Kälber erhielten - täglich je ein Pfund guten, unverdorbenen Baumwollsamenkuchen. Am - 7. Tag traten die ersten Krankheitserscheinungen auf, am 11. Tag - zeigte sich Durchfall, am 16. Tag Blutharnen. Das eine Kalb starb am - 28. Tag, das andere Kalb zeigte nach dem mehrtägigen Aussetzen der - Fütterung Besserung, bei der jedesmaligen Wiederaufnahme derselben - jedoch wieder von neuem Durchfall, Hämaturie, Hämoglobinurie, - Albuminurie, Taumeln, Mattigkeit. -- +Gips+ (Berliner Archiv - 1886) beobachtete eine tödliche Erkrankung bei 3 Bullen, welche - täglich ⅓ Pfund Baumwollsamenkuchen erhielten. Bei der Sektion - fand man die Darmschleimhaut geschwollen, den Darminhalt blutig, - in der Bauchhöhle eine braun gefärbte Flüssigkeit, die Leber und - Nieren stark vergrössert und erweicht, in der Harnblase blutigen - Urin, in der Brusthöhle und im Herzbeutel blutige Flüssigkeit, in - den Bronchien blutigen Schaum, das Myokardium wie gekocht, unter - dem Epikardium und Endokardium Hämorrhagien. -- +Esser+ (ibidem) - sah 300 Lämmer, welche täglich je 250 g Baumwollsamenmehl als - Beifutter erhielten, nach wenigen Tagen unter den Erscheinungen von - Tympanitis und blutigen Durchfällen erkranken und nach 2 bis 3tägiger - Krankheitsdauer zu einem Drittel sterben. Bei der Sektion fand man - eine akute Gastroenteritis. -- +Schwanefeldt+ beobachtete bei Lämmern - als Hauptsymptom der Erkrankung allgemeinen Ikterus. -- +Bongartz+ - (Berliner Archiv 1888) konstatierte bei Schafen als wesentlichste - Krankheitserscheinung nach der Verfütterung von Baumwollsaatmehl - die Ausbildung eines akuten Nierenleidens (Harnbeschwerden, - schmerzhaftes Drängen, Blasenlähmung, unfreiwilligen Harnabgang). Bei - der Sektion fand er die Nieren um mehr als die Hälfte vergrössert, - die Nierenkapsel von stecknadelkopf- bis erbsengrossen Blutungen - durchsetzt, in einem Falle ausserdem ein gänseeigrosses Blutkoagulum - in der Umgebung der Nierenkapsel, die Marksubstanz graugelb verfärbt, - die geraden Harnkanälchen, die Schleimhaut des Nierenbeckens, - der Harnleiter und der Harnblase geschwollen und die letztere - stellenweise fleckig und streifig gerötet. Der Harn enthielt Spuren - von Eiweiss. -- +Tietze+ (Hamburg. Mitt. 1893) fand bei mehreren 9 - bis 12 Monate alten Rindern nach der täglichen Verfütterung von 3 - Litern Baumwollsaatmehl allgemeine Abgeschlagenheit, Muskelschwäche, - Appetitmangel, unterdrücktes Wiederkauen sowie Harndrang; bei der - Sektion waren ausser Veränderungen an den Nieren im wesentlichen - nur Stauungserscheinungen nachzuweisen. -- +Meyers+ (Journ. of - comp. 1890) beobachtete bei einer grossen Anzahl Mastochsen - Niedergeschlagenheit, Speicheln, unterdrückte Futteraufnahme, - blutigen Kot, Schwindelanfälle, Zusammenstürzen, Zittern; die Dauer - betrug 2-3 Tage. -- +Peters+ (Berl. Arch. 1892) sah bei einem Rind - Versagen des Futters, Apathie, blutigen Durchfall, Bewusstlosigkeit, - Tränen, starke Pupillenerweiterung, schleimigen Nasenausfluss sowie - Tod am 3. Tag; bei der Sektion fand man eine starke Entzündung des - Labmagens und Darmes. -- +Ostermann+ (ibid. 1894) beobachtete bei - Rindern völligen Appetitmangel, unsicheren, schwankenden Gang, - Schlummersucht sowie hochgradige, an die Gebärparese erinnernde - Schwäche. Die Tiere lagen mit herumgeschlagenem Kopfe am Boden - und konnten sich nicht erheben. Der Tod erfolgte nach 2-3 Tagen. - -- +Fischer+ (D. T. W. 1895) sah bei Jungvieh nach der täglichen - Verfütterung von 1-1½ Pfund Baumwollsaatmehl Unruhe, Atemnot, - Erstickungsanfälle sowie Hämoglobinurie (Hämaturie?). Die Sektion - ergab Nierenentzündung, Blasenentzündung sowie Lungenödem. -- - +Prietsch+ (Sächs. Jahresber. 1896) sah bei trächtigen Kühen - oft Abortus eintreten. Auch von den Frauen sollen die Samen als - Abortivum in Sachsen benützt werden. -- +Aubry+ (Recueil 1897) - beobachtete bei 2 Jungrindern nach der täglichen Verabreichung von - 4½ Kilo Samenkuchen grosse Atemnot und Abgeschlagenheit, sowie - bei der Sektion Pneumonie, Dünndarmentzündung und Peritonitis. - -- +Delmer+ (ibid.) fand bei 10 Kälbern 1 Monat nach dem Beginn - der Oelkuchenfütterung Traurigkeit und Stöhnen als einzige - Vergiftungserscheinungen; die Krankheit dauerte nur 24-48 Stunden; - bei der Sektion zeigten die Nieren die auffallendsten Veränderungen - (schwärzliche Farbe). -- Nach +Peddy+ (The Vet. 1898) erkrankten in - einer Milchwirtschaft nach Verfütterung grosser Mengen von Kuchen - aus nicht enthülsten Baumwollsamen 20 Kühe. Die Symptome waren - Schüttelfrost, beständiges Rülpsen, stierer Blick sowie konstante - Lähmung; 5 Kühe gingen ein oder mussten geschlachtet werden. Die - Sektion ergab Gastroenteritis, Nierenhyperämie und Ekchymosen am - Herzen. -- Nach +Ziegenbein+ (Berl. Arch. 1898) erkrankten 15 - Rinder unter den Symptomen einer Magendarmentzündung und einer - starken Verstopfung des 3. Magens. -- +Curdy+ (Journ. of comp. 1895) - beschreibt eine nach übermässiger Verfütterung von Baumwollsaatkuchen - bei Rindern auftretende, mit schweren Depressionserscheinungen - einhergehende Krankheit, welche stets mit einer schweren, oft zur - Erblindung führenden Augenkrankheit kompliziert ist. Letztere - besteht in Geschwüren, Abszessen und Staphylombildung der Hornhaut, - wahrscheinlich infolge einer Trigeminuslähmung. Nach Curdy ist diese - Wirkung des Baumwollsamens auf die Augen den amerikanischen Farmern - wohl bekannt. -- +Eder+ (Woch. f. Tierh. 1902, S. 232) sah 5 Kälber - nach reichlicher Fütterung mit Baumwollsaatmehl unter Erscheinungen - der Dyspnoe und Hinfälligkeit erkranken und nach 12-24 Stunden - sterben. Bei der Sektion konnte nur leichte, fettige Degeneration der - Leber nachgewiesen werden. -- +Ijmker+ (Holl. Zeitschr. 1902) sah - sämtliches Jungvieh eines Rinderbestandes nach der Verfütterung von - Baumwollsaatmehl in Trankform erkranken. Die Krankheitserscheinungen - bestanden in starker Muskelschwäche, Schwanken, Blutharnen und - Lungenödem. -- +Rust+ (Preuss. Mitt. 1905) sah bei mehreren - Zugochsen, die täglich je 1 kg Baumwollsaatmehl erhielten, - ödematöse Schwellungen der Extremitäten, Schwanken der Hinterhand, - Gleichgewichtsstörungen, sowie in 4 Fällen (unter 15) Erblindung mit - abnormer Erweiterung der Pupille und starkem Hervortreten des Bulbus. - - =Vergiftung durch Sesamkuchenmehl.= +Deyerling+ (D. T. W. 1900) - beobachtete bei etwa 100 Ochsen nach der Verfütterung von - Sesamkuchenmehl Aufblähung, Husten und grosse Atemnot; ausserdem - bestanden Eingenommenheit, Zittern und leichte Kolikerscheinungen. - - -Mutterkornvergiftung, Ergotismus. - - =Botanisches.= Das +Mutterkorn+, +Secale cornutum+, ist das - Dauermyzel (Sklerotium) von +Claviceps purpurea+, eines Kernpilzes - (Familie der Pyrenomyzeten). Der Pilz parasitiert am häufigsten auf - dem Roggen, kommt aber auch zuweilen auf Hafer, Weizen, Gerste und - auf Gramineen vor (Elymus virginicus, Agrostis vulgaris, Poa, Phleum, - Anthoxanthum, Glyceria u. a.). Das Mutterkorn bildet walzenförmige, - gerundet dreikantige, oft gebogene, 2-4 cm lange und bis ½ cm dicke, - schwarzviolette, innen weisse Körper, welche schwach bläulich bereift - und an beiden Enden verschmälert sind. Sie besitzen im frischen - Zustande eine derbfleischige, im getrockneten eine hornartige - Konsistenz. Die +Entwicklung+ des Pilzes ist folgende. Die Sporen - von Claviceps purpurea verwandeln, wenn sie zufällig auf junge - Roggenblüten etc. gelangt sind, den Fruchtknoten dieser Blüten in - ein Pilzlager (Sphacelia segetum), welches aus dicht verflochtenen - Hyphen besteht und an seiner Oberfläche Sporen (Konidien) - abschnürende Zellen besitzt, welche ausserdem eine schleimige, - süssliche Flüssigkeit, den sog. Honigtau, absondern, durch welchen - die Sporen unter Vermittlung von Insekten auf andere Roggenähren - übertragen werden. Aus dem Pilzlager entwickelt sich dann allmählich - das walzenförmige Dauermyzel, das eigentliche Mutterkorn, welches - die Aufgabe hat, den Pilz zu überwintern. Aus diesem Mutterkorn - entwickeln sich im darauffolgenden Frühjahr schlankgestielte Keime - mit runden, violettroten Köpfchen (Perithecien), aus welchen sich - zahllose Sporen bilden, welche durch den Wind auf die Roggenblüten - fortgetragen werden, worauf die Entwicklung wie anfangs geschildert - vor sich geht. - - Bezüglich der Literatur der Mutterkornvergiftung ist namentlich das - ausführliche Werk von +Heusinger+, Studien über den Ergotismus, - Marburg 1856, hervorzuheben. - - -=Wirksame Bestandteile des Mutterkorns.= Nach +Kobert+ sind -im Mutterkorn drei giftige Stoffe enthalten. - -1. Das =Kornutin= oder =Sekakornin= ist ein Alkaloid und der Träger der -spezifischen Wirkung des Mutterkorns auf den +Uterus+. Das Kornutin -bewirkt infolge Reizung des im Lendenmark gelegenen Uteruszentrums -+Uteruskontraktionen+ bei trächtigen und nichtträchtigen Tieren. -Bei nichtträchtigen Tieren tritt eine deutliche Verstärkung der -rhythmischen Uteruskontraktionen schon nach der subkutanen Injektion -von ½ mg Cornutinum hydrochloricum pro kg Körpergewicht ein. Trächtige -Tiere reagieren auf Kornutin im Beginne der Schwangerschaft nicht, -in der Mitte nur nach sehr grossen Dosen, dagegen bewirken am Ende -der Trächtigkeit die kleinsten Dosen eine Austreibung des Fötus. -Die weiteren Wirkungen des Kornutins bestehen in der +Erregung des -Krampfzentrums+ mit tonisch-klonischen allgemeinen Muskelkrämpfen, -in einer veratrinähnlichen Einwirkung auf die Muskelfasern mit -+Muskelsteifheit+, in einer +Erregung des Vaguszentrums+ mit -Pulsverlangsamung und nachheriger Vaguslähmung, in +Erregung des -vasomotorischen Zentrums+ mit starker Blutdrucksteigerung und -+Gefässverengerung+, und bei grossen Dosen in einer +Lähmung des -Atmungszentrums+. - -2. Die =Sphazelinsäure= wirkt +gangränerzeugend+ (Sphazelus = -kalter Brand) infolge einer +hyalinen Degeneration+ und +Thrombose -der peripheren Arterienäste+. Sie ist die eigentliche Ursache der -+Mutterkornvergiftung+. Nach experimentellen Versuchen erzeugt sie bei -Schweinen und Hähnen Gangrän, insbesondere an der Zungenspitze, am -Kamm, Kehllappen, am Gaumen, Kehldeckel, an den Flügeln, auf der Haut, -sowie auf der Darmschleimhaut (Geschwüre und Nekrose); in sehr kleinen -Dosen längere Zeit verabreicht führt sie zu ähnlichen Veränderungen -auch im Rückenmarke mit Ataxie. In sehr grossen Dosen erzeugt sie -strychninartige Krämpfe und +Uterus-Tetanus+. - -3. Die =Ergotinsäure=, ein stickstoffhaltiges, leicht zersetzliches -Glykosid, +ohne Wirkung auf den Uterus+. Dasselbe ist lediglich ein -+Narkotikum+, welches die Reflexerregbarkeit vermindert und zuletzt -aufhebt. - - =Sphazelotoxin.= Nach +Jakoby+ und +Freund+ ist, im Gegensatz zu - den Angaben von +Kobert+, im Mutterkorn nur +ein+ giftiger Körper - enthalten, nämlich das +Sphazelotoxin+. Das im freien Zustande leicht - zersetzliche Sphazelotoxin soll im Mutterkorn an Sekalin bezw. - Chrysin gebunden als +Sekalintoxin+ und +Chrysotoxin+ enthalten sein. - In diesen Verbindungen soll es sowohl heftige Uteruskontraktionen - bewirken, als auch Gangrän erzeugen. Nach +Vahlen+ enthält das - Mutterkorn das Klavin. - - -=Krankheitsbild.= Die Mutterkornvergiftung bietet nach Erscheinungen, -Verlauf und Grad der Intensität sehr verschiedenartige -Krankheitsbilder, welche teils durch die Tiergattung, teils durch -die stärkere oder schwächere Giftigkeit des Mutterkorns, teils durch -die aufgenommene Menge bedingt sind. Am empfindlichsten scheinen -+Rinder+ und +Geflügel+ zu sein. Pferde zeigten nach experimentellen -Untersuchungen auf ½ kg Mutterkorn nur eine vorübergehende -Erkrankung. Ein Schwein starb angeblich erst, nachdem binnen 2 -Monaten 11 kg Mutterkorn verfüttert worden waren (+Tessier+). -Hühner und Tauben starben auf 5-15 g, Enten auf 60 g Mutterkorn. -Beim Menschen unterscheidet man je nach dem Verlauf eine +akute+ -und eine +chronische+ Mutterkornvergiftung, ferner je nach den -Krankheitserscheinungen einen +gangränösen+ und +spasmodischen+ -Ergotismus. Die einzelnen Krankheitserscheinungen bei den Haustieren -sind folgende: - -1. +Gastroenteritische Erscheinungen.+ Nach amerikanischen Berichten -(+Salmon+, +Law+) hatte der im Jahre 1884 in verschiedenen Staaten -Nordamerikas unter den Rindern epizootisch auftretende Ergotismus -eine grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbilde der Aphthenseuche -(Maulseuche) und Rinderpest. Die wichtigsten diesbezüglichen -Erscheinungen, welche auch sonst bei sporadischen Fällen von -Mutterkornvergiftung beobachtet werden, sind +starkes Speicheln+, -umschriebene +Rötung+, +Blasenbildung+, +Entzündung+, +Erosion+ und -+Gangräneszierung+ der +Maulschleimhaut+, ebensolche Veränderungen -auf der Schleimhaut des +Mastdarms+ und der +Scheide+, ausserdem -+Erbrechen+ (bei Schweinen), +Kolik+ und +Durchfall+. - -2. +Gangräneszierung und Mumifikation extremitaler Teile.+ Bei dem in -Nordamerika seuchenartig auftretenden Ergotismus gesellten sich zu -den geschwürigen Prozessen der Digestionsschleimhaut Erscheinungen, -welche eine grosse Aehnlichkeit mit Klauenseuche hatten, so dass die -Vergiftung längere Zeit für eine Invasion der Maul- und Klauenseuche -(Aphthenseuche) gehalten wurde. Die Erscheinungen des „Ergotismus -gangraenosus“, wie diese Form der Mutterkornvergiftung bezeichnet wird, -kommen ausser beim Rind auch beim Schwein und Geflügel vor und bilden -eine besonders charakteristische Affektion. Man beobachtet nämlich -bei längerer Dauer der Vergiftung ein +Absterben (Mumifikation) der -extremitalen Körperteile+, namentlich der +Klauen+, +Phalangal-+, -+Metatarsal-+ und +Metakarpalenden+, der +Ohren+, des +Schwanzes+, der -+Zitzen+, beim Geflügel des +Kammes+, +Kehllappens+, der +Krallen+, -+Zehen+, +Flügel+, der +Zungenspitze+, des +Kehldeckels+ etc. Die -ersten Krankheitserscheinungen bestehen hiebei in +Lahmgehen+ auf -einem oder mehreren Beinen, sowie im Unvermögen der Tiere aufzustehen. -Bei der Untersuchung der Klauen findet man +Rötung+ und +schmerzhafte -Schwellung+ der Haut an der Krone, am Fessel, am Schienbein, -allmähliches +Absterben umschriebener Hautstücke+, +Austrocknung+ -und +Mumifikation+ der abgestorbenen Teile, +Einschnürung+ an der -Begrenzungsstelle gegen das gesunde Gewebe und endlich +Ablösung+ der -mumifizierten Gewebe: einer Klaue, des Fessels, des unteren Teiles der -Hinterbeine bis zur Mitte des Schienbeins, der Ohren, der äusseren -Hälfte des Schwanzes. - -3. +Erscheinungen von seiten des Uterus.+ Sie bestehen in +Wehen+, -+schmerzhaftem Drängen+, +Abortus+ und +Frühgeburt+, +Uterus-+ und -selbst +Mastdarmvorfall+. Bei ausgedehnter Verbreitung der Vergiftung -kann der Abortus enzootisch und selbst epizootisch auftreten. Zuweilen -ist der Abortus auch mit +Metritis+ kompliziert; ausserdem entwickelt -sich im Anschluss an denselben häufig bleibende +Sterilität+. - -4. +Nervöse Störungen.+ Dieselben bestehen in +Eingenommenheit des -Sensoriums+, +Schlafsucht+, +Gefühllosigkeit+, +Lähmungserscheinungen+ -(Mutterkorntabes, Polyneuritis toxica), +Pupillenerweiterung+, -+Erblindung+ (Katarakt), sowie in +Krampf der Beugemuskeln+ (Ergotismus -spasmodicus oder convulsivus) mit +Muskelatrophie+. - -Die +Krankheitsdauer+ erstreckt sich gewöhnlich über Wochen und Monate. -Die Mortalitätsziffer ist trotz der schweren Krankheitserscheinungen -niedrig. - - -=Behandlung.= Zunächst muss mit der Verfütterung des mutterkornhaltigen -Getreides, Heus, Brotes ausgesetzt werden. Als chemisches Gegengift -gegen die im Mutterkorn enthaltenen Gifte kann das +Tannin+ versucht -werden. Ausserdem empfiehlt sich die Anwendung gefässerweiternder und -krampfstillender Mittel (+Amylnitrit+, +Morphium+, +Chloralhydrat+). -Die gastroenteritischen Erscheinungen werden symptomatisch, die -abgestorbenen extremitalen Teile nach den Regeln der Chirurgie -(Amputation) behandelt. - - -=Nachweis.= Der Nachweis des Mutterkorns im Getreide und Heu ist -+botanisch+ leicht zu führen, wenn dasselbe in ausgebildeter Form darin -enthalten ist. Zerkleinertes Mutterkorn kann auf verschiedene Weise -nachgewiesen werden. +Mikroskopisch+ ist das Gewebe des Mutterkorns -charakterisiert durch die langgestreckten, +mit violettem Farbstoff -gefüllten Zellen+ der Bindeschicht. Diese Farbstoffe können auch -+spektroskopisch+ durch Extraktion mit schwefelsäurehaltigem Aether und -das Auftreten zweier Absorptionsstreifen in Grün und Blau festgestellt -werden. Endlich entwickelt sich beim Erwärmen mutterkornhaltiger -Futterstoffe mit Kalilauge ein Geruch nach Heringslake (Trimethylamin). - - =Kasuistik.= +Salmon+ (Amerikanischer Veterinärbericht 1884) - berichtet über eine Mutterkorn-Epizootie, welche im Jahre 1884 in - verschiedenen Staaten Nordamerikas (Kansas, Missouri, Illinois, Jova, - Colorado) unter dem Rindviehbestande grosse Verheerungen angerichtet - hatte und anfänglich für Maul- und Klauenseuche gehalten worden war. - Die Aufnahme des Mutterkorns erfolgte durch das Heu, welches teils - aus Elymus virginicus var. submuticus, teils aus Agrostis vulgaris - bestand, und wobei die genannten beiden Pflanzen stark mit Mutterkorn - besetzt waren, so dass 75 Gewichtsteile des Heues 1 Teil Mutterkorn - enthielten. Das Krankheitsbild hatte bald mehr Aehnlichkeit mit - Maulseuche, bald mehr mit Klauenseuche. Die Veränderungen in der - Maulhöhle bestanden in Speicheln, Schnalzen, diffuser Rötung, - dunkelroten Flecken, 1 cm grossen dunkelfarbigen Erosionen, sowie - umschriebener Nekrose der Maulschleimhaut. Auch die Schleimhaut des - Mastdarms und der Scheide zeigten sich höher gerötet, gefleckt und - mit Erosionen besetzt. An den Klauen war Rötung, Schwellung und - Schmerzhaftigkeit der Haut zu konstatieren, wobei die Tiere von - vornherein lahmten. Später starben umschriebene Hautstücke, einzelne - Klauen, sowie zuweilen die Fussenden an sämtlichen Extremitäten - bis zum Fessel und selbst bis zur Mitte des Schienbeins brandig - ab, worauf sich die abgestorbenen Teile meist in der Nähe eines - Gelenks unter Bildung einer ringförmigen Einschnürung abstiessen. - Auch die Ohren und die Schwanzspitze zeigten Mumifikation. Ausserdem - wurde epizootischer Abortus beobachtet. -- +Law+ (Americ. vet. - rev. 1884) beschreibt dieselbe Mutterkorn-Epizootie in Kansas. Es - erkrankten fast nur Rinder, während Pferde, Schafe und Schweine fast - ausnahmslos gesund blieben. Die Krankheit wurde anfangs wegen des - gleichzeitigen Auftretens von Blasen im Maul und von Lahmheit für - Aphthenseuche gehalten und hatte ausserdem eine gewisse Aehnlichkeit - mit der Rinderpest. Die erkrankten Tiere zeigten starkes Speicheln - und unterdrückte Futteraufnahme. Auf der Maulschleimhaut zeigten - sich rinderpestartige Erosionen. Daneben bestand Verstopfung, - Tympanitis und profuse Diarrhöe. Später beobachtete man auch - nervöse Störungen: Schwindel, unsteten Blick, schwankenden Gang, - Pupillenerweiterung, Mattigkeit, Schlafsucht, abwechselnd mit - Aufregung und Hyperästhesie; einige Tiere starben auch unter - diesen Erscheinungen innerhalb 1-2 Tage. Weiterhin wurde vielfach - Abortus beobachtet. Die schwersten Veränderungen zeigten sich an - den Fussenden. Die Tiere lahmten zunächst; ausserdem war Rötung und - schmerzhafte Schwellung der Haut im Klauenspalt, an der Krone und - am Fessel bis hinauf zur Mitte des Schienbeins wahrzunehmen. Die - geschwollenen Teile zeigten später die Erscheinung des Absterbens: - Eintrocknen, Rissigwerden, Unempfindlichkeit, livide Verfärbung, - demarkierende Eiterung und Nekrose und wurden bis zum Fesselgelenk - brandig abgestossen. Dieselben Veränderungen zeigten sich an den - Schwänzen, Ohren und Zitzen. -- +Kowalewski+ (Russ. Archiv für - Veterinärmedizin 1884) sah bei 20 Rindern gangränösen Ergotismus - nach der Verfütterung von Roggen, welcher ⅕ Mutterkorn enthielt. In - den ersten 4 Wochen zeigten die Tiere Lahmheit und Entzündung der - unteren Fussenden; im Verlaufe weiterer 4 Wochen trat Absterben der - Fussenden und Schweifspitzen ein. Die lokalen Veränderungen bestanden - in schmerzhafter, heisser Schwellung der Kronenhaut, weisslicher - Verfärbung derselben, Eitersekretion und Schorfbildung; im Anschluss - hieran zeigte sich Nekrose der Haut, Sehnen, Bänder und Knochen bis - zum Krongelenk mit Abfallen dieser Teile. Ausser starker Abmagerung - waren Appetit und Allgemeinbefinden nicht gestört. -- +Armbruster+ - (Badische Mitteil. 1877) beobachtete bei 6 Mutterschweinen und einem - Zuchteber Erscheinungen der Mutterkornvergiftung. Die Tiere zeigten - Erbrechen, Würgen, Zittern, Zuckungen an den Beinen, Schwäche und - Lähmung des Hinterteils. Bei einem derselben blieben Schwäche im - Hinterteil, Eingenommenheit des Sensoriums und dauernde Erblindung - zurück. Ein Schwein starb. -- +Magnus+ (Preuss. Mitt. Bd. 16) sah - mehrere Kühe nach der Aufnahme von Mutterkorn abortieren. Einige - zeigten ferner Wehen und Gebärmuttervorfall. Bei 2 Pferden und 5 - Schweinen wurde ausserdem Mastdarmvorfall beobachtet. -- +Kolb+ - (Preuss. Mitt. N. F. Bd. 1) fand bei einem trächtigen Schwein als - Erscheinungen der Mutterkornvergiftung Kolik, Erbrechen, Wehen, - Abortus, Gebärmutterentzündung und Schwächezustände. -- +Decoste+ - (Recueil 1848) sah bei einer Kuh, welche mehrere Wochen hindurch - mit mutterkornhaltigem Weizen gefüttert wurde, Mumifikation des - linken Vorderbeins bis zur Vorderfusswurzel, sowie Absterben der - Klauen und Fussenden; dabei war die Futteraufnahme nicht alteriert. - Auch Hühner und Enten zeigten nach 2-3 Wochen Mumifikation - der Zehen, des Schnabels und des Kamms. -- +Goldstein+ (Berl. - tierärztl. Wochenschrift 1894 S. 196) beschreibt 2 Fälle von - Mutterkornvergiftung, welche sich bei den Kühen eines Müllers nach - der Verfütterung von Abfallkorn zeigten, das stark mit Mutterkorn - durchsetzt war. Die Erscheinungen bestanden in Gangrän der Haut an - den Hinterbeinen, am Schwanz und am Euter, Lockerung des Hornschuhs, - sowie brandigem Absterben des Unterschenkels, der Ohren und des - Schwanzes mit Abfallen derselben. Auffallend war das muntere Benehmen - der Tiere trotz der schweren Erkrankung, sowie der Umstand, dass - eine der kranken Kühe ein lebendes, ausgetragenes Kalb zur Welt - brachte. -- +Reisinger+ (Veterinarius 1896) sah bei 4 Pferden nach - Verfütterung von stark mutterkornhaltigem Roggen heftige Kolik, - hohe Pulsfrequenz (80 P.), Muskelzittern und Hufentzündung. -- Nach - +Robin+ (Recueil 1899) verlor eine mit mutterkornhaltigem Roggen - gefütterte Kuh durch brandiges Absterben die Ohren, einen Teil des - Flozmauls, über die Hälfte des Schwanzes, sowie die Phalangen vorn - rechts und hinten linke; ausserdem trat Durchfall und Abmagerung ein. - - - =Experimentelles.= +Grünfeld+ (Beiträge zur Kenntnis der - Mutterkornvergiftung, Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu - Dorpat 1892, Bd. 8, und Zur Kenntnis der Sphalezinsäurewirkung, - Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu Dorpat 1895, Bd. - 12) hat die Wirkung des Mutterkornes bei Hähnen und Ferkeln - untersucht. Die häufigste Erscheinung bei +Hähnen+ bestand zuerst - in Dunkelviolett-, dann in Schwarzwerden des Kammes und der - Bartlappen. Sobald die Giftdarreichung fortdauerte, blieben die - Kammspitzen schwarz und trockneten ein (Gangrän). Bei der Erkrankung - des Kammes und der Bartlappen fanden sich Thromben, mit hyalinen - Massen gefüllt, sowie hyaline Degeneration der Gefässwand. Die - Zungenspitze zeigte öfters den gleichen Befund. Später stellten sich - Appetitlosigkeit und grosser Schwächezustand ein; Erbrechen und - Speichelfluss gingen dem Tode voran. Die Obduktion bot das Bild eines - hochgradigen follikulären Katarrhes der Schleimhaut des Schlundes, - Kropfes und Mageneinganges; der Kropf selbst wies zahlreiche - charakteristische nekrotische Geschwüre auf. In der Darmschleimhaut - liessen sich Blutextravasate in Menge erkennen; die Lebergefässe - waren verbreitert, stark gefüllt und mit eigenartigen, als Amyloid - anzusprechenden Klumpen gefüllt. Bei +Ferkeln+ war eine anfangs - dunkelbraune, dann schwarze Verfärbung der Ohrmuscheln zu beobachten; - dieselben trockneten ein und liessen sich ohne Blutung abziehen oder - fielen von selbst ab. Das +mikroskopische+ Bild im ersten Stadium der - Mutterkornvergiftung bei Hähnen lässt starke Dilatation und Füllung - der Gefässe erkennen, die mit einer dunkelbraunen Masse gefüllt sind. - Das Lumen der Gefässe ist mit Thromben angefüllt. Im zweiten Stadium - ist die Dilatation und Füllung der Gefässe bis fast in die kleinsten - kapillären Verzweigungen zu konstatieren. Das dritte Stadium des - Mutterkornbrandes lässt schon mit blossem Auge in peripherer Richtung - drei Zonen erkennen. Die eine (Basis des Kammes) hat eine schwach - violette Farbe; die nächste zeigt mehr gelbbraune Nuance; die letzte - (Spitze des Kammes) ist dunkelviolett und selbst schwarz gefärbt. - Unter dem Mikroskop erweist sich diese als vollkommen abgestorbene - Partie. Der mittlere Teil bildet eine hyalin degenerierte Masse, in - welcher nur selten mehr gut erhaltene Zellen und Blutkörperchen zu - sehen sind. In der Basis des Kammes begegnet man spärlich hyalinen - Massen; sie weist stellenweise noch normale Struktur auf. Die - hinterste mumifizierte Partie des Kammes stellt das vierte oder - Endstadium des Mutterkornbrandes dar; vom epithelialen Ueberzug ist - so gut wie nichts mehr vorhanden. Im papillären Gewebe sind an vielen - Stellen frei im Bindegewebe hyaline Klumpen zu erkennen. Vom Inhalt - und der Wandung der einzelnen Kapillaren ist nichts mehr zu erkennen. - -- +Albrecht+ (Münchener Jahresber. 