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-The Project Gutenberg eBook of Schiller in Rudolstadt, by Berthold
-Rein
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-using this eBook.
-
-Title: Schiller in Rudolstadt
-
-Author: Berthold Rein
-
-Illustrator: Willi Geißler
-
-Release Date: October 1, 2022 [eBook #69083]
-
-Language: German
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHILLER IN RUDOLSTADT ***
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- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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- Thüringer Heimatbücher
-
- Veröffentlichungen des Thüringer Heimatbundes
-
- Band 2
-
- Berthold Rein
-
- Schiller in Rudolstadt
-
- [Illustration]
-
- 1 · 9 · 2 · 5
-
- Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
-
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-
- Berthold Rein
-
- Schiller in Rudolstadt
-
- [Illustration]
-
- 1 · 9 · 2 · 5
-
- Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
-
-
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-
-Ausstattung von Willi Geißler
-
-
-»Die Stätte, die ein guter Mensch betrat!«
-
-
-Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Greifenverlag Rudolstadt 1925.
-Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt, in der Ehmcke-Fraktur.
-Buchbinderarbeit ebenfalls von dort.
-
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-
-Inhalt
-
-
- Titel 1
-
- Vorwort 5
-
- Der 6. Dezember 1787 7
-
- Im Sommer 1788 17
-
- Der 7. September 1788 33
-
- Die Stadtkirche und die Glockengießerei 37
-
- Charlottes Jugendheim 42
-
- Der Herbst 1789 50
-
- Das Frühjahr 1791 61
-
- Schillers Familie in Rudolstadt 67
-
- Rundgang an den Schillerstätten vorüber 73
-
-
-Bilder:
-
- Schillershöhe 5
-
- Charlotte von Lengefeld 13
-
- Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz 32
-
- Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld 33
-
- Die Schillerglocke 48
-
- Charlottes Jugendheim 49
-
- Das Schillerhaus in Volkstedt 68
-
- An der Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt 69
-
- Karoline Junot, geborene von Schiller 76
-
-
-
-
-Vorwort
-
-
-Unter den Orten, die für Schillers Leben bedeutsam waren, nimmt
-Rudolstadt eine besondere Stellung ein. Hat doch hier sein Dichten und
-Trachten eine Richtung eingeschlagen, die für seine ganze Lebensbahn
-entscheidend werden sollte. Der Fürstenhof und seine Umgebung war
-empfänglich gestimmt für seine Gedankenwelt. Aus dem geistigen Geben
-und Nehmen entstand dem bis dahin ruhelosen Flüchtling die Aussicht
-auf eine bleibende Stätte. Charlotte von Lengefeld, das Kind der
-Rudolstädter Heimat, fühlte sich dem Schwaben und seiner Eigenart nahe.
-Der Lengefeldsche Familienkreis vermittelte ihm die Begegnung mit
-Goethe, die bald darauf zu dem geistigen Austausch führte, an dem beide
-gleiche Freude empfanden. In die Landschaft um Rudolstadt rettete sich
-Schiller, anfangs in Wirklichkeit, später in Gedanken, wenn ihm »des
-Zimmers Gefängnis« zu enge wurde.
-
-[Illustration: Schillershöhe]
-
-Die Schillerliteratur erwähnt oft die Häuser, wo er in Rudolstadt
-verkehrte, unterscheidet sie jedoch nicht immer deutlich. Dichtung
-und Wahrheit fließen dann durcheinander. Schriftliche Berichte von
-glaubhaften Augenzeugen sind vorhanden, liegen aber zerstreut in
-Lebensbeschreibungen und Briefsammlungen. Mündliche Überlieferung
-braucht daneben nicht wertlos zu erscheinen, ist doch in jeder Sage
-leicht ein geschichtlicher Kern zu erkennen.
-
-Die älteren Rudolstädter Gelegenheitsschriften und Aufsätze führen
-ein verborgenes Dasein in Bibliotheken und werden nur noch selten
-aufgeschlagen. Die anerkannten Quellenwerke von Urlichs, Hase, Karoline
-von Wolzogen, Fielitz und Karl Schmidt habe ich benutzt. Schriftliche
-und mündliche Nachrichten übermittelten mir Augustin Regensburger und
-Emilie Schreck aus ihrem Verkehr mit Karoline von Schiller. Archiv und
-Schloßmuseum boten manche Ergänzung. Mit besonderem Dank führe ich die
-Rudolstädter Häuserchronik von Hugo Trinckler an, sie ist die Frucht
-jahrzehntelanger liebevollster Heimatforschung, die hoffentlich bald im
-Druck erscheinen kann.
-
-Das Haus Schillerstraße 25 ist mir in seinen Räumen vertraut, da ich
-sieben Jahre dort gewohnt habe. Liebevolle Ehrfurcht seiner Besitzer
-hat das ganze Anwesen vor entstellender Neuerung bewahrt.
-
-Auch für räumliche Erinnerungen einer Heimatstadt gilt das Wort: »Was
-du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!«
-
-Wenn der Lenz beginnt, ziehen sehlustige Wanderer gern bei uns durch
-Flur und Stadt. Gehen sie auf Schillers Pfaden, dann möchte ihnen
-ebenfalls mein Büchlein als Führer dienen.
-
- Rudolstadt, Ostern 1925.
- Dr. Berthold Rein.
-
-
-
-
-Der 6. Dezember 1787
-
-
-Als Schiller im Jahre 1787 nach Rudolstadt kam, war er für die
-allgemeine Menschheit noch ein Unbekannter. Wer in den Schriftwerken
-der letzten Jahre bewandert war, kannte seine Jugenddramen, die einen
-ganz überraschenden Ton auf der Bühne angeschlagen hatten. Wer tiefer
-blickte, beobachtete den gesellschaftlichen Hintergrund, von dem sich
-die Räuber und Kabale und Liebe abhoben. Dem einen stand dann der
-stürmisch begeisterte Schwabe in leuchtendem Glanze als Verkünder
-einer neuen Zeit da, dem andern in verdächtigem Dunkel als Vertreter
-von Empörung und Umsturz. Die Inschrift auf der zweiten Auflage der
-Räuber: »~In tyrannos~«, gegen die Unterdrücker, erhielt sich eben im
-Gedächtnis.
-
-Alle die Kreise, denen er persönlich nahegetreten war, wußten zu
-erzählen, wie zurückhaltend, ja zaghaft er ihnen anfangs erschienen
-war, bis sich schließlich der Zauber seines liebenswürdigen, fesselnden
-und hingebenden Gemüts aufgetan hatte. Zu diesen Bekannten gehörten
-die Wolzogens von Stuttgart und Bauerbach her und in gewissem Sinne
-die Damen von Lengefeld in Rudolstadt, denn sie waren ihm, wenn auch
-nur flüchtig, auf der Rückreise aus der Schweiz in Mannheim bereits
-begegnet.
-
-Schiller hatte seit seiner Flucht aus Stuttgart wiederholt verzweifelt
-gerungen, um festen Boden unter die Füße zu bekommen, war aber trotz
-aller Hoffnung, die er nun zuletzt auf den Herzog Karl August in Weimar
-gesetzt hatte, immer noch heimatlos. Jugendlich unbefangen und harmlos
-im Vertrauen war er Töchtern angesehener Familien nahegetreten, dennoch
-indes nicht zu einem Bund für das Leben gelangt.
-
-Sein Studiengenosse aus der Karlsschule, Wilhelm von Wolzogen, hatte
-einen Besuch in Meiningen abzustatten. Für Schiller war die Werrastadt
-bedeutsam als neue Heimat seiner Schwester Christophine. Eine Reise
-hoch zu Roß lockte den leidenschaftlichen Liebhaber der Reitkunst, also
-folgte er dem Rufe des Freundes. Auf dem Rückwege nach Weimar schlug
-Wolzogen vor, die Richtung über Rudolstadt zu wählen, dort wollte er
-die »superklugen Kusinen« aufsuchen und mit dem Dichter des Don Carlos
-bekannt machen. Über Suhl, Ilmenau und Königsee erreichten sie das
-Saaltal.
-
-In einem Hause der Neuen Gasse vor den Mauern der kleinen Residenz
-Rudolstadt saß Charlotte von Lengefeld am Fenster und hatte eben in das
-Tagebuch eingetragen: Der erste Schnee ist gefallen!, als die ländliche
-Stille durch Hufschlag unterbrochen wurde. Überrascht sah sie hinaus
-und erblickte zwei Reiter in graue Mäntel gehüllt. Erschrocken fuhr
-sie zurück, als die beiden scharf zu ihr aufschauten, und der eine
-schelmisch vertraut winkte: Ich komme gleich! Das Tagebuch nahm nun
-noch die Ergänzung auf: Eben ritt Vetter Wolzogen vorbei mit einem
-anderen Reiter, ich möchte wohl wissen, wer das ist!
-
-Der 6. Dezember sollte ein Schicksalstag für sie werden und das
-schlichte Haus eine bedeutsame Stätte.
-
-Das Grundstück, jetzt Schillerstraße 25, hatte um 1720 der Hofjäger
-Wolfgang Rühm aus Bayreuth als Bauplatz für ein gemütvolles einfaches
-Wohnhaus erworben. Sein Nachfolger, der Landrentmeister Rühm, oder
-dessen Witwe hatte im Garten dahinter ein »Zwillingshaus« errichtet,
-das schließlich durch Zwischenbauten mit dem Vorderhaus verbunden
-wurde. Ein kleiner Hof in der Mitte blieb frei. Nach der Sonnenseite
-reichte ein großer Garten noch bis an das Nachbarhaus. Auf der
-Abendseite führte eine junge Lindenallee vorüber. In das zweistöckige
-Zwillingshaus war die Frau Landjägermeister von Lengefeld mit ihren
-kleinen Töchtern eingezogen, nachdem ihr der Tod den Gemahl 1775
-frühzeitig entrissen hatte. In dem Obergeschoß des Vorderhauses
-richtete 1785 die ältere der beiden Töchter, Karoline, ihren Haushalt
-ein, als sie sich mit Ludwig von Beulwitz vermählte. Das Haus war weder
-Eigentum der Familie von Beulwitz, noch der Familie von Lengefeld, es
-ging 1796 durch Kauf aus dem Rühmschen Besitz an den Kammersekretär
-Andreas Christoph Johann Werlich über. Die beiden adeligen Familien
-wohnten nur zur Miete darin.
-
-Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz, dessen Grabplatte links im
-Eingang zum Alten Friedhof zu finden ist, führte zwar im vertrauten
-Bekanntenkreise den Beinamen Ursus, der Bär, aber die Verteidiger
-seiner Gattin haben später doch zu Unrecht sein Bild entstellt,
-als sie das Für und Wider der Ehescheidung verhandelten. Er war
-zehn Jahre älter als seine stark und feurig veranlagte, jetzt
-vierundzwanzigjährige Frau. Als Hofbeamter, als Landeshauptmann
-in Königsee, als Freund von Kunst und Wissenschaft führte er ein
-arbeitsames Leben, wobei ihm freilich wenig Zeit und Neigung
-übrigblieb, seiner Gattin seelisch nahezutreten, und das Führeramt
-auszuüben, das ganz besonders sie nötig gehabt hätte. Bald mußte er
-wiederum längere Zeit auf Reisen gehen als Begleiter der Prinzen Ludwig
-Friedrich und Karl Günther, die einen Studienaufenthalt in Genf nehmen
-wollten.
-
-Charlotte von Lengefeld war bereits einmal durch Neigung und Entsagung
-hindurchgegangen. Ein englischer Hauptmann Heron, mit dem sie noch
-ab und zu geneckt wurde, hatte ihr nahegestanden, sein Beruf zog ihn
-aber nach Indien, wo er für sie verschollen blieb. Beide Schwestern
-nahmen an den Neuerscheinungen des Geisteslebens regen Anteil. Etwas
-gemäßigt wurde ihr Verlangen nach Unabhängigkeit und ihre freigeistige
-Modebestrebung durch die streng religiöse Lebensauffassung der Mutter.
-Diese war als Witwe hart geprüft worden und empfand hohe Verantwortung
-für die vaterlosen Töchter. Sie war Hofdame, erwartete bei nächster
-Gelegenheit das Amt einer Oberhofmeisterin auf der Heidecksburg und
-erhoffte für ihre jüngere Tochter einen ähnlichen Ruf nach Weimar.
-Das alles sprach entscheidend mit auch in den kleinen Tagesfragen und
-bestimmte den Ton in den gesellschaftlichen Umgangsformen.
-
-In diesen Familienkreis trat Schiller am Abend des 6. Dezember ein.
-Dem Kenner griechisch-römischer Literatur, die gerade wieder stark
-in Aufnahme gekommen war, fehlte es nicht an Unterhaltungsstoff, und
-der Jünger neuester Philosophie verfügte über die Gabe, zufällig
-entstandene Gespräche in einer überlegen bewußten Richtung zu lenken.
-Dabei wurde seine unverfälschte schwäbische Mundart nicht als Störung,
-sondern als treuherzige reizvolle Beigabe empfunden.
-
-Den Zauber, der von Schillers Person ausging, hat Wilhelm von Humboldt
-später treffend gewürdigt:
-
-»Was jedem Beobachter an Schiller am meisten als charakteristisch
-bezeichnend auffallen mußte, war, daß in einem höheren und prägnanteren
-Sinn, als vielleicht je bei einem andern, der Gedanke das Element
-seines Lebens war. Anhaltend selbsttätige Beschäftigung des Geistes
-verließ ihn fast nie. – Sie schien ihm Erholung, nicht Anstrengung.
-Dies zeigte sich am meisten im Gespräch, für das Schiller ganz
-eigentlich geboren schien. Er suchte nie nach einem bedeutenden Stoff
-der Unterredung, er überließ es mehr dem Zufall, den Gegenstand
-herbeizuführen, aber von jedem aus leitete er das Gespräch zu einem
-allgemeinen Gesichtspunkt, und man sah sich nach wenigen Zwischenreden
-in den Mittelpunkt einer den Geist anregenden Diskussion versetzt. Er
-behandelte den Gedanken immer als ein gemeinschaftlich zu gewinnendes
-Resultat, schien immer des Mitredenden zu bedürfen, wenn dieser sich
-auch bewußt blieb, die Idee allein von ihm zu empfangen, und ließ ihn
-nie müßig werden. – Schiller sprach nicht eigentlich schön. Aber sein
-Geist strebte immer in Schärfe und Bestimmtheit einem neuen geistigen
-Gewinne zu. – Schiller hielt immer den Faden fest, der zum Endpunkt
-der Untersuchung führen mußte, und wenn die Unterredung nicht durch
-einen Zufall gestört wurde, so brach er nicht leicht vor Erreichung des
-Zieles ab.«
-
-Überraschend schnell gedieh die flüchtige Bekanntschaft in wenigen
-Abendstunden zu einem Freundschaftsbund, der die Damen von Lengefeld
-mit ihrem Gaste verband und zu einer Verabredung für den folgenden
-Sommer führte. Die Schwestern versprachen, ihm einen ländlichen
-Aufenthalt für seine Schriftstellerarbeiten auszusuchen.
-
-Wie dieser Abend im Geiste Karolines weiterlebte, läßt das
-Erinnerungsbild erkennen, das sie davon entwirft: »Damals ging noch
-keine Kunststraße durch unser kleines Tal, ein Fremder war ein Phänomen
-hinter den grünen Bergen. Oft erschienen wir uns selbst als verwünschte
-Prinzessinnen, auf Erlösung aus dieser Einförmigkeit hoffend. Dennoch
-erfrischte uns immerwährend der Zauber dieser Berge.
