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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte - -Author: Eugen Fröhner - -Release Date: October 4, 2022 [eBook #69094] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was - produced from images generously made available by The - Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR -TIERÄRZTE *** - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1910 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute - nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original - unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert. - - Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden, außer im Titel und im - Schmutztitel, als deren Umschreibungen (Ae, Oe, Ue) dargestellt. Die - Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Abschnitts verschoben. - - Der Punkt ‚Anhang. Diverse andere Giftpflanzen’ im Inhaltsverzeichnis - der Originalvorlage wurde, entsprechend der Struktur des Buches, - in die Punkte ‚Diverse andere Giftpflanzen’ und ‚Anhang. Die - Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet’ aufgeteilt. - - Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere - Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen - gekennzeichnet: - - Unterstrichen: _Unterstriche_ - Fettdruck: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - Tiefgestellte Symbole werden von geschweiften Klammern umgeben; - zusätzlich wird ein Unterstrich vorangestellt, wie z. B. in der - chemischen Formel C_{n}H_{2n + 2}. - - #################################################################### - - - - - TOXIKOLOGIE - - FÜR - - TIERÄRZTE. - - - - - LEHRBUCH - - DER - - TOXIKOLOGIE - - FÜR - - TIERÄRZTE - - VON - - ~Dr.~ MED. EUGEN FRÖHNER, - GEH. REGIERUNGSRAT UND PROFESSOR AN DER K. TIERÄRZTLICHEN HOCHSCHULE - ZU BERLIN. - - - _Dritte umgearbeitete Auflage._ - - [Illustration] - - - STUTTGART - VERLAG VON FERDINAND ENKE - 1910. - - - - - Das Übersetzungsrecht wird vorbehalten. - - - Druck der Hoffmannschen Buchdruckerei in Stuttgart. - - - - -Vorwort zur dritten Auflage. - - -In den letzten zehn Jahren hat auch die Toxikologie viele neue -Forschungen und Beobachtungen zu verzeichnen. Die Arbeiten auf dem -Gebiete der +allgemeinen+ Toxikologie behandeln vor allem die -Frage der elementaren Giftwirkung, die feineren Veränderungen der -Ganglienzellen bei der Narkose, die Wirkung der Blutgifte (Hämolysine), -die toxische Leukozytose und Glykosurie. Im +speziellen+ Teil -haben zahlreiche neue Experimentaluntersuchungen über Mineral- und -Pflanzengifte, sowie sehr viele kasuistische Mitteilungen über -Vergiftungen bei den Haustieren Aufnahme gefunden. Sie betreffen -z. B. die Unempfindlichkeit der Wiederkäuer gegenüber der Digitalis, -die Vergiftungen durch indische Rübkuchen, blausäurehaltige -ausländische Bohnen und Futterkalk, die chemischen Bestandteile und -die physiologische Wirkung der Kornrade, das angebliche Vorkommen -der Kainitvergiftung beim Wild, das Vergiften des Raubzeugs -durch Strychnin, die Gefährlichkeit der Aloe bei gleichzeitiger -Verabreichung anderer Abführmittel (Brechweinstein, Kalomel), die -Frage der Schachtelhalm- und Pilzvergiftung, die neuen Forschungen -über Schlangengifte, die Vergiftungen durch Rizinussamen und Filmaron, -Naphthalin und Naphthol, Kokain und Arekolin. Neu aufgenommen wurden -endlich die Vergiftungen durch Rainfarnkraut, Wiesenschaumkraut, -Jakobskraut, Kornblumen, Kleeseide, Brennesseln, Hopfendolden, -Mohrrüben, Melasse u. a. - - +Berlin+, im März 1910. - - =E. Fröhner.= - - - - -Vorwort zur ersten Auflage. - - -Die Herausgabe einer tierärztlichen Toxikologie ist mir von -verschiedenen Seiten nahegelegt worden. Mit Rücksicht auf diese -Anregungen und in Erwägung des Umstandes, dass wir in der Tierheilkunde -ein selbständiges Lehrbuch der Giftlehre nicht besitzen, dass vielmehr -die Toxikologie bisher immer nur anhangsweise in den tierärztlichen -Lehrbüchern der speziellen Pathologie, Diätetik, Pharmakologie und -gerichtlichen Tierheilkunde zur Geltung gekommen ist, habe ich -den Versuch gemacht, unter Sammlung der wichtigsten klinischen -und experimentellen Tatsachen und mit Hinzufügung einiger eigener -Beobachtungen die tierärztliche Toxikologie besonders zu bearbeiten. -Von tierärztlichen Quellen, welche mir hierbei zu Gebote standen, sind -zu erwähnen die ausgezeichnete Darstellung der Vergiftungen in dem -+Gerlach+schen Handbuch der gerichtlichen Tierheilkunde (1872), die -sehr instruktive Bearbeitung der Giftpflanzen in dem +Dammann+schen -Handbuch der Gesundheitspflege, die kurze Zusammenstellung der -wichtigsten Vergiftungen in dem von +Friedberger+ und +mir+ -herausgegebenen Lehrbuche der speziellen Pathologie, endlich die -kasuistischen Veröffentlichungen der periodischen tierärztlichen -Literatur, von welchen als besonders reichhaltig die „Mitteilungen -aus der tierärztlichen Praxis im preussischen Staate“ hervorzuheben -sind. Von medizinischen Quellen habe ich die toxikologischen Werke -von +Kobert+, +Lewin+, +Husemann+, +Böhm+, +Kunkel+, +Hermann+ und -+Dragendorff+ zu nennen. - -Bei der Sichtung und Bearbeitung des Stoffes habe ich vorwiegend -die praktischen Zwecke des Tierarztes im Auge behalten. -Gifte, welche zur Zeit keinerlei praktisches, sondern nur -wissenschaftlich-toxikologisches Interesse haben, wie Kurare, -Pikrotoxin, Santonin und andere, sind in den speziellen Teil -nicht aufgenommen worden. Dagegen haben die für die tierärztliche -Praxis wichtigen Vergiftungen nach Aetiologie, Symptomatologie, -Sektionsbefund, Behandlung, Nachweis und Kasuistik ihrer Bedeutung -entsprechend angemessene Berücksichtigung gefunden. - -Bezüglich der Einteilung der Gifte begegnet man denselben -Schwierigkeiten, wie bei der Einteilung der Arzneimittel. Die -idealste Gruppierung wäre auch in der Toxikologie diejenige, welche -die chemische und physiologische Verwandtschaft der einzelnen Gifte -zur Grundlage nimmt (Digitalisgruppe, Atropingruppe, Nikotingruppe, -Blutgifte, Herzgifte). Diese Einteilung lässt sich indessen bei der -Vielseitigkeit der einzelnen Gifte nicht durchführen. Das Chloroform -z. B. ist ebenso gut ein Blutgift, als ein Herzgift und Nervengift. Ich -bin deshalb zu der einfachsten Einteilung in mineralische, pflanzliche -und tierische Gifte zurückgekehrt, obwohl sich auch hier manche Gifte, -wie z. B. der Alkohol oder das Chloroform schwer einreihen lassen. -Vielleicht sind in späteren Zeiten mit dem Fortschritte der einer -höheren Entwicklung noch sehr wohl fähigen Toxikologie auch diese -Mängel leichter zu beseitigen als heutzutage. - - +Berlin+, im Mai 1890. - - =E. Fröhner.= - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - Vorwort V - - Einleitung 1 - - - =Allgemeine Toxikologie= 3 - - Der Begriff Gift 3 - - Einteilung der Gifte 5 - - Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen 8 - - Modifikation der Giftwirkung 12 - - Wirkungsweise und Schicksale der Gifte 19 - - Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen 25 - - Chemisch-physikalischer Nachweis der Vergiftungen 28 - - Der physiologische Nachweis der Vergiftungen 34 - - Allgemeine Prognose der Vergiftungen 44 - - Die Behandlung der Vergiftungen 46 - - - =Spezielle Toxikologie= 55 - - =I. Mineralische Gifte= 55 - - Phosphorvergiftung 55 - - Arsenikvergiftung 64 - - Bleivergiftung. Saturnismus 77 - - Quecksilbervergiftung. Merkurialismus 88 - - Kupfervergiftung 100 - - Zinkvergiftung 105 - - Brechweinsteinvergiftung 107 - - Sonstige Metallvergiftungen 112 - - Kochsalzvergiftung 116 - - Salpetervergiftung 120 - - Glaubersalzvergiftung 124 - - Kainitvergiftung 125 - - Vergiftung durch Barytsalze 127 - - Vergiftung durch chlorsaures Kali 130 - - Vergiftung durch Aetzalkalien 132 - - Vergiftung durch ätzende Säuren 135 - - Vergiftung durch Essigsäure 137 - - Vergiftung durch Oxalsäure 139 - - Jodoformvergiftung 142 - - Karbolsäurevergiftung 146 - - Petroleumvergiftung 156 - - Kohlenoxydvergiftung 159 - - Leuchtgasvergiftung 161 - - Schwefelwasserstoffvergiftung 162 - - Alkoholvergiftung 165 - - Chloroformvergiftung 171 - - =II. Pflanzliche Gifte= 182 - - Kolchikumvergiftung 182 - - Klatschrosenvergiftung 186 - - Nikotinvergiftung 193 - - Strychninvergiftung 197 - - Vergiftung durch Kornrade 203 - - Vergiftung durch Kichererbsen 209 - - Vergiftung durch Taxus 212 - - Vergiftung durch Buchsbaum 214 - - Vergiftung durch Digitalis 215 - - Vergiftung durch Oleander 219 - - Vergiftung durch Goldregen 222 - - Vergiftung durch Helleborus 223 - - Vergiftung durch Veratrin 226 - - Vergiftung durch Akonit 230 - - Vergiftung durch Atropin 232 - - Vergiftung durch Bilsenkraut 237 - - Vergiftung durch Stechapfel 238 - - Vergiftung durch Kokain 239 - - Vergiftung durch Ranunkeln 242 - - Vergiftung durch Bingelkraut 244 - - Vergiftung durch Wolfsmilch 247 - - Vergiftung durch Fleckschierling 248 - - Vergiftung durch Wasserschierling 251 - - Vergiftung durch Gartenschierling 252 - - Vergiftung durch Blausäure 253 - - Vergiftung durch Kartoffelkeime (Solaninvergiftung) 258 - - Vergiftung durch Taumellolch 263 - - Vergiftung durch Flachs 265 - - Vergiftung durch Eserin 267 - - Vergiftung durch Pilokarpin 269 - - Arekolinvergiftung 271 - - Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen 272 - - Vergiftung durch Sauerampfer 273 - - Vergiftung durch Narzissus 275 - - Vergiftung durch Seidelbast 275 - - Vergiftung durch Rhododendron 276 - - Vergiftung durch Oenanthe crocata 278 - - Vergiftung durch Schöllkraut 279 - - Vergiftung durch Arum maculatum 280 - - Vergiftung durch Asklepias vincetoxicum 281 - - Vergiftung durch Stephanskörner 282 - - Vergiftung durch Taumelkerbel 283 - - Vergiftung durch Steinklee (Kumarin) 283 - - Vergiftung durch Flachsseide 286 - - Vergiftung durch Antirrhinum majus 286 - - Vergiftung durch Terpentinöl 287 - - Vergiftung durch Sadebaum 288 - - Vergiftung durch Kampfer 289 - - Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen 291 - - Vergiftung durch Pfeffer 295 - - Vergiftung durch Aloe 296 - - Vergiftung durch Rizinuskuchen 298 - - Vergiftung durch Krotonöl 303 - - Vergiftung durch die Semina Ricini majoris 306 - - Vergiftung durch Robinia pseudoacacia 306 - - Vergiftung durch Kreuzdornbeeren 307 - - Vergiftung durch Podophyllin 308 - - Vergiftung durch Eicheln 308 - - Vergiftung durch Filixextrakt 309 - - Vergiftung durch Santonin 312 - - Vergiftung durch Adlerfarnkraut 315 - - Vergiftung durch Rainfarnkraut 316 - - Vergiftung durch Lupinen 316 - - Vergiftung durch Wicken und Platterbsen 319 - - Vergiftung durch Schachtelhalm 320 - - Vergiftung durch Buchweizen 323 - - Vergiftung durch Wachtelweizen 325 - - Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen 326 - - Vergiftung durch Mutterkorn 329 - - Vergiftung durch Schimmelpilze 335 - - Vergiftung durch Brandpilze 340 - - Vergiftung durch Rostpilze 343 - - Vergiftung durch Kernpilze 347 - - Ptomainevergiftung (Fleischvergiftung) 351 - - Vergiftung durch Giftschwämme 357 - - Diverse andere Giftpflanzen 359 - - =Anhang.= Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet 367 - - - =III. Tierische Gifte= 371 - - Kantharidenvergiftung 371 - - Vergiftung durch Schlangenbisse 374 - - Vergiftung durch Bienenstiche 378 - - - =Register= 383 - - - - -Einleitung. - - -Die Toxikologie, die Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf -den Tierkörper (τόξον = Gift; intoxicatio = Vergiftung) bildet -neben der Pharmakologie (Lehre von den Arzneimitteln) ein eigenes -Fach, das für den Tierarzt fast noch wichtiger ist, als für den -Menschenarzt. Die tierärztliche Toxikologie hat nämlich ausser -der rein +wissenschaftlichen+ Seite zahlreiche +praktische+ -Beziehungen zur Diätetik und Landwirtschaft, zur Seuchenlehre -und Veterinärpolizei, sowie zur gerichtlichen Tierheilkunde. Für -die +Landwirtschaft+ haben namentlich seit der Einführung neuer -Futtersurrogate und künstlicher Düngermittel, sowie mit der Zunahme -der Futterverfälschungen die sog. Futtervergiftungen praktische -Bedeutung erlangt. Es sei hier nur an die zahlreichen Fälle von -Vergiftung durch Baumwollsamen, Rizinuskuchen, Senföl haltige -Futterkuchen, Chilisalpeter, Befallungspilze, verdorbenes Futter usw. -erinnert. Für die +Veterinärpolizei+ sind verschiedene Vergiftungen -von differentialdiagnostischem Interesse wegen der Aehnlichkeit ihrer -Symptome mit dem Krankheitsbild gewisser Tierseuchen. Beispiele -hierfür sind die Pilz- und Fleischvergiftung (Milzbrand, Rinderpest, -Schweinerotlauf), die Mutterkornvergiftung (seuchenhafter Abortus), -die Bleivergiftung (Wut) und die Quecksilbervergiftung (Maul- -und Klauenseuche, Pocken). Die Toxikologie ist ausserdem für das -Verständnis der Pathogenese vieler Seuchen von grundlegender Bedeutung -geworden, weil die meisten Infektionskrankheiten pathogenetisch als -Intoxikationen aufzufassen sind, d. h. als Vergiftungen durch die von -den Infektionserregern (Bakterien) erzeugten Gifte (Toxine). Für die -+gerichtliche+ Tierheilkunde sind die sog. Medizinalvergiftungen als -Gegenstand der technischen Begutachtung (Entschädigungsklagen seitens -der Tierbesitzer) von praktischer Bedeutung. Dieselben sind gewöhnlich -auf Fehler in der Dosierung bei der Anwendung stark wirkender Mittel -zurückzuführen. Die Häufigkeit dieser Kunstfehler wächst mit der -Einführung neuer Applikationsmethoden. Im übrigen ist dieser Zweig der -praktischen Toxikologie auch früher schon als sehr wichtig erkannt -worden, wie insbesondere die ausführliche Abhandlung der Vergiftungen -in der gerichtlichen Tierheilkunde von +Gerlach+ (1872) beweist. - -Die Toxikologie zerfällt in einen allgemeinen und einen speziellen -Teil. Während die +allgemeine+ Toxikologie Betrachtungen über den -Begriff und die Einteilung der Gifte, über Ursachen und Pathogenese -der Vergiftungen, über Abhängigkeit der Giftwirkung von inneren und -äusseren Verhältnissen, über Erkennung, Behandlung und Nachweis der -Vergiftungen ganz im allgemeinen enthält, hat sich die +spezielle+ -Toxikologie mit der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Gifte, -sowie mit den Veranlassungen, den Krankheitserscheinungen, dem -pathologisch-anatomischen Befunde, der Behandlung und dem Nachweise -der einzelnen Vergiftungen zu befassen. Die spezielle Toxikologie -baut sich mithin ähnlich wie die Pathologie und Chirurgie auf einer -Reihe +klinischer+ Fälle auf und hat mit diesen Disziplinen ausserdem -noch das gemein, dass sie gleichzeitig auch die +Therapie+ in sich -schliesst. In diesem Sinne kann man die Toxikologie wohl auch -bezeichnen als die +spezielle Pathologie und Therapie der Vergiftungen+. - - - - -Allgemeine Toxikologie. - - -Der Begriff Gift. - -Je nach dem individuellen Standpunkt kann man den Begriff „Gift“ auf -sehr verschiedene Weise definieren. Der Kliniker, der Pharmakologe, -der Apotheker, der Jurist und schliesslich der Laie verbinden mit -dem Worte Gift verschiedenartige Vorstellungen. Deshalb ist es -schwer, eine allgemein gültige und nach allen Richtungen zutreffende -Begriffsbestimmung zu geben. Man kann die Schwierigkeiten der -Definition dadurch vermindern, dass man zwischen Giften im +weiteren+ -und solchen im +engeren+ Sinne unterscheidet. +Gifte im weiteren -Sinne+ können alle diejenigen chemisch wirkenden Stoffe genannt -werden, auf welche der Körper bezw. das tierische Protoplasma durch -Krankheitserscheinungen reagiert. Hierher würden fast alle differenten -Arzneimittel gehören. Aber auch Stoffe, welche an und für sich -unschädlich und sogar zum Aufbau und Fortbestand des Tierkörpers -unumgänglich notwendig sind, wirken unter Umständen durch ihre Menge -oder zu starke Konzentration giftig, so das Kochsalz, die Kalisalze, -das Fleischextrakt, die Eisensalze, die Salzsäure. Es können ferner -ganz indifferente Stoffe, wie das destillierte Wasser oder das -Glyzerin, dadurch schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen, -dass sie in Abweichung von dem gewöhnlichen Wege der Einverleibung -mittels intravenöser Injektion direkt mit dem Blut in Berührung -kommen und die roten Blutkörperchen auflösen (Hämoglobinämie). Auch -andere, an sich unschädliche Stoffe erzeugen bei einzelnen Individuen -Vergiftungserscheinungen, so z. B. der Buchweizen bei unpigmentierten -Tieren. Ausserdem würden hierher die Fälle von sog. Idiosynkrasie zu -rechnen sein. Früher hat man wohl auch als Vergiftung aufgefasst -das Einbringen von Milch, Oel und sonstigen unlöslichen Stoffen -in die Venen, wodurch lediglich eine mechanische Verstopfung der -Lungenkapillaren mit ihren Folgezuständen bedingt wird. Endlich hat -man in der Pathologie die Infektionsstoffe als Gifte bezeichnet; man -vergleiche die Ausdrücke „Blutvergiftung“, „Rotzgift“, „Pockengift“. -Danach müssten eigentlich auch die pathogenen Bakterien an sich -als Gifte im weiteren Sinne des Wortes dem System der Toxikologie -einverleibt werden. - -Die angeführten Beispiele zeigen, wie notwendig es im praktischen -Interesse ist, den Begriff Gift einzuschränken. - -Als =Gifte= im +engeren, eigentlichen Sinne+ dürfen nur solche Stoffe -bezeichnet werden, bei welchen die nachfolgenden Voraussetzungen -zutreffen: - -1. Die Wirkung auf den Körper muss eine rein +chemische+ sein, -physikalische Wirkungen sind ausgeschlossen. - -2. Die betreffenden Stoffe müssen schon in verhältnismässig +geringer+ -Menge +erheblich+ gesundheitsschädlich wirken (das Kochsalz ist in -diesem Sinne kein Gift, weil es nur in grossen Dosen eine Vergiftung -bedingt). - -3. Die Giftwirkung muss schon bei der +gewöhnlichen+ Art der -+Einverleibung+ (Magen, Lunge, Haut) zustande kommen, nicht erst bei -intravenöser, intraperitonealer oder subkutaner Applikation. - -4. Der Stoff muss bei der überwiegenden Mehrzahl der Tiere, nicht bloss -bei einzelnen (Idiosynkrasie) giftig wirken. - -5. Eine +Organisation+ dürfen die betreffenden Stoffe +nicht+ besitzen; -sie dürfen also nicht wie die Bakterien Lebewesen sein. Dagegen können -sie von belebten Organismen abstammen (Pflanzengifte, Bakteriengifte, -Tiergifte). - -Danach lautet die Definition: +Gifte im engeren Sinne sind solche -unbelebte Stoffe, welche auf chemischem Wege schon in sehr geringer -Menge und bei gewöhnlicher Art der Einverleibung regelmässig erhebliche -Störungen der Körperfunktionen hervorrufen.+ - - =Giftgesetze.= In Deutschland ist die Abgabe von Giften im Handel, - in den Apotheken und seitens der Tierärzte durch verschiedene - gesetzliche Bestimmungen geregelt. Die wichtigsten sind folgende: - 1. Das Gesetz betr. den +Handel mit Giften+ vom 29. November - 1894 enthält die Vorschriften für den gewerbsmässigen Handel mit - Giften (Aufbewahrung und Abgabe der Gifte, Ungeziefermittel). - Dieses Giftgesetz ist abgeändert worden durch den Beschluss des - Bundesrats vom 1. 2. 06 betr. die Aufnahme des Lysols und anderer - Kresolseifenlösungen in das Verzeichnis der Gifte (der Handel mit - Kreolin wird durch diese Bestimmung nicht betroffen). 2. Das Gesetz - betr. den Verkehr mit +blei-+ und +zinkhaltigen+ Gegenständen vom 25. - Juni 1887 sowie betr. die Verwendung +gesundheitsschädlicher+ Farben - vom 5. Juli 1887. 3. Das +Deutsche Strafgesetzbuch+ (Vergiftung, - fahrlässige Tötung). 4. Das +Nahrungsmittelgesetz+ vom 14. Mai 1879 - („gesundheitsschädlich“, § 12). 5. Die +Kaiserliche Verordnung - betr. den Verkehr mit Arzneimitteln+ vom 22. Oktober 1901 (die - im Verzeichnisse B aufgeführten Mittel dürfen nur in Apotheken - feilgeboten oder verkauft werden). 6. Die +Bundesratsvorschriften - betr. die Abgabe stark wirkender Arzneimittel+, sowie die - Beschaffenheit und Bezeichnung der Arzneigläser und Standgefässe - in den Apotheken vom 13. Mai 1896. 7. Das +Deutsche Arzneibuch+, - 4. Ausgabe, enthält in Tabelle B „die gewöhnlich Gifte genannten - Arzneimittel, welche unter Verschluss und sehr vorsichtig - aufzubewahren sind (Arsenik, Atropin, Homatropin, Hydrargyrum - bichloratum, bijodatum, cyanatum, oxydatum, praecipitatum - album, salicylicum, Liquor Kalii arsenicosi, Sublimatpastillen, - Phosphor, Physostigmin, Skopolamin, Strychnin und Veratrin)“. 8. - Das +tierärztliche Dispensierrecht+ gestattet in Preussen nach - der Ministerialverfügung vom 23. Juli 1833 die Verabreichung der - Arzneimittel in tierärztlichen Hausapotheken „mit Ausschluss der - Gifte“ (Tabelle B des Deutschen Arzneibuchs). - - -Einteilung der Gifte. - -Man kann die Gifte nach ihrer Abstammung, Zusammensetzung und -Wirkung in verschiedene Gruppen einteilen. Eine rein äusserliche -Einteilung, welche aber den Vorzug der Uebersichtlichkeit und -Einfachheit besitzt und sich deshalb auch für die vorwiegend -praktischen Zwecke des vorliegenden Lehrbuches am besten eignet, -ist die in +mineralische+, +pflanzliche+ und +tierische+ Gifte. -Eine andere Einteilung unterscheidet zwischen +Arzneigiften+, d. h. -solchen, welche gleichzeitig als Arzneimittel benützt werden, und -+Nahrungsgiften+, also solchen, welche mit der Nahrung, namentlich von -den Pflanzenfressern, aufgenommen werden. Von Bedeutung ist ferner -die Einteilung in +Fremdgifte+, d. h. von ausserhalb des Tierkörpers -stammende, und +Selbstgifte+, d. h. im Tierkörper selbst entstehende -Gifte (+Autointoxikation+). Besonders wichtig sodann ist die Einteilung -der Gifte nach ihrer Wirkung. Danach hat man früher die Gifte in drei -grosse Gruppen geteilt: die +scharfen+ (Acria), die +narkotischen+ -(Narcotica) und die +scharfnarkotischen+ Gifte (Acria-Narcotica). -Als scharfe Gifte bezeichnete man solche, welche am Orte der -Applikation (Haut, Digestionsschleimhaut) eine ätzende (korrosive) -oder stark reizende (irritierende) Wirkung äussern und hauptsächlich -hierdurch giftig wirken. Hierher gehören die ätzenden Alkalien und -Säuren, der Brechweinstein, der Sublimat und andere Metallsalze, die -Kanthariden, das Krotonöl, Euphorbium, Senföl, Terpentinöl. Dagegen -verstand man unter narkotischen (neurotischen) Giften solche, welche -ohne Lokalwirkung im wesentlichen nur durch eine Beeinflussung -des Nervensystems giftig wirken, wie Strychnin, Morphin, Eserin, -Arekolin, Pilokarpin, Solanin, Blausäure, Chloroform, Kohlenoxyd. -Scharfnarkotische endlich nannte man solche Gifte, welche zuerst am -Ort der Applikation, insbesondere im Magen und Darm, eine lokale -reizende Wirkung, und später nach ihrer Resorption ausserdem noch -eine allgemeine Einwirkung auf das Nervensystem besitzen: Kolchikum, -Digitalis, Veratrin, Tabak, Akonit, Ranunkeln, Buchsbaum, Eibenbaum, -Karbolsäure, Kresole, Bleisalze. - -Die neuere wissenschaftliche Toxikologie legt ihrer Einteilung die -Wirkung der Gifte auf die einzelnen +Körperorgane+ zugrunde. Danach -lassen sich folgende Gruppen unterscheiden: - -1. +Herzgifte+: Digitalisglykoside, Szillaglykoside, Strophanthin, -Oleandrin, Helleborein, Konvallamarin, Adonidin, Antiarin, Thevetin, -Nerein, Koffein, Chloroform, Kalisalze, Baryumsalze, Pilokarpin, -Arekolin, Nikotin. 2. +Blutgifte+: Kalium chloricum, Natrium und -Kalium nitrosum, Pyrogallussäure, Arsenwasserstoff, Nitrobenzol, -Amylnitrit, Paraldehyd, Chloroform, Saponin, Rizin, Abrin, Phallin, -Helvellasäure, Kohlenoxyd, Toluylendiamin. 3. +Gehirngifte+: Morphin, -Atropin, Hyoszin, Taxin, Zytisin, Alkohol, Chloroform etc. 4. -+Rückenmarksgifte+: Strychnin, Bruzin, Thebain, Nikotin, Kornutin -etc. 5. +Muskelgifte+: Blei, Kupfer, Purinstoffe (Koffein), Veratrin, -Kalisalze, Barytsalze. 6. +Stoffwechselgifte+: Blausäure, Phosphor, -Arsenik. 7. +Uterusgifte+: Sekale. 8. +Darmgifte+: Eserin, Arekolin, -Chlorbaryum. 9. +Drüsengifte+: Pilokarpin, Arekolin, Quecksilber. -10. +Nierengifte+: Kanthariden, Terpentinöl, Kolchikum, Quecksilber, -Kupfer, Blei, Wismut, Jod, Jodoform, Aloin, Salizylsäure. - -Auch nach der +chemischen Verwandtschaft+ und +physiologischen -Wirkung+ lassen sich die Gifte einteilen. So spricht man von einer -+Atropingruppe+ (Atropin, Hyoszin), +Nikotingruppe+ (Nikotin, Eserin, -Pilokarpin, Arekolin, Muskarin), +Digitalisgruppe+ (Digitoxin, -Szillitoxin, Strophanthin, Oleandrin, Helleborin, Konvallamarin, -Spartein, Adonidin), +Koniingruppe+ (Koniin, Kurare), +Morphingruppe+ -(Morphin, Kodein, Heroin, Dionin, Peronin, Papaverin, Narzein), -+Strychningruppe+ (Strychnin, Akonitin, Bruzin), von +Baryum-+, -+Blei-+, +Kupfer-+, +Quecksilbervergiftung+ usw. Eine systematische, -auf physiologischer Grundlage aufgebaute Einteilung der Gifte ist -z. B. von +Loew+ (1893) versucht worden. Die physiologische Wirkung der -einzelnen Gifte zeigt jedoch nach Dosis und Tiergattung sehr grosse -Verschiedenheiten. - -Eine eigenartige Gruppe von Giften bilden endlich die in abgestorbenen -oder kranken Organen von Tieren und Pflanzen entstehenden giftigen -Umsetzungsprodukte oder +metabolischen+ Gifte (Ptomaine, Toxine, -Fäulnisgifte, Bakteriengifte, Nahrungsgifte). - - =Autointoxikation.= Mit dem Namen +Autointoxikation+ (endogene - Intoxikation, Toxikose) bezeichnet man die +Selbstvergiftung+ - durch einen im Innern des Körpers selbst gebildeten (nicht - von aussen eingeführten) und ins Blut resorbierten Giftstoff. - Solche Giftstoffe sind vor allem beim normalen Stoffwechsel - entstehende Zersetzungsprodukte des Eiweisses, Fettes und - Zuckers, nämlich die +Kohlensäure+, sowie die zahlreichen im - Harn und in der Galle ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte, - namentlich verschiedene +Harnbasen+, +Harnstoff+, +Harnsäure+ und - +Gallensäuren+. Die durch die genannten Selbstgifte hervorgerufenen - Krankheitserscheinungen (+Erstickung+, +Urämie+, +Ammoniämie+, - +Gicht+, +Cholämie+) sind als Autointoxikationen aufzufassen, - welche durch Zurückhaltung der giftigen Stoffwechselprodukte im - Körper entstehen (sog. +Retentionstoxikosen+). Die Pathogenese - dieser Autointoxikationen, insbesondere der Urämie und Cholämie, - sind übrigens noch wenig erforscht (Vorstufen des Harnstoffs und - der Gallensäuren?). Eine andere Gruppe von Autointoxikationen - wird durch abnorme Umsetzungsprozesse im Blut und in den tätigen - Körperorganen verursacht. Hierher gehört die übermässige Bildung - von +Traubenzucker+, sowie das Auftreten der Oxybuttersäure und - Azetessigsäure bei der +Zuckerharnruhr+ (sog. +Produktionstoxikosen+ - oder +Nosotoxikosen+). Wahrscheinlich ist auch die Hämoglobinämie - der Pferde und die Gebärparese der Rinder eine derartige, durch - die Bildung abnormer Stoffwechselprodukte im Körper (Muskel, - Euter) veranlasste Autointoxikation. Aehnliche Vorgänge scheinen - bei der Verbrennung stattzufinden (giftige Zersetzungsprodukte - des Blutes und der verbrannten Gewebe). Auch die Entfernung der - Schilddrüse (Thyreoidektomie) hat eine schwere Autointoxikation - zur Folge (Cachexia strumipriva); man führt dieselbe auf abnorme - innere Sekretionsvorgänge zurück (+dyskrasische Autointoxikation+). - Eine letzte Form der Resorptions-Autointoxikation bilden die - sog. +Intestinaltoxikosen+ (enterogene Autointoxikation), - Selbstvergiftungen durch Giftstoffe, welche von den normal - im Darmkanal vorhandenen, nicht pathogenen Fäulnisbakterien - (Saprophyten) gebildet werden. Ein Beispiel hierfür ist der bei - der Fäulnis des Darminhaltes schon unter normalen Verhältnissen - entstehende, giftig wirkende +Schwefelwasserstoff+. Dagegen können - die analogen, bei der Einwirkung pathogener Mikroorganismen - (Milzbrand, Rotlauf, Starrkrampf usw.) im Tierkörper entstehenden - Toxine nicht zu den Autointoxikationen gerechnet werden, da bei ihnen - die giftproduzierenden Bakterien von aussen in den Tierkörper gelangt - sind (septische Intoxikation). - - -Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen. - -Die Ursachen der Vergiftungen bei unseren Haustieren sind sehr -mannigfaltiger Art. Die wichtigsten Veranlassungen sind: - -1. Die Aufnahme von +Giftpflanzen+ seitens der Pflanzenfresser -durch die Nahrung. Trotz fortgesetzter Ausrottung der giftigen -Gewächse, namentlich auf Weiden, Wiesen und Feldern, sowie trotz der -instinktiven Fähigkeit der Herbivoren, giftige von ungiftigen Pflanzen -zu unterscheiden -- eine Fähigkeit, welche allerdings bei anhaltender -Stallfütterung und zunehmender Domestikation abzunehmen scheint -- -ist die Zahl der Vergiftungsfälle infolge der Aufnahme giftiger -Pflanzen alljährlich immer noch sehr bedeutend. Die gefährlichsten -dieser Giftpflanzen sind die Herbstzeitlose, der Fingerhut, der -wilde Mohn, die Kornrade, die Kichererbse, der Tabak, die Nieswurz, -der Eibenbaum, der Buchsbaum, der Sturmhut, der Schierling, die -Tollkirsche, das Bilsenkraut, der Stechapfel, das Bingelkraut, der -Taumellolch, der Oleander, die Narzissusarten, Ranunkeln, Eupborbien, -Daphne, sowie verschiedene terpentinölhaltige Pflanzen. Aber auch für -gewöhnlich ungiftige Pflanzen können unter Umständen den Charakter von -Giftpflanzen annehmen, z. B. die Lupinen. Die wirksamen Bestandteile -der Giftpflanzen sind namentlich Alkaloide (über 150 bekannt) und -Glykoside, ausserdem ätherische Oele und Säuren. - -2. Die Aufnahme +verdorbener Nahrungsmittel+. Hierher gehört in erster -Linie die Ansiedlung von Schimmelpilzen, Rostpilzen und Brandpilzen -auf den verschiedenen Futtersorten und auf dem Streumaterial. Sodann -sind namentlich die Fabrikationsrückstände und Surrogate: Schlempe, -Rübenschnitzel, Malzkeime, Biertreber, die verschiedenen Oelkuchen, -das Palmkernmehl, Baumwollsaatmehl usw., sowie die Rückstände der -Haushaltung in der Form des sog. Spülichts und der Küchenabfälle sehr -häufig der Verderbnis unterworfen. Weiter sind hierher zu zählen die -Vergiftungen, welche durch Verfütterung von verdorbenem Fleisch, -verdorbenen Wurstwaren, faulenden Fischen, altem Käse bedingt werden; -sog. Fleisch-, Wurst-, Fisch-, Käsevergiftung. Auch die Vergiftung -durch Heringslake ist zum Teil hierher gehörig. - -3. Die Nähe von +Fabriken+ und sonstigen +gewerblichen Anlagen+, in -welchen Gifte verarbeitet werden. Am gefährlichsten sind in dieser -Beziehung Blei-, Silber- und Kupferbergwerke, welche teils durch ihre -Metalle (Blei), teils durch ihren Gehalt an Arsenik (Freiberger Hütten -in Sachsen) in weitem Umkreis das Leben der Haustiere gefährden. -Manche dieser Metalle gehen sogar in Form organischer Verbindungen in -die Pflanzen über und veranlassen so indirekt bei Pflanzenfressern -Vergiftungen. So erzeugt in Kärnten das auf Bleiglanz und Galmei -wachsende Gras Monilia coerulea bei weidenden Tieren Saturnismus; -seine Asche enthält nämlich 2 Prozent Bleioxyd = 0,05 Prozent der -ganzen Pflanze = 50 gr Bleioxyd in 100 kg Gras. Aehnliches kommt bei -barythaltigen Pflanzen vor. Auch fliessende Gewässer können entweder -durch Fabrikanlagen verdorben (Vergiftung auch der Fische) oder -infolge Aufnahme giftiger Metalle aus dem umgebenden Erdreich nach -weiten Entfernungen hin schädlich werden, wie z. B. der Bleibach -in der Rheinprovinz und die ebenfalls bleihaltige Innerste in der -Provinz Hannover. In ähnlicher Weise bieten auch Gasanstalten -(Vergiftungen durch Gaswasser, Einatmen von Leuchtgas), Kohlenbergwerke -(Grubengasvergiftung), Brennereien (Alkoholvergiftungen) und andere -gewerbliche Etablissements, ja selbst einfache Feuerungseinrichtungen -(Kohlenoxydgas) Gelegenheiten zu Vergiftungen. - -4. +Therapeutische Kunstfehler+, namentlich Fehler in der Dosierung -und in der Anwendung der verschriebenen Medikamente. Derartige -„Arzneivergiftungen“ kommen infolge falscher Dosierung hauptsächlich -bei stark wirkenden Medikamenten, so bei der Verordnung des Phosphors, -des Arseniks, des Brechweinsteins, der Aloë, des Krotonöls, der -Kanthariden, des Sublimats, Chlorbaryums, des Kalomels, der grauen -Quecksilbersalbe, des Extractum Filicis, sowie der Alkaloide Strychnin, -Veratrin, Eserin, Pilokarpin, Arekolin und Morphin vor. Fehler in der -Anwendung ereignen sich am häufigsten bei äusserlicher Applikation, -so bei zu ausgedehnter Teer- oder Karboleinreibung, ferner beim Baden -räudekranker Schafe (Arsenik-, Tabak-, Sublimat-, Karbolbäder), sowie -bei intravenöser (Chloralhydrat, Chlorbaryum) und intratrachealer -Applikationsmethode (Strychnin). Auch die Nichtbeachtung gewisser -diätetischer und anderer Massregeln, z. B. die Erlaubnis zum Einspannen -von Pferden, welchen ein Drastikum verordnet wurde, das gleichzeitige -Verabreichen von Brechweinstein und Aloë gegen Spulwürmer beim Pferd, -das Unterlassen von Schutzmassregeln gegen das Ablecken giftiger -Salben, die Wahl einer unrichtigen Arzneiform oder Konzentration haben -nicht selten eine Vergiftung zur Folge. - -5. +Verwechslungen+ seitens des dispensierenden Apothekers, Drogisten, -Kaufmanns, Tierarztes, sowie seitens der Laien und Tierbesitzer. -Solche Verwechslungen können teils durch undeutlich geschriebene -Rezepte sowie durch falsche Deutung derselben (Sublimat statt Kalomel, -Kalium sulfuratum statt Kalium sulfuricum, Formalin statt Furunkulin), -teils durch irrtümliches Vergreifen in den Standgefässen, teils durch -Unvorsichtigkeit des Drogisten oder Händlers bei Abgabe der Mittel -vorkommen. Letzteres bezieht sich insbesondere auf die dem freien -Handverkauf überlassenen, häufig schon aus jedem Kramladen beziehbaren -Mittel (Verwechslungen von Bleizucker, Salpeter, Alaun mit Glaubersalz). - -6. +Ausgelegte Gifte+ zur Vertilgung von Ratten, Mäusen, Schaben, -Wanzen. Denselben fallen am häufigsten Hunde und Katzen, sodann -Schweine und das Geflügel zum Opfer. Sie bestehen aus Strychnin, -Phosphor, Arsenik, Sublimat, Baryt, Meerzwiebel usw. - -7. +Giftfarben.+ Bedeutung für die Tierheilkunde haben vor allem die -+Bleifarben+ und Bleianstriche (Bleiweiss, Bleiglätte, Mennige), -welche zu zahllosen Vergiftungen beim Rind Veranlassung geben, sowie -die grünen, +arsenikhaltigen+ Tapeten (Schweinfurter und Scheelesches -Grün). Andere giftige Farben sind: Königsblau, Smalte, Mineralblau, -Sächsischblau, Bremer Blau, Kobalt-Ultramarin; Chromgelb, Pikrinsäure, -Antimongelb, Kasseler Gelb, Kölner Gelb, Mineralgelb, Rauschgelb, -Operment, Pariser Gelb, Anilingelb, gelber Ultramarin, Zinkgelb; -Braunschweiger Grün, Berggrün, Bremer Grün, Chromgrün, Englischgrün, -Kaisergrün, Kasseler Grün, Laubgrün, Moosgrün, Neapeler Grün, Neuwieder -Grün, Patentgrün, Oelgrün, Wiener Grün; Berliner Rot, Amarantrot, -arsenhaltiges Anilinrot, Chromrot, Kupferrot, Pariser Rot, Wiener Rot; -Kremserweiss, Schieferweiss, Schneeweiss, Silberweiss, Zinkweiss. -Ausser den oben genannten Blei- und Arsenfarben sind überhaupt -alle Farben giftig, welche +Chrom+, +Baryum+, +Antimon+, +Kupfer+ -(Grünspan), +Kadmium+, +Kobalt+, +Molybdän+, +Nickel+, +Quecksilber+, -+Wolfram+, +Zink+, +Zinn+, +Uran+ und +Wismut+ enthalten. Ungiftig -sind die arsenfreien Anilin-, Ultramarin- und Alizarinfarben, die -Farbstoffe der Pflanzen, die eisenhaltigen Farbstoffe, wozu z. B. -der rote Bolus gehört, sowie der Zinnober. Indigo, Methylviolett -(Pyoktanin), Malachitgrün, Eosin und verschiedene andere Benzol- und -Anthrazenderivate wirken übrigens namentlich in fein gepulvertem -Zustand örtlich reizend und entzündungserregend („Eosinschweine“). - -8. Durch den +Biss+ oder +Stich+ giftiger Tiere werden verhältnismässig -wenig Vergiftungen veranlasst. Meist ist es die Kreuzotter, seltener -die Redische Viper, welche in Europa für die Haustiere gefährlich wird. -Von Insekten kommen hauptsächlich die Bienen und die Kolumbakzer Mücken -in Betracht. - -9. Endlich sind die durch +Böswilligkeit+ herbeigeführten Vergiftungen -zu erwähnen. Am häufigsten kommen sie wohl bei Hunden, Katzen und beim -Geflügel vor, vereinzelt jedoch auch bei den grösseren Haustieren, wie -Pferd und Rind. Gewöhnlich werden hierzu der Phosphor, der Arsenik und -das Strychnin benützt (ortsübliche Rattengifte). - - Das =kunstgemässe Vergiften= der Haustiere wegen Krankheit, zu hohen - Alters, Gemeingefährlichkeit usw. wird namentlich bei +Hunden+ - und +Katzen+ vielfach angewandt. Im Hundespital der Berliner - tierärztlichen Hochschule werden jährlich gegen 3000 Hunde und - Katzen vergiftet. Das hierbei verwendete Gift ist eine 10prozentige - wässerige =Blausäure=lösung. Dieselbe wird mittels einer Pravazschen - Spritze in der Dosis von einigen Kubikzentimetern in die Subkutis - oder in die Lunge gespritzt; bei Katzen genügt ein blosses Einbringen - einiger Tropfen in den Lidsack oder auf die Maulschleimhaut. Man kann - Hunde und Katzen auch durch Einschütten einer =Zyankalium=lösung - (1-2,0 in Wasser oder Essig gelöst) töten. Die Vergiftung dauert - jedoch hierbei etwas länger, und das Einschütten ist nicht immer ganz - leicht; man sorge ferner für frisches, unzersetztes Zyankalium. Noch - umständlicher ist die Benützung des =Chloroforms= zum Vergiften, wenn - man nicht etwa, wie ich es früher getan habe, das Chloroform (einige - Kubikzentimeter) direkt ins Herz spritzt. (Die Tötung von Hunden mit - Chloroform im Veronalschlaf -- 2 bis 8 g Veronal -- wird von Jakob - empfohlen.) Die Anwendung des =Strychnins= bei Hunden ist wegen der - für den Zuschauer sehr peinlichen und oft länger, als vermutet, - andauernden Krampfwirkung zu vermeiden. Dagegen eignet sich dasselbe - gut zum Vergiften von +Füchsen+ und anderem Raubzeug (ausgelegte - Heringsköpfe, Fleischstücke usw.). Ausserdem hat man +Eserin+, - +Chlorbaryum+ (unsicher) und besondere +Kohlensäure+-Apparate - angewandt. - - +Pferde+ werden ebenfalls am schnellsten und sichersten durch - Blausäure getötet, welche am besten intravenös oder intratracheal - beigebracht wird (tödliche Dosis der reinen Blausäure = 1 g; danach - lässt sich die anzuwendende Menge der Blausäurelösungen berechnen). - Statt Blausäure kann man auch Strychnin (0,5 intratracheal) anwenden, - weil das Pferd diesem Mittel gegenüber sehr empfindlich ist. Auch die - intravenöse Anwendung von +Chlorbaryum+ (0,5) wird empfohlen. - - +Elefanten+ werden ebenfalls am besten mit Blausäure getötet. Man - nimmt die 100-200fache Dosis vom Pferd (100-200 g reine Blausäure) - und reicht sie am besten zusammen mit Schnaps (Rum) oder in - Brotwecken (Lechner). - - +Ratten+ und +Mäuse+ können durch Strychninweizen, Phosphorlatwerge, - Ratin (Bakterienkulturen der Mäuseseptikämie) usw. vergiftet werden. - Auch die +Meerzwiebeln+ werden als ein für den Menschen ungiftiges - Rattenvertilgungsmittel in der Landwirtschaft angewandt (Mengung - frischer Zwiebeln mit der doppelten Menge Fleisch, Zerkleinerung mit - der Hackmaschine, Formung haselnussgrosser Kugeln, Anbraten mit Talg, - Bestreuen mit Zucker, Auslegen in den Ställen). Das sog. „Ratin II“ - scheint nichts anderes als ein Meerzwiebelpräparat zu sein (vgl. das - Kapitel Meerzwiebel). - - -Modifikation der Giftwirkung. - -Die Intensität der Wirkung eines und desselben Giftes ist nicht immer -die gleiche, sie wird vielmehr durch verschiedene äussere und innere -Umstände modifiziert. Als wichtigste Faktoren, welche die Giftigkeit -eines Stoffes beeinflussen, kommen folgende in Betracht: - -1. Die =Dosis=, in welcher das Gift verabreicht wird. Je nach der -Grösse derselben kann die Wirkung entweder sehr stark, mittelstark, -schwach oder selbst gleich Null sein. Jedes Gift wird in verschwindend -kleiner Dosis wirkungslos; man kann diese kleinste Menge +indifferente -Dosis+ nennen. Ist das Gift gleichzeitig ein Arzneimittel, so -bezeichnet man die im Rahmen physiologischer Wirkungen sich haltenden -Quantitäten als +therapeutische Dosen+ (Minimal-, Maximaldosis). -Grössere Gaben, welche eine ausgesprochene Vergiftung erzeugen, -heissen +toxische Dosen+; tritt endlich im Verlauf der Vergiftung der -Tod ein, so spricht man von einer +tödlichen Dosis+ (dosis letalis). -Diese tödliche Dosis ist um so kleiner, je grösser die Giftigkeit -eines Stoffes ist. Sehr giftig sind namentlich die Blausäure und -manche Alkaloide (Akonitin, Nikotin, Strychnin), indem Zentigramme -bezw. Dezigramme hinreichen, um ein Pferd zu vergiften. Am giftigsten -scheint das Toxin der Starrkrampfbazillen (Tetanotoxalbumin) zu sein -(¼ Milligramm = 1/200 Tropfen tötet ein Pferd!). Man hat versucht, -durch Vergleichung der Giftigkeitsdosen der einzelnen Gifte für jedes -die sog. +Toxizität+ (Schwellenwert, Giftigkeitsgrenze) zu finden, -also den Uebergang der indifferenten in die toxische Dosis für jedes -Gift ziffernmässig festzustellen. Der allgemeinen Durchführung dieses -Plans steht indes die Tatsache gegenüber, dass jede Tiergattung ein -und demselben Gift gegenüber sich anders verhält. Aus diesem Grund -muss von der Aufstellung einer allgemeinen Giftigkeitsgrenze Abstand -genommen werden. Die Feststellung der Giftigkeitsgrenze der einzelnen -Gifte durch Versuche an Fischen (+Richet+) hat daher für die übrigen -Tiergattungen ebensowenig Geltung, wie die Bestimmung der Toxizität -zahlreicher narkotischer Gifte an Froschlarven (+Overton+, +H. Meyer+). - -2. Die =Form= des Giftes. Es ist bekannt, dass der Phosphor in einer -ungiftigen Form, als sog. roter Phosphor vorkommt, welche dadurch -hergestellt wird, dass man den gewöhnlichen giftigen Phosphor bei -Abwesenheit von atmosphärischer Luft auf 200 bis 250° erhitzt. Er -wird dadurch in Fett unlöslich und deshalb im Magen und Darm nicht -resorbiert. Aehnliche Verhältnisse kommen bei vielen sogen. isomeren -Verbindungen vor. So ist das α-Naphthol wesentlich giftiger als -das β-Naphthol; viele Ortho-Verbindungen haben eine andere Wirkung -als die entsprechende Meta- oder Para-Verbindung. Weiter ist die -Giftigkeit eines Körpers sehr verschieden, je nachdem derselbe in -löslicher oder unlöslicher Form, in Stücken, grob- oder feingepulvert, -in konzentrierter oder in verdünnter Lösung aufgenommen wird. Der -Arsenik ist am wenigsten giftig in Stücken, mit der Feinheit des -Pulvers nimmt seine Giftigkeit zu, am giftigsten ist er in Lösung. -Auch die Art des Lösungsmittels ist von Bedeutung. Phosphor in Oel -gelöst wird viel rascher und ausgiebiger resorbiert, als in andern -Flüssigkeiten; Kanthariden in Salbenform aufgenommen (Ablecken) wirken -aus demselben Grunde giftiger, als in Substanz. Alkoholische Lösungen -von Strychnin oder Blausäure werden im Magen viel schneller resorbiert, -als wässerige. Auflösungen der Karbolsäure in alkalischen Flüssigkeiten -oder in Oel sind weniger giftig, als solche in Wasser. Endlich gibt -es noch eine Reihe anderer Bedingungen. Durch Regenwasser ausgelaugte -Lupinen sind ungiftig, viele Metallsalze (Brechweinstein, Bleizucker) -und alle Alkaloide verlieren an Giftigkeit, wenn gleichzeitig Tannin -oder zufällig ein anderes Gegengift mit aufgenommen wird. Warme -Arsenikwaschungen, ferner kalte, aber im Sommer, in heissen Stallungen -oder bei erhitzten Tieren vorgenommene Waschungen sind gefährlicher -als kalte Waschungen im Frühjahr oder Herbst (Beobachtungen in -Schleswig-Holstein). - -3. =Alter= und =Abstammung= des Giftes. Sehr viele Gifte verändern -oder verlieren mit der Zeit infolge von Zersetzung ihre Wirksamkeit. -Beispiele sind namentlich die Glykoside und manche Alkaloide: -Digitalis, Secale cornutum, Akonit, Belladonna, Eserin, Pilokarpin, -Morphin, Apomorphin, Rhizoma Filicis, die Präparate der Blausäure -(Umwandlung der Blausäure im Bittermandelwasser in ameisensaures -Ammonium, des Zyankaliums in Kaliumkarbonat), der Phosphor (Umwandlung -zu amorphem), Karbolwasser (Verdunstung der Karbolsäure), die -ätherisch-öligen Mittel (Verdunstung der ätherischen Oele), Chlorkalk -(Verdunstung von Chlor), Bleiessig (Bildung von Bleikarbonat), Aetzkali -und Aetzkalk (Umwandlung zu kohlensaurem Kalium und kohlensaurem -Kalk). Auch das Umgekehrte wird zuweilen beobachtet; alte graue -Quecksilbersalbe ist z. B. giftiger, als frisch bereitete (Bildung von -leichter resorbierbarem fettsaurem Quecksilber). Dasselbe gilt für -altes Krotonöl (Abspaltung freier, giftiger Krotonolsäure). Bezüglich -der Bedeutung der Abstammung für die Giftigkeit ist hervorzuheben, -dass die Lupinen je nach dem Standort und der Gegend bald giftig, -bald ungiftig sind, dass ferner die Mohnpflanze in Europa nur ganz -verschwindende Mengen von Opiumalkaloiden enthält gegenüber dem grossen -Opiumgehalt derselben Pflanze in Kleinasien, Persien, Aegypten. Es mag -ausserdem an die Hanfpflanze erinnert werden, welche bei uns ungiftig -ist, während sie in derselben Spezies in Indien ein starkes Gift -liefert (indischer Hanf, Haschisch). Die Giftigkeit vieler Pflanzen -wechselt endlich nach den Jahreszeiten. Die meisten Giftpflanzen sind -am giftigsten zurzeit der Blüte; andere Pflanzen sind überhaupt nur -in bestimmten Monaten giftig, z. B. die Springgurke (Elaterium) nur -im Juli. Ein eigentümliches Verhältnis zeigt der Faulbaum (Rhamnus -Frangula), dessen Rinde im ersten Jahr nach der Gewinnung Erbrechen und -dann vom zweiten Jahr ab Purgieren erzeugt. - -4. Die =Applikationsweise=. Alle Gifte wirken vom +Magen+ aus -wesentlich schwächer, als von der Subkutis, von der Trachealschleimhaut -oder von Wunden aus. Manche Gifte sind vom gesunden Magen aus -überhaupt wirkungslos, so zahlreiche Bakterientoxine (Wut, Tetanus), -die Saponinsubstanzen, das Schlangengift und einige Pfeilgifte -(zersetzende, antitoxische Wirkung des Magensaftes). Auch bei stark -gefülltem Magen wirken die meisten Gifte wesentlich schwächer als bei -leerem Magen, weil die Resorption langsamer vor sich geht; ausserdem -werden manche Gifte durch gewisse Bestandteile des Futterinhaltes -des Magens, z. B. Alkaloide durch gerbsäurehaltige Nahrungsmittel, -Metallsalze durch ein eiweissreiches Futter unschädlich gemacht. -+Die Giftigkeit eines Stoffes vom Magen aus verhält sich zu seiner -Giftigkeit von der Subkutis und von Wunden aus etwa wie 1 : 10.+ -Uebrigens kann dieses Verhältnis je nach der Tiergattung auch enger -sein. So verhält sich beim Strychnin die tödliche stomachikale Dosis -zur tödlichen subkutanen wie 1 : 10 beim Schaf, wie 1 : 5 beim Pferd, -wie 1 : 3 beim Schwein, wie 1 : 2 beim Hund. Auch bei der Resorption -von Wunden aus ist die Giftigkeit ganz erheblich gesteigert; so -tötet der Arsenik per os Pferde in Gaben von 10-15 g, Hunde in Gaben -von 0,2 g, während von Wunden aus für Pferde 2,0 g und für Hunde -0,02 g zur Tötung ausreichen. Diese erhöhte Giftigkeit von Wunden -aus hat namentlich eine praktische Bedeutung für die Anwendung von -Aetzmitteln (Arsenik in Stücken bei Brustbeule, Nieswurzstecken) -sowie von Räudebädern unmittelbar nach der Schur (Arsenik-, Tabak-, -Karbolbäder). Die rektale Applikation wirkt etwa gleich stark, wie die -per os. Am stärksten ist die Wirkung der Gifte bei der intratrachealen, -intraperitonealen und intravenösen Injektion. +Die intratracheale -Applikation wirkt etwa 20mal, die intravenöse 25-50mal stärker, als die -Einführung vom Magen aus.+ - -5. Die =Ausscheidung= des Giftes aus dem Körper. Dieselbe beeinflusst -hauptsächlich den Verlauf und die Dauer einer Vergiftung; je -rascher das Gift den Körper wieder verlässt, um so kürzer ist auch -die Krankheitsdauer und umgekehrt. Langsam, erst etwa im Verlauf -einer Woche ausgeschieden werden z. B. die Glykoside der Digitalis -(Digitoxin) und das Strychnin, weshalb die Nachwirkung bei beiden -Giften ziemlich lang ist (kumulative Wirkung bei wiederholter -Einverleibung). Ausserdem sind durch eine sehr verlangsamte, Wochen -und Monate dauernde Ausscheidung die Salze der schweren Metalle -(Blei, Quecksilber, Kupfer, Arsen) charakterisiert, indem dieselben -organische Verbindungen mit dem Eiweiss der Körperzellen eingehen -(sog. Organdepositorien). Dieser Umstand erklärt auch die Tatsache, -dass chronische Vergiftungen am häufigsten Metallvergiftungen sind. -Am schnellsten werden die Chlor-, Brom- und Jodverbindungen der -Alkalien ausgeschieden (Chlornatrium, Bromkalium, Jodkalium); die -Hauptmenge derselben verlässt den Körper durch den Harn innerhalb 24 -Stunden. Die Ausscheidung der Gifte aus der Blutbahn geschieht durch -die Nieren, die Leber, die Speicheldrüsen, die Pankreasdrüse, die -Milchdrüse, die Darmdrüsen, Schweissdrüsen, Talgdrüsen, Schleimdrüsen -und die Lunge. Die meisten Gifte werden durch den Harn ausgeschieden. -Die Schwermetalle und das Strychnin werden dagegen in der Hauptsache -durch die Leber (Galle), das Morphium durch den Magen eliminiert. -- -Auch durch die Verlangsamung oder Beschleunigung der +Resorption+ -kann die Wirkung der Gifte beeinflusst werden. So tritt z. B. bei der -Kolchikumvergiftung die Wirkung des Giftes später ein, als bei anderen -Intoxikationen, weil das Kolchizin ein sehr schwer resorbierbares -Alkaloid ist. - -6. Die =Tiergattung=. Eine Reihe von Giften wird in ihrer Wirkung -wesentlich modifiziert durch die Tiergattung. Zunächst zeigen im -Vergleich zum +Menschen+ die Haustiere mehreren Giften gegenüber ein -ganz verschiedenes Verhalten. Während für den Menschen wegen seines -hoch entwickelten Gehirns und Nervensystems viele Nervenmittel, -namentlich die Alkaloide Morphium, Atropin, Hyoszin und Koniin sehr -starke Gifte sind, erweist sich deren Giftigkeit bei den Tieren als -eine ganz erheblich schwächere. Beispielsweise ertragen Hunde und -Pferde pro Kilogramm Körpergewicht 10mal mehr, Tauben 500mal mehr -und Frösche sogar 1000mal mehr Morphium als der Mensch. Während beim -Menschen schon 5 mg Atropin eine schwere Vergiftung bedingen können, -bleiben Hunde und Kaninchen nach Dosen von 500 mg, also nach der -hundertfachen Dosis, am Leben. - -Unter den einzelnen Tiergattungen selbst machen sich ebenfalls -bedeutende Unterschiede im Verhalten gewissen Giften gegenüber geltend. -So sind für Pflanzenfresser, besonders aber für die +Wiederkäuer+ -(Rind, Schaf und Ziege) die +Metallsalze+ viel stärkere Gifte, -als für die Fleischfresser und Omnivoren (Hund, Katze, Schwein). -Wahrscheinlich ist die Erklärung dieser Tatsache in dem Umstande zu -suchen, dass bei der eigentümlichen Einrichtung des Verdauungsapparates -der Pflanzenfresser, namentlich der Wiederkäuer, die eingeführten -Metallgifte viel längere Zeit (mehrere Wochen) im Magendarmkanal -verbleiben und daher ausgiebiger zur Resorption gelangen als bei den -Fleischfressern, bei welchen der Inhalt des Verdauungsschlauches nur -etwa einen Tag in demselben verweilt. So ist z. B. die tödliche Dosis -des Kalomels für das Rind nicht wesentlich höher als für das Schwein -(10 g), Ochsen sterben nach der Einreibung einer Gewichtsmenge grauer -Salbe, welche von Hunden ohne Schaden ertragen wird (30 g). Ebenso -empfindlich wie gegen Quecksilber sind die Wiederkäuer gegen Blei. -Während die tödliche Dosis des Bleizuckers für das Pferd zwischen 500 -und 700 g beträgt, sind für ein gleich schweres Rind zuweilen schon -50 g tödlich. Aehnliches beobachtet man bezüglich der Kupfersalze. -Umgekehrt sind die Wiederkäuer viel weniger empfindlich bezw. bis -zu einem gewissen Grade unempfindlich gegenüber der stomachikalen -Einverleibung der +Digitalisblätter+, weil die Digitalisglykoside in -den Vormägen zersetzt und unwirksam gemacht werden (bei intravenöser -Einverleibung besteht kein Unterschied!). Während z. B. Pferde nach -der innerlichen Verabreichung einer einmaligen Dosis von 25-30 g -getrockneter Digitalisblätter an Digitalisvergiftung sterben, ertragen -Kühe diese Dosis 4 Tage hintereinander, zusammen also 120 g Folia -Digitalis, ohne überhaupt darauf zu reagieren (20 g Digitalisblätter -im Infus intravenös eingespritzt wirken dagegen auch beim Rind -tödlich). Weitere Beispiele sind das ausserordentlich verschiedene -Verhalten der einzelnen Tiergattungen gegenüber dem +Chloroform+, -welches namentlich für die Wiederkäuer ein gefährliches Narkotikum -bildet, die starke Giftigkeit des Krotonöls und Brechweinsteins -für Pferde im Gegensatz zum Hund, die grosse Empfindlichkeit der -Katzen gegenüber der Karbolsäure und ihre geringe Empfindlichkeit -gegenüber dem Apomorphin, von welchem sie als Emetikum eine 10mal -grössere Dosis bedürfen, als grosse Hunde (während beim Schwein gar -kein Erbrechen dadurch hervorgebracht werden kann); die relativ -geringe Empfindlichkeit der Kaninchen gegen Belladonna und der Hühner -gegenüber der Brechnuss; die Empfindlichkeit der Vögel gegen Aether; -die Unempfindlichkeit des Igels gegen Kanthariden, Giftschlangen und -Giftpflanzen, der Frösche gegen Kurare, sowie der Insekten gegen -Muskarin, Kohlenoxyd und andere Gifte. - -7. Die =Grösse= und das =Alter= der =Tiere=. Im allgemeinen ist die -Giftwirkung einer und derselben Dosis um so schwächer, je grösser die -betreffenden Tiere sind. Setzt man die grösseren Haustiere, Pferd und -Rind = 1-2, so ergeben sich als entsprechende Verhältniszahlen für -Schafe, Ziegen und für Schweine = ½-⅕, für Hunde (und Menschen) = -1/10, für Katzen und Geflügel = 1/20. Ebenso nimmt im allgemeinen mit -dem Alter die Widerstandsfähigkeit gegen Gifte zu, das höchste Alter -ausgeschlossen. Ist z. B. die tödliche Dosis eines Giftes für ein -ausgewachsenes 6jähriges Pferd = 1, so beträgt sie für ein einjähriges -= ½, für ein halbjähriges = ¼, für ein vierteljähriges = ⅛, für ein -einen Monat altes = 1/16 usw. Ausnahmen kommen auch von dieser Regel -vor; so ertragen junge Hunde grössere Kalomeldosen als erwachsene. -Junge Hunde (Säuglinge) sind jedoch dem Santonin gegenüber 100mal -empfindlicher als erwachsene Hunde. - -8. Von sonstigen, die Giftwirkung beeinflussenden Momenten sind zu -erwähnen das =Geschlecht= (Kühe ertragen häufig grössere Giftdosen als -Ochsen, weil durch die Milch das Gift zum Teil aus dem Körper entfernt -wird; vergl. die Schlempevergiftung), die =Konstitution= (kräftige, -schwache) sowie eine bei manchen Tieren vorhandene +individuelle -Empfindlichkeit+ oder =Idiosynkrasie=. Die letztere besteht darin, -dass manche Individuen gegen gewisse (giftige oder ungiftige) Stoffe -auffallend überempfindlich sind, wie z. B. einzelne Pferde und Rinder -gegen Chloroform, Morphium, Eserin, Arekolin und Pilokarpin oder -manche Hunde gegen Kalomel, Filixextrakt und Arekanuss. - -Eine +Angewöhnung+ an Gifte als modifizierender Faktor der Giftwirkung, -wie sie beim Menschen beobachtet wird (Morphium, Alkohol, Nikotin, -Koffein, Kokain, Chloralhydrat, Arsenik, Rizinusöl) kommt bei den -Haustieren seltener vor (Arsenik, Santonin, Morphin, Rizin). Das -Zustandekommen der Angewöhnung ist dunkel (gesteigerte Fähigkeit -der Zersetzung? Bildung von Antikörpern? Zelluläre Immunität?). -Manche Tiere scheinen ferner gewissen Giften gegenüber, ähnlich -wie bei Seuchen, eine individuelle +Immunität+ zu besitzen (Rade, -Schimmelpilze, Rostpilze, Brandpilze, Saponinsubstanzen). - -Die +kumulative+ Wirkung einzelner Gifte (Strychnin, Digitalis), d. h. -die Tatsache der Summierung der Effekte mehrerer Einzeldosen erklärt -sich teils aus der langsamen Ausscheidung dieser Gifte aus dem Körper, -teils aus dem langsamen Abklingen der Wirkung der einzelnen Dosen. - - =Die Gewöhnung an Gifte.= Höhere Organismen (Menschen, Tiere) können - sich ebenso an einzelne Gifte gewöhnen („giftfest“ oder „immun“ - werden), wie niedrige, einzellige Organismen (Hefe, Bakterien, - Protozoen). Von der +Hefe+ ist bekannt, dass sie sich besonders an - Flusssäure und Fluoride, ausserdem an Formaldehyd, Kupfersalze und - Alkohol gewöhnt. Das sog. Effrontsche Flusssäureverfahren steigert - sogar die Gärkraft der Hefe aufs zehnfache und hält andere schädliche - Bakterien ab; dabei beruht die Gewöhnung an das Fluor auf der - Umwandlung des in die Zellen eindringenden löslichen Fluorammoniums - in unlösliches Fluorkalzium. +Bakterien+ gewöhnen sich an Borsäure, - Karbolsäure, Sublimat, Arsenik, Lithiumsalze usw. Pathogene Bakterien - werden sogar widerstandsfähiger durch Sublimat, Milzbrandbazillen - passen sich an Arseniklösungen an. Dasselbe gilt für +Schimmelpilze+, - namentlich für Penicillium glaucum, welche sich überhaupt leicht - an Metallsalze (Kupfer, Quecksilber, Nickel, Kobalt), ausserdem - an Chinin, Morphin, Kokain, Atropin, Alkohol, Pyrogallussäure - usw. gewöhnen. Unter den +Protozoen+ gewöhnen sich namentlich - die +Trypanosomen+ bald an Arsenpräparate, speziell an Atoxyl - (atoxylfeste Stämme), ferner an Fuchsin, Trypanrot und Trypanblau; - andere Protozoen gewöhnen sich an Chinin, Sublimat und konzentrierte - Kochsalzlösungen. - - Von den höhern Organismen gewöhnen sich +Menschen+ im allgemeinen - leichter und häufiger an Gifte als +Tiere+. Diese Gewöhnungen stellen - indessen zum Teil chronische Vergiftungen dar, indem sie mehr oder - weniger erhebliche Störungen des Allgemeinbefindens bedingen. Am - bekanntesten ist die Gewöhnung an das +Morphium+. Während jedoch - der Mensch sich an die 25fache Dosis gewöhnen kann, liessen sich - Versuchshunde nur an die 3fache tödliche Menge gewöhnen (Faust, - Arch. f. exp. Path. 1900); die Ursache der Gewöhnung scheint - auf einer Zerstörung oder Zersetzung des Morphins durch die an - dieses Gift gewöhnten Individuen zu beruhen. Die beim Menschen - so häufige Gewöhnung an +Alkohol+ ist bei Tieren, speziell bei - Hunden, Schweinen und Kaninchen bisher nicht gelungen (negative - Versuche von Dahlström, Strassmann, Dujardin-Beaumé u. a.). Dagegen - gewöhnen sich Menschen und Tiere an +Arsenik+. Aehnlich wie bei den - steiermärkischen Arsenikessern liessen sich Hunde an grosse Dosen - Arsenik, bis zu 0,4 g pro Kilo, gewöhnen, jedoch nur bei innerlicher - Verabreichung; bei subkutaner Injektion waren die arsenikfesten - Hunde ebenso empfindlich gegen das Gift wie die an Arsenik nicht - gewöhnten (Hausmann, Cloëtta). Ueber die Gewöhnung an +Rizin+ - („Rizinfestigkeit“) vergleiche das Kapitel Rizinusvergiftung. -- - Genaueres über die Gewöhnung an Gifte findet sich bei +Hausmann+, - Ergebnisse der Physiologie, VI. Jahrgang, 1907. - - -Allgemeines über Wirkungsweise und Schicksale der Gifte im Tierkörper. - -Man unterscheidet herkömmlicherweise zwischen örtlicher Giftwirkung -und Fernwirkung der Gifte. Die +örtliche+ Giftwirkung besteht in -Rötung, Schwellung, Entzündung, Verätzung, Anästhesierung der Haut, -Schleimhäute und Wunden. Eine grössere Anzahl von Giften besitzt -nur eine solche Lokalwirkung, so namentlich die einfachen Akria -und die Aetzmittel. Die reizende Wirkung der Akria wird durch die -Einwirkung auf die Nerven und Gefässe (Hyperämie, Entzündung, -Blasen-, Pustel-, Eiterbildung), die Aetzwirkung durch Ertötung -der Gewebe bedingt (Eiweissgerinnung durch Säuren und Metallsalze, -Auflösung des organisierten Eiweisses durch Laugen, Wasserentziehung -durch gebrannten Kalk und Schwefelsäure, Wasserstoffentziehung -durch Chlor). Dabei wird der Unterschied zwischen der reizenden -und ätzenden Wirkung häufig nur durch die Konzentration der Lösung -bedingt, indem bei gewissen Konzentrationsgraden keine Nekrose mehr -entsteht, sondern eine reparable entzündliche Reaktion. Auch im -bakterienfreien, sterilisierten Zustand erzeugen die Akria, unter -die Haut gespritzt, Eiterung ohne Mitbeteiligung von Eiterbakterien -(Versuche mit Krotonöl). Die +Fernwirkung+ der Gifte wird nicht durch -die Nervenleitung, sondern durch das Blut vermittelt, durch welches -dieselben in die einzelnen Körperorgane übergeführt werden. Danach -beginnt die Fernwirkung (Allgemeinwirkung) mit dem Uebergang der -Gifte ins Blut. Sie besteht in einer Einwirkung der Gifte auf die -Parenchymzellen der einzelnen Organe, also der Ganglienzellen des -Gehirns, der sezernierenden Leber-, Nieren-, Drüsenzellen, und kann -daher in gewisser Beziehung ebenfalls als Lokalwirkung aufgefasst -werden. - - Die +elementare Giftwirkung+, d. h. die Reaktion zwischen - chemischem Stoff und lebendem Protoplasma besteht entweder in einer - gegenseitigen chemischen Bindung mit Schädigung und Zerstörung des - Protoplasmas oder im osmotischen Eindringen des Giftes in die Zellen - ohne chemische Veränderung der letzteren. Das schnelle Eindringen - mancher chemisch indifferenter Stoffe (Alkohol, Aether) in das - Protoplasma wird auf das Vorhandensein fettähnlicher Bestandteile - (Lipoide) im Protoplasma zurückgeführt, welche die Aufnahmefähigkeit - der Zellen für Alkohol etc. bedingen (Overton). Dabei verhalten - sich die verschiedenen Arten von Protoplasma gegen ein und dasselbe - chemische Agens verschieden (+spezifische Affinitäten+). Das - Strychnin z. B. besitzt eine spezifische Affinität zum Rückenmark, - das Morphium und Atropin zum Gehirn, das Kohlenoxyd zum Hämoglobin. - Die Giftreaktion äussert sich dabei entweder in einer Steigerung oder - in einer Verminderung der Zellfunktion. - - Die +Resorption+ der Gifte ins Blut kann vom Darmkanal, von der - Haut und von der Lunge aus folgen. Die Resorption im +Darmkanal+ - geschieht teils aktiv durch die intra- und interepitheliale - Resorption und durch die Leukozyten (lipoidunlösliche Stoffe: - Salze, Metalle, Proteine), teils durch passives Passieren der - Epithelien (lipoidlösliche Stoffe: Alkohol usw.). Von der entzündlich - veränderten, also beschädigten Darmschleimhaut aus erfolgt die - Resorption besonders schnell (Giftigkeit des sonst unschädlichen - Saponins und Wismuts, Giftwirkung normaler Brechweinsteindosen bei - gleichzeitiger Verabreichung von Aloe). Die unverletzte +Haut+ - besitzt ein sehr geringes Resorptionsvermögen für Gifte, indem das - Fett der Talgdrüsen und die verhornten Epidermiszellen wässerige - Lösungen abhalten (nach Beseitigung des Fetts durch Aetherwaschung - findet eine geringe Resorption wasserlöslicher Stoffe statt). Die - bisher angenommene Durchlässigkeit der intakten Haut für Gase wird - neuerdings bestritten (die Haut der einzelnen Versuchstiere scheint - sich verschieden zu verhalten). Eine sehr intensive Resorption - findet dagegen nach Entfernung der Epidermis statt. In der +Lunge+ - werden Gase und Dämpfe durch die feuchten Alveolarepithelien und die - Gefässendothelien rasch resorbiert (Chloroform). Nach der Aufnahme - der Gifte ins +Blut+ erfolgt sofort die innere Absorption von seiten - der Gewebe (ein wenige Minuten danach vorgenommener Aderlass vermag - die tödliche Vergiftung wegen der bereits erfolgten Fixierung des - Giftes in den Geweben nicht mehr aufzuhalten). - -Die Schicksale, d. h. die +chemischen Veränderungen+, welche die Gifte -im allgemeinen bei ihrer Wanderung durch den Tierkörper erfahren, sind -sehr mannigfaltiger Art. Nur wenige derselben passieren den Körper -in unverändertem Zustande (Kochsalz, Glaubersalz). Zum grossen Teil -beruht die toxische Wirkung eben auf diesen chemischen Umsetzungen. Im -Nachstehenden sind die wichtigsten derselben kurz zusammengestellt. - -1. +Veränderungen der Gifte im Digestionsapparate.+ Bei einzelnen -giftigen Glykosiden findet bereits in der Mundhöhle unter der -Einwirkung des +Speichels+ eine Zersetzung statt (Amygdalin). -Wichtiger sind die im +Magen+ durch die Einwirkung des Magensaftes -und des Mageninhaltes bedingten Umsetzungen. Die Salzsäure des Magens -macht z. B. die im Zyankalium enthaltene Blausäure frei nach der -Formel: CNK + ClH = CNH + ClK; sie verwandelt ferner manche an sich -unlösliche Metalle (Blei) zu löslichen Chloriden (Chlorblei). Aehnlich -wirkt die im Magen vorhandene Milchsäure. Der Mageninhalt wirkt -teils durch seine Menge, teils durch einzelne seiner Bestandteile -modifizierend auf die Gifte ein. In ersterer Beziehung gilt der -schon erwähnte Satz, +dass die meisten Gifte bei vollem Magen (und -daher namentlich bei den Wiederkäuern) weniger stark wirken, als -bei leerem oder wenig gefülltem+. Die Erklärung hierfür ist in der -starken Verdünnung, verminderten oder verlangsamten Resorption, sowie -in der teilweisen Zersetzung der Gifte durch den Mageninhalt (z. B. -des Brechweinsteins durch das in vielen Futterpflanzen enthaltene -Tannin) zu suchen. Von den Bestandteilen des Mageninhalts befördern -die Albuminate die Resorption vieler Metalle (Quecksilber, Blei, -Zink, Kupfer, Chrom), indem sie dieselben in Metallalbuminate -überführen. Auch der Kochsalzgehalt des Mageninhaltes kommt in -Betracht, indem z. B. Sublimat sich in die leichter resorbierbare -Sublimat-Chlornatriumverbindung umwandelt. Im +Darmkanal+ bedingen -der alkalische Pankreassaft und die Galle, sowie die im Dickdarm -eintretenden Fäulnisprozesse (Entwicklung von Wasserstoff in Statu -nascente) verschiedenartige chemische Umsetzungen. So wird unter -der Einwirkung des alkalisch reagierenden Dünndarmsaftes die schwer -lösliche arsenige Säure (Arsenik, As_{2}O_{3}) zu leicht resorbierbarem -arsenigsaurem Kali (AsK_{3}O_{3}) umgesetzt; das unlösliche und daher -an sich wenig giftige Santonin verwandelt sich in leicht lösliches -santoninsaures Natrium und Kalium. Die Galle befördert die Löslichkeit -giftiger Oele und Harze, indem sie dieselben verseift (Krotonöl, -Rizinusöl, Aloe, Jalapen). Der im Dickdarm gebildete Wasserstoff führt -den Schwefel in Schwefelwasserstoff, den Phosphor und Arsenik in -Phosphor- und Arsenwasserstoff über. Endlich findet bei vorhandenem -Fettgehalt der Nahrung im Darmkanal eine Auflösung mancher Gifte durch -das Fett und infolgedessen leichtere Resorption derselben statt; -hierher gehören namentlich der Phosphor und das in den Kanthariden -enthaltene Kantharidin. - -2. +Veränderung der Gifte im Blute und in den Geweben.+ Beim Uebergang -der Gifte ins Blut finden die wichtigsten Veränderungen der Gifte -statt. Es sind zunächst einfache +chemische Bindungen+, welche -manche Gifte eingehen; so verbindet sich die Oxalsäure in den Nieren -mit Kalk zu oxalsaurem Kalk, der Arsenik mit Kalium oder Natrium zu -arsenigsaurem Kalium und Natrium, das Chlor, Brom und Jod ebenfalls mit -diesen Alkalien zu Chlorkalium, Bromkalium, Jodkalium; das Kohlenoxyd -verbindet sich mit dem Hämoglobin. Von +Synthesen+ sind zu erwähnen -die namentlich in der Niere vor sich gehenden Aetherschwefelsäure-, -Glykuronsäure- und Uraminosäure-Synthesen. Hierher gehört die Bildung -von Sulfonverbindungen (Umwandlung der Karbolsäure und der Kresole -zu phenolsulfonsaurem und kresolsulfonsaurem Kali), von gepaarten -Glykuronsäuren (Umwandlung des Chloralhydrats in Urochloralsäure, des -Kampfers in Kamphoglykuronsäure), sowie von Uraminosäureverbindungen -(Umwandlung der Salizylsäure in Salizylursäure, der Benzoesäure in -Hippursäure). Sehr zahlreich sind ferner +Oxydationen+ der Gifte -im Blut und in den Geweben. So wird Phosphor zu Phosphorsäure, -Schwefel zu Schwefelsäure, Blei zu Bleioxyd, Alkohol, Aldehyd und -Essigsäure zu Kohlensäure und Wasser, Benzol zu Phenol, Naphthalin -zu Naphthol, Karbolsäure zu Brenzkatechin und Hydrochinon oxydiert. -Daneben kommen unter der Einwirkung der Muskel- und Drüsentätigkeit -im Körper +Reduktionen+ vor. Namentlich alle an Sauerstoff sehr -reichen Salze (chlorsaures Kali, Nitrate, Chromsäure) werden zu -niedrigen Oxydationsstufen reduziert. Desgleichen beobachtet man -bei einer grösseren Anzahl von Giften im Blute sowie in den Muskeln -und in der Leber +Spaltungen+ und Zersetzungen. Dieselben betreffen -hauptsächlich die Alkaloide und Glykoside (Eserin, Pilokarpin, -Morphium, Koffein, Amygdalin). Endlich findet man bei einer nicht -geringen Anzahl von Giften +Assimilationen+ von seiten des Tierkörpers. -So ist es beispielsweise bekannt, dass im Knochen die Phosphorsäure -(phosphorsaurer Kalk) durch arsenige Säure (arsenigsaurer Kalk) ersetzt -werden kann. Hierher gehört auch die +Ablagerung+ (Deposition) der -Metalle in verschiedenen inneren Organen, namentlich des Quecksilbers -in der Leber (Organdepositorium), wo sie in Form von Metallalbuminaten -gewissermassen assimiliert werden (Bindung an die Nukleoalbumine und -Nukleine). - -3. +Verhalten der Gifte bei der Ausscheidung aus dem Körper.+ Die -wichtigsten Ausscheidungsorgane des Körpers sind die +Nieren+ und -die +Leber+. Durch die +Nieren+ werden namentlich die Salze der -Halogene (Jodkalium, Bromkalium) in so kurzer Zeit aus dem Körper -ausgeschieden, dass die Hauptmenge innerhalb 24 Stunden mit dem Harn -aus dem Körper entfernt wird. Viel langsamer werden die Salze der -Schwermetalle durch die Nieren ausgeschieden (Wochen, Monate). Wegen -ihrer Beteiligung an der Ausscheidung der Gifte sind die Nieren und -die Leber bei sehr vielen Vergiftungen in erster Linie gefährdet, -wie die schweren Nierenaffektionen bei Kanthariden-, Terpentinöl-, -Kolchikum-, Quecksilbervergiftung, sowie die krankhaften Entartungen -der Leberzellen bei Phosphor- und Arsenikvergiftung beweisen. Für die -gasförmigen und flüchtigen Gifte (Chloroform, Alkohol, Kohlenoxyd, -Grubengas) sind die +Lungen+ das Hauptausscheidungsorgan. Neben -diesen Drüsen wirken jedoch noch andere, nicht minder wichtige, bei -der Ausscheidung der Gifte mit. Es sind namentlich die +Magen-+ -und +Darmdrüsen+ zu erwähnen. Dieselben besitzen speziell für die -Eliminierung des Morphiums (Magen), Phosphors, Arseniks, Quecksilbers, -überhaupt der Schwermetalle eine viel grössere Bedeutung als die -Nieren und erkranken deshalb sehr häufig im Verlauf der Vergiftung -(sog. Gastro-Enteritis glandularis oder Adenitis parenchymatosa). -Weiter beteiligen sich an der Ausscheidung von Giften die +Talg-+ -und +Schweissdrüsen+ der Haut, welche ebenfalls bei dieser -Tätigkeit schwere Beschädigungen erleiden können (Hautexantheme -bei Merkurialismus, Bromvergiftung, Jodvergiftung, Schlempemauke), -die +Speicheldrüsen+ (Salivation bei Quecksilbervergiftung), die -+Schleimdrüsen+ der Respirationsschleimhaut (Bronchitis, Laryngitis, -Rhinitis bei Quecksilber- und Jodvergiftung), die +Tränendrüse+ -und, was namentlich für das Rind von grosser Bedeutung ist, die -+Milchdrüse+. Die gesteigerte Funktion dieser letzteren Drüse bedingt -es, dass Milchkühe manchen Vergiftungen gegenüber widerstandsfähiger -sind als andere Tiere (Schlempemauke), weil durch die Milch das -eingedrungene Gift rasch und in reichlicher Menge aus dem Körper -entfernt wird. Auf der anderen Seite können die milchsezernierenden -Drüsenzellen durch manche Gifte (Phosphor, Jod) so stark bei der -Ausscheidung derselben betroffen werden, dass eine Atrophie der -Milchdrüsen mit dauerndem Versiegen der Milch die Folge ist. - - Die Frage der =Geniessbarkeit des Fleisches vergifteter Tiere= ist - auf Grund zahlreicher experimenteller Untersuchungen und praktischer - Beobachtungen zu +bejahen+. Die von +mir+ und +Knudsen+ (Monatshefte - für prakt. Tierheilkunde I. u. II. Bd.) mit den giftigsten - Alkaloiden Strychnin, Eserin, Pilokarpin und Veratrin bei Hammeln - und Kaninchen angestellten Versuche haben gezeigt, +dass das Fleisch - der vergifteten Tiere entweder gar kein Gift oder nur so minimale - Spuren enthält, dass es durchaus unschädlich ist+ (+Selbstversuche+, - +Versuchstiere+). Diese Tatsache erklärt sich einerseits aus +der - reduzierenden Einwirkung der Muskeltätigkeit und des Blutes+ auf - die Alkaloide, andererseits aus der Entgiftung des Körpers durch - zahlreiche Sekretionsorgane (Nieren, Leber, Darmdrüsen, Milchdrüse). - Zu demselben Ergebnis ist bezüglich des Strychnins +Schneider+ - gelangt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde XI. Bd.); danach wurden - je 5 Gänse und Enten, ferner 6 Hühner und 8 Tauben mit Strychnin - vergiftet und sämtliche an Strychninvergiftung gestorbenen Tiere ohne - Schaden verzehrt (Selbstversuche). Aehnliche Beobachtungen haben - bezüglich Strychnin, Eserin und Apomorphin +Feser+, bezüglich Arsenik - +Sonnenschein+, +Spallanzani+ und +Zappa+, bezüglich Oleandrin - +Veronesi+ (Selbstversuche), bezüglich Brechweinstein +Harms+, - bezüglich Blei +Albrecht+, +Laho+ und +Mosselmann+ veröffentlicht. - Die letzteren (Brüsseler Annalen 1893) vergifteten einen jungen - Stier mit Bleifarbe; bei dem am 6. Tage gestorbenen Tier wurde in - +den Muskeln überhaupt kein Blei gefunden+. Hunde, welche wochenlang - mit dem Fleisch des Stieres gefüttert wurden, zeigten nicht die - geringsten Störungen des Allgemeinbefindens. Ueber weitere Fälle - von Unschädlichkeit des Fleischgenusses vergifteter Tiere berichtet - +Ostertag+ (Handbuch der Fleischbeschau). - - Anders liegen die Verhältnisse bezüglich der +Leber+, der +Nieren+, - des +Magens+ und +Darmes+, sowie des +Euters+ bezw. der +Milch+. - In den genannten Drüsen und Organen findet eine Ausscheidung der - Gifte aus dem Blute statt; dieselben sind daher mehr oder weniger - gifthaltig und ihr Genuss unter Umständen +gesundheitsschädlich+. - Dies gilt insbesondere für den Darmkanal, die Nieren und das Euter. - Die Leber ist namentlich für metallische Gifte ein Depositorium, - während die Alkaloide in der Leber, ähnlich wie im Fleisch, - zersetzt werden (+Schiff+, +Roger+, eigene Beobachtungen). Das - Euter und die Milch sind von den genannten Exkretionsorganen am - giftreichsten. Dies wird auch durch die tierärztliche Erfahrung - bewiesen, wonach mehrfach +Erkrankungen durch die Aufnahme der+ - =Milch= +vergifteter Tiere+ beobachtet worden sind. So erkrankten - Saugkälber und Fohlen nach der Verabreichung von Arsenik an die - Mutterkühe bezw. Mutterstuten (+Spinola+, +Huxel+), Lämmer und Hunde - nach der Aufnahme der Milch einer mit Brechweinstein behandelten Kuh - (+Harms+), Saugkälber nach der Verfütterung von radehaltigem Mehl - an die Muttertiere (+Tabourin+), desgleichen nach Verfütterung von - Rizinuskuchen (+Bollinger+). Die Milch von Kühen, welche Kolchikum - aufgenommen hatten, zeigte sich auch dann giftig, wenn die Kühe keine - auffallenden Krankheitserscheinungen aufwiesen (+Ungar. Vet.-Ber.+ - 1900). In der Milch von Kühen, die mit alkoholhaltiger Schlempe - gefüttert worden waren, wiesen +Weller+ und +Teichert+ bis zu 1 Proz. - Alkohol nach. +Klingemann+ fand nach Verabreichung von 100-200 g - Alkohol bei Kühen, dass 0,5 g davon durch die Milch ausgeschieden - wurden. Aehnliche Vergiftungsfälle sind beim Menschen nach dem - Genusse der Milch von Tieren beobachtet worden, welche Giftpflanzen - und andere Gifte aufgenommen hatten (vgl. +Fröhner+, Ueber die - Bedeutung der Milchmittel, Monatshefte für prakt. Tierheilkunde II. - Bd.). Dagegen ist bei der +therapeutischen+ innerlichen Verabreichung - des Bleis und Kupfers, sowie bei der fortgesetzten Einwirkung - kleiner Dosen der Blei- bezw. Kupfergehalt der Milch so gering, dass - eine gesundheitsschädliche Wirkung nicht möglich ist (+Baum+ und - +Seliger+, Berl. Arch. 1895 u. 1896). +Storch+ (B. T. W. 1902), sah - trotz lange fortgesetzter medikamenteller Dosen von Chloralhydrat - bei Kühen (50,0) und Schafen (8-15,0) keine schädigende Wirkung auf - die säugenden Jungen oder Versuchstiere, nicht einmal der Chlorgehalt - der Milch stieg nach der intravenösen Injektion von Chloralhydrat. - Nach +van Itallie+ (Holl. Vet.-Zeit. 1904) sollen von Arzneimitteln - überhaupt nicht in die Milch übergehen: Morphium, Eserin, Pilokarpin, - Jod, Salizylsäure und Terpentinöl. - - -Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen. - -Die durch die Einverleibung von Giften hervorgerufenen -Krankheitserscheinungen und pathologisch-anatomischen Veränderungen -sind im allgemeinen nicht sehr leicht von den gewöhnlichen Krankheiten -zu unterscheiden. Die sichere, zweifelsfreie Beantwortung der Frage, -ob im gegebenen Fall eine Vergiftung vorliegt oder nicht, lässt sich -in der Mehrzahl der Fälle nicht auf klinisch-anatomischem Wege, -sondern nur mit chemisch-physikalischen Hilfsmitteln bewirken. -Sehr häufig bietet aber doch der Krankheitsbefund allein wichtige -Anhaltspunkte dafür, dass eine Vergiftung mutmasslich oder sehr -wahrscheinlich vorliegt, und vereinzelt lässt sich wohl auch eine -solche auf rein klinischem Wege mit Sicherheit nachweisen, wie z. B. -die Strychninvergiftung. Viel weniger Schwierigkeiten sind natürlich -für die Beurteilung derjenigen Vergiftungen vorhanden, bei welchen -die Natur des Giftes im voraus bekannt ist, so namentlich bei den -Arzneivergiftungen. - -=Klinische Symptome.= Die für die klinische Diagnose wichtigsten Punkte -sind kurz zusammengefasst folgende: - -1. Das +plötzliche+ Auftreten einer schweren Erkrankung +ohne -nachweisbare Ursache+ (Erkältung, Infektion, Ueberanstrengung) mit -raschem, oft tödlichem Verlauf. Das Auftreten dieser Krankheit -im unmittelbaren Anschluss an die +Futteraufnahme+, sowie das -+gleichzeitige+ Erkranken anderer Tiere ist besonders wichtig -(Anamnese). - -2. +Gastrische Erscheinungen+: Appetitlosigkeit, gestörte Rumination, -+Speicheln+ (Merkurialismus, Pilzvergiftung), +Kaukrämpfe+ und -Zähneknirschen (Blei-, Kochsalz-, Lakenvergiftung), +Trismus+ -(Strychninvergiftung), Stomatitis (Aetzgifte, Pilzvergiftung, -Quecksilbervergiftung), Trockenheit der Maulschleimhaut und -+Schlinglähmung+ (Belladonna, Pilzvergiftung), Würgen und +Erbrechen+, -Hämatemesis, +Kolikerscheinungen+ (Acria und Acria-Narcotica), -+Verstopfung+, +Aufblähen+, Tenesmus, +Durchfall+, blutiger, -schleimiger, schaumiger, übelriechender Kot, Aufhören der -Milchsekretion, +Ikterus+ (Phosphorvergiftung, Lupinose). - -3. +Nervöse Erscheinungen+: +Depression des Sensoriums+, Benommenheit, -Schläfrigkeit, rauschartige Narkose, +Schwindel+ (Chloroform, Alkohol, -Lolium temulentum), +psychische Erregung+, Unruhe, Schreckhaftigkeit, -Aufregung, Tobsucht (Bleivergiftung, Alkoholvergiftung), +zerebrale -Krämpfe+ (Eklampsia saturnina), +spinale Krämpfe+ bezw. +Tetanus+ -(Strychnin, Nikotin), +Zwangsbewegungen+ (Extractum Filicis), -zerebrale, spinale und periphere +Lähmungen+ (Bleilähmung, -Taxusvergiftung), +Schwächezustände+, +Zittern+, +Kehlkopflähmung+ -(Kichererbse, Bleivergiftung), +Blasenlähmung+, Mastdarmlähmung, -+Amaurosis+ (Bleivergiftung), Mydriasis, Myosis, Ptosis, Nystagmus -(Lakenvergiftung), Hyperästhesie, +Anästhesie+, +Kollaps+. - -4. +Kardiale Erscheinungen.+ Dieselben treten namentlich bei den -Herzgiften (Digitalisgruppe) in Form einer Beeinflussung der Frequenz, -Stärke, sowie des Rhythmus der Herztätigkeit auf und äussern sich -in +Verlangsamung+, +Beschleunigung+, +Unregelmässigkeit+ des -Herzschlages und Pulses, in +Herzklopfen+, verminderter Herzkraft, -+Schwäche+ des +Pulses+, +Unfühlbarkeit+ desselben und schliesslicher -+Herzlähmung+. Weitere Störungen der Zirkulationsorgane sind +Zyanose+, -+Temperaturverminderung+ oder +erhöhte Körpertemperatur+. - -5. +Harnveränderungen.+ Eine Reihe von Giften erzeugt charakteristische -Veränderungen des Harns. So beobachtet man +Polyurie+ (Pilzvergiftung), -+Oligurie+, +Strangurie+ und +Anurie+ mit Urämie (toxische Nephritis -bei Kantharidenvergiftung), +Hämaturie+ (Baumwollsamenvergiftung), -+Hämoglobinurie+ (Vergiftung durch Kali chloricum, Nitrobenzol, -Bienenstiche), +Braun-+ und +Grünfärbung+ (Karbol- und Teervergiftung), -+Glykosurie+ (Morphium-, Chloroform-, Aether-, Kohlenoxyd-, -Oxalsäurevergiftung). - -Von sonstigen für die Diagnose wichtigen allgemeinen -Krankheitserscheinungen sind zu erwähnen die teils direkt infolge von -Blutveränderungen oder Lähmung der Respirationsorgane teils indirekt -infolge von Herzlähmung eintretende +Dyspnoe+ (Blausäurevergiftung), -+Exantheme+ (Quecksilber-, Brom-, Schlempevergiftung), +Urticaria+ und -+Hautnekrose+ (Rostpilze, Kernpilze), +Ernährungsstörungen+ (chronische -Blei-, Arsenik-, Quecksilberkachexie), +Abortus+ (Sekale- und andere -Pilzvergiftungen, sowie bei schweren Vergiftungen überhaupt infolge -Veränderung der Blutverteilung oder Dyspnoe), +Sterilität+ (chronische -Arsenikvergiftung). - -6. +Oertliche Reizerscheinungen+, bestehend in Rötung, Schwellung, -Entzündung und +Verätzung+. Dieselben sind charakteristisch für die -Akria und lassen sich während des Lebens auf der Haut, sowie auf der -Schleimhaut der Maul- und Rachenhöhle nachweisen. Manche scharfe Gifte -sind durch eine besondere Farbe des +Aetzschorfes+ ausgezeichnet, so -die Salpetersäure durch einen +gelben+, das Formaldehyd durch einen -+braunen+, die Salzsäure durch einen +grauweissen+, die Essigsäure -durch einen +weissen+ Schorf. - -=Anatomische Veränderungen.= Ihre Bedeutung für die Diagnose der -Vergiftungen ist beschränkt. Sehr viele Gifte, welche während des -Lebens ausgeprägte klinische Erscheinungen bedingen, so die ganze -Reihe der reinen Narcotica, hinterlassen keinerlei anatomisch -erkennbare Veränderungen im Tierkörper. Das einzig Charakteristische -ist daher bei ihnen der +negative Sektionsbefund+. Im Gegensatz -hierzu findet man bei den scharfen und scharfnarkotischen Giften -auf der Schleimhaut des Digestionsapparates die Erscheinungen der -+Entzündung+ und +Korrosion+ (Rötung, Schwellung, Hämorrhagien, -Erosionen, Geschwüre, kruppöse, diphtheritische Beläge, Perforation). -Ausser diesen lokalen Veränderungen in den ersten Wegen beobachtet man -als wichtigste Allgemeinveränderungen +Verfettung+ der +Muskeln+ und -+Drüsen+ (Phosphor-, Arsenikvergiftung), +Nephritis+ und +Zystitis+ -(Kanthariden, Terpentinöl), +Nierenverkalkung+ (Quecksilber, -Blei, Kupfer, Wismut, Jod, Jodoform), +akuten Hydrozephalus+ und -+Hydrorhachis+, +Hämorrhagien+ in verschiedenen Organen, sowie zuweilen -spezifische Veränderungen des +Blutes+: lackfarbige Beschaffenheit -(Blutgifte), kirschrote Farbe (Kohlenoxydvergiftung), hellrote Farbe -des Venenblutes (Blausäurevergiftung). Man hat sich indessen vor -Verwechselungen mit postmortalen gewöhnlichen Veränderungen sehr -zu hüten. Die Erscheinungen der Suffokation (Blutüberfüllung der -Lungen und des Herzens) findet man auch bei Tieren, welche nicht an -Vergiftung, sondern eines gewöhnlichen Todes verstorben sind. - - =Differentialdiagnose der Vergiftungen.= Zahlreiche Krankheiten - können teils wegen ihres +plötzlichen+ Verlaufs (apoplektiforme - Krankheiten), teils wegen der +gleichzeitigen+ Erkrankung mehrerer - Tiere (Infektionskrankheiten), teils wegen der auffallenden - +nervösen+ Symptome (Nervenkrankheiten) mit Vergiftungen verwechselt - werden. - - 1. =Apoplektiforme= Krankheiten sind namentlich Ueberhetzung - bei Pferden, Rindern und Schweinen, Hitzschlag, Sonnenstich, - Herz-, Lungen- und Gehirnlähmung, Milzbrandapoplexie, perakut - verlaufender Schweinerotlauf und Schweineseuche (Schweinepest), sowie - Geflügelcholera, perakute Septikämie, Magen- und Darmruptur, sowie - innere Verblutung (Aorta, Leber). - - 2. =Infektionskrankheiten= sind Milzbrand, Rinderpest, - Schweinerotlauf, Maul- und Klauenseuche, Kälberruhr, Pocken - (Pilzvergiftung, Schlempevergiftung, Quecksilbervergiftung), - seuchenhafter Abortus (Mutterkornvergiftung), Tuberkulose, Wut - (Bleivergiftung), Leberegelseuche (Lupinose). - - 3. =Nervenkrankheiten= sind Starrkrampf (Strychninvergiftung), - Eklampsie und Epilepsie (Bleivergiftung), Gehirnentzündung - (Klatschrosenvergiftung), zerebrale und spinale Lähmungen - (Pilzvergiftung, Equisetum- und Loliumvergiftung), Kehlkopflähmung - (Blei-, Kichererbsenvergiftung). - - Endlich können Todesfälle nach +Räudebädern+ bei Schafen infolge - Aspiration der Badeflüssigkeit und Erstickung, Ueberhitzung oder - Erkältung mit Vergiftungen verwechselt werden (Arsenik-, Tabak-, - Kreolinvergiftung). - - -Der chemisch-physikalische Nachweis der Vergiftungen. - -Die überwiegende Mehrzahl der Vergiftungen lässt sich -mit wissenschaftlicher Sicherheit nur auf dem Wege der -chemisch-physikalischen Analyse nachweisen. Als Untersuchungsobjekte -dienen in erster Linie der Inhalt des Magens und Darmes, sodann das -Blut, ausserdem die Leber, Nieren, Muskeln und der Harn, alle in -möglichst frischem Zustand. Anorganische Gifte sind, weil sie sich -während der Untersuchung nicht verändern und in ihren Reaktionen besser -studiert sind, wesentlich leichter nachweisbar als die zersetzlichen, -noch sehr wenig charakterisierten organischen Verbindungen, namentlich -die Alkaloide und Glykoside. Der chemische Nachweis der Vergiftungen -beginnt mit einer Vorprüfung, der die eigentliche Analyse folgt. - -1. =Die Vorprüfung.= Vor der eigentlichen chemischen Untersuchung -sind Vorversuche darüber anzustellen, welche Art oder Klasse von -Giften in dem zu untersuchenden Material etwa vorhanden sein könnte. -So lassen sich schon durch den gewöhnlichen +Gesichtssinn+ oder -mittels der +Lupe+ oder des +Mikroskops+ Jodoform, Kalomel, Arsenik, -roter Präzipitat, Kanthariden, sowie sehr viele Pflanzenteile (Semen -Strychni, Semen Colchici, Folia Digitalis, Folia Belladonnae, -Herba Hyoscyami, Folia Nicotianae) sowie der Phosphor (Leuchten im -Dunkeln) nachweisen. Auch die +Farbe+ kann bei Pikrinsäure (gelb), -Quecksilberjodid (rot), Kupferoxyd (schwarz), Kalomel (weiss) usw. auf -die Art der Vergiftung hinführen. Die +Reaktion+ lässt Säuren und -saure Salze, sowie Basen erkennen. Durch den +Geruch+ lässt sich die -Anwesenheit von Blausäure, Phosphor, Karbolsäure, Kreosot, Jodoform, -Chloroform, Kampfer, Terpentinöl, Aether, Alkohol, Nikotin feststellen; -dieser für die einzelnen Gifte charakteristische Geruch wird namentlich -beim Erwärmen des Untersuchungsmaterials mittels Säuren, am besten bei -der Destillation, wahrgenommen. Die kristalloiden Körper (Metallsalze, -alle löslichen Salze, Alkaloide, Säuren, Alkalien) lassen sich ferner -auf dem Wege der +Dialyse+ trennen. Metalle (Blei, Quecksilber) können -ausserdem durch +Elektrolyse+ nachgewiesen werden. Zu diesen Vorproben -wird nach +Dragendorff+[1] nur etwa 1/20 des Untersuchungsmaterials -verwandt. Das übrige wird in 4 Teile geteilt; das erste Viertel wird -der +Destillation+ unterworfen und auf flüchtige Gifte (Blausäure, -Phosphor, Chloroform, Karbolsäure, Alkohol, Aether) untersucht, das -zweite durch +Ausschütteln+ auf Alkaloide und sonstige organische -Gifte, das dritte auf schwere Metalle durch +Lösung+ derselben nach -+vorhergegangener Zerstörung der organischen Substanz+ und teilweiser -Behandlung mit +Schwefelwasserstoff+, das vierte durch einfaches -+Ausziehen+ mit +Wasser+ (Alkalien und Säuren). - -2. =Der Nachweis der schweren Metalle.= Während die Salze der -Alkalien und die Säuren von dem Untersuchungsmaterial sehr leicht -durch einfaches Ausziehen mit Wasser zu trennen und dann auf ihre -Spezialreaktionen zu untersuchen sind, lassen sich die schweren Metalle -und ihre Salze (+Arsen+, +Quecksilber+, +Blei+, +Kupfer+, +Zink+, -+Antimon+) nicht ohne weiteres aus dem Körper der vergifteten Tiere -extrahieren, weil sie mit dem Körpereiweiss sogen. metallorganische -Verbindungen (Metallalbuminate) gebildet haben, in welchen die -betreffenden Metalle ihre charakteristischen Reaktionen verloren -haben. Die Metalle müssen daher aus diesen organischen Verbindungen -durch ein vorbereitendes Verfahren zuerst wieder frei gemacht werden. -Dieses +Freimachen+ der Metalle aus ihren Albuminatverbindungen -geschieht durch +Zerstören+ der +organischen Substanz+ mittels +Chlor+ -oder +Salpeter+ oder +anorganischen Säuren+. a) Mit +Chlor+ werden -die organischen Beimengungen in der Weise zerstört, dass man sie mit -+Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+ zusammenbringt, welche zusammen -Chlor entwickeln. Die zerkleinerten Substanzen werden etwa mit -demselben Gewichte Salzsäure versetzt, nötigenfalls mit destilliertem -Wasser verdünnt und in einem geräumigen Glaskolben, welcher damit -nur etwa zur Hälfte gefüllt wird, im Wasserbade erhitzt, nachdem sie -einen Zusatz von etwa 2 Proz. Kali chloricum erhalten haben. Das -Dunkelwerden der Flüssigkeit beim Erwärmen zeigt den Zeitpunkt an, dass -das chlorsaure Kali verbraucht ist und ersetzt werden muss. Man bringt -dann vorsichtig, um das Aufschäumen zu vermeiden, von Zeit zu Zeit etwa -ein Gramm chlorsaures Kali hinzu. Wird nach einem ¼-½stündigen Erhitzen -die Flüssigkeit nicht mehr dunkler, so genügt die Chloreinwirkung -und die Zerstörung ist beendet. Die Flüssigkeit wird sodann in einer -Porzellanschale erwärmt, bis das Chlor entwichen ist, heiss filtriert -und der Rückstand mit heissem destilliertem Wasser ausgewaschen. Im -Filtrate sind dann Arsen als +Arsensäure+, Quecksilber als +Sublimat+, -Blei als +Bleichlorid+, Antimon als +Antimonchlorid+, Kupfer als -+Kupferchlorid+, Zink als +Chlorzink+ enthalten. -- b) Mit +Salpeter+ -wird nach vorherigem Erhitzen der Untersuchungsmasse mit gleichem -Gewichte +Salpetersäure+ und Neutralisieren der Säure mit Aetzkali -oder kohlensaurem Kali die Masse ebenfalls etwa in gleichem Gewichte -versetzt, ausgetrocknet und in kleinen Portionen im Porzellantiegel -+geglüht+, wobei neue Portionen erst nach dem Verpuffen und Weisswerden -der vorhergehenden eingefüllt werden. Der Rückstand wird mit heissem -Wasser aufgenommen. Diese Methode, welche auf einer +Oxydation+ beruht, -ist stärker als die vorhergehende; sie verwandelt die Metalle in -Oxyde resp. Kalisalze: +arsensaures+, +antimonsaures+, +chromsaures -Kali+, +Bleioxyd+, +Kupferoxyd+ etc. -- c) Mit +anorganischen Säuren+: -Salzsäure, Königswasser, Schwefelsäure, Salpetersäure, Schwefelsäure -und Salpetersäure etc., zerstört man die organischen Substanzen durch -+Erhitzen+. - -Sind die Metalle auf diese Weise frei gemacht und in +Lösung -übergeführt+, so werden sie aus der erkalteten, noch freie Salzsäure -enthaltenden klaren Flüssigkeit durch +Schwefelwasserstoff+ als -Schwefelmetalle (Sulfide) +abgeschieden+. Zu diesem Zwecke leitet -man gewaschenen, arsenfreien Schwefelwasserstoff ein, bis die -Flüssigkeit vollständig damit gesättigt ist, lässt dieselbe 24 Stunden -stehen, sättigt noch einmal mit Schwefelwasserstoff, filtriert den -entstandenen +Niederschlag+ ab und wäscht ihn anfangs mit gesättigtem -Schwefelwasserstoffwasser, dann 2-3mal mit gekochtem destilliertem -Wasser aus. - - Die einzelnen Metalle geben hierbei folgende Niederschläge: - - I. +Arsen+ einen +gelben+, in Schwefelammonium löslichen, in - Salzsäure unlöslichen Niederschlag von Schwefelarsen. - - II. +Antimon+ einen +orangegelben+, in Schwefelammonium und in warmer - Salzsäure löslichen Niederschlag von Schwefelantimon. - - III. +Quecksilber+ einen +schwarzen+, in Schwefelkalium und - Königswasser leicht, in Schwefelammonium wenig, in Salzsäure schwer - löslichen Niederschlag von Schwefel-Quecksilber. - - IV. +Blei+ einen +schwarzen+ (anfangs roten oder rotbraunen), in - Salpetersäure ziemlich leicht löslichen, in Schwefelalkalien nicht, - in konzentrierter Salzsäure schwer löslichen Niederschlag von - Schwefelblei. - - V. +Kupfer+ einen +schwarzen+, in Zyankaliumlösung, Salpetersäure - und in Salzsäure löslichen, in Schwefelammonium und siedender - verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) ziemlich unlöslichen Niederschlag - von Schwefelkupfer. - - Das Filtrat, welches von den obigen Niederschlägen abfiltriert wurde, - enthält noch Zink und Chrom, welche nur aus essigsaurer, resp. - alkalischer Lösung durch Schwefelwasserstoff ausgefällt werden. - Deshalb wird das (salzsaure) Filtrat mit so viel +essigsaurem Natron+ - versetzt, bis alle freie Salzsäure in Chlornatrium verwandelt und - +Essigsäure+ frei geworden ist. Hierauf fällt Schwefelwasserstoff - - VI. +Zink+ in Form eines weissen Niederschlages von Schwefelzink, - aus, der sich in verdünnter warmer Schwefelsäure farblos löst. - Endlich fällt Schwefelwasserstoff aus dem durch +Aetzammoniak+ - alkalisch gemachten Filtrate - - VII. +Chrom+ als grünbläulichen, in Kalilauge löslichen Niederschlag - von Schwefelchrom. - -3. +Der Nachweis der Alkaloide und Glykoside.+ Die einzelnen Alkaloide -und Glykoside geben zwar mit einer grossen Anzahl von Reagentien -Niederschläge und Farbenreaktionen, diese letzteren sind jedoch -nicht sehr charakteristisch und kommen häufig mehreren Alkaloiden -gleichzeitig zu. Der Nachweis der Alkaloide wird daher nicht sowohl auf -chemischem, als vielmehr auf physikalischem Wege in der Weise erbracht, -dass man das verschiedene Verhalten der einzelnen Alkaloide gegen -bestimmte Lösungsmittel untersucht (Abscheidungsmethode der Alkaloide -nach +Stas-Otto+). Es sollen hier zuerst die allgemeinen Reagentien -der Alkaloide und dann das spezielle Abscheidungsverfahren besprochen -werden. - - -I. Allgemeine Reagentien auf Alkaloide und Glykoside. - -Die Alkaloide und Glykoside geben mit einer grossen Anzahl von Körpern -+Niederschläge+. Von solchen Reagentien sind zu nennen: +Gerbsäure+ -(bildet mit den meisten Alkaloiden farblose oder gelbliche tanninsaure -Salze), +Jod+, +Jod-Jodkaliumlösung+ und +Jodtinktur+ (gibt mit den -meisten Alkaloiden einen kermesfarbigen Niederschlag, mit Chinin, -Atropin, Nikotin einen rotbraunen, mit Koffeïn einen schmutzig -dunkelbraunen, mit trockenem Kolchizin bei sehr starker Verdünnung -des Reagens eine violette Farbe, mit Solanin in saurer Lösung dagegen -keinen Niederschlag), +Platinchlorid+ (gibt 1 : 3000 mit Strychnin -sofort einen gelben, in kalter Salzsäure nicht löslichen Niederschlag, -mit Nikotin einen fast weissen, in Salzsäure löslichen Niederschlag, -mit Morphin und Kolchizin anfangs eine geringe Trübung, nach 24 Stunden -einen kristallinischen Niederschlag, mit Koniin, Digitalin, Solanin, -Atropin, Eserin, Veratrin, Akonitin keinen Niederschlag), +Goldchlorid+ -(meist gelbliche oder weisse Niederschläge), +Phosphormolybdänsäure+ -(aus molybdänsaurem Ammoniak in saurer Lösung durch Mischen mit -einer salpetersauren Lösung von phosphorsaurem Natron dargestellt -und den sauren Lösungen der Alkaloide tropfenweise zugefügt, -gibt amorphe weissgelbliche Niederschläge), +Metawolframsäure+, -+Phosphorantimonsäure+, +Formalinschwefelsäure+, +Sublimat+, -+Kalium bichromicum+, +Kalium permanganicum+, +Kaliumplatinzyanür+, -+Kaliumsilberzyanid+, +Kaliumkadmiumjodid+, +Kaliumwismutjodid+, -+Kaliumquecksilberjodid+, +Chlorjod+, +Brombromkalium+, -+Natriumsulfantimoniat+ etc. - - Weiter geben viele Alkaloide mit gewissen Reagentien eigentümliche - +Färbungen+. Die wichtigsten dieser Farbenreaktionen, +welche - übrigens im allgemeinen für den Nachweis der Alkaloide wenig - beweiskräftig sind+, weil sie häufig mehreren Alkaloiden gleichzeitig - zukommen, sind folgende: +Schwefelsäure+ mit Zusatz von +Kalium - bichromicum+ zur schwefelsauren Lösung des Alkaloids färbt +Strychnin - violettblau+, +rot+ und +grün+. +Reine konzentrierte Schwefelsäure+ - färbt +Veratrin+ anfangs grüngelb, später blutrot, nach einer halben - Stunde prachtvoll +karminrot+; Strychnin, Koffeïn, Chinin, Morphin, - Atropin, Akonitin bleiben ungefärbt. +Rauchende Salpetersäure+ färbt - +Pilokarpin+ blassgrün. +Ammoniak+ färbt +Eserin+ beim Eindampfen - im Wasserbade blau oder blaugrau. +Schwefelsäure+ mit Zusatz von - salpetersaurem +Wismut+ färbt +Morphium+ dunkelbraun. +Konzentrierte - Schwefelsäure mit molybdänsaurem Natron+ (0,01 pro cm) = +Fröhdes - Reagens+ löst Morphin sogleich prachtvoll violett; die Farbe wird - später grün, braungrün und gelb. Auch die +spektroskopische+ - Untersuchung benützt man zuweilen zum Nachweis von Alkaloiden und - anderen Giften; das keine spezifische Farbenreaktion besitzende - +Akonitin+ zeigt im ultravioletten Teil des Sonnenspektrums - charakteristische Absorptionsstreifen. - - -II. Die Stas-Ottosche Abscheidungsmethode der Alkaloide. - -Dieselbe beruht nicht auf der Bildung von Niederschlägen oder in dem -Auftreten von Farben, sondern auf der +verschiedenen Löslichkeit+ -der einzelnen Alkaloide in +Alkohol+ und +Aether+ etc., teils bei -+saurer+, teils bei +alkalischer+ Reaktion. Es lässt sich durch diese -Methode eine grössere Anzahl von Alkaloiden aus Gemengen mit anderen -Stoffen entweder in reinem Zustande oder in charakteristischen Gruppen -isolieren. Das Verfahren ist im allgemeinen folgendes: Die Alkaloide -bilden mit Säuren, namentlich mit +Weinsäure+, saure Salze, welche in -Wasser und meist auch in +Alkohol+ löslich sind. - -a) Aus diesen +sauren+ wässerigen Lösungen nimmt +Aether+ nur auf: -+Digitalin+, +Kolchizin+, +Kantharidin+, +Pikrotoxin+, +amorphes -Akonitin+. - -b) Aus der +alkalisch+ gemachten wässerigen Lösung zieht +Aether alle -Alkaloide+ aus mit einziger +Ausnahme+ von +Morphin+, +Apomorphin+, -+Kurarin+. - -c) +Morphin+ lässt sich aus diesem Gemenge durch +Amylalkohol+, -+Apomorphin+ durch Salmiaklösung ausziehen, während +Kurarin+ -zurückbleibt. - - Die genauere Ausführung der =Stas-Ottoschen Methode= ist folgende: - Die zu untersuchenden Massen werden mit der doppelten Menge starken - +Weingeistes+ und mit +Weinsäure+ bis zur stark sauren Reaktion - versetzt, längere Zeit bei 70-75° C. digeriert, warm abgepresst, - der Auszug nach dem Erkalten filtriert, der Rückstand noch 1-2mal - in gleicher Weise mit Alkohol und Weinsäure extrahiert, und dann - die gesammelten Filtrate bei 35° C. eingedampft, bis der grösste - Teil des Alkohols verdunstet ist. Ein etwa entstandener Niederschlag - (Fette etc.) wird durch Filtration entfernt. Schüttelt man nun das - saure Filtrat mit +Aether+, so kann man +Digitalin+, +Kolchizin+, - +Kantharidin+ und +Pikrotoxin+ dadurch isolieren, dass man den - Aetherabzug verdampfen lässt. - - Der Rückstand (alle Alkaloide und Glykoside ausser den 4 genannten - enthaltend) wird, nachdem er im Vakuum über Schwefelsäure zur - Trockene verdunstet ist, mit absolutem Alkohol 24 Stunden mazeriert, - filtriert, das Filtrat bei 35°C. verdunstet, der zurückbleibende - Teil in wenig +Wasser+ gelöst und mit +Natrium bicarbonicum+ bis zur - alkalischen Reaktion versetzt, worauf er sofort mit dem 4fachen Volum - reinen +Aethers+ anhaltend geschüttelt, der Aetherauszug abgehoben - und bei gewöhnlicher Temperatur auf einem Uhrschälchen verdunstet - wird. Auf dem Uhrschälchen bleiben +alle Alkaloide+ mit +Ausnahme+ - von +Morphin+, +Apomorphin+ und +Kurarin+ zurück; dabei lassen sich - +Nikotin+ und +Koniin+ leicht schon durch ihren +Geruch+ bestimmen, - ausserdem bilden sie im Gegensatze zu den anderen kristallinisch oder - amorph auftretenden Alkaloiden eine +ölige Flüssigkeit+. - - Kristallinische oder amorphe +feste+ Rückstände können behufs - Reindarstellung des Alkaloids mit Natron- oder Kalilauge versetzt und - mit frischem Aether ausgezogen werden, der +sogleich+ verdunstet - wird, worauf der Rückstand mit ein paar Tropfen Alkohol gelöst und - die Lösung der freiwilligen Verdunstung überlassen wird, wobei meist - Kristalle erhalten werden. Ist dies nicht der Fall, so löst man den - Rückstand noch einmal in stark verdünnter Schwefelsäure, dekantiert - die wässerige Lösung, verdunstet die Schwefelsäure, neutralisiert - mit reinem kohlensaurem Kali, verdunstet im Vakuum und nimmt den - Rückstand mit absolutem Alkohol auf, worauf nach dem Verdunsten - desselben das Alkaloid meist sehr rein erhalten wird. - - +Morphin+ wird aus der alkalischen wässerigen Lösung (vergl. oben - nach dem Zusatze von Natrium bicarbonicum) direkt mit +Amylalkohol+ - ausgeschüttelt und nach dessen Verdunsten rein erhalten. - - - [1] Vergl. auch das neue Lehrbuch der chemischen Toxikologie und die - Anweisung zur Ausmittlung der Gifte von +Gadamer+, Göttingen 1909. - - -Der physiologische Nachweis der Vergiftungen. - -=Allgemeines über die Methoden und den Gang der toxikologischen -Untersuchungen.= Die Angaben über die toxikologische bezw. -pharmakologische Wirkung der einzelnen Gifte auf die verschiedenen -Organe und Tiere sind das Resultat exakter experimenteller Forschung. -Als Versuchsobjekte dienen vor allem Säugetiere (Pferd, Rind, Schaf, -Ziege, Schwein, Hund, Katze, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse -etc.), sowie Geflügel. Für die Zwecke der tierärztlichen Toxikologie -empfiehlt es sich, mit möglichst grossen Säugetieren, am besten mit den -gewöhnlichen Objekten der tierärztlichen Therapie, also mit Pferden, -Wiederkäuern, Hunden und Schweinen zu experimentieren und dabei den -fundamentalen Unterschied zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern -wohl zu beachten. Versuche mit Kaltblütern (Fröschen, Fischen, -Schlangen, Würmern, Egeln, Schnecken etc.) haben ein vorwiegend -theoretisch-wissenschaftliches Interesse. Dies gilt insbesondere für -das Hauptversuchstier der humanen Toxikologen und Pharmakologen, den -Frosch, der übrigens als Kaltblüter auf zahlreiche Gifte ganz anders -reagiert, als die Warmblüter. Zu besonderen Zwecken endlich dienen -als Versuchsobjekte Bakterien, Algen, Amöben, Infusorien, Hefezellen, -Leukozyten, rote Blutkörperchen, höhere Pflanzen, Helminthen. Auch -ausgeschnittene Körperorgane können zu Versuchen verwendet werden, so -namentlich das Herz, die Muskeln und Nerven, die Leber, die Nieren, die -Milz. - -Die Feststellung der physiologischen Wirkung und die methodische -Zergliederung der Wirkung der einzelnen Gifte ist oft eine sehr -komplizierte und schwierige experimentelle Aufgabe. In dieser -Beziehung verdienen die nachstehenden kurzen allgemeinen Bemerkungen -Beachtung[2]. - -=Blutgifte.= Die Wirkung der Gifte auf das Blut kann makroskopisch, -mikroskopisch, chemisch, spektroskopisch und physikalisch, ausserhalb -und innerhalb des Tierkörpers untersucht werden. Sie kann sich entweder -darin äussern, dass die +Blutgerinnung+ und damit die Blutverteilung -im Körper geändert wird, oder darin, dass das Blut selbst in seinen -wichtigsten Bestandteilen umgewandelt und +zersetzt+ wird. - -1. Die =Blutgerinnung= wird durch einzelne Gifte gehemmt (Blausäure, -Schlangengifte, Blutegelferment, Chinin), durch zahlreiche andere -gesteigert (Rizin, Abrin, Spinnengift). Manche Gifte heben ferner -die Fähigkeit des Blutkuchens auf, das Serum auszupressen. Bezüglich -der Art der Einwirkung der Gifte auf die Blutgerinnung sind die -Untersuchungen über das Wesen der Gerinnung von Bedeutung. Zur -Fibrinbildung sind bekanntlich mindestens zwei Stoffe nötig: die -aus den Blutkörperchen abstammende sog, fibrinogene Substanz, das -+Fibrinogen+, sowie das +Fibrinferment+. Letzteres ist vorwiegend -im Zellkern der weissen Blutkörperchen enthalten. Die Tätigkeit des -Fibrinferments wird nun durch viele Gifte angeregt oder ersetzt (sog. -fibrinbildende Gifte), durch andere verlangsamt oder aufgehoben. Von -+Gerinnung erzeugenden Stoffen+ bezw. Giften sind besonders zu nennen -das +Rizin+, die fermentartig wirkende Phytalbumose der Rizinussamen, -welches die roten Blutkörperchen zu einem lackartigen Klumpen verklebt -und sogar defibriniertes Blut von neuem zum Gerinnen bringt, das -+Abrin+, das Toxalbumin der Samen von Abrus precatorius mit noch -stärkerer fibrinbildender Wirkung, sowie +das Blut fremder Spezies+. -Die Folgen der Blutgerinnung bestehen in Thrombose, Embolien, Anämie, -Blutstauung, Entzündung, Nekrose, Geschwürsbildung, Hämorrhagien und -anderen durch die Störung der Blutzirkulation bedingten Erscheinungen. - -2. Eine =Blutzersetzung= durch Gifte kann entweder in der Auflösung -der roten Blutkörperchen (+Hämolyse+) oder in der Bildung von -+Methämoglobin+ oder in einer +spezifischen+ Einwirkung auf den -Blutfarbstoff bestehen. - -Das Hämoglobin wird in den roten Blutkörperchen durch ein -eigentümliches Protoplasma, das sog. Diskoplasma, gebunden. Geht das -Diskoplasma durch irgend eine schädliche Einwirkung zugrunde, so werden -die +roten Blutkörperchen zerstört+ und das Hämoglobin geht frei in -das Blutserum über. Ausserdem wird namentlich bei der Zerstörung der -weissen Blutkörperchen Fibrinferment frei, wodurch die Blutgerinnung -beschleunigt wird. Die lösende Einwirkung der Gifte auf die roten -Blutkörperchen, wodurch das Hämoglobin frei im Serum gelöst wird, -erfolgt zuweilen noch in sehr starken Verdünnungen. Das +Phallin+ löst -sie beispielsweise zum Teil schon in einer Verdünnung von 1 : 500000, -sowie vollständig bei einer solchen von 1 : 125000 auf; ähnlich -verhalten sich das +Saponin+, das wahrscheinlich durch Entziehung -von Cholesterin hämolytisch wirkt, die +Helvellasäure+, das Gift der -Morchel, der +Arsenwasserstoff+ und +Phosphor+. - -Als +Methämoglobin+ bezeichnet man ein Oxyhämoglobin mit sehr fest -gebundenem Sauerstoff, welcher infolgedessen für die Atmung nicht -abgegeben wird, im Gegensatz zum gewöhnlichen, die Respiration durch -den nur leicht gebundenen Sauerstoff ermöglichenden Oxyhämoglobin. Das -Methämoglobin hat eine sepiabraune Farbe; unter dem Einfluss der in der -Leiche auftretenden Fäulnisprozesse zersetzt es sich bald. - -Die Umwandlung des Hämoglobins in +Methämoglobin+ und dessen -Auflösung im Blutserum kann mit oder ohne gleichzeitige Auflösung -der Blutkörperchen erfolgen. Reine Methämoglobin bildende Gifte -sind +chlorsaures Kali+, +Pyrogallol+, die +Aldehyde+ (Paraldehyd), -+Nitrobenzol+, +Nitroglyzerin+, die +Nitrite+, die +Pikrinsäure+ -und ihre Salze, das +Anilin+, +Antifebrin+ und Phenazetin, der -+Schwefelkohlenstoff+, das Toluylendiamin u. a. Das im Blutserum -gelöste Methämoglobin wird teils in der Leber zu Bilirubin zersetzt -(Pleiochromie der Galle), teils als Parhämoglobin in Leber, Milz und -Knochenmark unlöslich deponiert, teils als Hämoglobin mit dem Harn -ausgeschieden (Methämoglobinurie). - -Eine +spezifische+ Einwirkung auf das Hämoglobin besitzen endlich -der +Schwefelwasserstoff+, das +Stickoxyd+, die +Blausäure+ und das -+Kohlenoxyd+ (Bildung von Schwefelmethämoglobin, NO-Hämoglobin, -CNH-Hämoglobin, CO-Hämoglobin). Zum Kohlenoxyd hat beispielsweise das -Hämoglobin eine 200mal stärkere Affinität als zum Sauerstoff. - - =Leukozytengifte.= Die amöboide Bewegung der weissen Blutkörperchen - wird durch sehr viele Gifte +gelähmt+, z. B. durch Chinin. Eine - Vermehrung der weissen Blutkörperchen (+Hyperleukozytose+) findet - man namentlich nach scharfen Einreibungen (Kantharidensalbe, Senföl) - sowie nach der subkutanen Applikation der Akria. Eine Verminderung - der Zahl der weissen Blutkörperchen (+Hypoleukozytose+) wird durch - Chloroform, Strychnin und andere Gifte bedingt. - -=Nervengifte.= Je nach der Art des Giftes, der Applikationsmethode -und Dosis sowie nach der Tiergattung reagiert das Nervensystem auf -die Nervengifte durch sehr verschiedene Erscheinungen, welche im -allgemeinen andeuten, dass man es mit einem Nervinum zu tun hat. -Solche Erscheinungen sind z. B. +Krämpfe+, +Lähmungen+, +psychische -Benommenheit+, +Schlaf+, +Koma+, +Raserei+. Bezüglich des Ortes der -Einwirkung, speziell zur Entscheidung der Frage, +ob das Gift ein -Gehirngift, Rückenmarkgift oder peripheres Gift ist+, muss folgendes -beachtet werden. Schlafsucht, psychische Depression, Anfälle von -Raserei deuten immer auf eine +zerebrale+ Einwirkung hin. Epileptiforme -(eklamptische) Krämpfe entstehen in der Mehrzahl der Fälle in -den +motorischen Grosshirnrindenzentren+ (kortikale Zentren). Es -scheinen indessen auch in anderen Teilen des Grosshirns, so in den -Vierhügeln, im Linsenkern, in den Gehirnschenkeln motorische Zentren -vorhanden zu sein (subkortikale Zentren). +Jedenfalls aber deuten -epileptiforme (eklamptische) Krämpfe auf einen zerebralen Ursprung -hin.+ Hirnkrampfgifte oder Krampfgifte im engeren Sinn sind z. B. Blei, -Atropin, Veratrin, Akonitin und Pikrotoxin (das Strychnin ist dagegen -ein Rückenmarkskrampfgift). Ausserdem können Krämpfe und Lähmungen -vom verlängerten Mark (Kopfmark) und Rückenmark, sowie von den -peripheren Nerven ausgehen. Die von den psychomotorischen Rindenzentren -ausgehenden Krämpfe lassen sich, abgesehen davon, dass häufig die -Psyche mitgestört ist, daran erkennen, dass sie nach Exstirpation -dieser Zentren ausbleiben. Ebenso kommen Krämpfe, welche ihren Ursprung -in der Medulla oblongata besitzen, nach Durchschneidung des Halsmarks -nicht mehr zustande; die hierbei auftretenden Krämpfe müssen spinalen -Ursprung haben. Die motorische Erregung der peripheren Nerven äussert -sich in Form von isolierten, oft fibrillären Zuckungen, welche auch -nach Durchschneidung des zuführenden Nervenastes fortdauern. +Lähmungen -zerebralen Ursprungs+ lassen sich durch das negative Resultat der -elektrischen Reizung der freigelegten motorischen Rindenzentren als -solche feststellen, Lähmungen peripherer motorischer Nerven in -analoger Weise durch das negative Resultat der Reizung der freigelegten -peripheren Nerven, z. B. des Ischiadikus. Lähmungen von Gehirnnerven -erstrecken sich lediglich auf die von den betreffenden Nerven -versorgten Gebiete. - -Es lässt sich ferner eine +periphere oder zentrale+ Nervenbeeinflussung -durch Unterbindung der zuführenden Blutgefässe (z. B. der Arteria -femoralis) mit Sicherheit auseinander halten. So erzeugt Strychnin als -zentrales Rückenmarksgift auch nach Unterbindung der Arteria femoralis -Tetanus der Schenkelmuskulatur, solange die periphere Nervenleitung -(Ischiadikus) besteht. Umgekehrt bleiben die Schenkelmuskel erregbar, -wenn bei einem kurarisierten Tiere von vornherein die Femoralis -unterbunden wird, das die peripheren motorischen Nerven lähmende -Kurare somit nicht nach der Peripherie gelangen kann (intramuskuläres -Nervenendgift). - -Die Frage endlich, ob eine periphere Lähmung oder ein peripherer -Krampf ihren Sitz im +Nerven oder Muskel+ haben, ist nicht immer -sicher zu entscheiden. Reizzustände der peripheren Nerven lassen sich -durch Kurare beseitigen, weil dasselbe die peripheren motorischen -Nervenendigungen lähmt, nicht aber Reizzustände der Muskelsubstanz. - - =Narkose.= Die allgemeine Narkose wird gewöhnlich auf eine zentrale - Einwirkung der Nervengifte auf die +Ganglienzellen+ zurückgeführt. - Nach den Untersuchungen von +Nissl+ (Zeitschr. f. Psychiatrie, - 54. Bd.) findet man die Ganglienzellen der Grosshirnrinde bei der - Alkoholvergiftung in rundliche, blass gefärbte Gebilde verwandelt, - in denen die Kerne und Dendriten verschwunden sind. Bei der - Morphiumvergiftung sind die Rindenganglien verkleinert, die - Zellkörperchen (Nisslkörper) spärlich, klein und schwächer gefärbt. - H. +Meyer+ (Arch. für exp. Pathol., Bd. 42, 46 u. 47) und +Overton+ - (Studien über die Narkose, Jena 1901) führen die narkotische Wirkung - der Alkohol-Aethergruppe auf die +Lösung+ fettartiger Stoffe - (+Lipoide+) in den Ganglienzellen durch den Alkohol, Aether usw. - zurück (Lezithin, Protagon). Infolge Auflösung der Lipoide können - die Ganglienzellen grössere Mengen von Alkohol usw. aufnehmen und so - narkotisiert werden. Die Reihenfolge der Narkose bei dieser Gruppe - ist gewöhnlich die, dass zuerst die Grosshirnrinde (Sensorium, - Bewusstsein, Empfindung), sodann das Rückenmark (Motilität, Reflexe) - und zuletzt das verlängerte Mark (Atmungszentrum, vasomotorisches - Zentrum) gelähmt werden. - -=Herzgifte.= Die Entscheidung der Frage, ob die Wirkung der +Herzgifte+ -eine myogene, d. h. auf den Herzmuskel gerichtete ist, oder ob -sie einen neurogenen Ursprung hat (intrakardiale Ganglien, Vagus, -Sympathikus), ist oft sehr schwierig zu entscheiden. Die Digitalis -wird gewöhnlich als ein Muskelgift aufgefasst, das durch starke -Muskelkontraktion systolischen Herzstillstand herbeiführt, während die -Wirkung des Chloroforms als Herznarkotikum zweifelhaft erscheint. Auf -die +Blutgefässe+ wirken manche Gifte verengernd (konstriktorisch), -andere erweiternd (dilatatorisch). Die Verengerung und Erweiterung -der Gefässe wird entweder durch eine zentrale Wirkung auf das -vasomotorische Zentrum im verlängerten Mark (Chloroform, Antipyrin) -oder durch periphere Wirkung bedingt und stellt im letzteren Fall -teils eine Muskelwirkung (Digitalis), teils eine Nervenendwirkung dar. -+Vasokonstriktorische+ Gifte sind die Digitalisglykoside, Strophanthus, -Chlorbaryum und Adrenalin; +vasodilatatorisch+ wirken die Alkohole und -Aether, Chloroform und Chloralhydrat, sowie die Nitrite (Amylnitrit). - -Die Art und der Ort der Einwirkung von Giften auf das Herz und -auf den Zirkulationsapparat lässt sich teils durch Bestimmung des -Blutdrucks (Manometer), der Blutgeschwindigkeit (Stromuhr) und der -Gefässweite, teils durch Untersuchung des Pulses und Herzschlages -(Sphygmograph), teils mittels Durchschneidung und Reizung des -Vagus, des Sympathikus und des Halsmarks (vasomotorisches Zentrum), -teils endlich direkt am ausgeschnittenen Herzen (Williamsscher -Apparat) nachweisen. +Steigerung des Blutdrucks+ kann bedeuten: eine -gesteigerte Arbeitsleistung des Herzens (Digitalis, Koffeïn), oder -eine Gefässverengerung infolge Reizung des vasomotorischen Zentrums -in der Medulla oblongata (Zystisin; die Blutdrucksteigerung fehlt -nach dem Durchschneiden des Halsmarks) oder infolge einer Reizung der -peripheren vasomotorischen Nerven (die periphere Gefässkontraktion -tritt auch nach Durchschneidung des Halsmarks ein). Gesteigerte -Arbeitsleistung des Herzens darf als ausschliessliche Ursache des -gesteigerten Blutdrucks nur dann angenommen werden, wenn nach Lähmung -der zentralen (Halsmarkdurchschneidung) und peripheren (Amylnitrit) -vasomotorischen Apparate trotzdem noch Blutdrucksteigerung eintritt. -+Sinken des Blutdrucks+ kann bedingt sein: durch geschwächte -Muskeltätigkeit des Herzens (die Kompression der Bauchaorta vermag dann -den Blutdruck zu steigern), oder durch Lähmung des vasomotorischen -Zentrums (negatives Resultat der elektrischen Reizung desselben), -oder durch Lähmung der peripheren Vasomotoren (negatives Resultat der -elektrischen Reizung des die Gefässe des Kaninchenohrs bei Erregung -kontrahierenden Halssympathikus), oder durch periphere Lähmung der -Splanchnikusendigungen in der Bauchhöhle (die sonst bei Reizung -der peripheren Enden des durchschnittenen Splanchnikus eintretende -Blutdrucksteigerung kommt nicht zustande). +Verlangsamung des Pulses+ -(toxische Bradykardie) ist entweder die Folge einer Reizung des im -verlängerten Marke gelegenen Vaguszentrums (Vagusdurchschneidung -beseitigt dann die Verlangsamung), oder der kardialen Vagusendigungen -(die verlangsamende Wirkung tritt auch nach durchschnittenem Vagus -ein; Atropin erzeugt Beschleunigung), oder einer Muskellähmung des -Herzens (Atropin bleibt wirkungslos). Abnorme +Beschleunigung des -Pulses+ (toxische Tachykardie) kann durch Reizung des Nervus accelerans -(Sympathikus), der sog. Beschleunigungsfasern ausserhalb des Herzens -(Durchschneidung des Accelerans beseitigt die Beschleunigung) oder -im Herzen (die elektrische Reizung der peripheren durchschnittenen -Vagusendigungen wirkt dann pulsverlangsamend, weil der Vagus hierbei -intakt bezw. unbetätigt ist), oder durch Vaguslähmung bedingt sein -(Reizung der durchschnittenen Vagusendigungen bleibt erfolglos, -desgleichen Muskarin). - -=Atmungsgifte.= Zum Studium ihrer Wirkung bedient man sich -gewisser Apparate (Mareyscher Registrierapparat, Atmungskurve, -Respirationsapparate); ausserdem beobachtet man die Intensität und -Frequenz der Atmung. Von funktionellen Einrichtungen des Körpers -können durch die Atmungsgifte betroffen werden das Atmungszentrum -in der Medulla oblongata (nach neueren Untersuchungen bestehen -ausserdem noch ein Inspirationszentrum in den Sehhügeln, ein -Exspirationszentrum in den Vierhügeln, ein Hemmungszentrum in der -Grosshirnrinde sowie untergeordnete Respirationszentren im Rückenmark), -die Leitungsbahnen der Vagi, die peripheren Vagusendigungen in der -Lunge, die Bronchialdrüsen, Bronchialmuskeln und Kehlkopfmuskeln, -die Atmungsmuskeln (Zwerchfell und Hilfsmuskeln), sowie endlich der -Gefässapparat der Lunge. Die Analyse der Wirkung der Atmungsgifte -ist daher nicht leicht. +Lungenödem+ (Rasselgeräusche, schaumiger -Ausfluss aus der Nasenhöhle und Maulhöhle, Dyspnoe) kann entweder durch -vermehrte Sekretion der Bronchialdrüsen (Pilokarpin, Arekolin) oder -durch abnorme Durchlässigkeit der Lungenkapillaren (Chloralhydrat) -oder durch Blutstauung in der Lunge (Herzgifte) entstehen; man -unterscheidet deshalb genauer ein toxisches und mechanisches -(Herzgifte) Lungenödem. +Beschleunigung+ und +Verstärkung+ der Atmung -kann durch Reizung der Atmungszentren (Blausäure, Kampfer) oder der -peripheren Vagusendigungen in der Lunge (Ammoniak) oder durch Erregung -der Bronchialmuskeln (Eserin) bedingt sein; hört die Beschleunigung -nach Durchschneidung der Vagi auf, so ist eine periphere Erregung -der den Atmungsreflex vermittelnden Vagusenden in der Lunge als -Ursache anzunehmen. +Verlangsamung+ und +Abschwächung+ der Atmung ist -entweder die Folge einer Lähmung der Atmungszentren, wobei häufig das -+Cheyne+-+Stocke+sche Atmungsphänomen vorübergehender Pausierung der -Atmung beobachtet wird (Gehirngifte, Herz- und Gefässgifte mit Anämie), -oder einer Lähmung der Respirationsmuskeln (Kurare, Schlangengift) oder -einer Reizung des zerebralen Hemmungszentrums (Exstirpation desselben -beseitigt die Atmungsschwäche) oder einer Lähmung der Lungenenden des -Vagus (Atropin). Löst die elektrische Reizung der durchschnittenen -Nervi phrenici keine Zwerchfellskontraktionen aus, so handelt es sich -um Lähmung des Zwerchfells als Ursache der Atmungsschwäche. Lähmung der -Vagusendigungen ist anzunehmen bei sehr verlangsamter aber gleichzeitig -intensiver Atmung. Lähmende Gifte für das Atmungszentrum (Asphyktika) -sind namentlich +Blausäure+ und +Schwefelwasserstoff+. - -=Nierengifte.= Die Hauptwirkung ist auf das +Nierenepithel+ gerichtet. -In den leichten Graden der Vergiftung entsteht nur eine +Reizung+ -des Nierenepithels mit Hyperämie und Beschleunigung des Blutstroms, -welche sich in vermehrter Harnabsonderung äussert (Koffein und andere -Purinstoffe). Die stärkeren Nierengifte erzeugen +Epithelnekrose+ -in den Harnkanälchen als Hauptform der toxischen Nephritis mit -Verkalkung des abgestorbenen Epithels (Quecksilber, Salizylsäure) -oder mit nachfolgender Bindegewebsneubildung (Blei). Andere -Nierengifte verursachen in erster Linie eine +Glomerulonephritis+ -(Kanthariden). Die Funktionsstörung der Nierenepithelien äussert sich -in +Albuminurie+, die der Glomeruli in Oligurie und +Anurie+. Sind -die Glomeruli intakt und nur die Nierenepithelien der Harnkanälchen -erkrankt, so entsteht +Polyurie+ mit vermindertem spezifischem -Gewicht des Harns (Verlust des Konzentrationsvermögens des Epithels -der Harnkanälchen). Manche Blutgifte wirken gleichzeitig ebenso wie -das freigewordene Hämoglobin als Nierengifte (+Hämoglobinurie+). Die -bei diesen Vergiftungen auftretende +Glykosurie+ hat meist einen -hämatogenen Ursprung (Morphium, Chloroform u. a.) oder sie entsteht in -der Leber (Verlust der Glykogen-Synthese durch Phosphor); in manchen -Fällen scheint jedoch Zucker in den Nieren durch Abspaltung aus dem -Zelleiweisse zu entstehen (Chromsäure, Quecksilber). - -Die durch die Nierengifte in den Nieren hervorgerufenen Veränderungen -lassen sich in verschiedener Weise feststellen. Man findet insbesondere -makroskopisch oder mikroskopisch sichtbare anatomische Veränderungen -an den Nieren (entzündliche oder degenerative Affektion namentlich des -Nierenepithels durch Kolchikum, Kanthariden, Phosphor etc.; Verkalkung -durch Quecksilber, Blei usw.); Vergrösserung der Niere infolge -Gefässerweiterung durch Koffein, Verkleinerung der Niere infolge -Gefässverengerung durch Digitalis und Strophanthus. Die Steigerung -des Sekretionsdruckes der Niere wird manometrisch durch Einführung -eines Apparates in die Ureteren bestimmt (Diuretika). Eine spezifische -Erregung der Nierenepithelien (Koffein) wird dann angenommen, wenn -das Gift auch nach Ausreissung der Nierennerven und bei vermindertem -Blutdruck diuretisch wirkt. Synthetische Prozesse untersucht man -chemisch an der ausgeschnittenen und zerkleinerten Niere. An der -+Blase+ lassen sich ebenfalls anatomische Veränderungen, sowie Krämpfe -und Lähmungen bei gewissen Giften feststellen. - - =Magen- und Darmgifte.= Neben verschiedenartigen anatomischen - Veränderungen der Schleimhaut des +Magens+, unter welchen die - Perforation durch Arsenik und die Degeneration der Magendrüsen durch - Phosphor besonders hervortreten, beeinflussen die Gifte die Sekretion - und die Bewegungen des Magens. Die letzteren werden vom Nervus Vagus - innerviert, dessen Reizung die Magenbewegung beschleunigt. Wichtig - ist die Beziehung des im Grosshirn gelegenen Brechzentrums zu der - Muskulatur des Magens. Wirkt ein Brechmittel nach der Durchschneidung - der Vagi, welche das Brechzentrum mit dem Magen verbinden, nicht - mehr, so ist es als zentrales Brechmittel zu bezeichnen. Nach - neueren Untersuchungen hat man 3 Abteilungen des Brechzentrums zu - unterscheiden, nämlich je ein in den Vierhügeln gelegenes Zentrum für - die Kontraktionen der Kardia und der Magenwandungen (Zerstörung der - Vierhügel macht das Erbrechen unmöglich), sowie ein im Linsenkern - gelegenes Hemmungszentrum für die Kardia, dessen Reizung den - Sphincter Cardiae an der Kontraktion, somit also am Verschlusse des - Magens hindert. - - Im +Darm+ können die Gifte entweder auf die Schleimhaut, oder - auf die Darmdrüsen oder auf die Darmmuskulatur oder endlich auf - die Darmnerven einwirken. So entsteht eine Darmentzündung durch - lokale Reizung scharfer Gifte (Krotonöl), durch Ausscheidung - reizender Gifte mittels der Darmdrüsen (Merkurialismus), durch - Veranlassung von Gerinnung in den Darmgefässen (Saponin), sowie - nach starker Erweiterung der Gefässe der Darmschleimhaut infolge - von Splanchnikuslähmung (Arsenik). Reizung der Darmdrüsen wird - durch Pilokarpin und Arekolin, der Darmmuskulatur mit konsekutivem - Darmtetanus durch Eserin, Blei und Chlorbaryum erzeugt. Erregung der - in die Darmwandungen eingelagerten, die rhythmische peristaltische - Tätigkeit des Darmes regulierenden peripheren Nervenapparate - (Auerbachsche und Meissnersche Plexus) bedingt gesteigerte - Darmbewegungen (Muskarin), desgleichen Reizung der peripheren - motorischen Vagusendigungen (Nikotin). Dagegen hat die Reizung - des Splanchnikus, des Hemmungsnerven des Darmes, verminderte - Peristaltik zur Folge (Morphium), während umgekehrt die Lähmung des - Splanchnikus gesteigerte Darmperistaltik bedingt (Atropin). Ueber die - Beeinflussung der im Gehirn gelegenen Zentren der Darmbewegung und - Darmhemmung durch Gifte ist bisher wenig bekannt: Zetrarin soll z. B. - ein zentrales Peristaltikum sein. - - =Uterusgifte.= Der nicht trächtige Uterus wird durch Gifte viel - weniger leicht beeinflusst, als der trächtige. Kontraktionen des - Uterus entstehen entweder durch Reizung des im Lendenmark gelegenen - Uteruszentrums (Kornutin, Nikotin, Strychnin); in diesem Fall lassen - sich am ausgeschnittenen Uterus keine Kontraktionen durch das - Gift auslösen, auch wirkt das Gift nicht mehr nach Zerstörung des - Rückenmarkes. Oder sie entstehen im Uterus selbst und zwar infolge - Reizung der glatten Muskulatur, wenn auch am ganglienfreien Horn des - ausgeschnittenen Uterus Kontraktionen eintreten, während es sich - beim Ausbleiben der letzteren um eine Reizung der Uterusganglien - handelt. Ebenso kann eine Lähmung der Uteruskontraktionen durch Gifte - ihren Ausgangspunkt vom Rückenmark, von der Muskulatur oder von den - Ganglienzellen des Uterus nehmen. - - =Lebergifte.= Die anatomischen Veränderungen in der Leber bestehen - in Verfettung der Leberzellen (Phosphor, Arsenik), akuter - Atrophie (Lupinose), Leberzirrhose (Alkohol beim Menschen). Das - physiologisch-mikroskopische Bild des sezernierenden Leberparenchyms - erzeugen die Cholagoga (Aloe, Rheum, Salizylsäure). Auf chemische - Synthesen wird die Leber ausserhalb des Körpers untersucht. Die - Gallensekretion wird durch Anlegung von Gallenfisteln geprüft. - Die Frage der hepatogenen oder hämatogenen Entstehung des - Gallenfarbstoffes wird durch Ausschalten der Leber (Unterbindung der - Gefässe, Exstirpation) beantwortet. - - =Speicheldrüsengifte.= Die Untersuchung erfolgt durch Einführen - von Speichelkanülen (Unterschied zwischen Hund und Katze!). Eine - Vermehrung der Speichelsekretion kann verursacht sein durch - Reizung der peripheren Geschmacksnerven (Durchschneidung sistiert - die Sekretion), durch zentrale Reizung des Speichelzentrums - (Durchschneidung der sekretorischen Drüsennerven sistiert sie), - durch Reizung der peripheren Enden der Speichelnerven (+Pilokarpin+, - +Arekolin+, +Eserin+) oder durch Reizung der Drüsenzellen selbst - (Wirkung vom Blute aus bei durchschnittenen Speichelnerven). Eine - Aufhebung der Speichelsekretion wird durch periphere Lähmung der - Speichelnerven (+Atropin+ im Gegensatz zu Pilokarpin und Arekolin) - bedingt. Es wird daher auch eine periphere Reizung dann angenommen, - wenn Atropin die Vermehrung der Speichelsekretion sistiert. -- Die - Wirkung der Gifte auf die +Schweisssekretion+ ist analog. - - =Stoffwechselgifte.= Als solche sind zu nennen: Der +Phosphor+, - +Arsenik+ und die +Schilddrüsenpräparate+ (Vermehrung der - N-Ausscheidung im Harn), die +Blausäure+ (Verminderung des - O-Verbrauchs), das +Chinin+, die +Salizylsäure+ u. a. Anatomisch - lassen sich Störungen des Stoffwechsels durch verschiedene - Veränderungen an den inneren Körperorganen nachweisen (körnige - Trübung, fettige Degeneration). Chemisch wird der Stoffwechsel - kontrolliert durch die Untersuchung des Harns, des Kots, der - ausgeatmeten Luft bezw. Kohlensäure (Respirationsapparat) sowie - der Körpertemperatur (Thermometer, Kalorimeter). Bezüglich - der Wirkung der Gifte auf die +Temperatur+ kommen entweder - Temperaturverminderungen (Antipyretika) oder Temperaturerhöhungen vor - (Kokain, Koffein, β-Naphthylamin, Mallein, Tuberkulin). Die Wirkung - ist eine zentrale (Wärmezentren) oder periphere. Reizung des im - Corpus striatum gelegenen Wärmezentrums erzeugt Fieber, Lähmung oder - Exstirpation, Temperaturherabsetzung. - - =Pupillengifte.= +Verengerung+ (Myose) kann bedingt sein durch eine - periphere Reizung des Okulomotorius (Pilokarpin, Arekolin) oder - des Musculus Sphincter Iridis (Eserin) oder durch eine Lähmung - des Erweiterungszentrums im Gehirn (Morphium beim Hund). Letztere - wird angenommen, wenn am herausgeschnittenen Auge keine Myose - hervorgebracht werden kann, oder wenn bei lokaler Einträuflung in den - Lidsack keine Verengerung eintritt, sondern nur nach intravenöser - oder subkutaner Applikation. Eine periphere Reizung der Okulomotorius - als Ursache der Myose wird angenommen, wenn die Myose durch Atropin - aufgehoben wird und am exstirpierten Bulbus fortdauert. - - +Erweiterung+ (Mydriase) wird entweder verursacht durch periphere - Lähmung des Verengerungsnerven der Pupille, des Okulomotorius - (Atropin), oder durch periphere Reizung des Erweiterungsnerven, - des Sympathikus (Hydronaphthylamin), oder durch Reizung des - Erweiterungszentrums im Gehirn (Akonitin, Morphium bei Katzen). - Die zentrale Mydriase lässt sich sofort beseitigen, wenn man die - Verbindung des Zentrums und der Pupille, nämlich den Halssympathikus, - durchschneidet. Lähmung der peripheren Okulomotoriusäste (Atropin) - muss angenommen werden, wenn am ausgeschnittenen Froschauge Mydriase - erzeugt wird. Bei Vögeln entsteht durch Kurare periphere Mydriase - infolge Lähmung der willkürlichen Muskeln der Pupille (Sphinkter). - - - [2] Ausführliches findet man bei +Kobert+, Lehrbuch der - Intoxikationen, +Hermann+, Lehrbuch der experimentellen - Toxikologie, +Böhm+, Allgemeine Toxikologie. - - -Die allgemeine Prognose der Vergiftungen. - -Die toxikologische Statistik lehrt, dass die Prognose bei vielen -Vergiftungen unserer Haustiere +nicht so ungünstig+ ist, wie -man dies eigentlich nach der Intensität der Krankheitserscheinungen -erwarten sollte. Aus diesem Grunde darf man bei schlachtbaren Tieren -im allgemeinen nicht zu frühzeitig die Notschlachtung anraten. -Insbesondere lasse man sich durch das Auftreten von Zuckungen und -Krämpfen sowie von starken psychischen Erregungserscheinungen nicht -verleiten, diesen Symptomen unter allen Umständen eine schlimme -prognostische Bedeutung beizulegen. +Aufregung und Muskelkrämpfe sind -im allgemeinen weniger schlimm als Lähmungserscheinungen.+ Auch die -Behandlung der Exzitationszustände ist viel erfolgreicher als die der -toxischen Lähmungen. - -Die Prognose einer Vergiftung hängt in erster Linie von der Art des -Giftes ab. Als sehr gefährliche Vergiftungen mit +ungünstiger+ Prognose -müssen namentlich bezeichnet werden die Vergiftungen mit +Blausäure+, -+Phosphor+, +Arsenik+, +Chlorbaryum+, +Strychnin+, +Nikotin+, -+Veratrin+, +Digitalis+, +Oleander+, +Buxus+, +Taxus+, +Blei+, -+Quecksilber+, +Karbolsäure+, +Krotonöl+, +Kanthariden+, +Kolchikum+, -+ätzenden Säuren+ und +Alkalien+. Im übrigen kommt es bei allen diesen -starken Giften wesentlich mit darauf an, in welcher Dosis und Form, bei -welchem Füllungszustand des Magens usw. sie aufgenommen worden sind. -Bei den Fleischfressern, welche sich erbrechen können, nehmen manche -Vergiftungen einen günstigeren Verlauf, als bei Pflanzenfressern. - -Als Vergiftungen mit im allgemeinen günstiger Prognose sind namentlich -bei den Pflanzenfressern die +Alkaloidvergiftungen+ zu bezeichnen, -Strychnin und Nikotin ausgenommen. Dies gilt besonders für die -+Atropin+-, +Hyoszin+- und +Morphium+vergiftung. Aber auch Eserin, -Pilokarpin und Arekolin sind deshalb nicht so sehr gefährlich, weil -gute Gegengifte für sie zur Verfügung stehen. Ausserdem ist bei vielen -+Pflanzenvergiftungen+ die Mortalitätsziffer trotz scheinbar schwerer -Vergiftungserscheinungen erfahrungsgemäss relativ gering. Dies gilt -namentlich für die Vergiftung mit +Klatschrosen+, +Bucheckern+, für -viele +Pilzvergiftungen+, für die +Merkurialis-+, +Lolium-+, +Rade-+, -+Equisetum-Vergiftung+. Aehnlich verhält sich die +Kochsalz-+ und -+Salpetervergiftung+ (vergl. unten). - - =Prognose bei einzelnen Vergiftungen.= Die +Klatschrosen+, von - welchen angenommen wird, dass sie Morphium oder ein morphiumähnliches - Alkaloid als wirksames Gift enthalten, erzeugen beim Rind ein sehr - typisches Bild einer Vergiftung, welches sich durch Anfälle von - Raserei und Tobsucht, wutähnliche Anfälle, epileptiforme Krämpfe, - Taumeln, Schlummersucht, Bewusstlosigkeit etc. charakterisiert. - Trotz der Hochgradigkeit der nervösen Symptome sind Todesfälle - ziemlich selten, so dass die Prognose der Vergiftung eine ziemlich - günstige ist. Die +Bucheckern+ enthalten einen alkaloidartigen - Giftstoff, das Fagin, das ebenfalls heftige Vergiftungserscheinungen - bedingt. Ein Pferd zeigte infolge der Aufnahme von 2 Pfund - Bucheckernölkuchen Kolik, Schwanken, hochgradige Schreckhaftigkeit, - sowie Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Das Tier war so aufgeregt, - dass es bei der geringsten Berührung in äusserste Raserei geriet. - Die Verabreichung von Gegengiften beseitigte die Krankheit im - Verlaufe von 12 Stunden (Warner). +Atropin+ und +Hyoszin+ haben - bei Hunden und Katzen, welche enorme Dosen (0,5-1,0 pro die) - ertragen, vorübergehend die schwersten Vergiftungserscheinungen: - starke Unruhe, hochgradige Aufregung, Krampfanfälle zur Folge. - Nach kurzer Zeit pflegen sich die Tiere indessen wieder zu erholen - (Kobert; eigene Untersuchungen). Pferde zeigen nach der Verfütterung - von Bilsenkrautsamen rasende Zufälle, sowie Beschleunigung des - Pulses und der Atmung, erholen sich indessen ebenfalls wieder - leicht (Viborg). Die +Pilzvergiftungen+, namentlich die durch - +Schimmelpilze+ und +Mutterkorn+, nehmen gleichfalls nicht selten - trotz äusserst gefahrdrohender Zufälle einen gutartigen Verlauf. - Zwei Pferde zeigten nach der Aufnahme von verschimmeltem Brot - anhaltende und heftige Kolik, Schwanken mit dem Hinterteil, - Schwindel und Niederfallen, wobei sie etwa ½ Stunde ohne Gefühl, - wie tot am Boden lagen. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten - gegen die Wand, gerieten in Schweissausbruch und zeigten wieder - denselben Anfall wie vorher. Trotzdem genasen sie (Perrin). Auch die - Mortalitätsziffer der Mutterkornvergiftung ist trotz der schweren - Krankheitserscheinungen eine geringe. Die +Merkurialisvergiftung+, - welche sich bei Pflanzenfressern und Schweinen in Kolikerscheinungen, - Harndrang, blutrotem Harn, Empfindlichkeit und Steifheit in der - Nierengegend, Atmungsbeschleunigung, Zittern und Schwäche äussert, - lässt ebenfalls in den meisten Fällen eine günstige Prognose zu. - Aehnlich ist das Verhalten der Haustiere gegenüber dem +Solanin+. - Bei der +Loliumvergiftung+ hat man dasselbe beobachtet, wie ein von - Wiegel veröffentlichter Fall zeigt. Eine Kuh stürzte plötzlich, - wie vom Blitze getroffen, zusammen; dieser apoplektiforme Anfall - wiederholte sich dreimal hintereinander, worauf allgemeine - Empfindungslosigkeit, Schlafsucht und Verlangsamung der Respiration - eintrat. 1½ Stunden darauf erhob sich die Kuh wieder und zeigte - sofort einen ganz erstaunlichen Appetit. Die +Radevergiftung+ nimmt - zuweilen einen ähnlich günstigen Verlauf. Röll beobachtete bei - einem Pferde nach der Aufnahme von Rademehl Schlingbeschwerden, - sowie einen Zustand der Betäubung nach Art des Dummkollers; am - Tage darauf hatte sich das Pferd wieder vollständig erholt. Auch - die +Kochsalz-+ und +Salpetervergiftung+, von welchen namentlich - die letztere sehr gefürchtet ist, zeigt nicht selten eine günstige - Prognose, wie zahlreiche in der Literatur vermerkte Fälle beweisen. - Ja selbst bei der +Kolchikumvergiftung+, welche von jeher als eine - der gefährlichsten Vergiftungen bei unseren Haustieren aufgefasst - worden ist, beträgt die durchschnittliche Mortalitätsziffer nicht - mehr als 25-30 Proz. Noch wesentlich geringer ist diese Ziffer bei - den Vergiftungen mit +Santonin+, +Alkohol+, +Rizinus+, sowie durch - +Schlangenbisse+. - - -Die Behandlung der Vergiftungen. - -Die Behandlung der Vergiftungen erfolgt mittelst der sog. -Gegenmittel oder Gegengifte (+Antidote+). Diese Gegenmittel können -sehr verschiedener Natur sein und auf sehr verschiedene Weise ihre -giftwidrige Wirkung ausüben. Man unterscheidet vier Gruppen: 1. Die -+mechanischen+ oder +physikalischen+ Gegenmittel; 2. die +chemischen+ -Antidote; 3. die +physiologischen+ (dynamischen, organischen, -konstitutionellen, empirischen) Gegengifte oder +Antagonisten+; 4. die -+symptomatische+ Behandlungsmethode der Vergiftungen. - -1. Die =physikalischen= oder =mechanischen= Gegenmittel -wirken dadurch giftwidrig, dass sie die eingedrungenen Gifte -entweder auf rein mechanischem Wege aus dem Körper entfernen: -+Brechmittel+, +Abführmittel+, +harntreibende+, +schweisstreibende+, -+speicheltreibende Mittel+, +Magenausspülung+, +Aderlass+, +künstliche -Atmung+, oder dieselben einhüllen und die Aufsaugung resp. den Kontakt -mit der Schleimhaut dadurch verhindern: +einhüllende Gegenmittel+ -(+Eiweiss+, +Milch+, +Oel+, +schleimige Mittel+). - -Die +Brechmittel+ sind bei den dazu geeigneten Tieren (Hunden, -Schweinen, Katzen) in allen frischen Vergiftungsfällen in erster -Linie anzuwenden. Die wichtigsten Brechmittel sind das +Apomorphin+ -(Hunden zu 2-10 mg, Katzen zu 20-50 mg subkutan injiziert), das -+Veratrin+ (Schweinen 0,02-0,03 subkutan), das +Rhizoma Veratri albi+ -(Schweinen 1,0-2,0, Hunden 0,1 bis 0,2 per os oder als Klysma), +Radix -Ipecacuanhae+ (Schweinen und Hunden 1-3,0, Katzen 0,25-0,75), der -+Brechweinstein+ (Schweinen 1-2,0, Hunden 0,1-0,3, Katzen 0,05-0,2), -der +Kupfervitriol+ als spezifisches Brechmittel bei Phosphorvergiftung -(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,5, Katzen 0,05-0,2), der +Zinkvitriol+ -(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,3), endlich als Hausmittel das -+Kochsalz+ (Hunden 1-2 Teelöffel), das +Senfmehl+ (Hunden 1-2 Teelöffel -in einem Glas warmem Wasser), +Schnupftabak+ (Hunden eine Prise in -einem Esslöffel Wasser) usw. - -Von +Abführmitteln+ empfehlen sich besonders wegen ihrer raschen -Wirkung das +Arekolin+ und +Eserin+ (Pferden 0,05-0,1 subkutan). -Ausserdem kann die +Aloe+ (Pferden 25-50,0, Rindern 50-75,0), das -+Rizinusöl+ (Pferden 500-750,0, Rindern 500 bis 1000,0, Schafen und -Ziegen 50-250,0, Schweinen 50-100,0, Hunden 15-60,0, Katzen und -Geflügel 10-20,0) und das +Kalomel+ (Pferden 2-8,0, Schweinen 1-4,0, -Hunden 0,2-0,4, Katzen und Geflügel 0,1-0,2) angewandt werden. Auch -das +Glaubersalz+ ist als Abführmittel angezeigt, namentlich bei der -Bleivergiftung der Rinder (500-1000,0). Die harntreibenden, schweiss- -und speicheltreibenden Mittel haben eine wesentlich schwächere -evakuierende Wirkung, sie werden daher nur bei chronischen Vergiftungen -angewandt. - -Die +einhüllenden Gegenmittel+ werden hauptsächlich bei Vergiftungen -durch Aetzmittel angewandt, um die Magendarmschleimhaut vor -Anätzung zu schützen und gleichzeitig die Resorption zu hindern. Am -gebräuchlichsten ist die Verabreichung von +Milch+, +Eiweiss+ (Eiweiss -der Eier für sich oder mit Wasser geschüttelt; sog. Eiweisswasser), -+Schleim+ (Leinsamenschleim, Gerstenschleim, Haferschleim, -Quittenschleim, Gummi arabicum, Abkochungen von Eibischwurzel, -Malvenblättern, Salepschleim, Tragantschleim), +Fetten+ und +Oelen+ -(Schweinefett, Butter, Olivenöl, Repsöl, Mohnöl, Mandelöl, Rizinusöl, -Emulsionen). Die fetten Oele und die Milch sind jedoch kontraindiziert -bei Phosphor- und Kantharidenvergiftung, weil sie die Resorption der -genannten Gifte befördern. -- Bei vergifteten Wunden (Schlangenbisse) -wird das Gift durch Ausschneiden, Ausbrennen oder Ausätzen entfernt. - -2. Die =chemischen= Gegengifte wirken dadurch giftwidrig, dass sie -die in den Körper eingedrungenen Gifte zersetzen oder in Verbindungen -umwandeln, welche ungiftig oder weniger giftig sind. Das einfachste -Beispiel chemischer Antidote bilden die ätzenden +Alkalien+ und -+Säuren+, welche sich gegenseitig unter Aufhebung ihrer Alkali- -und Säurenatur zu nicht ätzenden Salzen neutralisieren (Kalilauge, -Natronlauge, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures und doppeltkohlensaures -Natron und Kali, Seife einerseits; Schwefelsäure, Salzsäure, -Salpetersäure, Essigsäure, Oxalsäure andererseits). Weiter gehören -hierher das +Kochsalz+ als spezifisches Antidot des Höllensteins, -welcher dadurch zu Chlorsilber zerlegt wird (bei Sublimatvergiftungen -wirkt die Verabreichung von Kochsalz im Gegenteil schädlich, weil -dasselbe die Resorption des Sublimats infolge Bildung der leicht -löslichen Kochsalz-Sublimatverbindung befördert), das +Eisen+ als -Gegengift gegen Arsenik (Bildung von schwer löslichem arseniksaurem -Eisen), Blausäure, Quecksilber- und Kupfersalze, das +Ferrozyankalium+ -als Antidot gegen Kupfervergiftungen (ungiftiges Ferrozyankupfer) und -ätzende Eisensalze, z. B. Eisenchlorid (Bildung von Berliner Blau), -die +Kupfersalze+ als wichtigste Gegengifte gegen Phosphorvergiftung -(Bildung von ungiftigem Phosphorkupfer), die +gebrannte+ und -+kohlensaure Magnesia+ als Gegengift gegen Säuren (Bildung von -Magnesiasalzen), Arsenik, Metallsalze (Zerlegung), das +Jod+ und -die +Jodsalze+ als Gegengifte gegen die Alkaloide im allgemeinen -(Niederschlag), sowie gegen chronische Metallvergiftungen (Bildung -löslicher und daher aus dem Körper eliminierbarer Metalljodide), -das +Bromkalium+ und +Natrium subsulfurosum+ als Bindemittel für -Jod und Jodoform (Bildung von Jodalkalien), der +Schwefel+ und -+Schwefelwasserstoff+ als Antidot gegen Quecksilber-, Blei-, Kupfer-, -Brechweinstein-, Arsenikvergiftung (Bildung unlöslicher Metallsulfide), -die +Schwefelsäure+ und +schwefelsauren Salze+ als spezifische -Mittel gegen Bleivergiftung (Bildung von unlöslichem Bleisulfat), -Karbolsäurevergiftung (ungiftiges phenolsulfonsaures Kali), -Kalkvergiftung (Bildung von Gips) und Baryumvergiftung (schwefelsaurer -Baryt), die +Kalksalze+ (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Kreide, -Schneckenschalen, Austerschalen, Eierschalen, Marmor, Sepiasteine, -Zuckerkalk) als spezifisches Gegengift gegen Oxalsäurevergiftung (der -oxalsaure Kalk ist als unlösliche Verbindung ungiftig), das +Tannin+ -und die +gerbsäurehaltigen Pflanzen+ (Eichenrinde, Weidenrinde, -Salbeiblätter, Kaffee, Tee, Eicheln, Galläpfel, Tinte, Chinarinde, -Catechu, Ratanhiawurzel, Tormentillwurzel, Nussbaumblätter etc.) -als wichtigste Antidote gegen die Vergiftung mit Alkaloiden und -Glykosiden (Bildung schwer löslicher oder unlöslicher gerbsaurer -Salze), mit Metallsalzen, namentlich mit Brechweinstein, Bleizucker, -Höllenstein und Eisenvitriol (Bildung von Metalltannaten), +Ammoniak+, -+Chlor+, +übermangansaures Kali+, +Eisenchlorid+, +Chromsäure+ -als lokale Gegengifte bei Schlangenbissen und Insektenstichen, -+altes Terpentinöl+, +Kalium permanganicum+, Kobaltnitrat, -Wasserstoffsuperoxyd und Ozonwasser als Antidot des Phosphors -(Oxydation zu Phosphorsäure), +Eiweiss+ als chemisches Gegengift gegen -Metallsalze (Bildung von Metallalbuminaten), ätzende Säuren (Bildung -von Säurealbuminaten), gegen Chlor-, Brom- und Jodvergiftung, +Leim+ -und +Kleber+ gegen Metallvergiftungen (z. B. Sublimatvergiftung), -Alaun- und Gerbsäurevergiftung (Bildung von Niederschlägen), +fette -Oele+ gegen Vergiftung durch Alkalien und Säuren (Verseifung), -+Stärkemehl+ als Antidot gegen Jod (Bindung unter Blaufärbung), die -+Tierkohle+ als Gegengift gegen Alkaloide und Metalle. - -3. Die =physiologischen= oder =dynamischen= Gegengifte sind nicht -gegen das Gift selbst, sondern gegen dessen +Wirkungen+ gerichtet -(Antagonisten) und haben den Zweck, durch Erzeugung einer der -Giftwirkung entgegengesetzten Wirkung (Erregung -- Lähmung) die erstere -aufzuheben. Man unterscheidet einen +einseitigen+ (einfachen) und einen -+doppelseitigen+ oder +wechselseitigen+ (mutuellen) +Antagonismus+. -Einseitig ist derselbe, wenn nur das eine Gift die Wirkung des anderen, -aber nicht umgekehrt, aufhebt, doppelseitig oder wechselseitig, wenn -eine gegenseitige Aufhebung stattfindet. Ausserdem spricht man von -einem +wahren+ (direkten) und +scheinbaren+ (indirekten) Antagonismus, -je nachdem die beiden Gifte auf ein und dasselbe Organ (Nervensystem, -Muskel, Drüsen) oder auf verschiedene Organe einwirken. So ist z. B. -Kurare nur ein indirekter Antagonist des Strychnins, weil es nicht wie -dieses auf das Rückenmark, sondern auf die peripheren Muskelnerven -einwirkt. Das Vorkommen eines wahren doppelseitigen Antagonismus ist -nach neueren Untersuchungen fraglich. Es kann zwar ein lähmendes -Gegengift, wie z. B. das Atropin, die erregende Wirkung eines andern, -z. B. des Eserins auf den Okulomotorius (Mydriasis, Myosis) aufheben, -dagegen lässt sich eine vorhandene Atropinlähmung des Okulomotorius -(Mydriasis) durch die erregende Wirkung des Eserins (Myotikum) nicht -wieder beseitigen. - -Die wichtigsten physiologischen Gegengifte sind: a) +Atropin+ als -Gegengift gegen +Morphin+ und +Chloroform+. Der Antagonismus zwischen -Atropin und Morphin ist ein doppelseitiger, aber zum Teil indirekter. -Das lähmende Morphin beseitigt die durch das Atropin hervorgerufene -psychische Erregung durch direkte antagonistische Einwirkung auf -das Gehirn; dagegen wird durch das erregende Atropin die lähmende -Wirkung des Morphins auf das Herz indirekt in der Weise gehoben, -dass das Atropin die nervösen Zentren des Herzens erregt, während -das Morphin den Herzmuskel selbst gelähmt hat. b) +Atropin+ als -Gegengift gegen +Pilokarpin-+, +Eserin-+, +Arekolin-+, +Muskarin-+ und -+Nikotinvergiftung+. c) +Bromkalium+, +Chloralhydrat+, +Chloroform+, -+Koniin+, +Kurare+ als Gegengift gegen +Strychnin+ und +Pikrotoxin+. d) -+Amylnitrit+ als Antagonist des gefässverengernden +Mutterkorns+ und -+Adrenalins+. e) +Koffein+ als Antidot gegen +Morphin+, +Chloroform+ -und +Alkohol+. - -4. Die =symptomatischen= Gegenmittel bestehen darin, dass einzelne -Hauptsymptome der Vergiftungen behandelt werden. So gibt man gegen -Lähmungserscheinungen Exzitantien (Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, -Koffein, Kaffee, Veratrin, Strychnin, Hyoszin, Ammoniak, kohlensaures -Ammonium), gegen schmerzhafte Koliken Morphium und andere Narkotika, -gegen Durchfälle Styptika, gegen Verstopfung Laxantien, gegen starkes -Erbrechen die Opiate, gegen hohes Fieber Antipyretika, gegen Krämpfe -die Sedativa etc. - - =Zusammenstellung der Antidote bei den wichtigsten - Einzelvergiftungen.= Die ausführlichere Besprechung der - antidotarischen Behandlung der Einzelvergiftungen ist Sache - der speziellen Toxikologie. An dieser Stelle sollen nur die - bemerkenswertesten Vergiftungen mit ihren Antidoten kurz - zusammengestellt werden. - - +Akonitinvergiftung+: Brechmittel, Tannin, Jod, Tierkohle, Atropin, - Digitalis, künstliche Atmung, Exzitantien. - - +Alaunvergiftung+: Eiweiss, Milch, Leimlösung, Kalkwasser, gebrannte - Magnesia, Ammoniak, Abführmittel. - - +Alkalien, ätzende+: Essig, verdünnte Säuren (Salzsäure, - Schwefelsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure), fette Oele, Milch, - Emulsionen, schleimige Mittel, Eispillen, Morphium, Magenausspülung. - - +Alkoholvergiftung+: Kaffee, Koffein, Ammoniak, kohlensaures - Ammonium, Kampfer, Atropin, Hyoszin, kalte Begiessungen des Kopfes, - Klistiere, Priessnitzsche Umschläge, warme Einhüllungen. - - +Aloevergiftung+: Opium, Tannin, schleimige Mittel. - - +Ammoniakvergiftung+: verdünnte Säuren, Fette, Oele, Milch, - schleimige Mittel, Tracheotomie; gegen die Krämpfe Morphium, - Chloralhydrat, Bromkalium. - - +Anilinvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, frische - Luft, kalte Begiessungen. - - +Arsenikvergiftung+: Brechmittel, Eisenpräparate, Ferrum hydricum in - aqua (= Antidotum Arsenici), Ferrum oxydatum saccharatum, Magnesia - usta, Tierkohle, Schwefel, Schwefelleber, Schwefeleisen, Eiweiss, - Milch, Schleim, Exzitantien. Zu vermeiden sind Alkalien und fette - Oele (Rizinusöl). - - +Atropinvergiftung+ (Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel): - Brechmittel, Gerbsäure, Morphium, Pilokarpin, Eserin, Arekolin, - gegen die psychische Erregung Chloroform, Chloralhydrat, Sulfonal, - Bromkalium. - - +Baryumvergiftung+: verdünnte Schwefelsäure, schwefelsaures Natrium - und Kalium, schwefelsaure Magnesia, Brechmittel. - - +Bingelkrautvergiftung+: Brechmittel, Eiweiss, Milch, Opium, - Gerbsäure. - - +Blausäurevergiftung+: Brechmittel, Eisenoxydhydrat, - Wasserstoffsuperoxyd, übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Atropin, - künstliche Respiration, Exzitantien, kalte Begiessungen. - - +Bleivergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, verdünnte Schwefelsäure, - Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum, Magnesium sulfuricum, - Schwefel, Schwefelwasserstoff, Gerbsäure, Eiweiss, Milch, - symptomatische Behandlung (Opium, Morphium). Bei chronischer - Bleivergiftung Jodkalium. - - +Brechweinsteinvergiftung+: Gerbsäure, kohlensaures Natron, verdünnte - Säuren, Schwefel, Schwefelleber, Opium, Eiweiss, Schleim, Exzitantien. - - +Chlor- und Chlorkalkvergiftung+: Natrium oder Magnesium - subsulfuricum, Einatmen von Schwefelwasserstoff und Ammoniak - (verdünnt); innerlich Liquor Ammonii anisatus, Eiweiss, Schleim. - - +Chloroform-+, +Chloralhydrat-+ und +Aethervergiftung+: Exzitantien, - namentlich Atropin, Hyoszin (Skopolamin), Strychnin, Veratrin, - Koffein, Ammoniak, kohlensaures Ammonium, Hautreize, kalte - Begiessungen, künstliche Respiration, Transfusion. - - +Chromsäurevergiftung+: Eiweiss, Magnesia usta, Exzitantien. - - +Cytisusvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien. - - +Digitalisvergiftung+ vergl. Fingerhutvergiftung. - - +Eibenbaumvergiftung+: Abführmittel, Exzitantien, Atropin, Hyoszin, - Koffein, Veratrin, Strychnin, Kampfer, Aether, Alkohol, Ammoniak, Jod - (Lugolsche Lösung). - - +Equisetumvergiftung+: Abführmittel, Kampfer, Aether, Koffein, - Atropin, Hyoszin, Veratrin, Hautreize. - - +Essigvergiftung+: Seifenwasser, Sodawasser, Kreide, kohlensaurer - Kalk, gebrannte Magnesia, Milch, Exzitantien. - - +Fingerhutvergiftung+: Brechmittel, Nitroglyzerin, Amylnitrit, - Tannin, Kampfer, Aether, Atropin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus, - Wein, Hautreize. - - +Gerbsäurevergiftung+: Eiweiss, Leim, Schleim, Abführmittel. - - +Glaubersalzvergiftung+: Schleim, Opium, Kampfer, Aether, Ammonium - carbonicum. - - +Grubengasvergiftung+: Frische Luft, künstliche Respiration, - Hautreize, kalte Begiessungen, Exzitantien, Transfusion. - - +Grünspanvergiftung+: Eiweiss, Ferrozyankalium, Eisenpulver, Magnesia - usta. - - +Helleborusvergiftung+: Gerbsäure, Opium, Exzitantien, Kampfer. - - +Herbstzeitlosenvergiftung+: Brechmittel, Tannin, Jod (Lugolsche - Lösung), Opium, Morphium, Schleim, feuchtwarme Wicklungen, - Exzitantien. - - +Höllensteinvergiftung+: Brechmittel, Eiweiss, Kochsalz, verdünnte - Salzsäure. - - +Insektenstiche+: Waschung mit Ammoniakwasser, Chlorwasser, Alkohol, - Bleiwasser, Abführmittel. - - +Jod- und Jodoformvergiftung+: Stärkemehl, Mehlwasser, Eiweiss, - Bromkalium, Bromnatrium, Natrium und Kalium bicarbonicum, Natrium - subsulfurosum, Exzitantien, Brechmittel, Abführmittel. - - +Kalichlorikumvergiftung+: Brechmittel, Infusion physiologischer - Kochsalzlösung, Exzitantien. - - +Kantharidenvergiftung+: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien; keine - fetten Oele! - - +Karbolvergiftung+: Brechmittel, Magenausspülung, Sulfate, verdünnte - Schwefelsäure, Seifenwasser, Zuckerkalk, Kalkwasser, Terpentinöl, - Jodtinktur, Eiweiss, Milch, Oel, Exzitantien (Aether, Kampfer, - Koffein, Hyoszin). - - +Kichererbsenvergiftung+: Tracheotomie, Koffein, Atropin, Strychnin, - Veratrin, Hautreize, Abführmittel. - - +Kochsalzvergiftung+: Viel Wasser, Schleim, Oel, Aether, Kampfer, - Atropin, Koffein, symptomatisch gegen Krämpfe Sedativa. - - +Kohlenoxydvergiftung+: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, - alkalische Kochsalzinfusion, Nitroglyzerin; Exzitantien, künstliche - Respiration, Hautreize. - - +Kokainvergiftung+: Tannin, Jod, Amylnitrit, Chloralhydrat. - - +Kolchikumvergiftung+ vergl. Herbstzeitlosenvergiftung. - - +Konvallariavergiftung+: Tannin, Exzitantien, Kampfer, Aether. - - +Krotonölvergiftung+: Schleim, Eiweiss, Opium, Exzitantien. - - +Kreosotvergiftung+: Brechmittel, Schleim, verdünnte Schwefelsäure, - schwefelsaures Natrium, Bittersalz, Seife, Exzitantien. - - +Kornradevergiftung+: Abführmittel, Tannin, Schleim, Exzitantien. - - +Kupfervergiftung+: Abführmittel, Brechmittel, Eiweiss, - Ferrozyankalium, Eisenpulver, Magnesia usta, Tierkohle, Exzitantien. - - +Lakenvergiftung+: Viel Wasser, Schleim, Oel, Exzitantien, Sedativa. - - +Leuchtgasvergiftung+: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, Hautreize, - künstliche Atmung, Transfusion. - - +Lupinenvergiftung+: Futterwechsel, Präparierung der giftigen - Lupinen, verdünnte Säuren (keine Alkalien!), Rizinusöl, Krotonöl. - - +Morphiumvergiftung+: Atropin, Hyoszin (Skopolamin), Koffein, Kaffee, - Tee, Hautreize. - - +Muskarinvergiftung+: Atropin, Hyoszin. - - +Mutterkornvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Chloralhydrat, - Amylnitrit, Gerbsäure, symptomatische Behandlung. - - +Nikotinvergiftung+: Abführmittel, Tannin, Jodlösung, Tierkohle, - Exzitantien, Pansenschnitt. - - +Oleandervergiftung+: Abführmittel, Schleim, Tannin, Exzitantien. - - +Opiumvergiftung+: Atropin, Hyoszin, Koffein, Abführmittel, - Exzitantien. - - +Oxalsäurevergiftung+: Kalkwasser, Zuckerkalk, Kreide, Magnesia usta, - Exzitantien, Diuretika. - - +Petroleumvergiftung+: Brechmittel, Hautreize, Aether, Kampfer, Wein, - Ammonium carbonicum, Koffein, künstliche Atmung. - - +Phosphorvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, altes Terpentinöl, - Kupfervitriol, überhaupt Kupfersalze, Kalium permanganicum, - Kobaltnitrat, Wasserstoffsuperoxyd, Exzitantien, Infusion alkalischer - Kochsalzlösung. Fette und fette Oele sind zu vermeiden. - - +Physostigminvergiftung+: Atropin, Hyoszin, symptomatische Behandlung. - - +Pilokarpinvergiftung+: Atropin, Hyoszin, Agarizin, Exzitantien. - - +Pilzvergiftung+: Abführmittel, einhüllende Mittel, Exzitantien, - Hautreize, Tannin, Jod, Kalomel (bei Fliegenpilzvergiftung: Atropin). - - +Ptomainevergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, Jodwasser, - Tierkohle, Kalomel, Aether, Kampfer, Koffein, Atropin, Wein, - Ammoniak, symptomatische Behandlung. - - +Quecksilbervergiftung+: Eiweiss, Milch, Eisenpulver, Schwefel, - Schwefelleber, Schwefelwasserstoff, Magnesia usta, symptomatische - Behandlung; bei chronischen Vergiftungen: Jodkalium, Anregung des - Stoffwechsels. - - +Ranunkelvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, Exzitantien. - - +Sabinavergiftung+: Schleimige, einhüllende Mittel, Opium, Morphium. - - +Salpetervergiftung+: Schleimige Mittel, Oel, Aether, Weingeist, - Wein, Kampfer, Ammonium carbonicum, Hautreize. - - +Salpetersäurevergiftung+: Verdünnte Alkalien, Eiweiss, Schleim, Oel, - Opium. - - +Salzsäurevergiftung+: Dasselbe. - - +Santoninvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Aether, - Chloralhydrat, Kampfer, Wein, symptomatische Behandlung. - - +Schierlingvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Veratrin, - Strychnin, Koffein, Atropin, Aether, Kampfer, kohlensaures Ammonium, - Tannin. - - +Schlangengift+: Oertlich Chlorwasser, Chlorkalkwasser, Lösungen - von übermangansaurem Kali, Chromsäure (1proz.), Eisenchlorid, - Ammoniakwasser, Karbolwasser, Kreolinwasser; innerlich Alkohol, - Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus. - - +Schwammvergiftung+: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, - symptomatische Behandlung. - - +Schwefelkohlenstoffvergiftung+: Frische Luft, Exzitantien. - - +Schwefelsäurevergiftung+: Verdünnte Alkalien, Kalkwasser, Soda, - gebrannte Magnesia, Kreide, Schleim, Oel, Eispillen, Exzitantien, - Salizylsäure. - - +Schwefelwasserstoffvergiftung+: Frische Luft, Aether, Kampfer, - Einatmung von Chlorgas, Exzitantien, Hautreize, Infusion, Aderlass, - subkutane Kochsalzlösung. - - +Solaninvergiftung+: Tannin, Abführmittel, Exzitantien. - - +Strychninvergiftung+: Chloralhydrat, Chloroform, Bromkalium, Aether, - Sulfonal, Morphin, künstliche Atmung, Tannin, Jodwasser, Brechmittel, - Magenausspülung. - - +Tabakvergiftung+ vergl. Nikotinvergiftung. - - +Taumellolchvergiftung+: Abführmittel, Aether, Kampfer, Atropin, - Koffein, Hautreize. - - +Terpentinölvergiftung+: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien. - - +Veratrinvergiftung+: Tannin, Jod, Opium, Sedativa, einhüllende - Mittel, Exzitantien. - - +Vergiftung mit wildem Mohn+: Abführmittel, Tannin, Opium, - Morphium, Chloralhydrat, Bromkalium, kalte Sturzbäder auf den Kopf, - evakuierende Klistiere. - - +Wurmfarnvergiftung+: Abführmittel, Exzitantien. - - +Zinkvergiftung+: Eiweiss, Schleim, Milch, Tannin, Opium, Natrium - und Kalium carbonicum und bicarbonicum, Schwefelleber, Gerbsäure, - Exzitantien. - - - - -Spezielle Toxikologie. - - -I. Mineralische Gifte. - - -Phosphorvergiftung. - - =Chemie des Phosphors.= Der Phosphor findet sich in der Natur - nirgends in freiem Zustande, sondern immer gebunden, meist in der - Form phosphorsaurer Salze. Er ist als freies Element zuerst im - Jahre 1669 von +Brand+ in Hamburg aus Menschenharn dargestellt - worden; aus dem phosphorsauren Kalke der Knochen wurde er erst - im Jahre 1771 durch +Scheele+ gewonnen. Seine Bedeutung für die - Toxikologie beginnt erst mit dem Jahr 1833, dem Zeitpunkt der - Erfindung der Phosphorstreichhölzer. Ausser dem besonders in - den +Knochen+ in grosser Menge (85 Proz. der Asche) enthaltenen - Kalziumphosphat kommen phosphorsaure Verbindungen auch sonst im - Tierkörper z. B. als phosphorsaures Kali vor; es enthalten ferner - alle Pflanzen phosphorsaure Salze; endlich ist der Phosphor ein - normaler Bestandteil der Ackererde und findet sich in grösserer Menge - in gewissen Mineralien, so z. B. im Phosphorit, Apatit, Wawellit, - Vivianit und Grünbleierz. Zur Darstellung des Phosphors wurden - früher ausschliesslich die Knochen benutzt; dieselbe wurde nur von - vereinzelten Fabriken betrieben (Birmingham, Lyon, Kaluga). Die von - Fett und Leim befreiten Knochen wurden gebrannt, mit Schwefelsäure - behandelt und mit Kohle geglüht, worauf die entweichenden - Phosphordämpfe in Wasser aufgefangen, gereinigt und in Stangen - geformt wurden. Neuerdings stellt man den Phosphor aus mineralischen - Phosphaten (Phosphorit) im elektrischen Ofen dar. - - Der Phosphor tritt in 3 allotropen Modifikationen auf: 1. - +Gewöhnlicher, giftiger, farbloser Phosphor+, bildet farblose, später - schwach gelbe, durchsichtige, wachsartige Stangen von ozonartigem - Geruch. Er kristallisiert in Oktaedern, ist in der Kälte spröde, - bei gewöhnlicher Temperatur wachsartig und schmilzt bei 44° unter - Wasser zu einer farblosen Flüssigkeit; er verdampft schon bei - gewöhnlicher Temperatur und +leuchtet+ im Dunkeln an feuchter - Luft unter Entwicklung ozonartig riechender Dämpfe (Ozonbildung, - Oxydation zu phosphoriger Säure und Phosphorsäure). An der Luft, beim - Erhitzen und beim Reiben entzündet sich der Phosphor und verbrennt zu - Phosphorsäureanhydrid. In Wasser ist er so gut wie unlöslich; das mit - Phosphor geschüttelte Wasser nimmt aber Spuren von Phosphor auf und - kann daher giftig wirken. Leichter löst er sich in Alkohol, Aether - und fetten Oelen, besonders leicht in Schwefelkohlenstoff, Benzol, - Terpentinöl und ätherischen Oelen. Sauerstoffreiche Verbindungen, - namentlich ozonhaltiges, altes Terpentinöl, Wasserstoffsuperoxyd, - übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Salpetersäure usw. oxydieren den - Phosphor rasch zu Phosphorsäure (PO_{4}H_{3}). Mit Schwefel, Chlor, - Brom und Jod verbindet er sich direkt, ebenso gibt er mit Lösungen - von Kupfer-, Silber-, Gold- und Quecksilbersalzen Niederschläge von - Phosphormetallen (Phosphorkupfer etc.). Bei längerer Aufbewahrung - überzieht sich der Phosphor unter der Einwirkung des Lichtes und - der Luft mit einer Schichte amorphen Phosphors. 2. +Amorpher, - roter, ungiftiger Phosphor+, im Jahre 1845 entdeckt und seit 1852 - zur Fabrikation der schwedischen Streichhölzer (Reibfläche der - Schachteln) verwendet, aus dem vorigen dargestellt durch Erhitzen - auf 250-260°, ein amorphes, dunkelrotes, geschmack- und geruchloses - Pulver oder rotbraune, metallisch glänzende Stücke mit muschligem - Bruche, unlöslich in den Lösungsmitteln des gewöhnlichen Phosphors, - nicht leuchtend und sich erst bei 260° entzündend. Der rote Phosphor - ist per os aufgenommen ungiftig, weil er auch in Fett unlöslich ist - und daher von der Magen- und Darmschleimhaut nicht resorbiert wird; - bei intravenöser Injektion erzeugt er jedoch wie der gewöhnliche - Phosphor Leber-und Nierenverfettung. 3. +Metallischer+ oder - +rhomboedrischer Phosphor+, schwarze, glänzende Kristalle durch - Erhitzen des Phosphors bis zur Rotglut dargestellt. - - Der +Phosphorwasserstoff+, PH_{3}, ist ebenso giftig wie der - gewöhnliche Phosphor. PH_{3} soll auch die Ursache der Phosphoreszenz - des Fleisches sein und von den Leuchtbakterien erzeugt werden, was - mit Rücksicht auf die Unschädlichkeit des leuchtenden Fleisches - unwahrscheinlich ist. Mit dem Leuchten des Holzes, gewisser Schwämme - und des Meeres hat PH_{3} jedenfalls nichts zu tun. PH_{3} riecht - knoblauchartig. - -=Aetiologie der Phosphorvergiftung.= +Toxikologische+ Bedeutung hat -nur der gewöhnliche, giftige Phosphor. Derselbe wird allgemein zur -Herstellung von +Ratten-+ und +Mäusegift+ (Phosphorteig, Phosphorbrei, -Phosphorpaste, Phosphorpillen) in Wohnungen, Stallungen und auf -dem Felde benützt und gibt so Veranlassung zur zufälligen oder -böswilligen Einverleibung. Ausserdem haben namentlich früher die -+Phosphorzündhölzer+ zuweilen Vergiftungen bedingt. Dieselben wurden in -der Weise angefertigt, dass die mit Schwefel überzogenen Hölzchen in -eine Phosphoremulsion getaucht wurden, welche mittels Gummi oder Leim -unter Beimengung von Russ, Mennige etc. hergestellt war. +Auf jedes -dieser Phosphorstreichhölzer kamen pro Kopf etwa 5 Milligramm Phosphor, -so dass also z. B. 20 derselben 0,1 Phosphor, d. h. die für einen -Hund tödliche Dosis enthielten.+ (Die therapeutische Maximaldosis des -Phosphors für den Menschen beträgt 1 Milligramm). Ungiftig sind dagegen -die sog. schwedischen Streichhölzer, welche keinen Phosphor, sondern -ein Gemenge von chlorsaurem Kali und Schwefelantimon oder Mennige -enthalten, während die Reibfläche der Schachteln einen Ueberzug von -amorphem Phosphor besitzt. Endlich können Phosphorvergiftungen durch -+zu hohe Dosierung des Phosphors+ bedingt werden. Die beim Menschen -nach der Einatmung von +Posphordämpfen+ in Fabriken beobachteten -chronischen Vergiftungen sind bei den Haustieren bisher noch nicht -beobachtet worden. Dagegen wurden Fälle von akuter Vergiftung durch -Einatmen von Phosphordämpfen auch bei den Haustieren konstatiert. Die -tödlichen und therapeutischen Dosen des Phosphors für die einzelnen -Haustiere betragen: - - +Tödliche+ Dosis +Therapeutische+ Dosis - +Pferd+ und +Rind+ 0,5-2,0 0,01-0,05 - +Schaf+ und +Schwein+ 0,1-0,2 0,002-0,005 - +Hunde+ 0,05-0,1 0,0005-0,002 - +Katzen+ und +Geflügel+ 0,01-0,03 0,0005-0,001 - -=Krankheitsbild.= Die Phosphorvergiftung (Phosphorismus) kommt bei -allen Haustieren, am häufigsten aber beim Geflügel, bei Schweinen -und Hunden vor. Das Krankheitsbild ist je nach der Form, in welcher -der Phosphor aufgenommen wird (kleinere Stücke, Zündholzkuppen, -Phosphorbrei, Phosphoröl), ferner je nach dem Inhalt und -Füllungszustand des Magens, nach der Applikationsmethode (innerlich, -subkutan), sowie je nach der Tiergattung verschieden. Namentlich -bei Pferden verläuft die Phosphorvergiftung zuweilen ohne besondere -charakteristische Krankheitserscheinungen; auch beim Geflügel (Hühnern, -Enten) werden häufig nur ganz allgemeine Symptome wahrgenommen. -Das typische Krankheitsbild der Phosphorvergiftung, wie es sich -insbesondere bei Hunden und Schweinen entwickelt, setzt sich aus -lokalen und allgemeinen Erscheinungen zusammen. - -1. Die +Lokalerscheinungen+ werden durch eine reizende und ätzende -Einwirkung des Phosphors auf die Schleimhäute des Digestions- und -Respirationsapparates bedingt. Sie bestehen in Appetitlosigkeit, -+Erbrechen+ (Phosphorgeruch und Leuchten des Erbrochenen im Dunkeln), -Blutbrechen, Unruheerscheinungen, +Kolikanfällen+, Stöhnen, Winseln, -Durchfall; bei Anätzung der Maul- und Schlundschleimhaut findet -man ausserdem Speicheln, Anschwellung der Zunge, sowie Lähmung des -Schlingvermögens. Nach dem Einatmen von Phosphordämpfen beobachtet man -sehr starken Husten, leuchtenden Atem, Erstickungsanfälle, hochgradige -Atemnot, die Erscheinungen des Lungenödems, sowie beim Rind zuweilen -Hautemphyseme am Hals und Thorax infolge des durch den Husten -entstandenen interstitiellen Lungenemphysems. - -2. Die +Allgemeinerscheinungen+ beginnen mit dem Uebergang des -Phosphors ins Blut. Die Resorption des in Wasser unlöslichen Phosphors -wird durch den Fettgehalt des Darminhaltes bedingt. Ausserdem -durchdringt der rasch verdampfende Phosphor die Magenwand und die -benachbarten Organe und bewirkt so eine direkte Degeneration der -Gewebszellen (Magendrüsen, Leber). Der Phosphor wirkt als heftiges -+Zellen-+ und +Stoffwechselgift+ unter Zersetzung der Zellen bezw. -des Körpereiweisses zu +Fett+, Leuzin, Tyrosin, Milchsäure usw. -Dabei erweist er sich vorwiegend als +Drüsen-+ und +Muskelgift+, -indem er eine Nekrobiose sowie fettige Degeneration namentlich -der +Leber-+, +Magendrüsen-+ und +Nierenzellen+, der Muskelfasern -des +Herzens+, der +Skelettmuskeln+, sowie des Endothels und der -Muskelfasern der +Gefässe+ hervorruft. Eigentümlicherweise bleibt -der Phosphor im Blute sehr lange unoxydiert; seine Oxydation zu -Phosphorsäure geschieht vorwiegend in den Geweben (Protoplasmagift). -Die Verfettung der Skelettmuskeln äussert sich in allgemeiner, -+lähmungsartiger Körperschwäche+ und Hinfälligkeit, die des Herzmuskels -in +Herzschwäche+, stark vermindertem Blutdrucke, schwachem, -unfühlbarem Puls und Herzschlag, Sinken der Körpertemperatur und -Herzlähmung. Die Verfettung der Leberzellen wird teils auf eine -Fettbildung in den Zellen selbst, teils auf einen Fettransport -nach der Leber, somit gleichzeitig auf Fettdegeneration und -Fettinfiltration zurückgeführt. Sie kann infolge Vergrösserung der -Zellen zu Vergrösserung der Leberdämpfung, sowie zu Gallenstauung und -+Ikterus+, einem sehr charakteristischen, aber nicht regelmässigen -Symptom der Phosphorvergiftung führen. Die kranke Leber hat ausserdem -die Fähigkeit der Glykogensynthese verloren, was sich durch Auftreten -von Zucker im Harn äussert (+Glykosurie+). Die Nierenverfettung -äussert sich klinisch durch +Albuminurie+ und +Lipurie+. Die fettige -Degeneration der Gefässmuskulatur und des Gefässendothels bedingt -eine Brüchigkeit aller Gefässe und infolgedessen +Hämorrhagien+ auf -den Schleimhäuten (Nasenbluten, blutiger Ausfluss aus der Scheide, -Hämaturie, Hämatemesis) und in die Haut. Als besondere Erscheinungen -beobachtet man endlich bisweilen bei Schweinen Aufregung und sonstige -zerebrale Erregungserscheinungen, beim Geflügel eigentümliche hüpfende -Körperbewegungen, und endlich bei Milchkühen, offenbar als eine Folge -des nekrotisierenden, verfettenden Einflusses des Phosphors auf die -Drüsenzellen, nach überstandener Vergiftung ein absolutes, bleibendes -Versiegen der Milch (+Schindelka+). - -Der +Verlauf+ der Phosphorvergiftung ist bei den Haustieren immer -+akut+. Die ersten Allgemeinerscheinungen treten, insbesondere bei -den Pflanzenfressern, wegen der +langsamen Resorption+ des Giftes -meist nicht vor Ablauf mehrerer Stunden, zuweilen erst nach mehreren -Tagen ein. Die kürzeste Krankheitsdauer beträgt 10-15 Stunden; meist -sterben die Tiere am +zweiten+ und +dritten+, häufig aber auch erst -am dritten bis fünften Tage nach der Aufnahme des Phosphors. Zuweilen -tritt der Tod ganz plötzlich infolge von Herzlähmung ein, nachdem sogar -im übrigen Befinden eine wesentliche Besserung vorausgegangen war. -Ausnahmsweise wird ein perakuter Verlauf (3-5 Stunden) beobachtet. - - =Chronische Phosphorvergiftung.= Dieselbe tritt in verschiedenen - Formen auf. 1. Als sog. +Phosphornekrose+ des Unterkiefers - und Oberkiefers wurde sie früher häufig beim Menschen in - Phosphorzündholzfabriken beobachtet. Namentlich bei Arbeitern mit - schlechten Zähnen entstand eine nekrotisierende Kieferperiostitis, - indem sich der Phosphor mit den bei jeder Eiterung entstehenden - eiweissartigen Stoffen zu stark reizenden Phosphorptomainen - verband. Experimentell wurden diese Erscheinungen auch bei - Kaninchen nach längerer Einatmung von Phosphordämpfen, sowie nach - subkutaner Injektion von Phosphoröl erzeugt (+Gelenkvereiterung+, - Korneaabszesse). 2. Die +Phosphorzirrhose+ der +Leber+ und +Niere+, - d. h. eine chronische interstitielle Hepatitis und Nephritis - mit Bildung einer Schrumpfleber und Schrumpfniere lässt sich - experimentell bei Tieren durch lange fortgesetzte Fütterung kleiner - Phosphorgaben hervorrufen. In der zirrhotischen Phosphorleber hat man - Neubildung von Gallengängen beobachtet. - -=Sektionsbefund.= Bei sehr raschem Verlauf können charakteristische -Veränderungen in den inneren Organen fast vollständig fehlen. -Der anatomische Befund ist ferner je nach der stärkeren oder -schwächeren Lokalwirkung (Aetzwirkung) des Phosphors verschieden, -indem gastroenteritische Veränderungen in einzelnen Fällen, z. B. -nach Aufnahme von Phosphoröl, nicht auftreten. Auch die ikterische -Verfärbung der Schleimhäute kann fehlen. In der Mehrzahl der -Vergiftungsfälle lässt sich jedoch ein sehr prägnanter anatomischer -Befund konstatieren. Meist findet man die +Schleimhaut+ des +Magens+ -und +Dünndarms+ (zuweilen auch die der Maulhöhle, des Schlundkopfes -und Schlundes) höher gerötet, geschwollen, von Blutungen durchsetzt, -erodiert, geschwürig verändert und zuweilen sogar umschrieben -verschorft. Die +Magendrüsen+ sind fettig-körnig degeneriert -(Gastritis glandularis). Die +Leber+ ist stark geschwollen und -vergrössert, brüchig, ikterisch, die Leberzellen sind verfettet; -gleichzeitig entsteht das Bild der Fettleber durch Einwanderung von -Fett aus anderen Fettdepots in die Leberzellen, so dass die Leberzellen -infolge der zahlreichen Fettröpfchen oft gar nicht mehr zu erkennen -sind. Die +Nieren+ sind vergrössert, das Nierenepithel verfettet. Der -+Herzmuskel+ und die +Skelettmuskeln+ sind ebenfalls verfettet und -von Hämorrhagien durchsetzt, die Schleimhäute und das Bindegewebe -ikterisch. Die Fettdegeneration der Leberzellen lässt sich schon 6-8 -Stunden, die der Nierenzellen 12 Stunden nach der Einverleibung des -Phosphors nachweisen. Viele Organe weisen +Hämorrhagien+ auf, so -namentlich die Pleura, das Perikard, das Mittelfell und Gekröse, die -Lunge, das subkutane und intermuskuläre Bindegewebe. Der Magen- und -Darminhalt zeigt im Dunkeln +Phosphoreszenz+ und fällt durch seinen -knoblauchartigen +Geruch+ auf (PH_{3}). Zuweilen beobachtet man -auch Leuchten der Leber. Nach der Einatmung von Dämpfen findet man -Laryngitis, Bronchitis, Lungenhyperämie und Lungenödem. - -=Behandlung.= Bei Schweinen, Hunden und Katzen gibt man möglichst -rasch eine Auflösung von +Kupfervitriol+ als Brechmittel (Schweinen -0,5-1,0, Hunden 0,1-0,5, Katzen 0,05-0,2). Ein zweites, ebenfalls sehr -wirksames Gegengift besteht in +altem, ozonhaltigem Terpentinöl+, -welches als Emulsion mit schleimigen Mitteln in grossen Dosen -verabreicht wird (Rindern eine einmalige Dosis von 100-250,0, Pferden -50-100,0, Schafen und Schweinen 25-50,0, Hunden 5-10,0, Katzen -und Hühnern 5 bis 10 Tropfen); man nimmt an, dass eine ungiftige -Verbindung, die terpentinphosphorige Säure entsteht. Neuere Gegenmittel -sind das +übermangansaure Kali+ (KMnO_{4}) in ⅕-⅓proz. Lösung, das -+Wasserstoffsuperoxyd+ (H_{2}O_{2}) in 1-3proz. wässeriger Lösung und -das +Kobaltnitrat+ (Co(NO_{3})_{2}), sauerstoffreiche Verbindungen, -welche den Phosphor zu ungiftiger Phosphorsäure oxydieren. Ausserdem -gibt man gegen die Lähmungserscheinungen, besonders gegen die mit -starkem Sinken des Blutdrucks verlaufende Herzschwäche +Exzitantien+ -(Aether, Kampfer, Wein, Kaffee, Tee, Koffein, Atropin, Hyoszin, -Veratrin, Strychnin). +Zu vermeiden ist die Verabreichung von fetten -Oelen und von Milch+, weil dieselben den Phosphor lösen und die -Resorption desselben befördern. - -=Nachweis der Phosphorvergiftung.= Der chemische Nachweis des Phosphors -hat entweder den Phosphor in Substanz, oder leuchtende Dämpfe, -oder den Phosphorwasserstoff zu konstatieren. Die Trennung von dem -Untersuchungsmaterial erfolgt durch +Destillation+; wegen der raschen -Oxydation des Phosphors hat die Untersuchung möglichst frühzeitig -stattzufinden. Die wichtigsten qualitativen Methoden des Nachweises -sind die von +Mitscherlich+, +Scheerer+, +Dussard+ und +Blondlot+, -sowie von +Fresenius+ und +Neubauer+. - -1. Nach +Mitscherlich+ wird das Untersuchungsmaterial nach -vorausgegangener Zerkleinerung und Zusatz einiger Tropfen Schwefelsäure -in einer geräumigen Kochflasche mit Wasser erhitzt, wobei der Phosphor -mit den Wasserdämpfen überdestilliert und mittels eines Glasrohrs in -einen Kühlapparat geleitet wird. Wenn die Flüssigkeit auf etwa 90-100° -erhitzt ist, geht der Phosphor in Form von im Dunkeln +leuchtenden -Dämpfen+ durch das eingeschaltete Glasrohr über. Mit 1 mg Phosphor -in 200000facher Verdünnung lässt sich noch ein deutliches Leuchten -erzielen. - -2. Nach +Scheerer+ lassen sich Phosphor und phosphorige Säure -durch ihre Eigenschaft, +Silbersalze zu reduzieren+, nachweisen. -Ihre Dämpfe +schwärzen+ nämlich Filtrierpapierstreifen, welche mit -+salpetersaurem Silber+ getränkt sind (Reduktion zu metallischem -Silber). Da jedoch Schwefelwasserstoff infolge der Bildung von -Schwefelsilber eine ähnliche Reaktion gibt, muss gleichzeitig eine -Probe auf etwa vorhandenen +Schwefelwasserstoff+ durch +Bleipapier+ -(mit Bleizuckerlösung getränktes Papier) vorgenommen werden. Statt -Bleipapier kann auch ein mit Arsenik oder Brechweinstein getränkter -Papierstreifen verwendet werden. Die Methode wird in der Weise -ausgeführt, dass in die mit der phosphorhaltigen Substanz gefüllte -Flasche zwei Papierstreifen, ein Silber- und ein Bleistreifen, gebracht -und durch den Stöpsel festgehalten werden. +Alleinige Schwärzung -des Silberstreifens beweist die Anwesenheit von Phosphor+; bei -gleichzeitiger Schwärzung des Bleistreifens ist die Methode, und hierin -liegt der Hauptnachteil derselben, nicht anwendbar. - -3. Nach +Dussard+ und +Blondlot+ wird der Phosphor als -+Phosphorwasserstoff+ nachgewiesen, welcher mit +grüner+ Flamme brennt. -Zu diesem Zweck versetzt man die zu untersuchende Flüssigkeit in einer -Flasche mit doppelter Oeffnung mit +Schwefelsäure+ und reinem +Zink+, -worauf sich Wasserstoff in statu nascente und Phosphorwasserstoff -entwickelt, der, durch eine Glasröhre geleitet und beim Austreten aus -derselben angezündet, mit grüner Flamme brennt. Vor dem Anzünden muss -das Gas behufs Reinigung von Schwefelwasserstoff eine U-Röhre mit -Bimssteinstücken gefüllt passieren, welche mit Kalilauge befeuchtet -sind. Da die Glasspitze durch ihren Natrongehalt eine gelbe Flamme -erzeugt, wodurch die grüne Flamme des Phosphorwasserstoffs verdeckt -wird, muss am Ende des Glasrohres eine Platinspitze befestigt werden. - -4. Nach +Fresenius+ und +Neubauer+ wird die zu untersuchende -Substanz in einer Kohlensäureatmosphäre der Destillation unterworfen -(+Mitscherlich+). Hierbei kann schon durch das Leuchten im Dunkeln der -Nachweis des Phosphors geliefert werden. Das Destillat wird dann mit -einer Lösung von salpetersaurem Silber versetzt (+Scheerer+), auch wenn -kein Leuchten zu sehen war. Der Niederschlag von Phosphorsilber wird -gesammelt und in den Wasserstoffapparat gebracht (+Dussard-Blondlot+), -hierauf der gebildete Phosphorwasserstoff angezündet und an seiner -grünen Flamme erkannt. Diese Methode, welche die sämtlichen übrigen -miteinander kombiniert, ist als die beste zu bezeichnen, weil sie -selbst kleinste Mengen von Phosphor nachweist und auch in solchen -Fällen Resultate gibt, in welchen die Methode von +Mitscherlich+ -versagt. Ausserdem eignet sich die Methode auch zur +quantitativen+ -Analyse; hierbei wird der in der Silberlösung befindliche Niederschlag -von Phosphorsilber durch Königswasser oxydiert und die entstandene -Phosphorsäure durch Zusatz von Magnesialösung als +pyrophosphorsaure -Magnesia+ ausgefällt, gewogen und auf Phosphor (100 : 28) berechnet. - - =Kasuistik.= Ein Pferd, welches von einer als Rattengift - aufgestellten Phosphorlatwerge 2 g Phosphor gefressen hatte, zeigte - erst nach 3½ Tagen Krankheitserscheinungen, welche in Kolik, - Speicheln, Verdrehen der Augen und Zuckungen bestanden; schliesslich - stürzte es zusammen und starb nach 3 Stunden (+Haubner+, Sächs. - Jahresber. 1860). -- Ein rotziges Pferd erhielt 6 Dosen von 0,5 - Phosphor in Leinöl innerhalb 3 Tagen; es starb, ohne sichtbare - Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben, plötzlich am 4. Tage - (+Lowag+, Magazin 1860). -- 16 Ferkel erkrankten gleichzeitig an - Phosphorvergiftung; dieselben wurden matt und elend, 10 davon lagen - hilflos und steif im Stalle, waren unfähig aufzustehen, und zeigten - in regelmässigen Intervallen Zuckungen am Unterkiefer. Die 6 anderen - liefen wie berauscht im Stalle umher und schrien bei jeder Berührung. - Sämtliche Tiere verendeten; eines am 2. Tage, sechs am 3. Tage, die - anderen neun am 10. bis 12. Tage. Bei der Sektion fand man auf der - Magenschleimhaut eine scharf begrenzte, zehnpfennigstückgrosse Stelle - dunkelbraunrot gefärbt und mit einem trockenen, ziemlich festen - Schorf bedeckt (+Hodurek+, Oesterr. Vereinsmonatsschrift 1885). - -- Ein Pferd, welches infolge des Einatmens von Phosphordämpfen - gestorben war, zeigte bei der Sektion die Erscheinungen des akuten - Lungenödems, sowie fettig-körnige Entartung des Herzmuskels - (+Csokor+, Oesterr. Vierteljahrsschrift 1885). -- Eine Schafherde - erkrankte an Phosphorvergiftung nach dem Weiden auf einem Kleefelde, - auf welchem zur Vertilgung der Mäuse Stücke von Mohrrüben mit - Phosphorlatwerge bestrichen in die Mäuselöcher gelegt worden - waren. 35 Schafe starben am 2-5. Tage darauf (+Schöngen+, Mitt. - a. d. tierärztlichen Praxis in Preussen, Bd. 14). -- Hunde und - Schweine starben nach Gaben von 0,03-0,09 Phosphor innerhalb 2-5 - Tagen; dieselben waren traurig, matt, ohne Appetit, einzelne - zeigten Erbrechen, Unruhe und Winseln. Hühner und Enten starben - nach der Aufnahme von 7½ mg Phosphor, ohne andere Erscheinungen - als Traurigkeit zu zeigen (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- - Phosphorvergiftung beim Rind wurde einmal bei einem zur Sektion - eingelieferten Rinde festgestellt, das plötzlich beim Austrieb auf - die Weide zusammengebrochen und verendet war, nachdem es vorher - noch gesund und munter seine Mittagsmahlzeit im Stalle verzehrt - hatte. Neben deutlicher, aber mässiger Magendarmentzündung fand sich - beginnende Leberverfettung. Durch Anwendung der Mitscherlichschen - Probe, der eine kleine Menge Panseninhalt unterworfen wurde, - konnten eine Stunde lang andauernde, ganz intensiv leuchtende - Phosphordämpfe hervorgerufen werden. Hiernach muss die Menge des - Giftes sehr gross gewesen sein und dies erklärt den höchst akuten - Verlauf. Der Besitzer hatte zu fraglicher Zeit Phosphorlatwerge - zur Vergiftung von Mäusen aufgestellt und ist jedenfalls das Tier - durch Zufall direkt über einen Topf mit Latwerge geraten (+Walther+, - Sächs. Jahresber. pro 1895). -- Ein Pferd, welches phosphorhaltiges - Rattengift (Brotscheiben) gefressen hatte, wurde morgens gelähmt - am Boden liegend gefunden. In kurzen Zwischenräumen traten Krämpfe - und krampfartige Bewegungen des gelähmten Unterkiefers ein. Die - Zunge hing gelähmt aus dem Maul heraus. Die Pupillen waren ad - maximum erweitert, die Kopfschleimhäute zyanotisch. Ausserdem wurden - periodisch auftretende Brechbewegungen beobachtet. Nach dreistündiger - Krankheitsdauer starb das Pferd (+Müller+, Sächs. Vet.-Ber. pro - 1900). -- Hühner hatten von Phosphorpaste (Rattengift) gefressen - und starben nach vorausgegangener Abmagerung und Hinfälligkeit - schlagartig, indem sie tot von der Sitzstange fielen oder im Laufen - begriffen plötzlich starben; die Sektion ergab fettige Degeneration - des Herzens und der Leber, sowie tief ziegelrote Färbung der - Eingeweide (+Graham-Gillam+, Journ. of comp., Bd. XV). -- Ein Hund - hatte auf unerklärte Weise Phosphor zu sich genommen; dem Geruche - nach zu urteilen, war die aufgenommene Menge ziemlich gross. Das - Tier zeigte Mattigkeit und Erbrechen; die ausgebrochenen Massen - waren stark schleimig und rochen deutlich nach Phosphor. Das Tier - erhielt Cupr. sulfuric. 1,0, Aqu. destill. 50,0 viertelstündlich 1 - Esslöffel. Das Erbrechen hielt noch ca. 1½ Stunden an, es liessen - jedoch die Vergiftungserscheinungen nach ca. ½ Tag allmählich nach, - und nach Verlauf von 2 Tagen war das Tier wieder wohl und munter - (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1902). -- Hühner, welche Phosphorlatwerge - gefressen hatten, zeigten ein Krankheitsbild, das den Verdacht der - Hühnercholera erweckte, andere Hühner zeigten Taumeln, Durchfall - und Koma (+Hocke+, +Träger+, Jahresb. d. preuss. Tierärzte - 1904). -- Nach der Aufnahme von verschlepptem Rattengift starb - ein Schwein an blutiger Magendarmentzündung, desgleichen zeigten - 48 Hühner Durchfall und Leberschwellung (+Dosse+, +Schaumkell+, - ibid.). -- 3 Pferde starben, wahrscheinlich infolge Aufnahme von - Rattengift, nach vorausgegangenen Kolikerscheinungen. Die Sektion - ergab korrosive Schlundentzündung, fleckige Rötung der Magen- und - Darmschleimhaut, sowie Schwellung und braungelbe Farbe der Leber - (+Keller+, ibid. 1907). -- Einem 10 kg schweren Versuchshunde gab - ich vormittags 11 Uhr 0,1 Phosphor in 50,0 Lebertran ein. 2 Stunden - nach der Verabreichung zeigte sich derselbe traurig und erbrach von - Zeit zu Zeit schleimige Massen. Das Abendfutter wurde mit Appetit - aufgenommen. Der Puls war um diese Zeit etwas beschleunigt und - deutlich schwächer geworden. Am andern Morgen war die Futteraufnahme - ebenfalls noch eine gute. Das Tier zeigte jedoch allgemeine - Mattigkeit und Traurigkeit, die Atmung war sehr angestrengt, der Puls - äusserst schwach, die Schleimhäute anämisch, schmutzig grau gefärbt. - Gegen Mittag wurde der Gang schwankend und taumelnd, die Psyche - stark eingenommen, der Puls sank von 72 auf 56 Schläge p. M., die - Temperatur von 38,0 auf 37,5° C. Die Atmungsbeschwerden steigerten - sich gegen Mittag, das Tier konnte sich nicht mehr vom Boden erheben, - der Puls wurde unfühlbar, es trat heftiges Erbrechen, Stöhnen, - Umsehen nach dem Leibe ein. 28 Stunden nach der Verabreichung des - Phosphors starb das Tier unter komatösen Erscheinungen, nachdem eine - halbe Stunde vor dem Tode krampfartige Zuckungen der Halsmuskulatur - vorausgegangen waren. Die +Sektion+ ergab: hämorrhagische - Gastroenteritis und Nephritis, parenchymatöse Hepatitis und - Lungenödem, ausserdem partiellen Leberikterus. Mikroskopisch - zeigte sich Fettdegeneration der Leber- und Nierenzellen, sowie - ausgesprochene körnige Trübung der Muskelfasern des Herzens neben - beginnender Trübung der Skelettmuskulatur. - - -Arsenikvergiftung. - - =Chemie der Arsenverbindungen.= Das Metall Arsen kommt in der Natur - in grosser Verbreitung teils in reinem Zustand, teils an Sauerstoff, - Schwefel und an Metalle gebunden vor. Das reine Arsenmetall (As) - findet sich gediegen kristallisiert oder in nierenförmigen traubigen - Massen als +Scherbenkobalt+ oder +Fliegenstein+. Die wichtigsten - Schwefelverbindungen sind das +Realgar+ (As_{2}S_{2}) und das - +Auripigment+, Operment oder +Rauschgold+ (As_{2}S_{3}). Mit - Sauerstoff zusammen kommt Arsen in der Natur vor als +Arsenblüte+ - (As_{2}O_{3}). Metallverbindungen (Arsenerze) sind der +Arsenkies+ - oder +Misspickel+ (AsFeS und AsFe_{2}S_{2}), der +Speisskobalt+ - (As_{2}Co), +Glanzkobalt+ (AsCoS), +Kupfernickel+ (AsNi), - +Kupfernickelglanz+ (AsNi_{2}S_{2}), das +Weissnickelerz+ (As_{2}Ni). - Ausserdem kommen kleinere Mengen von Arsenmetall in den meisten - Mineralerzen vor, so in den Eisenerzen, Silbererzen, Kupferkiesen, im - Bleiglanz, in der Zinkblende, in den Antimonerzen etc. - - Der =Arsenik= (weisser Arsenik, arsenige Säure, As_{2}O_{3}) findet - sich in der Natur in kleinen Mengen als Ueberzug auf arsenhaltigen - Erzen; sog. +Arsenblüte+. Gewöhnlich wird er aber hüttenmännisch - durch Oxydation der Arsenerze dargestellt. Er kann z. B. durch - Rösten (Oxydation) des Arsenkieses gewonnen werden. Meist wird er - jedoch als +Nebenprodukt+ beim Rösten anderer arsenhaltiger Erze, - so namentlich von Silbererzen, Kupfererzen, Bleierzen, Zinnerzen, - Kobalterzen erhalten. Beim Erhitzen dieser Erze an der Luft (Rösten) - wird das Metall Arsen zu arseniger Säure (As_{2}O_{3}) oxydiert, - wobei letztere als weisser Rauch (+Hüttenrauch+) in Verbindung - mit anderen flüchtigen Stoffen sich verflüchtigt. Wird dieser - Hüttenrauch in sog. Giftkammern aufgefangen, so schlägt sich dort - der Arsenik als feuchtes Pulver, sog. Giftmehl nieder, welches durch - Sublimieren gereinigt und in eine glasartige Masse umgeschmolzen - wird. Der Arsenik ist teils amorph, teils kristallinisch, beide - +Modifikationen+ gehen leicht ineinander über; während der frisch - sublimierte Arsenik eine farblose oder schwach gelbliche, amorphe - Glasmasse darstellt, trübt sich der ältere mit der Zeit und - bildet eine trübe porzellanartige, kristallinische Masse. Beide - Modifikationen besitzen eine +verschiedene Löslichkeit+ in Wasser; - der kristallinische Arsenik löst sich 1 : 80, der amorphe dagegen - schon 1 : 25 in kaltem Wasser. Da nun die Präparate des Handels - inkonstante Gemenge von kristallinischem und amorphem Arsenik - darstellen, lässt sich eine genaue Löslichkeitsziffer für dieselben - nicht angeben. In der Technik benützt man namentlich die Arsensäure - und das arsenigsaure Kupfer. Offiziell ist eine 1proz. Arseniklösung - in Pottasche = Liquor Kalii arsenicosi. - - Für die Toxikologie sind die nachstehenden +Eigenschaften+ des - Arseniks von Bedeutung. Beim Erhitzen auf Kohle verbrennt der Arsenik - unter Reduktion zu Arsen mit Knoblauchgeruch. Erhitzt man Arsenik in - einem Glasrohr neben Kohle, so schlägt sich das metallische Arsen - in Form eines sog. Arsenspiegels als grauschwarzer Belag innen am - Glase nieder. Das Arsen wird ferner als grauschwarzes Pulver aus - sauren Lösungen durch Zinn ausgefällt. Schwefelwasserstoff fällt - aus salzsauren Lösungen gelbes Schwefelarsen. Mit Alkalien bildet - der Arsenik in Wasser lösliche Arsenite (arsenigsaure Salze), z. B. - mit Pottasche arsenigsaures Kalium (AsO_{3}K_{3}); dagegen bildet - er mit Metallsalzen, namentlich mit Eisenoxydulsalzen, in Wasser - unlösliche und daher ungiftige Arsenite (arsenigsaures Eisen; vergl. - das Antidotum Arsenici). - - Der =Arsenwasserstoff=, AsH_{3}, unterscheidet sich in seiner - Giftwirkung ganz wesentlich vom Arsenik (vergl. S. 70). - -=Aetiologie der Arsenikvergiftung.= Die Ursachen der bei den Haustieren -ziemlich häufigen Arsenikvergiftungen sind mannigfaltiger Natur. Wie -beim Phosphor gibt ausgelegtes +Rattengift+ in Form von arsenikhaltigen -Brotkugeln oder Arsenikpasten Veranlassung zu Vergiftungen, namentlich -in Viehstallungen. Sodann kommen Vergiftungen teils aus +Zufall+ -und +Versehen+, teils aus +böswilliger Absicht+ zustande. 15 Pferde -erhielten z. B. aus Versehen je 80 Gramm Arsenik; Hühner starben, -als sie nach dem Ausklopfen von Renntierfellen den eingestreuten -Arsenik aufnahmen; Schweine krepierten, als sie arsenikhaltige -Badeflüssigkeit tranken. Am häufigsten geben +Arsenikbäder+ bei Schafen -Veranlassung zu Vergiftungen, wenn dieselben zu frühzeitig nach der -Schur angewendet werden. Auch +Arsenikwaschungen+ bei +Pferden+ haben -oft Vergiftungen zur Folge, wenn pro Pferd mehr als 500 Gramm einer -1proz. Lösung (= 5 Gramm Arsenik) verwendet werden. Namentlich in -der Provinz Schleswig-Holstein und in den Marschländern der Provinz -Hannover sind von alten Zeiten her 2malige Arsenikwaschungen pro Jahr -bei den grösseren Haustieren gegen Läuse und sonstiges Ungeziefer im -Gebrauch. Meist wird folgende Mischung genommen: 5 Liter Wasser mit 15 -Gramm Arsenik werden reichlich mit Pottasche versetzt; diese Menge der -⅓prozentigen Arseniklösung ist für ein Pferd oder Rind berechnet. Trotz -der starken Verdünnung sind Vergiftungen sehr häufig. Gefährlich sind -die Waschungen insbesondere dann, wenn zufällig Hautwunden vorliegen, -wenn die Lösungen warm oder bei stark erhitzten Tieren oder in sehr -warmen Ställen zur Anwendung gelangen. Auch durch die +vorausgehende -Anwendung von konzentrierten Karbollösungen+, wodurch die Haut -angeätzt und ihr Resorptionsvermögen erhöht wird, sind mehrmals -Arsenikvergiftungen beim Behandeln räudiger Pferde beobachtet worden. - -Eine sehr grosse Bedeutung, insbesondere für die chronische -Arsenikvergiftung, besass namentlich früher der +Hüttenrauch+. -Bekannt ist in dieser Hinsicht die als chronische Arsenikvergiftung -aufzufassende sog. Hüttenkrankheit unter dem Viehbestand im Bereiche -der Freiberger Hütten in Sachsen. Der Hüttenrauch daselbst enthielt -neben schwefliger Säure und geringen Mengen von Bleioxyd und Zinkoxyd -grössere Mengen von Arsenik, welcher als Flugstaub die gesamte Flora -der Umgebung überzog und mit dem Futter aufgenommen wurde, was unter -dem dortigen Viehbestand eine gewissermassen enzootische, die Viehzucht -jener Gegend schwer schädigende chronische Arsenikvergiftung zur -Folge hatte. Weitere Vergiftungen ereignen sich durch +arsenikhaltige -Farben+. Unter denselben sind zu nennen das +Scheelesche Grün+ -(arsenigsaures Kupfer, Mineralgrün, Smaragdgrün) von der Formel Cu_{3} -(AsO_{3})_{2}, und das +Schweinfurter Grün+ (Wiener Grün, Mitisgrün), -eine Verbindung von arsenigsaurem und essigsaurem Kupfer. Auch -+arsenhaltige Anilinfarben+ können Vergiftungen veranlassen. Diese -Farbenvergiftungen ereigneten sich früher, als die +grünen Tapeten+ -die oben genannten Farbstoffe enthielten, häufiger als in der neueren -Zeit; sie kamen z. B. bei Kühen vor, wenn die alten abgerissenen -Tapeten auf den Dünger geworfen oder als Streumaterial verwendet und -von den Tieren gefressen wurden. Neuerdings sind durch die Anwendung -von Schweinfurter Grün gegen den Coloradokäfer in Amerika zahlreiche -Vergiftungen bei Haustieren vorgekommen. Seltener sind die Vergiftungen -durch die übrigen Arsenverbindungen, wie +Kobalt+ (als sog. schwarzer -Schwefel von Pferdehändlern und Stallknechten zur Aufbesserung der -Ernährung verabreicht) und +Operment+. Ebenfalls nicht sehr zahlreich -sind die Fälle, in welchen säugende Tiere durch die arsenikhaltige -Milch der +Muttertiere+ vergiftet wurden. Ein 14 Tage altes Fohlen -erkrankte z. B. 12 Stunden nach der Aufnahme von Arsenik durch die -Mutterstute und starb 1½ Stunden darauf, während das Muttertier die -ersten Krankheitserscheinungen erst einige Stunden nach dem Tode -des Fohlens zeigte (+Huxel+, Berl. Archiv 1886). In gleicher Weise -sah +Hertwig+ nach der Verabreichung von Milch einer Ziege, welche -innerhalb zwei Tagen 3 Gramm Arsenik erhalten hatte, bei zwei Hunden -starkes Erbrechen. Endlich sind manche +Arzneimittel+ arsenikhaltig -(Brechweinstein, Spiessglanz, Goldschwefel). - -Eine weitere Ursache der Arsenikvergiftungen ist endlich in -+fehlerhafter Dosierung+ seitens des behandelnden Tierarztes zu suchen. -Eine solche kann entweder bei der innerlichen Anwendung des Arseniks -als Wurmmittel und Plastikum, oder bei der chirurgischen Applikation -desselben als Aetzmittel vorkommen. Auffallenderweise differieren -die Angaben der einzelnen Beobachter über die Höhe der tödlichen -Arsenikdosis sehr bedeutend. So wird von +Gohier+ berichtet, dass -Pferde selbst nach einer Gabe von 30 Gramm Arsenik gesund blieben, -während andere (+Walch+) schon nach 3 Gramm Arsenik Pferde sterben -sahen. In ähnlicher Weise sollen Rinder und Schafe das eine Mal Gaben -von 30 Gramm Arsenik und darüber gut ertragen haben, während sie ein -anderes Mal nach 5 Gramm starben. Die Erklärung dieser abweichenden -Angaben ist in verschiedenen Umständen zu suchen. Zunächst wirkt der -Arsenik von der Haut, das heisst von Wunden aus, etwa 10mal stärker -als vom Magen aus. Es sind ferner alle Arseniklösungen, namentlich -die Lösungen in Säuren und Alkalien (Arsenikessig, Liquor Kalii -arsenicosi), wegen der leichten Resorptionsfähigkeit giftiger als -der Arsenik in Substanz. Ebenso ist gepulverter Arsenik leichter -resorbierbar und daher wirksamer als Arsenik in Stücken; während -letztere mehr eine lokale, ätzende Wirkung besitzen, bedingen der -gepulverte und gelöste Arsenik sehr rasch eine Allgemeinvergiftung. -Weiter kommt in Betracht, dass die im Handel befindlichen -Arsenikpräparate eine sehr verschiedene Löslichkeit besitzen und -ausserdem nicht selten mit ungiftigen Stoffen (Gips) verunreinigt -sind. Schliesslich ist, wie bei allen Giften, der Füllungszustand des -Magens und Darmes in Betracht zu ziehen; damit hängt auch die Tatsache -zusammen, dass die Wiederkäuer im allgemeinen wegen der Verteilung -des Arseniks in den grossen Futtermassen des Pansens gegen denselben -widerstandsfähiger sind, als Fleischfresser und Pferde. Im Durchschnitt -beträgt die +tödliche Arsenikdosis+ - - bei +innerlicher+ Verabreichung von +Wunden+ aus - - für Rinder 15-30,0 2,0 - „ Pferde 10-15,0 2,0 - „ Schafe und Ziegen 10-15,0 0,2 - „ Schweine 0,5- 1,0 0,2 - „ Hunde 0,1- 0,2 0,02 - „ Hühner 0,1- 0,15 0,01 - „ Tauben 0,05- 0,1 0,005 - -=Krankheitsbild der Arsenikvergiftung.= Die einzelnen Fälle von -Arsenikvergiftung zeigen nach Symptomen und Verlauf grosse -Verschiedenheiten. Während bei Aufnahme des Arseniks per os zuerst -gastrische und dann allgemeine Erscheinungen auftreten, fehlen erstere -zuweilen, aber nicht immer, bei epidermatischer Anwendung des Giftes. -Es ist ferner ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Krankheitsbild -der akuten und dem der chronischen Arsenikvergiftung. Im übrigen haben -die Symptome der Arsenikvergiftung grosse Aehnlichkeit mit denjenigen -der Phosphorvergiftung; auch der Arsenik wirkt örtlich reizend und -ätzend und ruft nach seiner Resorption Nekrobiose und Verfettung der -wichtigsten Körperdrüsen, des Herzmuskels und der Skelettmuskeln hervor. - -1. +Symptome der akuten Arsenikvergiftung.+ Die ersten -Krankheitserscheinungen nach der Aufnahme des Arseniks bestehen in -+Erbrechen+, Speicheln, Würgen, +Kolik+, Verstopfung; später kommt ein -hochgradiger, übelriechender, häufig blutiger +Durchfall+, zuweilen -auch Blutharnen hinzu. Dabei sind die Tiere oft aufgeregt und in -Angst, die Schleimhäute sind hochrot und zuweilen gelbbraun gefärbt. -Bei subakutem Verlauf beobachtet man ferner bei manchen Rindern -und Schafen eine phlegmonöse, schmerzhafte Anschwellung hinter dem -Schaufelknorpel des Brustbeins mit Abszedierung und Bildung einer -+Labmagenfistel+ oder +Vorfall+ des +Labmagens+ (seltener der Haube), -wenn nämlich ein Stückchen Arsenik die Labmagenwandung durchgeätzt und -eine Perforation herbeigeführt hat. Die Allgemeinerscheinungen äussern -sich in einer +lähmungsartigen Schwäche+ der gesamten Körpermuskulatur, -in Schwanken, Taumeln, psychischer Depression, Pupillenerweiterung, -sowie in +Herzschwäche+ (sehr frequenter, schwacher und selbst -unfühlbarer Puls, Kälte der extremitalen Teile, abgeschwächter oder -unfühlbarer Herzschlag). Meist ist auch die Atmung sehr beschleunigt -und angestrengt. Der Tod erfolgt in den sehr seltenen perakuten Fällen -schon innerhalb weniger Stunden (Asphyxia arsenicalis), bei langsamerem -Verlauf in einigen Tagen unter den Erscheinungen eines +allgemeinen -Komas+. -- Bei äusserlicher Anwendung des Arseniks findet man lokal -die Erscheinungen der Entzündung und Verschorfung; innerlich treten -bald nur die Erscheinungen der Lähmung, bald jedoch auch heftige -gastroenteritische Symptome auf. - -2. +Symptome der chronischen Arsenikvergiftung.+ Dieselbe kommt als -sog. „+Hüttenrauchkrankheit+“ im Bereich der Freiberger Hüttenwerke -vor und verläuft unter dem Bild einer +chronischen Kachexie+. Die -Rinder gehen in der Ernährung zurück, werden auffallend mager, zeigen -das Bild der +Harthäutigkeit+ und des +chronischen Ekzems+ (starke -Hautabschuppung), +chronischen Husten+ und +anhaltende Durchfälle+, -leiden an Störungen im +Sexualsystem+ (Abortus, Sterilität, -Nichtabgang der Nachgeburt, Uteruskrankheiten, Milchmangel) und gehen -schliesslich infolge einer allmählich zunehmenden +lähmungsartigen -Schwäche+ (Arseniklähmung, Tabes arsenicalis), zuweilen auch unter den -Erscheinungen der +allgemeinen Wassersucht+, zugrunde. Die Dauer dieser -Krankheitserscheinungen kann einige Jahre betragen. - - =Arseniklähmung (Paralysis arsenicalis).= Sie kommt vereinzelt bei - akuter, meist jedoch bei +chronischer+ Arsenikvergiftung vor. Beim - Menschen geht gewöhnlich eine Anästhesia dolorosa arsenicalis voraus. - Die Arseniklähmung kann motorisch oder sensibel auftreten, und auch - als Hemiplegie, Hemianästhesie, Amaurosis, Lähmung der Stimmbänder, - Anaphrodisie etc. verlaufen. Meist führt sie zu Muskelatrophie und - Kontrakturen. Zuweilen entwickelt sich die Arseniklähmung aus einer - multiplen Neuritis. Auch bei Tieren lässt sich experimentell eine der - Arsenikparalyse des Menschen ähnliche Lähmung erzeugen, welche mit - gleichzeitiger Atrophie der Hinterbeine verläuft; bei der Sektion - findet man die Muskeln und peripheren Nerven atrophisch, erstere - unter dem Bilde der Koagulationsnekrose (+Alexander+). Auch in der - grauen Substanz des Rückenmarks hat man degenerative Veränderungen - nachgewiesen. - -=Sektionsbefund.= Die anatomischen Veränderungen bei der +akuten -Arsenikvergiftung+ bestehen in Rötung, Schwellung, Ekchymosierung -und +Anätzung+ der +Magenschleimhaut+. Bei Rindern beobachtet man -zuweilen Verätzungen der Labmagenschleimhaut mit Geschwürsbildung -und Perforation des Pansens, des Labmagens und der Bauchwand. -Charakteristische Allgemeinveränderungen sind die +fettige -Degeneration+ der +Magendrüsen+ (Gastritis glandularis), die -+Verfettung+ der +Leber+, +Nieren+, des +Herzmuskels+ und anderer -Organe. Mitunter beobachtet man bei Arsenikkadavern Mumifikation. Bei -der +chronischen Arsenikvergiftung+ findet man ältere +Geschwüre+ -und +Narbenbildung+ im Labmagen und Dünndarm, Geschwüre auf der -Trachealschleimhaut, starke Abmagerung, allgemeine Hydrämie und endlich -als sekundäre Erscheinung +Lungentuberkulose+ (tuberkulöse käsige -Pneumonie). - -=Behandlung.= Das älteste Gegengift des Arseniks ist das sog. -+Antidotum Arsenici+. Es besteht aus einer Auflösung von -+Eisenoxydhydrat+ in Wasser (Ferrum hydricum in aqua) und soll -dadurch wirken, dass es mit dem Arsenik einen schwerlöslichen und -daher ungiftigen Niederschlag von basisch arsenigsaurem Eisenoxyd -bildet(?). Es wird frisch dargestellt aus einer wässerigen Lösung -von Liquor Ferri sulfurici oxydati (100 : 250) mit einer Mischung -von Magnesia usta in Wasser (15 : 250). Die Dosis beträgt für Hunde -viertelstündlich einen Esslöffel, für Pferde und Rinder ¼-1 l. Auch -gewöhnliches +Eisenpulver+, Eisenfeile, Hammerschlag, das Löschwasser -der Schmiede und andere Eisenpräparate, wie z. B. +Ferrum oxydatum -saccharatum+, sind als Gegenmittel zu gebrauchen. Ein wirksameres -chemisches Antidot ist die +gebrannte+ und die +kohlensaure Magnesia+ -(Bildung unlöslicher arsenigsaurer Magnesia). Man gibt von Magnesia -usta Hunden viertelstündlich ½-1 g, Pferden und Rindern 10-20 g, -mit der 20fachen Menge Wasser zusammen (sog. Magnesiahydrat). Auch -+Schwefel+, +Schwefelleber+ und +Schwefeleisen+ kann als Gegenmittel -gegeben werden (Bildung von Schwefelarsen). Als einhüllende Mittel -verabreicht man Eiweiss und Schleim. Gegen die Lähmungszustände werden -Exzitantien (Aether, Alkohol, Wein, Atropin, kohlensaures Ammonium, -Koffein) angewandt. Alkalien sind wegen der Beförderung der Resorption -zu vermeiden (Bildung leicht löslicher arsenigsaurer Alkalien). - - =Arsenwasserstoff.= Der Arsenwasserstoff, AsH_{3}, besitzt eine - vom Arsenik ganz wesentlich verschiedene Giftwirkung. Er ist eines - der stärksten +Blutgifte+, welches die roten Blutkörperchen sehr - rasch auflöst und Hämoglobinämie erzeugt. Schon wenige Milligramm - töten den Menschen (Darstellung von Wasserstoff aus arsenhaltigem - Zink); über 30 Vergiftungsfälle beim Menschen sind nach +Kobert+ - bekannt geworden. Bei der Sektion findet man Ikterus, Schwellung der - Milz und Leber sowie Hämoglobin-Infarkte der Niere; der Harn ist - dunkelrot (+Hämoglobinurie+), häufig besteht Strangurie und Anurie. - Der Gallefarbstoffgehalt der Galle ist um das 10-20fache vermehrt - (+Pleiochromie+); die Galle ist teerartig, zähflüssig. Besonders - empfindlich gegen AsH_{3} zeigten sich bei den Versuchen Katzen. Das - einzige Gegenmittel bildet die Kochsalzinfusion. Aehnlich wie AsH_{3} - scheint SbH_{3}, der Antimonwasserstoff, zu wirken; dagegen zeigt der - Phosphorwasserstoff, PH_{3}, eine reine Phosphorwirkung (vgl. S. 56). - -=Nachweis.= Werden bei der Sektion kleinere Stücke von Arsenik im Magen -oder Darm vorgefunden, so genügen zum Nachweis des Arseniks einige -+allgemeine Arsenikreaktionen+. Soll dagegen der Arsenik in den Organen -(Leber, Nieren, Blut, Muskeln) nachgewiesen werden, so ist hierzu -zunächst die Zerstörung der organischen Substanz erforderlich, worauf -die spezielle Untersuchung im +Marshschen Apparat+ folgt. - -1. +Allgemeine Arsenikreaktionen.+ Die wichtigsten derselben sind -folgende: a) Auf +glühenden Kohlen+ entwickeln Arsenikstücke -Arsendämpfe, welche nach +Knoblauch+ riechen. b) Mit +essigsaurem Kali+ -in einem Röhrchen erhitzt entwickelt der Arsenik den charakteristischen -Geruch nach +Kakodyl+. c) +Salpetersaures Silberoxyd+ gibt in der -Lösung der arsenigsauren Alkalien einen +gelben+ Niederschlag von -arsenigsaurem Silberoxyd (statt Höllenstein kann auch Sublimat -genommen werden). d) +Schwefelsaures Kupferoxyd+ gibt in der genau -mit Ammoniak neutralisierten wässerigen Lösung des Arseniks einen -+hellgrünen+ Niederschlag von arsenigsaurem Kupfer (Scheeles Grün), -welcher sich in überschüssigem Ammoniak mit dunkelblauer Farbe löst. -e) +Schwefelwasserstoff+ gibt mit freier arseniger Säure und ihren -mit Salzsäure angesäuerten Alkalisalzen einen +gelben Niederschlag+ -von dreifach Schwefelarsen (As_{2}S_{3}), welcher in Schwefelammonium -und Alkalien löslich ist. f) Eine Lösung von +Zinnchlorür+ (S = -1,45) zerlegt den Arsenik zu +schwarzbraunem+, metallischem Arsen -(schwarzbraune Flocken). g) Ein +blankes Kupferblech+ überzieht sich -in der mit Salzsäure versetzten Lösung der arsenigen Säure mit einem -+grauweissen+ Beschlag (Arsen-Kupferlegierung). Dieser Beschlag tritt -auch bei Quecksilber und Antimon auf, weshalb diese Reaktion für sich -+allein+ zum Nachweis des Arsens nicht genügt. - -2. +Der Nachweis des Arseniks im Marshschen Apparate.+ Demselben geht -die Trennung des Arsenmetalls von den organischen Beimengungen voraus. -Diese Trennung geschieht durch Zerstören der letzteren mit +Salzsäure+ -und +Kali chloricum+ (Chlor) oder durch Verpuffen mit +Salpeter+. -Die letztere Zerstörungsmethode ist anzuwenden, wenn die organischen -Massen durch Chlor schwer zu zerstören sind (grosse Körpermassen, -Knorpel, Knochen, Sehnen); aus dem Verpuffungsrückstande müssen vor -der Fällung mit Schwefelwasserstoff die Nitrate und Nitrite durch -Erhitzen mit überschüssiger Schwefelsäure entfernt werden. Hierauf -wird der Rückstand mit dem 10fachen Volum destillierten Wassers gelöst -und in der beschriebenen Weise mit Schwefelwasserstoff behandelt, -wonach ein +gelber+ (blassgelber bis zitronengelber) Niederschlag von -+Schwefelarsen+ (As_{2}S_{3} + As_{2}S_{5}) entsteht. +Der Niederschlag -von Schwefelarsen muss zur weiteren Untersuchung im Marshschen Apparate -vorher wieder löslich gemacht werden+ (Umwandlung des Schwefelarsens -in Arsenik oder Arsensäure). Dies geschieht +entweder+ dadurch, -dass man ihn in Aetzammoniak löst, mit gleichen Teilen kohlensaurem -Natron und dem doppelten Gewichte Natronsalpeter mischt, trocknet, -im Porzellantiegel verpufft; +oder+ durch wiederholtes Abdampfen -mit stärkster Salpetersäure bis zum Zurückbleiben eines hellgelben -Niederschlages, welcher mit Aetznatron neutralisiert, mit kohlensaurem -Natron und Natronsalpeter gemengt und dann verpufft wird; +oder+ durch -Auflösen in Aetzammoniak, Neutralisieren mit Schwefelsäure, Uebersäuern -und Erhitzen unter Zusatz von einigen Zentigramm gepulverten -Natronsalpeters; +oder+ durch Auflösen mit Brom und nachheriges -Entfernen des überschüssigen Broms durch leichtes Erwärmen. - -Sodann erfolgt die eigentliche Untersuchung des in Lösung (As_{2}O_{3}, -As_{2}O_{5}) übergeführten Arsenniederschlags im +Marsh+schen -+Apparate+. Derselbe +reduziert+ zunächst die Oxyde des Arsens durch -+Wasserstoff+ unter Bildung von +Arsenwasserstoff+ und zerlegt -dann den Arsenwasserstoff durch +Glühen in metallisches Arsen+, -welches als sog. „+Arsenspiegel+“ sich am Glasrohr niederschlägt. -+Metallisches Arsen oder Schwefelarsen werden im Marshschen Apparate -nicht zu Arsenwasserstoff umgewandelt, können also in demselben nicht -untersucht werden.+ Der Arsenwasserstoff kann auch +angezündet+ werden, -wobei er zu Arsen und Wasser verbrennt; das +Arsenmetall+ schlägt -sich dann an einer in die Flamme gehaltenen +Porzellanplatte+ als -+Beschlag+ nieder. Das Verfahren ist im einzelnen folgendes: In eine -geräumige, nur bis zu einem Drittel zu füllende, mit einem doppelt -durchbohrten Korke oder mit mehreren Oeffnungen versehene Flasche -wird der gelöste Arsenniederschlag mit chemisch reinem Zink und -verdünnter +Schwefelsäure+ (1 : 8) versetzt. Durch die eine Oeffnung -des Korks wird ein bis zum Boden der Flasche gehendes +Trichterrohr+ -zum Nachfüllen der Säure eingebracht; die andere Oeffnung enthält ein -kreisförmig gebogenes Rohr, durch welches der Arsenwasserstoff in ein -mit +Chlorkalzium+ (Entwässerung des Arsenwasserstoffs) gefülltes -Glasrohr geleitet wird. Von hier tritt der Arsenwasserstoff dann in -das zum +Erhitzen+ bestimmte ½-¾ m lange, arsen- und bleifreie, 5-7 mm -weite und 1½ mm dicke, an seinem Ende in eine feine Spitze ausgezogene, -schwer schmelzbare Glasrohr, welches mittelst des +Bunsenschen -Brenners+ an einer Stelle bis zur Rotglühhitze geglüht wird, worauf -sehr bald hinter dieser Stelle der +Arsenspiegel+ als metallischer -Anflug auftritt. +Erhält man nach stundenlangem Durchleiten keinen -Anflug, so ist bestimmt kein Arsen vorhanden.+ - -Um sicher festzustellen, dass der Metallanflug in der Glasröhre aus -+Arsen+ besteht, ist eine genaue Prüfung des „Arsenspiegels“ notwendig. -Derselbe soll eine +graue+ oder braune, metallglänzende Masse +hinter+ -der erhitzten Stelle bilden, welche unter der Lupe nicht aus Kügelchen -(Quecksilber) bestehen und an den Rändern nicht geschmolzen sein soll -(Antimon). +Beim Betupfen mit unterchlorigsaurem Natron soll der -Arsenspiegel fast momentan verschwinden+ (im Gegensatz zu Antimon). -Ausserdem soll nach Betupfen mit wenig +Schwefelammoniumlösung+ und -+vorsichtigem+ Erhitzen ein +gelber+ Rückstand von Schwefelarsen -bleiben (Schwefelantimon ist orangegelb). Endlich gibt der Arsenspiegel -beim Verdampfen (Erhitzen der Glasröhre) einen charakteristischen -+Knoblauchgeruch+. - -3. +Die quantitative Arsenikbestimmung.+ Quantitativ wird das Arsen -entweder annähernd nach der +Grösse+ des Arsenspiegels oder genauer als -+arsensaure Ammoniakmagnesia+ (die mit Salzsäure und chlorsaurem Kali -behandelte Masse wird mit Ammoniak und Magnesiamischung gefällt, der -Niederschlag wiederum mit Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt und -gefällt, darauf gereinigt, filtriert, mit Ammoniakwasser ausgewaschen -und gewogen; er enthält 60,53 Prozent Arsensäure = 39,477 Arsen), -oder als +Arsensulfür+ bestimmt (Einleiten von Schwefelwasserstoff -in die salzsaure Lösung, Filtrieren, Reinigen, Auswaschen, Wägen des -Niederschlages; 100 Teile Arsensulfür (As_{2}S_{3}) = 61 Teile Arsen). - -4. +Der biologische Nachweis des Arsens.+ Verschiedene Schimmelpilze, -namentlich das Penicillium brevicaula, entwickeln bei ihrem Wachstum -in arsenhaltigen Nährstoffen gasförmige, nach +Knoblauch+ riechende -Arsenverbindungen (sog. Arsenpilze). Diese Wirkung der Schimmelpilze -ist schon früher als ätiologisches Moment bei der Entstehung von -Arsenvergiftungen in Zimmern mit arsenhaltigen Tapeten bekannt -gewesen. Neuerdings wird dieselbe zum Nachweis von Arsenik im Harn -etc. empfohlen (+Gosio+, +Ebel+, +Buttenberg+, +Hausmann+ u. a.). -Die zu untersuchenden Massen werden mit sterilisiertem Brotbrei und -einer Aufschwemmung einer sporenhaltigen Schimmelkultur zusammen in -einem Kolben bei 37° im Brutschrank gehalten, worauf nach 1-3 Tagen -der charakteristische widerliche Knoblauchgeruch auftritt (noch bei -1/100000 g Arsenik). Die gasförmigen Arsenikverbindungen lassen sich -dann ausserdem auch chemisch im +Marsh+schen Apparat nachweisen. - - =Kasuistik.= Die tierärztliche Literatur enthält eine grosse Anzahl - sowohl klinischer als experimenteller Beobachtungen über akute und - chronische Arsenikvergiftungen. Ein Teil derselben soll hier im - Auszuge wiedergegeben werden. - - 1. +Pferde.+ 15 Pferde erhielten aus Versehen je etwa 80 g Arsenik; - 12 davon starben innerhalb 4 Tagen (nach 20, 36, 48, 72, 96 Stunden). - Die Erscheinungen bestanden in starker Rötung der Konjunktiva, - Kolik, Zittern, Schweissausbruch, unfühlbarem Puls. Die Fäzes wurden - unter heftigen Anstrengungen abgesetzt und hatten einen deutlichen - Knoblauchgeruch. Bei denjenigen Pferden, welche über 36 Stunden am - Leben blieben, trat infolge von Verätzung der Magenwand eine Lähmung - des Magens ein (+Nodet+, Recueil 1884). -- Ein Pferd hatte wiederholt - von seinem Besitzer täglich 6 g Arsenik erhalten. Dasselbe war in - einem Zustande starker Aufregung, speichelte sehr stark, frass nicht, - die Haare waren gesträubt, die Extremitäten kühl, der Puls schwach, - die Konjunktiven geschwollen und gelblichbraun gefärbt, die Pupillen - erweitert, die Peristaltik vermehrt, der Kot dünnflüssig, schleimig - und sehr übelriechend, der Gang taumelnd, die Gliedmassen steif, die - Atmung stark beschleunigt und erschwert, der Körper mit Schweiss - bedeckt; das Tier zeigte bald Kolikerscheinungen, bald lag es mit - gestreckten Gliedmassen, ohne dass es zum Aufstehen veranlasst werden - konnte. Das Pferd wurde geheilt (+Michaud+, Schweizer Archiv 1883). - -- Ein Pferd, welches von seinem Wärter Kobalt (schwarzen Schwefel) - erhalten hatte, starb nach wenigen Stunden an heftiger Kolik; die - Sektion ergab Entzündung und Ulzeration im Magen und Blinddarm - (+Tombs+, The Veterinary Record 1849). -- 3 Pferde erhielten täglich - eine Messerspitze voll Operment auf das Futter (in 5 Tagen zusammen - etwa 250 g). 3 Tage darauf erkrankte das erste, am 4. Tage die beiden - anderen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in Schäumen, Kolik - (am 5. Tage), Drängen auf den Kot, vermehrtem Urinieren, kalten - Extremitäten, Pupillenerweiterung. Die Sektion ergab Gastroenteritis - (+Hertwig+, Magazin Bd. 14 und 22). -- 2 Pferde, welche je mit 10 - g Arsenik gegen Räude gewaschen wurden, starben (+Mire+, Revue - vét. 1876). -- Ein Pferd starb von 4 g grobgepulvertem Arsenik, - welcher in 3 frische Wunden gebracht wurde, nach 2 Tagen; ein - anderes nach 60 Stunden, als 2 g feingepulverter Arsenik in eine - Wunde gebracht wurden. Lokal entstand eine 2 Zoll hohe Geschwulst - mit 1 Fuss Durchmesser. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, - Atemnot, Herzklopfen, unfühlbarem Puls und Kolik. Bei der Sektion - fand man eine starke Entzündung des ganzen Magendarmkanals - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Nach +Regenbogen+ - starben zwei räudige Pferde infolge der von einem polnischen Juden - angeratenen Waschung mit einer Abkochung von ½ Pfd. Arsenik in ¾ l - Wasser (Berl. Arch. 1898 S. 792). -- +Flum+ beobachtete bei einem - dämpfigen Pferde nach 3maliger Verabreichung von 1 g Arsenik pro - Tag Kolikerscheinungen (D. Th. W. 1895). Einen ähnlichen Fall hat - +Römer+ beschrieben (ibid. 1899). -- +Hauptmann+ sah bei einem Pferde - starke Aufblähung, schwankenden Gang, hochgradige Benommenheit des - Sensoriums sowie örtliche Entzündungserscheinungen in der Maulhöhle - und im Pharynx (Tierärztl. Zentralbl. 1900 S. 193). -- Weitere - Fälle von Arsenikvergiftungen bei Pferden haben +Wittlinger+ und - +Bucher+ beschrieben (Berl. Arch. 1900 S. 363). -- Dass Pferde - längere Zeit hindurch kleinere Dosen von Arsenik gut ertragen, - indem sie sich an das Gift gewöhnen, beweisen die nachstehenden - experimentellen Beobachtungen. 8 Pferde, welchen +Hertwig+ 30 bis - 40 Tage hindurch täglich einmalige Arsenikdosen von 1,25-4,0 in - Mehlpillen verabreichte, zeigten während dieser Zeit und noch 3 - Monate nachher keinerlei üble Zufälle. Dagegen wurde bei sämtlichen - 8 Pferden das Haar glätter und 5 davon wurden auch sichtbar mehr - beleibt (Arzneimittellehre 1872). Aehnliche Beobachtungen hat - +Kopitz+ (Preuss. Annalen der Landwirtschaft 1872 S. 601) gemacht. -- - Ich selbst habe einem kräftigen Versuchspferd in der Zeit vom 1. Juni - bis 30. September 1889 im ganzen 115 g frisch gepulverten Arsenik in - Einzeldosen von 1 g gefüttert. In der ersten Hälfte der Versuchszeit - besserte sich darauf der Nahrungszustand und das Allgemeinbefinden - des Pferdes ganz erheblich, indem es innerhalb 2 Monaten um 22 kg - Körpergewicht zunahm; in der zweiten Hälfte trat jedoch ein Rückgang - der Ernährung ein, so dass das Pferd am Ende des Versuchs wieder - schlechter genährt aussah und sein ursprüngliches Gewicht (420 kg) - wieder zeigte. - - 2. +Rinder.+ 4 Kühe hatten Rattengift (arsenikhaltige Brotkugeln) - gefressen. Sie versagten das Futter, verloren die Milch, zeigten - starken Durchfall und waren sehr hinfällig. Eine Kuh starb - nach einigen Tagen; bei der Sektion fand man eine korrosive - Darmentzündung, sowie ein grosses Loch in der linken Seite des - Wanstes mit Austritt des Mageninhaltes in die Bauchhöhle. Die zweite - Kuh war bald wieder hergestellt. Die 3. war 10-14 Tage krank. Die - 4. kränkelte ebenfalls längere Zeit; nach etwa 10 Wochen fiel in - der Gegend des Schaufelknorpels ein handtellergrosses Hautstück - mitsamt den unterliegenden Bauchdecken brandig ab, worauf eine - Magenfistel zurückblieb (+Hesse+, Magazin 1857). -- Eine Kuh, - welche Arseniklatwerge gefressen hatte, zeigte nach einigen Stunden - Appetitlosigkeit, Kolik und blutigen Durchfall und starb nach 45 - Stunden (+Koch+, Preuss. Mitt. 7. Jahrgang). -- 9 Rinder hatten - grüne Rouleauxlappen gefressen. Sie zeigten unterdrückte Fresslust, - heftigen Durchfall, grosse Schwäche und Angst, Krämpfe in den - Halsmuskeln, Erstickungsanfälle und Pupillenerweiterung. Ein Tier - starb am 3. Tage, die übrigen genasen im Verlaufe einer Woche. Die - Sektion ergab korrosive Gastroenteritis (+Brabänder+, Magazin 1855). - -- Mehrere Kühe hatten alte grüne Tapeten gefressen; eine derselben - starb am Abend desselben Tages, eine zweite in der darauffolgenden - Nacht, 3 andere erkrankten am Tage darauf. Die Erscheinungen waren: - Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Speicheln, Kolik, Trippeln, Durchfall, - Tenesmus (+Eilert+, ibidem). -- R. +Fröhner+ beobachtete bei einer - Kuh eine schwere Vergiftung (Aufblähen, Kolik, grosse Schwäche, - Lähmungserscheinungen) nach der Aufnahme von etwa 10 g Schweinfurter - Grün (D. Th. W. 1895, S. 130). -- +Durréchou+ sah bei einer Kuh - nach der täglichen Verabreichung von 5 g Arsenik Kolik und tödliche - Peritonitis infolge Perforation des Pansens an 6 Stellen (Revue vét. - 1895 S. 385). -- Eine Labmagenfistel bei einer im übrigen gesunden - Kuh nach der Aufnahme von arsenikhaltigem Weizen haben +Talbot+ und - +Mettam+ beschrieben (The Veterinarian 1897). -- Zur Vertilgung des - Koloradokäfers wurden in Amerika die Felder mit grossen Mengen von - Schweinfurter Grün bestreut. Die stehenden Gewässer daselbst wurden - deshalb nach Regengüssen stark arsenhaltig. 6 Rinder, welche aus - solchen Pfützen tranken, starben nach 1-2 Stunden unter heftigen - Kolikerscheinungen und starkem Speicheln (+Sattler+, Tiermed. - Rundschau 1886/87). -- 4 Mastrinder erkrankten schwer an Kolik. - Die Sektion ergab diffuse Labmagen- und Dünndarmentzündung; in der - Labmagenschleimhaut fanden sich hirsekorngrosse Anätzungen. Die Tiere - hatten Arsenik, gepulvert mit Weizenkleie, als Mastmittel erhalten, - und zwar täglich eine Handvoll dieser Mischung (+Fortenbacher+, - Preuss. Ber. pro 1906). -- Wie Pferde, so können sich auch Rinder an - längere Zeit hindurch verabreichte kleinere Mengen Arsenik gewöhnen. - So fütterte +Körte+ (+Meyers+ Ergänzungsblätter 1869) eine Anzahl - Mastochsen mit steigenden Mengen Arsenik in täglichen Dosen von - 0,06-0,36 g während einer sehr langen Mastperiode ohne jede Störung - des Allgemeinbefindens; die Tiere wurden im Gegenteil sehr fett. - +Spallanzani+ und +Zappa+ (Clinica veterinaria 1886) fütterten - Kühe 10 Tage hindurch mit je 0,2 g Arsenik. Während anfangs der - Nährzustand etwas zurückging, trat später Körpergewichtszunahme und - Besserung im äusseren Habitus der Tiere ein. Dieselbe Beobachtung - machten sie bei Schafen und Schweinen (0,05 g pro die) und bei - Tauben (2-4 mg pro die). Sie kamen zum Resultate, dass man täglich - von gepulvertem Arsenik ohne nachteilige Folgen verabreichen kann: - Rindern 0,15 mg pro Kilo Körpergewicht, Schafen 1 mg, Schweinen 0,4 - mg und Tauben 1 mg. Bezüglich der Zulässigkeit des +Fleischgenusses+ - von Tieren, welche mit Arsenik behandelt wurden, haben die - Versuche von +Spallanzani+ und +Zappa+ ergeben, dass selbst das - Fleisch von Tieren, welche mit Arsenik vergiftet wurden, nicht - gesundheitsschädlich wirkt, viel weniger das Fleisch von Tieren, - welche unter Beihilfe des Arseniks gemästet werden. Einer Kuh - wurden beispielsweise nach und nach 70 g Arsenik beigebracht. Beim - Schlachten enthielt der Körper derselben nur noch ¼ g. Relativ am - meisten Arsenik enthielt die Leber, darauf folgten die Nieren, das - Gehirn, das Fleisch, die Hautanhänge, die Knochen, das Blut und die - Milch. Die für den Menschen giftige Minimaldosis von 0,1 g Arsenik - wäre demnach erst in 9 kg Leber vorhanden gewesen. Dementsprechend - war auch die Verfütterung des Fleisches und der Milch an junge - Schweine und Hunde resultatlos. Die Milch enthielt 0,00005 pro - Mille Arsenik. Ein ähnliches Ergebnis hat eine Untersuchung von - +Sonnenschein+ gehabt. Die Körperteile einer Kuh, welche innerhalb - eines halben Jahres 506½ g Arsenik bekommen hatte, enthielten nach - der Schlachtung an Arsenik: 1 kg Fleisch 0,28 mg, 1 kg Leber 0,12 mg, - 1 kg Milz 2 mg, 1 kg Niere 3 mg. - - 3. +Schafe.+ 150 Schafe wurden in einer Arseniklösung gebadet, welche - in 500 l 3½ kg Arsenik enthielt. Innerhalb der ersten drei Stunden - nach dem Bade starben 30 Stück, in den weiteren 4 Tagen 105 Stück. - Die übrigen Tiere erkrankten zwar, genasen aber (+Nagel+, Berliner - Archiv 1890). -- Eine Schafherde, bestehend aus 229 Stück, wurde - wegen Räude in einer Arseniklösung gebadet. 12 Stück krepierten, - 28 Stück zeigten 2 Monate hindurch tiefe brandige Zerstörung und - Geschwürsbildung auf der Haut (The Veterinarian 1852). -- Ein - Schaf erhielt in 2½ Monaten etwa 20 g Arsenik. Nach Verabreichung - von etwa 12 g zeigten sich die ersten Vergiftungserscheinungen: - unterdrückte Fresslust und Munterkeit, sowie eine schmerzhafte - Stelle in der rechten Schaufelknorpelgegend, welche sich später - zu einer bruchartigen, walnussgrossen Geschwulst und schliesslich - zu einer Labmagenfistel mit späterem partiellen Labmagenvorfall - umwandelte (+Haubner+, Sächs. Jahresbericht 1860). -- +Röbert+ - hat eine Arsenikvergiftung bei 100 Schafen beobachtet. Dieselben - weideten auf einem Kleefelde, das in allernächster Nähe eines - Hüttenwerkes gelegen war. Bereits nach 2 Stunden zeigten die - Tiere die ersten Krankheitssymptome, welche sich in grosser - Mattigkeit, lähmungsartiger Schwäche, Schwanken, Versagen des - Futters, diarrhoischem Kote, lividem Aussehen der Schleimhäute - äusserten; 1/10 davon ging ein. Der Sektionsbefund war der bei - Arsenikvergiftung übliche. Das Blut war teerartig, schlecht geronnen, - es bestand Ekchymosierung der Schleimhaut des Verdauungsapparates - usw. (Sächs. Jahresber. pro 1892). -- +Scott+ beobachtete eine - Arsenikvergiftung bei Lämmern nach einem Räudebad. 19 Lämmer starben - nach 12-36 Stunden unter Vergiftungserscheinungen (Speichelfluss, - Nasenausfluss, Zähneknirschen, Stöhnen, Schwanken, Durchfall, Koma). - Andere erkrankten 10 bis 12 Tage nach dem Baden. Die Sektion ergab - leichte Entzündung im 4. Magen, subkutane Blutungen, Petechien - und seröse Infiltration in den Muskeln (Vet. Record 1904 S. 853). - -- Auch Schafe können sich an kleinere Dosen Arsenik gewöhnen. - So zeigten die Versuchsschafe von +Weiske+ (Tageblatt der Grazer - Naturforscherversammlung 1875) bei 20tägiger Fütterung von je - 0,005-0,18 g Arsenik bessere Ausnützung des Futters und Vermehrung - des Körpergewichts durch Fleischansatz. +Cornevin+ (Journal de Lyon - 1886 und 1888) fütterte 9 Schafe je eine Woche hindurch mit 7tägigen - Pausen zuerst 0,3, dann 0,6, dann 1,0 und zuletzt 1,3 g Arsenik - (mithin die grosse Menge von 22,4 g Arsenik pro Schaf innerhalb 2 - Monaten). Erscheinungen einer Darmaffektion fehlten hiebei gänzlich; - der Fettansatz wurde jedoch nicht gefördert, und zwar deshalb, weil, - wie +Cornevin+ glaubt, der Arsenik in Pulverform sich in den grossen - Futtermassen der Wiederkäuermägen verliert. Dagegen zeigte sich nach - Verabreichung der +Fowler+schen Lösung, wobei mit 0,25 begonnen und - gradatim bis zu 5,0 gestiegen wurde, insbesondere bei schwächlichen - Schafen eine deutliche Gewichtszunahme. - - 4. +Schweine.+ Ein halbjähriges Schwein starb nach 1,2 g Arsenik - binnen 40 Stunden (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- 22 - Schweine tranken von einer zur Schafwäsche benützten Flüssigkeit und - krepierten sämtlich. Die Sektion ergab starke kruppöse Stomatitis - und Pharyngitis (The Veterinarian 1855). -- Schweine zeigen nach - täglich 2maliger Verabreichung von 0,05 Arsenik nach 8-14 Tagen - Appetitverminderung, Erbrechen, Durchfall, blutige Exkremente, grosse - Mattigkeit, starke Abmagerung und sterben nach etwa 20-30 Tagen - (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Auch bei Schweinen kommt eine - Gewöhnung an den Arsenik vor. Sie ertragen nach den Untersuchungen - von +Giel+ (Archiv für experimentelle Pathologie 1878), wenn sie - jung, kräftig und gut gehalten sind, ½-2 mg Arsenik pro die ganz - ausgezeichnet, zeigen im Vergleiche zu den Kontrolltieren entschieden - besseres Wachstum, bekommen ein schöneres, glänzenderes Fell, werden - fetter, haben längere und dickere Knochen und werfen grössere, - stärkere Junge. - - 5. +Hunde.+ Nach 0,2-0,6 Arsenik zeigen Hunde wiederholtes - Erbrechen, Winseln, beschwerliches Atmen, Angst, Unruhe, Entleerung - schwarzrotgefärbter diarrhoischer Kotmassen, grosse Schwäche, Koma; - nach 6-30 Stunden tritt der Tod ein (+Hertwig+; eigene Versuche). - -- Ein mittelgrosser Hund starb auf 0,25 Scherbenkobalt nach 18 - Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis (+Renault+, - Recueil 1834). -- Ein Hund erkrankte auf 0,6 Schweinfurter Grün - nach ½ Stunde unter Kolikerscheinungen, genas aber nach 4 Stunden; - ein anderer, kleiner Hund starb nach 0,3. Ein junger Hund starb - ferner nach der Verabreichung von 0,6 Scheeleschem Grün nach 1½ - Stunden (+Meurer+, Caspers Wochenschrift für Tierärzte 1843). -- - Eine Arsenikvergiftung nach der Aufnahme von Feldmäusen hat +Heilig+ - bei einem Hunde beobachtet (Oesterr. Monatsh. 1897 S. 169). -- Zwei - Dachshunde erkrankten nach dem Zerzausen eines ausgestopften Fuchses - an schwerer Arsenikvergiftung; einer genas nach Verabreichung von - Magnesia und Eisenoxydhydrat. Bei dem anderen fand sich bei der - Sektion Arsenik als weisses, streusandähnliches Pulver im Magen - (+Röbert+, Sächs. Jahresber. pro 1901). -- Ein Hund starb 1½ - Stunden nach der Aufnahme von Rattengift (0,2 Arsenik) perakut; - der Sektionsbefund war mit Ausnahme einer umschriebenen erosiven - Gastritis negativ (+Jakob+, Münch. Woch. 1909). -- Nach der Aufnahme - von arsenikhaltigem Mäusegift erkrankte ein Hund unter Erbrechen und - Lähmungserscheinungen; er genas nach Verabreichung von Antidotum - Arsenici nach 24 Stunden (+Roelcke+, Zeitschr. f. Vet. 1909). - - 6. +Hühner.+ Von 10 Hühnern eines Weissgerbers, welche von dem - weissen, in Renntierfelle eingestreuten Pulver gefressen hatten, - starben 8 (+Weigel+, Sächs. Jahresber. 1888). -- Nach +Cornevin+ - ertragen Hühner 0,02 g Arsenik pro die eine Woche hindurch, sterben - aber bei 0,05 g pro die und einer einmaligen Dosis von 0,1-0,15 g. - - -Bleivergiftung. Saturnismus. - - =Chemie der Bleiverbindungen.= Das Metall Blei wird fast - ausschliesslich aus dem +Bleiglanz+, PbS, hüttenmännisch gewonnen. - Der Bleiglanz findet sich meist mit anderen Erzen, namentlich mit - Silber-, Kupfer-, Zink-, Antimon- und Eisenerzen zusammen auf - Gängen der verschiedensten Gebirgsformationen. Durch Rösten des - Bleierzes wird teils reines metallisches Blei, teils Bleioxyd - gewonnen. Letzteres wird sodann mit Kohle zu metallischem Blei - reduziert. Bleibergwerke finden sich in Deutschland namentlich in - Freiberg (Sachsen), im Harz (Ober- und Unterharz), in Oberschlesien - (Tarnowitz), in den Bezirken Aachen und Köln, in Hannover, Westfalen - und Nassau. Das metallische Blei findet Verwendung zur Herstellung - von Kugeln, Platten, Röhren, Draht, Glasuren und Lötmasse für - Koch- und Essgeschirre, als Ausbesserungsmaterial für Mühlsteine, - sowie zur Darstellung verschiedener chemischer Bleipräparate. Die - wichtigsten +chemischen Eigenschaften+ des Bleies sind folgende. - Vor dem Lötrohr auf Kohle geschmolzen gibt es einen dunkelgelben - Beschlag mit blauweissem Rande. Mit Soda vor dem Lötrohr geschmolzen, - bildet es eine weiche Bleiperle, deren Lösung in Salpetersäure durch - Schwefelsäure weiss gefällt wird. An feuchter Luft überzieht sich - Blei mit einer dünnen Schichte von Bleioxyd. Lufthaltiges Wasser - greift das Blei stark an, indem sich lösliches Bleioxydhydrat bildet; - die gleichzeitige Anwesenheit von Chloriden, Nitraten, Ammoniak und - fauligen Stoffen befördert die Auflösung des Bleis (Gefährlichkeit - der Benützung von Bleiröhren zu Trinkwasserleitungen). - - Die für die Toxikologie wichtigsten Bleiverbindungen sind ausser dem - +metallischen Blei+ folgende: 1. Die +Bleiglätte+ (Silberglätte, - Goldglätte, Massikot, Lithargyrum) ist Bleioxyd, PbO, welches in - den Bleihütten durch Erhitzen des Bleis an der Luft gewonnen wird - und je nach dem angewandten Hitzegrade eine hellgelbe (Silberglätte) - oder rotgelbe (Goldglätte) Farbe zeigt. Es ist in Wasser schwer - löslich, in Salpeter- und Essigsäure leicht löslich, löst sich - ferner in Salzsäure und bildet mit Fetten Firnisse, Pflaster und - Kitte. 2. Die +Mennige+ (rotes Bleioxyd, Pariser Rot, Minium), - Pb_{3}O_{4}, wird aus Bleiglätte durch weiteres Erhitzen dargestellt. - Sie hat eine schöne, blendend rote, zuweilen feurig oder orangerote - Farbe, löst sich in Essigsäure, Salzsäure und Salpetersäure, und - wird zu Anstrichen, Glasuren, Kitten, Pflastern, sowie in der - Zündhölzerfabrikation verwandt. 3. Das +Bleiweiss+ (kohlensaures - Blei, Cerussa), PbCO_{3}, wird in ausgedehnter Weise als Malerfarbe - benützt. 4. Der +Bleizucker+ (Bleiazetat, neutrales essigsaures - Blei), Pb (C_{2}H_{4}O_{2})_{2} + 3 H_{2}O, wichtig als Arzneimittel, - sowie zur Darstellung von Firnissen, Farben und Beizen. 5. Der - +Bleiessig+ (basisches essigsaures Blei), Liquor Plumbi subacetici, - aus Bleizucker und Bleioxyd dargestellt, ein äusserlich angewandtes - Arzneimittel. - -=Aetiologie der Bleivergiftung.= Eine der häufigsten Ursachen der -Bleivergiftung ist die Aufnahme von +Bleifarben+. Die Literatur (vgl. -S. 84) enthält eine ausserordentlich grosse Anzahl von Beobachtungen, -in welchen Haustiere, namentlich Rinder, durch das Fressen oder -Ablecken bleihaltiger Oelfarben (+Bleiweiss+, +Bleiglätte+, +Mennige+) -erkrankt und gestorben sind. Es handelt sich dabei insbesondere um -frisch angestrichene Futtergeschirre, Trinkeimer, Bottiche, Krippen, -Gitter, Hühnerställe; zuweilen werden sogar grössere Mengen reiner -Oelfarbe aufgenommen. Sehr gefährlich hat sich auch das Einreiben von -Zugochsen mit Salben aus Mennige am Hals erwiesen, indem die Tiere sich -gegenseitig die bleihaltige Salbe ableckten. Auch Vergiftungen durch -die Aufnahme grösserer Mengen roter, bleihaltiger Oblaten sind bei -Rindern beobachtet worden. Ausserdem sind Vergiftungsfälle bei Pferden -und Katzen in Mennige- und Bleiweissfabriken beschrieben worden. - -In enzootischer Verbreitung findet man die Bleivergiftung bei -sämtlichen Haustieren in der Umgebung von +Bleihütten+ und -+bleihaltigen Flüssen+. Von Hüttenwerken sind in dieser Beziehung -zu nennen die Ober- und Unterharzer Hütten (Blei- und Zinkhütten in -Stolberg, Kupferhütten zu St. Helens), die Hüttenwerke in Oberschlesien -(Friedrichshütte), Rheinland, Westfalen und in Freiberg (Sachsen), -welche teils durch den sog. Hüttenrauch und Flugstaub die gesamte -Vegetation der nächsten Umgebung mit einer bleihaltigen Staubschichte -überziehen, teils durch fortgewehten und fortgeschwemmten Pochsand und -Haldensand und durch abgefahrenen Bleidünger (Bleiasche) Vergiftungen -nicht bloss unter den Haustieren, sondern unter der gesamten -benachbarten Tierwelt veranlassen. Das im Boden enthaltene Blei geht -sogar unter Umständen in Form organischer Verbindungen in die Pflanzen -über und erzeugt so indirekt bei Pflanzenfressern Bleivergiftung -(vgl. die Beobachtungen in Kärnten S. 9). Aehnlich giftig wirken die -Abwässer von Bleiweissfabriken. Auch die mit städtischen Abfuhrstoffen -(Strassenkot) gedüngte Erde ist zuweilen bleihaltig und dann -gesundheitsschädlich (+Mosselmann+ und +Hébrant+). Von bleihaltigen -Flüssen sind zu erwähnen die +Innerste+ im Hildesheimischen, welche -auf einer Strecke von 50-60 km Blei mit sich führen soll, sowie der -+Bleibach+ in der Rheinprovinz (Aachen, Köln; Kreisen Schleiden und -Euskirchen). Diese Flüsse überziehen namentlich nach Ueberschwemmungen -die umliegende Niederung mit einer Schichte bleihaltigen Schlammes und -Sandes und bedingen so in ihrem gesamten Stromgebiete Bleivergiftungen -durch Aufnahme von bleihaltigem Sand und Erdboden mit dem Futter. -Wird ein derartiger +bleihaltiger Sand+ verladen, so kann er z. B. -in +Reitbahnen+ infolge Einatmens bei Pferden eine chronische -Bleivergiftung (Rohren) herbeiführen. - -Das +metallische Blei+ wird in Form von +Schrotkörnern+ und -+Bleistücken+ namentlich von Rindern und vom Geflügel aufgenommen, -wenn es z. B. nach der Verwendung zum Flaschenspülen ins Futter, ins -Trinkwasser oder auf den Dungplatz gelangt ist. Auch durch Weiden in -der Nähe von Schiessplätzen und Aufnahme der daselbst umherliegenden -Bleikugeln sind Bleivergiftungen beim Rind früher veranlasst worden. -Im Magen einer an Bleivergiftung gestorbenen Kuh fand man 300, bei -einer anderen 250 g Bleischrot, in dem einer Taube 4 g; im ersteren -Falle wurde durch Vermittlung der +Milch+ bei dem 1 Monat alten Kalb -ebenfalls eine tödliche akute Bleivergiftung hervorgerufen. Bleikugeln -in Wunden sind dagegen ungiftig (Abkapselung). Vergiftungen durch -bleihaltiges +Trinkwasser+ aus +Bleiröhren+ sind bei den Haustieren -gleichfalls nachgewiesen worden (+Walther+). Bleihaltige Lötmasse -in Vogelkäfigen hat bei Zimmervögeln Veranlassung zu Bleivergiftung -gegeben (+Regenbogen+). - -Endlich ereignen sich Bleivergiftungen durch +Verwechslungen+ und -+therapeutische Fehlgriffe+. So sind öftere Male Vergiftungen dadurch -vorgekommen, dass vom Händler (Drogisten) statt Glaubersalz Bleizucker, -sowie dass statt Futterkalk oder Kreide Bleiweiss abgegeben wurde. -In einem Fall verabreichte ein Landwirt seinen 5 Rindern 2½ kg -Bleiweiss; in einem anderen wurden an 10 Rinder irrtümlicherweise -statt Spiessglanz täglich etwa 50 g Bleizucker 3 Tage hintereinander -abgegeben. 5 Rinder erhielten aus Versehen ⅜ kg Bleizucker, welcher zur -äusserlichen Anwendung bestimmt war, in Wasser gelöst zum Trinken. Eine -Kuh starb, als sie innerhalb 3 Tagen 50 g Bleizucker gegen Blutharnen -erhalten hatte. Die +tödliche Dosis+ des +Bleizuckers+ beträgt für - - +Rinder+ 50-100 g - +Pferde+ 500-750 „ - +Schafe+ und +Ziegen+ 20- 25 „ - +Schweine+ und +Hunde+ 10- 25 „ - -=Krankheitsbild der Bleivergiftung.= Das Blei besitzt in allen seinen -Verbindungen lokal eine +ätzende+ Wirkung (Bildung von Bleialbuminat). -Nach seiner Resorption wirkt es +erregend+ auf die Nervenzentren -der +Grosshirnrinde+ (Psyche, motorische Zentren) und auf das -+vasomotorische Zentrum+. Ausserdem wirkt das Blei infolge einer -primären degenerativen Atrophie der peripheren motorischen Nervenfasern -+lähmend+ auf die +quergestreiften Körpermuskeln+. Bei länger -fortgesetzter Verabreichung beobachtet man +Wucherung+ und +Neubildung+ -von +Bindegewebe+ in allen wichtigeren Organen (Darm, Leber, Nieren, -Gehirn, Rückenmark, Retina, Sympathikus), +Degenerationszustände+ -in den peripheren motorischen Nerven, namentlich im +Rekurrens+, -und im +Rückenmark+, sowie +Muskelatrophie+ (beim Pferd namentlich -in den Kehlkopfmuskeln). Die Resorption des Bleis findet von allen -Körperstellen aus, selbst von der Haut (Wunden) und von der Lunge aus -statt. Insbesondere wird im Magen und Darm das metallische Blei und -das sonst unlösliche Bleisulfat resorbiert. Besonders rasch ist die -Resorption der löslichen Bleisalze. Dagegen erfolgt die +Ausscheidung+ -des Bleis sehr langsam durch die Drüsen (Harn, Speichel, Galle, Milch). -Am empfindlichsten von allen Haustieren gegen Blei ist das +Rind+. -Das Pferd verträgt 10mal grössere Dosen. Ausserdem sind die Vögel -sehr empfindlich. Man unterscheidet eine akute und eine chronische -Bleivergiftung (akuten und chronischen Saturnismus). - -1. +Symptome der akuten Bleivergiftung.+ Die wichtigsten -Lokalerscheinungen sind +Erbrechen+, Würgen, starker +Speichelfluss+, -+Kolik+ (Bleikolik), +anhaltende Verstopfung+, Tympanitis, -unterdrückte Futteraufnahme und Milchsekretion, seltener Durchfall. -Die Allgemeinerscheinungen äussern sich zunächst in kortikalen -Gehirnstörungen, nämlich in +Zittern+, +Zuckungen+, +Kaukrämpfen+ -und +epileptiformen Anfällen+, neben welchen starke +psychische -Erregung+, Vorwärtsdrängen, choreaähnliche Zufälle, sowie namentlich -bei Rindern förmliche +Tobsuchtsanfälle+ einhergehen (Mania saturnina). -Auf dieses Stadium der Erregung folgt das der Lähmung: +Schwäche+, -+Betäubung+, +Schwindel+, +Schlafsucht+, +Parese+ und +Paralyse+ der -+Nachhand+, +Lähmung+ der +Zunge+, +Lähmung einzelner Muskelgruppen+, -allgemeine oder halbseitige +Anästhesie+, tiefes +Koma+. Der +Puls+ ist -auffallend +hart+, oft +drahtförmig+, seine Frequenz bald vermehrt, -bald verlangsamt. Die Schleimhäute sind anfangs hochgerötet, später -schmutziggrau verfärbt (Bleisaum beim Hund; PbS). Die Atmung ist -erschwert und beschleunigt. Trächtige Tiere abortieren häufig. Die -Dauer dieser Krankheitserscheinungen schwankt zwischen 24 Stunden -(perakuter, milzbrandähnlicher Verlauf) und einigen Wochen (akuter und -subakuter Verlauf). Zuweilen bleiben partielle Muskellähmungen zurück. - -2. +Symptome der chronischen Bleivergiftung.+ Bei +Rindern+ äussert -sich die chronische Bleivergiftung in allgemeinen Ernährungsstörungen -und zunehmender +Abmagerung+ (Cachexia saturnina), in hochgradiger -+Körperschwäche+ (Tabes saturnina), intermittierenden, durch eine -Bindegewebswucherung in der Umgebung der Darmganglien hervorgerufenen -+Kolikanfällen+ (Colica saturnina; Bleikolik), +Bewegungsstörungen+ -und +Lahmheiten+ (Arthralgia saturnina; Rheumatismus saturninus), -+zerebralen Erregungszuständen+ (Encephalopathia saturnina), welche -sich namentlich in Form +epileptischer Anfälle+ äussern (Eklampsia -saturnina). Auf der Haut findet man zuweilen starkes +Hautjucken+, -sowie +pustulöse Exantheme+. Zuweilen bilden sich ferner +Amblyopie+ -und +Amaurosis+ (Amaurosis saturnina), sowie +motorische Lähmungen+ -verschiedener Natur (Paralysis saturnina) mit starkem +Muskelschwund+ -(Atrophia saturnina), zuweilen auch mit bleibenden +Muskelkontrakturen+ -(Contractura saturnina) aus. Die Maulschleimhaut zeigt in manchen -Fällen die Erscheinungen der +ulzerösen Stomatitis+ mit einem sog. -+Bleisaum+ der Zähne (Verdacht der Maul- und Klauenseuche). Daneben -können sich die Erscheinungen eines +Bronchialkatarrhs+ entwickeln. -Endlich beobachtet man habituellen Abortus oder Sterilität. - -Bei +Pferden+ zeigt die chronische Bleivergiftung ein wesentlich -anderes Krankheitsbild. Meist beobachtet man als einziges auffälliges -Symptom +Kehlkopfpfeifen+, wodurch die Pferde zur Arbeit unbrauchbar -werden. Die saturnine Hartschnaufigkeit wird namentlich in -Bleigegenden, sowie bei Reitpferden beobachtet, wenn dieselben in -Reitbahnen mit bleihaltigem Sand bewegt werden. Nach den Untersuchungen -von +Thomassen+ wird das Kehlkopfpfeifen bei der Bleivergiftung durch -eine +periphere Neuritis des Nervus recurrens+ mit Degeneration des -Nerven und späterer Bindegewebsneubildung veranlasst (vergl. S. 87). -Nach +Schmidt+ soll sich das saturnine Rohren von dem gewöhnlichen -Kehlkopfpfeifen klinisch dadurch unterscheiden, dass die Dyspnoe beim -Unterbrechen der Bewegung nicht sofort aufhört, sondern eher noch -zunimmt, und dass der ganze Anfall auch dann abläuft, wenn das Pferd -nur bis zum Beginn des Hörbarwerdens der ersten Stenosengeräusche -bewegt worden ist. Wichtiger ist der Umstand, dass beim saturninen -Rohren eine +beiderseitige+ Kehlkopflähmung vorhanden ist. - -Beim +Geflügel+ (Hühner, Tauben, Dompfaffen) hat man ausser gastrischen -Störungen, Krämpfen und Lähmungserscheinungen starke +Anschwellung+ und -+Absterben+ der +Zehenglieder+ beobachtet. - - -=Sektionsbefund.= Bei dem +akuten+ Saturnismus findet man die -Erscheinungen einer +korrosiven Gastroenteritis+: Rötung, Entzündung, -Verschorfung, Geschwürsbildung auf der Magendarmschleimhaut, graue bis -schwarze Verfärbung der Darmzotten (Schwefelblei), sowie Blässe und -Kontraktion des ganzen Darmrohrs; in den Gehirnkammern, Gehirn- und -Rückenmarkshäuten wird eine Ansammlung seröser Flüssigkeit beobachtet -(Hydrozephalus und Hydrorhachis). Die +chronische+ Bleivergiftung ist -anatomisch ausser durch allgemeine Abmagerung und fettige Degeneration -der inneren Organe durch +Bindegewebswucherung+, namentlich in -der Niere (Nephritis saturnina, Bleiniere, Schrumpfniere), in der -Umgebung der Darmganglien (Mesenteritis saturnina), sowie in der Leber -charakterisiert. Dass speziell auch bei Tieren die beim Menschen häufig -beobachtete Bleiniere (Schrumpfniere, Nierenzirrhose) vorkommt, beweist -ein von +Gilly+ beim Rind beobachteter Fall (vergl. die Kasuistik). -Ausserdem hat man +Kalkinfarkte+ in der +Niere+ bei Versuchstieren -beobachtet. - - -=Behandlung.= Neben der Verabreichung von Brechmitteln und -Abführmitteln, sowie von Eiweiss, Milch und Schleim gibt man -bei der akuten Bleivergiftung verdünnte +Schwefelsäure+ oder -+schwefelsaure Salze+, namentlich Glaubersalz und Bittersalz, um -die Bildung eines Niederschlags von schwer löslichem schwefelsaurem -Blei herbeizuführen. Die Kolikanfälle, sowie die motorischen und -psychischen Erregungszustände werden +symptomatisch+ mit Morphium oder -Chloralhydrat, die Lähmungszustände mit Exzitantien (Kampfer, Aether, -Alkohol, Atropin, Strychnin, Elektrizität) behandelt. Bei der im -übrigen meist unheilbaren chronischen Bleivergiftung kann versuchsweise -+Jodkalium+ zur Beschleunigung der Ausscheidung des Bleis aus dem -Körper (Jodblei) gegeben werden. Bei Pferden empfiehlt sich ausserdem -die Vornahme der +Tracheotomie+. - - -=Nachweis der Bleivergiftung.= Da das Blei mit dem Eiweiss des Körpers -eine sog. metallorganische Verbindung eingeht, so können die einzelnen -Bleireaktionen erst nach Freimachung des Bleis aus seiner Verbindung -vorgenommen werden. - -Die +Trennung+ des Bleis von den organischen Massen geschieht nach der -früher beschriebenen Methode mit +Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+, -wobei das Blei in Chlorblei übergeht. Die kochend heiss filtrierte, -salzsaure Lösung wird sodann durch +Schwefelwasserstoff+ gefällt, -wobei sich ein Niederschlag von +schwarzem Schwefelblei+ bildet, -welcher schnell zu filtrieren und dann sofort weiter zu untersuchen -ist. Das schwarze Schwefelblei ist zum Unterschied von dem ebenfalls -schwarzen Schwefelquecksilber in +warmer Salpetersäure+ löslich -(Bildung von salpetersaurem Blei), in Salmiakgeist, Schwefelammonium, -Schwefelalkalien und Salzsäure unlöslich. Die Lösung des salpetersauren -Bleioxyds wird durch nachstehende +Bleireaktionen+ weiter untersucht: -a) +Schwefelsäure+ oder schwefelsaure Salze gehen einen Niederschlag -von +weissem+ schwefelsaurem Blei, welcher in Wasser und Säuren -unlöslich ist und durch Schwefelwasserstoffwasser oder Schwefelammonium -+geschwärzt+ wird. b) +Salzsäure+ oder Chloride geben einen +weissen+ -Niederschlag von Chlorblei, der durch Salmiakgeist nicht gefärbt wird -(im Gegensatz zu Quecksilber). c) +Jodkalium+ gibt einen +gelben+ -Niederschlag von Jodblei, welcher sich in der Hitze auflöst. d) -+Chromsaures+ Kali gibt einen +gelben+, in Kalilauge löslichen -Niederschlag von chromsaurem Bleioxyd. Ausserdem geben +Zyankalium+, -+gelbes Blutlaugensalz+, +Kali-+ und +Natronlauge+, +Salmiakgeist+ -und +kohlensaure Alkalien+ einen +weissen+ Niederschlag (Zyanblei, -Bleioxydhydrat, kohlensaures Blei). +Quantitativ+ wird das Blei als -+Schwefelblei+ gewogen; 100 Teile Schwefelblei enthalten 86,6 Teile -Blei. - - =Kasuistik.= Die alljährlich anwachsende Kasuistik der - Bleivergiftungen gehört zu den reichhaltigsten im ganzen Gebiete der - Toxikologie. Es soll im Nachstehenden nur eine Auswahl der für die - einzelnen Tiergattungen wichtigsten Vergiftungsfälle wiedergegeben - werden. - - 1. +Rind.+ 12 Rinder erhielten von einem Landwirt als Mittel - gegen Lecksucht 250 g Bleiweiss. Drei davon, welche am meisten - aufgenommen hatten, erkrankten an hartnäckiger Verstopfung, - Tympanitis, Lähmung der Magen- und Darmperistaltik, sehr starkem - Speicheln, Zittern, Amaurosis, Betäubung, Schwindelanfällen, - Krämpfen, sowie Kolikanfällen 2-3 Stunden vor dem Tode. Durchfall - trat nicht ein. (+Strebel+, Schweizer Archiv 1884). -- 2 Kühe - erhielten gegen Blutharnen in 3 Tagen 48 resp. 52 g Bleizucker. - Die erstere starb. Beide erkrankten nach Ablauf von 7-8 Tagen und - zeigten Muskelschwäche, Zittern, Steifheit der Glieder, Knacken in - den Gelenken, Lähmung der Nachhand, periodische Aufregung, sowie - maniakalische Erscheinungen (+Fischer+, Bad. Mitt. 1885). -- 4 - Kühe und ein Bulle erhielten aus Versehen ¾ Pfund Bleizucker in - einem Eimer Wasser gelöst in die Krippe gegossen. Am 3. Tage danach - erkrankten 2 Kühe und mussten am 9. und 10. Tage getötet werden. - Die 3. Kuh erkrankte am 4. Tage, der Bulle am 5. und die letzte Kuh - am 6. Tage; diese 3 Tiere genasen (+Krekeler+, Preuss. Mitt. 1885). - -- Mehrere Zugochsen wurden mit einer Mischung von Mennige und Oel - eingerieben. 6-7 Wochen darauf erkrankten sie, indem zuerst Diarrhöe - und später anhaltende Verstopfung auftrat. Die zufällig bei der - Sektion vorgefundenen Nierensteine färbten sich bei der Berührung - mit Schwefelleber schwarz (+Hodurek+, Oesterreich. Monatsschr. - 1883). -- In einer Brennerei waren die Bottiche mit Mennige sehr - dick angestrichen. Die Maische hatte den Anstrich gelöst. Durch - den Genuss der Schlempe erkrankten viele Kühe an Bleivergiftung - (+Magnus+, Preuss. Mitt. 1872). -- 8 Kühe wurden zur Vertilgung - der Läuse mit Bleisalbe eingerieben und auf die Einreibung noch - Bleiweiss eingestreut; sie erkrankten sämtlich (+Schöngen+, Preuss. - Mitt. 1874). -- Rinder, welche Mennige aufgenommen hatten, zeigten - Speichelfluss, Verstopfung, Kaukrämpfe, Amaurose, Rückenmarkslähmung, - einmal Zungenlähmung, ein anderes Mal tiefes Koma, ein drittes Mal - allgemeine Krämpfe (+Lavigne+, Recueil 1883). -- Eine Kuh frass - 2 Pfund weisser Oelfarbe. Sie zeigte Stumpfsinn, Verstopfung, - Kolikanfälle, beschleunigtes, schnaufendes Atmen, schnellen, harten, - später unfühlbaren Puls, Sehstörung, plötzliche Unruhe, Krämpfe, - Steifheit der Vorder- und abwechselnd der Hinterfüsse. Dauer der - Krankheit 3 Wochen; Genesung (+van Dommeln+, Het Repertorium 1853). - -- 4 Kühe und ein einjähriges Kalb erhielten gegen die Lecksucht - innerhalb 8 Tagen zusammen 5 Pfund Bleiweiss, 3 mussten getötet - werden. Sie zeigten Aufstützen des Kopfes, Drängen gegen die Wand, - krankhaftes Abbiegen des Halses, Geifern, Zähneknirschen, Schluchzen, - Pupillenerweiterung. Bei der Sektion fand man Erweichung der - Gehirnsubstanz, sowie Flüssigkeit zwischen den Gehirnhäuten (+Hess+, - Schweizer Archiv 1851). -- 10 Kühe erhielten je 250 g Bleizucker, - statt Glaubersalz; alle starben innerhalb 8 Tagen (+Kaumann+, Magazin - Bd. 27). -- 10 Rinder erhielten aus Versehen 3 Tage hintereinander - je zweimal etwa 50 g Bleizucker. 6 Stück krepierten innerhalb 2-6 - Tagen; die übrigen 4 mussten nach 5 Wochen infolge eines Rückfalls - getötet werden. Die Krankheitserscheinungen bestanden unter anderem - in Kolik, Muskelzuckungen, Aufstützen des Kopfes, hochgradiger - Mattigkeit und Erschöpfung, starker Abmagerung, lebhaftem Hautjucken, - pustulösem Hautausschlag über den ganzen Körper, Verkalben, Husten, - Speichelfluss, plötzlicher Lähmung (+Prinz+, Magazin 1. Bd.). -- - Mehrere Kühe nahmen auf der Weide in einer Gegend, wo Schiessübungen - abgehalten wurden, Bleikugeln auf. Sie magerten ab, gaben wenig - Milch, zeigten trockene Haut und blasse Schleimhäute. Bei der - Sektion fand man 2-8 kg abgeplattete Bleikugeln im Pansen, ausserdem - die Erscheinungen der Leberatrophie und interstitiellen Nephritis - (+Gilly+, Recueil 1889). -- Nach der Aufnahme von bleiweisshaltigem - Dünger auf einer Wiese erkrankten 8 Rinder unter den Erscheinungen - einer schweren Gehirnentzündung; sie zeigten maniakalische Anfälle, - Zwangsbewegungen, Zähneknirschen, Erblindung, starken Speichelfluss - und Zusammenstürzen. Die Sektion ergab starke Gehirnkongestion - (+Laho+ und +Mosselmann+, Belg. Annalen 1893). Dieselben Autoren - gaben einem jungen Stier von 185 kg Gewicht, um experimentell die - Frage der Geniessbarkeit des Fleisches vergifteter Tiere zu prüfen - (vergl. S. 24), 4 Tage lang hindurch je 50 g Bleiweissfarbe, worauf - derselbe am 4. Tage starb. -- 9 Rinder, welche mit dem Futter - abgekratzte alte Mennige aufgenommen hatten, zeigten Speicheln, - Zähneknirschen, anhaltende Verstopfung, Pulsverlangsamung (32 p. M.), - Zittern, partielle Zuckungen, Zwerchfellskrampf, Pupillenerweiterung, - Sehstörungen, Blindheit, schwerfälligen Gang und schwere psychische - Affektionen. Der Tod trat nach 4-10 Tagen ein; die Sektion ergab - einen negativen Befund (+Lehmann+, Berl. Archiv 1893 S. 459). -- - Einen ähnlichen Fall bei 2 Kühen (Apathie, Muskelzittern, stossendes - Atmen) hat +Sundt+ beobachtet (ibid. 1894 S. 343). -- Ueber - chronische Bleivergiftung bei Kühen, welche auf einem Schiessfeld - Bleikugeln aufgenommen hatten, berichtet +Magnin+ (Rec. 1893 S. 432). - -- Ein Rind erhielt von einem Pfuscher 120 g Bleizucker verschrieben, - wovon täglich der 3. Teil eingegeben werden sollte. Dasselbe zeigte - starkes Zittern, stieren Blick, Tobsucht, Schäumen und Zähneknirschen - und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab starke Magen- und - Darmentzündung und Gehirnhyperämie (+Köcher+, Berl. Archiv 1894 S. - 343). -- 2 Kühe zeigten nach der Aufnahme von Bleifarbe schwere - Tobsucht und Krämpfe (+Metzger+, D. th. W. 1895 S. 436). -- 3 Kühe, - welche Mehltrank mit Bleischrot vorgesetzt bekamen, erkrankten unter - Erscheinungen der Zerebrospinal-Meningitis, indem sie Krämpfe, - Unruhe, Aufregung und schliesslich Lähmung zeigten (+Pawlat+, - österr. Mon. 1896 S. 145). -- 2 Kühe leckten den Mennigeanstrich im - Stall ab und zeigten Salivation, Krämpfe, Vorwärtsdrängen, sowie - tobsuchtähnliche Anfälle (+Wallmann+, Berl. Arch. 1896 S. 349). -- - Nach der Aufnahme von Abwässern einer Bleiweissfabrik erblindeten - 2 Rinder auf beiden Augen; bei einem derselben stellte sich nach - 14 Tagen das Sehvermögen wieder ein (+Appenrodt+, Berl. Arch. 1897 - S. 196). -- 2 Rinder erkrankten 24 Stunden nach der Aufnahme von - Mennigefarbe und starben im Verlauf weiterer 24 Stunden, nachdem - sie Appetitlosigkeit, übelriechenden Durchfall, Vorwärtsdrängen - und Sichüberschlagen gezeigt hatten. Die Sektion ergab hochgradige - Entzündung des Labmagens (+Freitag+, Sächs. Jahresber. pro 1897 S. - 146). -- Nach der Aufnahme von ½ l Mennigefarbe zeigte eine Kuh - 48 Stunden später Appetitlosigkeit und Verstopfung, am 3. Tage - Kolik, Brechbewegungen, Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe mit starkem - Speicheln, Vorwärtsdrängen, epileptiforme Anfälle, Schlafsucht und - allgemeine Schwäche, welche in Lähmung überging und am 5. Tage zum - Tode führte (+Haubold+, ibid. S. 147). -- Nach dem Ablecken von - frischem Mennigeanstrich starben 3 Kühe noch an demselben Tage, 3 - wurden am Tag darauf notgeschlachtet; alle zeigten Appetitlosigkeit, - Verstopfung, krampfhafte Kaubewegungen, Vorwärtsdrängen, Schwäche der - Nachhand und Muskelzittern; 1 Kuh tobte, 1 verfiel in Schlafsucht - (+Fasold+, Berl. Arch. 1899 S. 212). -- Mehrere Kühe zeigten - nach dem Ablecken von Mennige und Bleiweiss heftige Aufregung, - Zittern, Salivation, Zähneknirschen, Kolik, Erblindung und Lähmung - (+Hoefnagel+, Holl. Zeitschr. 1899). -- Eine Kuh zeigte nach dem - Ablecken von Malerfarbe Zittern, periodische Zuckungen am Hals - und Kopf, fallsuchtähnliche Anfälle, Vorwärtsdrängen, Durchfall, - Tympanitis, harten Puls und angestrengte Atmung; der Haubeninhalt - des notgeschlachteten Tieres zeigte 2 Prozent metallisches Blei - (+Ebinger+, Schweiz. Arch. 1901 S. 179). -- 4 Kühe starben nach der - Aufnahme von Bleiweiss unter Kolikerscheinungen (+Lebrun+, Recueil - 1902). -- Eine Kuh starb nach dem Ablecken einer mit Mennige frisch - bestrichenen Krippe unter Lähmungs- und Krampferscheinungen (Berl. - Tier. Woch. 1901). -- 10 Kühe und 2 Kälber starben bezw. mussten - geschlachtet werden, nachdem sie Leinkuchenmehl erhalten hatten, - dem 2 Proz. Bleiweiss beigemengt war; sie zeigten Vorwärtsdrängen, - Trismus, intermittierende Anfälle von Aufregung und Tobsucht, - Krämpfe, Bewusstlosigkeit und Sopor (+Dahle+, Norweg. Vet.-Zeitschr. - 1901). -- Im Kreise Kempen starben 3 Kühe an Bleivergiftung dadurch, - dass der Besitzer Bleizucker statt Glaubersalz mit dem Futter - verabreichte. Derselbe Besitzer hatte 4 Monate vorher 3 Kühe nach - vermeintlicher Verabreichung von Glaubersalz notschlachten müssen - (der Drogist, der den Bleizucker irrtümlich verabfolgte, leistete - 1500 Mark Entschädigung). In einem anderen Falle erkrankten von - 12 Kühen eines Stalles 7 an Bleivergiftung nach der Aufnahme von - Mennige, mit der eiserne Träger angestrichen waren, wobei viel - Farbe verschüttet wurde. 5 Kühe starben. Die chemische Untersuchung - ergab im Dünndarm und in den Organen Blei. In demselben Kreise - starben 2 Kühe ebenfalls nach der Ableckung einer frisch mit Mennige - angestrichenen Säule; sie zeigten Speicheln, Durchfall, Auftreibung - des Hinterleibs, kleinen, beschleunigten Puls, hohes Fieber, - Zittern, Krämpfe und Tobsucht (Preuss. Vet.-Ber. pro 1899-1901). -- - 4 Rinder leckten Mennige aus einer Tonne und starben plötzlich unter - milzbrandverdächtigen Symptomen; eines derselben verfiel in Raserei - und starb wie vom Blitz getroffen. 6 andere Rinder starben nach der - Aufnahme von Bleiweiss infolge einer Verwechslung mit Futterkalk - unter Erscheinungen, welche den Verdacht auf Maul- und Klauenseuche - erweckten (ibid. 1904). -- Eine Kuh starb nach mehrtägiger Krankheit - unter Lähmungs- und Krampferscheinungen, nachdem sie einen frischen - Mennigeanstrich abgeleckt hatte (+Haase+, Berl. T.-W. 1901). -- - 7 Absatzkälber starben unter Tobsuchtserscheinungen, nachdem - der Kälberzwinger mit mennigehaltiger Oelfarbe angestrichen war - (+Steffani+, Sächs. Jahresber. 1902). -- 3 Rinder erkrankten nach - der Aufnahme von Bleifarbe (Mennige) unter Verdauungsstörungen, - Verlangsamung des Herzschlags und Zuckungen (+Mattern+, Woch. f. - Tierh. 1902). -- Eine Massenvergiftung von Kühen nach Verabreichung - von Rüben, deren Standort von der stark bleihaltigen Oker (Harz) - überflutet worden war, hat +Dammann+ beschrieben; 8 Kühe starben, 15 - schwerkranke und 19 leichterkrankte genasen nach der Verabreichung - von Glaubersalz und Leinsamenschleim; bei allen Genesenen wurde - starker Rückgang der Milchsekretion beobachtet (D. T.-W. 1904 Nr. - 1). -- Alljährlich erkrankten mehrere Jungrinder, welche auf der - Weide den Bodensatz und die Beschläge von Akkumulatoren aufgenommen - hatten, die gereinigt worden waren (Bleisulfat?); die Tiere zeigten - Muskelzittern, Sopor, Speicheln, Zähneknirschen, Durchfall und - Verstopfung (+Rehaber+, Münch. tierärztl. Woch. 1909). -- Weitere - Fälle von Bleivergiftung finden sich in den Jahresberichten der - preuss. beamteten Tierärzte 1902-1909. In einem Falle (Jahresber. - pro 1907) erkrankten und starben 5 Kühe nach der Fütterung von - ungewaschenen Rüben und Rübenblättern, die von einem Felde in der - Nähe von Bleibergwerken stammten; die Vergiftungen hörten auf, - als die Blätter gar nicht mehr und die Rüben nur nach gründlicher - Reinigung gefüttert wurden. Dass im übrigen einzelne Rinder - relativ grosse Mengen von Bleiverbindungen ertragen, zeigt eine - Beobachtung von +Baum+ und +Seliger+ (Berl. Arch. 1895), welche - einer Versuchskuh täglich steigende Dosen von 3-15 g Bleizucker, - innerhalb 80 Tagen insgesamt 520 g, verabreichten, ohne bei derselben - Krankheitserscheinungen wahrzunehmen (!). - - Ueber enzootische Bleivergiftungen in der Nähe von Bergwerken und - Flüssen vergl. +Meyer+: Die Verheerungen der Innerste im Fürstentum - Hildesheim. Hottingen 1822. +Fuchs+: Die schädlichen Einflüsse - der Bleibergwerke auf die Gesundheit der Haustiere, insbesondere - des Rindviehs, 1842; +Freitag+: Die schädlichen Bestandteile des - Hüttenrauchs, +Thiel’s+ landwirtschaftliche Jahrbücher 1882; - +Schröder+ und +Reuss+: Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch - und die Oberharzer Hüttenrauchschäden 1883. - - 2. +Pferde.+ Nach der Aufnahme von mit Bleisand verunreinigtem - Futter wurden Pferde von Schweratmigkeit befallen, welche an - Hartschnaufigkeit erinnerte und mit Erstickungsanfällen verbunden - war. Einige Pferde starben an Erstickung. Manche Pferde zeigten so - hochgradige Dyspnoe, dass sie nicht einmal im Schritt geführt werden - konnten. Erleichterung konnte nur durch die Tracheotomie geschafft - werden (+Stolz+, Preuss. Mitt. Bd. III). -- In der Umgebung von - Bleiwerken erkrankten Pferde häufig lediglich unter den Erscheinungen - einer Respirationsbeschwerde, während Ernährungsstörungen und andere - spezifische Erscheinungen vollkommen fehlen (+Schmidt+, Preuss. Mitt. - 1879; Berliner Archiv 1885 u. 1886). -- Ein Pferd zeigte auf 500 g - Bleizucker in 2 l Wasser gelöst Kolik, Schwäche, Steifheit, blasse - Maulschleimhaut, kleinen und schwachen Puls, hatte sich jedoch nach - 12 Stunden wieder erholt (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- 360 - g Bleiglätte tötete ein Pferd (+Dominik+), während 240 g nur eine - geringe Beschleunigung der Pulsfrequenz zur Folge hatten (+Gerlach+, - Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- +Beckmann+ (Zeitschr. f. Vetkde. - 1891 S. 253) fand als Ursache des im Winter bei 18 Pferden einer - Eskadron auftretenden Kehlkopfpfeifens das Einatmen von bleihaltigem - Sand der Reitbahn, welcher aus der Nähe eines alten Bleiwerks bezogen - wurde. Der Sand enthielt grosse Mengen von Bleioxyd. Die Pferde - waren sonst durchaus gesund, waren gut genährt und zeigten keinerlei - Störungen im Digestions- und Zirkulationsapparat. Wurden sie wenige - Minuten im Trab geritten, so beobachtete man ein pfeifendes, - inspiratorisches Geräusch und gleichzeitig so hochgradige Atemnot, - dass manche Pferde umzufallen drohten. Nach dem Reiten waren die - Pferde sehr aufgeregt und schwitzten stark. Nach 5-15 Minuten Ruhe - waren die Atmungsbeschwerden verschwunden. Von den 18 Pferden starben - 2 an Erstickung, 3 wurden geheilt, die übrigen blieben Pfeifer. - Bei der Sektion der gestorbenen Pferde fand man den hinteren und - seitlichen Ringgiesskannenmuskel geschwollen, die Schleimhaut des - Kehlkopfes verdickt und von neugebildeten Gefässen durchzogen. -- - In einem Regimente erkrankten innerhalb 24 Stunden 9 Pferde an - Kolik infolge Beleckens der neuen mit Mennige bestrichenen Barren - (Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1893). -- 4 Pferde erhielten aus einer - ½ km langen Bleirohrleitung, welche 2 Jahre lang leer geblieben - war, Trinkwasser und erkrankten an Verdauungsstörungen, leichten - Kolikanfällen, Muskelschwäche, Steifheit der Glieder, starkem Knacken - der Gelenke, Atmungsstörungen und dummkollerartigen Erscheinungen; - alle 4 Pferde starben (+Walther+, Sächs. Jahresber. pro 1896 S. - 148). -- 8 Pferde eines Gutes, welches einen halben Kilometer - von einem Bleiwerk entfernt war, erkrankten der Reihe nach an - Bleivergiftung. Ein 3 Monate altes Fohlen zeigte die Erscheinungen - der Fohlenlähme, zwei andere, ältere Fohlen Steifheit des Rückens - und der Gliedmassen. Eine alte Stute erkrankte an Kehlkopfpfeifen, - welches nach längerer Behandlung mit Jodkalium wieder verschwand; - dasselbe Pferd zeigte später während des Fressens plötzliche - Erstickungsanfälle mit rohrendem Husten, welche rasch zum Tode - führten. 2 andere Stuten zeigten ebenfalls akutes Rohren und Dyspnoe - (durch Jodkalium geheilt). Die Leber der gefallenen Pferde war stark - bleihaltig, desgleichen die untersuchten Futtermittel (+Mosselmann+ - und +Hébrant+, Belg. Annalen 1899). -- Fütterungsversuche, welche - +Thomassen+ mit Plumbum carbonicum (5-20 g pro die) bei 2 Fohlen - anstellte, ergaben schon nach 4-6 Wochen das Auftreten von Rohren - unter gleichzeitiger starker Abmagerung und Schreckhaftigkeit. Bei - der Sektion wurde folgendes ermittelt: Der Nervus recurrens war - beiderseits, links aber mehr als rechts degeneriert; er zeigte die - Erscheinungen der parenchymatösen Neuritis mit Zerfall des Myelins - und Achsenzylinders, sowie Bindegewebsneubildung. Auch am Nervus - vagus war starke Degeneration der Markscheide wahrzunehmen. Die - Kehlkopfmuskeln zeigten mikroskopisch atrophische Degeneration. In - der Medulla oblongata und spinalis wurden geringe Veränderungen der - Ganglien (Vaguskerne) gefunden, im Nervus sympathicus partielle - Bindegewebsneubildung. Der beim Menschen zuerst erkrankte Nervus - radialis war normal, desgleichen der Ischiadikus und Tibialis - (Holl. Zeitschr. 1903). -- Militärpferde erkrankten an Kolik und - Darmentzündung nach der Aufnahme mennigehaltigen Trinkwassers aus - angestrichenen Tränkbottichen (+Hentrich+, Zeitschr. f. Vetkde. 1909). - - 3. +Schafe.+ Ein altes Schaf erhielt 30 g Bleizucker. Dasselbe - erkrankte noch an demselben Tage und starb nach 8 Tagen (+Gerlach+). - -- +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Berliner Archiv 1884) fütterten - 2 Schafe mit kleinen Dosen Bleizucker (0,5-3,0 pro die). Das eine - starb nach der Verabreichung von zusammen 150 g nach 3 Monaten, - das andere bei einer Gesamtmenge von 164 g nach 4 Monaten an - chronischer Bleivergiftung. Die Symptome derselben waren nicht - sehr charakteristisch: abnehmende Fresslust, Traurigkeit, - gestörtes Wiederkauen, trockene Wolle, grosse Muskelschwäche, - Unruheerscheinungen, verzögerter Kotabsatz, Durchfall, Verringerung - der Harnsekretion, Abnahme der Harnstoffausscheidung, zuweilen - Albuminurie, jedoch keine Symptome von Enzephalopathie, Arthralgie - und Bleilähmung. Bei der Sektion war chronischer Darmkatarrh, - fettige Degeneration der Leber, diffuse Nephritis, Quellung der - Leber- und Nierenzellen, sowie eine eigentümliche Kerndegeneration - der Nierenepithelien zu konstatieren. Die chemische Untersuchung - ergab, dass am meisten Blei enthielten die Leber, die Nieren, die - Speicheldrüsen, die Milz, die Knochen und das Zentralnervensystem. - - 4. +Hunde.+ Ein Hund wurde von Arbeitern einer Bleihütte mit Brot - gefüttert, welches Bleiglätte enthielt. Es trat alsbald Unruhe, - Geifern, Würgen und noch an demselben Tage der Tod unter Konvulsionen - ein. Bei der Sektion fand man die Schleimhaut des Magens dunkelrot, - an einigen Stellen trocken und korrodiert, die Schleimhautfalten - wulstig geschwollen, das Gehirn stark hyperämisch (+Dietrich+, - Preuss. Mitt. 1874). -- Ein Hund starb auf 14 g innerhalb 28 Stunden - (+Orfila+, Toxikologie); ein anderer starb auf 8 g Bleifeile nach - 18 Tagen. Ferner starben Hunde bei täglicher Verabreichung von - 0,2-0,5 Bleizucker nach 5-8 Wochen an chronischer Bleivergiftung - (Gesamtverbrauch 10 bis 30 g). -- 2 Pferde und 1 Hund erkrankten - in der Nähe einer Blei- und Silberhütte schwer an Bleivergiftung - (+Tappe+, Berl. Arch. 1901). -- Die Erscheinungen der chronischen - Bleivergiftungen bei Hunden sind nach den experimentellen - Untersuchungen von +Heubel+ und +Maier+ (Pathogenese und Symptome - der chronischen Bleivergiftung 1871): Appetitlosigkeit, Erbrechen, - Speichelfluss, Durchfall, hochgradige Abmagerung, namentlich - Muskelatrophie am Rücken und an den Hinterschenkeln, vorübergehende - Kolikanfälle, Schwäche der hinteren Extremitäten, Zittern - (eigentliche Muskellähmung fehlte), ausgeprägte Eklampsia saturnina - (in der 4. oder 5. Woche), verzögerter Kotabsatz und Verstopfung. - Bei der Sektion fand sich in allen Organen (Darm, Leber, Nieren, - Gehirn, Rückenmark) eine starke Bindegewebswucherung, zunächst in den - Gefässwandungen mit konsekutiver Kompression der Gefässe, Atrophie - der Darmdrüsen, Darmfollikel und Darmzotten, sowie Atrophie der - Darmganglien. - - 6. +Schweine.+ Ein ½jähriges Schwein erkrankte nach 8 g Bleizucker, - erholte sich aber wieder nach 4 Tagen (+Gerlach+). -- Mehrere - Schweine leckten ein frisch angestrichenes Stallgitter ab; sie - zeigten Erbrechen, Verstopfung und Krämpfe (+Dinter+, Sächs. - Jahresber. 1864). - - 6. +Geflügel.+ Hühner wurden auf einem verlassenen Blendelagerplatz - gehalten. Mehrere Hähne erkrankten und starben; sie zeigten dunklen, - geschrumpften Kamm, gesträubtes Gefieder und lagen am andern Tage - tot im Stall. Die Hühner erkrankten nicht, aber sie legten Eier ohne - Schalen (+Dietrich+, Preuss. Mitt. 1874). -- Enten schlutterten in - Jauche, welche Bleizucker enthielt; sie starben nach wenigen Tagen - (+Krekeler+, ibidem). -- Tauben, welche bleihaltige Glasur von - Trinkgefässen, sowie eine frisch mit Bleiweiss gestrichene Dachrinne - abgepickt hatten, zeigten starke Anschwellung der Zehen, schnelles - Absterben einzelner Zehenglieder, Unruhe, Taumeln, epileptiforme - Krämpfe, Erbrechen und Speicheln (Dresd. Bl. f. Geflügelzucht 1896 - S. 408). -- Dompfaffen in einem Drahtkäfig aus verzinntem Draht, - der durch bleihaltige Lötmasse verbunden war (60 Proz. Bleigehalt; - das Lot der Kochgeschirre für den Menschen darf nur 10 Proz. Blei - enthalten), zeigten Traurigkeit, Zittern, Schwäche, Benommenheit und - Schlafsucht und starben nach 8 Tagen. Der Sektionsbefund war negativ; - die Körperorgane enthielten Blei (+Regenbogen+, Berl. T. W. 1908 S. - 544). - - -Quecksilbervergiftung. Merkurialismus. - - =Chemie der Quecksilberverbindungen.= Das reine +metallische - Quecksilber+ wird hüttenmännisch aus dem natürlich vorkommenden - Quecksilber durch Reinigung oder aus dem Zinnober (HgS) durch Rösten - dargestellt. Es ist ein glänzendes, silberweisses, flüssiges, - schweres Metall, welches schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunstet - und sich nur in Salpetersäure löst. Mit Metallen bildet es Amalgame. - Es dient zur Herstellung der +grauen Quecksilbersalbe+, sowie anderer - Quecksilberpräparate. Der +Sublimat+ (Quecksilberchlorid, Hydrargyrum - bichloratum), HgCl_{2} bildet ein schweres, weisses, ätzend - schmeckendes Pulver, in 1 : 16 kaltem, sowie 1 : 3 heissem Wasser - löslich, das sich beim Erhitzen wie alle Quecksilberverbindungen - verflüchtigt, mit Alkalien gelbrot, mit Jodkalium scharlachrot, mit - Schwefelwasserstoff schwarz, mit Ammoniak weiss färbt, metallisches - Kupfer amalgamiert und mit Eiweisslösungen Niederschläge gibt. - +Kalomel+ (Quecksilberchlorür, Hydrargyrum chloratum), Hg_{2}Cl_{2}, - bildet ein gelbweisses, schweres, in Wasser unlösliches, - geschmackloses Pulver, das beim Erhitzen ebenfalls flüchtig - ist und sich mit Alkalien schwarz färbt. Der +rote Präzipitat+ - (Quecksilberoxyd, Hydrargyrum oxydatum), HgO, bildet ein gelbes, oder - gelbrotes schweres Pulver, das in Säuren leicht löslich ist und sich - beim Erhitzen unter Abscheiden von Quecksilber verflüchtigt. Der - +weisse Präzipitat+ (Hydrargyrum bichloratum ammoniatum), HgClNH_{2}, - bildet ein weisses, in Wasser unlösliches, beim Erhitzen flüchtiges, - schweres Pulver, das sich mit Natronlauge in Ammoniak und gelbes - Quecksilberoxyd zerlegt. +Quecksilberjodid+ (Hydrargyrum bijodatum - rubrum), HgJ_{2}, bildet ein lebhaft scharlachrotes, in Wasser - unlösliches, beim Erhitzen flüchtiges Pulver, das sich in Jodkalium - und Spiritus farblos löst. Giftig sind endlich auch die Dämpfe des - Knallquecksilbers. - - -=Aetiologie der Quecksilbervergiftung.= Die meisten -Quecksilbervergiftungen sind Medizinalvergiftungen, deren Ursprung -gewöhnlich in einer +Unterschätzung der Gefährlichkeit aller -Quecksilberpräparate, namentlich beim Rind+, zu suchen ist. Im -Speziellen ist über die ätiologische Bedeutung der einzelnen -Quecksilberpräparate folgendes zu bemerken. - -1. Die +graue Quecksilbersalbe+ gibt am häufigsten Veranlassung zu -Vergiftungen. Sie ist besonders für die Wiederkäuer und namentlich -für das Rind, bei welchem sie zur Vertilgung der Läuse, gegen -Euterentzündungen etc. eingerieben wird, eines der giftigsten -Arzneimittel. +30 g Quecksilbersalbe können bei erwachsenen Rindern -schon schwere Vergiftungserscheinungen bedingen.+ Im Gegensatze hierzu -sind Pferde, Schweine und Hunde gegen die Salbe nur wenig empfindlich. -Ein Jagdhund frass z. B. 170 g Salbe auf einmal, ohne schwere -Krankheitserscheinungen zu zeigen (+Deijermans+). Schweine ertragen -bis zu 80 g Salbe ohne zu erkranken (+Reiche+). Ein Pferd starb erst, -nachdem innerhalb eines Monats 3240 g Salbe, also über 3 kg, verbraucht -waren (+Schubarth+). Ein anderes Pferd starb ebenfalls erst nach einem -Monate, nachdem täglich 120 g Salbe (zusammen über 3½ kg) eingerieben -worden waren (Alforter Schule). In einem Pferdestalle, in welchem ein -Pferd mit grauer Salbe längere Zeit behandelt wurde, erkrankte ein -daselbst eingestellter Stier infolge Einatmung der Quecksilberdämpfe -an Merkurialismus, während das Pferd vollständig gesund blieb. Dagegen -scheinen Katzen und Vögel wieder sehr empfindlich zu sein; so starben -Kanarienvögel nach dem Einreiben von 0,5 der grauen Salbe (+Hertwig+). - -2. Der +Sublimat+ ist das stärkste aller Quecksilberpräparate. Er gibt -zu Vergiftungen Veranlassung durch seine Verwendung als +Rattengift+, -sowie als Antiseptikum in der +Chirurgie+ und +Geburtshilfe+. Auch -hier zeigt wieder das Rind die grösste Empfindlichkeit; es können -z. B. Uterusausspülungen mit 1promilligem Sublimatwasser bei Kühen -eine allgemeine Quecksilbervergiftung zur Folge haben. Ebenso hat man -nach unvorsichtiger +Sublimatdesinfektion+ von +Rinderstallungen+ -schwere Quecksilbervergiftungen bei den nachher eingestellten -Rindern beobachtet. Dagegen sind nach dem Gebrauche des Sublimats -als Desinfektionsmittel bei Pferden Vergiftungen bisher nicht -beobachtet worden. Sogar das Anlegen von Aetzligaturen auf den -Samenstrang zum Zwecke der Kastration hat bei Bullen in zahlreichen -Fällen Merkurialismus zur Folge gehabt (+Junginger+, +Schmidt+ und -andere bayerische Tierärzte). Im Jahr 1901 erkrankten in Hessen, -Bayern, Preussen, in der Schweiz und in Italien zahlreiche Rinder -an Merkurialismus, nachdem sie auf den Vorschlag von +Baccelli+ -intravenöse Injektion von Sublimat gegen Maul- und Klauenseuche -erhalten hatten, trotz kleinster Dosen (0,02-0,05 pro Rind); in der -Schweiz allein erkrankten 30 Kühe hiernach an Quecksilbervergiftung -(+Hirzel+, +Tamborini+, +Boschetti+ u. a.) Die +tödliche Dosis+ des -Sublimats beträgt für Rinder per os 4-8 g, subkutan 0,5 g, für Pferde -5-10 g, für Schafe 4 g, für Hunde und Katzen 0,1-0,3 g. - -3. +Kalomel+ ist ebenfalls in erster Linie für Rinder ein sehr -gefährliches Gift; +schon 8-10 g können bei erwachsenen Rindern -schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen+. Schafe und Ziegen -zeigen von 1-5 g ab schwere bezw. tödliche Vergiftungen; Ziegen sind -im allgemeinen empfindlicher als Schafe (+Reiche+, +Müller+). Kälber -zeigen sogar allgemeinen Merkurialismus nach dem Einstreuen von Kalomel -ins Auge gegen Keratitis (+Lippus+). Dagegen ertragen Hunde und -Schweine ziemlich grosse Kalomeldosen, erstere bis zu 2, letztere bis -zu 10 g. Besonders gefährlich ist die gleichzeitige Verabreichung von -Kalomel und Aloe; Pferde können hierbei schon nach 3 g Kalomel sterben -(vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). - -4. +Quecksilberjodid+ ist ebenso giftig wie Sublimat. Ein 2½jähriger -Bulle starb z. B. nach dem Einreiben einer Salbe, welche 5 g -Hydrargyrum bijodatum rubrum enthielt. Auch bei Pferden sind nach dem -Einreiben der Salbe Vergiftungen beobachtet worden. Ebenfalls giftig -wirkt das +Hydrargyrum oxycyanatum+ (Ausspülungen des Uterus beim Rind -mit Lösungen 1 : 6000). - -5. Der +rote Präzipitat+ steht hinsichtlich seiner Giftigkeit zwischen -dem Sublimat und Kalomel. Pferde zeigen nach 10 g, Hunde nach 0,2-0,5 g -schwere Vergiftungserscheinungen. - -6. Das +metallische Quecksilber+ kann von Hunden und Schweinen -innerlich in sehr grossen Gaben (250-500,0) ohne schädliche Wirkung -aufgenommen werden. Dagegen ist auch hier das Rind besonders -empfindlich; in einem von +Lübke+ beschriebenen Falle erkrankte -ein Rind an Merkurialismus, welchem innerlich gegen Verstopfung -20 g Quecksilber eingegeben wurden. Sehr giftig sind ferner die -+eingeatmeten Quecksilberdämpfe+, wie klinische und experimentelle -Beobachtungen gezeigt haben. Sie erzeugen infolge Umwandlung des -Metalls zu löslichen Verbindungen bronchitische und pneumonische -Erscheinungen, sowie im allgemeinen Merkurialismus. So erkrankten und -starben z. B. auf dem Schiffe „Le Triomphe“, in dessen Schiffsraum eine -grössere Menge von Quecksilber ausgelaufen war, ausser der Mannschaft -auch sämtliche in dem Schiff befindliche Tiere (Schweine, Schafe, -Ziegen, Katzen, Geflügel, Mäuse) an Quecksilbervergiftung. - - -=Krankheitsbild der Quecksilbervergiftung.= Die Erscheinungen des -Merkurialismus sind je nach den einzelnen Quecksilberpräparaten -insofern etwas verschieden, als die einen derselben (Sublimat, -Quecksilberjodid, Quecksilberoxyd) in erster Linie und zuweilen -ausschliesslich eine ätzende und erst in zweiter Linie eine allgemeine -Wirkung ausüben, während die graue Quecksilbersalbe und häufig auch -das Kalomel von vornherein die Erscheinungen eines allgemeinen -Merkurialismus hervorrufen. Ausserdem wird das Krankheitsbild durch -die Art und Weise der Applikation wesentlich beeinflusst. So erzeugt -der Sublimat, wenn er innerlich aufgenommen wird, gewöhnlich eine -korrosive, schnell tödlich verlaufende Gastroenteritis, während er -vom Uterus oder von der Haut aus allgemeinen Merkurialismus bedingt. -Auf diese besonderen Verhältnisse kann hier nicht genauer eingegangen -werden, es sollen vielmehr nur die charakteristischen Erscheinungen des -allgemeinen Merkurialismus übersichtlich zusammengestellt werden, wobei -bemerkt wird, dass nicht immer sämtliche aufgeführte Symptome in einem -und demselben Falle beobachtet werden. Die wichtigsten Erscheinungen -sind: - -1. +Salivation+, +Stomatitis ulcerosa+, Auflockerung des Zahnfleisches, -Lockerwerden und Ausfallen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch -aus dem Maule. - -2. +Magendarmkatarrh+, mit vorwiegender Beteiligung des Blinddarms bei -den Pflanzenfressern, später profuse, selbst blutige +Diarrhöe+ mit -graugrünem, dünnflüssigem, oft aashaft riechendem Kote. - -3. +Husten+, eiteriger Nasenausfluss, +Bronchoblennorrhöe+, selbst -+Bronchopneumonie+, angestrengte, selbst dyspnoische Atmung, -übelriechendes Exspirium, Nasenbluten. - -4. +Hautexantheme+, in der Hauptsache +Ekzema impetiginosum+ und -+squamosum+, beginnend mit starkem +Jucken+, infolgedessen Nagen -und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und Borkenbildung neben -bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der Subkutis, Bildung von -Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle. +Lieblingsstellen+ -sind: die Umgebung der eingeriebenen Stelle, die Gegend der Augen, des -Flotzmaules, Afters, Euters und der Scheide, die Trielfalte, sowie die -Beugeflächen der Gelenke. - -5. +Lähmungsartige Schwäche+, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, -Zittern (+Tremor mercurialis+), Schreckhaftigkeit und Delirien -(+Erethismus mercurialis+), Lähmung einzelner Muskeln, Amaurose, -Taubheit, Anästhesie, +Abmagerung+. - -6. +Nephritis+ (Anurie, Albuminurie, Zylindrurie) und -+Kalkinkrustation+ der +Niere+ (Nekrose des Nierenepithels mit -Kalzinifikation infolge mangelnder Fähigkeit der Kalkabscheidung). - -7. +Blutungen in den verschiedensten Organen+, besonders den -Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus). -Zuweilen erfolgt der Tod durch innere Verblutung oder Nasenbluten. -Endlich bedingt das Quecksilber einen starken Zerfall der roten -Blutkörperchen (Hämolyse). - -Der +Verlauf+ ist entweder +akut+, besonders bei jungen Tieren und -bei vorwiegend lokaler Aetzung im Magen und Darm. Sublimat kann so -innerhalb einiger Stunden schon eine tödliche Vergiftung herbeiführen, -ohne dass es zu allgemeinem Merkurialismus kommt. Die Dauer des akuten -Merkurialismus ist sehr verschieden und beträgt mehrere, selbst 10-14 -Tage. Oder der Verlauf ist +chronisch+, mehrere Wochen, selbst Monate -dauernd. In einzelnen Fällen hat man bei Milchkühen andauerndes -Versiegen der Milchsekretion nach Ablauf der Quecksilbervergiftung -beobachtet. In der Regel findet man ferner nach dem Verschwinden der -Vergiftungserscheinungen noch wochen- und monatelang Eiweiss im Harn. - - -=Sektionsbefund.= Man findet zunächst mehr oder weniger ausgeprägte -+Entzündungszustände auf der Schleimhaut des Digestionstraktus+ in -verschiedenen Graden: ulzeröse Stomatitis (kann fehlen), punktförmige -und fleckige Rötung, hämorrhagische Erosionen, Geschwürsbildung -im Magen, besonders auf der Höhe der Schleimhautvorsprünge und im -Labmagen; die Mukosa ist oft ödematös geschwollen, die Submukosa -serös infiltriert, so dass die Darmschleimhaut schlotternde Wülste -bildet; daneben beobachtet man hochgradige Anämie des Darmes. Das -subperitoneale Bindegewebe ist ebenfalls ödematös, mit fleckigen -Hämorrhagien durchsetzt. Die +Leber+ ist anämisch, geschwollen. -Die +Nieren+ sind +entzündlich+ geschwollen, serös infiltriert, -ekchymosiert und zuweilen vollständig +mit Kalk inkrustiert+ -(eigentümlicherweise ist die Verkalkung der Niere bisher nur beim -Menschen und beim Kaninchen beobachtet worden; beim Hund findet man -statt dessen +fettige Degeneration+ des Nierenepithels). In chronischen -Fällen kann sich Nierenzirrhose entwickeln. Der +Herzmuskel+ zeigt -fettige Entartung und Hämorrhagien, die Gehirnsubstanz ist anämisch, -weich, wässerig-glänzend; unter der Arachnoidea, sowie in der -Gehirnrinde finden sich Blutungen. Die +Respirationsschleimhaut+ ist -entzündlich geschwollen und zeigt zuweilen einen kruppösen Belag. Die -+Lunge+ ist blutreich, von Hämorrhagien, bronchopneumonischen Herden -und Abszessen durchsetzt; die bronchialen und mediastinalen Drüsen sind -geschwollen. Die +Haut+ und das +Unterhautbindegewebe+ ist anämisch, -das Unterhautbindegewebe serös infiltriert, unter den ekzematösen -Hautstellen ekchymosiert; die +Körpermuskulatur+ ist auffallend -blass, welk, wie gekocht, von fleckigen, düsterbraunroten Ekchymosen -durchsetzt, dabei stark sulzig infiltriert, so dass beim Einschneiden -eine fleischwasserähnliche Flüssigkeit abläuft. Das +Blut+ erscheint -schwarzrot, schmierig, schlecht geronnen. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Quecksilbervergiftung beginnt mit der -Entfernung der Ursachen, also namentlich beim Rind mit dem Abwaschen -der eingeriebenen Quecksilbersalbe. Das nächste Bestreben muss sein, -das eingedrungene Quecksilber in eine unlösliche und ungiftige -Form, nämlich in Schwefelquecksilber, überzuführen. Zu diesem Zweck -verabreicht man +Schwefel+, +Schwefelleber+, +Schwefeleisen+; -auch Eisenpräparate, namentlich +Eisenpulver+ und +Eisenvitriol+, -sind Gegenmittel. Daneben verabreicht man +einhüllende+ Mittel, -namentlich Eiweiss, Milch und Schleim, und behandelt die einzelnen -Vergiftungserscheinungen symptomatisch, indem man insbesondere gegen -die Lähmung Exzitantien (Aether, Weingeist, Kampfer, Kaffee, Atropin) -gibt. Dagegen ist Kochsalz nicht angezeigt, weil es im Gegenteil -die Löslichkeit und Resorption namentlich des Sublimats befördert. -Als Mittel gegen die merkurielle Stomatitis wird +Kali chloricum+ -als Mundwasser verordnet. Die chronischen Fälle von Merkurialismus -werden wie die chronische Bleivergiftung versuchsweise mit +Jodkalium+ -behandelt; eine vollständige Entgiftung des Körpers ist jedoch erst -nach vielen Monaten zu erwarten. - - -=Nachweis.= Auch beim Quecksilber ist, wie beim Blei, behufs -des chemischen Nachweises eine vorhergehende Trennung desselben -aus seinen metallorganischen Verbindungen vorzunehmen. Dieselbe -geschieht durch +Zerstörung+ der letzteren mittels +Salzsäure+ und -+chlorsaurem Kali+. Das Quecksilber wird dadurch in +Sublimat+ -übergeführt und nach Einleiten von +Schwefelwasserstoff+ in die -salzsaure Lösung als +schwarzes Schwefelquecksilber+ gefällt. Der gut -ausgewaschene Niederschlag löst sich zum Unterschiede von Schwefelblei, -Schwefelkupfer und Schwefelsilber in Salpetersäure +nicht+. Die Lösung -des Niederschlags in +Königswasser+, in welchem das Schwefelquecksilber -+leicht+ löslich ist, wird sodann zur Trockene verdunstet und -unter Zusatz von einigen Tropfen Salzsäure in Wasser aufgenommen, -worauf nachfolgende +qualitative Reaktionen+ angestellt werden (die -Lösung enthält Sublimat): a) Mit +Kalilauge+ versetzt entsteht ein -+gelbroter+ Niederschlag von Quecksilberoxyd. b) Mit +Jodkalium+ -bildet sich ein scharlachrotes Quecksilberjodid. c) Mit +Salmiakgeist+ -entsteht ein +weisser+ Niederschlag von weissem Präzipitat. d) -Mit +Zinnchlorürlösung+ (1 Tropfen) entsteht anfangs ein weisser -Niederschlag, später scheidet sich +graues metallisches Quecksilber+ -ab. e) Ein +blanker Kupferstreifen+ wird +weiss amalgamiert+. f) Durch -+Elektrolyse+ schlägt sich das Quecksilber +metallisch+ am Zinn nieder. - -+Quantitativ+ wird Quecksilber als +Metall+, +Kalomel+ oder -+Schwefelquecksilber+ dargestellt und gewogen (100 Teile Kalomel = -85 Teile Quecksilber). Am häufigsten führt man das Quecksilber aus -salpetersäurefreien Lösungen mit Zusatz von etwas Salzsäure durch -kurzes Kochen mit genügender Lösung von +Zinnchlorür+ in Kalomel -(Quecksilberchlorür) über, welches beim Erkalten ausfällt und dann -filtriert, getrocknet (vorsichtig mit Filtrierpapier und über -Schwefelsäure; nicht durch Erwärmen, weil flüchtig) und gewogen wird. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Aus der überaus grossen Zahl der - namentlich beim Rind in der tierärztlichen Literatur beschriebenen - Quecksilbervergiftungen mögen die nachstehenden besonders - interessanten Fälle kurz registriert werden. Einer Kuh wurden - gegen Milchknoten 60 g graue Salbe nach und nach eingerieben. Nach - 3 Wochen trat starke Abmagerung ein, die Haare waren struppig, - leicht ausfallend. Auf dem Rücken zeigte sich eine dicke Lage von - Schuppen und eisenerzähnlichem Staub. An Stelle der ausfallenden - Haare sickerte eine gelbrötliche Flüssigkeit aus. Am Euter, an der - Innenfläche der Hinterschenkel, an den Beugeflächen des Sprung- - und Ellenbogengelenks bemerkte man blutrünstige Stellen. Das Tier - genas bald wieder, die Milchsekretion kehrte aber nicht wieder - (+Piepenbrock+, Preuss. Mitt. 1877). -- Eine Kuh, welche mit grauer - Salbe eingerieben wurde, zeigte unter anderen Erscheinungen der - Quecksilbervergiftung Nasenbluten, das im Verlaufe von 36 Stunden - zum Tode führte (+Jansen+, Preuss. Mitt. 1879). -- Ein 2½jähriger - Bulle erhielt gegen eine Geschwulst in der Parotisgegend eine - Einreibung nach folgendem Rezept: Hydrargyri bijodati rubri 5,0; - Unguenti Cantharidum 75,0; Olei Crotonis 0,5. Nach 8 Tagen zeigte - derselbe die ausgesprochenen Erscheinungen des Merkurialismus - (Durchfall, Hautausschlag etc.) und verendete nach 7wöchentlicher - Krankheitsdauer (+Schleg+, Sächs. Jahresber. 1881). -- Sieben - Kühe und zwei Kälber wurden durch Einreiben von zusammen 250 g - grauer Salbe vergiftet; sie zeigten unter anderem Vereiterung der - Lymphdrüsen und Lymphgefässe (+Haubold+, Sächs. Jahresber. 1887). - -- Eine gesunde Kuh erhielt 4 g Sublimat in 200 g destilliertem - Wasser gelöst. Sie zeigte vorübergehend Rülpsen, Geifern, Husten und - Appetitverminderung, war aber am folgenden Tage wieder munter. 5 - Tage nachher erhielt sie 8 g Sublimat in ½ l destilliertem Wasser. - Es trat sofort Geifern und Rülpsen ein, Fressen und Wiederkäuen - hörten jedoch erst am nächsten Tage auf; gleichzeitig trat weicheres - Misten, erschwertes Atmen und ein sehr kleiner, beschleunigter Puls - auf. In den nächsten Tagen sistierte die Futteraufnahme gänzlich, - der Kot wurde dünn, stinkend und blutig, es stellte sich grosse - Mattigkeit ein, das Tier lag anhaltend, magerte stark ab und starb - am 14. Tage (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- 2 Kühe wurden - wegen eines Ekzems mit 30 g grauer Salbe eingerieben. Acht Tage - darauf zeigten sie geringen Appetit, Husten, pochenden Herzschlag - sowie zahlreiche stecknadelkopf- bis erbsengrosse, beim Konfluieren - bis markstückgrosse Blutungen auf allen sichtbaren Schleimhäuten, - namentlich auf den Konjunktiven, welch letztere so intensiv waren, - dass die Bulbi über die Augenlider vorgedrängt wurden. Bei der - Notschlachtung wurden auch zahlreiche Blutungen auf allen serösen - Häuten gefunden. Endokardium und Epikardium waren so vollständig - mit Blut durchtränkt, dass sie ein schwarzrotes Aussehen hatten. - Auch die Körpermuskulatur war reichlich mit Blutungen durchsetzt. - -- Eine Kuh und ein Stier wurden mit grauer Salbe gegen Ungeziefer - eingerieben, die Kuh abortierte und starb den Tag darauf. Der Stier - zeigte über den ganzen Körper einen leicht blutenden Hautausschlag, - Husten, Nasenbluten, Abmagerung. Bei der Notschlachtung fand - man zwei grössere Blutherde in der Lunge, ausserdem bedeutende - fettige Degeneration der Leber und Nieren (+Freytag+, Sächs. - Jahresbericht 1893). -- +Lucet+ (Recueil 1896) bestreitet die - grössere Empfindlichkeit der Wiederkäuer gegenüber dem Quecksilber; - er will seit 15 Jahren Quecksilbersalbe in Dosen von 30-50 g bei - zahlreichen Kühen ohne Gefahr angewandt und diese Dosis bei - Mastitis sogar täglich 2mal wiederholt haben. Eine Versuchskuh - erhielt innerhalb 4 Tagen 250 g Quecksilbersalbe eingerieben, ohne - dass ausser geringgradigem Speichelfluss Krankheitserscheinungen - beobachtet wurden; die frisch bereitete Salbe bestand aus gleichen - Gewichtsteilen Quecksilber und Schweinefett. (Da in der Praxis - gewöhnlich nicht frisch bereitete, sondern ältere Quecksilbersalben - zur Anwendung gelangen, die bekanntlich viel giftiger wirken, ist - die von +Lucet+ ausgeführte Untersuchung nicht beweiskräftig.) -- - Ein 3½jähriger Ochse erhielt durch Versehen des Apothekers statt - 30,0 Extr. Aloes 30,0 Kalomel innerhalb 16 Stunden auf 4mal. Es - entwickelte sich hierauf ein allgemeiner Quecksilberausschlag. Das - in grossen Dosen als Gegenmittel angewandte Ferrum sulfuricum hatte - nach 5wöchentlicher Krankheitsdauer Heilung zur Folge (+Dotter+). -- - Ein Bauer kaufte einen Fingerhut voll Quecksilber, verrieb es mit - Fett und rieb damit einen Ochsen und eine 8 Monate alte Kalbin gegen - Ungeziefer ein. Der Ochse blieb gesund, dagegen starb die Kalbin - nach 14 Tagen unter den Erscheinungen des Merkurialismus, nachdem - sie 8 Tage vorher abortiert hatte (+Noack+, Sächs. Jahresber. 1891). - -- Mehrere Kühe erkrankten nach dem Einreiben von grauer Salbe; - sie zeigten ödematöse Anschwellungen und seröse Exsudation an den - Füssen, bläuliche Verfärbung des Euters, Speicheln, Lockerung der - Schneidezähne, Fieber, Gefühllosigkeit und Festliegen (+Kunze+, - ibid.). -- Eine 6jährige, kräftige Kuh erhielt gegen Aktinomykose - eine subkutane Injektion von 0,5 Sublimat und starb infolgedessen - an Merkurialismus (+Mortensen+, dänische tierärztl. Monatsschr. - 1892 S. 169). -- Eine Kuh erkrankte an Merkurialismus, nachdem sie - 5 g grauer Salbe abgeleckt hatte (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. pro - 1895). -- 9 Rinder erkrankten nach dem Einreiben von zusammen 500 - g grauer Salbe (+Pröger+, ibid.). -- Mit grauer Salbe eingeriebene - Rinder zeigten blutigen Ausfluss aus Nase und Maul, grosses - Juckgefühl, fortwährend Reiben und Belecken, Muskelzittern, lose - Zähne, Geschwüre am Zahnfleisch, stinkenden Durchfall, schmerzhaften - Husten, Schlingbeschwerden, Geschwüre auf der Nasenschleimhaut, - üblen Geruch der ausgeatmeten Luft, Abmagerung bis zum Skelett - sowie Lähmungserscheinungen (+Hable+, Oesterr. Zeitschr. 1889 S. - 125). -- Nach der Desinfektion eines Rinderstalles mit Kalkwasser - und 5promilliger Sublimatlösung erkrankten zahlreiche Rinder an - Merkurialismus (+Rosolino+, Clin. vet. 1898). -- Eine ähnliche - Beobachtung ist in Schweden gemacht worden: von 92 Kühen erkrankten - 75 und starben 10 Stück an Merkurialismus, nachdem der Stall mit - Sublimat (1700 g!) desinfiziert worden war (Schwed. Zeitschr. 1893). - -- Ein Rind erkrankte nach dem Eingeben von 20 g metallischem - Quecksilber (+Lübke+, Zeitschr. f. Vetkde. 1896 S. 54). -- Von 2 - zusammen mit 75 g grauer Salbe eingeriebenen Rindern starb das - eine, das andere erkrankte an chronischer Vergiftung (+Ellinger+, - Berl. Arch. 1898 S. 298). -- Nach einer Sublimatausspülung des - Uterus erkrankte ein Rind schwer an Merkurialismus (+Beier+, Sächs. - Jahresber. pro 1897 S. 148). -- Bei einem mit Sublimat-Aetzligatur - kastrierten Stier traten am 17. Tage nach der Kastration die - Erscheinungen der Quecksilbervergiftung auf: schleimiger - Nasenausfluss, Geschwüre am Flotzmaul, an den Lippenrändern und - auf der Maulschleimhaut, Speichelfluss, impetiginöses Ekzem am - Triel, an der Schweifrübe und an den Fussgelenken, Husten, Dyspnoe, - Bronchitis, Appetitlosigkeit, Benommenheit; Genesung nach 3 Wochen - (+Junginger+, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1891 S. 453). 2 ähnliche - Fälle bei kastrierten Stieren beobachtete +Antretter+ (ibid. S. 456). - -- +Schmidt+ (ibid. 1900 S. 62) beobachtete in den Jahren 1886-1894 - alljährlich vereinzelte Fälle von Quecksilbervergiftung bei Stieren, - welche mit Sublimatligaturen kastriert wurden. Ausserdem beschreibt - er ein seuchenartiges Auftreten des Merkurialismus infolge einer - Einreibung von grauer Salbe (Einatmung von Quecksilberdämpfen). -- - +Luginger+ (Berl. Tierärztl. Woch. 1902 S. 63) hat zwei schwere Fälle - von Vergiftung beim Rind mit Ausgang in Heilung beobachtet, welche - durch die Einreibung von grauer Salbe veranlasst waren; beide Kühe - zeigten nach der Genesung eine auffallende Zunahme des Körpergewichts - und starken Fleischansatz. -- +Ortmann+ (ibid. S. 173) sah nach - Sublimatinjektionen in die Scheide und Sublimatwaschungen (gegen - seuchenhaftes Verwerfen) 2 Kühe nach 10 bezw. 14 Tagen sterben, - nachdem profuser stinkender Durchfall und Husten vorausgegangen - war. -- +Kronburger+ (Woch. f. Thierh. 1902) sah nach dem Einreiben - einer gänseeigrossen Menge grauer Salbe bei einem Ochsen diesen und - noch zwei andere Rinder unter lungenseucheähnlichen Erscheinungen - erkranken und 2 Tiere starben; die Vergiftungserscheinungen bestanden - in ungemein häufigem quälendem Husten, Stöhnen, Dyspnoe, hohem - Fieber, starker Abmagerung, sowie schleimig-blutigen Darmabgängen. - -- +Seegert+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1903) sah von 60 Stück Jungvieh - nach dem Einreiben von grauer Salbe gegen Läuse (70-80 g pro Haupt) - 16 an Quecksilbervergiftung sterben; 5 Wochen nach Anwendung der - Salbe erreichte die Zahl der schwerkranken Tiere ihren Höhepunkt; - bis zum Eintritt des Todes lagen die Tiere 4-8 Tage unter grosser - Schwäche auf der Streu. -- 20 Ochsen eines Gutes erkrankten nach - der Einreibung von grauer Salbe an Atembeschwerden, Fieber, - Appetitlosigkeit, häufigem Husten, Hautausschlägen am Maul und an - der Innenfläche der Gliedmassen, Hautblutungen und Blutharnen; 2 - Ochsen starben an Nierenblutung, 2 an brandiger Lungenentzündung, 4 - wurden notgeschlachtet und zeigten schwere Nierenentzündung; die 12 - übrigen erholten sich langsam nach monatelangem Kranksein (Preuss. - Vet. Ber. pro 1900). -- Ein Jungrind zeigte nach der Einreibung - von grauer Salbe Abmagerung, struppiges Haarkleid, pustulösen - Ausschlag an beiden Halsseiten, an den inneren Schenkelflächen und - am Unterbauch, eiterige Konjunktivitis, Bronchitis, sehr schwachen - Puls und grosse Mattigkeit mit nachfolgendem Tod. Eine daneben - stehende Kuh zeigte nur Pustelausschlag und genas (+Sator+, Woch. - f. Tierh. 1902). -- 2 Kühe erhielten ein Gemisch von grauer Salbe - (120 g) und Terpentinöl (60 g) eingerieben. Beide erkrankten schwer - an Merkurialismus; sie zeigten Juckreiz, Stomatitis ulcerosa mit - Speichelfluss, Hautausschlägen und Appetitlosigkeit; 1 Kuh starb - plötzlich an Bronchitis, Nephritis und Peritonitis; die andere stark - abgemagerte wurde notgeschlachtet. Der Besitzer erhielt von dem - Drogisten eine Entschädigung (+Röbert+, Sächs. Jahresber. 1902). - -- Ein Kurpfuscher behandelte den ansteckenden Scheidenkatarrh - einer Kuh durch Einschmieren der Scheide mit grauer Salbe. Die Kuh - starb, nachdem starkes Speicheln, ausgebreiteter Hautausschlag - und stinkender Durchfall vorausgegangen war. Der Sektionsbefund - erinnerte wegen der ausgedehnten Hämorrhagien an Milzbrand - (+Schmidt+, T. Rundschau 1903). -- Intravenöse Sublimatinjektionen - nach +Baccelli+ gegen Maul- und Klauenseuche bei Rindern erzeugten - vielfach schwere, akute und chronische Quecksilbervergiftung. Die - akute begann nach 4-5 Tagen und endete nach 8 bis 18 Tagen. Die - chronische Quecksilbervergiftung stellte sich bei 356 Rindern nach - 15-30 Tagen ein, als sie niemand mehr erwartet hatte (+Tamborini+, - +Boschetti+, +Titta+, Giorn. d. soc. vet. 1902 u. 1903). -- In der - Schweiz erkrankten nach der von +Baccelli+ empfohlenen intravenösen - Injektion von Sublimat (0,02-0,05) in 30 Fällen Rinder 10-14 Tage - nachher an Quecksilbervergiftung (+Hirzel+, Schweiz. Arch. 1902). -- - Bei gesunden Rindern entstand nach intravenösen Sublimatinjektionen - von 0,35-0,50 eine Vergiftung; über 5promillige Sublimatlösungen - erzeugten ferner Thrombosierung der Jugularis (+Günther+, T. Zentr. - 1902). -- Aehnliche Resultate erhielt +Schmidt+ (B. T. W. 1902). -- - In Bayern erkrankten infolge der intravenösen Injektion von Sublimat - nach +Baccelli+ 3 Rinder an Quecksilbervergiftung. -- Eine Kuh starb - nach der Verabreichung von 8 g Kalomel an Quecksilbervergiftung (+F. - Müller+, Diss. 1908). -- Ein 4 Monate altes Kalb erkrankte nach - dem Einreiben von 12-15 g der offizinellen grauen Salbe tödlich - an Quecksilbervergiftung nach 20 Tagen (Speichelfluss, Durchfall, - Exanthem) und musste notgeschlachtet werden. Der Sektionsbefund - war negativ (+Reiche+, B. T. W. 1908). -- Ein Schweizer Apotheker - musste 1000 Franken Schadenersatz zahlen, weil er im Handverkauf 100 - g 20proz. grauer Salbe für 5 Kühe gegen Ungeziefer abgab, worauf 2 - Kühe an Quecksilbervergiftung starben und 3 schwer erkrankten. Alle - 5 Kühe hatten zusammen nur 60 g Salbe eingerieben bekommen (Schweiz. - Woch. für Chemie u. Pharm. 1908 Nr. 5). -- Rinder erkrankten - schwer an Merkurialismus, nachdem sie gegen seuchenhaften Abortus - Uterusausspülungen mit Hydrargyrum oxycyanatum (1 : 6000) erhalten - hatten (+Haubold+, Sächs. Jahresber. 1909). -- 3 Fälle von beim Rind - nach dem Einreiben grauer Salbe (1mal 30 g) hat +Hasak+ beobachtet - (Oesterr. Monatsschr. 1909). - - 2. +Schafe+ und +Ziegen+. Eine Schafherde, aus 335 Hammeln bestehend, - wurde in einer Sublimatauflösung gebadet, worauf die ganze Herde - innerhalb 2-3 Wochen krepierte. Es waren im ganzen 5 Pfd. Sublimat - verbraucht worden. Die Tiere zeigten Abmagerung, eingefallene - Flanken, schwankenden, schleppenden Gang, unterdrückte Fresslust, - blasse Schleimhäute (+Kuhlmann+, Preuss. Mitt. Bd. 13). -- Ein Schaf - starb nach dem Eingeben von 4 g Sublimat in 4 Stunden (+Hertwig+). - -- Von 20 Schafen, welche zusammen 20 g Kalomel erhalten hatten - (1 g pro Kopf), starben 18 an Merkurialismus (+Graefe+). -- Eine - junge Ziege starb nach 1 g Kalomel schon in 27 Stunden an typischer - Quecksilbervergiftung; 30 g graue Salbe töteten eine erwachsene Ziege - nach 7 Tagen, desgleichen 100 g 10proz. Sublimatsalbe eine andere - Ziege in derselben Zeit (+Reiche+, Diss. 1905). -- Einmalige Dosen - von 1,5 g Kalomel können bei erwachsenen Ziegen unter Umständen schon - toxisch wirken (+F. Müller+, Diss. 1908). - - 3. +Pferde.+ 1-2 g Sublimat Pferden eine Woche hindurch täglich in - Pillenform mit Althaea gegeben, hatten keine sichtbare Veränderung - zur Folge, auch nicht, als diese Gaben verdoppelt wurden. Wurde - jedoch Sublimat Pferden täglich in steigender Dosis (1-8 g) 14 - Tage lang gegeben, so zeigte sich Appetitlosigkeit, vermehrter - Harnabsatz, heftiger, zuletzt blutiger Durchfall, grosse Schwäche - und Kolikerscheinungen mit tödlichem Ausgang. 4 g Sublimat - verursachten bei einem Pferde nur vorübergehende Kolikschmerzen. - Dagegen starb ein anderes Pferd auf 15 g Sublimat nach 12 Stunden - unter heftigen Kolikerscheinungen, Recken und starkem Speicheln - (+Rysz+, Arzneimittellehre 1825). -- Bei einem Pferd war wegen einer - phlegmonösen Anschwellung des rechten Hinterfusses eine Mischung - von Ungt. Hydrarg. ciner. 50,0 und Ol. Rapae 150,0 eingerieben. Es - kamen nur etwa zwei Drittel der angegebenen Menge zur Verwendung. Am - 5. Tage nach der Einreibung zeigte das Pferd, welches so lange gut - gefressen hatte, plötzlich Schweissausbruch über den ganzen Körper, - stöhnte und zitterte und legte sich nieder, wobei es flach auf der - Seite lag. Die Bindehäute und die Nasenschleimhaut waren dunkelrot - gefärbt. Die Zahl der Pulse betrug 56 in der Minute, die Atmung war - angestrengt; die Innenwärme stand auf 39,8° C. An verschiedenen - Stellen des Körpers fanden sich kleine, bis erbsengrosse Knötchen - zahlreich vor, aus welchen auf Druck eine übelriechende, grünlich - gelbe und zähflüssige Masse sich entleerte. In den nächsten Tagen - nahm die Haut an der betreffenden Gliedmasse eine lederförmige - Beschaffenheit an, auch kamen in der Unterhaut einige Abszesse zur - Entwicklung. Schliesslich trat Heilung ein (+Pr. Mil. Vet. Ber.+ - pro 1895). -- Zwei Pferde wurden an allen 4 Fesseln 2 Tage hindurch - mit Quecksilberbijodidsalbe (1 : 6) eingerieben. Darauf zeigten sie - Appetitlosigkeit, blutig-eiterigen, übelriechenden Nasenausfluss, - schwachen und sehr frequenten Puls, Dyspnoe, Bronchitis und - Bronchopneumonie, graugrünen, breiartigen Kot sowie grosse - Schwäche und Hinfälligkeit. 1 Pferd starb innerhalb 24 Stunden, - nachdem ausserdem Blutharnen aufgetreten war. Die Sektion ergab - hämorrhagische Gastroenteritis, Bronchopneumonie, hämorrhagische - und kruppöse Laryngitis, Tracheitis und Bronchitis (+Pr. Mil. Vet. - Ber.+ pro 1897). -- Eine kombinierte Sublimat-Kantharidenvergiftung - nach einer scharfen Einreibung bei einem Pferde hat +Paust+ - beschrieben (B. T. W. 1899 S. 98). -- Ein Pferd erhielt 6 Tage - hindurch gegen Würmer 4 g Kalomel und erkrankte am 8. Tage unter - den Erscheinungen von Durchfall, Kolik und Lähmung; bei der Sektion - wurde unter anderem eine akute Nephritis festgestellt (+Mc Donough+, - Am. vet. rev. 1897). -- Ein kleines, leichtes Droschkenpferd starb - nach der Verabreichung von 10 g Kalomel an akuter hämorrhagischer - Gastroenteritis (+Lemke+, Zeitschr. f. Vetkde. 1900). -- Nach - den Einreibungen von etwa 30 g einer Quecksilberbijodidsalbe - gegen Spat zeigte ein Pferd einen nässenden Ausschlag über den - ganzen Körper, starken Juckreiz, Haarausfall, Durchfall, sowie - ziegelrote Konjunktiva. Nach der innerlichen Verabreichung von - Schwefel trat Heilung ein (+Teetz+, Berl. Tierärzt. Woch. 1900 - S. 530). -- Ein Pferd frass eine Schachtel, welche +Angerer+sche - Sublimatpastillen enthielt, und erkrankte hierauf an Kolik und - Durchfall; am 8. Tage war es wieder hergestellt (+Kronacher+, Woch. - f. Tierh. 1901). -- Intravenöse Sublimatinjektionen erzeugten bei - Versuchspferden von 0,15 g ab leichte, von 0,25 g ab typische, - von 0,5 g ab schwere, von 1,0 g ab tödliche Quecksilbervergiftung - (+Zimmermann+, Fortschr. d. Vet. Hyg. 1903). -- 100 g graue Salbe, - gegen Brustbeule eingerieben, verursachte allgemeinen Haarausfall, - Schwanken und Herzklopfen (+Briese+, Preuss. Vet. Ber. 1904). -- Ein - Pferd, das innerhalb 3 Tagen 48 g Kalomel in Pillenform erhalten - hatte, zeigte keinerlei Krankheitserscheinungen, starb dagegen - nach der Verabreichung von 32 g Kalomel in Pulverform, innerhalb - 2 Tagen gegeben, an Merkurialismus (+F. Müller+, Diss. 1908). -- - Ein 10jähriger Schimmelwallach wurde vom Besitzer am 6. Februar - 1906 gegen Ungeziefer mit grauer Quecksilbersalbe in der Rippen-, - Lenden- und Kruppengegend eingerieben. Darauf hin zeigte das Pferd - anhaltenden Durchfall, Speichelfluss, Schwäche und Appetitlosigkeit, - welche erfolglos behandelt wurden. Am 13. Februar wurde es der Klinik - zugeführt. Die Untersuchung ergab einen sehr schlechten Nährzustand, - struppiges, aufgebürstetes Haarkleid, 39,2° Mastdarmtemperatur - sowie 68 schwache Pulse. Die Haut zeigte über den ganzen Körper - zerstreut, namentlich aber in der Kruppen-, Lenden- und Rippengegend - fünfpfennig- bis markstückgrosse Blasen und Pusteln. Ausserdem - bestand starker Speichelfluss, höhere Rötung der Maulschleimhaut, - hochgradiger stinkender Durchfall und Anurie. Die ausgeatmete Luft - war übelriechend; auf der höher geröteten Nasenschleimhaut zeigten - sich Blutungen. Das Pferd zeigte so grosse Muskelschwäche, dass - es umzufallen drohte; das Sensorium war stark benommen. Trotz der - eingeleiteten Behandlung (Schwefelkalium, Exzitantien) starb das - Pferd schon am 15. Februar unter den Erscheinungen einer septischen - Gastroenteritis. Bei der Sektion wurde eine akute Entzündung der - Drüsenschleimhaut des Magens, eine blutige Entzündung des Leer- und - Hüftdarms, Nekrose und Zerreissung der Blinddarmwand, serös-fibrinöse - und eiterig-jauchige Peritonitis, katarrhalische Nephritis, sowie - akute multiple Milzschwellung als Todesursache festgestellt. Die - genauere Menge der eingeriebenen Quecksilbersalbe konnte nicht - festgestellt werden (+Fröhner+, Monatshefte für prakt. Tierhlkde. - 1906). - - 4. +Hunde.+ Ein Jagdhund, welcher 170 g graue Salbe gefressen und - erst 1½ Stunden nachher ein Brechmittel erhalten hatte, zeigte sich - am folgenden Tage nur wenig krank und war bald wieder hergestellt. - Auffallend war nur, dass demselben einige Tage hindurch viele Haare - ausfielen. (+Deijermans+, Holländische Zeitschr. 1883). -- Hunde - starben auf 0,2-0,4 Sublimat nach 7, 10 und 30 Stunden, nachdem sie - heftiges blutiges Erbrechen, blutige Diarrhöe und zuletzt Lähmung - gezeigt hatten (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Ein Hund, - welcher sich etwa 5 g roter Präzipitatsalbe (1 : 10) abgeleckt hatte, - starb unter den Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis - innerhalb 24 Stunden (eigene Beobachtung). -- Nach +Trasbot+ soll der - Hund sehr empfindlich gegen graue Salbe sein (franz. Uebersetzung der - Spec. Pathologie von Friedberger und Fröhner S. 157). -- Ein Hund - bekam nach der Einreibung von grauer Salbe gegen Läuse eine Iritis - (+Soffner+, Zeitschr. f. Vet. 1904). -- Nach den Untersuchungen von - +F. Müller+ (Giessen 1908) laxieren Hunde erst auf eine einmalige - Dosis von 0,3-0,4 Kalomel. - - 5. +Schweine.+ Eingehende experimentelle Untersuchungen über den - Merkurialismus bei Schweinen hat +A. Reiche+ angestellt (Inaug. - Diss. Giessen 1905). Sie ergaben, dass das Schwein keine besondere - Empfindlichkeit gegenüber dem Quecksilber besitzt und viel grössere - Dosen erträgt als die Wiederkäuer. Die Einreibung der +grauen Salbe+ - hatte bis zu 80 g keinerlei schädliche Wirkung. Grössere Dosen - veranlassten nur einen mehrstündigen Durchfall. 400 g Salbe in 50 - Tagen eingerieben, erzeugten bei einem Schwein Merkurialismus, - das Tier erholte sich jedoch wieder. Erst nach 600 g Salbe, in - einem Zeitraum von 100 Tagen eingerieben, starb ein Schwein. 2-4 - g +Kalomel+ erzeugten bei Schweinen im Gewicht von 10-16 kg nur - Durchfall. 6 g Kalomel hatte bei einem 18 kg schweren Schwein (= - 0,3 g pro kg Körpergewicht) akuten Merkurialismus und Tod nach 42 - Tagen zur Folge. Auf 8 g Kalomel starb ein 18 kg schweres Schwein - nach 9 Tagen. 10 g Kalomel, einem 12 kg schweren Schwein innerhalb - 30 Tagen verabreicht, hatten den Tod nach 8 Tagen zur Folge. Die - Einreibung von 800 g 10proz. +Sublimatsalbe+ tötete ein Schwein nach - 8 Tagen. Die Vergiftung äusserte sich hauptsächlich in Durchfall - und Tremor, sowie starker Abmagerung; Speichelfluss und Exantheme - fehlten. Die Sektion ergab vor allem Diphtherie des Dickdarms. -- - Zehn 11-12 Wochen alte Ferkel, welche gegen Juckreiz mit grauer Salbe - eingerieben wurden, starben nach +Meyer+ (Preuss. Vet. Ber. pro 1907) - an Vergiftung (Magendarmentzündung, Blutung). - - 6. +Geflügel.+ Eine Amazone (Chrysotis) erkrankte unter starkem - Speichelfluss, rostrotem Durchfall und Lähmungserscheinungen nach - dem Einatmen von Knallquecksilbergasen eines Schiesstandes und starb - an Quecksilbervergiftung (Ornith. Monatsschrift 1904). - - -Kupfervergiftung. - - =Chemie der Kupferverbindungen.= Das an und für sich nicht giftige - +metallische Kupfer+ findet sich teils gediegen, teils in Form von - Kupfererzen (Kupferglanz, Kupferkies, Rot-, Bunt-, Schwarzkupfererz) - in weiter Verbreitung. In feuchter Luft verwandelt es sich zum Teil - in basisch kohlensaures Kupfer, wobei es von einer grünen Schicht - (Patina) überzogen wird. Ausserdem findet bei Luftzutritt eine - teilweise Lösung des Kupfers statt, wenn in kupferhaltigen Gefässen - saure Flüssigkeiten und Nahrungsmittel, welche Essigsäure, Milchsäure - oder Weinsäure enthalten, längere Zeit stehen. Bei Luftabschluss - dagegen, wie es beim Kochen geschieht, bei welchem der Zutritt der - Luft durch die entweichenden Wasserdämpfe verhindert wird, findet eine - Auflösung des Kupfermetalls nicht statt. Von giftigen Kupfersalzen - kommen namentlich in Betracht der +Kupfervitriol+, CuSO_{4} + - 5 H_{2}O, das schwarze +Kupferoxyd+, CuO, das +kohlensaure Kupfer+, - das +essigsaure Kupfer+ (Grünspan, Aerugo), Cu(C_{2}H_{3}O_{2})_{2} + - H_{2}O, der +Kupferalaun+ sowie mehrere +Kupferfarben+, namentlich das - +Schweinfurtergrün+, eine Verbindung von arseniksaurem und essigsaurem - Kupfer, Cu_{2}(AsO_{2})_{3}.C_{2}H_{3}O_{2}, das Braunschweigergrün, - Kalkgrün, Mineralgrün, Bremerblau, Kalkblau, Bergblau, Berggrün. - Sehr giftig ist auch das zum Grünfärben der Gemüse benützte - phyllozyaninsaure Kupfer, eine Chlorophyllverbindung des Kupfers. - - -=Aetiologie der Kupfervergiftung.= Die bei den Haustieren im Gegensatze -zum Menschen ziemlich seltenen und daher praktisch weniger wichtigen -Kupfervergiftungen sind meistens auf die Verfütterung von sauren oder -gärenden Nahrungsmitteln zurückzuführen, welche längere Zeit unter -Zutritt von Luft in +kupfernen Kesseln+ oder Gefässen aufbewahrt worden -waren. Von solchen kupferhaltigen Nahrungsmitteln sind zu erwähnen -Schlempe, Molken, saure Milch, saure Speiseüberreste, Kartoffelbrei -usw. Sie enthalten das Kupfer in Form von essigsaurem, milchsaurem, -äpfelsaurem, weinsaurem, zitronensaurem, kohlensaurem und fettsaurem -Kupfer. Am häufigsten gibt der Gehalt der Nahrungsmittel an essigsaurem -Kupfer (+Grünspan+) Veranlassung zu Kupfervergiftung, weshalb die -letztere wohl auch mit dem Namen „Aeruginismus“ belegt wird (Aerugo = -Grünspan). Im Vergleich hiezu sind die durch Einverleibung von anderen -Kupfersalzen, so von +Kupfervitriol+, +Kupferoxyd+, +Kupferalaun+, -sowie von Kupferfarben bedingten Kupfervergiftungen, experimentelle -Versuche ausgenommen, mehr vereinzelt. So wird über einen Fall -berichtet, in welchem Pferde nach dem Genusse von Weizen erkrankten, -welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war (+Landvatter+, -+Reimers+). In ähnlicher Weise erkrankten Kühe nach der Verabreichung -von Glaubersalz, welchem Kupferoxyd als Beize gegen den Brand des -Weizens beigemischt war (+Bloch+), sowie nach Verfütterung von -Weinlaub, das zur Abwehr der Reblaus mit Kupfervitriollösung bespritzt -worden war (+Schmidt+, +Padovani+, +Ohler+). Es können sich ferner -Vergiftungen ereignen bei Resorption des Kupfersulfates von Wunden aus; -so starb beispielsweise ein Hund, welchem 0,6 gepulverter Kupfervitriol -in eine Wunde gebracht wurde (+Gerlach+). Lämmer können nach zu grossen -Dosen Kupferoxyd (Bandwurmmittel) erkranken. Die Vergiftung durch -Schweinfurtergrün ist nicht in erster Linie eine Kupfer-, sondern eine -Arsenikvergiftung (vgl. S. 66). - -+Das reine metallische Kupfer ist ungiftig+, wenn es z. B. in Form von -Kupfermünzen aufgenommen wird. Ein Hund hatte ein grosses, kupfernes -Sousstück 12 Jahre lang unbeschadet im Magen (+Nichoux+). Es ist -deshalb auch der von +Zundel+ berichtete Fall, in welchem bei einem -wegen Beisssucht wutverdächtigen Hunde zwei Kupfermünzen in der Nähe -des Pylorus sowie Darmentzündung gefunden wurden, aus diesem wie aus -anderen Gründen nicht als Kupfervergiftung aufzufassen. Auch beim -Menschen scheint das metallische Kupfer ungiftig zu sein (Bronze- und -Kupferarbeiter). - - -=Krankheitsbild der Kupfervergiftung.= Bei den Haustieren handelt es -sich in der Regel um eine +akute+ Kupfervergiftung (die chronische -experimentelle vgl. unten). Die Kupferwirkung ist dabei ähnlich wie -die Zinkwirkung zunächst lokal eine entzündungserregende und ätzende -(+Gastroenteritis+). Die Allgemeinerscheinungen sind vorwiegend die -einer +Muskellähmung+. Demnach äussert sich die Kupfervergiftung -(Kuprismus) zunächst in Erbrechen, Würgen, Kolik, Verstopfung, -Durchfall und Verlust des Appetits, wozu sich später Unsicherheit im -Gehen, Schwächezustände, Muskellähmung und Anästhesie, sowie vereinzelt -Konvulsionen gesellen. Daneben beobachtet man die Erscheinungen der -Herzlähmung: kleinen, schwachen, oft verlangsamten Puls, schwachen -Herzschlag, sowie erschwerte Atmung. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -in verschiedenen Graden entzündlich verändert; zuweilen besteht auch -Magenerweiterung (+Trasbot+). - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in der Verabreichung von +Eisenpulver+ -und +gebrannter Magnesia+ (um metallisches Kupfer auszufällen) sowie -von +Schwefel+ (Bildung von Schwefelkupfer) und +Ferrozyankalium+ -(Bildung von Ferrozyankupfer). Als einhüllendes Mittel gibt man ferner -+Eiweiss+, +Milch+ und +Schleim+. Auch Milchzucker und Tierkohle -sind als Gegenmittel empfohlen worden. Die Kolikschmerzen und -Lähmungserscheinungen werden symptomatisch behandelt. - - -=Nachweis.= Dem eigentlichen Nachweise des Kupfers hat die +Trennung+ -des Kupfers von +organischen Beimengungen+ vorauszugehen. Dieselbe -erfolgt durch Zerstören der letzteren mittelst +Salzsäure+ und -+chlorsaurem Kali+, wobei das Kupfer als Kupferchlorid in Lösung -geht. Aus der schwach sauren Lösung fällt dann +Schwefelwasserstoff -schwarzes Schwefelkupfer+ aus. Der Niederschlag muss unter möglichstem -Abschluss von Luft schnell filtriert und mit ausgekochtem, -schwefelwasserstoffhaltigem Wasser ausgewaschen werden. Das -Schwefelkupfer ist in Zyankaliumlösung (Zyankupfer) und Salpetersäure -(salpetersaures Kupfer) leicht löslich. Die Lösung des salpetersauren -Kupfers ist +blaugrün+ und durch folgende +Kupferreaktionen+ noch -weiter zu untersuchen: a) Salmiakgeist gibt anfangs einen bläulichen -Niederschlag, der sich beim Ueberschusse des Salmiakgeistes +lasurblau+ -löst. b) Ferrozyankalium gibt in der schwach salzsauren Lösung einen -+braunroten+ Niederschlag von Ferrozyankupfer. c) Metallisch blankes -Eisen überzieht sich in der angesäuerten Kupferlösung mit einer -+hellroten Kupferschicht+. Diese sehr einfache Kupferreaktion kann -auch bei verdächtigen Nahrungsmitteln in der Weise vorgenommen werden, -dass man ein blankes Messer in dieselben eintaucht. Ausserdem geben -+Kali-+ und +Natronlauge+ in verdünnten kalten Lösungen von Kupfer -+grünliche+ oder +blaue+ Niederschläge, welche beim Erhitzen +schwarz+ -werden; +kohlensaures Kali+, -- +Natron+, -- +Baryum+ geben +blaugrüne+ -Niederschläge, +Jodkalium+ und Rhodankalium +weisse+ Niederschläge. - -+Quantitativ+ wird das Kupfer durch Auflösung des Schwefelkupfers -in Salpetersäure, Eintrocknen, Erhitzen und Glühen in Form von -+Kupferoxyd+ nachgewiesen, welches gewogen und auf Kupfer berechnet -wird. 100 Teile Kupferoxyd entsprechen 79-85 Teilen Kupfer. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ Zwei Pferde erkrankten nach dem Genusse - von Weizen, welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war. Sie - zeigten Verstopfung, Kolik, Fieber, sowie starrkrampfähnliche - Muskelsteifheit. Eines starb, das andere genas, blieb aber noch - einige Wochen hindurch steif (+Landvatter+, Repertorium 1882). -- - Von 45 g Kupfervitriol ab zeigten Pferde Vergiftungserscheinungen - (Kolik, Verstopfung, Durchfall) und starben auch zuweilen - (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Ein Pferd zeigte nach 30 - g Grünspan nach 2 Stunden Unruhe, Angst und Kolikerscheinungen; - auf 60 g Grünspan trat schon nach ¼ Stunde Kolik ein, der anfangs - beschleunigte Puls wurde sehr schwach und sank auf 30 Schläge p. - M. Trotz fortgesetzten guten Appetits traten am 6. Tage plötzlich - grosse Schwäche und Krämpfe mit tödlichem Ausgange ein (+Dupuy+, - Journal de Lyon 1830). -- Ein 1½jähriges Fohlen zeigte Erbrechen - nach dem Anlegen von Kluppen, welche mit Kupfervitriol bestrichen - waren (+Georges+, B. T. W. 1895 S. 592). -- Ein 1jähriges Fohlen, - welchem 5 g Kupfersulfat unter die Haut gespritzt wurden, starb schon - am 3. Tage unter hochgradiger Muskelschwäche, Schwanken, Hämaturie - und sehr erheblicher lokaler Anschwellung. Ein anderes 1jähriges - Fohlen erhielt am 1. Tage 1 g Kupfersulfat subkutan, in den nächsten - 4 Tagen je ½ g subkutan, worauf es am 9. Tage nach vorausgegangenen - starken und diffusen Anschwellungen starb. Die Sektion ergab Nekrose - und Verkalkung des Nierenepithels in Form von Kalkzylindern (+v. - Kossa+, Zieglers Beitr. z. path. Anat. 1901, 29. Bd. S. 173). -- - Bei erwachsenen Pferden sollen 10 g Kupfersulfat subkutan in stark - verdünnten wässerigen Lösungen injiziert, Vergiftungserscheinungen - hervorrufen und 15 g den Tod verursachen. Ein 1jähriges Fohlen zeigte - schon nach der Injektion von 1 g Vergiftungserscheinungen und starb - nach 3 g in 6 Tagen injiziert; die Sektion ergab starke entzündliche - Schwellung und Nekrose an der Injektionsstelle, sowie hämorrhagische - Nephritis und Nierenverkalkung (+Ernst+, Veterinarius 1900). -- 4 - Fohlen frassen stark mit Kupfervitriol gebeizten Weizen. Sie zeigten - Durchfall, Lähmung, Krämpfe, gelbrote Schleimhäute und starben an - hämorrhagischer Gastroenteritis (+Reimers+, B. T. W. 1905 S. 789). - - 2. +Rinder.+ Zwei Bullen im Alter von 18 Wochen erhielten - täglich 2 Mass Leinsamenabkochung mit Milch, welche in kupfernem - Kessel aufbewahrt wurde. Sie erkrankten vorübergehend unter den - Erscheinungen der Indigestion (+Arnold+, Schweizer Archiv 1852). - -- 2 Kühe zeigten auf die zufällige Verabreichung von Kupferoxyd - Kolik, Würgen und Erbrechen (+Bloch+, B. T. W. 1890). -- Ein Rind - erkrankte unter Kolikerscheinungen, nachdem es reichliche Mengen - von Weinlaub gefressen hatte, das zur Abwehr der Reblaus mit - Kupfervitriol bespritzt war (+Padovani+, Giorn. di Vet. mil. 1893). - Einen ähnlichen Fall bei einem Ochsen hat +Plotti+ beschrieben - (Clin. vet. 1899). -- Chronische Vergiftungsfälle in Form von - Diarrhöe, chronischen Verdauungsstörungen, Abortus und Siechtum - hat +Wilhelm+ bei Kühen nach der Aufnahme kupferhaltiger Abwässer - beobachtet (Sächs. Jahresber. pro 1898 S. 132). -- Ein Ochse, dessen - Hörner mit Kupfervitriol angestrichen waren, zeigte Krämpfe und - Speichelfluss (Bull. vét. 1900). -- Nach Verfütterung von Weinlaub, - welches mit 2-6proz. Kupfervitriollösung bespritzt war, erkrankten - im Jahr 1906 zahlreiche Rinder, auch Saugkälber, an Gastroenteritis - unter Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Kolik (+Ohler+, Woch. - f. Tierh. 1906). +Ade+ und +Markert+ führen diese Vergiftungen - durch kupferbespritzte Rebenblätter bei den Muttertieren auf eine - kombinierte Kupfer-Toxinwirkung, bei den Saugkälbern auf letztere - allein zurück; +Albrecht+ ist dieser Meinung beigetreten (ibidem). - -- Rinder erkrankten nach dem Genuss von Rüben eines Ackers, auf den - kupferhaltige Abwässer einer chemischen Fabrik abgeleitet wurden - (+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1909). - - 3. +Schweine.+ Vier Ferkel erhielten gekochte Kartoffeln und - Mohrrüben, welche in einem kupfernen Kessel aufbewahrt worden - waren. Sie zeigten anfallsweise Krämpfe, Taumeln, Zusammenstürzen, - Erbrechen, Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, sowie Aufblähung: - 3 davon starben (+Saake+, Magazin Bd. 24). -- Mehrere Schweine - zeigten nach der Aufnahme von Molken, in welchen Kupfergeschirr - behufs Scheuerung über Nacht gelegen war, starke Tympanitis, - Taumeln, Durchfall und Dyspnoe; die Ferkel zeigten Erbrechen, - Krämpfe, Taumeln, Umfallen und plötzliches Verenden (+Eggeling+, - Berl. Arch. 1889). -- 55 Schweine erkrankten nach der Aufnahme - von Molken, welche in Kupfergeschirren gekocht waren; 35 davon - starben. Sie zeigten Kolik, Auftreibung, Durchfall, Kreuzschwäche, - Herzschwäche, schwachen Puls, Dyspnoe, Pupillenerweiterung, Nystagmus - (+Kirst+, Berl. Arch. 1892 S. 458). -- +Lucas+ (Berl. Arch. 1893 - S. 312) beschreibt eine Kupfervergiftung bei 2 Schweinen, welche - Futter aus einem mit Grünspan bedeckten Kessel erhalten hatten. - Die Tiere zeigten Zittern, Kolik, Meteorismus, Pupillenerweiterung - und unaufhörliches Blinzeln. Bei der Sektion fand man umfangreiche - Erosionen der Magenschleimhaut, Hyperämie und Entzündung der Lungen - (?). +Jacobi+ (ebendaselbst) hat eine ähnliche Vergiftung bei 2 - Schweinen beobachtet; bei der Sektion wurde Magendarmentzündung - konstatiert. - - 4. +Ziegen.+ Eine Ziege bekam Fleischbrühe, welche in einem kupfernen - Kessel aufbewahrt und sauer geworden war. Dieselbe erkrankte am - 3. Tage und starb am 4. 15 Personen, welche die am Tage vor der - sichtbaren Erkrankung gemolkene Milch genossen hatten, erkrankten - an Ekel, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen (+Frorieps+ - Notizen 1828). -- Eine Vergiftung durch Kupfervitriol, welcher mit - Rebenblättern aufgenommen war, hat bei einer Ziege +Latschenberger+ - beschrieben (Oesterr. Zeitschr. 1892 S. 210). - - 5. +Hunde+ sterben, +wenn sie am Erbrechen gehindert werden+, auf - 0,6 Kupfervitriol, sowie 0,3-1,0 Grünspan innerhalb 8 Tagen; auf 2 g - Vitriol innerhalb 3 Tagen, nach 30 g Vitriol innerhalb 24 Stunden. - Ist das Erbrechen jedoch ermöglicht und werden die Kupferpräparate - im Futter eingehüllt verabreicht, so werden kleinere Dosen (0,1-1,0 - Kupfervitriol) monatelang ertragen. Ein Hund, welcher täglich 4 g - Kupfervitriol erhielt, zeigte erst nach mehreren Wochen Abmagerung - und Diarrhöe und starb schliesslich. +Kupferoxyd+ wirkt für Hunde - tödlich subkutan zu 0,4, intravenös zu 0,025. Der Grünspan tötet - Hunde intravenös in Dosen von 0,01 unter Erbrechen (+Orfila+, - Toxikologie). - - 6. +Gänse+ starben nach der Verfütterung von Unkraut, das mit - Kupfervitriollösung benetzt war (Tierärztl. Zentralbl. 1897 S. 329). - - - =Chronische Kupfervergiftung.= Die für den Menschenarzt sehr - wichtige, vielfach in verneinendem Sinn beantwortete Frage des - Vorkommens einer chronischen Kupfervergiftung ist durch Versuche - tierärztlicher Toxikologen (+Ellenberger+ und +Hofmeister+, - +Baum+ und +Seliger+) in bejahendem Sinn gelöst worden. Nach den - Untersuchungen von +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Berliner Archiv - 1883) ertragen Schafe längere Zeit kleinere Dosen, erkranken - und sterben dann aber an chronischer Kupfervergiftung. 3 Schafe - erhielten täglich 0,5-3,0 g Kupfervitriol; das eine in 52 Tagen 89 - g, das zweite in 114 Tagen 185,5 g, das dritte in 50 Tagen 50 g. - Die wesentlichsten Krankheitserscheinungen waren: +Albuminurie+, - +Ikterus+, +Hämoglobinurie+ und +Hämaturie+. Daneben bestand grosse - Muskelschwäche und Mattigkeit, sowie Abmagerung mit zeitweise - eintretender Verstopfung und Verdauungsstörungen. Bei der Sektion - fand sich konstant eine +hämorrhagische, parenchymatöse Nephritis+, - fettige Degeneration und Ikterus der Leber, körnige Trübung der - Körpermuskulatur und des Herzfleisches, ikterische Verfärbung aller - Organe, akuter resp. chronischer Magendarmkatarrh, Milztumor, - Lungenödem. - - Weitere Versuche von +Baum+ und +Seliger+ (Berliner Archiv 1898) - haben diese Befunde im allgemeinen bestätigt. Die genannten Autoren - haben zahlreiche Versuche mit verschiedenen Kupferverbindungen - (Cuprum aceticum, sulfuricum, oleinicum, haemolicum) an Schafen, - Ziegen, Hunden und Katzen angestellt. Ein kleiner Hund erhielt z. - B. 7 Monate lang insgesamt 15 g Kupfervitriol, eine Ziege in 4½ - Monaten 65 g Kupfervitriol, eine andere innerhalb eines Jahres 278 - g, ein grosser Jagdhund in 47 Tagen 47 g, ein Schaf in 9 Monaten 333 - g, eine Katze in 7 Monaten 21 g Kupfervitriol; eine Katze starb, - nachdem sie in 29 Tagen 1 g Grünspan erhalten hatte, eine andere - nach Einverleibung von 10 g Grünspan in 142 Tagen usw. Die von ihnen - aus diesen Versuchen gezogenen Schlüsse sind folgende: „1. Man kann - in einwandsfreier Weise durch längere Zeit fortgesetzte Verabreichung - kleiner, nicht akut reizender Kupfermengen eine wirkliche - +chronische Kupfervergiftung+ im wissenschaftlichen Sinne erzeugen. - 2. Die chronische (bezw. subchronische) Kupfervergiftung ist im - wesentlichen dadurch charakterisiert, dass intra vitam Abmagerung, - Schwäche und Aufhören des Appetits der Versuchstiere, vereinzelt - Haarausfall und Krämpfe und schliesslich der Tod eintreten, während - sich durch die Sektion -- und zwar durch die makroskopische und - mikroskopische, verbunden mit der chemischen Untersuchung der - Organe -- in den meisten Fällen ein chronischer, mehr oder weniger - heftiger Dünndarmkatarrh, in allen Fällen krankhafte Veränderung - der Leber und Nieren (parenchymatöse Trübung der Epithelzellen, - parenchymatöse und fettige Degeneration und schliesslich Atrophie - oder Zerfall derselben mit Ablagerung von Blutfarbstoffen, besonders - Hämosiderinmassen) und eine Ablagerung bedeutender Kupfermengen - in der Leber (und wahrscheinlich auch in den Nieren) nachweisen - lassen. Ausnahmsweise, bezw. nicht konstant wiederkehrend, gesellen - sich zu diesen Erscheinungen noch Magenkatarrh, Blutungen im Herzen - und Zwerchfell, starkes Hervortreten der Malpighischen Körperchen - der Milz, Anämie oder auch Hyperämie des Gehirns, krankhafte - Veränderungen des Pankreas. Ausnahmsweise fehlen die erwähnten, - intra vitam zu beobachtenden Erscheinungen gänzlich oder treten erst - ganz kurz vor dem Tode auf. 3. Die Intensität der geschilderten - krankhaften Erscheinungen und Organveränderungen und das zeitliche - Auftreten derselben hängen im wesentlichen von der Tierart, von der - individuell verschiedenen Widerstandskraft einzelner Tiere +einer+ - Art und von der Grösse und Art der Kupferpräparate ab, so dass z. - B. Katzen im allgemeinen als die empfindlichsten Tiere und Cuprum - oleinicum als das gefährlichste Präparat anzusehen sind.“ +Baum+ - und +Seliger+ haben ausserdem experimentell gezeigt, dass das per - os einverleibte Kupfer in der Regel nicht oder nur in Spuren mit - der +Milch+ ausgeschieden wird, so dass also derartige Milch nicht - gesundheitschädlich wirkt, dass das verabreichte Kupfer dagegen - in grossen Mengen auf den +Fötus+ übergeht und in dessen Organen - abgelagert wird. - - Nach +v. Kóssa+ (Zieglers Beitr. z. pathol. Anat. 1901, 29. Bd., S. - 172) ist die +Verkalkung der Nieren+ und +Leber+ ein spezifisches - Symptom der chronischen Kupfervergiftung (Cuprum sulfuricum) bei - Versuchskaninchen. - - -Zinkvergiftung. - - =Chemie der Zinkverbindungen.= Das +metallische+ Zink wird - hüttenmännisch aus verschiedenen Zinkerzen dargestellt, so aus dem - +Galmei+ oder Zinkspath, ZnCO_{3}, aus der Zinkblende, ZnS, aus - dem Rohzinkerz, ZnO, und Kieselzinkerz. Es ist an und für sich - ebensowenig giftig wie Kupfer. Bleiben jedoch in Zinkgefässen - saure Speisen längere Zeit stehen, so findet eine teilweise Lösung - des Zinks z. B. zu essigsaurem Zink statt und es können dadurch - Zinkvergiftungen entstehen. Von giftigen Zinksalzen kommen in - Betracht das Zinkoxyd (Zinkweiss), ZnO, ein in Wasser unlösliches, - aber in Säuren lösliches weisses Pulver, das ätzende +Chlorzink+, - ZnCl_{2}, der +Zinkvitriol+, ZnSO_{4} + 7 H_{2}O, charakterisiert - durch seine farblosen, nadelförmigen, ekelhaft schmeckenden - Kristalle, das +essigsaure Zink+, Zn(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}, das - +kohlensaure Zink+, ZnCO_{3}, sowie die pflanzensauren Zinksalze. - - -=Aetiologie der Zinkvergiftung.= Zinkvergiftungen sind bei unseren -Haustieren sehr selten. Sie sind früher häufiger vorgekommen -als jetzt, und zwar namentlich in der Umgebung von Zinkhütten -durch das ablaufende, zinkhaltige sog. +Galmeiwasser+, sowie in -+Hüttenrauchbezirken+ zusammen mit Blei- und Arsenikvergiftungen. -Alle auf zinkreichen Böden wachsenden Pflanzen nehmen Zink auf -(Altenberg bei Aachen). Auch +Verwechslungen+ zwischen dem Zinkvitriol -und dem ebenfalls nadelförmig kristallisierenden Bittersalz können -zu Zinkvergiftungen führen. Vergiftungen durch +zinkhaltige -Nahrungsmittel+ sind bisher nur in einem Fall beobachtet worden, in -welchem 4 Kühe durch den zinkhaltigen Teig vergiftet wurden, welcher -an dem Zinklaufrand von Mühlsteinen klebte (+Hahn+). Es ist ferner von -+Konservenbüchsen+ festgestellt, dass sie mitunter Zink an den Inhalt -(Erbsen) abgeben. - - -=Krankheitsbild der Zinkvergiftung.= Das Zink wirkt wie das Kupfer -lokal reizend und ätzend (+Gastroenteritis+), allgemein +lähmend+ -auf die +quergestreifte Körpermuskulatur+ und auf das +Herz+. Die -Erscheinungen der Zinkvergiftung bestehen daher in +Erbrechen+, Kolik, -Durchfall, +Schwäche-+ und +Lähmungszuständen+, +Herzschwäche+. Bei -längerer Dauer treten ausserdem die Symptome der Anämie und Kachexie -hinzu. Bei der Sektion findet man umschriebene gastroenteritische -Herde und Geschwüre, sowie starke Schrumpfung und Anämie der -Magendarmschleimhaut. - - -=Behandlung.= Als Gegengifte werden empfohlen +Gerbsäure+, +Schwefel+, -+gebrannte Magnesia+, +Natrium bicarbonicum+, Zuckerwasser, Eiweiss, -Milch, Schleim; symptomatisch Opium, Morphium und Exzitantien. - - -=Nachweis.= Die +Trennung+ des Zinks von den organischen Substanzen -erfolgt wie beim Kupfer durch Zerstörung der letzteren mittels -+Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+, wodurch das Zink in Chlorzink -übergeführt wird. Das Ausfällen von +weissem Schwefelzink+ durch -Einleiten von +Schwefelwasserstoff+ muss in +essigsaurer+ Lösung -geschehen (Zusatz von essigsaurem Natron). Das schnell abfiltrierte -und mit Schwefelwasserstoff ausgewaschene Schwefelzink ist leicht -löslich in Salpetersäure und warmer Schwefelsäure; die eingedampfte -Lösung wird in Wasser aufgenommen und durch folgende Reaktionen weiter -auf Zink untersucht: a) Kalilauge, Natronlauge und Salmiakgeist fällen -+weisses+ Zinkoxydhydrat. b) Kohlensaures Kali und Natron fällen -+weisses+ basisches Zinkkarbonat. c) Ferrozyankalium fällt +weisses+ -Ferrozyanzink. +Quantitativ+ wird Zink als +Schwefelzink+ bestimmt; 100 -Teile ZnS enthalten 67 Teile Zink. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ An den Mühlsteinen wurde der Laufrand - auf einer zolldicken Zinkmasse neu hergestellt. Die an diesem - Zinklaufrande angeklebte Teigmasse abgekratzt und 4 Rindern im - Getränke gegeben, hatte Vergiftungserscheinungen zur Folge. Die - chemische Untersuchung der Teigmasse wies in derselben Zinkoxyd - nach (+Hahn+, Preuss. Mitt. 1877). -- Weidevieh, welches aus den - Wassergruben getränkt wurde, in die Galmeiwasser floss, erkrankte - unter den Erscheinungen einer heftigen Kolik, sowie an mehrere Tage - andauernden Durchfällen. Ebendaselbst erkrankten Gänse und Enten; - sie wurden taumelig, liessen die Köpfe hängen und verendeten rasch - (+Przybilka+, Magazin Bd. 18). - - 2. +Schweine.+ Mehrere Schweine krepierten, nachdem sie auf einer - Wiese in der Nähe von Zinkhütten geweidet hatten. Sie zeigten 3 - Wochen hindurch Abmagerung, Anämie, Mattigkeit, schwankenden Gang, - Durchfall, Appetitlosigkeit, Stöhnen und starben nach 6 Wochen. - Bei der Sektion fand man den Darmkanal zusammengeschrumpft und die - Magenschleimhaut ganz weiss gefärbt (+Weynen+, Veterinärbericht 1839). - - 3. +Hunde.+ Nach der Anwendung von Zinkoxyd gegen Ekzem erkrankte - ein Hund an Kolikerscheinungen, Schwellungen am Kopf und Sinken der - Innentemperatur; ausserdem zeigten eine Taube und eine Ente nach - der Aufnahme von Zinkoxyd starkes Erbrechen (+Boucher+, Journ. de - Lyon 1893). Sonst liegen nur experimentelle Untersuchungen vor. - Ein Hund zeigte auf 30 g Zinkvitriol Erbrechen und Mattigkeit, - genas aber wieder; bei unterbundenem Schlunde erfolgte jedoch - bei dieser Dosis der +Tod+ nach 3 Tagen. Subkutan töteten 4-6 g - Zinkvitriol Hunde innerhalb 5-6 Tagen nach vorausgegangener Lähmung - und Erbrechen (+Orfila+). Intravenös hatten 0,2-0,4 g Zinkvitriol - Erbrechen und Lähmung zur Folge. 9-18 g Zinkoxyd erzeugten Erbrechen - und Gastritis. Ein Hund, welcher in 4 Monaten 72 g Zinkoxyd mit - der Nahrung erhielt, zeigte Erbrechen, grosse Schwäche, Zittern, - vom 3. Monate ab Krämpfe und Stumpfsinn. Bei der Sektion zeigte - sich Gastroenteritis (+Michaelis+). -- Beim +Menschen+ beobachtet - man nach sehr langer Aufnahme kleinster Zinkmengen (zuweilen erst - nach 10 Jahren bei Zinkarbeitern) Erscheinungen einer chronischen - Rückenmarksaffektion sowohl an den Vorder- als an den Hintersträngen, - welche sich in Hauthyperästhesie und späterer Anästhesie, - gesteigerter Reflexerregbarkeit, krampfhaften Muskelzuckungen, Ataxie - und schliesslicher lähmungsartiger Schwäche äussern. - - -Brechweinsteinvergiftung. - - =Chemie.= Der Brechweinstein ist ein +Antimonsalz+, nämlich - eine Verbindung von Antimonoxyd und Weinstein von der Formel: - C_{4}H_{4}O_{4}(OK)(O.SbO). Seine Giftwirkung ist eine - Antimonwirkung. Er bildet ein weisses, kristallinisches, etwas - verwitterndes Pulver, welches in 17 Teilen kaltem, sowie in 3 Teilen - heissem Wasser löslich ist und beim Erhitzen verkohlt. Mit Kalkwasser - gibt er einen weissen (weinsaurer Kalk), mit Schwefelwasserstoff - einen orangeroten Niederschlag von Schwefelantimon (Sb_{2}S_{5}). - Ausserdem werden seine Lösungen durch Gerbsäure gefällt. - - -=Aetiologie der Brechweinsteinvergiftung.= Der Brechweinstein, -welcher als Antimonverbindung zu den giftigsten Metallsalzen gehört, -kann ausser einer zu +hohen Dosierung+ auch durch die +Form+ seiner -Anwendung eine Vergiftung herbeiführen, wenn er nämlich in ungelöstem -Zustand verabreicht wird und dadurch ätzend wirkt in Dosen, die an -und für sich nicht giftig wirken. Ausserdem wird die Giftigkeit -des Brechweinsteins erheblich gesteigert durch die gleichzeitige -Verabreichung von Aloe (vergl. S. 111). +Am empfindlichsten gegen -den Brechweinstein sind Pferde.+ Sie sterben durchschnittlich nach -Einzelgaben von 15-30 g, namentlich dann, wenn der Brechweinstein in -+nüchternem+ Zustand verabreicht wird (die therapeutische Einzeldosis -beträgt für Pferde 2-10 g, die therapeutische Tagesdosis 10-15 g). Viel -weniger empfindlich sind Rinder, welche selbst Gaben von 50 g ohne jede -sichtbare Reaktion ertragen; dasselbe gilt für Schafe, welche erst auf -zirka 25 g Brechweinstein sterben. Schweine und Hunde sind ebenfalls -weniger empfindlich, weil sie sich erbrechen können. Hunde blieben z. B. -nach 4 g Brechweinstein am Leben, wenn sie sich erbrachen, während sie -bei unterbundenem Schlund schon nach ¼ oder ½ g starben. - -In einzelnen Fällen hat man beobachtet, dass bei Kühen, welchen -Brechweinstein eingegeben wurde, die +Milch+ giftige Eigenschaften -zeigte. So erkrankten Ziegenlämmer und Hunde an heftigem Durchfall, als -sie die Milch einer mit grösseren Mengen Brechweinstein behandelten Kuh -gefüttert erhielten (+Harms+). - - -=Krankheitsbild.= Der Brechweinstein wirkt +ätzend+ auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates und erzeugt daher zunächst das Krankheitsbild -einer +korrosiven Gastroenteritis+. Nach seiner Resorption äussert -sich die Antimonwirkung ähnlich wie die Arsenikwirkung vorwiegend in -einer +Lähmung des Herzmuskels+, sowie in gesteigerter Sekretion aller -+Körperdrüsen+ mit nachfolgender Verfettung derselben. Der Tod erfolgt -unter den Erscheinungen einer +allgemeinen Lähmung+. Demnach sind die -Einzelerscheinungen folgende. Hat der Brechweinstein in Substanz (in -ungelöstem Zustand, z. B. in Latwergen) oder in konzentrierten Lösungen -auf die Maulschleimhaut eingewirkt, so erzeugt er zunächst eine -+ulzeröse Stomatitis+ mit Geschwürsbildung und starkem Speicheln. Die -spezifische Wirkung auf den Magen besteht bei Schweinen, Hunden, Katzen -und beim Geflügel in +Erbrechen+. Letzteres wurde vereinzelt auch -bei Pferden beobachtet. Die Darmwirkung äussert sich in +Durchfall+ -und +Kolikerscheinungen+. Nach der Resorption des Brechweinsteins -treten die Erscheinungen der +Herzlähmung+ in den Vordergrund des -Krankheitsbildes. Die Herztätigkeit ist anfangs beschleunigt, später -verlangsamt, der Puls sehr schwach, unregelmässig und aussetzend. Die -Atmung ist infolge der Herzschwäche und der dadurch bedingten Stauung -des Blutes in der Lunge erschwert; bei längerer Dauer der Vergiftung -kann sich selbst eine +hypostatische Lungenentzündung+ ausbilden. Dazu -kommen +Schwindelanfälle+, +Zittern+ und +Krämpfe+. Der Tod erfolgt -entweder langsam unter zunehmender +Mattigkeit+ oder plötzlich infolge -von +Herzlähmung+. - -Bei der +Sektion+ findet man +hämorrhagische Entzündung+ und -+Diphtherie+ der Digestionsschleimhaut, namentlich im +Magen+ und -im +Dünndarm+, Lungenhyperämie, hämorrhagische Infarkte und selbst -Entzündung der Lunge, Verfettung des Herzmuskels und der Körperdrüsen. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegenmittel gegen Brechweinstein ist die -+Gerbsäure+ (Bildung von unlöslichem Antimontannat). Man gibt sie -entweder in Form des reinen Tannins oder gerbstoffhaltiger Abkochungen -(Eichenrinde, Weidenrinde, Chinarinde, Kaffee, Salbeiblätter, -Tormentillwurzel). Ausserdem verabreicht man +einhüllende+ Mittel: -Eiweiss, Schleim, Oel. Von sonstigen chemischen Antidoten, welche -den Brechweinstein zersetzen, sind zu nennen: kohlensaures Natron, -verdünnte Säuren, Schwefel, Schwefelleber. Die Kolikanfälle behandelt -man +symptomatisch+ mit Opium oder Morphium, die Herzschwäche mit -Koffein, Atropin, Hyoszin, Aether, Kampfer oder Alkohol. - - -=Nachweis.= Die +Trennung+ des Antimons von seinen organischen -Verbindungen wird in derselben Weise durch +Zerstörung der -organischen Substanzen+ mittels Chlor ausgeführt, wie beim Arsenik. -+Schwefelwasserstoff+ fällt dann aus der (schwach) salzsauren Lösung -+orangegelbes Schwefelantimon+, welches sich in +Salzsäure+ beim -+Erwärmen leicht löst+, während es in Aetzammoniak und Lösungen von -saurem schwefligsaurem Natron fast unlöslich ist (in Schwefelalkali -und Schwefelammonium ist es wie Schwefelarsen löslich). Im Marshschen -Apparat verwandelt es sich in Antimonwasserstoff, welcher einen -+Antimonspiegel+ beim Erhitzen liefert. +Dieser Antimonspiegel löst -sich im Gegensatz zum Arsenspiegel nicht in unterchlorigsaurem -Natron+, entwickelt auch beim Verdampfen +keinen+ Knoblauchgeruch. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ Nach einer einmaligen Dosis von 15 g - Brechweinstein zeigte ein Pferd Zittern, schwachen, beschleunigten - Puls (60-70 schwache Pulsschläge), angestrengtes Atmen, Schwanken, - Appetitlosigkeit, Husten. Am 4. Tage stellten sich wassersüchtige - Anschwellungen am Bauch und Schlauch ein, worauf das Pferd verendete - (+Weber+, Berl. tierärztl. Wochenschr. 1890). -- +Korff+ (Zeitschr. - f. Vetkde. 1892 S. 500) beobachtete bei einem Pferde nach einer - Dosis von 15,0 Brechweinstein deutliche Vergiftungserscheinungen, - welche im wesentlichen in Erbrechen und Durchfall bestanden. Nach - der Verabreichung von 15 g Tannin als Gegengift genas das Tier. - -- +Röbert+ (Sächs. Jahresber. 1893) berichtet über einen Fall - von tödlicher Vergiftung beim Pferd nach der Verabreichung von - 40 g Brechweinstein. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, - Anätzungen im Maule, heftigem Durchfall, Herzklopfen, schwachem, - drahtförmigem Pulse. Der Tod trat nach 3 Tagen ein. Die Sektion - ergab Anätzungen im Maule und Schlundkopfe, Rötung und Schwellung - der Magenschleimhaut, sehr viele Geschwüre im Dünn- und Dickdarm, - sowie akute septische Perforativ-Peritonitis. -- +Kramer+ (D. T. W. - 1895) behandelte eine Vergiftung bei einem Pferde, das innerhalb 2 - Tagen 24 g Brechweinstein erhalten hatte und hochgradige Schwäche - zeigte; die Heilung erfolgte erst nach 5wöchentlicher Behandlung. - -- Ein Pferd erhielt irrtümlich 30 g Brechweinstein auf einmal - eingeschüttet. Es wurde sehr aufgeregt, speichelte, schnaubte - heftig unter Auswurf von Schleimflocken; nach einigen Stunden starb - es unter Schweissausbruch und starkem Durchfall (+Maury+, Journal - du Midi 1862). -- Nach den Versuchen von +Hertwig+ zeigen gesunde - Pferde nach 4-8 g nur etwas vermehrtes Urinieren; nach wiederholten - Dosen entsteht Verminderung der Pulszahl, pochender Herzschlag, - Mattigkeit, Diarrhöe, Polyurie; bei fortgesetzter Anwendung sehr - grosse Schwäche. 15 g in Pillenform haben vermehrte Absonderung - der Schleimhäute, gesteigerte Pulsfrequenz, vermehrte Peristaltik, - reichliche Kotentleerung, sowie leichte Kolik zur Folge. Dieselbe - Dosis (15 g) in Wasser gelöst und auf einmal gegeben erzeugt - Kolik, Zittern, Pulsbeschleunigung, Nachlass dieser Erscheinungen - nach einigen Stunden, stärkeres Wiederauftreten derselben an den - folgenden Tagen und meist Tod am 6.-8. Tage. 30 g in einer Pille oder - Latwerge bedingt eine sehr heftige, aber nicht tödliche Wirkung; - 30 g in flüssiger Form bewirkt heftige Kolik mit Krämpfen und - Schweissausbruch, sowie nach 8 Stunden den Tod. Auf 60 g in flüssiger - Form tritt der Tod nach 2½ Stunden, auf 90 g in Latwergenform nach - 4 Tagen ein (Kolik, Stomatitis ulcerosa, Lähmung der Nachhand). - +Intravenös+ entsteht auf 0,6-4,0 als schwächste Wirkung vermehrte - Peristaltik, Kotentleerung, gesteigerte Diurese, erhöhte Atmungs- und - Pulsfrequenz, jedoch keine Appetitstörung. Bei höhergradiger Wirkung - beobachtet man fast unfühlbaren Puls, Steigen der Pulsfrequenz - über 120 pro Minute, röchelndes, krampfhaftes Atmen, dünnflüssigen - Kot, Schweissausbruch, Tränenfluss, Speicheln, Lecken, Recken, - Rülpsen, Kolik, Zittern, sowie Muskelkrämpfe an der Schulter, am - Halse, an den Schenkeln. 8 g intravenös haben sehr heftige Krämpfe, - Schwindel, Lähmung, sowie Tod nach 1½-3 Stunden zur Folge; eine - Wirkung auf den Darm fehlt hierbei. -- +Dieckerhoff+ und +Wagner+ - (B. T. W. 1893 Nr. 39) fanden bei ihren Versuchen über die Dosierung - und Wirkung des Brechweinsteins bei Pferden, dass derselbe in der - herkömmlichen Dosis und Form unschädlich ist, dass es sich aber - empfiehlt, die Dosis von 15 g nicht zu überschreiten und an demselben - Tag auch nicht zu wiederholen. Für kleine Ponys sind 15 g schon - tödlich; ein leichtes Arbeitspferd starb nach 20 g Brechweinstein - an hämorrhagischer Gastroenteritis. -- Nach +Günther+ (D. T. W. - 1906 S. 543) zeigten 4 schwere Pferde, welche nüchtern je 12 g - Brechweinstein erhalten hatten, 3 Stunden nachher Unruhe, starkes - Aufblähen, Atemnot, Schweissausbruch, Zittern und Schwanken; nach 6 - Tagen erfolgte Heilung. -- Zwei 1 Jahr alte Ardennerfohlen erhielten - gegen Spulwürmer je 8 g Brechweinstein in Wasser gelöst verschrieben. - Der Besitzer verteilte das Mittel jedoch ungleich, so dass eines der - Fohlen 12 g erhielt. 24 Stunden darauf erkrankte dieses Füllen unter - Schweissausbruch, Zittern, Herzschwäche, Dyspnoe, Schwanken, Krämpfen - und Absinken der Innentemperatur auf 35,8°; noch an demselben Tage - starb es. Die Sektion ergab zahlreiche kleine, oberflächliche - Geschwüre auf der Zunge, im Dünndarm und Grimmdarm (+Lüer+, D. T. - W. 1908 S. 377). -- Die von +Möller+-Alpirsbach (ibid. S. 417) - nach einer Tagesdosis von 8-12 g Brechweinstein bei 12 Pferden - beobachteten eigenartigen Erscheinungen von Hufrehe und Herzschwäche - sind wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass überflüssigerweise 1-2 - Stunden nachher noch eine Aloepille verabreicht wurde. Dass durch - einen Zusatz von Aloe die Giftwirkung von Abführmitteln erheblich - gesteigert wird, hat die Erfahrung beim Kalomel gelehrt, das bei - Zugabe einer Aloepille Pferde schon in einer Dosis von 3 g zu töten - vermag (vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). Dass andererseits - der Brechweinstein für sich allein in den genannten Dosen ungiftig - ist, beweisen die zahlreichen und übereinstimmenden Beobachtungen - anderer. +Reissinger+ (Woch. f. Tierheilk. 1908) hat in den - letzten 10 Jahren den Brechweinstein ungefähr 600mal in täglichen - Dosen von 15-20 g gegeben, jedoch in keinem einzigen Falle danach - Vergiftungserscheinungen beobachtet; eine Aloepille nach 1-2 Stunden - nachzuschicken, hält er gleichfalls für überflüssig. +Simon+ (ibid.) - hat seit 8 Jahren alljährlich 70-80mal den Brechweinstein in Dosen - von 15-20 g ohne jeden Nachteil gegeben, desgleichen Prof. +Albrecht+ - (ibid.), der den Brechweinstein seit vielen Jahren schweren Pferden - in Dosen von 20 g, mittleren zu 15 g, Jährlingen zu 10-12 g und - halbjährigen Fohlen zu 6-8 g verabreicht. Auch +Dorn+ (ibid.) - verwendet seit Jahren den Brechweinstein in Dosen von 20 g für - erwachsene Pferde und hat in Hunderten von Fällen nie eine Vergiftung - beobachtet. +Merkt+ (T. Rundschau 1908) gibt den Brechweinstein seit - 20 Jahren in einer Tagesdosis von 25 g auf 3mal und hat noch niemals - die geringsten Vergiftungserscheinungen danach beobachtet. +Storch+ - (Berl. tierärztl. Woch. 1909) hat beim Pferd mindestens 100mal - Brechweinstein in Dosen von 8-12 g ohne Spuren von Giftwirkung oder - Rehe verabreicht; nur ein einziges Pferd zeigte danach vorübergehende - Kolikerscheinungen. - - 2. +Rinder.