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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Schiller in Rudolstadt - -Author: Berthold Rein - -Illustrator: Willi Geißler - -Release Date: October 1, 2022 [eBook #69083] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHILLER IN RUDOLSTADT *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Thüringer Heimatbücher - - Veröffentlichungen des Thüringer Heimatbundes - - Band 2 - - Berthold Rein - - Schiller in Rudolstadt - - [Illustration] - - 1 · 9 · 2 · 5 - - Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.) - - - - - Berthold Rein - - Schiller in Rudolstadt - - [Illustration] - - 1 · 9 · 2 · 5 - - Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.) - - - - -Ausstattung von Willi Geißler - - -»Die Stätte, die ein guter Mensch betrat!« - - -Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Greifenverlag Rudolstadt 1925. -Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt, in der Ehmcke-Fraktur. -Buchbinderarbeit ebenfalls von dort. - - - - -Inhalt - - - Titel 1 - - Vorwort 5 - - Der 6. Dezember 1787 7 - - Im Sommer 1788 17 - - Der 7. September 1788 33 - - Die Stadtkirche und die Glockengießerei 37 - - Charlottes Jugendheim 42 - - Der Herbst 1789 50 - - Das Frühjahr 1791 61 - - Schillers Familie in Rudolstadt 67 - - Rundgang an den Schillerstätten vorüber 73 - - -Bilder: - - Schillershöhe 5 - - Charlotte von Lengefeld 13 - - Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz 32 - - Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld 33 - - Die Schillerglocke 48 - - Charlottes Jugendheim 49 - - Das Schillerhaus in Volkstedt 68 - - An der Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt 69 - - Karoline Junot, geborene von Schiller 76 - - - - -Vorwort - - -Unter den Orten, die für Schillers Leben bedeutsam waren, nimmt -Rudolstadt eine besondere Stellung ein. Hat doch hier sein Dichten und -Trachten eine Richtung eingeschlagen, die für seine ganze Lebensbahn -entscheidend werden sollte. Der Fürstenhof und seine Umgebung war -empfänglich gestimmt für seine Gedankenwelt. Aus dem geistigen Geben -und Nehmen entstand dem bis dahin ruhelosen Flüchtling die Aussicht -auf eine bleibende Stätte. Charlotte von Lengefeld, das Kind der -Rudolstädter Heimat, fühlte sich dem Schwaben und seiner Eigenart nahe. -Der Lengefeldsche Familienkreis vermittelte ihm die Begegnung mit -Goethe, die bald darauf zu dem geistigen Austausch führte, an dem beide -gleiche Freude empfanden. In die Landschaft um Rudolstadt rettete sich -Schiller, anfangs in Wirklichkeit, später in Gedanken, wenn ihm »des -Zimmers Gefängnis« zu enge wurde. - -[Illustration: Schillershöhe] - -Die Schillerliteratur erwähnt oft die Häuser, wo er in Rudolstadt -verkehrte, unterscheidet sie jedoch nicht immer deutlich. Dichtung -und Wahrheit fließen dann durcheinander. Schriftliche Berichte von -glaubhaften Augenzeugen sind vorhanden, liegen aber zerstreut in -Lebensbeschreibungen und Briefsammlungen. Mündliche Überlieferung -braucht daneben nicht wertlos zu erscheinen, ist doch in jeder Sage -leicht ein geschichtlicher Kern zu erkennen. - -Die älteren Rudolstädter Gelegenheitsschriften und Aufsätze führen -ein verborgenes Dasein in Bibliotheken und werden nur noch selten -aufgeschlagen. Die anerkannten Quellenwerke von Urlichs, Hase, Karoline -von Wolzogen, Fielitz und Karl Schmidt habe ich benutzt. Schriftliche -und mündliche Nachrichten übermittelten mir Augustin Regensburger und -Emilie Schreck aus ihrem Verkehr mit Karoline von Schiller. Archiv und -Schloßmuseum boten manche Ergänzung. Mit besonderem Dank führe ich die -Rudolstädter Häuserchronik von Hugo Trinckler an, sie ist die Frucht -jahrzehntelanger liebevollster Heimatforschung, die hoffentlich bald im -Druck erscheinen kann. - -Das Haus Schillerstraße 25 ist mir in seinen Räumen vertraut, da ich -sieben Jahre dort gewohnt habe. Liebevolle Ehrfurcht seiner Besitzer -hat das ganze Anwesen vor entstellender Neuerung bewahrt. - -Auch für räumliche Erinnerungen einer Heimatstadt gilt das Wort: »Was -du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!« - -Wenn der Lenz beginnt, ziehen sehlustige Wanderer gern bei uns durch -Flur und Stadt. Gehen sie auf Schillers Pfaden, dann möchte ihnen -ebenfalls mein Büchlein als Führer dienen. - - Rudolstadt, Ostern 1925. - Dr. Berthold Rein. - - - - -Der 6. Dezember 1787 - - -Als Schiller im Jahre 1787 nach Rudolstadt kam, war er für die -allgemeine Menschheit noch ein Unbekannter. Wer in den Schriftwerken -der letzten Jahre bewandert war, kannte seine Jugenddramen, die einen -ganz überraschenden Ton auf der Bühne angeschlagen hatten. Wer tiefer -blickte, beobachtete den gesellschaftlichen Hintergrund, von dem sich -die Räuber und Kabale und Liebe abhoben. Dem einen stand dann der -stürmisch begeisterte Schwabe in leuchtendem Glanze als Verkünder -einer neuen Zeit da, dem andern in verdächtigem Dunkel als Vertreter -von Empörung und Umsturz. Die Inschrift auf der zweiten Auflage der -Räuber: »~In tyrannos~«, gegen die Unterdrücker, erhielt sich eben im -Gedächtnis. - -Alle die Kreise, denen er persönlich nahegetreten war, wußten zu -erzählen, wie zurückhaltend, ja zaghaft er ihnen anfangs erschienen -war, bis sich schließlich der Zauber seines liebenswürdigen, fesselnden -und hingebenden Gemüts aufgetan hatte. Zu diesen Bekannten gehörten -die Wolzogens von Stuttgart und Bauerbach her und in gewissem Sinne -die Damen von Lengefeld in Rudolstadt, denn sie waren ihm, wenn auch -nur flüchtig, auf der Rückreise aus der Schweiz in Mannheim bereits -begegnet. - -Schiller hatte seit seiner Flucht aus Stuttgart wiederholt verzweifelt -gerungen, um festen Boden unter die Füße zu bekommen, war aber trotz -aller Hoffnung, die er nun zuletzt auf den Herzog Karl August in Weimar -gesetzt hatte, immer noch heimatlos. Jugendlich unbefangen und harmlos -im Vertrauen war er Töchtern angesehener Familien nahegetreten, dennoch -indes nicht zu einem Bund für das Leben gelangt. - -Sein Studiengenosse aus der Karlsschule, Wilhelm von Wolzogen, hatte -einen Besuch in Meiningen abzustatten. Für Schiller war die Werrastadt -bedeutsam als neue Heimat seiner Schwester Christophine. Eine Reise -hoch zu Roß lockte den leidenschaftlichen Liebhaber der Reitkunst, also -folgte er dem Rufe des Freundes. Auf dem Rückwege nach Weimar schlug -Wolzogen vor, die Richtung über Rudolstadt zu wählen, dort wollte er -die »superklugen Kusinen« aufsuchen und mit dem Dichter des Don Carlos -bekannt machen. Über Suhl, Ilmenau und Königsee erreichten sie das -Saaltal. - -In einem Hause der Neuen Gasse vor den Mauern der kleinen Residenz -Rudolstadt saß Charlotte von Lengefeld am Fenster und hatte eben in das -Tagebuch eingetragen: Der erste Schnee ist gefallen!, als die ländliche -Stille durch Hufschlag unterbrochen wurde. Überrascht sah sie hinaus -und erblickte zwei Reiter in graue Mäntel gehüllt. Erschrocken fuhr -sie zurück, als die beiden scharf zu ihr aufschauten, und der eine -schelmisch vertraut winkte: Ich komme gleich! Das Tagebuch nahm nun -noch die Ergänzung auf: Eben ritt Vetter Wolzogen vorbei mit einem -anderen Reiter, ich möchte wohl wissen, wer das ist! - -Der 6. Dezember sollte ein Schicksalstag für sie werden und das -schlichte Haus eine bedeutsame Stätte. - -Das Grundstück, jetzt Schillerstraße 25, hatte um 1720 der Hofjäger -Wolfgang Rühm aus Bayreuth als Bauplatz für ein gemütvolles einfaches -Wohnhaus erworben. Sein Nachfolger, der Landrentmeister Rühm, oder -dessen Witwe hatte im Garten dahinter ein »Zwillingshaus« errichtet, -das schließlich durch Zwischenbauten mit dem Vorderhaus verbunden -wurde. Ein kleiner Hof in der Mitte blieb frei. Nach der Sonnenseite -reichte ein großer Garten noch bis an das Nachbarhaus. Auf der -Abendseite führte eine junge Lindenallee vorüber. In das zweistöckige -Zwillingshaus war die Frau Landjägermeister von Lengefeld mit ihren -kleinen Töchtern eingezogen, nachdem ihr der Tod den Gemahl 1775 -frühzeitig entrissen hatte. In dem Obergeschoß des Vorderhauses -richtete 1785 die ältere der beiden Töchter, Karoline, ihren Haushalt -ein, als sie sich mit Ludwig von Beulwitz vermählte. Das Haus war weder -Eigentum der Familie von Beulwitz, noch der Familie von Lengefeld, es -ging 1796 durch Kauf aus dem Rühmschen Besitz an den Kammersekretär -Andreas Christoph Johann Werlich über. Die beiden adeligen Familien -wohnten nur zur Miete darin. - -Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz, dessen Grabplatte links im -Eingang zum Alten Friedhof zu finden ist, führte zwar im vertrauten -Bekanntenkreise den Beinamen Ursus, der Bär, aber die Verteidiger -seiner Gattin haben später doch zu Unrecht sein Bild entstellt, -als sie das Für und Wider der Ehescheidung verhandelten. Er war -zehn Jahre älter als seine stark und feurig veranlagte, jetzt -vierundzwanzigjährige Frau. Als Hofbeamter, als Landeshauptmann -in Königsee, als Freund von Kunst und Wissenschaft führte er ein -arbeitsames Leben, wobei ihm freilich wenig Zeit und Neigung -übrigblieb, seiner Gattin seelisch nahezutreten, und das Führeramt -auszuüben, das ganz besonders sie nötig gehabt hätte. Bald mußte er -wiederum längere Zeit auf Reisen gehen als Begleiter der Prinzen Ludwig -Friedrich und Karl Günther, die einen Studienaufenthalt in Genf nehmen -wollten. - -Charlotte von Lengefeld war bereits einmal durch Neigung und Entsagung -hindurchgegangen. Ein englischer Hauptmann Heron, mit dem sie noch -ab und zu geneckt wurde, hatte ihr nahegestanden, sein Beruf zog ihn -aber nach Indien, wo er für sie verschollen blieb. Beide Schwestern -nahmen an den Neuerscheinungen des Geisteslebens regen Anteil. Etwas -gemäßigt wurde ihr Verlangen nach Unabhängigkeit und ihre freigeistige -Modebestrebung durch die streng religiöse Lebensauffassung der Mutter. -Diese war als Witwe hart geprüft worden und empfand hohe Verantwortung -für die vaterlosen Töchter. Sie war Hofdame, erwartete bei nächster -Gelegenheit das Amt einer Oberhofmeisterin auf der Heidecksburg und -erhoffte für ihre jüngere Tochter einen ähnlichen Ruf nach Weimar. -Das alles sprach entscheidend mit auch in den kleinen Tagesfragen und -bestimmte den Ton in den gesellschaftlichen Umgangsformen. - -In diesen Familienkreis trat Schiller am Abend des 6. Dezember ein. -Dem Kenner griechisch-römischer Literatur, die gerade wieder stark -in Aufnahme gekommen war, fehlte es nicht an Unterhaltungsstoff, und -der Jünger neuester Philosophie verfügte über die Gabe, zufällig -entstandene Gespräche in einer überlegen bewußten Richtung zu lenken. -Dabei wurde seine unverfälschte schwäbische Mundart nicht als Störung, -sondern als treuherzige reizvolle Beigabe empfunden. - -Den Zauber, der von Schillers Person ausging, hat Wilhelm von Humboldt -später treffend gewürdigt: - -»Was jedem Beobachter an Schiller am meisten als charakteristisch -bezeichnend auffallen mußte, war, daß in einem höheren und prägnanteren -Sinn, als vielleicht je bei einem andern, der Gedanke das Element -seines Lebens war. Anhaltend selbsttätige Beschäftigung des Geistes -verließ ihn fast nie. – Sie schien ihm Erholung, nicht Anstrengung. -Dies zeigte sich am meisten im Gespräch, für das Schiller ganz -eigentlich geboren schien. Er suchte nie nach einem bedeutenden Stoff -der Unterredung, er überließ es mehr dem Zufall, den Gegenstand -herbeizuführen, aber von jedem aus leitete er das Gespräch zu einem -allgemeinen Gesichtspunkt, und man sah sich nach wenigen Zwischenreden -in den Mittelpunkt einer den Geist anregenden Diskussion versetzt. Er -behandelte den Gedanken immer als ein gemeinschaftlich zu gewinnendes -Resultat, schien immer des Mitredenden zu bedürfen, wenn dieser sich -auch bewußt blieb, die Idee allein von ihm zu empfangen, und ließ ihn -nie müßig werden. – Schiller sprach nicht eigentlich schön. Aber sein -Geist strebte immer in Schärfe und Bestimmtheit einem neuen geistigen -Gewinne zu. – Schiller hielt immer den Faden fest, der zum Endpunkt -der Untersuchung führen mußte, und wenn die Unterredung nicht durch -einen Zufall gestört wurde, so brach er nicht leicht vor Erreichung des -Zieles ab.« - -Überraschend schnell gedieh die flüchtige Bekanntschaft in wenigen -Abendstunden zu einem Freundschaftsbund, der die Damen von Lengefeld -mit ihrem Gaste verband und zu einer Verabredung für den folgenden -Sommer führte. Die Schwestern versprachen, ihm einen ländlichen -Aufenthalt für seine Schriftstellerarbeiten auszusuchen. - -Wie dieser Abend im Geiste Karolines weiterlebte, läßt das -Erinnerungsbild erkennen, das sie davon entwirft: »Damals ging noch -keine Kunststraße durch unser kleines Tal, ein Fremder war ein Phänomen -hinter den grünen Bergen. Oft erschienen wir uns selbst als verwünschte -Prinzessinnen, auf Erlösung aus dieser Einförmigkeit hoffend. Dennoch -erfrischte uns immerwährend der Zauber dieser Berge. - -Schiller fühlte sich wohl und frei in unserm Familienkreise. Entfernt -vom flachen Weltleben, galt uns das Geistige mehr als alles. Wir -umfaßten es mit Herzenswärme, nicht befangen von kritischen Urteilen -und Vorurteilen, nur der eigenen Richtung unserer Natur folgend. Dies -war es, was er bedurfte, um sich selbst im Umgang aufzuschließen. Wir -kannten seinen Don Carlos noch nicht. Ohne alle schriftstellerische -Eitelkeit schien es ihm am Herzen zu liegen, daß wir ihn kennen -lernten. Ich erinnere mich nicht, daß unsere Gespräche noch etwas -anderes aus der Welt seiner Dichtung berührten, die Briefe von Julius -an Raffael und die auf diese sich beziehenden Gedichte der Anthologie -ausgenommen. Der Gedanke, sich unserer Familie anzuschließen, schien -schon an jenem Abend in ihm aufzudämmern, und zu unserer Freude sprach -er beim Abschiede den Plan aus, den nächsten Sommer in unserm schönen -Tale zu verleben.« - -[Illustration: Charlotte von Lengefeld] - -Kaum nach Weimar zurückgekehrt, legt Schiller seinem Gewissensberater -und etwas eifersüchtigen Freunde Körner in Dresden ziemlich kühl eine -Art Rechenschaft ab über seinen Ausflug: »In Rudolstadt habe ich -mich auch einen Tag aufgehalten und wieder eine recht liebenswürdige -Familie kennen lernen. Eine Frau von Lengenfeld lebt da mit einer -verheirateten und einer noch ledigen Tochter. Beide Geschöpfe sind, -ohne schön zu sein, anziehend und gefallen mir sehr. Man findet hier -viel Bekanntschaft mit der neueren Literatur, Feinheit, Empfindung und -Geist. Das Klavier spielen sie gut, welches mir einen recht schönen -Abend machte. Die Gegend um Rudolstadt ist außerordentlich schön. Ich -hatte nie davon gehört und bin sehr überrascht worden. Man gelangt -durch einen schönen Grund dahin und wird von dem weißen großen Schlosse -auf dem Berge angenehm überrascht.« - -So spricht der Verstand. Was im Gemüt sich bewegte, verraten die Briefe -an Charlotte: »Sie können sich nicht herzlicher nach Ihren Bäumen und -schönen Bergen sehnen als ich, und vollends nach denen in Rudolstadt, -wohin ich mich jetzt in meinen glücklichsten Augenblicken im Traume -versetze. – Sie werden in Rudolstadt nun wieder eingewohnt sein und -bei diesem schönen Wetter sich Ihrer ländlichen Einsamkeit freuen. – -Wie beneide ich Ihre Familie um alles, was um Sie sein darf! Aber auch -Sie beneide ich um Ihre Familie; ein einziger Tag war mir genug, mich -zu überzeugen, daß ich unter sehr edeln Menschen wäre. Warum kann man -solche glückliche Augenblicke nicht fest halten. Man sollte lieber nie -zusammen geraten – oder nie mehr getrennt werden.« - -Im Laufe des Winters kehrte Schiller nicht wieder in Rudolstadt ein, -obwohl es verabredet war. Durch seine schriftlichen Grüße klingt die -Sehnsucht nach Natur und ländlicher Einsamkeit. Aber dem vertrauten -Freunde enthüllt er seinen Seelenzustand: »Ich bedarf eines Mediums, -durch das ich die andern Freuden genieße, Freundschaft, Geschmack, -Wahrheit und Schönheit werden mehr auf mich wirken, wenn eine -ununterbrochene Reihe feiner, wohltätiger, häuslicher Empfindungen mich -für die Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. Ich -bin bis jetzt ein isolierter, fremder Mensch, in der Natur herumgeirrt -und habe nichts als Eigentum besessen. - -Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen Existenz. - -Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt, und nicht -sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, sondern darum, weil ich -die Freuden mehr naschte als genoß, weil es mir an immer gleicher und -sanfter Empfänglichkeit mangelte, die nur die Ruhe des Familienlebens -gibt.« - -Charlotte und er sahen sich in Weimar mitten zwischen geräuschvollen -Veranstaltungen der Hofgesellschaft. Ihn selbst nimmt dieses -Treiben nicht in den Bann, und seine Freundin warnt er vor flacher -Lebensauffassung: - - Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen - umhüpft – so, Lotte, spielt um Dich die Welt, - Doch so, wie sie sich malt in Deinem Herzen, - in Deiner Seele schönen Spiegel fällt, - So ist sie doch nicht! – Die Eroberungen, - die jeder Deiner Blicke siegreich zählt, - Die Deine sanfte Seele Dir erzwungen, - die Statuen, die – Dein Gefühl beseelt, - Die Herzen, die Dein eignes Dir errungen, - die Wunder, die Du selbst getan, - Die Reize, die Dein Dasein ihm gegeben, - die rechnest Du für Schätze diesem Leben, - für Tugenden uns Erdenbürgern an. - Dem holden Zauber nie entweihter Jugend, - der Engelgüte mächtgem Talisman, - Der Majestät der Unschuld und der Tugend, - den will ich sehn – der diesen trotzen kann! - Froh taumelst Du im süßen Überzählen - der Glücklichen, die Du gemacht, der Seelen, - die Du gewonnen hast, dahin. - Sei glücklich in dem lieblichen Betruge, - nie stürze von des Traumes stolzem Fluge - ein trauriges Erwachen Dich herab. - Den Blumen gleich, die Deine Beete schmücken, - so pflanze sie – nur den entfernten Blicken, - betrachte sie! – doch pflücke sie nicht ab! - Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen, - welk werden sie zu Deinen Füßen liegen, - je näher Dir – je näher ihrem Grab. - - - - -Im Sommer 1788 - - -Als die Pläne für den Landaufenthalt bestimmte Formen angenommen -hatten, suchten die Schwestern ihrem Freunde eine Wohnung. Sie sollte -nicht gar zu weit von ihrem eigenen Heim abliegen und doch ungestörte -Arbeitszeit ermöglichen. Zuerst meinten sie, das Rechte gefunden zu -haben bei dem Hofgärtner Callenius in Cumbach. Doch bemerkten sie bald, -daß dort nicht die Stille herrschte, auf die es ankam. Der fürstliche -Gewächsgarten mit der Orangerie zog täglich Verkehr und laute -Geselligkeit an, auch ein Gestüt, das dort gehalten wurde, brachte -Geräusch in die Nähe. Darum fiel ihre Wahl auf Volkstedt, wo all diese -Bedenken nicht entstehen konnten. - -Am 24. April meldet Charlotte in aller Eile das Ergebnis ihrer Fürsorge -nach Weimar: »Das Dorf hat eine schöne Lage, am Ufer der Saale, hinter -ihm erheben sich Berge, an deren Fuß liebliche Fruchtfelder sich -ziehen, und die Gipfel mit dunklem Holze bekränzt, gegenüber an der -anderen Seite der Saale schöne Wiesen und die Aussicht in ein weites, -langes Tal. Ich denke, diese Gegend wird Ihnen lieb sein, mir brachte -sie gestern einen Eindruck von Ruhe in die Seele, der mir innig -wohltat. - -Die Stube, die ich für Sie bestimmte, ist nicht sehr groß, aber -reinlich, auch die Stühle sind nicht ganz ländlich, denn sie sind -beschlagen, eine Kammer daneben, wo das Bett stehen kann, und auch eine -für den Bedienten nicht weit davon. Für Betten will der Schulmeister -sorgen, dem das Haus gehört, auch wohnt eine Frau darin, die Ihnen -Kaffee machen kann, und auch bedienen könnte, zur Not auch kochen, wenn -das Wetter zu böse wäre, um es sich aus der Stadt holen zu lassen. Ich -denke, es ist alles gut besorgt.« - -Am 2. Mai erfolgt die Danksagung: »Sie haben die Angelegenheit, deren -Besorgung Sie so gütig übernahmen, so ganz nach meinen Wünschen und -über alle meine Erwartungen zustande gebracht, daß ich Ihnen unendlich -Mal dafür verbunden bin. Der Ort, die Lage, die Einrichtung im Hause, -alles ist vortrefflich. Sie haben aus meiner Seele gewählt. Ich habe -Ihnen viele Mühe gemacht, aber ich weiß auch, daß Ihnen das Vergnügen, -welches Sie mir dadurch verschafften, statt alles Dankes ist. – Ich -werde in Ihren schönen Gegenden, in dieser ländlichen Stille mein -eigenes Herz wiederfinden, und Ihre und der Ihrigen Gesellschaft wird -mich für alles, was ich hier zurücklasse, reichlich entschädigen.« - -Dem hilfreichen Freund und Berater in Dresden geht die Nachricht zu: -»Ich werde mich eine kleine Stunde von Rudolstadt niederlassen. Die -Gegenden sind dort überaus ländlich und angenehm, und ich kann da in -seliger Abgeschiedenheit von der Welt leben. Das Lengenfeldische -Haus, von dem ich Dir nach meiner Rückreise von Meiningen geschrieben -habe, wird mir den ganzen Mangel an Gesellschaft hinlänglich ersetzen. -Es sind dort mir sehr schätzbare Menschen beisammen, von sehr vieler -Bildung und dem edelsten Gefühl. Sie sind auch schon in der Welt -gewesen und haben eine glückliche Gemütsstimmung daraus zurückgebracht. -Alles was Lektüre und guter Ton einer glücklichen Geistesanlage und -einem empfänglichen Herzen zusetzen kann, finde ich da in vollem Maße, -außerdem auch viele musikalische Fertigkeit, die nicht den kleinsten -Teil der Erholung ausmachen wird, die ich mir dort verspreche. Diesem -Zirkel gedenke ich alle Tage einige Stunden zu widmen. Sonst erwarten -meiner die mannigfaltigsten und, ich muß leider sagen, die drückendsten -Arbeiten. Aber ich gehe ihnen mit ziemlichem Mut, ja selbst mit -Vergnügen entgegen.« - -Körner durchschaut jedoch die innere Bewegung, die sich hinter diesen -Plänen und Sorgen verstecken will: »In Deinem Sommeraufenthalt wird -Dirs an Vergnügen nicht fehlen. Ist nicht auch ein Interesse des -Herzens dabei? Ich bin neugierig, ob Deine Stimmung an dichterischen -Arbeiten fruchtbar sein wird.« - -Die Woche nach dem Pfingstfest ließ Schiller noch vorübergehen, dann -kam er, ohne sich besonders anzukündigen, in Rudolstadt an. Am 20. Mai -schreibt er aus dem Gasthaus: »In der Hoffnung, daß mein künftiges -Logis auf dem Dorfe, dessen Namen ich nicht weiß, durch Ihre Güte -berichtigt sei, bin ich ohne weiteres hierher gereist. Seit gestern -Abend halb zehn Uhr bin ich hier. – Ich bitte Sie, mich zugleich durch -den Überbringer den Namen des Ortes, den Sie für mich bestimmt haben, -wie auch des Hauswirts, bei dem ich wohnen soll, wissen zu lassen, weil -ich womöglich noch vor Mittag dort sein und jetzt gleich meinen Koffer -hinschaffen lassen möchte. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, -daß mir der nächste Augenblick, wo ich Sie und die Ihrigen sehen kann, -der liebste sein wird.« - -Die Freude über erfüllte Wünsche und die Pläne und Hoffnungen für die -nächste Zeit verrät wiederum sein Brief an Körner: - - Volkstedt bei Rudolstadt, 26. Mai 1788. - -»Seit acht Tagen bin ich nun hier in einer sehr angenehmen Gegend, -eine kleine halbe Stunde von der Stadt und in einer sehr bequemen -heitern und reinlichen Wohnung. Das Glück hat es gefügt, daß ich ein -neues Haus, das besser, als auf dem Lande sonst geschieht, gebaut -ist, finden mußte. Es gehört einem wohlhabenden Manne, dem Kantor des -Orts. Das Dorf liegt in einem schmalen, aber lieblichen Tale, das die -Saale durchfließt, zwischen sanft ansteigenden Bergen. Von diesen habe -ich eine sehr reizende Aussicht auf die Stadt, die sich am Fuße eines -Berges herumschlingt, von weitem schon durch das fürstliche Schloß, das -auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, sehr vorteilhaft angekündigt -wird, und zu der mich ein sehr angenehmer Fußpfad, längs des Flusses, -an Gärten und Kornfeldern vorüberführt. In dem Dorfe selbst ist -die Porzellanfabrik, die Du vielleicht kennst. Ich habe zwei kleine -Stunden nach Saalfeld, ebenso weit nach dem Schlosse Schwarzburg und -zu verschiedenen zerstörten Schlössern, die ich alle nach und nach -besuchen will. - -In der Stadt selbst habe ich an der Lengefeldschen und Beulwitzschen -Familie eine sehr angenehme Bekanntschaft, und bis jetzt noch die -einzige, wie sie es vielleicht auch bleiben wird. Doch werde ich eine -sehr nahe Anhänglichkeit an dieses Haus, und eine ausschließende an -irgend eine einzelne Person aus demselben, sehr ernstlich zu vermeiden -suchen. Es hätte mir etwas der Art begegnen können, wenn ich mich mir -selbst ganz hätte überlassen wollen. Aber jetzt wäre es gerade der -schlimmste Zeitpunkt, wenn ich das bißchen Ordnung, das ich mit Mühe in -meinen Kopf, mein Herz und in meine Geschäfte gebracht habe, durch eine -solche Distraktion wieder über den Haufen werfen wollte. - -Die Arbeiten, mit denen ich diesen Sommer zustande kommen möchte, sind -der Geisterseher, der leicht auf 25 bis 30 Bogen anlaufen dürfte, der -zweite Teil meiner Niederländischen Rebellion und der Rest des ersten, -ein Theaterstück, noch steht es dahin, ob dieses der Menschenfeind oder -ein anderes sein werde, das ich, wie der Schwabe sagt, an der Kunkel -habe, und hier und da ein Aufsatz für den Merkur. Aus dem bisherigen -Lauf meiner Schreibereien zu schließen, dürfte dieses Unternehmen wohl -fast übertrieben sein. Indessen wollen wir sehen. Geschieht auch nicht -alles, so ist doch immer das gewonnen, was geschieht. Ganz bin ich -hier doch noch nicht zuhause, auch meine Arbeiten strömen noch nicht.« - -Wie weit der Wille mit seinen Plänen zur Geltung kommen würde, und -wie bald das Schicksal die Vorsätze durchkreuzen sollte, geht aus -den Briefen und kurzen Grußblättern hervor, die zwischen Rudolstadt -und Volkstedt fast täglich gewechselt werden: »Montag, den 26. Mai. -Ich hoffe, daß Ihnen allen die gestrige Partie so gut bekommen sei -wie mir. Es war ein gar lieblicher vertraulicher Abend, der mir für -diesen Sommer die schönsten Hoffnungen gibt. Mehr solche Abende und -in so lieber Gesellschaft, mehr verlange ich nicht. Rudolstadt und -diese Gegend überhaupt soll, wie ich hoffe, der Hain der Diana für -mich werden.« Er vergleicht sich mit Orestes in Goethes Iphigenie, den -die Eumeniden umhertreiben, und hofft, die Schwestern werden ihn vor -den bösen unterirdischen Mächten beschützen. Zu Grunde lag dabei eine -Eifersuchtsregung. Er weigert sich, in trüber Stimmung die Gesellschaft -von Fröhlichen aufzusuchen, und entschuldigt seine wandelbare Laune -mit dem Fluch, der auf allen Musensöhnen ruht, bittet aber doch -um Nachricht, was für den andern Tag geplant wird, damit er sich -anschließen kann. - -Am 27. Mai redet ihm Charlotte gut zu, heiter und froh zu sein, Knebel, -der gefürchtete Nebenbuhler, hat am Morgen Rudolstadt verlassen. Sie -bittet, den Geisterseher mitzubringen, der Abend wird in Cumbach den -kleinen Bekanntenkreis vereinen. Um sechs Uhr wollen sie den Freund -am Wasserdamm erwarten, doch soll er ihnen auch zu jeder anderen -Stunde lieb und willkommen sein. Schiller sagt zu, ist aber mit der -Örtlichkeit noch nicht vertraut und meint, am Schaalbach die Schwestern -erwarten zu sollen. Deshalb bittet ihn Karoline, lieber in ihre Wohnung -zu kommen, damit sie einander nicht verfehlen. - -Hier trifft zwei Tage später der Erbprinz Ludwig Friedrich mit ihm -zusammen: »Den 29. Mai machte ich wieder eine neue Bekanntschaft mit -einem jungen Gelehrten, der, so jung als er ist, doch schon viel -Lesenswürdiges geschrieben hat, mit dem Herrn Rat Schiller. Er war im -Beulwitzschen Garten, wo ich bis einviertel elf Uhr des Abends in einer -vergnügten Gesellschaft den angenehmen Geruch der schönen Baumblüten -genoß.« - -Im Volkstedter Haus fühlt sich Schiller wohl: »Ich bin auf meine vier -Wände reduziert, und wenn nicht manchmal eine Kuh blökte, oder meine -Pfauen mir vor dem Hause mit ihrer Silberstimme die Honneurs machten, -so würde ich gar nicht gewahr, daß Leben um mich ist.