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-The Project Gutenberg eBook of Handbuch der Geschichte der
-Buchdruckerkunst, by Carl B. Lorck
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst
- Erster Teil. Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750.
-
-Author: Carl B. Lorck
-
-Release Date: June 24, 2022 [eBook #68395]
-
-Language: German
-
-Produced by: Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online Distributed
- Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
- produced from images generously made available by The
- Internet Archive)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE DER
-BUCHDRUCKERKUNST ***
-
- +-------------------------------------------------------------------+
- | |
- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Die Schreibweise im Text (wie z. B. Ae statt Ä) ist beibehalten. |
- | Typografische und Fehler bei der Zeichensetzung sind still- |
- | schweigend korrigiert. |
- | |
- | Die Markierung mit dem Sonderzeichen (□) zeigt das Hervorheben |
- | durch "Kapitälchen" für Personen- und Ortsnamen an; das Einfassen |
- | mit Unterstrichen (_) kursiven Druck für fremdsprachliche Phrasen |
- | im Original - im vorliegenden Text auch das ganze Vorwort. |
- | Mit dem Sonderzeichen (•) wird Fettdruck angezeigt. |
- | |
- | Die Randnotizen aus dem Original sind hier nach rechts ausgerückt.|
- | |
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-
-
-
- CARL B. LORCK
-
- HANDBUCH DER GESCHICHTE
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
-
-
-
- HANDBUCH DER GESCHICHTE
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
- VON
-
- CARL B. LORCK.
-
- ERSTER TEIL
-
- ERFINDUNG. VERBREITUNG. BLÜTE. VERFALL.
- 1450-1750.
-
- [Illustration:Verlagslogo]
-
- LEIPZIG
-
- VERLAG VON J. J. WEBER
-
- MDCCCLXXXII.
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-_VORWORT._
-
-
-_Jeder denkende Mensch, mag er nun als Buchdrucker, Buchhändler oder
-Schriftsteller der weltumgestaltenden Erfindung Gutenbergs näher stehen
-oder auch nur als Laie die Segnungen, derselben schätzen gelernt haben,
-fühlte gewiss den Trieb, etwas Zusammenhängendes über die Entstehung,
-die allmähliche Verbreitung und die technische Vervollkommnung der
-Buchdruckerkunst zu erfahren, und hegte den Wunsch Näheres über das
-Leben des Erfinders und seiner bedeutenderen Nachfolger, die bis auf
-die Jetztzeit für oder durch diese Kunst wirkten, zu hören._
-
-_Verlangte jedoch ein solcher Wissbegieriger nach einem leicht
-verständlichen, übersichtlich geordneten Handbuch der Geschichte der
-Buchdruckerkunst, das ihm als Führer durch die mehr als vierhundert
-Jahre dienen konnte, in welchen das von der Presse ausströmende Licht
-bereits die Welt erleuchtet, so wird er die Erfahrung gemacht haben,
-dass sein Suchen ein vergebliches war._
-
-_Wir besitzen gelehrte, höchst wertvolle Prachtwerke über
-die vorgutenbergischen Drucke und die Zeit der Inkunabeln; es
-existieren hunderte von Parteischriften über Gutenberg und die ihm
-gegenübergestellten, zu Erfindern heraufgeschraubten, mythischen
-Persönlichkeiten; wir haben eine Reihe von zumteil erschöpfenden
-Schilderungen einzelner berühmter Drucker oder Druckerfamilien; ferner
-zahlreiche Jubelschriften, welche von dem Gange der Kunst in einzelnen
-Städten erzählen; auch ist kein Mangel an fachlichen Lehrbüchern oder
-an Berichten über die verschiedenen mit der Typographie in Verbindung
-stehenden Erfindungen._
-
-_Es steht uns somit ein reiches, mitunter fast durch seine
-Fülle erdrückendes Material für eine allgemeine Geschichte der
-Buchdruckerkunst zu Gebote. An einem Handbuch jedoch, welches dieses
-Material in natürliche Perioden systematisch einzuordnen, nach Ländern
-und nach mit einander verwandten Gruppen zu gliedern versuchte, um in
-einer einigermassen gleichmässigen Durchführung jeder Zeit, jedem Lande
-sein Recht zu gewähren, ohne dass der Verfasser dabei vergässe, dass
-er für die Angehörigen einer bestimmten Nationalität schreibt, fehlt
-es noch heute, wie in meiner Jugendzeit, wo ich vergeblich nach einem
-solchen Leitfaden auf dem typographisch-geschichtlichen Gebiet mich
-umsah und schliesslich darauf angewiesen war, aus den verschiedenen
-Quellen die mir erwünschten Belehrungen selbst zu sammeln._
-
-_Somit wurzeln die Anfänge dieses Handbuches in dem eigenen wirklich
-und lebhaft gefühlten Bedürfnis nach einem solchen. In späteren Jahren
-fing ich an in den von mir herausgegebenen „Annalen der Typographie“
-das Gesammelte in einer Reihe von Artikeln, die jedoch nur die älteren
-Perioden der Kunst behandelten, zu veröffentlichen. Das Vorhaben,
-diese Artikel bis auf die neueste Zeit zu vervollständigen und sie
-dann zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, wurde durch Berufsarbeiten
-für lange in den Hintergrund gedrängt, die Arbeit jedoch nach Zeit und
-Gelegenheit immer wieder aufgenommen._
-
-_So entstand das jetzt vorliegende Buch als ein Ergebnis längerer
-Vorarbeiten ohne den bestimmten Entschluss einer Veröffentlichung. Als
-jedoch die jetzigen Inhaber der Verlagshandlung J. J. Weber zu Anfang
-des Jahres 1880 den Wunsch äusserten, dass eine Veröffentlichung und
-zwar in ihrem Verlag stattfinden möchte, bin ich unter Benutzung der
-inzwischen erschlossenen, teilweise wichtigen Quellen ernstlich an eine
-nochmalige Durcharbeitung des Manuskripts gegangen._
-
-_Bei meinen Verlegern war inzwischen der, ihrerseits gewiss vollständig
-berechtigte Wunsch rege geworden, das Buch in einer „illustrierten
-Prachtausgabe“ erscheinen zu lassen, und sie hatten mir bereits zu
-Ostern 1881 ihre desfallsigen Ansichten in der Form eines gedruckten
-Prospektus für das Publikum unterbreitet._
-
-_So viel Verlockendes es auch für jeden haben mag, sein Buch in ein
-prächtiges Gewand kleiden zu lassen, so konnte ich, das ganz bestimmte
-Ziel vor Augen, ein knappes und einfaches Handbuch für den praktischen
-Bedarf, wie es mir als wünschenswert vorschwebte, zu liefern, mich
-doch meinerseits mit dieser Ansicht zu jener Zeit nicht befreunden.
-Ich würde mich damit der unvermeidlichen Gefahr ausgesetzt haben, der
-Illustration zuliebe von dem mir vorgezeichneten Weg abgedrängt zu
-werden._
-
-_Obgleich nicht allein der persönlichen Neigung, sondern auch
-dem pekuniären Interesse meiner Verleger durch eine illustrierte
-Prachtausgabe wohl am besten entsprochen worden wäre, liessen diese
-doch bereitwilligst meinem Standpunkt Gerechtigkeit widerfahren._
-
-_Sowohl das über die Entstehung und den Zweck der vorliegenden Arbeit
-oben gesagte, als auch mein Lebensberuf schliessen schon von allem
-Anfang die Erwartung aus, als habe man es hier mit einem gelehrten
-Werk zu thun, bestimmt, die Ergebnisse tiefer Forschung ans Tageslicht
-zu fördern. Weder sollte meine Aufgabe noch konnte dieselbe eine
-höhere sein, als meinen Berufsgenossen oder denjenigen, die sonst
-Drang nach einer leichteren Orientierung in dem Gewirr der Geschichte
-der Buchdruckerkunst empfinden, nützlich zu sein, indem ich den
-Versuch machte, das aufgespeicherte Material nach bestem Wissen und
-Gewissen zu sichten, zu ordnen, und indem ich mich, die geschäftliche
-Praxis zurhand, bestrebte, einige von der Gelehrsamkeit im Dunkel
-gelassene Punkte klar zu stellen. Was die neue Zeit betrifft, so gab
-ein Geschäftsleben, das sich fast über die ganze Periode der neuen
-Blüte der Typographie und der verwandten Künste und Gewerbe seit
-den dreissiger Jahren erstreckt, wohl auch manchmal Gelegenheit, das
-vorhandene Material durch die eigene Erfahrung zu vervollständigen._
-
-_Es konnte nicht in meinem Plan liegen, mit der Geschichte der
-Buchdruckerkunst die des Buchhandels zu verbinden. Beide Berufszweige
-sind jedoch derart eng mit einander verknüpft und so viele der
-auftretenden Persönlichkeiten wirkten zu gleicher Zeit als Drucker
-und als Verleger, dass es nicht zu umgehen war, auch Ausflüge auf
-das Gebiet des Buchhandels zu unternehmen. Sehr nahe lag ebenfalls
-die Versuchung, die Geschichte der übrigen graphischen Künste und
-Gewerbe, welche zur Herstellung eines Buches mitwirken, ausführlicher
-zu behandeln. Um jedoch die Übersichtlichkeit nicht zu stören und
-den Umfang des Buches nicht gar zu sehr über die gesteckten mässigen
-Grenzen hinaus zu vermehren, war es geboten, dieser Versuchung nur
-in so weit nachzugeben, als es zum Verständnis der gestellten Aufgabe
-notwendig war._
-
-_Die Geschichte der Buchdruckerkunst zerfällt in zwei natürliche
-Hauptabschnitte. Der erste, welcher die Erfindung, Verbreitung, Blüte
-und den allmählichen Verfall behandelt, und sich über einen Zeitraum
-von über dreihundert Jahren erstreckt, findet seinen Abschluss in
-der letzten Hälfte des XVIII. Säculums. Der zweite Hauptabschnitt
-führt uns durch die Periode des Wiederaufwachens der Typographie und
-deren Schwesterkünste in die Zeit der zweiten, mittels der enormen
-technischen Fortschritte und der neuen Vervielfältigungsarten im Verein
-mit der freiheitlichen Entwickelung der Presse hervorgerufenen Blüte,
-deren wir uns heute erfreuen._
-
-_Jeder dieser beiden Hauptteile, die sich wieder in mehrere Abteilungen
-verzweigen, ist in seinem Wesen so eigenartig und verlangt eine so
-verschiedene Art der Darstellung, dass auch eine äusserliche Trennung
-in zwei vollständig abgeschlossene Hälften geboten schien._
-
-_Zur Beurteilung der Grundsätze für die Behandlung der verschiedenen
-Abschnitte verweise ich auf die, jedem der Bücher vorangeschickte
-„Einführung“, in welcher ich mich sowohl über den jedesmal leitenden
-Gesichtspunkt als auch über die jedesmaligen Quellen und deren
-Benutzung ausgesprochen habe. Dass mir nur sehr wenige der letzteren
-unbekannt geblieben sind, habe ich vor allem der Fachbibliothek
-des Börsen-Vereins der deutschen Buchhändler, der Liberalität
-des Vorstandes derselben und der unermüdlichen Gefälligkeit der
-Bibliothek-Verwaltung zu verdanken._
-
-_Dass trotz aller angewendeten Sorgfalt noch Vieles für die mir
-Nachfolgenden (denen ich jedoch das Arbeiten in mancher Beziehung
-leichter gemacht haben dürfte, als es mir geworden ist) zu thun übrig
-geblieben, und dass selbst die grösste Mühe und der redlichste Wille,
-etwas Brauchbares zu liefern, fehlende Eigenschaften nicht immer
-ersetzen können, fühlt vielleicht niemand mehr als der unterzeichnete_
-
- _Carl B. Lorck._
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
- GESCHICHTE
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
- 1450-1750.
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-INHALTS-VERZEICHNIS.
-
-
- ERSTES BUCH.
-
- ERFINDUNG UND VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST
- 1450-1500.
-
- Seite
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH (3-10).
-
-
- I. KAPITEL.
-
- ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST.
-
- Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte.
- Der Metall- und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die
- xylographischen Werke. Die Vorbedingungen für die
- Erfindung der Buchdruckerkunst. 11-22
-
- II. KAPITEL.
-
- DIE ERFINDUNG.
-
- Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg.
- Gutenberg in Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter
- Schöffer. Gutenbergs Unglück. Sein Tod. Sein Andenken. 23-36
-
- III. KAPITEL.
-
- DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND.
-
- Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs
- in Mainz. Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm.
- Beromünster. Basel. Bamberg. Albrecht Pfister. Augsburg.
- Nürnberg. Wien. Der Norden: Köln, Münster, Magdeburg,
- Leipzig. 37-54
-
- IV. KAPITEL.
-
- DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE.
-
- □Italien□: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand.
- Florenz. □Spanien und Portugal.□ □Frankreich□: Paris.
- Lyon. □Die Niederlande□: Die _Histoires_. Colard
- Mansion. □England□: William Caxton. □Skandinavien□:
- Dänemark. Schweden. □Die slawischen Länder.□ □Ungarn.□
- □Die Türkei.□ 55-76
-
- V. KAPITEL.
-
- DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE
- PRODUKTION.
-
- □Die Technik□: Schriftgiesserei. Satz. Druck. Korrektur.
- Die Pressen. Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher.
- Das Pergament und das Papier. Die Buchbinderkunst. □Die
- Litterarische Produktion□: Der Buchhandel. Die Zensur. 77-96
-
-
- ZWEITES BUCH.
-
- GLANZPERIODE UND VERFALL DER BUCHDRUCKERKUNST
- 1500-1750.
-
-
- EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH (98-104).
-
- VI. KAPITEL.
-
- DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND.
-
- Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der
- Holzschnitt. Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine
- Zeitgenossen und Nachfolger: Hans Burgkmair, Hans
- Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein d. j.
- Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler.
- Über die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner. 105-126
-
- VII. KAPITEL.
-
- DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN
- LÄNDERN.
-
- □Nürnberg□: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften.
- □Augsburg□: Hans Schönsperger d. ä. □Frankfurt am Main□:
- Chr. Egenolff, Sigism. Feyerabend, die Merians. □Mainz□:
- Die Nachfolger Schöffers. □Tübingen□: Der slawische
- Druck. Cotta. □Strassburg□: Illustrierter Druck.
- □Basel□: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus.
- □Zürich□: Chr. Froschauer. □St. Gallen□: Leon. Straub.
- □Wien□: Johan Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen.
- □Leipzig□: Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und
- schwere Zeiten. □Wittenberg.□ □Der Norden.□ □Berlin.□
-
- DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. □Dänemark□, □Norwegen□ und
- □Island□, □Schweden□ und □Finnland□. 127-158
-
- VIII. KAPITEL.
-
- DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND.
-
- □Die Schriftgiesserei□ und die Druckschriften. □Die
- Technik□ des Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die
- Korrektur, die Presse, die Farbe. Prinzipal, Geselle und
- Lehrling. □Die Buchbinderkunst.□ □Der Buchhandel□: Die
- litterarische Produktion, das Verhältnis zwischen Autor
- und Verleger. 159-174
-
- IX. KAPITEL.
-
- ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA.
-
- □Venedig.□ Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul
- Manutius, Aldus □ii.□ Dan. Bomberg. Mechitar. □Rom□: Die
- Buchdruckerei der „Propaganda“. □Genua.□ □Florenz□: Die
- Giunta. □Padua.□ □Die Xylographie□: Ces. Vecellius, der
- _Clair-obscur_-Druck. Ugo da Carpi, Graf Ant. Zanetti,
- John Jackson.
-
- □Spanien und Portugal.□ Brocario und die complutinsche
- Polyglotte. □Madrid.□ Ant. Bortazar. -- □Mexico.□ Joh.
- Kromberger, Juan Pablos. □Lima.□ □Peru.□ □St. Domingo□
- u. a. 175-192
-
- X. KAPITEL.
-
- FRANKREICH.
-
- Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse.
- Die Xylographie, die _livres d'heures_. Anton Verard.
- Geofroy Tory. Jodocus Badius. Conrad Néobar. Berühmte
- Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich □i.□, Robert
- □i.□, Heinrich □ii.□, Ende der Familie. Die Gründung der
- königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves.
- □Lyon□: Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet.
- Die Schriftgiesserei. Die Buchbinderkunst. 193-216
-
- XI. KAPITEL.
-
- DIE NIEDERLANDE.
-
- Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen,
- das Plantinsche Museum. Die Familie Blaeu. Die
- Elzeviere: Ludwig □i.□, Matthias und Bonaventura,
- Isaack, Bonaventura und Abraham □i.□ Johann und
- Daniel. Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die
- Nachahmer der Elzeviere. Die Familie Enschedé und die
- Schriftgiesserei. 217-254
-
- XII. KAPITEL.
-
- ENGLAND. NORDAMERIKA.
-
- Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn
- de Worde, Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day,
- Th. Vautrollier, Th. Roycrofft, Sam. Palmer, Sam.
- Richardson. □Oxford□, □Cambridge□. Die schottische und
- die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. Das
- Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei.
-
- NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James
- Franklin, Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer
- und ihre Presse. Christoph Sauer und seine Nachkommen. 255-276
-
- XIII. KAPITEL.
-
- DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER.
-
- □Polen.□ □Russland□: Moskau, St. Petersburg. □Die
- Türkei□: Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi.
- Syrien. □Das östliche Asien□, China, das chinesische
- Tafeldruckverfahren und die Papierfabrikation.
- Europäischer Druck in Asien. Afrika. 277-288
-
- Register.
-
- A. Namen- und Sachregister 289-300
-
- B. Nachweis der angeführten Quellenschriften 301-304
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
- ERSTES BUCH.
-
- [Illustration:Verzierung]
-
- ERFINDUNG UND VERBREITUNG
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
- 1450-1500.
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH.
-
-
- Das Dunkel der
- Erfindung.
-
-MIT Dunkelheit und Vorurteilen ist die Geschichte derjenigen Kunst
-umhüllt, welche geschaffen war, Licht über die Wissenschaften zu
-verbreiten, sie zu erhalten und fortzupflanzen -- so klagte schon
-der berühmte Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf in seinem leider nur
-Bruchstück gebliebenen Werk über die Geschichte der Buchdruckerkunst.
-
-Hundertmal wurde diese Klage seit Breitkopf wiederholt, teils
-mit Recht, teils mit Unrecht. Allerdings sind manche Punkte der
-Erfindungsgeschichte noch heute in ein Dunkel gehüllt, das kaum je
-gelichtet werden wird, wenn nicht ein absonderlicher Glücksfall ein
-typographisches Pompeji oder Olympia aus irgend einem verschütteten
-Keller an das Tageslicht fördern sollte; jedoch mit solchen
-Glücksfällen kann selbstverständlich nicht gerechnet werden und nicht
-jeder, der nach Funden gräbt, ist im Finden ein Schliemann.
-
-In manchen Punkten jedoch hat das Licht der wissenschaftlichen Kritik
-die, durch unpraktische Gelehrsamkeit, missverstandenen Patriotismus,
-Mangel an technischen Kenntnissen bei den Schriftstellern, kritiklose
-Kompilation oder Köhlerglauben an zweideutige Zeugnisse noch mehr
-verdichteten Wolken endlich durchbrochen.
-
- Was ist Typo-
- graphie?
-
-Was mehr als alles Andere zu dem langen Zustande der Unsicherheit
-beigetragen hat, in welchem sich die Geschichte der Erfindung der
-Buchdruckerkunst befand, ist, dass man nicht im voraus einig gewesen,
-was man eigentlich unter Buchdruckerkunst -- □Typographie□ -- zu
-verstehen hatte. Wie leicht wäre bei genügender Klarheit hierüber
-mancher Streit zu verhindern gewesen! Die Kunst des „Druckens“ bestand,
-selbst in Deutschland, lange vor Gutenberg, ja die Chinesen übten, wenn
-man sich auch nur an das streng historisch Beglaubigte hält, einen
-umfangreichen „Bücherdruck“ wenigstens 500 Jahre vor Gutenberg. Ist
-trotzdem auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass die Chinesen
-nicht die „Typographie“ erfunden haben? Cicero spricht, so klar wie
-man es verlangen kann, das Prinzip des Setzens aus. Ist deshalb der
-gelehrte Römer ein Gutenberg gewesen? Zugegeben selbst, dass in Haarlem
-ein ehrlicher Küster oder Lichtzieher, zugleich ein guter Grossvater,
-als Spielzeug für seine Enkel Buchstaben in Baumrinde geschnitten hat;
-ja, noch viel weiter gegangen und angenommen, er hätte in dieser Weise
-sogar ein Büchlein fertig gebracht, konnte man diesen Mann als den
-Prototypographen bezeichnen? Gewiss nicht, wenn wir die unerlässlichen
-Bedingungen vor Augen haben, welche das Wesen der „Typographie“ bilden.
-Mit diesem Namen kann man nur diejenige Kunst bezeichnen:
-
- den niedergeschriebenen Gedanken, mittels „mechanisch durch
- Guss vervielfältigter“ Typen (also beweglicher Metalltypen)
- gesetzt, wiederzugeben und diesen Satz nach dessen Einreibung
- mit Druckfarbe „mechanisch“ durch die „Druckerpresse“ in einer
- beliebigen Anzahl vollständig gleicher Abdrücke herzustellen.
-
-Mit anderen Worten: die Erfindung der Buchdruckerkunst schliesst die
-Erfindung der Schriftgiesserei, des Setzens, des Pressendruckes, der
-Farbenbereitung in sich ein. Als Bestandteile gehören zu ihr: die
-Stempel, die Matern, die Metalltypen, die mechanische Presse nebst den
-verschiedenen Utensilien, die Farbe.
-
-Die Erfindung einzelner, zu dieser Gesamtheit gehörender Teile macht
-nicht die Erfindung der Buchdruckerkunst aus. Würde man Gutenberg zwar
-die Presse, die Farbe und die in Holz geschnitzten Buchstaben lassen,
-jedoch die Erfindung der Schriftgiesserei auf Schöffer übertragen, so
-wäre Gutenberg nicht der Erfinder derjenigen Kunst gewesen, welcher
-die ganze zivilisierte Welt bereits auf vier Säkularfeiern als ihrer
-grössten Wohlthäterin, als der Verbreiterin des Lichtes, als der
-Befreierin von allen geistigen Fesseln gehuldigt hat, derjenigen Kunst,
-welche die Grossmacht der Presse geschaffen hat.
-
- Gutenberg allei-
- niger Erfinder.
-
-Jedoch, es steht unzweifelhaft fest, die Erfindung gehört in
-ihrem vollen Umfange Gutenberg „und ihm allein“. Dies hat die
-wissenschaftliche Kritik, welche in neuerer Zeit eine, blosses Material
-anhäufende Gelehrsamkeit ablöste, unwiderruflich festgestellt. Über
-diesen Punkt muss man endlich die Akten als geschlossen betrachten, wie
-dies auch in den folgenden Blättern geschieht.
-
-Ob die 36zeilige Bibel vor der 42zeiligen gedruckt wurde, ob Caxton
-1476 oder 1477 die Kunst nach London brachte, ob in Köln die _Fratres
-vitæ communis_ zuerst gedruckt haben und dergleichen Einzelnheiten
-werden die Federn der Gelehrten noch lange in Bewegung setzen und die
-Entscheidung ist gewiss von dem höchsten Interesse. Es kann jedoch
-nicht der Zweck dieses Handbuches sein, das Für und Wider solcher
-Fragen breit zu erörtern, ohne doch ein bestimmtes Resultat ziehen
-zu können. Selbst eine, vielleicht zu zuversichtliche Annahme eines
-zweifelhaften Datums oder Faktums ist in einem Handbuch manchmal
-weniger nachteilig, als eine Verwirrung des Urteils durch die sich
-fortwährend wiederholende Erhebung von Zweifeln.
-
- Die Litteratur
- der Erfindung.
-
-Von den Werken, welche im allgemeinen die Vorgeschichte der Erfindung,
-diese selbst und die früheste Periode der Kunst behandeln, erwähnen wir
-folgende, welche, namentlich so weit sie die älteren xylographischen
-und typographischen Druckerzeugnisse in Reproduktionen vorführen,
-mutmasslich eine grössere Anzahl von Lesern interessieren werden.
-
- K. Falkenstein.
-
-Wenn wir die Jubelschrift des Oberbibliothekars Dr. □Karl Falkenstein□:
-„Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung“,
-mit vielen Illustrationen (Leipzig 1840), obenan stellen, so geschieht
-es, weil dies Werk sehr vieles dazu beigetragen hat, die Lust an der
-Geschichte der Typographie zu wecken und zu nähren, zugleich, weil es
-das einzige ist, welches den Anlauf nimmt, die Geschichte bis auf die
-damals neueste Zeit, 1840, fortzuführen. Der Zweck eines Handbuches
-für den täglichen Gebrauch konnte und wollte das Buch jedoch nicht
-erfüllen, welches als Jubelschrift zur Verherrlichung der Erfindung
-und des Erfinders das Hauptgewicht auf die Vorgeschichte und die
-Erfindung selbst, sowie auf die Bekämpfung der Gegner Gutenbergs legen
-musste. Auch konnte es nicht anders sein, als dass die Behandlung vom
-gewerblich-technischen Standpunkt aus gegen die bibliographische Arbeit
-zurücktreten musste, was ja vollständig aus dem Berufe des berühmten
-Bibliothekars, aus dessen Feder das Buch stammt, sich erklärt. Dies
-macht sich namentlich in Betreff der Ausführung sowohl der Periode
-des nachmaligen Aufblühens der Kunst seit der Mitte des □xviii.□
-Jahrhunderts als auch der neuesten, den ganzen technischen Betrieb
-umgestaltenden Zeit geltend. Seit dem Erscheinen des Werkes, das schon
-lange im Buchhandel fehlt, sind ausserdem mehr als 40 Jahre verflossen,
-die nicht nur manches Bedeutende in der Kunst zutage gefördert haben,
-sondern auch über die Vergangenheit derselben in vielen Beziehungen
-ein helleres Licht verbreiteten. Es werden dem Werke viele fehlerhafte
-Angaben vorgeworfen; solche waren wohl kaum zu vermeiden, und darf
-dieser Umstand denjenigen, der den Versuch macht ein Kompendium der
-Geschichte der Buchdruckerkunst zu liefern, der Pflicht nicht entheben,
-dankbar anzuerkennen, dass diese Aufgabe ohne die Anhaltspunkte, welche
-das Falkensteinsche Buch gewährt, eine weit mühsamere gewesen sein
-würde.
-
- T. O. Weigel.
- Ad. Zestermann.
-
-Ein sehr bedeutendes Werk ist □T. O. Weigels□ und □Ad. Zestermanns□:
-„Die Anfänge der Druckerkunst in Bild und Schrift an deren frühesten
-Erzeugnissen in der Weigelschen Sammlung erläutert. Mit 125 Facsimiles
-und vielen in den Text gedruckten Holzschnitten“. 2 Bde. fol. (Leipzig
-1866). Die Verfasser stellen sich ganz entschieden auf die Seite
-Gutenbergs: „Es gelang mir nicht“, sagt Weigel, „für Hollands Ansprüche
-auch nur ein einziges Dokument vor 1460 zu entdecken“. Das Werk, in
-den Brockhausschen Druck- und Kunstanstalten ausgeführt, ist zugleich,
-indem es die alte Kunst uns vor Augen führt, ein würdiges Denkmal der
-neueren graphischen Kunst Deutschlands.
-
- A. v. d. Linde
-
-Ein merkwürdiges, eine ganze Gutenberg-Bibliothek ersetzendes Werk ist:
-„Gutenberg, Geschichte und Dichtung, aus den Quellen nachgewiesen von
-□A. van der Linde□“ (Stuttgart 1878). Der Verfasser musste, nachdem
-er die Koster-Legenden der Holländer in mehreren Streitschriften
-auf das grausamste der Lächerlichkeit preisgegeben hatte, Holland
-verlassen und lebt als kgl. Bibliothekar in Wiesbaden. Die erste
-Abteilung des Werkes giebt die Geschichte der Erfindung, wie wir
-sie nun endlich als feststehend betrachten müssen, wenn nicht ein
-vollständig neues Material geboten werden sollte, denn mit dem alten
-kommt man dem Ziele nicht näher. Die zweite Abteilung erzählt die
-verschiedenen Erfindungs-Märchen und berichtet auf nicht weniger als
-500 enggedruckten Seiten über die Fälschungen und Irrtümer. Zahlreiche
-Urkunden machen den Beschluss. Der Verfasser bietet mit seinem Buche
-keine leichte Lektüre und erschwert sie den meisten ausserdem durch
-die ungewohnte Schreibweise und die unzähligen Einschaltungen und
-Erläuterungen.
-
-Leider schlägt der gekränkte und hart behandelte Verfasser einen
-gehässigen und einem streng wissenschaftlichen Werk nicht ganz
-angemessenen Ton an, der eher seiner guten Sache schadet als sie
-fördert. Das Wahre bleibt jedoch wahr und es mag sein, dass es, Gegnern
-gegenüber, die recht wohl sehen und hören können, aber nicht wollen,
-unmöglich ist, sich nicht von der Leidenschaft hinreissen zu lassen.
-Die von anderen Seiten dem Peter Schöffer auf Kosten Gutenbergs
-gewordene Bevorzugung hat möglicherweise van der Linde in seiner
-scharfen Kritik gegen Schöffer viel zu weit geführt.
-
-Von den bereits noch vor Falkensteins Jubelschrift erschienenen Werken,
-die namentlich dazu beigetragen haben Gutenbergs Namen hoch zu halten
-und seine Erfinderehre den holländischen Ansprüchen gegenüber zu
-wahren, sind zu nennen:
-
- C. A. Schaab.
- J. Wetter.
-
-„Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann
-Gensfleisch genannt Gutenberg“, von □C. A. Schaab□. 3 Bde. (Mainz
-1830-1831).
-
-„Kritische Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann
-Gutenberg zu Mainz“, von □J. Wetter□. Mit einem Atlas (Mainz 1836).
-
- J. G. I. Breitkopf.
-
-□J. G. I. Breitkopf□, der mehr, als irgend jemand, die Befähigung
-hatte, eine Geschichte der Buchdruckerkunst zu schreiben, hat uns
-leider nur einzelne wenn auch wertvolle Bruchstücke hinterlassen.
-
- G. W. Ottley.
- S. Sotheby.
-
-Im Gegensatz zu Weigel treten zwei englische Autoren □Ottley□ und
-□Sotheby□ entschieden für die holländischen Ansprüche in die Schranken
-und lassen Gutenberg wenig von seinem Ruhm. Interessant sind beide
-Werke durch die grosse Zahl von Nachbildungen. Der Titel von Ottleys
-Werk lautet:
-
-„_An inquiry concerning the Invention of printing by the late William
-Young Ottley, with an introduction by J. Ph. Berjeau. Illustrated with
-37 plates and numerous wood engravings_“ (London 1863). Herr Ottley
-findet es sehr natürlich, dass Fust dem Gutenberg den Stuhl vor die
-Thüre gesetzt, nachdem letzterer sich unfähig bewiesen hatte, seine
-Aufgabe zu lösen: „Er war ein schlauköpfiger Schwindler, geschickt
-genug, die Arbeit anderer zu benutzen, aber nicht befähigt eigene Ideen
-zu erzeugen und durchzuführen, ein Mann ohne mechanisches Geschick und
-ohne Erfindungsgabe“. So urteilt Ottley über Gutenberg.
-
-Herr Samuel Sotheby ist zwar kein Verehrer von Gutenberg, lässt
-sich jedoch nicht auf eine so gehässige Polemik wie Ottley ein. Das
-Endergebnis seiner Untersuchungen ist, dass die Kunst mit beweglichen
-Typen zu drucken in den Niederlanden bereits 1454 geübt wurde. Das von
-seinem Sohne Samuel Ligh Sotheby herausgegebene Werk ist betitelt:
-
-„_Principia typographica. The block-books or xylographic delineations
-of Scripture history, issued in Holland, Flanders and Germany, during
-the XV Century. Exemplified and considered in connection with the
-origin of printing_“ (London 1858).
-
- J. W. Holtrop.
-
-Hieran schliessen sich: □J. W. Holtrop□, „_Monuments typographiques des
-Pays-Bas au XV Siècle_“ (Haag 1851-1868).
-
- W. A. Chatto.
- J. Jackson.
-
-Ein lehrreiches und verdienstliches Buch ist: „_A treatise on wood
-engraving historical and practical by Jackson and W. A. Chatto. 2.
-Ed._“ (London 1861). □Chatto□ lieferte den Text; □J. Jackson□ gegen 300
-vortreffliche xylographische Nachbildungen, wenn auch zum grossen Teil
-in verkleinertem Formate.
-
- T. F. Dibdin.
-
-Namentlich durch ihre vorzüglichen Abbildungen instruktiv sind
-die Werke □Thomas Frognall Dibdins□, des berühmten Bibliomanen und
-Bibliothekars des Lord Spencer auf Althorp. Sein Hauptwerk: „_The
-bibliographical Decameron or ten days' pleasant discourse upon
-illuminated Manuscripts and Subjects connected with early Engraving,
-Typography and Bibliography_“ (London 1817) strotzt von prachtvollen
-Stichen und Holzschnitten, die in vandalischer Weise zerstört wurden,
-um das Buch selten zu erhalten. Der Text ist schwatzhaft; die Noten,
-welche neun Zehnteile des grossen dreibändigen Werkes bilden, strömen
-von Gelehrsamkeit und Belesenheit über, sind aber schwer geniessbar.
-
- H. N. Hum-
- phreys.
-
-Unter den populären Werken, welche Nachbildungen bringen, sind
-erwähnenswert: □H. N. Humphreys'□ „_The illuminated books of the middle
-age_“ (London 1844) und desselben Verfassers: „_History of the art
-of printing_“ (London 1867), eine anspruchslose klare und fassliche
-Darstellung der Verbreitung der Kunst. Die 100, teils schwarzen, teils
-farbigen, Reproductionen haben zwar den Vorzug, dass sie meist in den
-Originalgrössen aufgenommen sind, die Photolithographie lässt jedoch
-an Klarheit zu wünschen übrig. Eine dritte Sammlung von Humphreys ist:
-„_Masterpieces of the early printers and engravers_“ (London 1869).
-
- L. de Vinne.
-
-In dem Verfasser des Werkes: „_The invention of printing_“ □L. De
-Vinne□. Mit vielen Abbildungen (New-York 1876) haben wir es nicht
-mit einem Gelehrten, jedoch mit einem tüchtigen Praktiker, zugleich
-durchgebildeten Manne zu thun. Sein Buch ist klar und verständlich
-geschrieben, namentlich sind seine technischen Exkurse sehr
-lehrreich und anziehend. Beigegeben ist eine grosse Zahl besonders
-gut ausgeführter, wenn auch in den meisten Fällen reduzierter
-Illustrationen. Herr de Vinne ist ein enthusiastischer Verteidiger
-Gutenbergs, demzufolge auch leicht geneigt, ein zu strenges Urteil über
-die Thätigkeit Schöffers zu fällen, dem, wie schon gesagt, v. d. Linde
-ganz beistimmt.
-
- A. Bernard.
-
-Von französischen Werken seien erwähnt: □A. Bernards□ „_De l'origine et
-des débuts de l'imprimerie en Europe_“ (Paris 1853).
-
- A. F. Didot.
-
-Ein Werk, das in kleinem Umfang einen Schatz des Wissenswerten birgt,
-ist □Ambroise Firmin Didots□ „_Essai typographique et bibliographique
-sur l'histoire de la gravure sur bois_“ (Paris 1853). Der berühmte
-Buchdrucker, Buchhändler, Gelehrte und Sammler (gestorben 1876)
-verband mit der grössten Vertrautheit der deutschen Verhältnisse eine
-vollkommene Unparteilichkeit.
-
- J. P. A. Madden.
-
-In neuester Zeit erregten in der typographischen Welt ein
-nicht gewöhnliches Aufsehen □J. P. A. Maddens□, „_Lettres d'un
-Bibliographe_“. 5 Bde. (Paris, 1868-1878). Zahlreiche Abhandlungen in
-Briefform, welche eine Menge von Fragen in Bezug auf die Erfindungs-
-und die Inkunabelnzeit behandeln, bilden den Inhalt. Ein Hauptzweck
-des Verfassers ist die Führung des Beweises, dass die _Fratres
-vitæ communis_ in ihrem Kloster am Weidenbach bei Köln eine grosse
-Druckanstalt gehabt haben, aus welcher eine Anzahl der ältesten
-bedeutenden Typographen als Ulrich Zell, Nik. Jenson, Collard
-Mansion, Will. Caxton, Mentelin u. a. hervorgegangen sind. Von seiner
-seltenen Kombinationsgabe und seinem ungemeinen Scharfsinne sowohl im
-Aufstellen der eigenen Wahrscheinlichkeitsbeweise als im Entdecken der
-Trugschlüsse anderer legt zwar fast jede Seite Zeugnis ab, doch wird es
-nicht leicht sein, alles zu unterschreiben, was Madden behauptet, und
-solange er nicht Thatsachen bringen kann, bleibt der Wert seiner Briefe
-für die Geschichte mehr negativer Art, indem sie zur Vorsicht in der
-Annahme manches bis jetzt als thatsächlich Anerkannten mahnen.
-
-Die Schriften, welche die Geschichte einzelner Perioden, Länder, Städte
-oder Persönlichkeiten berühren, sind an den betreffenden Stellen des
-Textes, soweit es der Plan des Buches notwendig oder wünschenswert
-erscheinen liess, angeführt.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-I. KAPITEL.
-
-ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST.
-
- Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte. Der Metall-
- und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die xylographischen Werke. Die
- Vorbedingungen für die Erfindung der Buchdruckerkunst.
-
-
- Vorbedingungen
- der Erfindung.
-
-IST es auch bei jeder Erfindung, bei welcher ja der Zufall und der
-Blitz des Geistes eine so wesentliche Rolle spielen, eine schwer zu
-beantwortende Frage, warum sie gerade zu „der“ Zeit oder bei „dem“
-Volke entstanden, so lässt sich andererseits doch nicht leugnen, dass
-jede Erfindung in der Zeit wurzeln und im Zusammenhange mit dem Geiste
-der Zeit stehen muss, wenn sie nicht ein Embryo bleiben soll. Ein
-Denker, der seiner Zeit vorauseilt, empfängt vielleicht die Idee; ist
-jedoch das Zeitalter für sie nicht reif, so bleibt sie in dem Kopfe
-des Empfangenden ruhen, oder letzterer wird, wenn er sie ausspricht,
-als ein Phantast oder gar als ein Wahnsinniger betrachtet, bis er in
-dem vergeblichen Kampf gegen den Unverstand wohl gar schliesslich ein
-solcher wird.
-
-Es kann auch keineswegs als eine blosse Zufälligkeit betrachtet
-werden, dass die Kunst mit beweglichen Typen zu drucken von den Alten
-trotz der hohen Kulturstufe, auf welcher sie standen, nicht erfunden
-wurde, obwohl ihre Kinder durch Schablonen schreiben lernten und mit
-geschnittenen, zu Worten zusammenzureihenden Buchstaben spielten. Eben
-so wenig kann man es jedoch als ein Spiel des Zufalls betrachten, dass
-die Erfindung der Buchdruckerkunst in das fünfzehnte Jahrhundert, das
-Jahrhundert des Wiedererwachens der Poesie, der Wissenschaft und des
-Kampfes für die kirchlich-religiöse Freiheit, fiel. Die Zeit brauchte
-die Waffe für den grossen geistigen Kampf und der Geist der Zeit
-schaffte sie, als die Reife einmal gekommen war.
-
-In dem Gesagten liegt schon, dass wir es hier nicht mit einer
-urplötzlich aus dem Kopfe des Erfinders entsprungenen, bereits
-vollständig gewaffneten Erscheinung zu thun haben. Viel eher passt
-der einfache Vergleich mit einem, schon in den ältesten Zeiten
-gelegten Samenkorn, das, sich selbst überlassen, zwar gekeimt und
-Blätter getrieben hatte, aber erst unter der aufmerksamen Pflege des
-verständigen Gärtners die schönsten Blüten spendete.
-
-Versuchen wir es in dem Folgenden in Kürze die Spuren des Entstehens
-und des Wachstums der Pflanze zu verfolgen.
-
- Aelteste Spuren.
-
-In Stein gehauen, in Erz gegraben, in Thon eingedrückt oder in
-Wachstafeln geritzt, sind von den Völkern des Altertums die ersten
-Dokumente auf uns gekommen: Regententafeln, Gesetze und Nachrichten
-über denkwürdige Ereignisse oder bedeutende Persönlichkeiten. Als die
-Kultur stieg, schrieb man auf Papyrusblätter oder auf Pergamentrollen
-und ganze Werke wurden auf diese Weise der Nachwelt erhalten. Die
-Autoren hielten sich ihre Schreiber, die entweder Sklaven oder
-Freigelassene waren. Es bildete sich die Klasse der Abschreiber und
-wir finden sowohl bei den Griechen wie bei den Römern Buchhändler,
-welche die Bücher-Rollen (_volumina_) in grösserer Zahl entweder zum
-Verleihen oder zum Verkaufen abschreiben liessen und reich assortierte
-Bücher-Lager hielten. Selbst Spuren des Farbendrucks, sowie der
-Vervielfältigung der Illustrationen durch Schablonendruck, trifft man
-an.
-
-„Es brennt“, heisst es im Kinderspiel, wenn Einer nahe daran ist, den
-versteckten Gegenstand zu finden. Und so konnte man auch hier sagen
-„es brannte“, denn man war der Kunst der mechanischen Vervielfältigung
-durch Typen und Druck nahe; doch gefunden ward sie nicht, denn die
-Zeit drängte nicht auf die Erfindung hin. Die wohlfeile Arbeitskraft
-der Abschreiber und die gute Organisation ihrer Arbeit genügten
-vollkommen für billige und rasche Herstellung der Werke. Das freie
-öffentliche Leben bei den Kulturvölkern des Altertums, der heitere
-südliche Himmel, das leichte, fröhliche Dasein waren ohnehin nicht
-geeignet, Stubengelehrsamkeit zu nähren. Man hörte die Dichterwerke
-öffentlich vorlesen, sah in den, Allen zugänglichen Theatern den
-Schauspielen oder den Wettkämpfen zu, lauschte den Rednern des Forums.
-Alle Staatsakte geschahen öffentlich; das ganze politische und geistige
-Leben gipfelte in der Hauptstadt; man hatte genügende Gelegenheit
-öffentlich die Ansichten auszutauschen; es fehlte das Bedürfnis, im
-stillen Kämmerlein, von Büchern umgeben, über das Erlebte nachzugrübeln
-und sich gelehrten Forschungen hinzugeben[1].
-
- [1] □J. A. Arnett□, _An inquiry etc. of the books of the
- ancients_. London 1837. -- □J. A. Bräutigam□, Ein Blick
- in das Bücherwesen des Alterthums. Leipzig 1867. -- □J.
- O. Le Clerc□, _Des journaux chez les Romains_. Paris
- 1838. -- □J. A. Bräutigam□, Zur Gesch. d. Zeitungswesens
- bei den Römern. Leipzig 1868. -- □W. Schmitz□,
- Schriftsteller und Buchhändler in Athen. Heidelberg 1876.
- -- □E. Caillemer□, La propriété littéraire à Athènes.
- Paris 1868.
-
- Die Klöster und
- die Manuskripte.
-
-Es folgte die Völkerwanderung und damit die Zertrümmerung des
-frischen geistigen Lebens. Alle Völker Europas versanken in Barbarei.
-Die Überreste der Gelehrsamkeit und des Studiums fanden sich nur
-in den Klöstern vor. Hier entstand nach und nach das Bedürfnis,
-die liturgischen Bücher und die Lehrmittel zu vervielfältigen. Die
-Mönche hatten in ihrem beschaulichen Leben Zeit nicht allein zu
-einem Abschreiben in einfacher Weise, sondern auch, dies zu einer
-Kunst auszubilden. In roter Farbe ausgeführte Zierrate waren schon
-bei den Römern gebräuchlich, die sich des Miniums bedienten, um die
-Überschriften der Bücher oder Kapitel ins Auge fallend zu machen.
-Das Verfahren verpflanzte sich nach Griechenland und dem Orient, uns
-ist daraus noch die Bezeichnung „Rubrik“ geblieben. Später wurden die
-Anfangsbuchstaben der Abschnitte und Paragraphen durch Hinzufügung von
-roten Strichen bemerkbarer gemacht, oder man malte die Buchstaben ganz
-rot aus. Im Griechischen Reiche wurde die rote Farbe ganz besonders
-in Ehren gehalten und zu den heiligen Schriften sogar rotes Pergament
-verwendet mit Buchstaben in Silber oder Gold. Auch bei den Gothen ward
-diese Ausschmückungskunst geübt, wie der berühmte _Codex argenteus_,
-die Übersetzung des Neuen Testaments von dem Bischof Ulfilas, beweist,
-der einen Schatz der Universitätsbibliothek zu Upsala in Schweden
-bildet. Die fränkischen Könige nahmen bald die Pracht der Handschriften
-an, die in Deutschland durch Karl den Grossen bekannt wurde[2].
-
- [2] □Th. Astle□, _The origin and progress of writing,
- illustr._ London 1784. -- □J. G. I. Breitkopf□, Beiträge
- zu einer Geschichte der Schreibkunst. Leipzig 1801. --
- □U. J. Kopp□, Bilder und Schriften der Vorzeit. Mannheim
- 1819. -- Die Buchschriften des Mittelalters. Wien
- 1852. -- □H. N. Humphreys□, _The origin and progress of
- writing_. _2. Ed._ London 1855. -- □Digby Wyatt□, _The
- art of illuminating_. London 1860. -- □K. Wattenbach□,
- Das Schriftenwesen des Mittelalters. 2. Aufl. Leipzig
- 1875. -- □H. Shaw□, _Illuminated Ornaments selected from
- manuscripts of the middle ages_. London 1833. -- □K.
- Faulmann□, Illustr. Geschichte der Schrift. Wien 1880.
-
- Die Illumination.
-
-Die Mönche gingen in der kunstreichen Abschrift und Ausschmückung der
-Bücher immer weiter. Es fand eine förmliche Teilung der Arbeit nach den
-verschiedenen Fähigkeiten statt. Einige schrieben, andere verglichen,
-korrigierten und rubrizierten. Kunstfertige Brüder (_rubricatores_,
-_illuminatores_, _miniatores_) malten Anfangsbuchstaben,
-Randverzierungen und bildliche Darstellungen und oft entstanden auf
-Pergament geschriebene wahre Prachtwerke mit herrlichen Miniaturen in
-kostbare Deckel von Sammet oder sogar von edlem Metall, mit Edelsteinen
-besetzt, gebunden, die mit goldenen Spangen geschlossen wurden. Solche
-Werke hatten natürlich einen sehr hohen Preis und wurden mitunter mit
-einem Rittergut aufgewogen, konnten also selbstverständlich nur von
-Fürsten und reichen Leuten angeschafft werden.
-
-Zu dieser Pracht der Ausstattung passte schlecht die im □vii.□
-Jahrhundert aufgekommene Sitte, eine Menge von Wörtern so zu
-abbrevieren, dass schliesslich eine besondere Gelehrsamkeit dazu
-gehörte, ein Manuskript zu entziffern. Diese Unsitte wurzelte nicht
-bloss in dem Wunsch, das teure Pergament zu sparen, sondern wohl auch
-in der römischen Geschwindschrift (den tironianischen Noten), welche
-schon zu Ciceros Zeiten gebräuchlich waren.
-
- Der Manuskrip-
- tenhandel.
-
-Als gegen das Ende des elften Jahrhunderts ein, namentlich durch die
-Benediktinermönche genährtes, regeres geistiges Leben begann, als die
-Menschheit durch die Kreuzzüge in eine, bis dahin ungeahnte Bewegung
-geraten war, als der Geschmack für die Klassiker sich wieder zu zeigen
-begann und die Nachfrage nach abgeschriebenen Büchern grösser ward,
-da fingen auch Laien an Bücher abzuschreiben und den Bücherhandel
-zu treiben. Förmliche Korporationen bildeten sich (_stationarii_,
-_librarii_). In Italien und Frankreich beschränkten sich die
-Handschriftenhändler auf einige Universitätsstädte; sie waren, wie
-später auch die Buchdrucker, in Paris Beamte der Universität, und
-standen, was Ein- und Verkauf betraf, unter Aufsicht der letzteren.
-Ohne Vorwissen des Rektors durften sie einem Studenten nichts abkaufen,
-mussten schwören, reell zu sein und dem Käufer nur den 40. Pfennig
-als Gewinn abzunehmen. Unter den deutschen Städten fand nur in Wien
-eine ähnliche Kontrolle statt, die, wenn sie auch in Einzelnheiten
-ihr Gutes gehabt haben mag, doch im allgemeinen nachteilig wirkte. Die
-Produktion der Manuskripte und der Handel mit denselben entwickelten
-sich deshalb auch in Deutschland viel freier, manchmal selbst an Orten,
-wo keine innere Veranlassung vorlag, so in dem Städtchen Hagenau (um
-1430). Die Manuskriptenhändler, die noch lange nach der Erfindung der
-Buchdruckerkunst fortbestanden, besuchten die Jahrmärkte und Messen und
-selbst in Frankfurt blühte nach der Erfindung der Buchdruckerkunst der
-Manuskriptenhandel neben dem Buchhandel. Auch die Lehrer verkauften an
-die Schüler die denselben notwendigen Bücher.
-
- Bilderschrift.
-
-Die Abschriften und das Material für diese war aber immer noch
-teuer und nur die Auserwählten konnten lesen. Man nahm also,
-um auf das grössere Publikum zu wirken, seine Zuflucht zu der,
-Allen verständlichen, in Metall- oder Holzschnitt ausgeführten
-„Bilderschrift“. Um Heiligen- und andere Bilder herzustellen,
-entstanden die Zünfte der Briefmaler und Illuministen. Brief (_Breve
-sc. scriptum_) wurde jedes einseitig gedruckte einzelne Blatt genannt,
-es mochte nun eine Spielkarte, ein Heiligenbild, ein Ablassbrief, eine
-Anordnung o. dgl. sein.
-
-Als bekannt darf das Wesen des Holzschnittes, wodurch dieser sich
-von dem Kupferstich unterscheidet und der Schrifttype gleichkommt,
-angenommen werden, nämlich darin bestehend, dass im Holzschnitt das
-auf den Holzstock gezeichnete Bild stehen gelassen wird, während alle
-nicht gezeichneten Stellen weggeschnitten werden, so dass schliesslich
-die Zeichnung erhaben auf dem Holzstock zurückbleibt, während im
-Kupferstich umgekehrt die Zeichnung graviert oder geätzt wird, also
-in der Tiefe liegt. Das Material für den Holzschnitt war zu der Zeit,
-von welcher hier die Rede ist, Linden-, Birn- oder Buchenholz, das
-in Längenschnitten mit dem Messer bearbeitet wurde, während man jetzt
-beinahe ausschliesslich nur Buchsbaum in Querschnitten verbraucht und
-mit dem Stichel behandelt.
-
- Metallschnitt.
-
-Früher war man gewohnt, alle erhaben geschnittenen Formen als
-Holzschnitte zu bezeichnen. Durch aufmerksame Prüfung kam man
-jedoch zu der Erkenntnis, dass ein Teil der vorhandenen Abdrücke von
-Metallplatten herrühren, und dass der Metallschnitt dem Holzschnitt
-vorangegangen sei. Die Möglichkeit des Unterscheidens liegt namentlich
-in der Farbe der vorhandenen Drucke, indem die Metallschnitte etwas
-grauer, griesslicher und weniger gesättigt erscheinen, als die
-Holzschnitt-Drucke. Öfters kann man auch in den Umfassungslinien
-Verbiegungen wahrnehmen, die in einer Holzplatte nicht möglich
-gewesen sein würden; man hat auch heute noch erhaltene Metallstiche
-vorgefunden.
-
- Der Zeugdruck.
-
-Wir nähern uns hiermit schon der Buchdruckerkunst. Die erste
-ausgedehnte Anwendung eines Druckverfahrens ist der farbige Zeugdruck,
-der in Europa mutmasslich zuerst in Italien geübt wurde. Ohne uns
-in ältere Zeiten zu verlieren steht es fest, dass schon im □xii.□
-Jahrhundert Seiden- und Leinenstoffe durch Formendruck verziert
-wurden. Eine allgemeinere Verwendung fand der Zeugdruck im □xiii.□
-Jahrhundert und erscheint oft auf den Futterstoffen der reicheren
-liturgischen Ornate. Gegen den Schluss des □xiii.□, namentlich aber
-zu Beginn des □xiv.□ Jahrh., wurde auch Leder bedruckt und als Tapete
-verwendet, selbst auf Bucheinbänden findet man farbige Muster auf
-dünnes Schafsleder gepresst. Die verzierten Tapeten zeigen nicht nur
-biblische Scenen sondern auch Gegenstände aus dem Sagenkreise; unter
-die vorzüglichsten gehören die zu Sitten in der Schweiz. Die beim
-Zeugdruck vorkommenden Farben beschränken sich zuerst hauptsächlich
-auf Schwarz und Rot, die Goldverzierungen sind durch Bestäuben
-erzielt. Auf grösseren Gemälden kommt an den Gewändern der Figuren
-eine besondere Art von Farbendruck vor, indem die Stellen mit einer
-kreide- oder gipsartigen Masse überzogen und dann mittels Formen
-mit Mustern bedruckt wurden (Teigdrucke). Auch nach der Erfindung
-der Buchdruckerkunst wurde der Zeugdruck mit Holz- oder Metallformen
-fortgesetzt, der in neuerer Zeit in grossartiger Weise als Kattundruck
-ausgebildet wurde.
-
- Aelteste Bilder-
- drucke.
-
-Die ältesten uns bekannten bildlichen Darstellungen in Metallschnitt
-reichen nach den gründlichsten Untersuchungen bis gegen Ende des □xii.□
-Jahrhunderts zurück, Holzschnitte bis gegen Ende des □xiv.□ Einer
-der ältesten Metallschnitte ist das, früher in der T. O. Weigelschen
-Sammlung in Leipzig, jetzt in dem Germanischen Museum in Nürnberg
-befindliche Blatt „Christus am Kreuze“. Unzweifelhaft beglaubigt
-ist der Holzschnitt „Der heilige Christoph“ aus dem Jahre 1423. Die
-Erhaltung dieser, wie mancher anderen alten Drucke ist der Sitte
-zu verdanken, die Deckel der Büchereinbände durch Aufeinanderkleben
-solcher auszufüttern oder zu bekleben. Freilich haben wir durch diese
-Sitte andererseits den Verlust zahlreicher Blätter zu beklagen.
-
-Die bildlichen Darstellungen hatten hauptsächlich religiöse Vorwürfe
-und das Bedürfnis zeigte sich namentlich in den Zeiten bedeutender
-religiöser Aufregung, wie zu Ende des □xiv.□ und zum Beginn des
-□xvi.□ Jahrhunderts. Um die Andacht beim Gebet zu erhöhen, wurden die
-Angerufenen durch Bilder versinnlicht. So entstanden die zahlreichen
-Darstellungen der heiligen Jungfrau, der Kreuzigung, der Himmelfahrt,
-der gesamten Passion, der Heiligen, des Weltgerichts. Gesteigert
-wurde der Verbrauch durch die religiösen Brüderschaften und die
-Wallfahrten. Es folgten die zusammenhängenden Bildwerke, die zumteil
-schon im frühen Mittelalter gezeichnet vorhanden waren, und im □xv.□
-Jahrhundert xylographisch und typographisch vervielfältigt wurden. Die
-Hauptsache ward im Bilde dargestellt und die notwendige Erklärung und
-die Nutzanwendung in Schrift beigegeben.
-
-Daneben machte jedoch auch das profane Leben seine Forderungen geltend
-und wurde durch eine Menge, teilweise sittenloser Darstellungen
-befriedigt. Johann Gerson in Paris, zu Anfang des □xv.□ Jahrhunderts,
-drang -- wie später Luther -- auf eine sittliche Umkehr und auf
-Beseitigung schlechter und sittenverderbender Bücher und Bilder, die
-sogar in den Kirchen zu Paris an hohen Festtagen verkauft wurden.
-Es ist jedoch von solchen Erscheinungen nichts auf uns gekommen.
-Das öffentliche Schamgefühl scheint das Vernichtungswerk gründlich
-betrieben zu haben. Von profanen Büchern mit achtbaren Zwecken
-sind einige erhalten worden, z. B. das „_moral play_“, die „zehn
-Lebensalter“, das „Glücksrad“.
-
- Die Spielkarten.
-
-Neben den Heiligenbildern, ja vielleicht noch vor diesen, war das Buch
-des Teufels, die □Spielkarten□, ein sehr gesuchter Artikel, der stark
-abgenutzt wurde. Schon um das Jahr 1300 wurden die Karten in Italien
-bekannt, kamen aber wahrscheinlich erst in dem letzten Viertel des
-□xiv.□ Jahrh. nach Deutschland. Um der grossen Nachfrage zu genügen,
-benutzte man ein Druckverfahren, durch welches die Figuren (darunter
-auch Heilige) nach den Farben in Metallblätter ausgeschnitten und die
-Farben schablonenmässig auf das Papier getragen wurden. Später schnitt
-man die Umrisse in Holz, druckte diese und malte den inneren Raum
-aus[3].
-
- [3] □J. G. I. Breitkopf□, Versuch den Ursprung der Spielkarten
- zu erforschen. Leipzig 1801. -- □W. S. Singer□,
- _Researches into the history of playing cards_. London.
- -- □W. A. Chatto□, _History of playing cards_. London
- 1865. -- □P. Lacroix□, _Origine des cartes à jouer_.
- Paris 1837. -- □N. H. Willshire□, _Descriptive Catalogue
- of playing cards in the British Museum_, mit Illustr.
- 1877. -- □J. Duchesne□ l'ainé, _Jeux de Cartes etc. du XIV
- au XVIII Siècle_. Paris 1844.
-
- Feststellung der
- Schnitte.
-
-Die Entscheidung über das Alter eines Metall- oder Holzschnittes
-ist eine schwierige Aufgabe. Kolorit, Technik, Papier, Kleidung
-der Figuren, die Art das Haar zu tragen, Bewaffnung u. s. w. müssen
-in Betracht gezogen werden, um den Ort und die Zeit der Entstehung
-festzustellen. Später kommt der Vergleich mit den wenigen datierten
-Drucken hinzu. Auch die Mundart der, von den Figuren ausgehenden
-Sprüche und die Form der, zu diesen benutzten Schrift gewähren
-Anhaltepunkte, letztere jedoch insofern weniger, als die Mönchsschrift
-sich ziemlich unverändert das □xv.□ Jahrh. hindurch erhielt. Nach
-den erwähnten Merkmalen lassen sich die graphischen Kunsterzeugnisse
-vor Gutenberg in gewisse Schulen einordnen: die □Schwäbische□ (Ulm,
-Augsburg); die □Fränkische□ (Nürnberg, Nördlingen); die □Bayerische□
-(Freising, Tegernsee, Kaisersheim, Mondsee); die □Niederrheinische□
-(Köln, Burgund). Von diesen Schulen lieferten die beiden letzteren die
-besten Zeichnungen; die letzte ausserdem auch noch die besten Schnitte.
-
- Fortschritte in
- der Kunst.
-
-Beim Fortschreiten der Kunst bekommen die Zeichnungen Andeutungen
-von Schattierung. Auf die einfachen Unterschriften der Bilder folgen
-ganze Sprüche, gewöhnlich Bibelstellen und Verse; oft in der Form
-von Devisen aus dem Munde einer Figur hervorgehend. Aus den Sprüchen
-werden schliesslich ganze Textseiten, die dem Bilde gegenüberstehen.
-Das Bedürfnis der weltlichen Belehrung führt schliesslich zu
-einem Buch ohne Bilder, dem _Donatus_. Aus den Briefmalern werden
-□Briefdrucker□ (am Rhein _printers_ genannt) und □Formenschneider□,
-welche Massen produzieren, von denen leider sehr vieles in der Zeit
-des dreissigjährigen Krieges vernichtet, einiges aber doch erhalten
-wurde[4].
-
- [4] □C. F. v. Rumohr□, Zur Geschichte der Formschnitte. 1837.
- -- □J. D. F. Sotzmann□, Älteste Gesch. der Xylographie.
- Leipzig 1837 (Raumers Taschenbuch). □J. M. Garnier□,
- _Histoire de l'imagerie populaire et des Cartes à jouer à
- Chartres_. Chartres 1869.
-
- Kunst-Zünfte.
-
-Die Zünfte der Genannten standen oft in grossem Ansehen. Als die
-bedeutendsten sind zu nennen: die in Augsburg (1418), Nürnberg,
-Frankfurt a. M., Mainz, Köln, Lübeck. In Ulm sind um das Jahr 1410
-schon Kartenmacher und Kartenmaler, Formenschneider jedoch erst
-1441. In Brügge bestand 1454 eine Brüderschaft St. Johannis des
-Evangelisten, zu welcher Schreiber, Schulmeister, Buchhändler,
-Buchbinder, Bildermacher, Bildschnitzer, Illuminatoren, Holzdrucker,
-Formenschneider und Briefdrucker gehörten und die noch lange nach
-Erfindung der Buchdruckerkunst blühte. In Italien und Frankreich kannte
-man solche Vereinigungen erst im □xvi.□ Jahrhundert; sie hiessen im
-letztern Lande: _tailleurs et imprimeurs d'histoires et figures_.
-
- Reiberdrucke.
-
-Noch druckte man nicht auf einer Presse, sondern das Papier wurde
-auf die Druckform, welche mit leichter Erdfarbe, später mit einer aus
-Lampenruss und Firnis gemischten Schwärze eingerieben war, gelegt. Mit
-einem harten Lederballen, der mit Pferde- oder Kalbshaaren gestopft
-war, strich man über die Rückseite des Papiers hin und her, ähnlich
-wie die Holzschneider mittels des Falzbeines ihre Probeabdrücke machen
-und wie die Chinesen noch heutigentages ihre Bücher drucken. Da der
-Reiber einen sehr starken Eindruck in dem Papier hinterliess, so konnte
-man nicht auf die Rückseite desselben nochmals drucken, sondern diese
-sogenannten □Reiberdrucke□ sind nur einseitige (anopistographische).
-Um ein Blatt mit bedruckter Vorder- und Rückseite zu bilden, musste das
-Blatt umgebogen und an den beiden Rändern zusammengeklebt oder geheftet
-werden, wie es heut zu Tage noch bei den chinesischen Büchern der Fall
-ist.
-
-Selbst nach Erfindung der beweglichen Typen hört der □Tafeldruck□ nicht
-ganz auf, namentlich für Sachen, wozu kleinere Typen erforderlich,
-deren Guss noch zu schwierig war. In dieser Weise vertraten die
-Holzplatten zumteil die späteren Stereotypplatten. Man konnte die
-ersteren, deren Material so gut wie nichts kostete, bequem aufbewahren,
-um nach Bedürfnis Abdrücke zu machen, und hatte nicht nötig, den
-Aufwand an Papier für längere Zeit im voraus zu bestreiten. Nach
-Erfindung der Buchdruckerpresse konnte man selbstverständlich beide
-Seiten des Papiers bedrucken.
-
- Die xylographi-
- schen Werke.
-
-Von den Tafeldrucken in Buchform, speziell □Xylographische Werke□
-genannt, sind etwa 30 auf unsere Zeit gekommen, von denen die
-umfangreichsten gegen 50 Blatt umfassen. Sie sind teils nur Bilder ohne
-Text, teils Bilder mit Text, schliesslich Text ohne Bilder. Von einigen
-sind die Federzeichnungen, welche der Anfertigung der Holzschnitte
-vorausgingen, erhalten, andere sind später typographisch ausgeführt,
-andere wieder xylographisch auf der Buchdruckerpresse gedruckt. Der
-grösste Teil ist religiösen Inhalts, der künstlerische Wert gewöhnlich
-unbedeutend. Wir nennen die hauptsächlichsten:
-
-_Ars moriendi._ Eine Anleitung, selig zu sterben, in einer kompendiösen
-und in einer ausführlichen Darstellung (_speculum artis bene
-moriendi_). Das Buch schildert die Versuchungen des Menschen durch
-den Teufel, dem der Schutzengel entgegentritt. Der Stoff war ein sehr
-beliebter und das Buch wurde in allen germanischen und romanischen
-Sprachen bearbeitet. Der Verfasser ist nicht bekannt. Ein, früher im
-Besitz von T. O. Weigel in Leipzig befindliches, jetzt dem _British
-Museum_ einverleibtes xylographisches Exemplar der _ars moriendi_ gilt
-als die erste, zugleich die vollendetste Ausgabe. Sie besteht aus 12
-Bogen kl. fol., in bräunlicher Farbe gedruckt. Die Schrift ist die
-Mönchsschrift. Die Konzeption und die Ausführung übertrifft in dem
-geistigen Ausdruck der Figuren und in kunstgerechter Handhabung des
-Messers alles, was von Kunstblättern des □xv.□ Jahrh. bekannt ist.
-Allen Anzeichen nach stammt das Werk aus Köln, wo es auch aufgefunden
-wurde[5].
-
- [5] Das Buch erschien in einer vortrefflichen photographischen
- Nachbildung 1869. Das Original erzielte in der am 27.-29.
- Mai 1872 abgehaltenen Versteigerung der Weigelschen
- Sammlung die Summe von 21450 Mark. Der Seite 17 erwähnte
- Metallschnitt „Christus am Kreuze“ wurde mit 3375 Mark
- bezahlt.
-
- Die xylographi-
- schen Werke.
-
-_Historia St. Johanni eiusque visiones apocalypticae_ oder „das Buch
-der haymlichē Offenbarungē Sant Johans“ war schon frühzeitig der
-Gegenstand bildlicher Darstellung. Es giebt drei Ausgaben mit 50, drei
-mit 48 Vorstellungen.
-
-_Ars memorandi_: Die Kunst, die Erzählungen der vier Evangelisten in
-Erinnerung zu behalten. Ein ebenfalls beliebtes, öfters aufgelegtes
-Werk in 15 rohen, mit blasser Farbe gedruckten Holztafeln, und 15
-Blättern mit Text.
-
-_Biblia Pauperum_, „Die Armenbibel“, ist eine Reihe neutestamentlicher
-Darstellungen von der Geburt der heiligen Jungfrau an bis zum jüngsten
-Gericht, unter beständiger Hinweisung auf das Alte Testament. Das Buch
-ist wahrscheinlich niederrheinischen Ursprungs. Die Benennung erklären
-Einige, als sei das Buch für die geringeren Ordensgeistlichen, die sich
-_Pauperes Christi_ nannten, bestimmt, Andere nehmen an, es solle damit
-gesagt sein, sie sei eine Bibel für die an Gütern oder am Geiste Armen.
-
-_Speculum humanæ salvationis_ (holländ.: _Spieghel der menscheliker
-Behoudnisse_): „Der Heilsspiegel“, ist ebenfalls eine Reihe
-neutestamentlicher Darstellungen. Von den vielen Ausgaben dieses
-beliebten Buches ist nur eine mit in den Tafeln geschnittenem Text, die
-übrigen sind typographisch ausgeführt. Das Buch ist niederrheinischen
-Ursprungs und die Holländer erklären dieses späte Produkt für ein von
-Koster mit beweglichen Typen gedrucktes Werk.
-
-„Der Entkrist“, die Legende von dem falschen Messias. 26 Bl. in kl. fol.
-
-„Die Legende des heiligen Meinrad“, 48 xylogr. Blätter in 8°.
-
-Von den xylographischen Werken weltlichen Inhalts sind folgende
-besonders erwähnenswert:
-
-„Die Kunst Ciromantia Dr. Joh. Hartliebs“, Leibarzt des Herzogs
-Albrecht des Frommen zu Bayern, 24 auf beiden Seiten bedruckte Blätter.
-
-„Der Kalender des Magisters Johannes de Gamundia“, die älteste bekannte
-Ephemeride (gedruckt um d. J. 1470). Das Werk bestand nicht bloss aus
-der uns allein erhaltenen Tafel, sondern hatte 11 Foliobogen Text.
-
-„Der deutsche Kalender von Magister Johann von Kunsperk“
-(_Regiomontanus_) um d. J. 1473. Von diesem Werke hat man Exemplare,
-welche nach dem Druck abgeschrieben sind, ein Beweis, dass die
-gedruckten Bücher damals noch teuer waren und dass man in den Klöstern
-immer noch Zeit übrig hatte.
-
-Von den Lehrbüchern war namentlich der _Donatus_ sehr verbreitet. Der
-Verfasser Älius Donatus, welcher um 335 n. Chr. in Rom lehrte, hat
-mehrere kleine grammatische Schriften hinterlassen, aus welchen man
-einen Auszug in Katechismusform: _Donatus minor_ bildete, der bis tief
-in das □xviii.□ Jahrhundert noch im Gebrauch war.
-
- * * * * *
-
- Ebnung des
- Bodens für
- Gutenberg.
-
-Um die Mitte des □xv.□ Jahrh. hebt sich der Sinn für die klassische
-Litteratur in merklicher Weise. In Italien erblüht ein frisches
-Geistesleben, durch Dante, Boccaccio und Petrarca geweckt. Die
-fürstlichen Häuser der Medici, Visconti und Este suchen ihre Ehre in
-der Beschützung und Pflege der Dichtkunst und der Wissenschaften.
-Im Norden bilden der Hof von Burgund und die niederländischen
-Städte Pflanzschulen der Kultur. In Deutschland geht das Lehns- und
-Ritterwesen zuende und der Bürgerstand erhebt sich mächtig. Die Fragen
-der Kirche sind auf die Tagesordnung gesetzt: Wiclef und Huss haben der
-Reformation vorgearbeitet.
-
-Streitigkeiten an der Prager Universität veranlassen die Auswanderung
-von Lehrern und Schülern, welche die Gründung der Hochschulen zu
-Wien, Heidelberg, Köln, Erfurt, Würzburg und Leipzig zur Folge haben.
-Die Zeit war für die Entdeckung der Buchdruckerkunst gereift und die
-neue Welt des Geistes sollte noch eher, als die neue Welt jenseit des
-Meeres, ihren Columbus finden. Dieser war: □Johannes Gutenberg□.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-II. KAPITEL.
-
-DIE ERFINDUNG.
-
- Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg. Gutenberg
- in Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter Schöffer. Gutenbergs
- Unglück. Sein Tod. Sein Andenken.
-
-
-JOHANNES GENSFLEISCH ZU GUTENBERG, geboren in Mainz um das Jahr
-1397, gehörte einer dortigen angesehenen Patrizierfamilie an. Sein
-Vater, □Frielo Gensfleisch□, heiratete □Else□, letzte Sprosse des
-Patriziergeschlechtes „zum Gutenberg“. Dieser Ehe entstammten zwei
-Söhne □Frielo□ und □Henne□ (Johannes).
-
- Herkunft und
- Jugend Guten-
- bergs.
-
-Von den Jugendjahren und dem Bildungsgang des Johannes ist nichts
-bekannt. In die Streitigkeiten zwischen dem Adel und den Bürgern von
-Mainz verwickelt, wanderte die Familie Gensfleisch 1421 von Mainz
-aus und zog wahrscheinlich zuerst nach Eltville im Rheingau, wo sie
-Güter besass. Hier wohnte 1434 noch der älteste Sohn Frielo. Aus einer
-Urkunde, welche □Johannes Gutenberg□ (bei diesem seinen Weltnamen
-werden wir ihn künftig nennen) im Jahre 1434 in Strassburg ausstellte,
-erfährt man erst mit Bestimmtheit, dass er dort sein Domizil
-aufgeschlagen hatte. Er wohnte im Kloster Arbogast an der Ill, eine
-Viertelstunde vor dem Weissturmthore, an der, jetzt Grüneberg genannten
-Stelle. In der erwähnten Urkunde erklärt Gutenberg, dass er, dem
-Strassburger Magistrat zuliebe, den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus,
-den er hatte festnehmen lassen, um die Zahlung einer Rente von dem
-Mainzer Rate zu erzwingen, welche dieser beanstandete, weil Gutenberg
-nicht nach Mainz zurückgekehrt war, loslassen wolle. Gleichzeitig
-verzichtet Gutenberg auf jede Forderung an die Stadt Mainz.
-
- Gutenbergs
- Associationen.
-
-Als industrielles Talent zeigt sich Gutenberg erst um das Jahr 1435
-(„etliche Jahre vor 1439“). Zu der erwähnten Zeit sucht □Andreas
-Dritzehn□ ihn auf, mit dem Begehren, Gutenberg möge ihn in einige
-von den Künsten einweihen, mit welchen er sich abgebe. Gutenberg ging
-hierauf ein und schloss einen Vertrag in Betreff des „Steinepolierens“
-mit Dritzehn ab. Im Jahre 1437 traf Gutenberg ein weiteres Abkommen mit
-□Hans Riffe□, Voigt zu Lichtenau, bezüglich des „Spiegelmachens“, einer
-Kunst, die man anlässlich der 1439 bevorstehenden Wallfahrt nach Aachen
-mit Vorteil auszubeuten hoffte. Gutenberg sollte zwei Anteile von
-dem Ertrag haben, Riffe einen. Als Dritzehn hiervon Kenntnis erhielt,
-drang er darauf, auch in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden und
-Gutenberg gab ihm schliesslich den einen seiner zwei Anteile. Später
-erlangte Anthonin Heilmann, ein geistlicher Herr, noch für seinen
-Bruder □Andreas Heilmann□, der wie Dritzehn zur Kürschnerzunft gehörte,
-eine Teilnahme. Man einigte sich schliesslich dahin, dass er die Hälfte
-von Dritzehns Drittel bekam. Jeder Teilnehmer musste an Gutenberg 80
-Gulden zahlen.
-
-Als die Aachener Wallfahrt auf das Jahr 1440 verschoben wurde,
-entschlossen sich die Teilnehmer, den Vertrag zu prolongieren und auf
-andere Zweige zu erweitern. Andr. Dritzehn und Andr. Heilmann sollten
-je 125 Gulden einzahlen. Nach einigen Schwierigkeiten wurde der Vertrag
-im Sommer 1438 auf fünf Jahre abgeschlossen. Starb in dieser Zeit einer
-der Beteiligten, so sollten dessen Erben nach Ablauf des Vertrags mit
-100 Gulden abgefunden werden. Das Verhältnis unter den Teilnehmern
-blieb ein freundliches. Das Geschäft war namentlich Spiegelmachen, eine
-Kunst, die damals Bedeutung hatte. Besonderes Gewicht wurde bei dieser
-Fabrikation auf die gepressten Metallrahmen gelegt. Dass die Compagnons
-sich mit Metallarbeiten beschäftigten, geht deutlich aus ihren Ankäufen
-hervor.
-
- Dritzehns Tod.
-
-Weihnachten 1438 erkrankte Dritzehn in gefährlicher Weise und starb
-an einem der Weihnachtsfeiertage. Andr. Heilmann, dem daran liegen
-musste, dem Gerede Neugieriger vorzubeugen, ersuchte den Tischler
-Saspach, der für die Gesellschaft eine Presse gefertigt hatte, diese
-auseinanderzunehmen, „dann wisse niemand, was die Stücke zu bedeuten
-hätten“. Saspach ging auch am 26. Dez. hin, aber „das Ding“ war fort.
-Auch Gutenberg hatte seinen Diener Lorenz Beildeck mit einem ähnlichen
-Auftrage gesandt. Vergebens; die Presse war fort. Wozu sollte sie aber
-gedient haben? Es konnte eine Druckerpresse gewesen sein, aber ebenso
-wohl eine Art von Prägepresse für die Verzierungen der Spiegelrahmen.
-Andere haben die Vermutung ausgesprochen, es handle sich um ein
-Giessinstrument, einen Apparat, der wirklich neu und für die Ausbeutung
-der Erfindung der Buchdruckerkunst, falls es sich doch um diese
-gehandelt haben sollte, weit massgebender war als eine Presse. Was ein
-auseinandergenommenes Giessinstrument bedeuten könne, sollte allerdings
-dem Uneingeweihten zu erraten schwer geworden sein.
-
- Ende der Asso-
- ciation.
-
-Gegen die klaren Bestimmungen des Vertrags forderten die Brüder des
-verstorbenen Dritzehn, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.
-Gutenberg, der diesen Antrag verwarf, ward nunmehr von den Dritzehns
-bei dem grossen Rate zu Strassburg verklagt, jedoch nach Abhören von
-vielen Zeugen freigesprochen. Das Urteil vom 12. Dezbr. 1439 lautete:
-Die Erben Dritzehns hätten sich bei der festgesetzten Entschädigung von
-100 Gulden zu beruhigen, von welchen 85 Gulden, welche Dritzehn noch an
-Gutenberg angeblich schuldete, abgezogen werden sollten, vorausgesetzt,
-dass letzterer die Richtigkeit der Angabe beschwören würde. Den Eid
-leistete Gutenberg.
-
-Wüssten wir auch nicht aus diesem Rechtsstreit, dass Gutenberg bis
-zum Sommer 1443 in Strassburg gebunden gewesen, so könnten wir aus
-dem Steuerregister, in welchem er in den Jahren 1439, 1443 und 1444
-verzeichnet ist, leicht erfahren, dass er um diese Zeit in Strassburg
-verweilte. In diesem Register wird Gutenberg als „Konstofler“
-bezeichnet, d. h. als Mitglied einer lokalen Innung im Gegensatz zu den
-gewerblichen. Auch eine Bürgschaftsurkunde Gutenbergs aus dem Jahr 1441
-ist vorhanden. Einem anderen Dokument ist sein Siegel beigefügt mit
-der Umschrift: •S. Hans Gensfleisch dei Gutenb'g•. Aus dem
-Strassburger Aufenthalt erfährt man ferner, dass Gutenberg auf Grund
-eines angeblich nicht gehaltenen Eheversprechens von □Anna zur eisernen
-Thüre□ in Anspruch genommen wurde. Von einer Heirat ist keine Spur zu
-finden, jedoch schreibt sich Anna später □Annel Gutenbergerin□.
-
- Gutenbergs
- Rückkehr nach
- Mainz.
-
-Die pekuniären Erfolge der Strassburger Unternehmungen entsprachen den
-Erwartungen der Teilnehmer nicht und Gutenberg kehrte, wahrscheinlich
-in der Hoffnung von seinen Verwandten das erforderliche Geld zur
-Durchführung seiner Pläne zu erlangen, nach Mainz zurück. Am 23. April
-1444 weilt er noch in Strassburg. Nach Mainz muss er, in Begleitung von
-seinem treuen Diener Lorenz Beildeck, zu Ende d. J. 1444 oder zu Anfang
-d. J. 1445 gekommen sein. In Strassburg finden sich keine Spuren einer
-Buchdruckerkunst vor.
-
- Vertrag mit Fust.
-
-Von den ersten fünf Jahren aus dem Aufenthalt Gutenbergs in Mainz ist
-so viel wie nichts bekannt, nur dass sein Oheim Henne Gensfleisch der
-ältere den „Hof zum Jungen“ mietete und ihn darin aufnahm, ferner,
-dass ein anderer Verwandter Arnold Gelthuss für ein Darlehn von
-150 Goldgulden, welches er am 6. Oktober 1448 gegen einen Zins von
-5 Goldgulden für das Hundert aufnahm, sich verbürgte. Nur hieraus
-kann der Schluss gezogen werden, dass seine Pläne sich in einem
-vorgeschrittenen Stadium befanden, dass jedoch seine Mittel zur
-Durchführung nicht genügten.
-
-Da erschien zu einer, in ihrer Folge teueren Hülfe ein angesehener
-und gut situierter Bürger, □Johannes Fust□. Am 22. Aug. 1450 wurde
-ein Vertrag zwischen diesem und Gutenberg abgeschlossen, nach
-welchem Fust 800 Goldgulden gegen 6% Zinsen vorstreckte. „Das
-Gezüge“ blieb Unterpfand. Sollten die Kontrahenten in Differenzen
-geraten, so hatte Gutenberg die 800 Gulden zurückzuzahlen. Ausserdem
-wurde übereingekommen, dass Fust jährlich bis zu 300 Gulden für
-Löhne, Hauszins, Pergament, Papier, Farbe und andere Erfordernisse
-vorschiessen sollte. Der ganze Vertrag hatte somit einen rein
-finanziellen Charakter. Gutenberg gab den Gedanken, das Werkzeug, die
-Arbeit; Fust das Geld. Von einer Miterfinderschaft des letzteren ist
-mit keinem Worte die Rede.
-
- Damaliger Stand
- der Erfindung.
-
-In seinem ganzen nachherigen Verfahren zeigt sich Fust als ein so
-vorsichtiger und klug berechnender Geschäftsmann, dass unbedingt
-angenommen werden muss, die Erfindung habe beim Abschluss des Vertrags
-bereits auf einer weit vorgerückten Stufe der Entwickelung gestanden.
-Mit einem projektmachenden Junker, der weiter nichts mitbrachte, als
-etwa den Gedanken, Holztafeln in einzelne Buchstaben zu zersägen und
-diese Buchstaben einzeln an einander zu reihen und zu drucken, würde
-ein Fust kaum den Vertrag abgeschlossen haben. Und wie sollte ein
-strebender Geist, wie Gutenberg, der jahrelang sich in Metallarbeiten
-geübt hatte, auf den Gedanken kommen, grosse Hebel in Bewegung zu
-setzen, um xylographische Drucke zu liefern oder bewegliche Holztypen
-zu schaffen? Was heutzutage mit allen Raffinements der Hülfsmaschinen
-kaum gelingen würde, sollte im Jahre 1450 denkbar gewesen sein!
-Gutenberg müsste kein Erfindergenie gewesen sein, wenn er hölzerne
-Typen je zu einem anderen Zweck hergestellt hätte, als um Versuche zu
-machen und allenfalls sie als Stempel zu benutzen, um Matern zum Guss
-der Buchstaben zu schaffen. Und, hat auch Gutenberg wirklich seine
-ersten Stempel in Holz geschnitten, so wird es nicht lange gedauert
-haben, bis er eingesehen hat, dass für die Stempel Metall, und zwar ein
-härteres als das der Mater oder der Type, unumgänglich notwendig sei.
-Es kann nicht genug betont werden: „Die mechanische Vervielfältigung
-der Typen bildet das Wesen der Typographie“. Hätte Gutenberg nicht die
-Schriftgiesserei erfunden, so gehörte ihm auch nicht die Erfindung der
-Buchdruckerkunst. Dass Peter Schöffer wesentliche Verbesserungen in
-diesem Zweige eingeführt habe, muss man jedoch annehmen.
-
- Gutenbergs neue
- Verlegenheiten.
-
-Mit dem grossen Werke Gutenbergs ging es, wie mit so vielen anderen
-Unternehmungen von Bedeutung: es verschlang, bevor es in seiner
-Vollendung Geld bringen konnte, mehr Geld, als berechnet war. Im
-Dezember 1452 schoss Fust abermals 800 Goldgulden vor, sorgte aber
-vorsichtigerweise auf das beste für die Sicherstellung. Nicht allein
-das „Gezüge“, sondern das „Werk des Buches“ wurde ihm verpfändet und
-der Vorteil sollte ein gemeinschaftlicher sein. Hier ist also von einer
-wirklichen Beteiligung die Rede, was einen sicherern Beweis liefert,
-dass nicht mehr an der Rentabilität gezweifelt wurde.
-
- Erste Press-
- erzeugnisse.
-
-Welches waren nun die ersten unbestreitbaren Erzeugnisse der
-Gutenbergschen Presse? Den grössten Absatz versprachen natürlich
-Schulbücher, namentlich die schon früher erwähnte sehr beliebte
-Grammatik des Älius Donatus. Ein Fragment (jetzt in Paris), zwei
-Pergamentblätter, eines solchen von Gutenberg gedruckten Donats, wurde
-als Einschlag einer alten Rechnung entdeckt. Die grossen Typen des
-Schriftchens sind die der 36zeiligen Bibel. Verkehrtstehende Buchstaben
-weisen unwiderleglich auf eine typographische Herstellung hin, die um
-das Jahr 1451 stattgefunden haben muss.
-
- Die Ablassbriefe.
-
-Am 12. Aug. 1451 bewilligte der Papst Nikolaus □v.□ denjenigen, welche
-zur Unterstützung des Königreichs Cypern in seinem Krieg gegen die
-Türken Geld spendeten, einen allgemeinen Ablass, der für die drei
-Jahre vom 1. Mai 1452 - 1. Mai 1455 erteilt wurde. Paulinus Zapp
-(_Chappe_) besorgte von Mainz aus den Vertrieb der Ablassbriefe für
-Deutschland. Das Geschäft wollte aber nicht recht gehen, bis, nach
-dem Fall von Konstantinopel (1453), Europa aufschrak. Nunmehr nahm
-der Generalinquisitor Johann von Capistran die Sache in die Hand und
-predigte den Kreuzzug gegen die Türken. Jetzt fand der Ablasshandel
-einen günstigeren Boden. Zur massenhaften Anfertigung dieser
-„Anteilscheine auf Seligkeit“ eignete sich Gutenbergs Erfindung ganz
-vorzüglich. Man liess nur den Raum für den Ort, den Tag und den Namen
-des Aktieninhabers offen und die Ausstellung konnte in raschester
-Weise vor sich gehen. Ein vollständig „geschriebener“ Ablassbrief aus
-Lübeck, datiert vom 6. Okt. 1454, ist noch vorhanden, daneben sind
-aber auch „typographisch“ hergestellte Exemplare mit der Jahreszahl
-□mccccliiii□ aufgefunden. Nach dem ersten Mai 1455 waren die Urkunden
-wertlos und deshalb die Pergamentblätter namentlich von den Buchbindern
-benutzt, oder sie gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Allmählich
-sind jedoch 23 solcher Denkmale der ältesten Typographie ans Licht
-gezogen, die alle aus dem Zeitraum vom 25. Nov. 1454 bis zum 30. April
-1455 stammen. Aus diesen geht hervor, dass Gutenberg im Jahre 1454
-wenigstens zwei Schriftgattungen besessen hat: die grosse Donattype und
-eine kleinere, die jedoch zu keinem Buche von ihm benutzt wurde.
-
- Bibeldruck.
-
-Mit Resultaten wie die erwähnten war Gutenberg jedoch nicht zufrieden;
-sein Sinn trachtete nach einem grösseren Ziele. Und welches Ziel
-konnte der neuen Erfindung würdiger sein, als die Verallgemeinerung der
-heiligen Schrift. Wir stehen nun vor einem der wichtigsten der vielen,
-noch dunklen Punkte in der Erfindungsgeschichte.
-
- Welche Bibel ist
- die erste?
-
-Es liegen zwei Bibeln vor, über welche Meinungsverschiedenheit
-obwaltet: die „42zeilige“ (die sogenannte „Mazarinsche“), unzweifelhaft
-von Gutenberg und Fust begonnene und von Fust und Schöffer vollendete,
-und die „36zeilige“ (die „Schellhornsche“)[1]. Welcher von beiden
-gebührt die Priorität? Früher wurde diese allgemein der 42zeiligen
-zugesprochen und die 36zeilige Bibel als ein Druck Alb. Pfisters in
-Bamberg betrachtet. Alle neueren Forscher jedoch, Didot, Weigel und
-Zestermann, Madden, de Vinne, van der Linde, sind darin einig, dass
-die 36zeilige Bibel die erste sei und ebenfalls aus Gutenbergs Offizin
-stamme. Diese neuere Ansicht wird durch eine, aus der Schöfferschen
-Druckerei direkt stammende Überlieferung bestätigt, welche Ulrich Zell
-nach Köln brachte und die 1499 gedruckt erschien. Hiernach wäre die
-erste Bibel die mit den „grossen Missalbuchstaben“ gedruckte d. i.
-die „36zeilige“. Dieselben Typen, die für den erwähnten Donat dienten,
-wurden 1454 zu: „Eyn manūg d' christēheit widd' die Durkē“ verwendet
-und gingen wahrscheinlich später in den Besitz Pfisters in Bamberg
-über. Dies mag Veranlassung zu der Annahme gegeben haben, dass die
-36zeilige Bibel aus Pfisters Offizin stamme, wogegen jedoch dessen
-sonstige typographische Leistungen und viele äussere Umstände und
-innere Gründe entschieden sprechen.
-
- [1] „Mazarinsche“, weil das erste Exemplar in der Bibliothek
- des Kardinal Mazarin entdeckt wurde; „Schellhornsche“,
- weil der Superintendent Schellhorn besonders bemüht war,
- derselben ihr Recht als ein Werk Gutenbergs zu wahren.
-
- Die 36zeilige
- Bibel.
-
-Die 36□zeilige Bibel□ umfasst 881 Blätter oder 1762 zweispaltige
-Seiten, zumeist in Lagen von 5 Bogen gefalzt, und ist in der Regel in
-drei Bände gebunden. Zum Zweck der kalligraphischen Ergänzung sind die
-Räume für die grossen Initialen freigelassen. Die neue Kunst wollte
-eine genaue Reproduktion der Manuskripte geben. Deshalb wurden auch die
-Drucklettern den geschriebenen Buchstaben mit den vielen Abbreviaturen
-nachgebildet. Was in Druck nicht nachgeahmt werden konnte, wurde
-hineingezeichnet. Eine beabsichtigte Täuschung hierin erblicken zu
-wollen dürfte kaum zutreffend sein; man wagte es einfach nicht von
-dem herrschenden Geschmack abzugehen. Ähnliches findet man noch heute
-bei den für den Orient bestimmten Druckschriften, deren Schwierigkeit
-hauptsächlich darin liegt, dass alle Abwechselungen der Handschrift
-genau nachgebildet werden müssen. Das Druckjahr der 36zeiligen Bibel
-ist nicht zu entdecken gewesen. Ein rubriziertes Exemplar in Paris
-trägt das Datum 1461. Dies würde allerdings sehr gegen die Priorität
-dieser Ausgabe sprechen, wenn es nicht auch sonst vorkäme, dass
-Exemplare eines Buches erst später rubriziert wurden. Im Jahre 1460
-hatte man schon Blätter dieser Bibel als Makulatur benutzt. Die ersten
-Bogen zeigen in technischer Beziehung noch Unsicherheit, der Druck ist
-sehr stark, das Register steht nicht gut, und auch andere Mängel sind
-sichtbar, der spätere Teil ist besser gearbeitet[2].
-
- [2] Exemplare besitzen Leipzig, Jena, Stuttgart, Wolfenbüttel.
-
- Die 42zeilige
- Bibel.
-
-Sollte die 36zeilige Bibel die erste und somit die zuerst aufgefundene
-42□zeilige Bibel□ dem Alter nach die zweite gewesen sein, so bleibt
-sie nichtsdestoweniger ein höchst ehrwürdiges und bedeutendes
-Druckmonument. Es ist ein zweibändiger Foliant von 324 und 317,
-im ganzen also von 641 Blättern von zweispaltigen Zeilen. Die 66
-Lagen bestehen meist aus je fünf Bogen (Quinternionen). Gedruckte
-Seitenzahlen, Signaturen, Kustoden und Initialen fehlen. Ein
-rubriziertes Exemplar ist mit dem Datum 24. Aug. 1456 bezeichnet. Man
-hat Exemplare sowohl auf Pergament wie auf Papier. Die auf Pergament
-gedruckten Exemplare, von denen man sechs kennt (davon je eins in
-Leipzig und Berlin), sind mit brillant ausgemalten Initialen mit
-Goldverzierungen geschmückt; die auf Papier gedruckten, von welchen
-neun erhalten wurden (darunter in Frankfurt a. M., Leipzig, München,
-Wien), haben wechselnd rote und blaue Initialen.
-
- Peter Schöffer.
-
-Einen tüchtigen Mitarbeiter fanden Gutenberg und Fust in □Peter
-Schöffer□. Im Prinzip hatte Gutenberg die Erfindung allein vollbracht,
-aber in der technischen Ausführung der Einzelnheiten mag vieles
-noch gefehlt haben. Die Stempel und Formen (Matrizen) waren noch
-unvollkommen. Die Schärfe der Typen verlor sich schnell auf Grund
-der Weichheit des Metalls für die Schrift und die Matern; auch die
-Zeichnung und der Schnitt der Stempel (Patrizen) liessen zu wünschen
-übrig. Hier scheint nun Peter Schöffer zum Vorteil der Kunst energisch
-eingegriffen zu haben.