+ Eine Kuh erhielt aus Versehen 51 g Brechweinstein auf - einmal mit einer Flasche Wasser eingeschüttet, ohne dass irgendwelche - Vergiftungserscheinungen auftraten. Einer anderen Kuh wurden - 46 g ebenfalls ohne Nachteil verabreicht. Dagegen erkrankten 3 - Ziegenlämmer und 2 kleine Hunde, welche die Milch der letzteren Kuh - gefüttert erhalten hatten, an heftiger Diarrhöe (+Harms+, 4. Hannov. - Jahresber.). -- Versuchskühe zeigten auf 8-30 g Brechweinstein nichts - besonderes, nur vermehrtes Urinieren (+Hertwig+, +Viborg+). Selbst - 128 g innerhalb 4 Tagen verabreicht blieben bei einer Kuh ohne - deutliche Wirkung. 40 g einer Kuh auf einmal in Auflösung gegeben, - hatten nach +Gilbert+ keine sichtbare Wirkung. Nach diesen Angaben - ist es fraglich, ob die Beobachtung von +Rüffert+ (Preuss. Mitt. III) - richtig ist, welcher bei einem Stiere nach 30 g Brechweinstein, in - Leinsamenschleim gegeben, Kolik und plötzlichen Tod gesehen haben - will. Zum Zwecke der Nachprüfung habe ich einer alten, schwächlichen, - kleinen Versuchskuh 30 g Brechweinstein in Leinsamenschleim - verabreicht; diese Dosis ist bei derselben ohne jede sichtbare - Wirkung geblieben und hatte nicht einmal eine Verdauungsstörung zur - Folge. - - 3. +Schafe+ zeigten nach 12 g in gelöster Form und nach 16 g in - einer Mehlpille verabreicht keinerlei Wirkung (+Viborg+, +Gilbert+). - Dagegen töteten 24 g ein Schaf. Intravenös hatten 0,3-0,36 g grosse - Mattigkeit, kleinen frequenten Puls, angestrengtes Atmen und - wiederholten Mistabsatz zur Folge. -- +Baum+ (Monatsh. f. prakt. - Tierhlkde. 1892) stellte experimentell fest, dass bei Schafen nach - 5 g, bei Ziegen nach 4 g Brechweinstein Vergiftungserscheinungen - auftreten. Die Milch der betr. Tiere erwies sich indessen auch bei - sehr hohen Dosen als unschädlich. - - 4. +Schweine+ erbrechen sich erst von 0,6 g ab; zuweilen tritt - aber Erbrechen selbst nach grösseren Dosen (1,2-2,0) nicht ein. 4 - g hatten bei einem ¾jährigen Eber nach 15 Minuten Erbrechen zur - Folge, das über eine Stunde dauerte, ausserdem Kolikerscheinungen, - Appetitlosigkeit und Mattigkeit; am 3. Tage war das Tier wieder - gesund. 8 g Brechweinstein in einem halben Liter Wasser gelöst, - bewirkten bei einem 9 Monate alten Eber nach 1½ Stunden 5maliges - Erbrechen, Appetitlosigkeit, Betäubung, starken Durst, nach Aufnahme - des Wassers wiederholtes Erbrechen, sowie am folgenden Tage nach - anscheinender Besserung Krämpfe und den Tod. -- Ein Mutterschwein, - das gegen Ferkelfressen einen Kaffeelöffel Brechweinstein erhalten - hatte, zeigte Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss und Krämpfe; Tannin - beseitigte sofort die Vergiftungserscheinungen (+Gebhard+, Woch. f. - Tierhlkde. 1905). - - 5. +Hunde+ ertragen bis zu 4 g Brechweinstein, wenn sie sich - erbrechen können. Bei unterbundenem Schlunde sterben sie jedoch - (ebenso wie Katzen) nach 0,25-0,5 g innerhalb 2-3 Stunden. Von - +Wunden+ aus tötet der Brechweinstein Hunde und Katzen zu 0,1-0,3 - in wenigen Stunden. +Intravenös+ haben 0,06-0,12 nach ½ Stunde - Erbrechen, 0,24 wiederholtes Erbrechen, Mattigkeit, beschwerliches - Atmen, unregelmässigen, schnellen Puls, Zittern, Krämpfe und nach - 16-24 Stunden den Tod zur Folge. - - 6. +Hühner+ und andere Vögel erbrechen sich leicht nach 0,06-0,2 g. - - -Sonstige Metallvergiftungen. - - -=Alaunvergiftung.= Dieselbe ist in einigen Fällen bei Rindern -beobachtet worden, welche +aus Versehen statt Glaubersalz+ Alaun -erhielten. Ein Rind erhielt 125 g rohen Alaun, worauf es +Verstopfung+ -und +Kolikerscheinungen+ zeigte; nach 4 Tagen war Genesung eingetreten. -Eine Kuh erhielt vom Besitzer statt des verordneten Glaubersalz ½ Kilo -Alaun; sie erkrankte sofort schwer und musste notgeschlachtet werden -(+Siebert+, Berl. Arch. 1900). Dagegen erkrankte ein anderes Rind, -das ebenfalls aus Versehen statt Glaubersalz innerhalb 6 Stunden 750 -g Alaun zusammen mit Leinöl und Leinsamenschleim erhielt, nur leicht -unter Verdauungsstörungen und Speicheln und genas (+Noack+, Preuss. -Vet.-Ber. 1904). Hunde starben, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden, -nach 35-50 g, Katzen nach 5-10 g Alaun (+Orfila+). Die Wirkung des -Alauns ist eine lokal ätzende (Bildung von Aluminiumalbuminat). Die -Allgemeinwirkung des Aluminiums äussert sich in Lähmung und Somnolenz. -+Das Aluminiummetall ist ungiftig.+ - - -=Eisenvergiftung.= Von den Eisenpräparaten wirken in grösseren Dosen -giftig der +Eisenvitriol+ und der +Liquor Ferri sesquichlorati+. -Dieselben sind reizende und ätzende Gifte für die Magendarmschleimhaut -(+korrosive Gastroenteritis+) und Uterusschleimhaut (+diphtheritische -Endometritis+), sowie für die Leber und Nieren (+Hepatitis+ und -+Nephritis+). Es sind hierüber teils klinische, teils experimentelle -Beobachtungen vorhanden. Danach sterben +Pferde+ nach der innerlichen -Verabreichung von ca. 250 g Eisenvitriol. So beobachtete +Gohier+ -bei einem Pferd nach 285 g, bei einem Esel nach 180 g und bei einem -¼jährigen Fohlen nach 90 g Eisenvitriol heftige Darmentzündung mit -tödlichem Ausgange innerhalb 24 Stunden. +Viborg+ sah bei einem älteren -Pferd auf 180 g Erbrechen, Kolik, grosse Schwäche, Verstopfung, -häufiges Urinieren, nach 6 Tagen hatte sich das Tier wieder erholt. -Eine Stute zeigte nach dem Ausspülen des Uterus mit Eisenchloridlösung -heftige Kolik, Krämpfe, Dyspnoe, hohes Fieber, starkes Drängen und -starb nach 48 Stunden; die Sektion ergab diphtherische Endometritis, -sowie hämorrhagische Pleuritis (+Binder+, Tierärztl. Zentralbl. -1894). Drei unter milzbrandverdächtigen Erscheinungen (blutige -Darmentzündung) gestorbene Schafe hatten mit dem Futter zufällig -Eisenvitriol aufgenommen (+Keller+, Preuss. Vet.-Ber. pro 1907). -Bei +Hunden+ entsteht schon von 2 g Eisenvitriol ab Erbrechen und -Magendarmentzündung, nach 8 g der Tod. Beim +Geflügel+ hat man -gelegentlich der Desinfektion der Stallungen mit Eisenvitriol -Erkrankungen infolge Aufnahme desselben beobachtet. Ausserdem -sind Gänse nach der Aufnahme des Abwassers einer mit Eisenvitriol -arbeitenden Imprägnieranstalt für Telegraphenstangen gestorben -(korrosive Entzündung der Schleimhaut des Vormagens). - -Bei +subkutaner+ Applikation starben 3 Hunde auf 7,5 g Eisenvitriol -nach 12, 15 und 27 Stunden. Die Sektion ergab Magendarmentzündung und -ausgebreitete Hämorrhagien. +Intravenös+ entsteht beim Pferd nach 5 g -Unruhe, unterdrückte Fresslust und Verstopfung; beim Hunde nach ½ g -Erbrechen und Kolik. - - -=Silbervergiftung.= Dieselbe bezieht sich meistens auf den -+Höllenstein+ und ist ausschliesslich experimenteller Natur, -soweit sie die Haustiere betrifft. Man unterscheidet eine akute -und chronische Silbervergiftung. 1. Die +akute+ Silbervergiftung -(Höllensteinvergiftung) verläuft unter dem Bild einer -+Gastroenteritis+. Die tödliche Dosis ist sehr variabel je nach -dem Füllungszustand des Magens und der Form, in welcher der -Höllenstein gegeben wird (Stücke, Pulver, Lösung). Einige +Hunde+ -starben schon nach 0,75 bis 1,25 g Höllenstein, während andere -vier Tage hintereinander je 4,0 g ertrugen. +Menschen+ starben -nach 10-30 g, +Kaninchen+ auf 4,0 g, +Schafe+ ertragen 4 g. -- Das -Verschlucken silberner Münzen erzeugt, wie klinische Erfahrungen -lehren, keine Silbervergiftung. 2. Die +chronische+ Silbervergiftung -(+Argyriasis+) wird nach fortgesetzter Fütterung von Versuchstieren -mit Silberpräparaten beobachtet. Dieselbe äussert sich in Abnahme -des Körpergewichts, Atrophie des Fettgewebes, chlorotischer -Blutbeschaffenheit, degenerativen Prozessen in den Muskeln und -Körperdrüsen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des Digestions- -und Respirationsapparates mit profuser Sekretion der Schleimhäute -und sog. Silbersaum des Zahnfleisches (Ag_{2}S), endlich in einer -+Rückenmarksaffektion+ mit Muskel- und Gefühlslähmung, welche -im Hinterteil beginnt und anatomisch in Vakuolenbildung der -Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen -beobachtet man auch Gehirndepressionserscheinungen nach längerer -Höllensteinanwendung. - -Die beim Menschen nach der längeren medikamentellen innerlichen -Verabreichung von Silberpräparaten eintretende +Graufärbung+ der Haut -(Argyrosis) ist keine Vergiftungserscheinung. Sie entsteht infolge -Ablagerung feinster Körnchen von reduziertem metallischem Silber -in die oberste Schichte des Koriums, ins Bindegewebe und in die -Schweissdrüsenknäuel. Diese Schwarzfärbung der Haut findet man nur -beim Menschen nach Verabreichung von ca. 30 g Höllenstein, nicht bei -Versuchstieren (Hunden, Ratten). Dagegen beobachtet man bei Menschen -und Tieren eine +Silberablagerung in inneren Organen+, namentlich in -den Mesenterialdrüsen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, auf -den serösen Häuten, in der Glissonschen Scheide der Leber und in den -Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz frei. - - -=Chromvergiftung.= Besonders giftige Chromverbindungen sind die -+Chromsäure+ CrO_{3}, das +Kaliumchromat+ K_{2}CrO_{4} und das -+Kaliumdichromat+ oder doppeltchromsaure Kali K_{2}Cr_{2}O_{7} -(starke Oxydationsmittel). Die akute Chromvergiftung äussert sich -in korrosiver Gastroenteritis, parenchymatöser und hämorrhagischer -Nephritis, Albuminurie, Hämaturie, Gelbfärbung der Sklera, Schwindel, -Dyspnoe, Konvulsionen und Koma. Pferde sterben nach der Aufnahme von -15-30 g Kaliumdichromat. Infolge Verwechslung mit Natrium bicarbonicum -starb z. B. ein Pferd nach 30 g Kali dichromicum an hämorrhagischer -Gastroenteritis (+Desoubry+ und +Simmonet+, Rec. 1906). Subkutan können -bei jungen Hunden schon 0,1-0,2 tödlich werden. Nach +Kossa+ erzeugen -die Chromate ausserdem bei allen Warmblütern, namentlich beim Hund, -Glykosurie. Weniger giftig wirken Chromalaun, Chromgrün und Chromgelb -(Bleichromat). Bei der +chronischen+ Chromvergiftung (Menschen in -Chromfabriken) beobachtet man interstitielle Nephritis, sowie Haut- und -Schleimhautgeschwüre (Rhinonekrosis chromica). - - =Wismutvergiftung.= Das therapeutisch als Magenmittel und in - der Chirurgie angewandte +Bismutum subnitricum+ kann in grossen - Dosen ein der Quecksilbervergiftung ähnliches Krankheitsbild - erzeugen (Bismutosis). Nach älteren Versuchen zeigten Hunde und - Katzen nach 3-5 g Bismutum subnitricum schwere Vergiftung und - starben nach 15 g sehr rasch (+Orfila+). Diese Wirkungen sind nach - neueren Beobachtungen nicht auf das Wismut, sondern auf die früher - regelmässigen Verunreinigungen des Wismutsalzes mit Arsen, Antimon, - Tellur (sog. Wismutatem) und Blei zu beziehen. Absolut reines - Bismutum subnitricum soll vom Menschen in täglichen Dosen bis zu 20 g - ertragen werden (+Trousseau+). Dagegen wirken +lösliche Wismutsalze+ - stark giftig, nach subkutaner Anwendung derselben erfolgt bei - Säugetieren der Tod schon nach 1-2 Tagen unter Krämpfen. Bei der - Sektion findet man den Dickdarm und sein Gekröse intensiv schwarz - gefärbt (Schwefel-Wismut); +auf der Dickdarmschleimhaut sieht man - nekrotische Herde+. Es wird angenommen, dass der Schwefelwasserstoff - des Dickdarms das in den Darmkapillaren gelöst zirkulierende - Wismutsalz als unlösliches Schwefelwismut ausfällt und so eine - Verstopfung der Kapillaren mit konsekutiver Nekrose der Schleimhaut - bedingt, ähnlich wie beim Merkurialismus (+H. Meyer+). Auch sonst - sind die Erscheinungen der Bismutosis denen des Merkurialismus - ziemlich ähnlich. Man beobachtet nämlich ebenfalls +Stomatitis - ulcerosa+, +Schwarzfärbung des Zahnfleisches+, +Darmkatarrh+ - und +Nephritis+. Bei Versuchstieren wurden ausserdem +Krämpfe+ - beobachtet. Beim Einbringen in die Brust- und Bauchhöhle entstand - Pleuritis bezw. Peritonitis. - - - =Borvergiftung.= Sowohl die +Borsäure+, als der +Borax+ und andere - Borpräparate sind für Tiere und Menschen giftig. Ein Hund starb nach - 30 g Borax an Darmentzündung; Kaninchen sterben nach 2-4 g Borsäure - unter Erscheinungen der Gastroenteritis, Muskel- und Nervenlähmung. - Nach Versuchen von +Annett+ (Lancet 1900) starben 5 junge Ziegen - nach 4wöchentlicher Verabreichung von Milch, welche pro Liter 2 g - Borsäure enthielt, unter den Erscheinungen von Durchfall, Abmagerung - und Mattigkeit. Nach +Puppe+ (Aerztl. Sachverst.-Zeitg. 1907) - zeigten 4 Hunde, welche mit borsäurehaltigem Fleisch (1½ Proz.) - gefüttert wurden, starke Abmagerung und Darmblutungen und gingen - zugrunde (Stoffwechselgift). Auch beim Menschen wirkt die Borsäure - schon in geringen Mengen giftig (+Kobert+, +Schlenker+, +Forster+, - +Rost+, +Kister+, +Mattern+, +Rubner+, +Rosenthal+, +Binswanger+ u. - a.). Versuche im amerikanischen Ackerbauministerium an 12 jungen - Männern (1905) ergaben, dass schon die tägliche Verabreichung von - 0,5 Borsäure bei längerer Verabreichung Verdauungsstörungen erzeugt - und das Allgemeinbefinden ungünstig beeinflusst. +Die Schädlichkeit - der Borpräparate als Konservierungsmittel ist im Gegensatz zu - der Behauptung von Liebreich schon in kleinen Dosen als erwiesen - zu erachten.+ Es kommt hinzu, dass die im Handel gebräuchlichen - Fleischkonservierungsflüssigkeiten nicht etwa schwache, sondern - ziemlich konzentrierte, +3-4prozentige Borsäurelösungen+ bilden - (Fasslebern), welche für den Menschen zweifellos gesundheitsschädlich - sind; ein Kilogramm derartig konservierter Fasslebern enthält - 30-40 g Borsäure(!). Besonders gefährlich ist die Borsäure sodann - für jugendliche Organismen (Borsäurezusatz zur Kindermilch). In - Deutschland sind daher die Borpräparate als Zusatz zu Nahrungsmitteln - verboten (Bundesratsbeschluss vom 18. 2. 02). Auch die Preuss. - Med.-Deputation hat sich in diesem Sinne geäussert (1907). - - - =Zinnvergiftung.= Ob Zinnvergiftungen durch zinnhaltige - Nahrungsmittel, Konserven etc. zustande kommen können, wird teils - bejaht (+Kobert+), teils verneint (+Lehmann+). Experimentell ist - jedoch festgestellt, dass +Zinnchlorür+ Hunde in Dosen von 5 g unter - den Erscheinungen der korrosiven Gastroenteritis tötet, und dass - sich durch fortgesetzte Darreichung von Zinnpräparaten bei Hunden - und Katzen eine typische chronische Zinnvergiftung erzeugen lässt, - deren Haupterscheinungen in Ataxie und Motilitätsstörungen bestehen - (+Ungar+ und +Bodländer+). - - - =Manganvergiftung.= Die löslichen Mangansalze, namentlich das - übermangansaure Kali und das schwefelsaure (früher offizinelle) - Manganoxydul wirken in grösseren Gaben giftig, indem sie Erbrechen, - Lähmung der Motilität und Sensibilität, Ikterus, Leber- und - Nierenentzündung zur Folge haben (ähnlich wie bei Chromvergiftung). - +Carozzo+ (Clin. vet. 1900) sah bei 2 Pferden nach der innerlichen - Verabreichung von 10 g Kalium permanganicum in 1 l Wasser - Muskelzittern, starken Schweissausbruch, Speichelfluss, anämische - Schleimhäute, häufigen Kotabsatz, sowie hohe Puls- und Atemfrequenz; - ein Pferd zeigte ausserdem Manegebewegungen und Blutharnen und starb - nach 5 Tagen unter tiefem Koma. - - - =Uranvergiftung.= Das Uran ist eines der giftigsten Metalle. Die - Uransalze wirken zunächst stark ätzend (Uranalbuminat); 1 mg Uranoxyd - ist ferner bei subkutaner Applikation pro Kilogramm Körpergewicht - tödlich für Hunde und Katzen. Die Allgemeinerscheinungen - bestehen in Glykosurie, parenchymatöser Degeneration der - wichtigsten Körperorgane, Nephritis, Abmagerung und Inanition. - Die Stoffwechselstörung ist eine Folge der Aufhebung der inneren - Gewebsatmung wie bei Blausäure (+Woroschilsky+). - - - =Osmiumsäurevergiftung.= Die Osmiumsäure und ihre Salze wirken stark - reizend und ätzend auf Haut und Schleimhäute; selbst durch die Dämpfe - der Osmiumsäure können Schleimhautentzündungen entstehen. Nach der - Resorption erzeugen die Osmiumverbindungen Nephritis, Gastroenteritis - und Pneumonie (Vorsicht beim Mikroskopieren). - - Vergiftungserscheinungen bedingen endlich die löslichen Salze des - +Nickels+, +Kobalts+, +Platins+, +Golds+, +Kadmiums+, +Berylliums+, - +Wolframs+, +Molybdäns+, +Zeriums+, +Thalliums+, +Vanadiums+ und - +Siliziums+. Näheres über diese Metallvergiftungen vergl. bei - +Kobert+, Lehrbuch der Intoxikationen. - - -Kochsalzvergiftung. - - =Allgemeines.= Das +Kochsalz+, ClNa, welches aus dem +Steinsalz+ (99% - Chlornatrium) gewonnen und mit rotem Ton, Kohle, Russ, Wermut etc. - vermischt als sog. +Viehsalz+ (denaturiertes Kochsalz) verfüttert - wird, kann als ein Gift im eigentlichen Sinne des Wortes nicht - aufgefasst werden, weil es immer nur in grossen Gewichtsmengen - Krankheitserscheinungen verursacht. Die freiwillige Aufnahme - grösserer, gesundheitsschädlicher Mengen von Kochsalz beobachtet - man namentlich bei Pflanzenfressern, und zwar insbesondere bei den - Wiederkäuern, welche wegen der Salzarmut des Futters eine grosse - Begierde nach Kochsalz haben. Auch Schweine und Hunde erkranken - häufig nach dem Genusse salzhaltiger Küchenabfälle, von Kesselbrühe - (Wurstmacher), Schinkenbrühe, sowie von Salz- und Pökellake. Nicht - selten ereignen sich ferner Vergiftungen durch das unvorsichtige - Verabreichen grösserer Kochsalzgaben als Heilmittel oder Diätetikum. - Allerdings müssen hierbei sehr grosse Mengen gegeben werden, ehe - Krankheitszustände auftreten. Die +tödliche Kochsalzdosis+ beträgt - nämlich für Rinder 1½-3 kg, für Pferde 1-1½ kg. für Schafe und - Schweine 125-250 g, für Hunde 30-60 g (3,7 g pro Kilo Körpergewicht). - Ueber die Vergiftung mit +Heringslake+ vergl. das Kapitel - Fleischvergiftung. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Kochsalz wirkt in grösseren -Mengen oder in konzentrierten Lösungen (Salzlake) zunächst reizend und -+entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des Digestionsapparates. -Nach seiner Resorption ins Blut wirkt es in diesen grossen Dosen als -+lähmendes Nervengift+ (Natriumwirkung). Wegen dieser Doppelwirkung -kann es auch als ein Akre-Narkotikum bezeichnet werden. Die ersten -Krankheitserscheinungen bestehen in starkem Durst, unterdrückter -Futteraufnahme, Würgen und +Erbrechen+, höherer Rötung und Trockenheit -der Maulschleimhaut, +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+, Polyurie. -Die nervösen Symptome äussern sich in allgemeiner +Körperschwäche+, -Taumeln, rauschartigem Zustand, Zusammenstürzen, Unfähigkeit sich zu -erheben, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Amaurosis+, Schlinglähmung, -Sopor, +allgemeiner Lähmung+, zunehmender Herzschwäche und damit -zusammenhängend Dyspnoe. Meist tritt der Tod sehr rasch innerhalb -eines Tages ein; die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt 6-48 -Stunden. In vereinzelten Fällen führt die Kochsalzvergiftung zu einer -mehr chronischen Erkrankung, welche sich in Darmerscheinungen (Abgang -kruppöser Membranen beim Rind), sowie in Anämie und Abmagerung äussert. - -Bei der +Sektion+ findet man zuweilen keinerlei auffallende -Veränderungen im Körper. Meist beobachtet man indessen die -Erscheinungen einer akuten Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut. -Bei den Wiederkäuern zeigt der Labmagen die schwersten Veränderungen. -Die Entzündung äussert sich in Schwellung, Rötung und Ekchymosierung; -bei längerem Verlauf kommt es beim Rind zur Ausbildung einer kruppösen -Enteritis. Vereinzelt findet man auch die Blasenschleimhaut höher -gerötet. Das Blut ist zuweilen auffallend hellrot und dünnflüssig. - - -=Behandlung.= Die gastroenteritischen Erscheinungen werden durch -Verabreichung deckender, einhüllender Mittel bekämpft. Bei -den Wiederkäuern verabreicht man zu diesem Zweck gewöhnlich -+Leinsamenabkochungen+ in Verbindung mit Opium. Auch +ölige Mittel+ -(Leinöl, Mohnöl, Olivenöl, Repsöl) können gegeben werden. Ausserdem -empfiehlt sich die Verabreichung von +viel Wasser+. Gegen die Lähmung -des Nervensystems und des Herzens gibt man +Exzitantien+, namentlich -den +Aether+ in wiederholten subkutanen Dosen, den +Kampfer+ (als -Kampferspiritus oder Kampferöl subkutan), den +Liquor Ammonii anisatus+ -(bei kleineren Tieren), das +Ammonium carbonicum+ (bei grösseren), das -+Atropin+, +Hyoszin+, +Koffein+, +Veratrin+ und +Strychnin+. - - -=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt samt der Schleimhaut -mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert und dampft das Filtrat -ein. Dasselbe zeichnet sich dann durch einen intensiven salzigen -Geschmack, sowie durch das Auskristallisieren von kubischen -Kochsalzkristallen aus. Als Chlornatrium werden diese Kristalle ferner -nachgewiesen durch die Gelbfärbung der Flamme (Natriumreaktion) und -durch den weissen Niederschlag, welchen sie mit salpetersaurem Silber -geben (Chlorreaktion). Man kann auch versuchen, das Kochsalz durch -Dialyse rein zu erhalten. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Zwei lecksüchtige Ochsen erhielten 4 - Pfd. Kochsalz. Sie verschmähten das Futter, taumelten, stiessen - wie blind an Gegenstände, stürzten zusammen, konnten sich nicht - wieder erheben, zeigten erweiterte Pupillen, unfühlbaren Puls und - Herzschlag, sowie starke Benommenheit des Sensoriums. Der eine Ochse - wurde rasch geschlachtet; der andere blieb 14 Tage krank und zeigte - später die Erscheinungen eines schweren Darmleidens (Verstopfung, - Durchfall, Abgang von blutigem Schleim und Kruppmembranen mit dem - Kote), weshalb er ebenfalls getötet wurde (+Stohrer+, Schweizer - Archiv 1842). -- Zwei lecksüchtige Kühe erhielten abends 10 Pfd. - Salz; am andern Morgen waren beide tot. Eine andere Kuh erhielt etwa - 4-5 Pfd. Salz; drei Stunden später war sie unfähig, sich zu erheben, - zeigte Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, Kolikerscheinungen, - starken Schweissausbruch und Krämpfe (+Landel+, Repertor. 1859). - -- Eine lecksüchtige Kuh erhielt 3 Pfd, Kochsalz. Sie zeigte - starken Durchfall, häufiges Harnen und die Erscheinungen einer - schweren Erkrankung, kam jedoch mit dem Leben davon (+Lehmann+, - Schweiz. Archiv 1850). -- In einem Viehbestand wurde den Kühen, um - die Milchergiebigkeit zu steigern, mehrere Wochen hindurch grosse - Mengen gepulvertes Steinsalz gegeben. 15 Kühe zeigten schwere - Abmagerung, Kreuzschwäche, Versiegen der Milchsekretion, hochgradigen - Durchfall, sowie jauchige Zellgewebsentzündung an den Kronen und - starben teils, teils mussten sie getötet werden (+Uhlig+, Sächs. - Jahresber. 1893). -- Eine Massenvergiftung bei 25 Rindern durch einen - Viehsalzleckstein, welcher sich im Wasser des Tränkbarrens gelöst - hatte, hat +Horn+ beobachtet (Woch. f. T. 1895 S. 185); drei Kühe - lagen gelähmt am Boden und mussten notgeschlachtet werden, sechs - Kühe zeigten einen rauschartigen Zustand, Bewusstlosigkeit, kaum - fühlbaren, verlangsamten Herzschlag und Drang nach dem After. Vier - dieser Kühe erholten sich nach sechs Stunden langsam unter öfterem - Wiederkehren schwindelähnlicher, schlafsüchtiger Zustände; bei - der fünften hielt der rauschartige Zustand 24 Stunden an, während - die sechste wegen anhaltender Lähmungserscheinungen schliesslich - geschlachtet werden musste. -- Einen ähnlichen Fall hat +Boudry+ - beobachtet (Oesterr. Mon. 1898); danach erhielten 11 Kühe gegen - Lecksucht je 600-1200 g Kochsalz, von denen drei wegen allgemeiner - Lähmung geschlachtet werden mussten und eine starb. - - 2. +Pferde.+ Ein Pferd erhielt gegen Würmer 3 Flaschen - Sauerkrautlake. Es zeigte heftige Kolikerscheinungen und starb unter - nervösen Zufällen nach 3 Stunden (+Kammerer+, Bad. Mitt. 1888). -- 12 - Pferde hatten 6 Tage hintereinander 1 Metze Viehsalz im Trinkwasser - erhalten. Sie erkrankten an schwankendem Gang, Durchfall, Polyurie - und zum Teil an Kreuzlähmung, genasen aber alle (+Vogel+, Preuss. - Mitt. Bd. 7). - - 3. +Schafe.+ Eine Herde von 300 Schafen erhielten 2-3 Metzen rotes - Viehsalz. 10 Stück erkrankten, 8 zeigten Lähmungserscheinungen, 2 - starben. Die Sektion ergab Entzündung im Labmagen und rote Flecken im - Darmkanal (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). - - 4. +Schweine.+ Ein 4 Monate altes Schwein erhielt 6 Tage lang je 30 g - Kochsalz in Milch. Am 6. Tage zeigte sich das Tier krank, am 7. lag - es gelähmt auf der Seite, zitterte, machte automatische Bewegungen - mit den Beinen und atmete angestrengt. Tod am 12. Tage. Sektion: eine - talergrosse Stelle der Magenschleimhaut zeigte hochgradige Entzündung - mit Zerstörung des Epithels und plastischem Exsudate; ausserdem - war die Schleimhaut des ganzen Darmkanals entzündet, Gehirn und - verlängertes Mark waren hyperämisch und ödematös (+Gerlach+). -- 15 - Schweine, deren Futter durch ein Versehen 5 l Viehsalz beigemischt - worden waren, zeigten Appetitlosigkeit, Durst, Kolik, Dyspnoe, - Eingenommenheit des Kopfes, Zittern und Lähmung des Hinterteils. - Bei der Sektion fand man Hyperämie der Gehirnhäute und Gehirnödem - (+Scharsig+, Berl. Arch. 1893 S. 311). -- 4 Ferkel erhielten Wasser, - in welchem Schinken gekocht worden war, mit Kartoffeln zusammen. Sie - zeigten auffallende Schwäche, Drehbewegungen, sowie epileptische - Anfälle. 3 Stück starben nach 2, bezw. 7, bezw. 10 Tagen. Die Sektion - ergab starke Hyperämie des Magens und Darms, sowie der Hirnhäute - und der grauen Hirnsubstanz (+Ujhelyi+, Veterinarius 1892). -- 44 - Schweine erhielten pro Tag 340 g Meersalz (denaturiertes Kochsalz); - sie zeigten Schwäche, Schwanken, Schreien, grossen Durst und - Erbrechen; 7 davon starben (J. de Lyon 1896). -- 97 Läuferschweine - erhielten zur Anregung des Appetits vom Fütterer 4 kg Viehsalz - im Getränk verabreicht, worauf 37 Stück erkrankten; das Fleisch - derselben, ohne Salzzusatz gekocht, schmeckte wie gesalzenes - Fleisch (+Fickert+, Berl. Arch. 1901). -- 5 Schweine starben unter - Lähmungserscheinungen, nachdem sie von einem geplatzten Salzsack Salz - aufgenommen hatten. 6 andere starben nach dem Trinken von Pökellake; - sie waren hochgradig aufgeregt, wie „verhext“, sprangen an den Wänden - in die Höhe, erbrachen sich und taumelten (+Müssemeier+, +Harde+, - Preuss. Vet. Ber. 1904). Aehnliche Fälle sind in den Jahren 1906 und - 1907 beobachtet worden (ibid.). - - 5. +Hunde.+ Ein Hund hatte grössere Mengen von Kesselbrühe - aufgenommen; eine Stunde darnach zeigte er heftige Krämpfe und starb - nach Ablauf einer Stunde (+Adam+, Wochenschrift 1884). -- Eine - Ulmer Dogge hatte sich während der Nacht über den Inhalt eines am - Abend vorher entleerten Fasses von Pökelschweinsknochen gemacht. - Gegen Morgen fand man das Tier schwerkrank neben dem Fasse liegen, - es zeigte so grosse Schmerzen, dass es laut winselte und sich - fortwährend in die Vorderfüsse biss, so dass die Knochen und Sehnen - blosslagen; dabei bestand viel Speichelfluss, blutiger Durchfall, - Erbrechen, Auftreibung und Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes. - Harn dick, teerartig und blutig. Das Tier konnte nicht stehen und - zeigte Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Nach 2tägigem Leiden - trat der Tod ein. Bei der Sektion fand man Entzündung der Maul- und - Rachenschleimhaut, des Magens und Darmes, ausgedehnte Blutungen in - der Schleimhaut des letzteren, im Magen leichte Anätzungen, die - Schleimhaut am Pylorus um das Doppelte geschwollen. Hochgradige - parenchymatöse Nierenentzündung, Nieren fast noch einmal so gross - als normal. In den übrigen Organen Blutüberfüllung, Blut dunkel, - teerartig (+Röbert+, Sächs. Jahresbericht 1895). - - 6. +Geflügel.+ Durch die Verfütterung gedämpfter Kartoffeln, die - mit Salz eingestampft worden waren, starben auf einem Rittergute - innerhalb 14 Tagen 25 Gänse (+Möbius+, Sächs. Jahresber. pro 1895). - -- Zur Beseitigung unbequemer Nachbarhühner in Gärten dient in - manchen Gegenden eine Mischung von Kochsalz und Roggenschrot, nach - deren Aufnahme die Hühner sich nicht mehr stehend erhalten können - und unter Lähmungserscheinungen sterben (+Düker+, Preuss. Vet. - Ber. pro 1907). -- Hühner und Gänse erkrankten nach Aufnahme von - Anchovissalzlake (Bull. vét. 1903). -- 5 Störche starben plötzlich - nach der Verfütterung gesalzener Fische; die Sektion ergab ein - negatives Resultat (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. pro 1893). - - -Salpetervergiftung. - - =Allgemeines.= Der Salpeter kommt in 2 Formen im Handel vor. 1. Der - +Kalisalpeter+ (Mauersalpeter, prismatischer Salpeter), KNO_{3}, - ist namentlich früher sehr vielfach als Fiebermittel sowie gegen - Entzündungskrankheiten therapeutisch angewandt worden. Verwechslungen - des Salpeters mit Glaubersalz, Bittersalz und Kochsalz haben hiebei - in zahlreichen Fällen Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. Während - z. B. die therapeutische Dosis des Salpeters für Rinder und Pferde - nur 10-20 g beträgt, beläuft sich die des Glaubersalzes auf 250-1000 - g. Dabei erzeugen schon 50 g Kalisalpeter bei Pferden zuweilen - schwere Vergiftung. Seltener hat das Ablecken salpeterhaltiger - Mauerwandungen (z. B. bei Lämmern) eine Vergiftung mit Kalisalpeter - bedingt. 2. Der +Chilisalpeter+ (Natronsalpeter, Würfelsalpeter), - NaNO_{3}, wird seit etwa 50 Jahren in ausgedehntem Masse als - Düngermittel benützt. Durch zufällige Aufnahme oder absichtliche - Verabreichung sind seit Einführung desselben Vergiftungen bei den - Haustieren, insbesondere beim Rind, in grosser Zahl beobachtet - worden. Gefährlich hat sich hiebei namentlich das Auswaschen der - Salpetersäcke und das Trinken des salpeterhaltigen Waschwassers - erwiesen. Bei diesen Vergiftungen mit Chilisalpeter werden immer - sehr grosse Mengen des Salpeters (¼-2½ kg) aufgenommen. Die - +tödliche Dosis+ des Salpeters ist je nach dem Füllungszustand - des Magens verschieden. Der Kalisalpeter ist ferner giftiger als - der Natronsalpeter. Pferde und Rinder sterben durchschnittlich - nach 100-250 g, Schafe und Schweine nach 30 g, Hunde nach 5 g - Kalisalpeter. Bei letzteren können sich Vergiftungen auch durch - Verabreichung grösserer Mengen von Schiesspulver ereignen. - - Von +Barth+ (Toxikologische Untersuchungen über den Chilisalpeter, - Bonn 1879) ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass der - Chilisalpeter durch eine Verunreinigung mit +Nitrit+ (NaNO_{2}) und - durch Umwandlung des Nitrats im Körper zu Nitrit giftig wirke. Die - teilweise Umwandlung zu Nitrit im Körper ist von +Binz+ bestätigt - worden (1902). Meine eigenen diesbezüglichen Untersuchungen - (Repertorium 1880) haben ergeben, dass der chemisch reine, - nitritfreie Natronsalpeter ebenso stark oder noch stärker wirkt, als - der unreine, zuweilen nitrithaltige Düngersalpeter. Es schliesst - ferner der perakute Verlauf der Salpetervergiftung eine vorhergehende - Umwandlung des Nitrats in Nitrit innerhalb des Körpers aus. - Endlich lässt sich bei der Durchsicht der einschlägigen Literatur - nachweisen, dass immer grosse Mengen von Chilisalpeter (250-2500 g) - aufgenommen wurden, so dass die betreffenden Vergiftungen auf eine - reine Salpeterwirkung zurückgeführt werden müssen. Ueber giftige - Nitroverbindungen vgl. S. 125. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Beide Arten von Salpeter erzeugen -zunächst infolge Reizung der Digestionsschleimhaut eine +schwere -Gastroenteritis+, an welche sich +apoplektiforme Lähmungserscheinungen+ -anschliessen. Die Vergiftung beginnt gewöhnlich mit -Unruheerscheinungen, heftiger +Kolik+, Würgen, +Erbrechen+, Speicheln, -Schäumen, Aufblähen, Polyurie. Früher oder später folgt dann eine rasch -zunehmende +Schwäche+ und +Hinfälligkeit+, Schwanken, Taumeln, Zittern, -Zusammenstürzen, Sinken der Körpertemperatur, Herzklopfen, Koma, und -häufig endet das Vergiftungsbild +apoplektiform+ unter plötzlichem -Eintritt des Todes mit oder ohne Krämpfe. +Die gesamte Krankheitsdauer -beträgt meist nur wenige Stunden.+ In einzelnen Fällen hat man bereits -5 Minuten nach der Aufnahme des Salpeters einen tödlichen Ausgang der -Vergiftung konstatiert, wenn die Verabreichung desselben in nüchternem -Zustand erfolgte (+Crönlein+). - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens (Labmagens) und -Dünndarms braunrot, purpurrot oder kirschrot verfärbt und geschwürig -verändert (hämorrhagische Gastroenteritis), den Darminhalt blutig oder -braungefärbt, die Baucheingeweide stark hyperämisch, die Nieren und die -Blasenschleimhaut entzündet und von Blutungen durchsetzt, das Blut von -auffallend hellroter oder schmutzig braunroter Farbe. Bei perakutem -Verlauf fehlen charakteristische Veränderungen. - - -=Behandlung.= Wie bei der Kochsalzvergiftung müssen auch hier zunächst -einhüllende, schleimige und ölige Mittel mit viel Wasser verabreicht -werden. Die Lähmungserscheinungen werden mit exzitierenden und -belebenden Mitteln, insbesondere mit Aether, Kampfer, Veratrin und -Atropin behandelt. - - -=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt nebst der Schleimhaut -mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft das Filtrat ein -und lässt den Salpeter auskristallisieren. Gelbfärbung der Flamme -besagt die Anwesenheit von Natron-, Violettfärbung von Kalisalpeter. -Spezielle Salpeterreaktionen sind: das Verpuffen auf glühender Kohle -und die Braunfärbung mit Schwefelsäure und Eisenvitriol. Man kann auch -versuchen, den Salpeter durch Dialyse rein zu erhalten. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Chilisalpetersäcke wurden in Wasser - aufgeweicht. 3 Kühe, welche von dem Wasser abends tranken, wurden - am Morgen tot gefunden. Die Sektion ergab Schwellung, Rötung und - Ekchymosierung der Schleimhaut des Magens, Darmes und der Blase, - dünnflüssiges Blut, dunkelrote Farbe und Erweichung der Nieren - (+Rabe+, Preuss. Mitt. 1874). -- 2 Kühe erhielten je 250 g Salpeter - statt Glaubersalz. Sie starben beide innerhalb 6 Stunden. Bei der - Sektion fand man Petechien auf der Labmagenschleimhaut. Das Fleisch - und die Eingeweide waren blassgelb (+Möbius+, Sächs. Jahresber. - 1888). -- Eine Kuh erhielt durch das Versehen eines Krämers morgens - nüchtern statt Glaubersalz 360 g Salpeter eingeschüttet. Das - Tier zeigte sofort Zittern und Krämpfe, stürzte zusammen, liess - die Zunge aus dem Maule hängen und starb nach 5 Minuten. Sektion: - negativ (+Crönlein+, Magazin Bd. 18). -- 2 Kühe hatten zusammen 1 - Pfd. Salpeter statt Glaubersalz bekommen; nach ½ Stunde stürzten - sie unter Zittern und Krämpfen tot zusammen. Die Sektion ergab - ausser missfarbigem, schmutzig rotbraunem Blute nichts Besonderes - (+Weinmann+, Ad. Wochenschr. 1859). -- Eine Rinderherde von 48 - Stück erhielt in 2 Tagen 20 Pfd. Viehsalz, welches zur Hälfte aus - Chilisalpeter bestand. Am 2. Tage starb eine Kuh fast plötzlich, 3 - andere krepierten innerhalb 5 Minuten, eine weitere bald darauf. - 2 Kühe zeigten Schwäche im Kreuz; beim Aderlasse war kein Blut - zu bekommen. Alle übrigen Kühe bekamen Durchfall, waren aber am - nächsten Tage wieder gesund (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde - 1872). -- +Kettritz+ (Berl. Archiv 1893) beschreibt eine Vergiftung - bei 4 Kühen, welche Waschwasser von Salpetersäcken getrunken - hatten. Der Tod trat unter heftigen Zuckungen im Verlaufe von 2 - Stunden ein. Bei der Sektion fand man hochgradige Entzündung des - Labmagens, Zwölffinger- und Leerdarms. -- Mehrere Kühe frassen - Klee von einem Felde, das mit Chilisalpeter bestreut war, und - erkrankten. Die Sektion einer derselben ergab starke Entzündung - der Mägen und des Dünndarms, Hyperämie und Entzündung der Nieren, - sowie fleckige Rötung der Blasenschleimhaut (+Rost+, Sächs. - Jahresber. 1891). -- Von 26 Kühen, welche auf der Weide ein Gemenge - von Chilisalpeter und Sand aufgenommen hatten, starben plötzlich - 19 Stück, nachdem Drängen, Stöhnen, grosse Unruhe, Schwanken - und Lähmung vorausgegangen waren. Die 7 genesenden Kühe lagen - stundenlang auf einer und derselben Stelle. Bei der Sektion fand - man hochrote diffuse Verfärbung der Schleimhaut des Labmagens - und Dünndarmanfangs, welche mit zahlreichen runden, dunkel- bis - bläulichroten Flecken durchsetzt war und auf der Höhe der Falten - der Labmagenschleimhaut und am Uebergang zum Pylorus am stärksten - hervortrat (+Klebba+, Berl. Arch. 1892, S. 460). -- 2 Kühe, welche - Waschwasser von Chilisalpetersäcken getrunken hatten, starben nach 16 - bezw. 56 Stunden (+Bénard+, Journal de Lyon 1892). -- +Wankmüller+ - (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894 S. 258) beobachtete bei 19 Rindern - einer Kunstdüngerfabrik eine Vergiftung durch Chilisalpeter; das - Fleisch der notgeschlachteten Tiere war in allen Fällen geniessbar. - -- Ein Ochse trank das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Eine - Stunde darauf zeigte er schwankenden Gang, schmerzhaften Harnabsatz, - allgemeine Muskellähmung und Unempfindlichkeit. Der Puls war hart - und klein, aber von normaler Frequenz. Nach 2 Tagen trat auf die - Verabreichung von Kaffee, sowie schleimigen Dekokten Heilung ein - (+Legrand+, Arm. belg. 1887). -- 2 Kälber, welche Wasser aus - Bottichen getrunken hatten, in denen Chilisalpetersäcke zum Reinigen - lagen, starben nach 15-20 Minuten; die Sektion ergab lediglich - kirschrotes, flüssiges Blut (+Güttlich+, Berl. Arch. 1894). -- Eine - Kuh, welche irrtümlicherweise 250 g Salpeter (statt Glaubersalz) - erhalten hatte, musste notgeschlachtet werden. Die Sektion ergab - hochgradige Labmagenentzündung (+Möbius+, Sächs. Jahresber. 1898). - -- Ob die von Buhl (Wochenschr. f. Tierheilk. 1898 S. 329) auf - das Ablecken von Mauersalpeter in den Stallungen zurückgeführten - Krankheitsfälle echte Salpetervergiftungen waren, ist sehr fraglich. - -- 3 Rinder hatten auf einer mit Chilisalpeter gedüngten Weide - gierig denselben aufgeleckt und erkrankten an heftigem Durchfall, - Schlafsucht, hochgradiger Schwäche, Lähmung und Herzklopfen. Die - Sektion ergab Enteritis und auffallend hellrotes, nicht gerinnendes - Blut (+Winkler+, Woch. f. T. 1901). -- Ein Landwirt behandelte - die Maul- und Klauenseuche mit Salpeter. Infolgedessen starben 2 - hochtragende Kühe und 1 Mastochse innerhalb 24 Stunden unter profusem - Durchfall. Die Sektion ergab Entzündung des Magens und Darms mit - braunroter Verfärbung der Schleimhaut (+Markert+, ibid. 1902). -- - 3 Rinder verendeten apoplektisch nach der Aufnahme von reichlich - vorhandenem, durch Regen ausgelaugten Mauersalpeter; die Sektion - ergab hochgradige Magendarmentzündung, Nephritis, Hämatolysis sowie - blasse Muskulatur (+Gutbrod+, Monatsh. f. prakt. Tierh. 1901). -- 3 - Kühe hatten den Inhalt eines Chilisalpetersackes ausgeschleckt und - zeigten Taumeln, Speicheln und pochenden Herzschlag; 1 Kuh verendete - innerhalb 5 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergab starke Rötung - der Schleimhaut der Mägen (+Schank+, Woch. f. Tierh. 1902). -- 5 - Kühe tranken das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Sie zeigten - profusen Durchfall, Schweissausbruch und Zittern; 4 starben ½ Stunde - nach Beginn der Krankheit. Die Sektion ergab braunroten Darminhalt, - Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis (+Schmidtke+, Preuss. Vet. - Ber. 1904). -- Eine Kuh erhielt ½ kg Kalisalpeter (statt Glaubersalz) - eingeschüttet, blieb jedoch am Leben, da beim Einschütten ein - grosser Teil gleich wieder erbrochen wurde (+Vogel+, B. T. W. 1904 - S. 790). -- Nach der Verfütterung von Rübenblättern, welche mit - Chilisalpeter gedüngt waren (sog. Kopfdüngung), erkrankten vielfach - Rinder unter plötzlicher Hinfälligkeit, Herzklopfen, Schwanken und - Zusammenstürzen; der Tod trat zuweilen unter Krämpfen schon nach - ¼-½ Stunde ein (+Lüdecke+, Z. f. Vet. 1909). -- Zahlreiche Fälle - finden sich ferner beschrieben in den Jahresberichten der preuss. - Kreistierärzte 1902-1907. - - 2. +Pferde.+ Ein kolikkrankes Pferd erhielt aus Versehen 250 g - Kalisalpeter statt Glaubersalz; es wurde, ohne Schaden zu erleiden, - nach 36 Stunden wieder hergestellt (+Haarstick+, Preuss. Mitt. 1874). - -- Bei mehreren Versuchspferden traten nach 250-500 g Kalisalpeter - zwar Vergiftungserscheinungen (Kolik, Muskelschwäche), aber ohne - tödlichen Ausgang auf (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872); dagegen - starben nach Versuchen an der Lyoner Tierarzneischule 2 Pferde auf - 240 g Salpeter innerhalb 24 Stunden. -- Ein Pferd zeigte nach der - Verabreichung von 50 g Kalisalpeter eine deutliche Vergiftung, welche - sich in Kolik, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, kaum fühlbarem Puls, - sowie Dyspnoe äusserte (+Piot+, Recueil 1892 S. 405). -- Ein Pferd - nahm Wasser aus einer Tonne auf, in der Chilisalpetersäcke gewaschen - wurden, und starb unter den Erscheinungen einer Darmentzündung und - einer Lähmung der Nachhand nach 24 Stunden (+Schöneck+, Berl. Arch. - 1896 S. 345). - - 3. +Schafe.+ 200 Mutterschafe erhielten statt Kochsalz Salpeter - als Lecke. Nach einer Stunde traten zahlreiche Erkrankungen auf. - Die Tiere wälzten sich, schäumten, stöhnten und blökten und lagen - gelähmt am Boden. 20 Stück krepierten innerhalb einer Stunde. Die - Sektion ergab eine heftige Entzündung des Labmagens und Darmes, sowie - hellrotes dünnflüssiges Blut (+Melzbach+, Preuss. Mitt. 2. Jahrgang). - - 4. +Ziegen.+ Infolge Streuen von Kunstdünger erkrankten 2 Ziegen - unter Maul- und Klauenseuche ähnlichen Erscheinungen: starkem - Speicheln, unterdrückter Futteraufnahme, Aufblähung, Schwäche und - Hinfälligkeit (+Zink+, W. f. T. 1901). - - 5. +Schweine.+ 30 g Salpeter, einem Versuchsschwein mehrere Tage - hindurch mit Milch verabreicht, erzeugten Erbrechen, grosse - Hinfälligkeit und steifen Gang; nach 14 Tagen hatte sich das Tier - wieder erholt (+Gerlach+). -- 6 Läuferschweine, denen ein Arbeiter - aus Rache Salpeter auf das Futter streute, starben an heftiger - Entzündung der Magen- und Dünndarmschleimhaut (+Prietsch+, Sächs. - Jahresber. 1901). - - 6. +Hühner.+ In einem Hühnerhof waren binnen 14 Tagen 28 Hühner - und 1 Hahn gestorben. Die Krankheit dauerte bei einigen nur wenige - Stunden, bei anderen bis zwei Tage. Bei der Sektion eines Huhnes - wurde festgestellt: entzündliche Rötung und teilweise Verätzung - der Schleimhaut des Kropfes. Als Ursache ergab sich Vergiftung - mit Chilisalpeter. Die Hühner hatten nämlich Wasser, in dem - Chilisalpetersäcke ausgewaschen waren, aufgenommen (+Ammerschläger+, - Woch. f. Tierh. 1906). - - - =Nitroverbindungen.= Die NO_{2}- (Nitro-) Verbindungen, sowie die - Nitrite (salpetrichsauren Salze) sind starke +Blutgifte+. Hieher - gehört das +Nitrobenzol+ (Mirbanöl, falsches Bittermandelöl) = - C_{6}H_{5}NO_{2}, eine hellgelbe, zum Parfümieren von Seifen - etc. vielfach verwendete, bittermandelölartig riechende - Flüssigkeit. Dieselbe tötet Hunde schon in einer Dosis von 1 g. - Die Vergiftungserscheinungen bestehen in Auflösung der roten - Blutkörperchen, Methämoglobinämie, Poikilozytose, Krämpfen und - Lähmungserscheinungen. Im Blut findet man einen für Nitrobenzol - charakteristischen Absorptionsstreifen (+Filehne+). Auch das - +Amylnitrit+, +Natrium-+ und +Kaliumnitrit+ (Natrium und - Kalium nitrosum), +Aethylnitrit+, +Propyl-+, +Butylnitrit+, - +Dinitronaphthol+, +Dinitrokresol+, sowie die +Pikrinsäure+ = - C_{6}H_{2}(NO_{2})_{3}OH und ihre Salze erzeugen Methämoglobinämie. - Die Pikrinsäure verursacht ausserdem Gelbfärbung der Schleimhäute - (sog. Pikrinikterus), Gastroenteritis und Nephritis. Auch das - +Anilin+, C_{6}H_{5}NH_{2}, bedingt infolge seiner Verwandtschaft - mit Nitrobenzol, C_{6}H_{5}NO_{2}, Methämoglobinämie neben einer - lähmenden Einwirkung auf das Nervensystem; bei der Sektion findet - man neben den durch die Methämoglobinämie bedingten Veränderungen - die Organe imprägniert mit schwarzblauen Körnchen von Anilinschwarz. - Aehnlich wirkt +Dinitrobenzol+ (Roburit) = C_{6}H_{4}(NO_{2})_{2}, - sowie +Nitroglyzerin+ (Sprengöl, Dynamit) = C_{3}H_{5}(ONO_{2})_{3}. - Ueber Vergiftungen durch =Dynamit= bei mehreren Rindern hat +Hable+ - berichtet (Oestr. Zeitschr. 1889 S. 122). Dieselben hatten von - dem zum Sprengen von Felsen bestimmten, am Wege liegenden Dynamit - gefressen (!). Die Sektion ergab punktförmige und streifige Blutungen - in der Schleimhaut der Rachenhöhle, des Kehlkopfes, der Luftröhre und - am Endokardium, streifenförmige Rötung im Dünndarm, sowie im Pansen - braunrote, weiche, nudelförmige, teilweise noch in Papier eingehüllte - Dynamitmassen; die Stellen der Pansenwand, an welchen diese Massen - lagen, zeigten eine kirschrot verfärbte, vom Epithel entblösste - Schleimhaut. - - -Vergiftung durch Glaubersalz. - - =Allgemeines.= Das +Glaubersalz+, Na_{2}SO_{4}, wird gewöhnlich - in seiner kristallisierten Form (+ 10 H_{2}O) als allgemein - gebräuchliches Stomachikum, Laxans, Antikatarrhalikum angewandt, - und zwar ohne Gefahr in ziemlich grossen Gaben, so z. B. Rindern in - einmaligen Dosen von ½-1 kg. Nur wenn auf einmal sehr grosse Dosen, - z. B. 1½-3 kg Rindern verabreicht werden, oder wenn die Tiere beim - Eingeben grösserer Gaben vollständig nüchtern sind, oder endlich - wenn das getrocknete Glaubersalz, Natrium sulfuricum siccum, welches - wegen des Verlustes seines Kristallwassers doppelt so stark wirkt - als das gewöhnliche, in denselben Dosen verschrieben wird, wie - letzteres, können sich Vergiftungen ereignen. -- Aehnlich liegen die - Verhältnisse beim +Bittersalz+, MgSO_{4} + 7 H_{2}O. - - -=Krankheitsbild.= Die Vergiftung durch Glaubersalz hat sehr viel -Aehnlichkeit mit der Kochsalzvergiftung. Auch das Glaubersalz wirkt -zunächst lokal +reizend+ auf die +Darmschleimhaut+, während es nach der -Resorption eine +lähmende+ Natriumwirkung auf das Nervensystem ausübt. -Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen sind daher +Kolikanfälle+, -wässeriger +Durchfall+, unterdrückte Futteraufnahme, starker Durst, -+lähmungsartige Körperschwäche+, Unvermögen aufzustehen, +abnorm -häufiger Harnabsatz+ sowie Koma; der Tod tritt nach mehrtägiger -Krankheitsdauer ein. Anatomischer Befund und +Behandlung+ wie bei -Kochsalzvergiftung. - - -=Nachweis.= Man laugt den Inhalt des Magens und Darmes nebst der -Schleimhaut mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft -das Filtrat ein und lässt das Glaubersalz auskristallisieren. Die -Kristalle geben die charakteristischen Reaktionen des +Glaubersalzes+: -sie färben die Flamme gelb (Natriumreaktion) und geben mit Barytwasser -einen weissen Niederschlag (Sulfatreaktion). Das +Bittersalz+ -wird in ähnlicher Weise durch die Magnesiumreaktion nachgewiesen -(Tripelphosphatbildung). - - =Kasuistik.= Eine 300 kg schwere Simmentaler Kuh hatte gegen - Pansenüberfüllung vom Besitzer in 2stündiger Pause je 750 g, also - zusammen 1500 g Glaubersalz erhalten. 3 Stunden darauf stellte sich - ein besorgniserregender, wässeriger Durchfall ein. Ausserdem bestand - abnorm häufiger Harnabsatz, indem alle 3-4 Minuten je 300-500 g Harn - zur Entleerung gelangten. Weitere Vergiftungserscheinungen waren - heftige Kolik, starkes Drängen, hochgradige allgemeine Schwäche, - Lendenlähme, Tremor, Benommenheit des Sensoriums, Herzklopfen und - Dyspnoe. Infolge der eingeleiteten Behandlung trat am 5. Tage - Heilung ein (+Hess+, Schweiz. Arch. 1896 S. 245). -- Eine Kuh - erhielt innerhalb eines Tages 3 kg Glaubersalz; sie zeigte Kolik, - wässerigen Durchfall, Unvermögen aufzustehen, Körperhaltung wie beim - Kalbefieber, sowie subnormale Körpertemperatur. Bei der Sektion - fand man eine hochgradige hämorrhagische Entzündung im Labmagen und - Dünndarm; die Schleimhaut erschien wie mit roter Tinte bespritzt - (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. pro 1898). -- Ein Hengst erhielt - in 2-3 Tagen 3500 g Glaubersalz gegen Verstopfungskolik und starb - nach 5 Tagen unter hochgradigem Durchfall und Lähmungserscheinungen - (+Kettritz+, Berl. Arch. 1897 S. 196). -- +Gmeiner+ (Monatshefte f. - prakt. Tierhlkde. IX. Bd. 1898 S. 472) hat in zahlreichen Fällen, - in welchen die Besitzer Rindern 3 Pfd. Glaubersalz auf einmal - oder mehrere Tage hintereinander 1-2 Pfd. gegeben hatten, leichte - Vergiftungserscheinungen in Form von allgemeiner Schwäche und - oft wochenlang anhaltendem lähmungsartigem Zustand der Darmwand - beobachtet. -- Nach +Hess+, +Schaffer+ und +Lang+ (Schweiz. landw. - Jahrb. 1893) zeigt die Milch eigentümliche Veränderungen, wenn - Glaubersalz in mittelgrossen Dosen längere Zeit an Milchkühe - verabreicht wird. Sie gibt dann beim Melken keinen Schaum und - besitzt einen glaubersalzähnlichen Geschmack; das Kasein der - Milch zeigt eine erheblich verminderte Gerinnungsfähigkeit, der - Fettgehalt der Milch ist dagegen gestiegen. Alle Kühe zeigten ferner - auffällige pathologische Veränderungen am Euter (Katarrh, Mastitis, - Zystenbildung). - - Eine Vergiftung durch +Bittersalz+ bei einem Ochsen, der binnen - 2 Tagen 4 kg eingeschüttet erhielt, hat +Schultz+ beobachtet - (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1895 S. 150). - - -Vergiftung durch Kainit. - - =Allgemeines.= Der Kainit ist ein in den Steinsalzlagern von - Stassfurt, Leopoldshall etc. vorkommendes, aus +schwefelsaurem - Kalium+, +schwefelsaurer Magnesia+ und +Chlormagnesium+ bestehendes - Mineral von der Formel K_{2}SO_{4} · MgSO_{4} · MgCl_{2} + 6 H_{2}O, - welchem im Rohzustande ausserdem noch Kochsalz, Gips und Ton, - sowie Spuren von Eisen beigemengt sind, infolgedessen er schmutzig - hellrote Stücke mit beständig feuchter Oberfläche bildet. Er stellt - das Rohmaterial für die Kaliumindustrie dar und wird wegen seines - hohen Kaligehaltes auch als sehr wertvolles Düngermittel in der - Landwirtschaft verwendet. Hierbei sollen sich wie beim Chilisalpeter - Vergiftungen ereignen. Ueber solche Fälle haben +Schilling+ (Berliner - Arch. 1887), +Schwaneberger+ (ibid. 1889), +Möbius+ (Sächs. - Jahresber. 1893 u. 1902) und +Nörner+ (Kgl. Forstzeitung 1904) - berichtet. +A. Feser+, +Schneider+ und +Stroh+ bezweifeln dagegen auf - Grund ihrer Versuche das Vorkommen von Kainitvergiftungen (vergl. S. - 126). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Von 5 Kühen, welche von dem im -Stall und auf der Düngerstätte ausgestreuten Kainit geleckt hatten, -starben 2 ganz plötzlich, 3 wurden sehr krank. Sie zeigten starkes -Speicheln, +Durchfall+, +Mattigkeit+, ziegelrote Schleimhäute, -sowie hohes Fieber (40,8° C). Bei der +Sektion+ fand man die -Schleimhaut aller 4 Mägen gerötet, insbesondere war die des Labmagens -dunkelrot und mit tiefdunklen, stecknadelkopf- bis markstückgrossen -+Hämorrhagien+ durchsetzt. Die Dünndarmschleimhaut war blutrot, -geschwollen und ebenfalls von zahlreichen Ekchymosen durchsetzt, die -Dickdarmschleimhaut zeigte katarrhalische Schwellung. Die Milzpulpa war -kirschrot, die Nieren waren von hämorrhagischen Punkten durchsetzt, -unter dem Endokard und Epikard zeigten sich ebensolche Blutungen. -Das Krankheitsbild sowohl, wie auch der Sektionsbefund zeigten viel -Aehnlichkeit mit dem der Salpetervergiftung (+Schilling+). -- Von 12 -erkrankten Ochsen starben 3; die Krankheitserscheinungen bestanden -in kolliquativem Durchfall, blassen Schleimhäuten und Geschwüren am -Zahnfleisch und in der Nase (+Schwaneberger+). -- Schafe zeigten -nach der Aufnahme von Kainit Lähmung, Durchfall und Darmentzündung -(+Nörner+), Hühner und Tauben starben angeblich infolge Streuens von -Kainit auf Aeckern und Wiesen (+Möbius+). Andere Fälle sind in den -preussischen Jahresberichten (1906) beschrieben. -- +Riechelmann+ -(Berl. Archiv 1893) vermutet bei 13 Rehen, welche kurz hintereinander -tot im Walde gefunden wurden, eine +Kainitvergiftung+, da ein grösseres -Areal des Forstes behufs Besamung mit Kainit gedüngt worden war. Die -Sektion ergab u. a. Hämorrhagien im Labmagen. -- +Wagner+ (Bad. Mitt. -1888) warnt vor dem Einstreuen von Kainit in den Stallungen, weil er -+Verätzung+ der +Hufkronen+ und +Klauenkronen+, sowie des +Euters+ -erzeuge. - -Im Gegensatze hierzu konnte +A. Feser+ (Beobachtungen über -vermeintliche Kainitvergiftung. Diss. 1903) bei angeblich vergifteten -Rehen Strongylen als Todesursache nachweisen. Er ist ferner auf Grund -von Versuchen bei Wiederkäuern und Geflügel der Meinung, dass diese -Tiere freiwillig so grosse Mengen von Kainit gar nicht aufnehmen, dass -sie dadurch Schaden leiden könnten. Ein Schaf erhielt 950 bezw. 3750 -g Kainit in 37 bezw. 40 Tagen, ein Jungstier 2250 bezw. 3800 g in 6 -bezw. 8 Tagen, ohne etwas Krankhaftes zu zeigen (nur der Kot war ab -und zu etwas weicher). +Schneider+ und +Stroh+ (Deutsche tierärztl. -Woch. 1906) sahen beim Schaf nach 200 g, beim Rind nach 500 g Kainit -keine Wirkung; auf 600 g Kainit zeigte das Rind Kolik. Sie sind der -Ansicht, dass Kainit nur giftig wirke, wenn Giftstoffe beigemengt sind -(Schwefelsäure, Fluorwasserstoff, Arsenik, Aetzkalk, Rhodanammonium). - - - =Vergiftung durch phosphorsauren Kalk.= 6 Rinder eines Bäckers, - welche aus Versehen statt Mehl je 2 Kilo phosphorsauren Kalk - erhielten, erkrankten an heftigem Durchfall und auffallender - Schwäche; 2 Kühe starben am 5. bezw. 8. Tag der Krankheit (+Braun+, - Woch. f. Tierheilkunde 1909). - - - =Vergiftung durch Ammoniak-Superphosphat.= 2 Pferde, welche - grössere Mengen zusammen mit +Chlorkalium+ aufgenommen hatten, - zeigten schwankenden Gang, Schwäche, kalten Schweiss, unterdrückte - Peristaltik, Puls- und Atmungsbeschleunigung. Bei der Sektion fand - man entzündliche Rötung der Schleimhaut des ganzen Darms bes. des - Dickdarms, sowie Anätzungen der Magenschleimhaut (+Gensert+, Berl. - tierärztl. Wochenschr. 1892). -- Aehnliche Fälle haben +Gips+ (Berl. - Arch. 1892) und +Sourrel+ (Revue vét. 1897) bei Rindern beobachtet. - +Schneider+ und +Stroh+ (D. T. W. 1906) verneinen auf Grund von - Versuchen die Giftigkeit des Superphosphats und Thomasphosphatmehls. - Ersteres erzeugte bei Schafen 30 Tage lang zu je 10 g und 10 Tage - lang zu je 100 g (= 1000 g), letzteres in 10 Tagen zu 1000 g - verabreicht, lediglich Appetitstörung. - - -Vergiftung durch Barytsalze. - - =Allgemeines.= Die Verbindungen des Baryums sind mit Ausnahme des - schwefelsauren Baryums oder Schwerspats (BaSO_{4}) sehr stark - giftig. Von giftigen Barytverbindungen kommen in Betracht: 1. Das - +Baryumoxyd+ (Aetzbaryt, Baryt), BaO, eine weisslichgraue, poröse, - leicht zerreibliche Masse von stark alkalischer Reaktion, welche sich - unter Bildung von Baryumhydroxyd in Wasser löst; sog. Barytwasser. - 2. Der +kohlensaure Baryt+ (Baryumkarbonat, Witherit), BaCO_{3}, - ein weisses, geruch- und geschmackloses, in Wasser kaum lösliches - Pulver, welches u. a. zur Vertilgung von Ratten und Mäusen Anwendung - findet. 3. Das +Chlorbaryum+, ein in Wasser leicht lösliches Salz von - unangenehmem, scharfem Geschmack (wichtiges Reagens). Ausserdem sind - stark giftig das salpetersaure, essigsaure und chromsaure, sowie das - Schwefelbaryum. Nach +Crawford+ (Amer. Jahresber. 1908) sollen ferner - die die sog. Lokokrankheit verursachenden Astragaluspflanzen giftige - Baryumsalze enthalten. Barytvergiftungen sind neuerdings namentlich - bei Pferden infolge der Anwendung des Chlorbaryums als Kolikmittel - häufig vorgekommen. - - -=Wirkung.= Die Baryumsalze wirken auf die Magen- und Darmschleimhaut -zunächst +reizend+ und +ätzend+ (Erbrechen, Kolik, Durchfall). Die -allgemeinen Erscheinungen der Baryumvergiftung, welche am raschesten -nach der Verabreichung leicht löslicher Barytsalze (Chlorbaryum, -salpetersaures und essigsaures Baryum) auftreten, bestehen in -+tonisch-klonischen und eklamptischen Krämpfen+, +Darmtetanus+, -+Herzlähmung+ (digitalisähnliche Wirkung), sowie in +lähmungsartiger -Muskelschwäche+, vorwiegend der Extremitäten. Im übrigen sind die -Erscheinungen der Chlorbaryumvergiftung sehr verschieden, je nachdem -das Mittel intravenös, subkutan oder per os verabreicht wird. +Bei -der intravenösen Injektion giftiger Dosen sterben Pferde meist -plötzlich oder im Verlauf weniger Minuten unter Vorwärtsdrängen, -Zusammenstürzen und Krämpfen infolge von Herzlähmung (apoplektischer -Tod).+ Bei der innerlichen oder subkutanen Einverleibung lässt -sich die spezifische +Krampfwirkung+ des Baryums auf die glatte -Muskulatur des +Darmes+ und die quergestreiften +Muskeln+, sowie die -digitalisartige, lähmende Wirkung auf das +Herz+ genauer verfolgen. -Der +Darmtetanus+ äussert sich durch schwere, schmerzhafte +Kolik+ -mit heftigem +Durchfall+ und Entleerung grosser Mengen dünnflüssiger -Kotmassen. Gleichzeitig beobachtet man Kaubewegungen, Speicheln, -Würgen, Erbrechen, mitunter auch Schreien. Die Reizung der motorischen -Zentren hat +strychninartige+, +tetanische+, sowie +klonisch-tonische -Muskelkrämpfe+ zur Folge, welche in Anfällen namentlich die -Rückenmuskeln und die Muskeln der Extremitäten befallen und bald in -+motorische, allgemeine Lähmung+ übergehen (Taumeln, Kreuzschwäche, -Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit). Die Lähmung des +Herzens+ endlich -äussert sich in hochgradiger +Pulsbeschleunigung+ und Dyspnoe. - - -=Sektion.= Bei derselben findet man den Darmkanal leer, wie -ausgewaschen, die Schleimhaut zuweilen entzündlich geschwollen, das -Herz parenchymatös verändert, wie gekocht. Bei perakutem Verlauf -(intravenöse Injektion) ist der Befund rein negativ. - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in akuten und subakuten Fällen wie bei -der Strychninvergiftung in der Anwendung +krampfstillender+ Mittel -(Morphium, Opium, Bromkalium, Chloroform, Chloralhydrat), sowie von -Atropin (Herzexzitans). Bei perakuten Fällen ist sie erfolglos. - - =Kasuistik und Experimentelles.= Die grundlegenden - Experimentaluntersuchungen über die Wirkung der Baryumsalze, speziell - des Chlorbaryums, stammen von +Böhm+ (Arch. f. exper. Path. u. Pharm. - Bd. III). Danach ist das Chlorbaryum vor allem ein Krampfgift, - welches bei intravenöser Injektion Hunde in Dosen von 0,1-0,2, - Katzen in Dosen von 0,03-0,05 unter sofortigen tonisch-klonischen, - alle Körpermuskel befallenden +Krämpfen+ und äusserst intensiver - +Entleerung des Darminhaltes+ tötet. +Bei kleinen, nicht tödlichen - Dosen kommt es bloss zu starken Kotentleerungen+ und vorübergehenden, - unbedeutenden Schwächezuständen der Körpermuskulatur. Nach +Kobert+ - (Lehrbuch der Intoxikationen) kommt die tetanische Wirkung des - Baryums auf den Darm teils durch die Reizung der Auerbachschen und - Meissnerschen Plexus, teils durch direkte Muskelwirkung zustande; - sodann bewirkt das Baryum Reizung der motorischen Gehirnzentren und - besitzt ausserdem eine digitalisartige Wirkung auf das Herz und die - Gefässe. - - Eine zufällige Chlorbaryumvergiftung beim +Pferd+ hat +Dieckerhoff+ - (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1895) beobachtet. 2 Brauereipferde - leckten verschüttetes, in Säcken verpacktes Chlorbaryum und - erkrankten beide ¾ Stunden darauf an sehr heftiger Kolik; eines - derselben starb bereits 1 Stunde nach der Aufnahme des Salzes unter - allgemeinen Lähmungserscheinungen, das andere starb nach 14 Stunden. - Bei der Sektion des zuerst gestorbenen war die Schleimhaut des - Magens und Darmes entzündlich gerötet und geschwollen und der ganze - Digestionsapparat wie ausgewaschen. Im Anschluss hieran angestellte - experimentelle Untersuchungen bei +Pferden+, +Rindern+ und +Schafen+ - ergaben folgendes: +Pferde+ zeigen nach innerlicher Verabreichung - von 6-12 g, sowie nach der intravenösen Injektion von 0,5-1,25 g - Chlorbaryum unter Kolikerscheinungen sehr starke Darmentleerungen. - Bei der intravenösen Applikation stellt sich die darmentleerende - Wirkung augenblicklich ein; bei gefülltem Mastdarm werden die darin - vorhandenen Kotmassen schon innerhalb der ersten Minute abgesetzt, - bei leerem Mastdarm werden nach 3-5 Minuten geballte oder breiförmige - Kotmassen ausgeschieden. Die Dauer dieser entleerenden Darmwirkung - beträgt 2-6 Stunden. Bei innerlicher Anwendung des Chlorbaryums in - flüssiger Form erfolgt die Kotentleerung erst nach 15-45 Minuten, - in Bolusform erst nach 1½-2 Stunden. Dosen über 8-12 g innerlich - gegeben, wirken beim Pferd giftig bezw. tödlich (allgemeine - Lähmung). +Rinder+ ertragen dagegen innerlich 40 g und intravenös 3 - g Chlorbaryum. 2 +Schafe+ ertrugen 4 g Chlorbaryum innerlich ohne - nachteilige Wirkung, dagegen starb ein Bock und ein 4 Monate altes - Lamm nach 6 g. Die Vergiftungserscheinungen traten hierbei erst nach - 20 Stunden ein und äusserten sich hauptsächlich in Schwäche und - Lähmung. - - Die hierauf im Jahr 1895 von +Dieckerhoff+ empfohlene +Anwendung des - Chlorbaryums als Kolikmittel beim Pferd+ hat namentlich in der ersten - Zeit zahlreiche tödliche Chlorbaryumvergiftungen zur Folge gehabt. - Insbesondere nach der intravenösen Injektion sind häufig Pferde - augenblicklich oder innerhalb weniger Minuten tot zusammengestürzt. - Solche Fälle sind von +Angerstein+, +Mollereau+, +Müller+, +Ries+, - +Podkopajew+, +Freitag+, +Simon+, +Schatz+, +Röder+, +H. Feser+, - +Kunze+ u. a., sowie namentlich in der +preuss. Armee+ beobachtet - worden (Zeitschr. f. Vetkde. 1896; Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1896-1899.) - Im Jahr 1895 sind nicht weniger als 8 Pferde in der preussischen - Armee an Chlorbaryumvergiftung gestorben. Diese Fälle sind folgende: - - 1. Ein kräftiges, gut genährtes Pferd erkrankte leicht an Kolik. Es - verschmähte das Futter, sah sich wiederholt nach dem Hinterleibe um - und warf sich häufig nieder. Die Zahl der Pulse betrug 40 in der - Minute, der Puls war weich und kräftig; die Atmung nicht erheblich - beschleunigt. Die Darmtätigkeit lag etwas danieder. Patient erhielt - eine Injektion von Chlorbaryum 0,7 in 10,0 Wasser (destilliert) - gelöst. Das Eindringen von Luft in die Vene war ausgeschlossen, weil - die Einführung der Hohlnadel mit grösster Vorsicht vorgenommen wurde. - Das Pferd fiel gleich nach der Einspritzung nieder, sprang nochmals - auf, stürzte dann um und verendete. Bei der Zerlegung wurden im Magen - und Darmkanale keine Veränderungen gefunden. Das Herz war schlaff, - erweitert, in den Herzfurchen befanden sich viele kleine Blutungen. - Die Herzkammern waren mit dunklem, locker geronnenem Blute gefüllt. - An den übrigen Organen konnten keine Veränderungen nachgewiesen - werden. - - 2. Ein Pferd zeigte mässige Unruhe, etwas aufgetriebenen Hinterleib, - gespannte Bauchdecken und unterdrücktes Darmgeräusch. Die Zahl - der kräftigen, gleich- und regelmässigen Pulse betrug 46, die - der Atemzüge 16 in der Minute. Unter genauer Befolgung aller - Vorsichtsmassregeln -- Abscheren der Haare, Desinfektion der Haut an - der Einstichstelle und der Instrumente, vorheriges Entfernen der - Luft aus der Kanüle und Spritze -- erhielt Patient eine Einspritzung - von 1,0 Chlorbaryum, in 10,0 destilliertem Wasser gelöst, in die - rechte Halsvene. Gleich nach der Injektion fing das Pferd an zu - taumeln, stürzte nieder und starb unter Erscheinungen höchster - Atemnot innerhalb 5 Minuten. Die Zerlegung ergab starke Füllung - des Magens und der unteren Grimmdarmlagen mit Inhaltsmassen und am - Herzen ausser Verdickung der Ränder der Mitralklappen die Zeichen der - Herzlähmung. - - 3. Ein Pferd erkrankte nachmittags an Kolik. Es lag ausgestreckt - in seinem Stande und stöhnte, den Kopf häufig nach dem Hinterleibe - umdrehend. Nach energischem Antreiben stand das Pferd auf und - schwankte beim Gehen. Der Puls war wenig fühlbar; es wurden 82 - Pulse und 22 Atemzüge in der Minute gezählt. Schweissausbruch. - Darmgeräusche unterdrückt. Patient erhielt eine intravenöse Injektion - von 0,75 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser gelöst. Ungefähr - 7 Minuten nach der Applikation des Mittels stürzte Patient nieder - und verendete. Die Zerlegung ergab hämorrhagische Entzündung der - Dünndarmschleimhaut. Am Herzen bestanden die Merkmale der Herzlähmung. - - 4. Ein grosses und kräftiges Pferd, welches seit 2 Stunden an Kolik - litt, zeigte normale Färbung der Bindehaut, 40 gleichmässige, - kräftige und weiche Pulse, etwas verminderte Darmperistaltik und - mässige Unruhe. Es erhielt eine Aloepille und intravenös 1,0 - Chlorbaryum. Nach 10 Minuten stürzte das Pferd, welches im Schritt - geführt wurde, um und verendete. Ausser einer leichten Rötung der - Dünndarmschleimhaut konnten am Verdauungsapparate keine Veränderungen - festgestellt werden. Das Herz zeigte eine auffällige Erschlaffung, - beide Herzkammern waren stark mit Blut gefüllt. - - 5. Bei einem kolikkranken Pferde, bei welchem nach einer subkutanen - Eserininjektion keine Wirkung eingetreten war, wurde schliesslich - Chlorbaryum intravenös appliziert. Bald nach der Injektion stürzte - das Pferd zusammen und verendete. Die Zerlegung konnte nicht - vorgenommen werden. - - 6. Ein Pferd, welches seit etwa 2 Stunden krank war, zeigte grosse - Unruhe, war aber nur wenig im Hinterleibe aufgetrieben. Die Anwendung - der peristaltikerregenden Massnahmen, Einreibungen des Hinterleibs - mit Terpentinöl, Klistiere usw. hatte keinen Erfolg. Darauf wurde - dem Patienten eine Chlorbaryumlösung (0,8 g Chlorbaryum) intravenös - appliziert. Die Injektion wurde mit grosser Vorsicht ausgeführt. - Einige Minuten später stürzte das Pferd nieder und starb. Bei - der Zerlegung wurden im Magen und Darmkanale keine Veränderungen - gefunden, welche den Tod des Tieres hätten herbeiführen können. Das - Herz war mit tiefdunklem locker geronnenem Blute gefüllt. - - 7. Bei einem kolikkranken Pferde trat nach einer Injektion von - 0,8 Chlorbaryum in die Drosselvene apoplektisch der Tod ein. - Die Zerlegung ergab pralle Füllung des Magens mit Futtermassen, - im übrigen keine auffallenden Veränderungen. Der Puls war nicht - erheblich beschleunigt gewesen, dabei kräftig. - - 8. Ein älteres, leicht an Kolik erkranktes Pferd erhielt intravenös - 0,7 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser injiziert. Nach einigen - Minuten stürzte das Pferd nieder und verendete. - - Versuche bei +Schweinen+ ergaben nach +Kabitz+ (D. T. W. 1905), - dass das Baryumsulfat und die Steinchenform des Karbonats ungiftig - sind, dass jedoch das reine Baryumkarbonat Schweine in Dosen von 1 g - pro Kilogramm Körpergewicht rasch tötet (Kaubewegungen, Knirschen, - Speicheln, Apathie; kein Durchfall). - - -Vergiftung durch chlorsaures Kali. - - =Allgemeines.= Das +chlorsaure Kali+, +Kalium chloricum+, - KClO_{3}, bildet glänzende, blätterige, farblose Kristalle von - salpeterähnlichem, kühlendem Geschmack und wird als spezifisches - Antiseptikum bei Stomatitis ulcerosa, als Diuretikum und Spezifikum - gegen Blasenkatarrhe angewandt. Vergiftungen bei den Haustieren - nach der klinischen Anwendung des Salzes sind noch nicht beobachtet - worden. Dagegen sind Vergiftungen beim Menschen, namentlich - bei Kindern (Diphtherie), sowie bei Personen mit verminderter - Blutalkaleszenz (Fieber, Dyspnoe, Aufnahme von Säuren) in grösserer - Anzahl nach dem unvorsichtigen Gebrauche des chlorsauren Kalis - konstatiert. Aus der zahlreichen Literatur dieser Vergiftungen sind - namentlich die Arbeiten von +Marchand+ (Virchows Archiv Bd. 77) und - +v. Mering+ (Das chlorsaure Kali 1885) zu erwähnen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Dass die +Haustiere+ in gesundem -Zustande sehr grosse Dosen von Kali chloricum ohne besonderen -Nachteil ertragen, haben mir einige Versuche beim Rind, Pferd, Schaf -und Hund gezeigt. Eine kleine, junge, 4 Zentner schwere Versuchskuh -erhielt 50 g und 2 Tage darauf 100 g chlorsaures Kali, ohne -irgendwelche Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Dasselbe Resultat -ergaben Versuche mit 30 und 40 g beim Pferde. Ein 70 Pfund schwerer -Hammel zeigte auf 25 g Kali chloricum keinerlei Reaktion; 50 g des -Salzes hatten zwar allgemeine Mattigkeit, unterdrückte Fresslust -und Wiederkauen zur Folge, nach 3 Tagen hatte sich jedoch das Tier -wieder vollständig erholt. Ein 9½ kg schwerer kleiner Versuchshund -äusserte nach der Verabreichung von 10 g chlorsaurem Kali keinerlei -Krankheitserscheinungen; nach 20 g des Salzes (nüchtern verabreicht) -war ausser Brechreiz und vermehrtem Durst ebenfalls nichts Krankhaftes -an dem Tiere nachzuweisen. Die +tödliche+ Dosis des chlorsauren -Kalis beträgt nach +Zimmermann+ (Veterinarius 1900) für Pferde -250 g, für Rinder 500 g, für Schafe 100 g, für Hunde 60 g. Die -Vergiftungserscheinungen sind die gleichen wie beim Menschen (vgl. -unten). - -Beim +Menschen+ hat sich das Kali chloricum schon in kleinen Dosen als -ein sehr gefährliches +Blutgift+ (+Methämoglobinämie+) erwiesen, wenn -es nüchtern oder bei Krankheiten angewandt wurde, welche mit sehr hohem -Fieber, Atmungsbeschwerden oder mit Nierenentzündungen verlaufen. Die -Krankheitserscheinungen sind als Folgezustände der Methämoglobinämie -und der Anhäufung der Zerfallsprodukte des Blutes in der Niere, Leber, -Milz und im Knochenmark anzusehen. Die wichtigsten derselben sind: -Ikterus, grauviolette Flecken auf der Haut, Herzschwäche, hochgradige -Atemnot, Durchfall, Erbrechen, Leberschwellung, Milzschwellung, -+Hämoglobinurie+ (braune Hämoglobinzylinder, gelbbraune, amorphe -Schollen), +Nephritis+, Oligurie, Anurie, sowie +urämische Zufälle+ -(Delirien, Benommenheit, Koma, urämisches Erbrechen, Krämpfe, Eklampsia -uraemica). Bei der Sektion findet man das Blut +schokoladebraun -verfärbt+, spektroskopisch nur +einen+ Absorptionsstreifen zwischen -C und D im Roten zeigend, die roten Blutkörperchen entweder zerfallen -oder entfärbt (Schatten) oder in der Gestalt verändert (Poikilozytose), -Milz, Leber und Nieren vergrössert, das Knochenmark braun verfärbt, -die Harnkanälchen der Nieren durch braune, zylinderförmige oder -unregelmässig gestaltete Methämoglobinmassen verstopft. - - -Vergiftung durch Aetzalkalien. - - =Allgemeines.= Von den Aetzalkalien haben am meisten Bedeutung - für die tierärztliche Toxikologie der +Aetzkalk+, CaO, der - +Salmiakgeist+, NH_{3}, und die +Kalilauge+, KOH. Seltener sind - Vergiftungen durch kohlensaures Ammonium, kohlensaures Natrium - (Soda, Verwechslung mit Glaubersalz) und Kalium (Pottasche). - Die Vergiftung durch Schwefelleber, K_{2}S_{3}, ist teils eine - Aetzkalivergiftung, teils eine Schwefelwasserstoffvergiftung (vgl. - S. 162). Aetzkalkvergiftungen können sich bei Gelegenheit der - Desinfektion der Stallungen ereignen. Ammoniakvergiftungen werden - entweder durch zu hohe Dosierung (volkstümliches Mittel gegen - akutes Aufblähen des Rindes) oder zu starke Konzentration des - Salmiakgeistes bei innerlicher Anwendung desselben als Aetzmittel - (z. B. beim Bestreichen der sog. Steinzunge des Rindes, beim Legen - von Fontanellen) oder durch zufälliges Einatmen des Gases veranlasst. - Vergiftungen durch Kalilauge kommen bei Hunden nach dem zufälligen - Trinken derselben vor. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die lokalen Veränderungen nach -Einwirkung der oben genannten Aetzalkalien bestehen zunächst in -Entzündung und +Anätzung+ der +Lippen+, der +Maulschleimhaut+, der -+Zunge+, der +Schlundkopf-+ und +Schlundschleimhaut+, welche sich durch -Schwellung und Verschorfung der betroffenen Teile, starkes Speicheln, -Schlingbeschwerden und Erbrechen kennzeichnen. Der Aetzschorf ist -im Gegensatz zu dem trockenen Säureschorf meist weich, schmierig, -gelatinös gequollen (+Kolliquation+). Nach dem Einatmen von Ammoniak -entsteht ferner starker +Hustenreiz+, +beschwertes Atmen+, +Pneumonie+, -sowie +Aushusten kruppöser Entzündungsprodukte+. +Meyer+ (Oesterreich. -Vierteljahrsschr. 1883) berichtet über einen Fall, in welchem 54 -Pferde einer Brauerei durch das Einatmen von Ammoniak aus einem -Kühlapparat vergiftet wurden. Die Krankheitserscheinungen bestanden in -schmerzhaftem Husten, blutigschaumigem Nasenausfluss, sowie Anätzung -der Nasen-, Rachen- und Augenschleimhaut. Die Hälfte der Pferde starb -nach kurzer Krankheitsdauer unter den Erscheinungen einer schweren -Bronchitis und des +Lungenemphysems+. Bei 2 Pferden blieb hochgradiges -Lungenemphysem zurück; die übrigen Pferde erholten sich allmählich -im Verlauf von 14 Tagen. +Binder+ sah nach dem Einschütten von 50 -g Ammoniak bei Rindern und Pferden Verätzung der Maulschleimhaut, -Schlingbeschwerden, Husten, Kolik, profuse Diarrhöe und in einem Fall -sogar +Perforation+ der +Brustportion+ des +Schlundes+. Aehnliche -Vergiftungserscheinungen bei Rindern nach dem Einschütten von -Salmiakgeist haben +Schauber+ und +Sepp+ beobachtet (Woch. f. Tierh. -1902 und 1908); eine Kuh zeigte nach 100 g unverdünnten Salmiakgeistes -heftige Atemnot, Husten und korrosive Stomatitis und Pharyngitis, genas -aber. +Penning+ (T. Bl. f. Niederl. Indien 1895) sah bei Pferden nach -der Aufnahme von ungelöschtem Kalk +Lungenödem+ und Darmentzündung. - -Die Einwirkung auf die Magendarmschleimhaut äussert sich in Form einer -+schweren korrosiven Gastroenteritis+. So starb beispielsweise ein -+Versuchshund+ nach dem Eingeben von 2 g reinen Ammoniaks in 23 Stunden -an Magendarmentzündung (+Orfila+). Ein +Pferd+ starb nach 30 g an -Darmentzündung innerhalb 16 Stunden, ein anderes nach 90 g innerhalb -50 Minuten unter heftigen Krämpfen (+Hertwig+). 11 Kühe, welche statt -Glaubersalz Soda erhalten hatten, starben unter den Erscheinungen der -Darmentzündung (+Eggeling+, Berl. Arch. 1895). Der Tod erfolgt bei -Vergiftung mit Aetzkalk und Kalilauge unter allgemeinen komatösen -Erscheinungen, bei der Ammoniakvergiftung dagegen unter tetanischen -Krämpfen (Ammoniak-Tetanus). - -Bei der +Sektion+ findet man +kruppöse+ oder +diphtherische -Stomatitis+, +Pharyngitis+ und +Oesophagitis+, bei -Salmiakgeistvergiftung auch +kruppöse Laryngitis+, Tracheitis, -Bronchitis und +Pneumonie+, hochgradige Entzündung, braun- bis -schwarzrote Verfärbung, sulzige Schwellung und +Korrosion+ der -+Magenschleimhaut+. Der Blutfarbstoff wird in alkalisches Hämatin -umgewandelt, so dass das Blut eine braune, dicke, gelatinöse Masse -bildet. Von den Weichteilen werden am schnellsten die Muskeln -nekrotisch, während das Bindegewebe und die Gefässe wenig oder gar -nicht angegriffen werden (+Carbone+). - - -=Behandlung.= Im ersten Stadium der Vergiftung besteht die Therapie -in der Verabreichung verdünnter +Säuren+, namentlich des überall -vorrätigen Essigs. Sodann gibt man zur Einhüllung der korrodierten -Schleimhäute +ölige+ und +schleimige+ Mittel in Verbindung mit Opium. -Die Kollapserscheinungen werden symptomatisch durch Exzitantien -(Aether, Kampfer) behandelt. Brechmittel und Abführmittel sind -wegen der Gefahr einer Magen- resp. Darmruptur zu vermeiden. Bei -laryngealer Stenosenbildnng im Verlaufe der Ammoniakvergiftung kann die -Tracheotomie notwendig werden. - - -=Nachweis.= Vergiftungen durch Aetzalkalien sind vor allem an der stark -alkalischen Reaktion des Mageninhaltes zu erkennen. Zum genaueren -Nachweis der Natur der Vergiftung müssen die entsprechenden Kali-, -Kalk- und Ammoniakreaktionen vorgenommen werden. 1. +Aetzkali+ färbt -die Flamme violett und gibt mit Weinsäure einen kristallinischen -Niederschlag von Weinstein, welcher nach dem Glühen das stark -alkalisch reagierende, mit Säuren aufbrausende kohlensaure Kali -hinterlässt, welches die Flamme ebenfalls blau färbt. Ausserdem -gibt die mit Salzsäure neutralisierte Lösung der Kalisalze mit -Platinchlorid und Alkohol einen gelben kristallinischen Niederschlag -von Kalium-Platinchlorid, welcher auch zur quantitativen Bestimmung -benützt werden kann; 100 Teile desselben entsprechen 19,27 Teilen -Kalium. 2. Der Nachweis des +Aetzkalks+ wird durch Einäscherung des -Untersuchungsmaterials, Auflösen der Asche in Salzsäure (Chlorkalzium), -Ausfällen der Phosphorsäure durch Eisenchlorid und Chlorammonium, -Versetzen der Chlorkaliumlösung mit Ammoniak und Ausfällen des Kalks -durch Oxalsäure als oxalsaurer Kalk geliefert. Das Chlorkalzium -kann ferner an der +orangeroten+ Färbung der Flamme durch seine -Lösung erkannt werden (Kalkreaktion); ausserdem gibt Schwefelsäure -einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Kalk (Gips), der zum -Unterschiede von schwefelsaurem Baryt in unterschwefligsaurem Natron -löslich ist. 3. Das +Ammoniak+ wird durch seinen Geruch, sowie durch -die Bildung weisser Nebel bei Annäherung eines in Salzsäure getauchten -Glasstabes nachgewiesen (Bildung von Chlorammonium). - - =Salmiak.= Mit dem Ammoniak nicht zu verwechseln ist der Salmiak, - Ammonium chloratum, ClNH_{4}. Derselbe wirkt in grossen Dosen - ebenfalls giftig. +Pferde+ zeigen nach 90-180 g grössere Röte der - Schleimhäute, schnelleres Atmen, sehr vermehrtes Urinieren, häufige - Entleerung von weichem Kote (+Hertwig+). Ein Pferd starb, nachdem - es innerhalb 5 Tagen 750 g Salmiak erhalten hatte, am 5. Tage - (+Delafond+); andere Pferde, welche täglich 3-4mal Dosen von 30 g - erhielten, starben nach 26-38 Tagen (+Hertwig+). +Hunde+ sterben nach - 6-8 g Salmiak bei unterbundenem Schlunde nach einer Stunde, nachdem - Brechneigung, Kolik, Schwäche, starke psychische Erregung (wütendes - Umherlaufen, klagendes Geheul), sowie tetanusartige Konvulsionen - vorhergegangen sind (+Orfila+). Mittlere Dosen, längere Zeit hindurch - angewandt, erzeugen Verdauungsstörungen, Abmagerung, Mattigkeit - und Schwäche; so sterben Hunde, nachdem sie täglich 3-4mal Dosen - von 2 g erhalten, nach 12-16 Tagen. +Kaninchen+ sterben auf 2 g - Salmiak innerhalb 10 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergibt - heftige Magendarmentzündung. Auch nach der subkutanen Injektion von - +Ammoniumsulfat+ zeigen Kaninchen strychninartige Krämpfe (+Vaerst+, - B. T. W. 1904). - - - =Schmierseife.= +Schultz+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) will bei - einem Rind eine tödliche Darmentzündung nach dem Eingeben von 250 g - Schmierseife beobachtet haben (?). (Das an Indigestion leidende Tier - hatte vorher 3½ Pfd. Glaubersalz erhalten!) Meine eigenen Versuche - ergaben, dass 250,0 Schmierseife für Rinder und 100,0 für Schafe - ohne jede schädliche Wirkung sind. +Bissauge+ (Journ. de Lyon 1901) - sah bei einer Ziege, die 300 g Seife verzehrt hatte, stinkenden und - blutigen Durchfall sowie Lähmungserscheinungen; nach 8 Tagen trat - Heilung ein, die Milchsekretion blieb jedoch sistiert. - - - =Kalium carbonicum.= Die tödliche Dosis für den Hund beträgt 10-15 g - (Herzlähmung, Kollaps). - - - =Natrium bicarbonicum.= Fast ungiftig. Hunde, wochenlang mit 15 g pro - Tag gefüttert, zeigen Erbrechen, Durchfall und Abmagerung. - - -Vergiftung durch ätzende Säuren. - - =Allgemeines.= Im Gegensatz zu äusseren Verätzungen, welche bei - Pferden und Hunden zuweilen vorkommen, sind innerliche Vergiftungen - mit ätzenden Säuren bei den Haustieren sehr selten. Bisher sind nur - Vergiftungen mit +Schwefelsäure+ konstatiert worden. Dieselben haben - sich bei Pferden (+Gerlach+, Gerichtliche Tierheilkunde 1872) und - Kühen (+Bubendorf+, Zündels Jahresbericht 1883) nach der Aufnahme - von Stroh ereignet, welches zum Verpacken von Schwefelsäureflaschen - gedient hatte und von der Säure durchtränkt war. In einem Fall soll - die Vergiftung auch dadurch entstanden sein, dass Schwefelsäure zur - Maische hinzugesetzt wurde (+Johne+, Sächs. Jahresbericht 1880). - Häufiger sind, namentlich in Berlin, äussere Verätzungen von Pferden - und Hunden durch zersprungene Schwefelsäureballons oder durch - die vielfach im Haushalt benützte Schwefelsäure (sog. Oleum oder - Vitriolöl). Vergiftungen durch +Salpetersäure+ oder +Salzsäure+ sind - bis jetzt klinisch nicht zur Beobachtung gelangt, auch nicht durch - +Phosphorsäure+, der schwächsten anorganischen Säure. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftungserscheinungen -sind zunächst lokaler Natur. Sie bestehen in +Verätzung+ der +Haut+, -sowie der +Lippen-+ und +Maulschleimhaut+ mit nachfolgender reaktiver -Entzündung, Speicheln und Schlingbeschwerden. Gleichzeitig entstehen -infolge der Verätzung der Magenschleimhaut Würgen, +Erbrechen+ und -schwere +Kolikanfälle+ mit Lähmung der Magen- und Darmperistaltik. Der -tödliche Ausgang tritt meistens sehr rasch unter den Erscheinungen -der Herzschwäche und tiefen Kollapses ein. Bei der Sektion findet man -ulzeröse, korrosive Stomatitis, Pharyngitis, Oesophagitis, Gastritis -und Enteritis, unter Umständen auch Magenperforation und Peritonitis. -Seltener entwickeln sich bei den Tieren Strikturen des Schlundes und -Magens. Die Aetzschorfe auf der Haut sind bei den Mineralsäuren meist -fest. - - -=Behandlung.= Dieselbe besteht in der möglichst raschen Verabreichung -verdünnter +Alkalien+, namentlich von Seifenwasser, Kalkwasser, -Sodalösung, Pottaschelösung, verdünnter Natronlauge und Kalilauge, -Magnesia usta und carbonica, ferner von Opium in Verbindung mit -einhüllenden, +schleimigen+ und öligen Mitteln, endlich in der -Anwendung von Exzitantien (Aether oder Kampfer subkutan). - - -=Nachweis.= Die Vergiftungen mit Schwefelsäure, Salpetersäure, -Salzsäure lassen sich zunächst durch die charakteristische +Farbe+ -des Aetzschorfs und die stark saure Reaktion des Schorfes und -Mageninhaltes nachweisen. Sodann werden die Säuren durch Wasser -ausgezogen und mittelst ihrer charakteristischen Reaktionen untersucht. -1. Die +Schwefelsäure+ gibt mit Chlorbaryum oder salpetersaurem Baryt -weisse Niederschläge, welche in verdünnter Salz- oder Salpetersäure -unlöslich sind; ferner mit Bleizucker einen weissen Niederschlag von -Bleisulfat, der nur in kochender Salz- und Salpetersäure löslich -ist. 2. Die +Salpetersäure+ bildet, mit metallischem +Kupfer+ und -+Schwefelsäure+ versetzt, rote Dämpfe von Untersalpetersäure; sie -färbt sich ferner mit wenig Eisenvitriollösung und Schwefelsäure -an der Berührungsstelle +tiefbraun+; mit einer wässerigen Lösung -von Diphenylamin und Schwefelsäure färbt sie sich blau. 3. Die -+Salzsäure+ ist an ihrem charakteristischen Geruch (Dämpfe) und an -dem weissen, käsigen, voluminösen Niederschlag mit Höllensteinlösung -(Chlorsilber) zu erkennen, der sich in Salmiakgeist, Zyankaliumlösung -und unterschwefligsaurem Natron leicht löst. Sie wird auch quantitativ -als Chlorsilber nachgewiesen; 100 Teile Chlorsilber entsprechen 25,44 -Teilen Salzsäure. - - =Allgemeine Giftwirkung der Säuren.= Werden Tieren experimentell - +innerlich+ auf einmal tödliche Dosen +verdünnter+ Säuren - beigebracht, so sterben sie an +allgemeiner Säurevergiftung+ infolge - +Verlust der Blutalkaleszenz+. Dabei tritt der Tod schon ein, noch - ehe das Blut ausgesprochen sauer reagiert; die vollständige und - anhaltende Neutralisation der Alkalien des Blutes genügt, um den Tod - herbeizuführen. Die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Säuren - ist je nach der Tiergattung verschieden. Hundeblut neutralisiert z. - B. viel grössere Mengen Säuren durch verfügbares Ammoniak als dies - bei Kaninchen der Fall ist. Auch im Hungerzustand können dem Blute - durch die auftretenden Säuren (Schwefelsäure aus dem Schwefel des - Eiweisses, Phosphorsäure aus dem Lezithin der Blutkörperchen) soviel - Alkalien entzogen werden, dass eine Art von Säurevergiftung des - Blutes eintritt. Bei länger fortgesetzter Säureverabreichung können - auch chronische Vergiftungen auftreten; bei Lämmern entsteht nach - mehreren Monaten Verarmung des Skeletts und Fleisches an Kalksalzen - (+Weiske+). -- Nicht zu verwechseln mit Säurevergiftung ist die bei - jeder Leiche normal auftretende saure Reaktion des Blutes und der - Muskulatur infolge der Bildung von Milchsäure, Bernsteinsäure und - flüchtigen Fettsäuren. - - -Vergiftung durch Essigsäure. - - =Allgemeines.= Essigsäure bildet sich aus Alkohol durch die Tätigkeit - des Essigsäure-Gärungspilzes, Mykoderma aceti. Vergiftungen - durch Essigsäure kommen bei unseren Haustieren namentlich in - Branntweinbrennereien vor, wenn der Alkohol sich teilweise zu - Essigsäure verwandelt hat und die Schlempe dadurch grössere Mengen - von Essigsäure enthält, oder wenn die Schlempe vor dem Verfüttern in - saure Gärung übergegangen ist. Auf diese Weise können viele Tiere zu - gleicher Zeit vergiftet werden. So beobachtete +Mummenthey+ (Preuss. - Mitt. 1883) eine Essigsäurevergiftung bei 80 Kühen eines Stalles. - Vereinzelte Fälle sind ferner beschrieben von +Stockfleth+ (Tidskrift - for vetrinairer Bd. 7), +Eckhardt+ (Ad. Wochenschrift 1881) und - +Ward+ (The vet. journ. Bd. 23). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Essigsäurevergiftung äussert -sich durch +gastroenteritische+ und +Lähmungserscheinungen+. Sie -beginnt gewöhnlich mit gastrischen Störungen (Appetitlosigkeit, -unterdrücktes Wiederkauen), +Kolik+ und +Durchfall+, woran sich -+Schwanken+, +Betäubung+, Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie -+Kollaps+ anschliessen. - -Um die Wirkung der Essigsäure bei den Wiederkäuern genauer kennen -zu lernen, habe ich einer 20 kg schweren Ziege 150 g einer 5proz. -Essigsäurelösung (der gewöhnliche Hausessig enthält 6 Proz. Essigsäure) -eingegeben, worauf der Tod nach 24 Stunden erfolgte (tödliche Dosis -der Essigsäure für Wiederkäuer = 0,4 pro kg Körpergewicht). Die -Vergiftungserscheinungen waren folgende: Schon eine Stunde nach der -Verabreichung zeigte die Ziege starke Atemnot, sowie die Symptome eines -beginnenden +Lungenödems+. Ausserdem war der Hinterleib, namentlich -die Nierengegend, bei der Palpation sehr schmerzhaft und es wurde -+blutiger Harn+ abgesetzt; gleichzeitig bestand starkes Schäumen und -Speicheln. Nach 6 Stunden trat hochgradige +Mattigkeit+ und +Schwäche+ -und zuletzt ein +lähmungsartiger+ Zustand ein. Bei der +Sektion+ fanden -sich die Erscheinungen eines ausgesprochenen +Lungenödems+ mit starker -Lungenhyperämie, sowie die Symptome einer +entzündlichen Reizung der -Magendarmschleimhaut+ (Rötung der Labmagenschleimhaut, starke Rötung -und Schwellung der Dünndarm- und Dickdarmschleimhaut mit erbsengrossen -Hämorrhagien, Schwellung der Peyerschen Plaques); ausserdem bestand -+parenchymatöse Nephritis+ und +Hepatitis+. - - -=Behandlung.= Dieselbe ist im wesentlichen die gleiche, wie bei -der vorigen Vergiftung. Man gibt verdünnte Alkalien, namentlich -Seifenwasser und Sodalösung als chemisches Gegengift, verabreicht -einhüllende, schleimige Mittel und bekämpft die Lähmungserscheinungen -symptomatisch durch Exzitantien. - - -=Nachweis.= Die Essigsäure lässt sich zunächst durch den -charakteristischen Essiggeruch und die saure Reaktion nachweisen. -In freiem Zustande (sie geht sehr bald in Salze über) wird sie -entweder durch Destillation oder Extraktion mit Alkohol von den -Untersuchungsmassen getrennt und ist als Essigsäure daran zu erkennen, -dass ihre wässerige Lösung mit etwas +Eisenchlorid+ sich +blutrot+ -oder tief +weinrot+ färbt, eine Farbe, die durch Zusatz einiger -Tropfen Salmiakgeist noch intensiver wird. Sie gibt ferner, mit -Natron gesättigt und getrocknet, sowie mit einem Körnchen Arsenik -trocken erhitzt, den charakteristischen Kakodylgeruch, mit Alkohol und -Schwefelsäure erhitzt, einen Essigäthergeruch. - - =Vergiftung durch Ameisensäure.= Die Ameisensäure kommt in Tieren - (Ameisen, Bienen, Wespen, Hornisse, Prozessionsraupen) und Pflanzen - (Brennessel) vor, welche dadurch giftig auf den tierischen Organismus - einwirken können; vgl. das Kapitel über Bienenstiche. Diese - Vergiftungen sind jedoch nur zu einem geringen Teil auf die Wirkung - der Ameisensäure, in der Hauptsache vielmehr auf ein gleichzeitig - im Giftsekret der Bienen etc. enthaltenes Enzym bezw. Toxin - zurückzuführen. Reine Ameisensäure wirkt wie die übrigen ätzenden - Säuren. - - - =Vergiftung durch Milchsäure.= Neben lokaler Aetzung entsteht bei - Versuchstieren Endokarditis (+Rauch+). Nach +Kobert+ kommen ferner - akute oder subakute Autointoxikationen durch Milchsäure vor, so bei - starker Darmgärung, im Fieber, bei allen Zuständen von Verminderung - der Blutalkaleszenz, bei sauerstoffarmer Luft, bei Blausäure-, - Phosphor- und Kohlenoxydvergiftung. -- In ähnlicher Weise bildet sich - bei der Zuckerharnruhr im Blute die Oxybuttersäure, Azetessigsäure - und das Azeton als Selbstgift (Coma diabeticum). - - - =Vergiftung durch Weinsäure.= Bei Versuchstieren fällt die rosarote - Verfärbung der Magenschleimhaut und des Blutes auf. - - -Vergiftung durch Oxalsäure. - - =Allgemeines.= Die +Oxalsäure+ (Kleesäure, Zuckersäure) wird - fabrikmässig durch Oxydation von Traubenzucker mit Salpetersäure - oder durch Erhitzung von Zellulose mit Aetzalkalien dargestellt. - Sie hat die Formel C_{2}H_{2}O_{4} = 2(COOH) und kristallisiert - in wasserhellen, geruchlosen, stark sauer schmeckenden Prismen; - ihre Lösung gibt mit Kalkwasser einen unlöslichen Niederschlag von - oxalsaurem Kalk (Kristalle von Briefkuvertform). Vergiftungen durch - freie Oxalsäure, welche beim Menschen sehr häufig sind (Gebrauch zum - Putzen von Messing- und Kupfergerät, Entfernen von Tintenflecken), - wurden in der Tierheilkunde bisher nur vereinzelt (+Mire+, Revue - vétér. 1881; 2 eigene Beobachtungen) beim Hund festgestellt. - - Während die Oxalsäure in freiem Zustand in der Natur nicht vorkommt, - findet sie sich in Form oxalsaurer Salze in mehreren Pflanzen. Von - besonderer Wichtigkeit ist das saure +oxalsaure Kalium+, welches - unter dem Namen +Kleesalz+, +Sauerkleesalz+, +Bitterkleesalz+ - (Sal Acetosellae) bekannt ist und in grösseren Mengen namentlich - in verschiedenen +Rumexarten+ vorkommt und bei unseren Haustieren - zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gibt (vgl. die Vergiftung durch - Rumexarten). Vergiftungen durch Verwechslung von Bitterkleesalz - mit Bittersalz sind bei den Haustieren, soviel bekannt, noch nicht - vorgekommen. -- Experimentell hat das in seiner Allgemeinwirkung der - Oxalsäure und den Oxalaten sehr ähnliche +Oxamid+ von der Formel - 2(CONH_{2}) eine gewisse Bedeutung erlangt (vgl. S. 140). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Oxalsäure wirkt je nach der -Konzentration +reizend+ oder +ätzend+ auf die Magendarmschleimhaut. -Die Erscheinungen bestehen daher zunächst in Uebelkeit, Würgen, -+Erbrechen+, Schlingbeschwerden und mehr oder weniger heftigen -+Kolikanfällen+. Nach ihrer Resorption ins Blut kann sie entweder sehr -rasch unter den Erscheinungen von Bewusstlosigkeit, Zusammenstürzen, -Krämpfen, starkem Sinken der Innentemperatur und Herzlähmung zum Tod -führen, oder sie bedingt im weiteren Verlauf charakteristische Symptome -von seiten des +Nervensystems+ und der +Nieren+. Die ersteren bestehen -in Zuckungen sowie tetanischen Krampfparoxysmen, welche später in -Lähmung übergehen. Die Nieren erkranken hauptsächlich dadurch, dass -die im Blute gebildeten +Kalziumoxalatkristalle+ eine +mechanische -Verstopfung+ der +Harnkanälchen+, sowie eine Verlegung des gesamten -sezernierenden Nierenparenchyms bedingen (+Kobert+ und +Küssner+), was -+Anurie+ und +Urämie+ mit tödlichem Ausgang zur Folge hat. Ausserdem -besteht Albuminurie, Hämaturie und Glykosurie. Bei der +Sektion+ findet -man die Erscheinungen einer +korrosiven+, häufig auch +hämorrhagischen -Gastroenteritis+. In den +Nieren+ beobachtet man konstant +zwischen -Rinde und Mark eine weisse, aus Kalziumoxalat bestehende Zone+. -Aehnliches wird nach der innerlichen Verabreichung von +Oxamid+ -beobachtet, wobei sogar förmliche Konkremente von Kalziumoxalat die -Ausführungsgänge der Nierenpapillen, die Harnleiter und die Harnröhre -verstopfen können (künstliche Harnsteine). Das Blut zeigt zuweilen eine -hellkirschrote Farbe. - -Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von Kalkwasser, -Zuckerkalk, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, sowie von -harntreibenden Mitteln. Der +Nachweis+ wird durch die Anwesenheit -der briefkuvertähnlichen Kalziumoxalatkristalle in der Niere, -Darmschleimhaut, Leber etc. geliefert; dieselben haben wohl auch die -Form von Nadeln, Wetzsteinen und Garbenbündeln. - - =Toxikologische Versuche.= Um die Wirkung der Oxalsäure auf - Pflanzenfresser und Fleischfresser kennen zu lernen, habe ich - Versuche mit derselben beim Schaf und Hund gemacht. - - 1. Ein 10 kg schwerer +Hund+ erhielt 10 g Oxalsäure in Wasser gelöst. - Sehr bald nach dem Eingeben (3 Minuten) stellte sich +Erbrechen+, - starke Unruhe, sowie heftiges +Stöhnen+ ein. 1 Stunde nachher zeigte - sich sehr angestrengtes Atmen, Mattigkeit bei der Bewegung, sowie - hochgradige Schmerzhaftigkeit bei der Palpation des Hinterleibs, nach - weiteren 3 Stunden +blutiger Durchfall+ mit Zunahme der Mattigkeit - und starker psychischer Depression. Am Tage nach der Verabreichung - hatte sich das Allgemeinbefinden gebessert; Erbrechen und Durchfall - bestanden jedoch fort, ausserdem war die Innentemperatur von 39,3° - C auf 37,4° C gefallen. Am 2. Tage sank die Temperatur auf 36,9° - C, die Mattigkeit des Tieres nahm zu, dasselbe lag schliesslich - gelähmt am Boden und starb in der darauffolgenden Nacht. Bei der - +Sektion+ fand man +hämorrhagische Gastritis+ und +Proktitis+, - +katarrhalische Enteritis+, +parenchymatöse+ und +hämorrhagische - Nephritis+, +Oxalatinfarkt der Niere+, sowie +Leberverfettung+. Der - genaue Sektionsbefund war folgender: Die Schleimhaut des +Magens+ - ist geschwollen, diffus gerötet und ebenso wie die geschwollene - Schleimhaut des +Dünndarmes+ mit grauweissem, zähem, glasigem - Schleime bedeckt. Im +Mastdarm+ ist die Schleimhaut in Falten, - Längsfalten gelegt und auf der Höhe der Falten punktförmig gerötet. - Die +Nieren+ fühlen sich derb an; die Züge der geraden Harnkanälchen - sind grauweiss, trübe und verbreitert, die Grenzschicht stark - gerötet. Im ganzen Parenchym der Niere, besonders aber in der - Rindenschicht finden sich sehr zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem - Kalk+; die geraden Harnkanälchen sind mit ihnen teilweise angefüllt - und erscheinen bei der makroskopischen Betrachtung als feine weisse - Striche. Die Rindenschicht erscheint sehr breit und setzt sich von - der Grenzschicht scharf ab. +An den Grenzen zwischen beiden macht - sich ein hellerer Saum bemerkbar.+ Das Nierenepithel ist stark - desquamiert, die Zellen vergrössert und in starker Verfettung - begriffen. Durch fettigen Detritus sind die Zellen vielfältig schon - gänzlich verfallen und ihre Konturen nicht mehr zu erkennen. Diese - Massen füllen die Harnkanälchen zusammen mit roten Blutkörperchen - und den Oxalsäurekristallen aus. Zwischen den +Leberzellen+ finden - sich ebenfalls vereinzelt Kristalle von +oxalsaurem Kalke+ vor. - Die Leberzellen selbst sind ausserordentlich stark in Verfettung - begriffen. In den vergrösserten Zellen besteht in vielen der - Zellinhalt aus grösseren und kleineren Fetttröpfchen. In der Blase - finden sich zirka 5 g einer milchigen Flüssigkeit, die aus Blasen-, - Nierenepithel und vielen Samenfädchen besteht. Ferner finden sich - Kristalle von +oxalsaurem Kalk+ darin. - - 2. Ein 70 Pfd. schwerer +Hammel+ erhielt 25 g Oxalsäure in Wasser - gelöst; 4 Stunden nach dem Einschütten der Arznei starb das - Versuchstier. Es zeigte starke Eingenommenheit der Psyche, starke - Schmerzhaftigkeit bei Druck auf den Hinterleib und die Nierengegend, - Brechbewegungen, sehr schwachen Puls, Unruheerscheinungen, Speicheln, - blutigen Durchfall, sowie gegen das tödliche Ende hochgradige - Dyspnoe. Die Sektion ergab folgenden Befund: Die Schleimhaut des - +vierten Magens+ erscheint geschwollen, in Falten gelegt, trüb, - glasig und gerötet. Die Rötung ist besonders ausgeprägt auf der - Höhe der Falten. Die Schleimhaut des +Dünndarms+ erscheint in den - Anfangsabschnitten gleichfalls geschwollen und schwach gerötet, - die des +Mastdarms+ ist geschwollen und graurot gefärbt. Die Milz - ist vergrössert, blaugrau gefärbt und von einer ziemlich steifen - Konsistenz. Auf der Schnittfläche tritt die braunrote Pulpa etwas - zurück, Lymphfollikel und trabekuläres Gewebe sind deutlich - kenntlich. Die +Leber+ ist geschwollen, die Ränder sind abgerundet, - die Kapsel gespannt und durchsichtig. Die Farbe der Leber ist eine - graubraune, die Konsistenz eine mürbe. Die Schnittfläche erscheint - sehr blutreich und ist ziemlich gleichmässig braunrot gefärbt. Die - Grenzen der Leberläppchen sind kaum kenntlich. Die Nierenkapseln - lassen sich leicht abziehen, die Farbe der +Nieren+ ist eine - hellgraubraune, ihre Konsistenz ziemlich derb. Auf der Schnittfläche - erscheint die Rindensubstanz rötlich grau, trüb, undurchsichtig. Die - Glomeruli erscheinen als kleine rote Pünktchen. Die Züge der geraden - Harnkanälchen sind erweitert und lassen sich auch in der Grenzschicht - noch gut erkennen. Aus den Sammelröhren fliesst bei Druck eine - schleimige, grauweisse, zähe Masse ab. -- Lungen- und Brustfell sind - glatt und glänzend. Die Lungen sind hellrot und in allen Teilen - lufthaltig. Die Schnittfläche erscheint rosafarben, feucht, glänzend. - Bei Druck wird eine feinblasige, schaumige Flüssigkeit entleert. - Die +mikroskopische+ Untersuchung des +Harns+ ergibt eine sehr - reichliche Menge von +oxalsauren Kalksalzen+, welche in drusenartiger - Anordnung liegen. Die meisten haben eine länglich-viereckige Gestalt, - einzelne lassen einen quadratischen Mittelpunkt erkennen, von dem - 4 gleichgestaltete, leicht quergestreifte Strahlen abgehen. Neben - diesen sternförmigen Kristallen werden auch vereinzelt nadelförmige, - mit feiner Spitze und ziemlich breiter Basis gefunden. Weiter ist - Blasenepithel und Nierenepithel nachzuweisen. Die Reaktion ist - neutral, Gallenfarbstoffe sind in geringer Menge und Eiweiss zu 1 - Proz. vorhanden. In der +Rindenschicht+ der +Niere+, aber auch in - der Mark- und Grenzschicht finden sich zerstreut im +Parenchym+ - zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem Kalk+. Die Kristalle werden - auch in den Harnkanälchen nachgewiesen. Das Epithel derselben ist - teilweise deformiert, die Zellen sind getrübt. Ferner finden sich in - den Harnkanälchen zahlreiche rote Blutkörperchen. Die +Leberzellen+ - sind mit Fettkörnchen reichlich angefüllt und scheinen etwas - vergrössert. Zwischen ihnen finden sich vereinzelt +Kristalle+ von - +oxalsaurem Kalk+. Der Sektionsbefund ist mithin ein ähnlicher wie - beim ersten Versuche. - - - =Oxalurie.= Mit diesem Namen wird eine beim Menschen, namentlich - in England, beobachtete chronische Krankheit bezeichnet, welche - sich durch sehr reichliche Ausscheidung von oxalsaurem Kalk im Harn - charakterisieren, mit schweren psychischen Depressionszuständen - verlaufen und eine Prädisposition für Diabetes mellitus bilden soll. - Man bringt die Bildung des Kalziumoxalats mit anhaltender Körperruhe - und unvollständiger Verbrennung des Eiweisses in Verbindung. - Vereinzelt soll die Krankheit auch durch den Genuss oxalhaltiger - Pflanzen und Limonaden beim Menschen entstehen. Sie wird daher wohl - auch als „chronische Oxalvergiftung“ aufgefasst (+Kobert+). Bei den - Haustieren ist nichts Derartiges bekannt. - - -Jodoformvergiftung. - - =Allgemeines.= Vergiftungen mit Jodoform kamen früher besonders bei - +Hunden+ vor, wenn dieselben sich das auf die Wunde aufgestreute - Jodoform ableckten. Ich habe selbst mehrere solche Fälle bei - Hunden beobachtet. Auch +Albrecht+ hat einen Fall veröffentlicht - (Wochenschr. f. T. 1887). Die +tödliche Dosis+ des Jodoforms soll - für Warmblüter nach den Untersuchungen von +Poljäkow+ (Russischer - Veterinärbote 1884) bei Einführung in die serösen Säcke 0,5 g - pro Kilo Körpergewicht, 1,0 g bei stomatikaler und 1,5-2,0 g bei - subkutaner Anwendung betragen. Von Wunden aus wirkt Jodoform - jedenfalls schon in kleineren Dosen tödlich. Auch verhalten sich - nicht alle Tiere gleich. So starb z. B. eine ältere Kuh, welcher ich - versuchsweise 50 g Jodoform innerlich verabreichte, nach 36 Stunden - unter Temperaturabfall, Krämpfen und Narkose; die Sektion ergab - Gastroenteritis, Drüsenveränderungen und Lungenhypostase. Dagegen - ertrug ein 10 Tage altes Kalb 5 g Jodoform innerlich ohne jede - Reaktion. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Jodoform wirkt dadurch, dass -es im Körper freies Jod abgibt. Die Jodoformvergiftung ist also im -wesentlichen eine Jodvergiftung. Man hat dabei zwischen einer akuten -und chronischen Vergiftung zu unterscheiden. - -1. Die +akute Jodoformvergiftung+ (akuter Jodismus) äussert sich -zunächst in +leichten gastrischen Störungen+ (Appetitverlust, -Erbrechen, Verstopfung), sodann in +Schläfrigkeit+, +Betäubung+ und -+Koma+, welche von +Krampfanfällen+ unterbrochen werden. Hunde zeigen -zuweilen schon anfangs +starke Aufregung+ und selbst wutähnliche -Zufälle. Weiter findet +starkes Sinken der Innentemperatur+ statt und -es entwickeln sich die Zeichen der +Herzschwäche+ (sehr frequenter, -kleiner Puls, pochender Herzschlag, Dyspnöe, Oligurie, Albuminurie). - -Bei der +Sektion+ findet man als Hauptveränderungen +Verfettung+ der -grossen +Körperdrüsen+ (Leber, Niere), des +Herzmuskels+ und der -+Skelettmuskeln+, sowie zuweilen +Glomerulonephritis+ und +Verkalkung+ -der +Niere+. - -2. Die +chronische Jodoformvergiftung+ (chronischer Jodismus) verläuft -unter den Erscheinungen der chronischen Jodvergiftung. Dieselben -bestehen in +Abmagerung+, +Schwund der Drüsen+, namentlich der -Milchdrüse, +Jodexanthem+ und +Katarrh der Schleimhäute+, insbesondere -der Nasenschleimhaut (Jodschnupfen), der Lidbindehaut, der Kehlkopf- -und Bronchialschleimhaut. Die beim Menschen ausserdem vorkommenden -zerebralen Störungen (Melancholie, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, -Gedächtnisschwäche) sind bei den Haustieren bisher nicht beobachtet -worden. - - -=Behandlung.= Man hat zunächst das Jodoform durch +Brechmittel+ aus dem -Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote gegen +Jod+ gibt es wenige. -Man kann versuchen, durch grosse Dosen von +Stärkemehl+ (Jodstärke) -oder +Eiweiss+ (Jodalbuminat) das Jod unwirksam zu machen. Auch die -Verabreichung von +Natrium+ und +Kalium bicarbonicum+, sowie von -+Bromkalium+ zur Bindung des Jods ist empfohlen worden. Ausserdem -wird +Natrium subsulfurosum+ (Natriumthiosulfat) von der Formel -Na_{2}S_{2}O_{3} als spezifisches Antidot gegen Jodvergiftung empfohlen -(J_{2} + 2 Na_{2}S_{2}O_{3} = 2 NaJ + Na_{2}S_{4}O_{6}). Daneben wird -+symptomatisch+ mit +Exzitantien+ behandelt (Aether, Kampfer, Koffein -etc.). - - -=Nachweis.= Das im Magen und Darm enthaltene Jodoform wird aus -dem schwach alkalisch gemachten wässerigen Destillat mit +Aether+ -ausgeschüttelt. Es kristallisiert dann nach dem Verdunsten des Aethers -meist in charakteristischen +gelben hexagonalen Tafeln+ aus; seltener -bildet es undeutliche Kristalle oder ist amorph. Erhitzt man ferner die -Lösung des Jodoforms in wenig Alkohol mit sehr wenig +Phenolnatrium+, -so zeigt sich sehr bald am Boden eine rötliche Abscheidung von -+Rosolsäure+, welche sich in verdünntem Weingeist mit schöner -karminroter Farbe löst. - -In den inneren Körperorganen kann das Jodoform als solches nicht -mehr nachgewiesen werden, weil es sich unter Abspaltung von Jod -zersetzt hat. Zum Nachweise dieses im Körper an Kalisalze gebundenen -Jods müssen die zu untersuchenden Massen zunächst durch +Glühen+ -mit +Natronsalpeter+ von organischen Beimengungen befreit werden, -worauf der Rückstand mit Kohle gemengt und geglüht, nach dem Erkalten -mit Alkohol ausgezogen, der Auszug verdunstet, der Rückstand -(Jodnatrium) in wenig Wasser gelöst und vorsichtig mit verdünnter -+Schwefelsäure+ übersättigt wird. Die schwefelsaure Flüssigkeit -wird sodann unter Zusatz von etwas Braunstein oder chromsaurem Kali -überdestilliert und das Jod dadurch in Form violetter Dämpfe frei -gemacht. Das übergegangene Destillat gibt ferner auf Zusatz von -kaltem +Stärkekleister+ +Blaufärbung+ und mit +Chloroform+ oder -+Schwefelkohlenstoff+ eine +violette+ Farbe. - - =Jod.= Vergiftungen durch freies Jod sind bei den Haustieren bisher - nicht beobachtet worden. Dagegen haben experimentelle Versuche mit - Jod bei unseren Haustieren folgendes ergeben. +Hunde+ starben nach - der innerlichen Verabreichung von 8-12 g Jod (+Hertwig+). Ferner - genas ein Hund auf 4,7 g Jod nach vorausgegangenem heftigem Erbrechen - und Schluchzen (+Orfila+), ein anderer nach 6 g Jod. Nach 14tägiger - Verabreichung von täglich 2mal 0,6-0,9 g Jod zeigten Versuchshunde - starke Abmagerung, Erbrechen und Diarrhöe. Nach +Böhm+ starben Hunde - nach intravenöser Applikation von 0,04 freiem Jod pro kg; 0,02 - und 0,03 g werden dagegen noch gut ertragen. Pferde zeigen nach - 14tägiger innerlicher Verabreichung von täglich 2mal 2-4,0 g Jod - starke Abmagerung und Durchfall; 4-8,0 g Jod intravenös eingespritzt - erzeugten Taumeln, Betäubung, Zusammenstürzen, Atmungsbeschleunigung, - konstant schmerzhaften Husten, Pupillenerweiterung und Mattigkeit - (+Hertwig+). Auf die roten Blutkörperchen wirkt Jod auflösend - (+Methämoglobinämie+); ähnlich wirken die jodsauren Salze. Einen - Fall von Jod-Idiosynkrasie bei einem Hund nach Verabreichung von - Lebertran hat +Frick+ beschrieben (D. t. W. 1898). Kaninchen zeigen - bei Jodvergiftung (0,1) Hämaturie und Nierenverkalkung (+v. Kossa+). - - - =Jodkalium.= Die innerliche Anwendung des Jodkaliums gegen - Aktinomykose des Rindes und Botryomykose des Pferdes hat - neuerdings vielfach +akuten+ und +chronischen Jodismus+ (vergl. - S. 143) zur Folge gehabt. +Gerö+ (Veterinarius 1901) verabreichte - einem 1½jährigen Stier gegen Sarkom innerlich in 4 Tagen 70 g - Jodkali, worauf derselbe schwer erkrankte und Schwellung der - Augenlider, Tränenfluss, Zähneknirschen und Speicheln, rote - Flecken auf der Nasenschleimhaut, Strangurie, Albuminurie, sowie - Lähmungserscheinungen zeigte, sich jedoch wieder erholte. +Bouchet+ - (Progr. vét. 1902) sah bei einem Pferd, das gegen Aktinomykose ein - ganzes Jahr lang insgesamt 1½ kg Jodkalium erhielt, Haarausfall - über den ganzen Körper, sowie nässende Ekzeme an allen fein - behaarten Körperstellen. +Schuster+ (Woch. f. T. 1906) beobachtete - bei einem Zuchtstier mit Zungenaktinomykose, der in 6 Tagen 60 g - Jodkalium erhalten hatte, Ekzem über den ganzen Körper, Nasen- und - Augenausfluss, sowie Appetitlosigkeit. In dem von +Wester+ (Holl. - tierärztl. Zeitschrift 1898) beschriebenen Fall zeigte ein Pferd nach - 5 Dosen von je 10 g Jodkalium am 5. Tage Appetitlosigkeit, Husten, - Jodexanthem, besonders am Kopf, starke Abmagerung und Schwanken. Ich - habe ähnliche Fälle bei Pferden mit Samenstrangfisteln beobachtet, - welche in der Praxis mit Jodkalium vorbehandelt waren. Neuerdings - (Monatsh. f. pr. T. 1907) beobachtete ich ein ausgedehntes squamöses - und krustöses Exanthem mit starker Hautverdickung bei einem Pferd, - das 20 Tage lang täglich 5 g Jodkalium innerlich und ausserdem - subkutan 50 g Jodipin erhalten hatte. - - - =Jodzyan.= Das Jodzyan von der Formel CNJ wird als - Konservierungsmittel für zoologische Sammlungen benützt und ist - sehr stark giftig (Jodwirkung = Methämoglobinämie, ausserdem - Blausäurewirkung). - - - =Brom.= Vergiftungen durch freies Brom oder durch Bromsalze - sind bei den Haustieren ebenfalls noch nicht zur klinischen - Beobachtung gelangt. Nur in einem Fall konnte ich bei einem an - Starrkrampf erkrankten Pferde, welches innerhalb 4 Tagen 500 g - Bromkalium erhalten hatte, ein über den ganzen Körper verbreitetes - +Bromexanthem+ mit starker Schwellung und teilweiser +Nekrose+ der - Haut beobachten. Dagegen ist experimentell festgestellt, dass Hunde - nach einmaligen Dosen von 20-50 g, Pferde nach solchen von 250-300 - g Bromkalium sterben. Es lässt sich ferner auch bei Tieren ein - +chronischer Bromismus+ experimentell hervorrufen. Derselbe äussert - sich in psychischer Depression, +Abmagerung+, +lähmungsartiger - Schwäche+, Impotenz, Zittern, Konjunktivitis, +Laryngitis+, - Bronchialkatarrh, +Magendarmkatarrh+, sowie +Ekzembildung+ auf - der Haut (Urtikaria, Furunkulosis, Akne, Geschwüre etc. infolge - Ausscheidens freien reizenden Broms in die Talgdrüsen und - Schweissdrüsen der Haut; +Bromexanthem+). Die +Sektion+ ergibt - ausgebreitete +parenchymatöse Myelitis+, sowie stellenweise - Sklerosierung des Rückenmarks, +parenchymatöse+ Veränderungen der - +zerebralen Ganglienzellen+ (Volumsvergrösserung) neben +fettiger - Muskelentartung+. Das Einatmen von +Brom+ erzeugt ähnliche - Entzündungszustände der Respirationsschleimhaut wie das Chlor. - - - =Chlorvergiftungen= sind bei den Haustieren sehr selten. In - einem von +Rost+ beobachteten Falle standen Pferde in einer - chemischen Fabrik in der Nähe der geöffneten Chlorkammern; sie - zeigten hochgradige Atemnot, sehr schmerzhaften Husten und die - Erscheinungen des Lungenödems. Einen ähnlichen Fall hat +Lungwitz+ - (Sächs. Jahresber. 1900) bei Rindern nach der Desinfektion eines - Stalles mit Chlorkalk beobachtet. Bezüglich des +Chlorkalks+ ist - durch Versuche von +Hertwig+ festgestellt, dass von den Tieren - innerlich ziemlich grosse Dosen ertragen werden. Nach 1000,0 g bei - Pferden und Kühen, 30,0 g bei Schafen und Ziegen, 15,0 g beim Hund - war nur etwas Puls- und Atmungsbeschleunigung, Tränen, vermehrter - Harn- und Kotabsatz, sowie ein Chlorgeruch des Harns zu bemerken. - Chlorwasser ertrugen Pferde und Rinder noch in Dosen von 1500 g, - dagegen starben Hunde auf 150 g. Intravenös hatte Chlorkalk beim - Pferde (mit 120 g Wasser gemischt) Schwindel, Mydriasis, Blässe der - sichtbaren Schleimhäute, Zusammenstürzen und nach 30-50 Minuten den - Tod zur Folge. 60 g Chlorwasser intravenös gegeben, erzeugten bei - einem Pferde Mattigkeit und Zittern. +Beier+ (Zeitschr. f. Vetkde. - 1902, S. 170) hat einen tödlichen Fall von Chlorkalkvergiftung - bei einem Militärpferde beobachtet, das etwa 300 g Chlorkalk in - 10 l Wasser (Hufbad) aufgenommen hatte. Das Pferd zeigte hierauf - +kolikartige+ Erscheinungen, schmutzig ziegelrote Farbe und - Schwellung der Augenschleimhäute, drahtförmigen Puls (60 Schläge - bei 38,5° C.), pochenden Herzschlag und verendete plötzlich. Die - Sektion ergab brandige Entzündung des gesamten Verdauungskanals - (schwarze Verfärbung des Zungengrundes, starke Schlundkopfentzündung, - gelbsulzige Massen in der Umgebung des sonst intakten Schlundes, - namentlich der Brustportion desselben (ähnliche Massen am Dünn- und - Dickdarmgekröse), blutige Entzündung der Darmschleimhaut (besonders - der Mastdarmschleimhaut). Alle Teile des Magen- und Darminhalts - zeigten starken Chlorgehalt. - - - =Fluorwasserstoffsäure.= Die Fluorwasserstoffsäure von der Formel - FH wirkt durch ihre Dämpfe ähnlich reizend wie die Salzsäure. Das - Fluornatrium, FNa, soll nach +Tappeiner+ ein Protoplasmagift sein, - welches subkutan lokale Eiterung und Nekrose, auf der Hornhaut - Geschwüre und intravenös Krämpfe erzeugt; als spezifische Erscheinung - soll ausserdem Salivation auftreten. Bei der Sektion findet man - ulzeröse Gastroenteritis und Nephritis. Im übrigen widersprechen sich - die Angaben über die Giftigkeit bezw. Nichtgiftigkeit der Flusssäure - und des Fluornatriums sehr. Die nach Verfütterung von +phosphorsaurem - Futterkalk+ bei Schweinen beobachteten Krankheitserscheinungen - (mangelnde Fresslust, Abmagerung, Somnolenz, Schwäche und Lähmung; - Schwellung, Hämorrhagien und Aetzung der Magendarmschleimhaut bei der - Sektion) werden von +Dammann+ und +Manegold+ (Deutsch. tierärztl. - Woch. 1904) auf den Fluornatriumgehalt des verfütterten Kalkes - zurückgeführt. Da vergleichende Versuche mit löslichen Fluorsalzen - bei Schweinen nicht gemacht wurden und die Angaben über die - Giftigkeit der Fluorverbindungen sehr differieren, bleibt die Frage - unentschieden, wodurch die Schädlichkeit des Futterkalks bedingt war. - - -Karbolsäurevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Karbolsäure veranlasst in verschiedenen Formen - Vergiftungen bei den Haustieren. 1. Die +reine Karbolsäure+ - (kristallisierte Karbolsäure) ist eine farblose oder kaum rötliche, - erstarrte kristallinische Masse, welche sich in 1 : 20 Wasser löst. - Mit 1/10 Wasser gemischt, bildet sie die verflüssigte Karbolsäure - (Acidum carbolicum liquefactum). Die reine Karbolsäure hat seit - ihrer Einführung als Antiseptikum (1870) zahlreiche Vergiftungen - verursacht. Dieselben sind teils bei der Wundbehandlung (namentlich - bei Katzen), teils in der Geburtshilfe (Ausspülung des Uterus beim - Rind und Hund), vor allem aber bei der Behandlung der Räude der - Schafe, Hunde und Pferde mittels Karbolbädern und Karbolwaschungen - beobachtet worden. 2. Die +rohe Karbolsäure+ des Handels stellte - früher das Rohprodukt der reinen Karbolsäure dar und enthielt - bis zu 80 Proz. derselben. Gegenwärtig ist sie nahezu ganz frei - von Karbolsäure und besteht fast ausschliesslich aus den höheren - Homologen der Karbolsäure, namentlich Kresolverbindungen; vergl. - S. 154. Vergiftungen ereignen sich bei der Anwendung der rohen - Karbolsäure als Desinfektions- und Räudemittel. 3. Der +Teer+ wird - teils als Holzkohlenteer, teils als Steinkohlenteer benützt. Er - enthält in beiden Formen grössere Mengen von Karbolsäure (neben - Kreosot, Naphthalin, Kresol, Holzessigsäure, Brenzkatechin, Benzol) - und gibt bei der Räudebehandlung (Teereinreibungen bei Hunden und - Katzen) und Desinfektion (Ablecken des Teeranstrichs durch Rinder) - Veranlassung zur Karbolvergiftung. 4. Das +Kreosot+ enthält in der - im Handel vorkommenden Form immer grössere Mengen von Karbolsäure; - das reine, offizinelle, aus Buchenholzteer dargestellte Kreosot soll - dagegen nur aus Guajakol und Kreosol bestehen. Kreosotvergiftungen - zeigen sich bei Hunden, Schafen, Pferden und Katzen bei der - Räudebehandlung; sie stellen meistens Karbolvergiftungen dar. 5. Der - +Holzessig+ enthält neben Karbolsäure Kresol, Essigsäure, Holzgeist - und Azeton. 6. Das +Kreolin+, +Lysol+, +Bazillol+ und andere ähnliche - Kresolpräparate enthalten entweder gar keine oder nur Spuren von - Karbolsäure, können also für gewöhnlich eine Karbolvergiftung nicht - bedingen. Ueber die Giftwirkung der Kresole vergl. S. 154. 7. Das - +Gaswasser+ bildet sich neben dem Steinkohlenteer als wässeriges - Destillat bei der Gasfabrikation. Es enthält neben Karbolsäure - und Teerbestandteilen namentlich Zyan- und Ammoniumverbindungen - (Zyanammonium, chlorsaures Ammonium und Schwefelammonium). Es - gibt zu Karbolvergiftungen Veranlassung, wenn in der Nähe von - Gasfabriken weidende Rinder von dem Gaswasser trinken. 8. Das - +stinkende Tieröl+ besteht aus Karbolsäure, Kreosot, Pyridinbasen und - Ammoniumverbindungen; Vergiftungen ereigneten sich früher bei der - Anwendung als Räudemittel und Wurmmittel. 9. Der +Russ+, welcher in - der Hauptsache aus Kohle besteht, enthält ebenfalls geringe Mengen - von Karbolsäure und Kreosot und kann bei reichlicher Aufnahme eine - Karbolvergiftung bedingen (vergl. die Kasuistik). - - -=Krankheitsbild.= Die Karbolsäure wirkt in konzentriertem Zustand -örtlich +ätzend+. Nach ihrer Resorption wirkt sie als zentrales -Nervengift teils +lähmend+, teils +krampferregend+. +Die Erscheinungen -der Karbolvergiftung bei Tieren unterscheiden sich durch das -Hinzutreten von Krämpfen wesentlich von der Karbolvergiftung beim -Menschen.+ Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind: +Verätzung+ -der Lippen- und Mundschleimhaut bei konzentrierter Anwendung; -Appetitverminderung, Speicheln, +Erbrechen+, Diarrhöe, leichte -+Kolikschmerzen+, Aufbiegen des Rückens; schmutzig getrübter, -+grünlichbrauner+ (Hydrochinon), eiweisshaltiger, nach Karbolsäure -riechender +Harn+; Parese und Paralyse der Nachhand, +Lähmung+ des -ganzen Körpers, zuweilen plötzliches Zusammenstürzen, +Zittern+, -Schreckhaftigkeit, Unruhe, +tonisch-klonische Krämpfe+, +Betäubung+, -+Koma+, +Kollaps+; +Sinken der Innentemperatur+ bei Beschleunigung des -Pulses; unregelmässige, erschwerte Respiration. Zuweilen entwickeln -sich die Symptome einer +Nephritis+ (weisse und rote Blutkörperchen, -Zylinder im Harn). Der +Verlauf+ der Karbolvergiftung ist zuweilen -ausserordentlich rasch; in anderen Fällen kann die Dauer 2-3 Tage, -zuweilen auch viel länger betragen (bis zu 14 Tagen). - - -=Sektionsbefund.= Bei konzentrierter innerlicher Verabreichung -findet man die Erscheinungen einer +korrosiven Gastroenteritis+. Die -Allgemeinveränderungen, wie sie namentlich nach der epidermatischen -Anwendung der Karbolsäure auftreten, bestehen in Leberverfettung, -parenchymatöser Degeneration des Herzens, Verfettung der Nieren und -zuweilen in parenchymatöser Nephritis. Daneben findet man dunkles, -schlecht geronnenes, schmieriges Blut, Gehirn- und Lungenhyperämie, -Piaödem, serösen Erguss in die Ventrikel, sowie Karbolgeruch aller -Organe. - - -=Behandlung.= Das wichtigste chemische Antidot der Karbolsäure ist die -+Schwefelsäure+. Sie wird entweder als solche in sehr stark verdünntem -Zustand oder in Form der schwefelsauren Alkalien, namentlich als -+Glaubersalz+ und +Bittersalz+ verabreicht (Bildung von ungiftigem, -phenolsulfonsaurem Kalium im Blut). Auch +Seife+ wird als ein gutes -Gegengift empfohlen (Bildung einer Emulsion, Umwandlung der Karbolsäure -in ungiftiges Phenolnatrium). Neuere Gegenmittel sind +Jodtinktur+ -(Bildung von Jodphenol) und Terpentinöl. Ausserdem verabreicht man -+einhüllende+ Mittel, namentlich +Eiweiss+, welches mit Karbolsäure -einen Niederschlag gibt; auch +Leimwasser+ besitzt diese Eigenschaft. -Bei Hunden und Pferden kann man ferner eine +Magenausspülung+ -vornehmen. Die Lähmungserscheinungen behandelt man mit +exzitierenden+ -Mitteln, namentlich mit subkutanen Aether- und Kampferinjektionen, mit -Hoffmannstropfen, Wein, Kaffee, Koffein, Atropin, Hyoszin oder Veratrin. - - -=Nachweis.= Die Karbolsäure ist meist schon allein durch den +Geruch+ -festzustellen. Auch die +schwarzbraune+ Verfärbung des +Harns+, -sowie die +grauweissen Aetzschorfe+ sind klinische Kennzeichen. -Zum Zweck des chemischen Nachweises wird die Karbolsäure aus den -Eingeweiden und dem Blut gewöhnlich durch +Destillation+ nach -vorheriger schwacher Ansäuerung mit Schwefelsäure oder Phosphorsäure -abgeschieden, wobei sofort der +kreosotartige+ Geruch des Destillates -auffällt. Aus dem Destillat wird sodann die Karbolsäure durch -Schütteln mit Aether ausgezogen und nach dem Verdunsten des Aethers -konzentriert erhalten. Eine andere Extraktionsmethode besteht -darin, dass der mit Schwefelsäure angesäuerte Mageninhalt mit dem -vierfachen Alkohol gemischt, nach 24 Stunden filtriert und der -Alkohol im Vakuum bei möglichst niederer Temperatur abdestilliert -wird. Der mit Petroleumäther entfettete Rückstand wird sodann mit -Benzin ausgeschüttelt, welches die Karbolsäure leicht aufnimmt. -Behufs Vornahme der Einzelreaktionen wird die Karbolsäure in Wasser -gelöst. Diese Reaktionen sind folgende: 1. +Bromwasser+ gibt mit -wässerigen Karbollösungen einen +gelblichweissen, kristallinischen -Niederschlag+ von +Tribromphenol+[3], welcher mikroskopisch aus -einem Gewirre feiner, häufig zu Drusen vereinigter Kristallnadeln -besteht (Empfindlichkeit 1 : 100000; bei starker Verdünnung tritt der -Niederschlag nur langsam ein). Dieser Niederschlag kann auch gesammelt, -gewogen und auf Karbolsäure berechnet werden (quantitative Analyse). -2. +Schwefelsaures Eisenoxyd+ färbt die wässerige Karbollösung noch -bei 1 : 2000 +blaulila+, +Eisenchlorid violett+. 3. +Ammoniaklösung+ -(¼) und +Chlorkalklösung+ (einige Tropfen einer 5prozentigen) färben -das Karbolwasser nach gelindem Erwärmen +königsblau+ noch bei einem -Karbolgehalt von 1 : 20000. 4. +Salpetersaures Quecksilberoxydul+ -(NO_{2}haltig) mit Karbollösung erwärmt, gibt eine +Rosafärbung+; -Empfindlichkeit 1 : 100000. 5. +Anilin+ und unterchlorigsaures Natron -in gleichen Teilen der stark verdünnten Säure zugesetzt, geben eine -+Blaufärbung+ (= erythrophenolsaures Natron), welche sich bei Zusatz -einer Säure in Rot umwandelt; Empfindlichkeit 1 : 66000. 6. +Eiweiss+ -und Leim werden durch konzentrierte Karbolsäure aus ihren Lösungen -+ausgefällt+; auf der Haut entsteht ein +weisser Aetzschorf+. 7. Ein -+Fichtenspan+, der in wässerige Karbollösung getaucht ist, wird beim -Befeuchten mit konzentrierter Salzsäure +blau+ (unsicher). - - -=Kreosot= färbt sich in ganz reinem Zustand (Kreosol-Guayakol) -im Gegensatz zur Karbolsäure mit Eisenchloridlösung unter Zusatz -von Weingeist +grün+, bei Wasserzusatz wird die Lösung +farblos+. -Weil jedoch das Kreosot meist Karbolsäure enthält, wird die Lösung -nach Wasserzusatz gewöhnlich violett. +Ein Mittel, Kreosot bei -gleichzeitiger Anwesenheit von Karbolsäure nachzuweisen, gibt es nicht.+ - - =Karbolsäure.= Am empfindlichsten gegen Karbolsäure sind +Katzen+; - sie können schon durch sehr kleine Dosen von Wunden aus (0,5-1,0) - sehr rasch vergiftet werden. Hunde sterben nach der innerlichen - Verabreichung von 2-7 g. Am wenigsten empfindlich scheinen +Pferde+ - gegenüber der innerlichen Anwendung der Karbolsäure zu sein. Nach - +Munk+ (Berliner Archiv 1882) ertrugen mittelgrosse Pferde ohne - Nachteil 100 g Karbolsäure auf einmal, sowie 500 g im Verlauf einer - Woche; er führt dies auf die vermehrte Oxydation der Karbolsäure - im Blut des Pferdes und auf die raschere Umwandlung zu Hydrochinon - zurück. -- Von den in der Literatur verzeichneten Vergiftungsfällen - mögen die nachstehenden kurz erwähnt sein. Einem mit einem - Widerristschaden behafteten Pferde wurden 350 g einer konzentrierten - spirituösen Karbolsäurelösung innerhalb 2 Tagen eingerieben. Am - 2. Tage stürzte das Pferd plötzlich zusammen, zeigte allgemeine - Lähmung, starken Schweissausbruch, angestrengte Atmung, unfühlbaren - Puls, Erweiterung der Pupille und starb bald hernach. Die Sektion - ergab lediglich eine schwarze teerartige Beschaffenheit des Blutes - (+Thoms+, Preuss. Mitt. 1879). -- Von 5 räudigen Pferden, welche vom - Besitzer 3mal innerhalb 6 Tagen mit einer spirituösen Karbollösung - (1 : 3) eingerieben worden waren, starben 2 am 3., die übrigen 3 - bis zum 10. Tage unter heftigen Kolikerscheinungen, hochgradiger - Schwäche und Entleerung eines dunkelbraun gefärbten Harnes (Berl. - Arch. Bd. 13). -- Im Regiment Chasseurs d’Afrique wurde ein räudiges - Pferd mit einer 10proz. Lösung von roher Karbolsäure eingerieben. - Nach einer Stunde zeigte es heftiges Zittern, Schreckhaftigkeit, - Schwanken, Muskelzuckungen am ganzen Körper, sowie beschleunigte - Atmung; die Haut war an den eingeriebenen Stellen geschwollen und - schmerzhaft (+Décroix+, Recueil 1873). -- Nach dem Berieseln einer - grossen Hautwunde mit Karbolwasser (rohe Karbolsäure) traten 8 - Stunden darauf Zittern, Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie nach - 6stündiger Krankheitsdauer der Tod ein (+Schäfer+, Berl. Arch. 1885). - -- Nach Abnahme der Nachgeburt bei einer Kuh wurde der Uterus mit - einer Auflösung von 140 g Karbolsäure in 12 l Wasser ausgespült. - Bald darauf stellten sich allgemeines Zittern und Schwanken, - sowie periodische Krampfanfälle, besonders an den Nackenmuskeln, - Augenmuskeln und Ohrenmuskeln ein. Die Atmung war sehr erschwert, und - das Tier hatte Mühe, sich auf den Beinen zu erhalten. Nach 4stündiger - Dauer waren die Erscheinungen wieder verschwunden (+van Leuwen+, - Holl. Vet.-Zeitschr. 1888). -- Karbolsäurelösung, tropfenweise auf - die Haut von Katzen gebracht, hatte klonisch-tonische Krämpfe zur - Folge (ibidem 1887). -- 120 Schafe wurden in Karbollösung gebadet. - 15 starben, mehrere fielen schon während des Badens um. Die Atmung - war sehr angestrengt (+Schmitt+, Preuss. Mitt. 1881). -- Von 40 - mit Karbolsäurelösung gewaschenen Schafen starben 23 (+Schumann+, - ibidem 1883). -- Hühner starben an Karbolvergiftung nach Aufnahme - von Karbolkalk (Oesterreich. Vierteljahrsschrift 1883). -- Ein - Rattenfänger zeigte nach dem Waschen einer Wunde mit 2½proz. - Karbolwasser Zittern, Taumeln, Zusammenstürzen, Muskelzuckungen, - sowie völlige Bewusstlosigkeit; nach 2 Tagen entstand ausgedehnte - Mumifikation der Haut (+Schmid+, Woch. f. Tierh. 1900). -- Ferkel - zeigten angeblich nach der Desinfektion des Stalles mit reiner - Karbolsäure Apathie, Zittern, beschleunigte Atmung und Herztätigkeit, - dunkelrote Farbe der Ohren und aufgehobene Fresslust; die Sektion - soll amyloide und fettige Degeneration der Leber ergeben haben - (+Teply+, ibid. 1905). - - - =Teer.= Experimentelle Untersuchungen über Karbolvergiftung nach - +Teereinreibungen+ sind von +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Sächs. - Jahresber. 1882) an Hunden und Schafen gemacht worden. Ein räudiger - Jagdhund, welcher über den ganzen Körper leicht eingeteert wurde, - zeigte sich am nächsten Tag matt und unlustig, frass schlecht und - lag viel. Die Temperatur war von 39,0° auf 37,2° gesunken. Am 2. - und 3. Tag fiel die Temperatur auf 36,0°. Die Atmung war beschwert. - Am 4. Tag trat Lähmung eines Hinterbeines, sowie grosse allgemeine - Schwäche ein. Am 5. Tag war die Lähmung vollständig, namentlich war - Paralyse der Nachhand vorhanden, der Harn war von grünlichbrauner - Farbe, enthielt Gallenfarbstoffe und Spuren von Eiweiss. Nach - Verabreichung von Glaubersalz trat innerhalb 3 Wochen Genesung - ein. Nach einer später 2mal wiederholten Einteerung des ganzen - Körpers zeigte derselbe Versuchshund Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - Zittern und Sinken der Körpertemperatur. Am 4. Tag war Karbolsäure - im Harn, sowie am 6. Tag Lähmung des Hinterteils nachzuweisen. - Es bestand starkes Speicheln (Ablecken). In den nächsten Tagen - traten Muskelzuckungen auf. Unter Zunahme der Mattigkeit starb der - Hund am 15. Tag unter Krämpfen. Die Sektion ergab hämorrhagische - Gastroenteritis, Leberverfettung, Nierenverfettung, parenchymatöse - Degeneration des Herzmuskels, Lungenödem, sowie starke seröse - Hyperämie in der Brust- und Bauchhöhle. Die Magendarmentzündung war - durch Ablecken des Teers entstanden. Ein ebenfalls eingeteertes - Schaf zeigte ähnliche Erscheinungen. Die Temperatur sank von 39,5 - auf 38,4°; im Harn war Karbolsäure und Eiweiss nachzuweisen; der - Tod erfolgte unter klonischen Krämpfen. Bei der Sektion fand man - parenchymatöse Nephritis, markige Schwellung der Gekrösdrüsen, - leichten Magendarmkatarrh und vereinzelte Hämorrhagien, Oedem der - Pia, Anfüllung der Seitenventrikel des Gehirns mit Serum. Bei - einem zweiten Schaf, bei welchem nur der vierte Teil des Körpers - überfirnisst wurde, zeigte sich Temperaturabfall, grünlichbrauner, - Eiweiss, Epithelien, Leukozyten und Karbolsäure enthaltender - und deutlich nach Karbolsäure riechender Harn, sowie Parese der - Nachhand. Nach Verabreichung von Schwefelsäure und Glaubersalz - trat bald Besserung ein. -- +Grosswendt+ (Zündels Jahresbericht - 1881) beobachtete bei Kühen, welche den Teeranstrich von den Wänden - abgeleckt hatten, starkes Speicheln, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - dunkelgefärbten Harn, Polyurie, schwarzen, breiartigen Kot, sowie - Schwäche im Hinterteil. Eine Kuh starb nach 15 Tagen. -- Ein Rind, - dem wegen Hornbruchs ein Teerverband mit reichlichem Eindringen von - Teer in die Stirnhöhle angelegt worden war, zeigte einen starken - soporösen Zustand, der nach Anwendung von Kaffee und Branntwein - verschwand (+Beel+, Holländ. Zeitschr. 1890). -- Eine Kuh zeigte - nach dem Trinken von Wasser aus einem Teerfass verminderten Appetit, - Speicheln und dunklen Harn (+Gebhard+, Woch. f. T. 1902). - - - =Kreosot.= Die giftige Wirkung des reinen, karbolsäurefreien Kreosots - auf die verschiedenen Haustiere ist geringer als die der Karbolsäure. - Die +Vergiftungserscheinungen+ bestehen, abgesehen von den örtlichen - Veränderungen, in +Lähmungszuständen+ und +Betäubung+; im Gegensatz - zur Karbolsäure sollen Krämpfe fehlen. Hunde sterben nach +Hertwig+ - auf 2-8 g Kreosot unter Eintritt von Schwäche, Schwindel, Lähmung, - Erbrechen und Erstickungsanfällen. Bei dem oft hohen Karbolgehalt - der gewöhnlichen, nicht offizinellen Kreosotsorten des Handels - stimmt das Bild der Kreosotvergiftung jedoch häufig mit dem der - Karbolsäurevergiftung vollkommen überein. So beobachtete +Germain+ - (Recueil de méd. vét. 1882) nach der Einreibung von 130 g Kreosot - bei Pferden Schwanken, Hinfälligkeit, Herabhängen der Lippen und - Ohren, allgemeines Zittern, Zusammenbrechen, Salivation, klonische - Krämpfe in den hinteren Extremitäten, sowie komatöse Erscheinungen. - -- Eine tödliche Kreosotvergiftung bei einem mit Dermatoryktesräude - behafteten Pferde ist in der preussischen Armee beobachtet worden - (Pr. Mil. Vet.-Ber. 1894). - - - =Holzessig.= Die Wirkungen des Holzessigs auf die einzelnen Haustiere - sind in früheren Zeiten von +Justinus Kerner+, +Berres+, +Hertwig+, - +Schubarth+ u. a. eingehend untersucht worden. Das Vergiftungsbild - stimmt mit dem der Karbolsäure- und Kreosotvergiftung überein. - +Katzen+ stürzen nach 2-4 g Holzessig augenblicklich zusammen, - bekommen über den ganzen Körper Konvulsionen, schreien, zeigen - Erbrechen, Speicheln, Urinabgang und sterben nach 1½-2 Minuten. - Kleinere +Hunde+ sterben nach 15 g unter den Erscheinungen - hochgradiger Mattigkeit und Abstumpfung, Zittern, Speicheln, - Husten; grössere Hunde ertragen 30 g ohne lebensgefährliche Folgen, - wenn dieselben mit der Schlundsonde eingegeben werden (+Hertwig+). - +Schafe+ sterben auf 60 g, +Hühner+ auf 8 g (Betäubung, Schwanken, - Zuckungen, Erbrechen, blaurote Verfärbung des Kammes). Dagegen - ertragen +Kühe+ und +Pferde+ bis zu 360 g rohen Holzessig ohne - Nachteil. -- Ein mit Holzessig gegen Strahlkrebs behandeltes - Pferd starb angeblich 8 Tage später unter den Erscheinungen der - Karbolvergiftung (+Wilhelm+, Sächs. Jahresber. 1888). - - - =Kreolin.= Das karbolsäurefreie und unzersetzte Kreolin ist als - Antiseptikum und Räudemittel in der üblichen Applikationsform und - Konzentration ungiftig. Bei stärkeren Konzentrationen (4-10proz.), - in zersetztem Zustand (Säurezusatz, Flaschenreste), bei starkem - Karbolgehalt (Artmannsches Kreolin), bei der regelwidrigen - Einreibung des ganzen Körpers, sowie bei innerlicher Verabreichung - in grösseren Dosen wirkt es dagegen namentlich bei Pferden giftig. - Die +Vergiftungserscheinungen+ sind ziemlich dieselben wie bei der - Karbolvergiftung: +Muskelzittern+, +klonisch-tonische Krämpfe+, - Schweissausbruch, +Schwäche+, Taumeln, zuweilen plötzliches - +Zusammenstürzen+, allgemeine +Lähmung+, +Herzlähmung+ (sehr - frequenter, unfühlbarer Puls, subnormale Körpertemperatur), - +Dyspnoe+, +dunkelbrauner Harn+, Albuminurie. Die Behandlung - besteht in der Anwendung von Exzitantien und in der Verabreichung - von Sulfaten. Typisch ist der nachfolgende, bei einem Militärpferd - beobachtete Fall von Kreolinvergiftung (Pr. Mil. Vet.-Ber. pro 1895). - Zur Vertilgung der Läuse wurden 2 Pferde mit Kreolinlösung gewaschen. - Eine 4prozentige Lösung von Pearsonschem Kreolin hatte sich nicht - wirksam gezeigt, es wurde daher bei der zweiten Waschung eine - 6prozentige gewählt. Beide Pferde waren vor der Waschung vollkommen - gesund und hatten keine Verletzungen. Gewaschen wurden namentlich der - Kopf, die Mähne, die Kruppe und die Gliedmassen, die übrigen Teile - des Körpers wurden nur angefeuchtet und glatt gebürstet. Gleich nach - dem Waschen stürzte das eine der Pferde in seinem Stand nieder; das - Auge schien wie gebrochen, die Augenbindehaut war tiefrot gefärbt, - die Pupille erweitert. Die Nüstern wurden weit aufgerissen, das Maul - geöffnet. Der Herzschlag war tumultuarisch; beide Herztöne waren - nicht zu unterscheiden. Der Puls unfühlbar, die Arterie klein und - hart. Die oberflächliche Atmung wurde 92mal in der Minute ausgeführt - und geschah röchelnd. Ferner bestand anhaltendes hochgradiges - Muskelzittern; in den Gliedmassenmuskeln traten tonisch-klonische - Krämpfe ein. Alle Versuche, den Kranken auf die Beine zu bringen, - waren erfolglos; Patient war unfähig zu stehen. Der Appetit lag - vollständig darnieder. Das Pferd wurde sogleich mit reinem Wasser - abgewaschen und innerlich Branntwein, Kampfer und Digitalis - verabreicht. Nach 1½ Stunden hatte es sich soweit gebessert, dass es - mit Hilfe zum Stehen gebracht werden konnte. Nach 3-4 Stunden waren - auffällige Gesundheitsstörungen nicht mehr vorhanden. Am anderen - Tage zeigten sich die Gliedmassen stark geschwollen; auch am Hals - und an der Kruppe bestand Schwellung. An diesen Stellen lag die Haut - in Falten und fühlte sich pergamentartig an, stellenweise konnten - förmliche Risse in der Oberhaut nachgewiesen werden. Ausserdem - war die Haut an den Gliedmassen und an der Unterbrust mit einer - bernsteingelben, klebrigen Flüssigkeit bedeckt. Der abgesetzte - Harn hatte eine braunrote Farbe. Die Fäzes waren kleingeballt, - braunrot und wurden unter Stöhnen abgesetzt; dieselben hatten - einen auffallenden Kreolingeruch. In den folgenden Tagen nahm die - Hautschwellung langsam ab, dagegen machten sich starke Abschuppung - der Oberhaut und Haarausfall bemerkbar. Nach etwa 10 Tagen konnte - das Pferd wieder in den Dienst gestellt werden. Bei dem zweiten - Pferde waren die Vergiftungserscheinungen weniger hochgradig. Es warf - sich gleich nach dem Waschen auch nieder, stand aber nach einiger - Zeit und nachdem es etwa 5 Minuten lang eine hundesitzige Stellung - innegehabt hatte, wieder auf und zeigte Appetit. Der Puls war hart, - die Zahl seiner Schläge betrug 96 in der Minute. Die Atmung geschah - angestrengt und 60mal in der Minute. Das Muskelzittern war weniger - stark ausgesprochen. Die Bindehäute ziegelrot. Beim Führen taumelte - das Pferd. Am folgenden Tage waren die Beine geschwollen, der Harn - dunkelgefärbt; die Fäzes hatten Kreolingeruch. Auch bei diesem Pferde - trat in den folgenden Tagen Ausfall der Haare ein, die Haut nahm eine - pergamentartige Beschaffenheit an. Die Schwellung der Gliedmassen - hielt länger an als beim ersten Pferde. -- Nach der Anwendung von - Artmannschem Kreolin starben von 50 gebadeten Schafen 42 innerhalb - 36 Stunden unter den Erscheinungen der Karbolvergiftung; sie zeigten - Schwanken, Niederstürzen, Krämpfe und Unvermögen aufzustehen - (+Dette+, Berl. Arch. 1894). Einen ähnlichen Fall hat +Nevermann+ - beschrieben (ibid. 1897). Dagegen sind die von +Kunert+ (ibid.) - und +Ehrle+ (Woch. f. T. 1891) beschriebenen Fälle zweifelhaft. - -- Experimentelle Untersuchungen über die Giftigkeit des Kreolins - bei Hunden und Katzen hat +Hobday+ (Journ. of comp. path. 1896) - veröffentlicht. Danach sollen besonders junge und edle Hunde sehr - empfindlich gegen Kreolin sein; 56 g Kreolin töteten bei energischer - Einreibung in die Haut einen 7 kg schweren Terrier. -- +Stöverud+ - (Nord. Z. 1899) beobachtete eine Kreolinvergiftung bei 30 jungen - Ziegen. - - - =Lysol.= Die Lysolvergiftung äussert sich ähnlich wie die - Kreolinvergiftung. 4 Pferde wurden gegen Läuse mit einer 3proz. - Lysollösung (je 300 g Lysol auf 10 l Wasser) gewaschen. Am 4. Tage - nachher (!) erkrankten 3 Pferde, von denen 2 nach 3 bezw. 4 Tagen - starben. Sie zeigten Dyspnoe, pochenden Herzschlag, 72-76 schwache - Pulse, hochgradige Schwäche, allgemeinen Schweissausbruch und starben - unter Krämpfen. Die Sektion ergab Myokarditis, hämorrhagische - Nephritis und Lungenödem (+Borchardt+, Zeitschr. f. Vet. 1897). - Einen ähnlichen Fall hat +Reinhardt+ (ibid. 1898) beschrieben. - Ein Pferd zeigte nach einer Lysolwaschung des ganzen Körpers (!) - mit 3proz. Lysollösung (300,0 : 10 l Wasser) 20 Minuten später - Unruhe, Schweissausbruch, heftiges Zittern, unfühlbaren Puls, - Lähmungserscheinungen, sowie kaffeebraunen Harn; nach subkutanen - Aethereinspritzungen trat schnelle Heilung ein. Der von +Uthoff+ (B. - t. W. 1895) beschriebene Fall ist dagegen zweifelhaft. -- +D’Alleux+ - berichtet, dass von 9 mit 5proz. Lysollösung gebadeten Hühnern 5 - unter Zuckungen und Lähmungserscheinungen starben (Woch. f. T. - 1897). Ein Hund zeigte nach dem Einreiben einer 8proz. spirituösen - Lysollösuug (nur die Beine und die Ohren wurden eingerieben), - Zusammenstürzen, Schweissausbruch, allgemeine Lähmung, Herzschwäche - und Krämpfe, genas jedoch nach Verabreichung von Kampfer und - Glaubersalz. - - - =Bazillol.= Die Vergiftung gleicht der Lysol- und Kreolinvergiftung. - Ein mit Läusen behaftetes Pferd wurde mit einer warmen 4proz. - Bazillollösung über den ganzen Körper gewaschen. 15 Minuten darauf - fand man es schwer am Boden liegen. Die Pulszahl betrug 100 p. M., - der Puls war ausserordentlich schwach, die Zahl der Atemzüge 40. Die - sichtbaren Schleimhäute waren dunkelrot gefärbt. Gleichzeitig bestand - heftiges Zittern und Zittern des ganzen Körpers. Aufgehoben schwankte - das Pferd und drohte umzustürzen. Nach 2 Stunden schien der Anfall - vorüber. Am folgenden Tage entwickelte sich jedoch eine tödliche - Bronchitis und Bronchopneumonie, an der das Pferd am 5. Tage unter - Erscheinungen des Lungenödems starb. Das Pferd hatte 2 vorausgehende - Waschungen ohne Schaden ertragen. Ebenso unschädlich waren 200 - andere Bazillolwaschungen geblieben! (+Willamowski+, +Hain+, Z. f. - Vet. 1901). Nach +Paszotta+ (Monatsh. f. pr. Tierhlkd. 1901) beträgt - die tödliche Dosis des Bazillols bei Pferden 1,5 g, bei Schafen 1,0 - g, bei Kaninchen 2,4 g pro Kilo Körpergewicht. Bei toxischen Gaben - sinkt die Körpertemperatur, die Tiere stürzen gelähmt zusammen und - zeigen Betäubung, fibrilläres Muskelzittern und tonisch-klonische - Krämpfe. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung unter den Erscheinungen - des Lungenödems. - - - =Kresol.= Das Kresol = C_{6}H_{4}.CH_{3}.OH (methylisierte - Karbolsäure) steht dem Phenol an Giftigkeit nach. Die 3 vorhandenen - Verbindungen des Kresols, das Ortho-, Meta- und Parakresol, - verhalten sich bezüglich ihrer Giftigkeit verschieden; am stärksten - giftig ist das Orthokresol, am schwächsten das Metakresol. Die - Giftwirkung des Orthokresols äussert sich in Lähmung des Herzens, des - Rückenmarks, sowie der sensorischen und motorischen Nerven, ferner - in Erregung des Reflexhemmungszentrums. Im Jahr 1902 entstand ein - allgemeines Fischsterben im Neckar von der Mündung des Feuerbachs - bis zum Einfluss der Murr, als in Zuffenhausen 30000 l Teeröle - (Eisenbahnschwellen-Imprägnierung) in den Feuerbach entleert - wurden. -- Die Kresole verlieren an Giftigkeit, wenn sie an Natrium - gebunden oder durch Seifen emulgiert werden (+Kreolin+, +Lysol+, - +Bazillol+). Werden jedoch die im Kreolin gebundenen Kresole z. B. - durch Säurezusatz frei, so wirken sie giftig (Kresolvergiftung von - Pferden durch Waschungen mit Kreolinwasser und Essig gegen Läuse). -- - Eine Vergiftung durch +Kresolschwefelsäure+ bei Schweinen hat +Migge+ - beschrieben (Preuss. Vet.-Ber. pro 1907). Eine Schweinebucht war mit - 25-40proz. (statt 3proz.) Kresolschwefelsäurelösung desinfiziert - worden. Nach 2 Stunden waren 8 Schweine schwer erkrankt, 6 lagen wie - schlafend auf der Streu, 3 starben nach 5 Stunden. Die Sektion ergab - Verätzung der Haut des Rüssels, der Lippen, der Maulschleimhaut, - Rachen- und Magenschleimhaut. - - - =Pyrogallol.= Das auch unter dem Namen Pyrogallussäure bekannte - Pyrogallol = C_{6}H_{3}(OH)_{3} ist ein stark reduzierendes Gift für - die roten Blutkörperchen, welche unter Bildung von +Methämoglobin+ - aufgelöst werden. Dadurch entstehen ähnliche pathologische Zustände - wie bei Vergiftung mit Kali chloricum (Methämoglobinurie mit - ihren Folgen). Vergiftungen können sich u. a. durch Einreiben - konzentrierter Pyrogallolsalben (10%) auf die Haut ereignen. - Aehnliches gilt für das +Chrysarobin+, die +Hydrazine+ = - H_{2}N.NH_{2} (Methyl-, Dimethyl-, Aethyl-, Phenyl-, Azetylphenyl-, - Lävulinsäurephenyl-Hydrazin), das +Hydroxylamin+ = NH_{2}.OH - (das im Körper nach Biel zu dem ebenfalls reduzierend wirkenden - Nitrit umgewandelt wird) und die +Aldehyde+ = C_{2}H_{4}O (Aldehyd, - Metaldehyd, Paraldehyd, Formaldehyd, Benzaldehyd). Dass speziell - +Paraldehyd+ stark reduzierend auf die roten Blutkörperchen des - Pferdes wirkt und Methämoglobinämie bei demselben erzeugt, haben - meine diesbezüglichen Versuche ergeben (vgl. S. 178). - - - =Salizylsäure.= Nach den Untersuchungen von +Feser+ und +Friedberger+ - wird das Allgemeinbefinden von Tieren durch kleinere Dosen - Salizylsäure auch bei anhaltender Verabreichung nicht gestört. So - zeigten Hunde, Schafe, Kühe und Pferde nach dem 14 Tage hindurch - fortgesetzten Eingeben kleinerer Mengen (0,5 g pro die für Hunde, - 3,0 g für Schafe, 10,0 g für Rinder und Pferde) nicht einmal - irgendwelche Appetitstörungen. Auch sehr grosse einmalige und - wiederholte Dosen wurden von Pflanzenfressern gut ertragen. Ein 9 - Ztr. schweres +Pferd+ zeigte nach 300 g Salizylsäure, innerhalb - 3 Tagen eingegeben, nur eine längere Verdauungsstörung auf Grund - lokaler Anätzung der Maulhöhlen- und Magenschleimhaut, dagegen - keinerlei Vergiftungserscheinungen. Ein 32 kg schweres +Schaf+ blieb - nach 50 g Salizylsäure, innerhalb 3 Tagen verabreicht, ganz gesund, - desgleichen ein anderes, 30 kg schweres, nach 65 g salizylsaurem - Natrium, welche in der kurzen Zeit von 2 Tagen eingegeben wurden. - Dagegen zeigten sich Fleischfresser, namentlich Hunde, ziemlich wenig - widerstandsfähig. Wenn es auch wegen des bald nach der Aufnahme - eintretenden Erbrechens nie gelang, einem +Hund+ per os eine tödliche - Dosis Salizylsäure beizubringen, so waren doch bei der Anwendung - von ca. 1 g Salizylsäure pro 5 kg Körpergewicht charakteristische - +Vergiftungserscheinungen+ wahrzunehmen. So zeigte ein kleiner, 4½ - kg schwerer Hund nach der Aufnahme von 0,8 g Salizylsäure (innerhalb - 6 Stunden gegeben) Erbrechen, Muskelzittern, Schwäche im Hinterteil - und steifen Gang; ein anderer, 27 kg schwerer Hund war nach 4 g in - der hinteren Körperhälfte gelähmt, die hinteren Gliedmassen waren - völlig gebrauchsunfähig und dabei krampfhaft gestreckt. Auch das - salizylsaure Natrium erwies sich in grösseren Dosen, namentlich - subkutan, als ein starkes Gift. Bei einem 4½ kg schweren Hunde - trat nämlich nach der subkutanen Einspritzung von 5 g Natrium - salicylicum der Tod ein. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Dyspnoe, unregelmässigem, aussetzendem Pulse, Pupillenerweiterung, - Traurigkeit, Erbrechen, Lähmung der Nachhand, Konvulsionen, - Kaukrämpfen, allgemeinem Starrkrampf, sowie ausserordentlich erhöhter - Reflexerregbarkeit. Ein anderer, 8-1\2 kg schwerer Hund verendete - nach Injektion von 8 g des Salzes in die Bauchhöhle an Erstickung, - nachdem Erbrechen, Dyspnoe und Lähmungserscheinungen vorausgegangen - waren. Diese Angaben sind neuerdings durch +Albrecht+ bestätigt - worden. Nach +Walther+ und +Gmeiner+ (Berl. Arch. 34. Bd.) wirkt die - Salizylsäure und ihre Derivate (Salol, Salipyrin, Aspirin u. a.) - bei den Haustieren wie beim Menschen schon in gewöhnlichen Dosen - (2-5 g Natrium salicylicum beim Hund) schädigend auf die +Niere+ - (Albuminurie, Harnzylinder, Nierenepithel, Leukozyten im Harn). - -- Das +Salol+ stellt eine Doppelverbindung von Salizylsäure und - Karbolsäure dar, welche angeblich ungiftig sein soll. Wie Erfahrungen - beim Menschen gelehrt haben, können durch zu grosse Dosen sowohl - die Erscheinungen der Salizylvergiftung (Albuminurie, Dysurie, - Nephritis), als der Karbolvergiftung (Koma, Sopor) erzeugt werden. - Dasselbe konstatierte +Willenz+ bei seinen Versuchen mit Pferden und - Hunden; er beobachtete Albuminurie, Nephritis, Tobsucht, Krämpfe, - Enteritis, Herzschwäche und Kollaps. Ein Terrier zeigte nach +Otto+ - (Sächs. Jahresber. 1904) nach der fortgesetzten Verabreichung von - Salol (2mal 0,2 pro die) Polyurie und Abmagerung. - - - =Gaswasser.= Eine Sterke, welche von den flüssigen Abfällen einer - Gasanstalt aufgenommen hatte, wurde auf der Wiese liegend gefunden, - stöhnend, angestrengt atmend, unvermögend zu stehen. Das Maul war - geöffnet und mit schwarzgrau gefärbtem Schaum gefüllt. Bei der - Sektion fanden sich im Wanst 20 l einer breiartigen, stark nach Teer - riechenden Masse; die Schleimhaut der 4 Mägen war schwarz gefärbt - (+Munckel+, Preuss. Mitt. 1882). - - - =Oleum animale foetidum.= Das stinkende Tieröl wirkt giftig unter den - Erscheinungen von Lähmung und Krämpfen bei Pferden in Dosen von 90 - g, bei Hunden von 10 g ab. Die tödliche Dosis beträgt für Pferde 150 - g, für Hunde 25 g. -- Ein Pferd erhielt als Wurmmittel 270 g Oleum - animale foetidum; hierauf lag es laut stöhnend am Boden und starb - unter Krämpfen (+Lies+, Zeitschr. f. Vetkde. 1903). - - - =Russ.= Der Russ (Kienruss, Glanzruss) kann unter Umständen eine - Karbolvergiftung bedingen. Von einer Schafherde, welche auf einem - mit Russ gedüngten Weizenfelde weidete, erkrankten 7 Schafe unter - Lähmungserscheinungen, 3 starben, 10 zeigten angestrengte Atmung - und Verstopfung. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der - Psalterschleimhaut, sowie Schwarzfärbung des Mageninhalts. - - - =Benzol.= Das Benzol, C_{6}H_{6}, ist ein ebenso starkes Gift wie die - Karbolsäure. Es erzeugt nach vorausgegangener Aufregung Betäubung, - Schwäche, Taumeln, Zittern und Tod unter Konvulsionen. Pferde - sterben nach 750, Hunde nach 10 g (+Hertwig+). Gefährlich sind auch - Benzoleinreibungen auf die Haut, namentlich für Katzen. Aehnlich - wirken +Hydrochinon+, +Brenzkatechin+ und +Resorzin+, sämtliche von - der Formel C_{6}H_{4}(OH)_{2}. - - - =Chinosol.= Das Chinosol, ein Chinolinpräparat - (+Oxychinolinpyrosulfat+), wirkt nach +Schneider+ (Monatshefte - f. prakt. Tierhlkde. X. Bd.) beim Rind erst in Dosen von 130 g, - beim Schaf in Dosen von 35 g tödlich. Die Vergiftungserscheinungen - bestehen in Niesen, Husten, Speichelfluss, motorischer Lähmung, - Tympanitis, Kolik und Hämaturie; die Sektion ergibt Lungenödem, - Gastroenteritis und Nephritis. - - - =Orzin und Kresorzin.= Zwei Phenolderivate von der Formel - C_{6}H_{3}.CH_{3}.OH.OH wirken nach +Brenneisen+ (Diss. Leipzig - 1906) besonders auf Katzen stark giftig (Krämpfe, Lähmungen), welche - schon nach subkutanen Dosen von 1 g zugrunde gehen. - - - [3] Für die Zwecke der Fleischbeschau hat +Glage+, um auch Spuren von - Karbolsäure im Fleisch rasch nachweisen zu können, die - Brommethode wesentlich vereinfacht (vorheriges Eindampfen mit - Natronlauge). Vergl. die genauere Vorschrift in der Zeitschr. f. - Fleisch- u. Milchhygiene 1901, S. 193. - - -Vergiftung durch Petroleum. - - =Allgemeines.= Das Petroleum findet sich als Rohpetroleum - (Erdöl, Steinöl, Bergöl, Mineralöl, Naphtha) in verschiedenen - Ländern (Amerika, namentlich Pennsylvanien, Kaukasus, Rumänien, - Galizien, Hannover, Bayern). Es ist das Produkt der Zersetzung - vorweltlicher Seetiere, also animalischen Ursprungs, und zwar - ist es wahrscheinlich aus den Fett- und Transtoffen jener - Meertiere durch allmähliche Zersetzung entstanden. Je nach dem - Fundort besteht es aus verschiedenartigen +Kohlenwasserstoffen+, - hauptsächlich aus solchen der Formel C_{n}H_{2n + 2} (Paraffine, - Ethane), welche vom Methan (CH_{4}) bis zum Zeresan (C_{30}H_{62}) - in ununterbrochener Reihe vorhanden sind. Die Hauptbestandteile - des +raffinierten+ Petroleums sind Oktan (C_{8}H_{18}), Nonan - (C_{9}H_{20}), Dekan (C_{10}H_{22}), Undekan (C_{11}H_{24}), Dodekan - (C_{12}H_{26}), Tridekan (C_{13}H_{28}), Tetradekan (C_{14}H_{30}), - Pentadekan (C_{15}H_{32}), Hexadekan (C_{16}H_{34}) und Heptadekan - (C_{17}H_{36}). Die im +Rohpetroleum+ ausserdem enthaltenen - Kohlenwasserstoffe sind der Petroleumäther (Pentan, Hexan, Heptan), - sowie festes Paraffin (C_{18}H_{38} bis C_{28}H_{58}) und Zeresin - (C_{29}H_{60} bis C_{35}H_{72}). Ausserdem findet man im Petroleum - stets Terpene (C_{10}H_{16}), aromatische Kohlenwasserstoffe der - Benzolreihe (C_{6}H_{6}), Phenole, Naphthalin, Naphthene, sowie - Petrolsäuren von der Formel C_{n}H_{2n − 2}O_{2}, endlich Spuren - von Schwefel (0,05-0,1 Proz.). Das +Benzin+ wird durch Destillation - des Petroleums gewonnen und besteht hauptsächlich aus Hexan und - Heptan. Vergiftungen mit Petroleum ereignen sich bei der Anwendung - desselben als Räudemittel und Antiparasitikum, sowie als Stomachikum - und Kolikmittel; auch durch zufällige Aufnahme können sie z. B. bei - Schweinen vorkommen. Vergiftungen durch Benzin sind nach dem Waschen - bei Hunden beobachtet worden. - - -=Krankheitsbild.= Das Petroleum ist im allgemeinen ein sehr wenig -giftiger Stoff. Die Vergiftungserscheinungen äussern sich nach der -innerlichen Aufnahme in +gastrischen+ Störungen, ausserdem bei -innerlicher und äusserlicher Applikation in +Schwindel+, +Betäubung+, -+rauschartigem+ Zustand und +Lähmungserscheinungen+. Aehnlich wirkt -+Benzin+. Die +Behandlung+ der Petroleumvergiftung besteht in der -Verabreichung von Brechmitteln, Abführmitteln, sowie von Exzitantien -(kohlensaures Ammonium, Aether, Kampfer). Der Nachweis ist durch den -charakteristischen Geruch leicht zu führen. - -In der +Literatur+ sind folgende Fälle verzeichnet. Zwei Schweine -rieben sich an einem Petroleumfass, wodurch der Spunden gelockert -wurde und Petroleum ausfloss. Sie tranken eine grössere Menge davon, -worauf sie Betäubung und Schreckhaftigkeit, sowie trübe Augen und -kalte Aussentemperatur zeigten. Nach Verabreichung eines Brechmittels -(Rhizoma Veratri albi) trat Genesung ein (+Kayser+, Preuss. Mitteil. -1880). In einem anderen Fall wurden 26 Ochsen, die in einem kleinen -und niedrigen Stalle zusammengepfercht waren, zur Vertilgung der Läuse -mit je einem halben Quart Petroleum eingerieben, wonach sie sich -gegenseitig ableckten. Sie zeigten höhere Rötung der Haut, unterdrückte -Fresslust, Traurigsein, sowie mässiges Fieber, genasen jedoch alle -(+Rüffert+, Preuss. Mitt. 1874). Eine Kuh, welche ⅔ l Petroleum mit ⅓ l -Branntwein zusammen eingeschüttet erhalten hatte, zeigte Schwäche und -Lähmung im Hinterteil, Auftreibung, häufigeren Harnabsatz und starb -nach 23 Stunden (+Röpke+, ibidem 1881). Nach +Poincaré+ sollen ferner -die in den Petroleumwerken verwendeten Zugtiere zuweilen Schlafsucht, -Appetitlosigkeit und heftiges Hautjucken zeigen. 5 Pferde, welche mit -je 1½ l Petroleum energisch über den ganzen Körper eingerieben wurden, -zeigten allgemeine Lähmungserscheinungen, so dass sie sich im Liegen -nicht wieder erheben konnten; 3 Pferde starben (+Mégnin+, Recueil -1892). Einen ähnlichen Fall hat +Martin+ beschrieben (Progr. vét. -1898): 5 Pferde starben nach dem Einreiben von je 1½ l Petroleum nach -7-10 Tagen (Dermatitis, Nephritis, Zystitis). +Salles+ (ibid.) sah bei -2 jungen Ochsen nach dem Einreiben von je ½ l Petroleum Schwanken und -Zusammenstürzen. +Gmeiner+ (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. IX. Bd., -S. 570) sah nach dem Einschütten von 1 l Petroleum bei einem Pferde -Kolik, Benommenheit des Sensoriums, Taumeln und hochgradige Mattigkeit. -+Ehlers+ (Berl. Arch. 1897) beobachtete bei einem mit Petroleum -eingeriebenen Hund eine vollständige Lähmung des Hinterteils. Eine -ähnliche Vergiftung bei einer Ziege, die wegen Läusen mit Petroleum -gewaschen wurde, hat +Eppinger+ beobachtet (Tierärztl. Zentralblatt -1900). Nach +Möbius+ (Sächs. Jahresber. pro 1898) starben 6 Gänse -infolge der Aufnahme von petroleumhaltigem Wasser. Ein mit Benzin -gewaschener Hund zeigte schwere Bewusstlosigkeit und Herzschwäche, -genas jedoch nach der Verabreichung exzitierender Mittel (+Guhrauer+, -Z. f. Vetkde. 1909). - - =Naphthalin.= Ein Pferd, welches aus Versehen innerlich Naphthalin - erhalten hatte, zeigte die Erscheinungen der Hämoglobinurie - (+Siedamgrotzky+, Sächs. Jahresber. pro 1892). -- 14 junge +Hühner+, - welche in einen Raum gesperrt wurden, in dem sich in Schränken und - Kisten mit Naphthalin bestreute Kleider und Pelze befanden, wurden - am andern Morgen tot, 1 Mutterhenne in Krämpfen liegend gefunden - (+Jagmin+). -- Kaninchen zeigen nach längerer Verabreichung von - Naphthalin Trübung der Linse (Naphthalinstar), Trübung und Ablösung - der Netzhaut, Atrophie der Papille und Nephritis (+Bouchard+ u. a.). - -- Ein Hund, welcher auf Teppichen gelegen hatte, die mit Naphthalin - bestreut waren, zeigte vorübergehende Erscheinungen von Tobsucht - (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1901). -- +Regenbogen+ (Berl. T. W. 1903) - berichtet über einen forensischen Fall von Naphthalinvergiftung bei - 12 Pferden, die gegen Druse je einen Esslöffel voll Rohnaphthalin als - „Kropfpulver“ aus einer Apotheke erhalten hatten und darauf unter - Kolikerscheinungen und Dunkelfärbung des Harns schwer erkrankten; - bei einem gestorbenen Pferde ergab die Sektion Nephritis und - Leberentzündung. Die hierauf von +Regenbogen+ an Pferden, Rindern - und Hunden angestellten Versuche mit Naphthalin lehrten, dass 20-25 - g für Pferde giftig, 30 g tödlich wirken durch Auflösung der roten - Blutkörperchen. Die Vergiftung äussert sich durch Hämoglobinurie, - Nephritis, Cholurie und allgemeinen Ikterus. - - - =Naphthol.= Ein Pferd, welches gegen die sog. Sommerräude mit - spirituöser Naphthollösung eingerieben wurde, zeigte heftige - Reizung der Kopfschleimhäute, epileptiforme Krämpfe abwechselnd mit - Depression, Hämoglobinurie, Albuminurie, Anurie und Kollaps. Die - Sektion ergab hämorrhagische Nephritis, Ikterus, sowie Degeneration - der Leber und des Herzens (+Regenbogen+, B. T. W. 1903). - - -Vergiftung durch Kohlenoxyd. - - =Allgemeines.= Das Kohlenoxyd, CO, ist ein sehr giftiges Gas, - welches bei der Verbrennung der Kohle unter ungenügendem Zutritt von - Sauerstoff an Stelle der sonst gebildeten Kohlensäure entsteht: C + - O_{2} = CO_{2} (Kohlensäure); C + O = CO (Kohlenoxyd). Es findet sich - hauptsächlich im sog. +Kohlendunst+, der sich bei falscher Stellung - der Ofenklappen, sowie bei Heizung von Räumen mit Kohlenpfannen und - Gasöfen ohne Abzug bildet, und in welchem es zu 0,3-0,5 Proz. neben - Kohlensäure (6 Proz.), Sauerstoff und Stickstoff enthalten ist. - Ausserdem ist es der giftigste Bestandteil des +Leuchtgases+ (vergl. - die Vergiftung durch Leuchtgas). Vergiftungen durch freies Kohlenoxyd - sind bei Hunden, Pferden, Rindern, Katzen und Ziegen beobachtet - worden. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Wesen der Kohlenoxydvergiftung -besteht in einer +Blutvergiftung+, nämlich in einer Verdrängung -des Sauerstoffs aus seiner Verbindung mit dem Hämoglobin durch das -Kohlenoxyd. Das Oxy-Hämoglobin, welches die Sauerstoffaufnahme und -die innere Sauerstoffübertragung vermittelt und damit als Grundlage -der Atmung dient, verwandelt sich in das die Abgabe von Sauerstoff -und somit die Atmung verhindernde und daher Erstickung bedingende -+Kohlenoxyd-Hämoglobin+. Die Affinität des Hämoglobins zum Kohlenoxyd -ist 200mal stärker, als die zum Sauerstoff. +Die roten Blutkörperchen -selbst werden durch Kohlenoxyd weder aufgelöst, noch in ihrer Form -verändert.+ Die chemische Bindung des Kohlenoxyds an das Hämoglobin ist -schon äusserlich an der violetten bis hellkirschroten Farbe des Blutes -zu erkennen. Tiere, welche Luft mit einem Gehalt von 0,05-0,2 Proz. -Kohlenoxyd einatmen, sterben an Kohlenoxydvergiftung. Ob das Kohlenoxyd -ausser seiner Wirkung auf das Blut auch noch eine direkte Wirkung -auf das Nervensystem und andere Organe besitzt, ist streitig. Nach -+Geppert+ und +Kobert+ ist das Kohlenoxyd auch ein Nervengift, indem es -die Ganglienzellen des Gehirns und die peripheren Nerven lähmt; es ruft -ferner in den Muskeln und Drüsen degenerative Veränderungen hervor und -steigert als Stoffwechselgift den Eiweisszerfall enorm. - -Die Kohlenoxydvergiftung hat in ihren Einzelerscheinungen und in ihrem -Wesen viel Aehnlichkeit mit der Blausäurevergiftung. Man beobachtet -zunächst +Schwindel+, +Taumeln+, +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, -sowie +Lähmungserscheinungen+ namentlich an den hinteren Extremitäten; -später treten +Krämpfe+ und +Erstickungserscheinungen+ auf. Die -Erscheinungen der Lähmung können längere Zeit (Wochen lang) anhalten. -Bei der +Sektion+ findet man auffallend +hellrotes, flüssiges Blut+ -in allen Organen, sowie die Erscheinungen der Erstickung, verbunden -mit hellroten kleinen Blutaustritten in verschiedenen Organen. -- Das -Kohlenoxyd geht auch von der Mutter auf den Fötus über. - - -=Behandlung.= Sie besteht wie bei der Leuchtgasvergiftung in sofortiger -Zufuhr von +frischer Luft+ oder in Sauerstoffinhalation, in der -Vornahme eines +Aderlasses+ verbunden mit +Transfusion+ von Blut -derselben Spezies oder einer 0,6proz. alkalischen Kochsalzlösung, sowie -in der Anwendung von +Exzitantien+ (Hautreize, kalte Duschen, subkutane -Kampfer- und Aetherinjektionen, Elektrizität). - - -=Nachweis.= Ausser durch die +kirschrote+, +violette+ oder +rosarote -Färbung des Blutes+ bei der Sektion lässt sich das Kohlenoxyd chemisch -durch +Sublimat+ (pfirsichrote Färbung des Blutes) oder +Chlorkalzium+ -(defibriniertes Blut mit dem doppelten Volum Aetznatronlauge wird bei -Zusatz von Chlorkalzium karminrot), endlich durch +Kupfervitriol+ (2 -ccm Blut mit ebenso viel Wasser und 3 Tropfen einer zu einem Dritteil -gesättigten Kupfervitriollösung geben einen ziegelroten Niederschlag) -nachweisen. Wichtiger ist der Nachweis des Kohlenoxyds im Blute -mittels des +Spektroskops+. Kohlenoxydblut zeigt nämlich 2 ähnliche -+Absorptionsstreifen+, wie gesundes Blut; dieselben +schwinden+ -aber auf Zusatz +reduzierender+ Mittel (Schwefelammonium) oder von -Zyankalium +nicht+, wie im gesunden Blute. - - =Kasuistik.= 2 Hunde zeigten nach der zufälligen Einatmung - von Kohlenoxydgas schwankenden Gang, Sehstörungen, starke - Pupillenerweiterung, Verlust des Gehörs, Verlangsamung des - Herzschlages, sowie Lähmungserscheinungen. Bei dem einen Hund - verschwanden die Lähmungserscheinungen nach 14 Tagen, der andere - musste dagegen getötet werden, nachdem innerhalb 3 Wochen eine - Besserung nicht eingetreten war (+Rietzel+, Ad. Woch. 1885). - -- Ein kalter Stall, in welchem 2 Ochsen standen, sollte durch - glühende Kohlen erwärmt werden. Eine Stunde darauf zeigten die - Tiere Bewusstlosigkeit, niedere Kopfhaltung, Kauen und Speicheln, - Atembeschwerden, unfühlbaren Puls und Nasenbluten; das Verbringen in - freie Luft, kalte Begiessungen und Aderlass hatten Wiederherstellung - der Tiere zur Folge (+Nicklas+, Wochenblatt 1. Bd.). -- In ein - festverschlossenes Zimmer wurden 4 brennende Kohlenbecken und ein - Hund versuchsweise eingebracht. Nach 15 Minuten zeigte derselbe - Schlafsucht, Unruhe und Heulen, nach 30 Minuten Krämpfe und - Atmungsbeschwerden, nach 50 Minuten starb der Hund (+Orfila+, - Toxikologie). -- +Leonhardt+ (Berl. Arch. 1893) berichtet über eine - Kohlenoxydvergiftung bei 2 Pferden, welche in ihrem Stalle infolge - Einatmung von Kohlenoxyd tot aufgefunden wurden und bei denen die - spektroskopische Untersuchung des Blutes (+Rubner+) die Diagnose - bestätigte. Einen ähnlichen Fall hat +Hock+ (Woch. f. T. 1896) - beobachtet. -- In einem mit Koksofen geheizten Stall starben 2 Pferde - und der Diener, 2 andere Pferde blieben am Leben, wahrscheinlich weil - sie standen; eines derselben zeigte Benommenheit, Mangel an Appetit - und Verlangsamung des Pulses (24). Die Sektion der gestorbenen Pferde - ergab kirschrotes, unvollständig geronnenes Blut, Anhäufung desselben - in den Lungen, leere Herzkammern, sowie Anämie der Gefässe der - Unterhaut (+Otto+, Sächs. Jahresber. 1899). -- Infolge Einatmung von - Kohlendunst starben 2 Ziegen, 1 Pferd und 1 Katze; 2 Hühner blieben - gesund (+Berg+, Zeitschr. f. Vet. 1904). -- Zum Vergiften von Hunden - wird neuerdings das sog. Generatorgas empfohlen (CO oder CO + H oder - CH_{4}). -- Die experimentelle tödliche Dosis des Kohlenoxyds für - Hunde beträgt etwa 1 g. - - -Vergiftung durch Leuchtgas. - - =Allgemeines.= Das Leuchtgas wird gewöhnlich dargestellt durch - trockene Destillation der Steinkohlen, welche in eisernen - Retorten auf etwa 1000 Grad erhitzt werden. Es ist eine Gemenge - von +Kohlenwasserstoffen+ der Methan-, Azetylen-, Aethylen- und - aromatischen Reihe mit +Kohlenoxyd+ etc. und enthält als wichtigsten - Kohlenwasserstoff das +Methan+ (CH_{4}), das sog. Sumpf- oder - Grubengas. Die giftige Wirkung grösserer Mengen von Leuchtgas - (kleinere Mengen sind unschädlich) ist nur zum Teil auf seinen Gehalt - an +Methan+ (40 Proz.) zurückzuführen. +In der Hauptsache kommt der - Gehalt des Leuchtgases an Kohlenoxyd+ (5-10 Proz.) +in Betracht+. - Ueber klinische Beobachtungen von Leuchtgasvergiftungen bei den - Haustieren (Pferd, Katze) ist von +Gerlach+ und +Csokor+ (Gerichtl. - Tierheilkunde; Oesterr. Vierteljahrsschrift 1888) berichtet worden. - Experimentelle Untersuchungen an Tieren sind von +Biefel+ und +Polek+ - (Zeitschrift für Biologie Bd. 16) gemacht worden. - - -=Krankheitsbild.= Die Erscheinungen der Leuchtgasvergiftung sind -im wesentlichen dieselben wie bei der +Kohlenoxydvergiftung+. Zum -Teil haben sie Aehnlichkeit mit dem Bild der +Chloroformnarkose+. -Sie bestehen in +Benommenheit+ des +Sensoriums+, Betäubung, -+Taumeln+, +Muskelschwäche+, +Lähmung+ der Extremitäten, Atemnot, -Pulsbeschleunigung, sowie in anhaltendem Auftreten allgemeiner -+Krämpfe+; durch letztere unterscheidet sich die Leuchtgaswirkung -von der Chloroform- und Aethernarkose. Bei der +Sektion+ findet man -das Blut hellrot gefärbt (Kohlenoxyd-Hämoglobin) und dünnflüssig; -das Gehirn und seine Häute sind stark hyperämisch. Zuweilen fällt -schon während des Lebens eine hellrote Farbe der Schleimhäute -auf. Die +Behandlung+ besteht in Zufuhr frischer Luft oder in -Sauerstoffinhalation, Einleitung künstlicher Atmung, sowie in der -Anwendung von Exzitantien (Aether und Kampfer subkutan, Kaffee, Wein, -kalte Begiessungen). - - =Azetylengas.= Das auch im Leuchtgas enthaltene Azetylen von der - Formel C_{2}H_{2} wird gewöhnlich aus Kalziumkarbid und Wasser - dargestellt: CaC_{2} + 2 H_{2}O = Ca(OH)_{2} + C_{2}H_{2}. Nach den - Untersuchungen von +Panisset+ (Recueil méd. vét. 1903) ist das reine - Azetylen im Gegensatz zum Leuchtgas kaum giftig zu nennen. Ein Hund - blieb z. B. 3 Stunden in einem Luftgemenge, das 20 Proz. Azetylen - enthielt, ohne zu erkranken. Die gegenteilige Ansicht +Liebreichs+ - beruht auf der Anwendung eines unreinen, Kohlenoxyd enthaltenden - Azetylens. - - -Vergiftung durch Schwefelwasserstoff. - - =Allgemeines.= Der Schwefelwasserstoff, SH_{2}, ist ein sehr - giftiges Gas, welches im freien Zustande in grösseren Mengen - (5-10 Proz.) im sog. +Kloakengas+ (Latrinengas, Mistgrubengas) - vorkommt. Schwefelwasserstoff entwickelt sich ferner in grosser - Menge bei der Verwendung der +Schwefelleber+ (Kalium und Natrium - sulfuratum) zu Räudebädern oder zu innerem Gebrauch. Ausserdem - bildet sich Schwefelwasserstoff nach der innerlichen Verabreichung - von +Schwefel+ im Darmkanal. Von dem im Darmkanal gesunder Tiere aus - den Eiweisskörpern der Nahrung gebildeten Schwefelwasserstoff hat - man früher angenommen, dass derselbe in grösseren Mengen, z. B. bei - der Kolik der Pferde, eine Selbstvergiftung (Autointoxikation) des - Körpers herbeiführen könne; Beweise für diese Annahme fehlen indes. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Schwefelwasserstoff gehört -zu den giftigsten Gasen. Er ist ein +lähmendes+ Gift für +Gehirn+ und -+Rückenmark+. Ausserdem ist der Schwefelwasserstoff ein +Blutgift+, -welches das Oxyhämoglobin in der Leiche zu +Schwefel-Methämoglobin+ -zersetzt. Nach den Untersuchungen von +Lehmann+ sterben Tiere in einer -Atmosphäre, welche nur 1-3 pro Mille Schwefelwasserstoff enthält, schon -binnen 10 Minuten +apoplektisch+ unter sehr heftigen Konvulsionen und -grosser Atemnot. Eine Luft, welche ½ pro Mille Schwefelwasserstoff -enthält, wirkt ebenfalls tödlich unter Krämpfen und unter den -Erscheinungen eines +entzündlichen Lungenödems+. Daneben wirkt der -Schwefelwasserstoff reizend auf die Kopf- und Respirationsschleimhäute -(+Rhinitis+, +Konjunktivitis+, +Laryngitis+). - -Die Erscheinungen der Schwefelwasserstoffvergiftung bestehen in -+Mattigkeit+, +Schwäche+, +Betäubung+, +Krämpfen+, Verlangsamung -und schliesslicher +Lähmung der Atmung+. Nach +Chaussier+ starb ein -Pferd, welchem 10 l Schwefelwasserstoffgas in den Mastdarm eingeführt -wurden, im Verlauf einer Stunde. Bei der +Sektion+ findet man einige -Zeit nach dem Tode eine +grünlich-schwarze, tintenartige Verfärbung+ -des +Blutes+, Zerfall der roten Blutkörperchen, Verschwinden der -Absorptionsstreifen des Oxyhämoglobins im Spektrum und Ersetzung durch -den Streifen des reduzierten Hämoglobins (Schwefel-Hämoglobins). Da -im übrigen die Bildung von Schwefel-Hämoglobin in jeder faulenden -Leiche stattfinden kann, ist sie für die Schwefelwasserstoffvergiftung -nicht charakteristisch. Ausserdem beobachtet man die Erscheinungen -der Suffokation (Blutüberfüllung der Lunge, des Herzens und der -grösseren Gefässe). Die +Behandlung+ ist dieselbe wie bei der -Kohlenoxydvergiftung; als chemisches Antidot wird ferner die Inhalation -von Chlorgas empfohlen. Der +Nachweis+ geschieht durch den Geruch, -sowie chemisch durch Schwarzfärbung von Papierstreifen, welche mit -Bleizuckerlösung getränkt sind (Bildung von Schwefelblei). - - =Schwefel.= Die Giftigkeit des Schwefels beruht einerseits auf - der +reizenden Wirkung+ des Schwefels +auf die Darmschleimhaut+, - andererseits auf seiner +Umwandlung zu SH_{2}+. Die Erscheinungen der - Schwefelvergiftung sind: +Gastroenteritis+ mit +heftiger Kolik+ und - Entleerung dünnflüssiger, schwärzlicher, nach +Schwefelwasserstoff+ - riechender Massen, +Koma+, Geruch der ausgeatmeten Luft nach - Schwefelwasserstoff. Aehnlich äussert sich die Vergiftung mit - +Schwefelleber+. Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von - Eisen, gebrannter Magnesia, Exzitantien, schleimiger Mittel. Eine - charakteristische Schwefelvergiftung bei Pferden ist von +Demblon+, - +Mosselmann+ und +Hébrant+ (Belg. Annal. 1898) beschrieben worden. - Danach erhielten 9 Pferde zusammen 4 kg Schwefel (3-400 g pro - Stück). 3 Pferde verendeten innerhalb 24 Stunden unter heftigen - Kolikerscheinungen und Durchfall; die Sektion ergab Gastroenteritis, - Lungenödem und starken SH_{2}-Geruch aller Organe. Dass im übrigen - der Schwefel nur wenig giftig ist, beweisen die Versuche von - +Hertwig+. Dieser gab einem mittelstarken, 9jährigen Pferd innerhalb - 16 Tagen 2800 g (nahezu 3 kg) Schwefel in der Weise, dass am ersten - Tag 30 g, am zweiten 60, am dritten 90 g u. s. f. verabreicht - wurden. Am dritten Tag (180 g) roch die Hautausdünstung deutlich - nach Schwefel (Bleireaktion). Die Absonderung des Schleimes in der - Nase vermehrte sich täglich; am 7. Tag (840 g) trat Durchfall ein, - der bis zum 17. Tag (Tag der Tötung) fortdauerte. +Die Fresslust - wurde niemals getrübt+; trotzdem magerte das Pferd bei gutem Futter - sichtbar ab, wurde täglich kraftloser, so dass es am 16. Tag nicht - mehr allein von der Streu aufstehen konnte. Puls und Atem waren - bis zum letzten Tag normal; Kolikerscheinungen traten nicht auf. - Vom 10. Tag ab wurde das Blut immer dunkler und zuletzt selbst - in den Arterien fast schwarz; dabei war es sehr dünnflüssig und - langsam gerinnend. Am 17. Tag wurde das Pferd getötet. Die Sektion - ergab ausgebreiteten Schwefelwasserstoffgeruch aller Organe, sowie - leichte gastroenteritische Erscheinungen. Diesem +Hertwig+schen - Versuche gegenüber muss eine angebliche Beobachtung von +Fogliata+ - (Giornale di Anat. Fisiol. e Pathol. 1866) als sehr unwahrscheinlich - erscheinen. +Fogliata+ hält nämlich 45 g für die Maximaldosis des - Schwefels bei Pferden (!). Er will bei einem 3jährigen Fohlen nach - Verabreichung von etwas über 30 g reinen Schwefels eine innerhalb - 18 Stunden unter Diarrhöe verlaufende tödliche Gastroenteritis - beobachtet haben(?); eine Arsenikvergiftung soll dabei ausgeschlossen - gewesen sein. Nach +Mosselmann+ und +Hébrant+ haben bei Fohlen - 250 g, bei erwachsenen Pferden 500 g Schwefel eine Vergiftung zur - Folge. -- Nach +Hébrant+ (Belg. Annal. 1900) sollen in Belgien - bei Hunden sehr oft Schwefelvergiftungen vorkommen (Eingeben von - Schwefel als Prophylaktikum gegen die Staupe im Frühjahr) und sich - in Kolik, Erbrechen, Durchfall, selbst blutigem Erbrechen und - Durchfall, Somnolenz, Anämie der Schleimhäute mit häufig tödlichem - Ausgang äussern. -- Ueber eine Vergiftung beim Rind und Schwein hat - +Fabretti+ berichtet (Giorn. vet. 1900). -- Aehnlich wie Schwefel - wirken Selen und Tellur. Letzteres findet sich zuweilen in unreinen - Wismutsalzen und bedingt durch seine Umwandlung zu Tellurwasserstoff - = TeH_{2} den aashaften knoblauchartigen Geruch der ausgeatmeten Luft - (sog. Wismutatem). Sehr giftig sind ferner das tellursaure Natrium, - sowie die selenige Säure und ihre Salze. - - - =Schwefelleber.= Die Schwefelleber (+Schwefelkalium+, Kalium - sulfuratum) von der Formel K_{2}S_{3} + K_{2}S_{2}O_{3} kann bei - äusserlicher Anwendung als Räudemittel, sowie bei innerlicher - Verabreichung (Verwechslung mit Kalium sulfuricum) schwere - Vergiftungserscheinungen veranlassen. Die Giftwirkung setzt sich - zusammen aus der +ätzenden Kaliwirkung+ (Dermatitis, korrosive - Gastroenteritis, Kolik) und der +Schwefelwasserstoffwirkung+ - (Betäubung, Lähmung, Krämpfe). Bei Hunden wirken schon 2-4,0, bei - Pferden und Rindern 30-60,0 giftig. Eine Vergiftung mit Schwefelleber - bei 12 räudigen Pferden nach dem Waschen mit 10proz. Lösung ist im - Berliner Archiv (1898, S. 298) beschrieben. Die Tiere wurden 1 Stunde - nach der Waschung sehr unruhig, atmeten sehr schnell und zeigten - sich zuletzt sehr abgestumpft; an den kräftig geriebenen Hautstellen - trat starke Schwellung und später Ablösung der Haut in Fetzen - ein. Sämtliche Pferde erholten sich bis zum nächsten Tag wieder - vollständig. - - - =Schweflige Säure.= Die schweflige Säure, SO_{2}, entwickelt - sich beim Verbrennen des Schwefels. Sie kann gelegentlich der - Desinfektion von Stallungen, bei der Entleerung von Gefrierapparaten, - sowie beim Einatmen von Flugstaub (Rösten von Bleierzen) - Vergiftungserscheinungen bei Pferden, Rindern und anderen - Haustieren hervorrufen. Dieselben äussern sich in +Konjunktivitis+, - +Laryngitis+ (Husten), +schweren Atembeschwerden+, krampfhaftem - Stimmritzenverschluss, sowie in der Ausbildung einer +kruppösen - Bronchitis+ und +Pneumonie+ (reduzierende Wirkung, Umwandlung zu - Schwefelsäure). Nach +Ogata+ erkranken Tiere schon bei einem Gehalt - der Luft von ½ Vol. pro Mille SO_{2} und sterben bei einem solchen - von 3 pro Mille unter Dyspnoe und Krämpfen. Nach +Kionka+ erzeugen - schon ½proz. wässerige Lösungen im Magen intensive Gastritis, 5proz. - Lösungen haben nach 3-5 Minuten den Tod der Versuchstiere zur Folge. - In den Lungenkapillaren entstehen schon intra vitam Gerinnungen. - Wegen ihrer starken Giftigkeit in Gasform wird daher neuerdings - flüssig gemachte schweflige Säure unter dem Namen +Piktolin+ zur - Vertilgung von Ratten und Mäusen empfohlen (+Kosselt+). +Tempel+ - (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1893, Nr. 35) beobachtete bei 4 - Pferden und 4 Schweinen eine Vergiftung mit SO_{2} (schweflige - Säure), welche aus einem Gefrierapparat in den Stall gelangt war. - Die Sektion ergab katarrhalische bezw. diphtheritische Entzündung - der Respirationsschleimhaut, Lungenemphysem, Bronchopneumonie, - Blutstauung und parenchymatöse Veränderungen. -- +Köbert+ (Sächs. - Jahresber. 1892, S. 110) beschreibt eine SO_{2}-Vergiftung bei 2 - Pferden, welche nach dem Einatmen von Flugstaub beim Rösten von - Bleierzen auftrat, der zum grössten Teil aus schwefliger Säure - bestand. Die Tiere zeigten heftige Entzündungserscheinungen von - seiten der Kopf- und Respirationsschleimhäute, sowie der Lunge - (Husten, Dyspnoe, Nasenausfluss etc.). Ein Pferd starb nach 5, das - andere nach 10 Tagen unter Bildung eines Hautemphysems am Vorderteil - und nach Eintritt von Lungengangrän. Bei der Sektion fand man Gangrän - der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut, jauchige Bronchitis und - Pneumonie, flächenhafte Blutungen auf der Nasenschleimhaut, sowie - Stomatitis ulcerosa. -- Ein Hund war aus Versehen in einem Zimmer - zurückgelassen worden, das zur Vertreibung von Wanzen geschwefelt - worden war. Er zeigte grosse Mattigkeit, hochrote Farbe der - sichtbaren Schleimhäute, Salivation, Konjunktivitis und Keratitis, - Dyspnoe, inspiratorisches laryngeales Rasseln, Husten, Laryngitis, - Tracheitis, Bronchitis und Bronchiolitis, Fieber (40,3°) und - gesteigerte Pulsfrequenz (156 Pulse); nach 22 Tagen war er wieder - gesund (+Jakob+, Woch. f. Tierh. 1908). - - - =Sulfite.= Die +Salze+ der +schwefligen Säure+ (+Natrium+, - +Kalium+, +Calcium sulfurosum+ und +subsulfurosum+), welche - früher als ungiftige innerliche Antiseptika gegen verschiedene - Infektionskrankheiten empfohlen wurden, sind ebenfalls stark - giftig. Nach +Pfeiffer+ (Arch. f. exp. Path. Bd. 27) wirken sie - schon in Dosen von 0,6 pro Kilo tödlich durch +Gefässlähmung+ - und +Herzlähmung+; bei innerlicher Verabreichung erzeugen sie - ferner infolge Abspaltung der ätzenden freien schwefligen Säure - +Gastroenteritis+ (+Kionka+, Zeitschr. f. Hyg. 1896). Nach neueren - Versuchen von +Kionka+ an Hunden erzeugte der fortgesetzte Genuss von - mässigen Mengen schwefligsauren Natrons Abortus, Absterben der Fötus, - entzündliche Schwellung und Rötung der Darmmukosa, sowie Blutungen in - inneren Organen (Deutsch. med. Woch. 1902 Nr. 6). Auch beim Menschen - wurden gastrische Störungen beobachtet (+Bernatzik+ und +Braun+). - Aus diesem Grunde wirken die Sulfite als konservierender Zusatz zu - Nahrungsmitteln (Fleisch) +gesundheitsschädlich+. Ein derartiger - Zusatz ist daher verboten worden (Bundesratsbeschluss vom 18.2.02). - - - =Untersalpetersäure und Salpetrigsäure-Anhydrid.= Die - Untersalpetersäure, NO_{2} (Stickstoffdioxyd), bildet sich aus - NO, Stickoxyd, sofort bei Zutritt von Luft. NO_{2} sowohl, wie - N_{2}O_{3} (Salpetrigsäureanhydrid) erzeugen beim Einatmen - Laryngitis, Tracheitis und Lungenödem, sowie als Allgemeinwirkung - Methämoglobinämie. Ebenso wirken die salpetrigsauren Salze - (+Nitrite+). N_{2}O, Stickstoffoxydul (Lustgas) wirkt narkotisierend - auf das Grosshirn. Aehnlich reizend wie die Dämpfe der salpetrigen - Säure wirken nach +Binz+ die Dämpfe des +Ozons+, O_{3}; die - Allgemeinwirkung des Ozons ist eine narkotisierende bezw. - hypnotisierende (+Schulz+); bei der Sektion findet man Verfettung der - Leber, der Nieren und des Herzens. - - - =Schwefelkohlenstoff.= Der Schwefelkohlenstoff, CS_{2}, ist - experimentell bei Tieren als +Blut-+ und +Nervengift+ festgestellt. - Er erzeugt Methämoglobinämie, Krämpfe und Lähmung. Beim Menschen - kommt in Kautschukfabriken eine chronische Vergiftung vor, welche - sich in Geisteskrankheit, epileptiformen Krämpfen, Tabes etc. - äussert. +Dierks+ (Preuss. Vet.-Ber. pro 1906) berichtet über eine - Vergiftung bei 2 Pferden, die gegen Gastruslarven 36 bezw. 100 - g Schwefelkohlenstoff in Kapseln erhalten hatten; beide Pferde - „erkrankten schwer und gingen nach 9 Tagen ein“. - - -Alkoholvergiftung. - - =Allgemeines.= Der Alkohol (Spiritus, Weingeist) entsteht aus - den Kohlenhydraten unter der Einwirkung des Hefepilzes. Man - unterscheidet einen 100prozentigen (wasserfreien), 99prozentigen - (absoluten), 91prozentigen (höchst rektifizierten) und einen - 68prozentigen (rektifizierten oder verdünnten Alkohol). Die - verschiedenen Branntweine enthalten 40-50 Proz. Alkohol (neben - Fuselöl und Aldehyd), der Wein 8-10, das Bier 3-5 Proz. Reine - Alkoholvergiftungen kommen bei den Haustieren nur ausnahmsweise z. - B. nach zu hoher Dosierung des Weingeistes vor. Gewöhnlich wird - den Haustieren Gelegenheit zur freiwilligen Aufnahme des Alkohols - in Brennereien und Brauereien durch alkoholhaltige Schlempe und - Treber, Branntweinmaische, Biermaische, starkes Branntweinspülicht, - Spülwasser von Spiritusfässern, Weintrester, Apfelweintrester, - gärenden Most, Lagerbier etc. gegeben. Da hierbei zuweilen neben dem - Alkohol auch noch die gärenden Futtermassen im Darm ihre Wirkung - äussern, treten als Komplikation der Alkoholvergiftung mitunter auch - gastrische Zufälle (Tympanitis, Kolik) auf. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Erscheinungen der +akuten -Alkoholvergiftung+ (akuter Alkoholismus) äussern sich anfangs in -Erregungs-, später in Lähmungszuständen des Gehirns. Zunächst zeigen -die Tiere Unruhe und +Aufregung+, selbst +Tobsucht+, +Zerstörungssucht+ -und +wutähnliche Anfälle+ (namentlich Rinder). Gleichzeitig sind die -sichtbaren Schleimhäute hochgerötet, der Herzschlag ist pochend, -der Puls beschleunigt; zuweilen beobachtet man auch aufgeregten -Geschlechtstrieb und vereinzelt selbst Abortus. Später beobachtet -man +Schwanken+, +Taumeln+, +rauschartigen+ Zustand, Betäubung, -Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit, sowie +allgemeine Lähmung+. Der -tödliche Ausgang erfolgt unter den Erscheinungen des +Kollapses+ unter -starker Temperaturerniedrigung und Pulsverlangsamung, sowie zuweilen -unter vorausgegangenen Krämpfen. Das Zentralnervensystem wird durch -den Alkohol in nachstehender Reihenfolge gelähmt: Hirnrinde und -Grosshirn, Kleinhirn, Rückenmark, zuletzt das verlängerte Mark mit dem -Atmungszentrum. - -Bei der +Sektion+ findet man das Gehirn mit seinen Häuten und -Blutleitern sehr blutreich; die Gehirnsubstanz ist zuweilen -von hämorrhagischen Herden durchsetzt, auch findet man in den -Gehirnventrikeln oft grössere Mengen blutigen Serums. Die -Darmschleimhaut zeigt bisweilen die Erscheinungen einer hämorrhagischen -Entzündung, wobei der Darminhalt blutig ist. Auch an anderen -Stellen, namentlich im Herzen und in der Subkutis, sind Hämorrhagien -gefunden worden. Das Blut ist dünnflüssig, von schwarzroter Farbe. -Der Magen- und Darminhalt fällt durch seinen Alkoholgeruch auf. -Die +mikroskopische+ Untersuchung des Gehirns ergibt auffallende -Veränderungen der Ganglienzellen des Grosshirns; sie sind in rundliche, -blasse Gebilde verwandelt, der Kern, die Nisslkörper und die Dendriten -verschwinden. - -+Chronische Alkoholvergiftungen+ sind klinisch nur vereinzelt, so -angeblich bei dem Hunde eines Destillateurs (+Spinola+) beobachtet -worden. Speziell über die beim Menschen so häufige +Leberzirrhose+ -als Erscheinung des chronischen Alkoholismus ist in der Tierheilkunde -nichts bekannt. Es ist sogar trotz der von mehreren Seiten -angestellten experimentellen Untersuchungen noch eine offene Frage, -+ob sich überhaupt durch die fortgesetzte Verabreichung von Alkohol -bei Tieren künstlich Leberzirrhose erzeugen lässt+. Die Resultate -der bisher ausgeführten Experimente sind sehr widersprechend. -Ueber positive Resultate berichten +Strauss+, +Rechter+ u. a. Auch -das im Gegensatz zum Landschwein angeblich häufige Vorkommen von -Leberzirrhose bei Schweinen; welche mit Bierresten aus städtischen -Restaurationen gefüttert werden (+Tschauner+), soll für das Vorkommen -der Leberzirrhose wenigstens beim Schwein sprechen. Dagegen konnten -+Afanassijew+, +Strassmann+, +von Kahlden+, +Lafitte+, +Pohl+, -+Fieweger+ u. a. bei ihren Versuchen mit Hunden und anderen kleinen -Haustieren experimentell keine ausgesprochene Leberzirrhose erzeugen; -sie fanden lediglich Verfettung der Leberzellen, Hyperämie der -Leber, sowie kleinzellige Infiltration (vergl. S. 170). +Mairet+ -und +Combemale+ wollen beobachtet haben, dass die Nachkommenschaft -experimentell mit Weingeist gefütterter Hunde geschwächt erschien und -frühzeitig starb; die gefütterten Hunde selbst sollen schliesslich -Hodenatrophie gezeigt haben. - - -=Behandlung.= Die Behandlung der Alkoholvergiftung ist eine -symptomatische. Sie besteht in der Anwendung von +Exzitantien+. Neben -kalten Sturzbädern auf den Kopf und der Applikation hautreizender -Mittel gibt man innerlich oder subkutan +Kaffee+, +Koffein+, Aether, -Kampfer, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium, Atropin, Hyoszin und -Veratrin. Ausserdem sind die Tiere vor Abkühlung zu schützen (warme -Decken). - - -=Nachweis.= Der chemische Nachweis des Alkohols erfolgt mittels -Destillation. Man destilliert ihn nach vorheriger Ansäuerung der zu -untersuchenden Masse über und weist ihn im Destillat durch seinen -charakteristischen Geruch, seine Brennbarkeit und die Möglichkeit der -Oxydation zu Aldehyd und Essigsäure nach. Der Alkohol färbt ferner -ein Gemisch von +chromsaurem Kali+ und Schwefelsäure intensiv +grün+ -(Reduktion des Chromsalzes), entwickelt, unter einer Glasglocke -mit +Platinmoor+ zusammengebracht, den Geruch des Aldehyds und der -Essigsäure (Oxydation), wobei die Essigsäure weiter durch Erwärmen -mit Kali und einigen Körnchen Arsenik im Glasrohr in das sehr -übelriechende +Kakodyl+ = As_{2}(C_{2}H_{5})_{4}O übergeführt werden -kann. Endlich gibt eine alkoholhaltige Flüssigkeit mit einigen Tropfen -einer heissgesättigten Lösung von +Molybdänsäure+ in konzentrierter, -reiner Schwefelsäure eine tiefblaue Färbung. Schliesslich lässt -sich der Alkohol sehr sicher auch durch die äusserst empfindliche -Jodoformprobe nachweisen. Dieselbe besteht darin, dass man den im -Destillate enthaltenen Alkohol durch Zusatz von Kalilauge und Jod -(bis zur gelbbraunen Färbung) in kristallinisches Jodoform umwandelt, -welches +mikroskopisch+ in Form +gelber+, hexagonaler Tafeln erkannt -werden kann. Oder man verwandelt den Alkohol durch Schwefelkohlenstoff -(2-3 Tropfen) und Kali in Xanthogensäure und erwärmt das Gemenge -mit +molybdänsaurem Ammonium+ (1 Tropfen einer Lösung 1 : 10) und -verdünnter Schwefelsäure (1 : 8), worauf +Rotfärbung+ eintritt. - - =Kasuistik.= 1. +Rinder.+ 16 Mastkühe eines Brennereibesitzers - hatten alkoholhaltige Schlempe (beim Abdampfen stellte sich nachher - ein Gehalt von 7 Proz. heraus) genossen. Am andern Morgen fand - man 1 Kuh verendet, 14 Stück mussten geschlachtet werden und nur - ein Tier genas. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in - unterdrückter Futteraufnahme, Taumeln, Aufstützen des Kopfes, starker - Rötung der Konjunktiva und Maulschleimhaut, beschleunigter Atmung, - kurzem, mattem Husten, beschwerlichem Aufstehen, grosser Mattigkeit - und Hinfälligkeit, Hin- und Hertrippeln, Zuckungen und Krämpfen - in den Gliedmassen, sowie Gefühllosigkeit; die letztgenannten - Erscheinungen wiesen auf einen baldigen tödlichen Ausgang hin. Die - Dauer der Vergiftung betrug einige Stunden bis 2 Tage. Bei der - Sektion fand man höhere Rötung der sichtbaren Schleimhäute, Ausfluss - dünnen Blutes aus der Nase, dunkelrotes, nicht geronnenes Blut, die - Subkutis sehr blutreich, an handgrossen Stellen dunkelrot gefleckt, - die Farbe des Kadavers im ganzen schmutziggelb. Auf dem Pansen - fanden sich grössere und kleinere dunkelrote Flecken, der Dünndarm - war von aussen gerötet, an einzelnen Stellen schwarzrot gefärbt. - Die Leber war zum Teil blass und bleifarbig. Der Darminhalt bestand - aus einem dunkelroten, teils schokolade-, teils blutähnlichen Brei - von dünnflüssiger Konsistenz. Die Lungen waren dunkel gerötet, - der Herzmuskel welk, blass, mit kleineren, schwarzen Blutflecken - durchsetzt. Die Gehirnblutleiter waren mit schwarzem flüssigem Blute - gefüllt, die Rinden- und Marksubstanz des Gehirns war sehr blutreich - und enthielt apoplektische Herde, die Adergeflechte waren geschwollen - und die Hirnkammern mit blutigem Serum gefüllt (+Knipp+, Preuss. - Mitt. 1878). -- Der ganze Viehstand eines Besitzers (90 Rinder) - erkrankte dadurch, dass aus Versehen Maische unter die Schlempe - geriet. Die Tiere taumelten wie betrunken, zeigten Zähneknirschen, - starke Tympanitis und später Zuckungen der Halsmuskel. Bei der - Sektion fand man braune, dünne, hefenartige Ergiessungen in den - Siebbeinmuscheln und am Gehirn (+Krausse+, ibidem). -- Eine - Ochsenherde zeigte nach der Fütterung alkoholhaltiger Schlempe das - Bild der Betrunkenheit: Aufregung, stieren Blick, Taumeln, Wut, - Zerstörungssucht, betrunkenes Am-Boden-liegen etc. (+Haselbach+, - Oesterreich. Vereinsmonatschr. 1884). -- 3 Kühe hatten an einem - Tag 60 l Lagerbier erhalten und erkrankten unter dem Bilde der - Alkoholvergiftung (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. 1887). -- In - einer Brennerei erkrankten 20 Rinder, nachdem grössere Mengen - alkoholhaltiger Maische mit der Schlempe verfüttert worden waren. - 6 Stück krepierten im Verlaufe des ersten Tages, 10 am 3. und 5 an - den darauffolgenden Tagen. Die Tiere zeigten unruhiges, wildes - Benehmen, Brüllen und Toben, beschleunigte Atmung, Rötung der - Konjunktiva usw. Bei der Sektion fand man Ansammlung von Serum in - den Gehirnkammern, Hyperämie der Gehirnhäute, sowie viel Schaum - in der Trachea und in den Bronchien (+Vorberg+, Veterinärbericht - 1850). -- Eine Kuh verkalbte nach Ablauf einer durch Maischgenuss - erzeugten Alkoholvergiftung am 6. Tage (+Schutt+, Magazin Bd. 21). - -- 58 Kühe zeigten nach reichlicher Schlempefütterung Taumeln, - Schwanken und Durchfall (+Schleg+, Sächs. Jahresber. 1892). -- Nach - der Verfütterung gedämpfter Kartoffel mit grünem Gerstenmalz zeigten - fast sämtliche Kühe die Erscheinungen der akuten Alkoholvergiftung - (+Ziegenbein+, Berl. Arch. 1898). -- Eine Kuhherde erkrankte nach - Verfütterung von Biertrebern an Alkoholvergiftung; die Tiere zeigten - Unruhe, stieren Blick, Schwanken, Zusammenstürzen und länger - andauerndes Versiegen der Milch (+Berndt+, Berl. Arch. 1890). -- - Eine Kuh, welche 3 l Branntwein an einem Tag erhalten hatte, zeigte - sich sehr aufgeregt und bösartig, worauf ein tiefes Koma und nach 24 - Stunden der Tod erfolgte (+Bissauge+, Recueil 1895). -- Eine schwere - Alkoholvergiftung nach der Verfütterung frischer Weissbiertreber - wurde bei der Mehrzahl der Kühe eines Molkereibesitzers beobachtet; - sie äusserte sich in Benommenheit, Stöhnen, Herzklopfen und - sistierter Milchsekretion; die Biertreber enthielten 1¼ Proz., - die aus den Trebern abgesickerte Flüssigkeit 20 Proz. Alkohol - (+Eggeling+, Preuss. Vet.-Ber. 1905). -- Eine Kuh, welcher vom - Besitzer 2 l Kornbranntwein eingegeben worden waren, zeigte völlige - Berauschung und lag schwer röchelnd am Boden; nach entsprechender - Behandlung erholte sie sich erst am 3. Tag (+Kreutzer+, Woch. f. - Tierh. 1909). - - 2. +Pferde.+ Ein klinischer Fall von Alkoholvergiftung ist von - +Courrioux+ (Presse vétér. 1884) beschrieben worden. Ein Pferd, - welches zufällig 5 l Branntwein mit 10 l Wasser aufgenommen hatte, - erkrankte unter den Erscheinungen eines schweren Rausches und - starb nach 60 Stunden. -- +Schirmann+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1894 - S. 199) beobachtete eine auffallend starke Alkoholwirkung bei - einem kolikkranken Pferde, dem ½ l Schnaps eingegeben worden war. - Das Pferd schlief hierauf 3 Stunden lang. Anderen Pferden hat S. - gegen Brustseuche innerhalb 2 Tagen 2 l absoluten Alkohol, täglich - 1 l in 3 Portionen mit je 5 l Wasser, ohne irgendeine narkotische - Wirkung verabreicht. -- Ein Pferd trank 4 l gärenden Weinmost. - Nach 10 Minuten zeigte es schwankenden Gang, konnte sich kaum mehr - aufrecht erhalten, fiel dann um und blieb bewegungslos liegen. - Nach elf Stunden erhob es sich und zeigte anhaltende schaukelnde - Bewegungen (+Mestre+, Recueil 1892). -- Experimentelle Untersuchungen - haben ergeben, dass die Intensität der Alkoholwirkung ausser von - der Menge wesentlich auch von der Konzentration des verabreichten - Alkohols sowie davon abhängt, ob die Tiere fieberhaft erkrankt - sind oder nicht. Sehr konzentrierter Alkohol ist viel giftiger - als ein verdünnter Weingeist in Quantitäten, welche bezüglich des - Alkoholgehalts ersterem gleichkommen. Der konzentrierte Alkohol wirkt - nämlich ausser als Narkotikum auch noch entzündungserregend auf die - Schleimhaut des Magens und Darmes. Von verdünntem Alkohol wird, wenn - man denselben auf konzentrierten Alkohol berechnet, von fieberlosen - Tieren das Doppelte der tödlichen Dosis des konzentrierten Alkohols - ertragen; fieberhaft erkrankte ertragen das 4- und 5fache. +Rektal+ - wirkt der Alkohol nach Versuchen von +Baum+ (Archiv f. Tierhlkde. - 1897) örtlich entzündungserregend (hämorrhagische und selbst - nekrotisierende Entzündung der Dickdarmschleimhaut; katarrhalische - Entzündung der Dünndarmschleimhaut). Wird der Alkohol nicht wieder - zum Teil per anum entleert, so wirken von 93proz. Alkohol 200-250 g - bei Pferden tödlich. Der Tod wird teils durch die Darmentzündung, - teils durch Gehirnlähmung bedingt. Gesunde Pferde werden nach 250,0 g - absolutem (99proz.) unverdünntem Alkohol sehr unruhig und aufgeregt, - steigen in die Höhe, fallen nach 2 Minuten nieder, schlagen heftig - mit den Füssen und mit dem Kopfe, verdrehen die Augen, werden - unempfindlich und bewusstlos und verenden nach 10 Minuten. 120-180,0 - g absoluter Alkohol bedingen ähnliche Zufälle, die Tiere bleiben - jedoch am Leben (+Hertwig+). Nach intravenöser Einspritzung von 30-60 - g absolutem Alkohol sterben Pferde schon nach 1-3 Minuten. Dagegen - ertragen gesunde Pferde von dem Spiritus dilutus (68proz. Alkohol) - einmalige Dosen bis zu 500 g und mehr, ohne zu sterben, indem sie - nur nach vorausgegangener Erregung berauscht und betäubt werden. - Fiebernde Pferde ertragen, ohne berauscht zu werden, 1-1½ l absoluten - Alkohol in verdünntem Zustande. - - 3. +Schweine.+ Nach der Verabreichung von Wein- und Bierresten sah - +Mattern+ (Woch. f. Tierh. 1902) auffallende Munterkeit, Hochspringen - an den Wänden, später Zuckungen und Krämpfe und schliesslich - allgemeine Betäubung und Lähmung; 1 Schwein starb, 2 wurden - notgeschlachtet, die 3 anderen genasen nach 4-5 Tagen. -- Durch - tägliche Verabreichung von 1-1,5 g Alkohol pro kg Körpergewicht hat - +Dujardin-Beaumetz+ (Comptes rendus 1883) bei Schweinen experimentell - chronischen Alkoholismus erzeugt. Die Erscheinungen bestanden in - Schläfrigkeit, galligem und schleimigem Erbrechen, Durchfall, - Zittern, Schwäche und Lähmung des Hinterteils, Atembeschwerden. - Bei der Sektion fand man Rötung und Blutung der Darmschleimhaut, - Hepatitis, Lungenhyperämie, blutige Herde in und zwischen den - Muskeln, sowie atheromatöse Degeneration der Aorta und der grossen - Gefässe. - - 4. +Hunde+ sterben nach 30-60 g absolutem Alkohol, wenn derselbe - in unverdünntem Zustand eingegeben wird, nachdem starke Aufregung, - Erbrechen, Taumeln und Betäubung vorausgegangen sind; bei der Sektion - findet man die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis. - Dieselbe Dosis tötet Hunde bei subkutaner Applikation. Dagegen - ertragen fiebernde Hunde leicht 100-200 g absoluten Alkohol, wenn - derselbe mit viel Wasser eingegeben wird. -- Ein kleiner Terrier - erhielt täglich einen Kaffeelöffel Kognak; er zeigte sich hiernach - wie dumm und schwankte beim Gehen (+Bissauge+, Recueil 1892). - - 5. +Ziegen+ und +Schafe+ können sich an verdünnten Alkohol allmählich - so gewöhnen, dass sie bis zu 180 und 300 g Branntwein ertragen - (+Hertwig+). - - 6. +Katzen+ sterben nach 25 g absolutem unverdünntem Alkohol unter - denselben Erscheinungen wie Hunde. - - 7. +Geflügel+ (Enten, Hühner, Truthühner), welche in Branntwein - eingemachte Kirschen verzehrt hatten, zeigten starke Trunkenheit; 6 - Hühner und 1 Ente starben (+Bissauge+, Recueil 1892). - - =Experimentaluntersuchungen über die Wirkung des Alkohols auf die - Leber bei Tieren.= +Magnan+ (Compt. rend. de Biol. 1869) sah bei - Hunden, die täglich 20-60 g Alkohol erhielten, ausser ulzeröser - Gastritis fettige Degeneration der Leber. +Dujardin-Beaumetz+ - und +Audigé+ (Recherches exp. sur l’alcoolisme chronique; Paris - 1884-1885) gaben 18 Schweinen 3 Jahre lang Alkohol in Dosen von - 1-1,5 g pro kg; alle Tiere nahmen hiebei an Gewicht zu; die Leber - war bei der Schlachtung sehr hyperämisch, zeigte jedoch in keinem - Falle interstitielle Hepatitis. +Strauss+ und +Block+ (Etude exp. - sur la cirrhose alcoolique; Paris 1887) fanden bei Kaninchen, die - 3-12 Monate hindurch Alkohol bekamen, eine härtere Konsistenz der - Leber sowie kleinzellige Infiltration im interazinösen Gewebe; - Spindelzellen und Narbengewebe wurden nirgends beobachtet (trotzdem - bezeichnen die Verfasser den Zustand als „frische Zirrhose“). - +Afanassijew+ (Zieglers Beiträge 1890) sah bei Kaninchen und Hunden - nach monatelangen Alkoholgaben starke Hyperämie, Fettinfiltration - und fettige Degeneration der Leber sowie kleinzellige Infiltration - (Anfangsstadium der Leberzirrhose?); die Versuchshunde - zeigten Nekrose der Leberzellen mit herdförmiger Bildung von - Narbenbindegewebe (kleinherdige Leberzirrhose?). +von Kahlden+ (ibid. - 1891) beobachtete bei seinen Versuchstieren Leberverfettung sowie - Hyperämie der Leberkapillaren, konnte jedoch Rundzelleninfiltration - nicht feststellen. +Lafitte+ (L’intoxication alcoolique; Paris 1892) - sah Hyperämie der Leber und Atrophie der Leberzellen beim chronischen - Alkoholismus der Kaninchen; das interazinöse Leberstroma war jedoch - stets intakt. +Rechter+ (Recherches exp. sur la cirrhose alcoolique, - Brüssel 1892) sah bei Kaninchen nach 5-9 Monate langer Verabreichung - von Alkohol (30-50 g pro die) in einem Fall eine kleinzellige - Infiltration um die Endäste der Vena portae herum bei sonst - intaktem Leberparenchym; in einem andern Falle (9 Monate) zeigte - sich die Leberoberfläche narbig, die Konsistenz der Leber deutlich - vermehrt, ausserdem bestand deutliche Bindegewebsneubildung in der - Umgebung der Leberläppchen. Einen der menschlichen Zirrhose sehr - ähnlichen Befund bot ferner ein Hund, der 4 Monate hindurch Alkohol - erhalten hatte (von den Venae centrales drang junges Bindegewebe - bis an die Peripherie der Leberläppchen, wo sich schmale Züge von - interstitiellem Bindegewebe entwickelt hatten). Die Untersuchungen - von +Pohl+ (Arch. f. Pharm. 1893) verliefen negativ (lediglich - Leberverfettung). +Fieweger+ (Diss. Cöthen 1909) fand bei seinen - Versuchen im pharmak. Institut der Berliner Tierärztl. Hochschule - (Regenbogen) bei Hunden, Katzen, Schweinen und Kaninchen, die 100 - Tage lang 3-5 g Alkohol pro kg Körpergewicht erhalten hatten, relativ - geringfügige Leberveränderungen: Fettinfiltration, vereinzelt auch - fettige Degeneration der Leberzellen, sowie Hyperämie der Kapillaren. - Eigentliche zirrhotische Veränderungen wurden bei allen Tieren - vermisst. Nur bei einem Kaninchen schien eine frische Hepatitis - interstitialis in Form einer zelligen Infiltration vorzuliegen. - - -Chloroformvergiftung. - - =Allgemeines.= Chloroformvergiftungen können sich beim - Chloroformieren der Haustiere aus verschiedenen Veranlassungen - ereignen. Die Ursachen sind häufig in dem Tier selbst oder in - der Tiergattung gelegen. So ist bekannt, dass +Hunde+ wegen der - Häufigkeit der bei ihnen vorkommenden Herzfehler das Chloroformieren - im allgemeinen schlecht ertragen. Auch bei +Pferden+ ist das - Chloroformieren nicht ganz ungefährlich (vgl. unten). Es kann ferner - +unreines+, zersetztes Chloroform die Veranlassung zur Vergiftung - abgeben. In dieser Hinsicht ist namentlich eine Beimengung des stark - giftigen Aethylidenchlorids, Amylchlorids und Methylenchlorids, - sowie des Phosgengases gefährlich. Endlich kann die Veranlassung - zu dem tödlichen Ausgang der Chloroformierung in einem +Versehen+ - des Tierarztes liegen, wenn derselbe die vorgeschriebenen - Vorsichtsmassregeln während der Narkose nicht beachtet. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Chloroform wirkt in tödlichen -Dosen giftig durch +Lähmung+ des +Atmungszentrums+. Ausserdem ist -es ein +lähmendes+ Gift für den +Herzmuskel+, welcher unter seiner -Einwirkung fettig degeneriert. Der Uebergang der Chloroformnarkose -in Chloroformvergiftung gibt sich daher durch die Erscheinungen der -beginnenden Herzlähmung zu erkennen. Der +Puls+ wird +schwach+ und -+aussetzend+, der +Herzschlag unfühlbar+, die +Atmung sistiert+, die -+Pupillen erweitern sich+, die +Temperatur sinkt+, das aus der Wunde -fliessende Blut zeigt +venöse+ Farbe (Erstickungsblut). Bei der Sektion -findet man +Verfettung+ des +Herzmuskels+, der +Skelettmuskulatur+, der -+Gefässwandungen+, der +Leber+ und +Nieren+. Endlich ist das Chloroform -ein +Blutgift+; nach subkutanen Injektionen entsteht infolge -Zersetzung der roten Blutkörperchen Hämoglobinurie. - -Zuweilen kommt es vor, dass der Tod erst mehrere Tage nach der -Chloroformnarkose eintritt, nachdem die Tiere sich scheinbar wieder -vollständig erholt haben. Ueber die Ursache dieser sog. +tödlichen -Nachwirkung+ des Chloroforms hat +Ostertag+ (Virchows Archiv 1889) -experimentelle Untersuchungen angestellt und hierbei gefunden, dass -die Nachwirkung des Chloroforms in der Erzeugung von +Verfettungen+ -in den verschiedensten Organen besteht, hauptsächlich aber einer -Fettmetamorphose der +Herz-+ und +Skelettmuskulatur+ und einer -sekundären Fettinfiltration der +Leber+. Die Fettmetamorphose -resultiert aus einer Einwirkung des Chloroforms auf das Blut -(+Auflösung der roten Blutkörperchen+) und auf die +Gewebszellen+ -selbst (Ertötung). Der nachträgliche Tod nach Chloroformverwendung -erfolgt durch +Lähmung des Herzens+. Die Herzlähmung selbst wird -herbeigeführt durch eine bisweilen nur wenig in die Augen tretende -+anatomische Schädigung+ des +Myokardiums+ und eine gleichzeitig -sich geltend machende allmähliche +Suffokation+ (Oligozythämie und -mangelhafte Respiration infolge Verfettung der Atmungsmuskeln). - - -=Verhalten der einzelnen Tiergattungen.= Die einzelnen Tiergattungen -zeigen dem Chloroform gegenüber ein sehr verschiedenartiges Verhalten. -Besonders giftig wirkt das Chloroform auf +Rinder+, +Schafe+, -+Ziegen+ und +Katzen+. Aber auch für +Hunde+ und +Pferde+ ist das -Chloroformieren nicht ungefährlich. Im einzelnen ist folgendes zu -bemerken: - -1. Für =Pferde= beträgt die toxische Dosis des Chloroforms -durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht (+Negotin+). Im übrigen -können erfahrungsgemäss viel kleinere Dosen bei manchen Pferden giftig -wirken. In den Jahren 1895-1899 sind in meiner Klinik 800 Pferde -unter Chloroformnarkose operiert worden. Eines dieser Pferde ist an -Chloroformvergiftung, und zwar nachdem erst 55 g verbraucht waren, -+gestorben+. Ein zweites ist in +schwere Chloroformasphyxie+ verfallen -und konnte nur durch schnelle Injektion von Skopolamin gerettet werden. -Bei 6 anderen Pferden hat die +Atmung vorübergehend ausgesetzt+. 5 -Pferde (eigentümlicherweise lauter Kryptorchiden) zeigten nach dem -Chloroformieren stundenlang anhaltendes +Erbrechen+, allerdings -ohne nachteilige Folgen. 1 Pferd bot nach dem Chloroformieren das -Bild einer +akuten Stimmbandlähmung+ dar, indem es im Stand der Ruhe -längere Zeit hindurch laut rohrte. 2 Pferde starben endlich einige -Tage nach dem Chloroformieren an einer akuten +gangräneszierenden -Pneumonie+. Wenn ich das alles zusammenfasse und noch dazu hervorhebe, -dass das gebrauchte Chloroform von tadelloser Beschaffenheit, und die -von mir angewandten Chloroformmengen relativ geringe waren, indem -ich nur ausnahmsweise eine ganz tiefe Narkose einleitete, und der -durchschnittliche Verbrauch nur 20-60 g (20-225 g) betrug, so drängt -sich mir die Schlussfolgerung auf: +dass das Chloroform für Pferde kein -ungefährliches Narkotikum ist+. - -+Vennerholm+ (Zeitschr. f. Tiermed. 1898) hat ebenfalls einige Fälle -von +Chloroformtod+ bei Pferden infolge von Herz- und Atemlähmung -beobachtet. Ein Pferd starb beispielsweise ganz plötzlich an -systolischer Herzlähmung. 2 andere chloroformierte Pferde starben -infolge von +Lungenentzündung+; andere, besonders alte Pferde, zeigten -in den ersten Tagen nach dem Chloroformieren schwere +Dyspnoe+ -(Herzschwäche). Mehrmals wurde ferner +Steckenbleiben von Futterbissen -im Schlund+ konstatiert, wenn die Pferde nach beendigter Narkose Futter -aufnahmen (Schlundlähmung); V. rät daher, den chloroformierten Pferden -erst einige Stunden nach der Narkose Futter zu verabreichen. - -Tödliche Fälle von Chloroformvergiftung sind ferner von +Lanzillotti+ -und +Knauer+ (nekrotisierende Pneumonie), sowie in der preussischen -Armee (Preuss. Milit. Vet. Bericht, Jahrg. 5) konstatiert worden. -Heftiges, eine Viertelstunde anhaltendes Würgen und Geifern bei tief -chloroformierten Pferden haben +Georges+ und +Röder+ beobachtet (Sächs. -Jahresber. 1898); letzterer sah ausserdem bei 2 Pferden schwere -Erstickungsanfälle (Glottisödem), welche nur durch die Tracheotomie -gehoben werden konnten. - - =Kasuistik.= Die beiden von mir beobachteten Fälle von schwerer - Chloroformvergiftung bei Pferden sind folgende: - - 1. Eine 12 Jahre alte braune Stute wurde am 3. September - 1895 in die chirurgische Klinik eingestellt zum Zweck der - Hufknorpelfisteloperation. Die Voruntersuchung ergab einen - mittelmässigen Nährzustand, etwas schwachen, aber regelmässigen - Puls, reine Herztöne, 36 Herzschläge, 37,8° C Temperatur, 20 - Atemzüge, rege Futteraufnahme, blassrote Färbung der Konjunktiva, - sowie etwas benommenes Sensorium. Am linken Vorderfuss bestand - eine veraltete Hufknorpelfistel verbunden mit Lahmheit. Das Pferd - wurde in gewöhnlicher Weise zur Operation vorbereitet und am 6. - September geworfen. Auch an diesem Tage hatte das Pferd 36 Pulse, - 20 Atemzüge und 37,8° C Temperatur. +Beim Chloroformieren fiel auf, - dass das Pferd ausserordentlich schnell in Narkose verfiel.+ Nach - kaum 10 Minuten, bei einem Verbrauche von nur 15 g Chloroform, - konnte mit der Operation begonnen werden. +Nach weiteren 30 - Minuten, nachdem im ganzen 55 g Chloroform verbraucht waren, wurde - die Atmung plötzlich sehr beschleunigt und sistierte nach einer - weiteren Minute vollständig.+ Gleichzeitig wurde der bis dahin - normale +Puls unfühlbar+, die Venen des Kopfes und Halses schwollen - stark an und es war leichter Schweissausbruch bemerkbar. Die sofort - angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Es wurden - während einer halben Stunde kalte Waschungen des Kopfes, Halses - und Thorax vorgenommen, zwei subkutane Atropininjektionen gemacht, - künstliche Atmungsbewegungen am Thorax ausgeführt und schliesslich - sogar ein Aderlass gemacht, alles vergeblich. Die Sektion bestätigte - die Diagnose Chloroformvergiftung. Es wurden bei sonst negativem - Befunde eine Erweiterung des rechten Herzens mit Systole der linken - Herzkammer, starke Hyperämie der Venen des Halses und Kopfes, Zyanose - der Leber und Lungen, sowie subepikardiale Hämorrhagien vorgefunden. - Durch die eingehende Vernehmung des Ueberbringers des Pferdes liess - sich nachträglich folgendes ermitteln. +Das Pferd war am 8. Juli - 1895 an Hitzschlag erkrankt+ und wurde bis zum 20. Juli tierärztlich - behandelt. Während dieser Zeit zeigte es die Erscheinungen eines - schweren Gehirnleidens. Vom 20. Juli bis zum 3. September war zwar - eine Besserung eingetreten. Das Pferd zeigte sich aber so matt, dass - es in der Zwischenzeit bis zum 3. September, dem Tag der Einstellung - in die chirurgische Klinik, nicht wieder eingespannt werden konnte. - - 2. Ein mit Hufkrebs behafteter 9jähriger, brauner Hengst wurde am - 20. November 1896 abgeworfen und unter Chloroformnarkose operiert. - Die Operation, welche in der Entfernung des ganzen Fleischstrahls, - der ganzen Fleischsohle und etwa drei Viertel der Fleischwand - mittelst Hauklinge, Rinnmesser, Lorbeerblattmesser, Schere und - scharfem Löffel bestand, dauerte 1½ Stunden. +Während der Operation - setzte, als im ganzen erst 48 g Chloroform verbraucht waren, die - Atmung plötzlich aus.+ Der sonst in der Regel wirksame Versuch, - die Atmung durch flache Schläge auf die Bauchdecke anzuregen, - versagte in diesem Falle gänzlich, auch kaltes Wasser, frische Luft, - Kompression des Thorax usw. konnten die Chloroformasphyxie nicht - beseitigen. Da eine Atropinlösung zufällig nicht zur Hand war, - wurde dem Pferd eine vorrätig gehaltene subkutane Skopolaminlösung - (0,1) eingespritzt. Diese Injektion hatte sofortiges Wiederkehren - der Atembewegungen zur Folge, so dass die Operation beendet werden - konnte. Als das Pferd hierauf in seinen Stand zurückgebracht war, - zeigte es ganz eigentümliche Erregungszustände. Vor allem fiel das - laute, trompetenförmige, an Elefantengebrüll erinnernde, anhaltende - Schnauben und Wiehern des Pferdes auf. Sodann zeigte sich das Pferd - den ganzen Tag über psychisch sehr aufgeregt, ja selbst am anderen - Tag waren die zerebralen Erregungserscheinungen sowie die Steigerung - der Atemfrequenz noch nicht vollständig verschwunden. Im übrigen - blieb diese Skopolaminlösung ohne nachteiligen Einfluss auf das - Allgemeinbefinden sowie auf den Verlauf der Heilung. - - Eine Studie über die Verantwortlichkeit des Tierarztes für den - Chloroformtod hat +Bärner+ veröffentlicht (Zeitschr. f. Tiermed. 1900 - S. 28). - -2. Für =Hunde= ist das Chloroform im allgemeinen gefährlich, da es -leicht zu +Lähmung des Atmungszentrums+ und Herzens führt (+Negotin+, -eigene Beobachtungen). Manche Hunde ertragen allerdings grössere -Chloroformmengen gut (+Ostertag+, +Albrecht+). Das Exzitationsstadium -ist meistens kurz, indem die Tiere einige Minuten hindurch sehr -unruhig werden und bellen oder heulen. Während der Narkose besteht -Speichelfluss. Sehr häufig sistiert die Atmung dann plötzlich unter -starker Erweiterung der Pupillen und Zyanose der Schleimhäute, -während das Herz noch einige Zeitlang fortschlägt. Bei 7 Hunden trat -nach Verbrauch von 25-40 g Chloroform nach 5-22 Minuten Stillstand -der Atmung ein, so dass das Leben nur durch künstliche Respiration -erhalten werden konnte; 20 Hunde starben nach 1-22 Minuten und nach -einem Chloroformverbrauch von 1-65 g infolge von Atmungslähmung -(13), gleichzeitiger Atmungs- und Herzlähmung (4) bezw. Herzlähmung -(3) (+Negotin+). Nach +Hobday+ (800 Fälle) soll dagegen der Hund -bei Anwendung der nötigen Vorsicht (Bauchlage, Vorrätighalten -von Gegenmitteln) ein geeignetes Objekt für die Chloroformierung -darstellen; im übrigen hat auch +Hobday+ 9mal Vergiftungserscheinungen -und 3mal tödliche Chloroformvergiftung beobachtet (!). - -3. Für =Katzen= ist das Chloroform nach +Negotin+ ein noch +viel -gefährlicheres+ Mittel als für Hunde. Das Exzitationsstadium ist kurz -und sehr ausgeprägt und geht rasch in tiefe Anästhesie über. Der Tod -trat in vielen Fällen unter den Erscheinungen der Atmungslähmung in -einem Zeitraum von 1½-20 Minuten und nach einem Verbrauch von 6-7 -g Chloroform ein. Auch nach +Guinard+ sind Katzen gegen Chloroform -ausserordentlich empfindlich, indem sie häufig verenden. +Müller+ sah -bei einer kräftigen Katze den Tod nach 8 g Chloroform in 7 Minuten, bei -einer anderen nach 6 g in 4 Minuten eintreten. Im übrigen scheinen auch -bei Katzen Ausnahmen von dieser Regel vorzukommen. So hat +Ostertag+ -bei seinen Versuchen gefunden, dass sich eine tiefe Narkose bei Katzen -lange unterhalten lässt. Nach Versuchen von +Kappler+ starben die in -einem Sack betäubten Tiere erst nach ¼-¾stündiger Chloroformierung -und nach einem Verbrauch von 100-300 g Chloroform. Offenbar kommt -bei Katzen auch die Methode des Chloroformierens wesentlich mit in -Betracht. +Hobday+ hat 120 Katzen chloroformiert; er hebt ebenfalls -hervor, dass Katzen noch viel empfindlicher sind als Hunde und daher -mit noch grösserer Sorgfalt chloroformiert werden müssen. - -4. Beim =Rind= treten während der Narkose Krampfanfälle einzelner -Muskelgruppen in Form von +Tetanus+ und +Opisthotonus+ auf. Das -Erregungsstadium ist sehr kurz (1-5 Minuten) und stark ausgesprochen; -nach weiteren 2-4 Minuten stellt sich Schlaf ein, dem komplette -Empfindungslosigkeit folgt. Nebenerscheinungen hiebei sind -Speichelfluss, Tränen, Erbrechen, Sistieren der Pansentätigkeit sowie -+Tympanitis+. Nach Ablauf der Narkose zeigen die Tiere mehrere Stunden -hindurch einen schwankenden Gang. Die Dauer der Narkose beträgt bei -einem Verbrauch von 50-140 g Chloroform 40-60 Minuten (+Negotin+). Bei -innerlicher Verabreichung von 50-75 g Chloroform beobachtete ich bei -einer Kuh Schwanken in der Hinterhand ohne wesentliche Benommenheit des -Sensoriums. - -5. Bei =Schafen= und =Ziegen= sind während der rasch eintretenden -Narkose lebensgefährliche Komplikationen zu beobachten: +krampfartiges -Atmen+, +Stillstand der Respiration+, +Tympanitis+, +Erbrechen+, -+Aspiration von erbrochenen Futtermassen in die Luftröhre+, +akute -Bronchopneumonie+, +Zyanose der Schleimhäute+, +Opisthotonus+. Die -Auftreibung des Abdomen erklärt sich aus der Lähmung der Magen- und -Darmwandung. In der Regel erfolgt der Tod, auch nach überstandener -Narkose, unter Erstickungserscheinungen. Die Sektion ergibt als -Todesursache eine akute Bronchopneumonie. Auch schwere Gehirnstörungen, -z. B. Drehbewegungen, sowie Erscheinungen von Gehirnödem werden -nach der Narkose beobachtet. Der Tod trat in der Regel 12 bis 14 -Stunden nach Beendigung des Chloroformierens ein. Während von den -chloroformierten Schafen alle starben, starben von neun narkotisierten -Ziegen 2 (+Negotin+). Von 6 chloroformierten Schafen erkrankten 5 -schwer; 4 davon verendeten nach 1-5 Tagen (+Malzew+). - -6. Bei =Schweinen= erweist sich das Chloroformieren +ungefährlich+. -Nach kurzer heftiger Erregung tritt Schlaf und vollkommene -Empfindungslosigkeit ein. Nach der Narkose erholen sich die Tiere -rasch. Zu einer tiefen 25-136 Minuten dauernden Narkose wurden 22-100 -g Chloroform verbraucht (+Negotin+). +Ehrhardt+ (Zürich) hat 1000 -Schweine chloroformiert; bei Horizontallage ist nach ihm selbst die -tiefe Narkose durchaus ungefährlich. - -7. Für =Hühner= scheint das Chloroform ebenfalls ein +unschädliches+ -Narkotikum zu sein. Das Exzitationsstadium fehlt oft ganz oder ist sehr -kurz; nach ½-3 Minuten tritt Schlaf, nach ½ bis 10 Minuten vollständige -Empfindungslosigkeit ein. 18-105 Tropfen erzeugten eine 57-137 Minuten -lange Narkose; ein Tier starb an Bronchopneumonie (+Negotin+). - - -=Behandlung.= Stellen sich im Laufe einer Chloroformnarkose die -Erscheinungen der Herzschwäche oder Atmungslähmung ein, so muss in -erster Linie sofort mit dem Chloroformieren ausgesetzt und für Zufuhr -+frischer Luft+ gesorgt werden. Ferner sind +Exzitantien+ anzuwenden. -Man appliziert kalte Duschen auf den Kopf, lässt die Haut frottieren -oder appliziert beim Pferd kräftige Schläge mit der flachen Hand -in der Flankengegend. Ausserdem macht man subkutane Einspritzungen -von +Hyoszin+ (+Skopolamin+) oder +Atropin+ in Dosen von 0,05-0,1 g -für Pferde. Nach den Versuchen von +Paukul+ bewährten sich von allen -Methoden der Wiederbelebung am besten +Kompression der Herzgegend+ -nach +König-Maass+ in Verbindungen mit subkutanen Injektionen von -Skopolamin. Bezüglich der +Prophylaxe+ vgl. mein Lehrbuch der -Arzneimittellehre 8. Aufl. 1909 S. 99. - - -=Nachweis.= Der qualitative Nachweis des Chloroforms wird mittelst der -+Isonitrilreaktion+ geliefert. Man destilliert die zu untersuchenden -Teile (Lunge, Blut, Herzmuskulatur) und erwärmt das Destillat mit -weingeistiger Kalilauge und Anilin, wobei sich ein unangenehmer -charakteristischer Geruch nach Isonitril-Isozyanbenzol, C_{6}H_{5}CN, -entwickelt. Eine andere Reaktion besteht in der vorübergehenden -Blaufärbung beim Erwärmen des Destillates mit wenig β-Naphthol und -starker Kalilauge auf 50°. - - =Chloralhydrat.= Die tödliche Dosis des Chloralhydrats beträgt - bei +Pferden+ 150-200 g bei innerlicher oder rektaler Anwendung, - 50-75 g bei intravenöser. Die Versuche von +Negotin+ ergaben - folgendes: Bei rektaler Applikation (1 : 12-20) erzeugten Dosen - von 0,5 g Chloralhydrat pro kg Körpergewicht schwankenden Gang, - Zusammenstürzen der Tiere nach ¼-½ Stunde, sowie die Erscheinungen - der Proktitis. 0,6 g pro kg Körpergewicht hatten 4-5stündigen - Schlaf sowie nach 1-2 Stunden Anästhesie zur Folge. Bei der Sektion - erschien die Mastdarmschleimhaut dunkelrot, ödematös geschwollen, - blutunterlaufen und stellenweise desquamiert; die abgestossene - Epithelschicht bildete einen membranartigen Ueberzug über die - Kotballen. Die Submukosa enthielt eine gelatinös sulzige, orangegelbe - Flüssigkeit. Bei intravenöser Injektion (1 : 2) trat sehr rasch, - zuweilen noch während der Injektion, Zusammenstürzen, Anästhesie und - 2stündiger Schlaf ein. Die Dosis betrug 90-120 g. Bei der Sektion - war ausgebreitete Thrombose der Jugularis, sowie in zwei Fällen - heftige Phlebitis nachzuweisen (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. VI. - Bd.). -- Bezüglich der +intravenösen+ Injektion von Chloralhydrat - beim Pferd lautet das Urteil verschieden. +Vennerholm+ (Zeitschr. - f. Tiermed. 1. Jahrg.) empfiehlt bei Pferden, bei welchen das - Abwerfen zu gefährlich ist, die intravenöse Injektion von 50-60 g - Chloralhydrat in 150 g Wasser gelöst, filtriert und auf Blutwärme - gebracht, zum Zweck der allgemeinen Narkose. Dabei gibt er zu, +dass - in jedem Fall die Gefahr einer Periphlebitis und Thrombosierung der - Jugularis besteht+. Diese Thrombophlebitis soll jedoch zwar sehr - bedenkliche Erscheinungen bedingen, aber nur äusserst selten zum - Tod führen. Ich habe diese Angaben an Anatomiepferden nachgeprüft - und in einem Fall eine tödliche Verblutung aus der thrombosierten - Jugularis sowie Thrombosierung der Blutleiter im Gehirn, in einem - anderen Fall ausgedehnte Thrombosierung und Obliteration der - Jugularis festgestellt. +Cadiot+ und +Almy+ (Alfort) weisen auf - die grosse Gefahr der Phlebitis und Periphlebitis hin. Sie haben - ferner bei ganz einwandsfreier intravenöser Applikation des - Chloralhydrats ein Pferd nach einer sehr mässigen Dosis (10 g pro 100 - kg Körpergewicht) unter asphyktischen Erscheinungen sterben sehen. - +Pfeiffer+ (Operationskursus 1907) empfiehlt dagegen die intravenöse - Chloralinjektion. +Jedenfalls ist die intravenöse Injektion des - Chloralhydrats wegen der Gefahr der Thrombose nicht unbedenklich.+ - - Bei +Rindern+ beobachtete ich nach Klistieren von 25, 40 und 50 - g Chloralhydrat keinerlei Wirkung. Per os hatten 25, 35 und 40 g - +Schwanken+ in der +Hinterhand+ nach etwa einer Viertelstunde, 50 und - 75 g Schwanken im Kreuz nach 10 Minuten und Zusammenstürzen nach 20 - Minuten zur Folge. Erst bei diesen letzteren Dosen trat gleichzeitig - auch +Bewusstlosigkeit+ und +Unempfindlichkeit+ auf, welche ca. 3 - Stunden dauerten und an das Bild des Kalbefiebers erinnerten. +Hess+ - sah ein Rind nach 40 g per os in einer halben Stunde verenden. - - +Hunde+ werden durch narkotische Chloraldosen (2-5 g bei kleinen, - 5-10 bei grossen) häufig stark aufgeregt, rennen im Zimmer hin - und her und sind gegen Berührung sehr empfindlich. Auf dieses - Exzitationsstadium folgt Schwanken und Taumeln, Umfallen, zunehmende - Teilnahmslosigkeit gegen die Umgebung, Betäubung und Schlaf mit - starker Unempfindlichkeit, welcher mehrere Stunden andauert. Während - desselben sinkt die Temperatur, wie ich in einem Fall beobachten - konnte, bis um 2 Grade. Die tödliche Chloraldosis für Hunde beträgt - 10-25 g. +Negotin+ fand bei seinen Versuchen folgendes. Bei der - innerlichen Verabreichung des Chloralhydrats (1 : 4-7) wurden - die Tiere zunächst zum Teil traurig, betäubt, schwankten, fielen - zu Boden, teils wurden sie unruhig und aufgeregt und winselten - kläglich. Zuweilen gesellte sich hiezu bald Durchfall. Nach 0,25 g - Chloralhydrat pro kg Körpergewicht trat innerhalb 40 Minuten sodann - ein leichter, kurzdauernder Schlaf ein. Nach Dosen von 0,4-0,5 pro - kg Körpergewicht trat ein 1-1½stündiger Schlaf nach durchschnittlich - 20 Minuten ein; nach dem Erwachen beobachtete man starkes Zittern, - der Appetit und das allgemeine Wohlbefinden kehrten jedoch bald - wieder zurück. Bei Dosen von 0,5-0,9 pro kg Körpergewicht trat - nach 18 Minuten Schlaf und hierauf nach einigen Minuten völlige - Empfindungslosigkeit ein, welche 2-5 Stunden anhielt; während der - Narkose und nach dem Erwachen litten die Hunde an Durchfall. 1,0-1,6 - pro kg Körpergewicht erzeugten Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, - sowie nach 10 Minuten langer Narkose Tod infolge von Herz- und - Atmungslähmung. Nach +Schulze+ zeigte ein 12½ kg schwerer Hund nach - 25 g Chloralhydrat (2 g pro kg) eine 7stündige Narkose, ohne zu - sterben. - - Bei +Katzen+ wirken 0,15 g pro kg Körpergewicht giftig (+Lesage+). - - - =Paraldehyd.= Pferde zeigen nach meinen Versuchen (Berl. klinische - Wochenschr. 1887) auf 500 g Paraldehyd neben Erscheinungen der - Schwäche und Lähmung Hämoglobinurie infolge der Zersetzung der roten - Blutkörperchen durch das Paraldehyd. Die tödliche Dosis für Hunde - beträgt 3-4 g pro kg Körpergewicht. Ausführlicheres findet sich in - meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 124. - - - =Sulfonal.= Die tödliche Dosis beträgt nach meinen Untersuchungen - für Pferde und Rinder 150-200 g (0,5 pro kg Körpergewicht). Die - Erscheinungen der Sulfonalvergiftung bestehen in einem Tage lang - andauernden schlafartigen Zustand, welcher mit gesteigerter - Reflexerregbarkeit und Krämpfen abwechselt. Bei der Sektion findet - man regelmässig eine hämorrhagische resp. ulzeröse Gastroenteritis. - Vergl. Genaueres in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. - 122. - - - =Aether.= Die Todesdosis des Aethers betrug in einem Falle beim - Pferde 750 g nach vorausgegangener einstündiger Inhalation - (+Seifert+). Vergl. Genaueres über die Giftwirkung des Aethers in - meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 117. - - - =Antifebrin.= Um die Giftwirkung des Antifebrins bei den Haustieren - kennen zu lernen, habe ich Versuche bei gesunden Pferden, Rindern, - Schafen, Ziegen und Hunden gemacht (Monatshefte f. prakt. Tierheilk. - V, S. 145). Dieselben haben ergeben, +dass das Antifebrin für die - Haustiere ein sehr wenig giftiges Mittel ist+. Mit Ausnahme eines - von +Ehrle+ beim Pferd beschriebenen Falles (Kollapserscheinungen - nach 60 g Antifebrin) und einer von +Prietsch+ gemachten Mitteilung - (Sächsischer Jahresber. 1907), wonach ein Landwirt seinen beiden - kranken Rindern das Antifebrin nicht abwog, sondern nach Gutdünken - verabreichte, worauf sie unter Sinken der Temperatur und Atemnot 8 - Stunden nach dem Eingeben verendet sein sollen, ist bisher keine - Antifebrinvergiftung nach dem Gebrauch des Mittels bei Haustieren - vorgekommen. Die von +Ehlers+ (Berliner tierärztl. Wochenschrift - 1898) angeblich bei einer Kuh nach der Verabreichung von 3 Dosen - Antifebrin à 25,0 beobachtete tödliche Antifebrinvergiftung ist - sehr zweifelhaft. +Ehrhardt+ (Züricher Klinik) hebt besonders - hervor, dass er trotz jahrelanger Verabreichung von 2-3maligen - Einzeldosen von 20-30,0 (40,0-90,0 pro die) bei Pferden und Rindern - niemals nachteilige Folgen beobachtet hat. Nach meinen Versuchen - ertragen gesunde Pferde 300 g, Rinder 250 g, grosse Hunde und - Schafe 10 g Antifebrin, ohne zu sterben. Die tödliche Dosis beträgt - durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht; nur der Hund scheint etwas - empfindlicher zu sein (tödliche Dosis = ½ g pro kg Körpergewicht). - Die +Vergiftungserscheinungen+ bestehen im wesentlichen in - +motorischer Lähmung+, zerebraler Depression mit +Schlafsucht+, - +Sinken der Körpertemperatur+, +Herzklopfen+ und leichten - +gastrischen Störungen+. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken: - - 1. +Motorische Lähmung+ ist das erste von allen durch Antifebrin - erzeugten Vergiftungssymptomen. Dieselbe tritt beim Pferde schon - nach 60-75 g ein. Sie äussert sich in unsicherem Gange, Schwäche - im Hinterteil, Schwanken, Taumeln, Einknicken in den Gelenken, - Uebergreifen der Schwäche auf die Vorderbeine, Zusammenfallen, - Unvermögen aufzustehen und schliesslich in allgemeiner Muskellähmung. - Bei grossen Dosen treten diese Lähmungserscheinungen bereits wenige - Minuten nach dem Eingeben des Antifebrins auf. Berücksichtigt man - die Tatsache, dass das Antifebrin in Wasser schwer löslich ist - (1 : 200), so muss diese ausserordentlich rasche Resorption des - Mittels vom Magen aus merkwürdig erscheinen. Damit hängt auch die - auffallende Erscheinung zusammen, dass gewöhnlich schon ½-1 Stunde - nach dem Eingeben der Höhepunkt der motorischen Lähmung, welche sich - sogar auf den Sphincter ani ausdehnt, erreicht ist. - - 2. +Zerebrale Depression+ und +Schlafsucht+ ist nicht bei allen - Tieren und nicht immer in gleicher Intensität wahrzunehmen. Bald - zeigt sich nur eine gewisse Mattigkeit und psychische Benommenheit - (Pferd), bald beobachtet man einen kurzen, vorübergehenden - schlafsüchtigen Zustand bezw. Schlafsucht (Hund), bald tritt ein - stundenlanger, tiefer, ruhiger Schlaf ein (Rind und Kalb), bald ist - endlich ein rauschartiger Zustand wahrzunehmen, der an das Bild der - Alkohol- oder Chloroformnarkose erinnert (Ziege, Schaf). Während der - Hypnose ist gleichzeitig auch die sensible Erregbarkeit herabgesetzt. - - 3. +Ein Sinken der Körpertemperatur+ lässt sich konstant bei - allen Tieren nachweisen. Dasselbe tritt aber in der Regel erst - +nach+ erfolgter motorischer und psychischer Depression und zwar - synchron mit dem Höhepunkt derselben ein. Die Temperatur beginnt - durchschnittlich etwa 1 Stunde nach Verabreichung des Antifebrins - deutlich zu sinken. Die tiefste Temperatur ist nach ca. 4-10 - Stunden zu konstatieren. Der Temperaturabfall beträgt im Maximum - 3-4° C. Starkes Herzklopfen mit erheblicher Pulsbeschleunigung ist - gleichzeitig mit der Abnahme der Körpertemperatur wahrzunehmen. Die - +Atmung+ ist bei manchen Tieren sehr +beschleunigt+, bei anderen - normal. - - 4. Von +gastrischen Störungen+ wurden im späteren Verlaufe der - Vergiftung wahrgenommen Speichelfluss, Sistieren der Futteraufnahme - und des Wiederkauens, Verstopfung, Tympanitis, leichte - Kolikerscheinungen (Stöhnen, Unruhe, Meckern, Brüllen), sowie beim - Rinde eine kruppöse hämorrhagische Enteritis. - - 5. Besonders auffallende Veränderungen zeigt der +Harn+. Während - derselbe am 1. Tage gewöhnlich eine normale Farbe aufweist, selbst - in einigen tödlich verlaufenden Fällen, ist vom 2. Tage ab eine - zunehmende +Dunkelfärbung+ desselben wahrzunehmen, welche meist - mehrere Tage, mitunter sogar eine Woche, anhält. Der Harn zeigt - eine +dunkelbernsteingelbe+, +rotgelbe+, +dunkelbraunrote+, - +schwarzbraune+, ja selbst eine +tintenschwarze+ Farbe, sowie alle - Nuancen zwischen den genannten Farben (Azetylparamidophenol). - - 6. Die +Sektion+ der an Antifebrinvergiftung gefallenen Tiere ergibt - mit Ausnahme +entzündlicher Veränderungen im Digestionsapparat+ - einen ziemlich negativen Befund. Der Tod erfolgt unter dem Bilde der - Erstickung (Lungenödem, suffokatorische Hämorrhagien im Herzen). - Die spektroskopische Untersuchung des Blutes ergab niemals das - Vorhandensein von Hämoglobinämie. Danach wirkt das Antifebrin bei den - Haustieren nicht als Blutgift. - - - =Antipyrin.= Ueber den Grad der Giftigkeit und die Art der - Giftwirkung des Antipyrins bei den Haustieren habe ich eine Reihe - von Versuchen angestellt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde - V, S. 399). Ein 42 kg schwerer Hund ertrug die zweimalige - innerliche Verabreichung von 50 g Antipyrin ohne auffallende - Störungen des Allgemeinbefindens. Ein anderer 26 kg schwerer Hund - blieb gesund, trotzdem er im Verlauf von 14 Tagen insgesamt 80 g - Antipyrin innerlich erhalten hatte. 10 g Antipyrin erzeugten bei - subkutaner Injektion lokale Abszesse, dagegen keine nennenswerten - Allgemeinstörungen. +Pferde+, +Rinder+ und +Schafe+ zeigten nach - Dosen von 0,5-0,8 g Antipyrin pro kg Körpergewicht zwar eine - deutliche Vergiftung, blieben aber am Leben. Ein 360 kg schweres - Pferd blieb z. B. nach der innerlichen Verabreichung von 300 g - Antipyrin am Leben, desgleichen ein 480 kg schweres Rind nach - 250 g und ein 37 kg schweres Schaf nach 25 g Antipyrin. +Die - tödliche Dosis des Antipyrins beträgt für Rinder und Schafe 1 g - pro kg Körpergewicht.+ Beispielsweise starb ein 480 kg schweres - Rind nach dem Eingeben von 500 g Antipyrin. Das Antipyrin wirkt - auf die Haustiere als +Atmungsgift+ und +Krampfgift+, sowie als - +leichtes Akre+, nicht aber als Blutgift. Die von mir beobachteten - Vergiftungserscheinungen sind folgende: - - - 1. Die Antipyrinvergiftung beginnt mit +Zittern, Aufregung, - Unruhe, Schreckhaftigkeit und Atmungsstörungen+. Die letzteren - äussern sich in einer zunächst periodischen, anfallsweisen, später - kontinuierlichen Dyspnoe, welche wohl auf eine Erregung des in der - Medulla oblongata gelegenen Atmungszentrums durch das Antipyrin - zurückzuführen ist. Daneben sind Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, - leichte Kolikerscheinungen (Rind, Schaf), Erbrechen bezw. - Blutbrechen (Hund), verzögerter Kotabsatz, leichte Konjunktivitis - und Rhinitis, sowie Schweissausbruch (Pferd) zu konstatieren. - Die Körpertemperatur gesunder Tiere scheint durch Antipyrin sehr - verschiedenartig beeinflusst zu werden. Während beim Pferd und Rind - ein Temperaturabfall um ca. 1° beobachtet wurde, zeigten die übrigen - Versuchstiere (Hund, Schaf) eine Temperatursteigerung, welche bei den - Hunden 0,8-2,5, beim Schaf sogar 3,3° betrug. - - 2. Der Höhepunkt der Antipyrinvergiftung ist durch das Auftreten von - +Krämpfen+ charakterisiert. Dieselben stellen zunächst klonische - Krämpfe dar, welche aber bald in einen tonischen Krampf bezw. in - Tetanus (Orthotonus, Opisthotonus) übergehen. Dieser Starrkrampf - hielt beim Rind nicht weniger als 17 Minuten lang an; er ist als die - indirekte Todesursache (Erstickung) anzusehen. - - 3. Der +Harn+ der Versuchstiere zeigte ausser der bei Zusatz von - Eisenchlorid eintretenden Rotfärbung (Antipyrinreaktion) und ausser - der zuweilen ziemlich lange anhaltenden Polyurie (Pferd, Rind, - Hund) keinerlei Veränderungen, namentlich keine Verfärbung, keine - Hämoglobinurie, keine Albuminurie; nicht einmal die Reaktion wurde - geändert. Wie die spektroskopische Untersuchung des Blutes der - beiden gestorbenen Tiere in zweifelloser Weise ergab, lag auch - keine Methämoglobinämie vor. Das Antipyrin darf mithin als ein - Blutgift nicht bezeichnet werden. Interessant war es, dass bei dem - Versuchspferd nach der Verabreichung von 300 g Antipyrin der Harn - noch 14 Tage lang die Antipyrinreaktion zeigte, wodurch die bekannte - langsame Ausscheidung des Antipyrins bestätigt und illustriert wird. - - - =Eosin.= Das Eosin, ein Derivat des +Fluoreszeins+ - (Resorzinphtaleins), nämlich +Tetrabromfluoreszeinkalium+, wird seit - 2 Jahren in Deutschland zur Denaturierung der Futtergerste verwendet. - Die mit Eosin gefärbte Gerste erzeugt bei Schweinen nach längerer - Verabreichung angeblich eine Eosinvergiftung („Eosinschweine“), die - sich in einer mitunter tödlich verlaufenden Magendarmentzündung - äussern soll. Eine vom Reichsschatzamt angeordnete Nachprüfung hat - ergeben (vergl. den Deutschen Reichsanzeiger vom 13. 1. 10), dass - es ungewöhnlich grosser Mengen von Eosin bedarf, um Schweine krank - zu machen. Zwei Versuchsschweine zeigten selbst nach der Aufnahme - von 240 und 300 Gramm Eosin keine Gesundheitsstörungen. Diese Menge - beträgt das 6000fache der mit der Futtergerste täglich aufgenommenen - Menge von 0,05 Gramm Eosin. Ebensowenig zeigten im Jahre 1908 die - Bromberger Versuchstiere Krankheitserscheinungen, trotzdem sie 106 - Tage lang mit einer Eosingerste gefüttert worden waren, welche 20mal - mehr Eosin enthielt, als die gewöhnliche Eosingerste. - - - - -II. Pflanzliche Gifte. - - -Kolchikumvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Zeitlose+ oder +Herbstzeitlose+, +Colchicum - autumnale+, ist ein zu den Kolchikazeen (Liliazeen) gehöriges - Zwiebelgewächs, welches auf fruchtbaren und feuchten Wiesen Europas, - mit Ausnahme der Länder im Norden und am Mittelmeer vorkommt. Die - Zeitlose ist durch eine eiförmige, braune, mit häutiger Schale - umgebene, 3½ cm lange und ½ cm dicke Zwiebel gekennzeichnet, welche - tief im Boden steckt und an der Unterseite feine Wurzeln trägt. Der - Stengel blüht im Herbst, indem er 1-4 violettrötliche trichterförmige - Blüten treibt. Im Frühjahr darauf entwickeln sich dann die grossen, - langen, lanzettförmigen, spitzen, glänzend grünen Blätter (3-4), - zwischen denen sich die braunen, eiförmigen Fruchtkapseln ausbilden. - Die Samen, welche im Mai und Juni zur Reife gelangen, sind in - frischem Zustande weiss, getrocknet dunkelbraun, von rundlicher, - verkehrt eiförmiger Gestalt, 1-5 mm gross, fein grubig punktiert; - sie besitzen einen sehr bitteren, kratzenden Geschmack. Sie - enthalten namentlich in den braunen Schalen in den beiden innersten - Zellreihen zu 0,2-0,3 Proz. das giftige Alkaloid der Zeitlose, das - =Kolchizin=, einen gelblichen, amorphen, intensiv bitteren Körper - von der Zusammensetzung C_{22}H_{25}NO_{6} und das weniger giftige - +Kolchizein+ von der Formel C_{21}H_{23}NO_{6}; die Blätter, Zwiebel - und Blüten sind ebenfalls, wenn auch weniger kolchizinhaltig. - - -=Krankheitserscheinungen und Sektionsbefund.= Das Kolchizin ist ein -sehr starkes, wenn auch langsamer als andere Alkaloide wirkendes -Gift, welches in reinem Zustand Katzen schon in Dosen von 5 mg, -Menschen und Hunde in Dosen von 30 mg unter den Erscheinungen -der +Magendarmentzündung+ und +allgemeinen Lähmung+ tötet. Eine -Laxierwirkung entsteht bei Tieren schon nach Gaben von ¼ mg Kolchizin -pro kg Körpergewicht. Vergiftungen durch die Samen der Herbstzeitlose -ereignen sich hauptsächlich zur Sommerszeit (Mai, Juni) bei Rindern, -Pferden, Ziegen und Schweinen nach der Aufnahme von zeitlosenhaltigem -Futter, welches zuweilen bis zur Hälfte aus Kolchikum besteht. Auch im -Herbst können durch Aufnahme von Blütenblättern Vergiftungen entstehen. -Endlich geben ausgerodete Knollen in vereinzelten Fällen Veranlassung -zu Kolchikumvergiftung. Die beim Menschen beobachtete Einverleibung des -Giftes durch kolchikumhaltige Ziegenmilch (+Ratti+) scheint auch bei -Tieren (Säuglingen) vorzukommen. Die Milch von Kühen, welche Kolchikum -aufgenommen hatten, zeigte sich nämlich auch dann giftig, wenn die Kühe -keine auffallenden Krankheitserscheinungen aufwiesen (Ungar. Vet.-Ber. -1900). - -Die Einzelerscheinungen der Kolchikumvergiftung bestehen in -Appetitlosigkeit, Erbrechen, Speicheln und Schlingbeschwerden -(selten), +Kolik+, anhaltendem, häufig blutigem, +ruhrartigem -Durchfall+, +Tympanitis+ (bei Kühen), +vermehrtem Harnabsatz+, Drängen -auf den Harn, zuweilen +Hämaturie+ und Albuminurie (+Nephritis+), -und schliesslich +Anurie+. Weiterhin beobachtet man Anästhesie, -+Benommenheit+ des +Sensoriums+, Abstumpfung und Somnolenz bis zur -+Bewusstlosigkeit+, +Lähmung+ und +Schwäche+ namentlich im Hinterteil, -Zittern, Steifheit, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. -Ausnahmsweise treten im Anfang Gehirnreizungserscheinungen mit späterer -Depression auf. Der Puls ist schwach und unfühlbar, zuweilen beobachtet -man auch starkes +Herzklopfen+, die Atmung ist angestrengt, die -Pupille erweitert, es findet Schweissausbruch statt, die sichtbaren -Schleimhäute sind livide verfärbt, die extremitalen Teile kühl. Der -Tod tritt durchschnittlich nach 1-3tägiger Krankheitsdauer ein. Die -+Mortalitätsziffer+ beträgt 25-50 Proz. - -Bei der +Sektion+ findet man die Magen- (Labmagen-) und Darmschleimhaut -entzündlich geschwollen, von hämorrhagischen Herden durchsetzt und den -Darminhalt häufig blutig (hämorrhagische Gastroenteritis). In vielen -Körperorganen sind Ekchymosen vorhanden. Das Blut ist von dunkler Farbe -und schlecht geronnen. Zuweilen findet man auch Nierenentzündung und -Leberverfettung. - - -=Behandlung.= Das wichtigste chemische Antidot gegen die -Kolchikumvergiftung ist die +Gerbsäure+ (Bildung von unlöslichem -gerbsaurem Kolchizin). Man gibt entweder das reine Tannin (Rindern -10-25,0, Pferden 5-15,0, Schafen und Ziegen 2-5,0), oder tanninhaltige -Abkochungen, wie schwarzen Kaffee, Tee-, Eichenrinden-, Weidenrinden-, -Salbei-, Gerberlohe-Dekokt. Auch Jod in Form von Lugolscher Lösung wird -empfohlen. Ausserdem behandelt man die Darmentzündung mit +schleimigen+ -einhüllenden Mitteln und grösseren Gaben von +Opium+ (dieselbe -Dosis wie beim Tannin), oder macht subkutane Morphiumeinspritzungen -(Pferden 0,5). +Symptomatisch+ behandelt man die Schwäche- und -Lähmungserscheinungen mit subkutanen Injektionen von Aether, Kampfer, -Atropin oder Koffein. Endlich kann man beim Rind bei sichergestellter -Diagnose und noch nicht zu weit vorgeschrittenem Stadium der Vergiftung -den +Pansenschnitt+ mit nachfolgender manueller Entfernung des Giftes -ausführen. - - -=Nachweis.= Der Nachweis der Kolchikumvergiftung gelingt wohl immer -schon durch die +botanische+ Bestimmung der Pflanze. Der +chemische+ -Nachweis des Kolchizins erfolgt nach der Extraktion desselben aus dem -Magen- und Darminhalt, sowie aus dem Blut mittels +Chloroform+ nach -der im allgemeinen Teil genauer angegebenen Stas-Ottoschen Methode des -Alkaloidnachweises. Das Chloroform extrahiert das Kolchizin aus der -+sauren+, wässerigen Lösung (vergl. S. 33). Nach dem Verdunsten des -Chloroforms bleibt es als +gelblich+ gefärbte amorphe Masse zurück, -welche charakteristische Reaktionen zeigt. Dieselben sind folgende: 1. -+Gelbfärbung+ durch +konzentrierte Schwefelsäure+. 2. +Violettfärbung+, -später braun und gelb werdende Färbung durch +Salpetersäure+, die -gelb gewordene Lösung in Salpetersäure wird durch Kali rot gefärbt. -Durch rauchende Salpetersäure wird es violett bis indigoblau gefärbt. -3. +Blaufärbung+ durch konzentrierte +Schwefelsäure+ mit sehr wenig -Salpetersäure (Erdmanns Reagens). Schwefelsäurebihydrat löst Kolchizin -gelb auf; ein Zusatz von einem Tropfen Salpetersäure erzeugt einen -Farbenwechsel von grün zu blau, violett, blassgelb. 4. +Grünfärbung+ -durch +Eisenchlorid+ (dunkelgrüne Farbe). Die physiologische Reaktion -ist wenig ausgeprägt; +Frösche+ sterben auf 1-5 cg Kolchizin unter -fibrillären Muskelzuckungen und +Tetanus+, +Katzen+ sterben dagegen -schon auf 5 mg reinen Kolchizins. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde+. Ein Pferd hatte mit dem Heu, welches - 23½ Proz. Kolchikum enthielt, etwa 3⅓ kg Kolchikum aufgenommen. - Am 2. Tag nach der Fütterung zeigte sich der Appetit vermindert, - das Pferd erschien traurig und unlustig zur Arbeit. Am 3. Tag - stellte sich plötzlich heftiges Laxieren, sowie ein auffallend - starkes, mit Erschütterung des Brustkorbes verbundenes, in einer - Entfernung von einem Meter hörbares, anhaltendes Herzklopfen ein. - Die übrigen Erscheinungen bestanden in Kälte der extremitalen - Teile, schwachem, zuletzt unfühlbarem Pulse, Benommenheit des - Sensoriums, Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit und starkem Durchfall. - Am 4. Tag war das Pferd nicht mehr imstande sich zu erheben, es war - völlige Unempfindlichkeit, sowie hochgradige Apathie und Somnolenz - aufgetreten und das Tier starb unter starkem Schweissausbruch und - heftigen Konvulsionen. Die Sektion ergab als Hauptbefund eine akute - hämorrhagische Gastroenteritis neben alten Schwielen im Myokardium - (+Friedberger+, Ad. Woch. 1876). -- Ein Pferd, welches die Blüten - der Herbstzeitlose in grösserer Menge gefressen hatte, zeigte - heisse Maulschleimhaut, Speicheln, kaum fühlbaren Puls, schwankenden - Gang, Steifheit des Rückens und der Beine, stelzenartigen Gang, - Vorwärtsdrängen, fast ganz aufgehobene Empfindlichkeit, sowie - beim Eingeben von Arznei Erbrechen. Das Pferd genas am 5. Tag, - nachdem schwarzer Kaffee, Glaubersalz, Aloe und Kampfer angewandt - worden waren (+Kirnbauer+, Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1882). -- - 6 Pferde erhielten ein Vierteljahr hindurch im Heu täglich etwa - 80 g Herbstzeitlose. Sie zeigten abwechselnd Appetitstörungen und - Durchfall, so dass sie die Hälfte der genannten Zeit zum Dienste - unbrauchbar waren (+Trachsler+, Schweizer Archiv 1844). -- Von 60 - Pferden, welche inhaltlich der Literatur (bis 1872) durch Aufnahme - von Kolchikum mit dem Heu vergiftet wurden, starben 25 Proz. - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Ein Pferd zeigte - 6-7 Stunden nach der letzten Futteraufnahme Kolik, Speicheln, - Zähneknirschen, dünnbreiigen, blutigen Durchfall, Schlingbeschwerden, - 90 Pulse, 30 Atemzüge, Schwanken und Eingenommenheit. Die - Untersuchung des Heus gab einen grossen Gehalt an Herbstzeitlose. - Am 3. Tag war das Pferd nach der Verabreichung von Tannin und - Leinsamenabkochung wieder hergestellt (+Becher+, Zeitschr. f. - Vetkde. 1890). -- 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme von Heu, - welches stellenweise fast zur Hälfte aus Herbstzeitlose bestand. Sie - zeigten Kolik, Harndrang, rotbraunen Harn, Durchfall und Schwanken. - Ein Pferd starb nach 4stündiger Krankheitsdauer; die Sektion ergab - hämorrhagische Gastroenteritis (+Weinbeer+, ibid.). -- +Albrecht+ - (Woch. f. T. 1904) hat während seines 11jährigen Aufenthalts in - Freising fast jedes Jahr einen oder mehrere Vergiftungsfälle bei - Pferden beobachtet. Sie traten regelmässig in Stallungen auf, in den - Zeitlose enthaltendes Heu als Häcksel verabreicht wurde. Dagegen - traten Vergiftungen nie auf, wenn solches Heu auf die Raufe gegeben, - also unzerschnitten verfüttert wurde. Kolikerscheinungen können - nach seinen Wahrnehmungen vollständig fehlen. Die Krankheitsdauer - betrug bei tödlichem Ausgang 1-3 Tage. Ein Pferd zeigte abweichend - von dem gewöhnlichen Krankheitsbild auch die Erscheinungen der - Gehirnentzündung: hochgradige Erregungserscheinungen im Wechsel mit - Depression, so dass die Diagnose schwierig war. Der Fall lehrte - ferner, dass altes Heu kaum weniger gefährlich ist, als neues. -- - Eine vollständige Lähmung und hämorrhagische Darmentzündung bei 2 - Pferden beobachtete +Schuester+ (ibid. 1907), Kolik bei Pferden - +Götting+ (Preuss. Vet.-Ber. 1904 und 1906). - - 2. +Rinder.+ 2 Kälber frassen von den Blüten der Herbstzeitlose. - Eines derselben zeigte allgemeine Lähmung, Unvermögen aufzustehen, - Zähneknirschen, Aufblähung, Drängen auf den Harn und Kot, Zittern - und Pupillenerweiterung (+Kolb+, Preuss. Mitt. 1872). -- 2 Kühe - frassen ausgerodete Knollen der Herbstzeitlose. Sie zeigten - Kolikerscheinungen und stieren Blick. Eine Kuh starb nach 3 Tagen, - die Sektion ergab Darmentzündung (+Ehrmann+, Repertor. 1882). -- Nach - Versuchen an der Wiener Tierarzneischule waren zur Vergiftung von - Rindern 4-5 Pfund getrockneter Herbstzeitlose nötig (+Nicol+, Magazin - 4. Bd.). -- +Gerlach+ hat berechnet, dass die tierärztl. Literatur - bis 1872 zusammen etwa 150 Kolchikumvergiftungen bei Rindern mit - einer Mortalitätsziffer von 40 Proz. enthält; die Quantitäten des - aufgenommenen Materials (Blätter und Samenkapseln) betrugen in - einzelnen Fällen 3-5 Pfund (Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- 2 Kühe - erkrankten nach der Aufnahme von Heu, das mit vielen Samenkapseln - vermischt war; sie zeigten Schweissausbruch, Speicheln, Brechneigung, - Kolik, heftigen, andauernden, später blutigen Durchfall, vermehrten - Harnabsatz, dunkelroten Harn, Abstumpfung, Schlafsucht, Zittern, - Schwanken, kleinen, elenden Puls und vereinzelt anhaltendes - Herzklopfen. Genesung nach 6 Tagen (+Hetzel+, Repertorium 1889). - -- 6 Rindviehstücke erkrankten 1 Tag, nachdem sie auf der Weide - Herbstzeitlose aufgenommen hatten, unter Erscheinungen der Unruhe, - Stöhnen, Geifern, Mattigkeit, Schwanken, auffallendem kleinem, - beschleunigtem Puls, unterdrückten Pansengeräuschen und ruhrartigem - Durchfall. Die Sektion eines gefallenen Rindes ergab hämorrhagische - Entzündung des Labmagens, Darmes und der Blase (+Baumgartner+, - D. T. W. 1893). -- 2 Rinder erkrankten auf der Weide unter - Kolikerscheinungen, Schwanken, Apathie, übelriechendem Durchfall - und sehr schwachem Puls. Die Sektion ergab entzündliche Rötung der - drei ersten Mägen, sowie hämorrhagische Entzündung des Labmagens - und Dünndarms (+Kösler+, ibid.). -- 1 Kuh und 4 Kälber erkrankten - auf der Weide; sie zeigten starkes Speicheln, Zähneknirschen, - Meteorismus, Kolik und ruhrartigen Durchfall; 2 Kälber verendeten - infolge heftiger Entzündung des Labmagens und Darmes (+Mesnard+, - Recueil 1894). -- 35 Zuchtkühe erkrankten nach der Fütterung von - kolchikumhaltigem Gras an heftigem Durchfall, bei 3 Kühen wurden - blutige Abgänge, sowie Kolikerscheinungen beobachtet. 8 Kühe - verendeten am 4.-7. Tage; die übrigen genasen sehr langsam. Die - Sektion ergab hämorrhagische Entzündung im Pansen, sowie besonders - stark im Labmagen und Darm, ausserdem subendokardiale und subpleurale - Blutungen (+Baumgärtel+, Sächs. Jahresber. 1898). -- Eine ganze - Rinderherde aus 141 Stück bestehend, erkrankte nach dem Weiden auf - einer mit Herbstzeitlose stark besetzten Wiese. Sämtliche Tiere - zeigten schwankenden Gang und Diarrhöe; bei den schwerkranken war - profuser Durchfall mit Tenesmus, grosse Hinfälligkeit, Zähneknirschen, - sowie sehr unsicherer Gang mit Kreuzen der Hinterfüsse vorhanden. 9 - der 16 schwer erkrankten Tiere starben. Die Sektion ergab heftige - Entzündung des Dünn- und Dickdarms, sowie Ekchymosen am Perikardium. - Bei den überlebenden 7 schwerkranken Rindern wurde neben starker - Abmagerung ein Absterben grosser Flächen der Haut beobachtet - (+Révész+, Veterinarius 1896). -- Von 4 Kühen zeigte nach der - Aufnahme von Herbstzeitlose 1 starke Diarrhöe, Polyurie, Kolik, - Zittern und Lähmungserscheinungen und verendete nach 36 Stunden: - die Sektion ergab Labmagen- und Dünndarmentzündung. Die 3 anderen - zeigten nur Durchfall und Polyurie (+Trinchera+, Clin. vet. 1896). -- - Nach der Aufnahme von Kolchikumblüten erkrankten ½-¾jährige Rinder - an Diarrhöe und Hinfälligkeit mit subakutem Verlauf der Vergiftung - (Notschlachtung); dagegen zeigten 2 ältere Rinder nach der Aufnahme - der Samenkapseln die Erscheinungen der perakuten Magendarmentzündung: - heftige, blutige Diarrhöe, Eingenommenheit des Sensoriums, - Zusammenstürzen und Tod unter Krämpfen (+Schuester+, Woch. f. - Tierheilk. 1902). -- Jungrinder erkrankten auf der Weide unter - Kolikerscheinungen, blutigem Durchfall, Zittern, Unempfindlichkeit - und Lähmungserscheinungen; bei allen trat der Tod nach einigen Tagen - ein (+Musterle+, ibid. 1909). - - 3. +Schweine.+ Eine Schweineherde von 32 Stück, welche durch eine - Feststrasse getrieben wurde, deren Schmuck unter anderem aus - Herbstzeitlose bestand, erkrankte im Verlauf von 24 Stunden (+Stolz+, - Magazin Bd. 14). -- Nach den statistischen Zusammenstellungen von - +Gerlach+ starben von 38 erkrankten Schweinen 23. -- 10 Schweine - erkrankten an Kolchikumvergiftung, 5 davon starben. Ausser den - gewöhnlichen Vergiftungserscheinungen (Mattigkeit, Schwanken, starke, - leicht blutige Diarrhöe, Kälte der extremitalen Teile, pochender - Herzschlag, psychische Depression) wurden als besondere Symptome - beobachtet sehr beschleunigte Atmung, Albuminurie, Lungenhyperämie - bezw. Lungenödem und starke Leberschwellung (+Albrecht+, Woch. f. T. - 1897). - - -Klatschrosenvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Klatschrose+ oder der +wilde Mohn+, +Papaver - Rhöas+, ist eine als Unkraut auf den Getreidefeldern (Roggen, - Weizen) und Kleeäckern vielfach vorkommende, in der Zeit vom - Mai bis August blühende, durch ihre grossen, scharlachroten, - vierblättrigen, am Grunde schwarzgefleckten Blüten charakterisierte - Papaverazee. Die bekannte, einjährige Pflanze wird bis zu einem - Meter hoch, besitzt einen rauhen, haarigen Stengel, mattgrüne, tief - fiederspaltige, den Stengel nicht umfassende Blätter, sowie eine - kahle, verkehrteiförmige, am Grunde abgerundete, mit 8-12kerbiger - Narbenscheibe versehene Kapsel. Im Gegensatz hierzu besitzt der - +Saatmohn+ oder +Gartenmohn+, Papaver somniferum, welcher von - Juni bis August blüht, weisse oder rote, an der Basis violette - Blumenblätter, wesentlich grössere Blüten (bis 10 cm gross), einen - kahlen, graugrün bereiften Stengel, abstehend behaarte Blütenstiele, - blaugrüne, kahle, nach oben hin stengelumfassende Blätter, sowie - kugelige oder eiförmige, bis 6 cm grosse Kapseln, mit 7-15strahliger, - am Rande gekerbter Narbenscheibe. - - -=Wirksame Bestandteile.= Die Klatschrose ist am +giftigsten+ während -der Blütezeit und im Beginn der Samenbildung (grüne Köpfe); vor der -Blüte und nach vollendeter Reife der Kapseln enthält sie nur wenig -giftige Bestandteile, so dass sie ohne Schaden verfüttert werden kann. -+Ueber die chemische Natur des Klatschrosengiftes fehlen genauere -Kenntnisse.+ Das in allen Teilen der Pflanze, namentlich in den Blüten -nachgewiesene +Rhöadin+ scheint ein indifferenter, ungiftiger Körper -zu sein, welcher weisse, geschmacklose, mit verdünnten Säuren noch -bei einer Konzentration von 1 : 1 Million sich rot färbende Kristalle -von der Formel C_{21}H_{21}NO_{6} bildet und sich bei entsprechender -Behandlung in Rhoeagenin und einen roten Farbstoff spaltet. Nach -+Dietrich+ sollen die Blüten von Papaver Rhoeas +Morphin+ (0,7 Proz.) -enthalten (Pharmazeutisches Zentralblatt Bd. 29). Auch +Selmi+ will in -den unreifen Fruchtkapseln ein dem Morphium sehr ähnliches Alkaloid -gefunden haben. Es ist aber fraglich, ob die Vergiftungserscheinungen -auf diesen Morphingehalt zu beziehen sind. Allerdings bedingt -auch das reine Morphin, namentlich bei Rindern, starke zerebrale -Vergiftungserscheinungen; dagegen lassen sich die bei der Vergiftung -auftretenden Reizungserscheinungen seitens der Darmschleimhaut nicht -auf das Morphin beziehen. Auch wird von anderer Seite bestritten, dass -in den Blüten der Klatschrose Morphin vorkommt (+Hesse+). Es kann daher -zurzeit nur allgemein aus den Symptomen der Klatschrosenvergiftung -gefolgert werden, dass im wilden Mohn ein +scharf narkotisches+ Gift -enthalten ist, welches einerseits eine stark erregende Wirkung auf -das Gehirn, andererseits eine entzündungserregende Wirkung auf die -Darmschleimhaut ausübt. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das ausserordentlich -charakteristische Bild der Klatschrosenvergiftung, welches man bei -+Rindern+ in den Monaten Juni und Juli zu beobachten Gelegenheit hat -(bei anderen Tieren ist die Vergiftung seltener), ähnelt dem Bilde -der akuten Gehirnentzündung. Die Tiere zeigen nach vorausgegangener -Unruhe und Schreckhaftigkeit Anfälle von +Raserei+ und +Tobsucht+, -so dass sie oft für wutkrank gehalten werden. Die Anfälle äussern -sich in wildem Blick, Brüllen, Neigung zum Stossen, Bohren und -Beissen, Losreissen von der Kette, wildem Umherrennen, Zähneknirschen, -hochgeröteten Schleimhäuten. Neben diesen maniakalischen Erscheinungen -gehen +epileptiforme Krämpfe+ einher, welche anfallsweise und oft -wiederholt auftreten und teils in Zuckungen der Gesichtsmuskel und -krampfhaftem Verdrehen des Kopfes und Halses, teils in Zusammenstürzen -und heftigen allgemeinen Konvulsionen bestehen und von einem Zustande -der +Bewusstlosigkeit+ abwechselnd unterbrochen werden. Während des -letzteren zeigen die Tiere Taumeln, +Schlummersucht+, sowie einen -rauschartigen Zustand mit vollkommener Anästhesie. Neben diesen -zerebralen Erscheinungen gehen +gastrische Störungen+ einher; -dieselben äussern sich in Speicheln, +Kolikzufällen+, +Tympanitis+, -+ruhrartiger+, bisweilen selbst +blutiger Diarrhöe+. Die Dauer der -tobsüchtigen und epileptiformen Anfälle beträgt meist nicht mehr als -einige Stunden, im Maximum einen Tag. Die Gesamtdauer der Krankheit -kann jedoch mehrere Tage betragen. Trotz der Hochgradigkeit der -nervösen Symptome sind Todesfälle ziemlich selten, so dass die Prognose -der Vergiftung ziemlich günstig ist. - -Bei der +Sektion+ findet man gewöhnlich nur die Erscheinungen einer -Magendarmentzündung, sowie starke Hyperämie des Gehirns und seiner -Häute. In einzelnen Fällen hat man ausserdem das Vorhandensein einer -Nephritis konstatiert. - - -=Behandlung.= Da die Klatschrosenvergiftung wahrscheinlich auf der -Einwirkung eines mit dem Morphin verwandten Alkaloides beruht, so ist -zunächst die Verabreichung von +Tannin+ und gerbsäurehaltigen Mitteln -(vergl. Kolchikumvergiftung) angezeigt. Im übrigen ist die Behandlung -eine +symptomatische+. Die Erregungserscheinungen bekämpft man durch -kalte Begiessungen des Kopfes, sowie durch Verabreichung von Bromkalium -(25-50,0), die Lähmungserscheinungen durch Exzitantien, die gastrischen -Störungen durch Verabreichung schleimiger Mittel. Im allgemeinen -kann bei dem meist günstigen Verlauf der Vergiftung ein zuwartendes -Verfahren eingeschlagen werden. - - =Kasuistik der Klatschrosenvergiftung.= 2 Kühe hatten grünen Roggen - mit viel Klatschrosen erhalten. Sie zeigten Schreckhaftigkeit, - Unruhe, Aufregung, vorübergehende Tobsucht, Zuckungen der - Gesichtsmuskeln, stieren Blick, Erweiterung der Pupille, Blindheit, - Taumeln, Auftreibung des Hinterleibs. Nach 5tägiger Krankheitsdauer - mussten sie geschlachtet werden (+Eggeling+, Preuss. Mitt. - 1882). -- 6 Ochsen, welche Kaff mit viel Köpfen des wilden Mohns - gefressen hatten, erschienen dem Eigentümer der Tollwut verdächtig, - weil sie Anfälle von Raserei und Wildsein, Knirschen, Geifern, - sowie epileptische Erscheinungen (5-10 Minuten lange Krämpfe mit - Bewusstlosigkeit abwechselnd) gezeigt hatten (+Bahr+, Preuss. - Mitt. 1878). -- 20 Pferde, welche grüne Klatschrosen aufgenommen - hatten, zeigten leichte Kolik, wilden Blick, Pupillenerweiterung, - Schlummersucht, Schwanken, Unempfindlichkeit, sowie einen - rauschartigen Zustand (+Ravard+ und +Guilmont+, Ref. Repertor. - 1854 u. 55). -- Von 18 Rindern, welchen Klee mit viel Klatschrosen - gefüttert wurde, erkrankten innerhalb 16 Stunden 12. Sie zeigten - tobsüchtige Erscheinungen, Zuckungen, Krämpfe mit nachfolgenden - Perioden kurzer Betäubung. Einige Tiere wurden von den Anfällen, - die durchschnittlich 5-8 Minuten anhielten, wiederholt befallen. - Sämtliche Tiere genasen im Verlauf von 24 Stunden (+Wilhelm+, Sächs. - Jahresbericht 1893). -- +Walther+ (ibid.) beobachtete bei Rindern - grosse Somnolenz, Taumeln und Niederstürzen; in der Regel gingen die - Erscheinungen nach einigen Stunden vorüber. -- Auch +Möbius+ (ibid.) - beobachtete im Juni zahlreiche Vergiftungsfälle ohne schlimme Folgen. - -- +Tappe+ (Berl. Arch. 1894) sah bei Kühen Schreckhaftigkeit und - Tobsuchtsanfälle, Zuckungen der Gesichtsmuskel, Pupillenerweiterung, - stieren Blick, Taumeln, Kreuzschwäche und Kreuzlähmung. -- +Godfrin+ - (Belg. Annal. 1892) sah bei Kühen Schlafsucht, Meteorismus, - Kotverhaltung, sowie Verlangsamung von Puls und Atmung; starke Gaben - von Kaffee und Glaubersalz führten baldige Besserung herbei. -- - +Eberhard+ (Woch. f. Tierh. 1901) beobachtete bei 6 Rindern Unruhe, - Brüllen, Versuche sich von der Kette loszureissen, Krämpfe am Kopf - und Hals, sowie Verdrehen der Augen; nach 2 Stunden waren die Tiere - wieder vollkommen ruhig. - - =Vergiftung durch Opium, Morphium und Saatmohn.= Im Gegensatz - zum Menschen sind Vergiftungen durch Opium und Morphium bei den - Haustieren äusserst selten, unter anderem aus dem Grunde, weil die - Tiere wesentlich grössere Dosen ertragen, als der Mensch. Die Opium- - und Morphiumvergiftungen haben daher in der Tierheilkunde mehr ein - experimentell-wissenschaftliches, als ein klinisches Interesse. Ueber - die Morphium-Atropinvergiftung vergl. Atropin. Ueber die Wirkung des - Morphins bei den +einzelnen Haustieren+ sind eingehende vergleichende - Untersuchungen von +Guinard+ (la Morphine et l’Apomorphine, Paris - 1898) gemacht worden. Danach sind die +Einhufer+ (Pferd, Esel) am - empfindlichsten von allen Haustieren gegenüber dem Morphium. Die - mittlere toxische Dosis beträgt nämlich pro kg Körpergewicht beim - Pferd 7, beim Esel 9, beim Rind 15, bei der Katze 40, beim Hund - 65, beim Schwein 200 und bei der Ziege 400 mg. Hinsichtlich der - narkotischen Wirkung verhalten sich die einzelnen Tiergattungen - ebenfalls sehr verschieden. - - 1. Der +Hund+ zeigt allein von allen Haustieren eine eigentliche - Morphiumnarkose. Besonders empfindlich sind junge Hunde (ähnlich - wie Kinder); schon 2-7 mg pro kg Körpergewicht können bei - ihnen tödlich wirken, während erwachsene Hunde 10 mg sehr gut - ertragen. +Therapeutische+ Dosen erzeugen Kaubewegungen, vermehrte - Speichelsekretion, Drängen auf den Hinterleib und zuweilen Erbrechen, - die Herztätigkeit ist verlangsamt. Nach 10-15 Minuten tritt - Unruhe auf, sowie Unvermögen, sich mit dem Hinterteil aufrecht zu - erhalten; manche Hunde legen sich nieder und verfallen in Schlaf. - Hierbei ist die Sensibilität jedoch nicht herabgesetzt, sondern - die Reflexerregbarkeit sogar erhöht. Anästhesie entsteht nur bei - sehr grossen, toxischen Dosen. +Tödliche+ Dosen (60 mg pro kg - Körpergewicht) erzeugen zunächst festen Schlaf. Nach etwa 1½ Stunden - treten in tiefer Narkose plötzliche, anfallsweise, heftige Bewegungen - auf, wobei die Hunde meist erwachen. Sie können sich indessen nicht - erheben und verenden unter Trismus, Augenrollen und strychninartigen - tetanischen Krämpfen. -- Nach meinen eigenen Beobachtungen - differiert bei Hunden die Todesdosis zwischen 0,1 bei kleinen und 2,0 - bei grossen Hunden. - - 2. Das +Pferd+ zeigt nach 0,4 g Morphium Stampfen, Hin- und - Hertreten, Laufsucht und später Niedergeschlagenheit und - stumpfsinniges Benehmen. 0,75 g verursachen eine Steigerung und - längeres Anhalten dieser Erscheinungen, sowie ausserdem Steifheit - der Gliedmassen. 1,5 g verursachen lebhafte Exzitation, Trippeln, - Wiehern, Unaufmerksamkeit auf die Umgebung, sowie Unempfindlichkeit - gegen Berührung und Nadelstiche. Daneben beobachtet man Drängen - gegen die Wände, Spreizen der Hinterbeine, Taumeln, Nystagmus, - Verstopfung, tiefe Atmung und Pulsbeschleunigung. Esel zeigen - ähnliche Erscheinungen von Exzitation; intravenös wirken 1,5 g - Morphium tödlich. -- Nach meinen eigenen Versuchen starben Pferde - nach 10-20 g Morphium. Ein Versuchspferd erhielt z. B. +subkutan+ in - 250 ccm Wasser gelöst 10 g Morphinum hydrochloricum. Schon 5 Minuten - nach der Injektion fing es an unruhig zu werden. Die Unruhe steigerte - sich schnell, so dass sie schon nach ½ Stunde einen hohen Grad - erreichte. Insbesondere bestand stundenlanges Nachvorwärtsdrängen, - so dass sich das Tier die Brust und die Augenbogen blutig drückte. - Die Psyche war hochgradig benommen. Häufig nahm das Pferd eine - sägebockähnliche Stellung der Gliedmassen ein, wobei der Schweif - steif gestreckt wurde. Gleichzeitig bestand starkes Herzklopfen und - sehr beschleunigter Puls (120 pro Minute). Die Körpertemperatur - stieg am Nachmittag auf 41° C., um gegen Abend wieder zu sinken. - Am anderen Morgen schien das Tier wieder beruhigt, es zeigte sogar - wieder Appetit, indem es Futter aufnahm. Indessen war es doch sehr - matt, so dass es sich legte. Gleichzeitig war der Puls unfühlbar - geworden. 26 Stunden nach der Injektion verendete das Pferd ruhig - unter den Erscheinungen der Herzlähmung. Die Sektion ergab das - Vorhandensein parenchymatöser Veränderungen am Myokardium, sowie - starken Blutreichtum der Lungen. - - 3. Das +Rind+ zeigt nach 0,25-0,5 g Morphium Kaubewegungen, starkes - Speicheln, gesteigerte Erregbarkeit, Scharren, Hin- und Hertreten, - steife Bewegungen, Muskelzittern und gesteigerte Pulsfrequenz; nach - 9 bis 10 Stunden tritt Beruhigung mit Niedergeschlagenheit, jedoch - keine Schlafsucht ein. 1,5-2,0 g Morphium rufen tobsuchtähnliche - Erscheinungen hervor, ferner Tränen, Speichelfluss, Muskelzittern - und Schwäche im Hinterteil. Schwache und alte Kühe zeigten nach - 1,4-2,5 g Morphium nach einem vorausgegangenen Exzitationsstadium - tiefen, rauschartigen Schlaf mit Anästhesie und starker Aufblähung. - Im Gegensatz zum Hund (und Menschen) sind Kälber weniger empfindlich - als erwachsene Rinder. -- Nach meinen eigenen Versuchen (1893) zeigen - Rinder nach 1-2 g Morphium starke Aufregung. Sie ertragen ferner - 5 g subkutan und selbst 25 g per os, ohne zu sterben. Ein 115 kg - schweres Versuchskalb erhielt z. B. eine subkutane Injektion von 5 g - Morphinum hydrochloricum, in 125 ccm Wasser gelöst. Bereits nach 10 - Minuten stellte sich starke Unruhe und Aufregung ein, welche später - zunahmen. Das Tier drängte anhaltend gegen die Halfter, zeigte grosse - psychische Benommenheit, Stunden lang röchelnde, dyspnoische Atmung, - abundanten Speichelfluss und enorme Auftreibung der linken Flanke. - Die Körpertemperatur stieg von 38° C. auf 41° C. Am nächsten Morgen - waren fast alle Erscheinungen wieder verschwunden und am zweiten - Tage nach der Injektion war das Allgemeinbefinden des Kalbes bis - auf den noch etwas verzögerten Kotabsatz wieder völlig normal. Eine - 345 kg schwere Kuh erhielt per os 25 g Morphinum hydrochloricum - eingeschüttet. 4 Stunden darauf stellte sich Unruhe und Aufregung - ein, welche später zunahm und den ganzen Tag anhielt. Am Tage darauf - dauerten die Erregungserscheinungen noch fort, die Futteraufnahme - stellte sich indessen wieder ein. Am sechsten Tag war das Tier - wieder völlig hergestellt. Erscheinungen von Narkose wurden an der - Kuh während der ganzen Dauer des Versuchs nie wahrgenommen. -- Nach - +Hess+ (Berl. Arch. 1901) bedürfen Rinder ausserordentlich grosser - Mengen Morphium, um betäubt zu werden. Ein Kalb von 90 kg Gewicht - erhielt 90 g Morphium (1 g pro kg) eingegossen, ohne dass Schlaf - entstand; es traten vielmehr viele Stunden hindurch Erregungszustände - und nach 24 Stunden der Tod ein. Ein anderes Kalb starb nach 3 - Stunden auf 0,9 g pro kg. Ein 3 Wochen altes Kalb zeigte nach 0,024 g - pro kg subkutan tiefe Narkose nach 50 Minuten; ein anderes starb 41 - Stunden nach derselben Dosis unter Lähmung, aber ohne Narkose. 0,004 - g Morphium pro kg erzeugten in einem anderen Falle sechsstündige - Unruhe, 0,008 g pro kg schwere Aufregung und Lungenödem. - - 4. Die +Katze+ reagiert auf Morphium durch Erregung und Krämpfe, - ohne dass Narkose eintritt. Kleine Dosen erzeugen ferner Erbrechen, - nicht dagegen grosse. Junge Katzen sind viel weniger empfindlich, als - erwachsene; sie bleiben nach 0,05 g Morphium am Leben, während ältere - Tiere schon nach 0,04 g sterben. - - 5. Das +Schwein+ besitzt grosse Resistenz gegen Morphium; - Narkose tritt nicht ein; die tödliche Dosis beträgt 200 mg - pro kg Körpergewicht. Der Tod erfolgt nach vorausgegangenen - Erregungserscheinungen. Auffallend ist die intensive Blässe der Haut. - -- Nach +Hess+ starben Schweine nach 0,3 und 0,6 g Morphium pro kg - Körpergewicht in tiefer Narkose. - - 6. Die +Ziege+ und das +Schaf+ sind ebenfalls sehr resistent. - Die Maximaldosis kann bei der Ziege sogar auf 250-300 mg pro kg - Körpergewicht normiert werden. Narkose und Gehirnstörungen fehlen. - Charakteristisch ist die Sucht, in Gegenstände der Umgebung hinein - zu beissen. -- Nach +Hess+ scheinen die Ziegen gegen Morphium fast - immun zu sein. 1 g pro kg (5-26 g Morphium pro Ziege) bewirkt keine - Narkose, sondern versetzt die Tiere in Unruhe und Aufregung. Ein - Schaf wurde durch 0,36 g pro kg narkotisiert, ein anderes durch 0,2 g - pro kg anfangs aufgeregt, dann einige Tage lang matt. - - 7. Der +Elefant+ reagiert im ausgewachsenen Zustand nach einer - Beobachtung von +Lustig+ auf 30 g Morphium nicht. In einem von - +Frick+ beschriebenen Fall trat bei einem erwachsenen Elefanten die - Narkose auf etwa 44 g Morphium ziemlich intensiv ein, jedoch erst - nach 3 Stunden, und dauerte 24-36 Stunden. Die Verabreichung des - Morphiums geschah zusammen mit 4 l Rum, 1 l Wasser und ½ g Saccharin. - - 8. Das +Geflügel+ (Hühner, Truthühner, Gänse) zeigt nach den - Versuchen von +Awtokratoff+ Schläfrigkeit, verlangsamte Atmung, - Pupillenverengerung, sowie Blässe und Schlaffheit des Kammes und der - Kehllappen (subkutane Injektion 1proz. Lösungen). - - 9. +Ratten+ ertragen nach +Rübsamen+ (Arch. f. Pharmakol. 1908) - pro kg 1Omal mehr Morphium als der Hund und 100mal mehr als der - Mensch; die tödliche Dosis beträgt 40 mg pro 100 g Körpergewicht. - Sie sind ferner leicht an Morphium zu gewöhnen (gesteigerte - Zersetzungsfähigkeit, zelluläre Immunität). - - +Klinische+ Bedeutung besitzen meist nur die vereinzelten - Beobachtungen von Morphiumvergiftung, welche bei Kühen nach der - Aufnahme von =Mohnköpfen= (+Papaver somniferum+) gemacht worden sind. - Diese Mohnköpfe enthalten Spuren von Opiumalkaloiden (im Maximum - 0,03 Proz. Morphium und 0,04 Proz. Narkotin). Die Erscheinungen - dieser Mohnvergiftung haben oft grosse Aehnlichkeit mit der - Klatschrosenvergiftung, indem sie ebenfalls im wesentlichen unter - dem Bilde der Aufregung und Tobsucht verlaufen; es fehlen jedoch - die entzündlichen Erscheinungen seitens des Digestionsapparates - (Diarrhöe etc.). So beobachtete +Waltrupp+ (Preuss. Mitt. Bd. 3) bei - 2 Kühen, welche dem Eigentümer der Tollwut verdächtig erschienen, - starke Aufregung, Brüllen, unruhiges Hin- und Hertreten, Tympanitis, - sowie Verstopfung. +Leonhard+ (Repertor. 1850) beobachtete bei - 4 Rindern Kolikerscheinungen, Unruhe, Wälzen, Stöhnen, Brüllen, - Zähneknirschen, Schäumen, stieren Blick, Tympanitis und Verstopfung. - +Zipperlen+ (Repertor. 1888) konstatierte bei einer Kalbin, welche - Häcksel mit vielen zerkleinerten Mohnköpfen erhalten hatte, starke - Aufregung und Unruhe, Hin- und Herspringen, an der Kette zerren, - Tobsucht, starken Schweissausbruch, plötzliche Harnverhaltung etc. - Aehnliche Erscheinungen sah er bei 10 Rindern, welche trockene - Mohnköpfe erhalten hatten; es genasen jedoch sämtliche Tiere. - Nach +Hannemann+ (Preuss. Vet. Ber. 1904) zeigten Kühe, welche - im Grünfutter grosse Mengen von Mohnkapseln erhielten, keine - Krankheitserscheinungen; dagegen wurden ihre Kälber durch die Milch - vergiftet. Die Kälber waren nämlich in den ersten Lebenstagen - gelähmt, schlafsüchtig, hatten keinen Trieb zum Saugen und starben - nach 12-24 Stunden. -- Eine Vergiftung durch =Opium= bei einem Hund - beobachtete +Jakob+ (Woch. f. Tierh. 1908). Ein Windhund hatte - vom Besitzer innerhalb eines Tages 40 g Opiumtinktur = 4 g Opium - erhalten. Er zeigte darauf Unruhe und Aufregung, Hyperästhesie und - gesteigerte Reflexerregbarkeit, Schwanken, veränderte Gesichtszüge, - Sinken der Körpertemperatur und der Pulsfrequenz, sowie periodischen - Atmungsstillstand; die Giftwirkung dauerte 30 Stunden; der Hund wurde - geheilt. -- +Groll+ (ibid.) beobachtete bei einer Kuh nach einer - subkutanen Injektion von 1 g Morphium starkes Brüllen, Steigen in den - Futterbarren, Stossen mit den Hörnern gegen die Wand und Schlagen mit - den Füssen; nach und nach trat Beruhigung ein. - - Die +Behandlung+ der Morphiumvergiftung besteht in der Verabreichung - von Atropin (spez. Antidot), Hyoszin, Koffein und anderen - Exzitantien. In den oben erwähnten klinischen Fällen genügt - zum +Nachweis+ der stattgefundenen Mohnvergiftung vollkommen - die +botanische+ Untersuchung des Magen- und Darminhalts. Der - Vollständigkeit halber mögen hier indessen auch die +chemischen+ - Methoden des Morphiumnachweises erwähnt sein. Die Abscheidung des - Morphiums aus dem Untersuchungsmaterial erfolgt am besten nach der - Methode von +Dragendorff+ (vgl. S. 199), wobei jedoch überall statt - Benzol +Amylalkohol+ als Extraktionsmittel angewandt wird. Ausserdem - hat bei Anwesenheit grösserer Mengen von Morphin die Aufnahme des - Morphins in den Alkohol bei erhöhter Temperatur stattzufinden, - und es muss das Morphin sofort nach seiner Abscheidung aus der - Salzlösung vom Amylalkohol aufgenommen werden. Bei Untersuchung - des Harns muss zur möglichst vollständigen Entfernung des - Harnstoffes das Ausschütteln mit Amylalkohol mehrmals geschehen. - Die wichtigsten Morphiumreaktionen sind: 1. Die +Husemann+sche - mittelst Schwefelsäure und Salpetersäure. Man löst das Morphium in - konzentrierter Schwefelsäure auf und versetzt die Lösung nach 15-18 - Stunden mit einigen Tropfen verdünnter Salpetersäure oder ein paar - Körnchen gepulverten Salpeters, worauf die anfangs rötliche Lösung - schön blauviolett, schnell blutrot und dann tief+orange+ wird. Die - Reaktion gelingt auch bei Anwesenheit von 1/100 mg Morphin. 2. - Das +Fröhdesche Reagens+ mit Molybdänschwefelsäure. Konzentrierte - Schwefelsäure, welche pro 1 ccm 1 cg molybdänsaures Natron - enthält, färbt Morphin noch bei einer Menge von 5/1000 mg sogleich - prachtvoll +violett+, worauf eine grüne, braungrüne, gelbe und rote - Farbe entsteht. 3. +Salpetersäure+ färbt Morphin +orangegelb+. 4. - +Eisenchlorid+ färbt die +neutrale+ Lösung des salzsauren oder - schwefelsauren Morphiums königsblau. Die Eisenchloridlösung muss - sehr stark verdünnt sein. Ebenso umgibt sich ein Kristall von - schwefelsaurem Eisenoxydammon in einer neutralen Morphiumsalzlösung - mit einer blauen Zone. Eine weitere, vom Deutschen Arzneibuch als - besonders charakteristisch aufgenommene Morphinreaktion ist die - +Braunfärbung+ bei Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure und - Bismuthum subnitricum. - - - =Apomorphin.= Bei manchen Pferden und Rindern scheint eine - +individuelle+ Empfindlichkeit gegenüber therapeutischen - Apomorphindosen zu bestehen. Einem mit Lecksucht behafteten Pferd - gab +Kegel+ (Berl. Arch. 1894) 0,25 Apomorphin subkutan, worauf - sich bei dem Tier hochgradige Aufregung einstellte, die einer - grossen Mattigkeit Platz machte. Die nach 8 Tagen vorgenommene - Wiederholung der gleichen Prozedur hatte den Tod des Tieres zur - Folge. Auch +Schumacher+ und +Flum+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1892 - und 1894) beobachteten bei lecksüchtigen Rindern nach Dosen von - 0,15 bezw. 0,2 hochgradige Aufregung, Tobsucht, Krämpfe und sogar - raschen Tod. -- Ausführlicheres über die Wirkung des Apomorphins auf - die einzelnen Haustiergattungen findet sich in meinem Lehrbuch der - Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909, S. 150. - - -Tabakvergiftung. - - =Botanisches.= Der Tabak wird in Europa in 3 Sorten kultiviert. - 1. +Nicotiana Tabacum+, Tabak, virginischer Tabak (Solanee), hat - rispenförmige Blüten mit rosenroter Korolle, länglich lanzettliche, - beiderseits verschmälerte, bis 60 cm lange und 15 cm breite Blätter, - sowie einen stielrunden, oberwärts ästigen, bis 1½ m hohen Stengel. - 2. +Nicotiana makrophylla+, der Marylandtabak, eine Varietät des - vorigen, hat sehr breite, eirunde Blätter. 3. +Nicotiana rustica+, - der Bauerntabak, blüht mit grüngelber, tellerförmiger, kurzer - Korolle, hat gestielte, eiförmige, stumpfe Blätter, sowie einen - klebrigen, kurzhaarigen, bis 1 m hohen Stengel. In Australien sind - ausserdem Vergiftungen durch +Nicotiana suaveolens+ beobachtet worden. - - Das giftige Alkaloid des Tabaks, das =Nikotin=, bildet in reinem - Zustand ein schweres, farbloses, später gelbliches, flüchtiges Oel - von starkem Tabakgeruch und scharfem, brennendem Geschmack; Formel - C_{10}H_{14}N_{2}. Es ist in den grünen Blättern in sehr schwankenden - Mengen, nämlich von 1½-3 Prozent, in fertigem, trockenem Tabak zu - 0,5-5 Prozent enthalten. Längere Zeit abgelagerte Tabake enthalten - wegen der Flüchtigkeit des Nikotins wesentlich weniger von demselben, - als frische, ein- und zweijährige Tabake. Am wenigsten Nikotin - enthält der Havannatabak (Nicotiana repanda, mit weisser Korolle). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Nikotin gehört zu den -stärksten Giften (es übertrifft z. B. die Giftigkeit des Koniins um das -16fache). Neben seiner +reizenden Wirkung+ auf die +Schleimhäute+ und -die Darmmuskulatur (+Darmtetanus+) ist es ein erregendes Rückenmarks-, -Gehirn- und Herzgift (+Tetanus der quergestreiften Muskeln+, -+Atmungskrämpfe+; +digitalisähnliche Wirkung auf das Herz+). Wegen -der Flüchtigkeit des Nikotins findet eine Aufnahme desselben auch von -der unverletzten Haut aus statt. Kaninchen, Katzen und Hunde sterben -schon nach sehr geringen (½-2 Tropfen = 0,02-0,1 g) Mengen von Nikotin. -Pferde zeigen schon nach der subkutanen Injektion von 0,05 Nikotin -Vergiftungserscheinungen (+Ellenberger+). Vögel sterben nach dem -Einatmen eines Tropfens Nikotin innerhalb weniger Sekunden; sie sterben -sogar schon bei Annäherung eines in Nikotin getauchten Glasstabes -an den Schnabel. Die tödliche Dosis der getrockneten Tabakblätter -beträgt für Pferde und Rinder 3-500 g, Schafe und Ziegen 30 g, Hunde -und Katzen 5-25 g. Nächst dem Nikotin wirken am giftigsten die im -Handel vorkommenden Tabaklaugen, sowie die Tabakabkochungen; besonders -empfindlich gegen Nikotin scheinen Rinder zu sein. Nikotinvergiftungen -ereignen sich bei den Haustieren am häufigsten nach der epidermatischen -Anwendung des Tabaks gegen Hautparasiten, namentlich gegen Räude -(+Waschungen und Bäder mit Tabaklauge und Tabakabkochung+), da das -Nikotin wegen seiner Flüchtigkeit schon durch die unverletzte Haut -eindringt. Ausserdem kommen Tabakvergiftungen in Gegenden mit Tabakbau -vor, wenn Tiere, und zwar sind es meistens Rinder, auf dem Feld von den -Tabakblättern fressen. Besonders gefährlich sollen die halbverwelkten -Blätter sein. Vergiftungen mit reinem Nikotin sind bei unseren -Haustieren nur nach experimentellen Versuchen beobachtet worden. - -Die wesentlichsten Erscheinungen der Nikotinvergiftung sind: +Würgen+, -+Erbrechen+, +Speicheln+, +Kolik+, +Tympanitis+, +Durchfall+, -+Polyurie+. +Grosse Muskelschwäche+, +Schwanken+, +Zusammenstürzen+, -+Unvermögen aufzustehen+, +Lähmung+, +Zittern+. +Klonisch-tonische -Krämpfe der Körpermuskulatur+, +Opisthotonus+, +Zwerchfellkrämpfe+, -+Kontraktionen der Augenmuskeln+. +Stumpfsinn und Betäubung.+ -+Anfangs verlangsamte, später ausserordentlich beschleunigte und sehr -unregelmässige Herzaktion+, +stürmisches Herzklopfen+, +Kälte der -extremitalen Teile+, +erschwerte+, +selbst dyspnoische Atmung+. Dabei -ist das Bild der Vergiftung verschieden, je nachdem das Nikotin von -der Haut oder vom Darm aus aufgenommen wird. Bei epidermatischer -Anwendung des Tabaks (Räudebehandlung) können gastrische Erscheinungen -vollständig fehlen; der Tod kann hier lediglich unter den Erscheinungen -von Krämpfen mit nachfolgender Lähmung sehr rasch, z. B. schon -innerhalb ¼-½ Stunde, eintreten. Die durchschnittliche Dauer der -Nikotinvergiftung nach innerlicher Aufnahme beträgt etwa 24 Stunden, -doch kann die Rekonvaleszenz oft sehr lange (8-14 Tage) dauern. -- -Ueber chronische, unter dem Bild der +Amblyopie+ und +Amaurose+ -verlaufende Tabakvergiftungen bei Pferden ist aus Australien berichtet -worden (vgl. S. 197). - -Bei der +Sektion+ findet man nach der Aufnahme des Tabaks per -os die Erscheinungen einer katarrhalischen oder hämorrhagischen -Gastroenteritis. Nach Räudebädern und Tabakwaschungen findet man -jedoch nur ganz allgemeine anatomische Veränderungen (Ekchymosen in -verschiedenen Organen, namentlich unter der Pleura und unter dem -Peritoneum, Hyperämie der Lungen, des Gehirns und Rückenmarks). - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegengift des Nikotins ist das +Tannin+, -wofern die Vergiftung durch Aufnahme des Nikotins vom Magen aus -zustande gekommen ist; das Tannin bildet mit dem Nikotin einen -unlöslichen Niederschlag von tanninsaurem Nikotin. Statt dem reinen -Tannin (Dosis für Rinder 15-25 g) können auch tanninhaltige Abkochungen -(Kaffee, Tee, Eichenrinde, Gerberlohe) eingegeben werden. Ausserdem -wird die Verabreichung von +Jod-jodkalium+ (Lugolscher Lösung) -empfohlen, da auch durch das Jod das Nikotin ausgefällt wird. Im -übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+ (Exzitantien gegen -Lähmungserscheinungen, Bromkalium gegen Krämpfe). Bei Rindern hat -man endlich die Vornahme des +Pansenschnittes+ und die nachfolgende -manuelle Entfernung der Tabakblätter angeraten. - - -=Nachweis.= Nach der Aufnahme von Tabakblättern genügt das -Vorhandensein derselben im Magen, sowie der charakteristische -Tabakgeruch in Verbindung mit den beschriebenen Erscheinungen -der Vergiftung vollkommen zum Nachweis der stattgefundenen -Nikotinvergiftung. Sollte es bei der epidermatischen Anwendung des -Nikotins (Räudebäder, Tabakwaschungen) in einem Fall unentschieden -sein, ob der tödliche Ausgang wirklich durch Nikotinvergiftung bedingt -wurde, so muss zur Sicherstellung der letzteren der +chemische+ -Nachweis des Nikotins im Blut und in den inneren Organen des Körpers -geliefert werden. Zu diesem Zweck muss das Nikotin zunächst aus den -Körperorganen extrahiert werden. Diese Abscheidung des Nikotins kann -nicht nach der gewöhnlichen Stasschen oder Dragendorffschen Methode -erfolgen, weil das Nikotin sehr leicht zersetzlich und flüchtig -ist. +Dragendorff+ empfiehlt daher, nach vorheriger Reinigung des -sauren Auszuges mit Benzol das Nikotin aus +ammoniakalischer+ -Flüssigkeit durch möglichst leicht siedenden und fast geruchlosen -Petroleumäther auszuziehen und den Petroleumäther sodann auf -einem mit ätherischer Salzsäure benetzten Uhrschälchen bei einer -Temperatur von nicht über 30° zu verdunsten. Der Aetherauszug hat -den charakteristischen +Nikotingeruch+, und der Rückstand ist von -+harzig-amorpher+ Beschaffenheit. Eine andere Abscheidungsmethode ist -die durch +Destillation+. Man rührt die zu untersuchende Substanz mit -viel Wasser zu einem dünnen Brei an, versetzt mit Kalilauge bis zur -stark alkalischen Reaktion und destilliert aus einer Glasretorte mit -vorgelegtem Kühlapparat über. Das Destillat zeigt dann den +Geruch+ des -Nikotins, welches mit +Aether+ ausgeschüttelt und durch Verdunsten des -Aethers rein gewonnen werden kann. - -Die +Reaktionen+ des auf die eine oder andere Weise gewonnenen -Nikotins sind folgende: 1. Die physiologische Reaktion ist neben -dem Geruch der wichtigste Nachweis des Nikotins. +Frösche+ zeigen -nämlich nach subkutaner Injektion kleinster Mengen von Nikotin eine -ganz +charakteristische Stellung+. Die vorderen Extremitäten werden -nach hinten an die Seitenwände des Bauches angelegt, während die -Hinterschenkel rechtwinklig zur Längsachse des Tieres stehen und die -Unterschenkel dabei so stark gebeugt werden, dass die Fusswurzeln -einander auf dem Rücken berühren. 2. Die sog. Roussinschen Kristalle -sind rubinrote, in reflektiertem Licht dunkelblau schillernde, oft -zollange Nadeln, welche auf Zusatz von +ätherischer Jodlösung+ zu einer -ätherischen Nikotinlösung (1 : 100) aus der zunächst entstehenden -öligen Masse allmählich auskristallisieren. - -Andere Reaktionen sind: +blutrote+ oder +braune+ Färbung durch -Chlorgas; +rötlicher+ kristallinischer Niederschlag durch -Platinchlorür; +flockiger+ Niederschlag durch Gallussäure; +Geruch+ -nach +Tabakkampfer+ beim Aufgiessen eines Tropfens Nikotin auf trockene -Chromsäure unter Verglimmen. - - =Kasuistik.= 5 Kälber im Alter von 2-8 Monaten, welche mit Tabaklauge - gewaschen wurden, zeigten bald darauf Zittern, Atmungsnot, - Schweissausbruch, Aufblähung, Verstopfung und Lähmung (+Lydtin+, Bad. - Mitt. 1887). -- 3 Kühe, welche mit Tabakbrühe aus einer Tabakfabrik - gewaschen worden waren, stürzten der Reihe nach zusammen und starben - nach etwa ¼ Stunde (+Prehr+, Preuss. Mitt., Bd. 4). -- Rinder, welche - frisch geerntete Tabakblätter gefressen hatten, zeigten Unruhe, - Kolik, Zittern, Schwäche, Durchfall, Herzklopfen, Atmungskrämpfe, - Pupillenerweiterung und Lähmung (+Kohlhepp+, Bad. Zeitschr. 1848). - -- Hunde zeigten nach dem Aufbringen von 3-4 Tropfen Nikotin auf die - Zunge Angst, Unruhe, Zittern, beschleunigtes Atmen, Zusammenbrechen, - Konvulsionen, Opisthotonus, Winseln etc. und starben nach wenigen - Minuten (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Ein Pferd - zeigte 10 Minuten nach dem Waschen mit unverdünnter Tabakgose - hochgradige Schwäche, so dass es jeden Augenblick umzufallen drohte, - Zittern und Schweissausbruch über den ganzen Körper, Krämpfe - der Halsmuskulatur, brettharte Beschaffenheit der letzteren, - gestreckte Kopfhaltung, Vorfall der Nickhaut, Retraktion der Bulbi, - dunkelrote Verfärbung der Augenschleimhäute, Speichelfluss, harten, - sehr beschleunigten Puls (90 p. M.), stark pochenden Herzschlag, - aussetzende Atmung, sowie Benommenheit des Sensoriums. Genesung - (+Krämer+, Zeitschr. f. Veterinärkunde 1892, S. 550). -- Mehrere - Kühe wurden mit Tabakextrakt (Lecker Viehwaschmittel) gewaschen. - Sie zeigten Zittern, Unruhe, grosse Schwäche, Rotation der Bulbi, - Dyspnoe, Durchfall, Dysurie, sowie pfeifende Atmungsgeräusche. - Eine Kuh starb; eine andere zeigte noch nach 8 Tagen grosse - Muskelschwäche (+Matthiesen+, B. T. W. 1889). -- 2 Rinder zeigten - nach der Aufnahme welker Tabakblätter Erbrechen, Kolik, Aufblähen, - tonisch-klonische Krämpfe, sowie chronisches Siechtum. Die Sektion - ergab Gastroenteritis neben Blutungen in den Nieren und Körpermuskeln - (+Römer+, D. T. W. 1900). -- Ein Landwirt liess 9 Rinder gegen Läuse - mit flüssigem Tabakauszug waschen; infolgedessen verendeten innerhalb - einer Stunde 4 Rinder im Alter von 3-15 Monaten (Illust. Landw. Zeit. - 1902). -- Nach +Schröder+ (Woch. f. Tierh. 1908) wird bei dem stark - ausgedehnten Tabakbau im Kreise Kandel und bei dem grossen Mangel - an passenden Trockenstellen der grüne Tabak zum Trocknen an alle - möglichen Plätze und so auch oft an Scheunen und Stallungen gehängt. - Beim Ein- oder Ausspannen gehen die Tiere an dem aufgehängten - Tabak vorbei, nehmen hierbei mitunter Blätter auf und fressen - dieselben und ziehen sich Vergiftung zu. Am gefährlichsten ist der - halbdürre Tabak, bei dem die Rippen noch grün sind. Am folgenden Tag - stellen sich die ersten Symptome der Nikotinvergiftung ein: Fehlen - der Rumination, starkes Speicheln, Versagen der Futteraufnahme, - Kolik, Durchfall, beständiges Liegen auf der Streu, Unvermögen zum - Aufstehen, Lähmungen, besonders des Hinterkiefers, und vor allem - stark eingenommene Psyche. Man sieht den Tieren die Angst und die - ausserordentliche Hinfälligkeit schon am Gesichtsausdruck an. An - eine Rettung ist nicht zu denken und daher sofortige Schlachtung - angezeigt. -- In Australien (Neusüdwales) sollen im Jahr 1894 - bei Pferden infolge der Aufnahme des australischen Tabaks, der - Nicotiana suaveolens, epizootische Fälle von Erblindung (Amblyopie, - Amaurose) beobachtet worden sein, bei welchen die Pferde anfangs - unfähig waren, im Dunkeln zu sehen, und nach ½-2 Jahren angeblich - vollständig erblindeten (+Husemann+, D. med. Woch. 1894). -- Versuche - an Hunden mit dem von der französischen Monopolverwaltung in den - Handel gebrachten Tabaksaft sind von +Adam+ und +Lesage+ angestellt - worden (Recueil 1899). -- Ein Hund, der gegen Eingeweidewürmer Tabak - erhalten hatte, zeigte Krämpfe der Kau-, Hals- und Bauchmuskeln, - Schlinglähmung und Kollaps (+Livesey+, Journ. of comp. 1905). -- - Kaninchen sollen nach intravenösen Injektionen von Nikotin an - Arteriosklerose der Aorta erkranken (+Adler+ und +Hensel+, Deutsch. - med. Woch. 1906, S. 1826). - - -Strychninvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der Brechnuss (Krähenaugen), dem Samen von - Strychnos nux vomica, enthaltene Strychnin ist ein sehr giftiges - Alkaloid, welches bei den Haustieren teils infolge falscher - Dosierung, besonders bei intratrachealer Injektion oder zu lange - fortgesetzter Verabreichung (kumulative Wirkung, Ansammlung in der - Leber) Veranlassung zu Vergiftungen gibt, teils infolge von Aufnahme - strychninhaltigen Rattengiftes (Strychninweizen, Strychningrütze), - sowie von strychninhaltigem, zum Vergiften von Füchsen ausgelegtem - Fleisch, Heringsköpfen, Margarinepillen etc., letzteres namentlich - bei Hunden. Vergiftungen können sich auch dadurch ereignen, dass - in den Apotheken Strychninlösungen längere Zeit vorrätig gehalten - werden. In diesen vorrätigen Lösungen enthält oft der Rest infolge - Verdunstung des Wassers eine grössere Menge von Strychnin als - der Berechnung nach erwartet werden sollte. Werden z. B., wie - ich dies in einem Fall beobachtet habe, in einem Rezept 3 mg - Strychnin verschrieben und der Apotheker benützt zur Herstellung - dieses Rezeptes nicht, wie vorgeschrieben, die Wage, sondern eine - vorrätige, ältere Strychninlösung, aus deren Konzentration er die - 3 mg berechnet, so kann hierbei eine wesentlich grössere Dosis als - die beabsichtigte zur Anwendung gelangen. Vergiftungen durch die - Brechnuss selbst sind seit der Darstellung des Strychnins und der - ausschliesslichen Verwendung desselben nicht mehr vorgekommen (ein - älterer Fall ist von +Mewes+, Preuss. Mitt., Bd. 14 beim Pferd - beschrieben). - - Die +tödliche Dosis+ des Strychnins beträgt bei +subkutaner+ - Applikation durchschnittlich bei den Haustieren pro kg Körpergewicht - 0,5-1 mg. Danach betragen die niedersten subkutanen Todesdosen beim - +Rind+ 0,3-0,4 g, beim +Pferd+ 0,2-0,3 g, beim +Schwein+ 0,05 g, beim - +Hund+ 0,005-0,02 g, bei der +Katze+ 0,002-0,005 g. Beim +Geflügel+ - schwankt die Dosis sehr je nach der Gattung (vgl. S. 202). Bei - +intratrachealer+ Injektion wirkt beim Pferd schon 0,15 g tödlich. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Strychnin ist ein spezifisches -erregendes +Rückenmarksgift+, welches +Starrkrampf+ auslöst. Das -Bild der Strychninvergiftung ist daher im wesentlichen das des -+Starrkrampfes+ (Tetanus toxicus). Die Tiere zeigen tetanische, -blitzartig auftretende, über den ganzen Körper sich ausbreitende -Krampfanfälle von sekunden- bis minutenlanger Dauer, steife, gestreckte -Haltung der Extremitäten, des Halses, der Wirbelsäule, des Schweifes, -hochgradige +Schreckhaftigkeit+, sowie Dyspnoe während der Anfälle. -Von +diagnostischer+ Bedeutung ist die Auslösung eines Krampfanfalls -bei kleineren Tieren durch das Aufrichten derselben. Der Tod erfolgt -durch Erstickung. Der Verlauf ist im allgemeinen +sehr akut+. Von der -Aufnahme des Strychnins bis zum Auftreten von Krämpfen vergeht jedoch -eine sehr verschiedene Zeit, desgleichen vom Beginn des Tetanus bis -zum tödlichen Ende, je nach der Dosis, Form und Applikation, sowie -je nach der Tiergattung. Bei +Pferden+ beobachtete man nach der -intratrachealen Injektion des Strychnins zuweilen schon in wenigen -Minuten apoplektiformen Tod. +Schafe+ sterben nach subkutaner Injektion -durchschnittlich nach 12 Minuten. Bei +Hunden+ kann nach der Anfnahme -mittlerer Dosen per os je nach dem Füllungszustand des Magens längere -Zeit vergehen, bis die Vergiftung in die Erscheinung tritt (1-2 -Stunden) und die Vergiftung selbst, d. h. die Krämpfe, mehrere Stunden -(5-7) andauern; nach dieser Zeit ist meist keine Lebensgefahr mehr -vorhanden. Endlich ertragen Tiere, welche sich erbrechen können (Hunde, -Katzen, Füchse, Wölfe und anderes Raubzeug), oft auffallend grosse -Dosen von Strychnin. - -Die +Sektion+ ergibt wie beim gewöhnlichen Starrkrampf im allgemeinen -ein +negatives+ Resultat; als sekundäre Veränderungen beobachtet man im -Herzen und in der Lunge die Symptome der Erstickung. Vereinzelt wurde -eine konservierende Wirkung des Strychnins auf den Kadaver beobachtet; -ein Hundekadaver war z. B. noch nach 20 Tagen frisch (+Noack+). - - -=Behandlung.= Bei Hunden gibt man zunächst ein +Brechmittel+ -(Apomorphin subkutan); im Notfall dient auch ein Esslöffel -voll Kochsalz als Brechmittel. Das bewährteste Gegenmittel -gegen Strychnin ist das +Chloralhydrat+. Dasselbe wird speziell -Hunden in Dosen von 0,5-5,0, am besten in schleimigen Lösungen -rektal so lange verabreicht, bis der Krampf nachlässt. Auch eine -mehrere Stunden hindurch fortgesetzte oder öfters wiederholte -+Chloroformierung+ und +Aetherisierung+ oder eine kombinierte -+Chloralhydrat-Chloroformbehandlung+, sowie die Anwendung von -+Morphium+, +Sulfonal+, +Bromkalium+ oder grosser Dosen von +Alkohol+ -ist zu empfehlen. Als chemisches Antidot gibt man +Tannin+ oder -gerbsäurehaltige Mittel, im Notfall schwarzen Kaffee oder Tee. -Ausserdem kann man bei drohender Erstickung künstliche Atmung einleiten. - - -=Nachweis.= Für gewöhnlich genügt zum Nachweis der Strychninvergiftung -der ausserordentlich charakteristische +klinische+ Befund. Zum -Zweck des +chemischen+ Nachweises muss das Strychnin zunächst aus -den Körperorganen (Magen, Blut, Leber, Nieren) extrahiert werden. -Hierzu bedient man sich entweder der Methode von +Stas+ und +Otto+ -(Extraktion mit +Aether+, vergl. S. 33) oder einer von +Dragendorff+ -(Extraktion mit Benzol) angegebenen Methode. Nach der letzteren werden -die zu untersuchenden Objekte in fein zerkleinertem Zustand mit -+schwefelsäurehaltigem Wasser+ bis zur deutlich sauren Reaktion in der -Weise versetzt, dass auf 100 ccm Untersuchungsmaterial höchstens 5 ccm -verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) kommen. Man digeriert einige Stunden -lang bei einem Temperaturmaximum von 50°, koliert und presst, zieht -den Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem Wasser aus, koliert -und presst wieder, mischt die Kolaturen und verdunstet im Wasserbad -bis fast zur Konsistenz eines dünnen Sirups, welcher sodann mit dem -3-4fachen Volum +Alkohol+ (90-95 Proz.) 24 Stunden mazeriert wird, -worauf man filtriert. Das Filtrat wird destilliert, bis der Alkohol -übergegangen ist. Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird auf -ca. 50 ccm verdünnt, mit 25 ccm reinem +Benzol+ versetzt, anhaltend -geschüttelt, das Benzol abgehoben und mit neuem Benzol geschüttelt, -welches ebenfalls abgehoben wird. Die zurückbleibende wässerige -Flüssigkeit wird sodann mit Ammoniak deutlich alkalisch gemacht und -auf 40-50° erwärmt, wodurch das Strychnin frei gemacht und durch -anhaltendes Schütteln mit Benzol (25 ccm) in demselben aufgelöst wird. -Dasselbe Verfahren wird mit einem zweiten Benzolquantum wiederholt, -die Benzolmengen werden dann gemischt und das Benzol dann verdunstet. -Bleibt hierbei das Strychnin nicht in ganz reinem Zustand zurück, -so löst man den Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem Wasser -auf, übersättigt mit Ammoniak, schüttelt wieder mit Benzol aus und -verdunstet. Eine dritte Abscheidungsmethode ist von +Erdmann+ und -+Uslar+ (Extraktion mit +Amylalkohol+) angegeben. Das zerkleinerte und -mit Wasser zum dünnen Brei angerührte Untersuchungsobjekt wird mit -Salzsäure angesäuert, 1-2 Stunden bei 60-80° digeriert, koliert und -nochmals auf dieselbe Weise extrahiert. Die vereinigten wässerigen -Auszüge werden mit +Ammoniak+ stark alkalisch gemacht und zur Trockene -verdunstet. Der Rückstand wird gepulvert und mit +Amylalkohol+ -wiederholt ausgekocht. Die heiss filtrierten Amylalkoholauszüge werden -mit dem 1Ofachen Volum heissen salzsauren Wassers in Glaszylindern -stark geschüttelt, wodurch das Strychnin in letzteres übergeht. Zur -Extraktion von Fett wird die salzsaure Wasserlösung nochmals mit -Amylalkohol ausgeschüttelt. Dann wird mit Ammoniak neutralisiert und -das Strychnin durch Schütteln mit warmem Amylalkohol ausgezogen, -welcher zuletzt verdunstet wird, worauf das Strychnin zurückbleibt. - -Das abgeschiedene Strychnin wird nun auf seine Identität durch -verschiedene +Reaktionen+ geprüft. 1. Die wichtigste ist die -+Blaufärbung+ durch +Schwefelsäure+ und +Kalium dichromicum+. Man -löst das Strychnin in konzentrierter Schwefelsäure und bringt in -diese Lösung ein Kriställchen von doppeltchromsaurem Kali, worauf -sich violettblaue Streifen bilden, die später in Rotbraun übergehen. -Man kann die Reaktion auch in der Weise anstellen, dass man das -Strychnin in wenig schwefelsäurehaltigem Wasser löst und diese Lösung -mit einer Lösung von Kaliumdichromat (1 : 200) versetzt, worauf sich -Gruppen schön goldgelber Kristallnadeln abscheiden, welche sich in -konzentrierter Schwefelsäure blau lösen. Die Reaktion wird noch -durch 1/1000 mg Strychnin hervorgerufen. 2. Die +Blaufärbung+ mit -+Vanadin-Schwefelsäure+ ist ebenfalls sehr empfindlich. Eine Lösung -von vanadinsaurem Ammonium in Schwefelsäure (1 : 200) gibt mit -Strychnin eine violettblaue, blauviolette, violette, zinnoberrote, -lang anhaltende Färbung, bei welcher die Farbenübergänge von Blau -zu Blauviolett und Rot viel langsamer erfolgen, als beim ersteren -Reagens. 3. Der +physiologische+ Versuch wird angestellt mit +Fröschen+ -(Todesdosis des Strychnins = 0,05 mg) und +Mäusen+ (Todesdosis = 0,02 -mg). Das Auftreten von +Starrkrampf+ bei den Versuchstieren beweist mit -Sicherheit das Vorhandensein von Strychnin. - - =Kasuistik.= Ein gegen Kehlkopfpfeifen mit +intratrachealen+ - Strychnininjektionen behandeltes Pferd zeigte nach der - Injektion von 0,11 g Strychnin nach etwa 20 Minuten hochgradige - Vergiftungserscheinungen: Zuckungen, ausserordentliche - Schreckhaftigkeit und Zusammenbrechen mit dem Hinterteil. Im - Blut liessen sich Spuren von Strychnin nachweisen. Die Krämpfe - dauerten 20 Minuten, die Schreckhaftigkeit mehrere Stunden an. Ein - zweites Pferd zeigte nach 0,09 g ähnliche, jedoch geringgradigere - Vergiftungserscheinungen. Bei einem dritten Pferd traten nach 0,08 - g ebenfalls leichte Vergiftungserscheinungen ein. Eine Heilwirkung - liess sich nicht konstatieren. Danach ist bei intratrachealer - Injektion 1 cg pro Zentner Lebendgewicht die höchste therapeutische - Dosis für das Pferd (+Vogt+, Woch. f. Tierhlkde. 1891). -- Ein - grosser Hund erhielt von seinem Besitzer, einem Arzt, 0,05 - Strychninum arsenicosum eingegeben. Die hienach auftretende schwere - Vergiftung verschwand erst nach 10 Stunden nach Anwendung von - Morphium, Chloralhydrat und zweistündigem Chloroformieren (+Wolf+, - Sächs. Jahresber. 1897). -- Ein Rattenfänger hatte mit Strychnin - bestreute Fische gefressen (Rattengift). Die nach Ablauf einer Stunde - erfolgte Verabreichung von 3 g Chloralhydrat hatte mehrstündigen - Schlaf und dauernde Heilung zur Folge (+Sauer+, Woch. f. T. 1899). -- - 1 Vorstehhund erkrankte nach dem Fressen von Fuchsgift an heftigem - Tetanus; Chloralhydratklistiere (5,0) hatten totähnlichen Schlaf - zur Folge, worauf am andern Tage ein Rückfall eintrat, der sich - nach nochmaliger Anwendung von Chloralhydrat am 3. Tag wiederholte, - worauf Genesung eintrat (+Rosenfeld+, Tierärztl. Zentralbl. 1899). - -- Durch Strychnin vergiftete Hunde genasen nach Verabreichung einer - grossen Handvoll Seesalz (Journ. of comp. 1900), desgleichen Hühner - nach dem Eingeben kleiner Körnchen Atropin (+Ehlers+, D. T. W. 1900). - -- Weitere Vergiftungen von Hunden, Katzen und Schweinen sind von - +Merkle+, +Zix+ (Woch. f. T. 1898 u. 1899), +Uhlich+, +Deich+ (Sächs. - Jahresber. 1898 u. 1899), +Phail+ (Vet. journ. 1898), +Videlier+ - (Recueil 1897), +Rancillia+, +Maignon+ (Jour. de Lyon 1901 u. 1905) - u. a. beschrieben worden. - - - =Experimentalversuche.= Das Verhalten der einzelnen Haustiere - gegenüber dem Strychnin ist nach +Feser+ (Berl. Archiv 1880 u. 1881) - und +Schneider+ (Monatshefte für prakt. Tierheilk. 1900) folgendes: - - 1. +Pferde+ ertragen +subkutane+ Dosen von 0,1-0,2 mg Strychnin - pro Kilo Körpergewicht ohne Nachteil, indem sie nur leichte und - vorübergehende Zufälle zeigen. 0,3 mg pro Kilo Körpergewicht - subkutan injiziert sind für sehr alte, geschwächte, rückenmarkskranke - Pferde schon eine tödliche Dosis, während sie von jungen, kräftigen - Pferden meist ohne Gefahr ertragen werden. 0,4 mg Strychnin pro Kilo - Körpergewicht töten jedoch jedes Pferd bei subkutaner Injektion - sicher innerhalb kurzer Zeit. Bei der +innerlichen+ Verabreichung - sind 5mal grössere Dosen nötig, als die oben genannten; die subkutane - Injektion verhält sich also zur stomachikalen beim Pferd wie 1 : 5 - (+Feser+). - - 2. +Hunde+ zeigen nach +subkutanen+ Dosen von 0,1-0,2 mg pro Kilo - Körpergewicht eine leichte vorübergehende Wirkung. 0,2 mg pro - Kilo Körpergewicht subkutan werden von gesunden Hunden zwar noch - ertragen, sind aber für kranke Hunde gefährlich und sollten nur mit - grösster Vorsicht angewandt werden; sie erzeugen heftige, allgemeine - Starrkrampfanfälle und Zusammenstürzen. 0,3 bis 0,4 mg haben eine - schwere Vergiftung und häufig den Tod nach 12 Minuten bis 1½ Stunden - zur Folge. 0,5 mg pro Kilo Körpergewicht und darüber töten jeden - Hund bei subkutaner Applikation nach 10-50 Minuten. +Innerlich+ - gegeben bleiben 0,1-0,2 mg pro Kilo Körpergewicht ohne jede sichtbare - Wirkung. 0,3 bis 0,4 mg zeigen zuweilen heftige, zuweilen aber - auch gar keine Wirkung und eventuell Tod. 1 mg Strychnin pro Kilo - Körpergewicht tötet bei innerlicher Verabreichung jeden Hund. Beim - Hund verhält sich also die subkutane zur stomachikalen Dosis wie - 1 : 2. -- Bezüglich der +kumulativen+ Wirkung des Strychnins ergaben - die Versuche, dass subkutan 0,05 mg pro Kilo stündlich bis 10mal, 0,1 - mg pro Kilo dagegen stündlich nur 3mal ohne Gefahr angewandt werden - können; 0,2 mg pro Kilo dürfen subkutan höchstens 2mal und nur in - grossen Pausen gegeben werden. Innerlich kann man 10 Dosen à 0,1 - mg pro Kilo stündlich hintereinander geben; 0,2 mg pro Kilo können - 5mal 2stündlich hintereinander gegeben werden. Grössere Dosen wirken - giftig (+Feser+). - - 3. +Schafe+ äussern nach +subkutanen+ Dosen von 0,1 - 0,2 mg pro - Kilo Körpergewicht nur leichte vorübergehende Zuckungen; 0,3 mg - bedingen dagegen eine sehr heftige Wirkung und 0,4 mg pro Kilo den - Tod. +Innerlich+ bleiben 0,6 - 1,2 mg pro Kilo wirkungslos; 3,0 mg - haben eine sehr kräftige Wirkung, 4,0 mg pro Kilo den Tod zur Folge. - Die subkutane Applikation verhält sich zur stomachikalen wie 1 : 10 - (+Feser+). - - 4. +Schweine+ zeigen auf +subkutane+ Injektion von 0,1 mg pro Kilo - keine Reaktion; 0,2-0,3 mg haben eine geringe, vorübergehende - Wirkung; 0,4-0,6 mg pro Kilo bedingen eine sehr heftige Vergiftung, - welche jedoch meist nach 2-4stündiger Dauer in Genesung übergeht. - 0,6-0,7 mg wirken tödlich. Die subkutane verhält sich zur - stomachikalen Applikation wie 1 : 3 (+Feser+). -- 2 Schweine zeigten - nach der Verfütterung von 0,15 und 0,2 g Strychn. arsenicos. - keinerlei Krankheitserscheinungen (+Salles+). - - 5. Unter dem +Geflügel+ sind gegen tödliche Strychnindosen am - widerstandsfähigsten die +Hühner+; die tödliche subkutane Dosis - beträgt für sie 3-5 mg pro Kilo Körpergewicht, die stomachikale - 30-140 mg. Dann folgen die +Tauben+ (tödliche subkutane Dosis - 1,0-1,5, stomachikale 8-11 mg), +Enten+ (1,0 bezw. 3-4,5) und +Gänse+ - (1-2 bezw. 2,5-3 mg). Der Eintritt der Wirkung erfolgt bei subkutaner - Applikation in 2-10 Minuten, bei innerlicher in 3-20 Minuten. Das - Fleisch der mit Strychnin vergifteten Tiere erwies sich beim Genuss - als ganz unschädlich (+Schneider+). -- Nach +Falck+ (Med. Zentralbl. - 1899) sind Hühner und anderes Geflügel gegen die Brechnuss selbst, - sowie gegen wässerige Strychninlösungen, wenn dieselben in die - Speiseröhre oder in den leeren Kropf appliziert werden, ziemlich - widerstandsfähig (langsame Resorption, Zersetzung des Strychnins im - Blut). Dagegen sterben sie, wie andere Tiere, rasch bei subkutaner - Einspritzung wässeriger und bei stomachikaler Verabreichung - alkoholischer Strychninlösungen. -- +Vogel+ (Zeitschr. f. Biol. - 1896) untersuchte bei Hühnern, ob die Einverleibung grosser Mengen - von Strychnin eine giftige Beschaffenheit der +Eier+ bedinge. Er gab - Hühnern in 12-16 Tagen 0,28-0,36 Strychnin, hat aber in den Eiern - niemals Strychnin nachweisen können. -- Nach +Molitoris+ (Z. f. a. - Chemie 1905) scheiden Hühner grosse Strychninmengen aus, ohne Schaden - zu nehmen; in ihrem Blut lässt sich durch Farbenreaktion noch 1/1000 - mg Strychnin nachweisen. - - =Absichtliche Strychninvergiftung von Tieren zum Zweck der Tötung.= - +Pferde+ werden nach +Bock+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1906) am - schnellsten und sichersten in der Weise getötet, dass man ihnen eine - Lösung von 0,4 g Strychninum nitricum in 10 g Glyzerin intravenös - injiziert. Schon nach 3-4 Sekunden tritt blitzartiges Zusammenstürzen - und sofortiger Tod ein. Nach der intravenösen Injektion von 0,3 g - Strychnin brach ein Pferd nach 47 Sekunden zusammen und starb in - 5 Minuten unter tetanischen Erscheinungen (ibidem 1901). Gesunde - +Hunde+ starben nach +Ben Danou+ (Revue vet. 1902) am schnellsten - nach der intrapleuralen Injektion von 5 ccm einer gesättigten Lösung - von Strychninsulfat; bei nervenkranken Hunden verzögert sich jedoch - der Eintritt des Todes sehr. +Raubzeug+ vergiftet man nach +Merck+ - (Jahresber. 1900) am besten in der Weise, dass man feingepulvertes - Strychnin mit etwas Muskelfleisch zu einer Fleischpille formt und - diese in ein etwas grösseres Stückchen Fleisch steckt. Zur Vergiftung - von Füchsen steckt man das in einer Gelatinekapsel befindliche - Strychnin in einen Heringskopf, den man allseitig mit einer Naht - schliesst, oder in das ausgehöhlte Innere einer nussgrossen - Margarinepille, oder in die Bauchhöhle eines getöteten kleinen Tieres - (Vogel, Maus, Ratte). Die tödliche innerliche Dosis des Strychnins - beträgt hiebei für Füchse 0,05-0,1, Wölfe 0,25, Bären, Tiger und - Löwen 0,5-1,0. Die Strychninsalze erhalten sich jahrelang unzersetzt; - tritt die gewünschte Wirkung beim Raubzeug nicht ein, so hängt dies - nicht vom Präparat, sondern von dem Erbrechen der Tiere, sowie vom - Füllungszustand ihres Magens ab. - - -Vergiftung durch Kornrade. - - =Botanisches.= Die +Rade+ oder +Kornrade+, +Agrostemma Githago+ - (Familie der Karyophyllazeen; Unterfamilie Sileneen), ist ein - bekanntes, rotblühendes Unkraut auf Getreidefeldern (Roggen, Weizen), - mit einem ½-1 m hohen weissfilzigen Stengel, langen, spitzen, - graugrünen Blättern und einzelnen, langgestielten, roten Blüten. - Die allein giftigen +Samen+ sind schwarz oder dunkelbraun, kugelig, - nierenförmig, 2-3 mm gross und besitzen eine regelmässige höckerige - Oberfläche (Aehnlichkeit des Samens mit einer eingerollten Raupe). - Die Samen besitzen einen sehr charakteristischen mikroskopischen - Bau, welcher für den Nachweis derselben sehr wichtig ist. Die - Oberhautzellen sind nämlich ausserordentlich gross, geweihartig - verästelt, nach aussen gebuckelt, sehr dick und an der Oberfläche mit - winzigen Höckerchen besetzt; ihr Inhalt besteht aus einer rotbraunen - Substanz. Ebenfalls sehr charakteristisch sind die im Endosperm der - Samen vorkommenden +Stärkekörperchen+; dieselben haben eine spindel-, - spulen-, flaschen- oder eiförmige Gestalt, sind äusserst klein - (0,02-0,1 mm gross) und durch Einlagerung winziger Stärkemehlkörnchen - getrübt; in Wasser gebracht zerfallen sie, wodurch die beschriebenen - winzigen Körnchen frei werden und eine molekulare Bewegung zeigen - (wichtig für den Nachweis des Vorhandenseins von Rade im Mehl). - - Die Radesamen enthalten als giftigen Bestandteil das +Githagin+, - ein Glykosid, welches mit dem =Saponin= (+Sapotoxin+) identisch - ist (+Agrostemma-Sapotoxin+) und in Sapogenin und Zucker zerfällt. - Ausserdem enthalten sie eine zweite, gleich giftige Saponinsubstanz, - die +Agrostemmasäure+. Der Gehalt an Saponinsubstanzen beträgt 6-7 - Proz. Vergiftungen ereignen sich nach Verfütterung von Radeschrot, - sowie durch radehaltiges Mehl und Kleie infolge von mangelhaftem - „Ausreutern“ des Korns in der Mühle. - - -=Allgemeines über Saponinsubstanzen.= Unter diesem Namen fasst man eine -Anzahl glykosidischer Stoffe zusammen, welche nach +Kobert+ in etwa -150 Pflanzenarten (30 Familien) vorkommen und neben ihrer chemischen -Homologie mit der Grundformel C_{n}H_{2n-8}O_{10} gemeinschaftlich -nachstehende Eigenschaften besitzen: Schäumen in wässerigen Lösungen -(daher der Name Saponin, seifenartiges Glykosid), kratzenden -Geschmack, +entzündungserregende Wirkung auf Haut und Schleimhäute+ -(Dermatitis, Rhinitis, Konjunktivitis, Gastroenteritis), Auflösung der -roten Blutkörperchen (+Hämolyse+), sowie geringe oder ganz fehlende -Resorption vom Darmkanal aus. Die letztgenannte Eigenschaft erklärt die -eigentümliche Tatsache, dass bei intakter Darmschleimhaut grosse Dosen -der Saponinsubstanzen ertragen werden, ohne eine Allgemeinvergiftung zu -verursachen (vergl. die Kornradevergiftung), während bei vorhandenem -Katarrh oder bei Geschwüren der Darmschleimhaut die Resorption erhöht -und die Giftwirkung viel stärker ist. Ausserdem soll das Saponin -im normalem Darm in eine ungiftige Verbindung umgewandelt werden. -Subkutan erzeugen die Saponinsubstanzen Eiterung ohne Bakterien -(aseptische Eiterung); intravenös beigebracht wirken sie rasch tödlich -infolge Auflösung der roten Blutkörperchen und zwar schon in Dosen -von ½-1 mg pro kg Körpergewicht. Die anatomischen Veränderungen -bestehen ähnlich wie bei Phallinvergiftung in Zerstörung der roten -Blutkörperchen, Darmentzündung, Verfettung der Leber, der Nieren -etc. Zu diesen Saponinsubstanzen rechnet man +Saponin+, +Sapotoxin+, -+Sapogenin+, +Saporubin+, die +Quillajasäure+, +Polygalasäure+ -und +Agrostemmasäure+, das +Githagin+, +Zyklamin+, +Senegin+, -+Parillin+, +Assamin+ und +Melanthin+. Man spricht ferner von einem -Agrostemma-Sapotoxin, Quillaja-Sapotoxin, Gypsophila-Sapotoxin, -Sapindus-Sapotoxin usw. - - -=Krankheitsbild der Radevergiftung.= Die Saponinsubstanzen der Kornrade -(Sapotoxin, Agrostemmasäure) wirken entzündungserregend auf alle -Schleimhäute (+Gastritis+, +Enteritis+, +Stomatitis+, +Pharyngitis+, -+Konjunktivitis+, +Rhinitis+, +Laryngitis+), sowie +lähmend+ auf das -Zentralnervensystem und das Herz. Ausserdem sind sie ein starkes Gift -für die +roten Blutkörperchen+, welche dadurch aufgelöst werden. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen demnach in +Speicheln+, -+Schlingbeschwerden+, +Erbrechen+, +Kolik+, +Durchfall+, +Mattigkeit+. -Bei der +Sektion+ findet man hauptsächlich die Erscheinungen einer -intensiven +Gastroenteritis+, sowie lackfarbige Beschaffenheit des -Blutes. - -Eigentümlicherweise ist die Empfindlichkeit der einzelnen Tiergattungen -gegen das Radegift sehr verschieden. +Gänzlich immun scheinen Schafe, -Ziegen und Nagetiere (Kaninchen) zu sein.+ Auch erwachsene Rinder sind -wenig oder gar nicht für das Gift empfänglich. Am empfindlichsten -sind dagegen Hunde, Pferde, Schweine, Kälber und Hühner. Merkwürdig -ist ferner, dass sich manche Tiere mit der Zeit an die Radefütterung -+gewöhnen+, indem die giftige Wirkung des Saponins bei längerer -Verabreichung der Rade abnimmt, und dass das radehaltige Futter bei -einer und derselben Tiergattung nicht immer gleich stark giftig wirkt, -indem zuweilen sehr grosse Quantitäten von den Tieren ohne Gefahr -verzehrt werden. Ob dieses verschiedene Verhalten der Radesamen auf -Zersetzungen des Saponins oder auf einen verschiedenen Gehalt des -Rademehls oder auf eine zeitliche und örtliche Ungiftigkeit der -Radesamen nach Art der Lupinen oder auf eine gewisse prädisponierende -Beschaffenheit der Darmschleimhaut bei einzelnen Tieren (leichte -Verletzungen) zurückzuführen ist, muss dahingestellt bleiben. Auch -+individuelle+ Verschiedenheiten sind nicht selten. Sodann sind +junge -Tiere empfindlicher+, als alte. - - -=Therapie.= Die Behandlung der Radevergiftung besteht in der -Verabreichung von schleimigen, einhüllenden, sowie von exzitierenden -Mitteln (Aether, Kampfer, Koffein, Kaffee). In +prophylaktischer+ -Beziehung ist ferner ein Futterwechsel vorzunehmen. Ausserdem kann -durch gelindes +Rösten+ des Radepulvers in eisernen Pfannen das Saponin -zerstört werden (die Backofenhitze zerstört nicht alles Saponin!). -Endlich lässt sich durch ein bestimmtes +Schrotverfahren+ nicht nur die -schwarze Schale der Radesamen, sondern auch die vom Embryo gebildete -schwarze Randpartie entfernen, in welcher das Saponin ausschliesslich -seinen Sitz hat. - - -=Nachweis.= Zum Nachweis der Radevergiftung können die verabreichten -Futterstoffe (Kleie, Mehl) und der Magendarminhalt entweder einer -botanisch-mikroskopischen oder einer chemischen Untersuchung -unterworfen werden. - -Der +botanische+ Nachweis besteht in dem Auffinden der im Eingang -genauer beschriebenen schwarzen, warzigen Samenschalen mit ihren -charakteristischen Zellen (Untersuchung mit der Lupe), sowie in der -Feststellung der charakteristischen Stärkekörperchen im Mehl mittels -des Mikroskops. Der +chemische+ Nachweis der Radevergiftung stützt sich -auf gewisse Reaktionen des Githagins. 1. Schüttelt man 2 g Mehl mit 10 -ccm einer Mischung von 20 g 70proz. Alkohol und 1 g Salzsäure in einem -Reagensglas und lässt den Inhalt stehen, so nimmt die Flüssigkeit eine -gesättigt +orangegelbe+ Farbe an. 2. Man digeriert 500 g Mehl mit 1 l -85proz. Alkohol im Wasserbad, filtriert heiss, fällt das Filtrat mit -absolutem Alkohol, trocknet den Niederschlag bei 100°, nimmt ihn mit -kaltem Wasser auf, fällt den Auszug nochmals mit absolutem Alkohol, -filtriert und trocknet wieder. Durch dieses Verfahren wird das Githagin -(Saponin) rein dargestellt als ein +gelblichweisses+ Pulver von -+brennend bitterem Geschmack+, welches sich in Wasser leicht löst und -damit geschüttelt stark +schäumt+. - -Grössere Mengen von Rade im Mehl lassen sich endlich häufig schon durch -die +blaue+ Farbe des Rademehls nachweisen. - - =Kasuistik und Fütterungsversuche.= +Pusch+ (Ueber die Schädlichkeit - der Kornrade. Deutsche Zeitschr. für Tiermed. 1890) hat eine - grössere Reihe von Fütterungsversuchen bei den verschiedenen - Haustieren angestellt, welche folgendes ergeben haben. 1. Zwei - +Pferde+ wurden mit 1130 und 4400 g Rade gefüttert, die im Jahre - 1888 geerntet war; sie zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen. - Ein anderes Pferd erkrankte dagegen bereits nach 325 g 1889er Rade - an Stomatitis. Ein viertes Pferd erhielt 6½ kg Rade in 9 Tagen; - es zeigte heftiges Speicheln, ulzeröse Stomatitis (Erosionen), - Pharyngitis, Nasenausfluss und Husten. Eine Stute zeigte ausserdem - nach Verfütterung von 12 kg Rade in 12 Tagen häufiges Urinieren und - Blinken. Niemals entstand eine chronische Erkrankung; bei keinem - der Pferde wurden ferner spinale Lähmungserscheinungen beobachtet, - wie sie angeblich nach Haubner und Dieckerhoff bei Radevergiftung - vorkommen sollen. 2. Ein +erwachsenes Rind+ erhielt 8640 g Rade - in 5 Tagen ohne sichtbar zu erkranken. (Nach einer Mitteilung von - Oekonomierat Schulz in Petershagen verfütterte derselbe ohne den - geringsten Nachteil 400 Zentner reine Kornrade an 100 Zugochsen in - täglichen Gaben von 1 Pfund!). Dagegen starb ein 13 Tage altes +Kalb+ - nach der Verfütterung von 400 g Rade in einem Tage; die Sektion ergab - Entzündung des Rachens und Labmagens, Dünndarmkatarrh und Lungenödem. - 3. Zwei erwachsene +Schafe+ erhielten 12 kg Rade in 64 Tagen bezw. 11 - Kilo in 30 Tagen, ohne, abgesehen von einem leichten Nasenkatarrh, - zu erkranken. 4. Ein 6 Wochen altes +Schwein+ erhielt in 20 Tagen - 5420 g Rade; es zeigte lediglich starken Husten. 5. Ein alter +Hund+ - (Pinscher) erkrankte nach 50 g unter Erbrechen, Diarrhöe, Kolik - und Schwäche. 6. Ein +Huhn+ wurde den ganzen Sommer mit Schrot - gefüttert, das zu 44 Proz. aus Rade bestand, ohne zu erkranken. 7. - Vier +Kaninchen+ wurden ½ Jahr ausschliesslich mit radehaltigem - Schrot (25-44proz.) gefüttert; sie zeigten anfangs Nasenkatarrh und - Niesen, das sich allmählich verlor; sonst traten keine krankhaften - Erscheinungen ein. -- 2 junge Pferde zeigten nach der Aufnahme von - Rade starkes Speicheln, Zähneknirschen, Kolik, Kollern im Leibe, - übelriechende Diarrhöe, Zittern und Steifigkeit (+Contamine+, - Annal. de Bruxelles 1885). -- Ein Pferd, welches mit dem Hafer - grössere Mengen von Radesamen aufgenommen hatte, starb unter den - Erscheinungen einer dumpfen Kolik, sowie grosser, zunehmender - Schwäche (+Déchet+, Revue vétér. 1886). -- Ein Versuchspferd erhielt - 120 g Rademehl und am Tag darauf 1 Pfund Radebrot. Am nächsten Tag - zeigte es Appetitlosigkeit, Schlingbeschwerden, Traurigkeit und - Betäubung, indem es z. B. wie ein dummkolleriges Pferd Futter im - Maule behielt, ohne zu kauen; am Tag darauf hatte es sich wieder - vollständig erholt (+Röll+, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 11). -- - Nach +Lehmann+ und +Mori+ (Arch. f. Hyg. 1889) sind von allen Tieren - die Nagetiere gegen Kornrade am wenigsten empfindlich; ein Kaninchen - erhielt z. B. in 7 Tagen 105 g Radepulver, ohne zu erkranken. -- - +Sturm+ (Wiener landw. Zeitung 1889) fütterte jahrelang 2-3 kg - reines Radeschrot an Mastkühe und Ochsen ohne Schaden, desgleichen - +Meissl+ (ibid.) an Schweine monatelang bis 500 g pro Stück und Tag. - -- 7 Hunde zeigten nach dem Eingeben von Rademehl Unruhe, Erbrechen - und Schlingbeschwerden; bei der Sektion wurden Schwellung und - Rötung der Rachen- und Magenschleimhaut festgestellt (+Pillwax+ und - +Müller+, ibid.). -- Ein 19 Pfund schweres Versuchsschwein starb nach - der täglichen Verfütterung von 20-100 g Rade neben anderem Futter - nach 14 Tagen; ein anderes, 25 Pfund schweres Schwein verzehrte - allmählich bis 350 g Rade, blieb aber gesund. Eine Ziege starb nach - 3wöchentlicher täglicher Verfütterung von 300-500 g Rade neben - Heu. Die Sektion ergab starke Darmentzündung, sowie Exsudation im - Rückenmarkskanal (+Ulrich+, Bad. Mitt. 1882). -- Ein mit Rademehl - vergifteter Hund zeigte Unruhe, Erbrechen, Schlingbeschwerden, - Mattigkeit, Abstumpfung und Betäubung; bei der Sektion fand man - verschiedengradige, selbst kruppöse Entzündung der Schleimhaut der - Rachenhöhle, des Schlundes, des Magens, Dünndarms, Dickdarms und - Mastdarms, sowie des Kehlkopfes, Gehirnhyperämie und Hydrocephalus - acutus internus (+Röll+, l. c.). -- Eine Massenerkrankung von - Saugkälbern (Gastroenteritis) nach Verfütterung radehaltigen Mehls - hat +Tabourin+ (Recueil 1876) beschrieben. Fütterungsversuche bei - 4 Kälbern ergaben Unruhe, Zähneknirschen, Speicheln, Durchfall und - Koma. Bei der Sektion wurde Entzündung des Schlundkopfs, sowie - heftige Entzündung des Labmagens festgestellt. -- Nach +Viborgs+ - Versuchen erkrankte ein Hund von 60 g Rademehl, genas aber wieder; - ein Hund starb nach 30 g. -- +Stier+ (Berl. tierärztl. Wochenschr. - 1893, Nr. 51) beschreibt eine Kornradevergiftung bei 48 Mastschweinen - infolge Verfütterung von radehaltigem (6proz.) Roggenschrot. Die Haut - der Tiere war wie besät mit nadelkopf- bis zehnpfennigstückgrossen - Hämorrhagien; die Schweine zeigten ferner Taumeln und Schwanken, - Benommenheit des Sensoriums, Blutbrechen, Geifern, Dyspnoe, - Heiserkeit, dunkelroten bis teerschwarzen Harn, Dysurie, sowie - Schlingbeschwerden. -- +Monin+ (Petersb. landwirtsch. Zeitung 1889) - fütterte 6 schwache, magere Schafe täglich mit ¼-1 kg Rade, so dass - jedes Schaf im Laufe eines Monats etwa 20 g Rade erhielt; die Tiere - wurden nicht nur nicht krank, sondern ihr Nährzustand besserte sich - bedeutend. -- Nach +Kruskal+ (Arb. d. pharmakol. Instituts zu Dorpat - 1891) starben Hähne an Darmentzündung, wenn 21-37 g Rademehl pro kg - in den Magen eingeführt wurden. Katzen starben bei unterbundenem - Schlund nach 0,16 g Sapotoxin pro kg; ein Kaninchen erkrankte - dagegen nicht, als es in zehn Tagen 150 g Rademehl erhalten hatte. - -- +Kornrauch+ (Oesterr. Monatsschr. 1894, S. 489) berichtete über - Fütterungsversuche der Wiener landwirtschaftlichen Station bei 3 - Schweinen, welche 40-70proz. Radefutter ohne Schaden ertrugen, und - bezeichnet sogar das Radefutter als Mastfutter. -- Nach +Pourquier+ - (Revue vét. 1895) ist die Kornrade ein gutes Futtermittel für Schafe; - ein Schäfer verfütterte allein in einem Winter 3800 kg Radesamen. - -- +Perussel+ (J. de Lyon 1895) beobachtete akute Radevergiftung - bei Pferden und Mastochsen, welch letztere täglich 5 kg 80proz. - Rademehl erhielten. Die Erscheinungen bestanden in Appetitstörung, - Aufhören des Wiederkauens, Kolik, Diarrhöe, Unvermögen zu schlingen, - Koma und Dekubitus; die Sektion ergab Enteritis. -- Nach der - Verfütterung radehaltiger Kleie erkrankte eine Mutterstute mitsamt - dem saugenden Fohlen an Magendarmkatarrh (+Schultz+, Berl. Arch. - 1897). -- +Sabatzky+ (ibid. 1898) berichtet über eine Vergiftung - bei Schweinen, welche radehaltige (50proz.) Roggenkleie gefüttert - erhalten hatten. Die Erkrankung trat 14 Tage nach dem Beginn der - Fütterung zuerst bei den Ferkeln auf, dann auch bei den älteren - Schweinen. Die Erscheinungen bestanden in Appetitlosigkeit, - Schwellungen am Halse und Lähmung. Die Sektion ergab Gastroenteritis. - 20 Schweine verendeten, 8 wurden notgeschlachtet. -- +Peter+ (ibid. - 1899) sah auf einem Gute 17 Lämmer und einige ältere Schafe, welche - mit kornradehaltigen (50proz.) Mühleabfällen gefüttert wurden, - unter Gleichgewichtsstörungen, Krämpfen und Speicheln erkranken. - -- +Brummel+ (Veterinarius 1900) beobachtete bei einem 5jährigen - Pferd nach der Aufnahme grösserer Mengen von Kornrade Steifheit - der Gliedmassen, Taumeln, Trismus und Schlingbeschwerden. -- - +Hagemann+ (Bericht an den preuss. Landwirtschaftsminister und - Landw. Jahrb. 1903) hat durch Fütterungsversuche nachgewiesen, dass - die Verfütterung von kornradehaltigem Futter, wie es im Betriebe - des Müllereigewerbes gewonnen wird, bei unseren Haustieren keine - Vergiftung hervorruft. Milchkühe gaben nach Kornradeverfütterung - Milch mit einem minderwertigen Fette von anormaler Beschaffenheit. - Hühner und Gänse starben dagegen an Durchfall und Darmentzündung - in 24 Stunden, wenn sie 1,5 g bezw. 3-5 g Sapotoxin erhielten. -- - +Kronacher+ (Woch. f. Tierh. 1900) sah bei drei Kühen nach der - Verfütterung von radehaltigem Haferschrot Appetitlosigkeit, Stöhnen, - Husten und Speicheln; 1 Kuh verendete, 2 wurden notgeschlachtet. - -- +Lohmann+ (Z. f. öff. Chemie 1903) studierte die Giftigkeit - des Saponins für den Menschen (Schaumweine, Brauselimonaden) - an Kaninchen und fand, dass sie sehr grosse Dosen ohne Schaden - ertrugen (0,5-7 g Saponin per Tag). -- +Gips+ und +Ruthe+ (Berl. - Arch. 22. Bd.) sahen angeblich Pferde an Kornradevergiftung sterben - (Taumeln, Benommenheit, Atembeschwerden). -- +Ludewig+ (Diätetik - des Truppenpferdes 1904) sah bei Pferden nach der täglichen - Fütterung von 300 g Radesamen Kolikerscheinungen und Lähmung des - Sehnerven. -- +G. Müller+ (Sächs. Jahresber. 1905) glaubt, dass - beim Geflügel in der Praxis Radevergiftungen nicht vorkommen, - weil die Samen nicht freiwillig gefressen werden. Hühner zeigten - nach der Einverleibung von 5-10 g Samen nichts, nach 20 g leichte - Krankheitserscheinungen, nach 30 g Samen schwere Erkrankung und Tod - (hochgradige Atemnot, Speicheln, Rasseln, Blaufärbung des Kammes, - Tod nach 7-14 Stunden); die Sektion ergab Aetzstellen im Kropf und - Drüsenmagen. Tauben zeigten nach 1Otägiger Verabreichung von je 1 - g Radesamen nichts, starben aber nach einer Dosis von 2,5 g; die - Sektion ergab nekrotisierende Entzündung der Kropfschleimhaut. - -- Nach +Steinbrenner+ (Woch. f. T. 1908) erkrankten bei einem - Müller 2 Kühe an Kornradevergiftung. Das verfütterte, sogenannte - Tripplo war Schrot von den Kornrückständen, von Unkrautsamen, - vorherrschend Kornrade. Das Krankheitsbild bestand in Lähmung und - Eingenommenheit des Sensoriums. Die eine Kuh entleerte breiigen Kot, - bei der andern bestand Verstopfung mit hochgradiger Tympanitis, - die zu dreimaligem Troikarieren Anlass gab. Die eine Kuh verendete - an Magendarmentzündung, bei der anderen blieb eine Lähmung zurück; - die Kuh wurde schliesslich wegen Dekubitalgangrän getötet. -- - +Albrecht+ (ibid. 1907 u. 1908) fand bei seinen Versuchen, dass - Hühner trotz grosser Mengen eingegebener Radesamen nicht erkrankten, - und schliesst daraus, dass das Huhn offenbar die giftige Substanz der - Radesamen in seinem Verdauungsapparat zu zerlegen und unschädlich - zu machen imstande ist. Auch die Versuche mit Ziegen fielen negativ - aus. Eine trächtige Ziege erhielt wochenlang täglich 100-150 g - geschrotenen Radesamen, ohne zu erkranken. Auch bei gleichzeitiger - Verabreichung von hartem, die Darmschleimhaut mechanisch reizendem - Stroh frass die Ziege im ganzen 2¼ kg Radeschrot, ohne zu erkranken. - Die gleichzeitige Verabreichung von Abführmitteln (Natriumsulfat) - löste ebenfalls keine Erkrankung aus, trotzdem 6 kg Radesamen - innerhalb 21 Tagen verabreicht wurden (auch Abortus trat nicht - ein). Bezüglich der in der Literatur mitgeteilten widersprechenden - Ergebnisse der Radefütterung schliesst sich +Albrecht+ der Meinung - von +Pott+ (Handbuch der tierischen Ernährung 1907) an, dass nicht - alle Radesamen giftig bezw. gleich giftig sind, und dass der - Giftgehalt möglicherweise wie bei den Lupinen durch besondere, nicht - bekannte Ursachen bedingt wird (Befallungspilze?). -- +Brandl+ hat - bei seinen Versuchen über das Sapotoxin von Agrostemma Githago - (Arch. f. exp. Path. u. Pharmak. 1906 u. 1908) festgestellt, dass - dasselbe zu Sapogenin und Zucker zerfällt, und dass dem Sapogenin - eine ähnliche, wenn auch etwas geringere Giftwirkung zukommt, wie - dem Sapotoxin; ausserdem enthalten die Radesamen eine zweite, - gleichgiftige Saponinsubstanz, die Agrostemmasäure. Die angestellten - Fütterungsversuche ergaben folgendes: 1. +Hühner+ und +Tauben+ nahmen - Radesamen aus einem gemischten Körnerfutter freiwillig niemals - auf, und verschmähten auch Futter, das mit Rademehl bestäubt war. - Absichtlich beigebrachtes Rademehl erzeugte bei Tauben schon in - der geringen Menge von 2-3 g, bei Hühnern von 3-8 g eine deutliche - Vergiftung; 10 g pro kg Taube und 15 g pro kg Huhn wirkten nach - 2-3 Tagen tödlich. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Erbrechen, Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Durchfällen, Taumeln und - Lähmung. Dasselbe Krankheitsbild entstand nach der Einverleibung - von Agrostemma-Sapotoxin und Agrostemmasäure; dabei hatte es den - Anschein, als ob sich die Tiere an gewisse Mengen dieser Gifte - gewöhnten. 2. +Hunde+ zeigten von 0,05-0,08 Sapotoxin ab Erbrechen - und Durchfall. 3. +Schweine+ verschmähten anfangs Futter, dem 20 - g Kornrademehl beigemengt war, nahmen es aber dann, als es mit - Wasser angerührt war. Die tägliche Verabreichung von 50-100 g - Rademehl erzeugten bei einem Schwein heftiges Erbrechen und starken - Durchfall; ein anderes Schwein erhielt in 82 Tagen 6⅓ kg Rademehl - und nahm dabei um 3 kg an Körpergewicht zu; wenn die tägliche Dosis - auf 100-125 g gesteigert wurde, stellte sich Erbrechen, Husten und - Appetitlosigkeit ein. Nach der Verabreichung von 18 g Sapotoxin - zeigte ein 18 kg schweres Schwein Würgen und Erbrechen und starb an - Gastroenteritis und Hämolyse. 4. +Kaninchen+ erkrankten erst, wenn - 12 g Kornrademehl = 0,45 g Sapotoxin pro kg einverleibt wurden. - 15-17 g Kornrademehl pro kg wirkten nach 15-12 Stunden tödlich - (Durchfall, Magendarmentzündung). Danach ertragen Kaninchen viel - grössere Mengen von Kornrade, als Schweine und Geflügel (Verhältnis - 3 : 2: 1); um Krankheitserscheinungen hervorzurufen, braucht man - pro kg Körpergewicht bei Kaninchen 12 g, bei Schweinen 7-9 g, bei - Hühnern und Tauben 4-5 g Kornrade. 5. Ein +Pferd+, welches in 2 - Tagen 100 g Sapotoxin = 1400 g Rademehl erhalten hatte, zeigte keine - Krankheitserscheinung, desgleichen nicht ein +Rind+, das 50 und 90 - g Sapotoxin, sowie in 14 Tagen 4⅓ kg Rademehl erhalten hatte. Für - grosse Haustiere ist danach Futter mit einem Gehalt von 5-12 Proz. - Kornrade, wie es im normalen Betrieb des Müllereigewerbes gewonnen - wird, wahrscheinlich gefahrlos. -- Nach +Neumayer+ (ibid. 1908) - beruht die hämolytische Wirkung des Sapotoxins auf das Blut auf - einer direkten Schädigung der roten Blutkörperchen an der Oberfläche - (Zellgift); im Verdauungsapparat erzeugt es akute Geschwürsbildung. - -- +Holterbach+ (Berl. tierärztl. Woch. 1909) beobachtete bei - einem 8 Wochen alten Kalbe nach der Aufnahme von radehaltigem (10 - Proz.) Roggen Mattigkeit, Durchfall, Taumeln, Lähmung, Polyurie und - Konjunktivitis. - - -Vergiftung durch Kichererbsen. Lathyrismus. - - =Botanisches.= Die +Kichererbse+, +Cicer arietinum+ (Lathyrus cicer), - ist eine einjährige Hülsenfrucht (Familie Papilionazeen, Unterfamilie - Vizieen) mit roten, achselständigen Blüten und zweisamigen Hülsen, - sowie unpaar gefiederten, 13-17jochigen Blättern und ovalen, gesägten - Blättchen. Die Samen sind rundlich höckerig, über erbsengross, an - den Widderkopf erinnernd („arietinum“). Mikroskopisch sind die Samen - charakterisiert durch die ungleiche Länge der Palisadenzellen, welche - in ihrem mittleren Teile dünnhäutig sind. Die ebenfalls zuweilen - giftige +Platterbse+, +Lathyrus sativus+, welche im südlichen Europa - zur Brotbereitung gebaut wird, hat kantige, beilförmige, glatte - Samen, eine zweiflügelige Hülse, weissrosafarbige oder blaue Blüten, - einpaarig gefiederte Blätter, sowie einen geflügelten Stengel. - Aehnlich giftig wirkt zuweilen die +schwarze italienische Wicke+, - +Lathyrus Clymenum+, die +Paternostererbse+ und die +Luzerne+. - Lathyrus cicer und sativus sollen vor der Samenbildung unschädlich - sein, während Lathyrus Clymenum stets giftig wirken soll. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Kichererbsen enthalten -einen seiner genaueren Natur nach bisher noch unbekannten Giftstoff, -welcher zu gewissen nervösen Organen ganz spezifische Beziehungen -hat, und zwar in erster Linie zu denjenigen des Kehlkopfes (+N. -recurrens+) und zum +Rückenmark+. Werden Kichererbsen Pferden längere -Zeit hindurch verfüttert, so erkranken dieselben zunächst unter dem -Bild des +Kehlkopfpfeifens+. Daneben gehen die Erscheinungen einer -+chronischen Rückenmarksentzündung+ einher. Die Tiere sind zunächst -sehr schreckhaft und aufgeregt und zeigen im weiteren Verlauf die -Symptome einer +spinalen Lähmung+ sowohl motorischer als sensibler -Art, welche namentlich zuerst die hinteren Extremitäten in Form von -+Kreuzschwäche+ befällt (transversale Myelitis mit motorischer und -sensibler Paraplegie), und sich zunächst durch einen +schwankenden+ -Gang bemerkbar macht. +Im Stande der Ruhe erscheinen die Tiere meist -vollständig gesund+, indem sie die Erscheinungen des Rohrens, sowie die -Rückenmarkslähmung erst bei der Bewegung erkennen lassen; namentlich -ist auch der Appetit gewöhnlich unverändert. Manche Pferde zeigen -jedoch auch im Stall ein weiteres charakteristisches Symptom des -Lathyrismus, nämlich eine auffallende +Beschleunigung+ des +Pulses+ -(beginnende Lähmung des Vaguszentrums), welche sich bei der Bewegung zu -ausgeprägtem +Herzklopfen+ steigert. Der Tod erfolgt meist erst nach -monatelanger Krankheitsdauer unter den Erscheinungen der +Erstickung+. -Das Vergiftungsbild bei Rindern ist ähnlich, es fehlen jedoch die -Erscheinungen des Kehlkopfpfeifens. - -Bei der +Sektion+ findet man in vorgeschritteneren Stadien der -Krankheit eine +Atrophie+ und +Verfettung+ der +Kehlkopfmuskeln+ -(Stimmritzenerweiterer), sowie degenerative Zustände in den -Ganglienzellen der Vorderstränge des Rückenmarkes und des Vaguskerns. - -Die +Behandlung+ besteht neben Aenderung der Fütterung in der Vornahme -der +Tracheotomie+, wodurch die Pferde wieder arbeitsfähig gemacht -werden können, in der Verabreichung von +Strychnin+ (0,05-0,1 subkutan -für Pferde), sowie in der Anwendung +reizender Einreibungen+ in der -Kreuzgegend. Ausserdem ist Weidegang anzuempfehlen. - - =Kasuistik.= Zwölf Arbeitspferde, welche ein Vierteljahr hindurch - täglich 8 Pfd. Kichererbsenheu erhalten hatten, zeigten nach dem - Aussetzen dieses Futters die Erscheinungen der Rückenmarkslähmung und - Hartschnaufigkeit. 4 starben; die übrigen wurden durch die Vornahme - der Tracheotomie wieder hergestellt (+Lenglen+, Recueil 1860). -- - 35 Zugpferde erkrankten nach der Fütterung der Gemüseblatterbse - (Lathyrus sativus); 19 starben, 2 mussten getötet werden, nur 14 - genasen. Die Pferde erschienen im Stande der Ruhe bis auf das - Vorhandensein einer Pulsbeschleunigung gesund, insbesondere war der - Appetit ungestört; dagegen schwankten sie im Gehen und zeigten bei - der Bewegung im Freien, besonders in kalter, windiger Luft, Atemnot - und Röcheln, sowie Bluthusten, einige starben apoplektisch. Die - Behandlung bestand in der Vornahme der Tracheotomie, Verordnung von - Laxantien und Einreibungen auf den Kehlkopf, sowie in Anordnung - des Weidegangs. Bei der Sektion fand sich in einem Fall Schwund - der M. cricoarytaen. post. und lateral. und des M. thyreoarytaen.; - der linke Rekurrens war ferner auffallend dünn; die mikroskopische - Untersuchung der Muskeln ergab das Bild der Atrophie. In drei - anderen Fällen zeigten die Kehlkopfmuskeln mit Ausnahme des M. - crico-thyreoideus Verlust der Querstreifung und Verfettung; ausserdem - fand man Atrophie der Ganglienzellen im Vaguskern, sowie Atrophie - der multipolaren Ganglienzellen in den Vorderhörnern des Rückenmarks - (+Leather+, The veter. journ. 1885). -- Von 17 mit dem Samen von - Lathyrus sativus gefütterten Pferden erkrankten plötzlich 6 an so - hochgradigem Kehlkopfpfeifen, dass 2 erstickten und die übrigen - dem Erstickungstod nahe waren (+Lies+, B. Th. W. 1895). 2 schwere - Arbeitspferde erkrankten nach monatelangem Genuss kleiner Mengen - (46 kg insgesamt) Platterbsen an Kehlkopfpfeifen (+Call+, The - Vet., Bd. 63). -- 7 Kühe, welche auf einem mit Lathyrus clymenum - und alatum bepflanzten Acker frei weideten, zeigten bei vollkommen - erhaltener Fresslust und fieberlosem Zustand motorische und - sensible Lähmung der hinteren Gliedmassen, Unvermögen aufzustehen - und tonisch-klonische Krämpfe (+Alessandro+, Mod. Zooj. 1892). -- - Kühe, welche einen Monat lang ausschliesslich mit Lathyrus clymenum - gefüttert wurden, zeigten Verminderung und schliesslich Sistierung - der Milchsekretion, Schläfrigkeit, ataktische Bewegungen der - Hinterhand und schliesslich vollständige Lähmung derselben; Rohren - fehlte. Der Tod trat gewöhnlich eine Woche nach dem Auftreten der - Lähmung ein. Die Lähmung stellte sich zuweilen noch 14 Tage nach - dem Aufhören der Lathyrusfütterung ein. Die Sektion ergab Hyperämie - und entzündliche Infiltration im Lendenmark (+Perrussel+, Recueil - 1896). -- Von 16 mit Lathyrus clymenum gefütterten Kühen erkrankten - 5 unter den Erscheinungen von Stumpfsinn, Lähmung, Kau- und - Schlingbeschwerden, Amaurose und Anästhesie (+Lucet+, Recueil 1898). - -- Mehrere Pferde, welche täglich 3 Pfd. Platterbsen erhielten, - erkrankten an Lathyrismus. 3 stürzten unter den Erscheinungen - der grössten Atemnot vor einem leichten Wagen nieder und mussten - geschlachtet werden. Die übrigen zeigten schwankenden Gang, sowie - pfeifendes Atmungsgeräusch und hochgradige Atemnot bei der Bewegung. - Die Obduktion ergab schwarzrote Farbe und blutige Durchtränkung - der gesamten Halsmuskulatur mit markstückgrossen Blutherden, - dunkelrote Färbung sämtlicher Kehlkopfmuskeln, sowie der Kehlkopf- - und Trachealschleimhaut (+Vollers+, Schleswig-Holstein. Mitt. 1896). - -- Aehnliche Fälle von Lähmung hat +Braasch+ (ibid. 1895) nach der - Verfütterung der russischen Zahnerbse bei 14 Pferden beobachtet. -- - +Mulotte+, (D. T. W. 1893) konstatierte Kehlkopfpfeifen bei Pferden - nach der Verfütterung von Luzerner Kleeheu. -- Nach +Schuchardt+ - (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1892) ist auch die sog. Lokokrankheit - (Loco Disease) der Pferde und des Rindviehes auf den Hochsteppen - im Innern von Nordamerika als Lathyrismus aufzufassen, der durch - die Aufnahme verschiedener Leguminosen, namentlich von Astragalus - mollissimus, bedingt wird. -- Ein 230 kg schweres, gesundes - Versuchspferd erhielt im Verlauf von 2 Monaten 136 kg Mehl aus - den Samen von Lathyrus sativus. Nach etwa 14 Tagen zeigte es eine - Steigerung der Pulsfrequenz auf 45, am 30. Tag erschien es etwas - reizbarer, die Hinterbeine waren steif, über den ganzen Körper traten - Muskelzuckungen auf, namentlich im Verlauf der Kruppenmuskeln und - an der Schulter, im Hinterteil war geringgradige Kreuzschwäche zu - bemerken, der Schweif wurde fortwährend zitternd hin und her bewegt. - Einige Tage darauf nahm das Schwanken im Kreuz zu; dagegen wurden - abnorme Atmungsgeräusche im Trab nicht bemerkt. Nach dem Aufhören der - Fütterung verschwanden alle Krankheitserscheinungen (+Agonigi+, Il - nuovo Ercolani 1900). -- Vergiftungen durch =Platterbsen=, Lathyrus - sativus, bei Pferden (Kehlkopfpfeifen, schwankender Gang) sind von - +Leather+ (Vet. journ. 1885), +Call+ (The Vet. 1890), +Lies+ (B. T. - W. 1895), +Vollers+ (Schleswig-Holst. Mitt. 1896) u. a. beschrieben - worden. -- Ueber Lathyrismus beim Menschen vgl. +Schuchardt+, - Deutsches Archiv f. klin. Medizin 1887 u. 1888, Bd. 40. - - -Vergiftung durch Taxus (Eibenbaum). - - =Botanisches.= Der +Eibenbaum+, +Taxus baccata+ (Konifere), welcher - in bergigen Gegenden Deutschlands wild vorkommt, wird häufig in - Gärten als Zierpflanze und in Hecken (Taxushecken) kultiviert. - Er wächst teils als Strauch, teils als Baum (bis 10 m hoch) und - ist durch seine immergrünen, oben dunkelgrünen, unten hellgrünen, - länglich breiten, spitzen, steifen Nadeln, seine rotbraunen Aeste, - sowie seine scharlachroten Beeren gekennzeichnet, welche violette - Samen einschliessen. Der Eibenbaum enthält namentlich in den Nadeln - einen scharf reizenden Stoff (Ameisensäure), sowie ein narkotisch - wirkendes Alkaloid, das =Taxin=. Vergiftungen sind bei allen - Haustieren beobachtet worden. Dieselben ereignen sich nach dem - Abweiden von Taxushecken und Taxuszierpflanzen in Gärten, Parken und - Schlossanlagen, nach der Aufnahme von Taxusblättern mit der Streu, - in Girlanden etc. Einen ähnlichen, vielleicht denselben Giftstoff - enthalten die Nadelhölzer der Gattung Cephalotaxus, welche jedoch - 6mal weniger giftig sind, als die Eibe. Die Ansicht, dass die Zweige - des weiblichen Eibenbaumes nicht giftig sein sollen, ist unrichtig; - nur die hellgrünen Winternadeln der Eibe sind bis zum Zeitpunkt ihrer - Dunkelgrünfärbung ungiftig (+Cornevin+, Journal de Lyon 1891 u. 1893). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Eibenbaum ist eines der -ältesten bekannten Gifte, welches wegen der Schnelligkeit und -Gefährlichkeit seiner Wirkung von jeher sehr gefürchtet war. Pferde -und Schafe sterben sehr rasch, meistens schon innerhalb einer Stunde, -nach der Aufnahme von 100-200 g, Rinder nach etwa 500 g, Schweine -nach 75 g, Hunde und Hühner nach 30 g Taxusblättern. Je nachdem -das narkotisch wirkende Taxin oder die in den Nadeln enthaltene -scharfe Substanz mehr zur Wirkung gelangt, ist das Vergiftungsbild -ein anderes. Tritt die +Taxinwirkung+ in den Vordergrund, so -stürzen die Tiere oft schon wenige Minuten nach der Aufnahme der -Taxusblätter +apoplektiform+ zusammen, oder sie verenden im Verlauf -einer Viertelstunde bis einer Stunde unter +Taumeln+, +Brüllen+, -+Zusammenstürzen+ und +Konvulsionen+. Kommt jedoch gleichzeitig infolge -langsamerer Resorption des Taxins auch die scharf reizende Wirkung -der Taxusblätter zur Geltung, so kompliziert sich das Krankheitsbild -der reinen Taxinvergiftung mit dem der +Gastroenteritis+, und der -Verlauf verlängert sich auf mehrere Stunden bis einige Tage. Die -Tiere zeigen dann zunächst +Würgen+, +Erbrechen+, +Speicheln+, -+Schäumen+, +Verstopfung+, +Tympanitis+, +Polyurie+, +Hämaturie+, -+Strangurie+ (Symptome einer Nephritis und Zystitis), und als Ausdruck -der Taxinwirkung +Schwindel+, +Betäubung+, +Zittern+, +Schwanken+, -+Zusammenstürzen+ und +Konvulsionen+. - -Bei der +Sektion+ findet man in den Fällen von apoplektiformem Verlauf -nichts Charakteristisches; bei längerer Krankheitsdauer beobachtet man -die Erscheinungen der Magen- und Darmentzündung, Gehirnhyperämie und -Gehirnödem. - -Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; man verabreicht Abführmittel, -einhüllende und exzitierende Mittel, sowie als chemisches Gegengift -Lugolsche Lösung. Beim Rind kann man auch den Pansenschnitt und im -Anschluss daran die manuelle Entleerung der Blätter versuchen. - -Der +Nachweis+ der Vergiftung ist im wesentlichen ein botanischer -(Nachweis der grünen Nadeln); es ist deshalb der chemische Nachweis -des Taxins (Extraktion nach der Stas-Ottoschen Methode mit Chloroform, -Rotfärbung mit konzentrierter Schwefelsäure) meist überflüssig. - - =Kasuistik.= 6 junge Rinder erkrankten nach der Aufnahme von - Taxusblättern. Eines derselben starb apoplektisch unter Konvulsionen - und lautem Brüllen, ein zweites nach 4 Tagen. Die übrigen genasen - nach 8 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Erbrechen, Tympanitis, - Verstopfung, Polyurie, Strangurie, Hämaturie, sowie allgemeinem Sopor - (+De Bruin+, Holländ. Zeitschr. 1883). -- 4 Rinder drehten sich - nach der Aufnahme von Taxusblättern plötzlich im Kreis, taumelten - und fielen in wenigen Minuten tot nieder (+Read+, The Veterinarian - 1844). -- 5 Fohlen weideten auf einem Platz, welcher mit einer - Taxushecke eingefasst war. 2 derselben starben plötzlich. Die - übrigen zeigten Zittern, Muskelzuckungen, Verlangsamung des Pulses, - unfühlbaren Herzschlag, Schwanken, Abstumpfung, Unempfindlichkeit, - Polyurie, Strangurie etc., von Zeit zu Zeit fielen sie wie tote - Körper um. Bei der Sektion der krepierten Tiere fand man Zweige und - Blätter des Eibenbaumes im Magen, die Magendarmschleimhaut dunkel - gerötet, im Dickdarm linsengrosse rote Flecken, den Darminhalt - blutig, die Gehirnhäute stark hyperämisch (+Gerlach+, Gerichtl. - Tierheilkunde 1872). -- Eine Schafherde hatte Eibenbaumblätter - gefressen. Mehrere Tiere wankten, taumelten, fielen um, stöhnten, - verdrehten die Augen und schlugen mit dem Kopf gegen den Boden. Nach - etwa einer Viertelstunde standen die Tiere wieder auf und fingen - wieder an zu fressen. Nach 1-3 Stunden wiederholte sich derselbe - Anfall, bei einigen war derselbe sogar ein drittes Mal zu beobachten - (+Mönch+, ibidem). -- +Dewez+ (Belg. Annal.) sah nach Aufnahme von - Eibenblättern Meteorismus, Harnzwang, blutigen Harn, Nephritis, - Hyperämie der Scheidenschleimhaut und tödliches Koma. -- +Hess+ - (Repertorium 1889) beobachtete bei zwei Pferden 2 Stunden nach dem - Fressen von Eibenblättern plötzlich auffallend schwere Erkrankung - und apoplektiformen Tod; die Sektion ergab gastroenteritische - Erscheinungen. -- 3 Rinder frassen in der Nacht von Eibenkränzen, - welche abends als Streu verwendet waren, und krepierten sämtliche - zwischen 4 und 5 Uhr morgens unter Zittern, Brüllen und - Zusammenstürzen. Bei der Sektion fand man die Labmagenschleimhaut - fleckig kirschrot gefärbt und geschwollen, die Schleimhaut des - Pansens und der Haube stellenweise dunkelrot, die Dünndarmschleimhaut - streifig gerötet (+Hable+, Oesterr. Zeitschr. 1889). -- 6 Rinder, - welche bereits faulende Eibenbaumblätter gefressen hatten, fielen - plötzlich um und starben in kurzer Zeit unter Krämpfen ähnlich wie - bei der Blausäurevergiftung (+Wallis Hoare+, Vet. Record 1893). - -- 2 Kühe starben nach der Aufnahme von Taxusblättern unter den - Erscheinungen von Schwindel, Zittern und Herzschwäche; bei der - Sektion fand man Ekchymosierung der Schleimhaut im Schlund, Magen - und Darm (+Kegelaer+, Holl. Zeitschr. 1894). -- Innerhalb 2 Tagen - verendeten 6 Kühe eines Besitzers ohne vorhergegangene auffallende - Krankheitserscheinungen ganz plötzlich nach kurzem Taumeln und - Zusammenstürzen unter Brüllen, nachdem sie den Abfall geschnittener - Taxusbäume gefüttert erhalten hatten (+Arndt+, Berl. Arch. 1895). -- - 2 Ziegen erkrankten nach dem Fressen von Taxusblättern unter starkem - Aufblähen, Schwanken, Taumeln und Schlafsucht; eine derselben wurde - durch den Pansenstich und Einbringen von Kognak und Glaubersalz - in den Pansen geheilt (+Schüler+, Zeitschr. f. Veterinärkunde - 1898). -- Die Pferde eines ganzen Zuges französischer Kürassiere - (24 Stück) frassen im Jahr 1870 im Park von Pange von den Zweigen - des Eibenbaumes und starben sämtlich apoplektiform mit Ausnahme - zweier Pferde, welche wegen Uebermüdung die Futteraufnahme versagt - hatten (+Lorenz+, Zeitschr. f. Vetkde. 1901 S. 7). -- Ein kräftiges - Arbeitspferd starb nach der Aufnahme von 139 g Eibenblätter schnell - unter Taumeln, lautem, löwenähnlichem Gebrüll und tetanischen - Krämpfen; ein 2jähriges Fohlen starb nach dem Fressen von 110 g - der Blätter im Verlauf von 10 Minuten unter Niederstürzen und - betäubendem Gebrüll (ibidem). -- 2 Fohlen zeigten nach der Aufnahme - von Taxusblättern Schwanken, stieren Blick und Schweissausbruch; - eins starb, die Sektion ergab purpurrote Flecken auf der Magen- und - Darmschleimhaut (+Phail+, Vet. journ. 1900). -- 2 Ziegen hatten - eine alte Girlande aufgefressen und zeigten starke Aufblähung, - Taumeln, sowie Schlafsucht. Die eine wurde notgeschlachtet, die - andere durch den Pansenstich und Abführmittel gerettet (B. T. W. - 1900). -- +Giancola+ (Giorn. soc. vet. 1901) hat das Taxusgift in - Form spiessiger Kristalle isoliert. -- +Graham+ (Journ. of comp. - 1903) beschreibt einen Vergiftungsfall beim Pfau und Schwein. -- 2 - Pferde starben, nachdem sie reichlich Taxusblätter in einem Park - gefressen hatten; bei der Sektion war der Schlund gelähmt und mit - Futter wurstartig gefüllt, das Blut erinnerte an Blausäurevergiftung - (Preuss. Vet. Ber. 1904). -- 2 Rinder, welche nur eine Handvoll - Nadeln und Zweige gefressen hatten, zeigten Zittern, Taumeln, - Lähmung, wiederholtes Zusammenstürzen, Tympanitis und Harndrang - (+Grimme+, ibid. 1906; D. T. W. 1907). -- 35 Ferkel wurden in eine - Bucht getrieben, in der abgeschnittene Taxusäste lagen. Nach 6 - Stunden war 1 Tier tot, 12 andere waren schwer erkrankt; sie zeigten - Taumeln, schwankenden Gang, lagen am Boden, zitterten und zeigten - Zuckungen am Kopf; nach weiteren 6 Stunden starben noch 2 Tiere - (+Migge+, Preuss. Vet. Ber. pro 1907). -- Experimentelle Versuche - mit Taxusblättern sind in grosser Zahl von +Viborg+, +Havemann+ und - +Orfila+ gemacht worden. - - -Vergiftung durch Buxus (Buchsbaum). - - =Botanisches.= Der aus dem Orient stammende +Buchsbaum+ oder - Splintbaum, +Buxus sempervirens+, aus der Familie der Euphorbiazeen, - kommt in Süd- und Mitteleuropa bis Thüringen wild vor und wird - in Gärten zur Einfassung von Wegen kultiviert. Sein Holz wird zu - Holzschnitten und Drechslerarbeiten verwendet. Der Buchsbaum hat sehr - charakteristische Blätter. Dieselben sind lederartig, immergrün, oben - glänzend, unten heller, länglich eiförmig bis rundlich, kurzgestielt, - an der Spitze stumpf oder ausgerandet, mit einem oberseits - hervorragenden Mediannerven und zahlreichen zarten, randläufigen - Seitennerven versehen; sie lassen sich leicht in eine obere und - untere Blattschicht trennen. Sie enthalten 3 Alkaloide: das =Buxin=, - +Parabuxin+ und +Buxinidin+, sowie ein bitteres Harz. Hauptalkaloid - ist das Buxin, ein weisses, lockeres, amorphes, sehr bitteres Pulver, - welches mit Bebeerin, Pelosin und Bibirin identisch ist. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Buxin ist in seiner -Wirkung mit dem Taxin nahe verwandt. Wie dieses besitzt es eine -narkotische, die Nervenzentren +lähmende+, stark giftige Wirkung. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen in +Schwindel+, +Betäubung+, -+Schwanken+, +rauschartigem Zustand+ und enden meist sehr rasch -unter +Konvulsionen+ tödlich. Zuweilen komplizieren sie sich auch -mit den Erscheinungen einer Gastroenteritis (Erbrechen, Kolik, -Durchfall). Pferde sterben in kurzer Zeit nach der Aufnahme von 750 -g Buchsbaumblättern unter dem Bild der Enteritis (+Viborg+). Hunde -starben nach 0,8 Buxin nach vorausgegangenem Erbrechen, Durchfall, -Zittern und Schwindel (+Conzen+). Einen Fall von Buxusvergiftung bei -Schweinen hat +Hübscher+ (Schweizer Archiv 1884) beschrieben. Die Tiere -hatten abgeschorene Sprösslinge von Buchsbaumhecken als Streumaterial -erhalten. Am andern Tag fand man ein Schwein tot im Stall, 3 andere -starben gegen Mittag. Die Haupterscheinungen waren starker Durst, -schwankender Gang, sowie ein rauschartiger Zustand. Purgieren wurde -nicht beobachtet. Bei der Sektion fand man die Erscheinungen der -Gastritis. - -Die +Behandlung+ der Buchsbaumvergiftung ist neben der Verabreichung -von Brechmitteln und Abführmitteln eine symptomatische, exzitierende. -Als Gegengift kann +Tannin+ versucht werden. - - -Digitalisvergiftung. - - =Botanisches.= Der +rote Fingerhut+, +Digitalis purpurea+ - (Skrophularinee), wächst wild in ganz Westeuropa bis Norwegen, - besonders an lichten Stellen in Bergwäldern (Thüringen, Sachsen, - Harz, Schwarzwald, Vogesen) auf Basalt, Porphyr und Sandstein. - Dagegen kommt die Pflanze nicht vor in den Alpen, auf dem Jura und - auf der schweizerischen Hochebene. Der rote Fingerhut ist eine - zweijährige Pflanze, welche im ersten Jahr eine grosse Rosette - mit bodenständigen Blättern bildet. Im zweiten Jahr treibt die - Pflanze einen bis 2 m und darüber hohen, einfachen, stielrunden, - samtartig graufilzigen Stengel. Die eiförmigen bis eilanzettlichen, - zugespitzten, 5-20 cm langen, gekerbten Blätter sind unterseits - graufilzig behaart und von einem reichen, kleinmaschigen Adernetz - durchsetzt. Die traubigen Blüten zeigen 4 cm lange, hängende, - hellpurpurrote, bauchige Glocken mit dunkelroten Flecken auf der - Innenfläche. - - Der rote Fingerhut enthält namentlich in den Blättern mehrere sehr - giftige Glykoside und Bitterstoffe: das =Digitoxin=, +Digitalin+, - +Digitalein+ und +Digitonin+. Vergiftungen ereignen sich bei den - Haustieren teils durch zu hohe Dosierung, teils durch den zufälligen - Genuss der Pflanze (Waldheu, Zierpflanze). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Digitalisglykoside sind -ausgesprochene +Herzgifte+. Sie erregen im ersten Stadium ihrer Wirkung -den +Vagus+, das +vasomotorische Zentrum+ und den +Herzmuskel+, -wodurch die Herzaktion verlangsamt und der Blutdruck gesteigert -wird. Im späteren Verlauf werden die genannten Organe gelähmt, was -eine Beschleunigung des Pulses und ein Sinken des Blutdrucks zur -Folge hat. Daneben besitzen sie eine leicht reizende Wirkung auf die -Magen-Darmschleimhaut. Die +Todesdosis+ der trockenen Digitalisblätter -beträgt für +Pferde+ durchschnittlich 25 g (= 100-200 g der frischen -Blätter), für +Hunde+ 5 g. Der Tod tritt auch ein, wenn diese -Dosis innerhalb weniger Tage in Form kleinerer Gaben verabreicht -wird. Viel weniger empfindlich gegen die Digitalisblätter sind die -Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). Nach neueren Versuchen von -+Salvisberg+ ertrugen Kühe +per os+ ohne jede Reaktion 120 g trockene -Digitalisblätter, in 4 Tagen verabreicht, mithin das Vierfache der -tödlichen Dosis für Pferde. Bei +intravenöser+ Einverleibung eines -Digitalisinfuses sind die Wiederkäuer jedoch ebenso empfindlich, wie -andere Tiere. S. schliesst hieraus, +dass im Magen der Wiederkäuer die -Digitalisglykoside durch Zersetzung unwirksam werden+ und weist auf die -unbefriedigenden Erfolge der innerlichen Digitalisbehandlung in der -Bujatrik hin. -- Das Digitoxin wirkt tödlich für die Katze bei 4 mg pro -kg Körpergewicht, für den Hund bei 1,7 mg pro kg und das Kaninchen bei -3,5 mg pro kg. - -Die +Erscheinungen+ der Digitalisvergiftung sind bei Aufnahme der -frischen oder getrockneten Blätter zunächst gastroenteritischer Natur: -+Speicheln+, +Würgen+, +Erbrechen+, +Kolik+, +heftiger Durchfall+. -Bald tritt jedoch die spezifische Herzwirkung deutlich in den -Vordergrund. Die +anfangs verlangsamte Herztätigkeit+ wird hochgradig -+beschleunigt+, es besteht starkes +Herzklopfen+, die Herztöne sind -sehr laut, von metallischem Klang, der anfangs übervolle Puls wird -+klein+, +unregelmässig+ und zuletzt +unfühlbar+. Die im Beginn -beobachtete Aufregung (Gehirnhyperämie) macht später den Erscheinungen -der Gehirnanämie (Blutdruckerniedrigung): +Betäubung+, +Mattigkeit+, -+Schwanken+ und selbst +Lähmungszuständen+ Platz. Daneben beobachtet -man +Krampfzufälle+, sowie Erscheinungen der +Nierenreizung+ (Polyurie, -Albuminurie, Strangurie). - -Bei der +Sektion+ findet man ausser Gastroenteritis und systolischer -Herzlähmung meist nur suffokatorische Erscheinungen. - - -=Behandlung.= Ein spezifisches Gegengift gegen die Digitalisvergiftung -gibt es nicht. Die Behandlung ist daher eine rein symptomatische. -Namentlich sind +Exzitantien+ für den Herzmuskel zu verabreichen, so -+Kampfer+, +Alkohol+, +Wein+, +Kaffee+, +Tee+, +Koffein+, +Atropin+ und -+Hyoszin+. Ausserdem können gefässerweiternde Mittel (+Amylnitrit+, -+Nitroglyzerin+) angewandt werden. Bei Rindern kann ferner der -Pansenschnitt versucht werden. Allgemeine Antidote sind +Tannin+, -Jodlösung und Tierkohle. - - -=Nachweis.= +Botanisch+ lässt sich eine Digitalisvergiftung dann leicht -nachweisen, wenn die Pflanze selbst aufgenommen wurde; charakteristisch -ist insbesondere die filzige, samtartige Behaarung der Unterseite -der Blätter, sowie das vielmaschige Adernetz derselben. Behufs des -+chemischen+ Nachweises der Digitalisglykoside müssen dieselben -ähnlich wie die Alkaloide zuerst aus dem Magen- und Darminhalt -extrahiert werden. Bei der +Abscheidung+ der Digitalisglykoside -aus Untersuchungsmaterial ist wie beim Kolchizin zu beachten, dass -dieselben schon aus +saurer+ Lösung durch +Aether+, +Benzol+, -+Chloroform+ oder +Amylalkohol+ extrahierbar sind. Man nimmt gewöhnlich -das +Digitalin+ mit Benzol auf und schüttelt aus dem Benzolauszug -das +Digitalein+ mit Chloroform aus, worauf durch Verdunsten der -betreffenden Lösungsmittel die Glykoside ziemlich rein erhalten werden. -Bei dieser Abscheidung nach der +Stas+schen Methode durchtränkt man -nach +Dragendorff+ zweckmässig das Untersuchungsmaterial mit +Eisessig+ -und fügt dann behufs Extrahierens Wasser zu. Nach der Methode von -+Homolle+, welche zur Abscheidung des französischen „Digitalins“ (in -der Hauptsache aus +Digitoxin+ bestehend) dient, wird zunächst der -flüssige Teil des Untersuchungsmaterials von dem festen durch Kolieren -getrennt, der feste Teil getrocknet, zerrieben und 2-3mal mit +Alkohol+ -ausgezogen. Der flüssige Teil wird mit Chloroform geschüttelt und der -nach dem Verdunsten des Chloroforms bleibende Rückstand in +Alkohol+ -gelöst. Beide alkoholischen Flüssigkeiten werden gemischt, mit frisch -gefälltem, noch feuchtem +Bleioxydhydrat+ digeriert, abfiltriert, das -Filtrat mit Tierkohle entfärbt, zur Sirupdicke verdunstet und anhaltend -mit Chloroform geschüttelt. Hierauf wird das Chloroform abgetrennt, -verdunstet und der Rückstand mit Alkohol von 50° versetzt. Nach dem -Verdunsten des Alkohols bleibt das „Digitalin“ ziemlich rein zurück. - -Die wichtigsten +Einzelreaktionen+ des Digitalins sind: 1. Die -+physiologische+ Reaktion, welche darin besteht, dass einem Frosch -eine Spur der Digitalinlösung unter die Haut gespritzt wird. Noch ein -Milligramm erzeugt allmähliche +Verlangsamung+ des Herzschlags und Tod -durch +Herzstillstand+ in der Systole. 2. Die +Gelbgrünfärbung+ mit -konzentrierter Salzsäure (Digitalin und Digitoxin). 3. Die +Rot-+ -oder +Violettfärbung+ mit Uebergang in +Smaragdgrün+ bei Wasserzusatz -durch +Schwefelsäure+ und +Brom+ (Digitalin und Digitalein). 4. Die -+Grünbraunfärbung+ durch +Schwefelsäure+ und +Gallensäure+ (Digitalin, -Digitalein, Digitonin). 6. Die +Blaugrünfärbung+ durch Auflösung in -einer Mischung gleicher Teile konzentrierter Schwefelsäure und Alkohol, -Erwärmen bis zur Gelbfärbung und Zusatz eines Tropfens verdünnter -+Eisenchloridlösung+. - - =Kasuistik.= Ein Pferd, welchem ich innerhalb 24 Stunden 25 g - getrocknete Digitalisblätter gab, starb nach Ablauf von 48 Stunden - unter den oben beschriebenen Krankheitserscheinungen. Besonders - charakteristisch war neben den kardialen Symptomen das Auftreten - einer Lähmung der Unterlippe 10 Stunden vor dem Tod, wodurch der - Kopf des Tieres eine ganz eigenartige Physiognomie erhielt. -- 3 - Pferde erkrankten nach dem Genuss von digitalishaltigem Klee, 2 - davon starben. Die Erscheinungen bestanden in allgemeiner Aufregung, - Kolik, fadenförmigem Puls, Taumeln, Zittern, grosser Schwäche des - Hinterteils, Zuckungen, Koma und Umfallen. Bei der Sektion fand man - Gastroenteritis und Endokarditis (+Derache+, Annal. de Bruxelles - 1877). -- 70 Pferde, welche mit dem Kleeheu grössere Mengen von - Digitalis purpurea aufgenommen hatten, erkrankten am Tag darauf. - Sie standen fast alle wie dummkollerig vor der Krippe, versagten - das Futter, speichelten, hatten starken Durst, setzten viel Harn - ab und zeigten zum Teil Kolikerscheinungen. Der Puls war bei den - einen verlangsamt, bei den andern sehr beschleunigt, aussetzend - und schwach. Ein Pferd zeigte Brechbewegungen, Erblindung, - Schwanken und grosse Hinfälligkeit; es starb am 3. Tag. Ein anderes - Pferd starb am 7. Tag. Bei der Sektion fand man umschriebene - Magendarmentzündung und bei dem Pferd, welches Brechbewegungen - geäussert hatte, eine Magenzerreissung (+Krichler+, Preuss. Mitt. - Bd. 6). -- Drei Schafböcke, welchen aus Versehen Pflanzen aus - einem Arzneipflanzenbeet vorgeworfen wurden, das u. a. Digitalis - purpurea enthielt, wurden am andern Morgen tot gefunden. Die - chemische Untersuchung des Darminhalts ergab das Vorhandensein - von Digitoxin und Saponin (+Dammann+ und +Behrens+, Deutsch. - tierärztl. Woch. 1903). -- Acht Enten starben plötzlich nach dem - Fressen von Blättern der Digitalis purpurea unter den Erscheinungen - der Geflügelcholera (Durchfall, Schwanken); die Sektion ergab - Herzlähmung, Magendarmentzündung und Lungenhyperämie (+Kothe+, Berl. - Tierärztl. Woch. 1903). -- +Salvisberg+ (Ueber die Wirkung von - Digitalis und Digitalisglykosiden auf den Organismus verschiedener - Wiederkäuer, Inaug.-Diss. 1907, Delsberg) hat in seiner Privatpraxis - oft beobachtet, dass die Folia Digitalis beim Rind nicht dieselbe - Wirkung zeigten wie beim Pferd, sondern als Herzmittel, Diuretikum - und Fiebermittel meist wirkungslos blieben. Er hat daher Versuche - bei Wiederkäuern angestellt, welche folgendes ergaben. Eine +Ziege+ - erhielt innerhalb 8 Tagen 60 g Folia Digitalis im Infus ohne jede - Wirkung (am 8. Tag 30 g!). Ein +Schaf+ zeigte gleichfalls auf - 47 g Digitalisblätter im Infus, innerhalb 7 Tagen verabreicht, - keinerlei Veränderungen im Allgemeinbefinden (am 7. Tage wurden 15 - g verabreicht). Eine +Kuh+ erhielt in 7 Tagen 70 g Digitalisblätter - im Infus, 2 andere in 3 Tagen 65 g und 80 g in Substanz, ohne - darauf zu reagieren. Hierauf erhielten 2 Kühe 4 Tage hindurch je - 30 g Digitalisblätter in Substanz, zusammen also in 4 Tagen 120 g - Digitalisblätter eingeschüttet, ohne irgend eine Wirkung danach zu - zeigen. Auch das Digitoxin wirkte per os bei einem Schaf in der - 5Ofachen Tagesdosis des Menschen (0,1) nicht, während es subkutan - schon in einer Dosis von 0,01 eine starke Herzwirkung äusserte. - Auch bei intravenöser Injektion eines Digitalisinfuses zeigten 2 - Ziegen und eine Kuh eine deutliche Digitaliswirkung; die Kuh konnte - durch die intravenöse Injektion von 20 g Digitalis im Infus (20 : 400) - nach 20 Minuten getötet werden. S. schliesst daraus, dass die - Digitalisblätter, +per os+ gegeben, den Körper der Wiederkäuer nicht - beeinflussen, weil die Digitalisglykoside im Magen so umgeformt, - gebunden oder zerstört werden, dass sie für den Organismus der - Wiederkäuer wirkungslos sind. Bei +intravenöser+ Applikation eines - Digitalisinfuses tritt dagegen dieselbe Herzwirkung ein wie bei den - übrigen Tiergattungen. - - =Vergiftung durch Meerzwiebel= (Scilla maritima). Die giftigen - Glykoside der Meerzwiebel sind das +Szillain+ oder +Szillitoxin+, - das +Szillipikrin+ und +Szillin+. Ihre Wirkung ist eine - +digitalisähnliche+ und gleichzeitig +örtlich reizende+. Nach - +Hertwig+ tritt bei Schweinen, Hunden und Katzen nach 0,25-2,0 Bulbus - Scillae Erbrechen, Laxieren und vermehrter Harnabsatz, nach 45,0 der - Tod infolge von Darm- und Nierenentzündung sehr rasch ein. 2 Pferde - starben nach 60,0 am 4. Tag; 30,0 erzeugten beim Pferd und Rind - starkes Laxieren. -- Sechs Schweine hatten Meerzwiebeln gefressen, - welche als Rattengift ausgesetzt waren; sie erkrankten unter - rotlaufartigen Erscheinungen und Krämpfen (+Kleinpaul+, Berl. Arch. - 1896). -- Ueber das Vergiften von Ratten mit Meerzwiebel vgl. S. 11. - Nach +Mereshkowsky+ und +Sarin+ ist das in Dänemark angeblich als - Bakterienkultur zur Vertilgung der Ratten empfohlene „Rattin II“ gar - nicht bakteriellen Ursprungs, sondern das Gift der roten Meerzwiebel - (Scilla maritima cum bulbo rubro); Zentr. für Bakt., Bd. 51, S. 6. - - -Vergiftung durch Oleander. - - =Botanisches.= Der +gemeine Oleander+ oder +Rosenlorbeer+, +Nerium - Oleander+ (Apozynee), welcher wild an den Ufern des Gardasees an - Felsen wächst, wird bei uns als Topfpflanze kultiviert. Er bildet 1-2 - m hohe Bäumchen mit weissen oder rosenroten Blüten und lanzettlichen, - 3ständigen, unterseits gleichlaufend aderigen Blättern. Die Pflanze - enthält namentlich in den Blättern 2 Glykoside: das =Oleandrin=, - welches sich in Zucker und Digitaliresin spaltet, sowie das +Neriin+, - welches mit dem Digitalein identisch ist. Vergiftungen ereignen - sich durch das Abfressen der Blätter von den Bäumen und durch das - Verfüttern derselben. -- Ein ähnliches Gift, das +Neriodorin+, - enthält der wohlriechende Oleander, +Nerium odorum+. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Oleandrin und Neriin sind -+Herzgifte+, welche mit den Digitalisglykosiden in ihrer zuerst -erregenden und dann lähmenden Wirkung auf den Vagus und Herzmuskel -vollkommen übereinstimmen; ausserdem besitzen sie gleich jenen eine -entzündungserregende Wirkung auf die Digestionsschleimhaut. Die -Erscheinungen der Oleandervergiftung bestehen daher im wesentlichen -in +Erbrechen+, +Kolik+, +Durchfall+, +Polyurie+ einerseits, in -+Herzklopfen+, +Pulsverlangsamung+, +starker Pulsbeschleunigung+, -+Aussetzen und Schwachwerden des Pulses+, später +allgemeiner -Schwäche+, +Zittern+, +Taumeln+ und +Hinfälligkeit+ andererseits. -Zuweilen beobachtet man auch im Beginn der Vergiftung +starke -Aufregung+ (Gehirnhyperämie infolge Blutdrucksteigerung, -Herzaffektion). Bei der Sektion findet man akute Magendarmentzündung, -Blutung ins Darmrohr, gelbbraune Verfärbung der Darmschleimhaut, -Herzlähmung, sowie Blutungen unter dem Endokardium. Die Behandlung ist -dieselbe wie bei der Digitalisvergiftung. - -Oleandervergiftungen sind namentlich in Italien beobachtet worden. -So berichtet +Gibellini+ (Giornale di med. vet. 1864), dass von 17 -Rindern, welche Gras mit Oleanderblättern vermischt erhielten, 6 -sehr schnell starben und 5 schwer erkrankten. Die letzteren zeigten -Schwanken, Mattigkeit, pochenden Herzschlag, schwachen, aussetzenden -Puls, Pupillenerweiterung, Appetitlosigkeit, Durchfall und Polyurie; -4 davon starben plötzlich unter Kolikerscheinungen. Die Sektion ergab -Gastroenteritis. +Generali+ (Gazetta med. vet. 1871) sah von 6 Ochsen, -welche durchschnittlich 30-40 Blätter von Oleanderbäumen abgefressen -hatten, 4 unter den Erscheinungen von Schwäche, Zittern, Mydriasis, -Herzklopfen, unregelmässigem, aussetzendem Puls, Kälte der extremitalen -Teile, Durchfall und Polyurie erkranken. Auch in Deutschland und -Oesterreich-Ungarn sind mehrere Fälle von Oleandervergiftungen bei -Pferden, Rindern und Gänsen beobachtet worden. +Jössinger+ (Oesterr. -Monatsschr. 1893) beobachtete bei einem Pferd nach der Aufnahme von -Oleanderblättern Speicheln, Tympanitis, sehr pochenden, beschleunigten -Herzschlag (130 Schläge p. M.), unfühlbaren Puls, Dyspnoe, gespreizte -Stellung, Einknicken der Beine beim Gehen, sowie stieren Blick; -der Tod erfolgte nach 14 Stunden. Bei der Sektion fand er heftige -Endokarditis, namentlich in der linken Herzkammer, Schwellung der -Lymphdrüsen, blasse Muskulatur, sowie schwarzes, nicht geronnenes Blut. -+Himmelstoss+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1890) beobachtete bei 2 Kühen -nach dem Fressen von Oleanderblättern Aufregung, Pulsverlangsamung, -aussetzenden Puls, Herzschwäche, Abstumpfung, allgemeine Lähmung, -Sinken der Körpertemperatur, starken Durchfall, Polyurie und -Pupillenerweiterung. +von Rátz+ (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. -1893) fand bei der Sektion einer an Oleandervergiftung verendeten Gans -kruppöse Gastritis, Gastroenteritis, Ekchymosen in der Darmserosa -und unter dem Perikardium, sowie fettige Degeneration der Leber. -+Siebenrogg+ (Repertorium 1890) sah bei 2 Kühen, welche Oleanderblätter -aus dem Hausgarten einer Apotheke gefressen hatten, heftigen -Durchfall, Taumeln, Lähmung, kaum fühlbaren, sehr beschleunigten Puls, -pochenden und doppelschlägigen Herzschlag, Tympanitis und Anurie; -auffallenderweise war die Milchsekretion nicht gestört. Ein Pferd -zeigte am Tag nach der Aufnahme von Oleanderblättern heftige Kolik, -später Zittern, 80 kleine, harte Pulse sowie Dyspnoe und starb am -4. Tag (Pferdefreund 1892). +Bolz+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1895) -sah bei 9 Rindern, welche im Frühjahr abgefallene, halberfrorene -Oleanderblätter von 20 Bäumen gefressen hatten, starke Eingenommenheit -des Sensoriums, 120-130 kleine, aussetzende Pulse, pochenden -Herzschlag, blutigen Durchfall, Schwanken, Schwäche, Zusammenstürzen, -sowie wiederholte Anfälle von Agonie. Sie erholten sich im Verlauf von -8 Tagen. +Der aussetzende Puls-+ und +Herzschlag dauerte jedoch noch -mehrere Wochen an+. Ein Pferd frass von Oleanderbüschen, welche vor -einem Hotel aufgestellt waren und starb am andern Tag unter anhaltenden -Kolikerscheinungen; die Sektion ergab blutige Dünndarmentzündung, -sowie zahlreiche Ekchymosen am Endokardium (+Bongartz+, Berl. Arch. -1899). +Röbert+ (Sächs. Jahresber. 1897) sah 2 Gänse nach dem Fressen -von Oleanderblättern unter profusem Durchfall und heftigen Zuckungen -nach 12 Stunden sterben; bei der Sektion fand man hochgradige -Darmentzündung. Nach +Adam+ (Wochenschrift 1865) starben von 13 Gänsen, -welche von einem Oleanderbaum gefressen hatten, 5 über Nacht, 2 zeigten -einen lähmungsartigen Zustand, die übrigen 6 etwas taumelnden Gang und -unterdrückte Fresslust; die Sektion ergab Gastritis. +Diem+ (ibid. -1904) sah bei einem Pferd nach der Aufnahme von Oleanderblättern -Kolik, Speichelfluss, Durchfall und Harndrang. +Veronesi+ (Giorn. -soc. vet. 1901) ass ohne Nachteil das Fleisch von Tieren, die an -Oleandervergiftung starben. 15 Hühner verendeten unter Taumeln (Preuss. -Vet. Ber. 1906). - - =Convallamarin.= In der +Maiblume+, +Convallaria majalis+ (Liliazee) - findet sich ebenfalls ein Glykosid mit digitalisähnlicher Wirkung, - das +Convallamarin+, neben dem reizend und purgierend wirkenden - +Convallarin+. Die Erscheinungen der Convallariavergiftung stimmen - daher mit denjenigen der Digitalis- und Oleandervergiftung vollkommen - überein (Herzaffektion, gastroenteritische Erscheinungen). Ueber eine - Vergiftung durch Maiblumen bei Gänsen, welche von einem halbwelken - Strauss gefressen hatten, ist von +Roullier+ berichtet worden (Journ. - de Lyon 1888). - - Ebenfalls eine digitalisähnliche Wirkung besitzen das +Strophanthin+, - das im afrikanischen Pfeilgift, Strophanthus hispidus und Combé, - enthaltene Glykosid (Genaueres über die Giftwirkung bei Tieren findet - sich in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909), das - +Adonidin+, das Glykosid der Adonisblume, Adonis vernalis, und - anderer Adonisarten, das +Apozynin+, das Glykosid des indianischen - Hanfes, Apocynum cannabinum, das +Thevetin+, das Gift der Apozynee - Thevetia neriifolia, das +Antiarin+, das Glykosid des javanischen - Giftbaumes Antiaris toxicaria (Pfeilgift von Java), das +Ditain+, - das Glykosid des javanischen Ditarindenbaumes, Alstonia scholaris, - das +Coronillin+ (Coronilla scorpioides, Kronenwicke), das +Ouabain+ - (Acocanthus Ouabaio), das +Akokantherin+ und +Abyssinin+, Glykoside - des Pfeilgiftes der Wakamba und Wagogo in Deutschostafrika, auch im - Holz von Acocanthera Schimperi vorkommend, das +Evonymin+, +Zerberin+ - und +Tanghinin+ (Apozyneen), das +Muavin+ (Muavarinde), +Tulipin+ - (Tulipa Gesneriana, Gartentulpe), +Kaktin+ (Cactus grandiflorus) - +Gloriosin+ (Gloriosa superba, Prachtlilie), +Vincin+, +Vernonin+ und - +Koptin+. - - -Vergiftung durch Goldregen (Cytisus Laburnum). - - =Botanisches.= Der +Goldregen+ oder Bohnenbaum, +Cytisus Laburnum+ - (Familie Papilionazeen, Unterfamilie Genisteen), ist ein mehrere - Meter hoher Zierstrauch in Gärten mit goldgelben, in langen Trauben - herabhängenden, monadelphischen Blüten (Blütezeit Mai-Juni), - dreizähligen Blättern und seidenhaarigen, flachen, einfächerigen - Hülsen mit je 8 nierenförmigen, glatten, schwarzbraunen Samen. Die - Pflanze enthält das stark giftige Alkaloid Zytisin von der Formel - C_{11}H_{14}N_{2}O, eine geruchlose, strahlig kristallinische, - weisse Masse von bitterem Geschmack, welche sich mit Salpetersäure - orangegelb, mit Kaliumdichromat zuerst gelb, dann grün färbt. Am - meisten Zytisin findet sich in der Wurzelrinde, sehr viel ferner - in der Stammrinde, in den Blättern, Blütenknospen, grünen Hülsen, - Samen und Keimen, nur wenig dagegen im Holz des Stammes. Die - Blätter und Hülsen nehmen mit der Reifung der Frucht an Giftigkeit - ab, dagegen bleibt die Wurzelrinde das ganze Jahr hindurch gleich - giftig. Austrocknung und anhaltendes Sieden sind ohne Einfluss auf - die Giftigkeit. Ausser Cytisus Laburnum sind sehr stark giftig C. - alpinus, purpureus, Waldeni und biflora, ferner ziemlich giftig C. - elongatus; dagegen sind schwach giftig C. nigricans und supinus, - ganz ungiftig sind C. sessilifolius und capitatus. Auch das im - Stechginster, Ulex europaeus, enthaltene +Ulexin+ ist mit Zytisin - identisch. Die ersten Untersuchungen über das Zytisin sind von - +Husemann+ und +Marmé+ gemacht worden; die neueren Arbeiten stammen - von +Cornevin+, +Partheil+, +Radziwillowicz+ u. a. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Zytisin besitzt verschiedene -Wirkungen, nämlich eine +tetanische+, strychninähnliche, -eine +lähmende+, kurareähnliche, eine +gefässverengernde+, -digitalisähnliche, und endlich eine +entzündungserregende+. Am -empfindlichsten sind Pferde. Dieselben sterben nach der Aufnahme von -0,5 g Samen pro kg Körpergewicht innerhalb 2½ Stunden unter +häufigem -Gähnen+, +starkem Schweissausbruch+, +Schwindel+, +Betäubung+ und -+Krämpfen+. Im Gegensatz hiezu ertragen Schafe und Ziegen ziemlich -grosse Mengen und sind vom Magen aus überhaupt schwer zu vergiften; bei -subkutaner Injektion des Giftes sterben sie unter den Erscheinungen von -Betäubung und Schwäche. Auch Hühner und Tauben sind sehr unempfindlich. -Die Todesdosis für einen Hund beträgt 6 g Samen pro kg Körpergewicht. -Kaninchen können selbst 30 g Samen ohne Schaden geniessen. Hunde -erbrechen sich sofort, so dass vom Magen aus eine Vergiftung nicht -möglich ist. Nach der subkutanen Einverleibung des Giftes zeigen -sie Uebelkeit, Erbrechen, Würgen, Salivation, angestrengte Atmung, -Polyurie, grosse Unruhe, Muskelzittern, Schläfrigkeit, Anästhesie, -rhythmisches Oeffnen und Schliessen der Kiefer und sterben unter -Krämpfen; die Sektion ergibt schwache Entzündung im Magen und Darm, -sowie Verengerung des Pylorus und der Stimmritze. Katzen sind noch -empfindlicher (Experimentelle Untersuchungen von +Cornevin+, Journal de -Lyon 1887). - -Das reine +Zytisin+ tötet bei subkutaner Injektion pro kg Körpergewicht -Katzen und Hunde in Dosen von 2-3 mg, Hühner und Tauben in solchen von -7-9 mg, Ziegen in Dosen von 73 mg; die letzteren sollen das Zytisin -durch die Milch ausscheiden und dabei gesund bleiben (+Radziwillowicz+). - -Die klinischen Beobachtungen von Zytisinvergiftungen bei den Haustieren -sind nicht sehr zahlreich. Nach +Brett+ (The Veterinarian 1889) -zeigten sich Rinder nach dem Genuss des Goldregens unfähig, sich zu -erheben, indem namentlich die vorderen Gliedmassen +gelähmt+ waren, -ausserdem bestand auffällige +Schläfrigkeit+, Mydriasis und Tympanitis. -12 Stunden darauf waren +Speichelfluss+, +Brechanstrengungen+, -+Muskelerschlaffung+, unterbrochen von Zuckungen der Gliedmassen, -Ueberköten, +Taumeln+, +Schlingbeschwerden+ und +Schlinglähmung+ -wahrzunehmen; die Krankheit dauerte 4 Tage, endete jedoch mit -Genesung. Einen Fall bei zwei Schweinen hat +Byrne+ (Vet. journ. 1895) -beobachtet; dieselben zeigten grosse Mattigkeit, Eingenommenheit und -starben unter Krämpfen; bei der Sektion wurde blutige Darmentzündung -gefunden. Ueber Vergiftungen bei Pferden haben +Demilly+ (Bull. soc. -vét. de Marne 1854) und +Collard+ (Recueil 1908) berichtet. +Scholz+ -(Berl. Arch. 1900) beobachtete, dass 6 Hühner nach der Aufnahme des -Samens in einem Garten verendeten. - -In +therapeutischer+ Beziehung werden Brechmittel, Tannin, sowie -Chloralhydrat empfohlen. Im übrigen ist die Behandlung wie bei der -Digitalisvergiftung. - - -Vergiftung durch Helleborusarten. - - =Botanisches.= Helleborusvergiftungen können sich durch die Aufnahme - nachstehender 3 Helleborusarten (Ranunkulazeen) ereignen: - - 1. +Helleborus viridis+, die +grüne Nieswurz+ (Bärenfuss), kommt - in Gebirgswäldern Süd- und Mitteldeutschlands vor; man findet sie - auch zuweilen angepflanzt und dann wieder verwildert. Sie blüht im - April, Kelch und Blumenblätter sind gelbgrün. Die nach der Blüte - erscheinenden Blätter sind gross, lang gestielt und zeigen 7-12 - fussförmig gestellte Blättchen. Der Schaft ist 30-50 cm hoch. Das - braunschwarze geringelte Rhizom ist kriechend, bis 10 cm lang und - 1 cm dick, verzweigt und besitzt viele fleischige, bis 10 cm lange - Wurzeln. Die Pflanze ist am giftigsten im Mai und Juni. - - 2. +Helleborus niger+, die +schwarze Nieswurz+ (Christwurz, - Christblume, Weihnachtsrose, Winterrose, Schneerose), ist in - Bergwäldern Süd- und Mitteleuropas einheimisch und wird auch in - Gärten kultiviert. Sie blüht vom Dezember ab; ihre Blüte ist sehr - gross, der Kelch schneeweiss, die Blumenblätter gelb. Die Blätter - sind lang gestielt, fussförmig. Der Stengel ist 15-25 cm hoch, - 1-2blütig. Das Rhizom ist schief oder senkrecht. - - 3. +Helleborus fötidus+, die +stinkende Nieswurz+, wächst in Süd- und - Westdeutschland, besonders auf kalkigem Boden. Sie besitzt grünliche, - kugelig-glockige Blüten von äusserst unangenehmem Geruch, fussförmige - Laubblätter, sowie einen 30-50 cm hohen, ästigen, reichblütigen - Stengel. - - Die genannten Nieswurzarten enthalten 2 sehr giftige Glykoside: das - =Helleborein=, namentlich in Helleborus niger vorkommend, von der - Formel C_{26}H_{44}O_{15}, farblose Warzen oder eine gelblich amorphe - Masse bildend, welche sich beim Erhitzen bräunt, mit Schwefelsäure - sich braunrot-violett färbt und in Zucker und Helleboretin zerfällt, - und das +Helleborin+, welches am meisten in Helleborus viridis - enthalten ist, von der Formel C_{36}H_{12}O_{6}, glänzende Nadeln - bildend, welche sich mit Schwefelsäure hochrot färben und sich in - Zucker und Helleboresin zerlegen lassen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Von den beiden -Helleborusglykosiden ist das +Helleborein+ das giftigere. Es besitzt -neben einer +reizenden+ Lokalwirkung eine +digitalisähnliche+ Wirkung, -während das schwächere +Helleborin+ neben einer ebenfalls reizenden -Lokalwirkung Aufregung, Atmungsbeschleunigung, Krämpfe und +allgemeine -Lähmung+ erzeugt. Das Krankheitsbild der Helleborusvergiftung -setzt sich daher zusammen aus gastroenteritischen, kardialen, -Erregungs- und Lähmungserscheinungen. Die Tiere zeigen +Erbrechen+, -+Geifern+, +Zähneknirschen+, +Kolik+, +Tympanitis+, +blutigen -Durchfall+; +epileptiforme Krampfanfälle+, +Aufregung+, +Brüllen+, -+Zusammenstürzen+; +Herzklopfen+, +gesteigerte Pulsfrequenz+; -+Betäubung+, +Schwindel+, +Stumpfsinn+, +Schwäche+, +Koma+. Bei der -Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis. Die Therapie -ist eine rein symptomatische; sie besteht in der Anwendung von -einhüllenden, schleimigen, sowie von exzitierenden Mitteln (Kampfer, -Aether, Kaffee, Weingeist, Liquor Ammonii anisatus, Atropin). Als -Gegengift kann Tannin oder Lugolsche Lösung versucht werden. - -Die Wirkungen der Helleborusarten im einzelnen sind folgende: - -1. Die =schwarze Nieswurz= hat in früheren Zeiten, als das sog. -Nieswurzelstecken namentlich in der Bujatrik als ableitendes Mittel -gebräuchlich war, nicht selten Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. -Dasselbe war der Fall, wenn die Haarseile vor ihrer Anwendung -mit Nieswurzpulver bestreut wurden. Nach älteren Versuchen von -+Orfila+ starben kleine Hunde schon nach dem Aufstreuen von 0,36 -g gepulverter Nieswurz auf Wunden. Ein grosser Hund zeigte nach -dem Einbringen von 8 g Nieswurzpulver in eine Schenkelwunde nach 6 -Minuten heftiges Erbrechen, nach 45 Minuten Schwindel, Angst, sowie -Lähmung des Hinterteils und starb nach 2½ Stunden. Nach den Versuchen -+Hertwigs+ zeigen Pferde und Rinder nach dem Eingeben von 8-30 g -der Wurzel, Schafe und Ziegen nach 4-12 g etwa 12 Stunden nachher -heftigen, häufig blutigen, anhaltenden Durchfall, Muskelzuckungen, -Zittern, Kolikerscheinungen und grosse Mattigkeit, und sterben unter -Unfühlbarwerden des Pulses nach 40-50 Stunden. Schweine und Hunde -erbrechen sich nach 0,3-1 g; 4-8 g haben starkes Erbrechen, Purgieren, -blutige Diarrhöe und Krampfanfälle zur Folge; wird das Erbrechen -verhindert, so erfolgt unter den Erscheinungen grosser Angst, von -Schwindel, Lähmung und Krämpfen nach 30-48 Stunden der Tod. 15-30 g der -Wurzel, in Abkochung gegeben, hatten bei einem Hund Erbrechen, über den -ganzen Körper verbreitete Krämpfe, Lähmung, Unfühlbarwerden des Pulses -und Herzschlages, sowie nach ½ Stunde den Tod zur Folge. Intravenös -erzeugte 1 g der Wurzel im Infus bei einem Pferd Atmungskrämpfe, -Zittern, Brechbewegungen, Schäumen, Geifern und grosse Mattigkeit; ein -anderes Pferd starb nach 4 g unter heftigen Krämpfen binnen 10 Minuten. -Eine Kuh zeigte nach der intravenösen Injektion von 1 g schwarzer -Nieswurz Zittern, Muskelzuckungen am Hals, an der Brust und am Bauch, -und nach 4 Minuten Erbrechen; nach 4 Stunden hatte sie sich wieder -erholt. - -2. Die +stinkende Nieswurz+ gibt insbesondere bei Rindern und Schafen -durch das Abweiden oder die Benützung als Streumaterial Veranlassung -zu Vergiftungen. Nach +Landel+ (Repertorium 1845) zeigten Rinder nach -der Aufnahme derselben Appetitlosigkeit, Geifern, Zähneknirschen, -Tympanitis, blutigen, dünnflüssigen, übelriechenden Kot, Herzklopfen, -gesteigerte Puls- und Atmungsfrequenz. Bei der Sektion fand man die -Erscheinungen der Magendarmentzündung. +Schilling+ und +Berger+ (Bad. -Mitt. 1888) sahen bei Rindern und Schafen heftige epileptiforme -Krampfanfälle, welche 10 Minuten dauerten und sich halbstündlich -wiederholten, Brüllen, Zittern, Niederstürzen, Verdrehen der Augen und -Pupillenerweiterung. - -3. Die +grüne Nieswurz+ hatte bei 6 Hämmeln starkes Aufblähen, Kolik, -blutige Diarrhöe, Krämpfe und Zuckungen zur Folge, so dass 2 derselben -geschlachtet werden mussten. Der Sektionsbefund ergab das Vorhandensein -von Gastroenteritis. - - -Veratrinvergiftung. - - =Allgemeines.= Veratrinvergiftungen können sowohl durch die +weisse - Nieswurz+, als durch das Veratrin bedingt sein. 1. Die +weisse - Nieswurz+, +Veratrum album+ (weisser Germer), gehört zur Familie - der Kolchikazeen und ist ein in den Alpen und Voralpen auf feuchten - Wiesen perennierendes meterhohes Kraut mit dunkelbraunem, knolligem, - verkehrt kegeligem, oben geschopftem, rings mit langen, dünnen, - gelbbraunen Nebenwurzeln besetztem Wurzelstock, einfachem Stengel, - grossen, elliptischen Blättern und grünlich weissen, gestielten - Blüten. Die Pflanze, namentlich das Rhizom, enthält eine Reihe von - Alkaloiden, und zwar als wichtigstes das +Pseudojervin+, ferner das - +Jervin+, +Rubijervin+, +Veratralbin+, sowie Spuren von +Veratrin+. - 2. Das +Veratrin+ des Handels stammt nicht von der weissen Nieswurz, - sondern von den Sabadillsamen (Veratrum officinale). Es ist ein - weisses, lockeres, amorphes Pulver, welches ein inkonstantes Gemenge - verschiedener Alkaloide darstellt, namentlich von +Zevadin+ und - +Veratridin+. - - -=Aetiologie.= Die Ursachen der Veratrinvergiftung sind in den meisten -Fällen in +Dosierungsfehlern+ zu suchen. Rhizoma Veratri sowohl, -als das Veratrin sind schon in mittleren, therapeutischen Gaben -sehr heroisch wirkende Mittel, so dass eine, wenn auch unbedeutende -Ueberschreitung der Durchschnittsdosis leicht Vergiftungserscheinungen -verursachen kann. Dazu kommt, dass das Veratrin kein konstantes -Präparat, sondern ein +inkonstantes Gemenge verschiedener Alkaloide+ -ist, so dass es je nach der Darstellung und Herkunft in seiner Wirkung -wechselt. Dieser Umstand muss zur Erklärung der Tatsache herbeigezogen -werden, dass bei Pferden in einzelnen Fällen therapeutische Mitteldosen -von 0,1 Veratrin eine tödliche Vergiftung bedingt haben; zum Teil mag -hier allerdings auch eine besondere, individuelle Empfindlichkeit -(Idiosynkrasie) gegen das Mittel mitgewirkt haben. Ausnahmsweise werden -Vergiftungen durch Waschungen der Haut mit Nieswurzabkochungen (gegen -Läuse) oder durch das sog. Nieswurzelstecken veranlasst (meist wird -schwarze Nieswurz gebraucht). - -Die +tödliche Dosis+ des +Veratrins+ beträgt bei subkutaner Injektion -für Pferde durchschnittlich 0,5-1,0, für Rinder 0,25-0,5, für Hunde -0,02-0,1, für Katzen 0,005-0,01. Vergiftungserscheinungen werden -bei Pferden schon von 0,2 Veratrin ab wahrgenommen. In einem Fall -beobachtete +Martens+ sogar eine tödlich verlaufende Vergiftung bei -2 Pferden nach der Injektion der allgemein angewandten Mitteldosis -von 0,1 Veratrin. Im Gegensatz hierzu hat +Albrecht+ Pferden sogar -bis zu 0,4 Veratrin ohne schwere Zufälle gegeben; ich selbst habe bei -Pferden Dosen bis zu 0,2 mehrere Male angewandt, ohne eine Vergiftung -zu beobachten. Die +weisse Nieswurz+ tötet Pferde bei intravenöser -Injektion von 15-30 g der Tinktur, Rinder bei innerlicher Verabreichung -von 100-200 g der Wurzel, Hunde bei behindertem Erbrechen schon nach -Verabreichung von 0,6 der Wurzel. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Wirkung der in der -Nieswurz und im Veratrin enthaltenen Alkaloide ist ziemlich -dieselbe. Sie besteht in +lokaler Reizung+ der Schleimhäute, starker -+psychischer+ und +motorischer Erregung+, sowie schliesslich in -+Lähmung+ der +quergestreiften Muskel+ und des +Herzens+. Im -Gegensatz zur Helleborusvergiftung sind die gastroenteritischen -Erscheinungen schwächer und fehlen bei der subkutanen Anwendung -des Veratrins meist ganz. Die Hauptsymptome der Veratrinvergiftung -sind: heftiges +Erbrechen+, +Würgen+, Rülpsen, Schluchzen, -Brechbewegungen, +Speicheln+, vermehrte Peristaltik, +Durchfall+, -+Kolik+; starke +psychische Erregung+, selbst tobsuchtartige -Anfälle, +tonisch-klonische+, selbst +tetanische Krämpfe+, Zittern, -Schweissausbruch; Mattigkeit, Atemnot, +allgemeine Lähmung+. Der Tod -erfolgt meist innerhalb 10-20 Stunden. - -Bei der +Sektion+ findet man nach der innerlichen Anwendung der -Nieswurz gastroenteritische Erscheinungen. Nach der subkutanen -Anwendung des Veratrins fehlen dieselben. In einem Fall fand +Gips+ bei -einem an Veratrinvergiftung verendeten Pferd an der Injektionsstelle -ein umfangreiches Blutextravasat, welches sich bis in die tieferen -Muskellagen erstreckte. Die +gesamte Körpermuskulatur+ war +getrübt+, -von +grauroter+ Farbe, +trocken+ und +mürbe+; dieselben Veränderungen -zeigte das +Myokardium+; der Herzbeutel war zur Hälfte mit einer -dunkelroten Flüssigkeit angefüllt; unter dem Endokard befanden sich -zahlreiche hämorrhagische Herde; die Bauchhöhle enthielt 8 l, die -Brusthöhle 4 l einer blutig gefärbten Flüssigkeit; in den Bronchien -befand sich blutiger Schaum. - - -=Therapie.= Die Behandlung der Veratrinvergiftung besteht in -der Verabreichung von +Tannin+ oder von +Lugol+scher +Lösung+ -als Gegengift, in der Anwendung schleimiger, einhüllender -Mittel (Leinsamenabkochung, Gummi) gegen die Erscheinungen der -Gastroenteritis, sowie in der +symptomatischen+ Bekämpfung -der Erregungs- (Morphium, Bromkalium, Chloralhydrat) und -Lähmungserscheinungen (Kampfer, Aether, Alkohol, Ammonium carbonicum, -Liquor Amonii anisatus, Atropin). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Veratrins aus dem Magendarminhalt, -dem Blut und den Muskeln geschieht nach der Methode von +Dragendorff+ -(vergl. S. 199) mittels Benzol oder Petroleumäther (auch Amylalkohol -und Chloroform kann benützt werden). Zu beachten ist, dass ein Teil -des Veratrins schon aus der sauren (schwefelsauren) wässerigen Lösung -durch Benzol, Amylalkohol und Chloroform ausgezogen werden kann. -Spezialreaktionen für das Veratrin sind: 1. +Rotfärbung+ durch Zusatz -von konzentrierter Schwefelsäure oder von +Bromwasser+ (vorsichtiger -Zusatz eines gleichgrossen Volums). 2. +Prachtvolle Rotfärbung+ bei -Zusatz konzentrierter rauchender +Salzsäure+ (noch bei 1/10 mg deutlich -zu erkennen). Man übergiesst den auf dem Uhrgläschen befindlichen -Rückstand mit 1 ccm rauchender +Salzsäure+ und löst ihn möglichst -schnell darin auf, worauf die Flüssigkeit in ein Reagensglas gebracht -und etwa 1-2 Minuten im Sieden erhalten wird. Die rote Veratrinlösung -hält sich wochenlang. 3. +Grün-+, +Blau-+, +Violettfärbung+ bei Zusatz -von +Zucker+ und konzentrierter +Schwefelsäure+ in geringer Menge. -Hierbei färbt sich das Veratrin anfangs gelb, später dunkelgrün, -dann schön blau, zuletzt missfarben violett. 4. Die +physiologische+ -Reaktion des Veratrins bei einem +Frosch+ besteht im Auftreten von -+Brechbewegungen+ und +Verlangsamung+ der Herztätigkeit von 60 auf 30, -10 und zuletzt 0 Schläge in der Minute. Diese Erscheinungen beobachtet -man noch nach ½ mg in 0,1 ccm essigsaurer Lösung bei subkutaner -Injektion. Grössere Dosen erzeugen ausserdem +Tetanus+ in Form von -Streckkrämpfen; so zeigen sich bei einem Frosch nach 2 mg Veratrin -(in 0,5 ccm Lösung subkutan) sofort Brechbewegungen, nach 15 Minuten -Tetanus, nach 1 Stunde stirbt das Tier. - - =Kasuistik.= 1. +Pferde.+ 2 Pferde frassen im Februar die Blätter - des weissen Germer. Sie zeigten starkes Speicheln, leichte Kolik und - häufiges Würgen, waren jedoch am Abend wieder gesund. Auch sonst - beobachtet man öfters beim Alpenvieh bei Futtermangel Aufnahme - des weissen Germer und im Anschluss daran Speicheln und Erbrechen - (+Kuschee+, Tierärztl. Zentralbl. 1894). -- 18 Pferde zeigten nach - der Aufnahme von Blättern des weissen Germer Appetitlosigkeit, - Mattigkeit, Aufregung, Unruhe, Krämpfe, Salivation, Stomatitis, - Brechreiz, Kolik und Dyspnoe (+Varga+, Veterinarius 1898). -- 3 - Pferde erhielten infolge einer Verwechslung ein Pulver, welches viel - Sabadillsamen enthielt. Sie zeigten Speicheln, Erbrechen, starken - Durchfall, fielen nach 4 Stunden um und bekamen tetanische Krämpfe; - eines starb nach 9 Stunden unter heftigem, anhaltendem Tetanus, das - andere genas (+Lund+ und +Larsen+, Dänische Monatsschrift 1897). - -- 2 junge Pferde hatten je 0,1 Veratrin subkutan erhalten. Sie - starben nach 16 resp. 20 Stunden, nachdem Zuckungen, Krämpfe und - Brechanstrengungen vorausgegangen waren (+Martens+, Preuss. Mitt. - 1881). -- Ein Pferd zeigte nach einer Veratrininjektion sehr starke - Unruhe, tobsüchtiges Benehmen und später Lähmung; es starb nach - 30 Stunden. Bezüglich der Sektion vergl. S. 227 (+Gips+, Preuss. - Mitt. 1880). -- Ein Pferd, welches eine zu grosse Dosis Rhizoma - Veratri erhalten hatte, zeigte als Haupterscheinungen anhaltendes - Würgen, angestrengte Atmung, hohe Pulsfrequenz und sehr schwachen, - elenden Puls. Die Behandlung bestand in der Anwendung von Alkohol - und Ammonium carbonicum (+Gresswell+, The Veterinarian 1886). -- - Experimentelle Untersuchungen von +Waldinger+ ergaben, dass das - Rhizoma Veratri in Dosen von 15-30 g bei Pferden nur geringe Wirkung - hervorruft; selbst 120 g erzeugten nur Kolik und Brechbewegungen - 4 Stunden hindurch. Dagegen ist nach +Hertwig+ die intravenöse - Injektion der Tinctura Veratri von sehr starker und rascher Wirkung; - 2-15 g derselben bedingen sofort Atembeschwerden, Kotentleerung, - Kolik, Brechbewegungen, Kontraktionen des Schlundes, der Hals- - und Bauchmuskeln, Rülpsen, Schluchzen, Speicheln, Tränenfluss, - vermehrtes Urinieren und zuweilen ganz abundanten Schweissausbruch; - 15-30 g der Tinktur hatten bei intravenöser Anwendung nach wenigen - Minuten den Tod unter Schwindel, Zusammenstürzen, Atembeschwerden - und Konvulsionen zur Folge. Ein 1 Quadratzoll grosses und etwa ½ cm - dickes Stück Nieswurz erzeugte, +subkutan+ appliziert, Muskelzittern, - Dyspnoe nach 1-2 Stunden, Würgen, Brechneigung, Speicheln, vermehrte - Peristaltik, Diarrhöe, sowie lokale Entzündung und Geschwulstbildung. - - 2. +Rinder.+ Ein 1jähriges Rind starb nach der subkutanen Injektion - von 0,25 Veratrin innerhalb 8 Stunden, ein Ochse nach der - Verabreichung von 60 g weisser Nieswurz in Pillenform am 2. Tag - (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Nach experimentellen - Untersuchungen bedingt die Nieswurz in Gaben von 20-30 g nur - schwache Erscheinungen; 90 g erzeugten Kolik und 180 g den Tod unter - Erscheinungen der Magendarmentzündung (Lyoner Tierarzneischule). 125 - g im Dekokt riefen starke Aufregung und Kolik hervor; das betreffende - Rind blieb aber am Leben (+Ithen+). - - 3. +Schafe+ und +Ziegen+ zeigten nach 8-15 g des Rhizoma Veratri - Würgen, Erbrechen und Diarrhöe (+Gerlach+). - - 4. +Katzen+ starben auf 5-10 mg Veratrin; +Hunde+ auf 2-10 cg. Das - Rhizoma Veratri tötet die letzteren schon von 0,6 g ab, wenn das - Erbrechen durch Unterbinden des Schlundes verhindert wird; können die - Tiere jedoch erbrechen, so ertragen sie sogar bis zu 8 g (+Hertwig+). - Intravenös töten schon 15-20 Tropfen. - - 5. +Frösche+ zeigen auf 0,5 mg Veratrin +Brechbewegungen+ und - Verlangsamung des Herzschlages von 60 auf 30 und 10; auf 2 mg sofort - Brechbewegungen und 15 Minuten darauf +Tetanus+, worauf der Tod nach - etwa einer Stunde eintritt (physiologischer Nachweis des Veratrins). - - -Akonitvergiftung. - - =Botanisches.= In Deutschland kommen mehrere Akonitarten vor. Die - wichtigste ist +Aconitum Napellus+, der +Sturmhut+ oder +Eisenhut+ - (Helmblume, Rachenblume, Ziegentod, Würgling, Mönchskappe, - Narrenkappe, Venuswagen), eine zu den Ranunkulazeen gehörige - Bergpflanze (έν ἀχόναις, auf Felsen) der nördlichen Halbkugel bis - Norwegen und Schweden, welche häufig in Gärten als Zierpflanze - kultiviert wird. Die im Juni bis September blühende Pflanze zeichnet - sich durch charakteristische, in Trauben stehende, blaue (violette, - rote, weisse) Helmblüten aus, deren Helm breiter als hoch und - halbkreisförmig gewölbt ist; die Nektarien sind auf gekrümmtem Nagel - wagrecht nickend. Das Rhizom ist rübenartig, aus zwei nebeneinander - stehenden (einem vorjährigen und einem frischen) dunkelgraubraunen, - fingerlangen Wurzelstöcken bestehend; der bis 1½ m hohe Stengel - ist aufrecht und einfach, die Blätter sind oben dunkelgrün, unten - heller gestielt, derb, handförmig. Andere giftige Akonitarten sind: - +Aconitum Stoerkeanum+ (neomontanum), ziemlich selten, an denselben - Standorten vorkommend wie die vorige, mit 3 Rhizomen, blauen, - violetten oder weissen Blüten, nach oberwärts gekrümmten Nektarien, - schief geneigtem Nagel und mehr hohem als breitem Blütenhelm; - +Aconitum variegatum+ mit Blütennektarien, welche auf geradem Nagel - aufrecht stehen; endlich +Aconitum Lycoctonum+, der Wolfseisenhut - (Hundsgift, Gelstern), eine in Bergwäldern nicht sehr häufig - vorkommende, gelb blühende, nur mit einem Rhizom versehene und in - seiner Wirkung von den anderen Akonitarten abweichende Pflanze. - - Die drei erstgenannten Akonitarten enthalten ein sehr stark - giftiges Alkaloid, das =Akonitin= oder Akonitoxin von der Formel - C_{33}H_{43}NO_{12}. Dieses Akonitin ist je nach der Darstellung - ein sehr verschiedenartiges, sehr inkonstantes Präparat (deutsches, - französisches, belgisches, englisches Akonitin). Aconitum Lycoctonum - enthält kein Akonitin, sondern zwei kurareähnlich wirkende Alkaloide: - das +Lykakonitin+ und +Myoktonin+, welche sich in die früher als - Hauptbestandteile bezeichneten Körper Lykoktonin und Akolyktin - spalten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Akonitin gehört zu den -stärksten Giften. Reine Präparate desselben töten Hunde schon in -Dosen von wenigen Milligrammen. Von der getrockneten Wurzel wirken 5 -g für Hunde, von der frischen Wurzel 3-400 g tödlich für Pferde. Es -wirkt örtlich auf die Schleimhäute +reizend+, +entzündungserregend+; -die allgemeine Wirkung besteht in einer +Erregung+ der +motorischen -Zentren+, sowie in +Lähmung+ des +Atmungszentrums+ und +allgemeiner -Lähmung+. Akonitvergiftungen sind im allgemeinen ziemlich selten, -weil die Pflanze allmählich ausgerottet und auch als Arzneimittel, -wenigstens in Deutschland, fast gar nicht angewandt wird (in Belgien -sind durch zu grosse Dosen von Akonitin bei Pferden Vergiftungen -vorgekommen). Man beobachtet sie zuweilen bei Rindern und Ziegen, wenn -dieselben auf Bergweiden die Giftpflanze aufnehmen. Auch Schafe sollen -in Gebirgsländern durch das Abweiden der jungen Frühjahrssprösslinge -erkranken. Seltener erkranken Pferde nach der Aufnahme der -Gartenpflanze (Samen). Die wichtigsten Krankheitserscheinungen sind -+starkes Speicheln+, Recken, +Würgen+, +Aufstossen+, +Erbrechen+, -Zähneknirschen, +Durchfall+, +sehr schmerzhafte Kolik+, +Unruhe+, -+Angst+, +Geschrei+, +Winseln+, +Stöhnen+, +Krampfanfälle+, -+Aufblähung+, +Schwäche+, +Lähmung+, +Taumeln+, +Zittern+, +Mydriasis+, -+Bewusstlosigkeit+, +Zusammenstürzen+. Der Tod erfolgt meist schon nach -wenigen Stunden unter Krämpfen. - -Bei der +Sektion+ findet man entzündliche Veränderung auf der -Magendarmschleimhaut, zuweilen auch schon auf der Maulschleimhaut, -sowie Gehirnhyperämie. - -Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von Tannin, sowie -von exzitierenden Mitteln (Kampfer, Aether, Alkohol, kohlensaures -Ammonium). Auch die Digitalis soll durch ihre erregende Wirkung auf das -Herz ein gutes Antidot sein. - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des reinen kristallisierten Akonitins -(Aconitinum nitricum crystallisatum) wird nach der Methode von -+Dragendorff+ (vergl. S 199) aus alkalischer Lösung durch +Benzol+ -(oder +Petroleumäther+ oder Chloroform) vorgenommen. Dagegen wird -zur Abscheidung von Akonitin aus Akonitkraut oder nach Einverleibung -käuflichen, unreinen, amorphen Akonitins +Benzol+ oder +Chloroform+, -nicht Petroleumäther, benützt. Es entziehen ferner Aether und -Amylalkohol das unreine Akonitin aus +sauren+ Flüssigkeiten. Soll ein -Untersuchungsobjekt +nur+ auf Akonitin untersucht werden, so empfiehlt -es sich, wegen der grossen Empfindlichkeit dieses Alkaloids auch -gegen verdünnte Mineralsäuren und Basen, statt des umständlicheren -Dragendorffschen Verfahrens das Untersuchungsmaterial einfach mit -Alkohol unter Zusatz von möglichst wenig +Weinsäure+ auszuziehen, den -Alkohol zu verdunsten und die alkalischen Lösungen, wo solche notwendig -sind, durch Zusatz von +Natrium bicarbonicum+ herzustellen. - -Die beiden Akonitinsorten verhalten sich auch den Reagentien -gegenüber verschieden: 1. Das +reine Akonitin+ gibt in schwach -essigsaurer Lösung mit +Jodkalium+ eine +kristallinische+ Verbindung, -welche unter dem Mikroskope aus +tafelförmigen Platten+ besteht. -Dieses rein kristallisierte Akonitin zeigt keine Farbenreaktionen. -2. Das +gewöhnliche, amorphe Akonitin+ färbt sich beim Stehen -seiner Lösung in konzentrierter +Schwefelsäure+ oder beim Erwärmen -mit +Phosphorsäure+ schön +rot-violett+ und mit +Zucker+ und -+Schwefelsäure+ schön +rot+ (Zersetzungsprodukte des reinen Akonitins). - - =Kasuistik.= +Knopf+ (Berl. tierärztl. Woch. 1891) beschreibt - eine Vergiftung durch Aconitum Napellus bei 28 Rindern, - welche die Giftpflanze auf der Weide aufgenommen hatten. Die - Vergiftungserscheinungen waren: Stöhnen, Unvermögen aufzustehen, - Sinken der Innentemperatur (bis 36,7°), Versiegen der Milchsekretion, - Pupillenerweiterung, Verstopfung bezw. Durchfall, Schmerz bei - Druck auf die Bauchdecken; das Bewusstsein blieb frei. 2 Kühe - starben. Die Sektion ergab das Vorhandensein einer Gastroenteritis, - hochgradige Gehirnhyperämie, sowie auffallend helle Farbe der Leber. - -- +Kaufmann+ (Recueil 1900) beschreibt eine Akonitinvergiftung bei - 6 Pferden; 6 mg Akonitin wirkten bei einem Pferde schon tödlich. - -- 7 Rinder frassen reife Eisenhutkörner an einem Gartenzaun und - starben nach 24 Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis: - Kolik, Speicheln, Aufblähung, Durchfall, Schwanken (Preuss. Vet.- - Ber. 1904). -- +Prietsch+ (Sächs. Jahrg. 1907) sah bei einem Pferde - nach der Aufnahme von Samen in einem Garten gleichfalls Kolik und - Schwanken; die Genesung erfolgte erst nach 4 Tagen. - - -Atropinvergiftung. - - =Botanisches.= Die +Tollkirsche+, +Atropa Belladonna+ (Wutkirsche, - Wolfskirsche, Teufelsbeere, Waldnachtschatten), ist eine über - Meter hohe, buschige Solanazee mit purpurbraunen, drüsig - flaumigen Stengeln, trübgrünen, ganzrandigen Blättern und - grossen, schmutzigvioletten, einzeln in den Achseln stehenden, - überhängenden Glockenblüten. Die glänzend schwarzen vielsamigen - Beeren sitzen auf dem flach ausgebreiteten Kelch. Die Belladonna - enthält nur in den jungen Wurzeln +Atropin+, dagegen in den - ausgewachsenen Wurzeln und den übrigen Pflanzenteilen +Hyoszyamin+. - Das im Handel vorkommende „Atropin“ ist ein Gemenge der beiden - genannten Alkaloide. Atropinvergiftungen haben sich teils durch - zu hohe Dosierung und unzweckmässige Kombinierung des Atropins - (Morphium-Atropineinspritzungen gegen Schulterlahmheit beim Pferd), - teils durch die Aufnahme von Belladonnablättern bei Rindern (selten) - ereignet. - - -=Atropinwirkung.= Die Alkaloide der Belladonna, das Hyoszyamin -und Atropin, wirken +pupillenerweiternd+, die +Speichelsekretion -beschränkend+, sowie stark +erregend+ auf das +Gehirn+ („Tollkirsche“) -und das +Herz+; der Tod erfolgt durch +Lähmung+ dieser Organe. Die -Vergiftungserscheinungen bestehen daher in +Pupillenerweiterung+, -+Sehstörungen+, +starker Aufregung+, +Tobsucht+, +Krampfanfällen+, -+Herzklopfen+, +verminderter Speichelsekretion+ und infolgedessen -Trockenheit der Maulschleimhaut und der Zunge, +gastrischen Zufällen+; -später tritt +Schwäche+ und +Lähmung+ auf. Die Behandlung ist -eine symptomatische; als Gegengift werden namentlich Morphin und -Chloralhydrat, sowie Tannin empfohlen. - - -=Verhalten der einzelnen Tiergattungen.= Die Haustiere, namentlich -die Pflanzenfresser, sind gegen das Atropin im Vergleich zum Menschen -+wenig empfindlich+. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken: - -1. +Pferde+ ertragen nach meinen Erfahrungen Dosen von 0,05-0,5 -g Atropin, ohne lebensgefährlich zu erkranken. Die gewöhnlichen -Erscheinungen nach diesen relativ sehr grossen Dosen sind Herzklopfen, -Steigerung der Pulsfrequenz, Unruhe, Aufregung, Mydriasis, verminderte -Speichelsekretion und Unterdrückung der Futteraufnahme; Tobsucht -wird in der Regel nicht beobachtet. Nur bei einzelnen Pferden -traten wohl infolge einer Idiosynkrasie schon nach Dosen von 0,05 -tobsuchtartige Erscheinungen auf. Aehnlich sind die Erscheinungen nach -der Aufnahme von Belladonnakraut. Nach +Hertwig+ zeigten 20 Pferde -auf die Verabreichung von 120 bis 180 g trockenem Belladonnakraut -Pupillenerweiterung, Trockenheit im Maul, Tympanitis, Verstopfung, -Kolik, sehr beschleunigte Herztätigkeit und Pulszahl, Mattigkeit und -Schwäche; eigentümlicherweise fehlten zerebrale Erregungszustände. Die -gleichen Symptome wurden nach 60-90,0 trockener Wurzel beobachtet; -180,0 g derselben töteten. Klistiere von 15,0 trockenem Kraut auf -180,0 Kolatur, 3-4mal an einem Tag wiederholt, riefen leichte -Vergiftungserscheinungen und eine Lähmung des Sphincter ani hervor. -8-16,0 der Belladonnatinktur (8,0 : 45,0 Spiritus) intravenös -appliziert, hatten eine schwere Vergiftung zur Folge, welche sich -in Unruheerscheinungen, Angst, Atemnot, starker Pulsbeschleunigung, -Mydriasis, Zittern, Zuckungen, Kolik, Betäubung und Taumeln äusserte. -Einzelne Pferde tobten auch und gingen wie blind auf die Wände zu. 240 -g der Tinktur intravenös gegeben, töteten. - -2. +Kühe+ werden von der Belladonnawirkung stärker betroffen. -30 g der Wurzel und 60 g der Blätter erzeugten Tympanitis und -Pulsbeschleunigung, 60-90 g der Wurzel eine zweitägige starke -Vergiftung; 120 g der Wurzel hält +Hertwig+ beim Rind für die tödliche -Dosis. - -3. +Hunde+ ertragen im Verhältnis zum Menschen und zu anderen Tieren, -namentlich zum Pferd, besonders grosse Atropingaben und können sich -allmählich an das Gift gewöhnen. Ich habe beispielsweise einem 25 kg -schweren Hund im Verlauf eines Nachmittags (innerhalb 6 Stunden) 1,0 -g Atrop. sulfuric. auf 2mal eingegeben; derselbe zeigte zwar jedesmal -starke Unruheerscheinungen und hochgradige Aufregung, verbunden mit -Krampfanfällen, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder vollständig. -Grosse Hunde ertragen annähernd dieselbe Dosis wie ein Pferd. - -4. +Schafe+ ertrugen 90,0 g trockene Blätter, 120,0 g getrocknete -Wurzel und selbst 60,0 g Belladonnaextrakt (+Gerlach+). - -5. +Ziegen+ zeigten nach der Verfütterung von 750 g frisch getrockneter -Belladonnablätter nur eine starke Mydriasis ohne jede andere auffällige -Erscheinung (+Gerlach+). Die Unempfindlichkeit der Schafe und Ziegen -gegen Belladonna ist übrigens lange bekannt. Schon +Münch+ bemerkt in -seiner „Praktischen Anweisung, wie Belladonna bei den Tieren anzuwenden -ist, Stendal 1787“, dass Ziegen die Belladonna pfundweise und Schafe -die Blätter mit Begierde fressen. - -6. +Kaninchen+ sind besonders indifferent gegen Atropin. +Hertwig+ -hat Kaninchen wochenlang nur mit Belladonnablättern gefüttert, wobei -dieselben ausser Pupillenerweiterung keinerlei abnorme Erscheinungen -zeigten, vielmehr ganz munter blieben; im Urin derselben liess sich -Atropin nachweisen. Die tödliche Dosis des Atropins für Kaninchen liegt -erst bei 1,0 g (beim Menschen wirken schon 0,1 g sicher tödlich, und -schon 5 mg bedingen eine schwere Vergiftung). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Atropins aus den -Untersuchungsobjekten erfolgt am besten nach der Methode von -+Dragendorff+ (vergl. S. 199); hierbei ist zu beachten, dass das -Atropin aus seiner Lösung in Benzol in der Kälte auskristallisiert. -Da das Atropin eines der am leichtesten zersetzlichen Alkaloide ist, -müssen hohe Temperaturgrade, sowie ätzende Alkalien und starke Säuren -streng vermieden werden; es empfiehlt sich ferner im Vakuum bei -möglichst niedriger Temperatur abzudampfen. Das abgeschiedene Atropin -kann auf verschiedene Weise agnosziert werden. 1. Die +physiologische+ -Methode des Nachweises ist die sicherste. Man löst einen Teil -desselben in wenig Wasser auf und bringt die Lösung in den Lidsack -eines Kaninchens, einer Katze, eines kleinen Hundes, worauf sehr bald -+Pupillenerweiterung+ eintritt. Diese Pupillenerweiterung wird noch -durch 0,005 mg Atropin erzeugt. 2. Mit +rauchender Salpetersäure+ und -+weingeistiger Aetzkalilösung+ färbt sich Atropin schön +rotviolett+. -Die Reaktion, welche noch durch 0,001 mg Atropin hervorgerufen wird, -führt man in der Weise aus, dass man kleine Mengen des Alkaloids -mit 3-4 Tropfen rauchender Salpetersäure löst und im Wasserbade -verdunstet, bis ein gelblicher Rückstand hinterbleibt, welcher bei -Zusatz einer Lösung von Aetzkali in 90proz. Weingeist sich schön -violett färbt. - -Andere Reaktionen sind: +Rotfärbung+ nach Uebergiessen mit 1-5proz. -alkoholischer (50 Proz.) Sublimatlösung (2 ccm) und schwachem -Erwärmen, +Blumengeruch+ beim Erwärmen von Atropin mit konzentrierter -Schwefelsäure (nach den einen Geruch nach Orangeblüten, nach den -anderen Blütengeruch von Prunus Padus oder Spiraea Ulmaria). -Endlich rötet Atropin im Gegensatz zu den meisten Alkaloiden -+Phenolphthaleinpapier+. - - =Kasuistik.= Am häufigsten sind =Atropinvergiftungen= bei Pferden - beobachtet worden infolge der von +Tempel+ empfohlenen +kombinierten - Morphium-Atropininjektion+ gegen +Schulterlahmheit+. Die Kombination - wirkt, wie ich mit +F. Preusse+ festgestellt habe, dadurch so - gefährlich, dass sich die +sekretionsbeschränkende Wirkung des - Atropins+ auf die Speicheldrüsen (Trockenheit der Maul- und - Rachenschleimhaut, erschwertes bezw. aufgehobenes Schlingvermögen) - und Darmdrüsen, insbesondere die Bauchspeicheldrüse (Eindickung - und schwere Beweglichkeit des Darminhalts), mit der stopfenden, - +die Darmperistaltik lähmenden Wirkung des Morphiums+ verbindet. - Infolgedessen kann sich leicht eine schwere +Verstopfungskolik+ - mit ihren Folgen (Tympanitis, Magenruptur) einstellen. Die in der - tierärztlichen Literatur beschriebenen einzelnen Vergiftungsfälle - sind von +F. Preusse+ (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde, 1899) - gesammelt worden. Die wichtigsten Fälle sind folgende: - - +Meinicke+ applizierte einem an akuter Schulterlahmheit leidenden - Offizierspferde die Tempelsche Mischung (Atropin 0,05, Morphium 0,2) - subkutan und beobachtete nachstehende Vergiftungserscheinungen: - Bereits nach 10 Minuten trat eine Erweiterung der Pupillen ein, wenig - später begann das Tier die Zunge aus dem Maule herauszustrecken. - Angebotenes Heu und Wasser vermochte es nicht abzuschlucken. Die - Frequenz des Pulses betrug nach Ablauf von 15 Minuten bereits 60 - Schläge, er war drahtförmig und spritzend; ¾ Stunden nach der - Injektion war er nicht mehr zählbar und die Arterienwand kaum noch - zu fühlen. Die Herzaktion geschah tumultuarisch, die Respiration - langsam, 8mal in der Minute. Ungefähr nach Verlauf einer Stunde war - das Stadium acmes der Intoxikation erreicht, indem der Herzschlag - stark pochend 110-116mal in der Minute erfolgte, Muskelzittern und - Schwanken im Hinterteil auftrat, der Blick stier und ängstlich wurde - und die Pupillen ad maximum erweitert waren. Das bis dahin ruhige - Tier stieg alsdann einigemal mit den Vorderfüssen an den Boxwänden - hoch, wurde aber bald wieder still. Nach 1½, 2, 3 Stunden wurden - resp. 90, 70, 60 Herzschläge gezählt. Das Pferd trug ein mattes, - müdes Benehmen zur Schau, der Appetit war vollkommen unterdrückt. Am - Tag darauf waren Puls, Herzschlag und Atmung zur Norm zurückgekehrt, - und gegen Abend geschah die Futter- und Getränkaufnahme wieder - in genügendem Masse. -- +Scholte+ injizierte einem schweren - Percheronwallach die genannte Morphium-Atropinlösung. Nach einer - Viertelstunde begann das Pferd zu scharren, bekundete hochgradige - Angst, Atemnot, Muskelzittern, hatte eines drahtförmigen Puls von - 66 Schlägen in der Minute und einen pochenden Herzschlag. Wenig - später versuchte das Tier an der Wand emporzugehen, biss in die Stäbe - der Raufe und hing sich vor Schmerz förmlich in die Halfter. Diese - Erscheinungen hielten bis zu 50 Minuten nach der Einverleibung des - Mittels an und wurden dann von einer Müdigkeit, Schläfrigkeit und - Appetitlosigkeit gefolgt. Am nächsten Tag war der Wallach wieder - munter. -- +Meyerstrasse+ sah 8 Stunden nach der Injektion ein - Pferd unruhig werden, sich häufig wälzen und dyspnoisch atmen. Es - bestand Tympanitis, vollständige Sistierung der peristaltischen - Geräusche, häufiges Drängen, aber nur Absetzen schleimiger Massen. - Auf die Verabreichung einer Aloepille hin wurde die Kolik gehoben. - Ein anderes Pferd bekundete sehr intensive Vergiftungssymptome, - namentlich Tobsucht, die indessen nach 3stündiger Fortdauer gänzlich - zurückgingen. -- +Noack+ beobachtete bei einer englischen Stute - regelmässig 2 Stunden nach jeder der beiden vorgenommenen Injektionen - eine ziemlich heftige Blähkolik, +Freitag+ konstatierte in 2 Fällen - schon kurze Zeit nach der Einverleibung des Arzneipräparates - Kolikerscheinungen. Bei sämtlichen 8 Pferden schwanden dieselben - nach ungefähr 5 Stunden, die Lahmheit war jedoch nicht beseitigt. - -- Auf eine Injektion der vereinigten Mittel hin geriet ein Pferd, - einer Beobachtung von +Bruns+ zufolge, in einen rauschartigen - Zustand und zeigte eine Atemfrequenz von 40 Zügen in der Minute. - Die gleiche Aufregung trat nach einer zweiten, 5 Tage später - vorgenommenen Einspritzung zutage. -- +Lungwitz+ konstatierte - bald nach der Injektion bei einem Pferd eine starke, etwa fünf - Stunden anhaltende Aufregung und Unruhe, Vorwärtsdrängen mit in - die Höhe gestrecktem Kopfe und andauerndes Seitwärtstreten, Puls- - und Atmungsbeschleunigung, sowie eine öftere Entleerung von Harn - in geringen Quantitäten und nach kurzen Intervallen. -- Ein Pferd - drängte 3 Stunden nach der gewöhnlichen Injektion, wie +v. Lojewski+ - mitteilt, gewaltig nach vorwärts, schlug mit den Hinterextremitäten - nach dem Bauche, hatte ad maximum erweiterte Pupillen, eine trockene - Maulschleimhaut und eine holzige Zunge. Die Muskulatur der linken - Schulter oszillierte beständig. Puls und Atmung waren beschleunigt. - Nach fünf Stunden hatten die Erscheinungen den Höhepunkt erreicht - und wurden jetzt schnell durch Morphium kupiert. Am folgenden Tag - zeigte das Tier nur noch eine gewisse Mattigkeit. -- +Meltzer+ nahm - 4 Stunden nach der Injektion folgende Vergiftungssymptome wahr: - Das Pferd war stark tympanitisch aufgetrieben, die Peristaltik lag - gänzlich darnieder. Es blickte angsthaft um sich und war über den - ganzen Körper mit Schweiss bedeckt. Die Atmung vollzog sich pumpend - und die Herzaktion tumultuarisch, die Frequenz der letzteren war - nicht genau zu ermitteln. Der Patient scharrte ununterbrochen mit - den Vorderfüssen, das Hinterteil schwankte stark bei der Bewegung. - Als Antidot wurde eine Mischung von Eserin, Morphium, Kalomel, - Kirschwasser und Kaffee mit Erfolg ordiniert. Am folgenden Tag - war das Tier wieder wohl, die Lahmheit jedoch nicht gewichen. - +Meltzer+ ist der Ansicht, dass es sich in diesem Fall wohl um eine - Idiosynkrasie gehandelt hat. -- Selbst auf die Verabreichung der - gewöhnlichen Lösung, auf 3 aufeinanderfolgende Tage gleichmässig - verteilt, sah +Jess+ stets eine sehr unliebsame, mit Tympanitis und - Darniederliegen der Darmbewegungen einhergehende Kolik auftreten. - Bei einem Pferd zeigten sich diese Nebenwirkungen des Mittels in - Form von über eine Stunde anhaltenden Gehirnerscheinungen, indem das - Tier an den Wänden hochstieg, beständig mit den Vorderextremitäten - schlug und mit dem Hinterteil stark schwankte. Ein weiterer Patient, - dem ein Dritteil der vorschriftsmässigen Mischung injiziert war, - bekam ebenfalls Kolik und wurde am Abend desselben Tages im Stall - tot aufgefunden. Eine Sektion unterblieb leider. -- +Strecker+ - bemerkte an einer schweren belgischen Stute 3 Stunden nach der - Injektion mässiges Muskelzittern und Unruheerscheinungen, sich - in häufigem Hin- und Hertreten äussernd. Abends warf sich das - Pferd zu wiederholten Malen heftig nieder, trieb rasch auf und - starb wenig später. Bei der Obduktion wurde als causa mortis eine - Magenruptur ermittelt. -- +Krämer+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1901) sah - bei einem Militärpferd nach einer Atropin-Morphiumeinspritzung - (0,05 : 0,2) kolossalen Schweissausbruch, heftige Unruhe, starke - Schlingbeschwerden, Mydriasis, Dyspnoe, sowie heftiges Anrennen gegen - die Krippe. Die Unruheerscheinungen hielten 4 Stunden an; auch am - folgenden Tag bestand noch ziemliche Schwäche in der Nachhand. -- - +Güntherberg+ (ibid.) sah bei einem schulterlahmen Pferd nach einer - Atropin-Morphiuminjektion (0,02 : 0,1) heftige Unruheerscheinungen, - drahtförmigen Puls, stieren Blick, sowie Tod nach 24 Stunden; - die Sektion ergab eine 1½ m lange Invagination des Dünndarms. - -- +Neffgen+ (D. T. W. 1906) sah bei einem 8jährigen schweren - Oldenburger nach der subkutanen Injektion von 0,5 Atropin hochgradige - Unruhe, Pupillenerweiterung, Taumeln, sowie Tod nach 21 Stunden. - - Vergiftungen durch die Aufnahme der =Belladonnablätter= bei - Rindern sind in der tierärztlichen Literatur nur ganz vereinzelt - beobachtet worden. +Hering+ (Pathologie 1859) sah bei 2 Kühen nach - der Aufnahme von Waldgras Toben, Niederstürzen und Aufblähung; - +Nagy+ (Veterinarius 1897) bei einem Rind, das auf der Weide - Belladonnablätter gefressen hatte, starke Aufblähung, Anrennen an - Gegenstände, Pupillenerweiterung, 70 Pulse, unsicheren Gang und - häufige Darmentleerungen; die eingeleitete Behandlung (Abführmittel, - kalte Begiessungen) hatte in 2 Tagen vollkommene Genesung zur Folge. - -- Nach +Gerö+ (Veterinarius 1901) sollen ungarische Pferdehändler - bei dämpfigen Pferden betrügerischerweise einen Aufguss von - Belladonnakraut eingeben, wodurch Pupillenerweiterung, Verstopfung - und Aufblähung, Sphinkterenparalyse, beschleunigte Herzaktion, - Trockenheit der Maulschleimhaut, sowie hochgradige Aufregung - entstehen soll. G. will 36 Fälle derartiger Vergiftungen, darunter 11 - Todesfälle beobachtet haben. - - -Vergiftung durch Bilsenkraut. - - =Botanisches.= Das +Bilsenkraut+, +Hyoscyamus niger+, ist eine auf - Schutt, wüsten Plätzen, Kirchhöfen etc. wachsende Solanazee mit - fleischiger, möhrenartiger Wurzel, klebrigem, weichhaarig zottigem, - drüsigem, bis ½ m hohem Stengel, grünen, bis 20 cm langen und 10 cm - breiten, eiförmigen, buchtig gezahnten, ebenfalls klebrigzottigen - Blättern, sowie schmutziggelben, violett netzartigen, glockigen, - widerlich riechenden Blüten. Die zweifächerigen Kapselfrüchte - enthalten sehr zahlreiche Samen. Im Bilsenkraut sind 2 Alkaloide - enthalten, das +Hyoszin+ oder =Skopolamin= und das +Hyoszyamin+. Auch - in der Wurzel von Skopolia atropoides ist Skopolamin enthalten. - - -=Krankheitsbild.= Das Hyoszin (Skopolamin) stimmt in seiner -mydriatischen Wirkung, sowie in seiner erregenden Wirkung auf das -Gehirn und Herz mit dem +Atropin+ ziemlich überein. +Das Krankheitsbild -der Bilsenkrautvergiftung ist daher im wesentlichen das gleiche, -wie das der Belladonnavergiftung.+ Auch dem Hyoszin (Skopolamin) -gegenüber verhalten sich die Haustiere viel weniger empfindlich -als der Mensch. Während beim Menschen schon auf 2 mg Hyoszin -Vergiftungserscheinungen zu beobachten sind, ertragen Hunde und Katzen -das 100-300fache dieser Dosis. Eine kleine Katze blieb noch nach 0,6 -g Hyoszin am Leben (+Kobert+). Diese geringe Empfindlichkeit der -Tiere gegenüber dem Hyoszin ist wohl auch der Hauptgrund dafür, dass -Bilsenkrautvergiftungen bei den Haustieren ebenso selten sind, wie -Belladonnavergiftungen. In der tierärztlichen Literatur finden sich nur -folgende Fälle verzeichnet. Nach +Cruzel+ (Journ. de méd. vét. 1828) -hatte eine Kuh im Frühjahr eine grössere Menge frischen Bilsenkrautes -gefressen; nach 2 Stunden fiel sie um, zeigte Pupillenerweiterung, -starke Injektion der Konjunktiva, sichtbares Pulsieren der Karotiden, -Konvulsionen, krampfhaftes, röchelndes Atmen, häufige Harnentleerungen, -sowie allgemeine Körperschwäche. Nach +Graess+ (Berl. Arch. 1897) -starben 29 junge Hühner an Bilsenkrautvergiftung, während die alten -Hühner nicht erkrankten. +Regenbogen+ (B. T. W. 1903) beobachtete bei -einem Pferd nach der Injektion von 0,02 Hyoszin Raserei, Hochsteigen, -Schlagen mit dem Kopf gegen die Krippe und angestrengte Atmung, -offenbar als Ausdruck einer Idiosynkrasie. - -+Behandlung+ wie bei der Atropinvergiftung. - - =Experimentelles.= Von den zahlreichen, früher mit Bilsenkraut - angestellten +toxikologischen Versuchen+ sind folgende erwähnenswert. - +Pferde+ zeigten auf 90-120 g Bilsenkraut im Dekokt starke Mydriasis, - Steigerung der Pulsfrequenz von 35 auf 72, Zuckungen am Halse und - an den Lippen; nach 3-5 Stunden waren die Erscheinungen vorüber - (+Gohier+). Die Verfütterung von 2 Pfd. frischer Wurzel erzeugte nur - Tympanitis und Kolik (+Viborg+). Ein Eselhengst blieb nach 1½ Pfd. - ausgepressten Bilsenkrauts am ersten Tag ganz gesund; am zweiten Tag - stieg der Puls von 24 auf 70 und die Atmung wurde angestrengt. 1 - Pfd. halbreifer Samen steigerte bei einem Pferd schon nach ½ Stunde - den Puls von 34 auf 60 und beschleunigte die Atmung; am anderen - Tag war die Pulsfrequenz wieder eine normale, das Tier zeigte aber - rasende Zufälle, genas jedoch wieder. +Hertwig+ sah nach 180-360 g - des frischen und trockenen Krauts, der Wurzel und Samen lediglich - Pulssteigerung und Tympanitis. Intravenös trat nach 8 g Infus des - trockenen Krautes Unruhe, vermehrter, aussetzender Puls, Mydriasis, - Zittern, Mattigkeit, Taumeln, momentane Raserei, Strangurie auf, nach - 16 g schreckliches Toben, völlige Bewusstlosigkeit, Schweissausbruch, - Konvulsionen, sowie der Tod nach 2 Stunden. Eine +Kuh+ zeigte nach - Aufnahme frischen Bilsenkrautes Mydriasis, Pulsation der Karotiden, - Niederstürzen, Konvulsionen und Durchfall. +Hunde+ zeigten nach 8 - g Extraktaufnahme Erbrechen, Beschleunigung der Herztätigkeit und - Mydriasis. - - -Vergiftung durch Stechapfel. - - =Botanisches.= Der +Stechapfel+, +Datura Stramonium+, ist eine - überall in Europa vorkommende, im 16. Jahrhundert durch Zigeuner - eingeschleppte Solanazee, welche auf Schutthaufen, in Kirchhöfen, - an Hecken etc. vorkommt. Er bildet einen bis zu 1 m hohen Strauch, - mit dickem, hohlem, kahlem, gabelartig verzweigtem Stengel, - gestielten, eiförmigen, buchtig gezähnten, kahlen Blättern, weissen, - trichterförmigen, 5lappigen, aufrechten Blüten mit sehr langer - Blumenkrone und blassgrünem, röhrigem Kelch, sowie mit grossen, - dornigen, 4fächerigen Kapseln. Der Stechapfel enthält 2 Alkaloide: - das =Atropin= (Stramoniumatropin) und +Hyoszyamin+. Beide zusammen - wurden früher als „Daturin“ bezeichnet. -- Eine atropinähnliche - Wirkung besitzt auch das +Ephedrin+, welches in Ephedra vulgaris - enthalten ist. - - -=Krankheitsbild.= Die Wirkung des Stechapfels stimmt mit derjenigen der -+Belladonna+ und des +Bilsenkrautes+ überein. Das Krankheitsbild setzt -sich aus den Erscheinungen der +Pupillenerweiterung+, der +zerebralen+ -und +kardialen Erregung+ mit späterer +Lähmung+ zusammen. Vergiftungen -mit Stechapfel sind ebenso selten wie bei jenen. In der Literatur sind -nur die folgenden Fälle beschrieben. Eine Kuh zeigte nach der Aufnahme -des Krautes wutartige Symptome: starke Aufregung, Zusammenstürzen, -Lähmung, Tympanitis, genas aber nach 5 Tagen (+Koppitz+, B. T. W. -1906). -- 7 Gänse zeigten nach dem Fressen der Blätter und Stengel -Taumeln und Umfallen und starben innerhalb weniger Minuten (+Zarnack+, -ibid. 1901). - - =Experimentelles.= Die in früheren Zeiten mit der Pflanze - angestellten +experimentellen+ Untersuchungen haben im wesentlichen - folgendes ergeben. +Pferde+ zeigten nach der Verabreichung von 1 Pfd. - frischer Stechapfelblätter Mydriasis und schnelleren Puls (+Viborg+). - 2 Pfd. der abgeblühten Pflanze riefen leichte Kolikerscheinungen - und Auftreibung hervor. 2½ Pfund reife Samen töteten ein Pferd nach - 52 Stunden; Symptome: schneller, kleiner Puls, Auftreibung, Kolik. - +Hertwig+ spritzte Pferden intravenös 8-16 g Tinctura Stramonii ein, - desgleichen ein Infus von 8 g des Krautes; darauf zeigten sich starke - Puls- und Atmungsbeschleunigung, Pupillenerweiterung, Abstumpfung, - Schwindel, Zittern, Geifern, Gähnen, Krämpfe. +Ziegen+ ertrugen 240 g - ausgepressten Stechapfelsaft ohne weitere Erscheinungen; ein Widder - zeigte nach derselben Gabe häufigeres Atmen und Urinieren. +Hunde+ - äusserten nach 120 g ausgepressten Saftes Unruhe, Winseln, Erbrechen, - Zittern, genasen aber wieder. Auf 16 g Extrakt starb ein Hund nach 7 - Stunden unter den Erscheinungen der Atropinvergiftung (+Orfila+). - - -Vergiftung durch Kokain. - - =Allgemeines.= Das dem Atropin chemisch und physiologisch - nahestehende +Kokain+ ist das Alkaloid der Kokablätter (Erythroxylon - Coca, Erythroxylee) und hat die Formel C_{17}H_{21}NO_{4}. Es wird - in der Tierheilkunde seit etwa 10 Jahren in der Form des Cocainum - hydrochloricum subkutan als Diagnostikum bei Lahmheiten des Pferdes - vielfach angewandt; hierbei sind zuweilen Vergiftungserscheinungen - beobachtet worden. Seltener haben sich Vergiftungen bei den - Haustieren nach der Anwendung des Kokains als lokales Anästhetikum - vor Operationen ereignet, sowie beim sog. Doping der Rennpferde - (künstliche Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Kokain und andere - Stimulantien). - - Die toxische Wirkung des Kokains auf verschiedene Tiergattungen ist - zuerst von +v. Anrep+ (Pflügers Archiv 1880) eingehend untersucht - worden. Später haben namentlich +Fröhner+ (Arzneimittellehre 1889), - +Rahnenführer+ (Berl. Arch. 1902) und +C. Fischer+ (Monatshefte - für praktische Tierheilkunde 1904) die Giftwirkung bei Tieren - festgestellt. - - -=Symptome.= Neben der örtlichen +anästhesierenden+ Wirkung des Kokains -auf die peripheren Nerven der Haut und Schleimhäute treten nach der -Resorption des Kokains ins Blut +Erregungserscheinungen+ im Gebiete -der +psychomotorischen+ Rindenzentren des +Grosshirns+ ein, welche an -das Bild der Atropinvergiftung erinnern und sich je nach Dosis und -Tiergattung verschieden äussern. - -1. Nach +kleinen+ Dosen (0,01-0,015 g Kokain pro kg Körpergewicht) -zeigen +Hunde+ freudige Erregung, ausgelassene Munterkeit, sowie -eine rastlose Tätigkeit aller Muskeln, welche sich in planlosem Hin- -und Herlaufen, Springen, Hüpfen, tänzelnden Bewegungen, beständigem -Umherlaufen im Kreise, Schweifwedeln, sowie pendelnden Kopfbewegungen -äussert. Eine ähnliche psychische Erregung zeigen Pferde und Rinder, -sowie Katzen, die besonders empfindlich sind; sehr widerstandsfähig -sind dagegen Tauben. Gleichzeitig wird infolge Einwirkung auf das -Rückenmark die +Reflexerregbarkeit gesteigert+; die Tiere sind -schreckhaft und zittern. Manche +Pferde+ zeigen schon nach der -subkutanen Injektion von 0,5 g Kokain (diagnostische Injektion bei -Lahmheit) vorübergehende Aufregung, Schreckhaftigkeit, Unruhe und -Zittern (Idiosynkrasie?). Auch +die Pulsfrequenz, der Blutdruck, die -Atemfrequenz und die Körpertemperatur sind gesteigert+; +die Pupille -ist erweitert+; +die Peristaltik ist vermehrt+; es besteht +Speicheln+. - -2. +Mittlere Dosen+ (von 0,015-0,02 pro kg ab beim Hund) bewirken -+hochgradige psychische Aufregung, sowie krampfhafte Unruhe -aller Körpermuskeln+. Es treten rhythmische Kontraktionen aller -Skelettmuskeln, sowie +tetanische und tonisch-klonische Krämpfe+ mit -Opisthotonus, epileptiformen Anfällen, Roll- und Schwimmbewegungen -und den verschiedensten Koordinationsstörungen auf; die Atmung wird -dyspnoisch. - -3. +Grosse Dosen+ (von 0,02 pro kg ab beim Hund) +lähmen+ die +nervösen -Zentralorgane+ und zwar zuerst das Grosshirn, dann die +Vierhügel+, -das verlängerte Mark und das Rückenmark und töten durch +Lähmung -des Atmungszentrums+. Der Sektionsbefund ist, abgesehen von den -suffokatorischen Erscheinungen, negativ. - -Beim +Menschen+ beobachtet man endlich nach lange fortgesetztem -Kokaingebrauch ähnlich wie beim Morphium schwere und bleibende -+psychische Störungen+ in Form von Epilepsie und Paranoia -(+Kokainismus+). - - -+Behandlung.+ Die +Prophylaxe+ der Kokainvergiftung besteht darin, dass -man die Dosen bei der diagnostischen Injektion nicht zu hoch nimmt -oder gleichzeitig mit dem Kokain einige Tropfen +Adrenalin+ 1 : 1000 -einspritzt (gefässkontrahierende, die Resorption verlangsamende bezw. -verhindernde Wirkung). Während der Erregungserscheinungen empfiehlt es -sich, die Pferde an der Hand zu bewegen. Symptomatische Gegenmittel -sind +Bromkalium+, +Chloralhydrat+ und +Amylnitrit+. - - -=Nachweis.= Da das Kokain sich im Blute anscheinend sehr schnell -zersetzt, ist der chemische Nachweis im Körper schwierig. Der -+physiologische+ Nachweis besteht in vorübergehender Unempfindlichkeit -der Zungenspitze bei Berührung. +Chemische+ Reaktionen sind: +weisser+ -in Weingeist und Aether leicht löslicher Niederschlag in der -wässerigen, mit Salzsäure angesättigten Lösung durch Sublimatwasser, -+brauner+ durch Jodlösung, weisser durch Kalilauge. - - =Experimentalversuche über die Kokainwirkung bei den verschiedenen - Haustieren.= Die innerliche Kokainwirkung beim +Hund+ ist - individuellen Verschiedenheiten unterworfen. Ich habe in einem - Fall einem Hund von 10 kg Körpergewicht 0,15 g Cocainum muriaticum - (0,015 pro kg) ohne auffällige Erscheinungen subkutan injiziert. - Ein anderer 32 kg schwerer Hund zeigte nach der Injektion von 0,5 - g Cocainum muriat. (ebenfalls 0,015 pro kg) das deutliche Bild der - Kokainerregung, desgleichen ein 8 kg schwerer nach 0,12 Kokain. - Bei +Pferden+ beobachtete ich nach subkutaner Injektion von 0,5 g - Kokain (0,001 pro kg) vereinzelt Unruhe, Aufregung, Zittern und - Schreckhaftigkeit. Nach der Injektion von 2,0 g Kokain (0,005 pro - kg) beobachtete ich regelmässig +Unruheerscheinungen+, Scharren - mit den Vorderfüssen, Wiehern, +Schreckhaftigkeit+, +Aufregung+, - sogenanntes Leineweben, Pulssteigerung bis auf 96, Speicheln, - +sehr häufigen Kotabsatz+, laut kollernde Peristaltik, Mydriasis, - und nach 50 Minuten +tobsuchtähnliche+ Zufälle (Hochsteigen, - Vorwärtsdrängen, Versuche, die Halfterkette loszureissen, Seitwärts- - und Rückwärtsspringen) mit einer +aufs höchste gesteigerten - Reflexerregbarkeit+; erst nach 2 Stunden war das Allgemeinbefinden - wieder normal. +Kühen+ gab ich 4, 6, 10 und 16 mg Kokain pro - kg Körpergewicht. Eine 5jährige Kuh zeigte nach der Injektion - von 1,0 g Cocainummuriaticum (0,004 pro kg Körpergewicht) sehr - lebhaften Blick, +unruhiges Benehmen+, Schütteln mit dem Kopf, - grosse Empfindlichkeit gegen +Fliegen+, lebhaftes Wedeln mit dem - Schweif, +Schreckhaftigkeit+, +starke Vermehrung der Peristaltik+ - mit wiederholtem Absatz dünnflüssigen Kotes, häufigen Harnabsatz, - Temperatur- und Pulssteigerung. Die Wirkung hatte etwa nach ¾ Stunden - ihre Höhe erreicht. Von da ab liessen die Unruheerscheinungen nach - und das Tier hatte sich 1½ Stunden nach dem Beginn des Versuchs - wieder vollkommen beruhigt. Dieselbe Kuh zeigte nach der Injektion - von 1,5 g Kokain ähnliche, aber hochgradigere Erscheinungen, - namentlich starke Aufregung und Schreckhaftigkeit, fortgesetzten - diarrhoischen Kotabgang, Harndrang mit tropfenweissem Harnabsatz, - Speicheln, sowie leichtes Schwanken. 1½ Stunden nach Beginn des - Versuches waren auch hier die Erscheinungen wieder zurückgegangen, - das Tier zeigte aber noch eine mehrstündige Mattigkeit. 2,5 g Kokain - erzeugten ähnliche, noch stärkere Erregungserscheinungen. 4,0 g - Kokain (0,016 pro kg Körpergewicht) riefen bei einer Kuh ein 4 - Stunden andauerndes Exzitationsstadium hervor mit +tobsuchtartiger - Aufregung+, äusserster Schreckhaftigkeit, +Absatz dünnflüssigen, - diarrhoischen Kotes+, +anhaltendem Drängen auf den Harn+, Speicheln, - Rülpsen, Temperatursteigerung bis um 1°, Pulsbeschleunigung, - Mydriasis und Schwanken. Nach dem Verschwinden dieser Symptome war - das Allgemeinbefinden wieder ganz normal. Aehnliche Beobachtungen hat - +Negotin+ bei seinen Versuchen am Hund gemacht. -- Nach +Fischer+ - (Monatshefte für prakt. Tierheilkde. 1904) steigt die Empfindlichkeit - der Tiere gegen Kokain mit ihrer Grösse; die tödliche Dosis pro kg - Körpergewicht beträgt nach ihm bei Fröschen 0,42 g, Tauben 0,06, - Katzen und Hunden 0,03, Ziegen 0,015, Rindern und Pferden 0,018 (= - 6-8 g Kokain als Todesdosis für Pferde); bei diesen tödlichen Dosen - stieg die Körpertemperatur um 2,6-3,2°. - - =Kasuistik.= +Wilkie+ (Journ. of comp. 1891) beobachtete bei - einer Setterhündin, die vor der Operation eines Mammatumors eine - 15proz. Kokaininjektion erhalten hatte, nach etwa 3 Minuten - klonische Krämpfe, Speichelfluss, Zungen- und Lippenlähmung, - Pupillenerweiterung und Manegebewegungen. Nach 3 Tagen war der - Hund wieder hergestellt. -- +Parant+ (Tierärztl. Rundschau 1908) - beobachtete nach der Instillation einer 4proz. Kokainlösung (5-6 - Tropfen) in den Lidsack einer Katze heftige Krämpfe, maximale - Pupillenerweiterung und Erblindung; erst nach 15 Tagen war das Tier - wieder ganz hergestellt. -- Nach +Suffran+ (Revue Toulouse 1909) - zeigte ein 20 kg schwerer Hund nach 0,06 g Kokain (intrakutan) - Halluzinationen, Aufregung, Krämpfe, Speicheln und Anästhesie. -- - +Rahnenführer+ (Berl. Arch. 1902) weist darauf hin, dass namentlich - bei edlen Pferden die Injektion von 0,5 Kokain eine leichte - Vergiftung (Exzitationsstadium) zur Folge hat; zahlreiche ähnliche - Fälle hat auch +Eberlein+ beobachtet; bei Herabsetzung der Dosis auf - 0,2 und darunter fehlten die Vergiftungserscheinungen. Wegen der - giftigen Nebenwirkung des Kokains wird neuerdings das 10mal weniger - giftige Alypin zu diagnostischen Injektionen empfohlen. - - -Vergiftung durch Ranunkeln. - - =Botanisches.= Die verschiedenen Arten von Ranunkulus, welche in - toxikologischer Beziehung in Betracht kommen, sind: - - 1. +Ranunculus sceleratus+, giftiger Hahnenfuss, Froscheppich, an - Teichen, Sümpfen und Gräben wachsend (daher auch früher Ranunculus - palustris benannt), eine bis meterhohe, krautartige Pflanze, mit sehr - dickem, hohlem, fleischigem, kahlem Stiel, blassgrünen, handförmig - geteilten Blättern, blassgelben, fünfblätterigen, sehr kleinen, - hinfälligen Blüten, zurückgeschlagenem Kelch, sowie bauchigen, - feinrunzeligen, kahlen, auf einem walzenförmigen Fruchtboden - stehenden Früchten. - - 2. +Ranunculus acris+, kleine Schmalzblume, Butterblume, - Wiesenranunkel, besitzt einen abgebissenen, reichfaserigen - Wurzelstock, aufrechten, flaumhaarigen Stengel, flaumhaarige, - bandförmig geteilte Blätter, grosse, goldgelbe Blüten mit rundem, - nicht gefurchtem Blütenstiel und abstehendem Kelch, sowie - zusammengedrückte, kahle, glatte Früchtchen, welche kugelige Köpfchen - bilden. - - 3. +Ranunculus arvensis+, der Ackerhahnenfuss, bis einen halben Meter - hoch werdend, besitzt einen faserigen Wurzelstock, kahlen Stengel, - dreigespaltene Blätter, blassgelbe, kleine, fünfblätterige Blüten mit - aufrechtstehendem Blütenkelch und dornige oder knotige Früchtchen. - - 4. +Ranunculus repens+, der kriechende Hahnenfuss, mit gebogenem, - nicht aufrechtem Stengel und kriechenden Ausläufern, tiefen, - handförmig geteilten Blättern und fünfblätteriger, gelber Blume. - - 5. +Ranunculus Ficaria+ (Ficaria verna, Ficaria ranunculoides), - Feigwarzenkraut, Pappelsalat, Pfennigsalat, wildes Löffelkraut, - kleines Schöllkraut, mit büschelig-knolligem Wurzelstock, - niederliegendem Stengel, herzförmigen Blättern, goldgelber Blume und - dreiblätterigem Kelch. - - 6. +Ranunculus bulbosus+, Butterkups, mit aufrechtem, an der Basis - zwiebelförmig verdicktem Stengel, grasgrünen, dreischnittigen - Blättern und grossen, goldgelben Blüten auf gefurchten Stielen. -- - Ausserdem sind zu erwähnen +Ranunculus Flammula+, der brennende - Hahnenfuss, +Ranunculus Lingua+, der grosse Hahnenfuss, +Ranunculus - lanuginosus+, +auricomus+ und +polyanthemus+. - - Die genannten Ranunkelarten enthalten einen scharfen Stoff, den - =Anemonenkampfer= (Ranunkulol, Anemonol, +Pulsatillenkampfer+), ein - festes und dabei flüchtiges ätherisches Oel, welches nadelförmige - Kristalle bildet und beim Behandeln mit Alkalien eine gelbe, - gummiartige Masse liefert und zu Anemonin und Anemoninsäure, zwei - nicht reizende Körper, zerfällt. Der Anemonenkampfer findet sich - auch in verschiedenen Anemonenarten, so in +Anemone pratensis+ - (Küchenschelle, Osterblume), welche überall in Europa auf sonnigen - Hügeln und Heiden, sowie am Rande lichter, trockener Wälder vorkommt - und schwarzviolette, glockige, nickende, aussen glänzend weisszottige - Blumen hat; ferner in +Anemone Pulsatilla+, in +Anemone vernalis+ und - +Anemone nemorosa+ (weisse Osterblume, Waldhahnenfuss, Windröschen), - einer in Laubwäldern und Gebüschen häufig vorkommenden, übrigens - ungiftigen (vergl. unten) Ranunkulazee mit weissen, oft rötlich - angeflogenen, kahlen Blüten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Anemonenkampfer besitzt -eine reizende, +entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates. In konzentrierter Form erzeugt er sogar in -Berührung mit der Haut Blasen. Das Krankheitsbild der Vergiftung durch -Ranunkeln äussert sich daher im wesentlichen durch die Erscheinungen -einer oft rasch tödlich verlaufenden +hämorrhagischen Gastroenteritis+, -welcher sich häufig noch die Erscheinungen der +Nephritis -haemorrhagica+ anschliessen, weil der Anemonenkampfer auch bei seiner -Ausscheidung durch die Nieren reizend wirkt. Die Allgemeinwirkungen -des Anemonols bestehen in Krämpfen und Betäubung. Die wichtigsten -Symptome der Vergiftung sind: +Brechbewegungen+, +Würgen+, +Speicheln+, -+Kolikerscheinungen+, +blutiger, ruhrartiger Durchfall+, +Hämaturie+, -+Albuminurie+, +Schreien+, +Brüllen+, +Taumeln+, +Krämpfe+, +Zittern+, -+Zusammenbrechen+, sowie zuweilen sehr rascher, +apoplektiformer Tod+. -Vergiftungen kommen bei allen Pflanzenfressern vor, namentlich aber bei -Rindern und Schafen, wenn auch nicht gerade sehr häufig. Man beobachtet -sie gewöhnlich dann, wenn die Tiere mit dem Grünfutter oder auf der -Weide Ranunkeln aufgenommen haben. Ranunkelhaltiges Heu hat dagegen -infolge der Verflüchtigung des Anemonenkampfers beim Trocknen seine -scharfe Wirkung fast ganz verloren. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -entzündlich geschwollen, von Hämorrhagien durchsetzt und den -Darminhalt blutig; die Nieren zeigen zuweilen die Erscheinungen einer -hämorrhagischen Nephritis. - -Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; sie besteht in der -Verabreichung einhüllender, schleimiger und adstringierender (Tannin) -Mittel. Der Nachweis geschieht auf botanischem Weg. - - =Kasuistik.= Zwölf Kühe erkrankten nach der Aufnahme von Grünfutter, - das im wesentlichen aus Ranunculus acris bestanden hatte, an einem - blutigen, ruhrartigen Durchfall (+Schleg+, Sächs. Jahresber. - 1884). -- 13 Rinder erkrankten im Frühjahr nach dem Weidegang auf - einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese, 6 davon starben - innerhalb 14 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, Unruhe, - Stöhnen, Brüllen, Kolikzufällen, Taumeln, Zittern, Bewusstlosigkeit, - Zusammenbrechen; der Verlauf war ein sehr akuter (½-1 Stunde). Bei - der Sektion fand man Entzündung der Schleimhaut des Wanstes und - der Haube (+Müller+, Magazin Bd. 24). -- 2 Rinder zeigten nach dem - Beweiden einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese heftiges - Brüllen, Umherspringen, Toben, Kolikerscheinungen, Aufblähen und - Speicheln; die Krankheitserscheinungen dauerten im ganzen 4 Tage - (+Meyer+, Schweizer Archiv Bd. 2). -- Eine Schafherde nahm auf der - Weide viel Ranunculus arvensis auf. Schon nach ½ Stunde zeigten - einige Tiere Zittern, Krämpfe, Taumeln, sowie klägliches Geschrei. - Binnen einer Stunde krepierten 21, ebensoviele waren scheintot, - erholten sich aber wieder nach kurzer Zeit. Bei der Sektion fand man - umschriebene Magenentzündung (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde - 1872). -- Vier Pferde, welche Ranunculus Flammula aufgenommen - hatten, starben an Gastroenteritis (+Stock+, The vet. journ. 1886). - -- Eine Schafherde hatte auf einem Esparsettefeld geweidet, auf dem - enorme Mengen von Ranunculus repens und arvensis wuchsen. Die ganze - Herde erkrankte an Durchfall, Aufblähung und Krämpfen. 137 Schafe - starben; bei der Sektion fand man Entzündung des Magens und Darmes - (+Eggeling+, Berl. Arch. 1891, S. 370). -- 2 Kühe starben plötzlich - nach der Aufnahme von Ranunkeln an der Entzündung des Labmagens und - Dünndarms (+Brause+, ibid. 1900). -- 12 Kühe und 1 Ochse starben - nach der Aufnahme von Ranunculus acris, sceleratus und bulbosus; sie - zeigten blutigen Durchfall, schwere Benommenheit und bei der Sektion - die Erscheinungen der Gastroenteritis (+Trouette+, Revue vét. 1900). - -- Eine Stute erkrankte nach der Verfütterung von Heu, das zu ⅓ aus - Ranunculus acris bestand, unter Erscheinungen der Kolik, Diarrhöe - und Hämaturie; nach 5 Tagen erfolgte Genesung. In ähnlicher Weise - erkrankten Kühe nach der Aufnahme von Ranunculus Ficaria; sie zeigten - Kolik und Durchfall, sowie vereinzelt Abortus (+Mesnard+, Recueil - 1894). -- 4 Rinder erkrankten nach der Verfütterung von Grünfutter - aus einem sumpfigen Graben, das viel Ranunculus sceleratus und - acris enthielt, unter Kolik, starkem Speicheln, Zittern, Taumeln - und Zusammenbrechen (+Wolf+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Bei der - Futternot im Jahr 1904 kamen Futtermittel zur Verwendung, die in - anderen Jahren kaum Beachtung finden. Ein Landwirt liess das in einem - toten Neissearme gewonnene Schilfgras an sein Rindvieh verfüttern. - Noch beim Verzehren des Futters verfielen vier Kühe unter einem 25 - Haupt starken Viehstapel plötzlich in Krämpfe und Zuckungen; bald - brachen sie vor der Krippe bewusstlos zusammen. Die Sektion ergab - eine leicht entzündliche Rötung der Pansen- und Haubenschleimhaut. In - dem Schilfgras waren die Blätter des Hahnenfusses in grosser Menge - vertreten. Sie wurden als zu Ranunculus sceleratus gehörig botanisch - festgestellt. Wie sich am Ort der Grasgewinnung erkennen liess, wuchs - der Ranunculus nicht in dem Schilf, sondern begleitete diesen in - etwa 1 m breitem Streifen. Hierdurch wird es erklärlich, weshalb nur - vier Haupt aus dem grossen Viehstapel der Giftwirkung anheimfielen. - Das Schilfgras war zurzeit der Verabreichung mit dem Ranunculus sehr - ungleichmässig gemischt. Das bei den ersten Schnitten gewonnene - Schilf war als Heu geerntet worden und bereits ohne Gefahr wie auch - in anderen Jahren verzehrt worden (+Hönscher+, Zeitschr. f. Vet. - 1905). - - +Vergiftungen durch Anemonenarten sind in der tierärztlichen - Literatur nicht enthalten.+ Fütterungsversuche von +Müller+ und - +Krause+ (Berl. Arch. 1897) mit Anemone nemorosa bei verschiedenen - Haustieren hatten ebenfalls ein negatives Resultat; der Pflanze kommt - danach eine eigentliche Giftwirkung nicht zu. - - -Vergiftung durch Bingelkraut. - - =Botanisches.= Das Bingelkraut (Euphorbiazee) kommt in zwei giftigen - Arten vor. 1. +Mercurialis annua+ (einjähriges Bingelkraut, - Bengelkraut, Ruhrkraut, Rehkraut, Schlangenkraut), ein auf - Schutthaufen, an Aeckern und Zäunen wachsendes einjähriges Kraut - mit kahlem, aufrechtem, ¼-½ m hohem, vierkantigem Stengel, länglich - eiförmigen, kerbig gesägten Blättern, festsitzenden weiblichen Blüten - (Juni-Oktober) und spitzhöckerigen Fruchtkapseln. 2. +Mercurialis - perennis+ (ausdauerndes Bingelkraut, Kuhkraut, Hundskohl, Speckmelde) - ist ein in Buchenwäldern häufig vorkommendes, perennierendes, 15-30 - cm hohes, kahles oder rauhhaariges Kraut mit einfachem, stielrundem - Stengel, glänzend dunkelgrünen, eiförmig länglichen Blättern und - langgestielten weiblichen Blüten (April-Mai). - - Beide Pflanzen enthalten das =Merkurialin=, einen purgierenden Stoff, - ausserdem Methylamin, Trimethylamin, ein ätherisches Oel und Indigo. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Bingelkraut enthaltene -Merkurialin wirkt +reizend+ auf die +Magendarmschleimhaut+ und -auf die +Nieren+. Das Krankheitsbild der bei den Pflanzenfressern -und beim Schwein beobachteten Merkurialisvergiftung besteht daher -vorwiegend in den Erscheinungen einer Gastroenteritis und Nephritis. -Die Tiere zeigen +Appetitlosigkeit+, +unterdrückte Rumination+, -+leichte Kolikerscheinungen+, +Verstopfung oder Durchfall+, -+vermehrte Harnsekretion+, +blutig gefärbten Harn+, +Drängen auf den -Harn+, +Eiweisszylinder im Harn+, +Steifheit in der Nierengegend+, -+Empfindlichkeit bei Druck in derselben+, +erschwerten Gang+, -+beschleunigte Atmung+, +Zittern+, +Schwäche+, +beschleunigten, -schwachen Puls+. In einem Fall wurde auch eine Rotfärbung der Milch -beobachtet. Die +Prognose+ der Vergiftung ist in den meisten Fällen -günstig; die Dauer der Erkrankung kann 4-6 Tage und darüber betragen. -Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis und -Nephritis. Die +Behandlung+ ist eine symptomatische (Verabreichung von -schleimigen, einhüllenden und von adstringierenden Mitteln, namentlich -von Tannin). Der +Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg. - -Von den in der Literatur enthaltenen Beobachtungen über -Merkurialisvergiftung sind zunächst die +experimentellen+ -Untersuchungen von +Schulz+ (Arch. f. experiment. Pathol. 1886) zu -erwähnen. Die Versuchstiere (Schweine und Kaninchen) zeigten neben -vermehrter Harnsekretion, enormer Ausdehnung der Blase (Blasenlähmung), -Harnzwang und Verstopfung einen blutrot gefärbten Harn, in welchem -jedoch Blutfarbstoff nicht nachzuweisen war. Die Natur dieses +roten+ -Farbstoffes ist nicht näher festgestellt worden. Vielleicht gehört -derselbe zu der Gruppe des Indigo, da das Bingelkraut tatsächlich -Indigo enthält. Auf Grund der Schulzschen Beobachtung muss ferner -die Frage aufgeworfen werden, ob die von den tierärztlichen -Beobachtern als Blutharnen und Blutmelken beschriebenen Erscheinungen -der Merkurialisvergiftung wirklich durch rote Blutkörperchen bezw. -Hämoglobin bedingt wurden, oder ob auch ihnen ein roter, indigoartiger -Farbstoff als Ursache zugrunde gelegen hat. +Von manchen wird die -Giftigkeit des Bingelkrauts überhaupt verneint+ (vgl. unten). Genauere -Untersuchungen auch hierüber sind hier sehr erwünscht. - - =Kasuistik.= +Vernant+ (Recueil 1883) beobachtete bei zwei Pferden - nach dem Genuss von Mercurialis annua Appetitlosigkeit, starke Rötung - der Konjunktiva, pochenden Herzschlag, beschleunigten Puls, Steifheit - in der Nierengegend, erschwerten Gang, sehr starke Polyurie sowie - blutigen Urin; die Genesung erfolgte nach drei Wochen. Bei einer Kuh - wurden dieselben Erscheinungen, ausserdem aber hochgradige Schwäche - wahrgenommen; die Genesung erfolgte schon nach vier Tagen. +Harms+ - (Magazin 1871) beobachtete als Hauptsymptom der Merkurialisvergiftung - Blutharnen; im Bodensatz des Harns fanden sich Eiweisszylinder, - Lymphzellen und braune Körnchen. +Jouguan+ (Recueil 1883) sah vier - Kühe unter den Erscheinungen einer Indigestion erkranken; ein Tier - starb. +Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) hat häufig bei Schweinen - Vergiftungen beobachtet, wenn die ärmeren Leute im Frühjahr aus den - Buchenwäldern Bingelkraut holten. +Dubois+ (Annal. d. Bruxelles 1847) - beobachtete bei Rindern Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schmerz bei - Druck auf die Nierengegend, leichte Kolikerscheinungen, Verstopfung - und Durchfall, sowie Absatz eines dunkelschwarzen Harns. +Schaak+ - (Journal de Lyon 1847) beobachtete bei einer Kuh Rotfärbung der - Milch, angestrengte Atmung, Harnbeschwerden, Abgang von schwarzem - Blut mit dem Harn, Genesung am 6. Tag. Von 2 anderen Kühen zeigte die - eine Verstopfung und Blutharnen, die andere Durchfall und Verkalben; - beide genasen. +Mesnard+ (Recueil 1894) sah bei einem Pferd nach - der Aufnahme von Mercurialis annua Kolik, roten Harn, kleinen Puls - und Zyanose der Schleimhäute. Bei der Sektion zeigten sich die - Nieren geschwollen und hyperämisch, ekchymosiert, im Nierenbecken - befand sich reines Blut (!), die Harnblase enthielt schwärzlichen, - stark eiweisshaltigen Harn. -- +Blackhurst+ (Vet. journ. 1896) - beschreibt eine Vergiftung durch Mercurialis perennis bei fünf Kühen; - drei derselben zeigten am folgenden Tag schleimigen Durchfall und - Speichelfluss, die beiden andern Entleerung dicker Blutkoagula aus - dem After, Kolik, Schwäche und Koma; alle 5 Kühe wurden geheilt. - -- +Oberwegner+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1899) sah bei einem - Schwein nach dem Fressen von Mercurialis annua die Erscheinungen der - Gastroenteritis, dunklen Harn, sowie Abortus. -- +Micucci+ (Giorn. - soc. vet. 1902) führt einen Fall von Hämoglobinurie beim Rind auf - das Bingelkraut zurück, das im Futter gefunden wurde (eine andere - Kuh, welche das Futter verweigert hatte, blieb gesund); der Harn - zeigte eine dunkelrote bis schwarzrote Farbe und enthielt so wenig - rote Blutkörperchen, dass die Farbe des Harns dadurch nicht erklärt - werden konnte. -- +Ganter+ (Bad. Mitteil. 1907) führt gleichfalls - schweres Blutharnen bei fünf Rindern darauf zurück, dass das Futter - ausschliesslich aus Bingelkraut bestand; im Nierenbecken fand sich - „blutiger“ Harn. -- +Perrussel+ (J. de Lyon 1899) beobachtete bei - 2 Kühen nach der Aufnahme von je 4-6 kg der Mercurialis annua - tödliche Kolik und getrübten schmutziggrünen Harn; die Sektion - ergab akute Darmentzündung, Nierenentzündung und pralle Füllung - der Blase mit rötlichem Harn. +Mathis+ (ibid.) bezweifelt dagegen - auf Grund eines Fütterungsversuches die Giftigkeit der Mercurialis - annua; er machte bei einem Ochsen die Gastrotomie und führte 9 Tage - lang je 4 kg frischer Merkurialis durch die Operationswunde in den - Pansen ein, ohne hiernach Gesundheitsstörungen zu beobachten. Auch - +Faure+ (ibid.) bezweifelt auf Grund von Versuchen an Kaninchen die - Giftigkeit des Bingelkrauts. - - -Vergiftung durch Wolfsmilch (Euphorbia, Tithymalus). - - =Botanisches.= Die Gattung +Euphorbia+ (+Tithymalus+), +Wolfsmilch+, - ist charakterisiert durch einen krautartig beblätterten Stengel, - gestielte gelbe, einhäusige Blüten mit glockenförmigem, - fünflappigem Kelch und einer derartigen Anordnung, dass eine - weibliche Blüte von 8-10 männlichen umgeben ist, endlich durch - eine 3fächerige, 3knöpfige, 3 Teilfrüchtchen bildende Kapsel. Von - giftigen Wolfsmilcharten kommen für die Haustiere in Betracht: - +Euphorbia Cyparissias+, die Zypressenwolfsmilch, +Euphorbia - Peplus+, die Gartenwolfsmilch, +Euphorbia helioskopia+, die - sonnenwendige Wolfsmilch, und +Euphorbia marginata+. Eine andere - giftige Wolfsmilchart ist +Euphorbia Lathyris+, das Maulwurfskraut - oder Springkraut, deren Samen als Springkörner oder +Semina - Cataputiae minoris+ bezeichnet werden. Der Milchsaft der genannten - Wolfsmilcharten enthält das giftige =Euphorbinsäureanhydrid= neben - dem indifferenten Euphorbon. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Milchsaft der Euphorbien -enthaltene Euphorbinsäureanhydrid hat eine +reizende+ Wirkung auf -+Haut+ und +Schleimhäute+. Die Erscheinungen der Euphorbiumvergiftung -sind daher wesentlich die einer +hämorrhagischen Gastroenteritis+: -Appetitlosigkeit, Speicheln, +Kolikzufälle+, Verstopfung, Tympanitis, -ruhrartiger, häufig +blutiger Durchfall+, pochender Herzschlag, -beschleunigter schwacher Puls, Betäubung, Schwindel, Konvulsionen. -Bei der Sektion findet man Rötung, Schwellung, Ekchymosierung und -Geschwürsbildung auf der Schleimhaut des Magens und Darms. Die -Behandlung besteht in der Verabreichung schleimiger und öliger Mittel -in Verbindung mit Opium oder Tannin; im übrigen ist die Therapie -symptomatisch. Der Nachweis wird auf botanischem Weg geführt. - -Euphorbiumvergiftungen kommen bei den Haustieren ziemlich selten -vor. Die Giftigkeit der einzelnen Wolfsmilcharten scheint überhaupt -nicht sehr hochgradig zu sein. +Dammann+ (Gesundheitspflege) -fütterte einen Hammel mit 3 Pfd. der sonnenwendigen Wolfsmilch, ohne -Vergiftungserscheinungen zu konstatieren. Von den in der Literatur -verzeichneten Vergiftungsfällen sind die nachstehenden bemerkenswert. -+Prietsch+ (Sächs. Jahresber. 1859) beobachtete bei einer Ziege nach -der Aufnahme von Euphorbia Peplus Kolikerscheinungen, Tympanitis, -Speicheln und Verstopfung. +Dennhardt+ (ibid. 1907) sah bei 5 Kühen, -die auf einer Rübenstoppel weideten, auf der massenhaft Euphorbia -helioskopia wuchs, starken Durchfall und plötzliches Versiegen der -Milch. +Baudius+ (Preuss. Mitteil. 6. Bd.) beobachtete bei einer -Rinderherde nach dem Genuss der Wolfsmilch Kolikerscheinungen, sowie -Gelbfärbung der Haut bei zwei weissen Ochsen. +Vincenti+ (Woch. f. -Tierh. Bd. 12) sah bei einem Rind nach der Aufnahme von Euphorbia -helioskopia Appetitlosigkeit, Durchfall und pochenden Herzschlag. -+Mesnard+ (Recueil 1894) beobachtete bei einem Pferd Durchfall, -Tenesmus und grosse Schwäche. Aehnliche Fälle sind von +Marquardt+ -(Repertor. 1876), +Schüpp+ (Schweizer Archiv Bd. 13) und +Röll+ -(Oesterr. Veterinärber. 1883) beschrieben worden. Endlich sollen -Vergiftungen beim Menschen nach dem Genuss von Ziegenmilch beobachtet -worden sein (+Menzel+, Quellenstudien im Interesse der Milchviehzucht). - - -Vergiftung durch Fleckschierling (Conium maculatum). - - =Botanisches.= Der +Fleckschierling+ oder +Landschierling+, +Conium - maculatum+ (Blutschierling, Mauerschierling, Wutschierling, - Schwindelkraut, Tollkraut, Ziegendill, Teufelspeterling), ist eine - auf Schutthaufen, unbebautem Land und an Wegen in ganz Europa wild - wachsende Umbellifere. Der Stengel hat eine Höhe von 1-2 m, ist - rund, aufrecht, ästig, bläulich bereift, am Grund rotbraun gefleckt - („Fleckschierling“). Die ganze Pflanze ist kahl, die Blätter sind - dunkelgrün und glänzend. Die unteren Blätter werden über 20 cm lang, - sie sind dreifach gefiedert und haben einen gleichlangen, runden, - hohlen, röhrigen Stiel, der am Grund in eine den Stengel umfassende - häutige Scheide übergeht. Der Blütenstand bildet eine doppelt - zusammengesetzte Dolde, die Blüten sind weiss. Die Samenrippen sind - zusammengedrückt, anfangs gekerbt, später wellenförmig. Die Pflanze - besitzt einen widerlichen, an Mäuseurin erinnernden Geruch, welcher - auch am eingetrockneten Kraut nach dem Befeuchten mit Kalilauge - nachzuweisen ist. Der Fleckschierling enthält das sehr giftige, - ölartige, flüchtige Alkaloid =Koniin= von der Formel C_{8}H_{17}N, - ausserdem das Konhydrin und Methylkoniin. - - -=Krankheitsbild.= Das Koniin ist ein +lähmendes+ Gift für die -+Bewegungsnerven in den quergestreiften Muskeln+, desgleichen für -das +Gehirn+ und +Rückenmark+; der Tod erfolgt durch +Lähmung des -Zwerchfells+. Ausserdem besitzt das Koniin eine +reizende+ Wirkung -auf Schleimhäute. Die Vergiftungserscheinungen bestehen zunächst -in +Speicheln+, +Würgen+, +Brechbewegungen+ und +Aufblähung+; die -Allgemeinwirkung äussert sich in allgemeiner +Muskelschwäche+, -unsicherem Gang, zunehmender +motorischer+ und +sensibler Lähmung+, -+Taumeln+, +Schwindel+, +Betäubung+, Pupillenerweiterung und -+Atmungskrämpfen+. Bei der Sektion findet man ausser leichten -gastroenteritischen Erscheinungen nichts Besonderes. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung von Tannin als chemisches Antidot, sowie -von exzitierenden Mitteln: Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, Kaffee, -Salmiakgeist, Ammonium carbonicum, Liquor Ammonii anisatus, Atropin, -Koffein, Strychnin etc. - -+Die Haustiere scheinen im allgemeinen gegenüber dem Koniin -weniger empfindlich zu sein als der Mensch.+ Ich habe dies -insbesondere bei Hunden konstatiert, bei welchen ich die Wirkung -des bromwasserstoffsauren Koniins experimentell prüfte. Die -subkutane +Todesdosis+ beträgt nämlich nach meinen Versuchen pro kg -Körpergewicht beim Hund 0,05 g (die Maximaldosis für den Menschen -wird pro Einzeldosis auf 2 mg angegeben!!). Zwei Hunde von 9 und 12 -kg Körpergewicht ertrugen Dosen von 0,04, 0,1, 0,2 und 0,3 g Coniinum -hydrobromicum subkutan ohne irgend welche sichtbare Allgemeinwirkung -(also das 100fache der Maximaldosis des Menschen). Erst Dosen von -0,5 und 1,0 Coniinum hydrobromicum töteten die Versuchshunde in -einem Zeitraum von etwa einer halben Stunde. Die hiebei beobachteten -Erscheinungen waren folgende: Die Tiere zeigten etwa ¼ Stunde -nach der subkutanen Injektion des Coniinum hydrobromicum leichte -Mattigkeit, Nachlass der freiwilligen Bewegungen, kratteligen, -unbeholfenen Gang, Schwanken und Taumeln, Unvermögen, sich auf den -Hinterfüssen vorn in die Höhe zu erheben, Einknicken im Karpalgelenk -(Schwäche der Streckmuskel), gespreizte rückständige Stellung, sowie -leichtes Speicheln mit Kaubewegungen. Im weiteren Verlauf nahm die -Muskelschwäche rasch zu, die Tiere legten sich auf den Boden und -versuchten vergebens wieder aufzustehen. Zuletzt lagen sie anhaltend -schlaff am Boden; wenn man sie aufhob, hingen Kopf und Hals ebenfalls -ganz schlaff herab und die Zunge hing gelähmt aus der Maulspalte -heraus. Der Harn floss von selbst ab (Lähmung des Sphincter vesicae). -Die Atmung wurde allmählich tiefer. Sodann waren anfallsweise Streck- -und Schüttelkrämpfe (epileptiforme Krämpfe) zu beobachten, welche in -ein leises Zittern übergingen. Die Pupille war erweitert und die Kornea -unempfindlich. Zuletzt trat ganz ruhig Stillstand der Atmung ein, -während das Herz noch einige Zeitlang fortschlug (noch etwa 60 Pulse). -Die Herztätigkeit war dabei bis zuletzt immer normal. - - -=Nachweis.= Neben dem +botanischen+ Nachweis, der wohl in den meisten -Fällen genügen dürfte, kann auch der +chemische+ Nachweis des Koniins -geliefert werden. Die +Abscheidung+ des sehr leicht zersetzlichen und -flüchtigen Koniins erfolgt auf dieselbe Weise wie die des Nikotins -(vgl. S. 196). Beim Verdunsten des +Petroleumätherauszugs+ auf dem mit -ätherischer +Salzsäure+ benetzten Uhrschälchen bleibt im Gegensatz -zum Nikotin ein +kristallinischer+ Niederschlag von salzsaurem -Koniin zurück. Das reine, nach dem Verdunsten des Aetherauszugs -ohne Säurezusatz zurückbleibende Koniin hat einen scharfen, -eigentümlichen +Geruch+, welcher verdünnt an +Mäuseurin+ erinnert. -Der Nachweis des Koniins als solches wird durch die +Kristallform+ -der beim Verdunsten des Petroleumäthers zurückbleibenden salzsauren -Koniinkristalle geliefert. Löst man den kristallinischen Rückstand -mit starker +wässeriger Salzsäure+ auf und trocknet diese Lösung -ein, so bilden sich +nadel-+ oder +säulenförmige Kristalle+, welche -angehaucht +koniinartig riechen+ und, bei 200maliger Vergrösserung -gesehen, entweder +sternförmig+ zu +Drusen+ zusammengelagert, oder -+balkengerüstähnlich+ ineinander gewachsen, oder +dendritisch+, +moos-+ -oder +schilfartig+ sind. Charakteristische Farbenreaktionen für Koniin -existieren zum Unterschied von Nikotin nicht. Die mit Salzsäure -eintretende blaugrüne Färbung weist auf eine stattgefundene Zersetzung -des Koniins hin. Dagegen gibt das Koniin +Niederschläge+ mit den -bekannten Alkaloidreagenzien. So wird eine Lösung von Koniin in 1/10 -ccm schwefelsäurehaltigen Wassers (1 : 10) durch +Kalium-Wismutjodid+ -und +Phosphormolybdänsäure+ etc. ausgefällt. - - +Kasuistik.+ Die +klinischen+ Fälle von Schierlingvergiftung sind - ziemlich selten. Nach +Schmidt+ (Oesterr. Vierteljahresschrift 1876) - starb ein Kalb nach der Aufnahme von 4 kg frischen Krautes. Nach - +Noll+ (Tierärztl. Zeitung 1846) starben 2 Ziegen 6 Stunden nach der - Aufnahme von Schierling, nachdem sie gespeichelt, die Augen verdreht, - sowie Bewusstlosigkeit und Krämpfe gezeigt hatten. Bei der Sektion - fand man leichte Rötung der Pansenschleimhaut, sowie Ekchymosen - auf der Schleimhaut des Psalters und Labmagens. Nach +Read+ (The - Veterinarian 1845) zeigten Lämmer Taumeln, allgemeine Lähmung, - Unempfindlichkeit und Zappeln. Bei der Sektion fand man scharlachrote - Flecken auf der Pansenschleimhaut. +Baranski+ (Berl. Arch. 1896) - sah bei Gänsen Lähmungserscheinungen und Durchfall. +Graffunder+ - (ibid. 1898) beobachtete bei Kälbern Aufblähung, Schwindel, - Taumeln, Pupillenerweiterung, Durchfall und Tod unter allgemeiner - Lähmung. -- +Plotti+ (Clin. vet. 1899) sah bei 2 Kühen und 1 Kalb - Kolik, epileptiforme Krämpfe und Tod infolge allgemeiner Lähmung. - +Graham-Gillam+ (Journ. of comp. 1902) beobachtete bei einem Esel - nach der Aufnahme grosser Mengen von Schierling Krampfkolik, stieren - Blick, Pupillenerweiterung, gesenkte Kopfhaltung und Tod. - - Die früher mit +Schierlingskraut+ angestellten +toxikologischen+ - Versuche haben nicht viel Bestimmtes ergeben. +Pferde+ zeigten nach - 1½ und 3½ Pfd. frischem, nach 180 g getrocknetem Kraut, sowie nach 1 - Pfd. Blätter und 1 Pfd. Saft nichts Besonderes (+Hertwig+, +Viborg+, - +Moiroud+); +Kühe+ nach 3 Pfd. frischem und ½ Pfd. trockenem Kraut - nur Tympanitis (+Hertwig+); +Schafe+ starben nach +Leblanc+, ebenso - +Hunde+ nach 240 und 400 g ausgepressten Saftes unter Erbrechen, - Schwindel und Zittern (+Orfila+). Ein Hund starb von 10 g des Pulvers - (+Devay+ und +Guilliermond+). +Intravenös+ töteten 4 g des Krauts - im Infus ein Pferd nach 8 Minuten; 4 g des Extrakts riefen bei - einem Pferd intravenös Schwanken, Taumeln, Zusammenstürzen, Lähmung - aller Teile, insbesondere der Zunge hervor. Hunde zeigten ähnliche - Erscheinungen (+Hertwig+). - - -Vergiftung durch Wasserschierling (Cicuta virosa). - - =Botanisches.= Der +Wasserschierling+, +Cicuta virosa+ - (Giftwüterich), ist eine Sumpfpflanze mit weissem, milchendem, - von Querständen gefächertem Wurzelstock, aufrechtem, bis über 1 m - hohem Stengel, dreifach gefiederten Blättern, schmalen, spitzen, - scharf gesägten Blättchen und weissen Doldenblüten. Das Kraut - besitzt einen petersilienartigen Geschmack. Der Wasserschierling - enthält das =Zikutoxin=, eine zähflüssige, widrig schmeckende, - sehr giftige Masse, welche in der frischen Wurzel zu 0,2 Proz., in - der getrockneten zu 3,5 Proz. vorhanden ist. Ausserdem enthält die - Pflanze ein ätherisches Oel, das Zikuten, von der Formel C_{10}H_{16}. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Zikutoxin ist ein -+Krampfgift+, welches tonisch-klonische, von den Kopf- und -Nackenmuskeln ausgehende und sich von da über den ganzen Körper, -namentlich auch auf die Atemmuskel verbreitende +Krämpfe+ erzeugt. Es -tötet Katzen in Dosen von 0,05 g pro kg Körpergewicht. Gleichzeitig -wirkt es +reizend+ und entzündungserregend auf die Schleimhaut -des Verdauungsapparates. Die Vergiftungserscheinungen bestehen in -+Speicheln+, +Erbrechen+, +Kolik+, +Tympanitis+, +epileptiformen -Anfällen+, +krampfhaften Kontraktionen der Hals- und Kopfmuskeln+, -+Schwindel+, +Taumeln+, +kollerartigem Benehmen+, +Schwäche+, -+Lähmung+, +Atmungskrämpfen+. Der Tod erfolgt meist innerhalb -24 Stunden. Bei der Sektion findet man entzündliche Rötung der -Magendarmschleimhaut, Lungenhyperämie, Gehirnhyperämie, sowie zuweilen -Gehirnödem. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Tannin und -je nach den Vergiftungserscheinungen in der Anwendung exzitierender -oder beruhigender Mittel. - - =Kasuistik.= +Experimentelle+ Verfütterungen von Wasserschierling - an Pferde sind von +Krause+ (Magazin Bd. 3) vorgenommen worden. - 500 g getrocknetes und gepulvertes Schierlingskraut erzeugten nach - 2 Stunden Appetitlosigkeit und Kolik, nach 4 Stunden Tympanitis, - Betäubung, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, nach 6 Stunden - krampfhaftes Abbeugen des Kopfes nach rechts, sowie krampfhafte, - automatenartige Bewegungen der Gliedmassen und des Unterkiefers - neben Unvermögen zu stehen, endlich nach 15 Stunden unter heftigen - allgemeinen Krämpfen Tod. Bei der Sektion fand man dunkelrote Flecke - auf der Schleimhaut des Magens, Blind- und Grimmdarms. Zwei andere - Pferde starben unter denselben Erscheinungen innerhalb 48 Stunden. - - +Klinische+ Fälle sind mehrfach beschrieben worden. +Kettritz+ - (Berl. Arch. 1804) sah 4 Kühe plötzlich sterben, welche am Rand - eines Teiches geweidet hatten; die Sektion ergab Magenentzündung. - 2 andere zeigten Aufblähung, Eingenommenheit und Mattigkeit, - genasen aber nach 3 Tagen. +Kruckow+ (ibid. 1895) beschreibt einen - ähnlichen Fall. 6 Ochsen, welche an einem Grabenrand geweidet - hatten, verendeten im Verlauf weniger Stunden. Sie zeigten zuerst - Aufblähung, dann Schwanken und Taumeln, worauf sie unter Krämpfen - verendeten; die Sektion ergab entzündliche Rötung des Magens. - +Wermbter+ (ibid. 1896) sah 3 Kühe plötzlich erkranken und innerhalb - einer Stunde sterben, welche an einem See geweidet hatten; eine Kuh - starb gewissermassen apoplektisch. Die andern zeigten Aufblähung, - Zittern, Speicheln, Krämpfe und Zusammenstürzen. Weitere klinische - Beobachtungen von Zikutavergiftungen bei Rindern und Schweinen sind - von +Gips+ (Berl. Arch. 1892), +Höhne+ (ibid. 1887), +Hackbarth+ - und +Collmann+ (Preuss. Mitt. 1883), +Damitz+ und +Oeltze+ (Magazin - 1840), +Schaller+ (ibid. 1864), +Weidmann+ (Schweizer Archiv Bd. 8) - u. a. gemacht worden. - - -Vergiftung durch Gartenschierling (Aethusa Cynapium). - - =Botanisches.= Der +Gartenschierling+, +Aethusa Cynapium+ (kleiner - Schierling, Hundspetersilie, Katzenpetersilie, Gleisse), ist eine - in Gärten, auf Aeckern, Schutthaufen, an Wegen etc. vorkommende - Umbellifere mit weissen Doldenblüten (Blütezeit Juli), rundem, - glattem, bis 1 m hohem, bläulich bereiftem, geflecktem Stengel, - 2-4fach fiederteiligen, an der Unterfläche glänzenden, fast - geruchlosen, beim Reiben mit der Hand lauchartig riechenden Blättern, - halbrunden, rinnenförmigen Blattstielen, langen 3blätterigen - Blütenhüllchen (dieselben sind länger als die Döldchen), sowie - dicken, scharfkantigen, ganzrandigen Samenrippen. - - -=Wirkung.= Der im Gartenschierling enthaltene Giftstoff ist seiner -Natur nach nicht genauer bekannt. Es sind von verschiedenen Seiten -überhaupt Bedenken erhoben worden, ob der Gartenschierling zu den -Giftpflanzen zu zählen ist (+Dammann+, +Harley+, +Kobert+). 2 Schafe, -welchen +Dammann+ 1-2 kg Gartenschierling in frischem Zustand -fütterte, zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen. Es ist deshalb -die Vermutung aufgestellt worden, dass der Gartenschierling bei den -angeblichen Vergiftungen mit anderen Schierlingsarten verwechselt -worden ist. Jedenfalls sind zum Zustandekommen einer Vergiftung -ausserordentlich grosse Mengen notwendig. In einem von +Wegner+ -(Magazin 1868) berichteten Fall zeigten 3 Kühe, welche zusammen etwa -42 kg Gartenschierling erhalten hatten, Appetitlosigkeit, +Speicheln+, -+taumelnden Gang+, +beschleunigtes Atmen+, +Herzklopfen+, +stinkenden -Durchfall+, +Zusammenstürzen+, +Unvermögen aufzustehen+, +Zuckungen+, -+Pupillenerweiterung+, +Lähmung des Hinterteils+ und zuletzt -+vollständige Lähmung+. Eine Kuh starb nach 10tägiger Krankheitsdauer. -Die Sektion ergab entzündliche Veränderungen im Labmagen und Dünndarm, -sowie Ansammlung von Serum im Gehirn und Rückenmark. +Behme+ -(Berl. Arch. 1896) sah nach der Aufnahme von Gras, welches viel -Gartenschierling enthielt, bei Kühen taumelnden Gang und Unvermögen zu -stehen; nach Ablauf einiger Stunden waren sie wieder gesund. - -Nach älteren Versuchen von +Orfila+ zeigte ein Hund, welcher 200 g -ausgepressten Saft erhalten hatte, Uebelkeit, Herzklopfen, Lähmung, -Betäubung und Krämpfe. +Möbius+ (Ad. Wochenschr. 1877) berichtet über -einen Vergiftungsfall bei 2 Schweinen, welche bereits nach 2 Stunden -starben. - - -Blausäurevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Blausäure kommt bei verschiedenen Gattungen der - Amygdaleen (Pruneen) in Form eines Glykosides, des =Amygdalins=, - vor. Im Tierkörper spaltet sich das Amygdalin unter der Einwirkung - des Emulsins in Blausäure, CNH, Bittermandelöl, C_{7}H_{6}O, - und Zucker, 2(C_{6}H_{12}O_{6}), indem es 2 Moleküle Wasser - aufnimmt. Das Amygdalin hat demnach die Formel C_{20}H_{27}NO. - Von amygdalinhaltigen Pflanzen sind zu erwähnen: 1. +Prunus - Amygdalus+, var. amara (früher Amygdalus communis benannt), der - +Bittermandelbaum+; die bitteren Mandeln enthalten 3,3 Proz. - Amygdalin. Aus den bitteren Mandeln wird das offizinelle Aqua - Amygdalarum amararum mit einem Blausäuregehalt von 1 pro Mille - dargestellt. 2. +Prunus laurocerasus+, der +Kirschlorbeerbaum+, - ein bis 6 m hoher Strauch mit lederartigen, immergrünen, länglich - zugespitzten, scharf sägezähnigen Blättern, aus welchen früher - das Aqua Laurocerasi dargestellt wurde. Derselbe enthält das mit - dem Amygdalin verwandte =Laurocerasin=. 3. +Prunus persica+, der - +Pfirsichbaum+, dessen Kerne über 2 Proz. Amygdalin enthalten - und dessen lanzettliche, spitz gesägte, an beiden Rändern - eingerollte Blätter ebenfalls giftig sind. 4. +Prunus Padus+, - der +Traubenkirschbaum+, ein 1-10 m hoher, in Laubwäldern und an - Flussufern wachsender Baum mit krautigen, fast kahlen, sommergrünen, - zugespitzten Blättern, ebenso giftig wie die Kirschlorbeerblätter. 5. - +Prunus domesticus+, der +Pflaumen-+ oder +Zwetschgenbaum+, dessen - Fruchtkerne (Zwetschgenkerne) etwa 1 Proz. Amygdalin enthalten. - 6. +Prunus Cerasus+ und +avium+, der +Kirschbaum+, mit 0,8 Proz. - Amygdalingehalt der Kirschkerne. Amygdalin findet sich ferner zu - einem halben Prozent in den Apfelkernen. Ausser den obengenannten - Amygdaleen und Pomazeen enthalten etwa 200 andere Pflanzenspezies - Blausäureglykoside, so z. B. Gymnema latifolium (Asklepiadee), Lasia - und Cyrtosperma (Aroideen), Pangium edule (Bixazee), Echinocarpus - Sigun (Tiliazee), Lucuma mammosa (Sapotazee), Phaseolus lunatus - und vulgaris (Papilionazeen), Jatropha Manihot (Euphorbiazee), - Agaricus oreades (Fungi). Sogar im Samenmehl von Linum usitatissimum - (Lein) hat man ein amygdalinartiges, blausäurehaltiges Glykosid, - das Linamarin, entdeckt. -- Im Tierreich findet sich Blausäure - im Drüsensekret der Tausendfüssler (Chilognathen), desgleichen - Zyanverbindungen (Zyan-Methyl, -Aethyl und -Amyl) im Gift der Kröten, - Tritonen und Salamander. - - Während Vergiftungen durch die freiwillige Aufnahme der genannten - Pflanzen und Pflanzenteile bei den Haustieren, namentlich bei den - Schweinen, Pflanzenfressern und beim Geflügel nicht selten sind, - haben die Vergiftungen mit reiner Blausäure und deren Präparaten - bei den Haustieren nur eine experimentell-toxikologische Bedeutung. - Die +reine Blausäure+ stellt in wasserfreiem Zustand eine farblose - Flüssigkeit dar, welche in freiem Zustand nirgends in der Natur - vorkommt, sondern im Laboratorium aus Zyanquecksilber und Salzsäure - nach der Formel Hg(CN)_{2} + 2 ClH = HgCl_{2} + 2 CNH dargestellt - wird. Die zu Vergiftungszwecken benützte +wasserhaltige Blausäure+ - (Prozentsatz durch Verdünnung mit Wasser beliebig zu regulieren) - wird durch Destillation von Zyankalium oder Ferrozyankalium mit - verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Das +Zyankalium+, CNK, durch - Einleiten von Blausäure in Kalilauge dargestellt und vielfach zu - Vergiftungszwecken (Hunde, Katzen) benützt, bildet amorphe weissliche - Stücke oder Stangen, welche an der Luft zerfliessen und bei - Säurezusatz (oder mit der Salzsäure des Magens) Blausäure entwickeln. - Giftig ist ferner Zyansilber, Zyanquecksilber und Zyangold. Das - +rohe Bittermandelöl+, welches bei der Zersetzung des Amygdalins - entsteht, ist wegen seines Blausäuregehaltes (5-12 Proz.) ebenfalls - giftig. An und für sich ungiftig ist +Ferrozyankalium+, das gelbe - Blutlaugensalz, K_{4}Fe(CN)_{6}; wird dasselbe jedoch gleichzeitig - zusammen mit einer Säure eingegeben, so wirkt es giftig durch - Blausäureentwicklung. Ungiftig ist ferner +Ferridzyankalium+, das - rote Blutlaugensalz, welches im Harn angeblich als Ferrozyankalium - ausgeschieden wird. - - -=Krankheitsbild.= Die Blausäure ist eines der stärksten Nervengifte. -Sie bewirkt Erregung und spätere Lähmung der grossen Zentren -des verlängerten Marks, namentlich des +Atmungszentrums+ und -+vasomotorischen Zentrums+, sowie der motorischen Zentren der -Grosshirnrinde, ausserdem +Narkose+ des +Grosshirns+. Sodann ist die -Blausäure ein spezifisches +Stoffwechselgift+, indem sie den Geweben -die Fähigkeit benimmt, Sauerstoff zu binden und zu verbrauchen (+innere -Erstickung+). +0,05 g der reinen, wasserfreien Blausäure (= 1 Tropfen) -töten einen grossen Hund; 0,5-1,0 g (12-20 Tropfen) ein Pferd.+ Die -tödliche Dosis des +Zyankaliums+ für den Hund beträgt 0,25-0,5 g; für -das Pferd 5-10,0 g. Kleinere Tiere, wie Vögel, Meerschweinchen etc., -sterben schon nach Verabreichung unwägbarer Mengen chemisch reiner -Blausäure (0,1 mg). - -Die +Erscheinungen+ der Blausäurevergiftung sind verschieden je nach -der aufgenommenen Menge. +Grosse+ Dosen haben einen +blitzähnlich -schnellen+, +schlagartigen+, +apoplektiformen+ Tod zur Folge. Die Tiere -stürzen unter einem lauten Schrei oder Geheul zusammen und verenden -unter rasch zunehmender Atmungsbeschwerde, Erbrechen und tetanischen -Krämpfen innerhalb weniger Minuten infolge einer sofortigen allgemeinen -Lähmung des Nervensystems (Vergiften der Hunde). Bei +mittleren+ Dosen -lassen sich drei Stadien der Blausäurevergiftung unterscheiden: - -1. Ein +dyspnoisches+ Stadium, beginnend mit +Schwindel+, +Taumeln+, -+Erbrechen+. Die +Atmung+ wird sehr +beschleunigt+ und +angestrengt+, -bei Pferden stöhnend und röchelnd. Die Tiere sind sehr unruhig und -ängstlich; die sichtbaren Schleimhäute sind hellrot gefärbt. - -2. Ein +konvulsives+ Stadium, in welchem die Tiere zusammenstürzen -und in +starrkrampfähnliche Krämpfe+ (+Orthotonus+, +Opisthotonus+, -+Trismus+) und +epileptiforme Zuckungen+ verfallen. Dabei findet -unwillkürliche Kot- und Harnentleerung statt; die Atmung wird -allmählich langsamer. - -3. Ein +asphyktisches+ Stadium mit schliesslichem +Aufhören+ der -+Atmungsbewegungen+, starkem +Sinken+ der +Temperatur+, +Verlangsamung -des Herzschlags+, +Anästhesie+, +Zyanose+, +Koma+ und +Tod+. - -Die +Aufnahme+ der Blausäure findet von allen Körperstellen, -insbesondere auch von der unverletzten Haut aus statt. Besonders -schnell wird sie von der Trachealschleimhaut und von der Konjunktiva -resorbiert; Katzen sterben z. B ½-1 Minute nach dem Einbringen -weniger Tropfen einer 2proz. Blausäure in den Lidsack (Berliner -Vergiftungsmethode). Die +Ausscheidung+ der Blausäure erfolgt im -unzersetzten Zustand namentlich durch die Lunge und die Haut. - - -=Sektionsbefund.= In den akut verlaufenden Fällen findet man das -+Blut+ oft +auffallend hellrot+, ein für die Blausäurevergiftung -sehr charakteristischer, durch die Bildung von +Zyan-Methämoglobin+ -bedingter Befund. Bei längerer Dauer der Vergiftung hat das Blut eine -dunkel schwarzbraune Farbe. Das Blut ist ferner arm an Gerinnseln. Im -übrigen findet man die Erscheinungen der Suffokation. Von Wichtigkeit -für den Nachweis der Blausäurevergiftung ist der +Geruch+ der inneren -Körperorgane nach +bitteren Mandeln+. - - -=Behandlung.= Neben der Verabreichung von +Brechmitteln+ hat man -als chemisches Gegengift die Anwendung von +Eisenoxydhydrat+ mit -Magnesia (Antidotum Arsenici) empfohlen, um die Bildung des ungiftigen -Eisenzyanürsalzes herbeizuführen. Ferner werden als chemische Antidote -+Wasserstoffsuperoxyd+, H_{2}O_{2}, +Kalium permanganicum+, KMnO_{4} -(0,5proz.) und +Kobaltnitrat+ empfohlen, sauerstoffreiche Körper, -welche die Blausäure zu ungiftigen Verbindungen (Zyansäure und Oxamid) -oxydieren. Wegen des rapiden Verlaufs der Blausäurevergiftung bleibt -jedoch nur eine +symptomatische+ Behandlung übrig. Gegen die Lähmung -des Atmungszentrums hat man insbesondere das +Atropin+ angewandt. Von -anderen +Reizmitteln+ sind Aether, Alkohol, Kampfer, Koffein, Veratrin, -Strychnin, kalte Begiessungen, elektrische Reizung der Nervi phrenici -im Gebrauch. Auch der Aderlass wird befürwortet. - -=Nachweis.= Der Nachweis der Blausäure muss möglichst schnell nach -dem Tode vorgenommen werden, weil die Blausäure sich im Kadaver bald -zu Ammoniak und Ameisensäure zersetzt. Die Blausäure wird behufs -Nachweis zunächst +überdestilliert+; die zu destillierende Flüssigkeit -muss vorher schwach sauer gemacht werden, am besten durch Weinsäure. -Die Temperatur beim Ueberdestillieren soll 100° C. nicht wesentlich -übersteigen (Zersetzung der Blausäure). Die +zuerst+ übergegangenen 2-3 -ccm des Destillates werden zunächst für sich allein untersucht, weil -sie meistens den grössten Gehalt an Blausäure besitzen; dann werden -weitere 2-3 ccm untersucht etc. Meist lässt sich die Blausäure schon -durch den Geruch (+Bittermandelgeruch+) des Destillates nachweisen. -Im Destillat, welches man in mehrere Teile teilt, wird die Blausäure -durch Zusatz gewisser Stoffe in die nachfolgenden charakteristisch -gefärbten Verbindungen übergeführt: 1. In +Berlinerblau+ durch Zusatz -von +Eisenvitriollösung+ und +Kalilauge+, Erhitzen bis zum Sieden, -Filtrieren, Ansäuern des Filtrates mit +Salzsäure+ und Beimengung eines -Tropfens verdünnter +Eisenchloridlösung+. Einfacher kann die Reaktion -in der Weise vorgenommen werden, dass man das Destillat mit einer -Lösung eines +Eisenoxyd-Oxydulsalzes+ und dann mit Kalilauge bis zur -deutlichen alkalischen Reaktion versetzt, schüttelt und Salzsäure bis -zur sauren Reaktion hinzufügt. 2. In +blutrotes Rhodaneisen+ verwandelt -man die Blausäure, indem man eine zweite Probe des Destillats mit -einigen Tropfen +Schwefelammonium+ im Wasserbade verdunstet, den -Rückstand in wenig Wasser löst, mit 1-2 Tropfen Salzsäure ansäuert -und einen Tropfen +Eisenchloridlösung+ hinzufügt; es bildet sich -Rhodaneisen = Ferridthiozyanat Fe_{2}(SCN)_{6}. Diese Reaktion ist -sehr empfindlich, sie gelingt noch bei einer Verdünnung der Blausäure -von 1 : 4 Millionen. (Aber Vorsicht wegen des Rhodangehaltes des -Speichels.) 3. In +blauviolettes Nitroprussidkalium+ führt man -die Blausäure über durch Versetzen des Destillates mit wenigen -Tropfen einer Lösung von +Kaliumnitrat+, ferner mit 2-4 Tropfen -+Eisenchloridlösung+ und sodann mit soviel verdünnter Schwefelsäure, -dass die braune Farbe eben gelb wird, worauf erwärmt, abgekühlt, -das überschüssige Eisen mit etwas Ammoniak gefällt, filtriert und -das Filtrat mit wenig +Schwefelammonium+ zusammengebracht wird. Es -bildet sich Nitroprussidkalium, K_{2}Fe(NO)CN_{5} mit prachtvoll -violetter oder blauer Farbe. 4. Mit +Guayaktinktur+ (3 Proz.) und -einigen Tropfen 1⁰⁰/₀₀iger Kupfervitriollösung versetzt, färben sich -Lösungen von Blausäure beim Umschütteln +blau+. Diese empfindlichste -aller Blausäurereaktionen wird jedoch auch z. B. durch Ammoniak -hervorgerufen, sie bedarf aber im positiven Falle einer Kontrollprobe, -während sie im negativen Falle die Abwesenheit der Blausäure sicher -beweist. 5. Mit +Pikrinsäure+ oder +Pikrinsalpetersäure+ (einige -Tropfen einer wässerigen Lösung) und etwas +Aetzkali+ versetzt, färbt -sich Blausäure beim Erwärmen auf 50-60° +blutrot+. - -+Quantitativ+ wird die Blausäure als +Zyansilber+ bestimmt. Die -überdestillierte Blausäure wird zum Zwecke der Entfernung von etwaiger -Salzsäure oder Borax rektifiziert, das Destillat mit Salpetersäure -angesäuert und die darin enthaltende Blausäure durch +salpetersaures -Silber+ als Zyansilber ausgefällt, der Niederschlag auf gewogenem -Filter filtriert, ausgewaschen, bei 110° getrocknet und gewogen. 100 -Teile des Niederschlags (Zyansilber) sind = 20 Teile wasserfreie -Blausäure = 48,66 Zyankalium. (Ein Teil der Blausäure wird indessen -beim Destillieren zersetzt!) - - =Kasuistik.= +Bittere Mandeln.+ Ein Pferd zeigte nach 250 g bitterer - Mandeln Pulsbeschleunigung, Flankenschlagen, Stöhnen und öfteren - Kotabsatz, war jedoch nach ½ Stunde wieder genesen (+Viborg+). -- Ein - kleiner Hund starb nach 6 g bitteren Mandeln unter den Erscheinungen - von Schwindel und Schwäche nach 6 Stunden (+Orfila+). -- Ein Schwein - zeigte nach mehrtägiger Verabreichung von 20-25 g bitterer Mandeln - Zittern und Unruhe, erholte sich aber immer wieder (+Gerlach+, - Gerichtl. Tierheilkunde). -- Eine Katze starb nach 4 g. Mehrere Gänse - zeigten nach dem Genuss der bitteren Mandeln Zittern, Lähmung und - grosse Beängstigung (+Schwarz+, Ad. Woch. 1861). -- Mandeltorte soll - namentlich für Papageien ein giftiger Leckerbissen sein (+Gerlach+). - -- Ein Papagei starb nach dem Genuss von bitteren Mandeln, indem er - von der Stange fiel und zitterte (+von Rátz+, Monatsh. f. prakt. - Tierhlkde. 1892). - - +Zwetschgenkerne.+ Vier Schweine starben plötzlich nach dem Genuss - derselben. Bei der Sektion fand man das Blut kirschrot und die - Magenschleimhaut stark gerötet und geschwollen (+Perdan+, Oesterr. - Vereinsmonatsschr. 1884). -- Eine Schafherde war in einen Garten - getrieben worden, in dem sehr viele abgefallene Zwetschgen lagen. - Viele Schafe erkrankten nach der Aufnahme derselben, 4 starben. Die - Tiere zeigten Taumeln, Umfallen, Pupillenerweiterung und schnaubende - Atmung; im Magen fanden sich viele zerbissene Zwetschgenkerne, - ausserdem eine blutige Entzündung. Das Blut war hellrot; das Fleisch - roch scharf nach bitteren Mandeln (+Bernhard+, Preuss. Vet. Ber. pro - 1906). - - +Kirschlorbeerblätter.+ Von 25 Schafen, welche die Blätter gefressen - hatten, starben 5 (+van Damm+). Einen weiteren Fall hat +Bartholeyns+ - (Bullet. Belg. 1886) veröffentlicht. - - +Pfirsichblätter.+ Drei Ziegen starben nach dem Genuss derselben - unter Atembeschwerden, Lähmungserscheinungen und Konvulsionen - (+Imthurn+, Tierarzt 1834). - - +Traubenkirschblätter.+ Zwei Kühe erkrankten nach dem Genuss - derselben; eine starb. Bei der Sektion wurden rote Flecke im Labmagen - und Darm vorgefunden (+Noll+). -- Nach der Aufnahme von Laub der - Traubenkirsche lagen einige Rinder ¼ Stunde in Ohnmacht (+Juell+, - Nord. Zeitschr. 1889). - - +Kirschkerne.+ Zwei Schweine erkrankten unter Schwanken, - Konvulsionen, Atembeschwerden, Herzklopfen (+Frey+, Magazin Bd. 15). - - +Zyankalium.+ Ein 1jähriges Fohlen starb nach der intrathorakalen - Injektion von 25 g Zyankalium nach 6 Stunden (+Röder+, Sächs. - Jahresber. 1893). - - +Blausäurehaltige Bohnen.+ Ueber eine Massenvergiftung von Pferden, - Rindern und Schweinen durch fremdländische Bohnen, sog. Javabohnen, - haben +Dammann+ und +Behrens+ (D. T. W. 1906) berichtet. Die Bohnen - stammten von +Phaseolus lunatus+ und +vulgaris+, +Dolichos+ und - +Cajanus indicus+, und erwiesen sich blausäurehaltig (0,1-1,5 pro - Mille), sowie für obige Tiere giftig. Das mit Wasser angerührte - Bohnenschrot entwickelte einen eigenartigen Geruch. ¼ kg des Schrots - verursachten bei einem Schaf sofort starke Atembeschleunigung, - Brechbewegungen, Zuckungen, Koma und Tod; das Blut zeigte eine - hellrote Farbe, der Panseninhalt roch deutlich nach Blausäure. - Eine Kuh zeigte 2 Stunden nach der Aufnahme von ¾ kg Bohnenschrot - beschleunigte Atmung, maximale Pupillenerweiterung, Zucken, sowie - Sinken der Körpertemperatur; nach dem Tod erschien das Blut hellrot. - -- In der Revue vétér. alger. et tunis. 1908 wird darauf hingewiesen, - dass viele importierte Körnerfrüchte Blausäure enthalten und zum - Nachweis der letzteren folgende einfache Methode empfohlen: Weisses - Filtrierpapier wird mit 1proz. Pikrinsäurelösung getränkt und - getrocknet. Hierauf wird es in eine Lösung von Soda (1 : 10) gebracht - und wieder getrocknet. Bringt man dieses Reagenzpapier in ein gut - verschlossenes Reagenzglas, an dessen Boden sich die betreffenden - Pflanzenteile in feuchtem, mazeriertem Zustand befinden, so färbt es - sich schon bei ganz minimalen Blausäuremengen rot. - - -Vergiftung durch Kartoffelkeime und Kartoffelkraut (Solaninvergiftung). - - =Allgemeines.= Das =Solanin= ist ein glykosidisches Alkaloid, - welches durch Kochen in Zucker und +Solanidin+, einen saponinartigen - Körper, zerfällt. Es ist in verschiedenen Solaneen enthalten: 1. - +Solanum tuberosum+, die +Kartoffel+, enthält Solanin in den +Samen+ - (Beeren), in den +Keimen+, im +Kraut+ und unmittelbar vor der - Reife unter der Schale. 2. +Solanum nigrum+, der +Nachtschatten+, - ein auf Schutthaufen und an schattigen Plätzen wachsendes, bis 1 - m hohes Kraut mit behaartem Stengel, buchtig gezahnten, ebenfalls - behaarten Blättern, weissen Blüten und schwarzen, glänzenden - Beeren gibt ebenfalls Veranlassung zu Solaninvergiftungen bei den - Haustieren. Dagegen sind bisher Vergiftungen nicht vorgekommen durch - die übrigen Solaneen: Solanum Dulcamara (Bittersüss), welches das - Dolkamarin, ebenfalls einen saponinartigen Giftstoff enthält, Solanum - Lycopersicum (Tomaten), Sol. mammosum (Jungfernbrust), Sol. Sodomaeum - und verbascifolium. In den Solaneen sollen ausser dem Solanin auch - noch atropin- und hyoszinähnliche Alkaloide mit mydriatischer Wirkung - enthalten sein. In der Kartoffel soll das Solanin nach +Weil+ (D. - med. W. 1902) nicht, wie bisher angenommen wurde, durch Keimung, - sondern durch Bakterienwirkung entstehen („Bacterium solaniferum“). - - -=Wirkung des Solanins.= Das Solanin wirkt +lähmend+ auf +Gehirn+, -+Rückenmark+ und +Herz+. Es besitzt demnach eine morphinartige Wirkung, -weshalb sich die Krankheitserscheinungen bei der Solaninvergiftung -häufig in +Betäubung+, +Schwanken+, +Taumeln+, +Kreuzschwäche+ und -+Lähmung+ äussern. - -Nach den Untersuchungen von +Perles+ (Archiv für exper. Pathol. 1890) -wirkt das Solanin ausserdem nach Art der Saponine unter Umständen auch -örtlich +reizend+ (+Gastroenteritis+). Wie das Sapotoxin der Kornrade -soll auch das Solanin von der intakten Darmschleimhaut aus sehr schwer -resorbiert werden, woraus seine geringe Giftigkeit für gesunde Tiere -verständlich würde. +Diese zeitweise Verschiedenheit in der Wirkung des -Solanins, welche bald eine allgemeine, lähmende, bald eine örtliche, -reizende ist und häufig überhaupt nicht in die Erscheinung tritt, -erklärt vielleicht die abweichenden Angaben über das Krankheitsbild der -Solaninvergiftung bezw. Kartoffelkrautvergiftung+ (vgl. unten). - -Bei der nervösen Form der Krankheit, wobei die Tiere zuweilen plötzlich -gelähmt umfallen und innerhalb weniger Minuten sterben, ist der -+Sektionsbefund+ gewöhnlich negativ. Bei der gastrischen Form findet -man dagegen die Erscheinungen der Gastroenteritis. -- Die +Behandlung+ -besteht in der Verabreichung von Tannin und exzitierenden Mitteln. - - -=Krankheitsbild der Solaninvergiftung.= Solaninvergiftungen ereignen -sich bei den Haustieren am häufigsten nach der Aufnahme +keimender -Kartoffeln+, sowie von +Kartoffelkraut+. Die in der tierärztlichen -+Literatur+ als „Solaninvergiftungen“ bezeichneten Krankheitsfälle sind -übrigens bei genauerer Prüfung nur zum Teil als wirkliche Vergiftungen -durch Solanin aufzufassen. Es sind offenbar mehrere Erkrankungen, -welche durch Ueberfütterung mit Kartoffeln oder Kartoffelkraut, durch -Aufnahme verdorbener, gärender, zersetzter Kartoffel, durch verdorbene -Kartoffelschlempe, durch pilzbefallenes Kartoffelkraut usw. verursacht -waren, als Solaninvergiftungen beschrieben worden. Entsprechend der -verschiedenartigen Wirkung des Solanins kann man mehrere klinische -Formen der Solaninvergiftung unterscheiden, eine +nervöse+, eine -+gastrische+ und eine +exanthematische+. - -1. Die =nervöse= Form ist die gewöhnliche Form der Solaninvergiftung. -Sie äussert sich im wesentlichen in Symptomen der +Betäubung+ und -+Lähmung+. Sie kann sich mit der gastrischen Form +komplizieren+. Die -tierärztliche Literatur enthält sehr zahlreiche Fälle der mehr oder -weniger reinen nervösen Form der Solaninvergiftung. Am häufigsten wird -dieselbe nach der Verfütterung von +Kartoffelkeimen+ beobachtet. - - =Kasuistik.= +Koppitz+ (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1883) - beobachtete bei Kühen nach der Verfütterung keimender Kartoffeln - im Frühjahr Schwäche im Hinterteil sowie stupiden, teilnahmslosen - Gesichtsausdruck. Nach +Schwanefeld+ (Berl. Archiv 1885) äusserte - sich dieselbe Vergiftung bei einer Ziege in allgemeiner Paralyse. - +Eggeling+ (Preuss. Mitteil. 1882) beobachtete bei 8 Kühen am - Tag nach der Verfütterung von Kartoffelkraut Schreckhaftigkeit, - Aufregung, Schwäche im Kreuz und in den Hinterbeinen, sowie - Lähmung des Hinterteils. +Fuchs+ (Bad. Mitteil. 1870) sah nach der - Aufnahme von Kartoffelkraut bei Kühen Taumeln und Zittern, die - Tiere konnten sich nicht auf den Beinen erhalten, stürzten vielmehr - gelähmt zusammen. +Prahl+ (Preuss. Mitteil. 1868) beschreibt eine - Solaninvergiftung nach der Verfütterung von Kartoffelkraut bei 8 - Kühen. Zwei derselben fielen plötzlich um, die eine starb nach - wenigen Sekunden, die andere lag 2 Tage gelähmt am Boden; die - übrigen zeigten Taumeln, Pupillenerweiterung und Seitwärtsstellung - des Kopfes. +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) sah nach - der Aufnahme von Kartoffelbeeren Hühner unter den Erscheinungen - von Traurigwerden, Mattigkeit, Taumeln und Umfallen sterben. 8 - Kühe erhielten infolge eingetretener Futternot stark gekeimte - Kartoffeln. Am 3. Tag zeigten sie Schwanken im Hinterteil, Zuckungen - in den Beinen, Unruhe, kurzes Atmen, Bohren und Stossen mit Kopf - und Hörnern in die Tröge, Verstopfung mit späterer Diarrhöe, - Betäubung, Apathie, Niederstürzen, Liegenbleiben, Zunahme der - Lähmungserscheinungen und Unempfindlichkeit im Hinterteil (Bild des - Festliegens). Auffallend war der faulige, penetrante Kotgeruch. - Nach dem Aussetzen der Fütterung und Einleitung einer Behandlung - verschwanden die Lähmungserscheinungen am 2. Tag, die enteritischen - Symptome jedoch erst am 8. Tag (+Walther+, Sächs. Jahresber. 1893). - Eine Kuh zeigte nach der Verfütterung von Kartoffelkraut Zittern, - taumelnden Gang und schliesslich vollständige Lähmung, so dass sie - unfähig war, sich zu erheben; gleichzeitig bestand übelriechender - Durchfall; das Tier ging nach dreiwöchentlicher Krankheitsdauer an - Erschöpfung zugrunde (+Hohenleitner+, Woch. f. Tierhlkde. 1894). - Als typische Symptome nach der Verfütterung von Kartoffelkraut beim - Rind beobachtete +Schulz+ (ibid. 1895) Lähmungserscheinungen in Form - von Schwanken und Festliegen, daneben bestand zuweilen Verstopfung, - Aufblähung und fast immer Ekzembildung auf der Haut. Die Kühe eines - Rittergutes erhielten pro Kopf und Tag 75 Pfd. gedämpfte Kartoffeln, - worauf sich bald bei fast allen Tieren neben hochgradigem Durchfall - eine derartige Lähmung des Hinterteils einstellte, dass die meisten - 3-4 Tage nicht aufstehen konnten und die andern einen schwankenden - Gang zeigten (+Liebener+, Berl. Arch. 1889). Eine Kuh, welche - grosse Mengen keimender Kartoffeln erhielt, zeigte hochgradige - Mattigkeit, Unempfindlichkeit der Haut, Schlafsucht, Durchfall und - lag gelähmt auf der Seite. +Krüger+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1893, - S. 308) beobachtete bei einem mit Kartoffeln gefütterten Pferd - ausgesprochene Erscheinungen einer Solaninvergiftung. Nachdem das - Pferd 10 Tage hindurch als Ersatz für Hafer bis zu 10 Pfd. Kartoffeln - erhalten hatte, zeigte sich am 11. Tag grosse Schreckhaftigkeit, - Taumeln, Schwanken, Kreuzschwäche, Pupillenerweiterung, Lähmung des - Mastdarms und der Blase, sowie der Kaumuskeln, der Ohren-, Nasen-, - Lippen- und Lidmuskeln. Die Sektion des nach etwa 3wöchentlicher - Krankheitsdauer verendeten Pferdes ergab einen durchaus negativen - Befund. +Höhne+ (Berl. Arch. 1891, S. 369) sah bei Schafen nach der - Aufnahme roher gekeimter Kartoffeln Erscheinungen von rasendem Koller - und Kreuzlähmung eintreten. +Zimmermann+ (ibid.) beobachtete bei - Milchkühen, die fortgesetzt Kartoffelbrei aus gedämpften Kartoffeln - erhalten hatten, eine Massenerkrankung in Form von Kreuzschwäche - und Kreuzlähme. Nach +Maier+ (D. T. W. 1893) zeigte eine Kuh nach - der Fütterung erfrorener Kartoffeln Unvermögen aufzustehen, Liegen - mit zurückgeschlagenem Kopf, völlige Apathie, sowie Durchfall. - 4 Rinder zeigten nach der Verfütterung gekeimter, gedämpfter - Kartoffeln Taumeln und Lähmungserscheinungen; eine Kuh war durch - leichten Händedruck zum Umfallen zu bringen; der Sektionsbefund - war durchaus negativ (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. 1897). Nach - +Albrecht+ (D. T. W. 1897) erkrankten nach der Verfütterung - gekeimter Kartoffeln, wobei auf 20 Pfd. Kartoffel täglich etwa 1 - Pfd. Keime kamen, 4 Kühe unter den Erscheinungen von Durchfall, - schwankendem Gang, sowie Gebärparese ähnlicher Haltung beim Liegen. - +Haubold+ (Sächs. Jahresber. 1900) sah bei 18 Mastschweinen nach - der Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln Schreckhaftigkeit, - Laufwut, seitliche Kopfhaltung, Pupillenerweiterung, Schwäche und - Lähmungserscheinungen; 2 Schweine verendeten nach kurzer Zeit. - +Schneider+ (Berl. tierärztl. Woch. 1902, S. 373) beobachtete eine - Massenerkrankung bei 1100 Schweinen eines Molkereibesitzers nach der - Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln. Die Krankheitserscheinungen - bestanden in Teilnahmlosigkeit, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, - Sopor, schwachem Puls, wässerigem Durchfall, Lähmung im Hinterteil - und niedriger Körpertemperatur. Die Sektion zweier Schweine ergab - ausser entzündlichen Erscheinungen im Fundusteil des Magens ein - negatives Resultat. +Spörer+ (W. f. T. 1903) sah bei 2 Kühen - und einem Pferd nach der Fütterung stark gekeimter Kartoffeln - und Topinambur Benommenheit und Schwäche, sowie Sistieren der - Wanstbewegung; es trat Heilung ein. +Seitz+ (ibid.) sah beim Rind - nach der Fütterung alter gekeimter Kartoffeln Betäubung, Schwanken, - Taumeln, allgemeine Lähmung (am Boden liegen), verlangsamte Atmung, - reaktionslose Kornea und Ptosis; trotzdem trat Heilung ein. +Grebe+ - (Preuss. Vet. Ber. 1904) sah bei 7 Schweinen nach der Aufnahme - stark keimender Kartoffeln Schwanken, vollständige Lähmung der - Gliedmassen, Atemnot und Tod nach 6-10 Stunden. Nach +Döderlein+ - (W. f. T. 1906) erkrankten 2 Kühe, die mit stark gekeimten - Kartoffeln gefüttert waren, unter Lähmungserscheinungen, starker - Benommenheit, Empfindungslosigkeit und Durchfall; nach subkutanen - Kampferinjektionen trat Heilung ein. Ein ähnlicher Fall (derselbe?) - wird in dem Preuss. Vet. Ber. pro 1907 beschrieben. - -2. Die =gastrische= Form der Solaninvergiftung äussert sich -hauptsächlich in +Durchfall+, +Meteorismus+, +Erbrechen+, -+Speichelfluss+ und sonstigen Erscheinungen des +Magendarmkatarrhs+; -Lähmungserscheinungen fehlen. Dagegen hat man zuweilen aphthöse -Prozesse auf der Maulschleimhaut beobachtet. Diese reizende, -saponinähnliche Wirkung des Solanins findet man namentlich nach der -Verfütterung von grünem +Kartoffelkraut+. Dieselbe lässt sich auch -experimentell bei Versuchstieren herbeiführen. Zwei von +Hess+ und -+Wüthrich+ (Die Wirkung des grünen Kartoffelkrauts, Bern 1895) mit -Kartoffelkraut gefütterte Kühe zeigten schon nach 36 Stunden akutes -Aufblähen sowie intensiven Magendarmkatarrh mit Speichelfluss und -Rückgang der Milchsekretion. Die tierärztliche Literatur enthält -ebenfalls einige klinische Fälle dieser Vergiftungsform. Nach -+Körber+ (Preussische Mitteil. Bd. 5) zeigten 3 Kühe, an welche im -Frühjahr angefaulte und gekeimte Kartoffeln verfüttert worden waren, -unterdrückte Futter- und Wasseraufnahme, Niedergeschlagenheit, -+wässerigen Durchfall+, unwillkürlichen Abgang stinkender Massen, -Sinken der Körpertemperatur, Blässe der Schleimhäute und schliesslich -kaum fühlbaren Puls. Sie starben sämtlich im Verlauf von 36 bis 48 -Stunden; bei der Sektion fand man entzündliche Rötung der Labmagen- und -Dünndarmschleimhaut. - - Die Frage, ob ausser dem Solanin im Kartoffelkraut und in den - Kartoffelkeimen noch ein +anderer Giftstoff+ enthalten ist, welcher - die abweichende Wirkung auf die Verdauungsschleimhaut bedingt - (+Hess+ und +Wüthrich+, +Albrecht+), erledigt sich wohl durch die - nachgewiesene saponinartige Natur des Solanins. Diese Eigenschaft - erklärt ausreichend die Verschiedenheit des Vergiftungsbildes, - so dass sich die Annahme anderer, neben dem Solanin vorhandener - Giftstoffe erübrigt. Auch die früher sehr auffallend erscheinende - +Ungiftigkeit des chemisch reinen Solanins für gesunde Versuchstiere+ - wird durch die Saponinnatur des Solanins (Unschädlichkeit bei - intakter Schleimhaut) begreiflicher. Ich gab z. B. einer Versuchskuh - auf einmal 3,5 g Solaninum purum (Merck) und später 3,75 g Solaninum - hydrochloricum, ferner im Verlauf einer Woche 3,5 g Solanidin, ohne - hernach irgend welche Krankheitserscheinungen zu beobachten. Auch ein - Versuchsschaf zeigte auf je 1 g Solanin, Solaninum hydrochloricum - und Solanidin keine Reaktion. Ein kleiner 19 Pfd. schwerer - Versuchshund ertrug eine subkutane Injektion von 0,5 Solaninum - hydrochloricum (0,05 pro kg Körpergewicht) ohne jede Spur einer - Vergiftungserscheinung, desgleichen 0,5 Solanidin innerlich. 2 kleine - Kaninchen zeigten nach der subkutanen Injektion von 0,05, 0,1 und - 0,25 Solaninum hydrochloricum ebenfalls ausser lokaler Abszedierung - keine Reaktion. - -3. Nicht selten treten endlich =exanthematische=, an das Bild der -+Schlempemauke+ erinnernde Entzündungszustände der Haut zu den -gastrischen Störungen hinzu. So hat +Heiss+ (Wochenschr. f. Tierheilk. -1885) beim Rind einen sehr interessanten Vergiftungsfall nach der -Verfütterung von Kartoffelkraut beschrieben, dessen auffälligste -Krankheitssymptome in einer ulzerösen Stomatitis, Durchfall, -Konjunktivitis, Lidschwellung, sowie in einem +vesikulären+ und -+grindartigen Ekzem+ an den +Beinen+, in der Umgebung des +Afters+, an -der +Schwanzwurzel+, am +Euter+ und +Skrotum+, sowie am +Halsrande+ -bestanden. +Möbius+ (Sächs. Jahresber. 1893) beobachtete nach der -Fütterung mit Kartoffelkraut bei 1-3jährigen Rindern steifen Gang, -schmerzhafte, blaurötliche +Anschwellungen der Fussenden+ mit -Rissbildung und Exsudation, Abtrennung des Klauensaums, +Erosionen+ -und Blutungen auf der Maulschleimhaut, +Ekzeme+ am Skrotum, Rötung der -Scheidenschleimhaut sowie hohes Fieber (bis 41°). Aehnliche Fälle sind -von +Römer+ (D. T. W. 1895), +Hohenleitner+ (Wochenschr. f. Tierheilk. -1894), +Michaelis+ (B. T. W. 1895), +Model+ (Repertorium 1885) u. a. -beschrieben worden. Aehnlich wie bei der Lupinose und bei der Lecksucht -des Rindes verliert das Kartoffelkraut, welches im getrockneten -Zustande ein gutes Futtermittel darstellt, seine reizende Wirkung auf -die Haut, wenn es einmal gebrüht wird (Extraktion des Solanins!) - - =Solanum nigrum.= +Dietrich+ (Preuss. Mitt. 1876) sah 3 Ziegen nach - dem Genuss des Nachtschattens unter den Erscheinungen von Tympanitis - und Verdrehen des Kopfes erkranken; eine starb nach 8 Stunden. Nach - experimentellen Untersuchungen von +Viborg+ und +Orfila+ starben - Hunde nach Verabreichung des wässerigen Auszuges von Solanum nigrum - unter den Erscheinungen der Mattigkeit, Empfindungslosigkeit - und allgemeiner Muskellähmung. +Ziegenbein+ (Berl. Arch. 1899) - berichtet, dass 18 Enten nach der Aufnahme von Nachtschatten unter - Taumeln und Lähmungserscheinungen starben. Nach +Graham-Gillam+ - erkrankten 2 Schafe, welche Nachtschatten am Weg gefressen hatten. - Eines starb; das andere zeigte schwankenden Gang, Durchfall und - Pupillenerweiterung. - - -Vergiftung durch Taumellolch, Lolium temulentum. - - =Botanisches.= Der +Taumellolch+, +Lolium temulentum+ - (Schwindellolch, Schwindelhafer, Taumelhafer), gehört zu der Familie - der Gramineen und ist ein einjähriges, namentlich im Sommergetreide - vorkommendes Ackerunkraut, welches besonders auf Haferfeldern und - in nassen Jahren gedeiht. Die steifen, aufrechten Halme der ½-1 m - hohen Pflanze besitzen ca. 15 cm lange Aehren mit charakteristischen, - langen Hüllspelzen, welche die Aehrchen vollständig bedecken. - Ausserdem ist die Pflanze mikroskopisch dadurch ausgezeichnet, dass - der Spelzrand eine eigentümliche Haarbildung zeigt. - - Das wirksame Prinzip des Taumellolchs ist noch nicht in reinem - Zustand dargestellt; man hat früher als solches das +Loliin+, - einen glykosidischen Bitterstoff angenommen. Von anderen wird das - +Temulin+, ein Alkaloid von der Formel C_{17}H_{19}N_{2}O als - wirksamer Bestandteil bezeichnet. Derselbe soll bei Warmblütern - rauschartige Erscheinungen bedingen (+Hofmeister+). Ausserdem - ist die Vermutung aufgestellt worden, dass der Taumellolch eine - an sich ungiftige Pflanze ist, wie zahlreiche Fütterungsversuche - (+Nestler+, +Halm+, +Hertwig+, +Spinola+) erwiesen haben, und dass er - wahrscheinlich nur an gewissen Orten und zu gewissen Zeiten, ähnlich - wie die Lupinen, vielleicht durch Vermittlung von =Befallungspilzen= - giftig wirke. Die Annahme von Pilzen als Ursache der Loliumvergiftung - wird unterstützt durch die Untersuchungen über eine ähnliche - bei Menschen und Tieren vorkommende Vergiftung, durch das sog. - +Taumelgetreide+ (Taumelroggen). Man beobachtete nämlich in Russland - und Frankreich nach dem Genuss von Roggenbrot beim Menschen Taumel - und Schläfrigkeit; ähnliche Erscheinungen zeigten sich bei Hunden, - Schweinen und Hühnern. Französische Botaniker haben in den Körnern - des sog. Taumelroggens das Myzel eines zu den Diskomyzeten gehörenden - Pilzes, Endoconidium temulentum (Phialea temulenta) nachgewiesen, von - welchem angenommen wird, dass er durch ein giftiges Enzym den Kleber - und die Stärke des Roggens zersetze. +Woronin+ (Bot. Zeitung 1891, S. - 81) untersuchte das Taumelgetreide in Südussurien. Er fand folgende - +Pilzformen+, deren pathogene Wirkung noch genauer zu untersuchen - ist: Fusarium roseum, Gilberella Saubinetii, Cladosporium herbarum, - Helminthosporium, Epicoccum neglectum, Trichothecium roseum, Eurotium - herbariorum, Mikrokokken, Hymenula glumarum und Clodochytrium - graminis. Taumelgetreide findet sich nur in solchen Gegenden, die - viel unter feuchter Witterung zu leiden haben. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Taumellolchvergiftungen scheinen -früher häufiger, als heutzutage, vorgekommen zu sein. Zurzeit sind sie -ausserordentlich selten geworden, so dass die neuere Literatur nur -ganz vereinzelte Vergiftungsfälle beim +Pferd+ und +Rind+ aufweist. -Auch beim Menschen, bei welchem früher Taumellolchvergiftungen in -epidemischer Weise infolge loliumhaltigen Mehles und Brotes auftraten, -werden solche nur selten mehr beobachtet; nach +Kobert+ sind überhaupt -sichere Fälle von Vergiftung beim Menschen nicht nachgewiesen. Die -Hauptursache ist wohl in den Fortschritten der Bodenkultur und dem -Zurückdrängen des giftigen Unkrautes durch Ausrotten zu suchen. -Ausserdem hat man von jeher die Beobachtung gemacht, dass zum -Zustandekommen einer Vergiftung sehr grosse Mengen von Schwindelhafer -notwendig sind. So verfütterte +Nestler+ an 4 Pferde und an 2 Rinder -je etwa 6 Zentner Hafer mit einem Gehalt von 30 Proz. Lolchsamen, -ohne Krankheitserscheinungen zu beobachten. +Rosenkranz+ berichtet, -dass 4 Pferde monatelang mit Hafer gefüttert wurden, welcher 12 Proz. -Lolium enthielt, und dass sie ausser öfteren Schwindelanfällen nichts -Krankhaftes erkennen liessen. +Halm+ fütterte einem Pferde nach und -nach bis zu einer Metze reinen Lolchsamen, ohne charakteristische -Vergiftungserscheinungen zu beobachten. Hühner, welche innerhalb 14 -Tagen 3 Pfund, Schweine, welche eine Metze Schwindelhafer auf einmal, -Schafe, welche 1½ Pfund Mehl des Schwindelhafers aufgenommen hatten, -zeigten keinerlei Vergiftungserscheinungen (+Baillet+, +Spinola+). - -Die giftige Wirkung des Schwindelhafers äussert sich, wie schon der -Name sagt, in einer +narkotischen Beeinflussung+ des +Grosshirns+. -Die Krankheitserscheinungen bestehen in +Schwindelanfällen+, -+dummkollerartigem Benehmen+, +Schläfrigkeit+, +Schwanken+, -+Mattigkeit+, +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, +Pupillenerweiterung+, -+allgemeiner Gefühllosigkeit+; zuweilen gesellen sich hiezu auch noch -Kolikerscheinungen und Krämpfe. Der Verlauf ist bald chronisch, bald -akut; in einzelnen Fällen wird auch ein perakuter Verlauf beobachtet, -indem die Tiere apoplektiforme Anfälle von Betäubung und allgemeiner -Lähmung zeigen. Die +Sektion+ ergibt meist einen negativen Befund; -zuweilen findet man die Erscheinungen einer leichten Gastroenteritis, -sowie einer Hyperämie des Gehirns und Rückenmarkes. - -Die +Behandlung+ besteht in der Anwendung von Exzitantien. Man macht -subkutane Injektionen von Kampferspiritus, Kampferöl, Aether, Koffein, -Atropin, Veratrin, oder gibt innerlich Ammonium carbonicum. Auch kalte -Begiessungen des Kopfes, Frottieren der Haut, sowie die Anwendung von -hautreizenden Mitteln (Terpentinöl, Kampferspiritus) sind angezeigt. - - =Kasuistik.= +Meyer+ (Schweizer Archiv 1831) berichtet, dass - 2 Mutterpferde nach dem Verfüttern von loliumhaltigem Korn - Kolikerscheinungen, Pupillenerweiterung, unsicheren Gang, sowie - dummkollerartiges Benehmen zeigten. -- +Wiegel+, (Preuss. Mitteil. - 1872) beobachtete bei einer Kuh, dass dieselbe plötzlich, wie vom - Blitz getroffen, zusammenstürzte, ohne dass Schwanken und sonstige - Krankheitserscheinungen vorausgegangen wären. Diese apoplektiformen - Anfälle wiederholten sich 3mal hintereinander, worauf sich - Empfindungslosigkeit über den ganzen Körper, Schlafsucht, sowie - Verlangsamung der Respiration einstellten. 1½ Stunden darauf erhob - sich das Tier wieder und zeigte sofort einen ganz erstaunlichen - Appetit. 4 Stunden später erfolgte ein ähnlicher, aber schwächerer - Anfall, worauf völlige Genesung eintrat. -- +Magnus+ (Preuss. - Mitteil. Bd. 3) sah unter 14 Rindern 7 nach dem Genuss von - geschrotenem Lolchsamen unter den Erscheinungen der Bewusstlosigkeit - und unter allgemeinen Krämpfen erkranken; 2 derselben starben. - -- +Knudsen+ (Dän. Monatsschr. 1889) berichtet über zwanzig - Vergiftungsfälle beim Rind, die sich durch Lähmung des Hinterteils - auszeichneten. - +Gallé+ (Veterinarius 1897) sah bei 6 hochträchtigen - Stuten Abortus; das Futter enthielt 70 Proz. Lolium temulentum. - - -Vergiftung durch Flachs, Linum usitatissimum. - - =Botanisches.= Der +Flachs+ oder +Lein+, +Linum usitatissimum+, - wird in Deutschland vereinzelt teils als Oelpflanze (Leinöl), teils - als Faserpflanze (Flachs) kultiviert. Seine ausgepressten Samen - werden als Leinölkuchen zu Futter- und Düngerzwecken verwendet. Der - Flachs ist ein einjähriges Kraut mit meterhohem kahlem Stengel, - lanzettförmigen, drei-nervigen, 2½ cm langen Blättern und blass - azurblauen Blütendolden. Die Samen (Leinsamen) sind eiförmig, - flach, scharfrandig, ½ cm lang, mit brauner, glänzender, glatter, - dünner Schale und grünlichem Kern. Die Samenschale enthält ausser - Schleim (6%) ein amygdalinartiges Glykosid, das =Linamarin=, der - Kern fettes Oel (30%) und Eiweiss (25%). Der früher als Abführmittel - benützte +Purgierflachs+, +Linum catharticum+, ist ein 1jähriges, - 15 cm hohes Pflänzchen mit einnervigen Blättern und weissen Blüten. - Der Geschmack der Pflanze ist sehr bitter. Dieselbe enthält einen - glykosidischen Bitterstoff, das =Linin=, welches namentlich nach der - Blütezeit in grossen Mengen in derselben enthalten ist und weisse, - seidenglänzende, stark bitter schmeckende, stickstofffreie, neutral - reagierende Kristalle bildet. - - -=Krankheitsbild.= Die in der Literatur als Flachsvergiftung -bezeichneten Krankheitsfälle sind in ätiologischer Beziehung -offenbar nicht einheitlicher Natur. Dieselben betreffen nur zum Teil -wirkliche, echte Flachsvergiftungen. Ein grösserer Teil derselben -bezieht sich vielmehr auf eine Beimengung von +Rizinusschalen+ zu den -Leinsamenkuchen (vergl. Rizinusvergiftung). Andere Fälle scheinen -+Pilzvergiftungen+ (schimmelige, ranzige Leinkuchen), einzelne Fälle -vielleicht auch Vergiftungen durch beigemengten +Ackersenf+ oder andere -Giftpflanzen gewesen zu sein. - -Die echten Flachsvergiftungen haben eine verschiedenartige -Entstehungsweise. Zunächst ist mehrfach beobachtet worden, dass der -geröstete Flachs bezw. das in den Flachsrösten enthaltene Wasser bei -Schafen (+Güttlich+), Hunden, Gänsen (+Spinola+), ja selbst bei Fischen -(+Gerlach+) giftig gewirkt hat. Nach +Malzew+ (Petersburger Archiv für -Veterinärkunde 1887) erkrankte in einem russischen Dorfe sämtliches -Vieh durch den Genuss des Flusswassers, in welchem Flachs eingeweicht -wurde. Weiter sind Vergiftungen nach der Verfütterung von missratenem, -zu kurz gebliebenen Flachs bei Kühen und Schafen beobachtet worden. -Endlich haben die Leinsamenkapseln, wenn sie in allzugrosser Menge -aufgenommen wurden, zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. -Dass im übrigen der Flachs nur in grossen Mengen giftig wirkt, zeigen -die Versuche von +Harms+ (Hannoverscher Jahresbericht 1872 und 1873), -welcher einem Rind 15 Pfund grünen Flachs sowie einem Ziegenlamm 150 -g grüner Samenkapseln und 50 g trockener Samenkapseln ohne Nachteil -verabreichte, sowie ein Versuch von +Schmidt+ (Magazin Bd. 29), welcher -bei einem Schaf erst nach Verfütterung von 12 kg Samenkapseln eine -tödliche Vergiftung herbeiführen konnte. - -Ueber den im Flachs enthaltenen Giftstoff ist mit Sicherheit nichts -bekannt (Linamarin?). Aus den Vergiftungserscheinungen ist zu -entnehmen, dass es ein +scharf-narkotischer+ Stoff ist, welcher -vielleicht mit dem im Purgierflachs enthaltenen Linin identisch ist. -Die Krankheitserscheinungen bestehen in +heftiger Kolik+, +Durchfall+, -+Tympanitis+, +Unruheerscheinungen+, +Krämpfen+, +Harnverhaltung+, -+Zittern+ und +Taumeln+. Bei der Sektion findet man die Schleimhaut -des Magens und Darmes mehr oder weniger hochgradig entzündet. Die -Behandlung der Vergiftung ist eine symptomatische (Opium, schleimige -Mittel); als Gegengift kann Tannin gegeben werden. - - =Kasuistik.= Von den in der Literatur enthaltenen klinischen Fällen - von Flachsvergiftung sind folgende bemerkenswert. +Prietsch+ - (Sächs. Jahresbericht 1868) sah 7 Kühe nach der Verfütterung von - abgemähtem missratenem Flachs unter Kolikerscheinungen erkranken und - 2 davon im Verlaufe eines Tages sterben; bei der Sektion fand man - die Schleimhaut des Lösers und Dünndarms stark entzündet und den - Darminhalt sehr flüssig. Nach +Sipp+ (Preuss. Mitteil. Jahrg. 7) - zeigten Kühe unmittelbar nach der Aufnahme von zu kurz gebliebenem - Flachs Kolikerscheinungen, Stöhnen, Zittern, grosse Angst und - Taumeln. +Semmer+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin 1877) sah - bei Schweinen nach der Verfütterung von Leinsamenkapseln öfters - massenhafte Todesfälle; bei der Sektion wurde Fettdegeneration der - Leber und Nieren, sowie teerartiges Blut gefunden. Weitere Fälle sind - von +Güttlich+ (Preuss. Mitt. 1882), von +Huffelen+ (Bullet. Belg.), - +Lüdersdorf+ (Ann. der Landwirtschaft 1858) u. a. beschrieben worden. - - -Eserinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der +Kalabarbohne+ (Physostigma venenosum, - afrikanische Papilionazee) enthaltene Alkaloid Eserin (Physostigmin) - hat seit seiner Anwendung als Abführmittel beim Pferd und - Rind in mehreren Fällen schon in mittleren therapeutischen - Dosen Vergiftungserscheinungen bedingt. Diese giftige Wirkung - therapeutischer Eserindosen ist, wie ich a. a. O. (Monatshefte - für praktische Tierkeilkunde 1890) gezeigt habe, auf verschiedene - Ursachen zurückzuführen. In erster Linie ist die Inkonstanz der - chemischen Handelspräparate, welche je nach der Darstellung - verschiedenartige, in chemischer Beziehung durchaus nicht - einheitliche Produkte sind, als Ursache zu bezeichnen. In zweiter - Linie kann die giftige Wirkung sonst unschädlicher Dosen durch ein - abweichendes Verhalten des Tierkörpers bezw. Individuums bedingt - sein. In dieser Beziehung sind Pferde mit chronischen Krankheiten - der Atmungsorgane (Emphysem, chronische Bronchitis, chronische - Pneumonie), sowie solche Pferde, welche an Kolik infolge starker - Ausdehnung und mechanischen Hindernissen im Magen und Darm, sowie - an Herzschwäche im Verlauf der Kolik leiden (hohe Pulsfrequenz), - besonders empfindlich gegen sonst normale Dosen von Eserin, indem - sie unter der Einwirkung des Eserins teils an Lungenödem, teils an - Magen- und Darmruptur, teils an Herzlähmung zugrunde gehen können. In - einzelnen Fällen ist die Giftwirkung sonst unschädlicher Eserindosen - auf die Art und Weise der Injektion, sowie auf eine individuelle - Idiosynkrasie der betreffenden Tiere zurückzuführen. - - -=Krankheitsbild.= Das Eserin wirkt +tetanisierend+ auf alle +glatten -Muskelfasern+ des Körpers, namentlich auf die des +Darmes+, -ausserdem +erregend+ auf die +Sekretion+ der +Schweissdrüsen+, -+Tränendrüsen+ und +Speicheldrüsen+. In giftigen Dosen erzeugt -es ausserdem +Krämpfe der quergestreiften Körpermuskulatur+ mit -späterer +Muskellähmung+, sowie +Lähmung der Atmung+ (+Lungenödem+) -und des +Herzens+. Die Vergiftungserscheinungen bestehen daher in -+heftiger Kolik+, +anhaltendem, profusem Durchfall+, +Zittern+, -+ausgebreiteten Muskelzuckungen+, +grosser Schreckhaftigkeit+, +grosser -Atmungsnot+, +Schweissausbruch+, +Speicheln+, +Tränenfluss+, +häufigem -Harnabsatz+, +Pupillenverengerung+, +Schwäche+, +Hinfälligkeit+, -+allgemeiner Lähmung+. In einzelnen Fällen wurde ausserdem eine -sehr starke +zerebrale Erregung+ beobachtet, welche sich in -maniakalischen, tobsuchtartigen Anfällen, hochgradiger Aufregung, sowie -Zwangsbewegungen (Drängen nach vorwärts) äusserte. - -Das Eserin ist namentlich für +Fleischfresser+ ein ausserordentlich -heftiges Gift. Nach meinen Beobachtungen starben kleine Hunde schon -nach 5, grössere nach 10 mg. Katzen und Kaninchen starben nach 2-3 -mg. +Pferde+ und +Rinder+ ertragen relativ viel grössere Dosen. -Ich habe einem mittelgrossen, älteren Versuchspferd ½ g Eserinum -sulfuricum subkutan injiziert, wonach zwar eine schwere, aber nicht -tödliche Vergiftung auftrat. Nach +Feser+ werden auch vom +Rind+ -verhältnismässig hohe Dosen ohne Nachteil ertragen, so subkutan 1 mg -Physostigmin pro kg Körpergewicht = 0,3 pro dosi, stomachikal das -10fache; nur in einem Fall trat nach der subkutanen Injektion von 0,17 -bei heftigem Husten und Rülpsen infolge Eindringens von Futterbrei -in die Bronchien Erstickung auf. +Subkutan+ sind 0,03 ohne sichtbare -Wirkung, 0,06 von geringer, 0,1 von kräftiger Wirkung; 0,15-0,17 -erzeugen heftiges Purgieren; nach 0,3 tritt die Wirkung schon nach 5 -Minuten unter starker Dyspnöe, Muskelzittern etc. auf. +Innerlich+ -gegeben wirkt Physostigmin beim Rind auffallend schnell in relativ -geringen Dosen; so rufen 0,15 schwaches Purgieren, 0,3 starkes -Purgieren, 0,7 dasselbe mit deutlichen Kolikerscheinungen, 0,9-1,0 -Purgieren unter Stöhnen und Aechzen, 1,5 sehr heftiges Purgieren, 3,0 -ebenfalls sehr heftiges Purgieren unter Zittern und Atemnot hervor. -Dieselbe Wirkung hat die Einspritzung in den Wanst. Sehr empfindlich -sind im Gegensatz zum Rind die kleinen Wiederkäuer (+Schafe+, -+Ziegen+), gegenüber dem Eserin (+Kunke+). +Schweine+ scheinen dagegen -wenig empfindlich gegenüber dem Eserin zu sein; sie zeigen nach +Frank+ -selbst in subkutanen Gaben von 0,1 keine sichtbare Wirkung. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Gegengift des Eserins ist das +Atropin+, -ein physiologisches Antidot, welches erregend auf die durch das -Eserin gelähmten Zentralorgane der Atmung und des Herzens sowie -sekretionsbeschränkend auf die Körperdrüsen wirkt. Man gibt es Pferden -und Rindern subkutan in Dosen von 0,05-0,1. Ausserdem kann man -+Skopolamin+ (+Hyoszin+), Veratrin und Koffein anwenden. Gegen die -Erregungserscheinungen gibt man Sedativa (Morphium, Chloralhydrat, -Bromkalium). - - -=Nachweis.= Die +Abscheidung+ des Physostigmins aus dem -Untersuchungsmaterial ist deshalb mit grossen Schwierigkeiten -verknüpft, weil dasselbe eines der am leichtesten zersetzlichen -Alkaloide ist und sich schon am Licht rot färbt. Die Extraktion muss -daher im +dunklen Raume+ und bei möglichst +niederer Temperatur+ -vorgenommen werden. Dieselbe geschieht am besten nach der Methode von -+Dragendorff+ (vgl. S. 199) aus alkalischer wässeriger Lösung durch -Ausschütteln mit +Benzol+ (oder Amylalkohol oder Chloroform). Von den -Reaktionen auf Physostigmin ist zunächst wichtig die +physiologische+ -Reaktion, welche darin besteht, dass beim Einbringen der Lösung -des Mittels in das Auge eines Kaninchens oder Meerschweinchens -+Pupillenverengerung+ noch bei Anwesenheit von 1/2000 mg Eserin -eintritt. Die +chemischen+ Reaktionen des Physostigmins sind folgende: -In erwärmter Ammoniakflüssigkeit löst sich das kleinste Kriställchen -Eserin zu einer gelblichroten Flüssigkeit, welche beim Eindampfen im -Wasserbad einen blauen oder blaugrauen, in Weingeist mit blauer Farbe -löslichen Rückstand hinterlässt (Eserinblau). In einem Tröpfchen -Schwefelsäure löst sich der Verdampfungsrückstand mit +grüner+ Farbe, -welche bei allmählicher Verdünnung mit Weingeist in +rot+ übergeht. - - =Kasuistik.= +Friedberger+ (Münchener Jahresbericht 1884) beobachtete - bei einem 300 kg schweren, 18jährigen, mageren, bis auf hochgradiges - Lungenemphysem relativ gesunden Wallach nach der subkutanen Injektion - von 0,1 Physostigminum sulfuricum eine schwere Vergiftung. Eine halbe - Stunde nach der Injektion traten nämlich neben der spezifischen - Wirkung auf den Darmkanal starke Aufregung, feuriger Blick, Drängen - nach vorwärts, starkes Abbeugen des Kopfes, sowie intensives - Muskelzittern im Hinterteil ein; diesen Erscheinungen folgte nach - etwa 1½ Stunden tiefe Ermattung, welche auch in den nächsten Tagen - noch andauerte. Weiterhin stellten sich rascher Kräfteverfall, - Drängen beim Vorwärtsgehen, unsicherer, ataktischer Gang, sowie am - 5. Tage förmliche maniakalische Erscheinungen und Beisswut ein, - so dass das Pferd getötet werden musste. +Albrecht+ (Der Tierarzt - 1888) hat ebenfalls nach der Injektion von 0,1 Eserin bei einem - schweren Bauernpferde eine 10 Tage lang andauernde Vergiftung, - bestehend in heftigem Muskelzittern, Schwanken, Zusammenknicken, - Benommenheit, Pupillenerweiterung, Puls- und Atmungsbeschleunigung, - sowie Herzschwäche beobachtet. Im Gegensatz hierzu hat +Klemm+ (Bad. - Mitt. 1884) über Beobachtungen berichtet, wonach bei Pferden Dosen - von 0,2 Eserin 5mal hintereinander in vierstündigen Pausen, mithin - ein ganzes Gramm Eserin innerhalb 24 Stunden ohne Gefahr angewandt - wurden. Auch in der Rindviehpraxis kommen Fälle vor, in welchen - einzelne Rinder auf Durchschnittsdosen des Eserins ganz auffallend - stark reagieren. So hat +Albrecht+ 3 Fälle beschrieben, in welchen - bei Rindern nach der subkutanen Injektion von 0,15 Eserin schwere - Respirationsstörungen, sowie ganz exzessive Erregungserscheinungen - auftraten. +Ripke+ sah bei einem Rind schon nach der Injektion von - 0,1 Eserin Atemnot, Schäumen und Schwäche auftreten; ein anderes Rind - starb sogar nach 6 Stunden. Für Ziegen wirkten in einem Fall schon - 0,04 g Eserin giftig (+Gobbels-Copette+, Belg. Annal. 1895). - - -Pilokarpinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in den +Jaborandiblättern+ (Pilocarpus - pennatifolius, brasilianische Rutazee) enthaltene Alkaloid Pilokarpin - wirkt ebenfalls zuweilen wie das Eserin in therapeutischen Dosen - giftig, was teils auf die Inkonstanz der Präparate, teils auf - gewisse individuelle Körperzustände zurückzuführen ist. Besonders - gefährlich hat sich das Pilokarpin wegen des drohenden Lungenödems - bei chronischen Lungen- und Herzkrankheiten, sowie bei Behinderung - des Abschlingens (Pharyngitis) erwiesen. - - -=Krankheitsbild.= Das Pilokarpin bewirkt in erster Linie eine -+gesteigerte Sekretion der Drüsen+ (Speicheldrüsen, Schweissdrüsen, -Bronchialdrüsen, Darmdrüsen), in zweiter Linie eine Kontraktion der -+glatten Muskelfasern+ (Magen-Darmkanal, Sphincter pupillae). Die -Vergiftungserscheinungen bestehen in abundanter +Speichel-+ und -+Schweisssekretion+, +hochgradiger Dyspnoe+, +Durchfall+, +psychischen -Erregungs-+ und +Lähmungserscheinungen+. Wie beim Eserin werden auch -zuweilen durch das Pilokarpin tobsuchtartige Anfälle hervorgerufen. -Der Tod erfolgt in einzelnen Fällen apoplektisch, meist wird er jedoch -durch Erstickung infolge von Lungenödem bedingt. - - -=Behandlung.= Das wichtigste Antidot der Pilokarpinvergiftung ist wie -beim Eserin das +Atropin+, welches ein starkes Erregungsmittel für das -Herz und die Atmung ist. Man gibt es Pferden und Rindern subkutan in -wiederholten Dosen von 0,05-0,1. - - -=Nachweis.= Das Pilokarpin wird genau so wie Eserin abgeschieden -(extrahiert). Die +physiologische+ Reaktion (Pupillenverengerung) -ist ebenfalls dieselbe wie beim Eserin; ausserdem kann die -speicheltreibende Wirkung als Reagens verwertet werden. Dagegen -unterscheidet es sich vom Eserin durch eine charakteristische -Farbenreaktion: mit +rauchender Salpetersäure+ tritt nämlich eine -leichte +Grünfärbung+ ein. - - =Kasuistik.= +Friedberger+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin - 1884) berichtet, dass bei einigen Pferden schon kleine Dosen - ungewöhnlich hochgradige Erscheinungen veranlassten, und dass die - Patienten insbesondere von hohen Dosen ungleich stark beeinflusst - wurden. +Siedamgrotzky+ (Sächs. Jahresber. 1886) sah bei Pferden - nach Dosen von 0,5-1,0 Pilokarpin gefahrdrohende Erscheinungen - eintreten. +Lies+ (Tiermed. Rundschau 1886/87) warnt vor grösseren - Dosen Pilokarpin, nachdem ihm ein Pferd nach der Injektion von - 1,0 Pilokarpin apoplektisch verendete. +Hoffmann+ (ibid. 1887) - beobachtete bei einem Pferd nach 0,8 Pilokarpin gefahrdrohende - Dyspnoe, bei einem anderen nach 1,1 eine tödliche Vergiftung. +Dette+ - (ibid. 1888) sah nach der Injektion von 0,7 Pilokarpin ein Pferd - innerhalb 3 Stunden wie vom Schlage gerührt zusammenstürzen, worauf - sich neben einer schweren Allgemeinaffektion tobsuchtartige Zufälle - einstellten, so dass dasselbe getötet werden musste. +Jungers+ (Der - Tierarzt 1883) konstatierte bei Pferden auf die Einspritzung von - 0,8 Pilokarpin 8 Tage lang ein schläfriges, kolleriges Benehmen. - +Maximilian+ (Berliner Archiv 1888) beobachtete 2mal, dass - sich 2 Tage nach der Pilokarpininjektion die Erscheinungen der - Pilokarpinwirkung wiederholten. +Philippi+ (Sächs. Jahresber. 1888) - sah nach der Einspritzung von 0,3 Pilokarpin bei einem gehirnkranken - Pferd Taumeln, 6 Stunden anhaltende Bewusstlosigkeit und dann - Tobsucht und Laufwut. +Rust+ und +Cleve+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1890) - beobachteten ebenfalls bei Gehirnentzündung nach 0,3 Pilokarpin - Atemnot und Erstickung im eigenen Speichel. +Overbeck+ (Holl. - Zeitschr. 1898) sah ein Pferd mit Pleuritis nach einer Injektion von - 0,3 Pilokarpin unter Schweissausbruch und Dyspnoe innerhalb 4 Stunden - sterben. Nach +Kunke+ (Diss. Bern 1908) sind Schafe und Ziegen - besonders empfindlich gegen Pilokarpin, indem sie schon nach 0,03 - bezw. 0,04 g Vergiftungserscheinungen zeigen (Lungenödem). - - -Arekolinvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in der +Arekanuss+ (Areca Catechu, Palme) - enthaltene Alkaloid Arekolin von der Formel C_{18}H_{13}NO_{2} wird - seit 15 Jahren (vergl. meine diesbezüglichen Untersuchungen in den - Monatsh. f. prakt. Tierheilk. 1894) in der Tierheilkunde allgemein - als Ersatz des Eserins und Pilokarpins namentlich bei der Kolik - und Hufrehe der Pferde angewandt. Vergiftungsfälle sind trotz des - häufigen Gebrauches in der Literatur nur vereinzelt beschrieben - worden. Wie beim Eserin und Pilokarpin scheinen einzelne Pferde - auch gegenüber dem Arekolin eine individuelle Empfindlichkeit zu - besitzen. Ausserdem können bei herzkranken Pferden, sowie bei - bereits eingetretener Herzschwäche (Kolik) unter Umständen schon - mittlere Dosen giftig wirken. Beim Gebrauch der Arekanuss als - Wurmmittel sind Vergiftungen bisher nicht beobachtet worden; ihre - angebliche besondere Giftigkeit für das Geflügel hat sich nach den - Untersuchungen von +Gizelt+ nicht bestätigt. - - -=Krankheitsbild.= Das Arekolin wirkt wie eine Kombination von -Pilokarpin und Eserin (+Drüsen-+ und +Darmreizung+). Therapeutische -Dosen (0,02-0,1) erzeugen beim Pferd Speichelfluss, Durchfall und -Schweissausbruch. Die Arekolinvergiftung tritt bei gesunden Pferden von -0,25 ab, bei Herzkranken und Kolikkranken (Herzschwäche) von 0,08 ab -ein und äussert sich in +epileptiformen+ und +tetanischen Krämpfen+, -+Herzlähmung+ und +Atmungslähmung+. Die Dosis von 0,5 g wirkt nach -meinen Versuchen für Pferde tödlich. - -Die +Behandlung+ der Arekolinvergiftung ist die gleiche, wie bei -der Vergiftung durch Pilokarpin und Eserin; sie besteht in der -Verabreichung von +Atropin+ oder +Skopolamin+ (Hyoszin) als Gegengift. -Auch der physiologische Nachweis ist derselbe. Chemische Reaktionen des -Arekolins sind Braunfärbung (Niederschlag) mit Jodlösung, Gelbfärbung -mit Bromwasser. - - =Kasuistik.= Ein 4jähriges, kolikkrankes Ackerpferd, das, wie sich - nachher herausstellte, schon längere Zeit vorher herzleidend war (die - Sektion ergab chronische Endokarditis und Perikarditis), erhielt - 0,08 Arekolin subkutan eingespritzt. Einige Minuten darauf wurde es - sehr unruhig, schlug um sich, bekam Atemnot, zeigte roten, blasigen - Schaum an beiden Nasenöffnungen und verendete 8-10 Minuten nach der - Injektion an Herzlähmung und Lungenödem. Der Besitzer teilte mit, das - Pferd sei schon vor Eintritt der Kolik im Acker sehr bald schlaff - und müde geworden und habe sich sehr schlecht genährt (+Wöhner+, - Woch. f. Tierh. 1906). Ein 14jähriges Pferd erhielt gegen Rehe 0,1 - Arekolin; schon 2 Minuten nach der Injektion zeigte es sehr starke - Vergiftungserscheinungen, welche über eine Stunde anhielten; das - Pferd erholte sich erst wieder in einigen Tagen (+Olsen+, Dän. Mon. - 1900). Nach +Titus+ (Jowa 1907) starb eine Kuh mit Gebärparese - nach 0,1, ein Schaf nach 0,01 Arekolin. Rinder sind überhaupt sehr - empfindlich gegen Arekolin, indem sie oft schon bei 0,1 g bedrohliche - Atemnot zeigen (+Kunke+, Diss. Bern 1908). Neuere Untersuchungen - über die Wirkung des Arekolins auf die einzelnen Tiergattungen sind - von +Ruckelshausen+ (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1910) - veröffentlicht worden. - - -Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen. - - =Botanisches.= Die +Bucheckern+ oder +Bucheln+ sind die 3kantigen - Früchte der Rotbuche, Fagus silvatica (Kupulifere). Sie bestehen aus - einer braunen, harten Schale und einem ölhaltigen Kern und werden - behufs Gewinnung des Bucheckernöls ausgepresst. Die Pressrückstände, - welche im wesentlichen aus den braunen Schalen bestehen, werden als - „Bucheckern-Oelkuchen“ bezeichnet und in manchen Gegenden an die - Haustiere verfüttert. Sie enthalten einen sehr giftigen Stoff, das - Fagin, eine mit dem Cholin verwandte, trimethylaminähnliche Base. - Das Fagin findet sich namentlich in der Schale, in geringeren Mengen - ferner in der Gerüstsubstanz des Kerns; das ausgepresste Bucheckernöl - ist dagegen ungiftig. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch -Bucheckern-Oelkuchen ereignen sich immer nur nach Aufnahme grösserer -Mengen derselben. Am empfindlichsten sind +Pferde+, bei welchen schon -½-1 kg Oelkuchen eine schwere und nach 1½ kg eine tödliche Vergiftung -eintritt. Dagegen sollen nach +Pusch+ Rinder wenig oder gar nicht -empfindlich sein (vergl. übrigens die von +Kammerer+ und +Vaeth+ -mitgeteilten Fälle von Vergiftung). Das Fagin tötet Katzen in Dosen von -0,4 g. Das Bucheckerngift hat in seiner Wirkung viel Aehnlichkeit mit -dem +Eserin+, +Nikotin+, +Strychnin+ und +Trimethylamin+; es erzeugt -nämlich +Darm-+ und +Muskeltetanus+. Die Vergiftungserscheinungen -beginnen gewöhnlich mit einem sehr +heftigen Kolikanfall+, in -dessen Verlaufe sich die +Schmerzen+ bis zur +Tobsucht+, +Raserei+ -und +Selbstzerfleischung+ steigern können. Ausserdem beobachtet -man +Schreckhaftigkeit+, sowie +tetanische+, an +Strychnintetanus -erinnernde Krämpfe von ausserordentlicher Heftigkeit+, abwechselnd -mit +Betäubung+, +Bewusstlosigkeit+, +Schwanken+, +Taumeln+, -+Zusammenstürzen+ und +vollständiger Lähmung+. Der Verlauf der -Vergiftung ist meist sehr akut, indem die Tiere schon nach einigen -Stunden unter den Erscheinungen der Erstickung zugrunde gehen können; -für gewöhnlich ist der Ausgang der Vergiftung innerhalb 12 Stunden -entschieden. Der +Sektionsbefund+ ist wenig charakteristisch. -Neben suffokatorischen Erscheinungen findet man bisweilen starke -ödematöse Durchtränkung und selbst Flüssigkeitsansammlung im Gehirn -und Rückenmark; zuweilen zeigt auch die Magen- und Darmschleimhaut -umschriebene, fleckige Rötungen. Die +Behandlung+ ist neben der -Anwendung von Abführmitteln und der Verabreichung von Tannin als -chemischem Antidot eine rein +symptomatische+. Sie besteht in der -Anwendung von Beruhigungsmitteln, vor allem in der subkutanen -Injektion von +Morphium+. Der Nachweis der Vergiftung wird auf -botanischem Wege gesichert. - - =Kasuistik.= Nach +Wanner+ (Schweizer Archiv für Tierheilkunde - 1889) erhielten 2 Pferde eines Müllers grössere Mengen gemahlener - Bucheckern-Oelkuchen mit heissem Wasser zu einem Brei angerührt. - Das eine Pferd hatte 2 Pfund, das andere 3 Pfund aufgenommen. Beide - Pferde zeigten zunächst anhaltende Kolikerscheinungen und Schwanken - bei der Bewegung. Das erstere zeigte ferner bei der am Tage nach - der Aufnahme der Bucheckern vorgenommenen Untersuchung hochgradige - Schreckhaftigkeit, indem es bei der geringsten Berührung, ja sogar - bei einem blossen Geräusch, in äusserste Raserei geriet, welche - sich durch Beissen und Schlagen kundgab; ausserdem biss es sich - mindestens 300mal in die Vorderbrust. Eine genaue Untersuchung, - ja selbst eine Temperaturabnahme war unmöglich, da das Pferd - bei jeder Berührung biss und wie rasend ausschlug. Neben dieser - Schreckhaftigkeit waren periodische Lähmungserscheinungen in der - Nachhand zu bemerken, wobei das Pferd zu schwanken anfing und mit dem - Hinterteil nach einer Seite halb ging, halb fiel. Nach Verabreichung - von Pilokarpin und Morphium besserte sich der Zustand allmählich, - so dass die Krankheit innerhalb 12 Stunden gehoben war; es blieb - indessen eine 3tägige hochgradige Schwäche zurück. Das zweite Pferd - zeigte neben den Erscheinungen der Betäubung und Lähmung Krämpfe - und Zuckungen der gesamten Körpermuskulatur, sowie hochgradigen - Opisthotonus, wobei sich der ganze Vorderleib in die Höhe hob, so - dass das Pferd senkrecht auf die Hinterbacken zu sitzen kam und nach - rückwärts umfiel; dieser Vorgang wurde 8mal beobachtet. Das Pferd - verendete unter den heftigsten Konvulsionen. Bei der Sektion fand - man im Dünndarm und auf der Magenschleimhaut umschriebene, fleckige - Rötungen. Das Grosshirn zeigte eine auffallend seröse Durchtränkung, - sowie starke Gefässinjektion; dieselben Veränderungen waren im - verlängerten Mark und im Lendenmark nachzuweisen. -- +Kammerer+ und - +Vaeth+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) haben mehrere Vergiftungsfälle - beim Rind beobachtet; die Erscheinungen bestanden in Unruhe, Stöhnen, - Durchfall, Herzklopfen, Schwanken, Umfallen, sowie in schwarzroter - Verfärbung des Harns. -- +Hartenstein+ (Sächs. Jahresb. 1892) sah - bei zwei Pferden nach der Verfütterung von Oelkuchen tödliche Kolik. - -- +Pusch+ (Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1893) verfütterte - Bucheckern an verschiedene Haustiere (exkl. Schweine, welche von - jeher mit Bucheckern gemästet werden). Pferde, Ziegen und Schafe - nahmen sie sehr ungern oder gar nicht, Rinder dagegen sehr gern auf. - Rinder erwiesen sich dabei wenig oder gar nicht empfänglich. Pferde - dagegen zeigten schon nach der Verfütterung von 2 Pfund Bucheckern - Krankheitserscheinungen; ein Fohlen starb sogar nach der Verfütterung - von 2¾ Pfund. Auch Ziegen scheinen die Bucheckern schlecht zu - vertragen. -- +Binder+ (Tierärztl. Zentralbl. 1908) sah nach - Verfütterung unreifer Bucheckern heftige Kolik, Durchfall, Tenesmus, - Krämpfe, grosse Schwäche und Hinfälligkeit, sowie Harnbeschwerden - bei den Haustieren auftreten; bei der Sektion wurde Nephritis und - Zystitis nachgewiesen. - - Von älteren experimentellen und klinischen Untersuchungen über - die Bucheckern-Oelkuchen sind die Mitteilungen von +Gerlach+ - (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), +Hertwig+ (Magazin, Bd. 24), +Kaiser+ - (Magazin, Bd. 25), +Hering+ (Württ. landw. Korrespondenzblatt 1825), - +Tscheulin+ (Kritisches Repertorium 1825) und +Herberger+ (Archiv des - Apothekervereins 1830) zu erwähnen. - - -Vergiftung durch Sauerampfer, Rumex. - - =Botanisches.= Der Sauerampfer gibt in zwei Arten Veranlassung zu - Vergiftungen bei den Pflanzenfressern. 1. +Rumex acetosa+, der - gewöhnliche Sauerampfer (Polygonee) ist ein kahles, unbereiftes Kraut - mit grossen, grünen, pfeilförmigen, sauerschmeckenden Blättern und - rötlichen, zweihäusigen Blüten. 2. +Rumex acetosella+, der kleine - Sauerampfer, unterscheidet sich von dem vorigen durch zartere, - kleinere Blätter, welche spiess- oder hellebardenförmig sind. Beide - Ampferarten enthalten, wie auch +Oxalis acetosella+, der Sauerklee, - +saures oxalsaures Kalium+ von der Formel C_{2}O_{4}HK + H_{2}O, - welches auch unter dem Namen „Kleesalz“ oder „Sauerkleesalz“ (Sal - Acetosellae, Kalium bioxalicum) bekannt ist. Wegen der leichten - Löslichkeit dieses Oxalsäuresalzes wirken die genannten Pflanzen in - grösseren Mengen giftig. Die Sauerampfervergiftung ist demnach als - eine =Oxalsäurevergiftung= aufzufassen. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Sauerampfer gibt am -häufigsten bei +Schafen+, wenn ihn dieselben in grossen Mengen -aufnehmen, Veranlassung zu Vergiftungen. Das Vergiftungsbild -stimmt im wesentlichen mit dem der +Oxalsäurevergiftung+ -(vgl. S. 139) überein. Die Tiere zeigen die Erscheinung einer -+Gastroenteritis+: +Appetitlosigkeit+, +Durchfall+, +Mattigkeit+ und -+Lähmungserscheinungen+. Bei der Sektion findet man Entzündung und -Hämorrhagien auf der Schleimhaut des Magens und Darmes. Die Behandlung -besteht in der Anwendung schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender -Mittel. - -Die +Literatur+ enthält nachstehende Fälle von Rumexvergiftung. -Nach +Biermann+ (Holländ. Zeitschrift 1886) erkrankten 7 Schafe -nach dem Beweiden eines stark mit Sauerampfer (Rumex acetosella) -besetzten Haferstoppelfeldes. Sie zeigten unterdrückte Fresslust und -Rumination, grosse Mattigkeit, anfangs Verstopfung, später Durchfall, -angestrengte Atmung, kaum fühlbaren Puls und Herzschlag; bei 2, -welche krepierten, ergab die Sektion Hyperämie und Ekchymosierung -der Magendarmschleimhaut, sowie starke Hyperämie der Lungen. Nach -+Matthias+ (Preuss. Mitth. 1881) starben 40 Schafe nach kurzer -Krankheitsdauer unter den Erscheinungen eines heftigen Durchfalls; bei -der Sektion fand man eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. +Michels+ -(Annal. de Bruxelles 1869) beobachtete bei einem Pferd 3 Stunden nach -der Aufnahme von Rumex acetosella tetanische Krämpfe, welche sich alle -5 Minuten wiederholten, dazwischen hinein Speicheln, unwillkürlichen -Harnabgang, Schwanken und Zittern; der Tod erfolgte nach einigen -Stunden. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der Schleimhaut des -Magens und Zwölffingerdarms. +Dentler+ (Repertorium 1864) sah 25 Schafe -nach dem Genusse von Sauerklee, Oxalis acetosella, sterben. - - -Vergiftung durch Narzissus. - - =Botanisches.= Vergiftungen durch Narzissus, die bekannte Zierpflanze - (Amaryllidee) der Gärten, kommen sowohl nach Aufnahme der Zwiebel - und des Krautes der gelbblühenden, als der weissblühenden Narzisse - vor. 1. +Narcissus Pseudonarcissus+, die gelbe oder gemeine - Narzisse (Sternblume), ist durch eine einzige, dottergelbe Blüte - (März, April), zweischneidigen Schaft und eirunde, braune Zwiebel - charakterisiert. 2. +Narcissus poëticus+, die weisse Narzisse, - besitzt weisse Blüten mit gelber Nebenkrone. Beide Narzissen - enthalten ein giftiges Alkaloid, das Narzitin, ätherisches Oel und - Harz. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Narzitin besitzt eine -lokal +entzündungserregende+ und späterhin +lähmende+ Wirkung. Die -Vergiftungserscheinungen setzen sich daher aus den Symptomen der -Magendarmentzündung (+Kolik+, +starker Durchfall+) und denjenigen -der +allgemeinen Körperschwäche+ und +Lähmung+ zusammen. Bei der -Sektion findet man die Erscheinungen einer hochgradigen Enteritis. -Die Behandlung besteht in der Anwendung schleimiger und exzitierender -Mittel, sowie in der Verabreichung von Tannin als Gegengift. - -Vergiftungen durch Narzissen sind bei Rindern, Schweinen und Ziegen -beobachtet worden. Nach +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) frass -eine Schweineherde die auf den Hof geworfenen Zwiebel von Narcissus -poëticus, worauf 16 Stück unter den Erscheinungen grosser Schwäche -und starken Purgierens krepierten; bei der Sektion fand man starke -Entzündung des Magens und Darms. Zwei Kühe starben nach dem Genusse von -Gras, welchem viel Narzissen beigemengt waren, am zweiten und dritten -Tage, nachdem sie grosse Mattigkeit, Stöhnen sowie Drängen auf den -Mastdarm gezeigt hatten. Aehnliche Fälle sind von +Dinter+ (Sächs. -Jahresbericht 1882), +Uhlig+ (ibidem 1878), +Johne+ und +Rosenkranz+ -(ibidem 1865), sowie von +Harms+ (Magazin 1871) beschrieben. - - -Vergiftung durch Seidelbast, Daphne. - - =Botanisches.= Die zu den Thymeläazeen gehörige Gattung Daphne kommt - in 2 Arten vor. 1. +Daphne Mezereum+, Seidelbast, Kellerhals, ist - ein in schattigen, feuchten Wäldern vereinzelt wild wachsender, - vielfach auch in Gärten als Zierpflanze kultivierter, über 1 m hoher - Strauch, welcher im Frühjahr blüht, bevor er noch Blätter getrieben - hat. Die Blüten sind rosenrot, wohlriechend, leicht abfallend und - sitzen zu dreien gebüschelt in den Achsen der vorjährigen Blätter. - Letztere sind krautartig, lanzettlich. Im August und September - entwickeln sich die scharlachroten Beeren. 2. +Daphne Laureola+, die - Lorbeerdaphne, wächst in Süddeutschland, auf den oberbayerischen und - österreichischen Alpen, sowie in Böhmen. Die Pflanze zeigt gelbgrüne, - krautartige Blüten, lederartige, wintergrüne Blätter, sowie schwarze - Beeren. - - Hauptbestandteil beider Daphnearten ist das =Mezerein=, das +Anhydrid - der Mezereinsäure+ (Mezereumharz). Ausserdem findet sich in der Rinde - das ungiftige Glykosid Daphnin von der Formel C_{15}H_{16}O_{9} + - 2 H_{2}O, welches mit dem Aeskulin isomer ist und zu Zucker und - Daphnetin zerfällt. In den Beeren ist ausserdem Kokkogninsäure - enthalten. Auch Daphne Gnidium enthält Mezerein. Ein ähnliches - scharfes Harz findet sich in Thapsia garganica (Südeuropa). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Anhydrid der Mezereinsäure, -welches sowohl in der Rinde, als auch in der Blüte, in den Blättern -und Beeren des Daphnestrauches vorkommt, ist ein gelbbraunes Harz von -stark +entzündungserregender+ Wirkung (Acre pustulans). Nicht bloss auf -Schleimhäuten, sondern auch auf der Haut entsteht unter der Einwirkung -des Mezereinsäureanhydrids und der genannten Pflanzenteile Schwellung, -Rötung, Entzündung, Blasen-, Pustel- und Geschwürsbildung. Nach der -innerlichen Aufnahme der Pflanze entsteht das Bild einer +schweren -Magendarmentzündung+ und +Stomatitis+, welche sich in +Speicheln+, -+Schlingbeschwerden+, +Erbrechen+, +Kolik+, +starkem Durchfall+, -+Strangurie+, sowie grosser +Mattigkeit+ und +Schwäche+ äussert. Bei -der Sektion findet man Schwellung, Entzündung und Geschwürsbildung auf -der Schleimhaut der Maulhöhle, des Magens und Darmes. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in -Verbindung mit Opium. - -Die tödliche Dosis der gepulverten Daphnerinde beträgt für Pferde 30 g -(+Wrigt+), Hunde starben bei unterbundenem Schlund auf 12 g der Rinde -nach 13 Stunden (+Orfila+). Vergiftungen mit den Blättern von Daphne -Laureola sind in England beobachtet worden, wo dieselben als Wurmmittel -angewandt wurden. Nach +Rose+ (The veterinary Record, Bd. 6) erkrankten -hiebei 5 Pferde unter den Erscheinungen von Stomatitis, Kolik, starkem -Durchfall, grossem Durst, grosser Schwäche, kleinem, beschleunigtem -Puls und beschleunigtem Atmen; 3 davon starben im Verlauf von 5 Tagen. - - -Vergiftung durch Rhododendron, Alpenrose. - - =Botanisches.= Die zu den Erikazeen gehörige Gattung Rhododendron - wird in verschiedenen Arten teils in wildem, teils in kultiviertem - Zustande die Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren. - 1. +Rhododendron hirsutum+, auf den Schweizer Alpen vorkommend, - ist ein kleiner immergrüner Strauch mit elliptischen oder - länglichlanzettlichen Blättern, sowie purpurroten oder rosenroten, - trichterförmigen, in einer Doldentraube stehenden Korollen. 2. - +Rhododendron ferrugineum+, ebenfalls eine Alpenpflanze, besitzt - purpurne, trichterförmige Korollen, die Blätter sind am Rande kahl - und unterseits dicht drüsig schuppig. 3. +Rhododendron maximum+, in - Nordamerika einheimisch, bei uns als Zierpflanze kultiviert, wird - bis 8 m hoch, hat länglich spitze Blätter, sowie purpurrote violette - Blütenkorollen, welche innen gelb punktiert sind. 5. +Rhododendron - ponticum+, aus Kleinasien stammend, in Gärten kultiviert. 5. - +Rhododendron chrysanthum+, die sibirische Schneerose, mit widerlich - riechenden und scharf schmeckenden Blättern. - - Die Rhododendronarten enthalten das =Andromedotoxin= als Giftstoff. - Ausserdem findet sich in ihnen wie in allen Erikazeen Arbutin, - Erikolin, Urson, Tannin, Gallussäure, Harz und ätherisches Oel. -- - Von Pflanzen, welche ebenfalls Andromedotoxin enthalten, sind zu - nennen die verschiedenen +Andromedaarten+ (A. polyfolia, japonica, - Moriana etc.), ferner Azalea indica, Kassandra-, Kalmia-, Monotropa- - und Pierisarten. - - -=Krankheitsbild.= Das Andromedotoxin ist ein scharfer, -+akonitinähnlich+ wirkender Stoff, welcher auf +Haut+ und -+Schleimhäuten+ +Entzündung+ hervorruft und auf das Zentralnervensystem -+betäubend+ und +lähmend+ einwirkt. Die Vergiftungserscheinungen -bestehen daher in +Speicheln+, +Würgen+, +Erbrechen+, +Kolik+, -+blutigem Durchfall+, +Erregungserscheinungen+, +Betäubung+ und -+Lähmung+. Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der -Gastroenteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender Mittel. - -Die tierärztliche +Literatur+ enthält einige Fälle von -Rhododendronvergiftung. +Piepenbrock+ (Preuss. Mitteil. 1877) -berichtet, dass von 2 Ziegen, welche in einem Blumengarten Zweige der -Alpenrose mit Begierde gefressen hatten, die eine nach Ablauf einer -Stunde heftiges Würgen und Erbrechen, starkes Geifern aus dem Maule, -Zähneknirschen, sowie Schweissausbruch über den ganzen Körper zeigte -und bei Berührung des Körpers schmerzhaftes Blöken äusserte; am Tage -darauf lag sie gelähmt, langausgestreckt im Stalle. Die zweite Ziege -stand betäubt, die Stirn gegen die Wand gestemmt; der Mist war hart, -der Kotabsatz verzögert und mit schmerzhaftem Blöken verbunden, im Kote -fanden sich blutige Striemen, der Puls war unfühlbar. Am 3. bezw. 5. -Tage trat bei beiden Tieren Besserung und am 8. Tag Genesung ein. Nach -+Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) krepierten von 100 jungen Schafen, -welche einen Rhododendronstrauch abgefressen hatten, mehrere, ausserdem -mussten 27 wegen schwerer Erkrankung geschlachtet werden. +Claussen+ -(Schleswig-Holst. Mitt. für Tierärzte 1896) sah bei 3 Ziegen -Erbrechen, Appetitlosigkeit und Erregungserscheinungen. +Marston+ -(The Veterinarian) beobachtete bei 2 Rindern starken Speichelfluss, -öfteres Erbrechen sowie Erregung bei Annäherung von Personen. +Wilson+ -(ibid. 1897) fand bei einer Ziege Traurigkeit, schwankenden Gang, -anhaltendes Speicheln, Verstopfung sowie krampfhafte Kontraktionen der -Bauchmuskeln mit Würg- und Brechbewegungen. Einen weiteren Fall von -Rhododendronvergiftung hat +Salembier+ (Bullet. Belg. 1886) beschrieben. - - -Vergiftung durch Oenanthe crocata, Rebendolde. - - =Botanisches.= Die zu den Umbelliferen gehörige, mit dem Schierling - nahverwandte +gelbsaftige Rebendolde+, +Oenanthe crocata+, ist ein - in Südeuropa, Frankreich, England und Belgien auf Sumpfwiesen und - an Wassergräben wild wachsendes Unkraut mit knollenförmiger Wurzel, - welche einen gelben, sehr giftigen Milchsaft enthält. Der giftige - Körper dieses Milchsaftes ist das Oenanthin, ein bräunliches Harz, - welches auch in der bei uns einheimischen röhrenförmigen Rebendolde, - +Oenanthe fistulosa+, enthalten ist, einer auf sumpfigen Wiesen und - in Wassergräben wachsenden, bis ¼ m hohen, im Juni und Juli blühenden - Umbellifere mit rübenförmiger Wurzel (früher als volkstümliches - Diuretikum angewandt). - - -=Krankheitsbild.= Das Oenanthin ist ein Harz, welches örtlich +stark -reizende+, +entzündungserregende+ Wirkung hat. Ausserdem ist es ein -+Krampfgift+ nach Art des Zikutoxins. Kaninchen zeigen nach Dosen -von 0,02 g krampfhafte Streckbewegungen der Vorderbeine, Lauf- und -Schwimmbewegungen, allgemeine klonische Krämpfe und sterben nach -30 Minuten unter Stillstand der Atmung (+Pohl+, Arch. für exper. -Pathol. 1894). Die Krankheitserscheinungen bestehen daher vorwiegend -in +Stomatitis+, +Kolik+, +Durchfall+, +Krämpfen+ und +allgemeiner -Lähmung+. Bei der Sektion findet man entzündliche Veränderungen der -Magendarmschleimhaut. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger und exzitierender Mittel. - -Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren nach dem Genusse der -ausgegrabenen Wurzeln. (Die grüne Pflanze soll nicht giftig sein.) -+Gaignard+ (Recueil 1895) sah bei Pferden und Rindern nach der -Aufnahme der Wurzeln Speicheln, Schwindel, Niederstürzen, Brüllen, -grosse Unruhe und Schweissausbruch, elektrische Muskelstösse, -epileptiforme Krämpfe, Verkrümmung des Halses und Rückens, tetanisehe -Härte der Muskeln und schliesslich Lähmung. Nach den Beobachtungen -von +Bellancy+ (Repertorium 1856) starb eine Kuh nach der Aufnahme -von 650 g der Wurzel von Oenanthe crocata schon nach Verfluss einer -Stunde. 400 g der Wurzel hatten Krämpfe, Atmungsnot, Anästhesie und -allgemeine Lähmung bei einer andern Kuh zur Folge. Ein Pferd starb -nach dem Genusse von 850 g der Wurzel schon innerhalb 25 Stunden unter -Krämpfen und Kolikerscheinungen. +Jouquan+ (Recueil 1885) beobachtete -bei einer Kuh ½ Stunde nach der Aufnahme der ausgegrabenen Wurzeln -heftige Kolik, starkes Brüllen, sowie unregelmässige Bewegungen der -Gliedmassen. +Hoare+ (The vet. journ. 1888) beschreibt eine Vergiftung -bei 8 Kühen, welche die Wurzeln und das Kraut der giftigen Rebendolde -gefressen hatten; 2 derselben starben. +Macadam+ (ibid. 1897) sah bei -Kühen wässerigen Durchfall, Gliederzittern und Lähmung; die Sektion -ergab entzündliche Schwellung der Magenschleimhaut. +Graham-Gillam+ -beobachtete bei 4 Schafen eine Entzündung des Labmagens, Duodenums und -Kolons. - - -Vergiftung durch Schöllkraut, Chelidonium. - - =Botanisches.= Das +Schöllkraut+, +Chelidonium majus+ (Maikraut, - Goldwurz, Gilbkraut, Augenkraut, Gottesgabe) ist eine überall in - Europa einheimische, perennierende, bis 1 m hohe Papaverazee, welche - in allen Teilen einen orangegelben Milchsaft enthält. Das starke, - rotbraune Rhizom sendet mehrere aufrechte, stumpfkantige, knotig - gegliederte, leicht zerbrechliche, weissliche, weich behaarte Stengel - aus. Die Blätter sind oben lichtgrün, unten blaugrün, zottig behaart, - leierförmig; die 4blätterigen Blüten sind gelb und in gestielten - Dolden angeordnet. Die schotenförmige Kapsel ist bis 5 cm lang, - 4 cm breit und enthält braune, schief eiförmige Samen. Die ganze - Pflanze ist durch einen widerlich scharfen Geruch, sowie durch einen - scharfen, brennenden, bitteren Geschmack ausgezeichnet. - - Der zu 25 Prozent im Schöllkraut enthaltene Milchsaft, welcher bei - heissem trockenem Wetter am giftigsten ist, enthält 2 Alkaloide. - 1. Das =Chelerythrin=, ein ausserordentlich giftiges, besonders in - den Wurzeln und in den unreifen Früchten enthaltenes Alkaloid von - der Formel C_{19}H_{17}NO_{4}, welches warzenförmige Kristalle von - brennendem, scharfem, bitterem Geschmack bildet, sich mit Säuren - sofort rot färbt und mit Säuren Salze bildet. 2. Das viel weniger - giftige +Chelidonin+ von der Formel C_{20}H_{19}NO_{5}, ein rein - weisses, geruchloses, bitter und kratzend schmeckendes Pulver. - Ausserdem enthält der Milchsaft Chelidonsäure, Chelidoninsäure, - Chelidoxanthin (Farbstoff), Zitronensäure und Aepfelsäure. - - -=Wirkung.= Das Chelerythrin besitzt eine +entzündungserregende+ -lokale Wirkung auf Haut und Schleimhäute und erzeugt daher bei -innerlicher Aufnahme +Erbrechen+, +Kolik+ und +starken Durchfall+. -Ausserdem besitzt es eine +harntreibende+, sowie eine teils erregende, -teils +lähmende+ Wirkung auf das Zentralnervensystem, welche sich -in Zuckungen, Sinken der Reflexerregbarkeit, Anästhesie, sowie in -Lähmung der Skelettmuskeln, des Herzens und des Atmungszentrums -äussert. Das Chelidonin besitzt eine morphinähnliche Wirkung. -Klinische Vergiftungen sind bei den Haustieren nur ganz vereinzelt zur -Beobachtung gelangt, da die Tiere die Pflanze wegen ihres scharfen, -brennenden Geschmackes meiden. +Schmidtke+ beobachtete bei einer -Ziege, die ausschliesslich Schöllkraut als Wildfutter einige Tage -hindurch erhalten hatte, Durchfall und Taumeln; die Sektion ergab das -Vorhandensein von Gastroenteritis. Experimentelle Untersuchungen haben -ergeben, dass Pferde und Rinder das Schöllkraut in Gaben bis zu ½ kg -gut ertragen, indem sie nur eine Vermehrung der Harnsekretion zeigen -(+Hertwig+). +Orfila+ sah bei einem Versuchshunde nach dem Eingeben -eines wässerigen Extraktes der Pflanze Erbrechen, Lähmung, Anästhesie, -Amaurose, Taubheit; in eine Wunde gebracht, hatte das Extrakt starke -entzündliche Schwellung, allgemeine Anästhesie, sowie den Tod zur -Folge. Das Schöllkraut wurde früher in der Tierheilkunde als Purgans, -Cholagogum und Diuretikum angewandt und wird neuerdings wieder in der -Menschenheilkunde benützt. - - -Vergiftung durch Aron, Arum maculatum. - - =Botanisches.= Der +Aron+, +Arum maculatum+ (Aronstab, Zehrwurz, - Fieberwurz, Zahnwurz, Fresswurz), findet sich in feuchten Laubwäldern - Mittel- und Südeuropas. Das Rhizom ist rundlich oval, fleischig, - kartoffelgross, sehr stärkemehlreich. Der Schaft trägt einen von - einer grossen Spatha umschlossenen, terminalen Kolben. Die Blätter - (2-3) sind spiessförmig oder pfeilförmig, lang gestielt und braun - gefleckt. Die Beeren sind rot. Der Aron enthält das =Aronin=, ein - angeblich mit dem Saponin identisches Alkaloid (nach andern ein - Alkaloid +Aroin+ bezw. ein Glykosid +Arin+). Aehnliche Stoffe - finden sich auch in den übrigen Aroideen: +Calla palustris+, - +Dieffenbachia+, +Caladium+ u. a., namentlich auch in den als - Topfpflanzen gezogenen Kallaarten. - - -=Wirkung.= Das Aronin besitzt, wie das Saponin, eine stark -+entzündungserregende+ Wirkung auf +Wunden+, +Haut+ und +Schleimhäute+. -Ein Vergiftungsfall beim Pferd ist von +Mergel+ (Russ. Archiv für -Veterinärmedizin 1884) beschrieben. Eine 8jährige Stute, welche -vor 3 Tagen einen Hufschlag in die Hüfte erhalten hatte, bekam an -dieser Stelle Befeuchtungen mit einem Infus der frischen Blätter -von Arum maculatum. Durch die Bewegungen des Schweifes wurde die -Flüssigkeit auch auf das Mittelfleisch und den After übertragen. -Die Vergiftungserscheinungen bestanden in starker Anschwellung des -Afters, der Vulva, des Euters und der Wundränder. Daneben beobachtete -man Zittern über den ganzen Körper, Stehen mit gespreizten Beinen -und gestrecktem Hals, beschleunigte Atmung, pochenden Herzschlag, -sowie starke Injektion der sichtbaren Schleimhäute. Am dritten Tag -trat der Tod des Pferdes ein. Kontrollversuche an Ratten, Mäusen und -Fröschen ergaben bei diesen Versuchstieren nach dem Einbringen des -Arons in Wunden ebenfalls eine tödliche, unter den Erscheinungen einer -Depression des Nervensystems verlaufende Vergiftung. - - -Vergiftung durch Schwalbenwurzel, Asklepias vincetoxicum. - - =Botanisches.= Die +Schwalbenwurzel+ (Hundswürger), +Asklepias - vincetoxicum+ (Cynanchum vincetoxicum), ist eine bis einen halben - Meter hohe Asklepiadee mit aufrechtem Stengel, herzförmigen - Blättern und weissen Doldenblüten. Sie enthält das giftige Glykosid - =Asklepiadin=, eine schwach gelbliche, amorphe, in Wasser leicht - lösliche Masse von grosser Zersetzlichkeit, welche in Zucker, - +Asklepin+ und Asklepion zerfällt. - - -=Wirkung.= Das Asklepiadin ist ein +Nierengift+, welches infolge -von Nierenreizung +Polyurie+ und +Nephritis+, sowie infolge von -Blasenreizung +Harndrang+ und +Cystitis+ erzeugt. In einem von +E. -Veith+ mitgeteilten Fall (Mitteilungen österr. Veterinäre 1844) -erkrankte eine Schafherde nach dem Genuss der Schwalbenwurzel unter -den Erscheinungen der Harnruhr. Mehrere Wochen und Monate hindurch -wurde beobachtet, dass Schafe hinter der Herde zurückblieben, hinten -breitbeinig gingen, sich häufig zum Harnen anstellten, öfters unter -Schmerzen einen klaren, wasserhellen Harn absetzten und bei Druck in -der Lendengegend grosse Schmerzhaftigkeit äusserten. Später träufelte -der Harn fortwährend unwillkürlich ab, die Tiere wurden sehr matt -und schwach, zeigten Schwindel und Taumeln und starben nach wochen- -und monatelanger Dauer der Krankheit. Bei der Sektion zeigten sich -die Nieren entzündlich verändert, die Schleimhaut der Blase wulstig -verdickt und von Hämorrhagien durchsetzt, die Harnleiter waren -ebenfalls verdickt. Fütterungsversuche, wobei täglich 30-90 g des -frischen Krautes gesunden Schafen verabreicht wurden, ergaben, dass -schon nach 3 Tagen häufiger Drang zum Harnabsatz und nach 8 Tagen das -obenbeschriebene Krankheitsbild zu konstatieren war. - -Eine +Behandlung+ der Vergiftung würde in der Verabreichung -von Laxantien, sowie in einer symptomatischen Behandlung der -Nierenentzündung bestehen (Tannin, Kali chloricum). - - -Vergiftung durch Stephanskörner, Delphinium Staphisagria. - - =Botanisches.= Das +Stephanskraut+, +Delphinium Staphisagria+ - (Läusekraut, scharfer Rittersporn) ist eine südeuropäische - Ranunkulazee mit blauen, traubenförmigen Blüten und bauchigen, - zottigen Samenkapseln, welche erbsengrosse, kantige Samen, - die sogenannten +Stephanskörner+ oder +Läusekörner+, Semina - Staphisagriae, einschliessen. Diese Stephanskörner wurden früher in - der Tierheilkunde äusserlich gegen Ungeziefer, sowie innerlich gegen - verschiedene Krankheiten angewandt. Sie enthalten 4 Alkaloide: das - =Delphinin=, +Staphisagrin+, +Delphinoidin+ und +Delphisin+. Diese - Alkaloide sind wahrscheinlich auch in geringer Menge in Delphinium - consolida, dem Feldrittersporn, einem auf Aeckern häufigen Unkraut - mit dunkelvioletten, einfach gespornten Blüten und schwarzbraunen, - kantigen, scharf und bitter schmeckenden Samen enthalten. In Amerika - sollen ferner Vergiftungen durch Delphinium bicolor und glaucum - vorkommen. - - -=Wirkung.= Das Delphinin besitzt eine +akonitinähnliche+ Wirkung, -indem es +spinale Krämpfe+ mit späterer +Lähmung+, Unempfindlichkeit, -Herzstillstand, sowie Asphyxie erzeugt; lokal wirkt es stark -+reizend+ auf +Haut+ und +Schleimhäute+. Hunde und Katzen starben -auf 0,01-0,03 Delphinin, nachdem sie +Speicheln+, +Würgen+, -+Erbrechen+, +Kolikerscheinungen+, +Abnahme+ der +Reflexerregbarkeit -und Sensibilität+, +Streckkrämpfe+, +sowie Lähmung des Herzens und -der Atmung+ gezeigt hatten. Das Staphisagrin hat eine koniin- und -kurareartige Wirkung (Delphocurarin); es tötet Hunde in Dosen von -0,2-0,3. Die gepulverten Samen töten Hunde in Dosen von 30 g vom Magen, -in Dosen von 8 g von der Haut aus; bei der ersteren Applikation findet -man bei der Sektion eine Entzündung der Magenschleimhaut (+Orfila+). - -Klinische Vergiftungen durch Stephanskörner sind, nachdem das Mittel -therapeutisch fast gar nicht mehr verwendet wird, sehr selten geworden. -In einem Fall beobachtete +Beier+ (Landwirtschaftliche Zeitung 1845) -bei 6 Pferden, welchen gegen Druse je 60 g Stephanskörner eingegeben -wurden, sehr heftige Kolikerscheinungen, Schweissausbruch, Betäubung -und Empfindungslosigkeit, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Die -Behandlung der Vergiftung würde in der Verabreichung von schleimigen, -einhüllenden Mitteln, Tannin, Opium, sowie von Exzitantien bestehen. - - -Vergiftung durch Taumelkerbel, Chaerophyllum temulum. - - =Botanisches.= Der +Kerbel+ oder +Taumelkerbel+, +Chaerophyllum - temulum+ (betäubender Kälberkropf) ist eine bis meterhohe, weiss - blühende Doldenpflanze (Umbellifere), welche einen dünnen, rauh - behaarten und dunkelrot gefleckten Stengel, doppelt gefiederte - Blätter, sowie schnabellose Früchte besitzt. Der Taumelkerbel enthält - das giftige =Chaerophyllin=. - - -=Wirkung.= Das Chaerophyllin ist ein +Acre-Narcoticum+. Es erzeugt -+Reizung der Magendarmschleimhaut+, +Betäubung+, +Taumeln+, -+Pupillenerweiterung+ und +allgemeine Lähmung+. Die tierärztliche -Literatur enthält 2 Fälle von Vergiftung bei Rindern und Schweinen. -Nach +Frey+ (Schweizer Archiv 1845) erkrankten 3 Kühe nach der Aufnahme -von Kraut und Wurzeln des Taumelkerbels unter den Erscheinungen der -Appetitlosigkeit, Schmerzhaftigkeit des Hinterleibs, Auftreibung des -Bauches, Injektion der Schleimhäute, Pupillenerweiterung, Benommenheit -des Sensoriums, Umstülpung des Afters, sowie Entleerung von Schleim -unter starkem, schmerzhaftem Drängen. Bei der Sektion fand man starke -Entzündung des Labmagens, sowie Rötung der Schleimhaut des Psalters -und Dünndarmes. +Kohli+ (Der Tierarzt 1862) beobachtete bei Schweinen -Pupillenerweiterung, sowie Lähmungserscheinungen, welche in der -Nachhand begannen; 3 derselben starben innerhalb 24 Stunden, ein -viertes innerhalb 36 Stunden. Die Sektion ergab das Vorhandensein einer -Gastroenteritis. - - -Vergiftung durch Steinklee, Melilotus officinalis. - - =Botanisches.= Der +Steinklee+, +Melilotus officinalis+ ist - eine bis meterhohe Papilionazee mit aufsteigendem Stengel, - fiedrigen, 3zähligen Blättern, vielblütigen, gestielten Trauben - und querfaltigen, 1samigen Hülsen. In der Schmetterlingsblüte sind - Fahne und Flügel gleich lang, sowie beide länger als das Schiffchen. - Der Steinklee enthält das =Kumarin=, ausserdem Melilotol, Harz und - ätherisches Oel. - - -=Wirkung.= Nach den Beobachtungen von +Carrey+ und +Collas+ (Journal de -Lyon 1888) sind die +Samen+ des Steinklees giftig. Der Giftstoff selbst -ist nicht genauer bekannt, seine Wirkung ist eine +lähmende+. Pferde, -welche täglich 2-3 Liter Steinkleesamen erhalten hatten, zeigten -eine eigentümliche Erkrankung, welche in der Hauptsache in einer -Lähmung der Rumpfmuskulatur bestand, während die Bewegungsfähigkeit -am Kopf erhalten war. Sonstige Krankheitserscheinungen waren nicht -wahrzunehmen. Die Tiere starben nach Ablauf von 10-12 Tagen; bei der -Sektion wurde ausser starker Lungenhyperämie sowie Schwellung der Leber -nichts Besonderes gefunden. Auch Lämmer und Rinder sollen erkrankt sein. - - =Kumarinvergiftung.= Das Kumarin gehört seiner chemischen Natur nach - zu den ätherischen Oelen. Es ist eine Kampferart mit Säurecharakter - von der Formel C_{9}H_{6}O_{2}, welche deshalb wohl auch als - Kumarinsäure oder Tonkabohnenkampfer bezeichnet wird. Man findet es - nämlich hauptsächlich in den +Tonkabohnen+, den Früchten von Dipterix - odorata, welche 1-1½ Proz. Kumarin enthalten. Daneben kommt es in - kleineren Mengen vor im +Ruchgras+ oder wohlriechenden Wiesengras - (Anthoxanthum odoratum), im +Waldmeister+ (Asperula odorata), im - +Steinklee+ (Melilotus officinalis), sowie in verschiedenen anderen - Pflanzen (Myroxylon toluiferum, Orchis fusca, Angraecum fragrans, - Liatris odoratissima). Ausserdem kann das Kumarin synthetisch aus der - Salizylsäure dargestellt werden. Aus den genannten Pflanzen wird es - durch Extraktion mit Alkohol und Aether gewonnen. Es bildet farblose, - säulenartige oder blättchenförmige Kristalle von dem gewürzhaften - Geruch des Waldmeisters und scharfem, bitterem, brennendem - Geschmacke. Die Löslichkeit in Wasser ist gering (1 : 500), dagegen - löst es sich leicht in Alkohol, Aether, fetten und ätherischen - Oelen. Beim Schmelzen mit Aetzkali zerfällt es in Salizylsäure und - Essigsäure. - - Die +Toxikologie+ des Kumarins ist zuerst von +Köhler+ (Zentralblatt - für die medizinischen Wissenschaften 1875) untersucht worden. Die - an Fröschen, Kaninchen, Hunden und Katzen angestellten Experimente - zeigten, dass das Kumarin für diese Tiere ein +lähmendes Gehirn-+ - und +Herzgift+ ist. Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen waren: - Betäubung, Anästhesierung und Herabsetzung der Reflexerregbarkeit - (Katzen taumelten wie betrunken umher, zeigten hochgradige - Muskelschwäche und blieben schliesslich gelähmt und bewegungslos - am Boden liegen), Lähmung des Herzens und zwar sowohl der - Vagusendigungen als auch der intrakardialen Hemmungszentren und des - Herzmuskels selbst, mit gleichzeitiger Erweiterung der peripheren - Gefässe und Sinken des Blutdrucks, Sinken der Körpertemperatur und - Herabsetzung der Erregbarkeit des Atmungszentrums. - - Meine eigenen Versuche mit Kumarin bei +Pflanzenfressern+ (Rindern, - Pferden, Schafen und Ziegen) haben ein von obigen Versuchen - abweichendes Resultat ergeben (Monatshefte für prakt. Tierheilkde. - 1890). Dasselbe ist folgendes: Das Kumarin tötet Pferde in Dosen von - 50 g, Schafe in solchen von 5 g. 25 g Kumarin sind für Pferde und - Rinder eine indifferente Dosis. +Das Kumarin ist für Pflanzenfresser - mithin kein starkes Gift.+ Bei allen Versuchstieren äussert sich - die Wirkung des in Substanz verabreichten Kumarins zuerst in einer - +entzündlichen Reizung der Magendarmschleimhaut+. Das in die Blutbahn - aufgenommene Kumarin wirkt in erster Linie als +Herzgift+, in - zweiter Linie als Atmungsgift. +Eine narkotische oder hypnotische - Wirkung des Kumarins wurde niemals konstatiert.+ Das Sensorium aller - Versuchstiere blieb vielmehr bis zum tödlichen Ende relativ frei. - Auch eine lähmende Einwirkung auf die Körpermuskulatur oder auf das - Rückenmark liess sich nicht feststellen. Die am Ende der Vergiftung - auftretende allgemeine Schwäche war vielmehr lediglich die Folge - der zunehmenden Herzschwäche. Der tödliche Ausgang wird durch die - lähmende Wirkung auf das Herz verursacht (Lungenödem). In einem Fall - erzeugte das Kumarin Ikterus und Nephritis, in allen anderen Fällen - fehlten diese Erscheinungen. Eine konstante Nebenerscheinung bildeten - endlich der Kumaringeruch der ausgeatmeten Luft, der Nasenausfluss - und die höhere Rötung der sichtbaren Kopfschleimhäute. - - Die vorstehenden Kumarinversuche wurden von mir speziell zur Lösung - der Frage unternommen, +ob die nach der Aufnahme von+ =frischem - Heu= +mitunter beobachteten eigentümlichen Krankheitsfälle als - Kumarinvergiftung aufzufassen sind+? - - Den kasuistischen Mitteilungen über angebliche Kumarinvergiftungen - bei Pferden ist folgendes zu entnehmen. In der Zeitschrift für - Veterinärkunde (1891, S. 457) teilt Rossarzt +Mierswa+ mit, dass - auf dem Schiessplatz zu Hammerstein das fast ausschliesslich aus - Ruchgras bestehende Heu abgemäht, gut getrocknet und, ehe es anfing - zu schwitzen, teils allein, teils mit anderem Heu vermischt an die - Pferde der reitenden Abteilung des Artillerieregiments Prinz August - verfüttert wurde. Nachdem diese Fütterung einige Zeit fortgesetzt - war, stellten sich bei einigen Pferden +leichte Kolikerscheinungen+ - ein. Andere Pferde zeigten +grosse Eingenommenheit des Kopfes+, - standen teilnahmslos im Stall, stützten den Kopf auf die Krippe, - hatten beim Vorführen einen +schwankenden Gang+ und zeigten rauhes, - aufgebürstetes Haar. Sobald die Verfütterung des betreffenden - Heus eingestellt wurde, verloren sich die bei vielen Pferden - konstatierbaren krankhaften Symptome. Der Beobachter hat daraus - den Schluss gezogen, dass in dem Ruchgras ein betäubender Stoff, - wahrscheinlich das Kumarin, enthalten sei, dessen Wirkung für - gewöhnlich nicht zur Geltung komme, weil das Ruchgras neben andern - Gräsern im Heu sich in der Minderheit befinde, dass er aber bei - ausschliesslicher Verfütterung des Ruchgrases schädliche Wirkungen - auf das Nervensystem zur Folge habe. - - Ueber einen zweiten ähnlichen Fall wird im Pferdefreund (1888, - Nr. 26) berichtet. 30 Pferde des Zirkus Lorch erkrankten im Juli - 1888 in Luzern plötzlich in der Nacht unter höchst eigentümlichen - Krankheitserscheinungen, welche sich in +unregelmässigem Herzschlag+, - starker +Rötung der Augen+, sowie in hohem +Fieber+ äusserten. Der - behandelnde Tierarzt stellte die Diagnose auf Intoxikation durch - ein „Herzgift“. 9 Pferde starben; die Sektion ergab einen durchaus - negativen Befund. Das Trinkwasser, die Bodenbeschaffenheit, der - verabreichte Hafer wurde als vollständig normal erfunden. Deshalb - wurde als Krankheitsursache die Verfütterung von jungem Heu - angenommen, eine Voraussetzung, welche durch Fütterungsversuche bei - Anatomiepferden bestätigt wurde. - - +Von diesen Fällen stimmt nur die zweite Beobachtung in - mehreren Punkten mit dem von mir erzeugten Krankheitsbilde der - Kumarinvergiftung überein.+ Hier wie dort liegt eine spezifische - Wirkung auf das Herz vor, in beiden Fällen wurden Rötung der - Kopfschleimhäute und Fieber als Begleiterscheinungen der Vergiftung - konstatiert. Es fragt sich nur, +ob in frischem Heu so viel Kumarin - enthalten ist, dass die Aufnahme desselben zu einer Kumarinvergiftung - führen kann+. Zwar liegen keine chemischen Analysen bezüglich des - Kumaringehaltes von frischem Heu vor. Ich möchte aber vom rein - theoretischen Standpunkte aus bezweifeln, dass das frische Heu - tatsächlich so viel Kumarin enthält, dass eine Kumarinvergiftung - zustande kommen kann. Denn wenn man eine starke Tagesration Heu - für ein Pferd zu 5 kg rechnet, so müsste das Heu 1 Proz. Kumarin - enthalten, um in 5 kg einen Gesamtgehalt von 50 g Kumarin, d. h. - die tödliche Dosis zu besitzen. Ein derartig starker, 1prozentiger - Kumaringehalt kommt allerdings der Tonkabohne zu. Vergleicht man aber - den Kumaringeruch der Tonkabohne mit demjenigen des frischen Heus, - so ist derselbe bei ersterer ungleich stärker, als bei letzterem. - Hauptsächlich aus diesem Grunde komme ich trotz der unzweifelhaften - Aehnlichkeit gewisser Krankheitsfälle zu dem Schlusse, +dass bei der - geringen Giftigkeit des Kumarins und bei dem geringen Kumaringehalt - des Heus eine Kumarinvergiftung nach Aufnahme von Heu wahrscheinlich - ist+. - - -Vergiftung durch Flachsseide, Cuscuta europaea. - - =Botanisches.= Die +Flachsseide+, +Cuscuta europaea+ (Konvolvulazee), - ist ein chlorophylloser, links windender, fadenförmiger - Stengelschmarotzer, welcher als Unkraut auf Hopfen, Klee usw. - parasitiert. Ueber die wirksamen Bestandteile der Pflanze ist - mit Sicherheit nichts bekannt. Da sie früher als Abführmittel - angewandt wurde und zu den Konvolvulazeen gehört, ist es nicht - unwahrscheinlich, dass der giftige Stoff der Pflanze das auch in der - Jalapenwurzel enthaltene Konvolvulin ist. - - -=Krankheitsbild.= Eine Vergiftung durch Flachsseide ist bei Schweinen -von +Glocke+ (Preuss. Mitt. 1872) beschrieben worden. 5 Ferkel im -Alter von 3-5 Monaten hatten Klee gefressen, welcher stark mit -Flachsseide überwuchert war. Die Tiere lagen auf der Seite, unvermögend -aufzustehen, machten Laufbewegungen mit den Beinen, der Kopf wurde -ruckweise nach dem Rücken und nach der Seite verzogen. Bei der Sektion -fand man die Schleimhaut des Kolons stark geschwollen, stellenweise -von streifigen Blutungen durchsetzt und mit gallertartigem Schleime -bedeckt. Das Ergebnis der Sektion in Verbindung mit den während des -Lebens beobachteten Krankheitserscheinungen weist darauf hin, dass die -Flachsseide einen +scharfnarkotischen+ Giftstoff enthält. - - -Vergiftung durch Orant, Antirrhinum majus. - - =Botanisches.= Der +Orant+ (Löwenmaul) kommt in 2 Formen vor: 1. - +Antirrhinum majus+, aus dem südlichen Europa stammend und 2. - +Antirrhinum Oronthium+, eine bei uns einheimische Skrofulariazee. Er - ist charakterisiert durch seine schöne purpurne oder weisse Blüte mit - 2lippiger Korolle, welche am Grunde der Röhre bauchig ist und deren - Unterlippe den Schlund vollständig schliesst. - - -=Krankheitsbild.= Der früher als Arzneimittel verwendete Orant -enthält einen nicht näher bekannten giftigen Stoff von +betäubender+, -+lähmender+ Wirkung. Vergiftungen bei Pferden sind von +Popow+ -(Russischer Veterinärbote 1884) beschrieben worden. Die Pflanze, -welche auf den Getreidefeldern russischer Gouvernements (Tombow, -Pensa, Woronesch) wächst, wird dort im trockenen Zustand von den -Pferden gern gefressen. Werden grössere Mengen derselben aufgenommen, -so zeigen die Tiere das Bild einer Narkose: Schwanken, Betäubung, -Abstumpfung des Gefühls, Bewusstlosigkeit, Schweissausbruch, sowie -sehr angestrengte Atmung. Das aus der Pflanze ausgepresste Oel -erzeugt nach experimenteller Untersuchung ebenfalls allgemeine -Lähmungserscheinungen. Die Behandlung der Vergiftung besteht in der -Verabreichung von Aloe und Kampfer. - - -Terpentinölvergiftung. - - =Allgemeines.= Das in verschiedenen Abietineen (Pinus abies, - Pinaster, Larix, decidua, australis, Taeda) enthaltene Terpentinöl - ist ein ätherisches Oel von der Formel C_{10}H_{16}. Vergiftungen - ereignen sich zuweilen durch die Verabreichung zu grosser - Terpentinöldosen oder durch die Inhalation zu konzentrierter - Terpentinöldämpfe. Ausserdem kommen sie zustande durch die Aufnahme - von Fichtensprossen. Die früher als Terpentinölvergiftung aufgefasste - und auf das Fressen von jungen Fichtensprossen zurückgeführte sog. - enzootische Magendarmentzündung oder Waldkrankheit des Rindes dürfte - übrigens nach den neueren Untersuchungen über Piroplasmose in der - Hauptsache keine Vergiftung, sondern eine Infektionskrankheit - darstellen (seuchenhafte Hämoglobinurie, durch Zecken vermittelt und - durch Piroplasma bigeminum verursacht). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Terpentinöl besitzt -örtlich auf +Haut+ und +Schleimhäute+ eine stark +reizende+, -+entzündungserregende+ Wirkung. Wird es innerlich in grösserer Menge -aufgenommen, so erzeugt es eine unter den Erscheinungen von +Kolik+ -verlaufende +Gastroenteritis+, ausserdem die Erscheinungen einer -+Stomatitis+, +Pharyngitis+ und +Laryngitis+. Bei der Ausscheidung -durch die Nieren wirkt es ebenfalls reizend und veranlasst daher eine -mit +Hämaturie+ verlaufende +hämorrhagische Nephritis+. Im übrigen -sind, wie experimentelle Versuche gelehrt haben, +einmalige+ grössere -Terpentinöldosen verhältnismässig wenig giftig. So ertragen Pferde und -Rinder einmalige Dosen von 250-500 g; dagegen erzeugten 500-1000 g -Terpentinöl bei Pferden Kolik, Durchfall und Hämaturie. Hunde starben -nach 8-30 g Terpentinöl an Gastroenteritis (+Hertwig+). - -Neben der reizenden Einwirkung auf die Schleimhaut des -Digestionsapparates und auf die Nieren besitzt das Terpentinöl -auch eine spezifische Einwirkung auf das +Nervensystem+, indem -es dasselbe zuerst erregt und dann lähmt. Die Erscheinungen der -Terpentinölvergiftung nach dieser Richtung bestehen zunächst in -+hochgesteigerter Reflexerregbarkeit+, Zittern, Krämpfen, Herzklopfen, -Pulsbeschleunigung, Atmungsbeschwerden. So beobachtete +Grinzer+ -(Russisches Archiv für Veterinärmedizin 1886) bei einem Pferd nach -einer zu starken Terpentinölinhalation eine 2 Tage andauernde -hochgesteigerte Reflexerregbarkeit, Muskelzittern, anhaltenden -Husten, Herzklopfen, starke Injektion der sichtbaren Schleimhäute, -Zuckungen im Musculus Tensor fasciae latae und selbst Trismus. Auf -die Erregung folgt die +Lähmung+ der +Zentralapparate+. Die Tiere -zeigen Eingenommenheit des Sensoriums, Schwindel, Taumeln, Betäubung, -Sinken des Blutdrucks und der Herztätigkeit, sowie der Respiration, -Verlangsamung und Lähmung der Atmung und zuletzt allgemeine Lähmung. - -Bei der +Sektion+ findet man neben dem charakteristischen -Terpentinölgeruch die Erscheinungen der Gastroenteritis und -hämorrhagischen Nephritis. Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; -sie besteht in der Anwendung einhüllender, schleimiger und -exzitierender Mittel. - - =Kasuistik.= +Jansen+ (Preuss. Mitt. 1867) sah bei einem Pferd nach - der reichlichen Aufnahme von Fichtensprossen die Erscheinungen der - Stomatitis, Pharyngitis, Laryngitis und Gastroenteritis (Kolik). - +Green+ (The Veterinarian 1896) sah bei einem Fohlen nach dem - Eingeben von Terpentinspiritus profusen Schweissausbruch, Harndrängen - und Schmerzhaftigkeit der linken Niere bei rektaler Palpation. Nach - +Bermbach+ (Preuss. Vet.-Ber. 1900) verlammten zwölf Schafe nach der - Verfütterung von Tannen- und Fichtenzweigen, die im Herbst frische - Triebe angesetzt hatten. - - -Vergiftung durch Sadebaum, Juniperus Sabina. - - =Botanisches.= Der +Sadebaum+ oder +Sevenbaum+, +Juniperus Sabina+, - ist eine in Südeuropa, namentlich im Unterholz der Voralpenregion - wild wachsende, bei uns in Parkanlagen und Gärten kultivierte - Konifere, welche teils in Strauch-, teils in Baumform vorkommt. Der - Sadebaum ist charakterisiert durch immergrüne, zypressenähnliche - Zweige (Summitates Sabinae) von unangenehmen Geruch, welche - dicht besetzt sind mit meist glatt anliegenden, dachziegelartig - angeordneten, rautenförmigen, bläulichgrünen, kleinsten (2-5 mm - grossen) Blättchen; die Zweige tragen zur Zeit der Reife rundliche, - blau bereifte Beeren. Der wirksame Bestandteil des Sabinakrautes ist - das =ätherische Sabinaöl= von der Formel C_{10}H_{16}, ausserdem das - =Sabinol=, ein zu den Säureanhydriden gehöriger, sehr giftiger Stoff. - - Auch der +gemeine Wacholder+, +Juniperus communis+, welcher - das ätherische Wacholderöl, Oleum Juniperi, enthält, sowie der - +virginische Wacholder+, +Juniperus virginiana+, dessen ätherisches - Oel aus Zedernkampfer und Zedren besteht, kann zu Vergiftungen - Veranlassung geben. - - -=Wirkung.= Das ätherische Oel des Sabinakrautes wirkt ähnlich, aber -stärker als Terpentinöl +entzündungserregend+ auf +Schleimhäute+ und -+Nieren+; ausserdem besitzt es eine spezifische +tetanische+ Einwirkung -auf den +Uterus+ (Abortivum beim Menschen). Das +Sabinol+ ist angeblich -ein +Blutgift+ (Hämoglobinämie). Die Sadebaumspitzen sind namentlich -für die Wiederkäuer (Rinder und Schafe) und Hunde ein stark reizendes -Gift. Nach +Hertwig+ sterben Hunde auf 15-22 g Sadebaumspitzen an -Magendarmentzündung, wenn durch Unterbindung des Schlundes das -Erbrechen verhindert wird; dagegen ertragen Pferde Dosen von 120-360 g -und darüber längere Zeit hindurch ohne Schaden. Die Einwirkung auf den -+Uterus+ ist nach einigen keine direkte, spezifische, sondern eine rein -sekundäre, indem bei grösseren Dosen von Sabinakraut eine Hyperämie und -Entzündung aller Beckenorgane, also auch des Uterus mit nachfolgendem -Abortus eintreten soll. Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen -der Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis. - -Klinische Beobachtungen über Sabinavergiftung bei den Haustieren -finden sich in der tierärztlichen Literatur eigentümlicherweise nicht. -Dagegen hat +Cagnat+ (Repertorium 1860) nach der Aufnahme des gemeinen -Wacholders vereinzelt bei Ziegen Durchfall und tödliche Vergiftung -beobachtet. - - -Kampfervergiftung. - - =Allgemeines.= Der im +Kampferbaum+, +Cinnamomum Camphora+ (China, - Japan) enthaltene Kampfer stellt ein festes ätherisches Oel von - der Formel C_{10}H_{16}O dar, welches in verschiedenen Formen und - zwar sowohl in reinem Zustande als in Lösungen (Kampferspiritus, - Kampferöl, Kampferlinimente etc.) therapeutisch verwendet wird. - Vergiftungen ereignen sich nach der innerlichen Anwendung zu grosser - Dosen. Eine solche Kampfervergiftung nach der Einverleibung von - Kampferspiritus hat +Schwanefeldt+ (Berliner Archiv 1885) und +von - Ow+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1889) beim Rind beobachtet und beschrieben. - - -=Wirkung.= Der Kampfer wirkt ähnlich wie das Terpentinöl reizend und -+entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des +Magens+ und +Darmes+. -Er erzeugt daher in grossen innerlichen Gaben die Erscheinungen -der +Gastroenteritis+. So hat +Schwanefeldt+ beim Rind nach dem -Eingeben von Kampferspiritus eine kruppöse Darmentzündung beobachtet. -Neben dieser lokal reizenden Wirkung besitzt der Kampfer eine -+erregende+ Wirkung auf das +Nervensystem+. Dabei scheint der Kampfer -eigentümlicherweise subkutan in Form von Kampferöl viel weniger giftig -zu wirken, als per os. +Ich habe bei sehr vielen brustseuchekranken -Pferden das Kampferöl+ (1 : 4) +in Einzeldosen von+ 50 bis 150 g -(= 12-40 g +Kampfer+) +und in Tagesdosen von+ 100 bis 250 g (= 25-60 -g +Kampfer+) +subkutan ohne jede Vergiftungserscheinung subkutan -angewandt+. Giftiger scheint der Kampfer bei innerlicher Verabreichung -zu wirken. Versuche von +Hertwig+ haben in dieser Beziehung folgendes -ergeben: +Kleine+ Gaben per os (4-8,0 bei Pferden und Rindern; -2-4,0 bei Schafen; 0,5-2,0 bei Hunden) hatten höhere Rötung der -Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und Konjunktiva, kräftigeren, um -1-8 Schläge beschleunigten Puls, etwas hellere Rötung und schnellere -Gerinnung des Aderlassblutes, sowie Kampfergeruch der ausgeatmeten Luft -zur Folge. +Grössere+ Gaben per os (15-30,0 bei Pferden und Rindern; -4-6,0 bei Schafen; 2-4,0 bei Hunden) erzeugten dieselben Erscheinungen, -nur im höheren Grade, ausserdem leichte +Zuckungen+ der Lippen, der -Muskeln des Hinterkiefers und Halses, sowie der oberflächlichen Muskeln -der Hinterschenkel. Die Zuckungen wiederholten sich in ungleichen -Zwischenräumen und traten etwas später ein, als die Veränderungen des -Pulses. Die Empfindlichkeit war erhöht, die Atmung schneller, der Puls -zuletzt kleiner; die ausgeatmete Luft roch sehr stark nach Kampfer. -Sehr grosse Gaben per os (60-120,0 bei Pferden und Rindern; 8-15,0 -bei Schafen; 4-12,0 bei Hunden) erzeugten zunächst eine allgemeine -erregende Wirkung auf das Herz, den Puls, die Atmung, die Schleimhäute. -Dann kamen aber bald plötzlich eintretende +Konvulsionen+ mit -Erschütterung des ganzen Körpers, den Wirkungen +elektrischer Schläge+ -vergleichbar, +starrkrampfähnliche Kontraktionen+ der Streckmuskeln -des Halses (Orthotonus), sowie +Kaukrämpfe+. Gleichzeitig war die -+Empfindlichkeit sehr erhöht+; das geringste Geräusch löste die -Krampfanfälle aus. Manche Tiere stürzten während der Krämpfe zusammen -wie bei +Epilepsie+, indem sie am Boden mit den Beinen strampelten. Das -+Bewusstsein+ war +frei+. Die Dauer der Krämpfe betrug 4-12 Stunden. -Zuweilen wurden auch +Kolikerscheinungen+, +Harndrang+, sowie häufiges -Ausschachten ohne zu urinieren beobachtet. +Tödliche Dosen+ (dieselben -betrugen beim Pferd per os 60-180,0, beim Hund ab 8,0, beim Schaf -ab 15,0; die einzelnen Tiere zeigten indessen starke individuelle -Verschiedenheiten) erzeugten nach den Krämpfen +Lähmung+ des -+Hinterteils+ (bei Hunden und Schafen), +Verlust+ des +Sehvermögens+, -des +Gehörs+, +Gefühls+ und schliesslich auch des +Bewusstseins+, -starke +Betäubung+ und unter apoplektiformen Erscheinungen den Tod. -Bei der +Sektion+ war ein starker Kampfergeruch in allen Organen, -Entzündung der Magendarmschleimhaut, insbesondere im Dickdarm, höhere -Rötung der Blasenschleimhaut, ferner starke Hyperämie der Hirnhäute, -des Grosshirns und Rückenmarks, sowie des Kleinhirns, Hirnknotens und -verlängerten Marks zu konstatieren. - -Der +Nachweis+ einer Kampfervergiftung ist leicht schon durch den -Geruch zu führen. Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung -einhüllender, schleimiger Mittel, sowie von Beruhigungsmitteln. - - =Koffein.= Um die Giftwirkung des vielfach als Arzneimittel - angewandten Koffeins kennen zu lernen, habe ich bei +Pferden+, - +Rindern+, +Hunden+, +Ziegen+ und +Schweinen+ Versuche angestellt - (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. 1892). Das Resultat war folgendes: - +Das Koffein ist für die Haustiere ein verhältnismässig wenig - giftiges Arzneimittel.+ Für Pferd und Rind wirken erst 100 g, für - Ziege und Schwein 10 g, für Hunde 5 g tödlich. Die +tödliche Dosis+ - pro kg Körpergewicht beträgt beim Pferd 0,2, beim Rind, bei der Ziege - und beim Schwein 0,3, beim Hund 0,5. Die +Vergiftungserscheinungen+ - bestehen im wesentlichen in Reizung und später Lähmung des +Herzens+ - und der +Atmung+, in Steigerung der +Körpertemperatur+ (im Maximum - um 2,2°), in Reizungserscheinungen im Gebiet des +Digestions-+ und - +Harnapparates+ (Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harndrang), - sowie in +tetanischen+ Krämpfen. Danach ist das Koffein ein Herz- und - Atmungsgift, eine Akre für die Digestionsschleimhaut, ausserdem ein - Tetanikum. An der Injektionsstelle äussert das Koffein eine reizende, - entzündungserregende Wirkung. Subkutan wirkt das Koffein wesentlich - stärker als per os. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als - Pferde. Der Tod tritt bei tödlichen Koffeindosen durchschnittlich - nach 3 Stunden ein. Das Fleisch von Tieren, welche mit Koffein - vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann - also bei Rindern, welche nach vorausgegangener Koffeinbehandlung - notgeschlachtet werden, der Genuss des Fleisches, ohne Besorgnis - wegen des Koffeins, zugegeben werden, wenn der sonstige Zustand des - Tieres dies nicht verbietet. - - -Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen. - - =Botanisches.= Eine Reihe von Pflanzen aus der Familie der Kruziferen - wirkt durch den Gehalt an +Senföl+ oder ähnlichen ätherisch-öligen - Stoffen giftig, wenn grössere Mengen davon aufgenommen werden. - Dieselben sind: - - 1. +Brassica nigra+ (Sinapis nigra), der +schwarze Senf+, die - Stammpflanze der offizinellen Senfsamen (Semen Sinapis). Die - namentlich in Russland, Südfrankreich und Griechenland angebaute - Pflanze unterscheidet sich von den übrigen Brassikaarten dadurch, - dass alle ihre Blätter gestielt und die Schoten samt den Stielen - an die Blütenspindel angedrückt sind. Die Senfsamen enthalten das - +Sinigrin+ oder myronsaure Kali, ein Glykosid, aus welchem durch die - Einwirkung des Myrosins, eines ebenfalls in den Samen enthaltenen - Fermentes, das Allyl-Senföl oder Sulfozyanallyl von der Formel - C_{3}H_{5}CNS abgespalten wird. Auch der Sareptasenf, +Brassica - juncea+, enthält Sinigrin, während der in Deutschland angebaute - weisse Senf, +Sinapis alba+ (Semen Erucae), das +Sinalbin+ enthält, - welches unter der Einwirkung des Myrosins als scharfen Stoff das - Paraoxybenzyl-Senföl von der Formel C_{7}H_{7}OCNS liefert. In - grösseren Gaben wirkt auch das enzymartige Myrosin giftig. -- Das - Allylaldehyd (Akrolein) von der Formel C_{3}H_{4}O wirkt ebenfalls - stark reizend auf die Schleimhäute. - - 2. +Brassica Rapa+, +Raps+ und +Brassica Napus+, +Rübsen+, enthalten - das Krotonyl-Senföl, das sich namentlich in den +Rapskuchen+ bei - genügender Durchfeuchtung bildet. Der Raps ist charakterisiert durch - grasgrüne, unbereifte, haarige Blätter und kleine goldgelbe Blüten. - - 3. +Sinapis arvensis+, der +Ackersenf+ (fälschlich Hederich benannt), - ist ein verbreitetes Unkraut auf Aeckern mit etwa ½ m hohen Stengel, - eiförmigen, buchtig gezähnten, unten leierförmigen Blättern, gelber, - vierblätteriger Blumenkrone und stielrunden, perlschnurförmigen - Schoten. - - 4. +Raphanus Rhaphanistrum+ (Lampsana), der +Hederich+ oder - +Ackerrettig+, besitzt einen ½ m hohen, rauhen, astigen Stengel, - grosse, blassgelbe oder weisse, violett geaderte Blüten, oben - lanzettliche, unten leierförmige Blätter, sowie rosenkranzartig - eingeschnürte Schoten, welche bei der Reife in 3- bis 12samige Stücke - zerfallen. - - 5. +Cochlearia Armoracia+, der +Meerrettig+ (Pfefferwurzel), kommt in - ganz Europa an feuchten Plätzen wild vor und wird in Gärten und auf - Feldern (Bamberg, Nürnberg) kultiviert. Er besitzt eine zylindrische, - bis 6 cm dicke, oft 1 m tief senkrecht in den Boden hinabsteigende - Wurzel, einen meterhohen, ästigen Stengel, grosse, oblonge, - langgestielte, am Rand gekerbte, grundständige Blätter, sowie - fiederspaltige Stengelblätter. Er enthält ein mit dem Allyl-Senföl - fast identisches ätherisches Oel. - - 6. +Erysimum vulgare+, der +Wegsenf+ (gelbes Eisenkraut), ist - eine einjährige, aufrechte, flaumige Pflanze mit gelben, kleinen - Blüten, schrotsägeartigen, fiederteiligen Blättern und runden, - pfriemenartigen, flaumigen Schoten, welche 5-6mal länger als der - gleich dicke Stiel sind. - - 7. +Erysimum cheiranthoides+, der +lackartige Schotendotter+ - (fälschlich Hederich genannt), ist ein etwa ½ m hohes Unkraut auf - Aeckern mit dottergelber Blumenkrone, länglichen, lanzettförmigen - Blättern und linealen, scharfen, vierkantigen, fast kahlen Schoten. - - 8. +Erysimum crepidifolium+, die +Gänsesterbe+, eine gelbblühende, - in manchen Gegenden (Wettin, am salzigen See, auf Kalkboden etc.) - massenhaft vorkommende Kruzifere, soll ein namentlich für Gänse sehr - giftiges Alkaloid enthalten und Massensterben von Gänsen verursachen. - - 9. +Arabis tartarica+, die +Gänsekresse+, findet sich zuweilen im - Grünfutter. -- +Nasturtium officinale+, die +Brunnenkresse+, enthält - kein schwefelhaltiges Oel, sondern C_{9}H_{10}N. - - -=Allgemeine Wirkung des Senföls.= Das Senföl besitzt eine -+entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut des Magens und -Darmes; die Krankheitserscheinungen, welche nach der Aufnahme -obengenannter Pflanzen auftreten, sind daher im wesentlichen die -einer +Magen-Darmentzündung+: Kolik, Tympanitis, Durchfall. In -einzelnen Fällen kommt es auch im Verlauf der Vergiftung zu einer -Reizung des Nierenparenchyms, welche sich durch Hämaturie und -sonstige Erscheinungen einer +Nierenentzündung+ äussert, sowie zu -+Lebernekrose+. Die Allgemeinerscheinungen seitens des Nervensystems -bestehen in Hinfälligkeit, Mattigkeit, +Lähmungserscheinungen+, -Dyspnoe, +Herz-+ und +Atmungslähmung+. In einzelnen Fällen beobachtet -man auch Zwangsbewegungen, Vorwärtsdrängen und Krämpfe. - -Die +Behandlung+ der Senfölvergiftung besteht in der Verabreichung -schleimiger Mittel. - - -=Vergiftung durch Senfkuchen und Rapskuchen.= Vergiftungen durch reine -+Senfsamen+ sind bisher noch nicht beobachtet worden. Die Haustiere -ertragen ziemlich grosse Mengen derselben, Pferde 500 g, Rinder 700 g, -ohne zu erkranken (+Hertwig+). Auch nach der Verfütterung von reinem -+Raps+ tritt keine Senfölvergiftung ein, weil die Fermente des Pansens -und Dünndarms das dort gebildete Senföl zerstören (+Hagemann+, D. -landw. Tierzucht 1903). Dagegen sind nach Verfütterung von +Senfkuchen+ -und +Senfträbern+ kolikähnliche Zustände beim Rind konstatiert -worden (+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1869). Besonders häufig sind -Vergiftungen durch die Verfütterung von +senfölhaltigen Rapskuchen+, -welche vielfach gar nicht aus Raps oder Rübsen, sondern aus fremden, -ausländischen (+indischen+, +russischen+, +französischen+), sehr -scharfen und giftigen Senfarten und anderen Samen mit unbekannten -Giften bestehen. Nach +Stein+ (Ueber die Giftigkeit indischer -Rübkuchen, Berlin 1907) ist das im Raps und in den Rübsen enthaltene -Krotonylsenföl 5mal weniger giftig als das im schwarzen Senf enthaltene -Allylsenföl; die indischen Samen enthalten aber wahrscheinlich noch -andere Giftsubstanzen (Sareptasenf? Ptomaine?). Die fremdländischen -Rapskuchen bedingen namentlich bei jüngeren Tieren die Erscheinungen -einer Magen- und Darmentzündung, welche sich in Verstopfung, Aufblähen, -Durchfall, blutigem Kot, zuweilen selbst im Auftreten von Abortus -äussert. Daneben beobachtet man Gehirnreizungserscheinungen: Drängen, -Schieben, Drehen. +Wittrock+ (Berl. Arch. 1893 und Preuss. Vet. -Ber. 1904) sah nach der Verabreichung von Rapskuchen, der grosse -Mengen von Senföl enthielt, sämtliche Rinder eines Dominiums unter -den Erscheinungen einer Magendarmentzündung erkranken und mehrere -sterben; in einem zweiten Fall erkrankten 80 Milchkühe an Hämaturie -und Harndrang. +Nielsen+ (Dän. Monatsschr. 1897) beobachtete -nach der Verfütterung von französischen, aus indischen Senfarten -herrührenden Rapskuchen mit einem Senfölgehalt von 0,5 Proz. bei -zahlreichen Rindern Mattigkeit, sehr schnellen, oft unfühlbaren Puls -und subnormale Temperaturen; Kolik war meist nicht vorhanden. Die -Sektion ergab gelatinöse Infiltration im Bindegewebe des Pansens, -sowie hämorrhagische Entzündung der Pansenschleimhaut. Einen ähnlichen -Fall bei Rindern hat +Knudsen+ (ibid. 1901) beschrieben; die -Tiere, welche je 1½ Pfd. französischen Rapskuchen erhalten hatten, -zeigten Kolik, Atemnot, Benommenheit, Sinken der Körpertemperatur, -Appetit- und Milchmangel. Die Sektion ergab partielle Entzündung der -Pansenschleimhaut sowie dicke, gelbe, ödematöse Anschwellung der -Pansenwand. +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1902, S. 241) berichtet über -einen wahrscheinlichen Fall von Vergiftung bei Kühen durch Fütterung -grösserer Mengen von senfölhaltigem Rapskuchenmehl; die Erscheinungen -bestanden in Durchfall und Kolik; bei der Sektion wurde hochgradige -Entzündung der vier Mägen, besonders des Labmagens festgestellt. -+Emmerling+ berichtet über eine Erkrankung von 80-90 Kühen infolge -Fütterung von Rapskuchen, deren Hauptbestandteil der russische -Sareptasenf war. Die Tiere erkrankten an Kolik; die Sektion ergab -Entzündung der 4 Mägen, sowie des Dünndarms. Eigentümlicherweise war -eine Anzahl von Kühen, welche dasselbe Futter erhalten hatten, gesund -geblieben (Verschiedenheit der Rasse?). Aehnliche Vergiftungsfälle -sind ferner von +Haubner+ (Gesundheitspflege), +Anacker+ (Der Tierarzt -1870), +Stahl+ (Magazin 1873) und +Rathke+ (Preuss. Mitt. N. F. 1. -Bd.) beschrieben worden. Auch der Genuss der Rapspflanze selbst hat zu -Vergiftungen Veranlassung gegeben. Nach +Klein+ (Preuss. Mitt. 1881) -erkrankten 2 Kühe, welche blühenden Raps als Futter bekommen hatten, -unter den Erscheinungen der Aufblähung, Verstopfung, des Drängens -auf den Kot und Harn, sowie der Hämaturie. Bei der Sektion fand man -hämorrhagische Entzündung der Schleimhaut des Labmagens und Duodenums, -graugelbe brüchige Leber, sowie Ansammlung einer blutig serösen -Flüssigkeit in der Brust- und Bauchhöhle. - - =Vergiftung durch Ackersenf.= In einem von +Poncet+ (Recueil 1855) - beschriebenen Fall zeigten sich bei einem Pferd, welches längere - Zeit mit Ackersenf gefüttert wurde, Darmentzündung, Speichelfluss, - Husten, sowie eine profuse Bronchitis. In einem andern Fall zeigten - Rinder und Schafe nach der Fütterung von Rapskuchen, welcher viel - Ackersenf enthielt, Durchfall und vermehrtes Urinieren; jüngere - Lämmer starben in grösserer Anzahl (+Leistikow+, Preuss. Mitt. 1882). - Nach +Breitenreiter+ (Zeitschr. f. Vet. 1909) zeigten Kühe nach - Verfütterung von weissem Senf als Grünfutter, der bereits Schoten - angesetzt hatte, krampfartigen Husten, Kolikerscheinungen und Drängen - auf den Harn; am Tag darauf waren sie wieder gesund. - - - =Vergiftung durch Zwiebel.= Im Zwiebel und Knoblauch sind - schwefelhaltige ätherische Oele enthalten, welche mit dem Senföl - verwandt sind. Eine Zwiebelvergiftung bei Rindern hat +Goldsmith+ - beschrieben (Journ. of comp. Path. 1909). Die Tiere, welche grosse - Mengen gewöhnlicher Speisezwiebel aufgenommen hatten, zeigten die - Erscheinungen der Magendarmentzündung (Kolik, Durchfall, Verstopfung, - Erbrechen) und Nierenentzündung. Ein Rind starb. Der Harn, das - Fleisch und sämtliche Organe zeigten starken Zwiebelgeruch. - - - =Vergiftung durch Meerrettich.= Der Meerrettich wirkt wegen seines - Gehalts an einem mit dem Senföl nahe verwandten, wahrscheinlich - identischen Stoff in grösseren Mengen stark reizend auf die - Magendarmschleimhaut. Nach +Jarmer+ (Preuss. Mitt. Bd. 5) erkrankten - 10 Kühe nach der Aufnahme einer grösseren Quantität Meerrettich - unter den Erscheinungen einer sehr heftigen Kolik; vier davon - starben im Verlauf von 24 Stunden. Bei der Sektion fand man eine - sehr ausgedehnte Entzündung der Magenschleimhäute, insbesondere - zeigte die Pansenschleimhaut eine mehrere Zoll dicke, sulzige - Infiltration. Nach +Fairbank+ erkrankten 9 Rinder auf der Weide - unter Kolikerscheinungen; 2 starben; die Sektion ergab akute - Darmentzündung. In einem ähnlichen Fall wurde bei 3 Rindern eine - schwere Entzündung der Pansenschleimhaut beobachtet (Preuss. Vet. - Ber. pro 1907). - - - =Vergiftung durch Erysimum.= +Heyne+ (Preuss. Mitt. 1882) sah - bei 20 Kühen eine schwere Erkrankung. Dieselbe äusserte sich in - Appetitlosigkeit, Stöhnen, Kolikerscheinungen, starker Rötung der - Konjunktiva, sowie Hinfälligkeit; sämtliche Tiere genasen jedoch. - Nach der Aufnahme von Erysimum crepidifolium hat man massenhaftes - Sterben von +jungen Gänsen+ beobachtet; die der Geflügelcholera - ähnlichen Krankheitserscheinungen bestanden in Erbrechen, Unruhe, - Taumeln und Krämpfen (+Zopf+, +Biedenkopf+, +Grimme+, B. T. W. 1894, - S. 308; D. T. W. 1898, S. 27). - - - =Vergiftung durch Arabis tartarica.= Nach der Aufnahme grösserer - Mengen von +Arabis tartarica+ erkrankten, wie +Hertwig+ (Preuss. - Mitt. 1877) berichtet, 25 Pferde eines Gutes plötzlich. Sie zeigten - zunächst Speicheln und nach einer Stunde leichte Kolikerscheinungen; - gleichzeitig waren die Schleimhäute dunkel gerötet, der Blick - stier. Nach einigen Stunden erschienen sämtliche Pferde am ganzen - Körper, am Hals und an den Gliedmassen steif. Einige zeigten ferner - Lähmungserscheinungen, so dass sie sich nicht wieder erheben konnten. - Ein Pferd starb nach 36 Stunden, die anderen waren nach Ablauf von 14 - Tagen wieder gesund. - - -Vergiftung durch Pfeffer. - - =Allgemeines.= Der gewöhnliche +schwarze Pfeffer+, welcher von - Laien vielfach als Heilmittel bei Tieren angewandt wird, ist die - unreife, getrocknete Frucht von Piper nigrum, einer ostindischen - strauchartigen Piperazee. Der weisse Pfeffer ist die reife, ihrer - äusseren Hülle beraubte Frucht derselben Pflanze. Beide Pfefferarten - enthalten als Hauptbestandteil das Alkaloid =Piperin= von der Formel - C_{17}H_{19}NO_{3}, welches als Zersetzungsprodukt das Piperidin und - die Piperinsäure liefert, ausserdem das ätherische Pfefferöl. - - -=Wirkung.= Der Pfeffer besitzt infolge seines Gehaltes an Piperin eine -stark +reizende+, in grossen Gaben +entzündungserregende+ Einwirkung -auf die Schleimhäute. Je nach dem Ort der Applikation erzeugt er -daher +Stomatitis+, +Gastroenteritis+, +Proktitis+, +Vaginitis+, -+Laryngitis+, +Bronchitis+ und +Bronchopneumonie+. Bei Versuchstieren -entstand ausserdem Fettdegeneration und Nekrose der Leber. Die giftige -Wirkung des Pfeffers ist indessen früher vielfach überschätzt worden. -Mehrere angebliche Vergiftungen bei Schweinen sind auf eine durch -das Eingeben bedingte Fremdkörperpneumonie zurückzuführen. Nach den -Versuchen von +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) ertrugen junge -Schweine tägliche Dosen von ganzem oder feingestossenem Pfeffer -zu 1-4 g 8 Tage hintereinander, ohne Krankheitserscheinungen zu -zeigen. Jedenfalls können aber grössere Pfeffergaben eine tödliche -Magendarmentzündung zur Folge haben. So beobachtete +Ebersbach+ (Sächs. -Jahresb. 1867) bei 3 Schweinen im Alter von 7 bis 8 Monaten, welche je -einen Esslöffel gepulverten Pfeffer erhalten hatten, das Krankheitsbild -einer schweren Magendarmentzündung; bei zwei derselben, welche im -Verlauf der Vergiftung gestorben waren, wurde durch die Sektion das -Vorhandensein einer Gastroenteritis konstatiert. - -Die +Behandlung+ der Pfeffervergiftung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender, sowie schmerzlindernder Mittel (Opium). Der -+Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg. - - -Aloevergiftung. - - =Allgemeines.= Die Aloe, der eingekochte Milchsaft verschiedener - Aloearten (Aloe ferox, Africana usw.), enthält als wirksamen - Bestandteil das =Aloetin= (Aloebitter), sowie das =Emodin= - (Aloeharz). Aloevergiftungen kommen zuweilen bei Pferden nach der - Verabreichung zu grosser Aloedosen oder infolge der Missachtung - gewisser diätetischer Vorsichtsmassregeln nach der Einverleibung - gewöhnlicher therapeutischer Aloedosen vor. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftung mit Aloe verläuft -unter +Kolikerscheinungen+ mit +erschöpfendem Durchfall+ und führt -nach 2-5 Tagen unter zunehmender +Mattigkeit+ und +Schwäche+ zum -Tod. Im allgemeinen ist die tödliche Einzeldosis die doppelte bis -dreifache der purgierenden. Am häufigsten ereignen sich tödliche -Vergiftungen, wenn 2 gewöhnliche Aloedosen zu rasch hintereinander -gegeben werden, indem die Wirkung der ersteren nicht abgewartet wird. -Auf diese Weise können z. B. 40 g Aloe, wenn sie in den ersten 3 Tagen -nach der Verabreichung einer ebensolchen Dosis nachgegeben werden, bei -kräftigen Pferden unter Umständen den Tod herbeiführen. Sehr gefährlich -ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Aloe und Kalomel -(+Regenbogen+). Es kann indessen auch eine einfache Aloedose von 30 -bis 40 g bei einem Pferd unter Umständen eine tödliche Purgierwirkung -zur Folge haben, wenn das Pferd nicht, wie es Vorschrift ist, während -der Dauer der Aloewirkung im Stall verbleibt, sondern zur Arbeit -verwendet und gleichzeitig Erkältungseinflüssen ausgesetzt wird. Auch -bei drusekranken Pferden kann die Aloe schon in normaler Laxierdosis -Vergiftungserscheinungen hervorrufen (+Albrecht+). - -Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis; bei -längerer Dauer der Vergiftung können indessen Entzündungserscheinungen -auf der Magen- und Darmschleimhaut fehlen, so dass nur die Leerheit und -allgemeine Blässe des Darmes als auffallende Veränderungen angetroffen -werden. Zuweilen besitzt der Darminhalt auch den charakteristischen -Aloegeruch. Die +Behandlung+ besteht in der Anwendung schleimiger -und stopfender Mittel (Opium, Tannin, Ferrum sulfuricum, Bleizucker, -Höllenstein). - - =Kasuistik.= Aloevergiftungen bei Pferden sind von +Gerlach+ - beschrieben worden. In einem Fall wurde einem mittelgrossen, - kräftigen Arbeitspferd eine Aloepille von 40 g Aloe gegeben; als - die gewünschte Wirkung nach 40 Stunden noch nicht eingetreten war, - gab der Eigentümer des Pferdes eine zweite, ebenso starke Aloepille - nach, worauf sich anhaltendes, heftiges Laxieren einstellte, an - welchem das Pferd krepierte (Gesamtdosis: 80 g). Bei einem andern - Pferd trat der Tod auf die Verabreichung von nur 30 g Aloe am 4. Tag - ein, nachdem das Pferd trotz der Aloepille zu anstrengender Arbeit - benützt worden war und sich ausserdem durch einen Gewitterregen eine - Erkältung zugezogen hatte. -- +Rasberger+ (Woch. f. Tierheilkunde - 1891) beobachtete bei 2 Pferden, welche in einem strengen Winter - 40-50 g Aloe erhalten hatten, starken Durchfall, Kolik und schweres - Allgemeinleiden. -- Nach +Kunze+ (Sächs. Jahresber. 1891) erhielt ein - Pferd innerhalb eines Tages 3 Aloepillen von je 30 g und starb in der - folgenden Nacht. -- +Paust+ (B. T. W. 1900) hat 3mal Rindern gegen - Tympanitis innerhalb 24 Stunden 110 g, bezw. innerhalb 48 Stunden - 140 und 150 g Aloe ohne Nachteil eingegeben. Auch +Mayr+ (Woch. f. - Tierh. 1901) sah ein Pferd nach einer einmaligen Verabreichung von - 80 g Aloe (und 6 g Arsenik) am Leben bleiben; die drastische Wirkung - dauerte im ganzen 24 Stunden an. +Regenbogen+ (B. T. W. 1903) weist - auf die grosse Giftigkeit einer Mischung von Aloe und Kalomel hin - (Inkompatibilität). 42 Pferde erhielten je ½-1 Pille, welche aus 20 g - Extraktum Aloes und 3 g Kalomel bestand; sie erkrankten an heftiger - Kolik, Durchfall und Schwäche; mehrere starben an hämorrhagischer - Gastroenteritis. +Bächstädt+ (Zeitschr. f. Vet. 1904) sah einen - mittelgrossen Wallach sterben, welcher in 2 Tagen 55 g Aloe (und 2 - g Kalomel!) erhalten hatte. Nach +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1907) - erkrankte ein drusekrankes Pferd (4jähriger Wallach) nach einer - gewöhnlichen Aloepille an 3tägigem, hochgradigem Durchfall und - grosser Schwäche; er hält es daher für sehr bedenklich, einem an - Druse kranken Pferd Aloe in Laxierdosis zu verabreichen. - - In einzelnen Fällen hat man endlich beobachtet, dass die +Milch+ - von Kühen, welche mit Aloe behandelt worden waren, beim Menschen - Durchfall erzeugte. - - -Vergiftung durch Rizinuskuchen. - - =Allgemeines.= Die von Ricinus communis (Euphorbiazee) stammenden - +Rizinussamen+ sind in Afrika und Ostindien einheimisch, jedoch - durch Kultur in allen wärmeren Zonen verbreitet (baumartiges - Gewächs im Süden, krautartige Pflanze im Norden) und in sehr vielen - Varietäten im Handel (indische, türkische, italienische, ungarische, - brasilianische, Javasamen usw.). Die 1-2 cm langen eiförmigen, - gelbgrau und braun getigerten Samen enthalten in ihrem Kern das - durch Auspressen gewonnene Rizinusöl. Die Pressrückstände, welche - als „Rizinuskuchen“ bezeichnet und häufig zur Verfälschung anderer - Oelkuchen, namentlich der Erdnusskuchen und der Leinkuchen, benützt - werden, enthalten namentlich im Samenkern ein sehr giftiges Ferment, - das =Rizin=, ein weisses, amorphes, neutrales Pulver, welches sich - am besten in 10prozentiger Kochsalzlösung löst und beim Kochen seine - Wirksamkeit verliert (eiweissartiger Körper; zu den Phytalbumosen - gehörend). Ausführliche Untersuchungen über das Rizin sind von - +Kobert+ und +Stillmark+ (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu - Dorpat, 1889, Heft III), +Cornevin+ (J. de Lyon 1897, S. 25), - +Ehrlich+ (Fortschritte d. Med. 1897) und +Miessner+ (Mitt. des - Kaiser Wilhelm-Instituts in Bromberg, 1909) angestellt worden. - - Für den +botanischen+ Nachweis der Rizinussamen ist ausser ihrer oben - beschriebenen Beschaffenheit von Wichtigkeit der +mikroskopische+ - Bau der Samenschale und der darunter befindlichen dünnen Samenhaut. - Die +marmorierte Samenschale+ zeigt 5-7eckige Epidermiszellen, - welche ein Zellulosenetz einschliessen, das teils ungefärbt, teils - rotbraun gefärbt ist und in dessen Hohlräumen sich oft Farbstoff - eingelagert findet. Unter der Epidermis folgt ein Schwammparenchym - aus 4-5 Zellenschichten. Hierauf folgt eine einzelne Schicht radial - gestreckter 4-8eckiger Zellen, in der kohlensaurer Kalk abgelagert - ist (für die Euphorbiazeen charakteristische Zellschicht!). Es folgt - eine aus sehr hohen und verholzten Zellen gebildete Palisadenschicht. - Die +Samenhaut+ ist durch Zellen gekennzeichnet, deren äusserst - eckige Begrenzung auffällt; sie enthält ferner massenhafte - Kristalldrusen von oxalsaurem Kalk. - - Mitunter erweisen sich Erdnusskuchen dadurch giftig, dass bei - der Pressung zufällig giftige Rizinuspartikel in die Oelkuchen - hineingeraten. Dies geschieht namentlich dann, wenn abwechselnd zur - Verpressung der Oelsamen die gleichen Apparate und Maschinen benützt - werden, welche vorher zur Verarbeitung der Rizinussamen gedient haben. - - -=Rizinwirkung.= Die giftige Wirkung der Rizinuskuchen steht in keiner -Beziehung zu ihrem Gehalt an Rizinusöl, sondern wird ausschliesslich -durch das in den Samenschalen enthaltene ausserordentlich -giftige +Rizin+ bedingt. Das Rizin erzeugt eine +hämorrhagische -Gastroenteritis+ mit starkem +Kräfteverfall+, +Somnolenz+, -+Konvulsionen+ und +Koma+. Die Giftigkeit des Rizins besteht nach -Kobert in seiner elementaren, +Fibringerinnung+ erzeugenden Einwirkung -auf das +Blut+ aller Wirbeltierklassen, selbst auf das bereits -defibrinierte Blut. Am giftigsten ist das Rizin von der Unterhaut aus; -es übertrifft bei dieser Applikationsmethode sowohl die Blausäure -als das Strychnin an Giftigkeit. Im Magen wird es zum Teil verdaut; -der übrige Teil wird resorbiert und bedingt bereits innerhalb der -Blutgefässe der Darmschleimhaut Blutgerinnung mit nachfolgender -+Geschwürsbildung+ (Selbstverdauung). Ausser der Blutwirkung kommt -als Todesursache bei der Rizinvergiftung nach den Untersuchungen von -+Cushny+, +Müller+ und +Stepanoff+ (Arch. f. exp. Path. 1898 f.) -auch die +örtlich reizende Wirkung des Rizins auf die Schleimhaut+ -in Betracht, wenn es aus dem Blute in den Magen und Darm wieder -ausgeschieden wird (Aetzwirkung an der Ausscheidungsstelle). - -Die grosse Giftigkeit der Rizinussamen erhellt aus folgenden, -experimentell festgestellten Tatsachen. Nach +Miessner+ beträgt -die tödliche Dosis der Rizinussamen nach +einmaliger+ Fütterung -durchschnittlich - - für Pferde 30-50 g = 0,1 g pro kg Körpergewicht - „ Rinder 350-450 „ = 2 „ „ „ - „ Kälber 20 „ = 0,5 „ „ „ - „ Schafe 30 „ = 1,25 „ „ „ - „ Ziegen 105-140 „ = 5,5 „ „ „ - „ Schweine 60 „ = 1,4 „ „ „ - „ Ferkel 15-20 „ = 2,4 „ „ „ - „ Kaninchen 1,5 „ = 1 „ „ „ - „ Gänse 1 „ = 0,4 „ „ „ - „ Hühner 18 „ = 14 „ „ „ - -Bei +mehrtägiger+ Fütterung tritt eine +kumulierende+ Wirkung ein; -die Todesdosis beträgt dann nur etwa die Hälfte der bei einmaliger -Fütterung, für Pferde z. B. nur 17-37 g (0,05 bis 0,07 g pro kg). Bei -+subkutaner+ Applikation ist beim Kaninchen die Giftwirkung 500mal -stärker, als bei stomachikaler (Todesdosis = 1 mg Rizinussamen). - -Eigentümlicherweise kann man Tiere an das Rizin allmählich so -+gewöhnen+, dass sie sogar die 100fache tödliche Dosis ertragen. Diese -„+Rizinfestigkeit+“ erklärt sich nach +Ehrlich+ durch die Bildung -einer gerinnungshemmenden Substanz im Blut mit +immunisierender+ -Wirkung, des „Antirizins“. +Cornevin+ gelang es ferner, durch -2stündiges Erwärmen der Rizinussamen ihre Giftigkeit so abzuschwächen, -dass die subkutane Einspritzung der Samen den Versuchstieren (Rindern -und Schweinen) Immunität gegen das Rizin verlieh. Er empfiehlt -infolgedessen die +Schutzimpfung+ gegen das Rizin als Vorbedingung -zur Verfütterung der Rizinussamen und Rizinuskuchen, indem er seine -Erfahrungen in nachstehenden Sätzen zusammenfasst: - -1. Das 2 Stunden lang auf 100° erhitzte Rizin verwandelt sich in -einen Impfstoff, der, unter die Haut injiziert, die Tiere gegen -Rizinusvergiftung immun macht. - -2. Die Wiederkäuer sind für die Rizinuswirkung empfänglicher als -Schweine und Hühnerarten. Beim Schweine genügen 2 durch 8tägige -Intervalle getrennte Impfungen zur Erzielung einer Immunität, während -bei andern Tiergattungen deren 3 nötig sind. - -3. Die durch die Vakzination erreichte Immunität ist von Dauer; das -Fleisch der mit Rizinusölkuchen gefütterten Tiere hat keinerlei -schädliche Eigenschaften. - -4. Man kann unbeschadet den Haustieren eine gewisse Quantität -Rizinuskörner oder Rizinuskuchen unter die Futterration mischen, wenn -man sie vorher gegen das heftige Gift derselben immunisiert hat. - -Nach +Miessner+ wirkt das +Serum+ rizinimmuner Tiere präzipitierend auf -rizinhaltige Flüssigkeiten (vergl. unten). - - -=Behandlung und Nachweis.= Die +Prophylaxe+ der Rizinusvergiftung -besteht darin, dass die gepulverten Rizinussamen vor der Verfütterung -+gekocht+ oder +gedämpft+ oder mit strömendem Wasserdampf behandelt -werden, wodurch das Rizin zerstört wird. Die eigentliche +Behandlung+ -der Rizinvergiftung ist im übrigen eine symptomatische. Sie besteht in -der Verabreichung von Tannin, von schleimigen, schmerzstillenden und -exzitierenden Mitteln. - -Der +Nachweis+ der Rizinusschalen erfolgt durch Lupenuntersuchung, -sowie durch die mikroskopische Untersuchung des Mehles (vergl. S. -298). Für das Rizin selbst fehlen charakteristische Reaktionen. -Dagegen lässt sich das Rizin mit Hilfe der +Präzipitationsmethode+, -also auf biologischem Wege in den Rizinussamen bezw. in verfälschten -Futtermitteln nachweisen. Nach +Miessner+ fällt das Serum rizinimmuner -Tiere (Antirizinserum) rizinhaltige Flüssigkeiten innerhalb weniger -Minuten. Bringt man eine filtrierte 1proz. mit 10proz. Kochsalzlösung -hergestellte Aufschwemmung des verdächtigen Futtermittels nach 24 -Stunden mit 0,1 Antirizinserum zusammen, so gibt die Präzipitation -Aufschluss darüber, ob tödliche oder untertödliche Mengen von -Rizinussamen in dem Futter enthalten sind. Bei rizinusvergifteten -Tieren lässt sich die Serodiagnose nicht verwerten. Ausser durch -die Präzipitationsmethode lässt sich die Menge des Rizinussamens in -einem verdächtigen Futter durch die subkutane Injektion des Futters -bei Kaninchen nachweisen (subkutane Todesdosis der Rizinussamen nach -+Miessner+ 1 mg). Ueber den Nachweis durch +Konglutination+ vergl. S. -302. - - =Kasuistik.= Die tierärztliche Literatur enthält zahlreiche Fälle - von Vergiftungen bei Pferden und Rindern, welche durch Verfütterung - von Rizinuskuchen oder von Oelkuchen bedingt waren, die sich - als mit Rizinuspressrückständen verfälscht erwiesen (auch beim - Menschen sind nach dem Genusse der Samen zahlreiche -- über 100 -- - Vergiftungsfälle beobachtet worden). Das Krankheitsbild entspricht - den oben genannten Erscheinungen der Rizinvergiftung. So berichtet - +Renner+ (Preuss. Mitt. 1874) über eine Vergiftung bei einer - grösseren Anzahl von Rindern nach der Verfütterung von Leinsamenmehl, - welches mit Rizinuspressrückständen vermischt war, wie sich durch - Lupenunersuchung nachweisen liess. Die Tiere erkrankten unter den - Erscheinungen von Appetitlosigkeit, Durchfall, Apathie, Störungen - des Bewusstseins und Krämpfen, genasen jedoch nach 2-3 Tagen. - +Regenbogen+ (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1888) beobachtete bei - 35 Pferden eine Vergiftung durch Leinsamenmehl, welches ebenfalls - mit Rizinusschalen verfälscht war. Die Tiere zeigten vollständig - unterdrückte Futteraufnahme, Kolikerscheinungen, Durchfall, - Schwäche im Hinterteil, Unvermögen zu stehen, Eingenommenheit des - Sensoriums. Ein Pferd starb innerhalb 24 Stunden, ein anderes - später, ein drittes musste wegen Aussichtslosigkeit einer Heilung - getötet werden. Bei der Sektion fand man Entzündung den Magens - und Zwölffingerdarmes, akute diffuse Nephritis, parenchymatöse - Degeneration des Herzmuskels und Lungenödem. -- +Eisenblätter+ - (Berl. Archiv 1893) sah von drei Schweinen, denen mit dem Futter - 2 Hände voll alte Rizinuskerne vorgeschüttet worden waren, 2 nach - einigen Stunden unter den Erscheinungen von Erbrechen und Durchfall - sterben. -- +Stödter+ (Hamb. Zentr.-Zeit. 1897) beobachtete bei 2 - Pferden, welche Rizinussamen im Hamburger Hafen gefressen hatten, - Kolik, Harndrang, Durchfall, Schweissausbruch, Pupillenerweiterung - und unfühlbaren Puls; die Sektion ergab Nephritis, Myokarditis und - hämorrhagischen Milztumor. -- +Vollers+ (Berl. Arch. 1894) berichtet, - dass mehrere Pferde unter den Erscheinungen der Magendarmentzündung - und Lähmung starben, welche amerikanische Kleie mit Rizinuskörnern - gefressen hatten. -- +Nikolski+ (Pet. Arch. 1897) sah bei 4 Pferden - nach der Aufnahme von Hafer, der 5 Proz. Rizinussamen enthielt, - Zwerchfellkrämpfe, Mydriasis, Schweissausbruch, Muskelkrämpfe und - starken Durchfall. -- +Smith+ (The Vet. 1898) sah bei 63 Rindern, - welchen Rizinussamen mit Erbsen gefüttert wurden, heftigen Durchfall. - -- Nach +Bollinger+ (Deutsche Zeitschr. für Tiermed., Bd. 6) erwies - sich auch die Milch von Tieren schädlich, welche mit Leinkuchen - Rizinussamen aufgenommen hatten. -- +Bierbaum+ (Beitrag zur - Giftigkeit des Semen Ricini communis. Inaug.-Diss. Gotha 1906) hat im - Auftrag der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schleswig-Holstein - mit Unterstützung des Preuss. Landwirtschaftsministeriums Versuche - mit Rizinussamen bei verschiedenen Haustieren angestellt, welche - folgendes ergeben haben. Die tödliche Dosis der Rizinussamen für - +Kaninchen+ beträgt 0,7-1 g pro kg Körpergewicht; die Samenschalen - erwiesen sich als ungiftig. +Ziegen+ und +Schafe+ nahmen ohne - Schaden längere Zeit hindurch kleine Mengen (1-2 g) Rizinussamen - auf, desgleichen später gegebene grössere Gaben von 10-50 g - (Immunität!). Die tödliche Dosis für Schweine schwankte zwischen - 1,6-8 g Rizinussamen pro kg Körpergewicht. Durch längere Fütterung - mit allmählich ansteigenden Mengen gelang es, bei Schweinen eine hohe - Immunität zu verleihen, so dass 93 g Rizinussamen ohne Schaden auf - einmal gegeben werden konnten. Ein Pferd starb nach der Verfütterung - von 125 g Rizinussamen (tödliche Dosis = 0,4 g pro kg Körpergewicht). - Bei allmählich ansteigender Dosis ertrug ein Pferd ohne Schaden - 2400 g Rizinussamen in 1½ Monaten. Ein +Hund+ starb in 3 Tagen nach - 0,8 g Rizinussamen pro kg Körpergewicht. +Hühner+ erwiesen sich - viel widerstandsfähiger (tödliche Dosis =13 g Rizinussamen pro kg - Körpergewicht). Noch resistenter waren +Tauben+, indem sie 15 g - pro kg ohne Schaden ertrugen; +Enten+ starben dagegen bei 7 g pro - kg. +Bierbaum+ zieht aus diesen Versuchen den Schluss, dass die - Giftigkeit der Rizinussamen für Tiere überschätzt worden ist und - weist darauf hin, dass die Futterstoffe meist nur geringe Mengen - von Rizinusteilen enthalten. Er bezweifelt ferner die Richtigkeit - der Angabe von +Soxhlet+, dass zur Tötung eines Ochsen oder Pferdes - 1,5 g Rizinusölkuchenmehl genüge. Andererseits ist nach ihm nicht - ausser acht zu lassen, dass die Resistenz von Tieren derselben Art - gegenüber den Rizinussamen verschieden ist, und dass vielleicht - vorhandene krankhafte Zustände des Magendarmtraktus begünstigend - wirken. Der Nachweis von Rizinussamen in einem Futtermittel genügt - für sich allein zum Beweise der Giftigkeit desselben nicht, da die - Samen ja vorher durch geeignete Behandlung entgiftet sein können; - beweisend sind nur Fütterungsversuche. -- Prof. Dr. +Schmidt+-Hamburg - (Zeitschr. f. öffentliche Chemie 1908, S. 245) fand bei seinen - Versuchen, dass geringe Mengen von Rizinussamen unschädlich - sind. Er tritt daher dafür ein, dass minimale, ungiftige Mengen - von Rizinus in Erdnusskuchen geduldet werden sollen. Er glaubt - ferner, dass bei der Pressung der Erdnusskuchen bei 80-85° die - gleichzeitig vorhandenen Rizinussamen ihre Giftigkeit verlieren, und - dass nicht alle angeblichen Futtervergiftungen nach Verabreichung - rizinhaltiger Erdnussrückstände wirkliche Rizinusvergiftungen sind. - +Miessner+ (Ueber die Giftigkeit der Rizinussamen, Mitt. des Kaiser - Wilhelms-Institut für Landwirtschaft in Bromberg, I. Bd., 1909, - 3. Heft) hat im Auftrag des preuss. Landwirtschaftsministeriums - toxikologische Untersuchungen über Rizinussamen angestellt, deren - wesentlichste Ergebnisse bereits erwähnt sind (vergl. S. 299). - Er hat ausserdem gefunden, dass die in Deutschland verarbeiteten - Rizinussamen stets gleich giftig sind, dass ihre Giftigkeit durch - Kochsalzzusatz nicht erhöht wird, dass das Rizin durch feuchte - Erwärmung auf 100° unwirksam wird, während es durch trockene - Hitze erst bei 130° zerstört wird, so dass also zur Entgiftung - der Pressrückstände eine feuchte Erwärmung auf 100° gefordert - werden muss. Ueber 90° feucht erhitzte Rizinussamenlösungen werden - durch Antirizinserum nicht mehr präzipitiert. Da die Schale - der Rizinussamen nach den Untersuchungen von M. überhaupt kein - Rizin enthält, so genügt nach M. der mikroskopische Nachweis der - Samenschale für sich allein noch nicht, um eine Rizinvergiftung zu - begründen. Vielmehr ist der Nachweis des Samenkerns erforderlich, der - allein das Rizin enthält. „Aber auch dieser Nachweis ist nur dann - von Bedeutung, wenn wir zugleich eine für eine Erkrankung des Tieres - notwendige Menge feststellen und ermitteln, dass diese ungekocht ist, - da gekochte Rizinussamen unschädlich sind.“ - - +Miessner+ und +Rewald+ (Die Konglutination der roten Blutkörperchen - durch Rizinussamen, Zeitschr. für Immunitätsforschung, II. Bd., - 1909) haben gefunden, dass die Rizinussamen durch das in ihnen - enthaltene +Konglutinin+ die Fähigkeit besitzen, rote Blutkörperchen - zusammenzuklumpen (+Konglutination+). Dagegen konglutieren die - gebräuchlichsten Futtermittel des Handels rote Blutkörperchen nicht. - Sie bezeichnen daher die Konglutination als ein ausgezeichnetes - Mittel zum forensischen +Nachweis von Rizinussamen+ in verfälschten - Futtermitteln. Zu diesem Zwecke vermischt man im Reagenzglas 2 ccm - eines 5proz. Fitrats des Futtermittels in 0,85proz. Kochsalzlösung - mit 10 ccm einer 3proz. Blutkörperchenaufschwemmung von Tauben-, - Kaninchen- oder Hundeblut. Sind Rizinussamen in dem Futter vorhanden, - so sind die roten Blutkörperchen innerhalb 1-2 Stunden am Boden - des Reagenzglases zu einem festen Klumpen zusammengeballt, während - die darüber stehende Flüssigkeit klar ist. Durch Einstellung - der Reagenzgläser in einen Thermostaten von 37° lässt sich die - Konglutination beschleunigen. - - =Abrin.= Das in den Samen von Abrus precatorius (Jequirity, - Paternostererbsen) enthaltene Toxalbumin +Abrin+ besitzt genau - dieselbe Fibringerinnung erzeugende Wirkung auf das Blut, wie Rizin, - dem es nach +Ehrlich+ und +Calmette+ auch darin gleicht, dass man - Tiere „abrinfest“ machen kann. Abrinfeste Tiere sind aber nicht - auch rizinfest und umgekehrt. Nach +Hellin-Kobert+ tötet Abrin - Tiere vom Blute aus in Dosen von wenigen Hundertstel Milligramm pro - kg Körpergewicht; auch erzeugt es noch in homöopathischen Dosen - im Lidsack Thrombose der Gefässe mit nachfolgender Entzündung - (Jequirity-Ophthalmie). Das Serum abrinfester Tiere wirkt stark - antitoxisch. - - -Vergiftung durch Krotonöl. - - =Allgemeines.= Die +Krotonsamen+, +Grana Tiglii+, sind die 2 cm - langen und 1,5 cm breiten elliptischen Kapselfrüchte von Croton - Tiglium, einer ostindischen Eupborbiazee. Der Samenkern enthält das - stark giftige +Krotonöl+, als dessen wirksamer Bestandteil die mit - der Rizinolsäure verwandte =Krotonolsäure= bezeichnet wird. Ausserdem - enthält die blassbräunliche Samenschale das =Krotin=, ein dem Rizin - sehr ähnliches, für die Blutkörperchen sehr giftiges Ferment. - Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren durch die innerliche - Verabreichung der Samen bei falscher Dosierung oder wiederholter - Anwendung, sowie durch die innerliche und äusserliche Anwendung des - Krotonöls. Eine ausführliche toxikologische Arbeit über das Krotonöl - ist von +E. v. Hirschheydt+ (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu - Dorpat, herausgegeben von Kobert, IV, 1890), sowie von +Elfstrand+ - (Ueber giftige Eiweisse, welche Blutkörperchen verkleben. Upsala - 1897) veröffentlicht worden. - - -=Wirkung der Krotonolsäure.= Die Krotonolsäure ist im Krotonöl -ursprünglich an Glyzerin gebunden als Krotonolsäure-Triglyzerid -enthalten. Dieser Körper besitzt an und für sich keine reizende -Wirkung, er ist vielmehr ein ebenso indifferentes Fett wie andere -Triglyzeride, z. B. die der Stearinsäure, Palmitinsäure, Oleinsäure. -+Nur die freie Krotonolsäure, sowie ihre Salze (krotonolsaures Natrium -und Kalium) sind stark reizende, ätzende Stoffe.+ Eine Abspaltung -freier Krotonolsäure findet im Krotonöl unter der Einwirkung -der Luft bei längerem Stehen statt; +älteres Krotonöl ist daher -giftiger als frisch ausgepresstes+. Dieser Umstand, die verschiedene -Giftigkeit der käuflichen Krotonölpräparate, erklärt die vielfach -gemachte Beobachtung, dass das Krotonöl namentlich bei Pferden in -einer und derselben Dosis bald sehr giftig, bald nur wenig wirksam -erfunden worden ist. Im Darmkanal findet ferner eine Verseifung -des Krotonolsäure-Triglyzerids statt, indem dasselbe zu Glyzerin -und krotonolsauren Alkalien zerlegt wird. Die letzteren besitzen -eine ebenso starke ätzende Wirkung wie die freie Krotonolsäure, -auf ihre Abspaltung ist daher die drastische Wirkung des Krotonöls -zurückzuführen. +Die Verseifung des Krotonöls im Darm ist aber bei -den einzelnen Tiergattungen verschieden intensiv.+ Am raschesten -erfolgt die Verseifung, also die Bildung von ätzenden krotonolsauren -Alkalien (Kalium, Natrium) beim Pferd und Rind. +Aus diesem Grund ist -das Krotonöl für Pferde und Rinder ein viel stärkeres Gift, als für -die übrigen Haustiere.+ Am spärlichsten und langsamsten geschieht die -Verseifung beim Hund, bei welchem ausserdem noch die Möglichkeit des -Erbrechens die Gefahr einer Vergiftung vermindert. Hierdurch erklärt -sich die Tatsache, +dass Hunde auffallend grosse Gaben von Krotonöl -ohne Schaden ertragen+. Am empfindlichsten gegenüber dem Krotonöl ist -der Mensch. - - -=Wirkung des Krotins.= Das Krotin gehört wie das Rizin und Abrin zur -Gruppe der pflanzlichen +Agglutinine+, d. h. fermentartigen Substanzen, -welche die roten Blutkörperchen mancher Tiergattungen zur Verklebung -und Ausfällung bringen. Ausserdem wirkt es auf gewisse Blutarten -+hämolytisch+, d. h. die roten Blutkörperchen auflösend. Unempfindlich -(refraktär) gegen Krotin scheint nur das Hundeblut zu sein, das ein -Antiagglutinin („Antikrotin“) enthält. Die letale Dosis des Krotins -beträgt bei subkutaner Applikation für das Kaninchen 0,05-0,08 g pro kg -Körpergewicht; bei intravenöser Darreichung ist die letale Dosis weit -geringer, während man bei Einführung des Krotins per os fast 0,5 g pro -kg Körpergewicht anwenden kann, ohne den Tod des Tieres herbeizuführen, -obwohl dasselbe unter den gleichen Erscheinungen erkrankt, wie bei der -subkutanen Einführung. - - -=Krankheitsbild der Krotonölvergiftung.= Das Krotonöl ist eines der -stärksten Akria. Es erzeugt +Dermatitis+, +Stomatitis+, +Pharyngitis+, -+Gastritis+ und +Enteritis+. Nicht bloss bei +innerlicher+ -Verabreichung, sondern auch bei +äusserlicher+ Einreibung des Oeles -kann infolge Resorption desselben eine Vergiftung entstehen. So tritt -beim Pferd nach dem Einreiben von 60 Tropfen, beim Schaf von 30 -Tropfen, beim Hund von 15-20 Tropfen Purgieren ein. Die +Erscheinungen+ -der Krotonölvergiftung sind die einer +heftigen, sehr schmerzhaften -Magendarmentzündung+ mit +ruhrartigen Durchfällen+; der Tod erfolgt -unter +allgemeiner Schwäche+ und +Erschöpfung+ nach 1-3 Tagen. Bei der -Sektion findet man korrosive Gastroenteritis, zuweilen auch Stomatitis -und Pharyngitis. - -Die +tödlichen Dosen+ des Krotonöls sind bei der Verschiedenartigkeit -des Gehaltes der käuflichen Präparate an freier Krotonolsäure und -bei dem verschiedenen Verhalten der einzelnen Tiergattungen dem -Krotonöl gegenüber äusserst variabel. So gibt +Hertwig+ als zulässige -Maximaldosis des Krotonöls für das Pferd 25 Tropfen an, während -+Sommer+ (Magazin Bd. 9, S. 455) bei einem rotzkranken kräftigen Pferd -nach 20 Tropfen Krotonöl in Pillenform den Tod am 4. Tag, bei zwei -anderen Pferden nach 30 Tropfen Krotonöl den Tod am 3. Tag eintreten -sah. Nach +Hertwig+ brauchen Hunde zum Purgieren 5-10 Tropfen und -sterben selbst nach 10-20 Tropfen nicht; nach +Gerlach+ soll bei Hunden -eine Quantität, welche 3 Tropfen des Oeles übersteigt (bei Pferden -eine solche von mehr als 15 Tropfen), tödlich werden können. +Hertwig+ -hat angegeben, unter 5 Tropfen bei Hunden keine diarrhoische Wirkung -erzielt zu haben; ich selbst habe mit 4 Tropfen reinem Krotonöl bei -mittelgrossen Hunden eine starke Laxierwirkung erhalten. Nach den -Versuchen von +Mayet+ und +Hallé+ (Annales d’hygiène 1871) hatten sogar -Gaben von 1 g Krotonöl (25 Tropfen) keine bemerkenswerte Wirkung bei -Hunden, 1,2 g Krotonöl (30 Tropfen) erzeugten nur Durchfall. Dagegen -hatten bei einem andern Hund 5 Tropfen Krotonöl in Pillenform gegeben -blutiges Erbrechen, blutigen Durchfall, sowie den Tod innerhalb 24 -Stunden zur Folge. Ein weiterer Versuchshund erhielt innerhalb 45 Tagen -nicht weniger als 10 g = 250 Tropfen Krotonöl; der Tod erfolgt erst -bei der letzten Gabe von 2 g = 50 Tropfen. Bei der Sektion fand man -die Magendarmschleimhaut bis zum Dickdarm mit Ausnahme von Schwellung -einiger Peyerschen Drüsenhaufen intakt. Dagegen zeigte die Schleimhaut -des Dickdarms einen kruppösen Belag, Verdickung, schwärzliche -Verfärbung, sowie frische und ältere Ulzerationen. - -Nach dem Entwickelten lässt sich eine sichere, genaue tödliche Dosis -des Krotonöls für die einzelnen Tiergattungen nicht aufstellen. Nur -beim +Pferd+ kann nach klinischen und experimentellen Erfahrungen der -Satz aufgestellt werden, +dass eine Ueberschreitung der Dosis von 20 -Tropfen Krotonöl in der Regel eine Vergiftung mit tödlichem Ausgang -zur Folge hat+. Beim Rind können als Maximaldosis durchschnittlich -40 Tropfen bezeichnet werden. Die +Krotonkörner+, welche früher statt -des Krotonöls gegeben wurden (Pferden zu 1,5-2,5, Rindern zu 2,5-3,5, -Schafen und Schweinen zu 0,5, Hunden zu 0,1-0,4), töten Pferde in Dosen -von 4-8 g nach 10-40 Stunden, Hunde in Dosen von 0,6-1,25, wenn das -Erbrechen verhindert wird. - - -=Behandlung.= Gegen die Vergiftung mit Krotonöl oder Krotonsamen -gibt es kein spezifisches Antidot, die Behandlung ist vielmehr eine -rein symptomatische. In erster Linie sind schleimige, einhüllende, -sowie schmerzlindernde und stopfende Mittel anzuwenden. Man gibt -namentlich +Leinsamenabkochungen+ in Verbindung mit +Opiumtinktur+, -ausserdem Tannin, Eisenvitriol, Bleizucker und Argentum nitricum. Die -Schwächezustände werden mit Exzitantien behandelt; man macht subkutane -Aether-, Kampfer-, Atropin-, Koffein- oder Veratrininjektionen. - -Der +Nachweis+ der Krotonölvergiftung wird auf chemisch-physiologischem -Wege erbracht. Man extrahiert das Oel aus dem Magendarminhalt mittels -Aether oder Chloroform und prüft das eingedickte Extrakt auf eine -etwaige pustelbildende Wirkung durch Einreibung auf die Haut von -Menschen oder Tieren. - - =Vergiftung durch die Semina Ricini majoris.= Als Semina Ricini - (Cataputiae) majoris werden die Samen des amerikanischen - +Purgiernussbaumes+, Jatropha Curcas = Curcas purgans, eines zu - den Euphorbiazeen gehörigen Baumes bezeichnet. Sie enthalten ein - scharf reizendes, in seiner Wirkung dem Krotonöl ähnliches Oel, - welches den Namen Teufelsöl (+Oleum infernale+) erhalten hat und - zur Seifenfabrikation und als Brennöl dient. Ausserdem sollen sie - nach +Kobert+ eine Phytalbumose enthalten. Dadurch, dass ihre - Pressrückstände den Erdnusskuchen beigemengt werden, geben sie - Veranlassung zu Vergiftungen beim Rind und Schwein. +Wolff+ (Berl. - Arch. 1889) sah bei 40 Milchkühen als Vergiftungserscheinungen - Schlingbeschwerden, kolikähnliche Anfälle, Durchfall, Anurie und - subnormale Körpertemperatur; die Sektion ergab hämorrhagische - Entzündung im Labmagen und Dünndarm mit Ekchymosen und - Geschwürsbildung. +Leonhard+ (ibid.) sah bei 28 Läuferschweinen - Kolik, Erbrechen, Diarrhöe und unstillbaren Durst; 12 Schweine - krepierten, nachdem blutige Diarrhöe eingetreten war. - - -Vergiftung durch Robinia pseudoacacia. - - =Botanisches.= Die +falsche Akazie+ (Papilionazee) enthält - verschiedene Gifte. Der Umstand, dass die Blätter beim Pferd - Stomatitis erzeugen, weist zunächst auf einen darin enthaltenen - scharfen Stoff hin. In der Rinde fanden +Power+ und +Cambier+ - (Amerikan. pharm. Rundschau 1890) zu 1,6% ein sehr giftiges - Toxalbumin, das =Robinin=, in Form einer Phytalbumose, welche eine - +rizinähnliche Wirkung+ besitzt und nach den Versuchen von +Kobert+ - tödliche Hämorrhagien im Darmkanal erzeugt. - - -=Krankheitsbild.= Ueber Vergiftung von Pferden durch die Rinde der -Pseudoakazie hat +Zapel+ (Zeitschr. f. Vetk. 1881, S. 456) berichtet. -Die Vergiftungserscheinungen waren: Darniederliegen der Darmperistaltik -bei geringer Auftreibung, ängstlicher stierer Blick, starke Erhöhung -der Puls- und Atemfrequenz, dunkelrote Färbung der sichtbaren -Schleimhäute, Schwäche im Hinterteil bis zur vollkommenen +Lähmung+ -sich steigernd. Die Sektion ergab wässerigen Darminhalt, gerötete -Darmschleimhaut, starkes Lungenödem, dunkles, wenig geronnenes Blut. -Auch in Frankreich sind bei 6 Militärpferden tödliche Vergiftungen -beobachtet worden (Progr. milit. 1893). Als ferner im Notjahr 1893 -die Akazie als Futterersatzmittel empfohlen wurde, starben einem -französischen Landwirt 3 Kühe (Figaro, 19. VIII. 1893). +Cornevin+ -(Journal de Lyon 1893) kommt dagegen auf Grund seiner Versuche mit -Blättern, Zweigen, Blüten, Hülsen und Samen von Robinia pseudoacacia -und andern Robiniaarten zu dem Schluss, dass dieselben für Pferde, -Rinder, Schafe und Ziegen ungiftig sind (?). - - -Vergiftung durch Kreuzdornbeeren. - - =Botanisches.= Die Beeren des Kreuzdorns, Rhamnus cathartica - (Rhamnee), welche als Fructus Rhamni catharticae (Baccae spinae - cervinae) offizinell sind, bilden kugelige, glänzend schwarze, - erbsengrosse, vierknöpfige Früchte, aus denen der violettrote - +Kreuzdornsaft+, Syrupus Rhamni catharticae, dargestellt wird. - Die Beeren wie der Saft enthalten als wirksamen Bestandteil das - =Rhamnokathartin=. - - -=Wirkung.= Das Rhamnokathartin, welches in den therapeutischen -Dosen des Kreuzdornsaftes die laxierende Wirkung bedingt, wirkt in -grösseren Gaben stark +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des -+Magens+ und +Darmes+. Vergiftungen durch Kreuzdornsaft ereignen sich -zuweilen, wie ich dies in mehreren Fällen beobachten konnte, bei -Hunden, wenn denselben von ihren Eigentümern zu grosse Mengen des als -Hausmittel bekannten Saftes als Laxiermittel verabreicht werden. Sie -erkranken und sterben dann unter den Erscheinungen einer schweren -+hämorrhagischen Gastroenteritis+. Während die therapeutische Dosis -für Hunde durchschnittlich 1-2 Esslöffel beträgt, sterben nach meinen -Beobachtungen Hunde auf die Verabreichung von 5-10 Esslöffel des -Kreuzdornbeerensaftes im Verlauf von 24 Stunden. Die +Behandlung+ -besteht in der Verabreichung von einhüllenden und styptischen Mitteln, -namentlich von Opium. - - -Vergiftung durch Podophyllin. - - =Botanisches.= Das Podophyllin ist das gelbe, harzartige Extrakt - des Wurzelstocks von Podophyllum peltatum, einer nordamerikanischen - Berberidee. Es enthält als wirksame Harze das =Podophyllotoxin= und - =Pikropodophyllin=. - - -=Wirkung.= Das Podophyllotoxin und Pikropodophyllin sind sehr starke -Gifte, welche reizend und +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut -des Digestionsapparates einwirken. Das in kleinen Dosen purgierend -wirkende Podophyllin erzeugt daher schon in relativ nicht grossen Gaben -eine +tödliche hämorrhagische Gastroenteritis+. So beobachtete ich bei -einem kleinen, 0,5 kg schweren Hund nach innerlicher Verabreichung -von 0,5 Podophyllin starkes Erbrechen, blutige Diarrhöe, Sinken der -Temperatur, Kollaps und nach 10 Stunden den Tod. Auch +Wirtz+ sah -einen Hund nach 0,6 g sterben. Ein kräftiges Versuchspferd, welchem -ich 25 g Podophyllin eingab, zeigte nach 18 Stunden Laxieren und -eine sehr heftige Kolik und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab -diphtheritische Schleimhautentzündung im Kolon, Darmblutung, starken -Leberikterus, sowie parenchymatöse Entzündung der Nieren und Milz. - - -Vergiftung durch Eicheln. - - =Allgemeines.= In den Eicheln, den Samen von Quercus Robur, ist eine - grössere Menge von =Gerbsäure= (7-9 Prozent) enthalten neben Spuren - eines ätherischen Oels. Besonders giftig scheinen nach den in England - gemachten Beobachtungen die unreifen Eicheln zu sein. - - -=Krankheitsbild.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von Eicheln, -namentlich nach dem Genuss der unreifen Eicheln, hat man bei allen -Haustieren, mit Ausnahme der Schweine, eine unter den Erscheinungen -einer +schweren Magendarmentzündung+ verlaufende Vergiftung beobachtet, -welche im wesentlichen wahrscheinlich durch den Tanningehalt der -Eicheln bedingt wird. Diese Vergiftungen sind am häufigsten in England -bei Pferden, Schafen und Rindern beobachtet worden. In den leichteren -Graden der Krankheit beobachtet man lediglich +Verdauungsstörungen+. -In höheren Graden entwickelt sich jedoch eine +Magendarmentzündung+ -mit anhaltender +Verstopfung+ und späterem ruhrartigem Durchfall, -Tenesmus, Blutabgang durch den After, sowie grosse Mattigkeit. In den -höchsten Graden soll die Vergiftung zuweilen grosse Aehnlichkeit mit -+Rinderpest+ zeigen. - -Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -entzündlich verändert. In einzelnen Fällen hat man auch Exkoriationen -der Maulschleimhaut konstatiert. Die +Behandlung+ besteht in der -Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel; als chemisches -Gegengift kann die Anwendung von Leimwasser empfohlen werden. Der -+Nachweis+ kann botanisch oder chemisch (Blaufärbung von Eisenlösungen -durch das in den Eicheln enthaltene Tannin) geführt werden. - - =Kasuistik.= +Pugh+ (The Vet. 1894) hat in England, wo schon früher - ähnliche Beobachtungen gemacht wurden (ibid. 1868, 1869, 1871), - Vergiftungen durch Eicheln besonders beim Hornvieh im Herbst 1893 - beobachtet. Die ersten Zeichen waren leichte Abneigung gegen das - Futter, leichter Konjunktival- und Nasenkatarrh, allmähliches - Dunkelwerden der Fäzes und Hellwerden des Urins bei normaler - Temperatur und schwachem Puls. Später beobachtete er Widerwillen - gegen die Nahrung, rauhes Haar, gelbe schorfige Beschaffenheit - der Haut, aufgeschürzten Hinterleib, bisweilen Leibschmerzen mit - Stöhnen. Die Augen sanken in ihre Höhlen zurück, der Nasenkatarrh - wurde blutig, ebenso der Darmkatarrh. In den tödlichen Fällen wurde - die Temperatur subnormal. Kontinuierlichem Durchfall folgte Kollaps. - Die Mortalitätsziffer betrug 10%. Die anderen Tiere erholten sich - allmählich, wenn Eicheln nicht mehr gereicht wurden, dabei leicht - verdauliches Futter gegeben und symptomatische, besonders gegen den - Durchfall gerichtete Behandlung eintrat. Das Aufhören des Durchfalls - und sogar Verstopfung war prognostisch günstig. P. hebt hervor, - dass Eicheln, welche bekanntlich als Mastfutter gepriesen sind, - im frischen, wie im trockenen und gekeimten Zustand die von ihm - beobachteten Vergiftungen erzeugen können. -- +Thorburn+ (Vet. journ. - 1902) hat ebenfalls in England Vergiftungen durch Eicheln bei Rindern - gesehen; die Symptome bestanden in Verstopfung, später in wässerigem - Durchfall, Stöhnen, starker Abmagerung und hohem Fieber (40,5-41,8°). - -- Verdauungsstörungen und Verstopfung nach Verfütterung von - Eichenlaub und unreifen Eicheln hat bei Rindern +Schulz+ (Woch. f. - Tierhlkde. 1895) beobachtet. - - -Vergiftung durch Filixextrakt. - - =Allgemeines.= Das früher für ein ungiftiges Bandwurmmittel gehaltene - Filixextrakt hat sich nach neueren klinischen und experimentellen - Beobachtungen in grösseren Dosen als ein ziemlich starkes Gift - erwiesen. Die wichtigsten Bestandteile des aus dem Rhizom des - Wurmfarns durch Mazerieren mit Aether und durch Eindampfen gewonnenen - Extraktes sind die =Filixsäure= (+Filizin+), eine Säure von der - Formel C_{35}H_{40}O_{12}, welche zu 6-9 Proz. darin enthalten ist. - Nach andern Angaben soll das =Filmaron= oder +Aspidinolfilizin+ - der giftige Bestandteil sein, der sich zu Filixsäure und Aspidinol - zersetzt. Genaueres über die menschenärztliche und tierärztliche - Literatur der Filixvergiftang vergl. in meiner Abhandlung „Ueber - die Toxikologie des Filixextraktes“ (Monatshefte für praktische - Tierheilkunde 1890, I. Bd.), sowie bei +Gmeiner+, „Untersuchungen - über das Filmaron“ (D. T. W. 1907). - - -=Krankheitsbild.= Das Filixextrakt wirkt bei den Haustieren wie beim -Menschen in grösseren Dosen zunächst +entzündungserregend+ auf die -+Magendarmschleimhaut+. Nach seiner Resorption wirkt es +lähmend+ auf -+Gehirn+ und +Rückenmark+ (psychische Benommenheit, Manegebewegungen, -Amaurosis, motorische Lähmung). Endlich erzeugt es bei der Ausscheidung -der Filixsäure durch die Nieren eine +parenchymatöse Nephritis+. Das -Krankheitsbild ist nach meinen eigenen experimentellen Beobachtungen -folgendes: - -Die ersten Krankheitserscheinungen sind nach meinen Versuchen bei -Hunden und Schafen die einer +entzündlichen Reizung der Magen- -und Darmschleimhaut+: Erbrechen, Speichelfluss, Futteraufnahme -und Wiederkauen unterdrückt, vermehrter Kotabsatz, Durchfall, -Schmerzen bei der Palpation des Magens und Darmes. Nur bei perakutem -Krankheitsverlauf (Rind) fehlen gastroenteritische Symptome. Von -Allgemeinerscheinungen tritt zunächst eine +Affektion des Gehirns+ in -den Vordergrund. In der Hauptsache äussert sich dieselbe in Form einer -zunehmenden +Lähmung des Grosshirns+ unter dem Bild der +psychischen -Benommenheit+ und schwerer Depressionserscheinungen, welche -schliesslich in vollständige Apathie und Bewusstlosigkeit übergehen. -Diese zerebralen Lähmungserscheinungen kombinieren sich zeitweise -mit Erregungssymptomen, welche sich in +Zwangsbewegungen+ äussern: -Manegebewegungen, automatenhafte, pendelnde Bewegungen des Kopfes und -Halses. In einem Fall traten auch psychiche Erregungserscheinungen auf, -und zwar eröffneten dieselben das allgemeine Krankheitsbild (perakuter -Verlauf beim Rind). Im Zusammenhang mit den genannten zerebralen -Erscheinungen zeigen sich eigentümliche Vorgänge an den Augen, welche -im wesentlichen auf eine +Lähmung der Retina+ (Amaurosis) bezogen -werden müssen: Pupillenerweiterung, Blindheit, Anämie der Pupille. Aber -auch hier sind die Erscheinungen der Lähmung zuweilen mit derjenigen -der Erregung untermischt (Nystagmus, Pupillenverengerung). Die lähmende -Wirkung des Filixextraktes auf die Retina ist wenigstens in Form -einer Mydriasis meist sehr früh wahrnehmbar. Die +Herztätigkeit+ wird -durch das Filixextrakt in allen Fällen anfangs erregt, was sich in -verstärkter Herzaktion und vermehrter Pulsfrequenz äussert, später -gelähmt. Zu den augenfälligsten Symptomen des Vergiftungsbildes -gehört die +lähmende+ Wirkung auf den +Bewegungsapparat+; dieselbe -äussert sich in unsicherem, schwankendem, taumelndem Gang, allmählich -zunehmender Körperschwäche und schliesslicher allgemeiner Lähmung. -Vereinzelt war bei einem Versuchstier auch eine Monoplegie zu -beobachten. Erregungserscheinungen seitens der motorischen Sphäre -fehlten mit Ausnahme von Zähneknirschen in einem Fall gänzlich. Die -+Atmung+ endlich ist im ersten Stadium der Vergiftung +angestrengt+ -(Erregung des Atmungszentrums), im letzten Stadium geht jedoch die -Erregung in eine +Lähmung+ über und die Tiere sterben alle unter den -Erscheinungen der +Erstickung+. - -Die +Dauer+ und der +Verlauf+ der Vergiftung ist je nach der -verabreichten Dosis verschieden. Die ersten 15 g hatten bei einem -Versuchshund eine etwa 1tägige, die späteren 20 g eine 3tägige -Vergiftung zur Folge; die Wiederholung der letzteren Dosis noch während -des Andauerns der Giftwirkung tötete den Hund bereits nach 3 Stunden. -Zwei Schafe starben auf 25 resp. 50 g nach 6 resp. 36 Stunden, ein Rind -auf 100 g nach 4 Stunden. Danach scheint die kürzeste Krankheitsdauer -3-4 Stunden zu betragen. Die längste bei meinen Versuchen beobachtete -Dauer betrug 3 Tage; allem nach kann aber dieselbe auch eine wesentlich -längere sein. Endlich ist zu erwähnen, dass die ersten schweren -Vergiftungserscheinungen bei grossen Gaben schon nach Verlauf von ½-1 -Stunde auftreten. - - -=Sektionsbefund.= Die wesentlichsten Ergebnisse der Sektion sind -folgende. Zunächst ist eine +hämorrhagische Entzündung+ leichteren -Grades auf der Schleimhaut des +Magens+ (Labmagens) und des -+Dünndarms+ in Form von Schwellung, Rötung und fleckenartigen -Hämorrhagien, besonders auf der Höhe der Falten zu konstatieren. -+Gehirn+ und +Rückenmark+ zeigen die Erscheinungen des +akuten -Oedems+, +Hydrocephalus internus+ und +externus+, sowie +Hydrorachis+; -daneben habe ich in einem Fall eine erhebliche +Blutung im oberen -Längsblutleiter+ vorgefunden. Eine kleine Blutung liess sich bei -einem anderen Versuchstier zwischen Retina und Chorioidea in der -Nähe der Papille nachweisen; die Retina zeigte sich hiebei getrübt. -Die +Nieren+ bieten das Bild der +parenchymatösen Nephritis+, -welche sich makroskopisch durch graurote Verfärbung und weichere -Konsistenz, mikroskopisch durch Trübung, Aufquellung und Abstossung -des Nierenepithels, Bildung von Harnzylindern, sowie endlich durch das -Auftreten von Eiweiss im Harn (2 Proz. in einem Fall) kennzeichnet. -Vereinzelt war auch die Ausbildung einer hämorrhagischen Zystitis zu -konstatieren. Von +Allgemeinerscheinungen+ endlich sind hervorzuheben -die venöse Stauung in den inneren Organen und das Lungenödem -(suffokatorische Symptome), sowie die Schwellung der Leber und Milz. - -Das +Filmaron+ hat nach den Versuchen von +Gmeiner+ (vgl. unten) eine -ähnliche Giftwirkung wie das Filixextrakt. - - -=Behandlung.= Ist in einem Fall von Helminthiasis eine zu grosse Dosis -Filixextrakt zur Anwendung gelangt, so hat man zunächst die reizende -Wirkung desselben auf den Darm durch Eingeben +schleimiger+ Mittel -zu mildern. Im weiteren besteht die Behandlung in der Verabreichung -+exzitierender+ Mittel (subkutane Aether-, Kampfer-, Atropin-, -Koffein-, Veratrininjektionen). Zu vermeiden sind Fette und ölige -Stoffe, namentlich auch Rizinusöl, weil sie die Resorption der -Filixsäure bezw. des Filmarons erhöhen. - -Der +Nachweis+ einer Filixextraktvergiftung wird ausser dem sehr -charakteristischen klinischen Befund durch den spezifischen, ganz -intensiven +Geruch+ des Extraktes geliefert. - - =Kasuistik.= +Röder+ (Sächs. Jahresber. 1888) hat bei einem - kräftigen Mops, welchem innerhalb 3 Stunden 6 g Extractum Filicis - eingegeben wurden, Erscheinungen einer heftigen Gastroenteritis, - bedeutenden Kräfteverfall, periodische Krämpfe (Opisthotonus), starke - Pupillenerweiterung, sowie Tod nach etwa 14 Stunden; ferner bei einem - andern Mops, welcher 3 g erhalten hatte, eine ähnliche Erkrankung mit - anscheinender Blindheit, jedoch mit Ausgang in Genesung beobachtet. - Bei einem dritten Mops, welchem versuchsweise 3 g Extrakt gegeben - wurden, trat ebenfalls Gastroenteritis mit Krampfanfällen, jedoch - nach 2 Tagen wieder Genesung ein; 4 g hatten dieselben Erscheinungen, - sowie ausserdem einen 10 Stunden andauernden soporösen Zustand mit - 4tägiger Krankheitsdauer zur Folge. Dagegen blieben ein Mopsbastard - auf 6 g, ein Dachshund auf 5 g, sowie ein Jagdhund auf 10 g - Filixextrakt gesund. -- +Schlampp+ (Münch. Jahresber. 1891/92) - sah bei einem grossen Leonberger Vergiftungserscheinungen auf 4 g - Extrakt (Kollaps, Mydriasis, Netzhautblutung). -- Bezüglich der - von mir angestellten Versuche bei Hunden, Schafen und Rindern vgl. - Monatshefte für prakt. Tierheilkunde I. Bd. 1890. -- +Zimmermann+ (Z. - f. Tierh. 1904) beobachtete bei einer 4jährigen Bernhardinerhündin - nach der Verabreichung von 4 g Filixextrakt (ohne nachfolgendes - Abführmittel) eine schwere Vergiftung, die sich in Kollaps, - Pupillenerweiterung und Dyspnoe äusserte. -- +Gmeiner+ (D. T. W. - 1907) stellte bei seinen toxikologischen Versuchen mit Filmaron bei - Kaninchen, Hunden und Schafen im wesentlichen die Erscheinungen der - Filixextraktvergiftung fest: entzündliche Reizerscheinungen im Magen- - und Darmtraktus, Lähmung des Bewegungsapparates, Gehirndepression, - Erregung und Lähmung der Atmung, Amaurosis, Pupillenerweiterung, - sowie parenchymatöse Nephritis. - - -Vergiftung durch Santonin. - - =Allgemeines.= Das in den Wurmsamen, Flores Cinae, zu 2 Prozent - enthaltene Santonin von der Formel C_{15}H_{18}O_{3} ist ein bei - Hunden vielfach angewandtes Wurmmittel. Eine bei einem jungen - Leonbergerhund nach der Verabreichung von 0,06 g Santonin beobachtete - Vergiftung (Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. IV. Bd. 1893, S. 308) - veranlasste mich, die Toxikologie des Santonins bei Rindern, - Pferden, Schafen, Ziegen und Hunden experimentell zu prüfen (ibid. - S. 535). Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in - nachstehendem zusammengefasst. Vgl. im übrigen die Aehnlichkeit des - Bildes der Santoninvergiftung mit dem der Bornaschen Krankheit. - Santoninvergiftungen bei jungen Hunden sind neuerdings auch von - +Godfray+ beobachtet worden (The Vet. 1900). - - -=Wirkung des Santonins.= Die wichtigsten Erscheinungen der -Santoninvergiftung bei den Haustieren sind +epileptiforme Krämpfe+, -+Schlafsucht+, +psychische Benommenheit+, +Taumeln+, +Lähmung+, -+Sehstörungen+, +Myosis+, +gelbrote Verfärbung des Harns+, +Polyurie+, -+Strangurie+, +erhöhter Geschlechtstrieb+, Speicheln, Nasenausfluss, -leichte +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+ und +Verstopfung+, sowie -Störungen des Appetits und der Futteraufnahme. - -Die +Santoninkrämpfe+ haben den Charakter der eklamptischen -(epileptiformen) Krämpfe. Sie bestehen zunächst in blitzartigen -fibrillären Muskelzuckungen in der Umgebung des Maules, besonders an -den Maulwinkeln, an der Ober- und Unterlippe, in der Umgebung der -Nasenlöcher, im Gesicht, in der Backengegend, an den Augenlidern und -an den Ohren, sowie in rotierenden Bewegungen der Bulbi (Nervengebiet -des +Fazialis+, +Okulomotorius+, +Trochlearis+ und +Abduzens+). Hiezu -gesellen sich bei intensiverer Wirkung Kaukrämpfe (Nervengebiet des -+Trigeminus+), klonisch-tonische Krämpfe der Halsmuskeln (+Halsmark+), -der Rumpf- und Extremitätenmuskeln (+Rückenmark+), allgemeines -Muskelzittern, sowie gesteigerte Reflexerregbarkeit, welche sich in -hochgradiger Schreckhaftigkeit äussert. Das Santonin erweist sich -mithin zunächst als ein Krampfgift für die motorischen Gehirnnerven, -insbesondere für den VII., III., IV., VI. und V., sodann aber auch als -ein spinales Reizmittel. - -Das +Sensorium+ zeigt sich bei den leichten Graden der Vergiftung -intakt. In den höheren Graden sind starke psychische Depression, -ein dummkollerartiges Benehmen, sowie ausgesprochene und anhaltende -+Schlafsucht+ zu konstatieren. Namentlich beim Rind, Kalb und Pferd -ist ein 12-24stündiger ununterbrochener Schlaf, ja selbst ein -tagelang andauernder schlafsüchtiger Zustand nachzuweisen. Diese -intensive hypnotische Wirkung ist sehr bemerkenswert. Nur vereinzelt -gehen ihr starke psychische Erregungserscheinungen voraus (Brüllen, -Vorwärtsstürzen, gegen die Wand rennen beim Kalb). Die höchsten -bezw. letalen Grade der Vergiftung äussern sich in einer allgemeinen -+Lähmung+. Der lähmungsartige Zustand erinnert an das Bild der Koniin- -oder Morphinlähmung, dauert bei der tödlichen Vergiftung mehrere Tage -an und führt durch Ausbildung eines Lungenödems zum Tod. - -Sehr charakteristisch und von hervorragender diagnostischer Bedeutung -für die Santoninvergiftung ist die +Rotgelbfärbung+ des +Harns+. Der -Harn zeigt die Farbe des chromsauren Kalis bezw. einer konzentrierten -Müllerschen Flüssigkeit. Diese rotgelbe Farbe des Harns war bei allen -Versuchstieren: Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Hund in gleich intensiver -Weise vorhanden. Von diagnostischer Bedeutung ist ferner die auf -Zusatz von Laugen eintretende schöne Farbenreaktion (Uebergang des -Chromgelb in Karminrot). Die Rotfärbung des Harns ist bereits eine -Stunde nach dem Eingeben des Santonins nachzuweisen. Aus diesem Umstand -ergibt sich, dass das an sich unlösliche, und daher ungiftige Santonin -im Magendarmkanal sehr rasch in eine leicht lösliche, giftige und -resorbierbare Verbindung umgewandelt wird. - -Von den übrigen Symptomen sind noch erwähnenswert eine erhebliche -+Beeinträchtigung des Sehvermögens+, +Myosis+, die +Steigerung des -Geschlechtstriebs+ bei den männlichen sowohl, wie bei den weiblichen -Versuchstieren, geringgradige +Kolikerscheinungen+, +Verstopfung+ und -+Durchfall+, sowie als Ausdruck einer pilokarpinartigen Reizung der -Speichel- und Schleimdrüsen +Speicheln+ und +Nasenausfluss+. +Der -Sektionsbefund bei der Santoninvergiftung ist im allgemeinen negativ.+ -Mit Ausnahme parenchymatöser Veränderungen in den Nieren, in der Leber, -sowie in der Muskulatur lassen sich anatomische Veränderungen nicht -nachweisen. Am stärksten scheint das Nierenparenchym durch das Santonin -beschädigt zu werden. - - =Grad der Giftigkeit.= Bei der Wirkung des Santonins bildet einen - Hauptfaktor das Alter der Tiere in der Weise, dass Säuglinge pro - kg Körpergewicht etwa 100mal, halberwachsene Tiere etwa 2-4mal - empfindlicher gegen Santonin sind als erwachsene Tiere. Ein 10 Jahre - alter, 6 kg schwerer +Versuchshund+ zeigte nach der Verabreichung - von 10 g Santonin (= 1,7 g pro kg Körpergewicht) keine erheblichen - Störungen, während in dem von mir beobachteten Vergiftungsfall 0,06 - g Santonin ausreichten, um einen 3 kg schweren, 6 Wochen alten - Hund schwer zu vergiften. Die giftige Dosis betrug mithin 0,02 g - Santonin pro kg Körpergewicht! Das erwachsene Tier verhält sich zum - jungen wie 1,7 : 0,02, d. h. wie 85 : 1. Bei einem halberwachsenen, - 10 Monat alten +Bullenkalb+ im Gewicht von 147 kg traten nach 100 - g Santonin (0,7 pro kg Körpergewicht), bei einer erwachsenen, 6 - Jahre alten Kuh im Gewicht von 360 kg dagegen erst nach 500 bezw. - 1000 g Santonin (1,5 bezw. 3,0 pro kg Körpergewicht) schwere - Vergiftungserscheinungen auf. Kalb und Kuh verhalten sich demnach - wie 1,5 bezw. 3,0 : 0,7, also wie 2-4 : 1. Die tödliche Santonindosis - beträgt für das erwachsene Schaf 2 g pro kg Körpergewicht. Nach - meinen Versuchen starb nämlich ein 2jähriges, 27 kg schweres Schaf - auf die Verabreichung von 50 g Santonin. Dagegen blieb ein anderes - erwachsenes, 37 kg schweres Schaf nach derselben Dosis am Leben. - Im Gegensatz zu den übrigen Tieren wurden bei den Versuchsschafen - Krämpfe nicht beobachtet. - - Erwachsene Tiere in höherem Alter können sich sogar so an das - Santonin gewöhnen, dass es schwer ist, sie mit dem Mittel zu - vergiften. Die oben erwähnte Kuh erhielt zusammen 1935 g, also nahezu - 2 kg Santonin. Ich suchte sie zuerst durch 100, dann durch 250, dann - durch 500 und zuletzt durch 1000 g (1 kg) Santonin zu töten. Als sich - auch die letztgenannte Dosis nicht als ausreichend erwies, stand ich - von weiteren Versuchen ab, da sich das Tier dem Santonin gegenüber - ähnlich indolent erwies, wie beispielsweise Kühe dem Kochsalz und - Glaubersalz gegenüber. Ganz dieselbe Wahrnehmung wurde bei dem - 10jährigen kleinen Hund gemacht, bei welchem ich von der Tötung durch - Santonin ebenfalls Abstand nehmen musste, da er im ganzen 18,75 - g ohne viel Schaden ertrug und selbst auf 10 g des Mittels wenig - reagierte, und ihm diese 10 g schon ziemlich schwer wegen der relativ - grossen Menge des Pulvers beizubringen waren. Diese Angewöhnung - älterer Tiere an Santonin bildet gewissermassen ein Analogon zu der - von +Ehrlich+ nachgewiesenen künstlichen Immunität der Tiere gegen - Rizin und Abrin; man könnte nach obigen Versuchen ebenfalls von - „santoninfesten“ Tieren sprechen. - - -Vergiftung durch Adlerfarnkraut, Pteris aquilina. - - =Botanisches.= Der Adlerfarn oder Adlersaumfarn (Jesus Christuswurz), - Pteris aquilina (Polypodiazee), ist ein auf Heiden und in - lichten Wäldern vorkommendes Farnkraut mit einem unterirdischen, - federkieldicken, bis meterlangen, verzweigten Rhizom und zweizeilig - entfernt stehenden Blättern, welche mit dem Stiel bis 4 m hoch - werden. Ein schiefer Querdurchschnitt durch den Blattstiel zeigt die - Gefässbündel in Form eines JC oder Adlers (daher die Benennung). - Die Wurzel wurde früher als Anthelminthikum angewandt; das durch - Kochen entbitterte Rhizom wird auf den Kanarischen Inseln gemahlen - und zu Brot gebacken. Der Adlerfarn enthält als giftigen Bestandteil - die =Pteritannsäure=, einen mit der +Filixsäure+ wahrscheinlich - identischen Körper. - - -=Krankheitsbild.= Die Erscheinungen der Vergiftung durch -Adlerfarnkraut haben eine grosse Aehnlichkeit mit denjenigen der -Filixextraktvergiftung. Das Krankheitsbild ist ebenfalls durch -+Störungen des Bewusstseins+, +Pupillenerweiterung+, +Schwanken+ und -+Lähmungserscheinungen+ gekennzeichnet. Ein Fall ist von +Jarmer+ -(Magazin 1861) beschrieben worden. 24 Pferde wurden einige Wochen -hindurch mit Häckselstroh gefüttert, welches auf einem neubebauten -Heidelande gewachsen war und etwa ⅕ Adlerfarnkraut enthielt. Sie -zeigten Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verlust des -Gleichgewichts, Schwanken, Pupillenerweiterung, Injektion und -Gelbfärbung der Konjunktiva, verminderte Pulsfrequenz, Zusammenstürzen -und Krämpfe. 4 Pferde starben, 2 zeigten noch lange Zeit hindurch -motorische Lähmungserscheinungen, die übrigen genasen nach Verlauf von -14 Tagen. Bei der +Sektion+ der beiden gestorbenen Pferde fand man -starke Hyperämie des Gehirns und seiner Häute sowie Ansammlung von -Serum zwischen den Häuten des Kleinhirns und verlängerten Markes. - - -Vergiftung durch Rainfarnkraut, Tanacetum vulgare. - - =Botanisches.= Der Rainfarn, Tanacetum vulgare, ist eine 1-2 m hohe - Komposite mit goldgelben Blüten von unangenehmem Geruch und Geschmack - (altes Wurmmittel). Sie enthält das =ätherische Rainfarnöl=, nach - andern das +Tanazeton+ oder +Thujon+. Nach den Untersuchungen von - +Peyraud+ ist das ätherische Tanazetumöl ein starkes Krampfgift für - die höheren Tiere, indem es wutähnliche Erscheinungen hervorruft. - Diese sog. „Tanazetumwut“ äussert sich in Krämpfen der Rückenmuskeln - sowie der Muskulatur des Schlundkopfes und Kehlkopfes, verbunden mit - psychischer Erregung. - - -=Krankheitsbild.= Eine Vergiftung bei 5 Rindern ist von +Wessel+, -+Wilster+ u. +Bugge+ (B. T. W. 1907) beobachtet worden. Die -Erscheinungen bestanden in +Taumeln+, +Kaukrämpfen+ (Schaum vor -dem Mund, Kaubewegungen), starker +Benommenheit+ des +Sensoriums+ -(dummkollerartigem Benehmen), +Nystagmus+, Pupillenverengerung und -+Erblindung+; 3 Rinder starben. - - -Lupinenvergiftung, Lupinose. - - =Botanisches.= Die zu der Familie der Papilionaceen (Abteilung - Genisteae) gehörende Gattung +Lupinus+ wird als Futterpflanze - besonders in Norddeutschland in verschiedenen Arten kultiviert. - Die wichtigsten derselben sind: 1. +Lupinus luteus+, eine dicht - weichhaarige Pflanze mit goldgelben, wohlriechenden, festsitzenden - Blüten, neunzähligen Blättern und zottig rauhen Hülsen mit je 2-5 - nierenförmigen, schwarz- und weiss-gefleckten Samen. 2. +Lupinus - albus+, eine weichzottige Pflanze mit weissen, geruchlosen - Blüten, siebenzähligen Blättern und kurzbehaarten Hülsen mit 2-5 - stumpfkantigen, gelblichweissen oder rötlichweissen Samen. 3. - +Lupinus angustifolius+, eine kleinere, angedrückt weichhaarige - Pflanze mit kleinen blauen Blüten und zerstreut behaarten Hülsen mit - je 2-5 rundlich nierenförmigen, marmorierten Samen. Ausserdem können - giftig werden Lupinus Thermis, linifolius und hirsutis. - - Die Lupinensamen enthalten neben den Proteinsubstanzen (Konglutin) - einige Alkaloide (sogen. Lupinenalkaloide), nämlich das Lupinin, - Lupinidin und Lupanin, welche den bitteren Geschmack der Lupinen - bedingen. Die Giftigkeit der Lupinen wird jedoch nicht durch die - genannten Lupinenalkaloide, sondern durch ein anderes chemisches Gift - bedingt, welches sich mittels alkalisch gemachtem Wasser aus den - Lupinen ausziehen lässt. Auch durch den Regen wird wenigstens in den - oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenhaufen - das Gift ausgelaugt, so dass diese Schichten hierdurch ungiftig - werden. +Arnold+ und +Schneidemühl+ haben für dieses Gift den Namen - =Lupinotoxin= vorgeschlagen. Das besonders in den Schalen, bezw. - Hülsen und Körnern, aber auch in den übrigen Teilen der Pflanze - enthaltene Gift wird durch Extraktion mit 1½proz. Sodalösung - gewonnen. Im übrigen sind die Untersuchungen über den Giftstoff - der Lupinen nicht abgeschlossen. +Kobert+ hat das Lupinotoxin - von +Arnold+ und +Schneidemühl+ unwirksam gefunden. Ueber die - Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den Lupinen ist nichts - Sicheres bekannt. Vielleicht entsteht das Gift als +Umsatzprodukt - parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender Pilze+. Diese Annahme - wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Lupinen nicht - allgemein, sondern nur in gewissen Gegenden und zu gewissen Zeiten - giftig wirken. Einige Landwirte haben die Beobachtung gemacht, - dass die Lupinen nicht im ersten Jahr, sondern nur dann giftig - wirken, wenn sie mehrere Jahre auf demselben Felde angepflanzt - werden; ausserdem soll durch das Bestreuen der Lupinenäcker mit - künstlichem Dünger die Lupinose verhütet werden (Mitteilung von - +Sonnenberg+-Ostrowo). - - -=Krankheitsbild.= Die Giftwirkung der Lupinen zeigt eine sehr -grosse Aehnlichkeit mit der Wirkung des Phosphors. Die Lupinen -veranlassen +Verfettung+ und +akute gelbe Atrophie+ der +Leber+ -mit +Icterus gravis+, +parenchymatöse Nephritis+ und +Gastritis+, -+Herzverfettung+, +fettige Degeneration der Skelettmuskulatur+, -+Eingenommenheit der Psyche+, +Schwäche+ und +Lähmungserscheinungen+. -Die Krankheitserscheinungen der Lupinose, welche als Herdekrankheit -bei +Schafen+, namentlich in Norddeutschland, ausserdem vereinzelt -bei Ziegen, Pferden, Rindern, Schweinen und beim Damwild beobachtet -wurde, sind folgende: Die Tiere zeigen zunächst einen verminderten und -später ganz +aufgehobenen Appetit+, sowie Symptome einer +fieberhaften+ -Krankheit (Temperaturerhöhung, Pulsbeschleunigung). Nach einigen Tagen -tritt eine +ikterische+ Verfärbung der Konjunktiva und Sklera und -späterhin auch der Haut und der übrigen Schleimhäute auf. Dieselben -gelbsüchtigen Erscheinungen können jedoch auch fehlen. Ausserdem -beobachtet man teils +Mattigkeit+, starke +Eingenommenheit+ des -+Sensoriums+, welche sich bis zur +Bewusstlosigkeit+ steigern kann, und -+Lähmungserscheinungen+, teils +Schreckhaftigkeit+ und +Kaukrämpfe+ -(Trismus). Der Kotabsatz ist im Anfang meist verzögert, später wird -der Kot zuweilen teerartig, blutig und diarrhoisch. Der Harn ist -gelb gefärbt und enthält Gallenfarbstoffe, Gallensäuren, Eiweiss, -Harnzylinder, Nierenzellen, Rundzellen und Blasenepithelzellen. Die -Atmung ist gegen das Ende der Krankheit beschleunigt und erschwert: -zuweilen besteht ein schleimiger oder blutig-schleimiger Nasenausfluss. -Bei Pferden hat man ausserdem schwere zerebrale Depressionszustände, -sowie schwere ulzeröse Entzündung der Maulschleimhaut und -Nasenschleimhaut (Rotzverdacht) beobachtet. Schweine zeigen zuweilen -anhaltende Schlafsucht. - -Der +Verlauf+ der Lupinose ist entweder +akut+, wobei der tödliche -Ausgang schon innerhalb 1-2 Tagen erfolgen kann, meist indessen erst -nach 4-5tägiger Krankheitsdauer eintritt, oder +chronisch+, wenn -eine fortgesetzte Fütterung von nur geringgradig giftigen Lupinen -stattfindet. Diese chronische Lupinose verläuft meist ohne Ikterus -unter dem Bild der Bleichsucht und Kachexie; ausserdem beobachtet man -zuweilen Hautausschläge, namentlich am Kopf, sowie die Erscheinungen -des Nasen- und Konjunktivalkatarrhs. (Ausführlichere Angaben über die -Lupinose finden sich in dem Lehrbuch der speziellen Pathologie u. -Therapie von +Friedberger+ und +mir+, 7. Aufl. 1908.) - - -=Sektionsbefund.= Die wichtigsten Veränderungen weist die +Leber+ auf. -Sie zeigt das Bild der +akuten parenchymatösen Hepatitis+ mit +fettiger -Entartung+ der +Leberzellen+ und +akuter gelber Leberatrophie+. -Die Leberzellen zeigen zunächst starke körnige Trübung und fettige -Degeneration, wodurch eine Vergrösserung der Leber bedingt ist. Hieran -schliesst sich später infolge Resorption des Inhaltes der Leberzellen -eine Verkleinerung der Leber (akute gelbe Leberatrophie). Ausserdem -ist die Leber hochgradig ikterisch verfärbt, von zitronengelber, -ockergelber oder rotgelber Farbe. Bei der chronischen Lupinose -findet man +chronische interstitielle Hepatitis+ mit Verkleinerung, -Schrumpfung, Induration und höckeriger Oberfläche der Leber. Die -+Nieren+ zeigen das Bild der +parenchymatösen Nephritis+ mit körniger -Trübung des Nierenepithels und Ansammlung von Exsudatzylindern in den -Harnkanälchen; ausserdem kann eine katarrhalische +Zystitis+ zugegen -sein. Die Schleimhaut des +Digestionsapparates+ zeigt entzündliche -Rötung, katarrhalische Schwellung, +Hämorrhagien+, sowie glanduläre -Entzündung (+Gastritis glandularis+). Die +Muskulatur+ des Herzens, -sowie die Körpermuskulatur zeigt +körnige+ und +fettige Degeneration+, -graugelbe Verfärbung, Brüchigkeit und Neigung zu rascher Fäulnis. In -den meisten Organen finden sich +kapilläre Hämorrhagien+. Endlich -findet man die Schleimhäute, die Bauchhaut, die Subkutis, das Netz und -das Gekröse +gelb+ gefärbt. - - -=Behandlung.= Als chemische Gegengifte gegen das Lupinotoxin werden -+verdünnte Säuren+ empfohlen, welche das Gift unlöslich machen -sollen. Dagegen sind Alkalien wegen der Beschleunigung der Resorption -zu vermeiden. Von Säuren sind zu nennen der Essig, verdünnte -Schwefelsäure, Salzsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure und Weinsäure. -Als Abführmittel werden +Rizinusöl+ und +Krotonöl+ dem Glaubersalz -vorgezogen, weil letzteres die Lösung des Lupinotoxins beschleunigen -soll. Gegen die Depressionserscheinungen sind +Exzitantien+ (Aether, -Kampfer, Alkohol, Ammonium carbonicum) anzuwenden. Ausserdem hat -natürlich die weitere Fütterung von Lupinen zu unterbleiben. - -Der +Nachweis+ der Vergiftung wird durch die Untersuchung des -Futters geliefert. Ausser den Lupinensamen wirken die Lupinenschalen -und das Lupinenstroh giftig. Zuweilen kommt es auch vor, dass -Lupinenvergiftungen durch Verfälschung anderer Futterstoffe mit Lupinen -bedingt werden, z. B. von Oelkuchen, welche mit Lupinenschrot gemischt -sind. In diesem Fall wird der Nachweis durch Lupen- und mikroskopische -Untersuchung geführt. - - =Vergiftung durch Wicken.= Nach der Verfütterung von Wicken - hat man bei Pferden, Rindern und Schweinen eigenartige - Vergiftungserscheinungen beobachtet, welche zuweilen +Aehnlichkeit - mit dem Bild der Lupinose+ zeigten. +Stöhr+ (B. T. W. 1892) - beobachtete bei Pferden nach ausschliesslicher Wickenfütterung - +Abmagerung+, völlige +Kahlheit+, +Ikterus+, orangefarbene - Konjunktiva, pochenden Herzschlag, 60-100 Pulse p. M., sowie - Temperaturverminderung; die Sektion ergab auffallend grosse, - +orangefarbige Leber+. Auf einem andern Gute, wo pro Pferd und Tag - 15 Pfund halb Wickenschrot, halb ganze Wicken und daneben noch - Wickenheu gefüttert wurden, starben von 60 Pferden 10. Dieselben - waren allmählich stark abgemagert, hatten die Haare verloren und - waren unter Kolikerscheinungen verendet; bei der Obduktion fand man - Darmentzündung, sehr grosse, dunkelbraune Leber und Milzschwellung. - Bei Ochsen entwickelte sich ein der +Schlempemauke+ ähnliches - Hautleiden mit trockenem +Absterben wunder Hautstellen+. Gleichzeitig - starben 80 Schweine infolge von Darmentzündung und Leberschwellung. - -- +Wenke+ (Berl. Arch. 1894) sah nach der Wickenfütterung bei - Pferden +Schwäche+ und +Lähmung+ des +Hinterteils+, sowie Tod nach - wenigen Tagen; +Mason+ (Vet. journ. 1896) bei 4 Pferden +Amaurose+, - +Hufentzündung+ und Trismus. - - Nach der Verfütterung der =Zottelwicke= (Sandwicke, Vicia villosa), - auf der in Unmenge Jassus sexnotatus (Zwergzikade) lebte, erkrankten - 36 Rinder, von welchen 6 starben. Die Tiere zeigten Quaddeln, - zunächst am Kopf und Hals, welche sich später über den ganzen Körper - ausbreiteten, Husten, herpetischen Ausschlag im Maul, Rötung und - Zyanose der Schleimhäute, eitrigen Nasenausfluss, Rasselgeräusche in - der Lunge, Haarausfall, gänzlich unterdrückte Futteraufnahme, Verfall - der Kräfte, keuchende Atmung, dagegen freies Sensorium bis zu dem - nach 12-15 Tagen eintretenden Tod. Die Sektion ergab blutig-seröse - Ergüsse unter der Haut, entsprechend dem Sitze der Quaddeln, - ausgebreitete Entzündung in den ersten 3 Mägen, einmal katarrhalische - Entzündung des Labmagens, hochgradige Bronchitis und beginnende - Bronchopneumonie, Glottisödem, punktförmige Blutungen im Myokard, - lehmfarbige Leber, sowie vereinzelt Peritonitis und Nephritis - (+Röder+, Sächs. Jahresber. 1893). - - -Vergiftung durch Schachtelhalm. Equisetum. - - =Botanisches.= Die Gattung +Equisetum+, +Schachtelhalm+ (Katzenstert, - Duwock) bildet einen Ueberrest verloren gegangener Kryptogamen - der Vorwelt, welche besonders auf sumpfigem Boden und im Wasser - wachsen. Die Schachtelhalme sind charakterisiert durch ein - unterirdisches, kriechendes Rhizom, aufrechten, gegliederten, - hohlen, von gestreckten Internodien unterbrochenen Stengel, kleine, - rudimentäre, schildförmige, quirlständige, zu trockenhäutigen, - gezahnten Scheiden verwachsene Blätter mit Sporenbehältern an der - Unterseite. Die wichtigsten Arten sind: 1. +Equisetum arvense+, - der Ackerschachtelhalm oder das Heermoos, mit vierkantigen, rauhen - Aesten und einem Stengel, welcher im Frühjahr rötlich und im Sommer - grün ist. 2. +Equisetum palustre+, der Sumpfschachtelhalm (Kuhmoos), - mit gefurchtem, rauhem, einfach ästigem Stengel und sechszähnigen - Scheiden. 3. +Equisetum limosum+, der Schlammschachtelhalm, mit - einfachem, glattem, bis 80 cm hohem Stengel und zwanzigzähnigen - Scheiden. Seltener sind Vergiftungen durch +Equisetum hiemale+. - - Der Schachtelhalm ist ähnlich wie die Lupinen je nach dem Standort - und Klima eine bald giftige, bald ungiftige Futterpflanze, - welche gleich jenen an Giftigkeit verliert, wenn sie durch den - Regen ausgelaugt wird. Der Giftstoff selbst ist nicht genauer - bekannt. Vielleicht wird derselbe ebenfalls, wie man dies bei den - Lupinen annimmt, indirekt durch +Befallungspilze+ erzeugt. Nach - +Pancerzynski+ soll ein +alkaloidartiger+ Stoff, nach +Lohmann+ - das Alkaloid =Equisetin=, nach +Ludewig+ die +Akonitsäure+ der - giftige Bestandtteil sein (die letztere Annahme wurde von +Reinecke+ - widerlegt). Nach +Richter+ (Dessau) prädisponiert vielleicht die - gleichzeitige Aufnahme reizender Gräser (Riedgräser) zur Vergiftung - durch den sonst unschädlichen Schachtelhalm. Vielleicht gehören - manche Fälle von angeblicher Equisetumvergiftung ins Kapitel - Pilzvergiftung (vergl. S. 335). - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der im Schachtelhalm enthaltene -Giftstoff besitzt eine +lähmende+ Wirkung auf das +Rückenmark+ und -das +Kleinhirn+. Equisetumvergiftungen sind bei Pferden, Rindern und -Schafen beobachtet und von alters her mit dem Namen „+Taumelkrankheit+“ -bezeichnet worden. Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in -+gesteigerter Reflexerregbarkeit+, auffallender +Schreckhaftigkeit+, -+Aufregung+ und +Aengstlichkeit+, sowie +Unsicherheit+ im +Gang+ und -in den +Körperbewegungen+. Später beobachtet man +Schwanken+ und -+Taumeln+, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Zusammenstürzen+, sowie -+allgemeine Lähmung+. Die Futteraufnahme ist meist längere Zeit -hindurch trotz der schweren motorischen Störungen normal, auch das -Bewusstsein ist gewöhnlich erst in den späteren Stadien der Vergiftung -gestört. Der Verlauf der Krankheit kann sehr akut sein, indem der Tod -zuweilen schon innerhalb einiger Stunden oder eines Tages eintritt. -Häufiger ist eine längere Krankheitsdauer von mehreren (2-8) Tagen. -Ausserdem kann sich bei fortgesetzter Aufnahme kleinerer Mengen des -Schachtelhalms auch eine chronische Vergiftung ausbilden, welche -unter den Erscheinungen der Abmagerung und Kachexie, verbunden mit -lähmungsartiger Schwäche, verläuft. - -Bei der +Sektion+ findet man angeblich Hyperämie, ödematöse -Durchtränkung, sowie Ansammlung seröser Flüssigkeit in den Häuten des -Kleinhirns und Rückenmarkes. - - -=Behandlung.= Vor allem muss mit der Fütterung gewechselt werden. -In leichteren Fällen der Erkrankung genügt diese Massregel allein. -Bei schwereren Erkrankungen sind neben Abführmitteln +Exzitantien+ -anzuwenden. Da die Vergiftung vorwiegend unter dem Bild einer spinalen -Lähmung verläuft, sind besonders +Strychnin+ (0,05-0,1 für Pferde), -+Veratrin+ (ebensoviel) und +Koffein+ (5-10,0) als erregende Mittel für -das Rückenmark und die Muskulatur anzuwenden. Ausserdem empfiehlt sich -die Verabreichung von kleinen Dosen +Aether+, +Kampfer+, +Alkohol+, -+Salmiakgeist+, +Ammonium carbonicum+, +Atropin+ oder +Hyoszin+. - - =Kasuistik.= Die Literatur der Equisetumvergiftung bei den Haustieren - (Pferd, Rind, Schaf) ist sehr reichhaltig. +Allemeier+ (Berl. - Arch. 1890) beobachtete bei 3 Pferden, deren Futter lediglich aus - Schachtelhalm (Equisetum hiemale) bestanden hatte, Schwanken, - leichtes Umfallen, mühsames Wiederaufrichten, sowie Lähmung des - Hinterteils; der Appetit war während der Krankheitsdauer gut. - Nach eingeführtem Futterwechsel trat im Verlauf von 2-6 Wochen - allmählich Besserung und Heilung ein. -- +Schmidt+ (Adams Wochenschr. - 1875) fand bei fünf Fohlen nach der Verfütterung von Equisetum - auffallende Schreckhaftigkeit, indem sie bei dem geringsten Geräusch - zusammenfuhren, ausserdem Taumeln, schwankende Bewegung und - Umknicken. Dabei war das Sensorium frei, der Appetit normal, die - Respiration regelmässig. 4 Fohlen genasen, 1 starb; bei der Sektion - fand man als Haupterscheinung eine Hyperämie des Kleinhirns. -- - +Pelschimofski+ (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1886) berichtet, dass - die Equisetkrankheit unterhalb Bozens an den Ufern der Etsch häufig - vorkommt, indem die tiefliegenden Wiesen von Equisetum palustre und - arvense bewachsen sind. Dagegen kommt die Krankheit in hochgelegenen - Gemeinden nicht vor. In den ersten Tagen der Erkrankung zeigen die - Tiere leichte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit, ängstlichen und - unsicheren Gang auf den Hinterbeinen, sowie leichtes Schwanken mit - der Nachhand. Später zeigt sich eine Zunahme der Unsicherheit im - Gehen, stärkeres Schwanken, sowie wechselnder Appetit, worauf eine - Lähmung der Nachhand und zuletzt auch Lähmung des Vorderkörpers - folgt; die Sensibilität ist während der ganzen Krankheitsdauer - erhalten. Der Tod tritt durchschnittlich nach 6-14 Tagen ein. Die - Prognose ist im allgemeinen günstig, bei ausgeprägtem Schwanken - dagegen ungünstig. -- +Dominik+ (Preuss. Mitt. 1858) fand bei - einem Pferd, welches während des Lebens Schwäche im Hinterteil, - taumelnden, unregelmässigen Gang, Schreckhaftigkeit, Aufregung - und Zusammenstürzen bei sonst normalen Funktionen gezeigt hatte, - bei der Sektion Ansammlung von Serum in den Rückenmarkshäuten. -- - +Leistikow+ (Berl. Arch. 1892) sah bei 3 Pferden Erscheinungen - der akuten Kreuzlähmung, gesenkte Kopfhaltung, serös-eitrigen - Augenausfluss, starke Schwellung der Lider und Konjunktiven, - randförmige Trübung der Kornea, schwankenden Gang und starkes - Einknicken der Hintergliedmassen. -- +Rind+ (B. T. W. 1894) hat - in der Danziger Niederung oftmals Equisetumvergiftung und zwar - ausschliesslich in den Monaten Januar bis Mai und bei solchen Pferden - beobachtet, welche kein Körnerfutter erhielten. Die Erscheinungen - bestanden in unsicherem Gang, Muskelschmerzen, Schwäche der Nachhand - und Lähmung. -- 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme grosser Mengen - von Equisetum arvense im Streustroh unter dem Bilde der Kreuzlähmung - bei vollständiger freier Psyche und gutem Appetit; eines davon - starb an allgemeiner Lähmung. Die leicht erkrankten Pferde erholten - sich in 8 Tagen; bei 3 schwerer kranken hielt die lähmungsartige - Schwäche mehrere Monate an, 2 davon genasen erst nach 4 Monaten - (Pr. Mil.-Vet.-Ber. 1896). -- +Pruns+ (B. T. W. 1899) bezweifelt, - dass die Taumelkrankheit, welche er im Winter 1899/1900 mehrmals - bei Pferden beobachtet hat, durch Equisetum veranlasst wird, da - sie wiederholt in Besitzungen aufgetreten ist, deren Ländereien - frei von Equisetum sind. -- +Löfmann+ (Finische Vet.-Zeit. 1901) - sah bei einem Pferde, welches 4 Monate Equisetumheu gefressen - hatte, Bewegungen wie bei einem trunkenen Menschen; der Appetit - war gut. Nach 4 Tagen trat vollständige Heilung ein. -- +Zix+ - (Woch. f. Tierheilk. 1905) hält eine bei Militärpferden in Landau - aufgetretene Erkrankung, die sich in Schwanken, Taumeln und Lähmung - der Hinterhand bei sonst ungestörtem Allgemeinbefinden äusserte, für - eine Schachtelhalmvergiftung. -- +Ludewig+ und +Wünsch+ (Zeitschr. - f. Vet. 1902) halten die im Sommer 1902 bei der 1. Eskadron des - 2. Leibhusarenregiments in Danzig aufgetretene Massenerkrankung - (sog. „Lendenmarkseuche“) auf Grund des Krankheitsbildes, - der Futteruntersuchung und eines Fütterungsversuches für - Schachtelhalmvergiftung. Die Krankheitserscheinungen bestanden - hauptsächlich in Lähmung der Hinterhand, des Schweifes, der - Blase und des Penis bei gutem Appetit, freiem Bewusstsein und - Fieberlosigkeit. Von seiten des Proviantamts wurde gegen die Diagnose - Schachtelhalmvergiftung geltend gemacht, dass das beschuldigte, aus - der Danziger Niederung stammende Heu nur 0,04 Prozent Schachtelhalm - enthielt, während bei anderen Truppenteilen Heu mit einem - Schachtelhalmgehalt bis zu 0,3 Proz. ohne jeden Schaden verfüttert - wurde, dass das fragliche Heu ferner seit Monaten an sämtliche - Pferde der Danziger Garnison ohne Nachteil verabreicht wurde (nur - die 1. Eskadron des 2. Leibhusarenregiments erkrankte), und dass - die Krankheit noch fortdauerte, trotzdem seit einigen Wochen ganz - schachtelhalmfreies Heu verfüttert wurde. -- +Lohmann+ (Arb. d. - Deutschen Landw.-Ges. 1905; Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) glaubt, dass - nicht die Akonitsäure, sondern alkaloidartige Nerven- und Muskelgifte - die Schachtelhalmvergiftung veranlassen („Equisetin“). Er fand solche - jedoch in grösserer Menge nur in Equisetum palustre. 600 g der - frischen oder 150 g der lufttrockenen Pflanze genügten, um ein junges - Kaninchen innerhalb einer Woche unter krampfartigen Erscheinungen - verenden zu lassen. Von Equisetum silvaticum waren über 3 kg frisches - Kraut nötig, um Kaninchen zu töten. Als ungiftig erwiesen sich - auch bei monatelanger, fast ausschliesslicher Fütterung Equisetum - arvense, pratense, maximum und limosum. -- +Reinecke+ (Monatshefte - f. prakt. Tierheilkde. 1903) hat Versuche mit Akonitsäure an Pferden - angestellt und bewiesen, dass diese ganz indifferente Säure nicht - das Schachtelhalmgift sein kann; Pferde ertrugen pro Tag 30 g, in 5 - Tagen sogar 95 g Akonitsäure, ohne Krankheitserscheinungen zu zeigen. - -- +Pancerzynski+ (Beitr. z. Kenntnis des Equis. pal. und limosum. - Dorpat 1890) fand bei seinen Versuchen, dass Equisetum palustre auf - Wiederkäuer in hohem Grade giftig wirkte, während es von Pferden ohne - Schaden aufgenommen wurde. Das umgekehrte Verhältnis besteht bei - Equisetum limosum. Die entgegengesetzten Angaben der Literatur sollen - auf einer Verwechslung der beiden Arten beruhen (?). -- Der +Preuss. - Vet.-Ber.+ pro 1906 enthält einen Fall von Schachtelhalmvergiftung - bei 3 Pferden (Schreckhaftigkeit, unsicherer und taumelnder Gang; - Heilung 3 Wochen nach Futterwechsel). -- +Richter+ (B.T.W. 1907) - beschreibt 2 Fälle von Schachtelhalmvergiftung beim Pferd; auffallend - war der grosse gleichzeitige Gehalt des Futters an Riedgräsern - (Karex), die vielleicht durch Reizung der Darmschleimhaut zur - Vergiftung prädisponieren. - - -Vergiftung durch Buchweizen, Fagopyrismus. - - =Botanisches.= Der +Buchweizen+, +Polygonum Fagopyrum+ (Fagopyrum - esculentum, Heidekorn, Heidegrütze) ist eine ursprünglich aus - dem Orient stammende einjährige, krautartige Polygonazee mit - endständiger, doldentraubiger Blüte und glänzenden, grauen, oft braun - marmorierten, scharfkantigen, 5-6 mm grossen Früchten. Der Buchweizen - ist eine häufig kultivierte Futterpflanze (Polygonum Persicaria wird - seltener angebaut), welche unter gewissen Umständen Vergiftungen - bei Schafen und Schweinen, seltener bei Ziegen, Rindern und Pferden - bedingt, und zwar sowohl im grünen, namentlich im blühenden Zustand, - als auch in Form des Strohs, der Stoppeln, des Spreus, Kaffs und - der Körner. Als Ursachen der Giftwirkung wurden =Befallungspilze= - angenommen. Nach +Koefeld+ soll der Buchweizen einen roten Stoff, das - +Fluorophyll+ enthalten, der die Ursache des Hautausschlags sein soll - („biologischer Sensibilator“). Nach +Oemke+ lässt sich der Giftstoff - durch Alkohol ausziehen (vergl. unten). Vergiftungen ereigneten sich - insbesondere bei gleichzeitiger +Einwirkung+ des +Sonnenlichts+ und - bei +weissen+ oder weissscheckigen Tieren während des Weidegangs, - viel seltener bei Stallfütterung und bei bewölktem Himmel; schwarze - oder schwarz angestrichene Tiere erkrankten nicht. In den letzten 20 - Jahren sind Vergiftungen durch Buchweizen nur selten vorgekommen, - vielleicht deshalb, weil die Körner nur noch ausnahmsweise an Tiere - verfüttert, sondern meist zu Gries und Grütze verarbeitet werden. - (Genaueres über das Vorkommen des Fagopyrismus findet sich in der - Speziellen Pathol. und Therapie von +Friedberger+ und +mir+, 1908, 7. - Aufl.). - - -=Krankheitsbild.= Der giftige Buchweizen enthält einen -+scharf-narkotischen+ Stoff, welcher auf Haut und Schleimhäute -eine +entzündungserregende+, innerlich auf das Zentralnervensystem -eine +krampferregende+ und +betäubende+ Wirkung ausübt. Die -Vergiftungserscheinungen bestehen hauptsächlich in einer -+Hautentzündung+ am +Kopf+, sowie an den weissen Körperstellen. -Die Haut ist +höher gerötet+ und +geschwollen+, gleichzeitig -besteht starker +Juckreiz+. In höheren Graden zeigt die Haut die -Erscheinungen einer +vesikulären+, +bullösen+, +phlegmonösen+ und -selbst +gangräneszierenden Dermatitis+ (Kopfrose, Blatterrose der -Schafe). Aehnliche Erscheinungen treten auch an den Kopfschleimhäuten -auf (+Konjunktivitis+, +Laryngitis+, +Stomatitis+, +Bronchitis+). -Wahrscheinlich handelt es sich bei der Entzündung der Haut und -Schleimhäute um die Ausscheidung eines scharfen Stoffes aus dem Blute -(+toxisches Exanthem+). Dabei zeigen die Tiere oft starke +Aufregung+ -und +Unruhe+, zuweilen sogar +tobsuchtartige Zufälle+. - -In vielen Fällen beschränkt sich die Vergiftung auf die beschriebene -Hautaffektion; sog. +Buchweizenausschlag+, +Fagopyrismus+. In -anderen Fällen beobachtet man auch zerebrale Erregungs- und -Lähmungserscheinungen, welche sich in +Krämpfen+, +Drehbewegungen+, -+Betäubung+, +Schwindel+ und +psychischer Benommenheit+ äussern. Diese -letzteren Symptome können zusammen mit der Entzündung der Haut oder für -sich allein auftreten. Vereinzelt kommen ferner +gastroenteritische -Zufälle+, sowie Erscheinungen der +Blasenreizung+ (Zystitis, -Strangurie) zur Beobachtung. - - -=Behandlung.= Prophylaktisch empfiehlt sich +Stallfütterung+ und -Vermeidung des Weidegangs im Sonnenschein. Kranke Tiere bleiben -ebenfalls im Stall und werden äusserlich mit +entzündungswidrigen -Mitteln+ (Bleiwasser), innerlich mit Abführmitteln behandelt. - - =Kasuistik.= Nach +Klein+ (Berl. Arch. 1890) traten bei einer - Schafherde nach dem Beweiden eines schlecht entwickelten - Buchweizenfeldes Rötung und schmerzhafte Schwellung der Gesichts- - und Kopfhaut, pustulöse Ekzeme der Lippen, starkes Juckgefühl, - Entzündung der Konjunktivalschleimhaut, hochgradige Gehirndepression, - Taumeln, Zuckungen und Zusammenbrechen auf; nach drei Stunden - hatte sich bei den Tieren die Fresslust wieder eingestellt, - und nach Ablauf von 5 Tagen waren alle wieder hergestellt. -- - +Richter+ (Preuss. Mitt. 1871) beobachtete bei Schweinen, welche - mit grossen Mengen von Buchweizen gefüttert wurden, unterdrückte - Futteraufnahme, trockenen Kot, Harnzwang, Fieber, Atmungsbeschwerden - und Krämpfe; bei der Sektion der gefallenen Tiere fand man Entzündung - der Magendarmschleimhaut, heftige Entzündung des Blasenhalses, - vereinzelt selbst Blasenrupturen, endlich starke Lungen- und - Gehirnhyperämie. -- +Rabe+ u. a. (Preuss. Mitt. Bd. 16 und N. F. Bd. - 17) konstatierten bei Pferden und Schweinen epileptiforme Anfälle - und Schwindelerscheinungen ohne entzündliche Veränderungen der - Haut. -- +Popow+ (Petersburger Arch. f. Veterinärmedizin 1888) sah - junge weisse Schweine nach der Verfütterung von Buchweizenkleie - erkranken. Die schwarzen, bunten und roten Schweine blieben dagegen - gesund. Die Vergiftungen ereigneten sich nur im Frühling und Sommer - an warmen, sonnigen Tagen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in - beschleunigtem Atmen, Unruhe, Schreien, Schäumen, Drehbewegungen, - andauernden krankhaften Zuckungen der Extremitäten und Lippen, - Umfallen, Gefühllosigkeit. Nach den Anfällen zeigten die Tiere grosse - Mattigkeit und schwankenden Gang, erholten sich aber bis zum nächsten - Tage. -- +Koschel+ (Berl. Arch. 1892), beobachtete bei Schweinen nach - der Fütterung mit Schalen der Heidegrütze Lähmung des Hinterteils - und Tod. -- +Oemke+ (Z. f. Physiol. 1909) konnte an weissen Mäusen - und Meerschweinchen durch Verfütterung von Buchweizen bei Belichtung - mit Sonnenschein die gleichen Hautaffektionen usw. hervorrufen, wie - sie bei Schafen vorkommen. Die blosse Verfütterung von Buchweizen an - weisse Mäuse und weisse Kaninchen genügt, um bei diesen Tieren den - Tod unter Lähmungserscheinungen hervorzurufen, wenn sie im diffusen - Tageslicht gehalten werden. Der Kern und die Schale sind gleich - giftig. Durch Alkohol extrahierter Buchweizen war ungiftig. Dagegen - wirkte der aus dem alkoholischen Extrakt durch Abdampfen gewonnene - Rückstand bei belichteten weissen Mäusen nach Einverleibung in den - Magen tödlich. - - - =Maisvergiftung.= Beim Menschen verläuft die unter dem Namen - +Maidismus+ oder +Pellagra+ (Lombardei) bekannte Maisvergiftung - chronisch unter den Erscheinungen des Ekzems (Dermatitis), der - Gastroenteritis, sowie von Delirien, Tobsucht, Blödsinn und spinaler - Lähmung. Die Ursachen sind nicht bekannt (Aspergillose? Bacillus - maidis? Pellagrocein?). Nach +Ceni+ und +Besta+ (Zentralbl. f. - allg. Pathol. 1902) soll es sich um eine Schimmelpilzvergiftung - (Aspergillosis), speziell um Toxine von Aspergillus fumigatus und - flavescens handeln. Der Maidismus des Menschen hat Aehnlichkeit - mit dem Fagopyrismus der Tiere (vergl. S. 323). Die tierärztliche - Literatur enthält ferner einen dem Maidismus des Menschen analogen - Vergiftungsfall bei Rindern. Nach der ausschliesslichen und - reichlichen Verfütterung von +Maisschlempe+ trat bei 12 Kühen - und 13 Kälbern eine +der Schlempemauke ähnliche+, aber heftiger - verlaufende Krankheit auf, welche den Eindruck einer dem Pellagra - des Menschen verwandten Intoxikation machte. Die Tiere lahmten, - zeigten starke Anschwellungen der Klauen-, Fessel- und Sprunggelenke, - starke Rötung der Haut und der sichtbaren Schleimhäute, Dyspnoe, - sowie stieren Blick; hochträchtige Kühe abortierten und gingen - sehr schnell zugrunde; die ausgetragenen Kälber starben nach - 2-3 Tagen. Die Sektion ergab multiple Arthritis und jauchige - Metritis. Auch ein Pferd erkrankte unter ähnlichen Erscheinungen; - dasselbe zeigte ausserdem Anschwellungen am Kopf, Hals und an den - Seitenbrustwandungen. - - -Vergiftung durch Wachtelweizen, Melampyrum. - - =Botanisches.= +Melampyrum pratense+, +silvaticum+, +nemorosum+ und - +commutatum+ (Wachtelweizen, Kuhweizen) sind Futterarten aus der - Familie der Skrophulariazeen, welche für gewöhnlich ohne Schaden - verfüttert werden. Melampyrum pratense ist ein 1jähriges Kraut mit - gegenständigen Blättern, kegelförmigen Blütenähren, purpurnen Blüten - mit röhrigglockigem Kelch, sowie sehr harten, glatten, Weizenkörnern - ähnlichen Samen. Aehnlich wirkt +Rhinanthus+ (Alectorolophus), der - sog. Klappertopf. Die Samen der genannten Melampyrumarten enthalten - das scharf narkotisch wirkende Glykosid =Rhinanthin=, welches auch in - anderen Skrophulariazeen enthalten sein soll. - - -=Wirkung.= Die Vergiftungserscheinungen bestehen in +Darmentzündung+ -und +Lähmung+. Da das Rhinanthin in den übrigen Teilen der Pflanze -nicht vorkommt, sind nur die Samen giftig, während die Pflanze -selbst ohne Schaden verfüttert werden kann. Eine Vergiftung durch -Wachtelweizen (Samen von Melampyrum silvaticum) ist von +Czako+ -(Ungarischer Veterinärbericht 1886/87) bei einem Schafbock beobachtet -worden; durch die Sektion wurde Hyperämie der Darmschleimhaut, -des Gehirns und der Gehirnhäute konstatiert. Angestellte -Fütterungsversuche mit den Samen an Kaninchen ergaben als wichtigste -Vergiftungserscheinungen +Schläfrigkeit+ und hochgradige +Abstumpfung+; -bei der Sektion wurde ebenfalls +Hyperämie+ des +Darmes+ und +Gehirns+ -vorgefunden. +Mesnard+ (Recueil 1894) sah bei einer Stute, die mit -dem Hafer viel Wachtelweizen erhielt, Kolik, Schwäche im Hinterteil, -Abgeschlagenheit, Herzklopfen, schwachen, kaum fühlbaren Puls, -Schwindel, blutigen Harn und schnellen Tod; bei der Sektion wurden -Darmentzündung, sowie Hyperämie und Hämorrhagien im Gehirn festgestellt. - - -Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen. - - =Allgemeines.= Die als Futtersurrogat eingeführten amerikanischen - Baumwollsaatkuchen (+Gossypium herbaceum+, Malvazee) bedingen - zuweilen, namentlich bei jüngeren Tieren charakteristische - Vergiftungserscheinungen. Auf diese Vergiftung ist zum erstenmal - im Jahre 1863 in England aufmerksam gemacht worden. Später haben - Gautier, Gips, Esser, Bongartz, Tietze u. a. die Krankheit genauer - untersucht und beschrieben. Die Ursache der Vergiftung ist mit - Sicherheit noch nicht festgestellt, sie scheint aber in einem - +scharf+ wirkenden +chemischen+ Körper gesucht werden zu müssen, - welcher nach Cornevin im Samenkern, nach andern in der braunen - +Samenschale+ enthalten ist. Die vollständigen abgeschälten - Baumwollsamen sollen nach den in Aegypten gemachten Beobachtungen - ungiftig sein, desgleichen das Baumwollsamenöl. Nach Peddi soll das - Toxin der Baumwollsamen mit dem +Muskarin+ verwandt sein. In der - Anwesenheit von Befallungspilzen (Schimmelpilzen) oder Spaltpilzen - ist die Ursache der Vergiftung wahrscheinlich nicht zu suchen. - Erfahrungsgemäss wirken Saatkuchen von bestem Aussehen und ohne - besonderen Geruch giftig. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Krankheitserscheinungen -sind im wesentlichen die einer +hämorrhagischen Gastroenteritis+ -und +Nephritis+. Die Tiere -- meistens erkranken jüngere Tiere, -Kälber und Lämmer -- zeigen +Verdauungsstörungen+, +Tympanitis+, -+Verstopfung+, +Durchfall+, +blutigen Kot+, sowie die Symptome der -Nieren- und Blasenreizung: +Hämaturie+, +Harndrang+, +Albuminurie+ und -+Blasenlähmung+. Ausserdem findet man +Muskelschwäche+, +Schwanken+, -+Schlafsucht+, +Lähmungserscheinungen+ und Abortus. In Amerika hat -man ferner schwere, oft zu Erblindung führende Augenerkrankungen -(+Hornhautgeschwüre+ infolge von Trigeminuslähmung) bei Rindern -beobachtet. Vereinzelt ist auch über das Auftreten von Ikterus -berichtet worden. Der Krankheitsverlauf ist zuweilen sehr akut, indem -der Tod schon nach wenigen Stunden eintreten kann. Meist beträgt -jedoch die Krankheitsdauer einige Tage. Bei fortgesetzter Verfütterung -kleinerer Mengen der giftigen Saatkuchen entsteht das Bild einer -+chronischen+, mehrere Wochen andauernden Vergiftung, welche sich in -Durchfällen, Abmagerung, zunehmender Mattigkeit, Kachexie, Hydrämie und -Auftreten von Katarrhen im Respirationsapparat äussert. Die +Sektion+ -ergibt bei akutem Verlaufe der Krankheit das Vorhandensein einer -hämorrhagischen Gastritis, Enteritis und Nephritis neben Schwellung der -Leber und Flüssigkeitsansammlung in den Körperhöhlen. Bei chronischem -Verlauf findet man allgemeine Abmagerung, wassersüchtige Zustände -(Hydrothorax, Aszites, Anasarka), sowie parenchymatöse Nephritis. - - -=Behandlung.= Neben dem Aussetzen der Fütterung mit Baumwollsamenkuchen -empfiehlt sich die Verabreichung von abführenden und einhüllenden -Mitteln, namentlich von +Rizinusöl+ (Kälbern und Schafen 50-100,0, -Lämmern 10-25,0) in Verbindung mit Leinsamenschleim als Emulsion. -Den blutigen Durchfall behandelt man mit Tannin oder Opium, die -Nieren- und Blasenentzündung mit Kali chloricum, die Schwäche und -Lähmungserscheinungen mit Exzitantien. - - =Kasuistik.= Eine ausführliche Beschreibung der Vergiftung hat zuerst - +Gautier+ (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin 1886) geliefert, - welcher mehrere Massenerkrankungen bei Kälbern beobachtete und auch - Fütterungsversuche anstellte. Zwei 10 Wochen alte Kälber erhielten - täglich je ein Pfund guten, unverdorbenen Baumwollsamenkuchen. Am - 7. Tag traten die ersten Krankheitserscheinungen auf, am 11. Tag - zeigte sich Durchfall, am 16. Tag Blutharnen. Das eine Kalb starb am - 28. Tag, das andere Kalb zeigte nach dem mehrtägigen Aussetzen der - Fütterung Besserung, bei der jedesmaligen Wiederaufnahme derselben - jedoch wieder von neuem Durchfall, Hämaturie, Hämoglobinurie, - Albuminurie, Taumeln, Mattigkeit. -- +Gips+ (Berliner Archiv - 1886) beobachtete eine tödliche Erkrankung bei 3 Bullen, welche - täglich ⅓ Pfund Baumwollsamenkuchen erhielten. Bei der Sektion - fand man die Darmschleimhaut geschwollen, den Darminhalt blutig, - in der Bauchhöhle eine braun gefärbte Flüssigkeit, die Leber und - Nieren stark vergrössert und erweicht, in der Harnblase blutigen - Urin, in der Brusthöhle und im Herzbeutel blutige Flüssigkeit, in - den Bronchien blutigen Schaum, das Myokardium wie gekocht, unter - dem Epikardium und Endokardium Hämorrhagien. -- +Esser+ (ibidem) - sah 300 Lämmer, welche täglich je 250 g Baumwollsamenmehl als - Beifutter erhielten, nach wenigen Tagen unter den Erscheinungen von - Tympanitis und blutigen Durchfällen erkranken und nach 2 bis 3tägiger - Krankheitsdauer zu einem Drittel sterben. Bei der Sektion fand man - eine akute Gastroenteritis. -- +Schwanefeldt+ beobachtete bei Lämmern - als Hauptsymptom der Erkrankung allgemeinen Ikterus. -- +Bongartz+ - (Berliner Archiv 1888) konstatierte bei Schafen als wesentlichste - Krankheitserscheinung nach der Verfütterung von Baumwollsaatmehl - die Ausbildung eines akuten Nierenleidens (Harnbeschwerden, - schmerzhaftes Drängen, Blasenlähmung, unfreiwilligen Harnabgang). Bei - der Sektion fand er die Nieren um mehr als die Hälfte vergrössert, - die Nierenkapsel von stecknadelkopf- bis erbsengrossen Blutungen - durchsetzt, in einem Falle ausserdem ein gänseeigrosses Blutkoagulum - in der Umgebung der Nierenkapsel, die Marksubstanz graugelb verfärbt, - die geraden Harnkanälchen, die Schleimhaut des Nierenbeckens, - der Harnleiter und der Harnblase geschwollen und die letztere - stellenweise fleckig und streifig gerötet. Der Harn enthielt Spuren - von Eiweiss. -- +Tietze+ (Hamburg. Mitt. 1893) fand bei mehreren 9 - bis 12 Monate alten Rindern nach der täglichen Verfütterung von 3 - Litern Baumwollsaatmehl allgemeine Abgeschlagenheit, Muskelschwäche, - Appetitmangel, unterdrücktes Wiederkauen sowie Harndrang; bei der - Sektion waren ausser Veränderungen an den Nieren im wesentlichen - nur Stauungserscheinungen nachzuweisen. -- +Meyers+ (Journ. of - comp. 1890) beobachtete bei einer grossen Anzahl Mastochsen - Niedergeschlagenheit, Speicheln, unterdrückte Futteraufnahme, - blutigen Kot, Schwindelanfälle, Zusammenstürzen, Zittern; die Dauer - betrug 2-3 Tage. -- +Peters+ (Berl. Arch. 1892) sah bei einem Rind - Versagen des Futters, Apathie, blutigen Durchfall, Bewusstlosigkeit, - Tränen, starke Pupillenerweiterung, schleimigen Nasenausfluss sowie - Tod am 3. Tag; bei der Sektion fand man eine starke Entzündung des - Labmagens und Darmes. -- +Ostermann+ (ibid. 1894) beobachtete bei - Rindern völligen Appetitmangel, unsicheren, schwankenden Gang, - Schlummersucht sowie hochgradige, an die Gebärparese erinnernde - Schwäche. Die Tiere lagen mit herumgeschlagenem Kopfe am Boden - und konnten sich nicht erheben. Der Tod erfolgte nach 2-3 Tagen. - -- +Fischer+ (D. T. W. 1895) sah bei Jungvieh nach der täglichen - Verfütterung von 1-1½ Pfund Baumwollsaatmehl Unruhe, Atemnot, - Erstickungsanfälle sowie Hämoglobinurie (Hämaturie?). Die Sektion - ergab Nierenentzündung, Blasenentzündung sowie Lungenödem. -- - +Prietsch+ (Sächs. Jahresber. 