« - -Wenn kühle Witterung eintritt, klagt er über Erkältung. Dann kann er -die Neue Gasse nicht aufsuchen und bittet nur um ein Lebenszeichen -durch den Boten, seine Stimmung leidet unter der Trennung. Charlotte -tröstet und bedauert, daß er, ein großer Mann, der der Öffentlichkeit -so viel in seinen Schriften beschert, auch nur eine trübe Viertelstunde -erlebt. Arm und verlassen wie Robinson kommt er sich vor, die -Freundinnen so nah, und er kann nicht bei ihnen sein! Wagt er trotz -feuchter Luft und Nebel den Gang nach Rudolstadt, so tritt ein -Rückfall in seinem Katarrh ein, namentlich die Heimwege am späten Abend -verbittern ihm das Landleben, auch der Zeitverlust, den seine Arbeiten -erleiden, verdrießt ihn. Charlotte redet gut zu, so gern sie ihn sieht, -soll er doch nur bei mildem Wetter ausgehen, wenn es seiner Gesundheit -zuträglich ist. - -Dazwischen erreicht ihn ein Freundesgruß aus Dresden mit der -schalkhaften Zustimmung: »Dein Aufenthalt auf dem Lande ist sehr nach -meinem Sinn. Freilich ists für Deine Arbeiten besser, wenn Du eine -ausschließende Anhänglichkeit an irgend ein Wesen in der Nähe vermeiden -kannst!« - -Die Abendunterhaltungen bei Lengefelds bestreitet Beulwitz, indem er -aus Schillers jüngsten Werken vorliest. Sonnabend, den 14. Juni, feiert -die Gesellschaft eine italienische Nacht im Baumgarten. Der Erbprinz -trägt in sein Tagebuch ein: »Die Frau von Lengefeld hatte mit ihrer -Familie und noch mit andern Damen, und mit dem Herrn Rat Schiller da -gegessen. Es wurde gesungen, auf dem Schiffchen gefahren und spazieren -gegangen. Erst nach elf Uhr ging die ganze Gesellschaft mit uns singend -den Schloßberg hinauf und sodann, auch Herr Rat Schiller nebst den -übrigen Damen, in die Stadt nach Hause.« - -Immer einmal wieder vernehmen wir, wie hart und sauer es ihn ankommt, -sich für den Heimweg loszureißen. - -Als der Blitz in Volkstedt eingeschlagen hat, hört Karoline mit -Schrecken davon und dankt dem Himmel und allen guten Geistern, daß -der Strahl Schillers Haus verschont hat. Das eine Mal versüßt sie ihm -das Buchstudium durch Backwerk, das andere Mal durch Aprikosen und -Tee. Charlotte begleitet den nächtlichen Wanderer im Geiste durch -Sturm und Wolken und hofft, daß ihm nichts zugestoßen ist. Er bittet, -in Charlottes Stübchen studieren zu dürfen, weil in Beulwitzens -Zimmern viel Unruhe herrscht. Sie geht gern darauf ein, ihn an ihrem -Schreibtisch arbeiten zu lassen; das soll ihr eine freundliche -Erinnerung bleiben. Des schlechten Wetters wegen übernachtet er in -Rudolstadt. - -Am 2. Juli ist Kirchweih in Cumbach. Die Hofgesellschaft beteiligt -sich daran bis zehn Uhr abends. Obschon er derartige Feste am liebsten -vermeidet, nimmt er doch daran teil, aber die Eifersucht regt sich, als -er andere mit der von ihm geliebten Person tanzen sieht. Den Heimweg -legt er allein zurück, geht ziellos durch das Tal in die Berge hinein -und gelangt, ohne es zu wissen, nach Schaala. Auf dem Wege kommen ihm -dichterische Eingebungen. - -Sehnsucht nach regerer Verbindung mit der Außenwelt wird laut. Da -Rudolstadt noch keinen regelmäßigen Postverkehr hat, werden Briefe oft -nur gelegentlich durch Boten befördert und kommen so erst auf Umwegen -an ihr Ziel. - -Der Erbprinz führt das Ehepaar Beulwitz nebst Schiller und Lotte -auf das Schloß und zeigt ihnen die neueingerichteten Zimmer, die -Bibliothek und das Bilderkabinett. Weil Schiller ein Freund von weiten -Ausblicken in die Landschaft ist, besteigen sie den Schloßturm, wo ein -schönes Geläut von drei Glocken aus Mayers Gießerei sie erfreut. Im -Lengefeldischen Garten wird französische Komödie gespielt, oft auch -eifrig gezeichnet. Der Erbprinz, gewandt als Zeichner und geübt als -Radierer, entwirft Szenen aus dem Geisterseher. - -Der Gedanke an die Trennung beschäftigt Schiller in einem Briefe -an Körner: »Ich habe mich hier immer noch ganz vortrefflich wohl. -Nur entwischt mir manches schöne Stündchen in dieser angenehmen -Gesellschaft, das ich eigentlich vor dem Schreibtisch zubringen -sollte. Wir sind einander hier notwendig geworden, und keine Freude -wird mehr allein genossen. Die Trennung von diesem Hause wird mir -sehr schwer sein, und vielleicht desto schwerer, weil ich durch keine -leidenschaftliche Heftigkeit, sondern durch eine ruhige Anhänglichkeit, -die sich nach und nach so gemacht hat, daran gehalten werde. Mutter -und Töchter sind mir gleich lieb und wert geworden, und ich bin es -ihnen auch. – Es war recht gut getan, daß ich mich gleich auf einen -vernünftigen Fuß gesetzt habe und einem ausschließenden Verhältnis so -glücklich ausgewichen bin. Es hätte mich um den besten Reiz dieser -Gesellschaft gebracht. – Beide Schwestern haben etwas Schwärmerei, doch -ist sie bei beiden dem Verstande subordiniert und durch Geisteskultur -gemildert. Die jüngere ist nicht ganz frei von einer gewissen -~Coquetterie d’esprit~, die aber durch Bescheidenheit und immer -gleiche Lebhaftigkeit mehr Vergnügen gibt als drückt. Ich rede gern von -ernsthaften Dingen, von Geisteswerken, von Empfindungen, hier kann ich -es nach Herzenslust und ebenso leicht wieder auf Possen überspringen.« - -Im August kam das Vogelschießen, ein großes Volksfest mit starkem -Fremdenzulauf. Es war die einzige Veranstaltung, bei welcher der Hof -sich unter die Stadtleute mischte. Der Ball der vornehmen Gesellschaft -wurde im Schönfeldschen Saale, im heutigen alten Rathaus, abgehalten. -Schiller klagt, er taugt nicht für laute Gesellschaft, und macht sich -Vorwürfe, daß er nicht Stärke genug besitzt, von solchem Getriebe -fernzubleiben, sein Geist wirke mehr im stillen, im Umgang mit sich -selbst. - -Vorübergehend wohnt er in Rudolstadt selbst. In dieser Zeit kann er die -Wohnung Schloßaufgang II 3 bezogen haben, bis ihn die Anhänglichkeit an -Volkstedt und an den fürsorglichen Hauswirt wieder hinauszieht. - -Allmählich tritt eine gewisse Vorsicht im Verkehr ein. Vielleicht fiel -es auf, daß der fremde Gast täglich in dem Hause der Damen ein- und -ausging. Er bittet, die Gartentüre aufzuschließen, damit er weniger -eifrig beobachtet wird. - -Als Charlotte ihrer Freundin Frau von Stein in Kochberg einen Besuch -abstattet, reitet Schiller ihrem Wagen bis Teichröda entgegen. Als -Mutter und Töchter von einer Reise aus Jena zurückkommen, wird das -Wiedersehen in Uhlstädt gefeiert bei einem sublimen Kaffee, den -Beulwitz auf festlich geschmückter Tafel anrichtet. Endlich ergeht -auch eine Einladung zum Sonntagskloß, und Frau von Lengefeld hofft, daß -das beliebte Thüringer Festgericht dem Schwaben nicht schaden wird. - -Der Sommer in Rudolstadt darf nicht zu Ende gehen, ohne daß der Gast -Schwarzburg gesehen hat. Dort wird ihm das Fremdenbuch im Wirtshaus -vorgelegt, und in der Eile mag ihm das Verlegenheitserzeugnis aus der -Feder geflossen sein: - - Auf diesen Höhen sah auch ich - Dich, freundliche Natur, ja dich! - -Die Fahrt geht über Königsee, wo Beulwitz Amtsgeschäfte zu erledigen -hat, nach Paulinzelle, und hier trägt die Stimmung bessere Frucht. In -den Anblick der Ruine mischen sich wehmütige Gedanken an die Trennung -und an die Ungewißheit danach. - - -Im Kloster Paulinzelle - - Einsam stehn des öden Tempels Säulen, - Efeu rankt am unverschloßnen Tor, - Sang und Klang verstummt, des Uhu Heulen - Schallet nun im eingestürzten Chor. - Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten, - Schon enteilt im langen Strom der Zeiten - Bischofshut mit Siegel, Ring und Stab - In der Vorwelt ewig offnes Grab. - - Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen, - Jammer und erhörter Liebe Glück; - Unser Streben, unser Hoffen, Sinnen, - Wichtig nur auf einen Augenblick; - Was im Lenz wir liebevoll umfassen, - Sehen wir im Herbste schon verblassen, - Und der Schöpfung größtes Meisterstück - Sinkt veraltet in den Staub zurück. - -Milde Herbsttage gestatten, daß Schiller wieder in Volkstedt wohnt. In -alle Freude am täglichen Wiedersehen mischt sich der Abschiedsschmerz, -darüber hinaus erhebt der Trost, daß die liebe wohltätige Zeit alles -gut zur Reife bringen wird: »Ich weiß und fühle, daß mein Andenken -unter Ihnen leben wird, und dies ist eine freudige Erinnerung für mich.« - -Im Oktober werden die kurzen Briefgrüße häufiger und die Besuche -immer mehr vorsichtig abgemessen. Schiller verliert den Mut, auf eine -gute Zukunft zu hoffen, aber Charlotte rechnet schon wieder auf seine -Anwesenheit im nächsten Sommer. Ihr und den Kochberger Freundinnen in -Oberhasel zu begegnen, entschließt er sich nur ungern. Die heitere -Freundin bekehrt ihn schließlich doch zu freudiger Verfassung, und er -gesteht: »Mein hiesiger Aufenthalt neigt zum Ende; er hat mir viel -angenehme Stunden verschafft, und, was das beste ist, er hat mich mir -selbst wieder zurückgegeben und überhaupt einen wohltätigen Einfluß auf -mein inneres Wesen gehabt.« - -Die letzten Tage verbringt er wieder im Gasthaus, wenige Schritte -von Charlottes Wohnung entfernt. Eine Zeichnung, die ihm die Freundin -schickt, soll als sichtbares Zeichen mit unsichtbarer Wirkung künftig -auf seinem Schreibtisch stehen. Erst als der Glückwunsch eintrifft, -kommt dem Traumverlorenen zum Bewußtsein, daß sein Geburtstag ist, und -dieser letzte Gruß aus dem Hause, wo er seine Heimat gefunden hat, -preßt ihm Tränen aus. Noch war er nicht entschlossen abzureisen, erst -die Gewißheit, daß die Schwestern ihre Fahrt nach Erfurt festgelegt -haben, überzeugt ihn, daß auch seine Stunde gekommen ist. - -Als er sich persönlich verabschiedet hat, ist der am stärksten -gefürchtete Augenblick vorüber. Es tröstet ihn, noch erblickt er -dieselben Gegenstände, auf denen auch ihr Auge ruht, noch umgeben -dieselben Berge die Geliebte und ihn selbst. Am Morgen des 12. November -sieht er ihren Reisewagen die Straße hinauf vorfahren, dann besteigt -er die Post. Bis Teichröda sucht er noch mit den Blicken einen Gruß -zu erhaschen, dann fällt ihm schwer auf das Herz, daß sich die Wege -trennen. Einen Geranienstock und eine Porzellanvase mit Blumen hütet -er zärtlich, sie sollten der Stube des einsamen Gelehrten einen neuen -heimeligen Hauch verleihen. - -Den Rudolstädter Sommer 1788 faßt Karoline zu einem wohlgelungenen -Bilde zusammen: »In unserm Hause begann für Schiller ein neues Leben. -Lange hatte er den Reiz eines freien freundschaftlichen Umgangs -entbehrt. Uns fand er immer empfänglich für die Gedanken, die eben -seine Seele erfüllten. Er wollte auf uns wirken, uns von Poesie, -Kunst und philosophischen Ansichten das mitteilen, was uns frommen -könnte, und dies Bestreben gab ihm selbst eine milde harmonische -Gemütsstimmung. Sein Gespräch floß über in heitrer Laune; sie erzeugte -witzige Einfälle, und wenn oft störende Gestalten unsern kleinen -Kreis beengten, so ließ ihre Entfernung uns das Vergnügen des reinen -Zusammenklangs unter uns nur noch lebhafter empfinden. Wie wohl war -uns, wenn wir nach einer langweiligen Kaffeevisite unserm genialen -Freunde unter den schönen Bäumen des Saalufers entgegengehen konnten! -Ein Waldbach, der sich in die Saale ergießt, und über den eine schmale -Brücke führt, war das Ziel, wo wir ihn erwarteten. Wenn wir ihn im -Schimmer der Abendröte auf uns zukommen erblickten, dann erschloß sich -ein heiteres ideales Leben unserm innern Sinn. Hoher Ernst und anmutige -geistreiche Leichtigkeit des offnen reinen Gemüts waren in Schillers -Umgang immer lebendig, man wandelte wie zwischen den unwandelbaren -Sternen des Himmels und den Blumen der Erde in seinen Gesprächen. - -Wie ein Blumen- und Fruchtgewinde war das Leben dieses ganzen Sommers -mit seinen genußreichen und bildenden Tagen und Stunden für uns alle. -Schiller wurde ruhiger, klarer, seine Erscheinung, wie sein Wesen, -anmutiger, sein Geist den phantastischen Ansichten des Lebens, die er -bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter. - -Meine Schwester konnte wohl in jeder Beziehung eine wünschenswerte -Verbindung für Schiller sein. Sie hatte eine sehr anmutige Gestalt und -Gesichtsbildung. Der Ausdruck reinster Herzensgüte belebte ihre Züge, -und ihr Auge blitzte nur Wahrheit und Unschuld. Sinnig und empfänglich -für alles Gute und Schöne im Leben und in der Kunst, hatte ihr ganzes -Wesen eine schöne Harmonie. Mäßig, aber treu und anhaltend in ihren -Neigungen, schien sie geschaffen, das reinste Glück zu genießen. Sie -hatte Talent zum Landschaftzeichnen, einen feinen und tiefen Sinn -für die Natur, und Reinheit und Zartheit in der Darstellung. Unter -günstigern Umgebungen hätte sie in dieser Kunst etwas leisten können. -Auch sprach sich jedes erhöhtere Gefühl in ihr oft in Gedichten -aus, unter denen einige, von der Erinnerung an lebhaftere zärtliche -Herzensverhältnisse eingegeben, voll Grazie und sanfter Empfindung -sind.« - -[Illustration: Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz] - -Durch Charlottes Winter gehen die Sommererinnerungen als ständige -Begleiter: - -»Wir waren auch in Hasel zusammen. Der Weg, den ich von Kochberg -dazumal machte, mag jetzt recht wüste sein und traurig. Auch die -Steine, auf denen wir saßen, waren voll Schnee, der Bach zugefroren, -und die entblätterten Bäume gaben mir ein trauriges Bild der -Vergänglichkeit. Ach, der Winter ist doch recht unangenehm! Auch der -schöne Weg auf den Wiesen hin, den wir doch einigemal zusammen gingen, -alles war so leer, so öde, die Weiden hoben ihre entblätterten Zweige -empor, und das Geschrei der Raben, die traurig auf den weißen Feldern -herumflogen, ließen nur Leben ahnen. Was ist der erfreuende Anblick -der grünen Wiesen doch dagegen so schön!« - -»Heute vorm Jahre waren wir uns fremd. Den sechsten sahen wir uns erst, -es war ein schöner Zufall, der Sie eben mit Wolzogen zu uns brachte. -Ich weiß noch, daß ich den Tag so ganz in mir verschlossen war, der -Regen und Wind machte mir so unheimlich, und den Abend freute ich mich -so, ich hätte mir es nie am Morgen träumen lassen.« - -»Unsere schönen Berge freuen mich jetzt gar nicht, die schwarzen Bäume -in der Allee machen so eine traurige Wirkung auf den Schnee, und der -dunkle Wald auf die weißen Berge, da ist nichts, was einem liebliche -Bilder erwecken könnte.« - -[Illustration: Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von -Lengefeld] - - - - -Der 7. September 1788 - - -Eine schon längst gehegte Hoffnung Schillers sollte in Rudolstadt -erfüllt werden, seine Begegnung mit Goethe. Im Mai war dieser aus -Italien zurückgekehrt. Wenn man vermutet hatte, daß er seinen -freundschaftlichen Verkehr mit Frau von Stein nun nicht wieder -aufnehmen würde, so widerlegten die Tatsachen sehr bald diese Annahme. -Goethe besuchte Großkochberg und kam von da nach Rudolstadt. Charlotte -von Lengefeld war seit mehreren Tagen bereits zur Hilfe bei Frau von -Stein gewesen. Sie hatte mit ihrer Schwester alles gut vorbereitet -und geschickt etwas die Vorsehung gespielt, um ihren Sommergast dem -einflußreichsten Manne von Weimar nahe zu bringen. Über ihren Erfolg -berichtet Karoline: - -»Während dieses Sommers sah Schiller Goethen zuerst in unserem -Hause. Wie alle rein fühlenden Herzen, hatten uns dieses Dichters -Schöpfungen mit Enthusiasmus erfüllt. Alle unsere erhöhteren, echt -menschlichen Empfindungen fanden durch ihn ihre eigentümliche Sprache; -Goethe und Rousseau waren unsere Hausgötter. Auch floß des ersteren -so liebenswürdige Persönlichkeit, die wir bei unserer Freundin, Frau -von Stein, kennengelernt, mit dem Dichter in unserem Gemüt in eins -zusammen, und wir liebten ihn wie einen guten Genius, von dem man nur -Heil erwartet. – Höchst gespannt waren wir bei dieser Zusammenkunft -und wünschten nichts mehr als eine Annäherung, die nicht erfolgte. -Von Goethen hatten wir, bei seinem entschiedenen Ruhme und seiner -äußeren Stellung, Entgegenkommen erwartet, und von unserem Freunde -auch mehr Wärme in seinen Äußerungen. Zu unserem Trost schien Goethe -von schmerzlicher Sehnsucht nach Italien befangen. – Es freute uns -sehr, daß Goethe das Heft des Merkurs, welches die Götter Griechenlands -enthielt, und das von ungefähr auf unserem Tisch lag, nachdem er einige -Minuten hineingesehen, einsteckte und bat, es mitnehmen zu dürfen.« - -Schon seit Monaten hatte Körner versucht, Schiller von seinem -abwartenden Verhalten loszubringen und zu einem Entschluß zu bewegen: -»Wirst Du nicht bald nach Weimar gehen, um Goethe zu sehen? Ich -kann Eure Zusammenkunft kaum erwarten.« Aber die Rudolstädter -Gemütserlebnisse ließen das nicht zu: »Nach Weimar werde ich doch wohl -nicht sobald kommen. Es ist eine kleine Tagereise hin, und es sind der -Orte, nach denen ich meinen hiesigen Leuten habe versprechen müssen, -Partie mit ihnen zu machen, so viele, daß mir keine Zeit für so große -Exkursionen übrigbleibt. Ich bin sehr neugierig auf ihn, auf Goethe, im -Grunde bin ich ihm gut, und es sind wenige, deren Geist ich so verehre. -Vielleicht kommt er auch hierher, wenigstens nach Kochberg, eine kleine -Meile von hier, wo Frau von Stein ein Gut hat.« - -Wie eine Entschuldigung nimmt es sich aus, wenn er immer wieder darauf -zurückkommt: »Goethe habe ich noch nicht gesehen, aber Grüße sind unter -uns gewechselt worden. Er hätte mich besucht, wenn er gewußt hätte, -daß ich ihm so nahe am Wege wohnte, wie er nach Weimar reiste. Wir -waren einander auf eine Stunde nahe. – Goethe bleibt in Weimar. Ich bin -ungeduldig, ihn zusehen.« - -Wenige Tage nun nach der Erfüllung dieser Wünsche erhält Körner -ausführliche Mitteilung darüber: »Endlich kann ich dir von Goethe -erzählen. – Ich habe vergangenen Sonntag beinahe ganz in seiner -Gesellschaft zugebracht, wo er uns mit der Herder, Frau von Stein -und der Frau Schardt besuchte. Sein erster Anblick stimmte die hohe -Meinung ziemlich tief herunter, die man mir von dieser anziehenden und -schönen Figur beigebracht hatte. Er ist von mittlerer Größe, trägt -sich steif und geht auch so; sein Gesicht ist verschlossen, aber sein -Auge sehr ausdrucksvoll, lebhaft, und man hängt mit Vergnügen an -seinem Blicke. Bei vielem Ernst hat seine Miene doch viel Wohlwollendes -und Gutes. Er ist brünett und schien nur älter auszusehen, als er -meiner Berechnung nach wirklich sein kann. Seine Stimme ist überaus -angenehm, seine Erzählung fließend, geistvoll und belebt; man hört -ihn mit überaus viel Vergnügen; und wenn er bei gutem Humor ist, -welches diesmal so ziemlich der Fall war, spricht er gern und mit -Interesse. Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und ohne den mindesten -Zwang; freilich war die Gesellschaft zu groß und alles auf seinen -Umgang zu eifersüchtig, als daß ich viel allein mit ihm hätte sein -oder etwas anderes als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können. Er -spricht gern und mit leidenschaftlichen Erinnerungen von Italien. Im -ganzen genommen ist meine in der Tat große Idee von ihm nach dieser -persönlichen Bekanntschaft nicht vermindert worden, aber ich zweifle, -ob wir einander je sehr nahe rücken werden. Vieles, was mir jetzt -noch interessant ist, was ich noch zu wünschen und zu hoffen habe, -hat seine Epoche bei ihm durchlebt; er ist mir soweit voraus, daß wir -unterwegs nie mehr zusammenkommen werden; – seine Welt ist nicht die -meinige, unsere Vorstellungsarten scheinen wesentlich verschieden. -Indessen schließt sichs aus einer solchen Zusammenkunft nicht sicher -und gründlich. Die Zeit wird das Weitere lehren.« - - - - -Die Stadtkirche und die Glockengießerei - - -Am 17. Juli 1788 trug der achtzigjährige Fürst Ludwig Günther in seinen -Kalender ein: »Diese Nacht ist ein sehr starkes Gewitter gewesen. Den -Morgen ¾ auf 4 hat es in den Kirchturm eingeschlagen und ziemliche -Verwüstung an den Fenstern und auch an den Mauern angerichtet. Ich ritt -dahin, um den Schaden anzusehen.« - -Zwei Tage darauf meldete das Tagebuch des jungen Erbprinzen Ludwig -Friedrich: »Ich war bei Lengefelds. Ich zeichnete mit der Frau -Hofrätin. Der Herr von Ketelhodt las uns in der neuen Geschichte des -Herrn Schiller vor. Gegen Abend trat der Verfasser dieser Geschichte -zur Tür herein und lud die Gesellschaft zu einem Spaziergang ein. Wir -gingen über den Damm zur Stadtkirche und sahen die Verwüstungen, die -durch das Gewitter entstanden. Auch wallfahrte Herr Schiller als guter -Geschichtschreiber zu dem Grabe der heldenmütigen Katharina.« - -Dieses Grab liegt hinter dem Taufstein unter dem Altarraum und ist -mit einer Erzplatte bedeckt. Die lateinische Inschrift besagt, daß -Graf Wolrad von Waldeck und seine Gemahlin Anastasia ihrer Mutter -und Schwiegermutter, der Gräfin Katharina von Henneberg, verwitweten -Gräfin von Schwarzburg, eine selige Auferstehung wünschen. Katharina -war auf ihrem Witwensitz, der Heidecksburg, am 7. November 1567 -gestorben. Als entschiedene Bekennerin der evangelischen Lehre, als -leutselige und fürsorgliche Beschützerin der Armen und Bedrängten, -lebte sie in der Erinnerung fort, und mehrere Geschichtswerke -erzählten, wie sie unerschrocken und kühn dem gefürchtetsten Heerführer -der Reformationszeit entgegengetreten war. - -Das schlug in die Richtung der Studien ein, mit denen Schiller gerade -beschäftigt war. Er ging den Quellenberichten nach und faßte sie zu -dem Aufsatz zusammen, der aus seinen Werken oft abgedruckt und weit -verbreitet worden ist: Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem -Schlosse zu Rudolstadt, im Jahr 1547. - -Für ihre Ortschaften hatte die Gräfin gesorgt durch einen -Sauvegardebrief: die spanischen Truppen verpflegte sie, damit ihre -Untertanen nicht durch Plünderung zu leiden hatten. Schilder mit dem -Wappen der Gräfin waren in jedem ihrer Dörfer angebracht. Herzog Alba -und seine Begleiter saßen bei einem Gastmahl auf dem Schlosse, als -die Nachricht eintraf, daß in Hasel und Cumbach geplündert wurde. -Rasch entschlossen ließ Katharina Saal- und Schloßpforten durch ihre -Bewaffneten besetzen und forderte, daß dem Kriegsbrauch Einhalt getan -wurde, widrigenfalls: »Fürstenblut für Ochsenblut!« Mit sauersüßer -Miene gaben die Herren Befehl, das geraubte Vieh den Eigentümern wieder -auszuliefern. - -Die mündliche Überlieferung berichtet, daß Schiller wiederholt auch -den Turm der Stadtkirche besucht hat, wo vier wertvolle Glocken bis -heute erhalten sind. Eine von ihnen soll seine Aufmerksamkeit dabei -besonders gefesselt haben. Diese Andreasglocke trägt stark erhaben das -Bild des Schutzpatrons der Kirche, um ihren Hals zieht sich zartes -gotisches Spitzenwerk und faßt zwei Spruchbänder ein. Das untere Band -enthält die Nachricht von der Entstehung der Glocke: »Anno domini -1499. Osanna heis ich, Curdt Kerstan gos mich. Er Cristofferus von -Wiczleuben. Pharner.« Sie war in dem angegebenen Jahre auf dem Platz -hinter der Kirche von dem bedeutenden Erfurter Meister gegossen -worden, und der Pfarrer von Witzleben gehörte der Rudolstädter -Reformationsgeschichte an. - -Das obere Schriftband bringt den Beruf der Glocke in Worte: »~Dulce -melos clango, sanctorum gaudia pango, defunctos plango, vivos voco, -fulgura frango.~« Süßen Laut klinge ich, Freuden der Gläubigen singe -ich, Tote beklage ich, Lebende rufe ich, Blitze wehre ich ab. In -mehreren Lesarten findet sich dieser Sinnspruch auf 133 Glocken. -Verkürzt um die beiden ersten Glieder, hat ihn Schiller über sein -»Glockengießerlied« gesetzt: ~Vivos voco, mortuos plango, fulgura -frango.~ - -Aus dem Dämmerlicht der Glockenstube schweifte das Auge gern hinaus in -die frische leuchtende Landschaft. Unten am Fuß des Kirchhügels lag -Charlottes Jugendheim, der Heißenhof, ihm gegenüber die Ludwigsburg, -und in deren Nähe, am Ausgang der Stadt die Glockengießerei von Mayer. -Hier hatte seit 1715 schon der Schweizer Geschütz- und Glockengießer -Johann Feer sein Gewerbe betrieben, und dann seit dessen Tode 1759 der -Nürnberger Rotgießer Johann Mayer. Volkstedt und Rudolstadt nehmen in -der Geschichte des Thüringer Glockengusses eine hervorragende Stelle -ein seit dem Mittelalter. In der Familie Mayer, die ihr Kunstgewerbe -bis 1872 ausübte, hat sich von Geschlecht zu Geschlecht in ganz -bestimmter Fassung die Kunde vererbt, wie Schiller wiederholt die -Gießhütte besucht hat, wie der Ahnherr zunächst gar nicht besonders -erbaut war über die Störung der Arbeit, daß der bleiche Gelehrte aber -rücksichtsvoll in dem hochlehnigen Stuhl an der Wand Platz genommen -hat, um die Arbeit nicht zu stören. Auch Karoline von Wolzogen -erinnert sich dessen, als sie das Lied von der Glocke erwähnt: »Lange -hatte Schiller dieses Gedicht in sich getragen und mit uns oft davon -gesprochen als einer Dichtung, von der er besondere Wirkung erwartete. -Schon bei seinem Aufenthalt in Rudolstadt ging er oft nach einer -Glockengießerei vor der Stadt spazieren, um von diesem Geschäft eine -Anschauung zu gewinnen.