-
-Schiller fühlte sich wohl und frei in unserm Familienkreise. Entfernt
-vom flachen Weltleben, galt uns das Geistige mehr als alles. Wir
-umfaßten es mit Herzenswärme, nicht befangen von kritischen Urteilen
-und Vorurteilen, nur der eigenen Richtung unserer Natur folgend. Dies
-war es, was er bedurfte, um sich selbst im Umgang aufzuschließen. Wir
-kannten seinen Don Carlos noch nicht. Ohne alle schriftstellerische
-Eitelkeit schien es ihm am Herzen zu liegen, daß wir ihn kennen
-lernten. Ich erinnere mich nicht, daß unsere Gespräche noch etwas
-anderes aus der Welt seiner Dichtung berührten, die Briefe von Julius
-an Raffael und die auf diese sich beziehenden Gedichte der Anthologie
-ausgenommen. Der Gedanke, sich unserer Familie anzuschließen, schien
-schon an jenem Abend in ihm aufzudämmern, und zu unserer Freude sprach
-er beim Abschiede den Plan aus, den nächsten Sommer in unserm schönen
-Tale zu verleben.«
-
-[Illustration: Charlotte von Lengefeld]
-
-Kaum nach Weimar zurückgekehrt, legt Schiller seinem Gewissensberater
-und etwas eifersüchtigen Freunde Körner in Dresden ziemlich kühl eine
-Art Rechenschaft ab über seinen Ausflug: »In Rudolstadt habe ich
-mich auch einen Tag aufgehalten und wieder eine recht liebenswürdige
-Familie kennen lernen. Eine Frau von Lengenfeld lebt da mit einer
-verheirateten und einer noch ledigen Tochter. Beide Geschöpfe sind,
-ohne schön zu sein, anziehend und gefallen mir sehr. Man findet hier
-viel Bekanntschaft mit der neueren Literatur, Feinheit, Empfindung und
-Geist. Das Klavier spielen sie gut, welches mir einen recht schönen
-Abend machte. Die Gegend um Rudolstadt ist außerordentlich schön. Ich
-hatte nie davon gehört und bin sehr überrascht worden. Man gelangt
-durch einen schönen Grund dahin und wird von dem weißen großen Schlosse
-auf dem Berge angenehm überrascht.«
-
-So spricht der Verstand. Was im Gemüt sich bewegte, verraten die Briefe
-an Charlotte: »Sie können sich nicht herzlicher nach Ihren Bäumen und
-schönen Bergen sehnen als ich, und vollends nach denen in Rudolstadt,
-wohin ich mich jetzt in meinen glücklichsten Augenblicken im Traume
-versetze. – Sie werden in Rudolstadt nun wieder eingewohnt sein und
-bei diesem schönen Wetter sich Ihrer ländlichen Einsamkeit freuen. –
-Wie beneide ich Ihre Familie um alles, was um Sie sein darf! Aber auch
-Sie beneide ich um Ihre Familie; ein einziger Tag war mir genug, mich
-zu überzeugen, daß ich unter sehr edeln Menschen wäre. Warum kann man
-solche glückliche Augenblicke nicht fest halten. Man sollte lieber nie
-zusammen geraten – oder nie mehr getrennt werden.«
-
-Im Laufe des Winters kehrte Schiller nicht wieder in Rudolstadt ein,
-obwohl es verabredet war. Durch seine schriftlichen Grüße klingt die
-Sehnsucht nach Natur und ländlicher Einsamkeit. Aber dem vertrauten
-Freunde enthüllt er seinen Seelenzustand: »Ich bedarf eines Mediums,
-durch das ich die andern Freuden genieße, Freundschaft, Geschmack,
-Wahrheit und Schönheit werden mehr auf mich wirken, wenn eine
-ununterbrochene Reihe feiner, wohltätiger, häuslicher Empfindungen mich
-für die Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. Ich
-bin bis jetzt ein isolierter, fremder Mensch, in der Natur herumgeirrt
-und habe nichts als Eigentum besessen.
-
-Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen Existenz.
-
-Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt, und nicht
-sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, sondern darum, weil ich
-die Freuden mehr naschte als genoß, weil es mir an immer gleicher und
-sanfter Empfänglichkeit mangelte, die nur die Ruhe des Familienlebens
-gibt.«
-
-Charlotte und er sahen sich in Weimar mitten zwischen geräuschvollen
-Veranstaltungen der Hofgesellschaft. Ihn selbst nimmt dieses
-Treiben nicht in den Bann, und seine Freundin warnt er vor flacher
-Lebensauffassung:
-
- Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen
- umhüpft – so, Lotte, spielt um Dich die Welt,
- Doch so, wie sie sich malt in Deinem Herzen,
- in Deiner Seele schönen Spiegel fällt,
- So ist sie doch nicht! – Die Eroberungen,
- die jeder Deiner Blicke siegreich zählt,
- Die Deine sanfte Seele Dir erzwungen,
- die Statuen, die – Dein Gefühl beseelt,
- Die Herzen, die Dein eignes Dir errungen,
- die Wunder, die Du selbst getan,
- Die Reize, die Dein Dasein ihm gegeben,
- die rechnest Du für Schätze diesem Leben,
- für Tugenden uns Erdenbürgern an.
- Dem holden Zauber nie entweihter Jugend,
- der Engelgüte mächtgem Talisman,
- Der Majestät der Unschuld und der Tugend,
- den will ich sehn – der diesen trotzen kann!
- Froh taumelst Du im süßen Überzählen
- der Glücklichen, die Du gemacht, der Seelen,
- die Du gewonnen hast, dahin.
- Sei glücklich in dem lieblichen Betruge,
- nie stürze von des Traumes stolzem Fluge
- ein trauriges Erwachen Dich herab.
- Den Blumen gleich, die Deine Beete schmücken,
- so pflanze sie – nur den entfernten Blicken,
- betrachte sie! – doch pflücke sie nicht ab!
- Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen,
- welk werden sie zu Deinen Füßen liegen,
- je näher Dir – je näher ihrem Grab.
-
-
-
-
-Im Sommer 1788
-
-
-Als die Pläne für den Landaufenthalt bestimmte Formen angenommen
-hatten, suchten die Schwestern ihrem Freunde eine Wohnung. Sie sollte
-nicht gar zu weit von ihrem eigenen Heim abliegen und doch ungestörte
-Arbeitszeit ermöglichen. Zuerst meinten sie, das Rechte gefunden zu
-haben bei dem Hofgärtner Callenius in Cumbach. Doch bemerkten sie bald,
-daß dort nicht die Stille herrschte, auf die es ankam. Der fürstliche
-Gewächsgarten mit der Orangerie zog täglich Verkehr und laute
-Geselligkeit an, auch ein Gestüt, das dort gehalten wurde, brachte
-Geräusch in die Nähe. Darum fiel ihre Wahl auf Volkstedt, wo all diese
-Bedenken nicht entstehen konnten.
-
-Am 24. April meldet Charlotte in aller Eile das Ergebnis ihrer Fürsorge
-nach Weimar: »Das Dorf hat eine schöne Lage, am Ufer der Saale, hinter
-ihm erheben sich Berge, an deren Fuß liebliche Fruchtfelder sich
-ziehen, und die Gipfel mit dunklem Holze bekränzt, gegenüber an der
-anderen Seite der Saale schöne Wiesen und die Aussicht in ein weites,
-langes Tal. Ich denke, diese Gegend wird Ihnen lieb sein, mir brachte
-sie gestern einen Eindruck von Ruhe in die Seele, der mir innig
-wohltat.
-
-Die Stube, die ich für Sie bestimmte, ist nicht sehr groß, aber
-reinlich, auch die Stühle sind nicht ganz ländlich, denn sie sind
-beschlagen, eine Kammer daneben, wo das Bett stehen kann, und auch eine
-für den Bedienten nicht weit davon. Für Betten will der Schulmeister
-sorgen, dem das Haus gehört, auch wohnt eine Frau darin, die Ihnen
-Kaffee machen kann, und auch bedienen könnte, zur Not auch kochen, wenn
-das Wetter zu böse wäre, um es sich aus der Stadt holen zu lassen. Ich
-denke, es ist alles gut besorgt.«
-
-Am 2. Mai erfolgt die Danksagung: »Sie haben die Angelegenheit, deren
-Besorgung Sie so gütig übernahmen, so ganz nach meinen Wünschen und
-über alle meine Erwartungen zustande gebracht, daß ich Ihnen unendlich
-Mal dafür verbunden bin. Der Ort, die Lage, die Einrichtung im Hause,
-alles ist vortrefflich. Sie haben aus meiner Seele gewählt. Ich habe
-Ihnen viele Mühe gemacht, aber ich weiß auch, daß Ihnen das Vergnügen,
-welches Sie mir dadurch verschafften, statt alles Dankes ist. – Ich
-werde in Ihren schönen Gegenden, in dieser ländlichen Stille mein
-eigenes Herz wiederfinden, und Ihre und der Ihrigen Gesellschaft wird
-mich für alles, was ich hier zurücklasse, reichlich entschädigen.«
-
-Dem hilfreichen Freund und Berater in Dresden geht die Nachricht zu:
-»Ich werde mich eine kleine Stunde von Rudolstadt niederlassen. Die
-Gegenden sind dort überaus ländlich und angenehm, und ich kann da in
-seliger Abgeschiedenheit von der Welt leben. Das Lengenfeldische
-Haus, von dem ich Dir nach meiner Rückreise von Meiningen geschrieben
-habe, wird mir den ganzen Mangel an Gesellschaft hinlänglich ersetzen.
-Es sind dort mir sehr schätzbare Menschen beisammen, von sehr vieler
-Bildung und dem edelsten Gefühl. Sie sind auch schon in der Welt
-gewesen und haben eine glückliche Gemütsstimmung daraus zurückgebracht.
-Alles was Lektüre und guter Ton einer glücklichen Geistesanlage und
-einem empfänglichen Herzen zusetzen kann, finde ich da in vollem Maße,
-außerdem auch viele musikalische Fertigkeit, die nicht den kleinsten
-Teil der Erholung ausmachen wird, die ich mir dort verspreche. Diesem
-Zirkel gedenke ich alle Tage einige Stunden zu widmen. Sonst erwarten
-meiner die mannigfaltigsten und, ich muß leider sagen, die drückendsten
-Arbeiten. Aber ich gehe ihnen mit ziemlichem Mut, ja selbst mit
-Vergnügen entgegen.«
-
-Körner durchschaut jedoch die innere Bewegung, die sich hinter diesen
-Plänen und Sorgen verstecken will: »In Deinem Sommeraufenthalt wird
-Dirs an Vergnügen nicht fehlen. Ist nicht auch ein Interesse des
-Herzens dabei? Ich bin neugierig, ob Deine Stimmung an dichterischen
-Arbeiten fruchtbar sein wird.«
-
-Die Woche nach dem Pfingstfest ließ Schiller noch vorübergehen, dann
-kam er, ohne sich besonders anzukündigen, in Rudolstadt an. Am 20. Mai
-schreibt er aus dem Gasthaus: »In der Hoffnung, daß mein künftiges
-Logis auf dem Dorfe, dessen Namen ich nicht weiß, durch Ihre Güte
-berichtigt sei, bin ich ohne weiteres hierher gereist. Seit gestern
-Abend halb zehn Uhr bin ich hier. – Ich bitte Sie, mich zugleich durch
-den Überbringer den Namen des Ortes, den Sie für mich bestimmt haben,
-wie auch des Hauswirts, bei dem ich wohnen soll, wissen zu lassen, weil
-ich womöglich noch vor Mittag dort sein und jetzt gleich meinen Koffer
-hinschaffen lassen möchte. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen,
-daß mir der nächste Augenblick, wo ich Sie und die Ihrigen sehen kann,
-der liebste sein wird.«
-
-Die Freude über erfüllte Wünsche und die Pläne und Hoffnungen für die
-nächste Zeit verrät wiederum sein Brief an Körner:
-
- Volkstedt bei Rudolstadt, 26. Mai 1788.
-
-»Seit acht Tagen bin ich nun hier in einer sehr angenehmen Gegend,
-eine kleine halbe Stunde von der Stadt und in einer sehr bequemen
-heitern und reinlichen Wohnung. Das Glück hat es gefügt, daß ich ein
-neues Haus, das besser, als auf dem Lande sonst geschieht, gebaut
-ist, finden mußte. Es gehört einem wohlhabenden Manne, dem Kantor des
-Orts. Das Dorf liegt in einem schmalen, aber lieblichen Tale, das die
-Saale durchfließt, zwischen sanft ansteigenden Bergen. Von diesen habe
-ich eine sehr reizende Aussicht auf die Stadt, die sich am Fuße eines
-Berges herumschlingt, von weitem schon durch das fürstliche Schloß, das
-auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, sehr vorteilhaft angekündigt
-wird, und zu der mich ein sehr angenehmer Fußpfad, längs des Flusses,
-an Gärten und Kornfeldern vorüberführt. In dem Dorfe selbst ist
-die Porzellanfabrik, die Du vielleicht kennst. Ich habe zwei kleine
-Stunden nach Saalfeld, ebenso weit nach dem Schlosse Schwarzburg und
-zu verschiedenen zerstörten Schlössern, die ich alle nach und nach
-besuchen will.
-
-In der Stadt selbst habe ich an der Lengefeldschen und Beulwitzschen
-Familie eine sehr angenehme Bekanntschaft, und bis jetzt noch die
-einzige, wie sie es vielleicht auch bleiben wird. Doch werde ich eine
-sehr nahe Anhänglichkeit an dieses Haus, und eine ausschließende an
-irgend eine einzelne Person aus demselben, sehr ernstlich zu vermeiden
-suchen. Es hätte mir etwas der Art begegnen können, wenn ich mich mir
-selbst ganz hätte überlassen wollen. Aber jetzt wäre es gerade der
-schlimmste Zeitpunkt, wenn ich das bißchen Ordnung, das ich mit Mühe in
-meinen Kopf, mein Herz und in meine Geschäfte gebracht habe, durch eine
-solche Distraktion wieder über den Haufen werfen wollte.
-
-Die Arbeiten, mit denen ich diesen Sommer zustande kommen möchte, sind
-der Geisterseher, der leicht auf 25 bis 30 Bogen anlaufen dürfte, der
-zweite Teil meiner Niederländischen Rebellion und der Rest des ersten,
-ein Theaterstück, noch steht es dahin, ob dieses der Menschenfeind oder
-ein anderes sein werde, das ich, wie der Schwabe sagt, an der Kunkel
-habe, und hier und da ein Aufsatz für den Merkur. Aus dem bisherigen
-Lauf meiner Schreibereien zu schließen, dürfte dieses Unternehmen wohl
-fast übertrieben sein. Indessen wollen wir sehen. Geschieht auch nicht
-alles, so ist doch immer das gewonnen, was geschieht. Ganz bin ich
-hier doch noch nicht zuhause, auch meine Arbeiten strömen noch nicht.«
-
-Wie weit der Wille mit seinen Plänen zur Geltung kommen würde, und
-wie bald das Schicksal die Vorsätze durchkreuzen sollte, geht aus
-den Briefen und kurzen Grußblättern hervor, die zwischen Rudolstadt
-und Volkstedt fast täglich gewechselt werden: »Montag, den 26. Mai.
-Ich hoffe, daß Ihnen allen die gestrige Partie so gut bekommen sei
-wie mir. Es war ein gar lieblicher vertraulicher Abend, der mir für
-diesen Sommer die schönsten Hoffnungen gibt. Mehr solche Abende und
-in so lieber Gesellschaft, mehr verlange ich nicht. Rudolstadt und
-diese Gegend überhaupt soll, wie ich hoffe, der Hain der Diana für
-mich werden.« Er vergleicht sich mit Orestes in Goethes Iphigenie, den
-die Eumeniden umhertreiben, und hofft, die Schwestern werden ihn vor
-den bösen unterirdischen Mächten beschützen. Zu Grunde lag dabei eine
-Eifersuchtsregung. Er weigert sich, in trüber Stimmung die Gesellschaft
-von Fröhlichen aufzusuchen, und entschuldigt seine wandelbare Laune
-mit dem Fluch, der auf allen Musensöhnen ruht, bittet aber doch
-um Nachricht, was für den andern Tag geplant wird, damit er sich
-anschließen kann.
-
-Am 27. Mai redet ihm Charlotte gut zu, heiter und froh zu sein, Knebel,
-der gefürchtete Nebenbuhler, hat am Morgen Rudolstadt verlassen. Sie
-bittet, den Geisterseher mitzubringen, der Abend wird in Cumbach den
-kleinen Bekanntenkreis vereinen. Um sechs Uhr wollen sie den Freund
-am Wasserdamm erwarten, doch soll er ihnen auch zu jeder anderen
-Stunde lieb und willkommen sein. Schiller sagt zu, ist aber mit der
-Örtlichkeit noch nicht vertraut und meint, am Schaalbach die Schwestern
-erwarten zu sollen. Deshalb bittet ihn Karoline, lieber in ihre Wohnung
-zu kommen, damit sie einander nicht verfehlen.