-
-Schöffer[3] war in Gernsheim zwischen 1420 und 1430 geboren. Näheres
-über seine Familie und seine Jugend ist nicht bekannt, nur dass
-er sich zuerst der Jurisprudenz widmete und sich längere Zeit in
-Paris aufhielt, wo er sich einen Ruf als tüchtiger Illuminator und
-Rubrikator erwarb. Nach Mainz scheint er in dem Jahre 1450 oder 1451
-gekommen zu sein, wahrscheinlich um in den erwähnten Eigenschaften
-in der Gutenbergschen Offizin zu wirken. Hier hat er nun mutmasslich
-weitergehende Talente entwickelt, ohne dass es sich jedoch genau
-feststellen lässt, wie weit seine Thätigkeit sich erstreckte.
-Jedenfalls hat er die Form der Buchstaben verbessert, ein grösseres
-Ebenmass derselben sowie auch eine bessere Legierung des Schriftmetalls
-veranlasst, und einen schöneren Schnitt der Stempel in härterem
-Metall (Stahl) eingeführt, wodurch man in den Stand gesetzt wurde,
-dieselben in kupferne Matrizen einzutreiben. Kurz: hat auch Schöffer
-die Schriftgiesserei nicht erfunden, so bleibt ihm doch das grosse
-Verdienst, sie in die Bahn gelenkt zu haben, die sie bis jetzt nicht
-verlassen hat. Auch die Verbesserung der Schwärze durch Zusatz von
-Firnis soll sein Werk gewesen sein.
-
- [3] □H. Künzel□, Peter Schöffer von Gernsheim, der Miterfinder
- der Buchdruckerkunst. Darmstadt o. J.
-
-Dass die Verdienste Schöffers nicht klein sein konnten, lässt sich
-schon daraus schliessen, dass der angesehene und wohlhabende Fust
-kein Bedenken trug, dem armen Schreiber seine Tochter Christine zur
-Ehefrau zu geben. Diese Tüchtigkeit und dieses Zutrauen, welches Fust
-in Schöffer setzte, sollten leider Gutenberg verderblich werden, denn
-sie gaben Fust die Zuversicht, feindlich gegen ihn aufzutreten. Für
-Schöffers Beteiligung bei diesen Schritten liegt kein Beweis vor;
-zweideutig jedoch hat er sich wenigstens insofern gezeigt, als er
-später auf Kosten Gutenbergs sich die Ehre der Erfindung anzueignen
-versuchte.
-
- Fust klagt gegen
- Gutenberg.
-
-Mag nun sein, dass die Auslagen zu gross und die Auflagen zu klein,
-oder, dass Gutenberg in der praktischen Geschäftsführung nicht der
-rechte Mann gewesen, die neue Kunst hatte trotz aller technischen
-Fortschritte keinen finanziellen Erfolg gehabt. Es kam soweit, dass
-Fust Klage gegen Gutenberg erhob. Er forderte:
-
- Erstes eingeschossenes Kapital: 800 Goldgulden
- Zinsen darauf: 250 "
- Zweites Kapital: 800 "
- Zinsen darauf: 140 "
- Zins vom Zins: 36 "
- ------------------------------
- zusammen 2026 Goldgulden.
-
-Gutenberg machte dagegen geltend, 1) dass Zinsen von den 800 Gulden
-zwar in dem Dokument festgestellt seien, dass aber Fust versprochen
-habe, solche nicht zu erheben; 2) dass die ersten 800 Gulden nicht
-voll eingezahlt gewesen; 3) dass er in Betreff der zweiten 800
-Gulden zwar die Verantwortung, nicht aber Zinsen zu tragen habe;
-4) dass die zugesagten 300 Gulden jährliches Betriebskapital nicht
-entrichtet worden seien. Hiergegen wird Fust der Eid auferlegt,
-welchen er leistet, und Gutenberg, der nicht persönlich erschienen
-war, wird am 6. Nov. 1455 zur Zahlung verurteilt. Auf Fusts Verlangen
-stellte der Kleriker und Notar Ulrich Helmasperger eine Urkunde
-über die Verhandlung auf, welche ein wichtiges Dokument in der
-Erfindungsgeschichte bildet.
-
- Trennung Guten-
- bergs und Fusts.
-
-Der Vertrag zwischen Gutenberg und Fust hatte somit seine Endschaft
-erreicht; wie sich jedoch die schliessliche Auseinandersetzung
-gestaltet hat, ist nicht bekannt. Aus später erschienenen Druckwerken
-geht hervor, dass die Typen der noch nicht vollendeten 42zeiligen
-Bibel auf Fust übergegangen sind, dass Gutenberg dagegen die Typen der
-36zeiligen behielt. Denn nach dem Tode Fusts druckte sein Nachfolger
-Peter Schöffer mit der zuerst erwähnten Schrift einen Donat, während
-gegen Ende des Jahres 1456 mit den zuletzt genannten Typen ein Kalender
-auf das Jahr 1457 fertiggestellt wurde.
-
- Gutenbergs
- weitere Wirk-
- samkeit.
-
-Gutenbergs Mut war durch den ihm beigebrachten Schlag nicht
-erschüttert, und es scheint ihm nicht einmal schwer geworden zu
-sein, wieder in Besitz von Betriebsmitteln zu kommen. Zwar wurde auch
-diesmal eine Verpfändung notwendig, aber sein Gläubiger Conrad Humery,
-„der Stadt Mainz Pfaff und Jurist“, war ein verständiger, Gutenberg
-wohlgesinnter Mann. Gutenberg fertigte ganz neue Typen an und druckte
-mit diesen zuerst zwei kleine undatierte Schriften: _Matthäus de
-Cracovia, tractatus racionis et consciencie_, 22 Blatt in Quarto, und
-_Thomas de Aquino, Summa de articulis fidei_, 12 Blatt in Quarto. Dann
-aber brachte er im Jahre 1460 mit der neuen Schrift ein Riesenwerk
-zustande, einen Folianten von 373 zweispaltig und eng gedruckten
-Blättern (ohne Signatur, Kustoden und Seitenzahlen). Diese bedeutende
-Leistung war die berühmte erste Ausgabe des Joannis de Janua: _Summa
-quae vocatur Catholicon_. Den Anfang bildete eine lateinische Grammatik
-in vier Abteilungen (64 Blatt), dann folgt als fünfter Teil ein
-lateinisches Lexikon. Am Ende des Buchstaben I (Blatt 189 rechte Seite)
-steht gedruckt das Wort _sequitur_ und darunter geschrieben _in alio
-folio_; die Rückseite des Blattes ist weiss gelassen und somit konnte
-das Werk in zwei Bände gebunden werden.
-
- Gutenbergs ein-
- zige Ansprache.
-
-Zum Schluss des Werkes ergreift der Erfinder selbst, jedoch ohne seinen
-Namen zu nennen, zum ersten, zugleich zum letzten male das Wort. Die
-Schlussschrift (_Kolophon_) ist lateinisch und lautet übersetzt[4]:
-
- „Unter dem Beistande des Allerhöchsten, auf dessen Wink
- die Zungen der Kinder beredt werden und der oft den Kleinen
- offenbart, was er den Weisen verbirgt, ist dieses vortreffliche
- Buch _Catholicon_ im Jahre der Menschwerdung des Herrn □mcccclx□
- in der guten, der ruhmwürdigen deutschen Nation angehörigen Stadt
- Mainz, welche die Gnade Gottes mit so hehrem Geisteslichte und
- freiem Gnadengeschenke den anderen Völkern der Erde vorzuziehen
- und zu verherrlichen gewürdigt hat, gedruckt und zustande
- gebracht worden, und zwar nicht mittels des Rohres, des Griffels
- oder der Feder, sondern durch das bewundernswerte Zusammenpassen,
- Verhältnis und Ebenmass der Patronen und Formen[5].“
-
- [4] Nach □J. Wetters□ Uebersetzung. Krit. Gesch. S. 319.
-
- [5] Patrizen. -- Matrizen.
-
-So spricht sich der Erfinder selbst über die Erfindung aus. Es ist
-kaum anzunehmen, dass er sich nur aus Bescheidenheit oder aus falschem
-Stolz nicht genannt haben sollte, oder gar aus Verdruss, weil seine
-Leistungen durch die Schöffers überflügelt waren. Wir müssen leider
-eher glauben, dass derjenige, der für andere die Goldminen entdeckt
-hatte, nicht in der Lage war, seinen Namen nennen zu dürfen, mögen nun
-die Gründe in einem noch nicht geregelten Verhältnis zu Fust oder in
-seiner neuen Stellung zu Humery oder sonst wo gelegen haben.
-
- Gutenberg in
- Eltville.
-
-Aus dem Jahre 1461 haben wir noch einen Ablassbrief, mit den Typen des
-Catholicons gedruckt. Dann kam das für Mainz und die junge Kunst so
-verhängnisvolle Jahr 1462. Der Erzbischof von Mainz, Diether, Graf zu
-Isenburg, war von Kaiser und Papst abgesetzt. Die Domherren wählten den
-Grafen Adolf von Nassau; die Bürger aber nahmen Partei für Diether.
-In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1462 erstürmte Adolf die Stadt.
-Hunderte von Bürgern fielen, andere wurden ausgeplündert und vertrieben
-und ihre Häuser verwüstet. Dies Schicksal traf auch die Offizin
-Fust und Schöffers. Mainz war in wenigen Tagen entvölkert und seiner
-Privilegien beraubt. Handel und Gewerbe lagen auf lange darnieder und
-von einer weiteren Ausdehnung der Buchdruckereien in Mainz konnte
-vorläufig keine Rede sein. Obwohl die Offizin Gutenbergs verschont
-geblieben war, da der Besitzer zum Grafen hielt, so musste er doch
-mit seiner Druckerei auswandern. Er führte dieselbe nach Eltville, der
-Residenz Adolfs, über.
-
- Gutenberg tritt
- in Hofdienst.
-
-Am 15. Januar 1465 wurde er zum Hofdienstmann des Grafen auf Lebenszeit
-ernannt. Als solcher hatte er jährlich die Hofkleidung eines Edlen,
-für sein Haus zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein steuerfrei.
-Wachdienst, Einschätzung u. s. w. ward ihm auf immer erlassen. Da die
-Hofdienstmänner für ihre Person freien Tisch am Hoflager und für ihre
-Pferde Futter erhielten, so dürfen wir uns Gutenberg wenigstens nicht
-als von materiellen Sorgen zu seinem Lebensende gequält vorstellen.
-Seine Offizin hatte er pachtweise seinen Verwandten □Heinrich□ und
-□Nikolaus Bechtermünze□ überlassen.
-
- Gutenbergs
- Tod.
-
-Gutenberg starb in der Zeit zwischen dem 24. Nov. 1467 und dem
-24. Febr. 1468 und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der
-Dominikanerkirche[6] zu Mainz begraben. Diese ging in der Nacht vom 20.
-zum 21. Juli 1793 bei der Beschiessung von Mainz durch die Franzosen
-in Flammen auf und auch die an derselben Stelle errichtete Fruchthalle
-brannte (1875) nieder.
-
- [6] □Dr. K. G. Bockenheimer□, Gutenbergs Grabstätte. Mainz
- 1876.
-
- Fortführung des
- Geschäfts durch
- Bechtermünze.
-
-Am 24. Febr. 1468 bescheinigt Humery, dass der Graf ihm den Vorrat
-der zu Gutenbergs Nachlass gehörenden Formen, Buchstaben und
-Werkzeuge verabfolgt habe. Gleichzeitig verpflichtet sich Humery,
-den betreffenden Apparat nur in der Stadt Mainz zu benutzen. Sollte
-er jedoch denselben verkaufen und ein Mainzer Bürger soviel dafür
-geben wollen, wie ein Fremder, dann gebühre dem Mainzer der Vorzug.
-Aus dieser Fürsorge Adolfs muss man schliessen, dass er Gutenberg
-sehr zugethan und dass dessen Aufnahme an seinem Hofe eine Belohnung
-gewesen, entweder für die Verdienste Gutenbergs im allgemeinen oder um
-ihn selbst insbesondere.
-
-Die Offizin ging in den vollständigen Besitz des □Nikolaus
-Bechtermünze□ über, dessen Bruder Heinrich bereits 1467 verstorben war.
-Nikolaus setzte das Geschäft bis 1477 in Verbindung mit einem anderen
-Patrizier □Wigand Spiess□ von Ortenberg fort. Gegen das neu aufgeblühte
-Geschäft Fust und Schöffers aufzukommen mag wohl schwer gewesen sein.
-Die ersten Drucke der neuen Offizin waren mit den Typen des Catholicons
-ausgeführt.
-
- Weitere Schicksale
- der Offizin
- Gutenbergs.
-
-Nach dem Tode des Nikolaus überliessen seine Erben das sämtliche
-Material der Brüderschaft des gemeinsamen Lebens zu Marienthal in
-der Nähe von Eltville. Von diesen kam es 1508 an □Fr. Hewmann□ aus
-Nürnberg, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz. Beim genauen Durchgehen
-eines Buches aus dessen Offizin soll die älteste Type Gutenbergs aus
-den Ablassbriefen von 1454 und 1455 und der 36zeiligen Bibel wieder
-erkannt worden sein, während die Nachfolger Gutenbergs bis dahin von
-dessen Typen nur die des Catholicons benutzt hatten[7].
-
- [7] □Henri Helbig□, _Une découverte pour l'histoire de
- l'imprimerie_. Bruxelles 1855.
-
- Gutenbergs
- Andenken.
-
-Hiermit nehmen wir Abschied von Gutenberg und dessen Offizin. Das erste
-äussere Andenken an ihn wurde 1504 von Ivo Wittig gestiftet und bestand
-in einem Denkstein im Hofe „Zum Gutenberg“. Seitdem hatte Mainz seinen
-grossen Bürger ganz vergessen und die typographischen Schätze von Mainz
-waren in ausgedehntester Weise verschleudert. Die Stadt musste die
-Demütigung erleben, dass der französische Präfekt Jeanbon-St.-André
-1804 den ersten Vorschlag machte, Gutenberg ein Denkmal zu setzen, zu
-dem ganz Europa beitragen sollte, und dass Napoleon im Sept. 1804 in
-Mainz dekretierte, dass ein grosser Gutenbergplatz geschaffen werden
-sollte. Es blieb allerdings beim Dekret. Erst die mit vielem Pomp,
-1821, in Haarlem begangene vierte Säkularfeier der, von den Holländern
-für sich in Anspruch genommenen Erfindung der Buchdruckerkunst war
-imstande Gutenbergs Vaterstadt aufzurütteln. Die Kasinogesellschaft
-liess ihrem neu eingeweihten Hause den ursprünglichen Namen „Zum
-Gutenberg“ wiedergeben und eine goldene Inschrift über das Eingangsthor
-setzen. Am 24. Oktb. 1824 folgte ein Denkstein im Garten. Im Hofe
-selbst stiftete der Kunstverein ein Standbild in Sandstein, den
-„Ritter“ Gutenberg, eine Satzform haltend, darstellend.
-
- Die Denkmäler
- Gutenbergs.
-
-Im Jahre 1831 erging ein Aufruf „an die gebildete Welt“ zur Errichtung
-eines erhabenen Monuments zur Säkular-Feier der Buchdruckerkunst
-1836![8] Es wurde eine Aufforderung an die Künstler der Plastik
-erlassen, Entwürfe einzusenden, „um dann das beste aus jedem zu
-benutzen“. Thorwaldsen erklärte 1832 die Ausführung eines, für den
-Erzguss berechneten Modells ohne Entgelt übernehmen zu wollen, jedoch
-ohne Konkurrenz. Der Vorschlag wurde angenommen und Crozatier in Paris
-mit dem Guss betraut. Die feierliche Einweihung fand am 17. Aug. 1837
-statt[9].
-
- [8] Diese Jahreszahl war eine Marotte von dem um das Andenken
- und die Ehrenrettung Gutenbergs so verdienten □A. C.
- A.□ Schaab, die er selbst als solche anerkannte, aber
- trotzdem aufrecht hielt.
-
- [9] Ausführlicheres über die Denkmal-Angelegenheit, die
- Inaugurationsfeier und die vierhundertjährige Feier
- der Erfindung 1840 ist in □Meyers□ „Journal der
- Buchdruckerkunst“, Jahrgang 1836 und 1840, enthalten.
-
-Seit dem 24. Juni 1840 besitzt auch Strassburg auf dem Gutenbergsplatz
-ein Standbild des Erfinders, von David modelliert und von Soyez &
-Ingé in Paris gegossen. Ein drittes schönes Denkmal von Herrn von der
-Launitz in Frankfurt a. M. zeigt Gutenberg, Fust und Schöffer in einer
-Einigkeit, wie sie bei ihren Lebzeiten so sehr erwünscht gewesen wäre,
-die jedoch auf dem Denkmal fast wie eine Satire aussieht.
-
-„Alles zusammengenommen“, so sagt Dr. van der Linde, „existiert noch
-kein der Erfindung der Typographie entsprechendes Monument. Gleichwie
-das nächste Jahrhundert bei seiner Säkularfeier den schlüpfrigen
-Boden der Sage zu verlassen und sich auf den Felsen der Geschichte zu
-stellen, das heisst, das erste halbe Jahrtausend der Typographie
-
- •1450-1950•
-
-zu feiern hat, so errichte auch das neu entstandene Deutsche
-Reich entweder in seiner politischen Hauptstadt □Berlin□ oder in
-seiner typographischen Hauptstadt □Leipzig□ ein grossartiges, alle
-Kleinkrämerei beschämendes □Gutenberg-Monument□.“
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-III. KAPITEL.
-
-DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND.
-
- Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs in Mainz.
- Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. Beromünster. Basel.
- Bamberg, Albrecht Pfister. Augsburg. Nürnberg. Wien. Der Norden:
- Köln, Münster, Magdeburg, Leipzig.
-
-
- Art der Verbrei-
- tung der Kunst.
-
-ES ist eins der Hauptwunder der überhaupt wunderbaren Geschichte
-der Buchdruckerkunst, dass sie sich in einer verhältnismässig so
-kurzen Zeit von 1455-1475 beinahe über das ganze zivilisierte Europa
-verbreitete. Zwar liegt es auf der Hand, dass eine so wichtige
-Erfindung, nachdem sie einmal in den ersten Erzeugnissen der Presse
-ans Licht getreten war, auch von Anderen erfasst werden und, durch
-kein Gesetz geschützt, sofort Nachahmung finden würde. Vergleichen wir
-jedoch ihr schnelles Vordringen mit dem Gang der grossen Erfindungen
-der neueren Zeit, z. B. der Gasbeleuchtung oder der Eisenbahnen, so
-wird man finden, dass letztere, obwohl durch viele mitwirkende Umstände
-unterstützt, sich nicht so schnell Bahn gebrochen haben wie die
-Buchdruckerkunst.
-
-Und wie geschah dieses Wunder?
-
-Zu einer Zeit, wo das Reisen ein so beschwerliches und gefahrvolles
-Unternehmen war, wie wir es uns jetzt nicht mehr recht vorstellen
-können, bahnten ausdauernde deutsche Arbeiter, die unermüdlichen
-Pioniere der Erfindung, sich ihren Weg über die weiten Gefilde
-Deutschlands und Frankreichs, ja überschritten die Alpen und
-die Pyrenäen, um die Fahne der neuen Kunst in fremden Ländern
-aufzupflanzen. Es war, als ob Gutenberg ihnen einen unwiderstehlichen
-Talisman vermacht hätte, durch welchen Deutschland bestimmt wurde,
-die Wiege der Reformation zu werden und den Weg für jegliche Art des
-Fortschrittes im Vaterlande sowohl wie in fremden Ländern zu ebnen.
-
-War auch die Absicht, den Lebensunterhalt zu verdienen, die
-erste Triebfeder der Jünger Gutenbergs gewesen, so ist doch die
-Unermüdlichkeit, mit der sie, das Geheimnis der neuen Kunst mit sich
-führend, nach den fernsten Teilen Europas drangen, der höchsten
-Bewunderung wert. Ein gewisser berechtigter Künstlerstolz und ein
-achtungswerter Ehrgeiz erwarben ihnen Zuneigung und Vertrauen, wo sie
-erschienen. Mit Energie verfolgten sie ihr Ziel ohne Rücksicht auf
-Hindernisse und Gefahren, als furchtlose Apostel und prädestinierte
-Verbreiter eines neuen Glaubens, von dem sie durchdrungen und
-begeistert waren[1].
-
- [1] Worte eines Engländers □H. Noel Humphreys□, in seiner
- _History of the art of printing_.
-
-Folgen wir nun diesen begeisterten Jüngern auf ihren Wegen
-in Deutschland und in den fremden Ländern bis zum Schluss des
-Jahrhunderts, nachdem wir erst Kenntnis von dem Fortschreiten der
-Druckerei von Fust und Schöffer genommen.
-
- * * * * *
-
- Fust und
- Schöffers Offizin
- in Mainz.
-
-Im Besitz des neuen Gutenbergschen Materials und der genügenden
-Geldmittel, mit der technischen Tüchtigkeit verbunden, gelang es bald
-Fust und Schöffer, den Erfinder der Kunst zu überflügeln und nach der
-kurzen Zeit von noch nicht zwei Jahren eine grossartige Leistung der
-Typographie zu vollenden: das Psalterium von 1457. Dieses Druckwerk
-ist das erste, welches mit der Angabe des Druckers, des Druckortes,
-der Jahreszahl und des Datums (14. Aug. 1457) zugleich mit farbigen
-Initialen versehen ist, während Seitenzahl, Signatur und Kustoden immer
-noch fehlen. Man kennt 6 Exemplare, von denen drei 175, die anderen
-nur 143 resp. 136 Blätter zählen. Als unvollständig können letztere
-jedoch nicht bezeichnet werden, da alle den Schlusssatz enthalten. Die
-Auslassungen geschahen wahrscheinlich aus Sparsamkeitsrücksichten, um
-nicht zu viel Pergament zu verbrauchen[2].
-
- [2] Es befindet sich je eins der Exemplare in Darmstadt,
- Dresden (nicht vollständig) und Wien (sehr schön und
- vollständig).
-
- Das Psalterium
- von 1457.
-
-Dreihundertundsechs grosse Initialen, in rot und blau gedruckt,
-schmücken das kostbare, der starken Benutzung wegen nur auf Pergament
-gedruckte Buch. Eine Hauptzierde ist das, den Text anfangende Initial
-•B•. Der eigentliche Körper des Buchstabens bildet ein Viereck
-von 9 cm Höhe und Breite, rechnet man jedoch die Ausläufer mit zur
-Höhe, so beträgt diese 31 cm. Die Ornamentierung trägt einen maurischen
-Charakter und ist wahrscheinlich einem spanischen Manuskripte
-nachgebildet. Über die Herstellung dieser farbigen Initialen sind die
-Kenner nicht einig. Die vollendete Genauigkeit des Passens schliesst,
-bei den damaligen technischen Hülfsmitteln, den Gedanken an einen
-Doppeldruck aus. Einige halten dafür, dass die Holzschnitte in einzelne
-Teile nach den Farben zerlegt, diese einzeln eingefärbt, und dann, in
-einander gefügt, mit Einem Druck hergestellt sind, ganz in der Art des,
-zu Anfang unseres Jahrhunderts entstandenen Congrevedruckes. Andere
-behaupten, die Holzschnitte seien blind in den Bogen gepresst und
-nachher ausgemalt und wollen überhaupt an vielen Stellen des Textes
-eine Übermalung weniger gut gedruckter Sätze und Buchstaben entdeckt
-haben. Wie dem auch sei, so ist die Ausführung der Doppelfärbung
-eine technisch vollendete. Ohne Mängel ist das Werk dennoch nicht,
-namentlich ist der Ausschluss ein unregelmässiger und haben die
-Zeilen verschiedene Länge; auch Druckfehler, selbst so auffälliger
-Natur wie _spalmorum_ statt _psalmorum_ in der ersten Zeile des
-Schlusswortes, kommen vor. Merkwürdig ist es überhaupt, dass gerade die
-Schlussworte der alten Drucke nicht selten Fehler aufzuweisen haben;
-namentlich in Bezug auf Jahreszahlen, was mitunter zu den sonderbarsten
-Schlussfolgerungen für die Geschichte der Buchdruckerkunst Anlass
-gegeben hat.
-
-Zugegeben, dass die ganze blendende Pracht der Erscheinung die, an
-unseren nüchternen Buchdruck gewöhnten Beschauer befangen gemacht
-und sie veranlasst hat, die Mängel zu übersehen und alles für
-unübertrefflich zu halten, so kann man doch das Psalterium nur als ein
-Wunderwerk ansehen, wenn man bedenkt, dass es nur wenige Jahre nach
-der Erfindung erschien. Über diesen so schnellen Aufschwung muss man
-staunen und bekennen, dass die vier Jahrhunderte, die seit der Zeit
-vergangen sind, zwar in der technischen Tüchtigkeit und Korrektheit
-des Materials grosse Fortschritte gemacht haben, in der eigentlichen
-Kunst jedoch verhältnismässig wenige; ja wir möchten bezweifeln, dass
-ein Meisterwerk von heute nach 400 Jahren ein so jugendliches Gepräge
-besitzen wird, wie das Psalterium heute zur Schau trägt. Fasst man
-ausserdem ins Auge, dass dies Werk kaum 21 Monate nach der Trennung
-Fust und Schöffers von Gutenberg ausgegeben werden konnte, so liegt
-der Gedanke nahe, dass die Anfänge schon aus der Zeit der Verbindung
-stammen, worauf auch die von der sonstigen Schöfferschen abweichende
-Schrift und die Ausstattungsart hinweisen.
-
-Bereits im Jahre 1459 erschien eine zweite Auflage in etwas
-vergrössertem Format, von der man zwölf Exemplare kennt. Eine dritte
-folgte 1490; eine vierte 1502; die fünfte, aus dem Jahre 1516, stammt
-aus der Offizin des jüngeren Schöffer.
-
- Weitere Druck-
- werke Fusts und
- Schöffers.
-
-Am 6. Oktober 1459 vollendeten Fust und Schöffer _Durandi, Rationale
-divinorum officiorum_, welches mit neuen Typen Schöffers gesetzt wurde.
-Am 25. Juni 1460 erschienen: _Constitutiones Clementi V_. Im Frühjahr
-1462 druckten Fust und Schöffer die erste politische Flugschrift in
-Brief- (Plakat-)Form, das Manifest Diethers von Isenburg gegen Adolf
-von Nassau, welches verhängnisvoll für ihre Druckerei werden sollte.
-
- Die 48zeilige
- Bibel.
-
-Das vierte der grossen Mainzer Druckmonumente (vorausgesetzt, dass
-die 36zeilige Bibel das erste gewesen), war die, fünf Jahre nach
-dem Psalterium erschienene „_Biblia sacra latina_“ („Die 48zeilige“
-genannt). Dies Werk bildet zwei Foliobände von je 242 und 239
-zweispaltigen Blättern zu 48 Zeilen. Die Exemplare sind teils auf
-Pergament, teils auf Papier gedruckt; in die ersteren sind die
-Initialen hineingemalt, in den letzteren fehlen sie gewöhnlich. Gegen
-siebenzig Exemplare dieses Druckwerkes, welches sowohl durch seine
-typographische Schönheit, wie auch als erste vollständig datierte Bibel
-einen Hauptrang einnimmt, sind erhalten.
-
-So wenig wie Gutenberg früher den Mut verlor, so wenig war es mit Fust
-und Schöffer der Fall, als ihre Offizin in der Nacht vom 27.-28. Okt.
-bei der Eroberung von Mainz durch den Grafen Adolf 1462 verwüstet wurde
-und in Flammen aufging.
-
- Fust † um 1466.
-
-Schon 1465 ward die Herausgabe von „_Cicero de officiis_“ unternommen,
-worin zum erstenmale griechische Schriften, jedoch in Holz geschnitten,
-verwendet wurden. Im Sommer 1466 war Fust, um den Verkauf der
-Verlagswerke zu betreiben, nach Paris gereist. In dem folgenden Jahre
-war er nicht mehr am Leben; wahrscheinlich ist er in Paris, wo damals
-die Pest hauste, gestorben.
-
-Schöffer setzte nun das Geschäft allein fort. Unter seinen Druckwerken
-ist noch die am 24. Mai 1468 erschienene herrliche Ausgabe von:
-„_Justiniani Institutiones cum glossa_“ zu nennen, in deren
-Schlussschrift er sich selbst auf Kosten Gutenbergs etwas gar zu
-grosssprecherisch hervorhebt.
-
- Schwabacher
- Schrift.
-
- Erhard Rewich.
-
-Ob Schöffer auch das Verdienst gehabt hat, die erste rein deutsche
-Schrift, die „Schwabacher“, zu erfinden, lässt sich nicht bestimmt
-ermitteln. Sie kommt zum erstenmale 1486 in Mainz zum Vorschein in dem
-Werke Bernhard von Breydenbachs „Heylige reyssen gen Jerusalem“, das
-bei □Erhard Rewich□ gedruckt wurde. Da Schöffer im J. 1492 die Chronik
-der Sachsen mit dieser Schrift druckte und man von Rewich aus Utrecht,
-der als Maler die Reisen Breydenbachs mitmachte und auf dessen Buche
-als der Drucker genannt wird, in letzterer Eigenschaft sonst nichts
-kennt, so dürfte die Annahme, dass Rewich nur der Herausgeber und
-Peter Schöffer der Drucker und Erfinder der Schrift sei, manches für
-sich haben. Andernfalls müsste man annehmen, was ja nicht als einziger
-Fall dastehen würde, dass Breydenbach als reicher Mann für dieses Werk
-eine eigene Druckerei von Schöffer hätte einrichten lassen. Woher
-der Name „Schwabacher“ stammt, ist ebenfalls nicht ermittelt. Die
-Anwendung der Schrift als Werkschrift hält sich bis in die Mitte des
-□xvi.□ Jahrhunderts und man verwandte sie ebensowohl zu lateinischen
-wie zu deutschen Texten. Später unterlag sie mancherlei Änderungen,
-die sie der Fraktur näherführten. Als Auszeichnungsschrift findet die
-Schwabacher noch bis gegen die Mitte unseres Jahrhunderts Verwendung.
-Dann kam sie in Vergessenheit, um in neuester Zeit wieder als
-Buchschrift aufzuleben.
-
- Schöffer in Paris.
-
-Bald hätte noch ein neuer schwerer Verlust das Schöffersche Geschäft
-getroffen. Das Bücherlager, welches Fust nach Paris gebracht hatte,
-wurde, nachdem Schöffers dortiger Faktor Hermann von Stathoen
-ebenfalls 1475 gestorben war, als herrenloses Gut vom Fiskus in Besitz
-genommen. Zur Wiedererlangung seines Eigentums reiste Schöffer selbst
-nach Paris, erreichte auch glücklich sein Ziel und ernannte Conrad
-Henlif[3] zu seinem Faktor. Schöffer kann eigentlich als der erste
-Sortiments-Buchhändler betrachtet werden, da er nicht allein mit seinen
-eigenen Druckwerken Handel trieb, sondern auch die Erzeugnisse anderer
-Drucker verkaufte.
-
- [3] □J. Wetter□, Conrad Henlif oder Henekies. Mainz 1851.
-
- Schöffers Tod.
-
-Von 1493 erlahmt seine Thätigkeit. Das letzte Buch mit seinem Namen ist
-die schon erwähnte vierte Auflage des Psalterium (21. Dez. 1502). Das
-erste Buch mit dem Namen seines Sohnes ist vom 27. März 1503 datiert.
-Sonach fällt der Todestag Schöffers, den man nicht genau kennt, in
-diese Zwischenzeit. Am 9. Juni 1836 wurde das ihm von seiner Vaterstadt
-Gernsheim errichtete Denkmal enthüllt.
-
- * * * * *
-
- Strassburg.
- Joh. Mentelin.
- Heinr. Eggesteyn.
-
-Kehren wir auf unserer Wanderung[4] nach STRASSBURG[5] zurück, so
-begegnen wir als den ersten Buchdruckern dort Johann Mentelin und
-Heinrich Eggesteyn. Von beiden existieren Bibeln schon aus dem Jahre
-1466; jedoch ohne Nennung des Druckers und des Datums. Die ersten
-datierten Drucke aus Strassburg gehören Eggesteyn an (1471) das:
-_Decretum Gratiani_. 2 Bde. fol. und die: _Constitutiones Clementi V._,
-ebenfalls in fol., in welchen der Drucker sagt, er habe schon unzählige
-Bände gedruckt. Dass auch Mentelin um diese Zeit eine grössere
-Thätigkeit entwickelt hatte, geht schon daraus hervor, dass er 1471
-einen -- den ersten überhaupt existierenden -- Verlagskatalog auf einem
-Oktavblatt von 19 Zeilen herausgab[6] und dass Kaiser Friedrich □iii.□
-ihn schon 1468 auf Grund seiner Verdienste in den Adelstand erhob.
-Eggesteyns Wirksamkeit endigt schon 1472; Mentelin starb 1478 und sein
-Begräbnis fand unter grossen Ehren im Dome statt[7].
-
- [4] Wir schlagen den geographischen Weg ein, ohne uns streng
- an die chronologische Folge der Einführung der Kunst zu
- halten.
-
- [5] □L. de Laborde□, _Débuts de l'impr. à Strassbourg_. --
- □J. D. Schöpflin□, _Vindiciae typographicae_. Strassburg
- 1760.
-
- [6] Die Bibliothek des Börsen-Vereins in Leipzig besitzt
- hiervon ein Exemplar.
-
- [7] Nach Madden ist Mentelin aus der Offizin der „Brüder
- des gemeinsamen Lebens“ im Kloster am Weidenbach in
- Köln 1463 nach Strassburg gekommen. Alle Drucke mit den
- absonderlichen R, die man von vielen Seiten Mentelin
- zuschreibt, will Madden nach Köln verlegen.
-
-Die ersten Strassburger Drucke sind weit unvollkommener als die
-Mainzer, und weisen eine ganz abweichende Type auf. Es war deshalb
-nicht so unnatürlich, dass man auf eine selbständige und ältere
-Erfindung in Strassburg, der „Wiege der Kunst“, -- jedoch wie Schaab
-richtig bemerkt „eine Wiege ohne Kind“ --, schliessen wollte.
-
- Die Schweiz.
- Beromünster.
-
- Basel.
-
- B. Richel.
-
-Das benachbarte Basel, das später einen bedeutenden Platz in der
-Geschichte der Typographie behauptet, nahm die Kunst bald auf.
-Allgemein wird jedoch nicht Basel, sondern der Flecken BEROMÜNSTER
-im Canton Luzern, eine Stunde von Sempach, wo am 9. Juli 1386 Arnold
-Winkelried durch seine heldenmütige Aufopferung „der Freiheit eine
-Gasse brach“, als erster Druckort der Schweiz betrachtet. In dem
-dortigen berühmten Chorherrenstift des Erzengels Michael lebte ein,
-durch seine Gelehrsamkeit hervorragender Mann Elias Eliae (Helias
-Helie)[8] aus dem berühmten Geschlecht derer von Laufen. Derselbe
-soll die Buchdruckerkunst durch □Ulr. Gering□, der später als erster
-Buchdrucker in Paris wirkte, nach der Schweiz gebracht haben und dort
-als erstes Buch den _Mamotrectus_ des Joh. Marchesini, ein beliebtes,
-für höhere Schulen bestimmtes Wörterbuch der schwersten Ausdrücke
-der Bibel, gedruckt haben. Hiergegen wird jedoch Zweifel erhoben,
-und der _Mamotrectus_ soll, inklusive der Jahreszahl 1470, nur ein
-Nachdruck einer Mainzer Ausgabe aus diesem Jahre sein und frühestens
-1474 gedruckt, dagegen das 1472 erschienene: _Roderici, Speculum
-vitæ humanæ_ das erste Buch aus Beromünsters Presse sein. Um diese
-Zeit kam auch die Kunst nach BASEL[9] durch □Bartholdus de Basilea□
-(eigentlich aus Hanau). Das erste Buch mit Jahreszahl ist Magister
-Konrads _Repertorium vocabularum_ von 1473. □Michael Wenssler□ und □Fr.
-Biel□ druckten die Briefe Gasparinis von Bergamo ohne Jahreszahl. Eine
-handschriftliche Notiz in einem Exemplar in der Baseler Stadtbibliothek
-bezeichnet es als im Jahre 1472 gekauft. □Bernhard Richel□ druckte
-bis 1482. Bekannt sind seine vier Ausgaben der _Vulgata_. Aus seiner
-Offizin stammt auch die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels“, des von
-Eyke von Reppgowe zwischen 1215-1230 verfassten deutschen Rechtsbuches.
-
- [8] □J. L. Äbi□, Die Buchdruckerei in Beromünster. Einsiedeln
- 1870.
-
- [9] □D. A. Fechter□, Beiträge zur ältesten Gesch. d.
- B. in Basel. Basel 1863 (B. Taschenbuch). -- □J.
- Stockmeyer□ und □B. Reber□, Beiträge zur Baseler
- Buchdruckergeschichte. (Herausg. von der Hist.
- Gesellsch.) Basel 1840. -- □Streuber□, Neuere Beiträge
- zur Baseler Buchdruckergeschichte. Basel 1846.
-
-Bekannt ist ebenfalls □Johannes Bergmann von Olpe□ (1494-1499),
-namentlich durch die mit 114 merkwürdigen Holzschnitten geschmückte
-Ausgabe von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Die erste Auflage dieses
-oft gedruckten und nachgedruckten Buches erschien 1494.
-
- Joh. Ammerbach.
-
-Der berühmteste unter den ältern Buchdruckern Basels war □Johannes
-Ammerbach□ aus Reutlingen (geb. 1434). Seine Liebe zu den
-Wissenschaften führte ihn nach Paris, wo er sich dem Rektor Joh.
-v. Stein anschloss. Dies mag wohl den Anstoss gegeben haben, dass
-Ammerbach sich der Buchdruckerei widmete. Als _Magister artium_ kehrte
-er nach Deutschland zurück, arbeitete eine zeitlang als Korrektor
-bei Anton Koberger. Zwischen 1475 und 1480 eröffnete er seine
-Offizin in Basel und liess sich namentlich sorgfältige Ausgaben der
-hauptsächlichsten Kirchenväter angelegen sein. Er war der erste Baseler
-Buchdrucker, der sich der Antiqua bediente. Unterstützt wurde er in
-seinen Unternehmungen von seinen gelehrten Freunden Aug. Dodo, Conr.
-Pellicanus, Beat. Rhenanus und Joh. v. Stein, der von Paris nach Basel
-gezogen war.
-
-Den Grund, weshalb die Druckkunst in Basel so schnell Wurzel fasste,
-muss man namentlich in seiner 1460 gegründeten, frisch aufblühenden
-Universität suchen. Mitgewirkt hat vielleicht auch der Umstand, dass
-die Papierfabrikation dort in grossem Flor stand. Bereits 1440 besass
-Hans Halbysen dort eine Papiermühle. Einen besonderen Aufschwung
-erhielt die Fabrikation durch die Brüder Antonius und Michael, die
-Gallicianen, welche um 1470 aus Spanien eingewandert waren.
-
- Ulm und seine
- Kunstschule.
-
- L. Hohenwang.
-
-ULM[10] war, nächst Augsburg, in der ersten Hälfte des □xv.□
-Jahrhunderts die wichtigste Stadt Schwabens und zählte über 50000
-Einwohner. Es war nicht allein durch seinen Handel reich, sondern
-zeichnete sich auch durch die Pflege der Poesie und der bildenden
-Künste aus. Baukunst, Holzbildnerei, Malerei, Formenschneiderei
-blühten dort und die Häupter der Schwäbischen Schule Martin Schön,
-Bartholomäus Zeitblom und Martin Schaffner hatten einen grossen Ruf.
-Neben Anfertigung von Heiligenbildern war das Kartenmachen sehr in
-Schwung und grosse Massen dieser Erzeugnisse gingen nach Italien.
-Es war deshalb natürlich, dass die Buchdruckerei dort schnell Fuss
-fasste. Nächst Augsburg hat Ulm die meisten Wiegendrucke aufzuweisen,
-nämlich 136, unter denen 86 datierte. □Ludwig Hohenwang□ aus Elchingen
-war einer der ersten Ausüber der Kunst. Er war selbst Zeichner,
-Formenschneider, Schriftsteller und Drucker, der mit Holztafeldruck
-anfing. Vier Ausgaben der _ars moriendi_ sollen aus seinen Pressen
-hervorgegangen sein. Seine keineswegs vorzügliche Type ähnelt der
-römischen und seine Bücher zeichnen sich unvorteilhaft durch die
-Masse der Abbreviaturen aus, mitunter über 300 auf einer 32zeiligen
-Seite. Wahrscheinlich spielte Schriftmangel dabei eine Rolle, denn man
-findet, wie öfters in alten Drucken, kleine Buchstaben für grosse, oder
-einander ähnliche Buchstaben als Ersatz für einander verwendet, z. B.
-ein K für ein R.
-
- [10] Dr. □K. D. Hassler□, Die Buchdrucker-Geschichte Ulms.
- Ulm 1840. -- □G. W. Zapf□, Älteste Buchdruckergeschichte
- Schwabens. Ulm 1791.
-
- Joh. Zainer.
-
-Scheint es demnach nach neueren Untersuchungen, als müsse □Johannes
-Zainer□ dem Genannten den Ehrenplatz als „erster“ Buchdrucker
-einräumen, so ist letzterem wenigstens der Ruhm als Ulms bedeutendsten
-Druckers und als eines der hervorragendsten in Deutschland gesichert.
-Durch einen langen Zeitraum, von dem Anfange der siebenziger Jahre des
-□xv.□ bis zur Mitte der zwanziger Jahre des □xvi.□ Jahrh., lieferte er
-umfangreiche Druckwerke. Zwar hat man von ihm kein datiertes Werk älter
-als 1473 aufzuweisen, da er jedoch um diese Zeit mit einer Anzahl,
-zumteil Vorbereitungen aus langer Hand erfordernder Werke auftritt, so
-muss er jedenfalls früher als 1473 zu wirken angefangen haben, und die
-handschriftliche Notiz des Käufers eines von ihm gedruckten Buches:
-„_Albertus Magnus, de adherendo deo_“, dass es 1470 gekauft sei, dürfte
-auf Wahrheit beruhen. Wahrscheinlich gebührt ihm, nicht Günther Zainer
-in Augsburg, der Ruhm, die Antiqua zuerst in Deutschland eingeführt zu
-haben. Ob er ein Bruder des Augsburger Zainer gewesen ist, weiss man
-zwar nicht, beide stammen jedoch aus Reutlingen. Überhaupt kennt man
-von seinem Privatleben wenig mehr, als dass es eine Kette von Sorgen
-war.
-
- Leonh. Holl.
-
-□Leonhard Holl□, Ulms dritter Buchdrucker, besass eine
-Spielkartenfabrik. Seine Waren gingen bis nach Konstantinopel. Er war
-der erste, der ein Werk mit in Holz geschnittenen Landkarten, worin
-zumteil Typen eingesetzt werden konnten, druckte. Es war dies: _Claudii
-Ptolomäi Alexandrini Cosmographia_ mit 32 Karten von Johann Schnitzer
-von Armsheim ausgeführt. Pekuniären Erfolg hatte Holl davon nicht;
-erst musste er das Werk versetzen, später verkaufen. Es kam darauf in
-die Hände eines Venetianers Justus de Albano, der durch seinen Faktor
-Johannes Reger eine neue Ausgabe druckte.
-
- Augsburg.
-
-AUGSBURGS[11] erster Buchdrucker □Günther Zainer□ (1468-1475) ist
-wahrscheinlich ein Schüler Fusts oder Schöffers gewesen. Bei ihm
-erschien um 1470 die erste Ausgabe von Thomas a Kempis' „Vier Bücher
-von der Nachfolge Christi“, ein Buch, welches nächst der Bibel am
-häufigsten aufgelegt worden ist. Eine grosse Anzahl deutscher Bücher
-druckte □Johann Bämler□ (1472-1492). □Anton Sorg□ (1475-1498) gab das
-erste Wappenbuch heraus, enthaltend die Wappen aller bei dem Konzil von
-Constanz anwesenden Herren. Einen hochberühmten Namen erwarb sich der
-Augsburger □Erhard Ratdolt□, ein fahrender Buchdrucker, dessen Namen
-mit der venetianischen Buchdruckergeschichte rühmlichst verknüpft ist.
-Am meisten glänzt □Hans Schönsperger der Ältere□ (1481-1523). Über
-diesen sowie über Ratdolt wird später ausführlicher zu sprechen sein.
-
- [11] □G. C. Mezger□, Augsburgs älteste Druckdenkmale. Augsburg
- 1840. -- □G. W. Zapf□, Augsburgs Buchdruckergeschichte. 2
- Teile. Augsburg 1786.
-
- Nürnberg.
-
- Antonius Ko-
- berger.
-
-Der Vater der Typographie NÜRNBERGS[12] ist □Johann Sensenschmid□
-(1473-1478), ein durch Gelehrsamkeit und Korrektheit seiner Druckwerke
-bekannter Buchdrucker, der 1478 nach Bamberg zog. Auch der berühmte
-Astronom □Joh. Regiomontanus□ (Joh. Müller aus Königsberg) errichtete
-in Nürnberg eine Druckerei und druckte deutsche und lateinische
-Kalender. Des grössten Namens als Buchdrucker und Buchhändler erfreute
-sich aber □Antonius Koberger□[13] (1473-1513). Er arbeitete mit 24
-Pressen und beschäftigte über 100 Gesellen. Man kennt 220 aus seinen
-Pressen hervorgegangene Werke, beinahe alle in Folio-Format von
-bedeutendem Umfange, von grosser Korrektheit und Eleganz. Allein 19
-Bibeln druckte er, darunter eine in deutscher Sprache mit gothischen
-Typen und mit denselben Holzschnitten ausgestattet, die bereits in Köln
-zu der niederdeutschen Bibel von 1480 verwendet waren.
-
- [12] □G. W. Panzer□, Älteste Buchdruckergeschichte Nürnbergs.
- Nürnberg 1789. -- □J. Baader□, Beiträge z. Kunstgesch.
- Nürnbergs. 2 Hefte. Nördlingen 1860-62.
-
- [13] □G. E. Waldau□, Leben A. Kobergers. Dresden 1786. -- □Dr.
- O. Hase□, Die Koburger. Leipzig 1869.
-
- Der Schatzbe-
- halter.
-
-Die Ausführung befriedigte jedoch Koberger nicht und gab ihm
-Veranlassung, Schritte zu thun, um künftig auf heimischem Boden
-stehen zu können. Wie rasch dies gelang, zeigt der 1491 erschienene
-„Schatzbehalter des Reichtums des ewigen Heils“. Die Holzschnitte
-sind zwar ungleich, je nach Fertigkeit der Holzschneider, aber die
-Zeichnungen, die unzweifelhaft Michel Wohlgemut angehören, sind
-durchweg mit Geschmack und künstlerischem Sinn ausgeführt, zugleich
-unter Innehaltung der Grenzen, welche die noch nicht vollendete Technik
-des Holzschnittes verlangte.
-
- Schedels
- Chronik.
-
-Das 1493 sowohl in einer deutschen, wie in einer lateinischen
-Ausgabe erschienene „Buch der Chroniken und Geschichten“ des Doktor
-Hartmann Schedel ist als illustriertes Werk eins der merkwürdigsten
-Presserzeugnisse des □xv.□ Jahrhunderts. Da ein Übereinkommen mit
-Wohlgemut und Wilh. Pleydenwurf über die Lieferung der mehr als 2000
-in dem Buch enthaltenen Illustrationen (von den zweimal und öfter
-vorkommenden abgesehen) erst 1491 getroffen wurde, so sieht man, dass
-über bedeutende sowohl xylographische wie typographische Kräfte verfügt
-wurde. Zum Schluss des Werkes werden die angesehenen Nürnberger Bürger
-Sebald Schreyer und Sebastian Kammermaister als um die Förderung des
-Werkes verdient erwähnt, ohne dass jedoch über die Art und Weise etwas
-verlautet, vielleicht haben sie als reiche Kunstkenner die Kosten der
-Illustrationen getragen.
-
-Bei dem Druck der „Reformation der Stadt Nürnberg“ (1475) wendete
-Koberger eine verschönerte halbgothische Schrift an, welche der
-nachherigen Fraktur sehr nahe stand und die später auch bei dem grossen
-Druckwerke „Leben der Heiligen“ (1488) benutzt wurde.
-
- Kobergers grosse
- Thätigkeit.
-
-Die Wirksamkeit Kobergers als Verleger war eine so grosse -- sein
-Katalog zählt allein 33 Bibeln auf --, dass die Kräfte der eigenen
-bedeutenden Offizin zur Herstellung aller Werke nicht zulangten und
-öfters andere Offizinen in Anspruch genommen werden mussten, namentlich
-die von Johannes Ammerbach in Basel. Aus Kobergers Briefwechsel[14] mit
-diesem zeigt sichs, wie umsichtig er für alles besorgt war, und mit
-Recht allgemein den Ruf eines ungemein fleissigen, ordnungsliebenden
-und pünktlichen Mannes genoss.
-
- [14] Als Vorläufer einer zweiten Auflage seines Buches über
- die Koberger, zugleich als Weihgeschenk zu dem 25jährigen
- Jubiläum des, um die Geschichte des Buchhandels
- hochverdienten Dr. Albr. Kirchhoff, liess Dr. Hase
- (einer der Chefs der Firma Breitkopf & Härtel) ein:
- _Brieffbuch der Koberger zw Nurmbergk_, Leipzig 1881
- (in 25 Expl.) erscheinen, das namentlich Briefe des
- Ant. Koberger an Joh. Ammerbach in Basel enthält. Diese
- Briefe erstrecken sich über die Jahre 1493-1509, werden
- aber von 1504 ab immer sparsamer und kürzer, der letzte
- und einzige Brief aus 1509, „dem Erbern weisen meyster
- Hanssen Froben zw bassell meinem Sundern gunstigen guten
- Freund“ geschrieben, schliesst, das Obengesagte von der
- Fürsorge Kobergers bestätigend: „Lieber meyster Hans jch
- bitt euch wollet gute Fass machen lassen Die starck vnd
- Dick von holcz sind wan es ist So grawsam wetter bey vnss
- von regen vnd von schne Das gleichen kein man gedenkt
- Jch hab euch gancz eyllet geschrieben Die furlewt seyn
- wegfertig“.
-
-Selbst bei dieser grossen Verlagsthätigkeit ruhte Koberger nicht. Er
-trieb zugleich einen ausgedehnten Sortimentshandel, hatte an mehreren
-Orten Filialen und Agenten, ja es scheint sogar, als habe er sich
-auch mit anderen als buchhändlerischen Geschäften befasst. Diese seine
-Thätigkeit brachte ihm Ansehen und goldene Früchte. Auch im häuslichen
-Leben war er gesegnet und hatte von seinen zwei Frauen mehr als zwanzig
-Kinder, von denen einige ebenfalls eine bedeutende geschäftliche
-Wirksamkeit entfalteten. Er starb im J. 1513.
-
- Bamberg.
- Albr. Pfister.
-
-In BAMBERG[15] wirkte □Albrecht Pfister□ (geb. um 1420; gest. um 1470),
-von vielen für einen selbständigen Erfinder der Buchdruckerkunst
-und den Drucker der 36zeiligen Bibel gehalten. Als Beweis wird
-die Identität der Typen dieses Werkes mit denen des Bonerschen
-„Fabelbuches“ (1461), der „vier Historien“ (1462), sowie des „Belial“,
-welche Pfisters Namen tragen, angeführt. Dagegen spricht entschieden
-die typographisch sehr niedrig stehende Ausführung sämtlicher
-Druckwerke Pfisters. Wer die 36zeilige Bibel gedruckt hat, wird
-schwerlich als Künstler so tief sinken. Die Typen kann Pfister ja recht
-wohl von Gutenberg erworben haben.
-
- [15] □Placidius Sprenger□, Älteste Buchdruckergeschichte von
- Bamberg. Nürnberg 1800. -- □H. I. Jæck□, Jubelschrift
- 1840. Erlangen 1840. Vergl. auch Kap. II, S. 29.
-
-Das Bonersche Fabelbuch (1461) enthält 88 sehr geringe Holzschnitte
-und wurde früher für das erste deutsche illustrierte Buch[16]
-gehalten. Die Priorität muss jedoch den: „Sieben Freuden Mariä“
-und der „Leidensgeschichte Jesu“ (1450-1460) eingeräumt werden, die
-in künstlerischer Beziehung über dem Fabelbuch stehen. Ob letztere
-beiden Erzeugnisse der Pfisterschen Presse angehören, lässt sich nicht
-ermitteln. Unter diesen bleiben noch zu erwähnen: eine „Armenbibel“
-deutsch (wahrscheinlich 1462), sowie dasselbe Werk lateinisch.
-Es enthält 17 Blätter in Folio mit 170 Holzschnitten. Mutmasslich
-hat Pfister keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg gehabt, denn
-in neunzehn Jahren, bis 1481, ist kein aus Bamberger Pressen
-hervorgegangenes Werk bekannt.
-
- [16] Es ist hiervon nur ein Exemplar, in Wolfenbüttel
- befindlich, bekannt.
-
- Johann Sensen-
- schmid.
-
-Der von Nürnberg nach Bamberg übergesiedelte □Johann Sensenschmid□
-(1482-1490) lieferte ein prachtvolles _Missale ordinis S. Benedicti_
-und später im Verein mit □Heinrich Petzensteiner□ (bis 1491) das
-_Missale ecclesiæ Ratisponensis_, welches so grossen Beifall fand, dass
-der Drucker desselben mit vielen ähnlichen Aufträgen beehrt wurde.
-
- Wien.
-
-In WIEN[17] stand die 1365 begründete Universität in voller Blüte und
-der Kaiser Friedrich □iii.□ war der Buchdruckerkunst wohl gewogen.
-Er hatte, wie erwähnt, Joh. Mentel in den Adelstand erhoben und die
-Kunst durch ihre und ihrer Verwandten Aufnahme in seinen und des
-Reiches Schutz und durch Verleihung eines Wappens[18] geehrt. Zu
-verwundern bleibt es umsomehr, dass erst 1482 in Wien gedruckt wurde.
-Allerdings waren die Zeiten nicht gerade die günstigsten. Im Jahre 1481
-führte Matthias Corvinus von Ungarn zum drittenmale seine Heere nach
-Österreich; 1482 brach die Pest in Wien aus; 1485 zog Matth. Corvinus
-siegreich dort ein und behauptete seine Herrschaft bis 1490.
-
- [17] □M. Denis□, Wiens Buchdr.-Gesch. bis 1560. Wien 1782.
- -- □Die österr. Buchdrucker-Zeitung□ 1873, Nr. 9 u. flg.
- enthalten sehr detaillierte „Beiträge zur Geschichte der
- Buchdruckerei in Wien“ bis auf die neueste Zeit.
-
- [18] Das Buchdruckerwappen ist ein schwarzer Adler auf
- goldenem Schild, in der rechten Klaue einen Winkelhaken,
- in der linken ein Tenakel haltend; den Helmschmuck
- bildet ein Greif in halbem Körper, zwei Druckerballen
- an einander drückend. Merkwürdigerweise herrscht
- Zweifel, ob der ursprüngliche Adler der zweiköpfige
- Reichsadler gewesen oder ein einköpfiger. □E. Bekkers□
- Eintreten für den ersteren (in seiner Broschüre „Das
- Buchdruckerwappen“. Darmstadt 1837) stützt sich auf
- nur schwache Argumente. Von den von ihm angezogenen
- Quellen liegt keine weiter zurück als im Jahre 1730. Ein
- Frankfurter Messkatalog, also eine offiziöse Erscheinung,
- aus d. J. 1662 trägt auf dem Titel den einköpfigen Adler,
- ob es mit älteren der Fall ist, ist uns unbekannt. Auch
- □Ernestis□ „Wohleingerichtete Buchdruckerei“, 1721,
- bildet den Adler einköpfig ab. Der Greif soll erst später
- durch Kaiser Ferdinand □i.□ dem Wappen hinzugefügt worden
- sein.
-
-Aus dem Jahre 1482 stammen die ersten unbedeutenden Druckerzeugnisse
-Wiens ohne Namen und Datum. Bis zum Jahre 1492 zeigt sich keine
-weitere Spur vom Druck und erst von da ab kann man eigentlich von einer
-Buchdruckerkunst in Wien reden.
-
- J. Winterburger.
-
-In dem zuletzt genannten Jahre druckte □Joh. Winterburger□, aus
-Winterburg bei Kreuznach, A. Flacci: _Persij Satire_. Weder dieser
-Druck, noch die 1492 gedruckte Leichenrede Bernh. Pergers auf den
-Kaiser Friedrich □iii.□ trägt die Firma Winterburgers und nur die Typen
-gestatten den Schluss, dass sie von ihm ausgeführt wurden. Da seine
-Druckerei damals eine sehr gut eingerichtete war, so ist es nicht
-unmöglich, dass sie schon 1482 bestand und dass die Drucksachen aus
-jener Zeit von ihm stammen, doch sind keine Beweise dafür vorhanden,
-und die lange Pause wäre nicht ganz leicht zu erklären. Erst 1493 kommt
-sein Name vor, zum erstenmale auf dem Ceremoniell zu dem „begencknus
-Kaiserlicher Maistat“, Friedrich □iii.□ Kaiser Maximilian begünstigte
-Winterburger sehr und verlieh ihm die Führung des kaiserlichen
-Adlers[19]. Er verdiente aber auch jede Aufmunterung, denn er druckte
-kostbare Werke und förderte die Arbeiten nicht allein der Wiener
-Gelehrten. Er starb im hohen Alter (1519), in demselben Jahre wie sein
-Gönner, der Kaiser.
-
- [19] Auch hierin dürfte ein Beweis gegen den zweiköpfigen
- Adler im Buchdruckerwappen liegen; denn, dürfte jeder
- Buchdrucker diesen führen, so lag ja darin keine
- Bevorzugung Winterburgers.
-
- Köln.
- Ulrich Zell.
-
-In den West- und Nordmarken des Deutschen Reiches ist es ganz besonders
-KÖLN, das in den ersten Zeiten der Kunst die Aufmerksamkeit auf sich
-zieht. Seine Lage machte es zum Mittelpunkte der Verbreitung des
-Buchdrucks im Norden Deutschlands und überhaupt Europas, und von
-dort gehen auch viele der typographischen Verbesserungen aus, z.
-B. die Anwendung der Signaturen, der Pagination, des eigentlichen
-Buchtitels und der Kolumnentitel, der kleinern Schriften und Formate.
-Viele der Buchdrucker, die mit Ruhm anderswo arbeiteten, erhielten
-ihre typographische Bildung in Köln. Schon im frühesten Mittelalter
-war es ein Sitz der Wissenschaft und der Kunst, und seine 1388
-gegründete Universität bildete einen Hauptsitz der Theologie und der
-Philosophie. □Ulrich Zell□, ein berühmter Schönschreiber, Illuminator,
-Rubrikator und Schüler der Mainzer Offizin, war der erste Drucker
-Kölns. Seine frühesten Werke sind Chrysostomus: _Super psalmo
-quinquagesimo_ und die _Bulla retractionum Pii II._, datiert Rom 16.
-März 1463. Von seinen vielen Meisterwerken verdient die lateinische
-Bibel in zwei Grossfolio-Bänden (wahrscheinlich aus dem Jahre 1470),
-besonders erwähnt zu werden. Die erste niederdeutsche Bibel, eins der
-berühmtesten und wertvollsten Erzeugnisse der Kölner Presse, gehört
-ohne Zweifel dem □Nikolaus Götz□ (1474-1478). Sein Geschäftsnachfolger
-war □Heinrich Quentell□ (1479-1500), der berühmteste Typograph Kölns
-und Stammvater einer hochangesehenen typographischen Familie.
-
- Heinr. Quentell.
-
-Solange die geistreichen Kombinationen Maddens nicht durch
-unwiderlegliche Thatsachen unterstützt werden, kann die von ihm
-angenommene grosse Druckanstalt und typographische Ausbildungsschule
-der _fratres vitæ communis_ in Köln nicht der Geschichte eingereiht
-werden[20].
-
- [20] Vergl. die eingangs erwähnten: □Madden□, _Lettres d'un
- bibliographe_, zugleich IV. Kap. S. 68.
-
- Münster.
-
-Auf die erwähnte energische und werkthätige Korporation dürfte die
-erste Presse MÜNSTERS[21] zurückzuführen sein. Die Brüderhäuser in Köln
-und Rostock standen mit denen zu Münster in naher Beziehung und die
-ersten Pressen hier empfingen ihre Hauptnahrung von dem Humanismus.
-Der Name des ersten Druckers ist □Johannes Limburgus, Aquensis□ (von
-Aachen), und der erste Druck: _Kodri Kerkmeister, Comedia_ (1485). Mit
-dem nächsten Jahre verschwindet aber die Presse Münsters und taucht
-erst zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. wieder auf. Bei der dort herrschenden
-Gelehrsamkeit und Geistesthätigkeit bleibt nur die Vermutung übrig,
-dass die mit Münster eng verknüpften Städte Köln und Deventer,
-namentlich die letztere, dort Filiale errichtet haben; nur so lässt
-sich die grosse Druckthätigkeit Deventers erklären.
-
- [21] □J. B. Nordhoff□, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterschen
- Humanismus. Münster 1874.
-
-Die grösste Bedeutung als Drucker in Münster hat der bekannte Humanist
-□Theodorik Tzwyvel□. Von seinen vielen Druckwerken sind jedoch
-verhältnismässig nur wenige übrig geblieben und die Wiedertäufer,
-die seine Druckerei plünderten, haben gründlichst für die Zerstörung
-gesorgt.
-
- Lübeck und
- Hamburg.
-
-In LÜBECK[22], welches eine tüchtige Pflanzschule für den Norden wurde,
-erschien 1498 die erste niederdeutsche Ausgabe des „Reineke de Voss“,
-von der das einzige bekannte Exemplar in Wolfenbüttel aufbewahrt wird.
-In HAMBURG[23] druckten 1491 die Brüder □Hans□ und □Thomas Borchardus□.
-Aus dem □xv.□ Jahrh. ist nur ein einziger Hamburger Druck bekannt:
-_Laudes beate Marie virginis_. Das Buch ist zwar sauber ausgeführt doch
-in seiner ganzen Ausstattung sehr einfach ja fast dürftig gehalten.
-Überhaupt scheinen die ersten dortigen Drucker auf keiner hohen Stufe
-gestanden und nicht mit besonderem Glück gearbeitet zu haben.
-
- [22] □J. H. v. Seelen□, Nachricht über die Bchdkst. Lübeck
- 1740. -- □Deecke□, Einige Nachrichten etc. Lübeck 1834.
-
- [23] □J. M. Lappenberg□, Gesch. d. Bchdkst. in Hamburg. 1840.
-
- Magdeburg.
-
-Ein überaus reges geistiges Leben entfaltete die reiche Stadt
-MAGDEBURG[24], wohin die neue Kunst durch □Albert Ravenstein□ und
-□Joachim Westfal□, zwei Brüder des gemeinsamen Lebens, gebracht wurde.
-Sie lieferten 1483 und 1484 mehrere kleinere Schriften, dann aber auch
-ein grösseres, auf Laien berechnetes niederdeutsches Evangelienbuch
-in Folio. Westfal, der aus Stendal stammte, zog 1486 oder 1487 mit der
-Offizin nach dort; von Ravenstein hört man nichts weiter.
-
- [24] □L. Götze□, Ältere Gesch. d. Bchdkst. in Magdeburg.
- Magdeburg 1872. Hierzu ein Supplement.
-
-Eine staunenswerte Thätigkeit entfaltete □Moritz Brandis□, der von dem
-damals im Erzstift regierenden kunstsinnigen Erzbischof, Ernst, Prinz
-von Sachsen, aus Leipzig berufen wurde. Seine Offizin war mit zwölf
-Typengattungen und mit mindestens 9 Suiten von Initialen ausgestattet.
-Sein Meisterdruck ist die erste Ausgabe eines _Missale_ in Folio; die
-zweite Stelle gebührt dem Halberstädter _Breviarium_ in 8° von 1495.
-
- Die Xylographie
- in Magdeburg.
-
-Besondere Beachtung verdient die Magdeburger Xylographie. Schon
-die ersten Drucke von dort zeigen Holzschnitte. Moritz Brandis
-lieferte 1492 einen Folianten mit vierzig, 1494 einen anderen mit elf
-Holzschnitten. Die meisten der, während eines Zeitraumes von siebzehn
-Jahren erschienenen Holzschnitte zeigen eine solche künstlerische
-Verwandtschaft, dass man auf die Abstammung von einem und demselben
-Künstler oder von einer und derselben Kunstanstalt schliessen muss.
-Dies wird noch bestätigt durch einen, im Kloster Zinna, dem einzigen
-Ort der Mark Brandenburg, ausser Stendal, der im □xv.□ Jahrhundert
-eine Presse hatte, gedruckten „Marienpsalter“, ein für damalige Zeit
-seltenes Prachtwerk, das auf 116 Blatt in Quart nicht weniger als 189
-vortreffliche Holzschnitte enthält[25].
-
- [25] Ein gut erhaltenes Exemplar besitzt die Stadtbibliothek
- in Thorn.
-
- Leipzig.
- Andr. Friesner.
-
-LEIPZIG[26], das später eine so wichtige Rolle in der Geschichte
-der Typographie spielen sollte, erhielt eine Druckerei erst zu einer
-Zeit, als manche andere Städte schon Bedeutendes geleistet hatten; ja
-es war nicht einmal die erste Stadt Sachsens, die die Kunst in ihren
-Mauern aufnahm, denn es giebt bereits Bücher aus dem Jahre 1473 mit
-dem Druckorte MERRSBORG[27]. Trotzdem ist die Einführungsgeschichte in
-Nebel gehüllt. Thatsache ist nur, dass □Andreas Friesner□, Sohn eines
-Ratsherrn in Wunsiedel, ein gelehrter Mann, der mit Sensenschmid in
-Nürnberg zusammen gewirkt hatte und 1479 nach Leipzig als Professor
-der Theologie berufen wurde, eine Buchdruckerei mit sich brachte. Ob
-er jedoch selbst gedruckt hat, oder ob er vielleicht seine Offizin
-einem der, als die frühesten bekannten, Buchdrucker Leipzigs übergeben
-hat, lässt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1482 bekleidete Friesner die
-Stelle eines Rektors der Universität Leipzig. Er starb in Rom im Jahre
-1504 und vermachte seine Presse dem Leipziger Predigerkonvent[28].
-
- [26] □J. H. Leich□, _De orig. typogr._ Lipsiensis 1740. -- □J.
- J. Müller□, _Incunabula typogr. Lips._ Leipzig 1720.
-
- [27] Die Behauptung, dass dies nicht Merseburg sei, sondern
- Mörsburg am Bodensee, hat sich längst als unbegründet
- erwiesen.
-
- [28] □Dr. G. Wustmann□ in seiner Schrift: „Die Anfänge des
- Leipziger Bücherwesens“, 1879, hält dafür, dass die Kunst
- schon ~vor~ Friesner geübt wurde.
-
- Erster datierter
- Druck.
-
-Ein datierter Druck ist erst aus dem Jahre 1481 bekannt, er trägt
-jedoch keine Druckerfirma. Es ist ein sehr sauber auf gutes Papier
-gedrucktes Bändchen in klein Quart, so frisch aussehend, als wäre
-es erst vor einem Jahrzehnt aus der Presse gekommen. Es führt den
-Titel: _Johāis viterbiēsis: Glosa sup. Apocalipsim_ und das Impressum:
-_Lipczk MCCCC LXXXI in pfesto michahelis_. Der Schnitt der, namentlich
-durch ihre absonderlich geformten Initialen sich auszeichnenden
-halbgothischen Type ist derselbe, mit welchem das erste mit Namen des
-Druckers versehene Buch Leipzigs gedruckt wurde: _Albici tractatulus
-de regimine hominis_, welches von □Marcus Brandis□ (1487) herrührt.
-Nicht weniger gut ist ein _Benedictionale_ des Marcus Brandis aus
-dem Jahre 1487. Die Notensysteme sind rot eingedruckt, aber behufs
-handschriftlicher Einzeichnung der Noten leer gelassen. Für mit Marcus
-Brandis identisch wurde früher □Moritz Brandis□ (1488-1498) gehalten,
-der, wie erwähnt, später nach Magdeburg zog.
-
- K. Kachelofen.
-
-□Konrad Kachelofen□, der langezeit für Leipzigs ersten Buchdrucker
-angesehen wurde, entwickelte eine grosse Thätigkeit von 1489 ab, in
-welchem Jahre er Joh. Widmanns von Eger: „Behende vnd hübsche Rechenung
-auf allen Kaufmannschaft“ druckte, ein Lehrbuch der elementaren
-Mathematik, in welchem auch einfache Holzschnitte vorkommen. Eine
-ausgezeichnete Leistung ist das im Jahre 1495 gedruckte Meissner
-_Missale_. 1495 zog Kachelofen, der in Leipzig herrschenden Pest wegen,
-nach Freiberg; die Leipziger Stadtbibliothek besitzt jedoch einen
-„Leipzig 1513“ datierten Druck von ihm.
-
-Vor dem Schluss des □xv.□ Jahrhunderts konnte Leipzig über 150 datierte
-Drucke aufweisen, abgesehen von den vielen undatierten.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-IV. KAPITEL.
-
-DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE.
-
- □Italien□: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand. Florenz.
- □Spanien und Portugal. Frankreich□: Paris. Lyon. □Die Niederlande□:
- Die _Histoires_. Colard Mansion. □England□: William Caxton.
- □Skandinavien□: Dänemark. Schweden. □Die slawischen Länder. Ungarn.
- Die Türkei.□
-
-
- Die Verdienste
- der Italiener.
-
-VOR allen fremden Ländern gebührt ITALIEN der hohe Ruhm, die
-Buchdruckerkunst zuerst aufgenommen, sie wesentlich verbessert,
-vervollkommnet und in edelster Weise verwendet zu haben, und mit diesem
-Ruhm, den man den Italienern in vollstem Masse zollen muss, könnten sie
-wohl zufrieden sein. Wenn sie jedoch noch im Jahre 1868 soweit gingen,
-ihrem Landsmann Pamphilo Castaldi als dem Erfinder der Buchdruckerkunst
-in seinem Geburtsorte Feltre ein Denkmal zu errichten, so verfielen
-sie aus missverstandenem Patriotismus in einen Irrtum, zu dessen
-Entschuldigung sich noch bei weitem weniger sagen lässt, als für die
-Ansprüche der Holländer.
-
-Wie für die klassischen und bildenden Künste war Italien auch für die
-Poesie das gelobte Land und hatte bereits seinen Dante, Boccaccio
-und Petrarca hervorgebracht. Es waren namentlich die Höfe der
-Mediceer in Florenz und der Herzöge von Este in Ferrara, welche die
-Mittelpunkte der Kultur bildeten, an welchen die genannten grossen
-Sterne und noch manche zweiten Ranges glänzten. Die nach der Eroberung
-von Konstantinopel (1453) nach Italien geflüchteten Gelehrten
-nährten noch mehr den Sinn für die klassische Litteratur und fanden
-Unterstützung bei den aufgeklärten Fürsten, welche Pflanzschulen
-für die Wissenschaften und Bibliotheken gründeten und die Werke der
-griechischen Klassiker übersetzen liessen.
-
-So war in Italien wie in keinem andern Lande der Boden für die
-neue Kunst geebnet. Bereits im Jahre 1480 hatten vierzig Städte
-Buchdruckereien, zumteil hervorragender Art, die namentlich mit der
-Herausgabe der Klassiker beschäftigt waren, während in dem Mutterlande
-der Typographie noch immer Gebetbücher und trockene Kompendien die
-hauptsächlichsten Druck-Erzeugnisse bildeten.
-
- Conrad Sweyn-
- heim und
- Arnold Pannartz.
-
-□Conrad Sweynheim□ und □Arnold Pannartz□, wahrscheinlich zwei der
-überall hin verstreuten Schüler Gutenbergs, gründeten die erste
-Druckerei Italiens in dem Kloster SUBIACO. Das Städtchen Subiaco mit
-dem berühmten Stammkloster der Benediktiner liegt in unwirtlichster
-Berggegend 14 Stunden von Rom. Entfernt von der Stadt auf den höchsten
-nackten Felsen ragt das nur mit grossen Schwierigkeiten zu ersteigende
-Kloster. Der Kommandaturabt desselben, der Kardinal Johannes a
-Turrecremata, ein eifriger Bewunderer der Buchdruckerkunst, veranlasste
-durch einige Mönche deutscher Nation die Einberufung Conrads aus
-Schweinheim, bei Mainz, und Arnold Pannartz' aus Prag. Sie kamen 1464
-an. Zuerst entstand ein Donatus, dann des Lactantius _De divinis
-institutionibus_ (1465), des heiligen Augustinus _De civitate dei_
-(1467), und wahrscheinlich auch 1465 Ciceros _De oratore_[1].
-
- [1] Nach □Charles Fumagalli□: _Dei primi libri a stampa in
- Italia_. Lugano 1875 soll _Cicero_ vor dem _Lactantius_
- von Sweynheim und Pannartz gedruckt sein. -- □Ed.
- Frommann□: Aufsätze zur Gesch. d. Buchhandels. 2. Heft.
- Jena 1881.
-
- Die römische
- Schrift.
-
-Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift
-gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten
-der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der
-herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach.
-Als die Gothen im □v.□ Jahrh. sich zu Herren Italiens machten,
-fingen die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte
-Gestalt anzunehmen; die eigentliche kleinere runde Kurrentschrift kam
-jedoch erst im □viii.□ Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass
-Sweynheim und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem
-zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich
-die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches
-Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen
-Augustinus _De civitate dei_, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem
-Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die
-griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren
-Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die
-Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros _De officiis_ waren
-Holzschnitte.
-
-Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen,
-schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher
-gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis
-von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert
-wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet
-man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten
-des □viii.□ u. □ix.□ Jahrh. vorkommt.
-
- Pannartz und
- Sweynheims
- Unglück.
-
-In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz
-eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die
-sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen
-hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein _Livius_
-(1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt
-wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des
-grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager
-von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie
-den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten,
-waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der
-Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des
-Papstes Sixtus □iv.□ Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte
-deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass
-die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den
-populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen
-genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim
-scheint sich nach der Trennung hauptsächlich mit Schriftschneiderei
-beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten
-für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um
-damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die
-Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten
-von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473
-nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer
-gestorben zu sein scheinen.
-
-Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war □Ulrich Han□
-(Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han
-druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in
-Italien, Torquemadas _Meditationes_ (1467).
-
- Venedig.
-
-Nach VENEDIG kam die Buchdruckerei erst 1469, überflügelte jedoch
-in dem mächtigen Stapelplatz des Handels, wo zugleich Wissenschaft
-und Kunst blühten, bald die aller anderen Städte Italiens. Auch hier
-traten Deutsche als die ersten Buchdrucker auf. □Johann von Speyer□
-(_Johannes de Spira_) druckte 1469 als erstes, zugleich als Musterwerk,
-Ciceros Briefe. Sehr geschätzt ist auch sein Plinius, von dem ein
-Exemplar 1781 in Paris für ungefähr 4500 Mk. verkauft wurde. Seine
-Type nähert sich der Antiqua; in der Interpunktion wendet er Punktum,
-Kolon und Fragezeichen an. In einer Ausgabe des Tacitus, die jedoch
-möglicherweise von seinem Nachfolger herrührt, kommen arabische Zahlen
-als Pagination vor. Seine Verdienste wurden von dem Dogen, Pasquale
-Malipiero, so hoch geschätzt, dass man ihm das Privilegium als
-alleinigem Drucker auf venetianischem Territorium erteilte. Von diesem
-Privilegium, das glücklicherweise für die Verbreitung der Kunst nur ein
-persönliches war, sollte er jedoch keinen Nutzen ziehen, indem er 1470
-starb. Sein Bruder □Johann Wendelin□ von Speyer setzte das Geschäft
-fort und druckte viele elegante Klassikerausgaben; auch die erste
-italienische Bibel. Er verband sich mit □Johann□ von Köln (1471-1487),
-der sich wieder später mit Nikolaus Jenson vereinigte.
-
- Nik. Jenson.
-
- Die lateinische
- Schrift.
-
-Nach dem Erscheinen der Gutenbergschen Bibel war die Kunst in Paris
-nicht unbeachtet geblieben. Auf direkte Veranlassung des Königs Karl
-VII. erging am 3. Okt. 1458 eine Ordre an die königlichen Münzmeister,
-einen erfahrenen Mann nach Mainz zu senden, der die neue Kunst erlernen
-sollte. Die Wahl fiel auf □Nikolaus Jenson□, einen geschickten Graveur,
-dem es auch wirklich gelang, die Kunst sich zu eigen zu machen. Er
-kehrte jedoch nicht nach Paris zurück, sondern ging nach Venedig, wo
-er als einer der berühmtesten Buchdrucker von 1470-1481 wirkte. Er
-erkannte sofort die grosse Verwendbarkeit der Römischen Schrift, dabei
-jedoch auch die Mängel der vorhandenen Muster. Letztern half er ab,
-gab der Schrift noch mehr Rundung und brachte die schöne „lateinische
-Schrift“ zustande, die schnell zur allgemeinen Geltung kam und noch
-in solcher steht und stehen bleiben wird. Jensons Schrift wurde
-erst die venetianische genannt; in den italienischen Schriftproben
-heisst sie _lettera antiqua tonda_. Die Italiener behielten den Namen
-_Antico_. Deutschland und das nördliche Europa benannten sie _Antiqua_,
-Frankreich und Holland _Romain_ (auch _droit_) _Romeyn_, England
-_Roman_.
-
-Um dem Geschmack der Zeit Rechnung zu tragen, schnitt Jenson jedoch
-auch gothische Schriften, die sich ebenfalls durch ihre Schönheit
-auszeichnen. Auch eine griechische Schrift, jedoch ohne Versalien,
-rührt von ihm her. Seine Werke sind alle typographische Meisterstücke.
-Er starb reich und angesehen im Sept. 1481; selbst der Papst ehrte ihn
-und verlieh ihm den Titel eines Pfalzgrafen.
-
- Erhard Ratdolt.
-
-Unter den deutschen Buchdruckern in Venedig gehört in die erste Reihe
-□Erhard Ratdolt□ (1476-1486), der bereits oben unter den Augsburger
-Buchdruckern genannt wurde; sein „Euklid“ (1482) in gothischer Schrift
-und reich ornamentiert, gilt als ein Meisterwerk ersten Ranges und
-verschaffte ihm nach vielen Seiten den ehrenvollsten Ruf. Dieses
-Werk ist das erste mit mathematischen Figuren ausgestattete. In den
-Prachtexemplaren davon kommt auch zum erstenmale Golddruck vor. Seinen
-Kunstsinn zeigte Ratdolt besonders durch Anwendung schön verzierter
-Initialen, die unter dem Namen _litteræ florentes_ bekannt sind, und
-durch seine sehr fein in Holzschnitt ausgeführten Randverzierungen.
-Er war zugleich der erste, der Titelblätter in modernem Sinn allgemein
-aufnahm. Auch musikalische Werke mit beweglichen Typen führte er aus.
-Im Jahre 1486 folgte er dem Rufe des Bischofs Johann von Werdenberg
-und kehrte nach Augsburg zurück, wo er nur bis 1516 wirkte, wenigstens
-finden sich nach dieser Zeit keine Spuren einer geschäftlichen
-Thätigkeit.
-
- Christoph Val-
- darfer.
-
-Noch ist □Christoph Valdarfer□, der später nach Mailand übersiedelte,
-zu nennen. In Venedig druckte er noch das _Decamerone_ des Boccaccio,
-von welchem ein Exemplar im Jahre 1812 nach dem Tode des Herzogs von
-Roxburgh für 2260 £ Sterl. (über 45000 Mk.) verkauft wurde, die höchste
-Summe, die je für ein Buch gezahlt wurde.
-
- Aldus Pius
- Manutius.
-
-Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern
-erster Grösse in Venedig auf: □Aldus Pius Manutius□, dessen Glanz die
-nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf
-einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das
-Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf
-nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden,
-so macht dies gegen zwei Millionen Bände.
-
- Joh. Numeister.
-
-Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer
-typographischen Rolle gekommen. □Johann Numeister□, ein Schüler
-Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach
-Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis,
-veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im
-Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes _Divina commedia_.
-Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine
-gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche.
-
- Mailand.
-
- Florenz.
-
- Bern. Cennini.
-
-MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene.
-Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint
-jedoch unzweifelhaft, dass sie durch □Philippus de Lavagna□ (1469)
-geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, □Bernardo Cennini□, der mit
-an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass
-Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein
-sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging
-nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen,
-was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder
-zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen
-Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, ein
-von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat[2]. Es dauerte
-aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz kamen,
-darunter □Nikolas von Breslau□, der 1477 Bellinis _Monte Sancto di
-Dio_ druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, da
-Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist
-seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie _Giunta_
-gehört der folgenden Periode an.
-
- [2] □F. Fantozzi□, _Notizie di B. Cennini_. Florenz 1839.
-
- Genua und an-
- dere Städte.
-
-Nach GENUA kam als erster Drucker □Matthias Moravus□ („aus Olmütz“,
-1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und
-Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte □Abraham Colorito□ 1488
-eine schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen.
-Die erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472
-angelegt. In FANO druckte 1514 □Gregor Gregorio□ das erste arabische
-Buch.
-
-Fünf Jahre nach der Ankunft Sweynheims und Pannartz' in Subiaco war die
-Kunst überall in Italien und zwar fast nur durch Deutsche eingeführt.
-
- * * * * *
-
- Spanien.
-
-SPANIEN[3]. Obwohl die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften in
-Spanien hoch in Ehren gehalten wurden, so fand die Einführung der
-Buchdruckerkunst doch verhältnismässig spät statt. Sie geschah dort,
-wie fast überall, durch Deutsche, die Lehrlinge unter den Eingeborenen
-ausbildeten, bis diese nach und nach die Plätze der Lehrmeister
-einnahmen.
-
- Valencia.
-
-Trotz aller inneren Kriege und der Strenge der geistlichen Zensur muss
-die Buchdruckerkunst doch manche Aufmunterung seitens hochgestellter
-und wissenschaftlich gebildeter Männer gefunden haben. Früher wurde
-allgemein die _Historia Hispanica_ des Roderic Sanctius de Arevalo,
-Erzbischofs von Valencia, als das erste in Spanien gedruckte Werk
-betrachtet; es stammt jedoch aus den Pressen von Ulrich Han in Rom.
-Nachdem im J. 1470 VALENCIA eine Universität erhalten hatte, liess
-die Druckkunst nicht lange auf sich warten. Das älteste dort gedruckte
-Buch ist mutmasslich die, 1474 erschienene Sammlung von 36 Gedichten
-zur Ehre der heiligen Jungfrau; 1475 folgten ein Sallust und ein
-_Dictionarium linguæ latinæ_ in fol.; sämtlich ohne Nennung des
-Druckers.
-
- [3] □Francesco Mendez□, _Tipografia española_. 2. Ed. Madrid
- 1861-66. -- □J. F. Nee de la Rochelle□, _Recherches
- historiques et critiques sur l'établiss. de l'art
- typographique en Espagne et en Portugal_. Paris 1830.
- -- □Vincent Salva□, _Catalogue of Spanish and Portuguese
- books_. 2 vols. London 1826-1829. -- Deutsche Buchdrucker
- des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Portugal (Augsb. Allgem.
- Zeit. 1878, Nr. 49).
-
- Lamb. Palmert.
-
-Der erste datierte Druck ist eine _Biblia sacra_ in fol. von □Lambert
-Palmert□ (Palomar), einem Deutschen, begonnen im Febr. 1477, beendigt
-im März 1478. Von diesem Werk sind nur die vier letzten Blätter
-in einem Exemplar in den Archiven des Domes zu Valencia entdeckt
-worden. Wahrscheinlich ist die Auflage nach geistlicher Ordre auf das
-gründlichste vernichtet. Als Protektor oder Mitarbeiter Palmerts wurde
-der ausgezeichnete Astronom Alfons Fernandes von Cordova genannt.
-Palmert druckte bis 1494, um welche Zeit sich nicht wenige deutsche
-Drucker in Valencia etablierten.
-
- Saragossa.
-
-Aus SARAGOSSA findet sich ein, 1475 von □Matthias Flander□,
-wahrscheinlich einem fahrenden Buchdrucker, geliefertes Buch: _Guidonis
-de Monte-Rocherii, manipulus curatorum_ vor. Der erste, fest in
-Saragossa etablierte deutsche Buchdrucker war □Paulus Huros□ aus
-Constanz (1485-1499).
-
- Sevilla.
-
-In SEVILLA traten die ersten einheimischen Buchdrucker: □Anton
-Martinez□, □Bartholomäus Segur□ und □Alphons del Puerto□
-zusammenwirkend auf zum Druck eines Sacramentale. 1480 fällt schon der
-Name Martinez weg; 1482 ist Alphons del Puerto allein zurück. Später
-folgen mehrere Deutsche, als: □Paul von Köln□, und □Joh. Pegnizer□ aus
-Nürnberg. Das Tribunal der Inquisition hatte i. J. 1500 eine eigene
-Druckerei, aus welcher die Ordonnanzen des Grossinquisitors Didacus
-Deca hervorgingen.
-
- Barcelona.
-
-Aus BARCELONA ist mutmasslich: _Th. von Aquino, commentar. in libros
-ethicor. Aristotelis_ von □Petrus Brunus□ et □Nicolaus Spindeler□
-(1478) das erste Buch. SALAMANCA zeigt trotz seiner berühmten
-Universität erst zu Ende des □xv.□ Jahrh. Drucke auf.
-
-Unter Basel wurde bereits mitgeteilt, dass □Friedr. Biel□ nach
-BURGOS ging und dort 1485-1517 druckte. Er war ein sehr tüchtiger und
-erfahrener Mann.
-
-In dem Kloster auf dem Berge MONSERRAT druckte ein Deutscher □Joh.
-Luschmer□ in den Jahren 1499-1500, und ging dann nach Deutschland
-zurück. Madrids Buchdruckergeschichte gehört der folgenden Periode an.
-
- Portugal.
-
-PORTUGAL verdankt den Juden die Einführung, den Deutschen die
-Fortbildung der Druckerkunst. Die portugiesischen Juden wurden seit
-jeher von ihren Stammesgenossen als eine Art Aristokratie betrachtet
-und hatten zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts durch ihre Bildung und
-Wohlhabenheit eine grosse Bedeutung erlangt.
-
-Der Jude _Mestre_ (_Magister_) □Abraham d'Ortas□ druckte 1484 zu LEIRIA
-den _Almanach. perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi_, den ältesten
-Druck Portugals. Ob der _Sephar Orach Chaim_ (1485) in Leiria oder in
-Ixar in Spanien gedruckt wurde, ist wohl nicht ganz zu entscheiden.
-1489 druckten die Rabbis □Eliezer□ und □Samuel Zorba□ in Lissabon des
-Rabbi Mosis Nachmanidis hebräischen Kommentar zum Pentateuch und das
-_Sepher Thephilod_ (1495). Eliezers Sohn □Zacchäus□ setzte das Geschäft
-fort.
-
- Valentin
- aus Mähren.
-
-Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein,
-liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns □ii.□, die Buchdrucker
-□Valentin aus Mähren□ (Valentin de Moravia oder _Valentin Fernandes
-Allemão_) und □Nikolaus aus Sachsen□ nach LISSABON kommen. Valentin
-wirkte von 1495-1513 und wird _servidor e empremidor de sua Alteza_
-genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward
-Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und
-verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften
-über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es
-jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich
-aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die
-umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr
-und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die
-Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein
-mit Nikolaus von Sachsen gedruckte _Vita Christi_ des Karthäusermönches
-Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der
-königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges
-Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen
-Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte
-Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine
-Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist,
-ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen.
-
- Hermann von
- Kempen
- in Setuval.
-
-Im Jahre 1509 hatte sich □Hermann von Kempen□ (_Armão de Campos,
-Alemã_) in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit
-dem Titel _empremidor_ und _bombardeyro d'El Rei_. Die Bombardiere
-bildeten eine aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs,
-die viele Vorteile, als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst,
-von Einquartierung, ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da
-hauptsächlich Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen
-konnten, wozu sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt
-wurden, so ist Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich
-bei seiner Aufnahme bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von
-Garcia de Resende herausgegebene _Cancioneiro Geral_, ein berühmtes
-Liederbuch, das die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der
-Druck ist sauber und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem
-Buch sind nur ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der
-König, Dom Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem
-Stuttgarter Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler
-1846-1849 veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der
-portugiesischen Nation erhalten hat.
-
- Andere deutsche
- Buchdrucker.
-
-Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom
-Manuel, □Jakob Kromberger□ aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh
-ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen
-wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch
-den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen
-(_christãos velhos_) sein.
-
-Ob □Johann Gerling□, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche
-Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war,
-lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga,
-seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die
-Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde,
-die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit
-Rom fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im
-□xvi.□ Jahrhundert □Joãs Blavio de Colonia Agrippina□ (1554) als
-Hofbuchdrucker nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke.
-
-Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten
-bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner
-Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt
-109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische.
-
- * * * * *
-
- Paris
-
-Dass FRANKREICH[4], wo die Universität PARIS eine so grosse
-Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der
-Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den
-ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls □vii.□ und
-der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs □xi.□ zugeschrieben
-werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft
-war. So begünstigte er unter anderen auch □Jean Fouchet□ von Tours,
-den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in
-Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass
-der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem
-Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von
-Interesse für die Kunst.
-
- [4] □P. Lacroix□, □E. Fournier□ et □F. Seré□, _Hist. de
- l'impr. et des arts et professions, qui se rattachent à
- la typogr. Avec fig._ Paris 1852.
-
- Ulrich Gering.
-
- Buchschriften in
- Frankreich.
-
-Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. eine
-gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste Wilhelm
-Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der sogenannten
-Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, nach seinem
-Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu bewegen,
-für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief demzufolge
-seinen Landsmann □Ulrich Gering□ aus Constanz nach Paris. Gering, der
-die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte □Martin Crantz□ von Basel
-und □Michel Friburger□ von Colmar mit sich und errichtete die erste
-Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste
-Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di
-Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere
-Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke
-bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner
-von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift.
-Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin
-nach der _rue St. Jacques_ verlegte, nahm er die allgemein beliebte
-gothische Type an, die man _Allemand_, oder auch, nach den gebrochenen
-Ecken, _lettres de forme_ nannte. Die kleinere Schrift, mit der man
-Schulbücher druckte, wurde nach der: _Summa St. Thomæ_, einem solchen
-Buche, _lettres de somme_ genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben
-hiessen _lettres cadeaux_, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel
-_lettres tourneurs_. Die gothische Schrift wurde auch von □Peter
-Kaiser□ (_Caesaris_) und □Johann Stoll□, ebenfalls zwei Deutschen, die
-sich kaum drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet.
-Später bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius
-1501 die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die
-herrschende blieb.
-
- Gerings Wirken.
-
-Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering
-schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde.
-Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück
-und Gering nahm später □Berthold Remboldt□ zum Teilnehmer, dessen
-Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein
-Meisterwerk ist sein _Corpus juris canonici_, in fünf Spalten, mit
-verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich
-ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510)
-grösstenteils der Sorbonne.
-
-Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch _Les grandes
-chroniques de la France_ stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde
-1476 von □Pasquier Bonhomme□ gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten
-sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in
-Paris 66 bekannt.
-
- Lyon.
-
- Joh. Trechsel.
-
-In LYON führte □Bartholomäus Buyer□ die Kunst (1473) ein. Das erste
-Werk war das „Compendium“ des Kardinal Lothar. Der eigentliche Drucker
-war jedoch nicht Buyer, sondern □Wilh. Leroy□, trotz des französischen
-Namens wahrscheinlich ein Deutscher (König). Mit dem Jahre 1477
-verschwindet dieser Name und kommt erst 1488 wieder zum Vorschein.
-Einen bedeutenden Platz nimmt □Joh. Trechsel□ ein, der, selbst ein
-gelehrter Mann, mit einer grossen Zahl von Gelehrten auf dem besten
-Fusse stand. Seine Tochter Thalie, die eine gelehrte Erziehung, wie
-es mit den Töchtern der Buchdrucker damaliger Zeit öfters der Fall
-war, genossen hatte, war mit dem berühmten Buchdrucker Joh. Badius
-verheiratet, der zusammen mit Joh. Lascaris als Korrektor für Trechsel
-gewirkt hatte.
-
- Grosse Bedeu-
- tung Lyons.