« - -Weil er seine Kenntnisse von der Technik des Glockengusses noch einmal -nachprüfen wollte, schlug Schiller später die ökonomisch-technologische -Enzyklopädie von Krünitz auf. Dort fand er eine Glocke in Schaffhausen -erwähnt, die den Glockenspruch in der knappen Fassung trägt, wie sie -ihm dann geeignet erschien. Diese Glocke selbst hat er nie gesehen. -Auch sonst erheben eine Stuttgarter und die beiden Apoldaer Firmen -Anspruch darauf, den Dichter als lerneifrigen Liebhaber in ihre Kunst -eingeführt zu haben. Sollte ein triftiger Grund für diese Annahmen -vorhanden sein, so findet sich leicht eine Erklärung dafür. Glockenguß -ist technisch, wissenschaftlich und künstlerisch ein so anziehendes -Gewerbe, daß jeder, der sich einmal aufmerksam darum gekümmert hat, -gern die Gelegenheit wahrnimmt, seine Beobachtungen fortzusetzen und zu -ergänzen. - -An der heutigen Maschinengießerei, Jenaische Straße 1, fordert eine -kleine Schrifttafel, verfaßt von Augustin Regensburger, auf, Johann -Mayers und seines Meistergesellen zu gedenken: - - Steh, Wandrer, still, denn hier erstand, - Daß keine zweite möglich werde, - Gebaut von Schillers Meisterhand, - Die größte Glockenform der Erde. - - - - -Charlottes Jugendheim - - -Von dem Haus, wo Charlotte ihre Kindheit verlebte, besitzen wir eine -gemütvolle Schilderung aus ihrer eigenen Feder: - -»Die Lage unserer Wohnung war höchst romantisch; an einer kleinen -Anhöhe, die mit Obstbäumen bepflanzt war, lag unser Haus. Die vordere -Seite hatte einen großen Hof, der mit einem kleinen Garten begrenzt -war. Vor uns lag ein fürstliches Lustschloß und rechts eine alte -Kirche, deren schöner Turm mir manche Phantasien erweckte, und das -Geläute der Glocken, das ich zu allen Stunden hörte, stimmte mich oft -ernst und melancholisch. Ich stand stundenlang an meinem Kammerfenster, -sah in die dunkeln Fenster des Turms hinein, hörte den Glocken zu und -sah die Wolken am Himmel sich bewegen. Mein Horizont war frei. In der -Ferne sahen wir schöne Berge und ein altes Schloß auf dem Berge liegen, -das oft das Ziel meiner Wünsche war. Ich stellte es mir auch gar zu -hübsch vor, über die Heide, so hieß die Reihe der Berge vor meinen -Augen, zu wandern und da neue Dörfer, eine neue Welt zu sehen. Auch -eine Hängebirke, die in einem der Gärten stand, die ich aus meinen -Fenstern, meiner kleinen Welt, übersehen konnte, hat mir viel Anlaß zu -Betrachtungen gegeben. - -Ich hatte Unterricht in den Morgenstunden; ich lernte nicht gern, und -es war mir peinlich, wenn ich die Stunde schlagen hörte, und mein -Lehrer begann eine neue Materie des Unterrichts. Französisch lernte ich -auch nicht gern; Zeichnen und Schreiben wurden mir auch schwer. Aber am -aller unangenehmsten war mir die Tanzstunde. Mittags freute ich mich -immer an Tisch zu gehen; da saß mein Vater und erwartete uns, er konnte -nicht allein gehen, und seine Jäger, deren er viele hatte, mußten ihn -stets führen. - -Er war immer heiter und freundlich bei Tisch, erzählte uns lustige -Geschichten, erkundigte sich nach unserm Fleiß, ließ sich auch oft von -seinen Jägern erzählen, wie es in der Welt ging, die ihn interessierte. -Er hatte die Wälder, die er meistens anlegte, mit Liebe gepflegt. Alles -war ihm wichtig; jeder neu erworbene Baum vergrößerte sein Interesse. -Ich hörte gar zu gern zu, wenn solche Gespräche kamen, und dachte mir -immer, wie es da und dort aussehen müßte. Ich sah die Plätze im Geist -und lebte mit den Bäumen der Wälder, mit den Höhen und Tälern, mit den -Nebeln, wie Ossian in seiner Welt, am liebsten. Nach dem Essen kam der -Lehrer, und wir hatten Unterricht in der Geographie, lasen Zeitungen -oder schrieben Briefe. Alsdann kam noch der französische Sprachmeister, -und unsere Stunden hatten ein Ende. Der übrige Teil des Tages gehörte -uns. - -Wir gingen auf unserm Berg herum, und ich bildete mir ein, jeder neue -Busch, den ich fände, sei auch andern fremd. War es böses Wetter, so -setzte ich mich still in einen Winkel und hörte Karolinen und Amalien -zu, die eine Art dialogisierter Romane spielten. Eine war immer eine -Heldin des Stücks, und statt zu erzählen, wie es geschehen sei, -dramatisierten sie die Geschichte. Dieses hatte unendlichen Reiz für -mich. Ich saß dabei und hörte alles an und war begierig, wie es enden -würde. Wie alle Romane und Theaterstücke, so endete sich dieses auch -immer mit einer Heirat. - -Hatte mein Vater Geschäfte mit seinen Jägern des Abends, so kam meine -Mutter und die Kusine, eine fertige Leserin, las uns vor. Ich arbeitete -nicht gern in früherer Zeit, so gerne ich jetzt tätig bin. Ich hatte -noch eine Art Unterhaltung, die mich besonders anzog. Ich hatte Figuren -aus den Kalendern, die ich mir künstlich ausschnitt. Mit diesen spielte -ich die Romane nach, die ich hörte. Es gab aber noch wenige zu der -Zeit, zumal deutsche. - -Nach sieben Uhr gingen wir zu unserem Vater, wo wir ein kleines Mahl -einnahmen, und nach dem Essen blieben wir noch bei ihm bis um neun -Uhr, wo meine Mutter uns begleitete. Die Mädchen im Hause wurden -versammelt, die Kusine las einen Abendsegen, es wurde ein geistliches -Lied gesungen, die gute Mutter segnete ihre Kinder ein, und so gingen -wir gläubig zur Ruhe und erwarteten den andern Morgen, um wieder so zu -leben. - -Noch ehe wir aufstanden, war der geschäftige Vater schon in den -Wäldern, besah die Anlagen, ordnete die Holzschläge an, bestimmte -die Jagdreviere, und meistens war die Mutter mit ihm. Hatte er keine -solchen Geschäfte, so fuhr er mit ihr nach seinen Feldern. Er hatte aus -Liebe zur Ökonomie Felder gepachtet. Da besah er, wie jede Pflanzung -stand, ließ Anstalten zur Ernte machen, kurz er wies jedes Geschäft des -Tages an. - -Es war uns eine eigene Freude, die Ernte einfahren zu sehen, und an -diese wiederkehrende Freude knüpften wir unsere Erinnerung. Bald halfen -wir die Gemüse aufzubewahren, bald das Obst für den Winter zu legen, -bald halfen wir einmachen und Obst trocknen. Alles wurde uns wichtig, -und es wurde mit einer Wichtigkeit behandelt, wovon man nur in einer -einfachen Lebensweise einen Begriff hat. Das ganze Haus hatte nur einen -Gesichtspunkt bei einem ökonomischen Fest, alles war beschäftigt. - -Ich zog indes freilich lieber auf dem Berg herum, den sich meine -kindische Phantasie vergrößerte, suchte Blumen und Zweige und kam -oft recht von Dornen zerrissen zurück und ganz atemlos. Bald wollte -ich eine Blume pflücken, die unzugänglich war, bald fiel ich aus -Unvorsichtigkeit den Berg hinunter, ohne Wunden ging keine meiner -Streifereien ab. Kam zuweilen ein Besuch, der unsere Art zu leben -unterbrach, so vernahmen wir nichts Neues, denn jeder lebte auf diese -Art. - -Ein Fest für uns war ein Besuch bei einem alten Geistlichen, dem -Beichtvater unseres Hauses, der mit seiner Frau ein patriarchalisches -Leben führte. Die runden Fensterscheiben im Zimmer, der große Schrank -von Nußbaum mit großen geschliffenen Gläsern besetzt, mit Kirschen -von Glas und einer ruhenden Kuh von Porzellan, die eine Butterbüchse -war, war mir so lieb und erfreulich als der Kohlkopf in Vossens Luise. -Ein schöner bunter Teppich lag auf dem Kaffeetisch. An der Seite des -Zimmers war ein Fensterchen, das in die Küche sehen ließ, wo der Kaffee -uns entgegendampfte, oder die schönen Kuchen gebacken wurden. Die -Hoffnung, die Erwartung, was uns bevorstände, war für mich wichtig. -Wenn der Tisch mit den Gaben des Herbstes prangte, saß ich recht -gemütlich und hörte den Gesprächen, die mit Einfalt im Gemüt gehalten -wurden, zu und verlor mich in dieser Welt. - -Wenn um sechs Uhr die große Glocke schallte, wir mochten in welchem -Gespräch wir auch wollten begriffen sein, so faltete der alte gute Mann -seine Hände und betete laut, wir beteten mit. Die alte Frau Pfarrerin -ging zu ihm, rief ihm laut ins Ohr, denn er war taub: ›Glückseligen -guten Abend, Papa!‹ und das vorige Gespräch begann wieder. Um sieben -verließen wir diesen langen Besuch, aber nicht ohne Rührung über die -Güte und Einfalt, im edeln Sinn des Wortes, unserer Freunde. Sie kamen -auch öfters zu uns, und immer war es die nämliche Unterhaltung. Der -alte Pfarrer las wenig, doch die Zeitungen, die zuweilen auch unser -Gespräch machten, einige theologische Bücher und gelehrte Zeitungen, -die ich immer mit einer Art Neugierde und Ehrfurcht ansah, lagen auf -seinem Tische. - -Besuche unseres Alters hatten wir in dieser Zeit selten. Sonntags -gingen wir in die Kirche und der Vater an Hof. Die Mutter ging -Donnerstags gewöhnlich hin. Das war auch ein Fest für mich, sie geputzt -zu sehen, und ich beschäftigte mich oft in der Vorstellung damit. -Sonntags hatten wir meistens oder gaben Besuche. Ein fehlgeschlagener -Anschlag auf einen Besuch war immer störend, und die Kusine, die gern -ausging, sann oft stundenlang darüber nach, wo man sich nur könne -melden lassen. - -Ein großer schöner mit Bäumen bepflanzter Gang an der Saale war auch -an den Besuchtagen unser Spaziergang. Dort versammelte sich die schöne -Welt, und dort begegneten wir auch unsern Gespielinnen. - -Auch der fürstliche Garten unserer Wohnung gegenüber war Sonntags unser -Ziel. Alles mir Unbekannte und Fremde dünkte mir wunderbar, dieser -Zug ist mir aus meiner früheren Jugend auffallend. Der Garten mit -holzgeschnitzten Figuren, mit einer Laube, worin ein großes Bild war, -im Geschmack des Gartens, den der Apotheker in Hermann und Dorothea -beschreibt: dies waren meine Kunstwerke. Ein plumper Neptun mit einem -Dreizack in einem Bassin war mir auch verwunderungswürdig, und er kam -mir oft in meinen Träumen wieder vor. Auch ein Labyrinth, in dem ich -mich oft zu verlieren fürchtete, war mir bedeutend. - -So lebte und trieb ich mein Wesen in engen Umgebungen bis in mein -neuntes Jahr, wo unser guter Vater uns entrissen wurde.« - -Karoline befand sich bereits in einem Alter, wo der Gedanke an den Tod -schwere Seelenbewegung hervorruft, wie sie selbst bekennt: - -»In meinem dreizehnten Jahre verlor ich den Vater. Seine Krankheit -wurde mir wohl als bedenklich, doch nicht als einen nahen Tod drohend -vorgestellt. - -Noch hatte ich nichts Geliebtes durch den Tod verloren, so daß mir -diese grauenvolle Erscheinung in ihrer Macht und Tiefe fremd war. Der -Vater starb in der Nacht an einem Stickflusse. Die Diener kamen zu uns -herauf in den oberen Stock, mit dem Befehl der Mutter, wir sollten uns -ruhig in unserm Zimmer halten. Ihre Klagetöne drangen zu uns herauf, -meine Unruhe trieb mich die Treppe hinab, um ihr und dem Vater näher -zu sein. Es war am Morgen gegen drei Uhr, eine Lampe brannte schwach -auf der Hausflur. Die Zimmer meiner Mutter öffneten sich, man ging aus -und ein, ich lehnte auf dem Treppengeländer, um in das Innere derselben -blicken zu können. Da hörte ich die Stimme des Vaters. ›Weißt du nicht, -daß ein allmächtiger Gott lebt?‹ hörte ich ihn sagen. Die Stimme war -mir sonderbar nahe, als töne sie von der Hausflur her. Doch zweifelte -ich in dem Moment durchaus nicht, daß der Vater noch lebe und die -Mutter zu trösten suche. - -[Illustration: Die Schillerglocke] - -Als am nächsten Morgen das traurige Ereignis uns ausführlich mitgeteilt -wurde, und meine Mutter äußerte, schon gegen ein Uhr in der Nacht sei -der Vater sprachlos gewesen, sagte ich: ›Ich habe ihn ja um drei noch -reden hören!‹ worüber alles verwundert war. Vor dem Abgeschiedenen -hatte ich übrigens durchaus keine Scheu oder Furcht, ja ich weilte -oft lange in seinem Kabinett, wo ich ihn zuletzt gesehn, und bat Gott, -er möge mich ihn noch einmal sehen, ihn mir erscheinen lassen.« - -[Illustration: Charlottes Jugendheim] - -Der Heyßenhof war im 16. Jahrhundert Sitz einer Familie Heyße, stand -in alter Beziehung zum Rittergut Großkochberg, als dessen Inhaber ein -Herr von Stein 1720 damit belehnt wurde. Von 1770 bis 1780 war er -fürstliches Eigentum, dann ging er in den Besitz einer Müllersfamilie -Mallenbeck über. Wann der Jägermeister von Lengefeld sich hier -einmietete, und ob seine Töchter im Heyßenhof geboren wurden, kann -nicht festgestellt werden. In ihrem Erinnerungsleben spielt aber -diese Örtlichkeit eine bedeutsame Rolle, verlebten sie doch hier die -Kindheitsjahre, die mit ihren frisch empfundenen Eindrücken am tiefsten -und längsten bis in das Alter vorhalten. - -Der Schönfeldsche Hof gegenüber war ebenfalls seit Jahrhunderten ein -Kochberger Vorwerk gewesen. Die fürstliche Hofverwaltung hatte ihn -1706 erworben, und Prinz Ludwig Günther von 1734 an die Ludwigsburg -gebaut und mit einem Garten in französischer Mode ausgestattet, wie ihn -Charlotte sah. - -Der Damm am Saaleufer, 1735 angelegt, senkte sich reich mit schattigen -Bäumen bepflanzt als Wiese und Weide zum Flusse hinab, und links -von ihm dehnte sich der Anger aus als ländlicher Tummelplatz mit -Schießstand, Gaststätten und einem Sommertheater. - - - - -Der Herbst 1789 - - -Schillers Geschichtswerk über den Abfall der Niederlande war im -Rudolstädter Sommer abgeschlossen worden und zur Michaelismesse 1788 in -den Buchhandel gekommen. Daraufhin konnte sich Goethe für Charlottes -Freund und Frau von Steins Schützling verwenden, als die Professur -für Geschichte in Jena ganz unerwartet erledigt war. Der Dichter -sollte nun Mann der Wissenschaft sein und ein Lehramt mit drückenden -Verpflichtungen übernehmen. Das kam ihn hart an, aber die Aussicht -auf eine feste Staatsstellung verlieh ihm ein Recht, auf Charlottes -Hand zu hoffen. In Lauchstedt bei Halle erhielt er ihr Jawort. Vor der -besorgten Mutter mußte das vorläufig noch ein Geheimnis bleiben. - -Das junge Glück beseelt ihn mit neuem Mut, und zwischen dem Ernst der -Tagesarbeit ließt der Scherz in seine Worte: »Die Mohammedaner kehren, -wenn sie beten, ihr Gesicht nach Mekka, ich werde mir einen Katheder -hier anschaffen, wo ich das meinige gegen Rudolstadt wenden kann, denn -dort ist meine Religion und mein Prophet.« - -Als der Semesterschluß winkt, nehmen die Pläne für den Ferienaufenthalt -bestimmte Form an: »Ich mache mir meine Ferien so gut zunutze, als ich -kann. Es sind die ersten, die ich erlebe, und es kommt mir wunderlich -vor, daß mir eine Zeit vorgeschrieben ist, wo ich frei über mich -disponieren kann. Kommenden Winter lese ich die Woche fünf Stunden -Universalgeschichte, von der fränkischen Monarchie an bis auf Friedrich -II., und eine Stunde Geschichte der Römer.« - -Zwischen den Gedanken an die Arbeit belebt ihn die Freude auf die Nähe -der Braut: - - »Jena, Dienstag, den 1. September. - -Wie wird es mit unsern Abenden gehen, wenn ich in Volkstedt wohne? Ich -will es so einrichten, daß ich gegen drei gewöhnlich in Rudolstadt -bin, und zuweilen bleiben, bis die ~Chère Mère~ wieder geht. Zuweilen -komme ich auch den Vormittag. Bei schlechtem Wetter kann ich zur Not -im Wirtshaus oder sonst ein Absteigequartier finden. Den Tag, wann ich -komme, weiß ich noch nicht bestimmt. Ich vermute, daß ich morgen über -14 Tage mein letztes Kollegium lese.« - -Etwas bange stimmt ihn der Gedanke, daß sie die Sorgen der Mutter -nicht steigern durch eine vorzeitige Kunde von ihrem Verlöbnis: »Die -~Chère Mère~ müßt Ihr bei ihrer Zurückkunft und, wenn ich da bin, eher -fleißiger als nachlässiger besuchen, sonst gewöhnt Ihr sie, mich und -eine unangenehme Erfahrung in ihrem Gemüt zusammen zu denken.« - -Er muß zweierlei Briefe schreiben, solche die geheim bleiben, und -»ostensible«, die von Hand zu Hand gehen dürfen, und erwirbt sich -Anerkennung dafür: - -»Du bist recht artig, daß Du sogleich den Brief geschrieben hast, und -so schön, so fein angelegt, daß es aussieht, als überträfst Du uns -noch in List. Nun im Ernst, mein Lieber, glaube nicht, daß es meine -Mutter so sehr beunruhigen kann, wenn Du uns nahe bist. Sie soll nicht -mißmutig sein, wenn wir uns freuen. Aber ich kann mir doch auch nicht -denken, daß es sie zu sehr betrüben könnte. Sie hat Dich doch auch -lieb, findet, daß man Deinen Umgang schätzen muß, dazu hat sie doch zu -viel Verstand, um es nicht zu finden, und fühlt doch auch, daß wir so -einsam sind, und uns Deine Gesellschaft wohltun wird. Sie soll morgen -den Brief sehen. - -Daß wir Dich nachmittags von drei Uhr bis gegen sechs oder sieben immer -sehen wollen, haben wir auch schon ausgedacht, und wir gehen immer -abends um acht Uhr nach dem Essen bei Hof. Da können wir immer zwei -Stunden bleiben. Alle Tage kommt meine Mutter nicht zu uns, also werden -wir uns oft ungestört sehn können. Lieber, wie freut sich mein Herz -dieser Aussicht!« - -Am 18. September trifft der sehnlichst Erwartete ein, und fünf Wochen, -reich an Arbeit, hell durch Freude, getrübt von mancherlei Sorgen, -vereinigen den Rudolstädter Kreis in der Neuen Gasse. - -Karoline, die Schwester und Freundin, weiß in allem Bescheid: - -»Endlich kamen die Ferien. Schiller bewohnte wieder sein Haus in -Volkstedt und brachte Morgen- und Nachmittagsstunden bei uns zu, da die -Abende größtenteils der Mutter gehörten. Das Geheimnis der glücklichen -Liebe zwischen ihr und uns, welches zu ihrer Ruhe nötig war, empfanden -wir als eine ungewohnte Störung doppelt schmerzlich in dieser goldenen -Zeit, denn immer hatte Offenheit unter uns gewaltet. Doch tröstete uns -der Mutter sich stets gleich bleibende Achtung und Freundschaft für -Schiller. Dieser arbeitete an seinen Vorlesungen, an der Thalia und dem -Geisterseher und schweifte in den schönen Herbsttagen in der Gegend -umher, in der Erinnerung und Hoffnung ihn anlächelte. Auch manche -poetischen Pläne und Stimmungen entsprangen diesen Wanderungen, auf -denen wir ihn oft begleiteten. Die Liebe und die sichere Aussicht auf -ein glückliches häusliches Leben, welches immer der Gegenstand seiner -Sehnsucht gewesen war, bildeten einen lichten Grund in seinem Gemüte. -Aber die Ungewißheit der Epoche, wo Lottchen mit ihm leben könnte, -erzeugte oft Sorge und Unruhe. - -Es graute ihm vor der Einsamkeit in Jena. Der günstige Moment, seine -Bitte dem Herzog von Weimar vorzutragen, lag noch fern, und an ihrer -Erfüllung konnte man doch noch zweifeln. Da alles an der Festigkeit der -Existenz, die die Mutter beruhigen konnte, hing, so erging sich unsere -Phantasie in tausend Plänen, die dazu führen konnten. Städte, Länder -und Verhältnisse mit wohlgesinnten Menschen, die nur der Gestaltung -bedurften, lagen immer bereit.« - -Unter den Plänen, die erwogen wurden, beschäftigte auch der ernsthaft -die Gemüter, nur auf die schriftstellerische Tätigkeit den Hausstand, -und zwar in Rudolstadt, zu gründen. All diesen Überlegungen kommt -Frau von Stein zuvor, indem sie den Herzog bestimmt, für Schiller ein -kleines Jahresgehalt zu versprechen. Nun gilt es ihm als erste Pflicht, -der Mutter seiner Braut sein Herz und seine Lage zu eröffnen: - - »Jena, den 18. Dezember 1789. - -Wie lange und wie oft, seit mehr als einem Jahre, gnädige Frau, -habe ich mit mir selbst gestritten, ob ich es wagen soll Ihnen zu -gestehen, was ich jetzt nicht mehr zurückhalten kann. Ich muß Sie -bitten, verehrungswürdigste Freundin, sich jetzt alles gegenwärtig zu -machen, was je in Ihrem gütigen Herzen für mich sprach. Ich selbst muß -mir jedes Ihrer Worte zurückrufen, worin ich Wohlwollen für mich zu -erkennen glaubte, um in diesem Augenblicke Mut und Hoffnung zu fassen. -Es gab Augenblicke, unvergeßlich sind sie meinem Herzen, wo Sie mich -vergessen ließen, daß ich ein Fremdling in Ihrem Hause sei, ja, wo Sie -unter Ihren Kindern auch mich mit zu zählen schienen. Was Sie damals -ohne Bedeutung sagten, was nur eine vorübergehende Bewegung Ihres -Herzens Ihnen eingab, wie tief ergriff es mein Herz, wo lange schon -kein anderer Wunsch mehr lebte, als Ihr Sohn genannt zu werden. Sie -haben es in Ihrer Gewalt, jene Äußerungen in volle selige Wahrheit für -mich zu verwandeln. - -Ich gebe das ganze Glück meines Lebens in Ihre Hände. Ich liebe -Lottchen, ach, wie oft war dieses Geständnis auf meinen Lippen, es -kann Ihnen nicht entgangen sein. Seit dem ersten Tage, wo ich in Ihr -Haus trat, hat mich Lottchens liebe Gestalt nicht mehr verlassen. -Ihr schönes edles Herz habe ich durchschaut. In so vielen froh -durchlebten Stunden hat sich ihre zarte sanfte Seele in allen Gestalten -mir gezeigt. Im stillen innigen Umgang, wovon Sie selbst so oft -Zeugin waren, knüpfte sich das unzerreißbarste Band meines Lebens. -Mit jedem Tage wuchs die Gewißheit in mir, daß ich durch Lottchen -allein glücklich werden kann. Hätte ich diesen Eindruck vielleicht -bekämpfen sollen, da ich noch nicht vorhersehen konnte, ob Lottchen -auch die meine werden kann? Ich hab es versucht, ich habe mir einen -Zwang vorgeschrieben, der mir viele Leiden gekostet hat. Aber es ist -nicht möglich, seine höchste Glückseligkeit zu fliehen, gegen die -laute Stimme des Herzens zu streiten. Alles, was meine Hoffnungen -niederschlagen könnte, habe ich in diesem langen Jahre, wo diese -Leidenschaft in mir kämpfte, geprüft und gewogen, aber mein Herz -hat es widerlegt. Kann Lottchen glücklich werden durch meine innige -ewige Liebe, und kann ich Sie, Verehrungswürdigste, lebendig davon -überzeugen, so ist nichts mehr, was gegen das höchste Glück meines -Lebens in Anschlag kommen kann. Ich habe nichts zu fürchten, als die -zärtliche Bekümmernis der Mutter um das Glück ihrer Tochter, und -glücklich wird sie durch mich sein, wenn Liebe sie glücklich machen -kann. Und daß dieses ist, habe ich in Lottchens Herzen gelesen. - -Wollen Sie, teuerste Mutter, o lassen Sie mich bei diesem Namen Sie -nennen, der die Gefühle meines Herzens und meine Hoffnungen gegen -Sie ausspricht, wollen Sie das Teuerste, was Sie haben, meiner Liebe -anvertrauen? Meine Wünsche durch Ihre Billigung in Wirklichkeit -verwandeln, wenn es auch die Wünsche Ihrer Tochter sind, wenn wir uns -beide in dieser Bitte vereinigen? Ich werde Ihnen mehr zu danken haben, -als ich einem Menschen danken kann. Sie werden glücklich sein in der -Glückseligkeit Ihrer Kinder. Unsere Dankbarkeit wird geschäftig sein, -Ihr Leben zu verschönern und Ihnen das Geschenk der Liebe durch Liebe -zu erstatten. - -Ich erlaube mir keine weitre Erklärung, bis Sie über die Wünsche -meines Herzens entschieden haben werden. Steht nur in Ihrer Seele -meinem Glücke nichts entgegen, so werden keine Hindernisse von außen -ihm im Wege stehen. Mit welcher Unruhe und Sehnsucht erwarte ich von -Ihnen den Ausspruch über mein ganzes Glück! Aber Liebe allein wird Sie -leiten, und darauf gründe ich frohe Hoffnungen. Ewig der Ihrige mit der -innigsten Ehrfurcht und Liebe.« - -Nur ein gutes treues Mutterherz konnte eine Antwort geben, wie die, -deren Inhalt ihn nun von Zweifeln erlöste: - - »Rudolstadt, den 21. Dezember 1789. - -Ja, ich will Ihnen das Beste und Liebste, was ich noch zu geben habe, -meine gute Lottchen, geben. Die Liebe meiner Tochter zu Ihnen und Ihre -edle Denkungsart bürgt mir für das Glück meines Kindes, und dieses -allein suche ich. Verzeihen Sie aber der Sorgsamkeit und der Pflicht -einer Mutter: Können Sie Lottchen neben Ihrer zärtlichen Liebe, nicht -ein glänzendes Glück, sondern nur ein gutes Auskommen verschaffen? -Beruhigen Sie mich über diesen Punkt, und ich nenne Sie mit Freuden -Sohn. Wäre ich reich, könnte ich Ihnen mit meiner Tochter ein -ansehnliches Vermögen geben, wie gern würde ich Ihnen da zeigen, daß -Verdienst und ein Herz, so wie ich das Ihrige kenne, die schätzbarsten -Güter der Erde für mich sind. Da mein Vermögen aber nicht groß und -unser jetziges Leben diese Frage verlangt, weil ohne hinlänglichen -Unterhalt kein Familienglück bestehen kann, so müssen Sie mir meine -Ängstlichkeit vergeben. Die ich mich mit wahrer Ergebenheit und -Freundschaft nenne - - Ihre treue Freundin von Lengefeld.« - -Zwei gute und treuherzige Briefe von Rudolstädtern in der Ferne trafen -ein, der eine noch an Fräulein von Lengefeld in der Neuen Gasse, der -andere bereits an Frau Hofrätin Schiller in Jena. - - »Genf, den 27. Januar 1790. - -Daß ich an der Entscheidung Ihres Schicksals, liebes Lottchen, den -lebhaftesten Anteil nehme, dafür bürgt Ihnen meine Freundschaft für -Sie. Mögen Sie mit dem Manne, den Sie sich gewählt haben, in allen -künftigen Lagen Ihres Lebens immer so glücklich sein, als es Ihr gutes -edles Herz verdient. Einer meiner sehnlichsten Wünsche wird dadurch -erfüllt werden. Schiller, der mir bereits für seinen Geist die größte -Achtung eingeflößt hat, soll mir auch in dem neuen Verhältnisse, -in welches ich mit ihm durch Sie gesetzt werde, herzlich willkommen -sein, und ich bitte Sie, ihn von meiner aufrichtigsten Freundschaft zu -versichern. - -Es ist freilich eben so gar artig nicht, daß Sie so mit einem Male -Ihrem alten Lehrer aus der Schule laufen und mich, Ihren alten Freund, -verlassen. Allein ich würde zuviel Eigennutz verraten, wenn ich mich -zu sehr darüber beschweren wollte, und Knebeln muß es doch eigentlich -recht wohl tun, seine Schülerin nun als hochgelehrte Professorin auf -der Hohen Schule zu wissen. Ich will nun von Ihnen recht viel lernen, -vorzüglich rechne ich sehr darauf, durch Ihre Vermittelung bisweilen -etwas von Schillers historischen Vorlesungen zu erhalten. Seine erste -im Merkur eingerückte Vorlesung habe ich kürzlich gelesen. Sie ist ganz -meisterhaft und hat mir außerordentlich gefallen. Schiller behandelt -die Geschichte genau so, wie ich immer gewünscht habe, sie behandelt -zu sehen. Jede einzelne Geschichte wird durch seine Darstellung ein -schöner Teil von einem großen harmonischen Ganzen, von der Geschichte -der Menschheit. - -Daß Sie uns in Rudolstadt nicht ganz vergessen, und daß Sie sich so -einrichten werden, daß Sie alle Ferien bei uns mit Ihrem Freunde -zubringen, darauf zähle ich sicher. - -Leben Sie wohl, liebes Lottchen, und lassen Sie bald wieder etwas von -sich hören. - - von Beulwitz.« - - »Genf, den 15. März 1790. - - Bestes Schwesterchen, - -wie sehr Ihr Wohl und Glück Ihrem Brüderchen am Herzen liegt, wie -sehr er sich jetzt freut, Sie in derjenigen Lage zu sehen, die Sie -sich selbst wünschten und wählten, können Sie sich leicht vorstellen. -Nichts konnte mir mehr Vergnügen machen, als Sie mit einem so braven -Mann, als Herr Schiller ist, verbunden zu sehen. Erlauben Sie mir, -mich bei dieser Gelegenheit zu fernerer Freundschaft zu empfehlen. -Recht oft hoffe ich Sie mit Ihrem lieben Mann in Rudolstadt zu sehen, -und so manche angenehme Stunde soll uns im freundschaftlichen Zirkel -verfließen. Dann singen wir Herrn Schillers Lied an die Freude! Jetzt -muß unser Lieblingsdichter diese Stelle doppelt fühlen: ›Wer ein holdes -Weib errungen, mische seinen Jubel ein!‹ – - -Darf ich bitten, mich Herrn Schiller zu fernerer Freundschaft zu -empfehlen. Bald werde ich Ihnen mündlich sagen können, wie sehr ich Sie -verehre, und bin - - Ihr aufrichtiger - Freund und Diener - Ludwig Friedrich.« - - * * * * * - -»An einem Montag, den 22. Februar 1790, wurden wir in Wenigenjena vom -Diakonus Schmidt getraut. - -Schiller kam einige Tage vorher nach Erfurt, wo ich und Karoline war, -uns abzuholen. Wir kamen Sonntag abends nach Jena. Den Montag früh -fuhren wir drei zusammen nach Kahla, wo wir meine Mutter abholten. -Es war ein Frühlingstag wie heute, wo ich dieses mit Schmerzen -niederschreibe. Von Kahla fuhren wir gegen 2 Uhr ab und kamen um 5 -Uhr ganz in der Stille in Wenigenjena an, stiegen an der Kirche aus, -niemand war bei der Trauung zugegen, als meine Mutter und Karoline. Den -Abend brachten wir still und ruhig miteinander in Gesprächen zu beim -Tee. So verging der Tag, der so viele Freuden in seinem Gefolge hatte -und so viele Schmerzen. Jeglichen Menschen erwartet sein Tag, auch -meiner wird kommen!« - - Aus Charlottes Tagebuch. - - - - -Das Frühjahr 1791 - - -Das Jahr 1791 begann mit Not und Sorge. Am 3. Januar bei einem -Hoffest in Erfurt war Schiller zusammengebrochen. Der Arzt schaffte -wohl Linderung, aber nicht Heilung. Am 9. Januar erfolgte die Reise -nach Weimar, am 11. die Rückkehr nach Jena. Im Briefwechsel des -Freundeskreises ist die Sorge und die Hoffnung zu erkennen, mit der -alle die Ereignisse im Befinden Schillers begleiteten. Erst am 22. -Februar führt der Genesende selbst wieder die Feder und berichtet -dem Dresdener Freund seinen Zustand und seine Pläne für den Sommer. -Schon am Krankenlager hatte sich ein Wetteifer gezeigt: nicht nur -Verwandte und altbewährte Freunde hatten einander übertroffen in ihren -Bemühungen, auch neue Anhänger bewarben sich, wenigstens einmal eine -Nachtwache leisten zu dürfen. Schillers philosophische Studien hatten -ihm Schüler in reiferen Mannesjahren zugeführt, die nur vorübergehend -Jena aufsuchten, um seinen persönlichen Verkehr zu genießen. Im Anfang -des April folgten ihm einige dieser neuen Freunde auch in seine -Erholungszeit nach Rudolstadt. - -Geselliges Leben entwickelt sich hier, drei- bis viermal die Woche -wird ein Spazierritt unternommen. Am 24. April folgt Schiller einer -Einladung zur Hoftafel, die Umgebung ist heiter, aber er selbst -beurteilt seinen Zustand mit klarem Blick: ›Ich mag niemand sagen, daß -ich meine Beschwerden behalten muß. – Es soll mir nicht an Mut fehlen, -wenn auch das Schlimmste über mich kommen wird.‹ - -Zu dem neuen Kreise gehörte der fünfundzwanzigjährige Mediziner -Benjamin Erhard aus Nürnberg, Kantischer Philosoph, Mathematiker, -Zeichner und Musiker, ein bestimmt auftretender, humorvoller Mensch, -dessen Wesen Schiller mit fühlbarem Anteil schildert. Er berichtet -in seinen Denkwürdigkeiten: »Durch Schillers Bekanntschaft wurde ich -veranlaßt, ihn in Rudolstadt bei seinem Schwager zu besuchen. Ich -verlebte hier einige der glücklichsten Tage meines Lebens, unter lauter -gebildeten Menschen, die mich an äußerer Bildung alle übertrafen, -und die doch Güte genug hatten, mir meine innere als Ersatz für die -äußere anzunehmen. Die Prinzen und Prinzessinnen kamen beständig in -dieses Haus, und meine geringe Fertigkeit im Zeichnen und Kenntnis des -Generalbasses erwarb mir ihre Gunst. Der Ton, der hier herrschte, war -die unschuldigste Geselligkeit, die ich bisher gesehen hatte. Ich war -eines Abends auf dem Schlosse und phantasierte auf Verlangen auf dem -Fortepiano; meine Laune gab mir deutsche Tänze ein, und diese wirkten -auf die Gesellschaft so, daß sie zu tanzen anfing, und ich meine Tänze -fortspielen mußte. Reinhold, der auch auf Besuch hier war, sagte mir -ins Ohr: ›Nun erfahre ich, was ich in meinem Leben nicht erwartet -habe, daß ein Hof nach der Musik eines Philosophen tanzt.‹ Das hörte -aber doch ein Nahestehender, der Scherz wurde in der Gesellschaft -verbreitet und gefiel jedermann. Mit dem Buchhändler Göschen ging ich -zu Fuß nach Jena zurück und fand auch in ihm einen Freund.« - -Aus dem Bekanntenkreis, zu dem auch der Freiherr von Hardenberg, der -Dichter Novalis, gehörte, nennt Schiller noch einen Klagenfurter -Fabrikanten Baron von Herbert und zwei Livländer, Baron von Adlerskron, -Offizier und Philosoph, und Karl Gotthard Graß, der sich als Theolog, -Philosoph, Dichter und Maler betätigte. Aus dessen Feder besitzen wir -die Schilderungen von Schillers Krankheit, die ihn am 7. Mai überfiel. -Aus seiner Heimat schreibt er 1795 an Schiller: »Es sind vier Jahre, -vier Jahre! verflossen, seit ich in Rudolstadt von Ihnen ging; nur wenn -ich auf die Lebhaftigkeit meiner Rückerinnerungen an jene Augenblicke -sehe, scheinen es mir so viele Tage zu sein. Ich sehe noch jeden -einzelnen Moment unverrückt und deutlich vor mir. Wie wir am Bett saßen -und Ihnen vorlasen, und was wir lasen; wie wir die Mondlandschaft vor -Ihnen aufstellten; dann wieder, wie Ihre Gattin an Ihrem Bett kniete -und die Tränen verbarg, und Ihre Hände sie umschlangen; wie Sie mit mir -Malaga und auf Wiedersehen tranken; dies alles, und was Sie mir sagten, -und was ich empfand, dies alles ist mir so gegenwärtig, wie von gestern -her. Ich kenne jeden Zug Ihres Gesichts, ich höre Ihre Stimme, und die -leiseste Berührung dieser Erinnerungen durchdringt meine ganze Seele!