1896) sah bei trächtigen Kühen - oft Abortus eintreten. Auch von den Frauen sollen die Samen als - Abortivum in Sachsen benützt werden. -- +Aubry+ (Recueil 1897) - beobachtete bei 2 Jungrindern nach der täglichen Verabreichung von - 4½ Kilo Samenkuchen grosse Atemnot und Abgeschlagenheit, sowie - bei der Sektion Pneumonie, Dünndarmentzündung und Peritonitis. - -- +Delmer+ (ibid.) fand bei 10 Kälbern 1 Monat nach dem Beginn - der Oelkuchenfütterung Traurigkeit und Stöhnen als einzige - Vergiftungserscheinungen; die Krankheit dauerte nur 24-48 Stunden; - bei der Sektion zeigten die Nieren die auffallendsten Veränderungen - (schwärzliche Farbe). -- Nach +Peddy+ (The Vet. 1898) erkrankten in - einer Milchwirtschaft nach Verfütterung grosser Mengen von Kuchen - aus nicht enthülsten Baumwollsamen 20 Kühe. Die Symptome waren - Schüttelfrost, beständiges Rülpsen, stierer Blick sowie konstante - Lähmung; 5 Kühe gingen ein oder mussten geschlachtet werden. Die - Sektion ergab Gastroenteritis, Nierenhyperämie und Ekchymosen am - Herzen. -- Nach +Ziegenbein+ (Berl. Arch. 1898) erkrankten 15 - Rinder unter den Symptomen einer Magendarmentzündung und einer - starken Verstopfung des 3. Magens. -- +Curdy+ (Journ. of comp. 1895) - beschreibt eine nach übermässiger Verfütterung von Baumwollsaatkuchen - bei Rindern auftretende, mit schweren Depressionserscheinungen - einhergehende Krankheit, welche stets mit einer schweren, oft zur - Erblindung führenden Augenkrankheit kompliziert ist. Letztere - besteht in Geschwüren, Abszessen und Staphylombildung der Hornhaut, - wahrscheinlich infolge einer Trigeminuslähmung. Nach Curdy ist diese - Wirkung des Baumwollsamens auf die Augen den amerikanischen Farmern - wohl bekannt. -- +Eder+ (Woch. f. Tierh. 1902, S. 232) sah 5 Kälber - nach reichlicher Fütterung mit Baumwollsaatmehl unter Erscheinungen - der Dyspnoe und Hinfälligkeit erkranken und nach 12-24 Stunden - sterben. Bei der Sektion konnte nur leichte, fettige Degeneration der - Leber nachgewiesen werden. -- +Ijmker+ (Holl. Zeitschr. 1902) sah - sämtliches Jungvieh eines Rinderbestandes nach der Verfütterung von - Baumwollsaatmehl in Trankform erkranken. Die Krankheitserscheinungen - bestanden in starker Muskelschwäche, Schwanken, Blutharnen und - Lungenödem. -- +Rust+ (Preuss. Mitt. 1905) sah bei mehreren - Zugochsen, die täglich je 1 kg Baumwollsaatmehl erhielten, - ödematöse Schwellungen der Extremitäten, Schwanken der Hinterhand, - Gleichgewichtsstörungen, sowie in 4 Fällen (unter 15) Erblindung mit - abnormer Erweiterung der Pupille und starkem Hervortreten des Bulbus. - - =Vergiftung durch Sesamkuchenmehl.= +Deyerling+ (D. T. W. 1900) - beobachtete bei etwa 100 Ochsen nach der Verfütterung von - Sesamkuchenmehl Aufblähung, Husten und grosse Atemnot; ausserdem - bestanden Eingenommenheit, Zittern und leichte Kolikerscheinungen. - - -Mutterkornvergiftung, Ergotismus. - - =Botanisches.= Das +Mutterkorn+, +Secale cornutum+, ist das - Dauermyzel (Sklerotium) von +Claviceps purpurea+, eines Kernpilzes - (Familie der Pyrenomyzeten). Der Pilz parasitiert am häufigsten auf - dem Roggen, kommt aber auch zuweilen auf Hafer, Weizen, Gerste und - auf Gramineen vor (Elymus virginicus, Agrostis vulgaris, Poa, Phleum, - Anthoxanthum, Glyceria u. a.). Das Mutterkorn bildet walzenförmige, - gerundet dreikantige, oft gebogene, 2-4 cm lange und bis ½ cm dicke, - schwarzviolette, innen weisse Körper, welche schwach bläulich bereift - und an beiden Enden verschmälert sind. Sie besitzen im frischen - Zustande eine derbfleischige, im getrockneten eine hornartige - Konsistenz. Die +Entwicklung+ des Pilzes ist folgende. Die Sporen - von Claviceps purpurea verwandeln, wenn sie zufällig auf junge - Roggenblüten etc. gelangt sind, den Fruchtknoten dieser Blüten in - ein Pilzlager (Sphacelia segetum), welches aus dicht verflochtenen - Hyphen besteht und an seiner Oberfläche Sporen (Konidien) - abschnürende Zellen besitzt, welche ausserdem eine schleimige, - süssliche Flüssigkeit, den sog. Honigtau, absondern, durch welchen - die Sporen unter Vermittlung von Insekten auf andere Roggenähren - übertragen werden. Aus dem Pilzlager entwickelt sich dann allmählich - das walzenförmige Dauermyzel, das eigentliche Mutterkorn, welches - die Aufgabe hat, den Pilz zu überwintern. Aus diesem Mutterkorn - entwickeln sich im darauffolgenden Frühjahr schlankgestielte Keime - mit runden, violettroten Köpfchen (Perithecien), aus welchen sich - zahllose Sporen bilden, welche durch den Wind auf die Roggenblüten - fortgetragen werden, worauf die Entwicklung wie anfangs geschildert - vor sich geht. - - Bezüglich der Literatur der Mutterkornvergiftung ist namentlich das - ausführliche Werk von +Heusinger+, Studien über den Ergotismus, - Marburg 1856, hervorzuheben. - - -=Wirksame Bestandteile des Mutterkorns.= Nach +Kobert+ sind -im Mutterkorn drei giftige Stoffe enthalten. - -1. Das =Kornutin= oder =Sekakornin= ist ein Alkaloid und der Träger der -spezifischen Wirkung des Mutterkorns auf den +Uterus+. Das Kornutin -bewirkt infolge Reizung des im Lendenmark gelegenen Uteruszentrums -+Uteruskontraktionen+ bei trächtigen und nichtträchtigen Tieren. -Bei nichtträchtigen Tieren tritt eine deutliche Verstärkung der -rhythmischen Uteruskontraktionen schon nach der subkutanen Injektion -von ½ mg Cornutinum hydrochloricum pro kg Körpergewicht ein. Trächtige -Tiere reagieren auf Kornutin im Beginne der Schwangerschaft nicht, -in der Mitte nur nach sehr grossen Dosen, dagegen bewirken am Ende -der Trächtigkeit die kleinsten Dosen eine Austreibung des Fötus. -Die weiteren Wirkungen des Kornutins bestehen in der +Erregung des -Krampfzentrums+ mit tonisch-klonischen allgemeinen Muskelkrämpfen, -in einer veratrinähnlichen Einwirkung auf die Muskelfasern mit -+Muskelsteifheit+, in einer +Erregung des Vaguszentrums+ mit -Pulsverlangsamung und nachheriger Vaguslähmung, in +Erregung des -vasomotorischen Zentrums+ mit starker Blutdrucksteigerung und -+Gefässverengerung+, und bei grossen Dosen in einer +Lähmung des -Atmungszentrums+. - -2. Die =Sphazelinsäure= wirkt +gangränerzeugend+ (Sphazelus = -kalter Brand) infolge einer +hyalinen Degeneration+ und +Thrombose -der peripheren Arterienäste+. Sie ist die eigentliche Ursache der -+Mutterkornvergiftung+. Nach experimentellen Versuchen erzeugt sie bei -Schweinen und Hähnen Gangrän, insbesondere an der Zungenspitze, am -Kamm, Kehllappen, am Gaumen, Kehldeckel, an den Flügeln, auf der Haut, -sowie auf der Darmschleimhaut (Geschwüre und Nekrose); in sehr kleinen -Dosen längere Zeit verabreicht führt sie zu ähnlichen Veränderungen -auch im Rückenmarke mit Ataxie. In sehr grossen Dosen erzeugt sie -strychninartige Krämpfe und +Uterus-Tetanus+. - -3. Die =Ergotinsäure=, ein stickstoffhaltiges, leicht zersetzliches -Glykosid, +ohne Wirkung auf den Uterus+. Dasselbe ist lediglich ein -+Narkotikum+, welches die Reflexerregbarkeit vermindert und zuletzt -aufhebt. - - =Sphazelotoxin.= Nach +Jakoby+ und +Freund+ ist, im Gegensatz zu - den Angaben von +Kobert+, im Mutterkorn nur +ein+ giftiger Körper - enthalten, nämlich das +Sphazelotoxin+. Das im freien Zustande leicht - zersetzliche Sphazelotoxin soll im Mutterkorn an Sekalin bezw. - Chrysin gebunden als +Sekalintoxin+ und +Chrysotoxin+ enthalten sein. - In diesen Verbindungen soll es sowohl heftige Uteruskontraktionen - bewirken, als auch Gangrän erzeugen. Nach +Vahlen+ enthält das - Mutterkorn das Klavin. - - -=Krankheitsbild.= Die Mutterkornvergiftung bietet nach Erscheinungen, -Verlauf und Grad der Intensität sehr verschiedenartige -Krankheitsbilder, welche teils durch die Tiergattung, teils durch -die stärkere oder schwächere Giftigkeit des Mutterkorns, teils durch -die aufgenommene Menge bedingt sind. Am empfindlichsten scheinen -+Rinder+ und +Geflügel+ zu sein. Pferde zeigten nach experimentellen -Untersuchungen auf ½ kg Mutterkorn nur eine vorübergehende -Erkrankung. Ein Schwein starb angeblich erst, nachdem binnen 2 -Monaten 11 kg Mutterkorn verfüttert worden waren (+Tessier+). -Hühner und Tauben starben auf 5-15 g, Enten auf 60 g Mutterkorn. -Beim Menschen unterscheidet man je nach dem Verlauf eine +akute+ -und eine +chronische+ Mutterkornvergiftung, ferner je nach den -Krankheitserscheinungen einen +gangränösen+ und +spasmodischen+ -Ergotismus. Die einzelnen Krankheitserscheinungen bei den Haustieren -sind folgende: - -1. +Gastroenteritische Erscheinungen.+ Nach amerikanischen Berichten -(+Salmon+, +Law+) hatte der im Jahre 1884 in verschiedenen Staaten -Nordamerikas unter den Rindern epizootisch auftretende Ergotismus -eine grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbilde der Aphthenseuche -(Maulseuche) und Rinderpest. Die wichtigsten diesbezüglichen -Erscheinungen, welche auch sonst bei sporadischen Fällen von -Mutterkornvergiftung beobachtet werden, sind +starkes Speicheln+, -umschriebene +Rötung+, +Blasenbildung+, +Entzündung+, +Erosion+ und -+Gangräneszierung+ der +Maulschleimhaut+, ebensolche Veränderungen -auf der Schleimhaut des +Mastdarms+ und der +Scheide+, ausserdem -+Erbrechen+ (bei Schweinen), +Kolik+ und +Durchfall+. - -2. +Gangräneszierung und Mumifikation extremitaler Teile.+ Bei dem in -Nordamerika seuchenartig auftretenden Ergotismus gesellten sich zu -den geschwürigen Prozessen der Digestionsschleimhaut Erscheinungen, -welche eine grosse Aehnlichkeit mit Klauenseuche hatten, so dass die -Vergiftung längere Zeit für eine Invasion der Maul- und Klauenseuche -(Aphthenseuche) gehalten wurde. Die Erscheinungen des „Ergotismus -gangraenosus“, wie diese Form der Mutterkornvergiftung bezeichnet wird, -kommen ausser beim Rind auch beim Schwein und Geflügel vor und bilden -eine besonders charakteristische Affektion. Man beobachtet nämlich -bei längerer Dauer der Vergiftung ein +Absterben (Mumifikation) der -extremitalen Körperteile+, namentlich der +Klauen+, +Phalangal-+, -+Metatarsal-+ und +Metakarpalenden+, der +Ohren+, des +Schwanzes+, der -+Zitzen+, beim Geflügel des +Kammes+, +Kehllappens+, der +Krallen+, -+Zehen+, +Flügel+, der +Zungenspitze+, des +Kehldeckels+ etc. Die -ersten Krankheitserscheinungen bestehen hiebei in +Lahmgehen+ auf -einem oder mehreren Beinen, sowie im Unvermögen der Tiere aufzustehen. -Bei der Untersuchung der Klauen findet man +Rötung+ und +schmerzhafte -Schwellung+ der Haut an der Krone, am Fessel, am Schienbein, -allmähliches +Absterben umschriebener Hautstücke+, +Austrocknung+ -und +Mumifikation+ der abgestorbenen Teile, +Einschnürung+ an der -Begrenzungsstelle gegen das gesunde Gewebe und endlich +Ablösung+ der -mumifizierten Gewebe: einer Klaue, des Fessels, des unteren Teiles der -Hinterbeine bis zur Mitte des Schienbeins, der Ohren, der äusseren -Hälfte des Schwanzes. - -3. +Erscheinungen von seiten des Uterus.+ Sie bestehen in +Wehen+, -+schmerzhaftem Drängen+, +Abortus+ und +Frühgeburt+, +Uterus-+ und -selbst +Mastdarmvorfall+. Bei ausgedehnter Verbreitung der Vergiftung -kann der Abortus enzootisch und selbst epizootisch auftreten. Zuweilen -ist der Abortus auch mit +Metritis+ kompliziert; ausserdem entwickelt -sich im Anschluss an denselben häufig bleibende +Sterilität+. - -4. +Nervöse Störungen.+ Dieselben bestehen in +Eingenommenheit des -Sensoriums+, +Schlafsucht+, +Gefühllosigkeit+, +Lähmungserscheinungen+ -(Mutterkorntabes, Polyneuritis toxica), +Pupillenerweiterung+, -+Erblindung+ (Katarakt), sowie in +Krampf der Beugemuskeln+ (Ergotismus -spasmodicus oder convulsivus) mit +Muskelatrophie+. - -Die +Krankheitsdauer+ erstreckt sich gewöhnlich über Wochen und Monate. -Die Mortalitätsziffer ist trotz der schweren Krankheitserscheinungen -niedrig. - - -=Behandlung.= Zunächst muss mit der Verfütterung des mutterkornhaltigen -Getreides, Heus, Brotes ausgesetzt werden. Als chemisches Gegengift -gegen die im Mutterkorn enthaltenen Gifte kann das +Tannin+ versucht -werden. Ausserdem empfiehlt sich die Anwendung gefässerweiternder und -krampfstillender Mittel (+Amylnitrit+, +Morphium+, +Chloralhydrat+). -Die gastroenteritischen Erscheinungen werden symptomatisch, die -abgestorbenen extremitalen Teile nach den Regeln der Chirurgie -(Amputation) behandelt. - - -=Nachweis.= Der Nachweis des Mutterkorns im Getreide und Heu ist -+botanisch+ leicht zu führen, wenn dasselbe in ausgebildeter Form darin -enthalten ist. Zerkleinertes Mutterkorn kann auf verschiedene Weise -nachgewiesen werden. +Mikroskopisch+ ist das Gewebe des Mutterkorns -charakterisiert durch die langgestreckten, +mit violettem Farbstoff -gefüllten Zellen+ der Bindeschicht. Diese Farbstoffe können auch -+spektroskopisch+ durch Extraktion mit schwefelsäurehaltigem Aether und -das Auftreten zweier Absorptionsstreifen in Grün und Blau festgestellt -werden. Endlich entwickelt sich beim Erwärmen mutterkornhaltiger -Futterstoffe mit Kalilauge ein Geruch nach Heringslake (Trimethylamin). - - =Kasuistik.= +Salmon+ (Amerikanischer Veterinärbericht 1884) - berichtet über eine Mutterkorn-Epizootie, welche im Jahre 1884 in - verschiedenen Staaten Nordamerikas (Kansas, Missouri, Illinois, Jova, - Colorado) unter dem Rindviehbestande grosse Verheerungen angerichtet - hatte und anfänglich für Maul- und Klauenseuche gehalten worden war. - Die Aufnahme des Mutterkorns erfolgte durch das Heu, welches teils - aus Elymus virginicus var. submuticus, teils aus Agrostis vulgaris - bestand, und wobei die genannten beiden Pflanzen stark mit Mutterkorn - besetzt waren, so dass 75 Gewichtsteile des Heues 1 Teil Mutterkorn - enthielten. Das Krankheitsbild hatte bald mehr Aehnlichkeit mit - Maulseuche, bald mehr mit Klauenseuche. Die Veränderungen in der - Maulhöhle bestanden in Speicheln, Schnalzen, diffuser Rötung, - dunkelroten Flecken, 1 cm grossen dunkelfarbigen Erosionen, sowie - umschriebener Nekrose der Maulschleimhaut. Auch die Schleimhaut des - Mastdarms und der Scheide zeigten sich höher gerötet, gefleckt und - mit Erosionen besetzt. An den Klauen war Rötung, Schwellung und - Schmerzhaftigkeit der Haut zu konstatieren, wobei die Tiere von - vornherein lahmten. Später starben umschriebene Hautstücke, einzelne - Klauen, sowie zuweilen die Fussenden an sämtlichen Extremitäten - bis zum Fessel und selbst bis zur Mitte des Schienbeins brandig - ab, worauf sich die abgestorbenen Teile meist in der Nähe eines - Gelenks unter Bildung einer ringförmigen Einschnürung abstiessen. - Auch die Ohren und die Schwanzspitze zeigten Mumifikation. Ausserdem - wurde epizootischer Abortus beobachtet. -- +Law+ (Americ. vet. - rev. 1884) beschreibt dieselbe Mutterkorn-Epizootie in Kansas. Es - erkrankten fast nur Rinder, während Pferde, Schafe und Schweine fast - ausnahmslos gesund blieben. Die Krankheit wurde anfangs wegen des - gleichzeitigen Auftretens von Blasen im Maul und von Lahmheit für - Aphthenseuche gehalten und hatte ausserdem eine gewisse Aehnlichkeit - mit der Rinderpest. Die erkrankten Tiere zeigten starkes Speicheln - und unterdrückte Futteraufnahme. Auf der Maulschleimhaut zeigten - sich rinderpestartige Erosionen. Daneben bestand Verstopfung, - Tympanitis und profuse Diarrhöe. Später beobachtete man auch - nervöse Störungen: Schwindel, unsteten Blick, schwankenden Gang, - Pupillenerweiterung, Mattigkeit, Schlafsucht, abwechselnd mit - Aufregung und Hyperästhesie; einige Tiere starben auch unter - diesen Erscheinungen innerhalb 1-2 Tage. Weiterhin wurde vielfach - Abortus beobachtet. Die schwersten Veränderungen zeigten sich an - den Fussenden. Die Tiere lahmten zunächst; ausserdem war Rötung und - schmerzhafte Schwellung der Haut im Klauenspalt, an der Krone und - am Fessel bis hinauf zur Mitte des Schienbeins wahrzunehmen. Die - geschwollenen Teile zeigten später die Erscheinung des Absterbens: - Eintrocknen, Rissigwerden, Unempfindlichkeit, livide Verfärbung, - demarkierende Eiterung und Nekrose und wurden bis zum Fesselgelenk - brandig abgestossen. Dieselben Veränderungen zeigten sich an den - Schwänzen, Ohren und Zitzen. -- +Kowalewski+ (Russ. Archiv für - Veterinärmedizin 1884) sah bei 20 Rindern gangränösen Ergotismus - nach der Verfütterung von Roggen, welcher ⅕ Mutterkorn enthielt. In - den ersten 4 Wochen zeigten die Tiere Lahmheit und Entzündung der - unteren Fussenden; im Verlaufe weiterer 4 Wochen trat Absterben der - Fussenden und Schweifspitzen ein. Die lokalen Veränderungen bestanden - in schmerzhafter, heisser Schwellung der Kronenhaut, weisslicher - Verfärbung derselben, Eitersekretion und Schorfbildung; im Anschluss - hieran zeigte sich Nekrose der Haut, Sehnen, Bänder und Knochen bis - zum Krongelenk mit Abfallen dieser Teile. Ausser starker Abmagerung - waren Appetit und Allgemeinbefinden nicht gestört. -- +Armbruster+ - (Badische Mitteil. 1877) beobachtete bei 6 Mutterschweinen und einem - Zuchteber Erscheinungen der Mutterkornvergiftung. Die Tiere zeigten - Erbrechen, Würgen, Zittern, Zuckungen an den Beinen, Schwäche und - Lähmung des Hinterteils. Bei einem derselben blieben Schwäche im - Hinterteil, Eingenommenheit des Sensoriums und dauernde Erblindung - zurück. Ein Schwein starb. -- +Magnus+ (Preuss. Mitt. Bd. 16) sah - mehrere Kühe nach der Aufnahme von Mutterkorn abortieren. Einige - zeigten ferner Wehen und Gebärmuttervorfall. Bei 2 Pferden und 5 - Schweinen wurde ausserdem Mastdarmvorfall beobachtet. -- +Kolb+ - (Preuss. Mitt. N. F. Bd. 1) fand bei einem trächtigen Schwein als - Erscheinungen der Mutterkornvergiftung Kolik, Erbrechen, Wehen, - Abortus, Gebärmutterentzündung und Schwächezustände. -- +Decoste+ - (Recueil 1848) sah bei einer Kuh, welche mehrere Wochen hindurch - mit mutterkornhaltigem Weizen gefüttert wurde, Mumifikation des - linken Vorderbeins bis zur Vorderfusswurzel, sowie Absterben der - Klauen und Fussenden; dabei war die Futteraufnahme nicht alteriert. - Auch Hühner und Enten zeigten nach 2-3 Wochen Mumifikation - der Zehen, des Schnabels und des Kamms. -- +Goldstein+ (Berl. - tierärztl. Wochenschrift 1894 S. 196) beschreibt 2 Fälle von - Mutterkornvergiftung, welche sich bei den Kühen eines Müllers nach - der Verfütterung von Abfallkorn zeigten, das stark mit Mutterkorn - durchsetzt war. Die Erscheinungen bestanden in Gangrän der Haut an - den Hinterbeinen, am Schwanz und am Euter, Lockerung des Hornschuhs, - sowie brandigem Absterben des Unterschenkels, der Ohren und des - Schwanzes mit Abfallen derselben. Auffallend war das muntere Benehmen - der Tiere trotz der schweren Erkrankung, sowie der Umstand, dass - eine der kranken Kühe ein lebendes, ausgetragenes Kalb zur Welt - brachte. -- +Reisinger+ (Veterinarius 1896) sah bei 4 Pferden nach - Verfütterung von stark mutterkornhaltigem Roggen heftige Kolik, - hohe Pulsfrequenz (80 P.), Muskelzittern und Hufentzündung. -- Nach - +Robin+ (Recueil 1899) verlor eine mit mutterkornhaltigem Roggen - gefütterte Kuh durch brandiges Absterben die Ohren, einen Teil des - Flozmauls, über die Hälfte des Schwanzes, sowie die Phalangen vorn - rechts und hinten linke; ausserdem trat Durchfall und Abmagerung ein. - - - =Experimentelles.= +Grünfeld+ (Beiträge zur Kenntnis der - Mutterkornvergiftung, Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu - Dorpat 1892, Bd. 8, und Zur Kenntnis der Sphalezinsäurewirkung, - Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu Dorpat 1895, Bd. - 12) hat die Wirkung des Mutterkornes bei Hähnen und Ferkeln - untersucht. Die häufigste Erscheinung bei +Hähnen+ bestand zuerst - in Dunkelviolett-, dann in Schwarzwerden des Kammes und der - Bartlappen. Sobald die Giftdarreichung fortdauerte, blieben die - Kammspitzen schwarz und trockneten ein (Gangrän). Bei der Erkrankung - des Kammes und der Bartlappen fanden sich Thromben, mit hyalinen - Massen gefüllt, sowie hyaline Degeneration der Gefässwand. Die - Zungenspitze zeigte öfters den gleichen Befund. Später stellten sich - Appetitlosigkeit und grosser Schwächezustand ein; Erbrechen und - Speichelfluss gingen dem Tode voran. Die Obduktion bot das Bild eines - hochgradigen follikulären Katarrhes der Schleimhaut des Schlundes, - Kropfes und Mageneinganges; der Kropf selbst wies zahlreiche - charakteristische nekrotische Geschwüre auf. In der Darmschleimhaut - liessen sich Blutextravasate in Menge erkennen; die Lebergefässe - waren verbreitert, stark gefüllt und mit eigenartigen, als Amyloid - anzusprechenden Klumpen gefüllt. Bei +Ferkeln+ war eine anfangs - dunkelbraune, dann schwarze Verfärbung der Ohrmuscheln zu beobachten; - dieselben trockneten ein und liessen sich ohne Blutung abziehen oder - fielen von selbst ab. Das +mikroskopische+ Bild im ersten Stadium der - Mutterkornvergiftung bei Hähnen lässt starke Dilatation und Füllung - der Gefässe erkennen, die mit einer dunkelbraunen Masse gefüllt sind. - Das Lumen der Gefässe ist mit Thromben angefüllt. Im zweiten Stadium - ist die Dilatation und Füllung der Gefässe bis fast in die kleinsten - kapillären Verzweigungen zu konstatieren. Das dritte Stadium des - Mutterkornbrandes lässt schon mit blossem Auge in peripherer Richtung - drei Zonen erkennen. Die eine (Basis des Kammes) hat eine schwach - violette Farbe; die nächste zeigt mehr gelbbraune Nuance; die letzte - (Spitze des Kammes) ist dunkelviolett und selbst schwarz gefärbt. - Unter dem Mikroskop erweist sich diese als vollkommen abgestorbene - Partie. Der mittlere Teil bildet eine hyalin degenerierte Masse, in - welcher nur selten mehr gut erhaltene Zellen und Blutkörperchen zu - sehen sind. In der Basis des Kammes begegnet man spärlich hyalinen - Massen; sie weist stellenweise noch normale Struktur auf. Die - hinterste mumifizierte Partie des Kammes stellt das vierte oder - Endstadium des Mutterkornbrandes dar; vom epithelialen Ueberzug ist - so gut wie nichts mehr vorhanden. Im papillären Gewebe sind an vielen - Stellen frei im Bindegewebe hyaline Klumpen zu erkennen. Vom Inhalt - und der Wandung der einzelnen Kapillaren ist nichts mehr zu erkennen. - -- +Albrecht+ (Münchener Jahresber. 1894/95) stellte durch Versuche - bei kleinen trächtigen Wiederkäuern fest, dass nach Mutterkorngaben, - welche das Doppelte der therapeutischen Dosis betragen, besondere - Wirkungen nicht eintreten. Auf das 4-5fache der therapeutischen Dosis - erkrankten die Versuchstiere nur vorübergehend (Auftreibung, Versagen - des Futters, Traurigkeit, Muskelzittern). +Abortus trat nicht ein.+ - - -Vergiftung durch Schimmelpilze. - - =Botanisches.= Die Schimmelpilze (Mukorineen) geben dadurch, dass - sie auf den verschiedenartigsten Futterpflanzen parasitieren, sehr - häufig Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren. Die einzelnen - pathogenen Arten sind folgende: - - 1. +Mucor+, der +Blasenschimmel+, mit den Unterarten Mucor Mucedo - (gemeiner Kopfschimmel), Mucor racemosus, Mucor stolonifer und Mucor - Phycomyces. - - 2. +Aspergillus+, der +Kolbenschimmel+, mit der Vergiftungen - erzeugenden Unterart Aspergillus glaucus; (A. fumigatus, niger und - flavus sind nur insofern pathogen, als sie sich zuweilen im Innern - des Tierkörpers, z. B. in der Lunge, ansiedeln; sog. Pneumomykosis). - - 3. +Penicillium glaucum+, der +Pinselschimmel+, ein sehr - verbreiteter, namentlich auf Brot parasitierender Schimmelpilz. - - 4. +Oidium lactis+, der +Milcheischimmel+, als schimmelartiger Anflug - auf saurer Milch vorkommend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch Schimmelpilze -kommen am häufigsten bei Pferden, ausserdem bei Rindern und -Schafen vor. Sie ereignen sich durch die Aufnahme verschimmelter -Futterstoffe: Hafer (sog. multeriger Hafer), Stroh, Heu, Häcksel, -Kleeheu, Brot, Mehl, Lupinen, Rapskuchen, Leinkuchen und sonstige -Oelkuchen, Rüben, Schlempe, Obst, Kürbisse. Während erfahrungsgemäss -verschimmelte Futterstoffe von vielen Tieren längere Zeit ohne -Schaden aufgenommen werden können und in Uebereinstimmung mit dieser -Erfahrung Fütterungsversuche mit verschimmelten Futterstoffen unter -Umständen negativ ausfallen, bedingen bei anderen Tieren Schimmelpilze -oft eine schwere, unter den Erscheinungen der +Gastroenteritis+ -oder einer charakteristischen Affektion der +Nervenzentren+ -verlaufende Vergiftung. Die genaueren Vorgänge bei der Giftwirkung -der Schimmelpilze sind nicht bekannt. Wahrscheinlich handelt es -sich um ein Toxin von scharf narkotischer Wirkung, welches von den -Schimmelpilzen auf den genannten Futterstoffen erzeugt wird. +Leber+ -hat in Kulturen von Aspergillus fumigatus und Penicillium glaucum -ähnliche entzündungserregende Toxine nachgewiesen, wie das von ihm in -den Kulturen der Eiterbakterien (Staphylokokken und Streptokokken) -gefundene +Phlogosin+. Je nach der Menge und Beschaffenheit dieses -Toxins, je nach dem Zustand der Magen- und Darmschleimhaut (gesund und -krank), sowie je nach der individuellen Prädisposition (Immunität!) -sind die Erscheinungen der Schimmelpilzvergiftung verschieden. -Eine physikalische Einwirkung der Schimmelpilze auf den Körper -(Einwanderung von Pilzen in die Blutbahn) ist nicht anzunehmen. - -Die wichtigsten Krankheitserscheinungen des +polymorphen+, -ungleichartigen Vergiftungsbildes sind in vielen Fällen folgende: -+Appetitlosigkeit+, +Kolik+, +Tympanitis+, +Verstopfung+, +Durchfall+, -+blutiger, schleimiger, oft sehr übelriechender Kot+; ausserdem -wurden Speicheln, Schlingbeschwerden, Aufstossen und Erbrechen (bei -Pferden), sowie ikterische Erscheinungen beobachtet. In anderen -Fällen beobachtet man, namentlich bei Pferden, nach der Verfütterung -von schimmligem multrigem Hafer eine hochgradige und anhaltende -+Polyurie+ (sog. Lauterstall); auch Erscheinungen der Nephritis und -Zystitis sind konstatiert worden. Nicht selten äussern sich ferner -die Schimmelpilzvergiftungen in +Schwindel+, +Schwanken+, +Taumeln+, -+Betäubung+, +dummkollerartigem Benehmen+, +Gefühllosigkeit+, -+Apathie+, +Lähmung der Gliedmassen+, +des Hinterteils+, +der Zunge+, -+Blase+, +der Ohren+, +der Retina+ (+Amaurosis+), +Umfallen+, sowie -+allgemeiner Körperlähmung+. Zuweilen werden jedoch auch zerebrale -Erregungserscheinungen beobachtet: Vorwärtsdrängen, Brüllen, -Bohren in die Wand, Zittern, Konvulsionen und selbst epileptiforme -Krampfanfälle. Ausserdem findet man starken +Schweissausbruch+, -unfühlbaren, sehr frequenten Puls, starke Injektion und rotbraune -Verfärbung der Konjunktiva, sowie rasch zunehmende Abmagerung. Diese -Verschiedenartigkeit des Krankheitsbildes lässt sich vielleicht in der -Weise erklären, dass die Schimmelpilze je nach den wechselnden äusseren -Verhältnissen (Temperatur, Nährboden, Alter und Entwicklungsstadium -des Pilzes) chemisch und physiologisch verschiedenartige giftige -Stoffwechselprodukte liefern. Der +Verlauf+ ist oft sehr akut, so -dass der Tod schon innerhalb 12-24 Stunden eintritt; in anderen -Fällen dauert die Krankheit mehrere Tage. Auch Nachkrankheiten, wie -Erblindung, lähmungsartige Schwäche, sowie angeblich auch Dämpfigkeit -(Lungenemphysem) können zurückbleiben. - -Die +Sektion+ ergibt umschriebene oder ausgebreitete -Schwellung, +Entzündung+, +Ekchymosierung+ und +Erosion+ der -+Magendarmschleimhaut+, Ansammlung von +Serum+ in den +Hirnventrikeln+ -und im +Arachnoidealsack+, +Hyperämie+ und +ödematöse Durchtränkung+ -des +Gehirns+ und +Rückenmarks+, blutige Flüssigkeit in der -Bauchhöhle, sowie zuweilen die Erscheinungen der Nephritis, Zystitis, -Peritonitis und akuten gelben Leberatrophie. In anderen Fällen ist der -Sektionsbefund +negativ+. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Schimmelpilzvergiftung besteht neben -dem Aussetzen der betreffenden Fütterung in der Verabreichung von -+Abführmitteln+. Wegen seiner gleichzeitig desinfizierenden Wirkung -gibt man bei Pferden besonders +Kalomel+. Ausserdem empfiehlt sich die -Verabreichung gärungswidriger Arzneimittel (+Kreolin+). Als chemisches -Antidot kann +Tannin+, +Tannoform+ und +Jod+ (Lugolsche Lösung) -versucht werden. Im übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+; -die Erscheinungen der Magendarmentzündung werden mit einhüllenden und -beruhigenden Mitteln (Leinsamenschleim mit Opium), die zerebralen -Lähmungserscheinungen mit +Exzitantien+ behandelt (Kampfer, Aether, -kohlensaures Ammonium, Veratrin). - - =Kasuistik.= Die Zahl der in der tierärztlichen +Literatur+ - verzeichneten Fälle von Schimmelpilzvergiftungen ist ausserordentlich - gross. Es mögen nur die nachstehenden klinischen Beobachtungen kurz - hier zusammengestellt sein. Zwei Pferde wurden 8 Tage lang täglich - mit je 6 Pfund schimmligem Brot gefüttert, welches einen bitteren, - etwas scharfen Nachgeschmack hatte. Nach Ablauf der Woche zeigten - sie Appetitlosigkeit, Kolik, starkes Zittern der Vordergliedmassen, - taumelnden Gang, Pupillenerweiterung, rotbraune Verfärbung der - Konjunktiva, unfühlbaren Puls und Kälte der extremitalen Teile. - Bei der Sektion wurde starker Meteorismus, sowie Ansammlung einer - grossen Menge blutiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorgefunden. - Die Blinddarmschleimhaut war stellenweise entzündet. Nach Eröffnung - der Schädelhöhle fand sich starke Vaskularisation der Pia, die - Gehirnsubstanz zeigte auf dem Durchschnitte zahlreiche schwarze - Punkte, das Rückenmark war erweicht (+Abadie+, Recueil 1882). -- 2 - Pferde hatten je 1 Pfund verschimmeltes, schwarz und orangefarben - angelaufenes Brot gefressen. Zuerst traten Kolikanfälle auf, die - 3-4 Minuten anhielten und sich alle ½ Stunde wiederholten. Dabei - wälzten sich die Tiere nicht, sondern bogen sich beim Gehen mit - dem Hinterteil nieder. Die Kolikanfälle dauerten die ganze Nacht. - Gegen Morgen schwankten die Tiere mit dem Hinterteil hin und her und - stützten den Kopf gegen die Wand, schliesslich konnten sie nicht mehr - stehen, sie zeigten Schwindel und fielen erschöpft nieder. Der Puls - war dabei klein und sehr frequent, es trat Schweissausbruch ein, die - Konjunktiva zeigte Petechien. Am Boden lagen die Tiere etwa ½ Stunde - wie tot, ohne Gefühl. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten - gegen die Wand, gerieten wieder in Schweiss und zeigten denselben - Anfall wie vorher. Unter Nachlassen der Anfälle erholten sich die - Tiere allmählich. Es bestand aber noch mehrere Tage starke Schwäche - im Hinterteil, welche vollständig erst nach Wochen verschwand - (+Perrin+, Recueil de méd. vét. 1881, S. 184). -- Pferde zeigten - nach der Verabreichung von schimmligem Hafer Appetitlosigkeit, - Kolik, Polyurie, Abmagerung, sowie nach einem Monat schwarzen Star - mit bleibender Erblindung (+Hugues+, Annal. de Bruxelles 1874). -- - +Hühnerbein+ (Preuss. Mitteil. 1877) beobachtete bei Pferden und - Rindern nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Speicheln, - Stomatitis und Abmagerung. -- +Bonnet+ (Repertorium 1875) sah - bei 22 Artilleriepferden nach der Aufnahme von schimmligem Heu - heftige Kolik, Magendarmentzündung, Nephritis, Zystitis, sowie - vereinzelt die Erscheinungen des Dummkollers; 3 Pferde starben. -- - +Morro+ (Berliner Archiv 1890) beobachtete bei Pferden, welche mit - grossen Mengen schimmligen Brotes gefüttert wurden, hohes Fieber, - starke Gehirndepression, Kolik, blutigen mit Schleim überzogenen - Kot, unterdrückte Futteraufnahme, Aufstossen und Erbrechen. Ein - Pferd vermochte sich kaum von der Stelle zu bewegen und ging - wie ein verschlagenes Pferd. Der Tod erfolgte nach 18stündiger - Krankheitsdauer. -- +Strittmaker+ (Bad. Mitteil. 1888) sah bei 3 - dreijährigen Fohlen nach der Aufnahme von schimmligem Mehl Kolik, - Durchfall und unfühlbaren Puls; am 4. Tage waren die Tiere wieder - genesen. -- +Kammerer+ (Bad. Mitt. 1871) berichtet über einen Fall - von Vergiftung durch schimmliges Kleeheu bei 7 Kühen, welche nach 3-6 - Tagen starben. Sie zeigten unterdrückte Futteraufnahme, Schäumen, - starke Rötung der Konjunktiva, zerebrale Erregungserscheinungen - (Bohren mit den Hörnern in die Wand), Betäubung, Umfallen, - epileptiforme Krämpfe und Konvulsionen. -- +Leistikow+ (Preuss. Mitt. - 1882) sah 9 Rinder nach der Verfütterung von schimmligen Rapskuchen - unter den Erscheinungen von heftiger Kolik, Tympanitis, Verstopfung, - Durchfall, Benommenheit und angestrengter Atmung erkranken; 4 - starben, bei der Sektion zeigte sich die Schleimhaut des Magens - und Darmes entzündet. -- +Jakobi+ (Preuss. Mitteil. 1879) sah 52 - Mutterschafe nach dem Genusse von schimmligem Heu unter ikterischen - Erscheinungen sterben; die Sektion ergab akute gelbe Leberatrophie. - -- +Köppke+ (Preuss. Mitteil. 1880) fand bei 11 Rindern nach dem - Genusse von schimmligem Buchweizenstroh Aufblähung, Steifheit - der Bewegung, sowie dünnflüssigen, schleimigen, blutigen Kot. -- - +Weigel+ (Sächs. Jahresber. 1880) sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme - von schimmligem Kürbis vermehrte Kaubewegung, Kolik, Tympanitis, - Brüllen, Zittern und Steifheit im Kreuze. -- +Van Vallendael+ (Belg. - Annal. 1888) berichtet über eine Vergiftung von 5 Kühen durch - verschimmeltes Malz. Sie zeigten vollständige Appetitlosigkeit, - Tympanitis, Verstopfung und später Durchfall, Kolik, Zittern, - Schwäche in der Nachhand, schwankenden Gang und beschleunigtes - Atmen. Nach der Verabreichung von Glaubersalz trat nach 5 Tagen - Genesung ein. -- +Esser+ (Berl. Arch. 1889) sah bei Rindern nach - der Verfütterung schimmliger Erdnusskuchen Tympanitis und heftigen - Durchfall. -- +Pikernig+ (Vet. journ. Bd. 27) sah eine Kuh nach der - Aufnahme von schimmligem Heu anhaltend erbrechen. -- Nach +Koch+ - (Repertorium 1889) erkrankte ein Pferd nach der Aufnahme von 4 Pfund - schimmligem Brot an Verstopfung und leichter Kolik, worauf Lähmung - der Nachhand mit sehr beschleunigtem (90 P.) und fast unfühlbarem - Puls hinzutrat. Die Sektion ergab Gastroenteritis. -- Rinder zeigten - nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Aufblähen, Kolik und - Durchfall (+Uebele+, ibid.). -- Schimmliger Hafer verursachte bei - einem Pferd allgemeine Schwäche, schwankenden Gang, Ikterus, sowie - gastrische Störungen (+Repiquet+, J. de Lyon 1890). -- Verschimmeltes - Brot hatte bei einem Pferd starke Benommenheit, Leibschmerzen, - Aufstossen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, sowie den Tod nach - 18 Stunden zur Folge (Berl. Arch. 1890). -- Nach der Verfütterung - schimmliger Leinkuchen zeigte ein Rind grosse Apathie, starkes - Speicheln, Schlingbeschwerden, und bei der Sektion die Erscheinungen - der Gastroenteritis (+Winter+, ibid.). -- 7 Stück Jungvieh erkrankten - nach der Fütterung schimmliger Malzkeime unter Lähmungserscheinungen; - die Tiere machten fortgesetzt vergebliche Versuche zum Aufstehen - (+Martin+, Woch. f. Tierhlkde. 1890). -- 5 Brauerpferde, welche - mit schimmeligem Hafer (Penicillium glaucum) gefüttert wurden, - zeigten, nachdem sie am Abend vorher noch regelrecht ihr Futter - verzehrt hatten, am darauffolgenden Morgen die Erscheinungen einer - schweren Muskelschwäche und Hinfälligkeit, so dass sie nicht - imstande waren, sich zu erheben, sondern gelähmt am Boden lagen. - Zu dieser allgemeinen Muskellähmung gesellten sich später gegen - das tödliche Ende hin Symptome von Herz- und Lungenlähmung. Die - Krankheitsdauer betrug durchschnittlich nicht mehr als 24 Stunden. - Merkwürdigerweise war während der ganzen Krankheitsdauer die Futter- - und Wasseraufnahme nicht gestört, auch liess sich bei keinem Pferde - eine fieberhafte Steigerung der Körpertemperatur nachweisen. Bei der - Sektion waren ausser einer Verfärbung des Blutes und der Muskulatur - krankhafte Veränderungen der inneren Organe nicht zu konstatieren; - es zeigten sich speziell Magen und Darm, Lunge, Leber, Milz und - Nieren in durchaus normalem Zustande (+Fröhner+, Monatshefte für - praktische Tierhlkde. IV. Bd. 1892). -- 4 Rinder zeigten nach - der Aufnahme verschimmelter Rüben vollständige Körperlähmung, - konnten sich nicht vom Boden erheben, knirschten mit den Zähnen - und zeigten gänzlich unterdrückte Wanstbewegung; die Sektion ergab - ein vollkommen negatives Resultat (+Marquard+, Bad. tierärztl. - Mitt. 1892). -- 9 Pferde erkrankten nach der Fütterung schimmligen - Kleeheus unter dummkollerartigen Erscheinungen, Dyspnoe und starkem - Schweissausbruch; eines derselben verendete nach 10 Stunden an - perakuter Gastroenteritis (+Herbst+, Woch. f. Tierhlkde. 1893). -- - +Mulotte+ (Deutsche tierärztl. Wochenschr. 1893) beobachtete bei - 10 Pferden vorübergehend das Auftreten von Kehlkopfpfeifen nach der - Verfütterung von stickig riechendem Kleeheu. -- +Berger+ (ibid.) - sah 2 Pferde nach der Verfütterung stark schimmligen Brotes (3 - Kilo) unter starkem Zittern, Dyspnoe, unsicherem Gang, Tympanitis - und Kolik erkranken. Ein besonders hochgradig krankes Pferd war - vollständig teilnahmslos und zeigte auffallend starkes Herzklopfen. - -- +Zippel+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1894) machte Fütterungsversuche bei - Hunden, Kaninchen, Ziegen und einem Pferde mit verschimmeltem Brot, - Kartoffeln und Kleie, sowie mit Schimmelkulturen. 2 Kaninchen gingen - unter Lähmungserscheinungen ein. Die übrigen Versuche fielen negativ - aus. -- Nach +Thary+ und +Lucet+ (Recueil 1895) hatte Aspergillus - fumigatus bei jungen Pferden eine influenzaähnliche Erkrankung zur - Folge. -- 3 Pferde erkrankten plötzlich unter Schweissausbruch, - starker Pupillenerweiterung, zunehmender Schwäche und schliesslich - Lähmung der Nachhand; die Sektion war durchaus negativ (+Lothes+, - Berl. Arch. 1896). -- 3 Schweine, welche verschimmelte Malzkeime - gefressen hatten, konnten sich am nächsten Morgen schwer erheben, - taumelten beim Gehen, stöhnten und stürzten hin. Ein ebenfalls - erkrankter Eber zeigte sich matt, frass nicht und taumelte stark beim - Gehen (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. 1897). -- Truthühner erkrankten - nach der Aufnahme von schimmligem Buchweizen (Aspergillus fumigatus) - seuchenhaft; sie zeigten Traurigkeit, Somnolenz, Schwäche, Diarrhöe, - Abmagerung, sowie Kachexie. Die Sektion ergab eine Peritonitis - aspergillosa in Form von Flecken, Knötchen und Kapseln auf dem - Bauchfell, welche reichlich Aspergillussporen enthielten (+Lignières+ - und +Petit+, Recueil 1898). -- 4 Schweine erkrankten nach der - Fütterung mit schimmligem Mehl unter Erscheinungen von Tympanitis - und Traurigsein (+Römer+, D. T. W. 1899). -- +Sickert+ (Berl. - Archiv 1898) sah bei Zugochsen nach der Verfütterung verschimmelten - Kraftfutters Verdauungsstörungen, Kolik, Diarrhöe, Blutharnen und - grosse Hinfälligkeit. -- +Arndt+ (ibid. 1899) beobachtete nach - der Fütterung sehr stark verschimmelter Hanfkuchen bei 12 Pferden - Beschwerden beim Kauen und Schlucken, Schlinglähmung, Zungenlähmung, - Schwäche und Lähmung im Hinterteil, sowie Tod nach 10-24 Stunden; - die Obduktion lieferte einen vollkommenen negativen Befund. -- - +Eggeling+ (Berl. Arch. 1900) sah in 3 Dörfern mit 8 Gehöften - zahlreiche Kühe nach der Verfütterung verschimmelter Malzkeime - erkranken. Die Tiere zeigten psychische Erregungserscheinungen, - Muskelzittern, klonische Krämpfe, Salivation, Appetitlosigkeit - und schnelle Abmagerung; später kamen Lähmungserscheinungen, - Unvermögen zu stehen und heftige Krämpfe mit Opisthotonus hinzu. - Bei mehreren Kühen trat der Tod nach 3-5tägiger Krankheitsdauer - ein. -- +Kovácz+ (Veterinarius 1900) beobachtete bei 26 Ochsen nach - der Verfütterung von schimmligem Wickenstroh hochgradige Schwäche, - Durchfall, Gelbfärbung der Schleimhäute, sowie hohes Fieber; nach - der Verabreichung von je 20 g Kreolin erholten sich, mit Ausnahme - von 2 Ochsen, sämtliche Tiere nach 3-4 Tagen. -- Im Kreise Herford - wurden nach der Verfütterung schimmliger Hafergarben allgemeine - Lähmungserscheinungen mit tödlichem Ausgang, im Kreise Hameln nach - der Verfütterung von schimmligem Heu bei Pferden Bronchitis und - später Dämpfigkeit beobachtet (Preuss. Vet.-Ber. 1900). -- Nach der - Verfütterung von schimmligem, in Ziegelsteingruben aufbewahrtem - Getreide zeigten mehrere Kühe (nicht alle!) grosse Abgeschlagenheit, - angestrengte Atmung, Verstopfung und Durchfall, schleimig-eitrigen - Nasenausfluss und Gehirnerscheinungen (Drängen mit dem Kopf gegen die - Wand); nach etwa 5 Tagen trat der Tod ein. Die Sektion ergab fleckige - Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut, Tracheitis und Bronchitis, - Lungenemphysem sowie Gehirnhyperämie (+Mayo+, Am. vet. rev. 1901). - -- Nach der Verfütterung von schimmligem Haferstroh verendeten 4 - Rinder, nachdem übelriechender Durchfall, Lähmung des Schlundkopfes, - Schwäche der Nachhand sowie allgemeines Sopor vorausgegangen waren - (Bild der Gebärparese); die Sektion ergab zahlreiche Hämorrhagien - und geschwürige Substanzverluste auf der Magendarmschleimhaut, - blutigen Darminhalt, Fettdegeneration der Leber, sowie Schwellung - der Lymphdrüsen (+Wiedenmayr+, Woch. f. Tierh. 1901). -- 72 Schafe - erkrankten nach Fütterung mit schimmliger Kleie, 61 starben an - Gastroenteritis, sie zeigten Depressionserscheinungen, Drängen nach - vorne und Lähmung. 4 Kühe starben gleichfalls an Gastroenteritis; - sie zeigten Schlinglähmung, Schlummersucht und allgemeine Lähmung - (+Hesse+, +Hoppe+, Preuss. Veter.-Bericht 1904). -- Nach der - Fütterung von 2 kg schimmligem Schwarzbrot (Mucor Mucedo) zeigte - eine Stute Kolik, Dyspnoe, Verstopfung, hohes Fieber, sowie - dummkollerartige Erscheinungen; erst nach 4 Wochen konnte durch - entsprechende Behandlung (Laxantien) Heilung erzielt werden (+Motz+, - Bad. Mitt. 1905). -- 2 Pferde starben innerhalb 24 Stunden nach - der Fütterung von schimmligem Häcksel unter Kolikerscheinungen, - angestrengter Atmung, Verstopfung und Durchfall, Schlafsucht und - allgemeiner Lähmung; die Sektion ergab Darm- und Bauchfellentzündung, - Leberschwellung und lackfarbiges Blut (+Kränzle+, Woch. f. Tierh. - 1908). Weitere Fälle von Vergiftung durch Schimmelpilze finden sich - im Preuss. Vet.-Ber. pro 1907. -- Nach +Sturli+ (Wien. klin. Woch. - 1908) erzeugt der alkoholische Extrakt von Penicillium glaucum bei - Kaninchen Krämpfe. - - -Vergiftung durch Brandpilze. - - =Botanisches.= Die Brandpilze (Ustilagineen) wirken in folgenden - Gattungen giftig: - - I. +Tilletia Caries+, der +Steinbrand+, +Schmierbrand+ oder - +Stinkbrand+ des Weizens und Dinkels. Die Sporen besitzen - eine kugelige Form, blassbraune Farbe, sowie eine netzartige - Oberflächenzeichnung. Die damit befallenen Weizen- und Dinkelähren - produzieren leichte, kurze, gedunsene Körner mit graubrauner, dünner - Schale und schmierigem oder pulverigem, nach Heringslake riechendem - Inhalt (Sporen). - - II. +Ustilago.+ von toxikologischer Bedeutung sind: 1. +Ustilago - Carbo+, der +Staubbrand+, +Flugbrand+, +Russbrand+ des Weizens, - Hafers, der Gerste und der Wiesengräser, welcher in Form einer - schwarzen, geruchlosen, pulverigen Staubmasse die Aehren und Gräser - befällt. Seine Sporen sind ebenfalls kugelrund und braun, besitzen - aber im Gegensatz zu den Sporen von Tilletia Caries eine glatte - Oberfläche und geringere Grösse (halb so gross). 2. +Ustilago - maïdis+, der +Maisbrand+ oder +Beulenbrand+, welcher streifen- - oder beulenförmige Auftreibungen von anfangs weisser, später - schwarzgrauer Farbe an den Stengeln, Blättern und Blüten des Maises - hervorruft, deren Inhalt eine schwarze, schmierige oder pulverige - Masse bildet. Die Sporen sind braun, kugelig, halb so gross wie - Tilletia Caries und besitzen eine schwach stachelige Oberfläche. 3. - +Ustilago longissima+, befällt Glyceria (Poa) aquatica (Süssgras, - Wasserschwaden) und bildet hellbraune, mit braungrünem Pulver - gefüllte Streifen. Die Sporen sind unregelmässig rund, blassbraun, - glatt und etwa nur ¼ so gross wie die von Tilletia Caries. 4. - +Ustilago echinata+ kommt auf Phalaris arundinacea (Schilf) vor. - Auch auf dem Schilfgras (Phragmites communis, Phalaris arundinacea) - siedeln sich Brandpilze an. - - -=Krankheitsbild.= Von den oben genannten Brandpilzen ist weitaus -am giftigsten und gefährlichsten der Schmier- oder Stinkbrand des -Weizens und Dinkels, +Tilletia Caries+. Vergiftungen sind namentlich -bei Rindern, aber auch bei Schafen und Pferden (Müllerpferden) sowie -Schweinen nach dem Verfüttern der brandigen Dinkelspreu beobachtet -worden. In Bayern wurden Vergiftungen namentlich unter dem Vieh -der Abdecker beobachtet (sog. Wasenmeisterkrankheit). Auch bei den -Brandpilzen hat man, ähnlich wie bei den Schimmelpilzen, vielfach -die Erfahrung gemacht, dass sie von den Haustieren längere Zeit ohne -Schaden aufgenommen werden können. In Uebereinstimmung damit sind -Fütterungsversuche bei gesunden Tieren (vergl. unten) teils negativ -ausgefallen, teils haben sie eine relativ geringe Wirkung ergeben. -Diese Beobachtungen berechtigen jedoch nicht zu der allgemeinen -Schlussfolgerung, dass die Brandpilze wenig oder gar nicht giftig -sind. Vielmehr ist die Giftigkeit der Brandpilze ähnlich wie die -der Schimmelpilze offenbar nach den äusseren und inneren Umständen -sehr verschieden (Entwicklungsformen der Pilze, Menge, Nährboden; -Beschaffenheit der Magen- und Darmschleimhaut, individuelle -Disposition, Immunität). Wie bei den Schimmelpilzen handelt es sich -nicht um ein physikalisches Eindringen der Sporen ins Blut, sondern -um die Bildung eines Toxins. Dieses Toxin der Brandpilze äussert -neben einer reizenden Wirkung auf die Schleimhäute vor allem eine -+lähmende Wirkung auf das Schlingzentrum und das Rückenmark+. Die -Krankheitserscheinungen sind folgende. Die Tiere zeigen infolge Lähmung -des Schlundkopfes und Schlundes sowie der Zunge +Speichelfluss+ und -+anhaltende Kaubewegungen+. Ausserdem beobachtet man bei meist völlig -freier Psyche +Schwäche und Schwanken beim Gehen+, +Taumeln+, +Umfallen -und vollständige motorische und sensible Lähmung, wobei die Tiere -hilflos am Boden liegen+. In anderen Fällen treten die Erscheinungen -einer entzündlichen Reizung der Schleimhäute in den Vordergrund. Die -Tiere zeigen dann +Verstopfung+, +Durchfall+, Drängen auf den Kot und -Harn, +Scheidenausfluss+, +Schwellung der Augenlider+, Tränenfluss, -erschwerte Atmung sowie die Erscheinungen eines +Katarrhes der oberen -Luftwege+. Endlich kann bei trächtigen Tieren +Abortus+ eintreten. - - -=Sektionsbefund.= Die +Sektion+ bietet in manchen Fällen einen durchaus -+negativen+ oder nur wenig charakteristischen Befund. In anderen -Fällen findet man, insbesonders beim Rind, entzündliche Veränderungen -der Magendarmschleimhaut. Namentlich die +Labmagenschleimhaut+ ist -zuweilen +gerötet+, +entzündlich geschwollen+ und mit +Erosionen+ und -+hämorrhagischen Herden+ bedeckt. Im Dünndarm findet man häufig eine -strichartige, russige Verfärbung der Schleimhaut (sog. +Aalhaut+). -In der Bauchhöhle hat man ferner in einzelnen Fällen eine Ansammlung -blutiger Flüssigkeit angetroffen. Endlich hat man zuweilen Rötung und -Entzündung der Maulschleimhaut, Rachenschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf-, -Bronchial-, Tracheal- und Scheidenschleimhaut beobachtet, wodurch -der Krankheitsbefund eine gewisse Aehnlichkeit mit Rinderpest bot. --- Die +Behandlung+ der Brandpilzvergiftung ist dieselbe wie bei der -Schimmelpilzvergiftung. - - =Kasuistik.= +Albrecht+ (Landwirtschaftliches Zentralblatt für - den Netzedistrikt 1868) beobachtete bei 8 Rindern nach der - Verfütterung brandiger Spreu eine rinderpestähnliche Erkrankung, - deren Haupterscheinungen in anhaltendem Kauen und Speicheln, - Kreuzschwäche, allgemeiner Gefühllosigkeit, Tränenfluss, - Lidschwellung, angestrengtem Atmen, Durchfall, Drängen auf den Kot - und Harn, sowie Sehnenhüpfen der Halsmuskeln bestanden. Im Verlaufe - von 3 Tagen starben 3 Rinder. Bei 2 derselben ergab die Sektion - wenig charakteristische Erscheinungen, indem nur eine Rötung der - Digestionsschleimhaut nachzuweisen war. Im 3. Falle waren dagegen - entzündliche Schwellung der Magendarmschleimhaut, Erosionen und - Hämorrhagien im Labmagen und Dünndarm sowie strichartige, russige - Verfärbung der Darmschleimhaut („Aalhaut“) nachzuweisen. Zwei - Pferde erkrankten unter ähnlichen Erscheinungen. Eine ältere - Kuh, welcher versuchsweise der aus der Spreu erhaltene schwarze - Staub gefüttert wurde, erkrankte am 2. Tag an Kreuzschwäche - und zeigte am 3. Tag Schwanken, Umfallen, Eingenommenheit und - Speichelfluss. -- +Adam+, +Koch+ und +Herele+ (Adams Wochenschr. - 1876-1878) konstatierten ebenfalls bei Rindern und Schafen eine - rinderpestartige Erkrankung nach der Aufnahme brandiger Dinkelspreu. - Die Erscheinungen bestanden in andauerndem Speichelfluss, Kauen, - Verstopfung, Drängen auf den Kot, Tränenfluss, Scheidenausfluss, - Lähmung des Schlingapparates, sowie Paralyse des Hinterteils. Der - Tod erfolgte nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Bei der Sektion - fand man Rötung der Magendarmschleimhaut, entzündliche Schwellung, - Ekchymosen, Erosionen im Labmagen, im Dünndarm eine sog. Aalhaut, - in der Bauchhöhle blutige Flüssigkeit, ausserdem Entzündung der - Respirationsschleimhaut, sowie der Schleimhaut der Maulhöhle, der - Nasenhöhle und Scheide. -- +Vogel+ (Repertor. 1879) beobachtete - bei 4 Müllerpferden nach der Verfütterung brandiger Dinkelspreu im - wesentlichen nur die Erscheinungen einer allgemeinen Körperlähmung - bei freier Psyche; die Tiere lagen gelähmt am Boden, unfähig sich - zu erheben. Ausserdem zeigten dieselben Schlinglähmung. Die längste - Krankheitsdauer betrug 9 Tage. Bei der Sektion fand man mit Ausnahme - der sog. Aalhaut im Dünndarm nichts Charakteristisches. -- +Berndt+ - (Ad. Woch. 1880) sah bei Schweinen eiterige Bronchitis, entzündliche - Rötung der Magenschleimhaut, Erosionen und entzündliche Schwellung - der Dünndarmschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf- und Trachealschleimhaut. - -- +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), +Haselbach+ (Magazin - 1860) und +Bertsche+ (Landwirtschaftl. Tierzucht 1885) beobachteten - bei mehreren Rindern nach der Verfütterung von Tilletia und Ustilago - Maïdis Abortus, welcher auch nach der Verfütterung von Phalaris - arundinacea vorkommen soll (Ustilago echinata). -- +Wankmüller+ (Ad. - Wochenschr. 1884) sah nach Aufnahme von Russbrand Speichelfluss, - Zungenlähmung, unterdrückte Peristaltik, Kolik, Durchfall, Mydriasis, - vermehrte Tränensekretion, Koma und Tod nach 15-18 Stunden. Die - Sektion ergab Entzündung des Schlundes und Kehlkopfes, umschriebene - Rötung im Dünn- und Dickdarm sowie seröse Durchfeuchtung des - Gehirns. -- +Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1877) hat nach der Aufnahme - von Wasserschwaden (Glyceria = Poa aquatica), welcher mit Ustilago - longissima besetzt war, beim Rind plötzliches Aufhören im Fressen, - Schlinglähmung, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen sich zu - erheben, Zähneknirschen und Herzklopfen beobachtet. -- +Rost+ - (Sächs. Jahresber. 1889) sah innerhalb weniger Tage zahlreiche Kühe - erkranken, welche mit befallener (Tilletia Caries) Weizenspreu - gefüttert worden waren. Sie zeigten Mattigkeit, Schläfrigkeit, - schwere Beweglichkeit oder Unvermögen aufzustehen. -- +Neidhardt+ - (Woch. f. Tierheilkunde 1890) beobachtete bei Rindern Zittern, - Schlingbeschwerden, Geifern, Husten, Schwäche und Lähmung der - Nachhand, rapide Abmagerung, anfangs Verstopfung, später Durchfall. - Der Tod trat nach 2-7 Tagen ein. -- +Hohenleitner+ (ibid.) sah - bei seinem eigenen Pferde nach der Verfütterung von brandiger - Kleie auffallendes Schwanken der Nachhand. -- +Eckmeyer+ (ibid. - 1891) sah bei Rindern heftige Kolik, Speichelfluss, Durchfall - und Polyurie sowie Abortus. -- Nach +Voss+ (Berl. Arch. 1892) - erkrankten 5 Pferde nach dem Genuss von brandigem Weizenkaff unter - Verdauungsstörungen, Harndrang, Pupillenerweiterung und Schwäche der - Nachhand. -- +Kögl+ (Woch. f. Tierheilkunde 1897) sah bei 2 Kühen - heftigen Speichelfluss mit andauernden Kaubewegungen, Schlinglähmung - sowie Lähmung des Hinterteils; der Sektionsbefund war negativ. -- - +Grossmann+ (Veterinarius 1899) sah 25 Schafe nach dem Fressen von - Maisfruchtstielen erkranken, welche reichlich mit Brandsporen von - Ustilago maïdis besetzt waren. Sie zeigten grosse Hinfälligkeit; - 19 Schafe starben; bei der Sektion fanden sich Erosionen im Magen - und Darm. -- In verschiedenen Dörfern Sigmaringens erkrankten - mehrere Pferde nach dem Verfüttern von Spelzen, die mit Brandpilzen - (Tilletia und Ustilago Carbo) befallen waren. Die Pferde zeigten - verminderte Fresslust, Schwanken und Taumeln und konnten sich ohne - Hilfe nicht erheben. In gerader Richtung gingen sie gut, sobald - aber Seitwärtsbewegungen ausgeführt wurden, fielen sie um (Preuss. - Veterinärber. 1900). -- Nach der Fütterung von brandigem Mais starben - angeblich 3 Hirsche sowie zahlreiche Pferde, die letzteren, nachdem - Kolik, Verstopfung, blutiger Durchfall, Schweissausbruch, Schwanken - und Taumeln vorausgegangen waren; die Sektion ergab das Vorhandensein - von Gastroenteritis (+Nessl+, Tierärztl. Zentralbl. 1907). -- Der - im Gestüt Beberbeck im Jahr 1907 aufgetretene seuchenartige Abortus - ist wahrscheinlich durch Brandpilze veranlasst worden; der Weizen - war nämlich in diesem Jahr stark mit Brandpilzen befallen; ausserdem - zeigten die Weidegräser viel Rostpilze (+Mieckley+, Zeitschr. f. - Gestütkunde 1908). -- Gänse starben nach der Aufnahme von brandiger - Kleie an korrosiver Magendarmentzündung (+Spitzer+, Preuss. - Veterinärber. pro 1907). - - - =Fütterungsversuche.= +Pusch+ (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1893) - hält auf Grund von Fütterungsversuchen mit brandigem Weizen (Tilletia - Caries) bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen im - Gegensatz zu den in der Literatur enthaltenen positiven Beobachtungen - die Giftigkeit des Stinkbrands nicht für erheblich. Die Versuchstiere - ertrugen verhältnismässig sehr grosse Mengen von brandigem Futter - ohne wesentliche Nachteile. Nur bei einzelnen Tieren trat Durchfall, - bei andern übelriechender Kot sowie Appetitsverstimmung auf. Die - subkutane Injektion von Sporenextrakten sowie die Inhalation von - Sporen rief keinerlei Krankheitserscheinungen hervor. Dagegen trat - bei 6 tragenden Meerschweinchen Verkalben auf. Mäuse, Sperlinge und - ein Hahn starben an einer schweren hämorrhagischen Gastroenteritis. - Auch +Albrecht+ (Münch. Jahresber. 1894/95) ist auf Grund von - Fütterungsversuchen bei trächtigen Ziegen und Schafen zu der Ansicht - gekommen, dass selbst viel grössere Mengen von Tilletia Caries, als - unter gewöhnlichen Verhältnissen zur Verfütterung kommen, Abortus - nicht hervorrufen, überhaupt den Gesundheitszustand in keiner - Weise beeinträchtigen. Ein ähnliches negatives Resultat ergaben - Fütterungsversuche mit brandigem Weizen (Ustilago maïdis) bei - trächtigen Schafen, Ziegen und Hündinnen (Woch. f. Tierh. 1902). - +Appel+ und +Koske+ (Versuche über die Wirkung einiger als schädlich - verdächtiger Futtermittel. Arb. a. d. Kais. biol. Anstalt für Land- - und Forstwirtschaft 1907) stellten Fütterungsversuche mit dem - Steinbrand des Weizens (Tilletia tritici) bei Schweinen und beim - Geflügel an. Gesunde Schweine erkrankten nicht, auch wenn grosse - Mengen von Steinbrandsporen dem Futter beigemengt wurden, ebenfalls - nicht Hühner und Tauben. Sie sind der Meinung, dass in den Fällen - einer ungünstigen Futterwirkung der Nachweis von Brandsporen nicht - als eine genügende Erklärung für die Schädlichkeit eines solchen - Futters angesehen werden könne (?). - - -Vergiftung durch Rostpilze. - - =Botanisches.= Von den Rostpilzen (Uredineen) sind nachstehende - Gattungen von toxikologischer Bedeutung: - - I. +Puccinia+ und zwar: 1. +Puccinia Graminis+, der +gemeine Gras-+ - oder +Getreiderost+, erzeugt rostgelbe Flecken an den Blättern des - Roggens, Weizens, Hafers, der Gerste, von Triticum repens, Agrostis - vulgaris, Lolium perenne. 2. +Puccinia Straminis+, der +Strohrost+, - bildet schwarze Flecken auf Roggen-, Weizen-, Gerstenstroh, Hordeum - murinum. 3. +Puccinia coronata+, der +Kronenrost+, schwärzliche - Flecken auf Hafer und Alopecurus pratensis bildend. 4. +Puccinia - arundinacea+, auf den Blättern und Halmen des gemeinen Schilfrohrs, - Phragmites communis, in Form schwarzer, länglicher Flecken - vegetierend. - - II. +Uromyces+, der +Leguminosenrost+, namentlich auf schwedischem - Klee (Trifolium hybridum) in Form kleiner, schwarzer Punkte als - Uromyces apiculatus parasitierend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch Rostpilze -ereignen sich bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach -der Verfütterung von rostigem Grünfutter, Heu, Stroh, Schilfgras -(Phragmites communis) und schwedischem Klee (Trifolium hybridum). -Das Krankheitsbild scheint je nach dem Entwicklungszustand der -betreffenden Rostpilze (Uredosporen -- Teleutosporen) sowie nach der -individuellen Disposition der einzelnen Tiere verschieden zu sein. Die -Rostpilze wirken nämlich bald +entzündungserregend+ auf +Haut+ und -+Schleimhäute+, bald +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Von den -Schimmelpilzen und Sprosspilzen unterscheiden sich die Rostpilze durch -eine stärkere, auch auf die äussere Haut sich erstreckende, reizende -Lokalwirkung (Dermatitis). - -Die wichtigsten Krankheitserscheinungen der Rostpilzvergiftung -sind: +Rötung+, +Schwellung und Entzündung der Haut+, +der Lippen+, -+Backen+, +der Lider+, +des Kopfes+, +Urtikaria über den ganzen -Körper+, +starker Juckreiz+, +Konjunktivitis+, +Tränen+. Dieselben -Entzündungserscheinungen bilden sich auf der Digestionsschleimhaut. -Die Tiere +speicheln+ anhaltend und intensiv infolge einer -+Stomatitis+, +Glossitis+ und +Pharyngitis+ (Verwechslung mit Maul- und -Klauenseuche; sog. sporadische Aphthen), zeigen +Kolikerscheinungen+, -+ruhrartigen+ und selbst +blutigen Durchfall+, sowie als Symptom einer -gleichzeitig bestehenden Nephritis +Hämaturie+. In manchen Fällen -soll bei Pferden auch +Hämoglobinurie+ beobachtet worden sein. Die -Allgemeinerscheinungen bestehen in +Schwanken+, grosser Schwäche und -Hinfälligkeit, +Lähmung des Hinterteils+, Zusammenbrechen, Unvermögen -aufzustehen, +Blasenlähmung+, +Abortus+, +Benommenheit des Sensoriums+, -+Somnolenz+, Zähneknirschen, pochendem Herzschlag, Temperaturerhöhung -etc. Der Verlauf ist zuweilen sehr akut, so dass der Tod schon -innerhalb weniger Stunden eintreten kann. In einzelnen Fällen hat man -endlich ikterische Erscheinungen beobachtet. - -Bei der +Sektion+ findet man neben den beschriebenen Veränderungen auf -der Haut +hämorrhagische Gastroenteritis+, +Nephritis+ und +Zystitis+, -Rötung und Schwellung der Scheiden- und Mastdarmschleimhaut, sowie -Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -- Die +Behandlung+ ist dieselbe -wie bei der Schimmelpilzvergiftung. - - -=Kleekrankheit.= Die bei den Pferden zuweilen in grösserer -Verbreitung, seltener bei Rindern vorkommende sog. Kleekrankheit, -welche nach der ausschliesslichen Fütterung von schwedischem Klee -(+Trifolium hybridum+) beobachtet wird, ist wahrscheinlich ebenfalls -durch Rostpilze, und zwar durch +Uromyces apiculatus+ bedingt. Die -Erscheinungen dieser Krankheit bestehen in einer Anschwellung des -Vorkopfes nebst einer hochgradigen +Stomatitis+, welche sich durch -intensives Speicheln äussert und wobei sich Geschwüre bilden. Aehnliche -Veränderungen beobachtet man auch auf den mit +weissen Abzeichen -versehenen Hautstellen des Kopfes und der Gliedmassen+ (Blässe, -weisse Fessel). Es entstehen hier gelbliche, an einzelnen Stellen mit -Blasen besetzte und allmählich durch Mumifikation sich abstossende -Flecke, welche sehr schmerzhaft sind (ähnliche Prozesse werden auch -bei der Lupinose beobachtet). Die lupinoseähnlichen allgemeinen -Krankheitserscheinungen nach ausschliesslicher Kleefütterung äussern -sich in +ikterischer+ Verfärbung der Maulschleimhaut und Konjunktiva, -+Kolikanfällen+, +hochgradiger Mattigkeit+ und +Schlafsucht+ neben -+nervöser Aufregung+ (Zuckungen, Raserei, epileptiforme Zufälle), -+Schwanken+, +Taumeln+, +Lähmungserscheinungen+ (Amaurosis, Schlund- -und halbseitige Lähmungen). Die letztgenannten Erscheinungen haben -grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbild der Gehirnentzündung des -Pferdes. Genaueres über die Kleekrankheit ist in dem Lehrbuch der -speziellen Pathologie von +Friedberger+ und +mir+ zu finden (7. Aufl. -1908, I. Bd.). - - =Kasuistik.= +Schmidgen+ (Sächs. Jahresber. 1876) beobachtete bei - 60 Pferden einer Kaserne, welche rostiges Stroh erhalten hatten, - schmerzhafte Anschwellungen am Kopf, namentlich an den Lippen, - Backen und Lidern, bei einzelnen ferner Urtikaria über den ganzen - Körper mit starkem Juckreiz, ausserdem Appetitlosigkeit, leichte - Kolik, Durchfall, schmerzhaften Husten und Schweissausbruch. - - +Stöhr+ (Preuss. Mitteil., N. F. I) sah bei zwei Pferden, welche - stark rostiges Roggenstrohhäcksel erhalten hatten, leichten - Durchfall, vollständige Lähmung des Hinterteils, Krämpfe, - sowie nach 5-24 Stunden Tod. -- +Bluhm+ (ibid., Jahrgang 22) - sah nach der Verfütterung rostiger Hafergarben anginaähnliche - Erscheinungen. Gleichzeitig stellten sich bei den dreschenden - Arbeitern Anschwellungen der Kopfschleimhäute ein. -- +Rosenbaum+, - +Haarstick+ und +Friebe+ (Preuss. Mitteil., Bd. 26; N. F. 3 und 6) - beobachteten nach der Fütterung von rostigem Schilfgras entzündliche - Schwellung der Maul-, Nasen- und Augenschleimhaut, Speicheln, Kolik, - Verstopfung, blutigen Durchfall, Hämaturie, Schwäche, Hinfälligkeit, - Lähmung des Hinterteils, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Bei der - Sektion fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nierenentzündung, - Blasenentzündung, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -- - +Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1878 und 1885) sah bei Rindern nach der - Aufnahme von rostigem Schilf Schwanken, Umfallen, unwillkürlichen - Harnabgang, Zähneknirschen, pochenden Herzschlag; in einem Falle - erkrankten 80 Rinder, von welchen 12 innerhalb 1-1½ Stunden unter - allgemeinen Lähmungserscheinungen starben. Bei der Sektion fand man - Rötung der Labmagenschleimhaut, der Konjunktival-, Scheiden- und - Mastdarmschleimhaut, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. - -- +Plättner+ (Zeitschrift für Veterinärkunde 1893) beschreibt - bei Pferden eine akute tödliche Vergiftung nach der Aufnahme von - mit Rostpilzen befallenem Futter, deren Erscheinungen in leichter - Kolik, Appetitlosigkeit, Harnbeschwerden, Schwanken und allgemeiner - Lähmung bestanden. -- +Wienke+ (Berl. Archiv 1893, S. 311) - beobachtete in einem Rindviehbestande nach der Verfütterung von - Haferstroh, welches stark mit Rostpilzen besetzt war, Speichelfluss, - Rötung und Schwellung der Maulschleimhaut, steife Bewegung sowie - Hinfälligkeit; alle Tiere genasen nach dem Aussetzen des Futters. - -- +Lameris+ u. +Poels+ (Holländ. Jahresber. 1889) beschreiben - eine in Südholland alljährlich grassierende Rindviehkrankheit, - welche daselbst grosse Verluste verursachte, und führen dieselbe - auf eine Vergiftung durch Puccinia und Ustilagopilze zurück. Die - Krankheit beginnt mit klonischen Krämpfen und Hyperästhesie, worauf - Depression, Sopor, Anästhesie und Lähmung folgt. Der Verlauf ist - bald perakut (wenige Minuten bis 2 Stunden), bald akut (2 Stunden - bis 1 Tag), bald subakut (2-7 Tage). -- +Grischin+ (Petersb. - Archiv 1887) beobachtete seuchenartigen Abortus und Sterben der - Kälber infolge Fütterung der Kühe mit Haferstroh, das stark mit - Rostpilzen befallen war. -- +Bauer+ (Wochenschr. f. Tierh. 1890) - sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme von rostigem Weizen und Hafer - Speicheln, Schlingbeschwerden, Schlinglähmung sowie allgemeine, - an das Bild des Kalbefiebers erinnernde Lähmung mit schlafartigem - Zustande. Die Kühe verendeten nach 8tägiger Krankheit. -- +Johow+ - (Berl. Arch. 1897) beobachtete nach der Verfütterung von rostigem - Stroh und Kleeheu bei Rindern Lähmung der Zunge, des Schlundkopfes - und der Gliedmassen. -- +Ostermann+ (B. t. W. 1895) beschreibt - eine Vergiftung durch Uromyces viciae (Wickenrost) bei einem - Rinde. Dieselbe äusserte sich hauptsächlich in Lähmung der Kau- - und Schlingmuskeln. -- +Vogel+ (D. t. W. 1893) behandelte eine - durch Uromyces verursachte Massenerkrankung von Kühen, bei der - ausser einer hämorrhagischen Gastroenteritis papulöse und eiternde - Exantheme auf der Haut, Bindehaut und Schleimhaut die Hauptrolle - spielen. -- +Hahn+ (Preuss. Mitteil., N. F. IV. Jahrg.) sah bei 12 - Sauglämmern einer Herde, die auf Lupinen und Kleestoppel gehütet - wurde, rings um die Maulöffnung an beiden Lippenflächen Pusteln, - mit gelbweissem Inhalt sowie Schorfe; in der Maulhöhle, namentlich - am Zahnrand des Unterkiefers, waren granulierende Geschwüre - vorhanden. Andere Lämmer zeigten einen Knötchenausschlag auf der - Haut. Bei den Mutterschafen waren vereinzelt am Euter Pusteln - wahrzunehmen. Mit dem Einstellen des Weidegangs verschwand die - Erkrankung. -- +Szilasci+ (B. t. W. 1908) beobachtete in einem - Halbblutgestüt von 100 Pferden toxische Hämoglobinurie nach dem - Weiden auf einer Kleeweide, die stark mit Rostpilzen (Uromyces - Trifolii) befallen war. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in - Verstopfung, Durchfall, blutigen Kot, Hämoglobinurie (?), Anämie, - leichtem Ikterus und mässigem Fieber. Trypanosomen im Blute fehlten. - -- +M. Müller+ (ibid.) berichtet über seuchenartiges Auftreten - von Rostpilzvergiftungen bei Pferden, Rindern und Schafen in - Elsass-Lothringen. Die Pferde zeigten Lähmung der Nachhand bei - feinem Sensorium; das Krankheitsbild bei Rindern erinnert teils - an Maul- und Klauenseuche, teils an Gebärparese: Lähmung, starkes - Speicheln (Schlundkopflähmung); der Sektionsbefund war völlig - negativ. -- +Trattner+ (D. t. W. 1909) sah bei 54 Artilleriepferden - nach der Aufnahme von stark befallenem Stroh (Puccinia graminis) die - Erscheinungen der Stomatitis und Dermatitis (Lippen, Nase) auftreten. - - - =Kleekrankheit.= 5 Pferde erhielten längere Zeit hindurch - ausschliesslich blühenden schwedischen Klee (Trifolium hybridum). - 3 ältere Pferde erkrankten hierauf schwer, während 2 Fohlen gesund - blieben. Die Pferde standen schlafsüchtig, mit hängenden Köpfen - auf der Wiese, nahmen zeitweise ein Maul voll Gras, ohne es - abzuschlucken, und zeigten ein ähnliches Bild wie bei der subakuten - Gehirnentzündung. Die Schleimhäute des Maules und Auges waren - zitronengelb gefärbt. Auf der Maulschleimhaut zeigten sich grosse - Epitheldefekte. Der Gang war schwankend, taumelnd. Ausserdem bestand - wässeriger Durchfall, und die Tiere waren ausserordentlich schwach - und abgemagert. Ein Pferd starb am 3. Tage plötzlich; die beiden - andern erholten sich später (+Michael+, Sächs. Jahresber. 1898). -- - Nach der Verfütterung von schwedischem Klee starben zwei Pferde. - Sie zeigten Appetitlosigkeit, Gehirndepression, taumelnden Gang, - orangerote Verfärbung der Bindehaut, häufiges Urinieren, Kolik, sowie - Nekrose kleiner Schleimhautpartien der Zunge. Ein anderes Pferd - zeigte allgemeine Lähmung, Schlinglähmung und Koma (+Kleine+, Preuss. - Vet.-Ber. 1904). - - -Vergiftung durch Kernpilze. - - =Botanisches.= Von den Kernpilzen (Pyrenomyzeten) ist die wichtigste - Gattung, Claviceps purpurea, bereits in einem besonderen Kapitel - (Mutterkornvergiftung) besprochen worden. Sonstige pathogene - Kernpilze sind: 1. +Polydesmus exitiosus+, der +Rapsverderber+ - (Sporidesmium exitiosum), schwarzgraue oder schwarzbraune Flecken auf - den grünen Teilen des Rapses bildend. 2. +Polythrincium Trifolii+ - (Sphaera Trifolii), die Ursache des Schwarzwerdens des Klees. 3. - +Epichloë typhina+ (Polystigma typhinum), auf verschiedenen Grasarten - parasitierend. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Kernpilze besitzen eine -ähnliche +entzündungserregende+ Wirkung auf +Haut+ und +Schleimhäute+ -wie die Rostpilze. Das Krankheitsbild hat infolgedessen beim Rind oft -grosse Aehnlichkeit mit dem der Maul- und Klauenseuche. Sie wirken -ferner +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Die wichtigsten -Krankheitserscheinungen sind: +Stomatitis+, +Pharyngitis+, +Rhinitis+, -+Konjunktivitis+, +Dermatitis+, +Gastritis+, +Enteritis+, +Schwanken+, -+Kreuzschwäche+, +allgemeine Lähmung+. - -Einen Fall von Vergiftung bei Lämmern nach der Aufnahme von Rapskuchen, -welche stark mit Polydesmus exitiosus durchsetzt waren, hat +Berndt+ -(Berliner Archiv 1887) beschrieben. Die Krankheitserscheinungen -bestanden im wesentlichen in einer letal verlaufenden Stomatitis und -Rhinitis ulcerosa. Die Maul- und Nasenschleimhaut zeigten Erosionen; -zwischen den Epithelzellen liessen sich Fäden und Sporen des -Rapsverderbers mikroskopisch nachweisen. Die Tiere starben unter den -Erscheinungen von Mattigkeit, Schwanken und erschwerter Respiration. -Nach +Brümmer+ (Der Tierfreund 1879) erkrankten 16 Kühe, welche auf -Rapsstoppelfeldern weideten, unter den Erscheinungen der Maul- und -Klauenseuche. Sie zeigten Stomatitis, Dermatitis am Klauenspalt und -Euter, Rhinitis und Konjunktivitis. Auch 4 Pferde sowie mehrere -Versuchskälber und Versuchsferkel zeigten die Erscheinungen der -Stomatitis. Die Ursache der Erkrankung liegt nach +Brümmer+ in der -Keimung und Ansiedlung der Sporen des Kernpilzes auf den Schleimhäuten -und auf der Haut. +Roloff+ (Preuss. Mitteil. XIX) beobachtete bei -einer grösseren Schafherde, welche bei Sonnenschein auf einem -Rapsfelde weidete, heftige Stomatitis, Anschwellung der Lippen, sowie -Konjunktivitis. Ueber eine Vergiftung durch Polythrincium Trifolii hat -+Weber+ (Sächs. Jahresber., Bd. IX) berichtet: 5 Kühe zeigten plötzlich -Kolik, Schwanken, sowie vollständige Lähmung des Hinterteils; 4 mussten -geschlachtet werden, die fünfte genas, zeigte aber noch mehrere Wochen -hindurch Kreuzschwäche und schwankenden Gang. Bei der Sektion der -übrigen fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nephritis, Hyperämie -der Rückenmarkshäute, sowie Hydrorrhachis in der Lendengegend. +Frank+ -(Ad. Wochenschr. 1867) beobachtete nach der Verfütterung der mit -Epichloë typhina befallenen Halme von Poa pratensis bei einem Kaninchen -Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schwellung und Gangrän an den Pfoten, -sowie Tod nach 10 Tagen. Weitere Mittheilungen über Kernpilzvergiftung -hat +Schöberl+ (B. T. W. 1896 und 1899) gemacht. - - =Vergiftung durch verdorbene Futterstoffe.= Ausser den im - vorstehenden beschriebenen Pilzvergiftungen kommen alljährlich bei - den Pflanzenfressern und Omnivoren zahlreiche Vergiftungen nach - der Aufnahme verdorbener Futterstoffe vor, deren Aetiologie nicht - aufgeklärt ist. Wahrscheinlich ist ein Teil derselben ebenfalls - durch +Pilze+, namentlich durch Schimmelpilze, bedingt. In anderen - Fällen sind +Fäulnis-+ und +Gärungsprozesse+ die Krankheitsursache. - Sodann spielen bei der Pathogenese dieser Vergiftungen, ähnlich - wie bei der Fleischvergiftung der Fleischfresser (vergl. S. 351), - vermutlich auch spezifische +Bakterien+ eine Rolle. Leider ist dieses - sehr wichtige Kapitel der Veterinärtoxikologie so gut wie gar nicht - bearbeitet, während das der Fleischvergiftungen hinreichend geklärt - ist. Die bakteriologische und chemisch-toxikologische Erforschung - dieser bisher rätselhaften Vergiftungsfälle dürfte insbesondere - eine wichtige Aufgabe der hygienischen Institute der tierärztlichen - Lehranstalten bilden. - - Die gewöhnliche Veranlassung zu den oft seuchenartig auftretenden - und dann den Verdacht auf Milzbrand, Rinderpest, Schweinerotlauf - usw. erweckenden Erkrankungen gibt die Aufnahme verdorbener - Futterstoffe. Als solche sind namentlich zu nennen: +faule - Kartoffeln+, +verdorbene Rübenschnitzel+ (Rübenpresslinge, - Rübenblätter), +gärende Schlempe+ und +Biertreber+, +ranzige - Oelkuchen+, +verdorbenes Stroh+ etc. Die dadurch bedingten - Krankheitserscheinungen haben grosse Aehnlichkeit mit denen der - Ptomainevergiftung (vergl. S. 351). Sie bestehen einerseits - in Symptomen der +Magendarmentzündung+ (sog. mykotische - Gastroenteritis), andererseits in nervösen +Erregungs-+ und - +Lähmungserscheinungen+. - - =Kasuistik.= Aus der sehr reichhaltigen Literatur mögen die - nachfolgenden charakteristischen Fälle Erwähnung finden. +Prietsch+ - (Sächs. Jahresber. 1898) beobachtete im Frühjahr 1898 enzootisch - auftretende Magendarmentzündungen bei Rindern, welche mit angefaulten - Kartoffeln gefüttert wurden. Die Tiere zeigten hohes Fieber, - Kolikerscheinungen, anfangs Verstopfung, später unstillbaren, oft - blutigen Durchfall, grosse Schwäche und Hinfälligkeit und starben - meist nach eintägiger Krankheit. -- +Röbert+ (ibid.) machte - genau dieselbe Beobachtung nach der Verfütterung angefaulter - Kartoffeln bei Schweinen; die Tiere verendeten unter profusem - Durchfall innerhalb 2 Tagen. -- +Fadyean+ (Journ. of comp. 1897) - sah 11 Pferde nach der Aufnahme alter, stark fauliger Kartoffeln - unter Schwäche und Lähmungserscheinungen sterben; die Sektion - ergab nur leichte Dickdarmentzündung. -- Nach der Verfütterung - verdorbener Runkelrübenblätter zeigten mehrere Rinder hochgradige - Gehirnreizungserscheinungen, Vorwärtsdrängen, Taumeln, Schwanken, - Zusammenstürzen, sowie heftige Krämpfe, andere standen stumpfsinnig - mit gesenkten Köpfen da; die Sektion ergab ein negatives Resultat - (+Gotteswinter+, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1893). -- Nach der - Aufnahme angefaulter Runkelrübenköpfe verendeten 2 Kühe nach - kurzer Krankheit; sie zeigten hohes Fieber, Tympanitis, trockenen, - blutigen Kot, lähmungsartige Schwäche des Hinterteils und raschen - Kräfteverfall; die Sektion ergab hochgradige Entzündung der Labmagen- - und Dünndarmschleimhaut, sowie eiterig-fibrinöse Peritonitis - (+Wilhelm+, Sächs. Jahresber. 1892). -- Nach +Peters+ (Berl. Arch. - 1891) treten auf den meisten Zuckerfabriken, in welchen Schafe zur - Mast gehalten werden, alljährlich erhebliche Verluste infolge der - Verfütterung von Rübenschnitzeln auf. Die Schafe zeigen am ersten Tag - Durchfall, am zweiten Erscheinungen von Gehirnlähmung und sterben am - dritten Tag. Die ersten Todesfälle treten in der Regel 8-10 Wochen - nach Beginn der Mastfütterung auf. -- +Bayne+ (The Vet., Bd. 67) sah - Rinder nach der Aufnahme kranker, fauliger Rüben schon innerhalb - zweier Stunden sterben; als bestes Gegenmittel bewährte sich Schnaps. - -- Nach +Arloing+ (L’Echo vét. 1893) bedingt die Verfütterung der - in Gruben aufbewahrten Rübenpresslinge bei Rindern zuweilen tödlich - verlaufende Vergiftungen, welche wahrscheinlich durch Bakterien - veranlasst werden. -- +Albrecht+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1893, Nr. - 47) beobachtete nach der Verfütterung verdorbener, faulig riechender - Träber bei Rindern Verdauungsstörungen, psychische Depression, - Muskelschwäche, sowie kleinen Puls. Dagegen fehlten die sonst bei - der Fütterung derartig verdorbener Nahrungsmittel zu beobachtenden - Durchfälle, die Tympanitis, sowie Fieber. Kontrollfütterungsversuche - mit den verdorbenen Träbern bei Schweinen fielen negativ aus. - -- +Lehmann+ (Berl. Arch. 1894) berichtet über eine tödliche - Vergiftung bei 8 Rindern nach der Fütterung von Branntweinschlempe. - Die Tiere zeigten unterdrückte Peristaltik, Verstopfung, Krämpfe, - Vorwärtsdrängen, Tobsucht, Pupillenerweiterung, heftiges - Muskelzittern, Ermattung, Durchfall und Lähmung des Hinterteils; bei - der Sektion fand man Darmentzündung. -- +Gips+ (Berl. Arch. 1896) - sah bei Pferden nach der Verfütterung von Schlempe neben starkem - Durchfall eigenartige Gehirnreizungserscheinungen: starke Aufregung, - gegen die Wand rennen, senkrecht in die Höhe steigen, Brüllen, - Opisthotonus; bei anderen Pferden bildete sich ein lähmungsartiger - Zustand aus. -- Nach +Gruber+ (D. T. W. 1893) zeigten 2 Kühe nach - dem Verfüttern von frisch eingebrachtem Heu kalbefieberähnliche - Erscheinungen: schlafsüchtiges Benehmen, seitlich zurückgelegten - Kopf, Unvermögen aufzustehen, Unempfindlichkeit gegen Nadelstiche. - -- +Reinländer+ (Zeitschr. f. Vet. 1899) sah bei 7 Pferden nach - der Aufnahme von verdorbenem Heu schwankenden, taumelnden Gang, - Blasenlähmung, blutigen Harn, Husten und Schwellung der Gliedmassen. - -- +Dorn+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) beobachtete bei 6 Rindern - nach der Verfütterung von schlecht heimgebrachtem, halbfauligem - Heu heftigen Schüttelfrost, Angst, beschleunigtes Atmen, starken - Schweissausbruch, sowie Oedeme am Kopf, Hals und an den hinteren - Extremitäten. -- +Schmid+ (ibid.) sah nach derselben Fütterung bei 3 - Pferden Durchfall, hohes Fieber, starke Benommenheit des Sensoriums, - sowie Schwäche und Hinfälligkeit. -- +Kampel+ (Repert. 53. Bd.) sah - bei mehreren Pferden nach der Fütterung von schlechtem Erbsenstroh - Lähmung der Nachhand, der Blase und des Mastdarms bei sonst nicht - gestörtem Allgemeinbefinden. Die Krankheit dauerte 3 Wochen; 3 - Pferde starben, die übrigen genasen langsam. -- +Höhne+ (Berl. - Arch. 1894) sah nach Roggenfütterung bei Pferden Schlinglähmung - auftreten, welche gewöhnlich nach 8 Tagen zum Tod führte (sog. - Longerkrankheit). -- +Bedel+ (Recueil 1897) beobachtete bei Kühen - nach der Aufnahme angefaulter, sehr reifer Aepfel Schwanken, - tiefes Koma, Umfallen, Pupillenerweiterung, sowie übelriechenden - Durchfall. -- +Bissauge+ berichtet über Vergiftung bei 6 Kühen - durch mehltaubefallene Rebenblätter. -- +Zeisler+ (B. T. W. 1896) - sah bei 35 Rindern nach der Aufnahme ranziger Erdnusskuchen Kolik - mit Durchfall und Verstopfung; bei 5 geschlachteten Tieren ergab - die Sektion Gastroenteritis. -- Nach dem Trinken fauligen Wassers - aus Teichen erkrankten ganze Rinderherden in eigenartiger Weise. - Die Tiere stiessen ein heiseres Gebrüll aus, wurden aufgeregt - und gingen aggressiv gegen Personen und Tiere vor; schliesslich - stellten sich Lähmungserscheinungen ein; sämtliche kranke Tiere - starben (+Johnson+, Am. vet. rev. 1894). -- 11 Rinder, welche - aus einem fast ausgetrockneten Tümpel getrunken und Schilfgras - gefressen hatten, stürzten apoplektiform zusammen; 6 davon - verendeten unter Zuckungen; Milzbrand war ausgeschlossen (+Tietze+, - Berl. Arch. 1894). -- +Zissler+ (Woch. f. T. 1901) sah 7 Stück - Rinder nach der Verfütterung angefaulter Kartoffeln unter grosser - Schwäche, Umfallen, Lähmungserscheinungen und Schlingbeschwerden - schwer erkranken. -- +Laméris+ (Holl. Zeitschr. 1900) sah bei 12 - Rindern nach der Fütterung verdorbener Rübenschnitzel Salivation - infolge von Schlinglähmung, Ptosis, Unempfindlichkeit der Kornea, - kalbefieberähnliches Koma, hochgradige Muskelschwäche, Lähmung des - Hinterteils, sowie anfangs Verstopfung, später Durchfall. Die Sektion - ergab Entzündung des Dünndarms, eine sog. Aalhaut in demselben, - sowie vereinzelt Labmagenentzündung. -- +Sauer+ (Woch. f. Tierh. - 1902) sah bei 7 Rindern nach der Aufnahme von faulem Kartoffelkraut - Speichelfluss und Schlinglähmung bei regem Appetit, Verstopfung, - Durchfall, Schwäche und Lähmung der Nachhand bei freiem Sensorium. - Sämtliche Tiere mussten notgeschlachtet werden; der Befund war - völlig negativ. -- Im Kreis Niederbarnim traten Vergiftungen nach - Verfütterung von verdorbenen Bierträbern auf. Die erkrankten Tiere - zeigten teils Gehirnkrämpfe, unsichern Gang und Lähmung, teils - Nierenentzündung und Lähmung der Harnblase (Preuss. Vet.-Ber. - 1900). -- Eine Anzahl 4-7 Monate alter Kälber erkrankte unter den - Erscheinungen der mykotischen Magendarmentzündung, nachdem sie - gebrühtes Gerstenschrot erhalten hatten, das unvorsichtigerweise - mit den Kulturen des Löfflerschen Mäusetyphusbazillus infiziert - worden war (+Krickendt+, Berl. Arch. 1901). -- +Diem+ (Woch. f. - Tierh. 1902) beobachtete nach Träberfütterung bei Rindern Tympanitis, - Schlingbeschwerden, Apathie und Schwächezustände. -- +Hentrich+ - (Zeitschr. f. Vet. 1905) sah nach der Verfütterung von Bierträbern - (trockene Bierträber wurden in kaltem Wasser angefeuchtet) bei - 22 Pferden Magendarmkatarrh, Nierenentzündung und Blasenkatarrh - auftreten. -- +Schilffarth+ (Woch. f. Tierh. 1906) beobachtete nach - der Fütterung verdorbener Träber bei 4 Kühen stinkenden Durchfall; - 3 andere Rinder starben. -- Die Verfütterung von frischgeerntetem - Frühroggen erzeugt nach +Eloire+ (Progr. vét. 1903) bei Pferden - Kolik, Darmentzündung, Hämaturie, Nephritis, Rehe, sowie Lähmung - der Hintergliedmassen. -- Ueber eine Vergiftung durch Luzernesamen - (Krämpfe, Taumeln, Herzklopfen) hat +Ravier+ berichtet (ibid). -- In - Dänemark wurden neuerdings (1908) mehrfach Vergiftungen bei Rindern - beobachtet, die sich durch Schlinglähmung und allgemeine Lähmung - äusserten (+Andersen+ und +Berg+). - - -Fleischvergiftung (Ptomainevergiftung). - - =Allgemeines.= Durch Aufnahme von zersetztem, krankem, verdorbenem - oder in Fäulnis übergegangenem Fleisch werden wie beim Menschen - so auch bei den Karnivoren (Hund, Katze), Omnivoren (Schwein) und - beim Geflügel eigentümliche Krankheitserscheinungen hervorgerufen, - welche mit dem Sammelnamen „Fleischvergiftung“ bezeichnet werden. - Je nach der Art der aufgenommenen animalischen Nahrungsmittel wird - genauer unterschieden zwischen +Fleischvergiftung im engeren Sinn+, - +Wurstvergiftung+ (Allantiasis, Botulismus), +Fischvergiftung+ und - +Käsevergiftung+. Die Ursachen dieser Vergiftungen sind teils in - einer Aufnahme von +Bakterien+ (septische Infektion), teils in einer - Einwirkung chemischer, als +Stoffwechselprodukte+ von Spaltpilzen - anzusehender Stoffe (septische oder putride Intoxikation) zu suchen. - Häufig sind beide Ursachen gleichzeitig zusammen wirksam. Die - chemischen, beim Stoffwechsel von Spaltpilzen entstehenden Giftstoffe - werden +Ptomaine+ (πτῶμα = Leichnam) oder +Toxine+ genannt. Die - Fleischvergiftung gehört daher, soweit sie durch Ptomaine verursacht - wird, ins Gebiet der Toxikologie, während die durch Aufnahme von - Spaltpilzen bedingten septikämischen Erkrankungen Gegenstand der - Pathologie sind. - - Unter +Ptomainen+ (Ptomatinen, Toxinen, Kadaveralkaloiden, - Septizinen, Leichengiften, Fäulnisgiften) versteht man im allgemeinen - +Stoffwechselprodukte von Bakterien innerhalb und ausserhalb des - Tierkörpers+ (+Nahrungsmittel+). Dieselben entstehen nicht bloss - im toten, sondern auch im lebenden Körper; die letzteren hat - man im Gegensatz zu den sog. +Ptomainen+ wohl auch +Leukomaine+ - (Leukomatine) genannt. Ihrer chemischen Natur nach sind die Toxine - nicht bloss +Basen+, wie man früher annahm (Kadaveralkaloide), - sondern auch +Eiweisskörper+ (Toxalbumine), +Säuren+ usw. Ihre - sehr verschiedenartige chemische Zusammensetzung erhellt am besten - aus nachstehender, dem Lehrbuch der Intoxikationen von +Kobert+ - entnommenen Einteilung. - - - 1. =Gruppe der Fettsäuren.= Hieher gehören Säuren von der - Formel C_{x}H_{2x}O_{2}, und zwar +Ameisensäure+, +Essigsäure+, - +Propionsäure+, +Buttersäure+, +Valeriansäure+ etc., welche sich - teils als Produkte der Fäulnis, teils als Zersetzungsprodukte im - Körper bilden. - - 2. +Gruppe der Oxysäuren.+ Sie haben die Formel C_{x}H_{2x}O_{3} und - liefern als giftige Stoffwechselprodukte namentlich die +Milchsäure+ - (Oxypropionsäure) und +Oxybuttersäure+ (Ursache des Coma diabeticum). - - 3. +Gruppe der Oxalsäure.+ Die Oxalsäure von der Formel - C_{2}H_{2}O_{4} wirkt als Stoffwechselprodukt des Körpers giftig bei - der Oxalurie. - - 4. +Gruppe der Amidofettsäuren.+ Dieselben sind häufig Produkte - der Fäulnis von Eiweiss und Leim, jedoch ungiftig. Hieher gehören - +Glykokoll+ (Amid der Essigsäure), +Alanin+ (Amid der Propionsäure), - +Propalanin+, +Butalanin+ und +Leuzin+ (Amid der Kapronsäure). - Letzteres findet man z. B. im Verlauf der Phosphorvergiftung - (Leuzinurie). - - 5. +Gruppe der Amine.+ Die Amine sind organische Ammoniakderivate - der Eiweissfäulnis mit basischem Charakter (Aminbasen). Die drei - Wasserstoffe im Ammonik (NH_{3}) werden durch ein (primäre Amine, - Amidbasen), zwei (sekundäre Amine, Imidbasen) oder drei einwertige - Alkoholradikale ersetzt (tertiäre Amine, Nitrilbasen). Hieher - gehören die Produkte der Leichenfäulnis: +Methylamin+ (auch in - der Heringslake enthalten) von der Formel CH_{3}.NH_{2}, das - +Aethylamin+, C_{2}H_{5}.NH_{2}, +Propylamin+, C_{3}H_{7}.NH_{2}, - +Dimethylamin+, (CH_{3})_{2}NH, +Diäthylamin+, (C_{2}H_{5})_{2}NH und - +Trimethylamin+, (CH_{3})_{3}N, das Gift der Heringslake, welches - sich ausserdem in faulem Käse, sowie in Leichenteilen findet. Die - Amine erzeugen zerebrale Krämpfe und selbst Tetanus; neben der - Gehirnreizung findet auch lokale Reizung statt. - - 6. =Gruppe der Diamine.= Dieselben sind Verbindungen des Ammoniaks - mit zweiwertigen Alkoholradikalen und bilden sich bei der - Leichenfäulnis, sowie bei gewissen Krankheiten im lebenden Körper. - Besonders bekannt sind das +Tetramethylendiamin+ oder +Putreszin+ von - der Formel NH_{2}(CH_{2})_{4}NH_{2}, und das +Pentamethylendiamin+ - oder +Kadaverin+ von der Formel NH_{2}(CH_{2})_{5}NH_{2}, mit welchem - zwei andere Fäulnisbasen isomer sind, nämlich das +Saprin+ und - +Neurodin+. - - 7. =Gruppe des Cholins.= Hieher gehören sehr wichtige Leichengifte, - welche darin übereinstimmen, dass sie alle bei der Zersetzung - Trimethylamin liefern und eine muskarinähnliche Wirkung besitzen. - Es sind dies +Cholin+, +Betain+, +Neurin+, +Leichenmuskarin+ (im - Fischgift enthalten, identisch mit dem Muskarin des Fliegenpilzes) - und +Mydatoxin+. Neben einer kurareartigen Wirkung erregen diese - Körper wie das Fliegenpilzmuskarin die Drüsensekretion und - Darmperistaltik und töten unter Krämpfen. - - 8. =Gruppe des Guanidins.= Es sind die im lebenden Körper - entstehenden Zersetzungsprodukte des Eiweisses: +Guanidin+, +Kreatin+ - und +Kreatinin+. - - 9. =Gruppe der Nukleinbasen.= Zu diesen auch wohl als Guanin-, - Xanthin- oder Puringruppe bezeichneten Körpern gehören +Xanthin+ - (Xanthinurie), +Hypoxanthin+, +Guanin+ (Guaningicht), +Adenin+ (in - Drüsen vorkommend, Formel C_{5}H_{5}N_{5}), +Karnin+, +Allantoin+ - und in gewissem Sinn auch die +Harnsäure+ von der Formel - C_{5}H_{4}N_{4}O_{3} (Toxin der Gicht). Die Nukleinbasen besitzen - eine dem Koffein, einem ihnen ebenfalls chemisch verwandten Alkaloid, - ähnliche Wirkung. - - 10. =Gruppe des Pyridins.= Giftige Toxine sind namentlich +Pyridin+, - +Pikolin+, +Lutidin+, +Parvolin+, +Koridin+. Sie besitzen eine - nikotinartige Wirkung. - - 11. =Gruppe der aromatischen Substanzen.= Hieher gehören +Tyrosin+, - +Phenol+, +Kresol+, +Brenzkatechin+, +Indikan+ und andere im Harn - auftretende aromatische Körper. - - 12. =Gruppe der schwefelhaltigen Substanzen.= Die wichtigste ist der - +Schwefelwasserstoff+ mit spezifischer toxischer Wirkung. Ebenfalls - aus dem Eiweiss durch Zersetzung gebildet ist das +Methylmerkaptan+, - ein im Darm neben Schwefelwasserstoff enthaltenes Gas von der Formel - CH_{3}.HS; ausserdem sind zu nennen +Taurin+ und +Taurocholsäure+. - - 13. =Gruppe der Isozyanide.= Diese auch unter dem Namen Karbylamine - bekannten Körper finden sich als äusserst giftige Substanzen im - Krötengift als +Isozyanmethyl+, CH_{3}NC, im Tritonengift als - +Isozyanäthyl+, C_{2}H_{5}NC, und im Salamandergift als +Isozyanamyl+ - C_{5}H_{11}NC (?). - - 14. =Gruppe von Basen unbekannter Struktur.= Hieher gehören - das +Sepsin+, das Produkt des Proteusbazillus, chemisch als - Dioxy-Kadaverin aufzufassen, wahrscheinlich die Ursache der - choleriformen Ptomainevergiftungen, ferner das +Tetanotoxin+, - +Tetanin+, +Gadinin+, +Typhotoxin+, +Anthrazin+, +Phlogosin+, - +Botulin+ = +Ptomatoatropin+, +Ptomatokurarin+, +Ichthytoxin+, - +Tyrotoxin+, +Lupinotoxin+, +Lysotoxin+, +Pellagrozein+ u. a. - - 15. =Gruppe der eiweissartigen Gifte (Toxalbumine).= Die bekanntesten - sind +Tuberkulin+, +Mallein+, das +Schlangengift+, +Bienengift+, - sowie die verschiedenen +Toxalbumine+ der Infektionskrankheiten. - Hieher gehören auch gewisse eiweissartige, in Pflanzen enthaltene - Gifte, die sog. +Phytalbumosen+, enzymartige Körper, von welchen - das +Rizin+, +Krotin+, +Abrin+, +Robinin+ und +Phallin+ besondere - Bedeutung erlangt haben. - - -=Aetiologie der Fleischvergiftung.= Beim Menschen werden die -zahlreichen Fälle von Fleischvergiftung in der Regel durch den Genuss -des Fleisches von +septisch+ oder +pyämisch+ erkrankten Schlachttieren -veranlasst (+Uterus-+, +Nabel-+, +Euter-+, +Darmkrankheiten+). -+Bollinger+ hat zuerst im Jahr 1876 gezeigt, dass es sich hiebei um -keine Milzbrandinfektion, sondern um eine +intestinale Sepsis+ handelt. -Durch die bakteriologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte -sind eine Reihe von +Bakterien+ als Ursachen der Fleischvergiftung -nachgewiesen worden. - -1. +Gärtner+ fand bei einer in Frankenhausen (1888) beobachteten -Massenvergiftung in dem giftigen Fleische sowie in den Organen eines -infolge der Fleischvergiftung verstorbenen Mannes charakteristische -Bakterien, welche er mit dem Namen =Bacillus enteritidis= belegte. -Diese Bakterien zeigten im hängenden Tropfen lebhafte rotierende -Bewegung und färbten sich mit Anilinfarben an einem Ende sehr stark, -während der Rest wenig gefärbt erschien. Ausserdem enthielt das Fleisch -durch Kochen nicht zerstörbare Giftstoffe, welche bei Impftieren -Enteritis, Krämpfe und Lähmungserscheinungen hervorriefen. Gegen die -Bakterien selbst erwiesen sich Hunde und Katzen immun, dagegen starben -Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse unter den Erscheinungen einer -heftigen Enteritis. +Johne+ hat ebenfalls den Bacillus enteritidis bei -einer Fleischvergiftung in Bischofswerda (1894) gefunden. - -2. +Gaffky+ und +Paak+ fanden bei einer Massenerkrankung infolge -des Genusses von Pferdefleischwaren (Röhrsdorf 1885) in der betr. -Pferdewurst charakteristische =Wurstbazillen= in Form beweglicher, -an den Enden abgerundeter Stäbchen, welche bisweilen zu Scheinfäden -auswuchsen und in schwach alkalischer Bouillon am besten gediehen. Die -Verfütterung dieser Wurstbazillen erzeugte bei Affen, Meerschweinchen -und Mäusen Enteritis und Durchfall; Hunde, Katzen, Schweine und -Kaninchen zeigten sich dagegen immun. - -3. +Poels+ und +Dhont+ fanden bei einer Fleischvergiftung in Rotterdam -die von ihnen so genannten =Rotterdamer Bazillen=, kurze und sehr feine -Stäbchen, welche bei der intravenösen Injektion grösserer Mengen -Versuchsrinder schon nach 14 Stunden töteten. - -4. +Van Ermengem+ fand bei der Fleischvergiftung von Moorseele bei zwei -Kälbern die sog. =Moorseeler Bazillen=; dieselben sind sehr beweglich, -zeigen zahlreiche Geiseln, erzeugen ein Toxalbumin, welches selbst -durch die Erhitzung auf 130° nicht getötet wird und wirken bei jeder -Art der Einverleibung auf Versuchstiere pathogen (Enteritis). - -5. +Flügge+ hat bei der Breslauer Fleischvergiftung den =Breslauer -Bazillus= gefunden, welcher einerseits mit dem Kolibazillus, -andererseits mit dem Moorseeler und Rotterdamer Bazillus Aehnlichkeit -hatte. - -6. +Basenau+ bezeichnete einen aus Kuhfleisch gezüchteten Bazillus -als =Bacillus bovis morbificans= und ist der Ansicht, dass alle -bisher bei den Fleischvergiftungen gefundenen Stäbchen eine grosse -Uebereinstimmung mit dem +Kolibazillus+ zeigen. - -7. +Kuborn+ hat bei einer Fleischvergiftung als Ursache den -=Staphylococcus pyogenes albus= nachgewiesen. - -8. Bei Fleischvergiftungen in Hildesheim und Berlin (1906) wurde -der =Bacillus paratyphosus= (Paratyphusbazillus) zuerst als -Ursache ermittelt. Diese Bazillen erzeugen beim Menschen eine dem -Abdominaltyphus ähnliche Infektionskrankheit. - - -=Aetiologie der Wurstvergiftung.= Die beim Menschen seltener als die -Fleischvergiftung vorkommende Wurstvergiftung (Botulismus, Allantiasis) -entsteht nicht nur durch die Aufnahme von zersetzten +Würsten+, sondern -auch von fauligem +Fleisch+, zersetztem +Schinken+, +Leber+, +Sülze+, -+Büchsenfleisch+, +Gänsebraten+. Der Botulismus wird durch einen -spezifischen Bazillus, den =Bacillus botulinus= verursacht. Derselbe -ist anaërob und bildet ein gerades Stäbchen mit etwas abgerundeten -Enden und Sporenbildung. Er erzeugt ein hochgradig giftiges Toxin, -welches Kaninchen schon in Dosen von 1/2000 Milligramm tötet, und -wächst besonders auf gekochtem, gezuckertem und alkalisch gemachtem -Schweinefleisch. Seine Kulturen riechen intensiv nach Buttersäure (kein -Fäulnisgeruch!). Durch eine einstündige Erwärmung auf 70° wird das -Botulismustoxin unwirksam. Seltener ist der +Proteus mirabilis+ die -Ursache von Wurstvergiftung (Hannover 1900). - - -=Krankheitsbild der Fleischvergiftung.= Nach der Aufnahme des Fleisches -kranker Tiere (Septicaemia puerperalis, Pyämie, Polyarthritis -pyaemica, eiterige und septische Nieren-, Leber-, Lungen-, Darm-, -Magen-, Bauchfell-, Milchdrüsenentzündungen), sowie nach der Aufnahme -von fauligem, zersetztem und verdorbenem Fleische tritt bei Hunden, -Katzen, Schweinen und beim Geflügel nicht selten eine Vergiftung -auf, welche im wesentlichen die Erscheinungen einer hochfieberhaften -und rasch tödlich verlaufenden +Gastroenteritis+ mit gleichzeitiger -+starker zerebraler Depression+ zeigt. Die Krankheitserscheinungen, -wie sie namentlich bei Hunden beobachtet werden, bestehen in -einer +plötzlich+ auftretenden, sehr heftigen und häufig blutigen -+Diarrhöe+, +Erbrechen+, starkem Durst, +hohem Fieber+ (40-42°), -+ausserordentlicher Schwäche+, +Hinfälligkeit+ und +Mattigkeit+, sowie -in rasch folgendem +Kollaps+. Der Tod tritt oft schon nach wenigen -Stunden, durchschnittlich innerhalb 12-24 Stunden ein. Bei Hunden -wurden ferner +Netzhautblutungen+ ophthalmoskopisch festgestellt. - - -=Krankheitsbild der Wurstvergiftung.= Die Wurstvergiftung -(Botulismus, Allantiasis) verläuft anfangs unter denselben -Erscheinungen wie die Fleischvergiftung: Erbrechen, +Verstopfung+, -seltener Durchfall, Mattigkeit, Schwindel, Somnolenz, Kollaps. -Häufiger beobachtet man charakteristische +Lähmungserscheinungen im -Gebiet des 2.-6. Gehirnnerven+, namentlich +Sehstörungen+: -Pupillenerweiterung (Optikuslähmung), +Ptosis+ (Lähmung des oberen -Augenlides infolge von Okulomotoriuslähmung), +Schielen+ und -Akkommodationsstörungen. Ausserdem treten Lähmungen des Schlundkopfes -(+Schlinglähmung+), des Magens (+Tympanitis+), sowie des -Kehlkopfes (+Aphonie+) auf. - - -=Krankheitsbild der Fischvergiftung= (=Heringslakevergiftung=). Die -bei Schweinen nach der Verfütterung von Heringslake häufig beobachtete -sog. Lakevergiftung ist zum Teil auf den Kochsalzgehalt der Heringslake -zurückzuführen. Insoweit stimmt dieselbe in ihren Erscheinungen mit der -Kochsalzvergiftung überein. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich -von dieser (vgl. S. 116) durch das Hinzutreten charakteristischer -+nervöser Symptome+, welche auf eine Ptomainevergiftung bezogen werden -müssen und sich namentlich in +Gehirnreizungserscheinungen+, +Krämpfen+ -und +Schlinglähmung+ äussern (Trimethylamin und muskarinartige Toxine). -Die wichtigsten Erscheinungen der Heringslakevergiftung bei Schweinen -sind: +Zähneknirschen+, +Kaukrämpfe+, +epileptiforme Krämpfe+, -+Opisthotonus+ und +Pleurothotonus+, Rotieren der Augen, krampfhaftes -Blinzeln (+Nystagmus+), ausgebreitete Zuckungen, +Drehbewegungen+, -hundesitzige Stellungen, +kollerartige Erscheinungen+, Stumpfsinn -und Gefühllosigkeit, amaurotische Pupille (Erblindung) und -+Schlinglähmung+. Der +Verlauf+ ist sehr +akut+, der Tod tritt meist -nach 6-12 Stunden ein. - - -=Sektion.= Bei der Fleischvergiftung findet man den Inhalt des Magens -und Darmes aus halbverdauten, übelriechenden Fleischmassen bestehend, -die Schleimhaut geschwollen, höher injiziert, +hämorrhagisch+ -infiltriert, die solitären und agminierten +Follikel+ sowie die -+Gekrösdrüsen+ geschwollen, den Darminhalt schokoladefarbig, blutig, -von schleimigflüssiger Konsistenz, das Blut zersetzt, die +Leber+ -vergrössert und rasch faulend, die +Milz+ geschwollen und mit -hämorrhagischen Herden durchsetzt, die +Herzmuskulatur+ sehr mürbe. - -Dass übrigens die +Empfänglichkeit+ für das mykotische Gift unter den -Fleischfressern +sehr ungleich+ ist, beweisen die +mit verdorbenem -Fleisch angestellten Fütterungsversuche+. So sah +Semmer+ bei -Verfütterung von Fleisch eines an Septikämie verendeten Pferdes Hunde -und Katzen ganz gesund bleiben, während drei Schweine daran verendeten. -+Colin+ beobachtete bei ähnlichen Versuchen nur ganz leichte -Durchfälle, +Lemke+ erzielte nach Verfütterung rauschbrandkranken -Fleisches bei drei jüngeren Hunden sehr heftigen Durchfall, während ein -älterer Hund keinerlei krankhafte Erscheinungen zeigte. Ganz dieselben -Beobachtungen hat man bei den Pilzvergiftungen der Pflanzenfresser -gemacht (vergl. S. 335 ff.). - - -=Behandlung der Ptomainevergiftung.= Neben der Verabreichung von -+Brechmitteln+ und +Abführmitteln+ kann man durch die Anwendung von -+Kalomel+ oder +Kreolin+ eine Desinfektion des Darmes vorzunehmen -versuchen. Im übrigen ist die Behandlung eine +symptomatische+. -Die Lähmungserscheinungen werden durch Aether, Kampfer, Alkohol, -Wein, Kaffee, Koffein, Ammonium carbonicum oder Veratrin, die -Gehirnreizungserscheinungen bei der Heringslakevergiftung durch -Morphium, Chloralhydrat oder Bromkalium behandelt. Gegen die Entzündung -der Magendarmschleimhaut gibt man einhüllende und schleimige Mittel -(Gummi arabicum, Leinsamenabkochung, Oel, Rizinusöl). - - =Kasuistik.= +Schindelka+ (Oesterr. Zeitschr. 1891) sah bei Hunden, - welche auf der Strasse rohes Fleisch verzehrten, plötzliche - Erkrankung, Erbrechen, Durchfall, sehr übel riechenden, blutigen Kot, - auffallende Mattigkeit sowie Störungen des Sehvermögens. Bei der - Untersuchung der Augen liessen sich beiderseitige Ptosis, maximale - Pupillenerweiterung, starre Pupille, sowie auf dem Augenhintergrunde - beider Augen zahlreiche, meist fleckige, hie und da auch streifige - Blutungen nachweisen. -- +A. Eber+ (D. T. W. 1897) beschreibt eine - Ptomainevergiftung bei Schweinen nach der Aufnahme von Heringslake. - Sie zeigten sehr schnell und heftig auftretende klonische - Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe, hochgradige Gehirnreizung, fortschreitende - allgemeine Lähmung. Bei der Sektion der notgeschlachteten Schweine - wurde meist nur venöse Stauung in sämtlichen Organen, sowie in - einem Falle teerartige Beschaffenheit des Blutes festgestellt; - Entzündungserscheinungen im Magen und Darm fehlten. -- +von Rátz+ - (Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1893) hat bei einem Löffelreiher - eine Fischvergiftung nach der Aufnahme verdorbener gesalzener Heringe - beobachtet. Die Erscheinungen bestanden in profuser Diarrhöe, - heftigem Durst, Krämpfen und Lähmungen; die Sektion ergab kruppöse - Magenentzündung und hämorrhagische Darmentzündung. -- +Ortmann+ (B. - T. W. 1902, S. 206) sah bei Schweinen, welchen eine Heringstonne mit - etwas Lakeninhalt als Futterbehälter vorgesetzt worden war, Unruhe, - Schreien, starken Durst, allgemeine Lähmung (an der Erde liegen), - Kaukrämpfe, ausgebreitete klonische Krämpfe und Pupillenerweiterung. - Die Sektion ergab lehmfarbige Beschaffenheit der Leber, gelblichgraue - Verfärbung der Nierenrinde, sowie dunkelbraunrote Färbung und - Schwellung der Schleimhaut des Magengrundes. -- +Freitag+ (Sächs. - Jahresber. 1899) beobachtete bei Schweinen nach der Aufnahme - grösserer Mengen von Heringslake Laufwut, Kaukrämpfe, sowie Drängen - mit dem Kopf gegen die Wand; ein Schwein verendete nach wenigen - Stunden, ein anderes nach 2 Tagen. - - - =Giftigkeit des Pferdefleisches.= +Pflüger+ (Archiv f. Physiologie, - 80. Band) beobachtete nach der Verfütterung von magerem Pferdefleisch - bei Hunden anhaltende +Durchfälle+ und stellte fest, dass diese - Abführwirkung durch einen +muskarinähnlichen+, in der Fleischbrühe - enthaltenen Giftstoff bedingt wird, welcher +Lezithin+ und +Neurin+ - enthält. Die Giftigkeit des Pferdefleisches wird durch einen Zusatz - von Fett aufgehoben. Die Pferdefleischbrühe wird jedoch am besten - weggegossen. - - -Vergiftung durch Giftschwämme (Mycetismus). - - =Botanisches.= 1. +Agaricus muscarius+ (Amanita muscaria), der - +Fliegenpilz+ oder +Fliegenschwamm+ mit feuerrotem Hut, enthält - die Alkaloide =Muskarin= und =Amanitin=. 2. +Agaricus (Amanita) - phalloides+, der Knollenblätterschwamm, von weisslicher oder - gelbgrünlicher Farbe, enthält das Toxalbumin =Phallin=. 3. - +Fungus laricis+, der +Lärchenschwamm+, enthält das =Agarizin= - (Agarizinsäure). 4. +Russula emetica+, der +Speiteufel+, von - ekelhaftem Geruch und scharfem Geschmack. 5. +Cantharellus - aurantiacus+, der +falsche Eierschwamm+, von pomeranzengelber Farbe. - 6. +Boletus satanas+ (sanguineus), der +Satanspilz+ (Blutpilz), mit - genetztem oder gestricheltem Hut und blauanlaufendem Durchschnitt. - -- Ausserdem gelten als giftig: Agaricus rubescens, Agaricus - pantherinus, Agaricus virosus, Agaricus vellereus, Agaricus - pyrogallus, Agaricus torminosus, Russula virescens, Boletus luridus, - Sclerodosma vulgare, Amanita virescens, A. citrina, A. bulbosa, A. - alba, A. candida, A. verna, A. virosa, A. mappa, A. recutita, A. - porphyria, Lactarius torminosus, Hebeloma tastibile und rimosum. - Zuweilen erweist sich auch die +essbare Morchel+, +Helvella - esculenta+, namentlich im frischen Zustande, als äusserst giftig - (=Helvellasäure=). - - In den Giftschwämmen sind somit teils giftige +Alkaloide+ (Muskarin, - Bulbosin, Phalloidin), teils giftige +Säuren+ (Agarizinsäure, - Helvellasäure), teils +Toxalbumine+ bezw. Mykozymasen (Phallin) - mit sehr verschiedenartiger Wirkung enthalten. Die Schwammgifte - sind teils strychnin- und atropinartige Nervengifte (Muskarin, - Agarizinsäure), teils ausgesprochene Blutgifte (Phallin, - Helvellasäure). Die Pilzvergiftung äussert sich bald in Form eines - Magendarmkatarrhs, bald durch Kollaps- und Lähmungserscheinungen, - bald durch psychische und motorische Erregung, bald in Form von - Ikterus. - - -=Wirkung.= Das im =Fliegenschwamm= enthaltene +Muskarin+ ist eine -sehr giftige, mit dem Neurin und Cholin verwandte Base von der Formel -N.(CH_{3})_{3}C_{2}H_{5}O_{2}.OH (Trimethylammoniumbase), welche -in ihrer Wirkung viel Aehnlichkeit mit dem Eserin, Pilokarpin und -Arekolin besitzt. Sie erzeugt gesteigerte Sekretion aller Drüsen, -Darmtetanus, Uteruskontraktionen, Krämpfe, Aufregung und Lähmung des -Gehirns, Herzstillstand und Lungenödem. Nach +Ellenberger+ (Berliner -Archiv 1887) traten bei Pferden schon nach Dosen von 0,04 Muskarin -schwere Vergiftungserscheinungen auf. Die im =Lärchenschwamm= -enthaltene +Agarizinsäure+ von der Formel C_{10}H_{30}O_{5} stimmt -mit dem Atropin in der sekretionsbeschränkenden Wirkung überein. -Es tötet durch Lähmung der im verlängerten Mark gelegenen Zentren -(Herzzentrum, Atmungszentrum, vasomotorisches Zentrum) und erzeugt -ausserdem Gastroenteritis. =Amanita phalloides= enthält nach -+Kobert+ ein ausserordentlich giftiges Toxalbumin, das +Phallin+, -das stärkste bekannte +Blutgift+, welches die roten Blutkörperchen -noch bei 125000facher Verdünnung vollständig auflöst (Hämolyse) und -dadurch zu Hämoglobinämie und Hämoglobinurie, Polycholie, multiplen -Blutgerinnungen durch das infolge der Auflösung der Blutkörperchen -freigewordene Fibrinferment (Leukonuklein) mit ihren Folgen, und zu -schweren zerebralen Störungen Veranlassung gibt. Hunde und Katzen -sterben schon nach der intravenösen Einverleibung von weniger als einem -halben Milligramm Phallin pro Kilogramm Körpergewicht und zeigen schon -eine halbe Stunde nach der Applikation Hämoglobinurie. Dabei erscheint -im Harn zunächst Oxyhämoglobin, sehr bald aber infolge Umwandlung -desselben im Blute Methämoglobin und sogar Gallefarbstoff. Hieran -schliessen sich wie bei der Hämoglobinämie der Pferde parenchymatöse -Nephriten mit Anurie und Urämie an. Die =essbare Morchel= enthält -im frischen Zustand die sehr giftige +Helvellasäure+ von der Formel -C_{10}H_{20}O_{7}, welche gleichfalls hämolytische Eigenschaften -besitzt und infolge Auflösung der roten Blutkörperchen Hämoglobinämie -erzeugt; ausserdem bestehen die Vergiftungserscheinungen in Tetanus, -Trismus, Schwindel, Somnolenz, Bewusstlosigkeit, Erbrechen und -Durchfall. - - -=Krankheitsbild.= Vergiftungen durch Giftschwämme kommen bei den -Haustieren ausserordentlich selten vor. Die tierärztliche Literatur -enthält nur vereinzelte einschlägige Beobachtungen. Nach +Bizky+ -(Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1898) erkrankten mehrere Fohlen -nach der Aufnahme von Waldheu, welches Fliegenschwamm enthielt; -sie zeigten Durchfall, Speichelfluss und Pupillenverengerung -(Muskarinvergiftung). +Munkel+ (Preuss. Mitteil. 1878) berichtet, -dass eine Herde Mutterschafe erkrankte, nachdem sie im September in -ein Gehölz getrieben wurde, in welchem zahlreiche Pilze wuchsen und -zwar insbesondere Agaricus muscarius und delicissus, Cantharellus -cibarius, Boletus edulis und Klavariaarten. Mehrere Schafe, welche -mit grosser Begierde von den Pilzen gefressen hatten, erkrankten, -indem sie umfielen und nicht mehr aufstehen konnten, so dass sie in -diesem gelähmtem Zustande nach Hause getragen werden mussten; die -erkrankten Tiere genasen jedoch alle. +Mundesgruber+ (Repertor. 1843) -beobachtete eine Vergiftung bei Gänsen. 600 Stück Gänse hatten im Walde -unter anderen Pilzen Agaricus muscarius und pyrogalus aufgenommen. -180 Stück davon erkrankten und starben innerhalb 24 Stunden. Die -Krankheitserscheinungen bestanden in Taumeln, wutähnlichem Benehmen und -Wälzen. Bei der Sektion fand man Rötung und Entzündung der Schleimhaut -des Schlundes, Kropfes und Darmes. - - -=Therapie.= Die Behandlung besteht in der Anwendung von Brechmitteln, -Abführmitteln, Tannin, Lugolscher Lösung und in symptomatischen -Massnahmen. - - -Diverse andere Giftpflanzen. - - =Rhus toxicodendron=, der +Giftsumach+, ist eine in Nordamerika - einheimische, bei uns in Gärten kultivierte und auch wild - vorkommende Terebinthazee (Anakardiazee), welche ein mit dem - +Kardol+ (schwarzbraunes Oel der sog. Elefantenläuse, der Früchte - von Anacardium occidentale) verwandtes stark reizendes Gift, die - +Toxikodendronsäure+, enthält. Die Pflanze erzeugt bei ihrer - Berührung Hautentzündung. Vergiftungen sollen bei Schafen und Ziegen - nach dem Genusse der Blätter und Beeren beobachtet worden sein. - Auch die chilenische Litrepflanze (Lithrea caustica), ebenfalls zu - den Anakardiazeen gehörig, scheint einen kardolartigen Stoff zu - enthalten. -- Das =Kardol= ist eine ölige, gelbliche Flüssigkeit, - gewonnen aus den unter dem Namen „Elefantenläuse“ bekannten - Früchten von +Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+ - (Terebinthazeen), von scharfer, kantharidinartiger Wirkung auf Haut - und Schleimhäute (Dermatitis, Gastroenteritis besonders im Dickdarm). - - - =Cyclamen europaeum=, das +Alpenveilchen+ (Schweinebrot, Saubrot, - Erdscheibe), eine Primulazee, besitzt ein knolliges, kuchenförmiges - Rhizom, welches ein mit dem Saponin bezw. Sapotoxin in der Wirkung - verwandtes Glykosid, das +Zyklamin+, enthält. Dasselbe zerfällt - beim Kochen in Zucker und Zyklamiretin. Die Knollen wirken reizend, - entzündungserregend (Gastroenteritis), scheinen aber von Schweinen - („Schweinebrot“) gut ertragen zu werden. In Italien werden die - Knollen zum Fischfang verwendet (Lähmung der Fische). Das Zyklamin - besitzt ausserdem blutauflösende Eigenschaften. - - - =Aristolochia Clematidis=, +Osterluzei+ (Hohlwurz) ist ein auf - Aeckern und in Hecken vorkommendes Unkraut mit weithin kriechender - Wurzel, ½-1 m hohem, aufrechtem Stengel, am Grunde herzförmigen - Blättern und gelben Blüten. Die Pflanze enthält ein scharf - narkotisches Alkaloid, das +Aristolochin+, welches Nierennekrose, - Leberverfettung und hämorrhagische Diathese erzeugen und ausserdem - eine aloinähnliche Wirkung besitzen soll (+Pohl+, Arch. für exper. - Pathol. 1891). Ein Vergiftungsfall nach der Aufnahme von Osterluzei - bei 5 Pferden ist von +Jeanin+ (Recueil 1850) beschrieben worden. - Die Vergiftungserscheinungen bestanden in Schwanken, Schlafsucht, - Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Konvulsionen, Verstopfung, Absatz - blutigen Kotes, Polyurie, Abmagerung und Schwäche, sowie Haarausfall - (bei einem Pferd). Die Tiere erholten sich erst wieder vollständig - nach Ablauf eines Vierteljahres. - - - =Polygonum=, +Knöterich+, kommt in 3 Arten vor. 1. +Polygonum - Persicaria+, der pfirsichblätterige Knöterich, ist ein ästiges - Unkraut mit länglichlanzettlichen bis linealen Blättern und roten - oder weissen Blüten. Die Pflanze soll einen scharfen Stoff, die - Polygoninsäure enthalten, welche jedoch nach anderen nur ein Gemenge - von Gerbsäure und Gallussäure darstellt. Der Knöterich erzeugt bei - Schweinen Gastroenteritis und Zystitis. 2. +Polygonum hydropiper+, - der Wasserpfeffer, soll bei Schweinen Blutharnen bedingen. 3. - +Polygonum convolvulus+, der windende Knöterich, verursachte bei - einem Pferd akute Darmentzündung (+Galtier+, J. de Lyon 1887). -- - Eine Vergiftung bei Schafen durch verschiedene Polygonumarten hat - +Born+ (Veterinarius 1896) beschrieben. Die Tiere zeigten starke - Depression des Sensoriums, Nystagmus, Krämpfe und Lähmung. - - - +Caltha palustris+, die +Sumpf-Dotterblume+ (grosse Butterblume, - Kuhblume), eine Ranunkulazee, enthält einen scharfen Stoff, welcher - wahrscheinlich mit dem Anemonenkampfer (vergl. S. 242) identisch - ist. Nach andern soll sie ein nikotinartiges Alkaloid enthalten. - +Bonin+ (Journal de Lyon 1888) berichtet über einen Vergiftungsfall - bei Pferden. Nach der Aufnahme von Grünfutter, welches fast nur - aus Sumpf-Dotterblumen bestand, zeigten sich Kolikerscheinungen, - Tympanitis, Harndrang, sowie dunkelroter Harn von scharfem, - charakteristischem Dotterblumengeruche. Ein Pferd starb. +Nessler+ - (Bad. landwirtschaftl. Wochenblatt 1870) beobachtete bei Rindern - Durchfall nach dem Genuss der Pflanze. - - - =Ledum palustre=, der +Sumpfporst+ (Wilder Rosmarin), ist ein - auf Torfwiesen wachsender bis meterhoher Strauch (Erikazee) mit - immergrünen, linealen, rostbraunen, filzigen Blättern, welche - Aehnlichkeit mit Rosmarin haben, und weisser Blumenkrone. Er - enthält den +Ledumkampfer+ und wirkt entzündungserregend auf die - Digestionsschleimhaut. - - - =Sium latifolium=, der +Merk+ (Wassermerk), ist eine in Wassergräben - wachsende Umbellifere mit weisser Blütendolde. Sie enthält einen - scharfen, +reizenden+ und zugleich +narkotisch+ wirkenden Stoff, - welcher Gastroenteritis, Kolik, starke Aufregung und Betäubung - erzeugt. Vergiftungen bei Rindern sind von +Beyerstein+ (Repertor. - 1850) und +Löfmannn+ (Fin. Vet.-Zeit. 1901) beschrieben worden. - - - =Gratiola officinalis=, das +Gottesgnadenkraut+ (Erdgalle) - ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Skrophularineen mit - stielrundem, ästigem Rhizom, bis 30 cm hohem, vierkantigem, kahlem - Stengel, feingesägten kahlen Blättern und weisslichen, gelbrötlich - angelaufenen Blüten. Die Pflanze enthält 2 Glykoside von purgierender - Wirkung: das +Gratiosolin+ von der Formel C_{46}H_{42}O_{25} und das - +Gratiolin+ von der Formel C_{40}H_{34}O_{14} sowie andere scharfe - Stoffe (+Gratiolacrin+). Die Pflanze soll eine hämorrhagische - Magendarmentzündung veranlassen. - - - =Lactuca virosa=, der +Giftlattich+, ist ein aufrechtes Kraut mit - blaugrünen Blättern, gelben kleinen Blütenköpfchen und widerlichem - Geruche (Komposite). Er enthält einen Milchsaft, +Lactucarium+, - welcher durch scheibenweises Abschneiden des 2jährigen Stengels und - Sammeln des austretenden Milchsaftes gewonnen wird. Man unterscheidet - deutsches (Zell an der Mosel), österreichisches, französisches, - englisches und amerikanisches Lactucarium. Der Milchsaft enthält das - hypnotisch wirkende +Laktuzin+. Vergiftungen bei den Haustieren sind - bisher nicht beobachtet worden. - - - =Actaea spicata=, das +gemeine Christophskraut+ (Beschreikraut, - Hexenkraut, Feuerkraut, Schwarzkraut, Wolfswurz, Christophoriana) ist - eine in schattigen Laubwäldern, besonders auf den nordeuropäischen - Gebirgen und in der Schweiz vorkommende Ranunkulazee mit glänzend - schwarzen Beeren und einer dem Helleborus-Rhizom sehr ähnlichen - Wurzel von bitterem, kratzendem, beissendem Geschmack, welche früher - statt der Nieswurz therapeutisch angewandt wurde. Die Wurzel enthält - ein scharfes Harz, das +Zimifugin+ oder +Makrotin+, welches Erbrechen - und Durchfall erzeugt. Vergiftungen bei den Haustieren sind bisher - nicht beobachtet worden. Aehnlich wirkt +Actaea cimifuga+ = Cimifuga - fötida, das stinkende Wanzenkraut, sowie die in Amerika als Tonikum - angewandte +Actaea racemosa+ = Cimifuga racemosa, die schwarze - Schlangenwurzel. - - - =Bryonia alba= und =dioica=, die +Zaunrübe+ oder +Gichtrübe+ - (Stickwurz, Hundskürbis; Kukurbitazee), besitzt eine fleischige, - aussen gelbe, innen weisse, milchende, über armsdicke, widerlich - riechende und ekelhaft bitter schmeckende Wurzel, welche das giftige - Glykosid +Bryonidin+ neben dem ungiftigen Bryonin enthält. Die - Wurzel, ein Hauptmittel der Homöopathie, besitzt purgierende und - hämostatische Eigenschaften. In grösseren Mengen aufgenommen erzeugt - sie eine hämorrhagische Gastroenteritis. +Anger+ (Vet. Esc. 1899) - beobachtete bei 7 Pferden reheähnliche Steifheit und Lähmung. Eine - ausführliche Arbeit über Bryonia hat +Mankowsky+ veröffentlicht - (1890). - - - =Galega officinalis=, die +Geissranke+ (Geissklee, Geissraute, - Fleckenraute, Pockenraute), ist eine im südlichen Europa an - feuchten Stellen wachsende Papilionazee mit weisslichen, violetten - Blütentrauben, unpaar gefiederten Blättern und linealen, - einfächerigen Hülsen. +Blanchard+ (Journal de Lyon 1888) beobachtete - bei 10 Schafen nach der Aufnahme der blühenden und halbreife - Schoten tragenden Pflanze eine innerhalb 24 Stunden tödlich - verlaufende Vergiftung. Eine ähnliche Vergiftung bei 20 Schafen hat - +Bieler+ (ibid. 1889) beobachtet. +Moussu+ (Bull. soc. Agric. 1907) - berichtet, dass 50 Schafe einer Merinoherde innerhalb 2 Tagen an - Geissrautenvergiftung eingingen, 2 mit Geissraute gefütterte Lämmer - starben rapid, während Kaninchen und Meerschweinchen damit mehrere - Tage ohne Schaden gefüttert wurden. - - - =Pedicularis palustris=, das +Läusekraut+, ist eine auf Sumpf- und - Moorwiesen wachsende Skrophularinee mit ästigem Stengel, trübgrünen, - gefiederten Blättern und grossen, fleischroten Blütenähren von - widerlichem Geruche und scharfem Geschmacke. - - - =Ferula communis=, das +Steckenkraut+, eine Umbellifere, soll nach - +Brémond+ (Journal de Lyon 1887) in Algerien im Februar und März - in allen Teilen giftig, nach dem Verblühen (April und Mai) dagegen - durchaus ungiftig und eine gute Futterpflanze sein. Durch das - Trocknen geht die Giftigkeit verloren. Die Vergiftung tritt erst nach - 6-8tägigem Besuch der Weide auf. Am empfindlichsten sind Schafe, - dann Ziegen, Rinder, Pferde und Schweine. Die Pflanze erzeugt eine - hämorrhagische Diathese, Nasenbluten, Hämaturie, Darmblutung, sowie - Hämatome auf den Psoasmuskeln. Die Krankheitsdauer beträgt 12-48 - Stunden; die Mortalitätsziffer beläuft sich auf 98 Proz. - - - =Hypericum perforatum=, das +Johanniskraut+ (Hexenkraut, - Hasenkraut, Hartheu), eine Hyperikazee, enthält das +Hyperizin+ und - +Hyperikumrot+, 2 Farbstoffe, und wahrscheinlich noch ein ätherisches - Oel. +Pangoué+ (Rep. 1861) hat eine Vergiftung bei Tieren beobachtet. - Die Erscheinungen bestanden in Abstumpfung, Benommenheit, Mydriasis - und purpurroter Färbung der fleischfarbenen Lippenabzeichen. - - - =Hydrocotyle vulgaris=, das +Nabelkraut+ (gemeiner Wassernabel), ist - eine auf Moorwiesen und an sumpfigen Ufern wachsende Umbellifere von - brennendem Geschmacke, welche einen scharfen Stoff, das +Vellarin+, - enthält. Die früher als Diuretikum und als Wundmittel angewandte - Pflanze soll bei den Haustieren Darmentzündung und Blutharnen - erzeugen. - - - =Scrophularia aquatica=, die +Wasserwurzel+ (Scr. alata, Betonica - aquatica), enthält das Harz Scrophularacrin. Nach +Bunciman+ (The - vet. journ. 1885) erkrankten 6 Schafe nach dem Genusse der Pflanze - an Appetitlosigkeit und Lähmungserscheinungen. Ueber eine Vergiftung - durch +Scrophularia nodosa+, welche sich in Durchfall, Mattigkeit und - Lähmung äusserte, hat +Walley+ berichtet (Journ. of comp. 1891). - - - =Madia sativa=, die +Saatmadie+, eine 1jährige, aus Amerika stammende - Komposite mit schwarzen, 4-5kantigen, 6-7 mm langen, ölhaltigen - Früchten (Madiaöl), soll eine opiumähnliche Wirkung besitzen. - - - =Sonchus arvensis=, die +Ackersaudistel+, erzeugte nach +Lecouturier+ - (Repertor. 1860) bei 70 Schafen Betäubung und Lähmung, sechs davon - starben. - - - =Asarum europaeum=, die +Haselwurz+ (Brechwurz), ist eine in ganz - Europa, namentlich in Buchenwäldern vorkommende Aristolochiazee. - Die Pflanze besitzt ein 10 cm langes Rhizom mit schuppenförmigen - Niederblättern, nierenförmigen Laubblättern und braunen, innen - purpurroten Blüten. Das Rhizom enthält das +Asaron+ = Asarumkampfer - von der Formel C_{20}H_{26}O_{5}, sowie ein ätherisches Oel, das - +Asaren+, von der Formel C_{10}H_{16}. Die Wirkung ist eine reizende, - emetinähnliche. Noch giftiger ist Asarum canadense. - - - =Paris quadrifolia=, die +Einbeere+ (Giftbeere, Sauauge, - Fuchstraube), ist eine in Laubwäldern wachsende Liliazee mit - schwarzen, kugeligen Beeren. Sie enthält 2 saponinartig wirkende - Giftstoffe: das +Paridin+ und +Paristyphnin+. Vergiftungen sind bei - den Haustieren bisher nicht beobachtet worden. Eine toxikologische - Monographie über die Einbeere ist von +Schroff+ veröffentlicht worden. - - - =Andromeda polyfolia=, die +Rosmarinheide+, eine Erikazee, enthält - das Glykosid +Andromedotoxin+ = +Asebotoxin+ mit blausäure- und - akonitinähnlicher Wirkung (vgl. Rhododendron, S. 276). Auch - +Andromeda florida+ wirkt nach +Dougall+ (Vet. journ. 1896) bei - Schafen giftig. - - - =Pirola=, das +Wintergrün+, ist eine in schattigen Wäldern - wachsende Erikazee mit fadenförmigem, ästigem Rhizom, rundlich - ovalen Laubblättern und traubigen Blüten. Die früher als Wundmittel - (Adstringens) benützte Pflanze enthält +Gerbsäure+, Gallussäure, - Arbutin, Erikolin und Urson. Sie soll beim Rinde Blutharnen erzeugen - (+Weinmann+, Ad. Woch. 1865). - - - =Typha latifolia=, das +Kolbenrohr+, eine Sumpfpflanze (Typhazee), - soll für Kühe giftig sein. - - - =Selinum palustre=, die +Sumpfsilge+, soll für Schafe giftig sein. - - - =Chenopodium hybridum=, der +Gänsefuss+ (Schweinemelde), enthält - das Glykosid +Chenopodin+. Die Pflanze soll bei Schweinen - Gastroenteritis, Betäubung und Blutauflösung erzeugen. - - - =Azalea pontica=, ein 1-2 m hoher Strauch (Erikazee), im Garten als - Zierpflanze kultiviert, mit goldgelben, trichterförmigen Blüten, hat - in einem von +Zirkel+ (Preuss. Mitt. 1864) beobachteten Fall bei - Ziegen Magendarmentzündung verursacht. Auch bei einer Katze wirkten - die Blätter tödlich (+Magdeburg+). - - - =Astragalus mollissimus= soll nach +Sayre+ (Amer. vet. Rev. 1888) - die Ursache der in Mexiko, Colorado und Kansas auftretenden sogen. - „Lokokrankheit“ sein, welche sich bei Pferden und Rindern in - schweren Gehirnstörungen, Halluzinationen, Hyperästhesie, Krämpfen, - Muskelschwäche, unsicherem Gang und Abmagerung äussert. +Sayre+ - hat das Krankheitsbild auch experimentell durch Verfütterung von - Astragalus bei Pferden erzeugt. Die Tiere verlieren das Taxieren - der Entfernungen, drehen sich im Kreise und fallen plötzlich - erschrocken um. Nach +Klench+ soll die Vergiftung durch Crotallaria - sagittalis bedingt sein. Nach +Crawford+ enthalten die schädlichen - Astragalusarten giftige Baryumverbindungen. - - - =Evonymus europaeus=, das +Pfaffenhütlein+ (gemeiner Spindelbaum, - Spillbaum), ist eine in Europa wild wachsende und auch angepflanzte - Celastrazee, welche ein purgierendes und digitalisähnlich wirkendes - Harz, das +Evonymin+, enthält und angeblich bei Ziegen und Schafen - Veranlassung zu tödlichen Vergiftungen gegeben hat. Das unter dem - Namen Evonymin neuerdings als Abführmittel empfohlene Fluidextrakt - wird aus Evonymus atropurpureus (+Wahoo+), einer nordamerikanischen - Celastrazee, dargestellt. - - - =Clematis=, die +Waldrebe+ (Cl. vitalba, erecta und flammula), ist - eine Ranunkulazee, deren verschiedene Arten einen stark reizenden - Stoff, den +Clematiskampfer+, enthalten; derselbe stimmt in seiner - Wirkung mit dem Anemonenkampfer (vgl. S. 242) überein. - - - =Viburnum lantana=, der +Schneeball+ (türkische Weide), soll bei - Rindern Blutharnen erzeugen. - - - =Drosera=, der +Sonnentau+ (Dr. rotundifolia und longifolia), eine - Droserazee, soll für Schafe giftig sein. - - - =Thuja occidentalis=, der +Lebensbaum+, und andere Thujaarten - besitzen eine sabinaähnliche Wirkung. - - - =Ruta graveolens=, die +Gartenraute+, enthält ein scharfes - ätherisches Oel und besitzt angeblich eine abortive Wirkung. - - - =Mentha Pulegium=, der +Poley+, eine zuweilen auch medizinisch - gebrauchte Labiate, enthält ein ätherisches Oel, Oleum Pulegii, von - phosphorartiger Wirkung, indem es sehr intensive Verfettung der - Leber, der Nieren und des Herzens erzeugt. - - - =Gelsemium sempervirens=, der +gelbe Jasmin+, enthält 2 giftige - Alkaloide, das +Gelseminin+, welches eine lähmende Wirkung auf das - Atmungszentrum und die Muskulatur, sowie eine nikotinartige auf den - Vagus besitzt, und das +Gelsemin+, ein strychninartig wirkender - Körper. Vergiftungen haben sich bisher nur beim Menschen durch zu - hohe Dosierung der Tinctura Gelsemii (Antineuralgikum) ereignet; - sie äusserten sich in Schwindel, Mydriasis, Ptosis, Schwäche in den - Beinen und Dyspnoe. Therapie: Exzitantien, künstliche Respiration. - - - =Templetonia glauca= und =Sophora secundiflora=, zwei ausländische - Schmetterlingsblüter, sind nach den Untersuchungen von +Cornevin+ - (Journ. de Lyon) Giftpflanzen (Erbrechen, Krämpfe, Lähmung). - - - =Plumbago=, die +Bleiwurz+, von Plumbago europaea, sowie andere - als Zierpflanzen in Gärten kultivierte ausländische Plumbaginazeen - enthalten das blasenziehende +Plumbagin+ = +Ophioxylin+ (früher als - „Radix Dentariae“ benütztes Vesikans). - - - =Sedum acre=, der +Mauerpfeffer+, eine Krassulazee (nicht zu - verwechseln mit Ledum palustre), enthält ebenfalls einen scharf - reizenden, blasenziehenden Stoff. - - - =Atractylis gummifera=, eine zu den Kompositen gehörige Distelart - der Mittelmeerländer, enthält nach +Saloignol+ (Recueil 1897) ein - scharf narkotisches Gift. 4 Schweine verendeten nach 2 Stunden - unter tetanischen Erscheinungen; die Sektion ergab hämorrhagische - Gastroenteritis. - - - =Corchorus capsularis=, eine in China und Japan kultivierte, die - Jute (chinesischen Hanf) liefernde Tiliazee, enthält in den Samen - ein Glykosid, das +Corchorin+, welches zu den stärksten Giften - gehört, indem es Pferde schon in subkutanen Dosen von 3 mg pro - Kilo Körpergewicht unter den Erscheinungen der Vaguslähmung tötet. - In Japan sind zahlreiche Vergiftungen bei Pferden und Rindern - vorgekommen (+Tsuno+, Monatshefte für prakt. Tierhlkde 1896, VI. Bd.). - - - =Cannabis sativa=, der +Hanf+ (Urtikazee), ist im Gegensatz zum - indischen Hanf in der Regel ungiftig. Nach +Tyroler+ (Veterinarius - 1896) sollen 25 Rinder, die aus einem Hanf enthaltenden Wasser - getrunken hatten, kurze Zeit darauf sich wie betrunken benommen - haben; eins derselben soll gestorben sein. +Mermelstein+ (ibid. - 1900) sah bei einem 4jährigen Pferde, das auf dem Felde Hanf - gefressen hatte, Kolik, Taumeln, kreuzweise Stellung der Hinterbeine, - Muskelzittern und pochenden Herzschlag; das Tier erholte sich nach - Verabreichung eines Abführmittels. - - - =Echium vulgare=, der +Natternkopf+, eine Boraginee, erzeugte bei 15 - Pferden Erbrechen und starkes Speicheln (+Michotte+, Belg. Ann. 1892). - - - =Prosopis Juliflora=, eine in des wärmeren Gegenden vorkommende - Mimose, erzeugt nach +Abrahams+ (Vet. journ. 1897) die sog. - +Cashaw+-Vergiftung. - - - =Populus balsamifera= wirkt nach +Walley+ (Journ. of comp., 7. Bd.) - auf junge Pferde und Rinder giftig und selbst tödlich; die Aufnahme - der Blätter erzeugt heftige Kolik und Durchfall. - - - =Kürbis= verursachte bei 4 Pferden, welche frischen Kürbis - gefressen hatten, Abstumpfung, Aufregung, schnarchendes Atmen, - Pupillenerweiterung, hohe Pulsfrequenz und Muskelzittern (+Werkner+, - Veterinarius 1897). Nach dem Füttern von Kürbiskernen traten bei - Mastochsen milzbrandähnliche Erscheinungen auf: hohes Fieber, - Schwäche, Benommenheit; die Sektion ergab blutige Entzündung der - Vormägen und des Dünndarms (+Szatmary+, B. T. W. 1909). - - - =Knoblauch= erzeugte bei 40 Rindern tollwutähnliche Erscheinungen - (+Pascault+, Recueil 1889). - - - =Tamus communis=, die +schwarze Zaunrübe+, eine Smilazee, besitzt - rote, kugelige Beeren von giftiger Wirkung (Gastroenteritis, Lähmung). - - - =Leucojum aestivum=, die +Sommerlevkoje+, eine Amaryllidee, enthält - einen scharf narkotischen Stoff, welcher Magendarmentzündung, - Schwindel und Betäubung erzeugt. - - - =Ligustrum vulgare=, der +Hartriegel+, eine Oleazee, enthält in - seinen Beeren das giftige +Syringin+, sowie das +Ligustron+; die - Beeren wirken scharf, entzündungserregend. - - - =Cynoglossum=, die +Hundszunge+, besitzt kurareähnliche Wirkungen. - - - =Onopordon Acanthium=, die +Eselsdistel+, eine Komposite, bewirkt - Erbrechen, Durchfall und Krämpfe. - - - =Nigella sativa=, der +Schwarzkümmel+ (Ranunkulazee), enthält das - +Melanthin+ mit saponinartiger Wirkung. - - - =Paeonia officinalis=, die +Gichtrose+ oder +Pfingstrose+, eine - Ranunkulazee, enthält in den Blüten und Samen einen scharfen, - Gastroenteritis erzeugenden Giftstoff; desgleichen Paeonia corallina - und peregrina. - - - =Berberis vulgaris=, die +Berberitze+ (Sauerdorn, Weinschädling), - eine Berberidee, enthält das giftige Alkaloid +Berberin+, welches - Konvulsionen, sowie Erregung und spätere Lähmung des Atmungszentrums - bedingt. - - - =Heracleum sphondylium=, die +deutsche Bärenklau+, erzeugte bei - Rindern Schäumen, Taumeln, bedenkliche Schwäche und Niederstürzen; - eine Kuh wurde durch den Magenschnitt gerettet (+Honeker+, D. T. W. - 1900). - - - =Urtica dioica=, die +Brennessel+, soll nach +Rohr+ (Progr. vét. - 1907) besonders zur Herbstzeit ein scharfes Gift enthalten, - welches sogar Hühnerhunde beim Streifen durch das Gebüsch unter - Krampferscheinungen töten soll; ausserdem entsteht durch das - Eindringen der Nesselhaare Hautentzündung, Stomatitis, Pharyngitis - und Laryngitis. Bei einem jungen Teckel glaubt +Holterbach+ (B. T. W. - 1908) eine ähnliche tödliche Vergiftung beobachtet zu haben (Taumeln, - Lähmung). - - - =Senecio Jacobaeus=, das +Jakobskraut+, soll nach +Gilruth+ - (The Vet. Bd. 75) bei Pferden und Rindern in Neu-Seeland häufig - Leberzirrhose veranlassen. Die Krankheitserscheinungen bestehen in - Ikterus, Aszites, Durchfall, schneller Abmagerung und Schwäche; bei - der Sektion erscheint die Leber lederartig derb und schieferartig - gefärbt. Auch experimentell liess sich bei 2 gesunden, 6 Monate alten - Kälbern nach Ablauf eines Monats tödliche Leberzirrhose durch die - tägliche Verfütterung von 3 kg Jakobskraut erzeugen. - - - =Cardamine pratensis=, das +Wiesenschaumkraut+ erzeugte nach - +Stottmeister+ (Zeitschr. f. Vet. 1902) bei 15 Remonten des - Remontedepots Wirsitz Verschlag. Schon im Jahr 1894 waren 24 - Remonten ebenfalls an Verschlag erkrankt. Auch experimentell liess - sich bei einigen Pferden und sogar bei Kühen nach 5-8 Stunden durch - Verfütterung des frischen Krautes (nicht des getrockneten) Rehe - erzeugen. - - - =Centaurea Cyanus=, die +Kornblume+, erzeugte nach +Dopheide+ (Berl. - Arch. 1901) bei einer Kuh, welche eine grössere Menge vom Besitzer - ausgezogener grüner Kornblumenpflanzen gefressen hatte, wenige - Stunden später eine vollständige Lähmung des Hinterteils; nach - Verabreichung von schwarzem Kaffee trat in kurzer Zeit Heilung ein. - - - =Cuscuta Trifolii=, die +Kleeseide+, veranlasste nach +Holterbach+ - (D. T. W. 1908) bei 4 Kühen eine Vergiftung, nachdem sie Klee - (Trifolium pratense) mit 50% Kleeseide gefüttert erhielten. Die Tiere - zeigten Anfälle von Muskelzittern, Krämpfen der Gliedmassen und - Raserei; die Anfälle dauerten ¼ Stunde (eine Kuh zeigte 4 Anfälle), - worauf Erschöpfung und Schweissausbruch eintrat; alle Tiere genasen. - - - =Strobuli Lupuli=, die +Hopfendolden+, bedingen nach +Zaruba+ - (Tierärztl. Zentr. 1907) alljährlich zur Zeit der Hopfenernte einen - eigentümlichen Futterausschlag beim Rind, wenn die Hopfenranken - verfüttert werden, in Form eines papulösen Exanthems am Euter und an - den Hinterbeinen, das stellenweise vesikulär und pustulös ist und - sich in einem Falle über den ganzen Körper verbreitete; nach 10 Tagen - trat Heilung ein. - - - =Daucus Carota=, +gelbe Rüben+ (Mohrrüben), wirken nach +Böhm+ bei - der Verfütterung an Frettchen giftig. Auch bei Pferden sollen sie - unter Umständen schwere Darmentzündung (Preuss. Mil. Vet. Ber. 1900), - Lähmungserscheinungen (+Holterbach+, B. T. W. 1907) und Abortus - (+Suckow+, B. T. W. 1908) bei zu reichlicher Fütterung veranlassen. - Auch die weissen Rüben bedingen nach +Thomassen+ (Monatsh. f. prakt. - Tierheilk. 1902) nach ausschliesslicher Verfütterung bei Pferden die - Erscheinungen der enzootischen Bulbärparalyse: Schlinglähmung sowie - Lähmung des Hinterteils aszendierend auf das Vorderteil; sie sollen - einen Giftstoff enthalten, dessen Wirkung speziell auf die Medulla - oblongata gerichtet ist. - - - =Melassevergiftung.= Pferde, welche längere Zeit hindurch täglich - 1-2 kg Torfmehlmelasse erhielten, zeigten Harndrang, Polyurie, - Darmkatarrh, Durchfall, Kolik, Herzschwäche, Petechien auf Augen- - und Nasenschleimhaut, Mauke, Lähmungserscheinungen usw.; die Sektion - ergab chronische Nephritis (+Dammann+, Preuss. Vet. Ber. 1904; - Preuss. Mil. Vet. Ber. 1902 ff.). - - - =Cotyledon ventricosa= erzeugt nach +Jakobsen+ (Viehseuchen in - Deutsch-Südwestafrika 1907) bei Schafen und Ziegen Taumeln. - - - =Phytolacca decandra=, die +Kermesbeere+ (Scharlachbeere) enthält - eine saponinartige Substanz. Rinder erkrankten nach dem Beweiden - ihres Standorts an Gastroenteritis (+White+, Journ. of comp. 1902). - - - =Festuca Hieronymi= bezw. das darauf schmarotzende Pilzmyzel von - +Endoconidium tembladerae+ erzeugt bei den Pflanzenfressern der - südamerikanischen Anden eine charakteristische Vergiftung, die - sog. „Trembladera“, die sich in Muskelzittern, Schüttelfrost, - Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule, Gleichgewichtsstörungen, - Lähmungserscheinungen und Harnverhaltung bei freier Psyche äussert - (+Rivas+ und +Zanolli+, La Trembladera, La Plata 1909). - - - =Diversa.= +Poa aquatica+ wirkt an und für sich nicht giftig, sondern - nur, wenn es von Ustilago longissima befallen ist. Dasselbe gilt - vom +Schilfgras+ (Phragmites communis), welches häufig von Puccinia - arundinacea befallen ist. Von giftigen Pilzen sind ferner noch zu - erwähnen +Peronospora viticola+, der Rebenmehltau, welcher bei Kühen - Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall und Abortus hervorruft - (+Bissauge+, Recueil 1893), +Peronospora Herniariae+, welches bei - Schafen starke Salivation und +Peronospora Viciae+ (Mehltau der - Wicken und Erbsen), welches Abortus erzeugen soll. - - - - -Anhang. - - -Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet. - - I. =Colchicaceen.= +Colchicum autumnale+, Herbstzeitlose; +Veratrum - album+, weisse Nieswurz; +Sabadilla officinalis+, Sabadillsamen. - - II. =Solaneen.= +Atropa Belladonna+, Tollkirsche; +Hyoscyamus niger+, - Bilsenkraut; +Datura Stramonium+, Stechapfel; +Nicotiana Tabacum+, - +makrophylla+ und +rustica+, Tabak; +Solanum nigrum+, Nachtschatten; - +Solanum Dulcamara+, Bittersüss; +Solanum tuberosum+, Kartoffelkraut; - +Skopolia atropoides+, +Duboisia myroporoides+, +Ephedra vulgaris+. - - III. =Apocyneen.= +Strychnos nux vomica+, Brechnussbaum; +Strychnos - gujanensis+, Kurarebaum; +Strychnos Ignatii+, Ignatiusstrauch; - +Strophanthus hispidus+, Kombesamen; +Nerium Oleander+ Oleander; - +Nerium odorum+; +Apocynum cannabinum+. - - IV. =Euphorbiazeen.= +Euphorbia Cyparissias+, +Peplus+, - +helioskopia+, +marginata+ u. a., Wolfsmilch; +Mercurialis annua+ - und +perennis+, Bingelkraut; +Croton Tiglium+, Krotonsamen; +Ricinus - communis+, gemeiner Wunderbaum; +Buxus sempervirens+, Buchsbaum. - - V. =Ranunkulazeen.= +Ranunculus sceleratus+, +acris+, +arvensis+, - +repens+, +Ficaria+, +flammula+, +bulbosus+, +lanuginosus+, +Lingua+, - +auricomus+, +polyanthemus+, Hahnenfuss; +Helleborus fötidus+, - +viridis+ und +niger+, Nieswurz; +Aconitum ferox+, +neomontanum+, - +variegatum+ und +Napellus+, Sturmhut; +Aconitum lycoctonum+, - Wolfseisenhut; +Clematis erecta+, Waldrebe; +Adonis vernalis+, - +Delphinium Staphisagria+, Stephanskörner; +Caltha palustris+, - Sumpfdotterblume; +Actaea spicata+ und +racemosa+, Christophskraut, - Schlangenwurzel; +Nigella sativa+, Schwarzkümmel; +Paeonia - officinalis+, Gichtrose. - - VI. =Umbelliferen.= +Conium maculatum+, Fleckschierling; +Cicuta - virosa+, Wasserschierling; +Aethusa Cynapium+, Gartenschierling; - +Oenanthe crocata+ und +fistulosa+, Rebendolde; +Chaerophyllum - temulum+, Taumelkerbel; +Sium latifolium+, Merk; +Ferula communis+, - Steckenkraut; +Hydrocotyle vulgaris+, Nabelkraut. - - VII. =Papilionazeen.= +Physostigma venenosum+, Kalabarbohne; +Cytisus - Laburnum+, Goldregen, und andere Cytisusarten; +Lathyrus cicer+, - Kichererbse; +Lathyrus sativus+, Platterbse; +Coronilla scorpioides+, - Kronenwicke; +Melilotus officinalis+, Steinklee; +Lupinus luteus+, - +albus+ und +angustifolius+, Lupine; +Galega officinalis+, - Geissranke; +Astragalus molissimus+; +Robinia Pseudoacacia+. - - VIII. =Amygdaleen.= +Amygdalus communis+, Bittermandelbaum; +Prunus - laurocerasus+, Kirschlorbeer; +Prunus Padus+, Traubenkirschbaum; - +Prunus persicus+, Pfirsichbaum; +Prunus domesticus+, Pflaumenbaum; - +Prunus cerasus+, Kirschbaum. - - IX. =Scrophularineen.= +Digitalis purpurea+, Fingerhut; +Gratiola - officinalis+, Gottesgnadenkraut; +Pedicularis silvatica+ und - +palustris+, Läusekraut; +Antirrhinum majus+, Orant; +Melampyrum+, - Wachtelweizen; +Scrophularia aquatica+, Wasserwurzel. - - X. =Koniferen.= +Taxus baccata+, Eibenbaum; +Juniperus Sabina+, - Sadebaum; +Pinus abies+ usw.; +Thuja occidentalis+, Lebensbaum. - - XI. =Papaverazeen.= +Papaver somniferum+, Mohn; +Papaver Rhöas+, - Klatschrose; +Chelidonium majus+, Schöllkraut. - - XII. =Caryophyllazeen.= +Agrostemma Githago+, Kornrade. - - XIII. =Kupuliferen.= +Fagus silvatica+, Buche (Bucheckern); +Quercus - Robur+, Eiche. - - XIV. =Polygoneen.= +Rumex acetosa+ und +acetosella+, Sauerampfer; - +Polygonum fagopyrum+, Buchweizen; +Polygonum convolvulus+, - +Persicaria+ und +hydropiper+, Knöterich. - - XV. =Amaryllideen.= +Narcissus pseudonarcissus+ und +poëticus+, - Narzisse; +Leucojum aestivum+, Sommerlevkoje. - - XVI. =Thymelaeazeen.= +Daphne Mezerëum+ und +Laureola+, Seidelbast. - - XVII. =Erikazeen.= +Rhododendron hirsutum+, +ferrugineum+, +maximum+, - +ponticum+ und +chrysanthum+, Alpenrose; +Andromeda polyfolia+ u. a., - Rosmarinheide; +Ledum palustre+, Sumpfporst; +Pirola+, Wintergrün; - +Azalea pontica+. - - XVIII. =Aroideen.= +Arum maculatum+, Aronstab; +Calla palustris+, - Schweinekraut; +Dieffenbachia seguina+, Schweigrohr. - - XIX. =Asklepiadeen.= +Asklepias Vincetoxicum+, Schwalbenwurzel. - - XX. =Konvolvulazeen.= +Ipomoea Purga+, Jalappe; +Cuscuta europaea+, - Flachsseide. - - XXI. =Kruziferen.= +Brassica nigra+, Senf; +Brassica Rapa+, Rübsen; - +Brassica Napus+, Reps; +Brassica juncea+, Sareptasenf; +Sinapis - arvensis+, Ackersenf; +Raphanus Rhaphanistrum+, Hederich; +Erysimum - vulgare+, Wegsenf; +Arabis tartarica+, Gänsekresse; +Cochlearia - Armoracia+, Meerrettig. - - XXII. =Piperazeen.= +Piper nigrum+, Pfeffer. - - XXIII. =Liliazeen.= +Aloë ferox+ etc., Aloe; +Paris quadrifolia+, - Einbeere. - - XXIV. =Rhamneen.= +Rhamnus cathartica+, Kreuzdorn. - - XXV. =Berberideen.= +Podophyllum peltatum.+ - - XXVI. =Polypodiazeen.= +Pteris aquilina+, Adlerfarn. - - XXVII. =Malvazeen.= +Gossypium herbaceum+, Baumwollpflanze. - - XXVIII. =Terebinthazeen.= +Rhus toxicodendron+, Giftsumach; - +Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+, Elefantenläuse. - - XXIX. =Primulazeen.= +Cyclamen europaeum+, Alpenveilchen. - - XXX. =Aristolochiazeen.= +Aristolochia Clematidis+, Osterluzei; - +Asarum europaeum+, Haselwurz. - - XXXI. =Kompositen.= +Lactura virosa+, Giftlattich; +Madia - sativa+, Saatmadie; +Sonchus arvensis+, Ackersaudistel; +Achillea - Millefolium+, Schafgarbe; +Onopordon Acanthium+, Eselsdistel. - - XXXII. =Kukurbitazeen.= +Bryonia alba+ und +dioica+, Zaunrübe; - +Momordica Elaterium+, Springgurke; +Citrullus Colocynthis+, - Koloquinthengurke. - - XXXIII. =Hyperikazeen.= +Hypericum perforatum+, Johanniskraut. - - XXXIV. =Typhazeen.= Typha latifolia, Kolbenrohr. - - XXXV. =Chenopodiazeen.= Chenopodium hybridum, Gänsefuss. - - XXXVI. =Celastazeen.= +Evonymus europaeus+, Pfaffenhütlein. - - XXXVII. =Caprifoliazeen.= +Viburnum Lantana+, Schneeball. - - XXXVIII. =Droserazeen.= +Drosera rotundifolia+, Sonnentau. - - XXXIX. =Rutazeen.= +Ruta graveolens+, Raute; +Pilocarpus - pennatifolius+. - - XL. =Labiaten.= +Mentha Pulegium+, Poley. - - XLI. =Plumbaginazeen.= +Plumbago europaea+, Bleiwurz. - - XLII. =Krassulazeen.= +Sedum acre+, Mauerpfeffer. - - XLIII. =Smilazeen.= +Tamus communis+, Zaunrübe; +Convallaria - majalis+, Maiblume. - - XLIV. =Oleazeen.= +Ligustrum vulgare+, Gemeiner Liguster. - - XLV. =Berberideen.= +Berberis vulgaris+, Berberitze. - - XLVI. =Artokarpeen.= +Antiaris toxica+, javanischer Giftbaum. - - XLVII. =Kannabineen.= +Cannabis indica+, indischer Hanf; +Cannabis - sativa+, deutscher Hanf. - - XLVIII. =Lobeliazeen.= +Lobelia inflata+, aufgeblasene Lobelie. - - XLIX. =Menispermeen.= +Anamirta Cocculus+, Kokkelskörnerstrauch. - - L. =Palmen.= +Areca Catechu+, Arekanuss. - - LI. =Sapindazeen.= +Paullinia australis+ und +Cururu+, amerik. - Pfeilgift. - - LII. =Lineen.= +Linum usitatissimum+, Lein. - - LIII. =Equisetaceen.= +Equisetum arvense+, +palustre+, +limosum+, - +hiemale+, Schachtelhalm. - - LIV. =Gramineen.= +Lolium temulentum+, Taumelloch. - - LV. =Filizes.= +Aspidium Filix Mas+, Wurmfarn. - - LVI. =Schimmelpilze= (=Mukorineen=). +Mucor+, Blasenschimmel; - +Aspergillus+, Kolbenschimmel; +Penicillium+, Pinselschimmel; - +Oïdium+, Milchschimmel. - - LVII. =Brandpilze= (=Ustilagineen=). +Tilletia Caries+, Schmierbrand; - +Ustilago+, Flugbrand. - - LVIII. =Rostpilze= (=Uredineen=). +Puccinia Graminis+, +Straminis+, - +coronata+ und +arundinacia+, Getreiderost; +Uromyces+, - Leguminosenrost. - - LIX. =Kernpilze= (=Pyrenomyzeten=). +Claviceps purpurea+, Mutterkorn; - +Polydesmus exitiosus+, Rapsverderber; +Polythrincium Trifolii+; - +Epichloë typhina+. - - LX. =Schwämme= (=Fungi=). +Agaricus muscarius+, Fliegenpilz; - +Agaricus phalloides+, Knollenblätterschwamm; +Fungus Laricis+, - Lärchenschwamm; +Russula emetica+, Speiteufel; +Cantharellus - aurantiacus+, falscher Eierschwamm; +Boletus Satanas+, Satanpilz; - +Helvella esculenta+, Morchel. - - - - -III. Tierische Gifte. - - -Kantharidenvergiftung. - - =Allgemeines.= Die Kanthariden oder spanischen Fliegen (Lytta - vesicatoria) sind 1½-3 cm lange und 6-9 mm breite Käfer mit intensiv - grünen, metallisch glänzenden, oblongen Flügeldecken. Sie leben - auf Liguster, Flieder, Eschen und Pappeln und enthalten im ganzen - Körper, namentlich aber in den Geschlechtsteilen (junge Käfer - sind deshalb weniger giftig) einen kampferähnlichen, säureartigen - Stoff, das +Kantharidin+ von der Formel 2(C_{5}H_{6}C_{2}). Das - Kantharidin stellt chemisch eine Laktonsäure dar, die sich vom - Orthoxylol ableitet; es ist verwandt mit dem in den Ranunkulazeen - enthaltenen Anemonin, deren Blätter dem ebenfalls kantharidinhaltigen - Maiwurm (Meloë majalis) als Nahrung dienen. Die +Ursachen+ der - Kantharidenvergiftung sind in zu konzentrierter oder ausgedehnter - äusserlicher Anwendung der Kantharidenpräparate (Salbe, Tinktur, Oel, - Pflaster) als Epispastika, in zu hoher Dosierung des Mittels als - Aphrodisiakum, sowie in der Aufnahme der spanischen Fliegen mittelst - des Futters zu suchen. Die Todesdosis beträgt bei innerlicher - Anwendung für das Rind und Pferd 25-35 g, für den Hund ½-1 g. - - Von kantharidinhaltigen Käfern sind ferner zu nennen: Lytta violacea, - gigar und adspersa, Meloë proscarabaeus, majalis (Maiwurm) und - angusticollis, sowie verschiedene Mylabris- und Kantharisarten. - - -=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Kantharidin wirkt auf der Haut -+blasenziehend+, auf der Digestionsschleimhaut +entzündungserregend+; -ausserdem erzeugt es bei seiner Ausscheidung durch die Nieren -+Nephritis+ und +Zystitis+. Bei der innerlichen Einverleibung -treten die Erscheinungen der +Stomatitis+ und +Gastroenteritis+, -bei der epidermatischen Anwendung die der +Nephritis+ in den -Vordergrund. Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind, soweit sie -den Digestionsapparat betreffen: +Speicheln+, +Schlingbeschwerden+, -+Erbrechen+, +Kolik+, +blutige Diarrhöe+, +Tenesmus+. Beim Rind -wird auch zuweilen Abgang von Kruppmembranen mit dem Kot beobachtet -(Enteritis crouposa). Die entzündliche Reizung der Nieren-, der -Blasen- und Harnröhrenschleimhaut äussert sich in +aufgeregtem -Geschlechtstrieb+, +Polyurie+, +Harndrang+, +Blutharnen+, -+Eiweissharnen+, +Rötung+ und +Schwellung+ der +Vaginal-+ und -+Präputialschleimhaut+ und selbst +Anschwellung+ des +Präputiums+ und -der +Eichel+. Diese Wirkung auf den Urogenitalapparat beobachtet man -auch bei ausgedehnter äusserlicher Anwendung der Kanthariden oder -beim Einstreuen derselben in Wunden; die entzündliche Reizung der -Digestionsschleimhaut fehlt aber in diesen Fällen. Der Tod erfolgt -unter den Erscheinungen der +allgemeinen Schwäche+ durch Atmungslähmung. - -Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Stomatitis, -Pharyngitis, Gastritis, Enteritis haemorrhagica, Zystitis und Nephritis -(sog. Kantharidin-Nephritis; hauptsächlich Erkrankung der Glomeruli -und der gewundenen Harnkanälchen). Zuweilen beobachtet man auch -Laryngitis, Rhinitis und Konjunktivitis. Die +Behandlung+ besteht -in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in Verbindung -mit Opium. Oelige Mittel sind wegen der Auflösung des Kantharidins -und der dadurch beförderten Resorption desselben zu vermeiden. Die -Lähmungserscheinungen behandelt man mit Exzitantien (Kampfer). - - -=Nachweis.= Sind die Kanthariden in unpräparierter Form innerlich -aufgenommen worden, so genügt das Auffinden der charakteristischen -grüngefärbten Flügeldecken zum Nachweise der Vergiftung. Bei -Vergiftungen nach äusserlicher Anwendung der Kanthariden kann ferner -das Kantharidin durch chemische und physiologische Reaktionen -nachgewiesen werden. Dasselbe wird wie die Alkaloide nach der -+Stas+schen Methode schon aus +sauren+ wässerigen Lösungen durch -+Aether+, +Benzol+, +Chloroform+, +Amylalkohol+ ausgeschüttelt; am -besten eignet sich hierzu +Chloroform+. Zur Untersuchung von Blut -und Körperteilen auf Kantharidin hat ausserdem +Dragendorff+ eine -besondere Methode angegeben. Danach wird das Untersuchungsmaterial -fein zerschnitten und mit +Kalilauge+ (1 Kalihydrat auf 12-15 -Teile Wasser) in einer Porzellanschale so lange erhitzt, bis eine -durchaus gleichartige Flüssigkeit entstanden ist. Nach dem Erkalten -wird dieselbe mit Wasser verdünnt, mit +Chloroform+ ausgeschüttelt -(kantharidinsaures Kali), nach Abtrennung des Chloroforms mit -Schwefelsäure bis zur stark sauren Reaktion versetzt und sofort mit -dem vierfachen Volum Alkohol gemischt, das Gemisch eine Zeitlang -im Sieden erhalten, heiss filtriert, das Filtrat möglichst stark -abgekühlt, noch einmal filtriert und durch Destillation vom Alkohol -befreit (Kantharidin). Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird -mit Chloroform wie oben behandelt, nachdem zuerst die an den Wandungen -der Retorte haftenden Massen (Kantharidin) durch dasselbe aufgenommen -worden sind. Alle Chloroformauszüge werden dann verdunstet und der -Rückstand, das reine Kantharidin, mit etwas Mandelöl aufgenommen. - -Die wichtigsten Reaktionen des Kantharidins sind: 1. Die -+physiologische+ Reaktion, welche im Auftragen des in Oel -aufgenommenen Kantharidins auf die menschliche Haut besteht, wobei -die Substanz als +blasenziehend+ erkannt wird. Am besten lässt man -die Kantharidinlösung in ein Stück englische Charpie einziehen und -befestigt dasselbe mit Heftpflaster auf seiner Brust oder auf dem -Oberarme. 2. +Metallniederschläge+ entstehen beim Zusammenbringen des -Kantharidins mit verschiedenen +Metallsalzen+. Man löst das Kantharidin -in wenig Kali- oder Natronlauge und löst die dabei entstehenden -Kristalle in etwas Wasser auf. Die Lösung gibt dann mit +Chlorbaryum+ -und +Chlorkalzium+ weisse, mit +Kupfervitriol+ und +schwefelsaurem -Nickeloxydul+ grüne, mit +schwefelsaurem Kobaltoxydul+ rote, mit -+Bleizucker+, +Sublimat+ und +Höllenstein+ weisse, kristallinische, -meist rhombische Niederschläge von kantharidinsauren Metallen. - - =Kasuistik.= +Römmele+ (Bad. Mitteil. 1866) berichtet, dass auf - einem Gute spanische Fliegen von benachbarten Eschenpflanzungen - und Holundersträuchen in das Wiesengras gelangten, was zur Folge - hatte, dass ein grosser Teil des Viehstandes mehrere Jahre hindurch - Blasenbildung auf der Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und - Scheidenschleimhaut, erregten Geschlechtstrieb, Hämaturie, Harndrang, - Abortus, Anämie und Abmagerung zeigte. -- +Brandes+ (Magazin Bd. 3) - sah nach scharfen Einreibungen beider Brustwandungen mit je 50 g - Kantharidensalbe, wobei nach 12 Stunden beiderseitig je 15 g Salbe - nachgerieben wurden, bei Pferden regelmässig Polyurie eintreten. 3 - Pferde zeigten ausserdem schwankenden Gang und Lähmungserscheinungen. - -- +Bertsche+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) beschreibt eine Vergiftung - bei einer Kuh, welcher zum Zwecke des Brünstigwerdens etwa 25 g - Kantharidenpulver von einem Landwirt eingegeben worden waren. Die - Maulschleimhaut war weisslich verfärbt, das Epithel an der Zunge, am - Zahnfleisch und Gaumen bis in die Nasenhöhle in Fetzen abgelöst. Urin - wurde häufig, aber immer nur in geringen Mengen abgesetzt, derselbe - war rötlich gefärbt. Die Futteraufnahme war ganz aufgehoben, beim - Abschlucken zeigte das Tier grosse Schmerzen. Mit dem Kot gingen - 1-1½ m lange darmähnliche Kruppmassen ab. Die Bewegung war matt und - schwankend. Nach eingeleiteter Behandlung trat langsame Genesung - ein. -- Ein Pferd starb nach der Einreibung von Kantharidensalbe - an Nephritis nach 2 Tagen (Pr. Mil. Vet. Ber. 1895). -- +Metzger+ - (D. T. W. 1896) sah bei einer Kuh, welche etwa 10 g Kanthariden - eingegeben erhalten hatte, schwankenden Gang, Salivation, Stomatitis - und Pharyngitis sowie Polyurie. Das bis zum Skelett abgemagerte - Tier brauchte etwa ein Vierteljahr zur Erholung. -- +Carougeau+ - (Journ. de Lyon 1897) beobachtete bei einem Pferde nach der - Einreibung mit Kantharidensalbe akute hämorrhagische Nephritis, - wobei die Glomeruli um das 2-3fache vergrössert waren. -- +Heck+ - (Am. vet. rev. 1898) sah bei einem Hengst nach der Verabreichung - von 8 g Kanthariden Stomatitis, Pharyngitis, Polyurie, Kolik - und Tod nach 12 Stunden; die Sektion ergab Gastroenteritis und - Nephritis. -- Nach den experimentellen Untersuchungen +Friedbergers+ - (Münchener Jahresbericht 1878) hatten 50 g Kantharidensalbe - äusserlich eingerieben keine giftige Wirkung, während die innerliche - Verabreichung von 25 g des Pulvers nach 4 Stunden bei einem Pferd - schwere Vergiftungserscheinungen hervorrief. -- Eine Stute erhielt - 5 g Kantharidenpulver auf Brot und erkrankte infolgedessen an - einer Stomatitis diphtherica; ein anderes schweres Pferd zeigte - nach derselben innerlichen Dosis ausser Appetitverminderung keine - Krankheitserscheinungen (+Groll+, Woch. f. T. 1903). -- Nach dem - Einreiben von 70 g Kantharidensalbe zeigte ein Pferd Polyurie und - Kolikerscheinungen; ein Ablecken der Salbe hatte nicht stattgefunden - (+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Ich habe mehrmals ähnliche - Beobachtungen gemacht. - - -Vergiftung durch Schlangenbisse. - - =Allgemeines.= Die in einzelnen Gegenden Deutschlands noch - vorkommende +Kreuzotter+, +Vipera Berus+ (Coluber Berus), gibt - zuweilen durch ihren Biss Veranlassung zu Vergiftungen bei - Hunden, Rindern, Pferden und Schafen. Ausser der Kreuzotter ist - als einheimische Giftschlange die in Oesterreich und der Schweiz - vorkommende +redische Viper+, +Vipera Redii+ (V. Aspis, Schildotter) - zu erwähnen. Ausländische Giftschlangen sind die +Klapperschlangen+ - (Krotaliden) und die +Vipern+ (Viperiden), die +Brillenschlangen+ - (Elapiden), die +Hydrinen+ und +australischen Schlangen+. Das - Schlangengift ist auch im Blute vorhanden und wird in den zwischen - den Kaumuskeln eingelagerten Giftdrüsen ausgeschieden, welche - als modifizierte Speicheldrüsen (etwa der Parotis entsprechend) - aufzufassen sind. Der Ausführungsgang dieser Giftdrüsen mündet in den - im Oberkiefer befindlichen Giftzahn. Bei jedem Biss erfolgt durch die - Kontraktion der Kaumuskeln eine Kompression der Drüse mit Entleerung - des Sekrets. Die Giftflüssigkeit besitzt eine neutrale Reaktion und - enthält wahrscheinlich keinerlei geformte Elemente. Letzteres geht - daraus hervor, dass das Schlangengift auch nach längerem Kochen, - sowie nach Erwärmen auf 125° seine Wirkung nicht verliert, dass - ferner eine Infektion anderer Tiere durch Blutübertragung nicht - gelingt und dass das Schlangengift sehr lange, selbst monate- und - jahrelang in getrocknetem Zustand oder in Glyzerin haltbar und - auch durch Fäulnis nicht zu zerstören ist. Vom vollen Magen wird - Schlangengift verdaut, vom leeren resorbiert. Bei allen Giftschlangen - ist der Giftvorrat schon nach wenigen Bissen erschöpft, so dass sie - alsdann ungiftig sind. - - =Literatur.= +Fontana+, Abhandlung über das Viperngift, Berlin - 1787. -- +Russel+, Indian Serpents 1796. -- +Fayrer+, The - Thanatophidia of India 1874. -- +Brunton+ und +Fayrer+, Natur und - Wirkung des Najagiftes 1873. -- +Albertoni+, Ueber die Wirkung des - Schlangengiftes 1879. -- +Lacerda+, Uebermangansaures Kali als - Antidot des Kopragiftes 1871. -- +Schulz+, Ueber Schlangengift 1881. - -- +Aron-Binz+, Exper. Studien über Schlangengift, Zeitschr. f. klin. - Medizin, Bd. 6. -- +Weir Mitschel+ und +Reichert+, Untersuchungen - über Giftschlangen, Washington 1886. -- +Feoktistow+, Desgln. Dorpat - 1888. -- +Phisalix+ und +Bertrand+, Bull. de la soc. de méd. 1895. -- - +Fraser+, Brit. med. journ. 1897. -- +Calmette+, Annal. de l’inst. - Pasteur 1892; Les venins, les animaux venimeux et la sérotherapie - antivenimeuse, Paris 1907; Die tierischen Gifte und ihre antitoxische - Serumtherapie. Handb. d. pathol. Mikroorganismen von Kolle u. - Wassermann, 1909. -- +Kaufmann+, Die Giftschlangen in Frankreich, - Paris 1893. -- +von Linstow+, Die Gifttiere 1894. -- +Faust+, Die - tierischen Gifte, Braunschweig 1906. - - -=Wirkung des Schlangengiftes.= Die chemische Natur des Schlangengiftes -ist noch nicht aufgeklärt (+Eiweissgifte+?). Jedenfalls enthalten die -einzelnen Schlangengifte ganz verschiedenartig wirkende Substanzen. -Fast alle Schlangengifte enthalten zunächst +Hämolysine+, d. h. Toxine, -welche die roten Blutkörperchen auflösen. Das Gift der Viperiden -und Kolubriden enthält ferner +Hämorrhagine+, d. h. Toxine, welche -eine örtliche Schädigung des Gefässendothels veranlassen und dadurch -hämorrhagische Schwellungen hervorrufen. Andere Schlangengifte -(Elapiden, Hydrinen) bewirken durch ihren Gehalt an +Neurotoxinen+ -vorwiegend allgemeine Lähmung. Alle drei Giftstoffe sind z. B. im -Ophiotoxin, dem Gift der Kobraschlange, enthalten. Aehnlich wie bei -den Toxinen der Infektionskrankheiten lassen sich auch gegen die -einzelnen Toxine der Giftschlangen Antikörper in Form verschiedener -Sera darstellen (Antivenenin, polyvalentes Serum). - - -=Krankheitsbild.= Das Schlangengift der Kreuzotter (+Viperin+) erzeugt -lokal eine +phlegmonös-hämorrhagische Entzündung+ der +Bissstelle+, -welche sich durch +Anschwellung+ der Haut in der Umgebung der letzteren -äussert. Die Allgemeinwirkung des Viperins ist eine +lähmende+ auf -+Herz+, +Atmungszentrum+ und +Körpermuskulatur+. Bei der Sektion findet -man +Blutextravasate+ in den Organen der Hinterleibshöhle. Die tödliche -Dosis des Viperins beträgt für den Hund 0,01 g pro Kilo Körpergewicht. -Im übrigen ist die Giftigkeit des Kreuzottergifts je nach der Gegend -und Jahreszeit verschieden; besonders giftig scheint dasselbe gegen -Ende des Sommers zu sein. - - -=Behandlung.= Die Therapie der Schlangenbisse zerfällt in einen -+örtlichen+ und einen +allgemeinen+ Teil. Wird man unmittelbar nach -stattgefundenem Bisse gerufen, so kann man versuchen, das Gift in der -Bisswunde zu zerstören oder seine Resorption zu verhindern. In dieser -Beziehung sind das +Ausbrennen+ und das +Ausätzen+ der Wunde, sowie -das Anlegen einer +Ligatur+ oberhalb der Bissstelle empfohlen worden. -Von Arzneimitteln, welche lokal das in der Wunde befindliche Gift -zerstören, werden namentlich das +Kalium permanganicum+ (3-5prozentige -Injektionen), +Chromsäure+ (1prozentige Lösung), ferner +Jodtinktur+, -+Chlorkalk+, +Chlorwasser+, +unterchlorigsaures Natron+ und +Kali+, -+Eisenchlorid+, +Goldchlorid+, +Platinchlorid+ gerühmt. Sublimat, -Chlorzink, Höllenstein, Karbolsäure, Zitronensäure, Pikrinsäure, -Salmiakgeist, sowie Ferridzyankalium sollen die Wirkung des Giftes -ebenfalls abschwächen. Im übrigen behandelt man die Bisswunde und -die phlegmonöse Schwellung nach chirurgischen Regeln. Die innerliche -Behandlung der Lähmungserscheinungen besteht in der Anwendung von -+Exzitantien+: +Alkohol+, Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, -Strychnin, Veratrin, Liquor Ammonii anisatus, Wein. Nach +Fraser+ und -+Phisalix+ bildet die +Galle+ der Giftschlangen (und in geringerem -Grade auch der ungiftigen Schlangen) bei subkutaner Einspritzung das -stärkste Gegenmittel gegen das Schlangengift. Nach +Calmette+ soll die -Behandlung mittels +Serum+ immunisierter Pferde ebenfalls ein sehr -wirksames Mittel sein („Antivenenin“). - - =Kasuistik.= +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) beobachtete - unter einer Rinderherde, welche in einem Gehölze weidete, wo die - Kreuzotter vorkam, 5 Todesfälle. Die erste Krankheitserscheinung - bestand in einer unbedeutenden, talergrossen, aber sehr schmerzhaften - Anschwellung am Sprunggelenk oder in der Umgebung des Fesselgelenkes, - welche von vornherein starkes Lahmgehen verursachte und sich - allmählich innerhalb 6-8 Stunden nach oben über den ganzen Schenkel - bis zur Kruppe und über einen Teil des Bauches verbreitete. Mit der - Zunahme der Geschwulst stellten sich Hinfälligkeit, Apathie und - Lähmungserscheinungen ein. Die Tiere konnten sich nicht mehr erheben, - zeigten grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Dyspnoe, Herzklopfen, sehr - gesteigerte Pulsfrequenz und schliesslich Unfühlbarwerden des Pulses. - Der Tod trat nach 24-30stündiger Krankheitsdauer ein. Bei der Sektion - fand man an den geschwollenen Stellen das subkutane Bindegewebe - serös infiltriert, die Lymphdrüsen geschwollen, die benachbarte - Körpermuskulatur wie gekocht, sowie am Dünndarm viele erbsengrosse - Blutextravasate. -- In einem von mir beobachteten Falle (Monatshefte - für praktische Tierheilkunde 1889) zeigte bei einem Hühnerhunde, - welcher auf der Jagd bei Spandau von einer Kreuzotter gebissen - worden war, die rechte Vordergliedmasse namentlich in der unteren - Hälfte eine starke phlegmonöse Schwellung, welche sich vermehrt warm - anfühlte und sehr schmerzhaft war. Die Haut zwischen den Zehen und - die innere Fläche der ganzen Extremität war stärker gerötet. Auf der - Mitte der Vorderfläche der vierten Zehe befand sich eine rundliche, - mit Blutkrusten bedeckte, etwa senfkorngrosse Bisswunde. Am Uebergang - der rechten Vorderextremität in die Brust zeigten sich an der - Innenfläche Blutunterlaufungen der Haut in einer handtellergrossen - Ausdehnung. Die Bewegung des rechten Vorderfusses war ganz - aufgehoben. Dabei war das Tier fieberlos (38,1° C.). Die Schleimhäute - der Maulhöhle und der Augen waren zyanotisch, bleigrau verfärbt. Die - Pulsfreqnenz war sehr gesteigert (120), der Puls selbst sehr schwach, - kaum fühlbar, unregelmässig, der Herzschlag beiderseits fühlbar, die - Herztöne rein. Futter- und Wasseraufnahme war gut, die Palpation des - Schlundkopfes, Schlundes und Hinterleibes ergab nichts Krankhaftes. - Die Atmung war angestrengt und beschleunigt (36). Die Bewegung des - Tieres war matt, es bestand grosse allgemeine Körperschwäche, sowie - stark eingenommene Psyche. Nach einer 8tägigen Behandlung ging - die Schwellung allmählich zurück und das Tier konnte als genesen - entlassen werden. -- +Kretschmar+ (Sächs. Jahresbericht 1861) fand - bei der Sektion einer nach dem Genusse von Waldgras plötzlich nach - vorausgegangener Aufblähung, Brüllen und Tobsucht verendeten Kuh eine - Kreuzotter im Pansen. -- +Przybilka+ (Magazin, Bd. 17) beobachtete - bei einem Hunde, welcher von einer Kreuzotter in die Nase gebissen - worden war, nach 3 Stunden eine unförmliche Schwellung des Kopfes - und Halses, grosse Schmerzhaftigkeit der Bissstelle, Winseln, - Brechneigung, grosse Unruhe und starke Pulsbeschleunigung. Die - Heilung dauerte 5 Tage. -- Eine Kuh, welche beim Ackern graste, - wurde, wie der Besitzer zufällig sah, von einer Kreuzotter (Vipera - Berus) in die Unterlippe gebissen. Bis zum andern Morgen hatte sich - eine sehr starke, schmerzhafte Anschwellung des Kopfes, hochgradiges - Speicheln, grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Herzklopfen bei 41° C. - Temperatur, 95 Pulsen, 40 Atemzügen eingestellt. Nach Erweiterung - der Bisswunde, Umschlägen von verdünntem Salmiakgeist, später von - Kaliumpermanganatlösungen und Anwendung von branntweinhaltigem - Maulwasser besserte sich der Zustand in 5 Tagen. Nach 8 Tagen war - die Kuh geheilt (+Hauboldt+, Sächs. Jahresber. 1895). -- +Binder+ - (Tierärztl. Zentralbl. 1894) sah bei einem Rind und einem Hund - Zuckungen, Zusammenstürzen und allgemeine Lähmung. -- +Webb+ (J. of - comp., 20. Bd.) sah bei Pferden ödematöse Anschwellungen am Kopf, - Petechien auf der Konjunktiva, blutigen Nasenausfluss, blutigen - Harn, Brechneigung, 40,5° und bei der Sektion Blutextravasate unter - der Pleura und in der Bauchhöhle. -- Weitere Beobachtungen sind von - +Förderreuther+, +Koppitz+, +Lammert+, +Huth+, +Petzold+, +Falke+, - +Kitt+, +Martin+, +Uhlich+, +Giovanoli+, +Gresswell+, +Leibenger+, - +Sepp+ u. a. beschrieben worden. - - =Giftige Fische.= Abgesehen von der durch Ptomaine bedingten sog. - Fischvergiftung (vergl. S. 365) gibt es verschiedene Arten lebender - Fische, welche teils in besonderen Giftdrüsen und im Blute, teils - in den Ovarien Gifte produzieren. Zu den ersteren gehören z. B. - die Gattungen Synanceia brachio, Plotosus lineatus, Trachino draco - (Drachenfisch) und vipera, Serranus scriba, Stomias boa, Cottus - scorpio und bubalis, Muraena Helena, Scorpaena scropha und porcus. - Bekannt ist insbesondere die Giftigkeit des Blutserums der Muräniden - (giftiges Aalserum). In Japan enthalten verschiedene Spezies (12) - der Gattung Tetrodon (Fugu) in den Ovarien und Hoden namentlich zur - Sommerzeit die lokal reizende Tetrodonsäure (Brechdurchfall) und das - allgemein lähmende, kurareähnliche Tetrodonin. Füttert man Hunde mit - den Geschlechtsorganen obiger Fische, so zeigen sie Speichelfluss, - heftiges Erbrechen und Krämpfe. Dieselben Erscheinungen treten nach - subkutaner Einverleibung auf; hierbei tritt jedoch in der Regel der - Tod nach 1-2 Stunden unter dem Bild der Lähmung und Erstickung ein - (+Remy+). Das Gift des Drachenfisches wirkt hämolytisch (+Evans+). - - - =Kröten= (=Bufo=). Die Kröten, namentlich die gemeine Kröte (Bufo - cinereus), die Kreuzkröte (Bufo calamita), die Knoblauchskröte - (Pelobates fuscus), die Unke (Bombinator igneus) und die - Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), besitzen in ihrer Haut - zahlreiche Giftdrüsen, welche namentlich in der Schläfengegend - Hautwülste (sog. Parotiden) bilden. Das Sekret dieser Drüsen enthält - den ausserordentlich stark reizenden Giftstoff +Phrynin+ (Bufotalin, - Bufonin), welcher auf Schleimhäuten eine intensive Entzündung erzeugt - und innerlich eine digitalisähnliche Wirkung hat. Bekanntlich zeigen - Hunde, welche Kröten erfassen, zuweilen Würgen, Erbrechen und - Speicheln (Phryninvergiftung). - - - =Salamander.= Der Feuersalamander, Salamandra maculata, besitzt - in seinem Parotissekret alkaloidartige Körper, das +Samandarin+, - Samandaritin und Samandatrin, welche ähnlich wie das Phrynin stark - reizend und daher im Magen brechenerregend wirken und innerlich - strychninartige Krämpfe erzeugen; ausserdem wirkt es auf die - Blutkörperchen zerstörend ein, enthält also +Hämolysine+. Für Hunde, - welche, wenn auch selten, Salamander aufgreifen und sich dann - erbrechen, sollen 2 mg Samandarin tödlich wirken (+Langlois+, Compt. - rend. 1889). Aehnlich soll das Gift des Wassersalamanders, Triton - cristatus, wenn auch schwächer, wirken. - - - =Miesmuschel.= Die Miesmuschel, +Mytilus edulis+, enthält eine - giftige Albumose, das +Kongestin+, welche nach +Richet+ (Pasteurs - Annalen, 21. Bd.) bei Hunden Erbrechen, Durchfall und Kolik - hervorruft und dieselben in einer Dosis von 0,075 g pro Kilogramm - Körpergewicht tötet. Bei der Sektion findet man eine heftige - Hyperämie des Magens und Darmes („Kongestin“). Werden gesunde Hunde - mit Kongestin behandelt, so soll sich die Empfänglichkeit für das - Gift steigern (sog. Anaphylaxis), indem im Gegensatz zur Bildung - von Antikörpern bei der Immunität toxogene Stoffe gebildet werden - (biologische Reaktion des Körpers). - - -Vergiftung durch Bienenstiche. - - =Allgemeines.= Das Gift der +Honigbiene+, Apis mellifica, +Wespe+, - Vespa vulgaris, und +Hornisse+, Vespa crabro (Akuleaten), enthält - neben +Ameisensäure+ ein dem +Schlangengift verwandtes Gift+. Nach - +Morgenroth+ und +Carpi+ (D. med. Z. 1906) ist das dem Schlangengift - analoge Gift ein +Prolezithid+, das sich mit dem Lezithin zu einem - hämolytisch wirkenden Toxolezithid vereinigt. Nach +Langer+ (Arch. - f. exper. Pathol. 1897), der zu seinen Versuchen ungefähr 25000 - Bienen verwendete, wurde das Gift in der Weise gewonnen, dass eine - jede Biene vorsichtig mit zwei Fingern gefasst, am Abdomen mässig - gedrückt und nun der sofort hervorgeschnellte Stachel schnell in - Wasser eingetaucht wurde, damit das daran hängende Gifttröpfchen in - Lösung gebracht werden konnte. Oder es wurde der mit einer Pinzette - herausgerissene Stachel samt Giftblasen in Wasser verrieben und die - so erhaltene Flüssigkeit mehrmals filtriert. Das frisch entleerte - Gifttröpfchen, ein spezifisches Sekret der Giftdrüse, war wasserklar, - reagierte sauer, schmeckte bitter, roch fein aromatisch, löste sich - in Wasser und schwankte in seinem Gewicht zwischen 0,0002-0,0003 g. - In dem Gifttröpfchen ist Ameisensäure enthalten; dieselbe hat zwar - ebenfalls hämolytische Wirkung, bildet jedoch nicht den wichtigsten - Bestandteil des Bienengiftes. +Das wirksame Prinzip im Akuleatengift - ist vielmehr eine Basis mit den Reaktionen eines Eiweisskörpers.+ Der - dem Gift eigene, fein aromatische Geruch rührt von einem flüchtigen - Körper her. Das Gifttröpfchen ist ein bakterienfreies Sekret. Von - anorganischen Stoffen liess sich Salzsäure, Phosphorsäure, Natron und - Kalk nachweisen. - - -=Wirkung des Bienengiftes.= Das Auftragen des Bienengiftes auf die -+unversehrte+ Haut vermag nach +Langer+ keine reizende Wirkung -hervorzurufen. Bei Schnittwunden ruft es jedoch die bekannten -entzündlichen Erscheinungen hervor. Bei +subkutaner+ Applikation -zeigen sich die Tiere sehr unruhig, traurig, verschmähen die Nahrung -und zeigen wohl auch Eiweiss im Harn. Als örtliche Wirkung tritt -hierbei eine +lokale Nekrose+ ein, in deren Umgebung infolge des -abnehmenden Wirkungsgrades Rundzelleninfiltration, Oedem und Hyperämie -zur Entwicklung kommen. Bei intravenöser Applikation von 6 ccm einer -1,5proz. Giftlösung machte sich bei einem Hund bald starkes Sinken -des Blutdrucks und Pulsverlangsamung geltend. Später traten noch -klonische +Zuckungen+ mit Trismus und Nystagmus ein, und das Tier ging -unter Respirationsstillstand zugrunde. Bei der Sektion war das Blut -lackfarben (+Hämolyse+); im mikroskopischen Präparat zeigten sich nur -sehr wenig gut erhaltene Blutkörperchen; spektroskopisch liess sich -+Methämoglobin+ nachweisen. In der Lunge fanden sich +hämorrhagische -Infarkte+. Die Nieren waren sehr hyperämisch, das ganze Gewebe blutig -imbibiert, der Darmkanal blaurot mit schleimig blutigem Inhalt. - - -=Krankheitsbild.= Die Vergiftungserscheinungen bei den Haustieren -bestehen in +lokaler Anschwellung+ der Haut, welche zuweilen +brandig+ -abfällt. Ausserdem können bei sehr grosser Anzahl der Stiche +schwere -Allgemeinerscheinungen+ (+Lähmung+, +Hämoglobinurie+, +Sepsis+, -+Erstickung+) auftreten, welche zuweilen schon im Verlaufe weniger -Stunden den Tod herbeiführen. Die +Behandlung+ der Bienenstiche ist -dieselbe wie die der Schlangenbisse; eventuell ist die Tracheotomie -vorzunehmen. - - =Kasuistik.= +Fünfstück+ (Sächs. Jahresber. 1886) sah 2 Pferde, - welche von einem Bienenschwarm überfallen wurden, nach 6 resp. 10 - Stunden sterben. Bei der Sektion fand man Hämorrhagien unter der - Haut und unter dem Endokardium, enorme Vergrösserung der Milz, deren - Pulpa mit dunklem teerartigen Blute überfüllt war, mürbe, lehmartige - Beschaffenheit der Leber, mürbe, wie gekochte Körpermuskulatur, sowie - sehr dunkles Blut. -- +Meyerheim+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete - bei 2 Pferden enorme Schwellungen über den ganzen Körper, wobei ein - Ohr und mehrere Hautstücke brandig abfielen; das eine Pferd zeigte - eine schwere Allgemeinerkrankung, das andere starb. -- +Lange+ - (Preuss. Mitt. 1883) sah 6 Gänse nach Bienenstichen sterben. -- Nach - +Albrecht+ (Monatsh. für prakt. Tierheilkde. 1892, III. Bd.) wurden - zwei von einem Knechte in der Nähe eines Bienenhauses angebundene - Pferde von Tausenden von Bienen gestochen. 1½ Stunden später traf A. - die Tiere in schwerkrankem Zustand an. Kopf, Hodensack, After und - Unterbrust waren stark geschwollen; der Rumpf war mit Beulen wie - übersät. Die Atmung war sehr erschwert, der Puls klein und frequent - (100 in der Minute). Anfangs hatten sich die Pferde wie rasend - benommen, um sich gehauen, mit den Füssen den Boden aufgegraben, sich - gewälzt, waren wieder aufgesprungen. Ein Tier hatte später blutigen - Urin abgesetzt. Sehr bald war aber eine allgemeine Erschöpfung - eingetreten und die Tiere konnten sich nicht mehr auf den Beinen - halten. Beide Tiere gingen in sehr kurzer Zeit ein. Bei der sogleich - vorgenommenen Sektion waren die Kadaver stark aufgetrieben. Die - Subkutis war gelb und sulzig infiltriert. Die Milz erwies sich um - das Doppelte vergrössert, ihre Pulpa war ganz schwarz. Die Nieren - hatten eine dunkelbraune rote Farbe. In der Bauch- und Brusthöhle - befand sich nur ganz wenig blutig-seröse Flüssigkeit. Die Lungen - zeigten das Bild der Hyperämie und waren mit hämorrhagischen - Infarkten durchsetzt. Die Herzoberfläche sah braunrot gefärbt aus - und war mit einigen Ekchymosen besetzt. Die Gehirnhäute waren - hyperämisch, die Pia mit kapillären Apoplexien versehen. Der in der - Harnblase enthaltene Urin war von fast normaler Farbe, enthielt aber - Eiweiss und Methämoglobin und nahm schon nach kurzer Zeit sehr üblen - Geruch an. Die Schleimhaut des Magendarmkanales zeigte den Zustand - leichtgradiger Hyperämie. -- +Dochtermann+ (Repert. 1889) sah ein - Pferd nach 12 Stunden unter Blutharnen zugrunde geben; ein anderes - genas nach mehreren Wochen unter Nekrose grösserer Hautpartien. -- - +Wagenheuser+ (Woch. f. Tierheilkde. 1893) beobachtete bei einem - Pferd Schreien vor Schmerz, Betäubung, starke Schwellungen der - Haut und Kopfschleimhäute (nilpferdähnlicher Kopf), bordeauxroten - und später himbeersaftähnlichen Urin, Dyspnoe, starke Prostration, - sowie Tod am 4. Tag. -- +Jagnow+ (Zeitschr. f. Vet.-kunde 1899) sah - bei einem Pferd unzählige, walnuss- bis handtellergrosse Beulen auf - der Haut, rötlichen Ausfluss aus Nase und Maul, Dyspnoe, dunkelroten - Urin, dummkollerartiges Drängen, sowie Herzschwäche. Bei der Sektion - fand man die Milz um das Doppelte vergrössert. -- +Berger+ (Oesterr. - Monatsschr. 1899) beobachtete bei einem Fohlen hohe Atemnot, welche - die Tracheotomie notwendig machte, sowie Tod durch Lungenbrand. -- - +Bissauge+ (Rec. 1902) hat bei einem Pferd eine Vergiftung durch - Stiche von Erdhummeln (Bombus terrestris) beobachtet (starke, - schmerzhafte Hautschwellungen, Kolik, Dyspnoe, Lähmung, 40,6°). - - =Vergiftung durch Columbaczer und Kriebelmücken.= Die Vergiftung - durch Stechmücken (Simulia Columbaczensis und ornata) äussert sich - in +Schwellung+ und +Entzündung+ der +Haut+ und +Schleimhäute+ - (Maul-, Nasen-, Augen-, Scheiden-, Mastdarmschleimhaut), +Unruhe+, - +Schmerzäusserungen+, sowie +Erstickungserscheinungen+ infolge - Verschwellung der Kopfschleimhäute. Bei der Sektion findet - man blutige und sulzige Infiltration der Subkutis, Schwellung - und Entzündung der Körperschleimhäute sowie suffokatorische - Veränderungen. Die Behandlung ist eine chirurgische und - symptomatische. -- +Stöhr+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete - bei Rindern, welche von Columbaczer Mücken überfallen wurden, - schmerzhafte Schwellungen im Kehlgang, an der Unterbrust, am - Unterbauche und Euter, hochgradige Aufregung, hohes Fieber, pochenden - Herzschlag, starke Injektion der Kopfschleimhäute, sowie Füllung - der Jugularvenen; viele Tiere starben. -- +Müller+ (B. T. W. 1890 - und Berl. Arch. 1892) beobachtete eine seuchenartige Erkrankung bei - Rindern, Pferden und Schafen durch Kriebelmücken (Simulia ornata). Es - zeigten sich teigige Anschwellungen im Kehlgang, welche sich zuweilen - über den Hals und die Brust ausbreiteten und vereinzelt auch am Bauch - und Euter nachzuweisen waren. Auf den nicht pigmentierten Hautstellen - waren linsengrosse, hellrote, flohstichartige Flecken mit kleinen - Blutschorfen sichtbar. Die Halsvenen waren stark gefüllt und zeigten - Venenpuls. Von 170 erkrankten Rindern starben 26, von den erkrankten - Pferden und Schafen starb dagegen keins. Als gutes Prophylaktikum - erwies sich das Petroleum. -- Ueber einen ähnlichen Fall berichtet - +Liesenberg+ (Berl. Arch. 1893); danach gehen im Kreise Meseritz - alljährlich viele Rinder durch Simulia ornata ein; prophylaktisch hat - sich am besten Naphthalinsalbe bewährt (1 : 10). -- Nach +Bergmann+ - (Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) erkrankten in Schweden im Jahr 1901 - viele hundert Pferde und Rinder nach dem Stich von Simulia reptans. - 15 Rinder starben, 1 schon nach ½ Stunde. Die Sektion ergab Oedem - in der Unterhaut, Lungenödem und serofibrinösen Erguss in den - Herzbeutel. Als bestes Prophylaktikum erwiesen sich Einreibungen der - Haut mit Kreolinöl (1 : 20). - - - =Vergiftung durch Raupen.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von - Raupen sind bei verschiedenen Haustieren Vergiftungen beobachtet - worden, welche teils durch die Behaarung der Raupen, zum Teil wohl - auch durch ein chemisches Gift (Ameisensäure, Enzym) herbeigeführt - wurden. +Röpke+ (Berl. Arch. 1887) sah bei Kühen und Pferden - Erkrankungen nach massenhafter Aufnahme des Baumweisslings mittelst - des Grünfutters. Die Pferde zeigten heftige Kolikerscheinungen, - Brechneigung, sowie Schwäche des Hinterteils. Bei den Kühen - beobachtete man Zittern, gesträubtes Haar, Schäumen, Aufblähung, - Kolikerscheinungen, sowie Schwanken im Kreuz. Beim Schlachten fand - man eine Entzündung der dünnen Gedärme, blutreiche, mit talergrossen - dunklen Flecken durchsetzte Milz, punktiertes Herzfleisch, sowie - blutreiche Nieren. +Dinter+ (Sächs. Jahresber. Bd. 21) sah nach - der Aufnahme des Kohlweisslings (Pieris brassica) Stomatitis, - Speichelfluss, sowie Erosionen an den Lippen und am Zahnfleisch. - +Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) sah von 90 Enten, welche zur - Vertilgung von Raupen in Wruckenbeete getrieben wurden, innerhalb 3 - Tagen 53 sterben. +Berndorfner+ sah bei 8 Kühen nach der Aufnahme - von Schmetterlingsraupen Kolik, Durchfall und subnormale Temperatur, - schliesslich Bewusstlosigkeit, Lähmung und Tod am 7.-8. Tag. Die - Sektion ergab hochgradige Gastroenteritis. Die Prozessionsraupen - (Cnethocampa processionalis, pithyocampa und pinnivora; der sog. - Eichen-, Fichten- und Kiefernspinner) erzeugen bei Pferden nach dem - Fressen Stomatitis, desgleichen die Raupe des Weissdornspinners, - Porthesia chrysorrhoea (+Kösters+). Aehnlich wirken die Haare - der Bärraupe (Arctia) und der Saft der Raupe des Weidenbohrers - (Cossus ligniperda). Die Exkremente der Seidenraupe erzeugten nach - +Jouet+ (J. de Lyon) Schweinen verfüttert eine Darmentzündung mit - Mastdarmvorfall. - - - =Vergiftung durch Blattläuse= (=Aphis=). Die zu den Hemipteren oder - Rhynchoten gehörenden Blattläuse enthalten einen scharfen Stoff, - welcher auf der +Haut+ und auf +Schleimhäuten Entzündung+ hervorruft. - +Steiner+, +Schrebe+ und +Burmeister+ (Preuss. Mitteil. Bd. 9 u. - 10), sowie +Pilz+ (Zeitschr. f. Veterinärkde. 1893) beobachteten bei - Pferden nach der Aufnahme von Grünfutter, Luzerne und Grünwicken, - welche stark mit Blattläusen besetzt waren, entzündliche Anschwellung - der weissen Abzeichen mit Hautnekrose und scharfer Abgrenzung - gegenüber den unpigmentierten Hautstellen. Bei Schimmeln und - Schecken zeigten sich grössere Hautstellen am Kopf und an den Beinen - entzündlich geschwollen. Aehnliche Erscheinungen waren an der Maul- - und Augenschleimhaut wahrzunehmen. Schweine (Schweizer Archiv 1848) - zeigten nach der Aufnahme von Kohlblättern, welche mit Blattläusen - besetzt waren, Kolik, Tympanitis und Konvulsionen; bei der Sektion - wurde das Vorhandensein einer hämorrhagischen Gastroenteritis - konstatiert. Auch die +Wanzen+ (Acanthia) enthalten einen ähnlichen - scharfen Stoff. - - - =Spinnen.= Die Spinnen und Skorpionen produzieren ähnliche Gifte, wie - die Giftschlangen (+Hämolysine+, +Hämorrhagine+, +Neurotoxine+). Nach - +Kobert+ (Beitr. z. Kenntnis der Giftspinnen, Stuttgart 1901) wirken - die echten Spinnen giftig teils durch das lokal reizende Sekret ihrer - Giftdrüse, teils durch ein im Spinnenkörper überall enthaltenes, - allgemein wirkendes Toxalbumin. Durch letzteres sollen in Russland - auch bei Haustieren Vergiftungen bedingt werden; sehr gefährlich - wirken die Malmignatte und Karakurte. Die Erscheinungen der häufig - tödlich verlaufenden Vergiftung bei Pferden, Kamelen und Schafen - sollen hauptsächlich in Kollaps, monatelang andauernden Lähmungen der - Extremitäten und hochgradigen Schmerzen bestehen. Von europäischen - Spinnen kommen Chiracanthium nutrix und Lathrodektes guttatus in - Betracht. Alle Kreuzspinnen scheinen giftig zu sein. - - - =Käfer.= Von Käfern (Koleopteren) mit scharf reizenden Sekreten sind - zu nennen Cetonia aurata (Goldkäfer, Rosenkäfer), Carabus auratus - (goldiger Laufkäfer), die Coccinelliden, Chrysomela und Brachinus - (Bombardierkäfer). Ueber kantharidinhaltige Käfer vergl. S. 371. - Das aus Käferlarven (Diamphidia locusta) bereitete Pfeilgift der - Buschmänner in Afrika enthält ein Hämolysin, das bei Hunden und - Kaninchen tödliche Hämoglobinämie erzeugt. Von +Orthopteren+ sind - zu nennen Blatta orientalis und germanica (Küchenschabe), welche - seit alters in der Volksmedizin als reizendes Diuretikum angewandt - wird (Antihydropin), Decticus verrucivorus (Warzenbüsser) und andere - Heuschrecken. - - - =Harnvergiftung.= In einzelnen Fällen werden namentlich bei - Schafen rasch tödlich verlaufende Vergiftungen nach der Aufnahme - von Menschenharn beobachtet. Die Erscheinungen der Vergiftung - haben Aehnlichkeit mit der +Ptomainevergiftung+ und werden durch - die normalen Bestandteile des Harns: +Novain+, +Reduktonovain+, - +Methylguanidin+, +Vitiatin+, +Myngin+, +Gynesin+ u. a. erzeugt. - So beobachtete ich bei einem 1jährigen Schaf, welches etwa ½ Liter - frischen Menschenharn ausgetrunken hatte, den Tod innerhalb sechs - Stunden unter den Erscheinungen einer +allgemeinen zerebralen+ und - +spinalen Lähmung+ eintreten. +Hasse+ (Berl. Arch. 1886) sah 4 Schafe - nach der Aufnahme von frischem Menschenharn unter den Erscheinungen - der Tympanitis und allgemeinen Lähmung erkranken. +Göckel+ (Berl. - Arch. 1887) konstatierte bei Pferden, welche mit Düngerjauche - versetztes Brunnenwasser getrunken hatten, Mattigkeit, Schläfrigkeit, - Taumeln, Schwanken, sowie leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Diese - Vergiftungen können sich nicht auf den Harnstoffgehalt des Harns - beziehen, weil nach experimentellen Untersuchungen der Harnstoff - nicht Lähmung, sondern tetanische Krämpfe erzeugt. Solche Krämpfe - sind von +Riggio+ bei Versuchstieren durch Pferdeharn erzeugt worden - (Tossicità dell’ Urina del Cavallo normale e pathologica; Neapel - 1898). - - - =Vergiftung durch Gallensäuren.= Die im Verlaufe des Ikterus gravis - auftretenden schweren Allgemeinerscheinungen (Autointoxikation) haben - zu einer experimentellen Prüfung der Giftigkeit der Galle geführt. - Es hat sich hierbei gezeigt, dass die Giftigkeit derselben nicht auf - ihrem Gehalt an Gallenfarbstoffen, sondern an Gallensäuren beruht. - Stark giftig sind namentlich das +taurocholsaure+ und +glykocholsaure - Natron+, ausserdem das chenocholsaure und hyocholsaure Natron, - ferner die Zersetzungsprodukte Cholsäure und Choloidinsäure. - Die Gallensäuren resp. die gallensauren Salze sind +Blutgifte+, - +Muskelgifte+ und +Nervengifte+. +Sie lösen noch in einer Verdünnug - von 1 : 1500 die roten Blutkörperchen auf (Methämoglobinämie).+ - Auch auf sonstiges Protoplasma, namentlich auf die weissen - Blutkörperchen, Flimmerzellen der Schleimhäute und Leberzellen - wirken sie zerstörend ein. Die Muskulatur des +Herzens+, die - quergestreifte +Körpermuskulatur+, sowie die +nervösen Zentralorgane+ - werden unter Eiweissgerinnung und Auflösung der Zellen +gelähmt+ - (Herzverlangsamung, Schwäche und schwere zerebrale Benommenheit bei - Ikterus gravis). Ausserdem soll eigentümlicherweise die Gallenbildung - angeregt und dadurch die Produktion der giftigen Gallensäuren - noch gesteigert werden. Die Gallensäuren werden als eigentliche - Todesursache bei Ikterus gravis, akuter gelber Leberatrophie, - Lupinose und zum Teil auch bei Phosphorvergiftung angesehen. - - - - -Register. - - - A. - - Abrin 303. - - Abyssinin 222. - - Acetylen 161. - - Acocantherin 222. - - Acidum carbolicum 146. - - Ackerrettig 292. - - Ackersaudistel 362. - - Ackersenf 292. - - Acolyctin 230. - - Aconitin 230. - - Aconitum Napellus 230. - - Acria 5. - - Acroleïn 292. - - Actaea spicata 361. - - Aculeatengift 378. - - Adlerfarn 315. - - Adonidin 221. - - Aeruginismus 100. - - Aerugo 100. - - Aether 179. - - Aethusa Cynapium 252. - - Aetiologie der Vergiftungen 8. - - Aetzalkalien 132. - - Aetzbaryt 127. - - Aetzende Säuren 135. - - Aetzkalk 132. - - Agaricin 357. - - Agaricus 357. - - Agrostemma Githago 203. - - Agrostemmasäure 203. - - Akonit 230. - - Alaun 112. - - Aldehyde 154. - - Alkaloidnachweis 31. - - Alkohol 165. - - Allantiasis 355. - - Aloë 296. - - Alpenrose 276. - - Alpenveilchen 204. - - Amanita Muscaria 357. - - Ameisensäure 138. - - Ammoniak 132. - - Ammoniaksuperphosphat 127. - - Ammoniämie 9. - - Amygdalin 253. - - Amylnitrit 123. - - Anacardium 360. - - Andromeda polyfolia 363. - - Andromedotoxin 363. - - Anemonin 243. - - Anemonenkampfer 242. - - Anemonol 242. - - Angewöhnung 18. - - Anilin 10. 124. - - Antagonisten 49. - - Antiarin 6. 221. - - Antidote 46. - - Antidotum Arsenici 69. - - Antifebrin 179. - - Antipyrin 180. - - Antimonvergiftung 108. - - Antirizin 300. - - Antirrhinum majus 286. - - Antivenenin 375. - - Aphis 381. - - Apocynin 221. - - Apomorphin 193. - - Arabis tartarica 292. - - Arekolin 271. - - Arekanuss 271. - - Argyriasis 113. - - Argyrosis 114. - - Aristolochia Clematidis 360. - - Armoracia 292. - - Aroïn 280. - - Aron 280. - - Aronin 280. - - Arum maculatum 280. - - Arsenik 64. - - Arsenspiegel 64. - - Arsenwasserstoff 65. - - Arzneigifte 9. - - Asaron 363. - - Asarumkampfer 363. - - Asclepias vincetoxicum 281. - - Asklepiadin 281. - - Aspergillus 335. - - Assamin 204. - - Astragalus mollissimus 211. - - Atractylis 364. - - Atmungsgifte 40. - - Atropa Belladonna 232. - - Atropin 232. - - Auripigment 64. - - Autointoxikation 7. - - Azalea pontica 363. - - Azetylen 161. - - - B. - - Bärenklau 365. - - Baryt 127. - - Baryumvergiftung 127. - - Baumwollsaatkuchen 326. - - Bazillol 153. - - Behandlung der Vergiftungen 46. - - Belladonna 232. - - Benzol 156. - - Berberin 365. - - Berberis vulgaris 365. - - Berberitze 365. - - Beryllium 116. - - Beulenbrand 340. - - Bienenstiche 378. - - Bilsenkraut 237. - - Bingelkraut 244. - - Bismutosis 115. - - Bitterkleesalz 139. - - Bittermandeln 253. - - Bittermandelöl 254. - - Bittersalz 224. - - Bittersüss 258. - - Blattläuse 381. - - Blausäure 253. - - Bleivergiftung 77. - - Bleiessig 78. - - Bleifarben 78. - - Bleiglanz 77. - - Bleiglätte 77. - - Bleiweiss 78. - - Bleiwurz 364. - - Bleizucker 78. - - Blutgifte 35. - - Bohnenbaum 222. - - Boletus 357. - - Borax 115. - - Borsäure 115. - - Botulismus 355. - - Brandpilze 340. - - Branntwein 166. - - Brassica 291. - - Brechnuss 157. - - Brechweinstein 107. - - Brennessel 366. - - Brillenschlange 258. - - Brom 145. - - Bromexanthem 145. - - Bromismus 145. - - Brunnenkresse 292. - - Bryonia 361. - - Bucheckern-Oelkuchen 272. - - Bucheln 272. - - Buchsbaum 214. - - Buchweizen 323. - - Bufo 377. - - Buxin 214. - - Buxus sempervirens 214. - - - C. - - Cactin 222. - - Calla palustris 280. - - Calomel 89. - - Caltha palustris 360. - - Cannabis 365. - - Cardamine pratensis 366. - - Centaurea Cyanus 366. - - Cephalotaxus 212. - - Cerberin 222. - - Cerium 116. - - Cerussa 78. - - Cevadin 226. - - Chaerophyllin 283. - - Chaerophyllum temulum 283. - - Chelerythrin 279. - - Chelidonin 279. - - Chenopodium 363. - - Chilisalpeter 120. - - Chinosol 156. - - Chloralhydrat 187. - - Chlorbaryum 127. - - Chlorkalk 145. - - Chloroform 171. - - Chlorsaures Kali 130. - - Chlorvergiftung 145. - - Chlorzink 105. - - Christophskraut 361. - - Chromsäure 114. - - Chromsaures Kali 114. - - Chromvergiftung 114. - - Chrysarobin 154. - - Cicer arietinum 209. - - Cicuta virosa 251. - - Cicutoxin 251. - - Cimifugin 361. - - Clematis 364. - - Cobrasgift 374. - - Cochlearia armoracea 292. - - Colchicin 182. - - Colchicumvergiftung 182. - - Columbaczer Mücke 380. - - Conium maculatum 248. - - Convallamarin 221. - - Convallaria majalis 221. - - Convolvulin 286. - - Coptin 222. - - Corchorus 364. - - Coronillin 222. - - Cuprum aceticum 100. - - -- oxydatum 100. - - -- sulfuricum 100. - - Cuscuta europaea 286. - - -- Trifolium 363. - - Cyclamen europaeum 204. - - Cyklamin 204. - - Cynoglossum 365. - - Cytisus Laburnum 222. - - - D. - - Daphne Laureola 275. - - Daphne Mezereum 275. - - Darmgifte 42. - - Datura Stramonium 238. - - Delphinin 282. - - Delphinium Staphisagria 282. - - Diagnose der Gifte 25. - - Digitalisvergiftung 215. - - Digitoxin 215. - - Dinitrokresol 123. - - Ditaïn 222. - - Dragendorffs Methode 199. - - Drosera 364. - - Dulcamarin 258. - - Dynamische Gegengifte 49. - - Dynamit 124. - - - E. - - Echinum vulgare 365. - - Eibenbaum 212. - - Eicheln 308. - - Eierschwamm 357. - - Einbeere 363. - - Eisenhut 230. - - Eisenvergiftung 112. - - Elefantenläuse 360. - - Emodin 296. - - Eosin 181. - - Ephedrin 238. - - Epichloe typhina 347. - - Equisetum 320. - - Erdöl 156. - - Ergotinsäure 330. - - Ergotismus 329. - - Erysimum 292. - - Eselsdistel 365. - - Eserin 267. - - Essigsäure 137. - - Euphorbia 247. - - Euphorbinsäure 247. - - Evonymin 222. - - Evonymus europaeus 363. - - Extractum Filicis 309. - - - F. - - Fagin 272. - - Fagopyrismus 323. - - Ferricyankalium 254. - - Ferrocyankalium 254. - - Ferula communis 362. - - Festuca Hieronymi 367. - - Filixsäure 309. - - Filixextrakt 309. - - Filmaron 309. - - Fingerhutvergiftung 215. - - Fischvergiftung 355. - - Flachs 265. - - Flachsseide 286. - - Fleckschierling 248. - - Fleischvergiftung 351. - - Fliegenpilz 357. - - Fliegenstein 64. - - Flugbrand 340. - - Fluornatrium 146. - - Fluorwasserstoffsäure 146. - - Fungus Laricis 357. - - Futter, verdorbenes 348. - - - G. - - Gänsefuss 363. - - Gänsekresse 292. - - Gänsesterbe 292. - - Galega officinalis 362. - - Gallensäuren 382. - - Galmei 105. - - Gartenmohn 186. - - Gartenraute 364. - - Gartenschierling 252. - - Gas 161. - - Gaswasser 155. - - Gegengifte 46. - - Generatorgas 161. - - Geissranke 362. - - Gelseminin 364. - - Gelsemium 364. - - Gerbsäure 308. - - Germer 226. - - Gichtrose 365. - - Gichtrübe 361. - - Gift, Begriff 3. - - Giftfarben 10. - - Giftgesetze 4. - - Giftige Fische 377. - - Giftlattich 361. - - Giftschlangen 374. - - Giftschwämme 357. - - Giftsumach 359. - - Giftwüterich 251. - - Githagin 203. - - Glanzkobalt 64. - - Glaubersalz 124. - - Gloriosin 222. - - Glykosurie 41. - - Goldglätte 78. - - Goldregen 222. - - Gottesgnadenkraut 361. - - Grana Tiglii 303. - - Gratiola officinalis 361. - - Gratiolin 361. - - Graue Salbe 88. - - Grüne Nieswurz 223. - - Grünspan 100. - - - H. - - Hämoglobin 36. - - Hämolyse 35. - - Hahnenfuss 242. - - Hanf 365. - - Harnvergiftung 382. - - Hartriegel 365. - - Haselwurz 363. - - Hederich 292. - - Helleboreïn 224. - - Helleborin 224. - - Helleborus 223. - - Helvella esculenta 357. - - Helvellasäure 357. - - Heracleum 365. - - Herbstzeitlose 182. - - Heringslakenvergiftung 355. - - Herzgifte 38. - - Höllenstein 113. - - Holzessig 151. - - Hopfendolden 366. - - Hornisse 378. - - Hundszunge 365. - - Hüttenrauch 64. - - Hydrargyrum 88. - - Hydrazine 154. - - Hydrocotyle vulgaris 362. - - Hydroxylamin 154. - - Hyoscin 237. - - Hyoscyamin 232. - - Hyoscyamus niger 237. - - Hypericin 362. - - Hypericum perforatum 362. - - Hyperleukozytose 37. - - - I. - - Ictrogen 317. - - Idiosynkrasie 17. - - Iktrogen 317. - - Intestinaltoxikose 7. - - - J. - - Jaborandiblätter 269. - - Jakobskraut 366. - - Jasmin 364. - - Jequirity 303. - - Jervin 226. - - Jod 144. - - Jodcyan 145. - - Jodismus 143. - - Jodkalium 144. - - Jodoform 142. - - Johanniskraut 362. - - Juniperus communis 288. - - -- Sabina 288. - - - K. - - Kadaverin 351. - - Kadmium 116. - - Käfer, giftige 371. - - Kaïnit 125. - - Kalabarbohne 267. - - Kalium carbonicum 135. - - Kalium permanganicum 116. - - Kali chloricum 130. - - Kalilauge 132. - - Kalisalpeter 122. - - Kalomel 89. - - Kampfer 289. - - Kannabis 365. - - Kantharellus 357. - - Kanthariden 371. - - Karbolsäure 146. - - Kardol 359. - - Kartoffelkeime 258. - - Kartoffelkraut 258. - - Kerbel 283. - - Kernpilze 347. - - Kichererbsen 209. - - Kirschkerne 253. - - Kirschlorbeer 253. - - Klatschrose 186. - - Kleekrankheit 347. - - Kleesäure 139. - - Kleesalz 139. - - Kleeseide 363. - - Knoblauch 295. 365. - - Knöterich 360. - - Kobalt 116. - - Kochsalz 116. - - Königsblau 10. - - Koffein 291. - - Kohlendunst 159. - - Kohlenoxyd 159. - - Kokain 239. - - Kolbenrohr 363. - - Kolchikum 182. - - Kolumbaczer Mücke 380. - - Koniin 248. - - Kornblume 366. - - Kornrade 203. - - Kornutin 329. - - Koronillin 222. - - Krähenaugen 197. - - Kreolin 152. - - Kreosot 151. - - Kresol 154. - - Kresolschwefelsäure 154. - - Kreuzdornbeeren 307. - - Kreuzotter 374. - - Kriebelmücken 377. - - Krötengift 377. - - Krotin 303. - - Krotonöl 303. - - Krotonolsäure 303. - - Kruziferen 291. - - Küchenschelle 243. - - Kumarin 283. - - Kupfervergiftung 100. - - Kupferfarben 100. - - Kupfervitriol 100. - - Kuprismus 101. - - Kürbis 365. - - - L. - - Lactucarium 361. - - Lactuca virosa 361. - - Lactucin 361. - - Lärchenschwamm 357. - - Läusekörner 282. - - Läusekraut 362. - - Lakenvergiftung 355. - - Landschierling 248. - - Lathyrismus 209. - - Lathyrus cicer 209. - - Lathyrus sativus 209. - - Laurocerasin 253. - - Laurocerasus 253. - - Lebensbaum 364. - - Lebergifte 43. - - Ledum palustre 361. - - Lein 265. - - Leuchtgas 161. - - Leucojum aestivum 365. - - Leukozytengifte 36. - - Ligustrum 365. - - Linamarin 265. - - Linin 265. - - Linum catharticum 265. - - -- usitatissimum 265. - - Lithargyrum 78. - - Locokrankheit 211. - - Loliin 263. - - Lolium temulentum 263. - - Lupinose 316. - - Lupinotoxin 317. - - Luzerne 209. - - Lycaconitin 230. - - Lysol 153. - - - M. - - Macrotin 361. - - Madia sativa 362. - - Magengifte 42. - - Maiblume 221. - - Maidismus 325. - - Maisbrand 340. - - Maisvergiftung 325. - - Mangan 116. - - Marsh’scher Apparat 72. - - Mauerpfeffer 364. - - Mehltau 367. - - Meerrettig 292. - - Meerzwiebel 219. - - Melampyrum 325. - - Melanthin 204. - - Melassevergiftung 367. - - Melilotus officinalis 283. - - Mennige 78. - - Mentha Polegium 364. - - Mercurialin 245. - - Mercurialis 244. - - Mercurialismus 88. - - Merk 361. - - Metallvergiftungen 112. - - Methämoglobin 36. - - Methan 161. - - Mezereïn 276. - - Mezereïnsäure 276. - - Mezereum 276. - - Miesmuschel 378. - - Milchsäure 138. - - Mineralgrün 66. - - Minium 78. - - Misspickel 64. - - Mitisgrün 66. - - Modifikation der Giftwirkung 12. - - Mohn, wilder 186. - - Molybdän 116. - - Morchel 357. - - Morphium 189. - - Muavin 222. - - Mucor 335. - - Mückenstiche 380. - - Muscarin 357. - - Mutterkorn 329. - - Mycetismus 357. - - Myoctonin 230. - - Mytilotoxin 378. - - - N. - - Nabelkraut 352. - - Nachtschatten 258. - - Nachweis der Gifte 28. - - Naphthalin 158. - - Naphthol 158. - - Narcissus 275. - - Narcitin 275. - - Narkose 38. - - Nasturtium 292. - - Natrium bicarbonicum 135. - - Natrium chloratum 116. - - Natriumnitrit 120. - - Natrium sulfuricum 124. - - Natronsalpeter 120. - - Natternkopf 365. - - Nereïn 219. - - Neriodorin 219. - - Nerium Oleander 219. - - Nervengifte 37. - - Nickel 116. - - Nierengifte 41. - - Nieswurz 223. - - Nigella sativa 365. - - Nikotin 193. - - Nitrobenzol 123. - - Nitroglycerin 124. - - Nitroverbindungen 123. - - Nosotoxikose 7. - - - O. - - Oenanthe crocata 278. - - -- fistulosa 278. - - Oenanthin 288. - - Oïdium 335. - - Oleander 219. - - Oleandrin 219. - - Oleum animale 156. - - Oleum Crotonis 303. - - Oleum infernale 306. - - Onopordon acanthium 365. - - Operment 64. - - Opium 189. - - Orant 286. - - Osmium 116. - - Osterluzei 360. - - Ouabain 222. - - Oxalis acetosella 274. - - Oxalsäure 139. - - Oxalurie 142. - - Oxamid 140. - - - P. - - Paeonia officinalis 365. - - Papaver Rhoeas 186. - - -- somniferum 191. - - Paraldebyd 154. 178. - - Paridin 363. - - Parillin 204. 363. - - Paris quadrifolia 363. - - Paternostererbse 209. - - Pedicularis Palustris 362. - - Pellagra 325. - - Pellagroceïn 326. - - Penicillium 335. - - Peronospora 367. - - Petroleum 156. - - Pfaffenhütlein 363. - - Pfeffer 295. - - Pfingstrose 365. - - Pfirsichblätter 258. - - Pflanzengifte 182. - - Pflaumenkerne 253. - - Phallin 357. - - Phaseolus 258. - - Phosphorismus 57. - - Phosphorsäure 135. - - Phosphorsaurer Kalk 127. 146. - - Phosphorsaures Kali 55. - - Phosphorvergiftung 55. - - Phosphorwasserstoff 56. - - Phragmites communis 340. - - Phrynin 377. - - Physiologischer Giftnachweis 34. - - Physostigmin 267. - - Phytalbumosen 353. - - Phytolacca Decandra 367. - - Pikrinsäure 124. - - Pilokarpin 269. - - Piperin 296. - - Pirola 363. - - Platin 116. - - Platterbse 209. - - Plumbago 364. - - Poa aquatica 340. - - Podophyllin 308. - - Poley 364. - - Polydesmus exitiosus 347. - - Polygalasäure 204. - - Polygonum 323. 360. - - Polythrincium Trifolii 347. - - Populus 365. - - Präcipitat, roter 89. - - -- weisser 89. - - Produktionstoxikose 7. - - Prognose der Gifte 44. - - Prosopis juliflora 365. - - Prunus 253. - - Pteris aquilina 315. - - Pteritannsäure 315. - - Ptomaïne 351. - - Puccinia 344. - - Pulsatilla 243. - - Pulsatillenkampfer 242. - - Pupillengifte 44. - - Purgirflachs 265. - - Purgirnussbaum 306. - - Putrescin 361. - - Pyrogallol 154. - - Pyrogallussäure 154. - - - Q. - - Quecksilbervergiftung 88. - - Quillajasäure 204. - - - R. - - Rade 203. - - Rainfarnkraut 316. - - Ranunculol 242. - - Ranunkeln 242. - - Raphanum raphanistrum 292. - - Rapskuchen 292. - - Rapsverderber 347. - - Ratin 11. - - Rattengifte 11. - - Raupen 380. - - Rauschgold 64. - - Reagentien 31. - - Realgar 64. - - Rebendolde 278. - - Repskuchen 292. - - Resorption 20. - - Retentionstoxikose 7. - - Rhamnocathartin 306. - - Rhinanthin 325. - - Rhododendron 276. - - Rhoeadin 187. - - Rhus Toxicodendron 359. - - Ricin 298. - - Ricinuskuchen 298. - - Robinia Pseudoacacia 306. - - Robinin 306. - - Roburit 124. - - Rosenlorbeer 219. - - Rosmarinhaide 363. - - Rostpilze 343. - - Roter Präzipitat 88. - - Rüben 366. - - Rübsen 292. - - Ruraex acetosa 273. - - -- acetosella 274. - - Russ 156. - - Russbrand 340. - - Russula emetica 357. - - Ruta graveolens 364. - - - S. - - Saatmadie 362. - - Saatmohn 186. - - Sabadillsamen 226. - - Sabina 288. - - Sabinol 288. - - Sadebaum 288. - - Sal Acetosellae 139. 274. - - Salamandergift 377. - - Salizylsäure 154. - - Salmiak 134. - - Salmiakgeist 132. - - Salol 155. - - Salpetersäure 135. - - Salpetervergiftung 120. - - Salpetrige Säure 120. 165. - - Salzsäure 135. - - Salzvergiftung 116. - - Samandrin 377. - - Santonin 312. - - Saponin 203. - - Sapotoxin 203. - - Saprin 351. - - Satanspilz 357. - - Saturnismus 77. - - Sauerampfer 273. - - Sauerklee 274. - - Sauerkleesalz 139. 274. - - Säurevergiftung 136. - - Schachtelhalm 320. - - Scheel’sches Grün 66. - - Scherbenkobalt 64. - - Schierling 248. - - Schilfgras 340. - - Schimmelpilze 335. - - Schlangenbisse 374. - - Schmierbrand 340. - - Schmierseife 135. - - Schneeball 364. - - Schöllkraut 279. - - Schotendotter 292. - - Schwalbenwurz 281. - - Schwarze Nieswurz 224. - - Schwefel 163. - - Schwefelkohlenstoff 165. - - Schwefelleber 164. - - Schwefelsäure 135. - - Schwefelwasserstoff 162. - - Schweflige Säure 164. - - Schweinfurtergrün 66. - - Schwindelhafer 263. - - Scilla 219. - - Scillitoxin 219. - - Scopolamin 237. - - Scrophularia aquatica 362. - - Secale cornutum 329. - - Sedum acre 364. - - Seidelbast 275. - - Seife 135. - - Selinum palustre 363. - - Semina Cataputiae minoris 306. - - Semina Ricini majoris 306. - - Senecio Jacobäus 366. - - Senegin 204. - - Senföl 291. - - Senfsamen 291. - - Sepsin 351. - - Sesamkuchen 328. - - Sevenbaum 288. - - Silberglätte 77. - - Silbervergiftung 113. - - Silicium 116. - - Simulia ornata 380. - - Sinalbin 292. - - Sinapis arvensis 292. - - -- nigra 291. - - Sinigrin 292. - - Sium latifolium 351. - - Smaragdgrün 66. - - Solanidin 258. - - Solanin 258. - - Solanum Dulcamara 258. - - -- nigrum 258. - - -- tuberosum 258. - - Sommerlevkoje 365. - - Souchus arvensis 362. - - Sonnentau 364. - - Sophora 364. - - Spanische Fliegen 371. - - Speichelgifte 43. - - Speisskobalt 64. - - Speiteufel 357. - - Sphacelinsäure 330. - - Sphacelotoxin 330. - - Spinnengift 381. - - Spiritus 166. - - Staphisagrin 282. - - Stas-Otto’sches Verfahren 33. - - Staubbrand 340. - - Stechapfel 238. - - Stechginster 222. - - Steckenkraut 362. - - Steinbrand 350. - - Steinklee 283. - - Steinsalz 116. - - Stephanskörner 282. - - Stinkbrand 340. - - Stinkende Nieswurz 224. - - Stinkendes Tieröl 156. - - Stoffwechselgifte 43. - - Stramonium 238. - - Strophanthin 221. - - Strychnin 197. - - Sturmhut 230. - - Sublimat 88. - - Sulfite 165. - - Sulfonal 179. - - Sumpfdotterblume 360. - - Sumpfporst 361. - - Sumpfsilge 363. - - Superphosphat 127. - - - T. - - Tabak 193. - - Tamus communis 365. - - Tanacetum 316. - - Tanghinin 222. - - Tartarus stibiatus 107. - - Taumelhafer 263. - - Taumelkerbel 283. - - Taumelkrankheit 320. - - Taumellolch 263. - - Taxin 212. - - Taxus baccata 212. - - Tembladera 367. - - Templetonia 364. - - Temulin 263. - - Terpentinöl 287. - - Teufelsöl 306. - - Thallium 116. - - Thomasmehl 127. - - Teer 150. - - Thevetin 221. - - Tierische Gifte 371. - - Tieröl 156. - - Thuja 364. - - Tiglium 303. - - Tilletia caries 340. - - Tithymalus 247. - - Tollkirsche 232. - - Toxalbumine 353. - - Toxicodendronsäure 359. - - Toxikose 7. - - Toxine 351. - - Toxopeptone 351. - - Traubenkirschbaum 253. - - Trimethylamin 355. - - Tulipin 222. - - Typha latifolia 363. - - - U. - - Uebermangansaures Kali 116. - - Ulexin 222. - - Untersalpetersäure 165. - - Urämie 7. - - Uran 116. - - Uredineen 343. - - Uromyces 344. - - Urtica dioica 366. - - Ustilago Carbo 340. - - -- echinata 340. - - -- longissima 340. - - -- Maïdis 340. - - Uterusgifte 43. - - - V. - - Vanadium 116. - - Vellarin 362. - - Veratrin 226. - - Veratrum album 226. - - Verdorbenes Futter 348. - - Vergiften, kunstgemässes 11. - - Vernonin 222. - - Viburnum 364. - - Vicia villosa 319. - - Viehsalz 116. - - Vincin 222. - - Vipera Berus 374. - - -- Redii 374. - - Viperin 374. - - - W. - - Wacholder 288. - - Wachtelweizen 325. - - Waldrebe 364. - - Wanzen 381. - - Wasserschierling 251. - - Wasserwurzel 362. - - Wegsenf 292. - - Weingeist 165. - - Weinsäure 138. - - Weisse Nieswurz 226. - - Wicken 319. - - Wienergrün 66. - - Wiesenschaumkraut 366. - - Wilder Mohn 186. - - Wintergrün 363. - - Wismutvergiftung 115. - - Wolfsmilch 247. - - Wolfram 116. - - Wurmfarn 309. - - Wurmsamen 312. - - Wurstvergiftung 355. - - - Z. - - Zaunrübe 365. - - Zeitlose 182. - - Zerberin 222. - - Zinkblende 105. - - Zinkvergiftung 105. - - Zinkoxyd 105. - - Zinkvitriol 105. - - Zinkweiss 105. - - Zinnvergiftung 116. - - Zottelwicke 319. - - Zuckersäure 139. - - Zwetschgenkerne 253. - - Zwiebel 295. - - Zyankalium 254. - - Zyanwasserstoff 253. - - Zyclamin 204. - - Zynapium 252. - - Zynoglossum 365. - - Zytisin 222. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR -TIERÄRZTE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Eugen Fröhner</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: October 4, 2022 [eBook #69094]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR TIERÄRZTE</span> ***</div> - -<div class="transnote"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der 1910 erschienenen -Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. -Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche -und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber -dem Original unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht -korrigiert.</p> - -<p class="p0"> Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden, außer im -Titel und im Schmutztitel, als deren Umschreibungen (Ae, Oe, Ue) -dargestellt. Die Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Abschnitts -verschoben.</p> - -<p class="p0">Der Punkt ‚<b>Anhang</b>. Diverse andere -Giftpflanzen’ im Inhaltsverzeichnis der Originalvorlage wurde, -entsprechend der Struktur des Buches, in die Punkte <a href="#Diverse_andere_Giftpflanzen">‚Diverse -andere Giftpflanzen</a>’ und ‚<a href="#Anhang_Giftpflanzen_Familiensystem"><b>Anhang</b>. -Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet</a>’ aufgeteilt.</p> - -<p class="p0 nohtml">Abhängig von der im jeweiligen Lesegerät -installierten Schriftart können die im Original <em -class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in -serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt -erscheinen.</p> - -</div> - -<div class="titelei"> - -<p class="s3 center padtop3 break-before">TOXIKOLOGIE</p> - -<p class="center">FÜR</p> - -<p class="s3 center">TIERÄRZTE.</p> - -<h1><span class="s5">LEHRBUCH</span><br /> - -<span class="s7">DER</span><br /> - -TOXIKOLOGIE<br /> - -<span class="s7">FÜR</span><br /> - -<span class="s6">TIERÄRZTE</span></h1> - -<p class="center">VON</p> - -<p class="s3 center">D<span class="s6">R</span>. MED. EUGEN FRÖHNER,</p> - -<p class="s6 center">GEH. REGIERUNGSRAT UND PROFESSOR AN DER K. TIERÄRZTLICHEN -HOCHSCHULE ZU BERLIN.</p> - -<hr class="r10" /> - -<p class="center"><span class="u">Dritte umgearbeitete Auflage.</span></p> - -<div class="figcenter illowe5" id="signet"> - <img class="w100 padtop3" src="images/signet.jpg" alt="Verlagssignet" /> -</div> - -<p class="s3 center mtop3">STUTTGART</p> - -<p class="s4 center">VERLAG VON FERDINAND ENKE</p> - -<p class="s4 center">1910.</p> - -</div> - -<p class="copy break-before padtop5"><span class="padtop0_5 padbot0_5 bt bb">  Das -Übersetzungsrecht wird vorbehalten.  </span></p> - -<p class="s5 center padtop5">Druck der Hoffmannschen Buchdruckerei in Stuttgart.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_v">[S. v]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_dritten_Auflage">Vorwort zur dritten -Auflage.</h2> - -</div> - -<p><span class="s3 lh1">I</span>n den letzten zehn Jahren hat auch die Toxikologie viele neue -Forschungen und Beobachtungen zu verzeichnen. Die Arbeiten auf dem -Gebiete der <em class="gesperrt">allgemeinen</em> Toxikologie behandeln vor allem die -Frage der elementaren Giftwirkung, die feineren Veränderungen der -Ganglienzellen bei der Narkose, die Wirkung der Blutgifte (Hämolysine), -die toxische Leukozytose und Glykosurie. Im <em class="gesperrt">speziellen</em> Teil -haben zahlreiche neue Experimentaluntersuchungen über Mineral- und -Pflanzengifte, sowie sehr viele kasuistische Mitteilungen über -Vergiftungen bei den Haustieren Aufnahme gefunden. Sie betreffen z. B. -die Unempfindlichkeit der Wiederkäuer gegenüber der Digitalis, -die Vergiftungen durch indische Rübkuchen, blausäurehaltige -ausländische Bohnen und Futterkalk, die chemischen Bestandteile und -die physiologische Wirkung der Kornrade, das angebliche Vorkommen -der Kainitvergiftung beim Wild, das Vergiften des Raubzeugs -durch Strychnin, die Gefährlichkeit der Aloe bei gleichzeitiger -Verabreichung anderer Abführmittel (Brechweinstein, Kalomel), die -Frage der Schachtelhalm- und Pilzvergiftung, die neuen Forschungen -über Schlangengifte, die Vergiftungen durch Rizinussamen und Filmaron, -Naphthalin und Naphthol, Kokain und Arekolin. Neu aufgenommen wurden -endlich die Vergiftungen durch Rainfarnkraut, Wiesenschaumkraut, -Jakobskraut, Kornblumen, Kleeseide, Brennesseln, Hopfendolden, -Mohrrüben, Melasse u. a.</p> - -<p><em class="gesperrt">Berlin</em>, im März 1910.</p> - -<p class="right mright2"><b class="s3">E. Fröhner.</b></p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_vi">[S. vi]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_ersten_Auflage">Vorwort zur ersten -Auflage.</h2> - -</div> - -<p><span class="s3 lh1">D</span>ie Herausgabe einer tierärztlichen Toxikologie ist mir von -verschiedenen Seiten nahegelegt worden. Mit Rücksicht auf diese -Anregungen und in Erwägung des Umstandes, dass wir in der Tierheilkunde -ein selbständiges Lehrbuch der Giftlehre nicht besitzen, dass -vielmehr die Toxikologie bisher immer nur anhangsweise in den -tierärztlichen Lehrbüchern der speziellen Pathologie, Diätetik, -Pharmakologie und gerichtlichen Tierheilkunde zur Geltung gekommen -ist, habe ich den Versuch gemacht, unter Sammlung der wichtigsten -klinischen und experimentellen Tatsachen und mit Hinzufügung einiger -eigener Beobachtungen die tierärztliche Toxikologie besonders zu -bearbeiten. Von tierärztlichen Quellen, welche mir hierbei zu -Gebote standen, sind zu erwähnen die ausgezeichnete Darstellung der -Vergiftungen in dem <em class="gesperrt">Gerlach</em>schen Handbuch der gerichtlichen -Tierheilkunde (1872), die sehr instruktive Bearbeitung der Giftpflanzen -in dem <em class="gesperrt">Dammann</em>schen Handbuch der Gesundheitspflege, die -kurze Zusammenstellung der wichtigsten Vergiftungen in dem von -<em class="gesperrt">Friedberger</em> und <em class="gesperrt">mir</em> herausgegebenen Lehrbuche der -speziellen Pathologie, endlich die kasuistischen Veröffentlichungen -der periodischen tierärztlichen Literatur, von welchen als besonders -reichhaltig die „Mitteilungen aus der tierärztlichen Praxis im -preussischen Staate“ hervorzuheben sind. Von medizinischen Quellen -habe ich die toxikologischen Werke von <em class="gesperrt">Kobert</em>, <em class="gesperrt">Lewin</em>, -<em class="gesperrt">Husemann</em>, <em class="gesperrt">Böhm</em>, <em class="gesperrt">Kunkel</em>, <em class="gesperrt">Hermann</em> und -<em class="gesperrt">Dragendorff</em> zu nennen.</p> - -<p>Bei der Sichtung und Bearbeitung des Stoffes habe ich vorwiegend -die praktischen Zwecke des Tierarztes im Auge behalten. -Gifte, welche zur Zeit keinerlei praktisches, sondern nur -wissenschaftlich-toxikologisches Interesse haben, wie Kurare, -Pikrotoxin,<span class="pagenum" id="Seite_vii">[S. vii]</span> Santonin und andere, sind in den speziellen Teil -nicht aufgenommen worden. Dagegen haben die für die tierärztliche -Praxis wichtigen Vergiftungen nach Aetiologie, Symptomatologie, -Sektionsbefund, Behandlung, Nachweis und Kasuistik ihrer Bedeutung -entsprechend angemessene Berücksichtigung gefunden.</p> - -<p>Bezüglich der Einteilung der Gifte begegnet man denselben -Schwierigkeiten, wie bei der Einteilung der Arzneimittel. Die -idealste Gruppierung wäre auch in der Toxikologie diejenige, welche -die chemische und physiologische Verwandtschaft der einzelnen Gifte -zur Grundlage nimmt (Digitalisgruppe, Atropingruppe, Nikotingruppe, -Blutgifte, Herzgifte). Diese Einteilung lässt sich indessen bei der -Vielseitigkeit der einzelnen Gifte nicht durchführen. Das Chloroform z. B. -ist ebenso gut ein Blutgift, als ein Herzgift und Nervengift. Ich -bin deshalb zu der einfachsten Einteilung in mineralische, pflanzliche -und tierische Gifte zurückgekehrt, obwohl sich auch hier manche Gifte, -wie z. B. der Alkohol oder das Chloroform schwer einreihen lassen. -Vielleicht sind in späteren Zeiten mit dem Fortschritte der einer -höheren Entwicklung noch sehr wohl fähigen Toxikologie auch diese -Mängel leichter zu beseitigen als heutzutage.</p> - -<p><em class="gesperrt">Berlin</em>, im Mai 1890.</p> - -<p class="right mright2"><b class="s3">E. Fröhner.</b></p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_viii">[S. viii]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis.</h2> - -</div> - -<table class="toc" summary="Inhaltsverzeichnis"> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - <div class="s5 right">Seite</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e3"> - <div class="left">Vorwort</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vorwort_zur_dritten_Auflage">V</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e3"> - <div class="left">Einleitung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Einleitung">1</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="s4 vat padtop1"> - <div class="left"><b>Allgemeine Toxikologie</b></div> - </td> - <td class="vab padtop1"> - <div class="right"><a href="#Allgemeine_Toxikologie">3</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Der Begriff Gift</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Der_Begriff_Gift">3</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Einteilung der Gifte</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Einteilung_der_Gifte">5</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Allgemeine_Aetiologie_der_Vergiftungen">8</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Modifikation der Giftwirkung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Modifikation_der_Giftwirkung">12</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Wirkungsweise und Schicksale der Gifte</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Allgemeines_ueber_Wirkungsweise">19</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Klinisch_anatomische_Diagnose_der_Vergiftungen">25</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Chemisch-physikalischer Nachweis der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Der_chemisch_physikalische_Nachweis_der_Vergiftungen">28</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Der physiologische Nachweis der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Der_physiologische_Nachweis_der_Vergiftungen">34</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Allgemeine Prognose der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Die_allgemeine_Prognose_der_Vergiftungen">44</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Die Behandlung der Vergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Die_Behandlung_der_Vergiftungen">46</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="s4 vat padtop1"> - <div class="left"><b>Spezielle Toxikologie</b></div> - </td> - <td class="vab padtop1"> - <div class="right"><a href="#Spezielle_Toxikologie">55</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e2 vat padtop0_5"> - <div class="left"><b>I. Mineralische Gifte</b></div> - </td> - <td class="vab padtop0_5"> - <div class="right"><a href="#I_Mineralische_Gifte">55</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Phosphorvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Phosphorvergiftung">55</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Arsenikvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Arsenikvergiftung">64</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Bleivergiftung. Saturnismus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Bleivergiftung_Saturnismus">77</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Quecksilbervergiftung. Merkurialismus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Quecksilbervergiftung_Merkurialismus">88</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Kupfervergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Kupfervergiftung">100</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Zinkvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Zinkvergiftung">105</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Brechweinsteinvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Brechweinsteinvergiftung">107</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Sonstige Metallvergiftungen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Sonstige_Metallvergiftungen">112</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Kochsalzvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Kochsalzvergiftung">116</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Salpetervergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Salpetervergiftung">120</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Glaubersalzvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Glaubersalz">124</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_ix">[S. ix]</span> - <div class="left">Kainitvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kainit">125</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Barytsalze</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Barytsalze">127</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch chlorsaures Kali</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_chlorsaures_Kali">130</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Aetzalkalien</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Aetzalkalien">132</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch ätzende Säuren</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_aetzende_Saeuren">135</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Essigsäure</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Essigsaeure">137</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Oxalsäure</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Oxalsaeure">139</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Jodoformvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Jodoformvergiftung">142</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Karbolsäurevergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Karbolsaeurevergiftung">146</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Petroleumvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Petroleum">156</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Kohlenoxydvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kohlenoxyd">159</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Leuchtgasvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Leuchtgas">161</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Schwefelwasserstoffvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schwefelwasserstoff">162</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Alkoholvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Alkoholvergiftung">165</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Chloroformvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Chloroformvergiftung">171</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e2 vat padtop0_5"> - <div class="left"><b>II. Pflanzliche Gifte</b></div> - </td> - <td class="vab padtop0_5"> - <div class="right"><a href="#II_Pflanzliche_Gifte">182</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Kolchikumvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Kolchikumvergiftung">182</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Klatschrosenvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Klatschrosenvergiftung">186</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Nikotinvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Tabakvergiftung">193</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Strychninvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Strychninvergiftung">197</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kornrade</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kornrade">203</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kichererbsen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kichererbsen">209</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Taxus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Taxus">212</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Buchsbaum</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Buxus">214</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Digitalis</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Digitalisvergiftung">215</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Oleander</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Oleander">219</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Goldregen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Goldregen">222</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Helleborus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Helleborusarten">223</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Veratrin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Veratrinvergiftung">226</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Akonit</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Akonitvergiftung">230</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Atropin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Atropinvergiftung">232</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Bilsenkraut</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Bilsenkraut">237</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Stechapfel</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Stechapfel">238</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kokain</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kokain">239</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Ranunkeln</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Ranunkeln">242</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Bingelkraut</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Bingelkraut">244</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Wolfsmilch</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Wolfsmilch">247</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Fleckschierling</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Fleckschierling">248</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Wasserschierling</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Wasserschierling">251</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Gartenschierling</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Gartenschierling">252</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Blausäure</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Blausaeurevergiftung">253</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kartoffelkeime (Solaninvergiftung)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kartoffelkeime_und_Kartoffelkraut">258</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_x">[S. x]</span> - <div class="left">Vergiftung durch Taumellolch</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Taumellolch">263</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Flachs</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Flachs">265</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Eserin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Eserinvergiftung">267</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Pilokarpin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Pilokarpinvergiftung">269</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Arekolinvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Arekolinvergiftung">271</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Bucheckern-Oelkuchen">272</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Sauerampfer</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Sauerampfer_Rumex">273</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Narzissus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Narzissus">275</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Seidelbast</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Seidelbast_Daphne">275</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Rhododendron</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Rhododendron_Alpenrose">276</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Oenanthe crocata</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Oenanthe_crocata_Rebendolde">278</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Schöllkraut</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schoellkraut_Chelidonium">279</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Arum maculatum</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Aron">280</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Asklepias vincetoxicum</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schwalbenwurzel">281</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Stephanskörner</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Stephanskoerner">282</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Taumelkerbel</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Taumelkerbel">283</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Steinklee (Kumarin)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Steinklee">283</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Flachsseide</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Flachsseide">286</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Antirrhinum majus</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Orant">286</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Terpentinöl</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Terpentinoelvergiftung">287</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Sadebaum</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Sadebaum">288</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kampfer</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Kampfervergiftung">289</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_senfoelhaltige_Kruziferen">291</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Pfeffer</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Pfeffer">295</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Aloe</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Aloevergiftung">296</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Rizinuskuchen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Rizinuskuchen">298</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Krotonöl</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Krotonoel">303</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch die Semina Ricini majoris</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Semina_Ricini_majoris">306</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Robinia pseudoacacia</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Robinia_pseudoacacia">306</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kreuzdornbeeren</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kreuzdornbeeren">307</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Podophyllin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Podophyllin">308</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Eicheln</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Eicheln">308</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Filixextrakt</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Filixextrakt">309</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Santonin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Santonin">312</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Adlerfarnkraut</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Adlerfarnkraut">315</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Rainfarnkraut</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Rainfarnkraut">316</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Lupinen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Lupinenvergiftung">316</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Wicken und Platterbsen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Wicken">319</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Schachtelhalm</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schachtelhalm">320</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Buchweizen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Buchweizen">323</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Wachtelweizen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Wachtelweizen">325</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Baumwollsaatkuchen">326</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Mutterkorn</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Mutterkornvergiftung">329</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_xi">[S. xi]</span> - <div class="left">Vergiftung durch Schimmelpilze</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schimmelpilze">335</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Brandpilze</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Brandpilze">340</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Rostpilze</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Rostpilze">343</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Kernpilze</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Kernpilze">347</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Ptomainevergiftung (Fleischvergiftung)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Fleischvergiftung">351</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Giftschwämme</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Giftschwaemme">357</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Diverse andere Giftpflanzen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Diverse_andere_Giftpflanzen">359</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e3 vat"> - <div class="left"><b>Anhang.</b> Die Giftpflanzen nach dem - Familiensystem geordnet</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Anhang_Giftpflanzen_Familiensystem">367</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e2 vat padtop0_5"> - <div class="left"><b>III. Tierische Gifte</b></div> - </td> - <td class="vab padtop0_5"> - <div class="right"><a href="#III_Tierische_Gifte">371</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Kantharidenvergiftung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Kantharidenvergiftung">371</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Schlangenbisse</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Schlangenbisse">374</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e4 vat"> - <div class="left">Vergiftung durch Bienenstiche</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Vergiftung_durch_Bienenstiche">378</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="e2 vat padtop0_5"> - <div class="left"><b>Register</b></div> - </td> - <td class="vab padtop0_5"> - <div class="right"><a href="#Register">383</a></div> - </td> - </tr> -</table> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[S. 1]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Einleitung">Einleitung.</h2> - -</div> - -<p>Die Toxikologie, die Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf -den Tierkörper (τόξον = Gift; intoxicatio = Vergiftung) bildet -neben der Pharmakologie (Lehre von den Arzneimitteln) ein eigenes -Fach, das für den Tierarzt fast noch wichtiger ist, als für den -Menschenarzt. Die tierärztliche Toxikologie hat nämlich ausser der -rein <em class="gesperrt">wissenschaftlichen</em> Seite zahlreiche <em class="gesperrt">praktische</em> -Beziehungen zur Diätetik und Landwirtschaft, zur Seuchenlehre und -Veterinärpolizei, sowie zur gerichtlichen Tierheilkunde. Für die -<em class="gesperrt">Landwirtschaft</em> haben namentlich seit der Einführung neuer -Futtersurrogate und künstlicher Düngermittel, sowie mit der Zunahme der -Futterverfälschungen die sog. Futtervergiftungen praktische Bedeutung -erlangt. Es sei hier nur an die zahlreichen Fälle von Vergiftung -durch Baumwollsamen, Rizinuskuchen, Senföl haltige Futterkuchen, -Chilisalpeter, Befallungspilze, verdorbenes Futter usw. erinnert. -Für die <em class="gesperrt">Veterinärpolizei</em> sind verschiedene Vergiftungen von -differentialdiagnostischem Interesse wegen der Aehnlichkeit ihrer -Symptome mit dem Krankheitsbild gewisser Tierseuchen. Beispiele -hierfür sind die Pilz- und Fleischvergiftung (Milzbrand, Rinderpest, -Schweinerotlauf), die Mutterkornvergiftung (seuchenhafter Abortus), -die Bleivergiftung (Wut) und die Quecksilbervergiftung (Maul- -und Klauenseuche, Pocken). Die Toxikologie ist ausserdem für das -Verständnis der Pathogenese vieler Seuchen von grundlegender Bedeutung -geworden, weil die meisten Infektionskrankheiten pathogenetisch als -Intoxikationen aufzufassen sind, d. h. als Vergiftungen durch die von -den Infektionserregern (Bakterien) erzeugten Gifte (Toxine). Für die -<em class="gesperrt">gerichtliche</em> Tierheilkunde sind die sog. Medizinalvergiftungen -als Gegenstand der technischen Begutachtung (Entschädigungsklagen -seitens der Tierbesitzer) von<span class="pagenum" id="Seite_2">[S. 2]</span> praktischer Bedeutung. Dieselben -sind gewöhnlich auf Fehler in der Dosierung bei der Anwendung stark -wirkender Mittel zurückzuführen. Die Häufigkeit dieser Kunstfehler -wächst mit der Einführung neuer Applikationsmethoden. Im übrigen ist -dieser Zweig der praktischen Toxikologie auch früher schon als sehr -wichtig erkannt worden, wie insbesondere die ausführliche Abhandlung -der Vergiftungen in der gerichtlichen Tierheilkunde von <em class="gesperrt">Gerlach</em> -(1872) beweist.</p> - -<p>Die Toxikologie zerfällt in einen allgemeinen und einen speziellen -Teil. Während die <em class="gesperrt">allgemeine</em> Toxikologie Betrachtungen über den -Begriff und die Einteilung der Gifte, über Ursachen und Pathogenese -der Vergiftungen, über Abhängigkeit der Giftwirkung von inneren und -äusseren Verhältnissen, über Erkennung, Behandlung und Nachweis der -Vergiftungen ganz im allgemeinen enthält, hat sich die <em class="gesperrt">spezielle</em> -Toxikologie mit der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Gifte, -sowie mit den Veranlassungen, den Krankheitserscheinungen, dem -pathologisch-anatomischen Befunde, der Behandlung und dem Nachweise -der einzelnen Vergiftungen zu befassen. Die spezielle Toxikologie baut -sich mithin ähnlich wie die Pathologie und Chirurgie auf einer Reihe -<em class="gesperrt">klinischer</em> Fälle auf und hat mit diesen Disziplinen ausserdem -noch das gemein, dass sie gleichzeitig auch die <em class="gesperrt">Therapie</em> -in sich schliesst. In diesem Sinne kann man die Toxikologie wohl -auch bezeichnen als die <em class="gesperrt">spezielle Pathologie und Therapie der -Vergiftungen</em>.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Allgemeine_Toxikologie">Allgemeine Toxikologie.</h2> - -</div> - -<h3 id="Der_Begriff_Gift">Der Begriff Gift.</h3> - -<p>Je nach dem individuellen Standpunkt kann man den Begriff „Gift“ auf -sehr verschiedene Weise definieren. Der Kliniker, der Pharmakologe, -der Apotheker, der Jurist und schliesslich der Laie verbinden -mit dem Worte Gift verschiedenartige Vorstellungen. Deshalb ist -es schwer, eine allgemein gültige und nach allen Richtungen -zutreffende Begriffsbestimmung zu geben. Man kann die Schwierigkeiten -der Definition dadurch vermindern, dass man zwischen Giften im -<em class="gesperrt">weiteren</em> und solchen im <em class="gesperrt">engeren</em> Sinne unterscheidet. -<em class="gesperrt">Gifte im weiteren Sinne</em> können alle diejenigen chemisch -wirkenden Stoffe genannt werden, auf welche der Körper bezw. das -tierische Protoplasma durch Krankheitserscheinungen reagiert. Hierher -würden fast alle differenten Arzneimittel gehören. Aber auch Stoffe, -welche an und für sich unschädlich und sogar zum Aufbau und Fortbestand -des Tierkörpers unumgänglich notwendig sind, wirken unter Umständen -durch ihre Menge oder zu starke Konzentration giftig, so das Kochsalz, -die Kalisalze, das Fleischextrakt, die Eisensalze, die Salzsäure. -Es können ferner ganz indifferente Stoffe, wie das destillierte -Wasser oder das Glyzerin, dadurch schwere Vergiftungserscheinungen -herbeiführen, dass sie in Abweichung von dem gewöhnlichen Wege -der Einverleibung mittels intravenöser Injektion direkt mit dem -Blut in Berührung kommen und die roten Blutkörperchen auflösen -(Hämoglobinämie). Auch andere, an sich unschädliche Stoffe erzeugen bei -einzelnen Individuen Vergiftungserscheinungen, so z. B. der Buchweizen -bei unpigmentierten Tieren. Ausserdem würden hierher die Fälle von sog. -Idiosynkrasie zu rechnen sein. Früher hat man wohl auch<span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span> als Vergiftung -aufgefasst das Einbringen von Milch, Oel und sonstigen unlöslichen -Stoffen in die Venen, wodurch lediglich eine mechanische Verstopfung -der Lungenkapillaren mit ihren Folgezuständen bedingt wird. Endlich hat -man in der Pathologie die Infektionsstoffe als Gifte bezeichnet; man -vergleiche die Ausdrücke „Blutvergiftung“, „Rotzgift“, „Pockengift“. -Danach müssten eigentlich auch die pathogenen Bakterien an sich -als Gifte im weiteren Sinne des Wortes dem System der Toxikologie -einverleibt werden.</p> - -<p>Die angeführten Beispiele zeigen, wie notwendig es im praktischen -Interesse ist, den Begriff Gift einzuschränken.</p> - -<p>Als <b>Gifte</b> im <em class="gesperrt">engeren, eigentlichen Sinne</em> dürfen nur -solche Stoffe bezeichnet werden, bei welchen die nachfolgenden -Voraussetzungen zutreffen:</p> - -<p>1. Die Wirkung auf den Körper muss eine rein <em class="gesperrt">chemische</em> sein, -physikalische Wirkungen sind ausgeschlossen.</p> - -<p>2. Die betreffenden Stoffe müssen schon in verhältnismässig -<em class="gesperrt">geringer</em> Menge <em class="gesperrt">erheblich</em> gesundheitsschädlich wirken (das -Kochsalz ist in diesem Sinne kein Gift, weil es nur in grossen Dosen -eine Vergiftung bedingt).</p> - -<p>3. Die Giftwirkung muss schon bei der <em class="gesperrt">gewöhnlichen</em> Art der -<em class="gesperrt">Einverleibung</em> (Magen, Lunge, Haut) zustande kommen, nicht erst -bei intravenöser, intraperitonealer oder subkutaner Applikation.</p> - -<p>4. Der Stoff muss bei der überwiegenden Mehrzahl der Tiere, nicht bloss -bei einzelnen (Idiosynkrasie) giftig wirken.</p> - -<p>5. Eine <em class="gesperrt">Organisation</em> dürfen die betreffenden Stoffe <em class="gesperrt">nicht</em> -besitzen; sie dürfen also nicht wie die Bakterien Lebewesen sein. -Dagegen können sie von belebten Organismen abstammen (Pflanzengifte, -Bakteriengifte, Tiergifte).</p> - -<p>Danach lautet die Definition: <em class="gesperrt">Gifte im engeren Sinne sind solche -unbelebte Stoffe, welche auf chemischem Wege schon in sehr geringer -Menge und bei gewöhnlicher Art der Einverleibung regelmässig erhebliche -Störungen der Körperfunktionen hervorrufen.</em></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Giftgesetze.</b> In Deutschland ist die Abgabe von Giften im -Handel, in den Apotheken und seitens der Tierärzte durch verschiedene -gesetzliche Bestimmungen geregelt. Die wichtigsten sind folgende: -1. Das Gesetz betr. den <em class="gesperrt">Handel mit Giften</em> vom 29. November -1894 enthält die Vorschriften für den gewerbsmässigen Handel mit -Giften (Aufbewahrung und Abgabe der Gifte, Ungeziefermittel). -Dieses Giftgesetz ist abgeändert worden durch den Beschluss -des Bundesrats vom 1. 2. 06 betr. die Aufnahme<span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span> des Lysols -und anderer Kresolseifenlösungen in das Verzeichnis der Gifte -(der Handel mit Kreolin wird durch diese Bestimmung nicht -betroffen). 2. Das Gesetz betr. den Verkehr mit <em class="gesperrt">blei-</em> und -<em class="gesperrt">zinkhaltigen</em> Gegenständen vom 25. Juni 1887 sowie betr. die -Verwendung <em class="gesperrt">gesundheitsschädlicher</em> Farben vom 5. Juli 1887. -3. Das <em class="gesperrt">Deutsche Strafgesetzbuch</em> (Vergiftung, fahrlässige -Tötung). 4. Das <em class="gesperrt">Nahrungsmittelgesetz</em> vom 14. Mai 1879 -(„gesundheitsschädlich“, § 12). 5. Die <em class="gesperrt">Kaiserliche Verordnung -betr. den Verkehr mit Arzneimitteln</em> vom 22. Oktober 1901 (die -im Verzeichnisse B aufgeführten Mittel dürfen nur in Apotheken -feilgeboten oder verkauft werden). 6. Die <em class="gesperrt">Bundesratsvorschriften -betr. die Abgabe stark wirkender Arzneimittel</em>, sowie die -Beschaffenheit und Bezeichnung der Arzneigläser und Standgefässe in -den Apotheken vom 13. Mai 1896. 7. Das <em class="gesperrt">Deutsche Arzneibuch</em>, -4. Ausgabe, enthält in Tabelle B „die gewöhnlich Gifte genannten -Arzneimittel, welche unter Verschluss und sehr vorsichtig -aufzubewahren sind (Arsenik, Atropin, Homatropin, Hydrargyrum -bichloratum, bijodatum, cyanatum, oxydatum, praecipitatum album, -salicylicum, Liquor Kalii arsenicosi, Sublimatpastillen, Phosphor, -Physostigmin, Skopolamin, Strychnin und Veratrin)“. 8. Das -<em class="gesperrt">tierärztliche Dispensierrecht</em> gestattet in Preussen nach -der Ministerialverfügung vom 23. Juli 1833 die Verabreichung der -Arzneimittel in tierärztlichen Hausapotheken „mit Ausschluss der -Gifte“ (Tabelle B des Deutschen Arzneibuchs).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Einteilung_der_Gifte">Einteilung der Gifte.</h3> - -</div> - -<p>Man kann die Gifte nach ihrer Abstammung, Zusammensetzung und Wirkung -in verschiedene Gruppen einteilen. Eine rein äusserliche Einteilung, -welche aber den Vorzug der Uebersichtlichkeit und Einfachheit -besitzt und sich deshalb auch für die vorwiegend praktischen -Zwecke des vorliegenden Lehrbuches am besten eignet, ist die in -<em class="gesperrt">mineralische</em>, <em class="gesperrt">pflanzliche</em> und <em class="gesperrt">tierische</em> Gifte. -Eine andere Einteilung unterscheidet zwischen <em class="gesperrt">Arzneigiften</em>, -d. h. solchen, welche gleichzeitig als Arzneimittel benützt werden, -und <em class="gesperrt">Nahrungsgiften</em>, also solchen, welche mit der Nahrung, -namentlich von den Pflanzenfressern, aufgenommen werden. Von -Bedeutung ist ferner die Einteilung in <em class="gesperrt">Fremdgifte</em>, d. h. von -ausserhalb des Tierkörpers stammende, und <em class="gesperrt">Selbstgifte</em>, d. h. -im Tierkörper selbst entstehende Gifte (<em class="gesperrt">Autointoxikation</em>). -Besonders wichtig sodann ist die Einteilung der Gifte nach ihrer -Wirkung. Danach hat man früher die Gifte in drei grosse Gruppen -geteilt: die <em class="gesperrt">scharfen</em> (Acria), die <em class="gesperrt">narkotischen</em> -(Narcotica) und die <em class="gesperrt">scharfnarkotischen</em> Gifte (Acria-Narcotica). -Als scharfe Gifte bezeichnete man solche, welche am Orte der -Applikation (Haut, Digestionsschleimhaut) eine ätzende (korrosive) -oder stark reizende (irritierende) Wirkung äussern und hauptsächlich -hierdurch<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span> giftig wirken. Hierher gehören die ätzenden Alkalien und -Säuren, der Brechweinstein, der Sublimat und andere Metallsalze, die -Kanthariden, das Krotonöl, Euphorbium, Senföl, Terpentinöl. Dagegen -verstand man unter narkotischen (neurotischen) Giften solche, welche -ohne Lokalwirkung im wesentlichen nur durch eine Beeinflussung -des Nervensystems giftig wirken, wie Strychnin, Morphin, Eserin, -Arekolin, Pilokarpin, Solanin, Blausäure, Chloroform, Kohlenoxyd. -Scharfnarkotische endlich nannte man solche Gifte, welche zuerst am -Ort der Applikation, insbesondere im Magen und Darm, eine lokale -reizende Wirkung, und später nach ihrer Resorption ausserdem noch -eine allgemeine Einwirkung auf das Nervensystem besitzen: Kolchikum, -Digitalis, Veratrin, Tabak, Akonit, Ranunkeln, Buchsbaum, Eibenbaum, -Karbolsäure, Kresole, Bleisalze.</p> - -<p>Die neuere wissenschaftliche Toxikologie legt ihrer Einteilung die -Wirkung der Gifte auf die einzelnen <em class="gesperrt">Körperorgane</em> zugrunde. -Danach lassen sich folgende Gruppen unterscheiden:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Herzgifte</em>: Digitalisglykoside, Szillaglykoside, Strophanthin, -Oleandrin, Helleborein, Konvallamarin, Adonidin, Antiarin, Thevetin, -Nerein, Koffein, Chloroform, Kalisalze, Baryumsalze, Pilokarpin, -Arekolin, Nikotin. 2. <em class="gesperrt">Blutgifte</em>: Kalium chloricum, Natrium -und Kalium nitrosum, Pyrogallussäure, Arsenwasserstoff, Nitrobenzol, -Amylnitrit, Paraldehyd, Chloroform, Saponin, Rizin, Abrin, Phallin, -Helvellasäure, Kohlenoxyd, Toluylendiamin. 3. <em class="gesperrt">Gehirngifte</em>: -Morphin, Atropin, Hyoszin, Taxin, Zytisin, Alkohol, Chloroform etc. 4. -<em class="gesperrt">Rückenmarksgifte</em>: Strychnin, Bruzin, Thebain, Nikotin, Kornutin -etc. 5. <em class="gesperrt">Muskelgifte</em>: Blei, Kupfer, Purinstoffe (Koffein), -Veratrin, Kalisalze, Barytsalze. 6. <em class="gesperrt">Stoffwechselgifte</em>: -Blausäure, Phosphor, Arsenik. 7. <em class="gesperrt">Uterusgifte</em>: Sekale. 8. -<em class="gesperrt">Darmgifte</em>: Eserin, Arekolin, Chlorbaryum. 9. <em class="gesperrt">Drüsengifte</em>: -Pilokarpin, Arekolin, Quecksilber. 10. <em class="gesperrt">Nierengifte</em>: Kanthariden, -Terpentinöl, Kolchikum, Quecksilber, Kupfer, Blei, Wismut, Jod, -Jodoform, Aloin, Salizylsäure.</p> - -<p>Auch nach der <em class="gesperrt">chemischen Verwandtschaft</em> und <em class="gesperrt">physiologischen -Wirkung</em> lassen sich die Gifte einteilen. So spricht man von einer -<em class="gesperrt">Atropingruppe</em> (Atropin, Hyoszin), <em class="gesperrt">Nikotingruppe</em> (Nikotin, -Eserin, Pilokarpin, Arekolin, Muskarin), <em class="gesperrt">Digitalisgruppe</em> -(Digitoxin, Szillitoxin, Strophanthin, Oleandrin, Helleborin, -Konvallamarin, Spartein, Adonidin), <em class="gesperrt">Koniingruppe</em> (Koniin, -Kurare), <em class="gesperrt">Morphingruppe</em> (Morphin, Kodein, Heroin, Dionin, -Peronin, Papaverin, Narzein), <em class="gesperrt">Strychningruppe</em> (Strychnin,<span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span> -Akonitin, Bruzin), von <em class="gesperrt">Baryum-</em>, <em class="gesperrt">Blei-</em>, <em class="gesperrt">Kupfer-</em>, -<em class="gesperrt">Quecksilbervergiftung</em> usw. Eine systematische, auf -physiologischer Grundlage aufgebaute Einteilung der Gifte ist z. B. -von <em class="gesperrt">Loew</em> (1893) versucht worden. Die physiologische Wirkung der -einzelnen Gifte zeigt jedoch nach Dosis und Tiergattung sehr grosse -Verschiedenheiten.</p> - -<p>Eine eigenartige Gruppe von Giften bilden endlich die in abgestorbenen -oder kranken Organen von Tieren und Pflanzen entstehenden giftigen -Umsetzungsprodukte oder <em class="gesperrt">metabolischen</em> Gifte (Ptomaine, Toxine, -Fäulnisgifte, Bakteriengifte, Nahrungsgifte).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Autointoxikation.</b> Mit dem Namen <em class="gesperrt">Autointoxikation</em> -(endogene Intoxikation, Toxikose) bezeichnet man die -<em class="gesperrt">Selbstvergiftung</em> durch einen im Innern des Körpers -selbst gebildeten (nicht von aussen eingeführten) und ins Blut -resorbierten Giftstoff. Solche Giftstoffe sind vor allem beim -normalen Stoffwechsel entstehende Zersetzungsprodukte des -Eiweisses, Fettes und Zuckers, nämlich die <em class="gesperrt">Kohlensäure</em>, -sowie die zahlreichen im Harn und in der Galle ausgeschiedenen -Stoffwechselprodukte, namentlich verschiedene <em class="gesperrt">Harnbasen</em>, -<em class="gesperrt">Harnstoff</em>, <em class="gesperrt">Harnsäure</em> und <em class="gesperrt">Gallensäuren</em>. Die durch -die genannten Selbstgifte hervorgerufenen Krankheitserscheinungen -(<em class="gesperrt">Erstickung</em>, <em class="gesperrt">Urämie</em>, <em class="gesperrt">Ammoniämie</em>, <em class="gesperrt">Gicht</em>, -<em class="gesperrt">Cholämie</em>) sind als Autointoxikationen aufzufassen, welche -durch Zurückhaltung der giftigen Stoffwechselprodukte im Körper -entstehen (sog. <em class="gesperrt">Retentionstoxikosen</em>). Die Pathogenese -dieser Autointoxikationen, insbesondere der Urämie und Cholämie, -sind übrigens noch wenig erforscht (Vorstufen des Harnstoffs und -der Gallensäuren?). Eine andere Gruppe von Autointoxikationen -wird durch abnorme Umsetzungsprozesse im Blut und in den tätigen -Körperorganen verursacht. Hierher gehört die übermässige -Bildung von <em class="gesperrt">Traubenzucker</em>, sowie das Auftreten der -Oxybuttersäure und Azetessigsäure bei der <em class="gesperrt">Zuckerharnruhr</em> -(sog. <em class="gesperrt">Produktionstoxikosen</em> oder <em class="gesperrt">Nosotoxikosen</em>). -Wahrscheinlich ist auch die Hämoglobinämie der Pferde und die -Gebärparese der Rinder eine derartige, durch die Bildung abnormer -Stoffwechselprodukte im Körper (Muskel, Euter) veranlasste -Autointoxikation. Aehnliche Vorgänge scheinen bei der Verbrennung -stattzufinden (giftige Zersetzungsprodukte des Blutes und -der verbrannten Gewebe). Auch die Entfernung der Schilddrüse -(Thyreoidektomie) hat eine schwere Autointoxikation zur Folge -(Cachexia strumipriva); man führt dieselbe auf abnorme innere -Sekretionsvorgänge zurück (<em class="gesperrt">dyskrasische Autointoxikation</em>). -Eine letzte Form der Resorptions-Autointoxikation bilden die -sog. <em class="gesperrt">Intestinaltoxikosen</em> (enterogene Autointoxikation), -Selbstvergiftungen durch Giftstoffe, welche von den normal -im Darmkanal vorhandenen, nicht pathogenen Fäulnisbakterien -(Saprophyten) gebildet werden. Ein Beispiel hierfür ist der bei -der Fäulnis des Darminhaltes schon unter normalen Verhältnissen -entstehende, giftig wirkende <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em>. Dagegen -können die analogen, bei der Einwirkung pathogener Mikroorganismen -(Milzbrand, Rotlauf, Starrkrampf usw.) im Tierkörper entstehenden -Toxine nicht zu den Autointoxikationen gerechnet werden, da bei ihnen -die giftproduzierenden Bakterien von aussen in den Tierkörper gelangt -sind (septische Intoxikation).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p> - -<h3 id="Allgemeine_Aetiologie_der_Vergiftungen">Allgemeine Aetiologie der -Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p>Die Ursachen der Vergiftungen bei unseren Haustieren sind sehr -mannigfaltiger Art. Die wichtigsten Veranlassungen sind:</p> - -<p>1. Die Aufnahme von <em class="gesperrt">Giftpflanzen</em> seitens der Pflanzenfresser -durch die Nahrung. Trotz fortgesetzter Ausrottung der giftigen -Gewächse, namentlich auf Weiden, Wiesen und Feldern, sowie trotz der -instinktiven Fähigkeit der Herbivoren, giftige von ungiftigen Pflanzen -zu unterscheiden — eine Fähigkeit, welche allerdings bei anhaltender -Stallfütterung und zunehmender Domestikation abzunehmen scheint — -ist die Zahl der Vergiftungsfälle infolge der Aufnahme giftiger -Pflanzen alljährlich immer noch sehr bedeutend. Die gefährlichsten -dieser Giftpflanzen sind die Herbstzeitlose, der Fingerhut, der -wilde Mohn, die Kornrade, die Kichererbse, der Tabak, die Nieswurz, -der Eibenbaum, der Buchsbaum, der Sturmhut, der Schierling, die -Tollkirsche, das Bilsenkraut, der Stechapfel, das Bingelkraut, der -Taumellolch, der Oleander, die Narzissusarten, Ranunkeln, Eupborbien, -Daphne, sowie verschiedene terpentinölhaltige Pflanzen. Aber auch für -gewöhnlich ungiftige Pflanzen können unter Umständen den Charakter von -Giftpflanzen annehmen, z. B. die Lupinen. Die wirksamen Bestandteile -der Giftpflanzen sind namentlich Alkaloide (über 150 bekannt) und -Glykoside, ausserdem ätherische Oele und Säuren.</p> - -<p>2. Die Aufnahme <em class="gesperrt">verdorbener Nahrungsmittel</em>. Hierher gehört -in erster Linie die Ansiedlung von Schimmelpilzen, Rostpilzen -und Brandpilzen auf den verschiedenen Futtersorten und auf dem -Streumaterial. Sodann sind namentlich die Fabrikationsrückstände -und Surrogate: Schlempe, Rübenschnitzel, Malzkeime, Biertreber, die -verschiedenen Oelkuchen, das Palmkernmehl, Baumwollsaatmehl usw., -sowie die Rückstände der Haushaltung in der Form des sog. Spülichts -und der Küchenabfälle sehr häufig der Verderbnis unterworfen. Weiter -sind hierher zu zählen die Vergiftungen, welche durch Verfütterung von -verdorbenem Fleisch, verdorbenen Wurstwaren, faulenden Fischen, altem -Käse bedingt werden; sog. Fleisch-, Wurst-, Fisch-, Käsevergiftung. -Auch die Vergiftung durch Heringslake ist zum Teil hierher gehörig.</p> - -<p>3. Die Nähe von <em class="gesperrt">Fabriken</em> und sonstigen <em class="gesperrt">gewerblichen -Anlagen</em>, in welchen Gifte verarbeitet werden. Am gefährlichsten -sind in dieser Beziehung Blei-, Silber- und Kupferbergwerke, welche -teils durch ihre Metalle (Blei), teils durch ihren Gehalt an -Arsenik<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> (Freiberger Hütten in Sachsen) in weitem Umkreis das Leben -der Haustiere gefährden. Manche dieser Metalle gehen sogar in Form -organischer Verbindungen in die Pflanzen über und veranlassen so -indirekt bei Pflanzenfressern Vergiftungen. So erzeugt in Kärnten -das auf Bleiglanz und Galmei wachsende Gras Monilia coerulea bei -weidenden Tieren Saturnismus; seine Asche enthält nämlich 2 Prozent -Bleioxyd = 0,05 Prozent der ganzen Pflanze = 50 gr Bleioxyd in 100 kg -Gras. Aehnliches kommt bei barythaltigen Pflanzen vor. Auch fliessende -Gewässer können entweder durch Fabrikanlagen verdorben (Vergiftung auch -der Fische) oder infolge Aufnahme giftiger Metalle aus dem umgebenden -Erdreich nach weiten Entfernungen hin schädlich werden, wie z. B. der -Bleibach in der Rheinprovinz und die ebenfalls bleihaltige Innerste -in der Provinz Hannover. In ähnlicher Weise bieten auch Gasanstalten -(Vergiftungen durch Gaswasser, Einatmen von Leuchtgas), Kohlenbergwerke -(Grubengasvergiftung), Brennereien (Alkoholvergiftungen) und andere -gewerbliche Etablissements, ja selbst einfache Feuerungseinrichtungen -(Kohlenoxydgas) Gelegenheiten zu Vergiftungen.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Therapeutische Kunstfehler</em>, namentlich Fehler in der -Dosierung und in der Anwendung der verschriebenen Medikamente. -Derartige „Arzneivergiftungen“ kommen infolge falscher Dosierung -hauptsächlich bei stark wirkenden Medikamenten, so bei der Verordnung -des Phosphors, des Arseniks, des Brechweinsteins, der Aloë, des -Krotonöls, der Kanthariden, des Sublimats, Chlorbaryums, des Kalomels, -der grauen Quecksilbersalbe, des Extractum Filicis, sowie der Alkaloide -Strychnin, Veratrin, Eserin, Pilokarpin, Arekolin und Morphin vor. -Fehler in der Anwendung ereignen sich am häufigsten bei äusserlicher -Applikation, so bei zu ausgedehnter Teer- oder Karboleinreibung, -ferner beim Baden räudekranker Schafe (Arsenik-, Tabak-, Sublimat-, -Karbolbäder), sowie bei intravenöser (Chloralhydrat, Chlorbaryum) -und intratrachealer Applikationsmethode (Strychnin). Auch die -Nichtbeachtung gewisser diätetischer und anderer Massregeln, z. B. die -Erlaubnis zum Einspannen von Pferden, welchen ein Drastikum verordnet -wurde, das gleichzeitige Verabreichen von Brechweinstein und Aloë gegen -Spulwürmer beim Pferd, das Unterlassen von Schutzmassregeln gegen das -Ablecken giftiger Salben, die Wahl einer unrichtigen Arzneiform oder -Konzentration haben nicht selten eine Vergiftung zur Folge.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Verwechslungen</em> seitens des dispensierenden Apothekers, -Drogisten, Kaufmanns, Tierarztes, sowie seitens der Laien und -Tierbesitzer.<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> Solche Verwechslungen können teils durch undeutlich -geschriebene Rezepte sowie durch falsche Deutung derselben (Sublimat -statt Kalomel, Kalium sulfuratum statt Kalium sulfuricum, Formalin -statt Furunkulin), teils durch irrtümliches Vergreifen in den -Standgefässen, teils durch Unvorsichtigkeit des Drogisten oder Händlers -bei Abgabe der Mittel vorkommen. Letzteres bezieht sich insbesondere -auf die dem freien Handverkauf überlassenen, häufig schon aus jedem -Kramladen beziehbaren Mittel (Verwechslungen von Bleizucker, Salpeter, -Alaun mit Glaubersalz).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Ausgelegte Gifte</em> zur Vertilgung von Ratten, Mäusen, Schaben, -Wanzen. Denselben fallen am häufigsten Hunde und Katzen, sodann -Schweine und das Geflügel zum Opfer. Sie bestehen aus Strychnin, -Phosphor, Arsenik, Sublimat, Baryt, Meerzwiebel usw.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Giftfarben.</em> Bedeutung für die Tierheilkunde haben vor allem -die <em class="gesperrt">Bleifarben</em> und Bleianstriche (Bleiweiss, Bleiglätte, -Mennige), welche zu zahllosen Vergiftungen beim Rind Veranlassung -geben, sowie die grünen, <em class="gesperrt">arsenikhaltigen</em> Tapeten (Schweinfurter -und Scheelesches Grün). Andere giftige Farben sind: Königsblau, Smalte, -Mineralblau, Sächsischblau, Bremer Blau, Kobalt-Ultramarin; Chromgelb, -Pikrinsäure, Antimongelb, Kasseler Gelb, Kölner Gelb, Mineralgelb, -Rauschgelb, Operment, Pariser Gelb, Anilingelb, gelber Ultramarin, -Zinkgelb; Braunschweiger Grün, Berggrün, Bremer Grün, Chromgrün, -Englischgrün, Kaisergrün, Kasseler Grün, Laubgrün, Moosgrün, Neapeler -Grün, Neuwieder Grün, Patentgrün, Oelgrün, Wiener Grün; Berliner Rot, -Amarantrot, arsenhaltiges Anilinrot, Chromrot, Kupferrot, Pariser Rot, -Wiener Rot; Kremserweiss, Schieferweiss, Schneeweiss, Silberweiss, -Zinkweiss. Ausser den oben genannten Blei- und Arsenfarben sind -überhaupt alle Farben giftig, welche <em class="gesperrt">Chrom</em>, <em class="gesperrt">Baryum</em>, -<em class="gesperrt">Antimon</em>, <em class="gesperrt">Kupfer</em> (Grünspan), <em class="gesperrt">Kadmium</em>, -<em class="gesperrt">Kobalt</em>, <em class="gesperrt">Molybdän</em>, <em class="gesperrt">Nickel</em>, <em class="gesperrt">Quecksilber</em>, -<em class="gesperrt">Wolfram</em>, <em class="gesperrt">Zink</em>, <em class="gesperrt">Zinn</em>, <em class="gesperrt">Uran</em> und <em class="gesperrt">Wismut</em> -enthalten. Ungiftig sind die arsenfreien Anilin-, Ultramarin- und -Alizarinfarben, die Farbstoffe der Pflanzen, die eisenhaltigen -Farbstoffe, wozu z. B. der rote Bolus gehört, sowie der Zinnober. -Indigo, Methylviolett (Pyoktanin), Malachitgrün, Eosin und verschiedene -andere Benzol- und Anthrazenderivate wirken übrigens namentlich in -fein gepulvertem Zustand örtlich reizend und entzündungserregend -(„Eosinschweine“).</p> - -<p>8. Durch den <em class="gesperrt">Biss</em> oder <em class="gesperrt">Stich</em> giftiger Tiere werden -verhältnismässig wenig Vergiftungen veranlasst. Meist ist es die -Kreuzotter,<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> seltener die Redische Viper, welche in Europa für die -Haustiere gefährlich wird. Von Insekten kommen hauptsächlich die Bienen -und die Kolumbakzer Mücken in Betracht.</p> - -<p>9. Endlich sind die durch <em class="gesperrt">Böswilligkeit</em> herbeigeführten -Vergiftungen zu erwähnen. Am häufigsten kommen sie wohl bei Hunden, -Katzen und beim Geflügel vor, vereinzelt jedoch auch bei den grösseren -Haustieren, wie Pferd und Rind. Gewöhnlich werden hierzu der Phosphor, -der Arsenik und das Strychnin benützt (ortsübliche Rattengifte).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Das <b>kunstgemässe Vergiften</b> der Haustiere wegen Krankheit, -zu hohen Alters, Gemeingefährlichkeit usw. wird namentlich bei -<em class="gesperrt">Hunden</em> und <em class="gesperrt">Katzen</em> vielfach angewandt. Im Hundespital -der Berliner tierärztlichen Hochschule werden jährlich gegen -3000 Hunde und Katzen vergiftet. Das hierbei verwendete Gift ist -eine 10prozentige wässerige <b>Blausäure</b>lösung. Dieselbe -wird mittels einer Pravazschen Spritze in der Dosis von einigen -Kubikzentimetern in die Subkutis oder in die Lunge gespritzt; bei -Katzen genügt ein blosses Einbringen einiger Tropfen in den Lidsack -oder auf die Maulschleimhaut. Man kann Hunde und Katzen auch durch -Einschütten einer <b>Zyankalium</b>lösung (1–2,0 in Wasser oder -Essig gelöst) töten. Die Vergiftung dauert jedoch hierbei etwas -länger, und das Einschütten ist nicht immer ganz leicht; man sorge -ferner für frisches, unzersetztes Zyankalium. Noch umständlicher -ist die Benützung des <b>Chloroforms</b> zum Vergiften, wenn man -nicht etwa, wie ich es früher getan habe, das Chloroform (einige -Kubikzentimeter) direkt ins Herz spritzt. (Die Tötung von Hunden -mit Chloroform im Veronalschlaf — 2 bis 8 g Veronal — wird von -Jakob empfohlen.) Die Anwendung des <b>Strychnins</b> bei Hunden -ist wegen der für den Zuschauer sehr peinlichen und oft länger, als -vermutet, andauernden Krampfwirkung zu vermeiden. Dagegen eignet -sich dasselbe gut zum Vergiften von <em class="gesperrt">Füchsen</em> und anderem -Raubzeug (ausgelegte Heringsköpfe, Fleischstücke usw.). Ausserdem -hat man <em class="gesperrt">Eserin</em>, <em class="gesperrt">Chlorbaryum</em> (unsicher) und besondere -<em class="gesperrt">Kohlensäure</em>-Apparate angewandt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pferde</em> werden ebenfalls am schnellsten und sichersten durch -Blausäure getötet, welche am besten intravenös oder intratracheal -beigebracht wird (tödliche Dosis der reinen Blausäure = 1 g; danach -lässt sich die anzuwendende Menge der Blausäurelösungen berechnen). -Statt Blausäure kann man auch Strychnin (0,5 intratracheal) anwenden, -weil das Pferd diesem Mittel gegenüber sehr empfindlich ist. Auch die -intravenöse Anwendung von <em class="gesperrt">Chlorbaryum</em> (0,5) wird empfohlen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Elefanten</em> werden ebenfalls am besten mit Blausäure getötet. -Man nimmt die 100–200fache Dosis vom Pferd (100–200 g reine -Blausäure) und reicht sie am besten zusammen mit Schnaps (Rum) oder -in Brotwecken (Lechner).</p> - -<p><em class="gesperrt">Ratten</em> und <em class="gesperrt">Mäuse</em> können durch Strychninweizen, -Phosphorlatwerge, Ratin (Bakterienkulturen der Mäuseseptikämie) usw. -vergiftet werden. Auch die <em class="gesperrt">Meerzwiebeln</em> werden als ein für den -Menschen ungiftiges Rattenvertilgungsmittel in der Landwirtschaft -angewandt (Mengung frischer Zwiebeln mit der doppelten Menge Fleisch, -Zerkleinerung mit der Hackmaschine, Formung haselnussgrosser -Kugeln, Anbraten mit Talg, Bestreuen mit Zucker, Auslegen in den -Ställen). Das sog. „Ratin II“ scheint nichts anderes als ein -Meerzwiebelpräparat zu sein (vgl. das Kapitel Meerzwiebel).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span></p> - -<h3 id="Modifikation_der_Giftwirkung">Modifikation der Giftwirkung.</h3> - -</div> - -<p>Die Intensität der Wirkung eines und desselben Giftes ist nicht immer -die gleiche, sie wird vielmehr durch verschiedene äussere und innere -Umstände modifiziert. Als wichtigste Faktoren, welche die Giftigkeit -eines Stoffes beeinflussen, kommen folgende in Betracht:</p> - -<p>1. Die <b>Dosis</b>, in welcher das Gift verabreicht wird. Je -nach der Grösse derselben kann die Wirkung entweder sehr stark, -mittelstark, schwach oder selbst gleich Null sein. Jedes Gift wird -in verschwindend kleiner Dosis wirkungslos; man kann diese kleinste -Menge <em class="gesperrt">indifferente Dosis</em> nennen. Ist das Gift gleichzeitig ein -Arzneimittel, so bezeichnet man die im Rahmen physiologischer Wirkungen -sich haltenden Quantitäten als <em class="gesperrt">therapeutische Dosen</em> (Minimal-, -Maximaldosis). Grössere Gaben, welche eine ausgesprochene Vergiftung -erzeugen, heissen <em class="gesperrt">toxische Dosen</em>; tritt endlich im Verlauf der -Vergiftung der Tod ein, so spricht man von einer <em class="gesperrt">tödlichen Dosis</em> -(dosis letalis). Diese tödliche Dosis ist um so kleiner, je grösser die -Giftigkeit eines Stoffes ist. Sehr giftig sind namentlich die Blausäure -und manche Alkaloide (Akonitin, Nikotin, Strychnin), indem Zentigramme -bezw. Dezigramme hinreichen, um ein Pferd zu vergiften. Am giftigsten -scheint das Toxin der Starrkrampfbazillen (Tetanotoxalbumin) zu sein -(¼ Milligramm = <sup>1</sup>⁄<sub>200</sub> Tropfen tötet ein Pferd!). Man hat versucht, -durch Vergleichung der Giftigkeitsdosen der einzelnen Gifte für jedes -die sog. <em class="gesperrt">Toxizität</em> (Schwellenwert, Giftigkeitsgrenze) zu finden, -also den Uebergang der indifferenten in die toxische Dosis für jedes -Gift ziffernmässig festzustellen. Der allgemeinen Durchführung dieses -Plans steht indes die Tatsache gegenüber, dass jede Tiergattung ein und -demselben Gift gegenüber sich anders verhält. Aus diesem Grund muss von -der Aufstellung einer allgemeinen Giftigkeitsgrenze Abstand genommen -werden. Die Feststellung der Giftigkeitsgrenze der einzelnen Gifte -durch Versuche an Fischen (<em class="gesperrt">Richet</em>) hat daher für die übrigen -Tiergattungen ebensowenig Geltung, wie die Bestimmung der Toxizität -zahlreicher narkotischer Gifte an Froschlarven (<em class="gesperrt">Overton</em>, <em class="gesperrt">H. -Meyer</em>).</p> - -<p>2. Die <b>Form</b> des Giftes. Es ist bekannt, dass der Phosphor -in einer ungiftigen Form, als sog. roter Phosphor vorkommt, welche -dadurch hergestellt wird, dass man den gewöhnlichen giftigen Phosphor -bei Abwesenheit von atmosphärischer Luft auf 200 bis 250°<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span> erhitzt. -Er wird dadurch in Fett unlöslich und deshalb im Magen und Darm nicht -resorbiert. Aehnliche Verhältnisse kommen bei vielen sogen. isomeren -Verbindungen vor. So ist das α-Naphthol wesentlich giftiger als -das β-Naphthol; viele Ortho-Verbindungen haben eine andere Wirkung -als die entsprechende Meta- oder Para-Verbindung. Weiter ist die -Giftigkeit eines Körpers sehr verschieden, je nachdem derselbe in -löslicher oder unlöslicher Form, in Stücken, grob- oder feingepulvert, -in konzentrierter oder in verdünnter Lösung aufgenommen wird. Der -Arsenik ist am wenigsten giftig in Stücken, mit der Feinheit des -Pulvers nimmt seine Giftigkeit zu, am giftigsten ist er in Lösung. -Auch die Art des Lösungsmittels ist von Bedeutung. Phosphor in Oel -gelöst wird viel rascher und ausgiebiger resorbiert, als in andern -Flüssigkeiten; Kanthariden in Salbenform aufgenommen (Ablecken) wirken -aus demselben Grunde giftiger, als in Substanz. Alkoholische Lösungen -von Strychnin oder Blausäure werden im Magen viel schneller resorbiert, -als wässerige. Auflösungen der Karbolsäure in alkalischen Flüssigkeiten -oder in Oel sind weniger giftig, als solche in Wasser. Endlich gibt -es noch eine Reihe anderer Bedingungen. Durch Regenwasser ausgelaugte -Lupinen sind ungiftig, viele Metallsalze (Brechweinstein, Bleizucker) -und alle Alkaloide verlieren an Giftigkeit, wenn gleichzeitig Tannin -oder zufällig ein anderes Gegengift mit aufgenommen wird. Warme -Arsenikwaschungen, ferner kalte, aber im Sommer, in heissen Stallungen -oder bei erhitzten Tieren vorgenommene Waschungen sind gefährlicher -als kalte Waschungen im Frühjahr oder Herbst (Beobachtungen in -Schleswig-Holstein).</p> - -<p>3. <b>Alter</b> und <b>Abstammung</b> des Giftes. Sehr viele Gifte -verändern oder verlieren mit der Zeit infolge von Zersetzung ihre -Wirksamkeit. Beispiele sind namentlich die Glykoside und manche -Alkaloide: Digitalis, Secale cornutum, Akonit, Belladonna, Eserin, -Pilokarpin, Morphin, Apomorphin, Rhizoma Filicis, die Präparate -der Blausäure (Umwandlung der Blausäure im Bittermandelwasser in -ameisensaures Ammonium, des Zyankaliums in Kaliumkarbonat), der -Phosphor (Umwandlung zu amorphem), Karbolwasser (Verdunstung der -Karbolsäure), die ätherisch-öligen Mittel (Verdunstung der ätherischen -Oele), Chlorkalk (Verdunstung von Chlor), Bleiessig (Bildung von -Bleikarbonat), Aetzkali und Aetzkalk (Umwandlung zu kohlensaurem Kalium -und kohlensaurem Kalk). Auch das Umgekehrte wird zuweilen beobachtet; -alte graue Quecksilbersalbe ist z. B. giftiger, als frisch bereitete -(Bildung von leichter resorbierbarem<span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span> fettsaurem Quecksilber). Dasselbe -gilt für altes Krotonöl (Abspaltung freier, giftiger Krotonolsäure). -Bezüglich der Bedeutung der Abstammung für die Giftigkeit ist -hervorzuheben, dass die Lupinen je nach dem Standort und der Gegend -bald giftig, bald ungiftig sind, dass ferner die Mohnpflanze in Europa -nur ganz verschwindende Mengen von Opiumalkaloiden enthält gegenüber -dem grossen Opiumgehalt derselben Pflanze in Kleinasien, Persien, -Aegypten. Es mag ausserdem an die Hanfpflanze erinnert werden, welche -bei uns ungiftig ist, während sie in derselben Spezies in Indien ein -starkes Gift liefert (indischer Hanf, Haschisch). Die Giftigkeit -vieler Pflanzen wechselt endlich nach den Jahreszeiten. Die meisten -Giftpflanzen sind am giftigsten zurzeit der Blüte; andere Pflanzen -sind überhaupt nur in bestimmten Monaten giftig, z. B. die Springgurke -(Elaterium) nur im Juli. Ein eigentümliches Verhältnis zeigt der -Faulbaum (Rhamnus Frangula), dessen Rinde im ersten Jahr nach der -Gewinnung Erbrechen und dann vom zweiten Jahr ab Purgieren erzeugt.</p> - -<p>4. Die <b>Applikationsweise</b>. Alle Gifte wirken vom <em class="gesperrt">Magen</em> aus -wesentlich schwächer, als von der Subkutis, von der Trachealschleimhaut -oder von Wunden aus. Manche Gifte sind vom gesunden Magen aus -überhaupt wirkungslos, so zahlreiche Bakterientoxine (Wut, Tetanus), -die Saponinsubstanzen, das Schlangengift und einige Pfeilgifte -(zersetzende, antitoxische Wirkung des Magensaftes). Auch bei stark -gefülltem Magen wirken die meisten Gifte wesentlich schwächer als bei -leerem Magen, weil die Resorption langsamer vor sich geht; ausserdem -werden manche Gifte durch gewisse Bestandteile des Futterinhaltes -des Magens, z. B. Alkaloide durch gerbsäurehaltige Nahrungsmittel, -Metallsalze durch ein eiweissreiches Futter unschädlich gemacht. -<em class="gesperrt">Die Giftigkeit eines Stoffes vom Magen aus verhält sich zu seiner -Giftigkeit von der Subkutis und von Wunden aus etwa wie 1 : 10.</em> -Uebrigens kann dieses Verhältnis je nach der Tiergattung auch enger -sein. So verhält sich beim Strychnin die tödliche stomachikale Dosis -zur tödlichen subkutanen wie 1 : 10 beim Schaf, wie 1 : 5 beim Pferd, -wie 1 : 3 beim Schwein, wie 1 : 2 beim Hund. Auch bei der Resorption von -Wunden aus ist die Giftigkeit ganz erheblich gesteigert; so tötet der -Arsenik per os Pferde in Gaben von 10–15 g, Hunde in Gaben von 0,2 g, -während von Wunden aus für Pferde 2,0 g und für Hunde 0,02 g zur Tötung -ausreichen. Diese erhöhte Giftigkeit von Wunden aus hat namentlich<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> -eine praktische Bedeutung für die Anwendung von Aetzmitteln (Arsenik -in Stücken bei Brustbeule, Nieswurzstecken) sowie von Räudebädern -unmittelbar nach der Schur (Arsenik-, Tabak-, Karbolbäder). Die rektale -Applikation wirkt etwa gleich stark, wie die per os. Am stärksten ist -die Wirkung der Gifte bei der intratrachealen, intraperitonealen und -intravenösen Injektion. <i>Die intratracheale Applikation wirkt etwa -20mal, die intravenöse 25–50mal stärker, als die Einführung vom Magen -aus.</i></p> - -<p>5. Die <b>Ausscheidung</b> des Giftes aus dem Körper. Dieselbe -beeinflusst hauptsächlich den Verlauf und die Dauer einer Vergiftung; -je rascher das Gift den Körper wieder verlässt, um so kürzer ist auch -die Krankheitsdauer und umgekehrt. Langsam, erst etwa im Verlauf -einer Woche ausgeschieden werden z. B. die Glykoside der Digitalis -(Digitoxin) und das Strychnin, weshalb die Nachwirkung bei beiden -Giften ziemlich lang ist (kumulative Wirkung bei wiederholter -Einverleibung). Ausserdem sind durch eine sehr verlangsamte, Wochen -und Monate dauernde Ausscheidung die Salze der schweren Metalle -(Blei, Quecksilber, Kupfer, Arsen) charakterisiert, indem dieselben -organische Verbindungen mit dem Eiweiss der Körperzellen eingehen -(sog. Organdepositorien). Dieser Umstand erklärt auch die Tatsache, -dass chronische Vergiftungen am häufigsten Metallvergiftungen sind. -Am schnellsten werden die Chlor-, Brom- und Jodverbindungen der -Alkalien ausgeschieden (Chlornatrium, Bromkalium, Jodkalium); die -Hauptmenge derselben verlässt den Körper durch den Harn innerhalb 24 -Stunden. Die Ausscheidung der Gifte aus der Blutbahn geschieht durch -die Nieren, die Leber, die Speicheldrüsen, die Pankreasdrüse, die -Milchdrüse, die Darmdrüsen, Schweissdrüsen, Talgdrüsen, Schleimdrüsen -und die Lunge. Die meisten Gifte werden durch den Harn ausgeschieden. -Die Schwermetalle und das Strychnin werden dagegen in der Hauptsache -durch die Leber (Galle), das Morphium durch den Magen eliminiert. — -Auch durch die Verlangsamung oder Beschleunigung der <em class="gesperrt">Resorption</em> -kann die Wirkung der Gifte beeinflusst werden. So tritt z. B. bei der -Kolchikumvergiftung die Wirkung des Giftes später ein, als bei anderen -Intoxikationen, weil das Kolchizin ein sehr schwer resorbierbares -Alkaloid ist.</p> - -<p>6. Die <b>Tiergattung</b>. Eine Reihe von Giften wird in ihrer Wirkung -wesentlich modifiziert durch die Tiergattung. Zunächst zeigen im -Vergleich zum <em class="gesperrt">Menschen</em> die Haustiere mehreren Giften<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> gegenüber -ein ganz verschiedenes Verhalten. Während für den Menschen wegen -seines hoch entwickelten Gehirns und Nervensystems viele Nervenmittel, -namentlich die Alkaloide Morphium, Atropin, Hyoszin und Koniin sehr -starke Gifte sind, erweist sich deren Giftigkeit bei den Tieren als -eine ganz erheblich schwächere. Beispielsweise ertragen Hunde und -Pferde pro Kilogramm Körpergewicht 10mal mehr, Tauben 500mal mehr -und Frösche sogar 1000mal mehr Morphium als der Mensch. Während beim -Menschen schon 5 mg Atropin eine schwere Vergiftung bedingen können, -bleiben Hunde und Kaninchen nach Dosen von 500 mg, also nach der -hundertfachen Dosis, am Leben.</p> - -<p>Unter den einzelnen Tiergattungen selbst machen sich ebenfalls -bedeutende Unterschiede im Verhalten gewissen Giften gegenüber geltend. -So sind für Pflanzenfresser, besonders aber für die <em class="gesperrt">Wiederkäuer</em> -(Rind, Schaf und Ziege) die <em class="gesperrt">Metallsalze</em> viel stärkere Gifte, -als für die Fleischfresser und Omnivoren (Hund, Katze, Schwein). -Wahrscheinlich ist die Erklärung dieser Tatsache in dem Umstande zu -suchen, dass bei der eigentümlichen Einrichtung des Verdauungsapparates -der Pflanzenfresser, namentlich der Wiederkäuer, die eingeführten -Metallgifte viel längere Zeit (mehrere Wochen) im Magendarmkanal -verbleiben und daher ausgiebiger zur Resorption gelangen als bei den -Fleischfressern, bei welchen der Inhalt des Verdauungsschlauches nur -etwa einen Tag in demselben verweilt. So ist z. B. die tödliche Dosis -des Kalomels für das Rind nicht wesentlich höher als für das Schwein -(10 g), Ochsen sterben nach der Einreibung einer Gewichtsmenge grauer -Salbe, welche von Hunden ohne Schaden ertragen wird (30 g). Ebenso -empfindlich wie gegen Quecksilber sind die Wiederkäuer gegen Blei. -Während die tödliche Dosis des Bleizuckers für das Pferd zwischen 500 -und 700 g beträgt, sind für ein gleich schweres Rind zuweilen schon -50 g tödlich. Aehnliches beobachtet man bezüglich der Kupfersalze. -Umgekehrt sind die Wiederkäuer viel weniger empfindlich bezw. bis -zu einem gewissen Grade unempfindlich gegenüber der stomachikalen -Einverleibung der <em class="gesperrt">Digitalisblätter</em>, weil die Digitalisglykoside -in den Vormägen zersetzt und unwirksam gemacht werden (bei intravenöser -Einverleibung besteht kein Unterschied!). Während z. B. Pferde nach -der innerlichen Verabreichung einer einmaligen Dosis von 25–30 g -getrockneter Digitalisblätter an Digitalisvergiftung sterben, ertragen -Kühe diese Dosis 4 Tage hintereinander, zusammen also 120 g Folia -Digitalis, ohne überhaupt<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> darauf zu reagieren (20 g Digitalisblätter -im Infus intravenös eingespritzt wirken dagegen auch beim Rind -tödlich). Weitere Beispiele sind das ausserordentlich verschiedene -Verhalten der einzelnen Tiergattungen gegenüber dem <em class="gesperrt">Chloroform</em>, -welches namentlich für die Wiederkäuer ein gefährliches Narkotikum -bildet, die starke Giftigkeit des Krotonöls und Brechweinsteins -für Pferde im Gegensatz zum Hund, die grosse Empfindlichkeit der -Katzen gegenüber der Karbolsäure und ihre geringe Empfindlichkeit -gegenüber dem Apomorphin, von welchem sie als Emetikum eine 10mal -grössere Dosis bedürfen, als grosse Hunde (während beim Schwein gar -kein Erbrechen dadurch hervorgebracht werden kann); die relativ -geringe Empfindlichkeit der Kaninchen gegen Belladonna und der Hühner -gegenüber der Brechnuss; die Empfindlichkeit der Vögel gegen Aether; -die Unempfindlichkeit des Igels gegen Kanthariden, Giftschlangen und -Giftpflanzen, der Frösche gegen Kurare, sowie der Insekten gegen -Muskarin, Kohlenoxyd und andere Gifte.</p> - -<p>7. Die <b>Grösse</b> und das <b>Alter</b> der <b>Tiere</b>. Im -allgemeinen ist die Giftwirkung einer und derselben Dosis um so -schwächer, je grösser die betreffenden Tiere sind. Setzt man -die grösseren Haustiere, Pferd und Rind = 1–2, so ergeben sich -als entsprechende Verhältniszahlen für Schafe, Ziegen und für -Schweine = ½-⅕, für Hunde (und Menschen) = <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub>, für Katzen -und Geflügel = <sup>1</sup>⁄<sub>20</sub>. Ebenso nimmt im allgemeinen mit dem Alter die -Widerstandsfähigkeit gegen Gifte zu, das höchste Alter ausgeschlossen. -Ist z. B. die tödliche Dosis eines Giftes für ein ausgewachsenes -6jähriges Pferd = 1, so beträgt sie für ein einjähriges = ½, für -ein halbjähriges = ¼, für ein vierteljähriges = ⅛, für ein einen -Monat altes = <sup>1</sup>⁄<sub>16</sub> usw. Ausnahmen kommen auch von dieser Regel vor; so -ertragen junge Hunde grössere Kalomeldosen als erwachsene. Junge Hunde -(Säuglinge) sind jedoch dem Santonin gegenüber 100mal empfindlicher als -erwachsene Hunde.</p> - -<p>8. Von sonstigen, die Giftwirkung beeinflussenden Momenten sind zu -erwähnen das <b>Geschlecht</b> (Kühe ertragen häufig grössere Giftdosen -als Ochsen, weil durch die Milch das Gift zum Teil aus dem Körper -entfernt wird; vergl. die Schlempevergiftung), die <b>Konstitution</b> -(kräftige, schwache) sowie eine bei manchen Tieren vorhandene -<em class="gesperrt">individuelle Empfindlichkeit</em> oder <b>Idiosynkrasie</b>. Die -letztere besteht darin, dass manche Individuen gegen gewisse (giftige -oder ungiftige) Stoffe auffallend überempfindlich sind, wie z. B. -einzelne Pferde und Rinder gegen Chloroform, Morphium,<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> Eserin, -Arekolin und Pilokarpin oder manche Hunde gegen Kalomel, Filixextrakt -und Arekanuss.</p> - -<p>Eine <em class="gesperrt">Angewöhnung</em> an Gifte als modifizierender Faktor der -Giftwirkung, wie sie beim Menschen beobachtet wird (Morphium, Alkohol, -Nikotin, Koffein, Kokain, Chloralhydrat, Arsenik, Rizinusöl) kommt -bei den Haustieren seltener vor (Arsenik, Santonin, Morphin, Rizin). -Das Zustandekommen der Angewöhnung ist dunkel (gesteigerte Fähigkeit -der Zersetzung? Bildung von Antikörpern? Zelluläre Immunität?). -Manche Tiere scheinen ferner gewissen Giften gegenüber, ähnlich wie -bei Seuchen, eine individuelle <em class="gesperrt">Immunität</em> zu besitzen (Rade, -Schimmelpilze, Rostpilze, Brandpilze, Saponinsubstanzen).</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">kumulative</em> Wirkung einzelner Gifte (Strychnin, Digitalis), -d. h. die Tatsache der Summierung der Effekte mehrerer Einzeldosen -erklärt sich teils aus der langsamen Ausscheidung dieser Gifte aus dem -Körper, teils aus dem langsamen Abklingen der Wirkung der einzelnen -Dosen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Die Gewöhnung an Gifte.</b> Höhere Organismen (Menschen, -Tiere) können sich ebenso an einzelne Gifte gewöhnen („giftfest“ -oder „immun“ werden), wie niedrige, einzellige Organismen (Hefe, -Bakterien, Protozoen). Von der <em class="gesperrt">Hefe</em> ist bekannt, dass -sie sich besonders an Flusssäure und Fluoride, ausserdem an -Formaldehyd, Kupfersalze und Alkohol gewöhnt. Das sog. Effrontsche -Flusssäureverfahren steigert sogar die Gärkraft der Hefe aufs -zehnfache und hält andere schädliche Bakterien ab; dabei beruht -die Gewöhnung an das Fluor auf der Umwandlung des in die Zellen -eindringenden löslichen Fluorammoniums in unlösliches Fluorkalzium. -<em class="gesperrt">Bakterien</em> gewöhnen sich an Borsäure, Karbolsäure, Sublimat, -Arsenik, Lithiumsalze usw. Pathogene Bakterien werden sogar -widerstandsfähiger durch Sublimat, Milzbrandbazillen passen sich -an Arseniklösungen an. Dasselbe gilt für <em class="gesperrt">Schimmelpilze</em>, -namentlich für Penicillium glaucum, welche sich überhaupt leicht -an Metallsalze (Kupfer, Quecksilber, Nickel, Kobalt), ausserdem an -Chinin, Morphin, Kokain, Atropin, Alkohol, Pyrogallussäure usw. -gewöhnen. Unter den <em class="gesperrt">Protozoen</em> gewöhnen sich namentlich die -<em class="gesperrt">Trypanosomen</em> bald an Arsenpräparate, speziell an Atoxyl -(atoxylfeste Stämme), ferner an Fuchsin, Trypanrot und Trypanblau; -andere Protozoen gewöhnen sich an Chinin, Sublimat und konzentrierte -Kochsalzlösungen.</p> - -<p>Von den höhern Organismen gewöhnen sich <em class="gesperrt">Menschen</em> im -allgemeinen leichter und häufiger an Gifte als <em class="gesperrt">Tiere</em>. Diese -Gewöhnungen stellen indessen zum Teil chronische Vergiftungen -dar, indem sie mehr oder weniger erhebliche Störungen des -Allgemeinbefindens bedingen. Am bekanntesten ist die Gewöhnung an das -<em class="gesperrt">Morphium</em>. Während jedoch der Mensch sich an die 25fache Dosis -gewöhnen kann, liessen sich Versuchshunde nur an die 3fache tödliche -Menge gewöhnen (Faust, Arch. f. exp. Path. 1900); die Ursache der -Gewöhnung scheint auf einer Zerstörung oder Zersetzung des Morphins -durch die an dieses Gift gewöhnten Individuen zu beruhen. Die beim -Menschen so häufige Gewöhnung an <em class="gesperrt">Alkohol</em><span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> ist bei Tieren, -speziell bei Hunden, Schweinen und Kaninchen bisher nicht gelungen -(negative Versuche von Dahlström, Strassmann, Dujardin-Beaumé u. a.). -Dagegen gewöhnen sich Menschen und Tiere an <em class="gesperrt">Arsenik</em>. -Aehnlich wie bei den steiermärkischen Arsenikessern liessen sich -Hunde an grosse Dosen Arsenik, bis zu 0,4 g pro Kilo, gewöhnen, -jedoch nur bei innerlicher Verabreichung; bei subkutaner Injektion -waren die arsenikfesten Hunde ebenso empfindlich gegen das Gift -wie die an Arsenik nicht gewöhnten (Hausmann, Cloëtta). Ueber die -Gewöhnung an <em class="gesperrt">Rizin</em> („Rizinfestigkeit“) vergleiche das Kapitel -Rizinusvergiftung. — Genaueres über die Gewöhnung an Gifte findet -sich bei <em class="gesperrt">Hausmann</em>, Ergebnisse der Physiologie, VI. Jahrgang, -1907.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Allgemeines_ueber_Wirkungsweise">Allgemeines über Wirkungsweise und -Schicksale der Gifte im Tierkörper.</h3> - -</div> - -<p>Man unterscheidet herkömmlicherweise zwischen örtlicher Giftwirkung -und Fernwirkung der Gifte. Die <em class="gesperrt">örtliche</em> Giftwirkung besteht -in Rötung, Schwellung, Entzündung, Verätzung, Anästhesierung der -Haut, Schleimhäute und Wunden. Eine grössere Anzahl von Giften -besitzt nur eine solche Lokalwirkung, so namentlich die einfachen -Akria und die Aetzmittel. Die reizende Wirkung der Akria wird durch -die Einwirkung auf die Nerven und Gefässe (Hyperämie, Entzündung, -Blasen-, Pustel-, Eiterbildung), die Aetzwirkung durch Ertötung -der Gewebe bedingt (Eiweissgerinnung durch Säuren und Metallsalze, -Auflösung des organisierten Eiweisses durch Laugen, Wasserentziehung -durch gebrannten Kalk und Schwefelsäure, Wasserstoffentziehung -durch Chlor). Dabei wird der Unterschied zwischen der reizenden -und ätzenden Wirkung häufig nur durch die Konzentration der Lösung -bedingt, indem bei gewissen Konzentrationsgraden keine Nekrose mehr -entsteht, sondern eine reparable entzündliche Reaktion. Auch im -bakterienfreien, sterilisierten Zustand erzeugen die Akria, unter -die Haut gespritzt, Eiterung ohne Mitbeteiligung von Eiterbakterien -(Versuche mit Krotonöl). Die <em class="gesperrt">Fernwirkung</em> der Gifte wird nicht -durch die Nervenleitung, sondern durch das Blut vermittelt, durch -welches dieselben in die einzelnen Körperorgane übergeführt werden. -Danach beginnt die Fernwirkung (Allgemeinwirkung) mit dem Uebergang -der Gifte ins Blut. Sie besteht in einer Einwirkung der Gifte auf die -Parenchymzellen der einzelnen Organe, also der Ganglienzellen des -Gehirns, der sezernierenden Leber-, Nieren-, Drüsenzellen, und kann -daher in gewisser Beziehung ebenfalls als Lokalwirkung aufgefasst -werden.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die <em class="gesperrt">elementare Giftwirkung</em>, d. h. die Reaktion zwischen -chemischem Stoff und lebendem Protoplasma besteht entweder in einer -gegenseitigen chemischen Bindung mit Schädigung und Zerstörung des -Protoplasmas oder im osmotischen Eindringen des Giftes in die Zellen -ohne chemische Veränderung der letzteren. Das schnelle Eindringen -mancher chemisch indifferenter Stoffe (Alkohol, Aether) in das -Protoplasma wird auf das Vorhandensein fettähnlicher Bestandteile -(Lipoide) im Protoplasma zurückgeführt, welche die Aufnahmefähigkeit -der Zellen für Alkohol etc. bedingen (Overton). Dabei verhalten -sich die verschiedenen Arten von Protoplasma gegen ein und dasselbe -chemische Agens verschieden (<em class="gesperrt">spezifische Affinitäten</em>). Das -Strychnin z. B. besitzt eine spezifische Affinität zum Rückenmark, -das Morphium und Atropin zum Gehirn, das Kohlenoxyd zum Hämoglobin. -Die Giftreaktion äussert sich dabei entweder in einer Steigerung oder -in einer Verminderung der Zellfunktion.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Resorption</em> der Gifte ins Blut kann vom Darmkanal, von der -Haut und von der Lunge aus folgen. Die Resorption im <em class="gesperrt">Darmkanal</em> -geschieht teils aktiv durch die intra- und interepitheliale -Resorption und durch die Leukozyten (lipoidunlösliche Stoffe: -Salze, Metalle, Proteine), teils durch passives Passieren der -Epithelien (lipoidlösliche Stoffe: Alkohol usw.). Von der entzündlich -veränderten, also beschädigten Darmschleimhaut aus erfolgt die -Resorption besonders schnell (Giftigkeit des sonst unschädlichen -Saponins und Wismuts, Giftwirkung normaler Brechweinsteindosen bei -gleichzeitiger Verabreichung von Aloe). Die unverletzte <em class="gesperrt">Haut</em> -besitzt ein sehr geringes Resorptionsvermögen für Gifte, indem das -Fett der Talgdrüsen und die verhornten Epidermiszellen wässerige -Lösungen abhalten (nach Beseitigung des Fetts durch Aetherwaschung -findet eine geringe Resorption wasserlöslicher Stoffe statt). Die -bisher angenommene Durchlässigkeit der intakten Haut für Gase wird -neuerdings bestritten (die Haut der einzelnen Versuchstiere scheint -sich verschieden zu verhalten). Eine sehr intensive Resorption findet -dagegen nach Entfernung der Epidermis statt. In der <em class="gesperrt">Lunge</em> -werden Gase und Dämpfe durch die feuchten Alveolarepithelien und die -Gefässendothelien rasch resorbiert (Chloroform). Nach der Aufnahme -der Gifte ins <em class="gesperrt">Blut</em> erfolgt sofort die innere Absorption von -seiten der Gewebe (ein wenige Minuten danach vorgenommener Aderlass -vermag die tödliche Vergiftung wegen der bereits erfolgten Fixierung -des Giftes in den Geweben nicht mehr aufzuhalten).</p> -</div> - -<p>Die Schicksale, d. h. die <em class="gesperrt">chemischen Veränderungen</em>, welche die -Gifte im allgemeinen bei ihrer Wanderung durch den Tierkörper erfahren, -sind sehr mannigfaltiger Art. Nur wenige derselben passieren den Körper -in unverändertem Zustande (Kochsalz, Glaubersalz). Zum grossen Teil -beruht die toxische Wirkung eben auf diesen chemischen Umsetzungen. Im -Nachstehenden sind die wichtigsten derselben kurz zusammengestellt.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Veränderungen der Gifte im Digestionsapparate.</em> Bei einzelnen -giftigen Glykosiden findet bereits in der Mundhöhle unter der -Einwirkung des <em class="gesperrt">Speichels</em> eine Zersetzung statt (Amygdalin). -Wichtiger sind die im <em class="gesperrt">Magen</em> durch die Einwirkung des<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> -Magensaftes und des Mageninhaltes bedingten Umsetzungen. Die Salzsäure -des Magens macht z. B. die im Zyankalium enthaltene Blausäure frei -nach der Formel: CNK + ClH = CNH + ClK; sie verwandelt ferner manche -an sich unlösliche Metalle (Blei) zu löslichen Chloriden (Chlorblei). -Aehnlich wirkt die im Magen vorhandene Milchsäure. Der Mageninhalt -wirkt teils durch seine Menge, teils durch einzelne seiner Bestandteile -modifizierend auf die Gifte ein. In ersterer Beziehung gilt der -schon erwähnte Satz, <em class="gesperrt">dass die meisten Gifte bei vollem Magen (und -daher namentlich bei den Wiederkäuern) weniger stark wirken, als -bei leerem oder wenig gefülltem</em>. Die Erklärung hierfür ist in -der starken Verdünnung, verminderten oder verlangsamten Resorption, -sowie in der teilweisen Zersetzung der Gifte durch den Mageninhalt -(z. B. des Brechweinsteins durch das in vielen Futterpflanzen -enthaltene Tannin) zu suchen. Von den Bestandteilen des Mageninhalts -befördern die Albuminate die Resorption vieler Metalle (Quecksilber, -Blei, Zink, Kupfer, Chrom), indem sie dieselben in Metallalbuminate -überführen. Auch der Kochsalzgehalt des Mageninhaltes kommt in -Betracht, indem z. B. Sublimat sich in die leichter resorbierbare -Sublimat-Chlornatriumverbindung umwandelt. Im <em class="gesperrt">Darmkanal</em> bedingen -der alkalische Pankreassaft und die Galle, sowie die im Dickdarm -eintretenden Fäulnisprozesse (Entwicklung von Wasserstoff in Statu -nascente) verschiedenartige chemische Umsetzungen. So wird unter -der Einwirkung des alkalisch reagierenden Dünndarmsaftes die schwer -lösliche arsenige Säure (Arsenik, As<sub>2</sub>O<sub>3</sub>) zu leicht resorbierbarem -arsenigsaurem Kali (AsK<sub>3</sub>O<sub>3</sub>) umgesetzt; das unlösliche und daher -an sich wenig giftige Santonin verwandelt sich in leicht lösliches -santoninsaures Natrium und Kalium. Die Galle befördert die Löslichkeit -giftiger Oele und Harze, indem sie dieselben verseift (Krotonöl, -Rizinusöl, Aloe, Jalapen). Der im Dickdarm gebildete Wasserstoff führt -den Schwefel in Schwefelwasserstoff, den Phosphor und Arsenik in -Phosphor- und Arsenwasserstoff über. Endlich findet bei vorhandenem -Fettgehalt der Nahrung im Darmkanal eine Auflösung mancher Gifte durch -das Fett und infolgedessen leichtere Resorption derselben statt; -hierher gehören namentlich der Phosphor und das in den Kanthariden -enthaltene Kantharidin.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Veränderung der Gifte im Blute und in den Geweben.</em> Beim -Uebergang der Gifte ins Blut finden die wichtigsten Veränderungen -der Gifte statt. Es sind zunächst einfache <em class="gesperrt">chemische<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> -Bindungen</em>, welche manche Gifte eingehen; so verbindet sich die -Oxalsäure in den Nieren mit Kalk zu oxalsaurem Kalk, der Arsenik -mit Kalium oder Natrium zu arsenigsaurem Kalium und Natrium, das -Chlor, Brom und Jod ebenfalls mit diesen Alkalien zu Chlorkalium, -Bromkalium, Jodkalium; das Kohlenoxyd verbindet sich mit dem -Hämoglobin. Von <em class="gesperrt">Synthesen</em> sind zu erwähnen die namentlich in -der Niere vor sich gehenden Aetherschwefelsäure-, Glykuronsäure- -und Uraminosäure-Synthesen. Hierher gehört die Bildung von -Sulfonverbindungen (Umwandlung der Karbolsäure und der Kresole zu -phenolsulfonsaurem und kresolsulfonsaurem Kali), von gepaarten -Glykuronsäuren (Umwandlung des Chloralhydrats in Urochloralsäure, des -Kampfers in Kamphoglykuronsäure), sowie von Uraminosäureverbindungen -(Umwandlung der Salizylsäure in Salizylursäure, der Benzoesäure in -Hippursäure). Sehr zahlreich sind ferner <em class="gesperrt">Oxydationen</em> der -Gifte im Blut und in den Geweben. So wird Phosphor zu Phosphorsäure, -Schwefel zu Schwefelsäure, Blei zu Bleioxyd, Alkohol, Aldehyd und -Essigsäure zu Kohlensäure und Wasser, Benzol zu Phenol, Naphthalin -zu Naphthol, Karbolsäure zu Brenzkatechin und Hydrochinon oxydiert. -Daneben kommen unter der Einwirkung der Muskel- und Drüsentätigkeit -im Körper <em class="gesperrt">Reduktionen</em> vor. Namentlich alle an Sauerstoff sehr -reichen Salze (chlorsaures Kali, Nitrate, Chromsäure) werden zu -niedrigen Oxydationsstufen reduziert. Desgleichen beobachtet man bei -einer grösseren Anzahl von Giften im Blute sowie in den Muskeln und -in der Leber <em class="gesperrt">Spaltungen</em> und Zersetzungen. Dieselben betreffen -hauptsächlich die Alkaloide und Glykoside (Eserin, Pilokarpin, -Morphium, Koffein, Amygdalin). Endlich findet man bei einer nicht -geringen Anzahl von Giften <em class="gesperrt">Assimilationen</em> von seiten des -Tierkörpers. So ist es beispielsweise bekannt, dass im Knochen die -Phosphorsäure (phosphorsaurer Kalk) durch arsenige Säure (arsenigsaurer -Kalk) ersetzt werden kann. Hierher gehört auch die <em class="gesperrt">Ablagerung</em> -(Deposition) der Metalle in verschiedenen inneren Organen, namentlich -des Quecksilbers in der Leber (Organdepositorium), wo sie in Form von -Metallalbuminaten gewissermassen assimiliert werden (Bindung an die -Nukleoalbumine und Nukleine).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Verhalten der Gifte bei der Ausscheidung aus dem Körper.</em> Die -wichtigsten Ausscheidungsorgane des Körpers sind die <em class="gesperrt">Nieren</em> -und die <em class="gesperrt">Leber</em>. Durch die <em class="gesperrt">Nieren</em> werden namentlich die -Salze der Halogene (Jodkalium, Bromkalium) in so kurzer Zeit aus dem -Körper ausgeschieden, dass die Hauptmenge<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> innerhalb 24 Stunden mit -dem Harn aus dem Körper entfernt wird. Viel langsamer werden die Salze -der Schwermetalle durch die Nieren ausgeschieden (Wochen, Monate). -Wegen ihrer Beteiligung an der Ausscheidung der Gifte sind die Nieren -und die Leber bei sehr vielen Vergiftungen in erster Linie gefährdet, -wie die schweren Nierenaffektionen bei Kanthariden-, Terpentinöl-, -Kolchikum-, Quecksilbervergiftung, sowie die krankhaften Entartungen -der Leberzellen bei Phosphor- und Arsenikvergiftung beweisen. Für die -gasförmigen und flüchtigen Gifte (Chloroform, Alkohol, Kohlenoxyd, -Grubengas) sind die <em class="gesperrt">Lungen</em> das Hauptausscheidungsorgan. Neben -diesen Drüsen wirken jedoch noch andere, nicht minder wichtige, bei -der Ausscheidung der Gifte mit. Es sind namentlich die <em class="gesperrt">Magen-</em> -und <em class="gesperrt">Darmdrüsen</em> zu erwähnen. Dieselben besitzen speziell für die -Eliminierung des Morphiums (Magen), Phosphors, Arseniks, Quecksilbers, -überhaupt der Schwermetalle eine viel grössere Bedeutung als die -Nieren und erkranken deshalb sehr häufig im Verlauf der Vergiftung -(sog. Gastro-Enteritis glandularis oder Adenitis parenchymatosa). -Weiter beteiligen sich an der Ausscheidung von Giften die <em class="gesperrt">Talg-</em> -und <em class="gesperrt">Schweissdrüsen</em> der Haut, welche ebenfalls bei dieser -Tätigkeit schwere Beschädigungen erleiden können (Hautexantheme -bei Merkurialismus, Bromvergiftung, Jodvergiftung, Schlempemauke), -die <em class="gesperrt">Speicheldrüsen</em> (Salivation bei Quecksilbervergiftung), -die <em class="gesperrt">Schleimdrüsen</em> der Respirationsschleimhaut (Bronchitis, -Laryngitis, Rhinitis bei Quecksilber- und Jodvergiftung), die -<em class="gesperrt">Tränendrüse</em> und, was namentlich für das Rind von grosser -Bedeutung ist, die <em class="gesperrt">Milchdrüse</em>. Die gesteigerte Funktion dieser -letzteren Drüse bedingt es, dass Milchkühe manchen Vergiftungen -gegenüber widerstandsfähiger sind als andere Tiere (Schlempemauke), -weil durch die Milch das eingedrungene Gift rasch und in reichlicher -Menge aus dem Körper entfernt wird. Auf der anderen Seite können die -milchsezernierenden Drüsenzellen durch manche Gifte (Phosphor, Jod) -so stark bei der Ausscheidung derselben betroffen werden, dass eine -Atrophie der Milchdrüsen mit dauerndem Versiegen der Milch die Folge -ist.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Frage der <b>Geniessbarkeit des Fleisches vergifteter Tiere</b> -ist auf Grund zahlreicher experimenteller Untersuchungen und -praktischer Beobachtungen zu <em class="gesperrt">bejahen</em>. Die von <em class="gesperrt">mir</em> -und <em class="gesperrt">Knudsen</em> (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde I. u. II. -Bd.) mit den giftigsten Alkaloiden Strychnin, Eserin, Pilokarpin -und Veratrin bei Hammeln und Kaninchen angestellten Versuche haben -gezeigt, <em class="gesperrt">dass das Fleisch der vergifteten Tiere entweder gar -kein Gift oder nur so minimale Spuren<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> enthält, dass es durchaus -unschädlich ist</em> (<em class="gesperrt">Selbstversuche</em>, <em class="gesperrt">Versuchstiere</em>). -Diese Tatsache erklärt sich einerseits aus <em class="gesperrt">der reduzierenden -Einwirkung der Muskeltätigkeit und des Blutes</em> auf die Alkaloide, -andererseits aus der Entgiftung des Körpers durch zahlreiche -Sekretionsorgane (Nieren, Leber, Darmdrüsen, Milchdrüse). Zu -demselben Ergebnis ist bezüglich des Strychnins <em class="gesperrt">Schneider</em> -gelangt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde XI. Bd.); danach wurden -je 5 Gänse und Enten, ferner 6 Hühner und 8 Tauben mit Strychnin -vergiftet und sämtliche an Strychninvergiftung gestorbenen Tiere ohne -Schaden verzehrt (Selbstversuche). Aehnliche Beobachtungen haben -bezüglich Strychnin, Eserin und Apomorphin <em class="gesperrt">Feser</em>, bezüglich -Arsenik <em class="gesperrt">Sonnenschein</em>, <em class="gesperrt">Spallanzani</em> und <em class="gesperrt">Zappa</em>, -bezüglich Oleandrin <em class="gesperrt">Veronesi</em> (Selbstversuche), bezüglich -Brechweinstein <em class="gesperrt">Harms</em>, bezüglich Blei <em class="gesperrt">Albrecht</em>, -<em class="gesperrt">Laho</em> und <em class="gesperrt">Mosselmann</em> veröffentlicht. Die letzteren -(Brüsseler Annalen 1893) vergifteten einen jungen Stier mit -Bleifarbe; bei dem am 6. Tage gestorbenen Tier wurde in <em class="gesperrt">den -Muskeln überhaupt kein Blei gefunden</em>. Hunde, welche wochenlang -mit dem Fleisch des Stieres gefüttert wurden, zeigten nicht die -geringsten Störungen des Allgemeinbefindens. Ueber weitere Fälle -von Unschädlichkeit des Fleischgenusses vergifteter Tiere berichtet -<em class="gesperrt">Ostertag</em> (Handbuch der Fleischbeschau).</p> - -<p>Anders liegen die Verhältnisse bezüglich der <em class="gesperrt">Leber</em>, der -<em class="gesperrt">Nieren</em>, des <em class="gesperrt">Magens</em> und <em class="gesperrt">Darmes</em>, sowie des -<em class="gesperrt">Euters</em> bezw. der <em class="gesperrt">Milch</em>. In den genannten Drüsen -und Organen findet eine Ausscheidung der Gifte aus dem Blute -statt; dieselben sind daher mehr oder weniger gifthaltig und ihr -Genuss unter Umständen <em class="gesperrt">gesundheitsschädlich</em>. Dies gilt -insbesondere für den Darmkanal, die Nieren und das Euter. Die Leber -ist namentlich für metallische Gifte ein Depositorium, während die -Alkaloide in der Leber, ähnlich wie im Fleisch, zersetzt werden -(<em class="gesperrt">Schiff</em>, <em class="gesperrt">Roger</em>, eigene Beobachtungen). Das Euter und -die Milch sind von den genannten Exkretionsorganen am giftreichsten. -Dies wird auch durch die tierärztliche Erfahrung bewiesen, wonach -mehrfach <em class="gesperrt">Erkrankungen durch die Aufnahme der</em> <b>Milch</b> -<em class="gesperrt">vergifteter Tiere</em> beobachtet worden sind. So erkrankten -Saugkälber und Fohlen nach der Verabreichung von Arsenik an die -Mutterkühe bezw. Mutterstuten (<em class="gesperrt">Spinola</em>, <em class="gesperrt">Huxel</em>), Lämmer -und Hunde nach der Aufnahme der Milch einer mit Brechweinstein -behandelten Kuh (<em class="gesperrt">Harms</em>), Saugkälber nach der Verfütterung von -radehaltigem Mehl an die Muttertiere (<em class="gesperrt">Tabourin</em>), desgleichen -nach Verfütterung von Rizinuskuchen (<em class="gesperrt">Bollinger</em>). Die Milch von -Kühen, welche Kolchikum aufgenommen hatten, zeigte sich auch dann -giftig, wenn die Kühe keine auffallenden Krankheitserscheinungen -aufwiesen (<em class="gesperrt">Ungar. Vet.-Ber.</em> 1900). In der Milch von Kühen, -die mit alkoholhaltiger Schlempe gefüttert worden waren, wiesen -<em class="gesperrt">Weller</em> und <em class="gesperrt">Teichert</em> bis zu 1 Proz. Alkohol nach. -<em class="gesperrt">Klingemann</em> fand nach Verabreichung von 100–200 g Alkohol -bei Kühen, dass 0,5 g davon durch die Milch ausgeschieden wurden. -Aehnliche Vergiftungsfälle sind beim Menschen nach dem Genusse der -Milch von Tieren beobachtet worden, welche Giftpflanzen und andere -Gifte aufgenommen hatten (vgl. <em class="gesperrt">Fröhner</em>, Ueber die Bedeutung -der Milchmittel, Monatshefte für prakt. Tierheilkunde II. Bd.). -Dagegen ist bei der <em class="gesperrt">therapeutischen</em> innerlichen Verabreichung -des Bleis und Kupfers, sowie bei der fortgesetzten Einwirkung kleiner -Dosen der Blei- bezw. Kupfergehalt der Milch so gering, dass eine -gesundheitsschädliche Wirkung nicht möglich ist (<em class="gesperrt">Baum</em> und -<em class="gesperrt">Seliger</em>, Berl. Arch. 1895 u. 1896). <em class="gesperrt">Storch</em> (B. T. W. -1902), sah trotz lange fortgesetzter medikamenteller Dosen von<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> -Chloralhydrat bei Kühen (50,0) und Schafen (8–15,0) keine schädigende -Wirkung auf die säugenden Jungen oder Versuchstiere, nicht einmal -der Chlorgehalt der Milch stieg nach der intravenösen Injektion von -Chloralhydrat. Nach <em class="gesperrt">van Itallie</em> (Holl. Vet.-Zeit. 1904) sollen -von Arzneimitteln überhaupt nicht in die Milch übergehen: Morphium, -Eserin, Pilokarpin, Jod, Salizylsäure und Terpentinöl.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Klinisch_anatomische_Diagnose_der_Vergiftungen">Klinisch-anatomische -Diagnose der Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p>Die durch die Einverleibung von Giften hervorgerufenen -Krankheitserscheinungen und pathologisch-anatomischen Veränderungen -sind im allgemeinen nicht sehr leicht von den gewöhnlichen Krankheiten -zu unterscheiden. Die sichere, zweifelsfreie Beantwortung der Frage, -ob im gegebenen Fall eine Vergiftung vorliegt oder nicht, lässt sich -in der Mehrzahl der Fälle nicht auf klinisch-anatomischem Wege, -sondern nur mit chemisch-physikalischen Hilfsmitteln bewirken. -Sehr häufig bietet aber doch der Krankheitsbefund allein wichtige -Anhaltspunkte dafür, dass eine Vergiftung mutmasslich oder sehr -wahrscheinlich vorliegt, und vereinzelt lässt sich wohl auch eine -solche auf rein klinischem Wege mit Sicherheit nachweisen, wie z. B. -die Strychninvergiftung. Viel weniger Schwierigkeiten sind natürlich -für die Beurteilung derjenigen Vergiftungen vorhanden, bei welchen -die Natur des Giftes im voraus bekannt ist, so namentlich bei den -Arzneivergiftungen.</p> - -<p><b>Klinische Symptome.</b> Die für die klinische Diagnose wichtigsten -Punkte sind kurz zusammengefasst folgende:</p> - -<p>1. Das <em class="gesperrt">plötzliche</em> Auftreten einer schweren Erkrankung <em class="gesperrt">ohne -nachweisbare Ursache</em> (Erkältung, Infektion, Ueberanstrengung) -mit raschem, oft tödlichem Verlauf. Das Auftreten dieser Krankheit -im unmittelbaren Anschluss an die <em class="gesperrt">Futteraufnahme</em>, sowie das -<em class="gesperrt">gleichzeitige</em> Erkranken anderer Tiere ist besonders wichtig -(Anamnese).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Gastrische Erscheinungen</em>: Appetitlosigkeit, gestörte -Rumination, <em class="gesperrt">Speicheln</em> (Merkurialismus, Pilzvergiftung), -<em class="gesperrt">Kaukrämpfe</em> und Zähneknirschen (Blei-, Kochsalz-, -Lakenvergiftung), <em class="gesperrt">Trismus</em> (Strychninvergiftung), Stomatitis -(Aetzgifte, Pilzvergiftung, Quecksilbervergiftung), Trockenheit der -Maulschleimhaut und <em class="gesperrt">Schlinglähmung</em> (Belladonna, Pilzvergiftung), -Würgen und <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Hämatemesis, <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em> -(Acria und Acria-Narcotica), <em class="gesperrt">Verstopfung</em>, <em class="gesperrt">Aufblähen</em>, -Tenesmus, <em class="gesperrt">Durchfall</em>,<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> blutiger, schleimiger, schaumiger, -übelriechender Kot, Aufhören der Milchsekretion, <em class="gesperrt">Ikterus</em> -(Phosphorvergiftung, Lupinose).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Nervöse Erscheinungen</em>: <em class="gesperrt">Depression des Sensoriums</em>, -Benommenheit, Schläfrigkeit, rauschartige Narkose, <em class="gesperrt">Schwindel</em> -(Chloroform, Alkohol, Lolium temulentum), <em class="gesperrt">psychische Erregung</em>, -Unruhe, Schreckhaftigkeit, Aufregung, Tobsucht (Bleivergiftung, -Alkoholvergiftung), <em class="gesperrt">zerebrale Krämpfe</em> (Eklampsia saturnina), -<em class="gesperrt">spinale Krämpfe</em> bezw. <em class="gesperrt">Tetanus</em> (Strychnin, Nikotin), -<em class="gesperrt">Zwangsbewegungen</em> (Extractum Filicis), zerebrale, spinale -und periphere <em class="gesperrt">Lähmungen</em> (Bleilähmung, Taxusvergiftung), -<em class="gesperrt">Schwächezustände</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Kehlkopflähmung</em> -(Kichererbse, Bleivergiftung), <em class="gesperrt">Blasenlähmung</em>, Mastdarmlähmung, -<em class="gesperrt">Amaurosis</em> (Bleivergiftung), Mydriasis, Myosis, Ptosis, Nystagmus -(Lakenvergiftung), Hyperästhesie, <em class="gesperrt">Anästhesie</em>, <em class="gesperrt">Kollaps</em>.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Kardiale Erscheinungen.</em> Dieselben treten namentlich bei den -Herzgiften (Digitalisgruppe) in Form einer Beeinflussung der Frequenz, -Stärke, sowie des Rhythmus der Herztätigkeit auf und äussern sich in -<em class="gesperrt">Verlangsamung</em>, <em class="gesperrt">Beschleunigung</em>, <em class="gesperrt">Unregelmässigkeit</em> -des Herzschlages und Pulses, in <em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, verminderter -Herzkraft, <em class="gesperrt">Schwäche</em> des <em class="gesperrt">Pulses</em>, <em class="gesperrt">Unfühlbarkeit</em> -desselben und schliesslicher <em class="gesperrt">Herzlähmung</em>. Weitere Störungen der -Zirkulationsorgane sind <em class="gesperrt">Zyanose</em>, <em class="gesperrt">Temperaturverminderung</em> -oder <em class="gesperrt">erhöhte Körpertemperatur</em>.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Harnveränderungen.</em> Eine Reihe von Giften erzeugt -charakteristische Veränderungen des Harns. So beobachtet man -<em class="gesperrt">Polyurie</em> (Pilzvergiftung), <em class="gesperrt">Oligurie</em>, <em class="gesperrt">Strangurie</em> -und <em class="gesperrt">Anurie</em> mit Urämie (toxische Nephritis bei -Kantharidenvergiftung), <em class="gesperrt">Hämaturie</em> (Baumwollsamenvergiftung), -<em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em> (Vergiftung durch Kali chloricum, Nitrobenzol, -Bienenstiche), <em class="gesperrt">Braun-</em> und <em class="gesperrt">Grünfärbung</em> (Karbol- und -Teervergiftung), <em class="gesperrt">Glykosurie</em> (Morphium-, Chloroform-, Aether-, -Kohlenoxyd-, Oxalsäurevergiftung).</p> - -<p>Von sonstigen für die Diagnose wichtigen allgemeinen -Krankheitserscheinungen sind zu erwähnen die teils direkt infolge -von Blutveränderungen oder Lähmung der Respirationsorgane teils -indirekt infolge von Herzlähmung eintretende <em class="gesperrt">Dyspnoe</em> -(Blausäurevergiftung), <em class="gesperrt">Exantheme</em> (Quecksilber-, Brom-, -Schlempevergiftung), <em class="gesperrt">Urticaria</em> und <em class="gesperrt">Hautnekrose</em> -(Rostpilze, Kernpilze), <em class="gesperrt">Ernährungsstörungen</em> (chronische Blei-, -Arsenik-, Quecksilberkachexie), <em class="gesperrt">Abortus</em> (Sekale- und andere -Pilzvergiftungen, sowie bei schweren<span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> Vergiftungen überhaupt infolge -Veränderung der Blutverteilung oder Dyspnoe), <em class="gesperrt">Sterilität</em> -(chronische Arsenikvergiftung).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Oertliche Reizerscheinungen</em>, bestehend in Rötung, Schwellung, -Entzündung und <em class="gesperrt">Verätzung</em>. Dieselben sind charakteristisch für -die Akria und lassen sich während des Lebens auf der Haut, sowie -auf der Schleimhaut der Maul- und Rachenhöhle nachweisen. Manche -scharfe Gifte sind durch eine besondere Farbe des <em class="gesperrt">Aetzschorfes</em> -ausgezeichnet, so die Salpetersäure durch einen <em class="gesperrt">gelben</em>, das -Formaldehyd durch einen <em class="gesperrt">braunen</em>, die Salzsäure durch einen -<em class="gesperrt">grauweissen</em>, die Essigsäure durch einen <em class="gesperrt">weissen</em> Schorf.</p> - -<p><b>Anatomische Veränderungen.</b> Ihre Bedeutung für die Diagnose der -Vergiftungen ist beschränkt. Sehr viele Gifte, welche während des -Lebens ausgeprägte klinische Erscheinungen bedingen, so die ganze Reihe -der reinen Narcotica, hinterlassen keinerlei anatomisch erkennbare -Veränderungen im Tierkörper. Das einzig Charakteristische ist daher bei -ihnen der <em class="gesperrt">negative Sektionsbefund</em>. Im Gegensatz hierzu findet -man bei den scharfen und scharfnarkotischen Giften auf der Schleimhaut -des Digestionsapparates die Erscheinungen der <em class="gesperrt">Entzündung</em> -und <em class="gesperrt">Korrosion</em> (Rötung, Schwellung, Hämorrhagien, Erosionen, -Geschwüre, kruppöse, diphtheritische Beläge, Perforation). Ausser -diesen lokalen Veränderungen in den ersten Wegen beobachtet man als -wichtigste Allgemeinveränderungen <em class="gesperrt">Verfettung</em> der <em class="gesperrt">Muskeln</em> -und <em class="gesperrt">Drüsen</em> (Phosphor-, Arsenikvergiftung), <em class="gesperrt">Nephritis</em> und -<em class="gesperrt">Zystitis</em> (Kanthariden, Terpentinöl), <em class="gesperrt">Nierenverkalkung</em> -(Quecksilber, Blei, Kupfer, Wismut, Jod, Jodoform), <em class="gesperrt">akuten -Hydrozephalus</em> und <em class="gesperrt">Hydrorhachis</em>, <em class="gesperrt">Hämorrhagien</em> in -verschiedenen Organen, sowie zuweilen spezifische Veränderungen des -<em class="gesperrt">Blutes</em>: lackfarbige Beschaffenheit (Blutgifte), kirschrote -Farbe (Kohlenoxydvergiftung), hellrote Farbe des Venenblutes -(Blausäurevergiftung). Man hat sich indessen vor Verwechselungen -mit postmortalen gewöhnlichen Veränderungen sehr zu hüten. Die -Erscheinungen der Suffokation (Blutüberfüllung der Lungen und des -Herzens) findet man auch bei Tieren, welche nicht an Vergiftung, -sondern eines gewöhnlichen Todes verstorben sind.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Differentialdiagnose der Vergiftungen.</b> Zahlreiche Krankheiten -können teils wegen ihres <em class="gesperrt">plötzlichen</em> Verlaufs (apoplektiforme -Krankheiten), teils wegen der <em class="gesperrt">gleichzeitigen</em> Erkrankung -mehrerer Tiere (Infektionskrankheiten), teils wegen der auffallenden -<em class="gesperrt">nervösen</em> Symptome (Nervenkrankheiten) mit Vergiftungen -verwechselt werden.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span></p> - -<p>1. <b>Apoplektiforme</b> Krankheiten sind namentlich Ueberhetzung -bei Pferden, Rindern und Schweinen, Hitzschlag, Sonnenstich, -Herz-, Lungen- und Gehirnlähmung, Milzbrandapoplexie, perakut -verlaufender Schweinerotlauf und Schweineseuche (Schweinepest), sowie -Geflügelcholera, perakute Septikämie, Magen- und Darmruptur, sowie -innere Verblutung (Aorta, Leber).</p> - -<p>2. <b>Infektionskrankheiten</b> sind Milzbrand, Rinderpest, -Schweinerotlauf, Maul- und Klauenseuche, Kälberruhr, Pocken -(Pilzvergiftung, Schlempevergiftung, Quecksilbervergiftung), -seuchenhafter Abortus (Mutterkornvergiftung), Tuberkulose, Wut -(Bleivergiftung), Leberegelseuche (Lupinose).</p> - -<p>3. <b>Nervenkrankheiten</b> sind Starrkrampf (Strychninvergiftung), -Eklampsie und Epilepsie (Bleivergiftung), Gehirnentzündung -(Klatschrosenvergiftung), zerebrale und spinale Lähmungen -(Pilzvergiftung, Equisetum- und Loliumvergiftung), Kehlkopflähmung -(Blei-, Kichererbsenvergiftung).</p> - -<p>Endlich können Todesfälle nach <em class="gesperrt">Räudebädern</em> bei Schafen infolge -Aspiration der Badeflüssigkeit und Erstickung, Ueberhitzung oder -Erkältung mit Vergiftungen verwechselt werden (Arsenik-, Tabak-, -Kreolinvergiftung).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Der_chemisch_physikalische_Nachweis_der_Vergiftungen">Der -chemisch-physikalische Nachweis der Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p>Die überwiegende Mehrzahl der Vergiftungen lässt sich -mit wissenschaftlicher Sicherheit nur auf dem Wege der -chemisch-physikalischen Analyse nachweisen. Als Untersuchungsobjekte -dienen in erster Linie der Inhalt des Magens und Darmes, sodann das -Blut, ausserdem die Leber, Nieren, Muskeln und der Harn, alle in -möglichst frischem Zustand. Anorganische Gifte sind, weil sie sich -während der Untersuchung nicht verändern und in ihren Reaktionen besser -studiert sind, wesentlich leichter nachweisbar als die zersetzlichen, -noch sehr wenig charakterisierten organischen Verbindungen, namentlich -die Alkaloide und Glykoside. Der chemische Nachweis der Vergiftungen -beginnt mit einer Vorprüfung, der die eigentliche Analyse folgt.</p> - -<p>1. <b>Die Vorprüfung.</b> Vor der eigentlichen chemischen Untersuchung -sind Vorversuche darüber anzustellen, welche Art oder Klasse von -Giften in dem zu untersuchenden Material etwa vorhanden sein könnte. -So lassen sich schon durch den gewöhnlichen <em class="gesperrt">Gesichtssinn</em> oder -mittels der <em class="gesperrt">Lupe</em> oder des <em class="gesperrt">Mikroskops</em> Jodoform, Kalomel, -Arsenik, roter Präzipitat, Kanthariden, sowie sehr viele Pflanzenteile -(Semen Strychni, Semen Colchici, Folia Digitalis, Folia Belladonnae, -Herba Hyoscyami, Folia Nicotianae) sowie der Phosphor (Leuchten im -Dunkeln) nachweisen. Auch die <em class="gesperrt">Farbe</em> kann bei Pikrinsäure -(gelb), Quecksilberjodid (rot), Kupferoxyd (schwarz), Kalomel (weiss) -usw. auf die Art der Vergiftung<span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span> hinführen. Die <em class="gesperrt">Reaktion</em> lässt -Säuren und saure Salze, sowie Basen erkennen. Durch den <em class="gesperrt">Geruch</em> -lässt sich die Anwesenheit von Blausäure, Phosphor, Karbolsäure, -Kreosot, Jodoform, Chloroform, Kampfer, Terpentinöl, Aether, Alkohol, -Nikotin feststellen; dieser für die einzelnen Gifte charakteristische -Geruch wird namentlich beim Erwärmen des Untersuchungsmaterials -mittels Säuren, am besten bei der Destillation, wahrgenommen. Die -kristalloiden Körper (Metallsalze, alle löslichen Salze, Alkaloide, -Säuren, Alkalien) lassen sich ferner auf dem Wege der <em class="gesperrt">Dialyse</em> -trennen. Metalle (Blei, Quecksilber) können ausserdem durch -<em class="gesperrt">Elektrolyse</em> nachgewiesen werden. Zu diesen Vorproben wird -nach <em class="gesperrt">Dragendorff</em><a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> nur etwa <sup>1</sup>⁄<sub>20</sub> des Untersuchungsmaterials -verwandt. Das übrige wird in 4 Teile geteilt; das erste Viertel wird -der <em class="gesperrt">Destillation</em> unterworfen und auf flüchtige Gifte (Blausäure, -Phosphor, Chloroform, Karbolsäure, Alkohol, Aether) untersucht, das -zweite durch <em class="gesperrt">Ausschütteln</em> auf Alkaloide und sonstige organische -Gifte, das dritte auf schwere Metalle durch <em class="gesperrt">Lösung</em> derselben -nach <em class="gesperrt">vorhergegangener Zerstörung der organischen Substanz</em> und -teilweiser Behandlung mit <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em>, das vierte durch -einfaches <em class="gesperrt">Ausziehen</em> mit <em class="gesperrt">Wasser</em> (Alkalien und Säuren).</p> - -<p>2. <b>Der Nachweis der schweren Metalle.</b> Während die Salze -der Alkalien und die Säuren von dem Untersuchungsmaterial sehr -leicht durch einfaches Ausziehen mit Wasser zu trennen und dann -auf ihre Spezialreaktionen zu untersuchen sind, lassen sich die -schweren Metalle und ihre Salze (<em class="gesperrt">Arsen</em>, <em class="gesperrt">Quecksilber</em>, -<em class="gesperrt">Blei</em>, <em class="gesperrt">Kupfer</em>, <em class="gesperrt">Zink</em>, <em class="gesperrt">Antimon</em>) nicht ohne -weiteres aus dem Körper der vergifteten Tiere extrahieren, weil -sie mit dem Körpereiweiss sogen. metallorganische Verbindungen -(Metallalbuminate) gebildet haben, in welchen die betreffenden -Metalle ihre charakteristischen Reaktionen verloren haben. Die -Metalle müssen daher aus diesen organischen Verbindungen durch ein -vorbereitendes Verfahren zuerst wieder frei gemacht werden. Dieses -<em class="gesperrt">Freimachen</em> der Metalle aus ihren Albuminatverbindungen geschieht -durch <em class="gesperrt">Zerstören</em> der <em class="gesperrt">organischen Substanz</em> mittels -<em class="gesperrt">Chlor</em> oder <em class="gesperrt">Salpeter</em> oder <em class="gesperrt">anorganischen Säuren</em>. -a) Mit <em class="gesperrt">Chlor</em> werden die organischen Beimengungen in der Weise -zerstört, dass man sie mit <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und <em class="gesperrt">chlorsaurem -Kali</em> zusammenbringt, welche zusammen<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> Chlor entwickeln. Die -zerkleinerten Substanzen werden etwa mit demselben Gewichte Salzsäure -versetzt, nötigenfalls mit destilliertem Wasser verdünnt und in einem -geräumigen Glaskolben, welcher damit nur etwa zur Hälfte gefüllt wird, -im Wasserbade erhitzt, nachdem sie einen Zusatz von etwa 2 Proz. -Kali chloricum erhalten haben. Das Dunkelwerden der Flüssigkeit beim -Erwärmen zeigt den Zeitpunkt an, dass das chlorsaure Kali verbraucht -ist und ersetzt werden muss. Man bringt dann vorsichtig, um das -Aufschäumen zu vermeiden, von Zeit zu Zeit etwa ein Gramm chlorsaures -Kali hinzu. Wird nach einem ¼-½stündigen Erhitzen die Flüssigkeit -nicht mehr dunkler, so genügt die Chloreinwirkung und die Zerstörung -ist beendet. Die Flüssigkeit wird sodann in einer Porzellanschale -erwärmt, bis das Chlor entwichen ist, heiss filtriert und der Rückstand -mit heissem destilliertem Wasser ausgewaschen. Im Filtrate sind dann -Arsen als <em class="gesperrt">Arsensäure</em>, Quecksilber als <em class="gesperrt">Sublimat</em>, Blei -als <em class="gesperrt">Bleichlorid</em>, Antimon als <em class="gesperrt">Antimonchlorid</em>, Kupfer als -<em class="gesperrt">Kupferchlorid</em>, Zink als <em class="gesperrt">Chlorzink</em> enthalten. — b) Mit -<em class="gesperrt">Salpeter</em> wird nach vorherigem Erhitzen der Untersuchungsmasse -mit gleichem Gewichte <em class="gesperrt">Salpetersäure</em> und Neutralisieren der -Säure mit Aetzkali oder kohlensaurem Kali die Masse ebenfalls etwa in -gleichem Gewichte versetzt, ausgetrocknet und in kleinen Portionen -im Porzellantiegel <em class="gesperrt">geglüht</em>, wobei neue Portionen erst nach -dem Verpuffen und Weisswerden der vorhergehenden eingefüllt werden. -Der Rückstand wird mit heissem Wasser aufgenommen. Diese Methode, -welche auf einer <em class="gesperrt">Oxydation</em> beruht, ist stärker als die -vorhergehende; sie verwandelt die Metalle in Oxyde resp. Kalisalze: -<em class="gesperrt">arsensaures</em>, <em class="gesperrt">antimonsaures</em>, <em class="gesperrt">chromsaures Kali</em>, -<em class="gesperrt">Bleioxyd</em>, <em class="gesperrt">Kupferoxyd</em> etc. — c) Mit <em class="gesperrt">anorganischen -Säuren</em>: Salzsäure, Königswasser, Schwefelsäure, Salpetersäure, -Schwefelsäure und Salpetersäure etc., zerstört man die organischen -Substanzen durch <em class="gesperrt">Erhitzen</em>.</p> - -<p>Sind die Metalle auf diese Weise frei gemacht und in <em class="gesperrt">Lösung -übergeführt</em>, so werden sie aus der erkalteten, noch freie Salzsäure -enthaltenden klaren Flüssigkeit durch <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> -als Schwefelmetalle (Sulfide) <em class="gesperrt">abgeschieden</em>. Zu diesem Zwecke -leitet man gewaschenen, arsenfreien Schwefelwasserstoff ein, bis -die Flüssigkeit vollständig damit gesättigt ist, lässt dieselbe 24 -Stunden stehen, sättigt noch einmal mit Schwefelwasserstoff, filtriert -den entstandenen <em class="gesperrt">Niederschlag</em> ab und wäscht ihn anfangs<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> mit -gesättigtem Schwefelwasserstoffwasser, dann 2–3mal mit gekochtem -destilliertem Wasser aus.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die einzelnen Metalle geben hierbei folgende Niederschläge:</p> - -<p>I. <em class="gesperrt">Arsen</em> einen <em class="gesperrt">gelben</em>, in Schwefelammonium löslichen, -in Salzsäure unlöslichen Niederschlag von Schwefelarsen.</p> - -<p>II. <em class="gesperrt">Antimon</em> einen <em class="gesperrt">orangegelben</em>, in Schwefelammonium und -in warmer Salzsäure löslichen Niederschlag von Schwefelantimon.</p> - -<p>III. <em class="gesperrt">Quecksilber</em> einen <em class="gesperrt">schwarzen</em>, in Schwefelkalium und -Königswasser leicht, in Schwefelammonium wenig, in Salzsäure schwer -löslichen Niederschlag von Schwefel-Quecksilber.</p> - -<p>IV. <em class="gesperrt">Blei</em> einen <em class="gesperrt">schwarzen</em> (anfangs roten oder -rotbraunen), in Salpetersäure ziemlich leicht löslichen, in -Schwefelalkalien nicht, in konzentrierter Salzsäure schwer löslichen -Niederschlag von Schwefelblei.</p> - -<p>V. <em class="gesperrt">Kupfer</em> einen <em class="gesperrt">schwarzen</em>, in Zyankaliumlösung, -Salpetersäure und in Salzsäure löslichen, in Schwefelammonium und -siedender verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) ziemlich unlöslichen -Niederschlag von Schwefelkupfer.</p> - -<p>Das Filtrat, welches von den obigen Niederschlägen abfiltriert wurde, -enthält noch Zink und Chrom, welche nur aus essigsaurer, resp. -alkalischer Lösung durch Schwefelwasserstoff ausgefällt werden. -Deshalb wird das (salzsaure) Filtrat mit so viel <em class="gesperrt">essigsaurem -Natron</em> versetzt, bis alle freie Salzsäure in Chlornatrium -verwandelt und <em class="gesperrt">Essigsäure</em> frei geworden ist. Hierauf fällt -Schwefelwasserstoff</p> - -<p>VI. <em class="gesperrt">Zink</em> in Form eines weissen Niederschlages von -Schwefelzink, aus, der sich in verdünnter warmer Schwefelsäure -farblos löst. Endlich fällt Schwefelwasserstoff aus dem durch -<em class="gesperrt">Aetzammoniak</em> alkalisch gemachten Filtrate</p> - -<p>VII. <em class="gesperrt">Chrom</em> als grünbläulichen, in Kalilauge löslichen -Niederschlag von Schwefelchrom.</p> -</div> - -<p>3. <em class="gesperrt">Der Nachweis der Alkaloide und Glykoside.</em> Die einzelnen -Alkaloide und Glykoside geben zwar mit einer grossen Anzahl von -Reagentien Niederschläge und Farbenreaktionen, diese letzteren -sind jedoch nicht sehr charakteristisch und kommen häufig mehreren -Alkaloiden gleichzeitig zu. Der Nachweis der Alkaloide wird daher -nicht sowohl auf chemischem, als vielmehr auf physikalischem Wege in -der Weise erbracht, dass man das verschiedene Verhalten der einzelnen -Alkaloide gegen bestimmte Lösungsmittel untersucht (Abscheidungsmethode -der Alkaloide nach <em class="gesperrt">Stas-Otto</em>). Es sollen hier zuerst die -allgemeinen Reagentien der Alkaloide und dann das spezielle -Abscheidungsverfahren besprochen werden.</p> - -<h4>I. Allgemeine Reagentien auf Alkaloide und Glykoside.</h4> - -<p>Die Alkaloide und Glykoside geben mit einer grossen Anzahl von -Körpern <em class="gesperrt">Niederschläge</em>. Von solchen Reagentien sind zu nennen: -<em class="gesperrt">Gerbsäure</em> (bildet mit den meisten Alkaloiden farblose<span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span> oder -gelbliche tanninsaure Salze), <em class="gesperrt">Jod</em>, <em class="gesperrt">Jod-Jodkaliumlösung</em> -und <em class="gesperrt">Jodtinktur</em> (gibt mit den meisten Alkaloiden einen -kermesfarbigen Niederschlag, mit Chinin, Atropin, Nikotin einen -rotbraunen, mit Koffeïn einen schmutzig dunkelbraunen, mit trockenem -Kolchizin bei sehr starker Verdünnung des Reagens eine violette -Farbe, mit Solanin in saurer Lösung dagegen keinen Niederschlag), -<em class="gesperrt">Platinchlorid</em> (gibt 1 : 3000 mit Strychnin sofort einen -gelben, in kalter Salzsäure nicht löslichen Niederschlag, mit -Nikotin einen fast weissen, in Salzsäure löslichen Niederschlag, -mit Morphin und Kolchizin anfangs eine geringe Trübung, nach 24 -Stunden einen kristallinischen Niederschlag, mit Koniin, Digitalin, -Solanin, Atropin, Eserin, Veratrin, Akonitin keinen Niederschlag), -<em class="gesperrt">Goldchlorid</em> (meist gelbliche oder weisse Niederschläge), -<em class="gesperrt">Phosphormolybdänsäure</em> (aus molybdänsaurem Ammoniak in -saurer Lösung durch Mischen mit einer salpetersauren Lösung von -phosphorsaurem Natron dargestellt und den sauren Lösungen der -Alkaloide tropfenweise zugefügt, gibt amorphe weissgelbliche -Niederschläge), <em class="gesperrt">Metawolframsäure</em>, <em class="gesperrt">Phosphorantimonsäure</em>, -<em class="gesperrt">Formalinschwefelsäure</em>, <em class="gesperrt">Sublimat</em>, -<em class="gesperrt">Kalium bichromicum</em>, <em class="gesperrt">Kalium permanganicum</em>, -<em class="gesperrt">Kaliumplatinzyanür</em>, <em class="gesperrt">Kaliumsilberzyanid</em>, -<em class="gesperrt">Kaliumkadmiumjodid</em>, <em class="gesperrt">Kaliumwismutjodid</em>, -<em class="gesperrt">Kaliumquecksilberjodid</em>, <em class="gesperrt">Chlorjod</em>, <em class="gesperrt">Brombromkalium</em>, -<em class="gesperrt">Natriumsulfantimoniat</em> etc.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Weiter geben viele Alkaloide mit gewissen Reagentien eigentümliche -<em class="gesperrt">Färbungen</em>. Die wichtigsten dieser Farbenreaktionen, -<em class="gesperrt">welche übrigens im allgemeinen für den Nachweis der Alkaloide -wenig beweiskräftig sind</em>, weil sie häufig mehreren Alkaloiden -gleichzeitig zukommen, sind folgende: <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> mit Zusatz -von <em class="gesperrt">Kalium bichromicum</em> zur schwefelsauren Lösung des Alkaloids -färbt <em class="gesperrt">Strychnin violettblau</em>, <em class="gesperrt">rot</em> und <em class="gesperrt">grün</em>. -<em class="gesperrt">Reine konzentrierte Schwefelsäure</em> färbt <em class="gesperrt">Veratrin</em> -anfangs grüngelb, später blutrot, nach einer halben Stunde prachtvoll -<em class="gesperrt">karminrot</em>; Strychnin, Koffeïn, Chinin, Morphin, Atropin, -Akonitin bleiben ungefärbt. <em class="gesperrt">Rauchende Salpetersäure</em> färbt -<em class="gesperrt">Pilokarpin</em> blassgrün. <em class="gesperrt">Ammoniak</em> färbt <em class="gesperrt">Eserin</em> beim -Eindampfen im Wasserbade blau oder blaugrau. <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> -mit Zusatz von salpetersaurem <em class="gesperrt">Wismut</em> färbt <em class="gesperrt">Morphium</em> -dunkelbraun. <em class="gesperrt">Konzentrierte Schwefelsäure mit molybdänsaurem -Natron</em> (0,01 pro cm) = <em class="gesperrt">Fröhdes Reagens</em> löst Morphin -sogleich prachtvoll violett; die Farbe wird später grün, braungrün -und gelb. Auch die <em class="gesperrt">spektroskopische</em> Untersuchung benützt -man zuweilen zum Nachweis von Alkaloiden und anderen Giften; das -keine spezifische Farbenreaktion besitzende <em class="gesperrt">Akonitin</em> zeigt -im ultravioletten Teil des Sonnenspektrums charakteristische -Absorptionsstreifen.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span></p> - -<h4>II. Die Stas-Ottosche Abscheidungsmethode der Alkaloide.</h4> - -<p>Dieselbe beruht nicht auf der Bildung von Niederschlägen oder in dem -Auftreten von Farben, sondern auf der <em class="gesperrt">verschiedenen Löslichkeit</em> -der einzelnen Alkaloide in <em class="gesperrt">Alkohol</em> und <em class="gesperrt">Aether</em> etc., -teils bei <em class="gesperrt">saurer</em>, teils bei <em class="gesperrt">alkalischer</em> Reaktion. Es -lässt sich durch diese Methode eine grössere Anzahl von Alkaloiden -aus Gemengen mit anderen Stoffen entweder in reinem Zustande oder -in charakteristischen Gruppen isolieren. Das Verfahren ist im -allgemeinen folgendes: Die Alkaloide bilden mit Säuren, namentlich -mit <em class="gesperrt">Weinsäure</em>, saure Salze, welche in Wasser und meist auch in -<em class="gesperrt">Alkohol</em> löslich sind.</p> - -<p>a) Aus diesen <em class="gesperrt">sauren</em> wässerigen Lösungen nimmt <em class="gesperrt">Aether</em> -nur auf: <em class="gesperrt">Digitalin</em>, <em class="gesperrt">Kolchizin</em>, <em class="gesperrt">Kantharidin</em>, -<em class="gesperrt">Pikrotoxin</em>, <em class="gesperrt">amorphes Akonitin</em>.</p> - -<p>b) Aus der <em class="gesperrt">alkalisch</em> gemachten wässerigen Lösung zieht <em class="gesperrt">Aether -alle Alkaloide</em> aus mit einziger <em class="gesperrt">Ausnahme</em> von <em class="gesperrt">Morphin</em>, -<em class="gesperrt">Apomorphin</em>, <em class="gesperrt">Kurarin</em>.</p> - -<p>c) <em class="gesperrt">Morphin</em> lässt sich aus diesem Gemenge durch -<em class="gesperrt">Amylalkohol</em>, <em class="gesperrt">Apomorphin</em> durch Salmiaklösung ausziehen, -während <em class="gesperrt">Kurarin</em> zurückbleibt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die genauere Ausführung der <b>Stas-Ottoschen Methode</b> ist -folgende: Die zu untersuchenden Massen werden mit der doppelten -Menge starken <em class="gesperrt">Weingeistes</em> und mit <em class="gesperrt">Weinsäure</em> bis -zur stark sauren Reaktion versetzt, längere Zeit bei 70–75° C. -digeriert, warm abgepresst, der Auszug nach dem Erkalten filtriert, -der Rückstand noch 1–2mal in gleicher Weise mit Alkohol und -Weinsäure extrahiert, und dann die gesammelten Filtrate bei 35° C. -eingedampft, bis der grösste Teil des Alkohols verdunstet ist. Ein -etwa entstandener Niederschlag (Fette etc.) wird durch Filtration -entfernt. Schüttelt man nun das saure Filtrat mit <em class="gesperrt">Aether</em>, -so kann man <em class="gesperrt">Digitalin</em>, <em class="gesperrt">Kolchizin</em>, <em class="gesperrt">Kantharidin</em> -und <em class="gesperrt">Pikrotoxin</em> dadurch isolieren, dass man den Aetherabzug -verdampfen lässt.</p> - -<p>Der Rückstand (alle Alkaloide und Glykoside ausser den 4 genannten -enthaltend) wird, nachdem er im Vakuum über Schwefelsäure zur -Trockene verdunstet ist, mit absolutem Alkohol 24 Stunden mazeriert, -filtriert, das Filtrat bei 35°C. verdunstet, der zurückbleibende Teil -in wenig <em class="gesperrt">Wasser</em> gelöst und mit <em class="gesperrt">Natrium bicarbonicum</em> bis -zur alkalischen Reaktion versetzt, worauf er sofort mit dem 4fachen -Volum reinen <em class="gesperrt">Aethers</em> anhaltend geschüttelt, der Aetherauszug -abgehoben und bei gewöhnlicher Temperatur auf einem Uhrschälchen -verdunstet wird. Auf dem Uhrschälchen bleiben <em class="gesperrt">alle Alkaloide</em> -mit <em class="gesperrt">Ausnahme</em> von <em class="gesperrt">Morphin</em>, <em class="gesperrt">Apomorphin</em> und -<em class="gesperrt">Kurarin</em> zurück; dabei lassen sich <em class="gesperrt">Nikotin</em> und -<em class="gesperrt">Koniin</em> leicht schon durch ihren <em class="gesperrt">Geruch</em> bestimmen, -ausserdem bilden sie im Gegensatze zu den anderen kristallinisch oder -amorph auftretenden Alkaloiden eine <em class="gesperrt">ölige Flüssigkeit</em>.</p> - -<p>Kristallinische oder amorphe <em class="gesperrt">feste</em> Rückstände können behufs -Reindarstellung des Alkaloids mit Natron- oder Kalilauge versetzt -und mit<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> frischem Aether ausgezogen werden, der <em class="gesperrt">sogleich</em> -verdunstet wird, worauf der Rückstand mit ein paar Tropfen Alkohol -gelöst und die Lösung der freiwilligen Verdunstung überlassen wird, -wobei meist Kristalle erhalten werden. Ist dies nicht der Fall, so -löst man den Rückstand noch einmal in stark verdünnter Schwefelsäure, -dekantiert die wässerige Lösung, verdunstet die Schwefelsäure, -neutralisiert mit reinem kohlensaurem Kali, verdunstet im Vakuum -und nimmt den Rückstand mit absolutem Alkohol auf, worauf nach dem -Verdunsten desselben das Alkaloid meist sehr rein erhalten wird.</p> - -<p><em class="gesperrt">Morphin</em> wird aus der alkalischen wässerigen Lösung (vergl. -oben nach dem Zusatze von Natrium bicarbonicum) direkt mit -<em class="gesperrt">Amylalkohol</em> ausgeschüttelt und nach dessen Verdunsten rein -erhalten.</p> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Vergl. auch das neue Lehrbuch der chemischen Toxikologie -und die Anweisung zur Ausmittlung der Gifte von <em class="gesperrt">Gadamer</em>, -Göttingen 1909.</p> - -</div> - -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Der_physiologische_Nachweis_der_Vergiftungen">Der physiologische -Nachweis der Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p><b>Allgemeines über die Methoden und den Gang der toxikologischen -Untersuchungen.</b> Die Angaben über die toxikologische bezw. -pharmakologische Wirkung der einzelnen Gifte auf die verschiedenen -Organe und Tiere sind das Resultat exakter experimenteller Forschung. -Als Versuchsobjekte dienen vor allem Säugetiere (Pferd, Rind, Schaf, -Ziege, Schwein, Hund, Katze, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse -etc.), sowie Geflügel. Für die Zwecke der tierärztlichen Toxikologie -empfiehlt es sich, mit möglichst grossen Säugetieren, am besten mit den -gewöhnlichen Objekten der tierärztlichen Therapie, also mit Pferden, -Wiederkäuern, Hunden und Schweinen zu experimentieren und dabei den -fundamentalen Unterschied zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern -wohl zu beachten. Versuche mit Kaltblütern (Fröschen, Fischen, -Schlangen, Würmern, Egeln, Schnecken etc.) haben ein vorwiegend -theoretisch-wissenschaftliches Interesse. Dies gilt insbesondere für -das Hauptversuchstier der humanen Toxikologen und Pharmakologen, den -Frosch, der übrigens als Kaltblüter auf zahlreiche Gifte ganz anders -reagiert, als die Warmblüter. Zu besonderen Zwecken endlich dienen -als Versuchsobjekte Bakterien, Algen, Amöben, Infusorien, Hefezellen, -Leukozyten, rote Blutkörperchen, höhere Pflanzen, Helminthen. Auch -ausgeschnittene Körperorgane können zu Versuchen verwendet werden, so -namentlich das Herz, die Muskeln und Nerven, die Leber, die Nieren, die -Milz.</p> - -<p>Die Feststellung der physiologischen Wirkung und die methodische -Zergliederung der Wirkung der einzelnen Gifte ist oft eine sehr -komplizierte und schwierige experimentelle Aufgabe. In dieser<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> -Beziehung verdienen die nachstehenden kurzen allgemeinen Bemerkungen -Beachtung<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p> - -<p><b>Blutgifte.</b> Die Wirkung der Gifte auf das Blut kann -makroskopisch, mikroskopisch, chemisch, spektroskopisch -und physikalisch, ausserhalb und innerhalb des Tierkörpers -untersucht werden. Sie kann sich entweder darin äussern, dass die -<em class="gesperrt">Blutgerinnung</em> und damit die Blutverteilung im Körper geändert -wird, oder darin, dass das Blut selbst in seinen wichtigsten -Bestandteilen umgewandelt und <em class="gesperrt">zersetzt</em> wird.</p> - -<p>1. Die <b>Blutgerinnung</b> wird durch einzelne Gifte gehemmt -(Blausäure, Schlangengifte, Blutegelferment, Chinin), durch zahlreiche -andere gesteigert (Rizin, Abrin, Spinnengift). Manche Gifte heben -ferner die Fähigkeit des Blutkuchens auf, das Serum auszupressen. -Bezüglich der Art der Einwirkung der Gifte auf die Blutgerinnung -sind die Untersuchungen über das Wesen der Gerinnung von Bedeutung. -Zur Fibrinbildung sind bekanntlich mindestens zwei Stoffe nötig: die -aus den Blutkörperchen abstammende sog, fibrinogene Substanz, das -<em class="gesperrt">Fibrinogen</em>, sowie das <em class="gesperrt">Fibrinferment</em>. Letzteres ist -vorwiegend im Zellkern der weissen Blutkörperchen enthalten. Die -Tätigkeit des Fibrinferments wird nun durch viele Gifte angeregt oder -ersetzt (sog. fibrinbildende Gifte), durch andere verlangsamt oder -aufgehoben. Von <em class="gesperrt">Gerinnung erzeugenden Stoffen</em> bezw. Giften -sind besonders zu nennen das <em class="gesperrt">Rizin</em>, die fermentartig wirkende -Phytalbumose der Rizinussamen, welches die roten Blutkörperchen zu -einem lackartigen Klumpen verklebt und sogar defibriniertes Blut von -neuem zum Gerinnen bringt, das <em class="gesperrt">Abrin</em>, das Toxalbumin der Samen -von Abrus precatorius mit noch stärkerer fibrinbildender Wirkung, sowie -<em class="gesperrt">das Blut fremder Spezies</em>. Die Folgen der Blutgerinnung bestehen -in Thrombose, Embolien, Anämie, Blutstauung, Entzündung, Nekrose, -Geschwürsbildung, Hämorrhagien und anderen durch die Störung der -Blutzirkulation bedingten Erscheinungen.</p> - -<p>2. Eine <b>Blutzersetzung</b> durch Gifte kann entweder in der -Auflösung der roten Blutkörperchen (<em class="gesperrt">Hämolyse</em>) oder in der -Bildung von <em class="gesperrt">Methämoglobin</em> oder in einer <em class="gesperrt">spezifischen</em> -Einwirkung auf den Blutfarbstoff bestehen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span></p> - -<p>Das Hämoglobin wird in den roten Blutkörperchen durch ein -eigentümliches Protoplasma, das sog. Diskoplasma, gebunden. Geht das -Diskoplasma durch irgend eine schädliche Einwirkung zugrunde, so werden -die <em class="gesperrt">roten Blutkörperchen zerstört</em> und das Hämoglobin geht frei -in das Blutserum über. Ausserdem wird namentlich bei der Zerstörung der -weissen Blutkörperchen Fibrinferment frei, wodurch die Blutgerinnung -beschleunigt wird. Die lösende Einwirkung der Gifte auf die roten -Blutkörperchen, wodurch das Hämoglobin frei im Serum gelöst wird, -erfolgt zuweilen noch in sehr starken Verdünnungen. Das <em class="gesperrt">Phallin</em> -löst sie beispielsweise zum Teil schon in einer Verdünnung von -1 : 500000, sowie vollständig bei einer solchen von 1 : 125000 auf; -ähnlich verhalten sich das <em class="gesperrt">Saponin</em>, das wahrscheinlich durch -Entziehung von Cholesterin hämolytisch wirkt, die <em class="gesperrt">Helvellasäure</em>, -das Gift der Morchel, der <em class="gesperrt">Arsenwasserstoff</em> und <em class="gesperrt">Phosphor</em>.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Methämoglobin</em> bezeichnet man ein Oxyhämoglobin mit sehr -fest gebundenem Sauerstoff, welcher infolgedessen für die Atmung nicht -abgegeben wird, im Gegensatz zum gewöhnlichen, die Respiration durch -den nur leicht gebundenen Sauerstoff ermöglichenden Oxyhämoglobin. Das -Methämoglobin hat eine sepiabraune Farbe; unter dem Einfluss der in der -Leiche auftretenden Fäulnisprozesse zersetzt es sich bald.</p> - -<p>Die Umwandlung des Hämoglobins in <em class="gesperrt">Methämoglobin</em> und dessen -Auflösung im Blutserum kann mit oder ohne gleichzeitige Auflösung -der Blutkörperchen erfolgen. Reine Methämoglobin bildende Gifte sind -<em class="gesperrt">chlorsaures Kali</em>, <em class="gesperrt">Pyrogallol</em>, die <em class="gesperrt">Aldehyde</em> -(Paraldehyd), <em class="gesperrt">Nitrobenzol</em>, <em class="gesperrt">Nitroglyzerin</em>, -die <em class="gesperrt">Nitrite</em>, die <em class="gesperrt">Pikrinsäure</em> und ihre Salze, -das <em class="gesperrt">Anilin</em>, <em class="gesperrt">Antifebrin</em> und Phenazetin, der -<em class="gesperrt">Schwefelkohlenstoff</em>, das Toluylendiamin u. a. Das im Blutserum -gelöste Methämoglobin wird teils in der Leber zu Bilirubin zersetzt -(Pleiochromie der Galle), teils als Parhämoglobin in Leber, Milz und -Knochenmark unlöslich deponiert, teils als Hämoglobin mit dem Harn -ausgeschieden (Methämoglobinurie).</p> - -<p>Eine <em class="gesperrt">spezifische</em> Einwirkung auf das Hämoglobin besitzen -endlich der <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em>, das <em class="gesperrt">Stickoxyd</em>, -die <em class="gesperrt">Blausäure</em> und das <em class="gesperrt">Kohlenoxyd</em> (Bildung von -Schwefelmethämoglobin, NO-Hämoglobin, CNH-Hämoglobin, CO-Hämoglobin). -Zum Kohlenoxyd hat beispielsweise das Hämoglobin eine 200mal stärkere -Affinität als zum Sauerstoff.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Leukozytengifte.</b> Die amöboide Bewegung der weissen -Blutkörperchen wird durch sehr viele Gifte <em class="gesperrt">gelähmt</em>, z. B. -durch Chinin. Eine Vermehrung der weissen Blutkörperchen -(<em class="gesperrt">Hyperleukozytose</em>) findet man namentlich nach scharfen -Einreibungen (Kantharidensalbe, Senföl) sowie nach der subkutanen -Applikation der Akria. Eine Verminderung der Zahl der weissen -Blutkörperchen (<em class="gesperrt">Hypoleukozytose</em>) wird durch Chloroform, -Strychnin und andere Gifte bedingt.