-
-Die Druckkunst nahm in Lyon einen sehr schnellen Aufschwung und die
-Stadt hatte zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts schon 50 Buchdruckereien,
-aus denen gegen 400 Werke hervorgegangen waren. Viele hunderte von
-Setzern, Druckern und Giessern fanden dort Beschäftigung. Die Mehrzahl
-der Drucker waren deutschen Ursprungs. Die Papiermühlen produzierten
-grosse Quantitäten des vortrefflichsten Papiers. Der Buchhandel in
-der freien Messstadt Lyon war ein sehr bedeutender, welches damals
-dem Buchhandel das war, was ihm Leipzig heute ist, und mit Ausnahme
-von Venedig lieferte keine Stadt dem Buchhandel eine grössere Zahl von
-Büchern. Von dem Nachdruck hielt sie sich nicht frei, namentlich hatte
-Aldus unter diesem zu leiden.
-
-Nach BORDEAUX brachte □Michel Svirler□ aus Ulm 1486 die Druckerkunst.
-
- * * * * *
-
- Dierik Martens.
-
- Kunstleben in
- Brügge.
-
- Der Burgun-
- dische Hof.
-
-In den NIEDERLANDEN druckte wahrscheinlich □Dierik Martens□[5] 1473 zu
-AALST in Ostflandern das erste Buch, jedoch noch lange erhielt sich die
-Anfertigung der Manuskripte neben dem Druck von Büchern, die sich mit
-ihren rohen, ungeschlachten Holzschnitten nicht mit den prachtvollen
-Miniaturen messen konnten. Ein Zentralpunkt der Manuskriptmanufaktur
-war die reiche Handelsstadt BRÜGGE. Kunstlosere Manuskripte wurden zu
-sehr billigen Preisen hergestellt, während die kostbar ausgestatteten
-einen hohen Wert behielten. Jacques Raponde erhielt z. B. 500
-Goldkronen für _La legende dorée, ystorié de belles ystories_. Ein
-Werk mit Miniaturen illustrieren, die sich auf den historischen Inhalt
-bezogen, nannte man _historier_, die Bilder selbst hiessen _histoires_.
-Eine grosse Stütze fanden die Illuminatoren in dem kunstsinnigen
-Burgundischen Hofe, namentlich war der mächtige Herzog Philipp der Gute
-ein grosser Liebhaber, der überall seine Agenten hatte, um seltene
-Bücher zu erwerben; auch unterstützte er die Umarbeitung älterer
-Werke in das neuere Französisch. Fraglich ist es sogar, ob er nicht
-die neue Kunst zuerst in Belgien einführte. Raoul le Fèvre hatte eine
-Bearbeitung der Iliade: _Histoires de Troyes_, geschrieben und 1464 dem
-Herzog ein prachtvolles Exemplar überreicht. Es fand so vielen Beifall,
-dass die Schreiber und die Illuminatoren nicht genug Exemplare schaffen
-konnten, und es ist nicht unmöglich, dass das Werk unmittelbar am Hofe
-des Herzogs gedruckt wurde. Karl der Kühne, der Sohn und Nachfolger
-Philipps, war zwar auch ein Freund schön ausgestatteter Manuskripte,
-aber seine kriegerischen Unternehmungen machten es ihm unmöglich, den
-Künsten des Friedens dieselbe Unterstützung zu gewähren, wie es sein
-Vater gethan.
-
- [5] □J. de Gand□, _Recherches sur la vie etc. de Thierry
- Martens_. Aalst 1845. -- □A. F. van Iseghem□, _Biogr. de
- Th. Martens_. 2. Ed. Aalst 1856. -- □J. W. Holtrop□, _Th.
- Martens_. Haag 1867.
-
- Colard Mansion.
-
-In Brügge war ein hervorragendes Mitglied der Künstlergilde, □Colard
-Mansion□[6], der Gründer der ersten Presse (1476). Er war als
-Illuminator, Autor und Drucker thätig und bediente sich in seinen
-Drucken einer eigentümlichen, nach französischen Handschriften
-gebildeten, semigothischen Type. Die holländischen Schriften damaliger
-Zeit waren im ganzen sehr roh. Nur □Richard Paff□ in Deventer zeichnet
-sich durch eine schöne nationale Schrift (_Duits_) aus, die den
-Leistungen des berühmten Schriftschneiders Fleischmann im □xviii.□
-Jahrhundert wenig nachsteht.
-
- [6] □de Praet□, _Notice sur C. Mansion_. Paris 1829. -- _C.
- Mansion et les imprimeurs Brugeois du XV siècle._ Brügge
- 1848.
-
- Die Brüder des
- gemeins. Lebens.
-
-In DEVENTER entstand auch die Vereinigung der □Brüder des gemeinsamen
-Lebens□, welche um die Verbreitung des Sinnes für Bücherwesen und
-Buchdruckerkunst wesentliche Verdienste sich erworben hat. Zu den
-Städten, die durch ihre Beteiligung bei dem Bunde der Hansa eine
-Bedeutung erlangt hatten und wo ein frisches Leben blühte, gehörten
-die drei Hauptorte Oberyssels: Deventer, Zwolle und Kampen. Namentlich
-genoss Deventer ein gutes Ansehen.
-
-Hier lebte Gerhard Groote (_Gerhardus magnus_)[7], geboren 1340 aus
-einer dortigen Patrizier-Familie. Gerhard bildete sich erst in Paris,
-dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit
-und Magie und lehrte in uneigennützigster Weise unter einem
-ansehnlichen Zulauf. Da fasste er plötzlich den Entschluss der Welt
-abzuschwören, ohne jedoch in einen geistlichen Orden zu treten, denn
-er wollte „keine Seele eines Menschen auf seine Verantwortlichkeit
-nehmen“. Öffentlich verbrannte er seine kostbaren magischen Bücher und
-nahm ein einfaches Diakonat an, welches ihn berechtigte öffentlich zu
-lehren.
-
- [7] □G. H. M. Delprat□, _Verhandeling over de Broederschap van
- G. Groote etc._ Utrecht 1830. In deutscher Bearbeitung
- von □Dr.□ G. Mohnike. Leipzig 1840.
-
- Gerh. Groote.
-
-Seine Hauptaufgabe ward es nun, den, das Volk verdummenden Einfluss der
-Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer und an anderen
-Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die Menge nicht fassen
-konnten und er im Freien reden musste. Selbstverständlich war die Wut
-der Bettelmönche gegen ihn eine grosse, und es gelang ihnen auch, ein
-Verbot gegen das Predigen Grootes zu erwirken. Dieser unterwarf sich
-demütig, um durch Übersetzen und Unterweisung der reiferen Jugend zu
-wirken. Er lehrte seine Schüler Bücher abzuschreiben und damit etwas
-Geld zu ihrem Unterhalte zu verdienen. Bei der steigenden Arbeit hatte
-er in Floris Radewynzoon (_Florentinus Radewini_) eine vortreffliche
-Stütze. Was dieser mit den Schülern verdiente gab er an Groote ab. „Was
-hindert uns“ -- rief Florentinus einmal aus --, „dass wir und diese
-Brüder vom guten Willen (_fratres bonæ voluntatis_) die Früchte unserer
-Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemeinsamen
-Leben (_fratres vitæ communis_) verbinden?“
-
-Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne
-klösterliches Gelübde ausgesprochen, um zugunsten der Bildung und
-der Wissenschaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine
-gemeinschaftliche Kasse niederzulegen, aus welcher die Bedürfnisse
-aller bestritten wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete
-die Brüder als solche.
-
-Groote selbst sollte die eigentliche Ausbildung der Gesellschaft der
-Brüder nicht erleben; er starb, indem er liebevoll andere pflegte,
-an der Pest am 20. Aug. 1384. Die Stiftung in Deventer hob sich mehr
-und mehr. Florentinus fand in dem gebildeten Gerhard von Zütphen eine
-wesentliche Hülfe. Andere Städte folgten dem Beispiel Deventers, so
-Delft und Münster. Der Neid veranlasste Verfolgungen; die Brüder wurden
-bei dem Papste Martin □v.□ als der Todsünde schuldig, als Mörder und
-als falsche Propheten denunziert, jedoch freigesprochen, und eine Bulle
-Eugens □iv.□ aus dem Jahre 1431 bedrohte denjenigen, der dem Wirken der
-Brüder etwas in den Weg legte, mit dem Banne.
-
-Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst nahmen die Brüder, statt des
-Abschreibens, das Drucken in die Hand und erwarben sich namentlich in
-Holland, in Westfalen und in den Nordwestmarken Deutschlands grosse
-Verdienste um die Anlegung von Druckereien. In Deventer, wo die
-Schule zum Schluss des ersten Drittels des □xvi.□ Jahrhunderts ihre
-höchste Blüte erreichte, war dies zwar nicht der Fall, vielleicht
-weil Paffs Druckerei einen ausgezeichneten Rang einnahm, dagegen in
-Gouda, Brüssel, Löwen, an welchem letzteren Ort die Druckerei jedoch
-nicht reussierte, sodass die Brüder sich wieder dem Abschreiben
-zuwendeten[8].
-
- [8] Dass die „Brüder des gemeinsamen Lebens“, nach ihren hohen
- Kopfbedeckungen auch „Kogelherren“ genannt, die früher
- Gutenbergische Druckerei nach Bechtermünzes Tod erwarben,
- lasen wir schon S. 35.
-
- Haarlem.
-
- Koster-Legende.
-
-HAARLEM erhielt 1483 seinen ersten Buchdrucker □Jakob Bellaert□. Nach
-einem langen Zeitraume, in welchem Haarlem keine Buchdruckerei hatte,
-associiert sich 1561 □Jan van Zuren□ mit □Dirk Volckharts Coornhert□
-zur Errichtung einer solchen. In einem Empfehlungsschreiben an den
-Rat zu Haarlem vindiziert letzterer der Stadt die Ehre der Erfindung
-und auch sein Socius erzählt hiervon, jedoch ohne den Namen des
-Erfinders zu nennen. Zu diesen gesellt sich ein Florentiner Luigi
-Guicciardini, der sich 1550 in Antwerpen aufhielt und eine Beschreibung
-der Niederlande herausgab, in der viele Erzählungen von Meermännern und
-Meerweibern, die in Haarlem gelebt haben, enthalten sind. Auch dieser
-berichtet, dass die Buchdruckerkunst in Haarlem erfunden sei, lässt
-jedoch die Wahrheit dahingestellt.
-
- Koster-Legende.
-
-Diese Nachrichten wurden nun oft nachgeschrieben und jeder neue Abdruck
-als ein neuer Beweis für Haarlem ausgebeutet. Indes wären diese Mythen
-wahrscheinlich längst vergessen, wäre nicht Hadrianus Junius (_Adrian
-de Jonghe_), Doktor und Rektor zu Haarlem, aufs neue als Vertreter der
-Erfindungsrechte Haarlems aufgetreten und zwar unter genauer Angabe
-des Namens, Zunamens, der Wohnung des Erfinders und der Jahreszahl der
-Erfindung. In seinem, auf Veranlassung der Deputation der Stände von
-Holland geschriebenen Werke: _Batavia_, das von grossartigen Fabeln
-wimmelt, erzählt er, dass □Laurenz, Johanns Sohn□, mit dem Beinamen
-□Koster□ (Küster), beim Spazierengehen in einem Wäldchen bei Haarlem
-Buchstaben aus Baumrinde als Spielzeug für seine Enkel geschnitzt
-habe. Ein zufälliger Abdruck eines solchen Buchstabens veranlasste
-ihn, der ein Mann von grossem Verstand war, mit seinem Schwiegersohne
-Thomas Peter weitergehende Entwürfe zu machen und schliesslich die
-Buchdruckerkunst in _optima forma_ zu erfinden und zu betreiben.
-
-Das Geschäft erweiterte sich und warf reichlichen Gewinn ab. Unter
-seinen Gehülfen befand sich jedoch ein ungetreuer Diener, „Johannes,
-wahrscheinlich Faust“. Dieser steckte am Christabend, während der
-Meister und seine Familie in der Kirche war, die Offizin in den Sack,
-und fort war er, als man nach den Feiertagen die Druckerei wieder
-eröffnete. Hadrianus Junius erinnert sich ganz genau, dass ein alter
-ehrwürdiger Mann mit langen weissen Haaren, Namens Nikolaus Gelius,
-erzählt habe, wie „er“ sich wieder erinnere, in „seiner“ Jugend von
-einem gewissen Buchbinder, Cornelius, damals ein Mann von 80 Jahren,
-die Geschichte gehört zu haben, und dass letzterer, wenn er von dem
-Räuber erzählte, jedesmal bitterlich geweint habe.
-
-Das ist die Koster-Legende, die so viele Federn in Bewegung gesetzt,
-so viele Bitterkeit hervorgerufen und Kosters Manen zwei öffentliche
-Denkmäler eingebracht hat. Die Holländer haben, wie aus dem nächsten
-Abschnitt hervorgehen wird, so viele wahrhaft grosse Verdienste um
-die Buchdruckerkunst, die von der ganzen gebildeten Welt freudig
-anerkannt werden, dass sie ohne Nachteil ihren Koster-Missgriff zugeben
-können[9].
-
- [9] □G. Meermann□, _Origines typr._ 2 Bde. Haag 1765.
- Ausserdem eine grosse Anzahl mehr oder weniger wertvoller
- Parteischriften, deren Aufzählung nur für wenige Leser
- Interesse haben dürfte.
-
- * * * * *
-
-Nachdem über die Einführung der Kunst in ENGLAND vieles hin und her
-gestritten worden, kann es jetzt als feststehend betrachtet werden,
-dass sie im Jahre 1477 durch Caxton stattfand.
-
- William Caxton.
-
-□William Caxton□[10] wurde in der Grafschaft Kent geboren. Da er im
-Jahre 1438 bei einem der angesehensten Kaufleute der City, Robert
-Large, in die Lehre kam und eine solche Lehre gewöhnlich sieben Jahre
-dauerte und mit dem 24. Jahre endigte, so ist, wenn wir diese Zahlen
-für Caxton gelten lassen, sein Geburtsjahr etwa 1421.
-
- [10] □W. Blades□, _The biogr. and typogr. of W. Caxton_,
- 2., einfachere Ausg. London 1877. -- □W. Blades□, _How
- to tell a Caxton_. London 1870. -- _Caxton Celebration
- 1877._ London 1877. -- □F. C. Price□, _Facsimiles
- illustrating the labours of W. Caxton_. London 1877.
- -- Fast alle Hauptwerke Caxtons sind entweder in
- typographischen oder in photographischen Reproduktionen
- erschienen.
-
- Caxton am Bur-
- gundischen Hof.
-
- Das erste eng-
- lische Buch.
-
-Nach der Vermählung des Herzogs von Burgund, Karl des Kühnen, mit der
-Schwester Edwards □iv.□ von England, Margaretha, war es das eifrigste
-Bemühen der englischen Regierung, die zum Nachteil beider Länder
-erloschenen Handelstraktate wiederherzustellen. Caxton, der in Brügge
-lebte, wo die Engländer eine „Nation“ bildeten und eine angesehene
-Stellung als Geschäftsmann und Gouverneur (etwa Konsul) einnahm, war
-einer der drei Abgeordneten, die zum Zweck der Unterhandlung nach dem
-Burgundischen Hoflager gesandt wurden, wo er bald eine _persona grata_
-wurde, die namentlich bei der Herzogin so hoch in Gunst stand, dass
-sie ihn bewog, in ihren Dienst zu treten. In diesem fand Caxton Musse
-genug, mit litterarischen Arbeiten, denen er stets zugethan gewesen,
-sich zu beschäftigen. Im Jahre 1469 begann er die Übersetzung des
-schon erwähnten Buches Raoul le Fèvres: _Histoires de Troyes_ und auch
-die englische Übersetzung fand, wie das Original, so grossen Beifall,
-dass Caxton den Entschluss fasste, es durch den Druck vervielfältigen
-zu lassen. So erschien in den Jahren 1473 bis 1474 im Druck das erste
-englisch geschriebene Buch: _The recuyell of the historyes of Troy_,
-351 Folio-Seiten. Früher hielt man allgemein dafür, dass dies Buch den
-Pressen Ulrich Zells in Köln entstamme, doch sprechen viele äussere
-und innere Zeichen dafür, dass es ein Werk Colard Mansions in Brügge
-sei. Während des Druckes seiner Übersetzung scheint nun Caxton sich
-mit der Technik der Buchdruckerkunst vertraut gemacht zu haben und
-der Entschluss bei ihm gereift zu sein, seinem Vaterlande die Kunst
-zuzuführen. Nach einer Abwesenheit von 35 Jahren kehrte er nach LONDON
-zurück, den kostbaren Schatz einer Druckerei-Einrichtung mit sich
-führend.
-
- Caxtons Thätig-
- keit in London.
-
-Das erste Buch von Caxton, welches von ihm mit einem vollständigen
-Impressum versehen wurde, ist: _The dictes and sayings of the
-philosophers_, das im November 1477 erschien. Seine Offizin war in
-Westminster gelegen, jedoch nicht in der Abtei selbst. 15 Jahre wirkte
-er noch als Drucker, zugleich als Übersetzer und Bearbeiter eines
-grossen Teils der von ihm gedruckten Schriften, deren Zahl 94 beträgt
-inkl. 7 Drucke, die er bereits in Brügge hat ausführen lassen, und 3,
-die erst nach seinem Tode erschienen. Da unter diesen nicht weniger
-als 33 Unica sind, zumteil nicht einmal im vollständigen Zustande,
-so ist anzunehmen, dass die Zahl der Erzeugnisse seiner Pressen
-eine noch wesentlich grössere gewesen ist. Die umfangreichsten sind:
-Chaucers _Canterbury tales_ in zwei Auflagen von je 742 und 622 Seiten;
-_Polychronicon_, 890 Seiten; _The noble history of King Arthur_, 862
-Seiten; und _The golden Legend_, 892 Seiten. Letzteres mit vielen
-Illustrationen versehene Buch, von dem kein vollständiges Exemplar
-erhalten wurde, muss als Caxtons Hauptwerk betrachtet werden. Die
-Technik sowohl als die Korrektur seiner Bücher waren höchst mangelhaft
-und die Holzschnitte sehr untergeordneter Natur, wie überhaupt damals
-von Kunst und Künstlern in England nicht zu reden war.
-
-Aus dem gesagten geht hervor, dass Caxton nicht einer der begeisterten
-Jünger Gutenbergs war, wie sie in anderen Ländern in nicht geringer
-Zahl getroffen wurden, welche die Kunst ihrer selbst wegen liebten.
-Er war ein praktischer Engländer und Geschäftsmann, der nicht
-den Wissenschaften Opfer brachte oder seine Ehre in korrekten,
-geschmackvollen Ausgaben der Klassiker suchte, sondern Bücher druckte,
-von welchen er einen tüchtigen Absatz und raschen Gewinn hoffen durfte.
-Kann aus den wenigen Exemplaren, die von seinen vielen Büchern auf
-die Gegenwart gekommen sind, auf die Aufnutzung geschlossen werden, so
-hätte er nicht falsch gerechnet. Im ganzen existieren 5-600 Exemplare
-seiner Druckwerke, die sich fast ausnahmslos in englischen Händen
-befinden und grösstentheils mit den höchsten Preisen erworben wurden.
-Für ein nicht vollständiges Exemplar von: _The historyes of Troy_ wurde
-in der Versteigerung des Herzogs von Roxburgh 1060 £ Sterl. 10 s. über
-(21000 Mark) gezahlt.
-
- Caxtons Tod.
-
-Caxton starb, geehrt und geachtet, gegen Ende des Jahres 1491. Wenn
-die Engländer ihn und seine Werke, obwohl sie typographisch auf
-einer niedrigen Stufe stehen, so hoch halten und im Jahre 1877 sein
-vierhundertjähriges Jubiläum so glänzend begingen, so zeigten sie damit
-eine, sie selbst ehrende Dankbarkeit gegen einen Mann, der ihnen die
-Wohlthaten der Presse, die in keinem anderen Lande sich grösser als in
-England erwiesen, teilhaft werden liess.
-
-Es erübrigt, einen Blick auf SKANDINAVIEN zu werfen.
-
-„Der gothische Sprachstamm ist eine Lyra, deren Saiten zwischen den
-österreichischen Alpen und den skandinavischen Bergen gespannt sind,
-und es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass Vieles, dessen Wert
-nicht hoch genug geschätzt werden kann, von Deutschland kam. Von dort
-erhielt der Norden die Buchdruckerkunst, von dort die Reformation.“
-
- Die Runen.
-
-Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen im Norden waren in Stein
-gemeisselte oder in Holz geschnittene Runen. Noch wichtiger für das
-spätere Kulturleben waren die Sagen und Lieder, die von Mund zu Mund,
-von Generation zu Generation sich verpflanzten. Selbst nach Einführung
-des Christentums hatte das neue Alphabet einen harten Kampf mit den
-Runen zu bestehen und noch im Jahre 1547 kamen Fälle der Benutzung
-solcher vor.
-
- Dänemark.
-
- Joh. Snell.
-
-Nach DÄNEMARK[11] brachten deutsche Mönche die ersten Bücher. Die
-Bildung unter der dänischen Geistlichkeit war nicht gross, obwohl
-die Universität Paris stark von Dänen besucht wurde. _Stationarii_
-und _librarii_ hatte Dänemark nicht aufzuweisen. Das erste Buch: eine
-lateinische Beschreibung der Belagerung von Rhodos, wurde in ODENSE
-auf der Insel Fühnen im Jahre 1482 von einem fahrenden deutschen
-Buchdrucker, □Johann Snell□, gedruckt.
-
- [11] □C. Nyrop□, _Bidrag til den danske Boghandels
- Historie_, 2 Bde. Kopenhagen 1870. -- □G. F. Ursin□,
- _Bogtrykkerkunstens Opfindelse og Udvikling_. Kopenhagen
- 1840. -- □J. H. Schröder□, _Incunabula artis typ. in
- Svecia_. Upsala 1842.
-
- G. van Gehmen.
-
-Im Jahre 1485 druckte □Steph. Arendes□ in Schleswig: _Missale
-Slesvicense_. Die Hauptstadt des Reiches, KOPENHAGEN, erhielt erst 1490
-eine Offizin durch □Godfred van Gehmen van Os□, der früher in Gouda in
-Holland gewirkt haben soll. Nur 19 Bücher können mit Sicherheit als
-aus seinen Pressen hervorgegangen bezeichnet werden. Das bekannteste
-darunter ist: _Dansk Rimkrönike_, welche in den Jahren 1495-1508
-viermal aufgelegt wurde und das einzige in dänischer Sprache gedruckte
-Buch aus dem □xv.□ Jahrhundert ist. Gehmens Type ist eine sehr
-hübsche und sein Druck ein guter. In RIPEN in Jütland druckte 1504
-□Matthäus Brand□ aus Lübeck, der später nach Kopenhagen zog. Ihm folgte
-□Povel Räff□, früher Rektor der Universität, der erste Däne, der die
-Buchdruckerei betrieb.
-
- Schweden.
-
-In SCHWEDEN druckte (1483) der aus Dänemark gekommene □Johann Snell□
-das erste Buch: _Dialogus creaturum moralizatus_. Auf Snell folgte
-□Johann Fabri□ mit dem _Breviarium Strengnense_ 1494, während Fabris
-Witwe 1496 das _Breviarium Upsalense_ vollendete. Von da ab tritt eine
-Unterbrechung von über 50 Jahren ein, in welcher man von der Kunst in
-Schweden keine Spuren findet.
-
- * * * * *
-
-Auch Ungarn und die Slawischen Länder[12] eigneten sich bald die neue
-Erfindung an.
-
- [12] □Ludw. Fischer□, König Matthias Corvinus und seine
- Bibliothek. Wien 1878. -- □Joh. Németh□, _Mem.
- Typographiarum inclyti regni Hungariæ et magn. principatus
- Transsilvaniæ_. Pest 1818. -- □Jos. Dobrowsky□, Über
- die Einführung und Verbreitung der B. in Böhmen. Prag
- 1782. (Abhdl. einer Privatgesellsch. V. Bd.) -- □G. S.
- Bandtkie□, _De primis Cracoviæ etc. incunabulis dissert.
- brevis_. Krakau 1812. In polnischer Sprache lieferte
- Bandtkie mehrere wertvolle Werke über die Typographie
- Polens.
-
- Ungarn.
-
-UNGARN stand zur Zeit der Erfindung unter dem Scepter des aufgeklärten
-und sich für die Wissenschaften sehr interessierenden Königs Matthias
-Corvinus. Derselbe hatte mit grossen Kosten unter Mitwirkung des
-bekannten Joh. Regiomontanus seine berühmte Bibliothek einrichten
-lassen. Wenn auch die Angabe der Bändezahl auf 50000 jedenfalls eine
-äusserst übertriebene ist, so war sie doch für damalige Zeit eine
-höchst bedeutende. Berühmt waren auch die vorzüglichen Einbände, die
-noch heute als grosse Schätze bei den Sammlern gelten.
-
-Der Kanzler Ladislas Gerab berief einen, damals in Italien weilenden
-deutschen Buchdrucker □Andreas Hess□ nach OFEN, wo er auf Kosten des
-Königs die _Chronica Hungarorum_ (1473) druckte. Der Typencharakter
-dieses gut ausgeführten Werkes ist der der Antiqua. Da man von Hess
-nur noch ein sehr mittelmässiges Buch ohne Datum: _Magni Basilii de
-legendis poetis libellus_ kennt, so wird man versucht, diesen Druck für
-einen früheren als die _Chronica_ zu halten.
-
-Unter den Nachfolgern des Matthias schwand die geistige Blüte. Auch
-die berühmte Bibliothek ging nach und nach zurück und litt durch
-Vernachlässigung, Diebstahl u. s. w. grosse Verluste, so dass sie
-bereits sehr von ihrem Glanze heruntergekommen war, bevor die Eroberung
-Ofens durch den Sultan Soliman den Prächtigen ihr den vollständigen
-Ruin brachte, indem vieles verwüstet, der Rest nach Konstantinopel
-geführt wurde, von wo aus später einiges, namentlich als Geschenke der
-Sultane, nach Wien und Pest zurückkam.
-
- Böhmen.
-
-Auch BÖHMEN und POLEN standen zur Zeit der Erfindung der Kunst auf
-einer hohen Stufe der Kultur. Prag liess sich in der Aufnahme der Kunst
-von PILSEN überflügeln, von wo aus schon aus dem Jahre 1475 ein Neues
-Testament in böhmischer Sprache stammt. Zwar trägt ein Buch, Guido
-de Colonnas trojanischer Krieg, die Jahreszahl 1468, doch bezieht
-sich diese wohl nur auf die Zeit der Abfassung des Manuskripts. Die
-Schriften in diesem Werk sind eben so schön, wie die Ausführung eine
-liederliche ist. PRAG folgte im Jahre 1478 mit: _Statuum utraquestorum
-articuli_. 1488 erschien die erste Bibel in der Landessprache; die
-zweite, mit Holzschnitten illustriert, wurde 1489 in der kleinen
-Bergstadt KUTTENBERG durch den gelehrten □Martin von Tissnova□
-gedruckt, der später Dekan der philosophischen Fakultät in Prag wurde.
-An diese Stadt knüpft sich eine der lächerlichsten Gutenberg-Legenden,
-nach welcher Johann Faust das Licht der Welt in Kuttenberg erblickte,
-eine Legende, die noch im J. 1840 Verteidiger aus missverstandenem
-Patriotismus fand. Dieser Faust soll in Prag studiert, in Mainz aber
-seiner Vaterstadt zu Ehren sich Johann Kuttenberger genannt haben.
-
- Polen.
-
-In KRAKAU, dem Sitz der Wissenschaften und der Kunst in Polen, druckte
-zuerst □Swaybold Frank□ 1491; er lieferte auch russische Werke. In
-RUSSLAND soll 1493 in TSCHERNIGOW gedruckt worden sein und zwar Werke
-in illyrischer Sprache mit cyrillischen Schriften. Diese Schrift, deren
-sich die Süd- und Ostslawen schon im □ix.□ Jahrh. bedienten, war von
-dem Bischof Cyrillus und seinem Bruder Methodus erfunden.
-
- Türkei.
-
-Selbst die TÜRKEI, wo die Ausübung der Buchdruckerei durch den Sultan
-Bajazet □ii.□ 1483 unter Todesstrafe verboten war, hat Drucke aus
-dem □xv.□ Jahrh. aufzuweisen, die von Juden ausgeführt wurden. Eine
-hebräische Geschichte des Josephus Ben Gorion trägt das Impressum
-□Konstantinopel□ 1490.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-V. KAPITEL.
-
-DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE PRODUKTION.
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- □Die Technik.□ Schriftgiesserei. Satz. Druck. Korrektur. Die Pressen.
- Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher. Das Pergament und das
- Papier. Die Buchbinderkunst. □Die Litterarische Produktion.□ Der
- Buchhandel. Die Zensur.
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- Schriftgiesserei.
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-DIE SCHRIFTGIESSEREI[1], die wichtigste aller der zum Druckgewerbe
-gehörenden Beschäftigungen, ist zugleich diejenige, deren Anfange uns
-am unbekanntesten geblieben. Dies ist jedoch sehr erklärlich, denn
-gerade in diesem Teil der Thätigkeit lagen der Schwerpunkt und das
-eigentliche Geheimnis der Typographie. Eine Zeichnung von Jost Amann[2]
-aus dem Jahre 1568 zeigt uns einen Giesser, vor einem niedrigen
-Ofen sitzend, in welchen die Giesspfanne eingelassen ist. Werkzeuge
-liegen umher. Neben dem Giesser steht die Mulde mit fertigen Typen,
-an welchen der Anguss noch haftet. Auf einem Wandbrett sind Siebe,
-Tiegel und Giessinstrumente gereiht. Die Siebe dienten ohne Zweifel
-dazu, den Sand fein zu sieben, in welchem sowohl die Metallstangen
-als auch die grossen Buchstaben geformt wurden. Die äussere Gestalt
-des Giessinstruments weicht etwas von der des jetzigen ab und nähert
-sich der eines Stereoskop-Apparates. Eine Feder zum Halten der Mater
-ist nicht zu erblicken, dagegen bemerkt man ein Loch an der Seite des
-Instruments, durch welches jedenfalls die Mater gesteckt wurde, so dass
-sie festlag, solange der Guss des Buchstabens dauerte. Die erwähnte
-Abbildung ist jedoch über hundert Jahre jünger als die Erfindung; was
-sich in der Zwischenzeit geändert hatte, ist nicht bekannt. Dass die
-Giessinstrumente aus Messing gefertigt wurden, scheint aus der öfteren
-Erwähnung der Typen: „als in Messing gegossen“ hervorzugehen, denn dass
-man damit „Messingtypen“ gemeint haben sollte, ist undenkbar.
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- [1] Unter den eingangs erwähnten Werken enthalten namentlich
- die von □W. Blades□ und □Th. de Vinne□ Beachtenswertes
- über die ältere Technik.
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- [2] Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden etc.
- Frankfurt a. M. 1568. Mit Stichen von □Amann□ und Versen
- von □Hans Sachssen□.
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- Die Stempel.
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-Aus welchem Stoff die Stempel in der allerersten Zeit gewesen, lässt
-sich nicht sagen, wahrscheinlich versuchte man es erst mit Holz
-und ging dann zu einem leicht zu bearbeitenden Metall über. Unter
-solchen Umständen konnte von einem „Einschlagen“ des Stempels in das
-Mater-Metall natürlich keine Rede sein; man wird also annehmen müssen,
-dass die Herstellung der Matern anfänglich mittels „Eindrückens“ in
-eine halberstarrte Masse geschah. Jedoch konnten solche Stempel und
-Matern nicht auf die Dauer befriedigen und man musste zum Stahl für die
-Stempel, zum Kupfer für die Matern greifen. Dass der Handel mit Schrift
-und Matern sehr schnell in Aufnahme kam, geht daraus hervor, dass
-dieselben Schriften an den verschiedensten Orten vorkommen.
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- Mangel an
- Schriftsystem.
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-Ein korrektes „Kegelsystem“ ist im □xv.□ Jahrh. noch nicht bemerkbar.
-Die Dimensionen der Typen hingen von den Eigentümlichkeiten des gerade
-vorliegenden Manuskripts ab. Der Buchdrucker von damals hatte noch
-nicht den Wert regelmässig sich abstufender Schriftgrade kennen gelernt
-und ahnte noch nicht, welche Unannehmlichkeiten er durch die Willkür
-in der Schriftgrösse auf sich und seine Nachkommen laden würde. Bei der
-Kostspieligkeit der Giessinstrumente ist nicht anzunehmen, dass man für
-jede einzelne Schrift ein besonderes Instrument hätte haben sollen,
-wahrscheinlicher ist es, dass die Instrumente eingerichtet waren um
-sowohl auf Kegelhöhe als auf Buchstabenweite gestellt zu werden.
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- Beschaffenheit
- der alten Typen.
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-Auffällig genug ist es, dass auch nicht eine der Millionen Typen
-aus der ersten Zeit der Druckkunst auf uns gekommen ist, ja dass
-wir, mit einer unfreiwilligen Ausnahme, nicht einmal eine getreue
-Abbildung einer solchen besitzen. Einem Drucker, der 1476 in der
-Offizin des Konrad Winter in Köln arbeitete, müssen wir auf Grund
-seiner Unachtsamkeit sehr verpflichtet sein. Indem er nämlich eine,
-vielleicht zu locker geschlossene Schriftform einschwärzte, hat er
-mit dem Farbeballen einen schwachen Buchstaben herausgezogen und dies
-nicht beim Einfahren der Form bemerkt. Die liegengebliebene Type
-ist nun durch den Tiegel so fest in die Schrift hineingedrückt und
-auf den Bogen so genau abgedruckt worden, dass wir eine ganz genaue
-Seitenansicht derselben besitzen. Die Buchstabenhöhe stimmt ganz genau
-mit der alten französischen von 10½ geom. Linie oder 24 mm neuen Masses
-überein. An der sichtbaren (rechten) Seitenfläche der Type befindet
-sich eine runde Vertiefung von etwa 3 mm im Durchmesser. Da die Type
-keine Signatur hat, so diente augenscheinlich diese Vertiefung dem
-Setzer als Richtschnur beim Aneinanderreihen der Buchstaben. Der Fuss
-ist nicht ausgekehlt, man sieht daraus, dass die ersten Typen keinen
-Gusszapfen gehabt haben und dass die Höhe durch Absägen reguliert
-wurde.
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-Über die üblichen Schrift-Quantitäten ist es fast unmöglich etwas
-zu ermitteln. Die rasche Förderung vieler der älteren umfangreichen
-Druckwerke, trotz der Erschwerung durch das Einreihen der Bogen in
-Lagen, lässt vermuten, dass die Typenvorräte manchmal beträchtlich
-gewesen sind.
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- Der Setzer.
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- Die wandernden
- Druckereien.
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-Die Beschäftigung des SETZERS, des DRUCKERS und des Giessers war, wie
-jetzt, im allgemeinen eine getrennte. Die Zahl der Setzer war grösser,
-als die der Drucker. Erstere waren nicht selten Männer von Bildung
-und Verständnis für ihr Fach. Diejenigen, die sich für das Geschäft
-so ausbilden wollten, dass sie später selbst Meister werden konnten,
-mussten eine angemessene Entschädigung zahlen. Wie jetzt, rekrutierten
-sich auch die Prinzipale von damals hauptsächlich aus der Klasse der
-Setzer. Hatte ein solcher vom Drucken und Giessen so viel gelernt,
-dass er die Arbeit Anderer überwachen konnte, so war es nicht gar zu
-schwierig eine Buchdruckerei zu gründen. Mit den erkauften Matern und
-einem Giessinstrument zog der Meister nach irgend einer Stadt. Die
-einfachen Utensilien konnten überall angefertigt werden, das Metall für
-die Schrift und das Papier waren in den grösseren Städten zu haben.
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-Der Buchdrucker fing nun zu giessen an, schlug seine Presse auf,
-mischte seine Farbe und konnte dann die Arbeit beginnen. Fing solche
-an zu fehlen, so lud er seine Druckerei auf einen Wagen und zog nach
-einem andern Ort, wo man eines Buchdruckers benötigt war, um dort seine
-Thätigkeit zu beginnen.
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- Der Setzkasten.
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-Die „Setzkästen“ ruhten zu zweien, einer hüben, einer drüben, auf einem
-Pult, das wie ein grosses doppeltes Notenpult konstruiert war. Die
-Zahl der Fächer hat auf Grund der vielen Ligaturen eine sehr grosse
-sein müssen. Durch letztere wurde die Kunst des Setzens damals eher
-schwieriger, als heute. Bei der grossen Ähnlichkeit mancher Ligaturen
-unter einander war das korrekte Ablegen sehr erschwert und Fehler kamen
-deshalb auch leichter beim Setzen vor. Ob die Fächer der Setzkästen,
-wie es nach den Abbildungen den Anschein hat, gleichgross gewesen
-sind, lässt sich nicht feststellen. Unwahrscheinlich ist es nicht,
-denn die, heute im Satz oft vorkommenden, und deshalb grössere Fächer
-verlangenden Buchstaben wurden auf Grund der vielen Ligaturen damals
-nicht für sich allein so massenhaft verwendet.
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-In der Regel wird der Setzer oder die Setzerin sitzend und säuberlichst
-angeputzt abgebildet, während die Drucker mit der Toilette es nicht
-gar zu ängstlich genommen zu haben scheinen und oft in einem, dem
-adamitischen sich sehr nähernden Kostüm dargestellt werden.
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- Winkelhaken.
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-Der „Winkelhaken“ war aus Holz, sehr einfach und für wenige Zeilen
-und nur für ein Format berechnet. Dass der Setzer öfters mit dem
-Winkelhaken in der rechten Hand abgebildet wird, berechtigt nicht zu
-dem Schluss, dass viele unter ihnen „links“ gewesen sind. Es beruht
-dies allein auf Unachtsamkeit und auf Übersehen des Umstandes, dass
-die Zeichnung im Schnitt umgekehrt zu stehen kommt. Ganz im Anfang
-hatte man mutmasslich nicht einmal einen Winkelhaken, sondern reihte
-die Zeilen gleich in einem flachen Kasten auf, der zugleich als
-Rahmen diente. Setzlinien benutzte man nicht, sondern stellte eine
-Zeile unmittelbar auf die andere, wodurch natürlich das Ausschliessen
-erschwert wurde, da die Schrift sich nicht so leicht auf der doch immer
-etwas rauhen Fläche der Typen hin- und herschieben liess. Der Kasten
-mit den fertigen Kolumnen liess sich leicht in die Presse stellen. War
-der Schluss auch nicht ein besonders fester, so war man bei Benutzung
-der Ballen und der leichten Farbe nicht so sehr der Gefahr ausgesetzt,
-dass die Buchstaben herausgezogen wurden, wie es jetzt bei den Walzen
-mit starkem Zug und der schweren Farbe der Fall ist. Dagegen stiegen
-öfters die Ausschlussstücke und verunstalteten den Druckbogen. Stege
-und Regletten scheint man nicht gehabt zu haben.
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- Das Tenakel und
- das Manuskript.
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-Dass das „Tenakel“ frühzeitig gekannt war, geht ebenfalls aus den
-Abbildungen hervor, doch darf man annehmen, dass anfänglich dem
-Setzer in der Regel nach dem Manuskript diktiert wurde, und dass der
-Vorlesende so eingeübt war, dass er gleichzeitig mehreren Setzern aus
-verschiedenen Manuskripten diktieren konnte. Abweichungen im Satz
-in einem und demselben Werk können kaum anders erklärt werden, als
-dass der Satz gleichzeitig von mehreren Setzern nach Diktat gesetzt
-wurde. Für die Annahme des Diktierens des Manuskripts glaubt man
-eine Bestätigung darin zu finden, dass man auf anderen Abbildungen
-den Vorleser mit dem Manuskript in der Hand sieht, während die, um
-ihn herum arbeitenden Setzer kein Tenakel mit Manuskript auf ihren
-Setzpulten vor sich haben. Doch kann die für den Vorleser gehaltene
-Person auch der Besitzer oder Besteller sein und das Fehlen des
-Tenakels dem Zeichner zuzuschreiben sein.
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- Unregelmässig-
- keit im Setzen.
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-An einem geschmackvollen Arrangement des Satzes, einer angenehmen
-Abwechselung der Schriften oder einer wohlthuenden Durchsichtigkeit
-durch weitere Trennungen der Zeilen und Absätze fehlt es im allgemeinen
-sehr und die durch die übermässig gedrängten und stark geschwärzten
-Typen hervorgebrachte Unklarheit wird noch durch Versündigungen
-gegen die ersten orthographischen Regeln vermehrt. Eigennamen sind
-bald mit Versalien, bald mit gemeinen Buchstaben, je nach Laune
-des Setzers oder nach dem Schriftenvorrat, gesetzt. Die allein
-üblichen Interpunktionszeichen Komma, Kolon, Punktum finden in der
-willkürlichsten Weise Verwendung. Krumme, ungleich ausgeschlossene
-Zeilen, mangelhaftes Umbrechen kommen ganz allgemein vor. Versetzungen
-von Zeilen und Seiten, sogar Weglassungen von ganzen Seiten im Druck
-gehören nicht zu den Seltenheiten, Wörter werden in der wunderbarsten
-Weise geteilt. Am schlimmsten von allem ist die grenzenlose Willkür
-im Abkürzen. Der Setzer dehnt oder drängt die Wörter, bis sie in das
-Längenmass der Zeile passen oder hackt nach Belieben ein Glied von
-ihnen ab, wenn sie durchaus nicht passen wollen. Oft wird zwar ein
-alter Druck auf Grund der Regelmässigkeit des Ausschlusses gelobt,
-sieht man jedoch näher hin, so findet man, dass die Regelmässigkeit
-gewöhnlich nur durch Eigenmächtigkeit erreicht wurde. Mag man auch
-manche gerechte Klagen über das Verfahren heutiger Kunstjünger führen,
-eins steht doch fest, dass die Kunst, die Typen derart zu arrangieren,
-dass der Sinn des Autors klarer ans Licht tritt, eine Errungenschaft
-der modernen Setzerei ist.
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- Die Korrektur.
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-Das bei der KORREKTUR befolgte System ist nicht vollständig klar. Es
-kommen in verschiedenen Exemplaren desselben Buches sonderbare Fehler
-vor, die darauf hindeuten, dass die Setzer selbst die Korrekturen,
-und zwar manchmal recht schlecht, lasen. Als Gegensatz muss erwähnt
-werden, dass schon Gutenbergs Bibel, wenn sie auch nicht fehlerfrei
-wurde, doch sehr sorgfältig korrigiert ist. Auch wissen wir, dass
-oft ausgezeichnete Gelehrte die Korrektur besorgten; sie waren in
-solchen Fällen nicht sowohl Korrektoren als Redaktoren des Textes.
-Im allgemeinen ist es jedoch ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass
-die ältern Druckwerke sich durch ihre Korrektheit vor den heutigen
-Erscheinungen auszeichnen.
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- Die Presse.
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-Auffällig genug ist es, dass die ersten Drucker ihre PRESSEN so
-wenig erwähnen. Es scheint fast, als ob man die Presse als eine alte
-Erfindung keiner besonderen Aufmerksamkeit wert hielt. Mit Unrecht;
-denn ist auch das Prinzip der Presse ein altes, so war doch der
-Mechanismus der Druckerpresse neu. Die Vorzüge fallen leicht in die
-Augen, wenn man sie mit der Schraubenpresse vergleicht, welche letztere
-jedenfalls als Vorbild für die Druckerpresse gedient hat. Die Bibel
-Gutenbergs muss unbedingt auf einer Presse hergestellt worden sein,
-deren Druck rasch gesteigert und rasch gemindert werden konnte und
-die mit einem beweglichen Fundament, einem Deckel und einem Rähmchen
-versehen gewesen ist[3]. Die erste Abbildung einer Presse stammt
-von Jod. Badius in Paris. Auf dieser Abbildung, wie auch auf allen
-anderen, steht die Bank mit den zu bedruckenden und mit den bedruckten
-Papierhaufen jenseit des Fundaments und des Karrens. Der Drucker zieht
-den Bengel unter grosser Kraftanstrengung mit beiden Händen an, den
-rechten Fuss stemmt er gegen den schrägen Tritt an. Und doch war der
-Tiegel nur so gross wie die Hälfte der Schriftform; es gehörte demnach
-ein zweimaliges Anziehen des Bengels dazu, um eine Form zu drucken.
-Der erste Zug erfolgte, wenn der Karren zur Hälfte, der andere, wenn er
-ganz eingefahren war.
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- [3] Der Verlagsbuchhändler und Redacteur □H. Klemm□ in
- Dresden, der mit grossen Kosten in einer verhältnismässig
- sehr kurzen Zeit eine bedeutende Anzahl typographischer
- Seltenheiten sammelte, hat auch die in einem Keller
- des früheren Hofes „Zum Jungen“ in Mainz aufgefundenen
- Bruchstücke einer Schraubenpresse erworben, von welchen
- einerseits (vergl. □K. Klein□, Über Gutenberg und das
- im ersten Druckhause aufgefundene Fragment der ersten
- Druckerpresse. Mit 2 Abbd. Mainz 1851) angenommen wird,
- dass sie der „ersten“, noch aus Strassburg stammenden
- Presse Gutenbergs angehörten, was andererseits
- angezweifelt wird, und zwar namentlich auf Grund der
- Inschrift J. MCDXLI G., die in den erhaltenen Oberbalken
- eingeschnitten ist, indem man sowohl an der Jahreszahl
- und der ungewohnten Art diese zu schreiben (CD statt
- CCCC) als auch an den römischen Buchstaben J. G. Anstoss
- nimmt. Herr Klemm hat die Presse nach seinen Annahmen
- vervollständigen lassen. Wie nahe er, namentlich in
- Betreff des, aus vier Stücken sinnreich konstruierten
- Rahmens, der sich leicht für verschiedene Formate
- einrichten lässt, der Wirklichkeit gekommen, ist ja nicht
- zu entscheiden. Nach H. Klemms Konjektur ist mit den
- „vier Stücken“, um deren Auseinandernahme (vergl. S. 25)
- man bei Dritzehns Tod so sehr besorgt war, ein solcher
- Rahmen gemeint.
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-Da die Pressen nur aus Holz und von gewöhnlichen Tischlern konstruiert
-waren, so blieb vieles zu wünschen übrig. Selten mögen wohl Tiegel und
-Fundament eine vollkommen gleichmässige Oberfläche gebildet haben. Die
-unten abgesägten Typen hatten nicht ganz genaue Höhe, und das Papier
-nicht gleiche Stärke, was die Ungleichheiten vermehrte.
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-Um alle diese Unebenheiten auszugleichen war eine weiche Lage zwischen
-Tiegel und dem Druckbogen notwendig, damit die Schrift tief genug in
-das Papier eingedrückt wurde. Unter solchen erschwerenden Verhältnissen
-verdienen die damaligen Leistungen des Druckers oft um so grössere
-Anerkennung.
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-Um das Register zu erzielen, bediente man sich anfänglich vierer
-Punkturen in den Ecken. Die Plätze für den Rotdruck waren in dem
-ersten Schwarzdruck mit niedrigen Quadraten ausgefüllt. Nachdem der
-Schwarzdruck vollzogen war, wurden die rot zu druckenden Buchstaben
-hineingestellt und durch Unterlagen etwas über die Schrifthöhe erhöht
-und dann, nachdem die betreffenden Stellen in einem zweiten Rähmchen
-ausgeschnitten waren, gedruckt.
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- Die Farbe.
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-Die FARBE der alten Drucke ist von sehr ungleicher Güte. In den Drucken
-von Nic. Jenson in Venedig ist sie intensiv schwarz, sammetweich und
-glänzend. Die Gutenbergsche Bibel ist mit kräftiger tiefschwarzer aber
-glanzloser Farbe gedruckt. In dem Psalter von Fust und Schöffer ist
-die Farbe bald glanzvoll, bald matt. In anderen Drucken ist die Farbe
-wieder bräunlich oder schmierig, wieder in anderen ohne Konsistenz
-und abwaschbar. Nicht selten ist die Schwärze in einem und demselben
-Werke bald sehr dick, bald sehr sparsam aufgetragen. Hierbei hat
-jedenfalls die grosse Verschiedenheit des Papiers wesentlich Schuld,
-sowie die Unregelmässigkeit im Feuchten. Das Pergament ist öfters zu
-stark poliert, öfters nicht ganz frei von Kalk oder Fett. Die allgemein
-aufgestellte Behauptung, die ältere Farbe sei tiefer und glanzvoller
-als unsere, ist nicht ganz korrekt. Sie scheint allerdings tiefer,
-weil man sie auf Grund der grossen Typen und des starken Auftrags
-massenhafter sieht; hätte man eine neue zarte Antiqua mit derselben zu
-drucken gehabt, so würde sie wohl auch weniger schwarz erschienen sein.
-Die Einschwärzung der Form geschah mittels Ballen, wie sie noch vor
-etwa 50 Jahren im Gebrauch waren.
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-Wie die Farbe zusammengesetzt wurde, ist nicht gesagt. Hier giebt
-das aufgefundene Ausgabebuch der Ripoli-Presse von 1481, welches die
-verbrauchten Materialien aller Art nach ihrer Quantität und ihren
-Preisen angiebt, einigen Anhalt. Vom Russschwarz ist keine Rede, wohl
-aber von Pech. Den ersten Platz nimmt Leinöl ein; Schellack und dünner
-Firnis dienten dazu, der Farbe Glanz zu geben, ausserdem sind erwähnt
-Cochenille und Harz.
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- Ausschmückung
- der Bücher.
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-Die „Illuminatoren“ und „Rubrikatoren“ verschwinden nach der Erfindung
-der Buchdruckerkunst noch nicht von der Bühne. Die Initialen werden
-zumteil nur in Umrissen, zumteil gar nicht eingedruckt und dann
-von den Illuminatoren mehr oder weniger kunstvoll ausgemalt und
-vergoldet; auch in dem Texte werden die Majuskeln, manchmal auch die
-Interpunktionstrennungen mit roten Farbenstrichen hervorgehoben. Da
-diese Arbeiten zeitraubend, demzufolge kostspielig waren, so verschob
-man sie öfters; man findet deshalb viele Inkunabeln, in denen nur der
-Raum für die Initialen gelassen ist, ohne dass diese später ausgeführt
-wurden.
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- Die eigentliche
- Illustration.
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-Die eigentliche ILLUSTRATION wurde von den ersten Buchdruckern
-vernachlässigt, wahrscheinlich um nicht den Manuskript-Charakter der
-Bücher zu stören. Die nachfolgenden waren jedoch weniger ängstlich.
-Abgesehen von dem Mangel an künstlerischem Wert nahm man es mit
-dem Sinn und der Wahrheit ziemlich leicht. Oft kommen in einem
-und demselben Werk sogar damals lebende Persönlichkeiten in ganz
-verschiedenen Auffassungen vor, oft dienen dieselben Holzstöcke als
-Konterfeis von einem halben Dutzend historischer Personen von Adam
-ab bis auf die damalige Zeit. Städte wurden ebenfalls ganz nach
-der Phantasie abgebildet und derselbe Schnitt, selbst in einem und
-demselben Werke, bald als Jerusalem, bald als London oder irgend eine
-andere Stadt vorgeführt. Ob eine Einfassung im Einklang mit dem Texte
-stand oder nicht, war ganz gleich. So kann man um die Seiten von
-Gebetbüchern Einfassungen sehen, in welchen Affen ihr tolles Spiel
-treiben oder gar anstössige Scenen aus der griechischen Mythologie
-vorgeführt werden. Mit den Holzschnitt-Illustrationen wurde schon
-frühzeitig Handel getrieben und dieselben zu Ausgaben in verschiedenen
-Sprachen benutzt.
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-Obwohl das Baumwollen-Papier[4] anderthalbhundert Jahre vor der
-Erfindung der Buchdruckerkunst in Europa bekannt war, so wurde für die
-ersten Druckwerke doch auch von dem PERGAMENT, wenn auch daneben von
-dem Papier, Gebrauch gemacht. Teils wollte man dem Gedruckten möglichst
-den Charakter des Manuskriptes wahren, teils waren die liturgischen
-Bücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass das solidere,
-wennauch teurere Material vorgezogen wurde.
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- [4] □De la Lande□, _Art de faire le Papier. 2. Ed._ Paris
- 1820. -- □De la Lande□, _Art de faire le parchemin_.
- Paris 1762. (Beide Werke auch deutsch.) -- □G. Peignot□,
- _Essai sur l'hist. du parchemin et du velin_. Paris 1812.
- -- □J. D. F. Sotzmann□, Über ältere Papierfabrikation.
- Leipzig 1846 (Serapeum). -- Über Papierzeichen vergl.
- die in der Einführung erwähnten Werke von □Sotheby□ und
- □Weigel□ sowie □Ames□, _Typogr. Antiquities_, ferner: □G.
- Fischer□, Versuch die Papierzeichen als Kennzeichen etc.
- anzuwenden. Nürnberg 1804; □La Serna Santander□, _Les
- livres impr. dans le XV Siècle_. Brüssel 1803 (Suppl.
- zu der Beschreibung der Bibliothek des Verfassers). Über
- Papierzeichen in Italien: _Esame sui principii della etc.
- typogr._ Lucca 1797.
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-Die Bearbeitung der Tierfelle als Stoff zum Beschreiben stammt
-aus dem grauen Altertum. Schon Herodot berichtet, dass man auf
-präparierte Hammel- und Ziegenfelle geschrieben habe. Später spricht
-Josephus in seinen jüdischen Altertümern von einem prachtvollen, auf
-Ziegenfell ausgeführten Manuskript aus dem Jahre 277 v. Chr. Will man
-Plinius glauben, so rührt die Erfindung des eigentlichen Pergaments
-(_Charta pergamena_) aus der Stadt Pergamum in Kleinasien, her, als
-der ägyptische König Ptolomäus Epiphanes aus Eifersucht über die
-Bestrebungen des pergamenischen Königs Eumenes □ii.□ (andere sagen
-Attalus □ii.□), eine mit der alexandrinischen wetteifernde Bibliothek
-zu schaffen, die Ausfuhr des Papyrus verbot. Später wurde das beste
-Pergament, von den Römern gewöhnlich _membrana_ genannt, in Rom
-verfertigt.
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-Das Material für die Anfertigung des Pergaments, soweit es zum
-Schreiben oder Bedrucken verwendet wird, sind Lamms-, Schafs-, Ziegen-
-und namentlich Kalbsfelle. Das aus letzteren hergestellte Fabrikat
-heisst _vellum_ (_Velin_), die Kälber dürfen, wenn das Velin gut werden
-soll, nicht älter als sechs Wochen geworden sein; die feinste Sorte
-liefern die Felle der ungeborenen Kälber (_velots_).
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-Die Zubereitung des Pergaments[5] ist eine mühsame und zeitraubende.
-Die Felle werden in eine Kalkgrube gethan, von der Wolle, den Haaren,
-den Fleisch- und Fettteilen sorgsamst gereinigt, abwechselnd in Wasser
-und wieder in Kalk gelegt, auf Rahmen gespannt, geschabt, mit Kreide
-und Farbe ein- und mit Bimsstein abgerieben.
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- [5] Mit dem tierischen Pergament ist nicht zu verwechseln das
- Pergamentpapier (vegetabilische Pergament), das in der
- neueren Zeit eine ziemlich grosse Verwendung findet.
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-In Frankreich, wo die Fabrikation lebhaft betrieben wurde, gehörten
-die Pergamentmacher unter die Jurisdiktion der Universität. Alles
-nach Paris eingeführte Pergament musste nach der Halle der Mathuriner
-gebracht werden, um dort von den Universitätsbehörden geprüft und
-gestempelt zu werden (_rectorier_). Zu ihren Rechten zählte die
-Universität auch den Verkauf auf den zwei grossen Messen zu St. Denis
-und St. Ladre.
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-Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des
-BAUMWOLLEN-PAPIERS fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel,
-hauptsächlich in Xative, Valencia und Toledo. Anfänglich wurde zur
-Fabrikation nur rohe Baumwolle benutzt, dann baumwollene Lumpen,
-später baumwollene und leinene gemischt, schliesslich im □xiv.□ Jahrh.
-leinwandene allein. Als mit der arabischen Herrschaft in Spanien auch
-die dortige Papierfabrikation sank, wendete letztere sich namentlich
-nach Italien. Um Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, in
-Padua, Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, die
-nicht allein Italien, sondern bis in das □xv.□ Jahrh. hinein fast
-ausschliesslich den Süden Deutschlands versorgten, ja ihr Fabrikat bis
-nach Sachsen sandten, während West- und Niederdeutschland ihren Bedarf
-aus Frankreich und Burgund bezogen, welche Länder auch nach England
-ihren Absatz hatten. Von den Papiermärkten waren namentlich die in
-Brügge, Antwerpen und Köln bedeutend.
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-Aus dem gesagten geht schon hervor, dass die Fabrikation, wennauch in
-Deutschland nicht unbekannt, hier doch nicht genügend fortgeschritten
-war, um den heimischen Bedarf zu decken, noch weniger, um an eine
-Ausfuhr zu denken.
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-Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich namentlich aus den
-„Wasserzeichen“, Marken der Fabriken, erkennen, welche zugleich, wenn
-nicht untrügliche, so doch beachtenswerte Beiträge zur Beurteilung
-des Entstehens älterer Druckwerke liefern, untrüglich deshalb nicht,
-weil einerseits einige dieser Zeichen, z. B. der Ochsenkopf oder das
-Monogramm •P• fast überall verbreitet waren, andererseits, weil
-oft Papiere aus verschiedenen Ländern oder Orten stammend und mit
-verschiedenen Zeichen versehen in einem und demselben Werke verwendet
-wurden. Das Entstehen des Ochsenkopfes und des •P• ist nicht
-genügend erklärt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man den
-Ochsenkopf wählte, weil St. Lucas, dessen Symbol bekanntlich ein
-Ochs ist, der Hauptpatron der Malergilden von Italien bis nach den
-Niederlanden war, und zu diesen Gilden gehörten auch die Papiermacher.
-Das •P• dürfte auf „Papier“ hindeuten. Es wird dies dadurch um so
-wahrscheinlicher, als dieses Zeichen dem italienischen Papier (_Carta_)
-fehlt. Doch das alles ist Mutmassung.
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-Einige Wasserzeichen als Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut,
-Bischofsmütze, gekreuzte Schlüssel, sowie die Wappen von einzelnen
-Ländern, Städten und Familien deuten zwar mitunter etwas näher auf
-einen Abstammungsort des Papiers, sie sind jedoch auch nicht immer
-zuverlässige Kennzeichen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen in so vielen
-Wappen vorkommen.
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-Die deutschen Wasserzeichen sind in Bezug auf Bestimmung des Alters
-und des Entstehungsortes der Bücher deshalb weniger wichtig, weil die
-deutschen Papiere erst zu einer Zeit recht zur Geltung kamen, zu der
-die Druckorte, Jahreszahlen und Verleger fast allgemein auf den Büchern
-genau angegeben stehen.
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-Die älteste deutsche Papierfabrik scheint die von U. Stromer in
-Nürnberg gewesen zu sein, für welche im J. 1390 Arbeiter aus Italien
-berufen wurden. Trotzdem wurden aber doch die ersten Nürnberger
-Drucke auf italienischem Papier gedruckt. Basels Bedeutung für die
-Papierfabrikation wurde bereits S. 44 erwähnt.
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-In Augsburg ward 1468, in Kempten 1477 die erste Mühle angelegt. Ein
-Hauptplatz der Fabrikation war um die Mitte des □xv.□ Jahrhunderts
-die ehemalige Reichsstadt Ravensburg in Schwaben, wo grosse Massen von
-Papier, jedoch keins, das mit den vorzüglicheren Sorten des Auslandes
-den Vergleich aushielt, geliefert wurde[6].
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- [6] □D. E. Beyschlag□, Beiträge zur Kunstgesch. von
- Nördlingen. Heft IV u. V. Nördlingen 1798-1801.
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-Das älteste Druckpapier war stark geleimt, kräftig aber hart, und
-verschieden in der Stärke, so dass gewissenhafte Druckereien das Papier
-nach Stärke, wie auch nach Färbung, sortierten. Die rauhe Oberfläche
-war dem Druck nicht günstig und das Satinieren und Glätten war
-unbekannt. Man machte bald die Erfahrung, dass das ungeleimte Papier
-nicht allein billiger, sondern auch zur Aufnahme der fetten Druckfarbe
-zweckdienlicher sei, als das geleimte.
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- * * * * *
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- Neue und alte
- Drucke vergli-
- chen.
-
-Aus dem gesagten geht hervor, dass wir jetzt vollkommenere Werkzeuge
-und besseres Material haben. Es wird schneller, billiger und mit
-grösserer Akkuratesse und Eleganz, mit mehr Rücksicht auf die
-Bequemlichkeit des Lesers und mit weit mehr Abwechselung für das
-Auge gedruckt, so dass die alten Drucke im allgemeinen doch nicht den
-Vergleich mit den neuen aushalten. Vieles, was bei den alten Drucken
-uns fesselt, ohne dass wir uns stets genaue Rechenschaft von dem Grund
-ablegen können, beruht sicherlich auf dem Umstand, dass sich in der
-ersten Zeit Schriftgiesser, Buchdrucker, Verleger in einer Person
-vereinigten. Hierdurch entstand eine einheitliche Durchführung; man
-möchte fast sagen, es macht sich eine ausgeprägte Persönlichkeit in dem
-Werke geltend, so dass man schon beim Aufschlagen eines Buches sofort
-weiss, mit wem man zu thun hat, und sich wie zuhause fühlt.
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-Sind nun auch die technischen Verbesserungen grossartig, so ist
-die Arbeit des Typographen in ihrem Wesen dieselbe geblieben.
-Die Druckweise Gutenbergs ist nicht veraltet und weder durch die
-Lithographie, noch durch die Photographie, noch durch irgend ein
-anderes Verfahren der Neuzeit in Schatten gesetzt; ihr gehört immer
-noch die Führung der graphischen Künste, und sie wird ihr wohl auch für
-die Zukunft bleiben.
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- * * * * *
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- Die Anfänge der
- Buchbinder-
- kunst.
-
-In engster Verbindung mit der Buchdruckerkunst stand die
-BUCHBINDERKUNST[7], und es konnte von einer solchen eigentlich erst
-nach der Entstehung des gedruckten Buches die Rede sein. Die ältesten
-handschriftlichen Denkmale sind nicht in Bogen-, sondern in Rollenform,
-indem man ein Blatt an das andere der Länge nach klebte und das Papier
-nur einseitig beschrieb, sie konnten also auch nicht gebunden werden,
-sondern mussten als Rolle (_volumen_) behandelt werden. Nach der
-Erfindung des Pergaments trat ein anderes Verfahren ein, man faltete
-die Pergamentblätter, beschrieb sie auf beiden Seiten und bildete
-Lagen, gewöhnlich aus vier Doppelblättern bestehend. Diese wurden
-auf schmale Streifen Pergament geheftet und mit einem Stück Pergament
-umgeben, von welchem das obere Blatt öfters breiter geschnitten war,
-als die anderen Blätter, so dass es wie die Klappe einer Brieftasche
-die eingelegten Blätter schützte.
-
- [7] □Rich. Steche□, Zur Geschichte des Bucheinbandes. (Archiv
- z. G. d. Buchh. I.) Leipzig 1878. -- □G. Peignot□, _Essai
- etc. sur la relieure des livres_. Dijon 1834. -- □J.
- Cundall□, _On bookbinding ancient and modern_. London
- 1880. -- _Monuments inédits ou peu connus, faisant partie
- du Cabinet du_ G. Libri. London 1864. -- □M. Michel□, _La
- reliure française depuis l'invention de l'impr._ Paris
- 1880.
-
- Die Diptychen.
-
- Ritualbücher.
-
-Von eigentlichen festen Einbänden gaben die römischen Diptychen, d.
-h. zwei mit Wachs überzogene, an der einen Langenseite verbundene
-Holztafeln, die ersten Proben. Waren in dieser Weise, statt zwei, drei
-oder mehr Platten verbunden, so hatte man Triptychen oder Polyptychen.
-Die Deckelseiten wurden öfters mit Schnitzwerk, Bildnissen von Konsuln
-oder Kaisern, in der christlichen Zeit von Heiligen geschmückt, wobei
-es mitunter einem Kaiser passierte zu einem Heiligen zu avancieren. Für
-die schweren Ritualbücher auf Pergament wurden ähnliche feste Einbände
-beibehalten, und die Deckel in Holz oder Elfenbein künstlich geschnitzt
-oder in durchbrochenem Metall gearbeitet, oft unter Ausschmückung mit
-Perlen und Edelsteinen. Auch Sammet- und Seidenüberzüge mit reichen
-Goldstickereien kamen zur Anwendung. Während des □xi.□ Jahrhunderts
-machte sich der deutsche Kunstfleiss und Geschmack, namentlich am
-Niederrhein, geltend. Es entstanden eine grosse Anzahl Arbeiten in
-Metall mit farbenprächtigem Schmelz überzogen, eine Technik, die im
-□xii.□ Jahrh. besonders in Limoges in Frankreich zur Geltung kam.
-
-Solche wertvolle Bände sind in ziemlich grosser Zahl erhalten. Die
-Werkstätten befanden sich in den Klöstern; die Verfertiger waren Mönche
-oder Laienbrüder und arbeiteten mit den Abschreibern und Illuminatoren
-Hand in Hand.
-
- Lederbereitung.
-
-Durch die Kreuzzüge lernte man die kunstreiche Lederbearbeitung des
-Orients kennen. Das Gerben der Tierfelle ward schon in alter Zeit von
-den Chinesen und Ägyptern in hoher Vollendung geübt. Durch die Araber
-wurde diese Technik nach Spanien und Sicilien gebracht. Der Corduan,
-der Saffian, das Chagrinleder und die Juchten gaben ein vortreffliches
-Material für Bucheinbände ab.
-
-Der Corduan (so nach der Stadt Cordova, von den Franzosen _Maroquin_,
-von den Engländern _Morocco_ genannt) ist ein narbiges Ziegenleder, von
-dem sich der Saffian nur durch seine Glätte unterscheidet. Der Chagrin
-(persisch _Sagre_) ist wie mit runden Körnchen übersät, was durch
-Hineintreten von Samenkörnern hervorgebracht wird. Juchten ist meist
-Rinds- oder Pferdeleder, welches mit Laugen, Beizen und Farbstoffen
-behandelt und durch Birkenöl geschmeidig gemacht wird.
-
-Durch Verzierungen wurden die Lederflächen belebt, in der ältesten Zeit
-sind diese gewöhnlich in das Leder eingeschnitten und die vertieften
-Stellen mit Farbe ausgemalt. Der Grund wird öfters punktiert oder
-mit kleinen eingetriebenen Verzierungen in Kreisform ausgefüllt. Das
-feuchte Leder wurde auch mit dem Modellier-Eisen plastisch bearbeitet
-und reiche Figurenbilder hergestellt. Manchmal kam die Schrotmanier
-zur Anwendung. Von den mit Stanzen und Rollen eingepressten Ornamenten
-wurde ein sehr freigebiger Gebrauch gemacht. Die Ecken waren gewöhnlich
-mit, meist durchbrochenen, Metallbeschlägen versehen. Spangen
-(Klausuren, Schleissen), teils von Leder, teils von Metall, hielten die
-Deckel zusammen. Die grossen Folianten waren ungemein schwer, ruhten
-gewöhnlich auf Schrägpulten und waren oft in den Bibliotheken an Ketten
-gelegt.
-
- Die Einbände des
- König Matthias
- Corvinus.
-
-Den Übergang zur Renaissancezeit bilden die Arbeiten, welche der
-ungarische König Matthias Corvinus in seiner ausgezeichneten Bibliothek
-zu Ofen gesammelt hatte. Sämtliche Bücher dieser Bibliothek, für welche
-jährlich 33000 Dukaten verwendet wurden, wurden in Sammet oder Leder
-gebunden, mit goldenen oder silbernen Spangen und mit dem Wappen des
-Königs geschmückt. Dreissig Schreiber und Maler, darunter bedeutende
-Künstler, waren regelmässig für die Bibliothek beschäftigt.
-
- * * * * *
-
- Segensreicher
- Einfluss der Buch-
- druckerkunst.
-
-DIE LITTERARISCHE PRODUKTION[8]. Es ist nicht die Aufgabe eines
-Handbuches der Geschichte der Buchdruckerkunst, die Werke alle
-aufzuzählen, welche den Pressen ihr Dasein verdanken, noch weniger eine
-Kritik zu üben, aber es dürfte doch geboten sein, in aller Kürze zu
-überblicken, in welcher Weise die Presse und der Buchhandel sich bei
-der Verbreitung der Erzeugnisse des Geistes in der ersten Zeit -- der
-Periode der Wiegendrucke (Inkunabeln) -- beteiligten[9].
-
- [8] Von den vielen bibliographischen Werken, welche die
- früheren Erzeugnisse der Presse verzeichnen und zumteil
- näher beschreiben, nennen wir nur einige wenige der
- hervorragendsten und vollständigsten, da kaum anzunehmen
- ist, dass viele der dem Buchdruckfach angehörenden Leser
- dieses Handbuches in solchen Werken Belehrung suchen
- werden, und andere, dem Litteraten- und Buchhändlerberufe
- sich widmende, die betreffende Litteratur kennen:
-
- □Mich. Maittaire□, _Annales typographici ab artis inventæ
- origine ad Annum MD_. (Die bis zum Jahr 1500 erschienenen
- Werke bezeichnet man im engeren Sinn als Wiegendrucke,
- Inkunabeln.) Tom. I des ganzen Werkes. Haag 1719,
- vervollständigt durch die _Ed. nova_ (als Tom. IV).
- Amsterdam 1733. -- □Georg Wolfg. Panzer□, _Ann. typ. ab
- etc. ad annum MDCXXXVI_. 11 Bände. Nürnberg 1793-1803.
- -- □Ludw. Hain□, _Repertorium Bibliogr. ab etc. usque
- ad annum MD_. Stuttgart 1826-1838. -- □J. Ch. Brunet□,
- _Manuel du libraire et de l'amateur de Livres_. 5. Aufl.
- 6 vols. Paris 1860 u. flg. -- □J. G. Th. Grässe□, _Trésor
- de livres rares et précieux_. Dresden 1859 u. flg.
- Des näheren verweisen wir auf □Dr. Julius Petzholdt□,
- _Bibliotheca Bibliographica_, Kritisches Verzeichnis
- der das Gesamtgebiet der Bibliographie betreffenden
- Litteratur des In- und Auslandes. 938 S. gr. 8. Der
- Umfang beweist schon den enormen Reichtum dieser
- Litteratur.
-
- [9] □Ch. F. Harless□, Die Litteratur der ersten hundert Jahre
- nach der Erfindung der Typographie. Leipzig 1840. -- □A.
- Kirchhoff□, Die Handschriftenhändler des Mittelalters.
- 2. Ausg. Leipzig 1853. -- □A. Kirchhoff□, Beiträge zur
- Gesch. des deutschen Buchh. 2 Bde. Leipzig 1851-1853;
- weitere Beiträge 1855. -- □Dr. F. Sachse□, Die Anfänge
- der Büchercensur in Deutschland. Leipzig 1869.
-
-Musste auch die Presse in ihren Anfängen vielfach der mystischen
-Schwärmerei, der pedantischen Scholastik und spitzfindigen Dialektik
-sowie dem Aberglauben und der Charlatanerie dienen, so dauerte es
-doch nicht lange, bis ihr segensreicher Einfluss sich auf das ganze
-wissenschaftliche und Kulturleben geltend machte. In allen Fächern
-entbrannte ein Wettkampf der Gelehrten und Kunstverständigen, um
-durch die Presse ihre Kenntnisse, Erfahrungen und Entdeckungen weiter
-zu verbreiten, Irrtümer aufzuklären und die Fesseln des Wahnes zu
-sprengen.
-
- Verbreitung der
- heil. Schriften.
-
-Als die segensreichste Wirkung der Erfindung der Buchdruckerkunst ist
-die rasche Durchführung der Reformation zu bezeichnen. Die Presse
-bemächtigte sich sofort der heiligen Schriften, und wie schon oben
-berichtet wurde waren nicht weniger als drei Ausgaben der lateinischen
-Bibel die Hauptwerke des Erfinders und seiner Geschäfts-Nachfolger.
-Zu diesen kamen die weiteren Bibel-Ausgaben des Mentelin und des
-Eggesteyn in Strassburg, des Günther Zainer und des Ant. Sorg in
-Augsburg, des Bernh. Richel in Basel, des Ulrich Zell und des Nik.
-Götz in Köln, des Sweynheim und Pannartz in Rom, des Sensenschmid
-und der Koberger in Nürnberg. In Paris erschien die Bibel 1476, in
-Venedig 1475, in Neapel 1476; deutsche Bibeln wurden verbreitet in
-Strassburg 1466, in Augsburg 1469, in Nürnberg 1471; Ausgaben in
-französischer, italienischer, spanischer und holländischer Sprache gab
-es in den siebenziger Jahren; plattdeutsche in Köln 1480, in Lübeck
-1494; englische, dänische, schwedische und polnische Bibeln folgten zu
-Anfang des □xvi.□ Jahrhunderts. Wie es die lateinisch gedruckte Bibel
-war, welche Luther das Licht anzündete, so war es wieder die deutsch
-gedruckte Bibel in Luthers unübertroffener Übersetzung, die im Verein
-mit seinen eigenen Schriften und denen Philipp Melanchthons, Ullrich
-Zwinglis, Joh. Calvins, John Knox' und anderer Reformatoren, unter das
-Volk ein helles, nicht mehr zu verlöschendes Licht verbreiten.
-
- Die Kirchenväter
- und Scholastiker.
-
-Neben der Bibel wurden namentlich die □Kirchenväter□ in korrekten
-und schönen Ausgaben gedruckt, als: Lactantius, Augustinus,
-Eusebius, Nemesius, Clemens von Alexandrien u. a. War der Nutzen
-dieser und ähnlicher Werke für die Wissenschaft auch kein durchweg
-unzweifelhafter, so wurde durch sie doch manche nützliche Kenntnis
-verbreitet. Selbst die Häupter der Scholastik Thomas von Aquino,
-Michael Scotus, Albertus Magnus blieben nicht ohne fruchtbringende
-Anregungen, nicht zu vergessen Roger Baco.
-
- Die klassische
- Litteratur.
-
-Gross waren die Fortschritte auf dem Gebiete der □klassischen
-Litteratur□ und der Philologie. Italien, dessen Boden am besten
-vorgeebnet war, ging voran; es folgten in ruhmwürdiger Weise namentlich
-Frankreich und die Niederlande. Zuerst kamen die römischen Klassiker
-an die Reihe, dann die griechischen in lateinischer Übersetzung,
-schliesslich die Ausgaben in der griechischen Ursprache. Die ersten
-Förderungsmittel der Linguistik waren die Donate, denen dann viele
-andere Grammatiken folgten.
-
-Die Zahl der Klassiker-Ausgaben und der Kommentare war eine bedeutende.
-Den Anfang machte _Cicero de officiis_ (1465 bei Fust und Schöffer);
-bis zum Jahre 1500 erschienen verschiedene Werke Ciceros zusammen
-in über 100 Ausgaben. Den Vorrang in dem Klassikerdruck behauptete
-Venedig, dann folgten Rom, Florenz, Mailand, Neapel, Bologna, Paris,
-Köln, Augsburg, Nürnberg, Ulm. Die römischen Dichter erschienen fast
-alle in den ersten 25 Jahren der Kunst, die griechischen in den letzten
-Dezennien des □xv.□ und in den ersten des □xvi.□ Jahrhunderts. Der
-Lieblingsdichter war Virgil (1469 bei Sweynheim), von welchem im Jahre
-1500 schon siebenzig Ausgaben existierten.
-
- Philosophen und
- Naturforscher.
-
-Unter den □Philosophen□ und □Naturforschern□ stand Aristoteles
-begreiflicherweise obenan. Seine Werke erschienen, jedoch sehr
-entstellt, in lateinischer Übersetzung nach syrischen oder arabischen
-Bearbeitungen; eine vollständige lateinische Ausgabe nach dem Originale
-erblickte erst 1473 das Licht durch Andreas de Asola in Venedig; die
-erste Original-Ausgabe brachte Aldus Manutius (1495-1498) in 5 Bänden;
-Plato fand erst später Anerkennung.
-
-Auch die □Historiker□, □Geographen□ und □Mathematiker□ der Alten wurden
-verbreitet. Bemerkenswert sind namentlich die Ausgaben des Ptolomäus
-mit 27 grossen in Kupfer gestochenen Karten von Arnold Buckink e
-Germania und des Euklid in der prachtvollen Ausstattung durch Ratdolt
-(1482).
-
- Die Reise-
- beschreibung.
-
-Dass die Typographie sich auch der neuen □Erd-□ und □Reisebeschreibung□
-zuwendete, war schon durch die einflussreichen Ereignisse der Kreuzzüge
-und der grossen Entdeckungen gegeben. Die Kreuzzüge hatten nicht nur
-die Streiter für die Kirche massenhaft in Bewegung gesetzt, sondern
-auch manche friedliche und wissbegierige Reiselustige, Minstrels und
-auch Abenteurer aller Art wurden nach dem Orient gelockt. Dadurch
-entstanden nicht nur jene romantischen Legenden von dem heiligen
-Lande, von den Heldenthaten und Abenteuern der Ritter, sondern auch
-Beschreibungen von Reisen und Erlebnissen auf letzteren. Öfters
-gingen auch Gesandtschaften an die Herrscher Asiens. Berühmt geworden
-vor allen Reisenden in Asien ist der Venetianer Marco Polo. Eine
-italienische Ausgabe seiner Reisen ist erst aus dem Jahre 1496 bekannt;
-ob eine frühere existierte, weiss man nicht, eine deutsche, nach
-einer lateinischen Ausgabe veranstaltete Übertragung war schon 1477
-vorhanden. Die Reise Bernh. Breydenbachs fand grossen Anklang.
-
- Die Entdecker.
-
-Eine noch grössere Bedeutung für die geographische Litteratur als
-die Kreuzzüge hatten die grossen Entdeckungen von Christoph Columbus,
-Amerigo Vespuzzi, Fernando Cortez in Amerika, sowie von Vasco de Gama,
-Albuquerque in Afrika und Indien. Berichte über diese Entdeckungen
-lieferten teils die Entdecker selbst, teils Andere. Bedeutend für
-die Kosmographie und die Kartographie war Martin Behaim aus Nürnberg
-(1436-1507).
-
- Die Chroniken.
-
-Weniger anziehend waren die Erscheinungen auf dem Gebiete der
-□Geschichte□. Die Annalen und Chroniken waren meist trockene
-kritiklose Aufzählungen von Daten, oder mehr oder weniger dichterisch
-ausgeschmückte Erzählungen von den Heldenthaten der Ritter. Durch ihre
-reiche Illustrierung epochemachend war die Schedelsche Chronik.
-
- Die juristische
- Litteratur.
-
-Unter den Werken der □Jurisprudenz□ waren namentlich die _Institutiones
-juris Justiniani_, zuerst von Schöffer 1468 gedruckt, welche in
-zahlreichen Ausgaben verbreitet wurden.
-
- Die Naturwissen-
- schaften und die
- Heilkunde.
-
-Die Werke auf dem Gebiete der gesamten □Naturwissenschaften□ und
-der □Heilkunde□ blieben zumeist ohne grossen Wert. Den Anfang machte
-auch hier der Druck der Schriften der alten römischen, griechischen
-und arabischen Ärzte, namentlich des sogenannten Fürsten der Ärzte,
-Avicenna, von dessen Schriften bereits vor 1500 mehr als 25 Ausgaben
-im Druck erschienen waren. Bedeutende wissenschaftliche Ausbeute geben
-sie nicht. Leerer Dogmatismus, Alchemismus und Astrologismus hemmten
-die freie Forschung. Die grossen geographischen Entdeckungen sollten
-jedoch auch nicht ohne wohlthätigen Einfluss auf die Naturwissenschaft
-und ihre Litteratur bleiben, man lernte neue Pflanzen, neue Heilmittel
-und leider auch neue Krankheiten kennen. Es entstanden hierdurch die
-zahlreichen mit Illustrationen geschmückten Kräuterbücher und Gärten
-der Gesundheit.
-
- Die Poesie.
-
-Italien hatte, wie oben schon erwähnt wurde, noch vor der Erfindung der
-Buchdruckerkunst seine grossen □Dichter□: Dante Alighieri, Boccaccio
-und Petrarca hervorgebracht. Dantes _Divina commedia_ wurde zum
-erstenmale 1472 in Foligno gedruckt; seine gesammelten Gedichte 1500.
-Boccaccios _Decamerone_ erschien schon 1470 und dann in sehr vielen
-Ausgaben, unter welchen die berühmte Valdarfersche (1471). Die erste
-Gesamtausgabe des Boccaccio datiert aus dem Jahre 1490. Petrarcas
-_Sonetti e trionfi_ wurden 1471 durch den Druck veröffentlicht.
-
-An die Meisterwerke der Poesie Italiens reichen die dichterischen
-Erzeugnisse der anderen Länder nicht heran. Mit wenigen Ausnahmen
-bewegen sich diese in der breiten, epischen Romantik des Rittertums, in
-den Heldenliedern, in den lyrisch-elegischen Gesängen der Troubadours
-und Minnesänger, in den, teils scherzhaften, teils ernsten Volksliedern
-oder in langweiligen didaktischen Gedichten. Unter den humoristischen
-und satirischen Schriften macht namentlich Sebastian Brants
-Narrenschiff mit seinen Illustrationen Epoche.
-
- Trennung der
- Buchdruckerei
- vom Buchhandel.
-
-Der BUCHHANDEL. Mit den steigenden Bedürfnissen der Lesewelt und
-der Verbreitung der Pressen selbst nach kleineren Städten musste
-die Vereinigung des Schriftgiessers, Buchdruckers, Verlegers
-und Händlers in einer Person von selbst fallen und die einzelnen
-Geschäftszweige lösten sich nach und nach vom Stamme ab. Zuerst
-musste der Buchdrucker-Verleger bei der Schwierigkeit des Betriebs
-Persönlichkeiten suchen, die seine Fabrikate an das Publikum
-verhandelten. So nahmen schon Peter Schöffer den Conrad Henliff;
-Joh. Mentel den Adolf Rusch als Bevollmächtigte und Teilnehmer an,
-welche weite Reisen machten, um die Bücher an den Mann zu bringen,
-wozu sie sich auch der Kaufleute bedienten, die Bücher zugleich
-mit anderen Waren führten. Neben dem kaufmännisch organisierten
-Vertrieb fand auch das Kolportieren, das Webern, statt. Schon im
-□xv.□ Jahrhundert fanden sich bedeutende Buchhändler. Niederlagen
-wurden an den Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, und gegen Ende des
-Jahrhunderts war der Buchhandel in Venedig, Lyon, Frankfurt am Main
-schon von grosser Bedeutung. Auch Köln war, wenn als Verlagsplatz auch
-unter dem drückenden Einfluss der geistlichen Bevormundung stehend,
-ein wichtiger Ort namentlich für die Vermittelung des Absatzes nach
-den reichen Niederlanden, wo die Buchhändler der angesehenen St.
-Lucas-Gilde angehörten, und nach England, wo indes der Buchhandel sich
-nur langsam entwickelte, da es keine Bücher in Tausch anzubieten hatte.
-Um bedeutende Werke erscheinen lassen zu können, wurde öfters zur
-Association unter Buchdruckern und Buchhändlern geschritten. Man teilte
-dann gewöhnlich die Auflagen.
-
- Die Zensur.
-
-Als die Bedeutung der neuen Kunst den geistlichen und weltlichen
-Behörden klar geworden war, fand sich, als unwillkommener Gast,
-baldigst die □Zensur□ ein, schon in den sechziger Jahren in Köln,
-später in Mainz. Die Formel in Köln lautete: _admissum ac approbatum ab
-alma universitate Coloniensi_. Ob jedoch vom Beginn ab die Einholung
-der Approbation ein Zwang war, oder ob diese mehr als eine Empfehlung
-nachgesucht wurde, ist nicht ganz klar. Gegen das Ende des □xv.□
-Jahrh. findet man jedoch in allen deutschen Erzdiözesen eine wirkliche
-geistliche Zensur eingeführt.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
- ZWEITES BUCH.
-
- [Illustration:Verzierung]
-
- GLANZPERIODE UND VERFALL
-
- DER
-
- BUCHDRUCKERKUNST
-
- 1500-1750.
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH.
-
-
-WIR haben in dem vorstehenden gesehen, wie überraschend schnell
-die Verbreitung der Buchdruckerkunst durch alle Länder Europas sich
-vollzog, auch die Verhältnisse und Gründe kennen gelernt, welche zu
-diesen ausserordentlichen Erfolgen beitrugen. Wir treten jetzt an die
-zweite, die schönste, Periode der Typographie heran, in welcher sie
-ihren Weltgang vollendete und in Europa zur hohen Blüte gelangte.
-
-Gelehrte von Ansehen wenden sich, teils direkt als praktische Ausüber,
-teils indirekt als fördernde Herausgeber, Redaktoren und Korrektoren,
-der Buchdruckerei zu, als dem vollendetsten Mittel, Aufklärung
-überallhin zu verbreiten. Sie schaffen durch dieselbe zahlreiche
-Ausgaben der Klassiker und andere Werke, deren äussere Ausstattung mit
-dem inneren Wert harmoniert. Eine Anzahl von Familien, die man als
-den Adel der Buchdrucker bezeichnen kann, erwirbt durch treffliche
-Arbeiten Ruhm und bewahrt diesen durch lange Reihen von Jahren.
-Gebildete Herrscher, in Deutschland voran der Kaiser Maximilian □i.□
-und die sächsischen Fürsten, in Frankreich Franz □i.□ und fast alle
-seine Nachfolger, verschmähen es nicht der Typographie und den mit ihr
-verwandten Gewerben ihre persönliche Aufmerksamkeit zu schenken.
-
-Die Buchdruckerkunst ist in den Dienst der Wissenschaft getreten, sie
-ist ihr aber mehr eine sorgsame Genossin denn eine rastlos für alles
-schaffende Magd.
-
-Die schönsten Früchte der ersten Hälfte des □xvi.□ Jahrhunderts
-reifen jedoch erst durch die enge Vereinigung der Xylographie mit
-der Typographie. Bedeutende Künstler, die zum Teil nur durch die
-Holzschnitte ihren Ruf haben, welche, wenn nicht von ihnen selbst, so
-doch unter ihrer Leitung ausgeführt wurden, widmen sich mit Vorliebe
-der Illustration. So entstehen sowohl viele, heute noch mustergiltige
-ganze Werke, als zahllose Einzelblätter.
-
-Diese Hinneigung zum Holzschnitt war nicht dem Zufall oder nur der
-Bequemlichkeit, für ihn zu zeichnen, zuzuschreiben, sondern sie lag
-in den Verhältnissen tiefer begründet. Es konnte nicht anders sein,
-als dass die Maler der Reformationszeit, welche Zeugen der Segnungen
-der Erfindung Gutenbergs waren, die populärste Kunst, die Xylographie,
-deren Erzeugnisse so leicht und so weit durch die Druckerpresse
-verbreitet werden konnten, freudig begrüssen und begierig eine
-Gelegenheit ergreifen würden, durch welche auch sie berufen waren, an
-dem grossen Werke der Reformation thätig mitzuwirken.
-
-So wurde das Zeitalter der Reformation, wie die Gegenwart, zugleich ein
-Zeitalter der Illustration und die glückliche Verbindung von Bild und
-Wort hat denn auch gar viel zur schnellen Verbreitung der Bildung durch
-alle Schichten beigetragen. Die Geschichte der illustrierenden Künste,
-speziell der Xylographie, ist deshalb nicht von der Geschichte der
-Typographie dieser Periode zu trennen.
-
-Bei den in der Gegenwart mächtig sich kundgebenden ernsten
-Bestrebungen, die zur Zeit der Renaissance bestandene innige
-Verbindung der Kunst mit dem Gewerbe wieder herzustellen, musste
-sich notwendigerweise auch die Aufmerksamkeit aller strebenden Jünger
-Gutenbergs den goldenen Tagen der Druckkunst zuwenden.
-
-Ehrt man auch die vorangegangenen Anfänge der druckenden Künste als
-die ältesten ehrwürdigen Denkmale, verfolgt man auch mit lebhafter
-Teilnahme die allmählichen Fortschritte der Kunst bis zum Beginn des
-□xvi.□ Jahrhunderts, so kann doch nur ein einseitiges Schwärmen für
-die Vergangenheit in diesen Leistungen -- mit wenigen Ausnahmen --
-nachahmungswürdige Vorbilder erblicken.
-
-Anders verhält es sich jedoch mit den Werken derjenigen Periode,
-vor welcher wir jetzt stehen. Hier haben wir es nicht mehr mit nur
-historisch interessantem oder relativ gutem zu thun, sondern mit
-Erzeugnissen der besten Schriftschneider, Buchdrucker und Holzschneider
-und mit meisterlichen Schöpfungen noch heute nicht übertroffener
-Künstler. Die Werke der Renaissancezeit bilden einen Born, aus dem man
-immer und immer schöpfen kann, ohne dass ein Versiegen bemerkbar wäre.
-
-Deshalb kann auch ein Zurückgreifen der Schriftschneider auf die besten
-Schriften des späteren Mittelalters oder ein Hervorholen der, lange
-Zeit in den Kunstsammlungen und Bibliotheken für das grosse Publikum
-begraben gewesenen Ornament- oder sonstigen Illustrations-Schätze nicht
-als ein Rückschritt zu etwas „veraltetem“ bezeichnet werden. Nach den
-Ausschreitungen über die Grenzen des Schönen, des Zweckmässigen und
-der wirklichen Fortschritte hinaus, an welche die neuere Zeit ebenso
-reich ist wie an wirklichen Verbesserungen, trat das Bedürfnis ein, die
-ruhigen, einfachen und doch kräftigen Formen der Glanzperiode wieder
-aufzusuchen, und was die Illustration betrifft, so kehren Künstler
-ersten Ranges mit Befriedigung zu der edlen einfachen Weise eines Dürer
-oder Holbein zurück.
-
-Damit sei aber nicht behauptet, dass in dieser Richtung nicht das
-rechte Mass vielfach überschritten werde und dass nicht sklavische
-Nachahmungssucht auf Irrwege geführt habe, aber im grossen und
-ganzen bleibt es doch wahr, dass der denkende Schriftgiesser, der
-illustrierende Künstler und der Typograph in der Renaissancezeit
-die reichste Anregung und schönste Ermunterung für ein gedeihliches
-Schaffen auf ihren Gebieten suchen können und finden werden.
-
-Darum bedarf es auch nicht der Entschuldigung, wenn wir bei dieser
-bevorzugten Zeit und den hervorragenden Persönlichkeiten derselben mit
-Vorliebe etwas länger verweilen; mussten doch gar zu bald fast in allen
-Ländern die Folgen der kirchlichen und politischen Spaltungen sich
-kund geben und der helle Glanz dem mehr oder weniger tiefen Dunkel des
-Verfalls weichen.
-
-Leider sollte dieser Rückfall auf das empfindlichste das Heimatland
-der Erfindung treffen. Der Bauernkrieg, die langen inneren religiösen
-Kämpfe, vor allem der unselige dreissigjährige Krieg und die
-verwüstenden Züge der Franzosen schlugen der geistigen Entwickelung
-Deutschlands und seinem nationalen Wohlstande tiefe Wunden, die
-nur langsam vernarben konnten. Erst zu Ende der vorliegenden
-Periode zeigten sich der aufgehende Stern des preussischen Staates
-und die Anfänge der neueren nationalen Litteratur als Vorboten
-des Fortschrittes auf dem Gebiete der politischen und geistigen
-Machtstellung Deutschlands.
-
-Je höher der Gipfel war, den Kunst und Bildung in Italien erreicht
-hatten, um so tiefer war der Fall, der auch hier eintrat. Zu gleicher
-Zeit seufzte Spanien unter dem Joche der Jesuiten und den Greueln der,
-den physischen und geistigen Tod verbreitenden Inquisition.
-
-Frankreich musste unter politischen und Religionskämpfen bluten,
-erreichte jedoch trotzdem in dieser Periode unter der glanzvollen
-Regierung Ludwigs □xiv.□ sein höchstes äusseres Ansehen und seinen
-litterarischen Zenith. Infolgedessen sinkt die Typographie hier auch
-nicht so schnell und erst zu einer Zeit, wo wir bereits von einem
-beginnenden Wiederaufblühen in anderen Ländern, namentlich in England,
-zu berichten haben.