-
-Hier trifft zwei Tage später der Erbprinz Ludwig Friedrich mit ihm
-zusammen: »Den 29. Mai machte ich wieder eine neue Bekanntschaft mit
-einem jungen Gelehrten, der, so jung als er ist, doch schon viel
-Lesenswürdiges geschrieben hat, mit dem Herrn Rat Schiller. Er war im
-Beulwitzschen Garten, wo ich bis einviertel elf Uhr des Abends in einer
-vergnügten Gesellschaft den angenehmen Geruch der schönen Baumblüten
-genoß.«
-
-Im Volkstedter Haus fühlt sich Schiller wohl: »Ich bin auf meine vier
-Wände reduziert, und wenn nicht manchmal eine Kuh blökte, oder meine
-Pfauen mir vor dem Hause mit ihrer Silberstimme die Honneurs machten,
-so würde ich gar nicht gewahr, daß Leben um mich ist.«
-
-Wenn kühle Witterung eintritt, klagt er über Erkältung. Dann kann er
-die Neue Gasse nicht aufsuchen und bittet nur um ein Lebenszeichen
-durch den Boten, seine Stimmung leidet unter der Trennung. Charlotte
-tröstet und bedauert, daß er, ein großer Mann, der der Öffentlichkeit
-so viel in seinen Schriften beschert, auch nur eine trübe Viertelstunde
-erlebt. Arm und verlassen wie Robinson kommt er sich vor, die
-Freundinnen so nah, und er kann nicht bei ihnen sein! Wagt er trotz
-feuchter Luft und Nebel den Gang nach Rudolstadt, so tritt ein
-Rückfall in seinem Katarrh ein, namentlich die Heimwege am späten Abend
-verbittern ihm das Landleben, auch der Zeitverlust, den seine Arbeiten
-erleiden, verdrießt ihn. Charlotte redet gut zu, so gern sie ihn sieht,
-soll er doch nur bei mildem Wetter ausgehen, wenn es seiner Gesundheit
-zuträglich ist.
-
-Dazwischen erreicht ihn ein Freundesgruß aus Dresden mit der
-schalkhaften Zustimmung: »Dein Aufenthalt auf dem Lande ist sehr nach
-meinem Sinn. Freilich ists für Deine Arbeiten besser, wenn Du eine
-ausschließende Anhänglichkeit an irgend ein Wesen in der Nähe vermeiden
-kannst!«
-
-Die Abendunterhaltungen bei Lengefelds bestreitet Beulwitz, indem er
-aus Schillers jüngsten Werken vorliest. Sonnabend, den 14. Juni, feiert
-die Gesellschaft eine italienische Nacht im Baumgarten. Der Erbprinz
-trägt in sein Tagebuch ein: »Die Frau von Lengefeld hatte mit ihrer
-Familie und noch mit andern Damen, und mit dem Herrn Rat Schiller da
-gegessen. Es wurde gesungen, auf dem Schiffchen gefahren und spazieren
-gegangen. Erst nach elf Uhr ging die ganze Gesellschaft mit uns singend
-den Schloßberg hinauf und sodann, auch Herr Rat Schiller nebst den
-übrigen Damen, in die Stadt nach Hause.«
-
-Immer einmal wieder vernehmen wir, wie hart und sauer es ihn ankommt,
-sich für den Heimweg loszureißen.
-
-Als der Blitz in Volkstedt eingeschlagen hat, hört Karoline mit
-Schrecken davon und dankt dem Himmel und allen guten Geistern, daß
-der Strahl Schillers Haus verschont hat. Das eine Mal versüßt sie ihm
-das Buchstudium durch Backwerk, das andere Mal durch Aprikosen und
-Tee. Charlotte begleitet den nächtlichen Wanderer im Geiste durch
-Sturm und Wolken und hofft, daß ihm nichts zugestoßen ist. Er bittet,
-in Charlottes Stübchen studieren zu dürfen, weil in Beulwitzens
-Zimmern viel Unruhe herrscht. Sie geht gern darauf ein, ihn an ihrem
-Schreibtisch arbeiten zu lassen; das soll ihr eine freundliche
-Erinnerung bleiben. Des schlechten Wetters wegen übernachtet er in
-Rudolstadt.
-
-Am 2. Juli ist Kirchweih in Cumbach. Die Hofgesellschaft beteiligt
-sich daran bis zehn Uhr abends. Obschon er derartige Feste am liebsten
-vermeidet, nimmt er doch daran teil, aber die Eifersucht regt sich, als
-er andere mit der von ihm geliebten Person tanzen sieht. Den Heimweg
-legt er allein zurück, geht ziellos durch das Tal in die Berge hinein
-und gelangt, ohne es zu wissen, nach Schaala. Auf dem Wege kommen ihm
-dichterische Eingebungen.
-
-Sehnsucht nach regerer Verbindung mit der Außenwelt wird laut. Da
-Rudolstadt noch keinen regelmäßigen Postverkehr hat, werden Briefe oft
-nur gelegentlich durch Boten befördert und kommen so erst auf Umwegen
-an ihr Ziel.
-
-Der Erbprinz führt das Ehepaar Beulwitz nebst Schiller und Lotte
-auf das Schloß und zeigt ihnen die neueingerichteten Zimmer, die
-Bibliothek und das Bilderkabinett. Weil Schiller ein Freund von weiten
-Ausblicken in die Landschaft ist, besteigen sie den Schloßturm, wo ein
-schönes Geläut von drei Glocken aus Mayers Gießerei sie erfreut. Im
-Lengefeldischen Garten wird französische Komödie gespielt, oft auch
-eifrig gezeichnet. Der Erbprinz, gewandt als Zeichner und geübt als
-Radierer, entwirft Szenen aus dem Geisterseher.
-
-Der Gedanke an die Trennung beschäftigt Schiller in einem Briefe
-an Körner: »Ich habe mich hier immer noch ganz vortrefflich wohl.
-Nur entwischt mir manches schöne Stündchen in dieser angenehmen
-Gesellschaft, das ich eigentlich vor dem Schreibtisch zubringen
-sollte. Wir sind einander hier notwendig geworden, und keine Freude
-wird mehr allein genossen. Die Trennung von diesem Hause wird mir
-sehr schwer sein, und vielleicht desto schwerer, weil ich durch keine
-leidenschaftliche Heftigkeit, sondern durch eine ruhige Anhänglichkeit,
-die sich nach und nach so gemacht hat, daran gehalten werde. Mutter
-und Töchter sind mir gleich lieb und wert geworden, und ich bin es
-ihnen auch. – Es war recht gut getan, daß ich mich gleich auf einen
-vernünftigen Fuß gesetzt habe und einem ausschließenden Verhältnis so
-glücklich ausgewichen bin. Es hätte mich um den besten Reiz dieser
-Gesellschaft gebracht. – Beide Schwestern haben etwas Schwärmerei, doch
-ist sie bei beiden dem Verstande subordiniert und durch Geisteskultur
-gemildert. Die jüngere ist nicht ganz frei von einer gewissen
-~Coquetterie d’esprit~, die aber durch Bescheidenheit und immer
-gleiche Lebhaftigkeit mehr Vergnügen gibt als drückt. Ich rede gern von
-ernsthaften Dingen, von Geisteswerken, von Empfindungen, hier kann ich
-es nach Herzenslust und ebenso leicht wieder auf Possen überspringen.«
-
-Im August kam das Vogelschießen, ein großes Volksfest mit starkem
-Fremdenzulauf. Es war die einzige Veranstaltung, bei welcher der Hof
-sich unter die Stadtleute mischte. Der Ball der vornehmen Gesellschaft
-wurde im Schönfeldschen Saale, im heutigen alten Rathaus, abgehalten.
-Schiller klagt, er taugt nicht für laute Gesellschaft, und macht sich
-Vorwürfe, daß er nicht Stärke genug besitzt, von solchem Getriebe
-fernzubleiben, sein Geist wirke mehr im stillen, im Umgang mit sich
-selbst.
-
-Vorübergehend wohnt er in Rudolstadt selbst. In dieser Zeit kann er die
-Wohnung Schloßaufgang II 3 bezogen haben, bis ihn die Anhänglichkeit an
-Volkstedt und an den fürsorglichen Hauswirt wieder hinauszieht.
-
-Allmählich tritt eine gewisse Vorsicht im Verkehr ein. Vielleicht fiel
-es auf, daß der fremde Gast täglich in dem Hause der Damen ein- und
-ausging. Er bittet, die Gartentüre aufzuschließen, damit er weniger
-eifrig beobachtet wird.
-
-Als Charlotte ihrer Freundin Frau von Stein in Kochberg einen Besuch
-abstattet, reitet Schiller ihrem Wagen bis Teichröda entgegen. Als
-Mutter und Töchter von einer Reise aus Jena zurückkommen, wird das
-Wiedersehen in Uhlstädt gefeiert bei einem sublimen Kaffee, den
-Beulwitz auf festlich geschmückter Tafel anrichtet. Endlich ergeht
-auch eine Einladung zum Sonntagskloß, und Frau von Lengefeld hofft, daß
-das beliebte Thüringer Festgericht dem Schwaben nicht schaden wird.
-
-Der Sommer in Rudolstadt darf nicht zu Ende gehen, ohne daß der Gast
-Schwarzburg gesehen hat. Dort wird ihm das Fremdenbuch im Wirtshaus
-vorgelegt, und in der Eile mag ihm das Verlegenheitserzeugnis aus der
-Feder geflossen sein:
-
- Auf diesen Höhen sah auch ich
- Dich, freundliche Natur, ja dich!
-
-Die Fahrt geht über Königsee, wo Beulwitz Amtsgeschäfte zu erledigen
-hat, nach Paulinzelle, und hier trägt die Stimmung bessere Frucht. In
-den Anblick der Ruine mischen sich wehmütige Gedanken an die Trennung
-und an die Ungewißheit danach.
-
-
-Im Kloster Paulinzelle
-
- Einsam stehn des öden Tempels Säulen,
- Efeu rankt am unverschloßnen Tor,
- Sang und Klang verstummt, des Uhu Heulen
- Schallet nun im eingestürzten Chor.
- Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,
- Schon enteilt im langen Strom der Zeiten
- Bischofshut mit Siegel, Ring und Stab
- In der Vorwelt ewig offnes Grab.
-
- Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen,
- Jammer und erhörter Liebe Glück;
- Unser Streben, unser Hoffen, Sinnen,
- Wichtig nur auf einen Augenblick;
- Was im Lenz wir liebevoll umfassen,
- Sehen wir im Herbste schon verblassen,
- Und der Schöpfung größtes Meisterstück
- Sinkt veraltet in den Staub zurück.
-
-Milde Herbsttage gestatten, daß Schiller wieder in Volkstedt wohnt. In
-alle Freude am täglichen Wiedersehen mischt sich der Abschiedsschmerz,
-darüber hinaus erhebt der Trost, daß die liebe wohltätige Zeit alles
-gut zur Reife bringen wird: »Ich weiß und fühle, daß mein Andenken
-unter Ihnen leben wird, und dies ist eine freudige Erinnerung für mich.«
-
-Im Oktober werden die kurzen Briefgrüße häufiger und die Besuche
-immer mehr vorsichtig abgemessen. Schiller verliert den Mut, auf eine
-gute Zukunft zu hoffen, aber Charlotte rechnet schon wieder auf seine
-Anwesenheit im nächsten Sommer. Ihr und den Kochberger Freundinnen in
-Oberhasel zu begegnen, entschließt er sich nur ungern. Die heitere
-Freundin bekehrt ihn schließlich doch zu freudiger Verfassung, und er
-gesteht: »Mein hiesiger Aufenthalt neigt zum Ende; er hat mir viel
-angenehme Stunden verschafft, und, was das beste ist, er hat mich mir
-selbst wieder zurückgegeben und überhaupt einen wohltätigen Einfluß auf
-mein inneres Wesen gehabt.«
-
-Die letzten Tage verbringt er wieder im Gasthaus, wenige Schritte
-von Charlottes Wohnung entfernt. Eine Zeichnung, die ihm die Freundin
-schickt, soll als sichtbares Zeichen mit unsichtbarer Wirkung künftig
-auf seinem Schreibtisch stehen. Erst als der Glückwunsch eintrifft,
-kommt dem Traumverlorenen zum Bewußtsein, daß sein Geburtstag ist, und
-dieser letzte Gruß aus dem Hause, wo er seine Heimat gefunden hat,
-preßt ihm Tränen aus. Noch war er nicht entschlossen abzureisen, erst
-die Gewißheit, daß die Schwestern ihre Fahrt nach Erfurt festgelegt
-haben, überzeugt ihn, daß auch seine Stunde gekommen ist.
-
-Als er sich persönlich verabschiedet hat, ist der am stärksten
-gefürchtete Augenblick vorüber. Es tröstet ihn, noch erblickt er
-dieselben Gegenstände, auf denen auch ihr Auge ruht, noch umgeben
-dieselben Berge die Geliebte und ihn selbst. Am Morgen des 12. November
-sieht er ihren Reisewagen die Straße hinauf vorfahren, dann besteigt
-er die Post. Bis Teichröda sucht er noch mit den Blicken einen Gruß
-zu erhaschen, dann fällt ihm schwer auf das Herz, daß sich die Wege
-trennen. Einen Geranienstock und eine Porzellanvase mit Blumen hütet
-er zärtlich, sie sollten der Stube des einsamen Gelehrten einen neuen
-heimeligen Hauch verleihen.
-
-Den Rudolstädter Sommer 1788 faßt Karoline zu einem wohlgelungenen
-Bilde zusammen: »In unserm Hause begann für Schiller ein neues Leben.
-Lange hatte er den Reiz eines freien freundschaftlichen Umgangs
-entbehrt. Uns fand er immer empfänglich für die Gedanken, die eben
-seine Seele erfüllten. Er wollte auf uns wirken, uns von Poesie,
-Kunst und philosophischen Ansichten das mitteilen, was uns frommen
-könnte, und dies Bestreben gab ihm selbst eine milde harmonische
-Gemütsstimmung. Sein Gespräch floß über in heitrer Laune; sie erzeugte
-witzige Einfälle, und wenn oft störende Gestalten unsern kleinen
-Kreis beengten, so ließ ihre Entfernung uns das Vergnügen des reinen
-Zusammenklangs unter uns nur noch lebhafter empfinden. Wie wohl war
-uns, wenn wir nach einer langweiligen Kaffeevisite unserm genialen
-Freunde unter den schönen Bäumen des Saalufers entgegengehen konnten!
-Ein Waldbach, der sich in die Saale ergießt, und über den eine schmale
-Brücke führt, war das Ziel, wo wir ihn erwarteten. Wenn wir ihn im
-Schimmer der Abendröte auf uns zukommen erblickten, dann erschloß sich
-ein heiteres ideales Leben unserm innern Sinn. Hoher Ernst und anmutige
-geistreiche Leichtigkeit des offnen reinen Gemüts waren in Schillers
-Umgang immer lebendig, man wandelte wie zwischen den unwandelbaren
-Sternen des Himmels und den Blumen der Erde in seinen Gesprächen.
-
-Wie ein Blumen- und Fruchtgewinde war das Leben dieses ganzen Sommers
-mit seinen genußreichen und bildenden Tagen und Stunden für uns alle.
-Schiller wurde ruhiger, klarer, seine Erscheinung, wie sein Wesen,
-anmutiger, sein Geist den phantastischen Ansichten des Lebens, die er
-bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter.
-
-Meine Schwester konnte wohl in jeder Beziehung eine wünschenswerte
-Verbindung für Schiller sein. Sie hatte eine sehr anmutige Gestalt und
-Gesichtsbildung. Der Ausdruck reinster Herzensgüte belebte ihre Züge,
-und ihr Auge blitzte nur Wahrheit und Unschuld. Sinnig und empfänglich
-für alles Gute und Schöne im Leben und in der Kunst, hatte ihr ganzes
-Wesen eine schöne Harmonie. Mäßig, aber treu und anhaltend in ihren
-Neigungen, schien sie geschaffen, das reinste Glück zu genießen. Sie
-hatte Talent zum Landschaftzeichnen, einen feinen und tiefen Sinn
-für die Natur, und Reinheit und Zartheit in der Darstellung. Unter
-günstigern Umgebungen hätte sie in dieser Kunst etwas leisten können.