« - -Aus Neapel beantwortet er die Nachricht von Schillers Tod, unter der er -zusammenbrechen wollte; dabei fließt ihm in die Feder: »Erinnern Sie -sich noch eines Augenblicks, der mir unvergeßlich ist, als Schiller in -Rudolstadt so krank war: Ich befand mich in seinem Zimmer und hatte, -indem ich am Fenster stand und las, mir das Bild des Leidenden und -das Edle und Große, welches seine Form und seine Züge umschwebte, -tief eingeprägt. Er hatte, soviel ich weiß, etwas Opium genommen, -die heftigen Krämpfe zu stillen, und lag da, leicht entschlummert, -wie ein Marmorbild. Sie befanden sich im Nebenzimmer, wo ich Ihnen -die Schillersche Übersetzung des vierten Buchs der Äneide vorgelesen -hatte, und von Zeit zu Zeit kamen Sie an die Türe, sich nach Schiller -umzusehen. Sie sahen ihn also da liegen und nahten leise auf bloßen -Strümpfen, und ebenso leise knieten Sie mit gefalteten Händen vor sein -Bette hin. Ihr loses dunkles Haar floß über die Schulter. Still weinte -Ihr Auge. Sie hatten es wohl kaum bemerkt, daß noch jemand im Zimmer -war. Der ohnmächtige Kranke schlug indessen etwas die Augen auf. Er -erblickte Sie; mit Leidenschaft umschlangen plötzlich seine Arme Ihr -Haupt, und so blieb er auf Ihrem Nacken ruhen, indem ihn die Kraft -von neuem verließ. Verzeihen Sie, daß ichs wagte, Ihnen eine Szene zu -schildern, die so heilig und himmlisch war, daß nur Unsterbliche sie -belauschen sollten. Begreifen Sie nun, daß ich Schiller und Sie nie -vergessen konnte?« - -Treuer Pflege, der Hilfe der Rudolstädter Ärzte Conradi und Beythan, -sowie des Jenaer Hofrats Stark gelang es, den Leidenden zu retten. Am -9. Juli reiste er mit Frau und Schwägerin nach Karlsbad, von wo Lotte -meldet, daß die Kur guten Erfolg hat. Karoline wurde nach Rudolstadt -zurückberufen, denn am 21. Juli fand die Vermählung des Erbprinzen -Ludwig Friedrich mit der Prinzessin Karoline Luise in Homburg statt, -und am 5. August sollte der feierliche Einzug des jungen Paares in -Rudolstadt erfolgen. - - * * * * * - -»Am 10. April 1805. Jeder Mensch sollte die Geschichte seiner -Empfindungen für sich selbst aufsetzen, nicht sich ängstlich beobachten -und immer mit seinem Gewissen sich abfinden, sondern sich mit freiem -Sinne prüfen, wie die äußern Gegenstände auf uns wirken. – - -Je länger man in der Welt lebt, je näher man die Menschen beleuchtet, -je mehr flüchtet man sich in sein eigenes Herz zurück. Welche Zwecke, -welche Neigungen leiten die, die wir beobachten! Falsches Streben nach -unerreichbaren Dingen ist beinah die ganze Existenz mancher Naturen. Wo -ist der Friede zu finden, wenn er nicht in uns ist? - -Je gebildeter die Natur, je näher den Abwegen! Kein Mittelweg führt zu -dem Genuß einer ruhigen Existenz. Haben wir das Schicksal beschworen, -so entsteht in uns selbst der Kummer. Immer das Unerreichbare zu -erringen strebt die Natur. Immer in jeder Lage, in jedem Moment des -Lebens ist nur Hoffnung nach etwas Besserem, für etwas Besseres der -einzige Stab, auf den wir unsere wankende Existenz stützen. Soll -dieses ewige Streben nach dem Besseren zwecklos sein? Soll es nicht dem -Geist die Deutung geben, daß es einen Ort gibt, wo endlich alles Hoffen -erfüllt wird?« - -So schrieb die ehemalige Rudolstädterin in ihrem Heim an der Esplanade -zu Weimar, als der Gatte hoffnungslos darniederlag. - -Vier Wochen darauf trat das Ereignis ein, das die ~Chère mère~ in einer -Urkunde bezeugt: »Den 9. Mai, abends zwischen 5 und 6 Uhr ist mein -Schwiegersohn, Hofrat von Schiller, Mitglied der Witwensozietät, mit -Tod abgegangen.« - -Eine schwache, achtunddreißigjährige Witwe, brach Charlotte am -Sterbebette in der Dachstube zusammen, dann nahm sie die Last auf sich, -die eine gütige Vorsehung sonst nur den Armen eines Menschenpaares -zumutet: Unmündige zu tragen und zu führen, bis sie ihren Lebensweg aus -eigener Kraft weitergehen können. - - - - -Schillers Familie in Rudolstadt - - -Nach Schillers Verheiratung löste sich bald der Hausstand in der Neuen -Gasse auf. Frau von Lengefeld hatte schon 1789 ihr Amt als Erzieherin -der Schwestern Ludwig Friedrichs angetreten und bezog eine Wohnung auf -der Heidecksburg. Karoline von Beulwitz trennte sich von ihrem Gemahl, -verließ Rudolstadt und ging 1794 eine neue Ehe mit Wilhelm von Wolzogen -ein. - -Über den Verkehr Schillers und der Seinen enthalten die Hoffurierbücher -trockene, aber genaue Auskunft, da jede Mahlzeit und jedes -Nachtquartier eingetragen ist. - -»Herr Schiller und Frau Hofrätin sind vom 2. bis 12. September 1799 -mittags an Erbprinzen Tafel und abends bei fürstlicher Tafel gewesen.« - -Bis 1803 wohnt »Frau Hofrätin Schiller« wiederholt bei ihrer Mutter, -dann tritt eine Pause ein bis 1810. Als zwölfjähriger Knabe besingt -Ernst von Schiller romantisch schwärmerisch die Kapelle im Mörlagraben -und dichtet eine Ballade: Der Ritter und die Saalnixe. Bald erscheint -»Herr von Schiller«, der siebzehnjährige Sohn Karl, als Gast an der -fürstlichen Tafel. Am 23. Februar 1811 nimmt Ernst an einem Maskenfest -auf dem Schlosse teil als Marquis Posa und fällt auf, wegen seiner -großen Ähnlichkeit mit dem Vater, die kleine Karoline gesellt sich zu -den fürstlichen Kindern. Karl verkehrt als »Herr Leutnant von Schiller« -bis 1815 an der Familientafel, Ernst »der Herr Kammerassessor« bis -1818, dann führt der Beruf sie beide in die Ferne. Von 1819–1823 feiert -»Frau Hofrat von Schiller mit zwei Fräulein« regelmäßig den Geburtstag -der Mutter am Hofe, Emilie hat Beziehungen zu Familien in der Stadt, -Karoline findet sich am 28. November 1822 als »bleibender Gast« auf dem -Schlosse ein. - -Am 11. Dezember 1823 verschied die ~Chère mère~, und die Fürstin -Karoline Luise wurde den drei vereinsamten Frauen aufrichtige Freundin -und treue Beraterin. - -[Illustration: Das Schillerhaus in Volkstedt] - -Drei Jahre später, am 9. Juli 1826, starb Charlotte in Bonn. Sie hatte -den Augenarzt von Walther daselbst aufgesucht, um ihr Starleiden heilen -zu lassen. Die Operation gelang, aber Schwindelanfälle und Atemnot -traten ein. Ernst von Schiller zeigt der Fürstin Karoline Luise den -Tod der Mutter an: »Ich fand sie phantasierend, doch mit helleren -Momenten, in deren einem sie meine Anwesenheit erkannte und einige, -doch schwache Teilnahme zeigte. Die Bilder ihrer Phantasie waren mild, -es war der Regen, der die Blumen erquicken würde. Ich holte Walther, -der mir gleich sagte, daß sie rettungslos verloren sei, es sei ein -Nervenschlag, der durchaus unerwartet gekommen wäre. Um halb 5 Uhr -hörte sie auf zu sprechen. Ohne irgendein Zeichen ihres Bewußtseins zu -geben, hauchte die Vortreffliche morgens gegen 6 Uhr ihr edles Leben -aus. Emilie und ich waren zugegen. Euer Durchlaucht kennen den -Schmerz und werden den unsrigen begreifen.« - -[Illustration: Die Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt] - -Emilie war ein hochstrebendes Wesen und fühlte schwer den Kampf -zwischen ihren Idealen und der Wirklichkeit. An ihren Bruder Ernst -schloß sie sich eng an. Seelsorgerin in allen Gewissensangelegenheiten -blieb ihr die Fürstin in Rudolstadt, bis Adalbert von Gleichen sie 1828 -als Gattin heimführte. - -Über Karolines Verkehr und ihren Aufenthalt in Rudolstadt ist die -zuverlässigste Kunde erhalten geblieben. Schon als Kind hatte sie -gern mit jüngeren Kindern verkehrt. Noch bei Lebzeiten der Mutter war -sie in das Katharinenstift zu Stuttgart eingetreten, um Erziehung und -Unterricht gründlich kennenzulernen. Krankheit und Tod der Mutter -bestimmten sie, sich eine eigene Stellung im Leben zu suchen. Bei -allen Entscheidungen war auch ihr die »Fürstin Mutter« in Rudolstadt -eine treue und nimmermüde, vielerfahrene Freundin. In die Familie des -württembergischen Herzogs Eugen zu Karlsruhe in Schlesien trat sie ein, -um diesem eine achtjährige Tochter zu erziehen. Als die Tätigkeit dort -zu Ende war, legten die alten Beziehungen der Eltern zu Hof und Stadt -sowie die neuen Verbindungen der Schwester Emilie zu der Familie von -Gleichen den Gedanken nahe, nach Rudolstadt zurückzukehren. Vor Not -blieb sie bewahrt, da sich der geistige Nachlaß des Vaters in Barbesitz -der Erben verwandelte. Nun trat eine arbeitshungrige dreißigjährige -Dame in das Leben der kleinen Residenz ein. Studium und Lektüre -befriedigten sie nicht. Die philosophischen und dichterischen Werke des -Vaters beherrschte sie vollkommen, und anderen davon mitzuteilen durch -Vortrag oder Einübung von Rollen bereitete ihr Genuß und Freude. Eine -Entscheidung im Gemütsleben hatte sie standhaft überwunden und »durch -herrliche, edle Menschen Trost und Erquickung in der Freundschaft -empfangen.« Nunmehr folgt sie dem Zuge des Herzens, »um das Ideal ihres -Lebens ins Werk zu setzen«. - -Am 26. Mai 1832 veröffentlicht sie ihr »Anerbieten. Wenn es einigen -Eltern erwünscht sein könnte, ihre Töchter unter weiblicher Aufsicht -unterrichten zu lassen, so erbiete ich mich gern, sie vom siebenten -Jahre an täglich 5–6 Stunden bei mir aufzunehmen.« - -Am 25. Juni beginnt der Unterricht, außer ihr selbst ist ein Kandidat -und eine Handarbeitslehrerin an der Klasse beschäftigt. Vom Jahre 1834 -an erteilt der Theologe und Mathematiker Augustin Regensburger den -wissenschaftlichen Unterricht, und mit ihm tritt ein Geistesverwandter -in die Gefolgschaft der Stifterin ein. - -Unter den Schülerinnen des Jahres 1835 wird Franziska Junot genannt, -ihr Vater war der Bergrat Junot in Katzhütte. Vornehme, heitere Ruhe -wird ihm nachgesagt. Aus erster Ehe Witwer geworden, mag er sich nach -einer mütterlichen Versorgerin für seine sechs Kinder umgesehen und -dabei das feinsinnige Erziehertalent Karolines erkannt haben. Am 26. -Juli 1836 fand die Trauung statt in der Kirche von Volkstedt, auf -der 48 Jahre vorher das Auge des Vaters täglich geruht hatte. Am 1. -April 1839 gab Karoline einem Söhnchen das Leben. Es erhielt die Namen -Felix Karl, trug das goldleuchtende, wallende Schillerhaar und wies -vielversprechende Anlagen auf; aber eine jäheintretende Krankheit -setzte seinem Dasein ein frühes Ende. Er starb am 27. April 1844 in -Rudolstadt. Sein Grab liegt auf dem alten Friedhof links, gegenüber der -Friedhofshalle. - -Als Junot in das Kammerkollegium nach Rudolstadt berufen wurde, -bezog die Familie im Hause Augustenstraße 10 eine Wohnung. Ihre -Nachbarn erinnerten sich noch lange gern des stattlichen, würdevollen -Paares, das seine abendlichen Erholungsgänge auf und ab in der Straße -unternahm. Durch Freude und Sorge des täglichen Lebens klingt aus -den Briefen Karolines ein tiefbegründetes ideales Streben, das in -religiösem Trost über die Wirklichkeit erhob. - -Bald sollte ihr neue Prüfung auferlegt werden, die Kirchennachrichten -melden am 4. Januar 1846 »Gestorben: der Fürstliche Bergrat, Herr Franz -Karl Emanuel Junot, 60 Jahre, 8 Monate und 12 Tage alt.« Karolines -Privatanzeige schließt: »Wir werden die vielfachen Beweise der Liebe -und Achtung gegen den Geschiedenen stets in dankbarem Herzen bewahren.« - -Auf einer Reise zum Besuch der Schwester auf Greifenstein bei Bonnland -in Unterfranken erkrankte Karoline, und der Tod erfüllte ihr Sehnen am -19. Dezember 1850 in Würzburg. - -In Rudolstadt, so hatte sie gewünscht, sollte ihr Herz beigesetzt -werden, und es fand seine Ruhe an der Stelle, wo Sohn und Gatte -bestattet lagen. - - * * * * * - -Das Bild Seite 13 ist die Wiedergabe einer Bleistiftzeichnung, die die -Unterschrift trägt: »Frl. Lottchen von Lengefeld. 1788.« Sie fand sich, -bisher unbeachtet, im Schloßmuseum unter Hunderten von Blättern aus der -zeichenfreudigen Zeit Ludwig Friedrichs. Das Profil ist mit sicherer -Hand, vielleicht unter Benutzung eines Schattenrisses, festgehalten -worden, während Haare und Gewand nicht die gleiche Bestimmtheit -erkennen lassen. Das H als Busennadel könnte Bezug haben auf die -Neckerei mit dem englischen Hauptmann Heron. Die Schriftzüge können die -Ludwig Friedrichs oder seines Lehrers, des Hofmalers Franz Cotta, sein. - -Das Bild Seite 76 gibt eine Bleistiftzeichnung wieder, die -unterschrieben ist: »Rudolstadt d. 31. Decbr. 1839. Mathilde, Pr. zu -Schaumburg-Lippe.« Von der Hand der Fürstin Elisabeth zur Lippe stammt -der spätere Zusatz: »Caroline Junot, geb. von Schiller.« Ein anderes -Blatt vom 28. Dezember zeigt die Dargestellte mit einer Strickarbeit -beschäftigt und die Unterschrift dazu von der Fürstin Karoline Luise. - - - - -Rundgang an den Schillerstätten vorüber - - -Das Doppelhaus Schillerstraße 25 blieb als weihevoller Ort erhalten. -Der Hausgarten daran war zum Bauplatz für eine Kirche bestimmt. Der -spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat Wolle, löste die Gerechtsame ab. -Sein Sohn, Landgerichtspräsident Wolle, dessen Witwe jetzt Besitzerin -ist, war ein feinsinniger Schillerverehrer und hielt jede entstellende -Neuerung fern. Das Obergeschoß an der Schillerstraße war Wohnung des -Ehepaares von Beulwitz von 1785 bis 1794. Das Gartengebäude nach der -Allee bewohnte Frau von Lengefeld von 1775 bis 1789 und Charlotte bis -zu ihrer Verheiratung. - -Das Schulgrundstück gegenüber, Große Allee 5, war der Lengefeldsche -Garten, den die ~Chère mère~ 1786 gekauft hatte. Hier fanden die -Teeabende und Komödienspiele statt. Für diesen Garten hatte Karl August -die Bäume unter scherzhaften Anspielungen gestiftet. Ein zweistöckiges -Gartenhaus mit Geräteschuppen war der »grüne Pavillon«, den Schiller -von Volkstedt aus mit dem Perspektiv erkannte. Als 1835 das -»Schwesterngäßchen« von der Allee zur Augustenstraße durch den Garten -gelegt wurde, mußten die beiden Häuschen etwas nach Süden hin versetzt -werden. - -Augustenstraße 10 war die Wohnung von Karoline Junot, als sie mit ihrem -Gemahl 1839 von Katzhütte nach Rudolstadt umgezogen war. Im Hause -Augustenstraße 17 hatte sie 1832 ihre Mädchenschule gegründet. - -Das Gasthaus »Zur Güldenen Gabel«, Schillerstraße 1, bildete mit dem -Grundstück Schwarzburger Straße 12 das vornehme Absteigequartier der -Stadt. Das Wochenblatt vom 11. Dezember 1787 zählt unter den Fremden, -»so sich teils hier aufgehalten, auch nur durchgereist sind,« Herrn -Architekt Harles und Herrn Doktor Schiller aus Meinungen auf. Wolzogen -reiste demnach ›inkognito‹. Am 27. Mai 1788 wird Herr Rat Schüler aus -Weimar, am 22. September 1789 Herr Professor Schüler aus Jena genannt. - -Schloßaufgang II,3 gehört zu den kleinen Anwesen, wie sie Bediensteten -des Hofes überwiesen wurden, damit diese am Fuß des Schloßberges -jederzeit leicht zu Tage- oder Nachtwerk anzurufen waren. Das Haus -gehörte 1788 einer Hofratwitwe Roß und wird als Herbstwohnung Schillers -genannt. - -Die Stadtkirche ist ein wertvolles Denkmal für Heimat- und -Kunstgeschichte. Auf die Anschauung deutscher mittelalterlicher -Bauformen war aber die Zeit Schillers noch wenig eingestellt. - -Die Mayersche Glockengießerei Jenaische Straße 1 war bis 1872 in -Betrieb, sie wird jetzt als Maschinenfabrik vom Schwiegersohn des -letzten Glockengießers Robert Mayer betrieben. - -Der Heißenhof Lengefeldstraße 1 war eine Zeit lang Brauerei und führt -im Volksmund seitdem den Namen Bergschlößchen, er ist jetzt Eigentum -der Stadtgemeinde. - -Der Baumgarten war im 18. Jahrhundert ein Englischer Park mit 2 -Teichen, einem Fischerhäuschen und einer Einsiedelei, wurde von Fürst -Ludwig Friedrich liebevoll ausgestattet, ist in der Neuzeit aber bis -auf spärliche Reste verschwunden, da er als Gebiet für Neubauten -gebraucht wurde. - -Auf dem Schloß erinnern die Lengefeld-Zimmer noch an die Frau -Oberhofmeisterin. - -Im Jägerhof wohnte vor seiner Verheiratung der Landjägermeister von -Lengefeld. - -Ein Spaziergang die Schloßstraße hinab gewährt einen guten Überblick -über die Flur zwischen Rudolstadt und Volkstedt. - -Das Haus des Kantors Unbehaun lag zu Schillers Zeit als erstes -Gehöft des Dorfes rechts am Wege, gegenüber der Porzellanfabrik und -der Kirche. Es hat durch Umbau Veränderung erfahren, aber Hof und -Nebengebäude zeigen noch die alte Stimmung. Hier sorgte der treue -Hauswirt, wenn nötig mit dem Fliegenwedel in der Hand, daß die Kuh den -Herrn Doktor nicht störte. Alles Liebe und Gute wurde dem braven Manne -dankbar dafür nachgerühmt, und 1791 hielt Graß in einer Zeichnung seine -Züge fest, aus denen Treue und Redlichkeit sprechen. Die Nachkommen -Unbehauns, die Familien Stauch, haben das Zimmer und dessen Einrichtung -pietätvoll geschont. - -Schillererinnerungen beleben die ganze Flur Volkstedt. Der Weg nach -Rudolstadt hat Umänderungen erlitten. Er führte einst durch eine -Wiesenmulde zum Schaalbach und von da auf den Hain zu. Die Richtersche -Fabrik und die neuen Stadtteile sind dort entstanden. Nur die -Schillerquelle im Rudolspark erinnert noch an alte Zeit, wenn auch -versteckt an dem schluchtartigen Philosophenweg. – Nach Zeigerheim zu -führten Spazierwege den Dichter oft, und es heißt, der Bergvorsprung an -der Prinzeneiche sei ein Lieblingsplatz von ihm gewesen. Hier folgte -sein Blick der Länder verknüpfenden Straße und der Pappeln stolzem -Geschlechte bis Saalfeld und Rudolstadt. – Den Gefahren einer Seereise -setzte er sich aus, indem er oberhalb des Wehres einen Kahn benutzte -oder unterhalb den Fluß durchwatete. So erreichte er die Große Wiese -mit weithin verbreitetem Teppich. Aus der Ferne grüßte die Burg. Unter -den Linden erwarteten ihn die Freundinnen und führten ihn nach Cumbach, -wo um den Hofgarten französischen Stils deutsches Landleben sich -abspielte. - -[Illustration: Karoline Junot, geborene von Schiller] - -An den steilen Sandsteinfelsen des Mühlbergs errichtete im Jahre 1830 -der Kammerrat Karl Werlich die Anlagen der Schillershöhe mit der -Danneckerschen Büste und den Schlußversen des »Spaziergangs«. Es wäre -mehr als kühn, zu behaupten, daß Schiller dieses philosophische Gedicht -lediglich hier als Eingebung empfangen habe. Die landschaftlichen -Bilder dazu mögen aus vielen Erinnerungen des Dichters bis 1795 -zusammengeflossen sein. Immerhin kann doch geraten werden, den Pfad von -Schillershöhe über Unterpreilipp zur Preilipper Kuppe zurückzulegen. -Dabei werden sich Natureindrücke und Landschaftsbilder bieten, die für -das Verständnis der Dichtung willkommen sind. - -Die Saale selbst ruft uns Schillerworte zu: - - »Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele; - Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.« - -Auch die Schillerverehrung früherer Rudolstädter Geschlechter sollte -nicht der Vergangenheit anheimfallen. Eine Tafel auf Justinshöhe über -Volkstedt trug die Verse Augustin Regensburgers: - - »Wandrer! dich grüßt die Natur in lieblich erhabener Anmut, - Schaust du vom Bergeshang sinnig ins friedliche Tal. - Sieh, wie der silberne Strom, ein Bild des Lebens, dahinrauscht, - Dort an der Schillershöh küssend geweihtes Land! - Hier der Wiese Grün, dort der Saat sich kräuselnde Woge! - Wie majestätisch das Schloß thront bei der freundlichen Stadt! - Wann nun spähend dein Blick sich verliert in die duftige Ferne, - Spiegelt im seligen Aug wonnig das himmlische Blau.« - - - - -Der Greifenverlag zu Rudolstadt - -Bei uns erschien: - - -Thüringer Heimatbücher, Band I - -Berthold Rein - -Die Friedensburg bei Leutenberg - -Eine thüringische Grenzfeste und ihre Bewohner - -Mit 8 Lichtbildern – Fein kartoniert Mk. 3.– - -_Landeszeitung Rudolstadt_: Die Thüringer Heimatbücher sind wegen -ihres heimatkundlich wertvollen Charakters durchaus zu begrüßen. Die -bei allem sachlichen Ernst und aller historischen Treue fesselnd -geschriebene Abhandlung läßt uns einen Blick in die dunklen Tage des -Mittelalters, in die Entstehung der alten, auf einem Bergkegel herrlich -gelegenen Burg tun, in den romantischen Zauber ihrer düsterwinkligen -Gänge, Erker, Lauben und Säle. Die Arbeit aus der Feder des Schulrats -Dr. Rein, dessen sorgfältige Behandlung wissenschaftlicher und -historischer Fragen bekannt ist, zeugt von gründlichem Studium der -Archivalien, der alten schweinsledernen Folianten und Pergamente, der -Urkunden und Fachschriften. Das mit Bildern versehene Büchlein ist in -jeder Beziehung wirklich zu empfehlen. - -_Rudolstädter Zeitung_: Ein Heimatbuch, wie es sein soll: schlicht -und allgemein verständlich. All denen, die sich liebevoll in die -Vergangenheit romantischer Burgenherrlichkeit versenken, will das -geschmackvoll ausgestattete Büchlein ein treuer Führer sein. Es ist -Goldschlägerarbeit, die der Verfasser geleistet hat. Heimatsinn und -Heimatliebe führten dem Sohne der Thüringer Scholle die Feder, so daß -wir dem ersten Band der Veröffentlichungen des Heimatbundes nur warme -Worte der Empfehlung mit auf den Weg geben können. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - Unterschiedliche Schreibweisen von Namen wurden wie im Original - beibehalten. - - Der Schmutztitel wurde entfernt. Das Inhaltsverzeichnis wurde zur - leichteren Orientierung an den Anfang des Buches verschoben. - - Die Bildunterschriften wurden gemäß dem Bildverzeichnis hinzugefügt. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHILLER IN RUDOLSTADT *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Copyright by Greifenverlag<br /> -Rudolstadt 1925. Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt,<br /> -in der Ehmcke-Fraktur. Buchbinderarbeit ebenfalls von dort.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Inhalt">Inhalt</h2> -</div> - -<table> -<tr> -<td>Titel</td> - <td class="tdr"><a href="#Titel">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Vorwort</td> - <td class="tdr"><a href="#Vorwort">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der 6. Dezember 1787</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_6_Dezember_1787">7</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Im Sommer 1788</td> - <td class="tdr"><a href="#Im_Sommer_1788">17</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der 7. September 1788</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_7_September_1788">33</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Die Stadtkirche und die Glockengießerei</td> - <td class="tdr"><a href="#Die_Stadtkirche_und_die_Glockengie_erei">37</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Charlottes Jugendheim</td> - <td class="tdr"><a href="#Charlottes_Jugendheim">42</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Herbst 1789</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Herbst_1789">50</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Das Frühjahr 1791</td> - <td class="tdr"><a href="#Das_Fruehjahr_1791">61</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Schillers Familie in Rudolstadt</td> - <td class="tdr"><a href="#Schillers_Familie_in_Rudolstadt">67</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Rundgang an den Schillerstätten vorüber</td> - <td class="tdr"><a href="#Rundgang_an_den_Schillerstaetten_vorueber">73</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc tdh2" colspan="2">Bilder:</td> -</tr> -<tr> -<td>Schillershöhe</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-005">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Charlotte von Lengefeld</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-015">13</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-037">32</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-038">33</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Die Schillerglocke</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-055">48</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Charlottes Jugendheim</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-056">49</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Das Schillerhaus in Volkstedt</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-077">68</a></td> -</tr> -<tr> -<td>An der Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-078">69</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Karoline Junot, geborene von Schiller</td> - <td class="tdr"><a href="#illu-087">76</a></td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_5">[5]</span></p> -<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort</h2> -</div> - -<p>Unter den Orten, die für Schillers Leben bedeutsam -waren, nimmt Rudolstadt eine besondere Stellung ein. -Hat doch hier sein Dichten und Trachten eine Richtung -eingeschlagen, die für seine ganze Lebensbahn entscheidend -werden sollte. Der Fürstenhof und seine Umgebung -war empfänglich gestimmt für seine Gedankenwelt. Aus -dem geistigen Geben und Nehmen entstand dem bis dahin -ruhelosen Flüchtling die Aussicht auf eine bleibende -Stätte. Charlotte von Lengefeld, das Kind der Rudolstädter -Heimat, fühlte sich dem Schwaben und seiner -Eigenart nahe. Der Lengefeldsche Familienkreis vermittelte -ihm die Begegnung mit Goethe, die bald darauf zu -dem geistigen Austausch führte, an dem beide gleiche -Freude empfanden. In die Landschaft um Rudolstadt -rettete sich Schiller, anfangs in Wirklichkeit, später in Gedanken, -wenn ihm »des Zimmers Gefängnis« zu enge wurde.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-005"> - <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Schillershöhe</div> -</div> - -<p>Die Schillerliteratur erwähnt oft die Häuser, wo er in -Rudolstadt verkehrte, unterscheidet sie jedoch nicht immer -deutlich. Dichtung und Wahrheit fließen dann durcheinander. -Schriftliche Berichte von glaubhaften Augenzeugen sind -vorhanden, liegen aber zerstreut in Lebensbeschreibungen -und Briefsammlungen. Mündliche Überlieferung braucht<span class="pagenum" id="Seite_6">[6]</span> -daneben nicht wertlos zu erscheinen, ist doch in jeder -Sage leicht ein geschichtlicher Kern zu erkennen.</p> - -<p>Die älteren Rudolstädter Gelegenheitsschriften und -Aufsätze führen ein verborgenes Dasein in Bibliotheken -und werden nur noch selten aufgeschlagen. Die anerkannten -Quellenwerke von Urlichs, Hase, Karoline von -Wolzogen, Fielitz und Karl Schmidt habe ich benutzt. -Schriftliche und mündliche Nachrichten übermittelten mir -Augustin Regensburger und Emilie Schreck aus ihrem -Verkehr mit Karoline von Schiller. Archiv und Schloßmuseum -boten manche Ergänzung. Mit besonderem Dank -führe ich die Rudolstädter Häuserchronik von Hugo Trinckler -an, sie ist die Frucht jahrzehntelanger liebevollster Heimatforschung, -die hoffentlich bald im Druck erscheinen kann.</p> - -<p>Das Haus Schillerstraße 25 ist mir in seinen Räumen -vertraut, da ich sieben Jahre dort gewohnt habe. Liebevolle -Ehrfurcht seiner Besitzer hat das ganze Anwesen vor -entstellender Neuerung bewahrt.</p> - -<p>Auch für räumliche Erinnerungen einer Heimatstadt -gilt das Wort: »Was du ererbt von deinen Vätern hast, -erwirb es, um es zu besitzen!«</p> - -<p>Wenn der Lenz beginnt, ziehen sehlustige Wanderer -gern bei uns durch Flur und Stadt. Gehen sie auf -Schillers Pfaden, dann möchte ihnen ebenfalls mein -Büchlein als Führer dienen.</p> - -<p class="center p2"> -Rudolstadt, Ostern 1925.<br /> -Dr. Berthold Rein. -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_7">[7]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Der_6_Dezember_1787">Der 6. Dezember 1787</h2> -</div> - -<p>Als Schiller im Jahre 1787 nach Rudolstadt kam, war -er für die allgemeine Menschheit noch ein Unbekannter. -Wer in den Schriftwerken der letzten Jahre bewandert war, -kannte seine Jugenddramen, die einen ganz überraschenden -Ton auf der Bühne angeschlagen hatten. Wer tiefer -blickte, beobachtete den gesellschaftlichen Hintergrund, von -dem sich die Räuber und Kabale und Liebe abhoben. Dem -einen stand dann der stürmisch begeisterte Schwabe in -leuchtendem Glanze als Verkünder einer neuen Zeit da, -dem andern in verdächtigem Dunkel als Vertreter von -Empörung und Umsturz. Die Inschrift auf der zweiten -Auflage der Räuber: »<em class="antiqua">In tyrannos</em>«, gegen die Unterdrücker, -erhielt sich eben im Gedächtnis.