</p> -</div> - -<p><b>Nervengifte.</b> Je nach der Art des Giftes, der Applikationsmethode -und Dosis sowie nach der Tiergattung reagiert das Nervensystem auf -die Nervengifte durch sehr verschiedene Erscheinungen, welche im -allgemeinen andeuten, dass man es mit einem Nervinum zu tun hat. -Solche Erscheinungen sind z. B. <em class="gesperrt">Krämpfe</em>, <em class="gesperrt">Lähmungen</em>, -<em class="gesperrt">psychische Benommenheit</em>, <em class="gesperrt">Schlaf</em>, <em class="gesperrt">Koma</em>, -<em class="gesperrt">Raserei</em>. Bezüglich des Ortes der Einwirkung, speziell zur -Entscheidung der Frage, <em class="gesperrt">ob das Gift ein Gehirngift, Rückenmarkgift -oder peripheres Gift ist</em>, muss folgendes beachtet werden. -Schlafsucht, psychische Depression, Anfälle von Raserei deuten immer -auf eine <em class="gesperrt">zerebrale</em> Einwirkung hin. Epileptiforme (eklamptische) -Krämpfe entstehen in der Mehrzahl der Fälle in den <em class="gesperrt">motorischen -Grosshirnrindenzentren</em> (kortikale Zentren). Es scheinen indessen -auch in anderen Teilen des Grosshirns, so in den Vierhügeln, im -Linsenkern, in den Gehirnschenkeln motorische Zentren vorhanden zu -sein (subkortikale Zentren). <em class="gesperrt">Jedenfalls aber deuten epileptiforme -(eklamptische) Krämpfe auf einen zerebralen Ursprung hin.</em> -Hirnkrampfgifte oder Krampfgifte im engeren Sinn sind z. B. Blei, -Atropin, Veratrin, Akonitin und Pikrotoxin (das Strychnin ist dagegen -ein Rückenmarkskrampfgift). Ausserdem können Krämpfe und Lähmungen -vom verlängerten Mark (Kopfmark) und Rückenmark, sowie von den -peripheren Nerven ausgehen. Die von den psychomotorischen Rindenzentren -ausgehenden Krämpfe lassen sich, abgesehen davon, dass häufig die -Psyche mitgestört ist, daran erkennen, dass sie nach Exstirpation -dieser Zentren ausbleiben. Ebenso kommen Krämpfe, welche ihren Ursprung -in der Medulla oblongata besitzen, nach Durchschneidung des Halsmarks -nicht mehr zustande; die hierbei auftretenden Krämpfe müssen spinalen -Ursprung haben. Die motorische Erregung der peripheren Nerven äussert -sich in Form von isolierten, oft fibrillären Zuckungen, welche -auch nach Durchschneidung des zuführenden Nervenastes fortdauern. -<em class="gesperrt">Lähmungen zerebralen Ursprungs</em> lassen sich durch das negative -Resultat der elektrischen Reizung der freigelegten motorischen -Rindenzentren als solche feststellen, Lähmungen<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> peripherer motorischer -Nerven in analoger Weise durch das negative Resultat der Reizung der -freigelegten peripheren Nerven, z. B. des Ischiadikus. Lähmungen von -Gehirnnerven erstrecken sich lediglich auf die von den betreffenden -Nerven versorgten Gebiete.</p> - -<p>Es lässt sich ferner eine <em class="gesperrt">periphere oder zentrale</em> -Nervenbeeinflussung durch Unterbindung der zuführenden Blutgefässe -(z. B. der Arteria femoralis) mit Sicherheit auseinander halten. So -erzeugt Strychnin als zentrales Rückenmarksgift auch nach Unterbindung -der Arteria femoralis Tetanus der Schenkelmuskulatur, solange die -periphere Nervenleitung (Ischiadikus) besteht. Umgekehrt bleiben -die Schenkelmuskel erregbar, wenn bei einem kurarisierten Tiere -von vornherein die Femoralis unterbunden wird, das die peripheren -motorischen Nerven lähmende Kurare somit nicht nach der Peripherie -gelangen kann (intramuskuläres Nervenendgift).</p> - -<p>Die Frage endlich, ob eine periphere Lähmung oder ein peripherer -Krampf ihren Sitz im <em class="gesperrt">Nerven oder Muskel</em> haben, ist nicht immer -sicher zu entscheiden. Reizzustände der peripheren Nerven lassen sich -durch Kurare beseitigen, weil dasselbe die peripheren motorischen -Nervenendigungen lähmt, nicht aber Reizzustände der Muskelsubstanz.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Narkose.</b> Die allgemeine Narkose wird gewöhnlich auf eine -zentrale Einwirkung der Nervengifte auf die <em class="gesperrt">Ganglienzellen</em> -zurückgeführt. Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Nissl</em> (Zeitschr. -f. Psychiatrie, 54. Bd.) findet man die Ganglienzellen der -Grosshirnrinde bei der Alkoholvergiftung in rundliche, blass gefärbte -Gebilde verwandelt, in denen die Kerne und Dendriten verschwunden -sind. Bei der Morphiumvergiftung sind die Rindenganglien verkleinert, -die Zellkörperchen (Nisslkörper) spärlich, klein und schwächer -gefärbt. H. <em class="gesperrt">Meyer</em> (Arch. für exp. Pathol., Bd. 42, 46 u. 47) -und <em class="gesperrt">Overton</em> (Studien über die Narkose, Jena 1901) führen die -narkotische Wirkung der Alkohol-Aethergruppe auf die <em class="gesperrt">Lösung</em> -fettartiger Stoffe (<em class="gesperrt">Lipoide</em>) in den Ganglienzellen durch -den Alkohol, Aether usw. zurück (Lezithin, Protagon). Infolge -Auflösung der Lipoide können die Ganglienzellen grössere Mengen von -Alkohol usw. aufnehmen und so narkotisiert werden. Die Reihenfolge -der Narkose bei dieser Gruppe ist gewöhnlich die, dass zuerst die -Grosshirnrinde (Sensorium, Bewusstsein, Empfindung), sodann das -Rückenmark (Motilität, Reflexe) und zuletzt das verlängerte Mark -(Atmungszentrum, vasomotorisches Zentrum) gelähmt werden.</p> -</div> - -<p><b>Herzgifte.</b> Die Entscheidung der Frage, ob die Wirkung der -<em class="gesperrt">Herzgifte</em> eine myogene, d. h. auf den Herzmuskel gerichtete ist, -oder ob sie einen neurogenen Ursprung hat (intrakardiale Ganglien, -Vagus, Sympathikus), ist oft sehr schwierig zu entscheiden. Die -Digitalis wird gewöhnlich als ein Muskelgift aufgefasst, das durch -starke Muskelkontraktion systolischen Herzstillstand herbeiführt,<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> -während die Wirkung des Chloroforms als Herznarkotikum zweifelhaft -erscheint. Auf die <em class="gesperrt">Blutgefässe</em> wirken manche Gifte verengernd -(konstriktorisch), andere erweiternd (dilatatorisch). Die Verengerung -und Erweiterung der Gefässe wird entweder durch eine zentrale Wirkung -auf das vasomotorische Zentrum im verlängerten Mark (Chloroform, -Antipyrin) oder durch periphere Wirkung bedingt und stellt im letzteren -Fall teils eine Muskelwirkung (Digitalis), teils eine Nervenendwirkung -dar. <em class="gesperrt">Vasokonstriktorische</em> Gifte sind die Digitalisglykoside, -Strophanthus, Chlorbaryum und Adrenalin; <em class="gesperrt">vasodilatatorisch</em> -wirken die Alkohole und Aether, Chloroform und Chloralhydrat, sowie die -Nitrite (Amylnitrit).</p> - -<p>Die Art und der Ort der Einwirkung von Giften auf das Herz und -auf den Zirkulationsapparat lässt sich teils durch Bestimmung des -Blutdrucks (Manometer), der Blutgeschwindigkeit (Stromuhr) und der -Gefässweite, teils durch Untersuchung des Pulses und Herzschlages -(Sphygmograph), teils mittels Durchschneidung und Reizung des Vagus, -des Sympathikus und des Halsmarks (vasomotorisches Zentrum), teils -endlich direkt am ausgeschnittenen Herzen (Williamsscher Apparat) -nachweisen. <em class="gesperrt">Steigerung des Blutdrucks</em> kann bedeuten: eine -gesteigerte Arbeitsleistung des Herzens (Digitalis, Koffeïn), oder -eine Gefässverengerung infolge Reizung des vasomotorischen Zentrums -in der Medulla oblongata (Zystisin; die Blutdrucksteigerung fehlt -nach dem Durchschneiden des Halsmarks) oder infolge einer Reizung der -peripheren vasomotorischen Nerven (die periphere Gefässkontraktion -tritt auch nach Durchschneidung des Halsmarks ein). Gesteigerte -Arbeitsleistung des Herzens darf als ausschliessliche Ursache des -gesteigerten Blutdrucks nur dann angenommen werden, wenn nach Lähmung -der zentralen (Halsmarkdurchschneidung) und peripheren (Amylnitrit) -vasomotorischen Apparate trotzdem noch Blutdrucksteigerung eintritt. -<em class="gesperrt">Sinken des Blutdrucks</em> kann bedingt sein: durch geschwächte -Muskeltätigkeit des Herzens (die Kompression der Bauchaorta vermag dann -den Blutdruck zu steigern), oder durch Lähmung des vasomotorischen -Zentrums (negatives Resultat der elektrischen Reizung desselben), -oder durch Lähmung der peripheren Vasomotoren (negatives Resultat der -elektrischen Reizung des die Gefässe des Kaninchenohrs bei Erregung -kontrahierenden Halssympathikus), oder durch periphere Lähmung der -Splanchnikusendigungen in der Bauchhöhle (die sonst bei Reizung -der peripheren Enden des durchschnittenen Splanchnikus eintretende -Blutdrucksteigerung kommt nicht<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> zustande). <em class="gesperrt">Verlangsamung des -Pulses</em> (toxische Bradykardie) ist entweder die Folge einer Reizung -des im verlängerten Marke gelegenen Vaguszentrums (Vagusdurchschneidung -beseitigt dann die Verlangsamung), oder der kardialen Vagusendigungen -(die verlangsamende Wirkung tritt auch nach durchschnittenem Vagus ein; -Atropin erzeugt Beschleunigung), oder einer Muskellähmung des Herzens -(Atropin bleibt wirkungslos). Abnorme <em class="gesperrt">Beschleunigung des Pulses</em> -(toxische Tachykardie) kann durch Reizung des Nervus accelerans -(Sympathikus), der sog. Beschleunigungsfasern ausserhalb des Herzens -(Durchschneidung des Accelerans beseitigt die Beschleunigung) oder -im Herzen (die elektrische Reizung der peripheren durchschnittenen -Vagusendigungen wirkt dann pulsverlangsamend, weil der Vagus hierbei -intakt bezw. unbetätigt ist), oder durch Vaguslähmung bedingt sein -(Reizung der durchschnittenen Vagusendigungen bleibt erfolglos, -desgleichen Muskarin).</p> - -<p><b>Atmungsgifte.</b> Zum Studium ihrer Wirkung bedient man sich -gewisser Apparate (Mareyscher Registrierapparat, Atmungskurve, -Respirationsapparate); ausserdem beobachtet man die Intensität und -Frequenz der Atmung. Von funktionellen Einrichtungen des Körpers -können durch die Atmungsgifte betroffen werden das Atmungszentrum -in der Medulla oblongata (nach neueren Untersuchungen bestehen -ausserdem noch ein Inspirationszentrum in den Sehhügeln, ein -Exspirationszentrum in den Vierhügeln, ein Hemmungszentrum in der -Grosshirnrinde sowie untergeordnete Respirationszentren im Rückenmark), -die Leitungsbahnen der Vagi, die peripheren Vagusendigungen in der -Lunge, die Bronchialdrüsen, Bronchialmuskeln und Kehlkopfmuskeln, -die Atmungsmuskeln (Zwerchfell und Hilfsmuskeln), sowie endlich der -Gefässapparat der Lunge. Die Analyse der Wirkung der Atmungsgifte ist -daher nicht leicht. <em class="gesperrt">Lungenödem</em> (Rasselgeräusche, schaumiger -Ausfluss aus der Nasenhöhle und Maulhöhle, Dyspnoe) kann entweder durch -vermehrte Sekretion der Bronchialdrüsen (Pilokarpin, Arekolin) oder -durch abnorme Durchlässigkeit der Lungenkapillaren (Chloralhydrat) -oder durch Blutstauung in der Lunge (Herzgifte) entstehen; man -unterscheidet deshalb genauer ein toxisches und mechanisches -(Herzgifte) Lungenödem. <em class="gesperrt">Beschleunigung</em> und <em class="gesperrt">Verstärkung</em> -der Atmung kann durch Reizung der Atmungszentren (Blausäure, Kampfer) -oder der peripheren Vagusendigungen in der Lunge (Ammoniak) oder -durch Erregung der Bronchialmuskeln (Eserin) bedingt sein; hört -die Beschleunigung nach Durchschneidung der Vagi auf, so ist<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> eine -periphere Erregung der den Atmungsreflex vermittelnden Vagusenden -in der Lunge als Ursache anzunehmen. <em class="gesperrt">Verlangsamung</em> und -<em class="gesperrt">Abschwächung</em> der Atmung ist entweder die Folge einer Lähmung -der Atmungszentren, wobei häufig das <em class="gesperrt">Cheyne</em>-<em class="gesperrt">Stocke</em>sche -Atmungsphänomen vorübergehender Pausierung der Atmung beobachtet wird -(Gehirngifte, Herz- und Gefässgifte mit Anämie), oder einer Lähmung -der Respirationsmuskeln (Kurare, Schlangengift) oder einer Reizung -des zerebralen Hemmungszentrums (Exstirpation desselben beseitigt -die Atmungsschwäche) oder einer Lähmung der Lungenenden des Vagus -(Atropin). Löst die elektrische Reizung der durchschnittenen Nervi -phrenici keine Zwerchfellskontraktionen aus, so handelt es sich um -Lähmung des Zwerchfells als Ursache der Atmungsschwäche. Lähmung der -Vagusendigungen ist anzunehmen bei sehr verlangsamter aber gleichzeitig -intensiver Atmung. Lähmende Gifte für das Atmungszentrum (Asphyktika) -sind namentlich <em class="gesperrt">Blausäure</em> und <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em>.</p> - -<p><b>Nierengifte.</b> Die Hauptwirkung ist auf das <em class="gesperrt">Nierenepithel</em> -gerichtet. In den leichten Graden der Vergiftung entsteht nur eine -<em class="gesperrt">Reizung</em> des Nierenepithels mit Hyperämie und Beschleunigung -des Blutstroms, welche sich in vermehrter Harnabsonderung äussert -(Koffein und andere Purinstoffe). Die stärkeren Nierengifte erzeugen -<em class="gesperrt">Epithelnekrose</em> in den Harnkanälchen als Hauptform der toxischen -Nephritis mit Verkalkung des abgestorbenen Epithels (Quecksilber, -Salizylsäure) oder mit nachfolgender Bindegewebsneubildung -(Blei). Andere Nierengifte verursachen in erster Linie eine -<em class="gesperrt">Glomerulonephritis</em> (Kanthariden). Die Funktionsstörung -der Nierenepithelien äussert sich in <em class="gesperrt">Albuminurie</em>, die der -Glomeruli in Oligurie und <em class="gesperrt">Anurie</em>. Sind die Glomeruli intakt -und nur die Nierenepithelien der Harnkanälchen erkrankt, so entsteht -<em class="gesperrt">Polyurie</em> mit vermindertem spezifischem Gewicht des Harns -(Verlust des Konzentrationsvermögens des Epithels der Harnkanälchen). -Manche Blutgifte wirken gleichzeitig ebenso wie das freigewordene -Hämoglobin als Nierengifte (<em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em>). Die bei diesen -Vergiftungen auftretende <em class="gesperrt">Glykosurie</em> hat meist einen hämatogenen -Ursprung (Morphium, Chloroform u. a.) oder sie entsteht in der -Leber (Verlust der Glykogen-Synthese durch Phosphor); in manchen -Fällen scheint jedoch Zucker in den Nieren durch Abspaltung aus dem -Zelleiweisse zu entstehen (Chromsäure, Quecksilber).</p> - -<p>Die durch die Nierengifte in den Nieren hervorgerufenen Veränderungen<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> -lassen sich in verschiedener Weise feststellen. Man findet insbesondere -makroskopisch oder mikroskopisch sichtbare anatomische Veränderungen -an den Nieren (entzündliche oder degenerative Affektion namentlich des -Nierenepithels durch Kolchikum, Kanthariden, Phosphor etc.; Verkalkung -durch Quecksilber, Blei usw.); Vergrösserung der Niere infolge -Gefässerweiterung durch Koffein, Verkleinerung der Niere infolge -Gefässverengerung durch Digitalis und Strophanthus. Die Steigerung -des Sekretionsdruckes der Niere wird manometrisch durch Einführung -eines Apparates in die Ureteren bestimmt (Diuretika). Eine spezifische -Erregung der Nierenepithelien (Koffein) wird dann angenommen, wenn -das Gift auch nach Ausreissung der Nierennerven und bei vermindertem -Blutdruck diuretisch wirkt. Synthetische Prozesse untersucht man -chemisch an der ausgeschnittenen und zerkleinerten Niere. An der -<em class="gesperrt">Blase</em> lassen sich ebenfalls anatomische Veränderungen, sowie -Krämpfe und Lähmungen bei gewissen Giften feststellen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Magen- und Darmgifte.</b> Neben verschiedenartigen anatomischen -Veränderungen der Schleimhaut des <em class="gesperrt">Magens</em>, unter welchen die -Perforation durch Arsenik und die Degeneration der Magendrüsen durch -Phosphor besonders hervortreten, beeinflussen die Gifte die Sekretion -und die Bewegungen des Magens. Die letzteren werden vom Nervus Vagus -innerviert, dessen Reizung die Magenbewegung beschleunigt. Wichtig -ist die Beziehung des im Grosshirn gelegenen Brechzentrums zu der -Muskulatur des Magens. Wirkt ein Brechmittel nach der Durchschneidung -der Vagi, welche das Brechzentrum mit dem Magen verbinden, nicht -mehr, so ist es als zentrales Brechmittel zu bezeichnen. Nach -neueren Untersuchungen hat man 3 Abteilungen des Brechzentrums zu -unterscheiden, nämlich je ein in den Vierhügeln gelegenes Zentrum für -die Kontraktionen der Kardia und der Magenwandungen (Zerstörung der -Vierhügel macht das Erbrechen unmöglich), sowie ein im Linsenkern -gelegenes Hemmungszentrum für die Kardia, dessen Reizung den -Sphincter Cardiae an der Kontraktion, somit also am Verschlusse des -Magens hindert.</p> - -<p>Im <em class="gesperrt">Darm</em> können die Gifte entweder auf die Schleimhaut, oder -auf die Darmdrüsen oder auf die Darmmuskulatur oder endlich auf -die Darmnerven einwirken. So entsteht eine Darmentzündung durch -lokale Reizung scharfer Gifte (Krotonöl), durch Ausscheidung -reizender Gifte mittels der Darmdrüsen (Merkurialismus), durch -Veranlassung von Gerinnung in den Darmgefässen (Saponin), sowie -nach starker Erweiterung der Gefässe der Darmschleimhaut infolge -von Splanchnikuslähmung (Arsenik). Reizung der Darmdrüsen wird -durch Pilokarpin und Arekolin, der Darmmuskulatur mit konsekutivem -Darmtetanus durch Eserin, Blei und Chlorbaryum erzeugt. Erregung der -in die Darmwandungen eingelagerten, die rhythmische peristaltische -Tätigkeit des Darmes regulierenden peripheren Nervenapparate -(Auerbachsche und Meissnersche Plexus) bedingt gesteigerte -Darmbewegungen (Muskarin), desgleichen Reizung der peripheren -motorischen Vagusendigungen (Nikotin). Dagegen hat die Reizung -des Splanchnikus, des Hemmungsnerven des Darmes, verminderte -Peristaltik zur Folge (Morphium),<span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span> während umgekehrt die Lähmung des -Splanchnikus gesteigerte Darmperistaltik bedingt (Atropin). Ueber die -Beeinflussung der im Gehirn gelegenen Zentren der Darmbewegung und -Darmhemmung durch Gifte ist bisher wenig bekannt: Zetrarin soll z. B. -ein zentrales Peristaltikum sein.</p> - -<p><b>Uterusgifte.</b> Der nicht trächtige Uterus wird durch Gifte viel -weniger leicht beeinflusst, als der trächtige. Kontraktionen des -Uterus entstehen entweder durch Reizung des im Lendenmark gelegenen -Uteruszentrums (Kornutin, Nikotin, Strychnin); in diesem Fall lassen -sich am ausgeschnittenen Uterus keine Kontraktionen durch das -Gift auslösen, auch wirkt das Gift nicht mehr nach Zerstörung des -Rückenmarkes. Oder sie entstehen im Uterus selbst und zwar infolge -Reizung der glatten Muskulatur, wenn auch am ganglienfreien Horn des -ausgeschnittenen Uterus Kontraktionen eintreten, während es sich -beim Ausbleiben der letzteren um eine Reizung der Uterusganglien -handelt. Ebenso kann eine Lähmung der Uteruskontraktionen durch Gifte -ihren Ausgangspunkt vom Rückenmark, von der Muskulatur oder von den -Ganglienzellen des Uterus nehmen.</p> - -<p><b>Lebergifte.</b> Die anatomischen Veränderungen in der Leber -bestehen in Verfettung der Leberzellen (Phosphor, Arsenik), akuter -Atrophie (Lupinose), Leberzirrhose (Alkohol beim Menschen). Das -physiologisch-mikroskopische Bild des sezernierenden Leberparenchyms -erzeugen die Cholagoga (Aloe, Rheum, Salizylsäure). Auf chemische -Synthesen wird die Leber ausserhalb des Körpers untersucht. Die -Gallensekretion wird durch Anlegung von Gallenfisteln geprüft. -Die Frage der hepatogenen oder hämatogenen Entstehung des -Gallenfarbstoffes wird durch Ausschalten der Leber (Unterbindung der -Gefässe, Exstirpation) beantwortet.</p> - -<p><b>Speicheldrüsengifte.</b> Die Untersuchung erfolgt durch Einführen -von Speichelkanülen (Unterschied zwischen Hund und Katze!). Eine -Vermehrung der Speichelsekretion kann verursacht sein durch -Reizung der peripheren Geschmacksnerven (Durchschneidung sistiert -die Sekretion), durch zentrale Reizung des Speichelzentrums -(Durchschneidung der sekretorischen Drüsennerven sistiert sie), durch -Reizung der peripheren Enden der Speichelnerven (<em class="gesperrt">Pilokarpin</em>, -<em class="gesperrt">Arekolin</em>, <em class="gesperrt">Eserin</em>) oder durch Reizung der Drüsenzellen -selbst (Wirkung vom Blute aus bei durchschnittenen Speichelnerven). -Eine Aufhebung der Speichelsekretion wird durch periphere Lähmung -der Speichelnerven (<em class="gesperrt">Atropin</em> im Gegensatz zu Pilokarpin und -Arekolin) bedingt. Es wird daher auch eine periphere Reizung dann -angenommen, wenn Atropin die Vermehrung der Speichelsekretion -sistiert. — Die Wirkung der Gifte auf die <em class="gesperrt">Schweisssekretion</em> -ist analog.</p> - -<p><b>Stoffwechselgifte.</b> Als solche sind zu nennen: Der -<em class="gesperrt">Phosphor</em>, <em class="gesperrt">Arsenik</em> und die <em class="gesperrt">Schilddrüsenpräparate</em> -(Vermehrung der N-Ausscheidung im Harn), die <em class="gesperrt">Blausäure</em> -(Verminderung des O-Verbrauchs), das <em class="gesperrt">Chinin</em>, die -<em class="gesperrt">Salizylsäure</em> u. a. Anatomisch lassen sich Störungen -des Stoffwechsels durch verschiedene Veränderungen an den -inneren Körperorganen nachweisen (körnige Trübung, fettige -Degeneration). Chemisch wird der Stoffwechsel kontrolliert durch -die Untersuchung des Harns, des Kots, der ausgeatmeten Luft bezw. -Kohlensäure (Respirationsapparat) sowie der Körpertemperatur -(Thermometer, Kalorimeter). Bezüglich der Wirkung der Gifte auf -die <em class="gesperrt">Temperatur</em> kommen entweder Temperaturverminderungen -(Antipyretika) oder Temperaturerhöhungen vor (Kokain,<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> Koffein, -β-Naphthylamin, Mallein, Tuberkulin). Die Wirkung ist eine zentrale -(Wärmezentren) oder periphere. Reizung des im Corpus striatum -gelegenen Wärmezentrums erzeugt Fieber, Lähmung oder Exstirpation, -Temperaturherabsetzung.</p> - -<p><b>Pupillengifte.</b> <em class="gesperrt">Verengerung</em> (Myose) kann bedingt sein -durch eine periphere Reizung des Okulomotorius (Pilokarpin, Arekolin) -oder des Musculus Sphincter Iridis (Eserin) oder durch eine Lähmung -des Erweiterungszentrums im Gehirn (Morphium beim Hund). Letztere -wird angenommen, wenn am herausgeschnittenen Auge keine Myose -hervorgebracht werden kann, oder wenn bei lokaler Einträuflung in den -Lidsack keine Verengerung eintritt, sondern nur nach intravenöser -oder subkutaner Applikation. Eine periphere Reizung der Okulomotorius -als Ursache der Myose wird angenommen, wenn die Myose durch Atropin -aufgehoben wird und am exstirpierten Bulbus fortdauert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Erweiterung</em> (Mydriase) wird entweder verursacht durch -periphere Lähmung des Verengerungsnerven der Pupille, des -Okulomotorius (Atropin), oder durch periphere Reizung des -Erweiterungsnerven, des Sympathikus (Hydronaphthylamin), oder durch -Reizung des Erweiterungszentrums im Gehirn (Akonitin, Morphium -bei Katzen). Die zentrale Mydriase lässt sich sofort beseitigen, -wenn man die Verbindung des Zentrums und der Pupille, nämlich -den Halssympathikus, durchschneidet. Lähmung der peripheren -Okulomotoriusäste (Atropin) muss angenommen werden, wenn am -ausgeschnittenen Froschauge Mydriase erzeugt wird. Bei Vögeln -entsteht durch Kurare periphere Mydriase infolge Lähmung der -willkürlichen Muskeln der Pupille (Sphinkter).</p> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Ausführliches findet man bei <em class="gesperrt">Kobert</em>, Lehrbuch -der Intoxikationen, <em class="gesperrt">Hermann</em>, Lehrbuch der experimentellen -Toxikologie, <em class="gesperrt">Böhm</em>, Allgemeine Toxikologie.</p> - -</div> - -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Die_allgemeine_Prognose_der_Vergiftungen">Die allgemeine Prognose der -Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p>Die toxikologische Statistik lehrt, dass die Prognose bei vielen -Vergiftungen unserer Haustiere <em class="gesperrt">nicht so ungünstig</em> ist, wie -man dies eigentlich nach der Intensität der Krankheitserscheinungen -erwarten sollte. Aus diesem Grunde darf man bei schlachtbaren Tieren -im allgemeinen nicht zu frühzeitig die Notschlachtung anraten. -Insbesondere lasse man sich durch das Auftreten von Zuckungen und -Krämpfen sowie von starken psychischen Erregungserscheinungen nicht -verleiten, diesen Symptomen unter allen Umständen eine schlimme -prognostische Bedeutung beizulegen. <em class="gesperrt">Aufregung und Muskelkrämpfe sind -im allgemeinen weniger schlimm als Lähmungserscheinungen.</em> Auch die -Behandlung der Exzitationszustände ist viel erfolgreicher als die der -toxischen Lähmungen.</p> - -<p>Die Prognose einer Vergiftung hängt in erster Linie von der -Art des Giftes ab. Als sehr gefährliche Vergiftungen mit -<em class="gesperrt">ungünstiger</em> Prognose müssen namentlich bezeichnet werden die -Vergiftungen mit <em class="gesperrt">Blausäure</em>, <em class="gesperrt">Phosphor</em>, <em class="gesperrt">Arsenik</em>, -<em class="gesperrt">Chlorbaryum</em>,<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span> <em class="gesperrt">Strychnin</em>, <em class="gesperrt">Nikotin</em>, <em class="gesperrt">Veratrin</em>, -<em class="gesperrt">Digitalis</em>, <em class="gesperrt">Oleander</em>, <em class="gesperrt">Buxus</em>, <em class="gesperrt">Taxus</em>, -<em class="gesperrt">Blei</em>, <em class="gesperrt">Quecksilber</em>, <em class="gesperrt">Karbolsäure</em>, <em class="gesperrt">Krotonöl</em>, -<em class="gesperrt">Kanthariden</em>, <em class="gesperrt">Kolchikum</em>, <em class="gesperrt">ätzenden Säuren</em> und -<em class="gesperrt">Alkalien</em>. Im übrigen kommt es bei allen diesen starken Giften -wesentlich mit darauf an, in welcher Dosis und Form, bei welchem -Füllungszustand des Magens usw. sie aufgenommen worden sind. Bei -den Fleischfressern, welche sich erbrechen können, nehmen manche -Vergiftungen einen günstigeren Verlauf, als bei Pflanzenfressern.</p> - -<p>Als Vergiftungen mit im allgemeinen günstiger Prognose sind namentlich -bei den Pflanzenfressern die <em class="gesperrt">Alkaloidvergiftungen</em> zu bezeichnen, -Strychnin und Nikotin ausgenommen. Dies gilt besonders für die -<em class="gesperrt">Atropin</em>-, <em class="gesperrt">Hyoszin</em>- und <em class="gesperrt">Morphium</em>vergiftung. -Aber auch Eserin, Pilokarpin und Arekolin sind deshalb nicht -so sehr gefährlich, weil gute Gegengifte für sie zur Verfügung -stehen. Ausserdem ist bei vielen <em class="gesperrt">Pflanzenvergiftungen</em> die -Mortalitätsziffer trotz scheinbar schwerer Vergiftungserscheinungen -erfahrungsgemäss relativ gering. Dies gilt namentlich für die -Vergiftung mit <em class="gesperrt">Klatschrosen</em>, <em class="gesperrt">Bucheckern</em>, für viele -<em class="gesperrt">Pilzvergiftungen</em>, für die <em class="gesperrt">Merkurialis-</em>, <em class="gesperrt">Lolium-</em>, -<em class="gesperrt">Rade-</em>, <em class="gesperrt">Equisetum-Vergiftung</em>. Aehnlich verhält sich die -<em class="gesperrt">Kochsalz-</em> und <em class="gesperrt">Salpetervergiftung</em> (vergl. unten).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Prognose bei einzelnen Vergiftungen.</b> Die <em class="gesperrt">Klatschrosen</em>, -von welchen angenommen wird, dass sie Morphium oder ein -morphiumähnliches Alkaloid als wirksames Gift enthalten, erzeugen -beim Rind ein sehr typisches Bild einer Vergiftung, welches sich -durch Anfälle von Raserei und Tobsucht, wutähnliche Anfälle, -epileptiforme Krämpfe, Taumeln, Schlummersucht, Bewusstlosigkeit -etc. charakterisiert. Trotz der Hochgradigkeit der nervösen Symptome -sind Todesfälle ziemlich selten, so dass die Prognose der Vergiftung -eine ziemlich günstige ist. Die <em class="gesperrt">Bucheckern</em> enthalten einen -alkaloidartigen Giftstoff, das Fagin, das ebenfalls heftige -Vergiftungserscheinungen bedingt. Ein Pferd zeigte infolge der -Aufnahme von 2 Pfund Bucheckernölkuchen Kolik, Schwanken, hochgradige -Schreckhaftigkeit, sowie Lähmungserscheinungen im Hinterteil. -Das Tier war so aufgeregt, dass es bei der geringsten Berührung -in äusserste Raserei geriet. Die Verabreichung von Gegengiften -beseitigte die Krankheit im Verlaufe von 12 Stunden (Warner). -<em class="gesperrt">Atropin</em> und <em class="gesperrt">Hyoszin</em> haben bei Hunden und Katzen, welche -enorme Dosen (0,5–1,0 pro die) ertragen, vorübergehend die schwersten -Vergiftungserscheinungen: starke Unruhe, hochgradige Aufregung, -Krampfanfälle zur Folge. Nach kurzer Zeit pflegen sich die Tiere -indessen wieder zu erholen (Kobert; eigene Untersuchungen). Pferde -zeigen nach der Verfütterung von Bilsenkrautsamen rasende Zufälle, -sowie Beschleunigung des Pulses und der Atmung, erholen sich indessen -ebenfalls wieder leicht (Viborg). Die <em class="gesperrt">Pilzvergiftungen</em>, -namentlich die durch <em class="gesperrt">Schimmelpilze</em> und <em class="gesperrt">Mutterkorn</em>, -nehmen gleichfalls nicht selten trotz äusserst<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> gefahrdrohender -Zufälle einen gutartigen Verlauf. Zwei Pferde zeigten nach der -Aufnahme von verschimmeltem Brot anhaltende und heftige Kolik, -Schwanken mit dem Hinterteil, Schwindel und Niederfallen, wobei -sie etwa ½ Stunde ohne Gefühl, wie tot am Boden lagen. Dann -erhoben sie sich plötzlich, drängten gegen die Wand, gerieten in -Schweissausbruch und zeigten wieder denselben Anfall wie vorher. -Trotzdem genasen sie (Perrin). Auch die Mortalitätsziffer der -Mutterkornvergiftung ist trotz der schweren Krankheitserscheinungen -eine geringe. Die <em class="gesperrt">Merkurialisvergiftung</em>, welche sich bei -Pflanzenfressern und Schweinen in Kolikerscheinungen, Harndrang, -blutrotem Harn, Empfindlichkeit und Steifheit in der Nierengegend, -Atmungsbeschleunigung, Zittern und Schwäche äussert, lässt ebenfalls -in den meisten Fällen eine günstige Prognose zu. Aehnlich ist das -Verhalten der Haustiere gegenüber dem <em class="gesperrt">Solanin</em>. Bei der -<em class="gesperrt">Loliumvergiftung</em> hat man dasselbe beobachtet, wie ein von -Wiegel veröffentlichter Fall zeigt. Eine Kuh stürzte plötzlich, -wie vom Blitze getroffen, zusammen; dieser apoplektiforme Anfall -wiederholte sich dreimal hintereinander, worauf allgemeine -Empfindungslosigkeit, Schlafsucht und Verlangsamung der Respiration -eintrat. 1½ Stunden darauf erhob sich die Kuh wieder und zeigte -sofort einen ganz erstaunlichen Appetit. Die <em class="gesperrt">Radevergiftung</em> -nimmt zuweilen einen ähnlich günstigen Verlauf. Röll beobachtete -bei einem Pferde nach der Aufnahme von Rademehl Schlingbeschwerden, -sowie einen Zustand der Betäubung nach Art des Dummkollers; am -Tage darauf hatte sich das Pferd wieder vollständig erholt. Auch -die <em class="gesperrt">Kochsalz-</em> und <em class="gesperrt">Salpetervergiftung</em>, von welchen -namentlich die letztere sehr gefürchtet ist, zeigt nicht selten -eine günstige Prognose, wie zahlreiche in der Literatur vermerkte -Fälle beweisen. Ja selbst bei der <em class="gesperrt">Kolchikumvergiftung</em>, welche -von jeher als eine der gefährlichsten Vergiftungen bei unseren -Haustieren aufgefasst worden ist, beträgt die durchschnittliche -Mortalitätsziffer nicht mehr als 25–30 Proz. Noch wesentlich -geringer ist diese Ziffer bei den Vergiftungen mit <em class="gesperrt">Santonin</em>, -<em class="gesperrt">Alkohol</em>, <em class="gesperrt">Rizinus</em>, sowie durch <em class="gesperrt">Schlangenbisse</em>.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Die_Behandlung_der_Vergiftungen">Die Behandlung der Vergiftungen.</h3> - -</div> - -<p>Die Behandlung der Vergiftungen erfolgt mittelst der sog. Gegenmittel -oder Gegengifte (<em class="gesperrt">Antidote</em>). Diese Gegenmittel können sehr -verschiedener Natur sein und auf sehr verschiedene Weise ihre -giftwidrige Wirkung ausüben. Man unterscheidet vier Gruppen: 1. Die -<em class="gesperrt">mechanischen</em> oder <em class="gesperrt">physikalischen</em> Gegenmittel; 2. die -<em class="gesperrt">chemischen</em> Antidote; 3. die <em class="gesperrt">physiologischen</em> (dynamischen, -organischen, konstitutionellen, empirischen) Gegengifte oder -<em class="gesperrt">Antagonisten</em>; 4. die <em class="gesperrt">symptomatische</em> Behandlungsmethode -der Vergiftungen.</p> - -<p>1. Die <b>physikalischen</b> oder <b>mechanischen</b> Gegenmittel -wirken dadurch giftwidrig, dass sie die eingedrungenen Gifte -entweder auf rein mechanischem Wege aus dem Körper entfernen: -<em class="gesperrt">Brechmittel</em>, <em class="gesperrt">Abführmittel</em>, <em class="gesperrt">harntreibende</em>, -<em class="gesperrt">schweisstreibende</em>, <em class="gesperrt">speicheltreibende Mittel</em>, -<em class="gesperrt">Magenausspülung</em>, <em class="gesperrt">Aderlass</em>,<span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span> <em class="gesperrt">künstliche Atmung</em>, -oder dieselben einhüllen und die Aufsaugung resp. den Kontakt mit -der Schleimhaut dadurch verhindern: <em class="gesperrt">einhüllende Gegenmittel</em> -(<em class="gesperrt">Eiweiss</em>, <em class="gesperrt">Milch</em>, <em class="gesperrt">Oel</em>, <em class="gesperrt">schleimige Mittel</em>).</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Brechmittel</em> sind bei den dazu geeigneten Tieren (Hunden, -Schweinen, Katzen) in allen frischen Vergiftungsfällen in erster Linie -anzuwenden. Die wichtigsten Brechmittel sind das <em class="gesperrt">Apomorphin</em> -(Hunden zu 2–10 mg, Katzen zu 20–50 mg subkutan injiziert), das -<em class="gesperrt">Veratrin</em> (Schweinen 0,02–0,03 subkutan), das <em class="gesperrt">Rhizoma Veratri -albi</em> (Schweinen 1,0–2,0, Hunden 0,1 bis 0,2 per os oder als -Klysma), <em class="gesperrt">Radix Ipecacuanhae</em> (Schweinen und Hunden 1–3,0, Katzen -0,25–0,75), der <em class="gesperrt">Brechweinstein</em> (Schweinen 1–2,0, Hunden 0,1–0,3, -Katzen 0,05–0,2), der <em class="gesperrt">Kupfervitriol</em> als spezifisches Brechmittel -bei Phosphorvergiftung (Schweinen 0,5–1,0, Hunden 0,1–0,5, Katzen -0,05–0,2), der <em class="gesperrt">Zinkvitriol</em> (Schweinen 0,5–1,0, Hunden 0,1–0,3), -endlich als Hausmittel das <em class="gesperrt">Kochsalz</em> (Hunden 1–2 Teelöffel), das -<em class="gesperrt">Senfmehl</em> (Hunden 1–2 Teelöffel in einem Glas warmem Wasser), -<em class="gesperrt">Schnupftabak</em> (Hunden eine Prise in einem Esslöffel Wasser) usw.</p> - -<p>Von <em class="gesperrt">Abführmitteln</em> empfehlen sich besonders wegen ihrer raschen -Wirkung das <em class="gesperrt">Arekolin</em> und <em class="gesperrt">Eserin</em> (Pferden 0,05–0,1 -subkutan). Ausserdem kann die <em class="gesperrt">Aloe</em> (Pferden 25–50,0, Rindern -50–75,0), das <em class="gesperrt">Rizinusöl</em> (Pferden 500–750,0, Rindern 500 bis -1000,0, Schafen und Ziegen 50–250,0, Schweinen 50–100,0, Hunden -15–60,0, Katzen und Geflügel 10–20,0) und das <em class="gesperrt">Kalomel</em> (Pferden -2–8,0, Schweinen 1–4,0, Hunden 0,2–0,4, Katzen und Geflügel 0,1–0,2) -angewandt werden. Auch das <em class="gesperrt">Glaubersalz</em> ist als Abführmittel -angezeigt, namentlich bei der Bleivergiftung der Rinder (500–1000,0). -Die harntreibenden, schweiss- und speicheltreibenden Mittel haben eine -wesentlich schwächere evakuierende Wirkung, sie werden daher nur bei -chronischen Vergiftungen angewandt.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">einhüllenden Gegenmittel</em> werden hauptsächlich bei -Vergiftungen durch Aetzmittel angewandt, um die Magendarmschleimhaut -vor Anätzung zu schützen und gleichzeitig die Resorption zu hindern. -Am gebräuchlichsten ist die Verabreichung von <em class="gesperrt">Milch</em>, -<em class="gesperrt">Eiweiss</em> (Eiweiss der Eier für sich oder mit Wasser geschüttelt; -sog. Eiweisswasser), <em class="gesperrt">Schleim</em> (Leinsamenschleim, Gerstenschleim, -Haferschleim, Quittenschleim, Gummi arabicum, Abkochungen von -Eibischwurzel, Malvenblättern, Salepschleim, Tragantschleim), -<em class="gesperrt">Fetten</em> und <em class="gesperrt">Oelen</em> (Schweinefett, Butter, Olivenöl, -Repsöl, Mohnöl,<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> Mandelöl, Rizinusöl, Emulsionen). Die fetten -Oele und die Milch sind jedoch kontraindiziert bei Phosphor- und -Kantharidenvergiftung, weil sie die Resorption der genannten Gifte -befördern. — Bei vergifteten Wunden (Schlangenbisse) wird das Gift -durch Ausschneiden, Ausbrennen oder Ausätzen entfernt.</p> - -<p>2. Die <b>chemischen</b> Gegengifte wirken dadurch giftwidrig, dass sie -die in den Körper eingedrungenen Gifte zersetzen oder in Verbindungen -umwandeln, welche ungiftig oder weniger giftig sind. Das einfachste -Beispiel chemischer Antidote bilden die ätzenden <em class="gesperrt">Alkalien</em> -und <em class="gesperrt">Säuren</em>, welche sich gegenseitig unter Aufhebung ihrer -Alkali- und Säurenatur zu nicht ätzenden Salzen neutralisieren -(Kalilauge, Natronlauge, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures und -doppeltkohlensaures Natron und Kali, Seife einerseits; Schwefelsäure, -Salzsäure, Salpetersäure, Essigsäure, Oxalsäure andererseits). -Weiter gehören hierher das <em class="gesperrt">Kochsalz</em> als spezifisches Antidot -des Höllensteins, welcher dadurch zu Chlorsilber zerlegt wird (bei -Sublimatvergiftungen wirkt die Verabreichung von Kochsalz im Gegenteil -schädlich, weil dasselbe die Resorption des Sublimats infolge Bildung -der leicht löslichen Kochsalz-Sublimatverbindung befördert), das -<em class="gesperrt">Eisen</em> als Gegengift gegen Arsenik (Bildung von schwer löslichem -arseniksaurem Eisen), Blausäure, Quecksilber- und Kupfersalze, das -<em class="gesperrt">Ferrozyankalium</em> als Antidot gegen Kupfervergiftungen (ungiftiges -Ferrozyankupfer) und ätzende Eisensalze, z. B. Eisenchlorid (Bildung -von Berliner Blau), die <em class="gesperrt">Kupfersalze</em> als wichtigste Gegengifte -gegen Phosphorvergiftung (Bildung von ungiftigem Phosphorkupfer), die -<em class="gesperrt">gebrannte</em> und <em class="gesperrt">kohlensaure Magnesia</em> als Gegengift gegen -Säuren (Bildung von Magnesiasalzen), Arsenik, Metallsalze (Zerlegung), -das <em class="gesperrt">Jod</em> und die <em class="gesperrt">Jodsalze</em> als Gegengifte gegen die -Alkaloide im allgemeinen (Niederschlag), sowie gegen chronische -Metallvergiftungen (Bildung löslicher und daher aus dem Körper -eliminierbarer Metalljodide), das <em class="gesperrt">Bromkalium</em> und <em class="gesperrt">Natrium -subsulfurosum</em> als Bindemittel für Jod und Jodoform (Bildung von -Jodalkalien), der <em class="gesperrt">Schwefel</em> und <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> -als Antidot gegen Quecksilber-, Blei-, Kupfer-, Brechweinstein-, -Arsenikvergiftung (Bildung unlöslicher Metallsulfide), die -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> und <em class="gesperrt">schwefelsauren Salze</em> als spezifische -Mittel gegen Bleivergiftung (Bildung von unlöslichem Bleisulfat), -Karbolsäurevergiftung (ungiftiges phenolsulfonsaures Kali), -Kalkvergiftung (Bildung von Gips) und Baryumvergiftung (schwefelsaurer -Baryt), die <em class="gesperrt">Kalksalze</em> (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk,<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> Kreide, -Schneckenschalen, Austerschalen, Eierschalen, Marmor, Sepiasteine, -Zuckerkalk) als spezifisches Gegengift gegen Oxalsäurevergiftung -(der oxalsaure Kalk ist als unlösliche Verbindung ungiftig), das -<em class="gesperrt">Tannin</em> und die <em class="gesperrt">gerbsäurehaltigen Pflanzen</em> (Eichenrinde, -Weidenrinde, Salbeiblätter, Kaffee, Tee, Eicheln, Galläpfel, -Tinte, Chinarinde, Catechu, Ratanhiawurzel, Tormentillwurzel, -Nussbaumblätter etc.) als wichtigste Antidote gegen die Vergiftung -mit Alkaloiden und Glykosiden (Bildung schwer löslicher oder -unlöslicher gerbsaurer Salze), mit Metallsalzen, namentlich mit -Brechweinstein, Bleizucker, Höllenstein und Eisenvitriol (Bildung von -Metalltannaten), <em class="gesperrt">Ammoniak</em>, <em class="gesperrt">Chlor</em>, <em class="gesperrt">übermangansaures -Kali</em>, <em class="gesperrt">Eisenchlorid</em>, <em class="gesperrt">Chromsäure</em> als lokale Gegengifte -bei Schlangenbissen und Insektenstichen, <em class="gesperrt">altes Terpentinöl</em>, -<em class="gesperrt">Kalium permanganicum</em>, Kobaltnitrat, Wasserstoffsuperoxyd und -Ozonwasser als Antidot des Phosphors (Oxydation zu Phosphorsäure), -<em class="gesperrt">Eiweiss</em> als chemisches Gegengift gegen Metallsalze (Bildung von -Metallalbuminaten), ätzende Säuren (Bildung von Säurealbuminaten), -gegen Chlor-, Brom- und Jodvergiftung, <em class="gesperrt">Leim</em> und <em class="gesperrt">Kleber</em> -gegen Metallvergiftungen (z. B. Sublimatvergiftung), Alaun- -und Gerbsäurevergiftung (Bildung von Niederschlägen), <em class="gesperrt">fette -Oele</em> gegen Vergiftung durch Alkalien und Säuren (Verseifung), -<em class="gesperrt">Stärkemehl</em> als Antidot gegen Jod (Bindung unter Blaufärbung), -die <em class="gesperrt">Tierkohle</em> als Gegengift gegen Alkaloide und Metalle.</p> - -<p>3. Die <b>physiologischen</b> oder <b>dynamischen</b> Gegengifte sind -nicht gegen das Gift selbst, sondern gegen dessen <em class="gesperrt">Wirkungen</em> -gerichtet (Antagonisten) und haben den Zweck, durch Erzeugung einer der -Giftwirkung entgegengesetzten Wirkung (Erregung — Lähmung) die erstere -aufzuheben. Man unterscheidet einen <em class="gesperrt">einseitigen</em> (einfachen) und -einen <em class="gesperrt">doppelseitigen</em> oder <em class="gesperrt">wechselseitigen</em> (mutuellen) -<em class="gesperrt">Antagonismus</em>. Einseitig ist derselbe, wenn nur das eine Gift die -Wirkung des anderen, aber nicht umgekehrt, aufhebt, doppelseitig oder -wechselseitig, wenn eine gegenseitige Aufhebung stattfindet. Ausserdem -spricht man von einem <em class="gesperrt">wahren</em> (direkten) und <em class="gesperrt">scheinbaren</em> -(indirekten) Antagonismus, je nachdem die beiden Gifte auf ein und -dasselbe Organ (Nervensystem, Muskel, Drüsen) oder auf verschiedene -Organe einwirken. So ist z. B. Kurare nur ein indirekter Antagonist -des Strychnins, weil es nicht wie dieses auf das Rückenmark, sondern -auf die peripheren Muskelnerven einwirkt. Das Vorkommen eines wahren -doppelseitigen Antagonismus ist nach neueren Untersuchungen fraglich. -Es kann zwar ein lähmendes<span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span> Gegengift, wie z. B. das Atropin, die -erregende Wirkung eines andern, z. B. des Eserins auf den Okulomotorius -(Mydriasis, Myosis) aufheben, dagegen lässt sich eine vorhandene -Atropinlähmung des Okulomotorius (Mydriasis) durch die erregende -Wirkung des Eserins (Myotikum) nicht wieder beseitigen.</p> - -<p>Die wichtigsten physiologischen Gegengifte sind: a) <em class="gesperrt">Atropin</em> als -Gegengift gegen <em class="gesperrt">Morphin</em> und <em class="gesperrt">Chloroform</em>. Der Antagonismus -zwischen Atropin und Morphin ist ein doppelseitiger, aber zum Teil -indirekter. Das lähmende Morphin beseitigt die durch das Atropin -hervorgerufene psychische Erregung durch direkte antagonistische -Einwirkung auf das Gehirn; dagegen wird durch das erregende Atropin -die lähmende Wirkung des Morphins auf das Herz indirekt in der -Weise gehoben, dass das Atropin die nervösen Zentren des Herzens -erregt, während das Morphin den Herzmuskel selbst gelähmt hat. b) -<em class="gesperrt">Atropin</em> als Gegengift gegen <em class="gesperrt">Pilokarpin-</em>, <em class="gesperrt">Eserin-</em>, -<em class="gesperrt">Arekolin-</em>, <em class="gesperrt">Muskarin-</em> und <em class="gesperrt">Nikotinvergiftung</em>. -c) <em class="gesperrt">Bromkalium</em>, <em class="gesperrt">Chloralhydrat</em>, <em class="gesperrt">Chloroform</em>, -<em class="gesperrt">Koniin</em>, <em class="gesperrt">Kurare</em> als Gegengift gegen <em class="gesperrt">Strychnin</em> -und <em class="gesperrt">Pikrotoxin</em>. d) <em class="gesperrt">Amylnitrit</em> als Antagonist des -gefässverengernden <em class="gesperrt">Mutterkorns</em> und <em class="gesperrt">Adrenalins</em>. e) -<em class="gesperrt">Koffein</em> als Antidot gegen <em class="gesperrt">Morphin</em>, <em class="gesperrt">Chloroform</em> und -<em class="gesperrt">Alkohol</em>.</p> - -<p>4. Die <b>symptomatischen</b> Gegenmittel bestehen darin, dass einzelne -Hauptsymptome der Vergiftungen behandelt werden. So gibt man gegen -Lähmungserscheinungen Exzitantien (Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, -Koffein, Kaffee, Veratrin, Strychnin, Hyoszin, Ammoniak, kohlensaures -Ammonium), gegen schmerzhafte Koliken Morphium und andere Narkotika, -gegen Durchfälle Styptika, gegen Verstopfung Laxantien, gegen starkes -Erbrechen die Opiate, gegen hohes Fieber Antipyretika, gegen Krämpfe -die Sedativa etc.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Zusammenstellung der Antidote bei den wichtigsten -Einzelvergiftungen.</b> Die ausführlichere Besprechung der -antidotarischen Behandlung der Einzelvergiftungen ist Sache -der speziellen Toxikologie. An dieser Stelle sollen nur die -bemerkenswertesten Vergiftungen mit ihren Antidoten kurz -zusammengestellt werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Akonitinvergiftung</em>: Brechmittel, Tannin, Jod, Tierkohle, -Atropin, Digitalis, künstliche Atmung, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alaunvergiftung</em>: Eiweiss, Milch, Leimlösung, Kalkwasser, -gebrannte Magnesia, Ammoniak, Abführmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alkalien, ätzende</em>: Essig, verdünnte Säuren (Salzsäure, -Schwefelsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure), fette Oele, Milch, -Emulsionen, schleimige Mittel, Eispillen, Morphium, Magenausspülung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alkoholvergiftung</em>: Kaffee, Koffein, Ammoniak, kohlensaures<span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span> -Ammonium, Kampfer, Atropin, Hyoszin, kalte Begiessungen des Kopfes, -Klistiere, Priessnitzsche Umschläge, warme Einhüllungen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Aloevergiftung</em>: Opium, Tannin, schleimige Mittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ammoniakvergiftung</em>: verdünnte Säuren, Fette, Oele, Milch, -schleimige Mittel, Tracheotomie; gegen die Krämpfe Morphium, -Chloralhydrat, Bromkalium.</p> - -<p><em class="gesperrt">Anilinvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, -frische Luft, kalte Begiessungen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Arsenikvergiftung</em>: Brechmittel, Eisenpräparate, Ferrum -hydricum in aqua (= Antidotum Arsenici), Ferrum oxydatum saccharatum, -Magnesia usta, Tierkohle, Schwefel, Schwefelleber, Schwefeleisen, -Eiweiss, Milch, Schleim, Exzitantien. Zu vermeiden sind Alkalien und -fette Oele (Rizinusöl).</p> - -<p><em class="gesperrt">Atropinvergiftung</em> (Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel): -Brechmittel, Gerbsäure, Morphium, Pilokarpin, Eserin, Arekolin, -gegen die psychische Erregung Chloroform, Chloralhydrat, Sulfonal, -Bromkalium.</p> - -<p><em class="gesperrt">Baryumvergiftung</em>: verdünnte Schwefelsäure, schwefelsaures -Natrium und Kalium, schwefelsaure Magnesia, Brechmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bingelkrautvergiftung</em>: Brechmittel, Eiweiss, Milch, Opium, -Gerbsäure.</p> - -<p><em class="gesperrt">Blausäurevergiftung</em>: Brechmittel, Eisenoxydhydrat, -Wasserstoffsuperoxyd, übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Atropin, -künstliche Respiration, Exzitantien, kalte Begiessungen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bleivergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, verdünnte -Schwefelsäure, Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum, Magnesium -sulfuricum, Schwefel, Schwefelwasserstoff, Gerbsäure, Eiweiss, -Milch, symptomatische Behandlung (Opium, Morphium). Bei chronischer -Bleivergiftung Jodkalium.</p> - -<p><em class="gesperrt">Brechweinsteinvergiftung</em>: Gerbsäure, kohlensaures Natron, -verdünnte Säuren, Schwefel, Schwefelleber, Opium, Eiweiss, Schleim, -Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Chlor- und Chlorkalkvergiftung</em>: Natrium oder Magnesium -subsulfuricum, Einatmen von Schwefelwasserstoff und Ammoniak -(verdünnt); innerlich Liquor Ammonii anisatus, Eiweiss, Schleim.</p> - -<p><em class="gesperrt">Chloroform-</em>, <em class="gesperrt">Chloralhydrat-</em> und -<em class="gesperrt">Aethervergiftung</em>: Exzitantien, namentlich Atropin, Hyoszin -(Skopolamin), Strychnin, Veratrin, Koffein, Ammoniak, kohlensaures -Ammonium, Hautreize, kalte Begiessungen, künstliche Respiration, -Transfusion.</p> - -<p><em class="gesperrt">Chromsäurevergiftung</em>: Eiweiss, Magnesia usta, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cytisusvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Digitalisvergiftung</em> vergl. Fingerhutvergiftung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Eibenbaumvergiftung</em>: Abführmittel, Exzitantien, Atropin, -Hyoszin, Koffein, Veratrin, Strychnin, Kampfer, Aether, Alkohol, -Ammoniak, Jod (Lugolsche Lösung).</p> - -<p><em class="gesperrt">Equisetumvergiftung</em>: Abführmittel, Kampfer, Aether, Koffein, -Atropin, Hyoszin, Veratrin, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Essigvergiftung</em>: Seifenwasser, Sodawasser, Kreide, -kohlensaurer Kalk, gebrannte Magnesia, Milch, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Fingerhutvergiftung</em>: Brechmittel, Nitroglyzerin, Amylnitrit, -Tannin, Kampfer, Aether, Atropin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus, -Wein, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Gerbsäurevergiftung</em>: Eiweiss, Leim, Schleim, Abführmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Glaubersalzvergiftung</em>: Schleim, Opium, Kampfer, Aether, -Ammonium carbonicum.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Grubengasvergiftung</em>: Frische Luft, künstliche Respiration, -Hautreize, kalte Begiessungen, Exzitantien, Transfusion.</p> - -<p><em class="gesperrt">Grünspanvergiftung</em>: Eiweiss, Ferrozyankalium, Eisenpulver, -Magnesia usta.</p> - -<p><em class="gesperrt">Helleborusvergiftung</em>: Gerbsäure, Opium, Exzitantien, Kampfer.</p> - -<p><em class="gesperrt">Herbstzeitlosenvergiftung</em>: Brechmittel, Tannin, Jod (Lugolsche -Lösung), Opium, Morphium, Schleim, feuchtwarme Wicklungen, -Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Höllensteinvergiftung</em>: Brechmittel, Eiweiss, Kochsalz, -verdünnte Salzsäure.</p> - -<p><em class="gesperrt">Insektenstiche</em>: Waschung mit Ammoniakwasser, Chlorwasser, -Alkohol, Bleiwasser, Abführmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jod- und Jodoformvergiftung</em>: Stärkemehl, Mehlwasser, Eiweiss, -Bromkalium, Bromnatrium, Natrium und Kalium bicarbonicum, Natrium -subsulfurosum, Exzitantien, Brechmittel, Abführmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kalichlorikumvergiftung</em>: Brechmittel, Infusion physiologischer -Kochsalzlösung, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kantharidenvergiftung</em>: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien; -keine fetten Oele!</p> - -<p><em class="gesperrt">Karbolvergiftung</em>: Brechmittel, Magenausspülung, Sulfate, -verdünnte Schwefelsäure, Seifenwasser, Zuckerkalk, Kalkwasser, -Terpentinöl, Jodtinktur, Eiweiss, Milch, Oel, Exzitantien (Aether, -Kampfer, Koffein, Hyoszin).</p> - -<p><em class="gesperrt">Kichererbsenvergiftung</em>: Tracheotomie, Koffein, Atropin, -Strychnin, Veratrin, Hautreize, Abführmittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kochsalzvergiftung</em>: Viel Wasser, Schleim, Oel, Aether, -Kampfer, Atropin, Koffein, symptomatisch gegen Krämpfe Sedativa.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kohlenoxydvergiftung</em>: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, -alkalische Kochsalzinfusion, Nitroglyzerin; Exzitantien, künstliche -Respiration, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kokainvergiftung</em>: Tannin, Jod, Amylnitrit, Chloralhydrat.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kolchikumvergiftung</em> vergl. Herbstzeitlosenvergiftung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Konvallariavergiftung</em>: Tannin, Exzitantien, Kampfer, Aether.</p> - -<p><em class="gesperrt">Krotonölvergiftung</em>: Schleim, Eiweiss, Opium, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kreosotvergiftung</em>: Brechmittel, Schleim, verdünnte -Schwefelsäure, schwefelsaures Natrium, Bittersalz, Seife, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kornradevergiftung</em>: Abführmittel, Tannin, Schleim, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kupfervergiftung</em>: Abführmittel, Brechmittel, Eiweiss, -Ferrozyankalium, Eisenpulver, Magnesia usta, Tierkohle, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lakenvergiftung</em>: Viel Wasser, Schleim, Oel, Exzitantien, -Sedativa.</p> - -<p><em class="gesperrt">Leuchtgasvergiftung</em>: Frische Luft, Sauerstoffinhalation, -Hautreize, künstliche Atmung, Transfusion.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lupinenvergiftung</em>: Futterwechsel, Präparierung der giftigen -Lupinen, verdünnte Säuren (keine Alkalien!), Rizinusöl, Krotonöl.</p> - -<p><em class="gesperrt">Morphiumvergiftung</em>: Atropin, Hyoszin (Skopolamin), Koffein, -Kaffee, Tee, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Muskarinvergiftung</em>: Atropin, Hyoszin.</p> - -<p><em class="gesperrt">Mutterkornvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, -Chloralhydrat, Amylnitrit, Gerbsäure, symptomatische Behandlung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nikotinvergiftung</em>: Abführmittel, Tannin, Jodlösung, Tierkohle, -Exzitantien, Pansenschnitt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Oleandervergiftung</em>: Abführmittel, Schleim, Tannin, -Exzitantien.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Opiumvergiftung</em>: Atropin, Hyoszin, Koffein, Abführmittel, -Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Oxalsäurevergiftung</em>: Kalkwasser, Zuckerkalk, Kreide, Magnesia -usta, Exzitantien, Diuretika.</p> - -<p><em class="gesperrt">Petroleumvergiftung</em>: Brechmittel, Hautreize, Aether, Kampfer, -Wein, Ammonium carbonicum, Koffein, künstliche Atmung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Phosphorvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, altes -Terpentinöl, Kupfervitriol, überhaupt Kupfersalze, Kalium -permanganicum, Kobaltnitrat, Wasserstoffsuperoxyd, Exzitantien, -Infusion alkalischer Kochsalzlösung. Fette und fette Oele sind zu -vermeiden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Physostigminvergiftung</em>: Atropin, Hyoszin, symptomatische -Behandlung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pilokarpinvergiftung</em>: Atropin, Hyoszin, Agarizin, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pilzvergiftung</em>: Abführmittel, einhüllende Mittel, Exzitantien, -Hautreize, Tannin, Jod, Kalomel (bei Fliegenpilzvergiftung: Atropin).</p> - -<p><em class="gesperrt">Ptomainevergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, -Jodwasser, Tierkohle, Kalomel, Aether, Kampfer, Koffein, Atropin, -Wein, Ammoniak, symptomatische Behandlung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Quecksilbervergiftung</em>: Eiweiss, Milch, Eisenpulver, Schwefel, -Schwefelleber, Schwefelwasserstoff, Magnesia usta, symptomatische -Behandlung; bei chronischen Vergiftungen: Jodkalium, Anregung des -Stoffwechsels.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ranunkelvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, -Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Sabinavergiftung</em>: Schleimige, einhüllende Mittel, Opium, -Morphium.</p> - -<p><em class="gesperrt">Salpetervergiftung</em>: Schleimige Mittel, Oel, Aether, Weingeist, -Wein, Kampfer, Ammonium carbonicum, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Salpetersäurevergiftung</em>: Verdünnte Alkalien, Eiweiss, Schleim, -Oel, Opium.</p> - -<p><em class="gesperrt">Salzsäurevergiftung</em>: Dasselbe.</p> - -<p><em class="gesperrt">Santoninvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Aether, -Chloralhydrat, Kampfer, Wein, symptomatische Behandlung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schierlingvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Veratrin, -Strychnin, Koffein, Atropin, Aether, Kampfer, kohlensaures Ammonium, -Tannin.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schlangengift</em>: Oertlich Chlorwasser, Chlorkalkwasser, Lösungen -von übermangansaurem Kali, Chromsäure (1proz.), Eisenchlorid, -Ammoniakwasser, Karbolwasser, Kreolinwasser; innerlich Alkohol, -Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, Liquor Ammonii anisatus.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schwammvergiftung</em>: Brechmittel, Abführmittel, Exzitantien, -symptomatische Behandlung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schwefelkohlenstoffvergiftung</em>: Frische Luft, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schwefelsäurevergiftung</em>: Verdünnte Alkalien, Kalkwasser, Soda, -gebrannte Magnesia, Kreide, Schleim, Oel, Eispillen, Exzitantien, -Salizylsäure.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schwefelwasserstoffvergiftung</em>: Frische Luft, Aether, Kampfer, -Einatmung von Chlorgas, Exzitantien, Hautreize, Infusion, Aderlass, -subkutane Kochsalzlösung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Solaninvergiftung</em>: Tannin, Abführmittel, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Strychninvergiftung</em>: Chloralhydrat, Chloroform, Bromkalium, -Aether, Sulfonal, Morphin, künstliche Atmung, Tannin, Jodwasser, -Brechmittel, Magenausspülung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tabakvergiftung</em> vergl. Nikotinvergiftung.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Taumellolchvergiftung</em>: Abführmittel, Aether, Kampfer, Atropin, -Koffein, Hautreize.</p> - -<p><em class="gesperrt">Terpentinölvergiftung</em>: Schleimige Mittel, Opium, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Veratrinvergiftung</em>: Tannin, Jod, Opium, Sedativa, einhüllende -Mittel, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Vergiftung mit wildem Mohn</em>: Abführmittel, Tannin, Opium, -Morphium, Chloralhydrat, Bromkalium, kalte Sturzbäder auf den Kopf, -evakuierende Klistiere.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wurmfarnvergiftung</em>: Abführmittel, Exzitantien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zinkvergiftung</em>: Eiweiss, Schleim, Milch, Tannin, Opium, -Natrium und Kalium carbonicum und bicarbonicum, Schwefelleber, -Gerbsäure, Exzitantien.</p> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Spezielle_Toxikologie">Spezielle Toxikologie.</h2> - -</div> - -<h3 id="I_Mineralische_Gifte">I. Mineralische Gifte.</h3> - -<h4 id="Phosphorvergiftung">Phosphorvergiftung.</h4> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie des Phosphors.</b> Der Phosphor findet sich in der Natur -nirgends in freiem Zustande, sondern immer gebunden, meist in der -Form phosphorsaurer Salze. Er ist als freies Element zuerst im -Jahre 1669 von <em class="gesperrt">Brand</em> in Hamburg aus Menschenharn dargestellt -worden; aus dem phosphorsauren Kalke der Knochen wurde er erst -im Jahre 1771 durch <em class="gesperrt">Scheele</em> gewonnen. Seine Bedeutung für -die Toxikologie beginnt erst mit dem Jahr 1833, dem Zeitpunkt der -Erfindung der Phosphorstreichhölzer. Ausser dem besonders in den -<em class="gesperrt">Knochen</em> in grosser Menge (85 Proz. der Asche) enthaltenen -Kalziumphosphat kommen phosphorsaure Verbindungen auch sonst im -Tierkörper z. B. als phosphorsaures Kali vor; es enthalten ferner -alle Pflanzen phosphorsaure Salze; endlich ist der Phosphor ein -normaler Bestandteil der Ackererde und findet sich in grösserer Menge -in gewissen Mineralien, so z. B. im Phosphorit, Apatit, Wawellit, -Vivianit und Grünbleierz. Zur Darstellung des Phosphors wurden -früher ausschliesslich die Knochen benutzt; dieselbe wurde nur von -vereinzelten Fabriken betrieben (Birmingham, Lyon, Kaluga). Die von -Fett und Leim befreiten Knochen wurden gebrannt, mit Schwefelsäure -behandelt und mit Kohle geglüht, worauf die entweichenden -Phosphordämpfe in Wasser aufgefangen, gereinigt und in Stangen -geformt wurden. Neuerdings stellt man den Phosphor aus mineralischen -Phosphaten (Phosphorit) im elektrischen Ofen dar.</p> - -<p>Der Phosphor tritt in 3 allotropen Modifikationen auf: 1. -<em class="gesperrt">Gewöhnlicher, giftiger, farbloser Phosphor</em>, bildet farblose, -später schwach gelbe, durchsichtige, wachsartige Stangen von -ozonartigem Geruch. Er kristallisiert in Oktaedern, ist in der Kälte -spröde, bei gewöhnlicher Temperatur wachsartig und schmilzt bei 44° -unter Wasser zu einer farblosen Flüssigkeit; er verdampft schon bei -gewöhnlicher Temperatur und <em class="gesperrt">leuchtet</em> im Dunkeln an feuchter -Luft unter Entwicklung ozonartig riechender Dämpfe (Ozonbildung, -Oxydation zu phosphoriger Säure und Phosphorsäure). An der Luft, beim -Erhitzen und beim Reiben entzündet sich der Phosphor und verbrennt zu -Phosphorsäureanhydrid. In Wasser ist er so gut wie unlöslich; das mit -Phosphor geschüttelte Wasser nimmt aber Spuren von Phosphor auf und -kann daher giftig wirken. Leichter löst er sich in<span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span> Alkohol, Aether -und fetten Oelen, besonders leicht in Schwefelkohlenstoff, Benzol, -Terpentinöl und ätherischen Oelen. Sauerstoffreiche Verbindungen, -namentlich ozonhaltiges, altes Terpentinöl, Wasserstoffsuperoxyd, -übermangansaures Kali, Kobaltnitrat, Salpetersäure usw. oxydieren den -Phosphor rasch zu Phosphorsäure (PO<sub>4</sub>H<sub>3</sub>). Mit Schwefel, Chlor, -Brom und Jod verbindet er sich direkt, ebenso gibt er mit Lösungen -von Kupfer-, Silber-, Gold- und Quecksilbersalzen Niederschläge von -Phosphormetallen (Phosphorkupfer etc.). Bei längerer Aufbewahrung -überzieht sich der Phosphor unter der Einwirkung des Lichtes und -der Luft mit einer Schichte amorphen Phosphors. 2. <em class="gesperrt">Amorpher, -roter, ungiftiger Phosphor</em>, im Jahre 1845 entdeckt und seit -1852 zur Fabrikation der schwedischen Streichhölzer (Reibfläche der -Schachteln) verwendet, aus dem vorigen dargestellt durch Erhitzen -auf 250–260°, ein amorphes, dunkelrotes, geschmack- und geruchloses -Pulver oder rotbraune, metallisch glänzende Stücke mit muschligem -Bruche, unlöslich in den Lösungsmitteln des gewöhnlichen Phosphors, -nicht leuchtend und sich erst bei 260° entzündend. Der rote Phosphor -ist per os aufgenommen ungiftig, weil er auch in Fett unlöslich ist -und daher von der Magen- und Darmschleimhaut nicht resorbiert wird; -bei intravenöser Injektion erzeugt er jedoch wie der gewöhnliche -Phosphor Leber-und Nierenverfettung. 3. <em class="gesperrt">Metallischer</em> oder -<em class="gesperrt">rhomboedrischer Phosphor</em>, schwarze, glänzende Kristalle durch -Erhitzen des Phosphors bis zur Rotglut dargestellt.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Phosphorwasserstoff</em>, PH<sub>3</sub>, ist ebenso giftig wie der -gewöhnliche Phosphor. PH<sub>3</sub> soll auch die Ursache der Phosphoreszenz -des Fleisches sein und von den Leuchtbakterien erzeugt werden, was -mit Rücksicht auf die Unschädlichkeit des leuchtenden Fleisches -unwahrscheinlich ist. Mit dem Leuchten des Holzes, gewisser Schwämme -und des Meeres hat PH<sub>3</sub> jedenfalls nichts zu tun. PH<sub>3</sub> riecht -knoblauchartig.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Phosphorvergiftung.</b> <em class="gesperrt">Toxikologische</em> -Bedeutung hat nur der gewöhnliche, giftige Phosphor. Derselbe wird -allgemein zur Herstellung von <em class="gesperrt">Ratten-</em> und <em class="gesperrt">Mäusegift</em> -(Phosphorteig, Phosphorbrei, Phosphorpaste, Phosphorpillen) in -Wohnungen, Stallungen und auf dem Felde benützt und gibt so -Veranlassung zur zufälligen oder böswilligen Einverleibung. Ausserdem -haben namentlich früher die <em class="gesperrt">Phosphorzündhölzer</em> zuweilen -Vergiftungen bedingt. Dieselben wurden in der Weise angefertigt, dass -die mit Schwefel überzogenen Hölzchen in eine Phosphoremulsion getaucht -wurden, welche mittels Gummi oder Leim unter Beimengung von Russ, -Mennige etc. hergestellt war. <em class="gesperrt">Auf jedes dieser Phosphorstreichhölzer -kamen pro Kopf etwa 5 Milligramm Phosphor, so dass also z. B. 20 -derselben 0,1 Phosphor, d. h. die für einen Hund tödliche Dosis -enthielten.</em> (Die therapeutische Maximaldosis des Phosphors für -den Menschen beträgt 1 Milligramm). Ungiftig sind dagegen die sog. -schwedischen Streichhölzer, welche keinen Phosphor, sondern ein Gemenge -von chlorsaurem Kali und Schwefelantimon oder Mennige<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> enthalten, -während die Reibfläche der Schachteln einen Ueberzug von amorphem -Phosphor besitzt. Endlich können Phosphorvergiftungen durch <em class="gesperrt">zu -hohe Dosierung des Phosphors</em> bedingt werden. Die beim Menschen -nach der Einatmung von <em class="gesperrt">Posphordämpfen</em> in Fabriken beobachteten -chronischen Vergiftungen sind bei den Haustieren bisher noch nicht -beobachtet worden. Dagegen wurden Fälle von akuter Vergiftung durch -Einatmen von Phosphordämpfen auch bei den Haustieren konstatiert. Die -tödlichen und therapeutischen Dosen des Phosphors für die einzelnen -Haustiere betragen:</p> - -<table summary="Dosierungen des Phosphors"> - <tr> - <td class="s5"> - <div class="left"> </div> - </td> - <td class="s5 padleft0_5"> - <div class="center"><em class="gesperrt">Tödliche</em> Dosis</div> - </td> - <td class="s5 padleft0_5"> - <div class="center"><em class="gesperrt">Therapeutische</em> Dosis</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Pferd</em> und <em class="gesperrt">Rind</em></div> - </td> - <td> - <div class="center">0,5 –2,0 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,01  –0,05 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Schaf</em> und <em class="gesperrt">Schwein</em></div> - </td> - <td> - <div class="center">0,1 –0,2 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,002 –0,005</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Hunde</em></div> - </td> - <td> - <div class="center">0,05–0,1 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,0005–0,002</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Katzen</em> und <em class="gesperrt">Geflügel</em></div> - </td> - <td> - <div class="center">0,01–0,03</div> - </td> - <td> - <div class="center">0,0005–0,001</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Phosphorvergiftung (Phosphorismus) -kommt bei allen Haustieren, am häufigsten aber beim Geflügel, -bei Schweinen und Hunden vor. Das Krankheitsbild ist je nach der -Form, in welcher der Phosphor aufgenommen wird (kleinere Stücke, -Zündholzkuppen, Phosphorbrei, Phosphoröl), ferner je nach dem -Inhalt und Füllungszustand des Magens, nach der Applikationsmethode -(innerlich, subkutan), sowie je nach der Tiergattung verschieden. -Namentlich bei Pferden verläuft die Phosphorvergiftung zuweilen -ohne besondere charakteristische Krankheitserscheinungen; auch beim -Geflügel (Hühnern, Enten) werden häufig nur ganz allgemeine Symptome -wahrgenommen. Das typische Krankheitsbild der Phosphorvergiftung, wie -es sich insbesondere bei Hunden und Schweinen entwickelt, setzt sich -aus lokalen und allgemeinen Erscheinungen zusammen.</p> - -<p>1. Die <em class="gesperrt">Lokalerscheinungen</em> werden durch eine reizende und -ätzende Einwirkung des Phosphors auf die Schleimhäute des Digestions- -und Respirationsapparates bedingt. Sie bestehen in Appetitlosigkeit, -<em class="gesperrt">Erbrechen</em> (Phosphorgeruch und Leuchten des Erbrochenen im -Dunkeln), Blutbrechen, Unruheerscheinungen, <em class="gesperrt">Kolikanfällen</em>, -Stöhnen, Winseln, Durchfall; bei Anätzung der Maul- und -Schlundschleimhaut findet man ausserdem Speicheln, Anschwellung der -Zunge, sowie Lähmung des Schlingvermögens. Nach dem Einatmen von -Phosphordämpfen beobachtet man sehr starken Husten, leuchtenden -Atem, Erstickungsanfälle, hochgradige Atemnot,<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> die Erscheinungen -des Lungenödems, sowie beim Rind zuweilen Hautemphyseme am Hals und -Thorax infolge des durch den Husten entstandenen interstitiellen -Lungenemphysems.</p> - -<p>2. Die <em class="gesperrt">Allgemeinerscheinungen</em> beginnen mit dem Uebergang -des Phosphors ins Blut. Die Resorption des in Wasser unlöslichen -Phosphors wird durch den Fettgehalt des Darminhaltes bedingt. Ausserdem -durchdringt der rasch verdampfende Phosphor die Magenwand und die -benachbarten Organe und bewirkt so eine direkte Degeneration der -Gewebszellen (Magendrüsen, Leber). Der Phosphor wirkt als heftiges -<em class="gesperrt">Zellen-</em> und <em class="gesperrt">Stoffwechselgift</em> unter Zersetzung der -Zellen bezw. des Körpereiweisses zu <em class="gesperrt">Fett</em>, Leuzin, Tyrosin, -Milchsäure usw. Dabei erweist er sich vorwiegend als <em class="gesperrt">Drüsen-</em> -und <em class="gesperrt">Muskelgift</em>, indem er eine Nekrobiose sowie fettige -Degeneration namentlich der <em class="gesperrt">Leber-</em>, <em class="gesperrt">Magendrüsen-</em> -und <em class="gesperrt">Nierenzellen</em>, der Muskelfasern des <em class="gesperrt">Herzens</em>, der -<em class="gesperrt">Skelettmuskeln</em>, sowie des Endothels und der Muskelfasern der -<em class="gesperrt">Gefässe</em> hervorruft. Eigentümlicherweise bleibt der Phosphor -im Blute sehr lange unoxydiert; seine Oxydation zu Phosphorsäure -geschieht vorwiegend in den Geweben (Protoplasmagift). Die Verfettung -der Skelettmuskeln äussert sich in allgemeiner, <em class="gesperrt">lähmungsartiger -Körperschwäche</em> und Hinfälligkeit, die des Herzmuskels in -<em class="gesperrt">Herzschwäche</em>, stark vermindertem Blutdrucke, schwachem, -unfühlbarem Puls und Herzschlag, Sinken der Körpertemperatur und -Herzlähmung. Die Verfettung der Leberzellen wird teils auf eine -Fettbildung in den Zellen selbst, teils auf einen Fettransport -nach der Leber, somit gleichzeitig auf Fettdegeneration und -Fettinfiltration zurückgeführt. Sie kann infolge Vergrösserung der -Zellen zu Vergrösserung der Leberdämpfung, sowie zu Gallenstauung und -<em class="gesperrt">Ikterus</em>, einem sehr charakteristischen, aber nicht regelmässigen -Symptom der Phosphorvergiftung führen. Die kranke Leber hat ausserdem -die Fähigkeit der Glykogensynthese verloren, was sich durch Auftreten -von Zucker im Harn äussert (<em class="gesperrt">Glykosurie</em>). Die Nierenverfettung -äussert sich klinisch durch <em class="gesperrt">Albuminurie</em> und <em class="gesperrt">Lipurie</em>. -Die fettige Degeneration der Gefässmuskulatur und des Gefässendothels -bedingt eine Brüchigkeit aller Gefässe und infolgedessen -<em class="gesperrt">Hämorrhagien</em> auf den Schleimhäuten (Nasenbluten, blutiger -Ausfluss aus der Scheide, Hämaturie, Hämatemesis) und in die Haut. Als -besondere Erscheinungen beobachtet man endlich bisweilen bei Schweinen -Aufregung und sonstige zerebrale Erregungserscheinungen, beim Geflügel -eigentümliche hüpfende Körperbewegungen, und endlich bei Milchkühen,<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> -offenbar als eine Folge des nekrotisierenden, verfettenden Einflusses -des Phosphors auf die Drüsenzellen, nach überstandener Vergiftung ein -absolutes, bleibendes Versiegen der Milch (<em class="gesperrt">Schindelka</em>).</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> der Phosphorvergiftung ist bei den Haustieren immer -<em class="gesperrt">akut</em>. Die ersten Allgemeinerscheinungen treten, insbesondere bei -den Pflanzenfressern, wegen der <em class="gesperrt">langsamen Resorption</em> des Giftes -meist nicht vor Ablauf mehrerer Stunden, zuweilen erst nach mehreren -Tagen ein. Die kürzeste Krankheitsdauer beträgt 10–15 Stunden; meist -sterben die Tiere am <em class="gesperrt">zweiten</em> und <em class="gesperrt">dritten</em>, häufig aber -auch erst am dritten bis fünften Tage nach der Aufnahme des Phosphors. -Zuweilen tritt der Tod ganz plötzlich infolge von Herzlähmung -ein, nachdem sogar im übrigen Befinden eine wesentliche Besserung -vorausgegangen war. Ausnahmsweise wird ein perakuter Verlauf (3–5 -Stunden) beobachtet.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chronische Phosphorvergiftung.</b> Dieselbe tritt in verschiedenen -Formen auf. 1. Als sog. <em class="gesperrt">Phosphornekrose</em> des Unterkiefers -und Oberkiefers wurde sie früher häufig beim Menschen in -Phosphorzündholzfabriken beobachtet. Namentlich bei Arbeitern mit -schlechten Zähnen entstand eine nekrotisierende Kieferperiostitis, -indem sich der Phosphor mit den bei jeder Eiterung entstehenden -eiweissartigen Stoffen zu stark reizenden Phosphorptomainen verband. -Experimentell wurden diese Erscheinungen auch bei Kaninchen nach -längerer Einatmung von Phosphordämpfen, sowie nach subkutaner -Injektion von Phosphoröl erzeugt (<em class="gesperrt">Gelenkvereiterung</em>, -Korneaabszesse). 2. Die <em class="gesperrt">Phosphorzirrhose</em> der <em class="gesperrt">Leber</em> und -<em class="gesperrt">Niere</em>, d. h. eine chronische interstitielle Hepatitis und -Nephritis mit Bildung einer Schrumpfleber und Schrumpfniere lässt -sich experimentell bei Tieren durch lange fortgesetzte Fütterung -kleiner Phosphorgaben hervorrufen. In der zirrhotischen Phosphorleber -hat man Neubildung von Gallengängen beobachtet.</p> -</div> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Bei sehr raschem Verlauf können -charakteristische Veränderungen in den inneren Organen fast vollständig -fehlen. Der anatomische Befund ist ferner je nach der stärkeren oder -schwächeren Lokalwirkung (Aetzwirkung) des Phosphors verschieden, -indem gastroenteritische Veränderungen in einzelnen Fällen, z. B. -nach Aufnahme von Phosphoröl, nicht auftreten. Auch die ikterische -Verfärbung der Schleimhäute kann fehlen. In der Mehrzahl der -Vergiftungsfälle lässt sich jedoch ein sehr prägnanter anatomischer -Befund konstatieren. Meist findet man die <em class="gesperrt">Schleimhaut</em> des -<em class="gesperrt">Magens</em> und <em class="gesperrt">Dünndarms</em> (zuweilen auch die der Maulhöhle, -des Schlundkopfes und Schlundes) höher gerötet, geschwollen, von -Blutungen durchsetzt, erodiert, geschwürig verändert und zuweilen sogar -umschrieben verschorft. Die <em class="gesperrt">Magendrüsen</em> sind<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> fettig-körnig -degeneriert (Gastritis glandularis). Die <em class="gesperrt">Leber</em> ist stark -geschwollen und vergrössert, brüchig, ikterisch, die Leberzellen -sind verfettet; gleichzeitig entsteht das Bild der Fettleber durch -Einwanderung von Fett aus anderen Fettdepots in die Leberzellen, so -dass die Leberzellen infolge der zahlreichen Fettröpfchen oft gar -nicht mehr zu erkennen sind. Die <em class="gesperrt">Nieren</em> sind vergrössert, -das Nierenepithel verfettet. Der <em class="gesperrt">Herzmuskel</em> und die -<em class="gesperrt">Skelettmuskeln</em> sind ebenfalls verfettet und von Hämorrhagien -durchsetzt, die Schleimhäute und das Bindegewebe ikterisch. Die -Fettdegeneration der Leberzellen lässt sich schon 6–8 Stunden, die -der Nierenzellen 12 Stunden nach der Einverleibung des Phosphors -nachweisen. Viele Organe weisen <em class="gesperrt">Hämorrhagien</em> auf, so namentlich -die Pleura, das Perikard, das Mittelfell und Gekröse, die Lunge, das -subkutane und intermuskuläre Bindegewebe. Der Magen- und Darminhalt -zeigt im Dunkeln <em class="gesperrt">Phosphoreszenz</em> und fällt durch seinen -knoblauchartigen <em class="gesperrt">Geruch</em> auf (PH<sub>3</sub>). Zuweilen beobachtet man -auch Leuchten der Leber. Nach der Einatmung von Dämpfen findet man -Laryngitis, Bronchitis, Lungenhyperämie und Lungenödem.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Bei Schweinen, Hunden und Katzen gibt man möglichst -rasch eine Auflösung von <em class="gesperrt">Kupfervitriol</em> als Brechmittel -(Schweinen 0,5–1,0, Hunden 0,1–0,5, Katzen 0,05–0,2). Ein zweites, -ebenfalls sehr wirksames Gegengift besteht in <em class="gesperrt">altem, ozonhaltigem -Terpentinöl</em>, welches als Emulsion mit schleimigen Mitteln -in grossen Dosen verabreicht wird (Rindern eine einmalige Dosis -von 100–250,0, Pferden 50–100,0, Schafen und Schweinen 25–50,0, -Hunden 5–10,0, Katzen und Hühnern 5 bis 10 Tropfen); man nimmt an, -dass eine ungiftige Verbindung, die terpentinphosphorige Säure -entsteht. Neuere Gegenmittel sind das <em class="gesperrt">übermangansaure Kali</em> -(KMnO<sub>4</sub>) in ⅕-⅓proz. Lösung, das <em class="gesperrt">Wasserstoffsuperoxyd</em> -(H<sub>2</sub>O<sub>2</sub>) in 1–3proz. wässeriger Lösung und das <em class="gesperrt">Kobaltnitrat</em> -(Co(NO<sub>3</sub>)<sub>2</sub>), sauerstoffreiche Verbindungen, welche den Phosphor -zu ungiftiger Phosphorsäure oxydieren. Ausserdem gibt man gegen die -Lähmungserscheinungen, besonders gegen die mit starkem Sinken des -Blutdrucks verlaufende Herzschwäche <em class="gesperrt">Exzitantien</em> (Aether, -Kampfer, Wein, Kaffee, Tee, Koffein, Atropin, Hyoszin, Veratrin, -Strychnin). <em class="gesperrt">Zu vermeiden ist die Verabreichung von fetten Oelen und -von Milch</em>, weil dieselben den Phosphor lösen und die Resorption -desselben befördern.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span></p> - -<p><b>Nachweis der Phosphorvergiftung.</b> Der chemische Nachweis des -Phosphors hat entweder den Phosphor in Substanz, oder leuchtende -Dämpfe, oder den Phosphorwasserstoff zu konstatieren. Die Trennung von -dem Untersuchungsmaterial erfolgt durch <em class="gesperrt">Destillation</em>; wegen -der raschen Oxydation des Phosphors hat die Untersuchung möglichst -frühzeitig stattzufinden. Die wichtigsten qualitativen Methoden -des Nachweises sind die von <em class="gesperrt">Mitscherlich</em>, <em class="gesperrt">Scheerer</em>, -<em class="gesperrt">Dussard</em> und <em class="gesperrt">Blondlot</em>, sowie von <em class="gesperrt">Fresenius</em> und -<em class="gesperrt">Neubauer</em>.</p> - -<p>1. Nach <em class="gesperrt">Mitscherlich</em> wird das Untersuchungsmaterial nach -vorausgegangener Zerkleinerung und Zusatz einiger Tropfen Schwefelsäure -in einer geräumigen Kochflasche mit Wasser erhitzt, wobei der Phosphor -mit den Wasserdämpfen überdestilliert und mittels eines Glasrohrs in -einen Kühlapparat geleitet wird. Wenn die Flüssigkeit auf etwa 90–100° -erhitzt ist, geht der Phosphor in Form von im Dunkeln <em class="gesperrt">leuchtenden -Dämpfen</em> durch das eingeschaltete Glasrohr über. Mit 1 mg Phosphor -in 200000facher Verdünnung lässt sich noch ein deutliches Leuchten -erzielen.</p> - -<p>2. Nach <em class="gesperrt">Scheerer</em> lassen sich Phosphor und phosphorige Säure -durch ihre Eigenschaft, <em class="gesperrt">Silbersalze zu reduzieren</em>, nachweisen. -Ihre Dämpfe <em class="gesperrt">schwärzen</em> nämlich Filtrierpapierstreifen, -welche mit <em class="gesperrt">salpetersaurem Silber</em> getränkt sind (Reduktion -zu metallischem Silber). Da jedoch Schwefelwasserstoff infolge -der Bildung von Schwefelsilber eine ähnliche Reaktion gibt, muss -gleichzeitig eine Probe auf etwa vorhandenen <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> -durch <em class="gesperrt">Bleipapier</em> (mit Bleizuckerlösung getränktes Papier) -vorgenommen werden. Statt Bleipapier kann auch ein mit Arsenik oder -Brechweinstein getränkter Papierstreifen verwendet werden. Die Methode -wird in der Weise ausgeführt, dass in die mit der phosphorhaltigen -Substanz gefüllte Flasche zwei Papierstreifen, ein Silber- und ein -Bleistreifen, gebracht und durch den Stöpsel festgehalten werden. -<em class="gesperrt">Alleinige Schwärzung des Silberstreifens beweist die Anwesenheit von -Phosphor</em>; bei gleichzeitiger Schwärzung des Bleistreifens ist die -Methode, und hierin liegt der Hauptnachteil derselben, nicht anwendbar.</p> - -<p>3. Nach <em class="gesperrt">Dussard</em> und <em class="gesperrt">Blondlot</em> wird der Phosphor als -<em class="gesperrt">Phosphorwasserstoff</em> nachgewiesen, welcher mit <em class="gesperrt">grüner</em> -Flamme brennt. Zu diesem Zweck versetzt man die zu untersuchende -Flüssigkeit in einer Flasche mit doppelter Oeffnung mit -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> und reinem <em class="gesperrt">Zink</em>, worauf sich Wasserstoff -in statu nascente und<span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span> Phosphorwasserstoff entwickelt, der, durch eine -Glasröhre geleitet und beim Austreten aus derselben angezündet, mit -grüner Flamme brennt. Vor dem Anzünden muss das Gas behufs Reinigung -von Schwefelwasserstoff eine U-Röhre mit Bimssteinstücken gefüllt -passieren, welche mit Kalilauge befeuchtet sind. Da die Glasspitze -durch ihren Natrongehalt eine gelbe Flamme erzeugt, wodurch die grüne -Flamme des Phosphorwasserstoffs verdeckt wird, muss am Ende des -Glasrohres eine Platinspitze befestigt werden.</p> - -<p>4. Nach <em class="gesperrt">Fresenius</em> und <em class="gesperrt">Neubauer</em> wird die zu untersuchende -Substanz in einer Kohlensäureatmosphäre der Destillation unterworfen -(<em class="gesperrt">Mitscherlich</em>). Hierbei kann schon durch das Leuchten im Dunkeln -der Nachweis des Phosphors geliefert werden. Das Destillat wird dann -mit einer Lösung von salpetersaurem Silber versetzt (<em class="gesperrt">Scheerer</em>), -auch wenn kein Leuchten zu sehen war. Der Niederschlag von -Phosphorsilber wird gesammelt und in den Wasserstoffapparat gebracht -(<em class="gesperrt">Dussard-Blondlot</em>), hierauf der gebildete Phosphorwasserstoff -angezündet und an seiner grünen Flamme erkannt. Diese Methode, welche -die sämtlichen übrigen miteinander kombiniert, ist als die beste zu -bezeichnen, weil sie selbst kleinste Mengen von Phosphor nachweist -und auch in solchen Fällen Resultate gibt, in welchen die Methode von -<em class="gesperrt">Mitscherlich</em> versagt. Ausserdem eignet sich die Methode auch -zur <em class="gesperrt">quantitativen</em> Analyse; hierbei wird der in der Silberlösung -befindliche Niederschlag von Phosphorsilber durch Königswasser oxydiert -und die entstandene Phosphorsäure durch Zusatz von Magnesialösung als -<em class="gesperrt">pyrophosphorsaure Magnesia</em> ausgefällt, gewogen und auf Phosphor -(100 : 28) berechnet.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Ein Pferd, welches von einer als Rattengift -aufgestellten Phosphorlatwerge 2 g Phosphor gefressen hatte, zeigte -erst nach 3½ Tagen Krankheitserscheinungen, welche in Kolik, -Speicheln, Verdrehen der Augen und Zuckungen bestanden; schliesslich -stürzte es zusammen und starb nach 3 Stunden (<em class="gesperrt">Haubner</em>, -Sächs. Jahresber. 1860). — Ein rotziges Pferd erhielt 6 Dosen von -0,5 Phosphor in Leinöl innerhalb 3 Tagen; es starb, ohne sichtbare -Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben, plötzlich am 4. Tage -(<em class="gesperrt">Lowag</em>, Magazin 1860). — 16 Ferkel erkrankten gleichzeitig an -Phosphorvergiftung; dieselben wurden matt und elend, 10 davon lagen -hilflos und steif im Stalle, waren unfähig aufzustehen, und zeigten -in regelmässigen Intervallen Zuckungen am Unterkiefer. Die 6 anderen -liefen wie berauscht im Stalle umher und schrien bei jeder Berührung. -Sämtliche Tiere verendeten; eines am 2. Tage, sechs am 3. Tage, die -anderen neun am 10. bis 12. Tage. Bei der Sektion fand man auf der -Magenschleimhaut eine scharf begrenzte, zehnpfennigstückgrosse Stelle -dunkelbraunrot gefärbt und mit einem trockenen, ziemlich festen -Schorf bedeckt (<em class="gesperrt">Hodurek</em>, Oesterr. Vereinsmonatsschrift 1885). -— Ein Pferd, welches infolge des Einatmens von Phosphordämpfen -gestorben war, zeigte bei der Sektion die Erscheinungen des akuten -Lungenödems, sowie fettig-körnige Entartung des Herzmuskels -(<em class="gesperrt">Csokor</em>, Oesterr. Vierteljahrsschrift 1885). — Eine -Schafherde erkrankte an Phosphorvergiftung nach dem Weiden<span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span> auf -einem Kleefelde, auf welchem zur Vertilgung der Mäuse Stücke von -Mohrrüben mit Phosphorlatwerge bestrichen in die Mäuselöcher gelegt -worden waren. 35 Schafe starben am 2–5. Tage darauf (<em class="gesperrt">Schöngen</em>, -Mitt. a. d. tierärztlichen Praxis in Preussen, Bd. 14). — Hunde -und Schweine starben nach Gaben von 0,03–0,09 Phosphor innerhalb -2–5 Tagen; dieselben waren traurig, matt, ohne Appetit, einzelne -zeigten Erbrechen, Unruhe und Winseln. Hühner und Enten starben -nach der Aufnahme von 7½ mg Phosphor, ohne andere Erscheinungen -als Traurigkeit zu zeigen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre 1872). -— Phosphorvergiftung beim Rind wurde einmal bei einem zur Sektion -eingelieferten Rinde festgestellt, das plötzlich beim Austrieb auf -die Weide zusammengebrochen und verendet war, nachdem es vorher -noch gesund und munter seine Mittagsmahlzeit im Stalle verzehrt -hatte. Neben deutlicher, aber mässiger Magendarmentzündung fand sich -beginnende Leberverfettung. Durch Anwendung der Mitscherlichschen -Probe, der eine kleine Menge Panseninhalt unterworfen wurde, -konnten eine Stunde lang andauernde, ganz intensiv leuchtende -Phosphordämpfe hervorgerufen werden. Hiernach muss die Menge des -Giftes sehr gross gewesen sein und dies erklärt den höchst akuten -Verlauf. Der Besitzer hatte zu fraglicher Zeit Phosphorlatwerge zur -Vergiftung von Mäusen aufgestellt und ist jedenfalls das Tier durch -Zufall direkt über einen Topf mit Latwerge geraten (<em class="gesperrt">Walther</em>, -Sächs. Jahresber. pro 1895). — Ein Pferd, welches phosphorhaltiges -Rattengift (Brotscheiben) gefressen hatte, wurde morgens gelähmt -am Boden liegend gefunden. In kurzen Zwischenräumen traten Krämpfe -und krampfartige Bewegungen des gelähmten Unterkiefers ein. Die -Zunge hing gelähmt aus dem Maul heraus. Die Pupillen waren ad -maximum erweitert, die Kopfschleimhäute zyanotisch. Ausserdem wurden -periodisch auftretende Brechbewegungen beobachtet. Nach dreistündiger -Krankheitsdauer starb das Pferd (<em class="gesperrt">Müller</em>, Sächs. Vet.-Ber. pro -1900). — Hühner hatten von Phosphorpaste (Rattengift) gefressen -und starben nach vorausgegangener Abmagerung und Hinfälligkeit -schlagartig, indem sie tot von der Sitzstange fielen oder im Laufen -begriffen plötzlich starben; die Sektion ergab fettige Degeneration -des Herzens und der Leber, sowie tief ziegelrote Färbung der -Eingeweide (<em class="gesperrt">Graham-Gillam</em>, Journ. of comp., Bd. XV). — Ein -Hund hatte auf unerklärte Weise Phosphor zu sich genommen; dem -Geruche nach zu urteilen, war die aufgenommene Menge ziemlich gross. -Das Tier zeigte Mattigkeit und Erbrechen; die ausgebrochenen Massen -waren stark schleimig und rochen deutlich nach Phosphor. Das Tier -erhielt Cupr. sulfuric. 1,0, Aqu. destill. 50,0 viertelstündlich 1 -Esslöffel. Das Erbrechen hielt noch ca. 1½ Stunden an, es liessen -jedoch die Vergiftungserscheinungen nach ca. ½ Tag allmählich -nach, und nach Verlauf von 2 Tagen war das Tier wieder wohl und -munter (<em class="gesperrt">Otto</em>, Sächs. Jahresber. 1902). — Hühner, welche -Phosphorlatwerge gefressen hatten, zeigten ein Krankheitsbild, das -den Verdacht der Hühnercholera erweckte, andere Hühner zeigten -Taumeln, Durchfall und Koma (<em class="gesperrt">Hocke</em>, <em class="gesperrt">Träger</em>, Jahresb. -d. preuss. Tierärzte 1904). — Nach der Aufnahme von verschlepptem -Rattengift starb ein Schwein an blutiger Magendarmentzündung, -desgleichen zeigten 48 Hühner Durchfall und Leberschwellung -(<em class="gesperrt">Dosse</em>, <em class="gesperrt">Schaumkell</em>, ibid.). — 3 Pferde starben, -wahrscheinlich infolge Aufnahme von Rattengift, nach vorausgegangenen -Kolikerscheinungen. Die Sektion ergab korrosive Schlundentzündung, -fleckige Rötung der Magen- und Darmschleimhaut, sowie Schwellung und -braungelbe Farbe der Leber (<em class="gesperrt">Keller</em>, ibid. 1907). — Einem 10 -kg schweren Versuchshunde gab ich vormittags 11 Uhr 0,1 Phosphor in -50,0 Lebertran ein. 2 Stunden nach der Verabreichung zeigte sich -derselbe traurig und erbrach von Zeit zu Zeit schleimige Massen. Das -Abendfutter wurde mit Appetit aufgenommen. Der Puls war um diese -Zeit etwas beschleunigt und deutlich schwächer geworden. Am andern -Morgen war die Futteraufnahme ebenfalls noch eine gute. Das Tier -zeigte jedoch allgemeine Mattigkeit und Traurigkeit, die Atmung -war sehr angestrengt, der Puls äusserst schwach, die Schleimhäute -anämisch, schmutzig grau gefärbt. Gegen Mittag wurde der Gang -schwankend und taumelnd, die Psyche stark eingenommen, der Puls sank -von 72 auf 56 Schläge p. M., die Temperatur von 38,0 auf 37,5° C. -Die Atmungsbeschwerden steigerten sich gegen Mittag, das Tier konnte -sich nicht mehr vom Boden erheben, der Puls wurde unfühlbar, es trat -heftiges Erbrechen, Stöhnen, Umsehen nach dem Leibe ein. 28 Stunden -nach der Verabreichung<span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span> des Phosphors starb das Tier unter komatösen -Erscheinungen, nachdem eine halbe Stunde vor dem Tode krampfartige -Zuckungen der Halsmuskulatur vorausgegangen waren. Die <em class="gesperrt">Sektion</em> -ergab: hämorrhagische Gastroenteritis und Nephritis, parenchymatöse -Hepatitis und Lungenödem, ausserdem partiellen Leberikterus. -Mikroskopisch zeigte sich Fettdegeneration der Leber- und -Nierenzellen, sowie ausgesprochene körnige Trübung der Muskelfasern -des Herzens neben beginnender Trübung der Skelettmuskulatur.</p> - -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Arsenikvergiftung">Arsenikvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie der Arsenverbindungen.</b> Das Metall Arsen kommt in -der Natur in grosser Verbreitung teils in reinem Zustand, teils -an Sauerstoff, Schwefel und an Metalle gebunden vor. Das reine -Arsenmetall (As) findet sich gediegen kristallisiert oder in -nierenförmigen traubigen Massen als <em class="gesperrt">Scherbenkobalt</em> oder -<em class="gesperrt">Fliegenstein</em>. Die wichtigsten Schwefelverbindungen sind das -<em class="gesperrt">Realgar</em> (As<sub>2</sub>S<sub>2</sub>) und das <em class="gesperrt">Auripigment</em>, Operment -oder <em class="gesperrt">Rauschgold</em> (As<sub>2</sub>S<sub>3</sub>). Mit Sauerstoff zusammen -kommt Arsen in der Natur vor als <em class="gesperrt">Arsenblüte</em> (As<sub>2</sub>O<sub>3</sub>). -Metallverbindungen (Arsenerze) sind der <em class="gesperrt">Arsenkies</em> oder -<em class="gesperrt">Misspickel</em> (AsFeS und AsFe<sub>2</sub>S<sub>2</sub>), der <em class="gesperrt">Speisskobalt</em> -(As<sub>2</sub>Co), <em class="gesperrt">Glanzkobalt</em> (AsCoS), <em class="gesperrt">Kupfernickel</em> (AsNi), -<em class="gesperrt">Kupfernickelglanz</em> (AsNi<sub>2</sub>S<sub>2</sub>), das <em class="gesperrt">Weissnickelerz</em> -(As<sub>2</sub>Ni). Ausserdem kommen kleinere Mengen von Arsenmetall in -den meisten Mineralerzen vor, so in den Eisenerzen, Silbererzen, -Kupferkiesen, im Bleiglanz, in der Zinkblende, in den Antimonerzen -etc.</p> - -<p>Der <b>Arsenik</b> (weisser Arsenik, arsenige Säure, As<sub>2</sub>O<sub>3</sub>) -findet sich in der Natur in kleinen Mengen als Ueberzug auf -arsenhaltigen Erzen; sog. <em class="gesperrt">Arsenblüte</em>. Gewöhnlich wird er aber -hüttenmännisch durch Oxydation der Arsenerze dargestellt. Er kann -z. B. durch Rösten (Oxydation) des Arsenkieses gewonnen werden. -Meist wird er jedoch als <em class="gesperrt">Nebenprodukt</em> beim Rösten anderer -arsenhaltiger Erze, so namentlich von Silbererzen, Kupfererzen, -Bleierzen, Zinnerzen, Kobalterzen erhalten. Beim Erhitzen dieser -Erze an der Luft (Rösten) wird das Metall Arsen zu arseniger -Säure (As<sub>2</sub>O<sub>3</sub>) oxydiert, wobei letztere als weisser Rauch -(<em class="gesperrt">Hüttenrauch</em>) in Verbindung mit anderen flüchtigen Stoffen -sich verflüchtigt. Wird dieser Hüttenrauch in sog. Giftkammern -aufgefangen, so schlägt sich dort der Arsenik als feuchtes Pulver, -sog. Giftmehl nieder, welches durch Sublimieren gereinigt und in -eine glasartige Masse umgeschmolzen wird. Der Arsenik ist teils -amorph, teils kristallinisch, beide <em class="gesperrt">Modifikationen</em> gehen -leicht ineinander über; während der frisch sublimierte Arsenik eine -farblose oder schwach gelbliche, amorphe Glasmasse darstellt, trübt -sich der ältere mit der Zeit und bildet eine trübe porzellanartige, -kristallinische Masse. Beide Modifikationen besitzen eine -<em class="gesperrt">verschiedene Löslichkeit</em> in Wasser; der kristallinische -Arsenik löst sich 1 : 80, der amorphe dagegen schon 1 : 25 in kaltem -Wasser. Da nun die Präparate des Handels inkonstante Gemenge von -kristallinischem und amorphem Arsenik darstellen, lässt sich eine -genaue Löslichkeitsziffer für dieselben nicht angeben. In der Technik -benützt man namentlich die Arsensäure und das arsenigsaure Kupfer. -Offiziell ist eine 1proz. Arseniklösung in Pottasche = Liquor Kalii -arsenicosi.</p> - -<p>Für die Toxikologie sind die nachstehenden <em class="gesperrt">Eigenschaften</em> des -Arseniks von Bedeutung. Beim Erhitzen auf Kohle verbrennt der Arsenik -unter Reduktion zu Arsen mit Knoblauchgeruch. Erhitzt man Arsenik in -einem Glasrohr neben Kohle, so schlägt sich das metallische Arsen -in Form eines sog. Arsenspiegels als grauschwarzer Belag innen am -Glase nieder.<span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span> Das Arsen wird ferner als grauschwarzes Pulver aus -sauren Lösungen durch Zinn ausgefällt. Schwefelwasserstoff fällt -aus salzsauren Lösungen gelbes Schwefelarsen. Mit Alkalien bildet -der Arsenik in Wasser lösliche Arsenite (arsenigsaure Salze), z. B. -mit Pottasche arsenigsaures Kalium (AsO<sub>3</sub>K<sub>3</sub>); dagegen bildet -er mit Metallsalzen, namentlich mit Eisenoxydulsalzen, in Wasser -unlösliche und daher ungiftige Arsenite (arsenigsaures Eisen; vergl. -das Antidotum Arsenici).</p> - -<p>Der <b>Arsenwasserstoff</b>, AsH<sub>3</sub>, unterscheidet sich in seiner -Giftwirkung ganz wesentlich vom Arsenik (vergl. S. 70).</p> - -</div> - -<p><b>Aetiologie der Arsenikvergiftung.</b> Die Ursachen der bei den -Haustieren ziemlich häufigen Arsenikvergiftungen sind mannigfaltiger -Natur. Wie beim Phosphor gibt ausgelegtes <em class="gesperrt">Rattengift</em> in Form -von arsenikhaltigen Brotkugeln oder Arsenikpasten Veranlassung -zu Vergiftungen, namentlich in Viehstallungen. Sodann kommen -Vergiftungen teils aus <em class="gesperrt">Zufall</em> und <em class="gesperrt">Versehen</em>, teils -aus <em class="gesperrt">böswilliger Absicht</em> zustande. 15 Pferde erhielten z. B. -aus Versehen je 80 Gramm Arsenik; Hühner starben, als sie nach dem -Ausklopfen von Renntierfellen den eingestreuten Arsenik aufnahmen; -Schweine krepierten, als sie arsenikhaltige Badeflüssigkeit tranken. -Am häufigsten geben <em class="gesperrt">Arsenikbäder</em> bei Schafen Veranlassung zu -Vergiftungen, wenn dieselben zu frühzeitig nach der Schur angewendet -werden. Auch <em class="gesperrt">Arsenikwaschungen</em> bei <em class="gesperrt">Pferden</em> haben oft -Vergiftungen zur Folge, wenn pro Pferd mehr als 500 Gramm einer -1proz. Lösung (= 5 Gramm Arsenik) verwendet werden. Namentlich in -der Provinz Schleswig-Holstein und in den Marschländern der Provinz -Hannover sind von alten Zeiten her 2malige Arsenikwaschungen pro Jahr -bei den grösseren Haustieren gegen Läuse und sonstiges Ungeziefer -im Gebrauch. Meist wird folgende Mischung genommen: 5 Liter Wasser -mit 15 Gramm Arsenik werden reichlich mit Pottasche versetzt; diese -Menge der ⅓prozentigen Arseniklösung ist für ein Pferd oder Rind -berechnet. Trotz der starken Verdünnung sind Vergiftungen sehr häufig. -Gefährlich sind die Waschungen insbesondere dann, wenn zufällig -Hautwunden vorliegen, wenn die Lösungen warm oder bei stark erhitzten -Tieren oder in sehr warmen Ställen zur Anwendung gelangen. Auch durch -die <em class="gesperrt">vorausgehende Anwendung von konzentrierten Karbollösungen</em>, -wodurch die Haut angeätzt und ihr Resorptionsvermögen erhöht wird, sind -mehrmals Arsenikvergiftungen beim Behandeln räudiger Pferde beobachtet -worden.</p> - -<p>Eine sehr grosse Bedeutung, insbesondere für die chronische -Arsenikvergiftung, besass namentlich früher der <em class="gesperrt">Hüttenrauch</em>.<span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span> -Bekannt ist in dieser Hinsicht die als chronische Arsenikvergiftung -aufzufassende sog. Hüttenkrankheit unter dem Viehbestand im Bereiche -der Freiberger Hütten in Sachsen. Der Hüttenrauch daselbst enthielt -neben schwefliger Säure und geringen Mengen von Bleioxyd und Zinkoxyd -grössere Mengen von Arsenik, welcher als Flugstaub die gesamte Flora -der Umgebung überzog und mit dem Futter aufgenommen wurde, was unter -dem dortigen Viehbestand eine gewissermassen enzootische, die Viehzucht -jener Gegend schwer schädigende chronische Arsenikvergiftung zur Folge -hatte. Weitere Vergiftungen ereignen sich durch <em class="gesperrt">arsenikhaltige -Farben</em>. Unter denselben sind zu nennen das <em class="gesperrt">Scheelesche Grün</em> -(arsenigsaures Kupfer, Mineralgrün, Smaragdgrün) von der Formel -Cu<sub>3</sub> (AsO<sub>3</sub>)<sub>2</sub>, und das <em class="gesperrt">Schweinfurter Grün</em> (Wiener Grün, -Mitisgrün), eine Verbindung von arsenigsaurem und essigsaurem Kupfer. -Auch <em class="gesperrt">arsenhaltige Anilinfarben</em> können Vergiftungen veranlassen. -Diese Farbenvergiftungen ereigneten sich früher, als die <em class="gesperrt">grünen -Tapeten</em> die oben genannten Farbstoffe enthielten, häufiger als -in der neueren Zeit; sie kamen z. B. bei Kühen vor, wenn die alten -abgerissenen Tapeten auf den Dünger geworfen oder als Streumaterial -verwendet und von den Tieren gefressen wurden. Neuerdings sind durch -die Anwendung von Schweinfurter Grün gegen den Coloradokäfer in Amerika -zahlreiche Vergiftungen bei Haustieren vorgekommen. Seltener sind die -Vergiftungen durch die übrigen Arsenverbindungen, wie <em class="gesperrt">Kobalt</em> -(als sog. schwarzer Schwefel von Pferdehändlern und Stallknechten zur -Aufbesserung der Ernährung verabreicht) und <em class="gesperrt">Operment</em>. Ebenfalls -nicht sehr zahlreich sind die Fälle, in welchen säugende Tiere durch -die arsenikhaltige Milch der <em class="gesperrt">Muttertiere</em> vergiftet wurden. Ein -14 Tage altes Fohlen erkrankte z. B. 12 Stunden nach der Aufnahme -von Arsenik durch die Mutterstute und starb 1½ Stunden darauf, -während das Muttertier die ersten Krankheitserscheinungen erst einige -Stunden nach dem Tode des Fohlens zeigte (<em class="gesperrt">Huxel</em>, Berl. Archiv -1886). In gleicher Weise sah <em class="gesperrt">Hertwig</em> nach der Verabreichung -von Milch einer Ziege, welche innerhalb zwei Tagen 3 Gramm Arsenik -erhalten hatte, bei zwei Hunden starkes Erbrechen. Endlich sind manche -<em class="gesperrt">Arzneimittel</em> arsenikhaltig (Brechweinstein, Spiessglanz, -Goldschwefel).</p> - -<p>Eine weitere Ursache der Arsenikvergiftungen ist endlich in -<em class="gesperrt">fehlerhafter Dosierung</em> seitens des behandelnden Tierarztes zu -suchen. Eine solche kann entweder bei der innerlichen Anwendung<span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span> des -Arseniks als Wurmmittel und Plastikum, oder bei der chirurgischen -Applikation desselben als Aetzmittel vorkommen. Auffallenderweise -differieren die Angaben der einzelnen Beobachter über die Höhe der -tödlichen Arsenikdosis sehr bedeutend. So wird von <em class="gesperrt">Gohier</em> -berichtet, dass Pferde selbst nach einer Gabe von 30 Gramm Arsenik -gesund blieben, während andere (<em class="gesperrt">Walch</em>) schon nach 3 Gramm -Arsenik Pferde sterben sahen. In ähnlicher Weise sollen Rinder und -Schafe das eine Mal Gaben von 30 Gramm Arsenik und darüber gut -ertragen haben, während sie ein anderes Mal nach 5 Gramm starben. -Die Erklärung dieser abweichenden Angaben ist in verschiedenen -Umständen zu suchen. Zunächst wirkt der Arsenik von der Haut, das -heisst von Wunden aus, etwa 10mal stärker als vom Magen aus. Es sind -ferner alle Arseniklösungen, namentlich die Lösungen in Säuren und -Alkalien (Arsenikessig, Liquor Kalii arsenicosi), wegen der leichten -Resorptionsfähigkeit giftiger als der Arsenik in Substanz. Ebenso -ist gepulverter Arsenik leichter resorbierbar und daher wirksamer -als Arsenik in Stücken; während letztere mehr eine lokale, ätzende -Wirkung besitzen, bedingen der gepulverte und gelöste Arsenik sehr -rasch eine Allgemeinvergiftung. Weiter kommt in Betracht, dass die -im Handel befindlichen Arsenikpräparate eine sehr verschiedene -Löslichkeit besitzen und ausserdem nicht selten mit ungiftigen Stoffen -(Gips) verunreinigt sind. Schliesslich ist, wie bei allen Giften, der -Füllungszustand des Magens und Darmes in Betracht zu ziehen; damit -hängt auch die Tatsache zusammen, dass die Wiederkäuer im allgemeinen -wegen der Verteilung des Arseniks in den grossen Futtermassen des -Pansens gegen denselben widerstandsfähiger sind, als Fleischfresser und -Pferde. Im Durchschnitt beträgt die <em class="gesperrt">tödliche Arsenikdosis</em></p> - -<table summary="Arsenikdosis"> - <tr> - <td class="s5"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td class="s5"> - <div class="left"> </div> - </td> - <td class="s5"> - <div class="center padleft0_5">bei <em class="gesperrt">innerlicher</em> - Verabreichung</div> - </td> - <td class="s5"> - <div class="center padleft0_5">von <em class="gesperrt">Wunden</em> aus</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">für</div> - </td> - <td> - <div class="left">Rinder</div> - </td> - <td> - <div class="center">15   –30,0 </div> - </td> - <td> - <div class="center">2,0  </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Pferde</div> - </td> - <td> - <div class="center">10   –15,0 </div> - </td> - <td> - <div class="center">2,0  </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Schafe und Ziegen</div> - </td> - <td> - <div class="center">10   –15,0 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,2  </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Schweine</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 0,5 – 1,0 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,2  </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Hunde</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 0,1 – 0,2 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,02 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Hühner</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 0,1 – 0,15</div> - </td> - <td> - <div class="center">0,01 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Tauben</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 0,05– 0,1 </div> - </td> - <td> - <div class="center">0,005</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><b>Krankheitsbild der Arsenikvergiftung.</b> Die einzelnen Fälle -von Arsenikvergiftung zeigen nach Symptomen und Verlauf grosse<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span> -Verschiedenheiten. Während bei Aufnahme des Arseniks per os zuerst -gastrische und dann allgemeine Erscheinungen auftreten, fehlen erstere -zuweilen, aber nicht immer, bei epidermatischer Anwendung des Giftes. -Es ist ferner ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Krankheitsbild -der akuten und dem der chronischen Arsenikvergiftung. Im übrigen haben -die Symptome der Arsenikvergiftung grosse Aehnlichkeit mit denjenigen -der Phosphorvergiftung; auch der Arsenik wirkt örtlich reizend und -ätzend und ruft nach seiner Resorption Nekrobiose und Verfettung der -wichtigsten Körperdrüsen, des Herzmuskels und der Skelettmuskeln hervor.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Symptome der akuten Arsenikvergiftung.</em> Die ersten -Krankheitserscheinungen nach der Aufnahme des Arseniks bestehen in -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Speicheln, Würgen, <em class="gesperrt">Kolik</em>, Verstopfung; -später kommt ein hochgradiger, übelriechender, häufig blutiger -<em class="gesperrt">Durchfall</em>, zuweilen auch Blutharnen hinzu. Dabei sind die -Tiere oft aufgeregt und in Angst, die Schleimhäute sind hochrot und -zuweilen gelbbraun gefärbt. Bei subakutem Verlauf beobachtet man -ferner bei manchen Rindern und Schafen eine phlegmonöse, schmerzhafte -Anschwellung hinter dem Schaufelknorpel des Brustbeins mit Abszedierung -und Bildung einer <em class="gesperrt">Labmagenfistel</em> oder <em class="gesperrt">Vorfall</em> des -<em class="gesperrt">Labmagens</em> (seltener der Haube), wenn nämlich ein Stückchen -Arsenik die Labmagenwandung durchgeätzt und eine Perforation -herbeigeführt hat. Die Allgemeinerscheinungen äussern sich in einer -<em class="gesperrt">lähmungsartigen Schwäche</em> der gesamten Körpermuskulatur, in -Schwanken, Taumeln, psychischer Depression, Pupillenerweiterung, -sowie in <em class="gesperrt">Herzschwäche</em> (sehr frequenter, schwacher und selbst -unfühlbarer Puls, Kälte der extremitalen Teile, abgeschwächter oder -unfühlbarer Herzschlag). Meist ist auch die Atmung sehr beschleunigt -und angestrengt. Der Tod erfolgt in den sehr seltenen perakuten Fällen -schon innerhalb weniger Stunden (Asphyxia arsenicalis), bei langsamerem -Verlauf in einigen Tagen unter den Erscheinungen eines <em class="gesperrt">allgemeinen -Komas</em>. — Bei äusserlicher Anwendung des Arseniks findet man lokal -die Erscheinungen der Entzündung und Verschorfung; innerlich treten -bald nur die Erscheinungen der Lähmung, bald jedoch auch heftige -gastroenteritische Symptome auf.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Symptome der chronischen Arsenikvergiftung.</em> Dieselbe kommt -als sog. „<em class="gesperrt">Hüttenrauchkrankheit</em>“ im Bereich der Freiberger -Hüttenwerke vor und verläuft unter dem Bild einer <em class="gesperrt">chronischen -Kachexie</em>. Die Rinder gehen in der Ernährung<span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span> zurück, werden -auffallend mager, zeigen das Bild der <em class="gesperrt">Harthäutigkeit</em> und des -<em class="gesperrt">chronischen Ekzems</em> (starke Hautabschuppung), <em class="gesperrt">chronischen -Husten</em> und <em class="gesperrt">anhaltende Durchfälle</em>, leiden an Störungen im -<em class="gesperrt">Sexualsystem</em> (Abortus, Sterilität, Nichtabgang der Nachgeburt, -Uteruskrankheiten, Milchmangel) und gehen schliesslich infolge einer -allmählich zunehmenden <em class="gesperrt">lähmungsartigen Schwäche</em> (Arseniklähmung, -Tabes arsenicalis), zuweilen auch unter den Erscheinungen der -<em class="gesperrt">allgemeinen Wassersucht</em>, zugrunde. Die Dauer dieser -Krankheitserscheinungen kann einige Jahre betragen.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Arseniklähmung (Paralysis arsenicalis).</b> Sie kommt vereinzelt -bei akuter, meist jedoch bei <em class="gesperrt">chronischer</em> Arsenikvergiftung -vor. Beim Menschen geht gewöhnlich eine Anästhesia dolorosa -arsenicalis voraus. Die Arseniklähmung kann motorisch oder sensibel -auftreten, und auch als Hemiplegie, Hemianästhesie, Amaurosis, -Lähmung der Stimmbänder, Anaphrodisie etc. verlaufen. Meist führt -sie zu Muskelatrophie und Kontrakturen. Zuweilen entwickelt sich die -Arseniklähmung aus einer multiplen Neuritis. Auch bei Tieren lässt -sich experimentell eine der Arsenikparalyse des Menschen ähnliche -Lähmung erzeugen, welche mit gleichzeitiger Atrophie der Hinterbeine -verläuft; bei der Sektion findet man die Muskeln und peripheren -Nerven atrophisch, erstere unter dem Bilde der Koagulationsnekrose -(<em class="gesperrt">Alexander</em>). Auch in der grauen Substanz des Rückenmarks hat -man degenerative Veränderungen nachgewiesen.</p> -</div> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Die anatomischen Veränderungen bei der -<em class="gesperrt">akuten Arsenikvergiftung</em> bestehen in Rötung, Schwellung, -Ekchymosierung und <em class="gesperrt">Anätzung</em> der <em class="gesperrt">Magenschleimhaut</em>. Bei -Rindern beobachtet man zuweilen Verätzungen der Labmagenschleimhaut -mit Geschwürsbildung und Perforation des Pansens, des Labmagens -und der Bauchwand. Charakteristische Allgemeinveränderungen sind -die <em class="gesperrt">fettige Degeneration</em> der <em class="gesperrt">Magendrüsen</em> (Gastritis -glandularis), die <em class="gesperrt">Verfettung</em> der <em class="gesperrt">Leber</em>, <em class="gesperrt">Nieren</em>, -des <em class="gesperrt">Herzmuskels</em> und anderer Organe. Mitunter beobachtet -man bei Arsenikkadavern Mumifikation. Bei der <em class="gesperrt">chronischen -Arsenikvergiftung</em> findet man ältere <em class="gesperrt">Geschwüre</em> und -<em class="gesperrt">Narbenbildung</em> im Labmagen und Dünndarm, Geschwüre auf der -Trachealschleimhaut, starke Abmagerung, allgemeine Hydrämie und endlich -als sekundäre Erscheinung <em class="gesperrt">Lungentuberkulose</em> (tuberkulöse käsige -Pneumonie).</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das älteste Gegengift des Arseniks ist das sog. -<em class="gesperrt">Antidotum Arsenici</em>. Es besteht aus einer Auflösung von -<em class="gesperrt">Eisenoxydhydrat</em> in Wasser (Ferrum hydricum in aqua) und<span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span> soll -dadurch wirken, dass es mit dem Arsenik einen schwerlöslichen und daher -ungiftigen Niederschlag von basisch arsenigsaurem Eisenoxyd bildet(?). -Es wird frisch dargestellt aus einer wässerigen Lösung von Liquor -Ferri sulfurici oxydati (100 : 250) mit einer Mischung von Magnesia -usta in Wasser (15 : 250). Die Dosis beträgt für Hunde viertelstündlich -einen Esslöffel, für Pferde und Rinder ¼-1 l. Auch gewöhnliches -<em class="gesperrt">Eisenpulver</em>, Eisenfeile, Hammerschlag, das Löschwasser der -Schmiede und andere Eisenpräparate, wie z. B. <em class="gesperrt">Ferrum oxydatum -saccharatum</em>, sind als Gegenmittel zu gebrauchen. Ein wirksameres -chemisches Antidot ist die <em class="gesperrt">gebrannte</em> und die <em class="gesperrt">kohlensaure -Magnesia</em> (Bildung unlöslicher arsenigsaurer Magnesia). Man gibt -von Magnesia usta Hunden viertelstündlich ½-1 g, Pferden und Rindern -10–20 g, mit der 20fachen Menge Wasser zusammen (sog. Magnesiahydrat). -Auch <em class="gesperrt">Schwefel</em>, <em class="gesperrt">Schwefelleber</em> und <em class="gesperrt">Schwefeleisen</em> -kann als Gegenmittel gegeben werden (Bildung von Schwefelarsen). Als -einhüllende Mittel verabreicht man Eiweiss und Schleim. Gegen die -Lähmungszustände werden Exzitantien (Aether, Alkohol, Wein, Atropin, -kohlensaures Ammonium, Koffein) angewandt. Alkalien sind wegen der -Beförderung der Resorption zu vermeiden (Bildung leicht löslicher -arsenigsaurer Alkalien).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Arsenwasserstoff.</b> Der Arsenwasserstoff, AsH<sub>3</sub>, besitzt eine -vom Arsenik ganz wesentlich verschiedene Giftwirkung. Er ist eines -der stärksten <em class="gesperrt">Blutgifte</em>, welches die roten Blutkörperchen sehr -rasch auflöst und Hämoglobinämie erzeugt. Schon wenige Milligramm -töten den Menschen (Darstellung von Wasserstoff aus arsenhaltigem -Zink); über 30 Vergiftungsfälle beim Menschen sind nach <em class="gesperrt">Kobert</em> -bekannt geworden. Bei der Sektion findet man Ikterus, Schwellung der -Milz und Leber sowie Hämoglobin-Infarkte der Niere; der Harn ist -dunkelrot (<em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em>), häufig besteht Strangurie und -Anurie. Der Gallefarbstoffgehalt der Galle ist um das 10–20fache -vermehrt (<em class="gesperrt">Pleiochromie</em>); die Galle ist teerartig, zähflüssig. -Besonders empfindlich gegen AsH<sub>3</sub> zeigten sich bei den Versuchen -Katzen. Das einzige Gegenmittel bildet die Kochsalzinfusion. -Aehnlich wie AsH<sub>3</sub> scheint SbH<sub>3</sub>, der Antimonwasserstoff, zu -wirken; dagegen zeigt der Phosphorwasserstoff, PH<sub>3</sub>, eine reine -Phosphorwirkung (vgl. S. 56).</p> -</div> - -<p><b>Nachweis.</b> Werden bei der Sektion kleinere Stücke von Arsenik -im Magen oder Darm vorgefunden, so genügen zum Nachweis des Arseniks -einige <em class="gesperrt">allgemeine Arsenikreaktionen</em>. Soll dagegen der Arsenik in -den Organen (Leber, Nieren, Blut, Muskeln) nachgewiesen werden, so ist -hierzu zunächst die Zerstörung der organischen Substanz erforderlich, -worauf die spezielle Untersuchung im <em class="gesperrt">Marshschen Apparat</em> folgt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span></p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Allgemeine Arsenikreaktionen.</em> Die wichtigsten derselben -sind folgende: a) Auf <em class="gesperrt">glühenden Kohlen</em> entwickeln -Arsenikstücke Arsendämpfe, welche nach <em class="gesperrt">Knoblauch</em> riechen. b) -Mit <em class="gesperrt">essigsaurem Kali</em> in einem Röhrchen erhitzt entwickelt -der Arsenik den charakteristischen Geruch nach <em class="gesperrt">Kakodyl</em>. c) -<em class="gesperrt">Salpetersaures Silberoxyd</em> gibt in der Lösung der arsenigsauren -Alkalien einen <em class="gesperrt">gelben</em> Niederschlag von arsenigsaurem -Silberoxyd (statt Höllenstein kann auch Sublimat genommen -werden). d) <em class="gesperrt">Schwefelsaures Kupferoxyd</em> gibt in der genau -mit Ammoniak neutralisierten wässerigen Lösung des Arseniks einen -<em class="gesperrt">hellgrünen</em> Niederschlag von arsenigsaurem Kupfer (Scheeles -Grün), welcher sich in überschüssigem Ammoniak mit dunkelblauer -Farbe löst. e) <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> gibt mit freier arseniger -Säure und ihren mit Salzsäure angesäuerten Alkalisalzen einen -<em class="gesperrt">gelben Niederschlag</em> von dreifach Schwefelarsen (As<sub>2</sub>S<sub>3</sub>), -welcher in Schwefelammonium und Alkalien löslich ist. f) Eine -Lösung von <em class="gesperrt">Zinnchlorür</em> (S = 1,45) zerlegt den Arsenik zu -<em class="gesperrt">schwarzbraunem</em>, metallischem Arsen (schwarzbraune Flocken). g) -Ein <em class="gesperrt">blankes Kupferblech</em> überzieht sich in der mit Salzsäure -versetzten Lösung der arsenigen Säure mit einem <em class="gesperrt">grauweissen</em> -Beschlag (Arsen-Kupferlegierung). Dieser Beschlag tritt auch bei -Quecksilber und Antimon auf, weshalb diese Reaktion für sich -<em class="gesperrt">allein</em> zum Nachweis des Arsens nicht genügt.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Der Nachweis des Arseniks im Marshschen Apparate.</em> Demselben -geht die Trennung des Arsenmetalls von den organischen Beimengungen -voraus. Diese Trennung geschieht durch Zerstören der letzteren -mit <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und <em class="gesperrt">Kali chloricum</em> (Chlor) oder durch -Verpuffen mit <em class="gesperrt">Salpeter</em>. Die letztere Zerstörungsmethode -ist anzuwenden, wenn die organischen Massen durch Chlor schwer zu -zerstören sind (grosse Körpermassen, Knorpel, Knochen, Sehnen); aus dem -Verpuffungsrückstande müssen vor der Fällung mit Schwefelwasserstoff -die Nitrate und Nitrite durch Erhitzen mit überschüssiger Schwefelsäure -entfernt werden. Hierauf wird der Rückstand mit dem 10fachen Volum -destillierten Wassers gelöst und in der beschriebenen Weise mit -Schwefelwasserstoff behandelt, wonach ein <em class="gesperrt">gelber</em> (blassgelber -bis zitronengelber) Niederschlag von <em class="gesperrt">Schwefelarsen</em> (As<sub>2</sub>S<sub>3</sub> -+ As<sub>2</sub>S<sub>5</sub>) entsteht. <em class="gesperrt">Der Niederschlag von Schwefelarsen muss -zur weiteren Untersuchung im Marshschen Apparate vorher wieder löslich -gemacht werden</em> (Umwandlung des Schwefelarsens in Arsenik<span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span> oder -Arsensäure). Dies geschieht <em class="gesperrt">entweder</em> dadurch, dass man ihn in -Aetzammoniak löst, mit gleichen Teilen kohlensaurem Natron und dem -doppelten Gewichte Natronsalpeter mischt, trocknet, im Porzellantiegel -verpufft; <em class="gesperrt">oder</em> durch wiederholtes Abdampfen mit stärkster -Salpetersäure bis zum Zurückbleiben eines hellgelben Niederschlages, -welcher mit Aetznatron neutralisiert, mit kohlensaurem Natron und -Natronsalpeter gemengt und dann verpufft wird; <em class="gesperrt">oder</em> durch -Auflösen in Aetzammoniak, Neutralisieren mit Schwefelsäure, Uebersäuern -und Erhitzen unter Zusatz von einigen Zentigramm gepulverten -Natronsalpeters; <em class="gesperrt">oder</em> durch Auflösen mit Brom und nachheriges -Entfernen des überschüssigen Broms durch leichtes Erwärmen.</p> - -<p>Sodann erfolgt die eigentliche Untersuchung des in Lösung -(As<sub>2</sub>O<sub>3</sub>, As<sub>2</sub>O<sub>5</sub>) übergeführten Arsenniederschlags im -<em class="gesperrt">Marsh</em>schen <em class="gesperrt">Apparate</em>. Derselbe <em class="gesperrt">reduziert</em> -zunächst die Oxyde des Arsens durch <em class="gesperrt">Wasserstoff</em> unter Bildung -von <em class="gesperrt">Arsenwasserstoff</em> und zerlegt dann den Arsenwasserstoff -durch <em class="gesperrt">Glühen in metallisches Arsen</em>, welches als sog. -„<em class="gesperrt">Arsenspiegel</em>“ sich am Glasrohr niederschlägt. <em class="gesperrt">Metallisches -Arsen oder Schwefelarsen werden im Marshschen Apparate nicht zu -Arsenwasserstoff umgewandelt, können also in demselben nicht untersucht -werden.</em> Der Arsenwasserstoff kann auch <em class="gesperrt">angezündet</em> werden, -wobei er zu Arsen und Wasser verbrennt; das <em class="gesperrt">Arsenmetall</em> schlägt -sich dann an einer in die Flamme gehaltenen <em class="gesperrt">Porzellanplatte</em> als -<em class="gesperrt">Beschlag</em> nieder. Das Verfahren ist im einzelnen folgendes: In -eine geräumige, nur bis zu einem Drittel zu füllende, mit einem doppelt -durchbohrten Korke oder mit mehreren Oeffnungen versehene Flasche wird -der gelöste Arsenniederschlag mit chemisch reinem Zink und verdünnter -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> (1 : 8) versetzt. Durch die eine Oeffnung des -Korks wird ein bis zum Boden der Flasche gehendes <em class="gesperrt">Trichterrohr</em> -zum Nachfüllen der Säure eingebracht; die andere Oeffnung enthält -ein kreisförmig gebogenes Rohr, durch welches der Arsenwasserstoff -in ein mit <em class="gesperrt">Chlorkalzium</em> (Entwässerung des Arsenwasserstoffs) -gefülltes Glasrohr geleitet wird. Von hier tritt der Arsenwasserstoff -dann in das zum <em class="gesperrt">Erhitzen</em> bestimmte ½-¾ m lange, arsen- -und bleifreie, 5–7 mm weite und 1½ mm dicke, an seinem Ende in -eine feine Spitze ausgezogene, schwer schmelzbare Glasrohr, welches -mittelst des <em class="gesperrt">Bunsenschen Brenners</em> an einer Stelle bis zur -Rotglühhitze geglüht wird, worauf sehr bald hinter dieser Stelle der -<em class="gesperrt">Arsenspiegel</em> als<span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span> metallischer Anflug auftritt. <em class="gesperrt">Erhält man -nach stundenlangem Durchleiten keinen Anflug, so ist bestimmt kein -Arsen vorhanden.</em></p> - -<p>Um sicher festzustellen, dass der Metallanflug in der Glasröhre aus -<em class="gesperrt">Arsen</em> besteht, ist eine genaue Prüfung des „Arsenspiegels“ -notwendig. Derselbe soll eine <em class="gesperrt">graue</em> oder braune, -metallglänzende Masse <em class="gesperrt">hinter</em> der erhitzten Stelle bilden, -welche unter der Lupe nicht aus Kügelchen (Quecksilber) bestehen -und an den Rändern nicht geschmolzen sein soll (Antimon). <em class="gesperrt">Beim -Betupfen mit unterchlorigsaurem Natron soll der Arsenspiegel fast -momentan verschwinden</em> (im Gegensatz zu Antimon). Ausserdem -soll nach Betupfen mit wenig <em class="gesperrt">Schwefelammoniumlösung</em> und -<em class="gesperrt">vorsichtigem</em> Erhitzen ein <em class="gesperrt">gelber</em> Rückstand von -Schwefelarsen bleiben (Schwefelantimon ist orangegelb). Endlich gibt -der Arsenspiegel beim Verdampfen (Erhitzen der Glasröhre) einen -charakteristischen <em class="gesperrt">Knoblauchgeruch</em>.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Die quantitative Arsenikbestimmung.</em> Quantitativ wird das -Arsen entweder annähernd nach der <em class="gesperrt">Grösse</em> des Arsenspiegels -oder genauer als <em class="gesperrt">arsensaure Ammoniakmagnesia</em> (die mit -Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelte Masse wird mit Ammoniak und -Magnesiamischung gefällt, der Niederschlag wiederum mit Salzsäure und -chlorsaurem Kali behandelt und gefällt, darauf gereinigt, filtriert, -mit Ammoniakwasser ausgewaschen und gewogen; er enthält 60,53 Prozent -Arsensäure = 39,477 Arsen), oder als <em class="gesperrt">Arsensulfür</em> bestimmt -(Einleiten von Schwefelwasserstoff in die salzsaure Lösung, Filtrieren, -Reinigen, Auswaschen, Wägen des Niederschlages; 100 Teile Arsensulfür -(As<sub>2</sub>S<sub>3</sub>) = 61 Teile Arsen).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Der biologische Nachweis des Arsens.</em> Verschiedene -Schimmelpilze, namentlich das Penicillium brevicaula, entwickeln -bei ihrem Wachstum in arsenhaltigen Nährstoffen gasförmige, nach -<em class="gesperrt">Knoblauch</em> riechende Arsenverbindungen (sog. Arsenpilze). Diese -Wirkung der Schimmelpilze ist schon früher als ätiologisches Moment -bei der Entstehung von Arsenvergiftungen in Zimmern mit arsenhaltigen -Tapeten bekannt gewesen. Neuerdings wird dieselbe zum Nachweis -von Arsenik im Harn etc. empfohlen (<em class="gesperrt">Gosio</em>, <em class="gesperrt">Ebel</em>, -<em class="gesperrt">Buttenberg</em>, <em class="gesperrt">Hausmann</em> u. a.). Die zu untersuchenden -Massen werden mit sterilisiertem Brotbrei und einer Aufschwemmung -einer sporenhaltigen Schimmelkultur zusammen in einem Kolben bei 37° -im Brutschrank gehalten, worauf nach 1–3 Tagen der charakteristische -widerliche Knoblauchgeruch auftritt (noch bei <sup>1</sup>⁄<sub>100000</sub> g<span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span> Arsenik). -Die gasförmigen Arsenikverbindungen lassen sich dann ausserdem auch -chemisch im <em class="gesperrt">Marsh</em>schen Apparat nachweisen.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die tierärztliche Literatur enthält eine grosse -Anzahl sowohl klinischer als experimenteller Beobachtungen über akute -und chronische Arsenikvergiftungen. Ein Teil derselben soll hier im -Auszuge wiedergegeben werden.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Pferde.</em> 15 Pferde erhielten aus Versehen je etwa 80 g -Arsenik; 12 davon starben innerhalb 4 Tagen (nach 20, 36, 48, 72, -96 Stunden). Die Erscheinungen bestanden in starker Rötung der -Konjunktiva, Kolik, Zittern, Schweissausbruch, unfühlbarem Puls. -Die Fäzes wurden unter heftigen Anstrengungen abgesetzt und hatten -einen deutlichen Knoblauchgeruch. Bei denjenigen Pferden, welche -über 36 Stunden am Leben blieben, trat infolge von Verätzung der -Magenwand eine Lähmung des Magens ein (<em class="gesperrt">Nodet</em>, Recueil 1884). -— Ein Pferd hatte wiederholt von seinem Besitzer täglich 6 g -Arsenik erhalten. Dasselbe war in einem Zustande starker Aufregung, -speichelte sehr stark, frass nicht, die Haare waren gesträubt, die -Extremitäten kühl, der Puls schwach, die Konjunktiven geschwollen -und gelblichbraun gefärbt, die Pupillen erweitert, die Peristaltik -vermehrt, der Kot dünnflüssig, schleimig und sehr übelriechend, der -Gang taumelnd, die Gliedmassen steif, die Atmung stark beschleunigt -und erschwert, der Körper mit Schweiss bedeckt; das Tier zeigte bald -Kolikerscheinungen, bald lag es mit gestreckten Gliedmassen, ohne -dass es zum Aufstehen veranlasst werden konnte. Das Pferd wurde -geheilt (<em class="gesperrt">Michaud</em>, Schweizer Archiv 1883). — Ein Pferd, -welches von seinem Wärter Kobalt (schwarzen Schwefel) erhalten hatte, -starb nach wenigen Stunden an heftiger Kolik; die Sektion ergab -Entzündung und Ulzeration im Magen und Blinddarm (<em class="gesperrt">Tombs</em>, -The Veterinary Record 1849). — 3 Pferde erhielten täglich eine -Messerspitze voll Operment auf das Futter (in 5 Tagen zusammen etwa -250 g). 3 Tage darauf erkrankte das erste, am 4. Tage die beiden -anderen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in Schäumen, Kolik -(am 5. Tage), Drängen auf den Kot, vermehrtem Urinieren, kalten -Extremitäten, Pupillenerweiterung. Die Sektion ergab Gastroenteritis -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Magazin Bd. 14 und 22). — 2 Pferde, welche je mit -10 g Arsenik gegen Räude gewaschen wurden, starben (<em class="gesperrt">Mire</em>, -Revue vét. 1876). — Ein Pferd starb von 4 g grobgepulvertem Arsenik, -welcher in 3 frische Wunden gebracht wurde, nach 2 Tagen; ein anderes -nach 60 Stunden, als 2 g feingepulverter Arsenik in eine Wunde -gebracht wurden. Lokal entstand eine 2 Zoll hohe Geschwulst mit 1 -Fuss Durchmesser. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, Atemnot, -Herzklopfen, unfühlbarem Puls und Kolik. Bei der Sektion fand man -eine starke Entzündung des ganzen Magendarmkanals (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, -Gerichtl. Tierheilkunde 1872). — Nach <em class="gesperrt">Regenbogen</em> starben zwei -räudige Pferde infolge der von einem polnischen Juden angeratenen -Waschung mit einer Abkochung von ½ Pfd. Arsenik in ¾ l Wasser -(Berl. Arch. 1898 S. 792). — <em class="gesperrt">Flum</em> beobachtete bei einem -dämpfigen Pferde nach 3maliger Verabreichung von 1 g Arsenik pro -Tag Kolikerscheinungen (D. Th. W. 1895). Einen ähnlichen Fall hat -<em class="gesperrt">Römer</em> beschrieben (ibid. 1899). — <em class="gesperrt">Hauptmann</em> sah bei -einem Pferde starke Aufblähung, schwankenden Gang, hochgradige -Benommenheit des Sensoriums sowie örtliche Entzündungserscheinungen -in der Maulhöhle und im Pharynx (Tierärztl. Zentralbl. 1900 S. -193). — Weitere Fälle von Arsenikvergiftungen bei Pferden haben -<em class="gesperrt">Wittlinger</em> und <em class="gesperrt">Bucher</em> beschrieben (Berl. Arch. 1900 -S. 363). — Dass Pferde längere Zeit hindurch kleinere Dosen -von Arsenik gut ertragen, indem sie sich an das Gift gewöhnen, -beweisen die nachstehenden experimentellen Beobachtungen. 8 Pferde, -welchen <em class="gesperrt">Hertwig</em> 30 bis 40 Tage hindurch täglich einmalige -Arsenikdosen von 1,25–4,0 in Mehlpillen verabreichte, zeigten -während dieser Zeit und noch 3 Monate nachher keinerlei üble -Zufälle. Dagegen wurde bei sämtlichen 8 Pferden das Haar glätter -und 5 davon wurden auch sichtbar mehr beleibt (Arzneimittellehre -1872). Aehnliche Beobachtungen hat <em class="gesperrt">Kopitz</em> (Preuss. Annalen -der Landwirtschaft 1872 S. 601) gemacht. — Ich selbst habe einem -kräftigen Versuchspferd in der Zeit vom 1. Juni bis 30. September -1889 im ganzen 115 g frisch gepulverten Arsenik in Einzeldosen von -1 g gefüttert. In der ersten Hälfte der Versuchszeit besserte sich -darauf der Nahrungszustand und das Allgemeinbefinden des Pferdes -ganz<span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span> erheblich, indem es innerhalb 2 Monaten um 22 kg Körpergewicht -zunahm; in der zweiten Hälfte trat jedoch ein Rückgang der Ernährung -ein, so dass das Pferd am Ende des Versuchs wieder schlechter genährt -aussah und sein ursprüngliches Gewicht (420 kg) wieder zeigte.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Rinder.</em> 4 Kühe hatten Rattengift (arsenikhaltige -Brotkugeln) gefressen. Sie versagten das Futter, verloren die -Milch, zeigten starken Durchfall und waren sehr hinfällig. Eine Kuh -starb nach einigen Tagen; bei der Sektion fand man eine korrosive -Darmentzündung, sowie ein grosses Loch in der linken Seite des -Wanstes mit Austritt des Mageninhaltes in die Bauchhöhle. Die zweite -Kuh war bald wieder hergestellt. Die 3. war 10–14 Tage krank. Die -4. kränkelte ebenfalls längere Zeit; nach etwa 10 Wochen fiel in -der Gegend des Schaufelknorpels ein handtellergrosses Hautstück -mitsamt den unterliegenden Bauchdecken brandig ab, worauf eine -Magenfistel zurückblieb (<em class="gesperrt">Hesse</em>, Magazin 1857). — Eine Kuh, -welche Arseniklatwerge gefressen hatte, zeigte nach einigen Stunden -Appetitlosigkeit, Kolik und blutigen Durchfall und starb nach 45 -Stunden (<em class="gesperrt">Koch</em>, Preuss. Mitt. 7. Jahrgang). — 9 Rinder -hatten grüne Rouleauxlappen gefressen. Sie zeigten unterdrückte -Fresslust, heftigen Durchfall, grosse Schwäche und Angst, Krämpfe -in den Halsmuskeln, Erstickungsanfälle und Pupillenerweiterung. Ein -Tier starb am 3. Tage, die übrigen genasen im Verlaufe einer Woche. -Die Sektion ergab korrosive Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Brabänder</em>, -Magazin 1855). — Mehrere Kühe hatten alte grüne Tapeten gefressen; -eine derselben starb am Abend desselben Tages, eine zweite in der -darauffolgenden Nacht, 3 andere erkrankten am Tage darauf. Die -Erscheinungen waren: Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Speicheln, -Kolik, Trippeln, Durchfall, Tenesmus (<em class="gesperrt">Eilert</em>, ibidem). — R. -<em class="gesperrt">Fröhner</em> beobachtete bei einer Kuh eine schwere Vergiftung -(Aufblähen, Kolik, grosse Schwäche, Lähmungserscheinungen) nach -der Aufnahme von etwa 10 g Schweinfurter Grün (D. Th. W. 1895, S. -130). — <em class="gesperrt">Durréchou</em> sah bei einer Kuh nach der täglichen -Verabreichung von 5 g Arsenik Kolik und tödliche Peritonitis -infolge Perforation des Pansens an 6 Stellen (Revue vét. 1895 S. -385). — Eine Labmagenfistel bei einer im übrigen gesunden Kuh nach -der Aufnahme von arsenikhaltigem Weizen haben <em class="gesperrt">Talbot</em> und -<em class="gesperrt">Mettam</em> beschrieben (The Veterinarian 1897). — Zur Vertilgung -des Koloradokäfers wurden in Amerika die Felder mit grossen Mengen -von Schweinfurter Grün bestreut. Die stehenden Gewässer daselbst -wurden deshalb nach Regengüssen stark arsenhaltig. 6 Rinder, welche -aus solchen Pfützen tranken, starben nach 1–2 Stunden unter heftigen -Kolikerscheinungen und starkem Speicheln (<em class="gesperrt">Sattler</em>, Tiermed. -Rundschau 1886/87). — 4 Mastrinder erkrankten schwer an Kolik. -Die Sektion ergab diffuse Labmagen- und Dünndarmentzündung; in der -Labmagenschleimhaut fanden sich hirsekorngrosse Anätzungen. Die Tiere -hatten Arsenik, gepulvert mit Weizenkleie, als Mastmittel erhalten, -und zwar täglich eine Handvoll dieser Mischung (<em class="gesperrt">Fortenbacher</em>, -Preuss. Ber. pro 1906). — Wie Pferde, so können sich auch Rinder an -längere Zeit hindurch verabreichte kleinere Mengen Arsenik gewöhnen. -So fütterte <em class="gesperrt">Körte</em> (<em class="gesperrt">Meyers</em> Ergänzungsblätter 1869) -eine Anzahl Mastochsen mit steigenden Mengen Arsenik in täglichen -Dosen von 0,06–0,36 g während einer sehr langen Mastperiode ohne -jede Störung des Allgemeinbefindens; die Tiere wurden im Gegenteil -sehr fett. <em class="gesperrt">Spallanzani</em> und <em class="gesperrt">Zappa</em> (Clinica veterinaria -1886) fütterten Kühe 10 Tage hindurch mit je 0,2 g Arsenik. -Während anfangs der Nährzustand etwas zurückging, trat später -Körpergewichtszunahme und Besserung im äusseren Habitus der Tiere -ein. Dieselbe Beobachtung machten sie bei Schafen und Schweinen (0,05 -g pro die) und bei Tauben (2–4 mg pro die). Sie kamen zum Resultate, -dass man täglich von gepulvertem Arsenik ohne nachteilige Folgen -verabreichen kann: Rindern 0,15 mg pro Kilo Körpergewicht, Schafen -1 mg, Schweinen 0,4 mg und Tauben 1 mg. Bezüglich der Zulässigkeit -des <em class="gesperrt">Fleischgenusses</em> von Tieren, welche mit Arsenik behandelt -wurden, haben die Versuche von <em class="gesperrt">Spallanzani</em> und <em class="gesperrt">Zappa</em> -ergeben, dass selbst das Fleisch von Tieren, welche mit Arsenik -vergiftet wurden, nicht gesundheitsschädlich wirkt, viel weniger -das Fleisch von Tieren, welche unter Beihilfe des Arseniks gemästet -werden. Einer Kuh wurden beispielsweise nach und nach 70 g Arsenik -beigebracht. Beim Schlachten enthielt der Körper derselben nur noch -¼ g. Relativ am meisten Arsenik enthielt die Leber, darauf folgten -die Nieren, das Gehirn, das Fleisch, die Hautanhänge, die Knochen, -das<span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span> Blut und die Milch. Die für den Menschen giftige Minimaldosis -von 0,1 g Arsenik wäre demnach erst in 9 kg Leber vorhanden gewesen. -Dementsprechend war auch die Verfütterung des Fleisches und der Milch -an junge Schweine und Hunde resultatlos. Die Milch enthielt 0,00005 -pro Mille Arsenik. Ein ähnliches Ergebnis hat eine Untersuchung -von <em class="gesperrt">Sonnenschein</em> gehabt. Die Körperteile einer Kuh, welche -innerhalb eines halben Jahres 506½ g Arsenik bekommen hatte, -enthielten nach der Schlachtung an Arsenik: 1 kg Fleisch 0,28 mg, 1 -kg Leber 0,12 mg, 1 kg Milz 2 mg, 1 kg Niere 3 mg.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe.</em> 150 Schafe wurden in einer Arseniklösung gebadet, -welche in 500 l 3½ kg Arsenik enthielt. Innerhalb der ersten -drei Stunden nach dem Bade starben 30 Stück, in den weiteren -4 Tagen 105 Stück. Die übrigen Tiere erkrankten zwar, genasen -aber (<em class="gesperrt">Nagel</em>, Berliner Archiv 1890). — Eine Schafherde, -bestehend aus 229 Stück, wurde wegen Räude in einer Arseniklösung -gebadet. 12 Stück krepierten, 28 Stück zeigten 2 Monate hindurch -tiefe brandige Zerstörung und Geschwürsbildung auf der Haut (The -Veterinarian 1852). — Ein Schaf erhielt in 2½ Monaten etwa 20 g -Arsenik. Nach Verabreichung von etwa 12 g zeigten sich die ersten -Vergiftungserscheinungen: unterdrückte Fresslust und Munterkeit, -sowie eine schmerzhafte Stelle in der rechten Schaufelknorpelgegend, -welche sich später zu einer bruchartigen, walnussgrossen Geschwulst -und schliesslich zu einer Labmagenfistel mit späterem partiellen -Labmagenvorfall umwandelte (<em class="gesperrt">Haubner</em>, Sächs. Jahresbericht -1860). — <em class="gesperrt">Röbert</em> hat eine Arsenikvergiftung bei 100 Schafen -beobachtet. Dieselben weideten auf einem Kleefelde, das in -allernächster Nähe eines Hüttenwerkes gelegen war. Bereits nach 2 -Stunden zeigten die Tiere die ersten Krankheitssymptome, welche sich -in grosser Mattigkeit, lähmungsartiger Schwäche, Schwanken, Versagen -des Futters, diarrhoischem Kote, lividem Aussehen der Schleimhäute -äusserten; <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub> davon ging ein. Der Sektionsbefund war der bei -Arsenikvergiftung übliche. Das Blut war teerartig, schlecht geronnen, -es bestand Ekchymosierung der Schleimhaut des Verdauungsapparates -usw. (Sächs. Jahresber. pro 1892). — <em class="gesperrt">Scott</em> beobachtete eine -Arsenikvergiftung bei Lämmern nach einem Räudebad. 19 Lämmer starben -nach 12–36 Stunden unter Vergiftungserscheinungen (Speichelfluss, -Nasenausfluss, Zähneknirschen, Stöhnen, Schwanken, Durchfall, Koma). -Andere erkrankten 10 bis 12 Tage nach dem Baden. Die Sektion ergab -leichte Entzündung im 4. Magen, subkutane Blutungen, Petechien -und seröse Infiltration in den Muskeln (Vet. Record 1904 S. 853). -— Auch Schafe können sich an kleinere Dosen Arsenik gewöhnen. -So zeigten die Versuchsschafe von <em class="gesperrt">Weiske</em> (Tageblatt der -Grazer Naturforscherversammlung 1875) bei 20tägiger Fütterung -von je 0,005–0,18 g Arsenik bessere Ausnützung des Futters und -Vermehrung des Körpergewichts durch Fleischansatz. <em class="gesperrt">Cornevin</em> -(Journal de Lyon 1886 und 1888) fütterte 9 Schafe je eine Woche -hindurch mit 7tägigen Pausen zuerst 0,3, dann 0,6, dann 1,0 und -zuletzt 1,3 g Arsenik (mithin die grosse Menge von 22,4 g Arsenik -pro Schaf innerhalb 2 Monaten). Erscheinungen einer Darmaffektion -fehlten hiebei gänzlich; der Fettansatz wurde jedoch nicht -gefördert, und zwar deshalb, weil, wie <em class="gesperrt">Cornevin</em> glaubt, -der Arsenik in Pulverform sich in den grossen Futtermassen der -Wiederkäuermägen verliert. Dagegen zeigte sich nach Verabreichung der -<em class="gesperrt">Fowler</em>schen Lösung, wobei mit 0,25 begonnen und gradatim bis -zu 5,0 gestiegen wurde, insbesondere bei schwächlichen Schafen eine -deutliche Gewichtszunahme.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Ein halbjähriges Schwein starb nach 1,2 g -Arsenik binnen 40 Stunden (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde -1872). — 22 Schweine tranken von einer zur Schafwäsche benützten -Flüssigkeit und krepierten sämtlich. Die Sektion ergab starke -kruppöse Stomatitis und Pharyngitis (The Veterinarian 1855). — -Schweine zeigen nach täglich 2maliger Verabreichung von 0,05 Arsenik -nach 8–14 Tagen Appetitverminderung, Erbrechen, Durchfall, blutige -Exkremente, grosse Mattigkeit, starke Abmagerung und sterben nach -etwa 20–30 Tagen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre 1872). — Auch -bei Schweinen kommt eine Gewöhnung an den Arsenik vor. Sie ertragen -nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Giel</em> (Archiv für experimentelle -Pathologie 1878), wenn sie jung, kräftig und gut gehalten sind, -½-2 mg Arsenik pro die ganz ausgezeichnet, zeigen im Vergleiche -zu den Kontrolltieren entschieden besseres Wachstum, bekommen ein -schöneres,<span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span> glänzenderes Fell, werden fetter, haben längere und -dickere Knochen und werfen grössere, stärkere Junge.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Hunde.</em> Nach 0,2–0,6 Arsenik zeigen Hunde wiederholtes -Erbrechen, Winseln, beschwerliches Atmen, Angst, Unruhe, Entleerung -schwarzrotgefärbter diarrhoischer Kotmassen, grosse Schwäche, -Koma; nach 6–30 Stunden tritt der Tod ein (<em class="gesperrt">Hertwig</em>; eigene -Versuche). — Ein mittelgrosser Hund starb auf 0,25 Scherbenkobalt -nach 18 Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis -(<em class="gesperrt">Renault</em>, Recueil 1834). — Ein Hund erkrankte auf 0,6 -Schweinfurter Grün nach ½ Stunde unter Kolikerscheinungen, genas -aber nach 4 Stunden; ein anderer, kleiner Hund starb nach 0,3. Ein -junger Hund starb ferner nach der Verabreichung von 0,6 Scheeleschem -Grün nach 1½ Stunden (<em class="gesperrt">Meurer</em>, Caspers Wochenschrift für -Tierärzte 1843). — Eine Arsenikvergiftung nach der Aufnahme von -Feldmäusen hat <em class="gesperrt">Heilig</em> bei einem Hunde beobachtet (Oesterr. -Monatsh. 1897 S. 169). — Zwei Dachshunde erkrankten nach dem -Zerzausen eines ausgestopften Fuchses an schwerer Arsenikvergiftung; -einer genas nach Verabreichung von Magnesia und Eisenoxydhydrat. -Bei dem anderen fand sich bei der Sektion Arsenik als weisses, -streusandähnliches Pulver im Magen (<em class="gesperrt">Röbert</em>, Sächs. Jahresber. -pro 1901). — Ein Hund starb 1½ Stunden nach der Aufnahme von -Rattengift (0,2 Arsenik) perakut; der Sektionsbefund war mit Ausnahme -einer umschriebenen erosiven Gastritis negativ (<em class="gesperrt">Jakob</em>, Münch. -Woch. 1909). — Nach der Aufnahme von arsenikhaltigem Mäusegift -erkrankte ein Hund unter Erbrechen und Lähmungserscheinungen; er -genas nach Verabreichung von Antidotum Arsenici nach 24 Stunden -(<em class="gesperrt">Roelcke</em>, Zeitschr. f. Vet. 1909).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Hühner.</em> Von 10 Hühnern eines Weissgerbers, welche von -dem weissen, in Renntierfelle eingestreuten Pulver gefressen -hatten, starben 8 (<em class="gesperrt">Weigel</em>, Sächs. Jahresber. 1888). — Nach -<em class="gesperrt">Cornevin</em> ertragen Hühner 0,02 g Arsenik pro die eine Woche -hindurch, sterben aber bei 0,05 g pro die und einer einmaligen Dosis -von 0,1–0,15 g.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Bleivergiftung_Saturnismus">Bleivergiftung. Saturnismus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie der Bleiverbindungen.</b> Das Metall Blei wird fast -ausschliesslich aus dem <em class="gesperrt">Bleiglanz</em>, PbS, hüttenmännisch -gewonnen. Der Bleiglanz findet sich meist mit anderen Erzen, -namentlich mit Silber-, Kupfer-, Zink-, Antimon- und Eisenerzen -zusammen auf Gängen der verschiedensten Gebirgsformationen. -Durch Rösten des Bleierzes wird teils reines metallisches -Blei, teils Bleioxyd gewonnen. Letzteres wird sodann mit Kohle -zu metallischem Blei reduziert. Bleibergwerke finden sich in -Deutschland namentlich in Freiberg (Sachsen), im Harz (Ober- und -Unterharz), in Oberschlesien (Tarnowitz), in den Bezirken Aachen -und Köln, in Hannover, Westfalen und Nassau. Das metallische -Blei findet Verwendung zur Herstellung von Kugeln, Platten, -Röhren, Draht, Glasuren und Lötmasse für Koch- und Essgeschirre, -als Ausbesserungsmaterial für Mühlsteine, sowie zur Darstellung -verschiedener chemischer Bleipräparate. Die wichtigsten <em class="gesperrt">chemischen -Eigenschaften</em> des Bleies sind folgende. Vor dem Lötrohr auf Kohle -geschmolzen gibt es einen dunkelgelben Beschlag mit blauweissem -Rande. Mit Soda vor dem Lötrohr geschmolzen, bildet es eine weiche -Bleiperle, deren Lösung in Salpetersäure durch Schwefelsäure weiss -gefällt wird. An feuchter Luft überzieht sich Blei mit einer dünnen -Schichte von Bleioxyd. Lufthaltiges Wasser greift das Blei stark -an, indem sich lösliches Bleioxydhydrat bildet; die gleichzeitige -Anwesenheit von Chloriden, Nitraten, Ammoniak und fauligen Stoffen -befördert die Auflösung des Bleis (Gefährlichkeit der Benützung von -Bleiröhren zu Trinkwasserleitungen).</p> - -<p>Die für die Toxikologie wichtigsten Bleiverbindungen sind ausser -dem <em class="gesperrt">metallischen Blei</em> folgende: 1. Die <em class="gesperrt">Bleiglätte</em> -(Silberglätte, Goldglätte,<span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span> Massikot, Lithargyrum) ist Bleioxyd, -PbO, welches in den Bleihütten durch Erhitzen des Bleis an der Luft -gewonnen wird und je nach dem angewandten Hitzegrade eine hellgelbe -(Silberglätte) oder rotgelbe (Goldglätte) Farbe zeigt. Es ist in -Wasser schwer löslich, in Salpeter- und Essigsäure leicht löslich, -löst sich ferner in Salzsäure und bildet mit Fetten Firnisse, -Pflaster und Kitte. 2. Die <em class="gesperrt">Mennige</em> (rotes Bleioxyd, Pariser -Rot, Minium), Pb<sub>3</sub>O<sub>4</sub>, wird aus Bleiglätte durch weiteres -Erhitzen dargestellt. Sie hat eine schöne, blendend rote, zuweilen -feurig oder orangerote Farbe, löst sich in Essigsäure, Salzsäure und -Salpetersäure, und wird zu Anstrichen, Glasuren, Kitten, Pflastern, -sowie in der Zündhölzerfabrikation verwandt. 3. Das <em class="gesperrt">Bleiweiss</em> -(kohlensaures Blei, Cerussa), PbCO<sub>3</sub>, wird in ausgedehnter Weise -als Malerfarbe benützt. 4. Der <em class="gesperrt">Bleizucker</em> (Bleiazetat, -neutrales essigsaures Blei), Pb <span class="nowrap">(C<sub>2</sub>H<sub>4</sub>O<sub>2</sub>)<sub>2</sub></span> + 3 H<sub>2</sub>O, -wichtig als Arzneimittel, sowie zur Darstellung von Firnissen, Farben -und Beizen. 5. Der <em class="gesperrt">Bleiessig</em> (basisches essigsaures Blei), -Liquor Plumbi subacetici, aus Bleizucker und Bleioxyd dargestellt, -ein äusserlich angewandtes Arzneimittel.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Bleivergiftung.</b> Eine der häufigsten Ursachen -der Bleivergiftung ist die Aufnahme von <em class="gesperrt">Bleifarben</em>. Die -Literatur (vgl. S. 84) enthält eine ausserordentlich grosse Anzahl -von Beobachtungen, in welchen Haustiere, namentlich Rinder, durch -das Fressen oder Ablecken bleihaltiger Oelfarben (<em class="gesperrt">Bleiweiss</em>, -<em class="gesperrt">Bleiglätte</em>, <em class="gesperrt">Mennige</em>) erkrankt und gestorben sind. -Es handelt sich dabei insbesondere um frisch angestrichene -Futtergeschirre, Trinkeimer, Bottiche, Krippen, Gitter, Hühnerställe; -zuweilen werden sogar grössere Mengen reiner Oelfarbe aufgenommen. -Sehr gefährlich hat sich auch das Einreiben von Zugochsen mit Salben -aus Mennige am Hals erwiesen, indem die Tiere sich gegenseitig die -bleihaltige Salbe ableckten. Auch Vergiftungen durch die Aufnahme -grösserer Mengen roter, bleihaltiger Oblaten sind bei Rindern -beobachtet worden. Ausserdem sind Vergiftungsfälle bei Pferden und -Katzen in Mennige- und Bleiweissfabriken beschrieben worden.</p> - -<p>In enzootischer Verbreitung findet man die Bleivergiftung bei -sämtlichen Haustieren in der Umgebung von <em class="gesperrt">Bleihütten</em> und -<em class="gesperrt">bleihaltigen Flüssen</em>. Von Hüttenwerken sind in dieser Beziehung -zu nennen die Ober- und Unterharzer Hütten (Blei- und Zinkhütten in -Stolberg, Kupferhütten zu St. Helens), die Hüttenwerke in Oberschlesien -(Friedrichshütte), Rheinland, Westfalen und in Freiberg (Sachsen), -welche teils durch den sog. Hüttenrauch und Flugstaub die gesamte -Vegetation der nächsten Umgebung mit einer bleihaltigen Staubschichte -überziehen, teils durch fortgewehten und fortgeschwemmten Pochsand und -Haldensand und durch abgefahrenen Bleidünger (Bleiasche) Vergiftungen -nicht bloss unter den Haustieren, sondern unter der gesamten -benachbarten Tierwelt<span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span> veranlassen. Das im Boden enthaltene Blei geht -sogar unter Umständen in Form organischer Verbindungen in die Pflanzen -über und erzeugt so indirekt bei Pflanzenfressern Bleivergiftung -(vgl. die Beobachtungen in Kärnten S. 9). Aehnlich giftig wirken -die Abwässer von Bleiweissfabriken. Auch die mit städtischen -Abfuhrstoffen (Strassenkot) gedüngte Erde ist zuweilen bleihaltig und -dann gesundheitsschädlich (<em class="gesperrt">Mosselmann</em> und <em class="gesperrt">Hébrant</em>). -Von bleihaltigen Flüssen sind zu erwähnen die <em class="gesperrt">Innerste</em> im -Hildesheimischen, welche auf einer Strecke von 50–60 km Blei mit sich -führen soll, sowie der <em class="gesperrt">Bleibach</em> in der Rheinprovinz (Aachen, -Köln; Kreisen Schleiden und Euskirchen). Diese Flüsse überziehen -namentlich nach Ueberschwemmungen die umliegende Niederung mit einer -Schichte bleihaltigen Schlammes und Sandes und bedingen so in ihrem -gesamten Stromgebiete Bleivergiftungen durch Aufnahme von bleihaltigem -Sand und Erdboden mit dem Futter. Wird ein derartiger <em class="gesperrt">bleihaltiger -Sand</em> verladen, so kann er z. B. in <em class="gesperrt">Reitbahnen</em> infolge -Einatmens bei Pferden eine chronische Bleivergiftung (Rohren) -herbeiführen.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">metallische Blei</em> wird in Form von <em class="gesperrt">Schrotkörnern</em> und -<em class="gesperrt">Bleistücken</em> namentlich von Rindern und vom Geflügel aufgenommen, -wenn es z. B. nach der Verwendung zum Flaschenspülen ins Futter, ins -Trinkwasser oder auf den Dungplatz gelangt ist. Auch durch Weiden in -der Nähe von Schiessplätzen und Aufnahme der daselbst umherliegenden -Bleikugeln sind Bleivergiftungen beim Rind früher veranlasst worden. -Im Magen einer an Bleivergiftung gestorbenen Kuh fand man 300, bei -einer anderen 250 g Bleischrot, in dem einer Taube 4 g; im ersteren -Falle wurde durch Vermittlung der <em class="gesperrt">Milch</em> bei dem 1 Monat alten -Kalb ebenfalls eine tödliche akute Bleivergiftung hervorgerufen. -Bleikugeln in Wunden sind dagegen ungiftig (Abkapselung). Vergiftungen -durch bleihaltiges <em class="gesperrt">Trinkwasser</em> aus <em class="gesperrt">Bleiröhren</em> sind bei -den Haustieren gleichfalls nachgewiesen worden (<em class="gesperrt">Walther</em>). -Bleihaltige Lötmasse in Vogelkäfigen hat bei Zimmervögeln Veranlassung -zu Bleivergiftung gegeben (<em class="gesperrt">Regenbogen</em>).</p> - -<p>Endlich ereignen sich Bleivergiftungen durch <em class="gesperrt">Verwechslungen</em> und -<em class="gesperrt">therapeutische Fehlgriffe</em>. So sind öftere Male Vergiftungen -dadurch vorgekommen, dass vom Händler (Drogisten) statt Glaubersalz -Bleizucker, sowie dass statt Futterkalk oder Kreide Bleiweiss abgegeben -wurde. In einem Fall verabreichte ein Landwirt seinen 5 Rindern 2½ -kg Bleiweiss; in einem anderen wurden<span class="pagenum" id="Seite_80">[S. 80]</span> an 10 Rinder irrtümlicherweise -statt Spiessglanz täglich etwa 50 g Bleizucker 3 Tage hintereinander -abgegeben. 5 Rinder erhielten aus Versehen ⅜ kg Bleizucker, welcher -zur äusserlichen Anwendung bestimmt war, in Wasser gelöst zum -Trinken. Eine Kuh starb, als sie innerhalb 3 Tagen 50 g Bleizucker -gegen Blutharnen erhalten hatte. Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> des -<em class="gesperrt">Bleizuckers</em> beträgt für</p> - -<table summary="Tödliche Bleizucker-Dosis"> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Rinder</em></div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center"> 50–100</div> - </td> - <td> - <div class="center">g</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Pferde</em></div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">500–750</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Schafe</em> und <em class="gesperrt">Ziegen</em></div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center"> 20– 25</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><em class="gesperrt">Schweine</em> und <em class="gesperrt">Hunde</em></div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center"> 10– 25</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><b>Krankheitsbild der Bleivergiftung.</b> Das Blei besitzt in allen -seinen Verbindungen lokal eine <em class="gesperrt">ätzende</em> Wirkung (Bildung von -Bleialbuminat). Nach seiner Resorption wirkt es <em class="gesperrt">erregend</em> auf -die Nervenzentren der <em class="gesperrt">Grosshirnrinde</em> (Psyche, motorische -Zentren) und auf das <em class="gesperrt">vasomotorische Zentrum</em>. Ausserdem wirkt -das Blei infolge einer primären degenerativen Atrophie der peripheren -motorischen Nervenfasern <em class="gesperrt">lähmend</em> auf die <em class="gesperrt">quergestreiften -Körpermuskeln</em>. Bei länger fortgesetzter Verabreichung beobachtet -man <em class="gesperrt">Wucherung</em> und <em class="gesperrt">Neubildung</em> von <em class="gesperrt">Bindegewebe</em> -in allen wichtigeren Organen (Darm, Leber, Nieren, Gehirn, -Rückenmark, Retina, Sympathikus), <em class="gesperrt">Degenerationszustände</em> in -den peripheren motorischen Nerven, namentlich im <em class="gesperrt">Rekurrens</em>, -und im <em class="gesperrt">Rückenmark</em>, sowie <em class="gesperrt">Muskelatrophie</em> (beim Pferd -namentlich in den Kehlkopfmuskeln). Die Resorption des Bleis findet -von allen Körperstellen aus, selbst von der Haut (Wunden) und von der -Lunge aus statt. Insbesondere wird im Magen und Darm das metallische -Blei und das sonst unlösliche Bleisulfat resorbiert. Besonders rasch -ist die Resorption der löslichen Bleisalze. Dagegen erfolgt die -<em class="gesperrt">Ausscheidung</em> des Bleis sehr langsam durch die Drüsen (Harn, -Speichel, Galle, Milch). Am empfindlichsten von allen Haustieren gegen -Blei ist das <em class="gesperrt">Rind</em>. Das Pferd verträgt 10mal grössere Dosen. -Ausserdem sind die Vögel sehr empfindlich. Man unterscheidet eine akute -und eine chronische Bleivergiftung (akuten und chronischen Saturnismus).</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Symptome der akuten Bleivergiftung.</em> Die wichtigsten -Lokalerscheinungen sind <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Würgen, starker -<em class="gesperrt">Speichelfluss</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em> (Bleikolik), <em class="gesperrt">anhaltende -Verstopfung</em>, Tympanitis, unterdrückte Futteraufnahme und -Milchsekretion, seltener<span class="pagenum" id="Seite_81">[S. 81]</span> Durchfall. Die Allgemeinerscheinungen äussern -sich zunächst in kortikalen Gehirnstörungen, nämlich in <em class="gesperrt">Zittern</em>, -<em class="gesperrt">Zuckungen</em>, <em class="gesperrt">Kaukrämpfen</em> und <em class="gesperrt">epileptiformen -Anfällen</em>, neben welchen starke <em class="gesperrt">psychische Erregung</em>, -Vorwärtsdrängen, choreaähnliche Zufälle, sowie namentlich bei Rindern -förmliche <em class="gesperrt">Tobsuchtsanfälle</em> einhergehen (Mania saturnina). Auf -dieses Stadium der Erregung folgt das der Lähmung: <em class="gesperrt">Schwäche</em>, -<em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Schlafsucht</em>, <em class="gesperrt">Parese</em> -und <em class="gesperrt">Paralyse</em> der <em class="gesperrt">Nachhand</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em> der -<em class="gesperrt">Zunge</em>, <em class="gesperrt">Lähmung einzelner Muskelgruppen</em>, allgemeine oder -halbseitige <em class="gesperrt">Anästhesie</em>, tiefes <em class="gesperrt">Koma</em>. Der <em class="gesperrt">Puls</em> ist -auffallend <em class="gesperrt">hart</em>, oft <em class="gesperrt">drahtförmig</em>, seine Frequenz bald -vermehrt, bald verlangsamt. Die Schleimhäute sind anfangs hochgerötet, -später schmutziggrau verfärbt (Bleisaum beim Hund; PbS). Die Atmung -ist erschwert und beschleunigt. Trächtige Tiere abortieren häufig. -Die Dauer dieser Krankheitserscheinungen schwankt zwischen 24 Stunden -(perakuter, milzbrandähnlicher Verlauf) und einigen Wochen (akuter und -subakuter Verlauf). Zuweilen bleiben partielle Muskellähmungen zurück.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Symptome der chronischen Bleivergiftung.</em> Bei <em class="gesperrt">Rindern</em> -äussert sich die chronische Bleivergiftung in allgemeinen -Ernährungsstörungen und zunehmender <em class="gesperrt">Abmagerung</em> (Cachexia -saturnina), in hochgradiger <em class="gesperrt">Körperschwäche</em> (Tabes saturnina), -intermittierenden, durch eine Bindegewebswucherung in der Umgebung -der Darmganglien hervorgerufenen <em class="gesperrt">Kolikanfällen</em> (Colica -saturnina; Bleikolik), <em class="gesperrt">Bewegungsstörungen</em> und <em class="gesperrt">Lahmheiten</em> -(Arthralgia saturnina; Rheumatismus saturninus), <em class="gesperrt">zerebralen -Erregungszuständen</em> (Encephalopathia saturnina), welche sich -namentlich in Form <em class="gesperrt">epileptischer Anfälle</em> äussern (Eklampsia -saturnina). Auf der Haut findet man zuweilen starkes <em class="gesperrt">Hautjucken</em>, -sowie <em class="gesperrt">pustulöse Exantheme</em>. Zuweilen bilden sich ferner -<em class="gesperrt">Amblyopie</em> und <em class="gesperrt">Amaurosis</em> (Amaurosis saturnina), sowie -<em class="gesperrt">motorische Lähmungen</em> verschiedener Natur (Paralysis saturnina) -mit starkem <em class="gesperrt">Muskelschwund</em> (Atrophia saturnina), zuweilen auch -mit bleibenden <em class="gesperrt">Muskelkontrakturen</em> (Contractura saturnina) -aus. Die Maulschleimhaut zeigt in manchen Fällen die Erscheinungen -der <em class="gesperrt">ulzerösen Stomatitis</em> mit einem sog. <em class="gesperrt">Bleisaum</em> der -Zähne (Verdacht der Maul- und Klauenseuche). Daneben können sich die -Erscheinungen eines <em class="gesperrt">Bronchialkatarrhs</em> entwickeln. Endlich -beobachtet man habituellen Abortus oder Sterilität.</p> - -<p>Bei <em class="gesperrt">Pferden</em> zeigt die chronische Bleivergiftung ein wesentlich<span class="pagenum" id="Seite_82">[S. 82]</span> -anderes Krankheitsbild. Meist beobachtet man als einziges auffälliges -Symptom <em class="gesperrt">Kehlkopfpfeifen</em>, wodurch die Pferde zur Arbeit -unbrauchbar werden. Die saturnine Hartschnaufigkeit wird namentlich -in Bleigegenden, sowie bei Reitpferden beobachtet, wenn dieselben in -Reitbahnen mit bleihaltigem Sand bewegt werden. Nach den Untersuchungen -von <em class="gesperrt">Thomassen</em> wird das Kehlkopfpfeifen bei der Bleivergiftung -durch eine <em class="gesperrt">periphere Neuritis des Nervus recurrens</em> mit -Degeneration des Nerven und späterer Bindegewebsneubildung veranlasst -(vergl. S. 87). Nach <em class="gesperrt">Schmidt</em> soll sich das saturnine Rohren -von dem gewöhnlichen Kehlkopfpfeifen klinisch dadurch unterscheiden, -dass die Dyspnoe beim Unterbrechen der Bewegung nicht sofort aufhört, -sondern eher noch zunimmt, und dass der ganze Anfall auch dann -abläuft, wenn das Pferd nur bis zum Beginn des Hörbarwerdens der -ersten Stenosengeräusche bewegt worden ist. Wichtiger ist der Umstand, -dass beim saturninen Rohren eine <em class="gesperrt">beiderseitige</em> Kehlkopflähmung -vorhanden ist.</p> - -<p>Beim <em class="gesperrt">Geflügel</em> (Hühner, Tauben, Dompfaffen) hat man ausser -gastrischen Störungen, Krämpfen und Lähmungserscheinungen starke -<em class="gesperrt">Anschwellung</em> und <em class="gesperrt">Absterben</em> der <em class="gesperrt">Zehenglieder</em> -beobachtet.</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Bei dem <em class="gesperrt">akuten</em> Saturnismus findet -man die Erscheinungen einer <em class="gesperrt">korrosiven Gastroenteritis</em>: -Rötung, Entzündung, Verschorfung, Geschwürsbildung auf der -Magendarmschleimhaut, graue bis schwarze Verfärbung der Darmzotten -(Schwefelblei), sowie Blässe und Kontraktion des ganzen Darmrohrs; in -den Gehirnkammern, Gehirn- und Rückenmarkshäuten wird eine Ansammlung -seröser Flüssigkeit beobachtet (Hydrozephalus und Hydrorhachis). -Die <em class="gesperrt">chronische</em> Bleivergiftung ist anatomisch ausser durch -allgemeine Abmagerung und fettige Degeneration der inneren Organe -durch <em class="gesperrt">Bindegewebswucherung</em>, namentlich in der Niere (Nephritis -saturnina, Bleiniere, Schrumpfniere), in der Umgebung der Darmganglien -(Mesenteritis saturnina), sowie in der Leber charakterisiert. Dass -speziell auch bei Tieren die beim Menschen häufig beobachtete Bleiniere -(Schrumpfniere, Nierenzirrhose) vorkommt, beweist ein von <em class="gesperrt">Gilly</em> -beim Rind beobachteter Fall (vergl. die Kasuistik). Ausserdem hat man -<em class="gesperrt">Kalkinfarkte</em> in der <em class="gesperrt">Niere</em> bei Versuchstieren beobachtet.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Neben der Verabreichung von Brechmitteln und -Abführmitteln, sowie von Eiweiss, Milch und Schleim gibt man bei<span class="pagenum" id="Seite_83">[S. 83]</span> -der akuten Bleivergiftung verdünnte <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> oder -<em class="gesperrt">schwefelsaure Salze</em>, namentlich Glaubersalz und Bittersalz, um -die Bildung eines Niederschlags von schwer löslichem schwefelsaurem -Blei herbeizuführen. Die Kolikanfälle, sowie die motorischen und -psychischen Erregungszustände werden <em class="gesperrt">symptomatisch</em> mit Morphium -oder Chloralhydrat, die Lähmungszustände mit Exzitantien (Kampfer, -Aether, Alkohol, Atropin, Strychnin, Elektrizität) behandelt. Bei -der im übrigen meist unheilbaren chronischen Bleivergiftung kann -versuchsweise <em class="gesperrt">Jodkalium</em> zur Beschleunigung der Ausscheidung des -Bleis aus dem Körper (Jodblei) gegeben werden. Bei Pferden empfiehlt -sich ausserdem die Vornahme der <em class="gesperrt">Tracheotomie</em>.</p> - -<p><b>Nachweis der Bleivergiftung.</b> Da das Blei mit dem Eiweiss des -Körpers eine sog. metallorganische Verbindung eingeht, so können die -einzelnen Bleireaktionen erst nach Freimachung des Bleis aus seiner -Verbindung vorgenommen werden.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Trennung</em> des Bleis von den organischen Massen geschieht -nach der früher beschriebenen Methode mit <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und -<em class="gesperrt">chlorsaurem Kali</em>, wobei das Blei in Chlorblei übergeht. -Die kochend heiss filtrierte, salzsaure Lösung wird sodann durch -<em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> gefällt, wobei sich ein Niederschlag von -<em class="gesperrt">schwarzem Schwefelblei</em> bildet, welcher schnell zu filtrieren -und dann sofort weiter zu untersuchen ist. Das schwarze Schwefelblei -ist zum Unterschied von dem ebenfalls schwarzen Schwefelquecksilber -in <em class="gesperrt">warmer Salpetersäure</em> löslich (Bildung von salpetersaurem -Blei), in Salmiakgeist, Schwefelammonium, Schwefelalkalien und -Salzsäure unlöslich. Die Lösung des salpetersauren Bleioxyds wird -durch nachstehende <em class="gesperrt">Bleireaktionen</em> weiter untersucht: a) -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> oder schwefelsaure Salze gehen einen Niederschlag -von <em class="gesperrt">weissem</em> schwefelsaurem Blei, welcher in Wasser und Säuren -unlöslich ist und durch Schwefelwasserstoffwasser oder Schwefelammonium -<em class="gesperrt">geschwärzt</em> wird. b) <em class="gesperrt">Salzsäure</em> oder Chloride geben einen -<em class="gesperrt">weissen</em> Niederschlag von Chlorblei, der durch Salmiakgeist -nicht gefärbt wird (im Gegensatz zu Quecksilber). c) <em class="gesperrt">Jodkalium</em> -gibt einen <em class="gesperrt">gelben</em> Niederschlag von Jodblei, welcher sich in der -Hitze auflöst. d) <em class="gesperrt">Chromsaures</em> Kali gibt einen <em class="gesperrt">gelben</em>, in -Kalilauge löslichen Niederschlag von chromsaurem Bleioxyd. Ausserdem -geben <em class="gesperrt">Zyankalium</em>, <em class="gesperrt">gelbes Blutlaugensalz</em>, <em class="gesperrt">Kali-</em> -und <em class="gesperrt">Natronlauge</em>, <em class="gesperrt">Salmiakgeist</em> und <em class="gesperrt">kohlensaure -Alkalien</em> einen<span class="pagenum" id="Seite_84">[S. 84]</span> <em class="gesperrt">weissen</em> Niederschlag (Zyanblei, -Bleioxydhydrat, kohlensaures Blei). <em class="gesperrt">Quantitativ</em> wird das Blei -als <em class="gesperrt">Schwefelblei</em> gewogen; 100 Teile Schwefelblei enthalten 86,6 -Teile Blei.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die alljährlich anwachsende Kasuistik der -Bleivergiftungen gehört zu den reichhaltigsten im ganzen Gebiete der -Toxikologie. Es soll im Nachstehenden nur eine Auswahl der für die -einzelnen Tiergattungen wichtigsten Vergiftungsfälle wiedergegeben -werden.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Rind.</em> 12 Rinder erhielten von einem Landwirt als Mittel -gegen Lecksucht 250 g Bleiweiss. Drei davon, welche am meisten -aufgenommen hatten, erkrankten an hartnäckiger Verstopfung, -Tympanitis, Lähmung der Magen- und Darmperistaltik, sehr starkem -Speicheln, Zittern, Amaurosis, Betäubung, Schwindelanfällen, -Krämpfen, sowie Kolikanfällen 2–3 Stunden vor dem Tode. Durchfall -trat nicht ein. (<em class="gesperrt">Strebel</em>, Schweizer Archiv 1884). — 2 Kühe -erhielten gegen Blutharnen in 3 Tagen 48 resp. 52 g Bleizucker. -Die erstere starb. Beide erkrankten nach Ablauf von 7–8 Tagen und -zeigten Muskelschwäche, Zittern, Steifheit der Glieder, Knacken in -den Gelenken, Lähmung der Nachhand, periodische Aufregung, sowie -maniakalische Erscheinungen (<em class="gesperrt">Fischer</em>, Bad. Mitt. 1885). — 4 -Kühe und ein Bulle erhielten aus Versehen ¾ Pfund Bleizucker in -einem Eimer Wasser gelöst in die Krippe gegossen. Am 3. Tage danach -erkrankten 2 Kühe und mussten am 9. und 10. Tage getötet werden. -Die 3. Kuh erkrankte am 4. Tage, der Bulle am 5. und die letzte Kuh -am 6. Tage; diese 3 Tiere genasen (<em class="gesperrt">Krekeler</em>, Preuss. Mitt. -1885). — Mehrere Zugochsen wurden mit einer Mischung von Mennige -und Oel eingerieben. 6–7 Wochen darauf erkrankten sie, indem zuerst -Diarrhöe und später anhaltende Verstopfung auftrat. Die zufällig bei -der Sektion vorgefundenen Nierensteine färbten sich bei der Berührung -mit Schwefelleber schwarz (<em class="gesperrt">Hodurek</em>, Oesterreich. Monatsschr. -1883). — In einer Brennerei waren die Bottiche mit Mennige sehr dick -angestrichen. Die Maische hatte den Anstrich gelöst. Durch den Genuss -der Schlempe erkrankten viele Kühe an Bleivergiftung (<em class="gesperrt">Magnus</em>, -Preuss. Mitt. 1872). — 8 Kühe wurden zur Vertilgung der Läuse -mit Bleisalbe eingerieben und auf die Einreibung noch Bleiweiss -eingestreut; sie erkrankten sämtlich (<em class="gesperrt">Schöngen</em>, Preuss. -Mitt. 1874). — Rinder, welche Mennige aufgenommen hatten, zeigten -Speichelfluss, Verstopfung, Kaukrämpfe, Amaurose, Rückenmarkslähmung, -einmal Zungenlähmung, ein anderes Mal tiefes Koma, ein drittes Mal -allgemeine Krämpfe (<em class="gesperrt">Lavigne</em>, Recueil 1883). — Eine Kuh -frass 2 Pfund weisser Oelfarbe. Sie zeigte Stumpfsinn, Verstopfung, -Kolikanfälle, beschleunigtes, schnaufendes Atmen, schnellen, harten, -später unfühlbaren Puls, Sehstörung, plötzliche Unruhe, Krämpfe, -Steifheit der Vorder- und abwechselnd der Hinterfüsse. Dauer der -Krankheit 3 Wochen; Genesung (<em class="gesperrt">van Dommeln</em>, Het Repertorium -1853). — 4 Kühe und ein einjähriges Kalb erhielten gegen die -Lecksucht innerhalb 8 Tagen zusammen 5 Pfund Bleiweiss, 3 mussten -getötet werden. Sie zeigten Aufstützen des Kopfes, Drängen gegen -die Wand, krankhaftes Abbiegen des Halses, Geifern, Zähneknirschen, -Schluchzen, Pupillenerweiterung. Bei der Sektion fand man Erweichung -der Gehirnsubstanz, sowie Flüssigkeit zwischen den Gehirnhäuten -(<em class="gesperrt">Hess</em>, Schweizer Archiv 1851). — 10 Kühe erhielten je 250 -g Bleizucker, statt Glaubersalz; alle starben innerhalb 8 Tagen -(<em class="gesperrt">Kaumann</em>, Magazin Bd. 27). — 10 Rinder erhielten aus Versehen -3 Tage hintereinander je zweimal etwa 50 g Bleizucker. 6 Stück -krepierten innerhalb 2–6 Tagen; die übrigen 4 mussten nach 5 Wochen -infolge eines Rückfalls getötet werden. Die Krankheitserscheinungen -bestanden unter anderem in Kolik, Muskelzuckungen, Aufstützen des -Kopfes, hochgradiger Mattigkeit und Erschöpfung, starker Abmagerung, -lebhaftem Hautjucken, pustulösem Hautausschlag über den ganzen -Körper, Verkalben, Husten, Speichelfluss, plötzlicher Lähmung -(<em class="gesperrt">Prinz</em>, Magazin 1. Bd.). — Mehrere Kühe nahmen auf der Weide -in einer Gegend, wo Schiessübungen abgehalten wurden, Bleikugeln -auf. Sie magerten ab, gaben wenig Milch, zeigten trockene Haut und -blasse Schleimhäute. Bei der Sektion fand man 2–8 kg abgeplattete -Bleikugeln im Pansen, ausserdem die Erscheinungen der Leberatrophie -und interstitiellen Nephritis (<em class="gesperrt">Gilly</em>, Recueil<span class="pagenum" id="Seite_85">[S. 85]</span> 1889). — Nach -der Aufnahme von bleiweisshaltigem Dünger auf einer Wiese erkrankten -8 Rinder unter den Erscheinungen einer schweren Gehirnentzündung; -sie zeigten maniakalische Anfälle, Zwangsbewegungen, Zähneknirschen, -Erblindung, starken Speichelfluss und Zusammenstürzen. Die Sektion -ergab starke Gehirnkongestion (<em class="gesperrt">Laho</em> und <em class="gesperrt">Mosselmann</em>, -Belg. Annalen 1893). Dieselben Autoren gaben einem jungen Stier -von 185 kg Gewicht, um experimentell die Frage der Geniessbarkeit -des Fleisches vergifteter Tiere zu prüfen (vergl. S. 24), 4 Tage -lang hindurch je 50 g Bleiweissfarbe, worauf derselbe am 4. Tage -starb. — 9 Rinder, welche mit dem Futter abgekratzte alte Mennige -aufgenommen hatten, zeigten Speicheln, Zähneknirschen, anhaltende -Verstopfung, Pulsverlangsamung (32 p. M.), Zittern, partielle -Zuckungen, Zwerchfellskrampf, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, -Blindheit, schwerfälligen Gang und schwere psychische Affektionen. -Der Tod trat nach 4–10 Tagen ein; die Sektion ergab einen negativen -Befund (<em class="gesperrt">Lehmann</em>, Berl. Archiv 1893 S. 459). — Einen ähnlichen -Fall bei 2 Kühen (Apathie, Muskelzittern, stossendes Atmen) hat -<em class="gesperrt">Sundt</em> beobachtet (ibid. 1894 S. 343). — Ueber chronische -Bleivergiftung bei Kühen, welche auf einem Schiessfeld Bleikugeln -aufgenommen hatten, berichtet <em class="gesperrt">Magnin</em> (Rec. 1893 S. 432). — -Ein Rind erhielt von einem Pfuscher 120 g Bleizucker verschrieben, -wovon täglich der 3. Teil eingegeben werden sollte. Dasselbe zeigte -starkes Zittern, stieren Blick, Tobsucht, Schäumen und Zähneknirschen -und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab starke Magen- und -Darmentzündung und Gehirnhyperämie (<em class="gesperrt">Köcher</em>, Berl. Archiv 1894 -S. 343). — 2 Kühe zeigten nach der Aufnahme von Bleifarbe schwere -Tobsucht und Krämpfe (<em class="gesperrt">Metzger</em>, D. th. W. 1895 S. 436). — 3 -Kühe, welche Mehltrank mit Bleischrot vorgesetzt bekamen, erkrankten -unter Erscheinungen der Zerebrospinal-Meningitis, indem sie Krämpfe, -Unruhe, Aufregung und schliesslich Lähmung zeigten (<em class="gesperrt">Pawlat</em>, -österr. Mon. 1896 S. 145). — 2 Kühe leckten den Mennigeanstrich im -Stall ab und zeigten Salivation, Krämpfe, Vorwärtsdrängen, sowie -tobsuchtähnliche Anfälle (<em class="gesperrt">Wallmann</em>, Berl. Arch. 1896 S. 349). -— Nach der Aufnahme von Abwässern einer Bleiweissfabrik erblindeten -2 Rinder auf beiden Augen; bei einem derselben stellte sich nach -14 Tagen das Sehvermögen wieder ein (<em class="gesperrt">Appenrodt</em>, Berl. Arch. -1897 S. 196). — 2 Rinder erkrankten 24 Stunden nach der Aufnahme -von Mennigefarbe und starben im Verlauf weiterer 24 Stunden, nachdem -sie Appetitlosigkeit, übelriechenden Durchfall, Vorwärtsdrängen -und Sichüberschlagen gezeigt hatten. Die Sektion ergab hochgradige -Entzündung des Labmagens (<em class="gesperrt">Freitag</em>, Sächs. Jahresber. pro -1897 S. 146). — Nach der Aufnahme von ½ l Mennigefarbe zeigte -eine Kuh 48 Stunden später Appetitlosigkeit und Verstopfung, am 3. -Tage Kolik, Brechbewegungen, Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe mit starkem -Speicheln, Vorwärtsdrängen, epileptiforme Anfälle, Schlafsucht und -allgemeine Schwäche, welche in Lähmung überging und am 5. Tage zum -Tode führte (<em class="gesperrt">Haubold</em>, ibid. S. 147). — Nach dem Ablecken von -frischem Mennigeanstrich starben 3 Kühe noch an demselben Tage, 3 -wurden am Tag darauf notgeschlachtet; alle zeigten Appetitlosigkeit, -Verstopfung, krampfhafte Kaubewegungen, Vorwärtsdrängen, Schwäche der -Nachhand und Muskelzittern; 1 Kuh tobte, 1 verfiel in Schlafsucht -(<em class="gesperrt">Fasold</em>, Berl. Arch. 1899 S. 212). — Mehrere Kühe zeigten -nach dem Ablecken von Mennige und Bleiweiss heftige Aufregung, -Zittern, Salivation, Zähneknirschen, Kolik, Erblindung und Lähmung -(<em class="gesperrt">Hoefnagel</em>, Holl. Zeitschr. 1899). — Eine Kuh zeigte nach -dem Ablecken von Malerfarbe Zittern, periodische Zuckungen am Hals -und Kopf, fallsuchtähnliche Anfälle, Vorwärtsdrängen, Durchfall, -Tympanitis, harten Puls und angestrengte Atmung; der Haubeninhalt -des notgeschlachteten Tieres zeigte 2 Prozent metallisches Blei -(<em class="gesperrt">Ebinger</em>, Schweiz. Arch. 1901 S. 179). — 4 Kühe starben nach -der Aufnahme von Bleiweiss unter Kolikerscheinungen (<em class="gesperrt">Lebrun</em>, -Recueil 1902). — Eine Kuh starb nach dem Ablecken einer mit Mennige -frisch bestrichenen Krippe unter Lähmungs- und Krampferscheinungen -(Berl. Tier. Woch. 1901). — 10 Kühe und 2 Kälber starben bezw. -mussten geschlachtet werden, nachdem sie Leinkuchenmehl erhalten -hatten, dem 2 Proz. Bleiweiss beigemengt war; sie zeigten -Vorwärtsdrängen, Trismus, intermittierende Anfälle von Aufregung -und Tobsucht, Krämpfe, Bewusstlosigkeit und Sopor (<em class="gesperrt">Dahle</em>, -Norweg. Vet.-Zeitschr. 1901). — Im Kreise Kempen starben 3 Kühe -an Bleivergiftung dadurch, dass der Besitzer Bleizucker statt -Glaubersalz mit dem<span class="pagenum" id="Seite_86">[S. 86]</span> Futter verabreichte. Derselbe Besitzer hatte -4 Monate vorher 3 Kühe nach vermeintlicher Verabreichung von -Glaubersalz notschlachten müssen (der Drogist, der den Bleizucker -irrtümlich verabfolgte, leistete 1500 Mark Entschädigung). In -einem anderen Falle erkrankten von 12 Kühen eines Stalles 7 an -Bleivergiftung nach der Aufnahme von Mennige, mit der eiserne -Träger angestrichen waren, wobei viel Farbe verschüttet wurde. 5 -Kühe starben. Die chemische Untersuchung ergab im Dünndarm und in -den Organen Blei. In demselben Kreise starben 2 Kühe ebenfalls nach -der Ableckung einer frisch mit Mennige angestrichenen Säule; sie -zeigten Speicheln, Durchfall, Auftreibung des Hinterleibs, kleinen, -beschleunigten Puls, hohes Fieber, Zittern, Krämpfe und Tobsucht -(Preuss. Vet.-Ber. pro 1899–1901). — 4 Rinder leckten Mennige -aus einer Tonne und starben plötzlich unter milzbrandverdächtigen -Symptomen; eines derselben verfiel in Raserei und starb wie vom Blitz -getroffen. 6 andere Rinder starben nach der Aufnahme von Bleiweiss -infolge einer Verwechslung mit Futterkalk unter Erscheinungen, -welche den Verdacht auf Maul- und Klauenseuche erweckten (ibid. -1904). — Eine Kuh starb nach mehrtägiger Krankheit unter Lähmungs- -und Krampferscheinungen, nachdem sie einen frischen Mennigeanstrich -abgeleckt hatte (<em class="gesperrt">Haase</em>, Berl. T.-W. 1901). — 7 Absatzkälber -starben unter Tobsuchtserscheinungen, nachdem der Kälberzwinger mit -mennigehaltiger Oelfarbe angestrichen war (<em class="gesperrt">Steffani</em>, Sächs. -Jahresber. 1902). — 3 Rinder erkrankten nach der Aufnahme von -Bleifarbe (Mennige) unter Verdauungsstörungen, Verlangsamung des -Herzschlags und Zuckungen (<em class="gesperrt">Mattern</em>, Woch. f. Tierh. 1902). — -Eine Massenvergiftung von Kühen nach Verabreichung von Rüben, deren -Standort von der stark bleihaltigen Oker (Harz) überflutet worden -war, hat <em class="gesperrt">Dammann</em> beschrieben; 8 Kühe starben, 15 schwerkranke -und 19 leichterkrankte genasen nach der Verabreichung von Glaubersalz -und Leinsamenschleim; bei allen Genesenen wurde starker Rückgang -der Milchsekretion beobachtet (D. T.-W. 1904 Nr. 1). — Alljährlich -erkrankten mehrere Jungrinder, welche auf der Weide den Bodensatz und -die Beschläge von Akkumulatoren aufgenommen hatten, die gereinigt -worden waren (Bleisulfat?); die Tiere zeigten Muskelzittern, Sopor, -Speicheln, Zähneknirschen, Durchfall und Verstopfung (<em class="gesperrt">Rehaber</em>, -Münch. tierärztl. Woch. 1909). — Weitere Fälle von Bleivergiftung -finden sich in den Jahresberichten der preuss. beamteten Tierärzte -1902–1909. In einem Falle (Jahresber. pro 1907) erkrankten und -starben 5 Kühe nach der Fütterung von ungewaschenen Rüben und -Rübenblättern, die von einem Felde in der Nähe von Bleibergwerken -stammten; die Vergiftungen hörten auf, als die Blätter gar nicht -mehr und die Rüben nur nach gründlicher Reinigung gefüttert -wurden. Dass im übrigen einzelne Rinder relativ grosse Mengen von -Bleiverbindungen ertragen, zeigt eine Beobachtung von <em class="gesperrt">Baum</em> und -<em class="gesperrt">Seliger</em> (Berl. Arch. 1895), welche einer Versuchskuh täglich -steigende Dosen von 3–15 g Bleizucker, innerhalb 80 Tagen insgesamt -520 g, verabreichten, ohne bei derselben Krankheitserscheinungen -wahrzunehmen (!).</p> - -<p>Ueber enzootische Bleivergiftungen in der Nähe von Bergwerken und -Flüssen vergl. <em class="gesperrt">Meyer</em>: Die Verheerungen der Innerste im -Fürstentum Hildesheim. Hottingen 1822. <em class="gesperrt">Fuchs</em>: Die schädlichen -Einflüsse der Bleibergwerke auf die Gesundheit der Haustiere, -insbesondere des Rindviehs, 1842; <em class="gesperrt">Freitag</em>: Die schädlichen -Bestandteile des Hüttenrauchs, <em class="gesperrt">Thiel’s</em> landwirtschaftliche -Jahrbücher 1882; <em class="gesperrt">Schröder</em> und <em class="gesperrt">Reuss</em>: Die Beschädigung -der Vegetation durch Rauch und die Oberharzer Hüttenrauchschäden 1883.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Nach der Aufnahme von mit Bleisand verunreinigtem -Futter wurden Pferde von Schweratmigkeit befallen, welche an -Hartschnaufigkeit erinnerte und mit Erstickungsanfällen verbunden -war. Einige Pferde starben an Erstickung. Manche Pferde zeigten so -hochgradige Dyspnoe, dass sie nicht einmal im Schritt geführt werden -konnten. Erleichterung konnte nur durch die Tracheotomie geschafft -werden (<em class="gesperrt">Stolz</em>, Preuss. Mitt. Bd. III). — In der Umgebung von -Bleiwerken erkrankten Pferde häufig lediglich unter den Erscheinungen -einer Respirationsbeschwerde, während Ernährungsstörungen und andere -spezifische Erscheinungen vollkommen fehlen (<em class="gesperrt">Schmidt</em>, Preuss. -Mitt. 1879; Berliner Archiv 1885 u. 1886). — Ein Pferd zeigte auf -500 g Bleizucker in 2 l Wasser gelöst Kolik, Schwäche, Steifheit, -blasse Maulschleimhaut, kleinen und schwachen Puls, hatte sich jedoch -nach 12 Stunden wieder erholt (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre<span class="pagenum" id="Seite_87">[S. 87]</span> -1872). — 360 g Bleiglätte tötete ein Pferd (<em class="gesperrt">Dominik</em>), -während 240 g nur eine geringe Beschleunigung der Pulsfrequenz -zur Folge hatten (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -— <em class="gesperrt">Beckmann</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1891 S. 253) fand als -Ursache des im Winter bei 18 Pferden einer Eskadron auftretenden -Kehlkopfpfeifens das Einatmen von bleihaltigem Sand der Reitbahn, -welcher aus der Nähe eines alten Bleiwerks bezogen wurde. Der -Sand enthielt grosse Mengen von Bleioxyd. Die Pferde waren sonst -durchaus gesund, waren gut genährt und zeigten keinerlei Störungen -im Digestions- und Zirkulationsapparat. Wurden sie wenige Minuten im -Trab geritten, so beobachtete man ein pfeifendes, inspiratorisches -Geräusch und gleichzeitig so hochgradige Atemnot, dass manche -Pferde umzufallen drohten. Nach dem Reiten waren die Pferde sehr -aufgeregt und schwitzten stark. Nach 5–15 Minuten Ruhe waren die -Atmungsbeschwerden verschwunden. Von den 18 Pferden starben 2 -an Erstickung, 3 wurden geheilt, die übrigen blieben Pfeifer. -Bei der Sektion der gestorbenen Pferde fand man den hinteren und -seitlichen Ringgiesskannenmuskel geschwollen, die Schleimhaut des -Kehlkopfes verdickt und von neugebildeten Gefässen durchzogen. — -In einem Regimente erkrankten innerhalb 24 Stunden 9 Pferde an -Kolik infolge Beleckens der neuen mit Mennige bestrichenen Barren -(Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1893). — 4 Pferde erhielten aus einer -½ km langen Bleirohrleitung, welche 2 Jahre lang leer geblieben -war, Trinkwasser und erkrankten an Verdauungsstörungen, leichten -Kolikanfällen, Muskelschwäche, Steifheit der Glieder, starkem Knacken -der Gelenke, Atmungsstörungen und dummkollerartigen Erscheinungen; -alle 4 Pferde starben (<em class="gesperrt">Walther</em>, Sächs. Jahresber. pro 1896 -S. 148). — 8 Pferde eines Gutes, welches einen halben Kilometer -von einem Bleiwerk entfernt war, erkrankten der Reihe nach an -Bleivergiftung. Ein 3 Monate altes Fohlen zeigte die Erscheinungen -der Fohlenlähme, zwei andere, ältere Fohlen Steifheit des Rückens -und der Gliedmassen. Eine alte Stute erkrankte an Kehlkopfpfeifen, -welches nach längerer Behandlung mit Jodkalium wieder verschwand; -dasselbe Pferd zeigte später während des Fressens plötzliche -Erstickungsanfälle mit rohrendem Husten, welche rasch zum Tode -führten. 2 andere Stuten zeigten ebenfalls akutes Rohren und -Dyspnoe (durch Jodkalium geheilt). Die Leber der gefallenen Pferde -war stark bleihaltig, desgleichen die untersuchten Futtermittel -(<em class="gesperrt">Mosselmann</em> und <em class="gesperrt">Hébrant</em>, Belg. Annalen 1899). — -Fütterungsversuche, welche <em class="gesperrt">Thomassen</em> mit Plumbum carbonicum -(5–20 g pro die) bei 2 Fohlen anstellte, ergaben schon nach 4–6 -Wochen das Auftreten von Rohren unter gleichzeitiger starker -Abmagerung und Schreckhaftigkeit. Bei der Sektion wurde folgendes -ermittelt: Der Nervus recurrens war beiderseits, links aber mehr als -rechts degeneriert; er zeigte die Erscheinungen der parenchymatösen -Neuritis mit Zerfall des Myelins und Achsenzylinders, sowie -Bindegewebsneubildung. Auch am Nervus vagus war starke Degeneration -der Markscheide wahrzunehmen. Die Kehlkopfmuskeln zeigten -mikroskopisch atrophische Degeneration. In der Medulla oblongata -und spinalis wurden geringe Veränderungen der Ganglien (Vaguskerne) -gefunden, im Nervus sympathicus partielle Bindegewebsneubildung. -Der beim Menschen zuerst erkrankte Nervus radialis war normal, -desgleichen der Ischiadikus und Tibialis (Holl. Zeitschr. 1903). -— Militärpferde erkrankten an Kolik und Darmentzündung nach -der Aufnahme mennigehaltigen Trinkwassers aus angestrichenen -Tränkbottichen (<em class="gesperrt">Hentrich</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1909).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe.</em> Ein altes Schaf erhielt 30 g Bleizucker. -Dasselbe erkrankte noch an demselben Tage und starb nach 8 Tagen -(<em class="gesperrt">Gerlach</em>). — <em class="gesperrt">Ellenberger</em> und <em class="gesperrt">Hofmeister</em> -(Berliner Archiv 1884) fütterten 2 Schafe mit kleinen Dosen -Bleizucker (0,5–3,0 pro die). Das eine starb nach der Verabreichung -von zusammen 150 g nach 3 Monaten, das andere bei einer Gesamtmenge -von 164 g nach 4 Monaten an chronischer Bleivergiftung. Die -Symptome derselben waren nicht sehr charakteristisch: abnehmende -Fresslust, Traurigkeit, gestörtes Wiederkauen, trockene Wolle, -grosse Muskelschwäche, Unruheerscheinungen, verzögerter -Kotabsatz, Durchfall, Verringerung der Harnsekretion, Abnahme der -Harnstoffausscheidung, zuweilen Albuminurie, jedoch keine Symptome -von Enzephalopathie, Arthralgie und Bleilähmung. Bei der Sektion -war chronischer Darmkatarrh, fettige Degeneration der Leber, -diffuse Nephritis, Quellung der Leber- und Nierenzellen, sowie eine -eigentümliche Kerndegeneration der Nierenepithelien zu konstatieren.<span class="pagenum" id="Seite_88">[S. 88]</span> -Die chemische Untersuchung ergab, dass am meisten Blei enthielten die -Leber, die Nieren, die Speicheldrüsen, die Milz, die Knochen und das -Zentralnervensystem.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Hunde.</em> Ein Hund wurde von Arbeitern einer Bleihütte -mit Brot gefüttert, welches Bleiglätte enthielt. Es trat alsbald -Unruhe, Geifern, Würgen und noch an demselben Tage der Tod unter -Konvulsionen ein. Bei der Sektion fand man die Schleimhaut des -Magens dunkelrot, an einigen Stellen trocken und korrodiert, die -Schleimhautfalten wulstig geschwollen, das Gehirn stark hyperämisch -(<em class="gesperrt">Dietrich</em>, Preuss. Mitt. 1874). — Ein Hund starb auf 14 -g innerhalb 28 Stunden (<em class="gesperrt">Orfila</em>, Toxikologie); ein anderer -starb auf 8 g Bleifeile nach 18 Tagen. Ferner starben Hunde bei -täglicher Verabreichung von 0,2–0,5 Bleizucker nach 5–8 Wochen an -chronischer Bleivergiftung (Gesamtverbrauch 10 bis 30 g). — 2 -Pferde und 1 Hund erkrankten in der Nähe einer Blei- und Silberhütte -schwer an Bleivergiftung (<em class="gesperrt">Tappe</em>, Berl. Arch. 1901). — Die -Erscheinungen der chronischen Bleivergiftungen bei Hunden sind nach -den experimentellen Untersuchungen von <em class="gesperrt">Heubel</em> und <em class="gesperrt">Maier</em> -(Pathogenese und Symptome der chronischen Bleivergiftung 1871): -Appetitlosigkeit, Erbrechen, Speichelfluss, Durchfall, hochgradige -Abmagerung, namentlich Muskelatrophie am Rücken und an den -Hinterschenkeln, vorübergehende Kolikanfälle, Schwäche der hinteren -Extremitäten, Zittern (eigentliche Muskellähmung fehlte), ausgeprägte -Eklampsia saturnina (in der 4. oder 5. Woche), verzögerter Kotabsatz -und Verstopfung. Bei der Sektion fand sich in allen Organen (Darm, -Leber, Nieren, Gehirn, Rückenmark) eine starke Bindegewebswucherung, -zunächst in den Gefässwandungen mit konsekutiver Kompression der -Gefässe, Atrophie der Darmdrüsen, Darmfollikel und Darmzotten, sowie -Atrophie der Darmganglien.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Ein ½jähriges Schwein erkrankte nach 8 g -Bleizucker, erholte sich aber wieder nach 4 Tagen (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). -— Mehrere Schweine leckten ein frisch angestrichenes Stallgitter ab; -sie zeigten Erbrechen, Verstopfung und Krämpfe (<em class="gesperrt">Dinter</em>, Sächs. -Jahresber. 1864).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Geflügel.</em> Hühner wurden auf einem verlassenen -Blendelagerplatz gehalten. Mehrere Hähne erkrankten und starben; sie -zeigten dunklen, geschrumpften Kamm, gesträubtes Gefieder und lagen -am andern Tage tot im Stall. Die Hühner erkrankten nicht, aber sie -legten Eier ohne Schalen (<em class="gesperrt">Dietrich</em>, Preuss. Mitt. 1874). — -Enten schlutterten in Jauche, welche Bleizucker enthielt; sie starben -nach wenigen Tagen (<em class="gesperrt">Krekeler</em>, ibidem). — Tauben, welche -bleihaltige Glasur von Trinkgefässen, sowie eine frisch mit Bleiweiss -gestrichene Dachrinne abgepickt hatten, zeigten starke Anschwellung -der Zehen, schnelles Absterben einzelner Zehenglieder, Unruhe, -Taumeln, epileptiforme Krämpfe, Erbrechen und Speicheln (Dresd. Bl. -f. Geflügelzucht 1896 S. 408). — Dompfaffen in einem Drahtkäfig -aus verzinntem Draht, der durch bleihaltige Lötmasse verbunden war -(60 Proz. Bleigehalt; das Lot der Kochgeschirre für den Menschen -darf nur 10 Proz. Blei enthalten), zeigten Traurigkeit, Zittern, -Schwäche, Benommenheit und Schlafsucht und starben nach 8 Tagen. -Der Sektionsbefund war negativ; die Körperorgane enthielten Blei -(<em class="gesperrt">Regenbogen</em>, Berl. T. W. 1908 S. 544).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Quecksilbervergiftung_Merkurialismus">Quecksilbervergiftung. -Merkurialismus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie der Quecksilberverbindungen.</b> Das reine <em class="gesperrt">metallische -Quecksilber</em> wird hüttenmännisch aus dem natürlich vorkommenden -Quecksilber durch Reinigung oder aus dem Zinnober (HgS) durch Rösten -dargestellt. Es ist ein glänzendes, silberweisses, flüssiges, -schweres Metall, welches schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunstet -und sich nur in Salpetersäure löst. Mit Metallen bildet es Amalgame. -Es dient zur Herstellung der <em class="gesperrt">grauen Quecksilbersalbe</em>, -sowie anderer Quecksilberpräparate. Der <em class="gesperrt">Sublimat</em> -(Quecksilberchlorid, Hydrargyrum bichloratum), HgCl<sub>2</sub> bildet ein -schweres, weisses, ätzend schmeckendes Pulver, in 1 : 16<span class="pagenum" id="Seite_89">[S. 89]</span> kaltem, -sowie 1 : 3 heissem Wasser löslich, das sich beim Erhitzen wie alle -Quecksilberverbindungen verflüchtigt, mit Alkalien gelbrot, mit -Jodkalium scharlachrot, mit Schwefelwasserstoff schwarz, mit Ammoniak -weiss färbt, metallisches Kupfer amalgamiert und mit Eiweisslösungen -Niederschläge gibt. <em class="gesperrt">Kalomel</em> (Quecksilberchlorür, Hydrargyrum -chloratum), Hg<sub>2</sub>Cl<sub>2</sub>, bildet ein gelbweisses, schweres, in -Wasser unlösliches, geschmackloses Pulver, das beim Erhitzen -ebenfalls flüchtig ist und sich mit Alkalien schwarz färbt. Der -<em class="gesperrt">rote Präzipitat</em> (Quecksilberoxyd, Hydrargyrum oxydatum), HgO, -bildet ein gelbes, oder gelbrotes schweres Pulver, das in Säuren -leicht löslich ist und sich beim Erhitzen unter Abscheiden von -Quecksilber verflüchtigt. Der <em class="gesperrt">weisse Präzipitat</em> (Hydrargyrum -bichloratum ammoniatum), HgClNH<sub>2</sub>, bildet ein weisses, in -Wasser unlösliches, beim Erhitzen flüchtiges, schweres Pulver, -das sich mit Natronlauge in Ammoniak und gelbes Quecksilberoxyd -zerlegt. <em class="gesperrt">Quecksilberjodid</em> (Hydrargyrum bijodatum rubrum), -HgJ<sub>2</sub>, bildet ein lebhaft scharlachrotes, in Wasser unlösliches, -beim Erhitzen flüchtiges Pulver, das sich in Jodkalium und -Spiritus farblos löst. Giftig sind endlich auch die Dämpfe des -Knallquecksilbers.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Quecksilbervergiftung.</b> Die meisten -Quecksilbervergiftungen sind Medizinalvergiftungen, deren Ursprung -gewöhnlich in einer <em class="gesperrt">Unterschätzung der Gefährlichkeit aller -Quecksilberpräparate, namentlich beim Rind</em>, zu suchen ist. -Im Speziellen ist über die ätiologische Bedeutung der einzelnen -Quecksilberpräparate folgendes zu bemerken.</p> - -<p>1. Die <em class="gesperrt">graue Quecksilbersalbe</em> gibt am häufigsten Veranlassung -zu Vergiftungen. Sie ist besonders für die Wiederkäuer und namentlich -für das Rind, bei welchem sie zur Vertilgung der Läuse, gegen -Euterentzündungen etc. eingerieben wird, eines der giftigsten -Arzneimittel. <em class="gesperrt">30 g Quecksilbersalbe können bei erwachsenen Rindern -schon schwere Vergiftungserscheinungen bedingen.</em> Im Gegensatze -hierzu sind Pferde, Schweine und Hunde gegen die Salbe nur wenig -empfindlich. Ein Jagdhund frass z. B. 170 g Salbe auf einmal, ohne -schwere Krankheitserscheinungen zu zeigen (<em class="gesperrt">Deijermans</em>). Schweine -ertragen bis zu 80 g Salbe ohne zu erkranken (<em class="gesperrt">Reiche</em>). Ein -Pferd starb erst, nachdem innerhalb eines Monats 3240 g Salbe, also -über 3 kg, verbraucht waren (<em class="gesperrt">Schubarth</em>). Ein anderes Pferd -starb ebenfalls erst nach einem Monate, nachdem täglich 120 g Salbe -(zusammen über 3½ kg) eingerieben worden waren (Alforter Schule). In -einem Pferdestalle, in welchem ein Pferd mit grauer Salbe längere Zeit -behandelt wurde, erkrankte ein daselbst eingestellter Stier infolge -Einatmung der Quecksilberdämpfe an Merkurialismus, während das Pferd -vollständig gesund blieb. Dagegen scheinen Katzen und<span class="pagenum" id="Seite_90">[S. 90]</span> Vögel wieder -sehr empfindlich zu sein; so starben Kanarienvögel nach dem Einreiben -von 0,5 der grauen Salbe (<em class="gesperrt">Hertwig</em>).</p> - -<p>2. Der <em class="gesperrt">Sublimat</em> ist das stärkste aller Quecksilberpräparate. -Er gibt zu Vergiftungen Veranlassung durch seine Verwendung als -<em class="gesperrt">Rattengift</em>, sowie als Antiseptikum in der <em class="gesperrt">Chirurgie</em> -und <em class="gesperrt">Geburtshilfe</em>. Auch hier zeigt wieder das Rind die -grösste Empfindlichkeit; es können z. B. Uterusausspülungen -mit 1promilligem Sublimatwasser bei Kühen eine allgemeine -Quecksilbervergiftung zur Folge haben. Ebenso hat man nach -unvorsichtiger <em class="gesperrt">Sublimatdesinfektion</em> von <em class="gesperrt">Rinderstallungen</em> -schwere Quecksilbervergiftungen bei den nachher eingestellten Rindern -beobachtet. Dagegen sind nach dem Gebrauche des Sublimats als -Desinfektionsmittel bei Pferden Vergiftungen bisher nicht beobachtet -worden. Sogar das Anlegen von Aetzligaturen auf den Samenstrang -zum Zwecke der Kastration hat bei Bullen in zahlreichen Fällen -Merkurialismus zur Folge gehabt (<em class="gesperrt">Junginger</em>, <em class="gesperrt">Schmidt</em> -und andere bayerische Tierärzte). Im Jahr 1901 erkrankten in Hessen, -Bayern, Preussen, in der Schweiz und in Italien zahlreiche Rinder an -Merkurialismus, nachdem sie auf den Vorschlag von <em class="gesperrt">Baccelli</em> -intravenöse Injektion von Sublimat gegen Maul- und Klauenseuche -erhalten hatten, trotz kleinster Dosen (0,02–0,05 pro Rind); in der -Schweiz allein erkrankten 30 Kühe hiernach an Quecksilbervergiftung -(<em class="gesperrt">Hirzel</em>, <em class="gesperrt">Tamborini</em>, <em class="gesperrt">Boschetti</em> u. a.) Die -<em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> des Sublimats beträgt für Rinder per os 4–8 g, -subkutan 0,5 g, für Pferde 5–10 g, für Schafe 4 g, für Hunde und Katzen -0,1–0,3 g.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Kalomel</em> ist ebenfalls in erster Linie für Rinder ein sehr -gefährliches Gift; <em class="gesperrt">schon 8–10 g können bei erwachsenen Rindern -schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen</em>. Schafe und Ziegen -zeigen von 1–5 g ab schwere bezw. tödliche Vergiftungen; Ziegen sind im -allgemeinen empfindlicher als Schafe (<em class="gesperrt">Reiche</em>, <em class="gesperrt">Müller</em>). -Kälber zeigen sogar allgemeinen Merkurialismus nach dem Einstreuen von -Kalomel ins Auge gegen Keratitis (<em class="gesperrt">Lippus</em>). Dagegen ertragen -Hunde und Schweine ziemlich grosse Kalomeldosen, erstere bis zu 2, -letztere bis zu 10 g. Besonders gefährlich ist die gleichzeitige -Verabreichung von Kalomel und Aloe; Pferde können hierbei schon nach 3 -g Kalomel sterben (vergl. das Kapitel der Aloevergiftung).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Quecksilberjodid</em> ist ebenso giftig wie Sublimat. Ein -2½jähriger Bulle starb z. B. nach dem Einreiben einer Salbe, welche<span class="pagenum" id="Seite_91">[S. 91]</span> -5 g Hydrargyrum bijodatum rubrum enthielt. Auch bei Pferden sind nach -dem Einreiben der Salbe Vergiftungen beobachtet worden. Ebenfalls -giftig wirkt das <em class="gesperrt">Hydrargyrum oxycyanatum</em> (Ausspülungen des -Uterus beim Rind mit Lösungen 1 : 6000).</p> - -<p>5. Der <em class="gesperrt">rote Präzipitat</em> steht hinsichtlich seiner Giftigkeit -zwischen dem Sublimat und Kalomel. Pferde zeigen nach 10 g, Hunde nach -0,2–0,5 g schwere Vergiftungserscheinungen.</p> - -<p>6. Das <em class="gesperrt">metallische Quecksilber</em> kann von Hunden und Schweinen -innerlich in sehr grossen Gaben (250–500,0) ohne schädliche Wirkung -aufgenommen werden. Dagegen ist auch hier das Rind besonders -empfindlich; in einem von <em class="gesperrt">Lübke</em> beschriebenen Falle erkrankte -ein Rind an Merkurialismus, welchem innerlich gegen Verstopfung -20 g Quecksilber eingegeben wurden. Sehr giftig sind ferner die -<em class="gesperrt">eingeatmeten Quecksilberdämpfe</em>, wie klinische und experimentelle -Beobachtungen gezeigt haben. Sie erzeugen infolge Umwandlung des -Metalls zu löslichen Verbindungen bronchitische und pneumonische -Erscheinungen, sowie im allgemeinen Merkurialismus. So erkrankten und -starben z. B. auf dem Schiffe „Le Triomphe“, in dessen Schiffsraum eine -grössere Menge von Quecksilber ausgelaufen war, ausser der Mannschaft -auch sämtliche in dem Schiff befindliche Tiere (Schweine, Schafe, -Ziegen, Katzen, Geflügel, Mäuse) an Quecksilbervergiftung.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Quecksilbervergiftung.</b> Die Erscheinungen -des Merkurialismus sind je nach den einzelnen Quecksilberpräparaten -insofern etwas verschieden, als die einen derselben (Sublimat, -Quecksilberjodid, Quecksilberoxyd) in erster Linie und zuweilen -ausschliesslich eine ätzende und erst in zweiter Linie eine allgemeine -Wirkung ausüben, während die graue Quecksilbersalbe und häufig auch -das Kalomel von vornherein die Erscheinungen eines allgemeinen -Merkurialismus hervorrufen. Ausserdem wird das Krankheitsbild durch -die Art und Weise der Applikation wesentlich beeinflusst. So erzeugt -der Sublimat, wenn er innerlich aufgenommen wird, gewöhnlich eine -korrosive, schnell tödlich verlaufende Gastroenteritis, während er -vom Uterus oder von der Haut aus allgemeinen Merkurialismus bedingt. -Auf diese besonderen Verhältnisse kann hier nicht genauer eingegangen -werden, es sollen vielmehr nur die charakteristischen Erscheinungen des -allgemeinen Merkurialismus übersichtlich zusammengestellt werden, wobei -bemerkt wird, dass nicht immer sämtliche aufgeführte Symptome in einem<span class="pagenum" id="Seite_92">[S. 92]</span> -und demselben Falle beobachtet werden. Die wichtigsten Erscheinungen -sind:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Salivation</em>, <em class="gesperrt">Stomatitis ulcerosa</em>, Auflockerung -des Zahnfleisches, Lockerwerden und Ausfallen der Zähne bei den -Wiederkäuern, übler Geruch aus dem Maule.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Magendarmkatarrh</em>, mit vorwiegender Beteiligung des -Blinddarms bei den Pflanzenfressern, später profuse, selbst blutige -<em class="gesperrt">Diarrhöe</em> mit graugrünem, dünnflüssigem, oft aashaft riechendem -Kote.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Husten</em>, eiteriger Nasenausfluss, <em class="gesperrt">Bronchoblennorrhöe</em>, -selbst <em class="gesperrt">Bronchopneumonie</em>, angestrengte, selbst dyspnoische -Atmung, übelriechendes Exspirium, Nasenbluten.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Hautexantheme</em>, in der Hauptsache <em class="gesperrt">Ekzema impetiginosum</em> -und <em class="gesperrt">squamosum</em>, beginnend mit starkem <em class="gesperrt">Jucken</em>, -infolgedessen Nagen und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und -Borkenbildung neben bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der -Subkutis, Bildung von Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle. -<em class="gesperrt">Lieblingsstellen</em> sind: die Umgebung der eingeriebenen Stelle, -die Gegend der Augen, des Flotzmaules, Afters, Euters und der Scheide, -die Trielfalte, sowie die Beugeflächen der Gelenke.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Lähmungsartige Schwäche</em>, grosse Apathie, Stumpfsinn, -Schwindel, Zittern (<em class="gesperrt">Tremor mercurialis</em>), Schreckhaftigkeit und -Delirien (<em class="gesperrt">Erethismus mercurialis</em>), Lähmung einzelner Muskeln, -Amaurose, Taubheit, Anästhesie, <em class="gesperrt">Abmagerung</em>.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Nephritis</em> (Anurie, Albuminurie, Zylindrurie) und -<em class="gesperrt">Kalkinkrustation</em> der <em class="gesperrt">Niere</em> (Nekrose des Nierenepithels -mit Kalzinifikation infolge mangelnder Fähigkeit der Kalkabscheidung).</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Blutungen in den verschiedensten Organen</em>, besonders den -Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus). -Zuweilen erfolgt der Tod durch innere Verblutung oder Nasenbluten. -Endlich bedingt das Quecksilber einen starken Zerfall der roten -Blutkörperchen (Hämolyse).</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> ist entweder <em class="gesperrt">akut</em>, besonders bei jungen -Tieren und bei vorwiegend lokaler Aetzung im Magen und Darm. Sublimat -kann so innerhalb einiger Stunden schon eine tödliche Vergiftung -herbeiführen, ohne dass es zu allgemeinem Merkurialismus kommt. Die -Dauer des akuten Merkurialismus ist sehr verschieden und beträgt -mehrere, selbst 10–14 Tage. Oder der Verlauf ist <em class="gesperrt">chronisch</em>, -mehrere Wochen, selbst Monate dauernd. In einzelnen Fällen hat man -bei Milchkühen andauerndes Versiegen der Milchsekretion nach<span class="pagenum" id="Seite_93">[S. 93]</span> Ablauf -der Quecksilbervergiftung beobachtet. In der Regel findet man ferner -nach dem Verschwinden der Vergiftungserscheinungen noch wochen- und -monatelang Eiweiss im Harn.</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Man findet zunächst mehr oder weniger -ausgeprägte <em class="gesperrt">Entzündungszustände auf der Schleimhaut des -Digestionstraktus</em> in verschiedenen Graden: ulzeröse Stomatitis -(kann fehlen), punktförmige und fleckige Rötung, hämorrhagische -Erosionen, Geschwürsbildung im Magen, besonders auf der Höhe -der Schleimhautvorsprünge und im Labmagen; die Mukosa ist oft -ödematös geschwollen, die Submukosa serös infiltriert, so dass die -Darmschleimhaut schlotternde Wülste bildet; daneben beobachtet man -hochgradige Anämie des Darmes. Das subperitoneale Bindegewebe ist -ebenfalls ödematös, mit fleckigen Hämorrhagien durchsetzt. Die -<em class="gesperrt">Leber</em> ist anämisch, geschwollen. Die <em class="gesperrt">Nieren</em> sind -<em class="gesperrt">entzündlich</em> geschwollen, serös infiltriert, ekchymosiert und -zuweilen vollständig <em class="gesperrt">mit Kalk inkrustiert</em> (eigentümlicherweise -ist die Verkalkung der Niere bisher nur beim Menschen und beim -Kaninchen beobachtet worden; beim Hund findet man statt dessen -<em class="gesperrt">fettige Degeneration</em> des Nierenepithels). In chronischen -Fällen kann sich Nierenzirrhose entwickeln. Der <em class="gesperrt">Herzmuskel</em> -zeigt fettige Entartung und Hämorrhagien, die Gehirnsubstanz ist -anämisch, weich, wässerig-glänzend; unter der Arachnoidea, sowie in der -Gehirnrinde finden sich Blutungen. Die <em class="gesperrt">Respirationsschleimhaut</em> -ist entzündlich geschwollen und zeigt zuweilen einen kruppösen -Belag. Die <em class="gesperrt">Lunge</em> ist blutreich, von Hämorrhagien, -bronchopneumonischen Herden und Abszessen durchsetzt; die bronchialen -und mediastinalen Drüsen sind geschwollen. Die <em class="gesperrt">Haut</em> und das -<em class="gesperrt">Unterhautbindegewebe</em> ist anämisch, das Unterhautbindegewebe -serös infiltriert, unter den ekzematösen Hautstellen ekchymosiert; die -<em class="gesperrt">Körpermuskulatur</em> ist auffallend blass, welk, wie gekocht, von -fleckigen, düsterbraunroten Ekchymosen durchsetzt, dabei stark sulzig -infiltriert, so dass beim Einschneiden eine fleischwasserähnliche -Flüssigkeit abläuft. Das <em class="gesperrt">Blut</em> erscheint schwarzrot, schmierig, -schlecht geronnen.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Die Therapie der Quecksilbervergiftung beginnt -mit der Entfernung der Ursachen, also namentlich beim Rind mit dem -Abwaschen der eingeriebenen Quecksilbersalbe. Das nächste Bestreben -muss sein, das eingedrungene Quecksilber in eine unlösliche<span class="pagenum" id="Seite_94">[S. 94]</span> und -ungiftige Form, nämlich in Schwefelquecksilber, überzuführen. Zu -diesem Zweck verabreicht man <em class="gesperrt">Schwefel</em>, <em class="gesperrt">Schwefelleber</em>, -<em class="gesperrt">Schwefeleisen</em>; auch Eisenpräparate, namentlich -<em class="gesperrt">Eisenpulver</em> und <em class="gesperrt">Eisenvitriol</em>, sind Gegenmittel. Daneben -verabreicht man <em class="gesperrt">einhüllende</em> Mittel, namentlich Eiweiss, Milch -und Schleim, und behandelt die einzelnen Vergiftungserscheinungen -symptomatisch, indem man insbesondere gegen die Lähmung Exzitantien -(Aether, Weingeist, Kampfer, Kaffee, Atropin) gibt. Dagegen ist -Kochsalz nicht angezeigt, weil es im Gegenteil die Löslichkeit und -Resorption namentlich des Sublimats befördert. Als Mittel gegen die -merkurielle Stomatitis wird <em class="gesperrt">Kali chloricum</em> als Mundwasser -verordnet. Die chronischen Fälle von Merkurialismus werden wie die -chronische Bleivergiftung versuchsweise mit <em class="gesperrt">Jodkalium</em> behandelt; -eine vollständige Entgiftung des Körpers ist jedoch erst nach vielen -Monaten zu erwarten.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Auch beim Quecksilber ist, wie beim Blei, -behufs des chemischen Nachweises eine vorhergehende Trennung -desselben aus seinen metallorganischen Verbindungen vorzunehmen. -Dieselbe geschieht durch <em class="gesperrt">Zerstörung</em> der letzteren mittels -<em class="gesperrt">Salzsäure</em> und <em class="gesperrt">chlorsaurem Kali</em>. Das Quecksilber -wird dadurch in <em class="gesperrt">Sublimat</em> übergeführt und nach Einleiten -von <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> in die salzsaure Lösung als -<em class="gesperrt">schwarzes Schwefelquecksilber</em> gefällt. Der gut ausgewaschene -Niederschlag löst sich zum Unterschiede von Schwefelblei, -Schwefelkupfer und Schwefelsilber in Salpetersäure <em class="gesperrt">nicht</em>. -Die Lösung des Niederschlags in <em class="gesperrt">Königswasser</em>, in welchem -das Schwefelquecksilber <em class="gesperrt">leicht</em> löslich ist, wird sodann -zur Trockene verdunstet und unter Zusatz von einigen Tropfen -Salzsäure in Wasser aufgenommen, worauf nachfolgende <em class="gesperrt">qualitative -Reaktionen</em> angestellt werden (die Lösung enthält Sublimat): -a) Mit <em class="gesperrt">Kalilauge</em> versetzt entsteht ein <em class="gesperrt">gelbroter</em> -Niederschlag von Quecksilberoxyd. b) Mit <em class="gesperrt">Jodkalium</em> bildet -sich ein scharlachrotes Quecksilberjodid. c) Mit <em class="gesperrt">Salmiakgeist</em> -entsteht ein <em class="gesperrt">weisser</em> Niederschlag von weissem Präzipitat. -d) Mit <em class="gesperrt">Zinnchlorürlösung</em> (1 Tropfen) entsteht anfangs ein -weisser Niederschlag, später scheidet sich <em class="gesperrt">graues metallisches -Quecksilber</em> ab. e) Ein <em class="gesperrt">blanker Kupferstreifen</em> wird <em class="gesperrt">weiss -amalgamiert</em>. f) Durch <em class="gesperrt">Elektrolyse</em> schlägt sich das -Quecksilber <em class="gesperrt">metallisch</em> am Zinn nieder.</p> - -<p><em class="gesperrt">Quantitativ</em> wird Quecksilber als <em class="gesperrt">Metall</em>, <em class="gesperrt">Kalomel</em> -oder<span class="pagenum" id="Seite_95">[S. 95]</span> <em class="gesperrt">Schwefelquecksilber</em> dargestellt und gewogen (100 -Teile Kalomel = 85 Teile Quecksilber). Am häufigsten führt man -das Quecksilber aus salpetersäurefreien Lösungen mit Zusatz von -etwas Salzsäure durch kurzes Kochen mit genügender Lösung von -<em class="gesperrt">Zinnchlorür</em> in Kalomel (Quecksilberchlorür) über, welches beim -Erkalten ausfällt und dann filtriert, getrocknet (vorsichtig mit -Filtrierpapier und über Schwefelsäure; nicht durch Erwärmen, weil -flüchtig) und gewogen wird.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Aus der überaus grossen -Zahl der namentlich beim Rind in der tierärztlichen Literatur -beschriebenen Quecksilbervergiftungen mögen die nachstehenden -besonders interessanten Fälle kurz registriert werden. Einer Kuh -wurden gegen Milchknoten 60 g graue Salbe nach und nach eingerieben. -Nach 3 Wochen trat starke Abmagerung ein, die Haare waren struppig, -leicht ausfallend. Auf dem Rücken zeigte sich eine dicke Lage von -Schuppen und eisenerzähnlichem Staub. An Stelle der ausfallenden -Haare sickerte eine gelbrötliche Flüssigkeit aus. Am Euter, an der -Innenfläche der Hinterschenkel, an den Beugeflächen des Sprung- -und Ellenbogengelenks bemerkte man blutrünstige Stellen. Das Tier -genas bald wieder, die Milchsekretion kehrte aber nicht wieder -(<em class="gesperrt">Piepenbrock</em>, Preuss. Mitt. 1877). — Eine Kuh, welche mit -grauer Salbe eingerieben wurde, zeigte unter anderen Erscheinungen -der Quecksilbervergiftung Nasenbluten, das im Verlaufe von 36 -Stunden zum Tode führte (<em class="gesperrt">Jansen</em>, Preuss. Mitt. 1879). — -Ein 2½jähriger Bulle erhielt gegen eine Geschwulst in der -Parotisgegend eine Einreibung nach folgendem Rezept: Hydrargyri -bijodati rubri 5,0; Unguenti Cantharidum 75,0; Olei Crotonis 0,5. -Nach 8 Tagen zeigte derselbe die ausgesprochenen Erscheinungen des -Merkurialismus (Durchfall, Hautausschlag etc.) und verendete nach -7wöchentlicher Krankheitsdauer (<em class="gesperrt">Schleg</em>, Sächs. Jahresber. -1881). — Sieben Kühe und zwei Kälber wurden durch Einreiben von -zusammen 250 g grauer Salbe vergiftet; sie zeigten unter anderem -Vereiterung der Lymphdrüsen und Lymphgefässe (<em class="gesperrt">Haubold</em>, Sächs. -Jahresber. 1887). — Eine gesunde Kuh erhielt 4 g Sublimat in 200 -g destilliertem Wasser gelöst. Sie zeigte vorübergehend Rülpsen, -Geifern, Husten und Appetitverminderung, war aber am folgenden -Tage wieder munter. 5 Tage nachher erhielt sie 8 g Sublimat in ½ -l destilliertem Wasser. Es trat sofort Geifern und Rülpsen ein, -Fressen und Wiederkäuen hörten jedoch erst am nächsten Tage auf; -gleichzeitig trat weicheres Misten, erschwertes Atmen und ein sehr -kleiner, beschleunigter Puls auf. In den nächsten Tagen sistierte die -Futteraufnahme gänzlich, der Kot wurde dünn, stinkend und blutig, es -stellte sich grosse Mattigkeit ein, das Tier lag anhaltend, magerte -stark ab und starb am 14. Tage (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre -1872). — 2 Kühe wurden wegen eines Ekzems mit 30 g grauer Salbe -eingerieben. Acht Tage darauf zeigten sie geringen Appetit, -Husten, pochenden Herzschlag sowie zahlreiche stecknadelkopf- bis -erbsengrosse, beim Konfluieren bis markstückgrosse Blutungen auf -allen sichtbaren Schleimhäuten, namentlich auf den Konjunktiven, -welch letztere so intensiv waren, dass die Bulbi über die Augenlider -vorgedrängt wurden. Bei der Notschlachtung wurden auch zahlreiche -Blutungen auf allen serösen Häuten gefunden. Endokardium und -Epikardium waren so vollständig mit Blut durchtränkt, dass sie ein -schwarzrotes Aussehen hatten. Auch die Körpermuskulatur war reichlich -mit Blutungen durchsetzt. — Eine Kuh und ein Stier wurden mit -grauer Salbe gegen Ungeziefer eingerieben, die Kuh abortierte und -starb den Tag darauf. Der Stier zeigte über den ganzen Körper einen -leicht blutenden Hautausschlag, Husten, Nasenbluten, Abmagerung. Bei -der Notschlachtung fand man zwei grössere Blutherde in der Lunge, -ausserdem bedeutende fettige Degeneration der Leber und Nieren -(<em class="gesperrt">Freytag</em>, Sächs. Jahresbericht 1893). — <em class="gesperrt">Lucet</em> (Recueil -1896) bestreitet die grössere Empfindlichkeit der Wiederkäuer -gegenüber dem Quecksilber; er will seit 15 Jahren Quecksilbersalbe -in Dosen von 30–50 g bei zahlreichen Kühen ohne Gefahr angewandt -und diese Dosis bei<span class="pagenum" id="Seite_96">[S. 96]</span> Mastitis sogar täglich 2mal wiederholt haben. -Eine Versuchskuh erhielt innerhalb 4 Tagen 250 g Quecksilbersalbe -eingerieben, ohne dass ausser geringgradigem Speichelfluss -Krankheitserscheinungen beobachtet wurden; die frisch bereitete Salbe -bestand aus gleichen Gewichtsteilen Quecksilber und Schweinefett. -(Da in der Praxis gewöhnlich nicht frisch bereitete, sondern ältere -Quecksilbersalben zur Anwendung gelangen, die bekanntlich viel -giftiger wirken, ist die von <em class="gesperrt">Lucet</em> ausgeführte Untersuchung -nicht beweiskräftig.) — Ein 3½jähriger Ochse erhielt durch -Versehen des Apothekers statt 30,0 Extr. Aloes 30,0 Kalomel innerhalb -16 Stunden auf 4mal. Es entwickelte sich hierauf ein allgemeiner -Quecksilberausschlag. Das in grossen Dosen als Gegenmittel angewandte -Ferrum sulfuricum hatte nach 5wöchentlicher Krankheitsdauer Heilung -zur Folge (<em class="gesperrt">Dotter</em>). — Ein Bauer kaufte einen Fingerhut -voll Quecksilber, verrieb es mit Fett und rieb damit einen Ochsen -und eine 8 Monate alte Kalbin gegen Ungeziefer ein. Der Ochse -blieb gesund, dagegen starb die Kalbin nach 14 Tagen unter den -Erscheinungen des Merkurialismus, nachdem sie 8 Tage vorher abortiert -hatte (<em class="gesperrt">Noack</em>, Sächs. Jahresber. 1891). — Mehrere Kühe -erkrankten nach dem Einreiben von grauer Salbe; sie zeigten ödematöse -Anschwellungen und seröse Exsudation an den Füssen, bläuliche -Verfärbung des Euters, Speicheln, Lockerung der Schneidezähne, -Fieber, Gefühllosigkeit und Festliegen (<em class="gesperrt">Kunze</em>, ibid.). — Eine -6jährige, kräftige Kuh erhielt gegen Aktinomykose eine subkutane -Injektion von 0,5 Sublimat und starb infolgedessen an Merkurialismus -(<em class="gesperrt">Mortensen</em>, dänische tierärztl. Monatsschr. 1892 S. 169). — -Eine Kuh erkrankte an Merkurialismus, nachdem sie 5 g grauer Salbe -abgeleckt hatte (<em class="gesperrt">Lungwitz</em>, Sächs. Jahresber. pro 1895). — -9 Rinder erkrankten nach dem Einreiben von zusammen 500 g grauer -Salbe (<em class="gesperrt">Pröger</em>, ibid.). — Mit grauer Salbe eingeriebene -Rinder zeigten blutigen Ausfluss aus Nase und Maul, grosses -Juckgefühl, fortwährend Reiben und Belecken, Muskelzittern, lose -Zähne, Geschwüre am Zahnfleisch, stinkenden Durchfall, schmerzhaften -Husten, Schlingbeschwerden, Geschwüre auf der Nasenschleimhaut, -üblen Geruch der ausgeatmeten Luft, Abmagerung bis zum Skelett sowie -Lähmungserscheinungen (<em class="gesperrt">Hable</em>, Oesterr. Zeitschr. 1889 S. -125). — Nach der Desinfektion eines Rinderstalles mit Kalkwasser -und 5promilliger Sublimatlösung erkrankten zahlreiche Rinder an -Merkurialismus (<em class="gesperrt">Rosolino</em>, Clin. vet. 1898). — Eine ähnliche -Beobachtung ist in Schweden gemacht worden: von 92 Kühen erkrankten -75 und starben 10 Stück an Merkurialismus, nachdem der Stall mit -Sublimat (1700 g!) desinfiziert worden war (Schwed. Zeitschr. 1893). -— Ein Rind erkrankte nach dem Eingeben von 20 g metallischem -Quecksilber (<em class="gesperrt">Lübke</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1896 S. 54). — Von 2 -zusammen mit 75 g grauer Salbe eingeriebenen Rindern starb das eine, -das andere erkrankte an chronischer Vergiftung (<em class="gesperrt">Ellinger</em>, -Berl. Arch. 1898 S. 298). — Nach einer Sublimatausspülung des Uterus -erkrankte ein Rind schwer an Merkurialismus (<em class="gesperrt">Beier</em>, Sächs. -Jahresber. pro 1897 S. 148). — Bei einem mit Sublimat-Aetzligatur -kastrierten Stier traten am 17. Tage nach der Kastration die -Erscheinungen der Quecksilbervergiftung auf: schleimiger -Nasenausfluss, Geschwüre am Flotzmaul, an den Lippenrändern und -auf der Maulschleimhaut, Speichelfluss, impetiginöses Ekzem -am Triel, an der Schweifrübe und an den Fussgelenken, Husten, -Dyspnoe, Bronchitis, Appetitlosigkeit, Benommenheit; Genesung -nach 3 Wochen (<em class="gesperrt">Junginger</em>, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1891 -S. 453). 2 ähnliche Fälle bei kastrierten Stieren beobachtete -<em class="gesperrt">Antretter</em> (ibid. S. 456). — <em class="gesperrt">Schmidt</em> (ibid. 1900 S. 62) -beobachtete in den Jahren 1886–1894 alljährlich vereinzelte Fälle -von Quecksilbervergiftung bei Stieren, welche mit Sublimatligaturen -kastriert wurden. Ausserdem beschreibt er ein seuchenartiges -Auftreten des Merkurialismus infolge einer Einreibung von grauer -Salbe (Einatmung von Quecksilberdämpfen). — <em class="gesperrt">Luginger</em> (Berl. -Tierärztl. Woch. 1902 S. 63) hat zwei schwere Fälle von Vergiftung -beim Rind mit Ausgang in Heilung beobachtet, welche durch die -Einreibung von grauer Salbe veranlasst waren; beide Kühe zeigten -nach der Genesung eine auffallende Zunahme des Körpergewichts und -starken Fleischansatz. — <em class="gesperrt">Ortmann</em> (ibid. S. 173) sah nach -Sublimatinjektionen in die Scheide und Sublimatwaschungen (gegen -seuchenhaftes Verwerfen) 2 Kühe nach 10 bezw. 14 Tagen sterben, -nachdem profuser stinkender Durchfall und Husten vorausgegangen war. -— <em class="gesperrt">Kronburger</em> (Woch. f. Thierh. 1902) sah nach dem Einreiben -einer gänseeigrossen Menge grauer Salbe bei einem Ochsen diesen und<span class="pagenum" id="Seite_97">[S. 97]</span> -noch zwei andere Rinder unter lungenseucheähnlichen Erscheinungen -erkranken und 2 Tiere starben; die Vergiftungserscheinungen bestanden -in ungemein häufigem quälendem Husten, Stöhnen, Dyspnoe, hohem -Fieber, starker Abmagerung, sowie schleimig-blutigen Darmabgängen. -— <em class="gesperrt">Seegert</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1903) sah von 60 Stück -Jungvieh nach dem Einreiben von grauer Salbe gegen Läuse (70–80 -g pro Haupt) 16 an Quecksilbervergiftung sterben; 5 Wochen nach -Anwendung der Salbe erreichte die Zahl der schwerkranken Tiere ihren -Höhepunkt; bis zum Eintritt des Todes lagen die Tiere 4–8 Tage unter -grosser Schwäche auf der Streu. — 20 Ochsen eines Gutes erkrankten -nach der Einreibung von grauer Salbe an Atembeschwerden, Fieber, -Appetitlosigkeit, häufigem Husten, Hautausschlägen am Maul und an -der Innenfläche der Gliedmassen, Hautblutungen und Blutharnen; 2 -Ochsen starben an Nierenblutung, 2 an brandiger Lungenentzündung, 4 -wurden notgeschlachtet und zeigten schwere Nierenentzündung; die 12 -übrigen erholten sich langsam nach monatelangem Kranksein (Preuss. -Vet. Ber. pro 1900). — Ein Jungrind zeigte nach der Einreibung -von grauer Salbe Abmagerung, struppiges Haarkleid, pustulösen -Ausschlag an beiden Halsseiten, an den inneren Schenkelflächen und -am Unterbauch, eiterige Konjunktivitis, Bronchitis, sehr schwachen -Puls und grosse Mattigkeit mit nachfolgendem Tod. Eine daneben -stehende Kuh zeigte nur Pustelausschlag und genas (<em class="gesperrt">Sator</em>, -Woch. f. Tierh. 1902). — 2 Kühe erhielten ein Gemisch von grauer -Salbe (120 g) und Terpentinöl (60 g) eingerieben. Beide erkrankten -schwer an Merkurialismus; sie zeigten Juckreiz, Stomatitis ulcerosa -mit Speichelfluss, Hautausschlägen und Appetitlosigkeit; 1 Kuh -starb plötzlich an Bronchitis, Nephritis und Peritonitis; die -andere stark abgemagerte wurde notgeschlachtet. Der Besitzer -erhielt von dem Drogisten eine Entschädigung (<em class="gesperrt">Röbert</em>, Sächs. -Jahresber. 1902). — Ein Kurpfuscher behandelte den ansteckenden -Scheidenkatarrh einer Kuh durch Einschmieren der Scheide mit grauer -Salbe. Die Kuh starb, nachdem starkes Speicheln, ausgebreiteter -Hautausschlag und stinkender Durchfall vorausgegangen war. Der -Sektionsbefund erinnerte wegen der ausgedehnten Hämorrhagien an -Milzbrand (<em class="gesperrt">Schmidt</em>, T. Rundschau 1903). — Intravenöse -Sublimatinjektionen nach <em class="gesperrt">Baccelli</em> gegen Maul- und Klauenseuche -bei Rindern erzeugten vielfach schwere, akute und chronische -Quecksilbervergiftung. Die akute begann nach 4–5 Tagen und endete -nach 8 bis 18 Tagen. Die chronische Quecksilbervergiftung stellte -sich bei 356 Rindern nach 15–30 Tagen ein, als sie niemand mehr -erwartet hatte (<em class="gesperrt">Tamborini</em>, <em class="gesperrt">Boschetti</em>, <em class="gesperrt">Titta</em>, -Giorn. d. soc. vet. 1902 u. 1903). — In der Schweiz erkrankten -nach der von <em class="gesperrt">Baccelli</em> empfohlenen intravenösen Injektion -von Sublimat (0,02–0,05) in 30 Fällen Rinder 10–14 Tage nachher an -Quecksilbervergiftung (<em class="gesperrt">Hirzel</em>, Schweiz. Arch. 1902). — Bei -gesunden Rindern entstand nach intravenösen Sublimatinjektionen -von 0,35–0,50 eine Vergiftung; über 5promillige Sublimatlösungen -erzeugten ferner Thrombosierung der Jugularis (<em class="gesperrt">Günther</em>, T. -Zentr. 1902). — Aehnliche Resultate erhielt <em class="gesperrt">Schmidt</em> (B. T. -W. 1902). — In Bayern erkrankten infolge der intravenösen Injektion -von Sublimat nach <em class="gesperrt">Baccelli</em> 3 Rinder an Quecksilbervergiftung. -— Eine Kuh starb nach der Verabreichung von 8 g Kalomel an -Quecksilbervergiftung (<em class="gesperrt">F. Müller</em>, Diss. 1908). — Ein 4 -Monate altes Kalb erkrankte nach dem Einreiben von 12–15 g der -offizinellen grauen Salbe tödlich an Quecksilbervergiftung nach 20 -Tagen (Speichelfluss, Durchfall, Exanthem) und musste notgeschlachtet -werden. Der Sektionsbefund war negativ (<em class="gesperrt">Reiche</em>, B. T. W. -1908). — Ein Schweizer Apotheker musste 1000 Franken Schadenersatz -zahlen, weil er im Handverkauf 100 g 20proz. grauer Salbe für 5 -Kühe gegen Ungeziefer abgab, worauf 2 Kühe an Quecksilbervergiftung -starben und 3 schwer erkrankten. Alle 5 Kühe hatten zusammen nur 60 -g Salbe eingerieben bekommen (Schweiz. Woch. für Chemie u. Pharm. -1908 Nr. 5). — Rinder erkrankten schwer an Merkurialismus, nachdem -sie gegen seuchenhaften Abortus Uterusausspülungen mit Hydrargyrum -oxycyanatum (1 : 6000) erhalten hatten (<em class="gesperrt">Haubold</em>, Sächs. -Jahresber. 1909). — 3 Fälle von beim Rind nach dem Einreiben grauer -Salbe (1mal 30 g) hat <em class="gesperrt">Hasak</em> beobachtet (Oesterr. Monatsschr. -1909).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Schafe</em> und <em class="gesperrt">Ziegen</em>. Eine Schafherde, aus 335 Hammeln -bestehend, wurde in einer Sublimatauflösung gebadet, worauf die -ganze Herde innerhalb 2–3 Wochen krepierte. Es waren im ganzen 5 -Pfd. Sublimat verbraucht worden.<span class="pagenum" id="Seite_98">[S. 98]</span> Die Tiere zeigten Abmagerung, -eingefallene Flanken, schwankenden, schleppenden Gang, unterdrückte -Fresslust, blasse Schleimhäute (<em class="gesperrt">Kuhlmann</em>, Preuss. Mitt. Bd. -13). — Ein Schaf starb nach dem Eingeben von 4 g Sublimat in 4 -Stunden (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). — Von 20 Schafen, welche zusammen 20 g -Kalomel erhalten hatten (1 g pro Kopf), starben 18 an Merkurialismus -(<em class="gesperrt">Graefe</em>). — Eine junge Ziege starb nach 1 g Kalomel schon -in 27 Stunden an typischer Quecksilbervergiftung; 30 g graue Salbe -töteten eine erwachsene Ziege nach 7 Tagen, desgleichen 100 g 10proz. -Sublimatsalbe eine andere Ziege in derselben Zeit (<em class="gesperrt">Reiche</em>, -Diss. 1905). — Einmalige Dosen von 1,5 g Kalomel können bei -erwachsenen Ziegen unter Umständen schon toxisch wirken (<em class="gesperrt">F. -Müller</em>, Diss. 1908).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Pferde.</em> 1–2 g Sublimat Pferden eine Woche hindurch -täglich in Pillenform mit Althaea gegeben, hatten keine sichtbare -Veränderung zur Folge, auch nicht, als diese Gaben verdoppelt -wurden. Wurde jedoch Sublimat Pferden täglich in steigender Dosis -(1–8 g) 14 Tage lang gegeben, so zeigte sich Appetitlosigkeit, -vermehrter Harnabsatz, heftiger, zuletzt blutiger Durchfall, grosse -Schwäche und Kolikerscheinungen mit tödlichem Ausgang. 4 g Sublimat -verursachten bei einem Pferde nur vorübergehende Kolikschmerzen. -Dagegen starb ein anderes Pferd auf 15 g Sublimat nach 12 Stunden -unter heftigen Kolikerscheinungen, Recken und starkem Speicheln -(<em class="gesperrt">Rysz</em>, Arzneimittellehre 1825). — Bei einem Pferd war -wegen einer phlegmonösen Anschwellung des rechten Hinterfusses -eine Mischung von Ungt. Hydrarg. ciner. 50,0 und Ol. Rapae 150,0 -eingerieben. Es kamen nur etwa zwei Drittel der angegebenen Menge -zur Verwendung. Am 5. Tage nach der Einreibung zeigte das Pferd, -welches so lange gut gefressen hatte, plötzlich Schweissausbruch -über den ganzen Körper, stöhnte und zitterte und legte sich -nieder, wobei es flach auf der Seite lag. Die Bindehäute und die -Nasenschleimhaut waren dunkelrot gefärbt. Die Zahl der Pulse betrug -56 in der Minute, die Atmung war angestrengt; die Innenwärme stand -auf 39,8° C. An verschiedenen Stellen des Körpers fanden sich -kleine, bis erbsengrosse Knötchen zahlreich vor, aus welchen auf -Druck eine übelriechende, grünlich gelbe und zähflüssige Masse sich -entleerte. In den nächsten Tagen nahm die Haut an der betreffenden -Gliedmasse eine lederförmige Beschaffenheit an, auch kamen in der -Unterhaut einige Abszesse zur Entwicklung. Schliesslich trat Heilung -ein (<em class="gesperrt">Pr. Mil. Vet. Ber.</em> pro 1895). — Zwei Pferde wurden an -allen 4 Fesseln 2 Tage hindurch mit Quecksilberbijodidsalbe (1 : 6) -eingerieben. Darauf zeigten sie Appetitlosigkeit, blutig-eiterigen, -übelriechenden Nasenausfluss, schwachen und sehr frequenten Puls, -Dyspnoe, Bronchitis und Bronchopneumonie, graugrünen, breiartigen -Kot sowie grosse Schwäche und Hinfälligkeit. 1 Pferd starb innerhalb -24 Stunden, nachdem ausserdem Blutharnen aufgetreten war. Die -Sektion ergab hämorrhagische Gastroenteritis, Bronchopneumonie, -hämorrhagische und kruppöse Laryngitis, Tracheitis und Bronchitis -(<em class="gesperrt">Pr. Mil. Vet. Ber.</em> pro 1897). — Eine kombinierte -Sublimat-Kantharidenvergiftung nach einer scharfen Einreibung bei -einem Pferde hat <em class="gesperrt">Paust</em> beschrieben (B. T. W. 1899 S. 98). -— Ein Pferd erhielt 6 Tage hindurch gegen Würmer 4 g Kalomel -und erkrankte am 8. Tage unter den Erscheinungen von Durchfall, -Kolik und Lähmung; bei der Sektion wurde unter anderem eine akute -Nephritis festgestellt (<em class="gesperrt">Mc Donough</em>, Am. vet. rev. 1897). — -Ein kleines, leichtes Droschkenpferd starb nach der Verabreichung -von 10 g Kalomel an akuter hämorrhagischer Gastroenteritis -(<em class="gesperrt">Lemke</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1900). — Nach den Einreibungen -von etwa 30 g einer Quecksilberbijodidsalbe gegen Spat zeigte ein -Pferd einen nässenden Ausschlag über den ganzen Körper, starken -Juckreiz, Haarausfall, Durchfall, sowie ziegelrote Konjunktiva. -Nach der innerlichen Verabreichung von Schwefel trat Heilung ein -(<em class="gesperrt">Teetz</em>, Berl. Tierärzt. Woch. 1900 S. 530). — Ein Pferd -frass eine Schachtel, welche <em class="gesperrt">Angerer</em>sche Sublimatpastillen -enthielt, und erkrankte hierauf an Kolik und Durchfall; am 8. Tage -war es wieder hergestellt (<em class="gesperrt">Kronacher</em>, Woch. f. Tierh. 1901). -— Intravenöse Sublimatinjektionen erzeugten bei Versuchspferden von -0,15 g ab leichte, von 0,25 g ab typische, von 0,5 g ab schwere, -von 1,0 g ab tödliche Quecksilbervergiftung (<em class="gesperrt">Zimmermann</em>, -Fortschr. d. Vet. Hyg. 1903). — 100 g graue Salbe, gegen Brustbeule -eingerieben, verursachte allgemeinen Haarausfall, Schwanken und -Herzklopfen (<em class="gesperrt">Briese</em>, Preuss. Vet. Ber. 1904). — Ein Pferd, -das innerhalb 3 Tagen 48 g Kalomel in Pillenform erhalten hatte,<span class="pagenum" id="Seite_99">[S. 99]</span> -zeigte keinerlei Krankheitserscheinungen, starb dagegen nach der -Verabreichung von 32 g Kalomel in Pulverform, innerhalb 2 Tagen -gegeben, an Merkurialismus (<em class="gesperrt">F. Müller</em>, Diss. 1908). — -Ein 10jähriger Schimmelwallach wurde vom Besitzer am 6. Februar -1906 gegen Ungeziefer mit grauer Quecksilbersalbe in der Rippen-, -Lenden- und Kruppengegend eingerieben. Darauf hin zeigte das Pferd -anhaltenden Durchfall, Speichelfluss, Schwäche und Appetitlosigkeit, -welche erfolglos behandelt wurden. Am 13. Februar wurde es der Klinik -zugeführt. Die Untersuchung ergab einen sehr schlechten Nährzustand, -struppiges, aufgebürstetes Haarkleid, 39,2° Mastdarmtemperatur -sowie 68 schwache Pulse. Die Haut zeigte über den ganzen Körper -zerstreut, namentlich aber in der Kruppen-, Lenden- und Rippengegend -fünfpfennig- bis markstückgrosse Blasen und Pusteln. Ausserdem -bestand starker Speichelfluss, höhere Rötung der Maulschleimhaut, -hochgradiger stinkender Durchfall und Anurie. Die ausgeatmete Luft -war übelriechend; auf der höher geröteten Nasenschleimhaut zeigten -sich Blutungen. Das Pferd zeigte so grosse Muskelschwäche, dass -es umzufallen drohte; das Sensorium war stark benommen. Trotz der -eingeleiteten Behandlung (Schwefelkalium, Exzitantien) starb das -Pferd schon am 15. Februar unter den Erscheinungen einer septischen -Gastroenteritis. Bei der Sektion wurde eine akute Entzündung der -Drüsenschleimhaut des Magens, eine blutige Entzündung des Leer- und -Hüftdarms, Nekrose und Zerreissung der Blinddarmwand, serös-fibrinöse -und eiterig-jauchige Peritonitis, katarrhalische Nephritis, sowie -akute multiple Milzschwellung als Todesursache festgestellt. Die -genauere Menge der eingeriebenen Quecksilbersalbe konnte nicht -festgestellt werden (<em class="gesperrt">Fröhner</em>, Monatshefte für prakt. -Tierhlkde. 1906).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Hunde.</em> Ein Jagdhund, welcher 170 g graue Salbe gefressen -und erst 1½ Stunden nachher ein Brechmittel erhalten hatte, -zeigte sich am folgenden Tage nur wenig krank und war bald wieder -hergestellt. Auffallend war nur, dass demselben einige Tage hindurch -viele Haare ausfielen. (<em class="gesperrt">Deijermans</em>, Holländische Zeitschr. -1883). — Hunde starben auf 0,2–0,4 Sublimat nach 7, 10 und 30 -Stunden, nachdem sie heftiges blutiges Erbrechen, blutige Diarrhöe -und zuletzt Lähmung gezeigt hatten (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre -1872). — Ein Hund, welcher sich etwa 5 g roter Präzipitatsalbe -(1 : 10) abgeleckt hatte, starb unter den Erscheinungen einer -hämorrhagischen Gastroenteritis innerhalb 24 Stunden (eigene -Beobachtung). — Nach <em class="gesperrt">Trasbot</em> soll der Hund sehr empfindlich -gegen graue Salbe sein (franz. Uebersetzung der Spec. Pathologie -von Friedberger und Fröhner S. 157). — Ein Hund bekam nach der -Einreibung von grauer Salbe gegen Läuse eine Iritis (<em class="gesperrt">Soffner</em>, -Zeitschr. f. Vet. 1904). — Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">F. -Müller</em> (Giessen 1908) laxieren Hunde erst auf eine einmalige -Dosis von 0,3–0,4 Kalomel.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Eingehende experimentelle Untersuchungen über den -Merkurialismus bei Schweinen hat <em class="gesperrt">A. Reiche</em> angestellt (Inaug. -Diss. Giessen 1905). Sie ergaben, dass das Schwein keine besondere -Empfindlichkeit gegenüber dem Quecksilber besitzt und viel grössere -Dosen erträgt als die Wiederkäuer. Die Einreibung der <em class="gesperrt">grauen -Salbe</em> hatte bis zu 80 g keinerlei schädliche Wirkung. Grössere -Dosen veranlassten nur einen mehrstündigen Durchfall. 400 g Salbe in -50 Tagen eingerieben, erzeugten bei einem Schwein Merkurialismus, -das Tier erholte sich jedoch wieder. Erst nach 600 g Salbe, in -einem Zeitraum von 100 Tagen eingerieben, starb ein Schwein. 2–4 g -<em class="gesperrt">Kalomel</em> erzeugten bei Schweinen im Gewicht von 10–16 kg nur -Durchfall. 6 g Kalomel hatte bei einem 18 kg schweren Schwein (= -0,3 g pro kg Körpergewicht) akuten Merkurialismus und Tod nach 42 -Tagen zur Folge. Auf 8 g Kalomel starb ein 18 kg schweres Schwein -nach 9 Tagen. 10 g Kalomel, einem 12 kg schweren Schwein innerhalb -30 Tagen verabreicht, hatten den Tod nach 8 Tagen zur Folge. Die -Einreibung von 800 g 10proz. <em class="gesperrt">Sublimatsalbe</em> tötete ein Schwein -nach 8 Tagen. Die Vergiftung äusserte sich hauptsächlich in Durchfall -und Tremor, sowie starker Abmagerung; Speichelfluss und Exantheme -fehlten. Die Sektion ergab vor allem Diphtherie des Dickdarms. — -Zehn 11–12 Wochen alte Ferkel, welche gegen Juckreiz mit grauer Salbe -eingerieben wurden, starben nach <em class="gesperrt">Meyer</em> (Preuss. Vet. Ber. pro -1907) an Vergiftung (Magendarmentzündung, Blutung).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Geflügel.</em> Eine Amazone (Chrysotis) erkrankte unter starkem -Speichelfluss,<span class="pagenum" id="Seite_100">[S. 100]</span> rostrotem Durchfall und Lähmungserscheinungen nach -dem Einatmen von Knallquecksilbergasen eines Schiesstandes und starb -an Quecksilbervergiftung (Ornith. Monatsschrift 1904).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Kupfervergiftung">Kupfervergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie der Kupferverbindungen.</b> Das an und für sich nicht -giftige <em class="gesperrt">metallische Kupfer</em> findet sich teils gediegen, -teils in Form von Kupfererzen (Kupferglanz, Kupferkies, Rot-, -Bunt-, Schwarzkupfererz) in weiter Verbreitung. In feuchter Luft -verwandelt es sich zum Teil in basisch kohlensaures Kupfer, wobei es -von einer grünen Schicht (Patina) überzogen wird. Ausserdem findet -bei Luftzutritt eine teilweise Lösung des Kupfers statt, wenn in -kupferhaltigen Gefässen saure Flüssigkeiten und Nahrungsmittel, -welche Essigsäure, Milchsäure oder Weinsäure enthalten, längere Zeit -stehen. Bei Luftabschluss dagegen, wie es beim Kochen geschieht, bei -welchem der Zutritt der Luft durch die entweichenden Wasserdämpfe -verhindert wird, findet eine Auflösung des Kupfermetalls nicht -statt. Von giftigen Kupfersalzen kommen namentlich in Betracht -der <em class="gesperrt">Kupfervitriol</em>, CuSO<sub>4</sub> + 5 H<sub>2</sub>O, das schwarze -<em class="gesperrt">Kupferoxyd</em>, CuO, das <em class="gesperrt">kohlensaure Kupfer</em>, das -<em class="gesperrt">essigsaure Kupfer</em> (Grünspan, Aerugo), <span class="nowrap">Cu(C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>O<sub>2</sub>)<sub>2</sub></span> -+ H<sub>2</sub>O, der <em class="gesperrt">Kupferalaun</em> sowie mehrere <em class="gesperrt">Kupferfarben</em>, -namentlich das <em class="gesperrt">Schweinfurtergrün</em>, eine Verbindung von -arseniksaurem und essigsaurem Kupfer, <span class="nowrap">Cu<sub>2</sub>(AsO<sub>2</sub>)<sub>3</sub>.C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>O<sub>2</sub></span>, -das Braunschweigergrün, Kalkgrün, Mineralgrün, -Bremerblau, Kalkblau, Bergblau, Berggrün. Sehr giftig ist auch das -zum Grünfärben der Gemüse benützte phyllozyaninsaure Kupfer, eine -Chlorophyllverbindung des Kupfers.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Kupfervergiftung.</b> Die bei den Haustieren im -Gegensatze zum Menschen ziemlich seltenen und daher praktisch weniger -wichtigen Kupfervergiftungen sind meistens auf die Verfütterung -von sauren oder gärenden Nahrungsmitteln zurückzuführen, welche -längere Zeit unter Zutritt von Luft in <em class="gesperrt">kupfernen Kesseln</em> -oder Gefässen aufbewahrt worden waren. Von solchen kupferhaltigen -Nahrungsmitteln sind zu erwähnen Schlempe, Molken, saure Milch, saure -Speiseüberreste, Kartoffelbrei usw. Sie enthalten das Kupfer in Form -von essigsaurem, milchsaurem, äpfelsaurem, weinsaurem, zitronensaurem, -kohlensaurem und fettsaurem Kupfer. Am häufigsten gibt der Gehalt der -Nahrungsmittel an essigsaurem Kupfer (<em class="gesperrt">Grünspan</em>) Veranlassung -zu Kupfervergiftung, weshalb die letztere wohl auch mit dem Namen -„Aeruginismus“ belegt wird (Aerugo = Grünspan). Im Vergleich hiezu -sind die durch Einverleibung von anderen Kupfersalzen, so von -<em class="gesperrt">Kupfervitriol</em>, <em class="gesperrt">Kupferoxyd</em>, <em class="gesperrt">Kupferalaun</em>, sowie von -Kupferfarben bedingten Kupfervergiftungen, experimentelle Versuche -ausgenommen, mehr vereinzelt. So wird über einen Fall berichtet, in -welchem Pferde nach dem Genusse von Weizen erkrankten, welcher mit -Kupfervitriol gebeizt worden war (<em class="gesperrt">Landvatter</em>,<span class="pagenum" id="Seite_101">[S. 101]</span> <em class="gesperrt">Reimers</em>). -In ähnlicher Weise erkrankten Kühe nach der Verabreichung von -Glaubersalz, welchem Kupferoxyd als Beize gegen den Brand des Weizens -beigemischt war (<em class="gesperrt">Bloch</em>), sowie nach Verfütterung von Weinlaub, -das zur Abwehr der Reblaus mit Kupfervitriollösung bespritzt worden war -(<em class="gesperrt">Schmidt</em>, <em class="gesperrt">Padovani</em>, <em class="gesperrt">Ohler</em>). Es können sich ferner -Vergiftungen ereignen bei Resorption des Kupfersulfates von Wunden aus; -so starb beispielsweise ein Hund, welchem 0,6 gepulverter Kupfervitriol -in eine Wunde gebracht wurde (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). Lämmer können nach zu -grossen Dosen Kupferoxyd (Bandwurmmittel) erkranken. Die Vergiftung -durch Schweinfurtergrün ist nicht in erster Linie eine Kupfer-, sondern -eine Arsenikvergiftung (vgl. S. 66).</p> - -<p><em class="gesperrt">Das reine metallische Kupfer ist ungiftig</em>, wenn es z. B. -in Form von Kupfermünzen aufgenommen wird. Ein Hund hatte ein -grosses, kupfernes Sousstück 12 Jahre lang unbeschadet im Magen -(<em class="gesperrt">Nichoux</em>). Es ist deshalb auch der von <em class="gesperrt">Zundel</em> berichtete -Fall, in welchem bei einem wegen Beisssucht wutverdächtigen Hunde zwei -Kupfermünzen in der Nähe des Pylorus sowie Darmentzündung gefunden -wurden, aus diesem wie aus anderen Gründen nicht als Kupfervergiftung -aufzufassen. Auch beim Menschen scheint das metallische Kupfer ungiftig -zu sein (Bronze- und Kupferarbeiter).</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Kupfervergiftung.</b> Bei den Haustieren handelt -es sich in der Regel um eine <em class="gesperrt">akute</em> Kupfervergiftung (die -chronische experimentelle vgl. unten). Die Kupferwirkung ist dabei -ähnlich wie die Zinkwirkung zunächst lokal eine entzündungserregende -und ätzende (<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>). Die Allgemeinerscheinungen sind -vorwiegend die einer <em class="gesperrt">Muskellähmung</em>. Demnach äussert sich die -Kupfervergiftung (Kuprismus) zunächst in Erbrechen, Würgen, Kolik, -Verstopfung, Durchfall und Verlust des Appetits, wozu sich später -Unsicherheit im Gehen, Schwächezustände, Muskellähmung und Anästhesie, -sowie vereinzelt Konvulsionen gesellen. Daneben beobachtet man die -Erscheinungen der Herzlähmung: kleinen, schwachen, oft verlangsamten -Puls, schwachen Herzschlag, sowie erschwerte Atmung.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes -in verschiedenen Graden entzündlich verändert; zuweilen besteht auch -Magenerweiterung (<em class="gesperrt">Trasbot</em>).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_102">[S. 102]</span></p> - -<p><b>Behandlung.</b> Dieselbe besteht in der Verabreichung -von <em class="gesperrt">Eisenpulver</em> und <em class="gesperrt">gebrannter Magnesia</em> (um -metallisches Kupfer auszufällen) sowie von <em class="gesperrt">Schwefel</em> -(Bildung von Schwefelkupfer) und <em class="gesperrt">Ferrozyankalium</em> (Bildung -von Ferrozyankupfer). Als einhüllendes Mittel gibt man ferner -<em class="gesperrt">Eiweiss</em>, <em class="gesperrt">Milch</em> und <em class="gesperrt">Schleim</em>. Auch Milchzucker und -Tierkohle sind als Gegenmittel empfohlen worden. Die Kolikschmerzen und -Lähmungserscheinungen werden symptomatisch behandelt.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Dem eigentlichen Nachweise des Kupfers hat die -<em class="gesperrt">Trennung</em> des Kupfers von <em class="gesperrt">organischen Beimengungen</em> -vorauszugehen. Dieselbe erfolgt durch Zerstören der letzteren mittelst -<em class="gesperrt">Salzsäure</em> und <em class="gesperrt">chlorsaurem Kali</em>, wobei das Kupfer als -Kupferchlorid in Lösung geht. Aus der schwach sauren Lösung fällt -dann <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff schwarzes Schwefelkupfer</em> aus. Der -Niederschlag muss unter möglichstem Abschluss von Luft schnell -filtriert und mit ausgekochtem, schwefelwasserstoffhaltigem Wasser -ausgewaschen werden. Das Schwefelkupfer ist in Zyankaliumlösung -(Zyankupfer) und Salpetersäure (salpetersaures Kupfer) leicht löslich. -Die Lösung des salpetersauren Kupfers ist <em class="gesperrt">blaugrün</em> und -durch folgende <em class="gesperrt">Kupferreaktionen</em> noch weiter zu untersuchen: -a) Salmiakgeist gibt anfangs einen bläulichen Niederschlag, der -sich beim Ueberschusse des Salmiakgeistes <em class="gesperrt">lasurblau</em> löst. -b) Ferrozyankalium gibt in der schwach salzsauren Lösung einen -<em class="gesperrt">braunroten</em> Niederschlag von Ferrozyankupfer. c) Metallisch -blankes Eisen überzieht sich in der angesäuerten Kupferlösung mit einer -<em class="gesperrt">hellroten Kupferschicht</em>. Diese sehr einfache Kupferreaktion -kann auch bei verdächtigen Nahrungsmitteln in der Weise vorgenommen -werden, dass man ein blankes Messer in dieselben eintaucht. Ausserdem -geben <em class="gesperrt">Kali-</em> und <em class="gesperrt">Natronlauge</em> in verdünnten kalten Lösungen -von Kupfer <em class="gesperrt">grünliche</em> oder <em class="gesperrt">blaue</em> Niederschläge, welche -beim Erhitzen <em class="gesperrt">schwarz</em> werden; <em class="gesperrt">kohlensaures Kali</em>, — -<em class="gesperrt">Natron</em>, — <em class="gesperrt">Baryum</em> geben <em class="gesperrt">blaugrüne</em> Niederschläge, -<em class="gesperrt">Jodkalium</em> und Rhodankalium <em class="gesperrt">weisse</em> Niederschläge.</p> - -<p><em class="gesperrt">Quantitativ</em> wird das Kupfer durch Auflösung des Schwefelkupfers -in Salpetersäure, Eintrocknen, Erhitzen und Glühen in Form von -<em class="gesperrt">Kupferoxyd</em> nachgewiesen, welches gewogen und auf Kupfer -berechnet wird. 100 Teile Kupferoxyd entsprechen 79–85 Teilen Kupfer.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_103">[S. 103]</span></p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Zwei Pferde erkrankten nach dem -Genusse von Weizen, welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war. -Sie zeigten Verstopfung, Kolik, Fieber, sowie starrkrampfähnliche -Muskelsteifheit. Eines starb, das andere genas, blieb aber noch -einige Wochen hindurch steif (<em class="gesperrt">Landvatter</em>, Repertorium 1882). -— Von 45 g Kupfervitriol ab zeigten Pferde Vergiftungserscheinungen -(Kolik, Verstopfung, Durchfall) und starben auch zuweilen -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre 1872). — Ein Pferd zeigte nach -30 g Grünspan nach 2 Stunden Unruhe, Angst und Kolikerscheinungen; -auf 60 g Grünspan trat schon nach ¼ Stunde Kolik ein, der anfangs -beschleunigte Puls wurde sehr schwach und sank auf 30 Schläge p. -M. Trotz fortgesetzten guten Appetits traten am 6. Tage plötzlich -grosse Schwäche und Krämpfe mit tödlichem Ausgange ein (<em class="gesperrt">Dupuy</em>, -Journal de Lyon 1830). — Ein 1½jähriges Fohlen zeigte Erbrechen -nach dem Anlegen von Kluppen, welche mit Kupfervitriol bestrichen -waren (<em class="gesperrt">Georges</em>, B. T. W. 1895 S. 592). — Ein 1jähriges -Fohlen, welchem 5 g Kupfersulfat unter die Haut gespritzt wurden, -starb schon am 3. Tage unter hochgradiger Muskelschwäche, Schwanken, -Hämaturie und sehr erheblicher lokaler Anschwellung. Ein anderes -1jähriges Fohlen erhielt am 1. Tage 1 g Kupfersulfat subkutan, -in den nächsten 4 Tagen je ½ g subkutan, worauf es am 9. Tage -nach vorausgegangenen starken und diffusen Anschwellungen starb. -Die Sektion ergab Nekrose und Verkalkung des Nierenepithels in -Form von Kalkzylindern (<em class="gesperrt">v. Kossa</em>, Zieglers Beitr. z. path. -Anat. 1901, 29. Bd. S. 173). — Bei erwachsenen Pferden sollen 10 -g Kupfersulfat subkutan in stark verdünnten wässerigen Lösungen -injiziert, Vergiftungserscheinungen hervorrufen und 15 g den Tod -verursachen. Ein 1jähriges Fohlen zeigte schon nach der Injektion von -1 g Vergiftungserscheinungen und starb nach 3 g in 6 Tagen injiziert; -die Sektion ergab starke entzündliche Schwellung und Nekrose an der -Injektionsstelle, sowie hämorrhagische Nephritis und Nierenverkalkung -(<em class="gesperrt">Ernst</em>, Veterinarius 1900). — 4 Fohlen frassen stark mit -Kupfervitriol gebeizten Weizen. Sie zeigten Durchfall, Lähmung, -Krämpfe, gelbrote Schleimhäute und starben an hämorrhagischer -Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Reimers</em>, B. T. W. 1905 S. 789).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Zwei Bullen im Alter von 18 Wochen erhielten -täglich 2 Mass Leinsamenabkochung mit Milch, welche in kupfernem -Kessel aufbewahrt wurde. Sie erkrankten vorübergehend unter den -Erscheinungen der Indigestion (<em class="gesperrt">Arnold</em>, Schweizer Archiv 1852). -— 2 Kühe zeigten auf die zufällige Verabreichung von Kupferoxyd -Kolik, Würgen und Erbrechen (<em class="gesperrt">Bloch</em>, B. T. W. 1890). — Ein -Rind erkrankte unter Kolikerscheinungen, nachdem es reichliche -Mengen von Weinlaub gefressen hatte, das zur Abwehr der Reblaus -mit Kupfervitriol bespritzt war (<em class="gesperrt">Padovani</em>, Giorn. di Vet. -mil. 1893). Einen ähnlichen Fall bei einem Ochsen hat <em class="gesperrt">Plotti</em> -beschrieben (Clin. vet. 1899). — Chronische Vergiftungsfälle in Form -von Diarrhöe, chronischen Verdauungsstörungen, Abortus und Siechtum -hat <em class="gesperrt">Wilhelm</em> bei Kühen nach der Aufnahme kupferhaltiger -Abwässer beobachtet (Sächs. Jahresber. pro 1898 S. 132). — Ein -Ochse, dessen Hörner mit Kupfervitriol angestrichen waren, zeigte -Krämpfe und Speichelfluss (Bull. vét. 1900). — Nach Verfütterung -von Weinlaub, welches mit 2–6proz. Kupfervitriollösung bespritzt -war, erkrankten im Jahr 1906 zahlreiche Rinder, auch Saugkälber, -an Gastroenteritis unter Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Kolik -(<em class="gesperrt">Ohler</em>, Woch. f. Tierh. 1906). <em class="gesperrt">Ade</em> und <em class="gesperrt">Markert</em> -führen diese Vergiftungen durch kupferbespritzte Rebenblätter bei -den Muttertieren auf eine kombinierte Kupfer-Toxinwirkung, bei -den Saugkälbern auf letztere allein zurück; <em class="gesperrt">Albrecht</em> ist -dieser Meinung beigetreten (ibidem). — Rinder erkrankten nach -dem Genuss von Rüben eines Ackers, auf den kupferhaltige Abwässer -einer chemischen Fabrik abgeleitet wurden (<em class="gesperrt">Prietsch</em>, Sächs. -Jahresber. 1909).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Vier Ferkel erhielten gekochte Kartoffeln und -Mohrrüben, welche in einem kupfernen Kessel aufbewahrt worden -waren. Sie zeigten anfallsweise Krämpfe, Taumeln, Zusammenstürzen, -Erbrechen, Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, sowie Aufblähung: -3 davon starben (<em class="gesperrt">Saake</em>, Magazin Bd. 24). — Mehrere Schweine -zeigten nach der Aufnahme von Molken, in welchen Kupfergeschirr -behufs Scheuerung über Nacht gelegen war, starke Tympanitis, Taumeln, -Durchfall und Dyspnoe; die Ferkel zeigten Erbrechen, Krämpfe, -Taumeln, Umfallen und plötzliches Verenden (<em class="gesperrt">Eggeling</em>, -Berl. Arch. 1889). — 55 Schweine<span class="pagenum" id="Seite_104">[S. 104]</span> erkrankten nach der Aufnahme -von Molken, welche in Kupfergeschirren gekocht waren; 35 davon -starben. Sie zeigten Kolik, Auftreibung, Durchfall, Kreuzschwäche, -Herzschwäche, schwachen Puls, Dyspnoe, Pupillenerweiterung, Nystagmus -(<em class="gesperrt">Kirst</em>, Berl. Arch. 1892 S. 458). — <em class="gesperrt">Lucas</em> (Berl. Arch. -1893 S. 312) beschreibt eine Kupfervergiftung bei 2 Schweinen, welche -Futter aus einem mit Grünspan bedeckten Kessel erhalten hatten. -Die Tiere zeigten Zittern, Kolik, Meteorismus, Pupillenerweiterung -und unaufhörliches Blinzeln. Bei der Sektion fand man umfangreiche -Erosionen der Magenschleimhaut, Hyperämie und Entzündung der Lungen -(?). <em class="gesperrt">Jacobi</em> (ebendaselbst) hat eine ähnliche Vergiftung bei -2 Schweinen beobachtet; bei der Sektion wurde Magendarmentzündung -konstatiert.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Ziegen.</em> Eine Ziege bekam Fleischbrühe, welche in einem -kupfernen Kessel aufbewahrt und sauer geworden war. Dieselbe -erkrankte am 3. Tage und starb am 4. 15 Personen, welche die am -Tage vor der sichtbaren Erkrankung gemolkene Milch genossen hatten, -erkrankten an Ekel, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen -(<em class="gesperrt">Frorieps</em> Notizen 1828). — Eine Vergiftung durch -Kupfervitriol, welcher mit Rebenblättern aufgenommen war, hat bei -einer Ziege <em class="gesperrt">Latschenberger</em> beschrieben (Oesterr. Zeitschr. -1892 S. 210).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Hunde</em> sterben, <em class="gesperrt">wenn sie am Erbrechen gehindert -werden</em>, auf 0,6 Kupfervitriol, sowie 0,3–1,0 Grünspan innerhalb 8 -Tagen; auf 2 g Vitriol innerhalb 3 Tagen, nach 30 g Vitriol innerhalb -24 Stunden. Ist das Erbrechen jedoch ermöglicht und werden die -Kupferpräparate im Futter eingehüllt verabreicht, so werden kleinere -Dosen (0,1–1,0 Kupfervitriol) monatelang ertragen. Ein Hund, welcher -täglich 4 g Kupfervitriol erhielt, zeigte erst nach mehreren Wochen -Abmagerung und Diarrhöe und starb schliesslich. <em class="gesperrt">Kupferoxyd</em> -wirkt für Hunde tödlich subkutan zu 0,4, intravenös zu 0,025. Der -Grünspan tötet Hunde intravenös in Dosen von 0,01 unter Erbrechen -(<em class="gesperrt">Orfila</em>, Toxikologie).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Gänse</em> starben nach der Verfütterung von Unkraut, das mit -Kupfervitriollösung benetzt war (Tierärztl. Zentralbl. 1897 S. 329).</p> - -<p><b>Chronische Kupfervergiftung.</b> Die für den Menschenarzt sehr -wichtige, vielfach in verneinendem Sinn beantwortete Frage des -Vorkommens einer chronischen Kupfervergiftung ist durch Versuche -tierärztlicher Toxikologen (<em class="gesperrt">Ellenberger</em> und <em class="gesperrt">Hofmeister</em>, -<em class="gesperrt">Baum</em> und <em class="gesperrt">Seliger</em>) in bejahendem Sinn gelöst worden. -Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Ellenberger</em> und <em class="gesperrt">Hofmeister</em> -(Berliner Archiv 1883) ertragen Schafe längere Zeit kleinere Dosen, -erkranken und sterben dann aber an chronischer Kupfervergiftung. -3 Schafe erhielten täglich 0,5–3,0 g Kupfervitriol; das eine -in 52 Tagen 89 g, das zweite in 114 Tagen 185,5 g, das dritte -in 50 Tagen 50 g. Die wesentlichsten Krankheitserscheinungen -waren: <em class="gesperrt">Albuminurie</em>, <em class="gesperrt">Ikterus</em>, <em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em> -und <em class="gesperrt">Hämaturie</em>. Daneben bestand grosse Muskelschwäche und -Mattigkeit, sowie Abmagerung mit zeitweise eintretender Verstopfung -und Verdauungsstörungen. Bei der Sektion fand sich konstant eine -<em class="gesperrt">hämorrhagische, parenchymatöse Nephritis</em>, fettige Degeneration -und Ikterus der Leber, körnige Trübung der Körpermuskulatur und des -Herzfleisches, ikterische Verfärbung aller Organe, akuter resp. -chronischer Magendarmkatarrh, Milztumor, Lungenödem.</p> - -<p>Weitere Versuche von <em class="gesperrt">Baum</em> und <em class="gesperrt">Seliger</em> (Berliner -Archiv 1898) haben diese Befunde im allgemeinen bestätigt. Die -genannten Autoren haben zahlreiche Versuche mit verschiedenen -Kupferverbindungen (Cuprum aceticum, sulfuricum, oleinicum, -haemolicum) an Schafen, Ziegen, Hunden und Katzen angestellt. -Ein kleiner Hund erhielt z. B. 7 Monate lang insgesamt 15 g -Kupfervitriol, eine Ziege in 4½ Monaten 65 g Kupfervitriol, eine -andere innerhalb eines Jahres 278 g, ein grosser Jagdhund in 47 Tagen -47 g, ein Schaf in 9 Monaten 333 g, eine Katze in 7 Monaten 21 g -Kupfervitriol; eine Katze starb, nachdem sie in 29 Tagen 1 g Grünspan -erhalten<span class="pagenum" id="Seite_105">[S. 105]</span> hatte, eine andere nach Einverleibung von 10 g Grünspan -in 142 Tagen usw. Die von ihnen aus diesen Versuchen gezogenen -Schlüsse sind folgende: „1. Man kann in einwandsfreier Weise durch -längere Zeit fortgesetzte Verabreichung kleiner, nicht akut reizender -Kupfermengen eine wirkliche <em class="gesperrt">chronische Kupfervergiftung</em> -im wissenschaftlichen Sinne erzeugen. 2. Die chronische (bezw. -subchronische) Kupfervergiftung ist im wesentlichen dadurch -charakterisiert, dass intra vitam Abmagerung, Schwäche und Aufhören -des Appetits der Versuchstiere, vereinzelt Haarausfall und Krämpfe -und schliesslich der Tod eintreten, während sich durch die Sektion -— und zwar durch die makroskopische und mikroskopische, verbunden -mit der chemischen Untersuchung der Organe — in den meisten Fällen -ein chronischer, mehr oder weniger heftiger Dünndarmkatarrh, in allen -Fällen krankhafte Veränderung der Leber und Nieren (parenchymatöse -Trübung der Epithelzellen, parenchymatöse und fettige Degeneration -und schliesslich Atrophie oder Zerfall derselben mit Ablagerung von -Blutfarbstoffen, besonders Hämosiderinmassen) und eine Ablagerung -bedeutender Kupfermengen in der Leber (und wahrscheinlich auch -in den Nieren) nachweisen lassen. Ausnahmsweise, bezw. nicht -konstant wiederkehrend, gesellen sich zu diesen Erscheinungen -noch Magenkatarrh, Blutungen im Herzen und Zwerchfell, starkes -Hervortreten der Malpighischen Körperchen der Milz, Anämie oder -auch Hyperämie des Gehirns, krankhafte Veränderungen des Pankreas. -Ausnahmsweise fehlen die erwähnten, intra vitam zu beobachtenden -Erscheinungen gänzlich oder treten erst ganz kurz vor dem Tode auf. -3. Die Intensität der geschilderten krankhaften Erscheinungen und -Organveränderungen und das zeitliche Auftreten derselben hängen im -wesentlichen von der Tierart, von der individuell verschiedenen -Widerstandskraft einzelner Tiere <em class="gesperrt">einer</em> Art und von der -Grösse und Art der Kupferpräparate ab, so dass z. B. Katzen im -allgemeinen als die empfindlichsten Tiere und Cuprum oleinicum -als das gefährlichste Präparat anzusehen sind.“ <em class="gesperrt">Baum</em> und -<em class="gesperrt">Seliger</em> haben ausserdem experimentell gezeigt, dass das per -os einverleibte Kupfer in der Regel nicht oder nur in Spuren mit der -<em class="gesperrt">Milch</em> ausgeschieden wird, so dass also derartige Milch nicht -gesundheitschädlich wirkt, dass das verabreichte Kupfer dagegen in -grossen Mengen auf den <em class="gesperrt">Fötus</em> übergeht und in dessen Organen -abgelagert wird.</p> - -<p>Nach <em class="gesperrt">v. Kóssa</em> (Zieglers Beitr. z. pathol. Anat. 1901, 29. -Bd., S. 172) ist die <em class="gesperrt">Verkalkung der Nieren</em> und <em class="gesperrt">Leber</em> -ein spezifisches Symptom der chronischen Kupfervergiftung (Cuprum -sulfuricum) bei Versuchskaninchen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Zinkvergiftung">Zinkvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie der Zinkverbindungen.</b> Das <em class="gesperrt">metallische</em> Zink -wird hüttenmännisch aus verschiedenen Zinkerzen dargestellt, -so aus dem <em class="gesperrt">Galmei</em> oder Zinkspath, ZnCO<sub>3</sub>, aus der -Zinkblende, ZnS, aus dem Rohzinkerz, ZnO, und Kieselzinkerz. Es -ist an und für sich ebensowenig giftig wie Kupfer. Bleiben jedoch -in Zinkgefässen saure Speisen längere Zeit stehen, so findet eine -teilweise Lösung des Zinks z. B. zu essigsaurem Zink statt und es -können dadurch Zinkvergiftungen entstehen. Von giftigen Zinksalzen -kommen in Betracht das Zinkoxyd (Zinkweiss), ZnO, ein in Wasser -unlösliches, aber in Säuren lösliches weisses Pulver, das ätzende -<em class="gesperrt">Chlorzink</em>, ZnCl<sub>2</sub>, der <em class="gesperrt">Zinkvitriol</em>, ZnSO<sub>4</sub> + 7 -<span class="pagenum" id="Seite_106">[S. 106]</span>H<sub>2</sub>O, charakterisiert durch seine farblosen, nadelförmigen, -ekelhaft schmeckenden Kristalle, das <em class="gesperrt">essigsaure Zink</em>, -<span class="nowrap">Zn(C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>O<sub>2</sub>)<sub>2</sub></span>, das <em class="gesperrt">kohlensaure Zink</em>, ZnCO<sub>3</sub>, sowie -die pflanzensauren Zinksalze.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Zinkvergiftung.</b> Zinkvergiftungen sind bei -unseren Haustieren sehr selten. Sie sind früher häufiger vorgekommen -als jetzt, und zwar namentlich in der Umgebung von Zinkhütten durch -das ablaufende, zinkhaltige sog. <em class="gesperrt">Galmeiwasser</em>, sowie in -<em class="gesperrt">Hüttenrauchbezirken</em> zusammen mit Blei- und Arsenikvergiftungen. -Alle auf zinkreichen Böden wachsenden Pflanzen nehmen Zink auf -(Altenberg bei Aachen). Auch <em class="gesperrt">Verwechslungen</em> zwischen dem -Zinkvitriol und dem ebenfalls nadelförmig kristallisierenden Bittersalz -können zu Zinkvergiftungen führen. Vergiftungen durch <em class="gesperrt">zinkhaltige -Nahrungsmittel</em> sind bisher nur in einem Fall beobachtet worden, in -welchem 4 Kühe durch den zinkhaltigen Teig vergiftet wurden, welcher an -dem Zinklaufrand von Mühlsteinen klebte (<em class="gesperrt">Hahn</em>). Es ist ferner -von <em class="gesperrt">Konservenbüchsen</em> festgestellt, dass sie mitunter Zink an den -Inhalt (Erbsen) abgeben.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Zinkvergiftung.</b> Das Zink wirkt wie das -Kupfer lokal reizend und ätzend (<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>), allgemein -<em class="gesperrt">lähmend</em> auf die <em class="gesperrt">quergestreifte Körpermuskulatur</em> und -auf das <em class="gesperrt">Herz</em>. Die Erscheinungen der Zinkvergiftung bestehen -daher in <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Kolik, Durchfall, <em class="gesperrt">Schwäche-</em> und -<em class="gesperrt">Lähmungszuständen</em>, <em class="gesperrt">Herzschwäche</em>. Bei längerer Dauer -treten ausserdem die Symptome der Anämie und Kachexie hinzu. Bei der -Sektion findet man umschriebene gastroenteritische Herde und Geschwüre, -sowie starke Schrumpfung und Anämie der Magendarmschleimhaut.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Als Gegengifte werden empfohlen <em class="gesperrt">Gerbsäure</em>, -<em class="gesperrt">Schwefel</em>, <em class="gesperrt">gebrannte Magnesia</em>, <em class="gesperrt">Natrium -bicarbonicum</em>, Zuckerwasser, Eiweiss, Milch, Schleim; symptomatisch -Opium, Morphium und Exzitantien.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Trennung</em> des Zinks von den organischen -Substanzen erfolgt wie beim Kupfer durch Zerstörung der letzteren -mittels <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und <em class="gesperrt">chlorsaurem Kali</em>, wodurch das -Zink in Chlorzink übergeführt wird. Das Ausfällen von <em class="gesperrt">weissem -Schwefelzink</em> durch Einleiten von <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> muss in -<em class="gesperrt">essigsaurer</em> Lösung geschehen (Zusatz von essigsaurem Natron). -Das schnell abfiltrierte und mit Schwefelwasserstoff ausgewaschene<span class="pagenum" id="Seite_107">[S. 107]</span> -Schwefelzink ist leicht löslich in Salpetersäure und warmer -Schwefelsäure; die eingedampfte Lösung wird in Wasser aufgenommen und -durch folgende Reaktionen weiter auf Zink untersucht: a) Kalilauge, -Natronlauge und Salmiakgeist fällen <em class="gesperrt">weisses</em> Zinkoxydhydrat. -b) Kohlensaures Kali und Natron fällen <em class="gesperrt">weisses</em> basisches -Zinkkarbonat. c) Ferrozyankalium fällt <em class="gesperrt">weisses</em> Ferrozyanzink. -<em class="gesperrt">Quantitativ</em> wird Zink als <em class="gesperrt">Schwefelzink</em> bestimmt; 100 -Teile ZnS enthalten 67 Teile Zink.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Rinder.</em> An den Mühlsteinen wurde der -Laufrand auf einer zolldicken Zinkmasse neu hergestellt. Die an -diesem Zinklaufrande angeklebte Teigmasse abgekratzt und 4 Rindern -im Getränke gegeben, hatte Vergiftungserscheinungen zur Folge. Die -chemische Untersuchung der Teigmasse wies in derselben Zinkoxyd nach -(<em class="gesperrt">Hahn</em>, Preuss. Mitt. 1877). — Weidevieh, welches aus den -Wassergruben getränkt wurde, in die Galmeiwasser floss, erkrankte -unter den Erscheinungen einer heftigen Kolik, sowie an mehrere Tage -andauernden Durchfällen. Ebendaselbst erkrankten Gänse und Enten; -sie wurden taumelig, liessen die Köpfe hängen und verendeten rasch -(<em class="gesperrt">Przybilka</em>, Magazin Bd. 18).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Mehrere Schweine krepierten, nachdem sie auf -einer Wiese in der Nähe von Zinkhütten geweidet hatten. Sie zeigten -3 Wochen hindurch Abmagerung, Anämie, Mattigkeit, schwankenden Gang, -Durchfall, Appetitlosigkeit, Stöhnen und starben nach 6 Wochen. -Bei der Sektion fand man den Darmkanal zusammengeschrumpft und die -Magenschleimhaut ganz weiss gefärbt (<em class="gesperrt">Weynen</em>, Veterinärbericht -1839).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Hunde.</em> Nach der Anwendung von Zinkoxyd gegen Ekzem -erkrankte ein Hund an Kolikerscheinungen, Schwellungen am -Kopf und Sinken der Innentemperatur; ausserdem zeigten eine -Taube und eine Ente nach der Aufnahme von Zinkoxyd starkes -Erbrechen (<em class="gesperrt">Boucher</em>, Journ. de Lyon 1893). Sonst liegen -nur experimentelle Untersuchungen vor. Ein Hund zeigte auf 30 -g Zinkvitriol Erbrechen und Mattigkeit, genas aber wieder; bei -unterbundenem Schlunde erfolgte jedoch bei dieser Dosis der -<em class="gesperrt">Tod</em> nach 3 Tagen. Subkutan töteten 4–6 g Zinkvitriol Hunde -innerhalb 5–6 Tagen nach vorausgegangener Lähmung und Erbrechen -(<em class="gesperrt">Orfila</em>). Intravenös hatten 0,2–0,4 g Zinkvitriol Erbrechen -und Lähmung zur Folge. 9–18 g Zinkoxyd erzeugten Erbrechen und -Gastritis. Ein Hund, welcher in 4 Monaten 72 g Zinkoxyd mit der -Nahrung erhielt, zeigte Erbrechen, grosse Schwäche, Zittern, -vom 3. Monate ab Krämpfe und Stumpfsinn. Bei der Sektion zeigte -sich Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Michaelis</em>). — Beim <em class="gesperrt">Menschen</em> -beobachtet man nach sehr langer Aufnahme kleinster Zinkmengen -(zuweilen erst nach 10 Jahren bei Zinkarbeitern) Erscheinungen -einer chronischen Rückenmarksaffektion sowohl an den Vorder- -als an den Hintersträngen, welche sich in Hauthyperästhesie und -späterer Anästhesie, gesteigerter Reflexerregbarkeit, krampfhaften -Muskelzuckungen, Ataxie und schliesslicher lähmungsartiger Schwäche -äussern.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Brechweinsteinvergiftung">Brechweinsteinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chemie.</b> Der Brechweinstein ist ein <em class="gesperrt">Antimonsalz</em>, -nämlich eine Verbindung von Antimonoxyd und Weinstein von der -Formel: <span class="nowrap">C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>4</sub>(OK)(O.SbO)</span>. Seine Giftwirkung ist eine -Antimonwirkung. Er bildet ein weisses, kristallinisches, etwas -verwitterndes Pulver, welches in 17 Teilen kaltem, sowie in 3 Teilen -heissem Wasser löslich ist und beim Erhitzen verkohlt. Mit Kalkwasser -gibt er einen weissen (weinsaurer Kalk), mit Schwefelwasserstoff -einen orangeroten Niederschlag von Schwefelantimon (Sb<sub>2</sub>S<sub>5</sub>). -Ausserdem werden seine Lösungen durch Gerbsäure gefällt.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_108">[S. 108]</span></p> - -<p><b>Aetiologie der Brechweinsteinvergiftung.</b> Der Brechweinstein, -welcher als Antimonverbindung zu den giftigsten Metallsalzen gehört, -kann ausser einer zu <em class="gesperrt">hohen Dosierung</em> auch durch die <em class="gesperrt">Form</em> -seiner Anwendung eine Vergiftung herbeiführen, wenn er nämlich in -ungelöstem Zustand verabreicht wird und dadurch ätzend wirkt in Dosen, -die an und für sich nicht giftig wirken. Ausserdem wird die Giftigkeit -des Brechweinsteins erheblich gesteigert durch die gleichzeitige -Verabreichung von Aloe (vergl. S. 111). <em class="gesperrt">Am empfindlichsten gegen -den Brechweinstein sind Pferde.</em> Sie sterben durchschnittlich nach -Einzelgaben von 15–30 g, namentlich dann, wenn der Brechweinstein -in <em class="gesperrt">nüchternem</em> Zustand verabreicht wird (die therapeutische -Einzeldosis beträgt für Pferde 2–10 g, die therapeutische Tagesdosis -10–15 g). Viel weniger empfindlich sind Rinder, welche selbst Gaben von -50 g ohne jede sichtbare Reaktion ertragen; dasselbe gilt für Schafe, -welche erst auf zirka 25 g Brechweinstein sterben. Schweine und Hunde -sind ebenfalls weniger empfindlich, weil sie sich erbrechen können. -Hunde blieben z. B. nach 4 g Brechweinstein am Leben, wenn sie sich -erbrachen, während sie bei unterbundenem Schlund schon nach ¼ oder -½ g starben.</p> - -<p>In einzelnen Fällen hat man beobachtet, dass bei Kühen, welchen -Brechweinstein eingegeben wurde, die <em class="gesperrt">Milch</em> giftige Eigenschaften -zeigte. So erkrankten Ziegenlämmer und Hunde an heftigem Durchfall, als -sie die Milch einer mit grösseren Mengen Brechweinstein behandelten Kuh -gefüttert erhielten (<em class="gesperrt">Harms</em>).</p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Der Brechweinstein wirkt <em class="gesperrt">ätzend</em> auf -die Schleimhaut des Digestionsapparates und erzeugt daher zunächst -das Krankheitsbild einer <em class="gesperrt">korrosiven Gastroenteritis</em>. Nach -seiner Resorption äussert sich die Antimonwirkung ähnlich wie die -Arsenikwirkung vorwiegend in einer <em class="gesperrt">Lähmung des Herzmuskels</em>, -sowie in gesteigerter Sekretion aller <em class="gesperrt">Körperdrüsen</em> mit -nachfolgender Verfettung derselben. Der Tod erfolgt unter den -Erscheinungen einer <em class="gesperrt">allgemeinen Lähmung</em>. Demnach sind die -Einzelerscheinungen folgende. Hat der Brechweinstein in Substanz -(in ungelöstem Zustand, z. B. in Latwergen) oder in konzentrierten -Lösungen auf die Maulschleimhaut eingewirkt, so erzeugt er zunächst -eine <em class="gesperrt">ulzeröse Stomatitis</em> mit Geschwürsbildung und starkem -Speicheln. Die spezifische Wirkung auf den Magen besteht bei Schweinen, -Hunden, Katzen und beim Geflügel in <em class="gesperrt">Erbrechen</em>.<span class="pagenum" id="Seite_109">[S. 109]</span> Letzteres wurde -vereinzelt auch bei Pferden beobachtet. Die Darmwirkung äussert sich -in <em class="gesperrt">Durchfall</em> und <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>. Nach der Resorption -des Brechweinsteins treten die Erscheinungen der <em class="gesperrt">Herzlähmung</em> in -den Vordergrund des Krankheitsbildes. Die Herztätigkeit ist anfangs -beschleunigt, später verlangsamt, der Puls sehr schwach, unregelmässig -und aussetzend. Die Atmung ist infolge der Herzschwäche und der -dadurch bedingten Stauung des Blutes in der Lunge erschwert; bei -längerer Dauer der Vergiftung kann sich selbst eine <em class="gesperrt">hypostatische -Lungenentzündung</em> ausbilden. Dazu kommen <em class="gesperrt">Schwindelanfälle</em>, -<em class="gesperrt">Zittern</em> und <em class="gesperrt">Krämpfe</em>. Der Tod erfolgt entweder langsam -unter zunehmender <em class="gesperrt">Mattigkeit</em> oder plötzlich infolge von -<em class="gesperrt">Herzlähmung</em>.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man <em class="gesperrt">hämorrhagische Entzündung</em> und -<em class="gesperrt">Diphtherie</em> der Digestionsschleimhaut, namentlich im <em class="gesperrt">Magen</em> -und im <em class="gesperrt">Dünndarm</em>, Lungenhyperämie, hämorrhagische Infarkte -und selbst Entzündung der Lunge, Verfettung des Herzmuskels und der -Körperdrüsen.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste Gegenmittel gegen Brechweinstein -ist die <em class="gesperrt">Gerbsäure</em> (Bildung von unlöslichem Antimontannat). Man -gibt sie entweder in Form des reinen Tannins oder gerbstoffhaltiger -Abkochungen (Eichenrinde, Weidenrinde, Chinarinde, Kaffee, -Salbeiblätter, Tormentillwurzel). Ausserdem verabreicht man -<em class="gesperrt">einhüllende</em> Mittel: Eiweiss, Schleim, Oel. Von sonstigen -chemischen Antidoten, welche den Brechweinstein zersetzen, sind zu -nennen: kohlensaures Natron, verdünnte Säuren, Schwefel, Schwefelleber. -Die Kolikanfälle behandelt man <em class="gesperrt">symptomatisch</em> mit Opium oder -Morphium, die Herzschwäche mit Koffein, Atropin, Hyoszin, Aether, -Kampfer oder Alkohol.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Trennung</em> des Antimons von seinen -organischen Verbindungen wird in derselben Weise durch <em class="gesperrt">Zerstörung -der organischen Substanzen</em> mittels Chlor ausgeführt, wie beim -Arsenik. <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> fällt dann aus der (schwach) -salzsauren Lösung <em class="gesperrt">orangegelbes Schwefelantimon</em>, welches sich -in <em class="gesperrt">Salzsäure</em> beim <em class="gesperrt">Erwärmen leicht löst</em>, während es in -Aetzammoniak und Lösungen von saurem schwefligsaurem Natron fast -unlöslich ist (in Schwefelalkali und Schwefelammonium ist es wie -Schwefelarsen löslich). Im Marshschen Apparat verwandelt es sich -in Antimonwasserstoff, welcher einen <em class="gesperrt">Antimonspiegel</em> beim -Erhitzen liefert. <em class="gesperrt">Dieser Antimonspiegel löst sich im<span class="pagenum" id="Seite_110">[S. 110]</span> Gegensatz zum -Arsenspiegel nicht in unterchlorigsaurem Natron</em>, entwickelt auch -beim Verdampfen <em class="gesperrt">keinen</em> Knoblauchgeruch.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Nach einer einmaligen Dosis -von 15 g Brechweinstein zeigte ein Pferd Zittern, schwachen, -beschleunigten Puls (60–70 schwache Pulsschläge), angestrengtes -Atmen, Schwanken, Appetitlosigkeit, Husten. Am 4. Tage stellten sich -wassersüchtige Anschwellungen am Bauch und Schlauch ein, worauf das -Pferd verendete (<em class="gesperrt">Weber</em>, Berl. tierärztl. Wochenschr. 1890). -— <em class="gesperrt">Korff</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1892 S. 500) beobachtete bei -einem Pferde nach einer Dosis von 15,0 Brechweinstein deutliche -Vergiftungserscheinungen, welche im wesentlichen in Erbrechen und -Durchfall bestanden. Nach der Verabreichung von 15 g Tannin als -Gegengift genas das Tier. — <em class="gesperrt">Röbert</em> (Sächs. Jahresber. 1893) -berichtet über einen Fall von tödlicher Vergiftung beim Pferd -nach der Verabreichung von 40 g Brechweinstein. Die Erscheinungen -bestanden in Speicheln, Anätzungen im Maule, heftigem Durchfall, -Herzklopfen, schwachem, drahtförmigem Pulse. Der Tod trat nach 3 -Tagen ein. Die Sektion ergab Anätzungen im Maule und Schlundkopfe, -Rötung und Schwellung der Magenschleimhaut, sehr viele Geschwüre im -Dünn- und Dickdarm, sowie akute septische Perforativ-Peritonitis. -— <em class="gesperrt">Kramer</em> (D. T. W. 1895) behandelte eine Vergiftung bei -einem Pferde, das innerhalb 2 Tagen 24 g Brechweinstein erhalten -hatte und hochgradige Schwäche zeigte; die Heilung erfolgte erst -nach 5wöchentlicher Behandlung. — Ein Pferd erhielt irrtümlich 30 -g Brechweinstein auf einmal eingeschüttet. Es wurde sehr aufgeregt, -speichelte, schnaubte heftig unter Auswurf von Schleimflocken; -nach einigen Stunden starb es unter Schweissausbruch und starkem -Durchfall (<em class="gesperrt">Maury</em>, Journal du Midi 1862). — Nach den Versuchen -von <em class="gesperrt">Hertwig</em> zeigen gesunde Pferde nach 4–8 g nur etwas -vermehrtes Urinieren; nach wiederholten Dosen entsteht Verminderung -der Pulszahl, pochender Herzschlag, Mattigkeit, Diarrhöe, Polyurie; -bei fortgesetzter Anwendung sehr grosse Schwäche. 15 g in Pillenform -haben vermehrte Absonderung der Schleimhäute, gesteigerte -Pulsfrequenz, vermehrte Peristaltik, reichliche Kotentleerung, sowie -leichte Kolik zur Folge. Dieselbe Dosis (15 g) in Wasser gelöst -und auf einmal gegeben erzeugt Kolik, Zittern, Pulsbeschleunigung, -Nachlass dieser Erscheinungen nach einigen Stunden, stärkeres -Wiederauftreten derselben an den folgenden Tagen und meist Tod am -6.-8. Tage. 30 g in einer Pille oder Latwerge bedingt eine sehr -heftige, aber nicht tödliche Wirkung; 30 g in flüssiger Form bewirkt -heftige Kolik mit Krämpfen und Schweissausbruch, sowie nach 8 Stunden -den Tod. Auf 60 g in flüssiger Form tritt der Tod nach 2½ Stunden, -auf 90 g in Latwergenform nach 4 Tagen ein (Kolik, Stomatitis -ulcerosa, Lähmung der Nachhand). <em class="gesperrt">Intravenös</em> entsteht auf -0,6–4,0 als schwächste Wirkung vermehrte Peristaltik, Kotentleerung, -gesteigerte Diurese, erhöhte Atmungs- und Pulsfrequenz, jedoch -keine Appetitstörung. Bei höhergradiger Wirkung beobachtet man fast -unfühlbaren Puls, Steigen der Pulsfrequenz über 120 pro Minute, -röchelndes, krampfhaftes Atmen, dünnflüssigen Kot, Schweissausbruch, -Tränenfluss, Speicheln, Lecken, Recken, Rülpsen, Kolik, Zittern, -sowie Muskelkrämpfe an der Schulter, am Halse, an den Schenkeln. -8 g intravenös haben sehr heftige Krämpfe, Schwindel, Lähmung, -sowie Tod nach 1½-3 Stunden zur Folge; eine Wirkung auf den -Darm fehlt hierbei. — <em class="gesperrt">Dieckerhoff</em> und <em class="gesperrt">Wagner</em> (B. -T. W. 1893 Nr. 39) fanden bei ihren Versuchen über die Dosierung -und Wirkung des Brechweinsteins bei Pferden, dass derselbe in der -herkömmlichen Dosis und Form unschädlich ist, dass es sich aber -empfiehlt, die Dosis von 15 g nicht zu überschreiten und an demselben -Tag auch nicht zu wiederholen. Für kleine Ponys sind 15 g schon -tödlich; ein leichtes Arbeitspferd starb nach 20 g Brechweinstein -an hämorrhagischer Gastroenteritis. — Nach <em class="gesperrt">Günther</em> (D. T. -W. 1906 S. 543) zeigten 4 schwere Pferde, welche nüchtern je 12 g -Brechweinstein erhalten hatten, 3 Stunden nachher Unruhe, starkes -Aufblähen, Atemnot, Schweissausbruch, Zittern und Schwanken; nach 6 -Tagen erfolgte Heilung. — Zwei 1 Jahr alte Ardennerfohlen erhielten -gegen Spulwürmer je 8 g Brechweinstein in Wasser gelöst verschrieben. -Der<span class="pagenum" id="Seite_111">[S. 111]</span> Besitzer verteilte das Mittel jedoch ungleich, so dass eines der -Fohlen 12 g erhielt. 24 Stunden darauf erkrankte dieses Füllen unter -Schweissausbruch, Zittern, Herzschwäche, Dyspnoe, Schwanken, Krämpfen -und Absinken der Innentemperatur auf 35,8°; noch an demselben Tage -starb es. Die Sektion ergab zahlreiche kleine, oberflächliche -Geschwüre auf der Zunge, im Dünndarm und Grimmdarm (<em class="gesperrt">Lüer</em>, D. -T. W. 1908 S. 377). — Die von <em class="gesperrt">Möller</em>-Alpirsbach (ibid. S. -417) nach einer Tagesdosis von 8–12 g Brechweinstein bei 12 Pferden -beobachteten eigenartigen Erscheinungen von Hufrehe und Herzschwäche -sind wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass überflüssigerweise 1–2 -Stunden nachher noch eine Aloepille verabreicht wurde. Dass durch -einen Zusatz von Aloe die Giftwirkung von Abführmitteln erheblich -gesteigert wird, hat die Erfahrung beim Kalomel gelehrt, das bei -Zugabe einer Aloepille Pferde schon in einer Dosis von 3 g zu töten -vermag (vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). Dass andererseits -der Brechweinstein für sich allein in den genannten Dosen ungiftig -ist, beweisen die zahlreichen und übereinstimmenden Beobachtungen -anderer. <em class="gesperrt">Reissinger</em> (Woch. f. Tierheilk. 1908) hat in den -letzten 10 Jahren den Brechweinstein ungefähr 600mal in täglichen -Dosen von 15–20 g gegeben, jedoch in keinem einzigen Falle danach -Vergiftungserscheinungen beobachtet; eine Aloepille nach 1–2 Stunden -nachzuschicken, hält er gleichfalls für überflüssig. <em class="gesperrt">Simon</em> -(ibid.) hat seit 8 Jahren alljährlich 70–80mal den Brechweinstein -in Dosen von 15–20 g ohne jeden Nachteil gegeben, desgleichen Prof. -<em class="gesperrt">Albrecht</em> (ibid.), der den Brechweinstein seit vielen Jahren -schweren Pferden in Dosen von 20 g, mittleren zu 15 g, Jährlingen -zu 10–12 g und halbjährigen Fohlen zu 6–8 g verabreicht. Auch -<em class="gesperrt">Dorn</em> (ibid.) verwendet seit Jahren den Brechweinstein in Dosen -von 20 g für erwachsene Pferde und hat in Hunderten von Fällen nie -eine Vergiftung beobachtet. <em class="gesperrt">Merkt</em> (T. Rundschau 1908) gibt -den Brechweinstein seit 20 Jahren in einer Tagesdosis von 25 g auf -3mal und hat noch niemals die geringsten Vergiftungserscheinungen -danach beobachtet. <em class="gesperrt">Storch</em> (Berl. tierärztl. Woch. 1909) hat -beim Pferd mindestens 100mal Brechweinstein in Dosen von 8–12 g ohne -Spuren von Giftwirkung oder Rehe verabreicht; nur ein einziges Pferd -zeigte danach vorübergehende Kolikerscheinungen.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Eine Kuh erhielt aus Versehen 51 g Brechweinstein -auf einmal mit einer Flasche Wasser eingeschüttet, ohne dass -irgendwelche Vergiftungserscheinungen auftraten. Einer anderen -Kuh wurden 46 g ebenfalls ohne Nachteil verabreicht. Dagegen -erkrankten 3 Ziegenlämmer und 2 kleine Hunde, welche die Milch -der letzteren Kuh gefüttert erhalten hatten, an heftiger Diarrhöe -(<em class="gesperrt">Harms</em>, 4. Hannov. Jahresber.). — Versuchskühe zeigten auf -8–30 g Brechweinstein nichts besonderes, nur vermehrtes Urinieren -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>, <em class="gesperrt">Viborg</em>). Selbst 128 g innerhalb 4 Tagen -verabreicht blieben bei einer Kuh ohne deutliche Wirkung. 40 g einer -Kuh auf einmal in Auflösung gegeben, hatten nach <em class="gesperrt">Gilbert</em> -keine sichtbare Wirkung. Nach diesen Angaben ist es fraglich, ob -die Beobachtung von <em class="gesperrt">Rüffert</em> (Preuss. Mitt. III) richtig -ist, welcher bei einem Stiere nach 30 g Brechweinstein, in -Leinsamenschleim gegeben, Kolik und plötzlichen Tod gesehen haben -will. Zum Zwecke der Nachprüfung habe ich einer alten, schwächlichen, -kleinen Versuchskuh 30 g Brechweinstein in Leinsamenschleim -verabreicht; diese Dosis ist bei derselben ohne jede sichtbare -Wirkung geblieben und hatte nicht einmal eine Verdauungsstörung zur -Folge.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe</em> zeigten nach 12 g in gelöster Form und nach 16 g -in einer Mehlpille verabreicht keinerlei Wirkung (<em class="gesperrt">Viborg</em>, -<em class="gesperrt">Gilbert</em>). Dagegen töteten 24 g ein Schaf. Intravenös hatten -0,3–0,36 g grosse Mattigkeit, kleinen frequenten Puls, angestrengtes -Atmen und wiederholten Mistabsatz zur Folge. — <em class="gesperrt">Baum</em> -(Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. 1892) stellte experimentell fest, -dass bei Schafen nach 5 g, bei Ziegen nach 4 g Brechweinstein -Vergiftungserscheinungen auftreten. Die Milch der betr. Tiere erwies -sich indessen auch bei sehr hohen Dosen als unschädlich.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Schweine</em> erbrechen sich erst von 0,6 g ab; zuweilen tritt -aber Erbrechen selbst nach grösseren Dosen (1,2–2,0) nicht ein. 4 -g hatten bei einem ¾jährigen Eber nach 15 Minuten Erbrechen zur -Folge, das über eine Stunde dauerte, ausserdem Kolikerscheinungen, -Appetitlosigkeit und Mattigkeit; am 3. Tage war das Tier wieder -gesund. 8 g Brechweinstein in einem halben Liter<span class="pagenum" id="Seite_112">[S. 112]</span> Wasser gelöst, -bewirkten bei einem 9 Monate alten Eber nach 1½ Stunden 5maliges -Erbrechen, Appetitlosigkeit, Betäubung, starken Durst, nach Aufnahme -des Wassers wiederholtes Erbrechen, sowie am folgenden Tage nach -anscheinender Besserung Krämpfe und den Tod. — Ein Mutterschwein, -das gegen Ferkelfressen einen Kaffeelöffel Brechweinstein erhalten -hatte, zeigte Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss und Krämpfe; Tannin -beseitigte sofort die Vergiftungserscheinungen (<em class="gesperrt">Gebhard</em>, Woch. -f. Tierhlkde. 1905).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Hunde</em> ertragen bis zu 4 g Brechweinstein, wenn sie sich -erbrechen können. Bei unterbundenem Schlunde sterben sie jedoch -(ebenso wie Katzen) nach 0,25–0,5 g innerhalb 2–3 Stunden. Von -<em class="gesperrt">Wunden</em> aus tötet der Brechweinstein Hunde und Katzen zu -0,1–0,3 in wenigen Stunden. <em class="gesperrt">Intravenös</em> haben 0,06–0,12 nach -½ Stunde Erbrechen, 0,24 wiederholtes Erbrechen, Mattigkeit, -beschwerliches Atmen, unregelmässigen, schnellen Puls, Zittern, -Krämpfe und nach 16–24 Stunden den Tod zur Folge.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Hühner</em> und andere Vögel erbrechen sich leicht nach 0,06–0,2 -g.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Sonstige_Metallvergiftungen">Sonstige Metallvergiftungen.</h4> - -</div> - -<p><b>Alaunvergiftung.</b> Dieselbe ist in einigen Fällen bei Rindern -beobachtet worden, welche <em class="gesperrt">aus Versehen statt Glaubersalz</em> -Alaun erhielten. Ein Rind erhielt 125 g rohen Alaun, worauf es -<em class="gesperrt">Verstopfung</em> und <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em> zeigte; nach 4 Tagen -war Genesung eingetreten. Eine Kuh erhielt vom Besitzer statt des -verordneten Glaubersalz ½ Kilo Alaun; sie erkrankte sofort schwer -und musste notgeschlachtet werden (<em class="gesperrt">Siebert</em>, Berl. Arch. 1900). -Dagegen erkrankte ein anderes Rind, das ebenfalls aus Versehen statt -Glaubersalz innerhalb 6 Stunden 750 g Alaun zusammen mit Leinöl und -Leinsamenschleim erhielt, nur leicht unter Verdauungsstörungen und -Speicheln und genas (<em class="gesperrt">Noack</em>, Preuss. Vet.-Ber. 1904). Hunde -starben, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden, nach 35–50 g, Katzen -nach 5–10 g Alaun (<em class="gesperrt">Orfila</em>). Die Wirkung des Alauns ist eine -lokal ätzende (Bildung von Aluminiumalbuminat). Die Allgemeinwirkung -des Aluminiums äussert sich in Lähmung und Somnolenz. <em class="gesperrt">Das -Aluminiummetall ist ungiftig.</em></p> - -<p><b>Eisenvergiftung.</b> Von den Eisenpräparaten wirken in grösseren -Dosen giftig der <em class="gesperrt">Eisenvitriol</em> und der <em class="gesperrt">Liquor Ferri -sesquichlorati</em>. Dieselben sind reizende und ätzende Gifte für -die Magendarmschleimhaut (<em class="gesperrt">korrosive Gastroenteritis</em>) und -Uterusschleimhaut (<em class="gesperrt">diphtheritische Endometritis</em>), sowie für -die Leber und Nieren (<em class="gesperrt">Hepatitis</em> und <em class="gesperrt">Nephritis</em>). Es sind -hierüber teils klinische, teils experimentelle Beobachtungen vorhanden. -Danach sterben <em class="gesperrt">Pferde</em> nach der innerlichen Verabreichung von -ca. 250 g Eisenvitriol. So beobachtete <em class="gesperrt">Gohier</em> bei einem Pferd<span class="pagenum" id="Seite_113">[S. 113]</span> -nach 285 g, bei einem Esel nach 180 g und bei einem ¼jährigen Fohlen -nach 90 g Eisenvitriol heftige Darmentzündung mit tödlichem Ausgange -innerhalb 24 Stunden. <em class="gesperrt">Viborg</em> sah bei einem älteren Pferd auf 180 -g Erbrechen, Kolik, grosse Schwäche, Verstopfung, häufiges Urinieren, -nach 6 Tagen hatte sich das Tier wieder erholt. Eine Stute zeigte nach -dem Ausspülen des Uterus mit Eisenchloridlösung heftige Kolik, Krämpfe, -Dyspnoe, hohes Fieber, starkes Drängen und starb nach 48 Stunden; -die Sektion ergab diphtherische Endometritis, sowie hämorrhagische -Pleuritis (<em class="gesperrt">Binder</em>, Tierärztl. Zentralbl. 1894). Drei unter -milzbrandverdächtigen Erscheinungen (blutige Darmentzündung) gestorbene -Schafe hatten mit dem Futter zufällig Eisenvitriol aufgenommen -(<em class="gesperrt">Keller</em>, Preuss. Vet.-Ber. pro 1907). Bei <em class="gesperrt">Hunden</em> entsteht -schon von 2 g Eisenvitriol ab Erbrechen und Magendarmentzündung, nach 8 -g der Tod. Beim <em class="gesperrt">Geflügel</em> hat man gelegentlich der Desinfektion -der Stallungen mit Eisenvitriol Erkrankungen infolge Aufnahme desselben -beobachtet. Ausserdem sind Gänse nach der Aufnahme des Abwassers einer -mit Eisenvitriol arbeitenden Imprägnieranstalt für Telegraphenstangen -gestorben (korrosive Entzündung der Schleimhaut des Vormagens).</p> - -<p>Bei <em class="gesperrt">subkutaner</em> Applikation starben 3 Hunde auf 7,5 g -Eisenvitriol nach 12, 15 und 27 Stunden. Die Sektion ergab -Magendarmentzündung und ausgebreitete Hämorrhagien. <em class="gesperrt">Intravenös</em> -entsteht beim Pferd nach 5 g Unruhe, unterdrückte Fresslust und -Verstopfung; beim Hunde nach ½ g Erbrechen und Kolik.</p> - -<p><b>Silbervergiftung.</b> Dieselbe bezieht sich meistens auf -den <em class="gesperrt">Höllenstein</em> und ist ausschliesslich experimenteller -Natur, soweit sie die Haustiere betrifft. Man unterscheidet -eine akute und chronische Silbervergiftung. 1. Die <em class="gesperrt">akute</em> -Silbervergiftung (Höllensteinvergiftung) verläuft unter dem Bild -einer <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>. Die tödliche Dosis ist sehr variabel -je nach dem Füllungszustand des Magens und der Form, in welcher der -Höllenstein gegeben wird (Stücke, Pulver, Lösung). Einige <em class="gesperrt">Hunde</em> -starben schon nach 0,75 bis 1,25 g Höllenstein, während andere vier -Tage hintereinander je 4,0 g ertrugen. <em class="gesperrt">Menschen</em> starben -nach 10–30 g, <em class="gesperrt">Kaninchen</em> auf 4,0 g, <em class="gesperrt">Schafe</em> ertragen -4 g. — Das Verschlucken silberner Münzen erzeugt, wie klinische -Erfahrungen lehren, keine Silbervergiftung. 2. Die <em class="gesperrt">chronische</em> -Silbervergiftung (<em class="gesperrt">Argyriasis</em>) wird nach fortgesetzter Fütterung -von Versuchstieren mit Silberpräparaten beobachtet. Dieselbe äussert -sich in Abnahme des Körpergewichts,<span class="pagenum" id="Seite_114">[S. 114]</span> Atrophie des Fettgewebes, -chlorotischer Blutbeschaffenheit, degenerativen Prozessen in den -Muskeln und Körperdrüsen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des -Digestions- und Respirationsapparates mit profuser Sekretion der -Schleimhäute und sog. Silbersaum des Zahnfleisches (Ag<sub>2</sub>S), endlich -in einer <em class="gesperrt">Rückenmarksaffektion</em> mit Muskel- und Gefühlslähmung, -welche im Hinterteil beginnt und anatomisch in Vakuolenbildung der -Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen -beobachtet man auch Gehirndepressionserscheinungen nach längerer -Höllensteinanwendung.</p> - -<p>Die beim Menschen nach der längeren medikamentellen innerlichen -Verabreichung von Silberpräparaten eintretende <em class="gesperrt">Graufärbung</em> -der Haut (Argyrosis) ist keine Vergiftungserscheinung. Sie entsteht -infolge Ablagerung feinster Körnchen von reduziertem metallischem -Silber in die oberste Schichte des Koriums, ins Bindegewebe und in die -Schweissdrüsenknäuel. Diese Schwarzfärbung der Haut findet man nur -beim Menschen nach Verabreichung von ca. 30 g Höllenstein, nicht bei -Versuchstieren (Hunden, Ratten). Dagegen beobachtet man bei Menschen -und Tieren eine <em class="gesperrt">Silberablagerung in inneren Organen</em>, namentlich -in den Mesenterialdrüsen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, -auf den serösen Häuten, in der Glissonschen Scheide der Leber und in -den Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz -frei.</p> - -<p><b>Chromvergiftung.</b> Besonders giftige Chromverbindungen sind die -<em class="gesperrt">Chromsäure</em> CrO<sub>3</sub>, das <em class="gesperrt">Kaliumchromat</em> K<sub>2</sub>CrO<sub>4</sub> und -das <em class="gesperrt">Kaliumdichromat</em> oder doppeltchromsaure Kali K<sub>2</sub>Cr<sub>2</sub>O<sub>7</sub> -(starke Oxydationsmittel). Die akute Chromvergiftung äussert sich -in korrosiver Gastroenteritis, parenchymatöser und hämorrhagischer -Nephritis, Albuminurie, Hämaturie, Gelbfärbung der Sklera, Schwindel, -Dyspnoe, Konvulsionen und Koma. Pferde sterben nach der Aufnahme von -15–30 g Kaliumdichromat. Infolge Verwechslung mit Natrium bicarbonicum -starb z. B. ein Pferd nach 30 g Kali dichromicum an hämorrhagischer -Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Desoubry</em> und <em class="gesperrt">Simmonet</em>, Rec. 1906). -Subkutan können bei jungen Hunden schon 0,1–0,2 tödlich werden. Nach -<em class="gesperrt">Kossa</em> erzeugen die Chromate ausserdem bei allen Warmblütern, -namentlich beim Hund, Glykosurie. Weniger giftig wirken Chromalaun, -Chromgrün und Chromgelb (Bleichromat). Bei der <em class="gesperrt">chronischen</em> -Chromvergiftung (Menschen in Chromfabriken) beobachtet man -interstitielle Nephritis, sowie Haut- und Schleimhautgeschwüre -(Rhinonekrosis chromica).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_115">[S. 115]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Wismutvergiftung.</b> Das therapeutisch als Magenmittel und -in der Chirurgie angewandte <em class="gesperrt">Bismutum subnitricum</em> kann in -grossen Dosen ein der Quecksilbervergiftung ähnliches Krankheitsbild -erzeugen (Bismutosis). Nach älteren Versuchen zeigten Hunde und -Katzen nach 3–5 g Bismutum subnitricum schwere Vergiftung und starben -nach 15 g sehr rasch (<em class="gesperrt">Orfila</em>). Diese Wirkungen sind nach -neueren Beobachtungen nicht auf das Wismut, sondern auf die früher -regelmässigen Verunreinigungen des Wismutsalzes mit Arsen, Antimon, -Tellur (sog. Wismutatem) und Blei zu beziehen. Absolut reines -Bismutum subnitricum soll vom Menschen in täglichen Dosen bis zu 20 -g ertragen werden (<em class="gesperrt">Trousseau</em>). Dagegen wirken <em class="gesperrt">lösliche -Wismutsalze</em> stark giftig, nach subkutaner Anwendung derselben -erfolgt bei Säugetieren der Tod schon nach 1–2 Tagen unter Krämpfen. -Bei der Sektion findet man den Dickdarm und sein Gekröse intensiv -schwarz gefärbt (Schwefel-Wismut); <em class="gesperrt">auf der Dickdarmschleimhaut -sieht man nekrotische Herde</em>. Es wird angenommen, dass der -Schwefelwasserstoff des Dickdarms das in den Darmkapillaren gelöst -zirkulierende Wismutsalz als unlösliches Schwefelwismut ausfällt -und so eine Verstopfung der Kapillaren mit konsekutiver Nekrose -der Schleimhaut bedingt, ähnlich wie beim Merkurialismus (<em class="gesperrt">H. -Meyer</em>). Auch sonst sind die Erscheinungen der Bismutosis denen -des Merkurialismus ziemlich ähnlich. Man beobachtet nämlich ebenfalls -<em class="gesperrt">Stomatitis ulcerosa</em>, <em class="gesperrt">Schwarzfärbung des Zahnfleisches</em>, -<em class="gesperrt">Darmkatarrh</em> und <em class="gesperrt">Nephritis</em>. Bei Versuchstieren wurden -ausserdem <em class="gesperrt">Krämpfe</em> beobachtet. Beim Einbringen in die Brust- -und Bauchhöhle entstand Pleuritis bezw. Peritonitis.</p> - -<p><b>Borvergiftung.</b> Sowohl die <em class="gesperrt">Borsäure</em>, als der -<em class="gesperrt">Borax</em> und andere Borpräparate sind für Tiere und Menschen -giftig. Ein Hund starb nach 30 g Borax an Darmentzündung; Kaninchen -sterben nach 2–4 g Borsäure unter Erscheinungen der Gastroenteritis, -Muskel- und Nervenlähmung. Nach Versuchen von <em class="gesperrt">Annett</em> (Lancet -1900) starben 5 junge Ziegen nach 4wöchentlicher Verabreichung -von Milch, welche pro Liter 2 g Borsäure enthielt, unter den -Erscheinungen von Durchfall, Abmagerung und Mattigkeit. Nach -<em class="gesperrt">Puppe</em> (Aerztl. Sachverst.-Zeitg. 1907) zeigten 4 Hunde, -welche mit borsäurehaltigem Fleisch (1½ Proz.) gefüttert -wurden, starke Abmagerung und Darmblutungen und gingen zugrunde -(Stoffwechselgift). Auch beim Menschen wirkt die Borsäure schon -in geringen Mengen giftig (<em class="gesperrt">Kobert</em>, <em class="gesperrt">Schlenker</em>, -<em class="gesperrt">Forster</em>, <em class="gesperrt">Rost</em>, <em class="gesperrt">Kister</em>, <em class="gesperrt">Mattern</em>, -<em class="gesperrt">Rubner</em>, <em class="gesperrt">Rosenthal</em>, <em class="gesperrt">Binswanger</em> u. a.). Versuche -im amerikanischen Ackerbauministerium an 12 jungen Männern (1905) -ergaben, dass schon die tägliche Verabreichung von 0,5 Borsäure -bei längerer Verabreichung Verdauungsstörungen erzeugt und das -Allgemeinbefinden ungünstig beeinflusst. <em class="gesperrt">Die Schädlichkeit der -Borpräparate als Konservierungsmittel ist im Gegensatz zu der -Behauptung von Liebreich schon in kleinen Dosen als erwiesen zu -erachten.</em> Es kommt hinzu, dass die im Handel gebräuchlichen -Fleischkonservierungsflüssigkeiten nicht etwa schwache, sondern -ziemlich konzentrierte, <em class="gesperrt">3–4prozentige Borsäurelösungen</em> bilden -(Fasslebern), welche für den Menschen zweifellos gesundheitsschädlich -sind; ein Kilogramm derartig konservierter Fasslebern enthält -30–40 g Borsäure(!). Besonders gefährlich ist die Borsäure sodann -für jugendliche Organismen (Borsäurezusatz zur Kindermilch). In -Deutschland sind daher die Borpräparate als Zusatz zu Nahrungsmitteln -verboten (Bundesratsbeschluss vom 18. 2. 02). Auch die Preuss. -Med.-Deputation hat sich in diesem Sinne geäussert (1907).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_116">[S. 116]</span></p> - -<p><b>Zinnvergiftung.</b> Ob Zinnvergiftungen durch zinnhaltige -Nahrungsmittel, Konserven etc. zustande kommen können, wird -teils bejaht (<em class="gesperrt">Kobert</em>), teils verneint (<em class="gesperrt">Lehmann</em>). -Experimentell ist jedoch festgestellt, dass <em class="gesperrt">Zinnchlorür</em> -Hunde in Dosen von 5 g unter den Erscheinungen der korrosiven -Gastroenteritis tötet, und dass sich durch fortgesetzte Darreichung -von Zinnpräparaten bei Hunden und Katzen eine typische chronische -Zinnvergiftung erzeugen lässt, deren Haupterscheinungen in Ataxie und -Motilitätsstörungen bestehen (<em class="gesperrt">Ungar</em> und <em class="gesperrt">Bodländer</em>).</p> - -<p><b>Manganvergiftung.</b> Die löslichen Mangansalze, namentlich das -übermangansaure Kali und das schwefelsaure (früher offizinelle) -Manganoxydul wirken in grösseren Gaben giftig, indem sie Erbrechen, -Lähmung der Motilität und Sensibilität, Ikterus, Leber- und -Nierenentzündung zur Folge haben (ähnlich wie bei Chromvergiftung). -<em class="gesperrt">Carozzo</em> (Clin. vet. 1900) sah bei 2 Pferden nach der -innerlichen Verabreichung von 10 g Kalium permanganicum in 1 l Wasser -Muskelzittern, starken Schweissausbruch, Speichelfluss, anämische -Schleimhäute, häufigen Kotabsatz, sowie hohe Puls- und Atemfrequenz; -ein Pferd zeigte ausserdem Manegebewegungen und Blutharnen und starb -nach 5 Tagen unter tiefem Koma.</p> - -<p><b>Uranvergiftung.</b> Das Uran ist eines der giftigsten Metalle. Die -Uransalze wirken zunächst stark ätzend (Uranalbuminat); 1 mg Uranoxyd -ist ferner bei subkutaner Applikation pro Kilogramm Körpergewicht -tödlich für Hunde und Katzen. Die Allgemeinerscheinungen -bestehen in Glykosurie, parenchymatöser Degeneration der -wichtigsten Körperorgane, Nephritis, Abmagerung und Inanition. -Die Stoffwechselstörung ist eine Folge der Aufhebung der inneren -Gewebsatmung wie bei Blausäure (<em class="gesperrt">Woroschilsky</em>).</p> - -<p><b>Osmiumsäurevergiftung.</b> Die Osmiumsäure und ihre Salze wirken -stark reizend und ätzend auf Haut und Schleimhäute; selbst durch die -Dämpfe der Osmiumsäure können Schleimhautentzündungen entstehen. -Nach der Resorption erzeugen die Osmiumverbindungen Nephritis, -Gastroenteritis und Pneumonie (Vorsicht beim Mikroskopieren).</p> - -<p>Vergiftungserscheinungen bedingen endlich die löslichen -Salze des <em class="gesperrt">Nickels</em>, <em class="gesperrt">Kobalts</em>, <em class="gesperrt">Platins</em>, -<em class="gesperrt">Golds</em>, <em class="gesperrt">Kadmiums</em>, <em class="gesperrt">Berylliums</em>, <em class="gesperrt">Wolframs</em>, -<em class="gesperrt">Molybdäns</em>, <em class="gesperrt">Zeriums</em>, <em class="gesperrt">Thalliums</em>, <em class="gesperrt">Vanadiums</em> -und <em class="gesperrt">Siliziums</em>. Näheres über diese Metallvergiftungen vergl. -bei <em class="gesperrt">Kobert</em>, Lehrbuch der Intoxikationen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Kochsalzvergiftung">Kochsalzvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das <em class="gesperrt">Kochsalz</em>, ClNa, welches aus dem -<em class="gesperrt">Steinsalz</em> (99% Chlornatrium) gewonnen und mit rotem Ton, -Kohle, Russ, Wermut etc. vermischt als sog. <em class="gesperrt">Viehsalz</em> -(denaturiertes Kochsalz) verfüttert wird, kann als ein Gift im -eigentlichen Sinne des Wortes nicht aufgefasst werden, weil es immer -nur in grossen Gewichtsmengen Krankheitserscheinungen verursacht. Die -freiwillige Aufnahme grösserer, gesundheitsschädlicher Mengen von -Kochsalz beobachtet man namentlich bei Pflanzenfressern, und zwar -insbesondere bei den Wiederkäuern, welche wegen der Salzarmut des -Futters eine grosse Begierde nach Kochsalz haben. Auch Schweine und -Hunde erkranken häufig nach dem Genusse salzhaltiger Küchenabfälle,<span class="pagenum" id="Seite_117">[S. 117]</span> -von Kesselbrühe (Wurstmacher), Schinkenbrühe, sowie von Salz- und -Pökellake. Nicht selten ereignen sich ferner Vergiftungen durch das -unvorsichtige Verabreichen grösserer Kochsalzgaben als Heilmittel -oder Diätetikum. Allerdings müssen hierbei sehr grosse Mengen -gegeben werden, ehe Krankheitszustände auftreten. Die <em class="gesperrt">tödliche -Kochsalzdosis</em> beträgt nämlich für Rinder 1½-3 kg, für -Pferde 1–1½ kg. für Schafe und Schweine 125–250 g, für Hunde -30–60 g (3,7 g pro Kilo Körpergewicht). Ueber die Vergiftung mit -<em class="gesperrt">Heringslake</em> vergl. das Kapitel Fleischvergiftung.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Kochsalz wirkt in -grösseren Mengen oder in konzentrierten Lösungen (Salzlake) zunächst -reizend und <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf die Schleimhaut des -Digestionsapparates. Nach seiner Resorption ins Blut wirkt es in diesen -grossen Dosen als <em class="gesperrt">lähmendes Nervengift</em> (Natriumwirkung). Wegen -dieser Doppelwirkung kann es auch als ein Akre-Narkotikum bezeichnet -werden. Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in starkem Durst, -unterdrückter Futteraufnahme, Würgen und <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, höherer -Rötung und Trockenheit der Maulschleimhaut, <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, -<em class="gesperrt">Durchfall</em>, Polyurie. Die nervösen Symptome äussern sich in -allgemeiner <em class="gesperrt">Körperschwäche</em>, Taumeln, rauschartigem Zustand, -Zusammenstürzen, Unfähigkeit sich zu erheben, <em class="gesperrt">Lähmung</em> des -<em class="gesperrt">Hinterteils</em>, <em class="gesperrt">Amaurosis</em>, Schlinglähmung, Sopor, -<em class="gesperrt">allgemeiner Lähmung</em>, zunehmender Herzschwäche und damit -zusammenhängend Dyspnoe. Meist tritt der Tod sehr rasch innerhalb -eines Tages ein; die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt 6–48 -Stunden. In vereinzelten Fällen führt die Kochsalzvergiftung zu einer -mehr chronischen Erkrankung, welche sich in Darmerscheinungen (Abgang -kruppöser Membranen beim Rind), sowie in Anämie und Abmagerung äussert.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man zuweilen keinerlei auffallende -Veränderungen im Körper. Meist beobachtet man indessen die -Erscheinungen einer akuten Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut. -Bei den Wiederkäuern zeigt der Labmagen die schwersten Veränderungen. -Die Entzündung äussert sich in Schwellung, Rötung und Ekchymosierung; -bei längerem Verlauf kommt es beim Rind zur Ausbildung einer kruppösen -Enteritis. Vereinzelt findet man auch die Blasenschleimhaut höher -gerötet. Das Blut ist zuweilen auffallend hellrot und dünnflüssig.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Die gastroenteritischen Erscheinungen werden -durch Verabreichung deckender, einhüllender Mittel bekämpft. Bei -den Wiederkäuern verabreicht man zu diesem Zweck gewöhnlich<span class="pagenum" id="Seite_118">[S. 118]</span> -<em class="gesperrt">Leinsamenabkochungen</em> in Verbindung mit Opium. Auch <em class="gesperrt">ölige -Mittel</em> (Leinöl, Mohnöl, Olivenöl, Repsöl) können gegeben werden. -Ausserdem empfiehlt sich die Verabreichung von <em class="gesperrt">viel Wasser</em>. -Gegen die Lähmung des Nervensystems und des Herzens gibt man -<em class="gesperrt">Exzitantien</em>, namentlich den <em class="gesperrt">Aether</em> in wiederholten -subkutanen Dosen, den <em class="gesperrt">Kampfer</em> (als Kampferspiritus oder -Kampferöl subkutan), den <em class="gesperrt">Liquor Ammonii anisatus</em> (bei kleineren -Tieren), das <em class="gesperrt">Ammonium carbonicum</em> (bei grösseren), das -<em class="gesperrt">Atropin</em>, <em class="gesperrt">Hyoszin</em>, <em class="gesperrt">Koffein</em>, <em class="gesperrt">Veratrin</em> und -<em class="gesperrt">Strychnin</em>.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Man zieht den Magen- und Darminhalt samt der -Schleimhaut mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert und dampft -das Filtrat ein. Dasselbe zeichnet sich dann durch einen intensiven -salzigen Geschmack, sowie durch das Auskristallisieren von kubischen -Kochsalzkristallen aus. Als Chlornatrium werden diese Kristalle ferner -nachgewiesen durch die Gelbfärbung der Flamme (Natriumreaktion) und -durch den weissen Niederschlag, welchen sie mit salpetersaurem Silber -geben (Chlorreaktion). Man kann auch versuchen, das Kochsalz durch -Dialyse rein zu erhalten.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Zwei lecksüchtige Ochsen -erhielten 4 Pfd. Kochsalz. Sie verschmähten das Futter, taumelten, -stiessen wie blind an Gegenstände, stürzten zusammen, konnten sich -nicht wieder erheben, zeigten erweiterte Pupillen, unfühlbaren -Puls und Herzschlag, sowie starke Benommenheit des Sensoriums. -Der eine Ochse wurde rasch geschlachtet; der andere blieb 14 -Tage krank und zeigte später die Erscheinungen eines schweren -Darmleidens (Verstopfung, Durchfall, Abgang von blutigem Schleim und -Kruppmembranen mit dem Kote), weshalb er ebenfalls getötet wurde -(<em class="gesperrt">Stohrer</em>, Schweizer Archiv 1842). — Zwei lecksüchtige Kühe -erhielten abends 10 Pfd. Salz; am andern Morgen waren beide tot. -Eine andere Kuh erhielt etwa 4–5 Pfd. Salz; drei Stunden später -war sie unfähig, sich zu erheben, zeigte Lähmung der Zunge und des -Schlundkopfes, Kolikerscheinungen, starken Schweissausbruch und -Krämpfe (<em class="gesperrt">Landel</em>, Repertor. 1859). — Eine lecksüchtige Kuh -erhielt 3 Pfd, Kochsalz. Sie zeigte starken Durchfall, häufiges -Harnen und die Erscheinungen einer schweren Erkrankung, kam jedoch -mit dem Leben davon (<em class="gesperrt">Lehmann</em>, Schweiz. Archiv 1850). — -In einem Viehbestand wurde den Kühen, um die Milchergiebigkeit -zu steigern, mehrere Wochen hindurch grosse Mengen gepulvertes -Steinsalz gegeben. 15 Kühe zeigten schwere Abmagerung, Kreuzschwäche, -Versiegen der Milchsekretion, hochgradigen Durchfall, sowie jauchige -Zellgewebsentzündung an den Kronen und starben teils, teils mussten -sie getötet werden (<em class="gesperrt">Uhlig</em>, Sächs. Jahresber. 1893). — Eine -Massenvergiftung bei 25 Rindern durch einen Viehsalzleckstein, -welcher sich im Wasser des Tränkbarrens gelöst hatte, hat <em class="gesperrt">Horn</em> -beobachtet (Woch. f. T. 1895 S. 185); drei Kühe lagen gelähmt -am Boden und mussten notgeschlachtet werden, sechs Kühe zeigten -einen rauschartigen Zustand, Bewusstlosigkeit, kaum fühlbaren, -verlangsamten Herzschlag und Drang nach dem After. Vier dieser Kühe -erholten sich nach sechs Stunden langsam unter öfterem Wiederkehren -schwindelähnlicher, schlafsüchtiger Zustände; bei der fünften -hielt der rauschartige Zustand 24 Stunden an, während die sechste -wegen anhaltender Lähmungserscheinungen schliesslich geschlachtet -werden musste. — Einen ähnlichen Fall hat <em class="gesperrt">Boudry</em> beobachtet -(Oesterr. Mon. 1898); danach erhielten 11 Kühe gegen<span class="pagenum" id="Seite_119">[S. 119]</span> Lecksucht -je 600–1200 g Kochsalz, von denen drei wegen allgemeiner Lähmung -geschlachtet werden mussten und eine starb.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Ein Pferd erhielt gegen Würmer 3 Flaschen -Sauerkrautlake. Es zeigte heftige Kolikerscheinungen und starb -unter nervösen Zufällen nach 3 Stunden (<em class="gesperrt">Kammerer</em>, Bad. Mitt. -1888). — 12 Pferde hatten 6 Tage hintereinander 1 Metze Viehsalz -im Trinkwasser erhalten. Sie erkrankten an schwankendem Gang, -Durchfall, Polyurie und zum Teil an Kreuzlähmung, genasen aber alle -(<em class="gesperrt">Vogel</em>, Preuss. Mitt. Bd. 7).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe.</em> Eine Herde von 300 Schafen erhielten 2–3 Metzen -rotes Viehsalz. 10 Stück erkrankten, 8 zeigten Lähmungserscheinungen, -2 starben. Die Sektion ergab Entzündung im Labmagen und rote Flecken -im Darmkanal (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde 1872).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Ein 4 Monate altes Schwein erhielt 6 Tage lang -je 30 g Kochsalz in Milch. Am 6. Tage zeigte sich das Tier krank, -am 7. lag es gelähmt auf der Seite, zitterte, machte automatische -Bewegungen mit den Beinen und atmete angestrengt. Tod am 12. Tage. -Sektion: eine talergrosse Stelle der Magenschleimhaut zeigte -hochgradige Entzündung mit Zerstörung des Epithels und plastischem -Exsudate; ausserdem war die Schleimhaut des ganzen Darmkanals -entzündet, Gehirn und verlängertes Mark waren hyperämisch und -ödematös (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). — 15 Schweine, deren Futter durch -ein Versehen 5 l Viehsalz beigemischt worden waren, zeigten -Appetitlosigkeit, Durst, Kolik, Dyspnoe, Eingenommenheit des Kopfes, -Zittern und Lähmung des Hinterteils. Bei der Sektion fand man -Hyperämie der Gehirnhäute und Gehirnödem (<em class="gesperrt">Scharsig</em>, Berl. -Arch. 1893 S. 311). — 4 Ferkel erhielten Wasser, in welchem Schinken -gekocht worden war, mit Kartoffeln zusammen. Sie zeigten auffallende -Schwäche, Drehbewegungen, sowie epileptische Anfälle. 3 Stück starben -nach 2, bezw. 7, bezw. 10 Tagen. Die Sektion ergab starke Hyperämie -des Magens und Darms, sowie der Hirnhäute und der grauen Hirnsubstanz -(<em class="gesperrt">Ujhelyi</em>, Veterinarius 1892). — 44 Schweine erhielten pro -Tag 340 g Meersalz (denaturiertes Kochsalz); sie zeigten Schwäche, -Schwanken, Schreien, grossen Durst und Erbrechen; 7 davon starben -(J. de Lyon 1896). — 97 Läuferschweine erhielten zur Anregung des -Appetits vom Fütterer 4 kg Viehsalz im Getränk verabreicht, worauf -37 Stück erkrankten; das Fleisch derselben, ohne Salzzusatz gekocht, -schmeckte wie gesalzenes Fleisch (<em class="gesperrt">Fickert</em>, Berl. Arch. 1901). -— 5 Schweine starben unter Lähmungserscheinungen, nachdem sie von -einem geplatzten Salzsack Salz aufgenommen hatten. 6 andere starben -nach dem Trinken von Pökellake; sie waren hochgradig aufgeregt, wie -„verhext“, sprangen an den Wänden in die Höhe, erbrachen sich und -taumelten (<em class="gesperrt">Müssemeier</em>, <em class="gesperrt">Harde</em>, Preuss. Vet. Ber. 1904). -Aehnliche Fälle sind in den Jahren 1906 und 1907 beobachtet worden -(ibid.).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Hunde.</em> Ein Hund hatte grössere Mengen von Kesselbrühe -aufgenommen; eine Stunde darnach zeigte er heftige Krämpfe und starb -nach Ablauf einer Stunde (<em class="gesperrt">Adam</em>, Wochenschrift 1884). — Eine -Ulmer Dogge hatte sich während der Nacht über den Inhalt eines am -Abend vorher entleerten Fasses von Pökelschweinsknochen gemacht. -Gegen Morgen fand man das Tier schwerkrank neben dem Fasse liegen, -es zeigte so grosse Schmerzen, dass es laut winselte und sich -fortwährend in die Vorderfüsse biss, so dass die Knochen und Sehnen -blosslagen; dabei bestand viel Speichelfluss, blutiger Durchfall, -Erbrechen, Auftreibung und Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes. -Harn dick, teerartig und blutig. Das Tier konnte nicht stehen und -zeigte Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Nach 2tägigem Leiden -trat der Tod ein. Bei der Sektion fand man Entzündung der Maul- und -Rachenschleimhaut, des Magens und Darmes, ausgedehnte Blutungen in -der Schleimhaut des letzteren, im Magen leichte Anätzungen, die -Schleimhaut am Pylorus um das Doppelte geschwollen. Hochgradige -parenchymatöse Nierenentzündung, Nieren fast noch einmal so gross -als normal. In den übrigen Organen Blutüberfüllung, Blut dunkel, -teerartig (<em class="gesperrt">Röbert</em>, Sächs. Jahresbericht 1895).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Geflügel.</em> Durch die Verfütterung gedämpfter Kartoffeln, -die mit Salz eingestampft worden waren, starben auf einem Rittergute -innerhalb 14 Tagen 25 Gänse (<em class="gesperrt">Möbius</em>, Sächs. Jahresber. pro -1895). — Zur Beseitigung unbequemer Nachbarhühner in Gärten dient in -manchen Gegenden eine Mischung von Kochsalz und Roggenschrot, nach -deren Aufnahme die Hühner sich nicht mehr stehend<span class="pagenum" id="Seite_120">[S. 120]</span> erhalten können -und unter Lähmungserscheinungen sterben (<em class="gesperrt">Düker</em>, Preuss. Vet. -Ber. pro 1907). — Hühner und Gänse erkrankten nach Aufnahme von -Anchovissalzlake (Bull. vét. 1903). — 5 Störche starben plötzlich -nach der Verfütterung gesalzener Fische; die Sektion ergab ein -negatives Resultat (<em class="gesperrt">Uhlich</em>, Sächs. Jahresber. pro 1893).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Salpetervergiftung">Salpetervergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der Salpeter kommt in 2 Formen im Handel vor. -1. Der <em class="gesperrt">Kalisalpeter</em> (Mauersalpeter, prismatischer Salpeter), -KNO<sub>3</sub>, ist namentlich früher sehr vielfach als Fiebermittel -sowie gegen Entzündungskrankheiten therapeutisch angewandt -worden. Verwechslungen des Salpeters mit Glaubersalz, Bittersalz -und Kochsalz haben hiebei in zahlreichen Fällen Veranlassung zu -Vergiftungen gegeben. Während z. B. die therapeutische Dosis des -Salpeters für Rinder und Pferde nur 10–20 g beträgt, beläuft sich -die des Glaubersalzes auf 250–1000 g. Dabei erzeugen schon 50 g -Kalisalpeter bei Pferden zuweilen schwere Vergiftung. Seltener hat -das Ablecken salpeterhaltiger Mauerwandungen (z. B. bei Lämmern) eine -Vergiftung mit Kalisalpeter bedingt. 2. Der <em class="gesperrt">Chilisalpeter</em> -(Natronsalpeter, Würfelsalpeter), NaNO<sub>3</sub>, wird seit etwa 50 Jahren -in ausgedehntem Masse als Düngermittel benützt. Durch zufällige -Aufnahme oder absichtliche Verabreichung sind seit Einführung -desselben Vergiftungen bei den Haustieren, insbesondere beim Rind, in -grosser Zahl beobachtet worden. Gefährlich hat sich hiebei namentlich -das Auswaschen der Salpetersäcke und das Trinken des salpeterhaltigen -Waschwassers erwiesen. Bei diesen Vergiftungen mit Chilisalpeter -werden immer sehr grosse Mengen des Salpeters (¼-2½ kg) -aufgenommen. Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> des Salpeters ist je nach -dem Füllungszustand des Magens verschieden. Der Kalisalpeter ist -ferner giftiger als der Natronsalpeter. Pferde und Rinder sterben -durchschnittlich nach 100–250 g, Schafe und Schweine nach 30 g, Hunde -nach 5 g Kalisalpeter. Bei letzteren können sich Vergiftungen auch -durch Verabreichung grösserer Mengen von Schiesspulver ereignen.</p> - -<p>Von <em class="gesperrt">Barth</em> (Toxikologische Untersuchungen über den -Chilisalpeter, Bonn 1879) ist die Ansicht ausgesprochen worden, -dass der Chilisalpeter durch eine Verunreinigung mit <em class="gesperrt">Nitrit</em> -(NaNO<sub>2</sub>) und durch Umwandlung des Nitrats im Körper zu Nitrit -giftig wirke. Die teilweise Umwandlung zu Nitrit im Körper ist von -<em class="gesperrt">Binz</em> bestätigt worden (1902). Meine eigenen diesbezüglichen -Untersuchungen (Repertorium 1880) haben ergeben, dass der chemisch -reine, nitritfreie Natronsalpeter ebenso stark oder noch stärker -wirkt, als der unreine, zuweilen nitrithaltige Düngersalpeter. -Es schliesst ferner der perakute Verlauf der Salpetervergiftung -eine vorhergehende Umwandlung des Nitrats in Nitrit innerhalb des -Körpers aus. Endlich lässt sich bei der Durchsicht der einschlägigen -Literatur nachweisen, dass immer grosse Mengen von Chilisalpeter -(250–2500 g) aufgenommen wurden, so dass die betreffenden -Vergiftungen auf eine reine Salpeterwirkung zurückgeführt werden -müssen. Ueber giftige Nitroverbindungen vgl. S. 125.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Beide Arten von Salpeter -erzeugen zunächst infolge Reizung der Digestionsschleimhaut eine -<em class="gesperrt">schwere Gastroenteritis</em>, an welche sich <em class="gesperrt">apoplektiforme -Lähmungserscheinungen</em> anschliessen. Die Vergiftung beginnt<span class="pagenum" id="Seite_121">[S. 121]</span> -gewöhnlich mit Unruheerscheinungen, heftiger <em class="gesperrt">Kolik</em>, Würgen, -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Speicheln, Schäumen, Aufblähen, Polyurie. Früher -oder später folgt dann eine rasch zunehmende <em class="gesperrt">Schwäche</em> und -<em class="gesperrt">Hinfälligkeit</em>, Schwanken, Taumeln, Zittern, Zusammenstürzen, -Sinken der Körpertemperatur, Herzklopfen, Koma, und häufig endet das -Vergiftungsbild <em class="gesperrt">apoplektiform</em> unter plötzlichem Eintritt des -Todes mit oder ohne Krämpfe. <em class="gesperrt">Die gesamte Krankheitsdauer beträgt -meist nur wenige Stunden.</em> In einzelnen Fällen hat man bereits 5 -Minuten nach der Aufnahme des Salpeters einen tödlichen Ausgang der -Vergiftung konstatiert, wenn die Verabreichung desselben in nüchternem -Zustand erfolgte (<em class="gesperrt">Crönlein</em>).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Schleimhaut des Magens -(Labmagens) und Dünndarms braunrot, purpurrot oder kirschrot -verfärbt und geschwürig verändert (hämorrhagische Gastroenteritis), -den Darminhalt blutig oder braungefärbt, die Baucheingeweide stark -hyperämisch, die Nieren und die Blasenschleimhaut entzündet und von -Blutungen durchsetzt, das Blut von auffallend hellroter oder schmutzig -braunroter Farbe. Bei perakutem Verlauf fehlen charakteristische -Veränderungen.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Wie bei der Kochsalzvergiftung müssen auch hier -zunächst einhüllende, schleimige und ölige Mittel mit viel Wasser -verabreicht werden. Die Lähmungserscheinungen werden mit exzitierenden -und belebenden Mitteln, insbesondere mit Aether, Kampfer, Veratrin und -Atropin behandelt.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Man zieht den Magen- und Darminhalt nebst der -Schleimhaut mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft das -Filtrat ein und lässt den Salpeter auskristallisieren. Gelbfärbung -der Flamme besagt die Anwesenheit von Natron-, Violettfärbung von -Kalisalpeter. Spezielle Salpeterreaktionen sind: das Verpuffen -auf glühender Kohle und die Braunfärbung mit Schwefelsäure und -Eisenvitriol. Man kann auch versuchen, den Salpeter durch Dialyse rein -zu erhalten.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Chilisalpetersäcke wurden in -Wasser aufgeweicht. 3 Kühe, welche von dem Wasser abends tranken, -wurden am Morgen tot gefunden. Die Sektion ergab Schwellung, Rötung -und Ekchymosierung der Schleimhaut des Magens, Darmes und der Blase, -dünnflüssiges Blut, dunkelrote Farbe und Erweichung der Nieren -(<em class="gesperrt">Rabe</em>, Preuss. Mitt. 1874). — 2 Kühe erhielten je 250 g -Salpeter statt Glaubersalz. Sie starben beide innerhalb 6 Stunden. -Bei der Sektion fand man Petechien auf der Labmagenschleimhaut. -Das Fleisch und die Eingeweide waren blassgelb (<em class="gesperrt">Möbius</em>, -Sächs. Jahresber. 1888). — Eine Kuh erhielt durch das Versehen -eines Krämers morgens nüchtern statt Glaubersalz<span class="pagenum" id="Seite_122">[S. 122]</span> 360 g Salpeter -eingeschüttet. Das Tier zeigte sofort Zittern und Krämpfe, stürzte -zusammen, liess die Zunge aus dem Maule hängen und starb nach 5 -Minuten. Sektion: negativ (<em class="gesperrt">Crönlein</em>, Magazin Bd. 18). — 2 -Kühe hatten zusammen 1 Pfd. Salpeter statt Glaubersalz bekommen; nach -½ Stunde stürzten sie unter Zittern und Krämpfen tot zusammen. -Die Sektion ergab ausser missfarbigem, schmutzig rotbraunem Blute -nichts Besonderes (<em class="gesperrt">Weinmann</em>, Ad. Wochenschr. 1859). — Eine -Rinderherde von 48 Stück erhielt in 2 Tagen 20 Pfd. Viehsalz, welches -zur Hälfte aus Chilisalpeter bestand. Am 2. Tage starb eine Kuh fast -plötzlich, 3 andere krepierten innerhalb 5 Minuten, eine weitere bald -darauf. 2 Kühe zeigten Schwäche im Kreuz; beim Aderlasse war kein -Blut zu bekommen. Alle übrigen Kühe bekamen Durchfall, waren aber am -nächsten Tage wieder gesund (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde -1872). — <em class="gesperrt">Kettritz</em> (Berl. Archiv 1893) beschreibt eine -Vergiftung bei 4 Kühen, welche Waschwasser von Salpetersäcken -getrunken hatten. Der Tod trat unter heftigen Zuckungen im Verlaufe -von 2 Stunden ein. Bei der Sektion fand man hochgradige Entzündung -des Labmagens, Zwölffinger- und Leerdarms. — Mehrere Kühe frassen -Klee von einem Felde, das mit Chilisalpeter bestreut war, und -erkrankten. Die Sektion einer derselben ergab starke Entzündung -der Mägen und des Dünndarms, Hyperämie und Entzündung der Nieren, -sowie fleckige Rötung der Blasenschleimhaut (<em class="gesperrt">Rost</em>, Sächs. -Jahresber. 1891). — Von 26 Kühen, welche auf der Weide ein Gemenge -von Chilisalpeter und Sand aufgenommen hatten, starben plötzlich -19 Stück, nachdem Drängen, Stöhnen, grosse Unruhe, Schwanken und -Lähmung vorausgegangen waren. Die 7 genesenden Kühe lagen stundenlang -auf einer und derselben Stelle. Bei der Sektion fand man hochrote -diffuse Verfärbung der Schleimhaut des Labmagens und Dünndarmanfangs, -welche mit zahlreichen runden, dunkel- bis bläulichroten Flecken -durchsetzt war und auf der Höhe der Falten der Labmagenschleimhaut -und am Uebergang zum Pylorus am stärksten hervortrat (<em class="gesperrt">Klebba</em>, -Berl. Arch. 1892, S. 460). — 2 Kühe, welche Waschwasser von -Chilisalpetersäcken getrunken hatten, starben nach 16 bezw. 56 -Stunden (<em class="gesperrt">Bénard</em>, Journal de Lyon 1892). — <em class="gesperrt">Wankmüller</em> -(Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894 S. 258) beobachtete bei 19 Rindern -einer Kunstdüngerfabrik eine Vergiftung durch Chilisalpeter; das -Fleisch der notgeschlachteten Tiere war in allen Fällen geniessbar. -— Ein Ochse trank das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Eine -Stunde darauf zeigte er schwankenden Gang, schmerzhaften Harnabsatz, -allgemeine Muskellähmung und Unempfindlichkeit. Der Puls war hart -und klein, aber von normaler Frequenz. Nach 2 Tagen trat auf die -Verabreichung von Kaffee, sowie schleimigen Dekokten Heilung ein -(<em class="gesperrt">Legrand</em>, Arm. belg. 1887). — 2 Kälber, welche Wasser -aus Bottichen getrunken hatten, in denen Chilisalpetersäcke zum -Reinigen lagen, starben nach 15–20 Minuten; die Sektion ergab -lediglich kirschrotes, flüssiges Blut (<em class="gesperrt">Güttlich</em>, Berl. Arch. -1894). — Eine Kuh, welche irrtümlicherweise 250 g Salpeter (statt -Glaubersalz) erhalten hatte, musste notgeschlachtet werden. Die -Sektion ergab hochgradige Labmagenentzündung (<em class="gesperrt">Möbius</em>, Sächs. -Jahresber. 1898). — Ob die von Buhl (Wochenschr. f. Tierheilk. -1898 S. 329) auf das Ablecken von Mauersalpeter in den Stallungen -zurückgeführten Krankheitsfälle echte Salpetervergiftungen waren, -ist sehr fraglich. — 3 Rinder hatten auf einer mit Chilisalpeter -gedüngten Weide gierig denselben aufgeleckt und erkrankten an -heftigem Durchfall, Schlafsucht, hochgradiger Schwäche, Lähmung und -Herzklopfen. Die Sektion ergab Enteritis und auffallend hellrotes, -nicht gerinnendes Blut (<em class="gesperrt">Winkler</em>, Woch. f. T. 1901). — -Ein Landwirt behandelte die Maul- und Klauenseuche mit Salpeter. -Infolgedessen starben 2 hochtragende Kühe und 1 Mastochse innerhalb -24 Stunden unter profusem Durchfall. Die Sektion ergab Entzündung -des Magens und Darms mit braunroter Verfärbung der Schleimhaut -(<em class="gesperrt">Markert</em>, ibid. 1902). — 3 Rinder verendeten apoplektisch -nach der Aufnahme von reichlich vorhandenem, durch Regen ausgelaugten -Mauersalpeter; die Sektion ergab hochgradige Magendarmentzündung, -Nephritis, Hämatolysis sowie blasse Muskulatur (<em class="gesperrt">Gutbrod</em>, -Monatsh. f. prakt. Tierh. 1901). — 3 Kühe hatten den Inhalt eines -Chilisalpetersackes ausgeschleckt und zeigten Taumeln, Speicheln -und pochenden Herzschlag; 1 Kuh verendete innerhalb 5 Minuten unter -Krämpfen. Die Sektion ergab starke Rötung der Schleimhaut der -Mägen (<em class="gesperrt">Schank</em>, Woch. f. Tierh. 1902). — 5 Kühe tranken das -Waschwasser von Chilisalpetersäcken.<span class="pagenum" id="Seite_123">[S. 123]</span> Sie zeigten profusen Durchfall, -Schweissausbruch und Zittern; 4 starben ½ Stunde nach Beginn der -Krankheit. Die Sektion ergab braunroten Darminhalt, Gastroenteritis, -Nephritis und Zystitis (<em class="gesperrt">Schmidtke</em>, Preuss. Vet. Ber. 1904). -— Eine Kuh erhielt ½ kg Kalisalpeter (statt Glaubersalz) -eingeschüttet, blieb jedoch am Leben, da beim Einschütten ein grosser -Teil gleich wieder erbrochen wurde (<em class="gesperrt">Vogel</em>, B. T. W. 1904 -S. 790). — Nach der Verfütterung von Rübenblättern, welche mit -Chilisalpeter gedüngt waren (sog. Kopfdüngung), erkrankten vielfach -Rinder unter plötzlicher Hinfälligkeit, Herzklopfen, Schwanken und -Zusammenstürzen; der Tod trat zuweilen unter Krämpfen schon nach -¼-½ Stunde ein (<em class="gesperrt">Lüdecke</em>, Z. f. Vet. 1909). — Zahlreiche -Fälle finden sich ferner beschrieben in den Jahresberichten der -preuss. Kreistierärzte 1902–1907.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Ein kolikkrankes Pferd erhielt aus Versehen 250 g -Kalisalpeter statt Glaubersalz; es wurde, ohne Schaden zu erleiden, -nach 36 Stunden wieder hergestellt (<em class="gesperrt">Haarstick</em>, Preuss. -Mitt. 1874). — Bei mehreren Versuchspferden traten nach 250–500 g -Kalisalpeter zwar Vergiftungserscheinungen (Kolik, Muskelschwäche), -aber ohne tödlichen Ausgang auf (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, Arzneimittellehre -1872); dagegen starben nach Versuchen an der Lyoner Tierarzneischule -2 Pferde auf 240 g Salpeter innerhalb 24 Stunden. — Ein Pferd -zeigte nach der Verabreichung von 50 g Kalisalpeter eine deutliche -Vergiftung, welche sich in Kolik, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, -kaum fühlbarem Puls, sowie Dyspnoe äusserte (<em class="gesperrt">Piot</em>, Recueil -1892 S. 405). — Ein Pferd nahm Wasser aus einer Tonne auf, in -der Chilisalpetersäcke gewaschen wurden, und starb unter den -Erscheinungen einer Darmentzündung und einer Lähmung der Nachhand -nach 24 Stunden (<em class="gesperrt">Schöneck</em>, Berl. Arch. 1896 S. 345).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe.</em> 200 Mutterschafe erhielten statt Kochsalz Salpeter -als Lecke. Nach einer Stunde traten zahlreiche Erkrankungen auf. -Die Tiere wälzten sich, schäumten, stöhnten und blökten und lagen -gelähmt am Boden. 20 Stück krepierten innerhalb einer Stunde. Die -Sektion ergab eine heftige Entzündung des Labmagens und Darmes, sowie -hellrotes dünnflüssiges Blut (<em class="gesperrt">Melzbach</em>, Preuss. Mitt. 2. -Jahrgang).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Ziegen.</em> Infolge Streuen von Kunstdünger erkrankten 2 -Ziegen unter Maul- und Klauenseuche ähnlichen Erscheinungen: starkem -Speicheln, unterdrückter Futteraufnahme, Aufblähung, Schwäche und -Hinfälligkeit (<em class="gesperrt">Zink</em>, W. f. T. 1901).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Schweine.</em> 30 g Salpeter, einem Versuchsschwein mehrere -Tage hindurch mit Milch verabreicht, erzeugten Erbrechen, grosse -Hinfälligkeit und steifen Gang; nach 14 Tagen hatte sich das -Tier wieder erholt (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). — 6 Läuferschweine, denen -ein Arbeiter aus Rache Salpeter auf das Futter streute, starben -an heftiger Entzündung der Magen- und Dünndarmschleimhaut -(<em class="gesperrt">Prietsch</em>, Sächs. Jahresber. 1901).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Hühner.</em> In einem Hühnerhof waren binnen 14 Tagen 28 -Hühner und 1 Hahn gestorben. Die Krankheit dauerte bei einigen -nur wenige Stunden, bei anderen bis zwei Tage. Bei der Sektion -eines Huhnes wurde festgestellt: entzündliche Rötung und teilweise -Verätzung der Schleimhaut des Kropfes. Als Ursache ergab sich -Vergiftung mit Chilisalpeter. Die Hühner hatten nämlich Wasser, -in dem Chilisalpetersäcke ausgewaschen waren, aufgenommen -(<em class="gesperrt">Ammerschläger</em>, Woch. f. Tierh. 1906).</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Nitroverbindungen.</b> Die NO<sub>2</sub>- (Nitro-) Verbindungen, sowie -die Nitrite (salpetrichsauren Salze) sind starke <em class="gesperrt">Blutgifte</em>. -Hieher gehört das <em class="gesperrt">Nitrobenzol</em> (Mirbanöl, falsches -Bittermandelöl) = C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>NO<sub>2</sub>, eine hellgelbe, zum Parfümieren -von Seifen etc. vielfach verwendete, bittermandelölartig riechende -Flüssigkeit. Dieselbe tötet Hunde schon in einer Dosis von 1 g. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen in Auflösung der roten -Blutkörperchen, Methämoglobinämie, Poikilozytose, Krämpfen und -Lähmungserscheinungen. Im Blut findet man einen für Nitrobenzol -charakteristischen Absorptionsstreifen (<em class="gesperrt">Filehne</em>). Auch -das <em class="gesperrt">Amylnitrit</em>, <em class="gesperrt">Natrium-</em> und <em class="gesperrt">Kaliumnitrit</em> -(Natrium und Kalium nitrosum), <em class="gesperrt">Aethylnitrit</em>, <em class="gesperrt">Propyl-</em>, -<em class="gesperrt">Butylnitrit</em>, <em class="gesperrt">Dinitronaphthol</em>, <em class="gesperrt">Dinitrokresol</em>, -<span class="pagenum" id="Seite_124">[S. 124]</span>sowie die <em class="gesperrt">Pikrinsäure</em> = <span class="nowrap">C<sub>6</sub>H<sub>2</sub>(NO<sub>2</sub>)<sub>3</sub>OH</span> und ihre -Salze erzeugen Methämoglobinämie. Die Pikrinsäure verursacht -ausserdem Gelbfärbung der Schleimhäute (sog. Pikrinikterus), -Gastroenteritis und Nephritis. Auch das <em class="gesperrt">Anilin</em>, C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>NH<sub>2</sub>, -bedingt infolge seiner Verwandtschaft mit Nitrobenzol, -C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>NO<sub>2</sub>, Methämoglobinämie neben einer lähmenden Einwirkung -auf das Nervensystem; bei der Sektion findet man neben den durch die -Methämoglobinämie bedingten Veränderungen die Organe imprägniert -mit schwarzblauen Körnchen von Anilinschwarz. Aehnlich wirkt -<em class="gesperrt">Dinitrobenzol</em> (Roburit) = <span class="nowrap">C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(NO<sub>2</sub>)<sub>2</sub></span>, sowie -<em class="gesperrt">Nitroglyzerin</em> (Sprengöl, Dynamit) = <span class="nowrap">C<sub>3</sub>H<sub>5</sub>(ONO<sub>2</sub>)<sub>3</sub></span>. -Ueber Vergiftungen durch <b>Dynamit</b> bei mehreren Rindern hat -<em class="gesperrt">Hable</em> berichtet (Oestr. Zeitschr. 1889 S. 122). Dieselben -hatten von dem zum Sprengen von Felsen bestimmten, am Wege liegenden -Dynamit gefressen (!). Die Sektion ergab punktförmige und streifige -Blutungen in der Schleimhaut der Rachenhöhle, des Kehlkopfes, der -Luftröhre und am Endokardium, streifenförmige Rötung im Dünndarm, -sowie im Pansen braunrote, weiche, nudelförmige, teilweise noch in -Papier eingehüllte Dynamitmassen; die Stellen der Pansenwand, an -welchen diese Massen lagen, zeigten eine kirschrot verfärbte, vom -Epithel entblösste Schleimhaut.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Glaubersalz">Vergiftung durch Glaubersalz.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das <em class="gesperrt">Glaubersalz</em>, Na<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>, wird -gewöhnlich in seiner kristallisierten Form (+ 10 H<sub>2</sub>O) als -allgemein gebräuchliches Stomachikum, Laxans, Antikatarrhalikum -angewandt, und zwar ohne Gefahr in ziemlich grossen Gaben, so z. B. -Rindern in einmaligen Dosen von ½-1 kg. Nur wenn auf einmal sehr -grosse Dosen, z. B. 1½-3 kg Rindern verabreicht werden, oder wenn -die Tiere beim Eingeben grösserer Gaben vollständig nüchtern sind, -oder endlich wenn das getrocknete Glaubersalz, Natrium sulfuricum -siccum, welches wegen des Verlustes seines Kristallwassers doppelt -so stark wirkt als das gewöhnliche, in denselben Dosen verschrieben -wird, wie letzteres, können sich Vergiftungen ereignen. — Aehnlich -liegen die Verhältnisse beim <em class="gesperrt">Bittersalz</em>, MgSO<sub>4</sub> + 7 H<sub>2</sub>O.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Vergiftung durch Glaubersalz hat sehr viel -Aehnlichkeit mit der Kochsalzvergiftung. Auch das Glaubersalz wirkt -zunächst lokal <em class="gesperrt">reizend</em> auf die <em class="gesperrt">Darmschleimhaut</em>, während -es nach der Resorption eine <em class="gesperrt">lähmende</em> Natriumwirkung auf das -Nervensystem ausübt. Die wichtigsten Vergiftungserscheinungen sind -daher <em class="gesperrt">Kolikanfälle</em>, wässeriger <em class="gesperrt">Durchfall</em>, unterdrückte -Futteraufnahme, starker Durst, <em class="gesperrt">lähmungsartige Körperschwäche</em>, -Unvermögen aufzustehen, <em class="gesperrt">abnorm häufiger Harnabsatz</em> sowie Koma; -der Tod tritt nach mehrtägiger Krankheitsdauer ein. Anatomischer Befund -und <em class="gesperrt">Behandlung</em> wie bei Kochsalzvergiftung.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Man laugt den Inhalt des Magens und Darmes nebst -der Schleimhaut mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft -das Filtrat ein und lässt das Glaubersalz auskristallisieren.<span class="pagenum" id="Seite_125">[S. 125]</span> -Die Kristalle geben die charakteristischen Reaktionen des -<em class="gesperrt">Glaubersalzes</em>: sie färben die Flamme gelb (Natriumreaktion) und -geben mit Barytwasser einen weissen Niederschlag (Sulfatreaktion). Das -<em class="gesperrt">Bittersalz</em> wird in ähnlicher Weise durch die Magnesiumreaktion -nachgewiesen (Tripelphosphatbildung).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Eine 300 kg schwere Simmentaler Kuh hatte gegen -Pansenüberfüllung vom Besitzer in 2stündiger Pause je 750 g, also -zusammen 1500 g Glaubersalz erhalten. 3 Stunden darauf stellte sich -ein besorgniserregender, wässeriger Durchfall ein. Ausserdem bestand -abnorm häufiger Harnabsatz, indem alle 3–4 Minuten je 300–500 g Harn -zur Entleerung gelangten. Weitere Vergiftungserscheinungen waren -heftige Kolik, starkes Drängen, hochgradige allgemeine Schwäche, -Lendenlähme, Tremor, Benommenheit des Sensoriums, Herzklopfen und -Dyspnoe. Infolge der eingeleiteten Behandlung trat am 5. Tage -Heilung ein (<em class="gesperrt">Hess</em>, Schweiz. Arch. 1896 S. 245). — Eine -Kuh erhielt innerhalb eines Tages 3 kg Glaubersalz; sie zeigte -Kolik, wässerigen Durchfall, Unvermögen aufzustehen, Körperhaltung -wie beim Kalbefieber, sowie subnormale Körpertemperatur. Bei der -Sektion fand man eine hochgradige hämorrhagische Entzündung im -Labmagen und Dünndarm; die Schleimhaut erschien wie mit roter -Tinte bespritzt (<em class="gesperrt">Lungwitz</em>, Sächs. Jahresber. pro 1898). -— Ein Hengst erhielt in 2–3 Tagen 3500 g Glaubersalz gegen -Verstopfungskolik und starb nach 5 Tagen unter hochgradigem Durchfall -und Lähmungserscheinungen (<em class="gesperrt">Kettritz</em>, Berl. Arch. 1897 S. 196). -— <em class="gesperrt">Gmeiner</em> (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. IX. Bd. 1898 -S. 472) hat in zahlreichen Fällen, in welchen die Besitzer Rindern -3 Pfd. Glaubersalz auf einmal oder mehrere Tage hintereinander 1–2 -Pfd. gegeben hatten, leichte Vergiftungserscheinungen in Form von -allgemeiner Schwäche und oft wochenlang anhaltendem lähmungsartigem -Zustand der Darmwand beobachtet. — Nach <em class="gesperrt">Hess</em>, <em class="gesperrt">Schaffer</em> -und <em class="gesperrt">Lang</em> (Schweiz. landw. Jahrb. 1893) zeigt die Milch -eigentümliche Veränderungen, wenn Glaubersalz in mittelgrossen -Dosen längere Zeit an Milchkühe verabreicht wird. Sie gibt dann -beim Melken keinen Schaum und besitzt einen glaubersalzähnlichen -Geschmack; das Kasein der Milch zeigt eine erheblich verminderte -Gerinnungsfähigkeit, der Fettgehalt der Milch ist dagegen gestiegen. -Alle Kühe zeigten ferner auffällige pathologische Veränderungen am -Euter (Katarrh, Mastitis, Zystenbildung).</p> - -<p>Eine Vergiftung durch <em class="gesperrt">Bittersalz</em> bei einem Ochsen, der binnen -2 Tagen 4 kg eingeschüttet erhielt, hat <em class="gesperrt">Schultz</em> beobachtet -(Wochenschr. f. Tierhlkde. 1895 S. 150).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kainit">Vergiftung durch Kainit.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der Kainit ist ein in den Steinsalzlagern von -Stassfurt, Leopoldshall etc. vorkommendes, aus <em class="gesperrt">schwefelsaurem -Kalium</em>, <em class="gesperrt">schwefelsaurer Magnesia</em> und <em class="gesperrt">Chlormagnesium</em> -bestehendes Mineral von der Formel <span class="nowrap">K<sub>2</sub>SO<sub>4</sub> · MgSO<sub>4</sub> · MgCl<sub>2</sub></span> -+ 6 H<sub>2</sub>O, welchem im Rohzustande ausserdem noch Kochsalz, Gips -und Ton, sowie Spuren von Eisen beigemengt sind, infolgedessen -er schmutzig hellrote Stücke mit beständig feuchter Oberfläche -bildet. Er stellt das Rohmaterial für die Kaliumindustrie dar und -wird wegen seines hohen Kaligehaltes auch als sehr wertvolles -Düngermittel in der Landwirtschaft verwendet. Hierbei sollen sich -wie beim Chilisalpeter Vergiftungen ereignen. Ueber solche Fälle -haben <em class="gesperrt">Schilling</em> (Berliner Arch. 1887), <em class="gesperrt">Schwaneberger</em> -(ibid. 1889), <em class="gesperrt">Möbius</em> (Sächs. Jahresber. 1893 u. 1902) und -<em class="gesperrt">Nörner</em> (Kgl. Forstzeitung 1904) berichtet. <em class="gesperrt">A. Feser</em>, -<em class="gesperrt">Schneider</em> und <em class="gesperrt">Stroh</em> bezweifeln dagegen auf Grund ihrer -Versuche das Vorkommen von Kainitvergiftungen (vergl. S. 126).</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_126">[S. 126]</span></p> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Von 5 Kühen, welche -von dem im Stall und auf der Düngerstätte ausgestreuten Kainit -geleckt hatten, starben 2 ganz plötzlich, 3 wurden sehr krank. Sie -zeigten starkes Speicheln, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, -ziegelrote Schleimhäute, sowie hohes Fieber (40,8° C). Bei der -<em class="gesperrt">Sektion</em> fand man die Schleimhaut aller 4 Mägen gerötet, -insbesondere war die des Labmagens dunkelrot und mit tiefdunklen, -stecknadelkopf- bis markstückgrossen <em class="gesperrt">Hämorrhagien</em> durchsetzt. -Die Dünndarmschleimhaut war blutrot, geschwollen und ebenfalls von -zahlreichen Ekchymosen durchsetzt, die Dickdarmschleimhaut zeigte -katarrhalische Schwellung. Die Milzpulpa war kirschrot, die Nieren -waren von hämorrhagischen Punkten durchsetzt, unter dem Endokard und -Epikard zeigten sich ebensolche Blutungen. Das Krankheitsbild sowohl, -wie auch der Sektionsbefund zeigten viel Aehnlichkeit mit dem der -Salpetervergiftung (<em class="gesperrt">Schilling</em>). — Von 12 erkrankten Ochsen -starben 3; die Krankheitserscheinungen bestanden in kolliquativem -Durchfall, blassen Schleimhäuten und Geschwüren am Zahnfleisch und in -der Nase (<em class="gesperrt">Schwaneberger</em>). — Schafe zeigten nach der Aufnahme -von Kainit Lähmung, Durchfall und Darmentzündung (<em class="gesperrt">Nörner</em>), -Hühner und Tauben starben angeblich infolge Streuens von Kainit -auf Aeckern und Wiesen (<em class="gesperrt">Möbius</em>). Andere Fälle sind in den -preussischen Jahresberichten (1906) beschrieben. — <em class="gesperrt">Riechelmann</em> -(Berl. Archiv 1893) vermutet bei 13 Rehen, welche kurz hintereinander -tot im Walde gefunden wurden, eine <em class="gesperrt">Kainitvergiftung</em>, da ein -grösseres Areal des Forstes behufs Besamung mit Kainit gedüngt -worden war. Die Sektion ergab u. a. Hämorrhagien im Labmagen. — -<em class="gesperrt">Wagner</em> (Bad. Mitt. 1888) warnt vor dem Einstreuen von Kainit -in den Stallungen, weil er <em class="gesperrt">Verätzung</em> der <em class="gesperrt">Hufkronen</em> und -<em class="gesperrt">Klauenkronen</em>, sowie des <em class="gesperrt">Euters</em> erzeuge.</p> - -<p>Im Gegensatze hierzu konnte <em class="gesperrt">A. Feser</em> (Beobachtungen über -vermeintliche Kainitvergiftung. Diss. 1903) bei angeblich vergifteten -Rehen Strongylen als Todesursache nachweisen. Er ist ferner auf Grund -von Versuchen bei Wiederkäuern und Geflügel der Meinung, dass diese -Tiere freiwillig so grosse Mengen von Kainit gar nicht aufnehmen, dass -sie dadurch Schaden leiden könnten. Ein Schaf erhielt 950 bezw. 3750 g -Kainit in 37 bezw. 40 Tagen, ein Jungstier 2250 bezw. 3800 g in 6 bezw. -8 Tagen, ohne etwas Krankhaftes zu zeigen (nur der Kot war ab und zu -etwas weicher). <em class="gesperrt">Schneider</em> und <em class="gesperrt">Stroh</em> (Deutsche tierärztl. -Woch. 1906) sahen<span class="pagenum" id="Seite_127">[S. 127]</span> beim Schaf nach 200 g, beim Rind nach 500 g Kainit -keine Wirkung; auf 600 g Kainit zeigte das Rind Kolik. Sie sind der -Ansicht, dass Kainit nur giftig wirke, wenn Giftstoffe beigemengt sind -(Schwefelsäure, Fluorwasserstoff, Arsenik, Aetzkalk, Rhodanammonium).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch phosphorsauren Kalk.</b> 6 Rinder eines -Bäckers, welche aus Versehen statt Mehl je 2 Kilo phosphorsauren -Kalk erhielten, erkrankten an heftigem Durchfall und auffallender -Schwäche; 2 Kühe starben am 5. bezw. 8. Tag der Krankheit -(<em class="gesperrt">Braun</em>, Woch. f. Tierheilkunde 1909).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Ammoniak-Superphosphat.</b> 2 Pferde, welche -grössere Mengen zusammen mit <em class="gesperrt">Chlorkalium</em> aufgenommen hatten, -zeigten schwankenden Gang, Schwäche, kalten Schweiss, unterdrückte -Peristaltik, Puls- und Atmungsbeschleunigung. Bei der Sektion fand -man entzündliche Rötung der Schleimhaut des ganzen Darms bes. des -Dickdarms, sowie Anätzungen der Magenschleimhaut (<em class="gesperrt">Gensert</em>, -Berl. tierärztl. Wochenschr. 1892). — Aehnliche Fälle haben -<em class="gesperrt">Gips</em> (Berl. Arch. 1892) und <em class="gesperrt">Sourrel</em> (Revue vét. 1897) -bei Rindern beobachtet. <em class="gesperrt">Schneider</em> und <em class="gesperrt">Stroh</em> (D. T. -W. 1906) verneinen auf Grund von Versuchen die Giftigkeit des -Superphosphats und Thomasphosphatmehls. Ersteres erzeugte bei Schafen -30 Tage lang zu je 10 g und 10 Tage lang zu je 100 g (= 1000 g), -letzteres in 10 Tagen zu 1000 g verabreicht, lediglich Appetitstörung.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Barytsalze">Vergiftung durch Barytsalze.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die Verbindungen des Baryums sind mit Ausnahme -des schwefelsauren Baryums oder Schwerspats (BaSO<sub>4</sub>) sehr stark -giftig. Von giftigen Barytverbindungen kommen in Betracht: 1. Das -<em class="gesperrt">Baryumoxyd</em> (Aetzbaryt, Baryt), BaO, eine weisslichgraue, -poröse, leicht zerreibliche Masse von stark alkalischer Reaktion, -welche sich unter Bildung von Baryumhydroxyd in Wasser löst; sog. -Barytwasser. 2. Der <em class="gesperrt">kohlensaure Baryt</em> (Baryumkarbonat, -Witherit), BaCO<sub>3</sub>, ein weisses, geruch- und geschmackloses, in -Wasser kaum lösliches Pulver, welches u. a. zur Vertilgung von Ratten -und Mäusen Anwendung findet. 3. Das <em class="gesperrt">Chlorbaryum</em>, ein in Wasser -leicht lösliches Salz von unangenehmem, scharfem Geschmack (wichtiges -Reagens). Ausserdem sind stark giftig das salpetersaure, essigsaure -und chromsaure, sowie das Schwefelbaryum. Nach <em class="gesperrt">Crawford</em> -(Amer. Jahresber. 