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-The Project Gutenberg eBook of Das Speicherbuch, by Johannes Emil
-Rabe
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Das Speicherbuch
-
-Author: Johannes Emil Rabe
-
-Illustrators: Carl Schildt
- Christian Förster
- W. Lühring
-
-Release Date: June 7, 2022 [eBook #68259]
-
-Language: German
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS SPEICHERBUCH ***
-
-
- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der 1922 erschienenen Buchausgabe
- so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
- Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute
- nicht mehr verwendete Schreibweisen sowie regional gefärbte Ausdrücke
- bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Begriffe
- wurden nicht korrigiert.
-
- Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere
- Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen
- gekennzeichnet:
-
- gesperrt: +Pluszeichen+
- Antiqua: ~Tilden~
-
- ####################################################################
-
-
-
-
- Quickborn-Bücher / 2. Band
-
-
- Das Speicherbuch
-
- Für den „Quickborn“ in Hamburg
-
- herausgegeben von
-
- Johs. E. Rabe
-
-
- Dritte, überarbeitete Auflage (6.-10. Tausend)
- des Buches „Von alten hamburgischen Speichern
- und ihren Leuten“.
-
-
- [Illustration] Quickborn-Verlag in Hamburg [Illustration]
-
-
-
-
- Umschlagzeichnung von Hans Förster, Bilder
- im Buche von Carl Schildt, Christian Förster
- und W. Lühring in Hamburg. Bildstöcke
- von Carl Griese in Hamburg. Druck von
- J. J. Augustin in Glückstadt und Hamburg.
-
-
-
-
-[Illustration: Hamburger Fleet
-
-Zeichnung von C. Schildt.]
-
-
-
-
-Seit dem Eintritt Hamburgs in das deutsche Zollgebiet wird der größte
-Teil unserer überseeischen Einfuhr im neugeschaffenen Freihafenviertel
-gelagert, während für unsere alten Speicher nur noch geringer Bedarf
-verbleibt. Sie sind daher vielfach schon abgerissen worden, um
-neuartigen Geschäftshäusern Platz zu machen, die durch zahlreiche
-behagliche Schreibstuben und helle, weite Lagerräume für deutsche oder
-zollfreie Waren, sowie durch ausgedehnte Werkstätten Aussicht auf gute
-Verwertung bieten. Die wenigen, die nach Wiederkehr besserer Zeiten
-noch eine Weile ihr Dasein fristen mögen, haben im Innern meistens
-so durchgreifende Umwälzungen erfahren, daß man den früheren Zustand
-kaum noch zu ahnen vermag. Aber auch andere Veränderungen machen sich
-im Hamburger Geschäftsviertel bemerkbar. Der Betrieb spielt sich
-durch neue Hülfsmittel und Erleichterungen nicht mehr in derselben
-schwerfälligen und mühseligen Weise ab wie früher und schon dadurch
-wird auch der Menschenschlag ein anderer, den wir bei der Arbeit
-treffen, ganz abgesehen von sonstigen neuzeitlichen Verhältnissen
-und Ansprüchen. Endlich aber ist erklärlicher Weise eine ganze
-Reihe niederdeutscher Bezeichnungen, Redewendungen und Ausdrücke im
-Verschwinden begriffen, weil sie in die Jetztzeit nicht mehr so recht
-hineinpassen wollen. Hiervon mitzuteilen, so viel ihm aus seinen
-Hamburger Erfahrungen noch gegenwärtig war, hat Herr Walter Redslob in
-Temuco (Chile) im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche
-Sprachforschung 32 S. 55 f. unternommen, was dann zu gegenwärtiger
-Arbeit für den „Quickborn“ den ersten Anstoß gab.
-
-Ich habe versucht, das Bild des Lebens und Treibens in unseren alten
-Speichern vor Eintritt der großen Umwälzung hier wenigstens in einigen
-Hauptzügen festzuhalten, durchweg auf Grund eigener Erinnerungen und
-Forschungen, aber mit Unterstützung zahlreicher Freunde, denen ich auch
-bei dieser dritten Auflage wieder vielfach zu Dank verpflichtet bin.
-
- Hamburg, im Dezember 1916 Johs. E. Rabe
-
-
-
-
-Erklärung der Abkürzungen
-
-
- +Amsinck+: Die Hamburger Zuckerbäcker. In: Aus Hamburgs Vergangenheit
- 1. Folge
-
- +Beneke+: Hamburgische Geschichten und Sagen, 2. Aufl. 1854
-
- +Borcherdt+: Das lustige alte Hamburg, zweite Hälfte 1891
-
- +Bröcker+: Der Hamburger, 1910-11
-
- +Doornkaat+: Doornkaat-Koolmanns Wörterbuch der ostfriesischen Sprache
-
- +Ehrenberg+: Hamburger Handel und Handelspolitik. In: Aus Hamburgs
- Vergangenheit
-
- +Gaedechens+: Historische Topographie von Hamburg
-
- +Gaedertz+: Die plattdeutsche Komödie in Hamburg im 19. Jahrhundert
-
- +Goedel+: Quickbornbuch 9: Klar Deck überall!
-
- +Heckscher+: Chr. Suhrs Hamburgische Trachten
-
- +Hertz+: Paul Hertz: Unser Elternhaus. Hamb. Liebhaberbibliothek 1895
-
- +von Heß+: Hamburg topographisch, historisch und politisch
- beschrieben, 2. Aufl.
-
- +Jünger+: J. E. Rathmann & Sohn, Hamb. Roman von Nathanael Jünger
-
- +Kopal+: Aus dem Hamburg der sechziger Jahre
-
- +Koppmann+: Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg
-
- +Korr. Bl.+: Korrespondenzbl. des Ver. für Niederdeutsche
- Sprachforschung
-
- +Lappenberg+: Hamburger niederdeutsche Chroniken
-
- +Lauffer+: Stätten der Kultur: Hamburg
-
- +Lichtwark+: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde
-
- +Melhop+: Althamburgische Bauweise
-
- +Mitt.+: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte
-
- +Mus.+: Bericht d. Museums f. Hamb. Geschichte 1909
-
- +Nirrnheim+: Handlungsbuch des Vicko von Geldersen
-
- +Patriot+: Hamburgische Wochenschrift, erschienen 1724-26
-
- +Richey+: Idiotikon Hamburgense 1755
-
- +Rynesberch+: Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt Bremen,
- herausgegeben von J. M. Lappenberg
-
- +Schlüter+: Traktat von unbeweglichen Gütern 1709
-
- +Schrader+: Hamburg vor 200 Jahren
-
- +Schütze+: Holsteinisches Idiotikon 1800-1804
-
- +Steinhausen+: Monographien zur deutschen Kulturgeschichte, Bd. 2:
- Der Kaufmann
-
- +Sternhagen+: Ut Vadders Tiden, 4. Aufl. 1909
-
- +Tratziger+: Chronik der Stadt Hamburg, herausg. von J. M. Lappenberg
-
- +Zacharias+: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde 1899
-
- +Zeitschr.+: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte
-
-
-
-
-Etwa siebenhundert Jahre sind verflossen, seit die ersten Speicher
-in Hamburg errichtet wurden, d. h. Gebäude, die ausschließlich
-zur Lagerung von Waren bestimmt sind. Ihre Vorgänger, die alten
-Kaufmannshäuser, in denen sich Wohnung und Warenvorräte unterm
-nämlichen Dach befanden, haben wir uns mit Melhop (2 f.) in ihren
-Anfängen einfach als in die Stadt gerückte altsächsische Bauernhäuser
-zu denken, nur daß diese sich hier, innerhalb der engen Umwallung, auf
-sehr beschränktem Raum einzurichten hatten und statt in die Breite sich
-in die Höhe entwickeln mußten. Auf die große Diele mit dem offenen
-Herd verzichtete man nicht, aber die Wohnräume mußte man dafür schon
-in ein oberes Stockwerk verlegen; darüber lagerten sich dann die
-Warengelasse. Noch im 13. Jahrhundert waren die Häuser durchweg aus
-Holzständern mit Lehmgeflecht dazwischen hergestellt, vielfach auch mit
-Stroh gedeckt. Selbst Rauchfänge aus Holz waren häufig zu finden. Kein
-Wunder, daß im Jahre 1284 eine verheerende Feuersbrunst fast die ganze
-Stadt vernichtete. (Tratziger 63.) Beim Wiederaufbau hielt man sich
-wohl an solideres Material, aber von der altgewohnten Einrichtung wich
-man weder damals noch später ab. Trotz nachträglicher Einbauten können
-wir das noch heute in manchen alten Kaufmannshäusern erkennen. Vor
-allem blieb die große Diele, durch zwei Stockwerke gehend und genügend
-Tageslicht durch hohe Fenster vom Hof empfangend. Daran, mit breiten
-Holzgeländern an beiden Seiten, eine mächtige Doppeltreppe, die auf
-eine Galerie des ersten Stockwerks führte. In der Mitte der Decke fand
-sich ein durch eine aufklappbare Luke geschlossener Ausschnitt, das
-+Winn’lock+, das sich durch alle Stockwerke bis an die Haspelwinde des
-Spitzbodens fortsetzte und das Auf- und Abwinden von Waren mittels der
-endlosen Windetaue, der +Löpers+, ermöglichte. An anderer Stelle hing
-die Wagschale, die +Bummelschal+, von der Decke herab. Es war noch im
-19. Jahrhundert das Vorrecht des „Großbürgers“, mit der „großen Schale“
-zu wägen, wie auch nur dieser ein eigenes Konto bei der Girobank halten
-und Waren „auf Transitozettel deklarieren“, d. h. für fremde Rechnung
-ein- und ausführen durfte. -- Küche und offener Herd hatten gleichfalls
-ihren Platz an der Diele. Neben ihrem Hauptzweck, der Warenbewegung
-zu dienen, bildete diese in vielen Fällen einen wahren Prunkraum,
-dessen vergoldete Karosse und blendender Reichtum an Küchengeschirr
-bereits von der Straße aus bestaunt werden konnte. Hier hing im Herbst
-zur Zeit des „+richtigen Ossenslachterwedders+“ (Sturm und Regen) der
-schön geschmückte Ochse (Beneke 359 f.), hier wurden vornehme Gäste
-empfangen, hier war auch der Tummelplatz der Kinder (Hertz 36 f.)
-und bei Todesfällen fand hier die feierliche Aufbahrung des Sarges
-statt (Zacharias 29 f.). -- Lichtwark (1897, 61 f.) schreibt: „Wie
-einheitlich und behaglich wirkt der Raum, wie reich und vornehm! ..
-Was ihn so lebendig macht, lebendiger als die stolzen Treppenhäuser
-der Barockpaläste, das ist seine Lauschigkeit, die das tägliche Leben
-ahnen läßt. ... Jetzt stehen noch ein halbes Dutzend im alten Zustande,
-aber da die Häuser nicht mehr bewohnt werden und nur als Speicher und
-Kontore dienen, sind sie unfrisch oder verkommen. Die Künstler, die
-in Hamburg lebten, haben uns von der traulichen Poesie dieser Räume
-kein Bild erhalten, den Dilettanten aber, die uns einen Blick in die
-dem Untergang geweihte Herrlichkeit festhielten, wird man nicht nur in
-Hamburg ein dankbares Andenken bewahren. ... Hätte es solche Schönheit
-in der Privatarchitektur Münchens, Berlins oder Düsseldorfs gegeben,
-so würden Generationen von Malern in unserem (neunzehnten) Jahrhundert
-sie verherrlicht haben. Aus tausend Bildern und Hunderttausenden von
-Photographien, Holzschnitten und Stichen danach würde das deutsche Volk
-diese Dielen kennen.“ (Abbildungen solcher Dielen bei Lichtwark, Bröer,
-Melhop. Vergl. auch Melhop 278 f., Jünger 5, Schrader 42 f., Lauffer
-70 f. -- Im neuen Museum für hamburgische Geschichte wird die genaue
-Nachbildung einer althamburger Diele einen Glanzpunkt bilden.) Es sei
-übrigens beiläufig erwähnt, daß der Hamburger Patrizier sein Stadthaus
-nur im Winter bewohnte. Am 17. April pflegte die Familie vors Tor zu
-ziehen und kehrte am 18. Oktober in die Stadt zurück.