</p> - -<p>Alle die Kreise, denen er persönlich nahegetreten war, -wußten zu erzählen, wie zurückhaltend, ja zaghaft er -ihnen anfangs erschienen war, bis sich schließlich der -Zauber seines liebenswürdigen, fesselnden und hingebenden -Gemüts aufgetan hatte. Zu diesen Bekannten gehörten -die Wolzogens von Stuttgart und Bauerbach her und -in gewissem Sinne die Damen von Lengefeld in Rudolstadt, -denn sie waren ihm, wenn auch nur flüchtig, auf<span class="pagenum" id="Seite_8">[8]</span> -der Rückreise aus der Schweiz in Mannheim bereits -begegnet.</p> - -<p>Schiller hatte seit seiner Flucht aus Stuttgart wiederholt -verzweifelt gerungen, um festen Boden unter die Füße zu -bekommen, war aber trotz aller Hoffnung, die er nun -zuletzt auf den Herzog Karl August in Weimar gesetzt hatte, -immer noch heimatlos. Jugendlich unbefangen und harmlos -im Vertrauen war er Töchtern angesehener Familien -nahegetreten, dennoch indes nicht zu einem Bund für das -Leben gelangt.</p> - -<p>Sein Studiengenosse aus der Karlsschule, Wilhelm von -Wolzogen, hatte einen Besuch in Meiningen abzustatten. -Für Schiller war die Werrastadt bedeutsam als neue -Heimat seiner Schwester Christophine. Eine Reise hoch -zu Roß lockte den leidenschaftlichen Liebhaber der Reitkunst, -also folgte er dem Rufe des Freundes. Auf dem Rückwege -nach Weimar schlug Wolzogen vor, die Richtung über -Rudolstadt zu wählen, dort wollte er die »superklugen -Kusinen« aufsuchen und mit dem Dichter des Don Carlos -bekannt machen. Über Suhl, Ilmenau und Königsee erreichten -sie das Saaltal.</p> - -<p>In einem Hause der Neuen Gasse vor den Mauern der -kleinen Residenz Rudolstadt saß Charlotte von Lengefeld -am Fenster und hatte eben in das Tagebuch eingetragen: -Der erste Schnee ist gefallen!, als die ländliche Stille durch -Hufschlag unterbrochen wurde. Überrascht sah sie hinaus -und erblickte zwei Reiter in graue Mäntel gehüllt. Erschrocken -fuhr sie zurück, als die beiden scharf zu ihr aufschauten,<span class="pagenum" id="Seite_9">[9]</span> -und der eine schelmisch vertraut winkte: Ich -komme gleich! Das Tagebuch nahm nun noch die Ergänzung -auf: Eben ritt Vetter Wolzogen vorbei mit einem -anderen Reiter, ich möchte wohl wissen, wer das ist!</p> - -<p>Der 6. Dezember sollte ein Schicksalstag für sie werden -und das schlichte Haus eine bedeutsame Stätte.</p> - -<p>Das Grundstück, jetzt Schillerstraße 25, hatte um 1720 -der Hofjäger Wolfgang Rühm aus Bayreuth als Bauplatz -für ein gemütvolles einfaches Wohnhaus erworben. -Sein Nachfolger, der Landrentmeister Rühm, oder dessen -Witwe hatte im Garten dahinter ein »Zwillingshaus« errichtet, -das schließlich durch Zwischenbauten mit dem -Vorderhaus verbunden wurde. Ein kleiner Hof in der -Mitte blieb frei. Nach der Sonnenseite reichte ein großer -Garten noch bis an das Nachbarhaus. Auf der Abendseite -führte eine junge Lindenallee vorüber. In das zweistöckige -Zwillingshaus war die Frau Landjägermeister von -Lengefeld mit ihren kleinen Töchtern eingezogen, nachdem -ihr der Tod den Gemahl 1775 frühzeitig entrissen hatte. -In dem Obergeschoß des Vorderhauses richtete 1785 die -ältere der beiden Töchter, Karoline, ihren Haushalt ein, -als sie sich mit Ludwig von Beulwitz vermählte. Das Haus -war weder Eigentum der Familie von Beulwitz, noch der -Familie von Lengefeld, es ging 1796 durch Kauf aus dem -Rühmschen Besitz an den Kammersekretär Andreas Christoph -Johann Werlich über. Die beiden adeligen Familien -wohnten nur zur Miete darin.</p> - -<p>Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz, dessen Grabplatte<span class="pagenum" id="Seite_10">[10]</span> -links im Eingang zum Alten Friedhof zu finden ist, -führte zwar im vertrauten Bekanntenkreise den Beinamen -Ursus, der Bär, aber die Verteidiger seiner Gattin haben -später doch zu Unrecht sein Bild entstellt, als sie das Für -und Wider der Ehescheidung verhandelten. Er war zehn -Jahre älter als seine stark und feurig veranlagte, jetzt vierundzwanzigjährige -Frau. Als Hofbeamter, als Landeshauptmann -in Königsee, als Freund von Kunst und -Wissenschaft führte er ein arbeitsames Leben, wobei ihm -freilich wenig Zeit und Neigung übrigblieb, seiner Gattin -seelisch nahezutreten, und das Führeramt auszuüben, das -ganz besonders sie nötig gehabt hätte. Bald mußte er -wiederum längere Zeit auf Reisen gehen als Begleiter -der Prinzen Ludwig Friedrich und Karl Günther, die -einen Studienaufenthalt in Genf nehmen wollten.</p> - -<p>Charlotte von Lengefeld war bereits einmal durch Neigung -und Entsagung hindurchgegangen. Ein englischer -Hauptmann Heron, mit dem sie noch ab und zu geneckt -wurde, hatte ihr nahegestanden, sein Beruf zog ihn aber -nach Indien, wo er für sie verschollen blieb. Beide -Schwestern nahmen an den Neuerscheinungen des Geisteslebens -regen Anteil. Etwas gemäßigt wurde ihr Verlangen -nach Unabhängigkeit und ihre freigeistige Modebestrebung -durch die streng religiöse Lebensauffassung der -Mutter. Diese war als Witwe hart geprüft worden und -empfand hohe Verantwortung für die vaterlosen Töchter. -Sie war Hofdame, erwartete bei nächster Gelegenheit das -Amt einer Oberhofmeisterin auf der Heidecksburg und erhoffte<span class="pagenum" id="Seite_11">[11]</span> -für ihre jüngere Tochter einen ähnlichen Ruf nach -Weimar. Das alles sprach entscheidend mit auch in den -kleinen Tagesfragen und bestimmte den Ton in den gesellschaftlichen -Umgangsformen.</p> - -<p>In diesen Familienkreis trat Schiller am Abend des -6. Dezember ein. Dem Kenner griechisch-römischer Literatur, -die gerade wieder stark in Aufnahme gekommen -war, fehlte es nicht an Unterhaltungsstoff, und der Jünger -neuester Philosophie verfügte über die Gabe, zufällig -entstandene Gespräche in einer überlegen bewußten Richtung -zu lenken. Dabei wurde seine unverfälschte schwäbische -Mundart nicht als Störung, sondern als treuherzige -reizvolle Beigabe empfunden.</p> - -<p>Den Zauber, der von Schillers Person ausging, hat -Wilhelm von Humboldt später treffend gewürdigt:</p> - -<p>»Was jedem Beobachter an Schiller am meisten als -charakteristisch bezeichnend auffallen mußte, war, daß in -einem höheren und prägnanteren Sinn, als vielleicht je -bei einem andern, der Gedanke das Element seines Lebens -war. Anhaltend selbsttätige Beschäftigung des Geistes verließ -ihn fast nie. – Sie schien ihm Erholung, nicht Anstrengung. -Dies zeigte sich am meisten im Gespräch, für -das Schiller ganz eigentlich geboren schien. Er suchte nie -nach einem bedeutenden Stoff der Unterredung, er überließ -es mehr dem Zufall, den Gegenstand herbeizuführen, -aber von jedem aus leitete er das Gespräch zu einem allgemeinen -Gesichtspunkt, und man sah sich nach wenigen -Zwischenreden in den Mittelpunkt einer den Geist anregenden<span class="pagenum" id="Seite_12">[12]</span> -Diskussion versetzt. Er behandelte den Gedanken -immer als ein gemeinschaftlich zu gewinnendes Resultat, -schien immer des Mitredenden zu bedürfen, wenn dieser -sich auch bewußt blieb, die Idee allein von ihm zu empfangen, -und ließ ihn nie müßig werden. – Schiller sprach -nicht eigentlich schön. Aber sein Geist strebte immer in -Schärfe und Bestimmtheit einem neuen geistigen Gewinne -zu. – Schiller hielt immer den Faden fest, der -zum Endpunkt der Untersuchung führen mußte, und -wenn die Unterredung nicht durch einen Zufall gestört -wurde, so brach er nicht leicht vor Erreichung des Zieles -ab.«</p> - -<p>Überraschend schnell gedieh die flüchtige Bekanntschaft -in wenigen Abendstunden zu einem Freundschaftsbund, -der die Damen von Lengefeld mit ihrem Gaste verband -und zu einer Verabredung für den folgenden Sommer -führte. Die Schwestern versprachen, ihm einen ländlichen -Aufenthalt für seine Schriftstellerarbeiten auszusuchen.</p> - -<p>Wie dieser Abend im Geiste Karolines weiterlebte, läßt -das Erinnerungsbild erkennen, das sie davon entwirft: -»Damals ging noch keine Kunststraße durch unser kleines -Tal, ein Fremder war ein Phänomen hinter den grünen -Bergen. Oft erschienen wir uns selbst als verwünschte -Prinzessinnen, auf Erlösung aus dieser Einförmigkeit -hoffend. Dennoch erfrischte uns immerwährend der -Zauber dieser Berge.</p> - -<p>Schiller fühlte sich wohl und frei in unserm Familienkreise. -Entfernt vom flachen Weltleben, galt uns das -<span class="pagenum" id="Seite_13">[13]</span>Geistige mehr als alles. Wir umfaßten es mit Herzenswärme, -nicht befangen von kritischen Urteilen und Vorurteilen, -nur der eigenen Richtung unserer Natur folgend. -Dies war es, was er bedurfte, um sich selbst im Umgang -aufzuschließen. Wir kannten seinen Don Carlos noch nicht. -Ohne alle schriftstellerische Eitelkeit schien es ihm am Herzen -zu liegen, daß wir ihn kennen lernten. Ich erinnere -mich nicht, daß unsere Gespräche noch etwas anderes aus -der Welt seiner Dichtung berührten, die Briefe von Julius -an Raffael und die auf diese sich beziehenden Gedichte der -Anthologie ausgenommen. Der Gedanke, sich unserer -Familie anzuschließen, schien schon an jenem Abend in -ihm aufzudämmern, und zu unserer Freude sprach er -beim Abschiede den Plan aus, den nächsten Sommer in -unserm schönen Tale zu verleben.«</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-015"> - <img class="w100" src="images/illu-015.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Charlotte von Lengefeld</div> -</div> - -<p>Kaum nach Weimar zurückgekehrt, legt Schiller seinem -Gewissensberater und etwas eifersüchtigen Freunde Körner -in Dresden ziemlich kühl eine Art Rechenschaft ab -über seinen Ausflug: »In Rudolstadt habe ich mich auch -einen Tag aufgehalten und wieder eine recht liebenswürdige -Familie kennen lernen. Eine Frau von Lengenfeld -lebt da mit einer verheirateten und einer noch ledigen -Tochter. Beide Geschöpfe sind, ohne schön zu sein, anziehend -und gefallen mir sehr. Man findet hier viel Bekanntschaft -mit der neueren Literatur, Feinheit, Empfindung und -Geist. Das Klavier spielen sie gut, welches mir einen recht -schönen Abend machte. Die Gegend um Rudolstadt ist -außerordentlich schön. Ich hatte nie davon gehört und<span class="pagenum" id="Seite_14">[14]</span> -bin sehr überrascht worden. Man gelangt durch einen -schönen Grund dahin und wird von dem weißen großen -Schlosse auf dem Berge angenehm überrascht.«</p> - -<p>So spricht der Verstand. Was im Gemüt sich bewegte, -verraten die Briefe an Charlotte: »Sie können sich nicht -herzlicher nach Ihren Bäumen und schönen Bergen sehnen -als ich, und vollends nach denen in Rudolstadt, wohin -ich mich jetzt in meinen glücklichsten Augenblicken im -Traume versetze. – Sie werden in Rudolstadt nun wieder -eingewohnt sein und bei diesem schönen Wetter sich Ihrer -ländlichen Einsamkeit freuen. – Wie beneide ich Ihre -Familie um alles, was um Sie sein darf! Aber auch Sie -beneide ich um Ihre Familie; ein einziger Tag war mir -genug, mich zu überzeugen, daß ich unter sehr edeln -Menschen wäre. Warum kann man solche glückliche -Augenblicke nicht fest halten. Man sollte lieber nie zusammen -geraten – oder nie mehr getrennt werden.«</p> - -<p>Im Laufe des Winters kehrte Schiller nicht wieder in -Rudolstadt ein, obwohl es verabredet war. Durch seine -schriftlichen Grüße klingt die Sehnsucht nach Natur und -ländlicher Einsamkeit. Aber dem vertrauten Freunde enthüllt -er seinen Seelenzustand: »Ich bedarf eines Mediums, -durch das ich die andern Freuden genieße, Freundschaft, -Geschmack, Wahrheit und Schönheit werden mehr auf -mich wirken, wenn eine ununterbrochene Reihe feiner, -wohltätiger, häuslicher Empfindungen mich für die -Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. -Ich bin bis jetzt ein isolierter, fremder Mensch,<span class="pagenum" id="Seite_15">[15]</span> -in der Natur herumgeirrt und habe nichts als Eigentum -besessen.</p> - -<p>Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen -Existenz.</p> - -<p>Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt, -und nicht sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, -sondern darum, weil ich die Freuden mehr naschte als -genoß, weil es mir an immer gleicher und sanfter Empfänglichkeit -mangelte, die nur die Ruhe des Familienlebens -gibt.«</p> - -<p>Charlotte und er sahen sich in Weimar mitten zwischen -geräuschvollen Veranstaltungen der Hofgesellschaft. Ihn -selbst nimmt dieses Treiben nicht in den Bann, und seine -Freundin warnt er vor flacher Lebensauffassung:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen</div> - <div class="verse indent2">umhüpft – so, Lotte, spielt um Dich die Welt,</div> - <div class="verse indent0">Doch so, wie sie sich malt in Deinem Herzen,</div> - <div class="verse indent2">in Deiner Seele schönen Spiegel fällt,</div> - <div class="verse indent0">So ist sie doch nicht! – Die Eroberungen,</div> - <div class="verse indent2">die jeder Deiner Blicke siegreich zählt,</div> - <div class="verse indent0">Die Deine sanfte Seele Dir erzwungen,</div> - <div class="verse indent2">die Statuen, die – Dein Gefühl beseelt,</div> - <div class="verse indent0">Die Herzen, die Dein eignes Dir errungen,</div> - <div class="verse indent2">die Wunder, die Du selbst getan,</div> - <div class="verse indent0">Die Reize, die Dein Dasein ihm gegeben,</div> - <div class="verse indent2">die rechnest Du für Schätze diesem Leben,</div> - <div class="verse indent4">für Tugenden uns Erdenbürgern an.</div><span class="pagenum" id="Seite_16">[16]</span> - <div class="verse indent0">Dem holden Zauber nie entweihter Jugend,</div> - <div class="verse indent2">der Engelgüte mächtgem Talisman,</div> - <div class="verse indent0">Der Majestät der Unschuld und der Tugend,</div> - <div class="verse indent2">den will ich sehn – der diesen trotzen kann!</div> - <div class="verse indent0">Froh taumelst Du im süßen Überzählen</div> - <div class="verse indent2">der Glücklichen, die Du gemacht, der Seelen,</div> - <div class="verse indent4">die Du gewonnen hast, dahin.</div> - <div class="verse indent0">Sei glücklich in dem lieblichen Betruge,</div> - <div class="verse indent2">nie stürze von des Traumes stolzem Fluge</div> - <div class="verse indent4">ein trauriges Erwachen Dich herab.</div> - <div class="verse indent0">Den Blumen gleich, die Deine Beete schmücken,</div> - <div class="verse indent2">so pflanze sie – nur den entfernten Blicken,</div> - <div class="verse indent4">betrachte sie! – doch pflücke sie nicht ab!</div> - <div class="verse indent0">Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen,</div> - <div class="verse indent2">welk werden sie zu Deinen Füßen liegen,</div> - <div class="verse indent4">je näher Dir – je näher ihrem Grab.</div> - </div> -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_17">[17]</span></p> -<h2 class="nobreak" id="Im_Sommer_1788">Im Sommer 1788</h2> -</div> - -<p>Als die Pläne für den Landaufenthalt bestimmte Formen -angenommen hatten, suchten die Schwestern ihrem -Freunde eine Wohnung. Sie sollte nicht gar zu weit von -ihrem eigenen Heim abliegen und doch ungestörte Arbeitszeit -ermöglichen. Zuerst meinten sie, das Rechte gefunden -zu haben bei dem Hofgärtner Callenius in Cumbach. Doch -bemerkten sie bald, daß dort nicht die Stille herrschte, auf -die es ankam. Der fürstliche Gewächsgarten mit der -Orangerie zog täglich Verkehr und laute Geselligkeit an, -auch ein Gestüt, das dort gehalten wurde, brachte Geräusch -in die Nähe. Darum fiel ihre Wahl auf Volkstedt, -wo all diese Bedenken nicht entstehen konnten.</p> - -<p>Am 24. April meldet Charlotte in aller Eile das Ergebnis -ihrer Fürsorge nach Weimar: »Das Dorf hat eine -schöne Lage, am Ufer der Saale, hinter ihm erheben sich -Berge, an deren Fuß liebliche Fruchtfelder sich ziehen, -und die Gipfel mit dunklem Holze bekränzt, gegenüber -an der anderen Seite der Saale schöne Wiesen und die -Aussicht in ein weites, langes Tal. Ich denke, diese Gegend -wird Ihnen lieb sein, mir brachte sie gestern einen Eindruck -von Ruhe in die Seele, der mir innig wohltat.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_18">[18]</span></p> - -<p>Die Stube, die ich für Sie bestimmte, ist nicht sehr -groß, aber reinlich, auch die Stühle sind nicht ganz ländlich, -denn sie sind beschlagen, eine Kammer daneben, wo -das Bett stehen kann, und auch eine für den Bedienten -nicht weit davon. Für Betten will der Schulmeister sorgen, -dem das Haus gehört, auch wohnt eine Frau darin, -die Ihnen Kaffee machen kann, und auch bedienen könnte, -zur Not auch kochen, wenn das Wetter zu böse wäre, um -es sich aus der Stadt holen zu lassen. Ich denke, es ist -alles gut besorgt.«</p> - -<p>Am 2. Mai erfolgt die Danksagung: »Sie haben die -Angelegenheit, deren Besorgung Sie so gütig übernahmen, -so ganz nach meinen Wünschen und über alle meine Erwartungen -zustande gebracht, daß ich Ihnen unendlich -Mal dafür verbunden bin. Der Ort, die Lage, die Einrichtung -im Hause, alles ist vortrefflich. Sie haben aus -meiner Seele gewählt. Ich habe Ihnen viele Mühe gemacht, -aber ich weiß auch, daß Ihnen das Vergnügen, -welches Sie mir dadurch verschafften, statt alles Dankes -ist. – Ich werde in Ihren schönen Gegenden, in dieser -ländlichen Stille mein eigenes Herz wiederfinden, und -Ihre und der Ihrigen Gesellschaft wird mich für alles, -was ich hier zurücklasse, reichlich entschädigen.«</p> - -<p>Dem hilfreichen Freund und Berater in Dresden geht -die Nachricht zu: »Ich werde mich eine kleine Stunde von -Rudolstadt niederlassen. Die Gegenden sind dort überaus -ländlich und angenehm, und ich kann da in seliger Abgeschiedenheit -von der Welt leben. Das Lengenfeldische<span class="pagenum" id="Seite_19">[19]</span> -Haus, von dem ich Dir nach meiner Rückreise von Meiningen -geschrieben habe, wird mir den ganzen Mangel -an Gesellschaft hinlänglich ersetzen. Es sind dort mir sehr -schätzbare Menschen beisammen, von sehr vieler Bildung -und dem edelsten Gefühl. Sie sind auch schon in der -Welt gewesen und haben eine glückliche Gemütsstimmung -daraus zurückgebracht. Alles was Lektüre und guter Ton -einer glücklichen Geistesanlage und einem empfänglichen -Herzen zusetzen kann, finde ich da in vollem Maße, außerdem -auch viele musikalische Fertigkeit, die nicht den kleinsten -Teil der Erholung ausmachen wird, die ich mir dort verspreche. -Diesem Zirkel gedenke ich alle Tage einige Stunden -zu widmen. Sonst erwarten meiner die mannigfaltigsten -und, ich muß leider sagen, die drückendsten Arbeiten. Aber -ich gehe ihnen mit ziemlichem Mut, ja selbst mit Vergnügen -entgegen.«</p> - -<p>Körner durchschaut jedoch die innere Bewegung, die -sich hinter diesen Plänen und Sorgen verstecken will: -»In Deinem Sommeraufenthalt wird Dirs an Vergnügen -nicht fehlen. Ist nicht auch ein Interesse des Herzens -dabei? Ich bin neugierig, ob Deine Stimmung an -dichterischen Arbeiten fruchtbar sein wird.«</p> - -<p>Die Woche nach dem Pfingstfest ließ Schiller noch vorübergehen, -dann kam er, ohne sich besonders anzukündigen, -in Rudolstadt an. Am 20. Mai schreibt er aus -dem Gasthaus: »In der Hoffnung, daß mein künftiges -Logis auf dem Dorfe, dessen Namen ich nicht weiß, durch -Ihre Güte berichtigt sei, bin ich ohne weiteres hierher<span class="pagenum" id="Seite_20">[20]</span> -gereist. Seit gestern Abend halb zehn Uhr bin ich hier. – -Ich bitte Sie, mich zugleich durch den Überbringer den -Namen des Ortes, den Sie für mich bestimmt haben, wie -auch des Hauswirts, bei dem ich wohnen soll, wissen zu -lassen, weil ich womöglich noch vor Mittag dort sein und -jetzt gleich meinen Koffer hinschaffen lassen möchte. Ich -brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß mir der -nächste Augenblick, wo ich Sie und die Ihrigen sehen -kann, der liebste sein wird.«</p> - -<p>Die Freude über erfüllte Wünsche und die Pläne und -Hoffnungen für die nächste Zeit verrät wiederum sein -Brief an Körner:</p> - -<p class="right"> -Volkstedt bei Rudolstadt, 26. Mai 1788. -</p> - -<p>»Seit acht Tagen bin ich nun hier in einer sehr angenehmen -Gegend, eine kleine halbe Stunde von der Stadt -und in einer sehr bequemen heitern und reinlichen Wohnung. -Das Glück hat es gefügt, daß ich ein neues Haus, -das besser, als auf dem Lande sonst geschieht, gebaut ist, -finden mußte. Es gehört einem wohlhabenden Manne, -dem Kantor des Orts. Das Dorf liegt in einem schmalen, -aber lieblichen Tale, das die Saale durchfließt, zwischen -sanft ansteigenden Bergen. Von diesen habe ich eine sehr -reizende Aussicht auf die Stadt, die sich am Fuße eines -Berges herumschlingt, von weitem schon durch das fürstliche -Schloß, das auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, -sehr vorteilhaft angekündigt wird, und zu der mich ein -sehr angenehmer Fußpfad, längs des Flusses, an Gärten -und Kornfeldern vorüberführt. In dem Dorfe selbst ist<span class="pagenum" id="Seite_21">[21]</span> -die Porzellanfabrik, die Du vielleicht kennst. Ich habe zwei -kleine Stunden nach Saalfeld, ebenso weit nach dem -Schlosse Schwarzburg und zu verschiedenen zerstörten -Schlössern, die ich alle nach und nach besuchen will.</p> - -<p>In der Stadt selbst habe ich an der Lengefeldschen und -Beulwitzschen Familie eine sehr angenehme Bekanntschaft, -und bis jetzt noch die einzige, wie sie es vielleicht auch bleiben -wird. Doch werde ich eine sehr nahe Anhänglichkeit -an dieses Haus, und eine ausschließende an irgend eine -einzelne Person aus demselben, sehr ernstlich zu vermeiden -suchen. Es hätte mir etwas der Art begegnen können, -wenn ich mich mir selbst ganz hätte überlassen wollen. -Aber jetzt wäre es gerade der schlimmste Zeitpunkt, wenn -ich das bißchen Ordnung, das ich mit Mühe in meinen -Kopf, mein Herz und in meine Geschäfte gebracht habe, -durch eine solche Distraktion wieder über den Haufen -werfen wollte.</p> - -<p>Die Arbeiten, mit denen ich diesen Sommer zustande -kommen möchte, sind der Geisterseher, der leicht auf -25 bis 30 Bogen anlaufen dürfte, der zweite Teil meiner -Niederländischen Rebellion und der Rest des ersten, ein -Theaterstück, noch steht es dahin, ob dieses der Menschenfeind -oder ein anderes sein werde, das ich, wie der Schwabe -sagt, an der Kunkel habe, und hier und da ein Aufsatz für -den Merkur. Aus dem bisherigen Lauf meiner Schreibereien -zu schließen, dürfte dieses Unternehmen wohl fast -übertrieben sein. Indessen wollen wir sehen. Geschieht -auch nicht alles, so ist doch immer das gewonnen, was<span class="pagenum" id="Seite_22">[22]</span> -geschieht. Ganz bin ich hier doch noch nicht zuhause, -auch meine Arbeiten strömen noch nicht.«</p> - -<p>Wie weit der Wille mit seinen Plänen zur Geltung -kommen würde, und wie bald das Schicksal die Vorsätze -durchkreuzen sollte, geht aus den Briefen und kurzen -Grußblättern hervor, die zwischen Rudolstadt und Volkstedt -fast täglich gewechselt werden: »Montag, den 26. Mai. -Ich hoffe, daß Ihnen allen die gestrige Partie so gut bekommen -sei wie mir. Es war ein gar lieblicher vertraulicher -Abend, der mir für diesen Sommer die schönsten -Hoffnungen gibt. Mehr solche Abende und in so lieber -Gesellschaft, mehr verlange ich nicht. Rudolstadt und -diese Gegend überhaupt soll, wie ich hoffe, der Hain der -Diana für mich werden.« Er vergleicht sich mit Orestes -in Goethes Iphigenie, den die Eumeniden umhertreiben, -und hofft, die Schwestern werden ihn vor den bösen -unterirdischen Mächten beschützen. Zu Grunde lag dabei -eine Eifersuchtsregung. Er weigert sich, in trüber Stimmung -die Gesellschaft von Fröhlichen aufzusuchen, und entschuldigt -seine wandelbare Laune mit dem Fluch, der auf -allen Musensöhnen ruht, bittet aber doch um Nachricht, -was für den andern Tag geplant wird, damit er sich -anschließen kann.</p> - -<p>Am 27. Mai redet ihm Charlotte gut zu, heiter und froh -zu sein, Knebel, der gefürchtete Nebenbuhler, hat am -Morgen Rudolstadt verlassen. Sie bittet, den Geisterseher -mitzubringen, der Abend wird in Cumbach den kleinen Bekanntenkreis -vereinen. Um sechs Uhr wollen sie den Freund<span class="pagenum" id="Seite_23">[23]</span> -am Wasserdamm erwarten, doch soll er ihnen auch zu jeder -anderen Stunde lieb und willkommen sein. Schiller sagt -zu, ist aber mit der Örtlichkeit noch nicht vertraut und -meint, am Schaalbach die Schwestern erwarten zu sollen. -Deshalb bittet ihn Karoline, lieber in ihre Wohnung zu -kommen, damit sie einander nicht verfehlen.</p> - -<p>Hier trifft zwei Tage später der Erbprinz Ludwig Friedrich -mit ihm zusammen: »Den 29. Mai machte ich wieder -eine neue Bekanntschaft mit einem jungen Gelehrten, -der, so jung als er ist, doch schon viel Lesenswürdiges geschrieben -hat, mit dem Herrn Rat Schiller. Er war im -Beulwitzschen Garten, wo ich bis einviertel elf Uhr des -Abends in einer vergnügten Gesellschaft den angenehmen -Geruch der schönen Baumblüten genoß.«</p> - -<p>Im Volkstedter Haus fühlt sich Schiller wohl: »Ich bin -auf meine vier Wände reduziert, und wenn nicht manchmal -eine Kuh blökte, oder meine Pfauen mir vor dem -Hause mit ihrer Silberstimme die Honneurs machten, so -würde ich gar nicht gewahr, daß Leben um mich ist.«</p> - -<p>Wenn kühle Witterung eintritt, klagt er über Erkältung. -Dann kann er die Neue Gasse nicht aufsuchen und bittet -nur um ein Lebenszeichen durch den Boten, seine Stimmung -leidet unter der Trennung. Charlotte tröstet und -bedauert, daß er, ein großer Mann, der der Öffentlichkeit -so viel in seinen Schriften beschert, auch nur eine trübe -Viertelstunde erlebt. Arm und verlassen wie Robinson -kommt er sich vor, die Freundinnen so nah, und er kann -nicht bei ihnen sein! Wagt er trotz feuchter Luft und<span class="pagenum" id="Seite_24">[24]</span> -Nebel den Gang nach Rudolstadt, so tritt ein Rückfall in -seinem Katarrh ein, namentlich die Heimwege am späten -Abend verbittern ihm das Landleben, auch der Zeitverlust, -den seine Arbeiten erleiden, verdrießt ihn. Charlotte -redet gut zu, so gern sie ihn sieht, soll er doch nur bei -mildem Wetter ausgehen, wenn es seiner Gesundheit zuträglich -ist.</p> - -<p>Dazwischen erreicht ihn ein Freundesgruß aus Dresden -mit der schalkhaften Zustimmung: »Dein Aufenthalt auf -dem Lande ist sehr nach meinem Sinn. Freilich ists für -Deine Arbeiten besser, wenn Du eine ausschließende Anhänglichkeit -an irgend ein Wesen in der Nähe vermeiden -kannst!«</p> - -<p>Die Abendunterhaltungen bei Lengefelds bestreitet -Beulwitz, indem er aus Schillers jüngsten Werken vorliest. -Sonnabend, den 14. Juni, feiert die Gesellschaft -eine italienische Nacht im Baumgarten. Der Erbprinz -trägt in sein Tagebuch ein: »Die Frau von Lengefeld -hatte mit ihrer Familie und noch mit andern Damen, -und mit dem Herrn Rat Schiller da gegessen. Es wurde -gesungen, auf dem Schiffchen gefahren und spazieren -gegangen. Erst nach elf Uhr ging die ganze Gesellschaft -mit uns singend den Schloßberg hinauf und sodann, -auch Herr Rat Schiller nebst den übrigen Damen, in die -Stadt nach Hause.«</p> - -<p>Immer einmal wieder vernehmen wir, wie hart und -sauer es ihn ankommt, sich für den Heimweg loszureißen.</p> - -<p>Als der Blitz in Volkstedt eingeschlagen hat, hört<span class="pagenum" id="Seite_25">[25]</span> -Karoline mit Schrecken davon und dankt dem Himmel -und allen guten Geistern, daß der Strahl Schillers Haus -verschont hat. Das eine Mal versüßt sie ihm das Buchstudium -durch Backwerk, das andere Mal durch Aprikosen -und Tee. Charlotte begleitet den nächtlichen Wanderer -im Geiste durch Sturm und Wolken und hofft, daß ihm -nichts zugestoßen ist. Er bittet, in Charlottes Stübchen -studieren zu dürfen, weil in Beulwitzens Zimmern viel -Unruhe herrscht. Sie geht gern darauf ein, ihn an ihrem -Schreibtisch arbeiten zu lassen; das soll ihr eine freundliche -Erinnerung bleiben. Des schlechten Wetters wegen -übernachtet er in Rudolstadt.</p> - -<p>Am 2. Juli ist Kirchweih in Cumbach. Die Hofgesellschaft -beteiligt sich daran bis zehn Uhr abends. Obschon -er derartige Feste am liebsten vermeidet, nimmt er doch -daran teil, aber die Eifersucht regt sich, als er andere -mit der von ihm geliebten Person tanzen sieht. Den -Heimweg legt er allein zurück, geht ziellos durch das Tal -in die Berge hinein und gelangt, ohne es zu wissen, nach -Schaala. Auf dem Wege kommen ihm dichterische Eingebungen.