-
-Hier war eine Regierungsumwälzung der anderen gefolgt und die Presse
-hatte in schweren Fesseln gelegen, bis gegen den Schluss der Periode
-die Freiheit für immer einen festen Boden gewann, auf dem dann auch die
-Buchdruckerkunst sich eben so mächtig wie schnell entfaltete.
-
-Im skandinavischen Norden wüteten die verwandten Stämme gegen einander
-und Schweden verzehrte ausserdem seine Kräfte in dem dreissigjährigen
-Krieg und in den Kämpfen mit Russland. Die Türken überschwemmten Ungarn
-und Österreich. Schwere und weitverbreitete Seuchen glichen in ihren
-Folgen den Kriegen.
-
-Somit war ein grosser Teil des zweiten und des dritten Jahrhunderts
-der Buchdruckerkunst eine, dieser sehr ungünstige Zeit, in der sie
-nothwendigerweise leiden musste, und erst das vierte Jahrhundert sollte
-sie zum neuen Glanz wieder erstehen sehen.
-
-Werke, welche ein Gesamtbild dieser interessanten Periode der
-typographischen und xylographischen Thätigkeit geben, oder auch
-nur die Geschichte der einzelnen Hauptländer in ihrer Totalität
-schildern, besitzen wir nicht. Dagegen giebt es eine stattliche Reihe
-erschöpfender Schilderungen der Wirksamkeit hervorragender Familien
-oder einzelner Persönlichkeiten, welche den Kern dieser Zeit bilden.
-Was die Meister der Typographie betrifft, so befindet sich das Ausland
-in einer besseren Lage als Deutschland, welches nicht einmal ein
-biographisch-kritisches Werk über die Familie Breitkopf aufzuweisen
-hat. Es sind namentlich die Franzosen, die sich durch solche Arbeiten
-Verdienste erworben haben.
-
-Dahingegen bietet Deutschland vorzügliche Werke über seine grossen
-Künstler, die auch für die Illustration thätig gewesen sind. Solche
-Quellen des In- und Auslandes werden an den betreffenden Stellen
-angeführt, hier sei nur der bereits eingangs erwähnten allgemeinen
-Schilderungen □Jacksons, Chattos□ und □Firmin Didots□ gedacht, sowie
-des, von Dr. □Rob. Dohme□ herausgegebenen Kollektiv-Werkes: „Kunst und
-Künstler des Mittelalters und der Neuzeit“. 5 Bde. (Leipzig 1875-1881),
-das kritische Würdigungen und biographische Skizzen fast aller der
-Kleinmeister, die für die Illustration so Bedeutendes geschaffen haben,
-enthält.
-
-Einen grossen Vorteil bieten die Kunstverfahren der Neuzeit:
-Photographie, Lichtdruck, Photolithographie und Zink-Hochätzung,
-durch die Möglichkeit, mittels derselben eine Anzahl von Werken
-aus der Renaissancezeit, die auf Grund ihrer Seltenheit und ihrer
-hohen Preise nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, in getreuen
-Nachbildungen allgemein zu verbreiten; denn Werke, die wie □R.
-Weigels□ wertvolles „Holzschnitte berühmter Meister“ (Leipzig 1857),
-vorzügliche Nachbildungen in Xylographie bringen, sind nur bei grosser
-Opferwilligkeit des Verlegers möglich.
-
-Unter den Kollektivwerken, welche durch die oben erwähnten Verfahren
-eine reiche Auswahl des für den Typographen zu Studium und Nacheiferung
-Geeigneten bringen, sind namentlich die von □G. Hirth□ in München und
-Leipzig herausgegebenen: „Der Formenschatz der Renaissance 1500-1600“
-und „Die Bücherornamentik der Renaissance“ erwähnenswert.
-
-Die Schriften der deutschen Fachgenossen aus älterer Zeit geben in
-Bezug weder auf äussere noch innere Verhältnisse der Buchdruckereien
-eine nennenswerte Ausbeute. Zu erwähnen sind:
-
-□J. H. G. Ernesti□, „Die wol-eingerichtete Buchdruckerey“, (Nürnberg
-1721). Mit vielen deutschen, lateinischen und orientalischen Schriften.
-
-□Chr. Fr. Gessner□, „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und
-Schriftgiesserey“. 4 Teile. (Leipzig 1740-1745). Ein reichhaltiges,
-fleissig zusammengetragenes Buch mit vielen Illustrationen technischer
-und geschichtlicher Natur.
-
-□Ch. G. Täubel□, „Theoretisch praktisches Wörterbuch der
-Buchdruckerkunst und Schriftgiesserei“ (Wien 1805).
-
-Höher stehen folgende Werke des Auslandes.
-
-□M. D. Fertel□, _La science pratique de l'imprimerie. Avec des fig._ 2
-Bde. (St. Omer 1723).
-
-□P. S. Fournier, Le Jeune□, _Manuel typographique_. 2 Bände (Paris
-1764). Das auf vier Bände berechnete Werk wurde durch den Tod des
-Verfassers unterbrochen.
-
-□Joseph Moxon□, Mechanick Exercises; or the doctrine of Handy-works,
-applied to the art of printing_ (London 1677-1696). Das Buch ist sehr
-selten und Schreiber dieses nicht zurhand gewesen.
-
-□John Johnson□, _Typographia or the Printers Instructor_. 2 Bde.
-(London 1824), und □Thomas Curson Hansard□, _Typographia_ (London
-1825), erschienen fast gleichzeitig und beide Verfasser waren tüchtige
-Typographen.
-
-□C. H. Timperley□, _Encyclopaedia of literary and typographical
-anecdote_ (London 1842) ist als eine vorsorglich gefüllte Vorratskammer
-zu betrachten. Die unzähligen Artikel sind nach den Jahreszahlen, aus
-allen Ländern untereinander, gereiht.
-
-Ein sehr schätzbares Werk aus allerneuester Zeit ist:
-
-□E. C. Bigmore□ _and_ □C. W. H. Wyman□, _A Bibliography of printing
-with notes and illustrations_. I. Band. A-L (London 1880). Das Buch
-enthält nicht nur eine reiche, wir möchten fast sagen überreiche,
-typographische Bibliographie aller Länder von der ältesten Zeit bis
-auf heute, sondern auch eine Menge von schätzbaren historischen Notizen
-und Illustrationen. Die Fortsetzung des Werkes erscheint vorerst in der
-von C. Wyman herausgegebenen vortrefflichen Fachzeitschrift: _Printing
-times and Lithographer_.
-
-Die bereits in dem □i.□ Buch erwähnten Spezialgeschichten einzelner
-Druckorte werden in dem □ii.□ Buch nicht wiederholt.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-VI. KAPITEL.
-
-DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND.
-
- Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der Holzschnitt.
- Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine Zeitgenossen und Nachfolger:
- Hans Burgkmair, Hans Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein
- d. j. Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. Über
- die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner.
-
-
- Die Maler-
- schulen.
-
-UNTER wenig günstigen Verhältnissen hatte die Malerkunst in Deutschland
-sich gestaltet. Das rauhe Klima gestattete keine Entwickelung der
-Wandmalerei mit ihren grossen Verhältnissen und die alles beherrschende
-gothische Baukunst benutzte die zeichnenden Künste fast nur zum
-Zweck der Ornamentierung. Erst um die Mitte des □xiv.□ Jahrhunderts
-entstanden eigentliche Malerschulen, die jedoch in ihrer ganzen Weise
-noch die Spuren der früheren Unterordnung der Malerkunst unter die
-Architektur tragen.
-
- Köln.
-
-Unter diesen war die rheinische, nach dem Hauptorte KÖLN gewöhnlich
-die Kölnische Malerschule genannt, die bedeutendste. Sie zeichnete
-sich durch ideales Streben im Dienste der Kirche aus. Ihr eigentümlich
-waren demgemäss die schlanken, duftigen Gestalten mit heiligem
-Gesichtsausdruck in weichen Farben auf Goldgrund gemalt. Rundere,
-gedrungenere Formen entstanden erst beim Schärferwerden der
-fortschreitenden Naturbeobachtung und der Vervollkommnung der Technik.
-Wie früher die Menschen der Künstler mehr Heilige waren, so wurden
-jetzt die Heiligen mehr gewöhnliche Menschen.
-
- Prag.
-
-Im Osten war PRAG ein Hauptsitz der Kunst geworden, welche hier unter
-dem Einfluss des Kaiserhauses, besonders Karls □iv.□, eine, zunächst
-die weltliche Macht verherrlichende Richtung nahm.
-
- Brügge.
-
-Wie Köln und Prag der geistlichen und staatlichen Gewalt huldigten,
-so entwickelte sich in Brügge, wie in Nürnberg, wo Handel und Verkehr
-blühten und ein mächtiges Bürgertum herrschte, die Kunst mehr in der
-realistischen und begrenzteren Richtung des Bürgertums. BRÜGGE wurde
-die Pflanzstätte der niederländischen Kunst, die ihre besondere Grösse
-im kleinsten Genre entwickelte und sich unter der Führung Huberts van
-Eyck durch eine, bis dahin unbekannte Naturtreue auszeichnete.
-
- Nürnberg.
-
-Unterstützt durch die Energie seiner Bürger und begünstigt durch
-seine, allerdings reizlose, Zentrallage war NÜRNBERG nicht allein
-ein Stapelplatz für die Produkte und Fabrikate Deutschlands geworden,
-sondern auch ein Knotenpunkt des Zwischenhandels des Nordens und des
-Westens mit dem Süden und dem Osten. Die Selbstregierung ruhte nach
-liberalen Grundsätzen in den Händen eines aufgeklärten und reichen
-Patriziertums, welches die Rechte der, in kleineren Verhältnissen
-Lebenden zu schonen verstand. Der rege Verkehr hatte den Gesichtskreis
-nicht allein in staatlichen und kirchlichen Verhältnissen erweitert,
-sondern auch den Sinn für Wissenschaft und Kunst verallgemeinert, und
-der Reichtum gab die Mittel, sie zu fördern.
-
-Die Malerschule in Nürnberg nahm zwar unter solchen Umständen, wie
-in Brügge, einen bürgerlichen Charakter an, jedoch mit einer weit
-vornehmeren, gemütreicheren und religiöseren Richtung.
-
- Kupferstich und
- Holzschnitt.
-
-Unter Einwirkung der Buchdruckerkunst und der Reformation mussten die
-neuen Kunstverfahren des Kupferstechers und des Holzschneiders einen
-besonders günstigen Boden in Deutschland finden. Ohne Unterstützung
-des sinnebestrickenden Farbenreizes und ohne andere Effektmittel,
-als die mehr oder weniger geschwellten Linien und die weiteren
-oder engeren Strichlagen, war der Künstler gehalten, eine um so
-grössere Aufmerksamkeit der Idee, der Komposition und der korrekten
-Formengebung zuzuwenden. Bald erreichten diese Künste, indem sie sich
-den Bestrebungen der sich neu gestaltenden Zeit dienstbar machten,
-trotz des räumlich kleinen Umfanges die Bedeutung einer monumentalen
-Kunst, die am fröhlichsten dort gedeihen musste, wo die erwähnten
-Bestrebungen sich am kräftigsten äusserten, demgemäss also auch in dem
-geistig-bewegten Nürnberg.
-
- Die Formen-
- schneider.
-
-Der erste Formenschneider, der als solcher im Bürgerbuche genannt
-wird und zwar in den Jahren 1449-1492, ist □Hans Formenschneider□.
-Bei dem langen Zeitraum ist es anzunehmen, dass man es mit zwei
-Persönlichkeiten, vielleicht mit Vater und Sohn, zu thun hat. Auch
-andere werden genannt, von denen jedoch keine Arbeiten bekannt sind.
-Ein sehr unternehmender Mann war um diese Zeit □Hans Sporer d. j.□
-Seine Hauptwerke sind: „Der Endtkrist“ 2. Ausg. 1472; „Die Kunst zu
-sterben“ 1473; „Die Armenbibel“ 1475, in denen der Ausdruck der Figuren
-zum Teil noch etwas entschieden Fratzenhaftes und Gespenstisches hat.
-Auch □Georg Glockendon d. ä.□ arbeitete schon um 1480 und schnitt u.
-a. eine „Marie“ mit fünf weiblichen Heiligen und eine „Himmelfahrt
-Christi“. Von □Wolfgang Hamer□ hat man eine „Heilige Familie“[1].
-
- [1] □R. von Rettberg□, Nürnbergs Kunstleben. Stuttgart 1854.
-
- Michel Wolge-
- mut.
-
- Wilh. Pleyden-
- wurf.
-
-Der eigentliche Begründer der Nürnberger so berühmten
-Holzschneiderschule und wahrscheinlich der Einführer des Kupferstiches
-in Nürnberg ist □Michel Wolgemut□ (geboren 1434). Seine künstlerische
-Ausbildung erhielt er am Rhein. Nach Nürnberg zurückgekehrt, heiratete
-er die Witwe des Hans Pleydenwurf, eines achtbaren Künstlers. Einen
-seiner Stiefsöhne, □Wilhelm Pleydenwurf□, bildete er als Künstler
-aus und errichtete, namentlich um die Ansprüche Kobergers für seine
-grossen Unternehmungen befriedigen zu können, mit ihm zusammen ein
-Holzschneide-Atelier. Dasselbe nahm eine grosse Ausdehnung an und es
-entstanden in sehr kurzer Zeit die bereits früher erwähnten Werke: „Der
-Schatzbehalter“ und Schedels „Buch der Chroniken“[2]. Pleydenwurf starb
-bereits kurz nach Vollendung derselben (1495); Wolgemut, der auch eine
-bedeutende Thätigkeit als Kupferstecher entwickelte, am 30. Nov. 1519.
-Abgesehen von seinen eigenen künstlerischen Verdiensten behält Wolgemut
-eine grosse Bedeutung als Lehrer Albrecht Dürers, der stets mit grosser
-Hochachtung von ihm sprach.
-
- [2] Vergl. S. 47.
-
- Albrecht Dürer.
-
-□Albrecht Dürer□[3], mit dem der Holzschnitt einen hohen Standpunkt
-erreichte, war am 21. Mai 1471 als dritter Sohn des gleichnamigen
-Vaters in Nürnberg geboren. □Dürer d. ä.□ war als Goldschmiedegesell
-1455 nach Nürnberg gekommen, wo sein Meister Hieronymus Holper ihm
-seine Tochter zur Frau gab, die ihm achtzehn Kinder gebar. Albrecht
-wurde von seinem Vater in dem Goldschmiedehandwerk unterwiesen,
-jedoch auf seinen dringenden Wunsch, Künstler zu werden, mit seinem
-fünfzehnten Jahre bei Michel Wolgemut in die Lehre gebracht, und er
-nahm somit vielleicht schon an den Unternehmungen Kobergers thätigen
-Anteil.
-
- [3] □A. v. Eye□, Leben und Wirken Dürers. 2. Ausg. Nördlingen
- 1869. -- □M. Thausing□, Dürer, Geschichte seines Lebens
- und seiner Kunst. Leipzig 1876.
-
- Jugendjahre.
-
-Von seinen Lehrjahren und Wanderungen ist wenig bekannt. Zu Pfingsten
-1494 kehrte er von letzteren nach Nürnberg zurück mit den äusseren
-Vorzügen des Körpers sowohl als mit den inneren des Charakters und
-der Tüchtigkeit ausgestattet. Er heiratete Jungfrau Agnes Frey, die
-hübsch und nicht unbemittelt war. Es ist behauptet worden, dass die Ehe
-nicht glücklich gewesen, doch liegen keine Beweise dafür vor, wenn es
-auch den Anschein hat, als sei die Agnes mehr eine tüchtige Hausfrau,
-als eine mit der Künstlernatur Dürers sympathisch gestimmte Seele
-gewesen. Er bezog ein Haus am oberen Ende der Zisselgasse, welches er
-gekauft hatte, um dort sein Atelier einzurichten. Das Haus, innerlich
-und äusserlich leidlich unverändert erhalten, ist in den Besitz des
-Dürer-Vereins übergegangen.
-
- Die Offenbarung
- St. Johannis.
-
- Neue Bahnen für
- den Holzschnitt.
-
-Dürer, der noch nicht seinen Weltruf hatte, musste des Verdienstes
-wegen manche Arbeiten übernehmen, an denen er sich sonst kaum versucht
-haben würde. Aber schon frühzeitig beschäftigte er sich mit einem
-Gegenstande, woran er seine ganze Kraft bethätigen und sich selbst
-genügen wollte. Im Jahre 1498 erschien sein Bildercyklus von 15
-xylographischen Darstellungen in Folio zur „Offenbarung St. Johannis“.
-Der Text ist zweispaltig auf die Rückseite der Bilder gedruckt, jedoch
-nicht immer so, dass Text und Bild korrespondieren. Das Werk erschien
-sowohl in einer deutschen als in einer lateinischen Ausgabe und in
-mehreren Auflagen. Komplette Exemplare sind selten. Hiermit war der,
-bis dahin bekannte Kreis der Leistungen weit überschritten und die
-Thätigkeit des Geistes zeigte sich selbst der aussergewöhnlichen
-Fertigkeit der Hand so weit überlegen, dass die Ausübung der Kunst
-nicht mehr als Handwerk gelten konnte.
-
-Dürers bahnbrechende Richtung für den Holzschnitt lag in seiner Manier
-für diesen zu zeichnen. Bis dahin bestand der Holzschnitt hauptsächlich
-nur in derben Umrissen auf das Kolorieren berechnet. Zwar hatte
-Wolgemut eine künstlerische Richtung mit Glück eingeschlagen, aber
-erst Dürer erreichte die Vollendung. Durch Abwechselung von Licht
-und Schatten erzielte er eine grössere malerische Wirkung, als durch
-Kolorit möglich war. Dazu gehörten jedoch Formenschneider, die auf
-seine Intentionen eingingen. Solche konnte aber Dürer ausbilden, denn
-niemand verstand es besser, als er, seinen künstlerischen Willen fest
-und bestimmt mit der Feder anzugeben. Es blieb für den Formenschneider
-nichts anderes übrig, als Strich für Strich der Zeichnung zu folgen.
-Dürer wusste ganz genau, was er der Technik des Holzschneiders zumuten
-konnte. Es war dies zwar weitergehenderes als sonst üblich, jedoch
-nicht mehr, als was mit dem einfachen Material geleistet werden konnte.
-Wie sicher er dies zu berechnen wusste, zeigt am besten der Vergleich
-seiner Holzschnitt-Technik mit seiner Kupferstich-Technik, für die
-keine solche hemmenden Schranken existierten.
-
- Verschiedene
- Arbeiten.
-
-Aus den ersten Jahren des □xvi.□ Jahrh. stammen eine grosse Zahl
-von Zeichnungen, Stichen und Holzschnitten von seiner Hand. Sein
-überströmender Geist legte in seinen Zeichnungen zum Teil die Gedanken
-nieder, die er später zu abgeschlossenen Werken ausarbeitete.
-
- Italien. Reise.
-
-Nach zehnjähriger und aufreibender Arbeit machte er eine Reise nach
-Italien. Aus den mitgenommenen kleinen Kunstwerken und den Vorräten
-seiner Stiche und Drucke hoffte er Vorteile zu erzielen, die indes
-nicht so reichlich ausfielen, wie die Ehrenbezeigungen, die ihm
-erwiesen wurden. Bei seiner Rückkehr malte er eine grosse Altartafel
-für den Kaufherrn Jakob Heller in Frankfurt, welche allgemeine
-Bewunderung erregte, aber doch so wenig lohnte, dass Dürer wieder zur
-Feder und zum Stichel griff. Zu den bedeutendsten seiner Leistungen
-gehören die drei „Passionen“ und das „Leben der Maria“ in Holzschnitt
-und Kupferstich. Sie haben durch Jahrhunderte ihren unvergänglichen
-Wert behauptet und sind wieder und wieder nachgebildet, nachdem die
-Originale nicht mehr für den Bedarf ausreichten.
-
- Die Passionen.
-
-Eine der Passionen in Folio und eine in Oktav sind in Holzschnitt
-ausgeführt, die dritte, auch in Oktav, ist in Kupfer gestochen. Die
-beiden ersteren erschienen 1511 in Buchform. Die „grosse Passion“ ist
-12 Blätter stark mit ebenso vielen Darstellungen; die „kleine Passion“
-38 Blätter mit 37 Darstellungen, beide mit lateinischen Versen von
-Chelodonius, einem Benediktinermönch und Freund Dürers. Die dritte
-„Passion“ in Kupferstich von 16 Blättern ward erst 1513 vollendet; sie
-ist ohne Text und scheint nie in Buchform ausgegeben worden zu sein.
-Die, ihrem Stoff nach umfangreichste „kleine Passion“ fängt mit dem
-Sündenfall an und endigt mit dem jüngsten Gericht; die Bezeichnung
-Passion ist demnach nicht ganz korrekt.
-
- Unser Frauen
- Leben.
-
-In keinem Werke aber prägt sich der eigentümliche Geist Dürers und
-überhaupt der deutschen Kunst voller und klarer aus, als in der Reihe
-von zwanzig, „Unser Frauen Leben“ behandelnden Holzschnitten. Auch was
-die Ausführung betrifft, gehört dieser Cyklus zu dem vorzüglichsten,
-was die Holzschneidekunst je geliefert hat.
-
- Einzelblätter.
-
-Neben diesen Hauptwerken schenkte uns Dürer in diesem Zeitpunkt seines
-reichen Schaffens eine grosse Anzahl von Einzelblättern, die den
-genannten an Originalität der Erfindung und in der Ausführung nicht
-nachstehen. Daneben musste er auch Zeit und Lust finden, Blätter für
-Kinder und zum Schmücken von Schachteln; Zeichnungen von Wappen der
-Patrizier zum Einkleben in ihre Bücher; Nachbildungen naturhistorischer
-Gegenstände, u. dgl. m. zu liefern.
-
- Die Arbeiten für
- Maximilian I.
-
-Eine besondere Klasse von Arbeiten, die zu den, für den Typographen
-interessantesten gehören, sind die Werke, die er für den Kaiser
-Maximilian ausführte, der zwar ein poetisches Gemüt und einen regen
-Sinn für die schönen Künste besass, diese jedoch hauptsächlich
-nur durch deren Ausbeutung zu seiner persönlichen Verherrlichung
-bethätigte.
-
- Hans Burgkmair.
-
-Der Kaiser hatte den Gedanken gefasst, die ganze Glanzfülle seiner
-ruhmreichen Abstammung, seine weite Herrschaft, Leben und Thaten durch
-eine „Ehrenpforte“, einen „Triumphzug“ nebst einem „Triumphwagen“
-darstellen zu lassen. Den hauptsächlichsten Teil der Arbeit wollte er
-Dürer übertragen, aber auch andere Künstler sollten bei den Werken
-beschäftigt sein. Unter diesen ragte besonders □Hans Burgkmair□,
-geboren zu Augsburg 1473, gestorben ebendaselbst 1529, hervor, der,
-durch seinen Aufenthalt in Venedig von der dortigen Kunst beeinflusst,
-einer der Hauptvertreter der Renaissance in Deutschland wurde. Berühmt
-ist er hauptsächlich durch seine Holzzeichnungen zu den erwähnten und
-anderen durch Maximilian □i.□ hervorgerufenen Werken. Er lieferte
-30 Platten zur Ehrenpforte, 66 zu dem Triumphzug. Von ihm stammen
-grösstenteils die 245 Zeichnungen zu dem „Weisskunig“, auch eine
-Verherrlichung des Kaisers, des weiteren arbeitete er mit an den 124
-Blatt: „Heilige des österreichischen Kaiserhauses“. Berühmt ist auch
-sein „Turnierbuch“ mit 52 Illustrationen.
-
- Die Ehrenpforte.
-
-Den Auftrag zur „Ehrenpforte“ erhielt Dürer mutmasslich schon im J.
-1512. Der gelehrte Johannes Stabius war mit der litterarischen Leitung
-und der Abfassung der vielen Inschriften betraut. Dürer ergriff die
-Sache mit grossem Eifer und vollendete seine Arbeit schon 1515, obwohl
-die Aussichten auf die entsprechende Entschädigung nicht gross waren,
-da der Rat von Nürnberg das Ansinnen des Kaisers, der nicht gern aus
-eigener Tasche zahlte, „Dürer Steuerfreiheit zu gewähren“, ablehnte
-oder vielmehr Dürer veranlasste, selbst den Antrag zurückzunehmen.
-Ebenso weigerte sich der Rat, ein, vom Kaiser auf Grund verschiedener
-Arbeiten Dürer zugestandenes Jahresgehalt von 100 Gulden zugunsten
-des Künstlers von den an Maximilian zu zahlenden Abgaben in Abzug zu
-bringen.
-
-Die „Ehrenpforte“ ist das grossartigste, was jemals in Holzschnitt
-geschaffen worden ist. Sie besteht aus 92 Holzstöcken, die
-zusammengestellt eine Ausdehnung von nahe an 3 Meter 50 ctm. Höhe und
-3 Meter Breite einnehmen. Mit einer Sicherheit ohne gleichen zeichnete
-Dürer die Blätter mit Feder und Pinsel. Mit gleicher Genauigkeit
-schnitt sie □Hieronymus Andreä□. Das Werk ist nicht ein Triumphbogen
-im antiken Stil, sondern ein hoher giebelgekrönter Renaissancebau,
-durch runde Türme flankiert und mit drei Thoren versehen. Der Reichtum
-an historischen Darstellungen, Allegorien, Portraitfiguren und
-ornamentalem Schmuck ist geradezu überwältigend.
-
- Der Triumphzug.
-
-Der „Triumphzug“ bildet in seiner Entfaltung ein Tableau von 54 Metern
-Länge bei 37 ctm. Höhe und besteht aus 135 Stöcken, war jedoch auf
-eine noch grössere Zahl berechnet. Von den Stöcken lieferte Burgkmair
-66, Dürer zeichnete 24 Blatt. Dieses grossartige xylographische Werk
-bietet, abgesehen von dem Kunstgenuss, einen höchst interessanten
-Stoff für das Studium der Kostüme, Waffen, Geräte und Sitten damaliger
-Zeit. Das eingehende Programm verfasste des Kaisers Sekretär Marx
-Treytz-Saurwein.
-
- Der Triumph-
- wagen.
-
-Der „Triumphwagen“, sozusagen der Mittel- und Schwerpunkt der gesamten
-Unternehmungen, ist ein Werk Dürers. Die Zeichnungen entstanden
-1514-1515, die Holzschnitte waren 1522 fertig. Der Rat Pirckheimer
-hatte die Idee ausgearbeitet, die sich lediglich auf schale Lobrednerei
-gründet. Der Kaiser fährt auf einem von 12 Pferden gezogenen
-Triumphwagen, umgeben von allegorischen Figuren, die alle seine
-Tugenden repräsentieren. Die aus 8 Holzstöcken bestehende Komposition
-hat eine Länge von 2 Meter 32 ctm. bei einer Höhe von 47 ctm.
-
-Als Kaiser Maximilian am 12. Jan. 1519 starb, gerieten seine
-Kunstunternehmungen ins Stocken. Dass der Kaiser nicht gern zahlte,
-wurde schon erwähnt. Dürer und Andere hatten ihr Honorar noch nicht
-erhalten. Um sich bezahlt zu machen, gab Dürer den „Triumphwagen“ auf
-seine Rechnung heraus. Die erste Ausgabe erschien 1522 mit deutschem,
-die zweite 1523 mit lateinischem Text; nachgedruckt wurde das Werk in
-Venedig 1589. Auch von dem „Triumphzug“ verkaufte man einzelne Blätter.
-König Ferdinand, dem daran lag, dass das Werk des Kaisers nicht in
-Privathände zersplittert würde, erwarb durch Vermittelung des Rates
-zu Nürnberg die noch unbezahlten Stöcke, die nach Wien kamen. Im Jahre
-1759 machte man den Versuch, das ganze Werk herauszugeben. 1799 wurde
-eine neue Ausgabe veranstaltet und die noch fehlenden Stöcke durch
-Radierungen ersetzt.
-
- Maximilians
- Gebetbuch.
-
-Zu seinem eigenen Gebrauch hatte Maximilian ein Gebetbuch
-zusammenstellen lassen, das er von □Joh. Schönsperger□ in Augsburg in
-kostbarem Pergamentdruck ausführen liess. Die Initialen wurden nach
-einem, dem Congrevedruck ähnlichen Verfahren mehrfarbig eingedruckt.
-Man kennt bloss drei Exemplare dieses Werkes, eins in der k. k.
-Bibliothek zu Wien, das andere in der Münchner Bibliothek, das dritte
-in dem _British Museum_. Zu 45 Blättern zeichnete Dürer mit farbiger
-Tinte Einfassungen, die einen wahren Schatz von Ornamenten und
-Allegorien, Ernst und Scherz, Profanem und Heiligem in bunter Reihe
-enthalten. Dürer scheint die Absicht gehabt zu haben, sie durch seine
-Schüler fortsetzen zu lassen. Es existieren auch acht Blatt von anderer
-Hand gezeichnet, die fälschlich Lucas Cranach zugeschrieben wurden;
-eher dürften sie Hans Springinklee gehören[4].
-
- [4] Diese Randzeichnungen sind von □N. Strixner□ 1808 in
- Lithographie vorzüglich nachgebildet und später auch
- anderweit reproduziert.
-
- Reise nach den
- Niederlanden.
-
-Im Jahre 1520 unternahm Dürer in Gesellschaft seiner Frau eine Reise an
-den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher er dort mit grossen
-Ehren empfangen wurde und mit vielen berühmten Persönlichkeiten in
-Berührung kam. Sein Hauptzweck war, den Kaiser Karl □v.□, dessen Einzug
-in Antwerpen und Krönung in Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm
-vom Kaiser Maximilian ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch,
-nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen,
-schliesslich in Köln gelang.
-
- Litterarische Ar-
- beiten.
-
-Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines Lebens war
-die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen Arbeiten, für
-welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet hatte. Sein erstes
-Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung der Messung, mit
-dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien ebnen wnd gantzen Corporen“.
-Für Buchdrucker hat das Werk ein besonderes Interesse, weil es
-die Verhältnisse der Buchstaben zum erstenmal in Deutschland nach
-geometrischen Grundsätzen feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen,
-sowie eine Übersetzung in das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein
-zweites Werk ist eine „Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525)
-führt den Titel: „Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher
-Proportion“, und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen.
-
- Dürers Tod.
-
-Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden
-Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. In den
-Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er nicht wieder los
-werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig arbeitete. Er starb
-am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt sein Standbild aus Erz den nach
-ihm benannten Platz in Nürnberg und die dortigen Künstler begehen zu
-seinem Geburtstage jährlich an seinem Grabe eine einfache Feier.
-
-Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme des
-durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren Einfluss
-des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man im allgemeinen
-auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten Arbeiten den
-Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch als Schüler in
-einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von zweien wissen wir mit
-Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ gewesen: Hans von Kulmbach
-und Hans Springinklee, und gerade über diese sind die sonstigen
-Nachrichten dürftig.
-
- Hans von Kulm-
- bach.
-
-Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt □Hans von Kulmbach□, trat, nachdem
-er die Malerei bei _Jacopo dei Barberi_ (Jakob Walch) gelernt, 1510 bei
-Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische Kunst gezeichnet hat,
-ist nicht bekannt. Ein Blatt für den Triumphzug ist noch vorhanden mit
-den hineingezeichneten Korrekturen Dürers.
-
- Hans Springin-
- klee.
-
-□Hans Springinklee□, geboren zu Nördlingen 1470, entwickelte für die
-graphischen Fächer eine grosse Thätigkeit. Er zeichnete 60, durch
-seelenvolle Innigkeit sich auszeichnende Bilder zu dem _Hortulus
-animæ_, der zuerst 1516 und dann in mehreren schnell auf einander
-folgenden Auflagen bei Koberger erschien. Er arbeitete auch mit an den
-Illustrationen zu dem Weisskunig und an verschiedenen Unternehmungen
-Dürers, dessen Art er sich innig anschloss. Auch grössere Einzelblätter
-hat man von ihm.
-
- Erhard Schön.
-
-□Erhard Schön□ war ein Mitarbeiter Springinklees bei dem _Hortulus
-animæ_ (ob auch bei Dürers Werken ist nicht bekannt), lieferte auch die
-zwölf Apostel und 24 Blatt Heilige. Er war Verfasser eines Lehrbuches:
-„Unterweysung der Proportion und Stellung der Bossen (Modellfiguren)“
-mit einer Anzahl gut gezeichneter Köpfe und Körper in verschiedenen
-Lagen mit Konstruktionsnetzen; geschätzt sind von Sammlern seine
-Spielkarten. Er starb zu Nürnberg 1550.
-
- Pencz und die
- Beham.
-
-Georg Pencz, Hans Sebald Beham und Barthel Beham sind Namen, die nicht
-allein durch die Gemeinsamkeit der Kunstübung, sondern auch durch die
-gemeinsamen Schicksale unzertrennlich geworden sind.
-
-Alle drei lernten in Nürnberg und erhielten in jungen Jahren die
-Meisterschaft (ob in der Werkstatt Dürers ist nicht bekannt),
-jedenfalls gehörten sie alle zu seinen begabtesten Nachfolgern. In
-jugendlicher Schwärmerei wurden sie erklärte Anhänger des Thomas
-Münzer, der anfangs der zwanziger Jahre nach Nürnberg kam. In einen
-Prozess wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer Ansichten
-verwickelt, mussten die drei Maler ihrer Vaterstadt den Rücken kehren.
-
- Georg Pencz.
-
-□Pencz□ wurde nach einem Jahr begnadigt und später sogar Ratsmaler.
-Er war ein vorzüglicher Kupferstecher in einer neuen Manier, die sich
-nicht mit den einfachen Strichlagen Dürers begnügte, sondern nach
-italienischen Vorbildern malerische Wirkung durch Licht und Schatten
-und durch Abstufung der Töne zu erreichen suchte. Er liebte es,
-zusammenhängende Folgen von Blättern zu liefern, z. B. die Geschichte
-Abrahams, Josephs; 25 Blatt aus dem Leben Jesu. Vorzugsweise wandte
-er sich Folgen aus dem klassischen Altertum zu, als z. B.: „berühmte
-Liebespaare“, „Beispiele der Standhaftigkeit“, „unglückliche Frauen“.
-Man besitzt von ihm 126 Blätter: Er starb 1550, hinterliess aber, trotz
-fleissigen Arbeitens, die Seinen in grosser Dürftigkeit.
-
- Hans Sebald
- Beham.
-
-Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, Barthel. Der
-ältere □Hans Sebald Beham□ (geb. zu Nürnberg 1500) steht vielleicht von
-allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer am nächsten, und übertrifft ihn
-als Kupferstecher. Er befindet sich schon vollständig auf dem Boden der
-Renaissance. Nach verschiedenen Schicksalen fand er in Frankfurt 1534
-eine bleibende Stätte und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele
-Werke Chr. Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik
-(die in neun Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der
-Offenbarung St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament;
-ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und einem Buch vom
-gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 starb, hinterliess er 270
-Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. Seinen Grundsätzen, für die er in
-der Jugend büssen musste, blieb er bis an sein Ende treu.
-
-Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des Ross“
-brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin eine
-widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte und ein
-Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, das übrigens von
-ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen sei.
-
-Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine Weinschenke
-errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, dagegen scheint
-jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade aus seinen letzten
-Lebensjahren stammen, zu sprechen.
-
- Barthel Beham.
-
-□Barthel Beham□ ging nach München und trat 1527 in den Dienst des
-Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten nach Italien
-sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf der Höhe seiner
-Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf die heutige Zeit
-gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen für das
-Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. In derselben Richtung
-zeichnete sich □Ludwig Krug□ in Nürnberg aus.
-
- Hans
- Schaeuffelein.
-
-□Hans Leonhard Schaeuffelein□ (geb. um 1476) lehnt sich sehr an Dürer
-an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt zu, dessen Technik
-ganz der Richtung seines Geistes entsprach. Wahrscheinlich lernte er
-zuerst bei Wolgemut und arbeitete später bei Dürer, bis dieser 1505,
-vor seiner Abreise nach Italien, seine Werkstatt auflöste. Im Jahre
-1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge von 65 Blatt für das
-_Speculum passionis_ des Dr. Pinder. Von ihm rühren 118 Zeichnungen für
-die Holzschnitte zu dem Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen
-Holzschneider □Jost de Negker□ geschnitten wurden. Bei Schönsperger
-erschien ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen
-Holzschnitten und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, „Das
-Leiden Christi“.
-
-Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra
-Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines
-Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen:
-seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“;
-zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen
-Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren
-religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen Leben
-entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben und namentlich
-20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl zeichnet sich durch
-seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. Breite bei 71 ctm. Höhe,
-aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und konnte sich nicht von dem
-noch nicht fertigen Standpunkt der Form emanzipieren, auf welchem Dürer
-damals, als er nach Italien reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549.
-
- Albr. Altdorfer.
-
-□Albrecht Altdorfer□, wahrscheinlich in Amberg um 1480 geboren, tritt
-weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, wenn er ihn
-auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte seine Kräfte
-nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er nach Regensburg
-über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist als Vater der modernen
-Landschaftsmalerei zu betrachten und brachte es auch in der Ätzmanier
-zur Virtuosität. Die Zahl seiner Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80,
-die der Holzschnitte auf 70, die der Radierungen auf 30. Er starb im
-Jahre 1538.
-
- Michael Osten-
- dorfer.
-
-□Michael Ostendorfer□, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), leistete
-als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich bedeutendere Werke
-geliefert haben, wenn nicht die Not ihn gezwungen hätte, die Kunst
-allein als Erwerbsmittel zu betrachten und allerlei, seinen Fähigkeiten
-nicht angemessene Arbeiten zu unternehmen. In der ersten Periode seiner
-Thätigkeit sind seine besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau
-Maria gewidmet, besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse:
-„Die Kirche der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das
-Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst mit Eifer
-der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein umfangreicher
-Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548).
-
-Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von der Mitte
-des □xvi.□ Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, unter diesen
-besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner und Melchior
-Lorch.
-
- Virgil Solis.
-
-□Virgil Solis□, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie eine
-besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der schönsten Zierstöcke
-für Bücherornamentierung erfand. Von ihm sind 600 Kupferstiche
-bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte ist ebenfalls gross, als: 100
-biblische Figuren zum Alten Testament; 116 zum Neuen; 67 zur Geschichte
-der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; 194 zu Äsops Fabeln. Er starb um
-1562.
-
- Jost Amann.
-
-□Jost Amann□[5] war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner
-Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine
-Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in Zürich
-geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für dortige,
-besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich für Sig.
-Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; _Icones Livianæ_,
-Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu Reineke Fuchs;
-das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von Bedeutung. Bekannt ist das
-1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche Beschreybung aller Stände
-auf Erden -- aller Künste und Handwerken“. Wir finden darin auch den
-Schriftgiesser, Drucker, Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei
-etwas grösserer Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden
-diese Abbildungen von grösserem Werte für die ältere Geschichte der
-Buchdruckerkunst sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen
-Anhaltepunkte. Amann starb 1591.
-
- [5] □C. Becker□, Jost Amann, Zeichner etc. Mit Zusätzen von R.
- Weigel. Leipzig 1854. Vergl. auch S. 77.
-
- Peter Flötner.
-
-□Peter Flötner□ aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in erster Reihe
-Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den Formenschnitt
-thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten zeichnen sich
-besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft aus. Von Wert
-für die Ornamentik ist noch heute seine Sammlung von 24 Vorlegeblättern
-für Goldschmiede und sonstige Metallarbeiter.
-
- Melchior Lorch.
-
-□Melchior Lorch□ aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in
-seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen
-Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 in Kupfer
-stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte grosse Reisen
-und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften begleitete,
-Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er aus dem Orient mitbrachte,
-erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu Hamburg. Später trat Lorch in
-den Dienst des Königs Friedrich □ii.□ von Dänemark. Eine, auf zwei
-Platten geschnittene figurenreiche Darstellung der Sintflut ist die
-grösste der von ihm erhaltenen Kompositionen. Er starb zu Rom 1585.
-
- Jakob Binck.
- H. Ladenspelder.
-
-Geschickte Kupferstecher waren □Jakob Binck□ und □Hans Ladenspelder□.
-Der erstere, zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. geboren, siedelte 1531 nach
-Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir haben ungefähr 150 Stiche
-von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) sind etwa 50 Stiche auf uns
-gekommen; er neigt sich mehr den Italienern zu.
-
- H. Aldegrever.
-
-□Heinrich Aldegrever□ ist der letzte der Künstler, die mehr oder
-weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik und der
-Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn oder in Soest
-geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die Portraits Luthers
-und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft in mehreren Stichen
-an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter sind von ihm vorhanden.
-In grösseren Bilderfolgen behandelte er biblische Geschichten, z. B.
-die Adams und Evas, des barmherzigen Samariters, des keuschen Joseph.
-Seine ornamentalen Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte
-Vorlagen, namentlich diejenigen Blätter, in welchen er sich an das
-einfache Pflanzenornament hält[6].
-
- [6] Sie sind in vortrefflichen Lichtdrucken reproduziert.
-
- Luc. Cranach.
-
-Eine Sonderstellung behauptet □Lucas Cranach□[7], so genannt nach
-seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren wurde.
-Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich des
-Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann dem Beständigen
-und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in grosser Gunst stand und
-zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg übergesiedelt, kaufte er 1520
-dort eine Apotheke, trieb auch Buch- und Papierhandel, beteiligte sich
-bei einer Buchdruckerei und lieferte, unterstützt von zahlreichen
-Gehülfen, eine Unzahl von Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber
-doch keinen Vergleich mit denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch
-Zeichenfeder wie durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter
-an dem Reformationswerk gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der
-Reformatoren allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine
-satirischen Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen,
-andererseits die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war
-er sehr angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit
-dem Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober
-1553 starb.
-
- [7] □Chr. Schuchardt□, Lucas Cranach des älteren Leben und
- Werke. 2 Bde. Leipzig 1851. -- □Jos. Heller□, Lucas
- Cranachs Leben und Werke. Nürnberg 1854.
-
-Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein Dutzend;
-von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, teils Suiten.
-Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ 14 Blatt; die 1509
-als _Passio Jesu Christi_ erschienen, und später vielfach benutzt
-wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die Marter der Apostel“,
-12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, 26 Blatt, wovon 13 je
-eine Scene aus dem Leben Christi, diesen gegenüber 13 je eine aus
-dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das Papsttum“, 10 Blatt, dann
-„Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, 119 Blatt, mit Abbildungen und
-Beschreibungen kostbarer Gefässe etc.
-
- Hans Baldung.
-
-In Strassburg lebte □Hans Baldung□, genannt □Grün□, wenige Jahre
-nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er sich in
-Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein Altarbild
-in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach seiner Rückkehr
-nach Strassburg widmete er sich besonders dem Holzschnitt und lieferte
-auch schöne Blätter in Clair-obscur_-Manier. Grossartig sind seine
-Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. Man kennt etwa 150 Blätter von
-seiner Hand. Ein wahres Kleinod für die deutsche Kunstgeschichte ist
-sein Skizzenbuch, welches in Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im
-Jahre 1545.
-
- Urse Graf.
- Tobias Stimmer.
-
-Ein besonderer Glücksstern ruhte über Basel. Hier wirkte zuerst
-□Urse Graf□ (geb. 1470, gest. 1530), von dessen Zeichnungen manche
-nicht hinter denen Dürers und Burgkmairs stehen (Leben Christi in
-24 Bl.); dann □Tobias Stimmer□ (geb. zu Schaffhausen 1534), dessen
-„Newe künstliche Figuren biblischer Historien“ (1576) Rubens als eine
-Schatzkammer der Kunst bezeichnete. Stimmer starb um das Jahr 1590.
-
-Basels grösster Stolz ist jedoch □Hans Holbein der jüngere□ dessen
-Vater Hans, ein Maler von Verdienst, aus Augsburg stammend, um das Jahr
-1495, in welchem der Sohn geboren wurde, nach Basel zog.
-
- Hans Holbein d. j.
-
-Die erste bedeutendere Holzschnitt-Arbeit Holbeins ist „Mucius
-Scävola und Porsenna“. Das Werk des englischen Kanzlers Thomas Morus,
-‚_Utopia_ʻ, welches bei Joh. Froben in Basel erschien, war Veranlassung
-für Holbein, mit Erasmus in Berührung zu kommen, der ihn dem Kanzler
-empfahl, durch dessen Vermittelung er als Hofmaler Heinrichs □viii.□
-in das Schloss Whitehall zog, wo er seine unvergleichlichen Bildnisse
-malte und zeichnete und 1543 starb. Basel besuchte er in den Jahren
-1529 und 1539[8].
-
- [8] □Alfr. Woltmann□, Hans Holbein und seine Zeit. 2. Aufl.
- Leipzig 1876. -- □Ambr. Firmin Didot□, _Essai sur
- l'histoire de la gravure sur bois_. Paris 1853.
-
-Holbein lieferte, abgesehen von seinen Alphabeten, über 300
-Zeichnungen für den Holzschnitt, darunter Randverzierungen,
-Titelblätter, Buchdruckerzeichen u. dgl. Seine drei in der Geschichte
-der Holzschneidekunst unübertroffen dastehenden Werke sind: „Das
-lateinische Totentanzalphabet“, „Der Totentanz“ und „Die Bilder zur
-Bibel“.
-
- Das Totentanz-
- Alphabet.
-
-„Das Totentanzalphabet.“ Auf Blättern von nur 24 Millimeter in Quadrat
-hat es Holbein verstanden in Verbindung mit Initialen Gruppen zu
-komponieren, von welchen jede eine Scene darstellt, wie der Tod den
-Menschen in jedem Alter und in jeder Lebensstellung erfasst. Die
-Zartheit des Stiches, die Reinheit der Linien veranlassten Kenner,
-hierin eher Hochschnitte in Kupfer als Holzschnitte zu suchen. Die 24
-Vignetten, auf ein Blatt gedruckt, sind nur in ganz wenigen Exemplaren
-vorhanden; auf zwei davon wird Hans Lützelburger als der Formschneider
-angegeben. Was aus den Originalen geworden, weiss niemand, kopiert sind
-sie vielmals. Loedel in Göttingen hat sie vortrefflich nach dem schönen
-Exemplar in Dresden gestochen.
-
- Der Totentanz.
-
-„Der Totentanz.“ Noch berühmter ist der Totentanz, der in dreizehn
-Ausgaben existiert. Früher hielt man dafür, dass die erste gedruckte
-Ausgabe von den Originalstöcken, welche eine Höhe von nur 6 ctm. 5
-mm. und eine Breite von 5 ctm. haben, in Lyon erschienen sei, neuere
-Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass wenigstens die zwei ersten
-Ausgaben aus Basel stammen und dass wahrscheinlich erst die vierte aus
-der Offizin der Gebr. Trechsel in Lyon herrührte. Dass die Schnitte
-in Basel hergestellt wurden, dürfte ebenfalls zweifellos sein; in
-Lyon waren damals keine, dieser Aufgabe gewachsenen Holzschneider.
-Man schreibt sie dem, mit dem Namen Holbein so eng verknüpften
-Formenschneider □Hans Lützelburger□, genannt □Franck□, zu. Die □iv.□
-bis □xi.□ Ausgabe wurde in Lyon; die □xii.□ in Basel; die □xiii.□
-wieder in Lyon gedruckt. Die □viii.□ Ausgabe und die folgenden haben
-statt 41 Blätter deren 53. In dem Hin- und Herwandern der Holzschnitte
-liegt nichts befremdendes; ein solches fand öfters statt.
-
-Die Engländer haben behauptet, dass die Originale für die Holzschnitte
-des Totentanzes Gemälde im Schlosse Whitehall, welches 1697 in Flammen
-aufging, gewesen seien. Die mit der Feder ausgeführten, und durch
-leichtes Aufsetzen von braunen Tinten gehobenen Originalzeichnungen
-befinden sich jetzt, nach verschiedenen Schicksalen, in dem
-kaiserlichen Kabinet in St. Petersburg. Das Werk ist vielfach kopiert,
-in Holzschnitt hat man 48, in Kupferstich 43 Ausgaben. Die von dem
-bekannten englischen Kupferstecher Hollar in London 1647 gelieferten
-Stiche sind nach den, damals in Besitz des Lord Arundel befindlichen
-Originalen gemacht.
-
-Holbein erzielt in diesem Werke, dessen Gedankentiefe, Kraft
-und Naivetät man nicht genug bewundern kann, mit den einfachsten
-Mitteln die grösste Wirkung. Er schafft keine Schwierigkeit für den
-Holzschneider, die Schatten deutet er nur schwach an.
-
- _Icones veteris
- testamenti._
-
-Die _Icones Veteris Testamenti_ halten sich in demselben einfachen
-Stil. Der Ausdruck ist kräftig und naiv; eine Eigentümlichkeit sind die
-etwas kurzen Figuren. Die erste Ausgabe erschien 1538 bei Trechsel in
-Lyon. Sie enthält 92 Blätter. Schon 1539 folgte die zweite. Die dritte
-Ausgabe druckten die Gebr. Frellon, welche überhaupt fünf Ausgaben
-lieferten, nachdem sie die Druckerei von Trechsel erworben hatten.
-
-Wer die Platten geschnitten hat, ist unbekannt geblieben; dass Hans
-Lützelburger allein eine so bedeutende Arbeit hätte ausführen können,
-ist nicht anzunehmen. Angesehene Kenner haben vermutet, dass die
-Schnitte in Paris besorgt sind.
-
-Im Jahre 1830 haben zwei geschickte englische Holzschneider, John und
-Mary Blyfield, sowohl diese Zeichnungen, als auch den Totentanz so
-getreu nachgebildet, dass sie kaum von den Originalen zu unterscheiden
-sind. In demselben Jahre, wo das Original Holbeins in Lyon erschien,
-liess Pierre Regnault in Paris eine, jedoch schwache Nachahmung
-erscheinen.
-
- Höchste Stufe
- d. Holzschnittes.
-
-Mit den Arbeiten Holbeins hatte die Holzschneidekunst ihren Höhepunkt
-erreicht. Trotz aller Fortschritte in der Technik, die heute spielend
-alle Schwierigkeiten überwindet, giebt es nichts, was den, mit so
-einfachen Mitteln und bei so kleinen Dimensionen erreichten Effekt
-dieser Kunstwerke übertrifft. Die Vortrefflichkeit der Ausführung
-hat Sachkundige veranlasst, in dem Holzschneider den Künstler selbst
-erkennen zu wollen. Überhaupt ist die Frage öfters aufgeworfen: „Waren
-in der ersten Periode des Holzschnittes Zeichner und Holzschneider
-dieselbe Person?“, eine Frage, die unterschiedliche Beantwortung
-gefunden hat.
-
- Ueber die eigen-
- händigen Holz-
- schnitte.
-
-Es mag wohl unzweifelhaft sein, dass die Künstler damaliger Zeit, wo
-Kunst und Gewerbe einander weit näher standen, als heutzutage, die
-Technik des Holzschnittes innegehabt und öfters selbst die Xylographie
-geübt, namentlich die Teile eines Bildes geschnitten haben, die
-besondere Sorgfalt erforderten. Ebenso unzweifelhaft ist es aber wohl
-auch, dass dies eine Ausnahme war, und dass die Zeichner sich in der
-Regel des Formenschneiders bedienten, um die langwierige Arbeit des
-Schnittes auszuführen.
-
-Es bleibt so gut für diese Periode, wie für unsere Zeit anzunehmen,
-dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der eigentlich
-Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz zeichnete (riss)
--- eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von einem zweiten
-Künstler besorgt wurde --, und der Holzschneider, der selbst und durch
-seine Gehülfen den Schnitt ausführte.
-
-Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt beweist
-ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage das
-Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, dass diese in
-Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht seinen Namen
-beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals noch nicht den
-Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu gelten. Die Aufgabe des
-Holzschneiders war nur, die Zeichnung auf das genaueste wiederzugeben;
-je sklavischer er hierin arbeitete, je weniger er Anspruch auf
-Selbständigkeit machte, ein um so besserer Holzschneider war er.
-Abgesehen von den eigenen Äusserungen Dürers, woraus hervorgeht, dass
-er sich wenigstens hauptsächlich nur mit der Zeichnung beschäftigt
-hat, beweist die grosse Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die
-Verschiedenheit in der Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines
-einzigen Mannes sein können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten
-mancher anderer Künstler der Fall sein.
-
- * * * * *
-
- Die Drucker-
- zeichen.
-
-Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in
-Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die
-„□Druckerzeichen□“[9] mögen hier einige Worte Platz finden.
-
- [9] □Frid. Roth-Scholtz□, _Insignia bibliopolarum et
- typographorum_. Nürnberg 1728. -- □C. L. Silvestre□,
- _Marques typographiques_. Paris 1853. □Reiffenberg□,
- _Marques et devises_. Brüssel 1874. -- □J. Ph. Berjeau□,
- _Early Dutch German and English Printers Marks_. London
- 1866. -- □Jessie E. Ringwalt□ in dem Amerikanischen
- _Printers Circular_. 1873.
-
-Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker Gebrauch von
-Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die so zu sagen die
-Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl ein Ursprungs-Zeugnis
-als auch ein Eigentumszeichen bildeten. Bereits Fust und Schöffer
-bedienten sich eines solchen; dass jedoch der zweite Zweck des
-Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, beweisen schon die Klagen
-des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon nicht allein seine Bücher
-nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, den weltberühmten Anker von
-einem Delphin umschlungen, nachmachten, so dass jedermann glauben
-müsse, er sende solche fehlerhafte Drucke in die Welt.
-
-Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde immer mehr
-Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung der Druckerzeichen
-verwendet. Die Familie der Elzevire wählte den vieltragenden Ölbaum,
-welchen die griechische Mythe als das segensreiche Geschenk der
-weisen Göttin Minerva an die Menschheit bezeichnete. Die Stephane
-nahmen ebenfalls einen Baum, welchem der fromme und gelehrte Heinrich
-Stephanus eine Apostelfigur beigab, die mit einem Fingerzeig auf die
-herabgefallenen gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel
-Paulus: _Noli altum sapere, sed time_ (Strebe nicht zu hoch, sondern
-sei besorgt) warnend hinweist.
-
- Die Drucker-
- zeichen.
-
-Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, durch
-eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto _Labore et constantia_
-(durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, von Schlangen
-umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, was Erasmus zu dem
-Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte Drucker in Wahrheit die
-Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt vereinige. Die Familie Marnef
-wählte den Pelikan, wie er sich die Brust zerfleischt, um seine Jungen
-zu nähren.
-
-Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden
-Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu werden
-scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn des Colinäus, sowie
-das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, keck in die Sonne
-schauenden Adler und dem Motto _semper eadem_. Voller Kraft und Grazie
-ist auch der Greif der Familie Gryphius und der prächtige Pegasus, auf
-dem die Wechel ihrem Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu
-werden ist das merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche
-Figur auf einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu
-gehorchen scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die
-Herleitung des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo
-gedruckt wurde.
-
-Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft ist der
-wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die drei reissenden
-Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler Löwe friedlich auf
-einem Schild von Blumen ruht.
-
-Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das Wappen
-Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem Baumeister davor.
-Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet einen Bären baumaufwärts
-trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. Froschauer in Zürich mag
-für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor finden,
-mit welchem sein Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer
-auf den Baum klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der
-grossen Binse (_grand jonc_). Das Schiff (Galliote) des Galliot du
-Pré fährt unter vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults
-gewinnt sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass
-sie das Elephantentum fortsetzen werde: _Sicut Elephas sto!_
-
- Die Druckerzeichen.
-
-Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, oftmals bis
-an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. William Middleton
-stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. William Griffith sendet uns
-einen Greif mit einer Bartnelke (_Sweet William_) in dem Schnabel.
-Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiterhaufen
-mit der Umschrift _Cantabo Jehovae, quia beneficit_ (ich will dem
-gnadenreichen Gott lobsingen). Thomas Pavier führte als Zeichen einen
-arbeitenden Pflastersetzer (_pavier_) mit dem Motto: _Thou shalt
-labour, till thou return to dust_ (du sollst arbeiten, bis du wieder
-zu Staube wirst). Reynard Wolf lässt seine Namensvettern, Fuchs und
-Wolf, Schildhalterdienste bei ihm verrichten. Das Zeichen John Days
-(Tag) zeigt eine von der aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im
-Vordergrunde ein Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch:
-_Arise! for it is Day_ (Steh auf, denn der Tag ist da).
-
-Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen als ein
-Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, so gebrauchten
-Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger die Erdkugel;
-die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, Vascosan, Roigny,
-Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., Kreuz, Stern und Anker
-wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen verwendet, die Zeit
-zeigt sich in allerlei Gestalten, die Schlange windet sich durch eine
-Menge von Druckerzeichen, ja selbst in der Benutzung der Kohlköpfe
-findet Rivalität statt. Die oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock
-spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des
-grausam hingeopferten Etienne Dolets.
-
-Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die tonangebenden
-Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler wurden, mussten
-sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden in den Hintergrund
-treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits vielfach Embleme an, in
-der Regel jedoch allgemeiner Natur, z. B. eine brennende Lampe, ein
-aufgeschlagenes Buch, eine Presse im Strahlenkranze, einen Greif oder
-einen Schild mit den Anfangsbuchstaben der Firma u. s. w.
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-VII. KAPITEL.
-
-DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN.
-
- □Nürnberg□: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. □Augsburg□:
- Hans Schönsperger d. ä. □Frankfurt am Main□: Chr. Egenolff,
- Sigism. Feyerabend, die Merians. □Mainz□: Die Nachfolger Schöffers.
- □Tübingen□: Der slawische Druck. Cotta. □Strassburg□: Illustrierter
- Druck. □Basel□: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus.
- □Zürich□: Chr. Froschauer. □St. Gallen□: Leon. Straub. □Wien□: Johan
- Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. □Leipzig□: Melch. Lotter,
- Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. □Wittenberg.□ □Der Norden.□
- □Berlin.□
-
- DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. □Dänemark□, □Norwegen□ und □Island□,
- □Schweden□ und □Finnland□.
-
-
-DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler
-durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann
-Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche
-Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm
-deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten.
-
- Nürnberg.
-
- Der Theuerdank.
-
-Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I.
-veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus
-dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste
-Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der
-geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und
-Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des
-Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie
-alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige
-Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle
-die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der
-Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner
-artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden.
-
-Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht
-hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war
-eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge
-gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier
-des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes
-zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht
-seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere
-angesehene Künstler.[1]
-
- [1] Vergl. S. 116, Absatz: □Hans Schaeuffelein□.
-
- Theuerdank-Type.
-
-Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein
-Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem
-von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche
-Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der
-Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu
-ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes
-Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht
-bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach
-damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so
-eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später
-in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm
-eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher
-Dürers gedruckt wurden.
-
-Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von
-Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren
-Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter
-dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i
-vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann.
-Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz
-geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich
-leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift
-Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der
-verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war
-man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die
-Zieraten, behielt bis in das □xvii.□ Jahrhundert ihre Geltung, sowohl
-in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften
-bildeten sich nach derselben.
-
- Die Koberger.
-
-Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die
-Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der
-Sohn □Ant. Koberger□ war damals minderjährig. Der eigentliche Chef
-des Hauses scheint □Johannes Koberger□, entweder ein Sohn des älteren
-Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein;
-das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von
-grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden
-Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr.
-Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543.
-
-Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich □Johann
-Petreijus□ aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende □Endter□sche
-Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste
-deutsche typographische Handbuch (1721).
-
- Schriftgiesserei
- in Nürnberg.
-
-Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter
-den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die
-Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war □Paul Fischer□
-bedeutend. Sein Schüler □Johann Neudörffer d. ä.□ war der erste, der
-die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den
-Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer
-starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich □Pancratius Lobinger□, dessen
-Schriften noch um die Mitte des □xviii.□ Jahrhunderts beliebt waren[2].
-
- [2] Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im
- Mittelalter: □F. Soennecken□, Das deutsche Schriftwesen.
- Bonn 1881.
-
- Augsburg.
- Hans Schöns-
- perger d. ä.
-
-AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es
-war □Hans Schönsperger der ältere□, der von 1481 bis 1523 eine Reihe
-ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste
-Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um
-das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite
-Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen
-Druckwerken war das _Regimen sanitatis_ das erste, das „Neue Testament“
-das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck
-auszuführen, wissen wir nichts näheres.
-
- Andere Augs-
- burger Drucker.
-
-Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: □Erhard
-Oeglin□ (_Ocellus_), der zuerst in Deutschland hebräische, und
-□Hans Müller□, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. □Hans
-Froschauer□ brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch
-nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: _Lilium musicae planae_. Auch
-Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt □Sigmund Grimm□
-und der reiche Kaufmann □Marx Würsing□; ja man lernt selbst eine Art
-Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: _Ad
-insigne Pinus_, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus
-dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und
-griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war □Johann Rainmann□
-berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten
-Typen von ihm bezogen habe.
-
-Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier
-erschien auch 1564 der erste Messkatalog.
-
- Frankfurt a. M.
-
- Chr. Egenolff.
-
-FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam,
-wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst
-1531 eine Buchdruckerei durch □Christian Egenolff□[3] aus Hadamar im
-Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann,
-der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten
-stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen
-Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt.
-Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften
-für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die
-Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den
-heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne □Sabon□
-stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel.
-
- [3] □Dr. H. Grotefend□, Chr. Egenolff, der erste ständige
- Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881.
-
- Sigism. Feyer-
- abend.
-
-Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt
-□Sigismund Feyerabend□ (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte
-eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter
-Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost
-Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen
-setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand
-Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil
-selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius
-zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog.
-Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens
-sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun
-Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius,
-Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau;
-Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten.
-
- Die Merian.
-
-Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten
-die Merian, Vater und Sohn. □Matthias Merian□ der Vater (geb. 1593
-zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf
-eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei
-seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry,
-und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab.
-Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich
-als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme
-Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn □Matthias Merian d. j.□ (geb. 1621
-zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte
-die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und
-sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4].
-
- [4] □Ed. Heyden□, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861.
-
- And. Wechel.
-
-Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich □Andreas Wechel□, Sohn des
-berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete
-sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner
-Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung
-der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im
-gleichen Geiste fortgesetzt.
-
- Joh. Andreae.
-
-Die von □Johann Andreae□ 1667 gegründete Buchdruckerei und
-Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle
-Stelle ein.
-
-Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende
-Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren
-Rang.
-
- Mainz.
-
- Familie Schöffer.
-
-In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische
-Buchdruckerei 1508 auf □Friedrich Hewmann□ aus Nürnberg über. Schöffer
-hatte zwei Söhne, Johann und Peter. □Peter Schöffer der jüngere□[5]
-druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast
-anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und
-die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine
-Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach
-Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528
-gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von
-1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich
-liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn □Ivo□ blieb bei dem Onkel
-Johann in Mainz.
-
- [5] □H. Helbig□, _Notice sur P. Schœffer le fils_. Gent 1848.
-
-□Johann Schöffer□, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten
-Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge
-tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius
-mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden
-Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten
-diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den
-Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten
-und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung
-des Geschäfts folgte ihm sein Neffe □Ivo□, der im Jahre 1552 kinderlos
-starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an
-das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von
-□Balthasar Lips□ über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt.
-
-□Johann Schöffer ii□, der Sohn des obengenannten, etablierte sich
-später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796
-fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem □Jakob Schöffer□
-ausstarb.
-
- Tübingen.
-
- Slawischer
- Druck.
-
-Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt,
-erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch □Johannes Ottmar□ 1498.
-Eine interessante Episode bildet um die Mitte des □xvi.□ Jahrh. der
-slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber,
-1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden
-Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine
-Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein
-sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in
-ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte
-er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse
-in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich
-in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus
-Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten
-aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm
-die □Morhard□sche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs
-Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach
-Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien
-1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments
-vollendet, 1560 der zweite.
-
- [6] □C. F. Schurrer□, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg
- im □xvi.□ Jahrh. Tübingen 1799. -- □H. C. W. Sillem□,
- _Primus Truber_. Erlangen 1861.
-
-Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von
-Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber
-behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem
-Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer
-glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen
-zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber
-Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach
-Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu
-schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph.
-Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien
-und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen
-nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer
-Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins
-Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den
-Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands □iii.□ nach Rom
-in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten
-hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen.
-
- Familie Cotta.
-
-Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen
-Etablissements. Die Familie □Cotta□ war eine der ältesten und reichsten
-Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die
-römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme
-gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach
-Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel
-und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen
-nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte □Joh. Georg
-Cotta□ den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach
-Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der
-Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode.
-
- Heidelberg.
-
-Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der
-berühmte □Hieronymus Commelinus□ (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben
-griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius
-und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die
-Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus'
-Tod von □Judas Bonnutius□ fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch
-□Ernst Vögelin□, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen
-Schriften hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug
-auf typographische Ausstattung dürften wohl die römischen
-Geschichtschreiber von □Haurisius□ sein.
-
- Strassburg.
-
-STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch
-eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch
-die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen
-Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das
-benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der
-Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling,
-Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche zum
-Schluss des □xv.□ und zum Beginn des □xvi.□ Jahrhunderts einen grossen
-Einfluss übten.
-
- Joh. Grüninger.
-
-Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im
-□xv.□ Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher □Martin
-Schongauer□, sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. Kein
-deutsches Buch damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg
-gehabt wie Seb. Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes
-„Narrenschiff“, zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst
-Zeichnungen, sogar Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch
-nicht der Fall gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die
-Beteiligung Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen
-des □Johann Reinhard□, genannt □Grüninger□ (1483-1528), welch grosses
-Gewicht dieser merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung
-von Text und Illustration legte.
-
-Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der
-„Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio,
-von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant
-beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von
-zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren
-Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des □xvi.□ Jahrh.
-Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser
-den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter
-Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch
-nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke
-des □xvi.□ Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien
-Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben.
-
-Ein merkwürdiges Buch ist die von Grüninger gedruckte _Logica
-memorativa_, ein Lehrbuch der Logik des Thomas Murner in Krakau in
-Form von Spielkarten. Die erste Auflage war in Krakau erschienen;
-der Verfasser erlitt als Zauberer den Flammentod. Auch zwei
-grosse illustrierte Ritterromane erschienen bei Grüninger, die
-wahrhaftige Historie von Hug Schapler, einem Fleischersohn, der
-die Krone Frankreichs errang (als Hugo Capet) und die Geschichte
-einer französischen Königstochter, die nach vielem Unglück Königin
-von England wurde. 1503 erschien bei ihm: _Hortulus animæ_ mit 57
-Holzschnitten von Hans Springinklee und Erhard Schön.
-
- Joh. Knoblauch.
-
-□Johann Knoblauch□ brachte 1508 eine „Passion“ mit 25 Blatt von Urse
-Graff, ferner Geiler von Kaisersbergs „Granatapfel“, von Hans Baldung
-illustriert.
-
- Bedeutende
- Drucker.
-
-Ausser den Genannten druckten noch □Joh. Scott□, □Wendelin Richel□,
-□Reichart Beck□, □Bernh. Jobin□ u. a. viele illustrierte Ausgaben.
-Besonders nennenswert sind Jobins: _Icones illustrium virorum,
-recensente Nic. Reusnero_, 1587, mit Zeichnungen von Tob. Stimmer.
-Zu HAGENAU waren □Heinr. Grau□ und □Theodor Anselm□ unternehmende
-Verleger, die mit auswärtigen Künstlern von Rang, z. B. mit Hans
-Schaeuffelein, in Verbindung standen. Ein Elsasser Formenschneider,
-□Jakob von Strassburg□, gab 1503 in Venedig den „Triumphzug Cäsars“ in
-12 Folioblättern heraus.
-
- Peter Pilgrim.
-
-Das Auftreten der Renaissance in Strassburg beginnt mit □Joh.
-Wächtlin□, genannt □Pilgrim□ oder der Meister mit den gekreuzten
-Pilgerstäben, der Maler und Formenschneider zugleich gewesen sein soll.
-Er zeichnete sich namentlich durch den xylographischen Farbendruck aus.
-Mit dem „Clair-obscur_-Druck“ sollte durch zwei oder drei Holzstöcke
-mit verschiedenen Farben die Wirkung der damals sehr beliebten
-Federzeichnungen auf farbigem Papier mit weiss aufgesetzten Lichtern
-erreicht werden. Der Ursprung gehört jedenfalls Deutschland, in der
-Weiterbildung war jedoch bald Italien voran.
-
- * * * * *
-
- Basel.
-
-Nur wenige Städte haben auf eine so glanzvolle Druck-Periode
-zurückzublicken, wie BASEL auf seine in der ersten Hälfte des □xvi.□
-Jahrh. Selten haben Wissenschaft, Kunst und Technik brüderlicher
-zusammen gewirkt, als dort. Namentlich ist es das Dreigestirn Froben,
-Petri und Oporinus, welches einen hellen Glanz verbreitet.
-
- Joh. Froben.
-
- Verhältnis zu
- Erasmus.
-
-□Johannes Froben□ (geb. um 1460, gest. im Okt. 1527) stammt aus
-Hammelburg in Franken. Er bezog die Universität zu Basel und bekam
-durch die Bekanntschaft mit Ammerbach, in dessen Offizin er als
-Korrektor arbeitete, Lust zur Buchdruckerei. Im Jahre 1491 fing er
-seine Thätigkeit mit dem Druck einer Bibel in höchst zierlicher Schrift
-an. Seine Hauptwirksamkeit beginnt aber erst von der Zeit, als Erasmus
-1514 nach Basel zog und seine Wohnung im Frobenschen Hause aufschlug,
-wo er mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tode weilte. Erst mit
-vier, dann mit sieben Pressen druckte er über dreihundert, meist sehr
-bedeutende Werke, darunter die erste griechische Ausgabe des Neuen
-Testaments.
-
-Das Verhältnis zu Erasmus erweckte grossen Neid unter Frobens Kollegen;
-aber nicht nur mit dem Neide, sondern auch mit dem Nachdruck und
-anderen geschäftlichen Sorgen hatte er zu kämpfen. Neben den Vorteilen,
-welche die Verbindung mit Erasmus ihm brachte, musste er den Nachteil
-mit in den Kauf nehmen, dass Luthers Schriften, die vorzugsweise
-nachgefragt wurden, und alle anderen Schriften in den Hintergrund
-drängten, von seiner Druckthätigkeit ausgeschlossen blieben, während
-sein Kollege, Adam Petri, der Luther-(Nach-)drucker Basels wurde.
-
- Frobens Schick-
- sale.
-
-Trotz aller Thätigkeit erwarb Froben kein Vermögen. Eine nicht gut
-geregelte Wirtschaft und die Ausgaben, die er auf seine Druckwerke,
-namentlich auf eine sorgfältige Korrektur derselben, verwendete, waren
-zu gross. Als Korrektoren, oder „Kastigatoren“ wirkten für ihn, ausser
-Erasmus, namentlich sein Schwiegervater Wolfgang Lachner, dann Marc.
-Heiland, Wolfg. Musculus und Joh. Oecolampadius. Zu den Titeln liess er
-sich meist Zeichnungen von Hans Holbein d. j. und Urse Graff liefern.
-Froben verlor sein Leben infolge eines Falles von einer Leiter. Die
-Vollendung seines Lieblingswerkes, der schönen Ausgabe des Augustinus,
-welche er im Verein mit Ammerbach und Petri angefangen hatte, sollte
-er nicht erleben, aber sein treuer Freund Erasmus that alles, damit
-die Ausgabe im Interesse der Kinder Frobens rasch gefördert wurde. Der
-Sohn □Hieronymus Froben□ (geb. 1501, gest. 1563) hielt das Verhältnis
-zu Erasmus aufrecht, der in Frobens Hause „Zur Luft“ im Jahre 1536,
-siebenzig Jahre alt, starb. Hieronymus druckte später im Verein mit
-seinem Schwager Nikolaus Episcopius d. ä. (Bischoff) und seinen Söhnen
-Ambrosius und Aurelius Froben eine Reihe von bedeutenden Werken[7].
-
- [7] Interessante Mitteilungen über diese geschäftliche
- Verbindung verbreitet das in Basel 1881 erschienene:
- Rechnungsbuch des Froben und Episcopius 1557-1564.
-
- Familie Petri.
-
-□Johannes Petri□, zu Langendorf an der Saale 1441 geboren, ward
-1488 Bürger von Basel. Er druckte nur wenige Bücher allein, die
-meisten gemeinschaftlich mit Ammerbach und Froben. Er brachte seinen
-sechsjährigen Neffen □Adam Petri□ (geb. 1482, gest. um 1525), der
-nach Johannes' Tod (1511) das Geschäft übernahm, mit nach Basel. Die
-Reformatoren, namentlich Luther, wurden gute Beute für seine Pressen.
-Blitzschnell folgten seine Nachdrucke den Originalen auf dem Fusse.
-Luthers Neues Testament erschien im Sept. 1522; im Dez. war schon
-der Nachdruck Petris da. Er machte bessere Geschäfte als sein Freund
-Froben und scheint trotz seiner reformatorischen Druckthätigkeit gut
-katholisch gesinnt gewesen zu sein, wenigstens stand er in dem besten
-Verkehr mit den Kartäusern. Für die künstlerische Ausschmückung seiner
-Druckwerke arbeitete namentlich Hans Schaeuffelein. Der Sohn □Heinrich
-Petri□ (geb. 1508, gest. 1579) studierte erst die Medizin, übernahm
-jedoch später die Druckerei und führte sie mit Eifer fort. Vom Kaiser
-Karl □v.□ wurde er in den Ritterstand erhoben.
-
-Die Druckthätigkeit seiner Nachfolger war seit 1620 nur eine geringe,
-doch bestand die Firma noch 1660. Durch verschiedene Hände kam die
-Offizin schliesslich in die Thurneisens und Schweighausers.
-
- Joh. Oporinus.
-
-Zu grossem Ansehen gelangte auch □Johannes Oporinus□[8] (Herbster).
-Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren,
-wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher
-sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle
-an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der
-neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung
-als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte
-er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg,
-wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch
-nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im
-Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei
-Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas
-Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin
-versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein.
-
- [8] □A. Jociscus□, _Oratio de ortu etc. J. Oporini_.
- Strassburg 1569.
-
-Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt
-der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst
-sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in
-innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss
-und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter
-und druckte mehr als siebenhundert und fünfzig grössere und kleinere
-Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte
-Klassiker.
-
- Die Anatomie
- des Vesalius.
-
-Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als
-künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch
-die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen
-Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere
-Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas
-Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians,
-zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent
-die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem
-Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: _De humani corporis fabrica_
-zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des
-Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner
-Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor
-der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass
-er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten
-Ausgaben der Nachdrucker empören.
-
-Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am
-6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes
-häusliches Glück zu geniessen.
-
-Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner □Michael
-Isengrin□, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an
-Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte,
-dann auch □Josias Münsch□ (1550), □Konrad von Mecheln□ (1685) und
-□Emanuel Thurneisen□.
-
- Zürich.
- Chr. Froschauer.
-
-Mit Stolz blickt ZÜRICH auf □Christoph Froschauer□[9] (oder
-Froschower), dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines
-litterarischen Lebens verdankt. Im □xv.□ Jahrhundert zeigt sich in
-Zürich noch keine Spur der Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck
-ist ein, am 6. Januar 1504 von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen
-des Druckers. Wahrscheinlich war dieser □Hans am Wasen□, der 1508
-einen Kalender mit guten Vignetten druckte. Von Wasen hörte man weiter
-nichts.
-
- [9] □S. Vögelin□, Christoph Froschauer, erster berühmter
- Buchdrucker in Zürich. Zürich 1840. -- □E. Camillo
- Rudolphi□, Die Buchdrucker-Familie Froschauer in
- Zürich (1521-1595). Verzeichnis der aus ihrer Offizin
- hervorgegangenen Druckwerke. Zürich 1869.
-
-Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in
-Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt
-jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des □xv.□ Jahrh. Ob
-Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer,
-war, ist nicht bekannt.
-
- Froschauers
- Thätigkeit.
-
-Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und
-zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli
-an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch
-nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe
-und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den
-erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise.
-
-Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren
-zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des
-Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines
-Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei
-ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte
-□Hans Hager□ (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts
-mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich
-□Andreas Gessner□, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner,
-etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther),
-C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich
-Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden
-von Froschauer verlegt.
-
- Der Bibeldruck.
-
-Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren
-1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel
-in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem
-nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in
-deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu
-der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und
-prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden,
-die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das
-ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von
-Moses Coverdale übersetzt und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham
-illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger
-als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen
-Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später
-veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden
-Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte
-überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen
-Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt.
-
- Die Froschau.
-
-Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer
-grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen
-Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere
-Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster,
-welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf
-dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte
-dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein
-Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem
-behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten
-eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält.
-
-Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von
-Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte
-Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem
-freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur
-konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen
-englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch
-in Zürich aufhielten.
-
- Froschauers
- Nachfolger.
-
-In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius
-und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos
-verheiratet, hinterliess er dem Neffen □Christoph Froschauer□ das
-ganze Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1.
-April 1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr.
-1585, wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst.
-Die Druckerei ging auf □Johann Wolf□ über, der jedoch noch bis 1595
-einzelnen Werken die Bezeichnung _typis Froschovianis_ beifügte. Das
-Verzeichnis des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern,
-von da bis 1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz
-der Familie Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der
-Orellschen Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt.
-
- St. Gallen.
- Leonh. Straub.
-
-ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch □Leonhard
-Straub□, der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten
-Offizinen gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat
-eine zu merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu
-übergehen. Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter
-das Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes,
-dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung
-entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der
-dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt
-wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die
-Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der
-arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe
-nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur;
-schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607
-in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel
-über hundert Jahre fort[10].
-
- [10] □G. Binckert□, Leonhard Straub, der erste Buchdrucker in
- St. Gallen. 1878.
-
- * * * * *
-
- Wien.
-
- Joh. Singriener.
-
-In WIEN eröffnete □Hieronymus Victor□ aus Liebenthal im Fürstenthum
-Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich
-in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich
-mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514
-wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete.
-□Joh. Singrieners□ Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und
-eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin
-hervor, unter welchen das 1517 erschienene _Tripartium opus juris
-consuetudinarij incluti regis Hungarie_, über 70 Bogen stark, einen
-bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden
-Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40
-Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine
-grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war
-nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich
-gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann.
-Unter seinen vielen Drucken sind besonders schön ausgeführt: _Pomponius
-Mela_ in Fol.; _Bandinus_ auf Pergament; _Cicero_, _Pro lege Manilia_.
-Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit
-dem Tode des letzteren erlischt.
-
- Hans Kohl.
-
-□Hans Kohl□ (_Johannes Carbo_) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern
-und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen,
-hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst
-in Verbindung mit □Aegidius Adler□ (_Aquila_), aus den Niederlanden
-gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen
-früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er
-starb bereits am 17. Aug. 1552.
-
- Michael Zimmer-
- mann.
-
-Die Offizin wurde von □Michael Zimmermann□ (_Cymbermannus_) übernommen,
-dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke
-in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer
-Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen
-bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit
-illuminierten Figuren und Landkarten.
-
- Raf. Hofhalter.
-
-Ein Pole, □Rafael Hofhalter□ (_Skrzetuski_), der sein Vaterland
-auf Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach
-vielen Wanderungen nach Wien, wo er mit □Kaspar Kraft□, 1556, ein
-Privilegium für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die
-neue französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte
-sehr hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm
-(1561) erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen
-Titel und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren
-Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte
-Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565
-druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph
-betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des
-Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen.
-
- Die Jesuiten-
- druckerei.
-
-Ferdinand □i.□ hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor
-Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum
-besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine
-Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel
-war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus
-Nymwegen verfasste Katechismus, der in viele Sprachen übersetzt wurde
-und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die
-Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers
-der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von
-Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau
-gründete.
-
- Buchdruck im
- □xvi.□ u. □xvii.□ Jahrh.
-
-Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt,
-im □xvi.□ Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden.
-Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die
-eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser
-Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den
-Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich
-was Lukas Atlantsee betrifft.
-
- Joh. von Gehlen.
-
-Im □xvii.□ Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst
-zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege
-blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank
-fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg,
-Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist □Johann
-von Gehlen□. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht
-und war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den
-Studien und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch
-Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er
-1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J.
-B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer
-Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser
-Leopold □i.□ erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k.
-italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische
-und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von
-Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich
-in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte
-er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge
-herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer
-regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende
-Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter
-dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab.
-Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das
-Wiener Diarium“, ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ
-der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener
-Zeitung.
-
-Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen
-wurde in den Adelstand erhoben.
-
- Breslau.
-
-BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes
-Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer □Andreas
-Winkler□ war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und
-die Kunst in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn
-folgten □Crispinus Scharffenberg□, dessen Sohn □Johann□, dann □Georg
-Baumann□ und dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören
-der nächsten Periode an.
-
- * * * * *
-
- Das nördliche
- Deutschland.
-
- Leipzig.
-
-Es wurde schon früher erwähnt, dass ein solches Zusammenwirken der
-zeichnenden Kunst, der Xylographie und der Buchdruckerei, welches
-im Süden Deutschlands eine gar stattliche Reihe herrlicher Drucke
-zuwege brachte, in dem Norden Deutschlands nicht angetroffen
-wird, wo die Presse sich hauptsächlich nur als treue Dienerin der
-Wissenschaft und der Reformation zeigte. Es gilt dies ganz besonders
-von LEIPZIG[11], welches dieser Aufgabe bis auf den heutigen Tag treu
-geblieben ist. Kunstbegeisterte Fürsten und Künstler ersten Ranges
-besass Leipzig nicht; Schule und Universität waren die Mäcene seiner
-Buchdruckereien. Leipzigs Klassiker-Ausgaben zeichnen sich durchweg
-durch ihre Sauberkeit und Genauigkeit aus und viele derselben stehen
-noch heute neben den Aldinen und Juntinen in Ansehen. Gelehrte Männer
-verschmähten es nicht, die Korrekturen zu übernehmen, und Leipzig
-hat es verstanden, sich den Ruhm der Sorgsamkeit für die Textreinheit
-seiner Presserzeugnisse zu wahren.
-
- [11] _Jubilæum typogr. Lipsiensium._ Leipzig 1640. --
- Gepriesenes Andenken. Jubelschrift. Leipzig 1740. -- □F.
- Ch. A. Hasse□, Kurze Gesch. d. Leipziger Buchdk. Leipzig
- 1840. -- □C. B. Lorck□, Die Druckkunst und der Buchhandel
- in Leipzig durch vier Jahrhunderte. Leipzig 1879.
-
- Mart. Landsberg.
-
- Wolfg. Stöckel.
-
- Val. Schumann.
-
- Jakob Thanner.
-
-Als Mann von Geschmack ist □Martin Landsberg□ aus Würzburg (1499-1516)
-zu erwähnen. Er gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, interessierte
-sich sehr für die Herausgabe wissenschaftlicher Werke und machte sich
-namentlich durch seine Klassiker-Ausgaben bemerkbar. 1519 siedelte er
-nach Halle über. □Wolfgang Stöckel□ (_Molitor_), aus München, ward in
-Erfurt, wo er eine zeitlang eine Buchdruckerei hatte, Bakkalaureus.
-1495 kam er nach Leipzig. Er druckte hauptsächlich Klassiker:
-Ovid, Priscian, Seneca, Aristoteles, später theologische Schriften,
-von welchen die, bis zum Jahre 1520 gedruckten, Partei für Luther
-nehmen, zumteil von diesem verfasst waren. Von da ab wurde er ein
-heftiger Gegner der Reformation und druckte schon im Jahre 1520 eine
-Streitschrift des Franziskaner Alveld, eines der erbittertsten Gegner
-Luthers; wahrscheinlich ist er auch der Drucker der Schriften Emsers
-gegen jenen. Herzog Georg der Bärtige rief ihn 1524 als Hofbuchdrucker
-nach Dresden. □Valentin Schumann□ (1525-1535) brachte vorzügliche
-Klassiker-Ausgaben, darunter das erste griechische Buch Leipzigs.
-□Jakob Thanner□ (_Abiegnus_) lieferte sehr gute Schulausgaben.
-
- Melch. Lotter.
-
-Unter den Buchdruckern, bei welchen die Reformation eine bereite Hülfe
-fand, ist □Melchior Lotter□ obenan zu nennen. Er stammte aus Aue im
-sächsischen Voigtlande, heiratete die Tochter Kachelofens, Dorothea,
-und erhielt am 16. Juni 1498 das Leipziger Bürgerrecht. Ungefähr in dem
-Jahre 1500 wurde er der Geschäftsnachfolger seines Schwiegervaters.
-Die zweite Ausgabe des Meissner Missale hatten Kachelofen und Lotter
-gemeinsam gedruckt, von nun an ging eine grosse Anzahl Missalen,
-Breviarien und dergl., die das Bisthum Meissen herausgab, aus
-Lotters Pressen hervor. Dieser selbst siedelte, vor der Pest aus
-Leipzig fliehend, für eine zeitlang nach Meissen über. Seine eigene
-Verlagsthätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie und der Philologie
-war eine ausserordentliche. Ein treuer wissenschaftlicher Mitarbeiter
-war ihm Hermann Tulich, der später Professor in Wittenberg wurde.
-Seit 1518 hatte Lotter wiederholt für Luther Druckaufträge bekommen
-und letzterer bewog ihn, eine Druckerei in Wittenberg anzulegen, aus
-der jedoch Lotter kein Segen erwachsen sollte. Er selbst übersiedelte
-jedoch nicht nach Wittenberg, sondern sandte seine beiden Söhne
-Melchior und Michael. Zum grossen Teil sind die zahlreichen Schriften,
-welche Luther im Anfang der zwanziger Jahre in die Welt sandte,
-aus Lotters Pressen hervorgegangen. Selbst das Monumentalwerk des
-Reformators, die Bibelübersetzung, wurde von diesem unternommen und
-schon am 21. Sept 1522 war der Druck des Neuen Testaments vollendet.
-Während des Drucks des Alten Testaments tritt jedoch ein Erkalten
-des freundschaftlichen Verhältnisses Luthers zu ihm ein und Hans
-Lufft erscheint nun als der bevorzugte Bibeldrucker, wenngleich die
-Verbindung zwischen Luther und Lotter nicht ganz aufhörte. Der Grund,
-weshalb der letztere von dem ersteren fallengelassen wurde, und weshalb
-auch der Kurfürst Friedrich ihm ungnädig wurde, ist nicht bekannt.
-Lotters Thätigkeit, die jedoch sehr erlahmte, lässt sich noch bis Ende
-der dreissiger Jahre verfolgen. Er soll im Jahre 1542 gestorben sein.
-
- Valentin Bapst.
-
- Luther über Illu-
- strationen.
-
-Ein Buchdrucker ersten Ranges ist □Valentin Bapst□ (1541 bis 1589).
-Seine Erzeugnisse werden von Kennern als den besten ebenbürtig erklärt.
-Ein reich illustriertes Werkchen sind die „Geistlyche Lieder mit einer
-neven Vorrede D. M. Luth.“. Interessant dürfte es manchem sein, aus
-dem Vorwort zu erfahren, wie ein so ernster Mann wie Luther über die
-Bücher-Illustration denkt:
-
-„Wer nicht singen vnn sagen wil, das ist ein Zeichen, das ers nicht
-glaubet, vnn nicht ins new fröliche Testament, Sondern vnter das alte,
-faule, vnlustige Testament gehöret. Darumb thun die Drucker sehr vol
-dran, das sie gute Lieder fleissig drucken vnd mit allerley zierde,
-den Leuten angeneme machen, da mit sie zu solcher Frewde des Glaubens
-gereitzet werden, vnnd gerne singen. Wie denn dieser Druck Valentin
-Bapsts sehr lustig zugericht ist, Gott gebe, das damit dem Römischen
-Bapst, der nichts denn heulen, trawren vnd leid in aller welt hat
-angericht, durch seine verdampte, vntregliche vnd leidige Gesetze,
-grosser abbruch vnd schaden geschehe, Amen“.
-
- Ernst Vögelin
- u. a.
-
-Berühmt waren die Klassiker-Ausgaben von □Ernst Vögelin□ (1559
-bis 1578), dem Schwiegersohn V. Bapsts, sowohl hinsichtlich der
-technischen Ausführung als der Korrektheit, so dass sie den Aldinen
-gleich geachtet werden. Vögelin, selbst ein studierter Mann, wurde in
-Religionsstreitigkeiten verwickelt, flüchtete, und starb in Heidelberg
-1590. Grossen Ruf erwarben sich Abraham Lamberg (1587 bis 1629),
-Henning Gross (1575 bis 1621), Gregorius Ritzsch (1624 bis 1643)
-und dessen Sohn Timotheus Ritzsch (1638 bis 1678), der bedeutende
-theologische und juristische Schriften verlegte.
-
- Steigende
- Bedeutung
- Leipzigs.
-
-Infolge der Reformation war der Schwerpunkt der Kultur immer mehr nach
-dem Norden verlegt. Hier wehte eine frischere Luft, während der Süden
-weit mehr dem Einfluss der katholischen Kaiser, den Einflüsterungen
-des Klerus und den Plackereien der kaiserlichen Bücherkommissionen
-und Zensoren preisgegeben war. Auch die städtischen Behörden in
-Frankfurt a. M. hatten nicht den Wert eines vollständig unbehelligten
-buchhändlerischen Verkehrs genügend erkannt.
-
-Nichts war deshalb natürlicher, als dass der Norden sich von den
-Büchermessen Frankfurts zu emanzipieren und in der berühmten Messstadt
-des Nordens -- wo die Regierung jetzt liberaleren Ansichten huldigte,
-die Zensur in humanerer Weise üben liess und die Bücher von der Accise
-befreit hatte -- einen selbständigen Büchermarkt zu gründen wünschte.
-Zur Michaelis-Messe 1594 erschien der erste Leipziger Messkatalog,
-herausgegeben von dem Buchhändler und Buchdrucker □Henning Gross□,
-zu dem sich in den Jahren 1598-1619 ein zweiter Katalog von □Abraham
-Lamberg□ gesellte, der 1620 mit dem von Gross vereinigt wurde. Zwar
-konnte Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1595 nur 68 Artikel gegen
-117 in Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis
-ein besseres, nämlich 125 gegen 148, und 1632 trug Leipzig seinen
-glänzendsten Sieg davon mit 221 Werken gegen 68 aus Frankfurt. Die
-Messkataloge von 1565-1640 verzeichnen 8216 in Leipzig erschienene
-Werke, davon kommen 243, als die stärkste Zahl einer Jahresproduktion,
-auf das Jahr 1613.
-
- Rückschlag.
-
-Aber der Rückschlag der ungünstigen Zeiten sowohl für den Buchhandel
-als für die Buchdruckerei konnte nicht ausbleiben und Leipzig litt mit
-ganz Sachsen vorzugsweise unter den Drangsalen des dreissigjährigen
-Krieges. Mangelhafte Schriften, nachlässige Korrektur, schlechtes
-Papier kennzeichnen die Mehrzahl der Bücher aus damaliger Zeit. Nicht
-besser war es mit der Xylographie bestellt. Hiergegen halfen natürlich
-weder Beschränkungen der Buchdruckereien auf Leipzig, Wittenberg und
-Dresden, noch kurfürstl. konzessionierte Buchdruckereiordnungen, Taxen
-zur Regulierung der Papier- und Bücherpreise und Visitationsabschiede
-an die Universitäten, worin Rektor und Dekane ermahnt werden, für guten
-Druck und sorgfältige Korrektur zu sorgen.
-
- Neuer Auf-
- schwung.
-
-Selbst nach dem endlich eingetretenen Frieden dauerte es lange,
-ehe sich die Buchdruckerei von ihrem tiefen Verfall erholen konnte.
-Trotzdem hat Leipzig, selbst aus der trübsten Periode, Druckwerke und
-Drucker aufzuweisen, die jeder Zeit Ehre gemacht haben würden, und
-hörte nie auf, namhafte Werke aus allen Gebieten der Wissenschaften an
-das Tageslicht zu fördern. Ein wesentlicher und andauernder Aufschwung
-tritt jedoch erst gegen Ende des □xvii.□ Jahrhunderts ein. Die Zahl
-der angesehenen Verlagshandlungen wuchs, unter denen die von M. G.
-Weidmann, J. F. Gleditsch, Joh. Fritsch, Joh. Fr. Zedler, Joh. S.
-Heinsius zu nennen sind.