-
-
-Wir dürfen die Entwicklung unseres Geschäftsviertels des Großhandels
-so annehmen, daß anfangs die Uferfläche, die +Kaje+, durchweg unbebaut
-liegen blieb, wie noch jetzt bei den Vorsetzen zu sehen, bis zum
-Zollanschluß auch z. B. beim Kehrwieder. So war es ursprünglich in der
-Deichstraße, im Cremon, in der Catharinenstraße, wie bei den Mühren,
-im Grimm usw. Hinter den Häusern, die sich also nur an einer Seite
-der Straße entlang zogen, erstreckten sich tiefe, schmale Gärten bis
-an andere +Fleete+, zuweilen auch bis an den Stadtwall oder an offene
-Abflußgräben, die später zu Fleeten erweitert und vertieft wurden
-(Gaedechens 41). Als die Böden des Wohnhauses dem sich ausdehnenden
-Geschäftsbetriebe nicht mehr genügten, begann man dann, an diesen
-Hinterfleeten Speicher zu errichten; später folgten schmälere
-Verbindungsbauten zwischen Wohnhaus und Speicher und endlich blieben
-statt der ehemaligen freien Stücke nur dumpfige, geschlossene Hofplätze
-nach. Die Lagerböden fügten sich meistens vom Vorderhause durch den
-Mittelbau an die Böden des Speichers in gleicher Höhe an.
-
-Mit der Zeit erstarkten Handel und Gewerbe immer mehr, zum Teil
-sprungweise, und erforderten weite große Räumlichkeiten. Ich erinnere
-nur an die Bierbrauerei. Schon 1270 war das Hamburger Bier berühmt
-(Rynesberch 118 Anm. 100) und im Jahre 1307 wird berichtet, daß es
-das Bremer überflügelt habe (Rynesberch 85, Mitt. I. 44). Lauffer 34
-gibt an, die Herstellung Hamburger Bieres im 15. Jahrhundert habe
-durchschnittlich 100000 Tonnen, gleich 250000 Hektoliter, im Jahre
-betragen. Im 16. Jahrhundert gab es hier dann die stattliche Zahl
-von 531 Brauhäusern (Lappenberg 14), die in rascher Folge errichtet
-waren. Da man sie am liebsten an den Fleeten anlegte, um das Wasser
-sowie Gelegenheit zur Verschiffung bequem zur Verfügung zu haben,
-so wurde allmählich das ~litus~, die Uferfläche, zum Bebauen in
-Angriff genommen. Bis dahin gehörte dieses ~litus~ durchweg den
-gegenüberliegenden Häusern und pflegte u. a. von den Brauern benutzt
-zu werden, um ihr Brennholz aufzustapeln (Schlüter 21). Schon im
-Stadterbebuche von 1248 bis 1274 wird wiederholt der Verkauf solcher
-Uferplätze vermerkt (Zeitschrift I. 452 Anm. 5, Gaedechens 50). Es
-kam hinzu, daß die Hülfsgewerbe, hier besonders die Faßbinder, viel
-Raum beanspruchten. Zwischen 1370 und 1387 waren neununddreißig vom
-Hundert sämtlicher Amtsmeister Küper (Koppmann Bd. 3, XX.). Nach und
-nach wurden auf diese Weise die ursprünglich frei liegenden Kajen
-an den Fleeten vollständig bebaut, teilweise mit Brauhäusern und
-Betriebswerkstätten, teils aber auch mit Speichern, die jetzt also
-nicht mehr mit dem Sitz des Kaufmanns in unmittelbarer Verbindung
-standen. In welchen Zwischenräumen diese Ausfüllung der freien
-Uferplätze stattfand, läßt sich oftmals nachweisen. So wurden
-beispielsweise die beiden Grundstücke an der Fleetseite der Deichstraße
-neben der Hohenbrücke wahrscheinlich zuerst ums Jahr 1322 bebaut, das
-im Norden angrenzende als eines der letzten freigebliebenen dieser
-Gasse erst zwischen 1397 und 1401 (Mus. 270). Abgesehen hiervon
-entstand am Ufer auch nach vollständiger Bebauung keine ununterbrochene
-Straßenreihe, sondern zwischen je etwa zwei bis vier Häusern blieb ein
-„Fleetgang“ frei, der dann einem der gegenüberliegenden Grundstücke
-oder mehreren gemeinschaftlich als Eigentum gehörte. Der Zweck war,
-für den Wasserverkehr eine gute Verbindung zu behalten. Gewöhnlich
-fand sich dort alsdann am Ufer auch eine „holländische Winde“ unter
-gewölbtem, schwarz geteertem Holzdach. Schon im ersten Hamburger
-Grundbuch wird wiederholt ein Haus mit dem Recht auf einen Weg ans
-Ufer oder einen Anteil daran übertragen (Zeitsch. I. 447 Anm. 2,
-3, 4). Man sieht noch heute solche Fleetgänge, z. B. Deichstraße,
-Katharinenstraße, Grimm. -- Ich will nicht unterlassen zu erwähnen,
-daß Neddermeyer (Hamb. Topographie 221, 238) meint, im Cremon und im
-Grimm sei die Wasserseite zuerst bebaut worden. Die Stellen, die er
-hierfür anführt (Staphorst, Hamb. Kirchengeschichte I. 2, 102 und 104)
-bieten indessen keinen Beleg dafür und die Sache ist auch durchaus
-unwahrscheinlich (Vergl. Gaedechens 14, 49, Schlüter 21 und Mitt. IV.
-115 f.).
-
-Für Nichthamburger seien einige Bezeichnungen erklärt. +Fleet+
-hängt mit Fluß und fließen zusammen. Es ist der Ausdruck für durch
-die Stadt strömende natürliche oder künstlich angelegte Flußarme
-und findet sich schon im 14. Jahrhundert (Nirrnheim II. 18). Die
-Kanäle der Außenalster und im Hammerbrook, die durch Schleusen mit
-der Elbe verbunden sind, könnte man also nicht wohl Fleete nennen,
-dagegen aber wäre der Name +Zollfleet+ statt Zollkanal für den großen
-Wasserzug zwischen Freihafen und Zollstadt angebracht gewesen. --
-+Kaje+ kommt aus dem Romanischen und hat ursprünglich die Bedeutung
-Klippe und Sandbank, während es, wie Lübben im mittelniederdeutschen
-Wörterbuch angibt, im Niederdeutschen ausschließlich Ufereinfassung
-ist. -- Es war zu bedauern, daß im Freihafen anfangs die Bezeichnung
-Quai, gesprochen Kwai, eingeführt wurde, wo wir doch schon die gut
-niederdeutschen Straßennamen +Binnenkajen+ und +Butenkajen+ seit
-altersher kannten. Brooktorkaje, Hübnerkaje usw. hätte wirklich sehr
-gut geklungen. Glücklicherweise ist man jetzt durchweg zur Schreibweise
-Kai übergegangen. -- Speicher, +Spiker+, wird in Grimms Wörterbuch
-aus dem spätlateinischen ~spicarium~ erklärt und dies aus ~spica~,
-Gedreideähre. Also ursprünglich Kornspeicher. Ich fand den Spiker, als
-selbständiges Gebäude verkauft, schon im ältesten Stadterbebuch erwähnt
-(Zeitschr. I. 449 Anm. 9) sowie bei Nirrnheim (I. 733, 736).
-
-
-Im Gegensatz zu der feststehenden Zimmereinteilung der unteren
-Stockwerke des Kaufmannshauses und des Mittelbaues bot der
-althamburgische Speicher, der sich hinten anfügte oder später
-selbständig für sich errichtet wurde, ungetrennte Lagerräume. Er
-bestand also eigentlich nur aus den vier Wänden und den Böden, die
-durch starke Ständer und Balken aus Eichenholz getragen wurden. Als
-man bei Gelegenheit des Zollanschlusses die neuen Freihafenspeicher
-errichtete, glaubte man es recht gut zu machen, wenn man ausschließlich
-Eisenkonstruktion anwendete. Es fand sich aber bei einem Brande, daß
-das Eisen sich derartig dehnte und reckte, daß die Mauern ernstlich
-litten. Das war bei der altmodischen Verwendung von Holz niemals
-vorgekommen, meistens kohlte solches nur so leicht an, daß es für den
-Neubau wieder gebraucht werden konnte. Die Stockwerke hießen +Böhns+
-oder +Spiekerböhns+, das oberste der +Spitzböhn+. Ausnahmsweise finden
-wir hierfür noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Namen die
-+Flier+ bei der Verkaufsanzeige eines Grundstückes am kleinen Fleet,
-das früher zur Herstellung von Brodenzucker gedient hatte. Flier ist
-außer in Ostfriesland nur in Holland gebräuchlich (Mitt. X. 60). Die
-Niederländer, die die Zuckerraffinerie im 16. Jahrhundert bei uns
-einführten (Amsinck 209 f.), werden diese Bezeichnung mitgebracht
-haben, ebenso wie die Berechnung der Ware in Grote, die noch zu Anfang
-des 19. Jahrhunderts hier im Großhandel üblich war. -- Richey erwähnt
-als Name des alleröbersten Bodens „+Oken+“. Solcher ist noch jetzt für
-die Winkel bekannt, wo das schräge Dach den Fußboden berührt.
-
-Heizvorrichtungen fehlten im Speicher, ebenso zuweilen Aborte. Wo
-man diese nicht entbehren wollte, fügte man sie im Erdgeschoß, nach
-der Fleetseite, als Ausbau an, mit einer viereckigen Holzröhre, die
-mehr oder weniger weit hinunter ins Fleet reichte, immerhin nicht
-tief genug, daß sich nicht bei niedrigem Wasserstand eine Schute noch
-gerade darunter schieben konnte. Bis das Schwemmsystem unserer „Siele“
-allgemein durchgeführt war, gab es noch um die Mitte des neunzehnten
-Jahrhunderts auch für die Wohnhäuser an den Fleeten ausschließlich
-diese Form von Aborten. Die gefrorenen Exkremente bildeten im Winter
-einen recht unerfreulichen Anblick. Im Sommer, wenn anhaltender Ostwind
-die Fleete leerlaufen ließ, kamen Gerüche hinzu, die nicht selten
-jede Lüftung der Zimmer verhinderten. Ein Bild aus jener guten alten
-Zeit: „Hallo, wat ’s dat for’n Waar“, ruft der Ewerführer aus seiner
-Schute ins Erdgeschoß hinauf. „Frachtbreef kummt gliek na!“ schallt es
-zurück. -- Solche Straßen, denen kein Fleet als bequemer Abzugsgraben
-diente, hatten Eimerabfuhr. Die Eimer, sehr zartfühlend +Goldammers+
-getauft, standen dann in den engen Gassen reihenweise bereit, bis der
-Ruf „+Dreckwaag+!“ (verkürzt aus Dreckwagen) die bevorstehende Leerung
-ankündete. Ähnliche und zum Teil schlimmere Zustände herrschten damals
-natürlich auch in anderen Großstädten Europas. Den meisten ist Hamburg
-mit Einführung gemauerter Abzugskänale vorangegangen.
-
-Fenster waren im Speicher nicht allzu reichlich vorhanden und die
-kleinen Scheiben waren trübe. Sie wurden vermutlich nur sehr selten
-geputzt: eine Hausfrau verstieg sich nicht hierher. Brauchte man für
-die Arbeit Tageslicht, so öffnete man die +Luken+, doppelte breite und
-hohe Holztüren, neben denen eiserne Griffe in die Mauer eingelassen
-waren, damit man sich beim Ausgucken festhalten konnte. Für Erleuchtung
-bei Dunkelwerden diente die ölgespeiste +Kugellamp+ aus sehr dickem
-Glas in Art der Schiffslaternen, mit Blechuntersatz und einem Henkel.