</p> - -<p>Sehnsucht nach regerer Verbindung mit der Außenwelt -wird laut. Da Rudolstadt noch keinen regelmäßigen -Postverkehr hat, werden Briefe oft nur gelegentlich durch -Boten befördert und kommen so erst auf Umwegen an -ihr Ziel.</p> - -<p>Der Erbprinz führt das Ehepaar Beulwitz nebst Schiller -und Lotte auf das Schloß und zeigt ihnen die neueingerichteten<span class="pagenum" id="Seite_26">[26]</span> -Zimmer, die Bibliothek und das Bilderkabinett. -Weil Schiller ein Freund von weiten Ausblicken in die -Landschaft ist, besteigen sie den Schloßturm, wo ein schönes -Geläut von drei Glocken aus Mayers Gießerei sie erfreut. -Im Lengefeldischen Garten wird französische Komödie gespielt, -oft auch eifrig gezeichnet. Der Erbprinz, gewandt -als Zeichner und geübt als Radierer, entwirft Szenen aus -dem Geisterseher.</p> - -<p>Der Gedanke an die Trennung beschäftigt Schiller in -einem Briefe an Körner: »Ich habe mich hier immer noch -ganz vortrefflich wohl. Nur entwischt mir manches schöne -Stündchen in dieser angenehmen Gesellschaft, das ich -eigentlich vor dem Schreibtisch zubringen sollte. Wir sind -einander hier notwendig geworden, und keine Freude -wird mehr allein genossen. Die Trennung von diesem -Hause wird mir sehr schwer sein, und vielleicht desto -schwerer, weil ich durch keine leidenschaftliche Heftigkeit, -sondern durch eine ruhige Anhänglichkeit, die sich nach -und nach so gemacht hat, daran gehalten werde. Mutter -und Töchter sind mir gleich lieb und wert geworden, und -ich bin es ihnen auch. – Es war recht gut getan, daß ich -mich gleich auf einen vernünftigen Fuß gesetzt habe und -einem ausschließenden Verhältnis so glücklich ausgewichen -bin. Es hätte mich um den besten Reiz dieser Gesellschaft -gebracht. – Beide Schwestern haben etwas Schwärmerei, -doch ist sie bei beiden dem Verstande subordiniert und -durch Geisteskultur gemildert. Die jüngere ist nicht ganz -frei von einer gewissen <em class="antiqua">Coquetterie d’esprit</em>, die aber<span class="pagenum" id="Seite_27">[27]</span> -durch Bescheidenheit und immer gleiche Lebhaftigkeit mehr -Vergnügen gibt als drückt. Ich rede gern von ernsthaften -Dingen, von Geisteswerken, von Empfindungen, hier -kann ich es nach Herzenslust und ebenso leicht wieder auf -Possen überspringen.«</p> - -<p>Im August kam das Vogelschießen, ein großes Volksfest -mit starkem Fremdenzulauf. Es war die einzige Veranstaltung, -bei welcher der Hof sich unter die Stadtleute -mischte. Der Ball der vornehmen Gesellschaft wurde im -Schönfeldschen Saale, im heutigen alten Rathaus, abgehalten. -Schiller klagt, er taugt nicht für laute Gesellschaft, -und macht sich Vorwürfe, daß er nicht Stärke genug besitzt, -von solchem Getriebe fernzubleiben, sein Geist wirke -mehr im stillen, im Umgang mit sich selbst.</p> - -<p>Vorübergehend wohnt er in Rudolstadt selbst. In dieser -Zeit kann er die Wohnung Schloßaufgang II 3 bezogen -haben, bis ihn die Anhänglichkeit an Volkstedt und an den -fürsorglichen Hauswirt wieder hinauszieht.</p> - -<p>Allmählich tritt eine gewisse Vorsicht im Verkehr ein. -Vielleicht fiel es auf, daß der fremde Gast täglich in dem -Hause der Damen ein- und ausging. Er bittet, die Gartentüre -aufzuschließen, damit er weniger eifrig beobachtet -wird.</p> - -<p>Als Charlotte ihrer Freundin Frau von Stein in Kochberg -einen Besuch abstattet, reitet Schiller ihrem Wagen -bis Teichröda entgegen. Als Mutter und Töchter von einer -Reise aus Jena zurückkommen, wird das Wiedersehen in -Uhlstädt gefeiert bei einem sublimen Kaffee, den Beulwitz<span class="pagenum" id="Seite_28">[28]</span> -auf festlich geschmückter Tafel anrichtet. Endlich ergeht auch -eine Einladung zum Sonntagskloß, und Frau von Lengefeld -hofft, daß das beliebte Thüringer Festgericht dem -Schwaben nicht schaden wird.</p> - -<p>Der Sommer in Rudolstadt darf nicht zu Ende gehen, -ohne daß der Gast Schwarzburg gesehen hat. Dort wird -ihm das Fremdenbuch im Wirtshaus vorgelegt, und in -der Eile mag ihm das Verlegenheitserzeugnis aus der -Feder geflossen sein:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Auf diesen Höhen sah auch ich</div> - <div class="verse indent0">Dich, freundliche Natur, ja dich!</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Die Fahrt geht über Königsee, wo Beulwitz Amtsgeschäfte -zu erledigen hat, nach Paulinzelle, und hier trägt die -Stimmung bessere Frucht. In den Anblick der Ruine -mischen sich wehmütige Gedanken an die Trennung und -an die Ungewißheit danach.</p> - -<h3>Im Kloster Paulinzelle</h3> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Einsam stehn des öden Tempels Säulen,</div> - <div class="verse indent0">Efeu rankt am unverschloßnen Tor,</div> - <div class="verse indent0">Sang und Klang verstummt, des Uhu Heulen</div> - <div class="verse indent0">Schallet nun im eingestürzten Chor.</div> - <div class="verse indent0">Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,</div> - <div class="verse indent0">Schon enteilt im langen Strom der Zeiten</div> - <div class="verse indent0">Bischofshut mit Siegel, Ring und Stab</div> - <div class="verse indent0">In der Vorwelt ewig offnes Grab.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen,</div> - <div class="verse indent0">Jammer und erhörter Liebe Glück;</div><span class="pagenum" id="Seite_29">[29]</span> - <div class="verse indent0">Unser Streben, unser Hoffen, Sinnen,</div> - <div class="verse indent0">Wichtig nur auf einen Augenblick;</div> - <div class="verse indent0">Was im Lenz wir liebevoll umfassen,</div> - <div class="verse indent0">Sehen wir im Herbste schon verblassen,</div> - <div class="verse indent0">Und der Schöpfung größtes Meisterstück</div> - <div class="verse indent0">Sinkt veraltet in den Staub zurück.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Milde Herbsttage gestatten, daß Schiller wieder in Volkstedt -wohnt. In alle Freude am täglichen Wiedersehen -mischt sich der Abschiedsschmerz, darüber hinaus erhebt -der Trost, daß die liebe wohltätige Zeit alles gut zur Reife -bringen wird: »Ich weiß und fühle, daß mein Andenken -unter Ihnen leben wird, und dies ist eine freudige Erinnerung -für mich.«</p> - -<p>Im Oktober werden die kurzen Briefgrüße häufiger -und die Besuche immer mehr vorsichtig abgemessen. -Schiller verliert den Mut, auf eine gute Zukunft zu -hoffen, aber Charlotte rechnet schon wieder auf seine -Anwesenheit im nächsten Sommer. Ihr und den Kochberger -Freundinnen in Oberhasel zu begegnen, entschließt -er sich nur ungern. Die heitere Freundin bekehrt -ihn schließlich doch zu freudiger Verfassung, und -er gesteht: »Mein hiesiger Aufenthalt neigt zum Ende; -er hat mir viel angenehme Stunden verschafft, und, was -das beste ist, er hat mich mir selbst wieder zurückgegeben -und überhaupt einen wohltätigen Einfluß auf mein inneres -Wesen gehabt.«</p> - -<p>Die letzten Tage verbringt er wieder im Gasthaus,<span class="pagenum" id="Seite_30">[30]</span> -wenige Schritte von Charlottes Wohnung entfernt. Eine -Zeichnung, die ihm die Freundin schickt, soll als sichtbares -Zeichen mit unsichtbarer Wirkung künftig auf -seinem Schreibtisch stehen. Erst als der Glückwunsch eintrifft, -kommt dem Traumverlorenen zum Bewußtsein, daß -sein Geburtstag ist, und dieser letzte Gruß aus dem Hause, -wo er seine Heimat gefunden hat, preßt ihm Tränen aus. -Noch war er nicht entschlossen abzureisen, erst die Gewißheit, -daß die Schwestern ihre Fahrt nach Erfurt festgelegt -haben, überzeugt ihn, daß auch seine Stunde gekommen ist.</p> - -<p>Als er sich persönlich verabschiedet hat, ist der am stärksten -gefürchtete Augenblick vorüber. Es tröstet ihn, noch -erblickt er dieselben Gegenstände, auf denen auch ihr Auge -ruht, noch umgeben dieselben Berge die Geliebte und ihn -selbst. Am Morgen des 12. November sieht er ihren Reisewagen -die Straße hinauf vorfahren, dann besteigt er die -Post. Bis Teichröda sucht er noch mit den Blicken einen -Gruß zu erhaschen, dann fällt ihm schwer auf das Herz, -daß sich die Wege trennen. Einen Geranienstock und eine -Porzellanvase mit Blumen hütet er zärtlich, sie sollten der -Stube des einsamen Gelehrten einen neuen heimeligen -Hauch verleihen.</p> - -<p>Den Rudolstädter Sommer 1788 faßt Karoline zu einem -wohlgelungenen Bilde zusammen: »In unserm Hause begann -für Schiller ein neues Leben. Lange hatte er den -Reiz eines freien freundschaftlichen Umgangs entbehrt. -Uns fand er immer empfänglich für die Gedanken, die -eben seine Seele erfüllten. Er wollte auf uns wirken, uns<span class="pagenum" id="Seite_31">[31]</span> -von Poesie, Kunst und philosophischen Ansichten das mitteilen, -was uns frommen könnte, und dies Bestreben gab -ihm selbst eine milde harmonische Gemütsstimmung. Sein -Gespräch floß über in heitrer Laune; sie erzeugte witzige -Einfälle, und wenn oft störende Gestalten unsern kleinen -Kreis beengten, so ließ ihre Entfernung uns das Vergnügen -des reinen Zusammenklangs unter uns nur noch lebhafter -empfinden. Wie wohl war uns, wenn wir nach -einer langweiligen Kaffeevisite unserm genialen Freunde -unter den schönen Bäumen des Saalufers entgegengehen -konnten! Ein Waldbach, der sich in die Saale ergießt, und -über den eine schmale Brücke führt, war das Ziel, wo wir -ihn erwarteten. Wenn wir ihn im Schimmer der Abendröte -auf uns zukommen erblickten, dann erschloß sich ein -heiteres ideales Leben unserm innern Sinn. Hoher Ernst -und anmutige geistreiche Leichtigkeit des offnen reinen -Gemüts waren in Schillers Umgang immer lebendig, man -wandelte wie zwischen den unwandelbaren Sternen des -Himmels und den Blumen der Erde in seinen Gesprächen.</p> - -<p>Wie ein Blumen- und Fruchtgewinde war das Leben -dieses ganzen Sommers mit seinen genußreichen und bildenden -Tagen und Stunden für uns alle. Schiller wurde -ruhiger, klarer, seine Erscheinung, wie sein Wesen, anmutiger, -sein Geist den phantastischen Ansichten des Lebens, -die er bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter.</p> - -<p>Meine Schwester konnte wohl in jeder Beziehung eine -wünschenswerte Verbindung für Schiller sein. Sie hatte<span class="pagenum" id="Seite_32">[32]</span> -eine sehr anmutige Gestalt und Gesichtsbildung. Der -Ausdruck reinster Herzensgüte belebte ihre Züge, und ihr -Auge blitzte nur Wahrheit und Unschuld. Sinnig und empfänglich -für alles Gute und Schöne im Leben und in der -Kunst, hatte ihr ganzes Wesen eine schöne Harmonie. -Mäßig, aber treu und anhaltend in ihren Neigungen, -schien sie geschaffen, das reinste Glück zu genießen. Sie -hatte Talent zum Landschaftzeichnen, einen feinen und -tiefen Sinn für die Natur, und Reinheit und Zartheit in -der Darstellung. Unter günstigern Umgebungen hätte sie -in dieser Kunst etwas leisten können. Auch sprach sich jedes -erhöhtere Gefühl in ihr oft in Gedichten aus, unter denen -einige, von der Erinnerung an lebhaftere zärtliche Herzensverhältnisse -eingegeben, voll Grazie und sanfter Empfindung -sind.«</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-037"> - <img class="w100" src="images/illu-037.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz</div> -</div> - -<p>Durch Charlottes Winter gehen die Sommererinnerungen -als ständige Begleiter:</p> - -<p>»Wir waren auch in Hasel zusammen. Der Weg, den -ich von Kochberg dazumal machte, mag jetzt recht wüste -sein und traurig. Auch die Steine, auf denen wir saßen, -waren voll Schnee, der Bach zugefroren, und die entblätterten -Bäume gaben mir ein trauriges Bild der Vergänglichkeit. -Ach, der Winter ist doch recht unangenehm! Auch -der schöne Weg auf den Wiesen hin, den wir doch einigemal -zusammen gingen, alles war so leer, so öde, die -Weiden hoben ihre entblätterten Zweige empor, und -das Geschrei der Raben, die traurig auf den weißen Feldern -herumflogen, ließen nur Leben ahnen. Was ist der<span class="pagenum" id="Seite_33">[33]</span> -erfreuende Anblick der grünen Wiesen doch dagegen so -schön!«</p> - -<p>»Heute vorm Jahre waren wir uns fremd. Den sechsten -sahen wir uns erst, es war ein schöner Zufall, der Sie eben -mit Wolzogen zu uns brachte. Ich weiß noch, daß ich den Tag -so ganz in mir verschlossen war, der Regen und Wind -machte mir so unheimlich, und den Abend freute ich mich so, -ich hätte mir es nie am Morgen träumen lassen.«</p> - -<p>»Unsere schönen Berge freuen mich jetzt gar nicht, die -schwarzen Bäume in der Allee machen so eine traurige -Wirkung auf den Schnee, und der dunkle Wald auf die -weißen Berge, da ist nichts, was einem liebliche Bilder -erwecken könnte.«</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-038"> - <img class="w100" src="images/illu-038.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Der_7_September_1788">Der 7. September 1788</h2> -</div> - -<p>Eine schon längst gehegte Hoffnung Schillers sollte in -Rudolstadt erfüllt werden, seine Begegnung mit Goethe. -Im Mai war dieser aus Italien zurückgekehrt. Wenn man -vermutet hatte, daß er seinen freundschaftlichen Verkehr -mit Frau von Stein nun nicht wieder aufnehmen würde, -so widerlegten die Tatsachen sehr bald diese Annahme. -Goethe besuchte Großkochberg und kam von da nach -Rudolstadt. Charlotte von Lengefeld war seit mehreren -Tagen bereits zur Hilfe bei Frau von Stein gewesen. Sie -hatte mit ihrer Schwester alles gut vorbereitet und geschickt -etwas die Vorsehung gespielt, um ihren Sommergast dem<span class="pagenum" id="Seite_34">[34]</span> -einflußreichsten Manne von Weimar nahe zu bringen. -Über ihren Erfolg berichtet Karoline:</p> - -<p>»Während dieses Sommers sah Schiller Goethen zuerst -in unserem Hause. Wie alle rein fühlenden Herzen, hatten -uns dieses Dichters Schöpfungen mit Enthusiasmus erfüllt. -Alle unsere erhöhteren, echt menschlichen Empfindungen -fanden durch ihn ihre eigentümliche Sprache; Goethe und -Rousseau waren unsere Hausgötter. Auch floß des ersteren -so liebenswürdige Persönlichkeit, die wir bei unserer Freundin, -Frau von Stein, kennengelernt, mit dem Dichter in -unserem Gemüt in eins zusammen, und wir liebten ihn -wie einen guten Genius, von dem man nur Heil erwartet. -– Höchst gespannt waren wir bei dieser Zusammenkunft -und wünschten nichts mehr als eine Annäherung, die -nicht erfolgte. Von Goethen hatten wir, bei seinem entschiedenen -Ruhme und seiner äußeren Stellung, Entgegenkommen -erwartet, und von unserem Freunde auch mehr -Wärme in seinen Äußerungen. Zu unserem Trost schien -Goethe von schmerzlicher Sehnsucht nach Italien befangen. -– Es freute uns sehr, daß Goethe das Heft des Merkurs, -welches die Götter Griechenlands enthielt, und das von -ungefähr auf unserem Tisch lag, nachdem er einige Minuten -hineingesehen, einsteckte und bat, es mitnehmen zu -dürfen.«</p> - -<p>Schon seit Monaten hatte Körner versucht, Schiller von -seinem abwartenden Verhalten loszubringen und zu einem -Entschluß zu bewegen: »Wirst Du nicht bald nach Weimar -gehen, um Goethe zu sehen? Ich kann Eure Zusammenkunft<span class="pagenum" id="Seite_35">[35]</span> -kaum erwarten.« Aber die Rudolstädter Gemütserlebnisse -ließen das nicht zu: »Nach Weimar werde ich -doch wohl nicht sobald kommen. Es ist eine kleine Tagereise -hin, und es sind der Orte, nach denen ich meinen hiesigen -Leuten habe versprechen müssen, Partie mit ihnen -zu machen, so viele, daß mir keine Zeit für so große Exkursionen -übrigbleibt. Ich bin sehr neugierig auf ihn, auf -Goethe, im Grunde bin ich ihm gut, und es sind wenige, -deren Geist ich so verehre. Vielleicht kommt er auch hierher, -wenigstens nach Kochberg, eine kleine Meile von hier, -wo Frau von Stein ein Gut hat.«</p> - -<p>Wie eine Entschuldigung nimmt es sich aus, wenn er -immer wieder darauf zurückkommt: »Goethe habe ich noch -nicht gesehen, aber Grüße sind unter uns gewechselt worden. -Er hätte mich besucht, wenn er gewußt hätte, daß -ich ihm so nahe am Wege wohnte, wie er nach Weimar -reiste. Wir waren einander auf eine Stunde nahe. – -Goethe bleibt in Weimar. Ich bin ungeduldig, ihn zusehen.«</p> - -<p>Wenige Tage nun nach der Erfüllung dieser Wünsche -erhält Körner ausführliche Mitteilung darüber: »Endlich -kann ich dir von Goethe erzählen. – Ich habe vergangenen -Sonntag beinahe ganz in seiner Gesellschaft zugebracht, -wo er uns mit der Herder, Frau von Stein und der Frau -Schardt besuchte. Sein erster Anblick stimmte die hohe -Meinung ziemlich tief herunter, die man mir von dieser -anziehenden und schönen Figur beigebracht hatte. Er ist -von mittlerer Größe, trägt sich steif und geht auch so; sein -Gesicht ist verschlossen, aber sein Auge sehr ausdrucksvoll,<span class="pagenum" id="Seite_36">[36]</span> -lebhaft, und man hängt mit Vergnügen an seinem Blicke. -Bei vielem Ernst hat seine Miene doch viel Wohlwollendes -und Gutes. Er ist brünett und schien nur älter auszusehen, -als er meiner Berechnung nach wirklich sein kann. Seine -Stimme ist überaus angenehm, seine Erzählung fließend, -geistvoll und belebt; man hört ihn mit überaus viel Vergnügen; -und wenn er bei gutem Humor ist, welches diesmal -so ziemlich der Fall war, spricht er gern und mit -Interesse. Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und -ohne den mindesten Zwang; freilich war die Gesellschaft -zu groß und alles auf seinen Umgang zu eifersüchtig, als -daß ich viel allein mit ihm hätte sein oder etwas anderes -als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können. Er spricht -gern und mit leidenschaftlichen Erinnerungen von Italien. -Im ganzen genommen ist meine in der Tat große Idee von -ihm nach dieser persönlichen Bekanntschaft nicht vermindert -worden, aber ich zweifle, ob wir einander je sehr nahe -rücken werden. Vieles, was mir jetzt noch interessant ist, -was ich noch zu wünschen und zu hoffen habe, hat seine -Epoche bei ihm durchlebt; er ist mir soweit voraus, daß -wir unterwegs nie mehr zusammenkommen werden; – -seine Welt ist nicht die meinige, unsere Vorstellungsarten -scheinen wesentlich verschieden. Indessen schließt sichs aus -einer solchen Zusammenkunft nicht sicher und gründlich. -Die Zeit wird das Weitere lehren.«</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_37">[37]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Die_Stadtkirche_und_die_Glockengie_erei">Die Stadtkirche und die Glockengießerei</h2> -</div> - -<p>Am 17. Juli 1788 trug der achtzigjährige Fürst Ludwig -Günther in seinen Kalender ein: »Diese Nacht ist ein sehr -starkes Gewitter gewesen. Den Morgen ¾ auf 4 hat es -in den Kirchturm eingeschlagen und ziemliche Verwüstung -an den Fenstern und auch an den Mauern angerichtet. -Ich ritt dahin, um den Schaden anzusehen.«</p> - -<p>Zwei Tage darauf meldete das Tagebuch des jungen -Erbprinzen Ludwig Friedrich: »Ich war bei Lengefelds. -Ich zeichnete mit der Frau Hofrätin. Der Herr von Ketelhodt -las uns in der neuen Geschichte des Herrn Schiller -vor. Gegen Abend trat der Verfasser dieser Geschichte zur -Tür herein und lud die Gesellschaft zu einem Spaziergang -ein. Wir gingen über den Damm zur Stadtkirche und -sahen die Verwüstungen, die durch das Gewitter entstanden. -Auch wallfahrte Herr Schiller als guter Geschichtschreiber -zu dem Grabe der heldenmütigen Katharina.«</p> - -<p>Dieses Grab liegt hinter dem Taufstein unter dem Altarraum -und ist mit einer Erzplatte bedeckt. Die lateinische -Inschrift besagt, daß Graf Wolrad von Waldeck und seine -Gemahlin Anastasia ihrer Mutter und Schwiegermutter, -der Gräfin Katharina von Henneberg, verwitweten Gräfin<span class="pagenum" id="Seite_38">[38]</span> -von Schwarzburg, eine selige Auferstehung wünschen. -Katharina war auf ihrem Witwensitz, der Heidecksburg, -am 7. November 1567 gestorben. Als entschiedene Bekennerin -der evangelischen Lehre, als leutselige und fürsorgliche -Beschützerin der Armen und Bedrängten, lebte -sie in der Erinnerung fort, und mehrere Geschichtswerke -erzählten, wie sie unerschrocken und kühn dem gefürchtetsten -Heerführer der Reformationszeit entgegengetreten war.</p> - -<p>Das schlug in die Richtung der Studien ein, mit denen -Schiller gerade beschäftigt war. Er ging den Quellenberichten -nach und faßte sie zu dem Aufsatz zusammen, der -aus seinen Werken oft abgedruckt und weit verbreitet -worden ist: Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem -Schlosse zu Rudolstadt, im Jahr 1547.</p> - -<p>Für ihre Ortschaften hatte die Gräfin gesorgt durch -einen Sauvegardebrief: die spanischen Truppen verpflegte -sie, damit ihre Untertanen nicht durch Plünderung zu leiden -hatten. Schilder mit dem Wappen der Gräfin waren in -jedem ihrer Dörfer angebracht. Herzog Alba und seine -Begleiter saßen bei einem Gastmahl auf dem Schlosse, als -die Nachricht eintraf, daß in Hasel und Cumbach geplündert -wurde. Rasch entschlossen ließ Katharina Saal- und -Schloßpforten durch ihre Bewaffneten besetzen und forderte, -daß dem Kriegsbrauch Einhalt getan wurde, widrigenfalls: -»Fürstenblut für Ochsenblut!« Mit sauersüßer -Miene gaben die Herren Befehl, das geraubte Vieh den -Eigentümern wieder auszuliefern.</p> - -<p>Die mündliche Überlieferung berichtet, daß Schiller<span class="pagenum" id="Seite_39">[39]</span> -wiederholt auch den Turm der Stadtkirche besucht hat, -wo vier wertvolle Glocken bis heute erhalten sind. Eine -von ihnen soll seine Aufmerksamkeit dabei besonders gefesselt -haben. Diese Andreasglocke trägt stark erhaben das Bild -des Schutzpatrons der Kirche, um ihren Hals zieht sich -zartes gotisches Spitzenwerk und faßt zwei Spruchbänder -ein. Das untere Band enthält die Nachricht von der Entstehung -der Glocke: »Anno domini 1499. Osanna heis ich, -Curdt Kerstan gos mich. Er Cristofferus von Wiczleuben. -Pharner.« Sie war in dem angegebenen Jahre auf dem -Platz hinter der Kirche von dem bedeutenden Erfurter -Meister gegossen worden, und der Pfarrer von Witzleben -gehörte der Rudolstädter Reformationsgeschichte an.</p> - -<p>Das obere Schriftband bringt den Beruf der Glocke in -Worte: »<em class="antiqua">Dulce melos clango, sanctorum gaudia pango, -defunctos plango, vivos voco, fulgura frango.</em>« Süßen -Laut klinge ich, Freuden der Gläubigen singe ich, Tote -beklage ich, Lebende rufe ich, Blitze wehre ich ab. In -mehreren Lesarten findet sich dieser Sinnspruch auf 133 -Glocken. Verkürzt um die beiden ersten Glieder, hat ihn -Schiller über sein »Glockengießerlied« gesetzt: <em class="antiqua">Vivos voco, -mortuos plango, fulgura frango.</em></p> - -<p>Aus dem Dämmerlicht der Glockenstube schweifte das -Auge gern hinaus in die frische leuchtende Landschaft. -Unten am Fuß des Kirchhügels lag Charlottes Jugendheim, -der Heißenhof, ihm gegenüber die Ludwigsburg, -und in deren Nähe, am Ausgang der Stadt die Glockengießerei -von Mayer. Hier hatte seit 1715 schon der Schweizer<span class="pagenum" id="Seite_40">[40]</span> -Geschütz- und Glockengießer Johann Feer sein Gewerbe -betrieben, und dann seit dessen Tode 1759 der Nürnberger -Rotgießer Johann Mayer. Volkstedt und Rudolstadt nehmen -in der Geschichte des Thüringer Glockengusses eine -hervorragende Stelle ein seit dem Mittelalter. In der Familie -Mayer, die ihr Kunstgewerbe bis 1872 ausübte, -hat sich von Geschlecht zu Geschlecht in ganz bestimmter -Fassung die Kunde vererbt, wie Schiller wiederholt die -Gießhütte besucht hat, wie der Ahnherr zunächst gar nicht -besonders erbaut war über die Störung der Arbeit, daß -der bleiche Gelehrte aber rücksichtsvoll in dem hochlehnigen -Stuhl an der Wand Platz genommen hat, um die Arbeit -nicht zu stören. Auch Karoline von Wolzogen erinnert sich -dessen, als sie das Lied von der Glocke erwähnt: »Lange -hatte Schiller dieses Gedicht in sich getragen und mit uns -oft davon gesprochen als einer Dichtung, von der er besondere -Wirkung erwartete. Schon bei seinem Aufenthalt -in Rudolstadt ging er oft nach einer Glockengießerei vor -der Stadt spazieren, um von diesem Geschäft eine Anschauung -zu gewinnen.«</p> - -<p>Weil er seine Kenntnisse von der Technik des Glockengusses -noch einmal nachprüfen wollte, schlug Schiller später -die ökonomisch-technologische Enzyklopädie von Krünitz -auf. Dort fand er eine Glocke in Schaffhausen erwähnt, -die den Glockenspruch in der knappen Fassung trägt, wie -sie ihm dann geeignet erschien. Diese Glocke selbst hat er -nie gesehen. Auch sonst erheben eine Stuttgarter und die -beiden Apoldaer Firmen Anspruch darauf, den Dichter als<span class="pagenum" id="Seite_41">[41]</span> -lerneifrigen Liebhaber in ihre Kunst eingeführt zu haben. -Sollte ein triftiger Grund für diese Annahmen vorhanden -sein, so findet sich leicht eine Erklärung dafür. Glockenguß -ist technisch, wissenschaftlich und künstlerisch ein so anziehendes -Gewerbe, daß jeder, der sich einmal aufmerksam -darum gekümmert hat, gern die Gelegenheit wahrnimmt, -seine Beobachtungen fortzusetzen und zu ergänzen.</p> - -<p>An der heutigen Maschinengießerei, Jenaische Straße 1, -fordert eine kleine Schrifttafel, verfaßt von Augustin Regensburger, -auf, Johann Mayers und seines Meistergesellen -zu gedenken:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Steh, Wandrer, still, denn hier erstand,</div> - <div class="verse indent0">Daß keine zweite möglich werde,</div> - <div class="verse indent0">Gebaut von Schillers Meisterhand,</div> - <div class="verse indent0">Die größte Glockenform der Erde.</div> - </div> -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_42">[42]</span></p> -<h2 class="nobreak" id="Charlottes_Jugendheim">Charlottes Jugendheim</h2> -</div> - -<p>Von dem Haus, wo Charlotte ihre Kindheit verlebte, -besitzen wir eine gemütvolle Schilderung aus ihrer eigenen -Feder:</p> - -<p>»Die Lage unserer Wohnung war höchst romantisch; -an einer kleinen Anhöhe, die mit Obstbäumen bepflanzt -war, lag unser Haus. Die vordere Seite hatte einen großen -Hof, der mit einem kleinen Garten begrenzt war. Vor -uns lag ein fürstliches Lustschloß und rechts eine alte Kirche, -deren schöner Turm mir manche Phantasien erweckte, und -das Geläute der Glocken, das ich zu allen Stunden hörte, -stimmte mich oft ernst und melancholisch. Ich stand stundenlang -an meinem Kammerfenster, sah in die dunkeln -Fenster des Turms hinein, hörte den Glocken zu und sah -die Wolken am Himmel sich bewegen. Mein Horizont -war frei. In der Ferne sahen wir schöne Berge und ein -altes Schloß auf dem Berge liegen, das oft das Ziel meiner -Wünsche war. Ich stellte es mir auch gar zu hübsch -vor, über die Heide, so hieß die Reihe der Berge vor meinen -Augen, zu wandern und da neue Dörfer, eine neue -Welt zu sehen. Auch eine Hängebirke, die in einem der -Gärten stand, die ich aus meinen Fenstern, meiner kleinen<span class="pagenum" id="Seite_43">[43]</span> -Welt, übersehen konnte, hat mir viel Anlaß zu Betrachtungen -gegeben.</p> - -<p>Ich hatte Unterricht in den Morgenstunden; ich lernte -nicht gern, und es war mir peinlich, wenn ich die Stunde -schlagen hörte, und mein Lehrer begann eine neue Materie -des Unterrichts. Französisch lernte ich auch nicht -gern; Zeichnen und Schreiben wurden mir auch schwer. -Aber am aller unangenehmsten war mir die Tanzstunde. -Mittags freute ich mich immer an Tisch zu gehen; da saß -mein Vater und erwartete uns, er konnte nicht allein -gehen, und seine Jäger, deren er viele hatte, mußten ihn -stets führen.</p> - -<p>Er war immer heiter und freundlich bei Tisch, erzählte -uns lustige Geschichten, erkundigte sich nach unserm Fleiß, -ließ sich auch oft von seinen Jägern erzählen, wie es in -der Welt ging, die ihn interessierte. Er hatte die Wälder, -die er meistens anlegte, mit Liebe gepflegt. Alles war ihm -wichtig; jeder neu erworbene Baum vergrößerte sein Interesse. -Ich hörte gar zu gern zu, wenn solche Gespräche -kamen, und dachte mir immer, wie es da und dort aussehen -müßte. Ich sah die Plätze im Geist und lebte mit -den Bäumen der Wälder, mit den Höhen und Tälern, -mit den Nebeln, wie Ossian in seiner Welt, am liebsten. -Nach dem Essen kam der Lehrer, und wir hatten Unterricht -in der Geographie, lasen Zeitungen oder schrieben -Briefe. Alsdann kam noch der französische Sprachmeister, -und unsere Stunden hatten ein Ende. Der übrige Teil -des Tages gehörte uns.