-
-Der Messkatalog[12], dieser Gradmesser des Buchhandels, wies eine
-Steigerung auf. Leipzig, das Frankfurt im Jahre 1604 zum erstenmale
-überholt hatte und von da ab bald vorangeht bald zurückbleibt, behält
-nun, mit Ausnahme des Jahres 1680, die Führung und weist im Jahre 1689
-310 Werke gegen Frankfurts 90 auf; 1699 319 gegen 109 und im Jubeljahre
-1740 253 gegen 74. Die Zahl der Presserzeugnisse Leipzigs von 1641 bis
-1740 betrug 19711, wozu das Jahr 1698 mit 401 Artikeln das stärkste
-Kontingent stellte.
-
- [12] □G. Schwetschke□, _Codex nundinarius Germaniae literatae
- bisecularis_. Halle 1850.
-
- Bernh. Christ.
- Breitkopf.
-
-Mit den Buchhändlern mussten die Buchdrucker Schritt halten.
-Unter letzteren zeichneten sich aus: □Heinr. Christ. Takke□ durch
-orientalische Schriften, ganz besonders aber □Bernh. Christoph
-Breitkopf□[13]. Er war am 2. März 1695 in Klausthal geboren. 1718
-kam er nach Leipzig, heiratete 1719 die Witwe des Buchdruckers Joh.
-Kasp. Müller, und übernahm die Buchdruckerei, die damals sehr in
-Verfall geraten war. Breitkopfs Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit
-liessen ihn jedoch Gönner finden, die ihn in den Stand setzten,
-sich herauszuarbeiten und den „Goldenen Bären“ zu bauen, der das
-Geschäft 135 Jahre lang beherbergen sollte und Veranlassung zu dem
-Druckerzeichen dem „Bären“ gab. Der „Silberne Bär“ ward dem goldenen
-gegenüber 1765-67 erbaut. Die Offizin, im Jahre 1722 die dreizehnte in
-der Rangordnung, war 1742 schon die dritte und der Besitzer zur Zeit
-des Jubelfestes 1740 angesehener Oberältester der Innung, welche damals
-17 Prinzipale mit 137 Gehülfen zählte. Auf dem Boden des tüchtigen
-Druckerhandwerks erwuchs bald ein ansehnlicher Bücherverlag, der 1723
-mit einer hebräischen Handbibel begann. Die Messkataloge von 1725 bis
-1761 weisen 656 Verlagswerke Breitkopfs auf. Den wesentlichen Charakter
-erhielt der Verlag jedoch durch die engen Beziehungen Breitkopfs zu J.
-Chr. Gottsched und dessen Frau Luise, geb. Kulmus. Gottsched blieb bis
-zu seinem Ende Breitkopfs Freund und Hausgenosse im Goldenen Bären.
-Seine Druckerei übergab Breitkopf 1745 seinem Sohn; im Verlage wirkte
-er noch bis 1762 und starb hochbetagt und geehrt am 26. März 1777. Er
-erlebte es noch, wie Gottsched ihm 1736 prophezeit hatte, dass, obwohl
-er als der erste Buchdrucker Deutschlands gegolten hatte, sein Sohn ihn
-noch überstrahlte. Die Geschichte darf aber nicht vergessen, dass dies
-dem Sohne vielleicht nur dadurch möglich geworden ist, dass der Vater
-ihm die Druckerei in einem Zustande hinterliess, der ihm gestattete,
-sich ohne Schranken seinen, mitunter sehr kostspieligen Versuchen und
-Erfindungen hinzugeben.
-
- [13] □Dr. O. Hase□, Breitkopf und Härtel. Leipzig 1875.
-
- Wittenberg.
-
- Hans Lufft, der
- Bibeldrucker.
-
-Ein schlagendes Beispiel, wie das Buchdruckergewerbe mit dem geistigen
-Leben fällt und steigt, giebt WITTENBERG[14], wo Luthers Wirksamkeit
-die Kunst zu einer schnellen Blüte trieb. □Melchior Lotter d. jüng.□
-(1519-1523) begann die Reihe der Reformationsdrucker. Ihm folgte
-□Georg Rhawe□ (1520-1548), welcher sowohl Schriften von Luther als von
-Melanchthon druckte. Sein _Hortulus animæ_ mit Cranachs Zeichnungen
-ist ebenso geschätzt wie □Gabr. Schnellboltzs□ Sammlung von Portraits
-in einer so vorzüglichen Ausführung, dass man die Zeichnungen Lucas
-Cranach zuschreibt. Der bekannteste unter Wittenbergs Buchdruckern
-ist □Hans Lufft□, „der Bibeldrucker“ (1525-1584). Er druckte 1534 die
-Luthersche Bibelübersetzung, die 1541, 1545 und 1546 in neuen Auflagen
-wiederholt wurde. Da auch die meisten andern Schriften Luthers aus
-seinen Pressen hervorgingen, so gewann sein Geschäft eine grosse
-Ausdehnung. Für den Bibeldruck allein arbeiteten fortwährend drei bis
-vier Pressen, und man behauptet, dass gegen 100000 Exemplare der Bibel
-aus seiner Offizin hervorgegangen sind. Die Pressen von Hans Weyss,
-Peter Seitz und Johann Kraft wurden ebenfalls durch die Reformation im
-Gang erhalten.
-
- [14] □E. G. Eichsfeld□, Relation vom Wittenbergischen
- Buchdrucker Jubilio 1740. Wittenberg 1740.
-
- Hamburg.
-
-Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres
-Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit
-zu kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch die
-Reformation fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein
-mehr oder weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für
-Werke in niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales,
-Publikum rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften
-nicht hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des □xvii.□
-Jahrhunderts eine Änderung ein.
-
- Rostock.
-
-In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder
-des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang
-(1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564
-klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler
-mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte
-Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule
-vorhanden sei.
-
- Berlin.
-
-BERLIN[15] war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in
-den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine
-Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk
-deren vor dem Schluss des □xv.□ Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und
-Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem
-kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt.
-
- [15] □G. G. Küster□, _Historia artis typographicæ in Marchia_.
- Berlin 1746. -- Abhandlung, worin etwas von märkischen
- Formschneidern. -- □J. C. W. Moehsen□, Beiträge zur
- Geschichte der Wissenschaften in Mark Brandenburg.
- Berlin 1783. -- □G. Friedländer□, Beiträge zur
- Buchdruckergeschichte Berlins. Berlin 1834.
-
- Joh. Weiss.
-
-Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands
-bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte
-die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb
-des Kurfürsten Joachim □ii.□, welcher 1539 □Johann Weiss□, der schon
-seit 1525 als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg
-gewirkt hatte, nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die
-Kirchenordnung im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540.
-
-Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter
-nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende
-einzige Buchdruckerei von □Joh. Hanaw□ eingegangen war, so hatte die
-Mark Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei.
-
-□Frankfurt a. d. O.□ erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort
-auf kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder verschwunden
-war, in □Joh. Eichhorn□ aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit
-einem alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin
-findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis
-1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint.
-
- Leonh. Thurn-
- eysser.
-
-Dieser □Leonhard Thurneysser□ war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter
-Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied,
-Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften
-tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und
-Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine
-Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten
-Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner
-Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab
-ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für
-seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den
-Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste
-nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen
-Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei
-dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit
-verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt
-fast nur von Ärzten herausgegeben wurden.
-
-In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein
-allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach
-Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die
-durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin
-zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand von
-der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an seinen
-tüchtigen Gehülfen □Michael Hentzke□ verkauft, der bereits 1580 starb.
-Dessen Witwe heiratete □Nik. Voltz□, einen tüchtigen Buchdrucker,
-der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu
-nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, □Wilh.
-Hilden□, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586
-wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593
-nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne
-bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben.
-
- Christoph
- Runge.
-
-Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit
-Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich
-□iii.□ □Christoph Runge□, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er
-bis 1607 druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten
-das Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten
-Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste
-Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre
-1681[16].
-
- [16] □J. O. Opel□, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse.
- Leipzig 1879. -- □E. Dominik□ und □Otto Wenzel□, Zwei
- Abhandl. in: „Der Bär“ 1881, Nr. 24 u. 42.
-
- Die Hofbuch-
- drucker.
-
-Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, □Georg Schultze□,
-der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin
-brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685.
-Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in
-welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts
-weiteres von der Schlossdruckerei.
-
-Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der
-jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher
-Wissenschaft und Kunst.
-
-
-DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER.
-
- Dänemark.
- Die Reformation.
-
- Lud. Dietz und
- die Bibel.
-
- Die Universität.
-
- Die Zensur.
-
- Der Buchhandel.
-
-DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht
-ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks,
-wie in dem Deutschlands. Der König Christian □ii.□ begünstigte zwar
-die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie
-aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend
-stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu
-sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der
-Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt
-zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck,
-Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die _Fratres
-vitæ communis_, namentlich aber durch □Ludw. Dietz□, der 1533 Luthers
-Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen
-so guten Klang, dass er vom König Christian □iii.□, als dieser den
-Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu
-lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs
-in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator
-Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel
-besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste
-vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit
-seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei
-übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200
-Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage
-1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche
-in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am
-Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt
-und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht.
-Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten
-geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt
-waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob
-Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, □Hans Stockelmann□, war
-der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als
-solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine
-rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als
-nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche
-und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft
-hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun
-umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe
-eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob
-Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten.
-Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an.
-Selbstverständlich konnte der □Buchhandel□ keine grossen Fortschritte
-machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die
-Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern
-fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und
-Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische
-Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten
-Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die
-ersten Zeitungsprivilegien erteilt.
-
- [17] □C. Nyrop□, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_.
- 2 Bde. Kopenh. 1870.
-
- Schrift u. Papier.
-
-□Schriftgiessereien□ hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen
-Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial,
-sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der
-□Papierfabrikation□ wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die
-erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber
-nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke
-einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war.
-
-Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom □Tycho de Brahe□, neben
-seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen
-Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte
-jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische
-Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und
-arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken.
-
- Buchbinderei.
-
-Um die □Buchbinderei□ war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber
-hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren
-berief man z. B. im Jahre 1550 □Christoph Schoch□ aus Wittenberg und
-□Paul Knobloch□ aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten
-Bibel Christians □iii.□ zu binden, wofür sie neben freier Station den
-hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten.
-
- Verfall
- der Wissenschaft.
-
-Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der
-kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen
-politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im
-Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der
-Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies,
-aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht.
-Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler
-ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und
-Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach
-unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer
-noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb
-deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur
-zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck
-blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert.
-
- Buchhandel.
-
- E. H. Berling.
-
-Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des
-Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von
-Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und
-erst durch □Georg Höpfner□ wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es
-ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12
-Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn
-auch nicht viel besser. Ein Deutscher, □Ernst Heinrich Berling□, hatte
-um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr
-von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet
-worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und
-ein Versuch des Buchdruckers □Jokum Wielandt□, 1723, sie durch Antiqua
-zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische
-Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte
-Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im
-Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen
-sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren
-reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine
-gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener
-Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen
-Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne
-teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit
-sich brachte.
-
- Norwegen.
-
-In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging
-die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen
-auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten.
-Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden
-Buchdrucker, □Tyge Nielsen□ aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest
-angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen,
-□Valentin Kuhn□.
-
- Island.
-
-Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten
-Norwegern mitgebrachte altnordische (_Norräna_-)Sprache und ein reges
-geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island
-erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde
-auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch
-dessen Schreiber, den Schweden □Jon Matthiasson□, in HOLUM eingerichtet
-und hier erschien 1531 das erste Buch _Missale Nidarosiense_
-(Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung,
-gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische
-Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische
-Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von
-dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material
-versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der
-später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der
-Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die
-zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704
-kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und
-dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück.
-
- Schweden.
-
-In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt;
-1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl □xi.□
-eine königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand □Anund
-Olai□ war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen
-Dirigenten, tüchtiges geliefert hat.
-
- Pet. v. Selou.
-
- Heinr. Keyser.
-
-Sowohl Gustav □ii.□ Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina,
-förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese sonst
-bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf den
-Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland □Peter von
-Selou□, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke.
-1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur
-damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer
-Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem
-Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten
-Formenschneider und Kupferstecher □Heinrich Keyser□ schenkte er einen,
-in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser,
-unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel
-der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein
-Werk _Insignia nobilitatis Suecanae_ mit sehr gut ausgeführten Wappen.
-Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah,
-zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten
-geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise
-die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem
-1699 erfolgten Tode, vollendet wurde.
-
-Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker
-□Johann Jansson□ (nicht der berühmten □Blaeu□'schen Familie
-angehörend) nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden
-ihm manche Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als
-die Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität
-erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 □Peter Valdius□
-als Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der
-Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht.
-
-Über der in Gothenburg 1650 von □Amund Grefwe□ errichteten Offizin
-ruhte ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und
-Papier aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem
-grossen Teil von Gothenburg, die Druckerei ab.
-
- Upsala.
-
-In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte □Paul
-Griis□ 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte
-ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess.
-Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem Anfang
-des □xvii.□ Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde
-von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702
-Peringskjöld.
-
- Olaus Rudbeck.
-
-In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte □Olaus Rudbeck□, bekannt
-durch sein grosses Werk _Atlantica, sive Manheim_, von welchem Band
-□i-iii□ in Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698
-fertig wurden. Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine
-Druckerei angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702,
-der noch in der Presse befindliche □iv.□ Band so gründlich vernichtet
-wurde, dass nur 3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind.
-
- Lund.
-
-LUND hatte 1666 durch Karl □xi.□ seine Universität erhalten. Die
-Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort
-heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-VIII. KAPITEL.
-
-DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND.
-
- □Die Schriftgiesserei□ und die Druckschriften. □Die Technik□ des
- Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die Korrektur, die Presse,
- die Farbe. Prinzipal, Geselle und Lehrling. □Die Buchbinderkunst.□
- □Der Buchhandel□: Die litterarische Produktion, das Verhältnis
- zwischen Autor und Verleger.
-
-
- Technische Ver-
- besserungen.
-
-MÖGEN auch abweichende Urteile darüber herrschen, welcher Anteil an
-der technischen Weiterbildung der neuen Kunst dem Erfinder selbst,
-welcher seinen Genossen und ersten Nachfolgern gehört, so steht doch
-das eine fest, dass die Technik der Kunst und der mechanische Apparat,
-nachdem die ersten unsicheren Versuche hinter den genannten lagen,
-eine derartige Festigkeit im Prinzip und Abrundung in der Ausführung
-gewonnen hatten, dass man, trotz der Fortschritte der Gewerbe und der
-Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze auf dieselben, in der langen
-Zeit von dem Jahre 1500 bis zu dem Jahre 1750 nicht imstande war, das
-Überkommene durch Neues zu ersetzen[1].
-
- [1] Vergl. die in der Einführung erwähnten technischen Werke.
-
-Successive Verbesserungen in der Herstellung der Schriften und des
-Druckes traten zwar ein, aber keine durchgreifenden Reformen. Erst
-zu Ende des □xviii.□ Jahrhunderts zeigten sich die Vorboten solcher,
-jedoch erst dem □xix.□ Jahrhundert war es beschieden, ihnen Fleisch und
-Blut zu geben.
-
- Schriftgiesserei.
-
-In der SCHRIFTGIESSEREI bestanden die Verbesserungen, nachdem man schon
-frühzeitig gelernt hatte, die Stempel in Stahl, die Matern in Kupfer,
-die Schriften in härterer Metallmischung herzustellen, hauptsächlich
-in der Einführung der nach bestimmten Regeln sich abstufenden
-Schriftgrössen (□Kegel-System□), während anfänglich Zufälligkeiten oder
-Laune bestimmend waren.
-
- Kegel und
- Schrifthöhe.
-
-Leider wurde vom Beginn ab weder in Betreff des Kegels noch der
-Schrifthöhe eine Einheitlichkeit in allen Ländern durchgeführt.
-Nicht allein verfolgte jedes Land seinen eigenen Weg, sondern in den
-einzelnen Ländern, und zwar ganz besonders in Deutschland, herrschte
-Verschiedenheit, die sich sogar auf die einzelnen Städte ausdehnte, ja,
-selbst in den Druckereien einer und derselben Stadt sah es oft traurig
-genug um die Einheitlichkeit aus.
-
- Giessinstrument.
-
-Das □Giessinstrument□ war so eingerichtet worden, dass die Buchstaben
-beim Giessen einen trichterförmigen Anguss erhielten, dessen
-Schwere die scharfe Ausprägung des Buchstabenbildes förderte.
-Die Interpunktionszeichen wurden vermehrt und erhielten eine
-zweckmässigere, weniger prätentiöse Form. Die überaus zahlreichen
-Ligaturen der Buchstaben wurden auf eine kleine Zahl beschränkt und
-die sogenannten Auszeichnungsschriften zum Hervorheben einzelner Zeilen
-oder Wörter eingeführt.
-
- Signatur.
-
-Die □Typen□ wurden mit einer Einkerbung (Signatur) versehen. Diese
-diente nicht allein dem Setzer als Richtschnur, um den Buchstaben
-gleich aus dem Kastenfach richtig zu fassen und in den Winkelhaken
-einzureihen, sondern auch als Unterscheidung der verschiedenen, auf
-einem und demselben Kegel gegossenen Schriftsorten, indem man mit der
-Stellung der Signatur auf der unteren, beim Satz oberen, Langseite
-der Type wechseln, nach Befinden auch gleichzeitig mehrere Signaturen
-anbringen konnte.
-
- Vermehrung der
- Schriften.
-
-Mit der steigenden Zahl der Schriften war dieses Unterscheidungszeichen
-recht notwendig geworden. Bereits das, 1721 erschienene, Handbuch von
-Ernesti weist nicht weniger als 47 verschiedene Frakturschriften bei
-18 Kegelstärken auf. Man sieht auch hieraus, welche grosse Ansprüche
-schon damals an die Schriftgiessereien und Buchdruckereien gestellt
-wurden. In Deutschland verdoppelten sich diese Ansprüche, denn man
-musste auch in Antiqua- und Kursiv-Schriften wohl versorgt sein. Das
-erwähnte Handbuch bringt 21 Antiqua- und 14 Kursiv-Proben, daneben
-11 Grade Griechisch und 9 Grade Hebräisch, ausserdem arabische,
-samaritanische, armenische, koptische, cyrillische, glagolitische,
-russische, hunnische, scytische, wendische Schriften, Runen, Choral-
-und gewöhnliche Noten.
-
- Das Clichieren.
-
-War auch die eigentliche Stereotypie noch nicht zur Anwendung gekommen,
-so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, dass man bereits im □xv.□
-Jahrhundert in ziemlich ausgedehnter Weise das □Clichieren□ geübt hat,
-freilich noch aus freier Hand durch Eindrücken der grossen Initialen
-oder der Holzstöcke in ein halberstarrtes Metall oder in Thon, wodurch
-man eine, für das weitere Giessen verwendbare Mater gewann.
-
- Die Fraktur und
- die Zierschriften.
-
-Obwohl die □Frakturschrift□ die in Deutschland herrschende Schrift
-war, so zeigte sich doch keine grosse Thätigkeit in der Fortbildung
-derselben; wir berührten diese bereits, als von Nürnberg die Rede war
-(S. 129). Als Auszeichnungsschrift wurde hauptsächlich die Schwabacher
-Schrift, nachdem sie aufgehört hatte Buchschrift zu sein, benutzt;
-auch machte sich die Typographie die Kanzlei- und die Kurrentschrift
-dienstbar. Mit der Kanzlei nahm der herumreisende Schriftschneider
-□Schmidt□ in Leipzig einen nicht üblen Versuch vor; □Crabath□ in
-Prag schnitt eine schattierte Schrift mit einem starken und einem
-schwachen Strich. Mit der Kurrentschrift wurde zu Beginn des □xviii.□
-Jahrhunderts verschiedentlich experimentiert. Voran ging □Christ. Zink□
-in Wittenberg, ihm folgten Schmidt und in Wien □von Trattnern□. In
-Basel zeichneten sich □Joh. Putorius□ und □W. Haas□ aus, in Frankfurt
-a. M. □Luther□.
-
- Die Antiqua.
-
-Noch weniger als in der Fraktur leistete Deutschland in der □Antiqua□.
-Frobens und Oporins Typen blieben noch zu Anfang des □xvii.□
-Jahrhunderts massgebend, obwohl diese selbst mehr Nachahmungen des
-römischen, als des verbesserten venetianischen Schnittes waren.
-
-Als zu Ende des □xvii.□ Jahrhunderts die Verbreitung der holländischen
-Ausgaben in Deutschland den Sinn für schöne Drucke geweckt hatte, fing
-man an, sich Matrizen aus Holland kommen zu lassen. Besonders war es
-der Schriftgiesser □Erhard□ in Leipzig, welcher sich die Janssonschen
-Schriften anschaffte. In Nürnberg schnitt □Joh. Lobinger□ lateinische
-Schriften, die Beifall fanden, ebenso, in Nachahmung der holländischen,
-Christ. Zinck in Wittenberg. Ein eigentlicher Bahnbrecher erstand
-jedoch nicht unter den deutschen Schriftgiessern. Wahrscheinlich
-würde ein solcher auch, in Ermangelung jeglicher Unterstützung und
-Aufmunterung, das Schicksal so mancher Bahnbrecher gehabt haben. Unter
-solchen Verhältnissen findet man deutsches Geschick und Talent, wie in
-manchem anderen Fach, so auch in der Schriftgiesserei hauptsächlich nur
-im Dienste des Auslandes thätig.
-
- Der Satzapparat.
-
-DIE TECHNIK DES SETZENS UND DRUCKENS. Was den □Satz-Apparat□ betrifft,
-so wurde der Setzkasten zweckmässiger eingeteilt, und für die Fraktur
-und Antiqua verschieden eingerichtet; auch machte die öftere Benutzung
-der orientalischen Schriften besondere Kästen für diese notwendig.
-Der „Winkelhaken“ wurde verstellbar und aus Metall angefertigt. Das
-„Schiff“ erhielt den Doppelboden (Zunge) zum Ausziehen, war jedoch noch
-von Holz. Die eisernen Schliessrahmen fanden überall Eingang.
-
- Der Satz.
-
-Der □Satz□ selbst bekam durch den Durchschuss, die Absätze,
-die Schmutztitel, Buch- und Kapitel-Einteilungen eine freiere,
-übersichtlichere Gestaltung. Die Titel in der jetzigen Einrichtung
-wurden allgemein, ebenso die Angabe des Druckorts und des Datums, des
-Druckers, später auch des Verlegers. Die kleineren Schriftgattungen
-gestatteten die Verwendung der kleineren, handlichen Formate. Die
-Zahl der letzteren war eine übergrosse, ausser den gewöhnlichsten:
-Folio, Oktav, Duodez und Sedez, wurden: Achtzehner, Vierundzwanziger,
-Zweiunddreissiger, Achtundvierziger, Zweiundsiebenziger,
-Sechsundneunziger oft verwendet, es kamen dazwischen aber auch noch
-andere vor. Die Kolumnentitel, die Signatur, die Norm und der Kustos
-waren an und für sich kleine, aber doch wesentliche Verbesserungen. Die
-Accidenzarbeiten hatten noch keine grosse Bedeutung.
-
- Die Presse.
-
-Die □Presse□ von 1750 war im Prinzip und in allen wesentlichen
-Bestandteilen dieselbe wie die aus dem Jahre 1500. Sie wurde aus Holz
-konstruiert, jedoch fertigte man nach und nach die Spindel, die Mutter,
-den Tiegel aus Messing oder Eisen und das Fundament und die Schienen
-aus Eisen. Als Verbesserer der Pressen werden namentlich Danner in
-Nürnberg und Wilh. Janszoon Blaeu in Amsterdam genannt.
-
-Um eine Form zu drucken war ein zweimaliges Anziehen des Bengels
-notwendig, da der Tiegel nicht gross genug war, um eine volle Form zu
-decken. Der Karren wurde deshalb erst bloss bis auf die Hälfte der Form
-hineingefahren und der erste Druck geübt, dann ganz hinein, damit auch
-die andere Hälfte gedruckt wurde.
-
- Die Drucker.
-
-An der Presse arbeiteten zwei Drucker, der „Pressenmeister“ und der
-„Ballenmeister“[2], die sich jedoch gewöhnlich in der Arbeit ablösten.
-Der jedesmalige Ballenmeister hatte die zwei pilzförmigen Ballen
-aus Holz, die mit Rosshaaren überdeckt und mit Schafleder überzogen
-waren, einzufärben, die von dem Farbetische entnommene Farbe durch
-tüchtiges Reiben der Ballen an einander gut zu verteilen und dann die
-Form einzuschwärzen, indem er, unter fortwährend wiegender Bewegung
-der Ballen, diese erst von oben nach unten und dann seitwärts auf
-die Schrift drückte, und länger an den Stellen, die eine besonders
-sorgfältige Einfärbung verlangten, z. B. bei grossen Titelschriften und
-Illustrationen, anhielt.
-
- [2] Die Gehülfen, welche sowohl setzen als drucken konnten,
- nannte man „Schweizerdegen“. Wie so oft, wenn einer zu
- viel treibt, waren sie gewöhnlich in keinem Fach recht
- zuhause und deshalb weniger gut angeschrieben.
-
-Trotz dieser zeitraubenden Manipulationen konnten doch zwei Drucker
-in einem Arbeitstag 2000 Drucke, flinke Drucker sogar 3000, also resp.
-1000 und 1500 vollständige Bogen fertig bringen.
-
- Die Farbe.
-
-Die □Farbe□ wurde von jeder Buchdruckerei selbst bereitet und bestand
-aus Leinöl-Firnis und Kienruss. Sie war im allgemeinen eine gute,
-und es kam hauptsächlich nur darauf an, dass der Firnis die richtige
-Stärke erhielt. Da das Sieden desselben nicht ohne Feuergefahr war, so
-gestattete man es nur auf einem, dazu von den Stadtbehörden bestimmten
-Platz. Der Tag des Siedens galt als halber Festtag für die Drucker.
-Um dem siedenden Öl sowohl die wässerigen als die überflüssigen
-fettigen Teile zu nehmen wurden Stückchen von Brotrinde oder Semmel
-hineingesteckt. Mit Salz bestreut, wurden diese Brotstückchen gern
-gegessen, sie mehrten aber noch den selbstverständlichen Durst ins
-unberechenbare und das Bier schmeckte nun um so besser.
-
- Die Korrektur.
-
-Die □Korrektur-Abzüge□ wurden mittels der Bürste abgeklopft, mitunter
-auch in grausamer Weise abgetreten! Man legte eine Partie Makulatur
-über den abzuziehenden Bogen und trat nun den Druck ab, indem man sich
-auf die Form stellte.
-
-Grössere Offizinen hatten ihre Haus-Korrektoren und es bildete sich
-ein besonderer Stand der Korrektoren von Beruf. Soll man nach den
-Ermahnungen eines ihrer Kollegen[3] urteilen, so müssen sie nicht immer
-sich des solidesten Lebenswandels befleissigt haben, denn neben einem
-guten Auge verlangt er vor allen Dingen von einem guten Korrektor, dass
-er „mit allem Fleiss für der Trunkenheit sich hütet, auff dass er nicht
-etwa gantz nichts, oder hingegen mehr, als in Wahrheit vorhanden, sehe
-oder auffzeichne. Und, welcher zu dieser Verrichtung verordnet, gerne
-trincket, ist ein unnützer Mensch, zu welchem der Druckherr, wann er
-ihm offt also bezecht sihet, ohne Vorwunderung wol sagen möchte: troll
-dich du Bösewicht“.
-
- [3] □Hieronymus Hornschuh□, Ορθοτυπογραφία. Leipzig 1634 und
- in mehr. Ausg.
-
- Der Prinzipal.
-
-□Der Buchdruckerprinzipal□ musste, bevor er eine Offizin eröffnete, den
-Buchdruckereid ablegen, der, wenn auch nicht überall der gleiche, stets
-darauf ging, nichts ohne Zensur und keine Schmähschrift zu drucken und
-den Buchdruckerei-Ordnungen gemäss sich zu betragen. Die Rechte der
-Innungen waren durch die Statuten und Freiheiten in den Artikel-Briefen
-gesichert. Die Überwachung derselben, die Aufbewahrung der Lade und die
-Führung der Innungsrechnungen war dem Oberältesten, dem „Ladenvater“,
-übertragen, der auf dem Generalsitz (Session), welcher jedesmal 14 Tage
-vor der Messe abgehalten wurde, gewählt ward.
-
- Der Geselle.
-
-□Die Gesellen□ bildeten ebenfalls unter sich einen Verein, der seine
-zwei Obergesellen oder Assessoren, einen Drucker und einen Setzer,
-hatte, die bei den Gesellen ungefähr die Stellung einnahmen, wie der
-Oberälteste bei den Meistern, und für den Nutzen der Gesellschaft zu
-sorgen hatten.
-
-Die Gesellen arbeiteten entweder in festem Lohn oder konsensweise, d.
-h. wurden per Stück bezahlt. Das Engagement galt von Messe zu Messe; 14
-Tage vor der Messe wurde der „Anredetag“ abgehalten; wollte der Meister
-den Gesellen noch ein halbes Jahr behalten, so wurde er „angeredet“,
-geschah dies nicht, so wusste er, dass er nach 14 Tagen „Feierabend“
-hatte. Was der Geselle von Messe zu Messe von seinem Lohn stehen
-liess, hiess seine Messbesoldung. Wurde er verschrieben, so erhielt er
-„Laufgeld“. Beim Eintritt musste er „Introitus“ zahlen, war er nicht
-gut beleumundet, so wurde er von seinen Kollegen zurückgewiesen. Er
-hatte das Recht den Degen zu tragen.
-
-Der Introitus, die Abgaben der Ausgelernten, „das Titulgeld“, welches
-der Verleger für den Druck eines roten Titels zahlte, oder sonstiges
-Trinkgeld wurde jährlich zweimal, zu Fastnacht und zu Martini, verteilt
-oder vertrunken. Zu Martini gab der Prinzipal einen Schmaus.
-
- Der Lehrling.
-
- Die Deposition.
-
-□Der Lehrling□ wurde, wenn er eine Probezeit von einigen Wochen gut
-bestanden und durch Zeugen nachgewiesen hatte, dass er in ehrlicher
-Ehe geboren war, „aufgedungen“. Er hatte 5-6 Jahre zu lernen und
-den Meister und die Gesellen zu bedienen. Hatte er seine Lehre
-ehrlich bestanden, so wurde er „Kornut“ oder Hörnerträger und hatte
-als solcher wöchentlich an die eigentlichen Gesellen eine Abgabe,
-„nach christlicher Billigkeit“, zu zahlen. Wollte er nun als Geselle
-losgesprochen sein, so musste er sich dem „Postulat“, oder der
-Deposition, unterwerfen. Dies geschah unter scenischen Festlichkeiten
-und in Anwesenheit der Gesellen und Bekannten mit ihren Damen. Erst
-trat der Prologus auf und hielt eine salbungsvolle Lobrede auf die
-Kunst. Mit dem unförmlichen, mit Hörnern versehenen Hut aus schwarzem
-Leder bedeckt[4], wurde nun der Kornut von dem Knecht eingeführt,
-von letzterem durchgehechelt, geschimpft, geschlagen und mit guten
-Lehren versehen. Der Kornut lässt sich alles gefallen und verspricht
-dem Depositor, den Gesellennamen mit Ehren zu führen, die Laster der
-Jugend und die schlechten Sitten abzulegen, und einen tugendsamen
-Wandel zu führen. Hierauf erhält er die Konfirmation als Geselle, und
-die von ihm gewählte „Kranzjungfer“ setzt ihm den Kranz auf. Das ganze
-Schauspiel wimmelte von Trivialitäten und Roheiten[5]. Der Schmaus bei
-dem „Postulatvater“, der für gute Speise und guten Trank zu sorgen
-verpflichtet war, bildete selbstverständlich durchaus nicht eine
-Nebensache.
-
- [4] Ein solcher Kornutenhut war in der Halleschen Ausstellung
- 1881, in der Abteilung der Faberschen Buchdruckerei aus
- Magdeburg, zu sehen.
-
- [5] Es giebt mehrere gedruckte Depositionsspiele; am
- bekanntesten ist das im Jahre 1654 „der hoch- und
- weitgerühmten Buchdrucker-Kunst zu unvergleichlichen
- Ehren“ von □Johann Rist□ abgefasste, das in Ernestis
- Handbuch mitgeteilt wird.
-
- Sitten im allge-
- meinen.
-
-Von der Zucht und Ordnung in den Druckereien bekommen wir keinen
-besonders vorteilhaften Begriff, wenn wir die Anordnungen lesen, in
-welchen den Gehülfen eingeschärft wird, „ihrem Druckherrn gebührliche
-Ehre und Gehorsam zu erzeigen, ihm nicht widersetzig zu sein, viel
-weniger mit thatsächlicher Gewalt sich an ihm zu vergreifen“, und sie
-ermahnt werden: „das Fluchen, Gottlästern, Andere zur Banckhauen zu
-unterlassen; Abends nicht mit Ungestüm anzuklopfen, jauchzen, geschrey
-zu tumultuiren, nicht die Wehren zu zucken; das liederliche Feiern,
-mehrenteils um des unchristlichen Saufens, Schwelgens und Tollisirens
-willen, sowie das Abhalten heimlicher Conventikula behufs des
-Aufwiegelns anderer Gesellen, einzustellen“.
-
- * * * * *
-
- Aenderungen in
- d. Buchbindung.
-
- Steigender Ge-
- schmack im Ein-
- binden.
-
-DIE BUCHBINDERKUNST[6]. Keine andere gewerbliche Technik konnte in
-dem Masse durch die Buchdruckerkunst beeinflusst werden, als die
-Buchbinderei. Die Folianten und Quartanten weichen den Oktavbänden
-und zierlichen Bändchen, infolge dessen auch das Material für den
-Einband ein leichteres wird. An Stelle der Holzplatten tritt die
-Pappendecke oder der aus mehreren zusammengeklebten Blättern bestehende
-Überzug. Die Beschläge fallen nach und nach weg, die Spangen bleiben
-jedoch noch lange. Die Bereitung des Leders vervollkommnet sich
-und es wird in allen Farben verwendet. Durch die Filetten wird ein
-grösserer Reichtum an Mustern möglich. Jetzt kommen namentlich die
-arabisch-maurischen phantasiereichen Flachornamente zur Geltung,
-daneben erhalten sich jedoch Ornamente im Sinne der Renaissance aus
-antiken Motiven entspringend unter Hinzufügung von Figuren-Schmuck.
-Götter und Helden, Kaiser und Könige, Reformatoren, reiche Wappen,
-ganze zusammenhängende Figurenbilder dienen als Einbandsschmuck, wobei
-oft nicht die geringste Rücksicht auf den Inhalt genommen wird. Selbst
-die namhaftesten Künstler, wie Hans Holbein d. j., Lucas Cranach Vater
-und Sohn, Virgil Solis, u. a. verschmähten es nicht, ihre Talente
-der Buchhülle zuzuwenden. Das Interesse des grossen Publikums und die
-Bücherliebhaberei der Reichen und Grossen unterstützten die Kunst. In
-vielen Privatbibliotheken war der Einband fast Hauptsache geworden.
-Manche Liebhaber aus den höchsten Ständen, selbst Könige und Fürsten,
-übten persönlich das Buchbinden.
-
- [6] Vergl. die S. 89 angegebenen Quellen.
-
-Die österreichisch-burgundischen kur- und pfalzbayrischen
-Herrscher, die protestantisch sächsischen Fürsten Ernestinischer und
-Albertinischer Linie, hatten schöne Büchersammlungen. Sowohl Kurfürst
-Friedrich der Weise († 1525) als auch der unglückliche Johann Friedrich
-der Grossmütige liessen ihre prachtvollen Bibelausgaben und die Werke
-der Reformatoren für die Universitätsbibliotheken mit prächtigen
-Einbänden versehen, die noch heute die Zierde der Sammlungen in Jena,
-Weimar, Leipzig und Dresden sind. Die Hauptwerkstätte war Wittenberg,
-der bedeutendste Buchbinder dort □Theodor Krüger□. Seinen Arbeiten
-schliessen sich die von □Kaspar Krafft□ und die reichen farbigen
-Lederbände aus den Offizinen der beiden □Cranach□ an. Auch der gelehrte
-Herzog Georg der Bärtige († 1539) und sein Bruder Heinrich der Fromme
-(† 1541) hatten dieses Interesse für die Kunst.
-
- Die sächsischen
- Einbände.
-
-Unter den Förderern ist ferner der Kurfürst August von Sachsen (1526
-bis 1586) zu erwähnen. Im Jahre 1555 legte er den Grund zu der jetzigen
-königlichen Bibliothek in Dresden und umfasste diese Anstalt mit
-grosser Liebe. Er berief die Buchbinder □Georg Krause□ und □Kaspar
-Meuser□ als Hofbuchbinder, und sandte sie auf Reisen, dass sie Bücher
-ankauften. Um den Betrieb besser unter Augen zu haben, errichtete
-er ihnen im Schlosse eine Werkstätte und beteiligte sich selbst
-eifrig bei den Arbeiten. Die Ornamentierung war eine mannigfaltige
-und die Goldpressung prächtig. Bemerkenswert sind die, zumteil
-unübertroffenen, gemalten Bände, die sich bis zu Ende des □xvii.□
-Jahrh. hielten. Besondere Sorgfalt wurde dem Schnitt zugewendet. Auf
-dem Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und malte
-die Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik, den ein
-wenig verschobenen Schnitt zu bemalen, und dann nachträglich den scharf
-zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird nun ein so gebundenes
-Buch aufgeschlagen, und dadurch der Schnitt wieder verschoben, so tritt
-die Untermalung in matten Farben hervor. Man hat diese Art von Arbeit
-in neuester Zeit mit Glück wieder aufgenommen. Sehr praktisch sind die
-Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek. Damit sie nicht zu sehr ins
-Gewicht fielen, wurden sie in feines Pergament ohne Pappenunterlagen
-gebunden.
-
-Etwas zurück gegen die früheren stehen die unter den Kurfürsten
-Christian □i.□ und □ii.□ von □Christoph Weidlich□, □Matthias Hauffe□,
-□Bastian Elert□ und □Kaspar Krafft□ gelieferten Arbeiten. Man wandte
-sich damals wieder der Technik der durchbrochenen Metallarbeiten mit
-unterlegtem Sammet zu, in der □Hans Reichardt□ in Leipzig Meister war.
-Noch mancher tüchtige Buchbinder dieser Zeit aus dem Süden und Westen
-wäre zu nennen.
-
- Rückgang.
-
-Die schweren Jahre brachten bald die Periode des Verfalls.
-Der Lederband tritt zurück, die technische Behandlung wird
-vernachlässigt und das Pergament meist glatt behandelt. Die glänzenden
-Schweinslederbände der Holländer, die sogenannten Horneinbände, und
-die lange in Holland in Gebrauch bleibenden Kartonnagen mit Rücken von
-rotem Schafsleder und Pappendeckel, mit marmoriertem oder gefedertem
-Papier überzogen, treten in den Vordergrund.
-
- * * * * *
-
- Befestigung des
- Buchhandels.
-
-DER BUCHHANDEL UND DIE BÜCHER-PRODUKTION[7]. Nach dem Ablauf des
-ersten Viertels des □xvi.□ Jahrhunderts trat mit dem Buchhandel eine
-Wandlung ein, indem er sich von den Jahrmärkten emanzipierte und eine
-respektable Stellung einnahm. Viele der grösseren Buchdruckereien
-verwandelten sich in Buchhandlungen. Die grosse Masse der Buchdrucker
-geriet dagegen in Abhängigkeit von den Verlegern. Die Buchhandlungen
-bemühten sich, als abgeschlossene Geschäftskorporationen von den
-Regierungen anerkannt zu werden und Privilegien zu erlangen, ohne zu
-bedenken, wie sehr sie damit den Regierungen eine Handhabe zu ihrer
-Beaufsichtigung und der leichteren Durchführung der Zensur-Massregeln
-gewährten. Überwachungs-Kommissionen wurden ernannt und die Buchhändler
-verpflichtet, nichts regierungsfeindliches zu drucken. Die Zensur wurde
-streng, und, was noch schlimmer war, launenhaft geübt; im Norden im
-allgemeinen etwas freisinniger, als im Süden.
-
- [7] Vergl. die S. 91 u. 92 erwähnten Quellen. -- Ferner □G.
- Schwetschke□, _Codex nundinarius etc._ Halle 1850 und
- dessen Fortsetzung. Halle 1877. -- Wertvolle Beiträge
- liefern ausserdem die von dem Börsenverein für den
- deutschen Buchhandel in zwanglosen Heften herausgegebenen
- „Publikationen“, deren neue Folge den Titel führt:
- „Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels.
- Herausgegeben von der Historischen Kommission des
- Börsenvereines etc.“.
-
- Einfluss der Reformation.
-
-Den Impuls zu einem grösseren Bücherbetrieb hatten zuerst Luthers
-Schriften gegeben; selbst seine Feinde mussten einräumen, dass seine
-Bücher fast in jeder Bauernhütte zu finden waren. Zwar verlor sich
-das religiöse Lesebedürfnis nach und nach, aber die einmal geweckte
-Leselust blieb. Die schönwissenschaftliche Litteratur verschaffte den
-Buchdruckereien viele Arbeiten und gewährte dem Buchhandel ein neues
-Feld für seine Thätigkeit. Namentlich war es die fremde Litteratur, der
-das Publikum von Beginn ab seine Neigung zuwendete. Boccaccio, Äneas
-Sylvius und der Amadis von Gallien blieben die erklärten Lieblinge.
-
- Hebung der
- Litteratur.
-
-Erst im Laufe des □xvii.□ Jahrh. hebt sich die deutsche Litteratur
-und erweckt eine grössere Teilnahme, trotz der ungeheuerlichen
-Romane, Erzählungen von Naturereignissen, Missgeburten, Unglücken;
-je scheusslicher, je besser. Die Verarbeitung dieser Stoffe geschah
-namentlich in Augsburg und Nürnberg. Hier, sowie auch in Frankfurt
-am M., erschienen zuerst „die neuen Zeitungen“[8], die sich aus
-Flugblättern nach und nach in regelmässig erscheinende Zeitungen
-umwandelten, damit aber auch mehr und mehr dem Buchhandel entzogen
-wurden, um in die Hände der Postanstalten überzugehen, namentlich
-war die Thurn und Taxissche Post bemüht, den ganzen Zeitungs-Verlag
-ihres Bezirks in die Hände zu bekommen. Hingegen erhielten die, gegen
-Ende des □xvii.□ Jahrh. entstandenen wissenschaftlichen Journale
-eine besondere, immer wachsende Wichtigkeit für den Buchhandel.
-Auch der Kalender-Vertrieb erlangte grössere Bedeutung. Einige waren
-ausserordentlich verbreitet, wie die, von Leonh. Thurneysser in Berlin
-1572-1585 herausgegebenen (vergl. S. 152). Angeblich um die Richtigkeit
-der Kalender zu überwachen, wurden sie von den Regierungen mit Stempel
-versehen und öfters zum Gegenstand eines Monopols gemacht, welches man
-verpachtete.
-
- [8] □Em. Weller□, Die ersten deutschen Zeitungen. Stuttgart
- und Tübingen 1872. -- □J. O. Opel□, Die Anfänge der
- deutschen Zeitungspresse. Leipzig 1879.
-
- Die Klassiker und
- die Reisewerke.
-
-Auch ernsthaftere Lektüre bricht sich Bahn, namentlich Übersetzungen
-der griechischen und lateinischen Klassiker, gewöhnlich mit
-Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustriert. In diesem Verlag
-zeichneten sich namentlich Augsburg, Strassburg und Frankfurt a. M.
-aus. Chroniken und Länderbeschreibungen, Originale und Übertragungen,
-denen ebenfalls durch Illustrationen Reiz verliehen wurde, lieferten
-namentlich Sigismund Feyerabend, Theod. und Joh. Th. de Bry sowie die
-Matth. Merian in Frankfurt (s. S. 130); besonders bekannt waren die
-Gottfriedsche Chronik mit ihren Fortsetzungen, das _Theatrum mundi_,
-die Zeilerschen Topographien mit ihren unzähligen Kupferstichen und
-Plänen. Eine Menge grosser Reisewerke, durchgehends reich illustriert,
-erschienen bei L. Hulsius und später bei seiner Witwe in Nürnberg.
-
- Schwierigkeiten
- des Vertriebs.
-
-Wennauch die Buchhändler selbst durch die Messen die neuen
-Bücher kennen lernten, so blieb immer noch die Schwierigkeit des
-Bekanntmachens derselben für das Publikum. Französische und englische
-Buchhändler hatten schon früher Verlagsverzeichnisse gedruckt, deutsche
-Buchhändler fingen jedoch mit solchen erst in der letzten Hälfte des
-□xvi.□ Jahrh. an. Wenn die Gelehrten nicht durch ihre Korrespondenz
-zufällig von dem Erscheinen eines Buches Kenntnis erhielten, so
-waren sie ganz von ihrem Buchhändler abhängig. Hatten sie mit ihrem
-Auftrag eine Messe versäumt, so musste in der Regel die nächste Messe
-abgewartet werden.
-
- Messkatalog.
-
-Dies wurde wesentlich anders, als der Augsburger Buchhändler Georg
-Willer 1564 den „Messkatalog“ ins Leben rief. Derselbe erschien
-jährlich zweimal. 1592 hört der Katalog unter Willers Firma auf. Im
-Jahre 1598 nahm die Stadt Frankfurt die Sache selbst in die Hand, und
-der Messkatalog erschien nun bis 1615, bei Peter Kopff in Frankfurt:
-_cum permissu superiorum_. Mit den Messkatalogen trat ein Umschwung
-im Buchhandel ein. Die Buchhändler waren genötigt, ihre Erwerbungen
-regelmässig auf den Messen zu machen und ein Lager des Neuesten zu
-halten.
-
- Messverkehr.
-
-Für die Verleger war es natürlich von grösster Wichtigkeit, dass die
-Neuigkeiten vor der Messe fertig vorlagen. Von den Besuchern waren
-die Holländer, Belgier, sowie die Pariser und Lyoner Buchhändler
-die wichtigsten. Das Hauptgeschäft beruhte auf Tausch, der sich
-schon im □xv.□ Jahrh. ausgebildet hatte. Wennauch anfänglich den
-Verhältnissen angepasst, hatte dieses System doch später auch seine
-grossen Inkonvenienzen, da Produktion und Konsumtion der einzelnen
-Länder und Städte und Firmen nicht immer sich die Wage halten konnten.
-Dies verursachte eine teilweise Überproduktion in mittelmässigen
-oder schlechten Büchern, um doch Tauschobjekte zur Messe mitbringen
-zu können. Die grossen verlegenden Buchdruckereien, die nicht
-Sortimentshandel trieben, konnten überhaupt nicht tauschen und so
-bildete sich teilweise ein reiner Handel gegen Geld, der sogenannte
-Nettohandel, aus.
-
- Verfall d. Frank-
- furter Messe.
-
- Aufblühen Leip-
- zigs.
-
-Das erste grosse Sortimentslager gründete der Frankfurter Buchhändler
-Paul Brachfeldt, in den letzten Jahren des □xvi.□ Jahrh. Ausländische
-Verleger, wie die Elzeviere, hielten in Frankfurt Lager. Hierdurch
-gestaltete sich neben dem Messhandel ein regelmässiger Verkehr der
-Sortimentshandlungen mit Frankfurt, doch gestattete die Zerrüttung
-der Verhältnisse kein rasches Emporblühen, wozu die Massnahmen der
-kaiserl. Regierung das ihrige beitrugen. Auch die Frankfurter Behörden
-hatten dieser in die Hände gearbeitet, als sie dem Kaiser Maximilian
-□ii.□ vorschlugen, er möge selbst Beamte senden, um die Überwachung
-des Buchhandels, welche der Rat abgelehnt hatte, zu besorgen. Die
-Massregel war jedoch erst unter dem Kaiser Rudolph □ii.□, 1579,
-zur Ausführung gekommen. Seit dem Jahre 1629 verfuhr die kaiserl.
-Bücherkommission vollständig souverän und der Rat machte nur ab und zu
-einen vergeblichen Versuch, den Einfluss derselben zu mindern. Darunter
-litt begreiflicherweise die Frankfurter Messe ausserordentlich,
-während das aufblühende Leipzig den Vorteil davon hatte. Doch wirkten
-noch andere Gründe gegen Frankfurt. Je mehr die lateinische Sprache
-als Gelehrtensprache durch die deutsche verdrängt wurde, um so mehr
-schmälerte sich der Absatz der deutschen Bücher im Auslande. Die
-fremden Buchhändler blieben deshalb nach und nach aus, namentlich weil
-auch der Absatz ihrer Artikel durch die Übersetzungssucht der deutschen
-Verleger geringer wurde. Der Verkehr mit Italien war schon um 1570
-durch den _Index librorum prohibitorum et expurgendorum_ des Papstes
-Pius □iv.□ so gut wie vernichtet. Mit den spanischen Niederlanden
-verfiel der buchhändlerische Verkehr nach den Ordonnanzen Philipps
-□ii.□ Am längsten hielt sich noch die Verbindung mit Holland, jedoch
-bot letzteres bloss Bücher dar und nahm keine, wodurch der Handel
-erschwert wurde, besonders da Holland zumteil seinem klassischen Verlag
-untreu wurde, und sich den französischen Artikeln und dem Nachdruck
-zuwandte. Wie Leipzigs Übergewicht um das Jahr 1650 eine vollendete
-Thatsache wurde, ist bereits berichtet (S. 149). Ohne die Reformation
-und ihren segensreichen Einfluss auf die Pflege der Wissenschaft, würde
-es doch Leipzig kaum gelungen sein, seine Suprematie zu erlangen. Die
-Gründung der Universitäten Wittenberg, Frankfurt a. d. O., später
-Königsberg; die Kunstliebe der sächsischen und brandenburgischen
-Kurfürsten und ihr Interesse für die Wissenschaften hatten einen
-mächtigen Einfluss geübt, und im Norden ein bis jetzt brachgelegenes
-Terrain dem Buchhandel, sowohl hinsichtlich der Produktion als der
-Konsumtion, gewonnen[9].
-
- [9] Zur näheren Kenntnis des Messverkehrs ist von besonderem
- Interesse die Schilderung Heinrich Stephanus □ii.□
- Das lateinische Original ist von □J. Lisieux□ ins
- Französische übersetzt (Paris 1875) und von □H. Frommann□
- in seinen „Beiträgen etc.“ Heft 1 (Jena 1879) im Auszug
- deutsch wiedergegeben. -- Von besonderem Wert sind
- ferner zwei Werke neuerer Zeit. In dem Frankfurter Archiv
- wurde das Manuskript eines Messmemorials des Frankfurter
- Buchhändlers □Michael Harder□ von der Fastnachtsmesse
- 1569 aufgefunden und 1873 durch den Druck veröffentlicht.
- Aus demselben geht hervor, dass Harder von seinen 83
- Messartikeln 5918 Bände verkaufte, davon 13 in mehr als
- 100, 18 in mehr als 50 Exemplaren. Am besten gingen die
- Sammlungen belehrender Erzählungen und Ritterbücher.
- Die Geschichte von den sieben weisen Meystern trug den
- Sieg davon mit 233 Exempl., dann folgten Fortunatus,
- die schöne Magelona, Melusine, Ritter Pontus, Ritter
- Galmy mit je 196, 176, 158, 147, 144 Exempl. Die
- deutschen Heldensagen waren aus der Mode gekommen.
- Von den „Teufeln“ gegen verschiedene Laster waren die
- gangbarsten: der Sauf-, Hof-, Ehestands-, und Spielteufel
- in je 69, 67, 64, 62 Exempl. -- Das „Rechnungsbuch des
- Froben & Episcopius, Buchdrucker und Buchhändler zu
- Basel, 1557-1564. Herausgegeben von □Rud. Wackernagel□“
- (Basel 1881) giebt sehr wertvolle Mitteilungen, nicht
- allein in Betreff des Frankfurter Mess-Geschäfts, sondern
- auch bezüglich der Herstellungskosten der Druckwerke.
-
-Neben Leipzig und Frankfurt a. M. entstanden auch andere
-Kommissionsplätze mit beschränkteren Geschäftskreisen, darunter
-namentlich Augsburg, das ein Mittelpunkt des katholischen Verlags
-wurde, und Nürnberg. Auch in Strassburg zeigte sich zu Beginn des
-□xvii.□ Jahrhunderts ein weiter gehender Verkehr.
-
- Die Verlagsver-
- hältnisse.
-
- Die Honorare.
-
- Die Zensur.
-
-□Die Autorenverhältnisse□ boten nicht viel erfreuliches. Bei der
-Ungunst, in welcher die deutsche Litteratur stand, sahen sich viele
-Autoren genötigt, ihre Werke auf eigene Kosten drucken zu lassen. Wer
-keine bedeutende litterarische Bekanntschaften oder einflussreiche
-Verbindungen hatte, war übel daran und der Willkür der Buchhändler
-anheim gegeben. Diese suchten durch lockende Titel, in Kupfer
-gestochene Titelblätter und in den Text gedruckte Vignetten die
-Kauflust zu reizen, die eigentliche Ausstattung jedoch wurde immer
-schlechter und die Inkorrektheit ging oft über alle Grenzen. Die
-Honorare waren sehr klein, oft nicht so hoch wie Schreiberlöhne.
-Manchmal wurde durch Freiexemplare gezahlt. Als Ausgleich musste die
-„Dedikation“ an einen vornehmen oder reichen Mann dienen, der seine
-Dankbarkeit für die erwiesene Ehre klingend zu zeigen imstande war, bis
-auch dieses Mittel in Misskredit kam. Zu den schlechten Verhältnissen
-trugen der Nachdruck und die sowohl strenge als willkürliche Zensur
-noch das ihrige bei. Letztere wurde von Lutheranern, Calvinisten und
-Katholiken, je nach ihrer Konvenienz, zur Unterdrückung der Schriften
-der Gegner benutzt und bei der engen Verknüpfung der geistlichen mit
-den politischen Wirren bald auf das weltliche Gebiet übergeführt.
-Manchmal beruhte die Unterwerfung unter die Zensur auf vorheriges
-Abkommen mit den einzelnen Buchdruckern, bis sie mit dem Anfang des
-□xviii.□ Jahrh. vollständig organisiert war.
-
- Zudrang zum
- Buchhandel.
-
-Da der Betrieb des Buchhandels jedem freistand, so war es natürlich,
-dass manche, die nicht den genügenden Grad von Bildung besassen,
-besonders zu dem Sortimentshandel sich drängten, namentlich solche,
-die schon mit dem Buchhandel in Berührung standen, z. B. Papier- und
-Pergamentmacher, Buchbinder u. s. w. Bei den ersteren mag wohl der
-Eintritt in den Buchhandel öfters ein unfreiwilliger gewesen sein,
-wenn sie statt Barzahlung Bücher annehmen mussten. Am wichtigsten war
-die Beteiligung der Buchbinder. Je mehr sich der Sortimentshandel
-organisierte, je mehr fiel der Kleinhandel, namentlich auf den
-Jahrmärkten, den Buchbindern zu. Auf der andern Seite schmälerten
-Reisende den Markt. In dem Grade wie die Bildung und die deutsche
-Litteratur sich verbreiteten, stieg der Zudrang zum Buchhandel und
-damit die Unsolidität.
-
- Missbräuche im
- Buchhandel.
-
-Grossen Nachteil brachte ferner die Masse der Bücherauktionen.
-Aus allen Winkeln wurden Bücher zusammengetrieben, gebundene und
-rohe, komplette und defekte. Die Käufer wurden geprellt und gegen
-die Buchhändler unwillig gemacht, die ihre Lager in jeder Weise
-räumten, um Geld zu machen. An Stelle der Auktionen traten später die
-Bücherlotterien, die sich bis in die Mitte des □xix.□ Jahrh. erhielten.
-Nicht allein Sortimentslager, sondern ganze Verlagsgeschäfte wurden in
-dieser Weise versilbert und das Publikum betrogen. Ebenfalls ein arger
-Missbrauch war das, wennauch in seinen Anfängen nicht verwerfliche,
-Pränumerationswesen, indem die Versprechungen gewöhnlich nur mangelhaft
-oder gar nicht gehalten wurden.
-
- Trennung des
- Verlags vom
- Sortiment.
-
-Die Trennung des Verlags vom Sortiment wurde immer üblicher. Die
-Zahl der Verleger wurde durch Buchdrucker vermehrt, die öfters durch
-die ungünstigen Arbeitsverhältnisse zum Verlegen gedrängt wurden, um
-das Personal in Zeiten zu beschäftigen, wo die Aufträge der Verleger
-fehlten.
-
-Hierdurch hörte das Tauschgeschäft ganz auf. Um die Artikel an den
-Mann zu bringen, sah man sich genötigt die Neuigkeiten „in Kommission“
-zu versenden. In dem letzten Viertel des □xviii.□ Jahrhunderts war
-dies Geschäft vollständig organisiert und führte wieder zur Errichtung
-der Kommissionslager und der Gross-Sortimentslager in Leipzig.
-Viele Sortimentshändler zogen es vor, ihren Bedarf von den grossen
-Leipziger Kommissionären zu beziehen, statt mit den vielen Verlegern in
-Verbindung zu stehen.
-
- Steigender
- Nachdruck.
-
-Durch diese Änderungen, verbunden mit der Verschlechterung des
-Münzfusses, traten erhöhte Ladenpreise ein, wodurch wieder der
-Nachdruck gefördert wurde, namentlich waren es der Süden von
-Deutschland und Österreich, welche den Nachdruck gewerbsmässig
-betrieben. Die kaiserliche Regierung leistete demselben in den
-Erblanden Vorschub, indem sie in diesen die erteilten kaiserlich
-deutschen Privilegien nicht respektierte, ein Beispiel, das gar zu
-willig bei anderen deutschen Fürsten Nachfolge fand. Da der Verkehr
-auf der Messe den Nachdruckern so gut wie verschlossen war, so nahmen
-sie ihre Zuflucht zu dem Colportagehandel und zogen auch Buchbinder,
-Landgeistliche, Schullehrer in ihr Interesse durch Gewährung von
-grossen Rabatten. Die Verleger rechtmässig erworbener Schriften folgten
-dem gegebenen Beispiel.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-IX. KAPITEL.
-
-ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA.
-
- □Venedig.□ Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul Manutius,
- Aldus □ii.□ Dan. Bomberg. Mechitar. □Rom□: Die Buchdruckerei
- der „Propaganda“. □Genua.□ □Florenz□: Die Giunta. □Padua.□ □Die
- Xylographie□: Cäs. Vecellius, der Clair-obscur-Druck. Ugo da Carpi,
- Graf Ant. Zanetti, John Jackson.
-
- SPANIEN UND PORTUGAL. Brocario und die complutinsche Polyglotte.
- Madrid. Ant. Bortazar. -- MEXICO. Joh. Kromberger, Juan Pablos.
- LIMA. PERU. ST. DOMINGO u. a.
-
-
-RIESENHAFT waren bereits die Fortschritte Italiens in der ersten
-Periode der Buchdruckerkunst gewesen, sie sollten in dieser zweiten
-Periode noch weitergehendere werden.
-
- Aldus Pius Ma-
- nutius Romanus.
-
-Der hervorragendste Wahrer und allezeit Mehrer des typographischen
-Ruhmes Italiens war ganz besonders der Gründer der berühmten
-aldinischen Familie. □Aldus Manutius□[1], der Mann, dem die Jünger
-Gutenbergs neben diesem die grösste Verehrung schuldig sind, war in
-der Zeit zwischen 1447 und 1449 in dem Städtchen Bassiano in der Nähe
-der pontinischen Sümpfe geboren. Wenn Aldus von 1500 ab sich _Romanus_
-nennt, so geschah es nur, weil diese Bezeichnung eine höhere Geltung in
-den Augen des Publikums verlieh.
-
- [1] □A. A. Renouard□, _Annales de l'imprimerie des Alde_.
- Paris 1834. Dritte Auflage. -- □Ambr. Firmin Didot□,
- _Alde Manutius et l'hellenisme à Venise_. Paris 1875.
-
-Sein Taufname Aldo ist der typographische Familienname geblieben;
-Manuzio kommt selten vor, dagegen nannte sich Aldus gewöhnlich Aldo
-Pio, welchen Namen ihm sein Zögling Alberto Pio, Fürst von Carpi, als
-Zeichen seiner hohen Achtung zuerteilt hatte. Seit 1503 wird _Aldo Pio
-Manuzio Romano_ oder _Aldus Pius Manutius Romanus_ geschrieben.
-
- Seine Jugend.
-
-Aldus hatte eine zwar gelehrte aber nicht gute Erziehung gehabt. Er
-war in die Hände eines Pedanten geraten und fand erst später in Rom
-seine wirkliche Ausbildung. Von seinem ernsten Streben und seinem Eifer
-legen die vielen, von ihm kommentierten griechischen Ausgaben und seine
-wertvolle griechische Grammatik Zeugnis ab.
-
-In dem freundlichen Verkehr mit den fürstlichen Angehörigen seines
-Zöglings, des Albertus Pius, namentlich dem gelehrten Johannes Pius,
-entstand ohne Zweifel die erste Anregung, eine „gelehrte Buchdruckerei“
-zu gründen und ist es auch wahrscheinlich, dass die Mittel zur Anlage
-derselben von den genannten herrühren.
-
- Etablissement in
- Venedig.
-
-□Venedig□, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund
-der günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich,
-entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes
-Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre
-1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne
-Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher
-erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch
-und lateinisch, und die _Galeomyamachia_, griechisches Gedicht von
-Theod. Prodromos.
-
- Die Ausgabe von
- Aristoteles.
-
-Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische
-Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen.
-Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens
-ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der
-Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen
-Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die
-Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt
-werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als
-Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick
-entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte.
-Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles
-beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer Ausgaben in
-derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend
-bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder
-kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus
-zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt,
-begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere,
-aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde
-stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen
-sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder
-höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten,
-eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung
-der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und
-handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke
-anzuschaffen.
-
- Griechische
- Werke in Italien.
-
-Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit
-griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde
-noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um
-diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar
-umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris'
-Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war
-klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen
-Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein
-kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen
-wäre.
-
- Lateinische Aus-
- gaben.
-
- Cursivschrift.
-
-Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt
-hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer
-Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein
-zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav
-(_enchiridii forma_), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel,
-wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von □Franz von
-Bologna□, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften
-geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach
-Muster der üblichen _Cancellaresca Romana Cursiva_. Als nächstes
-Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der
-Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der
-Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze
-Bücher, zuerst der Virgil, wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch
-behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die
-Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als
-Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die
-fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang
-abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen _Cursiv_; in
-Frankreich hiess sie _Italique_ (auch _Penche_); in England _Italic_.
-
- Die kleinen
- „Aldinen“.
-
- Die Nachdrucke
- der „Aldinen“.
-
-Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und
-bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den
-schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen,
-die man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als
-von den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502
-erhielt Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv
-und am 17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander □vi.□, welches von
-Julius □ii.□ und Leo □x.□ verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch
-Privilegien geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502
-fingen die Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an,
-die Aldinen nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten
-Anzeige, welche er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der
-ihm, und namentlich seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der
-Lyoner zugefügt werde, und giebt die Fehler an, woran letztere zu
-erkennen wären. Die Lyoner druckten Cartons oder neue Ausgaben und
-berichtigten diese Fehler, so dass die Käufer nun erst ganz sicher
-waren, Originalausgaben zu kaufen.
-
-In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und
-es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus
-seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz
-mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem
-starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre
-Tiefe und ihren Glanz behalten hat.
-
- _Aldi
- Neacademia._
-
-Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe,
-die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber,
-einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben
-Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen,
-beseelt waren. Von diesen lebte eine Anzahl in seinem Hause ganz von
-ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre
-arbeiteten. Diese sogenannte _Aldi Neacademia_, gegründet gegen 1500,
-versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30
-Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und
-die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern
-dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in
-Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst
-in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft
-lebte.
-
- Beabsichtigte
- Polyglott-Bibel.
-
-Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig,
-wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert
-aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt
-von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit
-schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung
-gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst
-eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen
-Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden
-ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben.
-
-Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520),
-der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons
-Druckerei in Venedig gekauft hatte.
-
- Geschäftliche
- Schwierigkeiten.
-
-1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen,
-nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten
-Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder
-zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen
-Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das
-Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es
-jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre
-auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren
-ward.
-
- Tod des Aldus.
-
-1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete
-sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7.
-Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche
-gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier
-liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel an dem Hause Nr. 2013
-in der Nachbarschaft des _Campo di S. Agostino_, unzweifelhaft sein
-Druckhaus, anbringen.
-
- Sein Druckerzeichen.
-
-Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin
-umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene
-Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche _festina
-lente_, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben,
-so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst
-von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien
-angenommen.
-
- * * * * *
-
- Andreas Torresa-
- nus de Asola.
-
- Paul Manutius.
-
-Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem
-Schwiegervater □Andreas Torresanus□ aus □Asola□ in Verein mit
-dessen Söhnen □Franz□ und □Friedrich□ fortgeführt. Andreas war ein
-tüchtiger Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die
-besten geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln.
-Die Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten
-aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst □Paul Manutius□ eine
-sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine
-Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz
-von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer
-Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge
-von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533)
-geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre
-alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit
-seinen Geschwistern und den Asolas.
-
-Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat
-mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die
-griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul
-namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu
-diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich
-zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo
-sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort
-angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten
-kamen ihm später zu statten.
-
-Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von
-Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich 1542
-ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete
-1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste,
-Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte.
-
-Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo
-man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte;
-aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen,
-liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte
-in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen
-_Academia Veneziana_, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden
-werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den
-Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu
-übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die
-Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende.
-
- Ruf nach Rom.
-
-Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius □iv.□, dem
-Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach
-Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter
-u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren
-jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung
-zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht
-gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle
-laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber
-zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit
-seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen.
-
- Paul Manutius
- in Rom.
-
-In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut
-eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta
-geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den
-Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben,
-während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul,
-Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut
-hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren.
-
-Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die
-eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von
-Rom über, während die von dem Papst Sixtus □v.□ im Vatikan gegründete
-typographische Anstalt ganz den Platz ausfüllte, der ursprünglich für
-Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden
-dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an
-andere und nach dem Tode Pius' □iv.□ liess man im Jahre 1566 Paul die
-Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung
-Pius' □v.□ rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude
-mehr aus seiner Stellung erwachsen.
-
- Rückkehr nach
- Venedig.
-
- Wiederumzug
- nach Rom u. Tod.
-
-Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um
-nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten
-Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er
-jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter
-1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im
-eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im
-Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster
-zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so
-gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb.
-Der neue Papst Gregor □xiii.□ war ihm sehr gewogen und er erhielt von
-ihm eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension.
-1573 verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte
-nun die Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen
-leben zu können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und
-mühevollen Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in
-den Armen seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert,
-und ward in der Kirche _Sancta Maria sopra Minervam_ begraben, wo noch
-eine einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner
-Gruft bezeichnet.
-
- * * * * *
-
- Aldus □ii.□
-
-Sein Sohn □Aldus ii□., der älteste von vier Geschwistern, war, wie
-erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung
-erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn
-nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei
-einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab
-er seine _Orthographiæ ratio_ heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem
-Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch
-beschäftigend.
-
-Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und
-Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich
-zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter
-aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia,
-wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche
-Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des
-Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus
-nach dem Tode des Vaters geworden war.
-
- Ruf nach Pisa
- und nach Rom.
-
-Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um
-1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des
-Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch
-ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war
-so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen
-musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle
-unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und
-seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens □viii.□
-ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute.
-
-Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt
-war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige
-geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre
-hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu
-schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung
-der Buchdruckerei.
-
- Aussterben der
- Familie.
-
-Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen
-waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte
-Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die
-grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange
-einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines
-Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in
-seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592
-von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht
-datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von
-780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf.
-
- * * * * *
-
- Die Familie
- Giunta.
-
-Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi
-zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der
-Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der
-Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste
-Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte
-von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst
-thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden.
-
- Luc-Ant. Giunta.
- Seine
- Nachkommen.
-
-Die Familie □Giunta□[2] gehörte zu den angesehenen in Florenz und
-existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder
-Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie
-Aldus in Venedig, zu drucken.
-
- [2] □A. M. Bandini□, _de Florentina Juntarum typgr._ 2 Bde.
- Lucca 1791.
-
-□Luc-Antonius Giunta□ kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers
-schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein
-erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker
-ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der
-Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner
-grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die
-Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie
-spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten.
-
-Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne,
-□Thomas□, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder,
-aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: _apud Juntas_
-weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, □Gio-Maria
-Giunta□, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000
-Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte.
-Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und
-mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das
-Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642
-von einem □Modesto Giunta□ geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine
-dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt.
-
- Philipp Giunta
- und sein Stamm.
-
-□Philipp Giunta□, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht
-verlassen und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung.
-Sein erster Druck: _Zenobii Proverbia_, aus dem Jahre 1497, war ein
-griechischer, ebenso der im Jahre 1500 folgenden _Orphei Argonautica_,
-sonst druckte er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich
-in kleinem Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift;
-den griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf.
-
-Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische
-Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein
-Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man
-die berühmte Quartausgabe von Boccaccios _Decamerone_ zu verdanken,
-die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung
-eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches
-verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729
-einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen
-versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt.
-
-Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht
-gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen
-Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem
-seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten
-Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in
-Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der
-unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der
-Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den
-Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere.
-
- * * * * *
-
- Oriental. Druck.
-
- Daniel Bomberg.
-
-Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und
-italienischen Druck waren, war □Daniel Bomberg□ für den hebräischen.
-Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen
-Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt.
-Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in
-Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete
-Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten
-rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf
-korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf
-Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur
-besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja
-Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten bis auf die
-neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel
-von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als
-ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen
-Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen
-eigenen Vorteil gesehen haben.
-
- Mechitar.
-
-Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit
-dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung
-finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der
-Armenier □Mechitar□ auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster,
-mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck
-eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit
-Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk.
-
- Greg. Gregorio.
-
- _Congregatio de
- propaganda fide._
-
-Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien
-geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: _Septem horæ canonicæ_
-erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius □ii.□ von
-□Gregor Gregorio□ errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient[3]
-lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius □iv.□
-schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus □v.□
-vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation
-zur Verbreitung des Glaubens (_de propaganda fide_) 1627 mit ihrem
-Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei
-verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die
-orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders
-□Stefanus Paoli□ vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen
-Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine
-Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln
-stand[4].
-
- [3] □E. Carmoly□, Annalen der hebr. Typogr. von Riva di
- Trento. Frankf. a. M.
-
- [4] □J. C. Amaduti□, _Catalogus libr., qui ex typ. S. Congr.
- etc. variis linguis prodierunt_. 7. Aufl. Rom 1773.
-
- Genua.
-
-In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in
-hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei
-lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen.
-Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker
-□Peter Paul Porrus□. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel
-in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der
-Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die
-Worte des □xix.□ Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er
-eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war,
-dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot.
-
- Padua.
-
-In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni
-Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von
-Klassikern und übergaben die Leitung dem □Giuseppe Comino□, der sich
-durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen
-Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer
-Ausstattung als Korrektheit berühmt.
-
- [5] □F. Federici□, _Annali d. Tipogr. Volpi-Cominiana_. Padua
- 1809. -- _Catalogus Stamperia Cominiana._ Padua. -- □G.
- Volpi□, _La libreria dei Volpi e la Stamperia Cominiana_.
- Padua 1756. -- □V. Fineschi□, _Notizie storiche sopra la
- stamperia de Ripoli_. Florenz 1781.
-
- Verfall.
-
-Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und
-Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten
-litterarischen Kultur ging mit dem Ende des □xvi.□ Jahrhunderts zurück;
-mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst,
-die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch
-spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit
-verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte.
-
- * * * * *
-
- Die
- Xylographie.
-
-DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse
-wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur
-Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil
-seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden
-Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich
-wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur
-erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit
-nachzumachen.
-
- Cesar Vecellio.
-
-Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten
-Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene _Hypnerotomachia_
-oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen
-wurden gewöhnlich □Benedetto Montagna□ zugeschrieben, von einigen
-sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt
-gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche
-Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher □Marc-Antonio
-Raimondi□ (geb. 1488, gest. 1546). □Cesar Vecellio□ lieferte seine
-berühmten _Habiti antichi e moderni_, 420 Kostümbilder, die von
-Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz
-geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von
-Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen
-geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten
-Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich
-dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider
-eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig,
-eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der
-paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der
-vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm
-bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in
-neuester Zeit □Giovanni Brito□ erkannt worden.
-
- [6] □Vecellius□ nennt □Krieger□, „_Christophe Guerra, mio
- amico et excellentissimo intagliatore di legno_“.
-
- [7] □Ambr. Firmin Didot□ gab von dem Werke eine gelungenere
- Reproduktion, welche zugleich Veranlassung zu der öfters
- erwähnten Schrift _Essai typographique_ gab.
-
- Clair-Obscur-Druck.
-
-In dem farbigen (_Clair-obscur_-)Druck behaupteten die Italiener das
-Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind
-sie im Unrecht, da deutsche _Clair-obscur_-Drucke aus dem Jahre 1509
-von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen
-Erfinders □Ugo da Carpi□ erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das
-Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere
-Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den
-Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten
-Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen
-fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch
-die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden
-die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels
-Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser
-Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich
-vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen
-und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier
-während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse,
-ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur
-Unsicherheit beiträgt.
-
-Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche
-Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen □Nicolo
-Boldrini□ aus Vicenza und □Andreas Andreani□ (geb. 1540, gest. 1625)
-bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen
-Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis
-ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet,
-ist ebenfalls von grosser Bedeutung.
-
- Graf Zanetti
-
- John Jackson.
-
-Noch in später Zeit machte sich der Graf □Anton Marie Zanetti□, geboren
-in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen,
-den _Clair-obscur_-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem
-grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien
-nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren
-gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte
-ein Engländer □John Jackson□, der in Papillons Schule sich ausgebildet
-hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von
-berühmten italienischen Meistern in _Clair-obscur_-Manier fertigte.
-
- * * * * *
-
-
-SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS.
-
-In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode
-keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des □xv.□ Jahrhunderts
-gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in
-Frankreich verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des □xvi.□
-Jahrhunderts behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen
-derjenigen des □xv.□ Jahrhunderts.
-
- Complutinische
- Polyglotte.
-
-Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt
-ALCALA DE HENARES (_Complutum_) auf. Der Kardinal und Premierminister
-Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499
-die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von
-Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher
-für die Studierenden und berief □Wilhelm de Brocario□ aus Pampelona,
-der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine
-Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte
-Complutinsche Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins
-der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand,
-welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten,
-schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete
-der Papst Leo □x.□ die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März
-1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand
-erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, □Johann□, noch
-lange nach ihm. Berühmt war auch □Michel de Eguia□. Alfonse de Fonseca,
-der Nachfolger Ximenes' bei Karl □v.□, trat ganz in die Spuren seines
-Vorgängers und unterstützte die Kunst.
-
- Madrid.
-
-Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker
-nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in
-Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet.
-Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht
-schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen,
-oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern
-müssen wir □Johann de la Cuesta□ nennen, dem die Ehre vorbehalten
-blieb, die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke:
-_El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha_, zu drucken.
-
-Einen bedeutenden Namen hatte □Antonio Bortazar□ in Valencia. Der
-König Philipp □v.□ wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die
-Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. In
-SEVILLA zeichnete sich □Johann Kromberger□, ein Deutscher, aus. Der
-berühmteste Name der spanischen Druckkunst, □Joachim Ibarra□, gehört
-der nächsten Periode an.
-
- Süd-Amerika.
-
- Mexico.
-
-Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die
-Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle
-hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier,
-waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich
-religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige
-geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch
-der Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst[8].
-Was die Zahl, den Umfang und die Ausstattung der Bücher betrifft, ging
-der Süden Amerikas bis gegen das Ende des □xvii.□ Jahrh. bedeutend dem
-Norden voran.
-
- [8] □Joach. Garcia Icazbalceta□, _Apuntes para un catálogo de
- Escritores en lenguas indigenos de Amerika_. Mexico 1866.
-
-Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten
-sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich
-fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die
-Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um
-1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah.
-
-Lange galt die Annahme, dass das _Vocabulario en lingva Castellana y
-Mexicana_ (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und
-□Antonio de Spinosa□ der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis
-wurde 1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste
-Teil dieses bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus
-162 numerierten Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568
-Seiten[9].
-
- [9] Dieses bedeutende Werk ist auf Veranlassung des Herrn
- □Dr. Jul. Platzmann□ in Leipzig zugleich mit einer Anzahl
- anderer der ältesten grammatikalischen Schriften Mexicos
- mit grossem Aufwand in ganz genauen Reproduktionen
- herausgegeben. Letztere sind vortrefflich in der W.
- Drugulin'schen Offizin in Leipzig ausgeführt. Von Dr.
- Platzmann erschien auch ein „Verzeichnis einer Auswahl
- amerikanischer Grammatiken etc.“, welche von ihm mit
- grosser Sorgfalt gesammelt wurden.
-
-Später ward □Johan Krombergers□ Druck: _Doctrina Christiana_, in dem
-Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun
-für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar
-durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde.
-Sein erstes Buch, _Manual de adultos_, von welchem jedoch nur die
-letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540;
-das zweite: _Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala_,
-erschien 1541[10].
-
- [10] Ein Exemplar wurde in Leipzig 1869 in der Versteigerung
- Andrade (Bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian
- von Mexico, von dem _British Museum_ für 2250 Mark
- angekauft.)
-
-Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez
-und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico
-noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus:
-_Escala esperitual para llegar al cielo_ geliefert und □Juan Pablos□
-sie gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser _Juan de la Magdalena_,
-was sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt.
-
-Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden
-Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig
-Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten)
-Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in
-Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den
-Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen
-Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und
-Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos
-kann also für Kromberger die erwähnte _Escala esperitual_ um 1537
-gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem
-Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch
-in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb,
-denn 1550 kommt auf der _Doctrina Christiana_ seine Firma vor und dann
-später öfters.
-
- Südamerika.
-
-Icazbalceta führt 93 in Mexico und 7 in PERU gedruckte Werke aus der
-Zeit von 1540-1600 auf. Zeitungen hatten Mexico und LIMA mutmasslich
-schon von Ende des □xvii.□ Jahrh. Die Jahrgänge 1728-1730 der
-Mexico-Gazette sind noch vorhanden. Ein litterarisches Journal _Gazetta
-de literatura_ erschien 1750.
-
-Auf ST. DOMINGO war in der Stadt gleichen Namens eine spanische Presse
-zu Beginn des □xvii.□ Jahrh. thätig. Es durfte jedoch nichts ohne
-besondere Erlaubnis der Kolonialregierung gedruckt, und von jedem Werk
-mussten derselben zwanzig Exemplare abgegeben werden. In PORT AU PRINCE
-hatten die Franzosen 1750 eine königliche Druckerei etabliert.
-
-SURINAM erhielt von den Holländern vor 1775 eine Offizin. In dem
-portugiesischen Amerika scheint die Presse in den Händen der Regierung
-geblieben zu sein und diese erst gegen Ende des Jahrhunderts in
-Thätigkeit gewesen zu sein. In CORDOVA bestand bereits im □xvii.□
-Jahrh. eine geheime Jesuitenpresse.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-X. KAPITEL.
-
-FRANKREICH.
-
- Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. Die Xylographie,
- die _livres d'heures_. Anton Verard. Geofroy Tory. Jodocus Badius.
- Conrad Néobar. Berühmte Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich
- □i.□, Robert □i.□, Heinrich □ii.□, Ende der Familie. Die Gründung
- der königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves. Lyon:
- Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet. Die Schriftgiesserei.
- Die Buchbinderkunst.
-
-
- Unterstützung
- und Bevormun-
- dung der Kunst.
-
-WENN auch die Unterstützung der Universität der Einführung der
-Buchdruckerkunst in Frankreich grossen Vorschub geleistet und ihr
-anfänglich auch materielle Vorteile gewährt hatte, so zeigten sich doch
-andererseits bald die Nachteile durch stete Bevormundung und die Kunst
-nahm, trotz einer Reihe von ausgezeichneten Druckerfamilien, unter
-welchen, wie in Italien, wieder Eine alle anderen überragt, nicht die
-freie Entwickelung, wie dort[1].
-
- [1] □P. Dupont□, Histoire de l'imprimerie. 2 Bde. Paris 1854.
- -- □A. Tarbouniech□, _Les livres d'heures_. Paris 1865.
- -- □J. Renouvier□, _Des gravures en bois dans les livres
- d'A. Vérard_. Paris 1859. -- □J. Renouvier□, _Simon
- Vostre_. Paris 1862. -- □G. A. Crapelet□, _Des progrès
- de l'impr. en France etc._ Paris 1836. -- □A. Bernard□,
- _Ant. Vérard_. Paris 1860. -- □A. Bernard□, _Ant. Vitré_.
- Paris 1857. -- □A. Vérard□, _Renseignements sur le prix
- des miniatures et des imprimés sur velin au XV siècle_.
- Angoulême 1859.
-
- Vorteile der
- Buchdrucker.
-
-Nicht allein Bücher, sondern selbst das Material, als Schriften
-und Farbe, waren abgabenfrei. Aber man wollte als Ersatz für diese
-Begünstigungen, dass die Bücher auch äusserlich mit Sorgfalt behandelt
-würden; man verlangte, dass sie sowohl mit guter Schrift als auch auf
-gutem Papier gedruckt werden sollten, worüber Inspektoren zu wachen
-hatten. Buchdrucker, Korrektoren oder Autoren wurden für die Fehler
-verantwortlich gemacht und mussten nötigenfalls Cartons drucken lassen.
-Wollten sie sich gegen Versehen Anderer schützen, so mussten sie
-die, von ihnen korrigierten Bogen kontrasignieren und deponieren. Die
-Bücher, die nicht im Besitz der vorgeschriebenen Eigenschaften waren,
-wurden vernichtet und die Unachtsamen bestraft.
-
-Auch auf mässige Preise hatten die Inspektoren zu halten, die
-anfänglich zwar von den Druckereien aus eigenem Antrieb innegehalten
-wurden, später aber nicht. Nicht weniger wurde der Zustand des
-Materials überwacht. Das Abspenstigmachen eines Korrektors seitens
-der Konkurrenten unterlag einer Strafe. Mit den auf Subskription
-ausgegebenen Werken nahm man es sehr streng. Jeder Prospektus musste
-von einem Probebogen begleitet sein, welcher ganz genau Format,
-Papier und Schrift, sowie Umfang und Preis des Werkes angab. Bei
-Übertretungen musste den Subskribenten der doppelte Betrag dessen, was
-sie schon gezahlt hatten, vergütet werden, abgesehen von der sonstigen
-gerichtlichen Brüche.
-
- Das Zunftwesen.
-
-Um als Buchdrucker oder Buchhändler aufgenommen zu werden war es
-notwendig, vier Jahre gelernt und drei Jahre gedient zu haben,
-Zeugnisse seiner Fähigkeiten im Lateinischen und Griechischen, seiner
-Moralität und seiner Rechtgläubigkeit beizubringen, ausserdem bei
-einem Examen zwei Drittel der Stimmen der acht Examinatoren für sich zu
-haben. Die Meister waren berechtigt, den guten Arbeitern höher als nach
-der Taxe zu zahlen, ohne dass diejenigen, welche diese Vergünstigung
-wegen mangelhafter Arbeit nicht genossen, sich beschweren konnten.
-Sowohl Lehrlinge als Gehülfen und Korrektoren wohnten in den Häusern
-der Meister.
-
-Der Pergament- und der Papierhandel unterlag ebenfalls der Kontrolle,
-und der Universität waren in Bezug auf Ankauf Vorrechte eingeräumt.
-Später bestimmte ein Reglement für die Papierfabrikation, dass
-alles Papier geleimt sein müsse, und setzte strenge Strafen auf das
-Untermengen der Masse mit Kalk oder anderen ätzenden Stoffen.
-
- Fesseln verschie-
- dener Art.
-
-Aber solche Schutzmassregeln konnten selbstverständlich unter den
-zerrütteten politischen und finanziellen Verhältnissen, und in
-Ermangelung der Freiheit der geschäftlichen Bewegung und der Presse,
-ebensowenig in Frankreich wie anderswo ein Zurückgehen der Kunst
-verhindern. Fesseln der verschiedensten Art wurden der Presse angelegt
-und das Schwert des Damokles hing fortwährend über den Häuptern der
-Buchdrucker und Buchhändler.
-
-Franz □i.□, der Typographie persönlich wohlgesinnt, bestätigte
-alle vorhandenen Privilegien und stand, als die Sorbonne 1521 ein
-fulminantes Verdammungsurteil über die Lutherische Lehre ausgesprochen
-hatte und dadurch Gefahren über manche Buchdrucker und Buchhändler
-heraufbeschworen wurden, zuerst auf deren Seite, liess sich jedoch
-später verleiten, den strengsten Massregeln zuzustimmen. Zugleich
-wurde die Zahl der Buchdruckereien in Paris auf nur 12 festgesetzt. Die
-Thätigkeit der 12 auserwählten nahm dafür einen um so grösseren Umfang
-an, so dass sogar Mangel an Arbeitern eintrat, was bereits damals
-von den Gehülfen benutzt wurde, um einen wohlorganisierten Strike mit
-gegenseitigen Unterstützungskassen in Scene zu setzen, welchem erst
-1539 durch polizeiliche Massregeln ein Ende gemacht wurde.
-
-Heinrich □ii.□ erliess ein Verbot, theologische Schriften ohne
-Autorisation der theologischen Fakultät zu drucken, auch musste der
-Name des Autors und des Druckers auf jedes Werk gedruckt werden.
-Karl □ix.□ verwehrte 1563 unter Androhung der strengsten Strafe,
-überhaupt etwas ohne Erlaubnis zu drucken; alle Bücher mussten von
-seinem Geheimrate geprüft werden. Ludwig □xiii.□ erteilte 1616 dem
-Grosssiegelbewahrer die Vollmacht, die Zensur jeder tauglichen Person
-zu übertragen. Zur Handhabung der inneren Polizei ward ein Syndikat,
-bestehend aus fünf Mitgliedern (_les gardes de la librairie_), 1618
-errichtet.
-
- Ludwig □xiv.□ und
- die Presse.
-
-Der Geschmack an der nationalen Litteratur, welcher schon zu Ende
-der Regierung Ludwigs □xiii.□ namentlich durch die Gründung der
-Akademie und durch die Werke Corneilles Nahrung gefunden hatte, gewann
-allgemeine Verbreitung in der Glanzperiode der Litteratur und der Kunst
-während der Regierung Ludwigs □xiv.□ und äusserte seine Wirkung auch
-auf die Buchdruckerei, der der König, sowie sein Minister Colbert,
-sehr zugethan war, was sie jedoch nicht verhinderte, die beschränkenden
-Massregeln fortzusetzen. Die Zahl der Pariser Buchdruckereien wurde auf
-36 festgesetzt. Zugleich wurde bestimmt, dass jede Druckerei wenigstens
-vier Pressen und acht Sorten Antiqua- und Cursiv-Schriften haben müsse.
-
-Die Aufhebung des Edikts von Nantes (1683) hatte zur Folge,
-dass die französischen Papiermacher nach England gingen, wo die
-Papierfabrikation noch keine hohe Stufe einnahm. Als Ludwig □xiv.□ die
-Fortschritte der englischen Papierfabrikation bemerkte, wendete er
-grosse Summen auf, um die Arbeiter zur Rückkehr zu bewegen, was ihm
-auch gelang; jedoch, die Fabrikation, die einmal dort Fuss gefasst
-hatte, entwickelte sich trotzdem auf das glänzendste.
-
-Im Jahre 1723 wurde von Ludwig □xv.□ ein Dekret erlassen, durch welches
-die Pressverhältnisse geordnet wurden und das bis zum Beginn der
-Revolution Bestand hatte.
-
- * * * * *
-
- Die
- Xylographie.
-
-Wenden wir unsere Aufmerksamkeit auch in Frankreich zuerst der
-Xylographie zu, so finden wir, dass die Verhältnisse hier nicht
-ganz so wie in Deutschland lagen. Dort war sie nicht, wie es hier
-der Fall war, eine Lieblingsmanier der Künstler, um selbständige
-Kunstwerke oder Kunstblätter herzustellen, sondern diente fast nur dem
-Illustrationszweck, namentlich nur der Ornamentierung der Bücher. Die
-Aufgabe, zu zeigen, was in letzterer Beziehung geleistet werden konnte,
-fiel besonders den Andachtsbüchern zu. Die sehr beliebten illustrierten
-Chroniken und Ritterromane enthielten fast nur rohe Umrisse, bestimmt
-von den Künstlern ausgemalt zu werden, die öfters, wenn die Vorwürfe
-ihnen nicht gefielen, die Stellen mit ganz anderen Kompositionen
-ausfüllten und die vorhandenen Illustrationen ganz übermalten.
-
- Die
- _livres d'heures_.
-
-Die Andachtsbücher (_livres d'heures_) wurden anfänglich fast nur
-auf Pergament gedruckt, damit die Miniaturisten, von welchen Paris
-eine Anzahl der gepriesensten besass, grössere Kompositionen und
-Initialen, für welche Platz gelassen worden war, hineinmalen konnten.
-Die bunten Figuren, nach byzantinischer Art auf Goldgrund gemalt,
-boten einen prächtigen Anblick dar. Später versuchte man durch
-Holzschnitte die Kunst der Miniaturisten, so weit dies ohne Farbe
-möglich war, zu ersetzen und hatte es um 1486 soweit gebracht, solche
-Bücher, dem Geschmack des Publikums angemessen, durch Hülfe allein der
-Druckerpresse herstellen zu können.
-
- Die
- _Livres d'heures_.
-
-Ein Teil der bekanntesten Herausgeber der _Livres d'heures_, als:
-Pigouchet, Simon Vostre, Giles Hardoyn, Marnef, Michel le Noir u. a.,
-nahmen die gothischen Schriften und den strengeren deutschen Stil an,
-und manche Illustrationen verraten unverkennbar den Einfluss Dürers,
-namentlich aus der Zeit seines Aufenthaltes in Venedig, so dass öfters
-Dürersche Figuren, von italienischer Architektur oder Ornamenten
-umgeben, vorkommen. Andere Herausgeber als: Guyot, Marchand, Gourmont,
-Simon de Colines, Janot, Anabat, vor allen Geofroy Tory standen ganz
-unter dem Einfluss des italienischen Geschmackes und adoptierten
-folglich als Druckschrift die Antiqua.
-
-Die schöne Ausführung dieser Bücher und ihr, im Vergleich zu den
-Manuskriptenpreisen sehr wohlfeiler Ankaufspreis hatten einen
-bedeutenden Absatz zur Folge. Man wandte sich von allen Seiten mit
-Aufträgen nach Paris, wodurch die Buchdruckereien einen grossen
-Aufschwung nahmen. Mit der zunehmenden Menge und Billigkeit liess
-aber auch die Vortrefflichkeit der Ausführung nach. Die Feinheit
-der Vignetten scheint auf Metallhochschnitt hinzuweisen, was durch
-den Buchdrucker Jean Dupré, 1488, bestätigt wird, der von Vignetten,
-_imprimées en cuyvre_, spricht. Wie hoch diese Bücher jetzt von den
-Sammlern geschätzt werden, geht daraus hervor, dass die Preise seit dem
-Beginn des Jahrhunderts bis auf das fünfzigfache gegen damals gestiegen
-sind.
-
-In wie weit die obengenannten und andere, deren Namen in Verbindung mit
-den illustrierten Büchern gebracht werden, Drucker, Herausgeber oder
-ausübende Künstler waren, ist nicht immer genau festzustellen.
-
- Anton Verard.
-
-□Anton Verard□, geboren zu Paris gegen d. J. 1450, gestorben 1512,
-anfänglich Kalligraph und Miniaturist, hatte jedenfalls selbst eine
-Buchdruckerei, obwohl es auch Bücher giebt, die bei Anderen für seine
-Rechnung gedruckt wurden. Er widmete sich ganz besonders der Herausgabe
-von Chroniken und Rittergeschichten. Ihm verdankt man die ersten
-Ausgaben von Froissart und Monstrelet. Er wurde von der kunstsinnigen
-Königin Anna von Bretagne sehr begünstigt und in verschiedenen seiner
-Verlagswerke sieht man ein Bild, auf welchem er knieend der Königin
-ein Exemplar überreicht. Die Zahl der von ihm herausgegebenen Werke
-ist eine sehr grosse. Ist auch der künstlerische und litterarische
-Wert dieser Bücher kein bedeutender, so trugen sie doch mächtig bei,
-den Sinn für ritterliche Ehre und Ritterpflichten zu nähren, bis das
-Erscheinen des Don Quixote dem Enthusiasmus einen mächtigen Dämpfer
-aufsetzte. Von da ab haben diese Romane nur für den Bibliophilen Wert.