--- Für Schreibarbeit benutzte man eine Ecke am Fenster, meistens durch
-Holzverschalung in eine Art von Zimmer, das +Kabuff+, verwandelt. Hier,
-wie auch wohl an anderen Stellen, pflegten die Wände mit Holzschnitten
-aus der „Reform“ geschmückt zu sein, zuweilen auch mit launigen kurzen
-Inschriften und Zeichnungen, mittels Pinsels aus dem +Markputt+
-hingeworfen, einem kleinen, nach oben etwas verjüngt zulaufenden
-Holzeimer, gefüllt mit einer Mischung von Kienruß und Leckbranntwein
-zum Zeichnen (Marken) der Packungen. Den +Leck+ lieferte der
-+Köhmkaaker+ umsonst, es war der Schnaps, der beim Vollschenken oder
-Reinigen der Gläser abtropfte. -- Den Markputt pflegte der „Hausküper“
-auf der +Snibank+ selbst herzustellen. Sonst diente diese (auch
-+Snibock+ genannt) hauptsächlich dazu, Holzböden, Faßstäbe (+Staff+)
-usw. zuzuschneiden. Man saß darauf rittlings, vor sich eine Einrichtung
-zum Festklemmen des Holzes, und benutzte nach Bedarf ein +Tochmeß+ oder
-ein +Krummeß+, beide aus breiter Schneide mit Holzgriffen an den Enden
-bestehend. -- Das Marken wurde mit großer Schnelligkeit in meistens
-schräg liegenden lateinischen Buchstaben sowie arabischen Ziffern von
-schlanker, besonders deutlicher Form vorgenommen. Schablonen wurden
-früher wenig benutzt, während die Frachtführer jetzt meistens darauf
-bestehen.
-
-Schmale, steile Holztreppen, die möglichst wenig Raum wegnehmen
-durften und nicht massiv eingefaßt, sondern nur mit Lattenverschlag
-versehen waren, verbanden die Böden. Sie waren ausschließlich für
-Personenverkehr geeignet. An ihnen fand sich häufig ein vom Boden aus
-zugängliches Nebengelaß oder ein Bort, der +Bislag+, angebracht. Sonst
-war an geeigneter Stelle noch ein Aufbewahrungsort für Packmaterial,
-das +Strohlock+, vorhanden, sowie ein Gerüst für leere Kisten, der
-+Hangeböhn+, auch wohl +Galgen+ genannt. Der gesamte übrige Raum diente
-für das Aufstapeln von Waren, wobei man sich an keine Belastungsgrenze
-kehrte, wie solche in den neuen Freihafenspeichern überall
-vorgeschrieben ist. Bei Eisenkonstruktion brechen eben die Nietenbolzen
-bei Überlastung, während hölzerne Tragbalken federnd nachgeben, also
-keine besondere Vorsicht erheischen. Wohl kam es vor, daß die Mauer
-sich etwas schief zog und, wo sie nach dem Fleetgang frei lag, durch
-Stützen gegen das Nachbarhaus gehalten werden mußte. Das war z. B. in
-dem Hause Deichstraße 45 der Fall, in dem ich meine Jugend verlebte,
-und kostete natürlich eine jährliche Vergütung. -- Einen eigentümlichen
-Speicherbau, wie es deren vielleicht noch mehrere gegeben hat, findet
-man Steckelhörn 5. Hier steht die gesamte Holzkonstruktion frei für
-sich, ohne irgendwelche Berührung mit der Hausmauer; das hat den großen
-Vorteil, daß die Tragbalken nicht unter Feuchtigkeit der Mauer leiden
-können. Man vergleiche hierzu, was Linde (Die Niederelbe, 4te Aufl. S.
-55) über das Marschenhaus sagt.
-
-Von losem Inventar fand sich in den alten Speichern zunächst die
-+Schaal+ oder +Bummelschaal+, die hängende Wagschale. Sie bestand aus
-dem eisernen Wagebalken, der mittels Ringes über einem ~S~-förmigen
-Haken der Decke hing, sowie zwei Wagschalen aus starken Holzbohlen mit
-kräftigen Tauen an den vier Ecken, die oben über Eisenringe gespleißt
-(+spleeßt+) waren und an diesen auf die Haken gehängt wurden, die der
-Wagebalken an jedem Ende trug. (Spleißen heißt die innige Vereinigung
-der aufgefaserten Tauenden durch Flechten und Durchstecken.) Auf eine
-der Schalen häufte man die Ware, auf die andere die Gewichtstücke,
-deren eine große Auswahl zur Seite bereit stand, hauptsächlich
-Hundertpfundstücke. Man sagte: „+Da mutt noch en Hunnert rop+“ oder
-„+en Hunnertpundsloot+“, und für wägen +punnen+: „+Hebbt ji de
-Ballen all punn’d?+“ Auf Jost Ammans Holzschnitt aus dem sechzehnten
-Jahrhundert „Allegorie des Handels“ stehen bereits gegossene
-Gewichte in gleichmäßiger Glockenform mit kleinem Henkel neben einer
-Hängeschale, die der obigen Beschreibung gleicht (Steinhausen 56,
-Beilage 6). -- Zuweilen wurde bei Ablieferung von Waren die Bedingung
-„+Geld bi de Schaal+“ vorgeschrieben, in Fällen, wo man dem Käufer
-nicht traute. (Es herrschte sonst der Gebrauch, daß am Tage nach
-Empfang Zahlung durch die Bank erfolgen mußte.) Die Rechnung wurde
-in solchem Falle gleich ausgestellt und war zu begleichen, bevor die
-Gewichtstücke heruntergenommen waren, bei hängender Schale. -- Wurden
-die Schalen nicht gebraucht und waren sie für die Arbeit im Wege, so
-hakte man sie los und stellte sie beiseite, ebenso wenn man besonders
-große Kolli ohne Schale wog, indem man sie an Ketten direkt an den
-Wagebalken hängte. Jetzt sieht man diese Wägevorrichtung fast gar nicht
-mehr, da meistens Dezimalwagen angewendet werden, die sich leicht
-überallhin versetzen lassen. Nur in einzelnen Betrieben, wo es auf
-besonders genaues Gewicht ankommt, z. B. beim Butterhandel, findet man
-noch die Bummelschale.
-
-Zum Weiterbewegen von Waren innerhalb des Lagers benutzte man die
-+Kaar+ oder +Spikerkaar+, bestehend aus zwei miteinander verbundenen
-langen Hebelarmen mit löffelförmigem Eisen am unteren Ende, woran
-zwei kleine Eisenräder befestigt waren. Mit ihrer Hülfe schaffte man
-auch Kolli über die +Brügg+ auf den Wagen; das war eine breite Planke
-aus Holzbohlen mit einer Klammer, die auf dessen Bordwand paßte.
-Fässer rollte man auf der +Striekledder+ hinüber (zuweilen, aber
-seltener, auch +Schroodledder+ genannt), einer Leiter ohne Sprossen,
-bestehend aus zwei Bäumen, die oben und unten durch Klammern aus
-Holz oder Eisen zusammengehalten wurden. Sie diente auch, um Fässer
-über Treppenstufen zu befördern. -- Galt es besonders schwere Kolli
-von der Stelle zu rücken, so benutzte man den +Kohfoot+, eine dicke
-meterlange Eisenstange, vorn umgebogen und gespalten. Mußten gewichtige
-Kisten behufs Weiterbewegung angepackt werden, so diente dazu der
-+Handhaken+, für dicke Säcke der kleinere +Griper+. An sonstigem Gerät
-fand sich zunächst der +Snitzer+, ein kantig geschliffenes Messer,
-womit man in Holzbänder, die dabei in der linken Hand und unterm Arm
-ruhten, länglich viereckige Ausschnitte, +Schränke+ oder +Slott+,
-kerbte. Wurden diese dann ineinander gehakt, so war der feste Reifen
-gebildet, den man mittels des +Drivholts+ oder +Fuustholts+, eines
-hölzernen Treibkeils, und des +Deessels+ auf das Faß trieb. (Früher
-hieß es die Deessel, jetzt hört man durchweg +der+ Deessel.) Man
-benutzte dieses beilförmige Werkzeug auch zum Ausdeesseln von Fässern
-und beim Verspunden derselben, um das überflüssige Holz des Spundes
-und die Spundlappen zu entfernen, sowie den +Häringsdeessel+, von
-länglicher Form, um Häringstonnen zu öffnen. -- Galt es, +isern Bann+
-(Eisenreifen) auf Fässern zu treiben, so diente das +Drievisen+ oder
-die +Setz+, ein eiserner Treibkeil, und der +Setzhamer+. -- Ein kurzes
-Brecheisen, de +Resiensnadel+, vorn umgebogen und gespalten, wurde
-angewendet, um fest gepackte Waren aus ihrer Verbindung zu lockern,
-Fässer zu öffnen, Deckel der Kisten zu lösen, Nägel zu ziehen und die
-+Inbann+ loszubrechen, Holzbänder, die zur Sicherung der Böden in die
-Krösen der Fässer genagelt waren.
-
-Zur Entnahme trockener Proben hatte man den +Löper+, eine an beiden
-Seiten offene Metallhülse, deren spitzer zulaufendes Ende man in
-den Sack stieß, um aus dem anderen die Probe schlank in einen
-untergehaltenen Beutel laufen zu sehen. Es gab deren verschiedene
-Arten. Solche mit ganz spitz zulaufender Öffnung dienten für Zucker,
-Reis, Saaten usw. Man konnte dann das entstandene kleine Loch durch
-Zusammenziehen der Fäden wieder dichten. Für Kaffee mußte die Öffnung
-natürlich weiter sein, wieder andere benutzte man bei mehlförmigen
-Waren. Für Flüssigkeiten diente der +Steker+, +Provensteker+, auch
-+Suger+ genannt, ein Stechheber, der angesogen und, wenn gefüllt,
-durch den Daumen oben geschlossen wurde. Butterproben zog man mittels
-des +Botterisens+, einer eisernen Hülse, deren eine Seite offen war.
--- Um alte Marken wegzukratzen, nahm man die +Schaav+ zur Hand, für
-Kisten ein gebogenes Schabeisen mit zwei Holzgriffen, für Fässer ein
-dreieckiges flaches Eisen, in dessen Mitte ein Holzstiel eingelassen
-war. -- Als Behälter für +allerhand Smeerkram+ fand sich in irgend
-einer Ecke die +Sappskeek+ (Sapp ist Saft, mit der Nebenbedeutung
-schmierig). -- Waren Säcke auszubessern, so diente dazu das +Neihgaarn+
-oder +Drahtneihgaarn+ (starker Bindfaden, +Dreedraht+ oder +Veerdraht+,
-je nach der Zusammensetzung) sowie eine dreikantige +Nadel+, meistens
-aber, besonders für dicke +Rappertsakken+ (engl. ~wrapper~), die
-+Sninadel+ mit scharfer Schneide, die besser durchging und womit
-der Faden gleich abgeschnitten werden konnte. -- Die meisten dieser
-Gebrauchsgegenstände werden, beiläufig bemerkt, noch heute angewendet,
-indessen benutzt man auch vielfach schon Werkzeug nach amerikanischer
-Art, das gleichzeitig verschiedenen Zwecken dient.
-
-Über die vorkommenden Packungen der Waren, wie sie die Fremde
-liefert (Seronen, Gonjes usw.), ist wenig von Interesse zu melden.
-Im Fruchthandel gibt es +Siffen+, Körbe für etwa 23 Pfund Äpfel,
-und +Hamper+ für 120 Pfund. +Kreet+ oder +Kreets+ (zuweilen in der
-Mehrzahl +Kreetsen+ genannt), ist eine lattenförmige Umhüllung für
-Glaswaren und manche andere Gegenstände. Sie wird auch wohl aus Hasel-,
-Weiden- oder knorrigem Eichenholz geflochten und genagelt. Solche
-Kreets sind zum großen Leidwesen der Speicherarbeiter nach der Leerung
-nicht einmal als Feuerungsholz zu verwenden. Laut Doornkaat wird mit
-Kreet auch der Wagenkorb aus Latten und Sparren bezeichnet, der zum
-Heufahren früher allgemein gebräuchlich war. Die zylinderförmigen
-leinenumhüllten Kanehlpacken heißen +Fardehl+ (span. ~fardillo~). Eine
-der zahlreichen stehenden Redewendungen lautet: „+Ick sall bi di en
-fideles Kameel empfangen+“ (statt ein Fardehl Kanehl).