1894/95) stellte durch Versuche - bei kleinen trächtigen Wiederkäuern fest, dass nach Mutterkorngaben, - welche das Doppelte der therapeutischen Dosis betragen, besondere - Wirkungen nicht eintreten. Auf das 4-5fache der therapeutischen Dosis - erkrankten die Versuchstiere nur vorübergehend (Auftreibung, Versagen - des Futters, Traurigkeit, Muskelzittern). +Abortus trat nicht ein.+ - - -Vergiftung durch Schimmelpilze. - - =Botanisches.= Die Schimmelpilze (Mukorineen) geben dadurch, dass - sie auf den verschiedenartigsten Futterpflanzen parasitieren, sehr - häufig Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren. Die einzelnen - pathogenen Arten sind folgende: - - 1. +Mucor+, der +Blasenschimmel+, mit den Unterarten Mucor Mucedo - (gemeiner Kopfschimmel), Mucor racemosus, Mucor stolonifer und Mucor - Phycomyces. - - 2. +Aspergillus+, der +Kolbenschimmel+, mit der Vergiftungen - erzeugenden Unterart Aspergillus glaucus; (A. fumigatus, niger und - flavus sind nur insofern pathogen, als sie sich zuweilen im Innern - des Tierkörpers, z. B. in der Lunge, ansiedeln; sog. Pneumomykosis). - - 3. +Penicillium glaucum+, der +Pinselschimmel+, ein sehr - verbreiteter, namentlich auf Brot parasitierender Schimmelpilz. - - 4. +Oidium lactis+, der +Milcheischimmel+, als schimmelartiger Anflug - auf saurer Milch vorkommend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch Schimmelpilze -kommen am häufigsten bei Pferden, ausserdem bei Rindern und -Schafen vor. Sie ereignen sich durch die Aufnahme verschimmelter -Futterstoffe: Hafer (sog. multeriger Hafer), Stroh, Heu, Häcksel, -Kleeheu, Brot, Mehl, Lupinen, Rapskuchen, Leinkuchen und sonstige -Oelkuchen, Rüben, Schlempe, Obst, Kürbisse. Während erfahrungsgemäss -verschimmelte Futterstoffe von vielen Tieren längere Zeit ohne -Schaden aufgenommen werden können und in Uebereinstimmung mit dieser -Erfahrung Fütterungsversuche mit verschimmelten Futterstoffen unter -Umständen negativ ausfallen, bedingen bei anderen Tieren Schimmelpilze -oft eine schwere, unter den Erscheinungen der +Gastroenteritis+ -oder einer charakteristischen Affektion der +Nervenzentren+ -verlaufende Vergiftung. Die genaueren Vorgänge bei der Giftwirkung -der Schimmelpilze sind nicht bekannt. Wahrscheinlich handelt es -sich um ein Toxin von scharf narkotischer Wirkung, welches von den -Schimmelpilzen auf den genannten Futterstoffen erzeugt wird. +Leber+ -hat in Kulturen von Aspergillus fumigatus und Penicillium glaucum -ähnliche entzündungserregende Toxine nachgewiesen, wie das von ihm in -den Kulturen der Eiterbakterien (Staphylokokken und Streptokokken) -gefundene +Phlogosin+. Je nach der Menge und Beschaffenheit dieses -Toxins, je nach dem Zustand der Magen- und Darmschleimhaut (gesund und -krank), sowie je nach der individuellen Prädisposition (Immunität!) -sind die Erscheinungen der Schimmelpilzvergiftung verschieden. -Eine physikalische Einwirkung der Schimmelpilze auf den Körper -(Einwanderung von Pilzen in die Blutbahn) ist nicht anzunehmen. - -Die wichtigsten Krankheitserscheinungen des +polymorphen+, -ungleichartigen Vergiftungsbildes sind in vielen Fällen folgende: -+Appetitlosigkeit+, +Kolik+, +Tympanitis+, +Verstopfung+, +Durchfall+, -+blutiger, schleimiger, oft sehr übelriechender Kot+; ausserdem -wurden Speicheln, Schlingbeschwerden, Aufstossen und Erbrechen (bei -Pferden), sowie ikterische Erscheinungen beobachtet. In anderen -Fällen beobachtet man, namentlich bei Pferden, nach der Verfütterung -von schimmligem multrigem Hafer eine hochgradige und anhaltende -+Polyurie+ (sog. Lauterstall); auch Erscheinungen der Nephritis und -Zystitis sind konstatiert worden. Nicht selten äussern sich ferner -die Schimmelpilzvergiftungen in +Schwindel+, +Schwanken+, +Taumeln+, -+Betäubung+, +dummkollerartigem Benehmen+, +Gefühllosigkeit+, -+Apathie+, +Lähmung der Gliedmassen+, +des Hinterteils+, +der Zunge+, -+Blase+, +der Ohren+, +der Retina+ (+Amaurosis+), +Umfallen+, sowie -+allgemeiner Körperlähmung+. Zuweilen werden jedoch auch zerebrale -Erregungserscheinungen beobachtet: Vorwärtsdrängen, Brüllen, -Bohren in die Wand, Zittern, Konvulsionen und selbst epileptiforme -Krampfanfälle. Ausserdem findet man starken +Schweissausbruch+, -unfühlbaren, sehr frequenten Puls, starke Injektion und rotbraune -Verfärbung der Konjunktiva, sowie rasch zunehmende Abmagerung. Diese -Verschiedenartigkeit des Krankheitsbildes lässt sich vielleicht in der -Weise erklären, dass die Schimmelpilze je nach den wechselnden äusseren -Verhältnissen (Temperatur, Nährboden, Alter und Entwicklungsstadium -des Pilzes) chemisch und physiologisch verschiedenartige giftige -Stoffwechselprodukte liefern. Der +Verlauf+ ist oft sehr akut, so -dass der Tod schon innerhalb 12-24 Stunden eintritt; in anderen -Fällen dauert die Krankheit mehrere Tage. Auch Nachkrankheiten, wie -Erblindung, lähmungsartige Schwäche, sowie angeblich auch Dämpfigkeit -(Lungenemphysem) können zurückbleiben. - -Die +Sektion+ ergibt umschriebene oder ausgebreitete -Schwellung, +Entzündung+, +Ekchymosierung+ und +Erosion+ der -+Magendarmschleimhaut+, Ansammlung von +Serum+ in den +Hirnventrikeln+ -und im +Arachnoidealsack+, +Hyperämie+ und +ödematöse Durchtränkung+ -des +Gehirns+ und +Rückenmarks+, blutige Flüssigkeit in der -Bauchhöhle, sowie zuweilen die Erscheinungen der Nephritis, Zystitis, -Peritonitis und akuten gelben Leberatrophie. In anderen Fällen ist der -Sektionsbefund +negativ+. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Schimmelpilzvergiftung besteht neben -dem Aussetzen der betreffenden Fütterung in der Verabreichung von -+Abführmitteln+. Wegen seiner gleichzeitig desinfizierenden Wirkung -gibt man bei Pferden besonders +Kalomel+. Ausserdem empfiehlt sich die -Verabreichung gärungswidriger Arzneimittel (+Kreolin+). Als chemisches -Antidot kann +Tannin+, +Tannoform+ und +Jod+ (Lugolsche Lösung) -versucht werden. Im übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+; -die Erscheinungen der Magendarmentzündung werden mit einhüllenden und -beruhigenden Mitteln (Leinsamenschleim mit Opium), die zerebralen -Lähmungserscheinungen mit +Exzitantien+ behandelt (Kampfer, Aether, -kohlensaures Ammonium, Veratrin). - - =Kasuistik.= Die Zahl der in der tierärztlichen +Literatur+ - verzeichneten Fälle von Schimmelpilzvergiftungen ist ausserordentlich - gross. Es mögen nur die nachstehenden klinischen Beobachtungen kurz - hier zusammengestellt sein. Zwei Pferde wurden 8 Tage lang täglich - mit je 6 Pfund schimmligem Brot gefüttert, welches einen bitteren, - etwas scharfen Nachgeschmack hatte. Nach Ablauf der Woche zeigten - sie Appetitlosigkeit, Kolik, starkes Zittern der Vordergliedmassen, - taumelnden Gang, Pupillenerweiterung, rotbraune Verfärbung der - Konjunktiva, unfühlbaren Puls und Kälte der extremitalen Teile. - Bei der Sektion wurde starker Meteorismus, sowie Ansammlung einer - grossen Menge blutiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorgefunden. - Die Blinddarmschleimhaut war stellenweise entzündet. Nach Eröffnung - der Schädelhöhle fand sich starke Vaskularisation der Pia, die - Gehirnsubstanz zeigte auf dem Durchschnitte zahlreiche schwarze - Punkte, das Rückenmark war erweicht (+Abadie+, Recueil 1882). -- 2 - Pferde hatten je 1 Pfund verschimmeltes, schwarz und orangefarben - angelaufenes Brot gefressen. Zuerst traten Kolikanfälle auf, die - 3-4 Minuten anhielten und sich alle ½ Stunde wiederholten. Dabei - wälzten sich die Tiere nicht, sondern bogen sich beim Gehen mit - dem Hinterteil nieder. Die Kolikanfälle dauerten die ganze Nacht. - Gegen Morgen schwankten die Tiere mit dem Hinterteil hin und her und - stützten den Kopf gegen die Wand, schliesslich konnten sie nicht mehr - stehen, sie zeigten Schwindel und fielen erschöpft nieder. Der Puls - war dabei klein und sehr frequent, es trat Schweissausbruch ein, die - Konjunktiva zeigte Petechien. Am Boden lagen die Tiere etwa ½ Stunde - wie tot, ohne Gefühl. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten - gegen die Wand, gerieten wieder in Schweiss und zeigten denselben - Anfall wie vorher. Unter Nachlassen der Anfälle erholten sich die - Tiere allmählich. Es bestand aber noch mehrere Tage starke Schwäche - im Hinterteil, welche vollständig erst nach Wochen verschwand - (+Perrin+, Recueil de méd. vét. 1881, S. 184). -- Pferde zeigten - nach der Verabreichung von schimmligem Hafer Appetitlosigkeit, - Kolik, Polyurie, Abmagerung, sowie nach einem Monat schwarzen Star - mit bleibender Erblindung (+Hugues+, Annal. de Bruxelles 1874). -- - +Hühnerbein+ (Preuss. Mitteil. 1877) beobachtete bei Pferden und - Rindern nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Speicheln, - Stomatitis und Abmagerung. -- +Bonnet+ (Repertorium 1875) sah - bei 22 Artilleriepferden nach der Aufnahme von schimmligem Heu - heftige Kolik, Magendarmentzündung, Nephritis, Zystitis, sowie - vereinzelt die Erscheinungen des Dummkollers; 3 Pferde starben. -- - +Morro+ (Berliner Archiv 1890) beobachtete bei Pferden, welche mit - grossen Mengen schimmligen Brotes gefüttert wurden, hohes Fieber, - starke Gehirndepression, Kolik, blutigen mit Schleim überzogenen - Kot, unterdrückte Futteraufnahme, Aufstossen und Erbrechen. Ein - Pferd vermochte sich kaum von der Stelle zu bewegen und ging - wie ein verschlagenes Pferd. Der Tod erfolgte nach 18stündiger - Krankheitsdauer. -- +Strittmaker+ (Bad. Mitteil. 1888) sah bei 3 - dreijährigen Fohlen nach der Aufnahme von schimmligem Mehl Kolik, - Durchfall und unfühlbaren Puls; am 4. Tage waren die Tiere wieder - genesen. -- +Kammerer+ (Bad. Mitt. 1871) berichtet über einen Fall - von Vergiftung durch schimmliges Kleeheu bei 7 Kühen, welche nach 3-6 - Tagen starben. Sie zeigten unterdrückte Futteraufnahme, Schäumen, - starke Rötung der Konjunktiva, zerebrale Erregungserscheinungen - (Bohren mit den Hörnern in die Wand), Betäubung, Umfallen, - epileptiforme Krämpfe und Konvulsionen. -- +Leistikow+ (Preuss. Mitt. - 1882) sah 9 Rinder nach der Verfütterung von schimmligen Rapskuchen - unter den Erscheinungen von heftiger Kolik, Tympanitis, Verstopfung, - Durchfall, Benommenheit und angestrengter Atmung erkranken; 4 - starben, bei der Sektion zeigte sich die Schleimhaut des Magens - und Darmes entzündet. -- +Jakobi+ (Preuss. Mitteil. 1879) sah 52 - Mutterschafe nach dem Genusse von schimmligem Heu unter ikterischen - Erscheinungen sterben; die Sektion ergab akute gelbe Leberatrophie. - -- +Köppke+ (Preuss. Mitteil. 1880) fand bei 11 Rindern nach dem - Genusse von schimmligem Buchweizenstroh Aufblähung, Steifheit - der Bewegung, sowie dünnflüssigen, schleimigen, blutigen Kot. -- - +Weigel+ (Sächs. Jahresber. 1880) sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme - von schimmligem Kürbis vermehrte Kaubewegung, Kolik, Tympanitis, - Brüllen, Zittern und Steifheit im Kreuze. -- +Van Vallendael+ (Belg. - Annal. 1888) berichtet über eine Vergiftung von 5 Kühen durch - verschimmeltes Malz. Sie zeigten vollständige Appetitlosigkeit, - Tympanitis, Verstopfung und später Durchfall, Kolik, Zittern, - Schwäche in der Nachhand, schwankenden Gang und beschleunigtes - Atmen. Nach der Verabreichung von Glaubersalz trat nach 5 Tagen - Genesung ein. -- +Esser+ (Berl. Arch. 1889) sah bei Rindern nach - der Verfütterung schimmliger Erdnusskuchen Tympanitis und heftigen - Durchfall. -- +Pikernig+ (Vet. journ. Bd. 27) sah eine Kuh nach der - Aufnahme von schimmligem Heu anhaltend erbrechen. -- Nach +Koch+ - (Repertorium 1889) erkrankte ein Pferd nach der Aufnahme von 4 Pfund - schimmligem Brot an Verstopfung und leichter Kolik, worauf Lähmung - der Nachhand mit sehr beschleunigtem (90 P.) und fast unfühlbarem - Puls hinzutrat. Die Sektion ergab Gastroenteritis. -- Rinder zeigten - nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Aufblähen, Kolik und - Durchfall (+Uebele+, ibid.). -- Schimmliger Hafer verursachte bei - einem Pferd allgemeine Schwäche, schwankenden Gang, Ikterus, sowie - gastrische Störungen (+Repiquet+, J. de Lyon 1890). -- Verschimmeltes - Brot hatte bei einem Pferd starke Benommenheit, Leibschmerzen, - Aufstossen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, sowie den Tod nach - 18 Stunden zur Folge (Berl. Arch. 1890). -- Nach der Verfütterung - schimmliger Leinkuchen zeigte ein Rind grosse Apathie, starkes - Speicheln, Schlingbeschwerden, und bei der Sektion die Erscheinungen - der Gastroenteritis (+Winter+, ibid.). -- 7 Stück Jungvieh erkrankten - nach der Fütterung schimmliger Malzkeime unter Lähmungserscheinungen; - die Tiere machten fortgesetzt vergebliche Versuche zum Aufstehen - (+Martin+, Woch. f. Tierhlkde. 1890). -- 5 Brauerpferde, welche - mit schimmeligem Hafer (Penicillium glaucum) gefüttert wurden, - zeigten, nachdem sie am Abend vorher noch regelrecht ihr Futter - verzehrt hatten, am darauffolgenden Morgen die Erscheinungen einer - schweren Muskelschwäche und Hinfälligkeit, so dass sie nicht - imstande waren, sich zu erheben, sondern gelähmt am Boden lagen. - Zu dieser allgemeinen Muskellähmung gesellten sich später gegen - das tödliche Ende hin Symptome von Herz- und Lungenlähmung. Die - Krankheitsdauer betrug durchschnittlich nicht mehr als 24 Stunden. - Merkwürdigerweise war während der ganzen Krankheitsdauer die Futter- - und Wasseraufnahme nicht gestört, auch liess sich bei keinem Pferde - eine fieberhafte Steigerung der Körpertemperatur nachweisen. Bei der - Sektion waren ausser einer Verfärbung des Blutes und der Muskulatur - krankhafte Veränderungen der inneren Organe nicht zu konstatieren; - es zeigten sich speziell Magen und Darm, Lunge, Leber, Milz und - Nieren in durchaus normalem Zustande (+Fröhner+, Monatshefte für - praktische Tierhlkde. IV. Bd. 1892). -- 4 Rinder zeigten nach - der Aufnahme verschimmelter Rüben vollständige Körperlähmung, - konnten sich nicht vom Boden erheben, knirschten mit den Zähnen - und zeigten gänzlich unterdrückte Wanstbewegung; die Sektion ergab - ein vollkommen negatives Resultat (+Marquard+, Bad. tierärztl. - Mitt. 1892). -- 9 Pferde erkrankten nach der Fütterung schimmligen - Kleeheus unter dummkollerartigen Erscheinungen, Dyspnoe und starkem - Schweissausbruch; eines derselben verendete nach 10 Stunden an - perakuter Gastroenteritis (+Herbst+, Woch. f. Tierhlkde. 1893). -- - +Mulotte+ (Deutsche tierärztl. Wochenschr. 1893) beobachtete bei - 10 Pferden vorübergehend das Auftreten von Kehlkopfpfeifen nach der - Verfütterung von stickig riechendem Kleeheu. -- +Berger+ (ibid.) - sah 2 Pferde nach der Verfütterung stark schimmligen Brotes (3 - Kilo) unter starkem Zittern, Dyspnoe, unsicherem Gang, Tympanitis - und Kolik erkranken. Ein besonders hochgradig krankes Pferd war - vollständig teilnahmslos und zeigte auffallend starkes Herzklopfen. - -- +Zippel+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1894) machte Fütterungsversuche bei - Hunden, Kaninchen, Ziegen und einem Pferde mit verschimmeltem Brot, - Kartoffeln und Kleie, sowie mit Schimmelkulturen. 2 Kaninchen gingen - unter Lähmungserscheinungen ein. Die übrigen Versuche fielen negativ - aus. -- Nach +Thary+ und +Lucet+ (Recueil 1895) hatte Aspergillus - fumigatus bei jungen Pferden eine influenzaähnliche Erkrankung zur - Folge. -- 3 Pferde erkrankten plötzlich unter Schweissausbruch, - starker Pupillenerweiterung, zunehmender Schwäche und schliesslich - Lähmung der Nachhand; die Sektion war durchaus negativ (+Lothes+, - Berl. Arch. 1896). -- 3 Schweine, welche verschimmelte Malzkeime - gefressen hatten, konnten sich am nächsten Morgen schwer erheben, - taumelten beim Gehen, stöhnten und stürzten hin. Ein ebenfalls - erkrankter Eber zeigte sich matt, frass nicht und taumelte stark beim - Gehen (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. 1897). -- Truthühner erkrankten - nach der Aufnahme von schimmligem Buchweizen (Aspergillus fumigatus) - seuchenhaft; sie zeigten Traurigkeit, Somnolenz, Schwäche, Diarrhöe, - Abmagerung, sowie Kachexie. Die Sektion ergab eine Peritonitis - aspergillosa in Form von Flecken, Knötchen und Kapseln auf dem - Bauchfell, welche reichlich Aspergillussporen enthielten (+Lignières+ - und +Petit+, Recueil 1898). -- 4 Schweine erkrankten nach der - Fütterung mit schimmligem Mehl unter Erscheinungen von Tympanitis - und Traurigsein (+Römer+, D. T. W. 1899). -- +Sickert+ (Berl. - Archiv 1898) sah bei Zugochsen nach der Verfütterung verschimmelten - Kraftfutters Verdauungsstörungen, Kolik, Diarrhöe, Blutharnen und - grosse Hinfälligkeit. -- +Arndt+ (ibid. 1899) beobachtete nach - der Fütterung sehr stark verschimmelter Hanfkuchen bei 12 Pferden - Beschwerden beim Kauen und Schlucken, Schlinglähmung, Zungenlähmung, - Schwäche und Lähmung im Hinterteil, sowie Tod nach 10-24 Stunden; - die Obduktion lieferte einen vollkommenen negativen Befund. -- - +Eggeling+ (Berl. Arch. 1900) sah in 3 Dörfern mit 8 Gehöften - zahlreiche Kühe nach der Verfütterung verschimmelter Malzkeime - erkranken. Die Tiere zeigten psychische Erregungserscheinungen, - Muskelzittern, klonische Krämpfe, Salivation, Appetitlosigkeit - und schnelle Abmagerung; später kamen Lähmungserscheinungen, - Unvermögen zu stehen und heftige Krämpfe mit Opisthotonus hinzu. - Bei mehreren Kühen trat der Tod nach 3-5tägiger Krankheitsdauer - ein. -- +Kovácz+ (Veterinarius 1900) beobachtete bei 26 Ochsen nach - der Verfütterung von schimmligem Wickenstroh hochgradige Schwäche, - Durchfall, Gelbfärbung der Schleimhäute, sowie hohes Fieber; nach - der Verabreichung von je 20 g Kreolin erholten sich, mit Ausnahme - von 2 Ochsen, sämtliche Tiere nach 3-4 Tagen. -- Im Kreise Herford - wurden nach der Verfütterung schimmliger Hafergarben allgemeine - Lähmungserscheinungen mit tödlichem Ausgang, im Kreise Hameln nach - der Verfütterung von schimmligem Heu bei Pferden Bronchitis und - später Dämpfigkeit beobachtet (Preuss. Vet.-Ber. 1900). -- Nach der - Verfütterung von schimmligem, in Ziegelsteingruben aufbewahrtem - Getreide zeigten mehrere Kühe (nicht alle!) grosse Abgeschlagenheit, - angestrengte Atmung, Verstopfung und Durchfall, schleimig-eitrigen - Nasenausfluss und Gehirnerscheinungen (Drängen mit dem Kopf gegen die - Wand); nach etwa 5 Tagen trat der Tod ein. Die Sektion ergab fleckige - Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut, Tracheitis und Bronchitis, - Lungenemphysem sowie Gehirnhyperämie (+Mayo+, Am. vet. rev. 1901). - -- Nach der Verfütterung von schimmligem Haferstroh verendeten 4 - Rinder, nachdem übelriechender Durchfall, Lähmung des Schlundkopfes, - Schwäche der Nachhand sowie allgemeines Sopor vorausgegangen waren - (Bild der Gebärparese); die Sektion ergab zahlreiche Hämorrhagien - und geschwürige Substanzverluste auf der Magendarmschleimhaut, - blutigen Darminhalt, Fettdegeneration der Leber, sowie Schwellung - der Lymphdrüsen (+Wiedenmayr+, Woch. f. Tierh. 1901). -- 72 Schafe - erkrankten nach Fütterung mit schimmliger Kleie, 61 starben an - Gastroenteritis, sie zeigten Depressionserscheinungen, Drängen nach - vorne und Lähmung. 4 Kühe starben gleichfalls an Gastroenteritis; - sie zeigten Schlinglähmung, Schlummersucht und allgemeine Lähmung - (+Hesse+, +Hoppe+, Preuss. Veter.-Bericht 1904). -- Nach der - Fütterung von 2 kg schimmligem Schwarzbrot (Mucor Mucedo) zeigte - eine Stute Kolik, Dyspnoe, Verstopfung, hohes Fieber, sowie - dummkollerartige Erscheinungen; erst nach 4 Wochen konnte durch - entsprechende Behandlung (Laxantien) Heilung erzielt werden (+Motz+, - Bad. Mitt. 1905). -- 2 Pferde starben innerhalb 24 Stunden nach - der Fütterung von schimmligem Häcksel unter Kolikerscheinungen, - angestrengter Atmung, Verstopfung und Durchfall, Schlafsucht und - allgemeiner Lähmung; die Sektion ergab Darm- und Bauchfellentzündung, - Leberschwellung und lackfarbiges Blut (+Kränzle+, Woch. f. Tierh. - 1908). Weitere Fälle von Vergiftung durch Schimmelpilze finden sich - im Preuss. Vet.-Ber. pro 1907. -- Nach +Sturli+ (Wien. klin. Woch. - 1908) erzeugt der alkoholische Extrakt von Penicillium glaucum bei - Kaninchen Krämpfe. - - -Vergiftung durch Brandpilze. - - =Botanisches.= Die Brandpilze (Ustilagineen) wirken in folgenden - Gattungen giftig: - - I. +Tilletia Caries+, der +Steinbrand+, +Schmierbrand+ oder - +Stinkbrand+ des Weizens und Dinkels. Die Sporen besitzen - eine kugelige Form, blassbraune Farbe, sowie eine netzartige - Oberflächenzeichnung. Die damit befallenen Weizen- und Dinkelähren - produzieren leichte, kurze, gedunsene Körner mit graubrauner, dünner - Schale und schmierigem oder pulverigem, nach Heringslake riechendem - Inhalt (Sporen). - - II. +Ustilago.+ von toxikologischer Bedeutung sind: 1. +Ustilago - Carbo+, der +Staubbrand+, +Flugbrand+, +Russbrand+ des Weizens, - Hafers, der Gerste und der Wiesengräser, welcher in Form einer - schwarzen, geruchlosen, pulverigen Staubmasse die Aehren und Gräser - befällt. Seine Sporen sind ebenfalls kugelrund und braun, besitzen - aber im Gegensatz zu den Sporen von Tilletia Caries eine glatte - Oberfläche und geringere Grösse (halb so gross). 2. +Ustilago - maïdis+, der +Maisbrand+ oder +Beulenbrand+, welcher streifen- - oder beulenförmige Auftreibungen von anfangs weisser, später - schwarzgrauer Farbe an den Stengeln, Blättern und Blüten des Maises - hervorruft, deren Inhalt eine schwarze, schmierige oder pulverige - Masse bildet. Die Sporen sind braun, kugelig, halb so gross wie - Tilletia Caries und besitzen eine schwach stachelige Oberfläche. 3. - +Ustilago longissima+, befällt Glyceria (Poa) aquatica (Süssgras, - Wasserschwaden) und bildet hellbraune, mit braungrünem Pulver - gefüllte Streifen. Die Sporen sind unregelmässig rund, blassbraun, - glatt und etwa nur ¼ so gross wie die von Tilletia Caries. 4. - +Ustilago echinata+ kommt auf Phalaris arundinacea (Schilf) vor. - Auch auf dem Schilfgras (Phragmites communis, Phalaris arundinacea) - siedeln sich Brandpilze an. - - -=Krankheitsbild.= Von den oben genannten Brandpilzen ist weitaus -am giftigsten und gefährlichsten der Schmier- oder Stinkbrand des -Weizens und Dinkels, +Tilletia Caries+. Vergiftungen sind namentlich -bei Rindern, aber auch bei Schafen und Pferden (Müllerpferden) sowie -Schweinen nach dem Verfüttern der brandigen Dinkelspreu beobachtet -worden. In Bayern wurden Vergiftungen namentlich unter dem Vieh -der Abdecker beobachtet (sog. Wasenmeisterkrankheit). Auch bei den -Brandpilzen hat man, ähnlich wie bei den Schimmelpilzen, vielfach -die Erfahrung gemacht, dass sie von den Haustieren längere Zeit ohne -Schaden aufgenommen werden können. In Uebereinstimmung damit sind -Fütterungsversuche bei gesunden Tieren (vergl. unten) teils negativ -ausgefallen, teils haben sie eine relativ geringe Wirkung ergeben. -Diese Beobachtungen berechtigen jedoch nicht zu der allgemeinen -Schlussfolgerung, dass die Brandpilze wenig oder gar nicht giftig -sind. Vielmehr ist die Giftigkeit der Brandpilze ähnlich wie die -der Schimmelpilze offenbar nach den äusseren und inneren Umständen -sehr verschieden (Entwicklungsformen der Pilze, Menge, Nährboden; -Beschaffenheit der Magen- und Darmschleimhaut, individuelle -Disposition, Immunität). Wie bei den Schimmelpilzen handelt es sich -nicht um ein physikalisches Eindringen der Sporen ins Blut, sondern -um die Bildung eines Toxins. Dieses Toxin der Brandpilze äussert -neben einer reizenden Wirkung auf die Schleimhäute vor allem eine -+lähmende Wirkung auf das Schlingzentrum und das Rückenmark+. Die -Krankheitserscheinungen sind folgende. Die Tiere zeigen infolge Lähmung -des Schlundkopfes und Schlundes sowie der Zunge +Speichelfluss+ und -+anhaltende Kaubewegungen+. Ausserdem beobachtet man bei meist völlig -freier Psyche +Schwäche und Schwanken beim Gehen+, +Taumeln+, +Umfallen -und vollständige motorische und sensible Lähmung, wobei die Tiere -hilflos am Boden liegen+. In anderen Fällen treten die Erscheinungen -einer entzündlichen Reizung der Schleimhäute in den Vordergrund. Die -Tiere zeigen dann +Verstopfung+, +Durchfall+, Drängen auf den Kot und -Harn, +Scheidenausfluss+, +Schwellung der Augenlider+, Tränenfluss, -erschwerte Atmung sowie die Erscheinungen eines +Katarrhes der oberen -Luftwege+. Endlich kann bei trächtigen Tieren +Abortus+ eintreten. - - -=Sektionsbefund.= Die +Sektion+ bietet in manchen Fällen einen durchaus -+negativen+ oder nur wenig charakteristischen Befund. In anderen -Fällen findet man, insbesonders beim Rind, entzündliche Veränderungen -der Magendarmschleimhaut. Namentlich die +Labmagenschleimhaut+ ist -zuweilen +gerötet+, +entzündlich geschwollen+ und mit +Erosionen+ und -+hämorrhagischen Herden+ bedeckt. Im Dünndarm findet man häufig eine -strichartige, russige Verfärbung der Schleimhaut (sog. +Aalhaut+). -In der Bauchhöhle hat man ferner in einzelnen Fällen eine Ansammlung -blutiger Flüssigkeit angetroffen. Endlich hat man zuweilen Rötung und -Entzündung der Maulschleimhaut, Rachenschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf-, -Bronchial-, Tracheal- und Scheidenschleimhaut beobachtet, wodurch -der Krankheitsbefund eine gewisse Aehnlichkeit mit Rinderpest bot. --- Die +Behandlung+ der Brandpilzvergiftung ist dieselbe wie bei der -Schimmelpilzvergiftung. - - =Kasuistik.