-Auch sprach sich jedes erhöhtere Gefühl in ihr oft in Gedichten
-aus, unter denen einige, von der Erinnerung an lebhaftere zärtliche
-Herzensverhältnisse eingegeben, voll Grazie und sanfter Empfindung
-sind.«
-
-[Illustration: Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz]
-
-Durch Charlottes Winter gehen die Sommererinnerungen als ständige
-Begleiter:
-
-»Wir waren auch in Hasel zusammen. Der Weg, den ich von Kochberg
-dazumal machte, mag jetzt recht wüste sein und traurig. Auch die
-Steine, auf denen wir saßen, waren voll Schnee, der Bach zugefroren,
-und die entblätterten Bäume gaben mir ein trauriges Bild der
-Vergänglichkeit. Ach, der Winter ist doch recht unangenehm! Auch der
-schöne Weg auf den Wiesen hin, den wir doch einigemal zusammen gingen,
-alles war so leer, so öde, die Weiden hoben ihre entblätterten Zweige
-empor, und das Geschrei der Raben, die traurig auf den weißen Feldern
-herumflogen, ließen nur Leben ahnen. Was ist der erfreuende Anblick
-der grünen Wiesen doch dagegen so schön!«
-
-»Heute vorm Jahre waren wir uns fremd. Den sechsten sahen wir uns erst,
-es war ein schöner Zufall, der Sie eben mit Wolzogen zu uns brachte.
-Ich weiß noch, daß ich den Tag so ganz in mir verschlossen war, der
-Regen und Wind machte mir so unheimlich, und den Abend freute ich mich
-so, ich hätte mir es nie am Morgen träumen lassen.«
-
-»Unsere schönen Berge freuen mich jetzt gar nicht, die schwarzen Bäume
-in der Allee machen so eine traurige Wirkung auf den Schnee, und der
-dunkle Wald auf die weißen Berge, da ist nichts, was einem liebliche
-Bilder erwecken könnte.«
-
-[Illustration: Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von
-Lengefeld]
-
-
-
-
-Der 7. September 1788
-
-
-Eine schon längst gehegte Hoffnung Schillers sollte in Rudolstadt
-erfüllt werden, seine Begegnung mit Goethe. Im Mai war dieser aus
-Italien zurückgekehrt. Wenn man vermutet hatte, daß er seinen
-freundschaftlichen Verkehr mit Frau von Stein nun nicht wieder
-aufnehmen würde, so widerlegten die Tatsachen sehr bald diese Annahme.
-Goethe besuchte Großkochberg und kam von da nach Rudolstadt. Charlotte
-von Lengefeld war seit mehreren Tagen bereits zur Hilfe bei Frau von
-Stein gewesen. Sie hatte mit ihrer Schwester alles gut vorbereitet
-und geschickt etwas die Vorsehung gespielt, um ihren Sommergast dem
-einflußreichsten Manne von Weimar nahe zu bringen. Über ihren Erfolg
-berichtet Karoline:
-
-»Während dieses Sommers sah Schiller Goethen zuerst in unserem
-Hause. Wie alle rein fühlenden Herzen, hatten uns dieses Dichters
-Schöpfungen mit Enthusiasmus erfüllt. Alle unsere erhöhteren, echt
-menschlichen Empfindungen fanden durch ihn ihre eigentümliche Sprache;
-Goethe und Rousseau waren unsere Hausgötter. Auch floß des ersteren
-so liebenswürdige Persönlichkeit, die wir bei unserer Freundin, Frau
-von Stein, kennengelernt, mit dem Dichter in unserem Gemüt in eins
-zusammen, und wir liebten ihn wie einen guten Genius, von dem man nur
-Heil erwartet. – Höchst gespannt waren wir bei dieser Zusammenkunft
-und wünschten nichts mehr als eine Annäherung, die nicht erfolgte.
-Von Goethen hatten wir, bei seinem entschiedenen Ruhme und seiner
-äußeren Stellung, Entgegenkommen erwartet, und von unserem Freunde
-auch mehr Wärme in seinen Äußerungen. Zu unserem Trost schien Goethe
-von schmerzlicher Sehnsucht nach Italien befangen. – Es freute uns
-sehr, daß Goethe das Heft des Merkurs, welches die Götter Griechenlands
-enthielt, und das von ungefähr auf unserem Tisch lag, nachdem er einige
-Minuten hineingesehen, einsteckte und bat, es mitnehmen zu dürfen.«
-
-Schon seit Monaten hatte Körner versucht, Schiller von seinem
-abwartenden Verhalten loszubringen und zu einem Entschluß zu bewegen:
-»Wirst Du nicht bald nach Weimar gehen, um Goethe zu sehen? Ich
-kann Eure Zusammenkunft kaum erwarten.« Aber die Rudolstädter
-Gemütserlebnisse ließen das nicht zu: »Nach Weimar werde ich doch wohl
-nicht sobald kommen. Es ist eine kleine Tagereise hin, und es sind der
-Orte, nach denen ich meinen hiesigen Leuten habe versprechen müssen,
-Partie mit ihnen zu machen, so viele, daß mir keine Zeit für so große
-Exkursionen übrigbleibt. Ich bin sehr neugierig auf ihn, auf Goethe, im
-Grunde bin ich ihm gut, und es sind wenige, deren Geist ich so verehre.
-Vielleicht kommt er auch hierher, wenigstens nach Kochberg, eine kleine
-Meile von hier, wo Frau von Stein ein Gut hat.«
-
-Wie eine Entschuldigung nimmt es sich aus, wenn er immer wieder darauf
-zurückkommt: »Goethe habe ich noch nicht gesehen, aber Grüße sind unter
-uns gewechselt worden. Er hätte mich besucht, wenn er gewußt hätte,
-daß ich ihm so nahe am Wege wohnte, wie er nach Weimar reiste. Wir
-waren einander auf eine Stunde nahe. – Goethe bleibt in Weimar. Ich bin
-ungeduldig, ihn zusehen.«
-
-Wenige Tage nun nach der Erfüllung dieser Wünsche erhält Körner
-ausführliche Mitteilung darüber: »Endlich kann ich dir von Goethe
-erzählen. – Ich habe vergangenen Sonntag beinahe ganz in seiner
-Gesellschaft zugebracht, wo er uns mit der Herder, Frau von Stein
-und der Frau Schardt besuchte. Sein erster Anblick stimmte die hohe
-Meinung ziemlich tief herunter, die man mir von dieser anziehenden und
-schönen Figur beigebracht hatte. Er ist von mittlerer Größe, trägt
-sich steif und geht auch so; sein Gesicht ist verschlossen, aber sein
-Auge sehr ausdrucksvoll, lebhaft, und man hängt mit Vergnügen an
-seinem Blicke. Bei vielem Ernst hat seine Miene doch viel Wohlwollendes
-und Gutes. Er ist brünett und schien nur älter auszusehen, als er
-meiner Berechnung nach wirklich sein kann. Seine Stimme ist überaus
-angenehm, seine Erzählung fließend, geistvoll und belebt; man hört
-ihn mit überaus viel Vergnügen; und wenn er bei gutem Humor ist,
-welches diesmal so ziemlich der Fall war, spricht er gern und mit
-Interesse. Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und ohne den mindesten
-Zwang; freilich war die Gesellschaft zu groß und alles auf seinen
-Umgang zu eifersüchtig, als daß ich viel allein mit ihm hätte sein
-oder etwas anderes als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können. Er
-spricht gern und mit leidenschaftlichen Erinnerungen von Italien. Im
-ganzen genommen ist meine in der Tat große Idee von ihm nach dieser
-persönlichen Bekanntschaft nicht vermindert worden, aber ich zweifle,
-ob wir einander je sehr nahe rücken werden. Vieles, was mir jetzt
-noch interessant ist, was ich noch zu wünschen und zu hoffen habe,
-hat seine Epoche bei ihm durchlebt; er ist mir soweit voraus, daß wir
-unterwegs nie mehr zusammenkommen werden; – seine Welt ist nicht die
-meinige, unsere Vorstellungsarten scheinen wesentlich verschieden.
-Indessen schließt sichs aus einer solchen Zusammenkunft nicht sicher
-und gründlich. Die Zeit wird das Weitere lehren.«
-
-
-
-
-Die Stadtkirche und die Glockengießerei
-
-
-Am 17. Juli 1788 trug der achtzigjährige Fürst Ludwig Günther in seinen
-Kalender ein: »Diese Nacht ist ein sehr starkes Gewitter gewesen. Den
-Morgen ¾ auf 4 hat es in den Kirchturm eingeschlagen und ziemliche
-Verwüstung an den Fenstern und auch an den Mauern angerichtet. Ich ritt
-dahin, um den Schaden anzusehen.«
-
-Zwei Tage darauf meldete das Tagebuch des jungen Erbprinzen Ludwig
-Friedrich: »Ich war bei Lengefelds. Ich zeichnete mit der Frau
-Hofrätin. Der Herr von Ketelhodt las uns in der neuen Geschichte des
-Herrn Schiller vor. Gegen Abend trat der Verfasser dieser Geschichte
-zur Tür herein und lud die Gesellschaft zu einem Spaziergang ein. Wir
-gingen über den Damm zur Stadtkirche und sahen die Verwüstungen, die
-durch das Gewitter entstanden. Auch wallfahrte Herr Schiller als guter
-Geschichtschreiber zu dem Grabe der heldenmütigen Katharina.«
-
-Dieses Grab liegt hinter dem Taufstein unter dem Altarraum und ist
-mit einer Erzplatte bedeckt. Die lateinische Inschrift besagt, daß
-Graf Wolrad von Waldeck und seine Gemahlin Anastasia ihrer Mutter
-und Schwiegermutter, der Gräfin Katharina von Henneberg, verwitweten
-Gräfin von Schwarzburg, eine selige Auferstehung wünschen. Katharina
-war auf ihrem Witwensitz, der Heidecksburg, am 7. November 1567
-gestorben. Als entschiedene Bekennerin der evangelischen Lehre, als
-leutselige und fürsorgliche Beschützerin der Armen und Bedrängten,
-lebte sie in der Erinnerung fort, und mehrere Geschichtswerke
-erzählten, wie sie unerschrocken und kühn dem gefürchtetsten Heerführer
-der Reformationszeit entgegengetreten war.
-
-Das schlug in die Richtung der Studien ein, mit denen Schiller gerade
-beschäftigt war. Er ging den Quellenberichten nach und faßte sie zu
-dem Aufsatz zusammen, der aus seinen Werken oft abgedruckt und weit
-verbreitet worden ist: Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem
-Schlosse zu Rudolstadt, im Jahr 1547.
-
-Für ihre Ortschaften hatte die Gräfin gesorgt durch einen
-Sauvegardebrief: die spanischen Truppen verpflegte sie, damit ihre
-Untertanen nicht durch Plünderung zu leiden hatten. Schilder mit dem
-Wappen der Gräfin waren in jedem ihrer Dörfer angebracht. Herzog Alba
-und seine Begleiter saßen bei einem Gastmahl auf dem Schlosse, als
-die Nachricht eintraf, daß in Hasel und Cumbach geplündert wurde.
-Rasch entschlossen ließ Katharina Saal- und Schloßpforten durch ihre
-Bewaffneten besetzen und forderte, daß dem Kriegsbrauch Einhalt getan
-wurde, widrigenfalls: »Fürstenblut für Ochsenblut!« Mit sauersüßer
-Miene gaben die Herren Befehl, das geraubte Vieh den Eigentümern wieder
-auszuliefern.
-
-Die mündliche Überlieferung berichtet, daß Schiller wiederholt auch
-den Turm der Stadtkirche besucht hat, wo vier wertvolle Glocken bis
-heute erhalten sind. Eine von ihnen soll seine Aufmerksamkeit dabei
-besonders gefesselt haben. Diese Andreasglocke trägt stark erhaben das
-Bild des Schutzpatrons der Kirche, um ihren Hals zieht sich zartes
-gotisches Spitzenwerk und faßt zwei Spruchbänder ein. Das untere Band
-enthält die Nachricht von der Entstehung der Glocke: »Anno domini
-1499. Osanna heis ich, Curdt Kerstan gos mich. Er Cristofferus von
-Wiczleuben. Pharner.« Sie war in dem angegebenen Jahre auf dem Platz
-hinter der Kirche von dem bedeutenden Erfurter Meister gegossen
-worden, und der Pfarrer von Witzleben gehörte der Rudolstädter
-Reformationsgeschichte an.
-
-Das obere Schriftband bringt den Beruf der Glocke in Worte: »~Dulce
-melos clango, sanctorum gaudia pango, defunctos plango, vivos voco,
-fulgura frango.~« Süßen Laut klinge ich, Freuden der Gläubigen singe
-ich, Tote beklage ich, Lebende rufe ich, Blitze wehre ich ab. In
-mehreren Lesarten findet sich dieser Sinnspruch auf 133 Glocken.
-Verkürzt um die beiden ersten Glieder, hat ihn Schiller über sein
-»Glockengießerlied« gesetzt: ~Vivos voco, mortuos plango, fulgura
-frango.~
-
-Aus dem Dämmerlicht der Glockenstube schweifte das Auge gern hinaus in
-die frische leuchtende Landschaft. Unten am Fuß des Kirchhügels lag
-Charlottes Jugendheim, der Heißenhof, ihm gegenüber die Ludwigsburg,
-und in deren Nähe, am Ausgang der Stadt die Glockengießerei von Mayer.
-Hier hatte seit 1715 schon der Schweizer Geschütz- und Glockengießer
-Johann Feer sein Gewerbe betrieben, und dann seit dessen Tode 1759 der
-Nürnberger Rotgießer Johann Mayer. Volkstedt und Rudolstadt nehmen in
-der Geschichte des Thüringer Glockengusses eine hervorragende Stelle
-ein seit dem Mittelalter. In der Familie Mayer, die ihr Kunstgewerbe
-bis 1872 ausübte, hat sich von Geschlecht zu Geschlecht in ganz
-bestimmter Fassung die Kunde vererbt, wie Schiller wiederholt die
-Gießhütte besucht hat, wie der Ahnherr zunächst gar nicht besonders
-erbaut war über die Störung der Arbeit, daß der bleiche Gelehrte aber
-rücksichtsvoll in dem hochlehnigen Stuhl an der Wand Platz genommen
-hat, um die Arbeit nicht zu stören. Auch Karoline von Wolzogen
-erinnert sich dessen, als sie das Lied von der Glocke erwähnt: »Lange
-hatte Schiller dieses Gedicht in sich getragen und mit uns oft davon
-gesprochen als einer Dichtung, von der er besondere Wirkung erwartete.
-Schon bei seinem Aufenthalt in Rudolstadt ging er oft nach einer
-Glockengießerei vor der Stadt spazieren, um von diesem Geschäft eine
-Anschauung zu gewinnen.«
-
-Weil er seine Kenntnisse von der Technik des Glockengusses noch einmal
-nachprüfen wollte, schlug Schiller später die ökonomisch-technologische
-Enzyklopädie von Krünitz auf. Dort fand er eine Glocke in Schaffhausen
-erwähnt, die den Glockenspruch in der knappen Fassung trägt, wie sie
-ihm dann geeignet erschien. Diese Glocke selbst hat er nie gesehen.
-Auch sonst erheben eine Stuttgarter und die beiden Apoldaer Firmen
-Anspruch darauf, den Dichter als lerneifrigen Liebhaber in ihre Kunst
-eingeführt zu haben. Sollte ein triftiger Grund für diese Annahmen
-vorhanden sein, so findet sich leicht eine Erklärung dafür. Glockenguß
-ist technisch, wissenschaftlich und künstlerisch ein so anziehendes
-Gewerbe, daß jeder, der sich einmal aufmerksam darum gekümmert hat,
-gern die Gelegenheit wahrnimmt, seine Beobachtungen fortzusetzen und zu
-ergänzen.