-
-Im Speicher waren Mäuse häufige Gäste. Es wurden daher immer
-Katzen gehalten oder vielmehr Kater. Ein Loch unten in der Tür
-des Erdgeschosses gestattete ihnen den Weg ins Freie, um etwa auf
-dem Hofe einen Spatzen zu belauern oder zur richtigen Stunde bei
-einer gutherzigen Fischfrau das Leibgericht zu erbetteln. Selbst
-auf solchen Speichern, wo ausschließlich Waren lagerten, die für
-Nager kein Interesse boten, pflegte ein Kater niemals zu fehlen;
-der gehörte einmal dazu. Man bewahrte die guten Tiere schonend
-vor jeder Leidenschaft. Hin und wieder nagelte man auch wohl an
-irgendeinem Balken fest, was sie zu diesem Zweck eingebüßt hatten und
-glaubte sie dadurch ihr lebelang an den Speicher zu fesseln. -- Auch
-Ratten verirrten sich häufig auf die Lagerböden. Man behauptet mit
-Bestimmtheit, daß sie an den Mauern emporgeklommen seien, wenn sie
-besondere Leckerbissen, z. B. Walnüsse, witterten. War das +Fallreep+
-hängen geblieben, ein Strick, an dem der Ewerführer nach beendeter
-Arbeit in den Speicher kletterte, so diente es auch oft den Ratten für
-ihre Besuche. Zum Wegfangen ihrer Jungen stellte man die +Rottenheck+
-auf, ein Gerüst mit Zellen, worin sie ihre Brut ablegten.
-
-Alleinherrscher im alten Kaufmannsspeicher war der +Huusküper+,
-meistens wirklich ein gelernter Küper (Böttcher). In älterer Zeit
-kannte man als Packungen für die Waren, neben geschnürten Ballen,
-vorzugsweise Fässer oder Tonnen (Nirrnheim LXXIX., Steinhausen:
-Abbildungen 53, 54 und Beilage 6 und 11), wie auch in einem Lehrbuche
-des angehenden Kaufmanns vom Jahre 1715 (Steinhausen 105) die
-Überwachung des Zeichnens von Ballen und Fässern dem Lehrling als eine
-seiner Arbeiten vorgeschrieben wird. Von Kisten ist nie, von Säcken
-nur selten die Rede. Alles mögliche wurde in den Fässern zusammen
-verpackt, z. B. um 1380 dreizehn Schinken, eine Hoyke (Mantel) und
-zwei Stücke „Schlagdokes“, wollene Decken, die zum Einwickeln von Tuch
-gedient hatten (Nirrnheim I. 652 und LXIV.). Es war somit notwendig,
-daß der Hausküper mit der Herstellung sowie dem Packen und Auspacken
-von Fässern genau vertraut war. Im allgemeinen war nur das Lager sein
-Bereich, aber in kleineren Betrieben besorgte er auch wohl allerlei
-Arbeiten für den Haushalt, klopfte Zeug und wichste Stiefel, schöpfte
-Wasser zum Scheuern und Waschen aus dem Fleet, besorgte Wege fürs
-Kontor, fütterte die Katzen mit +Panzen+ (Magen) und war ein großer
-Freund der Kinder vom Hause. Durchweg trug er ledernes Schurzfell mit
-Leibriemen, an dem vorn eine kleine Messingtonne als Schild prangte.
-Im Winter sah man ihn vielfach in pelzbesetzter Mütze mit Quaste, als
-Zeichen seines Amtes, wie er zu sagen pflegte. (Vgl. Hertz 33 f.)
-
-Der Hausküper hörte es gern, wenn man ihn „+Koptein+“ anredete,
-indessen bestreiten ihm die „Quartiersleute“ das Recht auf diesen
-Titel: ausschließlich ihnen gebühre solcher, da sie unabhängig
-daständen, während der Hausküper nur ein auf Kündigung Angestellter
-sei. Im Besitz der Schlüssel war dieser für alles verantwortlich, auch
-für die +Arbeidslüd’+, die gegen festen Wochenlohn unter ihm tätig
-waren, wie für Gelegenheitshülfe, die er im Tagelohn annahm. Solch’
-vorübergehende Arbeit hieß eine +Hüür+ im Gegensatz zu +Bahntje+ für
-feste Anstellung. Der Hausküper sorgte für das Aufbringen, Einwägen
-und zweckmäßige Wegstauen der Waren, für Marken und Ummarken
-der Kolli sowie für ihre Ablieferung, weiter für rechtzeitiges
-Umstapeln von Sachen, die dem Verderb unterlagen, kurz für alles,
-was der Lagerbetrieb erheischen mochte. Nebenbei entwickelte er
-eine staunenerregende Warenkenntnis bei Empfang und Ablieferung. --
-War es erforderlich, so erschien er wohl gelegentlich bei seinem
-Geschäftsherrn an der Börse, sonst jedenfalls abends regelmäßig
-am Kontor, um dort Rechenschaft abzulegen und neue Vorschriften
-entgegenzunehmen. Das +Gewichtbook+, das er dabei überbrachte, war in
-großen Betrieben in verschiedenfarbigen Einbänden vorhanden, etwa in
-gelb für eingehende und in blau für abgelieferte Partien. Von jedem
-hatte man zwei Exemplare, wovon eins bis zum nächsten Abend am Kontor
-verblieb, um danach Rechnungen auszustellen oder einlaufende zu prüfen,
-das andere inzwischen zur Benutzung auf dem Speicher.
-
-Gab es Arbeit, die der Hausküper nicht mit den eigenen Leuten
-bewältigen konnte, so holte er sich weitere Kräfte von +de Lüd’
-von de Eck+. Das waren nicht etwa Gelegenheitsarbeiter in Art der
-berühmten „+Löwen von’n Hoppenmark+“, die nur gelegentlich Obstkörbe
-aus den Ewern auf den Markt schleppten und sich hauptsächlich von
-Schnaps ernährten, sondern sie mußten ehrbare Hamburger Bürger sein
-und entsprechend dem Vertrauen, das man in sie setzte, streng auf
-Standesehre halten. Keineswegs konnte sich jeder beliebig zu ihnen
-gesellen. Er mußte guten Leumund besitzen und in aller Form um seine
-Aufnahme ersuchen. War solche zugestanden, so wurde er ins Buch
-eingetragen, das jede „Ecke“ führte, nachdem er „+en Daler oder
-twe as Inspringelgeld+“ erlegt hatte. Der Hausküper war, um solche
-+Spikerarbeiders+ oder +Spikerlüd’+ anzuwerben, je nach der Lage seines
-Speichers auf eine bestimmte Ecke angewiesen; erst wenn hier niemand
-zu finden war, durfte er sich weiter umsehen. Die „Ecken“ hatten
-ihre festen Bezeichnungen: +de Englännereck+ (Katharinenstraße), +de
-Wandrahmseck+, +de Pickeck+ (Rödingsmarkt-Steintwiete) usw. und standen
-in Verbindung mit einer +Köhminsel+, einer bestimmten Destillation
-(Schnaps- und Bierausschank), wo der Hausküper zunächst einzukehren
-hatte, wenn er an der Ecke keine Leute antraf. Bei diesem +Kröger+ war
-den Lüd’ von de Eck’ das Recht eingeräumt, statt einzelner Schnäpse
-zum Sechsling (3¾ Pf.) das Glas, eine Flasche für drei Schilling (22½
-Pf.) zu erstehen und in einem Hinterzimmer zu vertilgen. Traf der
-Hausküper sie gerade bei einer frischen Pulle an oder wurde eine solche
-auf dem Speicher „ausgegeben“, so gebührte ihm der erste Schluck.
-„+Een’n utgeven+“ kam auf dem Lager nicht selten vor, sei es daß der
-Geschäftsherr sich blicken ließ oder daß Makler, Agenten oder Käufer
-dort zu tun hatten. Als zarter +Wink mit’n Lüchtenpahl+ diente dann
-wohl: „Is mal +dröge Luft+“ oder „+dat stöft hier bannig+“. War sonst
-niemand da, den man um Getränk ansprechen konnte, so meinte wohl einer
-der Arbeiter: „+Wöhlt wi nich en Lütten passen?+“ d. h. es sollte
-zusammengeschossen werden, um Alkohol anzuschaffen. Kam dann gerade
-ein junger Mann vom Kontor darüber zu, so erwartete man, daß er sich
-in hervorragender Weise beteiligte. Dafür durfte er den ersten Schluck
-aus dem Glase tun, das nachher die Reihe herum ging. -- Es wurde früher
-recht häufig getrunken, wenn auch nicht viel zur Zeit. Bei Ablieferung
-von Waren hatte der empfangende Hausküper oder Quartiersmann, wenn es
-sich nicht um ganz kleine Partien handelte, den Arbeitern gleichfalls
-einen auszugeben, und zwar wurde dies +op de halven+ beansprucht, d.
-h. wenn die Hälfte der Partie abgeliefert war. Morgens vor 8 Uhr wurde
-„+en Sweizer+“ für das Geld geholt, nach 8 Uhr Kümmel und Flaschenbier.
-Der Verwalter des Getränks wurde +Buddelör+ genannt. Das gewöhnliche
-Schnapsgemisch war +Köhm un Grön+ d. i. Kümmel und Wermut. Beim Sweizer
-kam noch Pfeffermünz hinzu. „+Lat uns mal en lüttje Sweizerreis’
-maken!+“ hieß es wohl. Besonders geschätzt war das Helmerssche
-Erzeugnis; daher: „+Hal mal een von Helmers sien!+“ oder „+Dat ’s woll
-Helmers sien?+“ (mit Anklang an Hennessy). Die Höhe des betreffenden
-Trinkgeldes, das zuweilen auch je zur Hälfte vom Ablieferer und
-Empfänger getragen wurde, richtete sich ungefähr nach der Größe der
-abgelieferten Partie. Man rechnete z. B. bei 50 Sack Kaffee vier
-Schilling (30 Pf.), bei 100 Sack das Doppelte. -- Wollte man Köhm un
-Beer in einer Wirtschaft genießen, so forderte man „+Lütt un lütt+“, d.
-h. en lütt Glas Köhm un en lütt Glas Beer. Das kostete zusammen einen
-Schilling (7½ Pf.). Es gibt noch heute viele Wirtschaften, wo je 2
-Glas Lütt un Lütt für 15 Pf. geliefert werden. War man dann gemütlich
-im Schnacken, so hieß es bald: „+Op een Been kann man nich stahn!+“
-Solcher Redensarten, die sich natürlich nicht auf die Speicherarbeiter
-beschränken, ließen sich noch manche sammeln. „+Eenmal vergebens
-un denn mit alle Mann+“ rief man bei einer Arbeit, wo alle Kräfte
-anzuspannen waren. Wollte man eine Arbeit aufgeben, so hieß es: „+Lat
-uns man in’n Sack hauen!+“ Stand einer müßig herum, so sagte man wohl:
-„+Breek di man nich de Hann’ in de Tasch af+“ oder man fragte: „+Na,
-puulst in’e Nees?+“ und erhielt vielleicht zur Antwort: „+Djä, ick
-kann mi mit’n lütt Stück Arbeit lang behelpen+“. Ein dritter meinte
-dann dazu: „+Worto hett man denn de Been, as um de Arbeit ut’n Weg to
-gahn.+“ Allerhand Ökelnamen für andere Beschäftigungen gibt es auch.
-+Rümdriewer+ heißt der Böttcher, weil er beim Antreiben der Bänder ums
-Faß eilt. Daher auch: „+He löppt as so’n Fattbinner+“ (Korr. Bl. 23,57
-u. 33,43). Die Zollbeamten nennt man +Tollmus’kanten+, +Grashüpper+
-und +Grönröck+, die Kontoristen +Fedderveeh+ und +Kantorknüppel+, den
-jungen Kommis, der Muster entnahm, +Provenrieder+ usw.