= +Albrecht+ (Landwirtschaftliches Zentralblatt für - den Netzedistrikt 1868) beobachtete bei 8 Rindern nach der - Verfütterung brandiger Spreu eine rinderpestähnliche Erkrankung, - deren Haupterscheinungen in anhaltendem Kauen und Speicheln, - Kreuzschwäche, allgemeiner Gefühllosigkeit, Tränenfluss, - Lidschwellung, angestrengtem Atmen, Durchfall, Drängen auf den Kot - und Harn, sowie Sehnenhüpfen der Halsmuskeln bestanden. Im Verlaufe - von 3 Tagen starben 3 Rinder. Bei 2 derselben ergab die Sektion - wenig charakteristische Erscheinungen, indem nur eine Rötung der - Digestionsschleimhaut nachzuweisen war. Im 3. Falle waren dagegen - entzündliche Schwellung der Magendarmschleimhaut, Erosionen und - Hämorrhagien im Labmagen und Dünndarm sowie strichartige, russige - Verfärbung der Darmschleimhaut („Aalhaut“) nachzuweisen. Zwei - Pferde erkrankten unter ähnlichen Erscheinungen. Eine ältere - Kuh, welcher versuchsweise der aus der Spreu erhaltene schwarze - Staub gefüttert wurde, erkrankte am 2. Tag an Kreuzschwäche - und zeigte am 3. Tag Schwanken, Umfallen, Eingenommenheit und - Speichelfluss. -- +Adam+, +Koch+ und +Herele+ (Adams Wochenschr. - 1876-1878) konstatierten ebenfalls bei Rindern und Schafen eine - rinderpestartige Erkrankung nach der Aufnahme brandiger Dinkelspreu. - Die Erscheinungen bestanden in andauerndem Speichelfluss, Kauen, - Verstopfung, Drängen auf den Kot, Tränenfluss, Scheidenausfluss, - Lähmung des Schlingapparates, sowie Paralyse des Hinterteils. Der - Tod erfolgte nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Bei der Sektion - fand man Rötung der Magendarmschleimhaut, entzündliche Schwellung, - Ekchymosen, Erosionen im Labmagen, im Dünndarm eine sog. Aalhaut, - in der Bauchhöhle blutige Flüssigkeit, ausserdem Entzündung der - Respirationsschleimhaut, sowie der Schleimhaut der Maulhöhle, der - Nasenhöhle und Scheide. -- +Vogel+ (Repertor. 1879) beobachtete - bei 4 Müllerpferden nach der Verfütterung brandiger Dinkelspreu im - wesentlichen nur die Erscheinungen einer allgemeinen Körperlähmung - bei freier Psyche; die Tiere lagen gelähmt am Boden, unfähig sich - zu erheben. Ausserdem zeigten dieselben Schlinglähmung. Die längste - Krankheitsdauer betrug 9 Tage. Bei der Sektion fand man mit Ausnahme - der sog. Aalhaut im Dünndarm nichts Charakteristisches. -- +Berndt+ - (Ad. Woch. 1880) sah bei Schweinen eiterige Bronchitis, entzündliche - Rötung der Magenschleimhaut, Erosionen und entzündliche Schwellung - der Dünndarmschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf- und Trachealschleimhaut. - -- +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), +Haselbach+ (Magazin - 1860) und +Bertsche+ (Landwirtschaftl. Tierzucht 1885) beobachteten - bei mehreren Rindern nach der Verfütterung von Tilletia und Ustilago - Maïdis Abortus, welcher auch nach der Verfütterung von Phalaris - arundinacea vorkommen soll (Ustilago echinata). -- +Wankmüller+ (Ad. - Wochenschr. 1884) sah nach Aufnahme von Russbrand Speichelfluss, - Zungenlähmung, unterdrückte Peristaltik, Kolik, Durchfall, Mydriasis, - vermehrte Tränensekretion, Koma und Tod nach 15-18 Stunden. Die - Sektion ergab Entzündung des Schlundes und Kehlkopfes, umschriebene - Rötung im Dünn- und Dickdarm sowie seröse Durchfeuchtung des - Gehirns. -- +Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1877) hat nach der Aufnahme - von Wasserschwaden (Glyceria = Poa aquatica), welcher mit Ustilago - longissima besetzt war, beim Rind plötzliches Aufhören im Fressen, - Schlinglähmung, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen sich zu - erheben, Zähneknirschen und Herzklopfen beobachtet. -- +Rost+ - (Sächs. Jahresber. 1889) sah innerhalb weniger Tage zahlreiche Kühe - erkranken, welche mit befallener (Tilletia Caries) Weizenspreu - gefüttert worden waren. Sie zeigten Mattigkeit, Schläfrigkeit, - schwere Beweglichkeit oder Unvermögen aufzustehen. -- +Neidhardt+ - (Woch. f. Tierheilkunde 1890) beobachtete bei Rindern Zittern, - Schlingbeschwerden, Geifern, Husten, Schwäche und Lähmung der - Nachhand, rapide Abmagerung, anfangs Verstopfung, später Durchfall. - Der Tod trat nach 2-7 Tagen ein. -- +Hohenleitner+ (ibid.) sah - bei seinem eigenen Pferde nach der Verfütterung von brandiger - Kleie auffallendes Schwanken der Nachhand. -- +Eckmeyer+ (ibid. - 1891) sah bei Rindern heftige Kolik, Speichelfluss, Durchfall - und Polyurie sowie Abortus. -- Nach +Voss+ (Berl. Arch. 1892) - erkrankten 5 Pferde nach dem Genuss von brandigem Weizenkaff unter - Verdauungsstörungen, Harndrang, Pupillenerweiterung und Schwäche der - Nachhand. -- +Kögl+ (Woch. f. Tierheilkunde 1897) sah bei 2 Kühen - heftigen Speichelfluss mit andauernden Kaubewegungen, Schlinglähmung - sowie Lähmung des Hinterteils; der Sektionsbefund war negativ. -- - +Grossmann+ (Veterinarius 1899) sah 25 Schafe nach dem Fressen von - Maisfruchtstielen erkranken, welche reichlich mit Brandsporen von - Ustilago maïdis besetzt waren. Sie zeigten grosse Hinfälligkeit; - 19 Schafe starben; bei der Sektion fanden sich Erosionen im Magen - und Darm. -- In verschiedenen Dörfern Sigmaringens erkrankten - mehrere Pferde nach dem Verfüttern von Spelzen, die mit Brandpilzen - (Tilletia und Ustilago Carbo) befallen waren. Die Pferde zeigten - verminderte Fresslust, Schwanken und Taumeln und konnten sich ohne - Hilfe nicht erheben. In gerader Richtung gingen sie gut, sobald - aber Seitwärtsbewegungen ausgeführt wurden, fielen sie um (Preuss. - Veterinärber. 1900). -- Nach der Fütterung von brandigem Mais starben - angeblich 3 Hirsche sowie zahlreiche Pferde, die letzteren, nachdem - Kolik, Verstopfung, blutiger Durchfall, Schweissausbruch, Schwanken - und Taumeln vorausgegangen waren; die Sektion ergab das Vorhandensein - von Gastroenteritis (+Nessl+, Tierärztl. Zentralbl. 1907). -- Der - im Gestüt Beberbeck im Jahr 1907 aufgetretene seuchenartige Abortus - ist wahrscheinlich durch Brandpilze veranlasst worden; der Weizen - war nämlich in diesem Jahr stark mit Brandpilzen befallen; ausserdem - zeigten die Weidegräser viel Rostpilze (+Mieckley+, Zeitschr. f. - Gestütkunde 1908). -- Gänse starben nach der Aufnahme von brandiger - Kleie an korrosiver Magendarmentzündung (+Spitzer+, Preuss. - Veterinärber. pro 1907). - - - =Fütterungsversuche.= +Pusch+ (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1893) - hält auf Grund von Fütterungsversuchen mit brandigem Weizen (Tilletia - Caries) bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen im - Gegensatz zu den in der Literatur enthaltenen positiven Beobachtungen - die Giftigkeit des Stinkbrands nicht für erheblich. Die Versuchstiere - ertrugen verhältnismässig sehr grosse Mengen von brandigem Futter - ohne wesentliche Nachteile. Nur bei einzelnen Tieren trat Durchfall, - bei andern übelriechender Kot sowie Appetitsverstimmung auf. Die - subkutane Injektion von Sporenextrakten sowie die Inhalation von - Sporen rief keinerlei Krankheitserscheinungen hervor. Dagegen trat - bei 6 tragenden Meerschweinchen Verkalben auf. Mäuse, Sperlinge und - ein Hahn starben an einer schweren hämorrhagischen Gastroenteritis. - Auch +Albrecht+ (Münch. Jahresber. 1894/95) ist auf Grund von - Fütterungsversuchen bei trächtigen Ziegen und Schafen zu der Ansicht - gekommen, dass selbst viel grössere Mengen von Tilletia Caries, als - unter gewöhnlichen Verhältnissen zur Verfütterung kommen, Abortus - nicht hervorrufen, überhaupt den Gesundheitszustand in keiner - Weise beeinträchtigen. Ein ähnliches negatives Resultat ergaben - Fütterungsversuche mit brandigem Weizen (Ustilago maïdis) bei - trächtigen Schafen, Ziegen und Hündinnen (Woch. f. Tierh. 1902). - +Appel+ und +Koske+ (Versuche über die Wirkung einiger als schädlich - verdächtiger Futtermittel. Arb. a. d. Kais. biol. Anstalt für Land- - und Forstwirtschaft 1907) stellten Fütterungsversuche mit dem - Steinbrand des Weizens (Tilletia tritici) bei Schweinen und beim - Geflügel an. Gesunde Schweine erkrankten nicht, auch wenn grosse - Mengen von Steinbrandsporen dem Futter beigemengt wurden, ebenfalls - nicht Hühner und Tauben. Sie sind der Meinung, dass in den Fällen - einer ungünstigen Futterwirkung der Nachweis von Brandsporen nicht - als eine genügende Erklärung für die Schädlichkeit eines solchen - Futters angesehen werden könne (?). - - -Vergiftung durch Rostpilze. - - =Botanisches.= Von den Rostpilzen (Uredineen) sind nachstehende - Gattungen von toxikologischer Bedeutung: - - I. +Puccinia+ und zwar: 1. +Puccinia Graminis+, der +gemeine Gras-+ - oder +Getreiderost+, erzeugt rostgelbe Flecken an den Blättern des - Roggens, Weizens, Hafers, der Gerste, von Triticum repens, Agrostis - vulgaris, Lolium perenne. 2. +Puccinia Straminis+, der +Strohrost+, - bildet schwarze Flecken auf Roggen-, Weizen-, Gerstenstroh, Hordeum - murinum. 3. +Puccinia coronata+, der +Kronenrost+, schwärzliche - Flecken auf Hafer und Alopecurus pratensis bildend. 4. +Puccinia - arundinacea+, auf den Blättern und Halmen des gemeinen Schilfrohrs, - Phragmites communis, in Form schwarzer, länglicher Flecken - vegetierend. - - II. +Uromyces+, der +Leguminosenrost+, namentlich auf schwedischem - Klee (Trifolium hybridum) in Form kleiner, schwarzer Punkte als - Uromyces apiculatus parasitierend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch Rostpilze -ereignen sich bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach -der Verfütterung von rostigem Grünfutter, Heu, Stroh, Schilfgras -(Phragmites communis) und schwedischem Klee (Trifolium hybridum). -Das Krankheitsbild scheint je nach dem Entwicklungszustand der -betreffenden Rostpilze (Uredosporen -- Teleutosporen) sowie nach der -individuellen Disposition der einzelnen Tiere verschieden zu sein. Die -Rostpilze wirken nämlich bald +entzündungserregend+ auf +Haut+ und -+Schleimhäute+, bald +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Von den -Schimmelpilzen und Sprosspilzen unterscheiden sich die Rostpilze durch -eine stärkere, auch auf die äussere Haut sich erstreckende, reizende -Lokalwirkung (Dermatitis). - -Die wichtigsten Krankheitserscheinungen der Rostpilzvergiftung -sind: +Rötung+, +Schwellung und Entzündung der Haut+, +der Lippen+, -+Backen+, +der Lider+, +des Kopfes+, +Urtikaria über den ganzen -Körper+, +starker Juckreiz+, +Konjunktivitis+, +Tränen+. Dieselben -Entzündungserscheinungen bilden sich auf der Digestionsschleimhaut. -Die Tiere +speicheln+ anhaltend und intensiv infolge einer -+Stomatitis+, +Glossitis+ und +Pharyngitis+ (Verwechslung mit Maul- und -Klauenseuche; sog. sporadische Aphthen), zeigen +Kolikerscheinungen+, -+ruhrartigen+ und selbst +blutigen Durchfall+, sowie als Symptom einer -gleichzeitig bestehenden Nephritis +Hämaturie+. In manchen Fällen -soll bei Pferden auch +Hämoglobinurie+ beobachtet worden sein. Die -Allgemeinerscheinungen bestehen in +Schwanken+, grosser Schwäche und -Hinfälligkeit, +Lähmung des Hinterteils+, Zusammenbrechen, Unvermögen -aufzustehen, +Blasenlähmung+, +Abortus+, +Benommenheit des Sensoriums+, -+Somnolenz+, Zähneknirschen, pochendem Herzschlag, Temperaturerhöhung -etc. Der Verlauf ist zuweilen sehr akut, so dass der Tod schon -innerhalb weniger Stunden eintreten kann. In einzelnen Fällen hat man -endlich ikterische Erscheinungen beobachtet. - -Bei der +Sektion+ findet man neben den beschriebenen Veränderungen auf -der Haut +hämorrhagische Gastroenteritis+, +Nephritis+ und +Zystitis+, -Rötung und Schwellung der Scheiden- und Mastdarmschleimhaut, sowie -Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -- Die +Behandlung+ ist dieselbe -wie bei der Schimmelpilzvergiftung. - - -=Kleekrankheit.= Die bei den Pferden zuweilen in grösserer -Verbreitung, seltener bei Rindern vorkommende sog. Kleekrankheit, -welche nach der ausschliesslichen Fütterung von schwedischem Klee -(+Trifolium hybridum+) beobachtet wird, ist wahrscheinlich ebenfalls -durch Rostpilze, und zwar durch +Uromyces apiculatus+ bedingt. Die -Erscheinungen dieser Krankheit bestehen in einer Anschwellung des -Vorkopfes nebst einer hochgradigen +Stomatitis+, welche sich durch -intensives Speicheln äussert und wobei sich Geschwüre bilden. Aehnliche -Veränderungen beobachtet man auch auf den mit +weissen Abzeichen -versehenen Hautstellen des Kopfes und der Gliedmassen+ (Blässe, -weisse Fessel). Es entstehen hier gelbliche, an einzelnen Stellen mit -Blasen besetzte und allmählich durch Mumifikation sich abstossende -Flecke, welche sehr schmerzhaft sind (ähnliche Prozesse werden auch -bei der Lupinose beobachtet). Die lupinoseähnlichen allgemeinen -Krankheitserscheinungen nach ausschliesslicher Kleefütterung äussern -sich in +ikterischer+ Verfärbung der Maulschleimhaut und Konjunktiva, -+Kolikanfällen+, +hochgradiger Mattigkeit+ und +Schlafsucht+ neben -+nervöser Aufregung+ (Zuckungen, Raserei, epileptiforme Zufälle), -+Schwanken+, +Taumeln+, +Lähmungserscheinungen+ (Amaurosis, Schlund- -und halbseitige Lähmungen). Die letztgenannten Erscheinungen haben -grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbild der Gehirnentzündung des -Pferdes. Genaueres über die Kleekrankheit ist in dem Lehrbuch der -speziellen Pathologie von +Friedberger+ und +mir+ zu finden (7. Aufl. -1908, I. Bd.). - - =Kasuistik.= +Schmidgen+ (Sächs. Jahresber. 1876) beobachtete bei - 60 Pferden einer Kaserne, welche rostiges Stroh erhalten hatten, - schmerzhafte Anschwellungen am Kopf, namentlich an den Lippen, - Backen und Lidern, bei einzelnen ferner Urtikaria über den ganzen - Körper mit starkem Juckreiz, ausserdem Appetitlosigkeit, leichte - Kolik, Durchfall, schmerzhaften Husten und Schweissausbruch. - - +Stöhr+ (Preuss. Mitteil., N. F. I) sah bei zwei Pferden, welche - stark rostiges Roggenstrohhäcksel erhalten hatten, leichten - Durchfall, vollständige Lähmung des Hinterteils, Krämpfe, - sowie nach 5-24 Stunden Tod. -- +Bluhm+ (ibid., Jahrgang 22) - sah nach der Verfütterung rostiger Hafergarben anginaähnliche - Erscheinungen. Gleichzeitig stellten sich bei den dreschenden - Arbeitern Anschwellungen der Kopfschleimhäute ein. -- +Rosenbaum+, - +Haarstick+ und +Friebe+ (Preuss. Mitteil., Bd. 26; N. F. 3 und 6) - beobachteten nach der Fütterung von rostigem Schilfgras entzündliche - Schwellung der Maul-, Nasen- und Augenschleimhaut, Speicheln, Kolik, - Verstopfung, blutigen Durchfall, Hämaturie, Schwäche, Hinfälligkeit, - Lähmung des Hinterteils, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Bei der - Sektion fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nierenentzündung, - Blasenentzündung, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -- - +Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1878 und 1885) sah bei Rindern nach der - Aufnahme von rostigem Schilf Schwanken, Umfallen, unwillkürlichen - Harnabgang, Zähneknirschen, pochenden Herzschlag; in einem Falle - erkrankten 80 Rinder, von welchen 12 innerhalb 1-1½ Stunden unter - allgemeinen Lähmungserscheinungen starben. Bei der Sektion fand man - Rötung der Labmagenschleimhaut, der Konjunktival-, Scheiden- und - Mastdarmschleimhaut, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. - -- +Plättner+ (Zeitschrift für Veterinärkunde 1893) beschreibt - bei Pferden eine akute tödliche Vergiftung nach der Aufnahme von - mit Rostpilzen befallenem Futter, deren Erscheinungen in leichter - Kolik, Appetitlosigkeit, Harnbeschwerden, Schwanken und allgemeiner - Lähmung bestanden. -- +Wienke+ (Berl. Archiv 1893, S. 311) - beobachtete in einem Rindviehbestande nach der Verfütterung von - Haferstroh, welches stark mit Rostpilzen besetzt war, Speichelfluss, - Rötung und Schwellung der Maulschleimhaut, steife Bewegung sowie - Hinfälligkeit; alle Tiere genasen nach dem Aussetzen des Futters. - -- +Lameris+ u. +Poels+ (Holländ. Jahresber. 1889) beschreiben - eine in Südholland alljährlich grassierende Rindviehkrankheit, - welche daselbst grosse Verluste verursachte, und führen dieselbe - auf eine Vergiftung durch Puccinia und Ustilagopilze zurück. Die - Krankheit beginnt mit klonischen Krämpfen und Hyperästhesie, worauf - Depression, Sopor, Anästhesie und Lähmung folgt. Der Verlauf ist - bald perakut (wenige Minuten bis 2 Stunden), bald akut (2 Stunden - bis 1 Tag), bald subakut (2-7 Tage). -- +Grischin+ (Petersb. - Archiv 1887) beobachtete seuchenartigen Abortus und Sterben der - Kälber infolge Fütterung der Kühe mit Haferstroh, das stark mit - Rostpilzen befallen war. -- +Bauer+ (Wochenschr. f. Tierh. 1890) - sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme von rostigem Weizen und Hafer - Speicheln, Schlingbeschwerden, Schlinglähmung sowie allgemeine, - an das Bild des Kalbefiebers erinnernde Lähmung mit schlafartigem - Zustande. Die Kühe verendeten nach 8tägiger Krankheit. -- +Johow+ - (Berl. Arch. 1897) beobachtete nach der Verfütterung von rostigem - Stroh und Kleeheu bei Rindern Lähmung der Zunge, des Schlundkopfes - und der Gliedmassen. -- +Ostermann+ (B. t. W. 1895) beschreibt - eine Vergiftung durch Uromyces viciae (Wickenrost) bei einem - Rinde. Dieselbe äusserte sich hauptsächlich in Lähmung der Kau- - und Schlingmuskeln. -- +Vogel+ (D. t. W. 1893) behandelte eine - durch Uromyces verursachte Massenerkrankung von Kühen, bei der - ausser einer hämorrhagischen Gastroenteritis papulöse und eiternde - Exantheme auf der Haut, Bindehaut und Schleimhaut die Hauptrolle - spielen. -- +Hahn+ (Preuss. Mitteil., N. F. IV. Jahrg.) sah bei 12 - Sauglämmern einer Herde, die auf Lupinen und Kleestoppel gehütet - wurde, rings um die Maulöffnung an beiden Lippenflächen Pusteln, - mit gelbweissem Inhalt sowie Schorfe; in der Maulhöhle, namentlich - am Zahnrand des Unterkiefers, waren granulierende Geschwüre - vorhanden. Andere Lämmer zeigten einen Knötchenausschlag auf der - Haut. Bei den Mutterschafen waren vereinzelt am Euter Pusteln - wahrzunehmen. Mit dem Einstellen des Weidegangs verschwand die - Erkrankung. -- +Szilasci+ (B. t. W. 1908) beobachtete in einem - Halbblutgestüt von 100 Pferden toxische Hämoglobinurie nach dem - Weiden auf einer Kleeweide, die stark mit Rostpilzen (Uromyces - Trifolii) befallen war. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Verstopfung, Durchfall, blutigen Kot, Hämoglobinurie (?), Anämie, - leichtem Ikterus und mässigem Fieber. Trypanosomen im Blute fehlten. - -- +M. Müller+ (ibid.) berichtet über seuchenartiges Auftreten - von Rostpilzvergiftungen bei Pferden, Rindern und Schafen in - Elsass-Lothringen. Die Pferde zeigten Lähmung der Nachhand bei - feinem Sensorium; das Krankheitsbild bei Rindern erinnert teils - an Maul- und Klauenseuche, teils an Gebärparese: Lähmung, starkes - Speicheln (Schlundkopflähmung); der Sektionsbefund war völlig - negativ. -- +Trattner+ (D. t. W. 1909) sah bei 54 Artilleriepferden - nach der Aufnahme von stark befallenem Stroh (Puccinia graminis) die - Erscheinungen der Stomatitis und Dermatitis (Lippen, Nase) auftreten. - - - =Kleekrankheit.= 5 Pferde erhielten längere Zeit hindurch - ausschliesslich blühenden schwedischen Klee (Trifolium hybridum). - 3 ältere Pferde erkrankten hierauf schwer, während 2 Fohlen gesund - blieben. Die Pferde standen schlafsüchtig, mit hängenden Köpfen - auf der Wiese, nahmen zeitweise ein Maul voll Gras, ohne es - abzuschlucken, und zeigten ein ähnliches Bild wie bei der subakuten - Gehirnentzündung. Die Schleimhäute des Maules und Auges waren - zitronengelb gefärbt. Auf der Maulschleimhaut zeigten sich grosse - Epitheldefekte. Der Gang war schwankend, taumelnd. Ausserdem bestand - wässeriger Durchfall, und die Tiere waren ausserordentlich schwach - und abgemagert. Ein Pferd starb am 3. Tage plötzlich; die beiden - andern erholten sich später (+Michael+, Sächs. Jahresber. 1898). -- - Nach der Verfütterung von schwedischem Klee starben zwei Pferde. - Sie zeigten Appetitlosigkeit, Gehirndepression, taumelnden Gang, - orangerote Verfärbung der Bindehaut, häufiges Urinieren, Kolik, sowie - Nekrose kleiner Schleimhautpartien der Zunge. Ein anderes Pferd - zeigte allgemeine Lähmung, Schlinglähmung und Koma (+Kleine+, Preuss. - Vet.-Ber. 1904). - - -Vergiftung durch Kernpilze. - - =Botanisches.= Von den Kernpilzen (Pyrenomyzeten) ist die wichtigste - Gattung, Claviceps purpurea, bereits in einem besonderen Kapitel - (Mutterkornvergiftung) besprochen worden. Sonstige pathogene - Kernpilze sind: 1. +Polydesmus exitiosus+, der +Rapsverderber+ - (Sporidesmium exitiosum), schwarzgraue oder schwarzbraune Flecken auf - den grünen Teilen des Rapses bildend. 2. +Polythrincium Trifolii+ - (Sphaera Trifolii), die Ursache des Schwarzwerdens des Klees. 3. - +Epichloë typhina+ (Polystigma typhinum), auf verschiedenen Grasarten - parasitierend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Kernpilze besitzen eine -ähnliche +entzündungserregende+ Wirkung auf +Haut+ und +Schleimhäute+ -wie die Rostpilze. Das Krankheitsbild hat infolgedessen beim Rind oft -grosse Aehnlichkeit mit dem der Maul- und Klauenseuche. Sie wirken -ferner +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Die wichtigsten -Krankheitserscheinungen sind: +Stomatitis+, +Pharyngitis+, +Rhinitis+, -+Konjunktivitis+, +Dermatitis+, +Gastritis+, +Enteritis+, +Schwanken+, -+Kreuzschwäche+, +allgemeine Lähmung+. - -Einen Fall von Vergiftung bei Lämmern nach der Aufnahme von Rapskuchen, -welche stark mit Polydesmus exitiosus durchsetzt waren, hat +Berndt+ -(Berliner Archiv 1887) beschrieben. Die Krankheitserscheinungen -bestanden im wesentlichen in einer letal verlaufenden Stomatitis und -Rhinitis ulcerosa. Die Maul- und Nasenschleimhaut zeigten Erosionen; -zwischen den Epithelzellen liessen sich Fäden und Sporen des -Rapsverderbers mikroskopisch nachweisen. Die Tiere starben unter den -Erscheinungen von Mattigkeit, Schwanken und erschwerter Respiration. -Nach +Brümmer+ (Der Tierfreund 1879) erkrankten 16 Kühe, welche auf -Rapsstoppelfeldern weideten, unter den Erscheinungen der Maul- und -Klauenseuche. Sie zeigten Stomatitis, Dermatitis am Klauenspalt und -Euter, Rhinitis und Konjunktivitis. Auch 4 Pferde sowie mehrere -Versuchskälber und Versuchsferkel zeigten die Erscheinungen der -Stomatitis. Die Ursache der Erkrankung liegt nach +Brümmer+ in der -Keimung und Ansiedlung der Sporen des Kernpilzes auf den Schleimhäuten -und auf der Haut. +Roloff+ (Preuss. Mitteil. XIX) beobachtete bei -einer grösseren Schafherde, welche bei Sonnenschein auf einem -Rapsfelde weidete, heftige Stomatitis, Anschwellung der Lippen, sowie -Konjunktivitis. Ueber eine Vergiftung durch Polythrincium Trifolii hat -+Weber+ (Sächs. Jahresber., Bd. IX) berichtet: 5 Kühe zeigten plötzlich -Kolik, Schwanken, sowie vollständige Lähmung des Hinterteils; 4 mussten -geschlachtet werden, die fünfte genas, zeigte aber noch mehrere Wochen -hindurch Kreuzschwäche und schwankenden Gang. Bei der Sektion der -übrigen fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nephritis, Hyperämie -der Rückenmarkshäute, sowie Hydrorrhachis in der Lendengegend. +Frank+ -(Ad. Wochenschr. 1867) beobachtete nach der Verfütterung der mit -Epichloë typhina befallenen Halme von Poa pratensis bei einem Kaninchen -Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schwellung und Gangrän an den Pfoten, -sowie Tod nach 10 Tagen. Weitere Mittheilungen über Kernpilzvergiftung -hat +Schöberl+ (B. T. W. 1896 und 1899) gemacht. - - =Vergiftung durch verdorbene Futterstoffe.= Ausser den im - vorstehenden beschriebenen Pilzvergiftungen kommen alljährlich bei - den Pflanzenfressern und Omnivoren zahlreiche Vergiftungen nach - der Aufnahme verdorbener Futterstoffe vor, deren Aetiologie nicht - aufgeklärt ist. Wahrscheinlich ist ein Teil derselben ebenfalls - durch +Pilze+, namentlich durch Schimmelpilze, bedingt. In anderen - Fällen sind +Fäulnis-+ und +Gärungsprozesse+ die Krankheitsursache. - Sodann spielen bei der Pathogenese dieser Vergiftungen, ähnlich - wie bei der Fleischvergiftung der Fleischfresser (vergl. S. 351), - vermutlich auch spezifische +Bakterien+ eine Rolle. Leider ist dieses - sehr wichtige Kapitel der Veterinärtoxikologie so gut wie gar nicht - bearbeitet, während das der Fleischvergiftungen hinreichend geklärt - ist. Die bakteriologische und chemisch-toxikologische Erforschung - dieser bisher rätselhaften Vergiftungsfälle dürfte insbesondere - eine wichtige Aufgabe der hygienischen Institute der tierärztlichen - Lehranstalten bilden. - - Die gewöhnliche Veranlassung zu den oft seuchenartig auftretenden - und dann den Verdacht auf Milzbrand, Rinderpest, Schweinerotlauf - usw. erweckenden Erkrankungen gibt die Aufnahme verdorbener - Futterstoffe. Als solche sind namentlich zu nennen: +faule - Kartoffeln+, +verdorbene Rübenschnitzel+ (Rübenpresslinge, - Rübenblätter), +gärende Schlempe+ und +Biertreber+, +ranzige - Oelkuchen+, +verdorbenes Stroh+ etc. Die dadurch bedingten - Krankheitserscheinungen haben grosse Aehnlichkeit mit denen der - Ptomainevergiftung (vergl. S. 351). Sie bestehen einerseits - in Symptomen der +Magendarmentzündung+ (sog. mykotische - Gastroenteritis), andererseits in nervösen +Erregungs-+ und - +Lähmungserscheinungen+. - - =Kasuistik.