-
- Geofroy Tory.
-
-Unter den Herausgebern illustrierter Bücher, überhaupt unter den
-Reformatoren der Kunst und der Schriftsprache in Frankreich, nimmt
-□Geofroy Tory□ einen ganz hervorragenden Platz ein[2]. Geboren in
-Bourges um das Jahr 1480, widmete er sich mit Erfolg den Studien,
-begann zugleich um 1505 das Zeichnen und die Holzschneiderei. Eine
-zeitlang trieb er diese und die Philosophie friedlich nebeneinander, er
-war jedoch kein Mann der Halbheit, gab deshalb seinen Lehrstuhl auf und
-widmete sich ganz der Kunst.
-
- [2] □Auguste Bernard□, _Geofroy Tory, Peintre, graveur etc._
- 2. Ed. Paris 1869. Es ist ein Verdienst des deutschen
- Buchhändlers Edwin Tross, auf die allgemeine Anerkennung
- der grossen Bedeutung Torys eingewirkt zu haben.
-
- _Champ-fleury._
-
-Ein Werk des Italieners Sigismund Fanti über die Verhältnisse
-der Buchstaben (Venedig 1514) gab Tory die Anregung zu seinen
-späteren Arbeiten, auch waren ihm die Werke Dürers, in welchen
-dieser sich mit Schrift beschäftigt, bekannt. Er liess sich in die
-Zunft der Buchhändler aufnehmen, zu welcher er als Illuminator und
-Holzschneider gehörte, und bereitete für ein Andachtsbuch eine Serie
-von Einfassungen in antikem Stile vor. Während seiner Arbeiten, die
-jedoch fast zwei Jahre durch den Schmerz über den Tod seiner geliebten
-Tochter, Agnes, unterbrochen wurden, reifte bei ihm die Idee zu einem
-linguistisch-typographischen Werke, das 1529 unter dem Titel erschien:
-„_Champ-fleury, au quel est contenu L'art et science la deue et vraye
-Proportion des lettres Attiques, qu'on dit autrement Lettres antiques
-et vulgairement Lettres Romaines, proportionees selon le Corps et
-Visage humain_“.
-
-Das Werk zerfällt in drei Abteilungen. Die erste enthält die
-Anweisung zu dem rechten Gebrauch der Sprache; die zweite behandelt
-die Entstehung der Kapitalschrift und die Belehrung, wie die
-Kapitalbuchstaben in Übereinstimmung mit dem Körper und dem Gesicht
-eines wohlgebildeten Menschen stehen. Geistreiche Illustrationen in
-Holzschnitt dienen zur Versinnlichung der Theorie, die zwar kaum für
-etwas anderes als ein Paradoxon erklärt werden kann, jedoch in der
-sinnreichsten Weise durchgeführt ist. Der dritte Teil wendet sich der
-Praxis zu, und giebt genaue Zeichnungen der Buchstaben und begleitet
-sie mit Untersuchungen über die Aussprache. Den Schluss machen
-13 Alphabete, vier Gattungen französischer Schriften: _Cadeaulx_,
-_Forme_, _Bâtard_, _Tourneure_, mehrere orientalische Schriften, grosse
-Kapitalbuchstaben (_Imperiales_, _Bullatiques_), Phantasiebuchstaben
-(_Utopiques_) mit Arabesken, verzierte Initialen u. s. w.
-
- Einfluss Torys.
-
-Das Werk, welches 1529 erschien, veranlasste eine wahre Revolution
-in der französischen Typographie und Orthographie. In der Technik
-wurde es eine Hauptveranlassung zur vollständigen Beseitigung der
-gothischen Type und zu einem neuen Schnitt der Antiqua. Robert
-Stephanus fand sich veranlasst, alle seine Schriften zu verwerfen und
-andere einzuführen, die sich nun in ihrer neuen Gestalt beinahe bis zum
-Anfang des □xix.□ Jahrhunderts unverändert erhielten. Noch wichtiger
-waren die Veränderungen in philologischer Hinsicht, da von nun an die
-Accente, Apostrophe und Cedillen, so wie eine verbesserte Orthographie
-eingeführt wurden.
-
- Tory wird Hof-
- buchdrucker.
-
- Torys Tod.
- Seine Nachfolger.
-
-Dies konnte von dem, die Wissenschaften und die Typographie so sehr
-liebenden König Franz □i.□ nicht unbemerkt und unbelohnt bleiben. Er
-ernannte Tory, 1530, zum königlichen Hofbuchdrucker, ein Titel, mit
-dem reelle Einnahmen verbunden waren, auch wurde ihm zuliebe eine 25.
-Stelle als Universitätsbuchhändler geschaffen, da die festgesetzte
-Zahl 24 bereits voll war. Torys Todestag ist nicht genau bekannt,
-er muss aber vor dem Jahre 1534 liegen, da seine Witwe, Perette le
-Hulin, um diese Zeit das Geschäft fortführte. Im Jahre 1535 gingen
-die verschiedenen Offizinen auf Olivier Mallard über; nur die
-Holzschneiderei behielt die Witwe. Mallard, der das Zeichen Torys,
-die zerbrochene Vase mit der Umschrift _non plus_, wahrscheinlich
-eine Anspielung auf seine durch den Tod seiner Tochter vernichtete
-Lebenskraft, fortführte, starb 1542. Das Material kam in die Hände
-□Thielemann Kervers□. Der berühmte Schriftgiesser Claude Garamond, ein
-Schüler Torys, war wieder ein Lehrer der nicht weniger berühmten Wilh.
-le Bé und Jacques Sanleque.
-
- Denys Janot.
- St. Groulleau.
-
-Die eigentliche illustrierte Litteratur, in der der Schriftsteller,
-wenn nötig, sich der Illustration unterordnet, wurde von □Denys Janot□
-(1530-1545), noch mehr von seinem Nachfolger □Stephan Groulleau□
-(1547-1565) in System gebracht. Als Schriftsteller unterstützte sie
-Gilles Corrozet mit seiner geschmackvollen Feder und als Künstler
-□Jean Cousin□ mit seinem grossen Zeichnertalent. Es ist schwer die
-Stellung der einzelnen Teile dieses vierblätterigen Kleeblattes genau
-festzustellen. Die Begierde des Publikums nach ihren Produktionen war
-eine so grosse, dass es nicht immer möglich war, sie zu befriedigen.
-Man musste deshalb, in Ermangelung der schönen Renaissance-Vignetten,
-öfters zu Zeichnungen älteren Datums greifen und so findet man, sogar
-in einem und demselben Buch, oft neues und geschmackvolles neben altem
-und stillosem.
-
-Janots letztes Werk, _l'Amour de Psyché et de Cupidon_, erst durch
-seine Witwe, aus der berühmten Buchdruckerfamilie de Marnef stammend,
-herausgegeben, ist zugleich sein schönstes. Die Witwe heiratete 1547
-Stephan Groulleau, der viele der zierlichsten illustrierten Ausgaben
-lieferte. Gilles Corrozet, geb. 1510, starb 1568. Jean Cousin,
-ebenfalls 1510 geboren, 1590 gestorben, war Zeichner, Goldschmied,
-Bildhauer und Geometer.
-
- Andere Künstler.
-
-Von Zeichnern und Holzschneidern sind noch zu nennen: □Mercure Jollet□,
-□Pierre Wojiriot□, nach seinem Geburtsort □de Bouzey□ genannt, ein
-Schüler Cousins und vielseitiger Künstler. Die Prinzessin □Marie von
-Medici□ (geb. 1573, gest. 1642) war nicht allein eine grosse Gönnerin
-der Kunst, sondern soll auch die Xylographie in tüchtiger Weise geübt
-haben.
-
-□Jean Papillon□ (geb. 1660, gest. 1710) war der Stammvater einer
-Holzschneider-Familie, die eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, ohne
-eigentlich grosse Ansprüche darauf machen zu können. Am bekanntesten
-ist Jean Papillon durch seinen: _traité historique et pratique de la
-gravure sur bois_ (2 Bde. Paris 1766) geworden, ein Werk, das zwar
-ohne Kritik geschrieben ist, jedoch eine Menge von Nachrichten über
-zeitgenössische Künstler enthält, die man sonst nicht haben würde.
-
-Von den Papillons ab sank der Holzschnitt vollständig und nur der
-Kupferstich wurde zur Bücher-Illustration benutzt, nicht allein durch
-Beigabe besonderer Blätter, sondern auch indem man Vignetten in den
-Text eindruckte[3].
-
- [3] □H. Cohen□, _Les livres à vignettes du XVIII Siècle_.
- Paris 1873.
-
- Jodocus Badius.
-
- Mich. Vascosan.
-
-Unter den zugleich gelehrten und tüchtigen Buchdruckern ist zu
-nennen □Jodocus Badius□[4] (1498-1535), nach seiner Vaterstadt Asch
-bei Brüssel auch Ascensius genannt. In Lyon hatte er bei Trechsel
-als Korrektor fungiert und dessen Tochter geheiratet. Er druckte
-über 400 Werke, die sich durch Schönheit und Korrektheit empfehlen,
-und versah viele Klassiker-Ausgaben mit seinen Anmerkungen. Er war
-zu gleicher Zeit Buchhändler, Buchdrucker, Schriftschneider und
-Schriftgiesser. Seine drei Töchter verheirateten sich mit drei der
-berühmtesten Typographen, Michael Vascosan, Joh. Roigny und Robert
-Etienne. Der Sohn, □Conrad Badius□, ebenfalls ein tüchtiger Gelehrter
-und Buchdrucker, ging, als Calvinist verfolgt, 1549 nach Genf, wo er
-litterarisch und typographisch fortwirkte. Sein Schwager □Vascosan□,
-dessen Bücher in Druck und Papier gleich schön und grösstenteils mit
-Antiqua gedruckt sind, wurde 1566 königlicher Typograph und lieferte,
-ungerechnet neue Auflagen, 297 Werke.
-
- [4] □E. Hoyois□, _Notice sur Jose Bade_. Mons o. J.
-
- Die Familien
- Morel u. Wechel.
-
-Der Schwiegersohn Vascosans, □Friedrich I. Morel□ (1571-1583), ist
-Stammvater einer gelehrten und berühmten Druckerfamilie, von welcher
-der Sohn des Genannten, □Friedrich ii. Morel□, das bedeutendste Glied
-war. Seine Kommentare zu den Psalmen sind noch heute hoch geschätzt.
-
-Eine andere berühmte Familie war die Wechelsche, begründet 1522 von
-□Christian Wechel□ aus Basel. Derselbe druckte öfters den Flavius
-Vegesius, von dem mehr als 50 Ausgaben existieren, und gab die Werke
-Dürers in lateinischer Sprache heraus. Maittaire verzeichnet 335 von
-ihm verlegte Werke, durch welche er vorzugsweise die Medizin, die
-Anatomie und die Chirurgie förderte. Er beschäftigte die berühmtesten
-Korrektoren seiner Zeit, Friedr. Sylburge und Joh. Obsopäus. In
-religiöse Streitigkeiten verwickelt, zog er es vor nach Frankfurt
-a. M. zu gehen, wo er 1554 starb. Sein Sohn □Andreas□ (1535-1573)
-war ebenfalls ein ausgezeichneter Drucker. Wie der Vater, nur noch
-im höheren Masse, war er der Religion wegen Verfolgungen ausgesetzt.
-In der Bartholomäusnacht entging er zwar der Todesgefahr, aber sein
-Eigentum wurde konfisziert. Er zog, 1573, mit seiner Familie nach
-Frankfurt (vergl. S. 131).
-
- Die Familie Ste-
- phanus.
-
-Das Geschlecht, welches neben den Aldi zu den höchsten typographischen
-Ehren gelangte und durch das ganze sechzehnte und einen Teil des
-siebzehnten Jahrhunderts eine grossartige litterarisch-typographische
-Thätigkeit entwickelte, war die Familie □Etienne□[5] oder nach
-damaliger Sitte □Stephanus□, die mit dem □Heinrich Stephanus□ als
-Stammvater begann.
-
- [5] □F. J. Almeloven□, _De vitis Stephanorum dissertatio_.
- Amsterdam 1633. -- □A. A. Renouard□, _Annales de
- l'imprimerie des Estienne_. Paris 1837. -- □Aug. Bernard□,
- _Les Estienne et les types grecs de François I_. Paris
- 1856.
-
- Heinr. □i.□ Stepha-
- nus.
-
-Sein Geburtsjahr kennen wir nicht, wissen auch nichts von seiner
-Jugendgeschichte und in welcher Weise er die Fähigkeiten erwarb, die
-ihm einen hervorragenden Platz unter den tüchtigsten und gelehrtesten
-Buchdruckern sicherten. Eine kurze Zeit (1502 bis 1504) arbeitete er
-zusammen mit einem gelehrten deutschen Buchdrucker □Wolfgang Hopyl□,
-dessen Ausgaben bis 1489 zurück- und bis 1522 heraufgehen.
-
-Die Ausgaben Heinrich □i.□ Stephanus' erreichen, so weit bekannt,
-die Zahl von gegen 130, wovon einige in Gemeinschaft mit andern
-Buchdruckern oder für fremde Rechnung, 107 aber für eigene Rechnung
-ausgeführt wurden. Die meisten waren in Folio und mit grosser Sorgfalt
-gedruckt. Der Inhalt ist beinahe ausschliesslich theologisch und
-philosophisch, denn die klassische Litteratur war noch immer Domaine
-der Italiener und hatte sich noch nicht nach Frankreich den Weg
-gebahnt.
-
-Heinrich, welcher 1520 im August oder September starb, hatte drei
-Söhne, Franz, Robert und Carl, welche alle Buchdrucker oder Buchhändler
-wurden. Die Witwe Heinrichs verheiratete sich das Jahr nach dessen
-Tod mit □Simon de Colines□ (_Colinäus_), der mutmasslich schon
-Teilhaber des Geschäfts gewesen war und nun Besitzer der Buchdruckerei
-wurde, deren Schriftenvorrat er vermehrte, namentlich durch eine,
-grösstenteils von ihm selbst geschnittene Cursiv. Er machte sich durch
-seine schöne Klassikerausgabe berühmt.
-
- Robert Stepha-
- nus □i.□
-
-□Robert□, der zweite Sohn, war 1503 geboren. Über seine Jugend wissen
-wir nichts, wahrscheinlich ist er im väterlichen Hause geblieben, wo er
-auch nach der Verheiratung seiner Mutter mit Colines arbeitete. Robert
-heiratete Perette, die Tochter von Jod. Badius, die eine gelehrte
-Bildung hatte und das Lateinische fliessend sprach. Überhaupt war
-durch den steten Verkehr der Gelehrten in Roberts gastfreiem Hause, das
-öfters durch die Besuche Franz □i.□ und Margarethas von Navarra geehrt
-wurde, das Lateinische die tägliche Umgangssprache geworden, die selbst
-den Dienstboten geläufig war. Perette ward die Mutter von acht Kindern
-und starb gegen 1550, worauf Robert Margaretha Duchemin heiratete.
-
- Seine Wirksam-
- keit.
-
-Roberts Wirksamkeit richtete sich auf die Herausgabe der so sehr
-notwendigen Elementarbücher für das Studium der alten Sprachen
-und auf korrekte Ausgaben der Klassiker; die Angabe, dass er seine
-Korrekturbogen öffentlich aushing, gehört jedoch in das Gebiet der
-Dichtung. Vor allem beschäftigte ihn die Herausgabe der heiligen
-Schriften, lateinisch, griechisch und hebräisch. Schon die, 1523
-in Sedez gedruckte, sorgfältig revidierte lateinische Ausgabe des
-Neuen Testaments erregte das Missvergnügen der Sorbonne gegen den
-jugendlichen Herausgeber auf Grund der Emendationen, welche er
-notwendig fand, und gab das Signal zu den Verfolgungen, unter welchen
-er sein lebenlang zu leiden hatte. Jede neue Ausgabe der Bibel brachte
-ihm zwar neue Ehren, aber auch neue Sorgen und Anfeindungen, gegen
-welche ihn die Gunst Franz □i.□ nur wenig zu schützen vermochte.
-
- _Thesaurus linguæ
- latinæ._
-
-Die Zahl seiner Drucke beträgt über 600. Sein Hauptwerk, welches
-allein als Ehrendenkmal für ihn genügend gewesen sein würde, ist der
-_Thesaurus linguæ latinæ_ (1532). Die vergeblichen Versuche, ein altes
-Vocabularium des Calepin zeitgemäss zu korrigieren, gaben dazu die
-Veranlassung. Alle Gelehrten, die Robert anging, ein neues Lexikon
-zu liefern, schreckten vor der Arbeit zurück, an die nunmehr Robert
-selbst unter Beihülfe eines bescheidenen Gelehrten Joh. Thierry mit
-einem solchen Eifer ging, dass das grosse Werk nach zweijähriger Arbeit
-vollendet war. 1536 erschien eine zweite, verbesserte Auflage, eine
-dritte 1543 und später noch weitere Ausgaben.
-
- Conr. Néobar.
-
-Bei Gelegenheit des Druckes seiner hebräischen Bibel (1539-1546) wurde
-Robert am 24. Juni 1539 vom König Franz □i.□ zum königlichen Drucker
-für die lateinischen und hebräischen Schriften ernannt, wozu noch im J.
-1545 die Erhebung zu demselben Posten für das Griechische kam, welchen
-zuerst □Conrad Néobar□ inne gehabt hatte. Es war der Aufmerksamkeit
-Franz □i.□ nicht entgangen, dass die griechischen Drucke Frankreichs
-trotz der Anstrengungen des gelehrten François Tissard im Verein
-mit dem tüchtigen Praktiker Gilles de Gourmont, die zuerst 1507 ein
-griechisches Buch in Frankreich gedruckt hatten, weit den italienischen
-nachstanden. Dem wollte der König abhelfen und glaubte in Conrad
-Néobar (1538-1540) den rechten Mann gefunden zu haben. Durch Patent vom
-17. Januar 1538 wurde er zum königlichen Drucker für das Griechische
-ernannt mit einem Jahresgehalt von 100 Goldthalern nebst den Vorteilen
-der Universitäts-Angehörigen, auch sollten alle von ihm zuerst
-gedruckten Werke auf 5 Jahre Schutz geniessen. Die Schriften sollte
-Claude Garamond schneiden. Dies erlebte Néobar nicht, der schon nach
-zwei Jahren starb, in der kurzen Zeit sich aber bereits einen berühmten
-Namen erworben hatte.
-
- Rob. Stephanus,
- kgl. Typograph.
-
-Stephanus übernahm nun die weitere Leitung. Die Zeichnungen zu der
-Schrift rühren von dem berühmten Kalligraphen Angelus Vergecius (_Auge
-Vergece_) her, zumteil auch von dessen damals erst fünfzehnjährigen
-Schüler Heinrich, dem Sohne Roberts. Diese Schriften sind kaum durch
-irgend eine spätere Produktion übertroffen und wurden bis in die
-neueste Zeit in der kaiserlichen Druckerei in Paris verwendet. Auch der
-berühmte Schriftschneider und Schriftgiesser Wilhelm le Bé wurde von
-Robert, namentlich für die hebräische Bibel, beschäftigt. Dafür, dass
-die hebräischen Schriften ebenfalls für königliche Rechnung geschnitten
-wären, liegen keinerlei Beweise vor.
-
- Robert geht
- nach Genf.
-
-Der fortwährenden Verfolgungen durch die Sorbonne müde, ging Robert
-1550 oder 1551 nach Genf, um dort in der Ruhe, die er in Frankreich
-nicht hatte finden können, mit den Reformatoren Calvin, Theodor Beza
-u. a. zusammenzuleben, ihre Werke zu drucken und die Bibelausgaben
-ungestört fortzusetzen. Es scheint, als habe Robert mit Standhaftigkeit
-und Kraft die mit der Übersiedelung verbundenen Verluste und das
-Ungemach aller Art ausgehalten. Seine Wirksamkeit in Genf war gleich
-eine bedeutende, das Pariser Geschäft wurde jedoch nicht geschlossen
-und 1556 beginnt sein Sohn Robert □ii.□ dort seine Ausgaben.
-
- Die griechischen
- Schriften.
-
-Dass die Genfer Robert unentgeltlich als Mitbürger aufnahmen,
-konnte ihm seinen Verfolgern gegenüber, gegen die er eine bittere
-Rechtfertigungsschrift veröffentlichte, als eine Genugthuung gelten. Es
-ist ihm vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er die berühmten königlichen
-griechischen Schriften mit nach Genf nahm. Sein Biograph Renouard hat
-mit schlagenden Gründen ihn gegen den Verdacht, als habe er damit etwas
-unrechtmässiges gethan, verteidigt. Im Jahre 1621 wurden die Schriften,
-welche für 1500 Goldthaler dem Rate von Genf von Roberts Enkel, Paul,
-verpfändet waren, von der französischen Regierung für 3000 Livres
-gekauft und von Paul nach Paris gebracht. Bei den Verhandlungen deutet
-nichts darauf hin, als sei Paul nicht rechtmässiger Besitzer der Matern
-gewesen. Seit 1774 befinden sie sich in der Staatsdruckerei in Paris.
-
-Seinem lateinischen Wörterbuch wollte Robert ein griechisches folgen
-lassen. Mit den Vorarbeiten beschäftigte er sich lebhaft, wurde aber
-dabei vom Tode überrascht. Den Zustand dieser Vorarbeiten kennen wir
-nicht, doch müssen dieselben nach der Aussage des Vollenders, seines
-Sohnes Heinrich, weit vorgeschritten gewesen sein.
-
- Franz □i.□
-
-Robert starb am 7. Sept. 1559, 56 Jahre alt. Von seinen acht Kindern
-werden Heinrich □ii.□, geb. 1528; Robert □ii.□, geb. 1530, und Franz
-□ii.□ Gegenstand weiterer Besprechung sein. Von Roberts □i.□ Bruder
-□Franz i.□ ist wenig zu sagen; man kennt das Datum seiner Geburt
-nicht, weiss auch nicht, ob er verheiratet war. Wahrscheinlich war
-er nur Buchhändler; ein Buch von ihm später als aus dem J. 1548 kennt
-man nicht, schliesst deshalb auf seinen frühen Tod um diese Zeit, der
-vielleicht auch nur Schuld gewesen sein wird, dass er keine grössere
-Berühmtheit erlangte; denn seine kurze Wirksamkeit zeugt von grosser
-Tüchtigkeit.
-
- Karl.
-
-Der jüngste Bruder Roberts □i.□, □Karl□ (geb. 1504 od. 1505), war ein
-tüchtiger Arzt, geschickter Buchdrucker und ausgezeichneter Gelehrter.
-Der Wegzug Roberts von Paris war der Grund, dass Karl wider seinen
-Willen das Geschäft übernehmen musste; er setzte aber dabei seinen
-ärztlichen Beruf fort. Die Druckerei übte er nur bis zum Jahre 1561,
-produzierte aber in der kurzen Zeit eine Reihe von guten Ausgaben, die
-einen ehrenvollen Rang unter den Erzeugnissen der Familie einnehmen.
-Er starb 1564 im Gefängnis, worin er sich, einige behaupten wegen
-religiöser Ansichten, andere wegen Schulden, befand; Thatsache ist,
-dass er vieles verloren hatte und dass man seit 1561 geschäftlich
-nichts weiter von ihm hörte.
-
- Robert □ii.□
-
-Nach dem Tode Roberts □i.□ fiel das Geschäft dem Sohne Heinrich □ii.□
-zu und Robert □ii.□ wurde enterbt; doch scheint dies keineswegs ein
-Akt der Rache gegen Robert gewesen zu sein, der dem katholischen
-Glauben treu geblieben war, sondern eine aus Klugheit getroffene
-Massregel; denn wir sehen □Robert ii.□ seine Wirksamkeit auf Grundlage
-des früheren Pariser Geschäfts beginnen und in freundschaftlichem und
-geschäftlichem Verkehr mit seinem Bruder bleiben. Er starb 1571. Seine
-Witwe heiratete Mamert Patisson, einen tüchtigen Buchdrucker.
-
- Heinrich □ii.□
-
-□Heinrich ii.□, dessen Ruhm denjenigen der übrigen Mitglieder der
-Familie noch überragte, war 1528 geboren, in demselben Jahre, in
-welchem die berühmte lateinische Folio-Bibel seines Vaters erschien. Er
-wurde von dem Lehrer des Dauphin, Pierre Danis, auf das sorgfältigste
-im Griechischen unterrichtet; auch schrieb er das Griechische ebenso
-kalligraphisch schön wie sein Lehrmeister Angelus Vergecius und trieb
-eifrig Mathematik, selbst Astrologie. Von 1546 ab liess ihn der Vater
-an den litterarischen Arbeiten teilnehmen, die er mit der Redaktion
-des Dionysius von Halikarnass begann. Nach dreijährigen Reisen in
-Italien, wo er die Bibliotheken durchsuchte und Italienisch wie ein
-Eingeborener sprechen und schreiben lernte, kam er 1549 nach Paris
-zurück, reiste aber schon 1550 nach England und 1551 nach Flandern,
-wo er das Spanische studierte. Wahrscheinlich folgte er dem Vater nach
-Genf, kehrte aber bald nach Paris zurück und ging dann wieder nach Rom.
-
-Seine typographische Laufbahn begann Heinrich erst 1557. Zwar nennt
-er sich _Typographus Parisiensis_, welches aber nicht ausdrücken
-soll, dass seine Offizin in Paris war; die Bezeichnung sollte ihm
-nur ein grösseres Gewicht in den Augen des Publikums verschaffen.
-Wahrscheinlich auf Grund seiner Reisen und der Kosten des
-Etablissements kam Heinrich bald in Verlegenheit, wurde aber durch
-ein Mitglied der berühmten Familie Fugger, Hulderich, unterstützt und
-erhielt von ihm eine jährliche Rente. Er nannte sich deshalb auch zehn
-Jahre lang _Fuggerorum Typographus_. Dies hörte aber, zugleich mit der
-Freundschaft, 1568 auf.
-
- _Thesaurus linguæ
- græcæ._
-
-Mit grosser Energie ging Heinrich an die Fortsetzung der Wirksamkeit
-des Vaters, in einer Weise, die seine körperlichen Kräfte überstieg.
-Wenn auch die typographische Ausstattung ein wenig hinter der der
-Pariser Ausgaben zurückbleibt, so kann ihnen dies doch den inneren
-Wert nicht rauben. 1572 erschien das Werk, welches seinen Arbeiten
-die Krone aufsetzte, der _Thesaurus linguæ græcæ_, aber er hatte
-damit seine pekuniären Kräfte erschöpft. Den grössten Schaden that ihm
-Johann Scapula durch einen Auszug. Obwohl Scapula an der Korrektur von
-Stephanus' Werk und an der Redaktion teilgenommen hatte, entblödete er
-sich nicht zu erklären, dass er nur zufällig den Thesaurus gesehen habe
-und dass seine Arbeit ganz dem eigenen Geiste entsprungen sei. Eine
-_editio posterior_, die Heinrich einige Jahre nachher veranstaltete,
-ist nur durch Umdruck einzelner Blätter eine neue Ausgabe.
-
-Von jetzt ab fängt Heinrich ein nomadisierendes Leben an, das erst mit
-seinem Tode aufhören sollte. Er folgte darin zumteil seinen Neigungen,
-beabsichtigte aber auch seine grossen Lagervorräte an den Mann zu
-bringen. Namentlich Deutschland und seine Büchermessen besuchte er
-regelmässig, kam auch nach Wien und selbst nach Ungarn; war ebenso
-öfters in Paris, wo er vom König Heinrich □iii.□ gut aufgenommen wurde.
-
- Heinrich □ii.□ stirbt
- in Lyon.
-
-1597 wollte Heinrich von Genf aus wieder Frankreich besuchen. Er
-verblieb eine zeitlang in Montpellier, wo seine Tochter Florence an den
-gelehrten Isaak Casaubon verheiratet war, dem er seine Mitwirkung bei
-dessen litterarischen Arbeiten anbot. Diese scheint abgelehnt worden zu
-sein und Heinrich setzte nun seine Reise weiter fort, kam krank nach
-Lyon und liess sich in das Spital bringen, wo er in den ersten Tagen
-des März 1598, gegen 90 Jahre alt, starb. Heinrichs finanzielle Lage
-war zwar nie glänzend gewesen, doch haben wir nicht nötig anzunehmen,
-dass ihn die Armut in das Spital führte. Seine Verlegenheiten gingen
-nicht so weit, dass seine Existenz gefährdet war, und der Verkauf
-seiner Werke deckte nicht allein seine Schulden, sondern liess auch
-noch etwas für die Witwe übrig und erhielt die Druckerei seinem Sohne
-Paul.
-
- Paul.
-
-□Paul□ war zwar ein tüchtig gebildeter Mann, besass jedoch nicht
-die geschäftliche Energie des Vaters, betrieb das Geschäft in wenig
-hervorragender Weise und verkaufte dasselbe 1627 an die Gebr. Chouet.
-Ein Sohn Pauls, □Antonius□, entwickelte Tüchtigkeit und Thätigkeit in
-Paris, war jedoch nicht vom Glück begünstigt und starb 1674 schwach und
-erblindet, 84 Jahr alt, im Hôtel-Dieu.
-
- Franz □ii.□
-
-Der jüngste Bruder Heinrichs □ii.□, □Franz ii.□, kam schon jung mit
-seinem Vater nach Genf, wurde dort in der protestantischen Konfession
-erzogen und wissenschaftlich ausgebildet. Im Jahre 1562 hatte er
-in Genf eine Druckerei, die bis zum Jahre 1582 fortbetrieben wurde,
-jedoch keine besondere Thätigkeit entwickelte. Später zog er nach der
-Normandie.
-
-Das grossartige Wirken der 1713 gegründeten Didot'schen Buchdruckerei
-gehört der folgenden Periode an.
-
- * * * * *
-
- Die kgl. Buch-
- druckerei.
-
-Es ist mehrfach angenommen worden, König Franz □i.□ habe die königl.
-Buchdruckerei gestiftet; dem ist nicht so, und das Verhältnis der
-„Königlichen Buchdrucker“ zu ihm ist schon oben klargelegt. Er förderte
-die Kunst durch Unterstützung einzelner hervorragender Drucker in
-dieser oder jener Richtung, wo es über die Kräfte des einzelnen
-gegangen wäre, die notwendigen Opfer zu bringen. Das Verdienst, die
-königliche Buchdruckerei gegründet zu haben, gehört Ludwig □xiii.□ und
-dem Kardinal Richelieu[6].
-
- [6] □Aug. Bernard□, _Histoire de l'imprimerie Royale du
- Louvre_. Paris 1867. -- □F. A. Duprat□, _Histoire de
- l'impr. Royale de France_. Paris 1851.
-
-Im Jahre 1631 hatte der zuletzt Genannte den Druck der liturgischen
-und heiligen Schriften in verschiedenen, auch orientalischen
-Sprachen, einem Consortium von Pariser Buchdruckern übergeben, unter
-der Bedingung, dass eine Anzahl von Exemplaren zu Missionszwecken
-der Regierung gratis zur Disposition gestellt würde. Der Verein
-veröffentlichte auch mehrere solche Bücher in arabischer Sprache,
-die Muselmänner wollten sie aber nicht annehmen, und Selim □i.□
-erneute das strenge Verbot Bajazet □ii.□ (vgl. S. 76). Der Verein
-entsprach überhaupt nicht den Absichten des Kardinals und hatte
-selbstverständlich zunächst seinen eigenen Vorteil vor Augen. Richelieu
-fasste nun 1640 den Entschluss, eine Staatsanstalt, □Die königliche
-Buchdruckerei□, zu errichten.
-
- Die königliche
- Buchdruckerei.
-
-Eine Grundlage war schon in den griechischen Schriften Franz □i.□
-vorhanden gewesen, welche durch die Erwerbung der orientalischen
-Schriften □Savary de Brèves'□ bedeutend vermehrt worden war. Der
-Genannte war 1589 als französischer Gesandter nach Konstantinopel
-gegangen, lebte dort eine lange Reihe von Jahren und hatte grosses
-Interesse für orientalische Litteratur gefasst, eine bedeutende
-Manuskripten-Sammlung angelegt und arabische, persische und syrische
-Typen schneiden lassen, im ganzen über 1600 Stempel. Von Konstantinopel
-zurückgekehrt, liess er mit seinen Typen 1613 in Rom, 1615 in Paris
-drucken, wo mehrere Werke _ex typographia Savariana_ erschienen.
-
-Savary de Brèves starb bereits 1627. Von mehreren Seiten erstrebte
-man die Erwerbung der Typen, es gelang jedoch 1632 dem Buchdrucker
-□Antonius Vitré□, diese und die Manuskripte im geheimen Auftrag des
-Königs, der früher vergeblich 27000 Livres geboten hatte, für die
-höchst mässige Summe von 4300 Livres anzukaufen.
-
-Zwischen Vitré einerseits und den Erben de Brèves' und der Regierung
-andererseits entstanden sehr langdauernde unerquickliche Differenzen;
-schliesslich kamen die Typen nach dem Tode Vitrés 1691 definitiv in den
-Besitz der königlichen Druckerei, welche sie den Pariser Buchdruckern
-zur Disposition stellte. Die Typen waren bereits von Vitré zum Druck
-der Polyglott-Bibel des Präsidenten le Jay benutzt. Diese Bibel in
-hebräischer, samaritanischer, chaldäischer, griechischer, syrischer,
-lateinischer und arabischer Sprache ist eins der merkwürdigsten
-Druckerzeugnisse des □xvii.□ Jahrhunderts. Jay opferte mehr als 100000
-Thaler für dieses Werk und ruinierte sich vollständig. Es lag, wie man
-berichtet, ganz in seiner Hand, diesen Schlag abzuwenden, wenn er sich
-dazu verstanden hätte, dem Kardinal Richelieu die alleinige Ehre als
-Urheber einzuräumen; er wollte jedoch diese sich nicht nehmen lassen.
-
-Die königliche Buchdruckerei ward auf das beste im Louvre eingerichtet
-und □Sebastian Cramoisy□ zum Direktor ernannt. Richelieu hatte
-namentlich Missionszwecke vor Augen und man begann daher mit dem
-Drucke von Andachtsbüchern, die gratis verteilt werden sollten. Die
-Wirksamkeit nahm aber bald eine typographisch grossartigere Richtung
-an und man lieferte in dem ersten Jahrzehnt an 100 Werke, die mit dem
-grössten Luxus und aller Sorgfalt ausgeführt, teilweise mit Stichen und
-Vignetten der besten Künstler, selbst eines Nic. Poussin, geschmückt
-waren.
-
- Die königliche
- Buchdruckerei.
-
-Im Jahre 1692 bestimmte Ludwig □xiv.□, der sich nicht weniger als
-sein Vorgänger für die kgl. Druckerei interessierte, dass ein grosses
-Werk: _Description et perfection des arts et des metiers_, von
-welchem der erste Band die Buchdruckerei, die Schriftgiesserei und
-die Buchbinderkunst umfassen sollte, herauszugeben sei. Dieser Band,
-der einzige, welcher überhaupt erschien, entsprach jedoch gerechten
-Erwartungen nicht. Wichtiger war die Bestimmung des Königs, dass
-eine besondere französische Schrift gezeichnet und geschnitten werden
-sollte, welche nur in der königl. Druckerei Verwendung finden dürfe.
-Zwar waren die, s. Z. von Claude Garamond geschnittene, vortrefflich,
-man fand jedoch den Duktus etwas veraltet. Eine Kommission von
-Akademikern wurde ernannt, die sich mit dem Schriftschneider Philipp
-Grandjean in Verbindung setzte, in welcher ihm erst sein Schüler Jean
-Alexandre 1723, dann dessen Schwiegersohn Louis Luce folgten. Die neue
-prachtvolle Schriftengarnitur, welche 1745 vollendet wurde, leidet an
-einer kleinen Geschmacklosigkeit. Die Schrift sollte, wie erwähnt,
-nur für die kgl. Druckerei sein; man musste deshalb für sie etwas
-eigentümliches erfinden. Dies bestand in einigen Strichelchen, welche
-einer Anzahl Buchstaben angehängt wurden. Diese Geschmacklosigkeit
-hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Die erste Verwendung fand
-diese Schrift 1702 in einem Prachtwerke _Médailles sur les principaux
-événements du règne de Louis le Grand_[7].
-
- [7] Bei der grossen Bedeutung, welche diese Schrift in der
- Geschichte der Typographie einnimmt, sei es gestattet
- noch einige Einzelheiten zu erwähnen. Sie besteht aus
- 21 Graden mit den dazu gehörenden Cursivschriften und
- den grossen Initialen (_lettres de deux points_). Der
- St. Augustin-(Mittel-)Kegel, mit dem das oben erwähnte
- Werk _Description_ etc. gesetzt wurde, war der erste
- Grad, der als Prototyp für alle die anderen Grade
- diente. Der Punkt der kgl. Druckerei bildet den 6. Teil
- einer Linie des _pied du roi_; 2½ Punkte gleichen einem
- Millimeter. Die besonderen Kennzeichen sind, dass an
- einigen der gemeinen Buchstaben, namentlich den hinauf-
- oder heruntersteigenden, oben resp. unten, quer über den
- Grundstrich durchgehende horizontale Strichelchen statt
- der damals üblichen einseitigen, etwas schrägen Striche
- angebracht sind, und dass das l einen kleinen Ansatz an
- der Mitte der linken Seite des Striches bekam, welcher
- dem Buchstaben das Aussehen giebt, als hätte die Mater an
- dieser Stelle einen kleinen Fehler gehabt.
-
- Die königliche
- Buchdruckerei.
-
-Aus den erwähnten Jahreszahlen ist bereits ersichtlich, dass Ludwig
-□xiv.□ nicht die Vollendung der von ihm angeregten Verbesserungen
-erlebte. Für die Anstalt blieb dies ohne weitere Folgen, denn der
-Regent sowohl als der junge König Ludwig □xv.□ waren der Druckkunst
-wohlgesinnt. Der letztere hatte sogar in den Tuilerien für seinen
-persönlichen Gebrauch eine kleine Buchdruckerei, aus der ein Werkchen:
-_Cours des principaux fleuves et rivières de l'Europe composé et
-imprimé par Louis XV, roy de France et de Navarra. Paris_ 1718, stammt.
-
-Die griechischen Typen des Néobar und Stephanus wurden restauriert,
-hebräische geschnitten und die Anfertigung chinesischer Typen unter
-der Aufsicht des Herrn de Fourmont angeordnet, womit der Anfang schon
-1742 gemacht wurde, während die Vollendung des im ganzen missglückten
-Unternehmens sich jedoch weit über die Grenze unserer Periode
-hinauszog.
-
-Wie Ludwig □xiv.□ die Vollendung des sorgfältig Angebahnten nicht
-erlebte, so auch nicht der verdienstvolle Direktor Sebastian Cramoisy.
-Er starb i. J. 1669; sein Nachfolger und Enkel □Marbre-Cramoisy□, ein
-eben so tüchtiger Mann wie der Grossvater, 1687. Diesem folgte der
-bekannte Lyoner Buchdrucker □Jean Anisson□, der 1709 sein Amt zugunsten
-seines Schwagers und Associés, □Claude Rigaud□, niederlegte; nach ihm
-traten wieder die □Anissons□ ein.
-
-Die grossartigen Werke alle aufzuzählen, die aus der königlichen
-Anstalt hervorgegangen sind, ist nicht möglich, erwähnt seien nur die
-_Biblia sacra_ in 8 Folio-Bänden; die _Concilia generalia etc._, 37
-Bde.; _Scriptores historiæ Byzantinæ_, 29 Bde.; _Gallia christiana_, 13
-Bde., alle in Folio; _Buffon, histoire naturelle_, 33 Bände in Quarto.
-
-Als ein Zeichen des Ansehens, worin die Buchdruckerkunst stand,
-kann es gelten, dass die Sitzungen der von Richelieu gegründeten
-französischen Akademie bei ihrem Buchdrucker und Buchhändler, □Jean
-Camusat□, stattfanden, der öfters als Repräsentant der Akademie
-verwendet wurde. Bei seinem Tode 1639 veranstaltete dieselbe eine
-Leichenfeier, ausserdem ehrte man sein Andenken, indem man seiner Witwe
-die Funktionen als Buchdrucker der Akademie liess, gegen den Willen
-Richelieus, welcher diesen Posten Cramoisy zugedacht hatte.
-
-Doch, wie erwähnt, das wahre belebende Prinzip, die allgemeine gesunde
-freiheitliche Bewegung, fehlte und konnte nicht durch persönliche
-Vorliebe der regierenden Häupter ersetzt werden; der Verfall der
-Buchdruckerei in Frankreich wurde zwar lange aufgehalten, konnte jedoch
-nicht abgewendet werden, als die Revolution und dann die Reaktion über
-Frankreich hereinbrachen.
-
- * * * * *
-
- Lyon.
-
-In Frankreich spielte ausserhalb Paris nur □Lyon□[8] eine wichtige
-Rolle in der typographischen Geschichte Frankreichs, namentlich durch
-die Produktion einer grossen Anzahl illustrierter Werke. Es entstand
-eine besondere Holzschneiderschule, deren berühmtestes Mitglied
-□Salomon Bernard□ war. Auch Werke deutscher Künstler erschienen in
-Lyon, vor allen anderen zu nennen Holbeins „Totentanz“ und dessen
-Illustrationen zu dem Alten Testament. Von der Bedeutung des dortigen
-Druckgewerbes kann man sich daraus eine Vorstellung machen, dass
-bei dem Einzug Heinrichs □ii.□ in Lyon, 1548, nicht weniger als 413
-Drucker, prachtvoll kostümiert, ihn im festlichen Aufzug empfingen.
-
- [8] _Manuel du bibliophile et de l'archéologue Lyonnais._
- Paris 1857.
-
- Jean Grandjon.
-
-Ausser durch seine illustrierten Werke zeichnete Lyon sich durch schöne
-Schriften aus. □Jean Grandjon□ lieferte 1558 eine Cursivschrift, die
-berühmt geworden ist. Er suchte die Feinheit der Federzüge nachzumachen
-in ähnlicher Weise wie es in der Theuerdanktype der Fall war. Auch das
-Binden der Bücher erreichte, namentlich durch das Interesse, welches
-□Joh. Grollier□ daran nahm, hier eine grosse Vollkommenheit (vergl. S.
-215).
-
- Seb. Gryphius.
-
-Zu den bedeutendsten Buchdruckern Lyons zählte □Sebastian Gryphius□
-(1528-1566). Er war zu Reutlingen geboren und einer der gelehrtesten
-Männer seiner Zeit, der eine grosse Anzahl nützlicher Bücher in
-lateinischer, griechischer und hebräischer, dagegen nur wenige in
-französischer Sprache herausgegeben hat. Sein Sohn □Anton□, ebenfalls
-ein sehr unterrichteter Mann, aber im Geschäft unpraktisch, starb arm.
-
- Jean de Tournes.
-
-Ein Schüler von S. Gryphius war □Jean de Tournes□ (geb. 1504, gest.
-1564). Er stattete seine Bücher reichlich mit künstlerischem Schmuck
-aus. Besonders hervorzuheben sind: _Delectus amicorum_; _Ovid_; mehrere
-Ausgaben der Bibel und des Neuen Testaments. Er starb an der Presse
-arbeitend. Der Sohn □Jean de Tournes□ war noch gelehrter als der Vater,
-kam ihm aber als Buchdrucker nicht gleich. Der Reformation ergeben,
-wurde er eingekerkert, sein Haus geplündert, seine Bücher verbrannt
-und seine Papiere verwüstet. Zwar kam er mit dem Leben davon, als
-aber Heinrich □iii.□ Todesstrafe über die Bekenner der neuen Lehre
-aussprach, zog er nach Genf und gründete dort eine Buchhandlung und
-Buchdruckerei, die bald in Flor kamen.
-
- Steph. Dolet.
-
-Das Leben des unglücklichen □Stephan Dolet□[9] (1508/09-1546) gehört
-mehr der Litteratur-, als der typographischen Geschichte an. Dolet
-stammte aus einer angesehenen Familie in Orleans, genoss einer
-ausgezeichneten Erziehung, und zählte unter die gelehrtesten Männer
-damaliger Zeit. Sein stürmischer Charakter und die Kühnheit seiner
-religiösen Ansichten stürzten ihn in Ungelegenheiten aller Art. Von
-Toulouse verbannt, flüchtete er nach Lyon und wurde Korrektor in
-Gryphius' Offizin, wo er wahrscheinlich die Kunst lernte. Bereits
-1536-1538 druckte Gryphius das bedeutendste Werk Dolets: _Commentarii
-linguæ latinæ_. Nachdem er in einem Streit den Maler Henri Guillot
-getötet hatte, war er gezwungen, Lyon zu verlassen, erhielt jedoch
-durch die Protektion der Königin Margaretha von Valois und vieler
-mächtigen Freunde die Erlaubnis, nach Lyon zurückzukehren, wo er 1537
-eine Druckerei errichtete, aus der viele geschätzte Werke hervorgingen.
-Seine scharfe Feder schaffte ihm überall Feinde, mit seiner
-Kollegenschaft überwarf er sich, indem er in Lohnstreitigkeiten sich
-auf die Seite der Gehülfen stellte. Mehrmals eingekerkert, flüchtig
-geworden, dann wieder zurückgekommen, wurde er angeklagt, Schriften
-zugunsten der Reformation gedruckt zu haben, und am 3. Aug. 1546 in
-Paris lebendig verbrannt.
-
- [9] □Jos. Boulmier□, E. Dolet. Paris 1857.
-
- Verschiedene
- Drucker zu Lyon.
-
-Ein ebenso gewandter Buchdrucker als Buchhändler war □Guillaume de
-Roville□ aus Tours. An Geschmack wetteiferte er mit de Tournes, und
-seine Druckwerke enthalten viele schöne Illustrationen. Er erwarb
-sich grosses Ansehen und grosse Reichtümer. Die Gebrüder □Jean□ und
-□François Frellon□ (1520-1570) sind namentlich als Drucker Holbeinscher
-Illustrationen bekannt. Ausser den genannten hat Lyon auch im □xvii.□
-Jahrh. noch manche tüchtige Buchdrucker aufzuweisen, unter diesen die
-Mitglieder der Familie Anisson, deren bekanntestes, □Jean Anisson□,
-in Verein mit seinem Bruder □Jacques□ druckte, bis er zum Direktor der
-königlichen Druckerei im Louvre ernannt wurde. Anissons Druckerei war
-die letzte von künstlerischer Bedeutung in Lyon, sie fabrizierte jedoch
-später auch nur gewöhnliche Ware.
-
- Rouen.
-
-Von den Provinzstädten ist noch □Rouen□ zu erwähnen, wo namentlich
-ein grosses Druckgeschäft mit Missalen stattfand, welche nach England
-ausgeführt wurden, und □Sedan□, wo eine, noch heute geschätzte,
-Sammlung von Klassikern mit einer sehr kleinen Schrift, _Sedanoise_,
-von □Jean Jannon□, gedruckt wurde.
-
- * * * * *
-
- Schriftgiesserei.
-
-Aus dem, was oben über die Schriften der kgl. Druckerei, der Stephane
-und anderer in Paris und Lyon gesagt wurde, geht bereits hervor, dass
-Frankreich in der STEMPELSCHNEIDEREI und SCHRIFTGIESSEREI den Vorrang
-behauptete.
-
-Die älteste der Privatschriftgiessereien ist die von □Guillaume le Bé□.
-Mit den von ihm selbst geschnittenen Schriften vereinigte er 1561 einen
-grossen Teil der Stempel des verstorbenen Garamond. Die le Bé folgten
-sich in vier Generationen. 1730 kam das Geschäft in die Hände von
-□Fournier l'ainé□.
-
-Die Anfänge der zweiten Giesserei durch □Jacques Sansleque□, Schüler
-des le Bé, reichen bis auf das Jahr 1596. Auch dieses Geschäft erbte
-durch vier Generationen auf □Jacques□, □Louis□ und □Louis Eustache
-Sansleque□.
-
- Typogr. Punkt.
-
-1736 begann □Fournier le jeune□, Bruder des Besitzers des le Béschen
-Geschäfts, eine Schriftgiesserei eigentümlicher Art, indem er selbst
-alle Schriften derselben zeichnete, schnitt, abschlug und justierte,
-wozu er etwa 30 Jahre gebrauchte. Er schrieb das bereits erwähnte
-_Manuel typographique_ (2 Bde. Paris 1764), dessen zweiter Band,
-fast nur systematische Schriftproben enthaltend, uns ein ziemlich
-klares Bild von dem damaligen Stande des Typenwesens giebt. In dem
-ersten Band entwickelt Fournier sein, 1737 aufgestelltes, System des
-typographischen Punkts, welches, später von Didot fortentwickelt, die
-Einheit in der französischen Schriftgiesserei zuwege brachte[10].
-Zwar bestand ein Reglement v. 28. Febr. 1723 sowohl in Betreff
-der Schrifthöhe als der Progression der Schriftkegel. Dieses wurde
-hinsichtlich der Höhe (10½ geom. Linien) nicht beachtet, so dass
-letztere bis auf 10% differierte, und für die Kegel fehlte eine
-„Normal-Einheit“, von welcher man auszugehen verpflichtet war, so dass
-das Reglement gar keinen Nutzen erzielte.
-
- [10] □Fournier□ stellt als Ausgang für sein System ein
- Typometer auf von 2 Zoll oder 12 Linien, gleich 12
- Cicero. Jede Linie teilt er in 6 typographische Punkte.
- Die kleinste Schrift ist _Parisienne_ = 5 Punkte,
- dann steigen _Nonpareille_, _Mignonne_, _Petit-Text_,
- _Gaillarde_, _Petit-Romain_, _Philosophie_, _Cicero_
- je um 1 Punkt; darauf _Saint-Augustin_, _Gros-Texte_,
- _Gros-Romain_, _Petit-Paragon_, _Gros-Paragon_,
- _Palestine_ je um 2 Punkte, die dann folgenden grösseren
- Schriften wachsen in stärkeren Steigungs-Verhältnissen.
-
-In der STEREOTYPIE hatte der Buchdrucker □Valeire□ bereits zu
-Anfang des □xviii.□ Jahrh. Versuche gemacht und einen Kalender von
-Messingplatten gedruckt. Die Typen wurden in Thon eingepresst; da die
-Tiefe jedoch nicht gleichmässig war, konnten die Platten es auch nicht
-werden.
-
- * * * * *
-
- Die Buchbinder-
- kunst.
-
- de Thou.
-
-Eine hohe Stufe erreichte die □Buchbinderkunst□. Als Förderer
-derselben steht obenan der erwähnte □Jean Grollier□, Vicomte d'Aguisy
-(1479-1565), Schatzmeister unter mehreren französischen Königen. Er
-hatte in Italien schöne Einbände lieben gelernt, ahmte sie nach und
-veredelte sie. Er liess die Bücher in seinem Hause binden und legte
-selbst Hand mit an. Die Bände Grolliers mit der Devise: _J. Grolliero
-et amicis_ gelten noch heute als Edelsteine der Buchbinderkunst und
-werden mit den höchsten Preisen bezahlt. Mit Grollier übernimmt
-Frankreich die Führung in der Buchbinderei und behauptet sie.
-Ausgezeichnet in seinen Bänden war der Zeitgenosse Grolliers, □Geoffr.
-Tory□. Als würdiger Förderer gegen Ende des □xvi.□ Jahrh. erwies
-sich □Ch. A. de Thou□, Direktor der königlichen Sammlungen. Während
-Grolliers und Torys Bände phantastische arabische Ornamente zeigten,
-sind die Fonds der meist in Maroquin ausgeführten Bände de Thous
-hauptsächlich mit an die Natur sich anschliessenden Verzierungen:
-Lorbeer-, Öl- und Eichenzweige gefüllt, während die Ornamente in
-die Zwischenräume der Ranken verwiesen sind. Die Bände de Thous sind
-ausserordentlich gesucht und mit bis zu 15000 Fr. bezahlt. Ebenfalls
-geschätzt und selten sind die bei weitem einfacheren gleichzeitigen
-Bände des Königs Franz □i.□ Sie sind meist in schwarzes Leder oder
-Sammet gebunden, nur mit der königlichen Chiffre und einem Salamander
-in Gold geschmückt.
-
- Bibliothek der
- Diana v. Poitiers.
-
-Prächtig und sehr geschmackvoll sind die Bände des Königs Heinrich
-□ii.□, namentlich diejenigen, welche er für seine Geliebte, die
-geistreiche Diana von Poitiers, herstellen liess. Das für sie mit
-Aufwand aller künstlerischen Ausschmückung eingerichtete Schloss
-Anet enthielt eine Sammlung von gegen 800 in Ziegen- oder Schafleder
-gebundenen Bänden. Sie sind reich mit Symbolen der Liebe ornamentiert,
-z. B. den verschlungenen Anfangsbuchstaben H und D, zu welchem
-letzteren noch galanterweise das Zeichen der jungfräulichen Göttin
-Diana, die Mondsichel, gefügt wurde.
-
- le Gascon.
-
-Unter den späteren Meistern ist □le Gascon□, der Buchbinder der Königin
-Anna von Österreich, berühmt geworden. Er war durchaus originell,
-verzichtete auf die Wirkung verschiedener Farben und wendete nur
-einfache Goldpressung auf dem einfarbigen Untergrund an; die leeren
-Stellen zwischen den Linien wurden mit Punkten oder kleinen Ornamenten
-ausgefüllt. Seine Hauptepoche fällt in die Zeit von 1640-1655.
-
-Als Ersatz für die Vielfarbigkeit suchte man dem Leder durch künstliche
-Texturen und neue Färbungen Abwechselung zu geben; so erhielt der rote
-Maroquin den Charakter der schuppigen Schlangenhaut, in welcher Weise
-die Bücher des Ministers Colbert gebunden wurden, man ahmte Marmor,
-Granit, Stoffe nach, verliess die Pflanzenornamente und die Arabesken,
-imitierte durch Punkte Spitzenmuster oder überspannte die Decken wie
-mit goldenen Spinnengeweben.
-
- du Seuil, Padeloup,
- Derome.
-
-Zu Anfang des □xvii.□ Jahrh. wirken □du Seuil□, □Padeloup□ und
-□Derome□. Die Goldpressung wird übermässig angewendet. In der
-Ornamentierung herrscht Zerfahrenheit. Um 1750 tritt noch eine anmutige
-Art der Goldpressung auf: Vögel, die sich in Ranken wiegen oder um
-diese herumflattern. Der Üppigkeit der Zeit gemäss werden die Deckel
-mit Atlas oder Sammet überzogen und mit Gold-, Silber- und anderen
-Stickereien geschmückt, sogar die Gobelins werden der Buchbinderei
-dienstbar. Man verfällt aber nach und nach in Geschmacklosigkeit und
-geht in dieser so weit, beide Deckelseiten und den Rücken mit einem
-fortlaufenden Bild zu überziehen. An Stelle des reichen Vorsatzes tritt
-farbiges marmoriertes, gefedertes oder verschiedene Stoffe nachahmendes
-Luxuspapier. Schon zu Anfang des □xviii.□ Jahrhunderts macht sich der
-Papierüberzug als Ersatz für das Leder bemerkbar und die Periode des
-Halbfranzbandes beginnt.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-XI. KAPITEL.
-
-DIE NIEDERLANDE.
-
- Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen, das Plantinsche
- Museum. Die Familie Blaeu. Die Elzeviere: Ludwig □i.□, Matthias und
- Bonaventura, Isaack, Bonaventura und Abraham □i.□ Johann und Daniel.
- Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die Nachahmer der Elzeviere.
- Die Familie Enschedé und die Schriftgiesserei.
-
-
-DAUERTE es auch lange, ehe die Buchdruckerkunst in dem jetzigen
-Belgien und Holland recht heimisch wurde, so trieb sie, einmal dorthin
-verpflanzt, um so tiefere Wurzel; die Blütezeit derselben währte viel
-länger als in Deutschland, der Verfall war dort nie so gross als hier.
-
- Die typographi-
- schen Eigentüm-
- lichkeiten.
-
-Dieselben Eigenschaften, welche die niederländische Malerkunst
-auszeichnen, die grosse Sauberkeit der Ausführung und die über alle
-Einzelheiten sich erstreckende minutiöse Sorgfalt, kennzeichnen
-auch die dortige Typographie. Gleich den malenden Künstlern des
-Landes verfolgten die Buchdrucker und Verleger im allgemeinen eine
-realistische Tendenz. Sie veranstalteten eine Menge für das Leben und
-die Wissenschaft nützlicher Werke, huldigten jedoch selten der idealen
-Richtung, welche vorzugsweise in Deutschland, jedoch auch in Frankreich
-und Italien, durch Zusammenwirken des Griffels der Künstler mit der
-Feder des Schriftstellers die uns bekannt gewordene Reihe prächtiger
-Erzeugnisse des Buchgewerbes hervorgebracht hat.
-
- Die Illustration.
-
-Dennoch blieben die Niederländer nicht ohne Verdienste um die
-vervielfältigenden Künste, doch machen sich diese hauptsächlich in dem
-Kupferstich und der Radierung, weniger in der mit dem Buchgewerbe enger
-verbundenen Xylographie, geltend.
-
-Deutschlands Albrecht Dürer stellen sie ihren □Lucas van Leyden□
-(Dammetz, geboren 1494, gestorben 1533) entgegen. Er lieferte etwa 200
-Stiche; für den Holzschnitt ist seine Thätigkeit eine unbedeutende.
-Im _Clair-obscur_-Druck zeichnen sich aus: □Hubert Goltz□ (geb. 1524,
-gest. 1583), dessen _Icones imperatorum Romanorum_ in Kupferstich mit
-aufgedruckten Holzschnittplatten ausgeführt sind; □Abraham Bloemaert□
-(geb. 1567, gest. 1647); und □Heinr. Goltzius□. Dieser nähert sich
-in mancher Hinsicht Luc. van Leyden. Schon 1523 erschien bei Dodo in
-Amsterdam eine Passion in 62 Blättern von einem ungenannten Künstler
-(□Joh. Walter von Assen□?), welcher ein Jahrhundert vor Rembrandt in
-der bekannten Manier dieses Künstlers zeichnete. □Rembrandt□ selbst
-(geb. 1606, gest. 1665) hat sich im Holzschnitt versucht und □Joh.
-Livens□ (geb. 1607, gest. 1663), sowie □Dirk van Bray□ (gest. 1680)
-ahmten mit Glück seinen Stil im Holzschnitt nach, während Rubens'
-Zeichnungen einen tüchtigen Dolmetsch in dem Holzschneider und Zeichner
-□Christoph Jegher□ fanden, einem geborenen Deutschen, der 1620-1660 in
-Antwerpen wirkte.
-
-Eine Notiz von K. v. Heinecken hat zu vielen Debatten über einen
-mystischen frühesten Xylographen der Niederlande „Phillery“ Anlass
-gegeben. Allem Anschein nach schrumpft derselbe zu einem erst in den
-zwanziger Jahren des □xvi.□ Jahrh. lebenden Holzschneider „Willem“
-zusammen und beruht der Name Phillery wohl nur auf undeutlichen
-Schriftzügen.
-
- * * * * *
-
-Als Träger der Buchdruckerei erblicken wir in den Niederlanden wie in
-Italien und Frankreich mehrere berühmte Familien, vornehmlich die der
-Plantin, der Blaeu und der Elzeviere.
-
- Blühende Lage
- Antwerpens.
-
-Das blühende und mächtige Brügge hatte auf Grund seiner Haltung
-gegen den Kaiser Maximilian □i.□ seine Privilegien verloren, die auf
-ANTWERPEN übertragen wurden. Hierdurch hatte die letztere Stadt seit
-dem Beginn des □xvi.□ Jahrhunderts einen grossen Aufschwung als Depot
-zwischen Nord und Süd genommen. Auch die Buchdruckerei behauptete dort
-eine angesehene Stellung, und es erschienen viele wertvolle und gut
-ausgestattete Werke. Unter Karl □v.□ erreichte die Stadt ihre höchste
-Blüte, ward jedoch zugleich ein Angelpunkt für die reformatorische
-Bewegung in den Niederlanden, welche, nachdem Karl □v.□ am 25. Okt.
-1555 die Regierung zugunsten seines Sohnes Philipp □ii.□ niedergelegt
-hatte, so schwere Zeiten über das Land heraufbeschwören, jedoch auch
-ihre Freiheit begründen sollte.
-
- Christ. Plantin.
-
-Inmitten der politischen und religiösen Gährung liessen sich, um das
-Jahr 1550 herum, Plantin und seine Frau Johanne Rivière in Antwerpen
-nieder. □Christoph Plantin□[1], in Mont-Louis bei Tours in Frankreich
-geboren, hatte bei Robert Macé in Caen gelernt und eröffnete nach
-vielen Reisen einen kleinen Buchladen mit Buchbinderei, während seine
-Frau mit Leinen-Waren handelte. Der Gerichtsschreiber Graphäus gab
-Plantin seine Bücher zu binden und machte ihm kleine Vorschüsse. 1550
-wurde er als Buchdrucker in die St. Lucas-Gilde aufgenommen, aber erst
-1555 hatte er in dem von ihm angekauften Hause auf dem Freitagsmarkt
-eine vollständig eingerichtete Offizin.
-
- [1] □C. Ruelens□ et □A. de Backer□, _Annales Plantiniennes_.
- Paris 1866. -- □M. Rooses□, _Plantijn an de Plantijnsche
- Drukerey_. Brüssel 1877. -- □Léon. Degeorge□, _La maison
- Plantin à Anvers_. 2. Aufl. Brüssel 1878.
-
- Sorgsamkeit
- Plantins.
-
-Eifersüchtig auf den Ruhm derselben, sorgte er für die schönsten
-Schriften und den besten Druck. Wennauch die Verwendung silberner Typen
-in das Reich der Fabel gehört, so steht es doch fest, dass er in seiner
-Giesserei mit dem Guss solcher experimentiert hat. Plantin gehörte auch
-nicht zu den Druckern, die, nach dem Ausspruch des Erasmus, „lieber
-6000 Fehler, wie Ameisen, in ihren Werken herumkribbeln sehen, als
-einen tüchtigen Korrektor bezahlen“; im Gegenteil, er hatte sich die
-Worte Heinrich Stephanus', dass „die Korrektur das für die Druckerei
-ist, was die Seele für den Leib“, zu eigen gemacht. Überhaupt verstand
-er, wennauch nicht in Besitz tiefer Kenntnisse, als vorzüglicher
-Praktiker, dabei zäh ausdauernd in der Durchführung seiner Pläne, die
-Talente Anderer zu benutzen.
-
- Sein Korrektor
- Corn. van Kiel.
-
-Der erste seiner Korrektoren war der berühmte Cornelius van Kiel, oder
-Kilianus (geb. um 1528, gest. 15. April 1607), der während seines
-fünfzigjährigen Wirkens in dem Plantinschen Hause sehr zu dem Ruhme
-desselben beitrug. Über alle Beschreibung anspruchslos, dachte van Kiel
-nie daran, sich selbst geltend zu machen, zufrieden wenn nur das Haus,
-an das er seine Existenz geknüpft hatte, gedieh.
-
- Th. Pullmann.
-
- Just. Lipsius.
-
-Eine zweite Stütze hatte Plantin in dem gelehrten Theodor Pullmann
-(geb. um 1510), von Profession ein Walkmüller, jedoch von seiner Jugend
-ab den Wissenschaften mit Leidenschaft ergeben. Leider führte diese
-ihn in seinem Emendieren der Klassiker zu weit, und oft füllte er die
-Lacunen in kühnster Weise aus. Auch mit dem berühmten Justus Lipsius
-stand Plantin in engem geschäftlichen Verkehr.
-
- Franz Raphelin-
- gius.
-
-Einen Hauptmitarbeiter im Geschäft fand Plantin in □Franz
-Raphelingius□. Derselbe hatte in Paris eifrigst griechisch und
-lateinisch getrieben und seine Studien in Cambridge vollendet. Plantin
-nahm ihn nicht allein als Korrektor auf, sondern gab ihm auch seine
-älteste Tochter Margaretha zur Ehe. Als Plantin, 1582, das belagerte
-Antwerpen verliess und das Geschäft in Leyden eröffnete, leitete
-Rapheling die Stammoffizin und trieb zugleich den Buchhandel. Nach
-der Rückkehr Plantins nach Antwerpen übernahm dagegen Rapheling das
-Geschäft in Leyden und wurde an dortiger Universität Professor der
-hebräischen Sprache. Er war ein Mann von bedeutenden Kenntnissen und
-ein unermüdlicher Mitarbeiter an dem grossen Bibelwerke Plantins.
-
-Eine geschäftlich noch kräftigere Stütze fand Plantin in □Johannes
-Moretus□ (Jean Moerentorff), geboren in Antwerpen am 22. Mai 1543.
-Anfänglich Arbeiter bei Plantin, gefiel er, wenn er auch dessen Ideale
-von einem Buchdrucker nicht vollständig entsprach, doch durch seine
-praktische Tüchtigkeit diesem noch mehr als der gelehrte Rapheling
-und er gab ihm seine zweite Tochter Martina zur Frau. Die dritte
-Tochter ward mit □Gilles Beys□, ebenfalls einem tüchtigen Buchdrucker,
-verbunden, welcher der Filiale des Geschäfts in Paris vorstand.
-
- Biblia
- polyglotta.
-
-Das Werk, welches den Namen Plantin in der Buchdruckerwelt unsterblich
-gemacht hat, und in seinem Leben eben so eine Epoche bildet, wie der
-_Thesaurus græcæ linguæ_ in dem Dasein des Heinr. Stephanus, ist die
-„_Biblia sacra hebraice, chaldaice, græce et latine. Philippi II.
-reg. cathol. pietate et studio ad sacro sanctæ ecclesiæ usum Christoph
-Plantinus excud. Antwerpiæ_“.
-
-Die erste Idee eines polyglotten Bibelwerkes[2] stammt von Aldus
-Manutius, wie aus der in der National-Bibliothek zu Paris vorhandenen
-Probe hervorgeht (S. 179). Diese dreispaltige Seite enthält den
-hebräischen, griechischen und lateinischen Text und gab wahrscheinlich
-Veranlassung zu der in den Jahren 1514-1517 in Alcala in Spanien
-gedruckten Polyglotte des Kardinal Ximenes (S. 189), die bereits eine
-grosse Seltenheit geworden, sodass öfters der Gedanke entstanden
-war, eine neue Polyglottbibel zu drucken. Diesen Plan hatte auch
-der Kurfürst August von Sachsen gefasst, gab ihn aber zugunsten des
-Plantinschen Vorhabens auf. Auch Philipp □ii.□ beabsichtigte ein
-ähnliches Werk ausführen zu lassen. Als Plantin ihm die Probebogen
-seines Unternehmens überreichen liess, ging er bereitwillig auf dessen
-Idee ein, bewilligte die Zahlung der für Druck und Papier allein auf
-24000 Gulden veranschlagten Kosten, gewährte ausserdem einen Vorschuss
-von 6000 Dukaten und bestellte seinen Kaplan Arias Montanus als
-Überwacher der litterarischen Herstellung. Letzterer kam am 18. Mai
-1568 nach Antwerpen und empfing vom König ausser seinem Gehalt noch
-einen Zuschuss von 300 Kronen jährlich; für die Textrevision wurde eine
-Anzahl tüchtiger Gelehrter gewonnen. Den Auftrag zur Anfertigung der
-Schriften erhielt der berühmte Schriftgiesser Wilhelm le Bé in Paris.
-
- [2] □G. Outhuis□, _Geschiedkundig Verslag der voornamste
- uitgaven van de Biblia polyglotta_. Franecker 1822.
-
- Druck der Polyglotte.
-
-Der Druck begann im Jahre 1568 und dauerte bei fortwährender
-Beschäftigung von 40 Arbeitern bis zum Jahre 1572. Anfänglich war
-das Werk auf vier Bände berechnet; auf Plantins Vorschlag wurde
-jedoch noch das Neue Testament in der syrischen Sprache, welches
-bereits in Wien gedruckt war, mit einverleibt, so dass das Werk
-mit Inbegriff der drei Bände „_Appendix_“ aus acht Bänden besteht.
-Ausser 12 Pergament-Abdrücken wurden 1200 Exemplare gedruckt; 10
-auf Imperial-Velin zu 40 Gulden das Ries; 30 Exemplare auf etwas
-geringeres; 200 auf Royal-Velin aus Lyon und 960 Exemplare auf
-Royal-Papier aus Troyes. Im Verhältnis zu den Kosten waren die
-Verkaufspreise mässig gestellt. Der Preis betrug für eins der 200
-Exemplare auf Royal-Velin 40 Kronen, für ein gewöhnliches 35 Kronen[3].
-
- [3] Eine ganz ausführliche bibliographische Beschreibung
- der Polyglotte befindet sich in □C. Ruelens□ et □A. de
- Bacher□, _Annales_ S. 128 u. f.
-
- Schwierigkeiten.
-
-Ein mühsames Werk war vollbracht; Plantin selbst sagt: „Jetzt, wo die
-Bibel vollendet ist, stehe ich mit Überraschung und Erstaunen vor der
-Arbeit, welche ich nicht nochmals machen möchte, selbst wenn man mir
-12000 Kronen dazu schenkte, und obwohl sie jetzt, wo die Schriften und
-die Einrichtung vorhanden sind, vielleicht um 6000 Kronen billiger zu
-stehen kommen würde“. Nimmt man seine Aussprüche buchstäblich, so war
-ihm nicht allein kein angemessener Vorteil, sondern sogar ein direkter
-Nachteil aus der Arbeit erwachsen; jedoch, Plantin war ein schlauer
-Geschäftsmann, der sich nicht gern tief in die Karten blicken liess.
-
-Ohne Verdriesslichkeiten sollte es nicht abgehen. Der König wünschte
-die Approbation des Papstes Pius □v.□ Dieser verweigerte sie jedoch
-entschieden und Plantin erhielt Ordre, vorläufig kein Exemplar
-auszugeben. Montanus musste im Auftrag des Königs nach Rom gehen, um
-womöglich die Angelegenheit zu ordnen. Er kam gerade an, als Gregor
-□ix.□ den Stuhl des verstorbenen Pius □v.□ eingenommen hatte und fand
-den neuen Papst günstiger für die Sache gestimmt. Die Approbation
-wurde 1572 erteilt. Hiermit waren jedoch die Anfechtungen nicht vorbei.
-Einer der erbittertsten Feinde des Unternehmens, der Professor León de
-Castro in Salamanca, denunzierte Plantin und Montanus der Inquisition.
-Montanus reichte seine Rechtfertigung ein, erhielt aber erst nach vier
-Jahren, 1580, insoweit Recht, dass das Buch dem Schicksal entging, auf
-den Index der verbotenen Bücher gesetzt zu werden.
-
- Plantin, _Proto-
- typographus_.
-
-Durch Patent vom 10. Juni 1570 wurde Plantin zum _Prototypographus_
-der Niederlande ernannt. Es handelte sich dabei nicht um einen blossen
-Ehrentitel. Er hatte die Rolle der Meister und Lehrlinge, sowie
-der autorisierten Korrektoren, Holzschneider und Kupferstecher zu
-führen, eine Liste über alle Werke, deren erster und letzter Bogen
-ihm behändigt werden mussten, anzufertigen, und sollte ausserdem die
-Bücherpreise bestimmen. Alle Änderungen in den Arbeiterverhältnissen
-waren ihm anzuzeigen. Die Mühen und Verdriesslichkeiten bei diesem
-Amte waren jedoch so gross, dass Plantin i. J. 1576 seine Entlassung
-nachsuchte. Einmal war er sehr nahe daran, die Gunst des Königs zu
-verscherzen, indem auf Veranlassung des Wiedertäufers Niclaes aus
-Münster, mit dem er in inniger Verbindung stand, mehrere ketzerische
-Schriften, angeblich freilich ohne Wissen des zufällig abwesenden
-Besitzers, in seiner Offizin gedruckt wurden. Über seine religiöse
-Überzeugung herrschte bereits lange einiger Zweifel, er verstand es
-jedoch so gut, sich wenigstens äusserlich als guter Katholik zu geben,
-dass er allen drohenden Gefahren entging.
-
- Umfang von
- Plantins Thä-
- tigkeit.
-
-Plantins Druckerthätigkeit blieb eine sehr grosse. Ruelens und Backers
-Annalen zählen von ihm 1031 Druckwerke auf, obwohl viele Bibelausgaben
-und Missalen nicht mit angeführt sind. Mit dem _Missale Romanum_ von
-1522 fängt eine Reihe von prachtvollen liturgischen Werken an, durch
-welche die Plantinsche Druckerei sich langezeit auszeichnete.
-
- Schönheit seiner
- Typen.
-
-Die Typen des Plantin halten den Vergleich mit denen seiner
-Zeitgenossen, Aldus Manutius und Heinr. Stephanus, vollkommen aus.
-Seine Cursiv ist besonders elegant und nicht so schreibschrift-ähnlich,
-wie die Aldinische. Die Antiqua ist etwas derb und breit, jedoch für
-das Auge gefällig, leicht lesbar und den Schriften des Stephanus
-vollständig ebenbürtig. Die griechischen Schriften sind schöner
-als die des Aldus. Zu loben ist ferner die Genauigkeit des Gusses,
-einschliesslich des Durchschusses und der Quadrate. Die ganze
-Disposition der Titel, der Schriftkolumnen und der Vignetten zeigt
-Geschmack und Verständnis.
-
- Plantins Druck-
- zeichen.
-
-Das erste, 1555 angenommene Druckerzeichen Plantins war ein Baumstamm,
-um welchen sich ein Weinstock schlingt, mit zwischen den Zweigen
-herabhängenden Trauben. Ein Weinbauer ist beschäftigt die schlechten
-Zweige abzuschneiden. Als Umschrift liest man _Excerce imperium et
-ramos compesce fluentes_[4]. Als Zeichen bedient er sich von 1558 ab
-des Zirkels, von einer Hand aus den Wolken geführt, mit der Inschrift:
-„_Labore et constantia_“. Zwei allegorische, schildhaltende Figuren
-versinnlichen des weiteren den Gedanken, worauf der Zirkel schon
-hinweist: der feste Teil desselben deutet auf die Beständigkeit in dem
-einmal Vorgenommenen; der bewegliche auf die rastlose Arbeit.
-
- [4] Abgebildet auf der Schlussseite von Ruelens, _Annales_.
-
- Plantins Tod.
-
-Plantin starb am 1. Juli 1589, 75 Jahre alt. Sein letztes Werk war der
-□i.□ Band der: _Annales ecclestiastici Cæsaris Baroni Sorani_.
-
- Die Nachfolger
- Plantins.
-
-Nach seinem Tode übernahm Rapheling das Leydener Geschäft. Beys behielt
-die Pariser Filiale und Moretus die Antwerpener Offizin, deren Leitung
-er schon seit zwei Jahren besorgt hatte.
-
-□Johannes Moretus□ besass keine tiefergehenden Kenntnisse, verstand es
-aber die Verbindungen mit den vielen Gelehrten aufrecht zu erhalten.
-Als im Jahre 1592 die _Vulgata_ in Rom gedruckt wurde, erhielt er durch
-päpstliches Breve vom 11. März 1597 für zehn Jahre das Alleinrecht,
-jenseit der Alpen das Werk zu drucken und zu verbreiten, unter
-der Verpflichtung, die grösste Sorgfalt auf Korrektur und Druck zu
-verwenden und durchaus keine Änderungen vornehmen zu lassen.
-
- Balthazar Mo-
- retus.
-
-Unter der Leitung von dem Sohne des Johannes, dem gelehrten □Balthazar
-Moretus□, nahm die Plantinsche Druckerei noch durch lange Zeit eine
-hochangesehene Stellung ein. Gegen die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts
-jedoch schwand die Bedeutung mehr und mehr, und mit dem Beginn des
-□xviii.□ Jahrh. war der geschäftliche Glanz des Hauses erloschen.
-Äusserlich wurde jedoch alles mit grosser Pietät in dem alten Stand
-gelassen und das Haus mit allen seinen reichen Sammlungen, welche
-es, von dem grossen Publikum ungekannt und selbst für Auserwählte nur
-schwer zugänglich, umfasste, sorgfältig erhalten. Da wurden seitens der
-Verwaltung der Stadt Antwerpen Verhandlungen über die Erwerbung dieser
-typographischen Schatzkammer angeknüpft. Nachdem der Graf von Flandern
-die Initiative ergriffen hatte, zeigte sich die Staatsregierung
-geneigt, einen wesentlichen Anteil der Kosten auf sich zu nehmen, der
-aber später sehr zusammenschrumpfte. Schliesslich wurde i. J. 1875
-ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem das Haus und die Sammlungen
-für 1200000 Franken, von welchen der Staat die 200000, die Stadt die
-1000000, zahlte, in den Besitz der letzteren überging. Hiermit ist
-ein wahres graphisches Museum für alle Zukunft erhalten, welches mit
-jedem Jahr, das uns ferner von der früheren Geschäftsweise rückt,
-an Wert gewinnt. Es ist geboten, demselben in einer Geschichte der
-Buchdruckerkunst einige Seiten zu widmen.
-
- Das „Hôtel
- Plantin“.
-
- Das Vestibule.
-
-Das HÔTEL PLANTIN, auf dem Freitagsmarkt gelegen, nimmt die eine Seite
-desselben ganz ein. Die Façade wurde durch Joh. Moretus restauriert,
-das alte Merkzeichen jedoch erhalten. Hat man die Thorschwelle
-überschritten, befindet man sich in einem Vestibule mit vier
-Eingangsthüren, zwei rechts, zwei links, während eine gut erhaltene
-Glasthüre das Vestibule von dem Hofe abschliesst. Eine besondere
-Zierde des ersteren ist das Medaillonporträt des Balthazar Moretus,
-darüber ein Adler, in der linken Klaue einen, zu dem Wappen der Moretus
-gehörenden, Stern haltend.
-
- Der Hof.
-
-Der Hof bildet ein grosses Viereck, von dessen vier Seiten drei ihr
-ursprüngliches Aussehen ganz behielten. Das Hauptgebäude besteht
-aus einem Erdgeschoss und zwei Etagen; der rechte Flügel aus zwei
-Etagen und einem Bogengang, der sich auch unter die Hälfte des
-Hintergebäudes erstreckt, das ganz von den Zweigen und Blättern
-eines dreihundertjährigen Weinstocks, zwischen welchen die mit Blei
-eingefassten Fensterscheiben sichtbar werden, überdeckt ist. Der linke
-Flügel, aus neuerer Zeit stammend, besteht aus Einer Etage. Büsten von
-Plantin, Johannes, Balthazar und Joh. Jak. Moretus, Just. Lipsius u. a.
-zieren die Façaden. Der ganze Hof übt in seiner Abgeschlossenheit einen
-besonderen Reiz aus, es ist, als könne von aussen keine Störung hier
-hineindringen. Nichts Verunstaltendes, nichts Zerfallenes, wennauch
-die Zeit dem Gemäuer ihr Gepräge aufgedrückt hat; man fühlt sich um
-Jahrhunderte zurückversetzt.
-
- Der Setzersaal.
-
-In der Werkstätte findet sich der Apparat für 20-25 Setzer vor. Die
-Setzkästen sind noch gefüllt, die Tenakel stehen noch darauf befestigt.
-Die Kästen sind nicht so hoch angebracht, wie bei uns, man arbeitete
-sitzend, und die Sessel stehen noch in den Gassen; an den Wänden hängen
-die Kolumnenschnuren. Es ist, als wäre die Arbeit nur von der üblichen
-Mittagspause unterbrochen und als müsste sie baldigst wieder begonnen
-werden.
-
-Im Hintergrunde des Zimmers liegen auf verschiedenen Tischen: Linien
-in allen Grössen, Schiffe mit noch nicht umbrochenem Satz, Durchschuss
-u. dgl. Die hintere Wand ist von Aufsätzen mit Regletten und Keilen
-eingenommen. Zwei zum Druck fertige Formen lehnen an der Wand. Auch
-ein Stoss Papier steht noch da. An der linken Langseite sind sieben
-hölzerne Pressen aufgestellt.
-
- Das Zimmer der
- Korrektoren.
-
-Durch zwei kleine Räume, von denen der eine das Arbeitszimmer des Just.
-Lipsius war, der andere die Revisionsbogen von verschiedenen Werken
-in bester Ordnung enthält, kommt man in das Zimmer der Korrektoren,
-ein längliches Viereck und einer der grössten Räume des Hauses. Alles
-steht noch auf seinem alten Platze, alles spricht von den grossen
-Arbeitern, deren Namen mit dem Ruhme des Hauses Plantin verbunden sind,
-und die hier viele Jahre in rastloser Wirksamkeit zugebracht haben. Zur
-Rechten steht eine enorme Truhe, gefüllt mit Briefen, Korrekturbogen,
-Manuskripten, weiter das Pult der Korrektoren, ein Meisterstück der
-Holzschnitzerei. Eine Seite desselben lehnt an der Mauer. An zwei
-Seiten sind Sitze mit hohen Rücklehnen und reichen Bildschnitzereien
-auf einem Podium angebracht, so dass man eine Stufe hinaufsteigen muss.
-Unter dem Pult befinden sich viele Fächer. Zwei mächtige Repositorien
-enthalten eine grosse Anzahl von Kästen, jeder derselben trägt den
-Namen einer der Städte, mit welchen Plantin Verbindungen unterhielt,
-und umschliesst die Aushängebogen der in Arbeit befindlichen Werke
-aus dieser Stadt und die darauf bezügliche Korrespondenz. Der übrige
-Wandraum ist mit Wandschränken und Regalen ausgefüllt, welche Pakete
-mit Vorratsschriften und Defekten zu den in Gebrauch befindlichen
-Schriftsorten enthalten; durch alles geht der Geist der genauesten
-Ordnung.
-
- Bücherstube.
-
- Schriftgiesserei.
-
-In dem obern Stock ist die Bücherstube für das Trocknen, das Abpressen
-und Komplettieren der Bücher. Hier steht auch ein Schatz von hohem
-Wert, ein Schrank, dessen Kästen eine bedeutende Anzahl, mit grösster
-Akkuratesse geordneter Geschäfts- und Familienbriefe bergen. Die
-Schriftgiesserei nimmt zwei Räume ein; der eine für das eigentliche
-Giessen bestimmt, der andere für das Schleifen, Fertigmachen und
-Verpacken. Auch das Firniskochen wurde hier besorgt. Ferner zeigt man
-eine Bronziermaschine. In diesen Räumen steht ebenfalls alles da, als
-ob die Arbeit eben aufgehört hätte. Das Handwerkszeug hängt an den
-Wänden, die Giessöfen enthalten Reste von flüssig gewesenem Metall.
-Probepakete, Stempel, Instrumente liegen umher. Auch einige silberne
-Buchstaben finden sich vor, jedenfalls Resultate von unpraktisch
-befundenen Versuchen, Typen aus diesem Metall zu formen.
-
- Die Bibliothek.
-
-Die grosse Bibliothek (es giebt auch eine kleine) ist ein längliches
-Viereck, dessen Wände, soweit sie nicht durch die Fenster unterbrochen
-werden, mit Regalen bedeckt sind. Durch die ganze Länge des Zimmers
-zieht sich ein Doppelpult, unten mit Fächern versehen. Hier lagern
-Bücher, Zeichnungen, Stiche nach Rubens, Teniers, van Dyck, Jordaens
-u. a., fast alle in den ersten Abdrücken vor der Schrift. Ein Album
-umfasst mehr als vierhundert Handzeichnungen der grossen Meister,
-darunter elf Rubens. Dreiunddreissig Familienporträts vollenden den
-Schmuck des Raumes.
-
-Selbstverständlich bilden die Plantinschen Drucke einen wichtigen
-Bestandteil der Bibliothek, sie sind jedoch nicht ganz vollzählig.
-Die Zahl der Manuskripte kann man auf 200 anschlagen. Von Inkunabeln
-sind gegen 60 vorhanden. Die Zahl der sonstigen Bücher wird auf 9000
-geschätzt, darunter eine auserlesene Sammlung von Missalen, Breviarien
-u. dgl.
-
-Eine typographische Kuriosität ist ein Band, welchen Johann Moretus
-1576 Plantin gewidmet hat, der eine Sammlung der Titel von allen bei
-Plantin bis zum Jahre 1576 gedruckten Büchern enthält, gewiss ein
-interessantes Musterbuch für Typographen. Von noch grösserem Interesse
-dürfte das Studium des Journals des Hauses und der Hauptbücher aus
-drei Jahrhunderten, 1566 bis 1865, sein. Mit letzterem Jahre hörte die
-Thätigkeit des Hauses auf, die bereits früher auf ein Minimum reduziert
-war.
-
- Die Schriftstücke
- und andere Sel-
- tenheiten.
-
-Ferner sind noch aufbewahrt: die Messabsatz-, die Arbeits- und
-die Buchbinderbücher, Kataloge der verschiedensten Art, sowie die
-Korrespondenz-Brouillons, geeignet Licht über manches zu werfen, was
-jetzt dunkel ist. Die Zahl der Holzstöcke beträgt mindestens 15000;
-die der Kupferstiche 7 bis 8000. Von den kostbaren Porträts aus den
-Meisterhänden Rubens', van Dycks und anderer, den prachtvollen Meubeln,
-den seltenen Porzellanstücken und von vielen anderen Kostbarkeiten
-wollen wir hier nicht reden. Abgesehen von diesen, bietet das
-Plantinsche Museum in typographischer Hinsicht ein so ungemeines
-Interesse, dass die typographische Welt sich zu der Opferwilligkeit der
-Bürgerschaft der Stadt Antwerpen Glück zu wünschen hat, welche diese
-Schätze der Zukunft erhielt.
-
- Die Familie
- Blaeu.
-
-Eine zweite bedeutende Druckerfamilie war die der Blaeu in Amsterdam.
-□Wilhelm Blaeu□[5], geboren zu Alkmar im Jahre 1571, legte sich auf
-Astronomie und war ein Schüler und Freund des berühmten dänischen
-Astronomen Tycho de Brahe (S. 155). Blaeus Hauptthätigkeit war der
-Herausgabe astronomischer und Karten-Werke gewidmet. Selbst ein
-tüchtiger Mechaniker, richtete er seine Aufmerksamkeit auf die
-Vervollkommnung der Druckpressen, deren neun, von verbesserter
-Konstruktion und nach den neun Musen benannt, in seiner Offizin
-aufgestellt waren. Die Verbesserungen bezogen sich namentlich auf den
-elastischen Zug. Blaeu starb am 21. Okt. 1638 und sein Sohn □Johann□
-(geb. 1596) setzte die Druckerei fort, zuerst in Verbindung mit
-seinem Bruder Cornelius, von 1641 ab allein. Im Jahre 1663 lieferte
-er einen prachtvoll ausgeführten Atlas in zwölf Grossfoliobänden, dem
-mehrere ebenso grossartige Werke folgten. Seine Offizin galt für die
-bedeutendste und schönste Europas, sie beschäftigte regelmässig über
-40 Arbeiter namentlich mit dem Druck grosser Werke, mit Karten und
-Illustrationen, für deren Herstellung er einen besonderen Ruf hatte.
-Am 22. Febr. 1672 brannte die Offizin gänzlich ab. Die strenggläubigen
-Protestanten erklärten dies für ein Strafgericht des Himmels, weil
-Blaeu viele Breviarien und Missalen für die Papisten druckte. Er starb
-am 28. Dezember 1673 und wurde von seinen Söhnen □Peter□ und □Johann□
-gefolgt.
-
- [5] □P. J. H. Baudet□, _Leven en Werken van W. J. Bläu_.
- Utrecht 1871.
-
- * * * * *
-
- Der Stammvater
- der Elzeviere.
-
-Es bleibt noch die berühmteste der holländischen Buchdruckerfamilien,
-die, wenn von den Leitsternen der Typographie die Rede ist, gewöhnlich
-mit den Geschlechtern des Aldus und des Stephanus zusammen genannt
-wird.
-
-□Ludwig Elzevier□, der Stammvater des berühmten Geschlechts, ist zu
-Löwen in Brabant um das Jahr 1540 geboren. Aus den Arbeitsbüchern des
-Plantin geht hervor, dass ein Buchdrucker Johann aus Löwen mit dem
-Beinamen _Helsevier_ bei ihm von 1565-1588 arbeitete. Ob dies Ludwigs
-Vater war, ist nicht ermittelt, doch ist es nicht unwahrscheinlich,
-da Ludwig sich schon in jüngern Jahren in Antwerpen aufhielt und ihm
-dort zwei Kinder Matthias (1564) und Ludwig (1566) geboren wurden. Die
-Mutter derselben hiess Mayke (Marie) Duverdyn. Die Hypothese in Bezug
-auf Ludwig Elzeviers Vater gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass
-Ludwig, der die Buchbinderei übte, von Plantin beschäftigt wurde, der,
-selbst früher Buchbinder, sich der Buchdruckerei und dem Verlagshandel
-mit so grossem Erfolge gewidmet hatte[6].
-
- [6] □Ch. Pieters□, _Annales de l'impr. elzevirienne_. 2. Ausg.
- Gent 1858. -- □A. de Reume□, _Recherches historiques_.
- Brüssel 1847. -- □Minzloff□, _Les Elzevir etc. de St.
- Pétersbourg_. 1862. -- □Ch. Fr. Walther□, _Les Elzevir
- etc. de St. Petersbourg_. 1864. Ein Hauptwerk ist:
- □Alphonse Willems□, _Les Elzevir. Histoire et annales
- typographiques._ Brüssel 1880.
-
- Lage der Protestanten.
-
-Antwerpen war, wie schon erwähnt wurde, der Herd der reformatorischen
-Bewegung in den Niederlanden geworden, von welcher auch Elzevier
-ergriffen wurde. Die scharfen Edikte des Kaisers Karl □v.□, welche
-Todesstrafe für den Anschluss an eine sektiererische Verbindung
-feststellten, waren noch in Kraft, wenn sie auch unter der milden
-Regierung der Statthalterin Margaretha von Parma nicht so gefährlich
-waren. Die Lage änderte sich jedoch, als König Philipp □ii.□ den Herzog
-von Alba (1567) mit dem Auftrag sandte, durch Feuer und Schwert jede
-Spur der Ketzerei zu vertilgen. Tausende von Familien verliessen den
-heimatlichen Herd; auch die Ludwig Elzeviers gehörte zu diesen und
-zog nach Wesel, wo zahlreiche Emigranten sich zusammengefunden hatten
-und von wo eine thätige Propaganda ausging. Viele Bücher und kleinere
-Schriften reformatorisch-agitatorischen Inhalts in vlämischer Sprache
-wurden dort gedruckt und von dort aus verbreitet, so dass Elzevier als
-Buchbinder auf Beschäftigung rechnen konnte.
-
-Wie man über seinen Aufenthalt in Antwerpen hauptsächlich aus den
-Geburtsscheinen seiner Kinder Positives weiss, so auch über seine
-Existenz in Wesel und später in Douai. In Wesel wurde sein dritter
-Sohn, Aegidius; in Douai Justus und Arnold geboren. Nach seinem
-Vaterland ist er jedenfalls erst nach der Übernahme der Regentschaft
-durch Louis de Requesens i. J. 1574 zurückgekehrt, und mag wohl nur,
-weil in Antwerpen schon verdächtig, Douai vorgezogen haben, das
-seit 1462 eine wallonische Universität besass, die Philipp □ii.□
-als Gegengewicht zu den Universitäten in Genf und Paris mit ihrer
-freieren religiösen Bewegung errichtet hatte, so dass ein Buchbinder
-auch hier auf Erwerb rechnen durfte. Der Friede zu Gent, 1576, schien
-den religiösen Wirren ein Ende machen zu wollen; als sich jedoch die
-wallonischen Provinzen 1579 wieder unter das Joch Spaniens begaben,
-zogen die Protestanten, unter diesen Elzevier, wieder aus, letzterer
-nach Leyden, damals, nächst Amsterdam, die volkreichste Stadt Hollands,
-wo der Handel blühte und die von Wilhelm von Oranien begründete
-Universität einen raschen Aufschwung nahm.
-
- Ludwig Elzevier
- in Leyden.