1908) sollen ferner die die sog. Lokokrankheit -verursachenden Astragaluspflanzen giftige Baryumsalze enthalten. -Barytvergiftungen sind neuerdings namentlich bei Pferden infolge der -Anwendung des Chlorbaryums als Kolikmittel häufig vorgekommen.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Die Baryumsalze wirken auf die Magen- und -Darmschleimhaut zunächst <em class="gesperrt">reizend</em> und <em class="gesperrt">ätzend</em> -(Erbrechen, Kolik, Durchfall). Die allgemeinen Erscheinungen der -Baryumvergiftung, welche am raschesten nach der Verabreichung -leicht löslicher Barytsalze (Chlorbaryum, salpetersaures und -essigsaures Baryum) auftreten,<span class="pagenum" id="Seite_128">[S. 128]</span> bestehen in <em class="gesperrt">tonisch-klonischen und -eklamptischen Krämpfen</em>, <em class="gesperrt">Darmtetanus</em>, <em class="gesperrt">Herzlähmung</em> -(digitalisähnliche Wirkung), sowie in <em class="gesperrt">lähmungsartiger -Muskelschwäche</em>, vorwiegend der Extremitäten. Im übrigen sind -die Erscheinungen der Chlorbaryumvergiftung sehr verschieden, je -nachdem das Mittel intravenös, subkutan oder per os verabreicht wird. -<em class="gesperrt">Bei der intravenösen Injektion giftiger Dosen sterben Pferde meist -plötzlich oder im Verlauf weniger Minuten unter Vorwärtsdrängen, -Zusammenstürzen und Krämpfen infolge von Herzlähmung (apoplektischer -Tod).</em> Bei der innerlichen oder subkutanen Einverleibung lässt -sich die spezifische <em class="gesperrt">Krampfwirkung</em> des Baryums auf die glatte -Muskulatur des <em class="gesperrt">Darmes</em> und die quergestreiften <em class="gesperrt">Muskeln</em>, -sowie die digitalisartige, lähmende Wirkung auf das <em class="gesperrt">Herz</em> -genauer verfolgen. Der <em class="gesperrt">Darmtetanus</em> äussert sich durch schwere, -schmerzhafte <em class="gesperrt">Kolik</em> mit heftigem <em class="gesperrt">Durchfall</em> und Entleerung -grosser Mengen dünnflüssiger Kotmassen. Gleichzeitig beobachtet man -Kaubewegungen, Speicheln, Würgen, Erbrechen, mitunter auch Schreien. -Die Reizung der motorischen Zentren hat <em class="gesperrt">strychninartige</em>, -<em class="gesperrt">tetanische</em>, sowie <em class="gesperrt">klonisch-tonische Muskelkrämpfe</em> zur -Folge, welche in Anfällen namentlich die Rückenmuskeln und die Muskeln -der Extremitäten befallen und bald in <em class="gesperrt">motorische, allgemeine -Lähmung</em> übergehen (Taumeln, Kreuzschwäche, Zusammenstürzen, -Bewusstlosigkeit). Die Lähmung des <em class="gesperrt">Herzens</em> endlich äussert sich -in hochgradiger <em class="gesperrt">Pulsbeschleunigung</em> und Dyspnoe.</p> - -<p><b>Sektion.</b> Bei derselben findet man den Darmkanal leer, wie -ausgewaschen, die Schleimhaut zuweilen entzündlich geschwollen, das -Herz parenchymatös verändert, wie gekocht. Bei perakutem Verlauf -(intravenöse Injektion) ist der Befund rein negativ.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Dieselbe besteht in akuten und subakuten Fällen wie -bei der Strychninvergiftung in der Anwendung <em class="gesperrt">krampfstillender</em> -Mittel (Morphium, Opium, Bromkalium, Chloroform, Chloralhydrat), sowie -von Atropin (Herzexzitans). Bei perakuten Fällen ist sie erfolglos.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik und Experimentelles.</b> Die grundlegenden -Experimentaluntersuchungen über die Wirkung der Baryumsalze, speziell -des Chlorbaryums, stammen von <em class="gesperrt">Böhm</em> (Arch. f. exper. Path. u. -Pharm. Bd. III). Danach ist das Chlorbaryum vor allem ein Krampfgift, -welches bei intravenöser Injektion Hunde in Dosen von 0,1–0,2, Katzen -in Dosen von 0,03–0,05 unter sofortigen tonisch-klonischen, alle -Körpermuskel befallenden <em class="gesperrt">Krämpfen</em> und äusserst intensiver<span class="pagenum" id="Seite_129">[S. 129]</span> -<em class="gesperrt">Entleerung des Darminhaltes</em> tötet. <em class="gesperrt">Bei kleinen, nicht -tödlichen Dosen kommt es bloss zu starken Kotentleerungen</em> -und vorübergehenden, unbedeutenden Schwächezuständen der -Körpermuskulatur. Nach <em class="gesperrt">Kobert</em> (Lehrbuch der Intoxikationen) -kommt die tetanische Wirkung des Baryums auf den Darm teils durch -die Reizung der Auerbachschen und Meissnerschen Plexus, teils durch -direkte Muskelwirkung zustande; sodann bewirkt das Baryum Reizung der -motorischen Gehirnzentren und besitzt ausserdem eine digitalisartige -Wirkung auf das Herz und die Gefässe.</p> - -<p>Eine zufällige Chlorbaryumvergiftung beim <em class="gesperrt">Pferd</em> hat -<em class="gesperrt">Dieckerhoff</em> (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1895) beobachtet. -2 Brauereipferde leckten verschüttetes, in Säcken verpacktes -Chlorbaryum und erkrankten beide ¾ Stunden darauf an sehr heftiger -Kolik; eines derselben starb bereits 1 Stunde nach der Aufnahme -des Salzes unter allgemeinen Lähmungserscheinungen, das andere -starb nach 14 Stunden. Bei der Sektion des zuerst gestorbenen war -die Schleimhaut des Magens und Darmes entzündlich gerötet und -geschwollen und der ganze Digestionsapparat wie ausgewaschen. Im -Anschluss hieran angestellte experimentelle Untersuchungen bei -<em class="gesperrt">Pferden</em>, <em class="gesperrt">Rindern</em> und <em class="gesperrt">Schafen</em> ergaben folgendes: -<em class="gesperrt">Pferde</em> zeigen nach innerlicher Verabreichung von 6–12 g, sowie -nach der intravenösen Injektion von 0,5–1,25 g Chlorbaryum unter -Kolikerscheinungen sehr starke Darmentleerungen. Bei der intravenösen -Applikation stellt sich die darmentleerende Wirkung augenblicklich -ein; bei gefülltem Mastdarm werden die darin vorhandenen Kotmassen -schon innerhalb der ersten Minute abgesetzt, bei leerem Mastdarm -werden nach 3–5 Minuten geballte oder breiförmige Kotmassen -ausgeschieden. Die Dauer dieser entleerenden Darmwirkung beträgt 2–6 -Stunden. Bei innerlicher Anwendung des Chlorbaryums in flüssiger Form -erfolgt die Kotentleerung erst nach 15–45 Minuten, in Bolusform erst -nach 1½-2 Stunden. Dosen über 8–12 g innerlich gegeben, wirken -beim Pferd giftig bezw. tödlich (allgemeine Lähmung). <em class="gesperrt">Rinder</em> -ertragen dagegen innerlich 40 g und intravenös 3 g Chlorbaryum. 2 -<em class="gesperrt">Schafe</em> ertrugen 4 g Chlorbaryum innerlich ohne nachteilige -Wirkung, dagegen starb ein Bock und ein 4 Monate altes Lamm nach 6 g. -Die Vergiftungserscheinungen traten hierbei erst nach 20 Stunden ein -und äusserten sich hauptsächlich in Schwäche und Lähmung.</p> - -<p>Die hierauf im Jahr 1895 von <em class="gesperrt">Dieckerhoff</em> empfohlene -<em class="gesperrt">Anwendung des Chlorbaryums als Kolikmittel beim Pferd</em> -hat namentlich in der ersten Zeit zahlreiche tödliche -Chlorbaryumvergiftungen zur Folge gehabt. Insbesondere nach der -intravenösen Injektion sind häufig Pferde augenblicklich oder -innerhalb weniger Minuten tot zusammengestürzt. Solche Fälle sind -von <em class="gesperrt">Angerstein</em>, <em class="gesperrt">Mollereau</em>, <em class="gesperrt">Müller</em>, <em class="gesperrt">Ries</em>, -<em class="gesperrt">Podkopajew</em>, <em class="gesperrt">Freitag</em>, <em class="gesperrt">Simon</em>, <em class="gesperrt">Schatz</em>, -<em class="gesperrt">Röder</em>, <em class="gesperrt">H. Feser</em>, <em class="gesperrt">Kunze</em> u. a., sowie namentlich -in der <em class="gesperrt">preuss. Armee</em> beobachtet worden (Zeitschr. f. -Vetkde. 1896; Pr. Mil.-Vet.-Ber. pro 1896–1899.) Im Jahr 1895 -sind nicht weniger als 8 Pferde in der preussischen Armee an -Chlorbaryumvergiftung gestorben. Diese Fälle sind folgende:</p> - -<p>1. Ein kräftiges, gut genährtes Pferd erkrankte leicht an Kolik. Es -verschmähte das Futter, sah sich wiederholt nach dem Hinterleibe um -und warf sich häufig nieder. Die Zahl der Pulse betrug 40 in der -Minute, der Puls war weich und kräftig; die Atmung nicht erheblich -beschleunigt. Die Darmtätigkeit lag etwas danieder. Patient erhielt -eine Injektion von Chlorbaryum 0,7 in 10,0 Wasser (destilliert) -gelöst. Das Eindringen von Luft in die Vene war ausgeschlossen, weil -die Einführung der Hohlnadel mit grösster Vorsicht vorgenommen wurde. -Das Pferd fiel gleich nach der Einspritzung nieder, sprang nochmals -auf, stürzte dann um und verendete. Bei der Zerlegung wurden im Magen -und Darmkanale keine Veränderungen gefunden. Das Herz war schlaff, -erweitert, in den Herzfurchen befanden sich viele kleine Blutungen. -Die Herzkammern waren mit dunklem, locker geronnenem Blute gefüllt. -An den übrigen Organen konnten keine Veränderungen nachgewiesen -werden.</p> - -<p>2. Ein Pferd zeigte mässige Unruhe, etwas aufgetriebenen Hinterleib, -gespannte Bauchdecken und unterdrücktes Darmgeräusch. Die Zahl -der kräftigen, gleich- und regelmässigen Pulse betrug 46, die -der Atemzüge 16 in der Minute. Unter genauer Befolgung aller -Vorsichtsmassregeln — Abscheren der Haare, Desinfektion der Haut an -der Einstichstelle und der Instrumente, vorheriges Entfernen<span class="pagenum" id="Seite_130">[S. 130]</span> der -Luft aus der Kanüle und Spritze — erhielt Patient eine Einspritzung -von 1,0 Chlorbaryum, in 10,0 destilliertem Wasser gelöst, in die -rechte Halsvene. Gleich nach der Injektion fing das Pferd an zu -taumeln, stürzte nieder und starb unter Erscheinungen höchster -Atemnot innerhalb 5 Minuten. Die Zerlegung ergab starke Füllung -des Magens und der unteren Grimmdarmlagen mit Inhaltsmassen und am -Herzen ausser Verdickung der Ränder der Mitralklappen die Zeichen der -Herzlähmung.</p> - -<p>3. Ein Pferd erkrankte nachmittags an Kolik. Es lag ausgestreckt -in seinem Stande und stöhnte, den Kopf häufig nach dem Hinterleibe -umdrehend. Nach energischem Antreiben stand das Pferd auf und -schwankte beim Gehen. Der Puls war wenig fühlbar; es wurden 82 -Pulse und 22 Atemzüge in der Minute gezählt. Schweissausbruch. -Darmgeräusche unterdrückt. Patient erhielt eine intravenöse Injektion -von 0,75 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser gelöst. Ungefähr -7 Minuten nach der Applikation des Mittels stürzte Patient nieder -und verendete. Die Zerlegung ergab hämorrhagische Entzündung der -Dünndarmschleimhaut. Am Herzen bestanden die Merkmale der Herzlähmung.</p> - -<p>4. Ein grosses und kräftiges Pferd, welches seit 2 Stunden an Kolik -litt, zeigte normale Färbung der Bindehaut, 40 gleichmässige, -kräftige und weiche Pulse, etwas verminderte Darmperistaltik und -mässige Unruhe. Es erhielt eine Aloepille und intravenös 1,0 -Chlorbaryum. Nach 10 Minuten stürzte das Pferd, welches im Schritt -geführt wurde, um und verendete. Ausser einer leichten Rötung der -Dünndarmschleimhaut konnten am Verdauungsapparate keine Veränderungen -festgestellt werden. Das Herz zeigte eine auffällige Erschlaffung, -beide Herzkammern waren stark mit Blut gefüllt.</p> - -<p>5. Bei einem kolikkranken Pferde, bei welchem nach einer subkutanen -Eserininjektion keine Wirkung eingetreten war, wurde schliesslich -Chlorbaryum intravenös appliziert. Bald nach der Injektion stürzte -das Pferd zusammen und verendete. Die Zerlegung konnte nicht -vorgenommen werden.</p> - -<p>6. Ein Pferd, welches seit etwa 2 Stunden krank war, zeigte grosse -Unruhe, war aber nur wenig im Hinterleibe aufgetrieben. Die Anwendung -der peristaltikerregenden Massnahmen, Einreibungen des Hinterleibs -mit Terpentinöl, Klistiere usw. hatte keinen Erfolg. Darauf wurde -dem Patienten eine Chlorbaryumlösung (0,8 g Chlorbaryum) intravenös -appliziert. Die Injektion wurde mit grosser Vorsicht ausgeführt. -Einige Minuten später stürzte das Pferd nieder und starb. Bei -der Zerlegung wurden im Magen und Darmkanale keine Veränderungen -gefunden, welche den Tod des Tieres hätten herbeiführen können. Das -Herz war mit tiefdunklem locker geronnenem Blute gefüllt.</p> - -<p>7. Bei einem kolikkranken Pferde trat nach einer Injektion von -0,8 Chlorbaryum in die Drosselvene apoplektisch der Tod ein. -Die Zerlegung ergab pralle Füllung des Magens mit Futtermassen, -im übrigen keine auffallenden Veränderungen. Der Puls war nicht -erheblich beschleunigt gewesen, dabei kräftig.</p> - -<p>8. Ein älteres, leicht an Kolik erkranktes Pferd erhielt intravenös -0,7 Chlorbaryum in 10,0 destilliertem Wasser injiziert. Nach einigen -Minuten stürzte das Pferd nieder und verendete.</p> - -<p>Versuche bei <em class="gesperrt">Schweinen</em> ergaben nach <em class="gesperrt">Kabitz</em> (D. T. W. -1905), dass das Baryumsulfat und die Steinchenform des Karbonats -ungiftig sind, dass jedoch das reine Baryumkarbonat Schweine in Dosen -von 1 g pro Kilogramm Körpergewicht rasch tötet (Kaubewegungen, -Knirschen, Speicheln, Apathie; kein Durchfall).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_chlorsaures_Kali">Vergiftung durch chlorsaures Kali.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das <em class="gesperrt">chlorsaure Kali</em>, <em class="gesperrt">Kalium -chloricum</em>, KClO<sub>3</sub>, bildet glänzende, blätterige, farblose -Kristalle von salpeterähnlichem, kühlendem Geschmack und wird als -spezifisches Antiseptikum bei Stomatitis ulcerosa, als Diuretikum -und Spezifikum gegen Blasenkatarrhe angewandt. Vergiftungen bei -den Haustieren nach der klinischen Anwendung des Salzes sind noch -nicht beobachtet worden. Dagegen sind Vergiftungen<span class="pagenum" id="Seite_131">[S. 131]</span> beim Menschen, -namentlich bei Kindern (Diphtherie), sowie bei Personen mit -verminderter Blutalkaleszenz (Fieber, Dyspnoe, Aufnahme von Säuren) -in grösserer Anzahl nach dem unvorsichtigen Gebrauche des chlorsauren -Kalis konstatiert. Aus der zahlreichen Literatur dieser Vergiftungen -sind namentlich die Arbeiten von <em class="gesperrt">Marchand</em> (Virchows Archiv Bd. -77) und <em class="gesperrt">v. Mering</em> (Das chlorsaure Kali 1885) zu erwähnen.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Dass die <em class="gesperrt">Haustiere</em> -in gesundem Zustande sehr grosse Dosen von Kali chloricum ohne -besonderen Nachteil ertragen, haben mir einige Versuche beim Rind, -Pferd, Schaf und Hund gezeigt. Eine kleine, junge, 4 Zentner schwere -Versuchskuh erhielt 50 g und 2 Tage darauf 100 g chlorsaures Kali, ohne -irgendwelche Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Dasselbe Resultat -ergaben Versuche mit 30 und 40 g beim Pferde. Ein 70 Pfund schwerer -Hammel zeigte auf 25 g Kali chloricum keinerlei Reaktion; 50 g des -Salzes hatten zwar allgemeine Mattigkeit, unterdrückte Fresslust -und Wiederkauen zur Folge, nach 3 Tagen hatte sich jedoch das Tier -wieder vollständig erholt. Ein 9½ kg schwerer kleiner Versuchshund -äusserte nach der Verabreichung von 10 g chlorsaurem Kali keinerlei -Krankheitserscheinungen; nach 20 g des Salzes (nüchtern verabreicht) -war ausser Brechreiz und vermehrtem Durst ebenfalls nichts Krankhaftes -an dem Tiere nachzuweisen. Die <em class="gesperrt">tödliche</em> Dosis des chlorsauren -Kalis beträgt nach <em class="gesperrt">Zimmermann</em> (Veterinarius 1900) für Pferde -250 g, für Rinder 500 g, für Schafe 100 g, für Hunde 60 g. Die -Vergiftungserscheinungen sind die gleichen wie beim Menschen (vgl. -unten).</p> - -<p>Beim <em class="gesperrt">Menschen</em> hat sich das Kali chloricum schon in kleinen Dosen -als ein sehr gefährliches <em class="gesperrt">Blutgift</em> (<em class="gesperrt">Methämoglobinämie</em>) -erwiesen, wenn es nüchtern oder bei Krankheiten angewandt wurde, welche -mit sehr hohem Fieber, Atmungsbeschwerden oder mit Nierenentzündungen -verlaufen. Die Krankheitserscheinungen sind als Folgezustände -der Methämoglobinämie und der Anhäufung der Zerfallsprodukte des -Blutes in der Niere, Leber, Milz und im Knochenmark anzusehen. Die -wichtigsten derselben sind: Ikterus, grauviolette Flecken auf der -Haut, Herzschwäche, hochgradige Atemnot, Durchfall, Erbrechen, -Leberschwellung, Milzschwellung, <em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em> (braune -Hämoglobinzylinder, gelbbraune, amorphe Schollen), <em class="gesperrt">Nephritis</em>, -Oligurie, Anurie, sowie <em class="gesperrt">urämische Zufälle</em> (Delirien, -Benommenheit, Koma, urämisches Erbrechen, Krämpfe, Eklampsia uraemica). -Bei der Sektion findet man das Blut <em class="gesperrt">schokoladebraun verfärbt</em>, -spektroskopisch nur <em class="gesperrt">einen</em> Absorptionsstreifen<span class="pagenum" id="Seite_132">[S. 132]</span> zwischen C und -D im Roten zeigend, die roten Blutkörperchen entweder zerfallen oder -entfärbt (Schatten) oder in der Gestalt verändert (Poikilozytose), -Milz, Leber und Nieren vergrössert, das Knochenmark braun verfärbt, -die Harnkanälchen der Nieren durch braune, zylinderförmige oder -unregelmässig gestaltete Methämoglobinmassen verstopft.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Aetzalkalien">Vergiftung durch Aetzalkalien.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Von den Aetzalkalien haben am meisten Bedeutung -für die tierärztliche Toxikologie der <em class="gesperrt">Aetzkalk</em>, CaO, der -<em class="gesperrt">Salmiakgeist</em>, NH<sub>3</sub>, und die <em class="gesperrt">Kalilauge</em>, KOH. Seltener -sind Vergiftungen durch kohlensaures Ammonium, kohlensaures Natrium -(Soda, Verwechslung mit Glaubersalz) und Kalium (Pottasche). -Die Vergiftung durch Schwefelleber, K<sub>2</sub>S<sub>3</sub>, ist teils eine -Aetzkalivergiftung, teils eine Schwefelwasserstoffvergiftung (vgl. -S. 162). Aetzkalkvergiftungen können sich bei Gelegenheit der -Desinfektion der Stallungen ereignen. Ammoniakvergiftungen werden -entweder durch zu hohe Dosierung (volkstümliches Mittel gegen -akutes Aufblähen des Rindes) oder zu starke Konzentration des -Salmiakgeistes bei innerlicher Anwendung desselben als Aetzmittel (z. B. -beim Bestreichen der sog. Steinzunge des Rindes, beim Legen von -Fontanellen) oder durch zufälliges Einatmen des Gases veranlasst. -Vergiftungen durch Kalilauge kommen bei Hunden nach dem zufälligen -Trinken derselben vor.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die lokalen Veränderungen -nach Einwirkung der oben genannten Aetzalkalien bestehen zunächst -in Entzündung und <em class="gesperrt">Anätzung</em> der <em class="gesperrt">Lippen</em>, der -<em class="gesperrt">Maulschleimhaut</em>, der <em class="gesperrt">Zunge</em>, der <em class="gesperrt">Schlundkopf-</em> -und <em class="gesperrt">Schlundschleimhaut</em>, welche sich durch Schwellung -und Verschorfung der betroffenen Teile, starkes Speicheln, -Schlingbeschwerden und Erbrechen kennzeichnen. Der Aetzschorf ist -im Gegensatz zu dem trockenen Säureschorf meist weich, schmierig, -gelatinös gequollen (<em class="gesperrt">Kolliquation</em>). Nach dem Einatmen von -Ammoniak entsteht ferner starker <em class="gesperrt">Hustenreiz</em>, <em class="gesperrt">beschwertes -Atmen</em>, <em class="gesperrt">Pneumonie</em>, sowie <em class="gesperrt">Aushusten kruppöser -Entzündungsprodukte</em>. <em class="gesperrt">Meyer</em> (Oesterreich. Vierteljahrsschr. -1883) berichtet über einen Fall, in welchem 54 Pferde einer Brauerei -durch das Einatmen von Ammoniak aus einem Kühlapparat vergiftet -wurden. Die Krankheitserscheinungen bestanden in schmerzhaftem -Husten, blutigschaumigem Nasenausfluss, sowie Anätzung der Nasen-, -Rachen- und Augenschleimhaut. Die Hälfte der Pferde starb nach kurzer -Krankheitsdauer unter den Erscheinungen einer schweren Bronchitis -und des <em class="gesperrt">Lungenemphysems</em>. Bei 2 Pferden blieb hochgradiges -Lungenemphysem zurück; die übrigen Pferde erholten sich allmählich<span class="pagenum" id="Seite_133">[S. 133]</span> -im Verlauf von 14 Tagen. <em class="gesperrt">Binder</em> sah nach dem Einschütten von -50 g Ammoniak bei Rindern und Pferden Verätzung der Maulschleimhaut, -Schlingbeschwerden, Husten, Kolik, profuse Diarrhöe und in einem Fall -sogar <em class="gesperrt">Perforation</em> der <em class="gesperrt">Brustportion</em> des <em class="gesperrt">Schlundes</em>. -Aehnliche Vergiftungserscheinungen bei Rindern nach dem Einschütten von -Salmiakgeist haben <em class="gesperrt">Schauber</em> und <em class="gesperrt">Sepp</em> beobachtet (Woch. -f. Tierh. 1902 und 1908); eine Kuh zeigte nach 100 g unverdünnten -Salmiakgeistes heftige Atemnot, Husten und korrosive Stomatitis -und Pharyngitis, genas aber. <em class="gesperrt">Penning</em> (T. Bl. f. Niederl. -Indien 1895) sah bei Pferden nach der Aufnahme von ungelöschtem Kalk -<em class="gesperrt">Lungenödem</em> und Darmentzündung.</p> - -<p>Die Einwirkung auf die Magendarmschleimhaut äussert sich in Form einer -<em class="gesperrt">schweren korrosiven Gastroenteritis</em>. So starb beispielsweise ein -<em class="gesperrt">Versuchshund</em> nach dem Eingeben von 2 g reinen Ammoniaks in 23 -Stunden an Magendarmentzündung (<em class="gesperrt">Orfila</em>). Ein <em class="gesperrt">Pferd</em> starb -nach 30 g an Darmentzündung innerhalb 16 Stunden, ein anderes nach 90 -g innerhalb 50 Minuten unter heftigen Krämpfen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). 11 -Kühe, welche statt Glaubersalz Soda erhalten hatten, starben unter -den Erscheinungen der Darmentzündung (<em class="gesperrt">Eggeling</em>, Berl. Arch. -1895). Der Tod erfolgt bei Vergiftung mit Aetzkalk und Kalilauge unter -allgemeinen komatösen Erscheinungen, bei der Ammoniakvergiftung dagegen -unter tetanischen Krämpfen (Ammoniak-Tetanus).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man <em class="gesperrt">kruppöse</em> oder <em class="gesperrt">diphtherische -Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Pharyngitis</em> und <em class="gesperrt">Oesophagitis</em>, bei -Salmiakgeistvergiftung auch <em class="gesperrt">kruppöse Laryngitis</em>, Tracheitis, -Bronchitis und <em class="gesperrt">Pneumonie</em>, hochgradige Entzündung, braun- bis -schwarzrote Verfärbung, sulzige Schwellung und <em class="gesperrt">Korrosion</em> -der <em class="gesperrt">Magenschleimhaut</em>. Der Blutfarbstoff wird in alkalisches -Hämatin umgewandelt, so dass das Blut eine braune, dicke, gelatinöse -Masse bildet. Von den Weichteilen werden am schnellsten die Muskeln -nekrotisch, während das Bindegewebe und die Gefässe wenig oder gar -nicht angegriffen werden (<em class="gesperrt">Carbone</em>).</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Im ersten Stadium der Vergiftung besteht die -Therapie in der Verabreichung verdünnter <em class="gesperrt">Säuren</em>, namentlich -des überall vorrätigen Essigs. Sodann gibt man zur Einhüllung der -korrodierten Schleimhäute <em class="gesperrt">ölige</em> und <em class="gesperrt">schleimige</em> Mittel in -Verbindung mit Opium. Die Kollapserscheinungen werden symptomatisch -durch Exzitantien (Aether, Kampfer) behandelt. Brechmittel und<span class="pagenum" id="Seite_134">[S. 134]</span> -Abführmittel sind wegen der Gefahr einer Magen- resp. Darmruptur -zu vermeiden. Bei laryngealer Stenosenbildnng im Verlaufe der -Ammoniakvergiftung kann die Tracheotomie notwendig werden.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Vergiftungen durch Aetzalkalien sind vor allem an der -stark alkalischen Reaktion des Mageninhaltes zu erkennen. Zum genaueren -Nachweis der Natur der Vergiftung müssen die entsprechenden Kali-, -Kalk- und Ammoniakreaktionen vorgenommen werden. 1. <em class="gesperrt">Aetzkali</em> -färbt die Flamme violett und gibt mit Weinsäure einen kristallinischen -Niederschlag von Weinstein, welcher nach dem Glühen das stark alkalisch -reagierende, mit Säuren aufbrausende kohlensaure Kali hinterlässt, -welches die Flamme ebenfalls blau färbt. Ausserdem gibt die mit -Salzsäure neutralisierte Lösung der Kalisalze mit Platinchlorid -und Alkohol einen gelben kristallinischen Niederschlag von -Kalium-Platinchlorid, welcher auch zur quantitativen Bestimmung benützt -werden kann; 100 Teile desselben entsprechen 19,27 Teilen Kalium. -2. Der Nachweis des <em class="gesperrt">Aetzkalks</em> wird durch Einäscherung des -Untersuchungsmaterials, Auflösen der Asche in Salzsäure (Chlorkalzium), -Ausfällen der Phosphorsäure durch Eisenchlorid und Chlorammonium, -Versetzen der Chlorkaliumlösung mit Ammoniak und Ausfällen des Kalks -durch Oxalsäure als oxalsaurer Kalk geliefert. Das Chlorkalzium kann -ferner an der <em class="gesperrt">orangeroten</em> Färbung der Flamme durch seine -Lösung erkannt werden (Kalkreaktion); ausserdem gibt Schwefelsäure -einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Kalk (Gips), der zum -Unterschiede von schwefelsaurem Baryt in unterschwefligsaurem Natron -löslich ist. 3. Das <em class="gesperrt">Ammoniak</em> wird durch seinen Geruch, sowie -durch die Bildung weisser Nebel bei Annäherung eines in Salzsäure -getauchten Glasstabes nachgewiesen (Bildung von Chlorammonium).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Salmiak.</b> Mit dem Ammoniak nicht zu verwechseln ist der -Salmiak, Ammonium chloratum, ClNH<sub>4</sub>. Derselbe wirkt in grossen -Dosen ebenfalls giftig. <em class="gesperrt">Pferde</em> zeigen nach 90–180 g grössere -Röte der Schleimhäute, schnelleres Atmen, sehr vermehrtes Urinieren, -häufige Entleerung von weichem Kote (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Ein Pferd -starb, nachdem es innerhalb 5 Tagen 750 g Salmiak erhalten hatte, -am 5. Tage (<em class="gesperrt">Delafond</em>); andere Pferde, welche täglich 3–4mal -Dosen von 30 g erhielten, starben nach 26–38 Tagen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). -<em class="gesperrt">Hunde</em> sterben nach 6–8 g Salmiak bei unterbundenem Schlunde -nach einer Stunde, nachdem Brechneigung, Kolik, Schwäche, starke -psychische Erregung (wütendes Umherlaufen, klagendes Geheul), sowie -tetanusartige Konvulsionen vorhergegangen sind (<em class="gesperrt">Orfila</em>). -Mittlere Dosen, längere Zeit hindurch angewandt, erzeugen -Verdauungsstörungen, Abmagerung, Mattigkeit und Schwäche; so sterben -Hunde, nachdem sie<span class="pagenum" id="Seite_135">[S. 135]</span> täglich 3–4mal Dosen von 2 g erhalten, nach 12–16 -Tagen. <em class="gesperrt">Kaninchen</em> sterben auf 2 g Salmiak innerhalb 10 Minuten -unter Krämpfen. Die Sektion ergibt heftige Magendarmentzündung. -Auch nach der subkutanen Injektion von <em class="gesperrt">Ammoniumsulfat</em> zeigen -Kaninchen strychninartige Krämpfe (<em class="gesperrt">Vaerst</em>, B. T. W. 1904).</p> - -<p><b>Schmierseife.</b> <em class="gesperrt">Schultz</em> (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) -will bei einem Rind eine tödliche Darmentzündung nach dem Eingeben -von 250 g Schmierseife beobachtet haben (?). (Das an Indigestion -leidende Tier hatte vorher 3½ Pfd. Glaubersalz erhalten!) Meine -eigenen Versuche ergaben, dass 250,0 Schmierseife für Rinder und -100,0 für Schafe ohne jede schädliche Wirkung sind. <em class="gesperrt">Bissauge</em> -(Journ. de Lyon 1901) sah bei einer Ziege, die 300 g Seife verzehrt -hatte, stinkenden und blutigen Durchfall sowie Lähmungserscheinungen; -nach 8 Tagen trat Heilung ein, die Milchsekretion blieb jedoch -sistiert.</p> - -<p><b>Kalium carbonicum.</b> Die tödliche Dosis für den Hund beträgt -10–15 g (Herzlähmung, Kollaps).</p> - -<p><b>Natrium bicarbonicum.</b> Fast ungiftig. Hunde, wochenlang mit 15 -g pro Tag gefüttert, zeigen Erbrechen, Durchfall und Abmagerung.</p> - -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_aetzende_Saeuren">Vergiftung durch ätzende Säuren.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Im Gegensatz zu äusseren Verätzungen, welche bei -Pferden und Hunden zuweilen vorkommen, sind innerliche Vergiftungen -mit ätzenden Säuren bei den Haustieren sehr selten. Bisher sind nur -Vergiftungen mit <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> konstatiert worden. Dieselben -haben sich bei Pferden (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtliche Tierheilkunde -1872) und Kühen (<em class="gesperrt">Bubendorf</em>, Zündels Jahresbericht 1883) -nach der Aufnahme von Stroh ereignet, welches zum Verpacken von -Schwefelsäureflaschen gedient hatte und von der Säure durchtränkt -war. In einem Fall soll die Vergiftung auch dadurch entstanden sein, -dass Schwefelsäure zur Maische hinzugesetzt wurde (<em class="gesperrt">Johne</em>, -Sächs. Jahresbericht 1880). Häufiger sind, namentlich in Berlin, -äussere Verätzungen von Pferden und Hunden durch zersprungene -Schwefelsäureballons oder durch die vielfach im Haushalt benützte -Schwefelsäure (sog. Oleum oder Vitriolöl). Vergiftungen durch -<em class="gesperrt">Salpetersäure</em> oder <em class="gesperrt">Salzsäure</em> sind bis jetzt klinisch -nicht zur Beobachtung gelangt, auch nicht durch <em class="gesperrt">Phosphorsäure</em>, -der schwächsten anorganischen Säure.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Vergiftungserscheinungen -sind zunächst lokaler Natur. Sie bestehen in <em class="gesperrt">Verätzung</em> der -<em class="gesperrt">Haut</em>, sowie der <em class="gesperrt">Lippen-</em> und <em class="gesperrt">Maulschleimhaut</em> mit -nachfolgender reaktiver Entzündung, Speicheln und Schlingbeschwerden. -Gleichzeitig entstehen infolge der Verätzung der Magenschleimhaut -Würgen, <em class="gesperrt">Erbrechen</em> und schwere <em class="gesperrt">Kolikanfälle</em> mit -Lähmung der Magen- und Darmperistaltik. Der tödliche Ausgang tritt -meistens sehr rasch unter den Erscheinungen der Herzschwäche und -tiefen Kollapses ein. Bei der Sektion findet man ulzeröse, korrosive -Stomatitis,<span class="pagenum" id="Seite_136">[S. 136]</span> Pharyngitis, Oesophagitis, Gastritis und Enteritis, -unter Umständen auch Magenperforation und Peritonitis. Seltener -entwickeln sich bei den Tieren Strikturen des Schlundes und Magens. Die -Aetzschorfe auf der Haut sind bei den Mineralsäuren meist fest.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Dieselbe besteht in der möglichst raschen -Verabreichung verdünnter <em class="gesperrt">Alkalien</em>, namentlich von Seifenwasser, -Kalkwasser, Sodalösung, Pottaschelösung, verdünnter Natronlauge und -Kalilauge, Magnesia usta und carbonica, ferner von Opium in Verbindung -mit einhüllenden, <em class="gesperrt">schleimigen</em> und öligen Mitteln, endlich in der -Anwendung von Exzitantien (Aether oder Kampfer subkutan).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die Vergiftungen mit Schwefelsäure, Salpetersäure, -Salzsäure lassen sich zunächst durch die charakteristische -<em class="gesperrt">Farbe</em> des Aetzschorfs und die stark saure Reaktion des -Schorfes und Mageninhaltes nachweisen. Sodann werden die Säuren durch -Wasser ausgezogen und mittelst ihrer charakteristischen Reaktionen -untersucht. 1. Die <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> gibt mit Chlorbaryum oder -salpetersaurem Baryt weisse Niederschläge, welche in verdünnter -Salz- oder Salpetersäure unlöslich sind; ferner mit Bleizucker einen -weissen Niederschlag von Bleisulfat, der nur in kochender Salz- -und Salpetersäure löslich ist. 2. Die <em class="gesperrt">Salpetersäure</em> bildet, -mit metallischem <em class="gesperrt">Kupfer</em> und <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> versetzt, -rote Dämpfe von Untersalpetersäure; sie färbt sich ferner mit -wenig Eisenvitriollösung und Schwefelsäure an der Berührungsstelle -<em class="gesperrt">tiefbraun</em>; mit einer wässerigen Lösung von Diphenylamin und -Schwefelsäure färbt sie sich blau. 3. Die <em class="gesperrt">Salzsäure</em> ist -an ihrem charakteristischen Geruch (Dämpfe) und an dem weissen, -käsigen, voluminösen Niederschlag mit Höllensteinlösung (Chlorsilber) -zu erkennen, der sich in Salmiakgeist, Zyankaliumlösung und -unterschwefligsaurem Natron leicht löst. Sie wird auch quantitativ -als Chlorsilber nachgewiesen; 100 Teile Chlorsilber entsprechen 25,44 -Teilen Salzsäure.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeine Giftwirkung der Säuren.</b> Werden Tieren experimentell -<em class="gesperrt">innerlich</em> auf einmal tödliche Dosen <em class="gesperrt">verdünnter</em> Säuren -beigebracht, so sterben sie an <em class="gesperrt">allgemeiner Säurevergiftung</em> -infolge <em class="gesperrt">Verlust der Blutalkaleszenz</em>. Dabei tritt der Tod schon -ein, noch ehe das Blut ausgesprochen sauer reagiert; die vollständige -und anhaltende Neutralisation der Alkalien des Blutes genügt, um den -Tod herbeizuführen. Die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Säuren -ist je nach der Tiergattung verschieden. Hundeblut neutralisiert z. B. -viel grössere Mengen Säuren durch verfügbares Ammoniak als dies -bei Kaninchen der Fall ist.<span class="pagenum" id="Seite_137">[S. 137]</span> Auch im Hungerzustand können dem Blute -durch die auftretenden Säuren (Schwefelsäure aus dem Schwefel des -Eiweisses, Phosphorsäure aus dem Lezithin der Blutkörperchen) soviel -Alkalien entzogen werden, dass eine Art von Säurevergiftung des -Blutes eintritt. Bei länger fortgesetzter Säureverabreichung können -auch chronische Vergiftungen auftreten; bei Lämmern entsteht nach -mehreren Monaten Verarmung des Skeletts und Fleisches an Kalksalzen -(<em class="gesperrt">Weiske</em>). — Nicht zu verwechseln mit Säurevergiftung ist die -bei jeder Leiche normal auftretende saure Reaktion des Blutes und der -Muskulatur infolge der Bildung von Milchsäure, Bernsteinsäure und -flüchtigen Fettsäuren.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Essigsaeure">Vergiftung durch Essigsäure.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Essigsäure bildet sich aus Alkohol durch die -Tätigkeit des Essigsäure-Gärungspilzes, Mykoderma aceti. Vergiftungen -durch Essigsäure kommen bei unseren Haustieren namentlich in -Branntweinbrennereien vor, wenn der Alkohol sich teilweise zu -Essigsäure verwandelt hat und die Schlempe dadurch grössere Mengen -von Essigsäure enthält, oder wenn die Schlempe vor dem Verfüttern in -saure Gärung übergegangen ist. Auf diese Weise können viele Tiere -zu gleicher Zeit vergiftet werden. So beobachtete <em class="gesperrt">Mummenthey</em> -(Preuss. Mitt. 1883) eine Essigsäurevergiftung bei 80 Kühen -eines Stalles. Vereinzelte Fälle sind ferner beschrieben von -<em class="gesperrt">Stockfleth</em> (Tidskrift for vetrinairer Bd. 7), <em class="gesperrt">Eckhardt</em> -(Ad. Wochenschrift 1881) und <em class="gesperrt">Ward</em> (The vet. journ. Bd. 23).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Essigsäurevergiftung -äussert sich durch <em class="gesperrt">gastroenteritische</em> und -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>. Sie beginnt gewöhnlich mit gastrischen -Störungen (Appetitlosigkeit, unterdrücktes Wiederkauen), <em class="gesperrt">Kolik</em> -und <em class="gesperrt">Durchfall</em>, woran sich <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie <em class="gesperrt">Kollaps</em> anschliessen.</p> - -<p>Um die Wirkung der Essigsäure bei den Wiederkäuern genauer kennen -zu lernen, habe ich einer 20 kg schweren Ziege 150 g einer 5proz. -Essigsäurelösung (der gewöhnliche Hausessig enthält 6 Proz. Essigsäure) -eingegeben, worauf der Tod nach 24 Stunden erfolgte (tödliche -Dosis der Essigsäure für Wiederkäuer = 0,4 pro kg Körpergewicht). -Die Vergiftungserscheinungen waren folgende: Schon eine Stunde -nach der Verabreichung zeigte die Ziege starke Atemnot, sowie die -Symptome eines beginnenden <em class="gesperrt">Lungenödems</em>. Ausserdem war der -Hinterleib, namentlich die Nierengegend, bei der Palpation sehr -schmerzhaft und es wurde <em class="gesperrt">blutiger Harn</em> abgesetzt; gleichzeitig -bestand starkes Schäumen und Speicheln. Nach 6 Stunden trat -hochgradige <em class="gesperrt">Mattigkeit</em> und <em class="gesperrt">Schwäche</em> und zuletzt ein -<em class="gesperrt">lähmungsartiger</em> Zustand ein. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> fanden sich -die Erscheinungen eines ausgesprochenen <em class="gesperrt">Lungenödems</em> mit starker<span class="pagenum" id="Seite_138">[S. 138]</span> -Lungenhyperämie, sowie die Symptome einer <em class="gesperrt">entzündlichen Reizung der -Magendarmschleimhaut</em> (Rötung der Labmagenschleimhaut, starke Rötung -und Schwellung der Dünndarm- und Dickdarmschleimhaut mit erbsengrossen -Hämorrhagien, Schwellung der Peyerschen Plaques); ausserdem bestand -<em class="gesperrt">parenchymatöse Nephritis</em> und <em class="gesperrt">Hepatitis</em>.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Dieselbe ist im wesentlichen die gleiche, wie -bei der vorigen Vergiftung. Man gibt verdünnte Alkalien, namentlich -Seifenwasser und Sodalösung als chemisches Gegengift, verabreicht -einhüllende, schleimige Mittel und bekämpft die Lähmungserscheinungen -symptomatisch durch Exzitantien.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die Essigsäure lässt sich zunächst durch den -charakteristischen Essiggeruch und die saure Reaktion nachweisen. -In freiem Zustande (sie geht sehr bald in Salze über) wird sie -entweder durch Destillation oder Extraktion mit Alkohol von den -Untersuchungsmassen getrennt und ist als Essigsäure daran zu erkennen, -dass ihre wässerige Lösung mit etwas <em class="gesperrt">Eisenchlorid</em> sich -<em class="gesperrt">blutrot</em> oder tief <em class="gesperrt">weinrot</em> färbt, eine Farbe, die durch -Zusatz einiger Tropfen Salmiakgeist noch intensiver wird. Sie gibt -ferner, mit Natron gesättigt und getrocknet, sowie mit einem Körnchen -Arsenik trocken erhitzt, den charakteristischen Kakodylgeruch, mit -Alkohol und Schwefelsäure erhitzt, einen Essigäthergeruch.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch Ameisensäure.</b> Die Ameisensäure kommt in -Tieren (Ameisen, Bienen, Wespen, Hornisse, Prozessionsraupen) und -Pflanzen (Brennessel) vor, welche dadurch giftig auf den tierischen -Organismus einwirken können; vgl. das Kapitel über Bienenstiche. -Diese Vergiftungen sind jedoch nur zu einem geringen Teil auf -die Wirkung der Ameisensäure, in der Hauptsache vielmehr auf ein -gleichzeitig im Giftsekret der Bienen etc. enthaltenes Enzym bezw. -Toxin zurückzuführen. Reine Ameisensäure wirkt wie die übrigen -ätzenden Säuren.</p> - -<p><b>Vergiftung durch Milchsäure.</b> Neben lokaler Aetzung entsteht -bei Versuchstieren Endokarditis (<em class="gesperrt">Rauch</em>). Nach <em class="gesperrt">Kobert</em> -kommen ferner akute oder subakute Autointoxikationen durch Milchsäure -vor, so bei starker Darmgärung, im Fieber, bei allen Zuständen von -Verminderung der Blutalkaleszenz, bei sauerstoffarmer Luft, bei -Blausäure-, Phosphor- und Kohlenoxydvergiftung. — In ähnlicher Weise -bildet sich bei der Zuckerharnruhr im Blute die Oxybuttersäure, -Azetessigsäure und das Azeton als Selbstgift (Coma diabeticum).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Weinsäure.</b> Bei Versuchstieren fällt die -rosarote Verfärbung der Magenschleimhaut und des Blutes auf.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_139">[S. 139]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Oxalsaeure">Vergiftung durch Oxalsäure.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die <em class="gesperrt">Oxalsäure</em> (Kleesäure, Zuckersäure) -wird fabrikmässig durch Oxydation von Traubenzucker mit Salpetersäure -oder durch Erhitzung von Zellulose mit Aetzalkalien dargestellt. -Sie hat die Formel C<sub>2</sub>H<sub>2</sub>O<sub>4</sub> = <span class="nowrap">2(COOH)</span> und kristallisiert -in wasserhellen, geruchlosen, stark sauer schmeckenden Prismen; -ihre Lösung gibt mit Kalkwasser einen unlöslichen Niederschlag von -oxalsaurem Kalk (Kristalle von Briefkuvertform). Vergiftungen durch -freie Oxalsäure, welche beim Menschen sehr häufig sind (Gebrauch zum -Putzen von Messing- und Kupfergerät, Entfernen von Tintenflecken), -wurden in der Tierheilkunde bisher nur vereinzelt (<em class="gesperrt">Mire</em>, Revue -vétér. 1881; 2 eigene Beobachtungen) beim Hund festgestellt.</p> - -<p>Während die Oxalsäure in freiem Zustand in der Natur nicht vorkommt, -findet sie sich in Form oxalsaurer Salze in mehreren Pflanzen. -Von besonderer Wichtigkeit ist das saure <em class="gesperrt">oxalsaure Kalium</em>, -welches unter dem Namen <em class="gesperrt">Kleesalz</em>, <em class="gesperrt">Sauerkleesalz</em>, -<em class="gesperrt">Bitterkleesalz</em> (Sal Acetosellae) bekannt ist und in grösseren -Mengen namentlich in verschiedenen <em class="gesperrt">Rumexarten</em> vorkommt und bei -unseren Haustieren zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gibt (vgl. -die Vergiftung durch Rumexarten). Vergiftungen durch Verwechslung -von Bitterkleesalz mit Bittersalz sind bei den Haustieren, soviel -bekannt, noch nicht vorgekommen. — Experimentell hat das in seiner -Allgemeinwirkung der Oxalsäure und den Oxalaten sehr ähnliche -<em class="gesperrt">Oxamid</em> von der Formel <span class="nowrap">2(CONH<sub>2</sub>)</span> eine gewisse Bedeutung -erlangt (vgl. S. 140).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Oxalsäure wirkt je -nach der Konzentration <em class="gesperrt">reizend</em> oder <em class="gesperrt">ätzend</em> auf die -Magendarmschleimhaut. Die Erscheinungen bestehen daher zunächst in -Uebelkeit, Würgen, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Schlingbeschwerden und mehr -oder weniger heftigen <em class="gesperrt">Kolikanfällen</em>. Nach ihrer Resorption -ins Blut kann sie entweder sehr rasch unter den Erscheinungen von -Bewusstlosigkeit, Zusammenstürzen, Krämpfen, starkem Sinken der -Innentemperatur und Herzlähmung zum Tod führen, oder sie bedingt -im weiteren Verlauf charakteristische Symptome von seiten des -<em class="gesperrt">Nervensystems</em> und der <em class="gesperrt">Nieren</em>. Die ersteren bestehen in -Zuckungen sowie tetanischen Krampfparoxysmen, welche später in Lähmung -übergehen. Die Nieren erkranken hauptsächlich dadurch, dass die im -Blute gebildeten <em class="gesperrt">Kalziumoxalatkristalle</em> eine <em class="gesperrt">mechanische -Verstopfung</em> der <em class="gesperrt">Harnkanälchen</em>, sowie eine Verlegung des -gesamten sezernierenden Nierenparenchyms bedingen (<em class="gesperrt">Kobert</em> und -<em class="gesperrt">Küssner</em>), was <em class="gesperrt">Anurie</em> und <em class="gesperrt">Urämie</em> mit tödlichem -Ausgang zur Folge hat. Ausserdem besteht Albuminurie, Hämaturie und -Glykosurie. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Erscheinungen einer -<em class="gesperrt">korrosiven</em>, häufig auch <em class="gesperrt">hämorrhagischen Gastroenteritis</em>.<span class="pagenum" id="Seite_140">[S. 140]</span> -In den <em class="gesperrt">Nieren</em> beobachtet man konstant <em class="gesperrt">zwischen Rinde und Mark -eine weisse, aus Kalziumoxalat bestehende Zone</em>. Aehnliches wird -nach der innerlichen Verabreichung von <em class="gesperrt">Oxamid</em> beobachtet, wobei -sogar förmliche Konkremente von Kalziumoxalat die Ausführungsgänge der -Nierenpapillen, die Harnleiter und die Harnröhre verstopfen können -(künstliche Harnsteine). Das Blut zeigt zuweilen eine hellkirschrote -Farbe.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Verabreichung von Kalkwasser, -Zuckerkalk, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, sowie von -harntreibenden Mitteln. Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> wird durch die Anwesenheit -der briefkuvertähnlichen Kalziumoxalatkristalle in der Niere, -Darmschleimhaut, Leber etc. geliefert; dieselben haben wohl auch die -Form von Nadeln, Wetzsteinen und Garbenbündeln.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Toxikologische Versuche.</b> Um die Wirkung der Oxalsäure auf -Pflanzenfresser und Fleischfresser kennen zu lernen, habe ich -Versuche mit derselben beim Schaf und Hund gemacht.</p> - -<p>1. Ein 10 kg schwerer <em class="gesperrt">Hund</em> erhielt 10 g Oxalsäure in Wasser -gelöst. Sehr bald nach dem Eingeben (3 Minuten) stellte sich -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, starke Unruhe, sowie heftiges <em class="gesperrt">Stöhnen</em> -ein. 1 Stunde nachher zeigte sich sehr angestrengtes Atmen, -Mattigkeit bei der Bewegung, sowie hochgradige Schmerzhaftigkeit -bei der Palpation des Hinterleibs, nach weiteren 3 Stunden -<em class="gesperrt">blutiger Durchfall</em> mit Zunahme der Mattigkeit und starker -psychischer Depression. Am Tage nach der Verabreichung hatte sich -das Allgemeinbefinden gebessert; Erbrechen und Durchfall bestanden -jedoch fort, ausserdem war die Innentemperatur von 39,3° C auf -37,4° C gefallen. Am 2. Tage sank die Temperatur auf 36,9° C, die -Mattigkeit des Tieres nahm zu, dasselbe lag schliesslich gelähmt am -Boden und starb in der darauffolgenden Nacht. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> -fand man <em class="gesperrt">hämorrhagische Gastritis</em> und <em class="gesperrt">Proktitis</em>, -<em class="gesperrt">katarrhalische Enteritis</em>, <em class="gesperrt">parenchymatöse</em> und -<em class="gesperrt">hämorrhagische Nephritis</em>, <em class="gesperrt">Oxalatinfarkt der Niere</em>, -sowie <em class="gesperrt">Leberverfettung</em>. Der genaue Sektionsbefund war -folgender: Die Schleimhaut des <em class="gesperrt">Magens</em> ist geschwollen, -diffus gerötet und ebenso wie die geschwollene Schleimhaut des -<em class="gesperrt">Dünndarmes</em> mit grauweissem, zähem, glasigem Schleime bedeckt. -Im <em class="gesperrt">Mastdarm</em> ist die Schleimhaut in Falten, Längsfalten gelegt -und auf der Höhe der Falten punktförmig gerötet. Die <em class="gesperrt">Nieren</em> -fühlen sich derb an; die Züge der geraden Harnkanälchen sind -grauweiss, trübe und verbreitert, die Grenzschicht stark gerötet. -Im ganzen Parenchym der Niere, besonders aber in der Rindenschicht -finden sich sehr zahlreiche <em class="gesperrt">Drusen</em> von <em class="gesperrt">oxalsaurem Kalk</em>; -die geraden Harnkanälchen sind mit ihnen teilweise angefüllt und -erscheinen bei der makroskopischen Betrachtung als feine weisse -Striche. Die Rindenschicht erscheint sehr breit und setzt sich -von der Grenzschicht scharf ab. <em class="gesperrt">An den Grenzen zwischen beiden -macht sich ein hellerer Saum bemerkbar.</em> Das Nierenepithel ist -stark desquamiert, die Zellen vergrössert und in starker Verfettung -begriffen. Durch fettigen Detritus sind die Zellen vielfältig schon -gänzlich verfallen und ihre Konturen nicht mehr zu erkennen. Diese -Massen füllen die Harnkanälchen<span class="pagenum" id="Seite_141">[S. 141]</span> zusammen mit roten Blutkörperchen -und den Oxalsäurekristallen aus. Zwischen den <em class="gesperrt">Leberzellen</em> -finden sich ebenfalls vereinzelt Kristalle von <em class="gesperrt">oxalsaurem -Kalke</em> vor. Die Leberzellen selbst sind ausserordentlich stark in -Verfettung begriffen. In den vergrösserten Zellen besteht in vielen -der Zellinhalt aus grösseren und kleineren Fetttröpfchen. In der -Blase finden sich zirka 5 g einer milchigen Flüssigkeit, die aus -Blasen-, Nierenepithel und vielen Samenfädchen besteht. Ferner finden -sich Kristalle von <em class="gesperrt">oxalsaurem Kalk</em> darin.</p> - -<p>2. Ein 70 Pfd. schwerer <em class="gesperrt">Hammel</em> erhielt 25 g Oxalsäure in -Wasser gelöst; 4 Stunden nach dem Einschütten der Arznei starb das -Versuchstier. Es zeigte starke Eingenommenheit der Psyche, starke -Schmerzhaftigkeit bei Druck auf den Hinterleib und die Nierengegend, -Brechbewegungen, sehr schwachen Puls, Unruheerscheinungen, Speicheln, -blutigen Durchfall, sowie gegen das tödliche Ende hochgradige -Dyspnoe. Die Sektion ergab folgenden Befund: Die Schleimhaut des -<em class="gesperrt">vierten Magens</em> erscheint geschwollen, in Falten gelegt, -trüb, glasig und gerötet. Die Rötung ist besonders ausgeprägt -auf der Höhe der Falten. Die Schleimhaut des <em class="gesperrt">Dünndarms</em> -erscheint in den Anfangsabschnitten gleichfalls geschwollen und -schwach gerötet, die des <em class="gesperrt">Mastdarms</em> ist geschwollen und -graurot gefärbt. Die Milz ist vergrössert, blaugrau gefärbt und -von einer ziemlich steifen Konsistenz. Auf der Schnittfläche tritt -die braunrote Pulpa etwas zurück, Lymphfollikel und trabekuläres -Gewebe sind deutlich kenntlich. Die <em class="gesperrt">Leber</em> ist geschwollen, -die Ränder sind abgerundet, die Kapsel gespannt und durchsichtig. -Die Farbe der Leber ist eine graubraune, die Konsistenz eine -mürbe. Die Schnittfläche erscheint sehr blutreich und ist ziemlich -gleichmässig braunrot gefärbt. Die Grenzen der Leberläppchen sind -kaum kenntlich. Die Nierenkapseln lassen sich leicht abziehen, die -Farbe der <em class="gesperrt">Nieren</em> ist eine hellgraubraune, ihre Konsistenz -ziemlich derb. Auf der Schnittfläche erscheint die Rindensubstanz -rötlich grau, trüb, undurchsichtig. Die Glomeruli erscheinen -als kleine rote Pünktchen. Die Züge der geraden Harnkanälchen -sind erweitert und lassen sich auch in der Grenzschicht noch gut -erkennen. Aus den Sammelröhren fliesst bei Druck eine schleimige, -grauweisse, zähe Masse ab. — Lungen- und Brustfell sind glatt und -glänzend. Die Lungen sind hellrot und in allen Teilen lufthaltig. -Die Schnittfläche erscheint rosafarben, feucht, glänzend. Bei -Druck wird eine feinblasige, schaumige Flüssigkeit entleert. -Die <em class="gesperrt">mikroskopische</em> Untersuchung des <em class="gesperrt">Harns</em> ergibt -eine sehr reichliche Menge von <em class="gesperrt">oxalsauren Kalksalzen</em>, -welche in drusenartiger Anordnung liegen. Die meisten haben eine -länglich-viereckige Gestalt, einzelne lassen einen quadratischen -Mittelpunkt erkennen, von dem 4 gleichgestaltete, leicht -quergestreifte Strahlen abgehen. Neben diesen sternförmigen -Kristallen werden auch vereinzelt nadelförmige, mit feiner Spitze -und ziemlich breiter Basis gefunden. Weiter ist Blasenepithel -und Nierenepithel nachzuweisen. Die Reaktion ist neutral, -Gallenfarbstoffe sind in geringer Menge und Eiweiss zu 1 Proz. -vorhanden. In der <em class="gesperrt">Rindenschicht</em> der <em class="gesperrt">Niere</em>, aber auch in -der Mark- und Grenzschicht finden sich zerstreut im <em class="gesperrt">Parenchym</em> -zahlreiche <em class="gesperrt">Drusen</em> von <em class="gesperrt">oxalsaurem Kalk</em>. Die Kristalle -werden auch in den Harnkanälchen nachgewiesen. Das Epithel derselben -ist teilweise deformiert, die Zellen sind getrübt. Ferner finden -sich in den Harnkanälchen zahlreiche rote Blutkörperchen. Die -<em class="gesperrt">Leberzellen</em> sind mit Fettkörnchen reichlich angefüllt und -scheinen etwas vergrössert. Zwischen ihnen finden sich vereinzelt -<em class="gesperrt">Kristalle</em> von <em class="gesperrt">oxalsaurem Kalk</em>. Der Sektionsbefund ist -mithin ein ähnlicher wie beim ersten Versuche.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_142">[S. 142]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Oxalurie.</b> Mit diesem Namen wird eine beim Menschen, namentlich -in England, beobachtete chronische Krankheit bezeichnet, welche -sich durch sehr reichliche Ausscheidung von oxalsaurem Kalk im Harn -charakterisieren, mit schweren psychischen Depressionszuständen -verlaufen und eine Prädisposition für Diabetes mellitus bilden soll. -Man bringt die Bildung des Kalziumoxalats mit anhaltender Körperruhe -und unvollständiger Verbrennung des Eiweisses in Verbindung. -Vereinzelt soll die Krankheit auch durch den Genuss oxalhaltiger -Pflanzen und Limonaden beim Menschen entstehen. Sie wird daher wohl -auch als „chronische Oxalvergiftung“ aufgefasst (<em class="gesperrt">Kobert</em>). Bei -den Haustieren ist nichts Derartiges bekannt.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Jodoformvergiftung">Jodoformvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Vergiftungen mit Jodoform kamen früher besonders -bei <em class="gesperrt">Hunden</em> vor, wenn dieselben sich das auf die Wunde -aufgestreute Jodoform ableckten. Ich habe selbst mehrere solche -Fälle bei Hunden beobachtet. Auch <em class="gesperrt">Albrecht</em> hat einen Fall -veröffentlicht (Wochenschr. f. T. 1887). Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> -des Jodoforms soll für Warmblüter nach den Untersuchungen von -<em class="gesperrt">Poljäkow</em> (Russischer Veterinärbote 1884) bei Einführung in die -serösen Säcke 0,5 g pro Kilo Körpergewicht, 1,0 g bei stomatikaler -und 1,5–2,0 g bei subkutaner Anwendung betragen. Von Wunden aus wirkt -Jodoform jedenfalls schon in kleineren Dosen tödlich. Auch verhalten -sich nicht alle Tiere gleich. So starb z. B. eine ältere Kuh, welcher -ich versuchsweise 50 g Jodoform innerlich verabreichte, nach 36 -Stunden unter Temperaturabfall, Krämpfen und Narkose; die Sektion -ergab Gastroenteritis, Drüsenveränderungen und Lungenhypostase. -Dagegen ertrug ein 10 Tage altes Kalb 5 g Jodoform innerlich ohne -jede Reaktion.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Jodoform wirkt dadurch, -dass es im Körper freies Jod abgibt. Die Jodoformvergiftung ist also im -wesentlichen eine Jodvergiftung. Man hat dabei zwischen einer akuten -und chronischen Vergiftung zu unterscheiden.</p> - -<p>1. Die <em class="gesperrt">akute Jodoformvergiftung</em> (akuter Jodismus) äussert sich -zunächst in <em class="gesperrt">leichten gastrischen Störungen</em> (Appetitverlust, -Erbrechen, Verstopfung), sodann in <em class="gesperrt">Schläfrigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Betäubung</em> und <em class="gesperrt">Koma</em>, welche von <em class="gesperrt">Krampfanfällen</em> -unterbrochen werden. Hunde zeigen zuweilen schon anfangs <em class="gesperrt">starke -Aufregung</em> und selbst wutähnliche Zufälle. Weiter findet <em class="gesperrt">starkes -Sinken der Innentemperatur</em> statt und es entwickeln sich die Zeichen -der <em class="gesperrt">Herzschwäche</em> (sehr frequenter, kleiner Puls, pochender -Herzschlag, Dyspnöe, Oligurie, Albuminurie).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man als Hauptveränderungen -<em class="gesperrt">Verfettung</em> der grossen <em class="gesperrt">Körperdrüsen</em> (Leber, Niere), -des <em class="gesperrt">Herzmuskels</em> und der <em class="gesperrt">Skelettmuskeln</em>, sowie zuweilen -<em class="gesperrt">Glomerulonephritis</em> und <em class="gesperrt">Verkalkung</em> der <em class="gesperrt">Niere</em>.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_143">[S. 143]</span></p> - -<p>2. Die <em class="gesperrt">chronische Jodoformvergiftung</em> (chronischer Jodismus) -verläuft unter den Erscheinungen der chronischen Jodvergiftung. -Dieselben bestehen in <em class="gesperrt">Abmagerung</em>, <em class="gesperrt">Schwund der Drüsen</em>, -namentlich der Milchdrüse, <em class="gesperrt">Jodexanthem</em> und <em class="gesperrt">Katarrh der -Schleimhäute</em>, insbesondere der Nasenschleimhaut (Jodschnupfen), -der Lidbindehaut, der Kehlkopf- und Bronchialschleimhaut. Die beim -Menschen ausserdem vorkommenden zerebralen Störungen (Melancholie, -Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Gedächtnisschwäche) sind bei den -Haustieren bisher nicht beobachtet worden.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Man hat zunächst das Jodoform durch -<em class="gesperrt">Brechmittel</em> aus dem Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote -gegen <em class="gesperrt">Jod</em> gibt es wenige. Man kann versuchen, durch grosse Dosen -von <em class="gesperrt">Stärkemehl</em> (Jodstärke) oder <em class="gesperrt">Eiweiss</em> (Jodalbuminat) -das Jod unwirksam zu machen. Auch die Verabreichung von <em class="gesperrt">Natrium</em> -und <em class="gesperrt">Kalium bicarbonicum</em>, sowie von <em class="gesperrt">Bromkalium</em> zur -Bindung des Jods ist empfohlen worden. Ausserdem wird <em class="gesperrt">Natrium -subsulfurosum</em> (Natriumthiosulfat) von der Formel Na<sub>2</sub>S<sub>2</sub>O<sub>3</sub> -als spezifisches Antidot gegen Jodvergiftung empfohlen (J<sub>2</sub> -+ 2 Na<sub>2</sub>S<sub>2</sub>O<sub>3</sub> = 2 NaJ + Na<sub>2</sub>S<sub>4</sub>O<sub>6</sub>). Daneben wird -<em class="gesperrt">symptomatisch</em> mit <em class="gesperrt">Exzitantien</em> behandelt (Aether, Kampfer, -Koffein etc.).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Das im Magen und Darm enthaltene Jodoform wird aus -dem schwach alkalisch gemachten wässerigen Destillat mit <em class="gesperrt">Aether</em> -ausgeschüttelt. Es kristallisiert dann nach dem Verdunsten des Aethers -meist in charakteristischen <em class="gesperrt">gelben hexagonalen Tafeln</em> aus; -seltener bildet es undeutliche Kristalle oder ist amorph. Erhitzt -man ferner die Lösung des Jodoforms in wenig Alkohol mit sehr wenig -<em class="gesperrt">Phenolnatrium</em>, so zeigt sich sehr bald am Boden eine rötliche -Abscheidung von <em class="gesperrt">Rosolsäure</em>, welche sich in verdünntem Weingeist -mit schöner karminroter Farbe löst.</p> - -<p>In den inneren Körperorganen kann das Jodoform als solches nicht mehr -nachgewiesen werden, weil es sich unter Abspaltung von Jod zersetzt -hat. Zum Nachweise dieses im Körper an Kalisalze gebundenen Jods -müssen die zu untersuchenden Massen zunächst durch <em class="gesperrt">Glühen</em> -mit <em class="gesperrt">Natronsalpeter</em> von organischen Beimengungen befreit -werden, worauf der Rückstand mit Kohle gemengt und geglüht, nach dem -Erkalten mit Alkohol ausgezogen, der Auszug verdunstet, der Rückstand -(Jodnatrium) in wenig Wasser gelöst und<span class="pagenum" id="Seite_144">[S. 144]</span> vorsichtig mit verdünnter -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> übersättigt wird. Die schwefelsaure Flüssigkeit -wird sodann unter Zusatz von etwas Braunstein oder chromsaurem Kali -überdestilliert und das Jod dadurch in Form violetter Dämpfe frei -gemacht. Das übergegangene Destillat gibt ferner auf Zusatz von kaltem -<em class="gesperrt">Stärkekleister</em> <em class="gesperrt">Blaufärbung</em> und mit <em class="gesperrt">Chloroform</em> oder -<em class="gesperrt">Schwefelkohlenstoff</em> eine <em class="gesperrt">violette</em> Farbe.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Jod.</b> Vergiftungen durch freies Jod sind bei den Haustieren -bisher nicht beobachtet worden. Dagegen haben experimentelle -Versuche mit Jod bei unseren Haustieren folgendes ergeben. -<em class="gesperrt">Hunde</em> starben nach der innerlichen Verabreichung von 8–12 -g Jod (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Ferner genas ein Hund auf 4,7 g Jod nach -vorausgegangenem heftigem Erbrechen und Schluchzen (<em class="gesperrt">Orfila</em>), -ein anderer nach 6 g Jod. Nach 14tägiger Verabreichung von täglich -2mal 0,6–0,9 g Jod zeigten Versuchshunde starke Abmagerung, -Erbrechen und Diarrhöe. Nach <em class="gesperrt">Böhm</em> starben Hunde nach -intravenöser Applikation von 0,04 freiem Jod pro kg; 0,02 und 0,03 -g werden dagegen noch gut ertragen. Pferde zeigen nach 14tägiger -innerlicher Verabreichung von täglich 2mal 2–4,0 g Jod starke -Abmagerung und Durchfall; 4–8,0 g Jod intravenös eingespritzt -erzeugten Taumeln, Betäubung, Zusammenstürzen, Atmungsbeschleunigung, -konstant schmerzhaften Husten, Pupillenerweiterung und Mattigkeit -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Auf die roten Blutkörperchen wirkt Jod auflösend -(<em class="gesperrt">Methämoglobinämie</em>); ähnlich wirken die jodsauren Salze. Einen -Fall von Jod-Idiosynkrasie bei einem Hund nach Verabreichung von -Lebertran hat <em class="gesperrt">Frick</em> beschrieben (D. t. W. 1898). Kaninchen -zeigen bei Jodvergiftung (0,1) Hämaturie und Nierenverkalkung (<em class="gesperrt">v. -Kossa</em>).</p> - -<p><b>Jodkalium.</b> Die innerliche Anwendung des Jodkaliums gegen -Aktinomykose des Rindes und Botryomykose des Pferdes hat neuerdings -vielfach <em class="gesperrt">akuten</em> und <em class="gesperrt">chronischen Jodismus</em> (vergl. S. -143) zur Folge gehabt. <em class="gesperrt">Gerö</em> (Veterinarius 1901) verabreichte -einem 1½jährigen Stier gegen Sarkom innerlich in 4 Tagen 70 -g Jodkali, worauf derselbe schwer erkrankte und Schwellung der -Augenlider, Tränenfluss, Zähneknirschen und Speicheln, rote -Flecken auf der Nasenschleimhaut, Strangurie, Albuminurie, -sowie Lähmungserscheinungen zeigte, sich jedoch wieder erholte. -<em class="gesperrt">Bouchet</em> (Progr. vét. 1902) sah bei einem Pferd, das gegen -Aktinomykose ein ganzes Jahr lang insgesamt 1½ kg Jodkalium -erhielt, Haarausfall über den ganzen Körper, sowie nässende Ekzeme -an allen fein behaarten Körperstellen. <em class="gesperrt">Schuster</em> (Woch. f. -T. 1906) beobachtete bei einem Zuchtstier mit Zungenaktinomykose, -der in 6 Tagen 60 g Jodkalium erhalten hatte, Ekzem über den ganzen -Körper, Nasen- und Augenausfluss, sowie Appetitlosigkeit. In dem -von <em class="gesperrt">Wester</em> (Holl. tierärztl. Zeitschrift 1898) beschriebenen -Fall zeigte ein Pferd nach 5 Dosen von je 10 g Jodkalium am 5. Tage -Appetitlosigkeit, Husten, Jodexanthem, besonders am Kopf, starke -Abmagerung und Schwanken. Ich habe ähnliche Fälle bei Pferden mit -Samenstrangfisteln beobachtet, welche in der Praxis mit Jodkalium -vorbehandelt waren. Neuerdings (Monatsh. f. pr. T. 1907) beobachtete -ich ein ausgedehntes squamöses und krustöses Exanthem mit starker -Hautverdickung bei einem Pferd, das 20 Tage lang täglich 5 g -Jodkalium innerlich und ausserdem subkutan 50 g Jodipin erhalten -hatte.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_145">[S. 145]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Jodzyan.</b> Das Jodzyan von der Formel CNJ wird als -Konservierungsmittel für zoologische Sammlungen benützt und ist -sehr stark giftig (Jodwirkung = Methämoglobinämie, ausserdem -Blausäurewirkung).</p> - -<p><b>Brom.</b> Vergiftungen durch freies Brom oder durch Bromsalze -sind bei den Haustieren ebenfalls noch nicht zur klinischen -Beobachtung gelangt. Nur in einem Fall konnte ich bei einem an -Starrkrampf erkrankten Pferde, welches innerhalb 4 Tagen 500 g -Bromkalium erhalten hatte, ein über den ganzen Körper verbreitetes -<em class="gesperrt">Bromexanthem</em> mit starker Schwellung und teilweiser -<em class="gesperrt">Nekrose</em> der Haut beobachten. Dagegen ist experimentell -festgestellt, dass Hunde nach einmaligen Dosen von 20–50 g, Pferde -nach solchen von 250–300 g Bromkalium sterben. Es lässt sich ferner -auch bei Tieren ein <em class="gesperrt">chronischer Bromismus</em> experimentell -hervorrufen. Derselbe äussert sich in psychischer Depression, -<em class="gesperrt">Abmagerung</em>, <em class="gesperrt">lähmungsartiger Schwäche</em>, Impotenz, -Zittern, Konjunktivitis, <em class="gesperrt">Laryngitis</em>, Bronchialkatarrh, -<em class="gesperrt">Magendarmkatarrh</em>, sowie <em class="gesperrt">Ekzembildung</em> auf der Haut -(Urtikaria, Furunkulosis, Akne, Geschwüre etc. infolge Ausscheidens -freien reizenden Broms in die Talgdrüsen und Schweissdrüsen der -Haut; <em class="gesperrt">Bromexanthem</em>). Die <em class="gesperrt">Sektion</em> ergibt ausgebreitete -<em class="gesperrt">parenchymatöse Myelitis</em>, sowie stellenweise Sklerosierung des -Rückenmarks, <em class="gesperrt">parenchymatöse</em> Veränderungen der <em class="gesperrt">zerebralen -Ganglienzellen</em> (Volumsvergrösserung) neben <em class="gesperrt">fettiger -Muskelentartung</em>. Das Einatmen von <em class="gesperrt">Brom</em> erzeugt ähnliche -Entzündungszustände der Respirationsschleimhaut wie das Chlor.</p> - -<p><b>Chlorvergiftungen</b> sind bei den Haustieren sehr selten. -In einem von <em class="gesperrt">Rost</em> beobachteten Falle standen Pferde in -einer chemischen Fabrik in der Nähe der geöffneten Chlorkammern; -sie zeigten hochgradige Atemnot, sehr schmerzhaften Husten und -die Erscheinungen des Lungenödems. Einen ähnlichen Fall hat -<em class="gesperrt">Lungwitz</em> (Sächs. Jahresber. 1900) bei Rindern nach der -Desinfektion eines Stalles mit Chlorkalk beobachtet. Bezüglich des -<em class="gesperrt">Chlorkalks</em> ist durch Versuche von <em class="gesperrt">Hertwig</em> festgestellt, -dass von den Tieren innerlich ziemlich grosse Dosen ertragen werden. -Nach 1000,0 g bei Pferden und Kühen, 30,0 g bei Schafen und Ziegen, -15,0 g beim Hund war nur etwas Puls- und Atmungsbeschleunigung, -Tränen, vermehrter Harn- und Kotabsatz, sowie ein Chlorgeruch des -Harns zu bemerken. Chlorwasser ertrugen Pferde und Rinder noch -in Dosen von 1500 g, dagegen starben Hunde auf 150 g. Intravenös -hatte Chlorkalk beim Pferde (mit 120 g Wasser gemischt) Schwindel, -Mydriasis, Blässe der sichtbaren Schleimhäute, Zusammenstürzen und -nach 30–50 Minuten den Tod zur Folge. 60 g Chlorwasser intravenös -gegeben, erzeugten bei einem Pferde Mattigkeit und Zittern. -<em class="gesperrt">Beier</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1902, S. 170) hat einen tödlichen -Fall von Chlorkalkvergiftung bei einem Militärpferde beobachtet, -das etwa 300 g Chlorkalk in 10 l Wasser (Hufbad) aufgenommen -hatte. Das Pferd zeigte hierauf <em class="gesperrt">kolikartige</em> Erscheinungen, -schmutzig ziegelrote Farbe und Schwellung der Augenschleimhäute, -drahtförmigen Puls (60 Schläge bei 38,5° C.), pochenden Herzschlag -und verendete plötzlich. Die Sektion ergab brandige Entzündung des -gesamten Verdauungskanals (schwarze Verfärbung des Zungengrundes, -starke Schlundkopfentzündung, gelbsulzige Massen in der Umgebung -des sonst intakten Schlundes, namentlich der Brustportion desselben -(ähnliche Massen am Dünn- und Dickdarmgekröse), blutige Entzündung -der Darmschleimhaut (besonders der Mastdarmschleimhaut). Alle Teile -des Magen- und Darminhalts zeigten starken Chlorgehalt.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_146">[S. 146]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Fluorwasserstoffsäure.</b> Die Fluorwasserstoffsäure von -der Formel FH wirkt durch ihre Dämpfe ähnlich reizend wie die -Salzsäure. Das Fluornatrium, FNa, soll nach <em class="gesperrt">Tappeiner</em> ein -Protoplasmagift sein, welches subkutan lokale Eiterung und Nekrose, -auf der Hornhaut Geschwüre und intravenös Krämpfe erzeugt; als -spezifische Erscheinung soll ausserdem Salivation auftreten. Bei -der Sektion findet man ulzeröse Gastroenteritis und Nephritis. -Im übrigen widersprechen sich die Angaben über die Giftigkeit -bezw. Nichtgiftigkeit der Flusssäure und des Fluornatriums sehr. -Die nach Verfütterung von <em class="gesperrt">phosphorsaurem Futterkalk</em> bei -Schweinen beobachteten Krankheitserscheinungen (mangelnde Fresslust, -Abmagerung, Somnolenz, Schwäche und Lähmung; Schwellung, Hämorrhagien -und Aetzung der Magendarmschleimhaut bei der Sektion) werden von -<em class="gesperrt">Dammann</em> und <em class="gesperrt">Manegold</em> (Deutsch. tierärztl. Woch. 1904) -auf den Fluornatriumgehalt des verfütterten Kalkes zurückgeführt. -Da vergleichende Versuche mit löslichen Fluorsalzen bei Schweinen -nicht gemacht wurden und die Angaben über die Giftigkeit der -Fluorverbindungen sehr differieren, bleibt die Frage unentschieden, -wodurch die Schädlichkeit des Futterkalks bedingt war.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Karbolsaeurevergiftung">Karbolsäurevergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die Karbolsäure veranlasst in verschiedenen -Formen Vergiftungen bei den Haustieren. 1. Die <em class="gesperrt">reine -Karbolsäure</em> (kristallisierte Karbolsäure) ist eine farblose oder -kaum rötliche, erstarrte kristallinische Masse, welche sich in 1 : 20 -Wasser löst. Mit <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub> Wasser gemischt, bildet sie die verflüssigte -Karbolsäure (Acidum carbolicum liquefactum). Die reine Karbolsäure -hat seit ihrer Einführung als Antiseptikum (1870) zahlreiche -Vergiftungen verursacht. Dieselben sind teils bei der Wundbehandlung -(namentlich bei Katzen), teils in der Geburtshilfe (Ausspülung -des Uterus beim Rind und Hund), vor allem aber bei der Behandlung -der Räude der Schafe, Hunde und Pferde mittels Karbolbädern und -Karbolwaschungen beobachtet worden. 2. Die <em class="gesperrt">rohe Karbolsäure</em> -des Handels stellte früher das Rohprodukt der reinen Karbolsäure dar -und enthielt bis zu 80 Proz. derselben. Gegenwärtig ist sie nahezu -ganz frei von Karbolsäure und besteht fast ausschliesslich aus den -höheren Homologen der Karbolsäure, namentlich Kresolverbindungen; -vergl. S. 154. Vergiftungen ereignen sich bei der Anwendung der rohen -Karbolsäure als Desinfektions- und Räudemittel. 3. Der <em class="gesperrt">Teer</em> -wird teils als Holzkohlenteer, teils als Steinkohlenteer benützt. -Er enthält in beiden Formen grössere Mengen von Karbolsäure (neben -Kreosot, Naphthalin, Kresol, Holzessigsäure, Brenzkatechin, Benzol) -und gibt bei der Räudebehandlung (Teereinreibungen bei Hunden -und Katzen) und Desinfektion (Ablecken des Teeranstrichs durch -Rinder) Veranlassung zur Karbolvergiftung. 4. Das <em class="gesperrt">Kreosot</em> -enthält in der im Handel vorkommenden Form immer grössere Mengen -von Karbolsäure; das reine, offizinelle, aus Buchenholzteer -dargestellte Kreosot soll dagegen nur aus Guajakol und Kreosol -bestehen. Kreosotvergiftungen zeigen sich bei Hunden, Schafen, -Pferden und Katzen bei der Räudebehandlung; sie stellen meistens -Karbolvergiftungen dar. 5. Der <em class="gesperrt">Holzessig</em> enthält neben -Karbolsäure Kresol, Essigsäure, Holzgeist und Azeton. 6. Das -<em class="gesperrt">Kreolin</em>, <em class="gesperrt">Lysol</em>, <em class="gesperrt">Bazillol</em> und andere ähnliche -Kresolpräparate enthalten entweder gar keine oder nur Spuren von -Karbolsäure, können also für gewöhnlich eine Karbolvergiftung nicht -bedingen.<span class="pagenum" id="Seite_147">[S. 147]</span> Ueber die Giftwirkung der Kresole vergl. S. 154. 7. Das -<em class="gesperrt">Gaswasser</em> bildet sich neben dem Steinkohlenteer als wässeriges -Destillat bei der Gasfabrikation. Es enthält neben Karbolsäure -und Teerbestandteilen namentlich Zyan- und Ammoniumverbindungen -(Zyanammonium, chlorsaures Ammonium und Schwefelammonium). Es gibt -zu Karbolvergiftungen Veranlassung, wenn in der Nähe von Gasfabriken -weidende Rinder von dem Gaswasser trinken. 8. Das <em class="gesperrt">stinkende -Tieröl</em> besteht aus Karbolsäure, Kreosot, Pyridinbasen und -Ammoniumverbindungen; Vergiftungen ereigneten sich früher bei der -Anwendung als Räudemittel und Wurmmittel. 9. Der <em class="gesperrt">Russ</em>, welcher -in der Hauptsache aus Kohle besteht, enthält ebenfalls geringe Mengen -von Karbolsäure und Kreosot und kann bei reichlicher Aufnahme eine -Karbolvergiftung bedingen (vergl. die Kasuistik).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Karbolsäure wirkt in konzentriertem Zustand -örtlich <em class="gesperrt">ätzend</em>. Nach ihrer Resorption wirkt sie als zentrales -Nervengift teils <em class="gesperrt">lähmend</em>, teils <em class="gesperrt">krampferregend</em>. <em class="gesperrt">Die -Erscheinungen der Karbolvergiftung bei Tieren unterscheiden sich durch -das Hinzutreten von Krämpfen wesentlich von der Karbolvergiftung -beim Menschen.</em> Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind: -<em class="gesperrt">Verätzung</em> der Lippen- und Mundschleimhaut bei konzentrierter -Anwendung; Appetitverminderung, Speicheln, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Diarrhöe, -leichte <em class="gesperrt">Kolikschmerzen</em>, Aufbiegen des Rückens; schmutzig -getrübter, <em class="gesperrt">grünlichbrauner</em> (Hydrochinon), eiweisshaltiger, -nach Karbolsäure riechender <em class="gesperrt">Harn</em>; Parese und Paralyse der -Nachhand, <em class="gesperrt">Lähmung</em> des ganzen Körpers, zuweilen plötzliches -Zusammenstürzen, <em class="gesperrt">Zittern</em>, Schreckhaftigkeit, Unruhe, -<em class="gesperrt">tonisch-klonische Krämpfe</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Koma</em>, -<em class="gesperrt">Kollaps</em>; <em class="gesperrt">Sinken der Innentemperatur</em> bei Beschleunigung -des Pulses; unregelmässige, erschwerte Respiration. Zuweilen -entwickeln sich die Symptome einer <em class="gesperrt">Nephritis</em> (weisse und -rote Blutkörperchen, Zylinder im Harn). Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> der -Karbolvergiftung ist zuweilen ausserordentlich rasch; in anderen Fällen -kann die Dauer 2–3 Tage, zuweilen auch viel länger betragen (bis zu 14 -Tagen).</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Bei konzentrierter innerlicher Verabreichung -findet man die Erscheinungen einer <em class="gesperrt">korrosiven Gastroenteritis</em>. -Die Allgemeinveränderungen, wie sie namentlich nach der epidermatischen -Anwendung der Karbolsäure auftreten, bestehen in Leberverfettung, -parenchymatöser Degeneration des Herzens, Verfettung der Nieren und -zuweilen in parenchymatöser Nephritis. Daneben findet man dunkles, -schlecht geronnenes, schmieriges Blut, Gehirn- und Lungenhyperämie, -Piaödem, serösen Erguss in die Ventrikel, sowie Karbolgeruch aller -Organe.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_148">[S. 148]</span></p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste chemische Antidot der Karbolsäure ist -die <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em>. Sie wird entweder als solche in sehr stark -verdünntem Zustand oder in Form der schwefelsauren Alkalien, namentlich -als <em class="gesperrt">Glaubersalz</em> und <em class="gesperrt">Bittersalz</em> verabreicht (Bildung von -ungiftigem, phenolsulfonsaurem Kalium im Blut). Auch <em class="gesperrt">Seife</em> wird -als ein gutes Gegengift empfohlen (Bildung einer Emulsion, Umwandlung -der Karbolsäure in ungiftiges Phenolnatrium). Neuere Gegenmittel sind -<em class="gesperrt">Jodtinktur</em> (Bildung von Jodphenol) und Terpentinöl. Ausserdem -verabreicht man <em class="gesperrt">einhüllende</em> Mittel, namentlich <em class="gesperrt">Eiweiss</em>, -welches mit Karbolsäure einen Niederschlag gibt; auch <em class="gesperrt">Leimwasser</em> -besitzt diese Eigenschaft. Bei Hunden und Pferden kann man ferner eine -<em class="gesperrt">Magenausspülung</em> vornehmen. Die Lähmungserscheinungen behandelt -man mit <em class="gesperrt">exzitierenden</em> Mitteln, namentlich mit subkutanen Aether- -und Kampferinjektionen, mit Hoffmannstropfen, Wein, Kaffee, Koffein, -Atropin, Hyoszin oder Veratrin.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die Karbolsäure ist meist schon allein durch -den <em class="gesperrt">Geruch</em> festzustellen. Auch die <em class="gesperrt">schwarzbraune</em> -Verfärbung des <em class="gesperrt">Harns</em>, sowie die <em class="gesperrt">grauweissen Aetzschorfe</em> -sind klinische Kennzeichen. Zum Zweck des chemischen Nachweises -wird die Karbolsäure aus den Eingeweiden und dem Blut gewöhnlich -durch <em class="gesperrt">Destillation</em> nach vorheriger schwacher Ansäuerung -mit Schwefelsäure oder Phosphorsäure abgeschieden, wobei sofort -der <em class="gesperrt">kreosotartige</em> Geruch des Destillates auffällt. Aus -dem Destillat wird sodann die Karbolsäure durch Schütteln mit -Aether ausgezogen und nach dem Verdunsten des Aethers konzentriert -erhalten. Eine andere Extraktionsmethode besteht darin, dass der -mit Schwefelsäure angesäuerte Mageninhalt mit dem vierfachen -Alkohol gemischt, nach 24 Stunden filtriert und der Alkohol im -Vakuum bei möglichst niederer Temperatur abdestilliert wird. Der -mit Petroleumäther entfettete Rückstand wird sodann mit Benzin -ausgeschüttelt, welches die Karbolsäure leicht aufnimmt. Behufs -Vornahme der Einzelreaktionen wird die Karbolsäure in Wasser gelöst. -Diese Reaktionen sind folgende: 1. <em class="gesperrt">Bromwasser</em> gibt mit -wässerigen Karbollösungen einen <em class="gesperrt">gelblichweissen, kristallinischen -Niederschlag</em> von <em class="gesperrt">Tribromphenol</em><a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a>, welcher mikroskopisch -aus einem<span class="pagenum" id="Seite_149">[S. 149]</span> Gewirre feiner, häufig zu Drusen vereinigter Kristallnadeln -besteht (Empfindlichkeit 1 : 100000; bei starker Verdünnung tritt der -Niederschlag nur langsam ein). Dieser Niederschlag kann auch gesammelt, -gewogen und auf Karbolsäure berechnet werden (quantitative Analyse). -2. <em class="gesperrt">Schwefelsaures Eisenoxyd</em> färbt die wässerige Karbollösung -noch bei 1 : 2000 <em class="gesperrt">blaulila</em>, <em class="gesperrt">Eisenchlorid violett</em>. 3. -<em class="gesperrt">Ammoniaklösung</em> (¼) und <em class="gesperrt">Chlorkalklösung</em> (einige Tropfen -einer 5prozentigen) färben das Karbolwasser nach gelindem Erwärmen -<em class="gesperrt">königsblau</em> noch bei einem Karbolgehalt von 1 : 20000. 4. -<em class="gesperrt">Salpetersaures Quecksilberoxydul</em> (NO<sub>2</sub>haltig) mit Karbollösung -erwärmt, gibt eine <em class="gesperrt">Rosafärbung</em>; Empfindlichkeit 1 : 100000. 5. -<em class="gesperrt">Anilin</em> und unterchlorigsaures Natron in gleichen Teilen der -stark verdünnten Säure zugesetzt, geben eine <em class="gesperrt">Blaufärbung</em> (= -erythrophenolsaures Natron), welche sich bei Zusatz einer Säure in Rot -umwandelt; Empfindlichkeit 1 : 66000. 6. <em class="gesperrt">Eiweiss</em> und Leim werden -durch konzentrierte Karbolsäure aus ihren Lösungen <em class="gesperrt">ausgefällt</em>; -auf der Haut entsteht ein <em class="gesperrt">weisser Aetzschorf</em>. 7. Ein -<em class="gesperrt">Fichtenspan</em>, der in wässerige Karbollösung getaucht ist, wird -beim Befeuchten mit konzentrierter Salzsäure <em class="gesperrt">blau</em> (unsicher).</p> - -<p><b>Kreosot</b> färbt sich in ganz reinem Zustand (Kreosol-Guayakol) -im Gegensatz zur Karbolsäure mit Eisenchloridlösung unter Zusatz von -Weingeist <em class="gesperrt">grün</em>, bei Wasserzusatz wird die Lösung <em class="gesperrt">farblos</em>. -Weil jedoch das Kreosot meist Karbolsäure enthält, wird die Lösung -nach Wasserzusatz gewöhnlich violett. <em class="gesperrt">Ein Mittel, Kreosot bei -gleichzeitiger Anwesenheit von Karbolsäure nachzuweisen, gibt es -nicht.</em></p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Karbolsäure.</b> Am empfindlichsten gegen Karbolsäure sind -<em class="gesperrt">Katzen</em>; sie können schon durch sehr kleine Dosen von Wunden -aus (0,5–1,0) sehr rasch vergiftet werden. Hunde sterben nach der -innerlichen Verabreichung von 2–7 g. Am wenigsten empfindlich -scheinen <em class="gesperrt">Pferde</em> gegenüber der innerlichen Anwendung der -Karbolsäure zu sein. Nach <em class="gesperrt">Munk</em> (Berliner Archiv 1882) ertrugen -mittelgrosse Pferde ohne Nachteil 100 g Karbolsäure auf einmal, -sowie 500 g im Verlauf einer Woche; er führt dies auf die vermehrte -Oxydation der Karbolsäure im Blut des Pferdes und auf die raschere -Umwandlung zu Hydrochinon zurück. — Von den in der Literatur -verzeichneten Vergiftungsfällen mögen die nachstehenden kurz erwähnt -sein. Einem mit einem Widerristschaden behafteten Pferde wurden 350 g -einer konzentrierten spirituösen Karbolsäurelösung innerhalb 2 Tagen -eingerieben. Am 2. Tage stürzte das Pferd plötzlich zusammen, zeigte -allgemeine Lähmung, starken Schweissausbruch, angestrengte Atmung, -unfühlbaren Puls, Erweiterung der Pupille und starb bald hernach. Die -Sektion<span class="pagenum" id="Seite_150">[S. 150]</span> ergab lediglich eine schwarze teerartige Beschaffenheit des -Blutes (<em class="gesperrt">Thoms</em>, Preuss. Mitt. 1879). — Von 5 räudigen Pferden, -welche vom Besitzer 3mal innerhalb 6 Tagen mit einer spirituösen -Karbollösung (1 : 3) eingerieben worden waren, starben 2 am 3., -die übrigen 3 bis zum 10. Tage unter heftigen Kolikerscheinungen, -hochgradiger Schwäche und Entleerung eines dunkelbraun gefärbten -Harnes (Berl. Arch. Bd. 13). — Im Regiment Chasseurs d’Afrique -wurde ein räudiges Pferd mit einer 10proz. Lösung von roher -Karbolsäure eingerieben. Nach einer Stunde zeigte es heftiges -Zittern, Schreckhaftigkeit, Schwanken, Muskelzuckungen am ganzen -Körper, sowie beschleunigte Atmung; die Haut war an den eingeriebenen -Stellen geschwollen und schmerzhaft (<em class="gesperrt">Décroix</em>, Recueil 1873). -— Nach dem Berieseln einer grossen Hautwunde mit Karbolwasser -(rohe Karbolsäure) traten 8 Stunden darauf Zittern, Puls- und -Atmungsbeschleunigung, sowie nach 6stündiger Krankheitsdauer der -Tod ein (<em class="gesperrt">Schäfer</em>, Berl. Arch. 1885). — Nach Abnahme der -Nachgeburt bei einer Kuh wurde der Uterus mit einer Auflösung von 140 -g Karbolsäure in 12 l Wasser ausgespült. Bald darauf stellten sich -allgemeines Zittern und Schwanken, sowie periodische Krampfanfälle, -besonders an den Nackenmuskeln, Augenmuskeln und Ohrenmuskeln ein. -Die Atmung war sehr erschwert, und das Tier hatte Mühe, sich auf den -Beinen zu erhalten. Nach 4stündiger Dauer waren die Erscheinungen -wieder verschwunden (<em class="gesperrt">van Leuwen</em>, Holl. Vet.-Zeitschr. -1888). — Karbolsäurelösung, tropfenweise auf die Haut von Katzen -gebracht, hatte klonisch-tonische Krämpfe zur Folge (ibidem 1887). -— 120 Schafe wurden in Karbollösung gebadet. 15 starben, mehrere -fielen schon während des Badens um. Die Atmung war sehr angestrengt -(<em class="gesperrt">Schmitt</em>, Preuss. Mitt. 1881). — Von 40 mit Karbolsäurelösung -gewaschenen Schafen starben 23 (<em class="gesperrt">Schumann</em>, ibidem 1883). — -Hühner starben an Karbolvergiftung nach Aufnahme von Karbolkalk -(Oesterreich. Vierteljahrsschrift 1883). — Ein Rattenfänger -zeigte nach dem Waschen einer Wunde mit 2½proz. Karbolwasser -Zittern, Taumeln, Zusammenstürzen, Muskelzuckungen, sowie völlige -Bewusstlosigkeit; nach 2 Tagen entstand ausgedehnte Mumifikation -der Haut (<em class="gesperrt">Schmid</em>, Woch. f. Tierh. 1900). — Ferkel zeigten -angeblich nach der Desinfektion des Stalles mit reiner Karbolsäure -Apathie, Zittern, beschleunigte Atmung und Herztätigkeit, dunkelrote -Farbe der Ohren und aufgehobene Fresslust; die Sektion soll amyloide -und fettige Degeneration der Leber ergeben haben (<em class="gesperrt">Teply</em>, ibid. -1905).</p> - -<p><b>Teer.</b> Experimentelle Untersuchungen über Karbolvergiftung -nach <em class="gesperrt">Teereinreibungen</em> sind von <em class="gesperrt">Ellenberger</em> und -<em class="gesperrt">Hofmeister</em> (Sächs. Jahresber. 1882) an Hunden und Schafen -gemacht worden. Ein räudiger Jagdhund, welcher über den ganzen -Körper leicht eingeteert wurde, zeigte sich am nächsten Tag matt -und unlustig, frass schlecht und lag viel. Die Temperatur war von -39,0° auf 37,2° gesunken. Am 2. und 3. Tag fiel die Temperatur -auf 36,0°. Die Atmung war beschwert. Am 4. Tag trat Lähmung eines -Hinterbeines, sowie grosse allgemeine Schwäche ein. Am 5. Tag war -die Lähmung vollständig, namentlich war Paralyse der Nachhand -vorhanden, der Harn war von grünlichbrauner Farbe, enthielt -Gallenfarbstoffe und Spuren von Eiweiss. Nach Verabreichung von -Glaubersalz trat innerhalb 3 Wochen Genesung ein. Nach einer später -2mal wiederholten Einteerung des ganzen Körpers zeigte derselbe -Versuchshund Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Zittern und Sinken der -Körpertemperatur. Am 4. Tag war Karbolsäure im Harn, sowie am 6. -Tag Lähmung des<span class="pagenum" id="Seite_151">[S. 151]</span> Hinterteils nachzuweisen. Es bestand starkes -Speicheln (Ablecken). In den nächsten Tagen traten Muskelzuckungen -auf. Unter Zunahme der Mattigkeit starb der Hund am 15. Tag unter -Krämpfen. Die Sektion ergab hämorrhagische Gastroenteritis, -Leberverfettung, Nierenverfettung, parenchymatöse Degeneration -des Herzmuskels, Lungenödem, sowie starke seröse Hyperämie in -der Brust- und Bauchhöhle. Die Magendarmentzündung war durch -Ablecken des Teers entstanden. Ein ebenfalls eingeteertes Schaf -zeigte ähnliche Erscheinungen. Die Temperatur sank von 39,5 auf -38,4°; im Harn war Karbolsäure und Eiweiss nachzuweisen; der Tod -erfolgte unter klonischen Krämpfen. Bei der Sektion fand man -parenchymatöse Nephritis, markige Schwellung der Gekrösdrüsen, -leichten Magendarmkatarrh und vereinzelte Hämorrhagien, Oedem der -Pia, Anfüllung der Seitenventrikel des Gehirns mit Serum. Bei -einem zweiten Schaf, bei welchem nur der vierte Teil des Körpers -überfirnisst wurde, zeigte sich Temperaturabfall, grünlichbrauner, -Eiweiss, Epithelien, Leukozyten und Karbolsäure enthaltender -und deutlich nach Karbolsäure riechender Harn, sowie Parese der -Nachhand. Nach Verabreichung von Schwefelsäure und Glaubersalz trat -bald Besserung ein. — <em class="gesperrt">Grosswendt</em> (Zündels Jahresbericht -1881) beobachtete bei Kühen, welche den Teeranstrich von den Wänden -abgeleckt hatten, starkes Speicheln, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, -dunkelgefärbten Harn, Polyurie, schwarzen, breiartigen Kot, sowie -Schwäche im Hinterteil. Eine Kuh starb nach 15 Tagen. — Ein Rind, -dem wegen Hornbruchs ein Teerverband mit reichlichem Eindringen von -Teer in die Stirnhöhle angelegt worden war, zeigte einen starken -soporösen Zustand, der nach Anwendung von Kaffee und Branntwein -verschwand (<em class="gesperrt">Beel</em>, Holländ. Zeitschr. 1890). — Eine Kuh zeigte -nach dem Trinken von Wasser aus einem Teerfass verminderten Appetit, -Speicheln und dunklen Harn (<em class="gesperrt">Gebhard</em>, Woch. f. T. 1902).</p> - -<p><b>Kreosot.</b> Die giftige Wirkung des reinen, karbolsäurefreien -Kreosots auf die verschiedenen Haustiere ist geringer als die der -Karbolsäure. Die <em class="gesperrt">Vergiftungserscheinungen</em> bestehen, abgesehen -von den örtlichen Veränderungen, in <em class="gesperrt">Lähmungszuständen</em> und -<em class="gesperrt">Betäubung</em>; im Gegensatz zur Karbolsäure sollen Krämpfe fehlen. -Hunde sterben nach <em class="gesperrt">Hertwig</em> auf 2–8 g Kreosot unter Eintritt -von Schwäche, Schwindel, Lähmung, Erbrechen und Erstickungsanfällen. -Bei dem oft hohen Karbolgehalt der gewöhnlichen, nicht offizinellen -Kreosotsorten des Handels stimmt das Bild der Kreosotvergiftung -jedoch häufig mit dem der Karbolsäurevergiftung vollkommen -überein. So beobachtete <em class="gesperrt">Germain</em> (Recueil de méd. vét. 1882) -nach der Einreibung von 130 g Kreosot bei Pferden Schwanken, -Hinfälligkeit, Herabhängen der Lippen und Ohren, allgemeines Zittern, -Zusammenbrechen, Salivation, klonische Krämpfe in den hinteren -Extremitäten, sowie komatöse Erscheinungen. — Eine tödliche -Kreosotvergiftung bei einem mit Dermatoryktesräude behafteten Pferde -ist in der preussischen Armee beobachtet worden (Pr. Mil. Vet.-Ber. -1894).</p> - -<p><b>Holzessig.</b> Die Wirkungen des Holzessigs auf die einzelnen -Haustiere sind in früheren Zeiten von <em class="gesperrt">Justinus Kerner</em>, -<em class="gesperrt">Berres</em>, <em class="gesperrt">Hertwig</em>, <em class="gesperrt">Schubarth</em> u. a. eingehend -untersucht worden. Das Vergiftungsbild stimmt mit dem der -Karbolsäure- und Kreosotvergiftung überein. <em class="gesperrt">Katzen</em> stürzen -nach 2–4 g Holzessig augenblicklich zusammen, bekommen über den -ganzen Körper Konvulsionen, schreien, zeigen Erbrechen, Speicheln, -Urinabgang und sterben nach 1½-2 Minuten. Kleinere <em class="gesperrt">Hunde</em> -sterben nach 15 g unter den Erscheinungen hochgradiger Mattigkeit und -Abstumpfung,<span class="pagenum" id="Seite_152">[S. 152]</span> Zittern, Speicheln, Husten; grössere Hunde ertragen 30 -g ohne lebensgefährliche Folgen, wenn dieselben mit der Schlundsonde -eingegeben werden (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). <em class="gesperrt">Schafe</em> sterben auf 60 g, -<em class="gesperrt">Hühner</em> auf 8 g (Betäubung, Schwanken, Zuckungen, Erbrechen, -blaurote Verfärbung des Kammes). Dagegen ertragen <em class="gesperrt">Kühe</em> und -<em class="gesperrt">Pferde</em> bis zu 360 g rohen Holzessig ohne Nachteil. — Ein mit -Holzessig gegen Strahlkrebs behandeltes Pferd starb angeblich 8 Tage -später unter den Erscheinungen der Karbolvergiftung (<em class="gesperrt">Wilhelm</em>, -Sächs. Jahresber. 1888).</p> - -<p><b>Kreolin.</b> Das karbolsäurefreie und unzersetzte Kreolin ist als -Antiseptikum und Räudemittel in der üblichen Applikationsform und -Konzentration ungiftig. Bei stärkeren Konzentrationen (4–10proz.), -in zersetztem Zustand (Säurezusatz, Flaschenreste), bei starkem -Karbolgehalt (Artmannsches Kreolin), bei der regelwidrigen -Einreibung des ganzen Körpers, sowie bei innerlicher Verabreichung -in grösseren Dosen wirkt es dagegen namentlich bei Pferden giftig. -Die <em class="gesperrt">Vergiftungserscheinungen</em> sind ziemlich dieselben wie bei -der Karbolvergiftung: <em class="gesperrt">Muskelzittern</em>, <em class="gesperrt">klonisch-tonische -Krämpfe</em>, Schweissausbruch, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, Taumeln, zuweilen -plötzliches <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>, allgemeine <em class="gesperrt">Lähmung</em>, -<em class="gesperrt">Herzlähmung</em> (sehr frequenter, unfühlbarer Puls, subnormale -Körpertemperatur), <em class="gesperrt">Dyspnoe</em>, <em class="gesperrt">dunkelbrauner Harn</em>, -Albuminurie. Die Behandlung besteht in der Anwendung von Exzitantien -und in der Verabreichung von Sulfaten. Typisch ist der nachfolgende, -bei einem Militärpferd beobachtete Fall von Kreolinvergiftung -(Pr. Mil. Vet.-Ber. pro 1895). Zur Vertilgung der Läuse wurden 2 -Pferde mit Kreolinlösung gewaschen. Eine 4prozentige Lösung von -Pearsonschem Kreolin hatte sich nicht wirksam gezeigt, es wurde -daher bei der zweiten Waschung eine 6prozentige gewählt. Beide -Pferde waren vor der Waschung vollkommen gesund und hatten keine -Verletzungen. Gewaschen wurden namentlich der Kopf, die Mähne, die -Kruppe und die Gliedmassen, die übrigen Teile des Körpers wurden nur -angefeuchtet und glatt gebürstet. Gleich nach dem Waschen stürzte -das eine der Pferde in seinem Stand nieder; das Auge schien wie -gebrochen, die Augenbindehaut war tiefrot gefärbt, die Pupille -erweitert. Die Nüstern wurden weit aufgerissen, das Maul geöffnet. -Der Herzschlag war tumultuarisch; beide Herztöne waren nicht zu -unterscheiden. Der Puls unfühlbar, die Arterie klein und hart. -Die oberflächliche Atmung wurde 92mal in der Minute ausgeführt -und geschah röchelnd. Ferner bestand anhaltendes hochgradiges -Muskelzittern; in den Gliedmassenmuskeln traten tonisch-klonische -Krämpfe ein. Alle Versuche, den Kranken auf die Beine zu bringen, -waren erfolglos; Patient war unfähig zu stehen. Der Appetit lag -vollständig darnieder. Das Pferd wurde sogleich mit reinem Wasser -abgewaschen und innerlich Branntwein, Kampfer und Digitalis -verabreicht. Nach 1½ Stunden hatte es sich soweit gebessert, dass -es mit Hilfe zum Stehen gebracht werden konnte. Nach 3–4 Stunden -waren auffällige Gesundheitsstörungen nicht mehr vorhanden. Am -anderen Tage zeigten sich die Gliedmassen stark geschwollen; auch -am Hals und an der Kruppe bestand Schwellung. An diesen Stellen lag -die Haut in Falten und fühlte sich pergamentartig an, stellenweise -konnten förmliche Risse in der Oberhaut nachgewiesen werden. -Ausserdem war die Haut an den Gliedmassen und an der Unterbrust mit -einer bernsteingelben, klebrigen Flüssigkeit bedeckt. Der abgesetzte -Harn hatte eine braunrote Farbe. Die Fäzes waren kleingeballt, -braunrot und wurden unter Stöhnen abgesetzt; dieselben hatten -einen auffallenden Kreolingeruch. In den folgenden Tagen nahm die -Hautschwellung langsam ab, dagegen machten sich starke Abschuppung -der Oberhaut<span class="pagenum" id="Seite_153">[S. 153]</span> und Haarausfall bemerkbar. Nach etwa 10 Tagen konnte -das Pferd wieder in den Dienst gestellt werden. Bei dem zweiten -Pferde waren die Vergiftungserscheinungen weniger hochgradig. Es -warf sich gleich nach dem Waschen auch nieder, stand aber nach -einiger Zeit und nachdem es etwa 5 Minuten lang eine hundesitzige -Stellung innegehabt hatte, wieder auf und zeigte Appetit. Der Puls -war hart, die Zahl seiner Schläge betrug 96 in der Minute. Die Atmung -geschah angestrengt und 60mal in der Minute. Das Muskelzittern war -weniger stark ausgesprochen. Die Bindehäute ziegelrot. Beim Führen -taumelte das Pferd. Am folgenden Tage waren die Beine geschwollen, -der Harn dunkelgefärbt; die Fäzes hatten Kreolingeruch. Auch bei -diesem Pferde trat in den folgenden Tagen Ausfall der Haare ein, die -Haut nahm eine pergamentartige Beschaffenheit an. Die Schwellung -der Gliedmassen hielt länger an als beim ersten Pferde. — Nach -der Anwendung von Artmannschem Kreolin starben von 50 gebadeten -Schafen 42 innerhalb 36 Stunden unter den Erscheinungen der -Karbolvergiftung; sie zeigten Schwanken, Niederstürzen, Krämpfe -und Unvermögen aufzustehen (<em class="gesperrt">Dette</em>, Berl. Arch. 1894). Einen -ähnlichen Fall hat <em class="gesperrt">Nevermann</em> beschrieben (ibid. 1897). -Dagegen sind die von <em class="gesperrt">Kunert</em> (ibid.) und <em class="gesperrt">Ehrle</em> (Woch. -f. T. 1891) beschriebenen Fälle zweifelhaft. — Experimentelle -Untersuchungen über die Giftigkeit des Kreolins bei Hunden und Katzen -hat <em class="gesperrt">Hobday</em> (Journ. of comp. path. 1896) veröffentlicht. Danach -sollen besonders junge und edle Hunde sehr empfindlich gegen Kreolin -sein; 56 g Kreolin töteten bei energischer Einreibung in die Haut -einen 7 kg schweren Terrier. — <em class="gesperrt">Stöverud</em> (Nord. Z. 1899) -beobachtete eine Kreolinvergiftung bei 30 jungen Ziegen.</p> - -<p><b>Lysol.</b> Die Lysolvergiftung äussert sich ähnlich wie die -Kreolinvergiftung. 4 Pferde wurden gegen Läuse mit einer 3proz. -Lysollösung (je 300 g Lysol auf 10 l Wasser) gewaschen. Am 4. Tage -nachher (!) erkrankten 3 Pferde, von denen 2 nach 3 bezw. 4 Tagen -starben. Sie zeigten Dyspnoe, pochenden Herzschlag, 72–76 schwache -Pulse, hochgradige Schwäche, allgemeinen Schweissausbruch und starben -unter Krämpfen. Die Sektion ergab Myokarditis, hämorrhagische -Nephritis und Lungenödem (<em class="gesperrt">Borchardt</em>, Zeitschr. f. Vet. -1897). Einen ähnlichen Fall hat <em class="gesperrt">Reinhardt</em> (ibid. 1898) -beschrieben. Ein Pferd zeigte nach einer Lysolwaschung des ganzen -Körpers (!) mit 3proz. Lysollösung (300,0 : 10 l Wasser) 20 Minuten -später Unruhe, Schweissausbruch, heftiges Zittern, unfühlbaren Puls, -Lähmungserscheinungen, sowie kaffeebraunen Harn; nach subkutanen -Aethereinspritzungen trat schnelle Heilung ein. Der von <em class="gesperrt">Uthoff</em> -(B. t. W. 1895) beschriebene Fall ist dagegen zweifelhaft. — -<em class="gesperrt">D’Alleux</em> berichtet, dass von 9 mit 5proz. Lysollösung -gebadeten Hühnern 5 unter Zuckungen und Lähmungserscheinungen -starben (Woch. f. T. 1897). Ein Hund zeigte nach dem Einreiben einer -8proz. spirituösen Lysollösung (nur die Beine und die Ohren wurden -eingerieben), Zusammenstürzen, Schweissausbruch, allgemeine Lähmung, -Herzschwäche und Krämpfe, genas jedoch nach Verabreichung von Kampfer -und Glaubersalz.</p> - -<p><b>Bazillol.</b> Die Vergiftung gleicht der Lysol- und -Kreolinvergiftung. Ein mit Läusen behaftetes Pferd wurde mit einer -warmen 4proz. Bazillollösung über den ganzen Körper gewaschen. 15 -Minuten darauf fand man es schwer am Boden liegen. Die Pulszahl -betrug 100 p. M., der Puls war ausserordentlich schwach, die Zahl der -Atemzüge 40. Die sichtbaren Schleimhäute waren dunkelrot gefärbt. -Gleichzeitig bestand heftiges Zittern und Zittern des ganzen Körpers. -Aufgehoben schwankte das Pferd und<span class="pagenum" id="Seite_154">[S. 154]</span> drohte umzustürzen. Nach 2 -Stunden schien der Anfall vorüber. Am folgenden Tage entwickelte -sich jedoch eine tödliche Bronchitis und Bronchopneumonie, an -der das Pferd am 5. Tage unter Erscheinungen des Lungenödems -starb. Das Pferd hatte 2 vorausgehende Waschungen ohne Schaden -ertragen. Ebenso unschädlich waren 200 andere Bazillolwaschungen -geblieben! (<em class="gesperrt">Willamowski</em>, <em class="gesperrt">Hain</em>, Z. f. Vet. 1901). -Nach <em class="gesperrt">Paszotta</em> (Monatsh. f. pr. Tierhlkd. 1901) beträgt die -tödliche Dosis des Bazillols bei Pferden 1,5 g, bei Schafen 1,0 g, -bei Kaninchen 2,4 g pro Kilo Körpergewicht. Bei toxischen Gaben -sinkt die Körpertemperatur, die Tiere stürzen gelähmt zusammen und -zeigen Betäubung, fibrilläres Muskelzittern und tonisch-klonische -Krämpfe. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung unter den Erscheinungen -des Lungenödems.</p> - -<p><b>Kresol.</b> Das Kresol = -<span class="nowrap">C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>.CH<sub>3</sub>.OH</span> (methylisierte -Karbolsäure) steht dem Phenol an Giftigkeit nach. Die 3 vorhandenen -Verbindungen des Kresols, das Ortho-, Meta- und Parakresol, -verhalten sich bezüglich ihrer Giftigkeit verschieden; am stärksten -giftig ist das Orthokresol, am schwächsten das Metakresol. Die -Giftwirkung des Orthokresols äussert sich in Lähmung des Herzens, des -Rückenmarks, sowie der sensorischen und motorischen Nerven, ferner -in Erregung des Reflexhemmungszentrums. Im Jahr 1902 entstand ein -allgemeines Fischsterben im Neckar von der Mündung des Feuerbachs -bis zum Einfluss der Murr, als in Zuffenhausen 30000 l Teeröle -(Eisenbahnschwellen-Imprägnierung) in den Feuerbach entleert wurden. -— Die Kresole verlieren an Giftigkeit, wenn sie an Natrium gebunden -oder durch Seifen emulgiert werden (<em class="gesperrt">Kreolin</em>, <em class="gesperrt">Lysol</em>, -<em class="gesperrt">Bazillol</em>). Werden jedoch die im Kreolin gebundenen Kresole z. B. -durch Säurezusatz frei, so wirken sie giftig (Kresolvergiftung -von Pferden durch Waschungen mit Kreolinwasser und Essig gegen -Läuse). — Eine Vergiftung durch <em class="gesperrt">Kresolschwefelsäure</em> bei -Schweinen hat <em class="gesperrt">Migge</em> beschrieben (Preuss. Vet.-Ber. pro -1907). Eine Schweinebucht war mit 25–40proz. (statt 3proz.) -Kresolschwefelsäurelösung desinfiziert worden. Nach 2 Stunden -waren 8 Schweine schwer erkrankt, 6 lagen wie schlafend auf der -Streu, 3 starben nach 5 Stunden. Die Sektion ergab Verätzung der -Haut des Rüssels, der Lippen, der Maulschleimhaut, Rachen- und -Magenschleimhaut.</p> - -<p><b>Pyrogallol.</b> Das auch unter dem Namen Pyrogallussäure bekannte -Pyrogallol = C<sub>6</sub>H<sub>3</sub>(OH)<sub>3</sub> ist ein stark reduzierendes -Gift für die roten Blutkörperchen, welche unter Bildung von -<em class="gesperrt">Methämoglobin</em> aufgelöst werden. Dadurch entstehen ähnliche -pathologische Zustände wie bei Vergiftung mit Kali chloricum -(Methämoglobinurie mit ihren Folgen). Vergiftungen können sich -u. a. durch Einreiben konzentrierter Pyrogallolsalben (10%) auf -die Haut ereignen. Aehnliches gilt für das <em class="gesperrt">Chrysarobin</em>, -die <em class="gesperrt">Hydrazine</em> = <span class="nowrap">H<sub>2</sub>N.NH<sub>2</sub></span> (Methyl-, Dimethyl-, -Aethyl-, Phenyl-, Azetylphenyl-, Lävulinsäurephenyl-Hydrazin), das -<em class="gesperrt">Hydroxylamin</em> = <span class="nowrap">NH<sub>2</sub>.OH</span> (das im Körper nach Biel zu dem -ebenfalls reduzierend wirkenden Nitrit umgewandelt wird) und die -<em class="gesperrt">Aldehyde</em> = C<sub>2</sub>H<sub>4</sub>O (Aldehyd, Metaldehyd, Paraldehyd, -Formaldehyd, Benzaldehyd). Dass speziell <em class="gesperrt">Paraldehyd</em> stark -reduzierend auf die roten Blutkörperchen des Pferdes wirkt und -Methämoglobinämie bei demselben erzeugt, haben meine diesbezüglichen -Versuche ergeben (vgl. S. 178).</p> - -<p><b>Salizylsäure.</b> Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Feser</em> und -<em class="gesperrt">Friedberger</em> wird das Allgemeinbefinden von Tieren durch -kleinere Dosen<span class="pagenum" id="Seite_155">[S. 155]</span> Salizylsäure auch bei anhaltender Verabreichung -nicht gestört. So zeigten Hunde, Schafe, Kühe und Pferde nach dem -14 Tage hindurch fortgesetzten Eingeben kleinerer Mengen (0,5 g pro -die für Hunde, 3,0 g für Schafe, 10,0 g für Rinder und Pferde) nicht -einmal irgendwelche Appetitstörungen. Auch sehr grosse einmalige -und wiederholte Dosen wurden von Pflanzenfressern gut ertragen. -Ein 9 Ztr. schweres <em class="gesperrt">Pferd</em> zeigte nach 300 g Salizylsäure, -innerhalb 3 Tagen eingegeben, nur eine längere Verdauungsstörung -auf Grund lokaler Anätzung der Maulhöhlen- und Magenschleimhaut, -dagegen keinerlei Vergiftungserscheinungen. Ein 32 kg schweres -<em class="gesperrt">Schaf</em> blieb nach 50 g Salizylsäure, innerhalb 3 Tagen -verabreicht, ganz gesund, desgleichen ein anderes, 30 kg schweres, -nach 65 g salizylsaurem Natrium, welche in der kurzen Zeit von -2 Tagen eingegeben wurden. Dagegen zeigten sich Fleischfresser, -namentlich Hunde, ziemlich wenig widerstandsfähig. Wenn es auch wegen -des bald nach der Aufnahme eintretenden Erbrechens nie gelang, einem -<em class="gesperrt">Hund</em> per os eine tödliche Dosis Salizylsäure beizubringen, -so waren doch bei der Anwendung von ca. 1 g Salizylsäure pro 5 kg -Körpergewicht charakteristische <em class="gesperrt">Vergiftungserscheinungen</em> -wahrzunehmen. So zeigte ein kleiner, 4½ kg schwerer Hund -nach der Aufnahme von 0,8 g Salizylsäure (innerhalb 6 Stunden -gegeben) Erbrechen, Muskelzittern, Schwäche im Hinterteil und -steifen Gang; ein anderer, 27 kg schwerer Hund war nach 4 g in -der hinteren Körperhälfte gelähmt, die hinteren Gliedmassen waren -völlig gebrauchsunfähig und dabei krampfhaft gestreckt. Auch das -salizylsaure Natrium erwies sich in grösseren Dosen, namentlich -subkutan, als ein starkes Gift. Bei einem 4½ kg schweren Hunde -trat nämlich nach der subkutanen Einspritzung von 5 g Natrium -salicylicum der Tod ein. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in -Dyspnoe, unregelmässigem, aussetzendem Pulse, Pupillenerweiterung, -Traurigkeit, Erbrechen, Lähmung der Nachhand, Konvulsionen, -Kaukrämpfen, allgemeinem Starrkrampf, sowie ausserordentlich erhöhter -Reflexerregbarkeit. Ein anderer, 8–1\2 kg schwerer Hund verendete -nach Injektion von 8 g des Salzes in die Bauchhöhle an Erstickung, -nachdem Erbrechen, Dyspnoe und Lähmungserscheinungen vorausgegangen -waren. Diese Angaben sind neuerdings durch <em class="gesperrt">Albrecht</em> bestätigt -worden. Nach <em class="gesperrt">Walther</em> und <em class="gesperrt">Gmeiner</em> (Berl. Arch. 34. Bd.) -wirkt die Salizylsäure und ihre Derivate (Salol, Salipyrin, Aspirin -u. a.) bei den Haustieren wie beim Menschen schon in gewöhnlichen -Dosen (2–5 g Natrium salicylicum beim Hund) schädigend auf die -<em class="gesperrt">Niere</em> (Albuminurie, Harnzylinder, Nierenepithel, Leukozyten -im Harn). — Das <em class="gesperrt">Salol</em> stellt eine Doppelverbindung von -Salizylsäure und Karbolsäure dar, welche angeblich ungiftig sein -soll. Wie Erfahrungen beim Menschen gelehrt haben, können durch -zu grosse Dosen sowohl die Erscheinungen der Salizylvergiftung -(Albuminurie, Dysurie, Nephritis), als der Karbolvergiftung (Koma, -Sopor) erzeugt werden. Dasselbe konstatierte <em class="gesperrt">Willenz</em> bei -seinen Versuchen mit Pferden und Hunden; er beobachtete Albuminurie, -Nephritis, Tobsucht, Krämpfe, Enteritis, Herzschwäche und Kollaps. -Ein Terrier zeigte nach <em class="gesperrt">Otto</em> (Sächs. Jahresber. 1904) nach der -fortgesetzten Verabreichung von Salol (2mal 0,2 pro die) Polyurie und -Abmagerung.</p> - -<p><b>Gaswasser.</b> Eine Sterke, welche von den flüssigen Abfällen -einer Gasanstalt aufgenommen hatte, wurde auf der Wiese liegend -gefunden, stöhnend, angestrengt atmend, unvermögend zu stehen. Das -Maul war geöffnet und mit schwarzgrau gefärbtem Schaum gefüllt. Bei -der Sektion fanden sich im Wanst 20 l einer breiartigen, stark nach -Teer riechenden<span class="pagenum" id="Seite_156">[S. 156]</span> Masse; die Schleimhaut der 4 Mägen war schwarz -gefärbt (<em class="gesperrt">Munckel</em>, Preuss. Mitt. 1882).</p> - -<p><b>Oleum animale foetidum.</b> Das stinkende Tieröl wirkt giftig -unter den Erscheinungen von Lähmung und Krämpfen bei Pferden in Dosen -von 90 g, bei Hunden von 10 g ab. Die tödliche Dosis beträgt für -Pferde 150 g, für Hunde 25 g. — Ein Pferd erhielt als Wurmmittel 270 -g Oleum animale foetidum; hierauf lag es laut stöhnend am Boden und -starb unter Krämpfen (<em class="gesperrt">Lies</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1903).</p> - -<p><b>Russ.</b> Der Russ (Kienruss, Glanzruss) kann unter Umständen -eine Karbolvergiftung bedingen. Von einer Schafherde, welche auf -einem mit Russ gedüngten Weizenfelde weidete, erkrankten 7 Schafe -unter Lähmungserscheinungen, 3 starben, 10 zeigten angestrengte -Atmung und Verstopfung. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der -Psalterschleimhaut, sowie Schwarzfärbung des Mageninhalts.</p> - -<p><b>Benzol.</b> Das Benzol, C<sub>6</sub>H<sub>6</sub>, ist ein ebenso starkes Gift -wie die Karbolsäure. Es erzeugt nach vorausgegangener Aufregung -Betäubung, Schwäche, Taumeln, Zittern und Tod unter Konvulsionen. -Pferde sterben nach 750, Hunde nach 10 g (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Gefährlich -sind auch Benzoleinreibungen auf die Haut, namentlich für Katzen. -Aehnlich wirken <em class="gesperrt">Hydrochinon</em>, <em class="gesperrt">Brenzkatechin</em> und -<em class="gesperrt">Resorzin</em>, sämtliche von der Formel C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(OH)<sub>2</sub>.</p> - -<p><b>Chinosol.</b> Das Chinosol, ein Chinolinpräparat -(<em class="gesperrt">Oxychinolinpyrosulfat</em>), wirkt nach <em class="gesperrt">Schneider</em> -(Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. X. Bd.) beim Rind erst in -Dosen von 130 g, beim Schaf in Dosen von 35 g tödlich. Die -Vergiftungserscheinungen bestehen in Niesen, Husten, Speichelfluss, -motorischer Lähmung, Tympanitis, Kolik und Hämaturie; die Sektion -ergibt Lungenödem, Gastroenteritis und Nephritis.</p> - -<p><b>Orzin und Kresorzin.</b> Zwei Phenolderivate von der Formel -C<sub>6</sub>H<sub>3</sub>.CH<sub>3</sub>.OH.OH wirken nach <em class="gesperrt">Brenneisen</em> (Diss. Leipzig -1906) besonders auf Katzen stark giftig (Krämpfe, Lähmungen), welche -schon nach subkutanen Dosen von 1 g zugrunde gehen.</p> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Für die Zwecke der Fleischbeschau hat <em class="gesperrt">Glage</em>, um -auch Spuren von Karbolsäure im Fleisch rasch nachweisen zu können, -die Brommethode wesentlich vereinfacht (vorheriges Eindampfen mit -Natronlauge). Vergl. die genauere Vorschrift in der Zeitschr. f. -Fleisch- u. Milchhygiene 1901, S. 193.</p> - -</div> - -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Petroleum">Vergiftung durch Petroleum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das Petroleum findet sich als Rohpetroleum -(Erdöl, Steinöl, Bergöl, Mineralöl, Naphtha) in verschiedenen -Ländern (Amerika, namentlich Pennsylvanien, Kaukasus, Rumänien, -Galizien, Hannover, Bayern). Es ist das Produkt der Zersetzung -vorweltlicher Seetiere, also animalischen Ursprungs, und zwar ist -es wahrscheinlich aus den Fett- und Transtoffen jener Meertiere -durch allmähliche Zersetzung entstanden. Je nach dem Fundort -besteht es aus verschiedenartigen <em class="gesperrt">Kohlenwasserstoffen</em>, -hauptsächlich aus solchen der Formel <span class="nowrap">C<sub>n</sub>H<sub>2n + 2</sub></span> (Paraffine, -Ethane), welche vom Methan (CH<sub>4</sub>) bis zum Zeresan (C<sub>30</sub>H<sub>62</sub>) -in ununterbrochener Reihe vorhanden sind. Die Hauptbestandteile -des <em class="gesperrt">raffinierten</em> Petroleums sind Oktan (C<sub>8</sub>H<sub>18</sub>), Nonan -(C<sub>9</sub>H<sub>20</sub>), Dekan (C<sub>10</sub>H<sub>22</sub>), Undekan (C<sub>11</sub>H<sub>24</sub>), Dodekan -(C<sub>12</sub>H<sub>26</sub>), Tridekan (C<sub>13</sub>H<sub>28</sub>), Tetradekan (C<sub>14</sub>H<sub>30</sub>), -Pentadekan (C<sub>15</sub>H<sub>32</sub>), Hexadekan (C<sub>16</sub>H<sub>34</sub>) und Heptadekan -(C<sub>17</sub>H<sub>36</sub>). Die im <em class="gesperrt">Rohpetroleum</em> ausserdem enthaltenen -Kohlenwasserstoffe sind der Petroleumäther (Pentan, Hexan, Heptan), -sowie festes Paraffin (C<sub>18</sub>H<sub>38</sub> bis C<sub>28</sub>H<sub>58</sub>) und Zeresin -(C<sub>29</sub>H<sub>60</sub> bis C<sub>35</sub>H<sub>72</sub>). Ausserdem findet man im Petroleum -stets Terpene (C<sub>10</sub>H<sub>16</sub>), aromatische Kohlenwasserstoffe der -<span class="pagenum" id="Seite_157">[S. 157]</span>Benzolreihe (C<sub>6</sub>H<sub>6</sub>), Phenole, Naphthalin, Naphthene, sowie -Petrolsäuren von der Formel <span class="nowrap">C<sub>n</sub>H<sub>2n - 2</sub>O<sub>2</sub></span>, endlich Spuren von -Schwefel (0,05–0,1 Proz.). Das <em class="gesperrt">Benzin</em> wird durch Destillation -des Petroleums gewonnen und besteht hauptsächlich aus Hexan und -Heptan. Vergiftungen mit Petroleum ereignen sich bei der Anwendung -desselben als Räudemittel und Antiparasitikum, sowie als Stomachikum -und Kolikmittel; auch durch zufällige Aufnahme können sie z. B. bei -Schweinen vorkommen. Vergiftungen durch Benzin sind nach dem Waschen -bei Hunden beobachtet worden.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Petroleum ist im allgemeinen ein sehr -wenig giftiger Stoff. Die Vergiftungserscheinungen äussern sich -nach der innerlichen Aufnahme in <em class="gesperrt">gastrischen</em> Störungen, -ausserdem bei innerlicher und äusserlicher Applikation in -<em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">rauschartigem</em> Zustand -und <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>. Aehnlich wirkt <em class="gesperrt">Benzin</em>. -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Petroleumvergiftung besteht in der -Verabreichung von Brechmitteln, Abführmitteln, sowie von Exzitantien -(kohlensaures Ammonium, Aether, Kampfer). Der Nachweis ist durch den -charakteristischen Geruch leicht zu führen.</p> - -<p>In der <em class="gesperrt">Literatur</em> sind folgende Fälle verzeichnet. Zwei Schweine -rieben sich an einem Petroleumfass, wodurch der Spunden gelockert -wurde und Petroleum ausfloss. Sie tranken eine grössere Menge davon, -worauf sie Betäubung und Schreckhaftigkeit, sowie trübe Augen und -kalte Aussentemperatur zeigten. Nach Verabreichung eines Brechmittels -(Rhizoma Veratri albi) trat Genesung ein (<em class="gesperrt">Kayser</em>, Preuss. -Mitteil. 1880). In einem anderen Fall wurden 26 Ochsen, die in einem -kleinen und niedrigen Stalle zusammengepfercht waren, zur Vertilgung -der Läuse mit je einem halben Quart Petroleum eingerieben, wonach -sie sich gegenseitig ableckten. Sie zeigten höhere Rötung der Haut, -unterdrückte Fresslust, Traurigsein, sowie mässiges Fieber, genasen -jedoch alle (<em class="gesperrt">Rüffert</em>, Preuss. Mitt. 1874). Eine Kuh, welche -⅔ l Petroleum mit ⅓ l Branntwein zusammen eingeschüttet erhalten -hatte, zeigte Schwäche und Lähmung im Hinterteil, Auftreibung, -häufigeren Harnabsatz und starb nach 23 Stunden (<em class="gesperrt">Röpke</em>, ibidem -1881). Nach <em class="gesperrt">Poincaré</em> sollen ferner die in den Petroleumwerken -verwendeten Zugtiere zuweilen Schlafsucht, Appetitlosigkeit und -heftiges Hautjucken zeigen. 5 Pferde, welche mit je 1½ l Petroleum -energisch über den ganzen Körper eingerieben wurden, zeigten allgemeine -Lähmungserscheinungen, so dass sie sich im Liegen nicht wieder erheben -konnten; 3 Pferde starben (<em class="gesperrt">Mégnin</em>, Recueil 1892). Einen -ähnlichen Fall hat <em class="gesperrt">Martin</em> beschrieben (Progr. vét. 1898): 5 -Pferde starben nach dem Einreiben<span class="pagenum" id="Seite_158">[S. 158]</span> von je 1½ l Petroleum nach 7–10 -Tagen (Dermatitis, Nephritis, Zystitis). <em class="gesperrt">Salles</em> (ibid.) sah bei -2 jungen Ochsen nach dem Einreiben von je ½ l Petroleum Schwanken -und Zusammenstürzen. <em class="gesperrt">Gmeiner</em> (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. -IX. Bd., S. 570) sah nach dem Einschütten von 1 l Petroleum bei einem -Pferde Kolik, Benommenheit des Sensoriums, Taumeln und hochgradige -Mattigkeit. <em class="gesperrt">Ehlers</em> (Berl. Arch. 1897) beobachtete bei einem mit -Petroleum eingeriebenen Hund eine vollständige Lähmung des Hinterteils. -Eine ähnliche Vergiftung bei einer Ziege, die wegen Läusen mit -Petroleum gewaschen wurde, hat <em class="gesperrt">Eppinger</em> beobachtet (Tierärztl. -Zentralblatt 1900). Nach <em class="gesperrt">Möbius</em> (Sächs. Jahresber. pro 1898) -starben 6 Gänse infolge der Aufnahme von petroleumhaltigem Wasser. -Ein mit Benzin gewaschener Hund zeigte schwere Bewusstlosigkeit und -Herzschwäche, genas jedoch nach der Verabreichung exzitierender Mittel -(<em class="gesperrt">Guhrauer</em>, Z. f. Vetkde. 1909).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Naphthalin.</b> Ein Pferd, welches aus Versehen innerlich -Naphthalin erhalten hatte, zeigte die Erscheinungen der -Hämoglobinurie (<em class="gesperrt">Siedamgrotzky</em>, Sächs. Jahresber. pro 1892). -— 14 junge <em class="gesperrt">Hühner</em>, welche in einen Raum gesperrt wurden, in -dem sich in Schränken und Kisten mit Naphthalin bestreute Kleider -und Pelze befanden, wurden am andern Morgen tot, 1 Mutterhenne in -Krämpfen liegend gefunden (<em class="gesperrt">Jagmin</em>). — Kaninchen zeigen -nach längerer Verabreichung von Naphthalin Trübung der Linse -(Naphthalinstar), Trübung und Ablösung der Netzhaut, Atrophie der -Papille und Nephritis (<em class="gesperrt">Bouchard</em> u. a.). — Ein Hund, welcher -auf Teppichen gelegen hatte, die mit Naphthalin bestreut waren, -zeigte vorübergehende Erscheinungen von Tobsucht (<em class="gesperrt">Otto</em>, -Sächs. Jahresber. 1901). — <em class="gesperrt">Regenbogen</em> (Berl. T. W. 1903) -berichtet über einen forensischen Fall von Naphthalinvergiftung bei -12 Pferden, die gegen Druse je einen Esslöffel voll Rohnaphthalin als -„Kropfpulver“ aus einer Apotheke erhalten hatten und darauf unter -Kolikerscheinungen und Dunkelfärbung des Harns schwer erkrankten; -bei einem gestorbenen Pferde ergab die Sektion Nephritis und -Leberentzündung. Die hierauf von <em class="gesperrt">Regenbogen</em> an Pferden, -Rindern und Hunden angestellten Versuche mit Naphthalin lehrten, -dass 20–25 g für Pferde giftig, 30 g tödlich wirken durch Auflösung -der roten Blutkörperchen. Die Vergiftung äussert sich durch -Hämoglobinurie, Nephritis, Cholurie und allgemeinen Ikterus.</p> - -<p><b>Naphthol.</b> Ein Pferd, welches gegen die sog. Sommerräude -mit spirituöser Naphthollösung eingerieben wurde, zeigte heftige -Reizung der Kopfschleimhäute, epileptiforme Krämpfe abwechselnd mit -Depression, Hämoglobinurie, Albuminurie, Anurie und Kollaps. Die -Sektion ergab hämorrhagische Nephritis, Ikterus, sowie Degeneration -der Leber und des Herzens (<em class="gesperrt">Regenbogen</em>, B. T. W. 1903).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_159">[S. 159]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kohlenoxyd">Vergiftung durch Kohlenoxyd.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das Kohlenoxyd, CO, ist ein sehr giftiges Gas, -welches bei der Verbrennung der Kohle unter ungenügendem Zutritt -von Sauerstoff an Stelle der sonst gebildeten Kohlensäure entsteht: -C + O<sub>2</sub> = CO<sub>2</sub> (Kohlensäure); C + O = CO (Kohlenoxyd). Es -findet sich hauptsächlich im sog. <em class="gesperrt">Kohlendunst</em>, der sich bei -falscher Stellung der Ofenklappen, sowie bei Heizung von Räumen -mit Kohlenpfannen und Gasöfen ohne Abzug bildet, und in welchem -es zu 0,3–0,5 Proz. neben Kohlensäure (6 Proz.), Sauerstoff und -Stickstoff enthalten ist. Ausserdem ist es der giftigste Bestandteil -des <em class="gesperrt">Leuchtgases</em> (vergl. die Vergiftung durch Leuchtgas). -Vergiftungen durch freies Kohlenoxyd sind bei Hunden, Pferden, -Rindern, Katzen und Ziegen beobachtet worden.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Wesen der -Kohlenoxydvergiftung besteht in einer <em class="gesperrt">Blutvergiftung</em>, nämlich -in einer Verdrängung des Sauerstoffs aus seiner Verbindung mit dem -Hämoglobin durch das Kohlenoxyd. Das Oxy-Hämoglobin, welches die -Sauerstoffaufnahme und die innere Sauerstoffübertragung vermittelt und -damit als Grundlage der Atmung dient, verwandelt sich in das die Abgabe -von Sauerstoff und somit die Atmung verhindernde und daher Erstickung -bedingende <em class="gesperrt">Kohlenoxyd-Hämoglobin</em>. Die Affinität des Hämoglobins -zum Kohlenoxyd ist 200mal stärker, als die zum Sauerstoff. <em class="gesperrt">Die roten -Blutkörperchen selbst werden durch Kohlenoxyd weder aufgelöst, noch in -ihrer Form verändert.</em> Die chemische Bindung des Kohlenoxyds an das -Hämoglobin ist schon äusserlich an der violetten bis hellkirschroten -Farbe des Blutes zu erkennen. Tiere, welche Luft mit einem Gehalt von -0,05–0,2 Proz. Kohlenoxyd einatmen, sterben an Kohlenoxydvergiftung. -Ob das Kohlenoxyd ausser seiner Wirkung auf das Blut auch noch eine -direkte Wirkung auf das Nervensystem und andere Organe besitzt, ist -streitig. Nach <em class="gesperrt">Geppert</em> und <em class="gesperrt">Kobert</em> ist das Kohlenoxyd -auch ein Nervengift, indem es die Ganglienzellen des Gehirns und die -peripheren Nerven lähmt; es ruft ferner in den Muskeln und Drüsen -degenerative Veränderungen hervor und steigert als Stoffwechselgift den -Eiweisszerfall enorm.</p> - -<p>Die Kohlenoxydvergiftung hat in ihren Einzelerscheinungen und in -ihrem Wesen viel Aehnlichkeit mit der Blausäurevergiftung. Man -beobachtet zunächst <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -<em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em>, sowie <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em> namentlich -an den hinteren Extremitäten; später treten <em class="gesperrt">Krämpfe</em> und -<em class="gesperrt">Erstickungserscheinungen</em> auf. Die Erscheinungen der Lähmung -können längere Zeit (Wochen lang) anhalten. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em><span class="pagenum" id="Seite_160">[S. 160]</span> -findet man auffallend <em class="gesperrt">hellrotes, flüssiges Blut</em> in allen -Organen, sowie die Erscheinungen der Erstickung, verbunden mit -hellroten kleinen Blutaustritten in verschiedenen Organen. — Das -Kohlenoxyd geht auch von der Mutter auf den Fötus über.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Sie besteht wie bei der Leuchtgasvergiftung -in sofortiger Zufuhr von <em class="gesperrt">frischer Luft</em> oder in -Sauerstoffinhalation, in der Vornahme eines <em class="gesperrt">Aderlasses</em> -verbunden mit <em class="gesperrt">Transfusion</em> von Blut derselben Spezies oder -einer 0,6proz. alkalischen Kochsalzlösung, sowie in der Anwendung von -<em class="gesperrt">Exzitantien</em> (Hautreize, kalte Duschen, subkutane Kampfer- und -Aetherinjektionen, Elektrizität).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Ausser durch die <em class="gesperrt">kirschrote</em>, <em class="gesperrt">violette</em> -oder <em class="gesperrt">rosarote Färbung des Blutes</em> bei der Sektion lässt sich das -Kohlenoxyd chemisch durch <em class="gesperrt">Sublimat</em> (pfirsichrote Färbung des -Blutes) oder <em class="gesperrt">Chlorkalzium</em> (defibriniertes Blut mit dem doppelten -Volum Aetznatronlauge wird bei Zusatz von Chlorkalzium karminrot), -endlich durch <em class="gesperrt">Kupfervitriol</em> (2 ccm Blut mit ebenso viel Wasser -und 3 Tropfen einer zu einem Dritteil gesättigten Kupfervitriollösung -geben einen ziegelroten Niederschlag) nachweisen. Wichtiger ist der -Nachweis des Kohlenoxyds im Blute mittels des <em class="gesperrt">Spektroskops</em>. -Kohlenoxydblut zeigt nämlich 2 ähnliche <em class="gesperrt">Absorptionsstreifen</em>, -wie gesundes Blut; dieselben <em class="gesperrt">schwinden</em> aber auf Zusatz -<em class="gesperrt">reduzierender</em> Mittel (Schwefelammonium) oder von Zyankalium -<em class="gesperrt">nicht</em>, wie im gesunden Blute.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 2 Hunde zeigten nach der zufälligen Einatmung -von Kohlenoxydgas schwankenden Gang, Sehstörungen, starke -Pupillenerweiterung, Verlust des Gehörs, Verlangsamung des -Herzschlages, sowie Lähmungserscheinungen. Bei dem einen Hund -verschwanden die Lähmungserscheinungen nach 14 Tagen, der andere -musste dagegen getötet werden, nachdem innerhalb 3 Wochen eine -Besserung nicht eingetreten war (<em class="gesperrt">Rietzel</em>, Ad. Woch. 1885). -— Ein kalter Stall, in welchem 2 Ochsen standen, sollte durch -glühende Kohlen erwärmt werden. Eine Stunde darauf zeigten die -Tiere Bewusstlosigkeit, niedere Kopfhaltung, Kauen und Speicheln, -Atembeschwerden, unfühlbaren Puls und Nasenbluten; das Verbringen in -freie Luft, kalte Begiessungen und Aderlass hatten Wiederherstellung -der Tiere zur Folge (<em class="gesperrt">Nicklas</em>, Wochenblatt 1. Bd.). — In -ein festverschlossenes Zimmer wurden 4 brennende Kohlenbecken -und ein Hund versuchsweise eingebracht. Nach 15 Minuten zeigte -derselbe Schlafsucht, Unruhe und Heulen, nach 30 Minuten Krämpfe und -Atmungsbeschwerden, nach 50 Minuten starb der Hund (<em class="gesperrt">Orfila</em>, -Toxikologie). — <em class="gesperrt">Leonhardt</em> (Berl. Arch. 1893) berichtet über -eine Kohlenoxydvergiftung bei 2 Pferden, welche in ihrem Stalle -infolge Einatmung von Kohlenoxyd tot aufgefunden wurden und bei -denen die spektroskopische Untersuchung des Blutes (<em class="gesperrt">Rubner</em>) -die Diagnose bestätigte. Einen ähnlichen Fall hat <em class="gesperrt">Hock</em> (Woch. -f. T. 1896) beobachtet. — In einem mit Koksofen geheizten Stall -starben 2 Pferde und der Diener, 2 andere Pferde blieben am Leben, -wahrscheinlich weil sie standen; eines derselben zeigte Benommenheit, -Mangel an<span class="pagenum" id="Seite_161">[S. 161]</span> Appetit und Verlangsamung des Pulses (24). Die Sektion der -gestorbenen Pferde ergab kirschrotes, unvollständig geronnenes Blut, -Anhäufung desselben in den Lungen, leere Herzkammern, sowie Anämie -der Gefässe der Unterhaut (<em class="gesperrt">Otto</em>, Sächs. Jahresber. 1899). — -Infolge Einatmung von Kohlendunst starben 2 Ziegen, 1 Pferd und 1 -Katze; 2 Hühner blieben gesund (<em class="gesperrt">Berg</em>, Zeitschr. f. Vet. 1904). -— Zum Vergiften von Hunden wird neuerdings das sog. Generatorgas -empfohlen (CO oder CO + H oder CH<sub>4</sub>). — Die experimentelle -tödliche Dosis des Kohlenoxyds für Hunde beträgt etwa 1 g.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Leuchtgas">Vergiftung durch Leuchtgas.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das Leuchtgas wird gewöhnlich dargestellt -durch trockene Destillation der Steinkohlen, welche in eisernen -Retorten auf etwa 1000 Grad erhitzt werden. Es ist eine Gemenge -von <em class="gesperrt">Kohlenwasserstoffen</em> der Methan-, Azetylen-, Aethylen- -und aromatischen Reihe mit <em class="gesperrt">Kohlenoxyd</em> etc. und enthält als -wichtigsten Kohlenwasserstoff das <em class="gesperrt">Methan</em> (CH<sub>4</sub>), das sog. -Sumpf- oder Grubengas. Die giftige Wirkung grösserer Mengen von -Leuchtgas (kleinere Mengen sind unschädlich) ist nur zum Teil auf -seinen Gehalt an <em class="gesperrt">Methan</em> (40 Proz.) zurückzuführen. <em class="gesperrt">In -der Hauptsache kommt der Gehalt des Leuchtgases an Kohlenoxyd</em> -(5–10 Proz.) <em class="gesperrt">in Betracht</em>. Ueber klinische Beobachtungen -von Leuchtgasvergiftungen bei den Haustieren (Pferd, Katze) ist -von <em class="gesperrt">Gerlach</em> und <em class="gesperrt">Csokor</em> (Gerichtl. Tierheilkunde; -Oesterr. Vierteljahrsschrift 1888) berichtet worden. Experimentelle -Untersuchungen an Tieren sind von <em class="gesperrt">Biefel</em> und <em class="gesperrt">Polek</em> -(Zeitschrift für Biologie Bd. 16) gemacht worden.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Erscheinungen der Leuchtgasvergiftung sind -im wesentlichen dieselben wie bei der <em class="gesperrt">Kohlenoxydvergiftung</em>. Zum -Teil haben sie Aehnlichkeit mit dem Bild der <em class="gesperrt">Chloroformnarkose</em>. -Sie bestehen in <em class="gesperrt">Benommenheit</em> des <em class="gesperrt">Sensoriums</em>, Betäubung, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Muskelschwäche</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em> der Extremitäten, -Atemnot, Pulsbeschleunigung, sowie in anhaltendem Auftreten allgemeiner -<em class="gesperrt">Krämpfe</em>; durch letztere unterscheidet sich die Leuchtgaswirkung -von der Chloroform- und Aethernarkose. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet -man das Blut hellrot gefärbt (Kohlenoxyd-Hämoglobin) und dünnflüssig; -das Gehirn und seine Häute sind stark hyperämisch. Zuweilen fällt -schon während des Lebens eine hellrote Farbe der Schleimhäute auf. -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in Zufuhr frischer Luft oder in -Sauerstoffinhalation, Einleitung künstlicher Atmung, sowie in der -Anwendung von Exzitantien (Aether und Kampfer subkutan, Kaffee, Wein, -kalte Begiessungen).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Azetylengas.</b> Das auch im Leuchtgas enthaltene Azetylen von -der Formel C<sub>2</sub>H<sub>2</sub> wird gewöhnlich aus Kalziumkarbid und Wasser -dargestellt: CaC<sub>2</sub> + 2 H<sub>2</sub>O = Ca(OH)<sub>2</sub> + C<sub>2</sub>H<sub>2</sub>. Nach den -Untersuchungen von <em class="gesperrt">Panisset</em> (Recueil méd. vét. 1903) ist das -reine Azetylen im Gegensatz zum Leuchtgas kaum giftig zu nennen. -Ein Hund blieb z. B. 3 Stunden in<span class="pagenum" id="Seite_162">[S. 162]</span> einem Luftgemenge, das 20 Proz. -Azetylen enthielt, ohne zu erkranken. Die gegenteilige Ansicht -<em class="gesperrt">Liebreichs</em> beruht auf der Anwendung eines unreinen, Kohlenoxyd -enthaltenden Azetylens.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schwefelwasserstoff">Vergiftung durch Schwefelwasserstoff.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der Schwefelwasserstoff, SH<sub>2</sub>, ist ein sehr -giftiges Gas, welches im freien Zustande in grösseren Mengen (5–10 -Proz.) im sog. <em class="gesperrt">Kloakengas</em> (Latrinengas, Mistgrubengas) -vorkommt. Schwefelwasserstoff entwickelt sich ferner in grosser Menge -bei der Verwendung der <em class="gesperrt">Schwefelleber</em> (Kalium und Natrium -sulfuratum) zu Räudebädern oder zu innerem Gebrauch. Ausserdem bildet -sich Schwefelwasserstoff nach der innerlichen Verabreichung von -<em class="gesperrt">Schwefel</em> im Darmkanal. Von dem im Darmkanal gesunder Tiere aus -den Eiweisskörpern der Nahrung gebildeten Schwefelwasserstoff hat -man früher angenommen, dass derselbe in grösseren Mengen, z. B. bei -der Kolik der Pferde, eine Selbstvergiftung (Autointoxikation) des -Körpers herbeiführen könne; Beweise für diese Annahme fehlen indes.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Der Schwefelwasserstoff -gehört zu den giftigsten Gasen. Er ist ein <em class="gesperrt">lähmendes</em> -Gift für <em class="gesperrt">Gehirn</em> und <em class="gesperrt">Rückenmark</em>. Ausserdem ist der -Schwefelwasserstoff ein <em class="gesperrt">Blutgift</em>, welches das Oxyhämoglobin -in der Leiche zu <em class="gesperrt">Schwefel-Methämoglobin</em> zersetzt. Nach den -Untersuchungen von <em class="gesperrt">Lehmann</em> sterben Tiere in einer Atmosphäre, -welche nur 1–3 pro Mille Schwefelwasserstoff enthält, schon binnen -10 Minuten <em class="gesperrt">apoplektisch</em> unter sehr heftigen Konvulsionen und -grosser Atemnot. Eine Luft, welche ½ pro Mille Schwefelwasserstoff -enthält, wirkt ebenfalls tödlich unter Krämpfen und unter den -Erscheinungen eines <em class="gesperrt">entzündlichen Lungenödems</em>. Daneben wirkt der -Schwefelwasserstoff reizend auf die Kopf- und Respirationsschleimhäute -(<em class="gesperrt">Rhinitis</em>, <em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, <em class="gesperrt">Laryngitis</em>).</p> - -<p>Die Erscheinungen der Schwefelwasserstoffvergiftung bestehen in -<em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Krämpfen</em>, -Verlangsamung und schliesslicher <em class="gesperrt">Lähmung der Atmung</em>. Nach -<em class="gesperrt">Chaussier</em> starb ein Pferd, welchem 10 l Schwefelwasserstoffgas -in den Mastdarm eingeführt wurden, im Verlauf einer Stunde. Bei -der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man einige Zeit nach dem Tode eine -<em class="gesperrt">grünlich-schwarze, tintenartige Verfärbung</em> des <em class="gesperrt">Blutes</em>, -Zerfall der roten Blutkörperchen, Verschwinden der Absorptionsstreifen -des Oxyhämoglobins im Spektrum und Ersetzung durch den Streifen -des reduzierten Hämoglobins (Schwefel-Hämoglobins). Da im übrigen -die Bildung von Schwefel-Hämoglobin in jeder faulenden Leiche -stattfinden kann, ist sie für die Schwefelwasserstoffvergiftung -nicht<span class="pagenum" id="Seite_163">[S. 163]</span> charakteristisch. Ausserdem beobachtet man die Erscheinungen -der Suffokation (Blutüberfüllung der Lunge, des Herzens und der -grösseren Gefässe). Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist dieselbe wie bei der -Kohlenoxydvergiftung; als chemisches Antidot wird ferner die Inhalation -von Chlorgas empfohlen. Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> geschieht durch den Geruch, -sowie chemisch durch Schwarzfärbung von Papierstreifen, welche mit -Bleizuckerlösung getränkt sind (Bildung von Schwefelblei).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Schwefel.</b> Die Giftigkeit des Schwefels beruht einerseits -auf der <em class="gesperrt">reizenden Wirkung</em> des Schwefels <em class="gesperrt">auf die -Darmschleimhaut</em>, andererseits auf seiner <em class="gesperrt">Umwandlung zu</em> -SH<sub>2</sub>. Die Erscheinungen der Schwefelvergiftung sind: -<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em> mit <em class="gesperrt">heftiger Kolik</em> und Entleerung -dünnflüssiger, schwärzlicher, nach <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> -riechender Massen, <em class="gesperrt">Koma</em>, Geruch der ausgeatmeten Luft -nach Schwefelwasserstoff. Aehnlich äussert sich die Vergiftung -mit <em class="gesperrt">Schwefelleber</em>. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der -Verabreichung von Eisen, gebrannter Magnesia, Exzitantien, -schleimiger Mittel. Eine charakteristische Schwefelvergiftung bei -Pferden ist von <em class="gesperrt">Demblon</em>, <em class="gesperrt">Mosselmann</em> und <em class="gesperrt">Hébrant</em> -(Belg. Annal. 1898) beschrieben worden. Danach erhielten 9 Pferde -zusammen 4 kg Schwefel (3–400 g pro Stück). 3 Pferde verendeten -innerhalb 24 Stunden unter heftigen Kolikerscheinungen und -Durchfall; die Sektion ergab Gastroenteritis, Lungenödem und -starken SH<sub>2</sub>-Geruch aller Organe. Dass im übrigen der Schwefel -nur wenig giftig ist, beweisen die Versuche von <em class="gesperrt">Hertwig</em>. -Dieser gab einem mittelstarken, 9jährigen Pferd innerhalb 16 -Tagen 2800 g (nahezu 3 kg) Schwefel in der Weise, dass am ersten -Tag 30 g, am zweiten 60, am dritten 90 g u. s. f. verabreicht -wurden. Am dritten Tag (180 g) roch die Hautausdünstung deutlich -nach Schwefel (Bleireaktion). Die Absonderung des Schleimes in -der Nase vermehrte sich täglich; am 7. Tag (840 g) trat Durchfall -ein, der bis zum 17. Tag (Tag der Tötung) fortdauerte. <em class="gesperrt">Die -Fresslust wurde niemals getrübt</em>; trotzdem magerte das Pferd -bei gutem Futter sichtbar ab, wurde täglich kraftloser, so dass -es am 16. Tag nicht mehr allein von der Streu aufstehen konnte. -Puls und Atem waren bis zum letzten Tag normal; Kolikerscheinungen -traten nicht auf. Vom 10. Tag ab wurde das Blut immer dunkler und -zuletzt selbst in den Arterien fast schwarz; dabei war es sehr -dünnflüssig und langsam gerinnend. Am 17. Tag wurde das Pferd -getötet. Die Sektion ergab ausgebreiteten Schwefelwasserstoffgeruch -aller Organe, sowie leichte gastroenteritische Erscheinungen. -Diesem <em class="gesperrt">Hertwig</em>schen Versuche gegenüber muss eine angebliche -Beobachtung von <em class="gesperrt">Fogliata</em> (Giornale di Anat. Fisiol. e -Pathol. 1866) als sehr unwahrscheinlich erscheinen. <em class="gesperrt">Fogliata</em> -hält nämlich 45 g für die Maximaldosis des Schwefels bei Pferden -(!). Er will bei einem 3jährigen Fohlen nach Verabreichung von -etwas über 30 g reinen Schwefels eine innerhalb 18 Stunden unter -Diarrhöe verlaufende tödliche Gastroenteritis beobachtet haben(?); -eine Arsenikvergiftung soll dabei ausgeschlossen gewesen sein. -Nach <em class="gesperrt">Mosselmann</em> und <em class="gesperrt">Hébrant</em> haben bei Fohlen 250 g, -bei erwachsenen Pferden 500 g Schwefel eine Vergiftung zur Folge. -— Nach <em class="gesperrt">Hébrant</em> (Belg. Annal. 1900) sollen in Belgien bei -Hunden sehr oft Schwefelvergiftungen vorkommen (Eingeben von -Schwefel als Prophylaktikum gegen die Staupe im Frühjahr) und sich -in Kolik, Erbrechen, Durchfall, selbst blutigem Erbrechen und -Durchfall, Somnolenz, Anämie der Schleimhäute mit häufig<span class="pagenum" id="Seite_164">[S. 164]</span> tödlichem -Ausgang äussern. — Ueber eine Vergiftung beim Rind und Schwein -hat <em class="gesperrt">Fabretti</em> berichtet (Giorn. vet. 1900). — Aehnlich wie -Schwefel wirken Selen und Tellur. Letzteres findet sich zuweilen -in unreinen Wismutsalzen und bedingt durch seine Umwandlung zu -Tellurwasserstoff = TeH<sub>2</sub> den aashaften knoblauchartigen Geruch -der ausgeatmeten Luft (sog. Wismutatem). Sehr giftig sind ferner das -tellursaure Natrium, sowie die selenige Säure und ihre Salze.</p> - -<p><b>Schwefelleber.</b> Die Schwefelleber (<em class="gesperrt">Schwefelkalium</em>, -Kalium sulfuratum) von der Formel K<sub>2</sub>S<sub>3</sub> + K<sub>2</sub>S<sub>2</sub>O<sub>3</sub> kann -bei äusserlicher Anwendung als Räudemittel, sowie bei innerlicher -Verabreichung (Verwechslung mit Kalium sulfuricum) schwere -Vergiftungserscheinungen veranlassen. Die Giftwirkung setzt sich -zusammen aus der <em class="gesperrt">ätzenden Kaliwirkung</em> (Dermatitis, korrosive -Gastroenteritis, Kolik) und der <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoffwirkung</em> -(Betäubung, Lähmung, Krämpfe). Bei Hunden wirken schon 2–4,0, bei -Pferden und Rindern 30–60,0 giftig. Eine Vergiftung mit Schwefelleber -bei 12 räudigen Pferden nach dem Waschen mit 10proz. Lösung ist im -Berliner Archiv (1898, S. 298) beschrieben. Die Tiere wurden 1 Stunde -nach der Waschung sehr unruhig, atmeten sehr schnell und zeigten -sich zuletzt sehr abgestumpft; an den kräftig geriebenen Hautstellen -trat starke Schwellung und später Ablösung der Haut in Fetzen -ein. Sämtliche Pferde erholten sich bis zum nächsten Tag wieder -vollständig.</p> - -<p><b>Schweflige Säure.</b> Die schweflige Säure, SO<sub>2</sub>, entwickelt -sich beim Verbrennen des Schwefels. Sie kann gelegentlich der -Desinfektion von Stallungen, bei der Entleerung von Gefrierapparaten, -sowie beim Einatmen von Flugstaub (Rösten von Bleierzen) -Vergiftungserscheinungen bei Pferden, Rindern und anderen Haustieren -hervorrufen. Dieselben äussern sich in <em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, -<em class="gesperrt">Laryngitis</em> (Husten), <em class="gesperrt">schweren Atembeschwerden</em>, -krampfhaftem Stimmritzenverschluss, sowie in der Ausbildung einer -<em class="gesperrt">kruppösen Bronchitis</em> und <em class="gesperrt">Pneumonie</em> (reduzierende -Wirkung, Umwandlung zu Schwefelsäure). Nach <em class="gesperrt">Ogata</em> erkranken -Tiere schon bei einem Gehalt der Luft von ½ Vol. pro Mille SO<sub>2</sub> -und sterben bei einem solchen von 3 pro Mille unter Dyspnoe und -Krämpfen. Nach <em class="gesperrt">Kionka</em> erzeugen schon ½proz. wässerige -Lösungen im Magen intensive Gastritis, 5proz. Lösungen haben nach 3–5 -Minuten den Tod der Versuchstiere zur Folge. In den Lungenkapillaren -entstehen schon intra vitam Gerinnungen. Wegen ihrer starken -Giftigkeit in Gasform wird daher neuerdings flüssig gemachte -schweflige Säure unter dem Namen <em class="gesperrt">Piktolin</em> zur Vertilgung -von Ratten und Mäusen empfohlen (<em class="gesperrt">Kosselt</em>). <em class="gesperrt">Tempel</em> -(Berl. tierärztl. Wochenschr. 1893, Nr. 35) beobachtete bei 4 -Pferden und 4 Schweinen eine Vergiftung mit SO<sub>2</sub> (schweflige -Säure), welche aus einem Gefrierapparat in den Stall gelangt war. -Die Sektion ergab katarrhalische bezw. diphtheritische Entzündung -der Respirationsschleimhaut, Lungenemphysem, Bronchopneumonie, -Blutstauung und parenchymatöse Veränderungen. — <em class="gesperrt">Köbert</em> -(Sächs. Jahresber. 1892, S. 110) beschreibt eine SO<sub>2</sub>-Vergiftung -bei 2 Pferden, welche nach dem Einatmen von Flugstaub beim Rösten -von Bleierzen auftrat, der zum grössten Teil aus schwefliger Säure -bestand. Die Tiere zeigten heftige Entzündungserscheinungen von -seiten der Kopf- und Respirationsschleimhäute, sowie der Lunge -(Husten, Dyspnoe, Nasenausfluss etc.). Ein Pferd starb nach 5, das -andere nach 10 Tagen unter Bildung eines Hautemphysems am Vorderteil -und nach Eintritt von Lungengangrän. Bei der Sektion fand man Gangrän -der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut, jauchige Bronchitis und -Pneumonie,<span class="pagenum" id="Seite_165">[S. 165]</span> flächenhafte Blutungen auf der Nasenschleimhaut, sowie -Stomatitis ulcerosa. — Ein Hund war aus Versehen in einem Zimmer -zurückgelassen worden, das zur Vertreibung von Wanzen geschwefelt -worden war. Er zeigte grosse Mattigkeit, hochrote Farbe der -sichtbaren Schleimhäute, Salivation, Konjunktivitis und Keratitis, -Dyspnoe, inspiratorisches laryngeales Rasseln, Husten, Laryngitis, -Tracheitis, Bronchitis und Bronchiolitis, Fieber (40,3°) und -gesteigerte Pulsfrequenz (156 Pulse); nach 22 Tagen war er wieder -gesund (<em class="gesperrt">Jakob</em>, Woch. f. Tierh. 1908).</p> - -<p><b>Sulfite.</b> Die <em class="gesperrt">Salze</em> der <em class="gesperrt">schwefligen Säure</em> -(<em class="gesperrt">Natrium</em>, <em class="gesperrt">Kalium</em>, <em class="gesperrt">Calcium sulfurosum</em> und -<em class="gesperrt">subsulfurosum</em>), welche früher als ungiftige innerliche -Antiseptika gegen verschiedene Infektionskrankheiten empfohlen -wurden, sind ebenfalls stark giftig. Nach <em class="gesperrt">Pfeiffer</em> (Arch. f. -exp. Path. Bd. 27) wirken sie schon in Dosen von 0,6 pro Kilo tödlich -durch <em class="gesperrt">Gefässlähmung</em> und <em class="gesperrt">Herzlähmung</em>; bei innerlicher -Verabreichung erzeugen sie ferner infolge Abspaltung der ätzenden -freien schwefligen Säure <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em> (<em class="gesperrt">Kionka</em>, -Zeitschr. f. Hyg. 1896). Nach neueren Versuchen von <em class="gesperrt">Kionka</em> -an Hunden erzeugte der fortgesetzte Genuss von mässigen Mengen -schwefligsauren Natrons Abortus, Absterben der Fötus, entzündliche -Schwellung und Rötung der Darmmukosa, sowie Blutungen in inneren -Organen (Deutsch. med. Woch. 1902 Nr. 6). Auch beim Menschen wurden -gastrische Störungen beobachtet (<em class="gesperrt">Bernatzik</em> und <em class="gesperrt">Braun</em>). -Aus diesem Grunde wirken die Sulfite als konservierender Zusatz zu -Nahrungsmitteln (Fleisch) <em class="gesperrt">gesundheitsschädlich</em>. Ein derartiger -Zusatz ist daher verboten worden (Bundesratsbeschluss vom 18.2.02).</p> - -<p><b>Untersalpetersäure und Salpetrigsäure-Anhydrid.</b> Die -Untersalpetersäure, NO<sub>2</sub> (Stickstoffdioxyd), bildet sich aus -NO, Stickoxyd, sofort bei Zutritt von Luft. NO<sub>2</sub> sowohl, wie -N<sub>2</sub>O<sub>3</sub> (Salpetrigsäureanhydrid) erzeugen beim Einatmen -Laryngitis, Tracheitis und Lungenödem, sowie als Allgemeinwirkung -Methämoglobinämie. Ebenso wirken die salpetrigsauren Salze -(<em class="gesperrt">Nitrite</em>). N<sub>2</sub>O, Stickstoffoxydul (Lustgas) wirkt -narkotisierend auf das Grosshirn. Aehnlich reizend wie die Dämpfe -der salpetrigen Säure wirken nach <em class="gesperrt">Binz</em> die Dämpfe des -<em class="gesperrt">Ozons</em>, O<sub>3</sub>; die Allgemeinwirkung des Ozons ist eine -narkotisierende bezw. hypnotisierende (<em class="gesperrt">Schulz</em>); bei der -Sektion findet man Verfettung der Leber, der Nieren und des Herzens.</p> - -<p><b>Schwefelkohlenstoff.</b> Der Schwefelkohlenstoff, CS<sub>2</sub>, ist -experimentell bei Tieren als <em class="gesperrt">Blut-</em> und <em class="gesperrt">Nervengift</em> -festgestellt. Er erzeugt Methämoglobinämie, Krämpfe und Lähmung. -Beim Menschen kommt in Kautschukfabriken eine chronische Vergiftung -vor, welche sich in Geisteskrankheit, epileptiformen Krämpfen, Tabes -etc. äussert. <em class="gesperrt">Dierks</em> (Preuss. Vet.-Ber. pro 1906) berichtet -über eine Vergiftung bei 2 Pferden, die gegen Gastruslarven 36 bezw. -100 g Schwefelkohlenstoff in Kapseln erhalten hatten; beide Pferde -„erkrankten schwer und gingen nach 9 Tagen ein“.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Alkoholvergiftung">Alkoholvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der Alkohol (Spiritus, Weingeist) entsteht -aus den Kohlenhydraten unter der Einwirkung des Hefepilzes. Man -unterscheidet einen 100prozentigen (wasserfreien), 99prozentigen -(absoluten), 91prozentigen (höchst rektifizierten) und einen -68prozentigen (rektifizierten oder verdünnten Alkohol). Die -verschiedenen Branntweine enthalten 40–50 Proz. Alkohol<span class="pagenum" id="Seite_166">[S. 166]</span> (neben -Fuselöl und Aldehyd), der Wein 8–10, das Bier 3–5 Proz. Reine -Alkoholvergiftungen kommen bei den Haustieren nur ausnahmsweise z. B. -nach zu hoher Dosierung des Weingeistes vor. Gewöhnlich wird -den Haustieren Gelegenheit zur freiwilligen Aufnahme des Alkohols -in Brennereien und Brauereien durch alkoholhaltige Schlempe und -Treber, Branntweinmaische, Biermaische, starkes Branntweinspülicht, -Spülwasser von Spiritusfässern, Weintrester, Apfelweintrester, -gärenden Most, Lagerbier etc. gegeben. Da hierbei zuweilen neben dem -Alkohol auch noch die gärenden Futtermassen im Darm ihre Wirkung -äussern, treten als Komplikation der Alkoholvergiftung mitunter auch -gastrische Zufälle (Tympanitis, Kolik) auf.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Erscheinungen der -<em class="gesperrt">akuten Alkoholvergiftung</em> (akuter Alkoholismus) äussern sich -anfangs in Erregungs-, später in Lähmungszuständen des Gehirns. -Zunächst zeigen die Tiere Unruhe und <em class="gesperrt">Aufregung</em>, selbst -<em class="gesperrt">Tobsucht</em>, <em class="gesperrt">Zerstörungssucht</em> und <em class="gesperrt">wutähnliche Anfälle</em> -(namentlich Rinder). Gleichzeitig sind die sichtbaren Schleimhäute -hochgerötet, der Herzschlag ist pochend, der Puls beschleunigt; -zuweilen beobachtet man auch aufgeregten Geschlechtstrieb und -vereinzelt selbst Abortus. Später beobachtet man <em class="gesperrt">Schwanken</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">rauschartigen</em> Zustand, Betäubung, -Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit, sowie <em class="gesperrt">allgemeine Lähmung</em>. Der -tödliche Ausgang erfolgt unter den Erscheinungen des <em class="gesperrt">Kollapses</em> -unter starker Temperaturerniedrigung und Pulsverlangsamung, sowie -zuweilen unter vorausgegangenen Krämpfen. Das Zentralnervensystem wird -durch den Alkohol in nachstehender Reihenfolge gelähmt: Hirnrinde und -Grosshirn, Kleinhirn, Rückenmark, zuletzt das verlängerte Mark mit dem -Atmungszentrum.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man das Gehirn mit seinen Häuten -und Blutleitern sehr blutreich; die Gehirnsubstanz ist zuweilen -von hämorrhagischen Herden durchsetzt, auch findet man in den -Gehirnventrikeln oft grössere Mengen blutigen Serums. Die -Darmschleimhaut zeigt bisweilen die Erscheinungen einer hämorrhagischen -Entzündung, wobei der Darminhalt blutig ist. Auch an anderen -Stellen, namentlich im Herzen und in der Subkutis, sind Hämorrhagien -gefunden worden. Das Blut ist dünnflüssig, von schwarzroter Farbe. -Der Magen- und Darminhalt fällt durch seinen Alkoholgeruch auf. Die -<em class="gesperrt">mikroskopische</em> Untersuchung des Gehirns ergibt auffallende -Veränderungen der Ganglienzellen des Grosshirns; sie sind in rundliche, -blasse Gebilde verwandelt, der Kern, die Nisslkörper und die Dendriten -verschwinden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Chronische Alkoholvergiftungen</em> sind klinisch nur vereinzelt,<span class="pagenum" id="Seite_167">[S. 167]</span> -so angeblich bei dem Hunde eines Destillateurs (<em class="gesperrt">Spinola</em>) -beobachtet worden. Speziell über die beim Menschen so häufige -<em class="gesperrt">Leberzirrhose</em> als Erscheinung des chronischen Alkoholismus -ist in der Tierheilkunde nichts bekannt. Es ist sogar trotz der von -mehreren Seiten angestellten experimentellen Untersuchungen noch eine -offene Frage, <em class="gesperrt">ob sich überhaupt durch die fortgesetzte Verabreichung -von Alkohol bei Tieren künstlich Leberzirrhose erzeugen lässt</em>. Die -Resultate der bisher ausgeführten Experimente sind sehr widersprechend. -Ueber positive Resultate berichten <em class="gesperrt">Strauss</em>, <em class="gesperrt">Rechter</em> u. a. -Auch das im Gegensatz zum Landschwein angeblich häufige Vorkommen -von Leberzirrhose bei Schweinen; welche mit Bierresten aus städtischen -Restaurationen gefüttert werden (<em class="gesperrt">Tschauner</em>), soll für das -Vorkommen der Leberzirrhose wenigstens beim Schwein sprechen. Dagegen -konnten <em class="gesperrt">Afanassijew</em>, <em class="gesperrt">Strassmann</em>, <em class="gesperrt">von Kahlden</em>, -<em class="gesperrt">Lafitte</em>, <em class="gesperrt">Pohl</em>, <em class="gesperrt">Fieweger</em> u. a. bei ihren -Versuchen mit Hunden und anderen kleinen Haustieren experimentell -keine ausgesprochene Leberzirrhose erzeugen; sie fanden lediglich -Verfettung der Leberzellen, Hyperämie der Leber, sowie kleinzellige -Infiltration (vergl. S. 170). <em class="gesperrt">Mairet</em> und <em class="gesperrt">Combemale</em> -wollen beobachtet haben, dass die Nachkommenschaft experimentell mit -Weingeist gefütterter Hunde geschwächt erschien und frühzeitig starb; -die gefütterten Hunde selbst sollen schliesslich Hodenatrophie gezeigt -haben.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Die Behandlung der Alkoholvergiftung ist eine -symptomatische. Sie besteht in der Anwendung von <em class="gesperrt">Exzitantien</em>. -Neben kalten Sturzbädern auf den Kopf und der Applikation hautreizender -Mittel gibt man innerlich oder subkutan <em class="gesperrt">Kaffee</em>, <em class="gesperrt">Koffein</em>, -Aether, Kampfer, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium, Atropin, Hyoszin -und Veratrin. Ausserdem sind die Tiere vor Abkühlung zu schützen (warme -Decken).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Der chemische Nachweis des Alkohols erfolgt mittels -Destillation. Man destilliert ihn nach vorheriger Ansäuerung der zu -untersuchenden Masse über und weist ihn im Destillat durch seinen -charakteristischen Geruch, seine Brennbarkeit und die Möglichkeit der -Oxydation zu Aldehyd und Essigsäure nach. Der Alkohol färbt ferner -ein Gemisch von <em class="gesperrt">chromsaurem Kali</em> und Schwefelsäure intensiv -<em class="gesperrt">grün</em> (Reduktion des Chromsalzes), entwickelt, unter einer -Glasglocke mit <em class="gesperrt">Platinmoor</em> zusammengebracht, den Geruch des -Aldehyds und der Essigsäure (Oxydation),<span class="pagenum" id="Seite_168">[S. 168]</span> wobei die Essigsäure weiter -durch Erwärmen mit Kali und einigen Körnchen Arsenik im Glasrohr in das -sehr übelriechende <em class="gesperrt">Kakodyl</em> = As<sub>2</sub>(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>O übergeführt -werden kann. Endlich gibt eine alkoholhaltige Flüssigkeit mit einigen -Tropfen einer heissgesättigten Lösung von <em class="gesperrt">Molybdänsäure</em> -in konzentrierter, reiner Schwefelsäure eine tiefblaue Färbung. -Schliesslich lässt sich der Alkohol sehr sicher auch durch die äusserst -empfindliche Jodoformprobe nachweisen. Dieselbe besteht darin, dass -man den im Destillate enthaltenen Alkohol durch Zusatz von Kalilauge -und Jod (bis zur gelbbraunen Färbung) in kristallinisches Jodoform -umwandelt, welches <em class="gesperrt">mikroskopisch</em> in Form <em class="gesperrt">gelber</em>, -hexagonaler Tafeln erkannt werden kann. Oder man verwandelt den Alkohol -durch Schwefelkohlenstoff (2–3 Tropfen) und Kali in Xanthogensäure -und erwärmt das Gemenge mit <em class="gesperrt">molybdänsaurem Ammonium</em> (1 Tropfen -einer Lösung 1 : 10) und verdünnter Schwefelsäure (1 : 8), worauf -<em class="gesperrt">Rotfärbung</em> eintritt.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Rinder.</em> 16 Mastkühe eines -Brennereibesitzers hatten alkoholhaltige Schlempe (beim Abdampfen -stellte sich nachher ein Gehalt von 7 Proz. heraus) genossen. -Am andern Morgen fand man 1 Kuh verendet, 14 Stück mussten -geschlachtet werden und nur ein Tier genas. Die Erscheinungen -während des Lebens bestanden in unterdrückter Futteraufnahme, -Taumeln, Aufstützen des Kopfes, starker Rötung der Konjunktiva und -Maulschleimhaut, beschleunigter Atmung, kurzem, mattem Husten, -beschwerlichem Aufstehen, grosser Mattigkeit und Hinfälligkeit, Hin- -und Hertrippeln, Zuckungen und Krämpfen in den Gliedmassen, sowie -Gefühllosigkeit; die letztgenannten Erscheinungen wiesen auf einen -baldigen tödlichen Ausgang hin. Die Dauer der Vergiftung betrug -einige Stunden bis 2 Tage. Bei der Sektion fand man höhere Rötung -der sichtbaren Schleimhäute, Ausfluss dünnen Blutes aus der Nase, -dunkelrotes, nicht geronnenes Blut, die Subkutis sehr blutreich, -an handgrossen Stellen dunkelrot gefleckt, die Farbe des Kadavers -im ganzen schmutziggelb. Auf dem Pansen fanden sich grössere und -kleinere dunkelrote Flecken, der Dünndarm war von aussen gerötet, -an einzelnen Stellen schwarzrot gefärbt. Die Leber war zum Teil -blass und bleifarbig. Der Darminhalt bestand aus einem dunkelroten, -teils schokolade-, teils blutähnlichen Brei von dünnflüssiger -Konsistenz. Die Lungen waren dunkel gerötet, der Herzmuskel welk, -blass, mit kleineren, schwarzen Blutflecken durchsetzt. Die -Gehirnblutleiter waren mit schwarzem flüssigem Blute gefüllt, die -Rinden- und Marksubstanz des Gehirns war sehr blutreich und enthielt -apoplektische Herde, die Adergeflechte waren geschwollen und die -Hirnkammern mit blutigem Serum gefüllt (<em class="gesperrt">Knipp</em>, Preuss. -Mitt. 1878). — Der ganze Viehstand eines Besitzers (90 Rinder) -erkrankte dadurch, dass aus Versehen Maische unter die Schlempe -geriet. Die Tiere taumelten wie betrunken, zeigten Zähneknirschen, -starke Tympanitis und später Zuckungen der Halsmuskel. Bei der -Sektion fand man braune, dünne, hefenartige Ergiessungen in den -Siebbeinmuscheln und am Gehirn (<em class="gesperrt">Krausse</em>, ibidem). — Eine -Ochsenherde zeigte nach der Fütterung alkoholhaltiger Schlempe das -Bild der Betrunkenheit: Aufregung, stieren Blick, Taumeln, Wut, -Zerstörungssucht, betrunkenes Am-Boden-liegen etc. (<em class="gesperrt">Haselbach</em>, -Oesterreich. Vereinsmonatschr. 1884). — 3 Kühe hatten an einem -Tag 60 l Lagerbier erhalten und erkrankten unter dem Bilde der -Alkoholvergiftung (<em class="gesperrt">Uhlich</em>, Sächs. Jahresber. 1887). — In -einer Brennerei erkrankten 20 Rinder, nachdem grössere Mengen -alkoholhaltiger Maische mit der Schlempe verfüttert worden waren. -6 Stück krepierten im Verlaufe des ersten Tages, 10 am 3. und 5 an -den darauffolgenden<span class="pagenum" id="Seite_169">[S. 169]</span> Tagen. Die Tiere zeigten unruhiges, wildes -Benehmen, Brüllen und Toben, beschleunigte Atmung, Rötung der -Konjunktiva usw. Bei der Sektion fand man Ansammlung von Serum in den -Gehirnkammern, Hyperämie der Gehirnhäute, sowie viel Schaum in der -Trachea und in den Bronchien (<em class="gesperrt">Vorberg</em>, Veterinärbericht 1850). -— Eine Kuh verkalbte nach Ablauf einer durch Maischgenuss erzeugten -Alkoholvergiftung am 6. Tage (<em class="gesperrt">Schutt</em>, Magazin Bd. 21). — 58 -Kühe zeigten nach reichlicher Schlempefütterung Taumeln, Schwanken -und Durchfall (<em class="gesperrt">Schleg</em>, Sächs. Jahresber. 1892). — Nach der -Verfütterung gedämpfter Kartoffel mit grünem Gerstenmalz zeigten -fast sämtliche Kühe die Erscheinungen der akuten Alkoholvergiftung -(<em class="gesperrt">Ziegenbein</em>, Berl. Arch. 1898). — Eine Kuhherde erkrankte -nach Verfütterung von Biertrebern an Alkoholvergiftung; die Tiere -zeigten Unruhe, stieren Blick, Schwanken, Zusammenstürzen und -länger andauerndes Versiegen der Milch (<em class="gesperrt">Berndt</em>, Berl. Arch. -1890). — Eine Kuh, welche 3 l Branntwein an einem Tag erhalten -hatte, zeigte sich sehr aufgeregt und bösartig, worauf ein tiefes -Koma und nach 24 Stunden der Tod erfolgte (<em class="gesperrt">Bissauge</em>, Recueil -1895). — Eine schwere Alkoholvergiftung nach der Verfütterung -frischer Weissbiertreber wurde bei der Mehrzahl der Kühe eines -Molkereibesitzers beobachtet; sie äusserte sich in Benommenheit, -Stöhnen, Herzklopfen und sistierter Milchsekretion; die Biertreber -enthielten 1¼ Proz., die aus den Trebern abgesickerte Flüssigkeit -20 Proz. Alkohol (<em class="gesperrt">Eggeling</em>, Preuss. Vet.-Ber. 1905). — Eine -Kuh, welcher vom Besitzer 2 l Kornbranntwein eingegeben worden -waren, zeigte völlige Berauschung und lag schwer röchelnd am Boden; -nach entsprechender Behandlung erholte sie sich erst am 3. Tag -(<em class="gesperrt">Kreutzer</em>, Woch. f. Tierh. 1909).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Pferde.</em> Ein klinischer Fall von Alkoholvergiftung ist von -<em class="gesperrt">Courrioux</em> (Presse vétér. 1884) beschrieben worden. Ein Pferd, -welches zufällig 5 l Branntwein mit 10 l Wasser aufgenommen hatte, -erkrankte unter den Erscheinungen eines schweren Rausches und starb -nach 60 Stunden. — <em class="gesperrt">Schirmann</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1894 S. -199) beobachtete eine auffallend starke Alkoholwirkung bei einem -kolikkranken Pferde, dem ½ l Schnaps eingegeben worden war. Das -Pferd schlief hierauf 3 Stunden lang. Anderen Pferden hat S. gegen -Brustseuche innerhalb 2 Tagen 2 l absoluten Alkohol, täglich 1 l in -3 Portionen mit je 5 l Wasser, ohne irgendeine narkotische Wirkung -verabreicht. — Ein Pferd trank 4 l gärenden Weinmost. Nach 10 -Minuten zeigte es schwankenden Gang, konnte sich kaum mehr aufrecht -erhalten, fiel dann um und blieb bewegungslos liegen. Nach elf -Stunden erhob es sich und zeigte anhaltende schaukelnde Bewegungen -(<em class="gesperrt">Mestre</em>, Recueil 1892). — Experimentelle Untersuchungen -haben ergeben, dass die Intensität der Alkoholwirkung ausser von -der Menge wesentlich auch von der Konzentration des verabreichten -Alkohols sowie davon abhängt, ob die Tiere fieberhaft erkrankt -sind oder nicht. Sehr konzentrierter Alkohol ist viel giftiger -als ein verdünnter Weingeist in Quantitäten, welche bezüglich des -Alkoholgehalts ersterem gleichkommen. Der konzentrierte Alkohol -wirkt nämlich ausser als Narkotikum auch noch entzündungserregend -auf die Schleimhaut des Magens und Darmes. Von verdünntem -Alkohol wird, wenn man denselben auf konzentrierten Alkohol -berechnet, von fieberlosen Tieren das Doppelte der tödlichen -Dosis des konzentrierten Alkohols ertragen; fieberhaft erkrankte -ertragen das 4- und 5fache. <em class="gesperrt">Rektal</em> wirkt der Alkohol nach -Versuchen von <em class="gesperrt">Baum</em> (Archiv f. Tierhlkde. 1897) örtlich -entzündungserregend (hämorrhagische und selbst nekrotisierende -Entzündung der Dickdarmschleimhaut; katarrhalische Entzündung der -Dünndarmschleimhaut). Wird der Alkohol nicht wieder zum Teil per -anum entleert, so wirken von 93proz. Alkohol 200–250 g bei Pferden -tödlich. Der Tod wird teils durch die Darmentzündung, teils durch -Gehirnlähmung bedingt. Gesunde Pferde werden nach 250,0 g absolutem -(99proz.) unverdünntem Alkohol sehr unruhig und aufgeregt, steigen -in die Höhe, fallen nach 2 Minuten nieder, schlagen heftig mit den -Füssen und mit dem Kopfe, verdrehen die Augen, werden unempfindlich -und bewusstlos und verenden nach 10 Minuten. 120–180,0 g absoluter -Alkohol bedingen ähnliche Zufälle, die Tiere bleiben jedoch am -Leben (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Nach intravenöser Einspritzung von 30–60 g -absolutem Alkohol sterben Pferde schon nach 1–3 Minuten. Dagegen -ertragen gesunde Pferde von dem Spiritus dilutus (68proz. Alkohol) -einmalige Dosen bis zu 500 g und mehr, ohne zu sterben, indem<span class="pagenum" id="Seite_170">[S. 170]</span> sie -nur nach vorausgegangener Erregung berauscht und betäubt werden. -Fiebernde Pferde ertragen, ohne berauscht zu werden, 1–1½ l -absoluten Alkohol in verdünntem Zustande.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Nach der Verabreichung von Wein- und Bierresten -sah <em class="gesperrt">Mattern</em> (Woch. f. Tierh. 1902) auffallende Munterkeit, -Hochspringen an den Wänden, später Zuckungen und Krämpfe und -schliesslich allgemeine Betäubung und Lähmung; 1 Schwein starb, -2 wurden notgeschlachtet, die 3 anderen genasen nach 4–5 Tagen. -— Durch tägliche Verabreichung von 1–1,5 g Alkohol pro kg -Körpergewicht hat <em class="gesperrt">Dujardin-Beaumetz</em> (Comptes rendus 1883) -bei Schweinen experimentell chronischen Alkoholismus erzeugt. Die -Erscheinungen bestanden in Schläfrigkeit, galligem und schleimigem -Erbrechen, Durchfall, Zittern, Schwäche und Lähmung des Hinterteils, -Atembeschwerden. Bei der Sektion fand man Rötung und Blutung der -Darmschleimhaut, Hepatitis, Lungenhyperämie, blutige Herde in und -zwischen den Muskeln, sowie atheromatöse Degeneration der Aorta und -der grossen Gefässe.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Hunde</em> sterben nach 30–60 g absolutem Alkohol, wenn derselbe -in unverdünntem Zustand eingegeben wird, nachdem starke Aufregung, -Erbrechen, Taumeln und Betäubung vorausgegangen sind; bei der Sektion -findet man die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis. -Dieselbe Dosis tötet Hunde bei subkutaner Applikation. Dagegen -ertragen fiebernde Hunde leicht 100–200 g absoluten Alkohol, wenn -derselbe mit viel Wasser eingegeben wird. — Ein kleiner Terrier -erhielt täglich einen Kaffeelöffel Kognak; er zeigte sich hiernach -wie dumm und schwankte beim Gehen (<em class="gesperrt">Bissauge</em>, Recueil 1892).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Ziegen</em> und <em class="gesperrt">Schafe</em> können sich an verdünnten Alkohol -allmählich so gewöhnen, dass sie bis zu 180 und 300 g Branntwein -ertragen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>).</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Katzen</em> sterben nach 25 g absolutem unverdünntem Alkohol -unter denselben Erscheinungen wie Hunde.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Geflügel</em> (Enten, Hühner, Truthühner), welche in Branntwein -eingemachte Kirschen verzehrt hatten, zeigten starke Trunkenheit; 6 -Hühner und 1 Ente starben (<em class="gesperrt">Bissauge</em>, Recueil 1892).</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Experimentaluntersuchungen über die Wirkung des Alkohols auf die -Leber bei Tieren.</b> <em class="gesperrt">Magnan</em> (Compt. rend. de Biol. 1869) sah -bei Hunden, die täglich 20–60 g Alkohol erhielten, ausser ulzeröser -Gastritis fettige Degeneration der Leber. <em class="gesperrt">Dujardin-Beaumetz</em> -und <em class="gesperrt">Audigé</em> (Recherches exp. sur l’alcoolisme chronique; -Paris 1884–1885) gaben 18 Schweinen 3 Jahre lang Alkohol in Dosen -von 1–1,5 g pro kg; alle Tiere nahmen hiebei an Gewicht zu; die -Leber war bei der Schlachtung sehr hyperämisch, zeigte jedoch -in keinem Falle interstitielle Hepatitis. <em class="gesperrt">Strauss</em> und -<em class="gesperrt">Block</em> (Etude exp. sur la cirrhose alcoolique; Paris 1887) -fanden bei Kaninchen, die 3–12 Monate hindurch Alkohol bekamen, -eine härtere Konsistenz der Leber sowie kleinzellige Infiltration -im interazinösen Gewebe; Spindelzellen und Narbengewebe wurden -nirgends beobachtet (trotzdem bezeichnen die Verfasser den Zustand -als „frische Zirrhose“). <em class="gesperrt">Afanassijew</em> (Zieglers Beiträge 1890) -sah bei Kaninchen und Hunden nach monatelangen Alkoholgaben starke -Hyperämie, Fettinfiltration und fettige Degeneration der Leber sowie -kleinzellige Infiltration (Anfangsstadium der Leberzirrhose?); die -Versuchshunde zeigten Nekrose der Leberzellen mit herdförmiger -Bildung von Narbenbindegewebe (kleinherdige Leberzirrhose?). <em class="gesperrt">von -Kahlden</em> (ibid. 1891) beobachtete bei seinen Versuchstieren -Leberverfettung sowie Hyperämie der Leberkapillaren, konnte -jedoch Rundzelleninfiltration nicht feststellen. <em class="gesperrt">Lafitte</em> -(L’intoxication alcoolique; Paris 1892) sah Hyperämie der Leber und -Atrophie der Leberzellen beim chronischen Alkoholismus der Kaninchen; -das interazinöse Leberstroma war jedoch stets intakt. <em class="gesperrt">Rechter</em> -(Recherches exp. sur la cirrhose alcoolique, Brüssel 1892) sah bei -Kaninchen nach 5–9 Monate langer Verabreichung von Alkohol (30–50 g -pro die) in einem Fall eine<span class="pagenum" id="Seite_171">[S. 171]</span> kleinzellige Infiltration um die Endäste -der Vena portae herum bei sonst intaktem Leberparenchym; in einem -andern Falle (9 Monate) zeigte sich die Leberoberfläche narbig, die -Konsistenz der Leber deutlich vermehrt, ausserdem bestand deutliche -Bindegewebsneubildung in der Umgebung der Leberläppchen. Einen der -menschlichen Zirrhose sehr ähnlichen Befund bot ferner ein Hund, der -4 Monate hindurch Alkohol erhalten hatte (von den Venae centrales -drang junges Bindegewebe bis an die Peripherie der Leberläppchen, wo -sich schmale Züge von interstitiellem Bindegewebe entwickelt hatten). -Die Untersuchungen von <em class="gesperrt">Pohl</em> (Arch. f. Pharm. 1893) verliefen -negativ (lediglich Leberverfettung). <em class="gesperrt">Fieweger</em> (Diss. Cöthen -1909) fand bei seinen Versuchen im pharmak. Institut der Berliner -Tierärztl. Hochschule (Regenbogen) bei Hunden, Katzen, Schweinen -und Kaninchen, die 100 Tage lang 3–5 g Alkohol pro kg Körpergewicht -erhalten hatten, relativ geringfügige Leberveränderungen: -Fettinfiltration, vereinzelt auch fettige Degeneration der -Leberzellen, sowie Hyperämie der Kapillaren. Eigentliche zirrhotische -Veränderungen wurden bei allen Tieren vermisst. Nur bei einem -Kaninchen schien eine frische Hepatitis interstitialis in Form einer -zelligen Infiltration vorzuliegen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Chloroformvergiftung">Chloroformvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Chloroformvergiftungen können sich beim -Chloroformieren der Haustiere aus verschiedenen Veranlassungen -ereignen. Die Ursachen sind häufig in dem Tier selbst oder in der -Tiergattung gelegen. So ist bekannt, dass <em class="gesperrt">Hunde</em> wegen der -Häufigkeit der bei ihnen vorkommenden Herzfehler das Chloroformieren -im allgemeinen schlecht ertragen. Auch bei <em class="gesperrt">Pferden</em> ist das -Chloroformieren nicht ganz ungefährlich (vgl. unten). Es kann -ferner <em class="gesperrt">unreines</em>, zersetztes Chloroform die Veranlassung -zur Vergiftung abgeben. In dieser Hinsicht ist namentlich eine -Beimengung des stark giftigen Aethylidenchlorids, Amylchlorids und -Methylenchlorids, sowie des Phosgengases gefährlich. Endlich kann -die Veranlassung zu dem tödlichen Ausgang der Chloroformierung in -einem <em class="gesperrt">Versehen</em> des Tierarztes liegen, wenn derselbe die -vorgeschriebenen Vorsichtsmassregeln während der Narkose nicht -beachtet.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Chloroform wirkt in -tödlichen Dosen giftig durch <em class="gesperrt">Lähmung</em> des <em class="gesperrt">Atmungszentrums</em>. -Ausserdem ist es ein <em class="gesperrt">lähmendes</em> Gift für den <em class="gesperrt">Herzmuskel</em>, -welcher unter seiner Einwirkung fettig degeneriert. Der Uebergang der -Chloroformnarkose in Chloroformvergiftung gibt sich daher durch die -Erscheinungen der beginnenden Herzlähmung zu erkennen. Der <em class="gesperrt">Puls</em> -wird <em class="gesperrt">schwach</em> und <em class="gesperrt">aussetzend</em>, der <em class="gesperrt">Herzschlag -unfühlbar</em>, die <em class="gesperrt">Atmung sistiert</em>, die <em class="gesperrt">Pupillen -erweitern sich</em>, die <em class="gesperrt">Temperatur sinkt</em>, das aus der Wunde -fliessende Blut zeigt <em class="gesperrt">venöse</em> Farbe (Erstickungsblut). Bei der -Sektion findet man <em class="gesperrt">Verfettung</em> des <em class="gesperrt">Herzmuskels</em>, der -<em class="gesperrt">Skelettmuskulatur</em>, der <em class="gesperrt">Gefässwandungen</em>, der <em class="gesperrt">Leber</em> -und <em class="gesperrt">Nieren</em>. Endlich ist das Chloroform ein <em class="gesperrt">Blutgift</em>; -nach subkutanen Injektionen<span class="pagenum" id="Seite_172">[S. 172]</span> entsteht infolge Zersetzung der roten -Blutkörperchen Hämoglobinurie.</p> - -<p>Zuweilen kommt es vor, dass der Tod erst mehrere Tage nach der -Chloroformnarkose eintritt, nachdem die Tiere sich scheinbar wieder -vollständig erholt haben. Ueber die Ursache dieser sog. <em class="gesperrt">tödlichen -Nachwirkung</em> des Chloroforms hat <em class="gesperrt">Ostertag</em> (Virchows -Archiv 1889) experimentelle Untersuchungen angestellt und hierbei -gefunden, dass die Nachwirkung des Chloroforms in der Erzeugung -von <em class="gesperrt">Verfettungen</em> in den verschiedensten Organen besteht, -hauptsächlich aber einer Fettmetamorphose der <em class="gesperrt">Herz-</em> und -<em class="gesperrt">Skelettmuskulatur</em> und einer sekundären Fettinfiltration der -<em class="gesperrt">Leber</em>. Die Fettmetamorphose resultiert aus einer Einwirkung des -Chloroforms auf das Blut (<em class="gesperrt">Auflösung der roten Blutkörperchen</em>) -und auf die <em class="gesperrt">Gewebszellen</em> selbst (Ertötung). Der nachträgliche -Tod nach Chloroformverwendung erfolgt durch <em class="gesperrt">Lähmung des Herzens</em>. -Die Herzlähmung selbst wird herbeigeführt durch eine bisweilen -nur wenig in die Augen tretende <em class="gesperrt">anatomische Schädigung</em> des -<em class="gesperrt">Myokardiums</em> und eine gleichzeitig sich geltend machende -allmähliche <em class="gesperrt">Suffokation</em> (Oligozythämie und mangelhafte -Respiration infolge Verfettung der Atmungsmuskeln).</p> - -<p><b>Verhalten der einzelnen Tiergattungen.</b> Die einzelnen -Tiergattungen zeigen dem Chloroform gegenüber ein sehr -verschiedenartiges Verhalten. Besonders giftig wirkt das Chloroform auf -<em class="gesperrt">Rinder</em>, <em class="gesperrt">Schafe</em>, <em class="gesperrt">Ziegen</em> und <em class="gesperrt">Katzen</em>. Aber -auch für <em class="gesperrt">Hunde</em> und <em class="gesperrt">Pferde</em> ist das Chloroformieren nicht -ungefährlich. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken:</p> - -<p>1. Für <b>Pferde</b> beträgt die toxische Dosis des Chloroforms -durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht (<em class="gesperrt">Negotin</em>). Im übrigen -können erfahrungsgemäss viel kleinere Dosen bei manchen Pferden giftig -wirken. In den Jahren 1895–1899 sind in meiner Klinik 800 Pferde -unter Chloroformnarkose operiert worden. Eines dieser Pferde ist an -Chloroformvergiftung, und zwar nachdem erst 55 g verbraucht waren, -<em class="gesperrt">gestorben</em>. Ein zweites ist in <em class="gesperrt">schwere Chloroformasphyxie</em> -verfallen und konnte nur durch schnelle Injektion von Skopolamin -gerettet werden. Bei 6 anderen Pferden hat die <em class="gesperrt">Atmung vorübergehend -ausgesetzt</em>. 5 Pferde (eigentümlicherweise lauter Kryptorchiden) -zeigten nach dem Chloroformieren stundenlang anhaltendes -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, allerdings ohne<span class="pagenum" id="Seite_173">[S. 173]</span> nachteilige Folgen. 1 Pferd bot nach -dem Chloroformieren das Bild einer <em class="gesperrt">akuten Stimmbandlähmung</em> dar, -indem es im Stand der Ruhe längere Zeit hindurch laut rohrte. 2 Pferde -starben endlich einige Tage nach dem Chloroformieren an einer akuten -<em class="gesperrt">gangräneszierenden Pneumonie</em>. Wenn ich das alles zusammenfasse -und noch dazu hervorhebe, dass das gebrauchte Chloroform von tadelloser -Beschaffenheit, und die von mir angewandten Chloroformmengen relativ -geringe waren, indem ich nur ausnahmsweise eine ganz tiefe Narkose -einleitete, und der durchschnittliche Verbrauch nur 20–60 g (20–225 -g) betrug, so drängt sich mir die Schlussfolgerung auf: <em class="gesperrt">dass das -Chloroform für Pferde kein ungefährliches Narkotikum ist</em>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Vennerholm</em> (Zeitschr. f. Tiermed. 1898) hat ebenfalls einige -Fälle von <em class="gesperrt">Chloroformtod</em> bei Pferden infolge von Herz- und -Atemlähmung beobachtet. Ein Pferd starb beispielsweise ganz plötzlich -an systolischer Herzlähmung. 2 andere chloroformierte Pferde starben -infolge von <em class="gesperrt">Lungenentzündung</em>; andere, besonders alte Pferde, -zeigten in den ersten Tagen nach dem Chloroformieren schwere -<em class="gesperrt">Dyspnoe</em> (Herzschwäche). Mehrmals wurde ferner <em class="gesperrt">Steckenbleiben -von Futterbissen im Schlund</em> konstatiert, wenn die Pferde nach -beendigter Narkose Futter aufnahmen (Schlundlähmung); V. rät daher, den -chloroformierten Pferden erst einige Stunden nach der Narkose Futter zu -verabreichen.</p> - -<p>Tödliche Fälle von Chloroformvergiftung sind ferner von -<em class="gesperrt">Lanzillotti</em> und <em class="gesperrt">Knauer</em> (nekrotisierende Pneumonie), -sowie in der preussischen Armee (Preuss. Milit. Vet. Bericht, Jahrg. -5) konstatiert worden. Heftiges, eine Viertelstunde anhaltendes Würgen -und Geifern bei tief chloroformierten Pferden haben <em class="gesperrt">Georges</em> -und <em class="gesperrt">Röder</em> beobachtet (Sächs. Jahresber. 1898); letzterer sah -ausserdem bei 2 Pferden schwere Erstickungsanfälle (Glottisödem), -welche nur durch die Tracheotomie gehoben werden konnten.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die beiden von mir beobachteten Fälle von schwerer -Chloroformvergiftung bei Pferden sind folgende:</p> - -<p>1. Eine 12 Jahre alte braune Stute wurde am 3. September -1895 in die chirurgische Klinik eingestellt zum Zweck der -Hufknorpelfisteloperation. Die Voruntersuchung ergab einen -mittelmässigen Nährzustand, etwas schwachen, aber regelmässigen -Puls, reine Herztöne, 36 Herzschläge, 37,8° C Temperatur, 20 -Atemzüge, rege Futteraufnahme, blassrote Färbung der Konjunktiva, -sowie etwas benommenes Sensorium. Am linken Vorderfuss bestand eine -veraltete Hufknorpelfistel verbunden mit Lahmheit. Das Pferd wurde -in gewöhnlicher Weise zur Operation vorbereitet und am 6. September -geworfen. Auch an diesem Tage hatte das Pferd 36 Pulse, 20 Atemzüge -und 37,8° C Temperatur. <em class="gesperrt">Beim Chloroformieren fiel auf, dass das -Pferd ausserordentlich schnell in Narkose verfiel.</em> Nach kaum -10 Minuten, bei einem Verbrauche von nur 15 g<span class="pagenum" id="Seite_174">[S. 174]</span> Chloroform, konnte -mit der Operation begonnen werden. <em class="gesperrt">Nach weiteren 30 Minuten, -nachdem im ganzen 55 g Chloroform verbraucht waren, wurde die Atmung -plötzlich sehr beschleunigt und sistierte nach einer weiteren -Minute vollständig.</em> Gleichzeitig wurde der bis dahin normale -<em class="gesperrt">Puls unfühlbar</em>, die Venen des Kopfes und Halses schwollen -stark an und es war leichter Schweissausbruch bemerkbar. Die sofort -angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Es wurden -während einer halben Stunde kalte Waschungen des Kopfes, Halses -und Thorax vorgenommen, zwei subkutane Atropininjektionen gemacht, -künstliche Atmungsbewegungen am Thorax ausgeführt und schliesslich -sogar ein Aderlass gemacht, alles vergeblich. Die Sektion bestätigte -die Diagnose Chloroformvergiftung. Es wurden bei sonst negativem -Befunde eine Erweiterung des rechten Herzens mit Systole der linken -Herzkammer, starke Hyperämie der Venen des Halses und Kopfes, -Zyanose der Leber und Lungen, sowie subepikardiale Hämorrhagien -vorgefunden. Durch die eingehende Vernehmung des Ueberbringers des -Pferdes liess sich nachträglich folgendes ermitteln. <em class="gesperrt">Das Pferd -war am 8. Juli 1895 an Hitzschlag erkrankt</em> und wurde bis zum -20. Juli tierärztlich behandelt. Während dieser Zeit zeigte es die -Erscheinungen eines schweren Gehirnleidens. Vom 20. Juli bis zum -3. September war zwar eine Besserung eingetreten. Das Pferd zeigte -sich aber so matt, dass es in der Zwischenzeit bis zum 3. September, -dem Tag der Einstellung in die chirurgische Klinik, nicht wieder -eingespannt werden konnte.</p> - -<p>2. Ein mit Hufkrebs behafteter 9jähriger, brauner Hengst wurde am 20. -November 1896 abgeworfen und unter Chloroformnarkose operiert. Die -Operation, welche in der Entfernung des ganzen Fleischstrahls, der -ganzen Fleischsohle und etwa drei Viertel der Fleischwand mittelst -Hauklinge, Rinnmesser, Lorbeerblattmesser, Schere und scharfem -Löffel bestand, dauerte 1½ Stunden. <em class="gesperrt">Während der Operation -setzte, als im ganzen erst 48 g Chloroform verbraucht waren, die -Atmung plötzlich aus.</em> Der sonst in der Regel wirksame Versuch, -die Atmung durch flache Schläge auf die Bauchdecke anzuregen, -versagte in diesem Falle gänzlich, auch kaltes Wasser, frische Luft, -Kompression des Thorax usw. konnten die Chloroformasphyxie nicht -beseitigen. Da eine Atropinlösung zufällig nicht zur Hand war, -wurde dem Pferd eine vorrätig gehaltene subkutane Skopolaminlösung -(0,1) eingespritzt. Diese Injektion hatte sofortiges Wiederkehren -der Atembewegungen zur Folge, so dass die Operation beendet werden -konnte. Als das Pferd hierauf in seinen Stand zurückgebracht war, -zeigte es ganz eigentümliche Erregungszustände. Vor allem fiel das -laute, trompetenförmige, an Elefantengebrüll erinnernde, anhaltende -Schnauben und Wiehern des Pferdes auf. Sodann zeigte sich das Pferd -den ganzen Tag über psychisch sehr aufgeregt, ja selbst am anderen -Tag waren die zerebralen Erregungserscheinungen sowie die Steigerung -der Atemfrequenz noch nicht vollständig verschwunden. Im übrigen -blieb diese Skopolaminlösung ohne nachteiligen Einfluss auf das -Allgemeinbefinden sowie auf den Verlauf der Heilung.</p> - -<p>Eine Studie über die Verantwortlichkeit des Tierarztes für den -Chloroformtod hat <em class="gesperrt">Bärner</em> veröffentlicht (Zeitschr. f. Tiermed. -1900 S. 28).</p> -</div> - -<p>2. Für <b>Hunde</b> ist das Chloroform im allgemeinen gefährlich, -da es leicht zu <em class="gesperrt">Lähmung des Atmungszentrums</em> und Herzens -führt (<em class="gesperrt">Negotin</em>, eigene Beobachtungen). Manche Hunde ertragen -allerdings grössere Chloroformmengen gut (<em class="gesperrt">Ostertag</em>, -<em class="gesperrt">Albrecht</em>). Das Exzitationsstadium ist meistens kurz, indem die -Tiere einige Minuten hindurch sehr unruhig werden und bellen oder -heulen. Während der Narkose besteht Speichelfluss. Sehr häufig sistiert -die Atmung dann plötzlich unter starker Erweiterung der Pupillen und -Zyanose der Schleimhäute, während das Herz noch einige Zeitlang<span class="pagenum" id="Seite_175">[S. 175]</span> -fortschlägt. Bei 7 Hunden trat nach Verbrauch von 25–40 g Chloroform -nach 5–22 Minuten Stillstand der Atmung ein, so dass das Leben nur -durch künstliche Respiration erhalten werden konnte; 20 Hunde starben -nach 1–22 Minuten und nach einem Chloroformverbrauch von 1–65 g infolge -von Atmungslähmung (13), gleichzeitiger Atmungs- und Herzlähmung -(4) bezw. Herzlähmung (3) (<em class="gesperrt">Negotin</em>). Nach <em class="gesperrt">Hobday</em> (800 -Fälle) soll dagegen der Hund bei Anwendung der nötigen Vorsicht -(Bauchlage, Vorrätighalten von Gegenmitteln) ein geeignetes Objekt für -die Chloroformierung darstellen; im übrigen hat auch <em class="gesperrt">Hobday</em> -9mal Vergiftungserscheinungen und 3mal tödliche Chloroformvergiftung -beobachtet (!).</p> - -<p>3. Für <b>Katzen</b> ist das Chloroform nach <em class="gesperrt">Negotin</em> ein noch -<em class="gesperrt">viel gefährlicheres</em> Mittel als für Hunde. Das Exzitationsstadium -ist kurz und sehr ausgeprägt und geht rasch in tiefe Anästhesie -über. Der Tod trat in vielen Fällen unter den Erscheinungen der -Atmungslähmung in einem Zeitraum von 1½-20 Minuten und nach einem -Verbrauch von 6–7 g Chloroform ein. Auch nach <em class="gesperrt">Guinard</em> sind -Katzen gegen Chloroform ausserordentlich empfindlich, indem sie -häufig verenden. <em class="gesperrt">Müller</em> sah bei einer kräftigen Katze den Tod -nach 8 g Chloroform in 7 Minuten, bei einer anderen nach 6 g in 4 -Minuten eintreten. Im übrigen scheinen auch bei Katzen Ausnahmen von -dieser Regel vorzukommen. So hat <em class="gesperrt">Ostertag</em> bei seinen Versuchen -gefunden, dass sich eine tiefe Narkose bei Katzen lange unterhalten -lässt. Nach Versuchen von <em class="gesperrt">Kappler</em> starben die in einem Sack -betäubten Tiere erst nach ¼-¾stündiger Chloroformierung und nach -einem Verbrauch von 100–300 g Chloroform. Offenbar kommt bei Katzen -auch die Methode des Chloroformierens wesentlich mit in Betracht. -<em class="gesperrt">Hobday</em> hat 120 Katzen chloroformiert; er hebt ebenfalls hervor, -dass Katzen noch viel empfindlicher sind als Hunde und daher mit noch -grösserer Sorgfalt chloroformiert werden müssen.</p> - -<p>4. Beim <b>Rind</b> treten während der Narkose Krampfanfälle einzelner -Muskelgruppen in Form von <em class="gesperrt">Tetanus</em> und <em class="gesperrt">Opisthotonus</em> -auf. Das Erregungsstadium ist sehr kurz (1–5 Minuten) und stark -ausgesprochen; nach weiteren 2–4 Minuten stellt sich Schlaf ein, dem -komplette Empfindungslosigkeit folgt. Nebenerscheinungen hiebei sind -Speichelfluss, Tränen, Erbrechen, Sistieren der Pansentätigkeit sowie -<em class="gesperrt">Tympanitis</em>. Nach Ablauf der Narkose zeigen die Tiere mehrere -Stunden hindurch einen schwankenden Gang. Die Dauer der Narkose -beträgt bei einem Verbrauch von 50–140 g Chloroform<span class="pagenum" id="Seite_176">[S. 176]</span> 40–60 Minuten -(<em class="gesperrt">Negotin</em>). Bei innerlicher Verabreichung von 50–75 g Chloroform -beobachtete ich bei einer Kuh Schwanken in der Hinterhand ohne -wesentliche Benommenheit des Sensoriums.</p> - -<p>5. Bei <b>Schafen</b> und <b>Ziegen</b> sind während der rasch -eintretenden Narkose lebensgefährliche Komplikationen zu beobachten: -<em class="gesperrt">krampfartiges Atmen</em>, <em class="gesperrt">Stillstand der Respiration</em>, -<em class="gesperrt">Tympanitis</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Aspiration von erbrochenen -Futtermassen in die Luftröhre</em>, <em class="gesperrt">akute Bronchopneumonie</em>, -<em class="gesperrt">Zyanose der Schleimhäute</em>, <em class="gesperrt">Opisthotonus</em>. Die Auftreibung -des Abdomen erklärt sich aus der Lähmung der Magen- und Darmwandung. -In der Regel erfolgt der Tod, auch nach überstandener Narkose, -unter Erstickungserscheinungen. Die Sektion ergibt als Todesursache -eine akute Bronchopneumonie. Auch schwere Gehirnstörungen, z. B. -Drehbewegungen, sowie Erscheinungen von Gehirnödem werden nach der -Narkose beobachtet. Der Tod trat in der Regel 12 bis 14 Stunden nach -Beendigung des Chloroformierens ein. Während von den chloroformierten -Schafen alle starben, starben von neun narkotisierten Ziegen 2 -(<em class="gesperrt">Negotin</em>). Von 6 chloroformierten Schafen erkrankten 5 schwer; 4 -davon verendeten nach 1–5 Tagen (<em class="gesperrt">Malzew</em>).</p> - -<p>6. Bei <b>Schweinen</b> erweist sich das Chloroformieren -<em class="gesperrt">ungefährlich</em>. Nach kurzer heftiger Erregung tritt Schlaf und -vollkommene Empfindungslosigkeit ein. Nach der Narkose erholen sich -die Tiere rasch. Zu einer tiefen 25–136 Minuten dauernden Narkose -wurden 22–100 g Chloroform verbraucht (<em class="gesperrt">Negotin</em>). <em class="gesperrt">Ehrhardt</em> -(Zürich) hat 1000 Schweine chloroformiert; bei Horizontallage ist nach -ihm selbst die tiefe Narkose durchaus ungefährlich.</p> - -<p>7. Für <b>Hühner</b> scheint das Chloroform ebenfalls ein -<em class="gesperrt">unschädliches</em> Narkotikum zu sein. Das Exzitationsstadium fehlt -oft ganz oder ist sehr kurz; nach ½-3 Minuten tritt Schlaf, nach -½ bis 10 Minuten vollständige Empfindungslosigkeit ein. 18–105 -Tropfen erzeugten eine 57–137 Minuten lange Narkose; ein Tier starb an -Bronchopneumonie (<em class="gesperrt">Negotin</em>).</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Stellen sich im Laufe einer Chloroformnarkose die -Erscheinungen der Herzschwäche oder Atmungslähmung ein, so muss in -erster Linie sofort mit dem Chloroformieren ausgesetzt und für Zufuhr -<em class="gesperrt">frischer Luft</em> gesorgt werden. Ferner sind <em class="gesperrt">Exzitantien</em> -anzuwenden. Man appliziert kalte Duschen auf den Kopf, lässt die Haut -frottieren oder appliziert beim Pferd kräftige<span class="pagenum" id="Seite_177">[S. 177]</span> Schläge mit der flachen -Hand in der Flankengegend. Ausserdem macht man subkutane Einspritzungen -von <em class="gesperrt">Hyoszin</em> (<em class="gesperrt">Skopolamin</em>) oder <em class="gesperrt">Atropin</em> in Dosen von -0,05–0,1 g für Pferde. Nach den Versuchen von <em class="gesperrt">Paukul</em> bewährten -sich von allen Methoden der Wiederbelebung am besten <em class="gesperrt">Kompression der -Herzgegend</em> nach <em class="gesperrt">König-Maass</em> in Verbindungen mit subkutanen -Injektionen von Skopolamin. Bezüglich der <em class="gesperrt">Prophylaxe</em> vgl. mein -Lehrbuch der Arzneimittellehre 8. Aufl. 1909 S. 99.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Der qualitative Nachweis des Chloroforms wird -mittelst der <em class="gesperrt">Isonitrilreaktion</em> geliefert. Man destilliert die -zu untersuchenden Teile (Lunge, Blut, Herzmuskulatur) und erwärmt -das Destillat mit weingeistiger Kalilauge und Anilin, wobei sich ein -unangenehmer charakteristischer Geruch nach Isonitril-Isozyanbenzol, -C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>CN, entwickelt. Eine andere Reaktion besteht in der -vorübergehenden Blaufärbung beim Erwärmen des Destillates mit wenig -β-Naphthol und starker Kalilauge auf 50°.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Chloralhydrat.</b> Die tödliche Dosis des Chloralhydrats -beträgt bei <em class="gesperrt">Pferden</em> 150–200 g bei innerlicher oder rektaler -Anwendung, 50–75 g bei intravenöser. Die Versuche von <em class="gesperrt">Negotin</em> -ergaben folgendes: Bei rektaler Applikation (1 : 12–20) erzeugten -Dosen von 0,5 g Chloralhydrat pro kg Körpergewicht schwankenden -Gang, Zusammenstürzen der Tiere nach ¼-½ Stunde, sowie die -Erscheinungen der Proktitis. 0,6 g pro kg Körpergewicht hatten -4–5stündigen Schlaf sowie nach 1–2 Stunden Anästhesie zur Folge. Bei -der Sektion erschien die Mastdarmschleimhaut dunkelrot, ödematös -geschwollen, blutunterlaufen und stellenweise desquamiert; die -abgestossene Epithelschicht bildete einen membranartigen Ueberzug -über die Kotballen. Die Submukosa enthielt eine gelatinös sulzige, -orangegelbe Flüssigkeit. Bei intravenöser Injektion (1 : 2) trat -sehr rasch, zuweilen noch während der Injektion, Zusammenstürzen, -Anästhesie und 2stündiger Schlaf ein. Die Dosis betrug 90–120 g. -Bei der Sektion war ausgebreitete Thrombose der Jugularis, sowie -in zwei Fällen heftige Phlebitis nachzuweisen (Monatshefte f. -prakt. Tierhlkde. VI. Bd.). — Bezüglich der <em class="gesperrt">intravenösen</em> -Injektion von Chloralhydrat beim Pferd lautet das Urteil verschieden. -<em class="gesperrt">Vennerholm</em> (Zeitschr. f. Tiermed. 1. Jahrg.) empfiehlt bei -Pferden, bei welchen das Abwerfen zu gefährlich ist, die intravenöse -Injektion von 50–60 g Chloralhydrat in 150 g Wasser gelöst, filtriert -und auf Blutwärme gebracht, zum Zweck der allgemeinen Narkose. Dabei -gibt er zu, <em class="gesperrt">dass in jedem Fall die Gefahr einer Periphlebitis und -Thrombosierung der Jugularis besteht</em>. Diese Thrombophlebitis -soll jedoch zwar sehr bedenkliche Erscheinungen bedingen, aber -nur äusserst selten zum Tod führen. Ich habe diese Angaben an -Anatomiepferden nachgeprüft und in einem Fall eine tödliche -Verblutung aus der thrombosierten Jugularis sowie Thrombosierung -der Blutleiter im Gehirn, in einem anderen Fall ausgedehnte -Thrombosierung und Obliteration der Jugularis festgestellt. -<em class="gesperrt">Cadiot</em> und <em class="gesperrt">Almy</em> (Alfort) weisen auf die grosse Gefahr -der Phlebitis und Periphlebitis hin. Sie haben ferner bei ganz -einwandsfreier<span class="pagenum" id="Seite_178">[S. 178]</span> intravenöser Applikation des Chloralhydrats ein -Pferd nach einer sehr mässigen Dosis (10 g pro 100 kg Körpergewicht) -unter asphyktischen Erscheinungen sterben sehen. <em class="gesperrt">Pfeiffer</em> -(Operationskursus 1907) empfiehlt dagegen die intravenöse -Chloralinjektion. <em class="gesperrt">Jedenfalls ist die intravenöse Injektion des -Chloralhydrats wegen der Gefahr der Thrombose nicht unbedenklich.</em></p> - -<p>Bei <em class="gesperrt">Rindern</em> beobachtete ich nach Klistieren von 25, 40 und -50 g Chloralhydrat keinerlei Wirkung. Per os hatten 25, 35 und -40 g <em class="gesperrt">Schwanken</em> in der <em class="gesperrt">Hinterhand</em> nach etwa einer -Viertelstunde, 50 und 75 g Schwanken im Kreuz nach 10 Minuten -und Zusammenstürzen nach 20 Minuten zur Folge. Erst bei diesen -letzteren Dosen trat gleichzeitig auch <em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em> und -<em class="gesperrt">Unempfindlichkeit</em> auf, welche ca. 3 Stunden dauerten und an -das Bild des Kalbefiebers erinnerten. <em class="gesperrt">Hess</em> sah ein Rind nach -40 g per os in einer halben Stunde verenden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Hunde</em> werden durch narkotische Chloraldosen (2–5 g bei -kleinen, 5–10 bei grossen) häufig stark aufgeregt, rennen im Zimmer -hin und her und sind gegen Berührung sehr empfindlich. Auf dieses -Exzitationsstadium folgt Schwanken und Taumeln, Umfallen, zunehmende -Teilnahmslosigkeit gegen die Umgebung, Betäubung und Schlaf mit -starker Unempfindlichkeit, welcher mehrere Stunden andauert. Während -desselben sinkt die Temperatur, wie ich in einem Fall beobachten -konnte, bis um 2 Grade. Die tödliche Chloraldosis für Hunde beträgt -10–25 g. <em class="gesperrt">Negotin</em> fand bei seinen Versuchen folgendes. Bei -der innerlichen Verabreichung des Chloralhydrats (1 : 4–7) wurden -die Tiere zunächst zum Teil traurig, betäubt, schwankten, fielen -zu Boden, teils wurden sie unruhig und aufgeregt und winselten -kläglich. Zuweilen gesellte sich hiezu bald Durchfall. Nach 0,25 g -Chloralhydrat pro kg Körpergewicht trat innerhalb 40 Minuten sodann -ein leichter, kurzdauernder Schlaf ein. Nach Dosen von 0,4–0,5 pro kg -Körpergewicht trat ein 1–1½stündiger Schlaf nach durchschnittlich -20 Minuten ein; nach dem Erwachen beobachtete man starkes Zittern, -der Appetit und das allgemeine Wohlbefinden kehrten jedoch bald -wieder zurück. Bei Dosen von 0,5–0,9 pro kg Körpergewicht trat -nach 18 Minuten Schlaf und hierauf nach einigen Minuten völlige -Empfindungslosigkeit ein, welche 2–5 Stunden anhielt; während der -Narkose und nach dem Erwachen litten die Hunde an Durchfall. 1,0–1,6 -pro kg Körpergewicht erzeugten Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, -sowie nach 10 Minuten langer Narkose Tod infolge von Herz- und -Atmungslähmung. Nach <em class="gesperrt">Schulze</em> zeigte ein 12½ kg schwerer -Hund nach 25 g Chloralhydrat (2 g pro kg) eine 7stündige Narkose, -ohne zu sterben.</p> - -<p>Bei <em class="gesperrt">Katzen</em> wirken 0,15 g pro kg Körpergewicht giftig -(<em class="gesperrt">Lesage</em>).</p> - -<p><b>Paraldehyd.</b> Pferde zeigen nach meinen Versuchen (Berl. -klinische Wochenschr. 1887) auf 500 g Paraldehyd neben Erscheinungen -der Schwäche und Lähmung Hämoglobinurie infolge der Zersetzung der -roten Blutkörperchen durch das Paraldehyd. Die tödliche Dosis für -Hunde beträgt 3–4 g pro kg Körpergewicht. Ausführlicheres findet sich -in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 124.</p> - -<p><b>Sulfonal.</b> Die tödliche Dosis beträgt nach meinen -Untersuchungen für Pferde und Rinder 150–200 g (0,5 pro kg -Körpergewicht). Die Erscheinungen der Sulfonalvergiftung bestehen -in einem Tage lang andauernden schlafartigen Zustand, welcher -mit gesteigerter Reflexerregbarkeit und Krämpfen abwechselt. Bei -der Sektion findet man regelmässig eine hämorrhagische<span class="pagenum" id="Seite_179">[S. 179]</span> resp. -ulzeröse Gastroenteritis. Vergl. Genaueres in meinem Lehrbuch der -Arzneimittellehre 1909, S. 122.</p> - -<p><b>Aether.</b> Die Todesdosis des Aethers betrug in einem Falle -beim Pferde 750 g nach vorausgegangener einstündiger Inhalation -(<em class="gesperrt">Seifert</em>). Vergl. Genaueres über die Giftwirkung des Aethers -in meinem Lehrbuch der Arzneimittellehre 1909, S. 117.</p> - -<p><b>Antifebrin.</b> Um die Giftwirkung des Antifebrins bei den -Haustieren kennen zu lernen, habe ich Versuche bei gesunden -Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Hunden gemacht (Monatshefte -f. prakt. Tierheilk. V, S. 145). Dieselben haben ergeben, <em class="gesperrt">dass -das Antifebrin für die Haustiere ein sehr wenig giftiges Mittel -ist</em>. Mit Ausnahme eines von <em class="gesperrt">Ehrle</em> beim Pferd beschriebenen -Falles (Kollapserscheinungen nach 60 g Antifebrin) und einer von -<em class="gesperrt">Prietsch</em> gemachten Mitteilung (Sächsischer Jahresber. 1907), -wonach ein Landwirt seinen beiden kranken Rindern das Antifebrin -nicht abwog, sondern nach Gutdünken verabreichte, worauf sie unter -Sinken der Temperatur und Atemnot 8 Stunden nach dem Eingeben -verendet sein sollen, ist bisher keine Antifebrinvergiftung nach -dem Gebrauch des Mittels bei Haustieren vorgekommen. Die von -<em class="gesperrt">Ehlers</em> (Berliner tierärztl. Wochenschrift 1898) angeblich -bei einer Kuh nach der Verabreichung von 3 Dosen Antifebrin à 25,0 -beobachtete tödliche Antifebrinvergiftung ist sehr zweifelhaft. -<em class="gesperrt">Ehrhardt</em> (Züricher Klinik) hebt besonders hervor, dass er -trotz jahrelanger Verabreichung von 2–3maligen Einzeldosen -von 20–30,0 (40,0–90,0 pro die) bei Pferden und Rindern niemals -nachteilige Folgen beobachtet hat. Nach meinen Versuchen ertragen -gesunde Pferde 300 g, Rinder 250 g, grosse Hunde und Schafe -10 g Antifebrin, ohne zu sterben. Die tödliche Dosis beträgt -durchschnittlich 1 g pro kg Körpergewicht; nur der Hund scheint -etwas empfindlicher zu sein (tödliche Dosis = ½ g pro kg -Körpergewicht). Die <em class="gesperrt">Vergiftungserscheinungen</em> bestehen im -wesentlichen in <em class="gesperrt">motorischer Lähmung</em>, zerebraler Depression -mit <em class="gesperrt">Schlafsucht</em>, <em class="gesperrt">Sinken der Körpertemperatur</em>, -<em class="gesperrt">Herzklopfen</em> und leichten <em class="gesperrt">gastrischen Störungen</em>. Im -einzelnen ist folgendes zu bemerken:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Motorische Lähmung</em> ist das erste von allen durch Antifebrin -erzeugten Vergiftungssymptomen. Dieselbe tritt beim Pferde schon -nach 60–75 g ein. Sie äussert sich in unsicherem Gange, Schwäche -im Hinterteil, Schwanken, Taumeln, Einknicken in den Gelenken, -Uebergreifen der Schwäche auf die Vorderbeine, Zusammenfallen, -Unvermögen aufzustehen und schliesslich in allgemeiner Muskellähmung. -Bei grossen Dosen treten diese Lähmungserscheinungen bereits wenige -Minuten nach dem Eingeben des Antifebrins auf. Berücksichtigt man -die Tatsache, dass das Antifebrin in Wasser schwer löslich ist (1: -200), so muss diese ausserordentlich rasche Resorption des Mittels -vom Magen aus merkwürdig erscheinen. Damit hängt auch die auffallende -Erscheinung zusammen, dass gewöhnlich schon ½-1 Stunde nach dem -Eingeben der Höhepunkt der motorischen Lähmung, welche sich sogar auf -den Sphincter ani ausdehnt, erreicht ist.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Zerebrale Depression</em> und <em class="gesperrt">Schlafsucht</em> ist -nicht bei allen Tieren und nicht immer in gleicher Intensität -wahrzunehmen. Bald zeigt sich nur eine gewisse Mattigkeit und -psychische Benommenheit (Pferd), bald beobachtet man einen kurzen, -vorübergehenden schlafsüchtigen Zustand bezw. Schlafsucht (Hund), -bald tritt ein stundenlanger, tiefer, ruhiger Schlaf ein (Rind und -Kalb), bald ist endlich ein rauschartiger Zustand<span class="pagenum" id="Seite_180">[S. 180]</span> wahrzunehmen, der -an das Bild der Alkohol- oder Chloroformnarkose erinnert (Ziege, -Schaf). Während der Hypnose ist gleichzeitig auch die sensible -Erregbarkeit herabgesetzt.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Ein Sinken der Körpertemperatur</em> lässt sich konstant bei -allen Tieren nachweisen. Dasselbe tritt aber in der Regel erst -<em class="gesperrt">nach</em> erfolgter motorischer und psychischer Depression und zwar -synchron mit dem Höhepunkt derselben ein. Die Temperatur beginnt -durchschnittlich etwa 1 Stunde nach Verabreichung des Antifebrins -deutlich zu sinken. Die tiefste Temperatur ist nach ca. 4–10 -Stunden zu konstatieren. Der Temperaturabfall beträgt im Maximum -3–4° C. Starkes Herzklopfen mit erheblicher Pulsbeschleunigung ist -gleichzeitig mit der Abnahme der Körpertemperatur wahrzunehmen. Die -<em class="gesperrt">Atmung</em> ist bei manchen Tieren sehr <em class="gesperrt">beschleunigt</em>, bei -anderen normal.</p> - -<p>4. Von <em class="gesperrt">gastrischen Störungen</em> wurden im späteren Verlaufe -der Vergiftung wahrgenommen Speichelfluss, Sistieren der -Futteraufnahme und des Wiederkauens, Verstopfung, Tympanitis, leichte -Kolikerscheinungen (Stöhnen, Unruhe, Meckern, Brüllen), sowie beim -Rinde eine kruppöse hämorrhagische Enteritis.</p> - -<p>5. Besonders auffallende Veränderungen zeigt der <em class="gesperrt">Harn</em>. Während -derselbe am 1. Tage gewöhnlich eine normale Farbe aufweist, selbst -in einigen tödlich verlaufenden Fällen, ist vom 2. Tage ab eine -zunehmende <em class="gesperrt">Dunkelfärbung</em> desselben wahrzunehmen, welche meist -mehrere Tage, mitunter sogar eine Woche, anhält. Der Harn zeigt eine -<em class="gesperrt">dunkelbernsteingelbe</em>, <em class="gesperrt">rotgelbe</em>, <em class="gesperrt">dunkelbraunrote</em>, -<em class="gesperrt">schwarzbraune</em>, ja selbst eine <em class="gesperrt">tintenschwarze</em> -Farbe, sowie alle Nuancen zwischen den genannten Farben -(Azetylparamidophenol).</p> - -<p>6. Die <em class="gesperrt">Sektion</em> der an Antifebrinvergiftung gefallenen -Tiere ergibt mit Ausnahme <em class="gesperrt">entzündlicher Veränderungen im -Digestionsapparat</em> einen ziemlich negativen Befund. Der Tod -erfolgt unter dem Bilde der Erstickung (Lungenödem, suffokatorische -Hämorrhagien im Herzen). Die spektroskopische Untersuchung des Blutes -ergab niemals das Vorhandensein von Hämoglobinämie. Danach wirkt das -Antifebrin bei den Haustieren nicht als Blutgift.</p> - -<p><b>Antipyrin.</b> Ueber den Grad der Giftigkeit und die Art der -Giftwirkung des Antipyrins bei den Haustieren habe ich eine Reihe -von Versuchen angestellt (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde -V, S. 399). Ein 42 kg schwerer Hund ertrug die zweimalige -innerliche Verabreichung von 50 g Antipyrin ohne auffallende -Störungen des Allgemeinbefindens. Ein anderer 26 kg schwerer Hund -blieb gesund, trotzdem er im Verlauf von 14 Tagen insgesamt 80 g -Antipyrin innerlich erhalten hatte. 10 g Antipyrin erzeugten bei -subkutaner Injektion lokale Abszesse, dagegen keine nennenswerten -Allgemeinstörungen. <em class="gesperrt">Pferde</em>, <em class="gesperrt">Rinder</em> und <em class="gesperrt">Schafe</em> -zeigten nach Dosen von 0,5–0,8 g Antipyrin pro kg Körpergewicht -zwar eine deutliche Vergiftung, blieben aber am Leben. Ein 360 kg -schweres Pferd blieb z. B. nach der innerlichen Verabreichung von -300 g Antipyrin am Leben, desgleichen ein 480 kg schweres Rind nach -250 g und ein 37 kg schweres Schaf nach 25 g Antipyrin. <em class="gesperrt">Die -tödliche Dosis des Antipyrins beträgt für Rinder und Schafe 1 g -pro kg Körpergewicht.</em> Beispielsweise starb ein 480 kg schweres -Rind nach dem Eingeben von 500 g Antipyrin. Das Antipyrin wirkt auf -die Haustiere als <em class="gesperrt">Atmungsgift</em> und <em class="gesperrt">Krampfgift</em>, sowie -als <em class="gesperrt">leichtes Akre</em>, nicht aber als Blutgift. Die von mir -beobachteten Vergiftungserscheinungen sind folgende:</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_181">[S. 181]</span></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>1. Die Antipyrinvergiftung beginnt mit <em class="gesperrt">Zittern, Aufregung, -Unruhe, Schreckhaftigkeit und Atmungsstörungen</em>. Die letzteren -äussern sich in einer zunächst periodischen, anfallsweisen, später -kontinuierlichen Dyspnoe, welche wohl auf eine Erregung des in der -Medulla oblongata gelegenen Atmungszentrums durch das Antipyrin -zurückzuführen ist. Daneben sind Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, -leichte Kolikerscheinungen (Rind, Schaf), Erbrechen bezw. -Blutbrechen (Hund), verzögerter Kotabsatz, leichte Konjunktivitis -und Rhinitis, sowie Schweissausbruch (Pferd) zu konstatieren. -Die Körpertemperatur gesunder Tiere scheint durch Antipyrin sehr -verschiedenartig beeinflusst zu werden. Während beim Pferd und Rind -ein Temperaturabfall um ca. 1° beobachtet wurde, zeigten die übrigen -Versuchstiere (Hund, Schaf) eine Temperatursteigerung, welche bei den -Hunden 0,8–2,5, beim Schaf sogar 3,3° betrug.</p> - -<p>2. Der Höhepunkt der Antipyrinvergiftung ist durch das Auftreten von -<em class="gesperrt">Krämpfen</em> charakterisiert. Dieselben stellen zunächst klonische -Krämpfe dar, welche aber bald in einen tonischen Krampf bezw. in -Tetanus (Orthotonus, Opisthotonus) übergehen. Dieser Starrkrampf -hielt beim Rind nicht weniger als 17 Minuten lang an; er ist als die -indirekte Todesursache (Erstickung) anzusehen.</p> - -<p>3. Der <em class="gesperrt">Harn</em> der Versuchstiere zeigte ausser der bei Zusatz -von Eisenchlorid eintretenden Rotfärbung (Antipyrinreaktion) und -ausser der zuweilen ziemlich lange anhaltenden Polyurie (Pferd, -Rind, Hund) keinerlei Veränderungen, namentlich keine Verfärbung, -keine Hämoglobinurie, keine Albuminurie; nicht einmal die Reaktion -wurde geändert. Wie die spektroskopische Untersuchung des Blutes -der beiden gestorbenen Tiere in zweifelloser Weise ergab, lag auch -keine Methämoglobinämie vor. Das Antipyrin darf mithin als ein -Blutgift nicht bezeichnet werden. Interessant war es, dass bei dem -Versuchspferd nach der Verabreichung von 300 g Antipyrin der Harn -noch 14 Tage lang die Antipyrinreaktion zeigte, wodurch die bekannte -langsame Ausscheidung des Antipyrins bestätigt und illustriert wird.</p> - -<p><b>Eosin.</b> Das Eosin, ein Derivat des <em class="gesperrt">Fluoreszeins</em> -(Resorzinphtaleins), nämlich <em class="gesperrt">Tetrabromfluoreszeinkalium</em>, wird -seit 2 Jahren in Deutschland zur Denaturierung der Futtergerste -verwendet. Die mit Eosin gefärbte Gerste erzeugt bei Schweinen -nach längerer Verabreichung angeblich eine Eosinvergiftung -(„Eosinschweine“), die sich in einer mitunter tödlich verlaufenden -Magendarmentzündung äussern soll. Eine vom Reichsschatzamt -angeordnete Nachprüfung hat ergeben (vergl. den Deutschen -Reichsanzeiger vom 13. 1. 10), dass es ungewöhnlich grosser Mengen -von Eosin bedarf, um Schweine krank zu machen. Zwei Versuchsschweine -zeigten selbst nach der Aufnahme von 240 und 300 Gramm Eosin keine -Gesundheitsstörungen. Diese Menge beträgt das 6000fache der mit -der Futtergerste täglich aufgenommenen Menge von 0,05 Gramm Eosin. -Ebensowenig zeigten im Jahre 1908 die Bromberger Versuchstiere -Krankheitserscheinungen, trotzdem sie 106 Tage lang mit einer -Eosingerste gefüttert worden waren, welche 20mal mehr Eosin enthielt, -als die gewöhnliche Eosingerste.</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_182">[S. 182]</span></p> - -<h3 id="II_Pflanzliche_Gifte">II. Pflanzliche Gifte.</h3> - -<h4 id="Kolchikumvergiftung">Kolchikumvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Zeitlose</em> oder <em class="gesperrt">Herbstzeitlose</em>, -<em class="gesperrt">Colchicum autumnale</em>, ist ein zu den Kolchikazeen (Liliazeen) -gehöriges Zwiebelgewächs, welches auf fruchtbaren und feuchten -Wiesen Europas, mit Ausnahme der Länder im Norden und am Mittelmeer -vorkommt. Die Zeitlose ist durch eine eiförmige, braune, mit -häutiger Schale umgebene, 3½ cm lange und ½ cm dicke Zwiebel -gekennzeichnet, welche tief im Boden steckt und an der Unterseite -feine Wurzeln trägt. Der Stengel blüht im Herbst, indem er 1–4 -violettrötliche trichterförmige Blüten treibt. Im Frühjahr darauf -entwickeln sich dann die grossen, langen, lanzettförmigen, spitzen, -glänzend grünen Blätter (3–4), zwischen denen sich die braunen, -eiförmigen Fruchtkapseln ausbilden. Die Samen, welche im Mai und -Juni zur Reife gelangen, sind in frischem Zustande weiss, getrocknet -dunkelbraun, von rundlicher, verkehrt eiförmiger Gestalt, 1–5 mm -gross, fein grubig punktiert; sie besitzen einen sehr bitteren, -kratzenden Geschmack. Sie enthalten namentlich in den braunen Schalen -in den beiden innersten Zellreihen zu 0,2–0,3 Proz. das giftige -Alkaloid der Zeitlose, das <b>Kolchizin</b>, einen gelblichen, -amorphen, intensiv bitteren Körper von der Zusammensetzung -<span class="nowrap">C<sub>22</sub>H<sub>25</sub>NO<sub>6</sub></span> und das weniger giftige <em class="gesperrt">Kolchizein</em> von -der Formel <span class="nowrap">C<sub>21</sub>H<sub>23</sub>NO<sub>6</sub></span>; die Blätter, Zwiebel und Blüten sind -ebenfalls, wenn auch weniger kolchizinhaltig.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitserscheinungen und Sektionsbefund.</b> Das Kolchizin ist -ein sehr starkes, wenn auch langsamer als andere Alkaloide wirkendes -Gift, welches in reinem Zustand Katzen schon in Dosen von 5 mg, -Menschen und Hunde in Dosen von 30 mg unter den Erscheinungen der -<em class="gesperrt">Magendarmentzündung</em> und <em class="gesperrt">allgemeinen Lähmung</em> tötet. Eine -Laxierwirkung entsteht bei Tieren schon nach Gaben von ¼ mg Kolchizin -pro kg Körpergewicht. Vergiftungen durch die Samen der Herbstzeitlose -ereignen sich hauptsächlich zur Sommerszeit (Mai, Juni) bei Rindern, -Pferden, Ziegen und Schweinen nach der Aufnahme von zeitlosenhaltigem -Futter, welches zuweilen bis zur Hälfte aus Kolchikum besteht. Auch im -Herbst können durch Aufnahme von Blütenblättern Vergiftungen entstehen. -Endlich geben ausgerodete Knollen in vereinzelten Fällen<span class="pagenum" id="Seite_183">[S. 183]</span> Veranlassung -zu Kolchikumvergiftung. Die beim Menschen beobachtete Einverleibung -des Giftes durch kolchikumhaltige Ziegenmilch (<em class="gesperrt">Ratti</em>) scheint -auch bei Tieren (Säuglingen) vorzukommen. Die Milch von Kühen, welche -Kolchikum aufgenommen hatten, zeigte sich nämlich auch dann giftig, -wenn die Kühe keine auffallenden Krankheitserscheinungen aufwiesen -(Ungar. Vet.-Ber. 1900).</p> - -<p>Die Einzelerscheinungen der Kolchikumvergiftung bestehen in -Appetitlosigkeit, Erbrechen, Speicheln und Schlingbeschwerden -(selten), <em class="gesperrt">Kolik</em>, anhaltendem, häufig blutigem, <em class="gesperrt">ruhrartigem -Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em> (bei Kühen), <em class="gesperrt">vermehrtem -Harnabsatz</em>, Drängen auf den Harn, zuweilen <em class="gesperrt">Hämaturie</em> und -Albuminurie (<em class="gesperrt">Nephritis</em>), und schliesslich <em class="gesperrt">Anurie</em>. -Weiterhin beobachtet man Anästhesie, <em class="gesperrt">Benommenheit</em> -des <em class="gesperrt">Sensoriums</em>, Abstumpfung und Somnolenz bis zur -<em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em> und <em class="gesperrt">Schwäche</em> -namentlich im Hinterteil, Zittern, Steifheit, Schwanken, -Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. Ausnahmsweise treten -im Anfang Gehirnreizungserscheinungen mit späterer Depression -auf. Der Puls ist schwach und unfühlbar, zuweilen beobachtet man -auch starkes <em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, die Atmung ist angestrengt, die -Pupille erweitert, es findet Schweissausbruch statt, die sichtbaren -Schleimhäute sind livide verfärbt, die extremitalen Teile kühl. Der -Tod tritt durchschnittlich nach 1–3tägiger Krankheitsdauer ein. Die -<em class="gesperrt">Mortalitätsziffer</em> beträgt 25–50 Proz.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Magen- (Labmagen-) und -Darmschleimhaut entzündlich geschwollen, von hämorrhagischen -Herden durchsetzt und den Darminhalt häufig blutig (hämorrhagische -Gastroenteritis). In vielen Körperorganen sind Ekchymosen vorhanden. -Das Blut ist von dunkler Farbe und schlecht geronnen. Zuweilen findet -man auch Nierenentzündung und Leberverfettung.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste chemische Antidot gegen die -Kolchikumvergiftung ist die <em class="gesperrt">Gerbsäure</em> (Bildung von unlöslichem -gerbsaurem Kolchizin). Man gibt entweder das reine Tannin (Rindern -10–25,0, Pferden 5–15,0, Schafen und Ziegen 2–5,0), oder tanninhaltige -Abkochungen, wie schwarzen Kaffee, Tee-, Eichenrinden-, Weidenrinden-, -Salbei-, Gerberlohe-Dekokt. Auch Jod in Form von Lugolscher Lösung -wird empfohlen. Ausserdem behandelt man die Darmentzündung mit -<em class="gesperrt">schleimigen</em> einhüllenden Mitteln und grösseren Gaben von -<em class="gesperrt">Opium</em> (dieselbe Dosis wie beim Tannin), oder macht subkutane -Morphiumeinspritzungen (Pferden 0,5).<span class="pagenum" id="Seite_184">[S. 184]</span> <em class="gesperrt">Symptomatisch</em> behandelt -man die Schwäche- und Lähmungserscheinungen mit subkutanen Injektionen -von Aether, Kampfer, Atropin oder Koffein. Endlich kann man beim Rind -bei sichergestellter Diagnose und noch nicht zu weit vorgeschrittenem -Stadium der Vergiftung den <em class="gesperrt">Pansenschnitt</em> mit nachfolgender -manueller Entfernung des Giftes ausführen.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Der Nachweis der Kolchikumvergiftung gelingt wohl -immer schon durch die <em class="gesperrt">botanische</em> Bestimmung der Pflanze. Der -<em class="gesperrt">chemische</em> Nachweis des Kolchizins erfolgt nach der Extraktion -desselben aus dem Magen- und Darminhalt, sowie aus dem Blut mittels -<em class="gesperrt">Chloroform</em> nach der im allgemeinen Teil genauer angegebenen -Stas-Ottoschen Methode des Alkaloidnachweises. Das Chloroform -extrahiert das Kolchizin aus der <em class="gesperrt">sauren</em>, wässerigen Lösung -(vergl. S. 33). Nach dem Verdunsten des Chloroforms bleibt es als -<em class="gesperrt">gelblich</em> gefärbte amorphe Masse zurück, welche charakteristische -Reaktionen zeigt. Dieselben sind folgende: 1. <em class="gesperrt">Gelbfärbung</em> -durch <em class="gesperrt">konzentrierte Schwefelsäure</em>. 2. <em class="gesperrt">Violettfärbung</em>, -später braun und gelb werdende Färbung durch <em class="gesperrt">Salpetersäure</em>, die -gelb gewordene Lösung in Salpetersäure wird durch Kali rot gefärbt. -Durch rauchende Salpetersäure wird es violett bis indigoblau gefärbt. -3. <em class="gesperrt">Blaufärbung</em> durch konzentrierte <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> mit -sehr wenig Salpetersäure (Erdmanns Reagens). Schwefelsäurebihydrat -löst Kolchizin gelb auf; ein Zusatz von einem Tropfen Salpetersäure -erzeugt einen Farbenwechsel von grün zu blau, violett, blassgelb. 4. -<em class="gesperrt">Grünfärbung</em> durch <em class="gesperrt">Eisenchlorid</em> (dunkelgrüne Farbe). -Die physiologische Reaktion ist wenig ausgeprägt; <em class="gesperrt">Frösche</em> -sterben auf 1–5 cg Kolchizin unter fibrillären Muskelzuckungen und -<em class="gesperrt">Tetanus</em>, <em class="gesperrt">Katzen</em> sterben dagegen schon auf 5 mg reinen -Kolchizins.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Pferde</em>. Ein Pferd hatte mit dem Heu, -welches 23½ Proz. Kolchikum enthielt, etwa 3⅓ kg Kolchikum -aufgenommen. Am 2. Tag nach der Fütterung zeigte sich der Appetit -vermindert, das Pferd erschien traurig und unlustig zur Arbeit. -Am 3. Tag stellte sich plötzlich heftiges Laxieren, sowie ein -auffallend starkes, mit Erschütterung des Brustkorbes verbundenes, -in einer Entfernung von einem Meter hörbares, anhaltendes -Herzklopfen ein. Die übrigen Erscheinungen bestanden in Kälte -der extremitalen Teile, schwachem, zuletzt unfühlbarem Pulse, -Benommenheit des Sensoriums, Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit und -starkem Durchfall. Am 4. Tag war das Pferd nicht mehr imstande sich -zu erheben, es war völlige Unempfindlichkeit, sowie hochgradige -Apathie und Somnolenz aufgetreten und das Tier starb unter starkem -Schweissausbruch und heftigen Konvulsionen. Die Sektion ergab als -Hauptbefund eine akute hämorrhagische Gastroenteritis neben alten -Schwielen im Myokardium (<em class="gesperrt">Friedberger</em>, Ad. Woch. 1876). — Ein -Pferd, welches die Blüten der Herbstzeitlose in grösserer<span class="pagenum" id="Seite_185">[S. 185]</span> Menge -gefressen hatte, zeigte heisse Maulschleimhaut, Speicheln, kaum -fühlbaren Puls, schwankenden Gang, Steifheit des Rückens und der -Beine, stelzenartigen Gang, Vorwärtsdrängen, fast ganz aufgehobene -Empfindlichkeit, sowie beim Eingeben von Arznei Erbrechen. Das -Pferd genas am 5. Tag, nachdem schwarzer Kaffee, Glaubersalz, Aloe -und Kampfer angewandt worden waren (<em class="gesperrt">Kirnbauer</em>, Oesterr. -Vereinsmonatsschr. 1882). — 6 Pferde erhielten ein Vierteljahr -hindurch im Heu täglich etwa 80 g Herbstzeitlose. Sie zeigten -abwechselnd Appetitstörungen und Durchfall, so dass sie die Hälfte -der genannten Zeit zum Dienste unbrauchbar waren (<em class="gesperrt">Trachsler</em>, -Schweizer Archiv 1844). — Von 60 Pferden, welche inhaltlich der -Literatur (bis 1872) durch Aufnahme von Kolchikum mit dem Heu -vergiftet wurden, starben 25 Proz. (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. -Tierheilkunde 1872). — Ein Pferd zeigte 6–7 Stunden nach der letzten -Futteraufnahme Kolik, Speicheln, Zähneknirschen, dünnbreiigen, -blutigen Durchfall, Schlingbeschwerden, 90 Pulse, 30 Atemzüge, -Schwanken und Eingenommenheit. Die Untersuchung des Heus gab einen -grossen Gehalt an Herbstzeitlose. Am 3. Tag war das Pferd nach der -Verabreichung von Tannin und Leinsamenabkochung wieder hergestellt -(<em class="gesperrt">Becher</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1890). — 7 Pferde erkrankten -nach der Aufnahme von Heu, welches stellenweise fast zur Hälfte aus -Herbstzeitlose bestand. Sie zeigten Kolik, Harndrang, rotbraunen -Harn, Durchfall und Schwanken. Ein Pferd starb nach 4stündiger -Krankheitsdauer; die Sektion ergab hämorrhagische Gastroenteritis -(<em class="gesperrt">Weinbeer</em>, ibid.). — <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Woch. f. T. 1904) hat -während seines 11jährigen Aufenthalts in Freising fast jedes Jahr -einen oder mehrere Vergiftungsfälle bei Pferden beobachtet. Sie -traten regelmässig in Stallungen auf, in den Zeitlose enthaltendes -Heu als Häcksel verabreicht wurde. Dagegen traten Vergiftungen nie -auf, wenn solches Heu auf die Raufe gegeben, also unzerschnitten -verfüttert wurde. Kolikerscheinungen können nach seinen Wahrnehmungen -vollständig fehlen. Die Krankheitsdauer betrug bei tödlichem -Ausgang 1–3 Tage. Ein Pferd zeigte abweichend von dem gewöhnlichen -Krankheitsbild auch die Erscheinungen der Gehirnentzündung: -hochgradige Erregungserscheinungen im Wechsel mit Depression, so -dass die Diagnose schwierig war. Der Fall lehrte ferner, dass altes -Heu kaum weniger gefährlich ist, als neues. — Eine vollständige -Lähmung und hämorrhagische Darmentzündung bei 2 Pferden beobachtete -<em class="gesperrt">Schuester</em> (ibid. 1907), Kolik bei Pferden <em class="gesperrt">Götting</em> -(Preuss. Vet.-Ber. 1904 und 1906).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Rinder.</em> 2 Kälber frassen von den Blüten der Herbstzeitlose. -Eines derselben zeigte allgemeine Lähmung, Unvermögen aufzustehen, -Zähneknirschen, Aufblähung, Drängen auf den Harn und Kot, Zittern -und Pupillenerweiterung (<em class="gesperrt">Kolb</em>, Preuss. Mitt. 1872). — 2 -Kühe frassen ausgerodete Knollen der Herbstzeitlose. Sie zeigten -Kolikerscheinungen und stieren Blick. Eine Kuh starb nach 3 Tagen, -die Sektion ergab Darmentzündung (<em class="gesperrt">Ehrmann</em>, Repertor. -1882). — Nach Versuchen an der Wiener Tierarzneischule waren -zur Vergiftung von Rindern 4–5 Pfund getrockneter Herbstzeitlose -nötig (<em class="gesperrt">Nicol</em>, Magazin 4. Bd.). — <em class="gesperrt">Gerlach</em> hat -berechnet, dass die tierärztl. Literatur bis 1872 zusammen etwa -150 Kolchikumvergiftungen bei Rindern mit einer Mortalitätsziffer -von 40 Proz. enthält; die Quantitäten des aufgenommenen Materials -(Blätter und Samenkapseln) betrugen in einzelnen Fällen 3–5 Pfund -(Gerichtl. Tierheilkunde 1872). — 2 Kühe erkrankten nach der -Aufnahme von Heu, das mit vielen Samenkapseln vermischt war; sie -zeigten Schweissausbruch, Speicheln, Brechneigung, Kolik, heftigen, -andauernden, später blutigen Durchfall, vermehrten Harnabsatz, -dunkelroten Harn, Abstumpfung, Schlafsucht, Zittern, Schwanken, -kleinen, elenden Puls und vereinzelt anhaltendes Herzklopfen. -Genesung nach 6 Tagen (<em class="gesperrt">Hetzel</em>, Repertorium 1889). — -6 Rindviehstücke erkrankten 1 Tag, nachdem sie auf der Weide -Herbstzeitlose aufgenommen hatten, unter Erscheinungen der Unruhe, -Stöhnen, Geifern, Mattigkeit, Schwanken, auffallendem kleinem, -beschleunigtem Puls, unterdrückten Pansengeräuschen und ruhrartigem -Durchfall. Die Sektion eines gefallenen Rindes ergab hämorrhagische -Entzündung des Labmagens, Darmes und der Blase (<em class="gesperrt">Baumgartner</em>, -D. T. W. 1893). — 2 Rinder erkrankten auf der Weide unter -Kolikerscheinungen, Schwanken, Apathie, übelriechendem Durchfall -und sehr schwachem Puls. Die Sektion ergab entzündliche Rötung der -drei ersten Mägen, sowie hämorrhagische Entzündung des Labmagens und -Dünndarms<span class="pagenum" id="Seite_186">[S. 186]</span> (<em class="gesperrt">Kösler</em>, ibid.). — 1 Kuh und 4 Kälber erkrankten -auf der Weide; sie zeigten starkes Speicheln, Zähneknirschen, -Meteorismus, Kolik und ruhrartigen Durchfall; 2 Kälber verendeten -infolge heftiger Entzündung des Labmagens und Darmes (<em class="gesperrt">Mesnard</em>, -Recueil 1894). — 35 Zuchtkühe erkrankten nach der Fütterung von -kolchikumhaltigem Gras an heftigem Durchfall, bei 3 Kühen wurden -blutige Abgänge, sowie Kolikerscheinungen beobachtet. 8 Kühe -verendeten am 4.-7. Tage; die übrigen genasen sehr langsam. Die -Sektion ergab hämorrhagische Entzündung im Pansen, sowie besonders -stark im Labmagen und Darm, ausserdem subendokardiale und subpleurale -Blutungen (<em class="gesperrt">Baumgärtel</em>, Sächs. Jahresber. 1898). — Eine ganze -Rinderherde aus 141 Stück bestehend, erkrankte nach dem Weiden auf -einer mit Herbstzeitlose stark besetzten Wiese. Sämtliche Tiere -zeigten schwankenden Gang und Diarrhöe; bei den schwerkranken war -profuser Durchfall mit Tenesmus, grosse Hinfälligkeit, Zähneknirschen, -sowie sehr unsicherer Gang mit Kreuzen der Hinterfüsse vorhanden. 9 -der 16 schwer erkrankten Tiere starben. Die Sektion ergab heftige -Entzündung des Dünn- und Dickdarms, sowie Ekchymosen am Perikardium. -Bei den überlebenden 7 schwerkranken Rindern wurde neben starker -Abmagerung ein Absterben grosser Flächen der Haut beobachtet -(<em class="gesperrt">Révész</em>, Veterinarius 1896). — Von 4 Kühen zeigte nach der -Aufnahme von Herbstzeitlose 1 starke Diarrhöe, Polyurie, Kolik, -Zittern und Lähmungserscheinungen und verendete nach 36 Stunden: die -Sektion ergab Labmagen- und Dünndarmentzündung. Die 3 anderen zeigten -nur Durchfall und Polyurie (<em class="gesperrt">Trinchera</em>, Clin. vet. 1896). — -Nach der Aufnahme von Kolchikumblüten erkrankten ½-¾jährige -Rinder an Diarrhöe und Hinfälligkeit mit subakutem Verlauf der -Vergiftung (Notschlachtung); dagegen zeigten 2 ältere Rinder nach -der Aufnahme der Samenkapseln die Erscheinungen der perakuten -Magendarmentzündung: heftige, blutige Diarrhöe, Eingenommenheit des -Sensoriums, Zusammenstürzen und Tod unter Krämpfen (<em class="gesperrt">Schuester</em>, -Woch. f. Tierheilk. 1902). — Jungrinder erkrankten auf der -Weide unter Kolikerscheinungen, blutigem Durchfall, Zittern, -Unempfindlichkeit und Lähmungserscheinungen; bei allen trat der Tod -nach einigen Tagen ein (<em class="gesperrt">Musterle</em>, ibid. 1909).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schweine.</em> Eine Schweineherde von 32 Stück, welche -durch eine Feststrasse getrieben wurde, deren Schmuck unter -anderem aus Herbstzeitlose bestand, erkrankte im Verlauf von 24 -Stunden (<em class="gesperrt">Stolz</em>, Magazin Bd. 14). — Nach den statistischen -Zusammenstellungen von <em class="gesperrt">Gerlach</em> starben von 38 erkrankten -Schweinen 23. — 10 Schweine erkrankten an Kolchikumvergiftung, 5 -davon starben. Ausser den gewöhnlichen Vergiftungserscheinungen -(Mattigkeit, Schwanken, starke, leicht blutige Diarrhöe, Kälte der -extremitalen Teile, pochender Herzschlag, psychische Depression) -wurden als besondere Symptome beobachtet sehr beschleunigte -Atmung, Albuminurie, Lungenhyperämie bezw. Lungenödem und starke -Leberschwellung (<em class="gesperrt">Albrecht</em>, Woch. f. T. 1897).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Klatschrosenvergiftung">Klatschrosenvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Klatschrose</em> oder der <em class="gesperrt">wilde -Mohn</em>, <em class="gesperrt">Papaver Rhöas</em>, ist eine als Unkraut auf den -Getreidefeldern (Roggen, Weizen) und Kleeäckern vielfach vorkommende, -in der Zeit vom Mai bis August blühende, durch ihre grossen, -scharlachroten, vierblättrigen, am Grunde schwarzgefleckten Blüten -charakterisierte Papaverazee. Die bekannte, einjährige Pflanze wird -bis zu einem Meter hoch, besitzt einen rauhen, haarigen Stengel, -mattgrüne, tief fiederspaltige, den Stengel nicht umfassende -Blätter, sowie eine kahle, verkehrteiförmige, am Grunde abgerundete, -mit 8–12kerbiger Narbenscheibe versehene Kapsel. Im Gegensatz -hierzu besitzt der <em class="gesperrt">Saatmohn</em> oder <em class="gesperrt">Gartenmohn</em>, Papaver -somniferum, welcher von Juni bis August blüht, weisse oder rote, -an der Basis violette Blumenblätter, wesentlich grössere Blüten -(bis 10 cm gross), einen kahlen, graugrün bereiften Stengel, -abstehend behaarte Blütenstiele,<span class="pagenum" id="Seite_187">[S. 187]</span> blaugrüne, kahle, nach oben hin -stengelumfassende Blätter, sowie kugelige oder eiförmige, bis 6 cm -grosse Kapseln, mit 7–15strahliger, am Rande gekerbter Narbenscheibe.</p> -</div> - -<p><b>Wirksame Bestandteile.</b> Die Klatschrose ist am <em class="gesperrt">giftigsten</em> -während der Blütezeit und im Beginn der Samenbildung (grüne -Köpfe); vor der Blüte und nach vollendeter Reife der Kapseln -enthält sie nur wenig giftige Bestandteile, so dass sie ohne -Schaden verfüttert werden kann. <em class="gesperrt">Ueber die chemische Natur -des Klatschrosengiftes fehlen genauere Kenntnisse.</em> Das in -allen Teilen der Pflanze, namentlich in den Blüten nachgewiesene -<em class="gesperrt">Rhöadin</em> scheint ein indifferenter, ungiftiger Körper zu sein, -welcher weisse, geschmacklose, mit verdünnten Säuren noch bei einer -Konzentration von 1 : 1 Million sich rot färbende Kristalle von -der Formel <span class="nowrap">C<sub>21</sub>H<sub>21</sub>NO<sub>6</sub></span> bildet und sich bei entsprechender -Behandlung in Rhoeagenin und einen roten Farbstoff spaltet. Nach -<em class="gesperrt">Dietrich</em> sollen die Blüten von Papaver Rhoeas <em class="gesperrt">Morphin</em> -(0,7 Proz.) enthalten (Pharmazeutisches Zentralblatt Bd. 29). Auch -<em class="gesperrt">Selmi</em> will in den unreifen Fruchtkapseln ein dem Morphium -sehr ähnliches Alkaloid gefunden haben. Es ist aber fraglich, ob die -Vergiftungserscheinungen auf diesen Morphingehalt zu beziehen sind. -Allerdings bedingt auch das reine Morphin, namentlich bei Rindern, -starke zerebrale Vergiftungserscheinungen; dagegen lassen sich die -bei der Vergiftung auftretenden Reizungserscheinungen seitens der -Darmschleimhaut nicht auf das Morphin beziehen. Auch wird von anderer -Seite bestritten, dass in den Blüten der Klatschrose Morphin vorkommt -(<em class="gesperrt">Hesse</em>). Es kann daher zurzeit nur allgemein aus den Symptomen -der Klatschrosenvergiftung gefolgert werden, dass im wilden Mohn ein -<em class="gesperrt">scharf narkotisches</em> Gift enthalten ist, welches einerseits -eine stark erregende Wirkung auf das Gehirn, andererseits eine -entzündungserregende Wirkung auf die Darmschleimhaut ausübt.</p> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das ausserordentlich -charakteristische Bild der Klatschrosenvergiftung, welches man -bei <em class="gesperrt">Rindern</em> in den Monaten Juni und Juli zu beobachten -Gelegenheit hat (bei anderen Tieren ist die Vergiftung seltener), -ähnelt dem Bilde der akuten Gehirnentzündung. Die Tiere zeigen -nach vorausgegangener Unruhe und Schreckhaftigkeit Anfälle von -<em class="gesperrt">Raserei</em> und <em class="gesperrt">Tobsucht</em>, so dass sie oft für wutkrank -gehalten werden. Die Anfälle äussern sich in wildem Blick, Brüllen, -Neigung zum<span class="pagenum" id="Seite_188">[S. 188]</span> Stossen, Bohren und Beissen, Losreissen von der Kette, -wildem Umherrennen, Zähneknirschen, hochgeröteten Schleimhäuten. Neben -diesen maniakalischen Erscheinungen gehen <em class="gesperrt">epileptiforme Krämpfe</em> -einher, welche anfallsweise und oft wiederholt auftreten und teils in -Zuckungen der Gesichtsmuskel und krampfhaftem Verdrehen des Kopfes und -Halses, teils in Zusammenstürzen und heftigen allgemeinen Konvulsionen -bestehen und von einem Zustande der <em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em> abwechselnd -unterbrochen werden. Während des letzteren zeigen die Tiere -Taumeln, <em class="gesperrt">Schlummersucht</em>, sowie einen rauschartigen Zustand -mit vollkommener Anästhesie. Neben diesen zerebralen Erscheinungen -gehen <em class="gesperrt">gastrische Störungen</em> einher; dieselben äussern sich in -Speicheln, <em class="gesperrt">Kolikzufällen</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, <em class="gesperrt">ruhrartiger</em>, -bisweilen selbst <em class="gesperrt">blutiger Diarrhöe</em>. Die Dauer der tobsüchtigen -und epileptiformen Anfälle beträgt meist nicht mehr als einige Stunden, -im Maximum einen Tag. Die Gesamtdauer der Krankheit kann jedoch -mehrere Tage betragen. Trotz der Hochgradigkeit der nervösen Symptome -sind Todesfälle ziemlich selten, so dass die Prognose der Vergiftung -ziemlich günstig ist.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man gewöhnlich nur die Erscheinungen -einer Magendarmentzündung, sowie starke Hyperämie des Gehirns und -seiner Häute. In einzelnen Fällen hat man ausserdem das Vorhandensein -einer Nephritis konstatiert.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Da die Klatschrosenvergiftung wahrscheinlich auf -der Einwirkung eines mit dem Morphin verwandten Alkaloides beruht, so -ist zunächst die Verabreichung von <em class="gesperrt">Tannin</em> und gerbsäurehaltigen -Mitteln (vergl. Kolchikumvergiftung) angezeigt. Im übrigen ist die -Behandlung eine <em class="gesperrt">symptomatische</em>. Die Erregungserscheinungen -bekämpft man durch kalte Begiessungen des Kopfes, sowie durch -Verabreichung von Bromkalium (25–50,0), die Lähmungserscheinungen durch -Exzitantien, die gastrischen Störungen durch Verabreichung schleimiger -Mittel. Im allgemeinen kann bei dem meist günstigen Verlauf der -Vergiftung ein zuwartendes Verfahren eingeschlagen werden.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik der Klatschrosenvergiftung.</b> 2 Kühe hatten grünen -Roggen mit viel Klatschrosen erhalten. Sie zeigten Schreckhaftigkeit, -Unruhe, Aufregung, vorübergehende Tobsucht, Zuckungen der -Gesichtsmuskeln, stieren Blick, Erweiterung der Pupille, Blindheit, -Taumeln, Auftreibung des Hinterleibs. Nach 5tägiger Krankheitsdauer -mussten sie geschlachtet werden (<em class="gesperrt">Eggeling</em>, Preuss. Mitt. -1882). — 6 Ochsen, welche Kaff mit viel Köpfen des wilden Mohns -gefressen hatten, erschienen dem Eigentümer der Tollwut verdächtig, -weil sie Anfälle<span class="pagenum" id="Seite_189">[S. 189]</span> von Raserei und Wildsein, Knirschen, Geifern, -sowie epileptische Erscheinungen (5–10 Minuten lange Krämpfe mit -Bewusstlosigkeit abwechselnd) gezeigt hatten (<em class="gesperrt">Bahr</em>, Preuss. -Mitt. 1878). — 20 Pferde, welche grüne Klatschrosen aufgenommen -hatten, zeigten leichte Kolik, wilden Blick, Pupillenerweiterung, -Schlummersucht, Schwanken, Unempfindlichkeit, sowie einen -rauschartigen Zustand (<em class="gesperrt">Ravard</em> und <em class="gesperrt">Guilmont</em>, Ref. -Repertor. 1854 u. 55). — Von 18 Rindern, welchen Klee mit viel -Klatschrosen gefüttert wurde, erkrankten innerhalb 16 Stunden 12. -Sie zeigten tobsüchtige Erscheinungen, Zuckungen, Krämpfe mit -nachfolgenden Perioden kurzer Betäubung. Einige Tiere wurden von den -Anfällen, die durchschnittlich 5–8 Minuten anhielten, wiederholt -befallen. Sämtliche Tiere genasen im Verlauf von 24 Stunden -(<em class="gesperrt">Wilhelm</em>, Sächs. Jahresbericht 1893). — <em class="gesperrt">Walther</em> -(ibid.) beobachtete bei Rindern grosse Somnolenz, Taumeln und -Niederstürzen; in der Regel gingen die Erscheinungen nach einigen -Stunden vorüber. — Auch <em class="gesperrt">Möbius</em> (ibid.) beobachtete -im Juni zahlreiche Vergiftungsfälle ohne schlimme Folgen. — -<em class="gesperrt">Tappe</em> (Berl. Arch. 1894) sah bei Kühen Schreckhaftigkeit und -Tobsuchtsanfälle, Zuckungen der Gesichtsmuskel, Pupillenerweiterung, -stieren Blick, Taumeln, Kreuzschwäche und Kreuzlähmung. — -<em class="gesperrt">Godfrin</em> (Belg. Annal. 1892) sah bei Kühen Schlafsucht, -Meteorismus, Kotverhaltung, sowie Verlangsamung von Puls und Atmung; -starke Gaben von Kaffee und Glaubersalz führten baldige Besserung -herbei. — <em class="gesperrt">Eberhard</em> (Woch. f. Tierh. 1901) beobachtete bei 6 -Rindern Unruhe, Brüllen, Versuche sich von der Kette loszureissen, -Krämpfe am Kopf und Hals, sowie Verdrehen der Augen; nach 2 Stunden -waren die Tiere wieder vollkommen ruhig.</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch Opium, Morphium und Saatmohn.</b> Im Gegensatz -zum Menschen sind Vergiftungen durch Opium und Morphium bei den -Haustieren äusserst selten, unter anderem aus dem Grunde, weil die -Tiere wesentlich grössere Dosen ertragen, als der Mensch. Die Opium- -und Morphiumvergiftungen haben daher in der Tierheilkunde mehr ein -experimentell-wissenschaftliches, als ein klinisches Interesse. Ueber -die Morphium-Atropinvergiftung vergl. Atropin. Ueber die Wirkung -des Morphins bei den <em class="gesperrt">einzelnen Haustieren</em> sind eingehende -vergleichende Untersuchungen von <em class="gesperrt">Guinard</em> (la Morphine -et l’Apomorphine, Paris 1898) gemacht worden. Danach sind die -<em class="gesperrt">Einhufer</em> (Pferd, Esel) am empfindlichsten von allen Haustieren -gegenüber dem Morphium. Die mittlere toxische Dosis beträgt nämlich -pro kg Körpergewicht beim Pferd 7, beim Esel 9, beim Rind 15, bei der -Katze 40, beim Hund 65, beim Schwein 200 und bei der Ziege 400 mg. -Hinsichtlich der narkotischen Wirkung verhalten sich die einzelnen -Tiergattungen ebenfalls sehr verschieden.</p> - -<p>1. Der <em class="gesperrt">Hund</em> zeigt allein von allen Haustieren eine eigentliche -Morphiumnarkose. Besonders empfindlich sind junge Hunde (ähnlich -wie Kinder); schon 2–7 mg pro kg Körpergewicht können bei ihnen -tödlich wirken, während erwachsene Hunde 10 mg sehr gut ertragen. -<em class="gesperrt">Therapeutische</em> Dosen erzeugen Kaubewegungen, vermehrte -Speichelsekretion, Drängen auf den Hinterleib und zuweilen Erbrechen, -die Herztätigkeit ist verlangsamt. Nach 10–15 Minuten tritt -Unruhe auf, sowie Unvermögen, sich mit dem Hinterteil aufrecht zu -erhalten; manche Hunde legen sich nieder und verfallen in Schlaf. -Hierbei ist die Sensibilität jedoch nicht herabgesetzt, sondern -die Reflexerregbarkeit sogar erhöht. Anästhesie entsteht nur bei -sehr grossen, toxischen Dosen. <em class="gesperrt">Tödliche</em> Dosen (60 mg pro kg -Körpergewicht) erzeugen zunächst festen Schlaf. Nach etwa 1½ -Stunden treten in tiefer Narkose plötzliche, anfallsweise, heftige -Bewegungen auf, wobei die Hunde meist erwachen. Sie können sich -indessen nicht erheben und verenden unter Trismus, Augenrollen -und strychninartigen tetanischen Krämpfen. — Nach meinen eigenen -Beobachtungen<span class="pagenum" id="Seite_190">[S. 190]</span> differiert bei Hunden die Todesdosis zwischen 0,1 bei -kleinen und 2,0 bei grossen Hunden.</p> - -<p>2. Das <em class="gesperrt">Pferd</em> zeigt nach 0,4 g Morphium Stampfen, Hin- -und Hertreten, Laufsucht und später Niedergeschlagenheit und -stumpfsinniges Benehmen. 0,75 g verursachen eine Steigerung und -längeres Anhalten dieser Erscheinungen, sowie ausserdem Steifheit -der Gliedmassen. 1,5 g verursachen lebhafte Exzitation, Trippeln, -Wiehern, Unaufmerksamkeit auf die Umgebung, sowie Unempfindlichkeit -gegen Berührung und Nadelstiche. Daneben beobachtet man Drängen gegen -die Wände, Spreizen der Hinterbeine, Taumeln, Nystagmus, Verstopfung, -tiefe Atmung und Pulsbeschleunigung. Esel zeigen ähnliche -Erscheinungen von Exzitation; intravenös wirken 1,5 g Morphium -tödlich. — Nach meinen eigenen Versuchen starben Pferde nach 10–20 -g Morphium. Ein Versuchspferd erhielt z. B. <em class="gesperrt">subkutan</em> in 250 -ccm Wasser gelöst 10 g Morphinum hydrochloricum. Schon 5 Minuten nach -der Injektion fing es an unruhig zu werden. Die Unruhe steigerte -sich schnell, so dass sie schon nach ½ Stunde einen hohen Grad -erreichte. Insbesondere bestand stundenlanges Nachvorwärtsdrängen, -so dass sich das Tier die Brust und die Augenbogen blutig drückte. -Die Psyche war hochgradig benommen. Häufig nahm das Pferd eine -sägebockähnliche Stellung der Gliedmassen ein, wobei der Schweif -steif gestreckt wurde. Gleichzeitig bestand starkes Herzklopfen und -sehr beschleunigter Puls (120 pro Minute). Die Körpertemperatur -stieg am Nachmittag auf 41° C., um gegen Abend wieder zu sinken. -Am anderen Morgen schien das Tier wieder beruhigt, es zeigte sogar -wieder Appetit, indem es Futter aufnahm. Indessen war es doch sehr -matt, so dass es sich legte. Gleichzeitig war der Puls unfühlbar -geworden. 26 Stunden nach der Injektion verendete das Pferd ruhig -unter den Erscheinungen der Herzlähmung. Die Sektion ergab das -Vorhandensein parenchymatöser Veränderungen am Myokardium, sowie -starken Blutreichtum der Lungen.</p> - -<p>3. Das <em class="gesperrt">Rind</em> zeigt nach 0,25–0,5 g Morphium Kaubewegungen, -starkes Speicheln, gesteigerte Erregbarkeit, Scharren, Hin- und -Hertreten, steife Bewegungen, Muskelzittern und gesteigerte -Pulsfrequenz; nach 9 bis 10 Stunden tritt Beruhigung mit -Niedergeschlagenheit, jedoch keine Schlafsucht ein. 1,5–2,0 g -Morphium rufen tobsuchtähnliche Erscheinungen hervor, ferner Tränen, -Speichelfluss, Muskelzittern und Schwäche im Hinterteil. Schwache und -alte Kühe zeigten nach 1,4–2,5 g Morphium nach einem vorausgegangenen -Exzitationsstadium tiefen, rauschartigen Schlaf mit Anästhesie -und starker Aufblähung. Im Gegensatz zum Hund (und Menschen) sind -Kälber weniger empfindlich als erwachsene Rinder. — Nach meinen -eigenen Versuchen (1893) zeigen Rinder nach 1–2 g Morphium starke -Aufregung. Sie ertragen ferner 5 g subkutan und selbst 25 g per -os, ohne zu sterben. Ein 115 kg schweres Versuchskalb erhielt z. B. -eine subkutane Injektion von 5 g Morphinum hydrochloricum, in -125 ccm Wasser gelöst. Bereits nach 10 Minuten stellte sich starke -Unruhe und Aufregung ein, welche später zunahmen. Das Tier drängte -anhaltend gegen die Halfter, zeigte grosse psychische Benommenheit, -Stunden lang röchelnde, dyspnoische Atmung, abundanten Speichelfluss -und enorme Auftreibung der linken Flanke. Die Körpertemperatur -stieg von 38° C. auf 41° C. Am nächsten Morgen waren fast alle -Erscheinungen wieder verschwunden und am zweiten Tage nach der -Injektion war das Allgemeinbefinden des Kalbes bis auf den noch etwas -verzögerten Kotabsatz wieder völlig normal. Eine 345 kg schwere -Kuh erhielt per os 25 g Morphinum hydrochloricum eingeschüttet. -4 Stunden darauf stellte sich Unruhe und Aufregung ein,<span class="pagenum" id="Seite_191">[S. 191]</span> welche -später zunahm und den ganzen Tag anhielt. Am Tage darauf dauerten -die Erregungserscheinungen noch fort, die Futteraufnahme stellte -sich indessen wieder ein. Am sechsten Tag war das Tier wieder völlig -hergestellt. Erscheinungen von Narkose wurden an der Kuh während -der ganzen Dauer des Versuchs nie wahrgenommen. — Nach <em class="gesperrt">Hess</em> -(Berl. Arch. 1901) bedürfen Rinder ausserordentlich grosser Mengen -Morphium, um betäubt zu werden. Ein Kalb von 90 kg Gewicht erhielt 90 -g Morphium (1 g pro kg) eingegossen, ohne dass Schlaf entstand; es -traten vielmehr viele Stunden hindurch Erregungszustände und nach 24 -Stunden der Tod ein. Ein anderes Kalb starb nach 3 Stunden auf 0,9 g -pro kg. Ein 3 Wochen altes Kalb zeigte nach 0,024 g pro kg subkutan -tiefe Narkose nach 50 Minuten; ein anderes starb 41 Stunden nach -derselben Dosis unter Lähmung, aber ohne Narkose. 0,004 g Morphium -pro kg erzeugten in einem anderen Falle sechsstündige Unruhe, 0,008 g -pro kg schwere Aufregung und Lungenödem.</p> - -<p>4. Die <em class="gesperrt">Katze</em> reagiert auf Morphium durch Erregung und Krämpfe, -ohne dass Narkose eintritt. Kleine Dosen erzeugen ferner Erbrechen, -nicht dagegen grosse. Junge Katzen sind viel weniger empfindlich, als -erwachsene; sie bleiben nach 0,05 g Morphium am Leben, während ältere -Tiere schon nach 0,04 g sterben.</p> - -<p>5. Das <em class="gesperrt">Schwein</em> besitzt grosse Resistenz gegen Morphium; -Narkose tritt nicht ein; die tödliche Dosis beträgt 200 mg -pro kg Körpergewicht. Der Tod erfolgt nach vorausgegangenen -Erregungserscheinungen. Auffallend ist die intensive Blässe der Haut. -— Nach <em class="gesperrt">Hess</em> starben Schweine nach 0,3 und 0,6 g Morphium pro -kg Körpergewicht in tiefer Narkose.</p> - -<p>6. Die <em class="gesperrt">Ziege</em> und das <em class="gesperrt">Schaf</em> sind ebenfalls sehr -resistent. Die Maximaldosis kann bei der Ziege sogar auf 250–300 mg -pro kg Körpergewicht normiert werden. Narkose und Gehirnstörungen -fehlen. Charakteristisch ist die Sucht, in Gegenstände der Umgebung -hinein zu beissen. — Nach <em class="gesperrt">Hess</em> scheinen die Ziegen gegen -Morphium fast immun zu sein. 1 g pro kg (5–26 g Morphium pro Ziege) -bewirkt keine Narkose, sondern versetzt die Tiere in Unruhe und -Aufregung. Ein Schaf wurde durch 0,36 g pro kg narkotisiert, ein -anderes durch 0,2 g pro kg anfangs aufgeregt, dann einige Tage lang -matt.</p> - -<p>7. Der <em class="gesperrt">Elefant</em> reagiert im ausgewachsenen Zustand nach einer -Beobachtung von <em class="gesperrt">Lustig</em> auf 30 g Morphium nicht. In einem von -<em class="gesperrt">Frick</em> beschriebenen Fall trat bei einem erwachsenen Elefanten -die Narkose auf etwa 44 g Morphium ziemlich intensiv ein, jedoch -erst nach 3 Stunden, und dauerte 24–36 Stunden. Die Verabreichung -des Morphiums geschah zusammen mit 4 l Rum, 1 l Wasser und ½ g -Saccharin.</p> - -<p>8. Das <em class="gesperrt">Geflügel</em> (Hühner, Truthühner, Gänse) zeigt nach den -Versuchen von <em class="gesperrt">Awtokratoff</em> Schläfrigkeit, verlangsamte Atmung, -Pupillenverengerung, sowie Blässe und Schlaffheit des Kammes und der -Kehllappen (subkutane Injektion 1proz. Lösungen).</p> - -<p>9. <em class="gesperrt">Ratten</em> ertragen nach <em class="gesperrt">Rübsamen</em> (Arch. f. Pharmakol. -1908) pro kg 1Omal mehr Morphium als der Hund und 100mal mehr als der -Mensch; die tödliche Dosis beträgt 40 mg pro 100 g Körpergewicht. -Sie sind ferner leicht an Morphium zu gewöhnen (gesteigerte -Zersetzungsfähigkeit, zelluläre Immunität).</p> - -<p><em class="gesperrt">Klinische</em> Bedeutung besitzen meist nur die vereinzelten -Beobachtungen von Morphiumvergiftung, welche bei Kühen nach der -Aufnahme von <b>Mohnköpfen</b> (<em class="gesperrt">Papaver somniferum</em>) gemacht -worden sind. Diese<span class="pagenum" id="Seite_192">[S. 192]</span> Mohnköpfe enthalten Spuren von Opiumalkaloiden -(im Maximum 0,03 Proz. Morphium und 0,04 Proz. Narkotin). Die -Erscheinungen dieser Mohnvergiftung haben oft grosse Aehnlichkeit mit -der Klatschrosenvergiftung, indem sie ebenfalls im wesentlichen unter -dem Bilde der Aufregung und Tobsucht verlaufen; es fehlen jedoch die -entzündlichen Erscheinungen seitens des Digestionsapparates (Diarrhöe -etc.). So beobachtete <em class="gesperrt">Waltrupp</em> (Preuss. Mitt. Bd. 3) bei 2 -Kühen, welche dem Eigentümer der Tollwut verdächtig erschienen, -starke Aufregung, Brüllen, unruhiges Hin- und Hertreten, Tympanitis, -sowie Verstopfung. <em class="gesperrt">Leonhard</em> (Repertor. 1850) beobachtete bei -4 Rindern Kolikerscheinungen, Unruhe, Wälzen, Stöhnen, Brüllen, -Zähneknirschen, Schäumen, stieren Blick, Tympanitis und Verstopfung. -<em class="gesperrt">Zipperlen</em> (Repertor. 1888) konstatierte bei einer Kalbin, -welche Häcksel mit vielen zerkleinerten Mohnköpfen erhalten hatte, -starke Aufregung und Unruhe, Hin- und Herspringen, an der Kette -zerren, Tobsucht, starken Schweissausbruch, plötzliche Harnverhaltung -etc. Aehnliche Erscheinungen sah er bei 10 Rindern, welche trockene -Mohnköpfe erhalten hatten; es genasen jedoch sämtliche Tiere. Nach -<em class="gesperrt">Hannemann</em> (Preuss. Vet. Ber. 1904) zeigten Kühe, welche -im Grünfutter grosse Mengen von Mohnkapseln erhielten, keine -Krankheitserscheinungen; dagegen wurden ihre Kälber durch die Milch -vergiftet. Die Kälber waren nämlich in den ersten Lebenstagen -gelähmt, schlafsüchtig, hatten keinen Trieb zum Saugen und starben -nach 12–24 Stunden. — Eine Vergiftung durch <b>Opium</b> bei einem -Hund beobachtete <em class="gesperrt">Jakob</em> (Woch. f. Tierh. 1908). Ein Windhund -hatte vom Besitzer innerhalb eines Tages 40 g Opiumtinktur = 4 g -Opium erhalten. Er zeigte darauf Unruhe und Aufregung, Hyperästhesie -und gesteigerte Reflexerregbarkeit, Schwanken, veränderte -Gesichtszüge, Sinken der Körpertemperatur und der Pulsfrequenz, sowie -periodischen Atmungsstillstand; die Giftwirkung dauerte 30 Stunden; -der Hund wurde geheilt. — <em class="gesperrt">Groll</em> (ibid.) beobachtete bei einer -Kuh nach einer subkutanen Injektion von 1 g Morphium starkes Brüllen, -Steigen in den Futterbarren, Stossen mit den Hörnern gegen die Wand -und Schlagen mit den Füssen; nach und nach trat Beruhigung ein.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Morphiumvergiftung besteht in der -Verabreichung von Atropin (spez. Antidot), Hyoszin, Koffein und -anderen Exzitantien. In den oben erwähnten klinischen Fällen genügt -zum <em class="gesperrt">Nachweis</em> der stattgefundenen Mohnvergiftung vollkommen -die <em class="gesperrt">botanische</em> Untersuchung des Magen- und Darminhalts. Der -Vollständigkeit halber mögen hier indessen auch die <em class="gesperrt">chemischen</em> -Methoden des Morphiumnachweises erwähnt sein. Die Abscheidung des -Morphiums aus dem Untersuchungsmaterial erfolgt am besten nach der -Methode von <em class="gesperrt">Dragendorff</em> (vgl. S. 199), wobei jedoch überall -statt Benzol <em class="gesperrt">Amylalkohol</em> als Extraktionsmittel angewandt -wird. Ausserdem hat bei Anwesenheit grösserer Mengen von Morphin -die Aufnahme des Morphins in den Alkohol bei erhöhter Temperatur -stattzufinden, und es muss das Morphin sofort nach seiner Abscheidung -aus der Salzlösung vom Amylalkohol aufgenommen werden. Bei -Untersuchung des Harns muss zur möglichst vollständigen Entfernung -des Harnstoffes das Ausschütteln mit Amylalkohol mehrmals geschehen. -Die wichtigsten Morphiumreaktionen sind: 1. Die <em class="gesperrt">Husemann</em>sche -mittelst Schwefelsäure und Salpetersäure. Man löst das Morphium -in konzentrierter Schwefelsäure auf und versetzt die Lösung nach -15–18 Stunden mit einigen Tropfen verdünnter Salpetersäure oder ein -paar Körnchen gepulverten Salpeters, worauf die anfangs rötliche -Lösung schön blauviolett, schnell blutrot und dann tief<em class="gesperrt">orange</em> -wird. Die Reaktion gelingt auch bei Anwesenheit<span class="pagenum" id="Seite_193">[S. 193]</span> von <sup>1</sup>⁄<sub>100</sub> mg -Morphin. 2. Das <em class="gesperrt">Fröhdesche Reagens</em> mit Molybdänschwefelsäure. -Konzentrierte Schwefelsäure, welche pro 1 ccm 1 cg molybdänsaures -Natron enthält, färbt Morphin noch bei einer Menge von <sup>5</sup>⁄<sub>1000</sub> mg -sogleich prachtvoll <em class="gesperrt">violett</em>, worauf eine grüne, braungrüne, -gelbe und rote Farbe entsteht. 3. <em class="gesperrt">Salpetersäure</em> färbt -Morphin <em class="gesperrt">orangegelb</em>. 4. <em class="gesperrt">Eisenchlorid</em> färbt die -<em class="gesperrt">neutrale</em> Lösung des salzsauren oder schwefelsauren Morphiums -königsblau. Die Eisenchloridlösung muss sehr stark verdünnt sein. -Ebenso umgibt sich ein Kristall von schwefelsaurem Eisenoxydammon -in einer neutralen Morphiumsalzlösung mit einer blauen Zone. Eine -weitere, vom Deutschen Arzneibuch als besonders charakteristisch -aufgenommene Morphinreaktion ist die <em class="gesperrt">Braunfärbung</em> bei Zusatz -von konzentrierter Schwefelsäure und Bismuthum subnitricum.</p> - -<p><b>Apomorphin.</b> Bei manchen Pferden und Rindern scheint eine -<em class="gesperrt">individuelle</em> Empfindlichkeit gegenüber therapeutischen -Apomorphindosen zu bestehen. Einem mit Lecksucht behafteten Pferd -gab <em class="gesperrt">Kegel</em> (Berl. Arch. 1894) 0,25 Apomorphin subkutan, worauf -sich bei dem Tier hochgradige Aufregung einstellte, die einer grossen -Mattigkeit Platz machte. Die nach 8 Tagen vorgenommene Wiederholung -der gleichen Prozedur hatte den Tod des Tieres zur Folge. Auch -<em class="gesperrt">Schumacher</em> und <em class="gesperrt">Flum</em> (Bad. tierärztl. Mitt. 1892 und -1894) beobachteten bei lecksüchtigen Rindern nach Dosen von 0,15 -bezw. 0,2 hochgradige Aufregung, Tobsucht, Krämpfe und sogar raschen -Tod. — Ausführlicheres über die Wirkung des Apomorphins auf die -einzelnen Haustiergattungen findet sich in meinem Lehrbuch der -Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909, S. 150.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Tabakvergiftung">Tabakvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der Tabak wird in Europa in 3 Sorten kultiviert. -1. <em class="gesperrt">Nicotiana Tabacum</em>, Tabak, virginischer Tabak (Solanee), hat -rispenförmige Blüten mit rosenroter Korolle, länglich lanzettliche, -beiderseits verschmälerte, bis 60 cm lange und 15 cm breite -Blätter, sowie einen stielrunden, oberwärts ästigen, bis 1½ m -hohen Stengel. 2. <em class="gesperrt">Nicotiana makrophylla</em>, der Marylandtabak, -eine Varietät des vorigen, hat sehr breite, eirunde Blätter. 3. -<em class="gesperrt">Nicotiana rustica</em>, der Bauerntabak, blüht mit grüngelber, -tellerförmiger, kurzer Korolle, hat gestielte, eiförmige, stumpfe -Blätter, sowie einen klebrigen, kurzhaarigen, bis 1 m hohen Stengel. -In Australien sind ausserdem Vergiftungen durch <em class="gesperrt">Nicotiana -suaveolens</em> beobachtet worden.</p> - -<p>Das giftige Alkaloid des Tabaks, das <b>Nikotin</b>, bildet in reinem -Zustand ein schweres, farbloses, später gelbliches, flüchtiges Oel -von starkem Tabakgeruch und scharfem, brennendem Geschmack; Formel -<span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>14</sub>N<sub>2</sub></span>. Es ist in den grünen Blättern in sehr schwankenden -Mengen, nämlich von 1½-3 Prozent, in fertigem, trockenem Tabak zu -0,5–5 Prozent enthalten. Längere Zeit abgelagerte Tabake enthalten -wegen der Flüchtigkeit des Nikotins wesentlich weniger von demselben, -als frische, ein- und zweijährige Tabake. Am wenigsten Nikotin -enthält der Havannatabak (Nicotiana repanda, mit weisser Korolle).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Nikotin gehört zu den -stärksten Giften (es übertrifft z. B. die Giftigkeit des Koniins -um das 16fache). Neben seiner <em class="gesperrt">reizenden Wirkung</em> auf die<span class="pagenum" id="Seite_194">[S. 194]</span> -<em class="gesperrt">Schleimhäute</em> und die Darmmuskulatur (<em class="gesperrt">Darmtetanus</em>) -ist es ein erregendes Rückenmarks-, Gehirn- und Herzgift -(<em class="gesperrt">Tetanus der quergestreiften Muskeln</em>, <em class="gesperrt">Atmungskrämpfe</em>; -<em class="gesperrt">digitalisähnliche Wirkung auf das Herz</em>). Wegen der Flüchtigkeit -des Nikotins findet eine Aufnahme desselben auch von der unverletzten -Haut aus statt. Kaninchen, Katzen und Hunde sterben schon nach -sehr geringen (½-2 Tropfen = 0,02–0,1 g) Mengen von Nikotin. -Pferde zeigen schon nach der subkutanen Injektion von 0,05 Nikotin -Vergiftungserscheinungen (<em class="gesperrt">Ellenberger</em>). Vögel sterben nach dem -Einatmen eines Tropfens Nikotin innerhalb weniger Sekunden; sie sterben -sogar schon bei Annäherung eines in Nikotin getauchten Glasstabes -an den Schnabel. Die tödliche Dosis der getrockneten Tabakblätter -beträgt für Pferde und Rinder 3–500 g, Schafe und Ziegen 30 g, Hunde -und Katzen 5–25 g. Nächst dem Nikotin wirken am giftigsten die im -Handel vorkommenden Tabaklaugen, sowie die Tabakabkochungen; besonders -empfindlich gegen Nikotin scheinen Rinder zu sein. Nikotinvergiftungen -ereignen sich bei den Haustieren am häufigsten nach der epidermatischen -Anwendung des Tabaks gegen Hautparasiten, namentlich gegen Räude -(<em class="gesperrt">Waschungen und Bäder mit Tabaklauge und Tabakabkochung</em>), da -das Nikotin wegen seiner Flüchtigkeit schon durch die unverletzte Haut -eindringt. Ausserdem kommen Tabakvergiftungen in Gegenden mit Tabakbau -vor, wenn Tiere, und zwar sind es meistens Rinder, auf dem Feld von den -Tabakblättern fressen. Besonders gefährlich sollen die halbverwelkten -Blätter sein. Vergiftungen mit reinem Nikotin sind bei unseren -Haustieren nur nach experimentellen Versuchen beobachtet worden.</p> - -<p>Die wesentlichsten Erscheinungen der Nikotinvergiftung sind: -<em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, -<em class="gesperrt">Tympanitis</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Polyurie</em>. <em class="gesperrt">Grosse -Muskelschwäche</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>, -<em class="gesperrt">Unvermögen aufzustehen</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em>. -<em class="gesperrt">Klonisch-tonische Krämpfe der Körpermuskulatur</em>, -<em class="gesperrt">Opisthotonus</em>, <em class="gesperrt">Zwerchfellkrämpfe</em>, <em class="gesperrt">Kontraktionen -der Augenmuskeln</em>. <em class="gesperrt">Stumpfsinn und Betäubung.</em> <em class="gesperrt">Anfangs -verlangsamte, später ausserordentlich beschleunigte und sehr -unregelmässige Herzaktion</em>, <em class="gesperrt">stürmisches Herzklopfen</em>, -<em class="gesperrt">Kälte der extremitalen Teile</em>, <em class="gesperrt">erschwerte</em>, <em class="gesperrt">selbst -dyspnoische Atmung</em>. Dabei ist das Bild der Vergiftung verschieden, -je nachdem das Nikotin von der Haut oder vom Darm aus aufgenommen -wird. Bei epidermatischer<span class="pagenum" id="Seite_195">[S. 195]</span> Anwendung des Tabaks (Räudebehandlung) -können gastrische Erscheinungen vollständig fehlen; der Tod kann hier -lediglich unter den Erscheinungen von Krämpfen mit nachfolgender -Lähmung sehr rasch, z. B. schon innerhalb ¼-½ Stunde, eintreten. -Die durchschnittliche Dauer der Nikotinvergiftung nach innerlicher -Aufnahme beträgt etwa 24 Stunden, doch kann die Rekonvaleszenz oft -sehr lange (8–14 Tage) dauern. — Ueber chronische, unter dem Bild der -<em class="gesperrt">Amblyopie</em> und <em class="gesperrt">Amaurose</em> verlaufende Tabakvergiftungen bei -Pferden ist aus Australien berichtet worden (vgl. S. 197).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man nach der Aufnahme des Tabaks per -os die Erscheinungen einer katarrhalischen oder hämorrhagischen -Gastroenteritis. Nach Räudebädern und Tabakwaschungen findet man -jedoch nur ganz allgemeine anatomische Veränderungen (Ekchymosen in -verschiedenen Organen, namentlich unter der Pleura und unter dem -Peritoneum, Hyperämie der Lungen, des Gehirns und Rückenmarks).</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste Gegengift des Nikotins ist das -<em class="gesperrt">Tannin</em>, wofern die Vergiftung durch Aufnahme des Nikotins vom -Magen aus zustande gekommen ist; das Tannin bildet mit dem Nikotin -einen unlöslichen Niederschlag von tanninsaurem Nikotin. Statt dem -reinen Tannin (Dosis für Rinder 15–25 g) können auch tanninhaltige -Abkochungen (Kaffee, Tee, Eichenrinde, Gerberlohe) eingegeben werden. -Ausserdem wird die Verabreichung von <em class="gesperrt">Jod-jodkalium</em> (Lugolscher -Lösung) empfohlen, da auch durch das Jod das Nikotin ausgefällt wird. -Im übrigen ist die Behandlung eine <em class="gesperrt">symptomatische</em> (Exzitantien -gegen Lähmungserscheinungen, Bromkalium gegen Krämpfe). Bei Rindern -hat man endlich die Vornahme des <em class="gesperrt">Pansenschnittes</em> und die -nachfolgende manuelle Entfernung der Tabakblätter angeraten.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Nach der Aufnahme von Tabakblättern genügt das -Vorhandensein derselben im Magen, sowie der charakteristische -Tabakgeruch in Verbindung mit den beschriebenen Erscheinungen -der Vergiftung vollkommen zum Nachweis der stattgefundenen -Nikotinvergiftung. Sollte es bei der epidermatischen Anwendung des -Nikotins (Räudebäder, Tabakwaschungen) in einem Fall unentschieden -sein, ob der tödliche Ausgang wirklich durch Nikotinvergiftung bedingt -wurde, so muss zur Sicherstellung der letzteren<span class="pagenum" id="Seite_196">[S. 196]</span> der <em class="gesperrt">chemische</em> -Nachweis des Nikotins im Blut und in den inneren Organen des Körpers -geliefert werden. Zu diesem Zweck muss das Nikotin zunächst aus den -Körperorganen extrahiert werden. Diese Abscheidung des Nikotins kann -nicht nach der gewöhnlichen Stasschen oder Dragendorffschen Methode -erfolgen, weil das Nikotin sehr leicht zersetzlich und flüchtig ist. -<em class="gesperrt">Dragendorff</em> empfiehlt daher, nach vorheriger Reinigung des -sauren Auszuges mit Benzol das Nikotin aus <em class="gesperrt">ammoniakalischer</em> -Flüssigkeit durch möglichst leicht siedenden und fast geruchlosen -Petroleumäther auszuziehen und den Petroleumäther sodann auf -einem mit ätherischer Salzsäure benetzten Uhrschälchen bei einer -Temperatur von nicht über 30° zu verdunsten. Der Aetherauszug hat den -charakteristischen <em class="gesperrt">Nikotingeruch</em>, und der Rückstand ist von -<em class="gesperrt">harzig-amorpher</em> Beschaffenheit. Eine andere Abscheidungsmethode -ist die durch <em class="gesperrt">Destillation</em>. Man rührt die zu untersuchende -Substanz mit viel Wasser zu einem dünnen Brei an, versetzt mit -Kalilauge bis zur stark alkalischen Reaktion und destilliert aus -einer Glasretorte mit vorgelegtem Kühlapparat über. Das Destillat -zeigt dann den <em class="gesperrt">Geruch</em> des Nikotins, welches mit <em class="gesperrt">Aether</em> -ausgeschüttelt und durch Verdunsten des Aethers rein gewonnen werden -kann.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Reaktionen</em> des auf die eine oder andere Weise gewonnenen -Nikotins sind folgende: 1. Die physiologische Reaktion ist neben dem -Geruch der wichtigste Nachweis des Nikotins. <em class="gesperrt">Frösche</em> zeigen -nämlich nach subkutaner Injektion kleinster Mengen von Nikotin eine -ganz <em class="gesperrt">charakteristische Stellung</em>. Die vorderen Extremitäten -werden nach hinten an die Seitenwände des Bauches angelegt, während -die Hinterschenkel rechtwinklig zur Längsachse des Tieres stehen und -die Unterschenkel dabei so stark gebeugt werden, dass die Fusswurzeln -einander auf dem Rücken berühren. 2. Die sog. Roussinschen Kristalle -sind rubinrote, in reflektiertem Licht dunkelblau schillernde, oft -zollange Nadeln, welche auf Zusatz von <em class="gesperrt">ätherischer Jodlösung</em> zu -einer ätherischen Nikotinlösung (1 : 100) aus der zunächst entstehenden -öligen Masse allmählich auskristallisieren.</p> - -<p>Andere Reaktionen sind: <em class="gesperrt">blutrote</em> oder <em class="gesperrt">braune</em> Färbung -durch Chlorgas; <em class="gesperrt">rötlicher</em> kristallinischer Niederschlag durch -Platinchlorür; <em class="gesperrt">flockiger</em> Niederschlag durch Gallussäure; -<em class="gesperrt">Geruch</em> nach <em class="gesperrt">Tabakkampfer</em> beim Aufgiessen eines Tropfens -Nikotin auf trockene Chromsäure unter Verglimmen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_197">[S. 197]</span></p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 5 Kälber im Alter von 2–8 Monaten, welche mit -Tabaklauge gewaschen wurden, zeigten bald darauf Zittern, Atmungsnot, -Schweissausbruch, Aufblähung, Verstopfung und Lähmung (<em class="gesperrt">Lydtin</em>, -Bad. Mitt. 1887). — 3 Kühe, welche mit Tabakbrühe aus einer -Tabakfabrik gewaschen worden waren, stürzten der Reihe nach zusammen -und starben nach etwa ¼ Stunde (<em class="gesperrt">Prehr</em>, Preuss. Mitt., Bd. -4). — Rinder, welche frisch geerntete Tabakblätter gefressen hatten, -zeigten Unruhe, Kolik, Zittern, Schwäche, Durchfall, Herzklopfen, -Atmungskrämpfe, Pupillenerweiterung und Lähmung (<em class="gesperrt">Kohlhepp</em>, -Bad. Zeitschr. 1848). — Hunde zeigten nach dem Aufbringen von 3–4 -Tropfen Nikotin auf die Zunge Angst, Unruhe, Zittern, beschleunigtes -Atmen, Zusammenbrechen, Konvulsionen, Opisthotonus, Winseln etc. -und starben nach wenigen Minuten (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. -Tierheilkunde 1872). — Ein Pferd zeigte 10 Minuten nach dem Waschen -mit unverdünnter Tabakgose hochgradige Schwäche, so dass es jeden -Augenblick umzufallen drohte, Zittern und Schweissausbruch über den -ganzen Körper, Krämpfe der Halsmuskulatur, brettharte Beschaffenheit -der letzteren, gestreckte Kopfhaltung, Vorfall der Nickhaut, -Retraktion der Bulbi, dunkelrote Verfärbung der Augenschleimhäute, -Speichelfluss, harten, sehr beschleunigten Puls (90 p. M.), stark -pochenden Herzschlag, aussetzende Atmung, sowie Benommenheit des -Sensoriums. Genesung (<em class="gesperrt">Krämer</em>, Zeitschr. f. Veterinärkunde -1892, S. 550). — Mehrere Kühe wurden mit Tabakextrakt (Lecker -Viehwaschmittel) gewaschen. Sie zeigten Zittern, Unruhe, grosse -Schwäche, Rotation der Bulbi, Dyspnoe, Durchfall, Dysurie, sowie -pfeifende Atmungsgeräusche. Eine Kuh starb; eine andere zeigte noch -nach 8 Tagen grosse Muskelschwäche (<em class="gesperrt">Matthiesen</em>, B. T. W. -1889). — 2 Rinder zeigten nach der Aufnahme welker Tabakblätter -Erbrechen, Kolik, Aufblähen, tonisch-klonische Krämpfe, sowie -chronisches Siechtum. Die Sektion ergab Gastroenteritis neben -Blutungen in den Nieren und Körpermuskeln (<em class="gesperrt">Römer</em>, D. T. W. -1900). — Ein Landwirt liess 9 Rinder gegen Läuse mit flüssigem -Tabakauszug waschen; infolgedessen verendeten innerhalb einer Stunde -4 Rinder im Alter von 3–15 Monaten (Illust. Landw. Zeit. 1902). -— Nach <em class="gesperrt">Schröder</em> (Woch. f. Tierh. 1908) wird bei dem stark -ausgedehnten Tabakbau im Kreise Kandel und bei dem grossen Mangel -an passenden Trockenstellen der grüne Tabak zum Trocknen an alle -möglichen Plätze und so auch oft an Scheunen und Stallungen gehängt. -Beim Ein- oder Ausspannen gehen die Tiere an dem aufgehängten -Tabak vorbei, nehmen hierbei mitunter Blätter auf und fressen -dieselben und ziehen sich Vergiftung zu. Am gefährlichsten ist der -halbdürre Tabak, bei dem die Rippen noch grün sind. Am folgenden Tag -stellen sich die ersten Symptome der Nikotinvergiftung ein: Fehlen -der Rumination, starkes Speicheln, Versagen der Futteraufnahme, -Kolik, Durchfall, beständiges Liegen auf der Streu, Unvermögen zum -Aufstehen, Lähmungen, besonders des Hinterkiefers, und vor allem -stark eingenommene Psyche. Man sieht den Tieren die Angst und die -ausserordentliche Hinfälligkeit schon am Gesichtsausdruck an. An -eine Rettung ist nicht zu denken und daher sofortige Schlachtung -angezeigt. — In Australien (Neusüdwales) sollen im Jahr 1894 bei -Pferden infolge der Aufnahme des australischen Tabaks, der Nicotiana -suaveolens, epizootische Fälle von Erblindung (Amblyopie, Amaurose) -beobachtet worden sein, bei welchen die Pferde anfangs unfähig waren, -im Dunkeln zu sehen, und nach ½-2 Jahren angeblich vollständig -erblindeten (<em class="gesperrt">Husemann</em>, D. med. Woch. 1894). — Versuche -an Hunden mit dem von der französischen Monopolverwaltung in den -Handel gebrachten Tabaksaft sind von <em class="gesperrt">Adam</em> und <em class="gesperrt">Lesage</em> -angestellt worden (Recueil 1899). — Ein Hund, der gegen -Eingeweidewürmer Tabak erhalten hatte, zeigte Krämpfe der Kau-, Hals- -und Bauchmuskeln, Schlinglähmung und Kollaps (<em class="gesperrt">Livesey</em>, Journ. -of comp. 1905). — Kaninchen sollen nach intravenösen Injektionen -von Nikotin an Arteriosklerose der Aorta erkranken (<em class="gesperrt">Adler</em> und -<em class="gesperrt">Hensel</em>, Deutsch. med. Woch. 1906, S. 1826).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Strychninvergiftung">Strychninvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in der Brechnuss (Krähenaugen), dem Samen -von Strychnos nux vomica, enthaltene Strychnin ist ein sehr giftiges -Alkaloid, welches bei den Haustieren teils infolge falscher -Dosierung, besonders<span class="pagenum" id="Seite_198">[S. 198]</span> bei intratrachealer Injektion oder zu lange -fortgesetzter Verabreichung (kumulative Wirkung, Ansammlung in der -Leber) Veranlassung zu Vergiftungen gibt, teils infolge von Aufnahme -strychninhaltigen Rattengiftes (Strychninweizen, Strychningrütze), -sowie von strychninhaltigem, zum Vergiften von Füchsen ausgelegtem -Fleisch, Heringsköpfen, Margarinepillen etc., letzteres namentlich -bei Hunden. Vergiftungen können sich auch dadurch ereignen, dass -in den Apotheken Strychninlösungen längere Zeit vorrätig gehalten -werden. In diesen vorrätigen Lösungen enthält oft der Rest infolge -Verdunstung des Wassers eine grössere Menge von Strychnin als -der Berechnung nach erwartet werden sollte. Werden z. B., wie -ich dies in einem Fall beobachtet habe, in einem Rezept 3 mg -Strychnin verschrieben und der Apotheker benützt zur Herstellung -dieses Rezeptes nicht, wie vorgeschrieben, die Wage, sondern eine -vorrätige, ältere Strychninlösung, aus deren Konzentration er die -3 mg berechnet, so kann hierbei eine wesentlich grössere Dosis als -die beabsichtigte zur Anwendung gelangen. Vergiftungen durch die -Brechnuss selbst sind seit der Darstellung des Strychnins und der -ausschliesslichen Verwendung desselben nicht mehr vorgekommen (ein -älterer Fall ist von <em class="gesperrt">Mewes</em>, Preuss. Mitt., Bd. 14 beim Pferd -beschrieben).</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> des Strychnins beträgt bei -<em class="gesperrt">subkutaner</em> Applikation durchschnittlich bei den Haustieren pro -kg Körpergewicht 0,5–1 mg. Danach betragen die niedersten subkutanen -Todesdosen beim <em class="gesperrt">Rind</em> 0,3–0,4 g, beim <em class="gesperrt">Pferd</em> 0,2–0,3 g, -beim <em class="gesperrt">Schwein</em> 0,05 g, beim <em class="gesperrt">Hund</em> 0,005–0,02 g, bei der -<em class="gesperrt">Katze</em> 0,002–0,005 g. Beim <em class="gesperrt">Geflügel</em> schwankt die Dosis -sehr je nach der Gattung (vgl. S. 202). Bei <em class="gesperrt">intratrachealer</em> -Injektion wirkt beim Pferd schon 0,15 g tödlich.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Strychnin ist -ein spezifisches erregendes <em class="gesperrt">Rückenmarksgift</em>, welches -<em class="gesperrt">Starrkrampf</em> auslöst. Das Bild der Strychninvergiftung ist -daher im wesentlichen das des <em class="gesperrt">Starrkrampfes</em> (Tetanus toxicus). -Die Tiere zeigen tetanische, blitzartig auftretende, über den ganzen -Körper sich ausbreitende Krampfanfälle von sekunden- bis minutenlanger -Dauer, steife, gestreckte Haltung der Extremitäten, des Halses, der -Wirbelsäule, des Schweifes, hochgradige <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em>, -sowie Dyspnoe während der Anfälle. Von <em class="gesperrt">diagnostischer</em> Bedeutung -ist die Auslösung eines Krampfanfalls bei kleineren Tieren durch das -Aufrichten derselben. Der Tod erfolgt durch Erstickung. Der Verlauf -ist im allgemeinen <em class="gesperrt">sehr akut</em>. Von der Aufnahme des Strychnins -bis zum Auftreten von Krämpfen vergeht jedoch eine sehr verschiedene -Zeit, desgleichen vom Beginn des Tetanus bis zum tödlichen Ende, je -nach der Dosis, Form und Applikation, sowie je nach der Tiergattung. -Bei <em class="gesperrt">Pferden</em> beobachtete man nach der intratrachealen Injektion -des Strychnins zuweilen schon in wenigen Minuten apoplektiformen Tod. -<em class="gesperrt">Schafe</em> sterben nach subkutaner Injektion durchschnittlich nach -12 Minuten. Bei <em class="gesperrt">Hunden</em> kann nach der Anfnahme mittlerer Dosen -per os je nach dem Füllungszustand<span class="pagenum" id="Seite_199">[S. 199]</span> des Magens längere Zeit vergehen, -bis die Vergiftung in die Erscheinung tritt (1–2 Stunden) und die -Vergiftung selbst, d. h. die Krämpfe, mehrere Stunden (5–7) andauern; -nach dieser Zeit ist meist keine Lebensgefahr mehr vorhanden. Endlich -ertragen Tiere, welche sich erbrechen können (Hunde, Katzen, Füchse, -Wölfe und anderes Raubzeug), oft auffallend grosse Dosen von Strychnin.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Sektion</em> ergibt wie beim gewöhnlichen Starrkrampf im -allgemeinen ein <em class="gesperrt">negatives</em> Resultat; als sekundäre Veränderungen -beobachtet man im Herzen und in der Lunge die Symptome der Erstickung. -Vereinzelt wurde eine konservierende Wirkung des Strychnins auf den -Kadaver beobachtet; ein Hundekadaver war z. B. noch nach 20 Tagen -frisch (<em class="gesperrt">Noack</em>).</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Bei Hunden gibt man zunächst ein <em class="gesperrt">Brechmittel</em> -(Apomorphin subkutan); im Notfall dient auch ein Esslöffel voll -Kochsalz als Brechmittel. Das bewährteste Gegenmittel gegen -Strychnin ist das <em class="gesperrt">Chloralhydrat</em>. Dasselbe wird speziell -Hunden in Dosen von 0,5–5,0, am besten in schleimigen Lösungen -rektal so lange verabreicht, bis der Krampf nachlässt. Auch eine -mehrere Stunden hindurch fortgesetzte oder öfters wiederholte -<em class="gesperrt">Chloroformierung</em> und <em class="gesperrt">Aetherisierung</em> oder eine kombinierte -<em class="gesperrt">Chloralhydrat-Chloroformbehandlung</em>, sowie die Anwendung von -<em class="gesperrt">Morphium</em>, <em class="gesperrt">Sulfonal</em>, <em class="gesperrt">Bromkalium</em> oder grosser Dosen -von <em class="gesperrt">Alkohol</em> ist zu empfehlen. Als chemisches Antidot gibt man -<em class="gesperrt">Tannin</em> oder gerbsäurehaltige Mittel, im Notfall schwarzen Kaffee -oder Tee. Ausserdem kann man bei drohender Erstickung künstliche Atmung -einleiten.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Für gewöhnlich genügt zum Nachweis der -Strychninvergiftung der ausserordentlich charakteristische -<em class="gesperrt">klinische</em> Befund. Zum Zweck des <em class="gesperrt">chemischen</em> Nachweises -muss das Strychnin zunächst aus den Körperorganen (Magen, Blut, Leber, -Nieren) extrahiert werden. Hierzu bedient man sich entweder der Methode -von <em class="gesperrt">Stas</em> und <em class="gesperrt">Otto</em> (Extraktion mit <em class="gesperrt">Aether</em>, vergl. -S. 33) oder einer von <em class="gesperrt">Dragendorff</em> (Extraktion mit Benzol) -angegebenen Methode. Nach der letzteren werden die zu untersuchenden -Objekte in fein zerkleinertem Zustand mit <em class="gesperrt">schwefelsäurehaltigem -Wasser</em> bis zur deutlich sauren Reaktion in der Weise versetzt, -dass auf 100 ccm Untersuchungsmaterial höchstens 5 ccm verdünnter -Schwefelsäure (1 : 5) kommen. Man digeriert einige Stunden lang bei -einem<span class="pagenum" id="Seite_200">[S. 200]</span> Temperaturmaximum von 50°, koliert und presst, zieht den -Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem Wasser aus, koliert -und presst wieder, mischt die Kolaturen und verdunstet im Wasserbad -bis fast zur Konsistenz eines dünnen Sirups, welcher sodann mit dem -3–4fachen Volum <em class="gesperrt">Alkohol</em> (90–95 Proz.) 24 Stunden mazeriert -wird, worauf man filtriert. Das Filtrat wird destilliert, bis der -Alkohol übergegangen ist. Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit -wird auf ca. 50 ccm verdünnt, mit 25 ccm reinem <em class="gesperrt">Benzol</em> versetzt, -anhaltend geschüttelt, das Benzol abgehoben und mit neuem Benzol -geschüttelt, welches ebenfalls abgehoben wird. Die zurückbleibende -wässerige Flüssigkeit wird sodann mit Ammoniak deutlich alkalisch -gemacht und auf 40–50° erwärmt, wodurch das Strychnin frei gemacht -und durch anhaltendes Schütteln mit Benzol (25 ccm) in demselben -aufgelöst wird. Dasselbe Verfahren wird mit einem zweiten Benzolquantum -wiederholt, die Benzolmengen werden dann gemischt und das Benzol dann -verdunstet. Bleibt hierbei das Strychnin nicht in ganz reinem Zustand -zurück, so löst man den Rückstand nochmals mit schwefelsäurehaltigem -Wasser auf, übersättigt mit Ammoniak, schüttelt wieder mit Benzol -aus und verdunstet. Eine dritte Abscheidungsmethode ist von -<em class="gesperrt">Erdmann</em> und <em class="gesperrt">Uslar</em> (Extraktion mit <em class="gesperrt">Amylalkohol</em>) -angegeben. Das zerkleinerte und mit Wasser zum dünnen Brei angerührte -Untersuchungsobjekt wird mit Salzsäure angesäuert, 1–2 Stunden bei -60–80° digeriert, koliert und nochmals auf dieselbe Weise extrahiert. -Die vereinigten wässerigen Auszüge werden mit <em class="gesperrt">Ammoniak</em> stark -alkalisch gemacht und zur Trockene verdunstet. Der Rückstand wird -gepulvert und mit <em class="gesperrt">Amylalkohol</em> wiederholt ausgekocht. Die heiss -filtrierten Amylalkoholauszüge werden mit dem 1Ofachen Volum heissen -salzsauren Wassers in Glaszylindern stark geschüttelt, wodurch das -Strychnin in letzteres übergeht. Zur Extraktion von Fett wird die -salzsaure Wasserlösung nochmals mit Amylalkohol ausgeschüttelt. Dann -wird mit Ammoniak neutralisiert und das Strychnin durch Schütteln mit -warmem Amylalkohol ausgezogen, welcher zuletzt verdunstet wird, worauf -das Strychnin zurückbleibt.</p> - -<p>Das abgeschiedene Strychnin wird nun auf seine Identität durch -verschiedene <em class="gesperrt">Reaktionen</em> geprüft. 1. Die wichtigste ist -die <em class="gesperrt">Blaufärbung</em> durch <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> und <em class="gesperrt">Kalium -dichromicum</em>. Man löst das Strychnin in konzentrierter Schwefelsäure -und bringt in diese Lösung ein Kriställchen von doppeltchromsaurem -Kali,<span class="pagenum" id="Seite_201">[S. 201]</span> worauf sich violettblaue Streifen bilden, die später in Rotbraun -übergehen. Man kann die Reaktion auch in der Weise anstellen, dass man -das Strychnin in wenig schwefelsäurehaltigem Wasser löst und diese -Lösung mit einer Lösung von Kaliumdichromat (1 : 200) versetzt, worauf -sich Gruppen schön goldgelber Kristallnadeln abscheiden, welche sich -in konzentrierter Schwefelsäure blau lösen. Die Reaktion wird noch -durch <sup>1</sup>⁄<sub>1000</sub> mg Strychnin hervorgerufen. 2. Die <em class="gesperrt">Blaufärbung</em> -mit <em class="gesperrt">Vanadin-Schwefelsäure</em> ist ebenfalls sehr empfindlich. Eine -Lösung von vanadinsaurem Ammonium in Schwefelsäure (1 : 200) gibt mit -Strychnin eine violettblaue, blauviolette, violette, zinnoberrote, -lang anhaltende Färbung, bei welcher die Farbenübergänge von Blau -zu Blauviolett und Rot viel langsamer erfolgen, als beim ersteren -Reagens. 3. Der <em class="gesperrt">physiologische</em> Versuch wird angestellt mit -<em class="gesperrt">Fröschen</em> (Todesdosis des Strychnins = 0,05 mg) und <em class="gesperrt">Mäusen</em> -(Todesdosis = 0,02 mg). Das Auftreten von <em class="gesperrt">Starrkrampf</em> bei den -Versuchstieren beweist mit Sicherheit das Vorhandensein von Strychnin.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Ein gegen Kehlkopfpfeifen mit -<em class="gesperrt">intratrachealen</em> Strychnininjektionen behandeltes Pferd -zeigte nach der Injektion von 0,11 g Strychnin nach etwa 20 Minuten -hochgradige Vergiftungserscheinungen: Zuckungen, ausserordentliche -Schreckhaftigkeit und Zusammenbrechen mit dem Hinterteil. Im -Blut liessen sich Spuren von Strychnin nachweisen. Die Krämpfe -dauerten 20 Minuten, die Schreckhaftigkeit mehrere Stunden an. Ein -zweites Pferd zeigte nach 0,09 g ähnliche, jedoch geringgradigere -Vergiftungserscheinungen. Bei einem dritten Pferd traten nach 0,08 -g ebenfalls leichte Vergiftungserscheinungen ein. Eine Heilwirkung -liess sich nicht konstatieren. Danach ist bei intratrachealer -Injektion 1 cg pro Zentner Lebendgewicht die höchste therapeutische -Dosis für das Pferd (<em class="gesperrt">Vogt</em>, Woch. f. Tierhlkde. 1891). — -Ein grosser Hund erhielt von seinem Besitzer, einem Arzt, 0,05 -Strychninum arsenicosum eingegeben. Die hienach auftretende -schwere Vergiftung verschwand erst nach 10 Stunden nach Anwendung -von Morphium, Chloralhydrat und zweistündigem Chloroformieren -(<em class="gesperrt">Wolf</em>, Sächs. Jahresber. 1897). — Ein Rattenfänger hatte mit -Strychnin bestreute Fische gefressen (Rattengift). Die nach Ablauf -einer Stunde erfolgte Verabreichung von 3 g Chloralhydrat hatte -mehrstündigen Schlaf und dauernde Heilung zur Folge (<em class="gesperrt">Sauer</em>, -Woch. f. T. 1899). — 1 Vorstehhund erkrankte nach dem Fressen von -Fuchsgift an heftigem Tetanus; Chloralhydratklistiere (5,0) hatten -totähnlichen Schlaf zur Folge, worauf am andern Tage ein Rückfall -eintrat, der sich nach nochmaliger Anwendung von Chloralhydrat am -3. Tag wiederholte, worauf Genesung eintrat (<em class="gesperrt">Rosenfeld</em>, -Tierärztl. Zentralbl. 1899). — Durch Strychnin vergiftete Hunde -genasen nach Verabreichung einer grossen Handvoll Seesalz (Journ. of -comp. 1900), desgleichen Hühner nach dem Eingeben kleiner Körnchen -Atropin (<em class="gesperrt">Ehlers</em>, D. T. W. 1900). — Weitere Vergiftungen von -Hunden, Katzen und Schweinen sind von <em class="gesperrt">Merkle</em>, <em class="gesperrt">Zix</em> -(Woch. f. T. 1898 u. 1899), <em class="gesperrt">Uhlich</em>, <em class="gesperrt">Deich</em> (Sächs. -Jahresber. 1898 u. 1899), <em class="gesperrt">Phail</em> (Vet. journ. 1898), -<em class="gesperrt">Videlier</em> (Recueil 1897), <em class="gesperrt">Rancillia</em>, <em class="gesperrt">Maignon</em> -(Jour. de Lyon 1901 u. 1905) u. a. beschrieben worden.</p> - -<p><b>Experimentalversuche.</b> Das Verhalten der einzelnen Haustiere -gegenüber dem Strychnin ist nach <em class="gesperrt">Feser</em> (Berl. Archiv 1880 u. -1881) und <em class="gesperrt">Schneider</em> (Monatshefte für prakt. Tierheilk. 1900) -folgendes:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Pferde</em> ertragen <em class="gesperrt">subkutane</em> Dosen von 0,1–0,2 mg -Strychnin pro Kilo Körpergewicht ohne Nachteil, indem sie nur leichte -und vorübergehende<span class="pagenum" id="Seite_202">[S. 202]</span> Zufälle zeigen. 0,3 mg pro Kilo Körpergewicht -subkutan injiziert sind für sehr alte, geschwächte, rückenmarkskranke -Pferde schon eine tödliche Dosis, während sie von jungen, kräftigen -Pferden meist ohne Gefahr ertragen werden. 0,4 mg Strychnin -pro Kilo Körpergewicht töten jedoch jedes Pferd bei subkutaner -Injektion sicher innerhalb kurzer Zeit. Bei der <em class="gesperrt">innerlichen</em> -Verabreichung sind 5mal grössere Dosen nötig, als die oben genannten; -die subkutane Injektion verhält sich also zur stomachikalen beim -Pferd wie 1 : 5 (<em class="gesperrt">Feser</em>).</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Hunde</em> zeigen nach <em class="gesperrt">subkutanen</em> Dosen von 0,1–0,2 mg -pro Kilo Körpergewicht eine leichte vorübergehende Wirkung. 0,2 mg -pro Kilo Körpergewicht subkutan werden von gesunden Hunden zwar -noch ertragen, sind aber für kranke Hunde gefährlich und sollten -nur mit grösster Vorsicht angewandt werden; sie erzeugen heftige, -allgemeine Starrkrampfanfälle und Zusammenstürzen. 0,3 bis 0,4 mg -haben eine schwere Vergiftung und häufig den Tod nach 12 Minuten -bis 1½ Stunden zur Folge. 0,5 mg pro Kilo Körpergewicht und -darüber töten jeden Hund bei subkutaner Applikation nach 10–50 -Minuten. <em class="gesperrt">Innerlich</em> gegeben bleiben 0,1–0,2 mg pro Kilo -Körpergewicht ohne jede sichtbare Wirkung. 0,3 bis 0,4 mg zeigen -zuweilen heftige, zuweilen aber auch gar keine Wirkung und eventuell -Tod. 1 mg Strychnin pro Kilo Körpergewicht tötet bei innerlicher -Verabreichung jeden Hund. Beim Hund verhält sich also die subkutane -zur stomachikalen Dosis wie 1 : 2. — Bezüglich der <em class="gesperrt">kumulativen</em> -Wirkung des Strychnins ergaben die Versuche, dass subkutan 0,05 mg -pro Kilo stündlich bis 10mal, 0,1 mg pro Kilo dagegen stündlich -nur 3mal ohne Gefahr angewandt werden können; 0,2 mg pro Kilo -dürfen subkutan höchstens 2mal und nur in grossen Pausen gegeben -werden. Innerlich kann man 10 Dosen à 0,1 mg pro Kilo stündlich -hintereinander geben; 0,2 mg pro Kilo können 5mal 2stündlich -hintereinander gegeben werden. Grössere Dosen wirken giftig -(<em class="gesperrt">Feser</em>).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe</em> äussern nach <em class="gesperrt">subkutanen</em> Dosen von 0,1 - 0,2 -mg pro Kilo Körpergewicht nur leichte vorübergehende Zuckungen; 0,3 -mg bedingen dagegen eine sehr heftige Wirkung und 0,4 mg pro Kilo -den Tod. <em class="gesperrt">Innerlich</em> bleiben 0,6 - 1,2 mg pro Kilo wirkungslos; -3,0 mg haben eine sehr kräftige Wirkung, 4,0 mg pro Kilo den Tod zur -Folge. Die subkutane Applikation verhält sich zur stomachikalen wie -1 : 10 (<em class="gesperrt">Feser</em>).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Schweine</em> zeigen auf <em class="gesperrt">subkutane</em> Injektion von -0,1 mg pro Kilo keine Reaktion; 0,2–0,3 mg haben eine geringe, -vorübergehende Wirkung; 0,4–0,6 mg pro Kilo bedingen eine sehr -heftige Vergiftung, welche jedoch meist nach 2–4stündiger Dauer in -Genesung übergeht. 0,6–0,7 mg wirken tödlich. Die subkutane verhält -sich zur stomachikalen Applikation wie 1 : 3 (<em class="gesperrt">Feser</em>). — 2 -Schweine zeigten nach der Verfütterung von 0,15 und 0,2 g Strychn. -arsenicos. keinerlei Krankheitserscheinungen (<em class="gesperrt">Salles</em>).</p> - -<p>5. Unter dem <em class="gesperrt">Geflügel</em> sind gegen tödliche Strychnindosen am -widerstandsfähigsten die <em class="gesperrt">Hühner</em>; die tödliche subkutane Dosis -beträgt für sie 3–5 mg pro Kilo Körpergewicht, die stomachikale -30–140 mg. Dann folgen die <em class="gesperrt">Tauben</em> (tödliche subkutane Dosis -1,0–1,5, stomachikale 8–11 mg), <em class="gesperrt">Enten</em> (1,0 bezw. 3–4,5) -und <em class="gesperrt">Gänse</em> (1–2 bezw. 2,5–3 mg). Der Eintritt der Wirkung -erfolgt bei subkutaner Applikation in 2–10 Minuten, bei innerlicher -in 3–20 Minuten. Das Fleisch der mit Strychnin vergifteten Tiere -erwies sich beim Genuss als ganz unschädlich (<em class="gesperrt">Schneider</em>). -— Nach <em class="gesperrt">Falck</em> (Med. Zentralbl. 1899) sind Hühner und -anderes Geflügel gegen die Brechnuss selbst, sowie gegen wässerige -Strychninlösungen, wenn dieselben in die Speiseröhre oder in den -leeren Kropf appliziert werden, ziemlich widerstandsfähig (langsame -Resorption, Zersetzung des Strychnins im Blut). Dagegen sterben sie, -wie andere Tiere, rasch bei subkutaner Einspritzung wässeriger und -bei stomachikaler Verabreichung alkoholischer Strychninlösungen. -— <em class="gesperrt">Vogel</em> (Zeitschr. f. Biol. 1896) untersuchte bei Hühnern, -ob die Einverleibung grosser Mengen von Strychnin eine giftige -Beschaffenheit der <em class="gesperrt">Eier</em> bedinge. Er gab Hühnern in 12–16 -Tagen 0,28–0,36 Strychnin, hat aber in den Eiern niemals Strychnin -nachweisen können. — Nach <em class="gesperrt">Molitoris</em> (Z. f. a. Chemie 1905) -scheiden Hühner grosse Strychninmengen aus, ohne Schaden zu nehmen; -in ihrem Blut lässt sich durch Farbenreaktion noch <sup>1</sup>⁄<sub>1000</sub> mg -Strychnin nachweisen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_203">[S. 203]</span></p> - -<p><b>Absichtliche Strychninvergiftung von Tieren zum Zweck der -Tötung.</b> <em class="gesperrt">Pferde</em> werden nach <em class="gesperrt">Bock</em> (Zeitschr. f. -Vetkde. 1906) am schnellsten und sichersten in der Weise getötet, -dass man ihnen eine Lösung von 0,4 g Strychninum nitricum in 10 -g Glyzerin intravenös injiziert. Schon nach 3–4 Sekunden tritt -blitzartiges Zusammenstürzen und sofortiger Tod ein. Nach der -intravenösen Injektion von 0,3 g Strychnin brach ein Pferd nach -47 Sekunden zusammen und starb in 5 Minuten unter tetanischen -Erscheinungen (ibidem 1901). Gesunde <em class="gesperrt">Hunde</em> starben nach <em class="gesperrt">Ben -Danou</em> (Revue vet. 1902) am schnellsten nach der intrapleuralen -Injektion von 5 ccm einer gesättigten Lösung von Strychninsulfat; bei -nervenkranken Hunden verzögert sich jedoch der Eintritt des Todes -sehr. <em class="gesperrt">Raubzeug</em> vergiftet man nach <em class="gesperrt">Merck</em> (Jahresber. -1900) am besten in der Weise, dass man feingepulvertes Strychnin -mit etwas Muskelfleisch zu einer Fleischpille formt und diese in -ein etwas grösseres Stückchen Fleisch steckt. Zur Vergiftung von -Füchsen steckt man das in einer Gelatinekapsel befindliche Strychnin -in einen Heringskopf, den man allseitig mit einer Naht schliesst, -oder in das ausgehöhlte Innere einer nussgrossen Margarinepille, -oder in die Bauchhöhle eines getöteten kleinen Tieres (Vogel, -Maus, Ratte). Die tödliche innerliche Dosis des Strychnins beträgt -hiebei für Füchse 0,05–0,1, Wölfe 0,25, Bären, Tiger und Löwen -0,5–1,0. Die Strychninsalze erhalten sich jahrelang unzersetzt; -tritt die gewünschte Wirkung beim Raubzeug nicht ein, so hängt dies -nicht vom Präparat, sondern von dem Erbrechen der Tiere, sowie vom -Füllungszustand ihres Magens ab.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kornrade">Vergiftung durch Kornrade.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Rade</em> oder <em class="gesperrt">Kornrade</em>, -<em class="gesperrt">Agrostemma Githago</em> (Familie der Karyophyllazeen; -Unterfamilie Sileneen), ist ein bekanntes, rotblühendes Unkraut -auf Getreidefeldern (Roggen, Weizen), mit einem ½-1 m hohen -weissfilzigen Stengel, langen, spitzen, graugrünen Blättern und -einzelnen, langgestielten, roten Blüten. Die allein giftigen -<em class="gesperrt">Samen</em> sind schwarz oder dunkelbraun, kugelig, nierenförmig, -2–3 mm gross und besitzen eine regelmässige höckerige Oberfläche -(Aehnlichkeit des Samens mit einer eingerollten Raupe). Die Samen -besitzen einen sehr charakteristischen mikroskopischen Bau, welcher -für den Nachweis derselben sehr wichtig ist. Die Oberhautzellen sind -nämlich ausserordentlich gross, geweihartig verästelt, nach aussen -gebuckelt, sehr dick und an der Oberfläche mit winzigen Höckerchen -besetzt; ihr Inhalt besteht aus einer rotbraunen Substanz. Ebenfalls -sehr charakteristisch sind die im Endosperm der Samen vorkommenden -<em class="gesperrt">Stärkekörperchen</em>; dieselben haben eine spindel-, spulen-, -flaschen- oder eiförmige Gestalt, sind äusserst klein (0,02–0,1 mm -gross) und durch Einlagerung winziger Stärkemehlkörnchen getrübt; in -Wasser gebracht zerfallen sie, wodurch die beschriebenen winzigen -Körnchen frei werden und eine molekulare Bewegung zeigen (wichtig für -den Nachweis des Vorhandenseins von Rade im Mehl).</p> - -<p>Die Radesamen enthalten als giftigen Bestandteil das <em class="gesperrt">Githagin</em>, -ein Glykosid, welches mit dem <b>Saponin</b> (<em class="gesperrt">Sapotoxin</em>) -identisch ist (<em class="gesperrt">Agrostemma-Sapotoxin</em>) und in Sapogenin und -Zucker zerfällt. Ausserdem enthalten sie eine zweite, gleich -giftige Saponinsubstanz, die <em class="gesperrt">Agrostemmasäure</em>. Der Gehalt an -Saponinsubstanzen beträgt 6–7 Proz. Vergiftungen ereignen sich nach -Verfütterung von Radeschrot, sowie durch radehaltiges Mehl und Kleie -infolge von mangelhaftem „Ausreutern“ des Korns in der Mühle.</p> -</div> - -<p><b>Allgemeines über Saponinsubstanzen.</b> Unter diesem Namen fasst man -eine Anzahl glykosidischer Stoffe zusammen, welche nach<span class="pagenum" id="Seite_204">[S. 204]</span> <em class="gesperrt">Kobert</em> -in etwa 150 Pflanzenarten (30 Familien) vorkommen und neben ihrer -chemischen Homologie mit der Grundformel <span class="nowrap">C<sub>n</sub>H<sub>2n-8</sub>O<sub>10</sub></span> -gemeinschaftlich nachstehende Eigenschaften besitzen: Schäumen -in wässerigen Lösungen (daher der Name Saponin, seifenartiges -Glykosid), kratzenden Geschmack, <em class="gesperrt">entzündungserregende Wirkung auf -Haut und Schleimhäute</em> (Dermatitis, Rhinitis, Konjunktivitis, -Gastroenteritis), Auflösung der roten Blutkörperchen (<em class="gesperrt">Hämolyse</em>), -sowie geringe oder ganz fehlende Resorption vom Darmkanal aus. Die -letztgenannte Eigenschaft erklärt die eigentümliche Tatsache, dass -bei intakter Darmschleimhaut grosse Dosen der Saponinsubstanzen -ertragen werden, ohne eine Allgemeinvergiftung zu verursachen (vergl. -die Kornradevergiftung), während bei vorhandenem Katarrh oder -bei Geschwüren der Darmschleimhaut die Resorption erhöht und die -Giftwirkung viel stärker ist. Ausserdem soll das Saponin im normalem -Darm in eine ungiftige Verbindung umgewandelt werden. Subkutan erzeugen -die Saponinsubstanzen Eiterung ohne Bakterien (aseptische Eiterung); -intravenös beigebracht wirken sie rasch tödlich infolge Auflösung -der roten Blutkörperchen und zwar schon in Dosen von ½-1 mg pro -kg Körpergewicht. Die anatomischen Veränderungen bestehen ähnlich -wie bei Phallinvergiftung in Zerstörung der roten Blutkörperchen, -Darmentzündung, Verfettung der Leber, der Nieren etc. Zu diesen -Saponinsubstanzen rechnet man <em class="gesperrt">Saponin</em>, <em class="gesperrt">Sapotoxin</em>, -<em class="gesperrt">Sapogenin</em>, <em class="gesperrt">Saporubin</em>, die <em class="gesperrt">Quillajasäure</em>, -<em class="gesperrt">Polygalasäure</em> und <em class="gesperrt">Agrostemmasäure</em>, das <em class="gesperrt">Githagin</em>, -<em class="gesperrt">Zyklamin</em>, <em class="gesperrt">Senegin</em>, <em class="gesperrt">Parillin</em>, <em class="gesperrt">Assamin</em> und -<em class="gesperrt">Melanthin</em>. Man spricht ferner von einem Agrostemma-Sapotoxin, -Quillaja-Sapotoxin, Gypsophila-Sapotoxin, Sapindus-Sapotoxin usw.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Radevergiftung.</b> Die Saponinsubstanzen der -Kornrade (Sapotoxin, Agrostemmasäure) wirken entzündungserregend -auf alle Schleimhäute (<em class="gesperrt">Gastritis</em>, <em class="gesperrt">Enteritis</em>, -<em class="gesperrt">Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Pharyngitis</em>, <em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, -<em class="gesperrt">Rhinitis</em>, <em class="gesperrt">Laryngitis</em>), sowie <em class="gesperrt">lähmend</em> auf das -Zentralnervensystem und das Herz. Ausserdem sind sie ein starkes Gift -für die <em class="gesperrt">roten Blutkörperchen</em>, welche dadurch aufgelöst werden. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen demnach in <em class="gesperrt">Speicheln</em>, -<em class="gesperrt">Schlingbeschwerden</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, -<em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Mattigkeit</em>. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> -findet man hauptsächlich die Erscheinungen einer intensiven -<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>, sowie lackfarbige Beschaffenheit des Blutes.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_205">[S. 205]</span></p> - -<p>Eigentümlicherweise ist die Empfindlichkeit der einzelnen Tiergattungen -gegen das Radegift sehr verschieden. <em class="gesperrt">Gänzlich immun scheinen Schafe, -Ziegen und Nagetiere (Kaninchen) zu sein.</em> Auch erwachsene Rinder -sind wenig oder gar nicht für das Gift empfänglich. Am empfindlichsten -sind dagegen Hunde, Pferde, Schweine, Kälber und Hühner. Merkwürdig -ist ferner, dass sich manche Tiere mit der Zeit an die Radefütterung -<em class="gesperrt">gewöhnen</em>, indem die giftige Wirkung des Saponins bei längerer -Verabreichung der Rade abnimmt, und dass das radehaltige Futter bei -einer und derselben Tiergattung nicht immer gleich stark giftig wirkt, -indem zuweilen sehr grosse Quantitäten von den Tieren ohne Gefahr -verzehrt werden. Ob dieses verschiedene Verhalten der Radesamen auf -Zersetzungen des Saponins oder auf einen verschiedenen Gehalt des -Rademehls oder auf eine zeitliche und örtliche Ungiftigkeit der -Radesamen nach Art der Lupinen oder auf eine gewisse prädisponierende -Beschaffenheit der Darmschleimhaut bei einzelnen Tieren (leichte -Verletzungen) zurückzuführen ist, muss dahingestellt bleiben. Auch -<em class="gesperrt">individuelle</em> Verschiedenheiten sind nicht selten. Sodann sind -<em class="gesperrt">junge Tiere empfindlicher</em>, als alte.</p> - -<p><b>Therapie.</b> Die Behandlung der Radevergiftung besteht in der -Verabreichung von schleimigen, einhüllenden, sowie von exzitierenden -Mitteln (Aether, Kampfer, Koffein, Kaffee). In <em class="gesperrt">prophylaktischer</em> -Beziehung ist ferner ein Futterwechsel vorzunehmen. Ausserdem -kann durch gelindes <em class="gesperrt">Rösten</em> des Radepulvers in eisernen -Pfannen das Saponin zerstört werden (die Backofenhitze zerstört -nicht alles Saponin!). Endlich lässt sich durch ein bestimmtes -<em class="gesperrt">Schrotverfahren</em> nicht nur die schwarze Schale der Radesamen, -sondern auch die vom Embryo gebildete schwarze Randpartie entfernen, in -welcher das Saponin ausschliesslich seinen Sitz hat.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Zum Nachweis der Radevergiftung können die -verabreichten Futterstoffe (Kleie, Mehl) und der Magendarminhalt -entweder einer botanisch-mikroskopischen oder einer chemischen -Untersuchung unterworfen werden.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">botanische</em> Nachweis besteht in dem Auffinden der im Eingang -genauer beschriebenen schwarzen, warzigen Samenschalen mit ihren -charakteristischen Zellen (Untersuchung mit der Lupe), sowie in der -Feststellung der charakteristischen Stärkekörperchen im Mehl mittels -des Mikroskops. Der <em class="gesperrt">chemische</em> Nachweis der Radevergiftung -stützt sich auf gewisse Reaktionen des Githagins.<span class="pagenum" id="Seite_206">[S. 206]</span> 1. Schüttelt man -2 g Mehl mit 10 ccm einer Mischung von 20 g 70proz. Alkohol und 1 -g Salzsäure in einem Reagensglas und lässt den Inhalt stehen, so -nimmt die Flüssigkeit eine gesättigt <em class="gesperrt">orangegelbe</em> Farbe an. -2. Man digeriert 500 g Mehl mit 1 l 85proz. Alkohol im Wasserbad, -filtriert heiss, fällt das Filtrat mit absolutem Alkohol, trocknet -den Niederschlag bei 100°, nimmt ihn mit kaltem Wasser auf, fällt den -Auszug nochmals mit absolutem Alkohol, filtriert und trocknet wieder. -Durch dieses Verfahren wird das Githagin (Saponin) rein dargestellt -als ein <em class="gesperrt">gelblichweisses</em> Pulver von <em class="gesperrt">brennend bitterem -Geschmack</em>, welches sich in Wasser leicht löst und damit geschüttelt -stark <em class="gesperrt">schäumt</em>.</p> - -<p>Grössere Mengen von Rade im Mehl lassen sich endlich häufig schon durch -die <em class="gesperrt">blaue</em> Farbe des Rademehls nachweisen.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik und Fütterungsversuche.</b> <em class="gesperrt">Pusch</em> (Ueber die -Schädlichkeit der Kornrade. Deutsche Zeitschr. für Tiermed. 1890) hat -eine grössere Reihe von Fütterungsversuchen bei den verschiedenen -Haustieren angestellt, welche folgendes ergeben haben. 1. Zwei -<em class="gesperrt">Pferde</em> wurden mit 1130 und 4400 g Rade gefüttert, die im Jahre -1888 geerntet war; sie zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen. -Ein anderes Pferd erkrankte dagegen bereits nach 325 g 1889er Rade -an Stomatitis. Ein viertes Pferd erhielt 6½ kg Rade in 9 Tagen; -es zeigte heftiges Speicheln, ulzeröse Stomatitis (Erosionen), -Pharyngitis, Nasenausfluss und Husten. Eine Stute zeigte ausserdem -nach Verfütterung von 12 kg Rade in 12 Tagen häufiges Urinieren und -Blinken. Niemals entstand eine chronische Erkrankung; bei keinem -der Pferde wurden ferner spinale Lähmungserscheinungen beobachtet, -wie sie angeblich nach Haubner und Dieckerhoff bei Radevergiftung -vorkommen sollen. 2. Ein <em class="gesperrt">erwachsenes Rind</em> erhielt 8640 g -Rade in 5 Tagen ohne sichtbar zu erkranken. (Nach einer Mitteilung -von Oekonomierat Schulz in Petershagen verfütterte derselbe ohne -den geringsten Nachteil 400 Zentner reine Kornrade an 100 Zugochsen -in täglichen Gaben von 1 Pfund!). Dagegen starb ein 13 Tage altes -<em class="gesperrt">Kalb</em> nach der Verfütterung von 400 g Rade in einem Tage; die -Sektion ergab Entzündung des Rachens und Labmagens, Dünndarmkatarrh -und Lungenödem. 3. Zwei erwachsene <em class="gesperrt">Schafe</em> erhielten 12 kg -Rade in 64 Tagen bezw. 11 Kilo in 30 Tagen, ohne, abgesehen von -einem leichten Nasenkatarrh, zu erkranken. 4. Ein 6 Wochen altes -<em class="gesperrt">Schwein</em> erhielt in 20 Tagen 5420 g Rade; es zeigte lediglich -starken Husten. 5. Ein alter <em class="gesperrt">Hund</em> (Pinscher) erkrankte nach 50 -g unter Erbrechen, Diarrhöe, Kolik und Schwäche. 6. Ein <em class="gesperrt">Huhn</em> -wurde den ganzen Sommer mit Schrot gefüttert, das zu 44 Proz. aus -Rade bestand, ohne zu erkranken. 7. Vier <em class="gesperrt">Kaninchen</em> wurden ½ -Jahr ausschliesslich mit radehaltigem Schrot (25–44proz.) gefüttert; -sie zeigten anfangs Nasenkatarrh und Niesen, das sich allmählich -verlor; sonst traten keine krankhaften Erscheinungen ein. — 2 -junge Pferde zeigten nach der Aufnahme von Rade starkes Speicheln, -Zähneknirschen, Kolik, Kollern im Leibe, übelriechende Diarrhöe, -Zittern und Steifigkeit (<em class="gesperrt">Contamine</em>, Annal. de Bruxelles -1885). — Ein Pferd, welches mit dem Hafer grössere Mengen von -Radesamen aufgenommen hatte, starb unter den Erscheinungen einer -dumpfen Kolik, sowie grosser, zunehmender Schwäche (<em class="gesperrt">Déchet</em>, -Revue vétér. 1886). — Ein Versuchspferd erhielt 120 g Rademehl -und am Tag darauf 1 Pfund Radebrot. Am nächsten Tag zeigte es -Appetitlosigkeit, Schlingbeschwerden, Traurigkeit und Betäubung, -indem es z. B. wie ein dummkolleriges Pferd Futter im Maule behielt, -ohne zu kauen; am Tag darauf hatte es sich wieder vollständig -erholt (<em class="gesperrt">Röll</em>, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 11). — Nach -<em class="gesperrt">Lehmann</em> und <em class="gesperrt">Mori</em> (Arch. f. Hyg. 1889) sind von allen -Tieren die Nagetiere gegen Kornrade am wenigsten empfindlich; -ein Kaninchen erhielt z. B. in 7 Tagen 105 g Radepulver, ohne zu -erkranken. — <em class="gesperrt">Sturm</em><span class="pagenum" id="Seite_207">[S. 207]</span> (Wiener landw. Zeitung 1889) fütterte -jahrelang 2–3 kg reines Radeschrot an Mastkühe und Ochsen ohne -Schaden, desgleichen <em class="gesperrt">Meissl</em> (ibid.) an Schweine monatelang -bis 500 g pro Stück und Tag. — 7 Hunde zeigten nach dem Eingeben -von Rademehl Unruhe, Erbrechen und Schlingbeschwerden; bei der -Sektion wurden Schwellung und Rötung der Rachen- und Magenschleimhaut -festgestellt (<em class="gesperrt">Pillwax</em> und <em class="gesperrt">Müller</em>, ibid.). — Ein 19 -Pfund schweres Versuchsschwein starb nach der täglichen Verfütterung -von 20–100 g Rade neben anderem Futter nach 14 Tagen; ein anderes, -25 Pfund schweres Schwein verzehrte allmählich bis 350 g Rade, -blieb aber gesund. Eine Ziege starb nach 3wöchentlicher täglicher -Verfütterung von 300–500 g Rade neben Heu. Die Sektion ergab starke -Darmentzündung, sowie Exsudation im Rückenmarkskanal (<em class="gesperrt">Ulrich</em>, -Bad. Mitt. 1882). — Ein mit Rademehl vergifteter Hund zeigte -Unruhe, Erbrechen, Schlingbeschwerden, Mattigkeit, Abstumpfung und -Betäubung; bei der Sektion fand man verschiedengradige, selbst -kruppöse Entzündung der Schleimhaut der Rachenhöhle, des Schlundes, -des Magens, Dünndarms, Dickdarms und Mastdarms, sowie des Kehlkopfes, -Gehirnhyperämie und Hydrocephalus acutus internus (<em class="gesperrt">Röll</em>, l. c.). -— Eine Massenerkrankung von Saugkälbern (Gastroenteritis) -nach Verfütterung radehaltigen Mehls hat <em class="gesperrt">Tabourin</em> (Recueil -1876) beschrieben. Fütterungsversuche bei 4 Kälbern ergaben Unruhe, -Zähneknirschen, Speicheln, Durchfall und Koma. Bei der Sektion -wurde Entzündung des Schlundkopfs, sowie heftige Entzündung des -Labmagens festgestellt. — Nach <em class="gesperrt">Viborgs</em> Versuchen erkrankte -ein Hund von 60 g Rademehl, genas aber wieder; ein Hund starb nach -30 g. — <em class="gesperrt">Stier</em> (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1893, Nr. 51) -beschreibt eine Kornradevergiftung bei 48 Mastschweinen infolge -Verfütterung von radehaltigem (6proz.) Roggenschrot. Die Haut der -Tiere war wie besät mit nadelkopf- bis zehnpfennigstückgrossen -Hämorrhagien; die Schweine zeigten ferner Taumeln und Schwanken, -Benommenheit des Sensoriums, Blutbrechen, Geifern, Dyspnoe, -Heiserkeit, dunkelroten bis teerschwarzen Harn, Dysurie, sowie -Schlingbeschwerden. — <em class="gesperrt">Monin</em> (Petersb. landwirtsch. Zeitung -1889) fütterte 6 schwache, magere Schafe täglich mit ¼-1 kg Rade, -so dass jedes Schaf im Laufe eines Monats etwa 20 g Rade erhielt; -die Tiere wurden nicht nur nicht krank, sondern ihr Nährzustand -besserte sich bedeutend. — Nach <em class="gesperrt">Kruskal</em> (Arb. d. pharmakol. -Instituts zu Dorpat 1891) starben Hähne an Darmentzündung, wenn -21–37 g Rademehl pro kg in den Magen eingeführt wurden. Katzen -starben bei unterbundenem Schlund nach 0,16 g Sapotoxin pro kg; -ein Kaninchen erkrankte dagegen nicht, als es in zehn Tagen -150 g Rademehl erhalten hatte. — <em class="gesperrt">Kornrauch</em> (Oesterr. -Monatsschr. 1894, S. 489) berichtete über Fütterungsversuche -der Wiener landwirtschaftlichen Station bei 3 Schweinen, welche -40–70proz. Radefutter ohne Schaden ertrugen, und bezeichnet sogar -das Radefutter als Mastfutter. — Nach <em class="gesperrt">Pourquier</em> (Revue -vét. 1895) ist die Kornrade ein gutes Futtermittel für Schafe; ein -Schäfer verfütterte allein in einem Winter 3800 kg Radesamen. — -<em class="gesperrt">Perussel</em> (J. de Lyon 1895) beobachtete akute Radevergiftung -bei Pferden und Mastochsen, welch letztere täglich 5 kg 80proz. -Rademehl erhielten. Die Erscheinungen bestanden in Appetitstörung, -Aufhören des Wiederkauens, Kolik, Diarrhöe, Unvermögen zu schlingen, -Koma und Dekubitus; die Sektion ergab Enteritis. — Nach der -Verfütterung radehaltiger Kleie erkrankte eine Mutterstute mitsamt -dem saugenden Fohlen an Magendarmkatarrh (<em class="gesperrt">Schultz</em>, Berl. -Arch. 1897). — <em class="gesperrt">Sabatzky</em> (ibid. 1898) berichtet über eine -Vergiftung bei Schweinen, welche radehaltige (50proz.) Roggenkleie -gefüttert erhalten hatten. Die Erkrankung trat 14 Tage nach dem -Beginn der Fütterung zuerst bei den Ferkeln auf, dann auch bei den -älteren Schweinen. Die Erscheinungen bestanden in Appetitlosigkeit, -Schwellungen am Halse und Lähmung. Die Sektion ergab Gastroenteritis. -20 Schweine verendeten, 8 wurden notgeschlachtet. — <em class="gesperrt">Peter</em> -(ibid. 1899) sah auf einem Gute 17 Lämmer und einige ältere Schafe, -welche mit kornradehaltigen (50proz.) Mühleabfällen gefüttert wurden, -unter Gleichgewichtsstörungen, Krämpfen und Speicheln erkranken. — -<em class="gesperrt">Brummel</em> (Veterinarius 1900) beobachtete bei einem 5jährigen -Pferd nach der Aufnahme grösserer Mengen von Kornrade Steifheit -der Gliedmassen, Taumeln, Trismus und Schlingbeschwerden. — -<em class="gesperrt">Hagemann</em> (Bericht an den preuss. Landwirtschaftsminister und -Landw. Jahrb. 1903) hat durch Fütterungsversuche nachgewiesen, dass -die Verfütterung von kornradehaltigem Futter,<span class="pagenum" id="Seite_208">[S. 208]</span> wie es im Betriebe -des Müllereigewerbes gewonnen wird, bei unseren Haustieren keine -Vergiftung hervorruft. Milchkühe gaben nach Kornradeverfütterung -Milch mit einem minderwertigen Fette von anormaler Beschaffenheit. -Hühner und Gänse starben dagegen an Durchfall und Darmentzündung -in 24 Stunden, wenn sie 1,5 g bezw. 3–5 g Sapotoxin erhielten. — -<em class="gesperrt">Kronacher</em> (Woch. f. Tierh. 1900) sah bei drei Kühen nach der -Verfütterung von radehaltigem Haferschrot Appetitlosigkeit, Stöhnen, -Husten und Speicheln; 1 Kuh verendete, 2 wurden notgeschlachtet. — -<em class="gesperrt">Lohmann</em> (Z. f. öff. Chemie 1903) studierte die Giftigkeit -des Saponins für den Menschen (Schaumweine, Brauselimonaden) -an Kaninchen und fand, dass sie sehr grosse Dosen ohne Schaden -ertrugen (0,5–7 g Saponin per Tag). — <em class="gesperrt">Gips</em> und <em class="gesperrt">Ruthe</em> -(Berl. Arch. 22. Bd.) sahen angeblich Pferde an Kornradevergiftung -sterben (Taumeln, Benommenheit, Atembeschwerden). — <em class="gesperrt">Ludewig</em> -(Diätetik des Truppenpferdes 1904) sah bei Pferden nach der täglichen -Fütterung von 300 g Radesamen Kolikerscheinungen und Lähmung des -Sehnerven. — <em class="gesperrt">G. Müller</em> (Sächs. Jahresber. 1905) glaubt, -dass beim Geflügel in der Praxis Radevergiftungen nicht vorkommen, -weil die Samen nicht freiwillig gefressen werden. Hühner zeigten -nach der Einverleibung von 5–10 g Samen nichts, nach 20 g leichte -Krankheitserscheinungen, nach 30 g Samen schwere Erkrankung und Tod -(hochgradige Atemnot, Speicheln, Rasseln, Blaufärbung des Kammes, -Tod nach 7–14 Stunden); die Sektion ergab Aetzstellen im Kropf und -Drüsenmagen. Tauben zeigten nach 1Otägiger Verabreichung von je 1 -g Radesamen nichts, starben aber nach einer Dosis von 2,5 g; die -Sektion ergab nekrotisierende Entzündung der Kropfschleimhaut. — -Nach <em class="gesperrt">Steinbrenner</em> (Woch. f. T. 1908) erkrankten bei einem -Müller 2 Kühe an Kornradevergiftung. Das verfütterte, sogenannte -Tripplo war Schrot von den Kornrückständen, von Unkrautsamen, -vorherrschend Kornrade. Das Krankheitsbild bestand in Lähmung -und Eingenommenheit des Sensoriums. Die eine Kuh entleerte -breiigen Kot, bei der andern bestand Verstopfung mit hochgradiger -Tympanitis, die zu dreimaligem Troikarieren Anlass gab. Die eine -Kuh verendete an Magendarmentzündung, bei der anderen blieb eine -Lähmung zurück; die Kuh wurde schliesslich wegen Dekubitalgangrän -getötet. — <em class="gesperrt">Albrecht</em> (ibid. 1907 u. 1908) fand bei seinen -Versuchen, dass Hühner trotz grosser Mengen eingegebener Radesamen -nicht erkrankten, und schliesst daraus, dass das Huhn offenbar -die giftige Substanz der Radesamen in seinem Verdauungsapparat -zu zerlegen und unschädlich zu machen imstande ist. Auch die -Versuche mit Ziegen fielen negativ aus. Eine trächtige Ziege -erhielt wochenlang täglich 100–150 g geschrotenen Radesamen, ohne -zu erkranken. Auch bei gleichzeitiger Verabreichung von hartem, -die Darmschleimhaut mechanisch reizendem Stroh frass die Ziege im -ganzen 2¼ kg Radeschrot, ohne zu erkranken. Die gleichzeitige -Verabreichung von Abführmitteln (Natriumsulfat) löste ebenfalls -keine Erkrankung aus, trotzdem 6 kg Radesamen innerhalb 21 Tagen -verabreicht wurden (auch Abortus trat nicht ein). Bezüglich der -in der Literatur mitgeteilten widersprechenden Ergebnisse der -Radefütterung schliesst sich <em class="gesperrt">Albrecht</em> der Meinung von -<em class="gesperrt">Pott</em> (Handbuch der tierischen Ernährung 1907) an, dass -nicht alle Radesamen giftig bezw. gleich giftig sind, und dass der -Giftgehalt möglicherweise wie bei den Lupinen durch besondere, nicht -bekannte Ursachen bedingt wird (Befallungspilze?). — <em class="gesperrt">Brandl</em> -hat bei seinen Versuchen über das Sapotoxin von Agrostemma Githago -(Arch. f. exp. Path. u. Pharmak. 1906 u. 1908) festgestellt, dass -dasselbe zu Sapogenin und Zucker zerfällt, und dass dem Sapogenin -eine ähnliche, wenn auch etwas geringere Giftwirkung zukommt, wie -dem Sapotoxin; ausserdem enthalten die Radesamen eine zweite, -gleichgiftige Saponinsubstanz, die Agrostemmasäure. Die angestellten -Fütterungsversuche ergaben folgendes: 1. <em class="gesperrt">Hühner</em> und -<em class="gesperrt">Tauben</em> nahmen Radesamen aus einem gemischten Körnerfutter -freiwillig niemals auf, und verschmähten auch Futter, das mit -Rademehl bestäubt war. Absichtlich beigebrachtes Rademehl erzeugte -bei Tauben schon in der geringen Menge von 2–3 g, bei Hühnern von -3–8 g eine deutliche Vergiftung; 10 g pro kg Taube und 15 g pro kg -Huhn wirkten nach 2–3 Tagen tödlich. Die Vergiftungserscheinungen -bestanden in Erbrechen, Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Durchfällen, -Taumeln und Lähmung. Dasselbe Krankheitsbild entstand nach der -Einverleibung von Agrostemma-Sapotoxin und Agrostemmasäure; -dabei hatte es den Anschein, als ob sich die Tiere an gewisse<span class="pagenum" id="Seite_209">[S. 209]</span> -Mengen dieser Gifte gewöhnten. 2. <em class="gesperrt">Hunde</em> zeigten von -0,05–0,08 Sapotoxin ab Erbrechen und Durchfall. 3. <em class="gesperrt">Schweine</em> -verschmähten anfangs Futter, dem 20 g Kornrademehl beigemengt -war, nahmen es aber dann, als es mit Wasser angerührt war. Die -tägliche Verabreichung von 50–100 g Rademehl erzeugten bei einem -Schwein heftiges Erbrechen und starken Durchfall; ein anderes -Schwein erhielt in 82 Tagen 6⅓ kg Rademehl und nahm dabei um -3 kg an Körpergewicht zu; wenn die tägliche Dosis auf 100–125 g -gesteigert wurde, stellte sich Erbrechen, Husten und Appetitlosigkeit -ein. Nach der Verabreichung von 18 g Sapotoxin zeigte ein 18 kg -schweres Schwein Würgen und Erbrechen und starb an Gastroenteritis -und Hämolyse. 4. <em class="gesperrt">Kaninchen</em> erkrankten erst, wenn 12 g -Kornrademehl = 0,45 g Sapotoxin pro kg einverleibt wurden. 15–17 g -Kornrademehl pro kg wirkten nach 15–12 Stunden tödlich (Durchfall, -Magendarmentzündung). Danach ertragen Kaninchen viel grössere -Mengen von Kornrade, als Schweine und Geflügel (Verhältnis 3 : 2: -1); um Krankheitserscheinungen hervorzurufen, braucht man pro kg -Körpergewicht bei Kaninchen 12 g, bei Schweinen 7–9 g, bei Hühnern -und Tauben 4–5 g Kornrade. 5. Ein <em class="gesperrt">Pferd</em>, welches in 2 Tagen -100 g Sapotoxin = 1400 g Rademehl erhalten hatte, zeigte keine -Krankheitserscheinung, desgleichen nicht ein <em class="gesperrt">Rind</em>, das 50 -und 90 g Sapotoxin, sowie in 14 Tagen 4⅓ kg Rademehl erhalten -hatte. Für grosse Haustiere ist danach Futter mit einem Gehalt von -5–12 Proz. Kornrade, wie es im normalen Betrieb des Müllereigewerbes -gewonnen wird, wahrscheinlich gefahrlos. — Nach <em class="gesperrt">Neumayer</em> -(ibid. 1908) beruht die hämolytische Wirkung des Sapotoxins auf -das Blut auf einer direkten Schädigung der roten Blutkörperchen an -der Oberfläche (Zellgift); im Verdauungsapparat erzeugt es akute -Geschwürsbildung. — <em class="gesperrt">Holterbach</em> (Berl. tierärztl. Woch. -1909) beobachtete bei einem 8 Wochen alten Kalbe nach der Aufnahme -von radehaltigem (10 Proz.) Roggen Mattigkeit, Durchfall, Taumeln, -Lähmung, Polyurie und Konjunktivitis.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kichererbsen">Vergiftung durch Kichererbsen. Lathyrismus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Kichererbse</em>, <em class="gesperrt">Cicer arietinum</em> -(Lathyrus cicer), ist eine einjährige Hülsenfrucht (Familie -Papilionazeen, Unterfamilie Vizieen) mit roten, achselständigen -Blüten und zweisamigen Hülsen, sowie unpaar gefiederten, -13–17jochigen Blättern und ovalen, gesägten Blättchen. Die Samen sind -rundlich höckerig, über erbsengross, an den Widderkopf erinnernd -(„arietinum“). Mikroskopisch sind die Samen charakterisiert durch die -ungleiche Länge der Palisadenzellen, welche in ihrem mittleren Teile -dünnhäutig sind. Die ebenfalls zuweilen giftige <em class="gesperrt">Platterbse</em>, -<em class="gesperrt">Lathyrus sativus</em>, welche im südlichen Europa zur Brotbereitung -gebaut wird, hat kantige, beilförmige, glatte Samen, eine -zweiflügelige Hülse, weissrosafarbige oder blaue Blüten, einpaarig -gefiederte Blätter, sowie einen geflügelten Stengel. Aehnlich giftig -wirkt zuweilen die <em class="gesperrt">schwarze italienische Wicke</em>, <em class="gesperrt">Lathyrus -Clymenum</em>, die <em class="gesperrt">Paternostererbse</em> und die <em class="gesperrt">Luzerne</em>. -Lathyrus cicer und sativus sollen vor der Samenbildung unschädlich -sein, während Lathyrus Clymenum stets giftig wirken soll.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Kichererbsen enthalten -einen seiner genaueren Natur nach bisher noch unbekannten Giftstoff, -welcher zu gewissen nervösen Organen ganz spezifische Beziehungen -hat, und zwar in erster Linie zu denjenigen des Kehlkopfes (<em class="gesperrt">N. -recurrens</em>) und zum <em class="gesperrt">Rückenmark</em>. Werden Kichererbsen Pferden -längere Zeit hindurch verfüttert, so erkranken dieselben<span class="pagenum" id="Seite_210">[S. 210]</span> zunächst -unter dem Bild des <em class="gesperrt">Kehlkopfpfeifens</em>. Daneben gehen die -Erscheinungen einer <em class="gesperrt">chronischen Rückenmarksentzündung</em> einher. -Die Tiere sind zunächst sehr schreckhaft und aufgeregt und zeigen im -weiteren Verlauf die Symptome einer <em class="gesperrt">spinalen Lähmung</em> sowohl -motorischer als sensibler Art, welche namentlich zuerst die hinteren -Extremitäten in Form von <em class="gesperrt">Kreuzschwäche</em> befällt (transversale -Myelitis mit motorischer und sensibler Paraplegie), und sich zunächst -durch einen <em class="gesperrt">schwankenden</em> Gang bemerkbar macht. <em class="gesperrt">Im Stande -der Ruhe erscheinen die Tiere meist vollständig gesund</em>, indem -sie die Erscheinungen des Rohrens, sowie die Rückenmarkslähmung -erst bei der Bewegung erkennen lassen; namentlich ist auch der -Appetit gewöhnlich unverändert. Manche Pferde zeigen jedoch auch -im Stall ein weiteres charakteristisches Symptom des Lathyrismus, -nämlich eine auffallende <em class="gesperrt">Beschleunigung</em> des <em class="gesperrt">Pulses</em> -(beginnende Lähmung des Vaguszentrums), welche sich bei der Bewegung -zu ausgeprägtem <em class="gesperrt">Herzklopfen</em> steigert. Der Tod erfolgt meist -erst nach monatelanger Krankheitsdauer unter den Erscheinungen der -<em class="gesperrt">Erstickung</em>. Das Vergiftungsbild bei Rindern ist ähnlich, es -fehlen jedoch die Erscheinungen des Kehlkopfpfeifens.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man in vorgeschritteneren Stadien -der Krankheit eine <em class="gesperrt">Atrophie</em> und <em class="gesperrt">Verfettung</em> der -<em class="gesperrt">Kehlkopfmuskeln</em> (Stimmritzenerweiterer), sowie degenerative -Zustände in den Ganglienzellen der Vorderstränge des Rückenmarkes und -des Vaguskerns.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht neben Aenderung der Fütterung in -der Vornahme der <em class="gesperrt">Tracheotomie</em>, wodurch die Pferde wieder -arbeitsfähig gemacht werden können, in der Verabreichung von -<em class="gesperrt">Strychnin</em> (0,05–0,1 subkutan für Pferde), sowie in der Anwendung -<em class="gesperrt">reizender Einreibungen</em> in der Kreuzgegend. Ausserdem ist -Weidegang anzuempfehlen.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Zwölf Arbeitspferde, welche ein Vierteljahr -hindurch täglich 8 Pfd. Kichererbsenheu erhalten hatten, -zeigten nach dem Aussetzen dieses Futters die Erscheinungen der -Rückenmarkslähmung und Hartschnaufigkeit. 4 starben; die übrigen -wurden durch die Vornahme der Tracheotomie wieder hergestellt -(<em class="gesperrt">Lenglen</em>, Recueil 1860). — 35 Zugpferde erkrankten nach der -Fütterung der Gemüseblatterbse (Lathyrus sativus); 19 starben, 2 -mussten getötet werden, nur 14 genasen. Die Pferde erschienen im -Stande der Ruhe bis auf das Vorhandensein einer Pulsbeschleunigung -gesund, insbesondere war der Appetit ungestört; dagegen schwankten -sie im Gehen und zeigten bei der Bewegung im Freien, besonders in -kalter, windiger Luft, Atemnot und Röcheln, sowie Bluthusten, einige -starben apoplektisch. Die Behandlung bestand in der Vornahme der -Tracheotomie, Verordnung von Laxantien und Einreibungen auf den -Kehlkopf, sowie in Anordnung des Weidegangs. Bei der Sektion fand -sich in einem Fall Schwund der<span class="pagenum" id="Seite_211">[S. 211]</span> M. cricoarytaen. post. und lateral. -und des M. thyreoarytaen.; der linke Rekurrens war ferner auffallend -dünn; die mikroskopische Untersuchung der Muskeln ergab das Bild -der Atrophie. In drei anderen Fällen zeigten die Kehlkopfmuskeln -mit Ausnahme des M. crico-thyreoideus Verlust der Querstreifung -und Verfettung; ausserdem fand man Atrophie der Ganglienzellen im -Vaguskern, sowie Atrophie der multipolaren Ganglienzellen in den -Vorderhörnern des Rückenmarks (<em class="gesperrt">Leather</em>, The veter. journ. -1885). — Von 17 mit dem Samen von Lathyrus sativus gefütterten -Pferden erkrankten plötzlich 6 an so hochgradigem Kehlkopfpfeifen, -dass 2 erstickten und die übrigen dem Erstickungstod nahe waren -(<em class="gesperrt">Lies</em>, B. Th. W. 1895). 2 schwere Arbeitspferde erkrankten -nach monatelangem Genuss kleiner Mengen (46 kg insgesamt) Platterbsen -an Kehlkopfpfeifen (<em class="gesperrt">Call</em>, The Vet., Bd. 63). — 7 Kühe, -welche auf einem mit Lathyrus clymenum und alatum bepflanzten Acker -frei weideten, zeigten bei vollkommen erhaltener Fresslust und -fieberlosem Zustand motorische und sensible Lähmung der hinteren -Gliedmassen, Unvermögen aufzustehen und tonisch-klonische Krämpfe -(<em class="gesperrt">Alessandro</em>, Mod. Zooj. 1892). — Kühe, welche einen Monat -lang ausschliesslich mit Lathyrus clymenum gefüttert wurden, zeigten -Verminderung und schliesslich Sistierung der Milchsekretion, -Schläfrigkeit, ataktische Bewegungen der Hinterhand und schliesslich -vollständige Lähmung derselben; Rohren fehlte. Der Tod trat -gewöhnlich eine Woche nach dem Auftreten der Lähmung ein. Die -Lähmung stellte sich zuweilen noch 14 Tage nach dem Aufhören der -Lathyrusfütterung ein. Die Sektion ergab Hyperämie und entzündliche -Infiltration im Lendenmark (<em class="gesperrt">Perrussel</em>, Recueil 1896). — Von -16 mit Lathyrus clymenum gefütterten Kühen erkrankten 5 unter den -Erscheinungen von Stumpfsinn, Lähmung, Kau- und Schlingbeschwerden, -Amaurose und Anästhesie (<em class="gesperrt">Lucet</em>, Recueil 1898). — Mehrere -Pferde, welche täglich 3 Pfd. Platterbsen erhielten, erkrankten -an Lathyrismus. 3 stürzten unter den Erscheinungen der grössten -Atemnot vor einem leichten Wagen nieder und mussten geschlachtet -werden. Die übrigen zeigten schwankenden Gang, sowie pfeifendes -Atmungsgeräusch und hochgradige Atemnot bei der Bewegung. Die -Obduktion ergab schwarzrote Farbe und blutige Durchtränkung der -gesamten Halsmuskulatur mit markstückgrossen Blutherden, dunkelrote -Färbung sämtlicher Kehlkopfmuskeln, sowie der Kehlkopf- und -Trachealschleimhaut (<em class="gesperrt">Vollers</em>, Schleswig-Holstein. Mitt. 1896). -— Aehnliche Fälle von Lähmung hat <em class="gesperrt">Braasch</em> (ibid. 1895) nach -der Verfütterung der russischen Zahnerbse bei 14 Pferden beobachtet. -— <em class="gesperrt">Mulotte</em>, (D. T. W. 1893) konstatierte Kehlkopfpfeifen -bei Pferden nach der Verfütterung von Luzerner Kleeheu. — Nach -<em class="gesperrt">Schuchardt</em> (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1892) ist auch -die sog. Lokokrankheit (Loco Disease) der Pferde und des Rindviehes -auf den Hochsteppen im Innern von Nordamerika als Lathyrismus -aufzufassen, der durch die Aufnahme verschiedener Leguminosen, -namentlich von Astragalus mollissimus, bedingt wird. — Ein 230 kg -schweres, gesundes Versuchspferd erhielt im Verlauf von 2 Monaten 136 -kg Mehl aus den Samen von Lathyrus sativus. Nach etwa 14 Tagen zeigte -es eine Steigerung der Pulsfrequenz auf 45, am 30. Tag erschien es -etwas reizbarer, die Hinterbeine waren steif, über den ganzen Körper -traten Muskelzuckungen auf, namentlich im Verlauf der Kruppenmuskeln -und an der Schulter, im Hinterteil war geringgradige Kreuzschwäche zu -bemerken, der Schweif wurde fortwährend zitternd hin und her bewegt. -Einige Tage darauf nahm das Schwanken im Kreuz zu; dagegen wurden -abnorme Atmungsgeräusche im Trab nicht bemerkt. Nach dem Aufhören der -Fütterung verschwanden alle Krankheitserscheinungen (<em class="gesperrt">Agonigi</em>, -Il nuovo Ercolani 1900). — Vergiftungen durch <b>Platterbsen</b>, -Lathyrus sativus, bei Pferden (Kehlkopfpfeifen, schwankender Gang) -sind von <em class="gesperrt">Leather</em> (Vet. journ. 1885), <em class="gesperrt">Call</em> (The Vet. -1890), <em class="gesperrt">Lies</em> (B. T. W. 1895), <em class="gesperrt">Vollers</em> (Schleswig-Holst. -Mitt. 1896) u. a. beschrieben worden. — Ueber Lathyrismus beim -Menschen vgl. <em class="gesperrt">Schuchardt</em>, Deutsches Archiv f. klin. Medizin -1887 u. 1888, Bd. 40.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_212">[S. 212]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Taxus">Vergiftung durch Taxus (Eibenbaum).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Eibenbaum</em>, <em class="gesperrt">Taxus baccata</em> -(Konifere), welcher in bergigen Gegenden Deutschlands wild vorkommt, -wird häufig in Gärten als Zierpflanze und in Hecken (Taxushecken) -kultiviert. Er wächst teils als Strauch, teils als Baum (bis 10 m -hoch) und ist durch seine immergrünen, oben dunkelgrünen, unten -hellgrünen, länglich breiten, spitzen, steifen Nadeln, seine -rotbraunen Aeste, sowie seine scharlachroten Beeren gekennzeichnet, -welche violette Samen einschliessen. Der Eibenbaum enthält namentlich -in den Nadeln einen scharf reizenden Stoff (Ameisensäure), sowie -ein narkotisch wirkendes Alkaloid, das <b>Taxin</b>. Vergiftungen -sind bei allen Haustieren beobachtet worden. Dieselben ereignen sich -nach dem Abweiden von Taxushecken und Taxuszierpflanzen in Gärten, -Parken und Schlossanlagen, nach der Aufnahme von Taxusblättern mit -der Streu, in Girlanden etc. Einen ähnlichen, vielleicht denselben -Giftstoff enthalten die Nadelhölzer der Gattung Cephalotaxus, welche -jedoch 6mal weniger giftig sind, als die Eibe. Die Ansicht, dass -die Zweige des weiblichen Eibenbaumes nicht giftig sein sollen, ist -unrichtig; nur die hellgrünen Winternadeln der Eibe sind bis zum -Zeitpunkt ihrer Dunkelgrünfärbung ungiftig (<em class="gesperrt">Cornevin</em>, Journal -de Lyon 1891 u. 1893).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Der Eibenbaum ist eines -der ältesten bekannten Gifte, welches wegen der Schnelligkeit und -Gefährlichkeit seiner Wirkung von jeher sehr gefürchtet war. Pferde und -Schafe sterben sehr rasch, meistens schon innerhalb einer Stunde, nach -der Aufnahme von 100–200 g, Rinder nach etwa 500 g, Schweine nach 75 -g, Hunde und Hühner nach 30 g Taxusblättern. Je nachdem das narkotisch -wirkende Taxin oder die in den Nadeln enthaltene scharfe Substanz mehr -zur Wirkung gelangt, ist das Vergiftungsbild ein anderes. Tritt die -<em class="gesperrt">Taxinwirkung</em> in den Vordergrund, so stürzen die Tiere oft schon -wenige Minuten nach der Aufnahme der Taxusblätter <em class="gesperrt">apoplektiform</em> -zusammen, oder sie verenden im Verlauf einer Viertelstunde bis einer -Stunde unter <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Brüllen</em>, <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em> -und <em class="gesperrt">Konvulsionen</em>. Kommt jedoch gleichzeitig infolge langsamerer -Resorption des Taxins auch die scharf reizende Wirkung der Taxusblätter -zur Geltung, so kompliziert sich das Krankheitsbild der reinen -Taxinvergiftung mit dem der <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>, und der Verlauf -verlängert sich auf mehrere Stunden bis einige Tage. Die Tiere zeigen -dann zunächst <em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, -<em class="gesperrt">Schäumen</em>, <em class="gesperrt">Verstopfung</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, -<em class="gesperrt">Polyurie</em>, <em class="gesperrt">Hämaturie</em>, <em class="gesperrt">Strangurie</em> (Symptome -einer Nephritis und Zystitis), und als Ausdruck der Taxinwirkung -<em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, -<em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em> und <em class="gesperrt">Konvulsionen</em>.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_213">[S. 213]</span></p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man in den Fällen von apoplektiformem -Verlauf nichts Charakteristisches; bei längerer Krankheitsdauer -beobachtet man die Erscheinungen der Magen- und Darmentzündung, -Gehirnhyperämie und Gehirnödem.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist eine symptomatische; man verabreicht -Abführmittel, einhüllende und exzitierende Mittel, sowie als chemisches -Gegengift Lugolsche Lösung. Beim Rind kann man auch den Pansenschnitt -und im Anschluss daran die manuelle Entleerung der Blätter versuchen.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> der Vergiftung ist im wesentlichen ein botanischer -(Nachweis der grünen Nadeln); es ist deshalb der chemische Nachweis -des Taxins (Extraktion nach der Stas-Ottoschen Methode mit Chloroform, -Rotfärbung mit konzentrierter Schwefelsäure) meist überflüssig.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 6 junge Rinder erkrankten nach der Aufnahme von -Taxusblättern. Eines derselben starb apoplektisch unter Konvulsionen -und lautem Brüllen, ein zweites nach 4 Tagen. Die übrigen genasen -nach 8 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Erbrechen, Tympanitis, -Verstopfung, Polyurie, Strangurie, Hämaturie, sowie allgemeinem -Sopor (<em class="gesperrt">De Bruin</em>, Holländ. Zeitschr. 1883). — 4 Rinder -drehten sich nach der Aufnahme von Taxusblättern plötzlich im Kreis, -taumelten und fielen in wenigen Minuten tot nieder (<em class="gesperrt">Read</em>, The -Veterinarian 1844). — 5 Fohlen weideten auf einem Platz, welcher mit -einer Taxushecke eingefasst war. 2 derselben starben plötzlich. Die -übrigen zeigten Zittern, Muskelzuckungen, Verlangsamung des Pulses, -unfühlbaren Herzschlag, Schwanken, Abstumpfung, Unempfindlichkeit, -Polyurie, Strangurie etc., von Zeit zu Zeit fielen sie wie tote -Körper um. Bei der Sektion der krepierten Tiere fand man Zweige und -Blätter des Eibenbaumes im Magen, die Magendarmschleimhaut dunkel -gerötet, im Dickdarm linsengrosse rote Flecken, den Darminhalt -blutig, die Gehirnhäute stark hyperämisch (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. -Tierheilkunde 1872). — Eine Schafherde hatte Eibenbaumblätter -gefressen. Mehrere Tiere wankten, taumelten, fielen um, stöhnten, -verdrehten die Augen und schlugen mit dem Kopf gegen den Boden. -Nach etwa einer Viertelstunde standen die Tiere wieder auf und -fingen wieder an zu fressen. Nach 1–3 Stunden wiederholte sich -derselbe Anfall, bei einigen war derselbe sogar ein drittes Mal -zu beobachten (<em class="gesperrt">Mönch</em>, ibidem). — <em class="gesperrt">Dewez</em> (Belg. -Annal.) sah nach Aufnahme von Eibenblättern Meteorismus, Harnzwang, -blutigen Harn, Nephritis, Hyperämie der Scheidenschleimhaut und -tödliches Koma. — <em class="gesperrt">Hess</em> (Repertorium 1889) beobachtete -bei zwei Pferden 2 Stunden nach dem Fressen von Eibenblättern -plötzlich auffallend schwere Erkrankung und apoplektiformen Tod; -die Sektion ergab gastroenteritische Erscheinungen. — 3 Rinder -frassen in der Nacht von Eibenkränzen, welche abends als Streu -verwendet waren, und krepierten sämtliche zwischen 4 und 5 Uhr -morgens unter Zittern, Brüllen und Zusammenstürzen. Bei der Sektion -fand man die Labmagenschleimhaut fleckig kirschrot gefärbt und -geschwollen, die Schleimhaut des Pansens und der Haube stellenweise -dunkelrot, die Dünndarmschleimhaut streifig gerötet (<em class="gesperrt">Hable</em>, -Oesterr. Zeitschr. 1889). — 6 Rinder, welche bereits faulende -Eibenbaumblätter gefressen hatten, fielen plötzlich um und starben in -kurzer Zeit unter Krämpfen ähnlich wie bei der Blausäurevergiftung -(<em class="gesperrt">Wallis Hoare</em>, Vet. Record 1893). — 2 Kühe starben nach der -Aufnahme von Taxusblättern unter den Erscheinungen von Schwindel, -Zittern und Herzschwäche; bei der Sektion fand man Ekchymosierung -der Schleimhaut im Schlund, Magen und Darm (<em class="gesperrt">Kegelaer</em>, Holl. -Zeitschr. 1894). — Innerhalb 2 Tagen verendeten 6 Kühe eines -Besitzers ohne vorhergegangene auffallende Krankheitserscheinungen -ganz<span class="pagenum" id="Seite_214">[S. 214]</span> plötzlich nach kurzem Taumeln und Zusammenstürzen unter -Brüllen, nachdem sie den Abfall geschnittener Taxusbäume gefüttert -erhalten hatten (<em class="gesperrt">Arndt</em>, Berl. Arch. 1895). — 2 Ziegen -erkrankten nach dem Fressen von Taxusblättern unter starkem -Aufblähen, Schwanken, Taumeln und Schlafsucht; eine derselben wurde -durch den Pansenstich und Einbringen von Kognak und Glaubersalz in -den Pansen geheilt (<em class="gesperrt">Schüler</em>, Zeitschr. f. Veterinärkunde -1898). — Die Pferde eines ganzen Zuges französischer Kürassiere (24 -Stück) frassen im Jahr 1870 im Park von Pange von den Zweigen des -Eibenbaumes und starben sämtlich apoplektiform mit Ausnahme zweier -Pferde, welche wegen Uebermüdung die Futteraufnahme versagt hatten -(<em class="gesperrt">Lorenz</em>, Zeitschr. f. Vetkde. 1901 S. 7). — Ein kräftiges -Arbeitspferd starb nach der Aufnahme von 139 g Eibenblätter schnell -unter Taumeln, lautem, löwenähnlichem Gebrüll und tetanischen -Krämpfen; ein 2jähriges Fohlen starb nach dem Fressen von 110 g -der Blätter im Verlauf von 10 Minuten unter Niederstürzen und -betäubendem Gebrüll (ibidem). — 2 Fohlen zeigten nach der Aufnahme -von Taxusblättern Schwanken, stieren Blick und Schweissausbruch; -eins starb, die Sektion ergab purpurrote Flecken auf der Magen- -und Darmschleimhaut (<em class="gesperrt">Phail</em>, Vet. journ. 1900). — 2 Ziegen -hatten eine alte Girlande aufgefressen und zeigten starke Aufblähung, -Taumeln, sowie Schlafsucht. Die eine wurde notgeschlachtet, die -andere durch den Pansenstich und Abführmittel gerettet (B. T. W. -1900). — <em class="gesperrt">Giancola</em> (Giorn. soc. vet. 1901) hat das Taxusgift -in Form spiessiger Kristalle isoliert. — <em class="gesperrt">Graham</em> (Journ. of -comp. 1903) beschreibt einen Vergiftungsfall beim Pfau und Schwein. -— 2 Pferde starben, nachdem sie reichlich Taxusblätter in einem Park -gefressen hatten; bei der Sektion war der Schlund gelähmt und mit -Futter wurstartig gefüllt, das Blut erinnerte an Blausäurevergiftung -(Preuss. Vet. Ber. 1904). — 2 Rinder, welche nur eine Handvoll -Nadeln und Zweige gefressen hatten, zeigten Zittern, Taumeln, -Lähmung, wiederholtes Zusammenstürzen, Tympanitis und Harndrang -(<em class="gesperrt">Grimme</em>, ibid. 1906; D. T. W. 1907). — 35 Ferkel wurden in -eine Bucht getrieben, in der abgeschnittene Taxusäste lagen. Nach -6 Stunden war 1 Tier tot, 12 andere waren schwer erkrankt; sie -zeigten Taumeln, schwankenden Gang, lagen am Boden, zitterten und -zeigten Zuckungen am Kopf; nach weiteren 6 Stunden starben noch 2 -Tiere (<em class="gesperrt">Migge</em>, Preuss. Vet. Ber. pro 1907). — Experimentelle -Versuche mit Taxusblättern sind in grosser Zahl von <em class="gesperrt">Viborg</em>, -<em class="gesperrt">Havemann</em> und <em class="gesperrt">Orfila</em> gemacht worden.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Buxus">Vergiftung durch Buxus (Buchsbaum).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der aus dem Orient stammende <em class="gesperrt">Buchsbaum</em> -oder Splintbaum, <em class="gesperrt">Buxus sempervirens</em>, aus der Familie der -Euphorbiazeen, kommt in Süd- und Mitteleuropa bis Thüringen wild vor -und wird in Gärten zur Einfassung von Wegen kultiviert. Sein Holz -wird zu Holzschnitten und Drechslerarbeiten verwendet. Der Buchsbaum -hat sehr charakteristische Blätter. Dieselben sind lederartig, -immergrün, oben glänzend, unten heller, länglich eiförmig bis -rundlich, kurzgestielt, an der Spitze stumpf oder ausgerandet, mit -einem oberseits hervorragenden Mediannerven und zahlreichen zarten, -randläufigen Seitennerven versehen; sie lassen sich leicht in eine -obere und untere Blattschicht trennen. Sie enthalten 3 Alkaloide: -das <b>Buxin</b>, <em class="gesperrt">Parabuxin</em> und <em class="gesperrt">Buxinidin</em>, sowie ein -bitteres Harz. Hauptalkaloid ist das Buxin, ein weisses, lockeres, -amorphes, sehr bitteres Pulver, welches mit Bebeerin, Pelosin und -Bibirin identisch ist.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Buxin ist in seiner -Wirkung mit dem Taxin nahe verwandt. Wie dieses besitzt es eine -narkotische, die Nervenzentren <em class="gesperrt">lähmende</em>, stark giftige -Wirkung. Die Vergiftungserscheinungen bestehen in <em class="gesperrt">Schwindel</em>, -<em class="gesperrt">Betäubung</em>,<span class="pagenum" id="Seite_215">[S. 215]</span> <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">rauschartigem Zustand</em> und -enden meist sehr rasch unter <em class="gesperrt">Konvulsionen</em> tödlich. Zuweilen -komplizieren sie sich auch mit den Erscheinungen einer Gastroenteritis -(Erbrechen, Kolik, Durchfall). Pferde sterben in kurzer Zeit nach der -Aufnahme von 750 g Buchsbaumblättern unter dem Bild der Enteritis -(<em class="gesperrt">Viborg</em>). Hunde starben nach 0,8 Buxin nach vorausgegangenem -Erbrechen, Durchfall, Zittern und Schwindel (<em class="gesperrt">Conzen</em>). Einen -Fall von Buxusvergiftung bei Schweinen hat <em class="gesperrt">Hübscher</em> (Schweizer -Archiv 1884) beschrieben. Die Tiere hatten abgeschorene Sprösslinge -von Buchsbaumhecken als Streumaterial erhalten. Am andern Tag fand -man ein Schwein tot im Stall, 3 andere starben gegen Mittag. Die -Haupterscheinungen waren starker Durst, schwankender Gang, sowie ein -rauschartiger Zustand. Purgieren wurde nicht beobachtet. Bei der -Sektion fand man die Erscheinungen der Gastritis.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Buchsbaumvergiftung ist neben der -Verabreichung von Brechmitteln und Abführmitteln eine symptomatische, -exzitierende. Als Gegengift kann <em class="gesperrt">Tannin</em> versucht werden.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Digitalisvergiftung">Digitalisvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">rote Fingerhut</em>, <em class="gesperrt">Digitalis -purpurea</em> (Skrophularinee), wächst wild in ganz Westeuropa bis -Norwegen, besonders an lichten Stellen in Bergwäldern (Thüringen, -Sachsen, Harz, Schwarzwald, Vogesen) auf Basalt, Porphyr und -Sandstein. Dagegen kommt die Pflanze nicht vor in den Alpen, auf -dem Jura und auf der schweizerischen Hochebene. Der rote Fingerhut -ist eine zweijährige Pflanze, welche im ersten Jahr eine grosse -Rosette mit bodenständigen Blättern bildet. Im zweiten Jahr treibt -die Pflanze einen bis 2 m und darüber hohen, einfachen, stielrunden, -samtartig graufilzigen Stengel. Die eiförmigen bis eilanzettlichen, -zugespitzten, 5–20 cm langen, gekerbten Blätter sind unterseits -graufilzig behaart und von einem reichen, kleinmaschigen Adernetz -durchsetzt. Die traubigen Blüten zeigen 4 cm lange, hängende, -hellpurpurrote, bauchige Glocken mit dunkelroten Flecken auf der -Innenfläche.</p> - -<p>Der rote Fingerhut enthält namentlich in den Blättern mehrere -sehr giftige Glykoside und Bitterstoffe: das <b>Digitoxin</b>, -<em class="gesperrt">Digitalin</em>, <em class="gesperrt">Digitalein</em> und <em class="gesperrt">Digitonin</em>. -Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren teils durch zu hohe -Dosierung, teils durch den zufälligen Genuss der Pflanze (Waldheu, -Zierpflanze).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Digitalisglykoside -sind ausgesprochene <em class="gesperrt">Herzgifte</em>. Sie erregen im ersten Stadium -ihrer Wirkung den <em class="gesperrt">Vagus</em>, das <em class="gesperrt">vasomotorische Zentrum</em> und -den <em class="gesperrt">Herzmuskel</em>, wodurch die Herzaktion verlangsamt und der -Blutdruck gesteigert wird. Im späteren Verlauf werden die genannten -Organe gelähmt, was eine Beschleunigung des Pulses und ein Sinken<span class="pagenum" id="Seite_216">[S. 216]</span> des -Blutdrucks zur Folge hat. Daneben besitzen sie eine leicht reizende -Wirkung auf die Magen-Darmschleimhaut. Die <em class="gesperrt">Todesdosis</em> der -trockenen Digitalisblätter beträgt für <em class="gesperrt">Pferde</em> durchschnittlich -25 g (= 100–200 g der frischen Blätter), für <em class="gesperrt">Hunde</em> 5 g. Der -Tod tritt auch ein, wenn diese Dosis innerhalb weniger Tage in Form -kleinerer Gaben verabreicht wird. Viel weniger empfindlich gegen -die Digitalisblätter sind die Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). -Nach neueren Versuchen von <em class="gesperrt">Salvisberg</em> ertrugen Kühe <em class="gesperrt">per -os</em> ohne jede Reaktion 120 g trockene Digitalisblätter, in 4 Tagen -verabreicht, mithin das Vierfache der tödlichen Dosis für Pferde. Bei -<em class="gesperrt">intravenöser</em> Einverleibung eines Digitalisinfuses sind die -Wiederkäuer jedoch ebenso empfindlich, wie andere Tiere. S. schliesst -hieraus, <em class="gesperrt">dass im Magen der Wiederkäuer die Digitalisglykoside durch -Zersetzung unwirksam werden</em> und weist auf die unbefriedigenden -Erfolge der innerlichen Digitalisbehandlung in der Bujatrik hin. — Das -Digitoxin wirkt tödlich für die Katze bei 4 mg pro kg Körpergewicht, -für den Hund bei 1,7 mg pro kg und das Kaninchen bei 3,5 mg pro kg.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Erscheinungen</em> der Digitalisvergiftung sind bei Aufnahme -der frischen oder getrockneten Blätter zunächst gastroenteritischer -Natur: <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, -<em class="gesperrt">heftiger Durchfall</em>. Bald tritt jedoch die spezifische -Herzwirkung deutlich in den Vordergrund. Die <em class="gesperrt">anfangs verlangsamte -Herztätigkeit</em> wird hochgradig <em class="gesperrt">beschleunigt</em>, es besteht -starkes <em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, die Herztöne sind sehr laut, von -metallischem Klang, der anfangs übervolle Puls wird <em class="gesperrt">klein</em>, -<em class="gesperrt">unregelmässig</em> und zuletzt <em class="gesperrt">unfühlbar</em>. Die im Beginn -beobachtete Aufregung (Gehirnhyperämie) macht später den Erscheinungen -der Gehirnanämie (Blutdruckerniedrigung): <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -<em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em> und selbst <em class="gesperrt">Lähmungszuständen</em> -Platz. Daneben beobachtet man <em class="gesperrt">Krampfzufälle</em>, sowie Erscheinungen -der <em class="gesperrt">Nierenreizung</em> (Polyurie, Albuminurie, Strangurie).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man ausser Gastroenteritis und -systolischer Herzlähmung meist nur suffokatorische Erscheinungen.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Ein spezifisches Gegengift gegen die -Digitalisvergiftung gibt es nicht. Die Behandlung ist daher eine -rein symptomatische. Namentlich sind <em class="gesperrt">Exzitantien</em> für den -Herzmuskel zu verabreichen, so <em class="gesperrt">Kampfer</em>, <em class="gesperrt">Alkohol</em>, -<em class="gesperrt">Wein</em>, <em class="gesperrt">Kaffee</em>, <em class="gesperrt">Tee</em>, <em class="gesperrt">Koffein</em>, <em class="gesperrt">Atropin</em> -und <em class="gesperrt">Hyoszin</em>. Ausserdem können gefässerweiternde<span class="pagenum" id="Seite_217">[S. 217]</span> Mittel -(<em class="gesperrt">Amylnitrit</em>, <em class="gesperrt">Nitroglyzerin</em>) angewandt werden. Bei Rindern -kann ferner der Pansenschnitt versucht werden. Allgemeine Antidote sind -<em class="gesperrt">Tannin</em>, Jodlösung und Tierkohle.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> <em class="gesperrt">Botanisch</em> lässt sich eine Digitalisvergiftung -dann leicht nachweisen, wenn die Pflanze selbst aufgenommen wurde; -charakteristisch ist insbesondere die filzige, samtartige Behaarung -der Unterseite der Blätter, sowie das vielmaschige Adernetz derselben. -Behufs des <em class="gesperrt">chemischen</em> Nachweises der Digitalisglykoside -müssen dieselben ähnlich wie die Alkaloide zuerst aus dem Magen- -und Darminhalt extrahiert werden. Bei der <em class="gesperrt">Abscheidung</em> der -Digitalisglykoside aus Untersuchungsmaterial ist wie beim Kolchizin -zu beachten, dass dieselben schon aus <em class="gesperrt">saurer</em> Lösung durch -<em class="gesperrt">Aether</em>, <em class="gesperrt">Benzol</em>, <em class="gesperrt">Chloroform</em> oder <em class="gesperrt">Amylalkohol</em> -extrahierbar sind. Man nimmt gewöhnlich das <em class="gesperrt">Digitalin</em> mit -Benzol auf und schüttelt aus dem Benzolauszug das <em class="gesperrt">Digitalein</em> -mit Chloroform aus, worauf durch Verdunsten der betreffenden -Lösungsmittel die Glykoside ziemlich rein erhalten werden. Bei -dieser Abscheidung nach der <em class="gesperrt">Stas</em>schen Methode durchtränkt man -nach <em class="gesperrt">Dragendorff</em> zweckmässig das Untersuchungsmaterial mit -<em class="gesperrt">Eisessig</em> und fügt dann behufs Extrahierens Wasser zu. Nach der -Methode von <em class="gesperrt">Homolle</em>, welche zur Abscheidung des französischen -„Digitalins“ (in der Hauptsache aus <em class="gesperrt">Digitoxin</em> bestehend) dient, -wird zunächst der flüssige Teil des Untersuchungsmaterials von dem -festen durch Kolieren getrennt, der feste Teil getrocknet, zerrieben -und 2–3mal mit <em class="gesperrt">Alkohol</em> ausgezogen. Der flüssige Teil wird mit -Chloroform geschüttelt und der nach dem Verdunsten des Chloroforms -bleibende Rückstand in <em class="gesperrt">Alkohol</em> gelöst. Beide alkoholischen -Flüssigkeiten werden gemischt, mit frisch gefälltem, noch feuchtem -<em class="gesperrt">Bleioxydhydrat</em> digeriert, abfiltriert, das Filtrat mit Tierkohle -entfärbt, zur Sirupdicke verdunstet und anhaltend mit Chloroform -geschüttelt. Hierauf wird das Chloroform abgetrennt, verdunstet und -der Rückstand mit Alkohol von 50° versetzt. Nach dem Verdunsten des -Alkohols bleibt das „Digitalin“ ziemlich rein zurück.</p> - -<p>Die wichtigsten <em class="gesperrt">Einzelreaktionen</em> des Digitalins sind: 1. Die -<em class="gesperrt">physiologische</em> Reaktion, welche darin besteht, dass einem -Frosch eine Spur der Digitalinlösung unter die Haut gespritzt wird. -Noch ein Milligramm erzeugt allmähliche <em class="gesperrt">Verlangsamung</em> des -Herzschlags und Tod durch <em class="gesperrt">Herzstillstand</em> in der Systole. 2. Die -<em class="gesperrt">Gelbgrünfärbung</em> mit konzentrierter Salzsäure (Digitalin und<span class="pagenum" id="Seite_218">[S. 218]</span> -Digitoxin). 3. Die <em class="gesperrt">Rot-</em> oder <em class="gesperrt">Violettfärbung</em> mit Uebergang -in <em class="gesperrt">Smaragdgrün</em> bei Wasserzusatz durch <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> und -<em class="gesperrt">Brom</em> (Digitalin und Digitalein). 