= Aus der sehr reichhaltigen Literatur mögen die - nachfolgenden charakteristischen Fälle Erwähnung finden. +Prietsch+ - (Sächs. Jahresber. 1898) beobachtete im Frühjahr 1898 enzootisch - auftretende Magendarmentzündungen bei Rindern, welche mit angefaulten - Kartoffeln gefüttert wurden. Die Tiere zeigten hohes Fieber, - Kolikerscheinungen, anfangs Verstopfung, später unstillbaren, oft - blutigen Durchfall, grosse Schwäche und Hinfälligkeit und starben - meist nach eintägiger Krankheit. -- +Röbert+ (ibid.) machte - genau dieselbe Beobachtung nach der Verfütterung angefaulter - Kartoffeln bei Schweinen; die Tiere verendeten unter profusem - Durchfall innerhalb 2 Tagen. -- +Fadyean+ (Journ. of comp. 1897) - sah 11 Pferde nach der Aufnahme alter, stark fauliger Kartoffeln - unter Schwäche und Lähmungserscheinungen sterben; die Sektion - ergab nur leichte Dickdarmentzündung. -- Nach der Verfütterung - verdorbener Runkelrübenblätter zeigten mehrere Rinder hochgradige - Gehirnreizungserscheinungen, Vorwärtsdrängen, Taumeln, Schwanken, - Zusammenstürzen, sowie heftige Krämpfe, andere standen stumpfsinnig - mit gesenkten Köpfen da; die Sektion ergab ein negatives Resultat - (+Gotteswinter+, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1893). -- Nach der - Aufnahme angefaulter Runkelrübenköpfe verendeten 2 Kühe nach - kurzer Krankheit; sie zeigten hohes Fieber, Tympanitis, trockenen, - blutigen Kot, lähmungsartige Schwäche des Hinterteils und raschen - Kräfteverfall; die Sektion ergab hochgradige Entzündung der Labmagen- - und Dünndarmschleimhaut, sowie eiterig-fibrinöse Peritonitis - (+Wilhelm+, Sächs. Jahresber. 1892). -- Nach +Peters+ (Berl. Arch. - 1891) treten auf den meisten Zuckerfabriken, in welchen Schafe zur - Mast gehalten werden, alljährlich erhebliche Verluste infolge der - Verfütterung von Rübenschnitzeln auf. Die Schafe zeigen am ersten Tag - Durchfall, am zweiten Erscheinungen von Gehirnlähmung und sterben am - dritten Tag. Die ersten Todesfälle treten in der Regel 8-10 Wochen - nach Beginn der Mastfütterung auf. -- +Bayne+ (The Vet., Bd. 67) sah - Rinder nach der Aufnahme kranker, fauliger Rüben schon innerhalb - zweier Stunden sterben; als bestes Gegenmittel bewährte sich Schnaps. - -- Nach +Arloing+ (L’Echo vét. 1893) bedingt die Verfütterung der - in Gruben aufbewahrten Rübenpresslinge bei Rindern zuweilen tödlich - verlaufende Vergiftungen, welche wahrscheinlich durch Bakterien - veranlasst werden. -- +Albrecht+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1893, Nr. - 47) beobachtete nach der Verfütterung verdorbener, faulig riechender - Träber bei Rindern Verdauungsstörungen, psychische Depression, - Muskelschwäche, sowie kleinen Puls. Dagegen fehlten die sonst bei - der Fütterung derartig verdorbener Nahrungsmittel zu beobachtenden - Durchfälle, die Tympanitis, sowie Fieber. Kontrollfütterungsversuche - mit den verdorbenen Träbern bei Schweinen fielen negativ aus. - -- +Lehmann+ (Berl. Arch. 1894) berichtet über eine tödliche - Vergiftung bei 8 Rindern nach der Fütterung von Branntweinschlempe. - Die Tiere zeigten unterdrückte Peristaltik, Verstopfung, Krämpfe, - Vorwärtsdrängen, Tobsucht, Pupillenerweiterung, heftiges - Muskelzittern, Ermattung, Durchfall und Lähmung des Hinterteils; bei - der Sektion fand man Darmentzündung. -- +Gips+ (Berl. Arch. 1896) - sah bei Pferden nach der Verfütterung von Schlempe neben starkem - Durchfall eigenartige Gehirnreizungserscheinungen: starke Aufregung, - gegen die Wand rennen, senkrecht in die Höhe steigen, Brüllen, - Opisthotonus; bei anderen Pferden bildete sich ein lähmungsartiger - Zustand aus. -- Nach +Gruber+ (D. T. W. 1893) zeigten 2 Kühe nach - dem Verfüttern von frisch eingebrachtem Heu kalbefieberähnliche - Erscheinungen: schlafsüchtiges Benehmen, seitlich zurückgelegten - Kopf, Unvermögen aufzustehen, Unempfindlichkeit gegen Nadelstiche. - -- +Reinländer+ (Zeitschr. f. Vet. 1899) sah bei 7 Pferden nach - der Aufnahme von verdorbenem Heu schwankenden, taumelnden Gang, - Blasenlähmung, blutigen Harn, Husten und Schwellung der Gliedmassen. - -- +Dorn+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) beobachtete bei 6 Rindern - nach der Verfütterung von schlecht heimgebrachtem, halbfauligem - Heu heftigen Schüttelfrost, Angst, beschleunigtes Atmen, starken - Schweissausbruch, sowie Oedeme am Kopf, Hals und an den hinteren - Extremitäten. -- +Schmid+ (ibid.) sah nach derselben Fütterung bei 3 - Pferden Durchfall, hohes Fieber, starke Benommenheit des Sensoriums, - sowie Schwäche und Hinfälligkeit. -- +Kampel+ (Repert. 53. Bd.) sah - bei mehreren Pferden nach der Fütterung von schlechtem Erbsenstroh - Lähmung der Nachhand, der Blase und des Mastdarms bei sonst nicht - gestörtem Allgemeinbefinden. Die Krankheit dauerte 3 Wochen; 3 - Pferde starben, die übrigen genasen langsam. -- +Höhne+ (Berl. - Arch. 1894) sah nach Roggenfütterung bei Pferden Schlinglähmung - auftreten, welche gewöhnlich nach 8 Tagen zum Tod führte (sog. - Longerkrankheit). -- +Bedel+ (Recueil 1897) beobachtete bei Kühen - nach der Aufnahme angefaulter, sehr reifer Aepfel Schwanken, - tiefes Koma, Umfallen, Pupillenerweiterung, sowie übelriechenden - Durchfall. -- +Bissauge+ berichtet über Vergiftung bei 6 Kühen - durch mehltaubefallene Rebenblätter. -- +Zeisler+ (B. T. W. 1896) - sah bei 35 Rindern nach der Aufnahme ranziger Erdnusskuchen Kolik - mit Durchfall und Verstopfung; bei 5 geschlachteten Tieren ergab - die Sektion Gastroenteritis. -- Nach dem Trinken fauligen Wassers - aus Teichen erkrankten ganze Rinderherden in eigenartiger Weise. - Die Tiere stiessen ein heiseres Gebrüll aus, wurden aufgeregt - und gingen aggressiv gegen Personen und Tiere vor; schliesslich - stellten sich Lähmungserscheinungen ein; sämtliche kranke Tiere - starben (+Johnson+, Am. vet. rev. 1894). -- 11 Rinder, welche - aus einem fast ausgetrockneten Tümpel getrunken und Schilfgras - gefressen hatten, stürzten apoplektiform zusammen; 6 davon - verendeten unter Zuckungen; Milzbrand war ausgeschlossen (+Tietze+, - Berl. Arch. 1894). -- +Zissler+ (Woch. f. T. 1901) sah 7 Stück - Rinder nach der Verfütterung angefaulter Kartoffeln unter grosser - Schwäche, Umfallen, Lähmungserscheinungen und Schlingbeschwerden - schwer erkranken. -- +Laméris+ (Holl. Zeitschr. 1900) sah bei 12 - Rindern nach der Fütterung verdorbener Rübenschnitzel Salivation - infolge von Schlinglähmung, Ptosis, Unempfindlichkeit der Kornea, - kalbefieberähnliches Koma, hochgradige Muskelschwäche, Lähmung des - Hinterteils, sowie anfangs Verstopfung, später Durchfall. Die Sektion - ergab Entzündung des Dünndarms, eine sog. Aalhaut in demselben, - sowie vereinzelt Labmagenentzündung. -- +Sauer+ (Woch. f. Tierh. - 1902) sah bei 7 Rindern nach der Aufnahme von faulem Kartoffelkraut - Speichelfluss und Schlinglähmung bei regem Appetit, Verstopfung, - Durchfall, Schwäche und Lähmung der Nachhand bei freiem Sensorium. - Sämtliche Tiere mussten notgeschlachtet werden; der Befund war - völlig negativ. -- Im Kreis Niederbarnim traten Vergiftungen nach - Verfütterung von verdorbenen Bierträbern auf. Die erkrankten Tiere - zeigten teils Gehirnkrämpfe, unsichern Gang und Lähmung, teils - Nierenentzündung und Lähmung der Harnblase (Preuss. Vet.-Ber. - 1900). -- Eine Anzahl 4-7 Monate alter Kälber erkrankte unter den - Erscheinungen der mykotischen Magendarmentzündung, nachdem sie - gebrühtes Gerstenschrot erhalten hatten, das unvorsichtigerweise - mit den Kulturen des Löfflerschen Mäusetyphusbazillus infiziert - worden war (+Krickendt+, Berl. Arch. 1901). -- +Diem+ (Woch. f. - Tierh. 1902) beobachtete nach Träberfütterung bei Rindern Tympanitis, - Schlingbeschwerden, Apathie und Schwächezustände. -- +Hentrich+ - (Zeitschr. f. Vet. 1905) sah nach der Verfütterung von Bierträbern - (trockene Bierträber wurden in kaltem Wasser angefeuchtet) bei - 22 Pferden Magendarmkatarrh, Nierenentzündung und Blasenkatarrh - auftreten. -- +Schilffarth+ (Woch. f. Tierh. 1906) beobachtete nach - der Fütterung verdorbener Träber bei 4 Kühen stinkenden Durchfall; - 3 andere Rinder starben. -- Die Verfütterung von frischgeerntetem - Frühroggen erzeugt nach +Eloire+ (Progr. vét. 1903) bei Pferden - Kolik, Darmentzündung, Hämaturie, Nephritis, Rehe, sowie Lähmung - der Hintergliedmassen. -- Ueber eine Vergiftung durch Luzernesamen - (Krämpfe, Taumeln, Herzklopfen) hat +Ravier+ berichtet (ibid). -- In - Dänemark wurden neuerdings (1908) mehrfach Vergiftungen bei Rindern - beobachtet, die sich durch Schlinglähmung und allgemeine Lähmung - äusserten (+Andersen+ und +Berg+). - - -Fleischvergiftung (Ptomainevergiftung). - - =Allgemeines.= Durch Aufnahme von zersetztem, krankem, verdorbenem - oder in Fäulnis übergegangenem Fleisch werden wie beim Menschen - so auch bei den Karnivoren (Hund, Katze), Omnivoren (Schwein) und - beim Geflügel eigentümliche Krankheitserscheinungen hervorgerufen, - welche mit dem Sammelnamen „Fleischvergiftung“ bezeichnet werden. - Je nach der Art der aufgenommenen animalischen Nahrungsmittel wird - genauer unterschieden zwischen +Fleischvergiftung im engeren Sinn+, - +Wurstvergiftung+ (Allantiasis, Botulismus), +Fischvergiftung+ und - +Käsevergiftung+. Die Ursachen dieser Vergiftungen sind teils in - einer Aufnahme von +Bakterien+ (septische Infektion), teils in einer - Einwirkung chemischer, als +Stoffwechselprodukte+ von Spaltpilzen - anzusehender Stoffe (septische oder putride Intoxikation) zu suchen. - Häufig sind beide Ursachen gleichzeitig zusammen wirksam. Die - chemischen, beim Stoffwechsel von Spaltpilzen entstehenden Giftstoffe - werden +Ptomaine+ (πτῶμα = Leichnam) oder +Toxine+ genannt. Die - Fleischvergiftung gehört daher, soweit sie durch Ptomaine verursacht - wird, ins Gebiet der Toxikologie, während die durch Aufnahme von - Spaltpilzen bedingten septikämischen Erkrankungen Gegenstand der - Pathologie sind. - - Unter +Ptomainen+ (Ptomatinen, Toxinen, Kadaveralkaloiden, - Septizinen, Leichengiften, Fäulnisgiften) versteht man im allgemeinen - +Stoffwechselprodukte von Bakterien innerhalb und ausserhalb des - Tierkörpers+ (+Nahrungsmittel+). Dieselben entstehen nicht bloss - im toten, sondern auch im lebenden Körper; die letzteren hat - man im Gegensatz zu den sog. +Ptomainen+ wohl auch +Leukomaine+ - (Leukomatine) genannt. Ihrer chemischen Natur nach sind die Toxine - nicht bloss +Basen+, wie man früher annahm (Kadaveralkaloide), - sondern auch +Eiweisskörper+ (Toxalbumine), +Säuren+ usw. Ihre - sehr verschiedenartige chemische Zusammensetzung erhellt am besten - aus nachstehender, dem Lehrbuch der Intoxikationen von +Kobert+ - entnommenen Einteilung. - - - 1. =Gruppe der Fettsäuren.= Hieher gehören Säuren von der - Formel C_{x}H_{2x}O_{2}, und zwar +Ameisensäure+, +Essigsäure+, - +Propionsäure+, +Buttersäure+, +Valeriansäure+ etc., welche sich - teils als Produkte der Fäulnis, teils als Zersetzungsprodukte im - Körper bilden. - - 2. +Gruppe der Oxysäuren.+ Sie haben die Formel C_{x}H_{2x}O_{3} und - liefern als giftige Stoffwechselprodukte namentlich die +Milchsäure+ - (Oxypropionsäure) und +Oxybuttersäure+ (Ursache des Coma diabeticum). - - 3. +Gruppe der Oxalsäure.+ Die Oxalsäure von der Formel - C_{2}H_{2}O_{4} wirkt als Stoffwechselprodukt des Körpers giftig bei - der Oxalurie. - - 4. +Gruppe der Amidofettsäuren.+ Dieselben sind häufig Produkte - der Fäulnis von Eiweiss und Leim, jedoch ungiftig. Hieher gehören - +Glykokoll+ (Amid der Essigsäure), +Alanin+ (Amid der Propionsäure), - +Propalanin+, +Butalanin+ und +Leuzin+ (Amid der Kapronsäure). - Letzteres findet man z. B. im Verlauf der Phosphorvergiftung - (Leuzinurie). - - 5. +Gruppe der Amine.+ Die Amine sind organische Ammoniakderivate - der Eiweissfäulnis mit basischem Charakter (Aminbasen). Die drei - Wasserstoffe im Ammonik (NH_{3}) werden durch ein (primäre Amine, - Amidbasen), zwei (sekundäre Amine, Imidbasen) oder drei einwertige - Alkoholradikale ersetzt (tertiäre Amine, Nitrilbasen). Hieher - gehören die Produkte der Leichenfäulnis: +Methylamin+ (auch in - der Heringslake enthalten) von der Formel CH_{3}.NH_{2}, das - +Aethylamin+, C_{2}H_{5}.NH_{2}, +Propylamin+, C_{3}H_{7}.NH_{2}, - +Dimethylamin+, (CH_{3})_{2}NH, +Diäthylamin+, (C_{2}H_{5})_{2}NH und - +Trimethylamin+, (CH_{3})_{3}N, das Gift der Heringslake, welches - sich ausserdem in faulem Käse, sowie in Leichenteilen findet. Die - Amine erzeugen zerebrale Krämpfe und selbst Tetanus; neben der - Gehirnreizung findet auch lokale Reizung statt. - - 6. =Gruppe der Diamine.= Dieselben sind Verbindungen des Ammoniaks - mit zweiwertigen Alkoholradikalen und bilden sich bei der - Leichenfäulnis, sowie bei gewissen Krankheiten im lebenden Körper. - Besonders bekannt sind das +Tetramethylendiamin+ oder +Putreszin+ von - der Formel NH_{2}(CH_{2})_{4}NH_{2}, und das +Pentamethylendiamin+ - oder +Kadaverin+ von der Formel NH_{2}(CH_{2})_{5}NH_{2}, mit welchem - zwei andere Fäulnisbasen isomer sind, nämlich das +Saprin+ und - +Neurodin+. - - 7. =Gruppe des Cholins.= Hieher gehören sehr wichtige Leichengifte, - welche darin übereinstimmen, dass sie alle bei der Zersetzung - Trimethylamin liefern und eine muskarinähnliche Wirkung besitzen. - Es sind dies +Cholin+, +Betain+, +Neurin+, +Leichenmuskarin+ (im - Fischgift enthalten, identisch mit dem Muskarin des Fliegenpilzes) - und +Mydatoxin+. Neben einer kurareartigen Wirkung erregen diese - Körper wie das Fliegenpilzmuskarin die Drüsensekretion und - Darmperistaltik und töten unter Krämpfen. - - 8. =Gruppe des Guanidins.= Es sind die im lebenden Körper - entstehenden Zersetzungsprodukte des Eiweisses: +Guanidin+, +Kreatin+ - und +Kreatinin+. - - 9. =Gruppe der Nukleinbasen.= Zu diesen auch wohl als Guanin-, - Xanthin- oder Puringruppe bezeichneten Körpern gehören +Xanthin+ - (Xanthinurie), +Hypoxanthin+, +Guanin+ (Guaningicht), +Adenin+ (in - Drüsen vorkommend, Formel C_{5}H_{5}N_{5}), +Karnin+, +Allantoin+ - und in gewissem Sinn auch die +Harnsäure+ von der Formel - C_{5}H_{4}N_{4}O_{3} (Toxin der Gicht). Die Nukleinbasen besitzen - eine dem Koffein, einem ihnen ebenfalls chemisch verwandten Alkaloid, - ähnliche Wirkung. - - 10. =Gruppe des Pyridins.= Giftige Toxine sind namentlich +Pyridin+, - +Pikolin+, +Lutidin+, +Parvolin+, +Koridin+. Sie besitzen eine - nikotinartige Wirkung. - - 11. =Gruppe der aromatischen Substanzen.= Hieher gehören +Tyrosin+, - +Phenol+, +Kresol+, +Brenzkatechin+, +Indikan+ und andere im Harn - auftretende aromatische Körper. - - 12. =Gruppe der schwefelhaltigen Substanzen.= Die wichtigste ist der - +Schwefelwasserstoff+ mit spezifischer toxischer Wirkung. Ebenfalls - aus dem Eiweiss durch Zersetzung gebildet ist das +Methylmerkaptan+, - ein im Darm neben Schwefelwasserstoff enthaltenes Gas von der Formel - CH_{3}.HS; ausserdem sind zu nennen +Taurin+ und +Taurocholsäure+. - - 13. =Gruppe der Isozyanide.= Diese auch unter dem Namen Karbylamine - bekannten Körper finden sich als äusserst giftige Substanzen im - Krötengift als +Isozyanmethyl+, CH_{3}NC, im Tritonengift als - +Isozyanäthyl+, C_{2}H_{5}NC, und im Salamandergift als +Isozyanamyl+ - C_{5}H_{11}NC (?). - - 14. =Gruppe von Basen unbekannter Struktur.= Hieher gehören - das +Sepsin+, das Produkt des Proteusbazillus, chemisch als - Dioxy-Kadaverin aufzufassen, wahrscheinlich die Ursache der - choleriformen Ptomainevergiftungen, ferner das +Tetanotoxin+, - +Tetanin+, +Gadinin+, +Typhotoxin+, +Anthrazin+, +Phlogosin+, - +Botulin+ = +Ptomatoatropin+, +Ptomatokurarin+, +Ichthytoxin+, - +Tyrotoxin+, +Lupinotoxin+, +Lysotoxin+, +Pellagrozein+ u. a. - - 15. =Gruppe der eiweissartigen Gifte (Toxalbumine).= Die bekanntesten - sind +Tuberkulin+, +Mallein+, das +Schlangengift+, +Bienengift+, - sowie die verschiedenen +Toxalbumine+ der Infektionskrankheiten. - Hieher gehören auch gewisse eiweissartige, in Pflanzen enthaltene - Gifte, die sog. +Phytalbumosen+, enzymartige Körper, von welchen - das +Rizin+, +Krotin+, +Abrin+, +Robinin+ und +Phallin+ besondere - Bedeutung erlangt haben. - - -=Aetiologie der Fleischvergiftung.= Beim Menschen werden die -zahlreichen Fälle von Fleischvergiftung in der Regel durch den Genuss -des Fleisches von +septisch+ oder +pyämisch+ erkrankten Schlachttieren -veranlasst (+Uterus-+, +Nabel-+, +Euter-+, +Darmkrankheiten+). -+Bollinger+ hat zuerst im Jahr 1876 gezeigt, dass es sich hiebei um -keine Milzbrandinfektion, sondern um eine +intestinale Sepsis+ handelt. -Durch die bakteriologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte -sind eine Reihe von +Bakterien+ als Ursachen der Fleischvergiftung -nachgewiesen worden. - -1. +Gärtner+ fand bei einer in Frankenhausen (1888) beobachteten -Massenvergiftung in dem giftigen Fleische sowie in den Organen eines -infolge der Fleischvergiftung verstorbenen Mannes charakteristische -Bakterien, welche er mit dem Namen =Bacillus enteritidis= belegte. -Diese Bakterien zeigten im hängenden Tropfen lebhafte rotierende -Bewegung und färbten sich mit Anilinfarben an einem Ende sehr stark, -während der Rest wenig gefärbt erschien. Ausserdem enthielt das Fleisch -durch Kochen nicht zerstörbare Giftstoffe, welche bei Impftieren -Enteritis, Krämpfe und Lähmungserscheinungen hervorriefen. Gegen die -Bakterien selbst erwiesen sich Hunde und Katzen immun, dagegen starben -Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse unter den Erscheinungen einer -heftigen Enteritis. +Johne+ hat ebenfalls den Bacillus enteritidis bei -einer Fleischvergiftung in Bischofswerda (1894) gefunden. - -2. +Gaffky+ und +Paak+ fanden bei einer Massenerkrankung infolge -des Genusses von Pferdefleischwaren (Röhrsdorf 1885) in der betr. -Pferdewurst charakteristische =Wurstbazillen= in Form beweglicher, -an den Enden abgerundeter Stäbchen, welche bisweilen zu Scheinfäden -auswuchsen und in schwach alkalischer Bouillon am besten gediehen. Die -Verfütterung dieser Wurstbazillen erzeugte bei Affen, Meerschweinchen -und Mäusen Enteritis und Durchfall; Hunde, Katzen, Schweine und -Kaninchen zeigten sich dagegen immun. - -3. +Poels+ und +Dhont+ fanden bei einer Fleischvergiftung in Rotterdam -die von ihnen so genannten =Rotterdamer Bazillen=, kurze und sehr feine -Stäbchen, welche bei der intravenösen Injektion grösserer Mengen -Versuchsrinder schon nach 14 Stunden töteten. - -4. +Van Ermengem+ fand bei der Fleischvergiftung von Moorseele bei zwei -Kälbern die sog. =Moorseeler Bazillen=; dieselben sind sehr beweglich, -zeigen zahlreiche Geiseln, erzeugen ein Toxalbumin, welches selbst -durch die Erhitzung auf 130° nicht getötet wird und wirken bei jeder -Art der Einverleibung auf Versuchstiere pathogen (Enteritis). - -5. +Flügge+ hat bei der Breslauer Fleischvergiftung den =Breslauer -Bazillus= gefunden, welcher einerseits mit dem Kolibazillus, -andererseits mit dem Moorseeler und Rotterdamer Bazillus Aehnlichkeit -hatte. - -6. +Basenau+ bezeichnete einen aus Kuhfleisch gezüchteten Bazillus -als =Bacillus bovis morbificans= und ist der Ansicht, dass alle -bisher bei den Fleischvergiftungen gefundenen Stäbchen eine grosse -Uebereinstimmung mit dem +Kolibazillus+ zeigen. - -7. +Kuborn+ hat bei einer Fleischvergiftung als Ursache den -=Staphylococcus pyogenes albus= nachgewiesen. - -8. Bei Fleischvergiftungen in Hildesheim und Berlin (1906) wurde -der =Bacillus paratyphosus= (Paratyphusbazillus) zuerst als -Ursache ermittelt. Diese Bazillen erzeugen beim Menschen eine dem -Abdominaltyphus ähnliche Infektionskrankheit. - - -=Aetiologie der Wurstvergiftung.= Die beim Menschen seltener als die -Fleischvergiftung vorkommende Wurstvergiftung (Botulismus, Allantiasis) -entsteht nicht nur durch die Aufnahme von zersetzten +Würsten+, sondern -auch von fauligem +Fleisch+, zersetztem +Schinken+, +Leber+, +Sülze+, -+Büchsenfleisch+, +Gänsebraten+. Der Botulismus wird durch einen -spezifischen Bazillus, den =Bacillus botulinus= verursacht. Derselbe -ist anaërob und bildet ein gerades Stäbchen mit etwas abgerundeten -Enden und Sporenbildung. Er erzeugt ein hochgradig giftiges Toxin, -welches Kaninchen schon in Dosen von 1/2000 Milligramm tötet, und -wächst besonders auf gekochtem, gezuckertem und alkalisch gemachtem -Schweinefleisch. Seine Kulturen riechen intensiv nach Buttersäure (kein -Fäulnisgeruch!). Durch eine einstündige Erwärmung auf 70° wird das -Botulismustoxin unwirksam. Seltener ist der +Proteus mirabilis+ die -Ursache von Wurstvergiftung (Hannover 1900). - - -=Krankheitsbild der Fleischvergiftung.= Nach der Aufnahme des Fleisches -kranker Tiere (Septicaemia puerperalis, Pyämie, Polyarthritis -pyaemica, eiterige und septische Nieren-, Leber-, Lungen-, Darm-, -Magen-, Bauchfell-, Milchdrüsenentzündungen), sowie nach der Aufnahme -von fauligem, zersetztem und verdorbenem Fleische tritt bei Hunden, -Katzen, Schweinen und beim Geflügel nicht selten eine Vergiftung -auf, welche im wesentlichen die Erscheinungen einer hochfieberhaften -und rasch tödlich verlaufenden +Gastroenteritis+ mit gleichzeitiger -+starker zerebraler Depression+ zeigt. Die Krankheitserscheinungen, -wie sie namentlich bei Hunden beobachtet werden, bestehen in -einer +plötzlich+ auftretenden, sehr heftigen und häufig blutigen -+Diarrhöe+, +Erbrechen+, starkem Durst, +hohem Fieber+ (40-42°), -+ausserordentlicher Schwäche+, +Hinfälligkeit+ und +Mattigkeit+, sowie -in rasch folgendem +Kollaps+. Der Tod tritt oft schon nach wenigen -Stunden, durchschnittlich innerhalb 12-24 Stunden ein. Bei Hunden -wurden ferner +Netzhautblutungen+ ophthalmoskopisch festgestellt. - - -=Krankheitsbild der Wurstvergiftung.= Die Wurstvergiftung -(Botulismus, Allantiasis) verläuft anfangs unter denselben -Erscheinungen wie die Fleischvergiftung: Erbrechen, +Verstopfung+, -seltener Durchfall, Mattigkeit, Schwindel, Somnolenz, Kollaps. -Häufiger beobachtet man charakteristische +Lähmungserscheinungen im -Gebiet des 2.-6. Gehirnnerven+, namentlich +Sehstörungen+: -Pupillenerweiterung (Optikuslähmung), +Ptosis+ (Lähmung des oberen -Augenlides infolge von Okulomotoriuslähmung), +Schielen+ und -Akkommodationsstörungen. Ausserdem treten Lähmungen des Schlundkopfes -(+Schlinglähmung+), des Magens (+Tympanitis+), sowie des -Kehlkopfes (+Aphonie+) auf. - - -=Krankheitsbild der Fischvergiftung= (=Heringslakevergiftung=). Die -bei Schweinen nach der Verfütterung von Heringslake häufig beobachtete -sog. Lakevergiftung ist zum Teil auf den Kochsalzgehalt der Heringslake -zurückzuführen. Insoweit stimmt dieselbe in ihren Erscheinungen mit der -Kochsalzvergiftung überein. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich -von dieser (vgl. S. 116) durch das Hinzutreten charakteristischer -+nervöser Symptome+, welche auf eine Ptomainevergiftung bezogen werden -müssen und sich namentlich in +Gehirnreizungserscheinungen+, +Krämpfen+ -und +Schlinglähmung+ äussern (Trimethylamin und muskarinartige Toxine). -Die wichtigsten Erscheinungen der Heringslakevergiftung bei Schweinen -sind: +Zähneknirschen+, +Kaukrämpfe+, +epileptiforme Krämpfe+, -+Opisthotonus+ und +Pleurothotonus+, Rotieren der Augen, krampfhaftes -Blinzeln (+Nystagmus+), ausgebreitete Zuckungen, +Drehbewegungen+, -hundesitzige Stellungen, +kollerartige Erscheinungen+, Stumpfsinn -und Gefühllosigkeit, amaurotische Pupille (Erblindung) und -+Schlinglähmung+. Der +Verlauf+ ist sehr +akut+, der Tod tritt meist -nach 6-12 Stunden ein. - - -=Sektion.= Bei der Fleischvergiftung findet man den Inhalt des Magens -und Darmes aus halbverdauten, übelriechenden Fleischmassen bestehend, -die Schleimhaut geschwollen, höher injiziert, +hämorrhagisch+ -infiltriert, die solitären und agminierten +Follikel+ sowie die -+Gekrösdrüsen+ geschwollen, den Darminhalt schokoladefarbig, blutig, -von schleimigflüssiger Konsistenz, das Blut zersetzt, die +Leber+ -vergrössert und rasch faulend, die +Milz+ geschwollen und mit -hämorrhagischen Herden durchsetzt, die +Herzmuskulatur+ sehr mürbe. - -Dass übrigens die +Empfänglichkeit+ für das mykotische Gift unter den -Fleischfressern +sehr ungleich+ ist, beweisen die +mit verdorbenem -Fleisch angestellten Fütterungsversuche+. So sah +Semmer+ bei -Verfütterung von Fleisch eines an Septikämie verendeten Pferdes Hunde -und Katzen ganz gesund bleiben, während drei Schweine daran verendeten. -+Colin+ beobachtete bei ähnlichen Versuchen nur ganz leichte -Durchfälle, +Lemke+ erzielte nach Verfütterung rauschbrandkranken -Fleisches bei drei jüngeren Hunden sehr heftigen Durchfall, während ein -älterer Hund keinerlei krankhafte Erscheinungen zeigte. Ganz dieselben -Beobachtungen hat man bei den Pilzvergiftungen der Pflanzenfresser -gemacht (vergl. S. 335 ff.). - - -=Behandlung der Ptomainevergiftung.= Neben der Verabreichung von -+Brechmitteln+ und +Abführmitteln+ kann man durch die Anwendung von -+Kalomel+ oder +Kreolin+ eine Desinfektion des Darmes vorzunehmen -versuchen. Im übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+. -Die Lähmungserscheinungen werden durch Aether, Kampfer, Alkohol, -Wein, Kaffee, Koffein, Ammonium carbonicum oder Veratrin, die -Gehirnreizungserscheinungen bei der Heringslakevergiftung durch -Morphium, Chloralhydrat oder Bromkalium behandelt. Gegen die Entzündung -der Magendarmschleimhaut gibt man einhüllende und schleimige Mittel -(Gummi arabicum, Leinsamenabkochung, Oel, Rizinusöl). - - =Kasuistik.