-
-An der heutigen Maschinengießerei, Jenaische Straße 1, fordert eine
-kleine Schrifttafel, verfaßt von Augustin Regensburger, auf, Johann
-Mayers und seines Meistergesellen zu gedenken:
-
- Steh, Wandrer, still, denn hier erstand,
- Daß keine zweite möglich werde,
- Gebaut von Schillers Meisterhand,
- Die größte Glockenform der Erde.
-
-
-
-
-Charlottes Jugendheim
-
-
-Von dem Haus, wo Charlotte ihre Kindheit verlebte, besitzen wir eine
-gemütvolle Schilderung aus ihrer eigenen Feder:
-
-»Die Lage unserer Wohnung war höchst romantisch; an einer kleinen
-Anhöhe, die mit Obstbäumen bepflanzt war, lag unser Haus. Die vordere
-Seite hatte einen großen Hof, der mit einem kleinen Garten begrenzt
-war. Vor uns lag ein fürstliches Lustschloß und rechts eine alte
-Kirche, deren schöner Turm mir manche Phantasien erweckte, und das
-Geläute der Glocken, das ich zu allen Stunden hörte, stimmte mich oft
-ernst und melancholisch. Ich stand stundenlang an meinem Kammerfenster,
-sah in die dunkeln Fenster des Turms hinein, hörte den Glocken zu und
-sah die Wolken am Himmel sich bewegen. Mein Horizont war frei. In der
-Ferne sahen wir schöne Berge und ein altes Schloß auf dem Berge liegen,
-das oft das Ziel meiner Wünsche war. Ich stellte es mir auch gar zu
-hübsch vor, über die Heide, so hieß die Reihe der Berge vor meinen
-Augen, zu wandern und da neue Dörfer, eine neue Welt zu sehen. Auch
-eine Hängebirke, die in einem der Gärten stand, die ich aus meinen
-Fenstern, meiner kleinen Welt, übersehen konnte, hat mir viel Anlaß zu
-Betrachtungen gegeben.
-
-Ich hatte Unterricht in den Morgenstunden; ich lernte nicht gern, und
-es war mir peinlich, wenn ich die Stunde schlagen hörte, und mein
-Lehrer begann eine neue Materie des Unterrichts. Französisch lernte ich
-auch nicht gern; Zeichnen und Schreiben wurden mir auch schwer. Aber am
-aller unangenehmsten war mir die Tanzstunde. Mittags freute ich mich
-immer an Tisch zu gehen; da saß mein Vater und erwartete uns, er konnte
-nicht allein gehen, und seine Jäger, deren er viele hatte, mußten ihn
-stets führen.
-
-Er war immer heiter und freundlich bei Tisch, erzählte uns lustige
-Geschichten, erkundigte sich nach unserm Fleiß, ließ sich auch oft von
-seinen Jägern erzählen, wie es in der Welt ging, die ihn interessierte.
-Er hatte die Wälder, die er meistens anlegte, mit Liebe gepflegt. Alles
-war ihm wichtig; jeder neu erworbene Baum vergrößerte sein Interesse.
-Ich hörte gar zu gern zu, wenn solche Gespräche kamen, und dachte mir
-immer, wie es da und dort aussehen müßte. Ich sah die Plätze im Geist
-und lebte mit den Bäumen der Wälder, mit den Höhen und Tälern, mit den
-Nebeln, wie Ossian in seiner Welt, am liebsten. Nach dem Essen kam der
-Lehrer, und wir hatten Unterricht in der Geographie, lasen Zeitungen
-oder schrieben Briefe. Alsdann kam noch der französische Sprachmeister,
-und unsere Stunden hatten ein Ende. Der übrige Teil des Tages gehörte
-uns.
-
-Wir gingen auf unserm Berg herum, und ich bildete mir ein, jeder neue
-Busch, den ich fände, sei auch andern fremd. War es böses Wetter, so
-setzte ich mich still in einen Winkel und hörte Karolinen und Amalien
-zu, die eine Art dialogisierter Romane spielten. Eine war immer eine
-Heldin des Stücks, und statt zu erzählen, wie es geschehen sei,
-dramatisierten sie die Geschichte. Dieses hatte unendlichen Reiz für
-mich. Ich saß dabei und hörte alles an und war begierig, wie es enden
-würde. Wie alle Romane und Theaterstücke, so endete sich dieses auch
-immer mit einer Heirat.
-
-Hatte mein Vater Geschäfte mit seinen Jägern des Abends, so kam meine
-Mutter und die Kusine, eine fertige Leserin, las uns vor. Ich arbeitete
-nicht gern in früherer Zeit, so gerne ich jetzt tätig bin. Ich hatte
-noch eine Art Unterhaltung, die mich besonders anzog. Ich hatte Figuren
-aus den Kalendern, die ich mir künstlich ausschnitt. Mit diesen spielte
-ich die Romane nach, die ich hörte. Es gab aber noch wenige zu der
-Zeit, zumal deutsche.
-
-Nach sieben Uhr gingen wir zu unserem Vater, wo wir ein kleines Mahl
-einnahmen, und nach dem Essen blieben wir noch bei ihm bis um neun
-Uhr, wo meine Mutter uns begleitete. Die Mädchen im Hause wurden
-versammelt, die Kusine las einen Abendsegen, es wurde ein geistliches
-Lied gesungen, die gute Mutter segnete ihre Kinder ein, und so gingen
-wir gläubig zur Ruhe und erwarteten den andern Morgen, um wieder so zu
-leben.
-
-Noch ehe wir aufstanden, war der geschäftige Vater schon in den
-Wäldern, besah die Anlagen, ordnete die Holzschläge an, bestimmte
-die Jagdreviere, und meistens war die Mutter mit ihm. Hatte er keine
-solchen Geschäfte, so fuhr er mit ihr nach seinen Feldern. Er hatte aus
-Liebe zur Ökonomie Felder gepachtet. Da besah er, wie jede Pflanzung
-stand, ließ Anstalten zur Ernte machen, kurz er wies jedes Geschäft des
-Tages an.
-
-Es war uns eine eigene Freude, die Ernte einfahren zu sehen, und an
-diese wiederkehrende Freude knüpften wir unsere Erinnerung. Bald halfen
-wir die Gemüse aufzubewahren, bald das Obst für den Winter zu legen,
-bald halfen wir einmachen und Obst trocknen. Alles wurde uns wichtig,
-und es wurde mit einer Wichtigkeit behandelt, wovon man nur in einer
-einfachen Lebensweise einen Begriff hat. Das ganze Haus hatte nur einen
-Gesichtspunkt bei einem ökonomischen Fest, alles war beschäftigt.
-
-Ich zog indes freilich lieber auf dem Berg herum, den sich meine
-kindische Phantasie vergrößerte, suchte Blumen und Zweige und kam
-oft recht von Dornen zerrissen zurück und ganz atemlos. Bald wollte
-ich eine Blume pflücken, die unzugänglich war, bald fiel ich aus
-Unvorsichtigkeit den Berg hinunter, ohne Wunden ging keine meiner
-Streifereien ab. Kam zuweilen ein Besuch, der unsere Art zu leben
-unterbrach, so vernahmen wir nichts Neues, denn jeder lebte auf diese
-Art.
-
-Ein Fest für uns war ein Besuch bei einem alten Geistlichen, dem
-Beichtvater unseres Hauses, der mit seiner Frau ein patriarchalisches
-Leben führte. Die runden Fensterscheiben im Zimmer, der große Schrank
-von Nußbaum mit großen geschliffenen Gläsern besetzt, mit Kirschen
-von Glas und einer ruhenden Kuh von Porzellan, die eine Butterbüchse
-war, war mir so lieb und erfreulich als der Kohlkopf in Vossens Luise.
-Ein schöner bunter Teppich lag auf dem Kaffeetisch. An der Seite des
-Zimmers war ein Fensterchen, das in die Küche sehen ließ, wo der Kaffee
-uns entgegendampfte, oder die schönen Kuchen gebacken wurden. Die
-Hoffnung, die Erwartung, was uns bevorstände, war für mich wichtig.
-Wenn der Tisch mit den Gaben des Herbstes prangte, saß ich recht
-gemütlich und hörte den Gesprächen, die mit Einfalt im Gemüt gehalten
-wurden, zu und verlor mich in dieser Welt.
-
-Wenn um sechs Uhr die große Glocke schallte, wir mochten in welchem
-Gespräch wir auch wollten begriffen sein, so faltete der alte gute Mann
-seine Hände und betete laut, wir beteten mit. Die alte Frau Pfarrerin
-ging zu ihm, rief ihm laut ins Ohr, denn er war taub: ›Glückseligen
-guten Abend, Papa!‹ und das vorige Gespräch begann wieder. Um sieben
-verließen wir diesen langen Besuch, aber nicht ohne Rührung über die
-Güte und Einfalt, im edeln Sinn des Wortes, unserer Freunde. Sie kamen
-auch öfters zu uns, und immer war es die nämliche Unterhaltung. Der
-alte Pfarrer las wenig, doch die Zeitungen, die zuweilen auch unser
-Gespräch machten, einige theologische Bücher und gelehrte Zeitungen,
-die ich immer mit einer Art Neugierde und Ehrfurcht ansah, lagen auf
-seinem Tische.
-
-Besuche unseres Alters hatten wir in dieser Zeit selten. Sonntags
-gingen wir in die Kirche und der Vater an Hof. Die Mutter ging
-Donnerstags gewöhnlich hin. Das war auch ein Fest für mich, sie geputzt
-zu sehen, und ich beschäftigte mich oft in der Vorstellung damit.
-Sonntags hatten wir meistens oder gaben Besuche. Ein fehlgeschlagener
-Anschlag auf einen Besuch war immer störend, und die Kusine, die gern
-ausging, sann oft stundenlang darüber nach, wo man sich nur könne
-melden lassen.
-
-Ein großer schöner mit Bäumen bepflanzter Gang an der Saale war auch
-an den Besuchtagen unser Spaziergang. Dort versammelte sich die schöne
-Welt, und dort begegneten wir auch unsern Gespielinnen.
-
-Auch der fürstliche Garten unserer Wohnung gegenüber war Sonntags unser
-Ziel. Alles mir Unbekannte und Fremde dünkte mir wunderbar, dieser
-Zug ist mir aus meiner früheren Jugend auffallend. Der Garten mit
-holzgeschnitzten Figuren, mit einer Laube, worin ein großes Bild war,
-im Geschmack des Gartens, den der Apotheker in Hermann und Dorothea
-beschreibt: dies waren meine Kunstwerke. Ein plumper Neptun mit einem
-Dreizack in einem Bassin war mir auch verwunderungswürdig, und er kam
-mir oft in meinen Träumen wieder vor. Auch ein Labyrinth, in dem ich
-mich oft zu verlieren fürchtete, war mir bedeutend.
-
-So lebte und trieb ich mein Wesen in engen Umgebungen bis in mein
-neuntes Jahr, wo unser guter Vater uns entrissen wurde.«
-
-Karoline befand sich bereits in einem Alter, wo der Gedanke an den Tod
-schwere Seelenbewegung hervorruft, wie sie selbst bekennt:
-
-»In meinem dreizehnten Jahre verlor ich den Vater. Seine Krankheit
-wurde mir wohl als bedenklich, doch nicht als einen nahen Tod drohend
-vorgestellt.
-
-Noch hatte ich nichts Geliebtes durch den Tod verloren, so daß mir
-diese grauenvolle Erscheinung in ihrer Macht und Tiefe fremd war. Der
-Vater starb in der Nacht an einem Stickflusse. Die Diener kamen zu uns
-herauf in den oberen Stock, mit dem Befehl der Mutter, wir sollten uns
-ruhig in unserm Zimmer halten. Ihre Klagetöne drangen zu uns herauf,
-meine Unruhe trieb mich die Treppe hinab, um ihr und dem Vater näher
-zu sein. Es war am Morgen gegen drei Uhr, eine Lampe brannte schwach
-auf der Hausflur. Die Zimmer meiner Mutter öffneten sich, man ging aus
-und ein, ich lehnte auf dem Treppengeländer, um in das Innere derselben
-blicken zu können. Da hörte ich die Stimme des Vaters. ›Weißt du nicht,
-daß ein allmächtiger Gott lebt?‹ hörte ich ihn sagen. Die Stimme war
-mir sonderbar nahe, als töne sie von der Hausflur her. Doch zweifelte
-ich in dem Moment durchaus nicht, daß der Vater noch lebe und die
-Mutter zu trösten suche.
-
-[Illustration: Die Schillerglocke]
-
-Als am nächsten Morgen das traurige Ereignis uns ausführlich mitgeteilt
-wurde, und meine Mutter äußerte, schon gegen ein Uhr in der Nacht sei
-der Vater sprachlos gewesen, sagte ich: ›Ich habe ihn ja um drei noch
-reden hören!‹ worüber alles verwundert war. Vor dem Abgeschiedenen
-hatte ich übrigens durchaus keine Scheu oder Furcht, ja ich weilte
-oft lange in seinem Kabinett, wo ich ihn zuletzt gesehn, und bat Gott,
-er möge mich ihn noch einmal sehen, ihn mir erscheinen lassen.«
-
-[Illustration: Charlottes Jugendheim]
-
-Der Heyßenhof war im 16. Jahrhundert Sitz einer Familie Heyße, stand
-in alter Beziehung zum Rittergut Großkochberg, als dessen Inhaber ein
-Herr von Stein 1720 damit belehnt wurde. Von 1770 bis 1780 war er
-fürstliches Eigentum, dann ging er in den Besitz einer Müllersfamilie
-Mallenbeck über. Wann der Jägermeister von Lengefeld sich hier
-einmietete, und ob seine Töchter im Heyßenhof geboren wurden, kann
-nicht festgestellt werden. In ihrem Erinnerungsleben spielt aber
-diese Örtlichkeit eine bedeutsame Rolle, verlebten sie doch hier die
-Kindheitsjahre, die mit ihren frisch empfundenen Eindrücken am tiefsten
-und längsten bis in das Alter vorhalten.
-
-Der Schönfeldsche Hof gegenüber war ebenfalls seit Jahrhunderten ein
-Kochberger Vorwerk gewesen. Die fürstliche Hofverwaltung hatte ihn
-1706 erworben, und Prinz Ludwig Günther von 1734 an die Ludwigsburg
-gebaut und mit einem Garten in französischer Mode ausgestattet, wie ihn
-Charlotte sah.
-
-Der Damm am Saaleufer, 1735 angelegt, senkte sich reich mit schattigen
-Bäumen bepflanzt als Wiese und Weide zum Flusse hinab, und links
-von ihm dehnte sich der Anger aus als ländlicher Tummelplatz mit
-Schießstand, Gaststätten und einem Sommertheater.
-
-
-
-
-Der Herbst 1789
-
-
-Schillers Geschichtswerk über den Abfall der Niederlande war im
-Rudolstädter Sommer abgeschlossen worden und zur Michaelismesse 1788 in
-den Buchhandel gekommen. Daraufhin konnte sich Goethe für Charlottes
-Freund und Frau von Steins Schützling verwenden, als die Professur
-für Geschichte in Jena ganz unerwartet erledigt war. Der Dichter
-sollte nun Mann der Wissenschaft sein und ein Lehramt mit drückenden
-Verpflichtungen übernehmen. Das kam ihn hart an, aber die Aussicht
-auf eine feste Staatsstellung verlieh ihm ein Recht, auf Charlottes
-Hand zu hoffen. In Lauchstedt bei Halle erhielt er ihr Jawort. Vor der
-besorgten Mutter mußte das vorläufig noch ein Geheimnis bleiben.
-
-Das junge Glück beseelt ihn mit neuem Mut, und zwischen dem Ernst der
-Tagesarbeit ließt der Scherz in seine Worte: »Die Mohammedaner kehren,
-wenn sie beten, ihr Gesicht nach Mekka, ich werde mir einen Katheder
-hier anschaffen, wo ich das meinige gegen Rudolstadt wenden kann, denn
-dort ist meine Religion und mein Prophet.«
-
-Als der Semesterschluß winkt, nehmen die Pläne für den Ferienaufenthalt
-bestimmte Form an: »Ich mache mir meine Ferien so gut zunutze, als ich
-kann. Es sind die ersten, die ich erlebe, und es kommt mir wunderlich
-vor, daß mir eine Zeit vorgeschrieben ist, wo ich frei über mich
-disponieren kann. Kommenden Winter lese ich die Woche fünf Stunden
-Universalgeschichte, von der fränkischen Monarchie an bis auf Friedrich
-II., und eine Stunde Geschichte der Römer.«
-
-Zwischen den Gedanken an die Arbeit belebt ihn die Freude auf die Nähe
-der Braut:
-
- »Jena, Dienstag, den 1. September.