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_44">[44]</span></p> - -<p>Wir gingen auf unserm Berg herum, und ich bildete -mir ein, jeder neue Busch, den ich fände, sei auch andern -fremd. War es böses Wetter, so setzte ich mich still in einen -Winkel und hörte Karolinen und Amalien zu, die eine -Art dialogisierter Romane spielten. Eine war immer eine -Heldin des Stücks, und statt zu erzählen, wie es geschehen -sei, dramatisierten sie die Geschichte. Dieses hatte unendlichen -Reiz für mich. Ich saß dabei und hörte alles an und -war begierig, wie es enden würde. Wie alle Romane -und Theaterstücke, so endete sich dieses auch immer mit -einer Heirat.</p> - -<p>Hatte mein Vater Geschäfte mit seinen Jägern des -Abends, so kam meine Mutter und die Kusine, eine fertige -Leserin, las uns vor. Ich arbeitete nicht gern in früherer -Zeit, so gerne ich jetzt tätig bin. Ich hatte noch eine Art -Unterhaltung, die mich besonders anzog. Ich hatte Figuren -aus den Kalendern, die ich mir künstlich ausschnitt. -Mit diesen spielte ich die Romane nach, die ich hörte. Es -gab aber noch wenige zu der Zeit, zumal deutsche.</p> - -<p>Nach sieben Uhr gingen wir zu unserem Vater, wo wir -ein kleines Mahl einnahmen, und nach dem Essen blieben -wir noch bei ihm bis um neun Uhr, wo meine Mutter -uns begleitete. Die Mädchen im Hause wurden versammelt, -die Kusine las einen Abendsegen, es wurde ein -geistliches Lied gesungen, die gute Mutter segnete ihre -Kinder ein, und so gingen wir gläubig zur Ruhe und -erwarteten den andern Morgen, um wieder so zu leben.</p> - -<p>Noch ehe wir aufstanden, war der geschäftige Vater<span class="pagenum" id="Seite_45">[45]</span> -schon in den Wäldern, besah die Anlagen, ordnete die -Holzschläge an, bestimmte die Jagdreviere, und meistens -war die Mutter mit ihm. Hatte er keine solchen Geschäfte, -so fuhr er mit ihr nach seinen Feldern. Er hatte aus Liebe -zur Ökonomie Felder gepachtet. Da besah er, wie jede -Pflanzung stand, ließ Anstalten zur Ernte machen, kurz -er wies jedes Geschäft des Tages an.</p> - -<p>Es war uns eine eigene Freude, die Ernte einfahren -zu sehen, und an diese wiederkehrende Freude knüpften -wir unsere Erinnerung. Bald halfen wir die Gemüse -aufzubewahren, bald das Obst für den Winter zu legen, -bald halfen wir einmachen und Obst trocknen. Alles wurde -uns wichtig, und es wurde mit einer Wichtigkeit behandelt, -wovon man nur in einer einfachen Lebensweise -einen Begriff hat. Das ganze Haus hatte nur einen Gesichtspunkt -bei einem ökonomischen Fest, alles war beschäftigt.</p> - -<p>Ich zog indes freilich lieber auf dem Berg herum, den -sich meine kindische Phantasie vergrößerte, suchte Blumen -und Zweige und kam oft recht von Dornen zerrissen zurück -und ganz atemlos. Bald wollte ich eine Blume pflücken, -die unzugänglich war, bald fiel ich aus Unvorsichtigkeit -den Berg hinunter, ohne Wunden ging keine meiner -Streifereien ab. Kam zuweilen ein Besuch, der unsere Art -zu leben unterbrach, so vernahmen wir nichts Neues, denn -jeder lebte auf diese Art.</p> - -<p>Ein Fest für uns war ein Besuch bei einem alten Geistlichen, -dem Beichtvater unseres Hauses, der mit seiner Frau<span class="pagenum" id="Seite_46">[46]</span> -ein patriarchalisches Leben führte. Die runden Fensterscheiben -im Zimmer, der große Schrank von Nußbaum -mit großen geschliffenen Gläsern besetzt, mit Kirschen von -Glas und einer ruhenden Kuh von Porzellan, die eine -Butterbüchse war, war mir so lieb und erfreulich als der -Kohlkopf in Vossens Luise. Ein schöner bunter Teppich lag -auf dem Kaffeetisch. An der Seite des Zimmers war ein -Fensterchen, das in die Küche sehen ließ, wo der Kaffee -uns entgegendampfte, oder die schönen Kuchen gebacken -wurden. Die Hoffnung, die Erwartung, was uns bevorstände, -war für mich wichtig. Wenn der Tisch mit den -Gaben des Herbstes prangte, saß ich recht gemütlich und -hörte den Gesprächen, die mit Einfalt im Gemüt gehalten -wurden, zu und verlor mich in dieser Welt.</p> - -<p>Wenn um sechs Uhr die große Glocke schallte, wir -mochten in welchem Gespräch wir auch wollten begriffen -sein, so faltete der alte gute Mann seine Hände und betete -laut, wir beteten mit. Die alte Frau Pfarrerin ging zu -ihm, rief ihm laut ins Ohr, denn er war taub: ›Glückseligen -guten Abend, Papa!‹ und das vorige Gespräch begann -wieder. Um sieben verließen wir diesen langen Besuch, -aber nicht ohne Rührung über die Güte und Einfalt, im -edeln Sinn des Wortes, unserer Freunde. Sie kamen auch -öfters zu uns, und immer war es die nämliche Unterhaltung. -Der alte Pfarrer las wenig, doch die Zeitungen, die zuweilen -auch unser Gespräch machten, einige theologische -Bücher und gelehrte Zeitungen, die ich immer mit einer Art -Neugierde und Ehrfurcht ansah, lagen auf seinem Tische.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_47">[47]</span></p> - -<p>Besuche unseres Alters hatten wir in dieser Zeit selten. -Sonntags gingen wir in die Kirche und der Vater an Hof. -Die Mutter ging Donnerstags gewöhnlich hin. Das war -auch ein Fest für mich, sie geputzt zu sehen, und ich beschäftigte -mich oft in der Vorstellung damit. Sonntags -hatten wir meistens oder gaben Besuche. Ein fehlgeschlagener -Anschlag auf einen Besuch war immer störend, und -die Kusine, die gern ausging, sann oft stundenlang darüber -nach, wo man sich nur könne melden lassen.</p> - -<p>Ein großer schöner mit Bäumen bepflanzter Gang an -der Saale war auch an den Besuchtagen unser Spaziergang. -Dort versammelte sich die schöne Welt, und dort -begegneten wir auch unsern Gespielinnen.</p> - -<p>Auch der fürstliche Garten unserer Wohnung gegenüber -war Sonntags unser Ziel. Alles mir Unbekannte und -Fremde dünkte mir wunderbar, dieser Zug ist mir aus -meiner früheren Jugend auffallend. Der Garten mit holzgeschnitzten -Figuren, mit einer Laube, worin ein großes -Bild war, im Geschmack des Gartens, den der Apotheker -in Hermann und Dorothea beschreibt: dies waren meine -Kunstwerke. Ein plumper Neptun mit einem Dreizack in -einem Bassin war mir auch verwunderungswürdig, und -er kam mir oft in meinen Träumen wieder vor. Auch ein -Labyrinth, in dem ich mich oft zu verlieren fürchtete, war -mir bedeutend.</p> - -<p>So lebte und trieb ich mein Wesen in engen Umgebungen -bis in mein neuntes Jahr, wo unser guter Vater uns entrissen -wurde.«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_48">[48]</span></p> - -<p>Karoline befand sich bereits in einem Alter, wo der -Gedanke an den Tod schwere Seelenbewegung hervorruft, -wie sie selbst bekennt:</p> - -<p>»In meinem dreizehnten Jahre verlor ich den Vater. -Seine Krankheit wurde mir wohl als bedenklich, doch nicht -als einen nahen Tod drohend vorgestellt.</p> - -<p>Noch hatte ich nichts Geliebtes durch den Tod verloren, -so daß mir diese grauenvolle Erscheinung in ihrer Macht -und Tiefe fremd war. Der Vater starb in der Nacht an -einem Stickflusse. Die Diener kamen zu uns herauf in den -oberen Stock, mit dem Befehl der Mutter, wir sollten uns -ruhig in unserm Zimmer halten. Ihre Klagetöne drangen -zu uns herauf, meine Unruhe trieb mich die Treppe hinab, -um ihr und dem Vater näher zu sein. Es war am Morgen -gegen drei Uhr, eine Lampe brannte schwach auf der Hausflur. -Die Zimmer meiner Mutter öffneten sich, man ging -aus und ein, ich lehnte auf dem Treppengeländer, um in -das Innere derselben blicken zu können. Da hörte ich die -Stimme des Vaters. ›Weißt du nicht, daß ein allmächtiger -Gott lebt?‹ hörte ich ihn sagen. Die Stimme war mir -sonderbar nahe, als töne sie von der Hausflur her. Doch -zweifelte ich in dem Moment durchaus nicht, daß der Vater -noch lebe und die Mutter zu trösten suche.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-055"> - <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Die Schillerglocke</div> -</div> - -<p>Als am nächsten Morgen das traurige Ereignis uns ausführlich -mitgeteilt wurde, und meine Mutter äußerte, schon -gegen ein Uhr in der Nacht sei der Vater sprachlos gewesen, -sagte ich: ›Ich habe ihn ja um drei noch reden hören!‹ worüber -alles verwundert war. Vor dem Abgeschiedenen hatte ich<span class="pagenum" id="Seite_49">[49]</span> -übrigens durchaus keine Scheu oder Furcht, ja ich weilte -oft lange in seinem Kabinett, wo ich ihn zuletzt gesehn, -und bat Gott, er möge mich ihn noch einmal sehen, ihn -mir erscheinen lassen.«</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-056"> - <img class="w100" src="images/illu-056.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Charlottes Jugendheim</div> -</div> - -<p>Der Heyßenhof war im 16. Jahrhundert Sitz einer -Familie Heyße, stand in alter Beziehung zum Rittergut -Großkochberg, als dessen Inhaber ein Herr von Stein 1720 -damit belehnt wurde. Von 1770 bis 1780 war er fürstliches -Eigentum, dann ging er in den Besitz einer Müllersfamilie -Mallenbeck über. Wann der Jägermeister von Lengefeld -sich hier einmietete, und ob seine Töchter im Heyßenhof -geboren wurden, kann nicht festgestellt werden. In ihrem Erinnerungsleben -spielt aber diese Örtlichkeit eine bedeutsame -Rolle, verlebten sie doch hier die Kindheitsjahre, die mit -ihren frisch empfundenen Eindrücken am tiefsten und -längsten bis in das Alter vorhalten.</p> - -<p>Der Schönfeldsche Hof gegenüber war ebenfalls seit -Jahrhunderten ein Kochberger Vorwerk gewesen. Die fürstliche -Hofverwaltung hatte ihn 1706 erworben, und Prinz -Ludwig Günther von 1734 an die Ludwigsburg gebaut -und mit einem Garten in französischer Mode ausgestattet, -wie ihn Charlotte sah.</p> - -<p>Der Damm am Saaleufer, 1735 angelegt, senkte sich -reich mit schattigen Bäumen bepflanzt als Wiese und Weide -zum Flusse hinab, und links von ihm dehnte sich der Anger -aus als ländlicher Tummelplatz mit Schießstand, Gaststätten -und einem Sommertheater.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_50">[50]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Der_Herbst_1789">Der Herbst 1789</h2> -</div> - -<p>Schillers Geschichtswerk über den Abfall der Niederlande -war im Rudolstädter Sommer abgeschlossen worden -und zur Michaelismesse 1788 in den Buchhandel gekommen. -Daraufhin konnte sich Goethe für Charlottes Freund -und Frau von Steins Schützling verwenden, als die Professur -für Geschichte in Jena ganz unerwartet erledigt war. -Der Dichter sollte nun Mann der Wissenschaft sein und ein -Lehramt mit drückenden Verpflichtungen übernehmen. -Das kam ihn hart an, aber die Aussicht auf eine feste -Staatsstellung verlieh ihm ein Recht, auf Charlottes Hand -zu hoffen. In Lauchstedt bei Halle erhielt er ihr Jawort. -Vor der besorgten Mutter mußte das vorläufig noch ein -Geheimnis bleiben.</p> - -<p>Das junge Glück beseelt ihn mit neuem Mut, und zwischen -dem Ernst der Tagesarbeit ließt der Scherz in seine -Worte: »Die Mohammedaner kehren, wenn sie beten, ihr -Gesicht nach Mekka, ich werde mir einen Katheder hier -anschaffen, wo ich das meinige gegen Rudolstadt wenden -kann, denn dort ist meine Religion und mein Prophet.«</p> - -<p>Als der Semesterschluß winkt, nehmen die Pläne für -den Ferienaufenthalt bestimmte Form an: »Ich mache<span class="pagenum" id="Seite_51">[51]</span> -mir meine Ferien so gut zunutze, als ich kann. Es sind -die ersten, die ich erlebe, und es kommt mir wunderlich -vor, daß mir eine Zeit vorgeschrieben ist, wo ich frei über -mich disponieren kann. Kommenden Winter lese ich die -Woche fünf Stunden Universalgeschichte, von der fränkischen -Monarchie an bis auf Friedrich II., und eine Stunde -Geschichte der Römer.«</p> - -<p>Zwischen den Gedanken an die Arbeit belebt ihn die -Freude auf die Nähe der Braut:</p> - -<p class="right"> -»Jena, Dienstag, den 1. September. -</p> - -<p>Wie wird es mit unsern Abenden gehen, wenn ich in -Volkstedt wohne? Ich will es so einrichten, daß ich gegen -drei gewöhnlich in Rudolstadt bin, und zuweilen bleiben, -bis die <em class="antiqua">Chère Mère</em> wieder geht. Zuweilen komme ich -auch den Vormittag. Bei schlechtem Wetter kann ich zur -Not im Wirtshaus oder sonst ein Absteigequartier finden. -Den Tag, wann ich komme, weiß ich noch nicht bestimmt. -Ich vermute, daß ich morgen über 14 Tage mein letztes -Kollegium lese.«</p> - -<p>Etwas bange stimmt ihn der Gedanke, daß sie die Sorgen -der Mutter nicht steigern durch eine vorzeitige Kunde -von ihrem Verlöbnis: »Die <em class="antiqua">Chère Mère</em> müßt Ihr bei -ihrer Zurückkunft und, wenn ich da bin, eher fleißiger -als nachlässiger besuchen, sonst gewöhnt Ihr sie, mich und -eine unangenehme Erfahrung in ihrem Gemüt zusammen -zu denken.«</p> - -<p>Er muß zweierlei Briefe schreiben, solche die geheim<span class="pagenum" id="Seite_52">[52]</span> -bleiben, und »ostensible«, die von Hand zu Hand gehen -dürfen, und erwirbt sich Anerkennung dafür:</p> - -<p>»Du bist recht artig, daß Du sogleich den Brief geschrieben -hast, und so schön, so fein angelegt, daß es aussieht, -als überträfst Du uns noch in List. Nun im Ernst, mein Lieber, -glaube nicht, daß es meine Mutter so sehr beunruhigen -kann, wenn Du uns nahe bist. Sie soll nicht mißmutig -sein, wenn wir uns freuen. Aber ich kann mir doch auch -nicht denken, daß es sie zu sehr betrüben könnte. Sie hat -Dich doch auch lieb, findet, daß man Deinen Umgang -schätzen muß, dazu hat sie doch zu viel Verstand, um es -nicht zu finden, und fühlt doch auch, daß wir so einsam -sind, und uns Deine Gesellschaft wohltun wird. Sie soll -morgen den Brief sehen.</p> - -<p>Daß wir Dich nachmittags von drei Uhr bis gegen -sechs oder sieben immer sehen wollen, haben wir auch -schon ausgedacht, und wir gehen immer abends um acht -Uhr nach dem Essen bei Hof. Da können wir immer zwei -Stunden bleiben. Alle Tage kommt meine Mutter nicht -zu uns, also werden wir uns oft ungestört sehn können. -Lieber, wie freut sich mein Herz dieser Aussicht!«</p> - -<p>Am 18. September trifft der sehnlichst Erwartete ein, -und fünf Wochen, reich an Arbeit, hell durch Freude, getrübt -von mancherlei Sorgen, vereinigen den Rudolstädter -Kreis in der Neuen Gasse.</p> - -<p>Karoline, die Schwester und Freundin, weiß in allem -Bescheid:</p> - -<p>»Endlich kamen die Ferien. Schiller bewohnte wieder<span class="pagenum" id="Seite_53">[53]</span> -sein Haus in Volkstedt und brachte Morgen- und Nachmittagsstunden -bei uns zu, da die Abende größtenteils -der Mutter gehörten. Das Geheimnis der glücklichen Liebe -zwischen ihr und uns, welches zu ihrer Ruhe nötig war, -empfanden wir als eine ungewohnte Störung doppelt -schmerzlich in dieser goldenen Zeit, denn immer hatte Offenheit -unter uns gewaltet. Doch tröstete uns der Mutter -sich stets gleich bleibende Achtung und Freundschaft für -Schiller. Dieser arbeitete an seinen Vorlesungen, an der -Thalia und dem Geisterseher und schweifte in den schönen -Herbsttagen in der Gegend umher, in der Erinnerung und -Hoffnung ihn anlächelte. Auch manche poetischen Pläne -und Stimmungen entsprangen diesen Wanderungen, auf -denen wir ihn oft begleiteten. Die Liebe und die sichere -Aussicht auf ein glückliches häusliches Leben, welches immer -der Gegenstand seiner Sehnsucht gewesen war, bildeten -einen lichten Grund in seinem Gemüte. Aber die Ungewißheit -der Epoche, wo Lottchen mit ihm leben könnte, erzeugte -oft Sorge und Unruhe.</p> - -<p>Es graute ihm vor der Einsamkeit in Jena. Der günstige -Moment, seine Bitte dem Herzog von Weimar vorzutragen, -lag noch fern, und an ihrer Erfüllung konnte -man doch noch zweifeln. Da alles an der Festigkeit der -Existenz, die die Mutter beruhigen konnte, hing, so erging -sich unsere Phantasie in tausend Plänen, die dazu führen -konnten. Städte, Länder und Verhältnisse mit wohlgesinnten -Menschen, die nur der Gestaltung bedurften, lagen -immer bereit.«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_54">[54]</span></p> - -<p>Unter den Plänen, die erwogen wurden, beschäftigte -auch der ernsthaft die Gemüter, nur auf die schriftstellerische -Tätigkeit den Hausstand, und zwar in Rudolstadt, zu gründen. -All diesen Überlegungen kommt Frau von Stein zuvor, -indem sie den Herzog bestimmt, für Schiller ein kleines -Jahresgehalt zu versprechen. Nun gilt es ihm als erste -Pflicht, der Mutter seiner Braut sein Herz und seine Lage -zu eröffnen:</p> - -<p class="right"> -»Jena, den 18. Dezember 1789. -</p> - -<p>Wie lange und wie oft, seit mehr als einem Jahre, -gnädige Frau, habe ich mit mir selbst gestritten, ob ich es -wagen soll Ihnen zu gestehen, was ich jetzt nicht mehr -zurückhalten kann. Ich muß Sie bitten, verehrungswürdigste -Freundin, sich jetzt alles gegenwärtig zu machen, -was je in Ihrem gütigen Herzen für mich sprach. Ich selbst -muß mir jedes Ihrer Worte zurückrufen, worin ich Wohlwollen -für mich zu erkennen glaubte, um in diesem Augenblicke -Mut und Hoffnung zu fassen. Es gab Augenblicke, -unvergeßlich sind sie meinem Herzen, wo Sie mich vergessen -ließen, daß ich ein Fremdling in Ihrem Hause sei, -ja, wo Sie unter Ihren Kindern auch mich mit zu zählen -schienen. Was Sie damals ohne Bedeutung sagten, was -nur eine vorübergehende Bewegung Ihres Herzens Ihnen -eingab, wie tief ergriff es mein Herz, wo lange schon kein -anderer Wunsch mehr lebte, als Ihr Sohn genannt zu -werden. Sie haben es in Ihrer Gewalt, jene Äußerungen -in volle selige Wahrheit für mich zu verwandeln.</p> - -<p>Ich gebe das ganze Glück meines Lebens in Ihre Hände.<span class="pagenum" id="Seite_55">[55]</span> -Ich liebe Lottchen, ach, wie oft war dieses Geständnis auf -meinen Lippen, es kann Ihnen nicht entgangen sein. Seit -dem ersten Tage, wo ich in Ihr Haus trat, hat mich Lottchens -liebe Gestalt nicht mehr verlassen. Ihr schönes edles -Herz habe ich durchschaut. In so vielen froh durchlebten -Stunden hat sich ihre zarte sanfte Seele in allen Gestalten -mir gezeigt. Im stillen innigen Umgang, wovon Sie selbst -so oft Zeugin waren, knüpfte sich das unzerreißbarste Band -meines Lebens. Mit jedem Tage wuchs die Gewißheit in -mir, daß ich durch Lottchen allein glücklich werden kann. -Hätte ich diesen Eindruck vielleicht bekämpfen sollen, da -ich noch nicht vorhersehen konnte, ob Lottchen auch die -meine werden kann? Ich hab es versucht, ich habe mir -einen Zwang vorgeschrieben, der mir viele Leiden gekostet -hat. Aber es ist nicht möglich, seine höchste Glückseligkeit -zu fliehen, gegen die laute Stimme des Herzens zu streiten. -Alles, was meine Hoffnungen niederschlagen könnte, habe -ich in diesem langen Jahre, wo diese Leidenschaft in mir -kämpfte, geprüft und gewogen, aber mein Herz hat es -widerlegt. Kann Lottchen glücklich werden durch meine -innige ewige Liebe, und kann ich Sie, Verehrungswürdigste, -lebendig davon überzeugen, so ist nichts mehr, was gegen -das höchste Glück meines Lebens in Anschlag kommen kann. -Ich habe nichts zu fürchten, als die zärtliche Bekümmernis -der Mutter um das Glück ihrer Tochter, und glücklich wird -sie durch mich sein, wenn Liebe sie glücklich machen kann. -Und daß dieses ist, habe ich in Lottchens Herzen gelesen.</p> - -<p>Wollen Sie, teuerste Mutter, o lassen Sie mich bei diesem<span class="pagenum" id="Seite_56">[56]</span> -Namen Sie nennen, der die Gefühle meines Herzens und -meine Hoffnungen gegen Sie ausspricht, wollen Sie das -Teuerste, was Sie haben, meiner Liebe anvertrauen? Meine -Wünsche durch Ihre Billigung in Wirklichkeit verwandeln, -wenn es auch die Wünsche Ihrer Tochter sind, wenn wir -uns beide in dieser Bitte vereinigen? Ich werde Ihnen -mehr zu danken haben, als ich einem Menschen danken -kann. Sie werden glücklich sein in der Glückseligkeit Ihrer -Kinder. Unsere Dankbarkeit wird geschäftig sein, Ihr Leben -zu verschönern und Ihnen das Geschenk der Liebe durch -Liebe zu erstatten.</p> - -<p>Ich erlaube mir keine weitre Erklärung, bis Sie über -die Wünsche meines Herzens entschieden haben werden. -Steht nur in Ihrer Seele meinem Glücke nichts entgegen, -so werden keine Hindernisse von außen ihm im Wege -stehen. Mit welcher Unruhe und Sehnsucht erwarte ich -von Ihnen den Ausspruch über mein ganzes Glück! Aber -Liebe allein wird Sie leiten, und darauf gründe ich frohe -Hoffnungen. Ewig der Ihrige mit der innigsten Ehrfurcht -und Liebe.«</p> - -<p>Nur ein gutes treues Mutterherz konnte eine Antwort -geben, wie die, deren Inhalt ihn nun von Zweifeln erlöste:</p> - -<p class="right"> -»Rudolstadt, den 21. Dezember 1789. -</p> - -<p>Ja, ich will Ihnen das Beste und Liebste, was ich noch -zu geben habe, meine gute Lottchen, geben. Die Liebe -meiner Tochter zu Ihnen und Ihre edle Denkungsart -bürgt mir für das Glück meines Kindes, und dieses allein<span class="pagenum" id="Seite_57">[57]</span> -suche ich. Verzeihen Sie aber der Sorgsamkeit und der -Pflicht einer Mutter: Können Sie Lottchen neben Ihrer -zärtlichen Liebe, nicht ein glänzendes Glück, sondern nur -ein gutes Auskommen verschaffen? Beruhigen Sie mich -über diesen Punkt, und ich nenne Sie mit Freuden Sohn. -Wäre ich reich, könnte ich Ihnen mit meiner Tochter ein -ansehnliches Vermögen geben, wie gern würde ich Ihnen -da zeigen, daß Verdienst und ein Herz, so wie ich das -Ihrige kenne, die schätzbarsten Güter der Erde für mich -sind. Da mein Vermögen aber nicht groß und unser jetziges -Leben diese Frage verlangt, weil ohne hinlänglichen Unterhalt -kein Familienglück bestehen kann, so müssen Sie -mir meine Ängstlichkeit vergeben. Die ich mich mit wahrer -Ergebenheit und Freundschaft nenne</p> - -<p class="right"> -Ihre treue Freundin von Lengefeld.« -</p> - -<p>Zwei gute und treuherzige Briefe von Rudolstädtern -in der Ferne trafen ein, der eine noch an Fräulein von -Lengefeld in der Neuen Gasse, der andere bereits an Frau -Hofrätin Schiller in Jena.</p> - -<p class="right"> -»Genf, den 27. Januar 1790. -</p> - -<p>Daß ich an der Entscheidung Ihres Schicksals, liebes -Lottchen, den lebhaftesten Anteil nehme, dafür bürgt Ihnen -meine Freundschaft für Sie. Mögen Sie mit dem Manne, -den Sie sich gewählt haben, in allen künftigen Lagen -Ihres Lebens immer so glücklich sein, als es Ihr gutes -edles Herz verdient. Einer meiner sehnlichsten Wünsche -wird dadurch erfüllt werden. Schiller, der mir bereits für -seinen Geist die größte Achtung eingeflößt hat, soll mir<span class="pagenum" id="Seite_58">[58]</span> -auch in dem neuen Verhältnisse, in welches ich mit ihm -durch Sie gesetzt werde, herzlich willkommen sein, und -ich bitte Sie, ihn von meiner aufrichtigsten Freundschaft -zu versichern.</p> - -<p>Es ist freilich eben so gar artig nicht, daß Sie so mit -einem Male Ihrem alten Lehrer aus der Schule laufen -und mich, Ihren alten Freund, verlassen. Allein ich würde -zuviel Eigennutz verraten, wenn ich mich zu sehr darüber -beschweren wollte, und Knebeln muß es doch eigentlich -recht wohl tun, seine Schülerin nun als hochgelehrte Professorin -auf der Hohen Schule zu wissen. Ich will nun von -Ihnen recht viel lernen, vorzüglich rechne ich sehr darauf, -durch Ihre Vermittelung bisweilen etwas von Schillers -historischen Vorlesungen zu erhalten. Seine erste im Merkur -eingerückte Vorlesung habe ich kürzlich gelesen. Sie ist -ganz meisterhaft und hat mir außerordentlich gefallen. -Schiller behandelt die Geschichte genau so, wie ich immer -gewünscht habe, sie behandelt zu sehen. Jede einzelne Geschichte -wird durch seine Darstellung ein schöner Teil von -einem großen harmonischen Ganzen, von der Geschichte -der Menschheit.</p> - -<p>Daß Sie uns in Rudolstadt nicht ganz vergessen, und -daß Sie sich so einrichten werden, daß Sie alle Ferien -bei uns mit Ihrem Freunde zubringen, darauf zähle ich -sicher.</p> - -<p>Leben Sie wohl, liebes Lottchen, und lassen Sie bald -wieder etwas von sich hören.</p> - -<p class="right"> -von Beulwitz.« -</p> -<p><span class="pagenum" id="Seite_59">[59]</span></p> -<p class="right"> -»Genf, den 15. März 1790. -</p> - -<p class="center"> -Bestes Schwesterchen, -</p> - -<p>wie sehr Ihr Wohl und Glück Ihrem Brüderchen am Herzen -liegt, wie sehr er sich jetzt freut, Sie in derjenigen Lage -zu sehen, die Sie sich selbst wünschten und wählten, können -Sie sich leicht vorstellen. Nichts konnte mir mehr Vergnügen -machen, als Sie mit einem so braven Mann, als Herr -Schiller ist, verbunden zu sehen. Erlauben Sie mir, mich -bei dieser Gelegenheit zu fernerer Freundschaft zu empfehlen. -Recht oft hoffe ich Sie mit Ihrem lieben Mann -in Rudolstadt zu sehen, und so manche angenehme Stunde -soll uns im freundschaftlichen Zirkel verfließen. Dann -singen wir Herrn Schillers Lied an die Freude! Jetzt muß -unser Lieblingsdichter diese Stelle doppelt fühlen: ›Wer -ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!‹ –</p> - -<p>Darf ich bitten, mich Herrn Schiller zu fernerer Freundschaft -zu empfehlen. Bald werde ich Ihnen mündlich sagen -können, wie sehr ich Sie verehre, und bin</p> - -<div class="br-12"> -<p class="center"> -Ihr aufrichtiger<br /> -Freund und Diener<br /> -Ludwig Friedrich.« -</p> -</div> -<hr class="tb" /> - -<p>»An einem Montag, den 22. Februar 1790, wurden -wir in Wenigenjena vom Diakonus Schmidt getraut.</p> - -<p>Schiller kam einige Tage vorher nach Erfurt, wo ich und -Karoline war, uns abzuholen. Wir kamen Sonntag abends -nach Jena. Den Montag früh fuhren wir drei zusammen<span class="pagenum" id="Seite_60">[60]</span> -nach Kahla, wo wir meine Mutter abholten. Es war ein -Frühlingstag wie heute, wo ich dieses mit Schmerzen niederschreibe. -Von Kahla fuhren wir gegen 2 Uhr ab und kamen -um 5 Uhr ganz in der Stille in Wenigenjena an, stiegen -an der Kirche aus, niemand war bei der Trauung zugegen, -als meine Mutter und Karoline. Den Abend brachten wir -still und ruhig miteinander in Gesprächen zu beim Tee. -So verging der Tag, der so viele Freuden in seinem Gefolge -hatte und so viele Schmerzen. Jeglichen Menschen -erwartet sein Tag, auch meiner wird kommen!«</p> - -<p class="right"> -Aus Charlottes Tagebuch. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_61">[61]</span></p> -<h2 class="nobreak" id="Das_Fruehjahr_1791">Das Frühjahr 1791</h2> -</div> - -<p>Das Jahr 1791 begann mit Not und Sorge. Am 3. Januar -bei einem Hoffest in Erfurt war Schiller zusammengebrochen. -Der Arzt schaffte wohl Linderung, aber nicht -Heilung. Am 9. Januar erfolgte die Reise nach Weimar, -am 11. die Rückkehr nach Jena. Im Briefwechsel des -Freundeskreises ist die Sorge und die Hoffnung zu erkennen, -mit der alle die Ereignisse im Befinden Schillers begleiteten. -Erst am 22. Februar führt der Genesende selbst wieder -die Feder und berichtet dem Dresdener Freund seinen -Zustand und seine Pläne für den Sommer. Schon am -Krankenlager hatte sich ein Wetteifer gezeigt: nicht nur -Verwandte und altbewährte Freunde hatten einander -übertroffen in ihren Bemühungen, auch neue Anhänger -bewarben sich, wenigstens einmal eine Nachtwache leisten -zu dürfen. Schillers philosophische Studien hatten ihm -Schüler in reiferen Mannesjahren zugeführt, die nur -vorübergehend Jena aufsuchten, um seinen persönlichen -Verkehr zu genießen. Im Anfang des April folgten ihm -einige dieser neuen Freunde auch in seine Erholungszeit -nach Rudolstadt.</p> - -<p>Geselliges Leben entwickelt sich hier, drei- bis viermal<span class="pagenum" id="Seite_62">[62]</span> -die Woche wird ein Spazierritt unternommen. Am 24. April -folgt Schiller einer Einladung zur Hoftafel, die Umgebung -ist heiter, aber er selbst beurteilt seinen Zustand mit klarem -Blick: ›Ich mag niemand sagen, daß ich meine Beschwerden -behalten muß. – Es soll mir nicht an Mut fehlen, -wenn auch das Schlimmste über mich kommen wird.