-
-Solange sie unbeschäftigt waren, trugen die Lüd’ von de Eck sauberen
-dunklen Anzug, Schurzfell und schwarzen Zylinder. Waren sie für
-Arbeit angenommen, so legten sie hohen Hut, Jacke und Schurzfell ab
-und zogen zum Schutz gegen Staub eine wollene oder baumwollene Mütze,
-die „Mudder“ aus alten Stoffresten angefertigt hatte, die +Klottje+,
-Über den Schädel, sowie ein +Busseruuntje+, eine Art Bluse, als
-Arbeitsgewand über den Oberkörper. (Klottje aus dem französischen
-~calotte~, gleich Käppchen.) Zu Busseruuntje erklärt Schütze, daß
-diese Bezeichnung aus dem Holländischen stamme und gleichbedeutend mit
-+Schanslöper+ sei. (Vergl. Goedel 57.) Vorn über den Leib kam außerdem
-die Hälfte eines alten Kaffeesackes, die durch Bänder auf dem Rücken
-befestigt war. Der Hausküper war vornehmer, er trug bei der Arbeit die
-Hälfte eines weißen Saatsackes ohne Naht, der dann jeden Sonnabend in
-die Wäsche kam.
-
-[Illustration]
-
-Die obige, etwas flüchtig hingeworfene Skizze aus meiner Sammlung
-entstammt den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und zeigt
-einige Lüd’ von de Eck in der damaligen Tracht. Der Zeichner, +W.
-Lühring+, war damals bei der hiesigen Häutefirma George Maltz u. Co.
-als Handlungsdiener tätig. -- Man beachte, daß der Schuster sowohl
-wie die Person im hohen Hut (vielleicht ein Quartiersmann) kurze
-Kalkpfeifen rauchen, deren man 8 Stück für einen Schilling erhielt.
-
-In ähnlicher Weise wie bisher berichtet ging im Speicherbetrieb alles
-streng nach genauer Ordnung vor sich. Beim Aufwinden von Waren galt
-z. B. der feste Satz von 80 Pfund Leistung auf den Mann, wenn sie
-den ganzen Tag zu arbeiten hatten; sonst konnten sie es auch bis zu
-300 Pfund bringen. Ebenso behielt jeder mit seinen Händen den Platz
-am Windetau, den +Löpers+, den er zu Anfang eingenommen hatte. Diese
-Löpers, zwei starke Taue ohne Ende, liefen durch Löcher im Fußboden
-durch alle Stockwerke des Speichers und dienten dazu, eine Holzrolle
-auf dem Spitzböhn in Umschwung zu bringen, auf der sich das starke
-Tragetau, der +Dreger+, auf- oder abwickelte. Zu solchem Zwecke hatte
-diese Welle, der +Winnbohm+ oder +Wellbohm+, an beiden Enden +Rööd+,
-Wellräder, deren Kranz mit Doppelzacken versehen war, in die die
-Löpers sich klemmten. Das Ende des Dregers war über den außen hohlen
-Rand der +Kausch+ gespleißt, ein Eisenring, in dem der eiserne +Haken+
-hing. (Kausch heißt auf der Elbinsel Finkenwärder das Segelöhr.)
-Über den Haken hinweg wallte das aufgerebbelte Ende des Dregers, der
-+P’rükenkopp+, der dazu diente, die Feuchtigkeit ablaufen zu lassen.
-Außerdem ermittelte man gelegentlich, ob dies äußerste Stück des
-Dregers noch haltbar sei, indem man einzelne Strähne des P’rükenkopps
-auf ihre Widerstandsfähigkeit prüfte. Zeigten sie sich mürbe, so wurde
-ein Stück des Dregers weggeschnitten und das neue Ende wieder Über die
-Kausch gespleißt.
-
-Als Zurufe bei der Arbeit des Auf- und Abwindens herrschten
-hergebrachte Ausdrücke. Der Hausküper, oder, wenn er sich vertreten
-ließ, der +Lukenvice+, rief den an den Löpers angestellten Arbeitern
-von der Luke aus seine Anordnungen zu. War unten in der Schute die
-Ware am Haken befestigt (+anslahn+), so hieß es: „+Sso, winn’ op!+“
-oder „+Hüüs’ op!+“ (vergl. hissen, heißen, z. B. der Flagge), auch
-wohl „+Hiev op!+“ (an Schiffsbord: „Anker hieven“). Hatte die Last
-seine Luke erreicht, so rief er „+Haaah+“ (helles a wie in Rabe),
-worauf die Löpers über den +Knaggen+ geworfen werden mußten, damit
-infolge vergrößerter Reibung je ein Mann die Last schwebend erhalten
-konnte, während die übrigen sich mit an die Luke begaben, um sie
-hereinzuziehen. Der Knaggen, auch +Achtersmiter+ oder +Hemmhaken+
-genannt, war ein am Pfeiler neben den Löpers befestigtes starkes
-Brett, meistens Buchsbaumholz, woraus man ein länglich rundes Stück
-weggeschnitten hatte. In die entstandene Höhlung paßten die Löpers.
-Fand man einen kräftigen Baumast, der sich für den Zweck eignete, so
-nahm man ihn noch lieber. Innerhalb der mit Haspelwinde versehenen
-alten Kaufmannshäuser vertraten häufig zwei eiserne +Wandhaken+
-nebeneinander die Stelle des Knaggens. War nur ein einziger vorhanden,
-so wurden die Löpers zweimal hinübergeworfen, weil sonst an den glatten
-Eisen nicht genügend Reibung entstanden wäre. Dies brachte indessen
-starke Abnutzung des Windetaues mit sich. -- Beim Rufe „+Striek wat!+“
-wurde das Hereinziehen der Last durch Nachgeben der Löpers ermöglicht,
-bei „+Los!+“ ließ man diese fahren. (Strieken ist ein altes Wort mit
-großer Zahl von Bedeutungen; hier „nachlassen“, „nachgeben“. Wenn die
-hochdeutsche Sprache sich mehr um ihre ebenbürtige niederdeutsche
-Schwester bekümmern wollte, hätten wir statt des Streiks den „Striek“
-gehabt, also ein gut deutsches Wort.) -- War der Haken befreit, so
-mußten die Löpers auf „+Sla los!+“ oder „+Smiet los!+“ vom Knaggen
-herabgehoben werden, um den Dreger in kräftigen Zügen wieder nach unten
-zu befördern. Die +Läng’+ oder +Längde+ wurde zu neuer Verwendung
-hinterhergeworfen, nachdem der Mann in der Schute gewarnt worden
-war, sich nicht vom Platz zu rühren, durch „+Fast dar nerrn!+“ oder
-„+Waarscho!+“ oder „+Ünnerruut!+“ und geantwortet hatte: „+Smiet!+“
-(Nerrn, früher nedden -- unten, Waarscho = Acht geben. Wenn Goedel im
-Quickbornbuch 9 S. 19 meldet, dies Wort sei in Kiel von der Marine
-wieder in den Sprachschatz der Stadtbevölkerung übergegangen, so
-kann ich dem gegenüber feststellen, daß es in Hamburg nie außer
-Übung gekommen ist.) Inzwischen wurden Kisten oder Säcke aus dem
-Wege geräumt, um für die nächste Ankunft Platz zu haben. Wurden sie
-später aufgestapelt, so lautete das Kommando: „+Hoch op!+“, „+Höger
-rop!+“ und „+Hoch!+“, je nachdem Knie- oder Ellbogenhöhe oder endlich
-volle Höhe erreicht war. -- Zu Läng’ ist zu bemerken, daß dies ein
-zusammengespleißtes Hanftau ohne Ende war, das man niederlegte, um
-darauf eine Anzahl Säcke oder Kisten aufzubauen. Dann wurde die
-Schlinge des längeren Endes durch die kürzere gezogen, diese fest
-heruntergedrückt und die längere in den Haken gehängt. Hatte das
-Aufwinden begonnen, so mußte das kurze Ende noch weiter niedergepreßt
-werden, damit die Ware nicht herausschießen konnte. Ein Ewerführer,
-der eine +Hieve+ Rosinen in Säcken vielleicht nicht fest genug
-eingeschlagen hatte, sah sie herabstürzen, bevor sie die Luke erreicht
-hatte, konnte aber noch rechtzeitig beiseite springen und rief dann in
-gut gespielter Entrüstung hinauf: „+Hett jo gar keen Sinn, dat ick dat
-inwickel, wenn ji dat wedder dalsmiet!+“ -- Für schwere Lasten benutzte
-man eine kürzere und dickere Läng’, die +Stropp+, für Fässer +Hakens+,
-an einer Kette ohne Ende hängende gekrümmte Eisen, für Kisten, die
-es vertragen konnten, +Düvelsklauen+, je ein starkes gekrümmtes
-Doppeleisen an den Enden einer Kette.
-
-Die Ausrufe galten mehr der Aufmerksamkeit des Ewerführers, als den
-Leuten an der Winde, wenn eine Ware hinabgelassen werden sollte. War
-sie zunächst handbreit aufgewunden, so hieß es: „+Achter!+“ (Achtärr)
-oder „+Maak fast!+“ oder „+Smiet achter!+“ damit die Löpers über den
-Knaggen geworfen wurden. Die Ware wurde nun zur Luke hinausgeschoben
-und schwebte frei. Auf „+Striek wat!+“ dann „+Lat reisen!+“ oder „+Los
-lat fallen!+“ auch wohl „+Los lat strieken!+“ ließ man dann die Löpers
-durch die Hände gleiten, die durch Sackleinen geschützt waren, während
-der Knaggen durch die Reibung genügend hemmte, um die Last immer in der
-Gewalt zu behalten. Schien sie nahe dem Ziel, so mußte auf „+Sinnig!+“
-(+Sinniiich+) angehalten werden, bis der Ewerführer sie nah dem Punkte
-hingezogen hatte, wo er sie aufzustapeln gedachte. Auf „+Striek!+“ oder
-„+Los lat strieken!+“ oder „+Los lat scheeten!+“ mußten die Löpers
-rasch nachgegeben werden, bei „+Achterruut!+“ waren sie vom Knaggen
-abzuheben, um den Dreger wieder aufzuwinden. Wenn wir als Jungens beim
-Winden helfen durften, machte die Betonung „Los lat scheetennnn!“
-besonders starken Eindruck.
-
-Die Löpers waren natürlich durch alle Böden hindurch von den Knaggen
-freizuhalten, wenn gewunden werden sollte. Im Sommer dehnten sie
-sich und schleiften dann im Raum, dem untersten Boden, während der
-Windearbeit in tollen Kapriolen auf dem Fußboden hin und her. Paßte man
-in der herrschenden Dunkelheit nicht auf, so hatte man die schönste
-Gelegenheit, darin verstrickt und vielleicht gar stranguliert zu
-werden. Die Finsternis in sämtlichen Räumen des Speichers pflegte
-undurchdringlich zu sein, wenn die Luken geschlossen waren, denn
-die aufgestapelten Waren nahmen das bißchen Tageslicht weg, das
-durch die Fenster Einlaß fand. Dies um so mehr, als die Speicher
-häufig schmal und sehr tief waren. Man hielt das der Erhaltung der
-Waren zuträglicher, als wenn Licht und Luft Zutritt hatten, auch
-konnte man häufig feststellen, daß die Partien das Gewicht, das sie
-vielleicht während der Reise eingebüßt hatten, bei längerer Lagerung
-wiedergewannen. Aus diesem Grunde schüttelte manch alter Praktiker den
-Kopf, als er die größere Breite und viel geringere Tiefe sah, die man
-den neuen Speichern im Freihafen gegeben hatte. -- Mußte man auf dem
-Speicher eine Ware ansehen, so pflegte der führende Arbeiter, der auch
-im Dunkeln Schritt und Tritt kannte, einem oftmals die Hand zu reichen,
-damit man sich durchwinden konnte.