-
-Wie wird es mit unsern Abenden gehen, wenn ich in Volkstedt wohne? Ich
-will es so einrichten, daß ich gegen drei gewöhnlich in Rudolstadt
-bin, und zuweilen bleiben, bis die ~Chère Mère~ wieder geht. Zuweilen
-komme ich auch den Vormittag. Bei schlechtem Wetter kann ich zur Not
-im Wirtshaus oder sonst ein Absteigequartier finden. Den Tag, wann ich
-komme, weiß ich noch nicht bestimmt. Ich vermute, daß ich morgen über
-14 Tage mein letztes Kollegium lese.«
-
-Etwas bange stimmt ihn der Gedanke, daß sie die Sorgen der Mutter
-nicht steigern durch eine vorzeitige Kunde von ihrem Verlöbnis: »Die
-~Chère Mère~ müßt Ihr bei ihrer Zurückkunft und, wenn ich da bin, eher
-fleißiger als nachlässiger besuchen, sonst gewöhnt Ihr sie, mich und
-eine unangenehme Erfahrung in ihrem Gemüt zusammen zu denken.«
-
-Er muß zweierlei Briefe schreiben, solche die geheim bleiben, und
-»ostensible«, die von Hand zu Hand gehen dürfen, und erwirbt sich
-Anerkennung dafür:
-
-»Du bist recht artig, daß Du sogleich den Brief geschrieben hast, und
-so schön, so fein angelegt, daß es aussieht, als überträfst Du uns
-noch in List. Nun im Ernst, mein Lieber, glaube nicht, daß es meine
-Mutter so sehr beunruhigen kann, wenn Du uns nahe bist. Sie soll nicht
-mißmutig sein, wenn wir uns freuen. Aber ich kann mir doch auch nicht
-denken, daß es sie zu sehr betrüben könnte. Sie hat Dich doch auch
-lieb, findet, daß man Deinen Umgang schätzen muß, dazu hat sie doch zu
-viel Verstand, um es nicht zu finden, und fühlt doch auch, daß wir so
-einsam sind, und uns Deine Gesellschaft wohltun wird. Sie soll morgen
-den Brief sehen.
-
-Daß wir Dich nachmittags von drei Uhr bis gegen sechs oder sieben immer
-sehen wollen, haben wir auch schon ausgedacht, und wir gehen immer
-abends um acht Uhr nach dem Essen bei Hof. Da können wir immer zwei
-Stunden bleiben. Alle Tage kommt meine Mutter nicht zu uns, also werden
-wir uns oft ungestört sehn können. Lieber, wie freut sich mein Herz
-dieser Aussicht!«
-
-Am 18. September trifft der sehnlichst Erwartete ein, und fünf Wochen,
-reich an Arbeit, hell durch Freude, getrübt von mancherlei Sorgen,
-vereinigen den Rudolstädter Kreis in der Neuen Gasse.
-
-Karoline, die Schwester und Freundin, weiß in allem Bescheid:
-
-»Endlich kamen die Ferien. Schiller bewohnte wieder sein Haus in
-Volkstedt und brachte Morgen- und Nachmittagsstunden bei uns zu, da die
-Abende größtenteils der Mutter gehörten. Das Geheimnis der glücklichen
-Liebe zwischen ihr und uns, welches zu ihrer Ruhe nötig war, empfanden
-wir als eine ungewohnte Störung doppelt schmerzlich in dieser goldenen
-Zeit, denn immer hatte Offenheit unter uns gewaltet. Doch tröstete uns
-der Mutter sich stets gleich bleibende Achtung und Freundschaft für
-Schiller. Dieser arbeitete an seinen Vorlesungen, an der Thalia und dem
-Geisterseher und schweifte in den schönen Herbsttagen in der Gegend
-umher, in der Erinnerung und Hoffnung ihn anlächelte. Auch manche
-poetischen Pläne und Stimmungen entsprangen diesen Wanderungen, auf
-denen wir ihn oft begleiteten. Die Liebe und die sichere Aussicht auf
-ein glückliches häusliches Leben, welches immer der Gegenstand seiner
-Sehnsucht gewesen war, bildeten einen lichten Grund in seinem Gemüte.
-Aber die Ungewißheit der Epoche, wo Lottchen mit ihm leben könnte,
-erzeugte oft Sorge und Unruhe.
-
-Es graute ihm vor der Einsamkeit in Jena. Der günstige Moment, seine
-Bitte dem Herzog von Weimar vorzutragen, lag noch fern, und an ihrer
-Erfüllung konnte man doch noch zweifeln. Da alles an der Festigkeit der
-Existenz, die die Mutter beruhigen konnte, hing, so erging sich unsere
-Phantasie in tausend Plänen, die dazu führen konnten. Städte, Länder
-und Verhältnisse mit wohlgesinnten Menschen, die nur der Gestaltung
-bedurften, lagen immer bereit.«
-
-Unter den Plänen, die erwogen wurden, beschäftigte auch der ernsthaft
-die Gemüter, nur auf die schriftstellerische Tätigkeit den Hausstand,
-und zwar in Rudolstadt, zu gründen. All diesen Überlegungen kommt
-Frau von Stein zuvor, indem sie den Herzog bestimmt, für Schiller ein
-kleines Jahresgehalt zu versprechen. Nun gilt es ihm als erste Pflicht,
-der Mutter seiner Braut sein Herz und seine Lage zu eröffnen:
-
- »Jena, den 18. Dezember 1789.
-
-Wie lange und wie oft, seit mehr als einem Jahre, gnädige Frau,
-habe ich mit mir selbst gestritten, ob ich es wagen soll Ihnen zu
-gestehen, was ich jetzt nicht mehr zurückhalten kann. Ich muß Sie
-bitten, verehrungswürdigste Freundin, sich jetzt alles gegenwärtig zu
-machen, was je in Ihrem gütigen Herzen für mich sprach. Ich selbst muß
-mir jedes Ihrer Worte zurückrufen, worin ich Wohlwollen für mich zu
-erkennen glaubte, um in diesem Augenblicke Mut und Hoffnung zu fassen.
-Es gab Augenblicke, unvergeßlich sind sie meinem Herzen, wo Sie mich
-vergessen ließen, daß ich ein Fremdling in Ihrem Hause sei, ja, wo Sie
-unter Ihren Kindern auch mich mit zu zählen schienen. Was Sie damals
-ohne Bedeutung sagten, was nur eine vorübergehende Bewegung Ihres
-Herzens Ihnen eingab, wie tief ergriff es mein Herz, wo lange schon
-kein anderer Wunsch mehr lebte, als Ihr Sohn genannt zu werden. Sie
-haben es in Ihrer Gewalt, jene Äußerungen in volle selige Wahrheit für
-mich zu verwandeln.
-
-Ich gebe das ganze Glück meines Lebens in Ihre Hände. Ich liebe
-Lottchen, ach, wie oft war dieses Geständnis auf meinen Lippen, es
-kann Ihnen nicht entgangen sein. Seit dem ersten Tage, wo ich in Ihr
-Haus trat, hat mich Lottchens liebe Gestalt nicht mehr verlassen.
-Ihr schönes edles Herz habe ich durchschaut. In so vielen froh
-durchlebten Stunden hat sich ihre zarte sanfte Seele in allen Gestalten
-mir gezeigt. Im stillen innigen Umgang, wovon Sie selbst so oft
-Zeugin waren, knüpfte sich das unzerreißbarste Band meines Lebens.
-Mit jedem Tage wuchs die Gewißheit in mir, daß ich durch Lottchen
-allein glücklich werden kann. Hätte ich diesen Eindruck vielleicht
-bekämpfen sollen, da ich noch nicht vorhersehen konnte, ob Lottchen
-auch die meine werden kann? Ich hab es versucht, ich habe mir einen
-Zwang vorgeschrieben, der mir viele Leiden gekostet hat. Aber es ist
-nicht möglich, seine höchste Glückseligkeit zu fliehen, gegen die
-laute Stimme des Herzens zu streiten. Alles, was meine Hoffnungen
-niederschlagen könnte, habe ich in diesem langen Jahre, wo diese
-Leidenschaft in mir kämpfte, geprüft und gewogen, aber mein Herz
-hat es widerlegt. Kann Lottchen glücklich werden durch meine innige
-ewige Liebe, und kann ich Sie, Verehrungswürdigste, lebendig davon
-überzeugen, so ist nichts mehr, was gegen das höchste Glück meines
-Lebens in Anschlag kommen kann. Ich habe nichts zu fürchten, als die
-zärtliche Bekümmernis der Mutter um das Glück ihrer Tochter, und
-glücklich wird sie durch mich sein, wenn Liebe sie glücklich machen
-kann. Und daß dieses ist, habe ich in Lottchens Herzen gelesen.
-
-Wollen Sie, teuerste Mutter, o lassen Sie mich bei diesem Namen Sie
-nennen, der die Gefühle meines Herzens und meine Hoffnungen gegen
-Sie ausspricht, wollen Sie das Teuerste, was Sie haben, meiner Liebe
-anvertrauen? Meine Wünsche durch Ihre Billigung in Wirklichkeit
-verwandeln, wenn es auch die Wünsche Ihrer Tochter sind, wenn wir uns
-beide in dieser Bitte vereinigen? Ich werde Ihnen mehr zu danken haben,
-als ich einem Menschen danken kann. Sie werden glücklich sein in der
-Glückseligkeit Ihrer Kinder. Unsere Dankbarkeit wird geschäftig sein,
-Ihr Leben zu verschönern und Ihnen das Geschenk der Liebe durch Liebe
-zu erstatten.
-
-Ich erlaube mir keine weitre Erklärung, bis Sie über die Wünsche
-meines Herzens entschieden haben werden. Steht nur in Ihrer Seele
-meinem Glücke nichts entgegen, so werden keine Hindernisse von außen
-ihm im Wege stehen. Mit welcher Unruhe und Sehnsucht erwarte ich von
-Ihnen den Ausspruch über mein ganzes Glück! Aber Liebe allein wird Sie
-leiten, und darauf gründe ich frohe Hoffnungen. Ewig der Ihrige mit der
-innigsten Ehrfurcht und Liebe.«
-
-Nur ein gutes treues Mutterherz konnte eine Antwort geben, wie die,
-deren Inhalt ihn nun von Zweifeln erlöste:
-
- »Rudolstadt, den 21. Dezember 1789.
-
-Ja, ich will Ihnen das Beste und Liebste, was ich noch zu geben habe,
-meine gute Lottchen, geben. Die Liebe meiner Tochter zu Ihnen und Ihre
-edle Denkungsart bürgt mir für das Glück meines Kindes, und dieses
-allein suche ich. Verzeihen Sie aber der Sorgsamkeit und der Pflicht
-einer Mutter: Können Sie Lottchen neben Ihrer zärtlichen Liebe, nicht
-ein glänzendes Glück, sondern nur ein gutes Auskommen verschaffen?
-Beruhigen Sie mich über diesen Punkt, und ich nenne Sie mit Freuden
-Sohn. Wäre ich reich, könnte ich Ihnen mit meiner Tochter ein
-ansehnliches Vermögen geben, wie gern würde ich Ihnen da zeigen, daß
-Verdienst und ein Herz, so wie ich das Ihrige kenne, die schätzbarsten
-Güter der Erde für mich sind. Da mein Vermögen aber nicht groß und
-unser jetziges Leben diese Frage verlangt, weil ohne hinlänglichen
-Unterhalt kein Familienglück bestehen kann, so müssen Sie mir meine
-Ängstlichkeit vergeben. Die ich mich mit wahrer Ergebenheit und
-Freundschaft nenne
-
- Ihre treue Freundin von Lengefeld.«
-
-Zwei gute und treuherzige Briefe von Rudolstädtern in der Ferne trafen
-ein, der eine noch an Fräulein von Lengefeld in der Neuen Gasse, der
-andere bereits an Frau Hofrätin Schiller in Jena.
-
- »Genf, den 27. Januar 1790.
-
-Daß ich an der Entscheidung Ihres Schicksals, liebes Lottchen, den
-lebhaftesten Anteil nehme, dafür bürgt Ihnen meine Freundschaft für
-Sie. Mögen Sie mit dem Manne, den Sie sich gewählt haben, in allen
-künftigen Lagen Ihres Lebens immer so glücklich sein, als es Ihr gutes
-edles Herz verdient. Einer meiner sehnlichsten Wünsche wird dadurch
-erfüllt werden. Schiller, der mir bereits für seinen Geist die größte
-Achtung eingeflößt hat, soll mir auch in dem neuen Verhältnisse,
-in welches ich mit ihm durch Sie gesetzt werde, herzlich willkommen
-sein, und ich bitte Sie, ihn von meiner aufrichtigsten Freundschaft zu
-versichern.
-
-Es ist freilich eben so gar artig nicht, daß Sie so mit einem Male
-Ihrem alten Lehrer aus der Schule laufen und mich, Ihren alten Freund,
-verlassen. Allein ich würde zuviel Eigennutz verraten, wenn ich mich
-zu sehr darüber beschweren wollte, und Knebeln muß es doch eigentlich
-recht wohl tun, seine Schülerin nun als hochgelehrte Professorin auf
-der Hohen Schule zu wissen. Ich will nun von Ihnen recht viel lernen,
-vorzüglich rechne ich sehr darauf, durch Ihre Vermittelung bisweilen
-etwas von Schillers historischen Vorlesungen zu erhalten. Seine erste
-im Merkur eingerückte Vorlesung habe ich kürzlich gelesen. Sie ist ganz
-meisterhaft und hat mir außerordentlich gefallen. Schiller behandelt
-die Geschichte genau so, wie ich immer gewünscht habe, sie behandelt
-zu sehen. Jede einzelne Geschichte wird durch seine Darstellung ein
-schöner Teil von einem großen harmonischen Ganzen, von der Geschichte
-der Menschheit.
-
-Daß Sie uns in Rudolstadt nicht ganz vergessen, und daß Sie sich so
-einrichten werden, daß Sie alle Ferien bei uns mit Ihrem Freunde
-zubringen, darauf zähle ich sicher.
-
-Leben Sie wohl, liebes Lottchen, und lassen Sie bald wieder etwas von
-sich hören.
-
- von Beulwitz.«
-
- »Genf, den 15. März 1790.
-
- Bestes Schwesterchen,
-
-wie sehr Ihr Wohl und Glück Ihrem Brüderchen am Herzen liegt, wie
-sehr er sich jetzt freut, Sie in derjenigen Lage zu sehen, die Sie
-sich selbst wünschten und wählten, können Sie sich leicht vorstellen.
-Nichts konnte mir mehr Vergnügen machen, als Sie mit einem so braven
-Mann, als Herr Schiller ist, verbunden zu sehen. Erlauben Sie mir,
-mich bei dieser Gelegenheit zu fernerer Freundschaft zu empfehlen.
-Recht oft hoffe ich Sie mit Ihrem lieben Mann in Rudolstadt zu sehen,
-und so manche angenehme Stunde soll uns im freundschaftlichen Zirkel
-verfließen. Dann singen wir Herrn Schillers Lied an die Freude! Jetzt
-muß unser Lieblingsdichter diese Stelle doppelt fühlen: ›Wer ein holdes
-Weib errungen, mische seinen Jubel ein!‹ –
-
-Darf ich bitten, mich Herrn Schiller zu fernerer Freundschaft zu
-empfehlen. Bald werde ich Ihnen mündlich sagen können, wie sehr ich Sie
-verehre, und bin
-
- Ihr aufrichtiger
- Freund und Diener
- Ludwig Friedrich.«
-
- * * * * *
-
-»An einem Montag, den 22. Februar 1790, wurden wir in Wenigenjena vom
-Diakonus Schmidt getraut.