-
-Elzevier fand, als er 1580 mit seinen fünf Söhnen und einer Tochter
-Marie nach Leyden kam, eine Stütze bei den vielen emigrierten
-Landsleuten. Im übrigen kann er nicht ganz ohne Mittel gewesen
-sein, denn er erwarb bald zwei Häuser, von denen das eine auf der
-„Rapenburg“, in der Nähe der Universität gelegen war. Dass er für
-letztere beschäftigt war, beweisen viele Rechnungen. Die günstige Lage
-im Zentrum der Gelehrsamkeit veranlasste ihn den Buchhandel anzufangen,
-der bald einen ziemlichen Umfang genommen haben muss, wie man aus einem
-unerfreulichen Zusammenstoss mit Plantin erfährt. Elzevier war diesem
-für gelieferte Bücher 1270 Gulden schuldig und musste 1583 vor Gericht
-erklären, dass Plantin berechtigt sei, sich an seine beiden Häuser zu
-halten, wenn Zahlung in den übereingekommenen Terminen nicht erfolgen
-würde.
-
- Elzevier wird
- Pedell.
-
-Elzevier hatte Gelegenheit gehabt, verschiedene bibliopolische
-Erwerbungen für die Universität in einer für diese vorteilhaften Weise
-zu machen, was auch Anerkennung fand, so dass er am 30. September 1586
-zum Pedell mit 72 Gulden Gehalt ernannt wurde. Noch mehr sollte ihm
-aber die Gunst der Universität in indirekter Weise zustatten kommen.
-Elzevier konnte die oben erwähnten Verbindlichkeiten gegen Plantin
-nicht erfüllen und er musste seine Häuser diesem überweisen. In dieser
-Not richtete er das Gesuch an den akademischen Senat, auf dem Grund
-und Boden der Universität einen Laden errichten zu dürfen, weil es sehr
-zum Nachteil der Professoren und Studierenden gereichen würde, wenn er
-seinen Laden weit weg von der Universität verlegen müsste. Das Gesuch
-Elzeviers wurde zugestanden; bis 1595 besass er den Laden ganz umsonst,
-von da ab musste er 75 fl. Miete bezahlen. Dieser Laden war die Wiege
-des Glanzes der Elzeviere, jedoch hatte Ludwig noch lange mit Sorgen
-zu kämpfen. Erst das Jahr 1594, in welchem er Bürger von Leyden wurde,
-scheint den Wendepunkt zum Günstigen gebildet zu haben.
-
- Ludwigs Kinder.
-
-Seinen ältesten Sohn □Matthias□ nahm er um 1590 als Teilnehmer auf,
-später den zweitjüngsten □Bonaventura□; der zweite □Ludwig□ ging als
-Buchhändler nach dem Haag, der vierte □Justus□ nach Utrecht. Der dritte
-□Aegidius□ erscheint nur vorübergehend in dem Haager Geschäft, seine
-übrigen zwei Söhne, Arnold und Adrian, gehören so wenig wie seine zwei
-Töchter der Geschichte der Buchdruckerkunst an.
-
- Sein Verlag und
- seine Reisen.
-
-Von seinen Verlagswerken erschien das erste 1592; nach 1594 folgten
-sie in ununterbrochener Reihe. 1595 wendete er zum ersten male das
-Insigne an: den Adler auf einer Säule, in den Klauen das Bündel mit
-sieben Pfeilen haltend und mit der Umschrift: _Concordia res parvæ
-crescunt_, wie bekannt die Devise der holländischen Republik. Um diese
-Zeit fängt auch sein regelmässiger Besuch der Frankfurter Messen an.
-Ludwig begriff sehr wohl, dass die Erzeugnisse des Geistes nicht
-auf den heimischen Markt sich beschränken konnten und suchte den
-ausländischen Markt auf. Er selbst war viel gereist und liess auch
-seinen Sohn Bonaventura noch jung auf Reisen gehen. Seit 1601 besuchte
-er regelmässig zweimal jährlich die Frankfurter Messe, wo er ein
-besonderes Depot hatte, ohne sich durch die damals mit solchen Reisen
-verbundenen vielen Mühseligkeiten und Gefahren abhalten zu lassen. Als
-die Buchmesse sich mehr und mehr nach Leipzig zog, folgte Elzevier dem
-Strom doch nicht, sondern fuhr fort, Frankfurt zu besuchen, wo er fast
-das Monopol für Versorgung Deutschlands mit ausländischer Litteratur
-hatte. Mit Paris unterhielt er ebenfalls regelmässige Verbindungen,
-obwohl der Verkehr dort mancherlei Beschränkungen unterworfen war.
-
-Der Umfang seiner Geschäfte und das Zutrauen der Autoren zu ihm
-stiegen fortwährend. Nicht wenige der letzteren übergaben ihm ihre
-Werke in vielen Exemplaren zum Debit. Wenn deshalb sein Name öfters in
-Verbindung mit dem eines anderen Verlegers auf einem Titel vorkommt,
-so ist daraus nicht zu schliessen, dass es sich um eine Association
-handelte, sondern, dass ein Verleger ihm den Debit eines Werkes für das
-Ausland übertragen hatte.
-
- Geschäftliche
- Manipulation.
-
-Bei seiner grossen Thätigkeit im Vertrieb war er nicht immer gar zu
-wählerisch in den Mitteln. Er kaufte öfters liegengebliebene Auflagen
-und versah sie, unter Benutzung seiner Firma, mit neuen Titeln;
-manchmal wurden einige Seiten neu angedruckt oder zwei Bände in einen
-verbunden, und dann solche als neue Ausgaben versandt. Kurz, es wurden
-verschiedene, auch noch heute im Buchhandel übliche Mittel angewendet,
-die man nicht gerade als Unrecht bezeichnet, die aber doch auch
-nicht zu den ganz soliden zählen. Dass sein persönlicher Charakter
-ein ehrenwerter war, dafür sprechen das grosse Zutrauen und die
-Auszeichnung, welche ihm von den Gelehrten, seinen Geschäftsfreunden
-und seinen Mitbürgern entgegengetragen wurden.
-
-So war der Name Elzevier, noch ohne Hinzutreten des Elements, welches
-seinen eigentümlichen Ruhm begründen sollte, der Typographie, ein sehr
-gut renommierter geworden. Ludwig selbst sollte eine Buchdruckerei
-nicht besitzen, wohl aber erleben, dass sein Enkel Isaack, zweiter Sohn
-des Matthias, eine solche (1616) erwarb. Noch konnte man nicht auf den
-künftigen typographischen Ruhm schliessen, und die Werke, die Ludwig in
-den verschiedenen Offizinen ausführen liess, zeichneten sich in Nichts
-vor hundert anderen aus, wenn man auch später, als der Nimbus das
-Haus umgab, oft versucht hat, einen besonderen Wert herauszufinden, wo
-keiner vorhanden war.
-
- Ende Ludwigs.
-
-Ludwig näherte sich dem Ende seiner Laufbahn, auf die er mit
-Befriedigung zurückschauen konnte. Der unbekannte Handwerker war ein
-durch Europa angesehener Mann geworden. Vier Söhne hatten den Beruf
-des Vaters ergriffen; ein Enkel übte die Buchdruckerei; sie konnten
-sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig stützen und ergänzen. Sein neues
-Vaterland war in seiner Freiheit anerkannt, es war ihm beschieden, auch
-seinen religiösen Überzeugungen sich ruhig hingeben zu können.
-
-Doch sollten seine letzten Tage noch in peinlicher Weise eine Störung
-erleiden. Ludwig hatte erlangt, dass sein Sohn Matthias 1607 ihm
-als Vicepedell adjungiert wurde. Am 11. Nov. 1616 wurde ein Teil der
-Universitätsgebäude vom Feuer zerstört und die Untersuchungsrichter
-gaben der Nachlässigkeit der Pedelle allein die Schuld. Matthias wurde
-seines Amtes enthoben; über Ludwig wurde der Beschluss noch nicht
-gefasst. Die Möglichkeit ist wohl nicht ausgeschlossen, dass dies
-Ereignis heftig auf ihn eingewirkt hat; Thatsache ist es, dass er
-gleich zu Anfang des Februar 1617 starb und am 4. Febr. neben seiner
-Frau, die ihm schon vor drei Jahren im Tode vorangegangen war, begraben
-wurde. Übrigens wurde Matthias in demselben Jahre wieder in sein Amt
-eingesetzt, das er bis zu seinem Tode behielt. 1636 war ihm das Recht
-zugestanden, sich durch seinen Schwiegersohn, Peter Caron, vertreten zu
-lassen.
-
- * * * * *
-
- Ludwigs Söhne.
-
-Nach dem Tode des Vaters übernahmen der älteste Sohn □Matthias□ und
-der vorletzte □Bonaventura□ das Leydener Geschäft, jedoch bereits am
-3. Septbr. 1622 übertrug der erstere seinen Anteil auf seinen ältesten
-Sohn □Abraham□.
-
-Der zweite Sohn Ludwigs, □Ludwig ii.□, wahrscheinlich 1566 geboren,
-ging 1590 als Buchhändler nach dem Haag. Seinen Laden hatte er in
-einem grossen Saal des Palais der Generalstaaten, vorzugsweise _de
-Zaal_ genannt, an dessen Wänden Buchhändlerstände ringsum eingerichtet
-waren. Mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1598-99 stand er
-an der Spitze des Haager Etablissements, welches keine grosse Bedeutung
-hatte, und nur eine ganz geringe Verlagsthätigkeit entwickelte. Ludwig
-□ii.□ starb wahrscheinlich 1621. Das Geschäft erwarb Bonaventura und
-übergab es wieder in demselben Jahre an Jacob Elzevier, den dritten
-Sohn des Matthias. Jacob zog sich 1636 zurück, ging in Staatsdienst
-über und siedelte sich schliesslich in Gensingen im Kurpfälzischen an.
-Das Haager Geschäft blieb als Filiale bei dem Leydener. Von dem dritten
-Bruder □Aegidius□ weiss man nur, dass er in der Abwesenheit Ludwigs
-eine kurze Zeit das Haager Geschäft besorgte. Er starb als Kaufmann in
-Leyden 1651.
-
-Der vierte Bruder □Justus□ (geb. 1575) erhielt in Utrecht das
-Bürgerrecht als Buchhändler. Von seinen vier Kindern war das älteste,
-□Ludwig iii.□, der später so berühmte Gründer des Amsterdamer Hauses.
-Sein Todesjahr ist nicht bekannt. Ein Enkel von ihm, □Peter□, trieb
-kurze Zeit den Buchhandel in Utrecht und verschwand 1675 von der
-geschäftlichen Bühne. Der fünfte Sohn wurde Landschaftsmaler, der
-siebente, Adrian, trat in die Dienste der Ostindischen Compagnie und
-wurde 1609 von den Wilden auf den Bandainseln ermordet.
-
-Bevor wir an die weitere Geschichte des Stammhauses in Leyden unter
-Bonaventuras und Abrahams Leitung gehen, müssen wir der Thätigkeit
-des zweiten Sohnes des Matthias, des Buchdruckers Isaack, gedenken,
-die fast ihr Ende erreicht hatte, als die zuerstgenannten die ihre
-begannen.
-
- Isaack, Ludwigs
- Enkel.
-
-□Isaack□ war am 11. Mai 1596 in Leyden geboren. Am 14. Febr. 1616
-verheiratete er sich mit Jaquemine Symons van Swieten, einer Waise,
-und wurde wahrscheinlich durch ihr Vermögen in die Lage versetzt, eine
-Druckerei erwerben zu können, denn seine grossen für den Grossvater
-ausgeführten Druckwerke datieren aus dem Jahre 1617. Isaack fuhr fort
-vorzugsweise für Matthias und Bonaventura, später für Bonaventura und
-Abraham zu drucken. Es finden sich auch Druckwerke vor, die keine
-andere Firma als die Isaacks tragen, doch lässt sich daraus nicht
-schliessen, dass er als Verleger und Konkurrent seiner Verwandten
-aufgetreten wäre, sondern nur, dass solche Werke im Selbstverlage der
-Autoren erschienen sind.
-
- Isaack,
- Universitäts-
- Buchdrucker.
-
-Am 9. Febr. 1620 erhielt Isaack die Stellung als akademischer
-Buchdrucker, in der die Familie bis zu ihrem Ende 1712 blieb. Gleich
-bei der Begründung der Universität Leyden war der Beschluss gefasst,
-einen gelehrten, namhaften und erfahrenen Mann zum akademischen
-Buchhändler und Buchdrucker zu ernennen. Die Wahl fiel auf Wilhelm
-Sylvius, der in Antwerpen mit dem Titel königl. Buchdrucker etabliert
-war (1579), Sylvius starb bereits 1580. Sein Nachfolger war der
-berühmte Christoph Plantin (1584), der Antwerpen verlassen hatte,
-jedoch bald wieder nach dort zurückkehrte. Seine Offizin und sein Amt
-gingen auf seinen gelehrten Schwiegersohn, Franz von Rapheling, über;
-das Amt erbte nach dessen Tode (20. Juli 1597) der Sohn Christoph, der
-ihn jedoch nicht vier Jahre überlebte. Der Senat erwählte nun (1602)
-Johann Paedts (_Patius_) zu seinem Nachfolger. Er starb 1620 und das
-Amt wurde auf Isaack Elzevier übertragen. Als Universitätsbuchdrucker
-war er verpflichtet, eine und eine halbe Presse für den Druck der
-kleinen Universitäts-Schriften zur Disposition zu halten. Er hatte für
-gute Korrektur und dafür zu haften, dass keine willkürlichen Änderungen
-gemacht wurden; die Besorgung der Bücher zur Frankfurter Messe übernahm
-er zu festgesetzten Bedingungen. Jährlich erhielt er eine Entschädigung
-von 50 Gulden.
-
- Die Druckerei.
-
-Das Universitätsgebäude lag, und liegt noch, in einer breiten,
-von einem Kanal, dessen Ufer mit grossen Bäumen bepflanzt waren,
-durchzogenen Strasse, der „Rapenburg“. Das Gebäude war früher ein
-Nonnenkloster gewesen, die Seitenfront kehrte es nach der Strasse,
-daneben lief eine Mauer, in welcher sich der Eingang zu dem
-Universitätshof und dem botanischen Garten befand. Das angrenzende Haus
-hatte Matthias, Isaacks Vater, am 26. Aug. 1608 gekauft. Als Isaack
-nun Universitätsbuchdrucker geworden war, teilte er dem Senat mit,
-dass er bereit sei, das Haus seines Vaters zu beziehen, wenn man ihm
-gestatten wollte, längs seinem Hause in dem unbenutzten Winkel des
-Universitätshofes, der dem Ganzen keineswegs zur Zierde gereichte,
-ein Atelier anzubauen. Es würde dies eine sehr grosse Annehmlichkeit
-für die Professoren und die Studierenden sein. Man fand den Vorschlag
-annehmbar und gestattete Isaack ein Gebäude von 14 Fuss Tiefe,
-bestehend in einem Parterre mit einem hohen Dach, zu errichten. Der
-Eingang für seine Arbeiter sollte jedoch durch sein Haus sein, und das
-Hofthor nur für die Besucher der Universität dienen. Auch hinsichtlich
-der Anbringung der Fenster wurden ihm verschiedene Beschränkungen
-auferlegt. In diesem bescheidenen Lokal, das jetzt verschwunden ist,
-blieb die Druckerei bis zu ihrem Aufhören.
-
- Isaack erwirbt die
- Offizin Erpenius.
-
-Die Massregel der Universität, Isaack zu ihrem Buchdrucker zu ernennen,
-war gewiss eine glückliche, denn durch die Ausführung schwieriger
-Arbeiten, unter welchen namentlich das _Theatrum geographiæ veteris_ in
-Folio, für Rechnung des Buchhändlers J. Hondius, besondere Erwähnung
-verdient, hatte er sich bereits einen guten Namen erworben, und
-sich auch in anderer Weise, durch den Ankauf der Buchdruckerei des
-berühmten Orientalisten Erpenius (Th. van Erpe), klüglich vorbereitet.
-Nicht damit zufrieden, die orientalischen Sprachen zu lehren und
-Werke herauszugeben, hatte Erpenius eine Druckerei in seinem Hause
-eingerichtet, die er selbst überwachte. Nach seinem plötzlichen Tod an
-der Pest am 13. Nov. 1624 legte die Universität grosses Gewicht darauf,
-seine Druckerei für Leyden zu erhalten. Mit dem seinem Geschlechte
-eigenen Geschäfts-Instinkt war Isaack den Wünschen der Universität
-bereits zuvorgekommen, und hatte alle Stempel, Matrizen und Schriften
-des Erpenius erworben.
-
- Druckerzeichen.
-
-Als Druckerzeichen nahm Isaack eine Ulme an, die von einem Rebstock
-voll Trauben umschlungen wird, daneben steht ein Einsiedler; die Devise
-lautet: _non solus_. Der Baum mit dem Rebstock deutet dasselbe an, was
-das Bund mit den Pfeilen ausdrücken will. Dies Druckerzeichen wurde
-bis 1712 benutzt. Ein anderes, von Isaack verwendetes: ein Palmbaum
-mit der Umschrift _Assurgo pressa_, war ursprünglich das Insigne des
-Erpenius. Im übrigen bedienten sich Isaack sowohl als auch Bonaventura
-und Abraham mitunter der Marke des Vaters.
-
- Isaack giebt das
- Geschäft auf.
-
-Trotz des günstigen Fortgangs des Geschäfts fasste jedoch Isaack den
-Entschluss, dasselbe aufzugeben, angeblich aus Besorgnis um die Folgen
-des langwierigen Krieges in Deutschland. Durch Vertrag vom 24. Dez.
-1625 übergab er die Offizin mit 5 Pressen und 1 Kupferdruckpresse, 10
-000 Kilo Schriften, Stempeln, Matern etc. seinem Bruder Bonaventura
-und seinem Neffen Abraham für die Summe von 9000 Gulden, und 2000
-Gulden für das Lokal. Im Februar 1626 legte er auch sein Amt nieder
-und verliess in den letzten Tagen des Jahres Leyden, trat in den
-Marinedienst und hatte 1632 Kapitänsrang. 1648 finden wir ihn in Delft
-in Association mit seinen zwei jüngsten Söhnen, um eine Brauerei zu
-betreiben. Er starb in Köln am 8. Okt. 1651.
-
- * * * * *
-
- Bonaventura und
- Abraham.
-
-Wir kehren nun zu dem Stammgeschäft zurück. □Bonaventura□,
-wahrscheinlich so nach dem berühmten Gelehrten Bonaventura Vulcanus (de
-Smidt) aus Brügge genannt, war 1583 in Leyden geboren. Sein Vater liess
-ihn zeitig Geschäftsreisen machen. □Abraham□, in Leyden am 14. April
-1592 geboren, war an Stelle seines Vaters eingetreten. Er hatte in
-Leyden studiert und sich bei seinem Bruder Isaack mit der Typographie
-vertraut gemacht. Am 21. Mai 1621 heiratete er Katharina van
-Waesberghe, Tochter des Admiralitätsbuchdruckers in Rotterdam, und kam
-dadurch in eine unabhängige Stellung, sodass er sich als Buchhändler
-etablieren konnte. Ein Glück für Bonaventura war es, nachdem 1625 die
-Druckerei Isaacks ihm noch zugefallen war, einen Mitarbeiter gefunden
-zu haben, der sich namentlich der Buchdruckerei widmete.
-
-In demselben Jahre heiratete Bonaventura Sahra van Keulen, Tochter des
-berühmten Gelehrten Daniel Colonius, für ihn ein doppelter Vorteil,
-indem er nicht nur in eine sehr angesehene Familie eintrat, sondern
-auch in nähere Verbindung mit einer grossen Anzahl der bedeutendsten
-Gelehrten trat, die sich nun vorzugsweise der Pressen der Elzeviere
-bedienten.
-
-Dass unter den obwaltenden Verhältnissen die Stellung als
-Universitätsbuchdrucker den Elzeviers nicht entgehen konnte, ist fast
-selbstverständlich. Man gewährte ihnen das Recht, die alte Lokalität
-innezubehalten, und bewilligte ihnen ein jährliches Gehalt von 100 fl.,
-das auf 200 und später auf 300 fl. erhöht wurde.
-
- Der Glanz des
- Hauses.
-
-Die nun folgenden 26 Jahre waren die des grössten Glanzes des Hauses.
-Das Streben der Associés war von Beginn ab darauf gerichtet, sich
-von dem Alltäglichen zu emanzipieren und ihren Erzeugnissen mehr
-und mehr den Stempel der Vollkommenheit aufzudrücken. Schon ihre
-ersten Druckwerke übertrafen die Isaacks, und jedes Jahr zeigt einen
-Fortschritt, sei es in der Schrift, in der Ornamentierung, oder in
-dem Druck. Schritt für Schritt kann man diese Elzeviere auf ihrem Wege
-zur Vollendung verfolgen, bis sie, nach zehn Jahren, Meisterwerke wie
-ihren Cäsar, Terenz und Plinius v. J. 1635 hervorzubringen imstande
-waren. Ihnen verdankt man die Initiative zu allen den Unternehmungen,
-welche den Namen Elzevier zu einem unsterblichen in der Geschichte
-der Buchdruckerkunst und des Buchhandels gemacht haben. Im Jahre 1625
-begannen sie die Sammlung der kleinen „Republiken“, für welche sie
-ein Privilegium vom 15. Mai 1626 erhielten. 1629 weihten sie die Reihe
-der lateinischen Klassiker in dem berühmten Duodez durch den Horaz und
-den Ovid ein; 1641 die Kollektion der renommiertesten Schriften einer
-neueren Zeit mit dem Cid; die Sammlung französischer Klassiker mit
-Régnier 1642. Daneben folgten aber auch Bücher in grösserem Formate,
-darunter verschiedene orientalische Werke.
-
- Die kleinen Aus-
- gaben.
-
-Ihren Hauptruhm bilden jedoch die Duodezausgaben der Klassiker zu
-billigen Preisen. Zwar waren solche kleinere Ausgaben nicht ohne
-Vorbild, wir erinnern nur an die „Aldinen“, im allgemeinen war man
-jedoch bei den grossen Formaten geblieben, bis mit den Elzevieren die
-Ausnahme Regel wurde. Die Bändchen, von den berühmtesten Kritikern
-und Kommentatoren der Zeit besorgt, nahmen im Sturm das Publikum für
-sich ein. Das Oktavformat blieb nur für die Ausgaben mit vielen Noten
-und Varianten. Durch den billigen Preis von 1 fl. als Mittelpreis für
-einen Band von etwa 500 Seiten steigerte sich der Absatz enorm. Die
-Durchschnittsgrösse der Auflagen ist nicht bekannt, sie muss aber eine
-bedeutende gewesen sein.
-
-Übrigens fehlte es nicht an Stimmen, die diese handlichen Bändchen als
-eine Herabwürdigung der Gelehrsamkeit bezeichneten und als eine rein
-kaufmännische Manipulation verdammten. Trotzdem suchten die Gelehrten
-eine Ehre darin, dass ihre Werke den Kollektionen einverleibt wurden.
-Ja, selbst Autoren, deren Schriften von den Elzevieren nachgedruckt
-waren, schrieben ihnen verbindliche Briefe auf Grund der auf den
-Nachdruck verwendeten Sorgfalt. Das Format wurde in ganz Holland und
-Belgien _standard_ und auch von mehren Pariser Buchhändlern angenommen.
-Bald bemächtigte auch die Sammelwut sich der kleinen Bändchen. Noch
-vor Ablauf des Jahrhunderts wurde von Liebhabern berichtet, die sich
-das Allernotwendigste versagten, um eine komplette Elzeviersammlung zu
-besitzen.
-
- Papier und Kor-
- rektur.
-
-Mit der Beschaffung des Papiers scheinen die Elzeviere manchmal Not
-gehabt zu haben. Öfters wenden sie französisches an, das jedoch schon
-in Frankreich auf Grund der dortigen Abgaben sehr teuer zu stehen kam,
-wie viel mehr also im Auslande. Während des Krieges mit Frankreich
-war die Einfuhr von Papier ganz verboten und die Elzeviere bezogen
-grosse Massen aus Deutschland, klagen jedoch öfters, dass dieses oder
-jenes Werk nicht recht gefördert werden könne, weil das in Frankfurt
-bestellte Papier nicht angekommen sei.
-
-In Betreff der Korrektheit der Elzevier-Ausgaben sind von einander
-abweichende Stimmen laut geworden. Viele loben dieselbe sehr, viele
-tadeln derb die Inkorrektheit. Der Grund ist nicht schwer zu finden.
-Die Elzeviere waren nicht, wie die Aldi, Stephane, oder wie Badius,
-Morel, Oporin begeisterte Gelehrte, die im Interesse der Wissenschaft
-Typographen geworden waren und einen Hauptteil der litterarischen
-Arbeit auf sich nahmen; sie waren praktisch-tüchtige Geschäftsleute,
-welche die Typographie hochhielten, aber nicht in der Lage waren,
-durch ihre persönlichen Kenntnisse zur Förderung der Wissenschaft
-beizutragen. Man darf sich nicht von ihrem Titel „akademischer
-Buchdrucker“ oder von den gutgeschriebenen lateinischen Anreden in
-ihren Verlagswerken irreleiten lassen; letztere sind Arbeiten ihrer
-litterarischen Freunde, namentlich des Dan. Heinsius. Sie gaben sich
-alle Mühe, für gute Korrektoren zu sorgen, diese waren aber selten;
-oft mussten sie sich deshalb in Betreff der Korrektur auf die Verfasser
-selbst verlassen, die bekanntlich selten diese Arbeit in befriedigender
-Weise üben. So giebt es neben sehr gut korrigierten Ausgaben der
-Elzeviere auch fehlerreiche. Im allgemeinen sind ihre lateinischen
-Klassiker sorgsam korrigiert, der Virgil von 1676 gilt sogar als
-ein nicht leicht zu erreichendes Muster, auch ihre französischen und
-italienischen Ausgaben, obwohl Nachdrucke, waren öfters weit korrekter
-als die Originale. Viele bekannte Namen fanden sich unter ihren
-Korrektoren nicht vor, berühmte gar nicht.
-
- Das ausländische
- Geschäft.
-
-Als eine Eigentümlichkeit der Elzevierischen Geschäftsorganisation
-wurde schon der ausgedehnte ausländische Vertrieb erwähnt, der bereits
-von Ludwig begonnen und sowohl (seit 1630) von dem Leydener als später
-von dem Amsterdamer Haus in System gebracht wurde.
-
-Die meisten Glieder der Familie begannen ihre Thätigkeit mit dieser
-Branche. Selbst nach seiner Association mit Matthias und Abraham setzte
-Bonaventura seine Reisen fort; doch nötigten ihn später die steigenden
-Geschäfte, diesen Teil der Arbeit dem Neffen, Ludwig, zu überlassen,
-bis dieser sich 1638 in Amsterdam etablierte. Er wurde von Johann, dem
-ältesten Sohn Abrahams, dieser wieder von Daniel, Bonaventuras Sohn,
-abgelöst.
-
-Als letzterer später dem Geschäft Ludwigs in Amsterdam beitrat, setzte
-er seine Reisen für dieses fort.
-
-Über die Depots in Frankfurt, Italien und Paris wurde schon oben
-gesprochen. Eine grosse Bedeutung hatte die Verbindung mit den
-skandinavischen Ländern. Kopenhagen, der Hauptsitz der Litteratur
-im Norden, war gewohnt, sich in Frankfurt zu versorgen. Als jedoch
-der Verkehr im 30jährigen Krieg immer schwieriger wurde, hielten
-die Holländer mit ihrem merkantilen Genie es für angebracht, die
-litterarische Versorgung des Nordens zu übernehmen. Der erste, der
-den Versuch machte, war der Buchhändler Johann Jansson aus Amsterdam
-und der Erfolg war ein so glänzender, dass die dänischen Buchhändler
-bittre Beschwerden über die Eindringlinge führten. Eine Merkwürdigkeit
-war, dass der Buchhandel dort in den Kirchen betrieben wurde, was erst
-aufhörte, als Christian □iv.□ die prachtvolle Börse baute, in deren
-erstem Stock eine Menge Detail-Läden, namentlich für den Buchhandel,
-sich befanden. Hier mieteten Jansson und die Elzeviere Lokale. Ihr
-Handel muss ein sehr bedeutender gewesen sein, denn sie liessen
-besondere Kataloge drucken, von welchen einer auf uns gekommen ist:
-_Catalogus omnium librorum, qui hoc tempore in officina Elzeviriana
-prostant. Hafniæ 1642._ Man sieht, es handelt sich um eine vollständige
-Filiale. Wer sie dirigierte, ist nicht bekannt; die Elzeviere selbst
-besuchten jedoch oft Kopenhagen. Nicht weniger gut als dort waren sie
-in Schweden angeschrieben, und die für die Wissenschaften eingenommene
-Königin Christine machte ihnen vorteilhafte Anerbietungen, um sie zu
-bestimmen, ein Haus dort zu gründen. Sie lehnten es ab, dagegen kamen
-die Verhandlungen mit Joh. Jansson zustande, der 1647 das Privilegium,
-eine Druckerei anzulegen, erhielt (vgl. S. 157).
-
- Eigenschaften
- der Associés.
-
- Daniel Heinsius.
-
-Zu dem Glanze des Leydener Hauses trug jeder der Associés bei.
-Bonaventura leitete mit grossem Geschick den bibliopolischen
-und kaufmännischen Teil des Geschäfts, wozu ihn eine sorgfältige
-Vorbereitung geeignet machte. Mit ihm verhandelten gewöhnlich die
-Gelehrten und die Kunden. Abraham besorgte mit gleicher Sorgfalt und
-grosser Hingebung das typographische Departement. Eine gute Hülfe
-hatten sie in Ludwig □ii.□, bis dieser selbst sich etablierte. Eine
-ganz wesentliche Stütze für das buchhändlerische Geschäft war der
-berühmte Gelehrte Daniel Heinsius, der so eigentlich die Seele der
-litterarischen Produktion war. Heinsius war 1580 in Genf geboren. In
-Leyden war er der bevorzugte Schüler von Jos. Scaliger und später
-von dessen Nachfolger. Er war ein Universalgenie, in allen Fächern
-des Wissens zuhause, zugleich ein Dichter von gutem Geschmack. Ganz
-natürlich, dass ein solcher Mann einen Verleger im Guten sowohl wie im
-Bösen vollständig beherrschen konnte. In beiderlei Hinsicht übte er
-auf die Elzeviere, speziell auf Bonaventura, einen grossen Einfluss.
-Ihm verdanken sie den Besitz einer Reihe der besten Verlagswerke, bei
-deren Herausgabe er ihnen zuhilfe kam, indem er die Einleitungen und
-Dedikationen, mit welchen die Verleger ihre Werke begleiteten, schrieb.
-Er war jedoch eine streitsüchtige, egoistische Natur und hielt die
-Elzeviere von denjenigen Gelehrten ab, die bei ihm nicht in Gunst
-standen.
-
- Tod Abrahams
- u. Bonaventuras.
-
-Bonaventura selbst zeigt sich auch nicht durchweg als liebenswürdiger
-Charakter, namentlich scheint er von einem mitunter hässlichen Geiz
-beherrscht gewesen zu sein. Nichtsdestoweniger suchte man gern
-eine Verbindung mit den Elzevieren und rühmte ihre Genauigkeit,
-Pünktlichkeit und ihren Eifer, sowie ihr warmes Interesse für ihren
-Beruf, dem sie einen förmlichen Kultus erwiesen. Liebenswürdiger als
-Bonaventura dürfte Abraham gewesen sein, Wenigstens spricht für seine
-Beliebtheit, dass die Universität nach seinem Tode, am 14. Aug. 1652,
-ihm zu Ehren eine goldene Medaille prägen liess, eine Auszeichnung, mit
-der sie sehr sparsam war. Dagegen geschah nichts zu Ehren Bonaventuras,
-als dieser einen Monat später, am 17. Septbr. 1652, verschied.
-
-Die Auszeichnung Abrahams fällt um so mehr auf, als schon 1649
-Differenzen mit der Universität auf Grund der von den Elzevieren
-angesetzten Preise entstanden waren. Es kam sogar in Frage, ihnen die
-Emolumente zu entziehen, während sie ihrerseits auf Erhöhung derselben
-antrugen. Bei dem Tode Abrahams und Bonaventuras war noch nichts
-entschieden, doch muss ein Ausgleich stattgefunden haben, denn man
-bewilligte den Nachfolgern die bisherigen Emolumente, und so blieb es
-bis zum Erlöschen des Hauses 1712.
-
- * * * * *
-
- Johann und
- Daniel.
-
-Bonaventura vermachte seinem ältesten Sohne Daniel sein Haus auf der
-Rapenburg und seinen Anteil an allem, was er in Verbindung mit Abraham
-besessen hatte. Ein Gleiches that Abraham in Betreff seines Sohnes
-Johann.
-
-□Johann□, der älteste Sohn Abrahams aus seiner Ehe mit Katharine van
-Waesberge, war das einzige von dessen Kindern, welches der väterlichen
-Laufbahn folgte. Er war zu Leyden im Febr. 1622 geboren; 1638 wurde
-er, 16 Jahre alt, nach Paris gesandt, wohl weniger um sich in der
-Typographie, als im Französischen zu vervollkommnen und um neue
-Verbindungen anzuknüpfen oder die alten zu pflegen. Schon 1643 ist er
-wieder dort, zum Vertrieb von Büchern; 1641 ging er nach Dänemark; 1644
-wieder nach Paris. 1647 heiratete er Eva van Alphen aus Leyden; 1649
-etablierte er sich im Hause des Grossvaters Bonaventura.
-
-□Daniel□, der älteste Sohn Bonaventuras und der Sarah van Keulen, war
-im Aug. 1626 in Leyden geboren. Aus seiner Jugendzeit wissen wir nur,
-dass er 1645 nach Paris ging, um seine Ausbildung zu vollenden. Dort
-blieb er gegen drittehalb Jahre, um dann in Leyden zu studieren, dabei
-nahm er jedoch an den Geschäften teil.
-
- Trennung
- Daniels von
- Johann.
-
-Es war eine schwere Last, welche auf den Schultern der jungen Männer
-ruhte. Sie begannen jedoch guten Mutes ihr Werk. Ihre Ausgaben der
-Nachfolge Christi und des Psalters von 1653 gehören zu den besten
-Erzeugnissen der Elzeviere. Aber die Aussichten für die Zukunft
-waren weniger freundlich, als bisher. Gleichzeitig mit den Vätern
-war eine grosse Zahl der gelehrten Freunde und Ratgeber von der Bühne
-abgetreten; die Universität befand sich in einer Krisis; die Zeiten
-waren vorbei, wo die Arbeiten ihrer Professoren die gelehrte Welt in
-Bewegung setzten, sie genügten nicht mehr, um einer Druckerei eine
-Fülle von Arbeit und Ehre zu bringen. Dabei war das Verhältnis der
-jungen Männer zu der Universität ein nicht ganz ungestörtes. Es fehlte
-ihnen noch an der nötigen Erfahrung und Autorität, um glücklich über
-alle Klippen wegzukommen, Eigenschaften, die dagegen der Amsterdamer
-Ludwig in hohem Grad besass. Diejenigen berühmten Gelehrten, die durch
-Heinsius den Leydener Elzevieren entfremdet worden waren, näherten sich
-Ludwig; selbst Leydener Gelehrte suchten die Verbindung mit ihm. Diese
-Umstände, dazu Johanns schwankender Charakter werden wohl mitgewirkt
-haben, um Daniel zu bestimmen aus dem Geschäft zu treten und sich mit
-seinem Vetter Ludwig in Amsterdam zu verbinden. Ein weiterer Grund mag
-wohl auch seine Heirat mit Anna Bierninck, Enkelin von seinem Onkel
-Justus und Nichte und Mündel Ludwigs, gewesen sein. Er trennte sich
-nach zwei und einem halben Jahre von Johann.
-
- * * * * *
-
-Wir werden nun □Ludwigs□ und □Daniels□ Schicksale in Amsterdam
-verfolgen, um dann zu dem Leydener Geschäft und dessen traurigem Ende
-zurückzukehren.
-
- Ludwig □iii.□ und
- das Amsterdamer
- Haus.
-
-Der Gründer des Amsterdamer Geschäfts, Ludwig □iii.□, ältester der
-vier Söhne des Justus, war 1604 in Utrecht geboren. Früh vaterlos,
-wurde er, um zu studieren, nach Leyden gesandt, wo er bei seinem
-Onkel Matthias wohnte und Gelegenheit fand, sich mit Buchhandel und
-Typographie bekannt zu machen. Durch seine vielen Reisen kreuz und quer
-durch Europa hatte er sich vortrefflich für ein eigenes Etablissement
-vorbereitet. Er war 33 Jahr alt geworden; Aussichten auf eine
-selbständige Stellung in dem Leydener Geschäft waren nicht vorhanden;
-Konkurrenz wollte er demselben nicht machen. Er wählte deshalb
-Amsterdam zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Wennauch vorzugsweise
-Handelsstadt, war Amsterdam doch durch seine gelehrten Gesellschaften
-bekannt, und besass eine Art von Universität in seinem neu errichteten
-Athenäum, welches schon berühmte Lehrer zu den Seinigen zählte. Die
-Leydener Verwandten hatten nichts gegen das Etablissement einzuwenden,
-sie hofften sogar Vorteile durch energische Verbreitung ihrer Artikel
-seitens Ludwigs zu erreichen und druckten auch anfänglich mehrere Werke
-für ihn.
-
- Aufblühen des
- Hauses.
-
-Jedoch Ludwig war der Mann, um ganz auf eigenen Füssen zu stehen. Kaum
-etabliert, suchte er die Verbindung mit dem berühmten Hugo Grotius,
-der als schwedischer Gesandter in Paris lebte. Ohne Freigeist zu sein,
-hatte Ludwig auf seinen Reisen doch in religiösen Angelegenheiten einen
-freieren Blick erworben, als seine Leydener Verwandten, die eine grosse
-Strenggläubigkeit entweder wirklich besassen, oder durch die Verbindung
-mit der Universität zu zeigen gehalten waren. Er war so recht geeignet,
-als Verleger die unabhängigen Geister um sich zu versammeln. Er zählte
-sogar zur katholischen Kirche übergetretene zu seinen litterarischen
-Freunden, ohne dass dies ihn verhinderte, Schriften zu verlegen,
-welche die Katholiken wenig schonten. Seit 1642 druckte er alle Werke
-des Cartesius, was auf die volle Unabhängigkeit seines Charakters
-deutet, denn man weiss, welche heftigen Angriffe der Autor seitens der
-holländischen Theologen auszustehen hatte, sodass es in Leyden sogar
-verpönt war, den Namen Cartesius zu nennen. Auch die Werke der Schüler
-und Anhänger desselben gab Ludwig heraus, ebenso die Schriften der
-französischen Jansenisten.
-
-Jedenfalls lag es gleich von Beginn ab in Ludwigs Absicht, eine
-Druckerei anzulegen. Im Jahre 1640 besass er eine solche, wennauch
-nach einem beschränkten Massstabe, denn seine Mittel waren nicht
-bedeutend. Er liess sowohl bei seinen Verwandten, wie bei anderen
-Kollegen, namentlich bei Fr. Hackius in Leyden drucken, der von allen
-Buchdruckern den Elzevieren am nächsten stand, um so mehr als ein Sohn
-des Hauses Hackius, Cornelius, mit Margaretha Elzevier, Schwester von
-dem in Utrecht als Buchhändler etablierten Peter und Nichte Ludwigs,
-verheiratet war.
-
-Es dauerte nicht lange, so stand das Amsterdamer Geschäft dem Leydener
-gleich. Von 1640-45 kamen 219 Verlagsartikel heraus. Die Geschäfte
-wuchsen so rasch, dass es Ludwig nicht immer möglich war, die nötige
-Ordnung und Pünktlichkeit zu zeigen; er sah sich deshalb nach Hülfe
-um. So wurde die Association mit Daniel am 1. Mai 1655 abgeschlossen.
-Bei dieser Gelegenheit gingen eine Menge Verlagsartikel des Leydener
-Geschäfts auf Daniel über und von dieser Zeit an begannen auch die
-Amsterdamer Pressen, die berühmten Duodeze zu reproduzieren, auf
-welche das Leydener Geschäft bis jetzt faktisch das Monopol gehabt
-hatte. Die Zahl der von Ludwig und Daniel, während eines neunjährigen
-Zusammenwirkens, herausgegebenen Werke beträgt gegen 150; auch der
-Anfang ihres Hauptwerkes, der grossen Bibel von Desmarest, stammt aus
-dieser Zeit.
-
- Druckerzeichen.
-
-Als Zeichen bedienten sie sich der Minerva mit der Aegide, dem Ölzweig
-und der Eule und mit der Devise _Ne extra oleos_. Der Gedanke der
-Devise ist dem Wettrennen der Alten entlehnt, bei welchem das Ziel
-durch eine Reihe von Ölbäumen bezeichnet war. Die Warnung: „nicht über
-die Ölbäume hinaus“, heisst also soviel als: „Halte dich innerhalb der
-richtigen Grenzen, und schiesse nicht über das Ziel hinaus“.
-
- Geschäftslokal.
-
-Das Geschäftslokal war „_opt Water_ in den _Olm-boom_“. Diese
-Bezeichnung „Auf dem Wasser“ hatte ein Hauptquai in Amsterdam, wo
-vorzugsweise die Lokale der Buchhändler und Buchdrucker sich befanden.
-Die Elzeviere bewohnten dort nach und nach verschiedene Häuser; wenn
-sie nichtsdestoweniger als „in der Ulme“ wohnhaft fort firmierten, so
-ist dies durch die Sitte erklärlich, die Häuser nicht nur nach den,
-von dem Besitzer über den Thorweg in Stein gehauenen Emblemen, sondern
-auch nach den beweglichen Schildern der gewerbetreibenden Bewohner zu
-bezeichnen.
-
- Ludwigs Tod.
-
-Im Jahre 1664 zog sich Ludwig zurück, und lebte auf seinem schönen
-Landsitz, welchen er halbwegs zwischen Amsterdam und Utrecht besass.
-Sein Name findet sich fernerhin nur auf der Bibel Desmarests, welche
-1669 in 2 Bdn. in Folio vollendet wurde. Sie war bei dem Ausscheiden
-Ludwigs Gegenstand eines besonderen Übereinkommens unter den Associés
-geblieben. Ludwig starb 1670 in Leyden, infolge eines Beinbruchs.
-
-In allen Angelegenheiten der Familie war Ludwig stets als das Oberhaupt
-betrachtet worden, und er hatte gesucht, ihr Interesse, wo er konnte,
-wahrzunehmen. Seine Rechtschaffenheit und Einsicht wurden überall
-anerkannt. In seinem Testament zeigt er sich als einen durchaus noblen
-Mann, sowohl gegen Andere, als auch gegen seinen Associé. Es sollten
-alle Rechnungen mit ihm ohne irgend eine Revision geordnet werden. Es
-war ihm freigestellt, die Artikel zu den Druck- und Papierkosten ohne
-Zinsen und sonstige Lasten zu übernehmen, und die daraus entstehende
-Schuld erst in langen Terminen unter 4% Verzinsung zu zahlen.
-
- * * * * *
-
- Daniels weitere
- Wirksamkeit.
-
-Die Weiterführung des ausgedehnten und vielseitigen Geschäfts war
-für Daniel mit seinen alleinigen Kräften eine schwere Aufgabe, wozu
-die grösste Energie notwendig war. Hierzu kamen noch ungünstige
-Zeitverhältnisse. Kurz nach der Übernahme brach der Krieg mit England
-aus, der zwei Jahre (1665-67) mit wechselndem Kriegsglück, aber unter
-fortwährender Hemmung der Geschäfte, dauerte. Daniel nahm deshalb
-Jakob Zetter in sein Geschäft, der den buchhändlerischen Teil sehr gut
-leitete. 1669 fesselte er den jungen □Heinr. Wetstein□, der bestimmt
-war, selbst einen bedeutenden Platz in der niederländischen Typographie
-einzunehmen, an sich. Wetstein war 1649 in Basel geboren, wo sein Vater
-Professor der griechischen Litteratur war. Er hatte eine vortreffliche
-wissenschaftliche Erziehung genossen, aber sein Trieb zur Typographie
-war ein unwiderstehlicher. Am besten glaubte er seinen Zweck in
-Holland zu erreichen, trat daher mit seinem 20. Jahre bei Daniel in
-die Lehre und blieb 7 Jahre bei ihm. 1676 verheiratete sich Wetstein
-und etablierte sich dann als Buchhändler. Er war mit Zetter zusammen
-dem Hause Elzevier von grossem Nutzen. Daniels Buchhandlung hatte
-vorher nur aus Verlags- oder Kommissionsartikeln bestanden; jetzt fügte
-Wetstein ein vollständiges Sortiment neuer und alter Bücher hinzu. 1674
-gab Daniel, durch Wetstein unterstützt, seinen grossen Lagerkatalog,
-über 20000 Werke enthaltend, heraus.
-
-In den Jahren 1667-1672 wurden über 100 neue Werke gedruckt, daneben
-die grosse Bibel fortgesetzt. Daniel sammelte, als letzter der
-bedeutenden Elzeviere, die ganze Ehre des Namens auf sich und wurde
-als einer der Buchdrucker _majorum gentium_ betrachtet. Als im Jahre
-1672 ein grosser Brand einen bedeutenden Teil des Blaeuschen Geschäfts
-vernichtete und Blaeu in Verlegenheiten kam, kaufte Daniel eine Anzahl
-von dessen Verlagsartikeln. Auch von Hackius machte er bedeutende
-Erwerbungen.
-
-Trotz der schweren Zeiten hat man sich also Daniel nicht als mutlos
-geworden zu denken, und noch in den Jahren 1675-1680 verliessen 90
-Verlagswerke, unter welchen sich einige seiner bedeutendsten Leistungen
-befinden, seine Pressen.
-
- Daniels Tod.
-
-Da überraschte ihn der Tod mitten unter den Vorbereitungen zu einer
-Menge neuer grossartiger Unternehmungen. Am 13. Oktbr. 1680 unterlag er
-dem wiederholten Anfall eines heftigen Fiebers, wie solche in Amsterdam
-nicht selten auftreten.
-
- Die Elzevier-
- schriften.
-
-Die Verhältnisse waren schwer zu beherrschen. Zwar beabsichtigte
-die Witwe das Geschäft fortzusetzen, sah aber bald die Notwendigkeit
-einer Beschränkung ein. Zuerst kam die Reihe an die Schriftgiesserei,
-bei welcher Gelegenheit ein Licht über die Entstehung der
-Elzevier-Schriften geworfen wird. Es gelang dem Herrn Alfons Willems,
-im Plantinschen Museum in Antwerpen ein Schreiben von der Witwe Daniels
-an die Witwe des Balthazar Moretus aufzufinden, in welchem erstere den
-Plantins ihre Schriftgiesserei anbietet, mit 27 Sorten von Stempeln
-und 50 Sorten Matern „_gemaekt wesende bij Christoffel van Dyck, de
-beste meester van sijnen en onsen tijdt, en bij gevolge de beroemste
-gieterije, die ooyt ist geweesi_“. Beigefügt ist eine Schriftprobe,
-ein einzelnes Blatt in Plakatformat, mit der Überschrift: „_Proeven
-van Letteren die gesneden ziin door Wylen Christoffel van Dyck, soo
-als de selve verkoft sullen werden ten huyse van de Weduwe Wylen Daniel
-Elsevier, op't Water by the Papenbrugh, in den Olmboom, op Woensdagh,
-den 5 Martii 1681_“.
-
-Zwar ist nur die Rede von den Typen der Amsterdamer, aber es ist
-nicht anzunehmen, dass diese nur Plagiate der Leydener gewesen. Es
-würde die Witwe Daniels kaum gewagt haben von van Dyck als von dem
-ersten Schriftschneider seiner Zeit zu sprechen, wenn er nur ein
-Plagiator gewesen[7]. Früher hat man die Schriften der Elzeviere
-dem Claude Garamond oder den Sanleques zugeschrieben. Garamond war
-jedoch bereits 1561 gestorben, auch zeigen seine Schriften einen
-abweichenden Charakter. Eher stimmen die Elzevier-Schriften mit denen
-Sanleques überein, der ein Zeit- und Religionsgenosse der Elzeviere
-war, so dass die Vermutung, die Schriften stammten von diesem, mehr
-Wahrscheinlichkeit hatte.
-
- [7] Über die Schriften van Dycks vergleiche auch „_Specimen de
- J. Enschedé & fils_“. Haarlem 1867.
-
- Schicksale der
- Elzevier-
- schriften.
-
-Das Plantinsche Haus nahm das Anerbieten der Witwe Elzevier nicht
-an, und die Schriftgiesserei ging nunmehr durch Kauf an Jean Bos im
-Hause □Joseph Athias□ über. Letzterer war ein spanischer Jude, der
-ein bedeutendes typographisches Etablissement in Amsterdam besass. Er
-war namentlich bekannt als Drucker einer Anzahl von Bibeln in fremden
-Sprachen, ganz besonders ist seine hebräische Bibel berühmt, für
-welche ebenfalls Christoff van Dyck die Schriften geschnitten hatte,
-die noch jetzt unter die schönsten hebräischen Schriften zählen.
-Als Belohnung für diese Arbeit erhielt Athias von den Staaten von
-Holland und Westfriesland eine goldene Medaille an goldener Kette zu
-tragen, eine Auszeichnung, die noch keinem Israeliten zuteil geworden
-war. Vielleicht hat Athias seine Dankbarkeit gegen van Dyck, durch
-Ankauf des ganzen Komplexes seiner Schriften, zeigen wollen. Sein
-Etablissement ging in die Hände von □J. J. Schepper□ über, später
-an den Schriftgiesser □Johann Roman□, der die oben erwähnten Proben
-genau mit allen Fehlern als Proben seiner Giesserei druckte. Diese
-kam 1767 an die Brüder □Ploos van Amstel□ in Amsterdam und an □Johann
-Enschedé□ in Haarlem, die den Fond teilten; später ging das Ganze
-auf Enschedé über. Dieser, ein warmer Bewunderer der Leistungen des
-Schriftschneiders Fleischmann, legte übrigens, wie es scheint, kein
-grosses Gewicht auf die Schriften von van Dyck.
-
- Auflösung des
- Amsterdamer
- Geschäfts.
-
-Die Verhältnisse bei dem Tode der Witwe Daniels im Mai 1681 machten
-alle Gedanken an eine wennauch beschränktere Fortführung des Geschäfts
-zunichte. Die Erbschaft konnte von den Beauftragten der neun Kinder
-Daniels nur _cum beneficio inventarii_ angetreten werden. Die
-Liquidation fiel jedoch über alle Erwartung günstig aus und erzielte
-nach heutigem Geldwerte eine Summe von etwa einer viertel Million
-Mark. Die Amsterdamer Verleger hatten sich längst auf diesen Augenblick
-gerüstet und kauften mit Begierde die berühmten Verlagsartikel.
-
-So verblieb nur die Erinnerung an das angesehene Elzeviersche Haus in
-Amsterdam. Doch nicht allein der Glanz desselben wurde mit Daniel zu
-Grabe getragen, auch der hohe Ruhm der niederländischen Typographie im
-allgemeinen war dahin. Fast gleichzeitig mit Daniel schieden fast alle
-die grossen holländischen Buchdrucker, welche die letzte Hälfte des
-□xvii.□ Jahrhunderts mit ihrem Ruhm erfüllt hatten. Zwar erstanden aufs
-neue tüchtige Männer, welche die typographische Fahne hochhielten, aber
-die Kette war gebrochen, und es gelang nicht, die Glieder wieder zu
-einem Ganzen zu vereinigen.
-
- * * * * *
-
- Ende d. Leydener
- Hauses.
-
-Wir haben nun noch den letzten Blick, der keine Freude gewährt, dem
-Leydener Hause zuzuwenden.
-
-Daniels Austritt war ein schwerer Schlag, indes verlor □Johann□ den
-Mut nicht. Da er keinen Associé hatte, suchte er helfende Kräfte
-zu gewinnen, und es scheint ihm dies durch das Engagement □Karl
-Gerstekorns□ gelungen zu sein. Wenn unter den schwierigen Verhältnissen
-Johann den Senat um Erlaubnis ersuchte, die Offizin baulich erweitern
-zu dürfen, so ist dies, wenn es damit überhaupt Ernst war, nur in
-der Weise zu erklären, dass er sich auf die Druckerei allein hat
-beschränken und diese mit aller Kraft hat betreiben wollen. Wenigstens
-mässigt er seine Verlagsthätigkeit sehr und sucht sein Lager durch
-Auktionen zu erleichtern. Es gehören immerhin einige seiner Leistungen
-dieser Zeit, als: _de Brebeuf, Pharsalus_ und _P. le Moyne, Gallerie
-des femmes fortes_, zu den besten seiner Pressen.
-
-Johann starb, ohne einen Plan für die Zukunft des Geschäfts gelegt
-zu haben, am 8. Juni 1661, erst 39 Jahre alt. Seine Witwe entschloss
-sich, die Geschäfte fortzuführen, und erhielt auch die Bestätigung
-des Verhältnisses zur Universität. Durch Auktionen in den Jahren 1659,
-1660 und 1661 entledigte sie sich des Leydener Lagers und der Haager
-Vorräte. Mit Ausnahme der Fortführung der grossen holländischen Bibel,
-die schon während Daniels Zeit angefangen und bei der er beteiligt
-geblieben war, scheint sie eigenes Verlegen ganz unterlassen zu haben.
-So ging das Geschäft nach und nach zurück. 1681 übergab sie es dem
-zweiten Sohne Abraham □ii.□, und starb 1695.
-
-□Abraham□, am 5. April 1653 geboren, hatte in Leyden studiert und 1679
-den Doktorgrad erworben. 1695 wurde er Schöffe zu Leyden. Unter seiner
-Misswirtschaft verfiel die Druckerei vollständig. Als nach seinem am
-30. Juli 1712 erfolgten Tode das Geschäft verkauft wurde, war der Erlös
-noch nicht 2000 Fl. -- _Sic transit gloria mundi._
-
- * * * * *
-
- Die Nachahmer
- der Elzeviere.
-
-Es konnte nicht anders sein, als dass der grosse Erfolg der
-Elzevierschen Duodezausgaben auch andere Buchdrucker innerhalb und
-ausserhalb der Grenzen der Niederlande zur Nachahmung anstachelte. Es
-dauerte nicht volle zehn Jahre nach den ersten Ausgaben seitens der
-Elzeviere, bis eine Überschwemmung mit Nachahmungen derselben eintrat,
-die oft die Vignetten und anderes Beiwerk so genau wiedergaben, dass
-die Entscheidung, ob ein Buch wirklich den Elzevieren gehörte oder
-nicht, manchmal eine sehr schwierige war.
-
-Nach der Druckerei der Elzeviere war in Leyden die bedeutendste die
-von □Franz Hackius□, die viel für die erstgenannte druckte, und eine
-sehr leistungsfähige Offizin war. Um die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts
-gab es in Leyden überhaupt 9 Druckereien mit 23 Pressen, darunter
-keine mit mehr als vier. In Amsterdam waren die Druckereien nicht so
-zahlreich, aber sehr tüchtig. Von den □Blaeu□ hörten wir bereits.
-□Johann Jansson□, der nicht dieser Familie angehörte, druckte von
-1618-1664 und war besonders als Nachdrucker bekannt. Fand ein Werk
-eines ausländischen oder auch eines holländischen Kollegen Beifall,
-so war Jansson schnell mit einem Nachdruck bei der Hand. Er hatte, wie
-schon erwähnt, eine Filiale in Kopenhagen und errichtete eine Druckerei
-in Stockholm. Nachdem □Johann van Waesberge□ eine Tochter Janssons
-geheiratet hatte, fügte letzterer den Namen des Schwiegersohns dem
-seinigen bei. Nach Janssons Tod associierte sich Waesberge erst mit
-seinem Schwager □Elisäus Weyerstraten□ (1664-1667), später mit dessen
-Witwe. Von 1669 ab bis zu seinem Tode 1681 druckte er allein[8].
-
- [8] □A. M. Ledeboer□, _Het geslagt van Waesberghe_. 2. Ausg.
- Haag 1869.
-
-Zu den talentvollsten Nachahmern der Elzeviere gehören auch die
-Brüsseler Buchdrucker □François Foppens□ (gest. 1684) und □Eugène Henry
-Frix□ (gest. um 1715).
-
-Ein sehr geschätzter Buchdrucker, Buchhändler, Kartenstecher und
-Geograph war □P. van der Aa□ (gest. 1730). Sein grösstes Werk, eine
-Weltgalerie, umfasst 66 Bände. Die berühmte Familie □Wetstein□ wurde
-schon früher erwähnt.
-
- Die Schrift-
- giesserei.
-
-Nach dem Erlöschen der Familie der Elzeviere ist die der □Enschedé□
-die bekannteste, namentlich ist ihre Geschichte mit der der
-□Schriftgiesserei□ in Holland auf das engste verknüpft.
-
-Es wurde schon früher erwähnt, dass Paffroed in Deventer[9] für
-damalige Zeit sehr schöne nationale Schriften geliefert hatte. Von da
-an jedoch machte in den Niederlanden der Schnitt der gothischen Schrift
-nur sehr langsam Fortschritte. Dürers litterarische Arbeiten waren
-durch seine Reise in den Niederlanden populär und von Joh. Jansson in
-Amsterdam sowohl lateinisch als auch (1606) deutsch mit Frakturschrift
-gedruckt worden. Die Fraktur fand bei den Schriftgiessern Aufnahme und
-□Dirk Voskens□ z. B. lieferte sie in 14 Graden mit den entsprechenden
-Schwabacher Schriften. Wahrscheinlich geschah dies mit auf Antrieb
-Philipps von Zesen, der sich um die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts in
-Amsterdam aufhielt und eine Anzahl eigener und übersetzter Werke dort
-und in Leyden herausgab. Auch verschiedene der grossen illustrierten
-Reisebeschreibungen wurden mit deutscher Schrift gedruckt. Es dauerte
-jedoch nicht lange, so wurde sie ganz durch die Antiqua und die
-Schreibschriften nach französischem Duktus verdrängt.
-
- [9] Seite 68. Durch ein Versehen ist dort die Silbe „roed“ aus
- dem Namen „Paffroed“ ausgefallen.
-
-Die Antiqua erreichte jedoch im allgemeinen nicht die Schönheit
-der Vorbilder. Sie ist in der Regel sehr schmal geschnitten und eng
-zugerichtet, hauptsächlich auf Betrieb der holländischen Nachdrucker,
-die viel Ware für das Geld bieten mussten. □Ament Tavernier□
-in Antwerpen führte 1558 die, dem Granjon in Lyon nachgebildete
-Schreibschrift _Civilité_ ein, deren sich Wilh. Sylvius zuerst
-bediente. Auch Plantin druckte ein Buch mit dieser Schrift, die bis
-in das □xviii.□ Jahrhundert benutzt wurde. Die _Ronde_ wurde ebenfalls
-als Werkschrift verwendet; daneben hielt sich die _Coulé_, von □J. F.
-Rossart□ und □J. M. Fleischmann□ geschnitten.
-
- Isaak Enschedé.
-
-Der Stammvater der Enschedés □Isaak□ ward 1681 in Haarlem geboren
-und gehörte einer in Gröningen angesessenen Buchdruckerfamilie an. Um
-1703 eröffnete er eine Buchdruckerei in Haarlem und druckte 1727 im
-Verein mit seinem Sohne □Johannes□ eine Bibel in Folio nach dem neuen
-Verfahren von van der Mey und Müller.
-
-Ob dies Verfahren wirklich dasselbe gewesen ist, welches wir jetzt als
-Stereotypie bezeichnen, blieb langezeit zweifelhaft. □J. van der Mey□
-stellte zu Anfang des □xviii.□ Jahrh. mit Unterstützung des deutschen
-Predigers □Johann Müller□ in Leyden (gest. 1710), der von vielen für
-den eigentlichen Erfinder gehalten wird, mehrere „stereotypierte“
-Werke. Die ersten Versuche haben sich wohl auf zusammengelötete
-Schrift beschränkt, später scheint es jedoch, als habe man eine
-wirkliche Stereotypie erfunden, denn unter den zu dem Caxton-Jubiläum
-in London 1877 ausgestellt gewesenen Gegenständen befanden sich auch
-vier auf Holz genagelte Platten Meys und Müllers[10]. Die Firma S. &
-E. Luchtmanns in Leyden, für deren ersten Inhaber Samuel Luchtmanns
-mehrere solche stereotypierte Werke hergestellt waren, drückt sich in
-einem Schreiben vom 24. Juni 1801 an A. Renouard in Paris ebensowenig
-wie der Baron van Weestreenen van Tiellandt in seinem, im Auftrag
-der niederländischen Regierung abgefassten Bericht recht klar über
-das Technische aus[11]. Eine Bibel in 4° und eine in Folio; ein Neues
-Testament englisch und eins griechisch in 18°; ein syrisches Wörterbuch
-wurden stereotypiert, dann ward es wieder still von der Erfindung.
-
- [10] _Caxton Celebration 1877. Preleminary issue. Class M.
- Sect. II._ (Seite 395) 4652: _Original casts of various
- pages made in the years 1700-1726 in the printing office
- of Messrs Luchtmans & Co. by the process invented by
- Rev. Muller, of Leiden. Lent by Messrs G. J. Brill._
- Zu wünschen wäre es gewesen, dass die Platten nicht
- aufgenagelt worden. Die Rückseiten derselben könnten
- möglicherweise noch einige nähere Aufschlüsse gegeben
- haben.
-
- [11] _Rapport sur les recherches, relatives à l'invention et
- à l'usage le plus ancien de l'imprimerie stéréotype etc._
- Haag 1813.
-
- Johannes En-
- schedé.
-
-Isaak Enschedés Sohn □Johannes□ fing schon als Knabe an, Schriften
-in Holz zu schneiden, und erwarb sich durch fortgesetzte praktische
-Arbeiten einen sichern Blick, der ihn zu einer Autorität in der
-Beurteilung xylographischer und typographischer Erstlingsdrucke
-machte. Sein langes Leben (er starb 1781) teilte er zwischen
-Wissenschaft und Praxis. Er vermehrte die schon von seinem Vater
-gegründete ausgezeichnete Bibliothek mit den grössten typographischen
-Seltenheiten. Das Ideal seines Strebens war, ein Hauptwerk über die
-Erfindung der Buchdruckerkunst zu schreiben, wobei seine Sammlungen
-ihm als Unterlage dienen sollten. Leider kam er aber damit nicht einmal
-so weit, wie Breitkopf mit seiner ähnlichen Arbeit, und wir haben von
-ihm nur eine Skizze über die Schriftgiesserei in den Niederlanden. Er
-entdeckte Fragmente eines Donat und eines Horariums, welches letztere
-von den Holländern als das erste Druckwerk Kosters mit beweglichen
-Typen angesehen wird. Sein Sohn □Dr. Johannes Enschedé□ war noch mehr
-Gelehrter als Buchdrucker; er stand in freundschaftlichem Verkehr
-mit den berühmten Philologen Valckenaer und Ruhnken und vermehrte die
-seltene typographische Büchersammlung.
-
-Durch die Vereinigung der wissenschaftlichen Bildung mit den
-praktischen Kenntnissen haben die Chefs ihrer, noch heute fortblühenden
-Buchdruckerei und Schriftgiesserei das eigentümliche Doppelgepräge
-eines Geschäfts und einer historischen Sammlung aufgedrückt. Sie stehen
-in dieser Hinsicht einzig in ihrer Art da, indem es hier gelungen ist,
-beinahe alle Originalschriften aus der Blütezeit der Buchdruckerei
-in Holland zu sammeln. Es bleibt unter diesen Umständen um so mehr
-zu bedauern, dass die prachtvolle Bibliothek im Jahre 1867 durch
-Versteigerung zerstreut wurde. Sie würde in Verbindung mit den seltenen
-Schätzen der Giesserei und der Druckerei eine würdige Vervollständigung
-des Plantinschen Museums abgegeben haben.
-
- Schriftgiesserei
- der Enschedés.
-
-Johannes Enschedé wurde 1743 Schriftgiesser, indem er die bekannte
-Giesserei von Hendrik Floris Wetstein kaufte. Die Stempel für diese
-Giesserei hatte zumteil der berühmte Stempelschneider Johann Michael
-Fleischmann geschnitten, der im November 1701 geboren war und am 11.
-Mai 1768 in Amsterdam starb. Fleischmann fuhr fort, für Enschedés
-Geschäft zu schneiden, das ausserdem durch die wertvollen Arbeiten
-Johann Franz Rossarts, geb. zu Namur 1714, gest. zu Brüssel am 26.
-Mai 1777, vermehrt wurde. Während das Geschäft in dieser Weise durch
-die besten Künstler der Zeit bereichert wurde, erhielt es seinen
-historischen Wert durch Erwerbung einer bedeutenden Anzahl älterer
-Schriftgiessereien ersten und zweiten Ranges. So wurde die Giesserei
-der Blaeu annektiert, welche am 21. April 1677 in die Hände des
-Schriftschneiders □Dirk Voskens□ übergegangen war. Das Geschäft
-Voskens wurde von dem Sohne Bartholomäus übernommen, später unter der
-Firma Witwe Voskens & Sohn, nachher als Clerk & Voskens fortgeführt
-und 1780 von Enschedé erworben. Wie die Erwerbung der Elzevierschen
-Schriftgiesserei durch Enschedé geschah, ist bereits (S. 247) erzählt.
-
- _Specimen_ der
- Enschedés.
-
-Leider gab es eine Zeit, wo man nicht, wie heute, diese Schätze
-genügend würdigte, und zu Anfang unseres Jahrhunderts wanderte eine
-grosse Masse von Stempeln unter das alte Eisen und die wertvollen
-Matern in die Schmelztiegel, so dass von vielen Schriften nur ein
-Minimal-Quantum übrig geblieben ist, allenfalls gross genug, um damit
-einige kleine Wiederabdrücke für den Liebhaber herstellen zu können. Um
-so mehr muss man den Enschedés dankbar sein, dass sie Abdrücke dieser
-Schätze, nachdem sie schon mehrere ähnliche Proben gedruckt hatten, in
-einem „_Specimen de caractères typographiques anciens, qui se trouvent
-dans la collection typographique de Joh. Enschedé et fils, imprimeurs
-à Harlem_“ vereinigten[12], denn diese Probe enthält nur solche
-Schriften, von welchen die Stempel und Matern nicht mehr existieren,
-sie führt uns somit die ältere Geschichte der Schriftgiesserei in
-Holland vor Augen und wir müssen deshalb bei ihr verweilen. Den Anfang
-machen die grossen Kapitalbuchstaben, überschrieben _chalcographia
-sive typi aenei et matrices plumbeæ_. Diese Schriften rühren aus der
-Zeit Albrecht Dürers her und tragen die Spuren seines Einflusses: die
-Stempel waren aus Kupfer, die Matrizen aus Blei, wie in der ersten Zeit
-der Buchdruckerkunst. Auf 12 Grade Antiqua-Versal, 8 Grade Cursiv,
-12 Grade schattierte und verzierte Antiqua und 3 Grade schattierte
-Cursiv folgen die Antiqua- und Cursiv-Buchschriften in breiterem und
-schmälerem Schnitt, von der groben Canon bis abwärts zur _Non plus
-ultra_.
-
- [12] Eine Anzahl dieser Schriften ging in den Besitz von Karl
- Tauchnitz in Leipzig über und befindet sich jetzt in der
- dortigen Offizin W. Drugulin.
-
-Darauf folgen die berühmten holländisch-gothischen Schriften
-(_Flamand_), ebenfalls von der groben Canon bis _Non plus ultra_,
-in einer Reinheit des Schnittes und einer Schärfe des Gusses, als
-wären sie heute aus den Händen des Schriftschneiders und des Giessers
-gekommen.
-
-Was von den gothischen Schriften gilt, lässt sich auch auf die
-Fleischmannschen Musiknoten anwenden, welche Veranlassung zu einer
-heftigen Polemik mit Breitkopf gaben. Höchst interessant ist eine
-Reihe von zwanzig Schreibschriften (_Coulé_), unter ihnen die von
-Fleischmann, „_den grootsten en konstigsten Letter-Stempelschnyder, die
-'er ooit in de Wæreld geweest is, en mogelyk komen zal_“, welche er
-1768 vollendete. Dann folgt die merkwürdige, sehr sauber und korrekt
-ausgeführte _Civilité_, die ihren Namen von einem im 15. Jahrhundert
-in Paris erschienenen Büchlein: „_La civilité puérile et honnête_“
-hat. Nach diesen schönen, im besten Stil ausgeführten Schriften bildet
-allerdings die _Ecriture Allemande_ keinen besonders günstigen Schluss,
-so wenig wie eine sehr magere, abscheulich geschnittene _Cicero
-Allemande_, die einzige Frakturschrift in der Probe, einen schönen
-Übergang zu zwei alten gothischen Schriften, die zwischen 1470-1480
-geschnitten sind.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-XII. KAPITEL.
-
-ENGLAND. NORDAMERIKA.
-
- Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn de Worde,
- Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day, Th. Vautrollier, Th.
- Roycrofft, Sam. Palmer, Sam. Richardson. □Oxford□, □Cambridge□. Die
- schottische und die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged.
- Das Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei.
-
- NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James Franklin,
- Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer und ihre Presse.
- Christoph Sauer und seine Nachkommen.
-
-
- Kämpfe der eng-
- lischen Presse.
-
-DIE englische Presse, welche später einer Freiheit geniessen und eine
-Macht erlangen sollte, um welche der Kontinent das Inselland beneiden
-musste, hatte in ihrem Beginn schwere Kämpfe zu bestehen. Bevormundung
-mancherlei Art und Privilegien spielen eine grosse Rolle in der
-englischen Buchdrucker-Geschichte. So lange der erste Buchdrucker
-Caxton noch ohne Rivalen dastand, waren keine Privilegien notwendig,
-als aber die Zahl der Buchdrucker wuchs, entstand auch der Wunsch
-eines Schutzes. Schon 1504 wird William Fawkes als _regius impressor_
-genannt, d. h. als berechtigt alle Regierungsarbeiten herauszugeben.
-Das erste ausschliessliche Privilegium für den Druck eines Buches
-wurde an Richard Pynson 1518 erteilt, später mit solchen sehr freigebig
-umgegangen. In diesen Privilegien finden sich auch die ersten Spuren
-der Anerkennung eines geistigen Eigentumsrechtes, wennauch mehr in dem
-materiellen Interesse des Verlegers als dem des Autors. Die Privilegien
-gewährten nicht allein Schutz, sie waren auch eine Art von Empfehlung.
-
-Der Druck „vieler ketzerischer und aufrührerischer“ Bücher war unter
-der Regierung der Königin Maria Veranlassung, dass die Buchdrucker,
-die, wie in Deutschland, zugleich Buchführer waren, 1556 in der
-Genossenschaft _Stationers' company_ vereinigt wurden. Eigentlich
-handelte es sich nicht um ein neues Institut, denn schon 1403
-bestand eine Vereinigung von Abschreibern, Rubrikatoren, Briefmalern,
-Papiermachern und Manuskriptenhändlern. Die Vorsteher waren für die
-einzelnen Mitglieder verantwortlich und nur solche durften Bücher
-drucken. Einige Jahre nachher wurde verfügt, dass jeder, der ein Buch
-druckte, es in das Register des Vereins eintragen lassen müsse, was ihn
-gegen den Nachdruck seitens anderer Mitglieder schützte.
-
- Privilegien, Ver-
- bote und Strafen.
-
-Daneben blieben aber königliche Privilegien fortbestehen, die vielfach
-an Personen ausserhalb des Vereins erteilt und dann für grosse Summen
-an Mitglieder zur Ausnutzung verpachtet wurden. 1559 verordnete die
-Königin Elisabeth sogar, dass kein Buch ohne besondere Erlaubnis von
-ihr oder den von ihr dazu bevollmächtigten Personen erscheinen durfte.
-Dies wurde jedoch nicht allgemein befolgt, weshalb 1566 Konfiskation,
-Konzessionsentziehung, Gefängnisstrafen und Bürgschaftsscheine, kurz
-der ganze Apparat der Presspolizei-Massregeln eingeführt wurde, welchen
-man in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Deutschland so gut zu
-kopieren verstand. Da aber die Beschwerden immer noch nicht aufhörten,
-wurde bestimmt, dass mit Ausnahme der Universitätspressen in Oxford
-und Cambridge nur in London gedruckt werden dürfte. Unter Karl □i.□
-wurden auf Antrieb des Erzbischofs Laud 1637 sehr scharfe Verordnungen
-gegen den Buchhandel und die Presse erlassen und die Zahl der Londoner
-Buchdrucker auf 20 beschränkt, die der Schriftgiessereien auf 4.
-Dieselben durften nur je zwei Lehrlinge halten und waren solidarisch
-verpflichtet, alle Gehülfen zu beschäftigen, denn kein Gehülfe durfte
-feiern. Nur zu dem Abbrechen der Buchstaben war es gestattet, nicht
-gelernte Arbeiter zu nehmen.
-
- Die Chapel.
-
-In den Druckereien bildete das Personal eine sogenannte Kapelle und
-der älteste Gehülfe war der Vater der Kapelle. Eine Hauptaufgabe
-derselben war, durch Strafbestimmungen der Kasse vielen Stoff
-zuzuführen, so war es z. B. strafbar, seinen Winkelhaken fallen, oder
-drei oder mehr Buchstaben auf der Erde liegen zu lassen u. dgl. m.
-Die Strafen wechselten von 1-12 Pence; wer widerspenstig war, wurde
-über den Korrigiertisch gelegt und bekam zehn Pfund und einen Beutel
-dazu, d. i. elf Schläge auf einen gewissen Teil des Körpers. Jeder
-Neueintretende musste sein _Bienvenue_ zahlen. Ein sehr beliebtes Spiel
-war das Raffeln mit Gevierten. Der, welcher die meisten Signaturen
-nach oben warf, war der Gewinner. Jedes Jahr wurden neue Papierfenster
-eingesetzt, da musste der Prinzipal eine Stoppelgans mit den nötigen
-Flüssigkeiten zum besten geben, bei welcher Gelegenheit man zugleich
-die mit der Druckerei Verkehrenden, mit Ausnahme der Korrektoren,
-brandschatzte. Die Setzer nannte man nach den Satzschiffen (_galleys_)
-Galeerensklaven.
-
- Die Republik.
-
-Die Versuche, während der Republik die Bücher dem freien Verkehr zu
-übergeben, blieben fruchtlos. 1643 erliess das Parlament eine Akte
-zur Unterdrückung der Missbräuche und Unordnungen. Dem Nachdruck trat
-man zwar entgegen, sogar der Buchbinder wurde durch das Binden von
-Nachdrucken strafbar, dagegen beschränkte man die Presse durch neue
-Edikte weiter und das Erscheinen der Bücher ward von einem vorherigen
-Erlaubnisschein (_license_) abhängig gemacht, was Milton zu seiner
-berühmten Rede für die Pressfreiheit Veranlassung gab.
-
- Wiedereinfüh-
- rung des König-
- tums.
-
-Die Wiedereinführung des Königtums hatte auch keine grössere Freiheit
-im Gefolge und es kam noch 1663 die Anordnung dazu, drei Exemplare
-jedes gedruckten Werkes an die Bibliotheken abzuliefern. Erst 1694
-wurden die letzten Restriktivmassregeln gegen die Presse aufgehoben und
-von dieser Zeit ab kann man England als im Besitz einer freien Presse
-betrachten.
-
-Mit dem ersten Viertel des □xviii.□ Jahrhunderts hatte London 75
-Buchdruckereien, die Provinzen deren 28. In London erschienen an
-Zeitungen 3 täglich, 10 dreimal die Woche, 5 einmal wöchentlich. Der
-Zeitungsstempel wurde 1712 eingeführt.
-
- Das geistige
- Eigentumsrecht.
-
-Mit der Anerkennung des geistigen Eigentums war es auch schlecht genug
-bestellt, und das Verlagsrecht wurde eigentlich als ein dem König
-gehörendes betrachtet. Erst 1709 wurde das Autorrecht auf vierzehn
-Jahre garantiert und, wenn der Autor beim Ablauf dieser Frist am Leben
-war, auf noch weitere vierzehn Jahre.
-
- * * * * *
-
- Berühmte Buch-
- drucker.
-
-Unter den Ausübern der Buchdruckerkunst in England befanden sich
-zwar manche tüchtige Männer und die Kunst machte auch nach ihrer
-Einführung durch Caxton rasche Fortschritte; aber von solchen
-hervorragenden Familien, wie wir sie in Italien, Frankreich und
-Holland kennen gelernt haben, deren Mitglieder gleich bedeutend als
-Gelehrte und Kunstjünger waren, hören wir ebensowenig wie von solchen
-zeichnenden Künstlern ersten Ranges, wie die, welche eine Reihe von
-xylographisch-typographischen Kunstwerken in Deutschland schufen.
-Die Vorzüge der Engländer als Buchdrucker treten erst in der spätern
-Periode der Kunst, wo die Mechanik eine hervorragende Stelle einnimmt
-und die Buchdruckerei sich mehr dem Fabrikbetrieb nähert, in helles
-Licht.
-
-Unter den mit Caxton nach England gekommenen Buchdruckern zeichnen sich
-namentlich Wynkyn de Worde und Richard Pynson aus.
-
- Wynkyn de
- Worde.
-
-□Wynkyn de Worde□ war in Lothringen geboren und ward Mitarbeiter
-und Nachfolger Caxtons, den er als Drucker bedeutend übertrifft. Er
-vollendete in dem Caxtonschen Lokal mehrere, von diesem unvollendet
-hinterlassene Werke, unter welchen die _Canterbury tales_. Später,
-wahrscheinlich 1499, bezog er die „Goldene Sonne“ in St. Bride, wo er
-eine grosse Anzahl, über 400, sehr sorgsam ausgestatteter Werke aus
-allen Fächern, namentlich jedoch grammatikalischen Inhalts, ausführte.
-Seine Typen sind ganz verschieden von den bis dahin verwendeten und
-zeichnen sich durch Schönheit des Gusses und vorzügliche Zurichtung
-aus. Wahrscheinlich war Wynkyn de Worde selbst Schriftgiesser,
-wenigstens deutet der Umstand, dass seine Schriften sich in den Werken
-anderer Druckereien häufig vorfinden, darauf hin. Selbst, wenn es nicht
-der Fall wäre, verdient Wynkyn de Worde als einer der bedeutendsten
-Typographen seiner Zeit geschätzt zu werden. Ob er oder Pynson die
-Antiqua zuerst in England verwendete, lässt sich nicht bestimmt
-entscheiden. Eins seiner schönsten Bücher ist der _Polychronikon_
-in Folio, aus d. J. 1495. Er starb hochbetagt 1534, wennauch eine
-Ausgabe von „Esop“ aus dem Jahre 1535 noch seinen Namen trägt. In
-seinem Druckerzeichen verband er das Monogramm Caxtons mit dem eigenen
-Namen. Mit seinem früheren Kollegen bei Caxton, jetzigem Rival, Pynson,
-verblieb er in dem besten Vernehmen.
-
- Richard Pynson.
-
-□Richard Pynson□ stammt wahrscheinlich aus der Normandie. Er stand sehr
-in Gunst bei Hofe und wurde von Heinrich □viii.□ zum Hofbuchdrucker
-ernannt. Mehr als 200 Werke gingen aus seinen Pressen hervor, sie
-waren hauptsächlich mit einer, mutmasslich aus Frankreich bezogenen
-Art semigothischer Schrift gedruckt, und reicher illustriert, als die
-Druckwerke seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Er starb um das Jahr
-1529.
-
- Julian Notary.
-
-□Julian Notary□ druckte 1498 zusammen mit □Jean Barbier□, einem
-Franzosen und einem der vorzüglichsten Typographen damaliger Zeit. Man
-kennt aus ihren Pressen 23 Druckwerke.
-
- Richard Grafton.
-
- Will. Tyndales
- Bibel.
-
-Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist □Richard Grafton□, der
-wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs □viii.□
-geboren ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte.
-Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch
-ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten
-der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name
-ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen
-Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele
-Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit
-wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die
-Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein
-bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte
-lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es
-William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur
-im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des
-Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der
-ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der
-Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb
-eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das
-Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns
-Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene
-Vernichtungskrieg wurde so gründlich durchgeführt, dass von 3000
-Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale
-beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin
-Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte
-die Rache den Urheber. Kaiser Karl □v.□ liess sich bestimmen, Tyndales
-Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher
-Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth
-kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe
-Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche
-Übersetzung in grossen Massen nach.
-
- Myles Coverda-
- les Bibel.
-
-Zwar änderte Heinrich □viii.□, wenn nicht seine Gesinnung, so
-doch seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des
-Bandes, welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht
-hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine
-Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien
-die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung
-Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph
-Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben
-glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls □v.□ reichte. Die nach
-derselben bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im
-Auslande, wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton
-in Verbindung mit □Edward Whitchurch□ eine Bibel in Paris drucken, die
-aber in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz □i.□
-mit Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann
-und Abgesandter Heinrichs □viii.□ in Deutschland, heiratete später nach
-der Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe.
-
- Cranmersche
- Bibel.
-
-Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die
-1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder
-die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht
-Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein
-zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex,
-interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben,
-dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte
-auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus.
-Eines seiner schönsten Werke ist _Edw. Halles Chronicle_.
-
-In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als
-königlicher Buchdrucker nach Eduards □vi.□ Tode die Proklamation Jane
-Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage
-und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich
-eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von
-ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker
-davon. Er starb um 1572.
-
- John Bydells
- Bibel.
-
-Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu
-erwähnen die □John Bydells□, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe
-der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“
-genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine
-Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen.
-
- Die autorisierte
- Bibel.
-
-Im Jahre 1604 wurden grosse Anstrengungen gemacht, um eine neue
-tüchtige Bibelübersetzung zu bewerkstelligen. Ein Edikt Jakobs □i.□
-stellte die Ernennung einer Kommission von 54 gelehrten Männern fest,
-welche, in 6 Sektionen geteilt, die Übersetzung besorgen und sich
-gegenseitig in der Arbeit kontrollieren sollten. Das Werk wurde 1611
-durch □George Backer□ fertiggestellt.
-
- George Baker
- u. George Lucas.
-
-Teuer sollte diesem und □George Lucas□ ein Druckfehler, die Weglassung
-des Wortes „nicht“ aus dem □vii.□ Gebot, in einer von ihnen 1632
-gedruckten Bibel zu stehen kommen. Die Auflage wurde konfisciert
-und die Drucker zu einer Busse von 3000 £ verurteilt. Dieses Geld
-wurde nach Bestimmung des Königs Karl □i.□ grossenteils zum Ankauf
-von griechischen Matern und Typen verwendet, welche den königl.
-Buchdruckern zur Benutzung überlassen werden sollten, die dagegen
-jährlich wenigstens ein griechisches Buch auf ihre Kosten zu drucken
-hatten.
-
- John Field.
-
-Durch seine schlecht gedruckten Bibeln zeichnete □John Field□ sich
-aus (um 1650). Es wurde ihm sogar nachgesagt, er habe sich von den
-Independenten bestechen lassen, eine Stelle nach ihren Ansichten zu
-fälschen. In einer seiner Bibelausgaben sind 3600 Fehler nachgewiesen,
-man sagt sogar, die Zahl sei eine noch viel höhere.
-
- Thomas Roy-
- crofft.
-
-Eine in der englischen Bibeldruckgeschichte epochemachende Erscheinung
-ist die von Thomas Roycrofft (geb. 1718) gedruckte Waltonsche
-Polyglottbibel in sechs Foliobänden, in welchen neun Sprachen
-repräsentiert sind. Der erste Band erschien 1654, der letzte 1657; es
-war das erste Werk, welches in England auf Subskription erschien. Das
-Exemplar wurde zu 10 Pfund Sterl. geliefert und man sammelte bereits
-in zwei Monaten 900 Subskribenten. Sowohl Cromwell als Karl □ii.□
-unterstützten das Unternehmen und Cromwell gewährte Steuerfreiheit für
-das Papier. Als nach Cromwells Tode König Karl □ii.□ an die Regierung
-gekommen war, liess Walton einige Dedikationsblätter, auf welchen er
-sich dankend gegen Cromwell ausgesprochen hatte, durch andere, dem
-König schmeichelhafte ersetzen, weshalb man von zwei Ausgaben, der
-republikanischen und der loyalen, spricht.
-
-Als ein Appendix ist ein anderes grossartiges, durch Roycrofft
-gedrucktes Werk, das _Lexicon Heptaglotton_ des Dr. E. Castell, 2 Bände
-in Folio 1669, zu betrachten. Der Verfasser setzte leider dabei nicht
-allein sein Vermögen von 12000 Pfund Sterl. zu, sondern stürzte sich
-auch noch in Schulden. Siebzehn Jahre hatte er täglich 16-18 Stunden
-daran gearbeitet und er musste ausserdem noch vierzehn Hülfsarbeiter,
-die sämtlich während des Druckes starben, in seinem Hause unterhalten.
-An diese beiden Unternehmungen schliessen sich die 1660 in 9
-Foliobänden erschienenen: _Critici sacri_ gedruckt von □Cornelius Bee□
-als verwandtes drittes.
-
- Reynold Wolfe.
-
-Sehr in Gunst am Hofe Heinrichs □viii.□ stand der Deutsche oder
-Schweizer □Reynold Wolfe□ (gest. 1574). Er war der erste Buchdrucker,
-der ein Patent erhielt, um lateinisch, griechisch und hebräisch zu
-drucken, und wurde überhaupt durch die vorteilhaftesten Privilegien
-begünstigt. Er druckte fast alle Schriften des Erzbischofs Cranmer.
-
- John Day.
-
-Als ein sehr tüchtiger Mann zeigte sich □John Day□. Er war in Suffolk
-geboren und hatte ein Geschäft von grosser Ausdehnung, das er während
-der Jahre 1544-1583 betrieb; doch setzte er seine Wirksamkeit,
-wie Grafton und Whitchurch die ihrige, während der Regierung der
-Königin Marie aus und gab sich in dieser Zeit mit Verbesserungen und
-Erfindungen ab. Seine schönen Schriften verschafften ihm den Namen
-des englischen Plantin und er brachte die Antiqua- und Cursivtype zu
-einer solchen Vollkommenheit, dass von nun ab die gothische Schrift
-(_Black letters_) so gut wie verschwand; auch die griechische Schrift
-vervollkommnete er und liess angelsächsische Typen schneiden. Von
-seinen Druckwerken nennen wir _Cosmographical glasse_ (1559), mit seiner
-schönen Cursiv gedruckt und reich illustriert. Besonders geschätzt ist
-sein _Queen Elizabeth's Prayerbook_, eins der wenigen englischen Bücher,
-die in der Ausführung sich mit den französischen _livres d'heures_
-messen können. Als sein Hauptwerk gilt _Fox's book of martyrs_ mit sehr
-guten Illustrationen. Day starb, reich an Jahren und Ehren, 1583. Er
-war zweimal verheiratet und hatte mit jeder seiner Frauen 13 Kinder.
-
-Mit Ruhm verdient noch □Thomas Vautrollier□ (1574-1588) aus Paris oder
-Rouen genannt zu werden, vorzüglich wegen seiner Ausgaben der Werke
-des 1600 in Rom verbrannten Giordano Bruno. Um Verfolgungen deshalb
-zu entgehen, zog er eine zeitlang nach Edinburgh, wo er vieles dazu
-beitrug, die dortige Buchdruckerkunst auf eine höhere Stufe zu bringen.
-Man kennt von ihm 78 Werke.
-
- Thomas Guy.
-
-Mit Dank zu erwähnen, wennauch nicht auf Grund seiner typographischen
-Leistungen, die sehr primitiver Natur waren, ist □Thomas Guy□ (gest.
-1724). Mit der Universität Oxford schloss er einen Vertrag ab,
-nach welchem er den Druck der heiligen Schriften in die Hand nahm.
-Hierdurch und durch Spekulationen, die jedoch zu den nicht allzu gut
-angeschriebenen gehörten, verdiente er ein kolossales Vermögen, von dem
-er aber für sich keinen Gebrauch machte, indem er im Gegenteil ärmlich
-und unverheiratet lebte. Mit einem Aufwand von einer viertel Million
-Pfund liess er das nach ihm genannte Hospital in London erbauen und
-machte ausserdem zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken grosse
-Schenkungen.
-
- Sam. Palmer.
-
-Bekannt durch die nach ihm benannte _History of printing_ war □Samuel
-Palmer□ (gest. 1732). Dieses Werk rührt jedoch nicht von Palmer selbst
-her; der eigentliche Verfasser hiess Palmanazar, und der zweite,
-praktische Teil, der noch folgen sollte, musste aufgegeben werden,
-weil seitens der Kollegen und der Schriftgiesser sich ein wahrer
-Sturm der Entrüstung gegen die durch ein solches Lehrbuch vermeintlich
-entstehende Schädigung des Gewerbes und Entwürdigung der Kunst erhob.
-
- John Barber.
-
-Im Jahre 1741 starb □John Barber□, der erste Buchdrucker Londons, der
-die Würde eines Lord Mayors bekleidete. Er stand in naher Berührung mit
-bedeutenden Männern seiner Zeit wie Lord Bolingbroke, Swift, Pope und
-anderen.
-
- S. Richardson.
-
-Bekannt als Schriftsteller, Buchhändler und Buchdrucker ist □Samuel
-Richardson□, der berühmte Verfasser der Romane „_Pamela_“, „_Clarissa
-Harlowe_“, „_Grandison_“ und anderer Werke. Er war 1689 als Sohn eines
-respektablen Tischlers geboren. Obwohl er nur eine ganz gewöhnliche
-Erziehung genossen hatte, gab er bald Beweise seines ausserordentlichen
-Talentes. In seinem fünfzehnten Lebensjahre entschied er sich aus
-Neigung für den Buchdruckerberuf. Nach sieben schweren Lehrjahren
-arbeitete er sechs Jahre als Gesell und Korrektor, worauf er selbst
-ein Geschäft anfing, in welchem er sich durch seine Pünktlichkeit
-und Ordnungsliebe bald Vertrauen erwarb. Er druckte unter anderen die
-ersten 26 Foliobände des Journals des Unterhauses. Richardson starb
-nach längeren Leiden, 72 Jahre alt, am 4. Juli 1761, nachdem ihm sechs
-Söhne im Tode vorausgegangen waren.
-
- Oxford.
-
- Cambridge.
-
- York.
-
-In OXFORD wurde die Buchdruckerei 1478 durch □Theodor Rood□ aus Köln
-und □Thomas Hunt□ eingeführt. Von 1486 bis 1585 ist eine vollständige
-Lücke in der Druckgeschichte Oxfords mit Ausnahme der Jahre 1517-1519.
-Nach der Begründung des _Sheldonian theatre_ im Jahre 1669 wurden
-hier durch 50 Jahre viele vortreffliche Werke gedruckt und erst 1759
-verschwindet die Bezeichnung _e theatro Sheldoniano_. Die später
-so berühmte sogenannte _Clarendon Press_ trat 1713 in Wirksamkeit.
-Der Sohn Lord Clarendons hatte das Manuskript seines Vaters zu der
-Geschichte der englischen Revolution der Universität geschenkt und
-mit dem Erlös aus den gedruckten Exemplaren wurde die Druckerei,
-aus welcher eine grosse Anzahl wertvoller Werke hervorgegangen ist,
-gegründet. Um die Beschaffung von orientalischen und anderen Typen
-machte sich namentlich der Bischof Fell verdient. Im Jahre 1672
-wurden 4000 £ zum Ankauf von Typen in Holland, Frankreich und England
-bestimmt, da derzeit keine Schriftgiesserei in England im Gange war.
-Eine solche erhielt Oxford 1677. Die Universitätsbuchdruckereien in
-Oxford und Cambridge erwarben auch das Alleinrecht auf den Druck der
-heiligen Schriften und der englischen liturgischen Bücher. In CAMBRIDGE
-wurde die erste Presse um 1520 durch □Joh. Siberch□, einen Freund des
-Erasmus, errichtet. In YORK druckte □Hewe Goes□ aus Antwerpen, 1509 bis
-1516, in welchem letzteren Jahre er nach London übersiedelte.
-
- Schottland.
-
-Nach SCHOTTLAND kam die Kunst 1507 durch □Walter Chepman□, der Kaufmann
-war und sich mit einem Praktiker □Andreas Myllar□ verband. Nach Chepman
-ruhte die Pressthätigkeit Schottlands fast 30 Jahre lang. Erst im Jahre
-1576 wurde die heilige Schrift von □Thomas Bassandyne□ gedruckt; selbst
-in diesem Jahre besass Schottland weder griechische noch hebräische
-Schriften. Während der Bürgerkriege suchte jede Partei, welche die
-Macht hatte, hier wie in England die Presse auf jede mögliche Weise zu
-knechten. 1648 wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten,
-ohne Erlaubnis des _Committee of Estates_ etwas zu drucken. 1661
-erschien die erste Zeitung: _Mercurius Caledonicus_.