-
-Der größte Teil der Ausrufe, die ich hier wiedergegeben habe, fällt
-bei den elektrischen oder hydraulischen Winden der Neuzeit fort und
-wird durch Handbewegungen ersetzt. Erwähnt mag bei dieser Gelegenheit
-noch werden, daß schon um 1865 der Versuch gemacht wurde, die mühselige
-Handarbeit beim Aufwinden der Kaufmannsgüter durch eine Dampfwinde
-zu ersetzen, die man in der Schute aufstellte. Es erhob sich aber so
-lebhafter Widerspruch seitens der Arbeiter gegen eine solche Neuerung,
-die ihnen das Brot nehmen würde, daß man bald hiervon zurückkam.
-
-Nach beendeter Arbeit wurde der Dreger bis an den +Utlegger+
-aufgewunden, eine am Giebel angebrachte Vorrichtung mit einer Rolle
-aus Pockholz oder Eisen, später aus Gelbmetall, die +Schiev+, über die
-der Dreger lief. Geschützt war der Utlegger durch den +Winn’kasten+,
-auch +Galgen+ genannt, einen unten offenen Holzkasten. An den Haken
-war zuvor ein dünnes Tau geschlungen, die +Fanglien+, die neben der
-untersten Luke befestigt war und sein Herabziehen zu neuer Benutzung
-ermöglichte. Zuweilen war noch am äußersten Ende des Winn’kastens ein
-Haken angebracht, an den man +Schiev un Tau+ hängen konnte, um leere
-Kisten, Körbe oder Säcke aufzunehmen, wozu es dann nur eines Mannes
-bedurfte.
-
-Beiläufig wäre noch zu bemerken, daß die Löcher im Fußboden, durch
-die die Löpers glitten, mit Porzellanringen ausgesetzt waren, um die
-Reibung zu vermindern, und daß man die +Winn’löcker+ zustopfte oder
-mit Holzringen umgab, wenn Waren gestürzt werden sollten, damit das
-Durchlaufen in die unteren Böden vermieden wurde. Für dies +Störten+,
-das Ausleeren sämtlicher Packungen einer Partie, um gleichmäßige
-Mischung herzustellen, gehörte das +Störtlaken+, eine mächtige
-Leinewand, zum Bestand.
-
-Ein hergebrachter Ausruf bei der Arbeit war der Zählgesang bei
-Ablieferung bestimmter Waren, besonders von Häuten und Fellen. Bröcker
-I. 58 f. veröffentlichte (mit Notenbegleitung) eine Version, die hier
-unter Beibehaltung der Schreibweise wiedergegeben sein möge:
-
- „Nu hebbt wi +een+ op’t Neet -- +Terriwe+ kumpleet --
- Hebbt wi en +Diarree+ -- dat +veerte+ Mol --
- Scheun sünd de groten to +fiif+ -- en +halbes Dutz+ davon in’n Liew --
- +Söben+ is de Galgentool -- goht wie de ganze +Nacht+ opp dol --
- +Negen+ is de Rummelee -- +Tein!+ tein is tein --
- Mein Hamburg an der +Elbe+ Strand -- wie liegst du tief im Tal --
- du bist nicht mehr dasselbe Land -- wie Anno dazumal --
- Wie hat man dich entrissen -- aus Altertümlichkeit --
- du mußt noch vieles missen -- aus deiner goldnen Zeit --
- denn so wie du, vallera -- so bin auch ich, vallera.
- +Een un de twintig -- terriwe un de twintig --
- diarree un de twintig -- veer un de twintig --
- fief un de twintig -- soß un de twintig --
- söben un twintig -- alle acht un de twintig --
- negen un twintig -- nu hebbt wi dottig mol.+“
-
-Auf S. 67 desselben Heftes wird für die Ziffer 5 und 6 die drastischere
-Lesart „Scheun is min Wief -- se hett er dickes Lief“ mitgeteilt und
-für 11 bis 20 die Version:
-
- „Mein Hamburg an der +Elbe+ -- da geht’s bis nachts um +zwölfe+ --
- mok de +Dör to Hein+ -- in de Diekstroot +veertein+ --
- bi +foftein+ is ’t en Drinker -- an de +soßtein+ geit nix flinker --
- +söben un de tein+ -- denn gode +Nacht min Hein+ --
- nu sloop man fein -- so ’n +twintig+ Mool.“ --
-
-Zu 30 heißt es dann noch: „Siehst du woll -- nu hebbt wi +Talje vull+,
-vallera!“
-
-Hierzu wäre zu bemerken, daß „Talje“ mit dem engl. ~tally~, Kerbholz,
-Zählstrich zusammenhängt. -- „De Groten to fiif“ sind Schnäpse zu 5 Pf.
-das Glas. -- Bei 8 pflegt es auch zu heißen: „Gaht wie +alle Nacht+
-op un dal.“ -- „De ganze Rummelee“ statt „alle negen“ ist Ausruf beim
-Kegeln; „+twe Veerlanner Been+“, wie zuweilen für 11 gebraucht wird,
-stammt ebenfalls daher. Zu 12 singt man auch wohl: „in +Horborg is’t
-datselbe+.“ -- Bei der „halben Talje“ wird gern ein Schluck genommen,
-daher: „bi foftein is’t en Drinker.“ (Vergl. Mitt. a. d. Quickborn IV.
-91). Zu 16 hörte ich die Variante: „+an de soßtein geit dat flinker+“:
-man arbeitete nun frisch gestärkt weiter.
-
-Der verstorbene C. Rud. Schnitger regte beiläufig die Frage an, ob das
-„foftein maken“ vielleicht mit der Berechnung von Häuten und Fellen
-nach Zimmer zu 4 Decher zu 15 Stück zusammenhängen könne.
-
-
-
-
-Was sich der Speicher erzählt
-
-
-[Illustration]
-
-+Hein+: Uns’ Ol hett mi ’n Mark in de Hand drückt un seggt, ik sall uns
-dafor Brod un Snaps mitbringn.
-
-+Kodl+: Na, un wat hest du brocht?
-
-+Hein+: För fifunnegntig Penn Köhm un Greun un for fif Penn Brod.
-
-+Alle zusammen+: Harrijeh! Wat süllt wi denn mit all’ dat Brod
-opstelln?!
-
-Das nebenstehende Bild (aus der „Reform“, 1877) gibt eine gute Gruppe
-von Speicherarbeitern wieder, während der Raum, in dem sie sich
-aufhalten, zum Zweck der Belichtung stark idealisiert ist (vergl. Kopal
-50 f. und Jünger 10 f.).
-
-Eines eigentümlichen Speicherausdruckes muß ich hier noch gedenken, des
-„+Tómann’n+“. Er wurde angewendet für das Weiterreichen kleiner Kolli
-von Hand zu Hand, außerdem auch, wenn man z. B. Säcke vom Raum auf
-einen höheren Boden zu schaffen hatte und aus irgend einem Grunde die
-Winde nicht benutzen wollte oder konnte. Einer der Arbeiter trug die
-Säcke dann bis zum ersten Boden, wo ein anderer sie ihm abnahm, um sie
-wieder eine Treppe höher zu bringen, und dann so weiter.
-
-Außer dem Hausküper und seinen Leuten fand sich auf dem Speicher
-gelegentlich der jüngste Lehrling ein, um eine Bestellung zu machen,
-denn den Fernsprecher kannte man noch nicht. In solchen Fällen, wo
-Kontor und Lagerräume auf demselben Grundstück vereinigt waren, kamen
-auch wohl einige Lehrlinge während ihrer Mußestunden zum Besuch,
-die an den Waren, besonders den eßbaren, wissenschaftliche Studien
-machten und daneben allerhand Mutwillen trieben (Kopal 47 f.). Da
-wurden vielleicht dem alten Herrn, der im Hause jenseits des Fleets
-über seinen Büchern brütete, durch ein Brennglas die Sonnenstrahlen
-auf die Hand geworfen oder einem Nachbarn mittels Pusterohrs Erbsen
-oder Kittkugeln ins Fenster geschossen. Oder man überredete den
-„Jüngsten“, sich auf dem Haken stehend nach unten befördern zu
-lassen, und weidete sich an seinem Zorn, wenn man die lustige Fahrt
-unterbrach und ihn eine Weile zwischen Himmel und Erde zappeln ließ.
-Bei einer Firma im Grimm herrschte die hergebrachte Gewohnheit, daß dem
-jüngsten Lehrling am Tage seines Eintritts das Gesicht mit Zinnober
-eingerieben wurde, worauf man ihn in einen Korb packte und an der
-Außenseite des Kaufmannshauses bis an das Fenster aufwand, hinter dem
-der Geschäftsherr saß. Pantomimische Entrüstung an der einen Seite,
-ebensolche Beteuerung: „Ich kann’s nicht helfen!“ von der anderen
-waren regelmäßig die Folge. -- Auch das Klettern am hängenden Dreger
-und sonstige Turnerkünste wurden geübt. -- Zuweilen ließ sich übrigens
-auch der +Lagerdeener+ sehen, ein Angestellter, der am Kontor alles
-unter Händen hatte, was das Lager anging. Der Name Lagerdiener ist
-jetzt nicht mehr gebräuchlich. Es mag eben niemand mehr „dienen“,
-außer wo es sein muß, nämlich im Heer. Sogar die Köchin, die sich
-für Stellung meldet, fragt man heutzutage: „Wo war Ihre letzte
-Stelle?“ Für Lagerdiener ist die verfeinerte Bezeichnung „Lagerist“
-eingeführt, für Handlungsdiener, wie früher alle gegen Gehalt am
-Kontor Angestellte sich nannten, „Kommis“. Noch heute ist übrigens die
-„Handlungsdiener-Witwenkasse von 1841“ in Betrieb. -- In alter Zeit
-hießen die Angestellten +Scholer+ und +Knechte+ oder +Diener+. Die
-Scholer dürften ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt gewesen
-sein. Sie wurden, da sie mithin des Lesens und Schreibens kundig waren,
-in erster Linie mit Buchführung und ähnlichen schriftlichen Arbeiten
-betraut. Außerdem erfüllten sie wohl dieselben Obliegenheiten wie die
-Knechte, also Empfangnahme, Beaufsichtigung und Ablieferung von Waren,
-Einziehung von Schulden am Platz und auswärts und ähnliches (Nirrnheim
-XXVIII.). Scholer und Knechte, besonders die ersteren, mochten bei
-ernstem Willen und tüchtigen Leistungen hin und wieder grade so gut
-eine selbständige Stellung erlangen, wie heutzutage. Gelegenheit,
-ein erspartes Kapital zu vermehren, hatten sie häufig, denn der
-Geschäftsherr beteiligte sein Personal bis hinab zur Dienstmagd gern
-an kleinen Unternehmungen (Nirrnheim XLIV. f.). In recht vielen
-Hamburger Firmen herrscht übrigens noch heute ein außerordentlich
-patriarchalisches Verhältnis zwischen Geschäftsherrn und Angestellten.
-Alte Handlungsgehülfen und Arbeiter werden oftmals „durchgefüttert“,
-wenn sie auch nur wenig mehr leisten können oder beziehen aus freien
-Stücken auskömmliches Gehalt auf ihre alten Tage. Andererseits sind
-mir Fälle bekannt, wo der Geschäftsherr durch seine ehemaligen
-Untergebenen fortlaufend freiwillig Unterstützung erhielt, wenn er im
-Lauf der Jahre zurückgekommen war.
-
-
-Wem es nicht paßte, seinen eigenen Hausküper zu halten, der benutzte
-+Quarteerslüd+, Arbeitsübernehmer, die sich ursprünglich immer zu
-Vieren (dem „Quartier“) zusammengetan hatten und für eine Reihe von
-Firmen die erforderlichen Arbeiten zu vereinbarten Sätzen für das
-Kollo oder den Zentner ausführten. Mit diesen Verbindungen müssen
-wir uns eingehender beschäftigen. Sie verdienen durchaus eine
-besondere Beachtung und höchste Achtung, denn ohne Innungszwang und
-ohne staatliche Anerkennung oder Beaufsichtigung haben sich diese
-Verbrüderungen einfacher Arbeiter durch Jahrhunderte hindurch das
-unbegrenzte Vertrauen der Kaufmannschaft zu wahren gewußt und Güter
-von höchsten Werten blindlings zur Verwaltung übertragen erhalten.