-
-Schiller kam einige Tage vorher nach Erfurt, wo ich und Karoline war,
-uns abzuholen. Wir kamen Sonntag abends nach Jena. Den Montag früh
-fuhren wir drei zusammen nach Kahla, wo wir meine Mutter abholten.
-Es war ein Frühlingstag wie heute, wo ich dieses mit Schmerzen
-niederschreibe. Von Kahla fuhren wir gegen 2 Uhr ab und kamen um 5
-Uhr ganz in der Stille in Wenigenjena an, stiegen an der Kirche aus,
-niemand war bei der Trauung zugegen, als meine Mutter und Karoline. Den
-Abend brachten wir still und ruhig miteinander in Gesprächen zu beim
-Tee. So verging der Tag, der so viele Freuden in seinem Gefolge hatte
-und so viele Schmerzen. Jeglichen Menschen erwartet sein Tag, auch
-meiner wird kommen!«
-
- Aus Charlottes Tagebuch.
-
-
-
-
-Das Frühjahr 1791
-
-
-Das Jahr 1791 begann mit Not und Sorge. Am 3. Januar bei einem
-Hoffest in Erfurt war Schiller zusammengebrochen. Der Arzt schaffte
-wohl Linderung, aber nicht Heilung. Am 9. Januar erfolgte die Reise
-nach Weimar, am 11. die Rückkehr nach Jena. Im Briefwechsel des
-Freundeskreises ist die Sorge und die Hoffnung zu erkennen, mit der
-alle die Ereignisse im Befinden Schillers begleiteten. Erst am 22.
-Februar führt der Genesende selbst wieder die Feder und berichtet
-dem Dresdener Freund seinen Zustand und seine Pläne für den Sommer.
-Schon am Krankenlager hatte sich ein Wetteifer gezeigt: nicht nur
-Verwandte und altbewährte Freunde hatten einander übertroffen in ihren
-Bemühungen, auch neue Anhänger bewarben sich, wenigstens einmal eine
-Nachtwache leisten zu dürfen. Schillers philosophische Studien hatten
-ihm Schüler in reiferen Mannesjahren zugeführt, die nur vorübergehend
-Jena aufsuchten, um seinen persönlichen Verkehr zu genießen. Im Anfang
-des April folgten ihm einige dieser neuen Freunde auch in seine
-Erholungszeit nach Rudolstadt.
-
-Geselliges Leben entwickelt sich hier, drei- bis viermal die Woche
-wird ein Spazierritt unternommen. Am 24. April folgt Schiller einer
-Einladung zur Hoftafel, die Umgebung ist heiter, aber er selbst
-beurteilt seinen Zustand mit klarem Blick: ›Ich mag niemand sagen, daß
-ich meine Beschwerden behalten muß. – Es soll mir nicht an Mut fehlen,
-wenn auch das Schlimmste über mich kommen wird.‹
-
-Zu dem neuen Kreise gehörte der fünfundzwanzigjährige Mediziner
-Benjamin Erhard aus Nürnberg, Kantischer Philosoph, Mathematiker,
-Zeichner und Musiker, ein bestimmt auftretender, humorvoller Mensch,
-dessen Wesen Schiller mit fühlbarem Anteil schildert. Er berichtet
-in seinen Denkwürdigkeiten: »Durch Schillers Bekanntschaft wurde ich
-veranlaßt, ihn in Rudolstadt bei seinem Schwager zu besuchen. Ich
-verlebte hier einige der glücklichsten Tage meines Lebens, unter lauter
-gebildeten Menschen, die mich an äußerer Bildung alle übertrafen,
-und die doch Güte genug hatten, mir meine innere als Ersatz für die
-äußere anzunehmen. Die Prinzen und Prinzessinnen kamen beständig in
-dieses Haus, und meine geringe Fertigkeit im Zeichnen und Kenntnis des
-Generalbasses erwarb mir ihre Gunst. Der Ton, der hier herrschte, war
-die unschuldigste Geselligkeit, die ich bisher gesehen hatte. Ich war
-eines Abends auf dem Schlosse und phantasierte auf Verlangen auf dem
-Fortepiano; meine Laune gab mir deutsche Tänze ein, und diese wirkten
-auf die Gesellschaft so, daß sie zu tanzen anfing, und ich meine Tänze
-fortspielen mußte. Reinhold, der auch auf Besuch hier war, sagte mir
-ins Ohr: ›Nun erfahre ich, was ich in meinem Leben nicht erwartet
-habe, daß ein Hof nach der Musik eines Philosophen tanzt.‹ Das hörte
-aber doch ein Nahestehender, der Scherz wurde in der Gesellschaft
-verbreitet und gefiel jedermann. Mit dem Buchhändler Göschen ging ich
-zu Fuß nach Jena zurück und fand auch in ihm einen Freund.«
-
-Aus dem Bekanntenkreis, zu dem auch der Freiherr von Hardenberg, der
-Dichter Novalis, gehörte, nennt Schiller noch einen Klagenfurter
-Fabrikanten Baron von Herbert und zwei Livländer, Baron von Adlerskron,
-Offizier und Philosoph, und Karl Gotthard Graß, der sich als Theolog,
-Philosoph, Dichter und Maler betätigte. Aus dessen Feder besitzen wir
-die Schilderungen von Schillers Krankheit, die ihn am 7. Mai überfiel.
-Aus seiner Heimat schreibt er 1795 an Schiller: »Es sind vier Jahre,
-vier Jahre! verflossen, seit ich in Rudolstadt von Ihnen ging; nur wenn
-ich auf die Lebhaftigkeit meiner Rückerinnerungen an jene Augenblicke
-sehe, scheinen es mir so viele Tage zu sein. Ich sehe noch jeden
-einzelnen Moment unverrückt und deutlich vor mir. Wie wir am Bett saßen
-und Ihnen vorlasen, und was wir lasen; wie wir die Mondlandschaft vor
-Ihnen aufstellten; dann wieder, wie Ihre Gattin an Ihrem Bett kniete
-und die Tränen verbarg, und Ihre Hände sie umschlangen; wie Sie mit mir
-Malaga und auf Wiedersehen tranken; dies alles, und was Sie mir sagten,
-und was ich empfand, dies alles ist mir so gegenwärtig, wie von gestern
-her. Ich kenne jeden Zug Ihres Gesichts, ich höre Ihre Stimme, und die
-leiseste Berührung dieser Erinnerungen durchdringt meine ganze Seele!«
-
-Aus Neapel beantwortet er die Nachricht von Schillers Tod, unter der er
-zusammenbrechen wollte; dabei fließt ihm in die Feder: »Erinnern Sie
-sich noch eines Augenblicks, der mir unvergeßlich ist, als Schiller in
-Rudolstadt so krank war: Ich befand mich in seinem Zimmer und hatte,
-indem ich am Fenster stand und las, mir das Bild des Leidenden und
-das Edle und Große, welches seine Form und seine Züge umschwebte,
-tief eingeprägt. Er hatte, soviel ich weiß, etwas Opium genommen,
-die heftigen Krämpfe zu stillen, und lag da, leicht entschlummert,
-wie ein Marmorbild. Sie befanden sich im Nebenzimmer, wo ich Ihnen
-die Schillersche Übersetzung des vierten Buchs der Äneide vorgelesen
-hatte, und von Zeit zu Zeit kamen Sie an die Türe, sich nach Schiller
-umzusehen. Sie sahen ihn also da liegen und nahten leise auf bloßen
-Strümpfen, und ebenso leise knieten Sie mit gefalteten Händen vor sein
-Bette hin. Ihr loses dunkles Haar floß über die Schulter. Still weinte
-Ihr Auge. Sie hatten es wohl kaum bemerkt, daß noch jemand im Zimmer
-war. Der ohnmächtige Kranke schlug indessen etwas die Augen auf. Er
-erblickte Sie; mit Leidenschaft umschlangen plötzlich seine Arme Ihr
-Haupt, und so blieb er auf Ihrem Nacken ruhen, indem ihn die Kraft
-von neuem verließ. Verzeihen Sie, daß ichs wagte, Ihnen eine Szene zu
-schildern, die so heilig und himmlisch war, daß nur Unsterbliche sie
-belauschen sollten. Begreifen Sie nun, daß ich Schiller und Sie nie
-vergessen konnte?«
-
-Treuer Pflege, der Hilfe der Rudolstädter Ärzte Conradi und Beythan,
-sowie des Jenaer Hofrats Stark gelang es, den Leidenden zu retten. Am
-9. Juli reiste er mit Frau und Schwägerin nach Karlsbad, von wo Lotte
-meldet, daß die Kur guten Erfolg hat. Karoline wurde nach Rudolstadt
-zurückberufen, denn am 21. Juli fand die Vermählung des Erbprinzen
-Ludwig Friedrich mit der Prinzessin Karoline Luise in Homburg statt,
-und am 5. August sollte der feierliche Einzug des jungen Paares in
-Rudolstadt erfolgen.
-
- * * * * *
-
-»Am 10. April 1805. Jeder Mensch sollte die Geschichte seiner
-Empfindungen für sich selbst aufsetzen, nicht sich ängstlich beobachten
-und immer mit seinem Gewissen sich abfinden, sondern sich mit freiem
-Sinne prüfen, wie die äußern Gegenstände auf uns wirken. –
-
-Je länger man in der Welt lebt, je näher man die Menschen beleuchtet,
-je mehr flüchtet man sich in sein eigenes Herz zurück. Welche Zwecke,
-welche Neigungen leiten die, die wir beobachten! Falsches Streben nach
-unerreichbaren Dingen ist beinah die ganze Existenz mancher Naturen. Wo
-ist der Friede zu finden, wenn er nicht in uns ist?
-
-Je gebildeter die Natur, je näher den Abwegen! Kein Mittelweg führt zu
-dem Genuß einer ruhigen Existenz. Haben wir das Schicksal beschworen,
-so entsteht in uns selbst der Kummer. Immer das Unerreichbare zu
-erringen strebt die Natur. Immer in jeder Lage, in jedem Moment des
-Lebens ist nur Hoffnung nach etwas Besserem, für etwas Besseres der
-einzige Stab, auf den wir unsere wankende Existenz stützen. Soll
-dieses ewige Streben nach dem Besseren zwecklos sein? Soll es nicht dem
-Geist die Deutung geben, daß es einen Ort gibt, wo endlich alles Hoffen
-erfüllt wird?«
-
-So schrieb die ehemalige Rudolstädterin in ihrem Heim an der Esplanade
-zu Weimar, als der Gatte hoffnungslos darniederlag.
-
-Vier Wochen darauf trat das Ereignis ein, das die ~Chère mère~ in einer
-Urkunde bezeugt: »Den 9. Mai, abends zwischen 5 und 6 Uhr ist mein
-Schwiegersohn, Hofrat von Schiller, Mitglied der Witwensozietät, mit
-Tod abgegangen.«
-
-Eine schwache, achtunddreißigjährige Witwe, brach Charlotte am
-Sterbebette in der Dachstube zusammen, dann nahm sie die Last auf sich,
-die eine gütige Vorsehung sonst nur den Armen eines Menschenpaares
-zumutet: Unmündige zu tragen und zu führen, bis sie ihren Lebensweg aus
-eigener Kraft weitergehen können.
-
-
-
-
-Schillers Familie in Rudolstadt
-
-
-Nach Schillers Verheiratung löste sich bald der Hausstand in der Neuen
-Gasse auf. Frau von Lengefeld hatte schon 1789 ihr Amt als Erzieherin
-der Schwestern Ludwig Friedrichs angetreten und bezog eine Wohnung auf
-der Heidecksburg. Karoline von Beulwitz trennte sich von ihrem Gemahl,
-verließ Rudolstadt und ging 1794 eine neue Ehe mit Wilhelm von Wolzogen
-ein.
-
-Über den Verkehr Schillers und der Seinen enthalten die Hoffurierbücher
-trockene, aber genaue Auskunft, da jede Mahlzeit und jedes
-Nachtquartier eingetragen ist.
-
-»Herr Schiller und Frau Hofrätin sind vom 2. bis 12. September 1799
-mittags an Erbprinzen Tafel und abends bei fürstlicher Tafel gewesen.«
-
-Bis 1803 wohnt »Frau Hofrätin Schiller« wiederholt bei ihrer Mutter,
-dann tritt eine Pause ein bis 1810. Als zwölfjähriger Knabe besingt
-Ernst von Schiller romantisch schwärmerisch die Kapelle im Mörlagraben
-und dichtet eine Ballade: Der Ritter und die Saalnixe. Bald erscheint
-»Herr von Schiller«, der siebzehnjährige Sohn Karl, als Gast an der
-fürstlichen Tafel. Am 23. Februar 1811 nimmt Ernst an einem Maskenfest
-auf dem Schlosse teil als Marquis Posa und fällt auf, wegen seiner
-großen Ähnlichkeit mit dem Vater, die kleine Karoline gesellt sich zu
-den fürstlichen Kindern. Karl verkehrt als »Herr Leutnant von Schiller«
-bis 1815 an der Familientafel, Ernst »der Herr Kammerassessor« bis
-1818, dann führt der Beruf sie beide in die Ferne. Von 1819–1823 feiert
-»Frau Hofrat von Schiller mit zwei Fräulein« regelmäßig den Geburtstag
-der Mutter am Hofe, Emilie hat Beziehungen zu Familien in der Stadt,
-Karoline findet sich am 28. November 1822 als »bleibender Gast« auf dem
-Schlosse ein.
-
-Am 11. Dezember 1823 verschied die ~Chère mère~, und die Fürstin
-Karoline Luise wurde den drei vereinsamten Frauen aufrichtige Freundin
-und treue Beraterin.
-
-[Illustration: Das Schillerhaus in Volkstedt]
-
-Drei Jahre später, am 9. Juli 1826, starb Charlotte in Bonn. Sie hatte
-den Augenarzt von Walther daselbst aufgesucht, um ihr Starleiden heilen
-zu lassen. Die Operation gelang, aber Schwindelanfälle und Atemnot
-traten ein. Ernst von Schiller zeigt der Fürstin Karoline Luise den
-Tod der Mutter an: »Ich fand sie phantasierend, doch mit helleren
-Momenten, in deren einem sie meine Anwesenheit erkannte und einige,
-doch schwache Teilnahme zeigte. Die Bilder ihrer Phantasie waren mild,
-es war der Regen, der die Blumen erquicken würde. Ich holte Walther,
-der mir gleich sagte, daß sie rettungslos verloren sei, es sei ein
-Nervenschlag, der durchaus unerwartet gekommen wäre. Um halb 5 Uhr
-hörte sie auf zu sprechen. Ohne irgendein Zeichen ihres Bewußtseins zu
-geben, hauchte die Vortreffliche morgens gegen 6 Uhr ihr edles Leben
-aus. Emilie und ich waren zugegen. Euer Durchlaucht kennen den
-Schmerz und werden den unsrigen begreifen.«
-
-[Illustration: Die Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt]
-
-Emilie war ein hochstrebendes Wesen und fühlte schwer den Kampf
-zwischen ihren Idealen und der Wirklichkeit. An ihren Bruder Ernst
-schloß sie sich eng an. Seelsorgerin in allen Gewissensangelegenheiten
-blieb ihr die Fürstin in Rudolstadt, bis Adalbert von Gleichen sie 1828
-als Gattin heimführte.
-
-Über Karolines Verkehr und ihren Aufenthalt in Rudolstadt ist die
-zuverlässigste Kunde erhalten geblieben. Schon als Kind hatte sie
-gern mit jüngeren Kindern verkehrt. Noch bei Lebzeiten der Mutter war
-sie in das Katharinenstift zu Stuttgart eingetreten, um Erziehung und
-Unterricht gründlich kennenzulernen. Krankheit und Tod der Mutter
-bestimmten sie, sich eine eigene Stellung im Leben zu suchen. Bei
-allen Entscheidungen war auch ihr die »Fürstin Mutter« in Rudolstadt
-eine treue und nimmermüde, vielerfahrene Freundin. In die Familie des
-württembergischen Herzogs Eugen zu Karlsruhe in Schlesien trat sie ein,
-um diesem eine achtjährige Tochter zu erziehen. Als die Tätigkeit dort
-zu Ende war, legten die alten Beziehungen der Eltern zu Hof und Stadt
-sowie die neuen Verbindungen der Schwester Emilie zu der Familie von
-Gleichen den Gedanken nahe, nach Rudolstadt zurückzukehren. Vor Not
-blieb sie bewahrt, da sich der geistige Nachlaß des Vaters in Barbesitz
-der Erben verwandelte. Nun trat eine arbeitshungrige dreißigjährige
-Dame in das Leben der kleinen Residenz ein. Studium und Lektüre
-befriedigten sie nicht. Die philosophischen und dichterischen Werke des
-Vaters beherrschte sie vollkommen, und anderen davon mitzuteilen durch
-Vortrag oder Einübung von Rollen bereitete ihr Genuß und Freude. Eine
-Entscheidung im Gemütsleben hatte sie standhaft überwunden und »durch
-herrliche, edle Menschen Trost und Erquickung in der Freundschaft
-empfangen.« Nunmehr folgt sie dem Zuge des Herzens, »um das Ideal ihres
-Lebens ins Werk zu setzen«.