4. Die <em class="gesperrt">Grünbraunfärbung</em> -durch <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> und <em class="gesperrt">Gallensäure</em> (Digitalin, -Digitalein, Digitonin). 6. Die <em class="gesperrt">Blaugrünfärbung</em> durch Auflösung -in einer Mischung gleicher Teile konzentrierter Schwefelsäure und -Alkohol, Erwärmen bis zur Gelbfärbung und Zusatz eines Tropfens -verdünnter <em class="gesperrt">Eisenchloridlösung</em>.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Ein Pferd, welchem ich innerhalb 24 Stunden 25 g -getrocknete Digitalisblätter gab, starb nach Ablauf von 48 Stunden -unter den oben beschriebenen Krankheitserscheinungen. Besonders -charakteristisch war neben den kardialen Symptomen das Auftreten -einer Lähmung der Unterlippe 10 Stunden vor dem Tod, wodurch der -Kopf des Tieres eine ganz eigenartige Physiognomie erhielt. — 3 -Pferde erkrankten nach dem Genuss von digitalishaltigem Klee, 2 -davon starben. Die Erscheinungen bestanden in allgemeiner Aufregung, -Kolik, fadenförmigem Puls, Taumeln, Zittern, grosser Schwäche des -Hinterteils, Zuckungen, Koma und Umfallen. Bei der Sektion fand -man Gastroenteritis und Endokarditis (<em class="gesperrt">Derache</em>, Annal. de -Bruxelles 1877). — 70 Pferde, welche mit dem Kleeheu grössere -Mengen von Digitalis purpurea aufgenommen hatten, erkrankten am -Tag darauf. Sie standen fast alle wie dummkollerig vor der Krippe, -versagten das Futter, speichelten, hatten starken Durst, setzten -viel Harn ab und zeigten zum Teil Kolikerscheinungen. Der Puls -war bei den einen verlangsamt, bei den andern sehr beschleunigt, -aussetzend und schwach. Ein Pferd zeigte Brechbewegungen, Erblindung, -Schwanken und grosse Hinfälligkeit; es starb am 3. Tag. Ein anderes -Pferd starb am 7. Tag. Bei der Sektion fand man umschriebene -Magendarmentzündung und bei dem Pferd, welches Brechbewegungen -geäussert hatte, eine Magenzerreissung (<em class="gesperrt">Krichler</em>, Preuss. -Mitt. Bd. 6). — Drei Schafböcke, welchen aus Versehen Pflanzen aus -einem Arzneipflanzenbeet vorgeworfen wurden, das u. a. Digitalis -purpurea enthielt, wurden am andern Morgen tot gefunden. Die -chemische Untersuchung des Darminhalts ergab das Vorhandensein von -Digitoxin und Saponin (<em class="gesperrt">Dammann</em> und <em class="gesperrt">Behrens</em>, Deutsch. -tierärztl. Woch. 1903). — Acht Enten starben plötzlich nach dem -Fressen von Blättern der Digitalis purpurea unter den Erscheinungen -der Geflügelcholera (Durchfall, Schwanken); die Sektion ergab -Herzlähmung, Magendarmentzündung und Lungenhyperämie (<em class="gesperrt">Kothe</em>, -Berl. Tierärztl. Woch. 1903). — <em class="gesperrt">Salvisberg</em> (Ueber die -Wirkung von Digitalis und Digitalisglykosiden auf den Organismus -verschiedener Wiederkäuer, Inaug.-Diss. 1907, Delsberg) hat in seiner -Privatpraxis oft beobachtet, dass die Folia Digitalis beim Rind nicht -dieselbe Wirkung zeigten wie beim Pferd, sondern als Herzmittel, -Diuretikum und Fiebermittel meist wirkungslos blieben. Er hat daher -Versuche bei Wiederkäuern angestellt, welche folgendes ergaben. -Eine <em class="gesperrt">Ziege</em> erhielt innerhalb 8 Tagen 60 g Folia Digitalis im -Infus ohne jede Wirkung (am 8. Tag 30 g!). Ein <em class="gesperrt">Schaf</em> zeigte -gleichfalls auf 47 g Digitalisblätter im Infus, innerhalb 7 Tagen -verabreicht, keinerlei Veränderungen im Allgemeinbefinden (am 7. -Tage wurden 15 g verabreicht). Eine <em class="gesperrt">Kuh</em> erhielt in 7 Tagen -70 g Digitalisblätter im Infus, 2 andere in 3 Tagen 65 g und 80 g -in Substanz, ohne darauf zu reagieren. Hierauf erhielten 2 Kühe 4 -Tage hindurch je 30 g Digitalisblätter in Substanz, zusammen also -in 4 Tagen 120 g Digitalisblätter eingeschüttet, ohne irgend eine -Wirkung danach zu zeigen. Auch das Digitoxin wirkte per os bei einem -Schaf in der 5Ofachen Tagesdosis des Menschen (0,1) nicht, während -es subkutan schon in einer Dosis von 0,01 eine starke Herzwirkung -äusserte. Auch bei intravenöser Injektion eines Digitalisinfuses -zeigten 2 Ziegen und eine Kuh eine deutliche Digitaliswirkung; die -Kuh konnte durch die intravenöse Injektion von 20 g Digitalis im -Infus (20 : 400) nach 20 Minuten getötet werden. S. schliesst daraus, -dass die Digitalisblätter, <em class="gesperrt">per os</em> gegeben, den Körper der -Wiederkäuer nicht beeinflussen, weil die Digitalisglykoside im Magen -so umgeformt, gebunden<span class="pagenum" id="Seite_219">[S. 219]</span> oder zerstört werden, dass sie für den -Organismus der Wiederkäuer wirkungslos sind. Bei <em class="gesperrt">intravenöser</em> -Applikation eines Digitalisinfuses tritt dagegen dieselbe Herzwirkung -ein wie bei den übrigen Tiergattungen.</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch Meerzwiebel</b> (Scilla maritima). Die -giftigen Glykoside der Meerzwiebel sind das <em class="gesperrt">Szillain</em> oder -<em class="gesperrt">Szillitoxin</em>, das <em class="gesperrt">Szillipikrin</em> und <em class="gesperrt">Szillin</em>. -Ihre Wirkung ist eine <em class="gesperrt">digitalisähnliche</em> und gleichzeitig -<em class="gesperrt">örtlich reizende</em>. Nach <em class="gesperrt">Hertwig</em> tritt bei Schweinen, -Hunden und Katzen nach 0,25–2,0 Bulbus Scillae Erbrechen, Laxieren -und vermehrter Harnabsatz, nach 45,0 der Tod infolge von Darm- -und Nierenentzündung sehr rasch ein. 2 Pferde starben nach 60,0 -am 4. Tag; 30,0 erzeugten beim Pferd und Rind starkes Laxieren. -— Sechs Schweine hatten Meerzwiebeln gefressen, welche als -Rattengift ausgesetzt waren; sie erkrankten unter rotlaufartigen -Erscheinungen und Krämpfen (<em class="gesperrt">Kleinpaul</em>, Berl. Arch. 1896). -— Ueber das Vergiften von Ratten mit Meerzwiebel vgl. S. 11. Nach -<em class="gesperrt">Mereshkowsky</em> und <em class="gesperrt">Sarin</em> ist das in Dänemark angeblich -als Bakterienkultur zur Vertilgung der Ratten empfohlene „Rattin -II“ gar nicht bakteriellen Ursprungs, sondern das Gift der roten -Meerzwiebel (Scilla maritima cum bulbo rubro); Zentr. für Bakt., Bd. -51, S. 6.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Oleander">Vergiftung durch Oleander.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">gemeine Oleander</em> oder -<em class="gesperrt">Rosenlorbeer</em>, <em class="gesperrt">Nerium Oleander</em> (Apozynee), welcher -wild an den Ufern des Gardasees an Felsen wächst, wird bei uns als -Topfpflanze kultiviert. Er bildet 1–2 m hohe Bäumchen mit weissen -oder rosenroten Blüten und lanzettlichen, 3ständigen, unterseits -gleichlaufend aderigen Blättern. Die Pflanze enthält namentlich in -den Blättern 2 Glykoside: das <b>Oleandrin</b>, welches sich in -Zucker und Digitaliresin spaltet, sowie das <em class="gesperrt">Neriin</em>, welches -mit dem Digitalein identisch ist. Vergiftungen ereignen sich durch -das Abfressen der Blätter von den Bäumen und durch das Verfüttern -derselben. — Ein ähnliches Gift, das <em class="gesperrt">Neriodorin</em>, enthält der -wohlriechende Oleander, <em class="gesperrt">Nerium odorum</em>.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Oleandrin und Neriin sind -<em class="gesperrt">Herzgifte</em>, welche mit den Digitalisglykosiden in ihrer zuerst -erregenden und dann lähmenden Wirkung auf den Vagus und Herzmuskel -vollkommen übereinstimmen; ausserdem besitzen sie gleich jenen eine -entzündungserregende Wirkung auf die Digestionsschleimhaut. Die -Erscheinungen der Oleandervergiftung bestehen daher im wesentlichen -in <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Polyurie</em> -einerseits, in <em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, <em class="gesperrt">Pulsverlangsamung</em>, <em class="gesperrt">starker -Pulsbeschleunigung</em>, <em class="gesperrt">Aussetzen und Schwachwerden des Pulses</em>, -später <em class="gesperrt">allgemeiner Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em> und -<em class="gesperrt">Hinfälligkeit</em> andererseits. Zuweilen beobachtet man auch im -Beginn der Vergiftung <em class="gesperrt">starke Aufregung</em> (Gehirnhyperämie infolge -Blutdrucksteigerung, Herzaffektion). Bei der Sektion findet<span class="pagenum" id="Seite_220">[S. 220]</span> man akute -Magendarmentzündung, Blutung ins Darmrohr, gelbbraune Verfärbung der -Darmschleimhaut, Herzlähmung, sowie Blutungen unter dem Endokardium. -Die Behandlung ist dieselbe wie bei der Digitalisvergiftung.</p> - -<p>Oleandervergiftungen sind namentlich in Italien beobachtet worden. -So berichtet <em class="gesperrt">Gibellini</em> (Giornale di med. vet. 1864), dass von -17 Rindern, welche Gras mit Oleanderblättern vermischt erhielten, 6 -sehr schnell starben und 5 schwer erkrankten. Die letzteren zeigten -Schwanken, Mattigkeit, pochenden Herzschlag, schwachen, aussetzenden -Puls, Pupillenerweiterung, Appetitlosigkeit, Durchfall und Polyurie; -4 davon starben plötzlich unter Kolikerscheinungen. Die Sektion ergab -Gastroenteritis. <em class="gesperrt">Generali</em> (Gazetta med. vet. 1871) sah von -6 Ochsen, welche durchschnittlich 30–40 Blätter von Oleanderbäumen -abgefressen hatten, 4 unter den Erscheinungen von Schwäche, Zittern, -Mydriasis, Herzklopfen, unregelmässigem, aussetzendem Puls, Kälte -der extremitalen Teile, Durchfall und Polyurie erkranken. Auch -in Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind mehrere Fälle von -Oleandervergiftungen bei Pferden, Rindern und Gänsen beobachtet -worden. <em class="gesperrt">Jössinger</em> (Oesterr. Monatsschr. 1893) beobachtete -bei einem Pferd nach der Aufnahme von Oleanderblättern Speicheln, -Tympanitis, sehr pochenden, beschleunigten Herzschlag (130 Schläge -p. M.), unfühlbaren Puls, Dyspnoe, gespreizte Stellung, Einknicken -der Beine beim Gehen, sowie stieren Blick; der Tod erfolgte nach 14 -Stunden. Bei der Sektion fand er heftige Endokarditis, namentlich -in der linken Herzkammer, Schwellung der Lymphdrüsen, blasse -Muskulatur, sowie schwarzes, nicht geronnenes Blut. <em class="gesperrt">Himmelstoss</em> -(Wochenschr. f. Tierhlkde. 1890) beobachtete bei 2 Kühen nach dem -Fressen von Oleanderblättern Aufregung, Pulsverlangsamung, aussetzenden -Puls, Herzschwäche, Abstumpfung, allgemeine Lähmung, Sinken der -Körpertemperatur, starken Durchfall, Polyurie und Pupillenerweiterung. -<em class="gesperrt">von Rátz</em> (Monatshefte f. prakt. Tierhlkde. 1893) fand bei -der Sektion einer an Oleandervergiftung verendeten Gans kruppöse -Gastritis, Gastroenteritis, Ekchymosen in der Darmserosa und unter dem -Perikardium, sowie fettige Degeneration der Leber. <em class="gesperrt">Siebenrogg</em> -(Repertorium 1890) sah bei 2 Kühen, welche Oleanderblätter aus dem -Hausgarten einer Apotheke gefressen hatten, heftigen Durchfall, -Taumeln, Lähmung, kaum fühlbaren, sehr beschleunigten Puls, -pochenden und doppelschlägigen Herzschlag, Tympanitis und Anurie; -auffallenderweise war die Milchsekretion nicht gestört.<span class="pagenum" id="Seite_221">[S. 221]</span> Ein Pferd -zeigte am Tag nach der Aufnahme von Oleanderblättern heftige -Kolik, später Zittern, 80 kleine, harte Pulse sowie Dyspnoe und -starb am 4. Tag (Pferdefreund 1892). <em class="gesperrt">Bolz</em> (Wochenschr. f. -Tierhlkde. 1895) sah bei 9 Rindern, welche im Frühjahr abgefallene, -halberfrorene Oleanderblätter von 20 Bäumen gefressen hatten, starke -Eingenommenheit des Sensoriums, 120–130 kleine, aussetzende Pulse, -pochenden Herzschlag, blutigen Durchfall, Schwanken, Schwäche, -Zusammenstürzen, sowie wiederholte Anfälle von Agonie. Sie erholten -sich im Verlauf von 8 Tagen. <em class="gesperrt">Der aussetzende Puls-</em> und -<em class="gesperrt">Herzschlag dauerte jedoch noch mehrere Wochen an</em>. Ein Pferd -frass von Oleanderbüschen, welche vor einem Hotel aufgestellt waren und -starb am andern Tag unter anhaltenden Kolikerscheinungen; die Sektion -ergab blutige Dünndarmentzündung, sowie zahlreiche Ekchymosen am -Endokardium (<em class="gesperrt">Bongartz</em>, Berl. Arch. 1899). <em class="gesperrt">Röbert</em> (Sächs. -Jahresber. 1897) sah 2 Gänse nach dem Fressen von Oleanderblättern -unter profusem Durchfall und heftigen Zuckungen nach 12 Stunden -sterben; bei der Sektion fand man hochgradige Darmentzündung. Nach -<em class="gesperrt">Adam</em> (Wochenschrift 1865) starben von 13 Gänsen, welche von -einem Oleanderbaum gefressen hatten, 5 über Nacht, 2 zeigten einen -lähmungsartigen Zustand, die übrigen 6 etwas taumelnden Gang und -unterdrückte Fresslust; die Sektion ergab Gastritis. <em class="gesperrt">Diem</em> (ibid. -1904) sah bei einem Pferd nach der Aufnahme von Oleanderblättern -Kolik, Speichelfluss, Durchfall und Harndrang. <em class="gesperrt">Veronesi</em> (Giorn. -soc. vet. 1901) ass ohne Nachteil das Fleisch von Tieren, die an -Oleandervergiftung starben. 15 Hühner verendeten unter Taumeln (Preuss. -Vet. Ber. 1906).</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Convallamarin.</b> In der <em class="gesperrt">Maiblume</em>, <em class="gesperrt">Convallaria -majalis</em> (Liliazee) findet sich ebenfalls ein Glykosid mit -digitalisähnlicher Wirkung, das <em class="gesperrt">Convallamarin</em>, neben -dem reizend und purgierend wirkenden <em class="gesperrt">Convallarin</em>. Die -Erscheinungen der Convallariavergiftung stimmen daher mit -denjenigen der Digitalis- und Oleandervergiftung vollkommen überein -(Herzaffektion, gastroenteritische Erscheinungen). Ueber eine -Vergiftung durch Maiblumen bei Gänsen, welche von einem halbwelken -Strauss gefressen hatten, ist von <em class="gesperrt">Roullier</em> berichtet worden -(Journ. de Lyon 1888).</p> - -<p>Ebenfalls eine digitalisähnliche Wirkung besitzen das -<em class="gesperrt">Strophanthin</em>, das im afrikanischen Pfeilgift, Strophanthus -hispidus und Combé, enthaltene Glykosid (Genaueres über die -Giftwirkung bei Tieren findet sich in meinem Lehrbuch der -Arzneimittellehre, 8. Aufl. 1909), das <em class="gesperrt">Adonidin</em>, das Glykosid -der Adonisblume, Adonis vernalis, und anderer Adonisarten, das -<em class="gesperrt">Apozynin</em>, das Glykosid des indianischen Hanfes, Apocynum -cannabinum, das <em class="gesperrt">Thevetin</em>, das Gift der Apozynee Thevetia -neriifolia, das <em class="gesperrt">Antiarin</em>, das Glykosid des javanischen -Giftbaumes Antiaris toxicaria (Pfeilgift von<span class="pagenum" id="Seite_222">[S. 222]</span> Java), das -<em class="gesperrt">Ditain</em>, das Glykosid des javanischen Ditarindenbaumes, -Alstonia scholaris, das <em class="gesperrt">Coronillin</em> (Coronilla scorpioides, -Kronenwicke), das <em class="gesperrt">Ouabain</em> (Acocanthus Ouabaio), das -<em class="gesperrt">Akokantherin</em> und <em class="gesperrt">Abyssinin</em>, Glykoside des -Pfeilgiftes der Wakamba und Wagogo in Deutschostafrika, auch im -Holz von Acocanthera Schimperi vorkommend, das <em class="gesperrt">Evonymin</em>, -<em class="gesperrt">Zerberin</em> und <em class="gesperrt">Tanghinin</em> (Apozyneen), das <em class="gesperrt">Muavin</em> -(Muavarinde), <em class="gesperrt">Tulipin</em> (Tulipa Gesneriana, Gartentulpe), -<em class="gesperrt">Kaktin</em> (Cactus grandiflorus) <em class="gesperrt">Gloriosin</em> (Gloriosa -superba, Prachtlilie), <em class="gesperrt">Vincin</em>, <em class="gesperrt">Vernonin</em> und -<em class="gesperrt">Koptin</em>.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Goldregen">Vergiftung durch Goldregen (Cytisus -Laburnum).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Goldregen</em> oder Bohnenbaum, <em class="gesperrt">Cytisus -Laburnum</em> (Familie Papilionazeen, Unterfamilie Genisteen), ist ein -mehrere Meter hoher Zierstrauch in Gärten mit goldgelben, in langen -Trauben herabhängenden, monadelphischen Blüten (Blütezeit Mai-Juni), -dreizähligen Blättern und seidenhaarigen, flachen, einfächerigen -Hülsen mit je 8 nierenförmigen, glatten, schwarzbraunen Samen. Die -Pflanze enthält das stark giftige Alkaloid Zytisin von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>11</sub>H<sub>14</sub>N<sub>2</sub>O</span>, eine geruchlose, strahlig kristallinische, -weisse Masse von bitterem Geschmack, welche sich mit Salpetersäure -orangegelb, mit Kaliumdichromat zuerst gelb, dann grün färbt. Am -meisten Zytisin findet sich in der Wurzelrinde, sehr viel ferner -in der Stammrinde, in den Blättern, Blütenknospen, grünen Hülsen, -Samen und Keimen, nur wenig dagegen im Holz des Stammes. Die -Blätter und Hülsen nehmen mit der Reifung der Frucht an Giftigkeit -ab, dagegen bleibt die Wurzelrinde das ganze Jahr hindurch gleich -giftig. Austrocknung und anhaltendes Sieden sind ohne Einfluss auf -die Giftigkeit. Ausser Cytisus Laburnum sind sehr stark giftig C. -alpinus, purpureus, Waldeni und biflora, ferner ziemlich giftig C. -elongatus; dagegen sind schwach giftig C. nigricans und supinus, -ganz ungiftig sind C. sessilifolius und capitatus. Auch das im -Stechginster, Ulex europaeus, enthaltene <em class="gesperrt">Ulexin</em> ist mit -Zytisin identisch. Die ersten Untersuchungen über das Zytisin -sind von <em class="gesperrt">Husemann</em> und <em class="gesperrt">Marmé</em> gemacht worden; die -neueren Arbeiten stammen von <em class="gesperrt">Cornevin</em>, <em class="gesperrt">Partheil</em>, -<em class="gesperrt">Radziwillowicz</em> u. a.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Zytisin besitzt -verschiedene Wirkungen, nämlich eine <em class="gesperrt">tetanische</em>, -strychninähnliche, eine <em class="gesperrt">lähmende</em>, kurareähnliche, eine -<em class="gesperrt">gefässverengernde</em>, digitalisähnliche, und endlich eine -<em class="gesperrt">entzündungserregende</em>. Am empfindlichsten sind Pferde. Dieselben -sterben nach der Aufnahme von 0,5 g Samen pro kg Körpergewicht -innerhalb 2½ Stunden unter <em class="gesperrt">häufigem Gähnen</em>, <em class="gesperrt">starkem -Schweissausbruch</em>, <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em> und -<em class="gesperrt">Krämpfen</em>. Im Gegensatz hiezu ertragen Schafe und Ziegen ziemlich -grosse Mengen und sind vom Magen aus überhaupt schwer zu vergiften; bei -subkutaner Injektion des Giftes sterben sie unter den Erscheinungen von -Betäubung und Schwäche. Auch Hühner und Tauben sind sehr unempfindlich. -Die Todesdosis für einen Hund beträgt 6 g Samen pro kg Körpergewicht. -Kaninchen können selbst 30 g Samen ohne Schaden geniessen.<span class="pagenum" id="Seite_223">[S. 223]</span> Hunde -erbrechen sich sofort, so dass vom Magen aus eine Vergiftung nicht -möglich ist. Nach der subkutanen Einverleibung des Giftes zeigen -sie Uebelkeit, Erbrechen, Würgen, Salivation, angestrengte Atmung, -Polyurie, grosse Unruhe, Muskelzittern, Schläfrigkeit, Anästhesie, -rhythmisches Oeffnen und Schliessen der Kiefer und sterben unter -Krämpfen; die Sektion ergibt schwache Entzündung im Magen und Darm, -sowie Verengerung des Pylorus und der Stimmritze. Katzen sind noch -empfindlicher (Experimentelle Untersuchungen von <em class="gesperrt">Cornevin</em>, -Journal de Lyon 1887).</p> - -<p>Das reine <em class="gesperrt">Zytisin</em> tötet bei subkutaner Injektion pro kg -Körpergewicht Katzen und Hunde in Dosen von 2–3 mg, Hühner und Tauben -in solchen von 7–9 mg, Ziegen in Dosen von 73 mg; die letzteren sollen -das Zytisin durch die Milch ausscheiden und dabei gesund bleiben -(<em class="gesperrt">Radziwillowicz</em>).</p> - -<p>Die klinischen Beobachtungen von Zytisinvergiftungen bei den Haustieren -sind nicht sehr zahlreich. Nach <em class="gesperrt">Brett</em> (The Veterinarian 1889) -zeigten sich Rinder nach dem Genuss des Goldregens unfähig, sich zu -erheben, indem namentlich die vorderen Gliedmassen <em class="gesperrt">gelähmt</em> -waren, ausserdem bestand auffällige <em class="gesperrt">Schläfrigkeit</em>, Mydriasis -und Tympanitis. 12 Stunden darauf waren <em class="gesperrt">Speichelfluss</em>, -<em class="gesperrt">Brechanstrengungen</em>, <em class="gesperrt">Muskelerschlaffung</em>, unterbrochen -von Zuckungen der Gliedmassen, Ueberköten, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, -<em class="gesperrt">Schlingbeschwerden</em> und <em class="gesperrt">Schlinglähmung</em> wahrzunehmen; -die Krankheit dauerte 4 Tage, endete jedoch mit Genesung. Einen Fall -bei zwei Schweinen hat <em class="gesperrt">Byrne</em> (Vet. journ. 1895) beobachtet; -dieselben zeigten grosse Mattigkeit, Eingenommenheit und starben unter -Krämpfen; bei der Sektion wurde blutige Darmentzündung gefunden. Ueber -Vergiftungen bei Pferden haben <em class="gesperrt">Demilly</em> (Bull. soc. vét. de Marne -1854) und <em class="gesperrt">Collard</em> (Recueil 1908) berichtet. <em class="gesperrt">Scholz</em> (Berl. -Arch. 1900) beobachtete, dass 6 Hühner nach der Aufnahme des Samens in -einem Garten verendeten.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">therapeutischer</em> Beziehung werden Brechmittel, Tannin, sowie -Chloralhydrat empfohlen. Im übrigen ist die Behandlung wie bei der -Digitalisvergiftung.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Helleborusarten">Vergiftung durch Helleborusarten.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Helleborusvergiftungen können sich durch die -Aufnahme nachstehender 3 Helleborusarten (Ranunkulazeen) ereignen:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Helleborus viridis</em>, die <em class="gesperrt">grüne Nieswurz</em> (Bärenfuss), -kommt in Gebirgswäldern Süd- und Mitteldeutschlands vor; man findet -sie<span class="pagenum" id="Seite_224">[S. 224]</span> auch zuweilen angepflanzt und dann wieder verwildert. Sie blüht -im April, Kelch und Blumenblätter sind gelbgrün. Die nach der Blüte -erscheinenden Blätter sind gross, lang gestielt und zeigen 7–12 -fussförmig gestellte Blättchen. Der Schaft ist 30–50 cm hoch. Das -braunschwarze geringelte Rhizom ist kriechend, bis 10 cm lang und -1 cm dick, verzweigt und besitzt viele fleischige, bis 10 cm lange -Wurzeln. Die Pflanze ist am giftigsten im Mai und Juni.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Helleborus niger</em>, die <em class="gesperrt">schwarze Nieswurz</em> (Christwurz, -Christblume, Weihnachtsrose, Winterrose, Schneerose), ist in -Bergwäldern Süd- und Mitteleuropas einheimisch und wird auch in -Gärten kultiviert. Sie blüht vom Dezember ab; ihre Blüte ist sehr -gross, der Kelch schneeweiss, die Blumenblätter gelb. Die Blätter -sind lang gestielt, fussförmig. Der Stengel ist 15–25 cm hoch, -1–2blütig. Das Rhizom ist schief oder senkrecht.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Helleborus fötidus</em>, die <em class="gesperrt">stinkende Nieswurz</em>, wächst -in Süd- und Westdeutschland, besonders auf kalkigem Boden. Sie -besitzt grünliche, kugelig-glockige Blüten von äusserst unangenehmem -Geruch, fussförmige Laubblätter, sowie einen 30–50 cm hohen, ästigen, -reichblütigen Stengel.</p> - -<p>Die genannten Nieswurzarten enthalten 2 sehr giftige Glykoside: -das <b>Helleborein</b>, namentlich in Helleborus niger vorkommend, -von der Formel <span class="nowrap">C<sub>26</sub>H<sub>44</sub>O<sub>15</sub></span>, farblose Warzen oder eine -gelblich amorphe Masse bildend, welche sich beim Erhitzen bräunt, -mit Schwefelsäure sich braunrot-violett färbt und in Zucker -und Helleboretin zerfällt, und das <em class="gesperrt">Helleborin</em>, welches -am meisten in Helleborus viridis enthalten ist, von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>36</sub>H<sub>12</sub>O<sub>6</sub></span>, glänzende Nadeln bildend, welche sich mit -Schwefelsäure hochrot färben und sich in Zucker und Helleboresin -zerlegen lassen.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Von den beiden -Helleborusglykosiden ist das <em class="gesperrt">Helleborein</em> das giftigere. -Es besitzt neben einer <em class="gesperrt">reizenden</em> Lokalwirkung eine -<em class="gesperrt">digitalisähnliche</em> Wirkung, während das schwächere -<em class="gesperrt">Helleborin</em> neben einer ebenfalls reizenden Lokalwirkung -Aufregung, Atmungsbeschleunigung, Krämpfe und <em class="gesperrt">allgemeine Lähmung</em> -erzeugt. Das Krankheitsbild der Helleborusvergiftung setzt sich -daher zusammen aus gastroenteritischen, kardialen, Erregungs- -und Lähmungserscheinungen. Die Tiere zeigen <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, -<em class="gesperrt">Geifern</em>, <em class="gesperrt">Zähneknirschen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, -<em class="gesperrt">blutigen Durchfall</em>; <em class="gesperrt">epileptiforme Krampfanfälle</em>, -<em class="gesperrt">Aufregung</em>, <em class="gesperrt">Brüllen</em>, <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>; -<em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, <em class="gesperrt">gesteigerte Pulsfrequenz</em>; <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -<em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Stumpfsinn</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Koma</em>. -Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis. Die -Therapie ist eine rein symptomatische; sie besteht in der Anwendung von -einhüllenden, schleimigen, sowie von exzitierenden Mitteln (Kampfer, -Aether, Kaffee, Weingeist, Liquor Ammonii anisatus, Atropin). Als -Gegengift kann Tannin oder Lugolsche Lösung versucht werden.</p> - -<p>Die Wirkungen der Helleborusarten im einzelnen sind folgende:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_225">[S. 225]</span></p> - -<p>1. Die <b>schwarze Nieswurz</b> hat in früheren Zeiten, als das -sog. Nieswurzelstecken namentlich in der Bujatrik als ableitendes -Mittel gebräuchlich war, nicht selten Veranlassung zu Vergiftungen -gegeben. Dasselbe war der Fall, wenn die Haarseile vor ihrer Anwendung -mit Nieswurzpulver bestreut wurden. Nach älteren Versuchen von -<em class="gesperrt">Orfila</em> starben kleine Hunde schon nach dem Aufstreuen von 0,36 -g gepulverter Nieswurz auf Wunden. Ein grosser Hund zeigte nach dem -Einbringen von 8 g Nieswurzpulver in eine Schenkelwunde nach 6 Minuten -heftiges Erbrechen, nach 45 Minuten Schwindel, Angst, sowie Lähmung -des Hinterteils und starb nach 2½ Stunden. Nach den Versuchen -<em class="gesperrt">Hertwigs</em> zeigen Pferde und Rinder nach dem Eingeben von 8–30 -g der Wurzel, Schafe und Ziegen nach 4–12 g etwa 12 Stunden nachher -heftigen, häufig blutigen, anhaltenden Durchfall, Muskelzuckungen, -Zittern, Kolikerscheinungen und grosse Mattigkeit, und sterben unter -Unfühlbarwerden des Pulses nach 40–50 Stunden. Schweine und Hunde -erbrechen sich nach 0,3–1 g; 4–8 g haben starkes Erbrechen, Purgieren, -blutige Diarrhöe und Krampfanfälle zur Folge; wird das Erbrechen -verhindert, so erfolgt unter den Erscheinungen grosser Angst, von -Schwindel, Lähmung und Krämpfen nach 30–48 Stunden der Tod. 15–30 g der -Wurzel, in Abkochung gegeben, hatten bei einem Hund Erbrechen, über den -ganzen Körper verbreitete Krämpfe, Lähmung, Unfühlbarwerden des Pulses -und Herzschlages, sowie nach ½ Stunde den Tod zur Folge. Intravenös -erzeugte 1 g der Wurzel im Infus bei einem Pferd Atmungskrämpfe, -Zittern, Brechbewegungen, Schäumen, Geifern und grosse Mattigkeit; ein -anderes Pferd starb nach 4 g unter heftigen Krämpfen binnen 10 Minuten. -Eine Kuh zeigte nach der intravenösen Injektion von 1 g schwarzer -Nieswurz Zittern, Muskelzuckungen am Hals, an der Brust und am Bauch, -und nach 4 Minuten Erbrechen; nach 4 Stunden hatte sie sich wieder -erholt.</p> - -<p>2. Die <em class="gesperrt">stinkende Nieswurz</em> gibt insbesondere bei Rindern und -Schafen durch das Abweiden oder die Benützung als Streumaterial -Veranlassung zu Vergiftungen. Nach <em class="gesperrt">Landel</em> (Repertorium 1845) -zeigten Rinder nach der Aufnahme derselben Appetitlosigkeit, Geifern, -Zähneknirschen, Tympanitis, blutigen, dünnflüssigen, übelriechenden -Kot, Herzklopfen, gesteigerte Puls- und Atmungsfrequenz. Bei -der Sektion fand man die Erscheinungen der Magendarmentzündung. -<em class="gesperrt">Schilling</em> und <em class="gesperrt">Berger</em> (Bad. Mitt. 1888) sahen bei Rindern -und Schafen heftige epileptiforme Krampfanfälle, welche<span class="pagenum" id="Seite_226">[S. 226]</span> 10 Minuten -dauerten und sich halbstündlich wiederholten, Brüllen, Zittern, -Niederstürzen, Verdrehen der Augen und Pupillenerweiterung.</p> - -<p>3. Die <em class="gesperrt">grüne Nieswurz</em> hatte bei 6 Hämmeln starkes Aufblähen, -Kolik, blutige Diarrhöe, Krämpfe und Zuckungen zur Folge, so dass 2 -derselben geschlachtet werden mussten. Der Sektionsbefund ergab das -Vorhandensein von Gastroenteritis.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Veratrinvergiftung">Veratrinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Veratrinvergiftungen können sowohl durch die -<em class="gesperrt">weisse Nieswurz</em>, als durch das Veratrin bedingt sein. 1. Die -<em class="gesperrt">weisse Nieswurz</em>, <em class="gesperrt">Veratrum album</em> (weisser Germer), -gehört zur Familie der Kolchikazeen und ist ein in den Alpen und -Voralpen auf feuchten Wiesen perennierendes meterhohes Kraut mit -dunkelbraunem, knolligem, verkehrt kegeligem, oben geschopftem, rings -mit langen, dünnen, gelbbraunen Nebenwurzeln besetztem Wurzelstock, -einfachem Stengel, grossen, elliptischen Blättern und grünlich -weissen, gestielten Blüten. Die Pflanze, namentlich das Rhizom, -enthält eine Reihe von Alkaloiden, und zwar als wichtigstes das -<em class="gesperrt">Pseudojervin</em>, ferner das <em class="gesperrt">Jervin</em>, <em class="gesperrt">Rubijervin</em>, -<em class="gesperrt">Veratralbin</em>, sowie Spuren von <em class="gesperrt">Veratrin</em>. 2. Das -<em class="gesperrt">Veratrin</em> des Handels stammt nicht von der weissen Nieswurz, -sondern von den Sabadillsamen (Veratrum officinale). Es ist ein -weisses, lockeres, amorphes Pulver, welches ein inkonstantes Gemenge -verschiedener Alkaloide darstellt, namentlich von <em class="gesperrt">Zevadin</em> und -<em class="gesperrt">Veratridin</em>.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie.</b> Die Ursachen der Veratrinvergiftung sind in den -meisten Fällen in <em class="gesperrt">Dosierungsfehlern</em> zu suchen. Rhizoma Veratri -sowohl, als das Veratrin sind schon in mittleren, therapeutischen Gaben -sehr heroisch wirkende Mittel, so dass eine, wenn auch unbedeutende -Ueberschreitung der Durchschnittsdosis leicht Vergiftungserscheinungen -verursachen kann. Dazu kommt, dass das Veratrin kein konstantes -Präparat, sondern ein <em class="gesperrt">inkonstantes Gemenge verschiedener -Alkaloide</em> ist, so dass es je nach der Darstellung und Herkunft -in seiner Wirkung wechselt. Dieser Umstand muss zur Erklärung der -Tatsache herbeigezogen werden, dass bei Pferden in einzelnen Fällen -therapeutische Mitteldosen von 0,1 Veratrin eine tödliche Vergiftung -bedingt haben; zum Teil mag hier allerdings auch eine besondere, -individuelle Empfindlichkeit (Idiosynkrasie) gegen das Mittel -mitgewirkt haben. Ausnahmsweise werden Vergiftungen durch Waschungen -der Haut mit Nieswurzabkochungen (gegen Läuse) oder durch das sog. -Nieswurzelstecken veranlasst (meist wird schwarze Nieswurz gebraucht).</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> des <em class="gesperrt">Veratrins</em> beträgt bei subkutaner<span class="pagenum" id="Seite_227">[S. 227]</span> -Injektion für Pferde durchschnittlich 0,5–1,0, für Rinder 0,25–0,5, für -Hunde 0,02–0,1, für Katzen 0,005–0,01. Vergiftungserscheinungen werden -bei Pferden schon von 0,2 Veratrin ab wahrgenommen. In einem Fall -beobachtete <em class="gesperrt">Martens</em> sogar eine tödlich verlaufende Vergiftung -bei 2 Pferden nach der Injektion der allgemein angewandten Mitteldosis -von 0,1 Veratrin. Im Gegensatz hierzu hat <em class="gesperrt">Albrecht</em> Pferden sogar -bis zu 0,4 Veratrin ohne schwere Zufälle gegeben; ich selbst habe bei -Pferden Dosen bis zu 0,2 mehrere Male angewandt, ohne eine Vergiftung -zu beobachten. Die <em class="gesperrt">weisse Nieswurz</em> tötet Pferde bei intravenöser -Injektion von 15–30 g der Tinktur, Rinder bei innerlicher Verabreichung -von 100–200 g der Wurzel, Hunde bei behindertem Erbrechen schon nach -Verabreichung von 0,6 der Wurzel.</p> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Wirkung der in -der Nieswurz und im Veratrin enthaltenen Alkaloide ist ziemlich -dieselbe. Sie besteht in <em class="gesperrt">lokaler Reizung</em> der Schleimhäute, -starker <em class="gesperrt">psychischer</em> und <em class="gesperrt">motorischer Erregung</em>, sowie -schliesslich in <em class="gesperrt">Lähmung</em> der <em class="gesperrt">quergestreiften Muskel</em> -und des <em class="gesperrt">Herzens</em>. Im Gegensatz zur Helleborusvergiftung sind -die gastroenteritischen Erscheinungen schwächer und fehlen bei der -subkutanen Anwendung des Veratrins meist ganz. Die Hauptsymptome der -Veratrinvergiftung sind: heftiges <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Würgen</em>, -Rülpsen, Schluchzen, Brechbewegungen, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, vermehrte -Peristaltik, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>; starke <em class="gesperrt">psychische -Erregung</em>, selbst tobsuchtartige Anfälle, <em class="gesperrt">tonisch-klonische</em>, -selbst <em class="gesperrt">tetanische Krämpfe</em>, Zittern, Schweissausbruch; -Mattigkeit, Atemnot, <em class="gesperrt">allgemeine Lähmung</em>. Der Tod erfolgt meist -innerhalb 10–20 Stunden.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man nach der innerlichen Anwendung -der Nieswurz gastroenteritische Erscheinungen. Nach der subkutanen -Anwendung des Veratrins fehlen dieselben. In einem Fall fand -<em class="gesperrt">Gips</em> bei einem an Veratrinvergiftung verendeten Pferd an -der Injektionsstelle ein umfangreiches Blutextravasat, welches -sich bis in die tieferen Muskellagen erstreckte. Die <em class="gesperrt">gesamte -Körpermuskulatur</em> war <em class="gesperrt">getrübt</em>, von <em class="gesperrt">grauroter</em> Farbe, -<em class="gesperrt">trocken</em> und <em class="gesperrt">mürbe</em>; dieselben Veränderungen zeigte das -<em class="gesperrt">Myokardium</em>; der Herzbeutel war zur Hälfte mit einer dunkelroten -Flüssigkeit angefüllt; unter dem Endokard befanden sich zahlreiche -hämorrhagische Herde; die Bauchhöhle enthielt 8 l, die Brusthöhle 4 -l<span class="pagenum" id="Seite_228">[S. 228]</span> einer blutig gefärbten Flüssigkeit; in den Bronchien befand sich -blutiger Schaum.</p> - -<p><b>Therapie.</b> Die Behandlung der Veratrinvergiftung besteht in -der Verabreichung von <em class="gesperrt">Tannin</em> oder von <em class="gesperrt">Lugol</em>scher -<em class="gesperrt">Lösung</em> als Gegengift, in der Anwendung schleimiger, einhüllender -Mittel (Leinsamenabkochung, Gummi) gegen die Erscheinungen der -Gastroenteritis, sowie in der <em class="gesperrt">symptomatischen</em> Bekämpfung -der Erregungs- (Morphium, Bromkalium, Chloralhydrat) und -Lähmungserscheinungen (Kampfer, Aether, Alkohol, Ammonium carbonicum, -Liquor Amonii anisatus, Atropin).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Abscheidung</em> des Veratrins aus dem -Magendarminhalt, dem Blut und den Muskeln geschieht nach der -Methode von <em class="gesperrt">Dragendorff</em> (vergl. S. 199) mittels Benzol -oder Petroleumäther (auch Amylalkohol und Chloroform kann benützt -werden). Zu beachten ist, dass ein Teil des Veratrins schon aus der -sauren (schwefelsauren) wässerigen Lösung durch Benzol, Amylalkohol -und Chloroform ausgezogen werden kann. Spezialreaktionen für das -Veratrin sind: 1. <em class="gesperrt">Rotfärbung</em> durch Zusatz von konzentrierter -Schwefelsäure oder von <em class="gesperrt">Bromwasser</em> (vorsichtiger Zusatz eines -gleichgrossen Volums). 2. <em class="gesperrt">Prachtvolle Rotfärbung</em> bei Zusatz -konzentrierter rauchender <em class="gesperrt">Salzsäure</em> (noch bei <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub> mg deutlich -zu erkennen). Man übergiesst den auf dem Uhrgläschen befindlichen -Rückstand mit 1 ccm rauchender <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und löst ihn möglichst -schnell darin auf, worauf die Flüssigkeit in ein Reagensglas -gebracht und etwa 1–2 Minuten im Sieden erhalten wird. Die rote -Veratrinlösung hält sich wochenlang. 3. <em class="gesperrt">Grün-</em>, <em class="gesperrt">Blau-</em>, -<em class="gesperrt">Violettfärbung</em> bei Zusatz von <em class="gesperrt">Zucker</em> und konzentrierter -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> in geringer Menge. Hierbei färbt sich das Veratrin -anfangs gelb, später dunkelgrün, dann schön blau, zuletzt missfarben -violett. 4. Die <em class="gesperrt">physiologische</em> Reaktion des Veratrins bei einem -<em class="gesperrt">Frosch</em> besteht im Auftreten von <em class="gesperrt">Brechbewegungen</em> und -<em class="gesperrt">Verlangsamung</em> der Herztätigkeit von 60 auf 30, 10 und zuletzt -0 Schläge in der Minute. Diese Erscheinungen beobachtet man noch nach -½ mg in 0,1 ccm essigsaurer Lösung bei subkutaner Injektion. Grössere -Dosen erzeugen ausserdem <em class="gesperrt">Tetanus</em> in Form von Streckkrämpfen; -so zeigen sich bei einem Frosch nach 2 mg Veratrin (in 0,5 ccm Lösung -subkutan) sofort Brechbewegungen, nach 15 Minuten Tetanus, nach 1 -Stunde stirbt das Tier.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_229">[S. 229]</span></p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> 1. <em class="gesperrt">Pferde.</em> 2 Pferde frassen im Februar die -Blätter des weissen Germer. Sie zeigten starkes Speicheln, leichte -Kolik und häufiges Würgen, waren jedoch am Abend wieder gesund. Auch -sonst beobachtet man öfters beim Alpenvieh bei Futtermangel Aufnahme -des weissen Germer und im Anschluss daran Speicheln und Erbrechen -(<em class="gesperrt">Kuschee</em>, Tierärztl. Zentralbl. 1894). — 18 Pferde zeigten -nach der Aufnahme von Blättern des weissen Germer Appetitlosigkeit, -Mattigkeit, Aufregung, Unruhe, Krämpfe, Salivation, Stomatitis, -Brechreiz, Kolik und Dyspnoe (<em class="gesperrt">Varga</em>, Veterinarius 1898). — 3 -Pferde erhielten infolge einer Verwechslung ein Pulver, welches viel -Sabadillsamen enthielt. Sie zeigten Speicheln, Erbrechen, starken -Durchfall, fielen nach 4 Stunden um und bekamen tetanische Krämpfe; -eines starb nach 9 Stunden unter heftigem, anhaltendem Tetanus, das -andere genas (<em class="gesperrt">Lund</em> und <em class="gesperrt">Larsen</em>, Dänische Monatsschrift -1897). — 2 junge Pferde hatten je 0,1 Veratrin subkutan erhalten. -Sie starben nach 16 resp. 20 Stunden, nachdem Zuckungen, Krämpfe und -Brechanstrengungen vorausgegangen waren (<em class="gesperrt">Martens</em>, Preuss. -Mitt. 1881). — Ein Pferd zeigte nach einer Veratrininjektion sehr -starke Unruhe, tobsüchtiges Benehmen und später Lähmung; es starb -nach 30 Stunden. Bezüglich der Sektion vergl. S. 227 (<em class="gesperrt">Gips</em>, -Preuss. Mitt. 1880). — Ein Pferd, welches eine zu grosse Dosis -Rhizoma Veratri erhalten hatte, zeigte als Haupterscheinungen -anhaltendes Würgen, angestrengte Atmung, hohe Pulsfrequenz und -sehr schwachen, elenden Puls. Die Behandlung bestand in der -Anwendung von Alkohol und Ammonium carbonicum (<em class="gesperrt">Gresswell</em>, -The Veterinarian 1886). — Experimentelle Untersuchungen von -<em class="gesperrt">Waldinger</em> ergaben, dass das Rhizoma Veratri in Dosen von 15–30 -g bei Pferden nur geringe Wirkung hervorruft; selbst 120 g erzeugten -nur Kolik und Brechbewegungen 4 Stunden hindurch. Dagegen ist nach -<em class="gesperrt">Hertwig</em> die intravenöse Injektion der Tinctura Veratri -von sehr starker und rascher Wirkung; 2–15 g derselben bedingen -sofort Atembeschwerden, Kotentleerung, Kolik, Brechbewegungen, -Kontraktionen des Schlundes, der Hals- und Bauchmuskeln, Rülpsen, -Schluchzen, Speicheln, Tränenfluss, vermehrtes Urinieren und zuweilen -ganz abundanten Schweissausbruch; 15–30 g der Tinktur hatten bei -intravenöser Anwendung nach wenigen Minuten den Tod unter Schwindel, -Zusammenstürzen, Atembeschwerden und Konvulsionen zur Folge. Ein 1 -Quadratzoll grosses und etwa ½ cm dickes Stück Nieswurz erzeugte, -<em class="gesperrt">subkutan</em> appliziert, Muskelzittern, Dyspnoe nach 1–2 Stunden, -Würgen, Brechneigung, Speicheln, vermehrte Peristaltik, Diarrhöe, -sowie lokale Entzündung und Geschwulstbildung.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Rinder.</em> Ein 1jähriges Rind starb nach der subkutanen -Injektion von 0,25 Veratrin innerhalb 8 Stunden, ein Ochse nach -der Verabreichung von 60 g weisser Nieswurz in Pillenform am -2. Tag (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). — Nach -experimentellen Untersuchungen bedingt die Nieswurz in Gaben von -20–30 g nur schwache Erscheinungen; 90 g erzeugten Kolik und 180 -g den Tod unter Erscheinungen der Magendarmentzündung (Lyoner -Tierarzneischule). 125 g im Dekokt riefen starke Aufregung und Kolik -hervor; das betreffende Rind blieb aber am Leben (<em class="gesperrt">Ithen</em>).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Schafe</em> und <em class="gesperrt">Ziegen</em> zeigten nach 8–15 g des Rhizoma -Veratri Würgen, Erbrechen und Diarrhöe (<em class="gesperrt">Gerlach</em>).</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Katzen</em> starben auf 5–10 mg Veratrin; <em class="gesperrt">Hunde</em> auf 2–10 -cg. Das Rhizoma Veratri tötet die letzteren schon von 0,6 g ab, -wenn das Erbrechen durch Unterbinden des Schlundes verhindert wird; -können die Tiere jedoch erbrechen, so ertragen sie sogar bis zu 8 g -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Intravenös töten schon 15–20 Tropfen.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Frösche</em> zeigen auf 0,5 mg Veratrin <em class="gesperrt">Brechbewegungen</em> -und Verlangsamung des Herzschlages von 60 auf 30 und 10; auf 2 mg -sofort Brechbewegungen und 15 Minuten darauf <em class="gesperrt">Tetanus</em>, worauf -der Tod nach etwa einer Stunde eintritt (physiologischer Nachweis des -Veratrins).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_230">[S. 230]</span></p> - -<h4 id="Akonitvergiftung">Akonitvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> In Deutschland kommen mehrere Akonitarten vor. -Die wichtigste ist <em class="gesperrt">Aconitum Napellus</em>, der <em class="gesperrt">Sturmhut</em> -oder <em class="gesperrt">Eisenhut</em> (Helmblume, Rachenblume, Ziegentod, Würgling, -Mönchskappe, Narrenkappe, Venuswagen), eine zu den Ranunkulazeen -gehörige Bergpflanze (έν ἀχόναις, auf Felsen) der nördlichen -Halbkugel bis Norwegen und Schweden, welche häufig in Gärten als -Zierpflanze kultiviert wird. Die im Juni bis September blühende -Pflanze zeichnet sich durch charakteristische, in Trauben stehende, -blaue (violette, rote, weisse) Helmblüten aus, deren Helm breiter -als hoch und halbkreisförmig gewölbt ist; die Nektarien sind auf -gekrümmtem Nagel wagrecht nickend. Das Rhizom ist rübenartig, aus -zwei nebeneinander stehenden (einem vorjährigen und einem frischen) -dunkelgraubraunen, fingerlangen Wurzelstöcken bestehend; der bis -1½ m hohe Stengel ist aufrecht und einfach, die Blätter sind oben -dunkelgrün, unten heller gestielt, derb, handförmig. Andere giftige -Akonitarten sind: <em class="gesperrt">Aconitum Stoerkeanum</em> (neomontanum), ziemlich -selten, an denselben Standorten vorkommend wie die vorige, mit 3 -Rhizomen, blauen, violetten oder weissen Blüten, nach oberwärts -gekrümmten Nektarien, schief geneigtem Nagel und mehr hohem als -breitem Blütenhelm; <em class="gesperrt">Aconitum variegatum</em> mit Blütennektarien, -welche auf geradem Nagel aufrecht stehen; endlich <em class="gesperrt">Aconitum -Lycoctonum</em>, der Wolfseisenhut (Hundsgift, Gelstern), eine in -Bergwäldern nicht sehr häufig vorkommende, gelb blühende, nur -mit einem Rhizom versehene und in seiner Wirkung von den anderen -Akonitarten abweichende Pflanze.</p> - -<p>Die drei erstgenannten Akonitarten enthalten ein sehr stark giftiges -Alkaloid, das <b>Akonitin</b> oder Akonitoxin von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>33</sub>H<sub>43</sub>NO<sub>12</sub></span>. Dieses Akonitin ist je nach der Darstellung -ein sehr verschiedenartiges, sehr inkonstantes Präparat (deutsches, -französisches, belgisches, englisches Akonitin). Aconitum Lycoctonum -enthält kein Akonitin, sondern zwei kurareähnlich wirkende Alkaloide: -das <em class="gesperrt">Lykakonitin</em> und <em class="gesperrt">Myoktonin</em>, welche sich in die -früher als Hauptbestandteile bezeichneten Körper Lykoktonin und -Akolyktin spalten.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Akonitin gehört zu -den stärksten Giften. Reine Präparate desselben töten Hunde schon -in Dosen von wenigen Milligrammen. Von der getrockneten Wurzel -wirken 5 g für Hunde, von der frischen Wurzel 3–400 g tödlich für -Pferde. Es wirkt örtlich auf die Schleimhäute <em class="gesperrt">reizend</em>, -<em class="gesperrt">entzündungserregend</em>; die allgemeine Wirkung besteht in einer -<em class="gesperrt">Erregung</em> der <em class="gesperrt">motorischen Zentren</em>, sowie in <em class="gesperrt">Lähmung</em> -des <em class="gesperrt">Atmungszentrums</em> und <em class="gesperrt">allgemeiner Lähmung</em>. -Akonitvergiftungen sind im allgemeinen ziemlich selten, weil die -Pflanze allmählich ausgerottet und auch als Arzneimittel, wenigstens -in Deutschland, fast gar nicht angewandt wird (in Belgien sind durch -zu grosse Dosen von Akonitin bei Pferden Vergiftungen vorgekommen). -Man beobachtet sie zuweilen bei Rindern und Ziegen, wenn dieselben -auf Bergweiden die Giftpflanze aufnehmen. Auch Schafe<span class="pagenum" id="Seite_231">[S. 231]</span> sollen in -Gebirgsländern durch das Abweiden der jungen Frühjahrssprösslinge -erkranken. Seltener erkranken Pferde nach der Aufnahme der -Gartenpflanze (Samen). Die wichtigsten Krankheitserscheinungen sind -<em class="gesperrt">starkes Speicheln</em>, Recken, <em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Aufstossen</em>, -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, Zähneknirschen, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">sehr -schmerzhafte Kolik</em>, <em class="gesperrt">Unruhe</em>, <em class="gesperrt">Angst</em>, <em class="gesperrt">Geschrei</em>, -<em class="gesperrt">Winseln</em>, <em class="gesperrt">Stöhnen</em>, <em class="gesperrt">Krampfanfälle</em>, -<em class="gesperrt">Aufblähung</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, -<em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Mydriasis</em>, <em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>. Der Tod erfolgt meist schon nach wenigen -Stunden unter Krämpfen.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man entzündliche Veränderung auf der -Magendarmschleimhaut, zuweilen auch schon auf der Maulschleimhaut, -sowie Gehirnhyperämie.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Verabreichung von Tannin, sowie -von exzitierenden Mitteln (Kampfer, Aether, Alkohol, kohlensaures -Ammonium). Auch die Digitalis soll durch ihre erregende Wirkung auf das -Herz ein gutes Antidot sein.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Abscheidung</em> des reinen kristallisierten -Akonitins (Aconitinum nitricum crystallisatum) wird nach der Methode -von <em class="gesperrt">Dragendorff</em> (vergl. S 199) aus alkalischer Lösung -durch <em class="gesperrt">Benzol</em> (oder <em class="gesperrt">Petroleumäther</em> oder Chloroform) -vorgenommen. Dagegen wird zur Abscheidung von Akonitin aus Akonitkraut -oder nach Einverleibung käuflichen, unreinen, amorphen Akonitins -<em class="gesperrt">Benzol</em> oder <em class="gesperrt">Chloroform</em>, nicht Petroleumäther, benützt. -Es entziehen ferner Aether und Amylalkohol das unreine Akonitin aus -<em class="gesperrt">sauren</em> Flüssigkeiten. Soll ein Untersuchungsobjekt <em class="gesperrt">nur</em> -auf Akonitin untersucht werden, so empfiehlt es sich, wegen der grossen -Empfindlichkeit dieses Alkaloids auch gegen verdünnte Mineralsäuren -und Basen, statt des umständlicheren Dragendorffschen Verfahrens das -Untersuchungsmaterial einfach mit Alkohol unter Zusatz von möglichst -wenig <em class="gesperrt">Weinsäure</em> auszuziehen, den Alkohol zu verdunsten und -die alkalischen Lösungen, wo solche notwendig sind, durch Zusatz von -<em class="gesperrt">Natrium bicarbonicum</em> herzustellen.</p> - -<p>Die beiden Akonitinsorten verhalten sich auch den Reagentien gegenüber -verschieden: 1. Das <em class="gesperrt">reine Akonitin</em> gibt in schwach essigsaurer -Lösung mit <em class="gesperrt">Jodkalium</em> eine <em class="gesperrt">kristallinische</em> Verbindung, -welche unter dem Mikroskope aus <em class="gesperrt">tafelförmigen Platten</em> besteht. -Dieses rein kristallisierte Akonitin zeigt keine Farbenreaktionen. 2. -Das <em class="gesperrt">gewöhnliche, amorphe Akonitin</em> färbt sich<span class="pagenum" id="Seite_232">[S. 232]</span> beim Stehen seiner -Lösung in konzentrierter <em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> oder beim Erwärmen mit -<em class="gesperrt">Phosphorsäure</em> schön <em class="gesperrt">rot-violett</em> und mit <em class="gesperrt">Zucker</em> und -<em class="gesperrt">Schwefelsäure</em> schön <em class="gesperrt">rot</em> (Zersetzungsprodukte des reinen -Akonitins).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Knopf</em> (Berl. tierärztl. Woch. 1891) -beschreibt eine Vergiftung durch Aconitum Napellus bei 28 Rindern, -welche die Giftpflanze auf der Weide aufgenommen hatten. Die -Vergiftungserscheinungen waren: Stöhnen, Unvermögen aufzustehen, -Sinken der Innentemperatur (bis 36,7°), Versiegen der Milchsekretion, -Pupillenerweiterung, Verstopfung bezw. Durchfall, Schmerz bei Druck -auf die Bauchdecken; das Bewusstsein blieb frei. 2 Kühe starben. Die -Sektion ergab das Vorhandensein einer Gastroenteritis, hochgradige -Gehirnhyperämie, sowie auffallend helle Farbe der Leber. — -<em class="gesperrt">Kaufmann</em> (Recueil 1900) beschreibt eine Akonitinvergiftung bei -6 Pferden; 6 mg Akonitin wirkten bei einem Pferde schon tödlich. — 7 -Rinder frassen reife Eisenhutkörner an einem Gartenzaun und starben -nach 24 Stunden unter den Erscheinungen der Gastroenteritis: Kolik, -Speicheln, Aufblähung, Durchfall, Schwanken (Preuss. Vet.- Ber. -1904). — <em class="gesperrt">Prietsch</em> (Sächs. Jahrg. 1907) sah bei einem Pferde -nach der Aufnahme von Samen in einem Garten gleichfalls Kolik und -Schwanken; die Genesung erfolgte erst nach 4 Tagen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Atropinvergiftung">Atropinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Tollkirsche</em>, <em class="gesperrt">Atropa Belladonna</em> -(Wutkirsche, Wolfskirsche, Teufelsbeere, Waldnachtschatten), ist -eine über Meter hohe, buschige Solanazee mit purpurbraunen, drüsig -flaumigen Stengeln, trübgrünen, ganzrandigen Blättern und grossen, -schmutzigvioletten, einzeln in den Achseln stehenden, überhängenden -Glockenblüten. Die glänzend schwarzen vielsamigen Beeren sitzen -auf dem flach ausgebreiteten Kelch. Die Belladonna enthält nur in -den jungen Wurzeln <em class="gesperrt">Atropin</em>, dagegen in den ausgewachsenen -Wurzeln und den übrigen Pflanzenteilen <em class="gesperrt">Hyoszyamin</em>. Das -im Handel vorkommende „Atropin“ ist ein Gemenge der beiden -genannten Alkaloide. Atropinvergiftungen haben sich teils durch -zu hohe Dosierung und unzweckmässige Kombinierung des Atropins -(Morphium-Atropineinspritzungen gegen Schulterlahmheit beim Pferd), -teils durch die Aufnahme von Belladonnablättern bei Rindern (selten) -ereignet.</p> -</div> - -<p><b>Atropinwirkung.</b> Die Alkaloide der Belladonna, das Hyoszyamin und -Atropin, wirken <em class="gesperrt">pupillenerweiternd</em>, die <em class="gesperrt">Speichelsekretion -beschränkend</em>, sowie stark <em class="gesperrt">erregend</em> auf das <em class="gesperrt">Gehirn</em> -(„Tollkirsche“) und das <em class="gesperrt">Herz</em>; der Tod erfolgt durch -<em class="gesperrt">Lähmung</em> dieser Organe. Die Vergiftungserscheinungen -bestehen daher in <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, <em class="gesperrt">Sehstörungen</em>, -<em class="gesperrt">starker Aufregung</em>, <em class="gesperrt">Tobsucht</em>, <em class="gesperrt">Krampfanfällen</em>, -<em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, <em class="gesperrt">verminderter Speichelsekretion</em> und -infolgedessen Trockenheit der Maulschleimhaut und der Zunge, -<em class="gesperrt">gastrischen Zufällen</em>; später tritt <em class="gesperrt">Schwäche</em> und -<em class="gesperrt">Lähmung</em> auf. Die Behandlung ist eine symptomatische; als -Gegengift werden namentlich Morphin und Chloralhydrat, sowie Tannin -empfohlen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_233">[S. 233]</span></p> - -<p><b>Verhalten der einzelnen Tiergattungen.</b> Die Haustiere, namentlich -die Pflanzenfresser, sind gegen das Atropin im Vergleich zum Menschen -<em class="gesperrt">wenig empfindlich</em>. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Pferde</em> ertragen nach meinen Erfahrungen Dosen von 0,05–0,5 -g Atropin, ohne lebensgefährlich zu erkranken. Die gewöhnlichen -Erscheinungen nach diesen relativ sehr grossen Dosen sind Herzklopfen, -Steigerung der Pulsfrequenz, Unruhe, Aufregung, Mydriasis, verminderte -Speichelsekretion und Unterdrückung der Futteraufnahme; Tobsucht wird -in der Regel nicht beobachtet. Nur bei einzelnen Pferden traten wohl -infolge einer Idiosynkrasie schon nach Dosen von 0,05 tobsuchtartige -Erscheinungen auf. Aehnlich sind die Erscheinungen nach der Aufnahme -von Belladonnakraut. Nach <em class="gesperrt">Hertwig</em> zeigten 20 Pferde auf -die Verabreichung von 120 bis 180 g trockenem Belladonnakraut -Pupillenerweiterung, Trockenheit im Maul, Tympanitis, Verstopfung, -Kolik, sehr beschleunigte Herztätigkeit und Pulszahl, Mattigkeit und -Schwäche; eigentümlicherweise fehlten zerebrale Erregungszustände. Die -gleichen Symptome wurden nach 60–90,0 trockener Wurzel beobachtet; -180,0 g derselben töteten. Klistiere von 15,0 trockenem Kraut auf -180,0 Kolatur, 3–4mal an einem Tag wiederholt, riefen leichte -Vergiftungserscheinungen und eine Lähmung des Sphincter ani hervor. -8–16,0 der Belladonnatinktur (8,0 : 45,0 Spiritus) intravenös -appliziert, hatten eine schwere Vergiftung zur Folge, welche sich -in Unruheerscheinungen, Angst, Atemnot, starker Pulsbeschleunigung, -Mydriasis, Zittern, Zuckungen, Kolik, Betäubung und Taumeln äusserte. -Einzelne Pferde tobten auch und gingen wie blind auf die Wände zu. 240 -g der Tinktur intravenös gegeben, töteten.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Kühe</em> werden von der Belladonnawirkung stärker betroffen. -30 g der Wurzel und 60 g der Blätter erzeugten Tympanitis und -Pulsbeschleunigung, 60–90 g der Wurzel eine zweitägige starke -Vergiftung; 120 g der Wurzel hält <em class="gesperrt">Hertwig</em> beim Rind für die -tödliche Dosis.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Hunde</em> ertragen im Verhältnis zum Menschen und zu anderen -Tieren, namentlich zum Pferd, besonders grosse Atropingaben und können -sich allmählich an das Gift gewöhnen. Ich habe beispielsweise einem 25 -kg schweren Hund im Verlauf eines Nachmittags (innerhalb 6 Stunden) 1,0 -g Atrop. sulfuric. auf 2mal eingegeben; derselbe zeigte zwar jedesmal -starke Unruheerscheinungen und hochgradige Aufregung, verbunden mit -Krampfanfällen, erholte<span class="pagenum" id="Seite_234">[S. 234]</span> sich aber nach kurzer Zeit wieder vollständig. -Grosse Hunde ertragen annähernd dieselbe Dosis wie ein Pferd.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Schafe</em> ertrugen 90,0 g trockene Blätter, 120,0 g getrocknete -Wurzel und selbst 60,0 g Belladonnaextrakt (<em class="gesperrt">Gerlach</em>).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Ziegen</em> zeigten nach der Verfütterung von 750 g frisch -getrockneter Belladonnablätter nur eine starke Mydriasis ohne jede -andere auffällige Erscheinung (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). Die Unempfindlichkeit -der Schafe und Ziegen gegen Belladonna ist übrigens lange bekannt. -Schon <em class="gesperrt">Münch</em> bemerkt in seiner „Praktischen Anweisung, wie -Belladonna bei den Tieren anzuwenden ist, Stendal 1787“, dass Ziegen -die Belladonna pfundweise und Schafe die Blätter mit Begierde fressen.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Kaninchen</em> sind besonders indifferent gegen Atropin. -<em class="gesperrt">Hertwig</em> hat Kaninchen wochenlang nur mit Belladonnablättern -gefüttert, wobei dieselben ausser Pupillenerweiterung keinerlei abnorme -Erscheinungen zeigten, vielmehr ganz munter blieben; im Urin derselben -liess sich Atropin nachweisen. Die tödliche Dosis des Atropins für -Kaninchen liegt erst bei 1,0 g (beim Menschen wirken schon 0,1 g sicher -tödlich, und schon 5 mg bedingen eine schwere Vergiftung).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Abscheidung</em> des Atropins aus den -Untersuchungsobjekten erfolgt am besten nach der Methode von -<em class="gesperrt">Dragendorff</em> (vergl. S. 199); hierbei ist zu beachten, dass das -Atropin aus seiner Lösung in Benzol in der Kälte auskristallisiert. -Da das Atropin eines der am leichtesten zersetzlichen Alkaloide -ist, müssen hohe Temperaturgrade, sowie ätzende Alkalien und starke -Säuren streng vermieden werden; es empfiehlt sich ferner im Vakuum -bei möglichst niedriger Temperatur abzudampfen. Das abgeschiedene -Atropin kann auf verschiedene Weise agnosziert werden. 1. Die -<em class="gesperrt">physiologische</em> Methode des Nachweises ist die sicherste. -Man löst einen Teil desselben in wenig Wasser auf und bringt die -Lösung in den Lidsack eines Kaninchens, einer Katze, eines kleinen -Hundes, worauf sehr bald <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em> eintritt. Diese -Pupillenerweiterung wird noch durch 0,005 mg Atropin erzeugt. 2. Mit -<em class="gesperrt">rauchender Salpetersäure</em> und <em class="gesperrt">weingeistiger Aetzkalilösung</em> -färbt sich Atropin schön <em class="gesperrt">rotviolett</em>. Die Reaktion, welche noch -durch 0,001 mg Atropin hervorgerufen wird, führt man in der Weise -aus, dass man kleine Mengen des Alkaloids mit 3–4 Tropfen rauchender -Salpetersäure löst und im Wasserbade verdunstet,<span class="pagenum" id="Seite_235">[S. 235]</span> bis ein gelblicher -Rückstand hinterbleibt, welcher bei Zusatz einer Lösung von Aetzkali in -90proz. Weingeist sich schön violett färbt.</p> - -<p>Andere Reaktionen sind: <em class="gesperrt">Rotfärbung</em> nach Uebergiessen mit -1–5proz. alkoholischer (50 Proz.) Sublimatlösung (2 ccm) und -schwachem Erwärmen, <em class="gesperrt">Blumengeruch</em> beim Erwärmen von Atropin mit -konzentrierter Schwefelsäure (nach den einen Geruch nach Orangeblüten, -nach den anderen Blütengeruch von Prunus Padus oder Spiraea Ulmaria). -Endlich rötet Atropin im Gegensatz zu den meisten Alkaloiden -<em class="gesperrt">Phenolphthaleinpapier</em>.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Am häufigsten sind <b>Atropinvergiftungen</b> -bei Pferden beobachtet worden infolge der von <em class="gesperrt">Tempel</em> -empfohlenen <em class="gesperrt">kombinierten Morphium-Atropininjektion</em> gegen -<em class="gesperrt">Schulterlahmheit</em>. Die Kombination wirkt, wie ich mit <em class="gesperrt">F. -Preusse</em> festgestellt habe, dadurch so gefährlich, dass sich -die <em class="gesperrt">sekretionsbeschränkende Wirkung des Atropins</em> auf die -Speicheldrüsen (Trockenheit der Maul- und Rachenschleimhaut, -erschwertes bezw. aufgehobenes Schlingvermögen) und Darmdrüsen, -insbesondere die Bauchspeicheldrüse (Eindickung und schwere -Beweglichkeit des Darminhalts), mit der stopfenden, <em class="gesperrt">die -Darmperistaltik lähmenden Wirkung des Morphiums</em> verbindet. -Infolgedessen kann sich leicht eine schwere <em class="gesperrt">Verstopfungskolik</em> -mit ihren Folgen (Tympanitis, Magenruptur) einstellen. Die in der -tierärztlichen Literatur beschriebenen einzelnen Vergiftungsfälle -sind von <em class="gesperrt">F. Preusse</em> (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde, -1899) gesammelt worden. Die wichtigsten Fälle sind folgende:</p> - -<p><em class="gesperrt">Meinicke</em> applizierte einem an akuter Schulterlahmheit -leidenden Offizierspferde die Tempelsche Mischung (Atropin -0,05, Morphium 0,2) subkutan und beobachtete nachstehende -Vergiftungserscheinungen: Bereits nach 10 Minuten trat eine -Erweiterung der Pupillen ein, wenig später begann das Tier die -Zunge aus dem Maule herauszustrecken. Angebotenes Heu und Wasser -vermochte es nicht abzuschlucken. Die Frequenz des Pulses betrug -nach Ablauf von 15 Minuten bereits 60 Schläge, er war drahtförmig -und spritzend; ¾ Stunden nach der Injektion war er nicht mehr -zählbar und die Arterienwand kaum noch zu fühlen. Die Herzaktion -geschah tumultuarisch, die Respiration langsam, 8mal in der -Minute. Ungefähr nach Verlauf einer Stunde war das Stadium acmes -der Intoxikation erreicht, indem der Herzschlag stark pochend -110–116mal in der Minute erfolgte, Muskelzittern und Schwanken im -Hinterteil auftrat, der Blick stier und ängstlich wurde und die -Pupillen ad maximum erweitert waren. Das bis dahin ruhige Tier -stieg alsdann einigemal mit den Vorderfüssen an den Boxwänden hoch, -wurde aber bald wieder still. Nach 1½, 2, 3 Stunden wurden resp. -90, 70, 60 Herzschläge gezählt. Das Pferd trug ein mattes, müdes -Benehmen zur Schau, der Appetit war vollkommen unterdrückt. Am Tag -darauf waren Puls, Herzschlag und Atmung zur Norm zurückgekehrt, -und gegen Abend geschah die Futter- und Getränkaufnahme wieder -in genügendem Masse. — <em class="gesperrt">Scholte</em> injizierte einem schweren -Percheronwallach die genannte Morphium-Atropinlösung. Nach einer -Viertelstunde begann das Pferd zu scharren, bekundete hochgradige -Angst, Atemnot, Muskelzittern, hatte eines drahtförmigen Puls von -66 Schlägen in der Minute und einen pochenden Herzschlag. Wenig -später versuchte das Tier an der Wand emporzugehen, biss in die Stäbe -der Raufe und hing sich vor Schmerz förmlich in die Halfter. Diese -Erscheinungen hielten bis zu 50 Minuten nach der Einverleibung des -Mittels an und wurden dann von einer Müdigkeit, Schläfrigkeit und -Appetitlosigkeit gefolgt. Am nächsten Tag war der Wallach wieder -munter. — <em class="gesperrt">Meyerstrasse</em> sah 8 Stunden nach der Injektion -ein Pferd unruhig werden, sich häufig wälzen und dyspnoisch atmen. -Es bestand Tympanitis, vollständige Sistierung der peristaltischen -Geräusche, häufiges Drängen, aber<span class="pagenum" id="Seite_236">[S. 236]</span> nur Absetzen schleimiger Massen. -Auf die Verabreichung einer Aloepille hin wurde die Kolik gehoben. -Ein anderes Pferd bekundete sehr intensive Vergiftungssymptome, -namentlich Tobsucht, die indessen nach 3stündiger Fortdauer gänzlich -zurückgingen. — <em class="gesperrt">Noack</em> beobachtete bei einer englischen -Stute regelmässig 2 Stunden nach jeder der beiden vorgenommenen -Injektionen eine ziemlich heftige Blähkolik, <em class="gesperrt">Freitag</em> -konstatierte in 2 Fällen schon kurze Zeit nach der Einverleibung -des Arzneipräparates Kolikerscheinungen. Bei sämtlichen 8 Pferden -schwanden dieselben nach ungefähr 5 Stunden, die Lahmheit war jedoch -nicht beseitigt. — Auf eine Injektion der vereinigten Mittel hin -geriet ein Pferd, einer Beobachtung von <em class="gesperrt">Bruns</em> zufolge, in -einen rauschartigen Zustand und zeigte eine Atemfrequenz von 40 -Zügen in der Minute. Die gleiche Aufregung trat nach einer zweiten, -5 Tage später vorgenommenen Einspritzung zutage. — <em class="gesperrt">Lungwitz</em> -konstatierte bald nach der Injektion bei einem Pferd eine starke, -etwa fünf Stunden anhaltende Aufregung und Unruhe, Vorwärtsdrängen -mit in die Höhe gestrecktem Kopfe und andauerndes Seitwärtstreten, -Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie eine öftere Entleerung von -Harn in geringen Quantitäten und nach kurzen Intervallen. — Ein -Pferd drängte 3 Stunden nach der gewöhnlichen Injektion, wie <em class="gesperrt">v. -Lojewski</em> mitteilt, gewaltig nach vorwärts, schlug mit den -Hinterextremitäten nach dem Bauche, hatte ad maximum erweiterte -Pupillen, eine trockene Maulschleimhaut und eine holzige Zunge. -Die Muskulatur der linken Schulter oszillierte beständig. Puls -und Atmung waren beschleunigt. Nach fünf Stunden hatten die -Erscheinungen den Höhepunkt erreicht und wurden jetzt schnell -durch Morphium kupiert. Am folgenden Tag zeigte das Tier nur noch -eine gewisse Mattigkeit. — <em class="gesperrt">Meltzer</em> nahm 4 Stunden nach der -Injektion folgende Vergiftungssymptome wahr: Das Pferd war stark -tympanitisch aufgetrieben, die Peristaltik lag gänzlich darnieder. -Es blickte angsthaft um sich und war über den ganzen Körper mit -Schweiss bedeckt. Die Atmung vollzog sich pumpend und die Herzaktion -tumultuarisch, die Frequenz der letzteren war nicht genau zu -ermitteln. Der Patient scharrte ununterbrochen mit den Vorderfüssen, -das Hinterteil schwankte stark bei der Bewegung. Als Antidot wurde -eine Mischung von Eserin, Morphium, Kalomel, Kirschwasser und Kaffee -mit Erfolg ordiniert. Am folgenden Tag war das Tier wieder wohl, -die Lahmheit jedoch nicht gewichen. <em class="gesperrt">Meltzer</em> ist der Ansicht, -dass es sich in diesem Fall wohl um eine Idiosynkrasie gehandelt -hat. — Selbst auf die Verabreichung der gewöhnlichen Lösung, auf -3 aufeinanderfolgende Tage gleichmässig verteilt, sah <em class="gesperrt">Jess</em> -stets eine sehr unliebsame, mit Tympanitis und Darniederliegen -der Darmbewegungen einhergehende Kolik auftreten. Bei einem Pferd -zeigten sich diese Nebenwirkungen des Mittels in Form von über -eine Stunde anhaltenden Gehirnerscheinungen, indem das Tier an den -Wänden hochstieg, beständig mit den Vorderextremitäten schlug und -mit dem Hinterteil stark schwankte. Ein weiterer Patient, dem ein -Dritteil der vorschriftsmässigen Mischung injiziert war, bekam -ebenfalls Kolik und wurde am Abend desselben Tages im Stall tot -aufgefunden. Eine Sektion unterblieb leider. — <em class="gesperrt">Strecker</em> -bemerkte an einer schweren belgischen Stute 3 Stunden nach der -Injektion mässiges Muskelzittern und Unruheerscheinungen, sich -in häufigem Hin- und Hertreten äussernd. Abends warf sich das -Pferd zu wiederholten Malen heftig nieder, trieb rasch auf und -starb wenig später. Bei der Obduktion wurde als causa mortis eine -Magenruptur ermittelt. — <em class="gesperrt">Krämer</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1901) -sah bei einem Militärpferd nach einer Atropin-Morphiumeinspritzung -(0,05 : 0,2) kolossalen Schweissausbruch, heftige Unruhe, starke -Schlingbeschwerden, Mydriasis, Dyspnoe, sowie heftiges Anrennen -gegen die Krippe. Die Unruheerscheinungen hielten 4 Stunden an; -auch am folgenden Tag bestand noch ziemliche Schwäche in der -Nachhand. — <em class="gesperrt">Güntherberg</em> (ibid.) sah bei einem schulterlahmen -Pferd nach einer Atropin-Morphiuminjektion (0,02 : 0,1) heftige -Unruheerscheinungen, drahtförmigen Puls, stieren Blick, sowie Tod -nach 24 Stunden; die Sektion ergab eine 1½ m lange Invagination -des Dünndarms. — <em class="gesperrt">Neffgen</em> (D. T. W. 1906) sah bei einem -8jährigen schweren Oldenburger nach der subkutanen Injektion von 0,5 -Atropin hochgradige Unruhe, Pupillenerweiterung, Taumeln, sowie Tod -nach 21 Stunden.</p> - -<p>Vergiftungen durch die Aufnahme der <b>Belladonnablätter</b> bei -Rindern sind in der tierärztlichen Literatur nur ganz vereinzelt -beobachtet worden.<span class="pagenum" id="Seite_237">[S. 237]</span> <em class="gesperrt">Hering</em> (Pathologie 1859) sah bei 2 Kühen -nach der Aufnahme von Waldgras Toben, Niederstürzen und Aufblähung; -<em class="gesperrt">Nagy</em> (Veterinarius 1897) bei einem Rind, das auf der Weide -Belladonnablätter gefressen hatte, starke Aufblähung, Anrennen an -Gegenstände, Pupillenerweiterung, 70 Pulse, unsicheren Gang und -häufige Darmentleerungen; die eingeleitete Behandlung (Abführmittel, -kalte Begiessungen) hatte in 2 Tagen vollkommene Genesung zur -Folge. — Nach <em class="gesperrt">Gerö</em> (Veterinarius 1901) sollen ungarische -Pferdehändler bei dämpfigen Pferden betrügerischerweise einen -Aufguss von Belladonnakraut eingeben, wodurch Pupillenerweiterung, -Verstopfung und Aufblähung, Sphinkterenparalyse, beschleunigte -Herzaktion, Trockenheit der Maulschleimhaut, sowie hochgradige -Aufregung entstehen soll. G. will 36 Fälle derartiger Vergiftungen, -darunter 11 Todesfälle beobachtet haben.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Bilsenkraut">Vergiftung durch Bilsenkraut.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das <em class="gesperrt">Bilsenkraut</em>, <em class="gesperrt">Hyoscyamus niger</em>, -ist eine auf Schutt, wüsten Plätzen, Kirchhöfen etc. wachsende -Solanazee mit fleischiger, möhrenartiger Wurzel, klebrigem, -weichhaarig zottigem, drüsigem, bis ½ m hohem Stengel, grünen, -bis 20 cm langen und 10 cm breiten, eiförmigen, buchtig gezahnten, -ebenfalls klebrigzottigen Blättern, sowie schmutziggelben, -violett netzartigen, glockigen, widerlich riechenden Blüten. Die -zweifächerigen Kapselfrüchte enthalten sehr zahlreiche Samen. Im -Bilsenkraut sind 2 Alkaloide enthalten, das <em class="gesperrt">Hyoszin</em> oder -<b>Skopolamin</b> und das <em class="gesperrt">Hyoszyamin</em>. Auch in der Wurzel von -Skopolia atropoides ist Skopolamin enthalten.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Hyoszin (Skopolamin) stimmt in seiner -mydriatischen Wirkung, sowie in seiner erregenden Wirkung auf das -Gehirn und Herz mit dem <em class="gesperrt">Atropin</em> ziemlich überein. <em class="gesperrt">Das -Krankheitsbild der Bilsenkrautvergiftung ist daher im wesentlichen -das gleiche, wie das der Belladonnavergiftung.</em> Auch dem Hyoszin -(Skopolamin) gegenüber verhalten sich die Haustiere viel weniger -empfindlich als der Mensch. Während beim Menschen schon auf 2 mg -Hyoszin Vergiftungserscheinungen zu beobachten sind, ertragen Hunde und -Katzen das 100–300fache dieser Dosis. Eine kleine Katze blieb noch nach -0,6 g Hyoszin am Leben (<em class="gesperrt">Kobert</em>). Diese geringe Empfindlichkeit -der Tiere gegenüber dem Hyoszin ist wohl auch der Hauptgrund dafür, -dass Bilsenkrautvergiftungen bei den Haustieren ebenso selten sind, -wie Belladonnavergiftungen. In der tierärztlichen Literatur finden -sich nur folgende Fälle verzeichnet. Nach <em class="gesperrt">Cruzel</em> (Journ. -de méd. vét. 1828) hatte eine Kuh im Frühjahr eine grössere Menge -frischen Bilsenkrautes gefressen; nach 2 Stunden fiel sie um, zeigte -Pupillenerweiterung, starke Injektion der Konjunktiva, sichtbares -Pulsieren der Karotiden, Konvulsionen, krampfhaftes, röchelndes -Atmen, häufige Harnentleerungen, sowie allgemeine Körperschwäche.<span class="pagenum" id="Seite_238">[S. 238]</span> -Nach <em class="gesperrt">Graess</em> (Berl. Arch. 1897) starben 29 junge Hühner an -Bilsenkrautvergiftung, während die alten Hühner nicht erkrankten. -<em class="gesperrt">Regenbogen</em> (B. T. W. 1903) beobachtete bei einem Pferd nach der -Injektion von 0,02 Hyoszin Raserei, Hochsteigen, Schlagen mit dem Kopf -gegen die Krippe und angestrengte Atmung, offenbar als Ausdruck einer -Idiosynkrasie.</p> - -<p><em class="gesperrt">Behandlung</em> wie bei der Atropinvergiftung.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Experimentelles.</b> Von den zahlreichen, früher mit Bilsenkraut -angestellten <em class="gesperrt">toxikologischen Versuchen</em> sind folgende -erwähnenswert. <em class="gesperrt">Pferde</em> zeigten auf 90–120 g Bilsenkraut im -Dekokt starke Mydriasis, Steigerung der Pulsfrequenz von 35 auf 72, -Zuckungen am Halse und an den Lippen; nach 3–5 Stunden waren die -Erscheinungen vorüber (<em class="gesperrt">Gohier</em>). Die Verfütterung von 2 Pfd. -frischer Wurzel erzeugte nur Tympanitis und Kolik (<em class="gesperrt">Viborg</em>). -Ein Eselhengst blieb nach 1½ Pfd. ausgepressten Bilsenkrauts am -ersten Tag ganz gesund; am zweiten Tag stieg der Puls von 24 auf 70 -und die Atmung wurde angestrengt. 1 Pfd. halbreifer Samen steigerte -bei einem Pferd schon nach ½ Stunde den Puls von 34 auf 60 und -beschleunigte die Atmung; am anderen Tag war die Pulsfrequenz wieder -eine normale, das Tier zeigte aber rasende Zufälle, genas jedoch -wieder. <em class="gesperrt">Hertwig</em> sah nach 180–360 g des frischen und trockenen -Krauts, der Wurzel und Samen lediglich Pulssteigerung und Tympanitis. -Intravenös trat nach 8 g Infus des trockenen Krautes Unruhe, -vermehrter, aussetzender Puls, Mydriasis, Zittern, Mattigkeit, -Taumeln, momentane Raserei, Strangurie auf, nach 16 g schreckliches -Toben, völlige Bewusstlosigkeit, Schweissausbruch, Konvulsionen, -sowie der Tod nach 2 Stunden. Eine <em class="gesperrt">Kuh</em> zeigte nach Aufnahme -frischen Bilsenkrautes Mydriasis, Pulsation der Karotiden, -Niederstürzen, Konvulsionen und Durchfall. <em class="gesperrt">Hunde</em> zeigten nach -8 g Extraktaufnahme Erbrechen, Beschleunigung der Herztätigkeit und -Mydriasis.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Stechapfel">Vergiftung durch Stechapfel.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Stechapfel</em>, <em class="gesperrt">Datura Stramonium</em>, -ist eine überall in Europa vorkommende, im 16. Jahrhundert durch -Zigeuner eingeschleppte Solanazee, welche auf Schutthaufen, in -Kirchhöfen, an Hecken etc. vorkommt. Er bildet einen bis zu 1 m hohen -Strauch, mit dickem, hohlem, kahlem, gabelartig verzweigtem Stengel, -gestielten, eiförmigen, buchtig gezähnten, kahlen Blättern, weissen, -trichterförmigen, 5lappigen, aufrechten Blüten mit sehr langer -Blumenkrone und blassgrünem, röhrigem Kelch, sowie mit grossen, -dornigen, 4fächerigen Kapseln. Der Stechapfel enthält 2 Alkaloide: -das <b>Atropin</b> (Stramoniumatropin) und <em class="gesperrt">Hyoszyamin</em>. -Beide zusammen wurden früher als „Daturin“ bezeichnet. — Eine -atropinähnliche Wirkung besitzt auch das <em class="gesperrt">Ephedrin</em>, welches in -Ephedra vulgaris enthalten ist.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Wirkung des Stechapfels stimmt mit -derjenigen der <em class="gesperrt">Belladonna</em> und des <em class="gesperrt">Bilsenkrautes</em> -überein. Das Krankheitsbild setzt sich aus den Erscheinungen der -<em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, der <em class="gesperrt">zerebralen</em> und <em class="gesperrt">kardialen -Erregung</em> mit späterer <em class="gesperrt">Lähmung</em> zusammen. Vergiftungen mit -Stechapfel sind ebenso selten wie bei jenen. In der Literatur sind nur -die folgenden<span class="pagenum" id="Seite_239">[S. 239]</span> Fälle beschrieben. Eine Kuh zeigte nach der Aufnahme des -Krautes wutartige Symptome: starke Aufregung, Zusammenstürzen, Lähmung, -Tympanitis, genas aber nach 5 Tagen (<em class="gesperrt">Koppitz</em>, B. T. W. 1906). — -7 Gänse zeigten nach dem Fressen der Blätter und Stengel Taumeln und -Umfallen und starben innerhalb weniger Minuten (<em class="gesperrt">Zarnack</em>, ibid. -1901).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Experimentelles.</b> Die in früheren Zeiten mit der Pflanze -angestellten <em class="gesperrt">experimentellen</em> Untersuchungen haben im -wesentlichen folgendes ergeben. <em class="gesperrt">Pferde</em> zeigten nach der -Verabreichung von 1 Pfd. frischer Stechapfelblätter Mydriasis und -schnelleren Puls (<em class="gesperrt">Viborg</em>). 2 Pfd. der abgeblühten Pflanze -riefen leichte Kolikerscheinungen und Auftreibung hervor. 2½ -Pfund reife Samen töteten ein Pferd nach 52 Stunden; Symptome: -schneller, kleiner Puls, Auftreibung, Kolik. <em class="gesperrt">Hertwig</em> spritzte -Pferden intravenös 8–16 g Tinctura Stramonii ein, desgleichen ein -Infus von 8 g des Krautes; darauf zeigten sich starke Puls- und -Atmungsbeschleunigung, Pupillenerweiterung, Abstumpfung, Schwindel, -Zittern, Geifern, Gähnen, Krämpfe. <em class="gesperrt">Ziegen</em> ertrugen 240 -g ausgepressten Stechapfelsaft ohne weitere Erscheinungen; ein -Widder zeigte nach derselben Gabe häufigeres Atmen und Urinieren. -<em class="gesperrt">Hunde</em> äusserten nach 120 g ausgepressten Saftes Unruhe, -Winseln, Erbrechen, Zittern, genasen aber wieder. Auf 16 g -Extrakt starb ein Hund nach 7 Stunden unter den Erscheinungen der -Atropinvergiftung (<em class="gesperrt">Orfila</em>).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kokain">Vergiftung durch Kokain.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das dem Atropin chemisch und physiologisch -nahestehende <em class="gesperrt">Kokain</em> ist das Alkaloid der Kokablätter -(Erythroxylon Coca, Erythroxylee) und hat die Formel -<span class="nowrap">C<sub>17</sub>H<sub>21</sub>NO<sub>4</sub></span>. Es wird in der Tierheilkunde seit etwa 10 Jahren -in der Form des Cocainum hydrochloricum subkutan als Diagnostikum -bei Lahmheiten des Pferdes vielfach angewandt; hierbei sind zuweilen -Vergiftungserscheinungen beobachtet worden. Seltener haben sich -Vergiftungen bei den Haustieren nach der Anwendung des Kokains als -lokales Anästhetikum vor Operationen ereignet, sowie beim sog. Doping -der Rennpferde (künstliche Steigerung der Leistungsfähigkeit durch -Kokain und andere Stimulantien).</p> - -<p>Die toxische Wirkung des Kokains auf verschiedene Tiergattungen -ist zuerst von <em class="gesperrt">v. Anrep</em> (Pflügers Archiv 1880) eingehend -untersucht worden. Später haben namentlich <em class="gesperrt">Fröhner</em> -(Arzneimittellehre 1889), <em class="gesperrt">Rahnenführer</em> (Berl. Arch. 1902) und -<em class="gesperrt">C. Fischer</em> (Monatshefte für praktische Tierheilkunde 1904) die -Giftwirkung bei Tieren festgestellt.</p> -</div> - -<p><b>Symptome.</b> Neben der örtlichen <em class="gesperrt">anästhesierenden</em> Wirkung -des Kokains auf die peripheren Nerven der Haut und Schleimhäute treten -nach der Resorption des Kokains ins Blut <em class="gesperrt">Erregungserscheinungen</em> -im Gebiete der <em class="gesperrt">psychomotorischen</em> Rindenzentren des -<em class="gesperrt">Grosshirns</em> ein, welche an das Bild der Atropinvergiftung -erinnern und sich je nach Dosis und Tiergattung verschieden äussern.</p> - -<p>1. Nach <em class="gesperrt">kleinen</em> Dosen (0,01–0,015 g Kokain pro kg Körpergewicht) -zeigen <em class="gesperrt">Hunde</em> freudige Erregung, ausgelassene Munterkeit,<span class="pagenum" id="Seite_240">[S. 240]</span> sowie -eine rastlose Tätigkeit aller Muskeln, welche sich in planlosem Hin- -und Herlaufen, Springen, Hüpfen, tänzelnden Bewegungen, beständigem -Umherlaufen im Kreise, Schweifwedeln, sowie pendelnden Kopfbewegungen -äussert. Eine ähnliche psychische Erregung zeigen Pferde und Rinder, -sowie Katzen, die besonders empfindlich sind; sehr widerstandsfähig -sind dagegen Tauben. Gleichzeitig wird infolge Einwirkung auf das -Rückenmark die <em class="gesperrt">Reflexerregbarkeit gesteigert</em>; die Tiere sind -schreckhaft und zittern. Manche <em class="gesperrt">Pferde</em> zeigen schon nach der -subkutanen Injektion von 0,5 g Kokain (diagnostische Injektion bei -Lahmheit) vorübergehende Aufregung, Schreckhaftigkeit, Unruhe und -Zittern (Idiosynkrasie?). Auch <em class="gesperrt">die Pulsfrequenz, der Blutdruck, -die Atemfrequenz und die Körpertemperatur sind gesteigert</em>; <em class="gesperrt">die -Pupille ist erweitert</em>; <em class="gesperrt">die Peristaltik ist vermehrt</em>; es -besteht <em class="gesperrt">Speicheln</em>.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Mittlere Dosen</em> (von 0,015–0,02 pro kg ab beim Hund) bewirken -<em class="gesperrt">hochgradige psychische Aufregung, sowie krampfhafte Unruhe -aller Körpermuskeln</em>. Es treten rhythmische Kontraktionen aller -Skelettmuskeln, sowie <em class="gesperrt">tetanische und tonisch-klonische Krämpfe</em> -mit Opisthotonus, epileptiformen Anfällen, Roll- und Schwimmbewegungen -und den verschiedensten Koordinationsstörungen auf; die Atmung wird -dyspnoisch.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Grosse Dosen</em> (von 0,02 pro kg ab beim Hund) <em class="gesperrt">lähmen</em> die -<em class="gesperrt">nervösen Zentralorgane</em> und zwar zuerst das Grosshirn, dann die -<em class="gesperrt">Vierhügel</em>, das verlängerte Mark und das Rückenmark und töten -durch <em class="gesperrt">Lähmung des Atmungszentrums</em>. Der Sektionsbefund ist, -abgesehen von den suffokatorischen Erscheinungen, negativ.</p> - -<p>Beim <em class="gesperrt">Menschen</em> beobachtet man endlich nach lange fortgesetztem -Kokaingebrauch ähnlich wie beim Morphium schwere und bleibende -<em class="gesperrt">psychische Störungen</em> in Form von Epilepsie und Paranoia -(<em class="gesperrt">Kokainismus</em>).</p> - -<p><em class="gesperrt">Behandlung.</em> Die <em class="gesperrt">Prophylaxe</em> der Kokainvergiftung -besteht darin, dass man die Dosen bei der diagnostischen Injektion -nicht zu hoch nimmt oder gleichzeitig mit dem Kokain einige Tropfen -<em class="gesperrt">Adrenalin</em> 1 : 1000 einspritzt (gefässkontrahierende, die -Resorption verlangsamende bezw. verhindernde Wirkung). Während der -Erregungserscheinungen empfiehlt es sich, die Pferde an der Hand -zu bewegen. Symptomatische Gegenmittel sind <em class="gesperrt">Bromkalium</em>, -<em class="gesperrt">Chloralhydrat</em> und <em class="gesperrt">Amylnitrit</em>.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_241">[S. 241]</span></p> - -<p><b>Nachweis.</b> Da das Kokain sich im Blute anscheinend sehr -schnell zersetzt, ist der chemische Nachweis im Körper schwierig. -Der <em class="gesperrt">physiologische</em> Nachweis besteht in vorübergehender -Unempfindlichkeit der Zungenspitze bei Berührung. <em class="gesperrt">Chemische</em> -Reaktionen sind: <em class="gesperrt">weisser</em> in Weingeist und Aether leicht -löslicher Niederschlag in der wässerigen, mit Salzsäure angesättigten -Lösung durch Sublimatwasser, <em class="gesperrt">brauner</em> durch Jodlösung, weisser -durch Kalilauge.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Experimentalversuche über die Kokainwirkung bei den verschiedenen -Haustieren.</b> Die innerliche Kokainwirkung beim <em class="gesperrt">Hund</em> ist -individuellen Verschiedenheiten unterworfen. Ich habe in einem -Fall einem Hund von 10 kg Körpergewicht 0,15 g Cocainum muriaticum -(0,015 pro kg) ohne auffällige Erscheinungen subkutan injiziert. -Ein anderer 32 kg schwerer Hund zeigte nach der Injektion von 0,5 -g Cocainum muriat. (ebenfalls 0,015 pro kg) das deutliche Bild der -Kokainerregung, desgleichen ein 8 kg schwerer nach 0,12 Kokain. -Bei <em class="gesperrt">Pferden</em> beobachtete ich nach subkutaner Injektion von -0,5 g Kokain (0,001 pro kg) vereinzelt Unruhe, Aufregung, Zittern -und Schreckhaftigkeit. Nach der Injektion von 2,0 g Kokain (0,005 -pro kg) beobachtete ich regelmässig <em class="gesperrt">Unruheerscheinungen</em>, -Scharren mit den Vorderfüssen, Wiehern, <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Aufregung</em>, sogenanntes Leineweben, Pulssteigerung bis auf -96, Speicheln, <em class="gesperrt">sehr häufigen Kotabsatz</em>, laut kollernde -Peristaltik, Mydriasis, und nach 50 Minuten <em class="gesperrt">tobsuchtähnliche</em> -Zufälle (Hochsteigen, Vorwärtsdrängen, Versuche, die Halfterkette -loszureissen, Seitwärts- und Rückwärtsspringen) mit einer <em class="gesperrt">aufs -höchste gesteigerten Reflexerregbarkeit</em>; erst nach 2 Stunden -war das Allgemeinbefinden wieder normal. <em class="gesperrt">Kühen</em> gab ich 4, -6, 10 und 16 mg Kokain pro kg Körpergewicht. Eine 5jährige Kuh -zeigte nach der Injektion von 1,0 g Cocainummuriaticum (0,004 pro -kg Körpergewicht) sehr lebhaften Blick, <em class="gesperrt">unruhiges Benehmen</em>, -Schütteln mit dem Kopf, grosse Empfindlichkeit gegen <em class="gesperrt">Fliegen</em>, -lebhaftes Wedeln mit dem Schweif, <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em>, <em class="gesperrt">starke -Vermehrung der Peristaltik</em> mit wiederholtem Absatz dünnflüssigen -Kotes, häufigen Harnabsatz, Temperatur- und Pulssteigerung. Die -Wirkung hatte etwa nach ¾ Stunden ihre Höhe erreicht. Von da ab -liessen die Unruheerscheinungen nach und das Tier hatte sich 1½ -Stunden nach dem Beginn des Versuchs wieder vollkommen beruhigt. -Dieselbe Kuh zeigte nach der Injektion von 1,5 g Kokain ähnliche, -aber hochgradigere Erscheinungen, namentlich starke Aufregung -und Schreckhaftigkeit, fortgesetzten diarrhoischen Kotabgang, -Harndrang mit tropfenweissem Harnabsatz, Speicheln, sowie leichtes -Schwanken. 1½ Stunden nach Beginn des Versuches waren auch hier -die Erscheinungen wieder zurückgegangen, das Tier zeigte aber noch -eine mehrstündige Mattigkeit. 2,5 g Kokain erzeugten ähnliche, -noch stärkere Erregungserscheinungen. 4,0 g Kokain (0,016 pro kg -Körpergewicht) riefen bei einer Kuh ein 4 Stunden andauerndes -Exzitationsstadium hervor mit <em class="gesperrt">tobsuchtartiger Aufregung</em>, -äusserster Schreckhaftigkeit, <em class="gesperrt">Absatz dünnflüssigen, diarrhoischen -Kotes</em>, <em class="gesperrt">anhaltendem Drängen auf den Harn</em>, Speicheln, -Rülpsen, Temperatursteigerung bis um 1°, Pulsbeschleunigung, -Mydriasis und Schwanken. Nach dem Verschwinden dieser Symptome war -das Allgemeinbefinden wieder ganz normal. Aehnliche Beobachtungen -hat <em class="gesperrt">Negotin</em> bei seinen Versuchen am Hund gemacht. — Nach -<em class="gesperrt">Fischer</em> (Monatshefte für prakt. Tierheilkde. 1904) steigt die -Empfindlichkeit der Tiere gegen Kokain mit ihrer Grösse; die tödliche -Dosis pro kg Körpergewicht beträgt nach ihm bei Fröschen 0,42 g, -Tauben 0,06, Katzen und Hunden 0,03, Ziegen 0,015, Rindern und -Pferden 0,018 (= 6–8 g Kokain als Todesdosis für Pferde); bei diesen -tödlichen Dosen stieg die Körpertemperatur um 2,6–3,2°.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_242">[S. 242]</span></p> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Wilkie</em> (Journ. of comp. 1891) beobachtete -bei einer Setterhündin, die vor der Operation eines Mammatumors -eine 15proz. Kokaininjektion erhalten hatte, nach etwa 3 Minuten -klonische Krämpfe, Speichelfluss, Zungen- und Lippenlähmung, -Pupillenerweiterung und Manegebewegungen. Nach 3 Tagen war der -Hund wieder hergestellt. — <em class="gesperrt">Parant</em> (Tierärztl. Rundschau -1908) beobachtete nach der Instillation einer 4proz. Kokainlösung -(5–6 Tropfen) in den Lidsack einer Katze heftige Krämpfe, maximale -Pupillenerweiterung und Erblindung; erst nach 15 Tagen war das Tier -wieder ganz hergestellt. — Nach <em class="gesperrt">Suffran</em> (Revue Toulouse -1909) zeigte ein 20 kg schwerer Hund nach 0,06 g Kokain (intrakutan) -Halluzinationen, Aufregung, Krämpfe, Speicheln und Anästhesie. -— <em class="gesperrt">Rahnenführer</em> (Berl. Arch. 1902) weist darauf hin, dass -namentlich bei edlen Pferden die Injektion von 0,5 Kokain eine -leichte Vergiftung (Exzitationsstadium) zur Folge hat; zahlreiche -ähnliche Fälle hat auch <em class="gesperrt">Eberlein</em> beobachtet; bei Herabsetzung -der Dosis auf 0,2 und darunter fehlten die Vergiftungserscheinungen. -Wegen der giftigen Nebenwirkung des Kokains wird neuerdings das 10mal -weniger giftige Alypin zu diagnostischen Injektionen empfohlen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Ranunkeln">Vergiftung durch Ranunkeln.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die verschiedenen Arten von Ranunkulus, welche in -toxikologischer Beziehung in Betracht kommen, sind:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Ranunculus sceleratus</em>, giftiger Hahnenfuss, Froscheppich, -an Teichen, Sümpfen und Gräben wachsend (daher auch früher Ranunculus -palustris benannt), eine bis meterhohe, krautartige Pflanze, mit sehr -dickem, hohlem, fleischigem, kahlem Stiel, blassgrünen, handförmig -geteilten Blättern, blassgelben, fünfblätterigen, sehr kleinen, -hinfälligen Blüten, zurückgeschlagenem Kelch, sowie bauchigen, -feinrunzeligen, kahlen, auf einem walzenförmigen Fruchtboden -stehenden Früchten.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Ranunculus acris</em>, kleine Schmalzblume, Butterblume, -Wiesenranunkel, besitzt einen abgebissenen, reichfaserigen -Wurzelstock, aufrechten, flaumhaarigen Stengel, flaumhaarige, -bandförmig geteilte Blätter, grosse, goldgelbe Blüten mit rundem, -nicht gefurchtem Blütenstiel und abstehendem Kelch, sowie -zusammengedrückte, kahle, glatte Früchtchen, welche kugelige Köpfchen -bilden.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Ranunculus arvensis</em>, der Ackerhahnenfuss, bis einen halben -Meter hoch werdend, besitzt einen faserigen Wurzelstock, kahlen -Stengel, dreigespaltene Blätter, blassgelbe, kleine, fünfblätterige -Blüten mit aufrechtstehendem Blütenkelch und dornige oder knotige -Früchtchen.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Ranunculus repens</em>, der kriechende Hahnenfuss, mit -gebogenem, nicht aufrechtem Stengel und kriechenden Ausläufern, -tiefen, handförmig geteilten Blättern und fünfblätteriger, gelber -Blume.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Ranunculus Ficaria</em> (Ficaria verna, Ficaria ranunculoides), -Feigwarzenkraut, Pappelsalat, Pfennigsalat, wildes Löffelkraut, -kleines Schöllkraut, mit büschelig-knolligem Wurzelstock, -niederliegendem Stengel, herzförmigen Blättern, goldgelber Blume und -dreiblätterigem Kelch.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Ranunculus bulbosus</em>, Butterkups, mit aufrechtem, an der -Basis zwiebelförmig verdicktem Stengel, grasgrünen, dreischnittigen -Blättern und grossen, goldgelben Blüten auf gefurchten Stielen. -— Ausserdem sind zu erwähnen <em class="gesperrt">Ranunculus Flammula</em>, der -brennende Hahnenfuss, <em class="gesperrt">Ranunculus Lingua</em>, der grosse -Hahnenfuss, <em class="gesperrt">Ranunculus lanuginosus</em>, <em class="gesperrt">auricomus</em> und -<em class="gesperrt">polyanthemus</em>.</p> - -<p>Die genannten Ranunkelarten enthalten einen scharfen -Stoff, den <b>Anemonenkampfer</b> (Ranunkulol, Anemonol, -<em class="gesperrt">Pulsatillenkampfer</em>), ein festes und dabei flüchtiges -ätherisches Oel, welches nadelförmige Kristalle<span class="pagenum" id="Seite_243">[S. 243]</span> bildet und beim -Behandeln mit Alkalien eine gelbe, gummiartige Masse liefert und zu -Anemonin und Anemoninsäure, zwei nicht reizende Körper, zerfällt. -Der Anemonenkampfer findet sich auch in verschiedenen Anemonenarten, -so in <em class="gesperrt">Anemone pratensis</em> (Küchenschelle, Osterblume), welche -überall in Europa auf sonnigen Hügeln und Heiden, sowie am Rande -lichter, trockener Wälder vorkommt und schwarzviolette, glockige, -nickende, aussen glänzend weisszottige Blumen hat; ferner in -<em class="gesperrt">Anemone Pulsatilla</em>, in <em class="gesperrt">Anemone vernalis</em> und <em class="gesperrt">Anemone -nemorosa</em> (weisse Osterblume, Waldhahnenfuss, Windröschen), einer -in Laubwäldern und Gebüschen häufig vorkommenden, übrigens ungiftigen -(vergl. unten) Ranunkulazee mit weissen, oft rötlich angeflogenen, -kahlen Blüten.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Der Anemonenkampfer -besitzt eine reizende, <em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung auf die -Schleimhaut des Digestionsapparates. In konzentrierter Form erzeugt -er sogar in Berührung mit der Haut Blasen. Das Krankheitsbild der -Vergiftung durch Ranunkeln äussert sich daher im wesentlichen durch die -Erscheinungen einer oft rasch tödlich verlaufenden <em class="gesperrt">hämorrhagischen -Gastroenteritis</em>, welcher sich häufig noch die Erscheinungen der -<em class="gesperrt">Nephritis haemorrhagica</em> anschliessen, weil der Anemonenkampfer -auch bei seiner Ausscheidung durch die Nieren reizend wirkt. Die -Allgemeinwirkungen des Anemonols bestehen in Krämpfen und Betäubung. -Die wichtigsten Symptome der Vergiftung sind: <em class="gesperrt">Brechbewegungen</em>, -<em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, -<em class="gesperrt">blutiger, ruhrartiger Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Hämaturie</em>, -<em class="gesperrt">Albuminurie</em>, <em class="gesperrt">Schreien</em>, <em class="gesperrt">Brüllen</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, -<em class="gesperrt">Krämpfe</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Zusammenbrechen</em>, sowie zuweilen -sehr rascher, <em class="gesperrt">apoplektiformer Tod</em>. Vergiftungen kommen bei allen -Pflanzenfressern vor, namentlich aber bei Rindern und Schafen, wenn -auch nicht gerade sehr häufig. Man beobachtet sie gewöhnlich dann, wenn -die Tiere mit dem Grünfutter oder auf der Weide Ranunkeln aufgenommen -haben. Ranunkelhaltiges Heu hat dagegen infolge der Verflüchtigung des -Anemonenkampfers beim Trocknen seine scharfe Wirkung fast ganz verloren.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Schleimhaut des Magens und -Darmes entzündlich geschwollen, von Hämorrhagien durchsetzt und den -Darminhalt blutig; die Nieren zeigen zuweilen die Erscheinungen einer -hämorrhagischen Nephritis.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist eine symptomatische; sie besteht in der -Verabreichung einhüllender, schleimiger und adstringierender (Tannin) -Mittel. Der Nachweis geschieht auf botanischem Weg.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Zwölf Kühe erkrankten nach der Aufnahme von -Grünfutter, das im wesentlichen aus Ranunculus acris bestanden -hatte, an einem blutigen, ruhrartigen Durchfall (<em class="gesperrt">Schleg</em>, -Sächs. Jahresber. 1884). — 13 Rinder erkrankten<span class="pagenum" id="Seite_244">[S. 244]</span> im Frühjahr nach -dem Weidegang auf einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen -Wiese, 6 davon starben innerhalb 14 Tagen. Die Erscheinungen -bestanden in Speicheln, Unruhe, Stöhnen, Brüllen, Kolikzufällen, -Taumeln, Zittern, Bewusstlosigkeit, Zusammenbrechen; der Verlauf -war ein sehr akuter (½-1 Stunde). Bei der Sektion fand man -Entzündung der Schleimhaut des Wanstes und der Haube (<em class="gesperrt">Müller</em>, -Magazin Bd. 24). — 2 Rinder zeigten nach dem Beweiden einer -mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese heftiges Brüllen, -Umherspringen, Toben, Kolikerscheinungen, Aufblähen und Speicheln; -die Krankheitserscheinungen dauerten im ganzen 4 Tage (<em class="gesperrt">Meyer</em>, -Schweizer Archiv Bd. 2). — Eine Schafherde nahm auf der Weide viel -Ranunculus arvensis auf. Schon nach ½ Stunde zeigten einige Tiere -Zittern, Krämpfe, Taumeln, sowie klägliches Geschrei. Binnen einer -Stunde krepierten 21, ebensoviele waren scheintot, erholten sich -aber wieder nach kurzer Zeit. Bei der Sektion fand man umschriebene -Magenentzündung (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -— Vier Pferde, welche Ranunculus Flammula aufgenommen hatten, -starben an Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Stock</em>, The vet. journ. 1886). -— Eine Schafherde hatte auf einem Esparsettefeld geweidet, auf -dem enorme Mengen von Ranunculus repens und arvensis wuchsen. Die -ganze Herde erkrankte an Durchfall, Aufblähung und Krämpfen. 137 -Schafe starben; bei der Sektion fand man Entzündung des Magens -und Darmes (<em class="gesperrt">Eggeling</em>, Berl. Arch. 1891, S. 370). — 2 -Kühe starben plötzlich nach der Aufnahme von Ranunkeln an der -Entzündung des Labmagens und Dünndarms (<em class="gesperrt">Brause</em>, ibid. 1900). -— 12 Kühe und 1 Ochse starben nach der Aufnahme von Ranunculus -acris, sceleratus und bulbosus; sie zeigten blutigen Durchfall, -schwere Benommenheit und bei der Sektion die Erscheinungen der -Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Trouette</em>, Revue vét. 1900). — Eine Stute -erkrankte nach der Verfütterung von Heu, das zu ⅓ aus Ranunculus -acris bestand, unter Erscheinungen der Kolik, Diarrhöe und Hämaturie; -nach 5 Tagen erfolgte Genesung. In ähnlicher Weise erkrankten Kühe -nach der Aufnahme von Ranunculus Ficaria; sie zeigten Kolik und -Durchfall, sowie vereinzelt Abortus (<em class="gesperrt">Mesnard</em>, Recueil 1894). -— 4 Rinder erkrankten nach der Verfütterung von Grünfutter aus -einem sumpfigen Graben, das viel Ranunculus sceleratus und acris -enthielt, unter Kolik, starkem Speicheln, Zittern, Taumeln und -Zusammenbrechen (<em class="gesperrt">Wolf</em>, Sächs. Jahresber. 1900). — Bei der -Futternot im Jahr 1904 kamen Futtermittel zur Verwendung, die in -anderen Jahren kaum Beachtung finden. Ein Landwirt liess das in einem -toten Neissearme gewonnene Schilfgras an sein Rindvieh verfüttern. -Noch beim Verzehren des Futters verfielen vier Kühe unter einem 25 -Haupt starken Viehstapel plötzlich in Krämpfe und Zuckungen; bald -brachen sie vor der Krippe bewusstlos zusammen. Die Sektion ergab -eine leicht entzündliche Rötung der Pansen- und Haubenschleimhaut. In -dem Schilfgras waren die Blätter des Hahnenfusses in grosser Menge -vertreten. Sie wurden als zu Ranunculus sceleratus gehörig botanisch -festgestellt. Wie sich am Ort der Grasgewinnung erkennen liess, wuchs -der Ranunculus nicht in dem Schilf, sondern begleitete diesen in -etwa 1 m breitem Streifen. Hierdurch wird es erklärlich, weshalb nur -vier Haupt aus dem grossen Viehstapel der Giftwirkung anheimfielen. -Das Schilfgras war zurzeit der Verabreichung mit dem Ranunculus sehr -ungleichmässig gemischt. Das bei den ersten Schnitten gewonnene -Schilf war als Heu geerntet worden und bereits ohne Gefahr wie auch -in anderen Jahren verzehrt worden (<em class="gesperrt">Hönscher</em>, Zeitschr. f. Vet. -1905).</p> - -<p><em class="gesperrt">Vergiftungen durch Anemonenarten sind in der tierärztlichen -Literatur nicht enthalten.</em> Fütterungsversuche von <em class="gesperrt">Müller</em> -und <em class="gesperrt">Krause</em> (Berl. Arch. 1897) mit Anemone nemorosa bei -verschiedenen Haustieren hatten ebenfalls ein negatives Resultat; der -Pflanze kommt danach eine eigentliche Giftwirkung nicht zu.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Bingelkraut">Vergiftung durch Bingelkraut.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das Bingelkraut (Euphorbiazee) kommt in zwei -giftigen Arten vor. 1. <em class="gesperrt">Mercurialis annua</em> (einjähriges -Bingelkraut, Bengelkraut, Ruhrkraut, Rehkraut, Schlangenkraut), ein -auf Schutthaufen, an<span class="pagenum" id="Seite_245">[S. 245]</span> Aeckern und Zäunen wachsendes einjähriges -Kraut mit kahlem, aufrechtem, ¼–½ m hohem, vierkantigem Stengel, -länglich eiförmigen, kerbig gesägten Blättern, festsitzenden -weiblichen Blüten (Juni–Oktober) und spitzhöckerigen Fruchtkapseln. -2. <em class="gesperrt">Mercurialis perennis</em> (ausdauerndes Bingelkraut, Kuhkraut, -Hundskohl, Speckmelde) ist ein in Buchenwäldern häufig vorkommendes, -perennierendes, 15–30 cm hohes, kahles oder rauhhaariges Kraut mit -einfachem, stielrundem Stengel, glänzend dunkelgrünen, eiförmig -länglichen Blättern und langgestielten weiblichen Blüten (April-Mai).</p> - -<p>Beide Pflanzen enthalten das <b>Merkurialin</b>, einen purgierenden -Stoff, ausserdem Methylamin, Trimethylamin, ein ätherisches Oel und -Indigo.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das im Bingelkraut enthaltene -Merkurialin wirkt <em class="gesperrt">reizend</em> auf die <em class="gesperrt">Magendarmschleimhaut</em> -und auf die <em class="gesperrt">Nieren</em>. Das Krankheitsbild der bei den -Pflanzenfressern und beim Schwein beobachteten Merkurialisvergiftung -besteht daher vorwiegend in den Erscheinungen einer Gastroenteritis und -Nephritis. Die Tiere zeigen <em class="gesperrt">Appetitlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">unterdrückte -Rumination</em>, <em class="gesperrt">leichte Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Verstopfung oder -Durchfall</em>, <em class="gesperrt">vermehrte Harnsekretion</em>, <em class="gesperrt">blutig gefärbten -Harn</em>, <em class="gesperrt">Drängen auf den Harn</em>, <em class="gesperrt">Eiweisszylinder im Harn</em>, -<em class="gesperrt">Steifheit in der Nierengegend</em>, <em class="gesperrt">Empfindlichkeit bei Druck in -derselben</em>, <em class="gesperrt">erschwerten Gang</em>, <em class="gesperrt">beschleunigte Atmung</em>, -<em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">beschleunigten, schwachen Puls</em>. -In einem Fall wurde auch eine Rotfärbung der Milch beobachtet. Die -<em class="gesperrt">Prognose</em> der Vergiftung ist in den meisten Fällen günstig; -die Dauer der Erkrankung kann 4–6 Tage und darüber betragen. Bei der -Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis und Nephritis. -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist eine symptomatische (Verabreichung von -schleimigen, einhüllenden und von adstringierenden Mitteln, namentlich -von Tannin). Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> geschieht auf botanischem Weg.</p> - -<p>Von den in der Literatur enthaltenen Beobachtungen über -Merkurialisvergiftung sind zunächst die <em class="gesperrt">experimentellen</em> -Untersuchungen von <em class="gesperrt">Schulz</em> (Arch. f. experiment. Pathol. -1886) zu erwähnen. Die Versuchstiere (Schweine und Kaninchen) -zeigten neben vermehrter Harnsekretion, enormer Ausdehnung der Blase -(Blasenlähmung), Harnzwang und Verstopfung einen blutrot gefärbten -Harn, in welchem jedoch Blutfarbstoff nicht nachzuweisen war. Die Natur -dieses <em class="gesperrt">roten</em> Farbstoffes ist nicht näher festgestellt worden. -Vielleicht gehört derselbe zu der Gruppe des Indigo, da das Bingelkraut -tatsächlich Indigo enthält. Auf Grund der Schulzschen Beobachtung muss -ferner die Frage aufgeworfen<span class="pagenum" id="Seite_246">[S. 246]</span> werden, ob die von den tierärztlichen -Beobachtern als Blutharnen und Blutmelken beschriebenen Erscheinungen -der Merkurialisvergiftung wirklich durch rote Blutkörperchen bezw. -Hämoglobin bedingt wurden, oder ob auch ihnen ein roter, indigoartiger -Farbstoff als Ursache zugrunde gelegen hat. <em class="gesperrt">Von manchen wird die -Giftigkeit des Bingelkrauts überhaupt verneint</em> (vgl. unten). -Genauere Untersuchungen auch hierüber sind hier sehr erwünscht.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Vernant</em> (Recueil 1883) beobachtete bei zwei -Pferden nach dem Genuss von Mercurialis annua Appetitlosigkeit, -starke Rötung der Konjunktiva, pochenden Herzschlag, beschleunigten -Puls, Steifheit in der Nierengegend, erschwerten Gang, sehr starke -Polyurie sowie blutigen Urin; die Genesung erfolgte nach drei -Wochen. Bei einer Kuh wurden dieselben Erscheinungen, ausserdem -aber hochgradige Schwäche wahrgenommen; die Genesung erfolgte -schon nach vier Tagen. <em class="gesperrt">Harms</em> (Magazin 1871) beobachtete als -Hauptsymptom der Merkurialisvergiftung Blutharnen; im Bodensatz -des Harns fanden sich Eiweisszylinder, Lymphzellen und braune -Körnchen. <em class="gesperrt">Jouguan</em> (Recueil 1883) sah vier Kühe unter -den Erscheinungen einer Indigestion erkranken; ein Tier starb. -<em class="gesperrt">Dammann</em> (Gesundheitspflege 1886) hat häufig bei Schweinen -Vergiftungen beobachtet, wenn die ärmeren Leute im Frühjahr aus -den Buchenwäldern Bingelkraut holten. <em class="gesperrt">Dubois</em> (Annal. d. -Bruxelles 1847) beobachtete bei Rindern Appetitlosigkeit, Mattigkeit, -Schmerz bei Druck auf die Nierengegend, leichte Kolikerscheinungen, -Verstopfung und Durchfall, sowie Absatz eines dunkelschwarzen -Harns. <em class="gesperrt">Schaak</em> (Journal de Lyon 1847) beobachtete bei einer -Kuh Rotfärbung der Milch, angestrengte Atmung, Harnbeschwerden, -Abgang von schwarzem Blut mit dem Harn, Genesung am 6. Tag. Von 2 -anderen Kühen zeigte die eine Verstopfung und Blutharnen, die andere -Durchfall und Verkalben; beide genasen. <em class="gesperrt">Mesnard</em> (Recueil -1894) sah bei einem Pferd nach der Aufnahme von Mercurialis annua -Kolik, roten Harn, kleinen Puls und Zyanose der Schleimhäute. Bei -der Sektion zeigten sich die Nieren geschwollen und hyperämisch, -ekchymosiert, im Nierenbecken befand sich reines Blut (!), die -Harnblase enthielt schwärzlichen, stark eiweisshaltigen Harn. — -<em class="gesperrt">Blackhurst</em> (Vet. journ. 1896) beschreibt eine Vergiftung -durch Mercurialis perennis bei fünf Kühen; drei derselben zeigten -am folgenden Tag schleimigen Durchfall und Speichelfluss, die -beiden andern Entleerung dicker Blutkoagula aus dem After, Kolik, -Schwäche und Koma; alle 5 Kühe wurden geheilt. — <em class="gesperrt">Oberwegner</em> -(Wochenschr. f. Tierhlkde. 1899) sah bei einem Schwein nach dem -Fressen von Mercurialis annua die Erscheinungen der Gastroenteritis, -dunklen Harn, sowie Abortus. — <em class="gesperrt">Micucci</em> (Giorn. soc. vet. -1902) führt einen Fall von Hämoglobinurie beim Rind auf das -Bingelkraut zurück, das im Futter gefunden wurde (eine andere Kuh, -welche das Futter verweigert hatte, blieb gesund); der Harn zeigte -eine dunkelrote bis schwarzrote Farbe und enthielt so wenig rote -Blutkörperchen, dass die Farbe des Harns dadurch nicht erklärt werden -konnte. — <em class="gesperrt">Ganter</em> (Bad. Mitteil. 1907) führt gleichfalls -schweres Blutharnen bei fünf Rindern darauf zurück, dass das Futter -ausschliesslich aus Bingelkraut bestand; im Nierenbecken fand sich -„blutiger“ Harn. — <em class="gesperrt">Perrussel</em> (J. de Lyon 1899) beobachtete -bei 2 Kühen nach der Aufnahme von je 4–6 kg der Mercurialis annua -tödliche Kolik und getrübten schmutziggrünen Harn; die Sektion -ergab akute Darmentzündung, Nierenentzündung und pralle Füllung der -Blase mit rötlichem Harn. <em class="gesperrt">Mathis</em> (ibid.) bezweifelt dagegen -auf Grund eines Fütterungsversuches die Giftigkeit der Mercurialis -annua; er machte bei einem Ochsen die Gastrotomie und führte 9 Tage -lang je 4 kg frischer Merkurialis durch die Operationswunde in den -Pansen ein, ohne hiernach Gesundheitsstörungen zu beobachten. Auch -<em class="gesperrt">Faure</em> (ibid.) bezweifelt auf Grund von Versuchen an Kaninchen -die Giftigkeit des Bingelkrauts.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_247">[S. 247]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Wolfsmilch">Vergiftung durch Wolfsmilch (Euphorbia, -Tithymalus).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die Gattung <em class="gesperrt">Euphorbia</em> (<em class="gesperrt">Tithymalus</em>), -<em class="gesperrt">Wolfsmilch</em>, ist charakterisiert durch einen krautartig -beblätterten Stengel, gestielte gelbe, einhäusige Blüten mit -glockenförmigem, fünflappigem Kelch und einer derartigen Anordnung, -dass eine weibliche Blüte von 8–10 männlichen umgeben ist, endlich -durch eine 3fächerige, 3knöpfige, 3 Teilfrüchtchen bildende Kapsel. -Von giftigen Wolfsmilcharten kommen für die Haustiere in Betracht: -<em class="gesperrt">Euphorbia Cyparissias</em>, die Zypressenwolfsmilch, <em class="gesperrt">Euphorbia -Peplus</em>, die Gartenwolfsmilch, <em class="gesperrt">Euphorbia helioskopia</em>, -die sonnenwendige Wolfsmilch, und <em class="gesperrt">Euphorbia marginata</em>. -Eine andere giftige Wolfsmilchart ist <em class="gesperrt">Euphorbia Lathyris</em>, -das Maulwurfskraut oder Springkraut, deren Samen als Springkörner -oder <em class="gesperrt">Semina Cataputiae minoris</em> bezeichnet werden. Der -Milchsaft der genannten Wolfsmilcharten enthält das giftige -<b>Euphorbinsäureanhydrid</b> neben dem indifferenten Euphorbon.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das im Milchsaft der -Euphorbien enthaltene Euphorbinsäureanhydrid hat eine <em class="gesperrt">reizende</em> -Wirkung auf <em class="gesperrt">Haut</em> und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em>. Die Erscheinungen der -Euphorbiumvergiftung sind daher wesentlich die einer <em class="gesperrt">hämorrhagischen -Gastroenteritis</em>: Appetitlosigkeit, Speicheln, <em class="gesperrt">Kolikzufälle</em>, -Verstopfung, Tympanitis, ruhrartiger, häufig <em class="gesperrt">blutiger Durchfall</em>, -pochender Herzschlag, beschleunigter schwacher Puls, Betäubung, -Schwindel, Konvulsionen. Bei der Sektion findet man Rötung, Schwellung, -Ekchymosierung und Geschwürsbildung auf der Schleimhaut des Magens und -Darms. Die Behandlung besteht in der Verabreichung schleimiger und -öliger Mittel in Verbindung mit Opium oder Tannin; im übrigen ist die -Therapie symptomatisch. Der Nachweis wird auf botanischem Weg geführt.</p> - -<p>Euphorbiumvergiftungen kommen bei den Haustieren ziemlich selten -vor. Die Giftigkeit der einzelnen Wolfsmilcharten scheint überhaupt -nicht sehr hochgradig zu sein. <em class="gesperrt">Dammann</em> (Gesundheitspflege) -fütterte einen Hammel mit 3 Pfd. der sonnenwendigen Wolfsmilch, ohne -Vergiftungserscheinungen zu konstatieren. Von den in der Literatur -verzeichneten Vergiftungsfällen sind die nachstehenden bemerkenswert. -<em class="gesperrt">Prietsch</em> (Sächs. Jahresber. 1859) beobachtete bei einer -Ziege nach der Aufnahme von Euphorbia Peplus Kolikerscheinungen, -Tympanitis, Speicheln und Verstopfung. <em class="gesperrt">Dennhardt</em> (ibid. -1907) sah bei 5 Kühen, die auf einer Rübenstoppel weideten, auf -der massenhaft Euphorbia helioskopia wuchs, starken Durchfall und -plötzliches Versiegen der Milch. <em class="gesperrt">Baudius</em> (Preuss. Mitteil. 6. -Bd.) beobachtete bei einer Rinderherde nach dem Genuss der Wolfsmilch -Kolikerscheinungen, sowie Gelbfärbung der Haut bei zwei<span class="pagenum" id="Seite_248">[S. 248]</span> weissen -Ochsen. <em class="gesperrt">Vincenti</em> (Woch. f. Tierh. Bd. 12) sah bei einem Rind -nach der Aufnahme von Euphorbia helioskopia Appetitlosigkeit, Durchfall -und pochenden Herzschlag. <em class="gesperrt">Mesnard</em> (Recueil 1894) beobachtete -bei einem Pferd Durchfall, Tenesmus und grosse Schwäche. Aehnliche -Fälle sind von <em class="gesperrt">Marquardt</em> (Repertor. 1876), <em class="gesperrt">Schüpp</em> -(Schweizer Archiv Bd. 13) und <em class="gesperrt">Röll</em> (Oesterr. Veterinärber. -1883) beschrieben worden. Endlich sollen Vergiftungen beim Menschen -nach dem Genuss von Ziegenmilch beobachtet worden sein (<em class="gesperrt">Menzel</em>, -Quellenstudien im Interesse der Milchviehzucht).</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Fleckschierling">Vergiftung durch Fleckschierling (Conium -maculatum).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Fleckschierling</em> oder -<em class="gesperrt">Landschierling</em>, <em class="gesperrt">Conium maculatum</em> (Blutschierling, -Mauerschierling, Wutschierling, Schwindelkraut, Tollkraut, -Ziegendill, Teufelspeterling), ist eine auf Schutthaufen, unbebautem -Land und an Wegen in ganz Europa wild wachsende Umbellifere. Der -Stengel hat eine Höhe von 1–2 m, ist rund, aufrecht, ästig, bläulich -bereift, am Grund rotbraun gefleckt („Fleckschierling“). Die ganze -Pflanze ist kahl, die Blätter sind dunkelgrün und glänzend. Die -unteren Blätter werden über 20 cm lang, sie sind dreifach gefiedert -und haben einen gleichlangen, runden, hohlen, röhrigen Stiel, der -am Grund in eine den Stengel umfassende häutige Scheide übergeht. -Der Blütenstand bildet eine doppelt zusammengesetzte Dolde, die -Blüten sind weiss. Die Samenrippen sind zusammengedrückt, anfangs -gekerbt, später wellenförmig. Die Pflanze besitzt einen widerlichen, -an Mäuseurin erinnernden Geruch, welcher auch am eingetrockneten -Kraut nach dem Befeuchten mit Kalilauge nachzuweisen ist. Der -Fleckschierling enthält das sehr giftige, ölartige, flüchtige -Alkaloid <b>Koniin</b> von der Formel <span class="nowrap">C<sub>8</sub>H<sub>17</sub>N</span>, ausserdem das -Konhydrin und Methylkoniin.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Koniin ist ein <em class="gesperrt">lähmendes</em> Gift für -die <em class="gesperrt">Bewegungsnerven in den quergestreiften Muskeln</em>, desgleichen -für das <em class="gesperrt">Gehirn</em> und <em class="gesperrt">Rückenmark</em>; der Tod erfolgt durch -<em class="gesperrt">Lähmung des Zwerchfells</em>. Ausserdem besitzt das Koniin eine -<em class="gesperrt">reizende</em> Wirkung auf Schleimhäute. Die Vergiftungserscheinungen -bestehen zunächst in <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Würgen</em>, -<em class="gesperrt">Brechbewegungen</em> und <em class="gesperrt">Aufblähung</em>; die Allgemeinwirkung -äussert sich in allgemeiner <em class="gesperrt">Muskelschwäche</em>, unsicherem -Gang, zunehmender <em class="gesperrt">motorischer</em> und <em class="gesperrt">sensibler Lähmung</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, Pupillenerweiterung -und <em class="gesperrt">Atmungskrämpfen</em>. Bei der Sektion findet man ausser leichten -gastroenteritischen Erscheinungen nichts Besonderes. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung von Tannin als chemisches Antidot, sowie -von exzitierenden Mitteln: Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, Kaffee, -Salmiakgeist, Ammonium carbonicum, Liquor Ammonii anisatus, Atropin, -Koffein, Strychnin etc.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_249">[S. 249]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die Haustiere scheinen im allgemeinen gegenüber dem Koniin -weniger empfindlich zu sein als der Mensch.</em> Ich habe dies -insbesondere bei Hunden konstatiert, bei welchen ich die Wirkung des -bromwasserstoffsauren Koniins experimentell prüfte. Die subkutane -<em class="gesperrt">Todesdosis</em> beträgt nämlich nach meinen Versuchen pro kg -Körpergewicht beim Hund 0,05 g (die Maximaldosis für den Menschen -wird pro Einzeldosis auf 2 mg angegeben!!). Zwei Hunde von 9 und 12 -kg Körpergewicht ertrugen Dosen von 0,04, 0,1, 0,2 und 0,3 g Coniinum -hydrobromicum subkutan ohne irgend welche sichtbare Allgemeinwirkung -(also das 100fache der Maximaldosis des Menschen). Erst Dosen von -0,5 und 1,0 Coniinum hydrobromicum töteten die Versuchshunde in -einem Zeitraum von etwa einer halben Stunde. Die hiebei beobachteten -Erscheinungen waren folgende: Die Tiere zeigten etwa ¼ Stunde -nach der subkutanen Injektion des Coniinum hydrobromicum leichte -Mattigkeit, Nachlass der freiwilligen Bewegungen, kratteligen, -unbeholfenen Gang, Schwanken und Taumeln, Unvermögen, sich auf den -Hinterfüssen vorn in die Höhe zu erheben, Einknicken im Karpalgelenk -(Schwäche der Streckmuskel), gespreizte rückständige Stellung, sowie -leichtes Speicheln mit Kaubewegungen. Im weiteren Verlauf nahm die -Muskelschwäche rasch zu, die Tiere legten sich auf den Boden und -versuchten vergebens wieder aufzustehen. Zuletzt lagen sie anhaltend -schlaff am Boden; wenn man sie aufhob, hingen Kopf und Hals ebenfalls -ganz schlaff herab und die Zunge hing gelähmt aus der Maulspalte -heraus. Der Harn floss von selbst ab (Lähmung des Sphincter vesicae). -Die Atmung wurde allmählich tiefer. Sodann waren anfallsweise Streck- -und Schüttelkrämpfe (epileptiforme Krämpfe) zu beobachten, welche in -ein leises Zittern übergingen. Die Pupille war erweitert und die Kornea -unempfindlich. Zuletzt trat ganz ruhig Stillstand der Atmung ein, -während das Herz noch einige Zeitlang fortschlug (noch etwa 60 Pulse). -Die Herztätigkeit war dabei bis zuletzt immer normal.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Neben dem <em class="gesperrt">botanischen</em> Nachweis, der wohl in -den meisten Fällen genügen dürfte, kann auch der <em class="gesperrt">chemische</em> -Nachweis des Koniins geliefert werden. Die <em class="gesperrt">Abscheidung</em> -des sehr leicht zersetzlichen und flüchtigen Koniins erfolgt -auf dieselbe Weise wie die des Nikotins (vgl. S. 196). Beim -Verdunsten des <em class="gesperrt">Petroleumätherauszugs</em> auf dem mit ätherischer -<em class="gesperrt">Salzsäure</em> benetzten Uhrschälchen bleibt im Gegensatz zum -Nikotin ein <em class="gesperrt">kristallinischer</em><span class="pagenum" id="Seite_250">[S. 250]</span> Niederschlag von salzsaurem -Koniin zurück. Das reine, nach dem Verdunsten des Aetherauszugs ohne -Säurezusatz zurückbleibende Koniin hat einen scharfen, eigentümlichen -<em class="gesperrt">Geruch</em>, welcher verdünnt an <em class="gesperrt">Mäuseurin</em> erinnert. Der -Nachweis des Koniins als solches wird durch die <em class="gesperrt">Kristallform</em> -der beim Verdunsten des Petroleumäthers zurückbleibenden salzsauren -Koniinkristalle geliefert. Löst man den kristallinischen Rückstand -mit starker <em class="gesperrt">wässeriger Salzsäure</em> auf und trocknet diese Lösung -ein, so bilden sich <em class="gesperrt">nadel-</em> oder <em class="gesperrt">säulenförmige Kristalle</em>, -welche angehaucht <em class="gesperrt">koniinartig riechen</em> und, bei 200maliger -Vergrösserung gesehen, entweder <em class="gesperrt">sternförmig</em> zu <em class="gesperrt">Drusen</em> -zusammengelagert, oder <em class="gesperrt">balkengerüstähnlich</em> ineinander gewachsen, -oder <em class="gesperrt">dendritisch</em>, <em class="gesperrt">moos-</em> oder <em class="gesperrt">schilfartig</em> -sind. Charakteristische Farbenreaktionen für Koniin existieren zum -Unterschied von Nikotin nicht. Die mit Salzsäure eintretende blaugrüne -Färbung weist auf eine stattgefundene Zersetzung des Koniins hin. -Dagegen gibt das Koniin <em class="gesperrt">Niederschläge</em> mit den bekannten -Alkaloidreagenzien. So wird eine Lösung von Koniin in <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub> ccm -schwefelsäurehaltigen Wassers (1 : 10) durch <em class="gesperrt">Kalium-Wismutjodid</em> -und <em class="gesperrt">Phosphormolybdänsäure</em> etc. ausgefällt.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><em class="gesperrt">Kasuistik.</em> Die <em class="gesperrt">klinischen</em> Fälle von -Schierlingvergiftung sind ziemlich selten. Nach <em class="gesperrt">Schmidt</em> -(Oesterr. Vierteljahresschrift 1876) starb ein Kalb nach der Aufnahme -von 4 kg frischen Krautes. Nach <em class="gesperrt">Noll</em> (Tierärztl. Zeitung -1846) starben 2 Ziegen 6 Stunden nach der Aufnahme von Schierling, -nachdem sie gespeichelt, die Augen verdreht, sowie Bewusstlosigkeit -und Krämpfe gezeigt hatten. Bei der Sektion fand man leichte Rötung -der Pansenschleimhaut, sowie Ekchymosen auf der Schleimhaut des -Psalters und Labmagens. Nach <em class="gesperrt">Read</em> (The Veterinarian 1845) -zeigten Lämmer Taumeln, allgemeine Lähmung, Unempfindlichkeit und -Zappeln. Bei der Sektion fand man scharlachrote Flecken auf der -Pansenschleimhaut. <em class="gesperrt">Baranski</em> (Berl. Arch. 1896) sah bei Gänsen -Lähmungserscheinungen und Durchfall. <em class="gesperrt">Graffunder</em> (ibid. -1898) beobachtete bei Kälbern Aufblähung, Schwindel, Taumeln, -Pupillenerweiterung, Durchfall und Tod unter allgemeiner Lähmung. -— <em class="gesperrt">Plotti</em> (Clin. vet. 1899) sah bei 2 Kühen und 1 Kalb -Kolik, epileptiforme Krämpfe und Tod infolge allgemeiner Lähmung. -<em class="gesperrt">Graham-Gillam</em> (Journ. of comp. 1902) beobachtete bei einem -Esel nach der Aufnahme grosser Mengen von Schierling Krampfkolik, -stieren Blick, Pupillenerweiterung, gesenkte Kopfhaltung und Tod.</p> - -<p>Die früher mit <em class="gesperrt">Schierlingskraut</em> angestellten -<em class="gesperrt">toxikologischen</em> Versuche haben nicht viel Bestimmtes -ergeben. <em class="gesperrt">Pferde</em> zeigten nach 1½ und 3½ Pfd. frischem, -nach 180 g getrocknetem Kraut, sowie nach 1 Pfd. Blätter und -1 Pfd. Saft nichts Besonderes (<em class="gesperrt">Hertwig</em>, <em class="gesperrt">Viborg</em>, -<em class="gesperrt">Moiroud</em>); <em class="gesperrt">Kühe</em> nach 3 Pfd. frischem und ½ Pfd. -trockenem Kraut nur Tympanitis (<em class="gesperrt">Hertwig</em>); <em class="gesperrt">Schafe</em> -starben nach <em class="gesperrt">Leblanc</em>, ebenso <em class="gesperrt">Hunde</em> nach 240 und 400 -g ausgepressten Saftes unter Erbrechen, Schwindel und Zittern -(<em class="gesperrt">Orfila</em>). Ein Hund starb von 10 g des Pulvers (<em class="gesperrt">Devay</em> -und <em class="gesperrt">Guilliermond</em>). <em class="gesperrt">Intravenös</em> töteten 4 g des Krauts -im Infus ein Pferd nach 8 Minuten; 4 g des Extrakts riefen bei -einem Pferd intravenös Schwanken, Taumeln, Zusammenstürzen, Lähmung -aller Teile, insbesondere der Zunge hervor. Hunde zeigten ähnliche -Erscheinungen (<em class="gesperrt">Hertwig</em>).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_251">[S. 251]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Wasserschierling">Vergiftung durch Wasserschierling -(Cicuta virosa).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Wasserschierling</em>, <em class="gesperrt">Cicuta virosa</em> -(Giftwüterich), ist eine Sumpfpflanze mit weissem, milchendem, von -Querständen gefächertem Wurzelstock, aufrechtem, bis über 1 m hohem -Stengel, dreifach gefiederten Blättern, schmalen, spitzen, scharf -gesägten Blättchen und weissen Doldenblüten. Das Kraut besitzt -einen petersilienartigen Geschmack. Der Wasserschierling enthält -das <b>Zikutoxin</b>, eine zähflüssige, widrig schmeckende, sehr -giftige Masse, welche in der frischen Wurzel zu 0,2 Proz., in der -getrockneten zu 3,5 Proz. vorhanden ist. Ausserdem enthält die -Pflanze ein ätherisches Oel, das Zikuten, von der Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>16</sub></span>.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Zikutoxin ist ein -<em class="gesperrt">Krampfgift</em>, welches tonisch-klonische, von den Kopf- und -Nackenmuskeln ausgehende und sich von da über den ganzen Körper, -namentlich auch auf die Atemmuskel verbreitende <em class="gesperrt">Krämpfe</em> erzeugt. -Es tötet Katzen in Dosen von 0,05 g pro kg Körpergewicht. Gleichzeitig -wirkt es <em class="gesperrt">reizend</em> und entzündungserregend auf die Schleimhaut -des Verdauungsapparates. Die Vergiftungserscheinungen bestehen in -<em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, -<em class="gesperrt">epileptiformen Anfällen</em>, <em class="gesperrt">krampfhaften Kontraktionen der Hals- -und Kopfmuskeln</em>, <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">kollerartigem -Benehmen</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em>, <em class="gesperrt">Atmungskrämpfen</em>. -Der Tod erfolgt meist innerhalb 24 Stunden. Bei der Sektion findet -man entzündliche Rötung der Magendarmschleimhaut, Lungenhyperämie, -Gehirnhyperämie, sowie zuweilen Gehirnödem. Die Behandlung besteht in -der Verabreichung von Tannin und je nach den Vergiftungserscheinungen -in der Anwendung exzitierender oder beruhigender Mittel.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Experimentelle</em> Verfütterungen von -Wasserschierling an Pferde sind von <em class="gesperrt">Krause</em> (Magazin -Bd. 3) vorgenommen worden. 500 g getrocknetes und gepulvertes -Schierlingskraut erzeugten nach 2 Stunden Appetitlosigkeit und -Kolik, nach 4 Stunden Tympanitis, Betäubung, Pupillenerweiterung, -Herzklopfen, nach 6 Stunden krampfhaftes Abbeugen des Kopfes nach -rechts, sowie krampfhafte, automatenartige Bewegungen der Gliedmassen -und des Unterkiefers neben Unvermögen zu stehen, endlich nach 15 -Stunden unter heftigen allgemeinen Krämpfen Tod. Bei der Sektion fand -man dunkelrote Flecke auf der Schleimhaut des Magens, Blind- und -Grimmdarms. Zwei andere Pferde starben unter denselben Erscheinungen -innerhalb 48 Stunden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Klinische</em> Fälle sind mehrfach beschrieben worden. -<em class="gesperrt">Kettritz</em> (Berl. Arch. 1804) sah 4 Kühe plötzlich sterben, -welche am Rand eines Teiches geweidet hatten; die Sektion ergab -Magenentzündung. 2 andere zeigten Aufblähung, Eingenommenheit und -Mattigkeit, genasen aber nach 3 Tagen. <em class="gesperrt">Kruckow</em> (ibid. 1895) -beschreibt einen ähnlichen Fall. 6 Ochsen, welche an einem Grabenrand -geweidet hatten, verendeten im Verlauf weniger Stunden. Sie zeigten -zuerst Aufblähung, dann Schwanken und Taumeln, worauf sie unter -Krämpfen verendeten; die Sektion ergab entzündliche Rötung des -Magens. <em class="gesperrt">Wermbter</em><span class="pagenum" id="Seite_252">[S. 252]</span> (ibid. 1896) sah 3 Kühe plötzlich erkranken -und innerhalb einer Stunde sterben, welche an einem See geweidet -hatten; eine Kuh starb gewissermassen apoplektisch. Die andern -zeigten Aufblähung, Zittern, Speicheln, Krämpfe und Zusammenstürzen. -Weitere klinische Beobachtungen von Zikutavergiftungen bei Rindern -und Schweinen sind von <em class="gesperrt">Gips</em> (Berl. Arch. 1892), <em class="gesperrt">Höhne</em> -(ibid. 1887), <em class="gesperrt">Hackbarth</em> und <em class="gesperrt">Collmann</em> (Preuss. -Mitt. 1883), <em class="gesperrt">Damitz</em> und <em class="gesperrt">Oeltze</em> (Magazin 1840), -<em class="gesperrt">Schaller</em> (ibid. 1864), <em class="gesperrt">Weidmann</em> (Schweizer Archiv Bd. -8) u. a. gemacht worden.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Gartenschierling">Vergiftung durch Gartenschierling -(Aethusa Cynapium).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Gartenschierling</em>, <em class="gesperrt">Aethusa -Cynapium</em> (kleiner Schierling, Hundspetersilie, Katzenpetersilie, -Gleisse), ist eine in Gärten, auf Aeckern, Schutthaufen, an Wegen -etc. vorkommende Umbellifere mit weissen Doldenblüten (Blütezeit -Juli), rundem, glattem, bis 1 m hohem, bläulich bereiftem, geflecktem -Stengel, 2–4fach fiederteiligen, an der Unterfläche glänzenden, fast -geruchlosen, beim Reiben mit der Hand lauchartig riechenden Blättern, -halbrunden, rinnenförmigen Blattstielen, langen 3blätterigen -Blütenhüllchen (dieselben sind länger als die Döldchen), sowie -dicken, scharfkantigen, ganzrandigen Samenrippen.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Der im Gartenschierling enthaltene Giftstoff ist -seiner Natur nach nicht genauer bekannt. Es sind von verschiedenen -Seiten überhaupt Bedenken erhoben worden, ob der Gartenschierling -zu den Giftpflanzen zu zählen ist (<em class="gesperrt">Dammann</em>, <em class="gesperrt">Harley</em>, -<em class="gesperrt">Kobert</em>). 2 Schafe, welchen <em class="gesperrt">Dammann</em> 1–2 kg -Gartenschierling in frischem Zustand fütterte, zeigten keinerlei -Krankheitserscheinungen. Es ist deshalb die Vermutung aufgestellt -worden, dass der Gartenschierling bei den angeblichen Vergiftungen -mit anderen Schierlingsarten verwechselt worden ist. Jedenfalls sind -zum Zustandekommen einer Vergiftung ausserordentlich grosse Mengen -notwendig. In einem von <em class="gesperrt">Wegner</em> (Magazin 1868) berichteten Fall -zeigten 3 Kühe, welche zusammen etwa 42 kg Gartenschierling erhalten -hatten, Appetitlosigkeit, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">taumelnden Gang</em>, -<em class="gesperrt">beschleunigtes Atmen</em>, <em class="gesperrt">Herzklopfen</em>, <em class="gesperrt">stinkenden -Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>, <em class="gesperrt">Unvermögen aufzustehen</em>, -<em class="gesperrt">Zuckungen</em>, <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, <em class="gesperrt">Lähmung des -Hinterteils</em> und zuletzt <em class="gesperrt">vollständige Lähmung</em>. Eine Kuh -starb nach 10tägiger Krankheitsdauer. Die Sektion ergab entzündliche -Veränderungen im Labmagen und Dünndarm, sowie Ansammlung von Serum im -Gehirn und Rückenmark. <em class="gesperrt">Behme</em> (Berl. Arch. 1896) sah nach der -Aufnahme von Gras, welches viel Gartenschierling enthielt, bei Kühen -taumelnden Gang und Unvermögen zu stehen; nach Ablauf einiger Stunden -waren sie wieder gesund.</p> - -<p>Nach älteren Versuchen von <em class="gesperrt">Orfila</em> zeigte ein Hund, welcher 200 -g ausgepressten Saft erhalten hatte, Uebelkeit, Herzklopfen,<span class="pagenum" id="Seite_253">[S. 253]</span> Lähmung, -Betäubung und Krämpfe. <em class="gesperrt">Möbius</em> (Ad. Wochenschr. 1877) berichtet -über einen Vergiftungsfall bei 2 Schweinen, welche bereits nach 2 -Stunden starben.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Blausaeurevergiftung">Blausäurevergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die Blausäure kommt bei verschiedenen -Gattungen der Amygdaleen (Pruneen) in Form eines Glykosides, -des <b>Amygdalins</b>, vor. Im Tierkörper spaltet sich das -Amygdalin unter der Einwirkung des Emulsins in Blausäure, CNH, -Bittermandelöl, <span class="nowrap">C<sub>7</sub>H<sub>6</sub>O</span>, und Zucker, <span class="nowrap">2(C<sub>6</sub>H<sub>12</sub>O<sub>6</sub>)</span>, -indem es 2 Moleküle Wasser aufnimmt. Das Amygdalin hat demnach -die Formel <span class="nowrap">C<sub>20</sub>H<sub>27</sub>NO</span>. Von amygdalinhaltigen Pflanzen sind zu -erwähnen: 1. <em class="gesperrt">Prunus Amygdalus</em>, var. amara (früher Amygdalus -communis benannt), der <em class="gesperrt">Bittermandelbaum</em>; die bitteren Mandeln -enthalten 3,3 Proz. Amygdalin. Aus den bitteren Mandeln wird das -offizinelle Aqua Amygdalarum amararum mit einem Blausäuregehalt -von 1 pro Mille dargestellt. 2. <em class="gesperrt">Prunus laurocerasus</em>, der -<em class="gesperrt">Kirschlorbeerbaum</em>, ein bis 6 m hoher Strauch mit lederartigen, -immergrünen, länglich zugespitzten, scharf sägezähnigen Blättern, -aus welchen früher das Aqua Laurocerasi dargestellt wurde. Derselbe -enthält das mit dem Amygdalin verwandte <b>Laurocerasin</b>. 3. -<em class="gesperrt">Prunus persica</em>, der <em class="gesperrt">Pfirsichbaum</em>, dessen Kerne über 2 -Proz. Amygdalin enthalten und dessen lanzettliche, spitz gesägte, -an beiden Rändern eingerollte Blätter ebenfalls giftig sind. 4. -<em class="gesperrt">Prunus Padus</em>, der <em class="gesperrt">Traubenkirschbaum</em>, ein 1–10 m hoher, -in Laubwäldern und an Flussufern wachsender Baum mit krautigen, -fast kahlen, sommergrünen, zugespitzten Blättern, ebenso giftig -wie die Kirschlorbeerblätter. 5. <em class="gesperrt">Prunus domesticus</em>, der -<em class="gesperrt">Pflaumen-</em> oder <em class="gesperrt">Zwetschgenbaum</em>, dessen Fruchtkerne -(Zwetschgenkerne) etwa 1 Proz. Amygdalin enthalten. 6. <em class="gesperrt">Prunus -Cerasus</em> und <em class="gesperrt">avium</em>, der <em class="gesperrt">Kirschbaum</em>, mit 0,8 Proz. -Amygdalingehalt der Kirschkerne. Amygdalin findet sich ferner zu -einem halben Prozent in den Apfelkernen. Ausser den obengenannten -Amygdaleen und Pomazeen enthalten etwa 200 andere Pflanzenspezies -Blausäureglykoside, so z. B. Gymnema latifolium (Asklepiadee), Lasia -und Cyrtosperma (Aroideen), Pangium edule (Bixazee), Echinocarpus -Sigun (Tiliazee), Lucuma mammosa (Sapotazee), Phaseolus lunatus -und vulgaris (Papilionazeen), Jatropha Manihot (Euphorbiazee), -Agaricus oreades (Fungi). Sogar im Samenmehl von Linum usitatissimum -(Lein) hat man ein amygdalinartiges, blausäurehaltiges Glykosid, -das Linamarin, entdeckt. — Im Tierreich findet sich Blausäure -im Drüsensekret der Tausendfüssler (Chilognathen), desgleichen -Zyanverbindungen (Zyan-Methyl, -Aethyl und -Amyl) im Gift der Kröten, -Tritonen und Salamander.</p> - -<p>Während Vergiftungen durch die freiwillige Aufnahme der genannten -Pflanzen und Pflanzenteile bei den Haustieren, namentlich bei den -Schweinen, Pflanzenfressern und beim Geflügel nicht selten sind, -haben die Vergiftungen mit reiner Blausäure und deren Präparaten -bei den Haustieren nur eine experimentell-toxikologische Bedeutung. -Die <em class="gesperrt">reine Blausäure</em> stellt in wasserfreiem Zustand eine -farblose Flüssigkeit dar, welche in freiem Zustand nirgends in der -Natur vorkommt, sondern im Laboratorium aus Zyanquecksilber und -Salzsäure nach der Formel <span class="nowrap">Hg(CN)<sub>2</sub></span> + 2 ClH = <span class="nowrap">HgCl<sub>2</sub></span> + 2 CNH -dargestellt wird. Die zu Vergiftungszwecken benützte <em class="gesperrt">wasserhaltige -Blausäure</em> (Prozentsatz durch Verdünnung mit Wasser beliebig -zu regulieren) wird durch Destillation von Zyankalium oder -Ferrozyankalium<span class="pagenum" id="Seite_254">[S. 254]</span> mit verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Das -<em class="gesperrt">Zyankalium</em>, CNK, durch Einleiten von Blausäure in Kalilauge -dargestellt und vielfach zu Vergiftungszwecken (Hunde, Katzen) -benützt, bildet amorphe weissliche Stücke oder Stangen, welche an -der Luft zerfliessen und bei Säurezusatz (oder mit der Salzsäure -des Magens) Blausäure entwickeln. Giftig ist ferner Zyansilber, -Zyanquecksilber und Zyangold. Das <em class="gesperrt">rohe Bittermandelöl</em>, -welches bei der Zersetzung des Amygdalins entsteht, ist wegen seines -Blausäuregehaltes (5–12 Proz.) ebenfalls giftig. An und für sich -ungiftig ist <em class="gesperrt">Ferrozyankalium</em>, das gelbe Blutlaugensalz, -<span class="nowrap">K<sub>4</sub>Fe(CN)<sub>6</sub></span>; wird dasselbe jedoch gleichzeitig zusammen mit einer -Säure eingegeben, so wirkt es giftig durch Blausäureentwicklung. -Ungiftig ist ferner <em class="gesperrt">Ferridzyankalium</em>, das rote Blutlaugensalz, -welches im Harn angeblich als Ferrozyankalium ausgeschieden wird.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Blausäure ist eines der stärksten -Nervengifte. Sie bewirkt Erregung und spätere Lähmung der grossen -Zentren des verlängerten Marks, namentlich des <em class="gesperrt">Atmungszentrums</em> -und <em class="gesperrt">vasomotorischen Zentrums</em>, sowie der motorischen Zentren -der Grosshirnrinde, ausserdem <em class="gesperrt">Narkose</em> des <em class="gesperrt">Grosshirns</em>. -Sodann ist die Blausäure ein spezifisches <em class="gesperrt">Stoffwechselgift</em>, -indem sie den Geweben die Fähigkeit benimmt, Sauerstoff zu binden -und zu verbrauchen (<em class="gesperrt">innere Erstickung</em>). <em class="gesperrt">0,05 g der reinen, -wasserfreien Blausäure (= 1 Tropfen) töten einen grossen Hund; -0,5–1,0 g (12–20 Tropfen) ein Pferd.</em> Die tödliche Dosis des -<em class="gesperrt">Zyankaliums</em> für den Hund beträgt 0,25–0,5 g; für das Pferd -5–10,0 g. Kleinere Tiere, wie Vögel, Meerschweinchen etc., sterben -schon nach Verabreichung unwägbarer Mengen chemisch reiner Blausäure -(0,1 mg).</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Erscheinungen</em> der Blausäurevergiftung sind verschieden -je nach der aufgenommenen Menge. <em class="gesperrt">Grosse</em> Dosen haben -einen <em class="gesperrt">blitzähnlich schnellen</em>, <em class="gesperrt">schlagartigen</em>, -<em class="gesperrt">apoplektiformen</em> Tod zur Folge. Die Tiere stürzen unter einem -lauten Schrei oder Geheul zusammen und verenden unter rasch zunehmender -Atmungsbeschwerde, Erbrechen und tetanischen Krämpfen innerhalb weniger -Minuten infolge einer sofortigen allgemeinen Lähmung des Nervensystems -(Vergiften der Hunde). Bei <em class="gesperrt">mittleren</em> Dosen lassen sich drei -Stadien der Blausäurevergiftung unterscheiden:</p> - -<p>1. Ein <em class="gesperrt">dyspnoisches</em> Stadium, beginnend mit <em class="gesperrt">Schwindel</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>. Die <em class="gesperrt">Atmung</em> wird sehr -<em class="gesperrt">beschleunigt</em> und <em class="gesperrt">angestrengt</em>, bei Pferden stöhnend und -röchelnd. Die Tiere sind sehr unruhig und ängstlich; die sichtbaren -Schleimhäute sind hellrot gefärbt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_255">[S. 255]</span></p> - -<p>2. Ein <em class="gesperrt">konvulsives</em> Stadium, in welchem die Tiere zusammenstürzen -und in <em class="gesperrt">starrkrampfähnliche Krämpfe</em> (<em class="gesperrt">Orthotonus</em>, -<em class="gesperrt">Opisthotonus</em>, <em class="gesperrt">Trismus</em>) und <em class="gesperrt">epileptiforme Zuckungen</em> -verfallen. Dabei findet unwillkürliche Kot- und Harnentleerung statt; -die Atmung wird allmählich langsamer.</p> - -<p>3. Ein <em class="gesperrt">asphyktisches</em> Stadium mit schliesslichem -<em class="gesperrt">Aufhören</em> der <em class="gesperrt">Atmungsbewegungen</em>, starkem <em class="gesperrt">Sinken</em> -der <em class="gesperrt">Temperatur</em>, <em class="gesperrt">Verlangsamung des Herzschlags</em>, -<em class="gesperrt">Anästhesie</em>, <em class="gesperrt">Zyanose</em>, <em class="gesperrt">Koma</em> und <em class="gesperrt">Tod</em>.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Aufnahme</em> der Blausäure findet von allen Körperstellen, -insbesondere auch von der unverletzten Haut aus statt. Besonders -schnell wird sie von der Trachealschleimhaut und von der Konjunktiva -resorbiert; Katzen sterben z. B ½-1 Minute nach dem Einbringen -weniger Tropfen einer 2proz. Blausäure in den Lidsack (Berliner -Vergiftungsmethode). Die <em class="gesperrt">Ausscheidung</em> der Blausäure erfolgt im -unzersetzten Zustand namentlich durch die Lunge und die Haut.</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> In den akut verlaufenden Fällen findet -man das <em class="gesperrt">Blut</em> oft <em class="gesperrt">auffallend hellrot</em>, ein für die -Blausäurevergiftung sehr charakteristischer, durch die Bildung von -<em class="gesperrt">Zyan-Methämoglobin</em> bedingter Befund. Bei längerer Dauer der -Vergiftung hat das Blut eine dunkel schwarzbraune Farbe. Das Blut ist -ferner arm an Gerinnseln. Im übrigen findet man die Erscheinungen der -Suffokation. Von Wichtigkeit für den Nachweis der Blausäurevergiftung -ist der <em class="gesperrt">Geruch</em> der inneren Körperorgane nach <em class="gesperrt">bitteren -Mandeln</em>.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Neben der Verabreichung von <em class="gesperrt">Brechmitteln</em> hat -man als chemisches Gegengift die Anwendung von <em class="gesperrt">Eisenoxydhydrat</em> -mit Magnesia (Antidotum Arsenici) empfohlen, um die Bildung des -ungiftigen Eisenzyanürsalzes herbeizuführen. Ferner werden als -chemische Antidote <em class="gesperrt">Wasserstoffsuperoxyd</em>, H<sub>2</sub>O<sub>2</sub>, <em class="gesperrt">Kalium -permanganicum</em>, KMnO<sub>4</sub> (0,5proz.) und <em class="gesperrt">Kobaltnitrat</em> -empfohlen, sauerstoffreiche Körper, welche die Blausäure zu -ungiftigen Verbindungen (Zyansäure und Oxamid) oxydieren. Wegen -des rapiden Verlaufs der Blausäurevergiftung bleibt jedoch nur -eine <em class="gesperrt">symptomatische</em> Behandlung übrig. Gegen die Lähmung des -Atmungszentrums hat man insbesondere das <em class="gesperrt">Atropin</em> angewandt. Von -anderen <em class="gesperrt">Reizmitteln</em> sind Aether, Alkohol, Kampfer, Koffein, -Veratrin, Strychnin, kalte Begiessungen, elektrische Reizung<span class="pagenum" id="Seite_256">[S. 256]</span> der Nervi -phrenici im Gebrauch. Auch der Aderlass wird befürwortet.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Der Nachweis der Blausäure muss möglichst schnell -nach dem Tode vorgenommen werden, weil die Blausäure sich im Kadaver -bald zu Ammoniak und Ameisensäure zersetzt. Die Blausäure wird behufs -Nachweis zunächst <em class="gesperrt">überdestilliert</em>; die zu destillierende -Flüssigkeit muss vorher schwach sauer gemacht werden, am besten durch -Weinsäure. Die Temperatur beim Ueberdestillieren soll 100° C. nicht -wesentlich übersteigen (Zersetzung der Blausäure). Die <em class="gesperrt">zuerst</em> -übergegangenen 2–3 ccm des Destillates werden zunächst für sich -allein untersucht, weil sie meistens den grössten Gehalt an Blausäure -besitzen; dann werden weitere 2–3 ccm untersucht etc. Meist lässt -sich die Blausäure schon durch den Geruch (<em class="gesperrt">Bittermandelgeruch</em>) -des Destillates nachweisen. Im Destillat, welches man in mehrere -Teile teilt, wird die Blausäure durch Zusatz gewisser Stoffe in die -nachfolgenden charakteristisch gefärbten Verbindungen übergeführt: 1. -In <em class="gesperrt">Berlinerblau</em> durch Zusatz von <em class="gesperrt">Eisenvitriollösung</em> und -<em class="gesperrt">Kalilauge</em>, Erhitzen bis zum Sieden, Filtrieren, Ansäuern des -Filtrates mit <em class="gesperrt">Salzsäure</em> und Beimengung eines Tropfens verdünnter -<em class="gesperrt">Eisenchloridlösung</em>. Einfacher kann die Reaktion in der Weise -vorgenommen werden, dass man das Destillat mit einer Lösung eines -<em class="gesperrt">Eisenoxyd-Oxydulsalzes</em> und dann mit Kalilauge bis zur deutlichen -alkalischen Reaktion versetzt, schüttelt und Salzsäure bis zur sauren -Reaktion hinzufügt. 2. In <em class="gesperrt">blutrotes Rhodaneisen</em> verwandelt -man die Blausäure, indem man eine zweite Probe des Destillats mit -einigen Tropfen <em class="gesperrt">Schwefelammonium</em> im Wasserbade verdunstet, den -Rückstand in wenig Wasser löst, mit 1–2 Tropfen Salzsäure ansäuert -und einen Tropfen <em class="gesperrt">Eisenchloridlösung</em> hinzufügt; es bildet -sich Rhodaneisen = Ferridthiozyanat Fe<sub>2</sub>(SCN)<sub>6</sub>. Diese Reaktion -ist sehr empfindlich, sie gelingt noch bei einer Verdünnung der -Blausäure von 1 : 4 Millionen. (Aber Vorsicht wegen des Rhodangehaltes -des Speichels.) 3. In <em class="gesperrt">blauviolettes Nitroprussidkalium</em> -führt man die Blausäure über durch Versetzen des Destillates mit -wenigen Tropfen einer Lösung von <em class="gesperrt">Kaliumnitrat</em>, ferner -mit 2–4 Tropfen <em class="gesperrt">Eisenchloridlösung</em> und sodann mit soviel -verdünnter Schwefelsäure, dass die braune Farbe eben gelb wird, -worauf erwärmt, abgekühlt, das überschüssige Eisen mit etwas Ammoniak -gefällt, filtriert und das Filtrat mit wenig <em class="gesperrt">Schwefelammonium</em> -zusammengebracht wird.<span class="pagenum" id="Seite_257">[S. 257]</span> Es bildet sich Nitroprussidkalium, -<span class="nowrap">K<sub>2</sub>Fe(NO)CN<sub>5</sub></span> mit prachtvoll violetter oder blauer Farbe. 4. -Mit <em class="gesperrt">Guayaktinktur</em> (3 Proz.) und einigen Tropfen 1<sup>00</sup>⁄<sub>00</sub>iger -Kupfervitriollösung versetzt, färben sich Lösungen von Blausäure beim -Umschütteln <em class="gesperrt">blau</em>. Diese empfindlichste aller Blausäurereaktionen -wird jedoch auch z. B. durch Ammoniak hervorgerufen, sie bedarf aber -im positiven Falle einer Kontrollprobe, während sie im negativen Falle -die Abwesenheit der Blausäure sicher beweist. 5. Mit <em class="gesperrt">Pikrinsäure</em> -oder <em class="gesperrt">Pikrinsalpetersäure</em> (einige Tropfen einer wässerigen -Lösung) und etwas <em class="gesperrt">Aetzkali</em> versetzt, färbt sich Blausäure beim -Erwärmen auf 50–60° <em class="gesperrt">blutrot</em>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Quantitativ</em> wird die Blausäure als <em class="gesperrt">Zyansilber</em> bestimmt. -Die überdestillierte Blausäure wird zum Zwecke der Entfernung -von etwaiger Salzsäure oder Borax rektifiziert, das Destillat -mit Salpetersäure angesäuert und die darin enthaltende Blausäure -durch <em class="gesperrt">salpetersaures Silber</em> als Zyansilber ausgefällt, der -Niederschlag auf gewogenem Filter filtriert, ausgewaschen, bei 110° -getrocknet und gewogen. 100 Teile des Niederschlags (Zyansilber) sind -= 20 Teile wasserfreie Blausäure = 48,66 Zyankalium. (Ein Teil der -Blausäure wird indessen beim Destillieren zersetzt!)</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Bittere Mandeln.</em> Ein Pferd zeigte nach 250 -g bitterer Mandeln Pulsbeschleunigung, Flankenschlagen, Stöhnen -und öfteren Kotabsatz, war jedoch nach ½ Stunde wieder genesen -(<em class="gesperrt">Viborg</em>). — Ein kleiner Hund starb nach 6 g bitteren Mandeln -unter den Erscheinungen von Schwindel und Schwäche nach 6 Stunden -(<em class="gesperrt">Orfila</em>). — Ein Schwein zeigte nach mehrtägiger Verabreichung -von 20–25 g bitterer Mandeln Zittern und Unruhe, erholte sich aber -immer wieder (<em class="gesperrt">Gerlach</em>, Gerichtl. Tierheilkunde). — Eine Katze -starb nach 4 g. Mehrere Gänse zeigten nach dem Genuss der bitteren -Mandeln Zittern, Lähmung und grosse Beängstigung (<em class="gesperrt">Schwarz</em>, -Ad. Woch. 1861). — Mandeltorte soll namentlich für Papageien ein -giftiger Leckerbissen sein (<em class="gesperrt">Gerlach</em>). — Ein Papagei starb -nach dem Genuss von bitteren Mandeln, indem er von der Stange fiel -und zitterte (<em class="gesperrt">von Rátz</em>, Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. 1892).</p> - -<p><em class="gesperrt">Zwetschgenkerne.</em> Vier Schweine starben plötzlich nach dem -Genuss derselben. Bei der Sektion fand man das Blut kirschrot und -die Magenschleimhaut stark gerötet und geschwollen (<em class="gesperrt">Perdan</em>, -Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1884). — Eine Schafherde war in einen -Garten getrieben worden, in dem sehr viele abgefallene Zwetschgen -lagen. Viele Schafe erkrankten nach der Aufnahme derselben, 4 -starben. Die Tiere zeigten Taumeln, Umfallen, Pupillenerweiterung -und schnaubende Atmung; im Magen fanden sich viele zerbissene -Zwetschgenkerne, ausserdem eine blutige Entzündung. Das Blut -war hellrot; das Fleisch roch scharf nach bitteren Mandeln -(<em class="gesperrt">Bernhard</em>, Preuss. Vet. Ber. pro 1906).</p> - -<p><em class="gesperrt">Kirschlorbeerblätter.</em> Von 25 Schafen, welche die Blätter -gefressen hatten, starben 5 (<em class="gesperrt">van Damm</em>). Einen weiteren Fall -hat <em class="gesperrt">Bartholeyns</em> (Bullet. Belg. 1886) veröffentlicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pfirsichblätter.</em> Drei Ziegen starben nach dem Genuss derselben -unter Atembeschwerden, Lähmungserscheinungen und Konvulsionen -(<em class="gesperrt">Imthurn</em>, Tierarzt 1834).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_258">[S. 258]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Traubenkirschblätter.</em> Zwei Kühe erkrankten nach dem Genuss -derselben; eine starb. Bei der Sektion wurden rote Flecke im Labmagen -und Darm vorgefunden (<em class="gesperrt">Noll</em>). — Nach der Aufnahme von Laub -der Traubenkirsche lagen einige Rinder ¼ Stunde in Ohnmacht -(<em class="gesperrt">Juell</em>, Nord. Zeitschr. 1889).</p> - -<p><em class="gesperrt">Kirschkerne.</em> Zwei Schweine erkrankten unter Schwanken, -Konvulsionen, Atembeschwerden, Herzklopfen (<em class="gesperrt">Frey</em>, Magazin Bd. -15).</p> - -<p><em class="gesperrt">Zyankalium.</em> Ein 1jähriges Fohlen starb nach der -intrathorakalen Injektion von 25 g Zyankalium nach 6 Stunden -(<em class="gesperrt">Röder</em>, Sächs. Jahresber. 1893).</p> - -<p><em class="gesperrt">Blausäurehaltige Bohnen.</em> Ueber eine Massenvergiftung von -Pferden, Rindern und Schweinen durch fremdländische Bohnen, sog. -Javabohnen, haben <em class="gesperrt">Dammann</em> und <em class="gesperrt">Behrens</em> (D. T. W. 1906) -berichtet. Die Bohnen stammten von <em class="gesperrt">Phaseolus lunatus</em> und -<em class="gesperrt">vulgaris</em>, <em class="gesperrt">Dolichos</em> und <em class="gesperrt">Cajanus indicus</em>, und -erwiesen sich blausäurehaltig (0,1–1,5 pro Mille), sowie für obige -Tiere giftig. Das mit Wasser angerührte Bohnenschrot entwickelte -einen eigenartigen Geruch. ¼ kg des Schrots verursachten bei einem -Schaf sofort starke Atembeschleunigung, Brechbewegungen, Zuckungen, -Koma und Tod; das Blut zeigte eine hellrote Farbe, der Panseninhalt -roch deutlich nach Blausäure. Eine Kuh zeigte 2 Stunden nach der -Aufnahme von ¾ kg Bohnenschrot beschleunigte Atmung, maximale -Pupillenerweiterung, Zucken, sowie Sinken der Körpertemperatur; nach -dem Tod erschien das Blut hellrot. — In der Revue vétér. alger. -et tunis. 1908 wird darauf hingewiesen, dass viele importierte -Körnerfrüchte Blausäure enthalten und zum Nachweis der letzteren -folgende einfache Methode empfohlen: Weisses Filtrierpapier wird mit -1proz. Pikrinsäurelösung getränkt und getrocknet. Hierauf wird es in -eine Lösung von Soda (1 : 10) gebracht und wieder getrocknet. Bringt -man dieses Reagenzpapier in ein gut verschlossenes Reagenzglas, -an dessen Boden sich die betreffenden Pflanzenteile in feuchtem, -mazeriertem Zustand befinden, so färbt es sich schon bei ganz -minimalen Blausäuremengen rot.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kartoffelkeime_und_Kartoffelkraut">Vergiftung -durch Kartoffelkeime und Kartoffelkraut (Solaninvergiftung).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das <b>Solanin</b> ist ein glykosidisches -Alkaloid, welches durch Kochen in Zucker und <em class="gesperrt">Solanidin</em>, einen -saponinartigen Körper, zerfällt. Es ist in verschiedenen Solaneen -enthalten: 1. <em class="gesperrt">Solanum tuberosum</em>, die <em class="gesperrt">Kartoffel</em>, -enthält Solanin in den <em class="gesperrt">Samen</em> (Beeren), in den <em class="gesperrt">Keimen</em>, -im <em class="gesperrt">Kraut</em> und unmittelbar vor der Reife unter der Schale. 2. -<em class="gesperrt">Solanum nigrum</em>, der <em class="gesperrt">Nachtschatten</em>, ein auf Schutthaufen -und an schattigen Plätzen wachsendes, bis 1 m hohes Kraut mit -behaartem Stengel, buchtig gezahnten, ebenfalls behaarten Blättern, -weissen Blüten und schwarzen, glänzenden Beeren gibt ebenfalls -Veranlassung zu Solaninvergiftungen bei den Haustieren. Dagegen sind -bisher Vergiftungen nicht vorgekommen durch die übrigen Solaneen: -Solanum Dulcamara (Bittersüss), welches das Dolkamarin, ebenfalls -einen saponinartigen Giftstoff enthält, Solanum Lycopersicum -(Tomaten), Sol. mammosum (Jungfernbrust), Sol. Sodomaeum und -verbascifolium. In den Solaneen sollen ausser dem Solanin auch noch -atropin- und hyoszinähnliche Alkaloide mit mydriatischer Wirkung -enthalten sein. In der Kartoffel soll das Solanin nach <em class="gesperrt">Weil</em> -(D. med. W. 1902) nicht, wie bisher angenommen wurde, durch Keimung, -sondern durch Bakterienwirkung entstehen („Bacterium solaniferum“).</p> -</div> - -<p><b>Wirkung des Solanins.</b> Das Solanin wirkt <em class="gesperrt">lähmend</em> auf -<em class="gesperrt">Gehirn</em>, <em class="gesperrt">Rückenmark</em> und <em class="gesperrt">Herz</em>. Es besitzt demnach -eine morphinartige Wirkung, weshalb sich die Krankheitserscheinungen<span class="pagenum" id="Seite_259">[S. 259]</span> -bei der Solaninvergiftung häufig in <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Kreuzschwäche</em> und <em class="gesperrt">Lähmung</em> äussern.</p> - -<p>Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Perles</em> (Archiv für exper. Pathol. -1890) wirkt das Solanin ausserdem nach Art der Saponine unter Umständen -auch örtlich <em class="gesperrt">reizend</em> (<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>). Wie das Sapotoxin -der Kornrade soll auch das Solanin von der intakten Darmschleimhaut -aus sehr schwer resorbiert werden, woraus seine geringe Giftigkeit für -gesunde Tiere verständlich würde. <em class="gesperrt">Diese zeitweise Verschiedenheit -in der Wirkung des Solanins, welche bald eine allgemeine, lähmende, -bald eine örtliche, reizende ist und häufig überhaupt nicht in die -Erscheinung tritt, erklärt vielleicht die abweichenden Angaben über das -Krankheitsbild der Solaninvergiftung bezw. Kartoffelkrautvergiftung</em> -(vgl. unten).</p> - -<p>Bei der nervösen Form der Krankheit, wobei die Tiere zuweilen -plötzlich gelähmt umfallen und innerhalb weniger Minuten sterben, ist -der <em class="gesperrt">Sektionsbefund</em> gewöhnlich negativ. Bei der gastrischen -Form findet man dagegen die Erscheinungen der Gastroenteritis. — -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Verabreichung von Tannin und -exzitierenden Mitteln.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Solaninvergiftung.</b> Solaninvergiftungen -ereignen sich bei den Haustieren am häufigsten nach der Aufnahme -<em class="gesperrt">keimender Kartoffeln</em>, sowie von <em class="gesperrt">Kartoffelkraut</em>. Die -in der tierärztlichen <em class="gesperrt">Literatur</em> als „Solaninvergiftungen“ -bezeichneten Krankheitsfälle sind übrigens bei genauerer Prüfung -nur zum Teil als wirkliche Vergiftungen durch Solanin aufzufassen. -Es sind offenbar mehrere Erkrankungen, welche durch Ueberfütterung -mit Kartoffeln oder Kartoffelkraut, durch Aufnahme verdorbener, -gärender, zersetzter Kartoffel, durch verdorbene Kartoffelschlempe, -durch pilzbefallenes Kartoffelkraut usw. verursacht waren, -als Solaninvergiftungen beschrieben worden. Entsprechend der -verschiedenartigen Wirkung des Solanins kann man mehrere klinische -Formen der Solaninvergiftung unterscheiden, eine <em class="gesperrt">nervöse</em>, eine -<em class="gesperrt">gastrische</em> und eine <em class="gesperrt">exanthematische</em>.</p> - -<p>1. Die <b>nervöse</b> Form ist die gewöhnliche Form der -Solaninvergiftung. Sie äussert sich im wesentlichen in Symptomen der -<em class="gesperrt">Betäubung</em> und <em class="gesperrt">Lähmung</em>. Sie kann sich mit der gastrischen -Form <em class="gesperrt">komplizieren</em>. Die tierärztliche Literatur enthält sehr -zahlreiche Fälle der mehr oder weniger reinen nervösen Form der<span class="pagenum" id="Seite_260">[S. 260]</span> -Solaninvergiftung. Am häufigsten wird dieselbe nach der Verfütterung -von <em class="gesperrt">Kartoffelkeimen</em> beobachtet.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Koppitz</em> (Oesterr. Vereinsmonatsschr. -1883) beobachtete bei Kühen nach der Verfütterung keimender -Kartoffeln im Frühjahr Schwäche im Hinterteil sowie stupiden, -teilnahmslosen Gesichtsausdruck. Nach <em class="gesperrt">Schwanefeld</em> (Berl. -Archiv 1885) äusserte sich dieselbe Vergiftung bei einer Ziege -in allgemeiner Paralyse. <em class="gesperrt">Eggeling</em> (Preuss. Mitteil. -1882) beobachtete bei 8 Kühen am Tag nach der Verfütterung von -Kartoffelkraut Schreckhaftigkeit, Aufregung, Schwäche im Kreuz und -in den Hinterbeinen, sowie Lähmung des Hinterteils. <em class="gesperrt">Fuchs</em> -(Bad. Mitteil. 1870) sah nach der Aufnahme von Kartoffelkraut bei -Kühen Taumeln und Zittern, die Tiere konnten sich nicht auf den -Beinen erhalten, stürzten vielmehr gelähmt zusammen. <em class="gesperrt">Prahl</em> -(Preuss. Mitteil. 1868) beschreibt eine Solaninvergiftung nach -der Verfütterung von Kartoffelkraut bei 8 Kühen. Zwei derselben -fielen plötzlich um, die eine starb nach wenigen Sekunden, die -andere lag 2 Tage gelähmt am Boden; die übrigen zeigten Taumeln, -Pupillenerweiterung und Seitwärtsstellung des Kopfes. <em class="gesperrt">Gerlach</em> -(Gerichtl. Tierheilkunde 1872) sah nach der Aufnahme von -Kartoffelbeeren Hühner unter den Erscheinungen von Traurigwerden, -Mattigkeit, Taumeln und Umfallen sterben. 8 Kühe erhielten infolge -eingetretener Futternot stark gekeimte Kartoffeln. Am 3. Tag -zeigten sie Schwanken im Hinterteil, Zuckungen in den Beinen, -Unruhe, kurzes Atmen, Bohren und Stossen mit Kopf und Hörnern in -die Tröge, Verstopfung mit späterer Diarrhöe, Betäubung, Apathie, -Niederstürzen, Liegenbleiben, Zunahme der Lähmungserscheinungen -und Unempfindlichkeit im Hinterteil (Bild des Festliegens). -Auffallend war der faulige, penetrante Kotgeruch. Nach dem Aussetzen -der Fütterung und Einleitung einer Behandlung verschwanden die -Lähmungserscheinungen am 2. Tag, die enteritischen Symptome jedoch -erst am 8. Tag (<em class="gesperrt">Walther</em>, Sächs. Jahresber. 1893). Eine Kuh -zeigte nach der Verfütterung von Kartoffelkraut Zittern, taumelnden -Gang und schliesslich vollständige Lähmung, so dass sie unfähig war, -sich zu erheben; gleichzeitig bestand übelriechender Durchfall; das -Tier ging nach dreiwöchentlicher Krankheitsdauer an Erschöpfung -zugrunde (<em class="gesperrt">Hohenleitner</em>, Woch. f. Tierhlkde. 1894). Als -typische Symptome nach der Verfütterung von Kartoffelkraut beim Rind -beobachtete <em class="gesperrt">Schulz</em> (ibid. 1895) Lähmungserscheinungen in Form -von Schwanken und Festliegen, daneben bestand zuweilen Verstopfung, -Aufblähung und fast immer Ekzembildung auf der Haut. Die Kühe eines -Rittergutes erhielten pro Kopf und Tag 75 Pfd. gedämpfte Kartoffeln, -worauf sich bald bei fast allen Tieren neben hochgradigem Durchfall -eine derartige Lähmung des Hinterteils einstellte, dass die meisten -3–4 Tage nicht aufstehen konnten und die andern einen schwankenden -Gang zeigten (<em class="gesperrt">Liebener</em>, Berl. Arch. 1889). Eine Kuh, welche -grosse Mengen keimender Kartoffeln erhielt, zeigte hochgradige -Mattigkeit, Unempfindlichkeit der Haut, Schlafsucht, Durchfall und -lag gelähmt auf der Seite. <em class="gesperrt">Krüger</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1893, -S. 308) beobachtete bei einem mit Kartoffeln gefütterten Pferd -ausgesprochene Erscheinungen einer Solaninvergiftung. Nachdem das -Pferd 10 Tage hindurch als Ersatz für Hafer bis zu 10 Pfd. Kartoffeln -erhalten hatte, zeigte sich am 11. Tag grosse Schreckhaftigkeit, -Taumeln, Schwanken, Kreuzschwäche, Pupillenerweiterung, Lähmung des -Mastdarms und der Blase, sowie der Kaumuskeln, der Ohren-, Nasen-, -Lippen- und Lidmuskeln. Die Sektion des nach etwa 3wöchentlicher -Krankheitsdauer verendeten Pferdes ergab einen durchaus negativen -Befund. <em class="gesperrt">Höhne</em> (Berl. Arch. 1891, S. 369) sah bei Schafen -nach der Aufnahme roher gekeimter Kartoffeln Erscheinungen von -rasendem Koller und Kreuzlähmung eintreten. <em class="gesperrt">Zimmermann</em> (ibid.) -beobachtete bei Milchkühen, die fortgesetzt Kartoffelbrei aus -gedämpften Kartoffeln erhalten hatten, eine Massenerkrankung in Form -von Kreuzschwäche und Kreuzlähme. Nach <em class="gesperrt">Maier</em> (D. T. W. 1893) -zeigte eine Kuh nach der Fütterung erfrorener Kartoffeln Unvermögen -aufzustehen, Liegen mit zurückgeschlagenem Kopf, völlige Apathie, -sowie Durchfall. 4 Rinder zeigten nach der Verfütterung gekeimter, -gedämpfter Kartoffeln Taumeln und Lähmungserscheinungen; eine Kuh war -durch leichten Händedruck zum Umfallen zu bringen; der Sektionsbefund -war durchaus negativ (<em class="gesperrt">Lungwitz</em>, Sächs. Jahresber. 1897). Nach<span class="pagenum" id="Seite_261">[S. 261]</span> -<em class="gesperrt">Albrecht</em> (D. T. W. 1897) erkrankten nach der Verfütterung -gekeimter Kartoffeln, wobei auf 20 Pfd. Kartoffel täglich etwa 1 -Pfd. Keime kamen, 4 Kühe unter den Erscheinungen von Durchfall, -schwankendem Gang, sowie Gebärparese ähnlicher Haltung beim Liegen. -<em class="gesperrt">Haubold</em> (Sächs. Jahresber. 1900) sah bei 18 Mastschweinen -nach der Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln Schreckhaftigkeit, -Laufwut, seitliche Kopfhaltung, Pupillenerweiterung, Schwäche -und Lähmungserscheinungen; 2 Schweine verendeten nach kurzer -Zeit. <em class="gesperrt">Schneider</em> (Berl. tierärztl. Woch. 1902, S. 373) -beobachtete eine Massenerkrankung bei 1100 Schweinen eines -Molkereibesitzers nach der Verfütterung stark gekeimter Kartoffeln. -Die Krankheitserscheinungen bestanden in Teilnahmlosigkeit, -Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Sopor, schwachem Puls, wässerigem -Durchfall, Lähmung im Hinterteil und niedriger Körpertemperatur. Die -Sektion zweier Schweine ergab ausser entzündlichen Erscheinungen im -Fundusteil des Magens ein negatives Resultat. <em class="gesperrt">Spörer</em> (W. f. -T. 1903) sah bei 2 Kühen und einem Pferd nach der Fütterung stark -gekeimter Kartoffeln und Topinambur Benommenheit und Schwäche, sowie -Sistieren der Wanstbewegung; es trat Heilung ein. <em class="gesperrt">Seitz</em> -(ibid.) sah beim Rind nach der Fütterung alter gekeimter Kartoffeln -Betäubung, Schwanken, Taumeln, allgemeine Lähmung (am Boden -liegen), verlangsamte Atmung, reaktionslose Kornea und Ptosis; -trotzdem trat Heilung ein. <em class="gesperrt">Grebe</em> (Preuss. Vet. Ber. 1904) -sah bei 7 Schweinen nach der Aufnahme stark keimender Kartoffeln -Schwanken, vollständige Lähmung der Gliedmassen, Atemnot und Tod -nach 6–10 Stunden. Nach <em class="gesperrt">Döderlein</em> (W. f. T. 1906) erkrankten -2 Kühe, die mit stark gekeimten Kartoffeln gefüttert waren, unter -Lähmungserscheinungen, starker Benommenheit, Empfindungslosigkeit und -Durchfall; nach subkutanen Kampferinjektionen trat Heilung ein. Ein -ähnlicher Fall (derselbe?) wird in dem Preuss. Vet. Ber. pro 1907 -beschrieben.</p> -</div> - -<p>2. Die <b>gastrische</b> Form der Solaninvergiftung äussert -sich hauptsächlich in <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Meteorismus</em>, -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Speichelfluss</em> und sonstigen Erscheinungen des -<em class="gesperrt">Magendarmkatarrhs</em>; Lähmungserscheinungen fehlen. Dagegen hat -man zuweilen aphthöse Prozesse auf der Maulschleimhaut beobachtet. -Diese reizende, saponinähnliche Wirkung des Solanins findet man -namentlich nach der Verfütterung von grünem <em class="gesperrt">Kartoffelkraut</em>. -Dieselbe lässt sich auch experimentell bei Versuchstieren herbeiführen. -Zwei von <em class="gesperrt">Hess</em> und <em class="gesperrt">Wüthrich</em> (Die Wirkung des grünen -Kartoffelkrauts, Bern 1895) mit Kartoffelkraut gefütterte Kühe -zeigten schon nach 36 Stunden akutes Aufblähen sowie intensiven -Magendarmkatarrh mit Speichelfluss und Rückgang der Milchsekretion. -Die tierärztliche Literatur enthält ebenfalls einige klinische Fälle -dieser Vergiftungsform. Nach <em class="gesperrt">Körber</em> (Preussische Mitteil. Bd. -5) zeigten 3 Kühe, an welche im Frühjahr angefaulte und gekeimte -Kartoffeln verfüttert worden waren, unterdrückte Futter- und -Wasseraufnahme, Niedergeschlagenheit, <em class="gesperrt">wässerigen Durchfall</em>, -unwillkürlichen Abgang stinkender Massen, Sinken der Körpertemperatur, -Blässe der Schleimhäute und schliesslich kaum fühlbaren Puls. Sie -starben sämtlich im Verlauf von 36 bis 48 Stunden; bei der Sektion fand -man entzündliche Rötung der Labmagen- und Dünndarmschleimhaut.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_262">[S. 262]</span></p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p>Die Frage, ob ausser dem Solanin im Kartoffelkraut und in den -Kartoffelkeimen noch ein <em class="gesperrt">anderer Giftstoff</em> enthalten ist, -welcher die abweichende Wirkung auf die Verdauungsschleimhaut bedingt -(<em class="gesperrt">Hess</em> und <em class="gesperrt">Wüthrich</em>, <em class="gesperrt">Albrecht</em>), erledigt sich -wohl durch die nachgewiesene saponinartige Natur des Solanins. -Diese Eigenschaft erklärt ausreichend die Verschiedenheit des -Vergiftungsbildes, so dass sich die Annahme anderer, neben dem -Solanin vorhandener Giftstoffe erübrigt. Auch die früher sehr -auffallend erscheinende <em class="gesperrt">Ungiftigkeit des chemisch reinen Solanins -für gesunde Versuchstiere</em> wird durch die Saponinnatur des -Solanins (Unschädlichkeit bei intakter Schleimhaut) begreiflicher. -Ich gab z. B. einer Versuchskuh auf einmal 3,5 g Solaninum purum -(Merck) und später 3,75 g Solaninum hydrochloricum, ferner im -Verlauf einer Woche 3,5 g Solanidin, ohne hernach irgend welche -Krankheitserscheinungen zu beobachten. Auch ein Versuchsschaf -zeigte auf je 1 g Solanin, Solaninum hydrochloricum und Solanidin -keine Reaktion. Ein kleiner 19 Pfd. schwerer Versuchshund ertrug -eine subkutane Injektion von 0,5 Solaninum hydrochloricum (0,05 -pro kg Körpergewicht) ohne jede Spur einer Vergiftungserscheinung, -desgleichen 0,5 Solanidin innerlich. 2 kleine Kaninchen zeigten -nach der subkutanen Injektion von 0,05, 0,1 und 0,25 Solaninum -hydrochloricum ebenfalls ausser lokaler Abszedierung keine Reaktion.</p> -</div> - -<p>3. Nicht selten treten endlich <b>exanthematische</b>, an das Bild -der <em class="gesperrt">Schlempemauke</em> erinnernde Entzündungszustände der Haut zu -den gastrischen Störungen hinzu. So hat <em class="gesperrt">Heiss</em> (Wochenschr. f. -Tierheilk. 1885) beim Rind einen sehr interessanten Vergiftungsfall -nach der Verfütterung von Kartoffelkraut beschrieben, dessen -auffälligste Krankheitssymptome in einer ulzerösen Stomatitis, -Durchfall, Konjunktivitis, Lidschwellung, sowie in einem -<em class="gesperrt">vesikulären</em> und <em class="gesperrt">grindartigen Ekzem</em> an den <em class="gesperrt">Beinen</em>, -in der Umgebung des <em class="gesperrt">Afters</em>, an der <em class="gesperrt">Schwanzwurzel</em>, am -<em class="gesperrt">Euter</em> und <em class="gesperrt">Skrotum</em>, sowie am <em class="gesperrt">Halsrande</em> bestanden. -<em class="gesperrt">Möbius</em> (Sächs. Jahresber. 1893) beobachtete nach der Fütterung -mit Kartoffelkraut bei 1–3jährigen Rindern steifen Gang, schmerzhafte, -blaurötliche <em class="gesperrt">Anschwellungen der Fussenden</em> mit Rissbildung -und Exsudation, Abtrennung des Klauensaums, <em class="gesperrt">Erosionen</em> und -Blutungen auf der Maulschleimhaut, <em class="gesperrt">Ekzeme</em> am Skrotum, Rötung -der Scheidenschleimhaut sowie hohes Fieber (bis 41°). Aehnliche Fälle -sind von <em class="gesperrt">Römer</em> (D. T. W. 1895), <em class="gesperrt">Hohenleitner</em> (Wochenschr. -f. Tierheilk. 1894), <em class="gesperrt">Michaelis</em> (B. T. W. 1895), <em class="gesperrt">Model</em> -(Repertorium 1885) u. a. beschrieben worden. Aehnlich wie bei der -Lupinose und bei der Lecksucht des Rindes verliert das Kartoffelkraut, -welches im getrockneten Zustande ein gutes Futtermittel darstellt, -seine reizende Wirkung auf die Haut, wenn es einmal gebrüht wird -(Extraktion des Solanins!)</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Solanum nigrum.</b> <em class="gesperrt">Dietrich</em> (Preuss. Mitt. 1876) sah 3 -Ziegen nach dem Genuss des Nachtschattens unter den Erscheinungen -von Tympanitis<span class="pagenum" id="Seite_263">[S. 263]</span> und Verdrehen des Kopfes erkranken; eine starb nach -8 Stunden. Nach experimentellen Untersuchungen von <em class="gesperrt">Viborg</em> -und <em class="gesperrt">Orfila</em> starben Hunde nach Verabreichung des wässerigen -Auszuges von Solanum nigrum unter den Erscheinungen der Mattigkeit, -Empfindungslosigkeit und allgemeiner Muskellähmung. <em class="gesperrt">Ziegenbein</em> -(Berl. Arch. 1899) berichtet, dass 18 Enten nach der Aufnahme von -Nachtschatten unter Taumeln und Lähmungserscheinungen starben. Nach -<em class="gesperrt">Graham-Gillam</em> erkrankten 2 Schafe, welche Nachtschatten am Weg -gefressen hatten. Eines starb; das andere zeigte schwankenden Gang, -Durchfall und Pupillenerweiterung.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Taumellolch">Vergiftung durch Taumellolch, Lolium -temulentum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Taumellolch</em>, <em class="gesperrt">Lolium temulentum</em> -(Schwindellolch, Schwindelhafer, Taumelhafer), gehört zu der Familie -der Gramineen und ist ein einjähriges, namentlich im Sommergetreide -vorkommendes Ackerunkraut, welches besonders auf Haferfeldern und -in nassen Jahren gedeiht. Die steifen, aufrechten Halme der ½-1 m -hohen Pflanze besitzen ca. 15 cm lange Aehren mit charakteristischen, -langen Hüllspelzen, welche die Aehrchen vollständig bedecken. -Ausserdem ist die Pflanze mikroskopisch dadurch ausgezeichnet, dass -der Spelzrand eine eigentümliche Haarbildung zeigt.</p> - -<p>Das wirksame Prinzip des Taumellolchs ist noch nicht in reinem -Zustand dargestellt; man hat früher als solches das <em class="gesperrt">Loliin</em>, -einen glykosidischen Bitterstoff angenommen. Von anderen wird das -<em class="gesperrt">Temulin</em>, ein Alkaloid von der Formel <span class="nowrap">C<sub>17</sub>H<sub>19</sub>N<sub>2</sub>O</span> als -wirksamer Bestandteil bezeichnet. Derselbe soll bei Warmblütern -rauschartige Erscheinungen bedingen (<em class="gesperrt">Hofmeister</em>). Ausserdem -ist die Vermutung aufgestellt worden, dass der Taumellolch eine -an sich ungiftige Pflanze ist, wie zahlreiche Fütterungsversuche -(<em class="gesperrt">Nestler</em>, <em class="gesperrt">Halm</em>, <em class="gesperrt">Hertwig</em>, <em class="gesperrt">Spinola</em>) -erwiesen haben, und dass er wahrscheinlich nur an gewissen Orten -und zu gewissen Zeiten, ähnlich wie die Lupinen, vielleicht durch -Vermittlung von <b>Befallungspilzen</b> giftig wirke. Die Annahme von -Pilzen als Ursache der Loliumvergiftung wird unterstützt durch die -Untersuchungen über eine ähnliche bei Menschen und Tieren vorkommende -Vergiftung, durch das sog. <em class="gesperrt">Taumelgetreide</em> (Taumelroggen). -Man beobachtete nämlich in Russland und Frankreich nach dem Genuss -von Roggenbrot beim Menschen Taumel und Schläfrigkeit; ähnliche -Erscheinungen zeigten sich bei Hunden, Schweinen und Hühnern. -Französische Botaniker haben in den Körnern des sog. Taumelroggens -das Myzel eines zu den Diskomyzeten gehörenden Pilzes, Endoconidium -temulentum (Phialea temulenta) nachgewiesen, von welchem angenommen -wird, dass er durch ein giftiges Enzym den Kleber und die Stärke -des Roggens zersetze. <em class="gesperrt">Woronin</em> (Bot. Zeitung 1891, S. 81) -untersuchte das Taumelgetreide in Südussurien. Er fand folgende -<em class="gesperrt">Pilzformen</em>, deren pathogene Wirkung noch genauer zu -untersuchen ist: Fusarium roseum, Gilberella Saubinetii, Cladosporium -herbarum, Helminthosporium, Epicoccum neglectum, Trichothecium -roseum, Eurotium herbariorum, Mikrokokken, Hymenula glumarum und -Clodochytrium graminis. Taumelgetreide findet sich nur in solchen -Gegenden, die viel unter feuchter Witterung zu leiden haben.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_264">[S. 264]</span></p> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Taumellolchvergiftungen -scheinen früher häufiger, als heutzutage, vorgekommen zu sein. -Zurzeit sind sie ausserordentlich selten geworden, so dass die neuere -Literatur nur ganz vereinzelte Vergiftungsfälle beim <em class="gesperrt">Pferd</em> -und <em class="gesperrt">Rind</em> aufweist. Auch beim Menschen, bei welchem früher -Taumellolchvergiftungen in epidemischer Weise infolge loliumhaltigen -Mehles und Brotes auftraten, werden solche nur selten mehr beobachtet; -nach <em class="gesperrt">Kobert</em> sind überhaupt sichere Fälle von Vergiftung -beim Menschen nicht nachgewiesen. Die Hauptursache ist wohl in den -Fortschritten der Bodenkultur und dem Zurückdrängen des giftigen -Unkrautes durch Ausrotten zu suchen. Ausserdem hat man von jeher -die Beobachtung gemacht, dass zum Zustandekommen einer Vergiftung -sehr grosse Mengen von Schwindelhafer notwendig sind. So verfütterte -<em class="gesperrt">Nestler</em> an 4 Pferde und an 2 Rinder je etwa 6 Zentner Hafer mit -einem Gehalt von 30 Proz. Lolchsamen, ohne Krankheitserscheinungen zu -beobachten. <em class="gesperrt">Rosenkranz</em> berichtet, dass 4 Pferde monatelang mit -Hafer gefüttert wurden, welcher 12 Proz. Lolium enthielt, und dass sie -ausser öfteren Schwindelanfällen nichts Krankhaftes erkennen liessen. -<em class="gesperrt">Halm</em> fütterte einem Pferde nach und nach bis zu einer Metze -reinen Lolchsamen, ohne charakteristische Vergiftungserscheinungen -zu beobachten. Hühner, welche innerhalb 14 Tagen 3 Pfund, Schweine, -welche eine Metze Schwindelhafer auf einmal, Schafe, welche 1½ -Pfund Mehl des Schwindelhafers aufgenommen hatten, zeigten keinerlei -Vergiftungserscheinungen (<em class="gesperrt">Baillet</em>, <em class="gesperrt">Spinola</em>).</p> - -<p>Die giftige Wirkung des Schwindelhafers äussert sich, wie schon -der Name sagt, in einer <em class="gesperrt">narkotischen Beeinflussung</em> des -<em class="gesperrt">Grosshirns</em>. Die Krankheitserscheinungen bestehen in -<em class="gesperrt">Schwindelanfällen</em>, <em class="gesperrt">dummkollerartigem Benehmen</em>, -<em class="gesperrt">Schläfrigkeit</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, -<em class="gesperrt">allgemeiner Gefühllosigkeit</em>; zuweilen gesellen sich hiezu auch -noch Kolikerscheinungen und Krämpfe. Der Verlauf ist bald chronisch, -bald akut; in einzelnen Fällen wird auch ein perakuter Verlauf -beobachtet, indem die Tiere apoplektiforme Anfälle von Betäubung und -allgemeiner Lähmung zeigen. Die <em class="gesperrt">Sektion</em> ergibt meist einen -negativen Befund; zuweilen findet man die Erscheinungen einer leichten -Gastroenteritis, sowie einer Hyperämie des Gehirns und Rückenmarkes.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Anwendung von Exzitantien. Man -macht subkutane Injektionen von Kampferspiritus, Kampferöl,<span class="pagenum" id="Seite_265">[S. 265]</span> Aether, -Koffein, Atropin, Veratrin, oder gibt innerlich Ammonium carbonicum. -Auch kalte Begiessungen des Kopfes, Frottieren der Haut, sowie die -Anwendung von hautreizenden Mitteln (Terpentinöl, Kampferspiritus) sind -angezeigt.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Meyer</em> (Schweizer Archiv 1831) berichtet, -dass 2 Mutterpferde nach dem Verfüttern von loliumhaltigem Korn -Kolikerscheinungen, Pupillenerweiterung, unsicheren Gang, sowie -dummkollerartiges Benehmen zeigten. — <em class="gesperrt">Wiegel</em>, (Preuss. -Mitteil. 1872) beobachtete bei einer Kuh, dass dieselbe plötzlich, -wie vom Blitz getroffen, zusammenstürzte, ohne dass Schwanken -und sonstige Krankheitserscheinungen vorausgegangen wären. Diese -apoplektiformen Anfälle wiederholten sich 3mal hintereinander, worauf -sich Empfindungslosigkeit über den ganzen Körper, Schlafsucht, -sowie Verlangsamung der Respiration einstellten. 1½ Stunden -darauf erhob sich das Tier wieder und zeigte sofort einen ganz -erstaunlichen Appetit. 4 Stunden später erfolgte ein ähnlicher, aber -schwächerer Anfall, worauf völlige Genesung eintrat. — <em class="gesperrt">Magnus</em> -(Preuss. Mitteil. Bd. 3) sah unter 14 Rindern 7 nach dem Genuss von -geschrotenem Lolchsamen unter den Erscheinungen der Bewusstlosigkeit -und unter allgemeinen Krämpfen erkranken; 2 derselben starben. -— <em class="gesperrt">Knudsen</em> (Dän. Monatsschr. 1889) berichtet über zwanzig -Vergiftungsfälle beim Rind, die sich durch Lähmung des Hinterteils -auszeichneten. - <em class="gesperrt">Gallé</em> (Veterinarius 1897) sah bei 6 -hochträchtigen Stuten Abortus; das Futter enthielt 70 Proz. Lolium -temulentum.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Flachs">Vergiftung durch Flachs, Linum usitatissimum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Flachs</em> oder <em class="gesperrt">Lein</em>, <em class="gesperrt">Linum -usitatissimum</em>, wird in Deutschland vereinzelt teils als -Oelpflanze (Leinöl), teils als Faserpflanze (Flachs) kultiviert. -Seine ausgepressten Samen werden als Leinölkuchen zu Futter- und -Düngerzwecken verwendet. Der Flachs ist ein einjähriges Kraut mit -meterhohem kahlem Stengel, lanzettförmigen, drei-nervigen, 2½ -cm langen Blättern und blass azurblauen Blütendolden. Die Samen -(Leinsamen) sind eiförmig, flach, scharfrandig, ½ cm lang, mit -brauner, glänzender, glatter, dünner Schale und grünlichem Kern. -Die Samenschale enthält ausser Schleim (6%) ein amygdalinartiges -Glykosid, das <b>Linamarin</b>, der Kern fettes Oel (30%) und Eiweiss -(25%). Der früher als Abführmittel benützte <em class="gesperrt">Purgierflachs</em>, -<em class="gesperrt">Linum catharticum</em>, ist ein 1jähriges, 15 cm hohes Pflänzchen -mit einnervigen Blättern und weissen Blüten. Der Geschmack der -Pflanze ist sehr bitter. Dieselbe enthält einen glykosidischen -Bitterstoff, das <b>Linin</b>, welches namentlich nach der -Blütezeit in grossen Mengen in derselben enthalten ist und weisse, -seidenglänzende, stark bitter schmeckende, stickstofffreie, neutral -reagierende Kristalle bildet.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die in der Literatur als Flachsvergiftung -bezeichneten Krankheitsfälle sind in ätiologischer Beziehung offenbar -nicht einheitlicher Natur. Dieselben betreffen nur zum Teil wirkliche, -echte Flachsvergiftungen. Ein grösserer Teil derselben bezieht -sich vielmehr auf eine Beimengung von <em class="gesperrt">Rizinusschalen</em> zu den -Leinsamenkuchen (vergl. Rizinusvergiftung). Andere Fälle scheinen -<em class="gesperrt">Pilzvergiftungen</em> (schimmelige, ranzige Leinkuchen), einzelne -Fälle vielleicht auch Vergiftungen durch beigemengten <em class="gesperrt">Ackersenf</em> -oder andere Giftpflanzen gewesen zu sein.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_266">[S. 266]</span></p> - -<p>Die echten Flachsvergiftungen haben eine verschiedenartige -Entstehungsweise. Zunächst ist mehrfach beobachtet worden, dass der -geröstete Flachs bezw. das in den Flachsrösten enthaltene Wasser bei -Schafen (<em class="gesperrt">Güttlich</em>), Hunden, Gänsen (<em class="gesperrt">Spinola</em>), ja selbst -bei Fischen (<em class="gesperrt">Gerlach</em>) giftig gewirkt hat. Nach <em class="gesperrt">Malzew</em> -(Petersburger Archiv für Veterinärkunde 1887) erkrankte in einem -russischen Dorfe sämtliches Vieh durch den Genuss des Flusswassers, in -welchem Flachs eingeweicht wurde. Weiter sind Vergiftungen nach der -Verfütterung von missratenem, zu kurz gebliebenen Flachs bei Kühen und -Schafen beobachtet worden. Endlich haben die Leinsamenkapseln, wenn -sie in allzugrosser Menge aufgenommen wurden, zuweilen Veranlassung zu -Vergiftungen gegeben. Dass im übrigen der Flachs nur in grossen Mengen -giftig wirkt, zeigen die Versuche von <em class="gesperrt">Harms</em> (Hannoverscher -Jahresbericht 1872 und 1873), welcher einem Rind 15 Pfund grünen -Flachs sowie einem Ziegenlamm 150 g grüner Samenkapseln und 50 g -trockener Samenkapseln ohne Nachteil verabreichte, sowie ein Versuch -von <em class="gesperrt">Schmidt</em> (Magazin Bd. 29), welcher bei einem Schaf erst -nach Verfütterung von 12 kg Samenkapseln eine tödliche Vergiftung -herbeiführen konnte.</p> - -<p>Ueber den im Flachs enthaltenen Giftstoff ist mit Sicherheit nichts -bekannt (Linamarin?). Aus den Vergiftungserscheinungen ist zu -entnehmen, dass es ein <em class="gesperrt">scharf-narkotischer</em> Stoff ist, welcher -vielleicht mit dem im Purgierflachs enthaltenen Linin identisch -ist. Die Krankheitserscheinungen bestehen in <em class="gesperrt">heftiger Kolik</em>, -<em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, <em class="gesperrt">Unruheerscheinungen</em>, -<em class="gesperrt">Krämpfen</em>, <em class="gesperrt">Harnverhaltung</em>, <em class="gesperrt">Zittern</em> und -<em class="gesperrt">Taumeln</em>. Bei der Sektion findet man die Schleimhaut des Magens -und Darmes mehr oder weniger hochgradig entzündet. Die Behandlung der -Vergiftung ist eine symptomatische (Opium, schleimige Mittel); als -Gegengift kann Tannin gegeben werden.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Von den in der Literatur enthaltenen klinischen -Fällen von Flachsvergiftung sind folgende bemerkenswert. -<em class="gesperrt">Prietsch</em> (Sächs. Jahresbericht 1868) sah 7 Kühe nach -der Verfütterung von abgemähtem missratenem Flachs unter -Kolikerscheinungen erkranken und 2 davon im Verlaufe eines Tages -sterben; bei der Sektion fand man die Schleimhaut des Lösers und -Dünndarms stark entzündet und den Darminhalt sehr flüssig. Nach -<em class="gesperrt">Sipp</em> (Preuss. Mitteil. Jahrg. 7) zeigten Kühe unmittelbar -nach der Aufnahme von zu kurz gebliebenem Flachs Kolikerscheinungen, -Stöhnen, Zittern, grosse Angst und Taumeln. <em class="gesperrt">Semmer</em> (Deutsche -Zeitschrift für Tiermedizin 1877) sah bei Schweinen nach der -Verfütterung von Leinsamenkapseln öfters massenhafte Todesfälle; -bei der Sektion wurde Fettdegeneration der Leber und Nieren, sowie -teerartiges Blut gefunden. Weitere Fälle sind von <em class="gesperrt">Güttlich</em> -(Preuss. Mitt. 1882), von <em class="gesperrt">Huffelen</em> (Bullet. Belg.), -<em class="gesperrt">Lüdersdorf</em> (Ann. der Landwirtschaft 1858) u. a. beschrieben -worden.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_267">[S. 267]</span></p> - -<h4 id="Eserinvergiftung">Eserinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in der <em class="gesperrt">Kalabarbohne</em> (Physostigma -venenosum, afrikanische Papilionazee) enthaltene Alkaloid Eserin -(Physostigmin) hat seit seiner Anwendung als Abführmittel beim Pferd -und Rind in mehreren Fällen schon in mittleren therapeutischen -Dosen Vergiftungserscheinungen bedingt. Diese giftige Wirkung -therapeutischer Eserindosen ist, wie ich a. a. O. (Monatshefte -für praktische Tierkeilkunde 1890) gezeigt habe, auf verschiedene -Ursachen zurückzuführen. In erster Linie ist die Inkonstanz der -chemischen Handelspräparate, welche je nach der Darstellung -verschiedenartige, in chemischer Beziehung durchaus nicht -einheitliche Produkte sind, als Ursache zu bezeichnen. In zweiter -Linie kann die giftige Wirkung sonst unschädlicher Dosen durch ein -abweichendes Verhalten des Tierkörpers bezw. Individuums bedingt -sein. In dieser Beziehung sind Pferde mit chronischen Krankheiten -der Atmungsorgane (Emphysem, chronische Bronchitis, chronische -Pneumonie), sowie solche Pferde, welche an Kolik infolge starker -Ausdehnung und mechanischen Hindernissen im Magen und Darm, sowie -an Herzschwäche im Verlauf der Kolik leiden (hohe Pulsfrequenz), -besonders empfindlich gegen sonst normale Dosen von Eserin, indem -sie unter der Einwirkung des Eserins teils an Lungenödem, teils an -Magen- und Darmruptur, teils an Herzlähmung zugrunde gehen können. In -einzelnen Fällen ist die Giftwirkung sonst unschädlicher Eserindosen -auf die Art und Weise der Injektion, sowie auf eine individuelle -Idiosynkrasie der betreffenden Tiere zurückzuführen.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Eserin wirkt <em class="gesperrt">tetanisierend</em> auf -alle <em class="gesperrt">glatten Muskelfasern</em> des Körpers, namentlich auf die des -<em class="gesperrt">Darmes</em>, ausserdem <em class="gesperrt">erregend</em> auf die <em class="gesperrt">Sekretion</em> der -<em class="gesperrt">Schweissdrüsen</em>, <em class="gesperrt">Tränendrüsen</em> und <em class="gesperrt">Speicheldrüsen</em>. -In giftigen Dosen erzeugt es ausserdem <em class="gesperrt">Krämpfe der quergestreiften -Körpermuskulatur</em> mit späterer <em class="gesperrt">Muskellähmung</em>, -sowie <em class="gesperrt">Lähmung der Atmung</em> (<em class="gesperrt">Lungenödem</em>) und des -<em class="gesperrt">Herzens</em>. Die Vergiftungserscheinungen bestehen daher in -<em class="gesperrt">heftiger Kolik</em>, <em class="gesperrt">anhaltendem, profusem Durchfall</em>, -<em class="gesperrt">Zittern</em>, <em class="gesperrt">ausgebreiteten Muskelzuckungen</em>, -<em class="gesperrt">grosser Schreckhaftigkeit</em>, <em class="gesperrt">grosser Atmungsnot</em>, -<em class="gesperrt">Schweissausbruch</em>, <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Tränenfluss</em>, -<em class="gesperrt">häufigem Harnabsatz</em>, <em class="gesperrt">Pupillenverengerung</em>, -<em class="gesperrt">Schwäche</em>, <em class="gesperrt">Hinfälligkeit</em>, <em class="gesperrt">allgemeiner Lähmung</em>. -In einzelnen Fällen wurde ausserdem eine sehr starke <em class="gesperrt">zerebrale -Erregung</em> beobachtet, welche sich in maniakalischen, tobsuchtartigen -Anfällen, hochgradiger Aufregung, sowie Zwangsbewegungen (Drängen nach -vorwärts) äusserte.</p> - -<p>Das Eserin ist namentlich für <em class="gesperrt">Fleischfresser</em> ein -ausserordentlich heftiges Gift. Nach meinen Beobachtungen starben -kleine Hunde schon nach 5, grössere nach 10 mg. Katzen und Kaninchen -starben nach 2–3 mg. <em class="gesperrt">Pferde</em> und <em class="gesperrt">Rinder</em> ertragen -relativ viel<span class="pagenum" id="Seite_268">[S. 268]</span> grössere Dosen. Ich habe einem mittelgrossen, älteren -Versuchspferd ½ g Eserinum sulfuricum subkutan injiziert, wonach zwar -eine schwere, aber nicht tödliche Vergiftung auftrat. Nach <em class="gesperrt">Feser</em> -werden auch vom <em class="gesperrt">Rind</em> verhältnismässig hohe Dosen ohne Nachteil -ertragen, so subkutan 1 mg Physostigmin pro kg Körpergewicht = 0,3 -pro dosi, stomachikal das 10fache; nur in einem Fall trat nach -der subkutanen Injektion von 0,17 bei heftigem Husten und Rülpsen -infolge Eindringens von Futterbrei in die Bronchien Erstickung auf. -<em class="gesperrt">Subkutan</em> sind 0,03 ohne sichtbare Wirkung, 0,06 von geringer, -0,1 von kräftiger Wirkung; 0,15–0,17 erzeugen heftiges Purgieren; nach -0,3 tritt die Wirkung schon nach 5 Minuten unter starker Dyspnöe, -Muskelzittern etc. auf. <em class="gesperrt">Innerlich</em> gegeben wirkt Physostigmin -beim Rind auffallend schnell in relativ geringen Dosen; so rufen 0,15 -schwaches Purgieren, 0,3 starkes Purgieren, 0,7 dasselbe mit deutlichen -Kolikerscheinungen, 0,9–1,0 Purgieren unter Stöhnen und Aechzen, 1,5 -sehr heftiges Purgieren, 3,0 ebenfalls sehr heftiges Purgieren unter -Zittern und Atemnot hervor. Dieselbe Wirkung hat die Einspritzung in -den Wanst. Sehr empfindlich sind im Gegensatz zum Rind die kleinen -Wiederkäuer (<em class="gesperrt">Schafe</em>, <em class="gesperrt">Ziegen</em>), gegenüber dem Eserin -(<em class="gesperrt">Kunke</em>). <em class="gesperrt">Schweine</em> scheinen dagegen wenig empfindlich -gegenüber dem Eserin zu sein; sie zeigen nach <em class="gesperrt">Frank</em> selbst in -subkutanen Gaben von 0,1 keine sichtbare Wirkung.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste Gegengift des Eserins ist das -<em class="gesperrt">Atropin</em>, ein physiologisches Antidot, welches erregend auf die -durch das Eserin gelähmten Zentralorgane der Atmung und des Herzens -sowie sekretionsbeschränkend auf die Körperdrüsen wirkt. Man gibt -es Pferden und Rindern subkutan in Dosen von 0,05–0,1. Ausserdem -kann man <em class="gesperrt">Skopolamin</em> (<em class="gesperrt">Hyoszin</em>), Veratrin und Koffein -anwenden. Gegen die Erregungserscheinungen gibt man Sedativa (Morphium, -Chloralhydrat, Bromkalium).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Abscheidung</em> des Physostigmins aus dem -Untersuchungsmaterial ist deshalb mit grossen Schwierigkeiten -verknüpft, weil dasselbe eines der am leichtesten zersetzlichen -Alkaloide ist und sich schon am Licht rot färbt. Die Extraktion -muss daher im <em class="gesperrt">dunklen Raume</em> und bei möglichst <em class="gesperrt">niederer -Temperatur</em> vorgenommen werden. Dieselbe geschieht am besten nach -der Methode von <em class="gesperrt">Dragendorff</em> (vgl. S. 199) aus alkalischer -wässeriger Lösung durch Ausschütteln mit <em class="gesperrt">Benzol</em> (oder -Amylalkohol oder<span class="pagenum" id="Seite_269">[S. 269]</span> Chloroform). Von den Reaktionen auf Physostigmin -ist zunächst wichtig die <em class="gesperrt">physiologische</em> Reaktion, welche darin -besteht, dass beim Einbringen der Lösung des Mittels in das Auge eines -Kaninchens oder Meerschweinchens <em class="gesperrt">Pupillenverengerung</em> noch bei -Anwesenheit von <sup>1</sup>⁄<sub>2000</sub> mg Eserin eintritt. Die <em class="gesperrt">chemischen</em> -Reaktionen des Physostigmins sind folgende: In erwärmter -Ammoniakflüssigkeit löst sich das kleinste Kriställchen Eserin zu -einer gelblichroten Flüssigkeit, welche beim Eindampfen im Wasserbad -einen blauen oder blaugrauen, in Weingeist mit blauer Farbe löslichen -Rückstand hinterlässt (Eserinblau). In einem Tröpfchen Schwefelsäure -löst sich der Verdampfungsrückstand mit <em class="gesperrt">grüner</em> Farbe, welche bei -allmählicher Verdünnung mit Weingeist in <em class="gesperrt">rot</em> übergeht.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Friedberger</em> (Münchener Jahresbericht -1884) beobachtete bei einem 300 kg schweren, 18jährigen, mageren, -bis auf hochgradiges Lungenemphysem relativ gesunden Wallach nach -der subkutanen Injektion von 0,1 Physostigminum sulfuricum eine -schwere Vergiftung. Eine halbe Stunde nach der Injektion traten -nämlich neben der spezifischen Wirkung auf den Darmkanal starke -Aufregung, feuriger Blick, Drängen nach vorwärts, starkes Abbeugen -des Kopfes, sowie intensives Muskelzittern im Hinterteil ein; diesen -Erscheinungen folgte nach etwa 1½ Stunden tiefe Ermattung, welche -auch in den nächsten Tagen noch andauerte. Weiterhin stellten sich -rascher Kräfteverfall, Drängen beim Vorwärtsgehen, unsicherer, -ataktischer Gang, sowie am 5. Tage förmliche maniakalische -Erscheinungen und Beisswut ein, so dass das Pferd getötet werden -musste. <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Der Tierarzt 1888) hat ebenfalls nach der -Injektion von 0,1 Eserin bei einem schweren Bauernpferde eine 10 Tage -lang andauernde Vergiftung, bestehend in heftigem Muskelzittern, -Schwanken, Zusammenknicken, Benommenheit, Pupillenerweiterung, -Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie Herzschwäche beobachtet. -Im Gegensatz hierzu hat <em class="gesperrt">Klemm</em> (Bad. Mitt. 1884) über -Beobachtungen berichtet, wonach bei Pferden Dosen von 0,2 Eserin -5mal hintereinander in vierstündigen Pausen, mithin ein ganzes -Gramm Eserin innerhalb 24 Stunden ohne Gefahr angewandt wurden. -Auch in der Rindviehpraxis kommen Fälle vor, in welchen einzelne -Rinder auf Durchschnittsdosen des Eserins ganz auffallend stark -reagieren. So hat <em class="gesperrt">Albrecht</em> 3 Fälle beschrieben, in welchen -bei Rindern nach der subkutanen Injektion von 0,15 Eserin schwere -Respirationsstörungen, sowie ganz exzessive Erregungserscheinungen -auftraten. <em class="gesperrt">Ripke</em> sah bei einem Rind schon nach der Injektion -von 0,1 Eserin Atemnot, Schäumen und Schwäche auftreten; ein anderes -Rind starb sogar nach 6 Stunden. Für Ziegen wirkten in einem Fall -schon 0,04 g Eserin giftig (<em class="gesperrt">Gobbels-Copette</em>, Belg. Annal. -1895).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Pilokarpinvergiftung">Pilokarpinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in den <em class="gesperrt">Jaborandiblättern</em> (Pilocarpus -pennatifolius, brasilianische Rutazee) enthaltene Alkaloid Pilokarpin -wirkt ebenfalls zuweilen wie das Eserin in therapeutischen Dosen -giftig, was teils auf die Inkonstanz der Präparate, teils auf -gewisse individuelle Körperzustände zurückzuführen ist. Besonders -gefährlich hat sich das Pilokarpin wegen des drohenden Lungenödems -bei chronischen Lungen- und Herzkrankheiten, sowie bei Behinderung -des Abschlingens (Pharyngitis) erwiesen.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_270">[S. 270]</span></p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Pilokarpin bewirkt in erster Linie -eine <em class="gesperrt">gesteigerte Sekretion der Drüsen</em> (Speicheldrüsen, -Schweissdrüsen, Bronchialdrüsen, Darmdrüsen), in zweiter Linie eine -Kontraktion der <em class="gesperrt">glatten Muskelfasern</em> (Magen-Darmkanal, Sphincter -pupillae). Die Vergiftungserscheinungen bestehen in abundanter -<em class="gesperrt">Speichel-</em> und <em class="gesperrt">Schweisssekretion</em>, <em class="gesperrt">hochgradiger -Dyspnoe</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">psychischen Erregungs-</em> und -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>. Wie beim Eserin werden auch zuweilen -durch das Pilokarpin tobsuchtartige Anfälle hervorgerufen. Der Tod -erfolgt in einzelnen Fällen apoplektisch, meist wird er jedoch durch -Erstickung infolge von Lungenödem bedingt.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Das wichtigste Antidot der Pilokarpinvergiftung ist -wie beim Eserin das <em class="gesperrt">Atropin</em>, welches ein starkes Erregungsmittel -für das Herz und die Atmung ist. Man gibt es Pferden und Rindern -subkutan in wiederholten Dosen von 0,05–0,1.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Das Pilokarpin wird genau so wie Eserin abgeschieden -(extrahiert). Die <em class="gesperrt">physiologische</em> Reaktion (Pupillenverengerung) -ist ebenfalls dieselbe wie beim Eserin; ausserdem kann die -speicheltreibende Wirkung als Reagens verwertet werden. Dagegen -unterscheidet es sich vom Eserin durch eine charakteristische -Farbenreaktion: mit <em class="gesperrt">rauchender Salpetersäure</em> tritt nämlich eine -leichte <em class="gesperrt">Grünfärbung</em> ein.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Friedberger</em> (Deutsche Zeitschrift für -Tiermedizin 1884) berichtet, dass bei einigen Pferden schon kleine -Dosen ungewöhnlich hochgradige Erscheinungen veranlassten, und -dass die Patienten insbesondere von hohen Dosen ungleich stark -beeinflusst wurden. <em class="gesperrt">Siedamgrotzky</em> (Sächs. Jahresber. 1886) -sah bei Pferden nach Dosen von 0,5–1,0 Pilokarpin gefahrdrohende -Erscheinungen eintreten. <em class="gesperrt">Lies</em> (Tiermed. Rundschau 1886/87) -warnt vor grösseren Dosen Pilokarpin, nachdem ihm ein Pferd nach der -Injektion von 1,0 Pilokarpin apoplektisch verendete. <em class="gesperrt">Hoffmann</em> -(ibid. 1887) beobachtete bei einem Pferd nach 0,8 Pilokarpin -gefahrdrohende Dyspnoe, bei einem anderen nach 1,1 eine tödliche -Vergiftung. <em class="gesperrt">Dette</em> (ibid. 1888) sah nach der Injektion von 0,7 -Pilokarpin ein Pferd innerhalb 3 Stunden wie vom Schlage gerührt -zusammenstürzen, worauf sich neben einer schweren Allgemeinaffektion -tobsuchtartige Zufälle einstellten, so dass dasselbe getötet werden -musste. <em class="gesperrt">Jungers</em> (Der Tierarzt 1883) konstatierte bei Pferden -auf die Einspritzung von 0,8 Pilokarpin 8 Tage lang ein schläfriges, -kolleriges Benehmen. <em class="gesperrt">Maximilian</em> (Berliner Archiv 1888) -beobachtete 2mal, dass sich 2 Tage nach der Pilokarpininjektion die -Erscheinungen der Pilokarpinwirkung wiederholten. <em class="gesperrt">Philippi</em> -(Sächs. Jahresber. 1888) sah nach der Einspritzung von 0,3 Pilokarpin -bei einem gehirnkranken Pferd Taumeln, 6 Stunden anhaltende -Bewusstlosigkeit und dann Tobsucht und Laufwut. <em class="gesperrt">Rust</em> und -<em class="gesperrt">Cleve</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1890) beobachteten ebenfalls -bei Gehirnentzündung nach 0,3 Pilokarpin Atemnot und Erstickung im -eigenen Speichel. <em class="gesperrt">Overbeck</em> (Holl. Zeitschr. 1898) sah ein -Pferd mit Pleuritis nach einer Injektion von 0,3 Pilokarpin unter -Schweissausbruch und Dyspnoe innerhalb 4 Stunden sterben. Nach -<em class="gesperrt">Kunke</em> (Diss. Bern 1908) sind Schafe und Ziegen besonders -empfindlich gegen Pilokarpin, indem sie schon nach 0,03 bezw. 0,04 g -Vergiftungserscheinungen zeigen (Lungenödem).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_271">[S. 271]</span></p> - -<h4 id="Arekolinvergiftung">Arekolinvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in der <em class="gesperrt">Arekanuss</em> (Areca Catechu, -Palme) enthaltene Alkaloid Arekolin von der Formel <span class="nowrap">C<sub>18</sub>H<sub>13</sub>NO<sub>2</sub></span> -wird seit 15 Jahren (vergl. meine diesbezüglichen Untersuchungen -in den Monatsh. f. prakt. Tierheilk. 1894) in der Tierheilkunde -allgemein als Ersatz des Eserins und Pilokarpins namentlich bei der -Kolik und Hufrehe der Pferde angewandt. Vergiftungsfälle sind trotz -des häufigen Gebrauches in der Literatur nur vereinzelt beschrieben -worden. Wie beim Eserin und Pilokarpin scheinen einzelne Pferde -auch gegenüber dem Arekolin eine individuelle Empfindlichkeit zu -besitzen. Ausserdem können bei herzkranken Pferden, sowie bei -bereits eingetretener Herzschwäche (Kolik) unter Umständen schon -mittlere Dosen giftig wirken. Beim Gebrauch der Arekanuss als -Wurmmittel sind Vergiftungen bisher nicht beobachtet worden; ihre -angebliche besondere Giftigkeit für das Geflügel hat sich nach den -Untersuchungen von <em class="gesperrt">Gizelt</em> nicht bestätigt.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Arekolin wirkt wie eine Kombination von -Pilokarpin und Eserin (<em class="gesperrt">Drüsen-</em> und <em class="gesperrt">Darmreizung</em>). -Therapeutische Dosen (0,02–0,1) erzeugen beim Pferd Speichelfluss, -Durchfall und Schweissausbruch. Die Arekolinvergiftung -tritt bei gesunden Pferden von 0,25 ab, bei Herzkranken und -Kolikkranken (Herzschwäche) von 0,08 ab ein und äussert sich -in <em class="gesperrt">epileptiformen</em> und <em class="gesperrt">tetanischen Krämpfen</em>, -<em class="gesperrt">Herzlähmung</em> und <em class="gesperrt">Atmungslähmung</em>. Die Dosis von 0,5 g wirkt -nach meinen Versuchen für Pferde tödlich.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Arekolinvergiftung ist die gleiche, wie -bei der Vergiftung durch Pilokarpin und Eserin; sie besteht in der -Verabreichung von <em class="gesperrt">Atropin</em> oder <em class="gesperrt">Skopolamin</em> (Hyoszin) als -Gegengift. Auch der physiologische Nachweis ist derselbe. Chemische -Reaktionen des Arekolins sind Braunfärbung (Niederschlag) mit -Jodlösung, Gelbfärbung mit Bromwasser.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Ein 4jähriges, kolikkrankes Ackerpferd, das, wie -sich nachher herausstellte, schon längere Zeit vorher herzleidend -war (die Sektion ergab chronische Endokarditis und Perikarditis), -erhielt 0,08 Arekolin subkutan eingespritzt. Einige Minuten darauf -wurde es sehr unruhig, schlug um sich, bekam Atemnot, zeigte roten, -blasigen Schaum an beiden Nasenöffnungen und verendete 8–10 Minuten -nach der Injektion an Herzlähmung und Lungenödem. Der Besitzer -teilte mit, das Pferd sei schon vor Eintritt der Kolik im Acker sehr -bald schlaff und müde geworden und habe sich sehr schlecht genährt -(<em class="gesperrt">Wöhner</em>, Woch. f. Tierh. 1906). Ein 14jähriges Pferd erhielt -gegen Rehe 0,1 Arekolin; schon 2 Minuten nach der Injektion zeigte -es sehr starke Vergiftungserscheinungen, welche über eine Stunde -anhielten; das Pferd erholte sich erst wieder in einigen Tagen -(<em class="gesperrt">Olsen</em>, Dän. Mon. 1900). Nach <em class="gesperrt">Titus</em> (Jowa 1907) starb -eine Kuh mit Gebärparese nach 0,1, ein Schaf nach 0,01 Arekolin. -Rinder sind überhaupt sehr empfindlich gegen Arekolin, indem sie oft -schon bei 0,1 g bedrohliche Atemnot zeigen (<em class="gesperrt">Kunke</em>, Diss. Bern -1908). Neuere Untersuchungen über die Wirkung des Arekolins auf die -einzelnen Tiergattungen sind von <em class="gesperrt">Ruckelshausen</em> (Monatshefte -für prakt. Tierheilkunde 1910) veröffentlicht worden.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_272">[S. 272]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Bucheckern-Oelkuchen">Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Bucheckern</em> oder <em class="gesperrt">Bucheln</em> sind -die 3kantigen Früchte der Rotbuche, Fagus silvatica (Kupulifere). -Sie bestehen aus einer braunen, harten Schale und einem ölhaltigen -Kern und werden behufs Gewinnung des Bucheckernöls ausgepresst. Die -Pressrückstände, welche im wesentlichen aus den braunen Schalen -bestehen, werden als „Bucheckern-Oelkuchen“ bezeichnet und in -manchen Gegenden an die Haustiere verfüttert. Sie enthalten einen -sehr giftigen Stoff, das Fagin, eine mit dem Cholin verwandte, -trimethylaminähnliche Base. Das Fagin findet sich namentlich in der -Schale, in geringeren Mengen ferner in der Gerüstsubstanz des Kerns; -das ausgepresste Bucheckernöl ist dagegen ungiftig.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Vergiftungen durch -Bucheckern-Oelkuchen ereignen sich immer nur nach Aufnahme grösserer -Mengen derselben. Am empfindlichsten sind <em class="gesperrt">Pferde</em>, bei welchen -schon ½-1 kg Oelkuchen eine schwere und nach 1½ kg eine tödliche -Vergiftung eintritt. Dagegen sollen nach <em class="gesperrt">Pusch</em> Rinder wenig oder -gar nicht empfindlich sein (vergl. übrigens die von <em class="gesperrt">Kammerer</em> -und <em class="gesperrt">Vaeth</em> mitgeteilten Fälle von Vergiftung). Das Fagin -tötet Katzen in Dosen von 0,4 g. Das Bucheckerngift hat in seiner -Wirkung viel Aehnlichkeit mit dem <em class="gesperrt">Eserin</em>, <em class="gesperrt">Nikotin</em>, -<em class="gesperrt">Strychnin</em> und <em class="gesperrt">Trimethylamin</em>; es erzeugt nämlich -<em class="gesperrt">Darm-</em> und <em class="gesperrt">Muskeltetanus</em>. Die Vergiftungserscheinungen -beginnen gewöhnlich mit einem sehr <em class="gesperrt">heftigen Kolikanfall</em>, in -dessen Verlaufe sich die <em class="gesperrt">Schmerzen</em> bis zur <em class="gesperrt">Tobsucht</em>, -<em class="gesperrt">Raserei</em> und <em class="gesperrt">Selbstzerfleischung</em> steigern können. -Ausserdem beobachtet man <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em>, sowie -<em class="gesperrt">tetanische</em>, an <em class="gesperrt">Strychnintetanus erinnernde Krämpfe von -ausserordentlicher Heftigkeit</em>, abwechselnd mit <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -<em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, -<em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em> und <em class="gesperrt">vollständiger Lähmung</em>. Der Verlauf -der Vergiftung ist meist sehr akut, indem die Tiere schon nach einigen -Stunden unter den Erscheinungen der Erstickung zugrunde gehen können; -für gewöhnlich ist der Ausgang der Vergiftung innerhalb 12 Stunden -entschieden. Der <em class="gesperrt">Sektionsbefund</em> ist wenig charakteristisch. -Neben suffokatorischen Erscheinungen findet man bisweilen starke -ödematöse Durchtränkung und selbst Flüssigkeitsansammlung im Gehirn -und Rückenmark; zuweilen zeigt auch die Magen- und Darmschleimhaut -umschriebene, fleckige Rötungen. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist neben der -Anwendung von Abführmitteln und der Verabreichung von Tannin als -chemischem Antidot eine rein <em class="gesperrt">symptomatische</em>. Sie besteht in -der Anwendung<span class="pagenum" id="Seite_273">[S. 273]</span> von Beruhigungsmitteln, vor allem in der subkutanen -Injektion von <em class="gesperrt">Morphium</em>. Der Nachweis der Vergiftung wird auf -botanischem Wege gesichert.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Nach <em class="gesperrt">Wanner</em> (Schweizer Archiv für -Tierheilkunde 1889) erhielten 2 Pferde eines Müllers grössere -Mengen gemahlener Bucheckern-Oelkuchen mit heissem Wasser zu -einem Brei angerührt. Das eine Pferd hatte 2 Pfund, das andere -3 Pfund aufgenommen. Beide Pferde zeigten zunächst anhaltende -Kolikerscheinungen und Schwanken bei der Bewegung. Das erstere -zeigte ferner bei der am Tage nach der Aufnahme der Bucheckern -vorgenommenen Untersuchung hochgradige Schreckhaftigkeit, indem es -bei der geringsten Berührung, ja sogar bei einem blossen Geräusch, -in äusserste Raserei geriet, welche sich durch Beissen und Schlagen -kundgab; ausserdem biss es sich mindestens 300mal in die Vorderbrust. -Eine genaue Untersuchung, ja selbst eine Temperaturabnahme war -unmöglich, da das Pferd bei jeder Berührung biss und wie rasend -ausschlug. Neben dieser Schreckhaftigkeit waren periodische -Lähmungserscheinungen in der Nachhand zu bemerken, wobei das Pferd -zu schwanken anfing und mit dem Hinterteil nach einer Seite halb -ging, halb fiel. Nach Verabreichung von Pilokarpin und Morphium -besserte sich der Zustand allmählich, so dass die Krankheit innerhalb -12 Stunden gehoben war; es blieb indessen eine 3tägige hochgradige -Schwäche zurück. Das zweite Pferd zeigte neben den Erscheinungen -der Betäubung und Lähmung Krämpfe und Zuckungen der gesamten -Körpermuskulatur, sowie hochgradigen Opisthotonus, wobei sich der -ganze Vorderleib in die Höhe hob, so dass das Pferd senkrecht -auf die Hinterbacken zu sitzen kam und nach rückwärts umfiel; -dieser Vorgang wurde 8mal beobachtet. Das Pferd verendete unter -den heftigsten Konvulsionen. Bei der Sektion fand man im Dünndarm -und auf der Magenschleimhaut umschriebene, fleckige Rötungen. Das -Grosshirn zeigte eine auffallend seröse Durchtränkung, sowie starke -Gefässinjektion; dieselben Veränderungen waren im verlängerten Mark -und im Lendenmark nachzuweisen. — <em class="gesperrt">Kammerer</em> und <em class="gesperrt">Vaeth</em> -(Bad. tierärztl. Mitt. 1890) haben mehrere Vergiftungsfälle beim -Rind beobachtet; die Erscheinungen bestanden in Unruhe, Stöhnen, -Durchfall, Herzklopfen, Schwanken, Umfallen, sowie in schwarzroter -Verfärbung des Harns. — <em class="gesperrt">Hartenstein</em> (Sächs. Jahresb. 1892) -sah bei zwei Pferden nach der Verfütterung von Oelkuchen tödliche -Kolik. — <em class="gesperrt">Pusch</em> (Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1893) -verfütterte Bucheckern an verschiedene Haustiere (exkl. Schweine, -welche von jeher mit Bucheckern gemästet werden). Pferde, Ziegen -und Schafe nahmen sie sehr ungern oder gar nicht, Rinder dagegen -sehr gern auf. Rinder erwiesen sich dabei wenig oder gar nicht -empfänglich. Pferde dagegen zeigten schon nach der Verfütterung von 2 -Pfund Bucheckern Krankheitserscheinungen; ein Fohlen starb sogar nach -der Verfütterung von 2¾ Pfund. Auch Ziegen scheinen die Bucheckern -schlecht zu vertragen. — <em class="gesperrt">Binder</em> (Tierärztl. Zentralbl. 1908) -sah nach Verfütterung unreifer Bucheckern heftige Kolik, Durchfall, -Tenesmus, Krämpfe, grosse Schwäche und Hinfälligkeit, sowie -Harnbeschwerden bei den Haustieren auftreten; bei der Sektion wurde -Nephritis und Zystitis nachgewiesen.</p> - -<p>Von älteren experimentellen und klinischen Untersuchungen über -die Bucheckern-Oelkuchen sind die Mitteilungen von <em class="gesperrt">Gerlach</em> -(Gerichtl. Tierheilkunde 1872), <em class="gesperrt">Hertwig</em> (Magazin, Bd. 24), -<em class="gesperrt">Kaiser</em> (Magazin, Bd. 25), <em class="gesperrt">Hering</em> (Württ. landw. -Korrespondenzblatt 1825), <em class="gesperrt">Tscheulin</em> (Kritisches Repertorium -1825) und <em class="gesperrt">Herberger</em> (Archiv des Apothekervereins 1830) zu -erwähnen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Sauerampfer_Rumex">Vergiftung durch Sauerampfer, Rumex.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der Sauerampfer gibt in zwei Arten Veranlassung -zu Vergiftungen bei den Pflanzenfressern. 1. <em class="gesperrt">Rumex acetosa</em>, -der gewöhnliche Sauerampfer (Polygonee) ist ein kahles, unbereiftes -Kraut mit grossen, grünen, pfeilförmigen, sauerschmeckenden Blättern -und rötlichen,<span class="pagenum" id="Seite_274">[S. 274]</span> zweihäusigen Blüten. 2. <em class="gesperrt">Rumex acetosella</em>, -der kleine Sauerampfer, unterscheidet sich von dem vorigen durch -zartere, kleinere Blätter, welche spiess- oder hellebardenförmig -sind. Beide Ampferarten enthalten, wie auch <em class="gesperrt">Oxalis acetosella</em>, -der Sauerklee, <em class="gesperrt">saures oxalsaures Kalium</em> von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>2</sub>O<sub>4</sub>HK + H<sub>2</sub>O</span>, welches auch unter dem Namen „Kleesalz“ -oder „Sauerkleesalz“ (Sal Acetosellae, Kalium bioxalicum) bekannt -ist. Wegen der leichten Löslichkeit dieses Oxalsäuresalzes -wirken die genannten Pflanzen in grösseren Mengen giftig. Die -Sauerampfervergiftung ist demnach als eine <b>Oxalsäurevergiftung</b> -aufzufassen.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Der Sauerampfer gibt am -häufigsten bei <em class="gesperrt">Schafen</em>, wenn ihn dieselben in grossen Mengen -aufnehmen, Veranlassung zu Vergiftungen. Das Vergiftungsbild stimmt -im wesentlichen mit dem der <em class="gesperrt">Oxalsäurevergiftung</em> (vgl. S. 139) -überein. Die Tiere zeigen die Erscheinung einer <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>: -<em class="gesperrt">Appetitlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Mattigkeit</em> und -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>. Bei der Sektion findet man Entzündung und -Hämorrhagien auf der Schleimhaut des Magens und Darmes. Die Behandlung -besteht in der Anwendung schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender -Mittel.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Literatur</em> enthält nachstehende Fälle von Rumexvergiftung. -Nach <em class="gesperrt">Biermann</em> (Holländ. Zeitschrift 1886) erkrankten 7 Schafe -nach dem Beweiden eines stark mit Sauerampfer (Rumex acetosella) -besetzten Haferstoppelfeldes. Sie zeigten unterdrückte Fresslust und -Rumination, grosse Mattigkeit, anfangs Verstopfung, später Durchfall, -angestrengte Atmung, kaum fühlbaren Puls und Herzschlag; bei 2, -welche krepierten, ergab die Sektion Hyperämie und Ekchymosierung -der Magendarmschleimhaut, sowie starke Hyperämie der Lungen. Nach -<em class="gesperrt">Matthias</em> (Preuss. Mitth. 1881) starben 40 Schafe nach kurzer -Krankheitsdauer unter den Erscheinungen eines heftigen Durchfalls; -bei der Sektion fand man eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. -<em class="gesperrt">Michels</em> (Annal. de Bruxelles 1869) beobachtete bei einem Pferd -3 Stunden nach der Aufnahme von Rumex acetosella tetanische Krämpfe, -welche sich alle 5 Minuten wiederholten, dazwischen hinein Speicheln, -unwillkürlichen Harnabgang, Schwanken und Zittern; der Tod erfolgte -nach einigen Stunden. Bei der Sektion fand man eine Entzündung -der Schleimhaut des Magens und Zwölffingerdarms. <em class="gesperrt">Dentler</em> -(Repertorium 1864) sah 25 Schafe nach dem Genusse von Sauerklee, Oxalis -acetosella, sterben.</p> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_275">[S. 275]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Narzissus">Vergiftung durch Narzissus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Vergiftungen durch Narzissus, die bekannte -Zierpflanze (Amaryllidee) der Gärten, kommen sowohl nach Aufnahme der -Zwiebel und des Krautes der gelbblühenden, als der weissblühenden -Narzisse vor. 1. <em class="gesperrt">Narcissus Pseudonarcissus</em>, die gelbe oder -gemeine Narzisse (Sternblume), ist durch eine einzige, dottergelbe -Blüte (März, April), zweischneidigen Schaft und eirunde, braune -Zwiebel charakterisiert. 2. <em class="gesperrt">Narcissus poëticus</em>, die weisse -Narzisse, besitzt weisse Blüten mit gelber Nebenkrone. Beide -Narzissen enthalten ein giftiges Alkaloid, das Narzitin, ätherisches -Oel und Harz.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Narzitin besitzt eine -lokal <em class="gesperrt">entzündungserregende</em> und späterhin <em class="gesperrt">lähmende</em> -Wirkung. Die Vergiftungserscheinungen setzen sich daher aus den -Symptomen der Magendarmentzündung (<em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">starker -Durchfall</em>) und denjenigen der <em class="gesperrt">allgemeinen Körperschwäche</em> und -<em class="gesperrt">Lähmung</em> zusammen. Bei der Sektion findet man die Erscheinungen -einer hochgradigen Enteritis. Die Behandlung besteht in der Anwendung -schleimiger und exzitierender Mittel, sowie in der Verabreichung von -Tannin als Gegengift.</p> - -<p>Vergiftungen durch Narzissen sind bei Rindern, Schweinen und Ziegen -beobachtet worden. Nach <em class="gesperrt">Gerlach</em> (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) -frass eine Schweineherde die auf den Hof geworfenen Zwiebel von -Narcissus poëticus, worauf 16 Stück unter den Erscheinungen grosser -Schwäche und starken Purgierens krepierten; bei der Sektion fand man -starke Entzündung des Magens und Darms. Zwei Kühe starben nach dem -Genusse von Gras, welchem viel Narzissen beigemengt waren, am zweiten -und dritten Tage, nachdem sie grosse Mattigkeit, Stöhnen sowie Drängen -auf den Mastdarm gezeigt hatten. Aehnliche Fälle sind von <em class="gesperrt">Dinter</em> -(Sächs. Jahresbericht 1882), <em class="gesperrt">Uhlig</em> (ibidem 1878), <em class="gesperrt">Johne</em> -und <em class="gesperrt">Rosenkranz</em> (ibidem 1865), sowie von <em class="gesperrt">Harms</em> (Magazin -1871) beschrieben.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Seidelbast_Daphne">Vergiftung durch Seidelbast, Daphne.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die zu den Thymeläazeen gehörige Gattung Daphne -kommt in 2 Arten vor. 1. <em class="gesperrt">Daphne Mezereum</em>, Seidelbast, -Kellerhals, ist ein in schattigen, feuchten Wäldern vereinzelt wild -wachsender, vielfach auch in Gärten als Zierpflanze kultivierter, -über 1 m hoher Strauch, welcher im Frühjahr blüht, bevor er noch -Blätter getrieben hat. Die Blüten sind rosenrot, wohlriechend, -leicht abfallend und sitzen zu dreien gebüschelt in den Achsen der -vorjährigen Blätter. Letztere sind krautartig, lanzettlich. Im August -und September entwickeln sich die scharlachroten Beeren. 2. <em class="gesperrt">Daphne -Laureola</em>, die Lorbeerdaphne, wächst in<span class="pagenum" id="Seite_276">[S. 276]</span> Süddeutschland, auf den -oberbayerischen und österreichischen Alpen, sowie in Böhmen. Die -Pflanze zeigt gelbgrüne, krautartige Blüten, lederartige, wintergrüne -Blätter, sowie schwarze Beeren.</p> - -<p>Hauptbestandteil beider Daphnearten ist das <b>Mezerein</b>, das -<em class="gesperrt">Anhydrid der Mezereinsäure</em> (Mezereumharz). Ausserdem findet -sich in der Rinde das ungiftige Glykosid Daphnin von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>15</sub>H<sub>16</sub>O<sub>9</sub></span> + 2 H<sub>2</sub>O, welches mit dem Aeskulin isomer ist -und zu Zucker und Daphnetin zerfällt. In den Beeren ist ausserdem -Kokkogninsäure enthalten. Auch Daphne Gnidium enthält Mezerein. Ein -ähnliches scharfes Harz findet sich in Thapsia garganica (Südeuropa).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Anhydrid der -Mezereinsäure, welches sowohl in der Rinde, als auch in der Blüte, -in den Blättern und Beeren des Daphnestrauches vorkommt, ist ein -gelbbraunes Harz von stark <em class="gesperrt">entzündungserregender</em> Wirkung (Acre -pustulans). Nicht bloss auf Schleimhäuten, sondern auch auf der Haut -entsteht unter der Einwirkung des Mezereinsäureanhydrids und der -genannten Pflanzenteile Schwellung, Rötung, Entzündung, Blasen-, -Pustel- und Geschwürsbildung. Nach der innerlichen Aufnahme der -Pflanze entsteht das Bild einer <em class="gesperrt">schweren Magendarmentzündung</em> -und <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, welche sich in <em class="gesperrt">Speicheln</em>, -<em class="gesperrt">Schlingbeschwerden</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">starkem -Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Strangurie</em>, sowie grosser <em class="gesperrt">Mattigkeit</em> -und <em class="gesperrt">Schwäche</em> äussert. Bei der Sektion findet man Schwellung, -Entzündung und Geschwürsbildung auf der Schleimhaut der Maulhöhle, -des Magens und Darmes. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender Mittel in Verbindung mit Opium.</p> - -<p>Die tödliche Dosis der gepulverten Daphnerinde beträgt für Pferde 30 g -(<em class="gesperrt">Wrigt</em>), Hunde starben bei unterbundenem Schlund auf 12 g der -Rinde nach 13 Stunden (<em class="gesperrt">Orfila</em>). Vergiftungen mit den Blättern -von Daphne Laureola sind in England beobachtet worden, wo dieselben -als Wurmmittel angewandt wurden. Nach <em class="gesperrt">Rose</em> (The veterinary -Record, Bd. 6) erkrankten hiebei 5 Pferde unter den Erscheinungen von -Stomatitis, Kolik, starkem Durchfall, grossem Durst, grosser Schwäche, -kleinem, beschleunigtem Puls und beschleunigtem Atmen; 3 davon starben -im Verlauf von 5 Tagen.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Rhododendron_Alpenrose">Vergiftung durch Rhododendron, -Alpenrose.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die zu den Erikazeen gehörige Gattung -Rhododendron wird in verschiedenen Arten teils in wildem, teils -in kultiviertem Zustande die Veranlassung zu Vergiftungen bei den -Haustieren. 1. <em class="gesperrt">Rhododendron hirsutum</em>, auf den Schweizer Alpen -vorkommend, ist ein kleiner immergrüner Strauch mit elliptischen oder -länglichlanzettlichen Blättern,<span class="pagenum" id="Seite_277">[S. 277]</span> sowie purpurroten oder rosenroten, -trichterförmigen, in einer Doldentraube stehenden Korollen. 2. -<em class="gesperrt">Rhododendron ferrugineum</em>, ebenfalls eine Alpenpflanze, besitzt -purpurne, trichterförmige Korollen, die Blätter sind am Rande kahl -und unterseits dicht drüsig schuppig. 3. <em class="gesperrt">Rhododendron maximum</em>, -in Nordamerika einheimisch, bei uns als Zierpflanze kultiviert, wird -bis 8 m hoch, hat länglich spitze Blätter, sowie purpurrote violette -Blütenkorollen, welche innen gelb punktiert sind. 5. <em class="gesperrt">Rhododendron -ponticum</em>, aus Kleinasien stammend, in Gärten kultiviert. 5. -<em class="gesperrt">Rhododendron chrysanthum</em>, die sibirische Schneerose, mit -widerlich riechenden und scharf schmeckenden Blättern.</p> - -<p>Die Rhododendronarten enthalten das <b>Andromedotoxin</b> als -Giftstoff. Ausserdem findet sich in ihnen wie in allen Erikazeen -Arbutin, Erikolin, Urson, Tannin, Gallussäure, Harz und ätherisches -Oel. — Von Pflanzen, welche ebenfalls Andromedotoxin enthalten, sind -zu nennen die verschiedenen <em class="gesperrt">Andromedaarten</em> (A. polyfolia, -japonica, Moriana etc.), ferner Azalea indica, Kassandra-, Kalmia-, -Monotropa- und Pierisarten.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Andromedotoxin ist ein scharfer, -<em class="gesperrt">akonitinähnlich</em> wirkender Stoff, welcher auf <em class="gesperrt">Haut</em> -und <em class="gesperrt">Schleimhäuten</em> <em class="gesperrt">Entzündung</em> hervorruft und auf das -Zentralnervensystem <em class="gesperrt">betäubend</em> und <em class="gesperrt">lähmend</em> einwirkt. -Die Vergiftungserscheinungen bestehen daher in <em class="gesperrt">Speicheln</em>, -<em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">blutigem -Durchfall</em>, <em class="gesperrt">Erregungserscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em> -und <em class="gesperrt">Lähmung</em>. Bei der Sektion findet man die Erscheinungen -der Gastroenteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung -schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender Mittel.</p> - -<p>Die tierärztliche <em class="gesperrt">Literatur</em> enthält einige Fälle von -Rhododendronvergiftung. <em class="gesperrt">Piepenbrock</em> (Preuss. Mitteil. 1877) -berichtet, dass von 2 Ziegen, welche in einem Blumengarten Zweige der -Alpenrose mit Begierde gefressen hatten, die eine nach Ablauf einer -Stunde heftiges Würgen und Erbrechen, starkes Geifern aus dem Maule, -Zähneknirschen, sowie Schweissausbruch über den ganzen Körper zeigte -und bei Berührung des Körpers schmerzhaftes Blöken äusserte; am Tage -darauf lag sie gelähmt, langausgestreckt im Stalle. Die zweite Ziege -stand betäubt, die Stirn gegen die Wand gestemmt; der Mist war hart, -der Kotabsatz verzögert und mit schmerzhaftem Blöken verbunden, im Kote -fanden sich blutige Striemen, der Puls war unfühlbar. Am 3. bezw. 5. -Tage trat bei beiden Tieren Besserung und am 8. Tag Genesung ein. Nach -<em class="gesperrt">Gerlach</em> (Gerichtl. Tierheilkunde) krepierten von 100 jungen -Schafen, welche einen Rhododendronstrauch abgefressen hatten, mehrere, -ausserdem mussten 27 wegen schwerer Erkrankung geschlachtet werden. -<em class="gesperrt">Claussen</em> (Schleswig-Holst. Mitt. für Tierärzte 1896) sah<span class="pagenum" id="Seite_278">[S. 278]</span> bei -3 Ziegen Erbrechen, Appetitlosigkeit und Erregungserscheinungen. -<em class="gesperrt">Marston</em> (The Veterinarian) beobachtete bei 2 Rindern starken -Speichelfluss, öfteres Erbrechen sowie Erregung bei Annäherung von -Personen. <em class="gesperrt">Wilson</em> (ibid. 1897) fand bei einer Ziege Traurigkeit, -schwankenden Gang, anhaltendes Speicheln, Verstopfung sowie krampfhafte -Kontraktionen der Bauchmuskeln mit Würg- und Brechbewegungen. Einen -weiteren Fall von Rhododendronvergiftung hat <em class="gesperrt">Salembier</em> (Bullet. -Belg. 1886) beschrieben.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Oenanthe_crocata_Rebendolde">Vergiftung durch -Oenanthe crocata, Rebendolde.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die zu den Umbelliferen gehörige, mit dem -Schierling nahverwandte <em class="gesperrt">gelbsaftige Rebendolde</em>, <em class="gesperrt">Oenanthe -crocata</em>, ist ein in Südeuropa, Frankreich, England und Belgien -auf Sumpfwiesen und an Wassergräben wild wachsendes Unkraut mit -knollenförmiger Wurzel, welche einen gelben, sehr giftigen Milchsaft -enthält. Der giftige Körper dieses Milchsaftes ist das Oenanthin, -ein bräunliches Harz, welches auch in der bei uns einheimischen -röhrenförmigen Rebendolde, <em class="gesperrt">Oenanthe fistulosa</em>, enthalten ist, -einer auf sumpfigen Wiesen und in Wassergräben wachsenden, bis ¼ -m hohen, im Juni und Juli blühenden Umbellifere mit rübenförmiger -Wurzel (früher als volkstümliches Diuretikum angewandt).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Oenanthin ist ein Harz, welches örtlich -<em class="gesperrt">stark reizende</em>, <em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung hat. -Ausserdem ist es ein <em class="gesperrt">Krampfgift</em> nach Art des Zikutoxins. -Kaninchen zeigen nach Dosen von 0,02 g krampfhafte Streckbewegungen der -Vorderbeine, Lauf- und Schwimmbewegungen, allgemeine klonische Krämpfe -und sterben nach 30 Minuten unter Stillstand der Atmung (<em class="gesperrt">Pohl</em>, -Arch. für exper. Pathol. 1894). Die Krankheitserscheinungen bestehen -daher vorwiegend in <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, -<em class="gesperrt">Krämpfen</em> und <em class="gesperrt">allgemeiner Lähmung</em>. Bei der Sektion findet -man entzündliche Veränderungen der Magendarmschleimhaut. Die Behandlung -besteht in der Verabreichung schleimiger und exzitierender Mittel.</p> - -<p>Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren nach dem Genusse der -ausgegrabenen Wurzeln. (Die grüne Pflanze soll nicht giftig sein.) -<em class="gesperrt">Gaignard</em> (Recueil 1895) sah bei Pferden und Rindern nach der -Aufnahme der Wurzeln Speicheln, Schwindel, Niederstürzen, Brüllen, -grosse Unruhe und Schweissausbruch, elektrische Muskelstösse, -epileptiforme Krämpfe, Verkrümmung des Halses und Rückens, tetanisehe -Härte der Muskeln und schliesslich Lähmung. Nach den Beobachtungen -von <em class="gesperrt">Bellancy</em> (Repertorium 1856) starb<span class="pagenum" id="Seite_279">[S. 279]</span> eine Kuh nach der -Aufnahme von 650 g der Wurzel von Oenanthe crocata schon nach -Verfluss einer Stunde. 400 g der Wurzel hatten Krämpfe, Atmungsnot, -Anästhesie und allgemeine Lähmung bei einer andern Kuh zur Folge. Ein -Pferd starb nach dem Genusse von 850 g der Wurzel schon innerhalb -25 Stunden unter Krämpfen und Kolikerscheinungen. <em class="gesperrt">Jouquan</em> -(Recueil 1885) beobachtete bei einer Kuh ½ Stunde nach der Aufnahme -der ausgegrabenen Wurzeln heftige Kolik, starkes Brüllen, sowie -unregelmässige Bewegungen der Gliedmassen. <em class="gesperrt">Hoare</em> (The vet. -journ. 1888) beschreibt eine Vergiftung bei 8 Kühen, welche die -Wurzeln und das Kraut der giftigen Rebendolde gefressen hatten; 2 -derselben starben. <em class="gesperrt">Macadam</em> (ibid. 1897) sah bei Kühen wässerigen -Durchfall, Gliederzittern und Lähmung; die Sektion ergab entzündliche -Schwellung der Magenschleimhaut. <em class="gesperrt">Graham-Gillam</em> beobachtete bei 4 -Schafen eine Entzündung des Labmagens, Duodenums und Kolons.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schoellkraut_Chelidonium">Vergiftung durch -Schöllkraut, Chelidonium.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das <em class="gesperrt">Schöllkraut</em>, <em class="gesperrt">Chelidonium majus</em> -(Maikraut, Goldwurz, Gilbkraut, Augenkraut, Gottesgabe) ist eine -überall in Europa einheimische, perennierende, bis 1 m hohe -Papaverazee, welche in allen Teilen einen orangegelben Milchsaft -enthält. Das starke, rotbraune Rhizom sendet mehrere aufrechte, -stumpfkantige, knotig gegliederte, leicht zerbrechliche, weissliche, -weich behaarte Stengel aus. Die Blätter sind oben lichtgrün, unten -blaugrün, zottig behaart, leierförmig; die 4blätterigen Blüten -sind gelb und in gestielten Dolden angeordnet. Die schotenförmige -Kapsel ist bis 5 cm lang, 4 cm breit und enthält braune, schief -eiförmige Samen. Die ganze Pflanze ist durch einen widerlich scharfen -Geruch, sowie durch einen scharfen, brennenden, bitteren Geschmack -ausgezeichnet.</p> - -<p>Der zu 25 Prozent im Schöllkraut enthaltene Milchsaft, welcher bei -heissem trockenem Wetter am giftigsten ist, enthält 2 Alkaloide. 1. -Das <b>Chelerythrin</b>, ein ausserordentlich giftiges, besonders in -den Wurzeln und in den unreifen Früchten enthaltenes Alkaloid von -der Formel <span class="nowrap">C<sub>19</sub>H<sub>17</sub>NO<sub>4</sub></span>, welches warzenförmige Kristalle von -brennendem, scharfem, bitterem Geschmack bildet, sich mit Säuren -sofort rot färbt und mit Säuren Salze bildet. 2. Das viel weniger -giftige <em class="gesperrt">Chelidonin</em> von der Formel <span class="nowrap">C<sub>20</sub>H<sub>19</sub>NO<sub>5</sub></span>, ein -rein weisses, geruchloses, bitter und kratzend schmeckendes Pulver. -Ausserdem enthält der Milchsaft Chelidonsäure, Chelidoninsäure, -Chelidoxanthin (Farbstoff), Zitronensäure und Aepfelsäure.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Chelerythrin besitzt eine -<em class="gesperrt">entzündungserregende</em> lokale Wirkung auf Haut und Schleimhäute -und erzeugt daher bei innerlicher Aufnahme <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, -<em class="gesperrt">Kolik</em> und <em class="gesperrt">starken Durchfall</em>. Ausserdem besitzt es -eine <em class="gesperrt">harntreibende</em>, sowie eine teils erregende, teils -<em class="gesperrt">lähmende</em> Wirkung auf das Zentralnervensystem, welche sich -in Zuckungen, Sinken der Reflexerregbarkeit,<span class="pagenum" id="Seite_280">[S. 280]</span> Anästhesie, sowie in -Lähmung der Skelettmuskeln, des Herzens und des Atmungszentrums -äussert. Das Chelidonin besitzt eine morphinähnliche Wirkung. -Klinische Vergiftungen sind bei den Haustieren nur ganz vereinzelt zur -Beobachtung gelangt, da die Tiere die Pflanze wegen ihres scharfen, -brennenden Geschmackes meiden. <em class="gesperrt">Schmidtke</em> beobachtete bei einer -Ziege, die ausschliesslich Schöllkraut als Wildfutter einige Tage -hindurch erhalten hatte, Durchfall und Taumeln; die Sektion ergab das -Vorhandensein von Gastroenteritis. Experimentelle Untersuchungen haben -ergeben, dass Pferde und Rinder das Schöllkraut in Gaben bis zu ½ kg -gut ertragen, indem sie nur eine Vermehrung der Harnsekretion zeigen -(<em class="gesperrt">Hertwig</em>). <em class="gesperrt">Orfila</em> sah bei einem Versuchshunde nach dem -Eingeben eines wässerigen Extraktes der Pflanze Erbrechen, Lähmung, -Anästhesie, Amaurose, Taubheit; in eine Wunde gebracht, hatte das -Extrakt starke entzündliche Schwellung, allgemeine Anästhesie, sowie -den Tod zur Folge. Das Schöllkraut wurde früher in der Tierheilkunde -als Purgans, Cholagogum und Diuretikum angewandt und wird neuerdings -wieder in der Menschenheilkunde benützt.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Aron">Vergiftung durch Aron, Arum maculatum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Aron</em>, <em class="gesperrt">Arum maculatum</em> -(Aronstab, Zehrwurz, Fieberwurz, Zahnwurz, Fresswurz), findet sich -in feuchten Laubwäldern Mittel- und Südeuropas. Das Rhizom ist -rundlich oval, fleischig, kartoffelgross, sehr stärkemehlreich. -Der Schaft trägt einen von einer grossen Spatha umschlossenen, -terminalen Kolben. Die Blätter (2–3) sind spiessförmig oder -pfeilförmig, lang gestielt und braun gefleckt. Die Beeren sind rot. -Der Aron enthält das <b>Aronin</b>, ein angeblich mit dem Saponin -identisches Alkaloid (nach andern ein Alkaloid <em class="gesperrt">Aroin</em> bezw. -ein Glykosid <em class="gesperrt">Arin</em>). Aehnliche Stoffe finden sich auch in den -übrigen Aroideen: <em class="gesperrt">Calla palustris</em>, <em class="gesperrt">Dieffenbachia</em>, -<em class="gesperrt">Caladium</em> u. a., namentlich auch in den als Topfpflanzen -gezogenen Kallaarten.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Aronin besitzt, wie das Saponin, eine stark -<em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung auf <em class="gesperrt">Wunden</em>, <em class="gesperrt">Haut</em> -und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em>. Ein Vergiftungsfall beim Pferd ist von -<em class="gesperrt">Mergel</em> (Russ. Archiv für Veterinärmedizin 1884) beschrieben. -Eine 8jährige Stute, welche vor 3 Tagen einen Hufschlag in die Hüfte -erhalten hatte, bekam an dieser Stelle Befeuchtungen mit einem -Infus der frischen Blätter von Arum maculatum. Durch die Bewegungen -des Schweifes wurde die Flüssigkeit auch auf das Mittelfleisch -und den After übertragen. Die Vergiftungserscheinungen bestanden -in starker Anschwellung des Afters, der Vulva, des Euters und der -Wundränder.<span class="pagenum" id="Seite_281">[S. 281]</span> Daneben beobachtete man Zittern über den ganzen Körper, -Stehen mit gespreizten Beinen und gestrecktem Hals, beschleunigte -Atmung, pochenden Herzschlag, sowie starke Injektion der sichtbaren -Schleimhäute. Am dritten Tag trat der Tod des Pferdes ein. -Kontrollversuche an Ratten, Mäusen und Fröschen ergaben bei diesen -Versuchstieren nach dem Einbringen des Arons in Wunden ebenfalls eine -tödliche, unter den Erscheinungen einer Depression des Nervensystems -verlaufende Vergiftung.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schwalbenwurzel">Vergiftung durch Schwalbenwurzel, -Asklepias vincetoxicum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Schwalbenwurzel</em> (Hundswürger), -<em class="gesperrt">Asklepias vincetoxicum</em> (Cynanchum vincetoxicum), ist eine -bis einen halben Meter hohe Asklepiadee mit aufrechtem Stengel, -herzförmigen Blättern und weissen Doldenblüten. Sie enthält das -giftige Glykosid <b>Asklepiadin</b>, eine schwach gelbliche, amorphe, -in Wasser leicht lösliche Masse von grosser Zersetzlichkeit, welche -in Zucker, <em class="gesperrt">Asklepin</em> und Asklepion zerfällt.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Asklepiadin ist ein <em class="gesperrt">Nierengift</em>, welches -infolge von Nierenreizung <em class="gesperrt">Polyurie</em> und <em class="gesperrt">Nephritis</em>, -sowie infolge von Blasenreizung <em class="gesperrt">Harndrang</em> und <em class="gesperrt">Cystitis</em> -erzeugt. In einem von <em class="gesperrt">E. Veith</em> mitgeteilten Fall (Mitteilungen -österr. Veterinäre 1844) erkrankte eine Schafherde nach dem Genuss -der Schwalbenwurzel unter den Erscheinungen der Harnruhr. Mehrere -Wochen und Monate hindurch wurde beobachtet, dass Schafe hinter der -Herde zurückblieben, hinten breitbeinig gingen, sich häufig zum Harnen -anstellten, öfters unter Schmerzen einen klaren, wasserhellen Harn -absetzten und bei Druck in der Lendengegend grosse Schmerzhaftigkeit -äusserten. Später träufelte der Harn fortwährend unwillkürlich ab, die -Tiere wurden sehr matt und schwach, zeigten Schwindel und Taumeln und -starben nach wochen- und monatelanger Dauer der Krankheit. Bei der -Sektion zeigten sich die Nieren entzündlich verändert, die Schleimhaut -der Blase wulstig verdickt und von Hämorrhagien durchsetzt, die -Harnleiter waren ebenfalls verdickt. Fütterungsversuche, wobei täglich -30–90 g des frischen Krautes gesunden Schafen verabreicht wurden, -ergaben, dass schon nach 3 Tagen häufiger Drang zum Harnabsatz und nach -8 Tagen das obenbeschriebene Krankheitsbild zu konstatieren war.</p> - -<p>Eine <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Vergiftung würde in der Verabreichung -von Laxantien, sowie in einer symptomatischen Behandlung der -Nierenentzündung bestehen (Tannin, Kali chloricum).</p> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_282">[S. 282]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Stephanskoerner">Vergiftung durch Stephanskörner, -Delphinium Staphisagria.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das <em class="gesperrt">Stephanskraut</em>, <em class="gesperrt">Delphinium -Staphisagria</em> (Läusekraut, scharfer Rittersporn) ist eine -südeuropäische Ranunkulazee mit blauen, traubenförmigen Blüten und -bauchigen, zottigen Samenkapseln, welche erbsengrosse, kantige Samen, -die sogenannten <em class="gesperrt">Stephanskörner</em> oder <em class="gesperrt">Läusekörner</em>, Semina -Staphisagriae, einschliessen. Diese Stephanskörner wurden früher -in der Tierheilkunde äusserlich gegen Ungeziefer, sowie innerlich -gegen verschiedene Krankheiten angewandt. Sie enthalten 4 Alkaloide: -das <b>Delphinin</b>, <em class="gesperrt">Staphisagrin</em>, <em class="gesperrt">Delphinoidin</em> -und <em class="gesperrt">Delphisin</em>. Diese Alkaloide sind wahrscheinlich auch in -geringer Menge in Delphinium consolida, dem Feldrittersporn, einem -auf Aeckern häufigen Unkraut mit dunkelvioletten, einfach gespornten -Blüten und schwarzbraunen, kantigen, scharf und bitter schmeckenden -Samen enthalten. In Amerika sollen ferner Vergiftungen durch -Delphinium bicolor und glaucum vorkommen.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Delphinin besitzt eine <em class="gesperrt">akonitinähnliche</em> -Wirkung, indem es <em class="gesperrt">spinale Krämpfe</em> mit späterer -<em class="gesperrt">Lähmung</em>, Unempfindlichkeit, Herzstillstand, sowie Asphyxie -erzeugt; lokal wirkt es stark <em class="gesperrt">reizend</em> auf <em class="gesperrt">Haut</em> und -<em class="gesperrt">Schleimhäute</em>. Hunde und Katzen starben auf 0,01–0,03 Delphinin, -nachdem sie <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Würgen</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, -<em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Abnahme</em> der <em class="gesperrt">Reflexerregbarkeit und -Sensibilität</em>, <em class="gesperrt">Streckkrämpfe</em>, <em class="gesperrt">sowie Lähmung des Herzens -und der Atmung</em> gezeigt hatten. Das Staphisagrin hat eine koniin- -und kurareartige Wirkung (Delphocurarin); es tötet Hunde in Dosen -von 0,2–0,3. Die gepulverten Samen töten Hunde in Dosen von 30 g vom -Magen, in Dosen von 8 g von der Haut aus; bei der ersteren Applikation -findet man bei der Sektion eine Entzündung der Magenschleimhaut -(<em class="gesperrt">Orfila</em>).</p> - -<p>Klinische Vergiftungen durch Stephanskörner sind, nachdem das Mittel -therapeutisch fast gar nicht mehr verwendet wird, sehr selten geworden. -In einem Fall beobachtete <em class="gesperrt">Beier</em> (Landwirtschaftliche Zeitung -1845) bei 6 Pferden, welchen gegen Druse je 60 g Stephanskörner -eingegeben wurden, sehr heftige Kolikerscheinungen, Schweissausbruch, -Betäubung und Empfindungslosigkeit, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Die -Behandlung der Vergiftung würde in der Verabreichung von schleimigen, -einhüllenden Mitteln, Tannin, Opium, sowie von Exzitantien bestehen.</p> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_283">[S. 283]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Taumelkerbel">Vergiftung durch Taumelkerbel, -Chaerophyllum temulum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Kerbel</em> oder <em class="gesperrt">Taumelkerbel</em>, -<em class="gesperrt">Chaerophyllum temulum</em> (betäubender Kälberkropf) ist eine -bis meterhohe, weiss blühende Doldenpflanze (Umbellifere), welche -einen dünnen, rauh behaarten und dunkelrot gefleckten Stengel, -doppelt gefiederte Blätter, sowie schnabellose Früchte besitzt. Der -Taumelkerbel enthält das giftige <b>Chaerophyllin</b>.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Chaerophyllin ist ein <em class="gesperrt">Acre-Narcoticum</em>. Es -erzeugt <em class="gesperrt">Reizung der Magendarmschleimhaut</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em> und <em class="gesperrt">allgemeine -Lähmung</em>. Die tierärztliche Literatur enthält 2 Fälle von -Vergiftung bei Rindern und Schweinen. Nach <em class="gesperrt">Frey</em> (Schweizer -Archiv 1845) erkrankten 3 Kühe nach der Aufnahme von Kraut und Wurzeln -des Taumelkerbels unter den Erscheinungen der Appetitlosigkeit, -Schmerzhaftigkeit des Hinterleibs, Auftreibung des Bauches, Injektion -der Schleimhäute, Pupillenerweiterung, Benommenheit des Sensoriums, -Umstülpung des Afters, sowie Entleerung von Schleim unter starkem, -schmerzhaftem Drängen. Bei der Sektion fand man starke Entzündung -des Labmagens, sowie Rötung der Schleimhaut des Psalters und -Dünndarmes. <em class="gesperrt">Kohli</em> (Der Tierarzt 1862) beobachtete bei Schweinen -Pupillenerweiterung, sowie Lähmungserscheinungen, welche in der -Nachhand begannen; 3 derselben starben innerhalb 24 Stunden, ein -viertes innerhalb 36 Stunden. Die Sektion ergab das Vorhandensein einer -Gastroenteritis.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Steinklee">Vergiftung durch Steinklee, -Melilotus officinalis.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Steinklee</em>, <em class="gesperrt">Melilotus -officinalis</em> ist eine bis meterhohe Papilionazee mit aufsteigendem -Stengel, fiedrigen, 3zähligen Blättern, vielblütigen, gestielten -Trauben und querfaltigen, 1samigen Hülsen. In der Schmetterlingsblüte -sind Fahne und Flügel gleich lang, sowie beide länger als das -Schiffchen. Der Steinklee enthält das <b>Kumarin</b>, ausserdem -Melilotol, Harz und ätherisches Oel.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Nach den Beobachtungen von <em class="gesperrt">Carrey</em> und -<em class="gesperrt">Collas</em> (Journal de Lyon 1888) sind die <em class="gesperrt">Samen</em> -des Steinklees giftig. Der Giftstoff selbst ist nicht genauer -bekannt, seine Wirkung ist eine <em class="gesperrt">lähmende</em>. Pferde, welche -täglich 2–3 Liter Steinkleesamen erhalten hatten, zeigten eine -eigentümliche Erkrankung, welche in der Hauptsache in einer Lähmung -der Rumpfmuskulatur bestand, während die Bewegungsfähigkeit am -Kopf erhalten war. Sonstige Krankheitserscheinungen waren nicht -wahrzunehmen. Die Tiere starben<span class="pagenum" id="Seite_284">[S. 284]</span> nach Ablauf von 10–12 Tagen; bei der -Sektion wurde ausser starker Lungenhyperämie sowie Schwellung der Leber -nichts Besonderes gefunden. Auch Lämmer und Rinder sollen erkrankt sein.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kumarinvergiftung.</b> Das Kumarin gehört seiner chemischen -Natur nach zu den ätherischen Oelen. Es ist eine Kampferart -mit Säurecharakter von der Formel <span class="nowrap">C<sub>9</sub>H<sub>6</sub>O<sub>2</sub></span>, welche -deshalb wohl auch als Kumarinsäure oder Tonkabohnenkampfer -bezeichnet wird. Man findet es nämlich hauptsächlich in den -<em class="gesperrt">Tonkabohnen</em>, den Früchten von Dipterix odorata, welche -1–1½ Proz. Kumarin enthalten. Daneben kommt es in kleineren -Mengen vor im <em class="gesperrt">Ruchgras</em> oder wohlriechenden Wiesengras -(Anthoxanthum odoratum), im <em class="gesperrt">Waldmeister</em> (Asperula odorata), -im <em class="gesperrt">Steinklee</em> (Melilotus officinalis), sowie in verschiedenen -anderen Pflanzen (Myroxylon toluiferum, Orchis fusca, Angraecum -fragrans, Liatris odoratissima). Ausserdem kann das Kumarin -synthetisch aus der Salizylsäure dargestellt werden. Aus den -genannten Pflanzen wird es durch Extraktion mit Alkohol und Aether -gewonnen. Es bildet farblose, säulenartige oder blättchenförmige -Kristalle von dem gewürzhaften Geruch des Waldmeisters und scharfem, -bitterem, brennendem Geschmacke. Die Löslichkeit in Wasser ist gering -(1 : 500), dagegen löst es sich leicht in Alkohol, Aether, fetten -und ätherischen Oelen. Beim Schmelzen mit Aetzkali zerfällt es in -Salizylsäure und Essigsäure.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Toxikologie</em> des Kumarins ist zuerst von <em class="gesperrt">Köhler</em> -(Zentralblatt für die medizinischen Wissenschaften 1875) untersucht -worden. Die an Fröschen, Kaninchen, Hunden und Katzen angestellten -Experimente zeigten, dass das Kumarin für diese Tiere ein -<em class="gesperrt">lähmendes Gehirn-</em> und <em class="gesperrt">Herzgift</em> ist. Die wichtigsten -Vergiftungserscheinungen waren: Betäubung, Anästhesierung und -Herabsetzung der Reflexerregbarkeit (Katzen taumelten wie betrunken -umher, zeigten hochgradige Muskelschwäche und blieben schliesslich -gelähmt und bewegungslos am Boden liegen), Lähmung des Herzens -und zwar sowohl der Vagusendigungen als auch der intrakardialen -Hemmungszentren und des Herzmuskels selbst, mit gleichzeitiger -Erweiterung der peripheren Gefässe und Sinken des Blutdrucks, -Sinken der Körpertemperatur und Herabsetzung der Erregbarkeit des -Atmungszentrums.</p> - -<p>Meine eigenen Versuche mit Kumarin bei <em class="gesperrt">Pflanzenfressern</em> -(Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen) haben ein von obigen -Versuchen abweichendes Resultat ergeben (Monatshefte für prakt. -Tierheilkde. 1890). Dasselbe ist folgendes: Das Kumarin tötet -Pferde in Dosen von 50 g, Schafe in solchen von 5 g. 25 g Kumarin -sind für Pferde und Rinder eine indifferente Dosis. <em class="gesperrt">Das -Kumarin ist für Pflanzenfresser mithin kein starkes Gift.</em> Bei -allen Versuchstieren äussert sich die Wirkung des in Substanz -verabreichten Kumarins zuerst in einer <em class="gesperrt">entzündlichen Reizung -der Magendarmschleimhaut</em>. Das in die Blutbahn aufgenommene -Kumarin wirkt in erster Linie als <em class="gesperrt">Herzgift</em>, in zweiter Linie -als Atmungsgift. <em class="gesperrt">Eine narkotische oder hypnotische Wirkung -des Kumarins wurde niemals konstatiert.</em> Das Sensorium aller -Versuchstiere blieb vielmehr bis zum tödlichen Ende relativ frei. -Auch eine lähmende Einwirkung auf die Körpermuskulatur oder auf das -Rückenmark liess sich nicht feststellen. Die am Ende der Vergiftung -auftretende allgemeine Schwäche war vielmehr lediglich die Folge -der zunehmenden Herzschwäche. Der tödliche Ausgang wird durch die<span class="pagenum" id="Seite_285">[S. 285]</span> -lähmende Wirkung auf das Herz verursacht (Lungenödem). In einem Fall -erzeugte das Kumarin Ikterus und Nephritis, in allen anderen Fällen -fehlten diese Erscheinungen. Eine konstante Nebenerscheinung bildeten -endlich der Kumaringeruch der ausgeatmeten Luft, der Nasenausfluss -und die höhere Rötung der sichtbaren Kopfschleimhäute.</p> - -<p>Die vorstehenden Kumarinversuche wurden von mir speziell zur -Lösung der Frage unternommen, <em class="gesperrt">ob die nach der Aufnahme von</em> -<b>frischem Heu</b> <em class="gesperrt">mitunter beobachteten eigentümlichen -Krankheitsfälle als Kumarinvergiftung aufzufassen sind</em>?</p> - -<p>Den kasuistischen Mitteilungen über angebliche Kumarinvergiftungen -bei Pferden ist folgendes zu entnehmen. In der Zeitschrift für -Veterinärkunde (1891, S. 457) teilt Rossarzt <em class="gesperrt">Mierswa</em> mit, -dass auf dem Schiessplatz zu Hammerstein das fast ausschliesslich -aus Ruchgras bestehende Heu abgemäht, gut getrocknet und, ehe es -anfing zu schwitzen, teils allein, teils mit anderem Heu vermischt -an die Pferde der reitenden Abteilung des Artillerieregiments -Prinz August verfüttert wurde. Nachdem diese Fütterung einige Zeit -fortgesetzt war, stellten sich bei einigen Pferden <em class="gesperrt">leichte -Kolikerscheinungen</em> ein. Andere Pferde zeigten <em class="gesperrt">grosse -Eingenommenheit des Kopfes</em>, standen teilnahmslos im Stall, -stützten den Kopf auf die Krippe, hatten beim Vorführen einen -<em class="gesperrt">schwankenden Gang</em> und zeigten rauhes, aufgebürstetes Haar. -Sobald die Verfütterung des betreffenden Heus eingestellt wurde, -verloren sich die bei vielen Pferden konstatierbaren krankhaften -Symptome. Der Beobachter hat daraus den Schluss gezogen, dass in dem -Ruchgras ein betäubender Stoff, wahrscheinlich das Kumarin, enthalten -sei, dessen Wirkung für gewöhnlich nicht zur Geltung komme, weil das -Ruchgras neben andern Gräsern im Heu sich in der Minderheit befinde, -dass er aber bei ausschliesslicher Verfütterung des Ruchgrases -schädliche Wirkungen auf das Nervensystem zur Folge habe.</p> - -<p>Ueber einen zweiten ähnlichen Fall wird im Pferdefreund (1888, -Nr. 26) berichtet. 30 Pferde des Zirkus Lorch erkrankten im Juli -1888 in Luzern plötzlich in der Nacht unter höchst eigentümlichen -Krankheitserscheinungen, welche sich in <em class="gesperrt">unregelmässigem -Herzschlag</em>, starker <em class="gesperrt">Rötung der Augen</em>, sowie in hohem -<em class="gesperrt">Fieber</em> äusserten. Der behandelnde Tierarzt stellte die -Diagnose auf Intoxikation durch ein „Herzgift“. 9 Pferde starben; die -Sektion ergab einen durchaus negativen Befund. Das Trinkwasser, die -Bodenbeschaffenheit, der verabreichte Hafer wurde als vollständig -normal erfunden. Deshalb wurde als Krankheitsursache die Verfütterung -von jungem Heu angenommen, eine Voraussetzung, welche durch -Fütterungsversuche bei Anatomiepferden bestätigt wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Von diesen Fällen stimmt nur die zweite Beobachtung in -mehreren Punkten mit dem von mir erzeugten Krankheitsbilde der -Kumarinvergiftung überein.</em> Hier wie dort liegt eine spezifische -Wirkung auf das Herz vor, in beiden Fällen wurden Rötung der -Kopfschleimhäute und Fieber als Begleiterscheinungen der Vergiftung -konstatiert. Es fragt sich nur, <em class="gesperrt">ob in frischem Heu so viel Kumarin -enthalten ist, dass die Aufnahme desselben zu einer Kumarinvergiftung -führen kann</em>. Zwar liegen keine chemischen Analysen bezüglich -des Kumaringehaltes von frischem Heu vor. Ich möchte aber vom rein -theoretischen Standpunkte aus bezweifeln, dass das frische Heu -tatsächlich so viel Kumarin enthält, dass eine Kumarinvergiftung -zustande kommen kann. Denn wenn man eine starke Tagesration<span class="pagenum" id="Seite_286">[S. 286]</span> Heu -für ein Pferd zu 5 kg rechnet, so müsste das Heu 1 Proz. Kumarin -enthalten, um in 5 kg einen Gesamtgehalt von 50 g Kumarin, d. h. -die tödliche Dosis zu besitzen. Ein derartig starker, 1prozentiger -Kumaringehalt kommt allerdings der Tonkabohne zu. Vergleicht man aber -den Kumaringeruch der Tonkabohne mit demjenigen des frischen Heus, -so ist derselbe bei ersterer ungleich stärker, als bei letzterem. -Hauptsächlich aus diesem Grunde komme ich trotz der unzweifelhaften -Aehnlichkeit gewisser Krankheitsfälle zu dem Schlusse, <em class="gesperrt">dass -bei der geringen Giftigkeit des Kumarins und bei dem geringen -Kumaringehalt des Heus eine Kumarinvergiftung nach Aufnahme von Heu -wahrscheinlich ist</em>.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Flachsseide">Vergiftung durch Flachsseide, -Cuscuta europaea.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">Flachsseide</em>, <em class="gesperrt">Cuscuta europaea</em> -(Konvolvulazee), ist ein chlorophylloser, links windender, -fadenförmiger Stengelschmarotzer, welcher als Unkraut auf Hopfen, -Klee usw. parasitiert. Ueber die wirksamen Bestandteile der Pflanze -ist mit Sicherheit nichts bekannt. Da sie früher als Abführmittel -angewandt wurde und zu den Konvolvulazeen gehört, ist es nicht -unwahrscheinlich, dass der giftige Stoff der Pflanze das auch in der -Jalapenwurzel enthaltene Konvolvulin ist.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Eine Vergiftung durch Flachsseide ist bei -Schweinen von <em class="gesperrt">Glocke</em> (Preuss. Mitt. 1872) beschrieben worden. -5 Ferkel im Alter von 3–5 Monaten hatten Klee gefressen, welcher -stark mit Flachsseide überwuchert war. Die Tiere lagen auf der Seite, -unvermögend aufzustehen, machten Laufbewegungen mit den Beinen, der -Kopf wurde ruckweise nach dem Rücken und nach der Seite verzogen. Bei -der Sektion fand man die Schleimhaut des Kolons stark geschwollen, -stellenweise von streifigen Blutungen durchsetzt und mit gallertartigem -Schleime bedeckt. Das Ergebnis der Sektion in Verbindung mit den -während des Lebens beobachteten Krankheitserscheinungen weist darauf -hin, dass die Flachsseide einen <em class="gesperrt">scharfnarkotischen</em> Giftstoff -enthält.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Orant">Vergiftung durch Orant, -Antirrhinum majus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Orant</em> (Löwenmaul) kommt in 2 Formen -vor: 1. <em class="gesperrt">Antirrhinum majus</em>, aus dem südlichen Europa stammend -und 2. <em class="gesperrt">Antirrhinum Oronthium</em>, eine bei uns einheimische -Skrofulariazee. Er ist charakterisiert durch seine schöne purpurne -oder weisse Blüte mit 2lippiger Korolle, welche am Grunde der Röhre -bauchig ist und deren Unterlippe den Schlund vollständig schliesst.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Der früher als Arzneimittel verwendete -Orant enthält einen nicht näher bekannten giftigen Stoff von -<em class="gesperrt">betäubender</em>, <em class="gesperrt">lähmender</em> Wirkung. Vergiftungen bei Pferden -sind von<span class="pagenum" id="Seite_287">[S. 287]</span> <em class="gesperrt">Popow</em> (Russischer Veterinärbote 1884) beschrieben -worden. Die Pflanze, welche auf den Getreidefeldern russischer -Gouvernements (Tombow, Pensa, Woronesch) wächst, wird dort im trockenen -Zustand von den Pferden gern gefressen. Werden grössere Mengen -derselben aufgenommen, so zeigen die Tiere das Bild einer Narkose: -Schwanken, Betäubung, Abstumpfung des Gefühls, Bewusstlosigkeit, -Schweissausbruch, sowie sehr angestrengte Atmung. Das aus der Pflanze -ausgepresste Oel erzeugt nach experimenteller Untersuchung ebenfalls -allgemeine Lähmungserscheinungen. Die Behandlung der Vergiftung besteht -in der Verabreichung von Aloe und Kampfer.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Terpentinoelvergiftung">Terpentinölvergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in verschiedenen Abietineen (Pinus -abies, Pinaster, Larix, decidua, australis, Taeda) enthaltene -Terpentinöl ist ein ätherisches Oel von der Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>16</sub></span>. -Vergiftungen ereignen sich zuweilen durch die Verabreichung zu -grosser Terpentinöldosen oder durch die Inhalation zu konzentrierter -Terpentinöldämpfe. Ausserdem kommen sie zustande durch die Aufnahme -von Fichtensprossen. Die früher als Terpentinölvergiftung aufgefasste -und auf das Fressen von jungen Fichtensprossen zurückgeführte sog. -enzootische Magendarmentzündung oder Waldkrankheit des Rindes dürfte -übrigens nach den neueren Untersuchungen über Piroplasmose in der -Hauptsache keine Vergiftung, sondern eine Infektionskrankheit -darstellen (seuchenhafte Hämoglobinurie, durch Zecken vermittelt und -durch Piroplasma bigeminum verursacht).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Terpentinöl besitzt -örtlich auf <em class="gesperrt">Haut</em> und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em> eine stark -<em class="gesperrt">reizende</em>, <em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung. Wird es -innerlich in grösserer Menge aufgenommen, so erzeugt es eine unter den -Erscheinungen von <em class="gesperrt">Kolik</em> verlaufende <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>, -ausserdem die Erscheinungen einer <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Pharyngitis</em> -und <em class="gesperrt">Laryngitis</em>. Bei der Ausscheidung durch die Nieren wirkt -es ebenfalls reizend und veranlasst daher eine mit <em class="gesperrt">Hämaturie</em> -verlaufende <em class="gesperrt">hämorrhagische Nephritis</em>. Im übrigen sind, wie -experimentelle Versuche gelehrt haben, <em class="gesperrt">einmalige</em> grössere -Terpentinöldosen verhältnismässig wenig giftig. So ertragen Pferde und -Rinder einmalige Dosen von 250–500 g; dagegen erzeugten 500–1000 g -Terpentinöl bei Pferden Kolik, Durchfall und Hämaturie. Hunde starben -nach 8–30 g Terpentinöl an Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Hertwig</em>).</p> - -<p>Neben der reizenden Einwirkung auf die Schleimhaut des -Digestionsapparates und auf die Nieren besitzt das Terpentinöl auch -eine spezifische Einwirkung auf das <em class="gesperrt">Nervensystem</em>, indem -es<span class="pagenum" id="Seite_288">[S. 288]</span> dasselbe zuerst erregt und dann lähmt. Die Erscheinungen der -Terpentinölvergiftung nach dieser Richtung bestehen zunächst in -<em class="gesperrt">hochgesteigerter Reflexerregbarkeit</em>, Zittern, Krämpfen, -Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, Atmungsbeschwerden. So beobachtete -<em class="gesperrt">Grinzer</em> (Russisches Archiv für Veterinärmedizin 1886) bei -einem Pferd nach einer zu starken Terpentinölinhalation eine 2 -Tage andauernde hochgesteigerte Reflexerregbarkeit, Muskelzittern, -anhaltenden Husten, Herzklopfen, starke Injektion der sichtbaren -Schleimhäute, Zuckungen im Musculus Tensor fasciae latae und -selbst Trismus. Auf die Erregung folgt die <em class="gesperrt">Lähmung</em> der -<em class="gesperrt">Zentralapparate</em>. Die Tiere zeigen Eingenommenheit des -Sensoriums, Schwindel, Taumeln, Betäubung, Sinken des Blutdrucks und -der Herztätigkeit, sowie der Respiration, Verlangsamung und Lähmung der -Atmung und zuletzt allgemeine Lähmung.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man neben dem charakteristischen -Terpentinölgeruch die Erscheinungen der Gastroenteritis und -hämorrhagischen Nephritis. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist eine -symptomatische; sie besteht in der Anwendung einhüllender, schleimiger -und exzitierender Mittel.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Jansen</em> (Preuss. Mitt. 1867) sah bei -einem Pferd nach der reichlichen Aufnahme von Fichtensprossen -die Erscheinungen der Stomatitis, Pharyngitis, Laryngitis und -Gastroenteritis (Kolik). <em class="gesperrt">Green</em> (The Veterinarian 1896) sah -bei einem Fohlen nach dem Eingeben von Terpentinspiritus profusen -Schweissausbruch, Harndrängen und Schmerzhaftigkeit der linken Niere -bei rektaler Palpation. Nach <em class="gesperrt">Bermbach</em> (Preuss. Vet.-Ber. -1900) verlammten zwölf Schafe nach der Verfütterung von Tannen- und -Fichtenzweigen, die im Herbst frische Triebe angesetzt hatten.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Sadebaum">Vergiftung durch Sadebaum, Juniperus -Sabina.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Sadebaum</em> oder <em class="gesperrt">Sevenbaum</em>, -<em class="gesperrt">Juniperus Sabina</em>, ist eine in Südeuropa, namentlich im -Unterholz der Voralpenregion wild wachsende, bei uns in Parkanlagen -und Gärten kultivierte Konifere, welche teils in Strauch-, teils in -Baumform vorkommt. Der Sadebaum ist charakterisiert durch immergrüne, -zypressenähnliche Zweige (Summitates Sabinae) von unangenehmen -Geruch, welche dicht besetzt sind mit meist glatt anliegenden, -dachziegelartig angeordneten, rautenförmigen, bläulichgrünen, -kleinsten (2–5 mm grossen) Blättchen; die Zweige tragen zur Zeit -der Reife rundliche, blau bereifte Beeren. Der wirksame Bestandteil -des Sabinakrautes ist das <b>ätherische Sabinaöl</b> von der -Formel C<sub>10</sub>H<sub>16</sub>, ausserdem das <b>Sabinol</b>, ein zu den -Säureanhydriden gehöriger, sehr giftiger Stoff.</p> - -<p>Auch der <em class="gesperrt">gemeine Wacholder</em>, <em class="gesperrt">Juniperus communis</em>, -welcher das ätherische Wacholderöl, Oleum Juniperi, enthält, sowie -der <em class="gesperrt">virginische Wacholder</em>, <em class="gesperrt">Juniperus virginiana</em>, -dessen ätherisches Oel aus Zedernkampfer und Zedren besteht, kann zu -Vergiftungen Veranlassung geben.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_289">[S. 289]</span></p> - -<p><b>Wirkung.</b> Das ätherische Oel des Sabinakrautes wirkt ähnlich, -aber stärker als Terpentinöl <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf -<em class="gesperrt">Schleimhäute</em> und <em class="gesperrt">Nieren</em>; ausserdem besitzt es eine -spezifische <em class="gesperrt">tetanische</em> Einwirkung auf den <em class="gesperrt">Uterus</em> -(Abortivum beim Menschen). Das <em class="gesperrt">Sabinol</em> ist angeblich ein -<em class="gesperrt">Blutgift</em> (Hämoglobinämie). Die Sadebaumspitzen sind namentlich -für die Wiederkäuer (Rinder und Schafe) und Hunde ein stark reizendes -Gift. Nach <em class="gesperrt">Hertwig</em> sterben Hunde auf 15–22 g Sadebaumspitzen -an Magendarmentzündung, wenn durch Unterbindung des Schlundes das -Erbrechen verhindert wird; dagegen ertragen Pferde Dosen von 120–360 -g und darüber längere Zeit hindurch ohne Schaden. Die Einwirkung auf -den <em class="gesperrt">Uterus</em> ist nach einigen keine direkte, spezifische, sondern -eine rein sekundäre, indem bei grösseren Dosen von Sabinakraut eine -Hyperämie und Entzündung aller Beckenorgane, also auch des Uterus mit -nachfolgendem Abortus eintreten soll. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man -die Erscheinungen der Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis.</p> - -<p>Klinische Beobachtungen über Sabinavergiftung bei den Haustieren finden -sich in der tierärztlichen Literatur eigentümlicherweise nicht. Dagegen -hat <em class="gesperrt">Cagnat</em> (Repertorium 1860) nach der Aufnahme des gemeinen -Wacholders vereinzelt bei Ziegen Durchfall und tödliche Vergiftung -beobachtet.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Kampfervergiftung">Kampfervergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der im <em class="gesperrt">Kampferbaum</em>, <em class="gesperrt">Cinnamomum -Camphora</em> (China, Japan) enthaltene Kampfer stellt ein festes -ätherisches Oel von der Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>16</sub>O</span> dar, welches in -verschiedenen Formen und zwar sowohl in reinem Zustande als in -Lösungen (Kampferspiritus, Kampferöl, Kampferlinimente etc.) -therapeutisch verwendet wird. Vergiftungen ereignen sich nach der -innerlichen Anwendung zu grosser Dosen. Eine solche Kampfervergiftung -nach der Einverleibung von Kampferspiritus hat <em class="gesperrt">Schwanefeldt</em> -(Berliner Archiv 1885) und <em class="gesperrt">von Ow</em> (Bad. tierärztl. Mitt. 1889) -beim Rind beobachtet und beschrieben.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Der Kampfer wirkt ähnlich wie das Terpentinöl reizend -und <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf die Schleimhaut des <em class="gesperrt">Magens</em> -und <em class="gesperrt">Darmes</em>. Er erzeugt daher in grossen innerlichen Gaben die -Erscheinungen der <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>. So hat <em class="gesperrt">Schwanefeldt</em> -beim Rind nach dem Eingeben von Kampferspiritus eine kruppöse -Darmentzündung beobachtet. Neben dieser lokal reizenden Wirkung besitzt -der Kampfer eine <em class="gesperrt">erregende</em> Wirkung auf das<span class="pagenum" id="Seite_290">[S. 290]</span> <em class="gesperrt">Nervensystem</em>. -Dabei scheint der Kampfer eigentümlicherweise subkutan in Form von -Kampferöl viel weniger giftig zu wirken, als per os. <em class="gesperrt">Ich habe -bei sehr vielen brustseuchekranken Pferden das Kampferöl</em> (1 : 4) -<em class="gesperrt">in Einzeldosen von</em> 50 bis 150 g (= 12–40 g <em class="gesperrt">Kampfer</em>) -<em class="gesperrt">und in Tagesdosen von</em> 100 bis 250 g (= 25–60 g <em class="gesperrt">Kampfer</em>) -<em class="gesperrt">subkutan ohne jede Vergiftungserscheinung subkutan angewandt</em>. -Giftiger scheint der Kampfer bei innerlicher Verabreichung zu wirken. -Versuche von <em class="gesperrt">Hertwig</em> haben in dieser Beziehung folgendes -ergeben: <em class="gesperrt">Kleine</em> Gaben per os (4–8,0 bei Pferden und Rindern; -2–4,0 bei Schafen; 0,5–2,0 bei Hunden) hatten höhere Rötung der -Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und Konjunktiva, kräftigeren, um -1–8 Schläge beschleunigten Puls, etwas hellere Rötung und schnellere -Gerinnung des Aderlassblutes, sowie Kampfergeruch der ausgeatmeten -Luft zur Folge. <em class="gesperrt">Grössere</em> Gaben per os (15–30,0 bei Pferden und -Rindern; 4–6,0 bei Schafen; 2–4,0 bei Hunden) erzeugten dieselben -Erscheinungen, nur im höheren Grade, ausserdem leichte <em class="gesperrt">Zuckungen</em> -der Lippen, der Muskeln des Hinterkiefers und Halses, sowie der -oberflächlichen Muskeln der Hinterschenkel. Die Zuckungen wiederholten -sich in ungleichen Zwischenräumen und traten etwas später ein, als -die Veränderungen des Pulses. Die Empfindlichkeit war erhöht, die -Atmung schneller, der Puls zuletzt kleiner; die ausgeatmete Luft -roch sehr stark nach Kampfer. Sehr grosse Gaben per os (60–120,0 bei -Pferden und Rindern; 8–15,0 bei Schafen; 4–12,0 bei Hunden) erzeugten -zunächst eine allgemeine erregende Wirkung auf das Herz, den Puls, die -Atmung, die Schleimhäute. Dann kamen aber bald plötzlich eintretende -<em class="gesperrt">Konvulsionen</em> mit Erschütterung des ganzen Körpers, den Wirkungen -<em class="gesperrt">elektrischer Schläge</em> vergleichbar, <em class="gesperrt">starrkrampfähnliche -Kontraktionen</em> der Streckmuskeln des Halses (Orthotonus), sowie -<em class="gesperrt">Kaukrämpfe</em>. Gleichzeitig war die <em class="gesperrt">Empfindlichkeit sehr -erhöht</em>; das geringste Geräusch löste die Krampfanfälle aus. Manche -Tiere stürzten während der Krämpfe zusammen wie bei <em class="gesperrt">Epilepsie</em>, -indem sie am Boden mit den Beinen strampelten. Das <em class="gesperrt">Bewusstsein</em> -war <em class="gesperrt">frei</em>. Die Dauer der Krämpfe betrug 4–12 Stunden. Zuweilen -wurden auch <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Harndrang</em>, sowie -häufiges Ausschachten ohne zu urinieren beobachtet. <em class="gesperrt">Tödliche -Dosen</em> (dieselben betrugen beim Pferd per os 60–180,0, beim -Hund ab 8,0, beim Schaf ab 15,0; die einzelnen Tiere zeigten -indessen starke individuelle Verschiedenheiten) erzeugten nach<span class="pagenum" id="Seite_291">[S. 291]</span> -den Krämpfen <em class="gesperrt">Lähmung</em> des <em class="gesperrt">Hinterteils</em> (bei Hunden und -Schafen), <em class="gesperrt">Verlust</em> des <em class="gesperrt">Sehvermögens</em>, des <em class="gesperrt">Gehörs</em>, -<em class="gesperrt">Gefühls</em> und schliesslich auch des <em class="gesperrt">Bewusstseins</em>, starke -<em class="gesperrt">Betäubung</em> und unter apoplektiformen Erscheinungen den Tod. Bei -der <em class="gesperrt">Sektion</em> war ein starker Kampfergeruch in allen Organen, -Entzündung der Magendarmschleimhaut, insbesondere im Dickdarm, höhere -Rötung der Blasenschleimhaut, ferner starke Hyperämie der Hirnhäute, -des Grosshirns und Rückenmarks, sowie des Kleinhirns, Hirnknotens und -verlängerten Marks zu konstatieren.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> einer Kampfervergiftung ist leicht schon durch den -Geruch zu führen. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Verabreichung -einhüllender, schleimiger Mittel, sowie von Beruhigungsmitteln.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Koffein.</b> Um die Giftwirkung des vielfach als Arzneimittel -angewandten Koffeins kennen zu lernen, habe ich bei <em class="gesperrt">Pferden</em>, -<em class="gesperrt">Rindern</em>, <em class="gesperrt">Hunden</em>, <em class="gesperrt">Ziegen</em> und <em class="gesperrt">Schweinen</em> -Versuche angestellt (Monatshefte für prakt. Tierhlkde. 1892). Das -Resultat war folgendes: <em class="gesperrt">Das Koffein ist für die Haustiere ein -verhältnismässig wenig giftiges Arzneimittel.</em> Für Pferd und -Rind wirken erst 100 g, für Ziege und Schwein 10 g, für Hunde 5 g -tödlich. Die <em class="gesperrt">tödliche Dosis</em> pro kg Körpergewicht beträgt -beim Pferd 0,2, beim Rind, bei der Ziege und beim Schwein 0,3, -beim Hund 0,5. Die <em class="gesperrt">Vergiftungserscheinungen</em> bestehen im -wesentlichen in Reizung und später Lähmung des <em class="gesperrt">Herzens</em> -und der <em class="gesperrt">Atmung</em>, in Steigerung der <em class="gesperrt">Körpertemperatur</em> -(im Maximum um 2,2°), in Reizungserscheinungen im Gebiet des -<em class="gesperrt">Digestions-</em> und <em class="gesperrt">Harnapparates</em> (Speicheln, Erbrechen, -Durchfall, Kolik, Harndrang), sowie in <em class="gesperrt">tetanischen</em> -Krämpfen. Danach ist das Koffein ein Herz- und Atmungsgift, eine -Akre für die Digestionsschleimhaut, ausserdem ein Tetanikum. -An der Injektionsstelle äussert das Koffein eine reizende, -entzündungserregende Wirkung. Subkutan wirkt das Koffein wesentlich -stärker als per os. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als -Pferde. Der Tod tritt bei tödlichen Koffeindosen durchschnittlich -nach 3 Stunden ein. Das Fleisch von Tieren, welche mit Koffein -vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann -also bei Rindern, welche nach vorausgegangener Koffeinbehandlung -notgeschlachtet werden, der Genuss des Fleisches, ohne Besorgnis -wegen des Koffeins, zugegeben werden, wenn der sonstige Zustand des -Tieres dies nicht verbietet.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_senfoelhaltige_Kruziferen">Vergiftung durch -senfölhaltige Kruziferen.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Eine Reihe von Pflanzen aus der Familie der -Kruziferen wirkt durch den Gehalt an <em class="gesperrt">Senföl</em> oder ähnlichen -ätherisch-öligen Stoffen giftig, wenn grössere Mengen davon -aufgenommen werden. Dieselben sind:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Brassica nigra</em> (Sinapis nigra), der <em class="gesperrt">schwarze Senf</em>, -die Stammpflanze der offizinellen Senfsamen (Semen Sinapis). Die -namentlich in Russland, Südfrankreich und Griechenland angebaute -Pflanze unterscheidet sich von den übrigen Brassikaarten dadurch, -dass alle ihre Blätter<span class="pagenum" id="Seite_292">[S. 292]</span> gestielt und die Schoten samt den Stielen -an die Blütenspindel angedrückt sind. Die Senfsamen enthalten das -<em class="gesperrt">Sinigrin</em> oder myronsaure Kali, ein Glykosid, aus welchem durch -die Einwirkung des Myrosins, eines ebenfalls in den Samen enthaltenen -Fermentes, das Allyl-Senföl oder Sulfozyanallyl von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>3</sub>H<sub>5</sub>CNS</span> abgespalten wird. Auch der Sareptasenf, <em class="gesperrt">Brassica -juncea</em>, enthält Sinigrin, während der in Deutschland angebaute -weisse Senf, <em class="gesperrt">Sinapis alba</em> (Semen Erucae), das <em class="gesperrt">Sinalbin</em> -enthält, welches unter der Einwirkung des Myrosins als scharfen Stoff -das Paraoxybenzyl-Senföl von der Formel <span class="nowrap">C<sub>7</sub>H<sub>7</sub>OCNS</span> liefert. In -grösseren Gaben wirkt auch das enzymartige Myrosin giftig. — Das -Allylaldehyd (Akrolein) von der Formel <span class="nowrap">C<sub>3</sub>H<sub>4</sub>O</span> wirkt ebenfalls -stark reizend auf die Schleimhäute.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Brassica Rapa</em>, <em class="gesperrt">Raps</em> und <em class="gesperrt">Brassica Napus</em>, -<em class="gesperrt">Rübsen</em>, enthalten das Krotonyl-Senföl, das sich namentlich in -den <em class="gesperrt">Rapskuchen</em> bei genügender Durchfeuchtung bildet. Der Raps -ist charakterisiert durch grasgrüne, unbereifte, haarige Blätter und -kleine goldgelbe Blüten.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Sinapis arvensis</em>, der <em class="gesperrt">Ackersenf</em> (fälschlich Hederich -benannt), ist ein verbreitetes Unkraut auf Aeckern mit etwa ½ m -hohen Stengel, eiförmigen, buchtig gezähnten, unten leierförmigen -Blättern, gelber, vierblätteriger Blumenkrone und stielrunden, -perlschnurförmigen Schoten.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Raphanus Rhaphanistrum</em> (Lampsana), der <em class="gesperrt">Hederich</em> -oder <em class="gesperrt">Ackerrettig</em>, besitzt einen ½ m hohen, rauhen, astigen -Stengel, grosse, blassgelbe oder weisse, violett geaderte Blüten, -oben lanzettliche, unten leierförmige Blätter, sowie rosenkranzartig -eingeschnürte Schoten, welche bei der Reife in 3- bis 12samige Stücke -zerfallen.</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Cochlearia Armoracia</em>, der <em class="gesperrt">Meerrettig</em> -(Pfefferwurzel), kommt in ganz Europa an feuchten Plätzen wild vor -und wird in Gärten und auf Feldern (Bamberg, Nürnberg) kultiviert. Er -besitzt eine zylindrische, bis 6 cm dicke, oft 1 m tief senkrecht in -den Boden hinabsteigende Wurzel, einen meterhohen, ästigen Stengel, -grosse, oblonge, langgestielte, am Rand gekerbte, grundständige -Blätter, sowie fiederspaltige Stengelblätter. Er enthält ein mit dem -Allyl-Senföl fast identisches ätherisches Oel.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Erysimum vulgare</em>, der <em class="gesperrt">Wegsenf</em> (gelbes Eisenkraut), -ist eine einjährige, aufrechte, flaumige Pflanze mit gelben, kleinen -Blüten, schrotsägeartigen, fiederteiligen Blättern und runden, -pfriemenartigen, flaumigen Schoten, welche 5–6mal länger als der -gleich dicke Stiel sind.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Erysimum cheiranthoides</em>, der <em class="gesperrt">lackartige -Schotendotter</em> (fälschlich Hederich genannt), ist ein etwa ½ m -hohes Unkraut auf Aeckern mit dottergelber Blumenkrone, länglichen, -lanzettförmigen Blättern und linealen, scharfen, vierkantigen, fast -kahlen Schoten.</p> - -<p>8. <em class="gesperrt">Erysimum crepidifolium</em>, die <em class="gesperrt">Gänsesterbe</em>, eine -gelbblühende, in manchen Gegenden (Wettin, am salzigen See, auf -Kalkboden etc.) massenhaft vorkommende Kruzifere, soll ein namentlich -für Gänse sehr giftiges Alkaloid enthalten und Massensterben von -Gänsen verursachen.</p> - -<p>9. <em class="gesperrt">Arabis tartarica</em>, die <em class="gesperrt">Gänsekresse</em>, findet sich -zuweilen im Grünfutter. — <em class="gesperrt">Nasturtium officinale</em>, die -<em class="gesperrt">Brunnenkresse</em>, enthält kein schwefelhaltiges Oel, sondern -C<sub>9</sub>H<sub>10</sub>N.</p> -</div> - -<p><b>Allgemeine Wirkung des Senföls.</b> Das Senföl besitzt eine -<em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung auf die Schleimhaut des Magens -und Darmes; die Krankheitserscheinungen, welche nach der Aufnahme -obengenannter Pflanzen auftreten, sind daher im wesentlichen die -einer <em class="gesperrt">Magen-Darmentzündung</em>: Kolik, Tympanitis,<span class="pagenum" id="Seite_293">[S. 293]</span> Durchfall. -In einzelnen Fällen kommt es auch im Verlauf der Vergiftung zu -einer Reizung des Nierenparenchyms, welche sich durch Hämaturie -und sonstige Erscheinungen einer <em class="gesperrt">Nierenentzündung</em> äussert, -sowie zu <em class="gesperrt">Lebernekrose</em>. Die Allgemeinerscheinungen seitens -des Nervensystems bestehen in Hinfälligkeit, Mattigkeit, -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>, Dyspnoe, <em class="gesperrt">Herz-</em> und -<em class="gesperrt">Atmungslähmung</em>. In einzelnen Fällen beobachtet man auch -Zwangsbewegungen, Vorwärtsdrängen und Krämpfe.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Senfölvergiftung besteht in der Verabreichung -schleimiger Mittel.</p> - -<p><b>Vergiftung durch Senfkuchen und Rapskuchen.</b> Vergiftungen durch -reine <em class="gesperrt">Senfsamen</em> sind bisher noch nicht beobachtet worden. -Die Haustiere ertragen ziemlich grosse Mengen derselben, Pferde 500 -g, Rinder 700 g, ohne zu erkranken (<em class="gesperrt">Hertwig</em>). Auch nach der -Verfütterung von reinem <em class="gesperrt">Raps</em> tritt keine Senfölvergiftung -ein, weil die Fermente des Pansens und Dünndarms das dort gebildete -Senföl zerstören (<em class="gesperrt">Hagemann</em>, D. landw. Tierzucht 1903). Dagegen -sind nach Verfütterung von <em class="gesperrt">Senfkuchen</em> und <em class="gesperrt">Senfträbern</em> -kolikähnliche Zustände beim Rind konstatiert worden (<em class="gesperrt">Prietsch</em>, -Sächs. Jahresber. 1869). Besonders häufig sind Vergiftungen durch die -Verfütterung von <em class="gesperrt">senfölhaltigen Rapskuchen</em>, welche vielfach -gar nicht aus Raps oder Rübsen, sondern aus fremden, ausländischen -(<em class="gesperrt">indischen</em>, <em class="gesperrt">russischen</em>, <em class="gesperrt">französischen</em>), sehr -scharfen und giftigen Senfarten und anderen Samen mit unbekannten -Giften bestehen. Nach <em class="gesperrt">Stein</em> (Ueber die Giftigkeit indischer -Rübkuchen, Berlin 1907) ist das im Raps und in den Rübsen enthaltene -Krotonylsenföl 5mal weniger giftig als das im schwarzen Senf enthaltene -Allylsenföl; die indischen Samen enthalten aber wahrscheinlich noch -andere Giftsubstanzen (Sareptasenf? Ptomaine?). Die fremdländischen -Rapskuchen bedingen namentlich bei jüngeren Tieren die Erscheinungen -einer Magen- und Darmentzündung, welche sich in Verstopfung, Aufblähen, -Durchfall, blutigem Kot, zuweilen selbst im Auftreten von Abortus -äussert. Daneben beobachtet man Gehirnreizungserscheinungen: Drängen, -Schieben, Drehen. <em class="gesperrt">Wittrock</em> (Berl. Arch. 1893 und Preuss. Vet. -Ber. 1904) sah nach der Verabreichung von Rapskuchen, der grosse -Mengen von Senföl enthielt, sämtliche Rinder eines Dominiums unter -den Erscheinungen einer Magendarmentzündung erkranken und mehrere -sterben; in einem zweiten Fall erkrankten 80 Milchkühe an Hämaturie -und Harndrang. <em class="gesperrt">Nielsen</em> (Dän. Monatsschr. 1897) beobachtete -nach<span class="pagenum" id="Seite_294">[S. 294]</span> der Verfütterung von französischen, aus indischen Senfarten -herrührenden Rapskuchen mit einem Senfölgehalt von 0,5 Proz. bei -zahlreichen Rindern Mattigkeit, sehr schnellen, oft unfühlbaren Puls -und subnormale Temperaturen; Kolik war meist nicht vorhanden. Die -Sektion ergab gelatinöse Infiltration im Bindegewebe des Pansens, -sowie hämorrhagische Entzündung der Pansenschleimhaut. Einen ähnlichen -Fall bei Rindern hat <em class="gesperrt">Knudsen</em> (ibid. 1901) beschrieben; die -Tiere, welche je 1½ Pfd. französischen Rapskuchen erhalten hatten, -zeigten Kolik, Atemnot, Benommenheit, Sinken der Körpertemperatur, -Appetit- und Milchmangel. Die Sektion ergab partielle Entzündung -der Pansenschleimhaut sowie dicke, gelbe, ödematöse Anschwellung -der Pansenwand. <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Woch. f. Tierh. 1902, S. 241) -berichtet über einen wahrscheinlichen Fall von Vergiftung bei Kühen -durch Fütterung grösserer Mengen von senfölhaltigem Rapskuchenmehl; -die Erscheinungen bestanden in Durchfall und Kolik; bei der Sektion -wurde hochgradige Entzündung der vier Mägen, besonders des Labmagens -festgestellt. <em class="gesperrt">Emmerling</em> berichtet über eine Erkrankung von 80–90 -Kühen infolge Fütterung von Rapskuchen, deren Hauptbestandteil der -russische Sareptasenf war. Die Tiere erkrankten an Kolik; die Sektion -ergab Entzündung der 4 Mägen, sowie des Dünndarms. Eigentümlicherweise -war eine Anzahl von Kühen, welche dasselbe Futter erhalten -hatten, gesund geblieben (Verschiedenheit der Rasse?). Aehnliche -Vergiftungsfälle sind ferner von <em class="gesperrt">Haubner</em> (Gesundheitspflege), -<em class="gesperrt">Anacker</em> (Der Tierarzt 1870), <em class="gesperrt">Stahl</em> (Magazin 1873) und -<em class="gesperrt">Rathke</em> (Preuss. Mitt. N. F. 1. Bd.) beschrieben worden. Auch der -Genuss der Rapspflanze selbst hat zu Vergiftungen Veranlassung gegeben. -Nach <em class="gesperrt">Klein</em> (Preuss. Mitt. 1881) erkrankten 2 Kühe, welche -blühenden Raps als Futter bekommen hatten, unter den Erscheinungen -der Aufblähung, Verstopfung, des Drängens auf den Kot und Harn, sowie -der Hämaturie. Bei der Sektion fand man hämorrhagische Entzündung der -Schleimhaut des Labmagens und Duodenums, graugelbe brüchige Leber, -sowie Ansammlung einer blutig serösen Flüssigkeit in der Brust- und -Bauchhöhle.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Vergiftung durch Ackersenf.</b> In einem von <em class="gesperrt">Poncet</em> -(Recueil 1855) beschriebenen Fall zeigten sich bei einem Pferd, -welches längere Zeit mit Ackersenf gefüttert wurde, Darmentzündung, -Speichelfluss, Husten, sowie eine profuse Bronchitis. In einem andern -Fall zeigten Rinder und Schafe nach der Fütterung von Rapskuchen, -welcher viel Ackersenf enthielt, Durchfall und vermehrtes Urinieren; -jüngere Lämmer starben in grösserer Anzahl (<em class="gesperrt">Leistikow</em>, Preuss. -Mitt. 1882). Nach <em class="gesperrt">Breitenreiter</em> (Zeitschr.<span class="pagenum" id="Seite_295">[S. 295]</span> f. Vet. 1909) -zeigten Kühe nach Verfütterung von weissem Senf als Grünfutter, -der bereits Schoten angesetzt hatte, krampfartigen Husten, -Kolikerscheinungen und Drängen auf den Harn; am Tag darauf waren sie -wieder gesund.</p> - -<p><b>Vergiftung durch Zwiebel.</b> Im Zwiebel und Knoblauch sind -schwefelhaltige ätherische Oele enthalten, welche mit dem -Senföl verwandt sind. Eine Zwiebelvergiftung bei Rindern hat -<em class="gesperrt">Goldsmith</em> beschrieben (Journ. of comp. Path. 1909). Die Tiere, -welche grosse Mengen gewöhnlicher Speisezwiebel aufgenommen hatten, -zeigten die Erscheinungen der Magendarmentzündung (Kolik, Durchfall, -Verstopfung, Erbrechen) und Nierenentzündung. Ein Rind starb. Der -Harn, das Fleisch und sämtliche Organe zeigten starken Zwiebelgeruch.</p> - -<p><b>Vergiftung durch Meerrettich.</b> Der Meerrettich wirkt -wegen seines Gehalts an einem mit dem Senföl nahe verwandten, -wahrscheinlich identischen Stoff in grösseren Mengen stark reizend -auf die Magendarmschleimhaut. Nach <em class="gesperrt">Jarmer</em> (Preuss. Mitt. Bd. -5) erkrankten 10 Kühe nach der Aufnahme einer grösseren Quantität -Meerrettich unter den Erscheinungen einer sehr heftigen Kolik; vier -davon starben im Verlauf von 24 Stunden. Bei der Sektion fand man -eine sehr ausgedehnte Entzündung der Magenschleimhäute, insbesondere -zeigte die Pansenschleimhaut eine mehrere Zoll dicke, sulzige -Infiltration. Nach <em class="gesperrt">Fairbank</em> erkrankten 9 Rinder auf der -Weide unter Kolikerscheinungen; 2 starben; die Sektion ergab akute -Darmentzündung. In einem ähnlichen Fall wurde bei 3 Rindern eine -schwere Entzündung der Pansenschleimhaut beobachtet (Preuss. Vet. -Ber. pro 1907).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Erysimum.</b> <em class="gesperrt">Heyne</em> (Preuss. Mitt. 1882) -sah bei 20 Kühen eine schwere Erkrankung. Dieselbe äusserte sich in -Appetitlosigkeit, Stöhnen, Kolikerscheinungen, starker Rötung der -Konjunktiva, sowie Hinfälligkeit; sämtliche Tiere genasen jedoch. -Nach der Aufnahme von Erysimum crepidifolium hat man massenhaftes -Sterben von <em class="gesperrt">jungen Gänsen</em> beobachtet; die der Geflügelcholera -ähnlichen Krankheitserscheinungen bestanden in Erbrechen, Unruhe, -Taumeln und Krämpfen (<em class="gesperrt">Zopf</em>, <em class="gesperrt">Biedenkopf</em>, <em class="gesperrt">Grimme</em>, -B. T. W. 1894, S. 308; D. T. W. 1898, S. 27).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Arabis tartarica.</b> Nach der Aufnahme grösserer -Mengen von <em class="gesperrt">Arabis tartarica</em> erkrankten, wie <em class="gesperrt">Hertwig</em> -(Preuss. Mitt. 1877) berichtet, 25 Pferde eines Gutes plötzlich. -Sie zeigten zunächst Speicheln und nach einer Stunde leichte -Kolikerscheinungen; gleichzeitig waren die Schleimhäute dunkel -gerötet, der Blick stier. Nach einigen Stunden erschienen sämtliche -Pferde am ganzen Körper, am Hals und an den Gliedmassen steif. Einige -zeigten ferner Lähmungserscheinungen, so dass sie sich nicht wieder -erheben konnten. Ein Pferd starb nach 36 Stunden, die anderen waren -nach Ablauf von 14 Tagen wieder gesund.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Pfeffer">Vergiftung durch Pfeffer.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Der gewöhnliche <em class="gesperrt">schwarze Pfeffer</em>, welcher -von Laien vielfach als Heilmittel bei Tieren angewandt wird, ist die -unreife, getrocknete Frucht von Piper nigrum, einer ostindischen -strauchartigen Piperazee. Der weisse Pfeffer ist die reife, ihrer -äusseren Hülle beraubte Frucht derselben Pflanze. Beide Pfefferarten -enthalten als Hauptbestandteil<span class="pagenum" id="Seite_296">[S. 296]</span> das Alkaloid <b>Piperin</b> von -der Formel <span class="nowrap">C<sub>17</sub>H<sub>19</sub>NO<sub>3</sub></span>, welches als Zersetzungsprodukt das -Piperidin und die Piperinsäure liefert, ausserdem das ätherische -Pfefferöl.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Der Pfeffer besitzt infolge seines Gehaltes -an Piperin eine stark <em class="gesperrt">reizende</em>, in grossen Gaben -<em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Einwirkung auf die Schleimhäute. Je -nach dem Ort der Applikation erzeugt er daher <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, -<em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>, <em class="gesperrt">Proktitis</em>, <em class="gesperrt">Vaginitis</em>, -<em class="gesperrt">Laryngitis</em>, <em class="gesperrt">Bronchitis</em> und <em class="gesperrt">Bronchopneumonie</em>. Bei -Versuchstieren entstand ausserdem Fettdegeneration und Nekrose der -Leber. Die giftige Wirkung des Pfeffers ist indessen früher vielfach -überschätzt worden. Mehrere angebliche Vergiftungen bei Schweinen -sind auf eine durch das Eingeben bedingte Fremdkörperpneumonie -zurückzuführen. Nach den Versuchen von <em class="gesperrt">Gerlach</em> (Gerichtl. -Tierheilkunde) ertrugen junge Schweine tägliche Dosen von ganzem -oder feingestossenem Pfeffer zu 1–4 g 8 Tage hintereinander, ohne -Krankheitserscheinungen zu zeigen. Jedenfalls können aber grössere -Pfeffergaben eine tödliche Magendarmentzündung zur Folge haben. -So beobachtete <em class="gesperrt">Ebersbach</em> (Sächs. Jahresb. 1867) bei 3 -Schweinen im Alter von 7 bis 8 Monaten, welche je einen Esslöffel -gepulverten Pfeffer erhalten hatten, das Krankheitsbild einer schweren -Magendarmentzündung; bei zwei derselben, welche im Verlauf der -Vergiftung gestorben waren, wurde durch die Sektion das Vorhandensein -einer Gastroenteritis konstatiert.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Pfeffervergiftung besteht in der -Verabreichung schleimiger, einhüllender, sowie schmerzlindernder Mittel -(Opium). Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> geschieht auf botanischem Weg.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Aloevergiftung">Aloevergiftung.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die Aloe, der eingekochte Milchsaft verschiedener -Aloearten (Aloe ferox, Africana usw.), enthält als wirksamen -Bestandteil das <b>Aloetin</b> (Aloebitter), sowie das <b>Emodin</b> -(Aloeharz). Aloevergiftungen kommen zuweilen bei Pferden nach der -Verabreichung zu grosser Aloedosen oder infolge der Missachtung -gewisser diätetischer Vorsichtsmassregeln nach der Einverleibung -gewöhnlicher therapeutischer Aloedosen vor.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Vergiftung mit Aloe -verläuft unter <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em> mit <em class="gesperrt">erschöpfendem -Durchfall</em> und führt nach 2–5 Tagen unter zunehmender -<em class="gesperrt">Mattigkeit</em> und <em class="gesperrt">Schwäche</em> zum Tod. Im allgemeinen ist die -tödliche Einzeldosis die doppelte bis dreifache der purgierenden. Am -häufigsten<span class="pagenum" id="Seite_297">[S. 297]</span> ereignen sich tödliche Vergiftungen, wenn 2 gewöhnliche -Aloedosen zu rasch hintereinander gegeben werden, indem die Wirkung der -ersteren nicht abgewartet wird. Auf diese Weise können z. B. 40 g Aloe, -wenn sie in den ersten 3 Tagen nach der Verabreichung einer ebensolchen -Dosis nachgegeben werden, bei kräftigen Pferden unter Umständen -den Tod herbeiführen. Sehr gefährlich ist ferner die gleichzeitige -Verabreichung von Aloe und Kalomel (<em class="gesperrt">Regenbogen</em>). Es kann -indessen auch eine einfache Aloedose von 30 bis 40 g bei einem Pferd -unter Umständen eine tödliche Purgierwirkung zur Folge haben, wenn das -Pferd nicht, wie es Vorschrift ist, während der Dauer der Aloewirkung -im Stall verbleibt, sondern zur Arbeit verwendet und gleichzeitig -Erkältungseinflüssen ausgesetzt wird. Auch bei drusekranken Pferden -kann die Aloe schon in normaler Laxierdosis Vergiftungserscheinungen -hervorrufen (<em class="gesperrt">Albrecht</em>).</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Erscheinungen der -Gastroenteritis; bei längerer Dauer der Vergiftung können indessen -Entzündungserscheinungen auf der Magen- und Darmschleimhaut fehlen, so -dass nur die Leerheit und allgemeine Blässe des Darmes als auffallende -Veränderungen angetroffen werden. Zuweilen besitzt der Darminhalt auch -den charakteristischen Aloegeruch. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in -der Anwendung schleimiger und stopfender Mittel (Opium, Tannin, Ferrum -sulfuricum, Bleizucker, Höllenstein).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Aloevergiftungen bei Pferden sind von -<em class="gesperrt">Gerlach</em> beschrieben worden. In einem Fall wurde einem -mittelgrossen, kräftigen Arbeitspferd eine Aloepille von 40 g Aloe -gegeben; als die gewünschte Wirkung nach 40 Stunden noch nicht -eingetreten war, gab der Eigentümer des Pferdes eine zweite, ebenso -starke Aloepille nach, worauf sich anhaltendes, heftiges Laxieren -einstellte, an welchem das Pferd krepierte (Gesamtdosis: 80 g). -Bei einem andern Pferd trat der Tod auf die Verabreichung von nur -30 g Aloe am 4. Tag ein, nachdem das Pferd trotz der Aloepille -zu anstrengender Arbeit benützt worden war und sich ausserdem -durch einen Gewitterregen eine Erkältung zugezogen hatte. — -<em class="gesperrt">Rasberger</em> (Woch. f. Tierheilkunde 1891) beobachtete bei 2 -Pferden, welche in einem strengen Winter 40–50 g Aloe erhalten -hatten, starken Durchfall, Kolik und schweres Allgemeinleiden. -— Nach <em class="gesperrt">Kunze</em> (Sächs. Jahresber. 1891) erhielt ein Pferd -innerhalb eines Tages 3 Aloepillen von je 30 g und starb in der -folgenden Nacht. — <em class="gesperrt">Paust</em> (B. T. W. 1900) hat 3mal Rindern -gegen Tympanitis innerhalb 24 Stunden 110 g, bezw. innerhalb 48 -Stunden 140 und 150 g Aloe ohne Nachteil eingegeben. Auch <em class="gesperrt">Mayr</em> -(Woch. f. Tierh. 1901) sah ein Pferd nach einer einmaligen -Verabreichung von 80 g Aloe (und 6 g Arsenik) am Leben bleiben; die -drastische Wirkung dauerte im ganzen 24 Stunden an. <em class="gesperrt">Regenbogen</em> -(B. T. W. 1903) weist auf die grosse Giftigkeit einer Mischung -von Aloe und Kalomel hin (Inkompatibilität). 42 Pferde erhielten -je ½-1 Pille, welche aus 20 g Extraktum Aloes und 3 g Kalomel -bestand; sie erkrankten an heftiger Kolik, Durchfall und Schwäche; -mehrere starben an hämorrhagischer Gastroenteritis. <em class="gesperrt">Bächstädt</em> -(Zeitschr. f. Vet. 1904) sah einen mittelgrossen Wallach sterben, -welcher in 2 Tagen 55 g Aloe (und 2 g Kalomel!) erhalten hatte. Nach -<em class="gesperrt">Albrecht</em> (Woch.<span class="pagenum" id="Seite_298">[S. 298]</span> f. Tierh. 1907) erkrankte ein drusekrankes -Pferd (4jähriger Wallach) nach einer gewöhnlichen Aloepille an -3tägigem, hochgradigem Durchfall und grosser Schwäche; er hält es -daher für sehr bedenklich, einem an Druse kranken Pferd Aloe in -Laxierdosis zu verabreichen.</p> - -<p>In einzelnen Fällen hat man endlich beobachtet, dass die <em class="gesperrt">Milch</em> -von Kühen, welche mit Aloe behandelt worden waren, beim Menschen -Durchfall erzeugte.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Rizinuskuchen">Vergiftung durch Rizinuskuchen.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die von Ricinus communis (Euphorbiazee) -stammenden <em class="gesperrt">Rizinussamen</em> sind in Afrika und Ostindien -einheimisch, jedoch durch Kultur in allen wärmeren Zonen verbreitet -(baumartiges Gewächs im Süden, krautartige Pflanze im Norden) und in -sehr vielen Varietäten im Handel (indische, türkische, italienische, -ungarische, brasilianische, Javasamen usw.). Die 1–2 cm langen -eiförmigen, gelbgrau und braun getigerten Samen enthalten in ihrem -Kern das durch Auspressen gewonnene Rizinusöl. Die Pressrückstände, -welche als „Rizinuskuchen“ bezeichnet und häufig zur Verfälschung -anderer Oelkuchen, namentlich der Erdnusskuchen und der Leinkuchen, -benützt werden, enthalten namentlich im Samenkern ein sehr giftiges -Ferment, das <b>Rizin</b>, ein weisses, amorphes, neutrales Pulver, -welches sich am besten in 10prozentiger Kochsalzlösung löst und -beim Kochen seine Wirksamkeit verliert (eiweissartiger Körper; zu -den Phytalbumosen gehörend). Ausführliche Untersuchungen über das -Rizin sind von <em class="gesperrt">Kobert</em> und <em class="gesperrt">Stillmark</em> (Arbeiten des -pharmakol. Instituts zu Dorpat, 1889, Heft III), <em class="gesperrt">Cornevin</em> (J. -de Lyon 1897, S. 25), <em class="gesperrt">Ehrlich</em> (Fortschritte d. Med. 1897) und -<em class="gesperrt">Miessner</em> (Mitt. des Kaiser Wilhelm-Instituts in Bromberg, -1909) angestellt worden.</p> - -<p>Für den <em class="gesperrt">botanischen</em> Nachweis der Rizinussamen ist ausser -ihrer oben beschriebenen Beschaffenheit von Wichtigkeit der -<em class="gesperrt">mikroskopische</em> Bau der Samenschale und der darunter -befindlichen dünnen Samenhaut. Die <em class="gesperrt">marmorierte Samenschale</em> -zeigt 5–7eckige Epidermiszellen, welche ein Zellulosenetz -einschliessen, das teils ungefärbt, teils rotbraun gefärbt ist und in -dessen Hohlräumen sich oft Farbstoff eingelagert findet. Unter der -Epidermis folgt ein Schwammparenchym aus 4–5 Zellenschichten. Hierauf -folgt eine einzelne Schicht radial gestreckter 4–8eckiger Zellen, -in der kohlensaurer Kalk abgelagert ist (für die Euphorbiazeen -charakteristische Zellschicht!). Es folgt eine aus sehr hohen und -verholzten Zellen gebildete Palisadenschicht. Die <em class="gesperrt">Samenhaut</em> -ist durch Zellen gekennzeichnet, deren äusserst eckige Begrenzung -auffällt; sie enthält ferner massenhafte Kristalldrusen von -oxalsaurem Kalk.</p> - -<p>Mitunter erweisen sich Erdnusskuchen dadurch giftig, dass bei -der Pressung zufällig giftige Rizinuspartikel in die Oelkuchen -hineingeraten. Dies geschieht namentlich dann, wenn abwechselnd zur -Verpressung der Oelsamen die gleichen Apparate und Maschinen benützt -werden, welche vorher zur Verarbeitung der Rizinussamen gedient haben.</p> -</div> - -<p><b>Rizinwirkung.</b> Die giftige Wirkung der Rizinuskuchen -steht in keiner Beziehung zu ihrem Gehalt an Rizinusöl, sondern -wird ausschliesslich durch das in den Samenschalen enthaltene -ausserordentlich giftige <em class="gesperrt">Rizin</em> bedingt. Das Rizin -erzeugt eine <em class="gesperrt">hämorrhagische Gastroenteritis</em> mit starkem -<em class="gesperrt">Kräfteverfall</em>,<span class="pagenum" id="Seite_299">[S. 299]</span> <em class="gesperrt">Somnolenz</em>, <em class="gesperrt">Konvulsionen</em> und -<em class="gesperrt">Koma</em>. Die Giftigkeit des Rizins besteht nach Kobert in -seiner elementaren, <em class="gesperrt">Fibringerinnung</em> erzeugenden Einwirkung -auf das <em class="gesperrt">Blut</em> aller Wirbeltierklassen, selbst auf das bereits -defibrinierte Blut. Am giftigsten ist das Rizin von der Unterhaut aus; -es übertrifft bei dieser Applikationsmethode sowohl die Blausäure -als das Strychnin an Giftigkeit. Im Magen wird es zum Teil verdaut; -der übrige Teil wird resorbiert und bedingt bereits innerhalb der -Blutgefässe der Darmschleimhaut Blutgerinnung mit nachfolgender -<em class="gesperrt">Geschwürsbildung</em> (Selbstverdauung). Ausser der Blutwirkung -kommt als Todesursache bei der Rizinvergiftung nach den Untersuchungen -von <em class="gesperrt">Cushny</em>, <em class="gesperrt">Müller</em> und <em class="gesperrt">Stepanoff</em> (Arch. f. exp. -Path. 1898 f.) auch die <em class="gesperrt">örtlich reizende Wirkung des Rizins auf die -Schleimhaut</em> in Betracht, wenn es aus dem Blute in den Magen und -Darm wieder ausgeschieden wird (Aetzwirkung an der Ausscheidungsstelle).</p> - -<p>Die grosse Giftigkeit der Rizinussamen erhellt aus folgenden, -experimentell festgestellten Tatsachen. Nach <em class="gesperrt">Miessner</em> beträgt -die tödliche Dosis der Rizinussamen nach <em class="gesperrt">einmaliger</em> Fütterung -durchschnittlich</p> - -<table summary="Tödliche Dosis der Rizinussamen"> - <tr> - <td> - <div class="center">für</div> - </td> - <td> - <div class="left">Pferde</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center"> 30– 50  </div> - </td> - <td> - <div class="center">g</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  0,1 </div> - </td> - <td> - <div class="center">g</div> - </td> - <td> - <div class="center">pro kg</div> - </td> - <td> - <div class="center">Körpergewicht</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Rinder</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">350–450  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  2   </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Kälber</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">     20  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  0,5 </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Schafe</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">     30  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  1,25</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Ziegen</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">105–140  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  5,5 </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Schweine</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">     60  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  1,4 </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Ferkel</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center"> 15– 20  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  2,4 </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Kaninchen</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">      1,5</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  1   </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Gänse</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">      1  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">=  0,4 </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Hühner</div> - </td> - <td class="padleft0_5"> - <div class="center">     18  </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">= 14   </div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Bei <em class="gesperrt">mehrtägiger</em> Fütterung tritt eine <em class="gesperrt">kumulierende</em> Wirkung -ein; die Todesdosis beträgt dann nur etwa die Hälfte der bei einmaliger -Fütterung, für Pferde z. B. nur 17–37 g (0,05 bis 0,07 g pro kg). Bei -<em class="gesperrt">subkutaner</em> Applikation ist beim Kaninchen die Giftwirkung 500mal -stärker, als bei stomachikaler (Todesdosis = 1 mg Rizinussamen).</p> - -<p>Eigentümlicherweise kann man Tiere an das Rizin allmählich so -<em class="gesperrt">gewöhnen</em>, dass sie sogar die 100fache tödliche Dosis ertragen. -Diese „<em class="gesperrt">Rizinfestigkeit</em>“ erklärt sich nach <em class="gesperrt">Ehrlich</em> -durch die<span class="pagenum" id="Seite_300">[S. 300]</span> Bildung einer gerinnungshemmenden Substanz im Blut mit -<em class="gesperrt">immunisierender</em> Wirkung, des „Antirizins“. <em class="gesperrt">Cornevin</em> -gelang es ferner, durch 2stündiges Erwärmen der Rizinussamen ihre -Giftigkeit so abzuschwächen, dass die subkutane Einspritzung der -Samen den Versuchstieren (Rindern und Schweinen) Immunität gegen das -Rizin verlieh. Er empfiehlt infolgedessen die <em class="gesperrt">Schutzimpfung</em> -gegen das Rizin als Vorbedingung zur Verfütterung der Rizinussamen -und Rizinuskuchen, indem er seine Erfahrungen in nachstehenden Sätzen -zusammenfasst:</p> - -<p>1. Das 2 Stunden lang auf 100° erhitzte Rizin verwandelt sich in -einen Impfstoff, der, unter die Haut injiziert, die Tiere gegen -Rizinusvergiftung immun macht.</p> - -<p>2. Die Wiederkäuer sind für die Rizinuswirkung empfänglicher als -Schweine und Hühnerarten. Beim Schweine genügen 2 durch 8tägige -Intervalle getrennte Impfungen zur Erzielung einer Immunität, während -bei andern Tiergattungen deren 3 nötig sind.</p> - -<p>3. Die durch die Vakzination erreichte Immunität ist von Dauer; das -Fleisch der mit Rizinusölkuchen gefütterten Tiere hat keinerlei -schädliche Eigenschaften.</p> - -<p>4. Man kann unbeschadet den Haustieren eine gewisse Quantität -Rizinuskörner oder Rizinuskuchen unter die Futterration mischen, wenn -man sie vorher gegen das heftige Gift derselben immunisiert hat.</p> - -<p>Nach <em class="gesperrt">Miessner</em> wirkt das <em class="gesperrt">Serum</em> rizinimmuner Tiere -präzipitierend auf rizinhaltige Flüssigkeiten (vergl. unten).</p> - -<p><b>Behandlung und Nachweis.</b> Die <em class="gesperrt">Prophylaxe</em> der -Rizinusvergiftung besteht darin, dass die gepulverten Rizinussamen -vor der Verfütterung <em class="gesperrt">gekocht</em> oder <em class="gesperrt">gedämpft</em> oder mit -strömendem Wasserdampf behandelt werden, wodurch das Rizin zerstört -wird. Die eigentliche <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Rizinvergiftung ist im -übrigen eine symptomatische. Sie besteht in der Verabreichung von -Tannin, von schleimigen, schmerzstillenden und exzitierenden Mitteln.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> der Rizinusschalen erfolgt durch Lupenuntersuchung, -sowie durch die mikroskopische Untersuchung des Mehles (vergl. S. 298). -Für das Rizin selbst fehlen charakteristische Reaktionen. Dagegen -lässt sich das Rizin mit Hilfe der <em class="gesperrt">Präzipitationsmethode</em>, -also auf biologischem Wege in den Rizinussamen bezw. in verfälschten -Futtermitteln nachweisen. Nach <em class="gesperrt">Miessner</em> fällt das Serum -rizinimmuner Tiere (Antirizinserum) rizinhaltige Flüssigkeiten<span class="pagenum" id="Seite_301">[S. 301]</span> -innerhalb weniger Minuten. Bringt man eine filtrierte 1proz. mit -10proz. Kochsalzlösung hergestellte Aufschwemmung des verdächtigen -Futtermittels nach 24 Stunden mit 0,1 Antirizinserum zusammen, -so gibt die Präzipitation Aufschluss darüber, ob tödliche oder -untertödliche Mengen von Rizinussamen in dem Futter enthalten sind. -Bei rizinusvergifteten Tieren lässt sich die Serodiagnose nicht -verwerten. Ausser durch die Präzipitationsmethode lässt sich die Menge -des Rizinussamens in einem verdächtigen Futter durch die subkutane -Injektion des Futters bei Kaninchen nachweisen (subkutane Todesdosis -der Rizinussamen nach <em class="gesperrt">Miessner</em> 1 mg). Ueber den Nachweis durch -<em class="gesperrt">Konglutination</em> vergl. S. 302.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die tierärztliche Literatur enthält zahlreiche -Fälle von Vergiftungen bei Pferden und Rindern, welche durch -Verfütterung von Rizinuskuchen oder von Oelkuchen bedingt waren, die -sich als mit Rizinuspressrückständen verfälscht erwiesen (auch beim -Menschen sind nach dem Genusse der Samen zahlreiche — über 100 — -Vergiftungsfälle beobachtet worden). Das Krankheitsbild entspricht -den oben genannten Erscheinungen der Rizinvergiftung. So berichtet -<em class="gesperrt">Renner</em> (Preuss. Mitt. 1874) über eine Vergiftung bei einer -grösseren Anzahl von Rindern nach der Verfütterung von Leinsamenmehl, -welches mit Rizinuspressrückständen vermischt war, wie sich durch -Lupenunersuchung nachweisen liess. Die Tiere erkrankten unter den -Erscheinungen von Appetitlosigkeit, Durchfall, Apathie, Störungen -des Bewusstseins und Krämpfen, genasen jedoch nach 2–3 Tagen. -<em class="gesperrt">Regenbogen</em> (Berl. tierärztl. Wochenschr. 1888) beobachtete bei -35 Pferden eine Vergiftung durch Leinsamenmehl, welches ebenfalls -mit Rizinusschalen verfälscht war. Die Tiere zeigten vollständig -unterdrückte Futteraufnahme, Kolikerscheinungen, Durchfall, Schwäche -im Hinterteil, Unvermögen zu stehen, Eingenommenheit des Sensoriums. -Ein Pferd starb innerhalb 24 Stunden, ein anderes später, ein drittes -musste wegen Aussichtslosigkeit einer Heilung getötet werden. Bei -der Sektion fand man Entzündung den Magens und Zwölffingerdarmes, -akute diffuse Nephritis, parenchymatöse Degeneration des Herzmuskels -und Lungenödem. — <em class="gesperrt">Eisenblätter</em> (Berl. Archiv 1893) sah von -drei Schweinen, denen mit dem Futter 2 Hände voll alte Rizinuskerne -vorgeschüttet worden waren, 2 nach einigen Stunden unter den -Erscheinungen von Erbrechen und Durchfall sterben. — <em class="gesperrt">Stödter</em> -(Hamb. Zentr.-Zeit. 1897) beobachtete bei 2 Pferden, welche -Rizinussamen im Hamburger Hafen gefressen hatten, Kolik, Harndrang, -Durchfall, Schweissausbruch, Pupillenerweiterung und unfühlbaren -Puls; die Sektion ergab Nephritis, Myokarditis und hämorrhagischen -Milztumor. — <em class="gesperrt">Vollers</em> (Berl. Arch. 1894) berichtet, dass -mehrere Pferde unter den Erscheinungen der Magendarmentzündung und -Lähmung starben, welche amerikanische Kleie mit Rizinuskörnern -gefressen hatten. — <em class="gesperrt">Nikolski</em> (Pet. Arch. 1897) sah bei -4 Pferden nach der Aufnahme von Hafer, der 5 Proz. Rizinussamen -enthielt, Zwerchfellkrämpfe, Mydriasis, Schweissausbruch, -Muskelkrämpfe und starken Durchfall. — <em class="gesperrt">Smith</em> (The Vet. -1898) sah bei 63 Rindern, welchen Rizinussamen mit Erbsen gefüttert -wurden, heftigen Durchfall. — Nach <em class="gesperrt">Bollinger</em> (Deutsche -Zeitschr. für Tiermed., Bd. 6) erwies sich auch die Milch von Tieren -schädlich, welche mit Leinkuchen Rizinussamen aufgenommen hatten. — -<em class="gesperrt">Bierbaum</em> (Beitrag zur Giftigkeit des Semen Ricini communis. -Inaug.-Diss. Gotha 1906) hat im Auftrag der Landwirtschaftskammer -für die Provinz Schleswig-Holstein mit Unterstützung des Preuss. -Landwirtschaftsministeriums Versuche mit Rizinussamen bei -verschiedenen Haustieren angestellt, welche folgendes ergeben haben. -Die tödliche Dosis der Rizinussamen für <em class="gesperrt">Kaninchen</em> beträgt -0,7–1 g pro kg Körpergewicht; die Samenschalen erwiesen sich als -ungiftig. <em class="gesperrt">Ziegen</em> und <em class="gesperrt">Schafe</em> nahmen ohne Schaden längere -Zeit hindurch kleine Mengen (1–2 g)<span class="pagenum" id="Seite_302">[S. 302]</span> Rizinussamen auf, desgleichen -später gegebene grössere Gaben von 10–50 g (Immunität!). Die tödliche -Dosis für Schweine schwankte zwischen 1,6–8 g Rizinussamen pro kg -Körpergewicht. Durch längere Fütterung mit allmählich ansteigenden -Mengen gelang es, bei Schweinen eine hohe Immunität zu verleihen, -so dass 93 g Rizinussamen ohne Schaden auf einmal gegeben werden -konnten. Ein Pferd starb nach der Verfütterung von 125 g Rizinussamen -(tödliche Dosis = 0,4 g pro kg Körpergewicht). Bei allmählich -ansteigender Dosis ertrug ein Pferd ohne Schaden 2400 g Rizinussamen -in 1½ Monaten. Ein <em class="gesperrt">Hund</em> starb in 3 Tagen nach 0,8 g -Rizinussamen pro kg Körpergewicht. <em class="gesperrt">Hühner</em> erwiesen sich -viel widerstandsfähiger (tödliche Dosis =13 g Rizinussamen pro kg -Körpergewicht). Noch resistenter waren <em class="gesperrt">Tauben</em>, indem sie 15 -g pro kg ohne Schaden ertrugen; <em class="gesperrt">Enten</em> starben dagegen bei 7 -g pro kg. <em class="gesperrt">Bierbaum</em> zieht aus diesen Versuchen den Schluss, -dass die Giftigkeit der Rizinussamen für Tiere überschätzt worden ist -und weist darauf hin, dass die Futterstoffe meist nur geringe Mengen -von Rizinusteilen enthalten. Er bezweifelt ferner die Richtigkeit -der Angabe von <em class="gesperrt">Soxhlet</em>, dass zur Tötung eines Ochsen oder -Pferdes 1,5 g Rizinusölkuchenmehl genüge. Andererseits ist nach ihm -nicht ausser acht zu lassen, dass die Resistenz von Tieren derselben -Art gegenüber den Rizinussamen verschieden ist, und dass vielleicht -vorhandene krankhafte Zustände des Magendarmtraktus begünstigend -wirken. Der Nachweis von Rizinussamen in einem Futtermittel genügt -für sich allein zum Beweise der Giftigkeit desselben nicht, da -die Samen ja vorher durch geeignete Behandlung entgiftet sein -können; beweisend sind nur Fütterungsversuche. — Prof. Dr. -<em class="gesperrt">Schmidt</em>-Hamburg (Zeitschr. f. öffentliche Chemie 1908, S. -245) fand bei seinen Versuchen, dass geringe Mengen von Rizinussamen -unschädlich sind. Er tritt daher dafür ein, dass minimale, ungiftige -Mengen von Rizinus in Erdnusskuchen geduldet werden sollen. -Er glaubt ferner, dass bei der Pressung der Erdnusskuchen bei -80–85° die gleichzeitig vorhandenen Rizinussamen ihre Giftigkeit -verlieren, und dass nicht alle angeblichen Futtervergiftungen -nach Verabreichung rizinhaltiger Erdnussrückstände wirkliche -Rizinusvergiftungen sind. <em class="gesperrt">Miessner</em> (Ueber die Giftigkeit der -Rizinussamen, Mitt. des Kaiser Wilhelms-Institut für Landwirtschaft -in Bromberg, I. Bd., 1909, 3. Heft) hat im Auftrag des preuss. -Landwirtschaftsministeriums toxikologische Untersuchungen über -Rizinussamen angestellt, deren wesentlichste Ergebnisse bereits -erwähnt sind (vergl. S. 299). Er hat ausserdem gefunden, dass die -in Deutschland verarbeiteten Rizinussamen stets gleich giftig sind, -dass ihre Giftigkeit durch Kochsalzzusatz nicht erhöht wird, dass -das Rizin durch feuchte Erwärmung auf 100° unwirksam wird, während -es durch trockene Hitze erst bei 130° zerstört wird, so dass also -zur Entgiftung der Pressrückstände eine feuchte Erwärmung auf 100° -gefordert werden muss. Ueber 90° feucht erhitzte Rizinussamenlösungen -werden durch Antirizinserum nicht mehr präzipitiert. Da die Schale -der Rizinussamen nach den Untersuchungen von M. überhaupt kein -Rizin enthält, so genügt nach M. der mikroskopische Nachweis der -Samenschale für sich allein noch nicht, um eine Rizinvergiftung zu -begründen. Vielmehr ist der Nachweis des Samenkerns erforderlich, der -allein das Rizin enthält. „Aber auch dieser Nachweis ist nur dann -von Bedeutung, wenn wir zugleich eine für eine Erkrankung des Tieres -notwendige Menge feststellen und ermitteln, dass diese ungekocht ist, -da gekochte Rizinussamen unschädlich sind.“</p> - -<p><em class="gesperrt">Miessner</em> und <em class="gesperrt">Rewald</em> (Die Konglutination der roten -Blutkörperchen durch Rizinussamen, Zeitschr. für Immunitätsforschung, -II. Bd., 1909) haben gefunden, dass die Rizinussamen durch das in -ihnen enthaltene <em class="gesperrt">Konglutinin</em> die Fähigkeit besitzen, rote -Blutkörperchen zusammenzuklumpen (<em class="gesperrt">Konglutination</em>). Dagegen -konglutieren die gebräuchlichsten Futtermittel des Handels rote -Blutkörperchen nicht. Sie bezeichnen daher die Konglutination -als ein ausgezeichnetes Mittel zum forensischen <em class="gesperrt">Nachweis von -Rizinussamen</em> in verfälschten Futtermitteln. Zu diesem Zwecke -vermischt man im Reagenzglas 2 ccm eines 5proz. Fitrats des -Futtermittels in 0,85proz. Kochsalzlösung mit 10 ccm einer 3proz. -Blutkörperchenaufschwemmung von Tauben-, Kaninchen- oder Hundeblut. -Sind Rizinussamen in dem Futter vorhanden, so sind die roten -Blutkörperchen innerhalb 1–2 Stunden am Boden des Reagenzglases zu -einem festen Klumpen zusammengeballt, während die darüber stehende -Flüssigkeit klar ist. Durch Einstellung<span class="pagenum" id="Seite_303">[S. 303]</span> der Reagenzgläser in einen -Thermostaten von 37° lässt sich die Konglutination beschleunigen.</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Abrin.</b> Das in den Samen von Abrus precatorius (Jequirity, -Paternostererbsen) enthaltene Toxalbumin <em class="gesperrt">Abrin</em> besitzt genau -dieselbe Fibringerinnung erzeugende Wirkung auf das Blut, wie Rizin, -dem es nach <em class="gesperrt">Ehrlich</em> und <em class="gesperrt">Calmette</em> auch darin gleicht, -dass man Tiere „abrinfest“ machen kann. Abrinfeste Tiere sind aber -nicht auch rizinfest und umgekehrt. Nach <em class="gesperrt">Hellin-Kobert</em> tötet -Abrin Tiere vom Blute aus in Dosen von wenigen Hundertstel Milligramm -pro kg Körpergewicht; auch erzeugt es noch in homöopathischen Dosen -im Lidsack Thrombose der Gefässe mit nachfolgender Entzündung -(Jequirity-Ophthalmie). Das Serum abrinfester Tiere wirkt stark -antitoxisch.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Krotonoel">Vergiftung durch Krotonöl.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die <em class="gesperrt">Krotonsamen</em>, <em class="gesperrt">Grana Tiglii</em>, -sind die 2 cm langen und 1,5 cm breiten elliptischen Kapselfrüchte -von Croton Tiglium, einer ostindischen Eupborbiazee. Der Samenkern -enthält das stark giftige <em class="gesperrt">Krotonöl</em>, als dessen wirksamer -Bestandteil die mit der Rizinolsäure verwandte <b>Krotonolsäure</b> -bezeichnet wird. Ausserdem enthält die blassbräunliche Samenschale -das <b>Krotin</b>, ein dem Rizin sehr ähnliches, für die -Blutkörperchen sehr giftiges Ferment. Vergiftungen ereignen sich -bei den Haustieren durch die innerliche Verabreichung der Samen -bei falscher Dosierung oder wiederholter Anwendung, sowie durch -die innerliche und äusserliche Anwendung des Krotonöls. Eine -ausführliche toxikologische Arbeit über das Krotonöl ist von <em class="gesperrt">E. -v. Hirschheydt</em> (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu Dorpat, -herausgegeben von Kobert, IV, 1890), sowie von <em class="gesperrt">Elfstrand</em> -(Ueber giftige Eiweisse, welche Blutkörperchen verkleben. Upsala -1897) veröffentlicht worden.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung der Krotonolsäure.</b> Die Krotonolsäure ist im Krotonöl -ursprünglich an Glyzerin gebunden als Krotonolsäure-Triglyzerid -enthalten. Dieser Körper besitzt an und für sich keine reizende -Wirkung, er ist vielmehr ein ebenso indifferentes Fett wie andere -Triglyzeride, z. B. die der Stearinsäure, Palmitinsäure, Oleinsäure. -<em class="gesperrt">Nur die freie Krotonolsäure, sowie ihre Salze (krotonolsaures -Natrium und Kalium) sind stark reizende, ätzende Stoffe.</em> Eine -Abspaltung freier Krotonolsäure findet im Krotonöl unter der Einwirkung -der Luft bei längerem Stehen statt; <em class="gesperrt">älteres Krotonöl ist daher -giftiger als frisch ausgepresstes</em>. Dieser Umstand, die verschiedene -Giftigkeit der käuflichen Krotonölpräparate, erklärt die vielfach -gemachte Beobachtung, dass das Krotonöl namentlich bei Pferden in -einer und derselben Dosis bald sehr giftig, bald nur wenig wirksam -erfunden worden ist. Im Darmkanal findet ferner eine Verseifung -des Krotonolsäure-Triglyzerids statt, indem dasselbe zu Glyzerin -und krotonolsauren Alkalien zerlegt wird. Die letzteren besitzen -eine<span class="pagenum" id="Seite_304">[S. 304]</span> ebenso starke ätzende Wirkung wie die freie Krotonolsäure, -auf ihre Abspaltung ist daher die drastische Wirkung des Krotonöls -zurückzuführen. <em class="gesperrt">Die Verseifung des Krotonöls im Darm ist aber bei -den einzelnen Tiergattungen verschieden intensiv.</em> Am raschesten -erfolgt die Verseifung, also die Bildung von ätzenden krotonolsauren -Alkalien (Kalium, Natrium) beim Pferd und Rind. <em class="gesperrt">Aus diesem Grund ist -das Krotonöl für Pferde und Rinder ein viel stärkeres Gift, als für die -übrigen Haustiere.</em> Am spärlichsten und langsamsten geschieht die -Verseifung beim Hund, bei welchem ausserdem noch die Möglichkeit des -Erbrechens die Gefahr einer Vergiftung vermindert. Hierdurch erklärt -sich die Tatsache, <em class="gesperrt">dass Hunde auffallend grosse Gaben von Krotonöl -ohne Schaden ertragen</em>. Am empfindlichsten gegenüber dem Krotonöl -ist der Mensch.</p> - -<p><b>Wirkung des Krotins.</b> Das Krotin gehört wie das Rizin und Abrin -zur Gruppe der pflanzlichen <em class="gesperrt">Agglutinine</em>, d. h. fermentartigen -Substanzen, welche die roten Blutkörperchen mancher Tiergattungen zur -Verklebung und Ausfällung bringen. Ausserdem wirkt es auf gewisse -Blutarten <em class="gesperrt">hämolytisch</em>, d. h. die roten Blutkörperchen auflösend. -Unempfindlich (refraktär) gegen Krotin scheint nur das Hundeblut zu -sein, das ein Antiagglutinin („Antikrotin“) enthält. Die letale Dosis -des Krotins beträgt bei subkutaner Applikation für das Kaninchen -0,05–0,08 g pro kg Körpergewicht; bei intravenöser Darreichung ist die -letale Dosis weit geringer, während man bei Einführung des Krotins per -os fast 0,5 g pro kg Körpergewicht anwenden kann, ohne den Tod des -Tieres herbeizuführen, obwohl dasselbe unter den gleichen Erscheinungen -erkrankt, wie bei der subkutanen Einführung.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Krotonölvergiftung.</b> Das Krotonöl ist eines -der stärksten Akria. Es erzeugt <em class="gesperrt">Dermatitis</em>, <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, -<em class="gesperrt">Pharyngitis</em>, <em class="gesperrt">Gastritis</em> und <em class="gesperrt">Enteritis</em>. Nicht -bloss bei <em class="gesperrt">innerlicher</em> Verabreichung, sondern auch bei -<em class="gesperrt">äusserlicher</em> Einreibung des Oeles kann infolge Resorption -desselben eine Vergiftung entstehen. So tritt beim Pferd nach dem -Einreiben von 60 Tropfen, beim Schaf von 30 Tropfen, beim Hund -von 15–20 Tropfen Purgieren ein. Die <em class="gesperrt">Erscheinungen</em> der -Krotonölvergiftung sind die einer <em class="gesperrt">heftigen, sehr schmerzhaften -Magendarmentzündung</em> mit <em class="gesperrt">ruhrartigen Durchfällen</em>; der Tod<span class="pagenum" id="Seite_305">[S. 305]</span> -erfolgt unter <em class="gesperrt">allgemeiner Schwäche</em> und <em class="gesperrt">Erschöpfung</em> nach -1–3 Tagen. Bei der Sektion findet man korrosive Gastroenteritis, -zuweilen auch Stomatitis und Pharyngitis.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">tödlichen Dosen</em> des Krotonöls sind bei der -Verschiedenartigkeit des Gehaltes der käuflichen Präparate an freier -Krotonolsäure und bei dem verschiedenen Verhalten der einzelnen -Tiergattungen dem Krotonöl gegenüber äusserst variabel. So gibt -<em class="gesperrt">Hertwig</em> als zulässige Maximaldosis des Krotonöls für das Pferd -25 Tropfen an, während <em class="gesperrt">Sommer</em> (Magazin Bd. 9, S. 455) bei einem -rotzkranken kräftigen Pferd nach 20 Tropfen Krotonöl in Pillenform -den Tod am 4. Tag, bei zwei anderen Pferden nach 30 Tropfen Krotonöl -den Tod am 3. Tag eintreten sah. Nach <em class="gesperrt">Hertwig</em> brauchen Hunde -zum Purgieren 5–10 Tropfen und sterben selbst nach 10–20 Tropfen -nicht; nach <em class="gesperrt">Gerlach</em> soll bei Hunden eine Quantität, welche 3 -Tropfen des Oeles übersteigt (bei Pferden eine solche von mehr als 15 -Tropfen), tödlich werden können. <em class="gesperrt">Hertwig</em> hat angegeben, unter -5 Tropfen bei Hunden keine diarrhoische Wirkung erzielt zu haben; ich -selbst habe mit 4 Tropfen reinem Krotonöl bei mittelgrossen Hunden eine -starke Laxierwirkung erhalten. Nach den Versuchen von <em class="gesperrt">Mayet</em> -und <em class="gesperrt">Hallé</em> (Annales d’hygiène 1871) hatten sogar Gaben von 1 g -Krotonöl (25 Tropfen) keine bemerkenswerte Wirkung bei Hunden, 1,2 -g Krotonöl (30 Tropfen) erzeugten nur Durchfall. Dagegen hatten bei -einem andern Hund 5 Tropfen Krotonöl in Pillenform gegeben blutiges -Erbrechen, blutigen Durchfall, sowie den Tod innerhalb 24 Stunden zur -Folge. Ein weiterer Versuchshund erhielt innerhalb 45 Tagen nicht -weniger als 10 g = 250 Tropfen Krotonöl; der Tod erfolgt erst bei -der letzten Gabe von 2 g = 50 Tropfen. Bei der Sektion fand man die -Magendarmschleimhaut bis zum Dickdarm mit Ausnahme von Schwellung -einiger Peyerschen Drüsenhaufen intakt. Dagegen zeigte die Schleimhaut -des Dickdarms einen kruppösen Belag, Verdickung, schwärzliche -Verfärbung, sowie frische und ältere Ulzerationen.</p> - -<p>Nach dem Entwickelten lässt sich eine sichere, genaue tödliche Dosis -des Krotonöls für die einzelnen Tiergattungen nicht aufstellen. Nur -beim <em class="gesperrt">Pferd</em> kann nach klinischen und experimentellen Erfahrungen -der Satz aufgestellt werden, <em class="gesperrt">dass eine Ueberschreitung der Dosis von -20 Tropfen Krotonöl in der Regel eine Vergiftung mit tödlichem Ausgang -zur Folge hat</em>. Beim Rind können als Maximaldosis durchschnittlich<span class="pagenum" id="Seite_306">[S. 306]</span> -40 Tropfen bezeichnet werden. Die <em class="gesperrt">Krotonkörner</em>, welche früher -statt des Krotonöls gegeben wurden (Pferden zu 1,5–2,5, Rindern zu -2,5–3,5, Schafen und Schweinen zu 0,5, Hunden zu 0,1–0,4), töten Pferde -in Dosen von 4–8 g nach 10–40 Stunden, Hunde in Dosen von 0,6–1,25, -wenn das Erbrechen verhindert wird.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Gegen die Vergiftung mit Krotonöl oder Krotonsamen -gibt es kein spezifisches Antidot, die Behandlung ist vielmehr eine -rein symptomatische. In erster Linie sind schleimige, einhüllende, -sowie schmerzlindernde und stopfende Mittel anzuwenden. Man -gibt namentlich <em class="gesperrt">Leinsamenabkochungen</em> in Verbindung mit -<em class="gesperrt">Opiumtinktur</em>, ausserdem Tannin, Eisenvitriol, Bleizucker -und Argentum nitricum. Die Schwächezustände werden mit Exzitantien -behandelt; man macht subkutane Aether-, Kampfer-, Atropin-, Koffein- -oder Veratrininjektionen.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> der Krotonölvergiftung wird auf -chemisch-physiologischem Wege erbracht. Man extrahiert das Oel aus -dem Magendarminhalt mittels Aether oder Chloroform und prüft das -eingedickte Extrakt auf eine etwaige pustelbildende Wirkung durch -Einreibung auf die Haut von Menschen oder Tieren.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p id="Vergiftung_durch_Semina_Ricini_majoris"><b>Vergiftung durch die Semina Ricini majoris.</b> Als Semina -Ricini (Cataputiae) majoris werden die Samen des amerikanischen -<em class="gesperrt">Purgiernussbaumes</em>, Jatropha Curcas = Curcas purgans, eines -zu den Euphorbiazeen gehörigen Baumes bezeichnet. Sie enthalten -ein scharf reizendes, in seiner Wirkung dem Krotonöl ähnliches -Oel, welches den Namen Teufelsöl (<em class="gesperrt">Oleum infernale</em>) erhalten -hat und zur Seifenfabrikation und als Brennöl dient. Ausserdem -sollen sie nach <em class="gesperrt">Kobert</em> eine Phytalbumose enthalten. -Dadurch, dass ihre Pressrückstände den Erdnusskuchen beigemengt -werden, geben sie Veranlassung zu Vergiftungen beim Rind und -Schwein. <em class="gesperrt">Wolff</em> (Berl. Arch. 1889) sah bei 40 Milchkühen als -Vergiftungserscheinungen Schlingbeschwerden, kolikähnliche Anfälle, -Durchfall, Anurie und subnormale Körpertemperatur; die Sektion ergab -hämorrhagische Entzündung im Labmagen und Dünndarm mit Ekchymosen und -Geschwürsbildung. <em class="gesperrt">Leonhard</em> (ibid.) sah bei 28 Läuferschweinen -Kolik, Erbrechen, Diarrhöe und unstillbaren Durst; 12 Schweine -krepierten, nachdem blutige Diarrhöe eingetreten war.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Robinia_pseudoacacia">Vergiftung durch Robinia pseudoacacia.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die <em class="gesperrt">falsche Akazie</em> (Papilionazee) -enthält verschiedene Gifte. Der Umstand, dass die Blätter beim -Pferd Stomatitis erzeugen, weist zunächst auf einen darin -enthaltenen scharfen Stoff hin. In der Rinde fanden <em class="gesperrt">Power</em> und -<em class="gesperrt">Cambier</em> (Amerikan. pharm. Rundschau 1890) zu 1,6% ein sehr -giftiges Toxalbumin, das <b>Robinin</b>, in Form einer Phytalbumose, -welche eine <em class="gesperrt">rizinähnliche Wirkung</em> besitzt und nach den -Versuchen von <em class="gesperrt">Kobert</em> tödliche Hämorrhagien im Darmkanal -erzeugt.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_307">[S. 307]</span></p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Ueber Vergiftung von Pferden durch die Rinde -der Pseudoakazie hat <em class="gesperrt">Zapel</em> (Zeitschr. f. Vetk. 1881, S. 456) -berichtet. Die Vergiftungserscheinungen waren: Darniederliegen der -Darmperistaltik bei geringer Auftreibung, ängstlicher stierer Blick, -starke Erhöhung der Puls- und Atemfrequenz, dunkelrote Färbung der -sichtbaren Schleimhäute, Schwäche im Hinterteil bis zur vollkommenen -<em class="gesperrt">Lähmung</em> sich steigernd. Die Sektion ergab wässerigen Darminhalt, -gerötete Darmschleimhaut, starkes Lungenödem, dunkles, wenig -geronnenes Blut. Auch in Frankreich sind bei 6 Militärpferden tödliche -Vergiftungen beobachtet worden (Progr. milit. 1893). Als ferner im -Notjahr 1893 die Akazie als Futterersatzmittel empfohlen wurde, -starben einem französischen Landwirt 3 Kühe (Figaro, 19. VIII. 1893). -<em class="gesperrt">Cornevin</em> (Journal de Lyon 1893) kommt dagegen auf Grund seiner -Versuche mit Blättern, Zweigen, Blüten, Hülsen und Samen von Robinia -pseudoacacia und andern Robiniaarten zu dem Schluss, dass dieselben für -Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen ungiftig sind (?).</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kreuzdornbeeren">Vergiftung durch Kreuzdornbeeren.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die Beeren des Kreuzdorns, Rhamnus cathartica -(Rhamnee), welche als Fructus Rhamni catharticae (Baccae spinae -cervinae) offizinell sind, bilden kugelige, glänzend schwarze, -erbsengrosse, vierknöpfige Früchte, aus denen der violettrote -<em class="gesperrt">Kreuzdornsaft</em>, Syrupus Rhamni catharticae, dargestellt wird. -Die Beeren wie der Saft enthalten als wirksamen Bestandteil das -<b>Rhamnokathartin</b>.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Rhamnokathartin, welches in den therapeutischen -Dosen des Kreuzdornsaftes die laxierende Wirkung bedingt, wirkt in -grösseren Gaben stark <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf die Schleimhaut -des <em class="gesperrt">Magens</em> und <em class="gesperrt">Darmes</em>. Vergiftungen durch Kreuzdornsaft -ereignen sich zuweilen, wie ich dies in mehreren Fällen beobachten -konnte, bei Hunden, wenn denselben von ihren Eigentümern zu grosse -Mengen des als Hausmittel bekannten Saftes als Laxiermittel verabreicht -werden. Sie erkranken und sterben dann unter den Erscheinungen -einer schweren <em class="gesperrt">hämorrhagischen Gastroenteritis</em>. Während die -therapeutische Dosis für Hunde durchschnittlich 1–2 Esslöffel beträgt, -sterben nach meinen Beobachtungen Hunde auf die Verabreichung von 5–10 -Esslöffel des Kreuzdornbeerensaftes im Verlauf von 24 Stunden. Die -<em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht in der Verabreichung von einhüllenden und -styptischen Mitteln, namentlich von Opium.</p> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_308">[S. 308]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Podophyllin">Vergiftung durch Podophyllin.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das Podophyllin ist das gelbe, harzartige Extrakt -des Wurzelstocks von Podophyllum peltatum, einer nordamerikanischen -Berberidee. Es enthält als wirksame Harze das <b>Podophyllotoxin</b> -und <b>Pikropodophyllin</b>.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das Podophyllotoxin und Pikropodophyllin sind sehr -starke Gifte, welche reizend und <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf die -Schleimhaut des Digestionsapparates einwirken. Das in kleinen Dosen -purgierend wirkende Podophyllin erzeugt daher schon in relativ nicht -grossen Gaben eine <em class="gesperrt">tödliche hämorrhagische Gastroenteritis</em>. -So beobachtete ich bei einem kleinen, 0,5 kg schweren Hund nach -innerlicher Verabreichung von 0,5 Podophyllin starkes Erbrechen, -blutige Diarrhöe, Sinken der Temperatur, Kollaps und nach 10 Stunden -den Tod. Auch <em class="gesperrt">Wirtz</em> sah einen Hund nach 0,6 g sterben. Ein -kräftiges Versuchspferd, welchem ich 25 g Podophyllin eingab, zeigte -nach 18 Stunden Laxieren und eine sehr heftige Kolik und starb nach -24 Stunden. Die Sektion ergab diphtheritische Schleimhautentzündung -im Kolon, Darmblutung, starken Leberikterus, sowie parenchymatöse -Entzündung der Nieren und Milz.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Eicheln">Vergiftung durch Eicheln.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> In den Eicheln, den Samen von Quercus Robur, ist -eine grössere Menge von <b>Gerbsäure</b> (7–9 Prozent) enthalten -neben Spuren eines ätherischen Oels. Besonders giftig scheinen nach -den in England gemachten Beobachtungen die unreifen Eicheln zu sein.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Nach der Aufnahme grösserer Mengen von -Eicheln, namentlich nach dem Genuss der unreifen Eicheln, hat man -bei allen Haustieren, mit Ausnahme der Schweine, eine unter den -Erscheinungen einer <em class="gesperrt">schweren Magendarmentzündung</em> verlaufende -Vergiftung beobachtet, welche im wesentlichen wahrscheinlich durch -den Tanningehalt der Eicheln bedingt wird. Diese Vergiftungen sind -am häufigsten in England bei Pferden, Schafen und Rindern beobachtet -worden. In den leichteren Graden der Krankheit beobachtet man lediglich -<em class="gesperrt">Verdauungsstörungen</em>. In höheren Graden entwickelt sich jedoch -eine <em class="gesperrt">Magendarmentzündung</em> mit anhaltender <em class="gesperrt">Verstopfung</em> und -späterem ruhrartigem Durchfall, Tenesmus, Blutabgang durch den After, -sowie grosse<span class="pagenum" id="Seite_309">[S. 309]</span> Mattigkeit. In den höchsten Graden soll die Vergiftung -zuweilen grosse Aehnlichkeit mit <em class="gesperrt">Rinderpest</em> zeigen.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Schleimhaut des Magens und -Darmes entzündlich verändert. In einzelnen Fällen hat man auch -Exkoriationen der Maulschleimhaut konstatiert. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> -besteht in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel; als -chemisches Gegengift kann die Anwendung von Leimwasser empfohlen -werden. Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> kann botanisch oder chemisch (Blaufärbung -von Eisenlösungen durch das in den Eicheln enthaltene Tannin) geführt -werden.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Pugh</em> (The Vet. 1894) hat in England, wo -schon früher ähnliche Beobachtungen gemacht wurden (ibid. 1868, 1869, -1871), Vergiftungen durch Eicheln besonders beim Hornvieh im Herbst -1893 beobachtet. Die ersten Zeichen waren leichte Abneigung gegen -das Futter, leichter Konjunktival- und Nasenkatarrh, allmähliches -Dunkelwerden der Fäzes und Hellwerden des Urins bei normaler -Temperatur und schwachem Puls. Später beobachtete er Widerwillen -gegen die Nahrung, rauhes Haar, gelbe schorfige Beschaffenheit -der Haut, aufgeschürzten Hinterleib, bisweilen Leibschmerzen mit -Stöhnen. Die Augen sanken in ihre Höhlen zurück, der Nasenkatarrh -wurde blutig, ebenso der Darmkatarrh. In den tödlichen Fällen wurde -die Temperatur subnormal. Kontinuierlichem Durchfall folgte Kollaps. -Die Mortalitätsziffer betrug 10%. Die anderen Tiere erholten sich -allmählich, wenn Eicheln nicht mehr gereicht wurden, dabei leicht -verdauliches Futter gegeben und symptomatische, besonders gegen den -Durchfall gerichtete Behandlung eintrat. Das Aufhören des Durchfalls -und sogar Verstopfung war prognostisch günstig. P. hebt hervor, -dass Eicheln, welche bekanntlich als Mastfutter gepriesen sind, -im frischen, wie im trockenen und gekeimten Zustand die von ihm -beobachteten Vergiftungen erzeugen können. — <em class="gesperrt">Thorburn</em> (Vet. -journ. 1902) hat ebenfalls in England Vergiftungen durch Eicheln -bei Rindern gesehen; die Symptome bestanden in Verstopfung, später -in wässerigem Durchfall, Stöhnen, starker Abmagerung und hohem -Fieber (40,5–41,8°). — Verdauungsstörungen und Verstopfung nach -Verfütterung von Eichenlaub und unreifen Eicheln hat bei Rindern -<em class="gesperrt">Schulz</em> (Woch. f. Tierhlkde. 1895) beobachtet.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Filixextrakt">Vergiftung durch Filixextrakt.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das früher für ein ungiftiges Bandwurmmittel -gehaltene Filixextrakt hat sich nach neueren klinischen und -experimentellen Beobachtungen in grösseren Dosen als ein ziemlich -starkes Gift erwiesen. Die wichtigsten Bestandteile des aus -dem Rhizom des Wurmfarns durch Mazerieren mit Aether und durch -Eindampfen gewonnenen Extraktes sind die <b>Filixsäure</b> -(<em class="gesperrt">Filizin</em>), eine Säure von der Formel <span class="nowrap">C<sub>35</sub>H<sub>40</sub>O<sub>12</sub></span>, -welche zu 6–9 Proz. darin enthalten ist. Nach andern Angaben soll -das <b>Filmaron</b> oder <em class="gesperrt">Aspidinolfilizin</em> der giftige -Bestandteil sein, der sich zu Filixsäure und Aspidinol zersetzt. -Genaueres über die menschenärztliche und tierärztliche Literatur der -Filixvergiftang vergl. in meiner Abhandlung „Ueber die Toxikologie -des Filixextraktes“ (Monatshefte für praktische Tierheilkunde 1890, -I. Bd.), sowie bei <em class="gesperrt">Gmeiner</em>, „Untersuchungen über das Filmaron“ -(D. T. W. 1907).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Filixextrakt wirkt bei den Haustieren wie -beim Menschen in grösseren Dosen zunächst <em class="gesperrt">entzündungserregend</em><span class="pagenum" id="Seite_310">[S. 310]</span> -auf die <em class="gesperrt">Magendarmschleimhaut</em>. Nach seiner Resorption wirkt es -<em class="gesperrt">lähmend</em> auf <em class="gesperrt">Gehirn</em> und <em class="gesperrt">Rückenmark</em> (psychische -Benommenheit, Manegebewegungen, Amaurosis, motorische Lähmung). Endlich -erzeugt es bei der Ausscheidung der Filixsäure durch die Nieren eine -<em class="gesperrt">parenchymatöse Nephritis</em>. Das Krankheitsbild ist nach meinen -eigenen experimentellen Beobachtungen folgendes:</p> - -<p>Die ersten Krankheitserscheinungen sind nach meinen Versuchen bei -Hunden und Schafen die einer <em class="gesperrt">entzündlichen Reizung der Magen- -und Darmschleimhaut</em>: Erbrechen, Speichelfluss, Futteraufnahme -und Wiederkauen unterdrückt, vermehrter Kotabsatz, Durchfall, -Schmerzen bei der Palpation des Magens und Darmes. Nur bei perakutem -Krankheitsverlauf (Rind) fehlen gastroenteritische Symptome. -Von Allgemeinerscheinungen tritt zunächst eine <em class="gesperrt">Affektion des -Gehirns</em> in den Vordergrund. In der Hauptsache äussert sich -dieselbe in Form einer zunehmenden <em class="gesperrt">Lähmung des Grosshirns</em> -unter dem Bild der <em class="gesperrt">psychischen Benommenheit</em> und schwerer -Depressionserscheinungen, welche schliesslich in vollständige Apathie -und Bewusstlosigkeit übergehen. Diese zerebralen Lähmungserscheinungen -kombinieren sich zeitweise mit Erregungssymptomen, welche sich in -<em class="gesperrt">Zwangsbewegungen</em> äussern: Manegebewegungen, automatenhafte, -pendelnde Bewegungen des Kopfes und Halses. In einem Fall traten auch -psychiche Erregungserscheinungen auf, und zwar eröffneten dieselben -das allgemeine Krankheitsbild (perakuter Verlauf beim Rind). Im -Zusammenhang mit den genannten zerebralen Erscheinungen zeigen sich -eigentümliche Vorgänge an den Augen, welche im wesentlichen auf -eine <em class="gesperrt">Lähmung der Retina</em> (Amaurosis) bezogen werden müssen: -Pupillenerweiterung, Blindheit, Anämie der Pupille. Aber auch hier -sind die Erscheinungen der Lähmung zuweilen mit derjenigen der -Erregung untermischt (Nystagmus, Pupillenverengerung). Die lähmende -Wirkung des Filixextraktes auf die Retina ist wenigstens in Form einer -Mydriasis meist sehr früh wahrnehmbar. Die <em class="gesperrt">Herztätigkeit</em> wird -durch das Filixextrakt in allen Fällen anfangs erregt, was sich in -verstärkter Herzaktion und vermehrter Pulsfrequenz äussert, später -gelähmt. Zu den augenfälligsten Symptomen des Vergiftungsbildes -gehört die <em class="gesperrt">lähmende</em> Wirkung auf den <em class="gesperrt">Bewegungsapparat</em>; -dieselbe äussert sich in unsicherem, schwankendem, taumelndem Gang, -allmählich zunehmender Körperschwäche und schliesslicher allgemeiner -Lähmung. Vereinzelt war<span class="pagenum" id="Seite_311">[S. 311]</span> bei einem Versuchstier auch eine Monoplegie -zu beobachten. Erregungserscheinungen seitens der motorischen Sphäre -fehlten mit Ausnahme von Zähneknirschen in einem Fall gänzlich. -Die <em class="gesperrt">Atmung</em> endlich ist im ersten Stadium der Vergiftung -<em class="gesperrt">angestrengt</em> (Erregung des Atmungszentrums), im letzten Stadium -geht jedoch die Erregung in eine <em class="gesperrt">Lähmung</em> über und die Tiere -sterben alle unter den Erscheinungen der <em class="gesperrt">Erstickung</em>.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Dauer</em> und der <em class="gesperrt">Verlauf</em> der Vergiftung ist je nach -der verabreichten Dosis verschieden. Die ersten 15 g hatten bei -einem Versuchshund eine etwa 1tägige, die späteren 20 g eine 3tägige -Vergiftung zur Folge; die Wiederholung der letzteren Dosis noch während -des Andauerns der Giftwirkung tötete den Hund bereits nach 3 Stunden. -Zwei Schafe starben auf 25 resp. 50 g nach 6 resp. 36 Stunden, ein Rind -auf 100 g nach 4 Stunden. Danach scheint die kürzeste Krankheitsdauer -3–4 Stunden zu betragen. Die längste bei meinen Versuchen beobachtete -Dauer betrug 3 Tage; allem nach kann aber dieselbe auch eine wesentlich -längere sein. Endlich ist zu erwähnen, dass die ersten schweren -Vergiftungserscheinungen bei grossen Gaben schon nach Verlauf von ½-1 -Stunde auftreten.</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Die wesentlichsten Ergebnisse der Sektion -sind folgende. Zunächst ist eine <em class="gesperrt">hämorrhagische Entzündung</em> -leichteren Grades auf der Schleimhaut des <em class="gesperrt">Magens</em> (Labmagens) -und des <em class="gesperrt">Dünndarms</em> in Form von Schwellung, Rötung und -fleckenartigen Hämorrhagien, besonders auf der Höhe der Falten -zu konstatieren. <em class="gesperrt">Gehirn</em> und <em class="gesperrt">Rückenmark</em> zeigen die -Erscheinungen des <em class="gesperrt">akuten Oedems</em>, <em class="gesperrt">Hydrocephalus internus</em> -und <em class="gesperrt">externus</em>, sowie <em class="gesperrt">Hydrorachis</em>; daneben habe ich in -einem Fall eine erhebliche <em class="gesperrt">Blutung im oberen Längsblutleiter</em> -vorgefunden. Eine kleine Blutung liess sich bei einem anderen -Versuchstier zwischen Retina und Chorioidea in der Nähe der Papille -nachweisen; die Retina zeigte sich hiebei getrübt. Die <em class="gesperrt">Nieren</em> -bieten das Bild der <em class="gesperrt">parenchymatösen Nephritis</em>, welche sich -makroskopisch durch graurote Verfärbung und weichere Konsistenz, -mikroskopisch durch Trübung, Aufquellung und Abstossung des -Nierenepithels, Bildung von Harnzylindern, sowie endlich durch das -Auftreten von Eiweiss im Harn (2 Proz. in einem Fall) kennzeichnet. -Vereinzelt war auch die Ausbildung einer hämorrhagischen Zystitis -zu konstatieren. Von <em class="gesperrt">Allgemeinerscheinungen</em> endlich sind -hervorzuheben die venöse<span class="pagenum" id="Seite_312">[S. 312]</span> Stauung in den inneren Organen und das -Lungenödem (suffokatorische Symptome), sowie die Schwellung der Leber -und Milz.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Filmaron</em> hat nach den Versuchen von <em class="gesperrt">Gmeiner</em> (vgl. -unten) eine ähnliche Giftwirkung wie das Filixextrakt.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Ist in einem Fall von Helminthiasis eine zu -grosse Dosis Filixextrakt zur Anwendung gelangt, so hat man -zunächst die reizende Wirkung desselben auf den Darm durch Eingeben -<em class="gesperrt">schleimiger</em> Mittel zu mildern. Im weiteren besteht die -Behandlung in der Verabreichung <em class="gesperrt">exzitierender</em> Mittel (subkutane -Aether-, Kampfer-, Atropin-, Koffein-, Veratrininjektionen). Zu -vermeiden sind Fette und ölige Stoffe, namentlich auch Rizinusöl, weil -sie die Resorption der Filixsäure bezw. des Filmarons erhöhen.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> einer Filixextraktvergiftung wird ausser dem sehr -charakteristischen klinischen Befund durch den spezifischen, ganz -intensiven <em class="gesperrt">Geruch</em> des Extraktes geliefert.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Röder</em> (Sächs. Jahresber. 1888) hat bei einem -kräftigen Mops, welchem innerhalb 3 Stunden 6 g Extractum Filicis -eingegeben wurden, Erscheinungen einer heftigen Gastroenteritis, -bedeutenden Kräfteverfall, periodische Krämpfe (Opisthotonus), starke -Pupillenerweiterung, sowie Tod nach etwa 14 Stunden; ferner bei einem -andern Mops, welcher 3 g erhalten hatte, eine ähnliche Erkrankung mit -anscheinender Blindheit, jedoch mit Ausgang in Genesung beobachtet. -Bei einem dritten Mops, welchem versuchsweise 3 g Extrakt gegeben -wurden, trat ebenfalls Gastroenteritis mit Krampfanfällen, jedoch -nach 2 Tagen wieder Genesung ein; 4 g hatten dieselben Erscheinungen, -sowie ausserdem einen 10 Stunden andauernden soporösen Zustand -mit 4tägiger Krankheitsdauer zur Folge. Dagegen blieben ein -Mopsbastard auf 6 g, ein Dachshund auf 5 g, sowie ein Jagdhund auf -10 g Filixextrakt gesund. — <em class="gesperrt">Schlampp</em> (Münch. Jahresber. -1891/92) sah bei einem grossen Leonberger Vergiftungserscheinungen -auf 4 g Extrakt (Kollaps, Mydriasis, Netzhautblutung). — Bezüglich -der von mir angestellten Versuche bei Hunden, Schafen und Rindern -vgl. Monatshefte für prakt. Tierheilkunde I. Bd. 1890. — -<em class="gesperrt">Zimmermann</em> (Z. f. Tierh. 