= +Schindelka+ (Oesterr. Zeitschr. 1891) sah bei Hunden, - welche auf der Strasse rohes Fleisch verzehrten, plötzliche - Erkrankung, Erbrechen, Durchfall, sehr übel riechenden, blutigen Kot, - auffallende Mattigkeit sowie Störungen des Sehvermögens. Bei der - Untersuchung der Augen liessen sich beiderseitige Ptosis, maximale - Pupillenerweiterung, starre Pupille, sowie auf dem Augenhintergrunde - beider Augen zahlreiche, meist fleckige, hie und da auch streifige - Blutungen nachweisen. -- +A. Eber+ (D. T. W. 1897) beschreibt eine - Ptomainevergiftung bei Schweinen nach der Aufnahme von Heringslake. - Sie zeigten sehr schnell und heftig auftretende klonische - Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe, hochgradige Gehirnreizung, fortschreitende - allgemeine Lähmung. Bei der Sektion der notgeschlachteten Schweine - wurde meist nur venöse Stauung in sämtlichen Organen, sowie in - einem Falle teerartige Beschaffenheit des Blutes festgestellt; - Entzündungserscheinungen im Magen und Darm fehlten. -- +von Rátz+ - (Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1893) hat bei einem Löffelreiher - eine Fischvergiftung nach der Aufnahme verdorbener gesalzener Heringe - beobachtet. Die Erscheinungen bestanden in profuser Diarrhöe, - heftigem Durst, Krämpfen und Lähmungen; die Sektion ergab kruppöse - Magenentzündung und hämorrhagische Darmentzündung. -- +Ortmann+ (B. - T. W. 1902, S. 206) sah bei Schweinen, welchen eine Heringstonne mit - etwas Lakeninhalt als Futterbehälter vorgesetzt worden war, Unruhe, - Schreien, starken Durst, allgemeine Lähmung (an der Erde liegen), - Kaukrämpfe, ausgebreitete klonische Krämpfe und Pupillenerweiterung. - Die Sektion ergab lehmfarbige Beschaffenheit der Leber, gelblichgraue - Verfärbung der Nierenrinde, sowie dunkelbraunrote Färbung und - Schwellung der Schleimhaut des Magengrundes. -- +Freitag+ (Sächs. - Jahresber. 1899) beobachtete bei Schweinen nach der Aufnahme - grösserer Mengen von Heringslake Laufwut, Kaukrämpfe, sowie Drängen - mit dem Kopf gegen die Wand; ein Schwein verendete nach wenigen - Stunden, ein anderes nach 2 Tagen. - - - =Giftigkeit des Pferdefleisches.= +Pflüger+ (Archiv f. Physiologie, - 80. Band) beobachtete nach der Verfütterung von magerem Pferdefleisch - bei Hunden anhaltende +Durchfälle+ und stellte fest, dass diese - Abführwirkung durch einen +muskarinähnlichen+, in der Fleischbrühe - enthaltenen Giftstoff bedingt wird, welcher +Lezithin+ und +Neurin+ - enthält. Die Giftigkeit des Pferdefleisches wird durch einen Zusatz - von Fett aufgehoben. Die Pferdefleischbrühe wird jedoch am besten - weggegossen. - - -Vergiftung durch Giftschwämme (Mycetismus). - - =Botanisches.= 1. +Agaricus muscarius+ (Amanita muscaria), der - +Fliegenpilz+ oder +Fliegenschwamm+ mit feuerrotem Hut, enthält - die Alkaloide =Muskarin= und =Amanitin=. 2. +Agaricus (Amanita) - phalloides+, der Knollenblätterschwamm, von weisslicher oder - gelbgrünlicher Farbe, enthält das Toxalbumin =Phallin=. 3. - +Fungus laricis+, der +Lärchenschwamm+, enthält das =Agarizin= - (Agarizinsäure). 4. +Russula emetica+, der +Speiteufel+, von - ekelhaftem Geruch und scharfem Geschmack. 5. +Cantharellus - aurantiacus+, der +falsche Eierschwamm+, von pomeranzengelber Farbe. - 6. +Boletus satanas+ (sanguineus), der +Satanspilz+ (Blutpilz), mit - genetztem oder gestricheltem Hut und blauanlaufendem Durchschnitt. - -- Ausserdem gelten als giftig: Agaricus rubescens, Agaricus - pantherinus, Agaricus virosus, Agaricus vellereus, Agaricus - pyrogallus, Agaricus torminosus, Russula virescens, Boletus luridus, - Sclerodosma vulgare, Amanita virescens, A. citrina, A. bulbosa, A. - alba, A. candida, A. verna, A. virosa, A. mappa, A. recutita, A. - porphyria, Lactarius torminosus, Hebeloma tastibile und rimosum. - Zuweilen erweist sich auch die +essbare Morchel+, +Helvella - esculenta+, namentlich im frischen Zustande, als äusserst giftig - (=Helvellasäure=). - - In den Giftschwämmen sind somit teils giftige +Alkaloide+ (Muskarin, - Bulbosin, Phalloidin), teils giftige +Säuren+ (Agarizinsäure, - Helvellasäure), teils +Toxalbumine+ bezw. Mykozymasen (Phallin) - mit sehr verschiedenartiger Wirkung enthalten. Die Schwammgifte - sind teils strychnin- und atropinartige Nervengifte (Muskarin, - Agarizinsäure), teils ausgesprochene Blutgifte (Phallin, - Helvellasäure). Die Pilzvergiftung äussert sich bald in Form eines - Magendarmkatarrhs, bald durch Kollaps- und Lähmungserscheinungen, - bald durch psychische und motorische Erregung, bald in Form von - Ikterus. - - -=Wirkung.= Das im =Fliegenschwamm= enthaltene +Muskarin+ ist eine -sehr giftige, mit dem Neurin und Cholin verwandte Base von der Formel -N.(CH_{3})_{3}C_{2}H_{5}O_{2}.OH (Trimethylammoniumbase), welche -in ihrer Wirkung viel Aehnlichkeit mit dem Eserin, Pilokarpin und -Arekolin besitzt. Sie erzeugt gesteigerte Sekretion aller Drüsen, -Darmtetanus, Uteruskontraktionen, Krämpfe, Aufregung und Lähmung des -Gehirns, Herzstillstand und Lungenödem. Nach +Ellenberger+ (Berliner -Archiv 1887) traten bei Pferden schon nach Dosen von 0,04 Muskarin -schwere Vergiftungserscheinungen auf. Die im =Lärchenschwamm= -enthaltene +Agarizinsäure+ von der Formel C_{10}H_{30}O_{5} stimmt -mit dem Atropin in der sekretionsbeschränkenden Wirkung überein. -Es tötet durch Lähmung der im verlängerten Mark gelegenen Zentren -(Herzzentrum, Atmungszentrum, vasomotorisches Zentrum) und erzeugt -ausserdem Gastroenteritis. =Amanita phalloides= enthält nach -+Kobert+ ein ausserordentlich giftiges Toxalbumin, das +Phallin+, -das stärkste bekannte +Blutgift+, welches die roten Blutkörperchen -noch bei 125000facher Verdünnung vollständig auflöst (Hämolyse) und -dadurch zu Hämoglobinämie und Hämoglobinurie, Polycholie, multiplen -Blutgerinnungen durch das infolge der Auflösung der Blutkörperchen -freigewordene Fibrinferment (Leukonuklein) mit ihren Folgen, und zu -schweren zerebralen Störungen Veranlassung gibt. Hunde und Katzen -sterben schon nach der intravenösen Einverleibung von weniger als einem -halben Milligramm Phallin pro Kilogramm Körpergewicht und zeigen schon -eine halbe Stunde nach der Applikation Hämoglobinurie. Dabei erscheint -im Harn zunächst Oxyhämoglobin, sehr bald aber infolge Umwandlung -desselben im Blute Methämoglobin und sogar Gallefarbstoff. Hieran -schliessen sich wie bei der Hämoglobinämie der Pferde parenchymatöse -Nephriten mit Anurie und Urämie an. Die =essbare Morchel= enthält -im frischen Zustand die sehr giftige +Helvellasäure+ von der Formel -C_{10}H_{20}O_{7}, welche gleichfalls hämolytische Eigenschaften -besitzt und infolge Auflösung der roten Blutkörperchen Hämoglobinämie -erzeugt; ausserdem bestehen die Vergiftungserscheinungen in Tetanus, -Trismus, Schwindel, Somnolenz, Bewusstlosigkeit, Erbrechen und -Durchfall. - - -=Krankheitsbild.= Vergiftungen durch Giftschwämme kommen bei den -Haustieren ausserordentlich selten vor. Die tierärztliche Literatur -enthält nur vereinzelte einschlägige Beobachtungen. Nach +Bizky+ -(Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1898) erkrankten mehrere Fohlen -nach der Aufnahme von Waldheu, welches Fliegenschwamm enthielt; -sie zeigten Durchfall, Speichelfluss und Pupillenverengerung -(Muskarinvergiftung). +Munkel+ (Preuss. Mitteil. 1878) berichtet, -dass eine Herde Mutterschafe erkrankte, nachdem sie im September in -ein Gehölz getrieben wurde, in welchem zahlreiche Pilze wuchsen und -zwar insbesondere Agaricus muscarius und delicissus, Cantharellus -cibarius, Boletus edulis und Klavariaarten. Mehrere Schafe, welche -mit grosser Begierde von den Pilzen gefressen hatten, erkrankten, -indem sie umfielen und nicht mehr aufstehen konnten, so dass sie in -diesem gelähmtem Zustande nach Hause getragen werden mussten; die -erkrankten Tiere genasen jedoch alle. +Mundesgruber+ (Repertor. 1843) -beobachtete eine Vergiftung bei Gänsen. 600 Stück Gänse hatten im Walde -unter anderen Pilzen Agaricus muscarius und pyrogalus aufgenommen. -180 Stück davon erkrankten und starben innerhalb 24 Stunden. Die -Krankheitserscheinungen bestanden in Taumeln, wutähnlichem Benehmen und -Wälzen. Bei der Sektion fand man Rötung und Entzündung der Schleimhaut -des Schlundes, Kropfes und Darmes. - - -=Therapie.= Die Behandlung besteht in der Anwendung von Brechmitteln, -Abführmitteln, Tannin, Lugolscher Lösung und in symptomatischen -Massnahmen. - - -Diverse andere Giftpflanzen. - - =Rhus toxicodendron=, der +Giftsumach+, ist eine in Nordamerika - einheimische, bei uns in Gärten kultivierte und auch wild - vorkommende Terebinthazee (Anakardiazee), welche ein mit dem - +Kardol+ (schwarzbraunes Oel der sog. Elefantenläuse, der Früchte - von Anacardium occidentale) verwandtes stark reizendes Gift, die - +Toxikodendronsäure+, enthält. Die Pflanze erzeugt bei ihrer - Berührung Hautentzündung. Vergiftungen sollen bei Schafen und Ziegen - nach dem Genusse der Blätter und Beeren beobachtet worden sein. - Auch die chilenische Litrepflanze (Lithrea caustica), ebenfalls zu - den Anakardiazeen gehörig, scheint einen kardolartigen Stoff zu - enthalten. -- Das =Kardol= ist eine ölige, gelbliche Flüssigkeit, - gewonnen aus den unter dem Namen „Elefantenläuse“ bekannten - Früchten von +Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+ - (Terebinthazeen), von scharfer, kantharidinartiger Wirkung auf Haut - und Schleimhäute (Dermatitis, Gastroenteritis besonders im Dickdarm). - - - =Cyclamen europaeum=, das +Alpenveilchen+ (Schweinebrot, Saubrot, - Erdscheibe), eine Primulazee, besitzt ein knolliges, kuchenförmiges - Rhizom, welches ein mit dem Saponin bezw. Sapotoxin in der Wirkung - verwandtes Glykosid, das +Zyklamin+, enthält. Dasselbe zerfällt - beim Kochen in Zucker und Zyklamiretin. Die Knollen wirken reizend, - entzündungserregend (Gastroenteritis), scheinen aber von Schweinen - („Schweinebrot“) gut ertragen zu werden. In Italien werden die - Knollen zum Fischfang verwendet (Lähmung der Fische). Das Zyklamin - besitzt ausserdem blutauflösende Eigenschaften. - - - =Aristolochia Clematidis=, +Osterluzei+ (Hohlwurz) ist ein auf - Aeckern und in Hecken vorkommendes Unkraut mit weithin kriechender - Wurzel, ½-1 m hohem, aufrechtem Stengel, am Grunde herzförmigen - Blättern und gelben Blüten. Die Pflanze enthält ein scharf - narkotisches Alkaloid, das +Aristolochin+, welches Nierennekrose, - Leberverfettung und hämorrhagische Diathese erzeugen und ausserdem - eine aloinähnliche Wirkung besitzen soll (+Pohl+, Arch. für exper. - Pathol. 1891). Ein Vergiftungsfall nach der Aufnahme von Osterluzei - bei 5 Pferden ist von +Jeanin+ (Recueil 1850) beschrieben worden. - Die Vergiftungserscheinungen bestanden in Schwanken, Schlafsucht, - Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Konvulsionen, Verstopfung, Absatz - blutigen Kotes, Polyurie, Abmagerung und Schwäche, sowie Haarausfall - (bei einem Pferd). Die Tiere erholten sich erst wieder vollständig - nach Ablauf eines Vierteljahres. - - - =Polygonum=, +Knöterich+, kommt in 3 Arten vor. 1. +Polygonum - Persicaria+, der pfirsichblätterige Knöterich, ist ein ästiges - Unkraut mit länglichlanzettlichen bis linealen Blättern und roten - oder weissen Blüten. Die Pflanze soll einen scharfen Stoff, die - Polygoninsäure enthalten, welche jedoch nach anderen nur ein Gemenge - von Gerbsäure und Gallussäure darstellt. Der Knöterich erzeugt bei - Schweinen Gastroenteritis und Zystitis. 2. +Polygonum hydropiper+, - der Wasserpfeffer, soll bei Schweinen Blutharnen bedingen. 3. - +Polygonum convolvulus+, der windende Knöterich, verursachte bei - einem Pferd akute Darmentzündung (+Galtier+, J. de Lyon 1887). -- - Eine Vergiftung bei Schafen durch verschiedene Polygonumarten hat - +Born+ (Veterinarius 1896) beschrieben. Die Tiere zeigten starke - Depression des Sensoriums, Nystagmus, Krämpfe und Lähmung. - - - +Caltha palustris+, die +Sumpf-Dotterblume+ (grosse Butterblume, - Kuhblume), eine Ranunkulazee, enthält einen scharfen Stoff, welcher - wahrscheinlich mit dem Anemonenkampfer (vergl. S. 242) identisch - ist. Nach andern soll sie ein nikotinartiges Alkaloid enthalten. - +Bonin+ (Journal de Lyon 1888) berichtet über einen Vergiftungsfall - bei Pferden. Nach der Aufnahme von Grünfutter, welches fast nur - aus Sumpf-Dotterblumen bestand, zeigten sich Kolikerscheinungen, - Tympanitis, Harndrang, sowie dunkelroter Harn von scharfem, - charakteristischem Dotterblumengeruche. Ein Pferd starb. +Nessler+ - (Bad. landwirtschaftl. Wochenblatt 1870) beobachtete bei Rindern - Durchfall nach dem Genuss der Pflanze. - - - =Ledum palustre=, der +Sumpfporst+ (Wilder Rosmarin), ist ein - auf Torfwiesen wachsender bis meterhoher Strauch (Erikazee) mit - immergrünen, linealen, rostbraunen, filzigen Blättern, welche - Aehnlichkeit mit Rosmarin haben, und weisser Blumenkrone. Er - enthält den +Ledumkampfer+ und wirkt entzündungserregend auf die - Digestionsschleimhaut. - - - =Sium latifolium=, der +Merk+ (Wassermerk), ist eine in Wassergräben - wachsende Umbellifere mit weisser Blütendolde. Sie enthält einen - scharfen, +reizenden+ und zugleich +narkotisch+ wirkenden Stoff, - welcher Gastroenteritis, Kolik, starke Aufregung und Betäubung - erzeugt. Vergiftungen bei Rindern sind von +Beyerstein+ (Repertor. - 1850) und +Löfmannn+ (Fin. Vet.-Zeit. 1901) beschrieben worden. - - - =Gratiola officinalis=, das +Gottesgnadenkraut+ (Erdgalle) - ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Skrophularineen mit - stielrundem, ästigem Rhizom, bis 30 cm hohem, vierkantigem, kahlem - Stengel, feingesägten kahlen Blättern und weisslichen, gelbrötlich - angelaufenen Blüten. Die Pflanze enthält 2 Glykoside von purgierender - Wirkung: das +Gratiosolin+ von der Formel C_{46}H_{42}O_{25} und das - +Gratiolin+ von der Formel C_{40}H_{34}O_{14} sowie andere scharfe - Stoffe (+Gratiolacrin+). Die Pflanze soll eine hämorrhagische - Magendarmentzündung veranlassen. - - - =Lactuca virosa=, der +Giftlattich+, ist ein aufrechtes Kraut mit - blaugrünen Blättern, gelben kleinen Blütenköpfchen und widerlichem - Geruche (Komposite). Er enthält einen Milchsaft, +Lactucarium+, - welcher durch scheibenweises Abschneiden des 2jährigen Stengels und - Sammeln des austretenden Milchsaftes gewonnen wird. Man unterscheidet - deutsches (Zell an der Mosel), österreichisches, französisches, - englisches und amerikanisches Lactucarium. Der Milchsaft enthält das - hypnotisch wirkende +Laktuzin+. Vergiftungen bei den Haustieren sind - bisher nicht beobachtet worden. - - - =Actaea spicata=, das +gemeine Christophskraut+ (Beschreikraut, - Hexenkraut, Feuerkraut, Schwarzkraut, Wolfswurz, Christophoriana) ist - eine in schattigen Laubwäldern, besonders auf den nordeuropäischen - Gebirgen und in der Schweiz vorkommende Ranunkulazee mit glänzend - schwarzen Beeren und einer dem Helleborus-Rhizom sehr ähnlichen - Wurzel von bitterem, kratzendem, beissendem Geschmack, welche früher - statt der Nieswurz therapeutisch angewandt wurde. Die Wurzel enthält - ein scharfes Harz, das +Zimifugin+ oder +Makrotin+, welches Erbrechen - und Durchfall erzeugt. Vergiftungen bei den Haustieren sind bisher - nicht beobachtet worden. Aehnlich wirkt +Actaea cimifuga+ = Cimifuga - fötida, das stinkende Wanzenkraut, sowie die in Amerika als Tonikum - angewandte +Actaea racemosa+ = Cimifuga racemosa, die schwarze - Schlangenwurzel. - - - =Bryonia alba= und =dioica=, die +Zaunrübe+ oder +Gichtrübe+ - (Stickwurz, Hundskürbis; Kukurbitazee), besitzt eine fleischige, - aussen gelbe, innen weisse, milchende, über armsdicke, widerlich - riechende und ekelhaft bitter schmeckende Wurzel, welche das giftige - Glykosid +Bryonidin+ neben dem ungiftigen Bryonin enthält. Die - Wurzel, ein Hauptmittel der Homöopathie, besitzt purgierende und - hämostatische Eigenschaften. In grösseren Mengen aufgenommen erzeugt - sie eine hämorrhagische Gastroenteritis. +Anger+ (Vet. Esc. 1899) - beobachtete bei 7 Pferden reheähnliche Steifheit und Lähmung. Eine - ausführliche Arbeit über Bryonia hat +Mankowsky+ veröffentlicht - (1890). - - - =Galega officinalis=, die +Geissranke+ (Geissklee, Geissraute, - Fleckenraute, Pockenraute), ist eine im südlichen Europa an - feuchten Stellen wachsende Papilionazee mit weisslichen, violetten - Blütentrauben, unpaar gefiederten Blättern und linealen, - einfächerigen Hülsen. +Blanchard+ (Journal de Lyon 1888) beobachtete - bei 10 Schafen nach der Aufnahme der blühenden und halbreife - Schoten tragenden Pflanze eine innerhalb 24 Stunden tödlich - verlaufende Vergiftung. Eine ähnliche Vergiftung bei 20 Schafen hat - +Bieler+ (ibid. 1889) beobachtet. +Moussu+ (Bull. soc. Agric. 1907) - berichtet, dass 50 Schafe einer Merinoherde innerhalb 2 Tagen an - Geissrautenvergiftung eingingen, 2 mit Geissraute gefütterte Lämmer - starben rapid, während Kaninchen und Meerschweinchen damit mehrere - Tage ohne Schaden gefüttert wurden. - - - =Pedicularis palustris=, das +Läusekraut+, ist eine auf Sumpf- und - Moorwiesen wachsende Skrophularinee mit ästigem Stengel, trübgrünen, - gefiederten Blättern und grossen, fleischroten Blütenähren von - widerlichem Geruche und scharfem Geschmacke. - - - =Ferula communis=, das +Steckenkraut+, eine Umbellifere, soll nach - +Brémond+ (Journal de Lyon 1887) in Algerien im Februar und März - in allen Teilen giftig, nach dem Verblühen (April und Mai) dagegen - durchaus ungiftig und eine gute Futterpflanze sein. Durch das - Trocknen geht die Giftigkeit verloren. Die Vergiftung tritt erst nach - 6-8tägigem Besuch der Weide auf. Am empfindlichsten sind Schafe, - dann Ziegen, Rinder, Pferde und Schweine. Die Pflanze erzeugt eine - hämorrhagische Diathese, Nasenbluten, Hämaturie, Darmblutung, sowie - Hämatome auf den Psoasmuskeln. Die Krankheitsdauer beträgt 12-48 - Stunden; die Mortalitätsziffer beläuft sich auf 98 Proz. - - - =Hypericum perforatum=, das +Johanniskraut+ (Hexenkraut, - Hasenkraut, Hartheu), eine Hyperikazee, enthält das +Hyperizin+ und - +Hyperikumrot+, 2 Farbstoffe, und wahrscheinlich noch ein ätherisches - Oel. +Pangoué+ (Rep. 1861) hat eine Vergiftung bei Tieren beobachtet. - Die Erscheinungen bestanden in Abstumpfung, Benommenheit, Mydriasis - und purpurroter Färbung der fleischfarbenen Lippenabzeichen. - - - =Hydrocotyle vulgaris=, das +Nabelkraut+ (gemeiner Wassernabel), ist - eine auf Moorwiesen und an sumpfigen Ufern wachsende Umbellifere von - brennendem Geschmacke, welche einen scharfen Stoff, das +Vellarin+, - enthält. Die früher als Diuretikum und als Wundmittel angewandte - Pflanze soll bei den Haustieren Darmentzündung und Blutharnen - erzeugen. - - - =Scrophularia aquatica=, die +Wasserwurzel+ (Scr. alata, Betonica - aquatica), enthält das Harz Scrophularacrin. Nach +Bunciman+ (The - vet. journ. 1885) erkrankten 6 Schafe nach dem Genusse der Pflanze - an Appetitlosigkeit und Lähmungserscheinungen. Ueber eine Vergiftung - durch +Scrophularia nodosa+, welche sich in Durchfall, Mattigkeit und - Lähmung äusserte, hat +Walley+ berichtet (Journ. of comp. 1891). - - - =Madia sativa=, die +Saatmadie+, eine 1jährige, aus Amerika stammende - Komposite mit schwarzen, 4-5kantigen, 6-7 mm langen, ölhaltigen - Früchten (Madiaöl), soll eine opiumähnliche Wirkung besitzen. - - - =Sonchus arvensis=, die +Ackersaudistel+, erzeugte nach +Lecouturier+ - (Repertor. 1860) bei 70 Schafen Betäubung und Lähmung, sechs davon - starben. - - - =Asarum europaeum=, die +Haselwurz+ (Brechwurz), ist eine in ganz - Europa, namentlich in Buchenwäldern vorkommende Aristolochiazee. - Die Pflanze besitzt ein 10 cm langes Rhizom mit schuppenförmigen - Niederblättern, nierenförmigen Laubblättern und braunen, innen - purpurroten Blüten. Das Rhizom enthält das +Asaron+ = Asarumkampfer - von der Formel C_{20}H_{26}O_{5}, sowie ein ätherisches Oel, das - +Asaren+, von der Formel C_{10}H_{16}. Die Wirkung ist eine reizende, - emetinähnliche. Noch giftiger ist Asarum canadense. - - - =Paris quadrifolia=, die +Einbeere+ (Giftbeere, Sauauge, - Fuchstraube), ist eine in Laubwäldern wachsende Liliazee mit - schwarzen, kugeligen Beeren. Sie enthält 2 saponinartig wirkende - Giftstoffe: das +Paridin+ und +Paristyphnin+. Vergiftungen sind bei - den Haustieren bisher nicht beobachtet worden. Eine toxikologische - Monographie über die Einbeere ist von +Schroff+ veröffentlicht worden. - - - =Andromeda polyfolia=, die +Rosmarinheide+, eine Erikazee, enthält - das Glykosid +Andromedotoxin+ = +Asebotoxin+ mit blausäure- und - akonitinähnlicher Wirkung (vgl. Rhododendron, S. 276). Auch - +Andromeda florida+ wirkt nach +Dougall+ (Vet. journ. 1896) bei - Schafen giftig. - - - =Pirola=, das +Wintergrün+, ist eine in schattigen Wäldern - wachsende Erikazee mit fadenförmigem, ästigem Rhizom, rundlich - ovalen Laubblättern und traubigen Blüten. Die früher als Wundmittel - (Adstringens) benützte Pflanze enthält +Gerbsäure+, Gallussäure, - Arbutin, Erikolin und Urson. Sie soll beim Rinde Blutharnen erzeugen - (+Weinmann+, Ad. Woch. 1865). - - - =Typha latifolia=, das +Kolbenrohr+, eine Sumpfpflanze (Typhazee), - soll für Kühe giftig sein. - - - =Selinum palustre=, die +Sumpfsilge+, soll für Schafe giftig sein. - - - =Chenopodium hybridum=, der +Gänsefuss+ (Schweinemelde), enthält - das Glykosid +Chenopodin+. Die Pflanze soll bei Schweinen - Gastroenteritis, Betäubung und Blutauflösung erzeugen. - - - =Azalea pontica=, ein 1-2 m hoher Strauch (Erikazee), im Garten als - Zierpflanze kultiviert, mit goldgelben, trichterförmigen Blüten, hat - in einem von +Zirkel+ (Preuss. Mitt. 1864) beobachteten Fall bei - Ziegen Magendarmentzündung verursacht. Auch bei einer Katze wirkten - die Blätter tödlich (+Magdeburg+). - - - =Astragalus mollissimus= soll nach +Sayre+ (Amer. vet. Rev. 1888) - die Ursache der in Mexiko, Colorado und Kansas auftretenden sogen. - „Lokokrankheit“ sein, welche sich bei Pferden und Rindern in - schweren Gehirnstörungen, Halluzinationen, Hyperästhesie, Krämpfen, - Muskelschwäche, unsicherem Gang und Abmagerung äussert. +Sayre+ - hat das Krankheitsbild auch experimentell durch Verfütterung von - Astragalus bei Pferden erzeugt. Die Tiere verlieren das Taxieren - der Entfernungen, drehen sich im Kreise und fallen plötzlich - erschrocken um. Nach +Klench+ soll die Vergiftung durch Crotallaria - sagittalis bedingt sein. Nach +Crawford+ enthalten die schädlichen - Astragalusarten giftige Baryumverbindungen. - - - =Evonymus europaeus=, das +Pfaffenhütlein+ (gemeiner Spindelbaum, - Spillbaum), ist eine in Europa wild wachsende und auch angepflanzte - Celastrazee, welche ein purgierendes und digitalisähnlich wirkendes - Harz, das +Evonymin+, enthält und angeblich bei Ziegen und Schafen - Veranlassung zu tödlichen Vergiftungen gegeben hat. Das unter dem - Namen Evonymin neuerdings als Abführmittel empfohlene Fluidextrakt - wird aus Evonymus atropurpureus (+Wahoo+), einer nordamerikanischen - Celastrazee, dargestellt. - - - =Clematis=, die +Waldrebe+ (Cl. vitalba, erecta und flammula), ist - eine Ranunkulazee, deren verschiedene Arten einen stark reizenden - Stoff, den +Clematiskampfer+, enthalten; derselbe stimmt in seiner - Wirkung mit dem Anemonenkampfer (vgl. S. 242) überein. - - - =Viburnum lantana=, der +Schneeball+ (türkische Weide), soll bei - Rindern Blutharnen erzeugen. - - - =Drosera=, der +Sonnentau+ (Dr. rotundifolia und longifolia), eine - Droserazee, soll für Schafe giftig sein. - - - =Thuja occidentalis=, der +Lebensbaum+, und andere Thujaarten - besitzen eine sabinaähnliche Wirkung. - - - =Ruta graveolens=, die +Gartenraute+, enthält ein scharfes - ätherisches Oel und besitzt angeblich eine abortive Wirkung. - - - =Mentha Pulegium=, der +Poley+, eine zuweilen auch medizinisch - gebrauchte Labiate, enthält ein ätherisches Oel, Oleum Pulegii, von - phosphorartiger Wirkung, indem es sehr intensive Verfettung der - Leber, der Nieren und des Herzens erzeugt. - - - =Gelsemium sempervirens=, der +gelbe Jasmin+, enthält 2 giftige - Alkaloide, das +Gelseminin+, welches eine lähmende Wirkung auf das - Atmungszentrum und die Muskulatur, sowie eine nikotinartige auf den - Vagus besitzt, und das +Gelsemin+, ein strychninartig wirkender - Körper. Vergiftungen haben sich bisher nur beim Menschen durch zu - hohe Dosierung der Tinctura Gelsemii (Antineuralgikum) ereignet; - sie äusserten sich in Schwindel, Mydriasis, Ptosis, Schwäche in den - Beinen und Dyspnoe. Therapie: Exzitantien, künstliche Respiration. - - - =Templetonia glauca= und =Sophora secundiflora=, zwei ausländische - Schmetterlingsblüter, sind nach den Untersuchungen von +Cornevin+ - (Journ. de Lyon) Giftpflanzen (Erbrechen, Krämpfe, Lähmung). - - - =Plumbago=, die +Bleiwurz+, von Plumbago europaea, sowie andere - als Zierpflanzen in Gärten kultivierte ausländische Plumbaginazeen - enthalten das blasenziehende +Plumbagin+ = +Ophioxylin+ (früher als - „Radix Dentariae“ benütztes Vesikans). - - - =Sedum acre=, der +Mauerpfeffer+, eine Krassulazee (nicht zu - verwechseln mit Ledum palustre), enthält ebenfalls einen scharf - reizenden, blasenziehenden Stoff. - - - =Atractylis gummifera=, eine zu den Kompositen gehörige Distelart - der Mittelmeerländer, enthält nach +Saloignol+ (Recueil 1897) ein - scharf narkotisches Gift. 4 Schweine verendeten nach 2 Stunden - unter tetanischen Erscheinungen; die Sektion ergab hämorrhagische - Gastroenteritis. - - - =Corchorus capsularis=, eine in China und Japan kultivierte, die - Jute (chinesischen Hanf) liefernde Tiliazee, enthält in den Samen - ein Glykosid, das +Corchorin+, welches zu den stärksten Giften - gehört, indem es Pferde schon in subkutanen Dosen von 3 mg pro - Kilo Körpergewicht unter den Erscheinungen der Vaguslähmung tötet. - In Japan sind zahlreiche Vergiftungen bei Pferden und Rindern - vorgekommen (+Tsuno+, Monatshefte für prakt. Tierhlkde 1896, VI. Bd.). - - - =Cannabis sativa=, der +Hanf+ (Urtikazee), ist im Gegensatz zum - indischen Hanf in der Regel ungiftig. Nach +Tyroler+ (Veterinarius - 1896) sollen 25 Rinder, die aus einem Hanf enthaltenden Wasser - getrunken hatten, kurze Zeit darauf sich wie betrunken benommen - haben; eins derselben soll gestorben sein. +Mermelstein+ (ibid. - 1900) sah bei einem 4jährigen Pferde, das auf dem Felde Hanf - gefressen hatte, Kolik, Taumeln, kreuzweise Stellung der Hinterbeine, - Muskelzittern und pochenden Herzschlag; das Tier erholte sich nach - Verabreichung eines Abführmittels. - - - =Echium vulgare=, der +Natternkopf+, eine Boraginee, erzeugte bei 15 - Pferden Erbrechen und starkes Speicheln (+Michotte+, Belg. Ann. 1892). - - - =Prosopis Juliflora=, eine in des wärmeren Gegenden vorkommende - Mimose, erzeugt nach +Abrahams+ (Vet. journ. 