-
-Am 26. Mai 1832 veröffentlicht sie ihr »Anerbieten. Wenn es einigen
-Eltern erwünscht sein könnte, ihre Töchter unter weiblicher Aufsicht
-unterrichten zu lassen, so erbiete ich mich gern, sie vom siebenten
-Jahre an täglich 5–6 Stunden bei mir aufzunehmen.«
-
-Am 25. Juni beginnt der Unterricht, außer ihr selbst ist ein Kandidat
-und eine Handarbeitslehrerin an der Klasse beschäftigt. Vom Jahre 1834
-an erteilt der Theologe und Mathematiker Augustin Regensburger den
-wissenschaftlichen Unterricht, und mit ihm tritt ein Geistesverwandter
-in die Gefolgschaft der Stifterin ein.
-
-Unter den Schülerinnen des Jahres 1835 wird Franziska Junot genannt,
-ihr Vater war der Bergrat Junot in Katzhütte. Vornehme, heitere Ruhe
-wird ihm nachgesagt. Aus erster Ehe Witwer geworden, mag er sich nach
-einer mütterlichen Versorgerin für seine sechs Kinder umgesehen und
-dabei das feinsinnige Erziehertalent Karolines erkannt haben. Am 26.
-Juli 1836 fand die Trauung statt in der Kirche von Volkstedt, auf
-der 48 Jahre vorher das Auge des Vaters täglich geruht hatte. Am 1.
-April 1839 gab Karoline einem Söhnchen das Leben. Es erhielt die Namen
-Felix Karl, trug das goldleuchtende, wallende Schillerhaar und wies
-vielversprechende Anlagen auf; aber eine jäheintretende Krankheit
-setzte seinem Dasein ein frühes Ende. Er starb am 27. April 1844 in
-Rudolstadt. Sein Grab liegt auf dem alten Friedhof links, gegenüber der
-Friedhofshalle.
-
-Als Junot in das Kammerkollegium nach Rudolstadt berufen wurde,
-bezog die Familie im Hause Augustenstraße 10 eine Wohnung. Ihre
-Nachbarn erinnerten sich noch lange gern des stattlichen, würdevollen
-Paares, das seine abendlichen Erholungsgänge auf und ab in der Straße
-unternahm. Durch Freude und Sorge des täglichen Lebens klingt aus
-den Briefen Karolines ein tiefbegründetes ideales Streben, das in
-religiösem Trost über die Wirklichkeit erhob.
-
-Bald sollte ihr neue Prüfung auferlegt werden, die Kirchennachrichten
-melden am 4. Januar 1846 »Gestorben: der Fürstliche Bergrat, Herr Franz
-Karl Emanuel Junot, 60 Jahre, 8 Monate und 12 Tage alt.« Karolines
-Privatanzeige schließt: »Wir werden die vielfachen Beweise der Liebe
-und Achtung gegen den Geschiedenen stets in dankbarem Herzen bewahren.«
-
-Auf einer Reise zum Besuch der Schwester auf Greifenstein bei Bonnland
-in Unterfranken erkrankte Karoline, und der Tod erfüllte ihr Sehnen am
-19. Dezember 1850 in Würzburg.
-
-In Rudolstadt, so hatte sie gewünscht, sollte ihr Herz beigesetzt
-werden, und es fand seine Ruhe an der Stelle, wo Sohn und Gatte
-bestattet lagen.
-
- * * * * *
-
-Das Bild Seite 13 ist die Wiedergabe einer Bleistiftzeichnung, die die
-Unterschrift trägt: »Frl. Lottchen von Lengefeld. 1788.« Sie fand sich,
-bisher unbeachtet, im Schloßmuseum unter Hunderten von Blättern aus der
-zeichenfreudigen Zeit Ludwig Friedrichs. Das Profil ist mit sicherer
-Hand, vielleicht unter Benutzung eines Schattenrisses, festgehalten
-worden, während Haare und Gewand nicht die gleiche Bestimmtheit
-erkennen lassen. Das H als Busennadel könnte Bezug haben auf die
-Neckerei mit dem englischen Hauptmann Heron. Die Schriftzüge können die
-Ludwig Friedrichs oder seines Lehrers, des Hofmalers Franz Cotta, sein.
-
-Das Bild Seite 76 gibt eine Bleistiftzeichnung wieder, die
-unterschrieben ist: »Rudolstadt d. 31. Decbr. 1839. Mathilde, Pr. zu
-Schaumburg-Lippe.« Von der Hand der Fürstin Elisabeth zur Lippe stammt
-der spätere Zusatz: »Caroline Junot, geb. von Schiller.« Ein anderes
-Blatt vom 28. Dezember zeigt die Dargestellte mit einer Strickarbeit
-beschäftigt und die Unterschrift dazu von der Fürstin Karoline Luise.
-
-
-
-
-Rundgang an den Schillerstätten vorüber
-
-
-Das Doppelhaus Schillerstraße 25 blieb als weihevoller Ort erhalten.
-Der Hausgarten daran war zum Bauplatz für eine Kirche bestimmt. Der
-spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat Wolle, löste die Gerechtsame ab.
-Sein Sohn, Landgerichtspräsident Wolle, dessen Witwe jetzt Besitzerin
-ist, war ein feinsinniger Schillerverehrer und hielt jede entstellende
-Neuerung fern. Das Obergeschoß an der Schillerstraße war Wohnung des
-Ehepaares von Beulwitz von 1785 bis 1794. Das Gartengebäude nach der
-Allee bewohnte Frau von Lengefeld von 1775 bis 1789 und Charlotte bis
-zu ihrer Verheiratung.
-
-Das Schulgrundstück gegenüber, Große Allee 5, war der Lengefeldsche
-Garten, den die ~Chère mère~ 1786 gekauft hatte. Hier fanden die
-Teeabende und Komödienspiele statt. Für diesen Garten hatte Karl August
-die Bäume unter scherzhaften Anspielungen gestiftet. Ein zweistöckiges
-Gartenhaus mit Geräteschuppen war der »grüne Pavillon«, den Schiller
-von Volkstedt aus mit dem Perspektiv erkannte. Als 1835 das
-»Schwesterngäßchen« von der Allee zur Augustenstraße durch den Garten
-gelegt wurde, mußten die beiden Häuschen etwas nach Süden hin versetzt
-werden.
-
-Augustenstraße 10 war die Wohnung von Karoline Junot, als sie mit ihrem
-Gemahl 1839 von Katzhütte nach Rudolstadt umgezogen war. Im Hause
-Augustenstraße 17 hatte sie 1832 ihre Mädchenschule gegründet.
-
-Das Gasthaus »Zur Güldenen Gabel«, Schillerstraße 1, bildete mit dem
-Grundstück Schwarzburger Straße 12 das vornehme Absteigequartier der
-Stadt. Das Wochenblatt vom 11. Dezember 1787 zählt unter den Fremden,
-»so sich teils hier aufgehalten, auch nur durchgereist sind,« Herrn
-Architekt Harles und Herrn Doktor Schiller aus Meinungen auf. Wolzogen
-reiste demnach ›inkognito‹. Am 27. Mai 1788 wird Herr Rat Schüler aus
-Weimar, am 22. September 1789 Herr Professor Schüler aus Jena genannt.
-
-Schloßaufgang II,3 gehört zu den kleinen Anwesen, wie sie Bediensteten
-des Hofes überwiesen wurden, damit diese am Fuß des Schloßberges
-jederzeit leicht zu Tage- oder Nachtwerk anzurufen waren. Das Haus
-gehörte 1788 einer Hofratwitwe Roß und wird als Herbstwohnung Schillers
-genannt.
-
-Die Stadtkirche ist ein wertvolles Denkmal für Heimat- und
-Kunstgeschichte. Auf die Anschauung deutscher mittelalterlicher
-Bauformen war aber die Zeit Schillers noch wenig eingestellt.
-
-Die Mayersche Glockengießerei Jenaische Straße 1 war bis 1872 in
-Betrieb, sie wird jetzt als Maschinenfabrik vom Schwiegersohn des
-letzten Glockengießers Robert Mayer betrieben.
-
-Der Heißenhof Lengefeldstraße 1 war eine Zeit lang Brauerei und führt
-im Volksmund seitdem den Namen Bergschlößchen, er ist jetzt Eigentum
-der Stadtgemeinde.
-
-Der Baumgarten war im 18. Jahrhundert ein Englischer Park mit 2
-Teichen, einem Fischerhäuschen und einer Einsiedelei, wurde von Fürst
-Ludwig Friedrich liebevoll ausgestattet, ist in der Neuzeit aber bis
-auf spärliche Reste verschwunden, da er als Gebiet für Neubauten
-gebraucht wurde.
-
-Auf dem Schloß erinnern die Lengefeld-Zimmer noch an die Frau
-Oberhofmeisterin.
-
-Im Jägerhof wohnte vor seiner Verheiratung der Landjägermeister von
-Lengefeld.
-
-Ein Spaziergang die Schloßstraße hinab gewährt einen guten Überblick
-über die Flur zwischen Rudolstadt und Volkstedt.
-
-Das Haus des Kantors Unbehaun lag zu Schillers Zeit als erstes
-Gehöft des Dorfes rechts am Wege, gegenüber der Porzellanfabrik und
-der Kirche. Es hat durch Umbau Veränderung erfahren, aber Hof und
-Nebengebäude zeigen noch die alte Stimmung. Hier sorgte der treue
-Hauswirt, wenn nötig mit dem Fliegenwedel in der Hand, daß die Kuh den
-Herrn Doktor nicht störte. Alles Liebe und Gute wurde dem braven Manne
-dankbar dafür nachgerühmt, und 1791 hielt Graß in einer Zeichnung seine
-Züge fest, aus denen Treue und Redlichkeit sprechen. Die Nachkommen
-Unbehauns, die Familien Stauch, haben das Zimmer und dessen Einrichtung
-pietätvoll geschont.
-
-Schillererinnerungen beleben die ganze Flur Volkstedt. Der Weg nach
-Rudolstadt hat Umänderungen erlitten. Er führte einst durch eine
-Wiesenmulde zum Schaalbach und von da auf den Hain zu. Die Richtersche
-Fabrik und die neuen Stadtteile sind dort entstanden. Nur die
-Schillerquelle im Rudolspark erinnert noch an alte Zeit, wenn auch
-versteckt an dem schluchtartigen Philosophenweg. – Nach Zeigerheim zu
-führten Spazierwege den Dichter oft, und es heißt, der Bergvorsprung an
-der Prinzeneiche sei ein Lieblingsplatz von ihm gewesen. Hier folgte
-sein Blick der Länder verknüpfenden Straße und der Pappeln stolzem
-Geschlechte bis Saalfeld und Rudolstadt. – Den Gefahren einer Seereise
-setzte er sich aus, indem er oberhalb des Wehres einen Kahn benutzte
-oder unterhalb den Fluß durchwatete. So erreichte er die Große Wiese
-mit weithin verbreitetem Teppich. Aus der Ferne grüßte die Burg. Unter
-den Linden erwarteten ihn die Freundinnen und führten ihn nach Cumbach,
-wo um den Hofgarten französischen Stils deutsches Landleben sich
-abspielte.
-
-[Illustration: Karoline Junot, geborene von Schiller]
-
-An den steilen Sandsteinfelsen des Mühlbergs errichtete im Jahre 1830
-der Kammerrat Karl Werlich die Anlagen der Schillershöhe mit der
-Danneckerschen Büste und den Schlußversen des »Spaziergangs«. Es wäre
-mehr als kühn, zu behaupten, daß Schiller dieses philosophische Gedicht
-lediglich hier als Eingebung empfangen habe. Die landschaftlichen
-Bilder dazu mögen aus vielen Erinnerungen des Dichters bis 1795
-zusammengeflossen sein. Immerhin kann doch geraten werden, den Pfad von
-Schillershöhe über Unterpreilipp zur Preilipper Kuppe zurückzulegen.
-Dabei werden sich Natureindrücke und Landschaftsbilder bieten, die für
-das Verständnis der Dichtung willkommen sind.
-
-Die Saale selbst ruft uns Schillerworte zu:
-
- »Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;
- Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.«
-
-Auch die Schillerverehrung früherer Rudolstädter Geschlechter sollte
-nicht der Vergangenheit anheimfallen. Eine Tafel auf Justinshöhe über
-Volkstedt trug die Verse Augustin Regensburgers:
-
- »Wandrer! dich grüßt die Natur in lieblich erhabener Anmut,
- Schaust du vom Bergeshang sinnig ins friedliche Tal.
- Sieh, wie der silberne Strom, ein Bild des Lebens, dahinrauscht,
- Dort an der Schillershöh küssend geweihtes Land!
- Hier der Wiese Grün, dort der Saat sich kräuselnde Woge!
- Wie majestätisch das Schloß thront bei der freundlichen Stadt!
- Wann nun spähend dein Blick sich verliert in die duftige Ferne,
- Spiegelt im seligen Aug wonnig das himmlische Blau.«
-
-
-
-
-Der Greifenverlag zu Rudolstadt
-
-Bei uns erschien:
-
-
-Thüringer Heimatbücher, Band I
-
-Berthold Rein
-
-Die Friedensburg bei Leutenberg
-
-Eine thüringische Grenzfeste und ihre Bewohner
-
-Mit 8 Lichtbildern – Fein kartoniert Mk. 3.–
-
-_Landeszeitung Rudolstadt_: Die Thüringer Heimatbücher sind wegen
-ihres heimatkundlich wertvollen Charakters durchaus zu begrüßen. Die
-bei allem sachlichen Ernst und aller historischen Treue fesselnd
-geschriebene Abhandlung läßt uns einen Blick in die dunklen Tage des
-Mittelalters, in die Entstehung der alten, auf einem Bergkegel herrlich
-gelegenen Burg tun, in den romantischen Zauber ihrer düsterwinkligen
-Gänge, Erker, Lauben und Säle. Die Arbeit aus der Feder des Schulrats
-Dr. Rein, dessen sorgfältige Behandlung wissenschaftlicher und
-historischer Fragen bekannt ist, zeugt von gründlichem Studium der
-Archivalien, der alten schweinsledernen Folianten und Pergamente, der
-Urkunden und Fachschriften. Das mit Bildern versehene Büchlein ist in
-jeder Beziehung wirklich zu empfehlen.
-
-_Rudolstädter Zeitung_: Ein Heimatbuch, wie es sein soll: schlicht
-und allgemein verständlich. All denen, die sich liebevoll in die
-Vergangenheit romantischer Burgenherrlichkeit versenken, will das
-geschmackvoll ausgestattete Büchlein ein treuer Führer sein. Es ist
-Goldschlägerarbeit, die der Verfasser geleistet hat. Heimatsinn und
-Heimatliebe führten dem Sohne der Thüringer Scholle die Feder, so daß
-wir dem ersten Band der Veröffentlichungen des Heimatbundes nur warme
-Worte der Empfehlung mit auf den Weg geben können.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
- Unterschiedliche Schreibweisen von Namen wurden wie im Original
- beibehalten.
-
- Der Schmutztitel wurde entfernt. Das Inhaltsverzeichnis wurde zur
- leichteren Orientierung an den Anfang des Buches verschoben.
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- Die Bildunterschriften wurden gemäß dem Bildverzeichnis hinzugefügt.
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-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHILLER IN RUDOLSTADT ***
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