‹</p> - -<p>Zu dem neuen Kreise gehörte der fünfundzwanzigjährige -Mediziner Benjamin Erhard aus Nürnberg, Kantischer -Philosoph, Mathematiker, Zeichner und Musiker, ein bestimmt -auftretender, humorvoller Mensch, dessen Wesen -Schiller mit fühlbarem Anteil schildert. Er berichtet in seinen -Denkwürdigkeiten: »Durch Schillers Bekanntschaft -wurde ich veranlaßt, ihn in Rudolstadt bei seinem Schwager -zu besuchen. Ich verlebte hier einige der glücklichsten -Tage meines Lebens, unter lauter gebildeten Menschen, -die mich an äußerer Bildung alle übertrafen, und die doch -Güte genug hatten, mir meine innere als Ersatz für die -äußere anzunehmen. Die Prinzen und Prinzessinnen kamen -beständig in dieses Haus, und meine geringe Fertigkeit im -Zeichnen und Kenntnis des Generalbasses erwarb mir ihre -Gunst. Der Ton, der hier herrschte, war die unschuldigste -Geselligkeit, die ich bisher gesehen hatte. Ich war eines -Abends auf dem Schlosse und phantasierte auf Verlangen -auf dem Fortepiano; meine Laune gab mir deutsche Tänze -ein, und diese wirkten auf die Gesellschaft so, daß sie zu -tanzen anfing, und ich meine Tänze fortspielen mußte. -Reinhold, der auch auf Besuch hier war, sagte mir ins -Ohr: ›Nun erfahre ich, was ich in meinem Leben nicht erwartet<span class="pagenum" id="Seite_63">[63]</span> -habe, daß ein Hof nach der Musik eines Philosophen -tanzt.‹ Das hörte aber doch ein Nahestehender, der Scherz -wurde in der Gesellschaft verbreitet und gefiel jedermann. -Mit dem Buchhändler Göschen ging ich zu Fuß nach Jena -zurück und fand auch in ihm einen Freund.«</p> - -<p>Aus dem Bekanntenkreis, zu dem auch der Freiherr -von Hardenberg, der Dichter Novalis, gehörte, nennt -Schiller noch einen Klagenfurter Fabrikanten Baron von -Herbert und zwei Livländer, Baron von Adlerskron, Offizier -und Philosoph, und Karl Gotthard Graß, der sich -als Theolog, Philosoph, Dichter und Maler betätigte. Aus -dessen Feder besitzen wir die Schilderungen von Schillers -Krankheit, die ihn am 7. Mai überfiel. Aus seiner Heimat -schreibt er 1795 an Schiller: »Es sind vier Jahre, vier -Jahre! verflossen, seit ich in Rudolstadt von Ihnen ging; -nur wenn ich auf die Lebhaftigkeit meiner Rückerinnerungen -an jene Augenblicke sehe, scheinen es mir so viele -Tage zu sein. Ich sehe noch jeden einzelnen Moment unverrückt -und deutlich vor mir. Wie wir am Bett saßen -und Ihnen vorlasen, und was wir lasen; wie wir die -Mondlandschaft vor Ihnen aufstellten; dann wieder, wie -Ihre Gattin an Ihrem Bett kniete und die Tränen verbarg, -und Ihre Hände sie umschlangen; wie Sie mit mir Malaga -und auf Wiedersehen tranken; dies alles, und was Sie mir -sagten, und was ich empfand, dies alles ist mir so gegenwärtig, -wie von gestern her. Ich kenne jeden Zug Ihres -Gesichts, ich höre Ihre Stimme, und die leiseste Berührung -dieser Erinnerungen durchdringt meine ganze Seele!«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_64">[64]</span></p> - -<p>Aus Neapel beantwortet er die Nachricht von Schillers -Tod, unter der er zusammenbrechen wollte; dabei -fließt ihm in die Feder: »Erinnern Sie sich noch eines -Augenblicks, der mir unvergeßlich ist, als Schiller in Rudolstadt -so krank war: Ich befand mich in seinem Zimmer -und hatte, indem ich am Fenster stand und las, mir das -Bild des Leidenden und das Edle und Große, welches -seine Form und seine Züge umschwebte, tief eingeprägt. -Er hatte, soviel ich weiß, etwas Opium genommen, die -heftigen Krämpfe zu stillen, und lag da, leicht entschlummert, -wie ein Marmorbild. Sie befanden sich im Nebenzimmer, -wo ich Ihnen die Schillersche Übersetzung des -vierten Buchs der Äneide vorgelesen hatte, und von Zeit -zu Zeit kamen Sie an die Türe, sich nach Schiller umzusehen. -Sie sahen ihn also da liegen und nahten leise auf -bloßen Strümpfen, und ebenso leise knieten Sie mit gefalteten -Händen vor sein Bette hin. Ihr loses dunkles Haar -floß über die Schulter. Still weinte Ihr Auge. Sie hatten -es wohl kaum bemerkt, daß noch jemand im Zimmer war. -Der ohnmächtige Kranke schlug indessen etwas die Augen -auf. Er erblickte Sie; mit Leidenschaft umschlangen plötzlich -seine Arme Ihr Haupt, und so blieb er auf Ihrem -Nacken ruhen, indem ihn die Kraft von neuem verließ. -Verzeihen Sie, daß ichs wagte, Ihnen eine Szene zu schildern, -die so heilig und himmlisch war, daß nur Unsterbliche -sie belauschen sollten. Begreifen Sie nun, daß ich Schiller -und Sie nie vergessen konnte?«</p> - -<p>Treuer Pflege, der Hilfe der Rudolstädter Ärzte Conradi<span class="pagenum" id="Seite_65">[65]</span> -und Beythan, sowie des Jenaer Hofrats Stark gelang es, -den Leidenden zu retten. Am 9. Juli reiste er mit Frau und -Schwägerin nach Karlsbad, von wo Lotte meldet, daß die -Kur guten Erfolg hat. Karoline wurde nach Rudolstadt -zurückberufen, denn am 21. Juli fand die Vermählung -des Erbprinzen Ludwig Friedrich mit der Prinzessin Karoline -Luise in Homburg statt, und am 5. August sollte der -feierliche Einzug des jungen Paares in Rudolstadt erfolgen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>»Am 10. April 1805. Jeder Mensch sollte die Geschichte -seiner Empfindungen für sich selbst aufsetzen, nicht sich -ängstlich beobachten und immer mit seinem Gewissen sich -abfinden, sondern sich mit freiem Sinne prüfen, wie die -äußern Gegenstände auf uns wirken. –</p> - -<p>Je länger man in der Welt lebt, je näher man die Menschen -beleuchtet, je mehr flüchtet man sich in sein eigenes -Herz zurück. Welche Zwecke, welche Neigungen leiten die, -die wir beobachten! Falsches Streben nach unerreichbaren -Dingen ist beinah die ganze Existenz mancher Naturen. -Wo ist der Friede zu finden, wenn er nicht in uns ist?</p> - -<p>Je gebildeter die Natur, je näher den Abwegen! Kein -Mittelweg führt zu dem Genuß einer ruhigen Existenz. -Haben wir das Schicksal beschworen, so entsteht in uns -selbst der Kummer. Immer das Unerreichbare zu erringen -strebt die Natur. Immer in jeder Lage, in jedem Moment -des Lebens ist nur Hoffnung nach etwas Besserem, für etwas -Besseres der einzige Stab, auf den wir unsere wankende<span class="pagenum" id="Seite_66">[66]</span> -Existenz stützen. Soll dieses ewige Streben nach dem Besseren -zwecklos sein? Soll es nicht dem Geist die Deutung -geben, daß es einen Ort gibt, wo endlich alles Hoffen erfüllt -wird?«</p> - -<p>So schrieb die ehemalige Rudolstädterin in ihrem Heim -an der Esplanade zu Weimar, als der Gatte hoffnungslos -darniederlag.</p> - -<p>Vier Wochen darauf trat das Ereignis ein, das die -<em class="antiqua">Chère mère</em> in einer Urkunde bezeugt: »Den 9. Mai, -abends zwischen 5 und 6 Uhr ist mein Schwiegersohn, -Hofrat von Schiller, Mitglied der Witwensozietät, mit Tod -abgegangen.«</p> - -<p>Eine schwache, achtunddreißigjährige Witwe, brach Charlotte -am Sterbebette in der Dachstube zusammen, dann -nahm sie die Last auf sich, die eine gütige Vorsehung sonst -nur den Armen eines Menschenpaares zumutet: Unmündige -zu tragen und zu führen, bis sie ihren Lebensweg aus -eigener Kraft weitergehen können.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_67">[67]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Schillers_Familie_in_Rudolstadt">Schillers Familie in Rudolstadt</h2> -</div> - -<p>Nach Schillers Verheiratung löste sich bald der Hausstand -in der Neuen Gasse auf. Frau von Lengefeld hatte schon -1789 ihr Amt als Erzieherin der Schwestern Ludwig Friedrichs -angetreten und bezog eine Wohnung auf der Heidecksburg. -Karoline von Beulwitz trennte sich von ihrem Gemahl, -verließ Rudolstadt und ging 1794 eine neue Ehe -mit Wilhelm von Wolzogen ein.</p> - -<p>Über den Verkehr Schillers und der Seinen enthalten -die Hoffurierbücher trockene, aber genaue Auskunft, da -jede Mahlzeit und jedes Nachtquartier eingetragen ist.</p> - -<p>»Herr Schiller und Frau Hofrätin sind vom 2. bis 12. -September 1799 mittags an Erbprinzen Tafel und abends -bei fürstlicher Tafel gewesen.«</p> - -<p>Bis 1803 wohnt »Frau Hofrätin Schiller« wiederholt -bei ihrer Mutter, dann tritt eine Pause ein bis 1810. Als -zwölfjähriger Knabe besingt Ernst von Schiller romantisch -schwärmerisch die Kapelle im Mörlagraben und dichtet -eine Ballade: Der Ritter und die Saalnixe. Bald erscheint -»Herr von Schiller«, der siebzehnjährige Sohn Karl, als -Gast an der fürstlichen Tafel. Am 23. Februar 1811 nimmt -Ernst an einem Maskenfest auf dem Schlosse teil als Marquis<span class="pagenum" id="Seite_68">[68]</span> -Posa und fällt auf, wegen seiner großen Ähnlichkeit -mit dem Vater, die kleine Karoline gesellt sich zu den fürstlichen -Kindern. Karl verkehrt als »Herr Leutnant von -Schiller« bis 1815 an der Familientafel, Ernst »der Herr -Kammerassessor« bis 1818, dann führt der Beruf sie beide -in die Ferne. Von 1819–1823 feiert »Frau Hofrat von -Schiller mit zwei Fräulein« regelmäßig den Geburtstag -der Mutter am Hofe, Emilie hat Beziehungen zu Familien -in der Stadt, Karoline findet sich am 28. November 1822 -als »bleibender Gast« auf dem Schlosse ein.</p> - -<p>Am 11. Dezember 1823 verschied die <em class="antiqua">Chère mère</em>, und -die Fürstin Karoline Luise wurde den drei vereinsamten -Frauen aufrichtige Freundin und treue Beraterin.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-077"> - <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Das Schillerhaus in Volkstedt</div> -</div> - -<p>Drei Jahre später, am 9. Juli 1826, starb Charlotte in -Bonn. Sie hatte den Augenarzt von Walther daselbst aufgesucht, -um ihr Starleiden heilen zu lassen. Die Operation -gelang, aber Schwindelanfälle und Atemnot traten ein. -Ernst von Schiller zeigt der Fürstin Karoline Luise den -Tod der Mutter an: »Ich fand sie phantasierend, doch mit -helleren Momenten, in deren einem sie meine Anwesenheit -erkannte und einige, doch schwache Teilnahme zeigte. -Die Bilder ihrer Phantasie waren mild, es war der Regen, -der die Blumen erquicken würde. Ich holte Walther, der -mir gleich sagte, daß sie rettungslos verloren sei, es sei ein -Nervenschlag, der durchaus unerwartet gekommen wäre. -Um halb 5 Uhr hörte sie auf zu sprechen. Ohne irgendein -Zeichen ihres Bewußtseins zu geben, hauchte die Vortreffliche -morgens gegen 6 Uhr ihr edles Leben aus. Emilie<span class="pagenum" id="Seite_69">[69]</span> -und ich waren zugegen. Euer Durchlaucht kennen den -Schmerz und werden den unsrigen begreifen.«</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-078"> - <img class="w100" src="images/illu-078.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Die Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt</div> -</div> - -<p>Emilie war ein hochstrebendes Wesen und fühlte schwer -den Kampf zwischen ihren Idealen und der Wirklichkeit. -An ihren Bruder Ernst schloß sie sich eng an. Seelsorgerin -in allen Gewissensangelegenheiten blieb ihr die Fürstin -in Rudolstadt, bis Adalbert von Gleichen sie 1828 als -Gattin heimführte.</p> - -<p>Über Karolines Verkehr und ihren Aufenthalt in Rudolstadt -ist die zuverlässigste Kunde erhalten geblieben. Schon -als Kind hatte sie gern mit jüngeren Kindern verkehrt. -Noch bei Lebzeiten der Mutter war sie in das Katharinenstift -zu Stuttgart eingetreten, um Erziehung und Unterricht -gründlich kennenzulernen. Krankheit und Tod der -Mutter bestimmten sie, sich eine eigene Stellung im Leben -zu suchen. Bei allen Entscheidungen war auch ihr die -»Fürstin Mutter« in Rudolstadt eine treue und nimmermüde, -vielerfahrene Freundin. In die Familie des württembergischen -Herzogs Eugen zu Karlsruhe in Schlesien trat -sie ein, um diesem eine achtjährige Tochter zu erziehen. -Als die Tätigkeit dort zu Ende war, legten die alten Beziehungen -der Eltern zu Hof und Stadt sowie die neuen Verbindungen -der Schwester Emilie zu der Familie von -Gleichen den Gedanken nahe, nach Rudolstadt zurückzukehren. -Vor Not blieb sie bewahrt, da sich der geistige -Nachlaß des Vaters in Barbesitz der Erben verwandelte. -Nun trat eine arbeitshungrige dreißigjährige Dame in -das Leben der kleinen Residenz ein. Studium und Lektüre<span class="pagenum" id="Seite_70">[70]</span> -befriedigten sie nicht. Die philosophischen und dichterischen -Werke des Vaters beherrschte sie vollkommen, und anderen -davon mitzuteilen durch Vortrag oder Einübung von -Rollen bereitete ihr Genuß und Freude. Eine Entscheidung -im Gemütsleben hatte sie standhaft überwunden und -»durch herrliche, edle Menschen Trost und Erquickung in -der Freundschaft empfangen.« Nunmehr folgt sie dem -Zuge des Herzens, »um das Ideal ihres Lebens ins Werk -zu setzen«.</p> - -<p>Am 26. Mai 1832 veröffentlicht sie ihr »Anerbieten. -Wenn es einigen Eltern erwünscht sein könnte, ihre Töchter -unter weiblicher Aufsicht unterrichten zu lassen, so erbiete -ich mich gern, sie vom siebenten Jahre an täglich -5–6 Stunden bei mir aufzunehmen.«</p> - -<p>Am 25. Juni beginnt der Unterricht, außer ihr selbst ist -ein Kandidat und eine Handarbeitslehrerin an der Klasse -beschäftigt. Vom Jahre 1834 an erteilt der Theologe und -Mathematiker Augustin Regensburger den wissenschaftlichen -Unterricht, und mit ihm tritt ein Geistesverwandter -in die Gefolgschaft der Stifterin ein.</p> - -<p>Unter den Schülerinnen des Jahres 1835 wird Franziska -Junot genannt, ihr Vater war der Bergrat Junot -in Katzhütte. Vornehme, heitere Ruhe wird ihm nachgesagt. -Aus erster Ehe Witwer geworden, mag er sich nach -einer mütterlichen Versorgerin für seine sechs Kinder umgesehen -und dabei das feinsinnige Erziehertalent Karolines -erkannt haben. Am 26. Juli 1836 fand die Trauung statt -in der Kirche von Volkstedt, auf der 48 Jahre vorher das<span class="pagenum" id="Seite_71">[71]</span> -Auge des Vaters täglich geruht hatte. Am 1. April 1839 -gab Karoline einem Söhnchen das Leben. Es erhielt die -Namen Felix Karl, trug das goldleuchtende, wallende -Schillerhaar und wies vielversprechende Anlagen auf; aber -eine jäheintretende Krankheit setzte seinem Dasein ein -frühes Ende. Er starb am 27. April 1844 in Rudolstadt. -Sein Grab liegt auf dem alten Friedhof links, gegenüber -der Friedhofshalle.</p> - -<p>Als Junot in das Kammerkollegium nach Rudolstadt -berufen wurde, bezog die Familie im Hause Augustenstraße -10 eine Wohnung. Ihre Nachbarn erinnerten sich -noch lange gern des stattlichen, würdevollen Paares, das -seine abendlichen Erholungsgänge auf und ab in der -Straße unternahm. Durch Freude und Sorge des täglichen -Lebens klingt aus den Briefen Karolines ein tiefbegründetes -ideales Streben, das in religiösem Trost über -die Wirklichkeit erhob.</p> - -<p>Bald sollte ihr neue Prüfung auferlegt werden, die -Kirchennachrichten melden am 4. Januar 1846 »Gestorben: -der Fürstliche Bergrat, Herr Franz Karl Emanuel Junot, -60 Jahre, 8 Monate und 12 Tage alt.« Karolines Privatanzeige -schließt: »Wir werden die vielfachen Beweise der -Liebe und Achtung gegen den Geschiedenen stets in dankbarem -Herzen bewahren.«</p> - -<p>Auf einer Reise zum Besuch der Schwester auf Greifenstein -bei Bonnland in Unterfranken erkrankte Karoline, -und der Tod erfüllte ihr Sehnen am 19. Dezember 1850 -in Würzburg.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_72">[72]</span></p> - -<p>In Rudolstadt, so hatte sie gewünscht, sollte ihr Herz -beigesetzt werden, und es fand seine Ruhe an der Stelle, -wo Sohn und Gatte bestattet lagen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das Bild <a href="#illu-015">Seite 13</a> ist die Wiedergabe einer Bleistiftzeichnung, -die die Unterschrift trägt: »Frl. Lottchen von -Lengefeld. 1788.« Sie fand sich, bisher unbeachtet, im -Schloßmuseum unter Hunderten von Blättern aus der -zeichenfreudigen Zeit Ludwig Friedrichs. Das Profil ist mit -sicherer Hand, vielleicht unter Benutzung eines Schattenrisses, -festgehalten worden, während Haare und Gewand -nicht die gleiche Bestimmtheit erkennen lassen. Das H als -Busennadel könnte Bezug haben auf die Neckerei mit dem -englischen Hauptmann Heron. Die Schriftzüge können die -Ludwig Friedrichs oder seines Lehrers, des Hofmalers -Franz Cotta, sein.</p> - -<p>Das Bild <a href="#illu-087">Seite 76</a> gibt eine Bleistiftzeichnung wieder, -die unterschrieben ist: »Rudolstadt d. 31. Decbr. 1839. Mathilde, -Pr. zu Schaumburg-Lippe.« Von der Hand der -Fürstin Elisabeth zur Lippe stammt der spätere Zusatz: -»Caroline Junot, geb. von Schiller.« Ein anderes Blatt -vom 28. Dezember zeigt die Dargestellte mit einer Strickarbeit -beschäftigt und die Unterschrift dazu von der Fürstin -Karoline Luise.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_73">[73]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Rundgang_an_den_Schillerstaetten_vorueber">Rundgang an den Schillerstätten vorüber</h2> -</div> - -<p>Das Doppelhaus Schillerstraße 25 blieb als weihevoller -Ort erhalten. Der Hausgarten daran war zum Bauplatz -für eine Kirche bestimmt. Der spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat -Wolle, löste die Gerechtsame ab. Sein Sohn, Landgerichtspräsident -Wolle, dessen Witwe jetzt Besitzerin ist, -war ein feinsinniger Schillerverehrer und hielt jede entstellende -Neuerung fern. Das Obergeschoß an der Schillerstraße -war Wohnung des Ehepaares von Beulwitz von -1785 bis 1794. Das Gartengebäude nach der Allee bewohnte -Frau von Lengefeld von 1775 bis 1789 und Charlotte -bis zu ihrer Verheiratung.</p> - -<p>Das Schulgrundstück gegenüber, Große Allee 5, war der -Lengefeldsche Garten, den die <em class="antiqua">Chère mère</em> 1786 gekauft -hatte. Hier fanden die Teeabende und Komödienspiele -statt. Für diesen Garten hatte Karl August die Bäume -unter scherzhaften Anspielungen gestiftet. Ein zweistöckiges -Gartenhaus mit Geräteschuppen war der »grüne Pavillon«, -den Schiller von Volkstedt aus mit dem Perspektiv erkannte. -Als 1835 das »Schwesterngäßchen« von der Allee zur -Augustenstraße durch den Garten gelegt wurde, mußten -die beiden Häuschen etwas nach Süden hin versetzt werden.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_74">[74]</span></p> - -<p>Augustenstraße 10 war die Wohnung von Karoline Junot, -als sie mit ihrem Gemahl 1839 von Katzhütte nach Rudolstadt -umgezogen war. Im Hause Augustenstraße 17 hatte -sie 1832 ihre Mädchenschule gegründet.</p> - -<p>Das Gasthaus »Zur Güldenen Gabel«, Schillerstraße 1, -bildete mit dem Grundstück Schwarzburger Straße 12 das -vornehme Absteigequartier der Stadt. Das Wochenblatt -vom 11. Dezember 1787 zählt unter den Fremden, »so -sich teils hier aufgehalten, auch nur durchgereist sind,« -Herrn Architekt Harles und Herrn Doktor Schiller aus -Meinungen auf. Wolzogen reiste demnach ›inkognito‹. -Am 27. Mai 1788 wird Herr Rat Schüler aus Weimar, -am 22. September 1789 Herr Professor Schüler aus Jena -genannt.</p> - -<p>Schloßaufgang II,3 gehört zu den kleinen Anwesen, wie -sie Bediensteten des Hofes überwiesen wurden, damit diese -am Fuß des Schloßberges jederzeit leicht zu Tage- oder -Nachtwerk anzurufen waren. Das Haus gehörte 1788 -einer Hofratwitwe Roß und wird als Herbstwohnung -Schillers genannt.</p> - -<p>Die Stadtkirche ist ein wertvolles Denkmal für Heimat- -und Kunstgeschichte. Auf die Anschauung deutscher mittelalterlicher -Bauformen war aber die Zeit Schillers noch -wenig eingestellt.</p> - -<p>Die Mayersche Glockengießerei Jenaische Straße 1 war -bis 1872 in Betrieb, sie wird jetzt als Maschinenfabrik -vom Schwiegersohn des letzten Glockengießers Robert -Mayer betrieben.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_75">[75]</span></p> - -<p>Der Heißenhof Lengefeldstraße 1 war eine Zeit lang -Brauerei und führt im Volksmund seitdem den Namen -Bergschlößchen, er ist jetzt Eigentum der Stadtgemeinde.</p> - -<p>Der Baumgarten war im 18. Jahrhundert ein Englischer -Park mit 2 Teichen, einem Fischerhäuschen und einer Einsiedelei, -wurde von Fürst Ludwig Friedrich liebevoll ausgestattet, -ist in der Neuzeit aber bis auf spärliche Reste verschwunden, -da er als Gebiet für Neubauten gebraucht -wurde.</p> - -<p>Auf dem Schloß erinnern die Lengefeld-Zimmer noch -an die Frau Oberhofmeisterin.</p> - -<p>Im Jägerhof wohnte vor seiner Verheiratung der Landjägermeister -von Lengefeld.</p> - -<p>Ein Spaziergang die Schloßstraße hinab gewährt einen -guten Überblick über die Flur zwischen Rudolstadt und -Volkstedt.</p> - -<p>Das Haus des Kantors Unbehaun lag zu Schillers Zeit -als erstes Gehöft des Dorfes rechts am Wege, gegenüber -der Porzellanfabrik und der Kirche. Es hat durch Umbau -Veränderung erfahren, aber Hof und Nebengebäude zeigen -noch die alte Stimmung. Hier sorgte der treue Hauswirt, -wenn nötig mit dem Fliegenwedel in der Hand, daß -die Kuh den Herrn Doktor nicht störte. Alles Liebe und -Gute wurde dem braven Manne dankbar dafür nachgerühmt, -und 1791 hielt Graß in einer Zeichnung seine Züge -fest, aus denen Treue und Redlichkeit sprechen. Die Nachkommen -Unbehauns, die Familien Stauch, haben das -Zimmer und dessen Einrichtung pietätvoll geschont.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_76">[76]</span></p> - -<p>Schillererinnerungen beleben die ganze Flur Volkstedt. -Der Weg nach Rudolstadt hat Umänderungen erlitten. -Er führte einst durch eine Wiesenmulde zum Schaalbach -und von da auf den Hain zu. Die Richtersche Fabrik und -die neuen Stadtteile sind dort entstanden. Nur die Schillerquelle -im Rudolspark erinnert noch an alte Zeit, wenn -auch versteckt an dem schluchtartigen Philosophenweg. – -Nach Zeigerheim zu führten Spazierwege den Dichter oft, -und es heißt, der Bergvorsprung an der Prinzeneiche sei ein -Lieblingsplatz von ihm gewesen. Hier folgte sein Blick der -Länder verknüpfenden Straße und der Pappeln stolzem -Geschlechte bis Saalfeld und Rudolstadt. – Den Gefahren -einer Seereise setzte er sich aus, indem er oberhalb des -Wehres einen Kahn benutzte oder unterhalb den Fluß -durchwatete. So erreichte er die Große Wiese mit weithin -verbreitetem Teppich. Aus der Ferne grüßte die Burg. -Unter den Linden erwarteten ihn die Freundinnen und -führten ihn nach Cumbach, wo um den Hofgarten französischen -Stils deutsches Landleben sich abspielte.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-087"> - <img class="w100" src="images/illu-087.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Karoline Junot, geborene von Schiller</div> -</div> - -<p>An den steilen Sandsteinfelsen des Mühlbergs errichtete im -Jahre 1830 der Kammerrat Karl Werlich die Anlagen der -Schillershöhe mit der Danneckerschen Büste und den Schlußversen -des »Spaziergangs«. Es wäre mehr als kühn, zu -behaupten, daß Schiller dieses philosophische Gedicht lediglich -hier als Eingebung empfangen habe. Die landschaftlichen -Bilder dazu mögen aus vielen Erinnerungen des -Dichters bis 1795 zusammengeflossen sein. Immerhin -kann doch geraten werden, den Pfad von Schillershöhe -<span class="pagenum" id="Seite_77">[77]</span>über Unterpreilipp zur Preilipper Kuppe zurückzulegen. -Dabei werden sich Natureindrücke und Landschaftsbilder -bieten, die für das Verständnis der Dichtung willkommen -sind.</p> - -<p>Die Saale selbst ruft uns Schillerworte zu:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;</div> - <div class="verse indent0">Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Auch die Schillerverehrung früherer Rudolstädter Geschlechter -sollte nicht der Vergangenheit anheimfallen. Eine -Tafel auf Justinshöhe über Volkstedt trug die Verse Augustin -Regensburgers:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Wandrer! dich grüßt die Natur in lieblich erhabener Anmut,</div> - <div class="verse indent0">Schaust du vom Bergeshang sinnig ins friedliche Tal.</div> - <div class="verse indent0">Sieh, wie der silberne Strom, ein Bild des Lebens, dahinrauscht,</div> - <div class="verse indent0">Dort an der Schillershöh küssend geweihtes Land!</div> - <div class="verse indent0">Hier der Wiese Grün, dort der Saat sich kräuselnde Woge!</div> - <div class="verse indent0">Wie majestätisch das Schloß thront bei der freundlichen Stadt!</div> - <div class="verse indent0">Wann nun spähend dein Blick sich verliert in die duftige Ferne,</div> - <div class="verse indent0">Spiegelt im seligen Aug wonnig das himmlische Blau.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="center">Der Greifenverlag zu Rudolstadt</p> -</div> - -<p class="center">Bei uns erschien:</p> - -<p class="center larger">Thüringer Heimatbücher, Band I</p> - -<p class="center">Berthold Rein</p> - -<p class="h2">Die Friedensburg bei Leutenberg</p> - -<p class="center smaller">Eine thüringische Grenzfeste und ihre Bewohner</p> - -<p class="center smaller">Mit 8 Lichtbildern – Fein kartoniert Mk. 3.–</p> - -<p class="noind"><em class="gesperrt">Landeszeitung Rudolstadt</em>: Die Thüringer Heimatbücher -sind wegen ihres heimatkundlich wertvollen Charakters -durchaus zu begrüßen. Die bei allem sachlichen Ernst und aller -historischen Treue fesselnd geschriebene Abhandlung läßt uns -einen Blick in die dunklen Tage des Mittelalters, in die Entstehung -der alten, auf einem Bergkegel herrlich gelegenen -Burg tun, in den romantischen Zauber ihrer düsterwinkligen -Gänge, Erker, Lauben und Säle. Die Arbeit aus der Feder -des Schulrats Dr. Rein, dessen sorgfältige Behandlung wissenschaftlicher -und historischer Fragen bekannt ist, zeugt von -gründlichem Studium der Archivalien, der alten schweinsledernen -Folianten und Pergamente, der Urkunden und Fachschriften. -Das mit Bildern versehene Büchlein ist in jeder -Beziehung wirklich zu empfehlen.</p> - -<p class="noind"><em class="gesperrt">Rudolstädter Zeitung</em>: Ein Heimatbuch, wie es sein soll: -schlicht und allgemein verständlich. All denen, die sich liebevoll -in die Vergangenheit romantischer Burgenherrlichkeit -versenken, will das geschmackvoll ausgestattete Büchlein ein -treuer Führer sein. Es ist Goldschlägerarbeit, die der Verfasser -geleistet hat. Heimatsinn und Heimatliebe führten dem -Sohne der Thüringer Scholle die Feder, so daß wir dem -ersten Band der Veröffentlichungen des Heimatbundes nur -warme Worte der Empfehlung mit auf den Weg geben können.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Unterschiedliche -Schreibweisen von Namen wurden wie im Original beibehalten.</p> - -<p>Der Schmutztitel wurde entfernt. -Das Inhaltsverzeichnis wurde zur leichteren Orientierung an den Anfang des -Buches verschoben.</p> - -<p>Die Bildunterschriften wurden gemäß dem Bildverzeichnis hinzugefügt.</p> -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>SCHILLER IN RUDOLSTADT</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/69083-h/images/cover.jpg b/old/69083-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7246209..0000000 --- a/old/69083-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-005.jpg b/old/69083-h/images/illu-005.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index feff5c5..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-005.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-015.jpg b/old/69083-h/images/illu-015.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 61ff192..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-015.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-037.jpg b/old/69083-h/images/illu-037.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 43e6c65..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-037.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-038.jpg b/old/69083-h/images/illu-038.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4d2947c..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-038.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-055.jpg b/old/69083-h/images/illu-055.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d0007ff..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-055.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-056.jpg b/old/69083-h/images/illu-056.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4f9bc45..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-056.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-077.jpg b/old/69083-h/images/illu-077.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d7f7bc3..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-077.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-078.jpg b/old/69083-h/images/illu-078.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 64d7e66..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-078.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/illu-087.jpg b/old/69083-h/images/illu-087.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a36f7ea..0000000 --- a/old/69083-h/images/illu-087.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69083-h/images/signet.jpg b/old/69083-h/images/signet.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fa82789..0000000 --- a/old/69083-h/images/signet.jpg +++ /dev/null |