1897) die sog. - +Cashaw+-Vergiftung. - - - =Populus balsamifera= wirkt nach +Walley+ (Journ. of comp., 7. Bd.) - auf junge Pferde und Rinder giftig und selbst tödlich; die Aufnahme - der Blätter erzeugt heftige Kolik und Durchfall. - - - =Kürbis= verursachte bei 4 Pferden, welche frischen Kürbis - gefressen hatten, Abstumpfung, Aufregung, schnarchendes Atmen, - Pupillenerweiterung, hohe Pulsfrequenz und Muskelzittern (+Werkner+, - Veterinarius 1897). Nach dem Füttern von Kürbiskernen traten bei - Mastochsen milzbrandähnliche Erscheinungen auf: hohes Fieber, - Schwäche, Benommenheit; die Sektion ergab blutige Entzündung der - Vormägen und des Dünndarms (+Szatmary+, B. T. W. 1909). - - - =Knoblauch= erzeugte bei 40 Rindern tollwutähnliche Erscheinungen - (+Pascault+, Recueil 1889). - - - =Tamus communis=, die +schwarze Zaunrübe+, eine Smilazee, besitzt - rote, kugelige Beeren von giftiger Wirkung (Gastroenteritis, Lähmung). - - - =Leucojum aestivum=, die +Sommerlevkoje+, eine Amaryllidee, enthält - einen scharf narkotischen Stoff, welcher Magendarmentzündung, - Schwindel und Betäubung erzeugt. - - - =Ligustrum vulgare=, der +Hartriegel+, eine Oleazee, enthält in - seinen Beeren das giftige +Syringin+, sowie das +Ligustron+; die - Beeren wirken scharf, entzündungserregend. - - - =Cynoglossum=, die +Hundszunge+, besitzt kurareähnliche Wirkungen. - - - =Onopordon Acanthium=, die +Eselsdistel+, eine Komposite, bewirkt - Erbrechen, Durchfall und Krämpfe. - - - =Nigella sativa=, der +Schwarzkümmel+ (Ranunkulazee), enthält das - +Melanthin+ mit saponinartiger Wirkung. - - - =Paeonia officinalis=, die +Gichtrose+ oder +Pfingstrose+, eine - Ranunkulazee, enthält in den Blüten und Samen einen scharfen, - Gastroenteritis erzeugenden Giftstoff; desgleichen Paeonia corallina - und peregrina. - - - =Berberis vulgaris=, die +Berberitze+ (Sauerdorn, Weinschädling), - eine Berberidee, enthält das giftige Alkaloid +Berberin+, welches - Konvulsionen, sowie Erregung und spätere Lähmung des Atmungszentrums - bedingt. - - - =Heracleum sphondylium=, die +deutsche Bärenklau+, erzeugte bei - Rindern Schäumen, Taumeln, bedenkliche Schwäche und Niederstürzen; - eine Kuh wurde durch den Magenschnitt gerettet (+Honeker+, D. T. W. - 1900). - - - =Urtica dioica=, die +Brennessel+, soll nach +Rohr+ (Progr. vét. - 1907) besonders zur Herbstzeit ein scharfes Gift enthalten, - welches sogar Hühnerhunde beim Streifen durch das Gebüsch unter - Krampferscheinungen töten soll; ausserdem entsteht durch das - Eindringen der Nesselhaare Hautentzündung, Stomatitis, Pharyngitis - und Laryngitis. Bei einem jungen Teckel glaubt +Holterbach+ (B. T. W. - 1908) eine ähnliche tödliche Vergiftung beobachtet zu haben (Taumeln, - Lähmung). - - - =Senecio Jacobaeus=, das +Jakobskraut+, soll nach +Gilruth+ - (The Vet. Bd. 75) bei Pferden und Rindern in Neu-Seeland häufig - Leberzirrhose veranlassen. Die Krankheitserscheinungen bestehen in - Ikterus, Aszites, Durchfall, schneller Abmagerung und Schwäche; bei - der Sektion erscheint die Leber lederartig derb und schieferartig - gefärbt. Auch experimentell liess sich bei 2 gesunden, 6 Monate alten - Kälbern nach Ablauf eines Monats tödliche Leberzirrhose durch die - tägliche Verfütterung von 3 kg Jakobskraut erzeugen. - - - =Cardamine pratensis=, das +Wiesenschaumkraut+ erzeugte nach - +Stottmeister+ (Zeitschr. f. Vet. 1902) bei 15 Remonten des - Remontedepots Wirsitz Verschlag. Schon im Jahr 1894 waren 24 - Remonten ebenfalls an Verschlag erkrankt. Auch experimentell liess - sich bei einigen Pferden und sogar bei Kühen nach 5-8 Stunden durch - Verfütterung des frischen Krautes (nicht des getrockneten) Rehe - erzeugen. - - - =Centaurea Cyanus=, die +Kornblume+, erzeugte nach +Dopheide+ (Berl. - Arch. 1901) bei einer Kuh, welche eine grössere Menge vom Besitzer - ausgezogener grüner Kornblumenpflanzen gefressen hatte, wenige - Stunden später eine vollständige Lähmung des Hinterteils; nach - Verabreichung von schwarzem Kaffee trat in kurzer Zeit Heilung ein. - - - =Cuscuta Trifolii=, die +Kleeseide+, veranlasste nach +Holterbach+ - (D. T. W. 1908) bei 4 Kühen eine Vergiftung, nachdem sie Klee - (Trifolium pratense) mit 50% Kleeseide gefüttert erhielten. Die Tiere - zeigten Anfälle von Muskelzittern, Krämpfen der Gliedmassen und - Raserei; die Anfälle dauerten ¼ Stunde (eine Kuh zeigte 4 Anfälle), - worauf Erschöpfung und Schweissausbruch eintrat; alle Tiere genasen. - - - =Strobuli Lupuli=, die +Hopfendolden+, bedingen nach +Zaruba+ - (Tierärztl. Zentr. 1907) alljährlich zur Zeit der Hopfenernte einen - eigentümlichen Futterausschlag beim Rind, wenn die Hopfenranken - verfüttert werden, in Form eines papulösen Exanthems am Euter und an - den Hinterbeinen, das stellenweise vesikulär und pustulös ist und - sich in einem Falle über den ganzen Körper verbreitete; nach 10 Tagen - trat Heilung ein. - - - =Daucus Carota=, +gelbe Rüben+ (Mohrrüben), wirken nach +Böhm+ bei - der Verfütterung an Frettchen giftig. Auch bei Pferden sollen sie - unter Umständen schwere Darmentzündung (Preuss. Mil. Vet. Ber. 1900), - Lähmungserscheinungen (+Holterbach+, B. T. W. 1907) und Abortus - (+Suckow+, B. T. W. 1908) bei zu reichlicher Fütterung veranlassen. - Auch die weissen Rüben bedingen nach +Thomassen+ (Monatsh. f. prakt. - Tierheilk. 1902) nach ausschliesslicher Verfütterung bei Pferden die - Erscheinungen der enzootischen Bulbärparalyse: Schlinglähmung sowie - Lähmung des Hinterteils aszendierend auf das Vorderteil; sie sollen - einen Giftstoff enthalten, dessen Wirkung speziell auf die Medulla - oblongata gerichtet ist. - - - =Melassevergiftung.= Pferde, welche längere Zeit hindurch täglich - 1-2 kg Torfmehlmelasse erhielten, zeigten Harndrang, Polyurie, - Darmkatarrh, Durchfall, Kolik, Herzschwäche, Petechien auf Augen- - und Nasenschleimhaut, Mauke, Lähmungserscheinungen usw.; die Sektion - ergab chronische Nephritis (+Dammann+, Preuss. Vet. Ber. 1904; - Preuss. Mil. Vet. Ber. 1902 ff.). - - - =Cotyledon ventricosa= erzeugt nach +Jakobsen+ (Viehseuchen in - Deutsch-Südwestafrika 1907) bei Schafen und Ziegen Taumeln. - - - =Phytolacca decandra=, die +Kermesbeere+ (Scharlachbeere) enthält - eine saponinartige Substanz. Rinder erkrankten nach dem Beweiden - ihres Standorts an Gastroenteritis (+White+, Journ. of comp. 1902). - - - =Festuca Hieronymi= bezw. das darauf schmarotzende Pilzmyzel von - +Endoconidium tembladerae+ erzeugt bei den Pflanzenfressern der - südamerikanischen Anden eine charakteristische Vergiftung, die - sog. „Trembladera“, die sich in Muskelzittern, Schüttelfrost, - Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule, Gleichgewichtsstörungen, - Lähmungserscheinungen und Harnverhaltung bei freier Psyche äussert - (+Rivas+ und +Zanolli+, La Trembladera, La Plata 1909). - - - =Diversa.= +Poa aquatica+ wirkt an und für sich nicht giftig, sondern - nur, wenn es von Ustilago longissima befallen ist. Dasselbe gilt - vom +Schilfgras+ (Phragmites communis), welches häufig von Puccinia - arundinacea befallen ist. Von giftigen Pilzen sind ferner noch zu - erwähnen +Peronospora viticola+, der Rebenmehltau, welcher bei Kühen - Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall und Abortus hervorruft - (+Bissauge+, Recueil 1893), +Peronospora Herniariae+, welches bei - Schafen starke Salivation und +Peronospora Viciae+ (Mehltau der - Wicken und Erbsen), welches Abortus erzeugen soll. - - - - -Anhang. - - -Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet. - - I. =Colchicaceen.= +Colchicum autumnale+, Herbstzeitlose; +Veratrum - album+, weisse Nieswurz; +Sabadilla officinalis+, Sabadillsamen. - - II. =Solaneen.= +Atropa Belladonna+, Tollkirsche; +Hyoscyamus niger+, - Bilsenkraut; +Datura Stramonium+, Stechapfel; +Nicotiana Tabacum+, - +makrophylla+ und +rustica+, Tabak; +Solanum nigrum+, Nachtschatten; - +Solanum Dulcamara+, Bittersüss; +Solanum tuberosum+, Kartoffelkraut; - +Skopolia atropoides+, +Duboisia myroporoides+, +Ephedra vulgaris+. - - III. =Apocyneen.= +Strychnos nux vomica+, Brechnussbaum; +Strychnos - gujanensis+, Kurarebaum; +Strychnos Ignatii+, Ignatiusstrauch; - +Strophanthus hispidus+, Kombesamen; +Nerium Oleander+ Oleander; - +Nerium odorum+; +Apocynum cannabinum+. - - IV. =Euphorbiazeen.= +Euphorbia Cyparissias+, +Peplus+, - +helioskopia+, +marginata+ u. a., Wolfsmilch; +Mercurialis annua+ - und +perennis+, Bingelkraut; +Croton Tiglium+, Krotonsamen; +Ricinus - communis+, gemeiner Wunderbaum; +Buxus sempervirens+, Buchsbaum. - - V. =Ranunkulazeen.= +Ranunculus sceleratus+, +acris+, +arvensis+, - +repens+, +Ficaria+, +flammula+, +bulbosus+, +lanuginosus+, +Lingua+, - +auricomus+, +polyanthemus+, Hahnenfuss; +Helleborus fötidus+, - +viridis+ und +niger+, Nieswurz; +Aconitum ferox+, +neomontanum+, - +variegatum+ und +Napellus+, Sturmhut; +Aconitum lycoctonum+, - Wolfseisenhut; +Clematis erecta+, Waldrebe; +Adonis vernalis+, - +Delphinium Staphisagria+, Stephanskörner; +Caltha palustris+, - Sumpfdotterblume; +Actaea spicata+ und +racemosa+, Christophskraut, - Schlangenwurzel; +Nigella sativa+, Schwarzkümmel; +Paeonia - officinalis+, Gichtrose. - - VI. =Umbelliferen.= +Conium maculatum+, Fleckschierling; +Cicuta - virosa+, Wasserschierling; +Aethusa Cynapium+, Gartenschierling; - +Oenanthe crocata+ und +fistulosa+, Rebendolde; +Chaerophyllum - temulum+, Taumelkerbel; +Sium latifolium+, Merk; +Ferula communis+, - Steckenkraut; +Hydrocotyle vulgaris+, Nabelkraut. - - VII. =Papilionazeen.= +Physostigma venenosum+, Kalabarbohne; +Cytisus - Laburnum+, Goldregen, und andere Cytisusarten; +Lathyrus cicer+, - Kichererbse; +Lathyrus sativus+, Platterbse; +Coronilla scorpioides+, - Kronenwicke; +Melilotus officinalis+, Steinklee; +Lupinus luteus+, - +albus+ und +angustifolius+, Lupine; +Galega officinalis+, - Geissranke; +Astragalus molissimus+; +Robinia Pseudoacacia+. - - VIII. =Amygdaleen.= +Amygdalus communis+, Bittermandelbaum; +Prunus - laurocerasus+, Kirschlorbeer; +Prunus Padus+, Traubenkirschbaum; - +Prunus persicus+, Pfirsichbaum; +Prunus domesticus+, Pflaumenbaum; - +Prunus cerasus+, Kirschbaum. - - IX. =Scrophularineen.= +Digitalis purpurea+, Fingerhut; +Gratiola - officinalis+, Gottesgnadenkraut; +Pedicularis silvatica+ und - +palustris+, Läusekraut; +Antirrhinum majus+, Orant; +Melampyrum+, - Wachtelweizen; +Scrophularia aquatica+, Wasserwurzel. - - X. =Koniferen.= +Taxus baccata+, Eibenbaum; +Juniperus Sabina+, - Sadebaum; +Pinus abies+ usw.; +Thuja occidentalis+, Lebensbaum. - - XI. =Papaverazeen.= +Papaver somniferum+, Mohn; +Papaver Rhöas+, - Klatschrose; +Chelidonium majus+, Schöllkraut. - - XII. =Caryophyllazeen.= +Agrostemma Githago+, Kornrade. - - XIII. =Kupuliferen.= +Fagus silvatica+, Buche (Bucheckern); +Quercus - Robur+, Eiche. - - XIV. =Polygoneen.= +Rumex acetosa+ und +acetosella+, Sauerampfer; - +Polygonum fagopyrum+, Buchweizen; +Polygonum convolvulus+, - +Persicaria+ und +hydropiper+, Knöterich. - - XV. =Amaryllideen.= +Narcissus pseudonarcissus+ und +poëticus+, - Narzisse; +Leucojum aestivum+, Sommerlevkoje. - - XVI. =Thymelaeazeen.= +Daphne Mezerëum+ und +Laureola+, Seidelbast. - - XVII. =Erikazeen.= +Rhododendron hirsutum+, +ferrugineum+, +maximum+, - +ponticum+ und +chrysanthum+, Alpenrose; +Andromeda polyfolia+ u. a., - Rosmarinheide; +Ledum palustre+, Sumpfporst; +Pirola+, Wintergrün; - +Azalea pontica+. - - XVIII. =Aroideen.= +Arum maculatum+, Aronstab; +Calla palustris+, - Schweinekraut; +Dieffenbachia seguina+, Schweigrohr. - - XIX. =Asklepiadeen.= +Asklepias Vincetoxicum+, Schwalbenwurzel. - - XX. =Konvolvulazeen.= +Ipomoea Purga+, Jalappe; +Cuscuta europaea+, - Flachsseide. - - XXI. =Kruziferen.= +Brassica nigra+, Senf; +Brassica Rapa+, Rübsen; - +Brassica Napus+, Reps; +Brassica juncea+, Sareptasenf; +Sinapis - arvensis+, Ackersenf; +Raphanus Rhaphanistrum+, Hederich; +Erysimum - vulgare+, Wegsenf; +Arabis tartarica+, Gänsekresse; +Cochlearia - Armoracia+, Meerrettig. - - XXII. =Piperazeen.= +Piper nigrum+, Pfeffer. - - XXIII. =Liliazeen.= +Aloë ferox+ etc., Aloe; +Paris quadrifolia+, - Einbeere. - - XXIV. =Rhamneen.= +Rhamnus cathartica+, Kreuzdorn. - - XXV. =Berberideen.= +Podophyllum peltatum.+ - - XXVI. =Polypodiazeen.= +Pteris aquilina+, Adlerfarn. - - XXVII. =Malvazeen.= +Gossypium herbaceum+, Baumwollpflanze. - - XXVIII. =Terebinthazeen.= +Rhus toxicodendron+, Giftsumach; - +Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+, Elefantenläuse. - - XXIX. =Primulazeen.= +Cyclamen europaeum+, Alpenveilchen. - - XXX. =Aristolochiazeen.= +Aristolochia Clematidis+, Osterluzei; - +Asarum europaeum+, Haselwurz. - - XXXI. =Kompositen.= +Lactura virosa+, Giftlattich; +Madia - sativa+, Saatmadie; +Sonchus arvensis+, Ackersaudistel; +Achillea - Millefolium+, Schafgarbe; +Onopordon Acanthium+, Eselsdistel. - - XXXII. =Kukurbitazeen.= +Bryonia alba+ und +dioica+, Zaunrübe; - +Momordica Elaterium+, Springgurke; +Citrullus Colocynthis+, - Koloquinthengurke. - - XXXIII. =Hyperikazeen.= +Hypericum perforatum+, Johanniskraut. - - XXXIV. =Typhazeen.= Typha latifolia, Kolbenrohr. - - XXXV. =Chenopodiazeen.= Chenopodium hybridum, Gänsefuss. - - XXXVI. =Celastazeen.= +Evonymus europaeus+, Pfaffenhütlein. - - XXXVII. =Caprifoliazeen.= +Viburnum Lantana+, Schneeball. - - XXXVIII. =Droserazeen.= +Drosera rotundifolia+, Sonnentau. - - XXXIX. =Rutazeen.= +Ruta graveolens+, Raute; +Pilocarpus - pennatifolius+. - - XL. =Labiaten.= +Mentha Pulegium+, Poley. - - XLI. =Plumbaginazeen.= +Plumbago europaea+, Bleiwurz. - - XLII. =Krassulazeen.= +Sedum acre+, Mauerpfeffer. - - XLIII. =Smilazeen.= +Tamus communis+, Zaunrübe; +Convallaria - majalis+, Maiblume. - - XLIV. =Oleazeen.= +Ligustrum vulgare+, Gemeiner Liguster. - - XLV. =Berberideen.= +Berberis vulgaris+, Berberitze. - - XLVI. =Artokarpeen.= +Antiaris toxica+, javanischer Giftbaum. - - XLVII. =Kannabineen.= +Cannabis indica+, indischer Hanf; +Cannabis - sativa+, deutscher Hanf. - - XLVIII. =Lobeliazeen.= +Lobelia inflata+, aufgeblasene Lobelie. - - XLIX. =Menispermeen.= +Anamirta Cocculus+, Kokkelskörnerstrauch. - - L. =Palmen.= +Areca Catechu+, Arekanuss. - - LI. =Sapindazeen.= +Paullinia australis+ und +Cururu+, amerik. - Pfeilgift. - - LII. =Lineen.= +Linum usitatissimum+, Lein. - - LIII. =Equisetaceen.= +Equisetum arvense+, +palustre+, +limosum+, - +hiemale+, Schachtelhalm. - - LIV. =Gramineen.= +Lolium temulentum+, Taumelloch. - - LV. =Filizes.= +Aspidium Filix Mas+, Wurmfarn. - - LVI. =Schimmelpilze= (=Mukorineen=). +Mucor+, Blasenschimmel; - +Aspergillus+, Kolbenschimmel; +Penicillium+, Pinselschimmel; - +Oïdium+, Milchschimmel. - - LVII. =Brandpilze= (=Ustilagineen=). +Tilletia Caries+, Schmierbrand; - +Ustilago+, Flugbrand. - - LVIII. =Rostpilze= (=Uredineen=). +Puccinia Graminis+, +Straminis+, - +coronata+ und +arundinacia+, Getreiderost; +Uromyces+, - Leguminosenrost. - - LIX. =Kernpilze= (=Pyrenomyzeten=). +Claviceps purpurea+, Mutterkorn; - +Polydesmus exitiosus+, Rapsverderber; +Polythrincium Trifolii+; - +Epichloë typhina+. - - LX. =Schwämme= (=Fungi=). +Agaricus muscarius+, Fliegenpilz; - +Agaricus phalloides+, Knollenblätterschwamm; +Fungus Laricis+, - Lärchenschwamm; +Russula emetica+, Speiteufel; +Cantharellus - aurantiacus+, falscher Eierschwamm; +Boletus Satanas+, Satanpilz; - +Helvella esculenta+, Morchel. - - - - -III. Tierische Gifte. - - -Kantharidenvergiftung. - - =Allgemeines.= Die Kanthariden oder spanischen Fliegen (Lytta - vesicatoria) sind 1½-3 cm lange und 6-9 mm breite Käfer mit intensiv - grünen, metallisch glänzenden, oblongen Flügeldecken. Sie leben - auf Liguster, Flieder, Eschen und Pappeln und enthalten im ganzen - Körper, namentlich aber in den Geschlechtsteilen (junge Käfer - sind deshalb weniger giftig) einen kampferähnlichen, säureartigen - Stoff, das +Kantharidin+ von der Formel 2(C_{5}H_{6}C_{2}). Das - Kantharidin stellt chemisch eine Laktonsäure dar, die sich vom - Orthoxylol ableitet; es ist verwandt mit dem in den Ranunkulazeen - enthaltenen Anemonin, deren Blätter dem ebenfalls kantharidinhaltigen - Maiwurm (Meloë majalis) als Nahrung dienen. Die +Ursachen+ der - Kantharidenvergiftung sind in zu konzentrierter oder ausgedehnter - äusserlicher Anwendung der Kantharidenpräparate (Salbe, Tinktur, Oel, - Pflaster) als Epispastika, in zu hoher Dosierung des Mittels als - Aphrodisiakum, sowie in der Aufnahme der spanischen Fliegen mittelst - des Futters zu suchen. Die Todesdosis beträgt bei innerlicher - Anwendung für das Rind und Pferd 25-35 g, für den Hund ½-1 g. - - Von kantharidinhaltigen Käfern sind ferner zu nennen: Lytta violacea, - gigar und adspersa, Meloë proscarabaeus, majalis (Maiwurm) und - angusticollis, sowie verschiedene Mylabris- und Kantharisarten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Kantharidin wirkt auf der Haut -+blasenziehend+, auf der Digestionsschleimhaut +entzündungserregend+; -ausserdem erzeugt es bei seiner Ausscheidung durch die Nieren -+Nephritis+ und +Zystitis+. Bei der innerlichen Einverleibung -treten die Erscheinungen der +Stomatitis+ und +Gastroenteritis+, -bei der epidermatischen Anwendung die der +Nephritis+ in den -Vordergrund. Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind, soweit sie -den Digestionsapparat betreffen: +Speicheln+, +Schlingbeschwerden+, -+Erbrechen+, +Kolik+, +blutige Diarrhöe+, +Tenesmus+. Beim Rind -wird auch zuweilen Abgang von Kruppmembranen mit dem Kot beobachtet -(Enteritis crouposa). Die entzündliche Reizung der Nieren-, der -Blasen- und Harnröhrenschleimhaut äussert sich in +aufgeregtem -Geschlechtstrieb+, +Polyurie+, +Harndrang+, +Blutharnen+, -+Eiweissharnen+, +Rötung+ und +Schwellung+ der +Vaginal-+ und -+Präputialschleimhaut+ und selbst +Anschwellung+ des +Präputiums+ und -der +Eichel+. Diese Wirkung auf den Urogenitalapparat beobachtet man -auch bei ausgedehnter äusserlicher Anwendung der Kanthariden oder -beim Einstreuen derselben in Wunden; die entzündliche Reizung der -Digestionsschleimhaut fehlt aber in diesen Fällen. Der Tod erfolgt -unter den Erscheinungen der +allgemeinen Schwäche+ durch Atmungslähmung. - -Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Stomatitis, -Pharyngitis, Gastritis, Enteritis haemorrhagica, Zystitis und Nephritis -(sog. Kantharidin-Nephritis; hauptsächlich Erkrankung der Glomeruli -und der gewundenen Harnkanälchen). Zuweilen beobachtet man auch -Laryngitis, Rhinitis und Konjunktivitis. Die +Behandlung+ besteht -in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in Verbindung -mit Opium. Oelige Mittel sind wegen der Auflösung des Kantharidins -und der dadurch beförderten Resorption desselben zu vermeiden. Die -Lähmungserscheinungen behandelt man mit Exzitantien (Kampfer). - - -=Nachweis.= Sind die Kanthariden in unpräparierter Form innerlich -aufgenommen worden, so genügt das Auffinden der charakteristischen -grüngefärbten Flügeldecken zum Nachweise der Vergiftung. Bei -Vergiftungen nach äusserlicher Anwendung der Kanthariden kann ferner -das Kantharidin durch chemische und physiologische Reaktionen -nachgewiesen werden. Dasselbe wird wie die Alkaloide nach der -+Stas+schen Methode schon aus +sauren+ wässerigen Lösungen durch -+Aether+, +Benzol+, +Chloroform+, +Amylalkohol+ ausgeschüttelt; am -besten eignet sich hierzu +Chloroform+. Zur Untersuchung von Blut -und Körperteilen auf Kantharidin hat ausserdem +Dragendorff+ eine -besondere Methode angegeben. Danach wird das Untersuchungsmaterial -fein zerschnitten und mit +Kalilauge+ (1 Kalihydrat auf 12-15 -Teile Wasser) in einer Porzellanschale so lange erhitzt, bis eine -durchaus gleichartige Flüssigkeit entstanden ist. Nach dem Erkalten -wird dieselbe mit Wasser verdünnt, mit +Chloroform+ ausgeschüttelt -(kantharidinsaures Kali), nach Abtrennung des Chloroforms mit -Schwefelsäure bis zur stark sauren Reaktion versetzt und sofort mit -dem vierfachen Volum Alkohol gemischt, das Gemisch eine Zeitlang -im Sieden erhalten, heiss filtriert, das Filtrat möglichst stark -abgekühlt, noch einmal filtriert und durch Destillation vom Alkohol -befreit (Kantharidin). Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird -mit Chloroform wie oben behandelt, nachdem zuerst die an den Wandungen -der Retorte haftenden Massen (Kantharidin) durch dasselbe aufgenommen -worden sind. Alle Chloroformauszüge werden dann verdunstet und der -Rückstand, das reine Kantharidin, mit etwas Mandelöl aufgenommen. - -Die wichtigsten Reaktionen des Kantharidins sind: 1. Die -+physiologische+ Reaktion, welche im Auftragen des in Oel -aufgenommenen Kantharidins auf die menschliche Haut besteht, wobei -die Substanz als +blasenziehend+ erkannt wird. Am besten lässt man -die Kantharidinlösung in ein Stück englische Charpie einziehen und -befestigt dasselbe mit Heftpflaster auf seiner Brust oder auf dem -Oberarme. 2. +Metallniederschläge+ entstehen beim Zusammenbringen des -Kantharidins mit verschiedenen +Metallsalzen+. Man löst das Kantharidin -in wenig Kali- oder Natronlauge und löst die dabei entstehenden -Kristalle in etwas Wasser auf. Die Lösung gibt dann mit +Chlorbaryum+ -und +Chlorkalzium+ weisse, mit +Kupfervitriol+ und +schwefelsaurem -Nickeloxydul+ grüne, mit +schwefelsaurem Kobaltoxydul+ rote, mit -+Bleizucker+, +Sublimat+ und +Höllenstein+ weisse, kristallinische, -meist rhombische Niederschläge von kantharidinsauren Metallen. - - =Kasuistik.= +Römmele+ (Bad. Mitteil. 1866) berichtet, dass auf - einem Gute spanische Fliegen von benachbarten Eschenpflanzungen - und Holundersträuchen in das Wiesengras gelangten, was zur Folge - hatte, dass ein grosser Teil des Viehstandes mehrere Jahre hindurch - Blasenbildung auf der Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und - Scheidenschleimhaut, erregten Geschlechtstrieb, Hämaturie, Harndrang, - Abortus, Anämie und Abmagerung zeigte. -- +Brandes+ (Magazin Bd. 3) - sah nach scharfen Einreibungen beider Brustwandungen mit je 50 g - Kantharidensalbe, wobei nach 12 Stunden beiderseitig je 15 g Salbe - nachgerieben wurden, bei Pferden regelmässig Polyurie eintreten. 3 - Pferde zeigten ausserdem schwankenden Gang und Lähmungserscheinungen. - -- +Bertsche+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) beschreibt eine Vergiftung - bei einer Kuh, welcher zum Zwecke des Brünstigwerdens etwa 25 g - Kantharidenpulver von einem Landwirt eingegeben worden waren. Die - Maulschleimhaut war weisslich verfärbt, das Epithel an der Zunge, am - Zahnfleisch und Gaumen bis in die Nasenhöhle in Fetzen abgelöst. Urin - wurde häufig, aber immer nur in geringen Mengen abgesetzt, derselbe - war rötlich gefärbt. Die Futteraufnahme war ganz aufgehoben, beim - Abschlucken zeigte das Tier grosse Schmerzen. Mit dem Kot gingen - 1-1½ m lange darmähnliche Kruppmassen ab. Die Bewegung war matt und - schwankend. Nach eingeleiteter Behandlung trat langsame Genesung - ein. -- Ein Pferd starb nach der Einreibung von Kantharidensalbe - an Nephritis nach 2 Tagen (Pr. Mil. Vet. Ber. 1895). -- +Metzger+ - (D. T. W. 1896) sah bei einer Kuh, welche etwa 10 g Kanthariden - eingegeben erhalten hatte, schwankenden Gang, Salivation, Stomatitis - und Pharyngitis sowie Polyurie. Das bis zum Skelett abgemagerte - Tier brauchte etwa ein Vierteljahr zur Erholung. -- +Carougeau+ - (Journ. de Lyon 1897) beobachtete bei einem Pferde nach der - Einreibung mit Kantharidensalbe akute hämorrhagische Nephritis, - wobei die Glomeruli um das 2-3fache vergrössert waren. -- +Heck+ - (Am. vet. rev. 1898) sah bei einem Hengst nach der Verabreichung - von 8 g Kanthariden Stomatitis, Pharyngitis, Polyurie, Kolik - und Tod nach 12 Stunden; die Sektion ergab Gastroenteritis und - Nephritis. -- Nach den experimentellen Untersuchungen +Friedbergers+ - (Münchener Jahresbericht 1878) hatten 50 g Kantharidensalbe - äusserlich eingerieben keine giftige Wirkung, während die innerliche - Verabreichung von 25 g des Pulvers nach 4 Stunden bei einem Pferd - schwere Vergiftungserscheinungen hervorrief. -- Eine Stute erhielt - 5 g Kantharidenpulver auf Brot und erkrankte infolgedessen an - einer Stomatitis diphtherica; ein anderes schweres Pferd zeigte - nach derselben innerlichen Dosis ausser Appetitverminderung keine - Krankheitserscheinungen (+Groll+, Woch. f. T. 1903). -- Nach dem - Einreiben von 70 g Kantharidensalbe zeigte ein Pferd Polyurie und - Kolikerscheinungen; ein Ablecken der Salbe hatte nicht stattgefunden - (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Ich habe mehrmals ähnliche - Beobachtungen gemacht. - - -Vergiftung durch Schlangenbisse. - - =Allgemeines.