-Schon längst hätte mal einer aus ihrer Mitte sich daran machen müssen,
-Zuverlässiges und Erschöpfendes über seinen Stand zusammenzustellen,
-sowie gleichzeitig Klarheit zu schaffen über die Unterschiede zwischen
-Huusküper, Quarteerslüd, Spikerarbeiter, Lüd von de Eck und sonstigen
-Gelegenheitsarbeitern, die häufig von Zeichnern und Schriftstellern
-sämtlich in einen Topf geworfen wurden. Sehen wir uns in dieser
-Beziehung einmal an, was über den Gegenstand zu finden ist. Viel
-kommt dabei freilich nicht heraus; dagegen entdeckt man fast überall
-Ungenauigkeiten oder Falsches.
-
-Im allgemeinen richtig äußert sich Schütze: „Eine Vereinbarung der
-Arbeitsleute, die ihren Namen nicht von Quartier oder Viertel, sondern
-von der Zahl 4 haben. Vier Arbeitsleute vereinigen sich, um bei den
-Kaufleuten Kundschaft zu suchen, und haben ihre eigenen Häuser, die
-ihnen betrauen, doppelte Schlüssel zu den Packräumen, davon einen
-der Quartiersmann hat. Sie haben eine eigene Firma unter sich und
-Kasse, und sorgen, wenn bei Ausschiffungen, Verladungen mehrere
-Leute nötig sind, für deren Anschaffung. Sie haben ihren eigenen Ort
-der Zusammenkunft, werden aber nicht zu ihrer Quasi-Innung in Eid
-und Pflicht genommen. Sie müssen rechnen und schreiben können und
-übrigens starke Leute sein. Stirbt einer von ihnen, so wählen sie
-und nehmen den tüchtigsten unter sich auf, oft nach einer Probezeit.
-Es sind dergleichen mehrere Quartiere, Viermänner, in Hamburg in
-den Kirchspielen.“ Einige Jahre vorher (1794) veröffentlichte Chr.
-Gottfr. Morasch in seinen „Charakteristischen Kleidertrachten“ zwei
-hübsche Abbildungen angeblicher Quartiersleute, und zwar Blatt 8 No.
-4 Quartiersmann mit Zuckerproben, dazu die Anmerkung: „Gewöhnlich
-bedienen sich ihrer die Zuckermakler, um Proben zu den Raffinerien
-herumzuschicken“. (Anderweitig heißt es, diese Leute seien Hausknechte
-der Makler gewesen. Das ist auch bestimmt anzunehmen.) Ferner
-Blatt 9 Quartiersmann und Arbeitsleute: „Die Quartiersmänner haben
-Korporationen unter sich und halten sich gewöhnlich zu vieren in
-gewissen Bierkellern auf, wo man selbige zu seinem Bedarf gleich
-herausrufen kann. Bei schweren Arbeiten bedienen sie sich der
-Arbeitsleute. Die Derbheit ihrer Hände und die Muskeln ihres Rückens
-sichern, ohne Kunst und Geschicklichkeit, einer großen Anzahl dieser
-Menschen ihren Unterhalt zu. Sie stehen gruppenweise auf den Straßen
-und Gegenden, wo der Handelsverkehr sie am meisten bedarf, sie
-tragen, schleppen, ziehen, werfen, klettern, winden, schieben, alles
-kunstlos und ohne Erfordernis von Genauigkeit. Sie haben Korporationen
-unter sich und haben gemeiniglich einen Quartiersmann zum Anführer.“
-Auch dieses Bild ist interessant, nur befremdet es, daß Morasch die
-Leute auf offener Straße darstellt, und seine Erläuterungen lassen
-es gleichfalls im Zweifel, ob er nicht Quartiersleute mit Lüd’ von
-de Eck verwechselt hat, besonders da er von einem Bierkeller als
-Versammlungsort spricht. -- Von Heß (III. 408) teilt diesen Irrtum:
-„Das Institut der Quartiersleute ist von den Auf- und Abwindern der
-Kaufmannsgüter erfunden, welche sich je 4 und 4 zusammengerottet
-haben, und treu beieinander halten, um sich einer steten Tätigkeit
-zu vergewissern und dem, der sie bedarf, die Mühe des Suchens zu
-erleichtern. Diese Vierschaften haben ihre besonderen Bierkeller
-zu Sammelplätzen, wo sie hervorgerufen werden, und sich, nach
-Beschaffenheit der Umstände, verteilen oder in Gemeinschaft an die
-Arbeit gehen.“ -- In den alten Kontrakten der Quartiersleute ist
-allerdings zuweilen von einem Keller als ihrem Standorte die Rede,
-indessen haben wir darunter unzweifelhaft keine Wirtskeller, sondern
-ein gemietetes Lokal zu verstehen, wo sie anzutreffen waren oder
-ihre Adresse hinterließen und wo sie Arbeitszeug sowie Gerätschaften
-aufbewahrten. Sie verpflichteten sich in ihren Verträgen, die Kosten
-für Gerät und +Miete+ gemeinsam zu tragen, um dann den Gewinn ebenfalls
-gleichmäßig zu verteilen. -- Christoffer Suhr in „Hamburgische
-Trachten“ (1838) zeichnet auf Blatt 18 vier „Quartiersleute“ vor einem
-Karren mit niedrigen Rädern, worauf ein großes Faß. Wahrscheinlich
-sind dies Lüd’ von de Eck, abgesehen davon, daß die Gesichter stark
-an junge Mädchen erinnern, die sich einen Maskenscherz erlauben.
-Heckscher (29) trifft in seinen ausführlichen Erläuterungen hierzu
-durchweg das Richtige. Nur stimmt es nicht, daß auch Möbeltransporte,
-Kohlenaufwinden usw. regelmäßig durch Quartiersleute besorgt zu
-werden pflegten. Das gehörte nicht zu ihrem Arbeitsgebiet, wenn es
-auch ausnahmsweise geschehen mochte. -- In „Hamburg wie es ist --
-und -- sein könnte“ (Berendsohn 1839 S. 20 f.) unterhalten sich
-„Quartiersleute beim Krahn“, während sie auf Arbeit warten, und
-folgen zum Schluß einem Kommis, der sie anwirbt, um im Wandrahm
-Indigo abzuliefern. Das können nur Lüd von de Eck gewesen sein, denn
-Quartiersleute warteten niemals an offener Straße auf Beschäftigung. --
-Durchweg zutreffend sind Bueks Erläuterungen zum „Album Hamburgischer
-Kostüme“ (1847), nur ist es vollkommen verkehrt, wenn er sagt, das
-Institut der Hausküper sei erst hoch gekommen, weil man die Spesen
-der Quartiersleute zu teuer befunden habe. Die Jessensche Abbildung
-dazu ist eine der besten, die wir besitzen, abgesehen von dem
-bekannten Gruppenbilde des Schillerfestzuges von 1859. Ein Modell des
-alten Rollwagens, den die Quartiersleute bei diesem Anlaß mit sich
-führten und in berechtigter Vorsicht mit Eßwaren und Getränk beladen
-hatten, befindet sich, beiläufig bemerkt, im Museum für Hamburgische
-Geschichte. Dort entdeckte ich auch ein ungerahmtes Bild auf großer
-Leinewand, vom Maler F. L. Heiser bei Anlaß eines Quartierjubiläums
-angefertigt, mit Darstellung zweier Quartiersleute und der Unterschrift
-1701-1869. Ich würde solches hier wiedergegeben haben, wenn die
-angebliche Tracht von 1701 nicht in eine weit spätere Zeit gesetzt
-werden müßte.
-
-In neuerer Zeit lieferte Borcherdt (II. 286 f.) eine gute Studie
-über den Gegenstand. Falsch ist darin, daß die Quartiersleute ihren
-Kunden den Lohn der Hülfsarbeiter in Rechnung gestellt hätten. Der
-ging immer aus ihrer eigenen Tasche, denn sie übernahmen ja die Arbeit
-zu festen Sätzen. Das gute Bild eines Quartiersmanns in alter Tracht
-erscheint auf dem Umschlag seines Buches. -- Sternhagen (7 f.) führte
-in Gestalt des Peter Voß den Quartiersmann ein, „den Vertreter der
-Hamburger Kaufmannschaft, der sich in ihrem Dienst zu allen Zeiten
-zu Wohlhabenheit und zu besonderen Ehren erhoben habe“, läßt uns
-aber von seinem Geschäftsbetrieb nichts erfahren. Nicht zutreffend
-ist die Behauptung (28), mit „Koptein“ würden nur die „Konsorten“
-angeredet. Dieser Titel kam sämtlichen Teilhabern des Quartiers zu. --
-Rat ~Dr.~ Voigt (Mitt. V. 488 f.) hält es bei Besprechung eines alten
-Kontraktes für möglich, und ~Dr.~ Obst (Hamburger Fremdenblatt 17.
-Nov. 1905 und „Aus Hamburgs Lehrjahren“ 135 f.) scheint geneigt, sich
-ihm anzuschließen, daß diese Vereinigungen aus den Knevelkarrenführern
-hervorgegangen sein könnten. Mir ist dies höchst unwahrscheinlich,
-denn zum Quartiersmannsberuf eigneten sich nur solche Leute, die mit
-Behandlung von Waren, Packen usw. Bescheid wußten, also schon auf
-Speichern gearbeitet hatten. So wenig wie etwa die Ewerführer konnten
-die Kneveler für solche Beschäftigung gebraucht werden, denn sie hatten
-nichts weiter gelernt, als ihre Karre zu beladen und zu ziehen. --
-Jünger 12 f. und 22 f. bringt ausführliches über die Quartiersleute.
-
-Ich sagte vorhin, es sei zu bedauern, daß keiner aus der Mitte der
-Quartiersleute über seinen Stand geschrieben habe. Einer allerdings
-hat eine Ausnahme gemacht, Herr J. D. J. Pingel senior, der im Jahre
-1880 ein hübsches Folioblatt „Hamburger Quartiersleute“ herausgab, das
-offenbar als Wandschmuck gedacht ist. Er liefert wenigstens einige
-Andeutungen über ihr Verhältnis zur Kaufmannschaft und die Art ihrer
-Beschäftigung und zählt zum Schluß etwa 80 Ökelnamen auf, die später
-von ~Dr.~ Borcherdt und anderen wieder abgedruckt wurden. Da die
-meisten, die in neuerer Zeit über den Gegenstand geschrieben haben,
-aus diesem Blatte ihre Kenntnisse geschöpft haben dürften (wie ihre
-Vorgänger aus Morasch und Schütze) und solches außerdem recht selten
-geworden ist, bringe ich es vollständig am Schluß dieses Heftes.
-
-Um nichts auszulassen von dem, was ich gefunden habe, sei noch erwähnt,
-daß in zwei Volksstücken der Quartiersmann eine Rolle spielte. In
-„Hamburger Pillen“ von Schindler und Brünner (1870) trat bei Karl
-Schultze der 80jährige Quartiersmann Peter Bostelmann auf (Gaedertz II.
-173 f.) und auf derselben Bühne im Jahre 1882 ein Quartiersmann Cords
-in Schreyer und Hirschels „Hamburg an der Alster“ (Gaedertz II. 262).
-
-Diese Nachrichten sind dürftig. Es mögen noch einige weitere zu
-finden sein, irgendwie belangreiche aber schwerlich, es sei denn, daß
-Privataufzeichnungen ans Licht kämen.
-
-
-Wie und zu welcher Zeit haben wir uns nun das Entstehen des ersten
-„Quartiers“ zu denken? Nach meiner Ansicht dürfen wir uns das ohne
-irgendwelche Anknüpfung an eine schon vorhanden gewesene Organisation
-vorstellen. Wie so manches im kaufmännischen Betriebe sich auf
-leisen Anstoß entwickelt, wenn die Zeit dafür da ist, so auch hier.