1904) beobachtete bei einer 4jährigen -Bernhardinerhündin nach der Verabreichung von 4 g Filixextrakt -(ohne nachfolgendes Abführmittel) eine schwere Vergiftung, die -sich in Kollaps, Pupillenerweiterung und Dyspnoe äusserte. — -<em class="gesperrt">Gmeiner</em> (D. T. W. 1907) stellte bei seinen toxikologischen -Versuchen mit Filmaron bei Kaninchen, Hunden und Schafen im -wesentlichen die Erscheinungen der Filixextraktvergiftung fest: -entzündliche Reizerscheinungen im Magen- und Darmtraktus, Lähmung -des Bewegungsapparates, Gehirndepression, Erregung und Lähmung -der Atmung, Amaurosis, Pupillenerweiterung, sowie parenchymatöse -Nephritis.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Santonin">Vergiftung durch Santonin.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das in den Wurmsamen, Flores Cinae, zu 2 -Prozent enthaltene Santonin von der Formel <span class="nowrap">C<sub>15</sub>H<sub>18</sub>O<sub>3</sub></span> ist -ein bei Hunden vielfach angewandtes Wurmmittel. Eine bei einem -jungen Leonbergerhund nach der Verabreichung von 0,06 g Santonin -beobachtete Vergiftung (Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. IV. Bd. 1893, -S. 308) veranlasste mich, die Toxikologie des Santonins bei Rindern, -Pferden, Schafen, Ziegen und Hunden experimentell<span class="pagenum" id="Seite_313">[S. 313]</span> zu prüfen (ibid. -S. 535). Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in -nachstehendem zusammengefasst. Vgl. im übrigen die Aehnlichkeit des -Bildes der Santoninvergiftung mit dem der Bornaschen Krankheit. -Santoninvergiftungen bei jungen Hunden sind neuerdings auch von -<em class="gesperrt">Godfray</em> beobachtet worden (The Vet. 1900).</p> -</div> - -<p><b>Wirkung des Santonins.</b> Die wichtigsten Erscheinungen der -Santoninvergiftung bei den Haustieren sind <em class="gesperrt">epileptiforme -Krämpfe</em>, <em class="gesperrt">Schlafsucht</em>, <em class="gesperrt">psychische Benommenheit</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em>, <em class="gesperrt">Sehstörungen</em>, <em class="gesperrt">Myosis</em>, -<em class="gesperrt">gelbrote Verfärbung des Harns</em>, <em class="gesperrt">Polyurie</em>, -<em class="gesperrt">Strangurie</em>, <em class="gesperrt">erhöhter Geschlechtstrieb</em>, Speicheln, -Nasenausfluss, leichte <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em> und -<em class="gesperrt">Verstopfung</em>, sowie Störungen des Appetits und der Futteraufnahme.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Santoninkrämpfe</em> haben den Charakter der eklamptischen -(epileptiformen) Krämpfe. Sie bestehen zunächst in blitzartigen -fibrillären Muskelzuckungen in der Umgebung des Maules, besonders an -den Maulwinkeln, an der Ober- und Unterlippe, in der Umgebung der -Nasenlöcher, im Gesicht, in der Backengegend, an den Augenlidern und -an den Ohren, sowie in rotierenden Bewegungen der Bulbi (Nervengebiet -des <em class="gesperrt">Fazialis</em>, <em class="gesperrt">Okulomotorius</em>, <em class="gesperrt">Trochlearis</em> und -<em class="gesperrt">Abduzens</em>). Hiezu gesellen sich bei intensiverer Wirkung -Kaukrämpfe (Nervengebiet des <em class="gesperrt">Trigeminus</em>), klonisch-tonische -Krämpfe der Halsmuskeln (<em class="gesperrt">Halsmark</em>), der Rumpf- und -Extremitätenmuskeln (<em class="gesperrt">Rückenmark</em>), allgemeines Muskelzittern, -sowie gesteigerte Reflexerregbarkeit, welche sich in hochgradiger -Schreckhaftigkeit äussert. Das Santonin erweist sich mithin zunächst -als ein Krampfgift für die motorischen Gehirnnerven, insbesondere für -den VII., III., IV., VI. und V., sodann aber auch als ein spinales -Reizmittel.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Sensorium</em> zeigt sich bei den leichten Graden der Vergiftung -intakt. In den höheren Graden sind starke psychische Depression, -ein dummkollerartiges Benehmen, sowie ausgesprochene und anhaltende -<em class="gesperrt">Schlafsucht</em> zu konstatieren. Namentlich beim Rind, Kalb und -Pferd ist ein 12–24stündiger ununterbrochener Schlaf, ja selbst ein -tagelang andauernder schlafsüchtiger Zustand nachzuweisen. Diese -intensive hypnotische Wirkung ist sehr bemerkenswert. Nur vereinzelt -gehen ihr starke psychische Erregungserscheinungen voraus (Brüllen, -Vorwärtsstürzen, gegen die Wand rennen beim Kalb). Die höchsten -bezw. letalen Grade der Vergiftung äussern sich in einer allgemeinen -<em class="gesperrt">Lähmung</em>. Der lähmungsartige<span class="pagenum" id="Seite_314">[S. 314]</span> Zustand erinnert an das Bild der -Koniin- oder Morphinlähmung, dauert bei der tödlichen Vergiftung -mehrere Tage an und führt durch Ausbildung eines Lungenödems zum Tod.</p> - -<p>Sehr charakteristisch und von hervorragender diagnostischer Bedeutung -für die Santoninvergiftung ist die <em class="gesperrt">Rotgelbfärbung</em> des -<em class="gesperrt">Harns</em>. Der Harn zeigt die Farbe des chromsauren Kalis bezw. -einer konzentrierten Müllerschen Flüssigkeit. Diese rotgelbe Farbe des -Harns war bei allen Versuchstieren: Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Hund in -gleich intensiver Weise vorhanden. Von diagnostischer Bedeutung ist -ferner die auf Zusatz von Laugen eintretende schöne Farbenreaktion -(Uebergang des Chromgelb in Karminrot). Die Rotfärbung des Harns ist -bereits eine Stunde nach dem Eingeben des Santonins nachzuweisen. -Aus diesem Umstand ergibt sich, dass das an sich unlösliche, und -daher ungiftige Santonin im Magendarmkanal sehr rasch in eine leicht -lösliche, giftige und resorbierbare Verbindung umgewandelt wird.</p> - -<p>Von den übrigen Symptomen sind noch erwähnenswert eine erhebliche -<em class="gesperrt">Beeinträchtigung des Sehvermögens</em>, <em class="gesperrt">Myosis</em>, die -<em class="gesperrt">Steigerung des Geschlechtstriebs</em> bei den männlichen -sowohl, wie bei den weiblichen Versuchstieren, geringgradige -<em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">Verstopfung</em> und <em class="gesperrt">Durchfall</em>, -sowie als Ausdruck einer pilokarpinartigen Reizung der Speichel- -und Schleimdrüsen <em class="gesperrt">Speicheln</em> und <em class="gesperrt">Nasenausfluss</em>. <em class="gesperrt">Der -Sektionsbefund bei der Santoninvergiftung ist im allgemeinen -negativ.</em> Mit Ausnahme parenchymatöser Veränderungen in -den Nieren, in der Leber, sowie in der Muskulatur lassen sich -anatomische Veränderungen nicht nachweisen. Am stärksten scheint das -Nierenparenchym durch das Santonin beschädigt zu werden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Grad der Giftigkeit.</b> Bei der Wirkung des Santonins bildet -einen Hauptfaktor das Alter der Tiere in der Weise, dass Säuglinge -pro kg Körpergewicht etwa 100mal, halberwachsene Tiere etwa 2–4mal -empfindlicher gegen Santonin sind als erwachsene Tiere. Ein 10 -Jahre alter, 6 kg schwerer <em class="gesperrt">Versuchshund</em> zeigte nach der -Verabreichung von 10 g Santonin (= 1,7 g pro kg Körpergewicht) -keine erheblichen Störungen, während in dem von mir beobachteten -Vergiftungsfall 0,06 g Santonin ausreichten, um einen 3 kg schweren, -6 Wochen alten Hund schwer zu vergiften. Die giftige Dosis betrug -mithin 0,02 g Santonin pro kg Körpergewicht! Das erwachsene Tier -verhält sich zum jungen wie 1,7 : 0,02, d. h. wie 85 : 1. Bei einem -halberwachsenen, 10 Monat alten <em class="gesperrt">Bullenkalb</em> im Gewicht von -147 kg traten nach 100 g Santonin (0,7 pro kg Körpergewicht), -bei einer erwachsenen, 6 Jahre alten Kuh im Gewicht von 360 kg -dagegen erst nach 500 bezw. 1000 g Santonin (1,5 bezw. 3,0 pro kg -Körpergewicht) schwere Vergiftungserscheinungen auf. Kalb und Kuh -verhalten sich demnach<span class="pagenum" id="Seite_315">[S. 315]</span> wie 1,5 bezw. 3,0 : 0,7, also wie 2–4 : 1. Die -tödliche Santonindosis beträgt für das erwachsene Schaf 2 g pro kg -Körpergewicht. Nach meinen Versuchen starb nämlich ein 2jähriges, 27 -kg schweres Schaf auf die Verabreichung von 50 g Santonin. Dagegen -blieb ein anderes erwachsenes, 37 kg schweres Schaf nach derselben -Dosis am Leben. Im Gegensatz zu den übrigen Tieren wurden bei den -Versuchsschafen Krämpfe nicht beobachtet.</p> - -<p>Erwachsene Tiere in höherem Alter können sich sogar so an das -Santonin gewöhnen, dass es schwer ist, sie mit dem Mittel zu -vergiften. Die oben erwähnte Kuh erhielt zusammen 1935 g, also nahezu -2 kg Santonin. Ich suchte sie zuerst durch 100, dann durch 250, dann -durch 500 und zuletzt durch 1000 g (1 kg) Santonin zu töten. Als sich -auch die letztgenannte Dosis nicht als ausreichend erwies, stand ich -von weiteren Versuchen ab, da sich das Tier dem Santonin gegenüber -ähnlich indolent erwies, wie beispielsweise Kühe dem Kochsalz und -Glaubersalz gegenüber. Ganz dieselbe Wahrnehmung wurde bei dem -10jährigen kleinen Hund gemacht, bei welchem ich von der Tötung durch -Santonin ebenfalls Abstand nehmen musste, da er im ganzen 18,75 -g ohne viel Schaden ertrug und selbst auf 10 g des Mittels wenig -reagierte, und ihm diese 10 g schon ziemlich schwer wegen der relativ -grossen Menge des Pulvers beizubringen waren. Diese Angewöhnung -älterer Tiere an Santonin bildet gewissermassen ein Analogon zu der -von <em class="gesperrt">Ehrlich</em> nachgewiesenen künstlichen Immunität der Tiere -gegen Rizin und Abrin; man könnte nach obigen Versuchen ebenfalls von -„santoninfesten“ Tieren sprechen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Adlerfarnkraut">Vergiftung durch Adlerfarnkraut, -Pteris aquilina.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der Adlerfarn oder Adlersaumfarn (Jesus -Christuswurz), Pteris aquilina (Polypodiazee), ist ein auf Heiden und -in lichten Wäldern vorkommendes Farnkraut mit einem unterirdischen, -federkieldicken, bis meterlangen, verzweigten Rhizom und zweizeilig -entfernt stehenden Blättern, welche mit dem Stiel bis 4 m hoch -werden. Ein schiefer Querdurchschnitt durch den Blattstiel zeigt die -Gefässbündel in Form eines JC oder Adlers (daher die Benennung). Die -Wurzel wurde früher als Anthelminthikum angewandt; das durch Kochen -entbitterte Rhizom wird auf den Kanarischen Inseln gemahlen und zu -Brot gebacken. Der Adlerfarn enthält als giftigen Bestandteil die -<b>Pteritannsäure</b>, einen mit der <em class="gesperrt">Filixsäure</em> wahrscheinlich -identischen Körper.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Erscheinungen der Vergiftung durch -Adlerfarnkraut haben eine grosse Aehnlichkeit mit denjenigen der -Filixextraktvergiftung. Das Krankheitsbild ist ebenfalls durch -<em class="gesperrt">Störungen des Bewusstseins</em>, <em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, -<em class="gesperrt">Schwanken</em> und <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em> gekennzeichnet. Ein -Fall ist von <em class="gesperrt">Jarmer</em> (Magazin 1861) beschrieben worden. 24 Pferde -wurden einige Wochen hindurch mit Häckselstroh gefüttert, welches auf -einem neubebauten Heidelande gewachsen war und etwa ⅕ Adlerfarnkraut -enthielt. Sie zeigten Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verlust -des Gleichgewichts, Schwanken,<span class="pagenum" id="Seite_316">[S. 316]</span> Pupillenerweiterung, Injektion und -Gelbfärbung der Konjunktiva, verminderte Pulsfrequenz, Zusammenstürzen -und Krämpfe. 4 Pferde starben, 2 zeigten noch lange Zeit hindurch -motorische Lähmungserscheinungen, die übrigen genasen nach Verlauf von -14 Tagen. Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> der beiden gestorbenen Pferde fand -man starke Hyperämie des Gehirns und seiner Häute sowie Ansammlung von -Serum zwischen den Häuten des Kleinhirns und verlängerten Markes.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Rainfarnkraut">Vergiftung durch Rainfarnkraut, -Tanacetum vulgare.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der Rainfarn, Tanacetum vulgare, ist eine 1–2 -m hohe Komposite mit goldgelben Blüten von unangenehmem Geruch -und Geschmack (altes Wurmmittel). Sie enthält das <b>ätherische -Rainfarnöl</b>, nach andern das <em class="gesperrt">Tanazeton</em> oder <em class="gesperrt">Thujon</em>. -Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Peyraud</em> ist das ätherische -Tanazetumöl ein starkes Krampfgift für die höheren Tiere, indem es -wutähnliche Erscheinungen hervorruft. Diese sog. „Tanazetumwut“ -äussert sich in Krämpfen der Rückenmuskeln sowie der Muskulatur des -Schlundkopfes und Kehlkopfes, verbunden mit psychischer Erregung.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Eine Vergiftung bei 5 Rindern ist von -<em class="gesperrt">Wessel</em>, <em class="gesperrt">Wilster</em> u. <em class="gesperrt">Bugge</em> (B. T. W. 1907) -beobachtet worden. Die Erscheinungen bestanden in <em class="gesperrt">Taumeln</em>, -<em class="gesperrt">Kaukrämpfen</em> (Schaum vor dem Mund, Kaubewegungen), starker -<em class="gesperrt">Benommenheit</em> des <em class="gesperrt">Sensoriums</em> (dummkollerartigem Benehmen), -<em class="gesperrt">Nystagmus</em>, Pupillenverengerung und <em class="gesperrt">Erblindung</em>; 3 Rinder -starben.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Lupinenvergiftung">Lupinenvergiftung, Lupinose.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die zu der Familie der Papilionaceen (Abteilung -Genisteae) gehörende Gattung <em class="gesperrt">Lupinus</em> wird als Futterpflanze -besonders in Norddeutschland in verschiedenen Arten kultiviert. Die -wichtigsten derselben sind: 1. <em class="gesperrt">Lupinus luteus</em>, eine dicht -weichhaarige Pflanze mit goldgelben, wohlriechenden, festsitzenden -Blüten, neunzähligen Blättern und zottig rauhen Hülsen mit je 2–5 -nierenförmigen, schwarz- und weiss-gefleckten Samen. 2. <em class="gesperrt">Lupinus -albus</em>, eine weichzottige Pflanze mit weissen, geruchlosen -Blüten, siebenzähligen Blättern und kurzbehaarten Hülsen mit 2–5 -stumpfkantigen, gelblichweissen oder rötlichweissen Samen. 3. -<em class="gesperrt">Lupinus angustifolius</em>, eine kleinere, angedrückt weichhaarige -Pflanze mit kleinen blauen Blüten und zerstreut behaarten Hülsen mit -je 2–5 rundlich nierenförmigen, marmorierten Samen. Ausserdem können -giftig werden Lupinus Thermis, linifolius und hirsutis.</p> - -<p>Die Lupinensamen enthalten neben den Proteinsubstanzen (Konglutin) -einige Alkaloide (sogen. Lupinenalkaloide), nämlich das Lupinin, -Lupinidin und Lupanin, welche den bitteren Geschmack der Lupinen -bedingen. Die Giftigkeit der Lupinen wird jedoch nicht durch die -genannten Lupinenalkaloide, sondern durch ein anderes chemisches Gift -bedingt,<span class="pagenum" id="Seite_317">[S. 317]</span> welches sich mittels alkalisch gemachtem Wasser aus den -Lupinen ausziehen lässt. Auch durch den Regen wird wenigstens in den -oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenhaufen -das Gift ausgelaugt, so dass diese Schichten hierdurch ungiftig -werden. <em class="gesperrt">Arnold</em> und <em class="gesperrt">Schneidemühl</em> haben für dieses Gift -den Namen <b>Lupinotoxin</b> vorgeschlagen. Das besonders in den -Schalen, bezw. Hülsen und Körnern, aber auch in den übrigen Teilen -der Pflanze enthaltene Gift wird durch Extraktion mit 1½proz. -Sodalösung gewonnen. Im übrigen sind die Untersuchungen über den -Giftstoff der Lupinen nicht abgeschlossen. <em class="gesperrt">Kobert</em> hat das -Lupinotoxin von <em class="gesperrt">Arnold</em> und <em class="gesperrt">Schneidemühl</em> unwirksam -gefunden. Ueber die Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den -Lupinen ist nichts Sicheres bekannt. Vielleicht entsteht das Gift -als <em class="gesperrt">Umsatzprodukt parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender -Pilze</em>. Diese Annahme wird durch die Tatsache unterstützt, dass -die Lupinen nicht allgemein, sondern nur in gewissen Gegenden und zu -gewissen Zeiten giftig wirken. Einige Landwirte haben die Beobachtung -gemacht, dass die Lupinen nicht im ersten Jahr, sondern nur dann -giftig wirken, wenn sie mehrere Jahre auf demselben Felde angepflanzt -werden; ausserdem soll durch das Bestreuen der Lupinenäcker mit -künstlichem Dünger die Lupinose verhütet werden (Mitteilung von -<em class="gesperrt">Sonnenberg</em>-Ostrowo).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Giftwirkung der Lupinen zeigt eine sehr -grosse Aehnlichkeit mit der Wirkung des Phosphors. Die Lupinen -veranlassen <em class="gesperrt">Verfettung</em> und <em class="gesperrt">akute gelbe Atrophie</em> -der <em class="gesperrt">Leber</em> mit <em class="gesperrt">Icterus gravis</em>, <em class="gesperrt">parenchymatöse -Nephritis</em> und <em class="gesperrt">Gastritis</em>, <em class="gesperrt">Herzverfettung</em>, <em class="gesperrt">fettige -Degeneration der Skelettmuskulatur</em>, <em class="gesperrt">Eingenommenheit der -Psyche</em>, <em class="gesperrt">Schwäche</em> und <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>. Die -Krankheitserscheinungen der Lupinose, welche als Herdekrankheit -bei <em class="gesperrt">Schafen</em>, namentlich in Norddeutschland, ausserdem -vereinzelt bei Ziegen, Pferden, Rindern, Schweinen und beim Damwild -beobachtet wurde, sind folgende: Die Tiere zeigen zunächst einen -verminderten und später ganz <em class="gesperrt">aufgehobenen Appetit</em>, sowie -Symptome einer <em class="gesperrt">fieberhaften</em> Krankheit (Temperaturerhöhung, -Pulsbeschleunigung). Nach einigen Tagen tritt eine <em class="gesperrt">ikterische</em> -Verfärbung der Konjunktiva und Sklera und späterhin auch der -Haut und der übrigen Schleimhäute auf. Dieselben gelbsüchtigen -Erscheinungen können jedoch auch fehlen. Ausserdem beobachtet -man teils <em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, starke <em class="gesperrt">Eingenommenheit</em> des -<em class="gesperrt">Sensoriums</em>, welche sich bis zur <em class="gesperrt">Bewusstlosigkeit</em> steigern -kann, und <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>, teils <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em> -und <em class="gesperrt">Kaukrämpfe</em> (Trismus). Der Kotabsatz ist im Anfang meist -verzögert, später wird der Kot zuweilen teerartig, blutig und -diarrhoisch. Der Harn ist gelb gefärbt und enthält Gallenfarbstoffe, -Gallensäuren, Eiweiss, Harnzylinder, Nierenzellen, Rundzellen und -Blasenepithelzellen. Die<span class="pagenum" id="Seite_318">[S. 318]</span> Atmung ist gegen das Ende der Krankheit -beschleunigt und erschwert: zuweilen besteht ein schleimiger oder -blutig-schleimiger Nasenausfluss. Bei Pferden hat man ausserdem schwere -zerebrale Depressionszustände, sowie schwere ulzeröse Entzündung -der Maulschleimhaut und Nasenschleimhaut (Rotzverdacht) beobachtet. -Schweine zeigen zuweilen anhaltende Schlafsucht.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> der Lupinose ist entweder <em class="gesperrt">akut</em>, wobei -der tödliche Ausgang schon innerhalb 1–2 Tagen erfolgen kann, -meist indessen erst nach 4–5tägiger Krankheitsdauer eintritt, oder -<em class="gesperrt">chronisch</em>, wenn eine fortgesetzte Fütterung von nur geringgradig -giftigen Lupinen stattfindet. Diese chronische Lupinose verläuft meist -ohne Ikterus unter dem Bild der Bleichsucht und Kachexie; ausserdem -beobachtet man zuweilen Hautausschläge, namentlich am Kopf, sowie die -Erscheinungen des Nasen- und Konjunktivalkatarrhs. (Ausführlichere -Angaben über die Lupinose finden sich in dem Lehrbuch der speziellen -Pathologie u. Therapie von <em class="gesperrt">Friedberger</em> und <em class="gesperrt">mir</em>, 7. Aufl. -1908.)</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Die wichtigsten Veränderungen weist die -<em class="gesperrt">Leber</em> auf. Sie zeigt das Bild der <em class="gesperrt">akuten parenchymatösen -Hepatitis</em> mit <em class="gesperrt">fettiger Entartung</em> der <em class="gesperrt">Leberzellen</em> -und <em class="gesperrt">akuter gelber Leberatrophie</em>. Die Leberzellen zeigen -zunächst starke körnige Trübung und fettige Degeneration, wodurch eine -Vergrösserung der Leber bedingt ist. Hieran schliesst sich später -infolge Resorption des Inhaltes der Leberzellen eine Verkleinerung -der Leber (akute gelbe Leberatrophie). Ausserdem ist die Leber -hochgradig ikterisch verfärbt, von zitronengelber, ockergelber oder -rotgelber Farbe. Bei der chronischen Lupinose findet man <em class="gesperrt">chronische -interstitielle Hepatitis</em> mit Verkleinerung, Schrumpfung, -Induration und höckeriger Oberfläche der Leber. Die <em class="gesperrt">Nieren</em> -zeigen das Bild der <em class="gesperrt">parenchymatösen Nephritis</em> mit körniger -Trübung des Nierenepithels und Ansammlung von Exsudatzylindern in den -Harnkanälchen; ausserdem kann eine katarrhalische <em class="gesperrt">Zystitis</em> -zugegen sein. Die Schleimhaut des <em class="gesperrt">Digestionsapparates</em> zeigt -entzündliche Rötung, katarrhalische Schwellung, <em class="gesperrt">Hämorrhagien</em>, -sowie glanduläre Entzündung (<em class="gesperrt">Gastritis glandularis</em>). Die -<em class="gesperrt">Muskulatur</em> des Herzens, sowie die Körpermuskulatur zeigt -<em class="gesperrt">körnige</em> und <em class="gesperrt">fettige Degeneration</em>, graugelbe Verfärbung, -Brüchigkeit und Neigung zu rascher Fäulnis. In den meisten Organen -finden sich <em class="gesperrt">kapilläre Hämorrhagien</em>.<span class="pagenum" id="Seite_319">[S. 319]</span> Endlich findet man die -Schleimhäute, die Bauchhaut, die Subkutis, das Netz und das Gekröse -<em class="gesperrt">gelb</em> gefärbt.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Als chemische Gegengifte gegen das Lupinotoxin -werden <em class="gesperrt">verdünnte Säuren</em> empfohlen, welche das Gift unlöslich -machen sollen. Dagegen sind Alkalien wegen der Beschleunigung der -Resorption zu vermeiden. Von Säuren sind zu nennen der Essig, verdünnte -Schwefelsäure, Salzsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure und Weinsäure. -Als Abführmittel werden <em class="gesperrt">Rizinusöl</em> und <em class="gesperrt">Krotonöl</em> dem -Glaubersalz vorgezogen, weil letzteres die Lösung des Lupinotoxins -beschleunigen soll. Gegen die Depressionserscheinungen sind -<em class="gesperrt">Exzitantien</em> (Aether, Kampfer, Alkohol, Ammonium carbonicum) -anzuwenden. Ausserdem hat natürlich die weitere Fütterung von Lupinen -zu unterbleiben.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Nachweis</em> der Vergiftung wird durch die Untersuchung des -Futters geliefert. Ausser den Lupinensamen wirken die Lupinenschalen -und das Lupinenstroh giftig. Zuweilen kommt es auch vor, dass -Lupinenvergiftungen durch Verfälschung anderer Futterstoffe mit Lupinen -bedingt werden, z. B. von Oelkuchen, welche mit Lupinenschrot gemischt -sind. In diesem Fall wird der Nachweis durch Lupen- und mikroskopische -Untersuchung geführt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p id="Vergiftung_durch_Wicken"><b>Vergiftung durch Wicken.</b> Nach der Verfütterung von -Wicken hat man bei Pferden, Rindern und Schweinen eigenartige -Vergiftungserscheinungen beobachtet, welche zuweilen <em class="gesperrt">Aehnlichkeit -mit dem Bild der Lupinose</em> zeigten. <em class="gesperrt">Stöhr</em> (B. T. W. 1892) -beobachtete bei Pferden nach ausschliesslicher Wickenfütterung -<em class="gesperrt">Abmagerung</em>, völlige <em class="gesperrt">Kahlheit</em>, <em class="gesperrt">Ikterus</em>, -orangefarbene Konjunktiva, pochenden Herzschlag, 60–100 Pulse p. M., -sowie Temperaturverminderung; die Sektion ergab auffallend grosse, -<em class="gesperrt">orangefarbige Leber</em>. Auf einem andern Gute, wo pro Pferd und -Tag 15 Pfund halb Wickenschrot, halb ganze Wicken und daneben noch -Wickenheu gefüttert wurden, starben von 60 Pferden 10. Dieselben -waren allmählich stark abgemagert, hatten die Haare verloren und -waren unter Kolikerscheinungen verendet; bei der Obduktion fand man -Darmentzündung, sehr grosse, dunkelbraune Leber und Milzschwellung. -Bei Ochsen entwickelte sich ein der <em class="gesperrt">Schlempemauke</em> ähnliches -Hautleiden mit trockenem <em class="gesperrt">Absterben wunder Hautstellen</em>. -Gleichzeitig starben 80 Schweine infolge von Darmentzündung und -Leberschwellung. — <em class="gesperrt">Wenke</em> (Berl. Arch. 1894) sah nach der -Wickenfütterung bei Pferden <em class="gesperrt">Schwäche</em> und <em class="gesperrt">Lähmung</em> des -<em class="gesperrt">Hinterteils</em>, sowie Tod nach wenigen Tagen; <em class="gesperrt">Mason</em> (Vet. -journ. 1896) bei 4 Pferden <em class="gesperrt">Amaurose</em>, <em class="gesperrt">Hufentzündung</em> und -Trismus.</p> - -<p>Nach der Verfütterung der <b>Zottelwicke</b> (Sandwicke, Vicia -villosa), auf der in Unmenge Jassus sexnotatus (Zwergzikade) lebte, -erkrankten 36 Rinder, von welchen 6 starben. Die Tiere zeigten -Quaddeln, zunächst am Kopf und Hals, welche sich später über den -ganzen Körper ausbreiteten, Husten, herpetischen Ausschlag im Maul, -Rötung und Zyanose der<span class="pagenum" id="Seite_320">[S. 320]</span> Schleimhäute, eitrigen Nasenausfluss, -Rasselgeräusche in der Lunge, Haarausfall, gänzlich unterdrückte -Futteraufnahme, Verfall der Kräfte, keuchende Atmung, dagegen freies -Sensorium bis zu dem nach 12–15 Tagen eintretenden Tod. Die Sektion -ergab blutig-seröse Ergüsse unter der Haut, entsprechend dem Sitze -der Quaddeln, ausgebreitete Entzündung in den ersten 3 Mägen, einmal -katarrhalische Entzündung des Labmagens, hochgradige Bronchitis und -beginnende Bronchopneumonie, Glottisödem, punktförmige Blutungen -im Myokard, lehmfarbige Leber, sowie vereinzelt Peritonitis und -Nephritis (<em class="gesperrt">Röder</em>, Sächs. Jahresber. 1893).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schachtelhalm">Vergiftung durch Schachtelhalm. -Equisetum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die Gattung <em class="gesperrt">Equisetum</em>, -<em class="gesperrt">Schachtelhalm</em> (Katzenstert, Duwock) bildet einen Ueberrest -verloren gegangener Kryptogamen der Vorwelt, welche besonders auf -sumpfigem Boden und im Wasser wachsen. Die Schachtelhalme sind -charakterisiert durch ein unterirdisches, kriechendes Rhizom, -aufrechten, gegliederten, hohlen, von gestreckten Internodien -unterbrochenen Stengel, kleine, rudimentäre, schildförmige, -quirlständige, zu trockenhäutigen, gezahnten Scheiden verwachsene -Blätter mit Sporenbehältern an der Unterseite. Die wichtigsten Arten -sind: 1. <em class="gesperrt">Equisetum arvense</em>, der Ackerschachtelhalm oder -das Heermoos, mit vierkantigen, rauhen Aesten und einem Stengel, -welcher im Frühjahr rötlich und im Sommer grün ist. 2. <em class="gesperrt">Equisetum -palustre</em>, der Sumpfschachtelhalm (Kuhmoos), mit gefurchtem, -rauhem, einfach ästigem Stengel und sechszähnigen Scheiden. 3. -<em class="gesperrt">Equisetum limosum</em>, der Schlammschachtelhalm, mit einfachem, -glattem, bis 80 cm hohem Stengel und zwanzigzähnigen Scheiden. -Seltener sind Vergiftungen durch <em class="gesperrt">Equisetum hiemale</em>.</p> - -<p>Der Schachtelhalm ist ähnlich wie die Lupinen je nach dem Standort -und Klima eine bald giftige, bald ungiftige Futterpflanze, welche -gleich jenen an Giftigkeit verliert, wenn sie durch den Regen -ausgelaugt wird. Der Giftstoff selbst ist nicht genauer bekannt. -Vielleicht wird derselbe ebenfalls, wie man dies bei den Lupinen -annimmt, indirekt durch <em class="gesperrt">Befallungspilze</em> erzeugt. Nach -<em class="gesperrt">Pancerzynski</em> soll ein <em class="gesperrt">alkaloidartiger</em> Stoff, nach -<em class="gesperrt">Lohmann</em> das Alkaloid <b>Equisetin</b>, nach <em class="gesperrt">Ludewig</em> -die <em class="gesperrt">Akonitsäure</em> der giftige Bestandtteil sein (die letztere -Annahme wurde von <em class="gesperrt">Reinecke</em> widerlegt). Nach <em class="gesperrt">Richter</em> -(Dessau) prädisponiert vielleicht die gleichzeitige Aufnahme -reizender Gräser (Riedgräser) zur Vergiftung durch den sonst -unschädlichen Schachtelhalm. Vielleicht gehören manche Fälle von -angeblicher Equisetumvergiftung ins Kapitel Pilzvergiftung (vergl. S. -335).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Der im Schachtelhalm -enthaltene Giftstoff besitzt eine <em class="gesperrt">lähmende</em> Wirkung auf das -<em class="gesperrt">Rückenmark</em> und das <em class="gesperrt">Kleinhirn</em>. Equisetumvergiftungen -sind bei Pferden, Rindern und Schafen beobachtet und von alters -her mit dem Namen „<em class="gesperrt">Taumelkrankheit</em>“ bezeichnet worden. -Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in <em class="gesperrt">gesteigerter -Reflexerregbarkeit</em>, auffallender <em class="gesperrt">Schreckhaftigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Aufregung</em> und <em class="gesperrt">Aengstlichkeit</em>, sowie <em class="gesperrt">Unsicherheit</em> -im <em class="gesperrt">Gang</em> und in den <em class="gesperrt">Körperbewegungen</em>.<span class="pagenum" id="Seite_321">[S. 321]</span> Später -beobachtet man <em class="gesperrt">Schwanken</em> und <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Lähmung</em> -des <em class="gesperrt">Hinterteils</em>, <em class="gesperrt">Zusammenstürzen</em>, sowie <em class="gesperrt">allgemeine -Lähmung</em>. Die Futteraufnahme ist meist längere Zeit hindurch trotz -der schweren motorischen Störungen normal, auch das Bewusstsein ist -gewöhnlich erst in den späteren Stadien der Vergiftung gestört. Der -Verlauf der Krankheit kann sehr akut sein, indem der Tod zuweilen schon -innerhalb einiger Stunden oder eines Tages eintritt. Häufiger ist eine -längere Krankheitsdauer von mehreren (2–8) Tagen. Ausserdem kann sich -bei fortgesetzter Aufnahme kleinerer Mengen des Schachtelhalms auch -eine chronische Vergiftung ausbilden, welche unter den Erscheinungen -der Abmagerung und Kachexie, verbunden mit lähmungsartiger Schwäche, -verläuft.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man angeblich Hyperämie, ödematöse -Durchtränkung, sowie Ansammlung seröser Flüssigkeit in den Häuten des -Kleinhirns und Rückenmarkes.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Vor allem muss mit der Fütterung gewechselt werden. -In leichteren Fällen der Erkrankung genügt diese Massregel allein. Bei -schwereren Erkrankungen sind neben Abführmitteln <em class="gesperrt">Exzitantien</em> -anzuwenden. Da die Vergiftung vorwiegend unter dem Bild einer spinalen -Lähmung verläuft, sind besonders <em class="gesperrt">Strychnin</em> (0,05–0,1 für -Pferde), <em class="gesperrt">Veratrin</em> (ebensoviel) und <em class="gesperrt">Koffein</em> (5–10,0) als -erregende Mittel für das Rückenmark und die Muskulatur anzuwenden. -Ausserdem empfiehlt sich die Verabreichung von kleinen Dosen -<em class="gesperrt">Aether</em>, <em class="gesperrt">Kampfer</em>, <em class="gesperrt">Alkohol</em>, <em class="gesperrt">Salmiakgeist</em>, -<em class="gesperrt">Ammonium carbonicum</em>, <em class="gesperrt">Atropin</em> oder <em class="gesperrt">Hyoszin</em>.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die Literatur der Equisetumvergiftung bei -den Haustieren (Pferd, Rind, Schaf) ist sehr reichhaltig. -<em class="gesperrt">Allemeier</em> (Berl. Arch. 1890) beobachtete bei 3 Pferden, deren -Futter lediglich aus Schachtelhalm (Equisetum hiemale) bestanden -hatte, Schwanken, leichtes Umfallen, mühsames Wiederaufrichten, sowie -Lähmung des Hinterteils; der Appetit war während der Krankheitsdauer -gut. Nach eingeführtem Futterwechsel trat im Verlauf von 2–6 Wochen -allmählich Besserung und Heilung ein. — <em class="gesperrt">Schmidt</em> (Adams -Wochenschr. 1875) fand bei fünf Fohlen nach der Verfütterung von -Equisetum auffallende Schreckhaftigkeit, indem sie bei dem geringsten -Geräusch zusammenfuhren, ausserdem Taumeln, schwankende Bewegung und -Umknicken. Dabei war das Sensorium frei, der Appetit normal, die -Respiration regelmässig. 4 Fohlen genasen, 1 starb; bei der Sektion -fand man als Haupterscheinung eine Hyperämie des Kleinhirns. — -<em class="gesperrt">Pelschimofski</em> (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1886) berichtet, -dass die Equisetkrankheit unterhalb Bozens an den Ufern der Etsch -häufig vorkommt, indem die tiefliegenden Wiesen von Equisetum -palustre und arvense bewachsen sind. Dagegen kommt die Krankheit in -hochgelegenen Gemeinden nicht vor. In den ersten Tagen der Erkrankung -zeigen die Tiere leichte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit, -ängstlichen und unsicheren Gang auf den Hinterbeinen, sowie leichtes -Schwanken mit der Nachhand. Später zeigt sich eine Zunahme der -Unsicherheit<span class="pagenum" id="Seite_322">[S. 322]</span> im Gehen, stärkeres Schwanken, sowie wechselnder -Appetit, worauf eine Lähmung der Nachhand und zuletzt auch -Lähmung des Vorderkörpers folgt; die Sensibilität ist während der -ganzen Krankheitsdauer erhalten. Der Tod tritt durchschnittlich -nach 6–14 Tagen ein. Die Prognose ist im allgemeinen günstig, -bei ausgeprägtem Schwanken dagegen ungünstig. — <em class="gesperrt">Dominik</em> -(Preuss. Mitt. 1858) fand bei einem Pferd, welches während des -Lebens Schwäche im Hinterteil, taumelnden, unregelmässigen Gang, -Schreckhaftigkeit, Aufregung und Zusammenstürzen bei sonst normalen -Funktionen gezeigt hatte, bei der Sektion Ansammlung von Serum -in den Rückenmarkshäuten. — <em class="gesperrt">Leistikow</em> (Berl. Arch. 1892) -sah bei 3 Pferden Erscheinungen der akuten Kreuzlähmung, gesenkte -Kopfhaltung, serös-eitrigen Augenausfluss, starke Schwellung der -Lider und Konjunktiven, randförmige Trübung der Kornea, schwankenden -Gang und starkes Einknicken der Hintergliedmassen. — <em class="gesperrt">Rind</em> (B. -T. W. 1894) hat in der Danziger Niederung oftmals Equisetumvergiftung -und zwar ausschliesslich in den Monaten Januar bis Mai und bei -solchen Pferden beobachtet, welche kein Körnerfutter erhielten. Die -Erscheinungen bestanden in unsicherem Gang, Muskelschmerzen, Schwäche -der Nachhand und Lähmung. — 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme -grosser Mengen von Equisetum arvense im Streustroh unter dem Bilde -der Kreuzlähmung bei vollständiger freier Psyche und gutem Appetit; -eines davon starb an allgemeiner Lähmung. Die leicht erkrankten -Pferde erholten sich in 8 Tagen; bei 3 schwerer kranken hielt die -lähmungsartige Schwäche mehrere Monate an, 2 davon genasen erst -nach 4 Monaten (Pr. Mil.-Vet.-Ber. 1896). — <em class="gesperrt">Pruns</em> (B. T. -W. 1899) bezweifelt, dass die Taumelkrankheit, welche er im Winter -1899/1900 mehrmals bei Pferden beobachtet hat, durch Equisetum -veranlasst wird, da sie wiederholt in Besitzungen aufgetreten -ist, deren Ländereien frei von Equisetum sind. — <em class="gesperrt">Löfmann</em> -(Finische Vet.-Zeit. 1901) sah bei einem Pferde, welches 4 Monate -Equisetumheu gefressen hatte, Bewegungen wie bei einem trunkenen -Menschen; der Appetit war gut. Nach 4 Tagen trat vollständige -Heilung ein. — <em class="gesperrt">Zix</em> (Woch. f. Tierheilk. 1905) hält eine -bei Militärpferden in Landau aufgetretene Erkrankung, die sich in -Schwanken, Taumeln und Lähmung der Hinterhand bei sonst ungestörtem -Allgemeinbefinden äusserte, für eine Schachtelhalmvergiftung. — -<em class="gesperrt">Ludewig</em> und <em class="gesperrt">Wünsch</em> (Zeitschr. f. Vet. 1902) halten -die im Sommer 1902 bei der 1. Eskadron des 2. Leibhusarenregiments -in Danzig aufgetretene Massenerkrankung (sog. „Lendenmarkseuche“) -auf Grund des Krankheitsbildes, der Futteruntersuchung und -eines Fütterungsversuches für Schachtelhalmvergiftung. Die -Krankheitserscheinungen bestanden hauptsächlich in Lähmung der -Hinterhand, des Schweifes, der Blase und des Penis bei gutem Appetit, -freiem Bewusstsein und Fieberlosigkeit. Von seiten des Proviantamts -wurde gegen die Diagnose Schachtelhalmvergiftung geltend gemacht, -dass das beschuldigte, aus der Danziger Niederung stammende Heu -nur 0,04 Prozent Schachtelhalm enthielt, während bei anderen -Truppenteilen Heu mit einem Schachtelhalmgehalt bis zu 0,3 Proz. -ohne jeden Schaden verfüttert wurde, dass das fragliche Heu ferner -seit Monaten an sämtliche Pferde der Danziger Garnison ohne Nachteil -verabreicht wurde (nur die 1. Eskadron des 2. Leibhusarenregiments -erkrankte), und dass die Krankheit noch fortdauerte, trotzdem seit -einigen Wochen ganz schachtelhalmfreies Heu verfüttert wurde. — -<em class="gesperrt">Lohmann</em> (Arb. d. Deutschen Landw.-Ges. 1905; Fortschr. -d. Vet.-Hyg. 1903) glaubt, dass nicht die Akonitsäure, sondern -alkaloidartige Nerven- und Muskelgifte die Schachtelhalmvergiftung -veranlassen („Equisetin“). Er fand solche jedoch in grösserer -Menge nur in Equisetum palustre. 600 g der frischen oder 150 -g der lufttrockenen Pflanze genügten, um ein junges Kaninchen -innerhalb einer Woche unter krampfartigen Erscheinungen verenden -zu lassen. Von Equisetum silvaticum waren über 3 kg frisches Kraut -nötig, um Kaninchen zu töten. Als ungiftig erwiesen sich auch bei -monatelanger, fast ausschliesslicher Fütterung Equisetum arvense, -pratense, maximum und limosum. — <em class="gesperrt">Reinecke</em> (Monatshefte f. -prakt. Tierheilkde. 1903) hat Versuche mit Akonitsäure an Pferden -angestellt und bewiesen, dass diese ganz indifferente Säure nicht -das Schachtelhalmgift sein kann; Pferde ertrugen pro Tag 30 g, in -5 Tagen sogar 95 g Akonitsäure, ohne Krankheitserscheinungen zu -zeigen. — <em class="gesperrt">Pancerzynski</em> (Beitr. z. Kenntnis des Equis. pal. -und limosum. Dorpat 1890) fand bei seinen Versuchen, dass Equisetum -palustre<span class="pagenum" id="Seite_323">[S. 323]</span> auf Wiederkäuer in hohem Grade giftig wirkte, während -es von Pferden ohne Schaden aufgenommen wurde. Das umgekehrte -Verhältnis besteht bei Equisetum limosum. Die entgegengesetzten -Angaben der Literatur sollen auf einer Verwechslung der beiden -Arten beruhen (?). — Der <em class="gesperrt">Preuss. Vet.-Ber.</em> pro 1906 -enthält einen Fall von Schachtelhalmvergiftung bei 3 Pferden -(Schreckhaftigkeit, unsicherer und taumelnder Gang; Heilung 3 Wochen -nach Futterwechsel). — <em class="gesperrt">Richter</em> (B.T.W. 1907) beschreibt 2 -Fälle von Schachtelhalmvergiftung beim Pferd; auffallend war der -grosse gleichzeitige Gehalt des Futters an Riedgräsern (Karex), -die vielleicht durch Reizung der Darmschleimhaut zur Vergiftung -prädisponieren.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Buchweizen">Vergiftung durch Buchweizen, -Fagopyrismus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Der <em class="gesperrt">Buchweizen</em>, <em class="gesperrt">Polygonum Fagopyrum</em> -(Fagopyrum esculentum, Heidekorn, Heidegrütze) ist eine ursprünglich -aus dem Orient stammende einjährige, krautartige Polygonazee mit -endständiger, doldentraubiger Blüte und glänzenden, grauen, oft braun -marmorierten, scharfkantigen, 5–6 mm grossen Früchten. Der Buchweizen -ist eine häufig kultivierte Futterpflanze (Polygonum Persicaria wird -seltener angebaut), welche unter gewissen Umständen Vergiftungen -bei Schafen und Schweinen, seltener bei Ziegen, Rindern und Pferden -bedingt, und zwar sowohl im grünen, namentlich im blühenden Zustand, -als auch in Form des Strohs, der Stoppeln, des Spreus, Kaffs und der -Körner. Als Ursachen der Giftwirkung wurden <b>Befallungspilze</b> -angenommen. Nach <em class="gesperrt">Koefeld</em> soll der Buchweizen einen roten -Stoff, das <em class="gesperrt">Fluorophyll</em> enthalten, der die Ursache des -Hautausschlags sein soll („biologischer Sensibilator“). Nach -<em class="gesperrt">Oemke</em> lässt sich der Giftstoff durch Alkohol ausziehen (vergl. -unten). Vergiftungen ereigneten sich insbesondere bei gleichzeitiger -<em class="gesperrt">Einwirkung</em> des <em class="gesperrt">Sonnenlichts</em> und bei <em class="gesperrt">weissen</em> -oder weissscheckigen Tieren während des Weidegangs, viel seltener -bei Stallfütterung und bei bewölktem Himmel; schwarze oder schwarz -angestrichene Tiere erkrankten nicht. In den letzten 20 Jahren sind -Vergiftungen durch Buchweizen nur selten vorgekommen, vielleicht -deshalb, weil die Körner nur noch ausnahmsweise an Tiere verfüttert, -sondern meist zu Gries und Grütze verarbeitet werden. (Genaueres über -das Vorkommen des Fagopyrismus findet sich in der Speziellen Pathol. -und Therapie von <em class="gesperrt">Friedberger</em> und <em class="gesperrt">mir</em>, 1908, 7. Aufl.).</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Der giftige Buchweizen enthält einen -<em class="gesperrt">scharf-narkotischen</em> Stoff, welcher auf Haut und -Schleimhäute eine <em class="gesperrt">entzündungserregende</em>, innerlich auf das -Zentralnervensystem eine <em class="gesperrt">krampferregende</em> und <em class="gesperrt">betäubende</em> -Wirkung ausübt. Die Vergiftungserscheinungen bestehen hauptsächlich -in einer <em class="gesperrt">Hautentzündung</em> am <em class="gesperrt">Kopf</em>, sowie an den -weissen Körperstellen. Die Haut ist <em class="gesperrt">höher gerötet</em> und -<em class="gesperrt">geschwollen</em>, gleichzeitig besteht starker <em class="gesperrt">Juckreiz</em>. -In höheren Graden zeigt die Haut die Erscheinungen einer -<em class="gesperrt">vesikulären</em>, <em class="gesperrt">bullösen</em>, <em class="gesperrt">phlegmonösen</em> und selbst -<em class="gesperrt">gangräneszierenden Dermatitis</em> (Kopfrose, Blatterrose der -Schafe). Aehnliche Erscheinungen treten auch an den Kopfschleimhäuten -auf (<em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, <em class="gesperrt">Laryngitis</em>, <em class="gesperrt">Stomatitis</em>,<span class="pagenum" id="Seite_324">[S. 324]</span> -<em class="gesperrt">Bronchitis</em>). Wahrscheinlich handelt es sich bei der Entzündung -der Haut und Schleimhäute um die Ausscheidung eines scharfen Stoffes -aus dem Blute (<em class="gesperrt">toxisches Exanthem</em>). Dabei zeigen die Tiere -oft starke <em class="gesperrt">Aufregung</em> und <em class="gesperrt">Unruhe</em>, zuweilen sogar -<em class="gesperrt">tobsuchtartige Zufälle</em>.</p> - -<p>In vielen Fällen beschränkt sich die Vergiftung auf die beschriebene -Hautaffektion; sog. <em class="gesperrt">Buchweizenausschlag</em>, <em class="gesperrt">Fagopyrismus</em>. -In anderen Fällen beobachtet man auch zerebrale Erregungs- -und Lähmungserscheinungen, welche sich in <em class="gesperrt">Krämpfen</em>, -<em class="gesperrt">Drehbewegungen</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">Schwindel</em> und -<em class="gesperrt">psychischer Benommenheit</em> äussern. Diese letzteren Symptome -können zusammen mit der Entzündung der Haut oder für sich allein -auftreten. Vereinzelt kommen ferner <em class="gesperrt">gastroenteritische Zufälle</em>, -sowie Erscheinungen der <em class="gesperrt">Blasenreizung</em> (Zystitis, Strangurie) zur -Beobachtung.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Prophylaktisch empfiehlt sich <em class="gesperrt">Stallfütterung</em> -und Vermeidung des Weidegangs im Sonnenschein. Kranke Tiere bleiben -ebenfalls im Stall und werden äusserlich mit <em class="gesperrt">entzündungswidrigen -Mitteln</em> (Bleiwasser), innerlich mit Abführmitteln behandelt.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Nach <em class="gesperrt">Klein</em> (Berl. Arch. 1890) traten bei -einer Schafherde nach dem Beweiden eines schlecht entwickelten -Buchweizenfeldes Rötung und schmerzhafte Schwellung der Gesichts- -und Kopfhaut, pustulöse Ekzeme der Lippen, starkes Juckgefühl, -Entzündung der Konjunktivalschleimhaut, hochgradige Gehirndepression, -Taumeln, Zuckungen und Zusammenbrechen auf; nach drei Stunden hatte -sich bei den Tieren die Fresslust wieder eingestellt, und nach -Ablauf von 5 Tagen waren alle wieder hergestellt. — <em class="gesperrt">Richter</em> -(Preuss. Mitt. 1871) beobachtete bei Schweinen, welche mit grossen -Mengen von Buchweizen gefüttert wurden, unterdrückte Futteraufnahme, -trockenen Kot, Harnzwang, Fieber, Atmungsbeschwerden und Krämpfe; -bei der Sektion der gefallenen Tiere fand man Entzündung der -Magendarmschleimhaut, heftige Entzündung des Blasenhalses, vereinzelt -selbst Blasenrupturen, endlich starke Lungen- und Gehirnhyperämie. -— <em class="gesperrt">Rabe</em> u. a. (Preuss. Mitt. Bd. 16 und N. F. Bd. 17) -konstatierten bei Pferden und Schweinen epileptiforme Anfälle und -Schwindelerscheinungen ohne entzündliche Veränderungen der Haut. -— <em class="gesperrt">Popow</em> (Petersburger Arch. f. Veterinärmedizin 1888) sah -junge weisse Schweine nach der Verfütterung von Buchweizenkleie -erkranken. Die schwarzen, bunten und roten Schweine blieben dagegen -gesund. Die Vergiftungen ereigneten sich nur im Frühling und Sommer -an warmen, sonnigen Tagen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in -beschleunigtem Atmen, Unruhe, Schreien, Schäumen, Drehbewegungen, -andauernden krankhaften Zuckungen der Extremitäten und Lippen, -Umfallen, Gefühllosigkeit. Nach den Anfällen zeigten die Tiere -grosse Mattigkeit und schwankenden Gang, erholten sich aber bis zum -nächsten Tage. — <em class="gesperrt">Koschel</em> (Berl. Arch. 1892), beobachtete bei -Schweinen nach der Fütterung mit Schalen der Heidegrütze Lähmung des -Hinterteils und Tod. — <em class="gesperrt">Oemke</em> (Z. f. Physiol. 1909) konnte an -weissen Mäusen und Meerschweinchen durch Verfütterung von Buchweizen -bei Belichtung mit Sonnenschein die gleichen Hautaffektionen usw. -hervorrufen, wie sie bei Schafen vorkommen. Die blosse Verfütterung -von Buchweizen an weisse<span class="pagenum" id="Seite_325">[S. 325]</span> Mäuse und weisse Kaninchen genügt, um bei -diesen Tieren den Tod unter Lähmungserscheinungen hervorzurufen, -wenn sie im diffusen Tageslicht gehalten werden. Der Kern und die -Schale sind gleich giftig. Durch Alkohol extrahierter Buchweizen war -ungiftig. Dagegen wirkte der aus dem alkoholischen Extrakt durch -Abdampfen gewonnene Rückstand bei belichteten weissen Mäusen nach -Einverleibung in den Magen tödlich.</p> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Maisvergiftung.</b> Beim Menschen verläuft die unter dem -Namen <em class="gesperrt">Maidismus</em> oder <em class="gesperrt">Pellagra</em> (Lombardei) bekannte -Maisvergiftung chronisch unter den Erscheinungen des Ekzems -(Dermatitis), der Gastroenteritis, sowie von Delirien, Tobsucht, -Blödsinn und spinaler Lähmung. Die Ursachen sind nicht bekannt -(Aspergillose? Bacillus maidis? Pellagrocein?). Nach <em class="gesperrt">Ceni</em> -und <em class="gesperrt">Besta</em> (Zentralbl. f. allg. Pathol. 1902) soll es sich -um eine Schimmelpilzvergiftung (Aspergillosis), speziell um Toxine -von Aspergillus fumigatus und flavescens handeln. Der Maidismus -des Menschen hat Aehnlichkeit mit dem Fagopyrismus der Tiere -(vergl. S. 323). Die tierärztliche Literatur enthält ferner einen -dem Maidismus des Menschen analogen Vergiftungsfall bei Rindern. -Nach der ausschliesslichen und reichlichen Verfütterung von -<em class="gesperrt">Maisschlempe</em> trat bei 12 Kühen und 13 Kälbern eine <em class="gesperrt">der -Schlempemauke ähnliche</em>, aber heftiger verlaufende Krankheit -auf, welche den Eindruck einer dem Pellagra des Menschen verwandten -Intoxikation machte. Die Tiere lahmten, zeigten starke Anschwellungen -der Klauen-, Fessel- und Sprunggelenke, starke Rötung der Haut -und der sichtbaren Schleimhäute, Dyspnoe, sowie stieren Blick; -hochträchtige Kühe abortierten und gingen sehr schnell zugrunde; -die ausgetragenen Kälber starben nach 2–3 Tagen. Die Sektion -ergab multiple Arthritis und jauchige Metritis. Auch ein Pferd -erkrankte unter ähnlichen Erscheinungen; dasselbe zeigte ausserdem -Anschwellungen am Kopf, Hals und an den Seitenbrustwandungen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Wachtelweizen">Vergiftung durch Wachtelweizen, -Melampyrum.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> <em class="gesperrt">Melampyrum pratense</em>, <em class="gesperrt">silvaticum</em>, -<em class="gesperrt">nemorosum</em> und <em class="gesperrt">commutatum</em> (Wachtelweizen, Kuhweizen) -sind Futterarten aus der Familie der Skrophulariazeen, welche für -gewöhnlich ohne Schaden verfüttert werden. Melampyrum pratense ist -ein 1jähriges Kraut mit gegenständigen Blättern, kegelförmigen -Blütenähren, purpurnen Blüten mit röhrigglockigem Kelch, sowie sehr -harten, glatten, Weizenkörnern ähnlichen Samen. Aehnlich wirkt -<em class="gesperrt">Rhinanthus</em> (Alectorolophus), der sog. Klappertopf. Die Samen -der genannten Melampyrumarten enthalten das scharf narkotisch -wirkende Glykosid <b>Rhinanthin</b>, welches auch in anderen -Skrophulariazeen enthalten sein soll.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Die Vergiftungserscheinungen bestehen in -<em class="gesperrt">Darmentzündung</em> und <em class="gesperrt">Lähmung</em>. Da das Rhinanthin in den -übrigen Teilen der Pflanze nicht vorkommt, sind nur die Samen giftig, -während die Pflanze selbst ohne Schaden verfüttert werden kann. Eine -Vergiftung durch Wachtelweizen (Samen von Melampyrum silvaticum) -ist von <em class="gesperrt">Czako</em> (Ungarischer Veterinärbericht 1886/87) bei -einem Schafbock beobachtet worden; durch die Sektion wurde Hyperämie -der Darmschleimhaut, des Gehirns und der Gehirnhäute<span class="pagenum" id="Seite_326">[S. 326]</span> konstatiert. -Angestellte Fütterungsversuche mit den Samen an Kaninchen ergaben -als wichtigste Vergiftungserscheinungen <em class="gesperrt">Schläfrigkeit</em> und -hochgradige <em class="gesperrt">Abstumpfung</em>; bei der Sektion wurde ebenfalls -<em class="gesperrt">Hyperämie</em> des <em class="gesperrt">Darmes</em> und <em class="gesperrt">Gehirns</em> vorgefunden. -<em class="gesperrt">Mesnard</em> (Recueil 1894) sah bei einer Stute, die mit dem -Hafer viel Wachtelweizen erhielt, Kolik, Schwäche im Hinterteil, -Abgeschlagenheit, Herzklopfen, schwachen, kaum fühlbaren Puls, -Schwindel, blutigen Harn und schnellen Tod; bei der Sektion wurden -Darmentzündung, sowie Hyperämie und Hämorrhagien im Gehirn festgestellt.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Baumwollsaatkuchen">Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die als Futtersurrogat eingeführten -amerikanischen Baumwollsaatkuchen (<em class="gesperrt">Gossypium herbaceum</em>, -Malvazee) bedingen zuweilen, namentlich bei jüngeren Tieren -charakteristische Vergiftungserscheinungen. Auf diese Vergiftung -ist zum erstenmal im Jahre 1863 in England aufmerksam gemacht -worden. Später haben Gautier, Gips, Esser, Bongartz, Tietze u. a. -die Krankheit genauer untersucht und beschrieben. Die Ursache der -Vergiftung ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt, sie scheint -aber in einem <em class="gesperrt">scharf</em> wirkenden <em class="gesperrt">chemischen</em> Körper -gesucht werden zu müssen, welcher nach Cornevin im Samenkern, -nach andern in der braunen <em class="gesperrt">Samenschale</em> enthalten ist. -Die vollständigen abgeschälten Baumwollsamen sollen nach den in -Aegypten gemachten Beobachtungen ungiftig sein, desgleichen das -Baumwollsamenöl. Nach Peddi soll das Toxin der Baumwollsamen -mit dem <em class="gesperrt">Muskarin</em> verwandt sein. In der Anwesenheit von -Befallungspilzen (Schimmelpilzen) oder Spaltpilzen ist die Ursache -der Vergiftung wahrscheinlich nicht zu suchen. Erfahrungsgemäss -wirken Saatkuchen von bestem Aussehen und ohne besonderen Geruch -giftig.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Krankheitserscheinungen -sind im wesentlichen die einer <em class="gesperrt">hämorrhagischen Gastroenteritis</em> -und <em class="gesperrt">Nephritis</em>. Die Tiere — meistens erkranken jüngere -Tiere, Kälber und Lämmer — zeigen <em class="gesperrt">Verdauungsstörungen</em>, -<em class="gesperrt">Tympanitis</em>, <em class="gesperrt">Verstopfung</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">blutigen -Kot</em>, sowie die Symptome der Nieren- und Blasenreizung: -<em class="gesperrt">Hämaturie</em>, <em class="gesperrt">Harndrang</em>, <em class="gesperrt">Albuminurie</em> und -<em class="gesperrt">Blasenlähmung</em>. Ausserdem findet man <em class="gesperrt">Muskelschwäche</em>, -<em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Schlafsucht</em>, <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em> -und Abortus. In Amerika hat man ferner schwere, oft zu Erblindung -führende Augenerkrankungen (<em class="gesperrt">Hornhautgeschwüre</em> infolge von -Trigeminuslähmung) bei Rindern beobachtet. Vereinzelt ist auch über -das Auftreten von Ikterus berichtet worden. Der Krankheitsverlauf -ist zuweilen sehr akut, indem der Tod schon nach wenigen Stunden -eintreten kann. Meist<span class="pagenum" id="Seite_327">[S. 327]</span> beträgt jedoch die Krankheitsdauer einige -Tage. Bei fortgesetzter Verfütterung kleinerer Mengen der giftigen -Saatkuchen entsteht das Bild einer <em class="gesperrt">chronischen</em>, mehrere Wochen -andauernden Vergiftung, welche sich in Durchfällen, Abmagerung, -zunehmender Mattigkeit, Kachexie, Hydrämie und Auftreten von Katarrhen -im Respirationsapparat äussert. Die <em class="gesperrt">Sektion</em> ergibt bei akutem -Verlaufe der Krankheit das Vorhandensein einer hämorrhagischen -Gastritis, Enteritis und Nephritis neben Schwellung der Leber und -Flüssigkeitsansammlung in den Körperhöhlen. Bei chronischem Verlauf -findet man allgemeine Abmagerung, wassersüchtige Zustände (Hydrothorax, -Aszites, Anasarka), sowie parenchymatöse Nephritis.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Neben dem Aussetzen der Fütterung mit -Baumwollsamenkuchen empfiehlt sich die Verabreichung von abführenden -und einhüllenden Mitteln, namentlich von <em class="gesperrt">Rizinusöl</em> (Kälbern und -Schafen 50–100,0, Lämmern 10–25,0) in Verbindung mit Leinsamenschleim -als Emulsion. Den blutigen Durchfall behandelt man mit Tannin oder -Opium, die Nieren- und Blasenentzündung mit Kali chloricum, die -Schwäche und Lähmungserscheinungen mit Exzitantien.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Eine ausführliche Beschreibung der Vergiftung -hat zuerst <em class="gesperrt">Gautier</em> (Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin -1886) geliefert, welcher mehrere Massenerkrankungen bei Kälbern -beobachtete und auch Fütterungsversuche anstellte. Zwei 10 -Wochen alte Kälber erhielten täglich je ein Pfund guten, -unverdorbenen Baumwollsamenkuchen. Am 7. Tag traten die ersten -Krankheitserscheinungen auf, am 11. Tag zeigte sich Durchfall, am -16. Tag Blutharnen. Das eine Kalb starb am 28. Tag, das andere Kalb -zeigte nach dem mehrtägigen Aussetzen der Fütterung Besserung, -bei der jedesmaligen Wiederaufnahme derselben jedoch wieder von -neuem Durchfall, Hämaturie, Hämoglobinurie, Albuminurie, Taumeln, -Mattigkeit. — <em class="gesperrt">Gips</em> (Berliner Archiv 1886) beobachtete -eine tödliche Erkrankung bei 3 Bullen, welche täglich ⅓ Pfund -Baumwollsamenkuchen erhielten. Bei der Sektion fand man die -Darmschleimhaut geschwollen, den Darminhalt blutig, in der -Bauchhöhle eine braun gefärbte Flüssigkeit, die Leber und Nieren -stark vergrössert und erweicht, in der Harnblase blutigen Urin, -in der Brusthöhle und im Herzbeutel blutige Flüssigkeit, in den -Bronchien blutigen Schaum, das Myokardium wie gekocht, unter dem -Epikardium und Endokardium Hämorrhagien. — <em class="gesperrt">Esser</em> (ibidem) -sah 300 Lämmer, welche täglich je 250 g Baumwollsamenmehl als -Beifutter erhielten, nach wenigen Tagen unter den Erscheinungen -von Tympanitis und blutigen Durchfällen erkranken und nach 2 bis -3tägiger Krankheitsdauer zu einem Drittel sterben. Bei der Sektion -fand man eine akute Gastroenteritis. — <em class="gesperrt">Schwanefeldt</em> -beobachtete bei Lämmern als Hauptsymptom der Erkrankung -allgemeinen Ikterus. — <em class="gesperrt">Bongartz</em> (Berliner Archiv 1888) -konstatierte bei Schafen als wesentlichste Krankheitserscheinung -nach der Verfütterung von Baumwollsaatmehl die Ausbildung eines -akuten Nierenleidens (Harnbeschwerden, schmerzhaftes Drängen, -Blasenlähmung, unfreiwilligen Harnabgang). Bei der Sektion fand er -die Nieren um mehr als die Hälfte vergrössert, die Nierenkapsel von -stecknadelkopf- bis erbsengrossen Blutungen durchsetzt, in einem -Falle ausserdem ein gänseeigrosses Blutkoagulum in der Umgebung -der Nierenkapsel, die Marksubstanz graugelb verfärbt, die geraden -Harnkanälchen, die Schleimhaut des Nierenbeckens, der Harnleiter und -der Harnblase geschwollen<span class="pagenum" id="Seite_328">[S. 328]</span> und die letztere stellenweise fleckig -und streifig gerötet. Der Harn enthielt Spuren von Eiweiss. — -<em class="gesperrt">Tietze</em> (Hamburg. Mitt. 1893) fand bei mehreren 9 bis 12 -Monate alten Rindern nach der täglichen Verfütterung von 3 Litern -Baumwollsaatmehl allgemeine Abgeschlagenheit, Muskelschwäche, -Appetitmangel, unterdrücktes Wiederkauen sowie Harndrang; bei der -Sektion waren ausser Veränderungen an den Nieren im wesentlichen -nur Stauungserscheinungen nachzuweisen. — <em class="gesperrt">Meyers</em> (Journ. -of comp. 1890) beobachtete bei einer grossen Anzahl Mastochsen -Niedergeschlagenheit, Speicheln, unterdrückte Futteraufnahme, -blutigen Kot, Schwindelanfälle, Zusammenstürzen, Zittern; die -Dauer betrug 2–3 Tage. — <em class="gesperrt">Peters</em> (Berl. Arch. 1892) sah -bei einem Rind Versagen des Futters, Apathie, blutigen Durchfall, -Bewusstlosigkeit, Tränen, starke Pupillenerweiterung, schleimigen -Nasenausfluss sowie Tod am 3. Tag; bei der Sektion fand man eine -starke Entzündung des Labmagens und Darmes. — <em class="gesperrt">Ostermann</em> -(ibid. 1894) beobachtete bei Rindern völligen Appetitmangel, -unsicheren, schwankenden Gang, Schlummersucht sowie hochgradige, -an die Gebärparese erinnernde Schwäche. Die Tiere lagen mit -herumgeschlagenem Kopfe am Boden und konnten sich nicht erheben. -Der Tod erfolgte nach 2–3 Tagen. — <em class="gesperrt">Fischer</em> (D. T. W. 1895) -sah bei Jungvieh nach der täglichen Verfütterung von 1–1½ -Pfund Baumwollsaatmehl Unruhe, Atemnot, Erstickungsanfälle sowie -Hämoglobinurie (Hämaturie?). Die Sektion ergab Nierenentzündung, -Blasenentzündung sowie Lungenödem. — <em class="gesperrt">Prietsch</em> (Sächs. -Jahresber. 1896) sah bei trächtigen Kühen oft Abortus eintreten. Auch -von den Frauen sollen die Samen als Abortivum in Sachsen benützt -werden. — <em class="gesperrt">Aubry</em> (Recueil 1897) beobachtete bei 2 Jungrindern -nach der täglichen Verabreichung von 4½ Kilo Samenkuchen grosse -Atemnot und Abgeschlagenheit, sowie bei der Sektion Pneumonie, -Dünndarmentzündung und Peritonitis. — <em class="gesperrt">Delmer</em> (ibid.) fand -bei 10 Kälbern 1 Monat nach dem Beginn der Oelkuchenfütterung -Traurigkeit und Stöhnen als einzige Vergiftungserscheinungen; die -Krankheit dauerte nur 24–48 Stunden; bei der Sektion zeigten die -Nieren die auffallendsten Veränderungen (schwärzliche Farbe). — Nach -<em class="gesperrt">Peddy</em> (The Vet. 1898) erkrankten in einer Milchwirtschaft -nach Verfütterung grosser Mengen von Kuchen aus nicht enthülsten -Baumwollsamen 20 Kühe. Die Symptome waren Schüttelfrost, beständiges -Rülpsen, stierer Blick sowie konstante Lähmung; 5 Kühe gingen ein -oder mussten geschlachtet werden. Die Sektion ergab Gastroenteritis, -Nierenhyperämie und Ekchymosen am Herzen. — Nach <em class="gesperrt">Ziegenbein</em> -(Berl. Arch. 1898) erkrankten 15 Rinder unter den Symptomen einer -Magendarmentzündung und einer starken Verstopfung des 3. Magens. — -<em class="gesperrt">Curdy</em> (Journ. of comp. 1895) beschreibt eine nach übermässiger -Verfütterung von Baumwollsaatkuchen bei Rindern auftretende, -mit schweren Depressionserscheinungen einhergehende Krankheit, -welche stets mit einer schweren, oft zur Erblindung führenden -Augenkrankheit kompliziert ist. Letztere besteht in Geschwüren, -Abszessen und Staphylombildung der Hornhaut, wahrscheinlich -infolge einer Trigeminuslähmung. Nach Curdy ist diese Wirkung des -Baumwollsamens auf die Augen den amerikanischen Farmern wohl bekannt. -— <em class="gesperrt">Eder</em> (Woch. f. Tierh. 1902, S. 232) sah 5 Kälber nach -reichlicher Fütterung mit Baumwollsaatmehl unter Erscheinungen der -Dyspnoe und Hinfälligkeit erkranken und nach 12–24 Stunden sterben. -Bei der Sektion konnte nur leichte, fettige Degeneration der Leber -nachgewiesen werden. — <em class="gesperrt">Ijmker</em> (Holl. Zeitschr. 1902) sah -sämtliches Jungvieh eines Rinderbestandes nach der Verfütterung von -Baumwollsaatmehl in Trankform erkranken. Die Krankheitserscheinungen -bestanden in starker Muskelschwäche, Schwanken, Blutharnen und -Lungenödem. — <em class="gesperrt">Rust</em> (Preuss. Mitt. 1905) sah bei mehreren -Zugochsen, die täglich je 1 kg Baumwollsaatmehl erhielten, -ödematöse Schwellungen der Extremitäten, Schwanken der Hinterhand, -Gleichgewichtsstörungen, sowie in 4 Fällen (unter 15) Erblindung mit -abnormer Erweiterung der Pupille und starkem Hervortreten des Bulbus.</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch Sesamkuchenmehl.</b> <em class="gesperrt">Deyerling</em> (D. T. -W. 1900) beobachtete bei etwa 100 Ochsen nach der Verfütterung von -Sesamkuchenmehl Aufblähung, Husten und grosse Atemnot; ausserdem -bestanden Eingenommenheit, Zittern und leichte Kolikerscheinungen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_329">[S. 329]</span></p> - -<h4 id="Mutterkornvergiftung">Mutterkornvergiftung, Ergotismus.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Das <em class="gesperrt">Mutterkorn</em>, <em class="gesperrt">Secale cornutum</em>, -ist das Dauermyzel (Sklerotium) von <em class="gesperrt">Claviceps purpurea</em>, -eines Kernpilzes (Familie der Pyrenomyzeten). Der Pilz parasitiert -am häufigsten auf dem Roggen, kommt aber auch zuweilen auf Hafer, -Weizen, Gerste und auf Gramineen vor (Elymus virginicus, Agrostis -vulgaris, Poa, Phleum, Anthoxanthum, Glyceria u. a.). Das Mutterkorn -bildet walzenförmige, gerundet dreikantige, oft gebogene, 2–4 cm -lange und bis ½ cm dicke, schwarzviolette, innen weisse Körper, -welche schwach bläulich bereift und an beiden Enden verschmälert -sind. Sie besitzen im frischen Zustande eine derbfleischige, im -getrockneten eine hornartige Konsistenz. Die <em class="gesperrt">Entwicklung</em> -des Pilzes ist folgende. Die Sporen von Claviceps purpurea -verwandeln, wenn sie zufällig auf junge Roggenblüten etc. gelangt -sind, den Fruchtknoten dieser Blüten in ein Pilzlager (Sphacelia -segetum), welches aus dicht verflochtenen Hyphen besteht und an -seiner Oberfläche Sporen (Konidien) abschnürende Zellen besitzt, -welche ausserdem eine schleimige, süssliche Flüssigkeit, den sog. -Honigtau, absondern, durch welchen die Sporen unter Vermittlung von -Insekten auf andere Roggenähren übertragen werden. Aus dem Pilzlager -entwickelt sich dann allmählich das walzenförmige Dauermyzel, -das eigentliche Mutterkorn, welches die Aufgabe hat, den Pilz zu -überwintern. Aus diesem Mutterkorn entwickeln sich im darauffolgenden -Frühjahr schlankgestielte Keime mit runden, violettroten Köpfchen -(Perithecien), aus welchen sich zahllose Sporen bilden, welche -durch den Wind auf die Roggenblüten fortgetragen werden, worauf die -Entwicklung wie anfangs geschildert vor sich geht.</p> - -<p>Bezüglich der Literatur der Mutterkornvergiftung ist namentlich das -ausführliche Werk von <em class="gesperrt">Heusinger</em>, Studien über den Ergotismus, -Marburg 1856, hervorzuheben.</p> -</div> - -<p><b>Wirksame Bestandteile des Mutterkorns.</b> Nach <em class="gesperrt">Kobert</em> sind -im Mutterkorn drei giftige Stoffe enthalten.</p> - -<p>1. Das <b>Kornutin</b> oder <b>Sekakornin</b> ist ein Alkaloid -und der Träger der spezifischen Wirkung des Mutterkorns auf den -<em class="gesperrt">Uterus</em>. Das Kornutin bewirkt infolge Reizung des im Lendenmark -gelegenen Uteruszentrums <em class="gesperrt">Uteruskontraktionen</em> bei trächtigen -und nichtträchtigen Tieren. Bei nichtträchtigen Tieren tritt eine -deutliche Verstärkung der rhythmischen Uteruskontraktionen schon nach -der subkutanen Injektion von ½ mg Cornutinum hydrochloricum pro kg -Körpergewicht ein. Trächtige Tiere reagieren auf Kornutin im Beginne -der Schwangerschaft nicht, in der Mitte nur nach sehr grossen Dosen, -dagegen bewirken am Ende der Trächtigkeit die kleinsten Dosen eine -Austreibung des Fötus. Die weiteren Wirkungen des Kornutins bestehen -in der <em class="gesperrt">Erregung des Krampfzentrums</em> mit tonisch-klonischen -allgemeinen Muskelkrämpfen, in einer veratrinähnlichen Einwirkung auf -die Muskelfasern mit <em class="gesperrt">Muskelsteifheit</em>, in einer <em class="gesperrt">Erregung des -Vaguszentrums</em> mit Pulsverlangsamung<span class="pagenum" id="Seite_330">[S. 330]</span> und nachheriger Vaguslähmung, -in <em class="gesperrt">Erregung des vasomotorischen Zentrums</em> mit starker -Blutdrucksteigerung und <em class="gesperrt">Gefässverengerung</em>, und bei grossen Dosen -in einer <em class="gesperrt">Lähmung des Atmungszentrums</em>.</p> - -<p>2. Die <b>Sphazelinsäure</b> wirkt <em class="gesperrt">gangränerzeugend</em> (Sphazelus -= kalter Brand) infolge einer <em class="gesperrt">hyalinen Degeneration</em> und -<em class="gesperrt">Thrombose der peripheren Arterienäste</em>. Sie ist die eigentliche -Ursache der <em class="gesperrt">Mutterkornvergiftung</em>. Nach experimentellen Versuchen -erzeugt sie bei Schweinen und Hähnen Gangrän, insbesondere an der -Zungenspitze, am Kamm, Kehllappen, am Gaumen, Kehldeckel, an den -Flügeln, auf der Haut, sowie auf der Darmschleimhaut (Geschwüre und -Nekrose); in sehr kleinen Dosen längere Zeit verabreicht führt sie zu -ähnlichen Veränderungen auch im Rückenmarke mit Ataxie. In sehr grossen -Dosen erzeugt sie strychninartige Krämpfe und <em class="gesperrt">Uterus-Tetanus</em>.</p> - -<p>3. Die <b>Ergotinsäure</b>, ein stickstoffhaltiges, leicht -zersetzliches Glykosid, <em class="gesperrt">ohne Wirkung auf den Uterus</em>. Dasselbe -ist lediglich ein <em class="gesperrt">Narkotikum</em>, welches die Reflexerregbarkeit -vermindert und zuletzt aufhebt.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Sphazelotoxin.</b> Nach <em class="gesperrt">Jakoby</em> und <em class="gesperrt">Freund</em> -ist, im Gegensatz zu den Angaben von <em class="gesperrt">Kobert</em>, im -Mutterkorn nur <em class="gesperrt">ein</em> giftiger Körper enthalten, nämlich das -<em class="gesperrt">Sphazelotoxin</em>. Das im freien Zustande leicht zersetzliche -Sphazelotoxin soll im Mutterkorn an Sekalin bezw. Chrysin gebunden -als <em class="gesperrt">Sekalintoxin</em> und <em class="gesperrt">Chrysotoxin</em> enthalten sein. In -diesen Verbindungen soll es sowohl heftige Uteruskontraktionen -bewirken, als auch Gangrän erzeugen. Nach <em class="gesperrt">Vahlen</em> enthält das -Mutterkorn das Klavin.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Mutterkornvergiftung bietet nach -Erscheinungen, Verlauf und Grad der Intensität sehr verschiedenartige -Krankheitsbilder, welche teils durch die Tiergattung, teils durch -die stärkere oder schwächere Giftigkeit des Mutterkorns, teils -durch die aufgenommene Menge bedingt sind. Am empfindlichsten -scheinen <em class="gesperrt">Rinder</em> und <em class="gesperrt">Geflügel</em> zu sein. Pferde zeigten -nach experimentellen Untersuchungen auf ½ kg Mutterkorn nur -eine vorübergehende Erkrankung. Ein Schwein starb angeblich erst, -nachdem binnen 2 Monaten 11 kg Mutterkorn verfüttert worden waren -(<em class="gesperrt">Tessier</em>). Hühner und Tauben starben auf 5–15 g, Enten auf 60 g -Mutterkorn. Beim Menschen unterscheidet man je nach dem Verlauf eine -<em class="gesperrt">akute</em> und eine <em class="gesperrt">chronische</em> Mutterkornvergiftung, ferner -je nach den Krankheitserscheinungen einen <em class="gesperrt">gangränösen</em> und -<em class="gesperrt">spasmodischen</em> Ergotismus. Die einzelnen Krankheitserscheinungen -bei den Haustieren sind folgende:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_331">[S. 331]</span></p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Gastroenteritische Erscheinungen.</em> Nach amerikanischen -Berichten (<em class="gesperrt">Salmon</em>, <em class="gesperrt">Law</em>) hatte der im Jahre 1884 in -verschiedenen Staaten Nordamerikas unter den Rindern epizootisch -auftretende Ergotismus eine grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbilde -der Aphthenseuche (Maulseuche) und Rinderpest. Die wichtigsten -diesbezüglichen Erscheinungen, welche auch sonst bei sporadischen -Fällen von Mutterkornvergiftung beobachtet werden, sind <em class="gesperrt">starkes -Speicheln</em>, umschriebene <em class="gesperrt">Rötung</em>, <em class="gesperrt">Blasenbildung</em>, -<em class="gesperrt">Entzündung</em>, <em class="gesperrt">Erosion</em> und <em class="gesperrt">Gangräneszierung</em> der -<em class="gesperrt">Maulschleimhaut</em>, ebensolche Veränderungen auf der Schleimhaut -des <em class="gesperrt">Mastdarms</em> und der <em class="gesperrt">Scheide</em>, ausserdem <em class="gesperrt">Erbrechen</em> -(bei Schweinen), <em class="gesperrt">Kolik</em> und <em class="gesperrt">Durchfall</em>.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Gangräneszierung und Mumifikation extremitaler Teile.</em> Bei -dem in Nordamerika seuchenartig auftretenden Ergotismus gesellten -sich zu den geschwürigen Prozessen der Digestionsschleimhaut -Erscheinungen, welche eine grosse Aehnlichkeit mit Klauenseuche -hatten, so dass die Vergiftung längere Zeit für eine Invasion -der Maul- und Klauenseuche (Aphthenseuche) gehalten wurde. Die -Erscheinungen des „Ergotismus gangraenosus“, wie diese Form der -Mutterkornvergiftung bezeichnet wird, kommen ausser beim Rind auch beim -Schwein und Geflügel vor und bilden eine besonders charakteristische -Affektion. Man beobachtet nämlich bei längerer Dauer der Vergiftung -ein <em class="gesperrt">Absterben (Mumifikation) der extremitalen Körperteile</em>, -namentlich der <em class="gesperrt">Klauen</em>, <em class="gesperrt">Phalangal-</em>, <em class="gesperrt">Metatarsal-</em> und -<em class="gesperrt">Metakarpalenden</em>, der <em class="gesperrt">Ohren</em>, des <em class="gesperrt">Schwanzes</em>, der -<em class="gesperrt">Zitzen</em>, beim Geflügel des <em class="gesperrt">Kammes</em>, <em class="gesperrt">Kehllappens</em>, der -<em class="gesperrt">Krallen</em>, <em class="gesperrt">Zehen</em>, <em class="gesperrt">Flügel</em>, der <em class="gesperrt">Zungenspitze</em>, -des <em class="gesperrt">Kehldeckels</em> etc. Die ersten Krankheitserscheinungen -bestehen hiebei in <em class="gesperrt">Lahmgehen</em> auf einem oder mehreren Beinen, -sowie im Unvermögen der Tiere aufzustehen. Bei der Untersuchung der -Klauen findet man <em class="gesperrt">Rötung</em> und <em class="gesperrt">schmerzhafte Schwellung</em> -der Haut an der Krone, am Fessel, am Schienbein, allmähliches -<em class="gesperrt">Absterben umschriebener Hautstücke</em>, <em class="gesperrt">Austrocknung</em> und -<em class="gesperrt">Mumifikation</em> der abgestorbenen Teile, <em class="gesperrt">Einschnürung</em> an der -Begrenzungsstelle gegen das gesunde Gewebe und endlich <em class="gesperrt">Ablösung</em> -der mumifizierten Gewebe: einer Klaue, des Fessels, des unteren Teiles -der Hinterbeine bis zur Mitte des Schienbeins, der Ohren, der äusseren -Hälfte des Schwanzes.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Erscheinungen von seiten des Uterus.</em> Sie bestehen in -<em class="gesperrt">Wehen</em>, <em class="gesperrt">schmerzhaftem Drängen</em>, <em class="gesperrt">Abortus</em> und -<em class="gesperrt">Frühgeburt</em>,<span class="pagenum" id="Seite_332">[S. 332]</span> <em class="gesperrt">Uterus-</em> und selbst <em class="gesperrt">Mastdarmvorfall</em>. -Bei ausgedehnter Verbreitung der Vergiftung kann der Abortus enzootisch -und selbst epizootisch auftreten. Zuweilen ist der Abortus auch mit -<em class="gesperrt">Metritis</em> kompliziert; ausserdem entwickelt sich im Anschluss an -denselben häufig bleibende <em class="gesperrt">Sterilität</em>.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Nervöse Störungen.</em> Dieselben bestehen in <em class="gesperrt">Eingenommenheit -des Sensoriums</em>, <em class="gesperrt">Schlafsucht</em>, <em class="gesperrt">Gefühllosigkeit</em>, -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em> (Mutterkorntabes, Polyneuritis toxica), -<em class="gesperrt">Pupillenerweiterung</em>, <em class="gesperrt">Erblindung</em> (Katarakt), sowie -in <em class="gesperrt">Krampf der Beugemuskeln</em> (Ergotismus spasmodicus oder -convulsivus) mit <em class="gesperrt">Muskelatrophie</em>.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Krankheitsdauer</em> erstreckt sich gewöhnlich über -Wochen und Monate. Die Mortalitätsziffer ist trotz der schweren -Krankheitserscheinungen niedrig.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Zunächst muss mit der Verfütterung des -mutterkornhaltigen Getreides, Heus, Brotes ausgesetzt werden. Als -chemisches Gegengift gegen die im Mutterkorn enthaltenen Gifte kann das -<em class="gesperrt">Tannin</em> versucht werden. Ausserdem empfiehlt sich die Anwendung -gefässerweiternder und krampfstillender Mittel (<em class="gesperrt">Amylnitrit</em>, -<em class="gesperrt">Morphium</em>, <em class="gesperrt">Chloralhydrat</em>). Die gastroenteritischen -Erscheinungen werden symptomatisch, die abgestorbenen extremitalen -Teile nach den Regeln der Chirurgie (Amputation) behandelt.</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Der Nachweis des Mutterkorns im Getreide und Heu ist -<em class="gesperrt">botanisch</em> leicht zu führen, wenn dasselbe in ausgebildeter Form -darin enthalten ist. Zerkleinertes Mutterkorn kann auf verschiedene -Weise nachgewiesen werden. <em class="gesperrt">Mikroskopisch</em> ist das Gewebe -des Mutterkorns charakterisiert durch die langgestreckten, <em class="gesperrt">mit -violettem Farbstoff gefüllten Zellen</em> der Bindeschicht. Diese -Farbstoffe können auch <em class="gesperrt">spektroskopisch</em> durch Extraktion -mit schwefelsäurehaltigem Aether und das Auftreten zweier -Absorptionsstreifen in Grün und Blau festgestellt werden. Endlich -entwickelt sich beim Erwärmen mutterkornhaltiger Futterstoffe mit -Kalilauge ein Geruch nach Heringslake (Trimethylamin).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Salmon</em> (Amerikanischer Veterinärbericht -1884) berichtet über eine Mutterkorn-Epizootie, welche im Jahre -1884 in verschiedenen Staaten Nordamerikas (Kansas, Missouri, -Illinois, Jova, Colorado) unter dem Rindviehbestande grosse -Verheerungen angerichtet hatte und anfänglich für Maul- und -Klauenseuche gehalten worden war. Die Aufnahme des Mutterkorns -erfolgte durch das Heu, welches teils aus Elymus virginicus var. -submuticus, teils aus Agrostis vulgaris bestand, und wobei die -genannten beiden Pflanzen stark mit Mutterkorn besetzt<span class="pagenum" id="Seite_333">[S. 333]</span> waren, so -dass 75 Gewichtsteile des Heues 1 Teil Mutterkorn enthielten. Das -Krankheitsbild hatte bald mehr Aehnlichkeit mit Maulseuche, bald -mehr mit Klauenseuche. Die Veränderungen in der Maulhöhle bestanden -in Speicheln, Schnalzen, diffuser Rötung, dunkelroten Flecken, 1 -cm grossen dunkelfarbigen Erosionen, sowie umschriebener Nekrose -der Maulschleimhaut. Auch die Schleimhaut des Mastdarms und der -Scheide zeigten sich höher gerötet, gefleckt und mit Erosionen -besetzt. An den Klauen war Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit -der Haut zu konstatieren, wobei die Tiere von vornherein lahmten. -Später starben umschriebene Hautstücke, einzelne Klauen, sowie -zuweilen die Fussenden an sämtlichen Extremitäten bis zum Fessel -und selbst bis zur Mitte des Schienbeins brandig ab, worauf sich -die abgestorbenen Teile meist in der Nähe eines Gelenks unter -Bildung einer ringförmigen Einschnürung abstiessen. Auch die -Ohren und die Schwanzspitze zeigten Mumifikation. Ausserdem wurde -epizootischer Abortus beobachtet. — <em class="gesperrt">Law</em> (Americ. vet. -rev. 1884) beschreibt dieselbe Mutterkorn-Epizootie in Kansas. Es -erkrankten fast nur Rinder, während Pferde, Schafe und Schweine fast -ausnahmslos gesund blieben. Die Krankheit wurde anfangs wegen des -gleichzeitigen Auftretens von Blasen im Maul und von Lahmheit für -Aphthenseuche gehalten und hatte ausserdem eine gewisse Aehnlichkeit -mit der Rinderpest. Die erkrankten Tiere zeigten starkes Speicheln -und unterdrückte Futteraufnahme. Auf der Maulschleimhaut zeigten -sich rinderpestartige Erosionen. Daneben bestand Verstopfung, -Tympanitis und profuse Diarrhöe. Später beobachtete man auch -nervöse Störungen: Schwindel, unsteten Blick, schwankenden Gang, -Pupillenerweiterung, Mattigkeit, Schlafsucht, abwechselnd mit -Aufregung und Hyperästhesie; einige Tiere starben auch unter -diesen Erscheinungen innerhalb 1–2 Tage. Weiterhin wurde vielfach -Abortus beobachtet. Die schwersten Veränderungen zeigten sich an -den Fussenden. Die Tiere lahmten zunächst; ausserdem war Rötung und -schmerzhafte Schwellung der Haut im Klauenspalt, an der Krone und -am Fessel bis hinauf zur Mitte des Schienbeins wahrzunehmen. Die -geschwollenen Teile zeigten später die Erscheinung des Absterbens: -Eintrocknen, Rissigwerden, Unempfindlichkeit, livide Verfärbung, -demarkierende Eiterung und Nekrose und wurden bis zum Fesselgelenk -brandig abgestossen. Dieselben Veränderungen zeigten sich an den -Schwänzen, Ohren und Zitzen. — <em class="gesperrt">Kowalewski</em> (Russ. Archiv für -Veterinärmedizin 1884) sah bei 20 Rindern gangränösen Ergotismus -nach der Verfütterung von Roggen, welcher ⅕ Mutterkorn enthielt. -In den ersten 4 Wochen zeigten die Tiere Lahmheit und Entzündung -der unteren Fussenden; im Verlaufe weiterer 4 Wochen trat Absterben -der Fussenden und Schweifspitzen ein. Die lokalen Veränderungen -bestanden in schmerzhafter, heisser Schwellung der Kronenhaut, -weisslicher Verfärbung derselben, Eitersekretion und Schorfbildung; -im Anschluss hieran zeigte sich Nekrose der Haut, Sehnen, Bänder -und Knochen bis zum Krongelenk mit Abfallen dieser Teile. Ausser -starker Abmagerung waren Appetit und Allgemeinbefinden nicht -gestört. — <em class="gesperrt">Armbruster</em> (Badische Mitteil. 1877) beobachtete -bei 6 Mutterschweinen und einem Zuchteber Erscheinungen der -Mutterkornvergiftung. Die Tiere zeigten Erbrechen, Würgen, Zittern, -Zuckungen an den Beinen, Schwäche und Lähmung des Hinterteils. Bei -einem derselben blieben Schwäche im Hinterteil, Eingenommenheit -des Sensoriums und dauernde Erblindung zurück. Ein Schwein starb. -— <em class="gesperrt">Magnus</em> (Preuss. Mitt. Bd. 16) sah mehrere Kühe nach -der Aufnahme von Mutterkorn abortieren. Einige zeigten ferner -Wehen und Gebärmuttervorfall. Bei 2 Pferden und 5 Schweinen wurde -ausserdem Mastdarmvorfall beobachtet. — <em class="gesperrt">Kolb</em> (Preuss. Mitt. -N. F. Bd. 1) fand bei einem trächtigen Schwein als Erscheinungen -der Mutterkornvergiftung Kolik, Erbrechen, Wehen, Abortus, -Gebärmutterentzündung und Schwächezustände. — <em class="gesperrt">Decoste</em> -(Recueil 1848) sah bei einer Kuh, welche mehrere Wochen hindurch -mit mutterkornhaltigem Weizen gefüttert wurde, Mumifikation des -linken Vorderbeins bis zur Vorderfusswurzel, sowie Absterben der -Klauen und Fussenden; dabei war die Futteraufnahme nicht alteriert. -Auch Hühner und Enten zeigten nach 2–3 Wochen Mumifikation der -Zehen, des Schnabels und des Kamms. — <em class="gesperrt">Goldstein</em> (Berl. -tierärztl. Wochenschrift 1894 S. 196) beschreibt 2 Fälle von -Mutterkornvergiftung, welche sich bei den Kühen eines Müllers nach -der Verfütterung von Abfallkorn zeigten, das stark mit Mutterkorn -durchsetzt war. Die Erscheinungen bestanden in Gangrän<span class="pagenum" id="Seite_334">[S. 334]</span> der Haut an -den Hinterbeinen, am Schwanz und am Euter, Lockerung des Hornschuhs, -sowie brandigem Absterben des Unterschenkels, der Ohren und des -Schwanzes mit Abfallen derselben. Auffallend war das muntere Benehmen -der Tiere trotz der schweren Erkrankung, sowie der Umstand, dass -eine der kranken Kühe ein lebendes, ausgetragenes Kalb zur Welt -brachte. — <em class="gesperrt">Reisinger</em> (Veterinarius 1896) sah bei 4 Pferden -nach Verfütterung von stark mutterkornhaltigem Roggen heftige Kolik, -hohe Pulsfrequenz (80 P.), Muskelzittern und Hufentzündung. — Nach -<em class="gesperrt">Robin</em> (Recueil 1899) verlor eine mit mutterkornhaltigem Roggen -gefütterte Kuh durch brandiges Absterben die Ohren, einen Teil des -Flozmauls, über die Hälfte des Schwanzes, sowie die Phalangen vorn -rechts und hinten linke; ausserdem trat Durchfall und Abmagerung ein.</p> - -<p><b>Experimentelles.</b> <em class="gesperrt">Grünfeld</em> (Beiträge zur Kenntnis der -Mutterkornvergiftung, Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu -Dorpat 1892, Bd. 8, und Zur Kenntnis der Sphalezinsäurewirkung, -Arbeiten des pharmakologischen Institutes zu Dorpat 1895, Bd. -12) hat die Wirkung des Mutterkornes bei Hähnen und Ferkeln -untersucht. Die häufigste Erscheinung bei <em class="gesperrt">Hähnen</em> bestand -zuerst in Dunkelviolett-, dann in Schwarzwerden des Kammes und der -Bartlappen. Sobald die Giftdarreichung fortdauerte, blieben die -Kammspitzen schwarz und trockneten ein (Gangrän). Bei der Erkrankung -des Kammes und der Bartlappen fanden sich Thromben, mit hyalinen -Massen gefüllt, sowie hyaline Degeneration der Gefässwand. Die -Zungenspitze zeigte öfters den gleichen Befund. Später stellten sich -Appetitlosigkeit und grosser Schwächezustand ein; Erbrechen und -Speichelfluss gingen dem Tode voran. Die Obduktion bot das Bild eines -hochgradigen follikulären Katarrhes der Schleimhaut des Schlundes, -Kropfes und Mageneinganges; der Kropf selbst wies zahlreiche -charakteristische nekrotische Geschwüre auf. In der Darmschleimhaut -liessen sich Blutextravasate in Menge erkennen; die Lebergefässe -waren verbreitert, stark gefüllt und mit eigenartigen, als Amyloid -anzusprechenden Klumpen gefüllt. Bei <em class="gesperrt">Ferkeln</em> war eine anfangs -dunkelbraune, dann schwarze Verfärbung der Ohrmuscheln zu beobachten; -dieselben trockneten ein und liessen sich ohne Blutung abziehen -oder fielen von selbst ab. Das <em class="gesperrt">mikroskopische</em> Bild im ersten -Stadium der Mutterkornvergiftung bei Hähnen lässt starke Dilatation -und Füllung der Gefässe erkennen, die mit einer dunkelbraunen Masse -gefüllt sind. Das Lumen der Gefässe ist mit Thromben angefüllt. -Im zweiten Stadium ist die Dilatation und Füllung der Gefässe bis -fast in die kleinsten kapillären Verzweigungen zu konstatieren. -Das dritte Stadium des Mutterkornbrandes lässt schon mit blossem -Auge in peripherer Richtung drei Zonen erkennen. Die eine (Basis -des Kammes) hat eine schwach violette Farbe; die nächste zeigt mehr -gelbbraune Nuance; die letzte (Spitze des Kammes) ist dunkelviolett -und selbst schwarz gefärbt. Unter dem Mikroskop erweist sich diese -als vollkommen abgestorbene Partie. Der mittlere Teil bildet eine -hyalin degenerierte Masse, in welcher nur selten mehr gut erhaltene -Zellen und Blutkörperchen zu sehen sind. In der Basis des Kammes -begegnet man spärlich hyalinen Massen; sie weist stellenweise noch -normale Struktur auf. Die hinterste mumifizierte Partie des Kammes -stellt das vierte oder Endstadium des Mutterkornbrandes dar; vom -epithelialen Ueberzug ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Im -papillären Gewebe sind an vielen Stellen frei im Bindegewebe hyaline -Klumpen zu erkennen. Vom Inhalt und der Wandung der einzelnen -Kapillaren ist nichts mehr zu erkennen. — <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Münchener -Jahresber. 1894/95) stellte durch Versuche bei kleinen trächtigen -Wiederkäuern fest, dass nach Mutterkorngaben, welche das Doppelte -der therapeutischen Dosis betragen, besondere Wirkungen nicht -eintreten. Auf das 4–5fache der therapeutischen Dosis erkrankten die -Versuchstiere nur vorübergehend (Auftreibung, Versagen des Futters, -Traurigkeit, Muskelzittern). <em class="gesperrt">Abortus trat nicht ein.</em></p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_335">[S. 335]</span></p> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schimmelpilze">Vergiftung durch Schimmelpilze.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die Schimmelpilze (Mukorineen) geben dadurch, -dass sie auf den verschiedenartigsten Futterpflanzen parasitieren, -sehr häufig Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren. Die -einzelnen pathogenen Arten sind folgende:</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Mucor</em>, der <em class="gesperrt">Blasenschimmel</em>, mit den Unterarten Mucor -Mucedo (gemeiner Kopfschimmel), Mucor racemosus, Mucor stolonifer und -Mucor Phycomyces.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Aspergillus</em>, der <em class="gesperrt">Kolbenschimmel</em>, mit der -Vergiftungen erzeugenden Unterart Aspergillus glaucus; (A. fumigatus, -niger und flavus sind nur insofern pathogen, als sie sich zuweilen -im Innern des Tierkörpers, z. B. in der Lunge, ansiedeln; sog. -Pneumomykosis).</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Penicillium glaucum</em>, der <em class="gesperrt">Pinselschimmel</em>, ein sehr -verbreiteter, namentlich auf Brot parasitierender Schimmelpilz.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Oidium lactis</em>, der <em class="gesperrt">Milcheischimmel</em>, als -schimmelartiger Anflug auf saurer Milch vorkommend.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Vergiftungen durch -Schimmelpilze kommen am häufigsten bei Pferden, ausserdem bei Rindern -und Schafen vor. Sie ereignen sich durch die Aufnahme verschimmelter -Futterstoffe: Hafer (sog. multeriger Hafer), Stroh, Heu, Häcksel, -Kleeheu, Brot, Mehl, Lupinen, Rapskuchen, Leinkuchen und sonstige -Oelkuchen, Rüben, Schlempe, Obst, Kürbisse. Während erfahrungsgemäss -verschimmelte Futterstoffe von vielen Tieren längere Zeit ohne Schaden -aufgenommen werden können und in Uebereinstimmung mit dieser Erfahrung -Fütterungsversuche mit verschimmelten Futterstoffen unter Umständen -negativ ausfallen, bedingen bei anderen Tieren Schimmelpilze oft -eine schwere, unter den Erscheinungen der <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em> -oder einer charakteristischen Affektion der <em class="gesperrt">Nervenzentren</em> -verlaufende Vergiftung. Die genaueren Vorgänge bei der Giftwirkung der -Schimmelpilze sind nicht bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein -Toxin von scharf narkotischer Wirkung, welches von den Schimmelpilzen -auf den genannten Futterstoffen erzeugt wird. <em class="gesperrt">Leber</em> hat in -Kulturen von Aspergillus fumigatus und Penicillium glaucum ähnliche -entzündungserregende Toxine nachgewiesen, wie das von ihm in den -Kulturen der Eiterbakterien (Staphylokokken und Streptokokken) -gefundene <em class="gesperrt">Phlogosin</em>. Je nach der Menge und Beschaffenheit dieses -Toxins, je nach dem Zustand der Magen- und Darmschleimhaut (gesund und -krank), sowie je nach der individuellen Prädisposition (Immunität!) -sind die Erscheinungen der Schimmelpilzvergiftung verschieden. -Eine physikalische Einwirkung der Schimmelpilze<span class="pagenum" id="Seite_336">[S. 336]</span> auf den Körper -(Einwanderung von Pilzen in die Blutbahn) ist nicht anzunehmen.</p> - -<p>Die wichtigsten Krankheitserscheinungen des <em class="gesperrt">polymorphen</em>, -ungleichartigen Vergiftungsbildes sind in vielen Fällen folgende: -<em class="gesperrt">Appetitlosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">Tympanitis</em>, -<em class="gesperrt">Verstopfung</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, <em class="gesperrt">blutiger, schleimiger, -oft sehr übelriechender Kot</em>; ausserdem wurden Speicheln, -Schlingbeschwerden, Aufstossen und Erbrechen (bei Pferden), sowie -ikterische Erscheinungen beobachtet. In anderen Fällen beobachtet -man, namentlich bei Pferden, nach der Verfütterung von schimmligem -multrigem Hafer eine hochgradige und anhaltende <em class="gesperrt">Polyurie</em> -(sog. Lauterstall); auch Erscheinungen der Nephritis und Zystitis -sind konstatiert worden. Nicht selten äussern sich ferner die -Schimmelpilzvergiftungen in <em class="gesperrt">Schwindel</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, -<em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Betäubung</em>, <em class="gesperrt">dummkollerartigem Benehmen</em>, -<em class="gesperrt">Gefühllosigkeit</em>, <em class="gesperrt">Apathie</em>, <em class="gesperrt">Lähmung der Gliedmassen</em>, -<em class="gesperrt">des Hinterteils</em>, <em class="gesperrt">der Zunge</em>, <em class="gesperrt">Blase</em>, <em class="gesperrt">der -Ohren</em>, <em class="gesperrt">der Retina</em> (<em class="gesperrt">Amaurosis</em>), <em class="gesperrt">Umfallen</em>, -sowie <em class="gesperrt">allgemeiner Körperlähmung</em>. Zuweilen werden jedoch auch -zerebrale Erregungserscheinungen beobachtet: Vorwärtsdrängen, Brüllen, -Bohren in die Wand, Zittern, Konvulsionen und selbst epileptiforme -Krampfanfälle. Ausserdem findet man starken <em class="gesperrt">Schweissausbruch</em>, -unfühlbaren, sehr frequenten Puls, starke Injektion und rotbraune -Verfärbung der Konjunktiva, sowie rasch zunehmende Abmagerung. Diese -Verschiedenartigkeit des Krankheitsbildes lässt sich vielleicht in der -Weise erklären, dass die Schimmelpilze je nach den wechselnden äusseren -Verhältnissen (Temperatur, Nährboden, Alter und Entwicklungsstadium -des Pilzes) chemisch und physiologisch verschiedenartige giftige -Stoffwechselprodukte liefern. Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> ist oft sehr akut, -so dass der Tod schon innerhalb 12–24 Stunden eintritt; in anderen -Fällen dauert die Krankheit mehrere Tage. Auch Nachkrankheiten, wie -Erblindung, lähmungsartige Schwäche, sowie angeblich auch Dämpfigkeit -(Lungenemphysem) können zurückbleiben.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Sektion</em> ergibt umschriebene oder ausgebreitete Schwellung, -<em class="gesperrt">Entzündung</em>, <em class="gesperrt">Ekchymosierung</em> und <em class="gesperrt">Erosion</em> der -<em class="gesperrt">Magendarmschleimhaut</em>, Ansammlung von <em class="gesperrt">Serum</em> in den -<em class="gesperrt">Hirnventrikeln</em> und im <em class="gesperrt">Arachnoidealsack</em>, <em class="gesperrt">Hyperämie</em> -und <em class="gesperrt">ödematöse Durchtränkung</em> des <em class="gesperrt">Gehirns</em> und -<em class="gesperrt">Rückenmarks</em>, blutige Flüssigkeit in der Bauchhöhle, sowie -zuweilen die Erscheinungen der Nephritis, Zystitis, Peritonitis und -akuten gelben Leberatrophie. In anderen Fällen ist der Sektionsbefund -<em class="gesperrt">negativ</em>.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_337">[S. 337]</span></p> - -<p><b>Behandlung.</b> Die Therapie der Schimmelpilzvergiftung besteht -neben dem Aussetzen der betreffenden Fütterung in der Verabreichung -von <em class="gesperrt">Abführmitteln</em>. Wegen seiner gleichzeitig desinfizierenden -Wirkung gibt man bei Pferden besonders <em class="gesperrt">Kalomel</em>. Ausserdem -empfiehlt sich die Verabreichung gärungswidriger Arzneimittel -(<em class="gesperrt">Kreolin</em>). Als chemisches Antidot kann <em class="gesperrt">Tannin</em>, -<em class="gesperrt">Tannoform</em> und <em class="gesperrt">Jod</em> (Lugolsche Lösung) versucht werden. -Im übrigen ist die Behandlung eine <em class="gesperrt">symptomatische</em>; die -Erscheinungen der Magendarmentzündung werden mit einhüllenden und -beruhigenden Mitteln (Leinsamenschleim mit Opium), die zerebralen -Lähmungserscheinungen mit <em class="gesperrt">Exzitantien</em> behandelt (Kampfer, -Aether, kohlensaures Ammonium, Veratrin).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Die Zahl der in der tierärztlichen <em class="gesperrt">Literatur</em> -verzeichneten Fälle von Schimmelpilzvergiftungen ist ausserordentlich -gross. Es mögen nur die nachstehenden klinischen Beobachtungen kurz -hier zusammengestellt sein. Zwei Pferde wurden 8 Tage lang täglich -mit je 6 Pfund schimmligem Brot gefüttert, welches einen bitteren, -etwas scharfen Nachgeschmack hatte. Nach Ablauf der Woche zeigten -sie Appetitlosigkeit, Kolik, starkes Zittern der Vordergliedmassen, -taumelnden Gang, Pupillenerweiterung, rotbraune Verfärbung der -Konjunktiva, unfühlbaren Puls und Kälte der extremitalen Teile. -Bei der Sektion wurde starker Meteorismus, sowie Ansammlung einer -grossen Menge blutiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorgefunden. -Die Blinddarmschleimhaut war stellenweise entzündet. Nach Eröffnung -der Schädelhöhle fand sich starke Vaskularisation der Pia, die -Gehirnsubstanz zeigte auf dem Durchschnitte zahlreiche schwarze -Punkte, das Rückenmark war erweicht (<em class="gesperrt">Abadie</em>, Recueil 1882). — -2 Pferde hatten je 1 Pfund verschimmeltes, schwarz und orangefarben -angelaufenes Brot gefressen. Zuerst traten Kolikanfälle auf, die -3–4 Minuten anhielten und sich alle ½ Stunde wiederholten. Dabei -wälzten sich die Tiere nicht, sondern bogen sich beim Gehen mit -dem Hinterteil nieder. Die Kolikanfälle dauerten die ganze Nacht. -Gegen Morgen schwankten die Tiere mit dem Hinterteil hin und her und -stützten den Kopf gegen die Wand, schliesslich konnten sie nicht -mehr stehen, sie zeigten Schwindel und fielen erschöpft nieder. Der -Puls war dabei klein und sehr frequent, es trat Schweissausbruch -ein, die Konjunktiva zeigte Petechien. Am Boden lagen die Tiere etwa -½ Stunde wie tot, ohne Gefühl. Dann erhoben sie sich plötzlich, -drängten gegen die Wand, gerieten wieder in Schweiss und zeigten -denselben Anfall wie vorher. Unter Nachlassen der Anfälle erholten -sich die Tiere allmählich. Es bestand aber noch mehrere Tage -starke Schwäche im Hinterteil, welche vollständig erst nach Wochen -verschwand (<em class="gesperrt">Perrin</em>, Recueil de méd. vét. 1881, S. 184). -— Pferde zeigten nach der Verabreichung von schimmligem Hafer -Appetitlosigkeit, Kolik, Polyurie, Abmagerung, sowie nach einem -Monat schwarzen Star mit bleibender Erblindung (<em class="gesperrt">Hugues</em>, -Annal. de Bruxelles 1874). — <em class="gesperrt">Hühnerbein</em> (Preuss. Mitteil. -1877) beobachtete bei Pferden und Rindern nach der Verfütterung -von schimmligem Kleeheu Speicheln, Stomatitis und Abmagerung. — -<em class="gesperrt">Bonnet</em> (Repertorium 1875) sah bei 22 Artilleriepferden nach -der Aufnahme von schimmligem Heu heftige Kolik, Magendarmentzündung, -Nephritis, Zystitis, sowie vereinzelt die Erscheinungen des -Dummkollers; 3 Pferde starben. — <em class="gesperrt">Morro</em> (Berliner Archiv 1890) -beobachtete bei Pferden, welche mit grossen Mengen schimmligen Brotes -gefüttert wurden, hohes Fieber, starke Gehirndepression, Kolik, -blutigen mit Schleim überzogenen Kot, unterdrückte Futteraufnahme, -Aufstossen und Erbrechen. Ein Pferd vermochte sich kaum von der -Stelle zu bewegen und ging wie ein verschlagenes Pferd. Der Tod -erfolgte nach 18stündiger Krankheitsdauer. — <em class="gesperrt">Strittmaker</em> -(Bad. Mitteil. 1888) sah bei 3 dreijährigen Fohlen nach der Aufnahme -von schimmligem Mehl Kolik,<span class="pagenum" id="Seite_338">[S. 338]</span> Durchfall und unfühlbaren Puls; am 4. -Tage waren die Tiere wieder genesen. — <em class="gesperrt">Kammerer</em> (Bad. Mitt. -1871) berichtet über einen Fall von Vergiftung durch schimmliges -Kleeheu bei 7 Kühen, welche nach 3–6 Tagen starben. Sie zeigten -unterdrückte Futteraufnahme, Schäumen, starke Rötung der Konjunktiva, -zerebrale Erregungserscheinungen (Bohren mit den Hörnern in die -Wand), Betäubung, Umfallen, epileptiforme Krämpfe und Konvulsionen. -— <em class="gesperrt">Leistikow</em> (Preuss. Mitt. 1882) sah 9 Rinder nach der -Verfütterung von schimmligen Rapskuchen unter den Erscheinungen von -heftiger Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall, Benommenheit -und angestrengter Atmung erkranken; 4 starben, bei der Sektion -zeigte sich die Schleimhaut des Magens und Darmes entzündet. — -<em class="gesperrt">Jakobi</em> (Preuss. Mitteil. 1879) sah 52 Mutterschafe nach dem -Genusse von schimmligem Heu unter ikterischen Erscheinungen sterben; -die Sektion ergab akute gelbe Leberatrophie. — <em class="gesperrt">Köppke</em> -(Preuss. Mitteil. 1880) fand bei 11 Rindern nach dem Genusse von -schimmligem Buchweizenstroh Aufblähung, Steifheit der Bewegung, sowie -dünnflüssigen, schleimigen, blutigen Kot. — <em class="gesperrt">Weigel</em> (Sächs. -Jahresber. 1880) sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme von schimmligem -Kürbis vermehrte Kaubewegung, Kolik, Tympanitis, Brüllen, Zittern und -Steifheit im Kreuze. — <em class="gesperrt">Van Vallendael</em> (Belg. Annal. 1888) -berichtet über eine Vergiftung von 5 Kühen durch verschimmeltes -Malz. Sie zeigten vollständige Appetitlosigkeit, Tympanitis, -Verstopfung und später Durchfall, Kolik, Zittern, Schwäche in der -Nachhand, schwankenden Gang und beschleunigtes Atmen. Nach der -Verabreichung von Glaubersalz trat nach 5 Tagen Genesung ein. — -<em class="gesperrt">Esser</em> (Berl. Arch. 1889) sah bei Rindern nach der Verfütterung -schimmliger Erdnusskuchen Tympanitis und heftigen Durchfall. — -<em class="gesperrt">Pikernig</em> (Vet. journ. Bd. 27) sah eine Kuh nach der Aufnahme -von schimmligem Heu anhaltend erbrechen. — Nach <em class="gesperrt">Koch</em> -(Repertorium 1889) erkrankte ein Pferd nach der Aufnahme von 4 Pfund -schimmligem Brot an Verstopfung und leichter Kolik, worauf Lähmung -der Nachhand mit sehr beschleunigtem (90 P.) und fast unfühlbarem -Puls hinzutrat. Die Sektion ergab Gastroenteritis. — Rinder zeigten -nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Aufblähen, Kolik und -Durchfall (<em class="gesperrt">Uebele</em>, ibid.). — Schimmliger Hafer verursachte -bei einem Pferd allgemeine Schwäche, schwankenden Gang, Ikterus, -sowie gastrische Störungen (<em class="gesperrt">Repiquet</em>, J. de Lyon 1890). — -Verschimmeltes Brot hatte bei einem Pferd starke Benommenheit, -Leibschmerzen, Aufstossen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, sowie -den Tod nach 18 Stunden zur Folge (Berl. Arch. 1890). — Nach der -Verfütterung schimmliger Leinkuchen zeigte ein Rind grosse Apathie, -starkes Speicheln, Schlingbeschwerden, und bei der Sektion die -Erscheinungen der Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Winter</em>, ibid.). — 7 Stück -Jungvieh erkrankten nach der Fütterung schimmliger Malzkeime unter -Lähmungserscheinungen; die Tiere machten fortgesetzt vergebliche -Versuche zum Aufstehen (<em class="gesperrt">Martin</em>, Woch. f. Tierhlkde. 1890). -— 5 Brauerpferde, welche mit schimmeligem Hafer (Penicillium -glaucum) gefüttert wurden, zeigten, nachdem sie am Abend vorher noch -regelrecht ihr Futter verzehrt hatten, am darauffolgenden Morgen -die Erscheinungen einer schweren Muskelschwäche und Hinfälligkeit, -so dass sie nicht imstande waren, sich zu erheben, sondern gelähmt -am Boden lagen. Zu dieser allgemeinen Muskellähmung gesellten -sich später gegen das tödliche Ende hin Symptome von Herz- und -Lungenlähmung. Die Krankheitsdauer betrug durchschnittlich nicht -mehr als 24 Stunden. Merkwürdigerweise war während der ganzen -Krankheitsdauer die Futter- und Wasseraufnahme nicht gestört, -auch liess sich bei keinem Pferde eine fieberhafte Steigerung der -Körpertemperatur nachweisen. Bei der Sektion waren ausser einer -Verfärbung des Blutes und der Muskulatur krankhafte Veränderungen -der inneren Organe nicht zu konstatieren; es zeigten sich speziell -Magen und Darm, Lunge, Leber, Milz und Nieren in durchaus normalem -Zustande (<em class="gesperrt">Fröhner</em>, Monatshefte für praktische Tierhlkde. IV. -Bd. 1892). — 4 Rinder zeigten nach der Aufnahme verschimmelter -Rüben vollständige Körperlähmung, konnten sich nicht vom Boden -erheben, knirschten mit den Zähnen und zeigten gänzlich unterdrückte -Wanstbewegung; die Sektion ergab ein vollkommen negatives Resultat -(<em class="gesperrt">Marquard</em>, Bad. tierärztl. Mitt. 1892). — 9 Pferde erkrankten -nach der Fütterung schimmligen Kleeheus unter dummkollerartigen -Erscheinungen, Dyspnoe und starkem Schweissausbruch; eines -derselben verendete nach 10 Stunden an perakuter Gastroenteritis -(<em class="gesperrt">Herbst</em>, Woch. f. Tierhlkde. 1893). — <em class="gesperrt">Mulotte</em> -(Deutsche tierärztl.<span class="pagenum" id="Seite_339">[S. 339]</span> Wochenschr. 1893) beobachtete bei 10 Pferden -vorübergehend das Auftreten von Kehlkopfpfeifen nach der Verfütterung -von stickig riechendem Kleeheu. — <em class="gesperrt">Berger</em> (ibid.) sah 2 -Pferde nach der Verfütterung stark schimmligen Brotes (3 Kilo) unter -starkem Zittern, Dyspnoe, unsicherem Gang, Tympanitis und Kolik -erkranken. Ein besonders hochgradig krankes Pferd war vollständig -teilnahmslos und zeigte auffallend starkes Herzklopfen. — -<em class="gesperrt">Zippel</em> (Zeitschr. f. Vetkde. 1894) machte Fütterungsversuche -bei Hunden, Kaninchen, Ziegen und einem Pferde mit verschimmeltem -Brot, Kartoffeln und Kleie, sowie mit Schimmelkulturen. 2 Kaninchen -gingen unter Lähmungserscheinungen ein. Die übrigen Versuche fielen -negativ aus. — Nach <em class="gesperrt">Thary</em> und <em class="gesperrt">Lucet</em> (Recueil 1895) -hatte Aspergillus fumigatus bei jungen Pferden eine influenzaähnliche -Erkrankung zur Folge. — 3 Pferde erkrankten plötzlich unter -Schweissausbruch, starker Pupillenerweiterung, zunehmender Schwäche -und schliesslich Lähmung der Nachhand; die Sektion war durchaus -negativ (<em class="gesperrt">Lothes</em>, Berl. Arch. 1896). — 3 Schweine, welche -verschimmelte Malzkeime gefressen hatten, konnten sich am nächsten -Morgen schwer erheben, taumelten beim Gehen, stöhnten und stürzten -hin. Ein ebenfalls erkrankter Eber zeigte sich matt, frass nicht -und taumelte stark beim Gehen (<em class="gesperrt">Uhlich</em>, Sächs. Jahresber. -1897). — Truthühner erkrankten nach der Aufnahme von schimmligem -Buchweizen (Aspergillus fumigatus) seuchenhaft; sie zeigten -Traurigkeit, Somnolenz, Schwäche, Diarrhöe, Abmagerung, sowie -Kachexie. Die Sektion ergab eine Peritonitis aspergillosa in Form von -Flecken, Knötchen und Kapseln auf dem Bauchfell, welche reichlich -Aspergillussporen enthielten (<em class="gesperrt">Lignières</em> und <em class="gesperrt">Petit</em>, -Recueil 1898). — 4 Schweine erkrankten nach der Fütterung mit -schimmligem Mehl unter Erscheinungen von Tympanitis und Traurigsein -(<em class="gesperrt">Römer</em>, D. T. W. 1899). — <em class="gesperrt">Sickert</em> (Berl. Archiv -1898) sah bei Zugochsen nach der Verfütterung verschimmelten -Kraftfutters Verdauungsstörungen, Kolik, Diarrhöe, Blutharnen und -grosse Hinfälligkeit. — <em class="gesperrt">Arndt</em> (ibid. 1899) beobachtete nach -der Fütterung sehr stark verschimmelter Hanfkuchen bei 12 Pferden -Beschwerden beim Kauen und Schlucken, Schlinglähmung, Zungenlähmung, -Schwäche und Lähmung im Hinterteil, sowie Tod nach 10–24 Stunden; -die Obduktion lieferte einen vollkommenen negativen Befund. — -<em class="gesperrt">Eggeling</em> (Berl. Arch. 1900) sah in 3 Dörfern mit 8 Gehöften -zahlreiche Kühe nach der Verfütterung verschimmelter Malzkeime -erkranken. Die Tiere zeigten psychische Erregungserscheinungen, -Muskelzittern, klonische Krämpfe, Salivation, Appetitlosigkeit -und schnelle Abmagerung; später kamen Lähmungserscheinungen, -Unvermögen zu stehen und heftige Krämpfe mit Opisthotonus hinzu. Bei -mehreren Kühen trat der Tod nach 3–5tägiger Krankheitsdauer ein. — -<em class="gesperrt">Kovácz</em> (Veterinarius 1900) beobachtete bei 26 Ochsen nach -der Verfütterung von schimmligem Wickenstroh hochgradige Schwäche, -Durchfall, Gelbfärbung der Schleimhäute, sowie hohes Fieber; nach -der Verabreichung von je 20 g Kreolin erholten sich, mit Ausnahme -von 2 Ochsen, sämtliche Tiere nach 3–4 Tagen. — Im Kreise Herford -wurden nach der Verfütterung schimmliger Hafergarben allgemeine -Lähmungserscheinungen mit tödlichem Ausgang, im Kreise Hameln nach -der Verfütterung von schimmligem Heu bei Pferden Bronchitis und -später Dämpfigkeit beobachtet (Preuss. Vet.-Ber. 1900). — Nach der -Verfütterung von schimmligem, in Ziegelsteingruben aufbewahrtem -Getreide zeigten mehrere Kühe (nicht alle!) grosse Abgeschlagenheit, -angestrengte Atmung, Verstopfung und Durchfall, schleimig-eitrigen -Nasenausfluss und Gehirnerscheinungen (Drängen mit dem Kopf gegen -die Wand); nach etwa 5 Tagen trat der Tod ein. Die Sektion ergab -fleckige Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut, Tracheitis und -Bronchitis, Lungenemphysem sowie Gehirnhyperämie (<em class="gesperrt">Mayo</em>, -Am. vet. rev. 1901). — Nach der Verfütterung von schimmligem -Haferstroh verendeten 4 Rinder, nachdem übelriechender Durchfall, -Lähmung des Schlundkopfes, Schwäche der Nachhand sowie allgemeines -Sopor vorausgegangen waren (Bild der Gebärparese); die Sektion -ergab zahlreiche Hämorrhagien und geschwürige Substanzverluste auf -der Magendarmschleimhaut, blutigen Darminhalt, Fettdegeneration -der Leber, sowie Schwellung der Lymphdrüsen (<em class="gesperrt">Wiedenmayr</em>, -Woch. f. Tierh. 1901). — 72 Schafe erkrankten nach Fütterung mit -schimmliger Kleie, 61 starben an Gastroenteritis, sie zeigten -Depressionserscheinungen, Drängen nach vorne und Lähmung. 4 Kühe -starben gleichfalls an Gastroenteritis; sie zeigten Schlinglähmung, -Schlummersucht und allgemeine Lähmung (<em class="gesperrt">Hesse</em>, <em class="gesperrt">Hoppe</em>,<span class="pagenum" id="Seite_340">[S. 340]</span> -Preuss. Veter.-Bericht 1904). — Nach der Fütterung von 2 kg -schimmligem Schwarzbrot (Mucor Mucedo) zeigte eine Stute Kolik, -Dyspnoe, Verstopfung, hohes Fieber, sowie dummkollerartige -Erscheinungen; erst nach 4 Wochen konnte durch entsprechende -Behandlung (Laxantien) Heilung erzielt werden (<em class="gesperrt">Motz</em>, -Bad. Mitt. 1905). — 2 Pferde starben innerhalb 24 Stunden nach -der Fütterung von schimmligem Häcksel unter Kolikerscheinungen, -angestrengter Atmung, Verstopfung und Durchfall, Schlafsucht und -allgemeiner Lähmung; die Sektion ergab Darm- und Bauchfellentzündung, -Leberschwellung und lackfarbiges Blut (<em class="gesperrt">Kränzle</em>, Woch. f. -Tierh. 1908). Weitere Fälle von Vergiftung durch Schimmelpilze finden -sich im Preuss. Vet.-Ber. pro 1907. — Nach <em class="gesperrt">Sturli</em> (Wien. -klin. Woch. 1908) erzeugt der alkoholische Extrakt von Penicillium -glaucum bei Kaninchen Krämpfe.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Brandpilze">Vergiftung durch Brandpilze.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Die Brandpilze (Ustilagineen) wirken in folgenden -Gattungen giftig:</p> - -<p>I. <em class="gesperrt">Tilletia Caries</em>, der <em class="gesperrt">Steinbrand</em>, <em class="gesperrt">Schmierbrand</em> -oder <em class="gesperrt">Stinkbrand</em> des Weizens und Dinkels. Die Sporen besitzen -eine kugelige Form, blassbraune Farbe, sowie eine netzartige -Oberflächenzeichnung. Die damit befallenen Weizen- und Dinkelähren -produzieren leichte, kurze, gedunsene Körner mit graubrauner, dünner -Schale und schmierigem oder pulverigem, nach Heringslake riechendem -Inhalt (Sporen).</p> - -<p>II. <em class="gesperrt">Ustilago.</em> von toxikologischer Bedeutung sind: 1. -<em class="gesperrt">Ustilago Carbo</em>, der <em class="gesperrt">Staubbrand</em>, <em class="gesperrt">Flugbrand</em>, -<em class="gesperrt">Russbrand</em> des Weizens, Hafers, der Gerste und der -Wiesengräser, welcher in Form einer schwarzen, geruchlosen, -pulverigen Staubmasse die Aehren und Gräser befällt. Seine Sporen -sind ebenfalls kugelrund und braun, besitzen aber im Gegensatz -zu den Sporen von Tilletia Caries eine glatte Oberfläche und -geringere Grösse (halb so gross). 2. <em class="gesperrt">Ustilago maïdis</em>, der -<em class="gesperrt">Maisbrand</em> oder <em class="gesperrt">Beulenbrand</em>, welcher streifen- oder -beulenförmige Auftreibungen von anfangs weisser, später schwarzgrauer -Farbe an den Stengeln, Blättern und Blüten des Maises hervorruft, -deren Inhalt eine schwarze, schmierige oder pulverige Masse bildet. -Die Sporen sind braun, kugelig, halb so gross wie Tilletia Caries -und besitzen eine schwach stachelige Oberfläche. 3. <em class="gesperrt">Ustilago -longissima</em>, befällt Glyceria (Poa) aquatica (Süssgras, -Wasserschwaden) und bildet hellbraune, mit braungrünem Pulver -gefüllte Streifen. Die Sporen sind unregelmässig rund, blassbraun, -glatt und etwa nur ¼ so gross wie die von Tilletia Caries. 4. -<em class="gesperrt">Ustilago echinata</em> kommt auf Phalaris arundinacea (Schilf) vor. -Auch auf dem Schilfgras (Phragmites communis, Phalaris arundinacea) -siedeln sich Brandpilze an.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Von den oben genannten Brandpilzen ist weitaus -am giftigsten und gefährlichsten der Schmier- oder Stinkbrand -des Weizens und Dinkels, <em class="gesperrt">Tilletia Caries</em>. Vergiftungen -sind namentlich bei Rindern, aber auch bei Schafen und Pferden -(Müllerpferden) sowie Schweinen nach dem Verfüttern der brandigen -Dinkelspreu beobachtet worden. In Bayern wurden Vergiftungen namentlich -unter dem Vieh der Abdecker beobachtet (sog. Wasenmeisterkrankheit). -Auch bei den Brandpilzen hat man, ähnlich wie<span class="pagenum" id="Seite_341">[S. 341]</span> bei den Schimmelpilzen, -vielfach die Erfahrung gemacht, dass sie von den Haustieren längere -Zeit ohne Schaden aufgenommen werden können. In Uebereinstimmung -damit sind Fütterungsversuche bei gesunden Tieren (vergl. unten) -teils negativ ausgefallen, teils haben sie eine relativ geringe -Wirkung ergeben. Diese Beobachtungen berechtigen jedoch nicht zu -der allgemeinen Schlussfolgerung, dass die Brandpilze wenig oder -gar nicht giftig sind. Vielmehr ist die Giftigkeit der Brandpilze -ähnlich wie die der Schimmelpilze offenbar nach den äusseren und -inneren Umständen sehr verschieden (Entwicklungsformen der Pilze, -Menge, Nährboden; Beschaffenheit der Magen- und Darmschleimhaut, -individuelle Disposition, Immunität). Wie bei den Schimmelpilzen -handelt es sich nicht um ein physikalisches Eindringen der Sporen -ins Blut, sondern um die Bildung eines Toxins. Dieses Toxin der -Brandpilze äussert neben einer reizenden Wirkung auf die Schleimhäute -vor allem eine <em class="gesperrt">lähmende Wirkung auf das Schlingzentrum und das -Rückenmark</em>. Die Krankheitserscheinungen sind folgende. Die Tiere -zeigen infolge Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes sowie der Zunge -<em class="gesperrt">Speichelfluss</em> und <em class="gesperrt">anhaltende Kaubewegungen</em>. Ausserdem -beobachtet man bei meist völlig freier Psyche <em class="gesperrt">Schwäche und Schwanken -beim Gehen</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Umfallen und vollständige motorische -und sensible Lähmung, wobei die Tiere hilflos am Boden liegen</em>. -In anderen Fällen treten die Erscheinungen einer entzündlichen -Reizung der Schleimhäute in den Vordergrund. Die Tiere zeigen dann -<em class="gesperrt">Verstopfung</em>, <em class="gesperrt">Durchfall</em>, Drängen auf den Kot und Harn, -<em class="gesperrt">Scheidenausfluss</em>, <em class="gesperrt">Schwellung der Augenlider</em>, Tränenfluss, -erschwerte Atmung sowie die Erscheinungen eines <em class="gesperrt">Katarrhes der -oberen Luftwege</em>. Endlich kann bei trächtigen Tieren <em class="gesperrt">Abortus</em> -eintreten.</p> - -<p><b>Sektionsbefund.</b> Die <em class="gesperrt">Sektion</em> bietet in manchen Fällen -einen durchaus <em class="gesperrt">negativen</em> oder nur wenig charakteristischen -Befund. In anderen Fällen findet man, insbesonders beim Rind, -entzündliche Veränderungen der Magendarmschleimhaut. Namentlich die -<em class="gesperrt">Labmagenschleimhaut</em> ist zuweilen <em class="gesperrt">gerötet</em>, <em class="gesperrt">entzündlich -geschwollen</em> und mit <em class="gesperrt">Erosionen</em> und <em class="gesperrt">hämorrhagischen -Herden</em> bedeckt. Im Dünndarm findet man häufig eine strichartige, -russige Verfärbung der Schleimhaut (sog. <em class="gesperrt">Aalhaut</em>). In der -Bauchhöhle hat man ferner in einzelnen Fällen eine Ansammlung blutiger -Flüssigkeit angetroffen. Endlich hat man zuweilen Rötung und<span class="pagenum" id="Seite_342">[S. 342]</span> -Entzündung der Maulschleimhaut, Rachenschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf-, -Bronchial-, Tracheal- und Scheidenschleimhaut beobachtet, wodurch der -Krankheitsbefund eine gewisse Aehnlichkeit mit Rinderpest bot. — Die -<em class="gesperrt">Behandlung</em> der Brandpilzvergiftung ist dieselbe wie bei der -Schimmelpilzvergiftung.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Landwirtschaftliches Zentralblatt -für den Netzedistrikt 1868) beobachtete bei 8 Rindern nach der -Verfütterung brandiger Spreu eine rinderpestähnliche Erkrankung, -deren Haupterscheinungen in anhaltendem Kauen und Speicheln, -Kreuzschwäche, allgemeiner Gefühllosigkeit, Tränenfluss, -Lidschwellung, angestrengtem Atmen, Durchfall, Drängen auf den Kot -und Harn, sowie Sehnenhüpfen der Halsmuskeln bestanden. Im Verlaufe -von 3 Tagen starben 3 Rinder. Bei 2 derselben ergab die Sektion -wenig charakteristische Erscheinungen, indem nur eine Rötung der -Digestionsschleimhaut nachzuweisen war. Im 3. Falle waren dagegen -entzündliche Schwellung der Magendarmschleimhaut, Erosionen und -Hämorrhagien im Labmagen und Dünndarm sowie strichartige, russige -Verfärbung der Darmschleimhaut („Aalhaut“) nachzuweisen. Zwei -Pferde erkrankten unter ähnlichen Erscheinungen. Eine ältere Kuh, -welcher versuchsweise der aus der Spreu erhaltene schwarze Staub -gefüttert wurde, erkrankte am 2. Tag an Kreuzschwäche und zeigte -am 3. Tag Schwanken, Umfallen, Eingenommenheit und Speichelfluss. -— <em class="gesperrt">Adam</em>, <em class="gesperrt">Koch</em> und <em class="gesperrt">Herele</em> (Adams Wochenschr. -1876–1878) konstatierten ebenfalls bei Rindern und Schafen eine -rinderpestartige Erkrankung nach der Aufnahme brandiger Dinkelspreu. -Die Erscheinungen bestanden in andauerndem Speichelfluss, Kauen, -Verstopfung, Drängen auf den Kot, Tränenfluss, Scheidenausfluss, -Lähmung des Schlingapparates, sowie Paralyse des Hinterteils. -Der Tod erfolgte nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Bei der -Sektion fand man Rötung der Magendarmschleimhaut, entzündliche -Schwellung, Ekchymosen, Erosionen im Labmagen, im Dünndarm eine -sog. Aalhaut, in der Bauchhöhle blutige Flüssigkeit, ausserdem -Entzündung der Respirationsschleimhaut, sowie der Schleimhaut der -Maulhöhle, der Nasenhöhle und Scheide. — <em class="gesperrt">Vogel</em> (Repertor. -1879) beobachtete bei 4 Müllerpferden nach der Verfütterung -brandiger Dinkelspreu im wesentlichen nur die Erscheinungen einer -allgemeinen Körperlähmung bei freier Psyche; die Tiere lagen -gelähmt am Boden, unfähig sich zu erheben. Ausserdem zeigten -dieselben Schlinglähmung. Die längste Krankheitsdauer betrug 9 -Tage. Bei der Sektion fand man mit Ausnahme der sog. Aalhaut im -Dünndarm nichts Charakteristisches. — <em class="gesperrt">Berndt</em> (Ad. Woch. -1880) sah bei Schweinen eiterige Bronchitis, entzündliche Rötung -der Magenschleimhaut, Erosionen und entzündliche Schwellung der -Dünndarmschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf- und Trachealschleimhaut. — -<em class="gesperrt">Gerlach</em> (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), <em class="gesperrt">Haselbach</em> -(Magazin 1860) und <em class="gesperrt">Bertsche</em> (Landwirtschaftl. Tierzucht -1885) beobachteten bei mehreren Rindern nach der Verfütterung -von Tilletia und Ustilago Maïdis Abortus, welcher auch nach der -Verfütterung von Phalaris arundinacea vorkommen soll (Ustilago -echinata). — <em class="gesperrt">Wankmüller</em> (Ad. Wochenschr. 1884) sah nach -Aufnahme von Russbrand Speichelfluss, Zungenlähmung, unterdrückte -Peristaltik, Kolik, Durchfall, Mydriasis, vermehrte Tränensekretion, -Koma und Tod nach 15–18 Stunden. Die Sektion ergab Entzündung des -Schlundes und Kehlkopfes, umschriebene Rötung im Dünn- und Dickdarm -sowie seröse Durchfeuchtung des Gehirns. — <em class="gesperrt">Köpke</em> (Preuss. -Mitteil. 1877) hat nach der Aufnahme von Wasserschwaden (Glyceria -= Poa aquatica), welcher mit Ustilago longissima besetzt war, beim -Rind plötzliches Aufhören im Fressen, Schlinglähmung, Schwanken, -Zusammenstürzen, Unvermögen sich zu erheben, Zähneknirschen und -Herzklopfen beobachtet. — <em class="gesperrt">Rost</em> (Sächs. Jahresber. 1889) -sah innerhalb weniger Tage zahlreiche Kühe erkranken, welche mit -befallener (Tilletia Caries) Weizenspreu gefüttert worden waren. -Sie zeigten Mattigkeit, Schläfrigkeit, schwere Beweglichkeit oder -Unvermögen aufzustehen. — <em class="gesperrt">Neidhardt</em> (Woch. f. Tierheilkunde -1890) beobachtete bei Rindern Zittern, Schlingbeschwerden, Geifern, -Husten, Schwäche und Lähmung der Nachhand, rapide Abmagerung, -anfangs Verstopfung,<span class="pagenum" id="Seite_343">[S. 343]</span> später Durchfall. Der Tod trat nach 2–7 Tagen -ein. — <em class="gesperrt">Hohenleitner</em> (ibid.) sah bei seinem eigenen Pferde -nach der Verfütterung von brandiger Kleie auffallendes Schwanken -der Nachhand. — <em class="gesperrt">Eckmeyer</em> (ibid. 1891) sah bei Rindern -heftige Kolik, Speichelfluss, Durchfall und Polyurie sowie Abortus. -— Nach <em class="gesperrt">Voss</em> (Berl. Arch. 1892) erkrankten 5 Pferde nach -dem Genuss von brandigem Weizenkaff unter Verdauungsstörungen, -Harndrang, Pupillenerweiterung und Schwäche der Nachhand. — -<em class="gesperrt">Kögl</em> (Woch. f. Tierheilkunde 1897) sah bei 2 Kühen heftigen -Speichelfluss mit andauernden Kaubewegungen, Schlinglähmung sowie -Lähmung des Hinterteils; der Sektionsbefund war negativ. — -<em class="gesperrt">Grossmann</em> (Veterinarius 1899) sah 25 Schafe nach dem Fressen -von Maisfruchtstielen erkranken, welche reichlich mit Brandsporen -von Ustilago maïdis besetzt waren. Sie zeigten grosse Hinfälligkeit; -19 Schafe starben; bei der Sektion fanden sich Erosionen im Magen -und Darm. — In verschiedenen Dörfern Sigmaringens erkrankten -mehrere Pferde nach dem Verfüttern von Spelzen, die mit Brandpilzen -(Tilletia und Ustilago Carbo) befallen waren. Die Pferde zeigten -verminderte Fresslust, Schwanken und Taumeln und konnten sich ohne -Hilfe nicht erheben. In gerader Richtung gingen sie gut, sobald -aber Seitwärtsbewegungen ausgeführt wurden, fielen sie um (Preuss. -Veterinärber. 1900). — Nach der Fütterung von brandigem Mais starben -angeblich 3 Hirsche sowie zahlreiche Pferde, die letzteren, nachdem -Kolik, Verstopfung, blutiger Durchfall, Schweissausbruch, Schwanken -und Taumeln vorausgegangen waren; die Sektion ergab das Vorhandensein -von Gastroenteritis (<em class="gesperrt">Nessl</em>, Tierärztl. Zentralbl. 1907). — -Der im Gestüt Beberbeck im Jahr 1907 aufgetretene seuchenartige -Abortus ist wahrscheinlich durch Brandpilze veranlasst worden; der -Weizen war nämlich in diesem Jahr stark mit Brandpilzen befallen; -ausserdem zeigten die Weidegräser viel Rostpilze (<em class="gesperrt">Mieckley</em>, -Zeitschr. f. Gestütkunde 1908). — Gänse starben nach der -Aufnahme von brandiger Kleie an korrosiver Magendarmentzündung -(<em class="gesperrt">Spitzer</em>, Preuss. Veterinärber. pro 1907).</p> - -<p><b>Fütterungsversuche.</b> <em class="gesperrt">Pusch</em> (Deutsche Zeitschr. f. -Tiermed. 1893) hält auf Grund von Fütterungsversuchen mit brandigem -Weizen (Tilletia Caries) bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen -und Schweinen im Gegensatz zu den in der Literatur enthaltenen -positiven Beobachtungen die Giftigkeit des Stinkbrands nicht -für erheblich. Die Versuchstiere ertrugen verhältnismässig sehr -grosse Mengen von brandigem Futter ohne wesentliche Nachteile. Nur -bei einzelnen Tieren trat Durchfall, bei andern übelriechender -Kot sowie Appetitsverstimmung auf. Die subkutane Injektion von -Sporenextrakten sowie die Inhalation von Sporen rief keinerlei -Krankheitserscheinungen hervor. Dagegen trat bei 6 tragenden -Meerschweinchen Verkalben auf. Mäuse, Sperlinge und ein Hahn -starben an einer schweren hämorrhagischen Gastroenteritis. Auch -<em class="gesperrt">Albrecht</em> (Münch. Jahresber. 1894/95) ist auf Grund von -Fütterungsversuchen bei trächtigen Ziegen und Schafen zu der Ansicht -gekommen, dass selbst viel grössere Mengen von Tilletia Caries, als -unter gewöhnlichen Verhältnissen zur Verfütterung kommen, Abortus -nicht hervorrufen, überhaupt den Gesundheitszustand in keiner -Weise beeinträchtigen. Ein ähnliches negatives Resultat ergaben -Fütterungsversuche mit brandigem Weizen (Ustilago maïdis) bei -trächtigen Schafen, Ziegen und Hündinnen (Woch. f. Tierh. 1902). -<em class="gesperrt">Appel</em> und <em class="gesperrt">Koske</em> (Versuche über die Wirkung einiger als -schädlich verdächtiger Futtermittel. Arb. a. d. Kais. biol. Anstalt -für Land- und Forstwirtschaft 1907) stellten Fütterungsversuche mit -dem Steinbrand des Weizens (Tilletia tritici) bei Schweinen und beim -Geflügel an. Gesunde Schweine erkrankten nicht, auch wenn grosse -Mengen von Steinbrandsporen dem Futter beigemengt wurden, ebenfalls -nicht Hühner und Tauben. Sie sind der Meinung, dass in den Fällen -einer ungünstigen Futterwirkung der Nachweis von Brandsporen nicht -als eine genügende Erklärung für die Schädlichkeit eines solchen -Futters angesehen werden könne (?).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Rostpilze">Vergiftung durch Rostpilze.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Von den Rostpilzen (Uredineen) sind nachstehende -Gattungen von toxikologischer Bedeutung:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_344">[S. 344]</span></p> - -<p>I. <em class="gesperrt">Puccinia</em> und zwar: 1. <em class="gesperrt">Puccinia Graminis</em>, der -<em class="gesperrt">gemeine Gras-</em> oder <em class="gesperrt">Getreiderost</em>, erzeugt rostgelbe -Flecken an den Blättern des Roggens, Weizens, Hafers, der Gerste, von -Triticum repens, Agrostis vulgaris, Lolium perenne. 2. <em class="gesperrt">Puccinia -Straminis</em>, der <em class="gesperrt">Strohrost</em>, bildet schwarze Flecken auf -Roggen-, Weizen-, Gerstenstroh, Hordeum murinum. 3. <em class="gesperrt">Puccinia -coronata</em>, der <em class="gesperrt">Kronenrost</em>, schwärzliche Flecken auf Hafer -und Alopecurus pratensis bildend. 4. <em class="gesperrt">Puccinia arundinacea</em>, -auf den Blättern und Halmen des gemeinen Schilfrohrs, Phragmites -communis, in Form schwarzer, länglicher Flecken vegetierend.</p> - -<p>II. <em class="gesperrt">Uromyces</em>, der <em class="gesperrt">Leguminosenrost</em>, namentlich auf -schwedischem Klee (Trifolium hybridum) in Form kleiner, schwarzer -Punkte als Uromyces apiculatus parasitierend.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Vergiftungen durch Rostpilze -ereignen sich bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach -der Verfütterung von rostigem Grünfutter, Heu, Stroh, Schilfgras -(Phragmites communis) und schwedischem Klee (Trifolium hybridum). -Das Krankheitsbild scheint je nach dem Entwicklungszustand der -betreffenden Rostpilze (Uredosporen — Teleutosporen) sowie nach der -individuellen Disposition der einzelnen Tiere verschieden zu sein. -Die Rostpilze wirken nämlich bald <em class="gesperrt">entzündungserregend</em> auf -<em class="gesperrt">Haut</em> und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em>, bald <em class="gesperrt">lähmend</em> auf das -<em class="gesperrt">Zentralnervensystem</em>. Von den Schimmelpilzen und Sprosspilzen -unterscheiden sich die Rostpilze durch eine stärkere, auch auf die -äussere Haut sich erstreckende, reizende Lokalwirkung (Dermatitis).</p> - -<p>Die wichtigsten Krankheitserscheinungen der Rostpilzvergiftung -sind: <em class="gesperrt">Rötung</em>, <em class="gesperrt">Schwellung und Entzündung der Haut</em>, -<em class="gesperrt">der Lippen</em>, <em class="gesperrt">Backen</em>, <em class="gesperrt">der Lider</em>, <em class="gesperrt">des -Kopfes</em>, <em class="gesperrt">Urtikaria über den ganzen Körper</em>, <em class="gesperrt">starker -Juckreiz</em>, <em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, <em class="gesperrt">Tränen</em>. Dieselben -Entzündungserscheinungen bilden sich auf der Digestionsschleimhaut. -Die Tiere <em class="gesperrt">speicheln</em> anhaltend und intensiv infolge einer -<em class="gesperrt">Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Glossitis</em> und <em class="gesperrt">Pharyngitis</em> -(Verwechslung mit Maul- und Klauenseuche; sog. sporadische Aphthen), -zeigen <em class="gesperrt">Kolikerscheinungen</em>, <em class="gesperrt">ruhrartigen</em> und selbst -<em class="gesperrt">blutigen Durchfall</em>, sowie als Symptom einer gleichzeitig -bestehenden Nephritis <em class="gesperrt">Hämaturie</em>. In manchen Fällen soll bei -Pferden auch <em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em> beobachtet worden sein. Die -Allgemeinerscheinungen bestehen in <em class="gesperrt">Schwanken</em>, grosser Schwäche -und Hinfälligkeit, <em class="gesperrt">Lähmung des Hinterteils</em>, Zusammenbrechen, -Unvermögen aufzustehen, <em class="gesperrt">Blasenlähmung</em>, <em class="gesperrt">Abortus</em>, -<em class="gesperrt">Benommenheit des Sensoriums</em>, <em class="gesperrt">Somnolenz</em>, Zähneknirschen, -pochendem Herzschlag, Temperaturerhöhung etc. Der Verlauf ist<span class="pagenum" id="Seite_345">[S. 345]</span> zuweilen -sehr akut, so dass der Tod schon innerhalb weniger Stunden eintreten -kann. In einzelnen Fällen hat man endlich ikterische Erscheinungen -beobachtet.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man neben den beschriebenen Veränderungen -auf der Haut <em class="gesperrt">hämorrhagische Gastroenteritis</em>, <em class="gesperrt">Nephritis</em> -und <em class="gesperrt">Zystitis</em>, Rötung und Schwellung der Scheiden- und -Mastdarmschleimhaut, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. — -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> ist dieselbe wie bei der Schimmelpilzvergiftung.</p> - -<p><b>Kleekrankheit.</b> Die bei den Pferden zuweilen in grösserer -Verbreitung, seltener bei Rindern vorkommende sog. Kleekrankheit, -welche nach der ausschliesslichen Fütterung von schwedischem Klee -(<em class="gesperrt">Trifolium hybridum</em>) beobachtet wird, ist wahrscheinlich -ebenfalls durch Rostpilze, und zwar durch <em class="gesperrt">Uromyces apiculatus</em> -bedingt. Die Erscheinungen dieser Krankheit bestehen in einer -Anschwellung des Vorkopfes nebst einer hochgradigen <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, -welche sich durch intensives Speicheln äussert und wobei sich -Geschwüre bilden. Aehnliche Veränderungen beobachtet man auch auf -den mit <em class="gesperrt">weissen Abzeichen versehenen Hautstellen des Kopfes und -der Gliedmassen</em> (Blässe, weisse Fessel). Es entstehen hier -gelbliche, an einzelnen Stellen mit Blasen besetzte und allmählich -durch Mumifikation sich abstossende Flecke, welche sehr schmerzhaft -sind (ähnliche Prozesse werden auch bei der Lupinose beobachtet). -Die lupinoseähnlichen allgemeinen Krankheitserscheinungen nach -ausschliesslicher Kleefütterung äussern sich in <em class="gesperrt">ikterischer</em> -Verfärbung der Maulschleimhaut und Konjunktiva, <em class="gesperrt">Kolikanfällen</em>, -<em class="gesperrt">hochgradiger Mattigkeit</em> und <em class="gesperrt">Schlafsucht</em> neben -<em class="gesperrt">nervöser Aufregung</em> (Zuckungen, Raserei, epileptiforme Zufälle), -<em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Taumeln</em>, <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em> -(Amaurosis, Schlund- und halbseitige Lähmungen). Die letztgenannten -Erscheinungen haben grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbild der -Gehirnentzündung des Pferdes. Genaueres über die Kleekrankheit ist -in dem Lehrbuch der speziellen Pathologie von <em class="gesperrt">Friedberger</em> und -<em class="gesperrt">mir</em> zu finden (7. Aufl. 1908, I. Bd.).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Schmidgen</em> (Sächs. Jahresber. 1876) -beobachtete bei 60 Pferden einer Kaserne, welche rostiges -Stroh erhalten hatten, schmerzhafte Anschwellungen am Kopf, -namentlich an den Lippen, Backen und Lidern, bei einzelnen ferner -Urtikaria über den ganzen Körper mit starkem Juckreiz, ausserdem -Appetitlosigkeit, leichte Kolik, Durchfall, schmerzhaften Husten -und Schweissausbruch. - <em class="gesperrt">Stöhr</em> (Preuss. Mitteil., N. F. I) -sah bei zwei Pferden, welche stark rostiges Roggenstrohhäcksel -erhalten hatten, leichten Durchfall, vollständige Lähmung des<span class="pagenum" id="Seite_346">[S. 346]</span> -Hinterteils, Krämpfe, sowie nach 5–24 Stunden Tod. — <em class="gesperrt">Bluhm</em> -(ibid., Jahrgang 22) sah nach der Verfütterung rostiger Hafergarben -anginaähnliche Erscheinungen. Gleichzeitig stellten sich bei den -dreschenden Arbeitern Anschwellungen der Kopfschleimhäute ein. -— <em class="gesperrt">Rosenbaum</em>, <em class="gesperrt">Haarstick</em> und <em class="gesperrt">Friebe</em> (Preuss. -Mitteil., Bd. 26; N. F. 3 und 6) beobachteten nach der Fütterung von -rostigem Schilfgras entzündliche Schwellung der Maul-, Nasen- und -Augenschleimhaut, Speicheln, Kolik, Verstopfung, blutigen Durchfall, -Hämaturie, Schwäche, Hinfälligkeit, Lähmung des Hinterteils, sowie -Tod innerhalb 24 Stunden. Bei der Sektion fand man hämorrhagische -Gastroenteritis, Nierenentzündung, Blasenentzündung, sowie -Hämorrhagien unter den serösen Häuten. — <em class="gesperrt">Köpke</em> (Preuss. -Mitteil. 1878 und 1885) sah bei Rindern nach der Aufnahme von -rostigem Schilf Schwanken, Umfallen, unwillkürlichen Harnabgang, -Zähneknirschen, pochenden Herzschlag; in einem Falle erkrankten -80 Rinder, von welchen 12 innerhalb 1–1½ Stunden unter -allgemeinen Lähmungserscheinungen starben. Bei der Sektion fand man -Rötung der Labmagenschleimhaut, der Konjunktival-, Scheiden- und -Mastdarmschleimhaut, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -— <em class="gesperrt">Plättner</em> (Zeitschrift für Veterinärkunde 1893) beschreibt -bei Pferden eine akute tödliche Vergiftung nach der Aufnahme von -mit Rostpilzen befallenem Futter, deren Erscheinungen in leichter -Kolik, Appetitlosigkeit, Harnbeschwerden, Schwanken und allgemeiner -Lähmung bestanden. — <em class="gesperrt">Wienke</em> (Berl. Archiv 1893, S. 311) -beobachtete in einem Rindviehbestande nach der Verfütterung von -Haferstroh, welches stark mit Rostpilzen besetzt war, Speichelfluss, -Rötung und Schwellung der Maulschleimhaut, steife Bewegung sowie -Hinfälligkeit; alle Tiere genasen nach dem Aussetzen des Futters. — -<em class="gesperrt">Lameris</em> u. <em class="gesperrt">Poels</em> (Holländ. Jahresber. 1889) beschreiben -eine in Südholland alljährlich grassierende Rindviehkrankheit, -welche daselbst grosse Verluste verursachte, und führen dieselbe -auf eine Vergiftung durch Puccinia und Ustilagopilze zurück. Die -Krankheit beginnt mit klonischen Krämpfen und Hyperästhesie, worauf -Depression, Sopor, Anästhesie und Lähmung folgt. Der Verlauf ist bald -perakut (wenige Minuten bis 2 Stunden), bald akut (2 Stunden bis 1 -Tag), bald subakut (2–7 Tage). — <em class="gesperrt">Grischin</em> (Petersb. Archiv -1887) beobachtete seuchenartigen Abortus und Sterben der Kälber -infolge Fütterung der Kühe mit Haferstroh, das stark mit Rostpilzen -befallen war. — <em class="gesperrt">Bauer</em> (Wochenschr. f. Tierh. 1890) sah bei -2 Kühen nach der Aufnahme von rostigem Weizen und Hafer Speicheln, -Schlingbeschwerden, Schlinglähmung sowie allgemeine, an das Bild -des Kalbefiebers erinnernde Lähmung mit schlafartigem Zustande. Die -Kühe verendeten nach 8tägiger Krankheit. — <em class="gesperrt">Johow</em> (Berl. -Arch. 1897) beobachtete nach der Verfütterung von rostigem Stroh -und Kleeheu bei Rindern Lähmung der Zunge, des Schlundkopfes und -der Gliedmassen. — <em class="gesperrt">Ostermann</em> (B. t. W. 1895) beschreibt -eine Vergiftung durch Uromyces viciae (Wickenrost) bei einem Rinde. -Dieselbe äusserte sich hauptsächlich in Lähmung der Kau- und -Schlingmuskeln. — <em class="gesperrt">Vogel</em> (D. t. W. 1893) behandelte eine -durch Uromyces verursachte Massenerkrankung von Kühen, bei der -ausser einer hämorrhagischen Gastroenteritis papulöse und eiternde -Exantheme auf der Haut, Bindehaut und Schleimhaut die Hauptrolle -spielen. — <em class="gesperrt">Hahn</em> (Preuss. Mitteil., N. F. IV. Jahrg.) sah -bei 12 Sauglämmern einer Herde, die auf Lupinen und Kleestoppel -gehütet wurde, rings um die Maulöffnung an beiden Lippenflächen -Pusteln, mit gelbweissem Inhalt sowie Schorfe; in der Maulhöhle, -namentlich am Zahnrand des Unterkiefers, waren granulierende -Geschwüre vorhanden. Andere Lämmer zeigten einen Knötchenausschlag -auf der Haut. Bei den Mutterschafen waren vereinzelt am Euter -Pusteln wahrzunehmen. Mit dem Einstellen des Weidegangs verschwand -die Erkrankung. — <em class="gesperrt">Szilasci</em> (B. t. W. 1908) beobachtete in -einem Halbblutgestüt von 100 Pferden toxische Hämoglobinurie nach -dem Weiden auf einer Kleeweide, die stark mit Rostpilzen (Uromyces -Trifolii) befallen war. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in -Verstopfung, Durchfall, blutigen Kot, Hämoglobinurie (?), Anämie, -leichtem Ikterus und mässigem Fieber. Trypanosomen im Blute fehlten. -— <em class="gesperrt">M. Müller</em> (ibid.) berichtet über seuchenartiges Auftreten -von Rostpilzvergiftungen bei Pferden, Rindern und Schafen in -Elsass-Lothringen. Die Pferde zeigten Lähmung der Nachhand bei feinem -Sensorium; das Krankheitsbild bei Rindern erinnert teils an Maul- -und Klauenseuche, teils an Gebärparese: Lähmung, starkes Speicheln -(Schlundkopflähmung);<span class="pagenum" id="Seite_347">[S. 347]</span> der Sektionsbefund war völlig negativ. — -<em class="gesperrt">Trattner</em> (D. t. W. 1909) sah bei 54 Artilleriepferden nach -der Aufnahme von stark befallenem Stroh (Puccinia graminis) die -Erscheinungen der Stomatitis und Dermatitis (Lippen, Nase) auftreten.</p> - -<p><b>Kleekrankheit.</b> 5 Pferde erhielten längere Zeit hindurch -ausschliesslich blühenden schwedischen Klee (Trifolium hybridum). -3 ältere Pferde erkrankten hierauf schwer, während 2 Fohlen gesund -blieben. Die Pferde standen schlafsüchtig, mit hängenden Köpfen -auf der Wiese, nahmen zeitweise ein Maul voll Gras, ohne es -abzuschlucken, und zeigten ein ähnliches Bild wie bei der subakuten -Gehirnentzündung. Die Schleimhäute des Maules und Auges waren -zitronengelb gefärbt. Auf der Maulschleimhaut zeigten sich grosse -Epitheldefekte. Der Gang war schwankend, taumelnd. Ausserdem bestand -wässeriger Durchfall, und die Tiere waren ausserordentlich schwach -und abgemagert. Ein Pferd starb am 3. Tage plötzlich; die beiden -andern erholten sich später (<em class="gesperrt">Michael</em>, Sächs. Jahresber. 1898). -— Nach der Verfütterung von schwedischem Klee starben zwei Pferde. -Sie zeigten Appetitlosigkeit, Gehirndepression, taumelnden Gang, -orangerote Verfärbung der Bindehaut, häufiges Urinieren, Kolik, sowie -Nekrose kleiner Schleimhautpartien der Zunge. Ein anderes Pferd -zeigte allgemeine Lähmung, Schlinglähmung und Koma (<em class="gesperrt">Kleine</em>, -Preuss. Vet.-Ber. 1904).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Kernpilze">Vergiftung durch Kernpilze.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> Von den Kernpilzen (Pyrenomyzeten) ist die -wichtigste Gattung, Claviceps purpurea, bereits in einem besonderen -Kapitel (Mutterkornvergiftung) besprochen worden. Sonstige -pathogene Kernpilze sind: 1. <em class="gesperrt">Polydesmus exitiosus</em>, der -<em class="gesperrt">Rapsverderber</em> (Sporidesmium exitiosum), schwarzgraue oder -schwarzbraune Flecken auf den grünen Teilen des Rapses bildend. 2. -<em class="gesperrt">Polythrincium Trifolii</em> (Sphaera Trifolii), die Ursache des -Schwarzwerdens des Klees. 3. <em class="gesperrt">Epichloë typhina</em> (Polystigma -typhinum), auf verschiedenen Grasarten parasitierend.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Die Kernpilze besitzen -eine ähnliche <em class="gesperrt">entzündungserregende</em> Wirkung auf <em class="gesperrt">Haut</em> -und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em> wie die Rostpilze. Das Krankheitsbild -hat infolgedessen beim Rind oft grosse Aehnlichkeit mit dem der -Maul- und Klauenseuche. Sie wirken ferner <em class="gesperrt">lähmend</em> auf das -<em class="gesperrt">Zentralnervensystem</em>. Die wichtigsten Krankheitserscheinungen -sind: <em class="gesperrt">Stomatitis</em>, <em class="gesperrt">Pharyngitis</em>, <em class="gesperrt">Rhinitis</em>, -<em class="gesperrt">Konjunktivitis</em>, <em class="gesperrt">Dermatitis</em>, <em class="gesperrt">Gastritis</em>, -<em class="gesperrt">Enteritis</em>, <em class="gesperrt">Schwanken</em>, <em class="gesperrt">Kreuzschwäche</em>, <em class="gesperrt">allgemeine -Lähmung</em>.</p> - -<p>Einen Fall von Vergiftung bei Lämmern nach der Aufnahme von -Rapskuchen, welche stark mit Polydesmus exitiosus durchsetzt -waren, hat <em class="gesperrt">Berndt</em> (Berliner Archiv 1887) beschrieben. Die -Krankheitserscheinungen bestanden im wesentlichen in einer letal -verlaufenden Stomatitis und Rhinitis ulcerosa. Die Maul- und -Nasenschleimhaut zeigten Erosionen; zwischen den Epithelzellen liessen -sich Fäden und Sporen des Rapsverderbers mikroskopisch nachweisen. Die -Tiere starben unter den Erscheinungen von Mattigkeit,<span class="pagenum" id="Seite_348">[S. 348]</span> Schwanken und -erschwerter Respiration. Nach <em class="gesperrt">Brümmer</em> (Der Tierfreund 1879) -erkrankten 16 Kühe, welche auf Rapsstoppelfeldern weideten, unter den -Erscheinungen der Maul- und Klauenseuche. Sie zeigten Stomatitis, -Dermatitis am Klauenspalt und Euter, Rhinitis und Konjunktivitis. Auch -4 Pferde sowie mehrere Versuchskälber und Versuchsferkel zeigten die -Erscheinungen der Stomatitis. Die Ursache der Erkrankung liegt nach -<em class="gesperrt">Brümmer</em> in der Keimung und Ansiedlung der Sporen des Kernpilzes -auf den Schleimhäuten und auf der Haut. <em class="gesperrt">Roloff</em> (Preuss. -Mitteil. XIX) beobachtete bei einer grösseren Schafherde, welche -bei Sonnenschein auf einem Rapsfelde weidete, heftige Stomatitis, -Anschwellung der Lippen, sowie Konjunktivitis. Ueber eine Vergiftung -durch Polythrincium Trifolii hat <em class="gesperrt">Weber</em> (Sächs. Jahresber., -Bd. IX) berichtet: 5 Kühe zeigten plötzlich Kolik, Schwanken, -sowie vollständige Lähmung des Hinterteils; 4 mussten geschlachtet -werden, die fünfte genas, zeigte aber noch mehrere Wochen hindurch -Kreuzschwäche und schwankenden Gang. Bei der Sektion der übrigen -fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nephritis, Hyperämie der -Rückenmarkshäute, sowie Hydrorrhachis in der Lendengegend. <em class="gesperrt">Frank</em> -(Ad. Wochenschr. 1867) beobachtete nach der Verfütterung der mit -Epichloë typhina befallenen Halme von Poa pratensis bei einem Kaninchen -Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schwellung und Gangrän an den Pfoten, -sowie Tod nach 10 Tagen. Weitere Mittheilungen über Kernpilzvergiftung -hat <em class="gesperrt">Schöberl</em> (B. T. W. 1896 und 1899) gemacht.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch verdorbene Futterstoffe.</b> Ausser den im -vorstehenden beschriebenen Pilzvergiftungen kommen alljährlich bei -den Pflanzenfressern und Omnivoren zahlreiche Vergiftungen nach -der Aufnahme verdorbener Futterstoffe vor, deren Aetiologie nicht -aufgeklärt ist. Wahrscheinlich ist ein Teil derselben ebenfalls -durch <em class="gesperrt">Pilze</em>, namentlich durch Schimmelpilze, bedingt. In -anderen Fällen sind <em class="gesperrt">Fäulnis-</em> und <em class="gesperrt">Gärungsprozesse</em> -die Krankheitsursache. Sodann spielen bei der Pathogenese -dieser Vergiftungen, ähnlich wie bei der Fleischvergiftung der -Fleischfresser (vergl. S. 351), vermutlich auch spezifische -<em class="gesperrt">Bakterien</em> eine Rolle. Leider ist dieses sehr wichtige Kapitel -der Veterinärtoxikologie so gut wie gar nicht bearbeitet, während das -der Fleischvergiftungen hinreichend geklärt ist. Die bakteriologische -und chemisch-toxikologische Erforschung dieser bisher rätselhaften -Vergiftungsfälle dürfte insbesondere eine wichtige Aufgabe der -hygienischen Institute der tierärztlichen Lehranstalten bilden.</p> - -<p>Die gewöhnliche Veranlassung zu den oft seuchenartig auftretenden -und dann den Verdacht auf Milzbrand, Rinderpest, Schweinerotlauf -usw. erweckenden Erkrankungen gibt die Aufnahme verdorbener -Futterstoffe. Als solche sind namentlich zu nennen: <em class="gesperrt">faule -Kartoffeln</em>, <em class="gesperrt">verdorbene<span class="pagenum" id="Seite_349">[S. 349]</span> Rübenschnitzel</em> (Rübenpresslinge, -Rübenblätter), <em class="gesperrt">gärende Schlempe</em> und <em class="gesperrt">Biertreber</em>, -<em class="gesperrt">ranzige Oelkuchen</em>, <em class="gesperrt">verdorbenes Stroh</em> etc. Die dadurch -bedingten Krankheitserscheinungen haben grosse Aehnlichkeit mit denen -der Ptomainevergiftung (vergl. S. 351). Sie bestehen einerseits -in Symptomen der <em class="gesperrt">Magendarmentzündung</em> (sog. mykotische -Gastroenteritis), andererseits in nervösen <em class="gesperrt">Erregungs-</em> und -<em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen</em>.</p> -</div> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> Aus der sehr reichhaltigen Literatur mögen -die nachfolgenden charakteristischen Fälle Erwähnung finden. -<em class="gesperrt">Prietsch</em> (Sächs. Jahresber. 1898) beobachtete im Frühjahr 1898 -enzootisch auftretende Magendarmentzündungen bei Rindern, welche mit -angefaulten Kartoffeln gefüttert wurden. Die Tiere zeigten hohes -Fieber, Kolikerscheinungen, anfangs Verstopfung, später unstillbaren, -oft blutigen Durchfall, grosse Schwäche und Hinfälligkeit und -starben meist nach eintägiger Krankheit. — <em class="gesperrt">Röbert</em> (ibid.) -machte genau dieselbe Beobachtung nach der Verfütterung angefaulter -Kartoffeln bei Schweinen; die Tiere verendeten unter profusem -Durchfall innerhalb 2 Tagen. — <em class="gesperrt">Fadyean</em> (Journ. of comp. 1897) -sah 11 Pferde nach der Aufnahme alter, stark fauliger Kartoffeln -unter Schwäche und Lähmungserscheinungen sterben; die Sektion -ergab nur leichte Dickdarmentzündung. — Nach der Verfütterung -verdorbener Runkelrübenblätter zeigten mehrere Rinder hochgradige -Gehirnreizungserscheinungen, Vorwärtsdrängen, Taumeln, Schwanken, -Zusammenstürzen, sowie heftige Krämpfe, andere standen stumpfsinnig -mit gesenkten Köpfen da; die Sektion ergab ein negatives Resultat -(<em class="gesperrt">Gotteswinter</em>, Wochenschr. f. Tierhlkde. 1893). — Nach -der Aufnahme angefaulter Runkelrübenköpfe verendeten 2 Kühe nach -kurzer Krankheit; sie zeigten hohes Fieber, Tympanitis, trockenen, -blutigen Kot, lähmungsartige Schwäche des Hinterteils und raschen -Kräfteverfall; die Sektion ergab hochgradige Entzündung der Labmagen- -und Dünndarmschleimhaut, sowie eiterig-fibrinöse Peritonitis -(<em class="gesperrt">Wilhelm</em>, Sächs. Jahresber. 1892). — Nach <em class="gesperrt">Peters</em> -(Berl. Arch. 1891) treten auf den meisten Zuckerfabriken, in -welchen Schafe zur Mast gehalten werden, alljährlich erhebliche -Verluste infolge der Verfütterung von Rübenschnitzeln auf. Die -Schafe zeigen am ersten Tag Durchfall, am zweiten Erscheinungen von -Gehirnlähmung und sterben am dritten Tag. Die ersten Todesfälle -treten in der Regel 8–10 Wochen nach Beginn der Mastfütterung -auf. — <em class="gesperrt">Bayne</em> (The Vet., Bd. 67) sah Rinder nach der -Aufnahme kranker, fauliger Rüben schon innerhalb zweier Stunden -sterben; als bestes Gegenmittel bewährte sich Schnaps. — Nach -<em class="gesperrt">Arloing</em> (L’Echo vét. 1893) bedingt die Verfütterung der in -Gruben aufbewahrten Rübenpresslinge bei Rindern zuweilen tödlich -verlaufende Vergiftungen, welche wahrscheinlich durch Bakterien -veranlasst werden. — <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Wochenschr. f. Tierhlkde. -1893, Nr. 47) beobachtete nach der Verfütterung verdorbener, faulig -riechender Träber bei Rindern Verdauungsstörungen, psychische -Depression, Muskelschwäche, sowie kleinen Puls. Dagegen fehlten -die sonst bei der Fütterung derartig verdorbener Nahrungsmittel -zu beobachtenden Durchfälle, die Tympanitis, sowie Fieber. -Kontrollfütterungsversuche mit den verdorbenen Träbern bei Schweinen -fielen negativ aus. — <em class="gesperrt">Lehmann</em> (Berl. Arch. 1894) berichtet -über eine tödliche Vergiftung bei 8 Rindern nach der Fütterung von -Branntweinschlempe. Die Tiere zeigten unterdrückte Peristaltik, -Verstopfung, Krämpfe, Vorwärtsdrängen, Tobsucht, Pupillenerweiterung, -heftiges Muskelzittern, Ermattung, Durchfall und Lähmung des -Hinterteils; bei der Sektion fand man Darmentzündung. — <em class="gesperrt">Gips</em> -(Berl. Arch. 1896) sah bei Pferden nach der Verfütterung von Schlempe -neben starkem Durchfall eigenartige Gehirnreizungserscheinungen: -starke Aufregung, gegen die Wand rennen, senkrecht in die Höhe -steigen, Brüllen, Opisthotonus; bei anderen Pferden bildete sich ein -lähmungsartiger Zustand aus. — Nach <em class="gesperrt">Gruber</em> (D. T. W. 1893) -zeigten 2 Kühe nach dem Verfüttern von frisch eingebrachtem Heu -kalbefieberähnliche Erscheinungen: schlafsüchtiges Benehmen, seitlich -zurückgelegten Kopf, Unvermögen aufzustehen, Unempfindlichkeit gegen -Nadelstiche. — <em class="gesperrt">Reinländer</em> (Zeitschr. f. Vet. 1899) sah -bei 7 Pferden nach der Aufnahme von verdorbenem Heu schwankenden, -taumelnden Gang, Blasenlähmung, blutigen Harn, Husten und Schwellung -der Gliedmassen. — <em class="gesperrt">Dorn</em><span class="pagenum" id="Seite_350">[S. 350]</span> (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) -beobachtete bei 6 Rindern nach der Verfütterung von schlecht -heimgebrachtem, halbfauligem Heu heftigen Schüttelfrost, Angst, -beschleunigtes Atmen, starken Schweissausbruch, sowie Oedeme am Kopf, -Hals und an den hinteren Extremitäten. — <em class="gesperrt">Schmid</em> (ibid.) sah -nach derselben Fütterung bei 3 Pferden Durchfall, hohes Fieber, -starke Benommenheit des Sensoriums, sowie Schwäche und Hinfälligkeit. -— <em class="gesperrt">Kampel</em> (Repert. 53. Bd.) sah bei mehreren Pferden nach der -Fütterung von schlechtem Erbsenstroh Lähmung der Nachhand, der Blase -und des Mastdarms bei sonst nicht gestörtem Allgemeinbefinden. Die -Krankheit dauerte 3 Wochen; 3 Pferde starben, die übrigen genasen -langsam. — <em class="gesperrt">Höhne</em> (Berl. Arch. 1894) sah nach Roggenfütterung -bei Pferden Schlinglähmung auftreten, welche gewöhnlich nach 8 Tagen -zum Tod führte (sog. Longerkrankheit). — <em class="gesperrt">Bedel</em> (Recueil -1897) beobachtete bei Kühen nach der Aufnahme angefaulter, sehr -reifer Aepfel Schwanken, tiefes Koma, Umfallen, Pupillenerweiterung, -sowie übelriechenden Durchfall. — <em class="gesperrt">Bissauge</em> berichtet über -Vergiftung bei 6 Kühen durch mehltaubefallene Rebenblätter. — -<em class="gesperrt">Zeisler</em> (B. T. W. 1896) sah bei 35 Rindern nach der Aufnahme -ranziger Erdnusskuchen Kolik mit Durchfall und Verstopfung; bei 5 -geschlachteten Tieren ergab die Sektion Gastroenteritis. — Nach dem -Trinken fauligen Wassers aus Teichen erkrankten ganze Rinderherden -in eigenartiger Weise. Die Tiere stiessen ein heiseres Gebrüll aus, -wurden aufgeregt und gingen aggressiv gegen Personen und Tiere vor; -schliesslich stellten sich Lähmungserscheinungen ein; sämtliche -kranke Tiere starben (<em class="gesperrt">Johnson</em>, Am. vet. rev. 1894). — 11 -Rinder, welche aus einem fast ausgetrockneten Tümpel getrunken -und Schilfgras gefressen hatten, stürzten apoplektiform zusammen; -6 davon verendeten unter Zuckungen; Milzbrand war ausgeschlossen -(<em class="gesperrt">Tietze</em>, Berl. Arch. 1894). — <em class="gesperrt">Zissler</em> (Woch. f. -T. 1901) sah 7 Stück Rinder nach der Verfütterung angefaulter -Kartoffeln unter grosser Schwäche, Umfallen, Lähmungserscheinungen -und Schlingbeschwerden schwer erkranken. — <em class="gesperrt">Laméris</em> (Holl. -Zeitschr. 1900) sah bei 12 Rindern nach der Fütterung verdorbener -Rübenschnitzel Salivation infolge von Schlinglähmung, Ptosis, -Unempfindlichkeit der Kornea, kalbefieberähnliches Koma, hochgradige -Muskelschwäche, Lähmung des Hinterteils, sowie anfangs Verstopfung, -später Durchfall. Die Sektion ergab Entzündung des Dünndarms, eine -sog. Aalhaut in demselben, sowie vereinzelt Labmagenentzündung. -— <em class="gesperrt">Sauer</em> (Woch. f. Tierh. 1902) sah bei 7 Rindern nach der -Aufnahme von faulem Kartoffelkraut Speichelfluss und Schlinglähmung -bei regem Appetit, Verstopfung, Durchfall, Schwäche und Lähmung -der Nachhand bei freiem Sensorium. Sämtliche Tiere mussten -notgeschlachtet werden; der Befund war völlig negativ. — Im Kreis -Niederbarnim traten Vergiftungen nach Verfütterung von verdorbenen -Bierträbern auf. Die erkrankten Tiere zeigten teils Gehirnkrämpfe, -unsichern Gang und Lähmung, teils Nierenentzündung und Lähmung -der Harnblase (Preuss. Vet.-Ber. 1900). — Eine Anzahl 4–7 Monate -alter Kälber erkrankte unter den Erscheinungen der mykotischen -Magendarmentzündung, nachdem sie gebrühtes Gerstenschrot erhalten -hatten, das unvorsichtigerweise mit den Kulturen des Löfflerschen -Mäusetyphusbazillus infiziert worden war (<em class="gesperrt">Krickendt</em>, Berl. -Arch. 1901). — <em class="gesperrt">Diem</em> (Woch. f. Tierh. 1902) beobachtete nach -Träberfütterung bei Rindern Tympanitis, Schlingbeschwerden, Apathie -und Schwächezustände. — <em class="gesperrt">Hentrich</em> (Zeitschr. f. Vet. 1905) sah -nach der Verfütterung von Bierträbern (trockene Bierträber wurden -in kaltem Wasser angefeuchtet) bei 22 Pferden Magendarmkatarrh, -Nierenentzündung und Blasenkatarrh auftreten. — <em class="gesperrt">Schilffarth</em> -(Woch. f. Tierh. 1906) beobachtete nach der Fütterung verdorbener -Träber bei 4 Kühen stinkenden Durchfall; 3 andere Rinder starben. -— Die Verfütterung von frischgeerntetem Frühroggen erzeugt nach -<em class="gesperrt">Eloire</em> (Progr. vét. 1903) bei Pferden Kolik, Darmentzündung, -Hämaturie, Nephritis, Rehe, sowie Lähmung der Hintergliedmassen. -— Ueber eine Vergiftung durch Luzernesamen (Krämpfe, Taumeln, -Herzklopfen) hat <em class="gesperrt">Ravier</em> berichtet (ibid). — In Dänemark -wurden neuerdings (1908) mehrfach Vergiftungen bei Rindern -beobachtet, die sich durch Schlinglähmung und allgemeine Lähmung -äusserten (<em class="gesperrt">Andersen</em> und <em class="gesperrt">Berg</em>).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_351">[S. 351]</span></p> - -<h4 id="Fleischvergiftung">Fleischvergiftung (Ptomainevergiftung).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Durch Aufnahme von zersetztem, krankem, -verdorbenem oder in Fäulnis übergegangenem Fleisch werden wie -beim Menschen so auch bei den Karnivoren (Hund, Katze), Omnivoren -(Schwein) und beim Geflügel eigentümliche Krankheitserscheinungen -hervorgerufen, welche mit dem Sammelnamen „Fleischvergiftung“ -bezeichnet werden. Je nach der Art der aufgenommenen -animalischen Nahrungsmittel wird genauer unterschieden zwischen -<em class="gesperrt">Fleischvergiftung im engeren Sinn</em>, <em class="gesperrt">Wurstvergiftung</em> -(Allantiasis, Botulismus), <em class="gesperrt">Fischvergiftung</em> und -<em class="gesperrt">Käsevergiftung</em>. Die Ursachen dieser Vergiftungen sind teils -in einer Aufnahme von <em class="gesperrt">Bakterien</em> (septische Infektion), teils -in einer Einwirkung chemischer, als <em class="gesperrt">Stoffwechselprodukte</em> von -Spaltpilzen anzusehender Stoffe (septische oder putride Intoxikation) -zu suchen. Häufig sind beide Ursachen gleichzeitig zusammen wirksam. -Die chemischen, beim Stoffwechsel von Spaltpilzen entstehenden -Giftstoffe werden <em class="gesperrt">Ptomaine</em> (πτῶμα = Leichnam) oder -<em class="gesperrt">Toxine</em> genannt. Die Fleischvergiftung gehört daher, soweit -sie durch Ptomaine verursacht wird, ins Gebiet der Toxikologie, -während die durch Aufnahme von Spaltpilzen bedingten septikämischen -Erkrankungen Gegenstand der Pathologie sind.</p> - -<p>Unter <em class="gesperrt">Ptomainen</em> (Ptomatinen, Toxinen, Kadaveralkaloiden, -Septizinen, Leichengiften, Fäulnisgiften) versteht man im allgemeinen -<em class="gesperrt">Stoffwechselprodukte von Bakterien innerhalb und ausserhalb des -Tierkörpers</em> (<em class="gesperrt">Nahrungsmittel</em>). Dieselben entstehen nicht -bloss im toten, sondern auch im lebenden Körper; die letzteren -hat man im Gegensatz zu den sog. <em class="gesperrt">Ptomainen</em> wohl auch -<em class="gesperrt">Leukomaine</em> (Leukomatine) genannt. Ihrer chemischen Natur nach -sind die Toxine nicht bloss <em class="gesperrt">Basen</em>, wie man früher annahm -(Kadaveralkaloide), sondern auch <em class="gesperrt">Eiweisskörper</em> (Toxalbumine), -<em class="gesperrt">Säuren</em> usw. Ihre sehr verschiedenartige chemische -Zusammensetzung erhellt am besten aus nachstehender, dem Lehrbuch der -Intoxikationen von <em class="gesperrt">Kobert</em> entnommenen Einteilung.</p> - -<p>1. <b>Gruppe der Fettsäuren.</b> Hieher gehören Säuren von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>x</sub>H<sub>2x</sub>O<sub>2</sub></span>, und zwar <em class="gesperrt">Ameisensäure</em>, <em class="gesperrt">Essigsäure</em>, -<em class="gesperrt">Propionsäure</em>, <em class="gesperrt">Buttersäure</em>, <em class="gesperrt">Valeriansäure</em> -etc., welche sich teils als Produkte der Fäulnis, teils als -Zersetzungsprodukte im Körper bilden.</p> - -<p>2. <b>Gruppe der Oxysäuren.</b> Sie haben die Formel <span class="nowrap">C<sub>x</sub>H<sub>2x</sub>O<sub>3</sub></span> -und liefern als giftige Stoffwechselprodukte namentlich die -<em class="gesperrt">Milchsäure</em> (Oxypropionsäure) und <em class="gesperrt">Oxybuttersäure</em> -(Ursache des Coma diabeticum).</p> - -<p>3. <b>Gruppe der Oxalsäure.</b> Die Oxalsäure von der Formel -<span class="nowrap">C<sub>2</sub>H<sub>2</sub>O<sub>4</sub></span> wirkt als Stoffwechselprodukt des Körpers giftig bei -der Oxalurie.</p> - -<p>4. <b>Gruppe der Amidofettsäuren.</b> Dieselben sind häufig Produkte -der Fäulnis von Eiweiss und Leim, jedoch ungiftig. Hieher gehören -<em class="gesperrt">Glykokoll</em> (Amid der Essigsäure), <em class="gesperrt">Alanin</em> (Amid der -Propionsäure), <em class="gesperrt">Propalanin</em>, <em class="gesperrt">Butalanin</em> und <em class="gesperrt">Leuzin</em> -(Amid der Kapronsäure). Letzteres findet man z. B. im Verlauf der -Phosphorvergiftung (Leuzinurie).</p> - -<p>5. <b>Gruppe der Amine.</b> Die Amine sind organische -Ammoniakderivate der Eiweissfäulnis mit basischem Charakter -(Aminbasen). Die drei Wasserstoffe im Ammonik (NH<sub>3</sub>) werden durch -ein (primäre Amine, Amidbasen), zwei (sekundäre Amine, Imidbasen) -oder drei einwertige Alkoholradikale ersetzt (tertiäre Amine, -Nitrilbasen). Hieher gehören die Produkte der Leichenfäulnis: -<em class="gesperrt">Methylamin</em> (auch in der Heringslake enthalten) von der -Formel <span class="nowrap">CH<sub>3</sub>.NH<sub>2</sub></span>, das <em class="gesperrt">Aethylamin</em>, <span class="nowrap">C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>. NH<sub>2</sub></span>, -<span class="pagenum" id="Seite_352">[S. 352]</span><em class="gesperrt">Propylamin</em>, <span class="nowrap">C<sub>3</sub>H<sub>7</sub>.NH<sub>2</sub></span>, <em class="gesperrt">Dimethylamin</em>, -<span class="nowrap">(CH<sub>3</sub>)<sub>2</sub>NH</span>, <em class="gesperrt">Diäthylamin</em>, <span class="nowrap">(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>2</sub>NH</span> und -<em class="gesperrt">Trimethylamin</em>, <span class="nowrap">(CH<sub>3</sub>)<sub>3</sub>N</span>, das Gift der Heringslake, -welches sich ausserdem in faulem Käse, sowie in Leichenteilen findet. -Die Amine erzeugen zerebrale Krämpfe und selbst Tetanus; neben der -Gehirnreizung findet auch lokale Reizung statt.</p> - -<p>6. <b>Gruppe der Diamine.</b> Dieselben sind Verbindungen des -Ammoniaks mit zweiwertigen Alkoholradikalen und bilden sich bei -der Leichenfäulnis, sowie bei gewissen Krankheiten im lebenden -Körper. Besonders bekannt sind das <em class="gesperrt">Tetramethylendiamin</em> oder -<em class="gesperrt">Putreszin</em> von der Formel <span class="nowrap">NH<sub>2</sub>(CH<sub>2</sub>)<sub>4</sub>NH<sub>2</sub></span>, und das -<em class="gesperrt">Pentamethylendiamin</em> oder <em class="gesperrt">Kadaverin</em> von der Formel -<span class="nowrap">NH<sub>2</sub>(CH<sub>2</sub>)<sub>5</sub>NH<sub>2</sub></span>, mit welchem zwei andere Fäulnisbasen isomer -sind, nämlich das <em class="gesperrt">Saprin</em> und <em class="gesperrt">Neurodin</em>.</p> - -<p>7. <b>Gruppe des Cholins.</b> Hieher gehören sehr wichtige -Leichengifte, welche darin übereinstimmen, dass sie alle bei -der Zersetzung Trimethylamin liefern und eine muskarinähnliche -Wirkung besitzen. Es sind dies <em class="gesperrt">Cholin</em>, <em class="gesperrt">Betain</em>, -<em class="gesperrt">Neurin</em>, <em class="gesperrt">Leichenmuskarin</em> (im Fischgift enthalten, -identisch mit dem Muskarin des Fliegenpilzes) und <em class="gesperrt">Mydatoxin</em>. -Neben einer kurareartigen Wirkung erregen diese Körper wie das -Fliegenpilzmuskarin die Drüsensekretion und Darmperistaltik und töten -unter Krämpfen.</p> - -<p>8. <b>Gruppe des Guanidins.</b> Es sind die im lebenden Körper -entstehenden Zersetzungsprodukte des Eiweisses: <em class="gesperrt">Guanidin</em>, -<em class="gesperrt">Kreatin</em> und <em class="gesperrt">Kreatinin</em>.</p> - -<p>9. <b>Gruppe der Nukleinbasen.</b> Zu diesen auch wohl als Guanin-, -Xanthin- oder Puringruppe bezeichneten Körpern gehören <em class="gesperrt">Xanthin</em> -(Xanthinurie), <em class="gesperrt">Hypoxanthin</em>, <em class="gesperrt">Guanin</em> (Guaningicht), -<em class="gesperrt">Adenin</em> (in Drüsen vorkommend, Formel <span class="nowrap">C<sub>5</sub>H<sub>5</sub>N<sub>5</sub></span>), -<em class="gesperrt">Karnin</em>, <em class="gesperrt">Allantoin</em> und in gewissem Sinn auch die -<em class="gesperrt">Harnsäure</em> von der Formel <span class="nowrap">C<sub>5</sub>H<sub>4</sub>N<sub>4</sub>O<sub>3</sub></span> (Toxin der -Gicht). Die Nukleinbasen besitzen eine dem Koffein, einem ihnen -ebenfalls chemisch verwandten Alkaloid, ähnliche Wirkung.</p> - -<p>10. <b>Gruppe des Pyridins.</b> Giftige Toxine sind namentlich -<em class="gesperrt">Pyridin</em>, <em class="gesperrt">Pikolin</em>, <em class="gesperrt">Lutidin</em>, <em class="gesperrt">Parvolin</em>, -<em class="gesperrt">Koridin</em>. Sie besitzen eine nikotinartige Wirkung.</p> - -<p>11. <b>Gruppe der aromatischen Substanzen.</b> Hieher gehören -<em class="gesperrt">Tyrosin</em>, <em class="gesperrt">Phenol</em>, <em class="gesperrt">Kresol</em>, <em class="gesperrt">Brenzkatechin</em>, -<em class="gesperrt">Indikan</em> und andere im Harn auftretende aromatische Körper.</p> - -<p>12. <b>Gruppe der schwefelhaltigen Substanzen.</b> Die wichtigste -ist der <em class="gesperrt">Schwefelwasserstoff</em> mit spezifischer toxischer -Wirkung. Ebenfalls aus dem Eiweiss durch Zersetzung gebildet ist -das <em class="gesperrt">Methylmerkaptan</em>, ein im Darm neben Schwefelwasserstoff -enthaltenes Gas von der Formel <span class="nowrap">CH<sub>3</sub >.HS</span>; ausserdem sind zu nennen -<em class="gesperrt">Taurin</em> und <em class="gesperrt">Taurocholsäure</em>.</p> - -<p>13. <b>Gruppe der Isozyanide.</b> Diese auch unter dem Namen -Karbylamine bekannten Körper finden sich als äusserst giftige -Substanzen im Krötengift als <em class="gesperrt">Isozyanmethyl</em>, <span class="nowrap">CH<sub>3</sub>NC</span>, -im Tritonengift als <em class="gesperrt">Isozyanäthyl</em>, <span class="nowrap">C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>NC</span>, und im -Salamandergift als <em class="gesperrt">Isozyanamyl</em> <span class="nowrap">C<sub>5</sub>H<sub>11</sub>NC</span> (?).</p> - -<p>14. <b>Gruppe von Basen unbekannter Struktur.</b> Hieher gehören -das <em class="gesperrt">Sepsin</em>, das Produkt des Proteusbazillus, chemisch -als Dioxy-Kadaverin aufzufassen, wahrscheinlich die Ursache der -choleriformen Ptomainevergiftungen, ferner das <em class="gesperrt">Tetanotoxin</em>, -<em class="gesperrt">Tetanin</em>, <em class="gesperrt">Gadinin</em>, <em class="gesperrt">Typhotoxin</em>, <em class="gesperrt">Anthrazin</em>, -<em class="gesperrt">Phlogosin</em>, <em class="gesperrt">Botulin</em> = <em class="gesperrt">Ptomatoatropin</em>, -<em class="gesperrt">Ptomatokurarin</em>, <em class="gesperrt">Ichthytoxin</em>, <em class="gesperrt">Tyrotoxin</em>, -<em class="gesperrt">Lupinotoxin</em>, <em class="gesperrt">Lysotoxin</em>, <em class="gesperrt">Pellagrozein</em> u. a.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_353">[S. 353]</span></p> - -<p>15. <b>Gruppe der eiweissartigen Gifte (Toxalbumine).</b> -Die bekanntesten sind <em class="gesperrt">Tuberkulin</em>, <em class="gesperrt">Mallein</em>, das -<em class="gesperrt">Schlangengift</em>, <em class="gesperrt">Bienengift</em>, sowie die verschiedenen -<em class="gesperrt">Toxalbumine</em> der Infektionskrankheiten. Hieher gehören -auch gewisse eiweissartige, in Pflanzen enthaltene Gifte, die -sog. <em class="gesperrt">Phytalbumosen</em>, enzymartige Körper, von welchen das -<em class="gesperrt">Rizin</em>, <em class="gesperrt">Krotin</em>, <em class="gesperrt">Abrin</em>, <em class="gesperrt">Robinin</em> und -<em class="gesperrt">Phallin</em> besondere Bedeutung erlangt haben.</p> -</div> - -<p><b>Aetiologie der Fleischvergiftung.</b> Beim Menschen werden die -zahlreichen Fälle von Fleischvergiftung in der Regel durch den -Genuss des Fleisches von <em class="gesperrt">septisch</em> oder <em class="gesperrt">pyämisch</em> -erkrankten Schlachttieren veranlasst (<em class="gesperrt">Uterus-</em>, <em class="gesperrt">Nabel-</em>, -<em class="gesperrt">Euter-</em>, <em class="gesperrt">Darmkrankheiten</em>). <em class="gesperrt">Bollinger</em> hat zuerst im -Jahr 1876 gezeigt, dass es sich hiebei um keine Milzbrandinfektion, -sondern um eine <em class="gesperrt">intestinale Sepsis</em> handelt. Durch die -bakteriologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte sind eine Reihe -von <em class="gesperrt">Bakterien</em> als Ursachen der Fleischvergiftung nachgewiesen -worden.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Gärtner</em> fand bei einer in Frankenhausen (1888) beobachteten -Massenvergiftung in dem giftigen Fleische sowie in den Organen eines -infolge der Fleischvergiftung verstorbenen Mannes charakteristische -Bakterien, welche er mit dem Namen <b>Bacillus enteritidis</b> belegte. -Diese Bakterien zeigten im hängenden Tropfen lebhafte rotierende -Bewegung und färbten sich mit Anilinfarben an einem Ende sehr stark, -während der Rest wenig gefärbt erschien. Ausserdem enthielt das Fleisch -durch Kochen nicht zerstörbare Giftstoffe, welche bei Impftieren -Enteritis, Krämpfe und Lähmungserscheinungen hervorriefen. Gegen die -Bakterien selbst erwiesen sich Hunde und Katzen immun, dagegen starben -Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse unter den Erscheinungen einer -heftigen Enteritis. <em class="gesperrt">Johne</em> hat ebenfalls den Bacillus enteritidis -bei einer Fleischvergiftung in Bischofswerda (1894) gefunden.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Gaffky</em> und <em class="gesperrt">Paak</em> fanden bei einer Massenerkrankung -infolge des Genusses von Pferdefleischwaren (Röhrsdorf 1885) in der -betr. Pferdewurst charakteristische <b>Wurstbazillen</b> in Form -beweglicher, an den Enden abgerundeter Stäbchen, welche bisweilen zu -Scheinfäden auswuchsen und in schwach alkalischer Bouillon am besten -gediehen. Die Verfütterung dieser Wurstbazillen erzeugte bei Affen, -Meerschweinchen und Mäusen Enteritis und Durchfall; Hunde, Katzen, -Schweine und Kaninchen zeigten sich dagegen immun.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Poels</em> und <em class="gesperrt">Dhont</em> fanden bei einer Fleischvergiftung -in Rotterdam die von ihnen so genannten <b>Rotterdamer Bazillen</b>, -kurze und sehr feine Stäbchen, welche bei der intravenösen Injektion<span class="pagenum" id="Seite_354">[S. 354]</span> -grösserer Mengen Versuchsrinder schon nach 14 Stunden töteten.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Van Ermengem</em> fand bei der Fleischvergiftung von Moorseele bei -zwei Kälbern die sog. <b>Moorseeler Bazillen</b>; dieselben sind sehr -beweglich, zeigen zahlreiche Geiseln, erzeugen ein Toxalbumin, welches -selbst durch die Erhitzung auf 130° nicht getötet wird und wirken bei -jeder Art der Einverleibung auf Versuchstiere pathogen (Enteritis).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Flügge</em> hat bei der Breslauer Fleischvergiftung den -<b>Breslauer Bazillus</b> gefunden, welcher einerseits mit dem -Kolibazillus, andererseits mit dem Moorseeler und Rotterdamer Bazillus -Aehnlichkeit hatte.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Basenau</em> bezeichnete einen aus Kuhfleisch gezüchteten Bazillus -als <b>Bacillus bovis morbificans</b> und ist der Ansicht, dass alle -bisher bei den Fleischvergiftungen gefundenen Stäbchen eine grosse -Uebereinstimmung mit dem <em class="gesperrt">Kolibazillus</em> zeigen.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Kuborn</em> hat bei einer Fleischvergiftung als Ursache den -<b>Staphylococcus pyogenes albus</b> nachgewiesen.</p> - -<p>8. Bei Fleischvergiftungen in Hildesheim und Berlin (1906) wurde -der <b>Bacillus paratyphosus</b> (Paratyphusbazillus) zuerst als -Ursache ermittelt. Diese Bazillen erzeugen beim Menschen eine dem -Abdominaltyphus ähnliche Infektionskrankheit.</p> - -<p><b>Aetiologie der Wurstvergiftung.</b> Die beim Menschen seltener -als die Fleischvergiftung vorkommende Wurstvergiftung (Botulismus, -Allantiasis) entsteht nicht nur durch die Aufnahme von zersetzten -<em class="gesperrt">Würsten</em>, sondern auch von fauligem <em class="gesperrt">Fleisch</em>, zersetztem -<em class="gesperrt">Schinken</em>, <em class="gesperrt">Leber</em>, <em class="gesperrt">Sülze</em>, <em class="gesperrt">Büchsenfleisch</em>, -<em class="gesperrt">Gänsebraten</em>. Der Botulismus wird durch einen spezifischen -Bazillus, den <b>Bacillus botulinus</b> verursacht. Derselbe ist -anaërob und bildet ein gerades Stäbchen mit etwas abgerundeten -Enden und Sporenbildung. Er erzeugt ein hochgradig giftiges Toxin, -welches Kaninchen schon in Dosen von <sup>1</sup>⁄<sub>2000</sub> Milligramm tötet, und -wächst besonders auf gekochtem, gezuckertem und alkalisch gemachtem -Schweinefleisch. Seine Kulturen riechen intensiv nach Buttersäure (kein -Fäulnisgeruch!). Durch eine einstündige Erwärmung auf 70° wird das -Botulismustoxin unwirksam. Seltener ist der <em class="gesperrt">Proteus mirabilis</em> -die Ursache von Wurstvergiftung (Hannover 1900).</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Fleischvergiftung.</b> Nach der Aufnahme -des Fleisches kranker Tiere (Septicaemia puerperalis, Pyämie, -Polyarthritis<span class="pagenum" id="Seite_355">[S. 355]</span> pyaemica, eiterige und septische Nieren-, Leber-, -Lungen-, Darm-, Magen-, Bauchfell-, Milchdrüsenentzündungen), sowie -nach der Aufnahme von fauligem, zersetztem und verdorbenem Fleische -tritt bei Hunden, Katzen, Schweinen und beim Geflügel nicht selten -eine Vergiftung auf, welche im wesentlichen die Erscheinungen einer -hochfieberhaften und rasch tödlich verlaufenden <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em> -mit gleichzeitiger <em class="gesperrt">starker zerebraler Depression</em> zeigt. Die -Krankheitserscheinungen, wie sie namentlich bei Hunden beobachtet -werden, bestehen in einer <em class="gesperrt">plötzlich</em> auftretenden, sehr heftigen -und häufig blutigen <em class="gesperrt">Diarrhöe</em>, <em class="gesperrt">Erbrechen</em>, starkem Durst, -<em class="gesperrt">hohem Fieber</em> (40–42°), <em class="gesperrt">ausserordentlicher Schwäche</em>, -<em class="gesperrt">Hinfälligkeit</em> und <em class="gesperrt">Mattigkeit</em>, sowie in rasch folgendem -<em class="gesperrt">Kollaps</em>. Der Tod tritt oft schon nach wenigen Stunden, -durchschnittlich innerhalb 12–24 Stunden ein. Bei Hunden wurden ferner -<em class="gesperrt">Netzhautblutungen</em> ophthalmoskopisch festgestellt.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Wurstvergiftung.</b> Die Wurstvergiftung -(Botulismus, Allantiasis) verläuft anfangs unter denselben -Erscheinungen wie die Fleischvergiftung: Erbrechen, <em class="gesperrt">Verstopfung</em>, -seltener Durchfall, Mattigkeit, Schwindel, Somnolenz, Kollaps. -Häufiger beobachtet man charakteristische <em class="gesperrt">Lähmungserscheinungen im -Gebiet des 2.-6. Gehirnnerven</em>, namentlich <em class="gesperrt">Sehstörungen</em>: -Pupillenerweiterung (Optikuslähmung), <em class="gesperrt">Ptosis</em> (Lähmung des oberen -Augenlides infolge von Okulomotoriuslähmung), <em class="gesperrt">Schielen</em> und -Akkommodationsstörungen. Ausserdem treten Lähmungen des Schlundkopfes -(<em class="gesperrt">Schlinglähmung</em>), des Magens (<em class="gesperrt">Tympanitis</em>), sowie des -Kehlkopfes (<em class="gesperrt">Aphonie</em>) auf.</p> - -<p><b>Krankheitsbild der Fischvergiftung</b> -(<b>Heringslakevergiftung</b>). Die bei Schweinen nach der Verfütterung -von Heringslake häufig beobachtete sog. Lakevergiftung ist zum Teil -auf den Kochsalzgehalt der Heringslake zurückzuführen. Insoweit -stimmt dieselbe in ihren Erscheinungen mit der Kochsalzvergiftung -überein. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich von dieser (vgl. -S. 116) durch das Hinzutreten charakteristischer <em class="gesperrt">nervöser -Symptome</em>, welche auf eine Ptomainevergiftung bezogen werden -müssen und sich namentlich in <em class="gesperrt">Gehirnreizungserscheinungen</em>, -<em class="gesperrt">Krämpfen</em> und <em class="gesperrt">Schlinglähmung</em> äussern (Trimethylamin -und muskarinartige Toxine). Die wichtigsten Erscheinungen der -Heringslakevergiftung bei Schweinen sind: <em class="gesperrt">Zähneknirschen</em>, -<em class="gesperrt">Kaukrämpfe</em>, <em class="gesperrt">epileptiforme<span class="pagenum" id="Seite_356">[S. 356]</span> Krämpfe</em>, <em class="gesperrt">Opisthotonus</em> -und <em class="gesperrt">Pleurothotonus</em>, Rotieren der Augen, krampfhaftes -Blinzeln (<em class="gesperrt">Nystagmus</em>), ausgebreitete Zuckungen, -<em class="gesperrt">Drehbewegungen</em>, hundesitzige Stellungen, <em class="gesperrt">kollerartige -Erscheinungen</em>, Stumpfsinn und Gefühllosigkeit, amaurotische Pupille -(Erblindung) und <em class="gesperrt">Schlinglähmung</em>. Der <em class="gesperrt">Verlauf</em> ist sehr -<em class="gesperrt">akut</em>, der Tod tritt meist nach 6–12 Stunden ein.</p> - -<p><b>Sektion.</b> Bei der Fleischvergiftung findet man den Inhalt des -Magens und Darmes aus halbverdauten, übelriechenden Fleischmassen -bestehend, die Schleimhaut geschwollen, höher injiziert, -<em class="gesperrt">hämorrhagisch</em> infiltriert, die solitären und agminierten -<em class="gesperrt">Follikel</em> sowie die <em class="gesperrt">Gekrösdrüsen</em> geschwollen, den -Darminhalt schokoladefarbig, blutig, von schleimigflüssiger Konsistenz, -das Blut zersetzt, die <em class="gesperrt">Leber</em> vergrössert und rasch faulend, die -<em class="gesperrt">Milz</em> geschwollen und mit hämorrhagischen Herden durchsetzt, die -<em class="gesperrt">Herzmuskulatur</em> sehr mürbe.</p> - -<p>Dass übrigens die <em class="gesperrt">Empfänglichkeit</em> für das mykotische Gift -unter den Fleischfressern <em class="gesperrt">sehr ungleich</em> ist, beweisen die -<em class="gesperrt">mit verdorbenem Fleisch angestellten Fütterungsversuche</em>. So -sah <em class="gesperrt">Semmer</em> bei Verfütterung von Fleisch eines an Septikämie -verendeten Pferdes Hunde und Katzen ganz gesund bleiben, während drei -Schweine daran verendeten. <em class="gesperrt">Colin</em> beobachtete bei ähnlichen -Versuchen nur ganz leichte Durchfälle, <em class="gesperrt">Lemke</em> erzielte nach -Verfütterung rauschbrandkranken Fleisches bei drei jüngeren Hunden -sehr heftigen Durchfall, während ein älterer Hund keinerlei krankhafte -Erscheinungen zeigte. Ganz dieselben Beobachtungen hat man bei den -Pilzvergiftungen der Pflanzenfresser gemacht (vergl. S. 335 ff.).</p> - -<p><b>Behandlung der Ptomainevergiftung.</b> Neben der Verabreichung -von <em class="gesperrt">Brechmitteln</em> und <em class="gesperrt">Abführmitteln</em> kann man durch die -Anwendung von <em class="gesperrt">Kalomel</em> oder <em class="gesperrt">Kreolin</em> eine Desinfektion -des Darmes vorzunehmen versuchen. Im übrigen ist die Behandlung eine -<em class="gesperrt">symptomatische</em>. Die Lähmungserscheinungen werden durch Aether, -Kampfer, Alkohol, Wein, Kaffee, Koffein, Ammonium carbonicum oder -Veratrin, die Gehirnreizungserscheinungen bei der Heringslakevergiftung -durch Morphium, Chloralhydrat oder Bromkalium behandelt. Gegen die -Entzündung der Magendarmschleimhaut gibt man einhüllende und schleimige -Mittel (Gummi arabicum, Leinsamenabkochung, Oel, Rizinusöl).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_357">[S. 357]</span></p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Schindelka</em> (Oesterr. Zeitschr. 1891) sah bei -Hunden, welche auf der Strasse rohes Fleisch verzehrten, plötzliche -Erkrankung, Erbrechen, Durchfall, sehr übel riechenden, blutigen -Kot, auffallende Mattigkeit sowie Störungen des Sehvermögens. Bei -der Untersuchung der Augen liessen sich beiderseitige Ptosis, -maximale Pupillenerweiterung, starre Pupille, sowie auf dem -Augenhintergrunde beider Augen zahlreiche, meist fleckige, hie -und da auch streifige Blutungen nachweisen. — <em class="gesperrt">A. Eber</em> (D. -T. W. 1897) beschreibt eine Ptomainevergiftung bei Schweinen nach -der Aufnahme von Heringslake. Sie zeigten sehr schnell und heftig -auftretende klonische Muskelkrämpfe, Kaukrämpfe, hochgradige -Gehirnreizung, fortschreitende allgemeine Lähmung. Bei der -Sektion der notgeschlachteten Schweine wurde meist nur venöse -Stauung in sämtlichen Organen, sowie in einem Falle teerartige -Beschaffenheit des Blutes festgestellt; Entzündungserscheinungen im -Magen und Darm fehlten. — <em class="gesperrt">von Rátz</em> (Monatshefte f. prakt. -Tierheilkunde 1893) hat bei einem Löffelreiher eine Fischvergiftung -nach der Aufnahme verdorbener gesalzener Heringe beobachtet. Die -Erscheinungen bestanden in profuser Diarrhöe, heftigem Durst, -Krämpfen und Lähmungen; die Sektion ergab kruppöse Magenentzündung -und hämorrhagische Darmentzündung. — <em class="gesperrt">Ortmann</em> (B. T. W. -1902, S. 206) sah bei Schweinen, welchen eine Heringstonne mit -etwas Lakeninhalt als Futterbehälter vorgesetzt worden war, Unruhe, -Schreien, starken Durst, allgemeine Lähmung (an der Erde liegen), -Kaukrämpfe, ausgebreitete klonische Krämpfe und Pupillenerweiterung. -Die Sektion ergab lehmfarbige Beschaffenheit der Leber, gelblichgraue -Verfärbung der Nierenrinde, sowie dunkelbraunrote Färbung und -Schwellung der Schleimhaut des Magengrundes. — <em class="gesperrt">Freitag</em> -(Sächs. Jahresber. 1899) beobachtete bei Schweinen nach der Aufnahme -grösserer Mengen von Heringslake Laufwut, Kaukrämpfe, sowie Drängen -mit dem Kopf gegen die Wand; ein Schwein verendete nach wenigen -Stunden, ein anderes nach 2 Tagen.</p> - -<p><b>Giftigkeit des Pferdefleisches.</b> <em class="gesperrt">Pflüger</em> (Archiv f. -Physiologie, 80. Band) beobachtete nach der Verfütterung von magerem -Pferdefleisch bei Hunden anhaltende <em class="gesperrt">Durchfälle</em> und stellte -fest, dass diese Abführwirkung durch einen <em class="gesperrt">muskarinähnlichen</em>, -in der Fleischbrühe enthaltenen Giftstoff bedingt wird, welcher -<em class="gesperrt">Lezithin</em> und <em class="gesperrt">Neurin</em> enthält. Die Giftigkeit des -Pferdefleisches wird durch einen Zusatz von Fett aufgehoben. Die -Pferdefleischbrühe wird jedoch am besten weggegossen.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Giftschwaemme">Vergiftung durch Giftschwämme -(Mycetismus).</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Botanisches.</b> 1. <em class="gesperrt">Agaricus muscarius</em> (Amanita muscaria), -der <em class="gesperrt">Fliegenpilz</em> oder <em class="gesperrt">Fliegenschwamm</em> mit feuerrotem -Hut, enthält die Alkaloide <b>Muskarin</b> und <b>Amanitin</b>. 2. -<em class="gesperrt">Agaricus (Amanita) phalloides</em>, der Knollenblätterschwamm, -von weisslicher oder gelbgrünlicher Farbe, enthält das Toxalbumin -<b>Phallin</b>. 3. <em class="gesperrt">Fungus laricis</em>, der <em class="gesperrt">Lärchenschwamm</em>, -enthält das <b>Agarizin</b> (Agarizinsäure). 4. <em class="gesperrt">Russula -emetica</em>, der <em class="gesperrt">Speiteufel</em>, von ekelhaftem Geruch und -scharfem Geschmack. 5. <em class="gesperrt">Cantharellus aurantiacus</em>, der -<em class="gesperrt">falsche Eierschwamm</em>, von pomeranzengelber Farbe. 6. <em class="gesperrt">Boletus -satanas</em> (sanguineus), der <em class="gesperrt">Satanspilz</em> (Blutpilz), mit -genetztem oder gestricheltem Hut und blauanlaufendem Durchschnitt. -— Ausserdem gelten als giftig: Agaricus rubescens, Agaricus -pantherinus, Agaricus virosus, Agaricus vellereus, Agaricus -pyrogallus, Agaricus torminosus, Russula virescens, Boletus luridus, -Sclerodosma vulgare, Amanita virescens, A. citrina, A. bulbosa, A. -alba, A. candida, A. verna, A. virosa, A. mappa, A. recutita, A. -porphyria, Lactarius torminosus, Hebeloma tastibile und rimosum. -Zuweilen erweist sich auch die <em class="gesperrt">essbare Morchel</em>, <em class="gesperrt">Helvella -esculenta</em>, namentlich im frischen Zustande, als äusserst giftig -(<b>Helvellasäure</b>).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_358">[S. 358]</span></p> - -<p>In den Giftschwämmen sind somit teils giftige <em class="gesperrt">Alkaloide</em> -(Muskarin, Bulbosin, Phalloidin), teils giftige <em class="gesperrt">Säuren</em> -(Agarizinsäure, Helvellasäure), teils <em class="gesperrt">Toxalbumine</em> bezw. -Mykozymasen (Phallin) mit sehr verschiedenartiger Wirkung enthalten. -Die Schwammgifte sind teils strychnin- und atropinartige Nervengifte -(Muskarin, Agarizinsäure), teils ausgesprochene Blutgifte (Phallin, -Helvellasäure). Die Pilzvergiftung äussert sich bald in Form eines -Magendarmkatarrhs, bald durch Kollaps- und Lähmungserscheinungen, -bald durch psychische und motorische Erregung, bald in Form von -Ikterus.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung.</b> Das im <b>Fliegenschwamm</b> enthaltene -<em class="gesperrt">Muskarin</em> ist eine sehr giftige, mit dem Neurin und Cholin -verwandte Base von der Formel <span class="nowrap"><span class="nowrap">N.(CH<sub>3</sub>)<sub>3</sub>C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>O<sub>2</sub>.OH</span></span> -(Trimethylammoniumbase), welche in ihrer Wirkung viel Aehnlichkeit mit -dem Eserin, Pilokarpin und Arekolin besitzt. Sie erzeugt gesteigerte -Sekretion aller Drüsen, Darmtetanus, Uteruskontraktionen, Krämpfe, -Aufregung und Lähmung des Gehirns, Herzstillstand und Lungenödem. -Nach <em class="gesperrt">Ellenberger</em> (Berliner Archiv 1887) traten bei Pferden -schon nach Dosen von 0,04 Muskarin schwere Vergiftungserscheinungen -auf. Die im <b>Lärchenschwamm</b> enthaltene <em class="gesperrt">Agarizinsäure</em> -von der Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>30</sub>O<sub>5</sub></span> stimmt mit dem Atropin in -der sekretionsbeschränkenden Wirkung überein. Es tötet durch -Lähmung der im verlängerten Mark gelegenen Zentren (Herzzentrum, -Atmungszentrum, vasomotorisches Zentrum) und erzeugt ausserdem -Gastroenteritis. <b>Amanita phalloides</b> enthält nach <em class="gesperrt">Kobert</em> -ein ausserordentlich giftiges Toxalbumin, das <em class="gesperrt">Phallin</em>, das -stärkste bekannte <em class="gesperrt">Blutgift</em>, welches die roten Blutkörperchen -noch bei 125000facher Verdünnung vollständig auflöst (Hämolyse) und -dadurch zu Hämoglobinämie und Hämoglobinurie, Polycholie, multiplen -Blutgerinnungen durch das infolge der Auflösung der Blutkörperchen -freigewordene Fibrinferment (Leukonuklein) mit ihren Folgen, und zu -schweren zerebralen Störungen Veranlassung gibt. Hunde und Katzen -sterben schon nach der intravenösen Einverleibung von weniger als einem -halben Milligramm Phallin pro Kilogramm Körpergewicht und zeigen schon -eine halbe Stunde nach der Applikation Hämoglobinurie. Dabei erscheint -im Harn zunächst Oxyhämoglobin, sehr bald aber infolge Umwandlung -desselben im Blute Methämoglobin und sogar Gallefarbstoff. Hieran -schliessen sich wie bei der Hämoglobinämie der Pferde parenchymatöse -Nephriten mit Anurie und Urämie an. Die <b>essbare Morchel</b> enthält -im frischen Zustand die sehr giftige <em class="gesperrt">Helvellasäure</em> von der -Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>20</sub>O<sub>7</sub></span>, welche gleichfalls hämolytische Eigenschaften -besitzt und infolge Auflösung<span class="pagenum" id="Seite_359">[S. 359]</span> der roten Blutkörperchen Hämoglobinämie -erzeugt; ausserdem bestehen die Vergiftungserscheinungen in Tetanus, -Trismus, Schwindel, Somnolenz, Bewusstlosigkeit, Erbrechen und -Durchfall.</p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Vergiftungen durch Giftschwämme kommen bei -den Haustieren ausserordentlich selten vor. Die tierärztliche -Literatur enthält nur vereinzelte einschlägige Beobachtungen. Nach -<em class="gesperrt">Bizky</em> (Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1898) erkrankten -mehrere Fohlen nach der Aufnahme von Waldheu, welches Fliegenschwamm -enthielt; sie zeigten Durchfall, Speichelfluss und Pupillenverengerung -(Muskarinvergiftung). <em class="gesperrt">Munkel</em> (Preuss. Mitteil. 1878) berichtet, -dass eine Herde Mutterschafe erkrankte, nachdem sie im September in -ein Gehölz getrieben wurde, in welchem zahlreiche Pilze wuchsen und -zwar insbesondere Agaricus muscarius und delicissus, Cantharellus -cibarius, Boletus edulis und Klavariaarten. Mehrere Schafe, welche mit -grosser Begierde von den Pilzen gefressen hatten, erkrankten, indem -sie umfielen und nicht mehr aufstehen konnten, so dass sie in diesem -gelähmtem Zustande nach Hause getragen werden mussten; die erkrankten -Tiere genasen jedoch alle. <em class="gesperrt">Mundesgruber</em> (Repertor. 1843) -beobachtete eine Vergiftung bei Gänsen. 600 Stück Gänse hatten im Walde -unter anderen Pilzen Agaricus muscarius und pyrogalus aufgenommen. -180 Stück davon erkrankten und starben innerhalb 24 Stunden. Die -Krankheitserscheinungen bestanden in Taumeln, wutähnlichem Benehmen und -Wälzen. Bei der Sektion fand man Rötung und Entzündung der Schleimhaut -des Schlundes, Kropfes und Darmes.</p> - -<p><b>Therapie.</b> Die Behandlung besteht in der Anwendung von -Brechmitteln, Abführmitteln, Tannin, Lugolscher Lösung und in -symptomatischen Massnahmen.</p> - -<div class="section"> - -<h4 id="Diverse_andere_Giftpflanzen">Diverse andere Giftpflanzen.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Rhus toxicodendron</b>, der <em class="gesperrt">Giftsumach</em>, ist eine in -Nordamerika einheimische, bei uns in Gärten kultivierte und auch -wild vorkommende Terebinthazee (Anakardiazee), welche ein mit dem -<em class="gesperrt">Kardol</em> (schwarzbraunes Oel der sog. Elefantenläuse, der -Früchte von Anacardium occidentale) verwandtes stark reizendes -Gift, die <em class="gesperrt">Toxikodendronsäure</em>, enthält. Die Pflanze -erzeugt bei ihrer Berührung Hautentzündung. Vergiftungen sollen -bei Schafen und Ziegen nach dem Genusse der Blätter und Beeren -beobachtet worden sein. Auch die chilenische Litrepflanze (Lithrea -caustica), ebenfalls zu den Anakardiazeen gehörig, scheint einen -kardolartigen Stoff zu enthalten. — Das <b>Kardol</b> ist eine -ölige, gelbliche<span class="pagenum" id="Seite_360">[S. 360]</span> Flüssigkeit, gewonnen aus den unter dem Namen -„Elefantenläuse“ bekannten Früchten von <em class="gesperrt">Anacardium occidentale</em> -und <em class="gesperrt">Semecarpus Anacardium</em> (Terebinthazeen), von scharfer, -kantharidinartiger Wirkung auf Haut und Schleimhäute (Dermatitis, -Gastroenteritis besonders im Dickdarm).</p> - -<p><b>Cyclamen europaeum</b>, das <em class="gesperrt">Alpenveilchen</em> (Schweinebrot, -Saubrot, Erdscheibe), eine Primulazee, besitzt ein knolliges, -kuchenförmiges Rhizom, welches ein mit dem Saponin bezw. Sapotoxin -in der Wirkung verwandtes Glykosid, das <em class="gesperrt">Zyklamin</em>, enthält. -Dasselbe zerfällt beim Kochen in Zucker und Zyklamiretin. Die Knollen -wirken reizend, entzündungserregend (Gastroenteritis), scheinen aber -von Schweinen („Schweinebrot“) gut ertragen zu werden. In Italien -werden die Knollen zum Fischfang verwendet (Lähmung der Fische). Das -Zyklamin besitzt ausserdem blutauflösende Eigenschaften.</p> - -<p><b>Aristolochia Clematidis</b>, <em class="gesperrt">Osterluzei</em> (Hohlwurz) ist -ein auf Aeckern und in Hecken vorkommendes Unkraut mit weithin -kriechender Wurzel, ½-1 m hohem, aufrechtem Stengel, am Grunde -herzförmigen Blättern und gelben Blüten. Die Pflanze enthält ein -scharf narkotisches Alkaloid, das <em class="gesperrt">Aristolochin</em>, welches -Nierennekrose, Leberverfettung und hämorrhagische Diathese erzeugen -und ausserdem eine aloinähnliche Wirkung besitzen soll (<em class="gesperrt">Pohl</em>, -Arch. für exper. Pathol. 1891). Ein Vergiftungsfall nach der -Aufnahme von Osterluzei bei 5 Pferden ist von <em class="gesperrt">Jeanin</em> (Recueil -1850) beschrieben worden. Die Vergiftungserscheinungen bestanden -in Schwanken, Schlafsucht, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, -Konvulsionen, Verstopfung, Absatz blutigen Kotes, Polyurie, -Abmagerung und Schwäche, sowie Haarausfall (bei einem Pferd). Die -Tiere erholten sich erst wieder vollständig nach Ablauf eines -Vierteljahres.</p> - -<p><b>Polygonum</b>, <em class="gesperrt">Knöterich</em>, kommt in 3 Arten vor. 1. -<em class="gesperrt">Polygonum Persicaria</em>, der pfirsichblätterige Knöterich, ist -ein ästiges Unkraut mit länglichlanzettlichen bis linealen Blättern -und roten oder weissen Blüten. Die Pflanze soll einen scharfen -Stoff, die Polygoninsäure enthalten, welche jedoch nach anderen nur -ein Gemenge von Gerbsäure und Gallussäure darstellt. Der Knöterich -erzeugt bei Schweinen Gastroenteritis und Zystitis. 2. <em class="gesperrt">Polygonum -hydropiper</em>, der Wasserpfeffer, soll bei Schweinen Blutharnen -bedingen. 3. <em class="gesperrt">Polygonum convolvulus</em>, der windende Knöterich, -verursachte bei einem Pferd akute Darmentzündung (<em class="gesperrt">Galtier</em>, -J. de Lyon 1887). — Eine Vergiftung bei Schafen durch verschiedene -Polygonumarten hat <em class="gesperrt">Born</em> (Veterinarius 1896) beschrieben. Die -Tiere zeigten starke Depression des Sensoriums, Nystagmus, Krämpfe -und Lähmung.</p> - -<p><b>Caltha palustris</b>, die <em class="gesperrt">Sumpf-Dotterblume</em> (grosse -Butterblume, Kuhblume), eine Ranunkulazee, enthält einen scharfen -Stoff, welcher wahrscheinlich mit dem Anemonenkampfer (vergl. S. -242) identisch ist. Nach andern soll sie ein nikotinartiges Alkaloid -enthalten. <em class="gesperrt">Bonin</em> (Journal de Lyon 1888) berichtet über einen -Vergiftungsfall bei Pferden. Nach der Aufnahme von Grünfutter, -welches fast nur aus Sumpf-Dotterblumen bestand, zeigten sich -Kolikerscheinungen, Tympanitis, Harndrang, sowie dunkelroter Harn von -scharfem, charakteristischem Dotterblumengeruche. Ein Pferd starb. -<em class="gesperrt">Nessler</em> (Bad. landwirtschaftl. Wochenblatt 1870) beobachtete -bei Rindern Durchfall nach dem Genuss der Pflanze.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_361">[S. 361]</span></p> - -<p><b>Ledum palustre</b>, der <em class="gesperrt">Sumpfporst</em> (Wilder Rosmarin), ist -ein auf Torfwiesen wachsender bis meterhoher Strauch (Erikazee) -mit immergrünen, linealen, rostbraunen, filzigen Blättern, welche -Aehnlichkeit mit Rosmarin haben, und weisser Blumenkrone. Er enthält -den <em class="gesperrt">Ledumkampfer</em> und wirkt entzündungserregend auf die -Digestionsschleimhaut.</p> - -<p><b>Sium latifolium</b>, der <em class="gesperrt">Merk</em> (Wassermerk), ist eine -in Wassergräben wachsende Umbellifere mit weisser Blütendolde. -Sie enthält einen scharfen, <em class="gesperrt">reizenden</em> und zugleich -<em class="gesperrt">narkotisch</em> wirkenden Stoff, welcher Gastroenteritis, Kolik, -starke Aufregung und Betäubung erzeugt. Vergiftungen bei Rindern sind -von <em class="gesperrt">Beyerstein</em> (Repertor. 1850) und <em class="gesperrt">Löfmannn</em> (Fin. -Vet.-Zeit. 1901) beschrieben worden.</p> - -<p><b>Gratiola officinalis</b>, das <em class="gesperrt">Gottesgnadenkraut</em> (Erdgalle) -ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Skrophularineen mit -stielrundem, ästigem Rhizom, bis 30 cm hohem, vierkantigem, kahlem -Stengel, feingesägten kahlen Blättern und weisslichen, gelbrötlich -angelaufenen Blüten. Die Pflanze enthält 2 Glykoside von purgierender -Wirkung: das <em class="gesperrt">Gratiosolin</em> von der Formel <span class="nowrap">C<sub>46</sub>H<sub>42</sub>O<sub>25</sub></span> -und das <em class="gesperrt">Gratiolin</em> von der Formel <span class="nowrap">C<sub>40</sub>H<sub>34</sub>O<sub>14</sub></span> sowie -andere scharfe Stoffe (<em class="gesperrt">Gratiolacrin</em>). Die Pflanze soll eine -hämorrhagische Magendarmentzündung veranlassen.</p> - -<p><b>Lactuca virosa</b>, der <em class="gesperrt">Giftlattich</em>, ist ein aufrechtes -Kraut mit blaugrünen Blättern, gelben kleinen Blütenköpfchen und -widerlichem Geruche (Komposite). Er enthält einen Milchsaft, -<em class="gesperrt">Lactucarium</em>, welcher durch scheibenweises Abschneiden -des 2jährigen Stengels und Sammeln des austretenden Milchsaftes -gewonnen wird. Man unterscheidet deutsches (Zell an der Mosel), -österreichisches, französisches, englisches und amerikanisches -Lactucarium. Der Milchsaft enthält das hypnotisch wirkende -<em class="gesperrt">Laktuzin</em>. Vergiftungen bei den Haustieren sind bisher nicht -beobachtet worden.</p> - -<p><b>Actaea spicata</b>, das <em class="gesperrt">gemeine Christophskraut</em> -(Beschreikraut, Hexenkraut, Feuerkraut, Schwarzkraut, Wolfswurz, -Christophoriana) ist eine in schattigen Laubwäldern, besonders -auf den nordeuropäischen Gebirgen und in der Schweiz vorkommende -Ranunkulazee mit glänzend schwarzen Beeren und einer dem -Helleborus-Rhizom sehr ähnlichen Wurzel von bitterem, kratzendem, -beissendem Geschmack, welche früher statt der Nieswurz therapeutisch -angewandt wurde. Die Wurzel enthält ein scharfes Harz, das -<em class="gesperrt">Zimifugin</em> oder <em class="gesperrt">Makrotin</em>, welches Erbrechen und -Durchfall erzeugt. Vergiftungen bei den Haustieren sind bisher nicht -beobachtet worden. Aehnlich wirkt <em class="gesperrt">Actaea cimifuga</em> = Cimifuga -fötida, das stinkende Wanzenkraut, sowie die in Amerika als Tonikum -angewandte <em class="gesperrt">Actaea racemosa</em> = Cimifuga racemosa, die schwarze -Schlangenwurzel.</p> - -<p><b>Bryonia alba</b> und <b>dioica</b>, die <em class="gesperrt">Zaunrübe</em> oder -<em class="gesperrt">Gichtrübe</em> (Stickwurz, Hundskürbis; Kukurbitazee), besitzt eine -fleischige, aussen gelbe, innen weisse, milchende, über armsdicke, -widerlich riechende und ekelhaft bitter schmeckende Wurzel, welche -das giftige Glykosid <em class="gesperrt">Bryonidin</em> neben dem ungiftigen Bryonin -enthält. Die Wurzel, ein Hauptmittel der Homöopathie, besitzt -purgierende und hämostatische Eigenschaften. In grösseren Mengen -aufgenommen erzeugt sie eine hämorrhagische Gastroenteritis. -<em class="gesperrt">Anger</em> (Vet. Esc. 1899) beobachtete bei 7 Pferden reheähnliche -Steifheit und Lähmung. Eine ausführliche Arbeit über Bryonia hat -<em class="gesperrt">Mankowsky</em> veröffentlicht (1890).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_362">[S. 362]</span></p> - -<p><b>Galega officinalis</b>, die <em class="gesperrt">Geissranke</em> (Geissklee, -Geissraute, Fleckenraute, Pockenraute), ist eine im südlichen -Europa an feuchten Stellen wachsende Papilionazee mit weisslichen, -violetten Blütentrauben, unpaar gefiederten Blättern und linealen, -einfächerigen Hülsen. <em class="gesperrt">Blanchard</em> (Journal de Lyon 1888) -beobachtete bei 10 Schafen nach der Aufnahme der blühenden und -halbreife Schoten tragenden Pflanze eine innerhalb 24 Stunden tödlich -verlaufende Vergiftung. Eine ähnliche Vergiftung bei 20 Schafen hat -<em class="gesperrt">Bieler</em> (ibid. 1889) beobachtet. <em class="gesperrt">Moussu</em> (Bull. soc. Agric. -1907) berichtet, dass 50 Schafe einer Merinoherde innerhalb 2 Tagen -an Geissrautenvergiftung eingingen, 2 mit Geissraute gefütterte -Lämmer starben rapid, während Kaninchen und Meerschweinchen damit -mehrere Tage ohne Schaden gefüttert wurden.</p> - -<p><b>Pedicularis palustris</b>, das <em class="gesperrt">Läusekraut</em>, ist eine -auf Sumpf- und Moorwiesen wachsende Skrophularinee mit ästigem -Stengel, trübgrünen, gefiederten Blättern und grossen, fleischroten -Blütenähren von widerlichem Geruche und scharfem Geschmacke.</p> - -<p><b>Ferula communis</b>, das <em class="gesperrt">Steckenkraut</em>, eine Umbellifere, -soll nach <em class="gesperrt">Brémond</em> (Journal de Lyon 1887) in Algerien im -Februar und März in allen Teilen giftig, nach dem Verblühen (April -und Mai) dagegen durchaus ungiftig und eine gute Futterpflanze sein. -Durch das Trocknen geht die Giftigkeit verloren. Die Vergiftung tritt -erst nach 6–8tägigem Besuch der Weide auf. Am empfindlichsten sind -Schafe, dann Ziegen, Rinder, Pferde und Schweine. Die Pflanze erzeugt -eine hämorrhagische Diathese, Nasenbluten, Hämaturie, Darmblutung, -sowie Hämatome auf den Psoasmuskeln. Die Krankheitsdauer beträgt -12–48 Stunden; die Mortalitätsziffer beläuft sich auf 98 Proz.</p> - -<p><b>Hypericum perforatum</b>, das <em class="gesperrt">Johanniskraut</em> (Hexenkraut, -Hasenkraut, Hartheu), eine Hyperikazee, enthält das <em class="gesperrt">Hyperizin</em> -und <em class="gesperrt">Hyperikumrot</em>, 2 Farbstoffe, und wahrscheinlich noch ein -ätherisches Oel. <em class="gesperrt">Pangoué</em> (Rep. 1861) hat eine Vergiftung -bei Tieren beobachtet. Die Erscheinungen bestanden in Abstumpfung, -Benommenheit, Mydriasis und purpurroter Färbung der fleischfarbenen -Lippenabzeichen.</p> - -<p><b>Hydrocotyle vulgaris</b>, das <em class="gesperrt">Nabelkraut</em> (gemeiner -Wassernabel), ist eine auf Moorwiesen und an sumpfigen Ufern -wachsende Umbellifere von brennendem Geschmacke, welche einen -scharfen Stoff, das <em class="gesperrt">Vellarin</em>, enthält. Die früher als -Diuretikum und als Wundmittel angewandte Pflanze soll bei den -Haustieren Darmentzündung und Blutharnen erzeugen.</p> - -<p><b>Scrophularia aquatica</b>, die <em class="gesperrt">Wasserwurzel</em> (Scr. -alata, Betonica aquatica), enthält das Harz Scrophularacrin. Nach -<em class="gesperrt">Bunciman</em> (The vet. journ. 1885) erkrankten 6 Schafe nach dem -Genusse der Pflanze an Appetitlosigkeit und Lähmungserscheinungen. -Ueber eine Vergiftung durch <em class="gesperrt">Scrophularia nodosa</em>, welche sich -in Durchfall, Mattigkeit und Lähmung äusserte, hat <em class="gesperrt">Walley</em> -berichtet (Journ. of comp. 1891).</p> - -<p><b>Madia sativa</b>, die <em class="gesperrt">Saatmadie</em>, eine 1jährige, aus Amerika -stammende Komposite mit schwarzen, 4–5kantigen, 6–7 mm langen, -ölhaltigen Früchten (Madiaöl), soll eine opiumähnliche Wirkung -besitzen.</p> - -<p><b>Sonchus arvensis</b>, die <em class="gesperrt">Ackersaudistel</em>, erzeugte nach -<em class="gesperrt">Lecouturier</em> (Repertor. 1860) bei 70 Schafen Betäubung und -Lähmung, sechs davon starben.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_363">[S. 363]</span></p> - -<p><b>Asarum europaeum</b>, die <em class="gesperrt">Haselwurz</em> (Brechwurz), ist -eine in ganz Europa, namentlich in Buchenwäldern vorkommende -Aristolochiazee. Die Pflanze besitzt ein 10 cm langes Rhizom mit -schuppenförmigen Niederblättern, nierenförmigen Laubblättern -und braunen, innen purpurroten Blüten. Das Rhizom enthält das -<em class="gesperrt">Asaron</em> = Asarumkampfer von der Formel <span class="nowrap">C<sub>20</sub>H<sub>26</sub>O<sub>5</sub></span>, sowie -ein ätherisches Oel, das <em class="gesperrt">Asaren</em>, von der Formel <span class="nowrap">C<sub>10</sub>H<sub>16</sub></span>. -Die Wirkung ist eine reizende, emetinähnliche. Noch giftiger ist -Asarum canadense.</p> - -<p><b>Paris quadrifolia</b>, die <em class="gesperrt">Einbeere</em> (Giftbeere, Sauauge, -Fuchstraube), ist eine in Laubwäldern wachsende Liliazee mit -schwarzen, kugeligen Beeren. Sie enthält 2 saponinartig wirkende -Giftstoffe: das <em class="gesperrt">Paridin</em> und <em class="gesperrt">Paristyphnin</em>. Vergiftungen -sind bei den Haustieren bisher nicht beobachtet worden. Eine -toxikologische Monographie über die Einbeere ist von <em class="gesperrt">Schroff</em> -veröffentlicht worden.</p> - -<p><b>Andromeda polyfolia</b>, die <em class="gesperrt">Rosmarinheide</em>, eine Erikazee, -enthält das Glykosid <em class="gesperrt">Andromedotoxin</em> = <em class="gesperrt">Asebotoxin</em> mit -blausäure- und akonitinähnlicher Wirkung (vgl. Rhododendron, S. 276). -Auch <em class="gesperrt">Andromeda florida</em> wirkt nach <em class="gesperrt">Dougall</em> (Vet. journ. -1896) bei Schafen giftig.</p> - -<p><b>Pirola</b>, das <em class="gesperrt">Wintergrün</em>, ist eine in schattigen Wäldern -wachsende Erikazee mit fadenförmigem, ästigem Rhizom, rundlich -ovalen Laubblättern und traubigen Blüten. Die früher als Wundmittel -(Adstringens) benützte Pflanze enthält <em class="gesperrt">Gerbsäure</em>, Gallussäure, -Arbutin, Erikolin und Urson. Sie soll beim Rinde Blutharnen erzeugen -(<em class="gesperrt">Weinmann</em>, Ad. Woch. 1865).</p> - -<p><b>Typha latifolia</b>, das <em class="gesperrt">Kolbenrohr</em>, eine Sumpfpflanze -(Typhazee), soll für Kühe giftig sein.</p> - -<p><b>Selinum palustre</b>, die <em class="gesperrt">Sumpfsilge</em>, soll für Schafe -giftig sein.</p> - -<p><b>Chenopodium hybridum</b>, der <em class="gesperrt">Gänsefuss</em> (Schweinemelde), -enthält das Glykosid <em class="gesperrt">Chenopodin</em>. Die Pflanze soll bei -Schweinen Gastroenteritis, Betäubung und Blutauflösung erzeugen.</p> - -<p><b>Azalea pontica</b>, ein 1–2 m hoher Strauch (Erikazee), im Garten -als Zierpflanze kultiviert, mit goldgelben, trichterförmigen Blüten, -hat in einem von <em class="gesperrt">Zirkel</em> (Preuss. Mitt. 1864) beobachteten -Fall bei Ziegen Magendarmentzündung verursacht. Auch bei einer Katze -wirkten die Blätter tödlich (<em class="gesperrt">Magdeburg</em>).</p> - -<p><b>Astragalus mollissimus</b> soll nach <em class="gesperrt">Sayre</em> (Amer. vet. Rev. -1888) die Ursache der in Mexiko, Colorado und Kansas auftretenden -sogen. „Lokokrankheit“ sein, welche sich bei Pferden und Rindern in -schweren Gehirnstörungen, Halluzinationen, Hyperästhesie, Krämpfen, -Muskelschwäche, unsicherem Gang und Abmagerung äussert. <em class="gesperrt">Sayre</em> -hat das Krankheitsbild auch experimentell durch Verfütterung von -Astragalus bei Pferden erzeugt. Die Tiere verlieren das Taxieren der -Entfernungen, drehen sich im Kreise und fallen plötzlich erschrocken -um. Nach <em class="gesperrt">Klench</em> soll die Vergiftung durch Crotallaria -sagittalis bedingt sein. Nach <em class="gesperrt">Crawford</em> enthalten die -schädlichen Astragalusarten giftige Baryumverbindungen.</p> - -<p><b>Evonymus europaeus</b>, das <em class="gesperrt">Pfaffenhütlein</em> (gemeiner -Spindelbaum, Spillbaum), ist eine in Europa wild wachsende und -auch angepflanzte Celastrazee, welche ein purgierendes und -digitalisähnlich wirkendes Harz, das <em class="gesperrt">Evonymin</em>, enthält -und angeblich bei Ziegen und Schafen Veranlassung zu tödlichen -Vergiftungen gegeben hat. Das unter dem Namen Evonymin<span class="pagenum" id="Seite_364">[S. 364]</span> neuerdings -als Abführmittel empfohlene Fluidextrakt wird aus Evonymus -atropurpureus (<em class="gesperrt">Wahoo</em>), einer nordamerikanischen Celastrazee, -dargestellt.</p> - -<p><b>Clematis</b>, die <em class="gesperrt">Waldrebe</em> (Cl. vitalba, erecta und -flammula), ist eine Ranunkulazee, deren verschiedene Arten einen -stark reizenden Stoff, den <em class="gesperrt">Clematiskampfer</em>, enthalten; -derselbe stimmt in seiner Wirkung mit dem Anemonenkampfer (vgl. S. -242) überein.</p> - -<p><b>Viburnum lantana</b>, der <em class="gesperrt">Schneeball</em> (türkische Weide), -soll bei Rindern Blutharnen erzeugen.</p> - -<p><b>Drosera</b>, der <em class="gesperrt">Sonnentau</em> (Dr. rotundifolia und -longifolia), eine Droserazee, soll für Schafe giftig sein.</p> - -<p><b>Thuja occidentalis</b>, der <em class="gesperrt">Lebensbaum</em>, und andere -Thujaarten besitzen eine sabinaähnliche Wirkung.</p> - -<p><b>Ruta graveolens</b>, die <em class="gesperrt">Gartenraute</em>, enthält ein scharfes -ätherisches Oel und besitzt angeblich eine abortive Wirkung.</p> - -<p><b>Mentha Pulegium</b>, der <em class="gesperrt">Poley</em>, eine zuweilen auch -medizinisch gebrauchte Labiate, enthält ein ätherisches Oel, Oleum -Pulegii, von phosphorartiger Wirkung, indem es sehr intensive -Verfettung der Leber, der Nieren und des Herzens erzeugt.</p> - -<p><b>Gelsemium sempervirens</b>, der <em class="gesperrt">gelbe Jasmin</em>, enthält 2 -giftige Alkaloide, das <em class="gesperrt">Gelseminin</em>, welches eine lähmende -Wirkung auf das Atmungszentrum und die Muskulatur, sowie eine -nikotinartige auf den Vagus besitzt, und das <em class="gesperrt">Gelsemin</em>, ein -strychninartig wirkender Körper. Vergiftungen haben sich bisher -nur beim Menschen durch zu hohe Dosierung der Tinctura Gelsemii -(Antineuralgikum) ereignet; sie äusserten sich in Schwindel, -Mydriasis, Ptosis, Schwäche in den Beinen und Dyspnoe. Therapie: -Exzitantien, künstliche Respiration.</p> - -<p><b>Templetonia glauca</b> und <b>Sophora secundiflora</b>, zwei -ausländische Schmetterlingsblüter, sind nach den Untersuchungen von -<em class="gesperrt">Cornevin</em> (Journ. de Lyon) Giftpflanzen (Erbrechen, Krämpfe, -Lähmung).</p> - -<p><b>Plumbago</b>, die <em class="gesperrt">Bleiwurz</em>, von Plumbago europaea, -sowie andere als Zierpflanzen in Gärten kultivierte ausländische -Plumbaginazeen enthalten das blasenziehende <em class="gesperrt">Plumbagin</em> = -<em class="gesperrt">Ophioxylin</em> (früher als „Radix Dentariae“ benütztes Vesikans).</p> - -<p><b>Sedum acre</b>, der <em class="gesperrt">Mauerpfeffer</em>, eine Krassulazee (nicht -zu verwechseln mit Ledum palustre), enthält ebenfalls einen scharf -reizenden, blasenziehenden Stoff.</p> - -<p><b>Atractylis gummifera</b>, eine zu den Kompositen gehörige -Distelart der Mittelmeerländer, enthält nach <em class="gesperrt">Saloignol</em> -(Recueil 1897) ein scharf narkotisches Gift. 4 Schweine verendeten -nach 2 Stunden unter tetanischen Erscheinungen; die Sektion ergab -hämorrhagische Gastroenteritis.</p> - -<p><b>Corchorus capsularis</b>, eine in China und Japan kultivierte, -die Jute (chinesischen Hanf) liefernde Tiliazee, enthält in den -Samen ein Glykosid, das <em class="gesperrt">Corchorin</em>, welches zu den stärksten -Giften gehört, indem es Pferde schon in subkutanen Dosen von 3 mg -pro Kilo Körpergewicht unter den Erscheinungen der Vaguslähmung -tötet. In Japan sind zahlreiche Vergiftungen bei Pferden und Rindern -vorgekommen (<em class="gesperrt">Tsuno</em>, Monatshefte für prakt. Tierhlkde 1896, VI. -Bd.).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_365">[S. 365]</span></p> - -<p><b>Cannabis sativa</b>, der <em class="gesperrt">Hanf</em> (Urtikazee), ist im -Gegensatz zum indischen Hanf in der Regel ungiftig. Nach -<em class="gesperrt">Tyroler</em> (Veterinarius 1896) sollen 25 Rinder, die aus einem -Hanf enthaltenden Wasser getrunken hatten, kurze Zeit darauf sich -wie betrunken benommen haben; eins derselben soll gestorben sein. -<em class="gesperrt">Mermelstein</em> (ibid. 1900) sah bei einem 4jährigen Pferde, -das auf dem Felde Hanf gefressen hatte, Kolik, Taumeln, kreuzweise -Stellung der Hinterbeine, Muskelzittern und pochenden Herzschlag; das -Tier erholte sich nach Verabreichung eines Abführmittels.</p> - -<p><b>Echium vulgare</b>, der <em class="gesperrt">Natternkopf</em>, eine Boraginee, -erzeugte bei 15 Pferden Erbrechen und starkes Speicheln -(<em class="gesperrt">Michotte</em>, Belg. Ann. 1892).</p> - -<p><b>Prosopis Juliflora</b>, eine in des wärmeren Gegenden vorkommende -Mimose, erzeugt nach <em class="gesperrt">Abrahams</em> (Vet. journ. 1897) die sog. -<em class="gesperrt">Cashaw</em>-Vergiftung.</p> - -<p><b>Populus balsamifera</b> wirkt nach <em class="gesperrt">Walley</em> (Journ. of comp., -7. Bd.) auf junge Pferde und Rinder giftig und selbst tödlich; die -Aufnahme der Blätter erzeugt heftige Kolik und Durchfall.</p> - -<p><b>Kürbis</b> verursachte bei 4 Pferden, welche frischen Kürbis -gefressen hatten, Abstumpfung, Aufregung, schnarchendes Atmen, -Pupillenerweiterung, hohe Pulsfrequenz und Muskelzittern -(<em class="gesperrt">Werkner</em>, Veterinarius 1897). Nach dem Füttern von -Kürbiskernen traten bei Mastochsen milzbrandähnliche Erscheinungen -auf: hohes Fieber, Schwäche, Benommenheit; die Sektion ergab blutige -Entzündung der Vormägen und des Dünndarms (<em class="gesperrt">Szatmary</em>, B. T. W. -1909).</p> - -<p><b>Knoblauch</b> erzeugte bei 40 Rindern tollwutähnliche -Erscheinungen (<em class="gesperrt">Pascault</em>, Recueil 1889).</p> - -<p><b>Tamus communis</b>, die <em class="gesperrt">schwarze Zaunrübe</em>, eine Smilazee, -besitzt rote, kugelige Beeren von giftiger Wirkung (Gastroenteritis, -Lähmung).</p> - -<p><b>Leucojum aestivum</b>, die <em class="gesperrt">Sommerlevkoje</em>, eine Amaryllidee, -enthält einen scharf narkotischen Stoff, welcher Magendarmentzündung, -Schwindel und Betäubung erzeugt.</p> - -<p><b>Ligustrum vulgare</b>, der <em class="gesperrt">Hartriegel</em>, eine Oleazee, -enthält in seinen Beeren das giftige <em class="gesperrt">Syringin</em>, sowie das -<em class="gesperrt">Ligustron</em>; die Beeren wirken scharf, entzündungserregend.</p> - -<p><b>Cynoglossum</b>, die <em class="gesperrt">Hundszunge</em>, besitzt kurareähnliche -Wirkungen.</p> - -<p><b>Onopordon Acanthium</b>, die <em class="gesperrt">Eselsdistel</em>, eine Komposite, -bewirkt Erbrechen, Durchfall und Krämpfe.</p> - -<p><b>Nigella sativa</b>, der <em class="gesperrt">Schwarzkümmel</em> (Ranunkulazee), -enthält das <em class="gesperrt">Melanthin</em> mit saponinartiger Wirkung.</p> - -<p><b>Paeonia officinalis</b>, die <em class="gesperrt">Gichtrose</em> oder -<em class="gesperrt">Pfingstrose</em>, eine Ranunkulazee, enthält in den Blüten und -Samen einen scharfen, Gastroenteritis erzeugenden Giftstoff; -desgleichen Paeonia corallina und peregrina.</p> - -<p><b>Berberis vulgaris</b>, die <em class="gesperrt">Berberitze</em> (Sauerdorn, -Weinschädling), eine Berberidee, enthält das giftige Alkaloid -<em class="gesperrt">Berberin</em>, welches Konvulsionen, sowie Erregung und spätere -Lähmung des Atmungszentrums bedingt.</p> - -<p><b>Heracleum sphondylium</b>, die <em class="gesperrt">deutsche Bärenklau</em>, -erzeugte bei Rindern Schäumen, Taumeln, bedenkliche Schwäche und -Niederstürzen; eine Kuh wurde durch den Magenschnitt gerettet -(<em class="gesperrt">Honeker</em>, D. T. W. 1900).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_366">[S. 366]</span></p> - -<p><b>Urtica dioica</b>, die <em class="gesperrt">Brennessel</em>, soll nach <em class="gesperrt">Rohr</em> -(Progr. vét. 1907) besonders zur Herbstzeit ein scharfes Gift -enthalten, welches sogar Hühnerhunde beim Streifen durch das Gebüsch -unter Krampferscheinungen töten soll; ausserdem entsteht durch das -Eindringen der Nesselhaare Hautentzündung, Stomatitis, Pharyngitis -und Laryngitis. Bei einem jungen Teckel glaubt <em class="gesperrt">Holterbach</em> (B. -T. W. 1908) eine ähnliche tödliche Vergiftung beobachtet zu haben -(Taumeln, Lähmung).</p> - -<p><b>Senecio Jacobaeus</b>, das <em class="gesperrt">Jakobskraut</em>, soll nach -<em class="gesperrt">Gilruth</em> (The Vet. Bd. 75) bei Pferden und Rindern -in Neu-Seeland häufig Leberzirrhose veranlassen. Die -Krankheitserscheinungen bestehen in Ikterus, Aszites, Durchfall, -schneller Abmagerung und Schwäche; bei der Sektion erscheint die -Leber lederartig derb und schieferartig gefärbt. Auch experimentell -liess sich bei 2 gesunden, 6 Monate alten Kälbern nach Ablauf eines -Monats tödliche Leberzirrhose durch die tägliche Verfütterung von 3 -kg Jakobskraut erzeugen.</p> - -<p><b>Cardamine pratensis</b>, das <em class="gesperrt">Wiesenschaumkraut</em> erzeugte -nach <em class="gesperrt">Stottmeister</em> (Zeitschr. f. Vet. 1902) bei 15 Remonten -des Remontedepots Wirsitz Verschlag. Schon im Jahr 1894 waren 24 -Remonten ebenfalls an Verschlag erkrankt. Auch experimentell liess -sich bei einigen Pferden und sogar bei Kühen nach 5–8 Stunden durch -Verfütterung des frischen Krautes (nicht des getrockneten) Rehe -erzeugen.</p> - -<p><b>Centaurea Cyanus</b>, die <em class="gesperrt">Kornblume</em>, erzeugte nach -<em class="gesperrt">Dopheide</em> (Berl. Arch. 1901) bei einer Kuh, welche eine -grössere Menge vom Besitzer ausgezogener grüner Kornblumenpflanzen -gefressen hatte, wenige Stunden später eine vollständige Lähmung des -Hinterteils; nach Verabreichung von schwarzem Kaffee trat in kurzer -Zeit Heilung ein.</p> - -<p><b>Cuscuta Trifolii</b>, die <em class="gesperrt">Kleeseide</em>, veranlasste nach -<em class="gesperrt">Holterbach</em> (D. T. W. 1908) bei 4 Kühen eine Vergiftung, -nachdem sie Klee (Trifolium pratense) mit 50% Kleeseide gefüttert -erhielten. Die Tiere zeigten Anfälle von Muskelzittern, Krämpfen der -Gliedmassen und Raserei; die Anfälle dauerten ¼ Stunde (eine Kuh -zeigte 4 Anfälle), worauf Erschöpfung und Schweissausbruch eintrat; -alle Tiere genasen.</p> - -<p><b>Strobuli Lupuli</b>, die <em class="gesperrt">Hopfendolden</em>, bedingen nach -<em class="gesperrt">Zaruba</em> (Tierärztl. Zentr. 1907) alljährlich zur Zeit der -Hopfenernte einen eigentümlichen Futterausschlag beim Rind, wenn die -Hopfenranken verfüttert werden, in Form eines papulösen Exanthems -am Euter und an den Hinterbeinen, das stellenweise vesikulär -und pustulös ist und sich in einem Falle über den ganzen Körper -verbreitete; nach 10 Tagen trat Heilung ein.</p> - -<p><b>Daucus Carota</b>, <em class="gesperrt">gelbe Rüben</em> (Mohrrüben), wirken nach -<em class="gesperrt">Böhm</em> bei der Verfütterung an Frettchen giftig. Auch bei -Pferden sollen sie unter Umständen schwere Darmentzündung (Preuss. -Mil. Vet. Ber. 1900), Lähmungserscheinungen (<em class="gesperrt">Holterbach</em>, -B. T. W. 1907) und Abortus (<em class="gesperrt">Suckow</em>, B. T. W. 1908) bei zu -reichlicher Fütterung veranlassen. Auch die weissen Rüben bedingen -nach <em class="gesperrt">Thomassen</em> (Monatsh. f. prakt. Tierheilk. 1902) nach -ausschliesslicher Verfütterung bei Pferden die Erscheinungen der -enzootischen Bulbärparalyse: Schlinglähmung sowie Lähmung des -Hinterteils aszendierend auf das Vorderteil; sie sollen einen -Giftstoff enthalten, dessen Wirkung speziell auf die Medulla -oblongata gerichtet ist.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_367">[S. 367]</span></p> - -<p><b>Melassevergiftung.</b> Pferde, welche längere Zeit hindurch -täglich 1–2 kg Torfmehlmelasse erhielten, zeigten Harndrang, -Polyurie, Darmkatarrh, Durchfall, Kolik, Herzschwäche, Petechien auf -Augen- und Nasenschleimhaut, Mauke, Lähmungserscheinungen usw.; die -Sektion ergab chronische Nephritis (<em class="gesperrt">Dammann</em>, Preuss. Vet. Ber. -1904; Preuss. Mil. Vet. Ber. 1902 ff.).</p> - -<p><b>Cotyledon ventricosa</b> erzeugt nach <em class="gesperrt">Jakobsen</em> (Viehseuchen -in Deutsch-Südwestafrika 1907) bei Schafen und Ziegen Taumeln.</p> - -<p><b>Phytolacca decandra</b>, die <em class="gesperrt">Kermesbeere</em> (Scharlachbeere) -enthält eine saponinartige Substanz. Rinder erkrankten nach dem -Beweiden ihres Standorts an Gastroenteritis (<em class="gesperrt">White</em>, Journ. of -comp. 1902).</p> - -<p><b>Festuca Hieronymi</b> bezw. das darauf schmarotzende Pilzmyzel -von <em class="gesperrt">Endoconidium tembladerae</em> erzeugt bei den Pflanzenfressern -der südamerikanischen Anden eine charakteristische Vergiftung, -die sog. „Trembladera“, die sich in Muskelzittern, Schüttelfrost, -Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule, Gleichgewichtsstörungen, -Lähmungserscheinungen und Harnverhaltung bei freier Psyche äussert -(<em class="gesperrt">Rivas</em> und <em class="gesperrt">Zanolli</em>, La Trembladera, La Plata 1909).</p> - -<p><b>Diversa.</b> <em class="gesperrt">Poa aquatica</em> wirkt an und für sich nicht -giftig, sondern nur, wenn es von Ustilago longissima befallen ist. -Dasselbe gilt vom <em class="gesperrt">Schilfgras</em> (Phragmites communis), welches -häufig von Puccinia arundinacea befallen ist. Von giftigen Pilzen -sind ferner noch zu erwähnen <em class="gesperrt">Peronospora viticola</em>, der -Rebenmehltau, welcher bei Kühen Kolik, Tympanitis, Verstopfung, -Durchfall und Abortus hervorruft (<em class="gesperrt">Bissauge</em>, Recueil 1893), -<em class="gesperrt">Peronospora Herniariae</em>, welches bei Schafen starke Salivation -und <em class="gesperrt">Peronospora Viciae</em> (Mehltau der Wicken und Erbsen), -welches Abortus erzeugen soll.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 class="s3" id="Anhang_Giftpflanzen_Familiensystem">Anhang.<br /> -<span class="s6">Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet.</span></h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p>I. <b>Colchicaceen.</b> <em class="gesperrt">Colchicum autumnale</em>, Herbstzeitlose; -<em class="gesperrt">Veratrum album</em>, weisse Nieswurz; <em class="gesperrt">Sabadilla officinalis</em>, -Sabadillsamen.</p> - -<p>II. <b>Solaneen.</b> <em class="gesperrt">Atropa Belladonna</em>, Tollkirsche; -<em class="gesperrt">Hyoscyamus niger</em>, Bilsenkraut; <em class="gesperrt">Datura Stramonium</em>, -Stechapfel; <em class="gesperrt">Nicotiana Tabacum</em>, <em class="gesperrt">makrophylla</em> und -<em class="gesperrt">rustica</em>, Tabak; <em class="gesperrt">Solanum nigrum</em>, Nachtschatten; -<em class="gesperrt">Solanum Dulcamara</em>, Bittersüss; <em class="gesperrt">Solanum tuberosum</em>, -Kartoffelkraut; <em class="gesperrt">Skopolia atropoides</em>, <em class="gesperrt">Duboisia -myroporoides</em>, <em class="gesperrt">Ephedra vulgaris</em>.</p> - -<p>III. <b>Apocyneen.</b> <em class="gesperrt">Strychnos nux vomica</em>, Brechnussbaum; -<em class="gesperrt">Strychnos gujanensis</em>, Kurarebaum; <em class="gesperrt">Strychnos Ignatii</em>, -Ignatiusstrauch; <em class="gesperrt">Strophanthus hispidus</em>, Kombesamen; -<em class="gesperrt">Nerium Oleander</em> Oleander; <em class="gesperrt">Nerium odorum</em>; <em class="gesperrt">Apocynum -cannabinum</em>.</p> - -<p>IV. <b>Euphorbiazeen.</b> <em class="gesperrt">Euphorbia Cyparissias</em>, -<em class="gesperrt">Peplus</em>, <em class="gesperrt">helioskopia</em>, <em class="gesperrt">marginata</em> u. a., -Wolfsmilch; <em class="gesperrt">Mercurialis annua</em> und <em class="gesperrt">perennis</em>, -Bingelkraut; <em class="gesperrt">Croton Tiglium</em>, Krotonsamen; <em class="gesperrt">Ricinus -communis</em>, gemeiner Wunderbaum; <em class="gesperrt">Buxus sempervirens</em>, -Buchsbaum.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_368">[S. 368]</span></p> - -<p>V. <b>Ranunkulazeen.</b> <em class="gesperrt">Ranunculus sceleratus</em>, <em class="gesperrt">acris</em>, -<em class="gesperrt">arvensis</em>, <em class="gesperrt">repens</em>, <em class="gesperrt">Ficaria</em>, <em class="gesperrt">flammula</em>, -<em class="gesperrt">bulbosus</em>, <em class="gesperrt">lanuginosus</em>, <em class="gesperrt">Lingua</em>, <em class="gesperrt">auricomus</em>, -<em class="gesperrt">polyanthemus</em>, Hahnenfuss; <em class="gesperrt">Helleborus fötidus</em>, -<em class="gesperrt">viridis</em> und <em class="gesperrt">niger</em>, Nieswurz; <em class="gesperrt">Aconitum ferox</em>, -<em class="gesperrt">neomontanum</em>, <em class="gesperrt">variegatum</em> und <em class="gesperrt">Napellus</em>, Sturmhut; -<em class="gesperrt">Aconitum lycoctonum</em>, Wolfseisenhut; <em class="gesperrt">Clematis erecta</em>, -Waldrebe; <em class="gesperrt">Adonis vernalis</em>, <em class="gesperrt">Delphinium Staphisagria</em>, -Stephanskörner; <em class="gesperrt">Caltha palustris</em>, Sumpfdotterblume; <em class="gesperrt">Actaea -spicata</em> und <em class="gesperrt">racemosa</em>, Christophskraut, Schlangenwurzel; -<em class="gesperrt">Nigella sativa</em>, Schwarzkümmel; <em class="gesperrt">Paeonia officinalis</em>, -Gichtrose.</p> - -<p>VI. <b>Umbelliferen.</b> <em class="gesperrt">Conium maculatum</em>, Fleckschierling; -<em class="gesperrt">Cicuta virosa</em>, Wasserschierling; <em class="gesperrt">Aethusa Cynapium</em>, -Gartenschierling; <em class="gesperrt">Oenanthe crocata</em> und <em class="gesperrt">fistulosa</em>, -Rebendolde; <em class="gesperrt">Chaerophyllum temulum</em>, Taumelkerbel; <em class="gesperrt">Sium -latifolium</em>, Merk; <em class="gesperrt">Ferula communis</em>, Steckenkraut; -<em class="gesperrt">Hydrocotyle vulgaris</em>, Nabelkraut.</p> - -<p>VII. <b>Papilionazeen.</b> <em class="gesperrt">Physostigma venenosum</em>, -Kalabarbohne; <em class="gesperrt">Cytisus Laburnum</em>, Goldregen, und andere -Cytisusarten; <em class="gesperrt">Lathyrus cicer</em>, Kichererbse; <em class="gesperrt">Lathyrus -sativus</em>, Platterbse; <em class="gesperrt">Coronilla scorpioides</em>, Kronenwicke; -<em class="gesperrt">Melilotus officinalis</em>, Steinklee; <em class="gesperrt">Lupinus luteus</em>, -<em class="gesperrt">albus</em> und <em class="gesperrt">angustifolius</em>, Lupine; <em class="gesperrt">Galega -officinalis</em>, Geissranke; <em class="gesperrt">Astragalus molissimus</em>; <em class="gesperrt">Robinia -Pseudoacacia</em>.</p> - -<p>VIII. <b>Amygdaleen.</b> <em class="gesperrt">Amygdalus communis</em>, Bittermandelbaum; -<em class="gesperrt">Prunus laurocerasus</em>, Kirschlorbeer; <em class="gesperrt">Prunus Padus</em>, -Traubenkirschbaum; <em class="gesperrt">Prunus persicus</em>, Pfirsichbaum; <em class="gesperrt">Prunus -domesticus</em>, Pflaumenbaum; <em class="gesperrt">Prunus cerasus</em>, Kirschbaum.</p> - -<p>IX. <b>Scrophularineen.</b> <em class="gesperrt">Digitalis purpurea</em>, Fingerhut; -<em class="gesperrt">Gratiola officinalis</em>, Gottesgnadenkraut; <em class="gesperrt">Pedicularis -silvatica</em> und <em class="gesperrt">palustris</em>, Läusekraut; <em class="gesperrt">Antirrhinum -majus</em>, Orant; <em class="gesperrt">Melampyrum</em>, Wachtelweizen; <em class="gesperrt">Scrophularia -aquatica</em>, Wasserwurzel.</p> - -<p>X. <b>Koniferen.</b> <em class="gesperrt">Taxus baccata</em>, Eibenbaum; <em class="gesperrt">Juniperus -Sabina</em>, Sadebaum; <em class="gesperrt">Pinus abies</em> usw.; <em class="gesperrt">Thuja -occidentalis</em>, Lebensbaum.</p> - -<p>XI. <b>Papaverazeen.</b> <em class="gesperrt">Papaver somniferum</em>, Mohn; <em class="gesperrt">Papaver -Rhöas</em>, Klatschrose; <em class="gesperrt">Chelidonium majus</em>, Schöllkraut.</p> - -<p>XII. <b>Caryophyllazeen.</b> <em class="gesperrt">Agrostemma Githago</em>, Kornrade.</p> - -<p>XIII. <b>Kupuliferen.</b> <em class="gesperrt">Fagus silvatica</em>, Buche (Bucheckern); -<em class="gesperrt">Quercus Robur</em>, Eiche.</p> - -<p>XIV. <b>Polygoneen.</b> <em class="gesperrt">Rumex acetosa</em> und <em class="gesperrt">acetosella</em>, -Sauerampfer; <em class="gesperrt">Polygonum fagopyrum</em>, Buchweizen; <em class="gesperrt">Polygonum -convolvulus</em>, <em class="gesperrt">Persicaria</em> und <em class="gesperrt">hydropiper</em>, Knöterich.</p> - -<p>XV. <b>Amaryllideen.</b> <em class="gesperrt">Narcissus pseudonarcissus</em> und -<em class="gesperrt">poëticus</em>, Narzisse; <em class="gesperrt">Leucojum aestivum</em>, Sommerlevkoje.</p> - -<p>XVI. <b>Thymelaeazeen.</b> <em class="gesperrt">Daphne Mezerëum</em> und -<em class="gesperrt">Laureola</em>, Seidelbast.</p> - -<p>XVII. <b>Erikazeen.</b> <em class="gesperrt">Rhododendron hirsutum</em>, -<em class="gesperrt">ferrugineum</em>, <em class="gesperrt">maximum</em>, <em class="gesperrt">ponticum</em> und -<em class="gesperrt">chrysanthum</em>, Alpenrose; <em class="gesperrt">Andromeda polyfolia</em> u. a., -Rosmarinheide; <em class="gesperrt">Ledum palustre</em>, Sumpfporst; <em class="gesperrt">Pirola</em>, -Wintergrün; <em class="gesperrt">Azalea pontica</em>.</p> - -<p>XVIII. <b>Aroideen.</b> <em class="gesperrt">Arum maculatum</em>, Aronstab; <em class="gesperrt">Calla -palustris</em>, Schweinekraut; <em class="gesperrt">Dieffenbachia seguina</em>, -Schweigrohr.</p> - -<p>XIX. <b>Asklepiadeen.</b> <em class="gesperrt">Asklepias Vincetoxicum</em>, -Schwalbenwurzel.</p> - -<p>XX. <b>Konvolvulazeen.</b> <em class="gesperrt">Ipomoea Purga</em>, Jalappe; <em class="gesperrt">Cuscuta -europaea</em>, Flachsseide.</p> - -<p>XXI. <b>Kruziferen.</b> <em class="gesperrt">Brassica nigra</em>, Senf; <em class="gesperrt">Brassica -Rapa</em>, Rübsen; <em class="gesperrt">Brassica Napus</em>, Reps; <em class="gesperrt">Brassica -juncea</em>, Sareptasenf; <em class="gesperrt">Sinapis arvensis</em>, Ackersenf; -<em class="gesperrt">Raphanus Rhaphanistrum</em>, Hederich; <em class="gesperrt">Erysimum vulgare</em>,<span class="pagenum" id="Seite_369">[S. 369]</span> -Wegsenf; <em class="gesperrt">Arabis tartarica</em>, Gänsekresse; <em class="gesperrt">Cochlearia -Armoracia</em>, Meerrettig.</p> - -<p>XXII. <b>Piperazeen.</b> <em class="gesperrt">Piper nigrum</em>, Pfeffer.</p> - -<p>XXIII. <b>Liliazeen.</b> <em class="gesperrt">Aloë ferox</em> etc., Aloe; <em class="gesperrt">Paris -quadrifolia</em>, Einbeere.</p> - -<p>XXIV. <b>Rhamneen.</b> <em class="gesperrt">Rhamnus cathartica</em>, Kreuzdorn.</p> - -<p>XXV. <b>Berberideen.</b> <em class="gesperrt">Podophyllum peltatum.</em></p> - -<p>XXVI. <b>Polypodiazeen.</b> <em class="gesperrt">Pteris aquilina</em>, Adlerfarn.</p> - -<p>XXVII. <b>Malvazeen.</b> <em class="gesperrt">Gossypium herbaceum</em>, Baumwollpflanze.</p> - -<p>XXVIII. <b>Terebinthazeen.</b> <em class="gesperrt">Rhus toxicodendron</em>, Giftsumach; -<em class="gesperrt">Anacardium occidentale</em> und <em class="gesperrt">Semecarpus Anacardium</em>, -Elefantenläuse.</p> - -<p>XXIX. <b>Primulazeen.</b> <em class="gesperrt">Cyclamen europaeum</em>, Alpenveilchen.</p> - -<p>XXX. <b>Aristolochiazeen.</b> <em class="gesperrt">Aristolochia Clematidis</em>, -Osterluzei; <em class="gesperrt">Asarum europaeum</em>, Haselwurz.</p> - -<p>XXXI. <b>Kompositen.</b> <em class="gesperrt">Lactura virosa</em>, Giftlattich; <em class="gesperrt">Madia -sativa</em>, Saatmadie; <em class="gesperrt">Sonchus arvensis</em>, Ackersaudistel; -<em class="gesperrt">Achillea Millefolium</em>, Schafgarbe; <em class="gesperrt">Onopordon Acanthium</em>, -Eselsdistel.</p> - -<p>XXXII. <b>Kukurbitazeen.</b> <em class="gesperrt">Bryonia alba</em> und <em class="gesperrt">dioica</em>, -Zaunrübe; <em class="gesperrt">Momordica Elaterium</em>, Springgurke; <em class="gesperrt">Citrullus -Colocynthis</em>, Koloquinthengurke.</p> - -<p>XXXIII. <b>Hyperikazeen.</b> <em class="gesperrt">Hypericum perforatum</em>, -Johanniskraut.</p> - -<p>XXXIV. <b>Typhazeen.</b> Typha latifolia, Kolbenrohr.</p> - -<p>XXXV. <b>Chenopodiazeen.</b> Chenopodium hybridum, Gänsefuss.</p> - -<p>XXXVI. <b>Celastazeen.</b> <em class="gesperrt">Evonymus europaeus</em>, Pfaffenhütlein.</p> - -<p>XXXVII. <b>Caprifoliazeen.</b> <em class="gesperrt">Viburnum Lantana</em>, Schneeball.</p> - -<p>XXXVIII. <b>Droserazeen.</b> <em class="gesperrt">Drosera rotundifolia</em>, Sonnentau.</p> - -<p>XXXIX. <b>Rutazeen.</b> <em class="gesperrt">Ruta graveolens</em>, Raute; <em class="gesperrt">Pilocarpus -pennatifolius</em>.</p> - -<p>XL. <b>Labiaten.</b> <em class="gesperrt">Mentha Pulegium</em>, Poley.</p> - -<p>XLI. <b>Plumbaginazeen.</b> <em class="gesperrt">Plumbago europaea</em>, Bleiwurz.</p> - -<p>XLII. <b>Krassulazeen.</b> <em class="gesperrt">Sedum acre</em>, Mauerpfeffer.</p> - -<p>XLIII. <b>Smilazeen.</b> <em class="gesperrt">Tamus communis</em>, Zaunrübe; -<em class="gesperrt">Convallaria majalis</em>, Maiblume.</p> - -<p>XLIV. <b>Oleazeen.</b> <em class="gesperrt">Ligustrum vulgare</em>, Gemeiner Liguster.</p> - -<p>XLV. <b>Berberideen.</b> <em class="gesperrt">Berberis vulgaris</em>, Berberitze.</p> - -<p>XLVI. <b>Artokarpeen.</b> <em class="gesperrt">Antiaris toxica</em>, javanischer -Giftbaum.</p> - -<p>XLVII. <b>Kannabineen.</b> <em class="gesperrt">Cannabis indica</em>, indischer Hanf; -<em class="gesperrt">Cannabis sativa</em>, deutscher Hanf.</p> - -<p>XLVIII. <b>Lobeliazeen.</b> <em class="gesperrt">Lobelia inflata</em>, aufgeblasene -Lobelie.</p> - -<p>XLIX. <b>Menispermeen.</b> <em class="gesperrt">Anamirta Cocculus</em>, -Kokkelskörnerstrauch.</p> - -<p>L. <b>Palmen.</b> <em class="gesperrt">Areca Catechu</em>, Arekanuss.</p> - -<p>LI. <b>Sapindazeen.</b> <em class="gesperrt">Paullinia australis</em> und <em class="gesperrt">Cururu</em>, -amerik. Pfeilgift.</p> - -<p>LII. <b>Lineen.</b> <em class="gesperrt">Linum usitatissimum</em>, Lein.</p> - -<p>LIII. <b>Equisetaceen.</b> <em class="gesperrt">Equisetum arvense</em>, <em class="gesperrt">palustre</em>, -<em class="gesperrt">limosum</em>, <em class="gesperrt">hiemale</em>, Schachtelhalm.</p> - -<p>LIV. <b>Gramineen.</b> <em class="gesperrt">Lolium temulentum</em>, Taumelloch.</p> - -<p>LV. <b>Filizes.</b> <em class="gesperrt">Aspidium Filix Mas</em>, Wurmfarn.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_370">[S. 370]</span></p> - -<p>LVI. <b>Schimmelpilze</b> (<b>Mukorineen</b>). <em class="gesperrt">Mucor</em>, -Blasenschimmel; <em class="gesperrt">Aspergillus</em>, Kolbenschimmel; -<em class="gesperrt">Penicillium</em>, Pinselschimmel; <em class="gesperrt">Oïdium</em>, Milchschimmel.</p> - -<p>LVII. <b>Brandpilze</b> (<b>Ustilagineen</b>). <em class="gesperrt">Tilletia -Caries</em>, Schmierbrand; <em class="gesperrt">Ustilago</em>, Flugbrand.</p> - -<p>LVIII. <b>Rostpilze</b> (<b>Uredineen</b>). <em class="gesperrt">Puccinia Graminis</em>, -<em class="gesperrt">Straminis</em>, <em class="gesperrt">coronata</em> und <em class="gesperrt">arundinacia</em>, -Getreiderost; <em class="gesperrt">Uromyces</em>, Leguminosenrost.</p> - -<p>LIX. <b>Kernpilze</b> (<b>Pyrenomyzeten</b>). <em class="gesperrt">Claviceps -purpurea</em>, Mutterkorn; <em class="gesperrt">Polydesmus exitiosus</em>, Rapsverderber; -<em class="gesperrt">Polythrincium Trifolii</em>; <em class="gesperrt">Epichloë typhina</em>.</p> - -<p>LX. <b>Schwämme</b> (<b>Fungi</b>). <em class="gesperrt">Agaricus muscarius</em>, -Fliegenpilz; <em class="gesperrt">Agaricus phalloides</em>, Knollenblätterschwamm; -<em class="gesperrt">Fungus Laricis</em>, Lärchenschwamm; <em class="gesperrt">Russula emetica</em>, -Speiteufel; <em class="gesperrt">Cantharellus aurantiacus</em>, falscher Eierschwamm; -<em class="gesperrt">Boletus Satanas</em>, Satanpilz; <em class="gesperrt">Helvella esculenta</em>, Morchel.</p> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_371">[S. 371]</span></p> - -<h3 id="III_Tierische_Gifte">III. Tierische Gifte.</h3> - -</div> - -<h4 id="Kantharidenvergiftung">Kantharidenvergiftung.</h4> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die Kanthariden oder spanischen Fliegen (Lytta -vesicatoria) sind 1½-3 cm lange und 6–9 mm breite Käfer mit -intensiv grünen, metallisch glänzenden, oblongen Flügeldecken. Sie -leben auf Liguster, Flieder, Eschen und Pappeln und enthalten im -ganzen Körper, namentlich aber in den Geschlechtsteilen (junge Käfer -sind deshalb weniger giftig) einen kampferähnlichen, säureartigen -Stoff, das <em class="gesperrt">Kantharidin</em> von der Formel <span class="nowrap">2(C<sub>5</sub>H<sub>6</sub>C<sub>2</sub>)</span>. -Das Kantharidin stellt chemisch eine Laktonsäure dar, die sich vom -Orthoxylol ableitet; es ist verwandt mit dem in den Ranunkulazeen -enthaltenen Anemonin, deren Blätter dem ebenfalls kantharidinhaltigen -Maiwurm (Meloë majalis) als Nahrung dienen. Die <em class="gesperrt">Ursachen</em> der -Kantharidenvergiftung sind in zu konzentrierter oder ausgedehnter -äusserlicher Anwendung der Kantharidenpräparate (Salbe, Tinktur, Oel, -Pflaster) als Epispastika, in zu hoher Dosierung des Mittels als -Aphrodisiakum, sowie in der Aufnahme der spanischen Fliegen mittelst -des Futters zu suchen. Die Todesdosis beträgt bei innerlicher -Anwendung für das Rind und Pferd 25–35 g, für den Hund ½-1 g.</p> - -<p>Von kantharidinhaltigen Käfern sind ferner zu nennen: Lytta violacea, -gigar und adspersa, Meloë proscarabaeus, majalis (Maiwurm) und -angusticollis, sowie verschiedene Mylabris- und Kantharisarten.</p> -</div> - -<p><b>Krankheitsbild und Sektionsbefund.</b> Das Kantharidin wirkt -auf der Haut <em class="gesperrt">blasenziehend</em>, auf der Digestionsschleimhaut -<em class="gesperrt">entzündungserregend</em>; ausserdem erzeugt es bei seiner -Ausscheidung durch die Nieren <em class="gesperrt">Nephritis</em> und <em class="gesperrt">Zystitis</em>. -Bei der innerlichen Einverleibung treten die Erscheinungen der -<em class="gesperrt">Stomatitis</em> und <em class="gesperrt">Gastroenteritis</em>, bei der epidermatischen -Anwendung die der <em class="gesperrt">Nephritis</em> in den Vordergrund. Die einzelnen -Krankheitserscheinungen sind, soweit sie den Digestionsapparat -betreffen: <em class="gesperrt">Speicheln</em>, <em class="gesperrt">Schlingbeschwerden</em>, -<em class="gesperrt">Erbrechen</em>, <em class="gesperrt">Kolik</em>, <em class="gesperrt">blutige Diarrhöe</em>, -<em class="gesperrt">Tenesmus</em>. Beim Rind wird auch zuweilen Abgang von Kruppmembranen -mit dem Kot beobachtet (Enteritis crouposa). Die entzündliche -Reizung der Nieren-, der Blasen- und Harnröhrenschleimhaut äussert -sich in <em class="gesperrt">aufgeregtem Geschlechtstrieb</em>,<span class="pagenum" id="Seite_372">[S. 372]</span> <em class="gesperrt">Polyurie</em>, -<em class="gesperrt">Harndrang</em>, <em class="gesperrt">Blutharnen</em>, <em class="gesperrt">Eiweissharnen</em>, -<em class="gesperrt">Rötung</em> und <em class="gesperrt">Schwellung</em> der <em class="gesperrt">Vaginal-</em> und -<em class="gesperrt">Präputialschleimhaut</em> und selbst <em class="gesperrt">Anschwellung</em> des -<em class="gesperrt">Präputiums</em> und der <em class="gesperrt">Eichel</em>. Diese Wirkung auf den -Urogenitalapparat beobachtet man auch bei ausgedehnter äusserlicher -Anwendung der Kanthariden oder beim Einstreuen derselben in Wunden; die -entzündliche Reizung der Digestionsschleimhaut fehlt aber in diesen -Fällen. Der Tod erfolgt unter den Erscheinungen der <em class="gesperrt">allgemeinen -Schwäche</em> durch Atmungslähmung.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Sektion</em> findet man die Erscheinungen der Stomatitis, -Pharyngitis, Gastritis, Enteritis haemorrhagica, Zystitis und Nephritis -(sog. Kantharidin-Nephritis; hauptsächlich Erkrankung der Glomeruli -und der gewundenen Harnkanälchen). Zuweilen beobachtet man auch -Laryngitis, Rhinitis und Konjunktivitis. Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> besteht -in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in Verbindung -mit Opium. Oelige Mittel sind wegen der Auflösung des Kantharidins -und der dadurch beförderten Resorption desselben zu vermeiden. Die -Lähmungserscheinungen behandelt man mit Exzitantien (Kampfer).</p> - -<p><b>Nachweis.</b> Sind die Kanthariden in unpräparierter Form innerlich -aufgenommen worden, so genügt das Auffinden der charakteristischen -grüngefärbten Flügeldecken zum Nachweise der Vergiftung. Bei -Vergiftungen nach äusserlicher Anwendung der Kanthariden kann ferner -das Kantharidin durch chemische und physiologische Reaktionen -nachgewiesen werden. Dasselbe wird wie die Alkaloide nach der -<em class="gesperrt">Stas</em>schen Methode schon aus <em class="gesperrt">sauren</em> wässerigen -Lösungen durch <em class="gesperrt">Aether</em>, <em class="gesperrt">Benzol</em>, <em class="gesperrt">Chloroform</em>, -<em class="gesperrt">Amylalkohol</em> ausgeschüttelt; am besten eignet sich hierzu -<em class="gesperrt">Chloroform</em>. Zur Untersuchung von Blut und Körperteilen auf -Kantharidin hat ausserdem <em class="gesperrt">Dragendorff</em> eine besondere Methode -angegeben. Danach wird das Untersuchungsmaterial fein zerschnitten -und mit <em class="gesperrt">Kalilauge</em> (1 Kalihydrat auf 12–15 Teile Wasser) in -einer Porzellanschale so lange erhitzt, bis eine durchaus gleichartige -Flüssigkeit entstanden ist. Nach dem Erkalten wird dieselbe mit Wasser -verdünnt, mit <em class="gesperrt">Chloroform</em> ausgeschüttelt (kantharidinsaures -Kali), nach Abtrennung des Chloroforms mit Schwefelsäure bis zur -stark sauren Reaktion versetzt und sofort mit dem vierfachen Volum -Alkohol gemischt, das Gemisch eine Zeitlang im Sieden erhalten, -heiss filtriert, das Filtrat möglichst stark abgekühlt, noch einmal -filtriert und durch Destillation<span class="pagenum" id="Seite_373">[S. 373]</span> vom Alkohol befreit (Kantharidin). -Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird mit Chloroform wie oben -behandelt, nachdem zuerst die an den Wandungen der Retorte haftenden -Massen (Kantharidin) durch dasselbe aufgenommen worden sind. Alle -Chloroformauszüge werden dann verdunstet und der Rückstand, das reine -Kantharidin, mit etwas Mandelöl aufgenommen.</p> - -<p>Die wichtigsten Reaktionen des Kantharidins sind: 1. Die -<em class="gesperrt">physiologische</em> Reaktion, welche im Auftragen des in Oel -aufgenommenen Kantharidins auf die menschliche Haut besteht, wobei -die Substanz als <em class="gesperrt">blasenziehend</em> erkannt wird. Am besten lässt -man die Kantharidinlösung in ein Stück englische Charpie einziehen -und befestigt dasselbe mit Heftpflaster auf seiner Brust oder auf dem -Oberarme. 2. <em class="gesperrt">Metallniederschläge</em> entstehen beim Zusammenbringen -des Kantharidins mit verschiedenen <em class="gesperrt">Metallsalzen</em>. Man löst -das Kantharidin in wenig Kali- oder Natronlauge und löst die -dabei entstehenden Kristalle in etwas Wasser auf. Die Lösung gibt -dann mit <em class="gesperrt">Chlorbaryum</em> und <em class="gesperrt">Chlorkalzium</em> weisse, mit -<em class="gesperrt">Kupfervitriol</em> und <em class="gesperrt">schwefelsaurem Nickeloxydul</em> grüne, -mit <em class="gesperrt">schwefelsaurem Kobaltoxydul</em> rote, mit <em class="gesperrt">Bleizucker</em>, -<em class="gesperrt">Sublimat</em> und <em class="gesperrt">Höllenstein</em> weisse, kristallinische, meist -rhombische Niederschläge von kantharidinsauren Metallen.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Römmele</em> (Bad. Mitteil. 1866) berichtet, dass -auf einem Gute spanische Fliegen von benachbarten Eschenpflanzungen -und Holundersträuchen in das Wiesengras gelangten, was zur Folge -hatte, dass ein grosser Teil des Viehstandes mehrere Jahre hindurch -Blasenbildung auf der Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und -Scheidenschleimhaut, erregten Geschlechtstrieb, Hämaturie, Harndrang, -Abortus, Anämie und Abmagerung zeigte. — <em class="gesperrt">Brandes</em> (Magazin Bd. -3) sah nach scharfen Einreibungen beider Brustwandungen mit je 50 g -Kantharidensalbe, wobei nach 12 Stunden beiderseitig je 15 g Salbe -nachgerieben wurden, bei Pferden regelmässig Polyurie eintreten. 3 -Pferde zeigten ausserdem schwankenden Gang und Lähmungserscheinungen. -— <em class="gesperrt">Bertsche</em> (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) beschreibt eine -Vergiftung bei einer Kuh, welcher zum Zwecke des Brünstigwerdens etwa -25 g Kantharidenpulver von einem Landwirt eingegeben worden waren. -Die Maulschleimhaut war weisslich verfärbt, das Epithel an der Zunge, -am Zahnfleisch und Gaumen bis in die Nasenhöhle in Fetzen abgelöst. -Urin wurde häufig, aber immer nur in geringen Mengen abgesetzt, -derselbe war rötlich gefärbt. Die Futteraufnahme war ganz aufgehoben, -beim Abschlucken zeigte das Tier grosse Schmerzen. Mit dem Kot gingen -1–1½ m lange darmähnliche Kruppmassen ab. Die Bewegung war matt -und schwankend. Nach eingeleiteter Behandlung trat langsame Genesung -ein. — Ein Pferd starb nach der Einreibung von Kantharidensalbe an -Nephritis nach 2 Tagen (Pr. Mil. Vet. Ber. 1895). — <em class="gesperrt">Metzger</em> -(D. T. W. 1896) sah bei einer Kuh, welche etwa 10 g Kanthariden -eingegeben erhalten hatte, schwankenden Gang, Salivation, Stomatitis -und Pharyngitis sowie Polyurie. Das bis zum Skelett abgemagerte Tier -brauchte etwa ein Vierteljahr zur Erholung. — <em class="gesperrt">Carougeau</em> -(Journ. de Lyon 1897) beobachtete bei einem Pferde nach der -Einreibung mit Kantharidensalbe akute hämorrhagische Nephritis, wobei -die Glomeruli um das 2–3fache vergrössert waren. — <em class="gesperrt">Heck</em> (Am. -vet. rev. 1898) sah bei einem Hengst nach der Verabreichung von 8 -g Kanthariden Stomatitis,<span class="pagenum" id="Seite_374">[S. 374]</span> Pharyngitis, Polyurie, Kolik und Tod -nach 12 Stunden; die Sektion ergab Gastroenteritis und Nephritis. -— Nach den experimentellen Untersuchungen <em class="gesperrt">Friedbergers</em> -(Münchener Jahresbericht 1878) hatten 50 g Kantharidensalbe -äusserlich eingerieben keine giftige Wirkung, während die innerliche -Verabreichung von 25 g des Pulvers nach 4 Stunden bei einem Pferd -schwere Vergiftungserscheinungen hervorrief. — Eine Stute erhielt -5 g Kantharidenpulver auf Brot und erkrankte infolgedessen an -einer Stomatitis diphtherica; ein anderes schweres Pferd zeigte -nach derselben innerlichen Dosis ausser Appetitverminderung keine -Krankheitserscheinungen (<em class="gesperrt">Groll</em>, Woch. f. T. 1903). — Nach dem -Einreiben von 70 g Kantharidensalbe zeigte ein Pferd Polyurie und -Kolikerscheinungen; ein Ablecken der Salbe hatte nicht stattgefunden -(<em class="gesperrt">Lungwitz</em>, Sächs. Jahresber. 1900). — Ich habe mehrmals -ähnliche Beobachtungen gemacht.</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Schlangenbisse">Vergiftung durch Schlangenbisse.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Die in einzelnen Gegenden Deutschlands noch -vorkommende <em class="gesperrt">Kreuzotter</em>, <em class="gesperrt">Vipera Berus</em> (Coluber Berus), -gibt zuweilen durch ihren Biss Veranlassung zu Vergiftungen bei -Hunden, Rindern, Pferden und Schafen. Ausser der Kreuzotter ist -als einheimische Giftschlange die in Oesterreich und der Schweiz -vorkommende <em class="gesperrt">redische Viper</em>, <em class="gesperrt">Vipera Redii</em> (V. -Aspis, Schildotter) zu erwähnen. Ausländische Giftschlangen sind -die <em class="gesperrt">Klapperschlangen</em> (Krotaliden) und die <em class="gesperrt">Vipern</em> -(Viperiden), die <em class="gesperrt">Brillenschlangen</em> (Elapiden), die -<em class="gesperrt">Hydrinen</em> und <em class="gesperrt">australischen Schlangen</em>. Das Schlangengift -ist auch im Blute vorhanden und wird in den zwischen den Kaumuskeln -eingelagerten Giftdrüsen ausgeschieden, welche als modifizierte -Speicheldrüsen (etwa der Parotis entsprechend) aufzufassen sind. -Der Ausführungsgang dieser Giftdrüsen mündet in den im Oberkiefer -befindlichen Giftzahn. Bei jedem Biss erfolgt durch die Kontraktion -der Kaumuskeln eine Kompression der Drüse mit Entleerung des Sekrets. -Die Giftflüssigkeit besitzt eine neutrale Reaktion und enthält -wahrscheinlich keinerlei geformte Elemente. Letzteres geht daraus -hervor, dass das Schlangengift auch nach längerem Kochen, sowie nach -Erwärmen auf 125° seine Wirkung nicht verliert, dass ferner eine -Infektion anderer Tiere durch Blutübertragung nicht gelingt und -dass das Schlangengift sehr lange, selbst monate- und jahrelang in -getrocknetem Zustand oder in Glyzerin haltbar und auch durch Fäulnis -nicht zu zerstören ist. Vom vollen Magen wird Schlangengift verdaut, -vom leeren resorbiert. Bei allen Giftschlangen ist der Giftvorrat -schon nach wenigen Bissen erschöpft, so dass sie alsdann ungiftig -sind.</p> -</div> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Literatur.</b> <em class="gesperrt">Fontana</em>, Abhandlung über das Viperngift, -Berlin 1787. — <em class="gesperrt">Russel</em>, Indian Serpents 1796. — -<em class="gesperrt">Fayrer</em>, The Thanatophidia of India 1874. — <em class="gesperrt">Brunton</em> -und <em class="gesperrt">Fayrer</em>, Natur und Wirkung des Najagiftes 1873. -— <em class="gesperrt">Albertoni</em>, Ueber die Wirkung des Schlangengiftes -1879. — <em class="gesperrt">Lacerda</em>, Uebermangansaures Kali als Antidot -des Kopragiftes 1871. — <em class="gesperrt">Schulz</em>, Ueber Schlangengift -1881. — <em class="gesperrt">Aron-Binz</em>, Exper. Studien über Schlangengift, -Zeitschr. f. klin. Medizin, Bd. 6. — <em class="gesperrt">Weir Mitschel</em> und -<em class="gesperrt">Reichert</em>, Untersuchungen über Giftschlangen, Washington 1886. -— <em class="gesperrt">Feoktistow</em>, Desgln. Dorpat 1888. — <em class="gesperrt">Phisalix</em> und -<em class="gesperrt">Bertrand</em>, Bull. de la soc. de méd. 1895. — <em class="gesperrt">Fraser</em>, -Brit. med. journ. 1897. — <em class="gesperrt">Calmette</em>, Annal. de l’inst. -Pasteur 1892; Les venins, les animaux venimeux et la sérotherapie -antivenimeuse, Paris 1907; Die tierischen Gifte und ihre antitoxische -Serumtherapie. Handb. d. pathol. Mikroorganismen von Kolle u. -Wassermann, 1909. — <em class="gesperrt">Kaufmann</em>, Die Giftschlangen in -Frankreich, Paris 1893. — <em class="gesperrt">von Linstow</em>, Die Gifttiere 1894. — -<em class="gesperrt">Faust</em>, Die tierischen Gifte, Braunschweig 1906.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_375">[S. 375]</span></p> - -<p><b>Wirkung des Schlangengiftes.</b> Die chemische Natur des -Schlangengiftes ist noch nicht aufgeklärt (<em class="gesperrt">Eiweissgifte</em>?). -Jedenfalls enthalten die einzelnen Schlangengifte ganz verschiedenartig -wirkende Substanzen. Fast alle Schlangengifte enthalten zunächst -<em class="gesperrt">Hämolysine</em>, d. h. Toxine, welche die roten Blutkörperchen -auflösen. Das Gift der Viperiden und Kolubriden enthält ferner -<em class="gesperrt">Hämorrhagine</em>, d. h. Toxine, welche eine örtliche Schädigung des -Gefässendothels veranlassen und dadurch hämorrhagische Schwellungen -hervorrufen. Andere Schlangengifte (Elapiden, Hydrinen) bewirken durch -ihren Gehalt an <em class="gesperrt">Neurotoxinen</em> vorwiegend allgemeine Lähmung. Alle -drei Giftstoffe sind z. B. im Ophiotoxin, dem Gift der Kobraschlange, -enthalten. Aehnlich wie bei den Toxinen der Infektionskrankheiten -lassen sich auch gegen die einzelnen Toxine der Giftschlangen -Antikörper in Form verschiedener Sera darstellen (Antivenenin, -polyvalentes Serum).</p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Das Schlangengift der Kreuzotter -(<em class="gesperrt">Viperin</em>) erzeugt lokal eine <em class="gesperrt">phlegmonös-hämorrhagische -Entzündung</em> der <em class="gesperrt">Bissstelle</em>, welche sich durch -<em class="gesperrt">Anschwellung</em> der Haut in der Umgebung der letzteren äussert. Die -Allgemeinwirkung des Viperins ist eine <em class="gesperrt">lähmende</em> auf <em class="gesperrt">Herz</em>, -<em class="gesperrt">Atmungszentrum</em> und <em class="gesperrt">Körpermuskulatur</em>. Bei der Sektion -findet man <em class="gesperrt">Blutextravasate</em> in den Organen der Hinterleibshöhle. -Die tödliche Dosis des Viperins beträgt für den Hund 0,01 g pro Kilo -Körpergewicht. Im übrigen ist die Giftigkeit des Kreuzottergifts je -nach der Gegend und Jahreszeit verschieden; besonders giftig scheint -dasselbe gegen Ende des Sommers zu sein.</p> - -<p><b>Behandlung.</b> Die Therapie der Schlangenbisse zerfällt in -einen <em class="gesperrt">örtlichen</em> und einen <em class="gesperrt">allgemeinen</em> Teil. Wird man -unmittelbar nach stattgefundenem Bisse gerufen, so kann man versuchen, -das Gift in der Bisswunde zu zerstören oder seine Resorption zu -verhindern. In dieser Beziehung sind das <em class="gesperrt">Ausbrennen</em> und das -<em class="gesperrt">Ausätzen</em> der Wunde, sowie das Anlegen einer <em class="gesperrt">Ligatur</em> -oberhalb der Bissstelle empfohlen worden. Von Arzneimitteln, welche -lokal das in der Wunde befindliche Gift zerstören, werden namentlich -das <em class="gesperrt">Kalium permanganicum</em> (3–5prozentige Injektionen), -<em class="gesperrt">Chromsäure</em> (1prozentige Lösung), ferner <em class="gesperrt">Jodtinktur</em>, -<em class="gesperrt">Chlorkalk</em>, <em class="gesperrt">Chlorwasser</em>, <em class="gesperrt">unterchlorigsaures -Natron</em> und <em class="gesperrt">Kali</em>, <em class="gesperrt">Eisenchlorid</em>, <em class="gesperrt">Goldchlorid</em>, -<em class="gesperrt">Platinchlorid</em> gerühmt. Sublimat,<span class="pagenum" id="Seite_376">[S. 376]</span> Chlorzink, Höllenstein, -Karbolsäure, Zitronensäure, Pikrinsäure, Salmiakgeist, sowie -Ferridzyankalium sollen die Wirkung des Giftes ebenfalls abschwächen. -Im übrigen behandelt man die Bisswunde und die phlegmonöse -Schwellung nach chirurgischen Regeln. Die innerliche Behandlung der -Lähmungserscheinungen besteht in der Anwendung von <em class="gesperrt">Exzitantien</em>: -<em class="gesperrt">Alkohol</em>, Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein, Strychnin, -Veratrin, Liquor Ammonii anisatus, Wein. Nach <em class="gesperrt">Fraser</em> und -<em class="gesperrt">Phisalix</em> bildet die <em class="gesperrt">Galle</em> der Giftschlangen (und in -geringerem Grade auch der ungiftigen Schlangen) bei subkutaner -Einspritzung das stärkste Gegenmittel gegen das Schlangengift. Nach -<em class="gesperrt">Calmette</em> soll die Behandlung mittels <em class="gesperrt">Serum</em> immunisierter -Pferde ebenfalls ein sehr wirksames Mittel sein („Antivenenin“).</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Gerlach</em> (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) -beobachtete unter einer Rinderherde, welche in einem Gehölze -weidete, wo die Kreuzotter vorkam, 5 Todesfälle. Die erste -Krankheitserscheinung bestand in einer unbedeutenden, talergrossen, -aber sehr schmerzhaften Anschwellung am Sprunggelenk oder in der -Umgebung des Fesselgelenkes, welche von vornherein starkes Lahmgehen -verursachte und sich allmählich innerhalb 6–8 Stunden nach oben -über den ganzen Schenkel bis zur Kruppe und über einen Teil des -Bauches verbreitete. Mit der Zunahme der Geschwulst stellten sich -Hinfälligkeit, Apathie und Lähmungserscheinungen ein. Die Tiere -konnten sich nicht mehr erheben, zeigten grosse Unruhe, Stöhnen, -Zittern, Dyspnoe, Herzklopfen, sehr gesteigerte Pulsfrequenz -und schliesslich Unfühlbarwerden des Pulses. Der Tod trat nach -24–30stündiger Krankheitsdauer ein. Bei der Sektion fand man an den -geschwollenen Stellen das subkutane Bindegewebe serös infiltriert, -die Lymphdrüsen geschwollen, die benachbarte Körpermuskulatur wie -gekocht, sowie am Dünndarm viele erbsengrosse Blutextravasate. — -In einem von mir beobachteten Falle (Monatshefte für praktische -Tierheilkunde 1889) zeigte bei einem Hühnerhunde, welcher auf der -Jagd bei Spandau von einer Kreuzotter gebissen worden war, die -rechte Vordergliedmasse namentlich in der unteren Hälfte eine starke -phlegmonöse Schwellung, welche sich vermehrt warm anfühlte und -sehr schmerzhaft war. Die Haut zwischen den Zehen und die innere -Fläche der ganzen Extremität war stärker gerötet. Auf der Mitte -der Vorderfläche der vierten Zehe befand sich eine rundliche, mit -Blutkrusten bedeckte, etwa senfkorngrosse Bisswunde. Am Uebergang der -rechten Vorderextremität in die Brust zeigten sich an der Innenfläche -Blutunterlaufungen der Haut in einer handtellergrossen Ausdehnung. -Die Bewegung des rechten Vorderfusses war ganz aufgehoben. Dabei -war das Tier fieberlos (38,1° C.). Die Schleimhäute der Maulhöhle -und der Augen waren zyanotisch, bleigrau verfärbt. Die Pulsfreqnenz -war sehr gesteigert (120), der Puls selbst sehr schwach, kaum -fühlbar, unregelmässig, der Herzschlag beiderseits fühlbar, die -Herztöne rein. Futter- und Wasseraufnahme war gut, die Palpation des -Schlundkopfes, Schlundes und Hinterleibes ergab nichts Krankhaftes. -Die Atmung war angestrengt und beschleunigt (36). Die Bewegung des -Tieres war matt, es bestand grosse allgemeine Körperschwäche, sowie -stark eingenommene Psyche. Nach einer 8tägigen Behandlung ging -die Schwellung allmählich zurück und das Tier konnte als genesen -entlassen werden. — <em class="gesperrt">Kretschmar</em> (Sächs. Jahresbericht 1861) -fand bei der Sektion einer nach dem Genusse von Waldgras plötzlich -nach vorausgegangener Aufblähung, Brüllen und Tobsucht verendeten -Kuh eine Kreuzotter im Pansen. — <em class="gesperrt">Przybilka</em> (Magazin, Bd. 17) -beobachtete bei einem Hunde, welcher von einer Kreuzotter in die -Nase gebissen worden war, nach 3 Stunden eine unförmliche Schwellung -des Kopfes und Halses, grosse Schmerzhaftigkeit der Bissstelle, -Winseln,<span class="pagenum" id="Seite_377">[S. 377]</span> Brechneigung, grosse Unruhe und starke Pulsbeschleunigung. -Die Heilung dauerte 5 Tage. — Eine Kuh, welche beim Ackern graste, -wurde, wie der Besitzer zufällig sah, von einer Kreuzotter (Vipera -Berus) in die Unterlippe gebissen. Bis zum andern Morgen hatte sich -eine sehr starke, schmerzhafte Anschwellung des Kopfes, hochgradiges -Speicheln, grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Herzklopfen bei 41° C. -Temperatur, 95 Pulsen, 40 Atemzügen eingestellt. Nach Erweiterung -der Bisswunde, Umschlägen von verdünntem Salmiakgeist, später von -Kaliumpermanganatlösungen und Anwendung von branntweinhaltigem -Maulwasser besserte sich der Zustand in 5 Tagen. Nach 8 Tagen -war die Kuh geheilt (<em class="gesperrt">Hauboldt</em>, Sächs. Jahresber. 1895). -— <em class="gesperrt">Binder</em> (Tierärztl. Zentralbl. 1894) sah bei einem Rind -und einem Hund Zuckungen, Zusammenstürzen und allgemeine Lähmung. -— <em class="gesperrt">Webb</em> (J. of comp., 20. Bd.) sah bei Pferden ödematöse -Anschwellungen am Kopf, Petechien auf der Konjunktiva, blutigen -Nasenausfluss, blutigen Harn, Brechneigung, 40,5° und bei der -Sektion Blutextravasate unter der Pleura und in der Bauchhöhle. — -Weitere Beobachtungen sind von <em class="gesperrt">Förderreuther</em>, <em class="gesperrt">Koppitz</em>, -<em class="gesperrt">Lammert</em>, <em class="gesperrt">Huth</em>, <em class="gesperrt">Petzold</em>, <em class="gesperrt">Falke</em>, -<em class="gesperrt">Kitt</em>, <em class="gesperrt">Martin</em>, <em class="gesperrt">Uhlich</em>, <em class="gesperrt">Giovanoli</em>, -<em class="gesperrt">Gresswell</em>, <em class="gesperrt">Leibenger</em>, <em class="gesperrt">Sepp</em> u. a. beschrieben -worden.</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Giftige Fische.</b> Abgesehen von der durch Ptomaine bedingten -sog. Fischvergiftung (vergl. S. 365) gibt es verschiedene Arten -lebender Fische, welche teils in besonderen Giftdrüsen und im Blute, -teils in den Ovarien Gifte produzieren. Zu den ersteren gehören z. B. -die Gattungen Synanceia brachio, Plotosus lineatus, Trachino draco -(Drachenfisch) und vipera, Serranus scriba, Stomias boa, Cottus -scorpio und bubalis, Muraena Helena, Scorpaena scropha und porcus. -Bekannt ist insbesondere die Giftigkeit des Blutserums der Muräniden -(giftiges Aalserum). In Japan enthalten verschiedene Spezies (12) -der Gattung Tetrodon (Fugu) in den Ovarien und Hoden namentlich zur -Sommerzeit die lokal reizende Tetrodonsäure (Brechdurchfall) und das -allgemein lähmende, kurareähnliche Tetrodonin. Füttert man Hunde mit -den Geschlechtsorganen obiger Fische, so zeigen sie Speichelfluss, -heftiges Erbrechen und Krämpfe. Dieselben Erscheinungen treten nach -subkutaner Einverleibung auf; hierbei tritt jedoch in der Regel -der Tod nach 1–2 Stunden unter dem Bild der Lähmung und Erstickung -ein (<em class="gesperrt">Remy</em>). Das Gift des Drachenfisches wirkt hämolytisch -(<em class="gesperrt">Evans</em>).</p> - -<p><b>Kröten</b> (<b>Bufo</b>). Die Kröten, namentlich die gemeine -Kröte (Bufo cinereus), die Kreuzkröte (Bufo calamita), die -Knoblauchskröte (Pelobates fuscus), die Unke (Bombinator igneus) -und die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), besitzen in ihrer -Haut zahlreiche Giftdrüsen, welche namentlich in der Schläfengegend -Hautwülste (sog. Parotiden) bilden. Das Sekret dieser Drüsen enthält -den ausserordentlich stark reizenden Giftstoff <em class="gesperrt">Phrynin</em> -(Bufotalin, Bufonin), welcher auf Schleimhäuten eine intensive -Entzündung erzeugt und innerlich eine digitalisähnliche Wirkung hat. -Bekanntlich zeigen Hunde, welche Kröten erfassen, zuweilen Würgen, -Erbrechen und Speicheln (Phryninvergiftung).</p> - -<p><b>Salamander.</b> Der Feuersalamander, Salamandra maculata, besitzt -in seinem Parotissekret alkaloidartige Körper, das <em class="gesperrt">Samandarin</em>, -Samandaritin und Samandatrin, welche ähnlich wie das Phrynin stark -reizend und daher im Magen brechenerregend wirken und innerlich -strychninartige Krämpfe erzeugen; ausserdem wirkt es auf die -Blutkörperchen zerstörend ein, enthält also <em class="gesperrt">Hämolysine</em>. Für -Hunde, welche, wenn auch selten, Salamander aufgreifen und sich dann -erbrechen, sollen 2 mg Samandarin tödlich wirken (<em class="gesperrt">Langlois</em>, -Compt. rend. 1889). Aehnlich soll das Gift des Wassersalamanders, -Triton cristatus, wenn auch schwächer, wirken.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_378">[S. 378]</span></p> - -<p><b>Miesmuschel.</b> Die Miesmuschel, <em class="gesperrt">Mytilus edulis</em>, -enthält eine giftige Albumose, das <em class="gesperrt">Kongestin</em>, welche nach -<em class="gesperrt">Richet</em> (Pasteurs Annalen, 21. Bd.) bei Hunden Erbrechen, -Durchfall und Kolik hervorruft und dieselben in einer Dosis von 0,075 -g pro Kilogramm Körpergewicht tötet. Bei der Sektion findet man eine -heftige Hyperämie des Magens und Darmes („Kongestin“). Werden gesunde -Hunde mit Kongestin behandelt, so soll sich die Empfänglichkeit für -das Gift steigern (sog. Anaphylaxis), indem im Gegensatz zur Bildung -von Antikörpern bei der Immunität toxogene Stoffe gebildet werden -(biologische Reaktion des Körpers).</p> -</div> - -<div class="section"> - -<h4 id="Vergiftung_durch_Bienenstiche">Vergiftung durch Bienenstiche.</h4> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Allgemeines.</b> Das Gift der <em class="gesperrt">Honigbiene</em>, Apis mellifica, -<em class="gesperrt">Wespe</em>, Vespa vulgaris, und <em class="gesperrt">Hornisse</em>, Vespa -crabro (Akuleaten), enthält neben <em class="gesperrt">Ameisensäure</em> ein dem -<em class="gesperrt">Schlangengift verwandtes Gift</em>. Nach <em class="gesperrt">Morgenroth</em> und -<em class="gesperrt">Carpi</em> (D. med. Z. 1906) ist das dem Schlangengift analoge -Gift ein <em class="gesperrt">Prolezithid</em>, das sich mit dem Lezithin zu einem -hämolytisch wirkenden Toxolezithid vereinigt. Nach <em class="gesperrt">Langer</em> -(Arch. f. exper. Pathol. 1897), der zu seinen Versuchen ungefähr -25000 Bienen verwendete, wurde das Gift in der Weise gewonnen, dass -eine jede Biene vorsichtig mit zwei Fingern gefasst, am Abdomen -mässig gedrückt und nun der sofort hervorgeschnellte Stachel schnell -in Wasser eingetaucht wurde, damit das daran hängende Gifttröpfchen -in Lösung gebracht werden konnte. Oder es wurde der mit einer -Pinzette herausgerissene Stachel samt Giftblasen in Wasser verrieben -und die so erhaltene Flüssigkeit mehrmals filtriert. Das frisch -entleerte Gifttröpfchen, ein spezifisches Sekret der Giftdrüse, war -wasserklar, reagierte sauer, schmeckte bitter, roch fein aromatisch, -löste sich in Wasser und schwankte in seinem Gewicht zwischen -0,0002–0,0003 g. In dem Gifttröpfchen ist Ameisensäure enthalten; -dieselbe hat zwar ebenfalls hämolytische Wirkung, bildet jedoch -nicht den wichtigsten Bestandteil des Bienengiftes. <em class="gesperrt">Das wirksame -Prinzip im Akuleatengift ist vielmehr eine Basis mit den Reaktionen -eines Eiweisskörpers.</em> Der dem Gift eigene, fein aromatische -Geruch rührt von einem flüchtigen Körper her. Das Gifttröpfchen ist -ein bakterienfreies Sekret. Von anorganischen Stoffen liess sich -Salzsäure, Phosphorsäure, Natron und Kalk nachweisen.</p> -</div> - -<p><b>Wirkung des Bienengiftes.</b> Das Auftragen des Bienengiftes auf -die <em class="gesperrt">unversehrte</em> Haut vermag nach <em class="gesperrt">Langer</em> keine reizende -Wirkung hervorzurufen. Bei Schnittwunden ruft es jedoch die bekannten -entzündlichen Erscheinungen hervor. Bei <em class="gesperrt">subkutaner</em> Applikation -zeigen sich die Tiere sehr unruhig, traurig, verschmähen die Nahrung -und zeigen wohl auch Eiweiss im Harn. Als örtliche Wirkung tritt -hierbei eine <em class="gesperrt">lokale Nekrose</em> ein, in deren Umgebung infolge des -abnehmenden Wirkungsgrades Rundzelleninfiltration, Oedem und Hyperämie -zur Entwicklung kommen. Bei intravenöser Applikation von 6 ccm einer -1,5proz. Giftlösung machte sich bei einem Hund bald starkes Sinken des -Blutdrucks und Pulsverlangsamung geltend. Später traten noch klonische -<em class="gesperrt">Zuckungen</em><span class="pagenum" id="Seite_379">[S. 379]</span> mit Trismus und Nystagmus ein, und das Tier ging -unter Respirationsstillstand zugrunde. Bei der Sektion war das Blut -lackfarben (<em class="gesperrt">Hämolyse</em>); im mikroskopischen Präparat zeigten -sich nur sehr wenig gut erhaltene Blutkörperchen; spektroskopisch -liess sich <em class="gesperrt">Methämoglobin</em> nachweisen. In der Lunge fanden sich -<em class="gesperrt">hämorrhagische Infarkte</em>. Die Nieren waren sehr hyperämisch, das -ganze Gewebe blutig imbibiert, der Darmkanal blaurot mit schleimig -blutigem Inhalt.</p> - -<p><b>Krankheitsbild.</b> Die Vergiftungserscheinungen bei den Haustieren -bestehen in <em class="gesperrt">lokaler Anschwellung</em> der Haut, welche zuweilen -<em class="gesperrt">brandig</em> abfällt. Ausserdem können bei sehr grosser Anzahl -der Stiche <em class="gesperrt">schwere Allgemeinerscheinungen</em> (<em class="gesperrt">Lähmung</em>, -<em class="gesperrt">Hämoglobinurie</em>, <em class="gesperrt">Sepsis</em>, <em class="gesperrt">Erstickung</em>) auftreten, -welche zuweilen schon im Verlaufe weniger Stunden den Tod herbeiführen. -Die <em class="gesperrt">Behandlung</em> der Bienenstiche ist dieselbe wie die der -Schlangenbisse; eventuell ist die Tracheotomie vorzunehmen.</p> - -<div class="blockquot_2"> - -<p><b>Kasuistik.</b> <em class="gesperrt">Fünfstück</em> (Sächs. Jahresber. 1886) sah 2 -Pferde, welche von einem Bienenschwarm überfallen wurden, nach 6 -resp. 10 Stunden sterben. Bei der Sektion fand man Hämorrhagien -unter der Haut und unter dem Endokardium, enorme Vergrösserung der -Milz, deren Pulpa mit dunklem teerartigen Blute überfüllt war, -mürbe, lehmartige Beschaffenheit der Leber, mürbe, wie gekochte -Körpermuskulatur, sowie sehr dunkles Blut. — <em class="gesperrt">Meyerheim</em> -(Preuss. Mitt. 1882) beobachtete bei 2 Pferden enorme Schwellungen -über den ganzen Körper, wobei ein Ohr und mehrere Hautstücke brandig -abfielen; das eine Pferd zeigte eine schwere Allgemeinerkrankung, -das andere starb. — <em class="gesperrt">Lange</em> (Preuss. Mitt. 1883) sah 6 Gänse -nach Bienenstichen sterben. — Nach <em class="gesperrt">Albrecht</em> (Monatsh. für -prakt. Tierheilkde. 1892, III. Bd.) wurden zwei von einem Knechte -in der Nähe eines Bienenhauses angebundene Pferde von Tausenden -von Bienen gestochen. 1½ Stunden später traf A. die Tiere in -schwerkrankem Zustand an. Kopf, Hodensack, After und Unterbrust -waren stark geschwollen; der Rumpf war mit Beulen wie übersät. Die -Atmung war sehr erschwert, der Puls klein und frequent (100 in der -Minute). Anfangs hatten sich die Pferde wie rasend benommen, um sich -gehauen, mit den Füssen den Boden aufgegraben, sich gewälzt, waren -wieder aufgesprungen. Ein Tier hatte später blutigen Urin abgesetzt. -Sehr bald war aber eine allgemeine Erschöpfung eingetreten und die -Tiere konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. Beide Tiere -gingen in sehr kurzer Zeit ein. Bei der sogleich vorgenommenen -Sektion waren die Kadaver stark aufgetrieben. Die Subkutis war -gelb und sulzig infiltriert. Die Milz erwies sich um das Doppelte -vergrössert, ihre Pulpa war ganz schwarz. Die Nieren hatten eine -dunkelbraune rote Farbe. In der Bauch- und Brusthöhle befand sich nur -ganz wenig blutig-seröse Flüssigkeit. Die Lungen zeigten das Bild -der Hyperämie und waren mit hämorrhagischen Infarkten durchsetzt. -Die Herzoberfläche sah braunrot gefärbt aus und war mit einigen -Ekchymosen besetzt. Die Gehirnhäute waren hyperämisch, die Pia mit -kapillären Apoplexien versehen. Der in der Harnblase enthaltene Urin -war von fast normaler Farbe, enthielt aber Eiweiss und Methämoglobin -und nahm schon nach kurzer Zeit sehr üblen Geruch an. Die Schleimhaut -des Magendarmkanales zeigte den Zustand leichtgradiger Hyperämie. -— <em class="gesperrt">Dochtermann</em> (Repert. 1889) sah ein Pferd nach 12 Stunden -unter Blutharnen zugrunde geben; ein anderes genas nach mehreren -Wochen unter Nekrose grösserer Hautpartien. — <em class="gesperrt">Wagenheuser</em> -(Woch. f. Tierheilkde. 1893) beobachtete bei einem Pferd Schreien -vor<span class="pagenum" id="Seite_380">[S. 380]</span> Schmerz, Betäubung, starke Schwellungen der Haut und -Kopfschleimhäute (nilpferdähnlicher Kopf), bordeauxroten und später -himbeersaftähnlichen Urin, Dyspnoe, starke Prostration, sowie Tod am -4. Tag. — <em class="gesperrt">Jagnow</em> (Zeitschr. f. Vet.-kunde 1899) sah bei einem -Pferd unzählige, walnuss- bis handtellergrosse Beulen auf der Haut, -rötlichen Ausfluss aus Nase und Maul, Dyspnoe, dunkelroten Urin, -dummkollerartiges Drängen, sowie Herzschwäche. Bei der Sektion fand -man die Milz um das Doppelte vergrössert. — <em class="gesperrt">Berger</em> (Oesterr. -Monatsschr. 1899) beobachtete bei einem Fohlen hohe Atemnot, welche -die Tracheotomie notwendig machte, sowie Tod durch Lungenbrand. — -<em class="gesperrt">Bissauge</em> (Rec. 1902) hat bei einem Pferd eine Vergiftung -durch Stiche von Erdhummeln (Bombus terrestris) beobachtet (starke, -schmerzhafte Hautschwellungen, Kolik, Dyspnoe, Lähmung, 40,6°).</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><b>Vergiftung durch Columbaczer und Kriebelmücken.</b> Die Vergiftung -durch Stechmücken (Simulia Columbaczensis und ornata) äussert -sich in <em class="gesperrt">Schwellung</em> und <em class="gesperrt">Entzündung</em> der <em class="gesperrt">Haut</em> -und <em class="gesperrt">Schleimhäute</em> (Maul-, Nasen-, Augen-, Scheiden-, -Mastdarmschleimhaut), <em class="gesperrt">Unruhe</em>, <em class="gesperrt">Schmerzäusserungen</em>, -sowie <em class="gesperrt">Erstickungserscheinungen</em> infolge Verschwellung -der Kopfschleimhäute. Bei der Sektion findet man blutige und -sulzige Infiltration der Subkutis, Schwellung und Entzündung -der Körperschleimhäute sowie suffokatorische Veränderungen. -Die Behandlung ist eine chirurgische und symptomatische. — -<em class="gesperrt">Stöhr</em> (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete bei Rindern, welche von -Columbaczer Mücken überfallen wurden, schmerzhafte Schwellungen im -Kehlgang, an der Unterbrust, am Unterbauche und Euter, hochgradige -Aufregung, hohes Fieber, pochenden Herzschlag, starke Injektion -der Kopfschleimhäute, sowie Füllung der Jugularvenen; viele Tiere -starben. — <em class="gesperrt">Müller</em> (B. T. W. 1890 und Berl. Arch. 1892) -beobachtete eine seuchenartige Erkrankung bei Rindern, Pferden -und Schafen durch Kriebelmücken (Simulia ornata). Es zeigten sich -teigige Anschwellungen im Kehlgang, welche sich zuweilen über den -Hals und die Brust ausbreiteten und vereinzelt auch am Bauch und -Euter nachzuweisen waren. Auf den nicht pigmentierten Hautstellen -waren linsengrosse, hellrote, flohstichartige Flecken mit kleinen -Blutschorfen sichtbar. Die Halsvenen waren stark gefüllt und -zeigten Venenpuls. Von 170 erkrankten Rindern starben 26, von den -erkrankten Pferden und Schafen starb dagegen keins. Als gutes -Prophylaktikum erwies sich das Petroleum. — Ueber einen ähnlichen -Fall berichtet <em class="gesperrt">Liesenberg</em> (Berl. Arch. 1893); danach gehen im -Kreise Meseritz alljährlich viele Rinder durch Simulia ornata ein; -prophylaktisch hat sich am besten Naphthalinsalbe bewährt (1 : 10). -— Nach <em class="gesperrt">Bergmann</em> (Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) erkrankten in -Schweden im Jahr 1901 viele hundert Pferde und Rinder nach dem Stich -von Simulia reptans. 15 Rinder starben, 1 schon nach ½ Stunde. Die -Sektion ergab Oedem in der Unterhaut, Lungenödem und serofibrinösen -Erguss in den Herzbeutel. Als bestes Prophylaktikum erwiesen sich -Einreibungen der Haut mit Kreolinöl (1 : 20).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Raupen.</b> Nach der Aufnahme grösserer Mengen -von Raupen sind bei verschiedenen Haustieren Vergiftungen beobachtet -worden, welche teils durch die Behaarung der Raupen, zum Teil wohl -auch durch ein chemisches Gift (Ameisensäure, Enzym) herbeigeführt -wurden. <em class="gesperrt">Röpke</em> (Berl. Arch. 1887) sah bei Kühen und Pferden -Erkrankungen nach massenhafter Aufnahme des Baumweisslings mittelst -des Grünfutters. Die Pferde zeigten heftige Kolikerscheinungen, -Brechneigung, sowie Schwäche des Hinterteils. Bei den Kühen -beobachtete man Zittern, gesträubtes Haar, Schäumen, Aufblähung, -Kolikerscheinungen, sowie Schwanken im Kreuz. Beim Schlachten fand -man eine Entzündung der<span class="pagenum" id="Seite_381">[S. 381]</span> dünnen Gedärme, blutreiche, mit talergrossen -dunklen Flecken durchsetzte Milz, punktiertes Herzfleisch, sowie -blutreiche Nieren. <em class="gesperrt">Dinter</em> (Sächs. Jahresber. Bd. 21) sah -nach der Aufnahme des Kohlweisslings (Pieris brassica) Stomatitis, -Speichelfluss, sowie Erosionen an den Lippen und am Zahnfleisch. -<em class="gesperrt">Dammann</em> (Gesundheitspflege 1886) sah von 90 Enten, welche -zur Vertilgung von Raupen in Wruckenbeete getrieben wurden, -innerhalb 3 Tagen 53 sterben. <em class="gesperrt">Berndorfner</em> sah bei 8 Kühen -nach der Aufnahme von Schmetterlingsraupen Kolik, Durchfall und -subnormale Temperatur, schliesslich Bewusstlosigkeit, Lähmung und -Tod am 7.-8. Tag. Die Sektion ergab hochgradige Gastroenteritis. -Die Prozessionsraupen (Cnethocampa processionalis, pithyocampa und -pinnivora; der sog. Eichen-, Fichten- und Kiefernspinner) erzeugen -bei Pferden nach dem Fressen Stomatitis, desgleichen die Raupe des -Weissdornspinners, Porthesia chrysorrhoea (<em class="gesperrt">Kösters</em>). Aehnlich -wirken die Haare der Bärraupe (Arctia) und der Saft der Raupe des -Weidenbohrers (Cossus ligniperda). Die Exkremente der Seidenraupe -erzeugten nach <em class="gesperrt">Jouet</em> (J. de Lyon) Schweinen verfüttert eine -Darmentzündung mit Mastdarmvorfall.</p> - -<p><b>Vergiftung durch Blattläuse</b> (<b>Aphis</b>). Die zu den -Hemipteren oder Rhynchoten gehörenden Blattläuse enthalten einen -scharfen Stoff, welcher auf der <em class="gesperrt">Haut</em> und auf <em class="gesperrt">Schleimhäuten -Entzündung</em> hervorruft. <em class="gesperrt">Steiner</em>, <em class="gesperrt">Schrebe</em> und -<em class="gesperrt">Burmeister</em> (Preuss. Mitteil. Bd. 9 u. 10), sowie <em class="gesperrt">Pilz</em> -(Zeitschr. f. Veterinärkde. 1893) beobachteten bei Pferden nach der -Aufnahme von Grünfutter, Luzerne und Grünwicken, welche stark mit -Blattläusen besetzt waren, entzündliche Anschwellung der weissen -Abzeichen mit Hautnekrose und scharfer Abgrenzung gegenüber den -unpigmentierten Hautstellen. Bei Schimmeln und Schecken zeigten -sich grössere Hautstellen am Kopf und an den Beinen entzündlich -geschwollen. Aehnliche Erscheinungen waren an der Maul- und -Augenschleimhaut wahrzunehmen. Schweine (Schweizer Archiv 1848) -zeigten nach der Aufnahme von Kohlblättern, welche mit Blattläusen -besetzt waren, Kolik, Tympanitis und Konvulsionen; bei der Sektion -wurde das Vorhandensein einer hämorrhagischen Gastroenteritis -konstatiert. Auch die <em class="gesperrt">Wanzen</em> (Acanthia) enthalten einen -ähnlichen scharfen Stoff.</p> - -<p><b>Spinnen.</b> Die Spinnen und Skorpionen produzieren ähnliche -Gifte, wie die Giftschlangen (<em class="gesperrt">Hämolysine</em>, <em class="gesperrt">Hämorrhagine</em>, -<em class="gesperrt">Neurotoxine</em>). Nach <em class="gesperrt">Kobert</em> (Beitr. z. Kenntnis der -Giftspinnen, Stuttgart 1901) wirken die echten Spinnen giftig teils -durch das lokal reizende Sekret ihrer Giftdrüse, teils durch ein im -Spinnenkörper überall enthaltenes, allgemein wirkendes Toxalbumin. -Durch letzteres sollen in Russland auch bei Haustieren Vergiftungen -bedingt werden; sehr gefährlich wirken die Malmignatte und Karakurte. -Die Erscheinungen der häufig tödlich verlaufenden Vergiftung bei -Pferden, Kamelen und Schafen sollen hauptsächlich in Kollaps, -monatelang andauernden Lähmungen der Extremitäten und hochgradigen -Schmerzen bestehen. Von europäischen Spinnen kommen Chiracanthium -nutrix und Lathrodektes guttatus in Betracht. Alle Kreuzspinnen -scheinen giftig zu sein.</p> - -<p><b>Käfer.</b> Von Käfern (Koleopteren) mit scharf reizenden Sekreten -sind zu nennen Cetonia aurata (Goldkäfer, Rosenkäfer), Carabus -auratus (goldiger Laufkäfer), die Coccinelliden, Chrysomela und -Brachinus (Bombardierkäfer). Ueber kantharidinhaltige Käfer vergl. -S. 371. Das aus Käferlarven (Diamphidia locusta) bereitete Pfeilgift -der Buschmänner in<span class="pagenum" id="Seite_382">[S. 382]</span> Afrika enthält ein Hämolysin, das bei Hunden und -Kaninchen tödliche Hämoglobinämie erzeugt. Von <em class="gesperrt">Orthopteren</em> -sind zu nennen Blatta orientalis und germanica (Küchenschabe), welche -seit alters in der Volksmedizin als reizendes Diuretikum angewandt -wird (Antihydropin), Decticus verrucivorus (Warzenbüsser) und andere -Heuschrecken.</p> - -<p><b>Harnvergiftung.</b> In einzelnen Fällen werden namentlich bei -Schafen rasch tödlich verlaufende Vergiftungen nach der Aufnahme -von Menschenharn beobachtet. Die Erscheinungen der Vergiftung haben -Aehnlichkeit mit der <em class="gesperrt">Ptomainevergiftung</em> und werden durch die -normalen Bestandteile des Harns: <em class="gesperrt">Novain</em>, <em class="gesperrt">Reduktonovain</em>, -<em class="gesperrt">Methylguanidin</em>, <em class="gesperrt">Vitiatin</em>, <em class="gesperrt">Myngin</em>, <em class="gesperrt">Gynesin</em> -u. a. erzeugt. So beobachtete ich bei einem 1jährigen Schaf, welches -etwa ½ Liter frischen Menschenharn ausgetrunken hatte, den Tod -innerhalb sechs Stunden unter den Erscheinungen einer <em class="gesperrt">allgemeinen -zerebralen</em> und <em class="gesperrt">spinalen Lähmung</em> eintreten. <em class="gesperrt">Hasse</em> -(Berl. Arch. 1886) sah 4 Schafe nach der Aufnahme von frischem -Menschenharn unter den Erscheinungen der Tympanitis und allgemeinen -Lähmung erkranken. <em class="gesperrt">Göckel</em> (Berl. Arch. 1887) konstatierte -bei Pferden, welche mit Düngerjauche versetztes Brunnenwasser -getrunken hatten, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Taumeln, Schwanken, -sowie leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Diese Vergiftungen können -sich nicht auf den Harnstoffgehalt des Harns beziehen, weil nach -experimentellen Untersuchungen der Harnstoff nicht Lähmung, sondern -tetanische Krämpfe erzeugt. Solche Krämpfe sind von <em class="gesperrt">Riggio</em> bei -Versuchstieren durch Pferdeharn erzeugt worden (Tossicità dell’ Urina -del Cavallo normale e pathologica; Neapel 1898).</p> - -<p><b>Vergiftung durch Gallensäuren.</b> Die im Verlaufe des -Ikterus gravis auftretenden schweren Allgemeinerscheinungen -(Autointoxikation) haben zu einer experimentellen Prüfung der -Giftigkeit der Galle geführt. Es hat sich hierbei gezeigt, dass die -Giftigkeit derselben nicht auf ihrem Gehalt an Gallenfarbstoffen, -sondern an Gallensäuren beruht. Stark giftig sind namentlich -das <em class="gesperrt">taurocholsaure</em> und <em class="gesperrt">glykocholsaure Natron</em>, -ausserdem das chenocholsaure und hyocholsaure Natron, ferner -die Zersetzungsprodukte Cholsäure und Choloidinsäure. Die -Gallensäuren resp. die gallensauren Salze sind <em class="gesperrt">Blutgifte</em>, -<em class="gesperrt">Muskelgifte</em> und <em class="gesperrt">Nervengifte</em>. <em class="gesperrt">Sie lösen noch -in einer Verdünnug von 1 : 1500 die roten Blutkörperchen auf -(Methämoglobinämie).</em> Auch auf sonstiges Protoplasma, namentlich -auf die weissen Blutkörperchen, Flimmerzellen der Schleimhäute -und Leberzellen wirken sie zerstörend ein. Die Muskulatur des -<em class="gesperrt">Herzens</em>, die quergestreifte <em class="gesperrt">Körpermuskulatur</em>, sowie -die <em class="gesperrt">nervösen Zentralorgane</em> werden unter Eiweissgerinnung und -Auflösung der Zellen <em class="gesperrt">gelähmt</em> (Herzverlangsamung, Schwäche -und schwere zerebrale Benommenheit bei Ikterus gravis). Ausserdem -soll eigentümlicherweise die Gallenbildung angeregt und dadurch -die Produktion der giftigen Gallensäuren noch gesteigert werden. -Die Gallensäuren werden als eigentliche Todesursache bei Ikterus -gravis, akuter gelber Leberatrophie, Lupinose und zum Teil auch bei -Phosphorvergiftung angesehen.</p> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_383">[S. 383]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Register">Register.</h2> - -</div> - -<div class="schmal"> - -<ul class="index"> -<li class="ifrst"> <b>A.</b></li> - -<li class="indx"> Abrin <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Abyssinin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Acetylen <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="indx"> Acocantherin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Acidum carbolicum <a href="#Seite_146">146</a>.</li> - -<li class="indx"> Ackerrettig <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Ackersaudistel <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Ackersenf <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Acolyctin <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Aconitin <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Aconitum Napellus <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Acria <a href="#Seite_5">5</a>.</li> - -<li class="indx"> Acroleïn <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Actaea spicata <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Aculeatengift <a href="#Seite_378">378</a>.</li> - -<li class="indx"> Adlerfarn <a href="#Seite_315">315</a>.</li> - -<li class="indx"> Adonidin <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Aeruginismus <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Aerugo <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Aether <a href="#Seite_179">179</a>.</li> - -<li class="indx"> Aethusa Cynapium <a href="#Seite_252">252</a>.</li> - -<li class="indx"> Aetiologie der Vergiftungen <a href="#Seite_8">8</a>.</li> - -<li class="indx"> Aetzalkalien <a href="#Seite_132">132</a>.</li> - -<li class="indx"> Aetzbaryt <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Aetzende Säuren <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Aetzkalk <a href="#Seite_132">132</a>.</li> - -<li class="indx"> Agaricin <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Agaricus <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Agrostemma Githago <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Agrostemmasäure <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Akonit <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Alaun <a href="#Seite_112">112</a>.</li> - -<li class="indx"> Aldehyde <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Alkaloidnachweis <a href="#Seite_31">31</a>.</li> - -<li class="indx"> Alkohol <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Allantiasis <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Aloë <a href="#Seite_296">296</a>.</li> - -<li class="indx"> Alpenrose <a href="#Seite_276">276</a>.</li> - -<li class="indx"> Alpenveilchen <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Amanita Muscaria <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Ameisensäure <a href="#Seite_138">138</a>.</li> - -<li class="indx"> Ammoniak <a href="#Seite_132">132</a>.</li> - -<li class="indx"> Ammoniaksuperphosphat <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Ammoniämie <a href="#Seite_9">9</a>.</li> - -<li class="indx"> Amygdalin <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Amylnitrit <a href="#Seite_123">123</a>.</li> - -<li class="indx"> Anacardium <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Andromeda polyfolia <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Andromedotoxin <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Anemonin <a href="#Seite_243">243</a>.</li> - -<li class="indx"> Anemonenkampfer <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Anemonol <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Angewöhnung <a href="#Seite_18">18</a>.</li> - -<li class="indx"> Anilin <a href="#Seite_10">10</a>. <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Antagonisten <a href="#Seite_49">49</a>.</li> - -<li class="indx"> Antiarin <a href="#Seite_6">6</a>. <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Antidote <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx"> Antidotum Arsenici <a href="#Seite_69">69</a>.</li> - -<li class="indx"> Antifebrin <a href="#Seite_179">179</a>.</li> - -<li class="indx"> Antipyrin <a href="#Seite_180">180</a>.</li> - -<li class="indx"> Antimonvergiftung <a href="#Seite_108">108</a>.</li> - -<li class="indx"> Antirizin <a href="#Seite_300">300</a>.</li> - -<li class="indx"> Antirrhinum majus <a href="#Seite_286">286</a>.</li> - -<li class="indx"> Antivenenin <a href="#Seite_375">375</a>.</li> - -<li class="indx"> Aphis <a href="#Seite_381">381</a>.</li> - -<li class="indx"> Apocynin <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Apomorphin <a href="#Seite_193">193</a>.</li> - -<li class="indx"> Arabis tartarica <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Arekolin <a href="#Seite_271">271</a>.</li> - -<li class="indx"> Arekanuss <a href="#Seite_271">271</a>.</li> - -<li class="indx"> Argyriasis <a href="#Seite_113">113</a>.</li> - -<li class="indx"> Argyrosis <a href="#Seite_114">114</a>.</li> - -<li class="indx"> Aristolochia Clematidis <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Armoracia <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Aroïn <a href="#Seite_280">280</a>.</li> - -<li class="indx"> Aron <a href="#Seite_280">280</a>.</li> - -<li class="indx"> Aronin <a href="#Seite_280">280</a>.</li> - -<li class="indx"> Arum maculatum <a href="#Seite_280">280</a>.</li> - -<li class="indx"> Arsenik <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Arsenspiegel <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Arsenwasserstoff <a href="#Seite_65">65</a>.</li> - -<li class="indx"> Arzneigifte <a href="#Seite_9">9</a>.</li> - -<li class="indx"> Asaron <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Asarumkampfer <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Asclepias vincetoxicum <a href="#Seite_281">281</a>.</li> - -<li class="indx"> -<span class="pagenum" id="Seite_384">[S. 384]</span> Asklepiadin <a href="#Seite_281">281</a>.</li> - -<li class="indx"> Aspergillus <a href="#Seite_335">335</a>.</li> - -<li class="indx"> Assamin <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Astragalus mollissimus <a href="#Seite_211">211</a>.</li> - -<li class="indx"> Atractylis <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Atmungsgifte <a href="#Seite_40">40</a>.</li> - -<li class="indx"> Atropa Belladonna <a href="#Seite_232">232</a>.</li> - -<li class="indx"> Atropin <a href="#Seite_232">232</a>.</li> - -<li class="indx"> Auripigment <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Autointoxikation <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="indx"> Azalea pontica <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Azetylen <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>B.</b></li> - -<li class="indx"> Bärenklau <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Baryt <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Baryumvergiftung <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Baumwollsaatkuchen <a href="#Seite_326">326</a>.</li> - -<li class="indx"> Bazillol <a href="#Seite_153">153</a>.</li> - -<li class="indx"> Behandlung der Vergiftungen <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx"> Belladonna <a href="#Seite_232">232</a>.</li> - -<li class="indx"> Benzol <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Berberin <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Berberis vulgaris <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Berberitze <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Beryllium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Beulenbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Bienenstiche <a href="#Seite_378">378</a>.</li> - -<li class="indx"> Bilsenkraut <a href="#Seite_237">237</a>.</li> - -<li class="indx"> Bingelkraut <a href="#Seite_244">244</a>.</li> - -<li class="indx"> Bismutosis <a href="#Seite_115">115</a>.</li> - -<li class="indx"> Bitterkleesalz <a href="#Seite_139">139</a>.</li> - -<li class="indx"> Bittermandeln <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Bittermandelöl <a href="#Seite_254">254</a>.</li> - -<li class="indx"> Bittersalz <a href="#Seite_224">224</a>.</li> - -<li class="indx"> Bittersüss <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Blattläuse <a href="#Seite_381">381</a>.</li> - -<li class="indx"> Blausäure <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleivergiftung <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleiessig <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleifarben <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleiglanz <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleiglätte <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleiweiss <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleiwurz <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Bleizucker <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Blutgifte <a href="#Seite_35">35</a>.</li> - -<li class="indx"> Bohnenbaum <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Boletus <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Borax <a href="#Seite_115">115</a>.</li> - -<li class="indx"> Borsäure <a href="#Seite_115">115</a>.</li> - -<li class="indx"> Botulismus <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Brandpilze <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Branntwein <a href="#Seite_166">166</a>.</li> - -<li class="indx"> Brassica <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Brechnuss <a href="#Seite_157">157</a>.</li> - -<li class="indx"> Brechweinstein <a href="#Seite_107">107</a>.</li> - -<li class="indx"> Brennessel <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Brillenschlange <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Brom <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Bromexanthem <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Bromismus <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Brunnenkresse <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Bryonia <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Bucheckern-Oelkuchen <a href="#Seite_272">272</a>.</li> - -<li class="indx"> Bucheln <a href="#Seite_272">272</a>.</li> - -<li class="indx"> Buchsbaum <a href="#Seite_214">214</a>.</li> - -<li class="indx"> Buchweizen <a href="#Seite_323">323</a>.</li> - -<li class="indx"> Bufo <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Buxin <a href="#Seite_214">214</a>.</li> - -<li class="indx"> Buxus sempervirens <a href="#Seite_214">214</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>C.</b></li> - -<li class="indx"> Cactin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Calla palustris <a href="#Seite_280">280</a>.</li> - -<li class="indx"> Calomel <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx"> Caltha palustris <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Cannabis <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Cardamine pratensis <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Centaurea Cyanus <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Cephalotaxus <a href="#Seite_212">212</a>.</li> - -<li class="indx"> Cerberin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Cerium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Cerussa <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Cevadin <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Chaerophyllin <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Chaerophyllum temulum <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Chelerythrin <a href="#Seite_279">279</a>.</li> - -<li class="indx"> Chelidonin <a href="#Seite_279">279</a>.</li> - -<li class="indx"> Chenopodium <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Chilisalpeter <a href="#Seite_120">120</a>.</li> - -<li class="indx"> Chinosol <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Chloralhydrat <a href="#Seite_187">187</a>.</li> - -<li class="indx"> Chlorbaryum <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Chlorkalk <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Chloroform <a href="#Seite_171">171</a>.</li> - -<li class="indx"> Chlorsaures Kali <a href="#Seite_130">130</a>.</li> - -<li class="indx"> Chlorvergiftung <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Chlorzink <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Christophskraut <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Chromsäure <a href="#Seite_114">114</a>.</li> - -<li class="indx"> Chromsaures Kali <a href="#Seite_114">114</a>.</li> - -<li class="indx"> Chromvergiftung <a href="#Seite_114">114</a>.</li> - -<li class="indx"> Chrysarobin <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Cicer arietinum <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Cicuta virosa <a href="#Seite_251">251</a>.</li> - -<li class="indx"> Cicutoxin <a href="#Seite_251">251</a>.</li> - -<li class="indx"> Cimifugin <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Clematis <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Cobrasgift <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> Cochlearia armoracea <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Colchicin <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Colchicumvergiftung <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Columbaczer Mücke <a href="#Seite_380">380</a>.</li> - -<li class="indx"> Conium maculatum <a href="#Seite_248">248</a>.</li> - -<li class="indx"> Convallamarin <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Convallaria majalis <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Convolvulin <a href="#Seite_286">286</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_385">[S. 385]</span> - Coptin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Corchorus <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Coronillin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Cuprum aceticum <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> — oxydatum <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> — sulfuricum <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Cuscuta europaea <a href="#Seite_286">286</a>.</li> - -<li class="indx"> — Trifolium <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Cyclamen europaeum <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Cyklamin <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Cynoglossum <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Cytisus Laburnum <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>D.</b></li> - -<li class="indx"> Daphne Laureola <a href="#Seite_275">275</a>.</li> - -<li class="indx"> Daphne Mezereum <a href="#Seite_275">275</a>.</li> - -<li class="indx"> Darmgifte <a href="#Seite_42">42</a>.</li> - -<li class="indx"> Datura Stramonium <a href="#Seite_238">238</a>.</li> - -<li class="indx"> Delphinin <a href="#Seite_282">282</a>.</li> - -<li class="indx"> Delphinium Staphisagria <a href="#Seite_282">282</a>.</li> - -<li class="indx"> Diagnose der Gifte <a href="#Seite_25">25</a>.</li> - -<li class="indx"> Digitalisvergiftung <a href="#Seite_215">215</a>.</li> - -<li class="indx"> Digitoxin <a href="#Seite_215">215</a>.</li> - -<li class="indx"> Dinitrokresol <a href="#Seite_123">123</a>.</li> - -<li class="indx"> Ditaïn <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Dragendorffs Methode <a href="#Seite_199">199</a>.</li> - -<li class="indx"> Drosera <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Dulcamarin <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Dynamische Gegengifte <a href="#Seite_49">49</a>.</li> - -<li class="indx"> Dynamit <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>E.</b></li> - -<li class="indx"> Echinum vulgare <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Eibenbaum <a href="#Seite_212">212</a>.</li> - -<li class="indx"> Eicheln <a href="#Seite_308">308</a>.</li> - -<li class="indx"> Eierschwamm <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Einbeere <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Eisenhut <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Eisenvergiftung <a href="#Seite_112">112</a>.</li> - -<li class="indx"> Elefantenläuse <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Emodin <a href="#Seite_296">296</a>.</li> - -<li class="indx"> Eosin <a href="#Seite_181">181</a>.</li> - -<li class="indx"> Ephedrin <a href="#Seite_238">238</a>.</li> - -<li class="indx"> Epichloe typhina <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"> Equisetum <a href="#Seite_320">320</a>.</li> - -<li class="indx"> Erdöl <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Ergotinsäure <a href="#Seite_330">330</a>.</li> - -<li class="indx"> Ergotismus <a href="#Seite_329">329</a>.</li> - -<li class="indx"> Erysimum <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Eselsdistel <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Eserin <a href="#Seite_267">267</a>.</li> - -<li class="indx"> Essigsäure <a href="#Seite_137">137</a>.</li> - -<li class="indx"> Euphorbia <a href="#Seite_247">247</a>.</li> - -<li class="indx"> Euphorbinsäure <a href="#Seite_247">247</a>.</li> - -<li class="indx"> Evonymin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Evonymus europaeus <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Extractum Filicis <a href="#Seite_309">309</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>F.</b></li> - -<li class="indx"> Fagin <a href="#Seite_272">272</a>.</li> - -<li class="indx"> Fagopyrismus <a href="#Seite_323">323</a>.</li> - -<li class="indx"> Ferricyankalium <a href="#Seite_254">254</a>.</li> - -<li class="indx"> Ferrocyankalium <a href="#Seite_254">254</a>.</li> - -<li class="indx"> Ferula communis <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Festuca Hieronymi <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Filixsäure <a href="#Seite_309">309</a>.</li> - -<li class="indx"> Filixextrakt <a href="#Seite_309">309</a>.</li> - -<li class="indx"> Filmaron <a href="#Seite_309">309</a>.</li> - -<li class="indx"> Fingerhutvergiftung <a href="#Seite_215">215</a>.</li> - -<li class="indx"> Fischvergiftung <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Flachs <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Flachsseide <a href="#Seite_286">286</a>.</li> - -<li class="indx"> Fleckschierling <a href="#Seite_248">248</a>.</li> - -<li class="indx"> Fleischvergiftung <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Fliegenpilz <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Fliegenstein <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Flugbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Fluornatrium <a href="#Seite_146">146</a>.</li> - -<li class="indx"> Fluorwasserstoffsäure <a href="#Seite_146">146</a>.</li> - -<li class="indx"> Fungus Laricis <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Futter, verdorbenes <a href="#Seite_348">348</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>G.</b></li> - -<li class="indx"> Gänsefuss <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Gänsekresse <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Gänsesterbe <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Galega officinalis <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Gallensäuren <a href="#Seite_382">382</a>.</li> - -<li class="indx"> Galmei <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Gartenmohn <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> Gartenraute <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Gartenschierling <a href="#Seite_252">252</a>.</li> - -<li class="indx"> Gas <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="indx"> Gaswasser <a href="#Seite_155">155</a>.</li> - -<li class="indx"> Gegengifte <a href="#Seite_46">46</a>.</li> - -<li class="indx"> Generatorgas <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="indx"> Geissranke <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Gelseminin <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Gelsemium <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Gerbsäure <a href="#Seite_308">308</a>.</li> - -<li class="indx"> Germer <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Gichtrose <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Gichtrübe <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Gift, Begriff <a href="#Seite_3">3</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftfarben <a href="#Seite_10">10</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftgesetze <a href="#Seite_4">4</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftige Fische <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftlattich <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftschlangen <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftschwämme <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftsumach <a href="#Seite_359">359</a>.</li> - -<li class="indx"> Giftwüterich <a href="#Seite_251">251</a>.</li> - -<li class="indx"> Githagin <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Glanzkobalt <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Glaubersalz <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Gloriosin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Glykosurie <a href="#Seite_41">41</a>.</li> - -<li class="indx"> Goldglätte <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Goldregen <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_386">[S. 386]</span> - Gottesgnadenkraut <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Grana Tiglii <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Gratiola officinalis <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Gratiolin <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Graue Salbe <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Grüne Nieswurz <a href="#Seite_223">223</a>.</li> - -<li class="indx"> Grünspan <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>H.</b></li> - -<li class="indx"> Hämoglobin <a href="#Seite_36">36</a>.</li> - -<li class="indx"> Hämolyse <a href="#Seite_35">35</a>.</li> - -<li class="indx"> Hahnenfuss <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Hanf <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Harnvergiftung <a href="#Seite_382">382</a>.</li> - -<li class="indx"> Hartriegel <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Haselwurz <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Hederich <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Helleboreïn <a href="#Seite_224">224</a>.</li> - -<li class="indx"> Helleborin <a href="#Seite_224">224</a>.</li> - -<li class="indx"> Helleborus <a href="#Seite_223">223</a>.</li> - -<li class="indx"> Helvella esculenta <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Helvellasäure <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Heracleum <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Herbstzeitlose <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Heringslakenvergiftung <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Herzgifte <a href="#Seite_38">38</a>.</li> - -<li class="indx"> Höllenstein <a href="#Seite_113">113</a>.</li> - -<li class="indx"> Holzessig <a href="#Seite_151">151</a>.</li> - -<li class="indx"> Hopfendolden <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Hornisse <a href="#Seite_378">378</a>.</li> - -<li class="indx"> Hundszunge <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Hüttenrauch <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Hydrargyrum <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Hydrazine <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Hydrocotyle vulgaris <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Hydroxylamin <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Hyoscin <a href="#Seite_237">237</a>.</li> - -<li class="indx"> Hyoscyamin <a href="#Seite_232">232</a>.</li> - -<li class="indx"> Hyoscyamus niger <a href="#Seite_237">237</a>.</li> - -<li class="indx"> Hypericin <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Hypericum perforatum <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Hyperleukozytose <a href="#Seite_37">37</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>I.</b></li> - -<li class="indx"> Ictrogen <a href="#Seite_317">317</a>.</li> - -<li class="indx"> Idiosynkrasie <a href="#Seite_17">17</a>.</li> - -<li class="indx"> Iktrogen <a href="#Seite_317">317</a>.</li> - -<li class="indx"> Intestinaltoxikose <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>J.</b></li> - -<li class="indx"> Jaborandiblätter <a href="#Seite_269">269</a>.</li> - -<li class="indx"> Jakobskraut <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Jasmin <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Jequirity <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Jervin <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Jod <a href="#Seite_144">144</a>.</li> - -<li class="indx"> Jodcyan <a href="#Seite_145">145</a>.</li> - -<li class="indx"> Jodismus <a href="#Seite_143">143</a>.</li> - -<li class="indx"> Jodkalium <a href="#Seite_144">144</a>.</li> - -<li class="indx"> Jodoform <a href="#Seite_142">142</a>.</li> - -<li class="indx"> Johanniskraut <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Juniperus communis <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> — Sabina <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>K.</b></li> - -<li class="indx"> Kadaverin <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Kadmium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Käfer, giftige <a href="#Seite_371">371</a>.</li> - -<li class="indx"> Kaïnit <a href="#Seite_125">125</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalabarbohne <a href="#Seite_267">267</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalium carbonicum <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalium permanganicum <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Kali chloricum <a href="#Seite_130">130</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalilauge <a href="#Seite_132">132</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalisalpeter <a href="#Seite_122">122</a>.</li> - -<li class="indx"> Kalomel <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx"> Kampfer <a href="#Seite_289">289</a>.</li> - -<li class="indx"> Kannabis <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Kantharellus <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Kanthariden <a href="#Seite_371">371</a>.</li> - -<li class="indx"> Karbolsäure <a href="#Seite_146">146</a>.</li> - -<li class="indx"> Kardol <a href="#Seite_359">359</a>.</li> - -<li class="indx"> Kartoffelkeime <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Kartoffelkraut <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Kerbel <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Kernpilze <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"> Kichererbsen <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Kirschkerne <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Kirschlorbeer <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Klatschrose <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> Kleekrankheit <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"> Kleesäure <a href="#Seite_139">139</a>.</li> - -<li class="indx"> Kleesalz <a href="#Seite_139">139</a>.</li> - -<li class="indx"> Kleeseide <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Knoblauch <a href="#Seite_295">295</a>. <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Knöterich <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Kobalt <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Kochsalz <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Königsblau <a href="#Seite_10">10</a>.</li> - -<li class="indx"> Koffein <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Kohlendunst <a href="#Seite_159">159</a>.</li> - -<li class="indx"> Kohlenoxyd <a href="#Seite_159">159</a>.</li> - -<li class="indx"> Kokain <a href="#Seite_239">239</a>.</li> - -<li class="indx"> Kolbenrohr <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Kolchikum <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Kolumbaczer Mücke <a href="#Seite_380">380</a>.</li> - -<li class="indx"> Koniin <a href="#Seite_248">248</a>.</li> - -<li class="indx"> Kornblume <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Kornrade <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Kornutin <a href="#Seite_329">329</a>.</li> - -<li class="indx"> Koronillin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Krähenaugen <a href="#Seite_197">197</a>.</li> - -<li class="indx"> Kreolin <a href="#Seite_152">152</a>.</li> - -<li class="indx"> Kreosot <a href="#Seite_151">151</a>.</li> - -<li class="indx"> Kresol <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Kresolschwefelsäure <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_387">[S. 387]</span> - Kreuzdornbeeren <a href="#Seite_307">307</a>.</li> - -<li class="indx"> Kreuzotter <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> Kriebelmücken <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Krötengift <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Krotin <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Krotonöl <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Krotonolsäure <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Kruziferen <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Küchenschelle <a href="#Seite_243">243</a>.</li> - -<li class="indx"> Kumarin <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Kupfervergiftung <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Kupferfarben <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Kupfervitriol <a href="#Seite_100">100</a>.</li> - -<li class="indx"> Kuprismus <a href="#Seite_101">101</a>.</li> - -<li class="indx"> Kürbis <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>L.</b></li> - -<li class="indx"> Lactucarium <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Lactuca virosa <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Lactucin <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Lärchenschwamm <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Läusekörner <a href="#Seite_282">282</a>.</li> - -<li class="indx"> Läusekraut <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Lakenvergiftung <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Landschierling <a href="#Seite_248">248</a>.</li> - -<li class="indx"> Lathyrismus <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Lathyrus cicer <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Lathyrus sativus <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Laurocerasin <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Laurocerasus <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Lebensbaum <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Lebergifte <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx"> Ledum palustre <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Lein <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Leuchtgas <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="indx"> Leucojum aestivum <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Leukozytengifte <a href="#Seite_36">36</a>.</li> - -<li class="indx"> Ligustrum <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Linamarin <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Linin <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Linum catharticum <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> — usitatissimum <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Lithargyrum <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Locokrankheit <a href="#Seite_211">211</a>.</li> - -<li class="indx"> Loliin <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Lolium temulentum <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Lupinose <a href="#Seite_316">316</a>.</li> - -<li class="indx"> Lupinotoxin <a href="#Seite_317">317</a>.</li> - -<li class="indx"> Luzerne <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Lycaconitin <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Lysol <a href="#Seite_153">153</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>M.</b></li> - -<li class="indx"> Macrotin <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Madia sativa <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Magengifte <a href="#Seite_42">42</a>.</li> - -<li class="indx"> Maiblume <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Maidismus <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Maisbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Maisvergiftung <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Mangan <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Marsh’scher Apparat <a href="#Seite_72">72</a>.</li> - -<li class="indx"> Mauerpfeffer <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Mehltau <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Meerrettig <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Meerzwiebel <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Melampyrum <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Melanthin <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Melassevergiftung <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Melilotus officinalis <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Mennige <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Mentha Polegium <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Mercurialin <a href="#Seite_245">245</a>.</li> - -<li class="indx"> Mercurialis <a href="#Seite_244">244</a>.</li> - -<li class="indx"> Mercurialismus <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Merk <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Metallvergiftungen <a href="#Seite_112">112</a>.</li> - -<li class="indx"> Methämoglobin <a href="#Seite_36">36</a>.</li> - -<li class="indx"> Methan <a href="#Seite_161">161</a>.</li> - -<li class="indx"> Mezereïn <a href="#Seite_276">276</a>.</li> - -<li class="indx"> Mezereïnsäure <a href="#Seite_276">276</a>.</li> - -<li class="indx"> Mezereum <a href="#Seite_276">276</a>.</li> - -<li class="indx"> Miesmuschel <a href="#Seite_378">378</a>.</li> - -<li class="indx"> Milchsäure <a href="#Seite_138">138</a>.</li> - -<li class="indx"> Mineralgrün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"> Minium <a href="#Seite_78">78</a>.</li> - -<li class="indx"> Misspickel <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Mitisgrün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"> Modifikation der Giftwirkung <a href="#Seite_12">12</a>.</li> - -<li class="indx"> Mohn, wilder <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> Molybdän <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Morchel <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Morphium <a href="#Seite_189">189</a>.</li> - -<li class="indx"> Muavin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Mucor <a href="#Seite_335">335</a>.</li> - -<li class="indx"> Mückenstiche <a href="#Seite_380">380</a>.</li> - -<li class="indx"> Muscarin <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Mutterkorn <a href="#Seite_329">329</a>.</li> - -<li class="indx"> Mycetismus <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Myoctonin <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Mytilotoxin <a href="#Seite_378">378</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>N.</b></li> - -<li class="indx"> Nabelkraut <a href="#Seite_352">352</a>.</li> - -<li class="indx"> Nachtschatten <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Nachweis der Gifte <a href="#Seite_28">28</a>.</li> - -<li class="indx"> Naphthalin <a href="#Seite_158">158</a>.</li> - -<li class="indx"> Naphthol <a href="#Seite_158">158</a>.</li> - -<li class="indx"> Narcissus <a href="#Seite_275">275</a>.</li> - -<li class="indx"> Narcitin <a href="#Seite_275">275</a>.</li> - -<li class="indx"> Narkose <a href="#Seite_38">38</a>.</li> - -<li class="indx"> Nasturtium <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Natrium bicarbonicum <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Natrium chloratum <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Natriumnitrit <a href="#Seite_120">120</a>.</li> - -<li class="indx"> Natrium sulfuricum <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Natronsalpeter <a href="#Seite_120">120</a>.</li> - -<li class="indx"> Natternkopf <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_388">[S. 388]</span> - Nereïn <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Neriodorin <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Nerium Oleander <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Nervengifte <a href="#Seite_37">37</a>.</li> - -<li class="indx"> Nickel <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Nierengifte <a href="#Seite_41">41</a>.</li> - -<li class="indx"> Nieswurz <a href="#Seite_223">223</a>.</li> - -<li class="indx"> Nigella sativa <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Nikotin <a href="#Seite_193">193</a>.</li> - -<li class="indx"> Nitrobenzol <a href="#Seite_123">123</a>.</li> - -<li class="indx"> Nitroglycerin <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Nitroverbindungen <a href="#Seite_123">123</a>.</li> - -<li class="indx"> Nosotoxikose <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>O.</b></li> - -<li class="indx"> Oenanthe crocata <a href="#Seite_278">278</a>.</li> - -<li class="indx"> — fistulosa <a href="#Seite_278">278</a>.</li> - -<li class="indx"> Oenanthin <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Oïdium <a href="#Seite_335">335</a>.</li> - -<li class="indx"> Oleander <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Oleandrin <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Oleum animale <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Oleum Crotonis <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Oleum infernale <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Onopordon acanthium <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Operment <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Opium <a href="#Seite_189">189</a>.</li> - -<li class="indx"> Orant <a href="#Seite_286">286</a>.</li> - -<li class="indx"> Osmium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Osterluzei <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Ouabain <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Oxalis acetosella <a href="#Seite_274">274</a>.</li> - -<li class="indx"> Oxalsäure <a href="#Seite_139">139</a>.</li> - -<li class="indx"> Oxalurie <a href="#Seite_142">142</a>.</li> - -<li class="indx"> Oxamid <a href="#Seite_140">140</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>P.</b></li> - -<li class="indx"> Paeonia officinalis <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Papaver Rhoeas <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> — somniferum <a href="#Seite_191">191</a>.</li> - -<li class="indx"> Paraldebyd <a href="#Seite_154">154</a>. <a href="#Seite_178">178</a>.</li> - -<li class="indx"> Paridin <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Parillin <a href="#Seite_204">204</a>. <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Paris quadrifolia <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Paternostererbse <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Pedicularis Palustris <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Pellagra <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Pellagroceïn <a href="#Seite_326">326</a>.</li> - -<li class="indx"> Penicillium <a href="#Seite_335">335</a>.</li> - -<li class="indx"> Peronospora <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Petroleum <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Pfaffenhütlein <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Pfeffer <a href="#Seite_295">295</a>.</li> - -<li class="indx"> Pfingstrose <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Pfirsichblätter <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Pflanzengifte <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Pflaumenkerne <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Phallin <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Phaseolus <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorismus <a href="#Seite_57">57</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorsäure <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorsaurer Kalk <a href="#Seite_127">127</a>. <a href="#Seite_146">146</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorsaures Kali <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorvergiftung <a href="#Seite_55">55</a>.</li> - -<li class="indx"> Phosphorwasserstoff <a href="#Seite_56">56</a>.</li> - -<li class="indx"> Phragmites communis <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Phrynin <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Physiologischer Giftnachweis <a href="#Seite_34">34</a>.</li> - -<li class="indx"> Physostigmin <a href="#Seite_267">267</a>.</li> - -<li class="indx"> Phytalbumosen <a href="#Seite_353">353</a>.</li> - -<li class="indx"> Phytolacca Decandra <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Pikrinsäure <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Pilokarpin <a href="#Seite_269">269</a>.</li> - -<li class="indx"> Piperin <a href="#Seite_296">296</a>.</li> - -<li class="indx"> Pirola <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Platin <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Platterbse <a href="#Seite_209">209</a>.</li> - -<li class="indx"> Plumbago <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Poa aquatica <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Podophyllin <a href="#Seite_308">308</a>.</li> - -<li class="indx"> Poley <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Polydesmus exitiosus <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"> Polygalasäure <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Polygonum <a href="#Seite_323">323</a>. <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Polythrincium Trifolii <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"> Populus <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Präcipitat, roter <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx"> — weisser <a href="#Seite_89">89</a>.</li> - -<li class="indx"> Produktionstoxikose <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="indx"> Prognose der Gifte <a href="#Seite_44">44</a>.</li> - -<li class="indx"> Prosopis juliflora <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Prunus <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Pteris aquilina <a href="#Seite_315">315</a>.</li> - -<li class="indx"> Pteritannsäure <a href="#Seite_315">315</a>.</li> - -<li class="indx"> Ptomaïne <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Puccinia <a href="#Seite_344">344</a>.</li> - -<li class="indx"> Pulsatilla <a href="#Seite_243">243</a>.</li> - -<li class="indx"> Pulsatillenkampfer <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Pupillengifte <a href="#Seite_44">44</a>.</li> - -<li class="indx"> Purgirflachs <a href="#Seite_265">265</a>.</li> - -<li class="indx"> Purgirnussbaum <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Putrescin <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Pyrogallol <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Pyrogallussäure <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>Q.</b></li> - -<li class="indx"> Quecksilbervergiftung <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Quillajasäure <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>R.</b></li> - -<li class="indx"> Rade <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Rainfarnkraut <a href="#Seite_316">316</a>.</li> - -<li class="indx"> Ranunculol <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Ranunkeln <a href="#Seite_242">242</a>.</li> - -<li class="indx"> Raphanum raphanistrum <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Rapskuchen <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Rapsverderber <a href="#Seite_347">347</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_389">[S. 389]</span> - Ratin <a href="#Seite_11">11</a>.</li> - -<li class="indx"> Rattengifte <a href="#Seite_11">11</a>.</li> - -<li class="indx"> Raupen <a href="#Seite_380">380</a>.</li> - -<li class="indx"> Rauschgold <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Reagentien <a href="#Seite_31">31</a>.</li> - -<li class="indx"> Realgar <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Rebendolde <a href="#Seite_278">278</a>.</li> - -<li class="indx"> Repskuchen <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Resorption <a href="#Seite_20">20</a>.</li> - -<li class="indx"> Retentionstoxikose <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="indx"> Rhamnocathartin <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Rhinanthin <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Rhododendron <a href="#Seite_276">276</a>.</li> - -<li class="indx"> Rhoeadin <a href="#Seite_187">187</a>.</li> - -<li class="indx"> Rhus Toxicodendron <a href="#Seite_359">359</a>.</li> - -<li class="indx"> Ricin <a href="#Seite_298">298</a>.</li> - -<li class="indx"> Ricinuskuchen <a href="#Seite_298">298</a>.</li> - -<li class="indx"> Robinia Pseudoacacia <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Robinin <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Roburit <a href="#Seite_124">124</a>.</li> - -<li class="indx"> Rosenlorbeer <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Rosmarinhaide <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Rostpilze <a href="#Seite_343">343</a>.</li> - -<li class="indx"> Roter Präzipitat <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Rüben <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Rübsen <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Ruraex acetosa <a href="#Seite_273">273</a>.</li> - -<li class="indx"> — acetosella <a href="#Seite_274">274</a>.</li> - -<li class="indx"> Russ <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Russbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Russula emetica <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Ruta graveolens <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>S.</b></li> - -<li class="indx"> Saatmadie <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Saatmohn <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> Sabadillsamen <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Sabina <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Sabinol <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Sadebaum <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Sal Acetosellae <a href="#Seite_139">139</a>. <a href="#Seite_274">274</a>.</li> - -<li class="indx"> Salamandergift <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Salizylsäure <a href="#Seite_154">154</a>.</li> - -<li class="indx"> Salmiak <a href="#Seite_134">134</a>.</li> - -<li class="indx"> Salmiakgeist <a href="#Seite_132">132</a>.</li> - -<li class="indx"> Salol <a href="#Seite_155">155</a>.</li> - -<li class="indx"> Salpetersäure <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Salpetervergiftung <a href="#Seite_120">120</a>.</li> - -<li class="indx"> Salpetrige Säure <a href="#Seite_120">120</a>. <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Salzsäure <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Salzvergiftung <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Samandrin <a href="#Seite_377">377</a>.</li> - -<li class="indx"> Santonin <a href="#Seite_312">312</a>.</li> - -<li class="indx"> Saponin <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Sapotoxin <a href="#Seite_203">203</a>.</li> - -<li class="indx"> Saprin <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Satanspilz <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Saturnismus <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx"> Sauerampfer <a href="#Seite_273">273</a>.</li> - -<li class="indx"> Sauerklee <a href="#Seite_274">274</a>.</li> - -<li class="indx"> Sauerkleesalz <a href="#Seite_139">139</a>. <a href="#Seite_274">274</a>.</li> - -<li class="indx"> Säurevergiftung <a href="#Seite_136">136</a>.</li> - -<li class="indx"> Schachtelhalm <a href="#Seite_320">320</a>.</li> - -<li class="indx"> Scheel’sches Grün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"> Scherbenkobalt <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Schierling <a href="#Seite_248">248</a>.</li> - -<li class="indx"> Schilfgras <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Schimmelpilze <a href="#Seite_335">335</a>.</li> - -<li class="indx"> Schlangenbisse <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> Schmierbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Schmierseife <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Schneeball <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Schöllkraut <a href="#Seite_279">279</a>.</li> - -<li class="indx"> Schotendotter <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwalbenwurz <a href="#Seite_281">281</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwarze Nieswurz <a href="#Seite_224">224</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwefel <a href="#Seite_163">163</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwefelkohlenstoff <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwefelleber <a href="#Seite_164">164</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwefelsäure <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwefelwasserstoff <a href="#Seite_162">162</a>.</li> - -<li class="indx"> Schweflige Säure <a href="#Seite_164">164</a>.</li> - -<li class="indx"> Schweinfurtergrün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"> Schwindelhafer <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Scilla <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Scillitoxin <a href="#Seite_219">219</a>.</li> - -<li class="indx"> Scopolamin <a href="#Seite_237">237</a>.</li> - -<li class="indx"> Scrophularia aquatica <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Secale cornutum <a href="#Seite_329">329</a>.</li> - -<li class="indx"> Sedum acre <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Seidelbast <a href="#Seite_275">275</a>.</li> - -<li class="indx"> Seife <a href="#Seite_135">135</a>.</li> - -<li class="indx"> Selinum palustre <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Semina Cataputiae minoris <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Semina Ricini majoris <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Senecio Jacobäus <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Senegin <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Senföl <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Senfsamen <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Sepsin <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Sesamkuchen <a href="#Seite_328">328</a>.</li> - -<li class="indx"> Sevenbaum <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Silberglätte <a href="#Seite_77">77</a>.</li> - -<li class="indx"> Silbervergiftung <a href="#Seite_113">113</a>.</li> - -<li class="indx"> Silicium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Simulia ornata <a href="#Seite_380">380</a>.</li> - -<li class="indx"> Sinalbin <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Sinapis arvensis <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> — nigra <a href="#Seite_291">291</a>.</li> - -<li class="indx"> Sinigrin <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Sium latifolium <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Smaragdgrün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"> Solanidin <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Solanin <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Solanum Dulcamara <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> — nigrum <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> — tuberosum <a href="#Seite_258">258</a>.</li> - -<li class="indx"> Sommerlevkoje <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Souchus arvensis <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_390">[S. 390]</span> - Sonnentau <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Sophora <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Spanische Fliegen <a href="#Seite_371">371</a>.</li> - -<li class="indx"> Speichelgifte <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx"> Speisskobalt <a href="#Seite_64">64</a>.</li> - -<li class="indx"> Speiteufel <a href="#Seite_357">357</a>.</li> - -<li class="indx"> Sphacelinsäure <a href="#Seite_330">330</a>.</li> - -<li class="indx"> Sphacelotoxin <a href="#Seite_330">330</a>.</li> - -<li class="indx"> Spinnengift <a href="#Seite_381">381</a>.</li> - -<li class="indx"> Spiritus <a href="#Seite_166">166</a>.</li> - -<li class="indx"> Staphisagrin <a href="#Seite_282">282</a>.</li> - -<li class="indx"> Stas-Otto’sches Verfahren <a href="#Seite_33">33</a>.</li> - -<li class="indx"> Staubbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Stechapfel <a href="#Seite_238">238</a>.</li> - -<li class="indx"> Stechginster <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Steckenkraut <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Steinbrand <a href="#Seite_350">350</a>.</li> - -<li class="indx"> Steinklee <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Steinsalz <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Stephanskörner <a href="#Seite_282">282</a>.</li> - -<li class="indx"> Stinkbrand <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Stinkende Nieswurz <a href="#Seite_224">224</a>.</li> - -<li class="indx"> Stinkendes Tieröl <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Stoffwechselgifte <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="indx"> Stramonium <a href="#Seite_238">238</a>.</li> - -<li class="indx"> Strophanthin <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Strychnin <a href="#Seite_197">197</a>.</li> - -<li class="indx"> Sturmhut <a href="#Seite_230">230</a>.</li> - -<li class="indx"> Sublimat <a href="#Seite_88">88</a>.</li> - -<li class="indx"> Sulfite <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Sulfonal <a href="#Seite_179">179</a>.</li> - -<li class="indx"> Sumpfdotterblume <a href="#Seite_360">360</a>.</li> - -<li class="indx"> Sumpfporst <a href="#Seite_361">361</a>.</li> - -<li class="indx"> Sumpfsilge <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Superphosphat <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>T.</b></li> - -<li class="indx"> Tabak <a href="#Seite_193">193</a>.</li> - -<li class="indx"> Tamus communis <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Tanacetum <a href="#Seite_316">316</a>.</li> - -<li class="indx"> Tanghinin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Tartarus stibiatus <a href="#Seite_107">107</a>.</li> - -<li class="indx"> Taumelhafer <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Taumelkerbel <a href="#Seite_283">283</a>.</li> - -<li class="indx"> Taumelkrankheit <a href="#Seite_320">320</a>.</li> - -<li class="indx"> Taumellolch <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Taxin <a href="#Seite_212">212</a>.</li> - -<li class="indx"> Taxus baccata <a href="#Seite_212">212</a>.</li> - -<li class="indx"> Tembladera <a href="#Seite_367">367</a>.</li> - -<li class="indx"> Templetonia <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Temulin <a href="#Seite_263">263</a>.</li> - -<li class="indx"> Terpentinöl <a href="#Seite_287">287</a>.</li> - -<li class="indx"> Teufelsöl <a href="#Seite_306">306</a>.</li> - -<li class="indx"> Thallium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Thomasmehl <a href="#Seite_127">127</a>.</li> - -<li class="indx"> Teer <a href="#Seite_150">150</a>.</li> - -<li class="indx"> Thevetin <a href="#Seite_221">221</a>.</li> - -<li class="indx"> Tierische Gifte <a href="#Seite_371">371</a>.</li> - -<li class="indx"> Tieröl <a href="#Seite_156">156</a>.</li> - -<li class="indx"> Thuja <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Tiglium <a href="#Seite_303">303</a>.</li> - -<li class="indx"> Tilletia caries <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Tithymalus <a href="#Seite_247">247</a>.</li> - -<li class="indx"> Tollkirsche <a href="#Seite_232">232</a>.</li> - -<li class="indx"> Toxalbumine <a href="#Seite_353">353</a>.</li> - -<li class="indx"> Toxicodendronsäure <a href="#Seite_359">359</a>.</li> - -<li class="indx"> Toxikose <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="indx"> Toxine <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Toxopeptone <a href="#Seite_351">351</a>.</li> - -<li class="indx"> Traubenkirschbaum <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Trimethylamin <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="indx"> Tulipin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Typha latifolia <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>U.</b></li> - -<li class="indx"> Uebermangansaures Kali <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Ulexin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Untersalpetersäure <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Urämie <a href="#Seite_7">7</a>.</li> - -<li class="indx"> Uran <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Uredineen <a href="#Seite_343">343</a>.</li> - -<li class="indx"> Uromyces <a href="#Seite_344">344</a>.</li> - -<li class="indx"> Urtica dioica <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Ustilago Carbo <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> — echinata <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> — longissima <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> — Maïdis <a href="#Seite_340">340</a>.</li> - -<li class="indx"> Uterusgifte <a href="#Seite_43">43</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>V.</b></li> - -<li class="indx"> Vanadium <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Vellarin <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Veratrin <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Veratrum album <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Verdorbenes Futter <a href="#Seite_348">348</a>.</li> - -<li class="indx"> Vergiften, kunstgemässes <a href="#Seite_11">11</a>.</li> - -<li class="indx"> Vernonin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Viburnum <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Vicia villosa <a href="#Seite_319">319</a>.</li> - -<li class="indx"> Viehsalz <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Vincin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Vipera Berus <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> — Redii <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="indx"> Viperin <a href="#Seite_374">374</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>W.</b></li> - -<li class="indx"> Wacholder <a href="#Seite_288">288</a>.</li> - -<li class="indx"> Wachtelweizen <a href="#Seite_325">325</a>.</li> - -<li class="indx"> Waldrebe <a href="#Seite_364">364</a>.</li> - -<li class="indx"> Wanzen <a href="#Seite_381">381</a>.</li> - -<li class="indx"> Wasserschierling <a href="#Seite_251">251</a>.</li> - -<li class="indx"> Wasserwurzel <a href="#Seite_362">362</a>.</li> - -<li class="indx"> Wegsenf <a href="#Seite_292">292</a>.</li> - -<li class="indx"> Weingeist <a href="#Seite_165">165</a>.</li> - -<li class="indx"> Weinsäure <a href="#Seite_138">138</a>.</li> - -<li class="indx"> Weisse Nieswurz <a href="#Seite_226">226</a>.</li> - -<li class="indx"> Wicken <a href="#Seite_319">319</a>.</li> - -<li class="indx"> Wienergrün <a href="#Seite_66">66</a>.</li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_391">[S. 391]</span> - Wiesenschaumkraut <a href="#Seite_366">366</a>.</li> - -<li class="indx"> Wilder Mohn <a href="#Seite_186">186</a>.</li> - -<li class="indx"> Wintergrün <a href="#Seite_363">363</a>.</li> - -<li class="indx"> Wismutvergiftung <a href="#Seite_115">115</a>.</li> - -<li class="indx"> Wolfsmilch <a href="#Seite_247">247</a>.</li> - -<li class="indx"> Wolfram <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Wurmfarn <a href="#Seite_309">309</a>.</li> - -<li class="indx"> Wurmsamen <a href="#Seite_312">312</a>.</li> - -<li class="indx"> Wurstvergiftung <a href="#Seite_355">355</a>.</li> - -<li class="ifrst"> <b>Z.</b></li> - -<li class="indx"> Zaunrübe <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Zeitlose <a href="#Seite_182">182</a>.</li> - -<li class="indx"> Zerberin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinkblende <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinkvergiftung <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinkoxyd <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinkvitriol <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinkweiss <a href="#Seite_105">105</a>.</li> - -<li class="indx"> Zinnvergiftung <a href="#Seite_116">116</a>.</li> - -<li class="indx"> Zottelwicke <a href="#Seite_319">319</a>.</li> - -<li class="indx"> Zuckersäure <a href="#Seite_139">139</a>.</li> - -<li class="indx"> Zwetschgenkerne <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Zwiebel <a href="#Seite_295">295</a>.</li> - -<li class="indx"> Zyankalium <a href="#Seite_254">254</a>.</li> - -<li class="indx"> Zyanwasserstoff <a href="#Seite_253">253</a>.</li> - -<li class="indx"> Zyclamin <a href="#Seite_204">204</a>.</li> - -<li class="indx"> Zynapium <a href="#Seite_252">252</a>.</li> - -<li class="indx"> Zynoglossum <a href="#Seite_365">365</a>.</li> - -<li class="indx"> Zytisin <a href="#Seite_222">222</a>.</li> -</ul> - -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>LEHRBUCH DER TOXIKOLOGIE FÜR TIERÄRZTE</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. 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