= Die in einzelnen Gegenden Deutschlands noch - vorkommende +Kreuzotter+, +Vipera Berus+ (Coluber Berus), gibt - zuweilen durch ihren Biss Veranlassung zu Vergiftungen bei - Hunden, Rindern, Pferden und Schafen. Ausser der Kreuzotter ist - als einheimische Giftschlange die in Oesterreich und der Schweiz - vorkommende +redische Viper+, +Vipera Redii+ (V. Aspis, Schildotter) - zu erwähnen. Ausländische Giftschlangen sind die +Klapperschlangen+ - (Krotaliden) und die +Vipern+ (Viperiden), die +Brillenschlangen+ - (Elapiden), die +Hydrinen+ und +australischen Schlangen+. Das - Schlangengift ist auch im Blute vorhanden und wird in den zwischen - den Kaumuskeln eingelagerten Giftdrüsen ausgeschieden, welche - als modifizierte Speicheldrüsen (etwa der Parotis entsprechend) - aufzufassen sind. Der Ausführungsgang dieser Giftdrüsen mündet in den - im Oberkiefer befindlichen Giftzahn. Bei jedem Biss erfolgt durch die - Kontraktion der Kaumuskeln eine Kompression der Drüse mit Entleerung - des Sekrets. Die Giftflüssigkeit besitzt eine neutrale Reaktion und - enthält wahrscheinlich keinerlei geformte Elemente. Letzteres geht - daraus hervor, dass das Schlangengift auch nach längerem Kochen, - sowie nach Erwärmen auf 125° seine Wirkung nicht verliert, dass - ferner eine Infektion anderer Tiere durch Blutübertragung nicht - gelingt und dass das Schlangengift sehr lange, selbst monate- und - jahrelang in getrocknetem Zustand oder in Glyzerin haltbar und - auch durch Fäulnis nicht zu zerstören ist. Vom vollen Magen wird - Schlangengift verdaut, vom leeren resorbiert. Bei allen Giftschlangen - ist der Giftvorrat schon nach wenigen Bissen erschöpft, so dass sie - alsdann ungiftig sind. - - =Literatur.= +Fontana+, Abhandlung über das Viperngift, Berlin - 1787. -- +Russel+, Indian Serpents 1796. -- +Fayrer+, The - Thanatophidia of India 1874. -- +Brunton+ und +Fayrer+, Natur und - Wirkung des Najagiftes 1873. -- +Albertoni+, Ueber die Wirkung des - Schlangengiftes 1879. -- +Lacerda+, Uebermangansaures Kali als - Antidot des Kopragiftes 1871. -- +Schulz+, Ueber Schlangengift 1881. - -- +Aron-Binz+, Exper. Studien über Schlangengift, Zeitschr. f. klin. - Medizin, Bd. 6. -- +Weir Mitschel+ und +Reichert+, Untersuchungen - über Giftschlangen, Washington 1886. -- +Feoktistow+, Desgln. Dorpat - 1888. -- +Phisalix+ und +Bertrand+, Bull. de la soc. de méd. 1895. -- - +Fraser+, Brit. med. journ. 1897. -- +Calmette+, Annal. de l’inst. - Pasteur 1892; Les venins, les animaux venimeux et la sérotherapie - antivenimeuse, Paris 1907; Die tierischen Gifte und ihre antitoxische - Serumtherapie. Handb. d. pathol. Mikroorganismen von Kolle u. - Wassermann, 1909. -- +Kaufmann+, Die Giftschlangen in Frankreich, - Paris 1893. -- +von Linstow+, Die Gifttiere 1894. -- +Faust+, Die - tierischen Gifte, Braunschweig 1906. - - -=Wirkung des Schlangengiftes.= Die chemische Natur des Schlangengiftes -ist noch nicht aufgeklärt (+Eiweissgifte+?). Jedenfalls enthalten die -einzelnen Schlangengifte ganz verschiedenartig wirkende Substanzen. -Fast alle Schlangengifte enthalten zunächst +Hämolysine+, d. h. Toxine, -welche die roten Blutkörperchen auflösen. Das Gift der Viperiden -und Kolubriden enthält ferner +Hämorrhagine+, d. h. Toxine, welche -eine örtliche Schädigung des Gefässendothels veranlassen und dadurch -hämorrhagische Schwellungen hervorrufen. Andere Schlangengifte -(Elapiden, Hydrinen) bewirken durch ihren Gehalt an +Neurotoxinen+ -vorwiegend allgemeine Lähmung. Alle drei Giftstoffe sind z. B. im -Ophiotoxin, dem Gift der Kobraschlange, enthalten. Aehnlich wie bei -den Toxinen der Infektionskrankheiten lassen sich auch gegen die -einzelnen Toxine der Giftschlangen Antikörper in Form verschiedener -Sera darstellen (Antivenenin, polyvalentes Serum). - - -=Krankheitsbild.= Das Schlangengift der Kreuzotter (+Viperin+) erzeugt -lokal eine +phlegmonös-hämorrhagische Entzündung+ der +Bissstelle+, -welche sich durch +Anschwellung+ der Haut in der Umgebung der letzteren -äussert. Die Allgemeinwirkung des Viperins ist eine +lähmende+ auf -+Herz+, +Atmungszentrum+ und +Körpermuskulatur+. Bei der Sektion findet -man +Blutextravasate+ in den Organen der Hinterleibshöhle. Die tödliche -Dosis des Viperins beträgt für den Hund 0,01 g pro Kilo Körpergewicht. -Im übrigen ist die Giftigkeit des Kreuzottergifts je nach der Gegend -und Jahreszeit verschieden; besonders giftig scheint dasselbe gegen -Ende des Sommers zu sein. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Schlangenbisse zerfällt in einen -+örtlichen+ und einen +allgemeinen+ Teil. Wird man unmittelbar nach -stattgefundenem Bisse gerufen, so kann man versuchen, das Gift in der -Bisswunde zu zerstören oder seine Resorption zu verhindern. In dieser -Beziehung sind das +Ausbrennen+ und das +Ausätzen+ der Wunde, sowie -das Anlegen einer +Ligatur+ oberhalb der Bissstelle empfohlen worden. -Von Arzneimitteln, welche lokal das in der Wunde befindliche Gift -zerstören, werden namentlich das +Kalium permanganicum+ (3-5prozentige -Injektionen), +Chromsäure+ (1prozentige Lösung), ferner +Jodtinktur+, -+Chlorkalk+, +Chlorwasser+, +unterchlorigsaures Natron+ und +Kali+, -+Eisenchlorid+, +Goldchlorid+, +Platinchlorid+ gerühmt. Sublimat, -Chlorzink, Höllenstein, Karbolsäure, Zitronensäure, Pikrinsäure, -Salmiakgeist, sowie Ferridzyankalium sollen die Wirkung des Giftes -ebenfalls abschwächen. Im übrigen behandelt man die Bisswunde und -die phlegmonöse Schwellung nach chirurgischen Regeln. Die innerliche -Behandlung der Lähmungserscheinungen besteht in der Anwendung von -+Exzitantien+: +Alkohol+, Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, -Strychnin, Veratrin, Liquor Ammonii anisatus, Wein. Nach +Fraser+ und -+Phisalix+ bildet die +Galle+ der Giftschlangen (und in geringerem -Grade auch der ungiftigen Schlangen) bei subkutaner Einspritzung das -stärkste Gegenmittel gegen das Schlangengift. Nach +Calmette+ soll die -Behandlung mittels +Serum+ immunisierter Pferde ebenfalls ein sehr -wirksames Mittel sein („Antivenenin“). - - =Kasuistik.= +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) beobachtete - unter einer Rinderherde, welche in einem Gehölze weidete, wo die - Kreuzotter vorkam, 5 Todesfälle. Die erste Krankheitserscheinung - bestand in einer unbedeutenden, talergrossen, aber sehr schmerzhaften - Anschwellung am Sprunggelenk oder in der Umgebung des Fesselgelenkes, - welche von vornherein starkes Lahmgehen verursachte und sich - allmählich innerhalb 6-8 Stunden nach oben über den ganzen Schenkel - bis zur Kruppe und über einen Teil des Bauches verbreitete. Mit der - Zunahme der Geschwulst stellten sich Hinfälligkeit, Apathie und - Lähmungserscheinungen ein. Die Tiere konnten sich nicht mehr erheben, - zeigten grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Dyspnoe, Herzklopfen, sehr - gesteigerte Pulsfrequenz und schliesslich Unfühlbarwerden des Pulses. - Der Tod trat nach 24-30stündiger Krankheitsdauer ein. Bei der Sektion - fand man an den geschwollenen Stellen das subkutane Bindegewebe - serös infiltriert, die Lymphdrüsen geschwollen, die benachbarte - Körpermuskulatur wie gekocht, sowie am Dünndarm viele erbsengrosse - Blutextravasate. -- In einem von mir beobachteten Falle (Monatshefte - für praktische Tierheilkunde 1889) zeigte bei einem Hühnerhunde, - welcher auf der Jagd bei Spandau von einer Kreuzotter gebissen - worden war, die rechte Vordergliedmasse namentlich in der unteren - Hälfte eine starke phlegmonöse Schwellung, welche sich vermehrt warm - anfühlte und sehr schmerzhaft war. Die Haut zwischen den Zehen und - die innere Fläche der ganzen Extremität war stärker gerötet. Auf der - Mitte der Vorderfläche der vierten Zehe befand sich eine rundliche, - mit Blutkrusten bedeckte, etwa senfkorngrosse Bisswunde. Am Uebergang - der rechten Vorderextremität in die Brust zeigten sich an der - Innenfläche Blutunterlaufungen der Haut in einer handtellergrossen - Ausdehnung. Die Bewegung des rechten Vorderfusses war ganz - aufgehoben. Dabei war das Tier fieberlos (38,1° C.). Die Schleimhäute - der Maulhöhle und der Augen waren zyanotisch, bleigrau verfärbt. Die - Pulsfreqnenz war sehr gesteigert (120), der Puls selbst sehr schwach, - kaum fühlbar, unregelmässig, der Herzschlag beiderseits fühlbar, die - Herztöne rein. Futter- und Wasseraufnahme war gut, die Palpation des - Schlundkopfes, Schlundes und Hinterleibes ergab nichts Krankhaftes. - Die Atmung war angestrengt und beschleunigt (36). Die Bewegung des - Tieres war matt, es bestand grosse allgemeine Körperschwäche, sowie - stark eingenommene Psyche. Nach einer 8tägigen Behandlung ging - die Schwellung allmählich zurück und das Tier konnte als genesen - entlassen werden. -- +Kretschmar+ (Sächs. Jahresbericht 1861) fand - bei der Sektion einer nach dem Genusse von Waldgras plötzlich nach - vorausgegangener Aufblähung, Brüllen und Tobsucht verendeten Kuh eine - Kreuzotter im Pansen. -- +Przybilka+ (Magazin, Bd. 17) beobachtete - bei einem Hunde, welcher von einer Kreuzotter in die Nase gebissen - worden war, nach 3 Stunden eine unförmliche Schwellung des Kopfes - und Halses, grosse Schmerzhaftigkeit der Bissstelle, Winseln, - Brechneigung, grosse Unruhe und starke Pulsbeschleunigung. Die - Heilung dauerte 5 Tage. -- Eine Kuh, welche beim Ackern graste, - wurde, wie der Besitzer zufällig sah, von einer Kreuzotter (Vipera - Berus) in die Unterlippe gebissen. Bis zum andern Morgen hatte sich - eine sehr starke, schmerzhafte Anschwellung des Kopfes, hochgradiges - Speicheln, grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Herzklopfen bei 41° C. - Temperatur, 95 Pulsen, 40 Atemzügen eingestellt. Nach Erweiterung - der Bisswunde, Umschlägen von verdünntem Salmiakgeist, später von - Kaliumpermanganatlösungen und Anwendung von branntweinhaltigem - Maulwasser besserte sich der Zustand in 5 Tagen. Nach 8 Tagen war - die Kuh geheilt (+Hauboldt+, Sächs. Jahresber. 1895). -- +Binder+ - (Tierärztl. Zentralbl. 1894) sah bei einem Rind und einem Hund - Zuckungen, Zusammenstürzen und allgemeine Lähmung. -- +Webb+ (J. of - comp., 20. Bd.) sah bei Pferden ödematöse Anschwellungen am Kopf, - Petechien auf der Konjunktiva, blutigen Nasenausfluss, blutigen - Harn, Brechneigung, 40,5° und bei der Sektion Blutextravasate unter - der Pleura und in der Bauchhöhle. -- Weitere Beobachtungen sind von - +Förderreuther+, +Koppitz+, +Lammert+, +Huth+, +Petzold+, +Falke+, - +Kitt+, +Martin+, +Uhlich+, +Giovanoli+, +Gresswell+, +Leibenger+, - +Sepp+ u. a. beschrieben worden. - - =Giftige Fische.= Abgesehen von der durch Ptomaine bedingten sog. - Fischvergiftung (vergl. S. 365) gibt es verschiedene Arten lebender - Fische, welche teils in besonderen Giftdrüsen und im Blute, teils - in den Ovarien Gifte produzieren. Zu den ersteren gehören z. B. - die Gattungen Synanceia brachio, Plotosus lineatus, Trachino draco - (Drachenfisch) und vipera, Serranus scriba, Stomias boa, Cottus - scorpio und bubalis, Muraena Helena, Scorpaena scropha und porcus. - Bekannt ist insbesondere die Giftigkeit des Blutserums der Muräniden - (giftiges Aalserum). In Japan enthalten verschiedene Spezies (12) - der Gattung Tetrodon (Fugu) in den Ovarien und Hoden namentlich zur - Sommerzeit die lokal reizende Tetrodonsäure (Brechdurchfall) und das - allgemein lähmende, kurareähnliche Tetrodonin. Füttert man Hunde mit - den Geschlechtsorganen obiger Fische, so zeigen sie Speichelfluss, - heftiges Erbrechen und Krämpfe. Dieselben Erscheinungen treten nach - subkutaner Einverleibung auf; hierbei tritt jedoch in der Regel der - Tod nach 1-2 Stunden unter dem Bild der Lähmung und Erstickung ein - (+Remy+). Das Gift des Drachenfisches wirkt hämolytisch (+Evans+). - - - =Kröten= (=Bufo=). Die Kröten, namentlich die gemeine Kröte (Bufo - cinereus), die Kreuzkröte (Bufo calamita), die Knoblauchskröte - (Pelobates fuscus), die Unke (Bombinator igneus) und die - Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), besitzen in ihrer Haut - zahlreiche Giftdrüsen, welche namentlich in der Schläfengegend - Hautwülste (sog. Parotiden) bilden. Das Sekret dieser Drüsen enthält - den ausserordentlich stark reizenden Giftstoff +Phrynin+ (Bufotalin, - Bufonin), welcher auf Schleimhäuten eine intensive Entzündung erzeugt - und innerlich eine digitalisähnliche Wirkung hat. Bekanntlich zeigen - Hunde, welche Kröten erfassen, zuweilen Würgen, Erbrechen und - Speicheln (Phryninvergiftung). - - - =Salamander.= Der Feuersalamander, Salamandra maculata, besitzt - in seinem Parotissekret alkaloidartige Körper, das +Samandarin+, - Samandaritin und Samandatrin, welche ähnlich wie das Phrynin stark - reizend und daher im Magen brechenerregend wirken und innerlich - strychninartige Krämpfe erzeugen; ausserdem wirkt es auf die - Blutkörperchen zerstörend ein, enthält also +Hämolysine+. Für Hunde, - welche, wenn auch selten, Salamander aufgreifen und sich dann - erbrechen, sollen 2 mg Samandarin tödlich wirken (+Langlois+, Compt. - rend. 1889). Aehnlich soll das Gift des Wassersalamanders, Triton - cristatus, wenn auch schwächer, wirken. - - - =Miesmuschel.= Die Miesmuschel, +Mytilus edulis+, enthält eine - giftige Albumose, das +Kongestin+, welche nach +Richet+ (Pasteurs - Annalen, 21. Bd.) bei Hunden Erbrechen, Durchfall und Kolik - hervorruft und dieselben in einer Dosis von 0,075 g pro Kilogramm - Körpergewicht tötet. Bei der Sektion findet man eine heftige - Hyperämie des Magens und Darmes („Kongestin“). Werden gesunde Hunde - mit Kongestin behandelt, so soll sich die Empfänglichkeit für das - Gift steigern (sog. Anaphylaxis), indem im Gegensatz zur Bildung - von Antikörpern bei der Immunität toxogene Stoffe gebildet werden - (biologische Reaktion des Körpers). - - -Vergiftung durch Bienenstiche. - - =Allgemeines.= Das Gift der +Honigbiene+, Apis mellifica, +Wespe+, - Vespa vulgaris, und +Hornisse+, Vespa crabro (Akuleaten), enthält - neben +Ameisensäure+ ein dem +Schlangengift verwandtes Gift+. Nach - +Morgenroth+ und +Carpi+ (D. med. Z. 1906) ist das dem Schlangengift - analoge Gift ein +Prolezithid+, das sich mit dem Lezithin zu einem - hämolytisch wirkenden Toxolezithid vereinigt. Nach +Langer+ (Arch. - f. exper. Pathol. 1897), der zu seinen Versuchen ungefähr 25000 - Bienen verwendete, wurde das Gift in der Weise gewonnen, dass eine - jede Biene vorsichtig mit zwei Fingern gefasst, am Abdomen mässig - gedrückt und nun der sofort hervorgeschnellte Stachel schnell in - Wasser eingetaucht wurde, damit das daran hängende Gifttröpfchen in - Lösung gebracht werden konnte. Oder es wurde der mit einer Pinzette - herausgerissene Stachel samt Giftblasen in Wasser verrieben und die - so erhaltene Flüssigkeit mehrmals filtriert. Das frisch entleerte - Gifttröpfchen, ein spezifisches Sekret der Giftdrüse, war wasserklar, - reagierte sauer, schmeckte bitter, roch fein aromatisch, löste sich - in Wasser und schwankte in seinem Gewicht zwischen 0,0002-0,0003 g. - In dem Gifttröpfchen ist Ameisensäure enthalten; dieselbe hat zwar - ebenfalls hämolytische Wirkung, bildet jedoch nicht den wichtigsten - Bestandteil des Bienengiftes. +Das wirksame Prinzip im Akuleatengift - ist vielmehr eine Basis mit den Reaktionen eines Eiweisskörpers.+ Der - dem Gift eigene, fein aromatische Geruch rührt von einem flüchtigen - Körper her. Das Gifttröpfchen ist ein bakterienfreies Sekret. Von - anorganischen Stoffen liess sich Salzsäure, Phosphorsäure, Natron und - Kalk nachweisen. - - -=Wirkung des Bienengiftes.= Das Auftragen des Bienengiftes auf die -+unversehrte+ Haut vermag nach +Langer+ keine reizende Wirkung -hervorzurufen. Bei Schnittwunden ruft es jedoch die bekannten -entzündlichen Erscheinungen hervor. Bei +subkutaner+ Applikation -zeigen sich die Tiere sehr unruhig, traurig, verschmähen die Nahrung -und zeigen wohl auch Eiweiss im Harn. Als örtliche Wirkung tritt -hierbei eine +lokale Nekrose+ ein, in deren Umgebung infolge des -abnehmenden Wirkungsgrades Rundzelleninfiltration, Oedem und Hyperämie -zur Entwicklung kommen. Bei intravenöser Applikation von 6 ccm einer -1,5proz. Giftlösung machte sich bei einem Hund bald starkes Sinken -des Blutdrucks und Pulsverlangsamung geltend. Später traten noch -klonische +Zuckungen+ mit Trismus und Nystagmus ein, und das Tier ging -unter Respirationsstillstand zugrunde. Bei der Sektion war das Blut -lackfarben (+Hämolyse+); im mikroskopischen Präparat zeigten sich nur -sehr wenig gut erhaltene Blutkörperchen; spektroskopisch liess sich -+Methämoglobin+ nachweisen. In der Lunge fanden sich +hämorrhagische -Infarkte+. Die Nieren waren sehr hyperämisch, das ganze Gewebe blutig -imbibiert, der Darmkanal blaurot mit schleimig blutigem Inhalt. - - -=Krankheitsbild.= Die Vergiftungserscheinungen bei den Haustieren -bestehen in +lokaler Anschwellung+ der Haut, welche zuweilen +brandig+ -abfällt. Ausserdem können bei sehr grosser Anzahl der Stiche +schwere -Allgemeinerscheinungen+ (+Lähmung+, +Hämoglobinurie+, +Sepsis+, -+Erstickung+) auftreten, welche zuweilen schon im Verlaufe weniger -Stunden den Tod herbeiführen. Die +Behandlung+ der Bienenstiche ist -dieselbe wie die der Schlangenbisse; eventuell ist die Tracheotomie -vorzunehmen. - - =Kasuistik.= +Fünfstück+ (Sächs. Jahresber. 1886) sah 2 Pferde, - welche von einem Bienenschwarm überfallen wurden, nach 6 resp. 10 - Stunden sterben. Bei der Sektion fand man Hämorrhagien unter der - Haut und unter dem Endokardium, enorme Vergrösserung der Milz, deren - Pulpa mit dunklem teerartigen Blute überfüllt war, mürbe, lehmartige - Beschaffenheit der Leber, mürbe, wie gekochte Körpermuskulatur, sowie - sehr dunkles Blut. -- +Meyerheim+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete - bei 2 Pferden enorme Schwellungen über den ganzen Körper, wobei ein - Ohr und mehrere Hautstücke brandig abfielen; das eine Pferd zeigte - eine schwere Allgemeinerkrankung, das andere starb. -- +Lange+ - (Preuss. Mitt. 1883) sah 6 Gänse nach Bienenstichen sterben. -- Nach - +Albrecht+ (Monatsh. für prakt. Tierheilkde. 1892, III. Bd.) wurden - zwei von einem Knechte in der Nähe eines Bienenhauses angebundene - Pferde von Tausenden von Bienen gestochen. 1½ Stunden später traf A. - die Tiere in schwerkrankem Zustand an. Kopf, Hodensack, After und - Unterbrust waren stark geschwollen; der Rumpf war mit Beulen wie - übersät. Die Atmung war sehr erschwert, der Puls klein und frequent - (100 in der Minute). Anfangs hatten sich die Pferde wie rasend - benommen, um sich gehauen, mit den Füssen den Boden aufgegraben, sich - gewälzt, waren wieder aufgesprungen. Ein Tier hatte später blutigen - Urin abgesetzt. Sehr bald war aber eine allgemeine Erschöpfung - eingetreten und die Tiere konnten sich nicht mehr auf den Beinen - halten. Beide Tiere gingen in sehr kurzer Zeit ein. Bei der sogleich - vorgenommenen Sektion waren die Kadaver stark aufgetrieben. Die - Subkutis war gelb und sulzig infiltriert. Die Milz erwies sich um - das Doppelte vergrössert, ihre Pulpa war ganz schwarz. Die Nieren - hatten eine dunkelbraune rote Farbe. In der Bauch- und Brusthöhle - befand sich nur ganz wenig blutig-seröse Flüssigkeit. Die Lungen - zeigten das Bild der Hyperämie und waren mit hämorrhagischen - Infarkten durchsetzt. Die Herzoberfläche sah braunrot gefärbt aus - und war mit einigen Ekchymosen besetzt. Die Gehirnhäute waren - hyperämisch, die Pia mit kapillären Apoplexien versehen. Der in der - Harnblase enthaltene Urin war von fast normaler Farbe, enthielt aber - Eiweiss und Methämoglobin und nahm schon nach kurzer Zeit sehr üblen - Geruch an. Die Schleimhaut des Magendarmkanales zeigte den Zustand - leichtgradiger Hyperämie. -- +Dochtermann+ (Repert. 1889) sah ein - Pferd nach 12 Stunden unter Blutharnen zugrunde geben; ein anderes - genas nach mehreren Wochen unter Nekrose grösserer Hautpartien. -- - +Wagenheuser+ (Woch. f. Tierheilkde. 1893) beobachtete bei einem - Pferd Schreien vor Schmerz, Betäubung, starke Schwellungen der - Haut und Kopfschleimhäute (nilpferdähnlicher Kopf), bordeauxroten - und später himbeersaftähnlichen Urin, Dyspnoe, starke Prostration, - sowie Tod am 4. Tag. -- +Jagnow+ (Zeitschr. f. Vet.-kunde 1899) sah - bei einem Pferd unzählige, walnuss- bis handtellergrosse Beulen auf - der Haut, rötlichen Ausfluss aus Nase und Maul, Dyspnoe, dunkelroten - Urin, dummkollerartiges Drängen, sowie Herzschwäche. Bei der Sektion - fand man die Milz um das Doppelte vergrössert. -- +Berger+ (Oesterr. - Monatsschr. 1899) beobachtete bei einem Fohlen hohe Atemnot, welche - die Tracheotomie notwendig machte, sowie Tod durch Lungenbrand. -- - +Bissauge+ (Rec. 1902) hat bei einem Pferd eine Vergiftung durch - Stiche von Erdhummeln (Bombus terrestris) beobachtet (starke, - schmerzhafte Hautschwellungen, Kolik, Dyspnoe, Lähmung, 40,6°). - - =Vergiftung durch Columbaczer und Kriebelmücken.= Die Vergiftung - durch Stechmücken (Simulia Columbaczensis und ornata) äussert sich - in +Schwellung+ und +Entzündung+ der +Haut+ und +Schleimhäute+ - (Maul-, Nasen-, Augen-, Scheiden-, Mastdarmschleimhaut), +Unruhe+, - +Schmerzäusserungen+, sowie +Erstickungserscheinungen+ infolge - Verschwellung der Kopfschleimhäute. Bei der Sektion findet - man blutige und sulzige Infiltration der Subkutis, Schwellung - und Entzündung der Körperschleimhäute sowie suffokatorische - Veränderungen. Die Behandlung ist eine chirurgische und - symptomatische. -- +Stöhr+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete - bei Rindern, welche von Columbaczer Mücken überfallen wurden, - schmerzhafte Schwellungen im Kehlgang, an der Unterbrust, am - Unterbauche und Euter, hochgradige Aufregung, hohes Fieber, pochenden - Herzschlag, starke Injektion der Kopfschleimhäute, sowie Füllung - der Jugularvenen; viele Tiere starben. -- +Müller+ (B. T. W. 1890 - und Berl. Arch. 1892) beobachtete eine seuchenartige Erkrankung bei - Rindern, Pferden und Schafen durch Kriebelmücken (Simulia ornata). Es - zeigten sich teigige Anschwellungen im Kehlgang, welche sich zuweilen - über den Hals und die Brust ausbreiteten und vereinzelt auch am Bauch - und Euter nachzuweisen waren. Auf den nicht pigmentierten Hautstellen - waren linsengrosse, hellrote, flohstichartige Flecken mit kleinen - Blutschorfen sichtbar. Die Halsvenen waren stark gefüllt und zeigten - Venenpuls. Von 170 erkrankten Rindern starben 26, von den erkrankten - Pferden und Schafen starb dagegen keins. Als gutes Prophylaktikum - erwies sich das Petroleum. -- Ueber einen ähnlichen Fall berichtet - +Liesenberg+ (Berl. Arch. 1893); danach gehen im Kreise Meseritz - alljährlich viele Rinder durch Simulia ornata ein; prophylaktisch hat - sich am besten Naphthalinsalbe bewährt (1 : 10). -- Nach +Bergmann+ - (Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) erkrankten in Schweden im Jahr 1901 - viele hundert Pferde und Rinder nach dem Stich von Simulia reptans. - 15 Rinder starben, 1 schon nach ½ Stunde. Die Sektion ergab Oedem - in der Unterhaut, Lungenödem und serofibrinösen Erguss in den - Herzbeutel. Als bestes Prophylaktikum erwiesen sich Einreibungen der - Haut mit Kreolinöl (1 : 20). - - - =Vergiftung durch Raupen.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von - Raupen sind bei verschiedenen Haustieren Vergiftungen beobachtet - worden, welche teils durch die Behaarung der Raupen, zum Teil wohl - auch durch ein chemisches Gift (Ameisensäure, Enzym) herbeigeführt - wurden. +Röpke+ (Berl. Arch. 1887) sah bei Kühen und Pferden - Erkrankungen nach massenhafter Aufnahme des Baumweisslings mittelst - des Grünfutters. Die Pferde zeigten heftige Kolikerscheinungen, - Brechneigung, sowie Schwäche des Hinterteils. Bei den Kühen - beobachtete man Zittern, gesträubtes Haar, Schäumen, Aufblähung, - Kolikerscheinungen, sowie Schwanken im Kreuz. Beim Schlachten fand - man eine Entzündung der dünnen Gedärme, blutreiche, mit talergrossen - dunklen Flecken durchsetzte Milz, punktiertes Herzfleisch, sowie - blutreiche Nieren. +Dinter+ (Sächs. Jahresber. Bd. 21) sah nach - der Aufnahme des Kohlweisslings (Pieris brassica) Stomatitis, - Speichelfluss, sowie Erosionen an den Lippen und am Zahnfleisch. - +Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) sah von 90 Enten, welche zur - Vertilgung von Raupen in Wruckenbeete getrieben wurden, innerhalb 3 - Tagen 53 sterben. +Berndorfner+ sah bei 8 Kühen nach der Aufnahme - von Schmetterlingsraupen Kolik, Durchfall und subnormale Temperatur, - schliesslich Bewusstlosigkeit, Lähmung und Tod am 7.