-
-1671 erhielt □Andreas Andersen□, in Vertretung auch anderer
-Buchdruckereien Edinburghs, soweit gehende Privilegien, dass kein Buch
-ohne Andersens Erlaubnisschein gedruckt werden konnte. Später trat
-jedoch eine Beschränkung des Privilegs auf Parlamentsakte und heilige
-Schriften, so wie auf 41 Jahre ein. Andersen selbst druckte das Neue
-Testament so fehlervoll, dass es verboten wurde. Mit □James Watson□,
-der sich 1695 in Edinburgh etablierte, lag er in fortwährendem Hader,
-da Watson, Andersens Privilegium zum Trotz, druckte was er Lust hatte,
-bis ihm die Königin Anna durch ein Patent 1711 das Recht zum Drucken
-erteilte. Er veröffentlichte nun eine Reihe tüchtiger und sehr gut
-ausgestatteter Werke, von welchen ein Neues Testament aus d. J. 1715
-von „unvergleichlicher Schönheit“ war.
-
- Die Stereotypie.
-
-Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege
-der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst
-konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke
-aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne
-dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu
-stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich
-nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in
-dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar
-nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren
-bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da
-in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer
-Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten
-der Buchstaben zusammenlötete, dadurch ging die Schrift aber für jeden
-anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und
-Joh. Müllers kennen gelernt.
-
- William Ged.
-
-Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt
-von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer □William
-Ged□ zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen
-das Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er
-sich mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die
-Sache wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging
-nun 1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den
-Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer
-Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged
-erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer
-Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der
-grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen,
-unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang
-es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des
-Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die
-sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag
-nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören,
-sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für
-die Praxis vollständig bewähren.
-
- Andr. und Rob.
- Foulis.
-
-Bedeutende Buchdrucker waren □Andreas Foulis□ († 1774) und □Robert
-Foulis□ († 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche
-Ausgaben von Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene
-fehlerfreie Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands
-errichtete □Alex. Wilson□ und □Bain□ 1742 in St. Andrews. Bei ihrer
-zunehmenden Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach
-Gamalachie, einem Dorfe bei Glasgow.
-
- Irland.
-
-In IRLAND wurde erst 1551 durch □Humfrey Powell□ gedruckt und es
-dauerte lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische
-Typen wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh.
-Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des □xviii.□ Jahrh. wurden beinahe
-alle bedeutenden Werke ausser Landes hergestellt. Später entstand in
-dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind.
-
- * * * * *
-
- Zeitungswesen.
-
-Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte
-Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf
-zu bestehen[1].
-
- [1] □N. Drake□, _Essays etc. of the Tatler, Spectator
- and Guardian_. 3 Bde. London 1814. -- □Jul. Duboc□,
- Geschichte der engl. Presse nach J. Grant. Hannover 1873.
-
-Zur Zeit des Auslaufens der spanischen Armada (1588) fühlte die Königin
-Elisabeth das Bedürfnis, durch Mitteilungen über den genauen Stand der
-Sachen dahin zu wirken, dass die Besorgnisse betreffs der wirklichen
-Gefahren nicht durch unnötige Furcht vor nicht vorhandenen vermehrt
-würden. Sie ordnete deshalb das Erscheinen von _The english Mercurie
-published by Autoritie_ an. Es erschienen hiervon 54 Nummern. An
-Nachfolgern, unter den Titeln _Mercurius_, _Gazette_, _Diurnal_ etc.,
-fehlte es nicht. Darunter waren _Certain news of the present week_,
-wahrscheinlich das erste politische Wochenblatt, _Imperial and spanish
-news_, das zweite.
-
- Der _Tatler_ und
- der _Spectator_.
-
- _Gentlemans
- Magazine._
-
-Von den periodischen Erscheinungen, die auch auf Belehrung und
-Unterhaltung des Publikums berechnet waren, hatten namentlich der
-von 1709 ab dreimal wöchentlich erscheinende _Tatler_ (der Plauderer)
-herausgegeben von Rich. Steele, als Pseudonym Isaac Bickerstaff, und J.
-Addisons, 1711 begonnener, _Spectator_ (Zuschauer) einen bedeutenden
-Leserkreis und grossen Einfluss. Ein Schlag für diese Blätter und die
-ganze periodische Presse war der 1712 eingeführte Stempel von einem
-halben Penny für Blätter von einem halben Bogen, von einem Penny für
-jeden Bogen. Hierdurch wurde der Preis von manchem Blatt verdoppelt,
-wodurch die Abnehmerzahl sich verminderte, was wieder zu weiteren
-Preiserhöhungen nötigte. Der _Spectator_ war das einzige Blatt, das,
-ohne an Verbreitung einzubüssen, den Preis hatte verdoppeln können.
-1731 begann das bis auf den heutigen Tag beliebte: _The gentlemans
-Magazine_. Von allen konkurrierenden Blättern hatte nur das _London
-Magazine_, von einem Consortium Londoner Buchhändler kräftigst
-begonnen, eine grosse Verbreitung (10000 Expl.) und einen längeren
-Bestand.
-
- Beliebte Werke.
-
-Der Prototyp aller Konversations- und Fachlexika war das 1719
-erscheinende _Dictionary of arts and science_. Unter den Werken, die
-dem Buchhandel und den Buchdruckereien grossen Verdienst bereiteten,
-ist Dan. Defoes († 1731) _Robinson Crusoe_, das, abgesehen von den
-vielen Nachahmungen, in der ursprünglichen Gestalt, 41 Auflagen
-erlebte. Bunyans: The _pilgrim's progress_ wurde fortwährend neu
-gedruckt. Shakespeare war noch nicht populär; die erste gesammelte
-Ausgabe seiner Bühnenstücke erschien, von zwei Schauspielern
-herausgegeben, 1623, in fol. Bis 1664 gab es von seinen Werken nur
-zwei Ausgaben, zusammen in kaum mehr als 1000 Exemplaren gedruckt. 1676
-erschien _General Catalogue of books 1666-1676_, von Rob. Clavel, nach
-Fächern zusammengestellt und bis 1700 fortgesetzt.
-
- * * * * *
-
- Schriftgiesserei.
-
-Dass die englische Buchdruckerei nicht ohne eine entsprechende
-Entwickelung der Schriftgiesserei zur Blüte hatte gelangen können, ist
-selbstverständlich. Die Zahl der Schriftgiessereien, die, wie erwähnt,
-anfänglich auf vier beschränkt war, ist bis heute eine verhältnismässig
-kleine geblieben. Von Bedeutung war □Thomas James□. Im Jahre 1710
-kaufte er Matrizen in Holland und gründete nach seiner Rückkehr eine
-Giesserei. In Verbindung mit Ged hatte er auch in der Stereotypie
-experimentiert, was ihm direkt und indirekt Schaden brachte, denn
-seine Kunden, die Buchdrucker, betrachteten das Verfahren mit scheelen
-Augen als ein ihnen nachteiliges. Nach dem Tode von Thomas James (1736)
-vereinigte der Sohn □John□ mehrere ältere Giessereien mit der seinigen
-und gelangte dadurch in Besitz einer grösseren Anzahl von Matrizen von
-der Zeit Wynkyn de Wordes bis auf die seine. Später erwarb □Rowe Mores□
-(geb. 1730) das Geschäft. Er ist bekannt als Verfasser eines Werkes
-über Schriftgiesserei und starb 1778 in unglücklicher Lage.
-
- Will. Caslon.
-
-Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war □William Caslon□,
-der England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in
-Cradley, Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur
-und bewies als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit.
-Gelegentlich fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben
-kamen dem Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und
-Genauigkeit derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande
-sein würde, den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen,
-und er verhiess ihm seine Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine
-Schriftgiesserei errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £
-und er fing nun mit Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft
-bekam er den Auftrag eine arabische Schrift zu schneiden. Als
-Unterschrift seiner Firma hatte er sich einiger von ihm geschnittener
-Antiqua-Buchstaben bedient, von welchen Sam. Palmer so entzückt war,
-dass er ihm auftrug, die ganze Schrift zu schneiden. Später wurde
-dies dem Palmer leid, da er gute Gründe hatte, es nicht mit den
-anderen Schriftgiessereien zu verderben, die durch Caslons überlegene
-Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er suchte deshalb Caslon von
-seinem Vorhaben wieder abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang.
-Caslon wendete sich an den Buchdrucker William Bowyer den älteren, mit
-dessen Hülfe nun seine prachtvolle Antiqua-Garnitur, die an Klarheit,
-Leserlichkeit und Gleichmässigkeit nicht viele ihresgleichen hat,
-vollendet wurde. In der Zeit von 1720-1780 wurden fast alle Werke von
-Bedeutung mit den Caslonschen Schriften gedruckt, die den Vergleich mit
-den Meisterwerken der früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen
-und von späteren nicht übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766,
-74 Jahre alt.
-
- * * * * *
-
-NORDAMERIKA.
-
- Die Presse Nord-
- amerikas.
-
-Die Presse Nordamerikas[2], welche in unserer Zeit eine so grossartige
-Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern
-überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in
-Wickeln“.
-
- [2] □Isaiah Thomas□, _The history of printing in America_. 2
- Bde. Albany 1874. -- □J. F. Fabricius□, Notizen über die
- Einführung und erste Ausbreitung der Buchdruckerkunst
- in Amerika. Hamburg 1841. -- □Fr. Kapp□, Der
- deutsch-amerikanische Buchdruck und Buchhandel im vorigen
- Jahrh. Leipzig 1878.
-
-Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie
-in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der
-Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische
-und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe
-darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen
-Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der
-vielen religiösen Sekten beizutragen, die in Amerika ein Asyl für
-das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden
-hatten.
-
- Joseph Glover.
-
-Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger
-□Joseph Glover□ zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei
-in England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe
-gründete darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE
-(Massachusetts), und das erste Buch, welches aus dieser hervorging,
-war _The Freemans Oath_ (1639). Die Offizin ward später nach Boston
-übergeführt und die Leitung □Stephan Daye□ übertragen, dem □Samuel
-Green□ folgte. Bei der Gründung der frühesten Druckereien in Amerika
-war in der Regel das Material Eigentum der Regierung oder einer
-Gesellschaft. Ein verantwortlicher Geschäftsführer wurde ernannt, der
-unter seinem Namen druckte. Oft blieb in dieser Weise die Leitung einer
-Buchdruckerei auf lange Zeit in einer Familie.
-
-Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im
-allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt,
-vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen
-sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte.
-1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein
-und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen
-Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden
-sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu
-sein.
-
- Boston.
-
-In BOSTON ward □John Forster□ mit der ersten Buchdruckerei belehnt, die
-zweite begann der schon erwähnte □Sam. Green□. Sie wurde von seinem
-Bruder □Bartholomeo□ fortgesetzt, der 1704 die erste amerikanische
-Zeitung _The Boston News Letter_ begann. 1709 erschien bei Green ein
-Psalter in indianischer Sprache mit der Bezeichnung: _Boston, printed
-by B. Green and F. Printer_. Letzterer, ein getaufter Indianer, war
-jedoch nicht Miteigentümer der Offizin, sondern Drucker daselbst, und
-sein Name wurde wahrscheinlich nur aus Klugheit auf den Titel gesetzt,
-um dem Buch bei den Indianern leichteren Eingang zu verschaffen.
-
- James Franklin.
-
-Im März 1717 kam □James Franklin□, älterer Bruder des berühmten
-Benjamin, mit einer Presse und mit Schriften nach Boston. Die Kunst
-hatte er in England gelernt, 1719 druckte er für Rechnung des Bostoner
-Postmeisters die zweite amerikanische Zeitung: _The Boston Gazette_.
-Als ihm der Druck derselben entzogen ward, gründete er selbst _The
-New England Courant_. Auf Grund von dessen freisinniger Richtung
-sollte dem James Franklin 1723 die Zensur auferlegt werden. Um dies zu
-umgehen, sprach er seinen Bruder Benjamin, der bei ihm lernte, los,
-und das Blatt erschien nun mit dem Impressum: _Boston, printed and
-sold by Benjamin Franklin_. James ging später nach Newport und gab die
-_Rhode-Island Gazette_ heraus. Er starb 1735.
-
- Benj. Franklin.
-
-□Benjamin Franklin□, dessen Ruhm ewig leben wird, war am 17. Januar
-1706 geboren. Gehört er auch nicht zu den Koryphäen der Typographie in
-der Bedeutung, wie ein Aldus, Elzevier, Stephanus, Didot, so werden die
-Jünger Gutenbergs ihn doch stets mit wahrem Stolz den ihrigen nennen,
-und er war seinerseits auch nicht nur dem Namen nach einer der ihrigen.
-
-Nach der Übernahme des _New England Courant_ scheint eine Spannung
-zwischen den Brüdern eingetreten zu sein. Aufgemuntert durch den
-Gouverneur von Philadelphia Sir William Keith, auf dessen Kosten dort
-eine Buchdruckerei, die Benjamin aus England holen sollte, anzulegen,
-ging er nach London. Aber die Kreditbriefe blieben aus und Franklin
-war, um zu existieren, genötigt als Gehülfe zu arbeiten. Nach seiner
-Rückkehr nach Philadelphia errichtete er zusammen mit einem gewissen
-□Meredith□ eine Buchdruckerei, die Verbindung wurde jedoch bald gelöst
-und nun entwickelte Franklin seine ganze ausserordentliche Thätigkeit.
-Er arbeitete von früh bis spät, schrieb seinen _Poor Richards
-almanack_, den er 25 Jahre lang herausgab, und gelangte zu Ansehen und
-Wohlhabenheit.
-
- Deutscher
- Druck Franklins.
-
-Mit der deutsch-amerikanischen Typographie ist Franklins Name
-enger verknüpft, denn seiner Presse entstammt der älteste
-aufgefundene deutsche Druck Amerikas, ein Büchlein von 96 Seiten
-in Duodez mit Antiqua gedruckt. Der Titel, der zugleich geeignet
-ist, eine Vorstellung von der Beschaffenheit der Anfänge der
-deutsch-amerikanischen Litteratur zu geben, lautet:
-
-„Goettliche Liebes und Lobesgethoene, welche in den Hertzen der kinder
-der Weiszheit zusammen ein und von da wieder ausgefloszen. □Zum Lob
-Gottes□ und nun von denen schuelern der himmlischen Weiszheit zur
-erweckung und aufmunterung in ihrem Creutz und leiden aus hertzlicher
-Liebe mitgetheilet. Dann mit lieb erfuellet sein, bringt Gott den
-besten Preisz Und giebt zum singen uns die allerschoenste weisz. Zu
-Philadelphia, Gedruckt bey Benjamin Franklin in der Marckstrasz 1730“.
-
- Verdienste
- Franklins.
-
-Franklins ausserordentliche Verdienste um die Wissenschaft, seine
-Stadt, seinen Staat und die ganze Menschheit können wir hier nur
-andeuten. 1752 erfand er den Blitzableiter, wofür die Universität
-Oxford ihn zum Doktor ernannte, eine damals seltene Ehre. Im
-bürgerlichen und Staats-Leben stieg er von Stufe zu Stufe, bekleidete,
-und zwar mit Auszeichnung, selbst den militärischen Posten eines
-Obersten in der, besonders durch ihn hervorgerufenen, freiwilligen
-Miliz. Als Agent für Pennsylvanien in England legte er der englischen
-Regierung, die mit Frankreich in Krieg verwickelt war, einen Plan
-zur Eroberung Canadas vor, der auch ausgeführt wurde und vollständig
-gelang. Zur Belohnung erhielt sein Sohn den Posten eines Gouverneurs
-von New-Jersey. Derselbe wurde jedoch, als er sich später nicht der
-Revolution gegen England anschloss, zwei Jahre gefangen gehalten.
-Bei Begründung der Konföderation wurde Benjamin als Abgeordneter
-Pennsylvaniens zum Kongress und dann zum Präsidenten dieses Staates
-gewählt, als welcher er die Universität Philadelphia gründete. In
-seiner Eigenschaft als nordamerikanischer Gesandter in Frankreich
-leistete er seinem Lande und dessen Unabhängigkeit die grössten
-Dienste. Die französische Akademie ernannte ihn zu ihrem Mitglied und
-der Präsident derselben, d'Alembert, begrüsste ihn mit dem berühmt
-gewordenen: _Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis_[3].
-
- [3] Dem Himmel entriss er den Blitz, den Tyrannen das Szepter.
-
-Bei seinem Tode am 17. April 1790 wurde eine vierwöchentliche
-Landestrauer angeordnet und die französische Nationalversammlung legte
-seinem Andenken zu Ehren eine dreitägige Trauer an.
-
-Als Franklins Zeit durch die öffentliche Angelegenheit zu sehr in
-Anspruch genommen wurde, hatte er erst □David Holl□ zum Teilnehmer
-am Geschäft genommen und ihm dann 1766 die Firma Franklin & Holl ganz
-übergeben. Hörte er auch damit auf, ein Mitglied des Buchdruckerstandes
-zu sein, so beweist doch seine, von ihm selbst verfasste Grabschrift,
-dass er demselben im Herzen treu geblieben war. Sie lautet:
-
- Franklins Grab-
- schrift.
-
-_The body of Benjamin Franklin, Printer, (like the cover of an old
-book, its contents worn out, and stript of its lettering and gilding)
-lies here, food for worms! Yet the work itself shall not be lost, for
-it will, as he believed, appear once more in a new and more beautiful
-edition, corrected and amended by its Author_[4].
-
- [4] „Hier ruht der Leib Benjamin Franklins, Buchdrucker
- (gleich dem Deckel eines alten Buches, dessen Inhalt
- herausgenommen ist und der seiner Aufschrift und
- Vergoldung beraubt wurde), Nahrung für die Würmer.
- Doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern
- einstens in einer neuen und schöneren, vom Verfasser
- durchgesehenen und verbesserten Auflage erscheinen.“ --
- Der Gedanke selbst war vielleicht nicht ganz original,
- wenigstens hat er grosse Ähnlichkeit mit einem von Joseph
- Capen in einem Leichencarmen auf John Foster in Boston
- ausgesprochenen.
-
- Baltimore und
- New-York.
-
-In BALTIMORE war der erste Buchdrucker □Nikolaus Hasselbaugh□, von
-deutschen Eltern in Philadelphia geboren. NEW-YORK erhielt erst 1693
-eine Offizin durch □William Bradford□ aus Philadelphia. Die zweite
-Buchdruckerei errichtete □Joh. Peter Zenger□ 1726. Dieser gab 1733 _The
-New-York weekly Journal_ heraus, das durch seine freisinnige Haltung
-Zenger Gefangenschaft eintrug, aus welcher ihn jedoch, nach Verlauf von
-acht Monaten, der Spruch der Geschworenen erlöste.
-
- Die deutschen
- Einwanderer.
-
-Wesentliche Verdienste erwarben sich die deutschen Ansiedler um die
-Presse. Die ersten derselben gehörten zumeist pietistischen Sekten
-an, und waren namentlich Anhänger und Freunde Ph. Jacob Speners. Will.
-Penn, der auf seinen Reisen dem erwähnten näher getreten war, forderte
-zur Einwanderung auf. Die zu diesem Zweck gebildete „Frankfurter
-Compagnie“ erwarb ein Stück Land, und der Grund zu Germantown, jetzt
-ein Teil von Philadelphia, ward gelegt.
-
-Die deutschen Einwanderer waren jedoch nicht allein der Frömmigkeit,
-sondern auch der Thätigkeit ergeben und bei ihren Mitbürgern gut
-angeschrieben. Die ersten deutschen Drucke sollen von den in Ephrata
-angesiedelten Wiedertäufern stammen, von ihren Büchern ist jedoch
-nichts auf uns gekommen, dagegen besitzt die Historische Gesellschaft
-in Philadelphia, die um die Sammlung der deutsch-amerikanischen Drucke
-sich sehr verdient gemacht hat, ihre Presse.
-
- Christoph Sauer.
-
-Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien eine
-schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz alles
-zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. Die
-grössten Verdienste erwarb sich □Christoph Sauer□ (Saur, Sower),
-geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines
-Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731
-lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown
-zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in
-Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte.
-
-Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen.
-Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne
-billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher
-bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war
-das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat
-feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder
-Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach
-Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es:
-„allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“.
-
-Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten
-deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische
-Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur
-und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus
-ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das
-Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben;
-die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals
-geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder
-Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“.
-Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um
-die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei
-alles wahr, was in der Zeitung stände.
-
- Sauers Bibel-
- druck.
-
-Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen
-lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst
-eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk
-von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren vollständig und
-in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen
-Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer
-Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst
-1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen
-und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland
-erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch
-gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss
-seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet.
-
- Christ. Sauer d. j.
-
-□Christoph Sauer□ d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte
-jedoch, wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und
-Andachtsbücher. Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern
-Bezug auf Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König
-Friedrich □ii.□ von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn
-der bedeutendste Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die
-Bibel druckte er noch in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast
-gänzlich von den Soldaten zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der
-Freiheitskrieg sich nach Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des
-Vaters sowohl als des Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften
-und guten Druck aus; auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der
-Sohn stand politisch auf Seiten der englischen Regierung und zog zu
-seinen Kindern nach Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei
-nahmen. Er ward als Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er
-nach seiner Rückkehr zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen
-Lebensabend verbrachte der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen
-Verhältnissen, und starb 1784.
-
- Die späteren
- Nachkommen
- Sauers.
-
-Zwei seiner Söhne, □Peter□ und □Christoph iii.□, gaben in Philadelphia
-das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende
-deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn □Samuel□
-liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser,
-Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der
-vierte Sohn □Daniel□ setzte das alte väterliche und grossväterliche
-Geschäft in Philadelphia fort.
-
- Sonstige
- deutsche Drucker
- u. Buchhändler.
-
-Die übrigen deutschen Buchhändler Pennsylvaniens nahmen keinen grossen
-Rang ein. Die Gebrüder □Gotthart□ und □Anton Armbruster□ gehörten
-zu den bedeutendsten und gaben eine zeitlang gemeinschaftlich mit
-Benjamin Franklin die _Pennsylvania Gazette_ heraus. Vor und während
-der Revolution blühte das Geschäft von □Heinrich Müller□, der
-sich 1760 dauernd in Philadelphia niederliess. Sein wöchentlicher
-„Philadelphia-Staatsbote“ war das erste Blatt, welches am 9. Juli 1776
-die Unabhängigkeits-Erklärung veröffentlichte. Bei dem Einzug der
-Engländer wurde Müllers Offizin verwüstet. Noch verdienen □Melchior
-Steiner□ und □Carl Cist□ als Drucker und Verleger genannt zu werden.
-Von einem geregelten buchhändlerischen Verkehr war keine Rede, der
-Vertrieb wurde durch Hausierer besorgt.
-
- Sonst und Jetzt.
-
-So waren die ersten schwachen Anfänge der amerikanischen Presse, deren
-Riesendimensionen jetzt unser Staunen erregen. Was würde wohl der
-einstmalige Gouverneur von Virginien Sir Thomas Berkeley sagen, wenn
-er heute nach Virginien zurückkehrte, von wo aus er 1671 mit Stolz
-und Befriedigung nach London berichtete: „Ich danke Gott, wir haben
-hier keine Freischulen und keine Buchdruckereien, und ich hoffe, es
-soll noch lange Zeit so bleiben, denn das Lernen hat nur Ungehorsam,
-Ketzerei und Sektenwesen in die Welt gebracht; die Buchdruckerkunst
-aber war die Dienerin aller dieser Gräuel; Gott bewahre uns vor
-beiden“.
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-XIII. KAPITEL.
-
-DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER.
-
- □Polen.□ □Russland□: Moskau, St. Petersburg. □Die Türkei□:
- Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi, Syrien. □Das östliche
- Asien, China□, das chinesische Tafeldruckverfahren und die
- Papierfabrikation. Europäischer Druck in Asien.
-
-
-POLEN, im □xv.□ und □xvi.□ Jahrhundert ein blühendes Reich, wo
-Wissenschaft und Litteratur begünstigt wurden, förderte auch rüstig
-die Buchdruckerkunst. □Johann Haller□ aus Nürnberg (um d. J. 1500),
-ein Schüler Kobergers, war ein bedeutender Buchdrucker und Buchhändler
-in KRAKAU. Die Juden begannen 1517 den hebräischen Druck zu üben, der
-sehr aufblühte. □Paul Helic□ gab 1540 das von einem getauften Juden
-ins Hebräische übersetzte Neue Testament heraus. Mit ihm gleichzeitig
-wirkte □Hieronymus Victor□ aus Wien (1518-1543).
-
-Der bedeutendste Buchdrucker war wohl □Nikolaus Scharfenberg□.
-Berühmt sind seine den Königen Sigismund August, Heinrich von Valois
-und Stephan □i.□ gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache und seine
-_Constitutiones, statuta et privilegia in comitiis regni etc._, die er
-für den Buchhändler □Andreas Lazarsz□ druckte, der, selbst Buchdrucker,
-auch eine grosse Anzahl vorzüglicher und hochgeschätzter Werke aus
-seiner Offizin lieferte.
-
- Polen.
-
-Einer der angesehensten Männer Polens war □Johann Januszowski□. Früher
-Gesandter bei Kaiser Maximilian □ii.□ und Geheimschreiber des Königs
-Sigismund August, zog er sich von den Staatsgeschäften ganz zurück, um
-nur den Wissenschaften und der Typographie zu leben. Polen hat seiner
-Feder und seinen Pressen eine Menge wertvoller Schriften zu verdanken.
-Ein berühmter Buchdrucker war □Franz Cäsarius□ (wahrscheinlich ein
-Deutscher, Kaiser), der die Lazarszsche Offizin erwarb, welche über 100
-Jahre im Besitz der Familie blieb.
-
-Unter den jüdischen Buchdruckern zeichnete sich namentlich
-□Isaak-Ben-Aaron Prostitz□ (um 1550) aus. Unter vielen anderen
-Schriften druckte er sowohl den babylonischen als den jerusalemitischen
-Talmud. In POSEN, WILNA und LUBLIN, wo sich der Sitz der Socinianer[1]
-befand, wurde viel gedruckt, ebenso in BRZESC, wo die bekannte _Biblia
-swięta_ mit Illustrationen (1563) erschien, die nach dem Kostenträger
-gewöhnlich die Radziwill-Bibel genannt wird. In OSTROG kam auf Kosten
-des Fürsten Konstantin von Ostrog, Palatins von Kiew, die jetzt sehr
-selten gewordene Bibel in altrussischer Sprache heraus. Die Leitung
-hatte der Patriarch Jeremias von Konstantinopel übernommen; die Typen
-sind genau den slawischen Manuskripten nachgebildet. Der Druck ist
-vorzüglich, nur das Papier ist nicht gut.
-
- [1] Unitarier. Vorläufer der Rationalisten.
-
-In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische
-Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten
-vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten.
-PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf
-dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin
-von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6
-Quartbänden drucken (1579-1593).
-
- Ungarn.
-
-In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst
-in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt
-in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph
-und Schriftgiesser dort war □Nikolaus Tótfalu□, der sogar Florenz und
-Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.[2]
-
- [2] □J. D. Hoffmann□, _de typographiis eorumque initiis et
- incrementis in Regno Poloniae_. Danzig 1740. -- □K.
- Ungar□, Neue Beiträge zur alten Gesch. d. Buchdrk. in
- Böhmen. Prag 1795. -- □Ch. d'Elwert□, Beitr. zur Gesch.
- etc. Mährens. I. Bd. Brünn 1854. -- Etwas von der Buchdr.
- des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Ungarn und Siebenbürgen.
- (Ungar. Mag. 1788. No. 26.) Pressburg. -- □Joh. Nemeth□,
- _Mém. typogr._ Pest 1838.
-
- Russland.
-
-In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der
-slawischen Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan
-Wassiljewitsch 1553 die erste Buchdruckerei □Synodalnija typografia□
-durch den Diakon □Iwan Feodorow□ und □Timoféew Mstislavzoff□ unter
-Aufsicht des Dänen □Hans Hannsen□, und hier erschien 1564 der in der
-russischen Litteratur so berühmte _Apostol_, in slawischer Sprache
-gedruckt, von welchem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek
-der Akademie zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte
-die Drucker, die es für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in
-Wilna und Lemberg fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch'
-Regierung wurde eine neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast
-nur aus kirchlichen Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre
-1643 hatte der Klostergeistliche □Arsenij Suhanow□ den Gebrauch einer
-sehr schmalen und schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der
-Synodaldruckerei unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im
-Jahre 1663 erschien die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel
-nach dem Muster der Ostroger v. 1581.
-
- Peter der Grosse.
-
-Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua
-anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden
-von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. Dieser
-erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker □Tessing□ das
-Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess auch
-Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die
-Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland
-druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des
-Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das
-Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm.
-
- Peter der Grosse.
-
-Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von □Jan van
-Duren□ derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen
-Text enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte
-in Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur
-das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen
-holländischen Gestalt.
-
-Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer □Andrew Johnson□ eine georgische
-Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des
-gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde,
-unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte
-in 8 Sprachen ausgeführt sein soll.
-
- St. Petersburg.
-
-Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau,
-das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert
-1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat
-erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche
-in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das
-Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735
-die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730
-geliefert.
-
-Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und
-dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei.
-
- Die Türkei.
-
-In der TÜRKEI[3] war auf Anordnung des Sultan Bajazet □ii.□ die
-Ausübung der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim
-□i.□ hatte dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe
-druckten jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726
-sind manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der
-Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist.
-
- [3] □J. Beckmann□, Nachrichten von der Buchdruckerei zu
- Konstantinopel (Hann. Mag. 1768). -- □Giamb. Toderini□,
- Litteratur der Türken. Aus dem Ital. durch P. W. G.
- Hausleutner. □ii.□ Band. 2. Teil. Buchdruckerei der
- Türken. Königsberg 1790.
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-Im □xvii.□ Jahrhundert versuchte □Nicodemus Metaxa□, ein gelehrter
-Mönch aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus
-Lukaris eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der
-Versuch wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt und eine 1698 aus
-Venedig eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört.
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- Ibrahim und
- Said Efendi.
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-Erst 1726 unter der Regierung Achmeds □ii.□ trat die, von der
-Regierung erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der
-Buchdruckerei ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten
-□Ibrahim Efendi□. Besonders thätig war dabei □Said Efendi□, der als
-Gesandtschaftssekretär in Paris Geschmack an der Kunst gefunden
-hatte und nun die nötigen Schriften anschaffte, und zwar diese
-in Konstantinopel selbst schneiden und giessen liess. Nach vielen
-Beratungen mit den ersten Staatsmännern und Gesetzverständigen that der
-Mufti den Ausspruch, dass es gestattet sein solle, mit Ausnahme der
-Religionsbücher, in arabischer Sprache zu drucken, dass es aber gut
-sei, wenn vier Oberaufseher ernannt würden, welche wissenschaftliche
-Kenntnisse genug besässen, um über den richtigen Abdruck der Bücher
-zu wachen. Das erste Buch, welches demgemäss erschien, war Wankulis:
-_Kitab Lugat_, arabisch-türkisches Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von
-1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher Befehl stellte den Preis auf 35
-Piaster fest. Als erstes mit Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte
-Holdermanns französisch-türkische Grammatik 1730. Um dieses Jahr
-entwickelte sich eine ziemlich lebhafte Druckthätigkeit, namentlich
-um geschichtliche und geographische Werke herzustellen, darunter eine
-Geschichte von Amerika mit Landkarten und Illustrationen, ein Atlas von
-39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der Welt“ u. a.
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-Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand.
-Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen
-Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch
-unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden
-war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke
-nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke
-noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend
-gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die
-allen Orientalen gemeinsam ist.
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-Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des
-Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf.
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- Die Wallachei.
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-In der WALLACHEI wurde im Kloster SNAGOF, nahe bei Bukarest, auf
-Kosten des Woywoden Johannes Konstantin Bessaraba, i. J. 1701 ein
-griechisch-arabisches Missal gedruckt. Die dortige Klosterbuchdruckerei
-war reich an arabischen, griechischen und illyrischen Schriften.
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- Syrien.
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-In SYRIEN bildeten die Klöster des Libanon eine Zuflucht für
-abendländische Wissenschaft, wo seit länger als 250 Jahren
-gedruckt worden ist. □Paschalis-Elis□ und □Joseph Ibn-Amimas□
-arabisch-syrischer Psalter ist 1610 datiert. Aus ALEPPO, wo eine
-Buchdruckerei unter der Direktion des Patriarchen Athanasius von
-Antiochien bestand, existierten Drucke aus dem Jahre 1706, aus BEIRUT
-von 1751; georgische aus TIFLIS von 1701. In DAMASCUS druckten die
-Juden schon 1605. Im Jahre 1622 beschloss ein Konzil der armenischen
-Bischöfe die Buchdruckerei einzuführen. Ein Mönch aus Eriwan, □Uscan□
-oder □Osgan□ (gest. 1676) wurde nach Amsterdam gesandt und druckte dort
-die Bibel. 1669 errichtete Uscan eine armenische Presse in Marseille,
-die schliesslich nach Konstantinopel übergeführt wurde.
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- Früher Druck in
- China.
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-Im ÖSTLICHEN ASIEN wurde lange vor Einführung von Gutenbergs Kunst
-der Bücherdruck in ziemlichen Umfange getrieben und CHINA[4] ist oft
-als die Mutter der Buchdruckerkunst genannt. Nach dem, was wir unter
-Typographie verstehen, kann davon, wie auch gleich eingangs bemerkt
-wurde, keine Rede sein, aber der chinesische Bücherdruck ist wichtig
-und interessant genug, um demselben unsere Aufmerksamkeit zu schenken.
-Wir übergehen alle sich in das Mythenreich verlierenden Erzählungen von
-der Entstehung der chinesischen Schrift und der frühesten Verwendung
-derselben, und halten uns an die historisch begründete Thatsache, dass
-um das Jahr 1000 n. Chr. viele Bücher von Holztafeln gedruckt wurden.
-Zuerst waren die Schriften vertieft in Stein oder Holz geschnitten
-worden, so dass nach der Einreibung mit Farbe die Schrift weiss auf
-schwarzem Grund erschien; man lernte jedoch bald die Vorzüge des
-erhabenen Buchstabenschnittes kennen.
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- [4] □Stan. Julien□, _L'imprimerie en Chine au VI Siècle de
- notre ère_. Paris o. J. -- □Stan. Julien□, _Documens
- sur l'art de l'impr. etc. en Chine_. Paris 1847. -- □H.
- Wuttke□, Die Entstehung der Schrift etc. Leipzig 1872.
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-Das chinesische Druckverfahren, wie es sich bis auf den heutigen Tag
-erhalten hat, ist folgendes:
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- Das chinesische
- Druckverfahren.
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-Aus hartem Holz, gewöhnlich Kirsch-, Birn- oder Pflaumenbaumholz,
-werden, ½-¾ Zoll dicke Tafeln geschnitten, die kleinen Ritzen und
-Löcher ausgefüllt und die geglätteten Flächen (man benutzt in der Regel
-beide) mit einem Reisteig überzogen. Das Herstellen solcher Platten
-ist ein besonderer Geschäftszweig. Der Schönschreiber malt nun genau
-und zierlich das zu Druckende auf durchsichtiges Papier und vergleicht
-seine Arbeit mit dem Manuskript. Ein Blatt (zwei neben einander
-stehende Seiten) enthält gewöhnlich ein halbes tausend Zeichen. Die
-beiden Seiten werden mit einem starken Strich umrahmt; ein anderer
-Strich durch die Mitte des Blattes bezeichnet die Stelle, wo das, nur
-auf der einen Seite bedruckte Blatt, mit der zugemachten Seite nach
-aussen gekehrt, beim Heften gefalzt werden muss, ganz wie es bei den
-xylographischen Reiberdrucken des □xv.□ Jahrh. in Deutschland der Fall
-war.
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- Uebertragung
- der Schrift.
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-Auf die noch feuchte Klebmasse, mit der das Holz überzogen wurde, wird
-das beschriebene Blatt verkehrt aufgelegt und, nachdem es angetrocknet
-ist, mit einem benetzten Finger das Papier sorgsam abgerieben. Die
-Schrift bleibt deutlich auf dem Holzblock zurück. Damit sie noch besser
-hervortritt und das Holz leichter zu behandeln ist, wird die Oberfläche
-mit Fett überzogen oder mit Öl getränkt.
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- Der Schnitt.
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-Dann geht „der Setzer“ (d. h. der Holzschneider) ans Werk und sticht
-alles nicht Beschriebene wie bei der Holzschnittzeichnung weg. Den
-durch einen solchen erhabenen Schnitt entstehenden Druck nennt man den
-männlichen (_Jangwen_), wird dagegen die Schrift vertieft geschnitten,
-so dass sie im Druck weiss auf schwarzem Grund erscheint, so heisst das
-Verfahren weiblicher Druck (_Jenwen_).
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- Der Drucker.
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-„Der Drucker“ sitzt vor einer Bank, auf welcher der Block so festgelegt
-wird, dass er sich nicht rücken und reiben kann, was schon deshalb
-vermieden werden muss, weil, wie erwähnt, gewöhnlich beide Seiten der
-Platte zum Schnitt benutzt werden. Auf der einen Seite steht ein Haufen
-Papier, auf der andern befindet sich der Topf mit der Schwärze, sowie
-der Pinsel oder die Bürste. Die Druckerschwärze besteht aus gestossenem
-und durch ein Haarsieb geschüttetem Lampenruss, welcher in Branntwein
-zu einem Brei aufgeweicht, bis zu einem Zehnteil der Masse mit
-animalischem Leim oder Pflanzenöl angemacht, schliesslich mit Wasser
-verdünnt wurde.
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- Reiberdruck.
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-Das erste Geschäft des Druckers ist, dass er mit dem in die Schwärze
-getauchten Pinsel oder der Druckbürste die Tafel zweimal sanft
-überfahrt, so dass die erhabenstehende Schrift gleichmässig gefärbt
-wird. Dann legt er einen Bogen auf die Schrift, streicht ihn behutsam
-mit der Bürste aus, legt einen zweiten Bogen als schützenden Deckel
-darauf und fährt mit der Bürste oder einem Reiber aus Palmenrinde ein
-paarmal fest darüber weg, dann ist der Druck fertig. Der Farbenanstrich
-dient für drei bis vier Abzüge und muss dann erneuert werden. Ein guter
-Drucker soll täglich zwei- bis dreitausend Blätter liefern können.
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- Das Heft.
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-Die zusammengefalzten, gedruckten Blätter werden zu einem Heft (_pen_)
-vereinigt, selten mehr als 50-80 Blätter. Oft erhalten die Hefte einen
-obern und untern Deckel, mit Seide oder Brokat überzogen. Die zu einem
-Werke gehörenden Hefte werden zusammen in einer Kapsel von Pappe oder
-Holz aufbewahrt. Die Kapseln werden auf die Bücherbretter flach gelegt
-und über einander geschichtet.
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- Das Format.
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-Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen
-würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein
-„Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat.
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- Typographische
- Einteilung
-
-Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den
-semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde
-also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede
-Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der
-allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des
-Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern
-Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker
-an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein
-Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite
-angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters
-mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte
-Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig.
-Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da
-ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung überhaupt den Chinesen
-mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk
-fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte
-Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu
-war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke
-galten als die vorzüglichsten.
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- Das Papier.
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-Das chinesische und japanische □Papier□ wird hauptsächlich aus
-Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus
-der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der
-_Broussonetia papyrifera_), der Schwertlilienpflanze, sowie aus
-mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der
-Seidenspinnerei gefertigt.
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- Das Bambus-
- rohrpapier.
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-Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten
-chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4
-Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in
-Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen
-bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in
-völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke
-herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann
-gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der
-halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen
-siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig
-ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die
-gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen,
-endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom
-Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände
-geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke
-versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten
-Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese
-noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die
-Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen.
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- Der Papier-Maulbeerbaum.
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-Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des
-Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen
-bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in
-dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf
-Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre
-werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3
-Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der
-merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen
-Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als
-Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später
-einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der
-innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern,
-während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die
-Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in
-Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art
-Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude
-nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird
-tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und
-dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und
-beschnitten.
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- Das Reispapier.
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-Ein, uneigentlich als Reispapier bezeichnetes Produkt ist das auf der
-Insel Formosa aus der _Aralia papyrifera_ gewonnene. Das Mark dieser
-Pflanze wird in dünne Blättchen geschnitten und dann noch flacher
-gepresst und liefert Stücke von ½-1 Fuss im Quadrat. Die besten Stücke
-werden zum Bemalen, die kleinen Stücke zu der Fabrikation künstlicher
-Blumen benutzt.
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- Das Papiergeld.
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-Zur Fabrikation des Papiergeldes wird in Japan nur der Bast eines
-Baumes „Mitsumata“ verwendet, welcher ausdrücklich zu diesem Zweck
-kultiviert wird. Der Bast des Kaji-Baumes, der unserer Weide gleicht,
-wird namentlich zu _Papiermaché_ verarbeitet, von welchem die
-Chinesen und Japanesen wie bekannt eine Unendlichkeit von Gegenständen
-herstellen[5].
-
- [5] In der Beschreibung der Herstellung des Papiers
- folgten wir dem Spezialkatalog der chinesischen
- Ausstellungskommission der Wiener Ausstellung, der in
- mehreren Punkten von den älteren Darstellungen, sowie von
- einer Beschreibung des Herrn □von Ransonnet□, abweicht.
- Die chinesische Ausstellung in Wien enthielt über hundert
- verschiedene Sorten von Papier.
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- * * * * *
-
- Europäischer
- Druck in China
- und Japan.
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-EUROPÄISCHE TYPOGRAPHIE IN ASIEN. Um die Einführung der gutenbergischen
-Typographie im östlichen und südlichen Asien machten sich die
-Jesuiten-Missionäre schon ausgangs des □xvi.□ oder anfangs des
-□xvii.□ Jahrhunderts verdient und sie hatten in der Hauptstadt PEKING
-verborgene Pressen. Eins der ältesten dort gedruckten Bücher ist
-die _Cœlestis doctrinæ vera ratio_ chinesisch aus dem Jahre 1603.
-In NANKING gab der Jesuit Nikolas Trigault um 1620 ein chinesisches
-Wörterbuch in 3 Bänden heraus, das jetzt zu den grössten Seltenheiten
-gehört. In MACAO wurde schon um 1590 gedruckt. Das erste Buch war
-der Bericht eines japanesischen Gesandten nach Rom in japanischer und
-lateinischer Sprache. In CANTON wurde vieles gedruckt, darunter ist
-zu erwähnen die „Bibliothek nützlicher Kenntnisse“ in 100 Bändchen.
-Auf der Insel FORMOSA erschien 1661 eine malaische Übersetzung der
-Evangelien Johannis und Matthäi.
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-Das Druckverfahren in JAPAN ist dem chinesischen gleich und wird seit
-uralter Zeit geübt. In europäischer Weise gedruckt erschien bereits
-1591 in TACACO auf der Insel Nippon ein Leben der Apostel mit einem
-angehängten Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten in
-AMACUSA. NANGASAKI hatte zu Ende des □xvi.□ Jahrh. schon eine ziemlich
-thätige Presse.
-
- Ostindien.
-
-OSTINDIEN. Im nördlichen Teile Ostindiens, in Kaschmir, Thibet und
-Kabul, wurde der Holztafeldruck schon seit vielen Jahrhunderten geübt.
-Der erste Ort, der 1563 nach europäischer Weise druckte, war GOA auf
-einer Insel an der Westküste des Dekan, die früheste Niederlassung
-der Portugiesen. Fast gleichzeitig, 1569, erhielt TRANQUEBAR auf
-der Koromandelküste seine Presse durch die Londoner Gesellschaft für
-Verbreitung des Evangeliums. Zuerst wurde ein schönes Neues Testament,
-in Quarto, gedruckt, dann verschiedene Gebetbücher und Katechismen
-in portugiesischer, englischer und dänischer Sprache, sowie in
-verschiedenen asiatischen Dialekten. Als Tranquebar in dänischen Besitz
-kam, war die dänische Mission sehr thätig. □Bartholomäus Ziegenbalg□
-und □Heinrich Plutschau□ brachten eine Presse und Schriften aus
-Deutschland. Auf Kosten des Königs von Dänemark wurden tamulische
-Schriften in der Waisenhausbuchdruckerei in Halle gegossen und durch
-J. G. Adler nach Indien gebracht, wo dieser 1714 die vier Evangelien
-und die Apostelgeschichte, 1715 die Episteln und die Apokalypse
-herausgab. 1723 erschien die _Biblia tamulica_, 3 Teile in Quarto. Am
-wichtigsten für die Typographie Indiens ist BENGALEN, es wurde jedoch
-die Druckkunst erst 1778 dort eingeführt; demnach gehört die dortige
-Pressthätigkeit erst einer späteren Periode an.
-
- Die asiatischen
- Inseln.
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-In dem ASIATISCHEN ARCHIPEL fand die Kunst zuerst auf JAVA eine Heimat.
-Die niederländisch-indische Gesellschaft errichtete in BATAVIA zu Ende
-des □xvii.□ Jahrhunderts mehrere Pressen.
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-Von dem Wunsche beseelt, den Eingebornen das Evangelium in der
-Landessprache in die Hände zu geben, befahl der Gouverneur von CEYLON
-Freiherr □G. W. von Imhof□ 1737 eine Druckwerkstätte in COLOMBO
-zu errichten, die später auch manches wissenschaftliche Werk ans
-Tageslicht förderte. In der Hauptstadt der Philippinen, MANILLA,
-wurde um 1600 gedruckt. Im □xviii.□ Jahrhundert wetteiferten die
-katholischen Missionäre hier mit den protestantischen in Tranquebar in
-der Verbreitung des Evangeliums.
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- * * * * *
-
-So war die Kunst Gutenbergs, welche bereits in den ersten hundert
-Jahren ihres Bestehens sich über ganz Europa den Weg gebahnt und
-eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte, von welcher ungünstige
-Verhältnisse sie nur zeitweilig herabzudrängen vermochten, über die
-ganze Welt verbreitet. Schon um die Zeit, welche unsere vorläufige
-Grenze bildet, galt das, hundert Jahre später ausgesprochene Wort:
-
- „_Über des Oceans Raum in die fernsten Gebiete der Erde
- Trägt, Gefeierter! dich Fama, nie rastend im Flug;
- Nicht des Gesteines bedarf es für dich, noch gegossenen Erzes,
- Denn es verkündet dein Lob jegliche Zeile des Buchs._“
-
-[Illustration:Kapitelende]
-
-
-
-
-[Illustration:Kapitelanfang]
-
-A. NAMEN- UND SACH-REGISTER.
-
-
-Aa, Peter van der S. 250.
-
-Åbo 158.
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-Aalst 67.
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-Abbreviieren 14.
-
-Ablassbriefe 28.
-
-Abschreiben der Bücher 13.
-
-_Academia Veneziana_ 181.
-
-Adler, Aegidius 143.
-
-_Ad insigne Pinus_ 130.
-
-Alcala de Henares 189.
-
-Aldegrever, Heinrich 119.
-
-Älteste Spuren vom Druck 12.
-
-□Aldus-Familie.□
-
-Aldus Manutius 60. 175.
- Herkunft 175.
- Offizin in Venedig 176.
- Griech. u. latein. Ausgaben 177.
- Cursivschrift 177.
- „Aldinen“ 178.
- _Neacademia_ 178.
- Geschäftl. Schwierigkeiten 179.
- Tod des Aldus 179.
- Druckerzeichen 180.
-
-Paul Manutius 180.
- Jugendzeit 180.
- Ruf nach Rom 181.
- Rückkehr nach Venedig 182.
- Wiederkehr nach Rom 182.
- Tod 182.
-
-Aldus □ii.□ 182.
- Jugend 182.
- Ruf nach Rom 183.
- Aussterben der Familie 183.
-
-_Allemand_-Schrift 65.
-
-Aleppo 282.
-
-Alexandre, Jean 210.
-
-Altdorfer, Albrecht 117.
-
-Amacusa 287.
-
-Amann, Jost 77. 118.
-
-Ammerbach, Johannes 44.
-
-Amstel, Ploos van 247.
-
-Amsterdam 228. 233. 242.
-
-_l'amour de Psyché_ durch J. Janot 200.
-
-Anabat, Guillaume 197.
-
-Andersen, Andreas 265.
-
-Andrae, Hieronymus in. 128.
-
-Andreae, Johann 131.
-
-Andreani, Andreas 189.
-
-Anisson, Jean 211. 213.
-
--- Jacques 213.
-
-Anopistographischer Druck 19.
-
-Anselm, Theodor 136.
-
-Antiqua-Schrift 59. 65. 161.
-
-Antwerpen 218.
-
-_Apostol_ 279.
-
-Arabische Schrift 61.
-
-Arendes, Stephan 74.
-
-Armbruster, Gotthart 275.
-
--- Anton 275.
-
-„Armenbibel“, die 21.
-
-Armenischer Druck 186.
-
-_Ars memorandi_ 21.
-
-_Ars moriendi_ 20.
-
-Assen, Walter von 218.
-
-Athias, Joseph 247.
-
-_Atlantica_ von Olaus Rudbeck 158.
-
-Auer, Simon 133.
-
-Auflagen in ältester Zeit 57.
-
-Augsburg 46. 129.
-
-Augustinus, St., _de civitate dei_ 56.
-
-Autorenverhältnisse 172.
-
-
-Backer, George 261.
-
-Badius, Familie 201.
-
-Bämler, Johann 46.
-
-Baldung, Hans 120.
-
-Ballenmeister 163.
-
-Baltimore 273.
-
-Bamberg 48.
-
-Bapst, Valentin 147.
-
-Barber, John 263.
-
-Barbier, Jean 259.
-
-Barcelona 62.
-
-Bartholdus de Basilea 43.
-
-Basel 43. 120. 136.
-
-Bassandyne, Thomas 265.
-
-Batavia 287.
-
-_Batavia_ von Hadrianus Junius 70.
-
-Baumann, Georg d. ä. 145.
-
--- d. j. 145.
-
-Bé, Guillaume le 214.
-
-Bechtermünze, Heinrich 34.
-
--- Nikolaus 34. 35.
-
-Beck, Reichart 136.
-
-Beham, Barthel 116.
-
--- Hans Sebald 115.
-
-Beildeck, Lorenz 25.
-
-Beirut 282.
-
-Bellaert, Jacob 70.
-
-Bergmann von Olpe, Joh. 44.
-
-Berlin 151.
-
-Berling, Heinrich 156.
-
-Bernard, Salomon 212.
-
-Beromünster 42.
-
-Beschreib. all. Künste (J. Amann) 118.
-
-□Bibeldruck.□
-
-Bibel, welche war die erste 29.
-
--- 36zeilige (Gutenberg) 29.
-
--- 42zeilige (Gutenberg) 30.
-
--- 48zeilige (Schöffer) 40.
-
--- spanische (Palmert) 62.
-
--- böhmische 76. 278.
-
--- illustr. (Koberger) 47.
-
--- (Ulrich Zell) 51.
-
--- niederdeutsche 51.
-
--- Hebr. (Bomberg) 185.
-
--- -- (Athias) 247.
-
--- Armenische 186.
-
--- d., k. Druckerei in Paris 211.
-
--- Englische (Cranmer) 260.
-
--- -- (Coverdale) 260.
-
--- -- (John Bydell) 261.
-
-Bibel, Englische (Bischofs) 261.
-
--- -- (autorisierte engl.) 261.
-
--- -- (John Field) 261.
-
--- -- (Baker) 261.
-
--- -- deutsch-amerikan. 274.
-
--- russische 280.
-
--- russisch-holländ. 280.
-
--- polnische 278.
-
--- -Druck v. Froschauer 140.
-
--- -- in Wittenberg 140. 146. 150.
-
--- -- in Dänemark 153.
-
--- -- auf Island 156.
-
--- -- in Schweden 157.
-
--- -- in Finnland 157.
-
--- Polyglotten.
- Aldus' Versuche 179.
- Complutinische 189.
- Le Jays 209.
- Plantins 220.
- Waltons 261.
-
--- Verbreitung 92.
-
-_Biblia Pauperum_ 21.
-
-Bibliothek des M. Corvinus 75. 91.
-
-Biel, Friedrich 43. 62.
-
-Binck, Jakob 119.
-
-Blaeu, Familie 162. 228.
-
-Bloemaert, Abraham 218.
-
-Blavio, Johannes 64.
-
-Boccaccio, _Decamerone_ (Valdarf.) 60.
-
-Boldrini, Nicolo 189.
-
-Bologna, Franz von 177.
-
-_Bombardeyro d'El Rei_ 64.
-
-Bomberg, Daniel 185.
-
-Boners „Fabelbuch“ 49.
-
-Bonhomme, Pasquier 66.
-
-Bonnutius, Judas 134.
-
-Borchardus, Hans 52.
-
--- Thomas 52.
-
-Bordeaux 67.
-
-Bortazar, Antonio 190.
-
-Boston (Nordamerika) 270.
-
-_Boston Gazette_ 271.
-
-_Boston News letter_ 270.
-
-Brabander, Andreas 138.
-
-Bradford, William 273.
-
-Braga 64.
-
-Brahe, Tycho de 155.
-
-Brand, Matthäus 74.
-
-Brandis, Marcus 54.
-
-Brandis, Moritz 52. 54.
-
-Brant, Sebastian 135.
-
-Bray, Dirk van 218.
-
-Breitkopf, Bernh. Christoph 149.
-
-Breslau 145.
-
-Brèves, Savary de 208.
-
-Breydenbachs „Reyssen“ 41.
-
-Brief (Breve) 15.
-
-Briefdrucker 19.
-
-Brito, Giovanni 188.
-
-Brocario, Familie 189.
-
-Brüder d. gemeinsamen Lebens 68.
-
-Brügge 67. 106.
-
-Brunus, Petrus 62.
-
-Brzesc 278.
-
-Buch des Mars 280.
-
-Buchbinderkunst 89. 155. 166. 215.
-
-Buchdruckerwappen 49.
-
-Bücher-Messe in Frankfurt 170.
-
--- in Leipzig 148. 171.
-
-Buchhandel im □xv.□ Jahrhundert 95.
-
--- in Deutschland 168.
-
--- Missbräuche 173.
-
-_Buffon, histoire naturelle_ 211.
-
-Bukarest 282.
-
-_Bulla retractionum_ 51.
-
-Burgkmair, Hans 111.
-
-Burgos 62.
-
-Burgundischer Hof 67. 72.
-
-Buyer, Bartholomäus 66.
-
-Bydell, John 261.
-
-
-Cambridge 264.
-
-Cambridge (Nordamerika) 270.
-
-Camusat, Jean 211.
-
-_Canterbury tales_ (Caxton) 73. 258.
-
-_Cancioneiro Geral_ 64.
-
-Canton 287.
-
-Carpi, Ugo da 188.
-
-Caslon, William 268.
-
-Catholicon (Gutenberg) 32.
-
-Caxton, William 71.
-
-Cennini, Bernardo 60.
-
-„Ciromantia, die Kunst“ 21.
-
-Champ-fleury von G. Tory 198.
-
-Chepman, Walther 265.
-
-China, Bücherdruck 282.
-
--- Papierfabrikation 285.
-
-Christiania 156.
-
-„Christoph, der heilige“ 17.
-
-„Christus am Kreuze“ 17.
-
-_Chronica Hungarorum_ 75.
-
-Cicero _de officiis_ (Schöffer) 41.
-
--- _de oratore_ (Sweynheim) 56.
-
--- _epistolae_ (J. de Spira) 58.
-
-Clair-obscur-Druck 136. 188. 218.
-
-_Clarendon-Press_ 264.
-
-_Codex argenteus_ 13.
-
-Colines, Simon de 197. 202.
-
-Colombo 287.
-
-Colorito, Abraham 61.
-
-Comino, Giuseppe 187.
-
-Commelinus, Hieronymus 134.
-
-Complutinische Polyglotte 189.
-
-_Const. Clementi v._ (Schöffer) 40.
-
-_Constitutiones regni Poloniæ_ 277.
-
-Consul, Stephan 133.
-
-Coornhert, Dirk Volckharts 70.
-
-Cordova (Südamerika) 192.
-
-_Corpus juris_ (Remboldt) 66.
-
-Corvinus, Matth. 75. 91.
-
-Corrozet, Gilles 200.
-
-_Cosmographia, Ptolomäi_ 46.
-
-_Cosmographical glasse_ (J. Day) 263.
-
-Cotta, Ursprung der Familie 133.
-
--- Johann Georg 133.
-
-_Cours des fleuves par Louis □xv.□_ 211.
-
-Cousin, Jean 200.
-
-Crabath 161.
-
-Cramoisy, Familie 209. 211.
-
-Cranach, Lucas d. ä. 119. 167.
-
-Crantz, Martin 65.
-
-Cuesta, Johann de la 190.
-
-Cursivschrift des Aldus 177.
-
-
-Damascus 282.
-
-Dammetz, s. Luc. v. Leyden 218.
-
-Danner 162.
-
-„Dante“ (Numeister) 60.
-
-Day, John 262.
-
-Daye, Stephan 270.
-
-Denkmäler Gutenbergs 35. 36.
-
-Deposition, die 164.
-
-_Description des arts et des metiers_ 209.
-
-Deventer 68.
-
-_Dialogus creaturum_ 75.
-
-_Dictes and sayings_ (Caxton) 72.
-
-_Dictionary of arts_ 267.
-
-Dietz, Ludwig 153.
-
-Diptychen 90.
-
-_Doctrina christ._ (Kromberger) 191.
-
-Dolet, Stephan 213.
-
-Dolmata, Anton 133.
-
-Domingo, St. 192.
-
-Donatus 19. 22. 27.
-
-_Don Quixote de la Mancha_ 190.
-
-Dritzehn, Andreas 24.
-
-_Droit_-Schrift s. Antiqua.
-
-Druck, Älteste Spuren 12.
-
-Druck u. -Apparate, früheste 79.
-
-Drucker, Die 163.
-
-Druckschwärze 84, 163.
-
-Druckerzeichen 124.
-
-Dublin 266.
-
-_Duits_-Schrift 68.
-
-Durandi, _Rationale_ (Schöffer) 40.
-
-Duren, Jan van 280.
-
-Dürer, Albrecht.
- Jugendjahre 108.
- „Offenbarung St. Johannis“ 108.
- Neue Bahnen f. d. Holzschn. 109.
- Verschiedene Arbeiten 109.
- Italienische Reise 109.
- Die „Passionen“ 110.
- „Unser Frauen Leben“ 110.
- Arbeiten für Maximilian □i.□ 110.
- Die „Ehrenpforte“ 111.
- Der „Triumphzug“ 112.
- Reise nach d. Niederlanden 113.
- Litterarische Arbeiten 113.
- Tod 113.
-
-Dyck, Christoffel van 246.
-
-
-Edinburgh 265.
-
-Egenolff, Christian 130.
-
-Eggesteyn, Heinrich 42.
-
-Eguia, Michel de 190.
-
-Eichhorn, Johann 152.
-
-Elert, Bastian 168.
-
-□Elzevier-Familie.□
-
-Elzevier, Ludwig 228.
- Übersiedelung nach Leyden 230.
- Ernennung zum Pedell 230.
- Sein Verlag u. seine Reisen 231.
- Geschäftl. Manipulationen 232.
- Sein Tod 233.
-
-Elzevier, Matthias 233.
-
--- Ludwig □ii.□ 233.
-
-Elzevier, Aegidius 233.
-
--- Justus 233.
-
--- Peter 233.
-
-Elzevier, Isaack 234.
- Universitätspedell 234.
- Offizin Erpenius 235.
- Druckerzeichen 235.
- Geschäftsaufgabe 236.
-
-Elzevier, Abr., u. Bonavent. 236.
- Ihre Association 236.
- Glanz des Hauses 237.
- kleine Ausgaben 237.
- Ausstattung ihrer Bücher 238.
- Ausländisches Geschäft 239.
- Charakteristik 240.
- Daniel Heinsius 240.
- Tod beider 241.
-
-Elzevier, Johann 241.
- Association mit Daniel 241.
- Trennung von ihm 242.
- Tod 248.
-
-Elzevier, Ludwig □iii.□ 242.
- Aufenthalt bei Johann 242.
- Geschäft in Amsterdam 243.
- Aufblühen desselben 243.
- Druckerzeichen 244.
- Geschäftslokal 244.
- Association mit Daniel 244.
- Ludwigs Tod 245.
-
-Elzevier, Daniel 241.
- Association mit Johann 241.
- -- mit Ludwig 244.
- Uebernahme des Geschäfts 245.
- Heinrich Wetstein 245.
- Daniels Tod 246.
- Die Elzevierschriften 246.
- Auflösung v. Daniels Geschäft 248.
-
-Elzevier, Abraham 249.
- Ende der Familie 249.
-
-Enschedé, Familie.
- Niederländ. Schriftgiesserei 250.
- Isaak Enschedé 251.
- Die Stereotypie 252.
- Dr. Johannes Enschedé 252.
- Die Sammlungen d. Hauses 252.
- _Specimen de caractères_ 253.
-
-„Entkrist“, der 21.
-
-Erhard, Schriftgiesser 161.
-
-Erpenius, Theodor 235.
-
-_Escala esperitual_ (Pablos) 192.
-
-Estienne s. Stephanus.
-
-„Euklid“ (Ratdolt).
-
-
-Fano 61, 186.
-
-Farbendruck 39.
-
-Faust, Johann s. Fust.
-
-Faust, Johann (falscher) 71. 76.
-
-Faust-Märchen 71.
-
-Fehde weg. eines Holzschnittes 142.
-
-Feodorow, Iwan 279.
-
-Fèvre, Raoul le, _Hist. de Troyes_ 72.
-
-Feyerabend, Sigismund 130.
-
-Field, John 261.
-
-Fischer, Paul 129.
-
-Flander, Matthias 62.
-
-Fleischmann, J. M. 251. 254.
-
-Flötner, Peter 118.
-
-Florenz 60. 184.
-
-Foligno 60.
-
-Foppens, François 250.
-
-Formenschneider 19. 107.
-
-Formenschneider, Hans 107.
-
-Formosa 287.
-
-Fouchet, Jean 65.
-
-Foulis, Andreas u. Robert 266.
-
-Fournier _l'ainé_ 214.
-
--- _le jeune_ 214.
-
-Fox _Book of martyrs_ 263.
-
-Franck, Hans (Lützelburger) 122.
-
-Frank, Swaybold 76.
-
-Frankfurt am Main 130.
-
-Frankfurt a. d. Oder 151.
-
-Franklin, James 270.
-
--- Benjamin 271.
-
-_Fratres vitæ communis_ 35. 51. 68.
-
-_Freemans_ Oath 270.
-
-Frellon, François 213.
-
-Friburger, Michel 65.
-
-Friesner, Andreas 53.
-
-Frix, Eugène 250.
-
-Froben, Hieronymus 137.
-
-Froben, Johannes 136.
-
-Froschauer, Christoph 139.
-
--- Christoph II. 141.
-
--- Hans 130.
-
-Fust, Johannes.
- Darlehn an Gutenberg 26.
- Association mit ihm 27.
- Rechtsstreit mit ihm 31.
- Trennung von ihm 31.
- Fust und Schöffer 38.
- Fusts Tod 41.
-
-
-Gallen, St. 142.
-
-_Gallia christiana_ 211.
-
-Garamond, Claude 210.
-
-Gascon, Le 216.
-
-Ged, William 266.
-
-Gehlen, Johann von 144.
-
-Gehmen, Gottfried von 74.
-
-Gelthuss, Arnold 26.
-
-Gensfleisch, Frielo der Vater 23.
-
--- Frielo der Sohn 23.
-
--- Henne der ältere 26.
-
--- -- d. j. (s. Gutenb.)
-
-Genf 204.
-
-_Gentlemans Magazine_ 267.
-
-Genua 61. 186.
-
-Gering, Ulrich 43. 65.
-
-Gerling, Johann 64.
-
-Germantown 274.
-
-Gernsheim 42.
-
-Geselle, der 164.
-
-Gessner, Andr. 140.
-
-Giunta-Familie.
- Luc-Antonius Giunta 184.
- Thomas Giunta 184.
- Gio-Maria Giunta 184.
- Modesto Giunta 184.
- Philipp Giunta 184.
-
-Glasgow 266.
-
-Glockendon, Georg d. ä. 107.
-
-Glover, Joseph 270.
-
-Goa 287.
-
-Goes, Hewe 264.
-
-„Goettliche Liebesgethoene“ 271.
-
-Götz; Nikolaus 51.
-
-Golddruck 59.
-
-Goltz, Hubert 218.
-
-Goltzius, Heinrich 218.
-
-Gothenburg 158.
-
-Gothische Schrift 59. 66.
-
-Gourmont, Gilles de 204.
-
-Graf, Urse 120.
-
-Grafton, Richard 259.
-
-Grandjean, Philipp 210.
-
-Grandjon, Jean 212.
-
-Grau, Heinrich 136.
-
-Green, Samuel 270.
-
--- Bartholomeo 270.
-
-Grefwe, Amund 158.
-
-Gregorio, Gregor 61. 186.
-
-Griechische Schrift 57. 59. 60.
-
-Griis, Paul 158.
-
-Grimm, Sigmund 130.
-
-Gross, Henning 148.
-
-Groote, Gerhard 68.
-
-Groulleau, Stephan 200.
-
-Gryphius, Anton 212.
-
--- Sebastian 212.
-
-Gutenberg, Johannes.
- Herkunft 23.
- Aufenthalt in Strassburg 24.
- Dortige Associationen 24.
- Rückkehr nach Mainz 26.
- Association mit Fust 26.
- Erste Presse 27.
- Ablassbriefe 28.
- Bibeldruck 28.
- 36zeilige Bibel 29.
- 42zeilige Bibel 30.
- Rechtsstreit mit Fust 31.
- Trennung von Fust 32.
- Neue Offizin 32.
- Das Catholicon 32.
- Gutenberg in Eltville 33.
- Sein Tod 34.
- Sein Andenk. u. s. Denkm. 35.
-
-Gutenberg, Else zum 23.
-
-Gutenbergerin, Anna 26.
-
-Guy, Thomas 263.
-
-
-Haag 233.
-
-Haarlem 70. 251.
-
-Haas, W. 161.
-
-Hackius, Franz 249.
-
-Hagenau 136.
-
-Hager, Hans 140.
-
-Haller, Johann 277.
-
-Hamburg 52. 150.
-
-Hamer, Wolfgang 107.
-
-Han, Ulrich 58.
-
-Hanaw, Johann 151.
-
-Hannsen, Hans 279.
-
-Hardoyn, Gilles 197.
-
-Hartwach, Joh. 113.
-
-Hasselbaugh, Nik. 273.
-
-Hauffe, Matthias 168.
-
-Haurisius 134.
-
-Hebräischer Druck 185. 203.
-
-Heidelberg 134.
-
-Heilmann, Andreas 24.
-
-Heilspiegel, der 21.
-
-Helic, Paul 277.
-
-Henlif, Conrad 42.
-
-Hentzke, Mich. 152.
-
-Hermann von Kempen 64.
-
-Hess, Andreas 75.
-
-Hewmann, Friedr. 35. 132.
-
-Hilden, Wilhelm 152.
-
-_Histoires. Historier_ 67.
-
-_Historyes of Troy_ (Caxton) 72. 73.
-
-_Historia Hispanica_ (61).
-
-Höpfner, Georg 156.
-
-Hof „zum Gutenberg“ 35.
-
--- „zum Jungen“ 26.
-
--- „zum Humbrecht“ 132.
-
-Hofhalter, Rafael 143.
-
-Hohenwang, Ludwig 45.
-
-Holbein, Hans d. j.
- Jugend 120.
- „Totentanzalphabet“ 121.
- „Totentanz“ 121.
- _Icones veteris testamenti_ 122.
- Vollendung d. Holzschnitts 123.
-
-Holl, David 272.
-
--- Leonhard 46.
-
-Holzschnitt 15.
- Wesen desselben 15.
- Aeltester 15. 17.
- Altersbestimmung 18.
- Fortschritte 20. 22.
- Magdeburg 52.
- Zeichner-Holzschnitte 123.
- Strassburg 135.
- Schweden 157.
- Italien 187.
- Paris 196.
- Lyon 212.
- Niederlande 217.
-
-Holum 156.
-
-Hopyl, Wolfgang 202.
-
-_Hortulus animæ_ (Springinklee) 114.
-
-Humery, Conrad 32. 34.
-
-Hunt, Thomas 264.
-
-Huros, Paulus 62.
-
-Hveen 155.
-
-_Hypnerotomachia_ (Aldus) 187.
-
-
-Ibn-Amima 282.
-
-Ibrahim-Efendi 281.
-
-Illuminatoren 14. 84.
-
-Illustration s. Holzschnitt.
-
-Indianischer „Psalter“ 270.
-
-Inkunabeln 91.
-
-Isengrin, Michael 139.
-
-
-Jackson, John 189.
-
-James, Thomas 268.
-
-Jannon, Jean 214.
-
-Janot, Denys 199.
-
-Jansson, Johann 157. 249.
-
-Januszowski, Johann 278.
-
-Japan: Bücherdruck (s. China) 282.
-
--- Papierfabrik. (s. China) 285.
-
-Jegher, Christoph 218.
-
-Jensen, Nikolaus 59.
-
-Jesuiten-Druckerei in Wien 143.
-
-Jobin, Bernhard 136.
-
-Johannis, St., „Apokalypse“ 20.
-
-Johnson, Andrew 280.
-
-Jollet, Mercure 200.
-
-_Justiniani Institutiones_ (Schöffer) 41.
-
-
-Kachelofen, Konrad 54.
-
-Kaiser, Peter 66.
-
-„Kalend. d. Joh. de Gamundia“ 21.
-
--- d. Joh. v. Kunsperk“ 21.
-
-Kapitalbuchstaben 56.
-
-Kartenmacher 19.
-
-Kerver, Thielemann 199.
-
-Keyser, Heinrich I. und II. 157.
-
-Kirchenväter 93.
-
-Klassiker-Ausgaben, Älteste 93.
-
-Klausenburg 278.
-
-Kleinmeister, Die 114.
-
-Knoblauch, Johann 135.
-
--- Paul 155.
-
-Koberger, Antonius, d. ä. 46.
-
--- -- d. j. 129.
-
--- Johannes 129.
-
-Köln 50. 105.
-
-Kogelherren 70.
-
-Kohl, Hans 143.
-
-Kgl. Buchdrucker 203. 208.
-
--- Buchdruckerei in Paris 208.
-
-Konstantinopel 76. 280.
-
-Kopenhagen 74. 154. 239.
-
-Korrektur 82. 163.
-
-Kornut 164.
-
-Koster, Laurenz Johanns Sohn 70.
-
-Kosterlegende 70.
-
-Kraft, Kasper 143. 167.
-
-Krakau 76. 277.
-
-Kralitz 278.
-
-Krause, Georg 167.
-
-Krieger, Christoph 188.
-
-Kromberger, Jakob 64.
-
--- Johann 190. 191.
-
-Krüger, Theodor 167.
-
-Kuhn, Valentin 156.
-
-Kulmbach, Hans von 114.
-
-Kuttenberg 76.
-
-
-_Lactantius_ (Sweynheim) 56.
-
-Ladenspelder, Hans 119.
-
-Lamberg, Abraham 148.
-
-Landsberg, Martin 145.
-
-Lateinische Schrift 57.
-
-Lavagna, Philippus de 60.
-
-St. Lazaro 186.
-
-Lazarsz, Andreas 277.
-
-„Leben d. Heiligen“ 116.
-
-Lederbereitung zum Binden 90.
-
-_Legend, the golden_ (Caxton) 73.
-
-Lehrling, Der 164.
-
-Leipzig 53. 145.
-
-Leiria 63.
-
-Lemberg 278.
-
-Leroy, Wilh. 66.
-
-_Lettres cadeaux_ 66.
-
-_Lettres de Forme_ 65.
-
--- _de Somme_ 66.
-
--- _Tourneurs_ 66.
-
-_Lex. Heptaglotton_ (Dr. Castell) 262.
-
-Leyden 230. 251.
-
-Lima 192.
-
-Limburgus, Johannes 51.
-
-Lips, Balthasar 132.
-
-Lissabon 63.
-
-_Litteræ florentes_ 59.
-
-Litterarische Produktion 91.
-
-Livens, Joh. 218.
-
-_Livius_ (Sweynheim) 57.
-
-_Livres d'heures_ 196.
-
-Lobinger, Johann 161.
-
-Lobinger, Pancratius 129.
-
-London 72. 257.
-
-_London Magazine_ 267.
-
-Lorch, Melchior 118.
-
-Lotter, Melchior d. ä. 146.
-
--- -- d. j. 150.
-
-Lublin 278.
-
-Lucas, George 261.
-
-Lucas van Leyden 218.
-
-Luce, Louis 210.
-
-Luchtmans, S. & E. 251.
-
-Lübeck 52.
-
-Lützelburger, Hans Franck 122.
-
-Lufft, Hans 150.
-
-Lund 158.
-
-Luschmer, Joh. 62.
-
-Luther über Illustration 147.
-
-Lyon 66. 212.
-
-
-Macao 287.
-
-Madrid 190.
-
-Magdeburg 52.
-
-Mailand 60.
-
-Mainz 23. 132.
-
-Malerschulen, Deutsche 105.
-
-_Mamotrectus_ (Beromünster) 43.
-
-Manilla 287.
-
-Mansion, Colard 68.
-
-Mantegna, Andrea 187.
-
-_Man. de adultos_ (Kromberger) 191.
-
-„Manung widd' die Durken“ 29.
-
-Manuskriptenhandel 14.
-
-Manutius s. Aldus.
-
-Marchand, Guyot 197.
-
-Marienthal 35.
-
-Marnef, Geoffroy de 197.
-
-Martens, Dierik 66.
-
-Martinez, Anton 62.
-
-Matthiasson, Jon 156.
-
-„Mazarinsche Bibel“ (42zeilig) 29.
-
-Mecheln, Konrad von 139.
-
-Mechitaristen-Druckerei 186.
-
-_Médailles etc. de Louis le Grand_ 210
-
-Medici, Marie von 200.
-
-_Membrana_ 86.
-
-Mentelin, Johannes 42.
-
-_Mercurius Caledonicus_ 265.
-
-_Mercurie, The english_ 267.
-
-Merian, M., Vater u. Sohn 131.
-
-Merseburg 53.
-
-„Messkatalog“ 148. 170.
-
-Metallschnitt 16. 17.
-
-Metaxa, Nicodemus 280.
-
-Meuser, Kaspar 167.
-
-Mexico 190.
-
-Mey, J. van der 251.
-
-Millar, Andreas 265.
-
-Miniaturen 14. 84.
-
-Miniaturen 67.
-
-Modisten, die 129.
-
-Monserrat 62.
-
-Montagna, Benedetto 187.
-
-Montreale 61.
-
-Moravius, Matthias 61.
-
-Morel, Familie 201.
-
-Mores, Rowe 268.
-
-Moskau 279.
-
-Mstislavzoff Timoféew 279.
-
-Müller, Hans 130.
-
--- Heinrich 276.
-
--- Johann 251.
-
-Münsch, Josias 139.
-
-Münster 51.
-
-Myllar, Andrew 265.
-
-
-Nachdruck 174.
-
-„Nachf. Christi“ v. Th. a. Kempis 46.
-
-Nangasaki 287.
-
-Nanking 287.
-
-„Narrenschiff“ (Seb. Brant) 44. 135.
-
-de Negker, Jost 116.
-
-Néobar, Conrad 203.
-
-Neudörffer d. ä. 129.
-
-_New-England Courant_ 271.
-
-Newport (Nordamerika) 271.
-
-New-York 273.
-
-_New-York weekly Journal_ 273.
-
-Nielsen Tyge 156.
-
-Nikolaus von Breslau 61.
-
-Nikolaus aus Sachsen 63.
-
-Noir, Michel le 197.
-
-Notary, Julian 259.
-
-Notendruck, erster 130.
-
-Nürnberg 46. 106. 127.
-
-Numeister, Johann 60.
-
-
-Odense 74.
-
-Oeglin, Erhard 130.
-
-Ofen 75.
-
-Olai, Anund 157.
-
-Oporinus, Johannes 138.
-
-Ortas, Abraham d' 63.
-
-Ostendorfer, Michael 117.
-
-Ostrog 278.
-
-Ottmar, Johannes 132.
-
-Oxford 264.
-
-
-Pablos, Juan 191.
-
-Padeloup 216.
-
-Padua 187.
-
-Paffroed, Richard 68.
-
-Palmanazar 263.
-
-Palmer, Samuel 263.
-
-Palmert, Lambert 62.
-
-Pampelona 189.
-
-Pannartz, Arnold 56.
-
-Paoli, Stefanus 186.
-
-Papier, Ältestes 86.
-
-Papiermühlen in Basel 44.
-
-Papier, chinesisches u. japan. 285.
-
-Papillon, Jean 200.
-
-Paris 65. 197.
-
-Paschalis-Eli 282.
-
-Paul von Köln 62.
-
-Pegnizer, Joh. 62.
-
-Peking 287.
-
-Pencz, Georg 115.
-
-Pergament 85.
-
-_Persij Satire_ 50.
-
-Petersburg, St. 280.
-
-Petreijus, Johann 129.
-
-Petri, Adam 137.
-
--- Heinrich 138.
-
--- Johannes 137.
-
-Petzensteiner, Heinrich 49.
-
-Pfister, Albrecht 48.
-
-Philadelphia 271.
-
-Phillery 218.
-
-Pigouchet, Paul 197.
-
-Pilgrim s. Wächtlin 136.
-
-_Pilgrim's Progress_ 268.
-
-Pilsen 76.
-
-Plantinsches Haus.
- Plantin, Christoph 219.
- Begründung des Geschäfts 219.
- Seine Korrektoren 219.
- Raphelingius, Franz 220.
- Moretus, Johann 220.
- Beys, Gilles 220.
- _Biblia polyglotta_ 220.
- _Prototypographus regius_ 222.
- Plantins Schriften 223.
- Sein Druckzeichen 223.
- Seine Nachfolger 224.
- Moretus, Balthazar 224.
- Plantinsche Museum 225.
-
-Pleydenwurf, Hans 107.
-
--- Wilhelm 107.
-
-Plutschau, Heinrich 287.
-
-_Polychronicon_ (Caxton) 73.
-
-Polyglotten s. Bibel.
-
-_Poor Richards Almanach_ 271.
-
-Porrus, Pet. Paul 186.
-
-Port au Prince 192.
-
-Posen 278.
-
-Postulat 165.
-
-Powell, Humfrey 266.
-
-Prag 76, 106.
-
-Pressen, die ältesten 82. 162.
-
-Pressenmeister 163.
-
-Prinzipal 164.
-
-_Printers_ 19.
-
-Privilegien in Frankreich 193.
-
--- in England 255.
-
--- in Schottland 265.
-
-„Propaganda“, Druckerei der 186.
-
-„Proportion. d. Ross“ v. Beham 116.
-
-Prostitz, Isaak 278.
-
-„Psalterium“ (Schöffer) 38.
-
-Puerto, Alfons de 62.
-
-Putorius, Johann 161.
-
-Pynson, Richard 259.
-
-
-_Queen Elizabeth's prayer book_ 263.
-
-Quentell, Heinrich 51.
-
-
-Radewynzoon, Floris 69.
-
-Räff, Povel 74.
-
-Raimondi, Marc-Antonio 188.
-
-Rainmann, Johann 130.
-
-Ratdolt, Erhard 46, 59.
-
-Ravenstein, Albert 52.
-
-Regiomontanus, Joh. 46.
-
-Reiberdrucke 19.
-
-Reichardt, Hans 168.
-
-Reineke de Voss (Lübeck) 52.
-
-Reinhard, Johann 135.
-
-Remboldt, Berthold 66.
-
-Rembrandt, Paul 218.
-
-Rewich, Erhard 41.
-
-Rhawe, Georg 150.
-
-Richardson, Samuel 264.
-
-Richel, Bernhard 44.
-
--- Wendelin 136.
-
-Riffe, Hans 24.
-
-Rigaud, Claude 211.
-
-_Rimkrönike, Dansk_ 74.
-
-Ripen 74.
-
-„Robinson Crusoe“ 268.
-
-Röckner, Vincenz 128.
-
-Römische Schrift 56.
-
-Rom 57. 181. 183. 186.
-
-Roman, Johann 247.
-
-_Roman_ (_Romain_, _Romeyn_) s. Antiqua.
-
-Rood, Theodor 264.
-
-Rossart, J. F. 251.
-
-Rostock 151.
-
-Roville, Guillaume de 213.
-
-Roycrofft, Thomas 261.
-
-Rubrik 13.
-
-Rubrikatoren 14. 84.
-
-Rudbeck, Olaus 158.
-
-Runen 74.
-
-Runge, Christoph 153.
-
-
-Sabon 130.
-
-„Sachsen-Chronik“ (Schöffer) 41.
-
-„Sachsen-Spiegel“ (Richel) 44.
-
-Said-Efendi 281.
-
-Salamanca 62.
-
-_Sallust_, stereotyp. v. W. Ged 266.
-
-Sansleque, Familie 214.
-
-Saragossa 62.
-
-Saspach, Hans 25.
-
-Satz-Apparate, früheste 79. 162.
-
-Sauer, Familie 274.
-
-Schaeuffelein 116. 128.
-
-Scharffenberg, Crispinus 145.
-
--- Johann 145.
-
--- Nikolaus 277.
-
-„Schatzbehalter, Der“ 47. 107.
-
-Schedel „Buch d. Chroniken“ 47. 107.
-
-„Schellhornsche Bibel“ (36zeil.) 29.
-
-Schepper, J. J. 247.
-
-Schleswig 74.
-
-Schnellboltz, Gabriel 150.
-
-Schnitzer, Joh. v. Armsheim 46.
-
-Schoch, Christoph 155.
-
-□Schöffer-Familie.□
-
-Schöffer, Peter 30.
- Jugend 30.
- Ankunft in Mainz 31.
- Verbindung mit Fust 38.
- Psalterium 38.
- 48zeilige Bibel 40.
- Schwabacher Schrift 41.
- Tod 42.
-
-Schöffer, Ivo 132.
-
--- Jakob 132.
-
--- Johann 132.
-
--- Johann □ii.□ 132.
-
--- Peter □ii.□ 132.
-
-Schön, Erhard 114. 135.
-
-Schönsperger, Hans d. ä. 46. 129.
-
-Schongauer, Martin 134.
-
-Schreibmeister, Die 129.
-
-□Schriftgiesserei.□
- Älteste 31. 77.
- Verbesserungen 160.
- Kegel und Höhe 160.
- Giessinstrument 160.
- Signatur 160.
- Clichieren 161.
- Fraktur 161.
- Nürnberg 129.
- Italien 177.
- Frankreich 198. 214.
- Niederlande 246. 250.
- England 268.
- Russland 279.
-
-Schultze, Georg 153.
-
-Schwabacher Schrift 41.
-
-Schumann, Valentin 146.
-
-Scott, Joh. 136.
-
-_Scriptores hist. Byzantinæ_ 211.
-
-Sedan 214.
-
-_Sedanoise_-Schrift 214.
-
-Segur, Bartholomäus 62.
-
-Selou, Peter von 157.
-
-Semigothische Schrift 66.
-
-Sensenschmid, Johann 46. 49.
-
-_Sephar Orach Chaim_ 63.
-
-Seuil, de 216.
-
-Sevilla 62. 190.
-
-_Sheldonian Theatre_ 264.
-
-Siberch, Johann 264.
-
-Singriener, Johann 142.
-
-Skalholt 157.
-
-Slawischer Druck in Tübingen 133.
-
-Snagof 282.
-
-Snell, Johann 74. 75.
-
-Solis, Virgil 117.
-
-Soncino 61.
-
-Sorbonne 65.
-
-Sorg, Anton 46.
-
-_Spectator, The_ 267.
-
-_Speculum hum. Salvationis_ 21.
-
-_Speculum pass._ (Schaeuffelein) 116.
-
-Speyer, Joh. von 58.
-
-Spielkarten 18.
-
-Spiess, Wigand von Ortenberg 35.
-
-Spindeler, Nikolaus 62.
-
-Spinosa, Antonio de 191.
-
-Springinklee, Hans 114. 135.
-
-Stathoen, Hermann an 42.
-
-Stendal 52.
-
-□Stephanus-Familie.□
-
-Stephanus, Heinrich 202.
-
-Stephanus, Robert □i.□ 202.
- Jugend u. Geschäftsanfang 202.
- _Thesaurus linguæ latinæ_ 203.
- Königl. Typograph 204.
- Übersiedelung nach Genf 204.
- Kgl. griech. Schriften 204.
-
-Stephanus, Franz □i.□ 205.
-
--- Karl 205.
-
--- Robert □ii.□ 206.
-
-Stephanus, Heinrich □ii.□ 206.
- Geschäftsbahn 206.
- _Thesaurus linguæ græcæ_ 207.
- Heinrichs Tod 207.
-
-Stephanus, Paul 207.
-
-Stephanus, Franz □ii.□ 208.
-
-Stereotypie:
- Valeire 215.
- van der Mey und Müller 251.
- William Ged 265.
-
-Stimmer, Tobias 120.
-
-Stockelmann, Hans 154.
-
-Stockholm 75. 157.
-
-Stöckel, Wolfgang 145.
-
-Stoll, Johann 66.
-
-Strassburg 23. 42. 120. 134.
-
-Strassburg, Jakob von 136.
-
-Straub, Leonhard 142.
-
-Strengnäs 157.
-
-Subiaco 56.
-
-Suhanow, Arsenij 279.
-
-_Summa de art. fidei_ (Gutenberg) 32.
-
-Surinam 192.
-
-Svirler, Michael 66.
-
-Sweynheim, Konrad 56.
-
-_Synodalnija Typografia_ 279.
-
-
-Tacaco 287.
-
-Takke, Heinrich 149.
-
-„Talmud“ (Bomberg) 185.
-
-_Tattler, the_ 267.
-
-Tavernier, Ament 251.
-
-Technik, Verbesserungen 159.
-
-Teigdruck 16.
-
-Thanner, Jakob 146.
-
-_Theatrum geographiae veteris_ 235.
-
-_Thes. ling. lat._ (Rob. Steph.) 203.
-
--- -- _græcæ_ (H. Steph.) 207.
-
-Theuerdank, Der 127.
-
-Theuerdank-Type 128.
-
-Thou, Charles de 215.
-
-Thurneisen, Emm. 139.
-
-Thurneysser, Leonhard 152.
-
-Tiflis 282.
-
-Tissard, François 204.
-
-Tissnova, Martin von 76.
-
-Torresanus, Andr., de Asola 180.
-
-_Torquemada Meditationes_ (Han) 56.
-
-Tory, Geofroy 198. 215.
-
-Tótfalu, Nikolaus 279.
-
-Tournes, Jean de 212.
-
-_Tractatus racionis_ (Gutenberg) 32.
-
-Tranquebar 287.
-
-Trattnern, von 161.
-
-Trechsel, Joh. 66.
-
-„Triumphz. Cäsars“ (Andreani) 189.
-
-Truber, Primus 133.
-
-Tschernigow 76.
-
-Tübingen 132.
-
-Testament, Neues (Tyndale) 259.
-
-Tzwyvel, Theodorik 52.
-
-
-Ulm 44.
-
-Ungnad, Hans, von Sonnegg 133.
-
-„Unterweysung d. Proportion“ 114.
-
-Upsala 157. 158.
-
-Urach 133.
-
-Uscan 282.
-
-Utrecht 231.
-
-
-Valdarfer, Christoph 60.
-
-Valdius, Petrus 158.
-
-Valeire 215.
-
-Valentin aus Mähren 63.
-
-Valencia 61. 190.
-
-Vascosan, Michel 201.
-
-Vautrollier, Thomas 263.
-
-Vecellio, C., _Habiti antichi_ 188.
-
-Velin (_Vellum_) 86.
-
-Venedig 58. 176. 184. 185. 187.
-
-Vérard, Anton 197.
-
-Verlagskatalog, Erster 42.
-
-Vesalius, A., _hum. corp. fabrica_ 139.
-
-Victor, Hieronymus 142. 277.
-
-_Virgilius_ (Ratdolt) 66.
-
-Vitré, Antonius 209.
-
-_Vocabulario_ des A. de Molina 191.
-
-Vögelin, Ernst 134. 147.
-
-Volpi, Giovanni 187.
-
-Voltz, Nikolas 152.
-
-Voskens, Dirk 250.
-
-Vostre, Simon 197.
-
-
-Wächtlin, Joh. 136.
-
-Waesberge, Johann van 249.
-
-Waltons Polyglotte 261.
-
-Wankuli _Kitab Lugat_ 281.
-
-„Wappenbuch“, erstes (Sorg) 46.
-
-Warschau 278.
-
-Wasen, Hans am 139.
-
-Wasserzeichen 87.
-
-Watson, James 265.
-
-Wechel, Familie 131. 201.
-
-Weidlich, Christoph 168.
-
-Weiss, Johann 151.
-
-Wendelin, Joh., de Spira 58.
-
-Wenssler, Michael 43.
-
-Westfal, Joachim 52.
-
-Wetstein, Heinrich 245.
-
-Weyerstraten, Elisäus 250.
-
-Whitchurch, Edward 260.
-
-Wien 49. 142.
-
-Willer, Georg 170.
-
-Wilna 278. 279.
-
-Wilson, Alexander 266.
-
-Winkler, Andreas 145.
-
-Winterburger, Joh. 50.
-
-Wittenberg 119. 150.
-
-Wojiriot, Pierre 200.
-
-Wolf, Johann 141.
-
-Wolfe, Reynold 262.
-
-Wolgemut, Michel 47. 107.
-
-Worde, Wynkyn de 258.
-
-Würsing, Marx 130.
-
-
-Xylographie s. Holzschnitt.
-
-Xylographische Werke 20.
-
-
-Zahlen, arabische 58.
-
-Zainer, Günther 46.
-
--- Johannes 45.
-
-Zanetti, Anton Graf v. 189.
-
-Zell, Ulrich 51.
-
-Zeitungen, erste, in Wien 144.
-
--- -- in England 267.
-
-Zeitungsstempel in England 267.
-
-Zenger, Peter 273.
-
-Zensur 96. 173.
-
-Zeugdruck 16.
-
-Ziegenbalg, Barth. 287.
-
-Zimmermann, Mich. 143.
-
-Zink, Christoph 161.
-
-Zinna, Kloster 53.
-
-„Zionitisch. Weyrauchs-Hügel“ 274.
-
-Zorba, Familie 63.
-
-Zürich 139.
-
-Zunftwesen in Frankreich 194.
-
-Zuren, Jan van 70.
-
-
-B. NACHWEIS DER ANGEFÜHRTEN QUELLENSCHRIFTEN.
-
- Äbi, J. L., Die Buchdruckerei in Beromünster 43.
-
- Almeloven, F. J., _De vitis Stephanorum etc._ 202.
-
- Amaduti, J. C., _Catalogus librorum etc. St. Congregationis_ 186.
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- Andenken, gepriesenes. Jubiläumsschrift 1740 145.
-
- Arnett, J. A., _The books of the Ancients_ 13.
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- Astle, T., _The origin of writing_ 14.
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- Baader, L., Beitrag zur Kunstgeschichte Nürnbergs 46.
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- Bandini, A. M., _De Florentina Juntarum Typographia_ 184.
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- Bandtkie, G. S., _De primis Cracoviæ etc. incunabulis_ 75.
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- Baudet, P. J. H., Leven van W. J. Blaeu 228.
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- Becker, C., Jost Amann 118.
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- Bekker, E., Buchdruckerwappen 49.
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- Berjeau, J. Philipp, _Early printers Marks_ 124.
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- Bernard, A., _Ant. Vérard_ 193.
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- -- _Ant. Vitré_ 193.
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- -- _Débuts de l'imprimerie_ 9.
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- -- _Geofroy Tory_ 198.
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- -- _Hist. de l'impr. Royale_ 208.
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- -- _Les Estienne_ 202.
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- Beyschlag, Beiträge zur Kunstgeschichte von Nördlingen 88.
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- Boulmier, J., _Estienne Dolet_ 213.
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- Breitkopf, J. G. J., Beiträge zu einer Gesch. d. Schreibkunst 14.
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- -- Urspr. d. Spielkarten 18.
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-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
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-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
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-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
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