-8. Tag. Die - Sektion ergab hochgradige Gastroenteritis. Die Prozessionsraupen - (Cnethocampa processionalis, pithyocampa und pinnivora; der sog. - Eichen-, Fichten- und Kiefernspinner) erzeugen bei Pferden nach dem - Fressen Stomatitis, desgleichen die Raupe des Weissdornspinners, - Porthesia chrysorrhoea (+Kösters+). Aehnlich wirken die Haare - der Bärraupe (Arctia) und der Saft der Raupe des Weidenbohrers - (Cossus ligniperda). Die Exkremente der Seidenraupe erzeugten nach - +Jouet+ (J. de Lyon) Schweinen verfüttert eine Darmentzündung mit - Mastdarmvorfall. - - - =Vergiftung durch Blattläuse= (=Aphis=). Die zu den Hemipteren oder - Rhynchoten gehörenden Blattläuse enthalten einen scharfen Stoff, - welcher auf der +Haut+ und auf +Schleimhäuten Entzündung+ hervorruft. - +Steiner+, +Schrebe+ und +Burmeister+ (Preuss. Mitteil. Bd. 9 u. - 10), sowie +Pilz+ (Zeitschr. f. Veterinärkde. 1893) beobachteten bei - Pferden nach der Aufnahme von Grünfutter, Luzerne und Grünwicken, - welche stark mit Blattläusen besetzt waren, entzündliche Anschwellung - der weissen Abzeichen mit Hautnekrose und scharfer Abgrenzung - gegenüber den unpigmentierten Hautstellen. Bei Schimmeln und - Schecken zeigten sich grössere Hautstellen am Kopf und an den Beinen - entzündlich geschwollen. Aehnliche Erscheinungen waren an der Maul- - und Augenschleimhaut wahrzunehmen. Schweine (Schweizer Archiv 1848) - zeigten nach der Aufnahme von Kohlblättern, welche mit Blattläusen - besetzt waren, Kolik, Tympanitis und Konvulsionen; bei der Sektion - wurde das Vorhandensein einer hämorrhagischen Gastroenteritis - konstatiert. Auch die +Wanzen+ (Acanthia) enthalten einen ähnlichen - scharfen Stoff. - - - =Spinnen.= Die Spinnen und Skorpionen produzieren ähnliche Gifte, wie - die Giftschlangen (+Hämolysine+, +Hämorrhagine+, +Neurotoxine+). Nach - +Kobert+ (Beitr. z. Kenntnis der Giftspinnen, Stuttgart 1901) wirken - die echten Spinnen giftig teils durch das lokal reizende Sekret ihrer - Giftdrüse, teils durch ein im Spinnenkörper überall enthaltenes, - allgemein wirkendes Toxalbumin. Durch letzteres sollen in Russland - auch bei Haustieren Vergiftungen bedingt werden; sehr gefährlich - wirken die Malmignatte und Karakurte. Die Erscheinungen der häufig - tödlich verlaufenden Vergiftung bei Pferden, Kamelen und Schafen - sollen hauptsächlich in Kollaps, monatelang andauernden Lähmungen der - Extremitäten und hochgradigen Schmerzen bestehen. Von europäischen - Spinnen kommen Chiracanthium nutrix und Lathrodektes guttatus in - Betracht. Alle Kreuzspinnen scheinen giftig zu sein. - - - =Käfer.= Von Käfern (Koleopteren) mit scharf reizenden Sekreten sind - zu nennen Cetonia aurata (Goldkäfer, Rosenkäfer), Carabus auratus - (goldiger Laufkäfer), die Coccinelliden, Chrysomela und Brachinus - (Bombardierkäfer). Ueber kantharidinhaltige Käfer vergl. S. 371. - Das aus Käferlarven (Diamphidia locusta) bereitete Pfeilgift der - Buschmänner in Afrika enthält ein Hämolysin, das bei Hunden und - Kaninchen tödliche Hämoglobinämie erzeugt. Von +Orthopteren+ sind - zu nennen Blatta orientalis und germanica (Küchenschabe), welche - seit alters in der Volksmedizin als reizendes Diuretikum angewandt - wird (Antihydropin), Decticus verrucivorus (Warzenbüsser) und andere - Heuschrecken. - - - =Harnvergiftung.= In einzelnen Fällen werden namentlich bei - Schafen rasch tödlich verlaufende Vergiftungen nach der Aufnahme - von Menschenharn beobachtet. Die Erscheinungen der Vergiftung - haben Aehnlichkeit mit der +Ptomainevergiftung+ und werden durch - die normalen Bestandteile des Harns: +Novain+, +Reduktonovain+, - +Methylguanidin+, +Vitiatin+, +Myngin+, +Gynesin+ u. a. erzeugt. - So beobachtete ich bei einem 1jährigen Schaf, welches etwa ½ Liter - frischen Menschenharn ausgetrunken hatte, den Tod innerhalb sechs - Stunden unter den Erscheinungen einer +allgemeinen zerebralen+ und - +spinalen Lähmung+ eintreten. +Hasse+ (Berl. Arch. 1886) sah 4 Schafe - nach der Aufnahme von frischem Menschenharn unter den Erscheinungen - der Tympanitis und allgemeinen Lähmung erkranken. +Göckel+ (Berl. - Arch. 1887) konstatierte bei Pferden, welche mit Düngerjauche - versetztes Brunnenwasser getrunken hatten, Mattigkeit, Schläfrigkeit, - Taumeln, Schwanken, sowie leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Diese - Vergiftungen können sich nicht auf den Harnstoffgehalt des Harns - beziehen, weil nach experimentellen Untersuchungen der Harnstoff - nicht Lähmung, sondern tetanische Krämpfe erzeugt. Solche Krämpfe - sind von +Riggio+ bei Versuchstieren durch Pferdeharn erzeugt worden - (Tossicità dell’ Urina del Cavallo normale e pathologica; Neapel - 1898). - - - =Vergiftung durch Gallensäuren.= Die im Verlaufe des Ikterus gravis - auftretenden schweren Allgemeinerscheinungen (Autointoxikation) haben - zu einer experimentellen Prüfung der Giftigkeit der Galle geführt. - Es hat sich hierbei gezeigt, dass die Giftigkeit derselben nicht auf - ihrem Gehalt an Gallenfarbstoffen, sondern an Gallensäuren beruht. - Stark giftig sind namentlich das +taurocholsaure+ und +glykocholsaure - Natron+, ausserdem das chenocholsaure und hyocholsaure Natron, - ferner die Zersetzungsprodukte Cholsäure und Choloidinsäure. - Die Gallensäuren resp. die gallensauren Salze sind +Blutgifte+, - +Muskelgifte+ und +Nervengifte+. +Sie lösen noch in einer Verdünnug - von 1 : 1500 die roten Blutkörperchen auf (Methämoglobinämie).+ - Auch auf sonstiges Protoplasma, namentlich auf die weissen - Blutkörperchen, Flimmerzellen der Schleimhäute und Leberzellen - wirken sie zerstörend ein. Die Muskulatur des +Herzens+, die - quergestreifte +Körpermuskulatur+, sowie die +nervösen Zentralorgane+ - werden unter Eiweissgerinnung und Auflösung der Zellen +gelähmt+ - (Herzverlangsamung, Schwäche und schwere zerebrale Benommenheit bei - Ikterus gravis). Ausserdem soll eigentümlicherweise die Gallenbildung - angeregt und dadurch die Produktion der giftigen Gallensäuren - noch gesteigert werden. Die Gallensäuren werden als eigentliche - Todesursache bei Ikterus gravis, akuter gelber Leberatrophie, - Lupinose und zum Teil auch bei Phosphorvergiftung angesehen. - - - - -Register. - - - A. - - Abrin 303. - - Abyssinin 222. - - Acetylen 161. - - Acocantherin 222. - - Acidum carbolicum 146. - - Ackerrettig 292. - - Ackersaudistel 362. - - Ackersenf 292. - - Acolyctin 230. - - Aconitin 230. - - Aconitum Napellus 230. - - Acria 5. - - Acroleïn 292. - - Actaea spicata 361. - - Aculeatengift 378. - - Adlerfarn 315. - - Adonidin 221. - - Aeruginismus 100. - - Aerugo 100. - - Aether 179. - - Aethusa Cynapium 252. - - Aetiologie der Vergiftungen 8. - - Aetzalkalien 132. - - Aetzbaryt 127. - - Aetzende Säuren 135. - - Aetzkalk 132. - - Agaricin 357. - - Agaricus 357. - - Agrostemma Githago 203. - - Agrostemmasäure 203. - - Akonit 230. - - Alaun 112. - - Aldehyde 154. - - Alkaloidnachweis 31. - - Alkohol 165. - - Allantiasis 355. - - Aloë 296. - - Alpenrose 276. - - Alpenveilchen 204. - - Amanita Muscaria 357. - - Ameisensäure 138. - - Ammoniak 132. - - Ammoniaksuperphosphat 127. - - Ammoniämie 9. - - Amygdalin 253. - - Amylnitrit 123. - - Anacardium 360. - - Andromeda polyfolia 363. - - Andromedotoxin 363. - - Anemonin 243. - - Anemonenkampfer 242. - - Anemonol 242. - - Angewöhnung 18. - - Anilin 10. 124. - - Antagonisten 49. - - Antiarin 6. 221. - - Antidote 46. - - Antidotum Arsenici 69. - - Antifebrin 179. - - Antipyrin 180. - - Antimonvergiftung 108. - - Antirizin 300. - - Antirrhinum majus 286. - - Antivenenin 375. - - Aphis 381. - - Apocynin 221. - - Apomorphin 193. - - Arabis tartarica 292. - - Arekolin 271. - - Arekanuss 271. - - Argyriasis 113. - - Argyrosis 114. - - Aristolochia Clematidis 360. - - Armoracia 292. - - Aroïn 280. - - Aron 280. - - Aronin 280. - - Arum maculatum 280. - - Arsenik 64. - - Arsenspiegel 64. - - Arsenwasserstoff 65. - - Arzneigifte 9. - - Asaron 363. - - Asarumkampfer 363. - - Asclepias vincetoxicum 281. - - Asklepiadin 281. - - Aspergillus 335. - - Assamin 204. - - Astragalus mollissimus 211. - - Atractylis 364. - - Atmungsgifte 40. - - Atropa Belladonna 232. - - Atropin 232. - - Auripigment 64. - - Autointoxikation 7. - - Azalea pontica 363. - - Azetylen 161. - - - B. - - Bärenklau 365. - - Baryt 127. - - Baryumvergiftung 127. - - Baumwollsaatkuchen 326. - - Bazillol 153. - - Behandlung der Vergiftungen 46. - - Belladonna 232. - - Benzol 156. - - Berberin 365. - - Berberis vulgaris 365. - - Berberitze 365. - - Beryllium 116. - - Beulenbrand 340. - - Bienenstiche 378. - - Bilsenkraut 237. - - Bingelkraut 244. - - Bismutosis 115. - - Bitterkleesalz 139. - - Bittermandeln 253. - - Bittermandelöl 254. - - Bittersalz 224. - - Bittersüss 258. - - Blattläuse 381. - - Blausäure 253. - - Bleivergiftung 77. - - Bleiessig 78. - - Bleifarben 78. - - Bleiglanz 77. - - Bleiglätte 77. - - Bleiweiss 78. - - Bleiwurz 364. - - Bleizucker 78. - - Blutgifte 35. - - Bohnenbaum 222. - - Boletus 357. - - Borax 115. - - Borsäure 115. - - Botulismus 355. - - Brandpilze 340. - - Branntwein 166. - - Brassica 291. - - Brechnuss 157. - - Brechweinstein 107. - - Brennessel 366. - - Brillenschlange 258. - - Brom 145. - - Bromexanthem 145. - - Bromismus 145. - - Brunnenkresse 292. - - Bryonia 361. - - Bucheckern-Oelkuchen 272. - - Bucheln 272. - - Buchsbaum 214. - - Buchweizen 323. - - Bufo 377. - - Buxin 214. - - Buxus sempervirens 214. - - - C. - - Cactin 222. - - Calla palustris 280. - - Calomel 89. - - Caltha palustris 360. - - Cannabis 365. - - Cardamine pratensis 366. - - Centaurea Cyanus 366. - - Cephalotaxus 212. - - Cerberin 222. - - Cerium 116. - - Cerussa 78. - - Cevadin 226. - - Chaerophyllin 283. - - Chaerophyllum temulum 283. - - Chelerythrin 279. - - Chelidonin 279. - - Chenopodium 363. - - Chilisalpeter 120. - - Chinosol 156. - - Chloralhydrat 187. - - Chlorbaryum 127. - - Chlorkalk 145. - - Chloroform 171. - - Chlorsaures Kali 130. - - Chlorvergiftung 145. - - Chlorzink 105. - - Christophskraut 361. - - Chromsäure 114. - - Chromsaures Kali 114. - - Chromvergiftung 114. - - Chrysarobin 154. - - Cicer arietinum 209. - - Cicuta virosa 251. - - Cicutoxin 251. - - Cimifugin 361. - - Clematis 364. - - Cobrasgift 374. - - Cochlearia armoracea 292. - - Colchicin 182. - - Colchicumvergiftung 182. - - Columbaczer Mücke 380. - - Conium maculatum 248. - - Convallamarin 221. - - Convallaria majalis 221. - - Convolvulin 286. - - Coptin 222. - - Corchorus 364. - - Coronillin 222. - - Cuprum aceticum 100. - - -- oxydatum 100. - - -- sulfuricum 100. - - Cuscuta europaea 286. - - -- Trifolium 363. - - Cyclamen europaeum 204. - - Cyklamin 204. - - Cynoglossum 365. - - Cytisus Laburnum 222. - - - D. - - Daphne Laureola 275. - - Daphne Mezereum 275. - - Darmgifte 42. - - Datura Stramonium 238. - - Delphinin 282. - - Delphinium Staphisagria 282. - - Diagnose der Gifte 25. - - Digitalisvergiftung 215. - - Digitoxin 215. - - Dinitrokresol 123. - - Ditaïn 222. - - Dragendorffs Methode 199. - - Drosera 364. - - Dulcamarin 258. - - Dynamische Gegengifte 49. - - Dynamit 124. - - - E. - - Echinum vulgare 365. - - Eibenbaum 212. - - Eicheln 308. - - Eierschwamm 357. - - Einbeere 363. - - Eisenhut 230. - - Eisenvergiftung 112. - - Elefantenläuse 360. - - Emodin 296. - - Eosin 181. - - Ephedrin 238. - - Epichloe typhina 347. - - Equisetum 320. - - Erdöl 156. - - Ergotinsäure 330. - - Ergotismus 329. - - Erysimum 292. - - Eselsdistel 365. - - Eserin 267. - - Essigsäure 137. - - Euphorbia 247. - - Euphorbinsäure 247. - - Evonymin 222. - - Evonymus europaeus 363. - - Extractum Filicis 309. - - - F. - - Fagin 272. - - Fagopyrismus 323. - - Ferricyankalium 254. - - Ferrocyankalium 254. - - Ferula communis 362. - - Festuca Hieronymi 367. - - Filixsäure 309. - - Filixextrakt 309. - - Filmaron 309. - - Fingerhutvergiftung 215. - - Fischvergiftung 355. - - Flachs 265. - - Flachsseide 286. - - Fleckschierling 248. - - Fleischvergiftung 351. - - Fliegenpilz 357. - - Fliegenstein 64. - - Flugbrand 340. - - Fluornatrium 146. - - Fluorwasserstoffsäure 146. - - Fungus Laricis 357. - - Futter, verdorbenes 348. - - - G. - - Gänsefuss 363. - - Gänsekresse 292. - - Gänsesterbe 292. - - Galega officinalis 362. - - Gallensäuren 382. - - Galmei 105. - - Gartenmohn 186. - - Gartenraute 364. - - Gartenschierling 252. - - Gas 161. - - Gaswasser 155. - - Gegengifte 46. - - Generatorgas 161. - - Geissranke 362. - - Gelseminin 364. - - Gelsemium 364. - - Gerbsäure 308. - - Germer 226. - - Gichtrose 365. - - Gichtrübe 361. - - Gift, Begriff 3. - - Giftfarben 10. - - Giftgesetze 4. - - Giftige Fische 377. - - Giftlattich 361. - - Giftschlangen 374. - - Giftschwämme 357. - - Giftsumach 359. - - Giftwüterich 251. - - Githagin 203. - - Glanzkobalt 64. - - Glaubersalz 124. - - Gloriosin 222. - - Glykosurie 41. - - Goldglätte 78. - - Goldregen 222. - - Gottesgnadenkraut 361. - - Grana Tiglii 303. - - Gratiola officinalis 361. - - Gratiolin 361. - - Graue Salbe 88. - - Grüne Nieswurz 223. - - Grünspan 100. - - - H. - - Hämoglobin 36. - - Hämolyse 35. - - Hahnenfuss 242. - - Hanf 365. - - Harnvergiftung 382. - - Hartriegel 365. - - Haselwurz 363. - - Hederich 292. - - Helleboreïn 224. - - Helleborin 224. - - Helleborus 223. - - Helvella esculenta 357. - - Helvellasäure 357. - - Heracleum 365. - - Herbstzeitlose 182. - - Heringslakenvergiftung 355. - - Herzgifte 38. - - Höllenstein 113. - - Holzessig 151. - - Hopfendolden 366. - - Hornisse 378. - - Hundszunge 365. - - Hüttenrauch 64. - - Hydrargyrum 88. - - Hydrazine 154. - - Hydrocotyle vulgaris 362. - - Hydroxylamin 154. - - Hyoscin 237. - - Hyoscyamin 232. - - Hyoscyamus niger 237. - - Hypericin 362. - - Hypericum perforatum 362. - - Hyperleukozytose 37. - - - I. - - Ictrogen 317. - - Idiosynkrasie 17. - - Iktrogen 317. - - Intestinaltoxikose 7. - - - J. - - Jaborandiblätter 269. - - Jakobskraut 366. - - Jasmin 364. - - Jequirity 303. - - Jervin 226. - - Jod 144. - - Jodcyan 145. - - Jodismus 143. - - Jodkalium 144. - - Jodoform 142. - - Johanniskraut 362. - - Juniperus communis 288. - - -- Sabina 288. - - - K. - - Kadaverin 351. - - Kadmium 116. - - Käfer, giftige 371. - - Kaïnit 125. - - Kalabarbohne 267. - - Kalium carbonicum 135. - - Kalium permanganicum 116. - - Kali chloricum 130. - - Kalilauge 132. - - Kalisalpeter 122. - - Kalomel 89. - - Kampfer 289. - - Kannabis 365. - - Kantharellus 357. - - Kanthariden 371. - - Karbolsäure 146. - - Kardol 359. - - Kartoffelkeime 258. - - Kartoffelkraut 258. - - Kerbel 283. - - Kernpilze 347. - - Kichererbsen 209. - - Kirschkerne 253. - - Kirschlorbeer 253. - - Klatschrose 186. - - Kleekrankheit 347. - - Kleesäure 139. - - Kleesalz 139. - - Kleeseide 363. - - Knoblauch 295. 365. - - Knöterich 360. - - Kobalt 116. - - Kochsalz 116. - - Königsblau 10. - - Koffein 291. - - Kohlendunst 159. - - Kohlenoxyd 159. - - Kokain 239. - - Kolbenrohr 363. - - Kolchikum 182. - - Kolumbaczer Mücke 380. - - Koniin 248. - - Kornblume 366. - - Kornrade 203. - - Kornutin 329. - - Koronillin 222. - - Krähenaugen 197. - - Kreolin 152. - - Kreosot 151. - - Kresol 154. - - Kresolschwefelsäure 154. - - Kreuzdornbeeren 307. - - Kreuzotter 374. - - Kriebelmücken 377. - - Krötengift 377. - - Krotin 303. - - Krotonöl 303. - - Krotonolsäure 303. - - Kruziferen 291. - - Küchenschelle 243. - - Kumarin 283. - - Kupfervergiftung 100. - - Kupferfarben 100. - - Kupfervitriol 100. - - Kuprismus 101. - - Kürbis 365. - - - L. - - Lactucarium 361. - - Lactuca virosa 361. - - Lactucin 361. - - Lärchenschwamm 357. - - Läusekörner 282. - - Läusekraut 362. - - Lakenvergiftung 355. - - Landschierling 248. - - Lathyrismus 209. - - Lathyrus cicer 209. - - Lathyrus sativus 209. - - Laurocerasin 253. - - Laurocerasus 253. - - Lebensbaum 364. - - Lebergifte 43. - - Ledum palustre 361. - - Lein 265. - - Leuchtgas 161. - - Leucojum aestivum 365. - - Leukozytengifte 36. - - Ligustrum 365. - - Linamarin 265. - - Linin 265. - - Linum catharticum 265. - - -- usitatissimum 265. - - Lithargyrum 78. - - Locokrankheit 211. - - Loliin 263. - - Lolium temulentum 263. - - Lupinose 316. - - Lupinotoxin 317. - - Luzerne 209. - - Lycaconitin 230. - - Lysol 153. - - - M. - - Macrotin 361. - - Madia sativa 362. - - Magengifte 42. - - Maiblume 221. - - Maidismus 325. - - Maisbrand 340. - - Maisvergiftung 325. - - Mangan 116. - - Marsh’scher Apparat 72. - - Mauerpfeffer 364. - - Mehltau 367. - - Meerrettig 292. - - Meerzwiebel 219. - - Melampyrum 325. - - Melanthin 204. - - Melassevergiftung 367. - - Melilotus officinalis 283. - - Mennige 78. - - Mentha Polegium 364. - - Mercurialin 245. - - Mercurialis 244. - - Mercurialismus 88. - - Merk 361. - - Metallvergiftungen 112. - - Methämoglobin 36. - - Methan 161. - - Mezereïn 276. - - Mezereïnsäure 276. - - Mezereum 276. - - Miesmuschel 378. - - Milchsäure 138. - - Mineralgrün 66. - - Minium 78. - - Misspickel 64. - - Mitisgrün 66. - - Modifikation der Giftwirkung 12. - - Mohn, wilder 186. - - Molybdän 116. - - Morchel 357. - - Morphium 189. - - Muavin 222. - - Mucor 335. - - Mückenstiche 380. - - Muscarin 357. - - Mutterkorn 329. - - Mycetismus 357. - - Myoctonin 230. - - Mytilotoxin 378. - - - N. - - Nabelkraut 352. - - Nachtschatten 258. - - Nachweis der Gifte 28. - - Naphthalin 158. - - Naphthol 158. - - Narcissus 275. - - Narcitin 275. - - Narkose 38. - - Nasturtium 292. - - Natrium bicarbonicum 135. - - Natrium chloratum 116. - - Natriumnitrit 120. - - Natrium sulfuricum 124. - - Natronsalpeter 120. - - Natternkopf 365. - - Nereïn 219. - - Neriodorin 219. - - Nerium Oleander 219. - - Nervengifte 37. - - Nickel 116. - - Nierengifte 41. - - Nieswurz 223. - - Nigella sativa 365. - - Nikotin 193. - - Nitrobenzol 123. - - Nitroglycerin 124. - - Nitroverbindungen 123. - - Nosotoxikose 7. - - - O. - - Oenanthe crocata 278. - - -- fistulosa 278. - - Oenanthin 288. - - Oïdium 335. - - Oleander 219. - - Oleandrin 219. - - Oleum animale 156. - - Oleum Crotonis 303. - - Oleum infernale 306. - - Onopordon acanthium 365. - - Operment 64. - - Opium 189. - - Orant 286. - - Osmium 116. - - Osterluzei 360. - - Ouabain 222. - - Oxalis acetosella 274. - - Oxalsäure 139. - - Oxalurie 142. - - Oxamid 140. - - - P. - - Paeonia officinalis 365. - - Papaver Rhoeas 186. - - -- somniferum 191. - - Paraldebyd 154. 178. - - Paridin 363. - - Parillin 204. 363. - - Paris quadrifolia 363. - - Paternostererbse 209. - - Pedicularis Palustris 362. - - Pellagra 325. - - Pellagroceïn 326. - - Penicillium 335. - - Peronospora 367. - - Petroleum 156. - - Pfaffenhütlein 363. - - Pfeffer 295. - - Pfingstrose 365. - - Pfirsichblätter 258. - - Pflanzengifte 182. - - Pflaumenkerne 253. - - Phallin 357. - - Phaseolus 258. - - Phosphorismus 57. - - Phosphorsäure 135. - - Phosphorsaurer Kalk 127. 146. - - Phosphorsaures Kali 55. - - Phosphorvergiftung 55. - - Phosphorwasserstoff 56. - - Phragmites communis 340. - - Phrynin 377. - - Physiologischer Giftnachweis 34. - - Physostigmin 267. - - Phytalbumosen 353. - - Phytolacca Decandra 367. - - Pikrinsäure 124. - - Pilokarpin 269. - - Piperin 296. - - Pirola 363. - - Platin 116. - - Platterbse 209. - - Plumbago 364. - - Poa aquatica 340. - - Podophyllin 308. - - Poley 364. - - Polydesmus exitiosus 347. - - Polygalasäure 204. - - Polygonum 323. 360. - - Polythrincium Trifolii 347. - - Populus 365. - - Präcipitat, roter 89. - - -- weisser 89. - - Produktionstoxikose 7. - - Prognose der Gifte 44. - - Prosopis juliflora 365. - - Prunus 253. - - Pteris aquilina 315. - - Pteritannsäure 315. - - Ptomaïne 351. - - Puccinia 344. - - Pulsatilla 243. - - Pulsatillenkampfer 242. - - Pupillengifte 44. - - Purgirflachs 265. - - Purgirnussbaum 306. - - Putrescin 361. - - Pyrogallol 154. - - Pyrogallussäure 154. - - - Q. - - Quecksilbervergiftung 88. - - Quillajasäure 204. - - - R. - - Rade 203. - - Rainfarnkraut 316. - - Ranunculol 242. - - Ranunkeln 242. - - Raphanum raphanistrum 292. - - Rapskuchen 292. - - Rapsverderber 347. - - Ratin 11. - - Rattengifte 11. - - Raupen 380. - - Rauschgold 64. - - Reagentien 31. - - Realgar 64. - - Rebendolde 278. - - Repskuchen 292. - - Resorption 20. - - Retentionstoxikose 7. - - Rhamnocathartin 306. - - Rhinanthin 325. - - Rhododendron 276. - - Rhoeadin 187. - - Rhus Toxicodendron 359. - - Ricin 298. - - Ricinuskuchen 298. - - Robinia Pseudoacacia 306. - - Robinin 306. - - Roburit 124. - - Rosenlorbeer 219. - - Rosmarinhaide 363. - - Rostpilze 343. - - Roter Präzipitat 88. - - Rüben 366. - - Rübsen 292. - - Ruraex acetosa 273. - - -- acetosella 274. - - Russ 156. - - Russbrand 340. - - Russula emetica 357. - - Ruta graveolens 364. - - - S. - - Saatmadie 362. - - Saatmohn 186. - - Sabadillsamen 226. - - Sabina 288. - - Sabinol 288. - - Sadebaum 288. - - Sal Acetosellae 139. 274. - - Salamandergift 377. - - Salizylsäure 154. - - Salmiak 134. - - Salmiakgeist 132. - - Salol 155. - - Salpetersäure 135. - - Salpetervergiftung 120. - - Salpetrige Säure 120. 165. - - Salzsäure 135. - - Salzvergiftung 116. - - Samandrin 377. - - Santonin 312. - - Saponin 203. - - Sapotoxin 203. - - Saprin 351. - - Satanspilz 357. - - Saturnismus 77. - - Sauerampfer 273. - - Sauerklee 274. - - Sauerkleesalz 139. 274. - - Säurevergiftung 136. - - Schachtelhalm 320. - - Scheel’sches Grün 66. - - Scherbenkobalt 64. - - Schierling 248. - - Schilfgras 340. - - Schimmelpilze 335. - - Schlangenbisse 374. - - Schmierbrand 340. - - Schmierseife 135. - - Schneeball 364. - - Schöllkraut 279. - - Schotendotter 292. - - Schwalbenwurz 281. - - Schwarze Nieswurz 224. - - Schwefel 163. - - Schwefelkohlenstoff 165. - - Schwefelleber 164. - - Schwefelsäure 135. - - Schwefelwasserstoff 162. - - Schweflige Säure 164. - - Schweinfurtergrün 66. - - Schwindelhafer 263. - - Scilla 219. - - Scillitoxin 219. - - Scopolamin 237. - - Scrophularia aquatica 362. - - Secale cornutum 329. - - Sedum acre 364. - - Seidelbast 275. - - Seife 135. - - Selinum palustre 363. - - Semina Cataputiae minoris 306. - - Semina Ricini majoris 306. - - Senecio Jacobäus 366. - - Senegin 204. - - Senföl 291. - - Senfsamen 291. - - Sepsin 351. - - Sesamkuchen 328. - - Sevenbaum 288. - - Silberglätte 77. - - Silbervergiftung 113. - - Silicium 116. - - Simulia ornata 380. - - Sinalbin 292. - - Sinapis arvensis 292. - - -- nigra 291. - - Sinigrin 292. - - Sium latifolium 351. - - Smaragdgrün 66. - - Solanidin 258. - - Solanin 258. - - Solanum Dulcamara 258. - - -- nigrum 258. - - -- tuberosum 258. - - Sommerlevkoje 365. - - Souchus arvensis 362. - - Sonnentau 364. - - Sophora 364. - - Spanische Fliegen 371. - - Speichelgifte 43. - - Speisskobalt 64. - - Speiteufel 357. - - Sphacelinsäure 330. - - Sphacelotoxin 330. - - Spinnengift 381. - - Spiritus 166. - - Staphisagrin 282. - - Stas-Otto’sches Verfahren 33. - - Staubbrand 340. - - Stechapfel 238. - - Stechginster 222. - - Steckenkraut 362. - - Steinbrand 350. - - Steinklee 283. - - Steinsalz 116. - - Stephanskörner 282. - - Stinkbrand 340. - - Stinkende Nieswurz 224. - - Stinkendes Tieröl 156. - - Stoffwechselgifte 43. - - Stramonium 238. - - Strophanthin 221. - - Strychnin 197. - - Sturmhut 230. - - Sublimat 88. - - Sulfite 165. - - Sulfonal 179. - - Sumpfdotterblume 360. - - Sumpfporst 361. - - Sumpfsilge 363. - - Superphosphat 127. - - - T. - - Tabak 193. - - Tamus communis 365. - - Tanacetum 316. - - Tanghinin 222. - - Tartarus stibiatus 107. - - Taumelhafer 263. - - Taumelkerbel 283. - - Taumelkrankheit 320. - - Taumellolch 263. - - Taxin 212. - - Taxus baccata 212. - - Tembladera 367. - - Templetonia 364. - - Temulin 263. - - Terpentinöl 287. - - Teufelsöl 306. - - Thallium 116. - - Thomasmehl 127. - - Teer 150. - - Thevetin 221. - - Tierische Gifte 371. - - Tieröl 156. - - Thuja 364. - - Tiglium 303. - - Tilletia caries 340. - - Tithymalus 247. - - Tollkirsche 232. - - Toxalbumine 353. - - Toxicodendronsäure 359. - - Toxikose 7. - - Toxine 351. - - Toxopeptone 351. - - Traubenkirschbaum 253. - - Trimethylamin 355. - - Tulipin 222. - - Typha latifolia 363. - - - U. - - Uebermangansaures Kali 116. - - Ulexin 222. - - Untersalpetersäure 165. - - Urämie 7. - - Uran 116. - - Uredineen 343. - - Uromyces 344. - - Urtica dioica 366. - - Ustilago Carbo 340. - - -- echinata 340. - - -- longissima 340. - - -- Maïdis 340. - - Uterusgifte 43. - - - V. - - Vanadium 116. - - Vellarin 362. - - Veratrin 226. - - Veratrum album 226. - - Verdorbenes Futter 348. - - Vergiften, kunstgemässes 11. - - Vernonin 222. - - Viburnum 364. - - Vicia villosa 319. - - Viehsalz 116. - - Vincin 222. - - Vipera Berus 374. - - -- Redii 374. - - Viperin 374. - - - W. - - Wacholder 288. - - Wachtelweizen 325. - - Waldrebe 364. - - Wanzen 381. - - Wasserschierling 251. - - Wasserwurzel 362. - - Wegsenf 292. - - Weingeist 165. - - Weinsäure 138. - - Weisse Nieswurz 226. - - Wicken 319. - - Wienergrün 66. - - Wiesenschaumkraut 366. - - Wilder Mohn 186. - - Wintergrün 363. - - Wismutvergiftung 115. - - Wolfsmilch 247. - - Wolfram 116. - - Wurmfarn 309. - - Wurmsamen 312. - - Wurstvergiftung 355. - - - Z. - - Zaunrübe 365. - - Zeitlose 182. - - Zerberin 222. - - Zinkblende 105. - - Zinkvergiftung 105. - - Zinkoxyd 105. - - Zinkvitriol 105. - - Zinkweiss 105. - - Zinnvergiftung 116. - - Zottelwicke 319. - - Zuckersäure 139. - - Zwetschgenkerne 253. - - Zwiebel 295. - - Zyankalium 254. - - Zyanwasserstoff 253. - - Zyclamin 204. - - Zynapium 252. - - Zynoglossum 365. - - Zytisin 222. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR -TIERÄRZTE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