-Ein paar unternehmende tüchtige Arbeiter haben sich zunächst einmal
-zusammengetan, um auf Empfehlungen gestützt und auf ihr ehrliches
-Gesicht hin den Versuch zu machen, solche Kunden zu gewinnen, für die
-sich die Anstellung eigener Hausküper und Speicherleute nicht lohnte.
-Als sich gute Erfolge ergaben, haben sie allmählich Nachahmer gefunden.
-Ähnlich so ging es im sechzehnten Jahrhundert mit der Einführung des
-Maklergewerbes in Hamburg (Ehrenberg 313, 317) und in neuerer Zeit
-beim Stande der Warenagenten. In den vierziger Jahren des neunzehnten
-Jahrhunderts mußte man einen solchen mit der Laterne suchen. Und jetzt?
-Wie Sand am Meer sind sie zu finden! Abgesehen davon, daß die Umsätze
-früher weit kleiner waren, besaß jeder Kaufmann für Bezüge von auswärts
-oder Abladungen dahin seine festen Verbindungen, mit denen auch häufig
-für gemeinschaftliche Rechnung oder in Form von Aussendung auf eigene
-Gefahr gearbeitet wurde. Eines Vermittlers bedurfte man also nicht.
-Als die ersten schüchternen Versuche gemacht wurden, sich solcher zu
-bedienen, sahen die altbegründeten Firmen das beinahe als unlauteren
-Wettbewerb an. Ähnlich so werden anfangs die großen Kaufherrn mit
-eingeübtem Personal sich durchaus nicht angenehm berührt gefunden
-haben, als kleine neue Häuser in den „Packern“ eine Stütze fanden und
-ihnen nun oftmals durch Wettbewerb, wie sie ihn früher nicht gekannt
-hatten, das Leben sauer machten.
-
-Wann aber dürfen wir die Entstehung des ersten Quartiers annehmen? Ich
-glaube der Antwort ziemlich nahe gekommen zu sein. In den Hamburger
-Kämmereirechnungen vom Jahre 1508 heißt es (Koppmann V. 66), daß
-für Erwerb des Bürgerrechts u. a. eingegangen seien 46 ℔ 6 ß ~de 39
-packers~ (richtig müßte es lauten: 46 ℔ 16 ß, da der Satz 1 ℔ 4 ß der
-Kopf war). Koppmann vermutet, wohl mit Recht, daß Packer bis dahin
-überhaupt nicht Bürger zu werden brauchten, aber 1508 sämtlich auf
-einmal hierzu veranlaßt wurden (VII. S. XLVI.). Da in einem Vertrage
-von 1693 die Quartiersleute sich als „Compagnions-Packer“ bezeichnen,
-so ist bestimmt anzunehmen, daß die „Packer“ von 1508 ihre Vorläufer
-waren. Vielleicht legte man diesen den Zwang des Bürgerwerdens auf,
-um unliebsame Elemente fernzuhalten, wie aus ähnlichem Grunde die
-Hausküper und Quartiersleute später darauf bestanden haben, daß
-die Lüd’ von de Eck Hamburger Bürger sein mußten. Außerdem erfuhr
-möglicherweise das Institut der Packer grade um jene Zeit eine starke
-Ausdehnung, da infolge eines Krieges zwischen Lübeck und Dänemark „der
-Sunt geschlossen und die Ostsehe ganz unsicher war, daz die Hollender,
-Brabanter und andere nationes mit iren gutern gen Hamburg kamen; und
-hat auf das mal die stat an kaufmanschaft sich merklich gebessert und
-vermeret“ (Tratziger 252, vergl auch Lappenberg 294).
-
-Wenn wir annehmen dürfen, die einzelne Genossenschaft der Packer habe
-schon 1508 aus vier Teilhabern bestanden, so wären damals bereits
-zehn Quartiere vorhanden gewesen: bei dem Umfange der Unternehmungen
-immerhin eine stattliche Zahl. Ohne Zweifel sind sie ganz allmählich
-entstanden. Wir irren vielleicht nicht, wenn wir die erste Gründung
-in das vierzehnte Jahrhundert setzen, wo infolge der großartig
-entwickelten Bierausfuhr sich hier in immer steigender Anzahl solche
-Geschäftsleute eingefunden haben mögen, die mit den rückkehrenden
-Schiffen Waren aller Art bezogen, deren Vertrieb ihnen die Packer
-ermöglichten. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Quartiere können
-wir uns dann etwa so denken, daß der „Baas“, der ihnen den Namen gab,
-auch die Kontrakte entwarf und die Rechnung führte, ein „Scholer“ war,
-während seine „Konsorten“ sich aus ehemaligen „Knechten“ des Kaufmanns
-rekrutierten. In späterer Zeit mögen sich häufig Küper zu ihnen
-gesellt haben, als dies Gewerbe infolge Sinkens des Brauereibetriebes
-zurückging.
-
-Übrigens sind auch Träger und Kohlenträger um die Wende des 16.
-Jahrhunderts veranlaßt worden, sämtlich auf einmal das Bürgerrecht zu
-erwerben (Koppmann IV. 343, 373), nur daß man diese zu ermäßigtem Satz
-zuließ. Vermutlich war ihr Verdienst ein weit geringerer als der der
-Packer (Koppmann VII. S. XLVI.).
-
-In späteren Nachrichten ist, soviel mir bekannt, nichts über die
-Packer zu finden. Nur werden unter den zwischen 1591 und 1602 in
-Hamburg eingewanderten niederländischen Reformierten vier Packer,
-~Paqueurs~, mit Namen aufgeführt, sowie fünf weitere ~Paqueurs~, die
-sich gleichzeitig in Stade niederließen (Mitt. 6. Jahrgang 35, 38).
-
-Der älteste Kontrakt der Quartiersleute, der bis jetzt ans Tageslicht
-gekommen ist, findet sich Mitt. VI. 306 f. vollständig abgedruckt.
-Datiert vom Jahre 1693, stellt er die gemeinsame Tätigkeit der
-betreffenden Compagnions-Packer sowie die Tragung der Unkosten und
-den Anteil am Gewinn zu gleichen Teilen fest und ist sozusagen
-als auf ewige Zeiten geschlossen gedacht, da genaue Verabredungen
-getroffen sind, um vorzugsweise immer Familienmitglieder anstelle etwa
-Ausscheidender aufzunehmen. Ein anderer solcher Vertrag von 1716 ist
-auszugsweise Mitt. V. 488 f. wiedergegeben, ein dritter, von 1750,
-vollständig Mitt. XI. 151. Ein vierter endlich, von 1720, wurde im
-„Hamburgischen Correspondenten“ vom 17. März 1907 veröffentlicht und
-ist hier im Anhang nach der Urschrift wieder abgedruckt. Ähnliche
-Verabredungen für die Bedingungen bei Aufnahme neuer Mitglieder
-usw., wie darin zu finden, enthalten auch die anderen Kontrakte.
-Aus demjenigen von 1750 interessieren die Bestimmungen, daß einer
-der vier Maaten, der eine Ware veruntreuen würde, in schwere Strafe
-verfallen solle, und daß derjenige, der im Fall eines Streites unter
-den Teilhabern den ersten Schlag tun würde, einen Reichstaler an das
-Quartier entrichten müsse; verstände er sich hierzu nicht gutwillig, so
-sei ein Speziesdukaten (9,60 M.) „am Waysenhauß“ zu zahlen. Im Vertrage
-von 1716 wird für den Fall von Unstimmigkeiten angeordnet, daß notfalls
-zwei oder drei unparteiische Kaufleute als Schiedsrichter anzurufen
-sind, deren Ausspruch bei Vermeidung einer Strafe zu befolgen ist.
-
-Selbst wenn meine Meinung nicht berechtigt wäre, daß wir die „Packer“
-des Jahres 1508 als Vorläufer der „Compagnions-Packer“ von 1693
-anzusehen haben, darf doch wohl jedenfalls als feststehend betrachtet
-werden, daß zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts das Institut der
-Quartiersleute kein neues mehr war. Auf ein Alter von mindestens
-dreihundert Jahren kann es also zweifellos zurückblicken. Genaues wird
-sich nicht ermitteln lassen, sicher ist aber, daß in dieser langen
-Zeit nirgends eine Andeutung zu finden ist, wonach das Vertrauen
-zwischen Kaufherr und Packer je gelitten hätte. Dem Bibliothekar
-unserer Kommerzbibliothek, Herrn ~Dr.~ Ernst Baasch, verdanke ich
-die Mitteilung, er habe bis etwa 1815 bei Durcharbeitung der Akten
-unserer Kommerzdeputation Überhaupt keinen einzigen Fall entdeckt,
-wo Streitigkeiten oder Schwierigkeiten zwischen Kaufmann und
-Quartiersleuten erwähnt würden, während von anderen Hülfsarbeitern des
-Handels, z. B. den Litzenbrüdern (einer Art Transportvermittler), recht
-häufig aus solchem Anlaß die Rede sei. Gewiß ein glänzendes Zeugnis für
-alle Beteiligten. Das angenehme Verhältnis, das stets zwischen Kaufmann
-und Quartiersmann herrschte, wird übrigens auch dadurch gekennzeichnet,
-daß die Söhne des letzteren auch bei Firmen allerersten Ranges auf
-Wunsch sehr gern Stellung als Lehrlinge erhielten. Der junge Mann
-erwarb sich auf diese Weise manche Kenntnisse, die ihm beim Eintritt
-ins „Quartier“ seines Vaters später von großem Nutzen sein konnten.
-Auch dem Kaufmann konnte es im übrigen nur dienlich sein, wenn unter
-seinen Arbeitsübernehmern sich einer befand, der durch Einblick in den
-Gang des Geschäfts und die mancherlei Schwierigkeiten, die dabei zu
-Überwinden waren, die Befähigung erlangt hatte, sich über die peinliche
-Genauigkeit klar zu werden, die in jeder Hinsicht beobachtet werden
-mußte.
-
-Der Name Quartiersleute (statt Packer, wie es in dem alten Kontrakte
-heißt) scheint zuerst im Anfange des 18. Jahrh. in Gebrauch gekommen
-zu sein. Man findet ihn im „Patriot“ No. 9 vom 2. März 1724 S. 4 und
-in No. 40 vom 5. Oktober 1724 S. 3. Mit der Zahl der Teilhaber, wie
-Schütze meint und andere von ihm abschrieben, hat die Benennung wohl
-nichts zu tun, denn Quartier bedeutet nicht vier sondern Viertel. Es
-ist anzunehmen, daß ihr Geschäftslokal („da wir unser Quartier haben“)
-den ersten Anlaß gegeben hat, nachdem sich hieraus die Bedeutung
-eines Anteils an ihrer Genossenschaft entwickelt hatte („sein Quartier
-verkaufen“, „in oder auf das Quartier heiraten“). Man vergleiche den
-Kontrakt S. 51 f. (Ob man nebenbei an die Zahl vier gedacht hat, mag
-dahingestellt bleiben. S. auch Goedel, Quickbornbuch 9, S. 68.)
-
-
-Das Hauptarbeitsgebiet der Quartiersleute lag innerhalb der
-Speicherräume ihrer Kunden. Nur ausnahmsweise konnte man ihre Leute
-bei Transporten von Waren in den Straßen antreffen. Für Bestellungen
-suchte man sie in ihrem Quartier auf. Fand man dessen Tür verschlossen,
-so sah man auf der schwarzen Tafel, die daneben hing und in einer
-kleinen Lade Schwamm und Kreide barg, vielleicht die tröstliche
-Versicherung, „Gleich wieder“ oder „10 Uhr wieder hier“ oder sonst die
-Angabe der Arbeitsstelle, wo sie beschäftigt waren. (Das hieß dann:
-„+He het sick naschreben+“). Nicht immer hatte man die Gewißheit, sie
-dort noch anzufinden. War man nach Jakobsens Speicher, dritter Boden,
-hinaufgeklettert, so wurde man vielleicht nach dem vierten Boden
-einer anderen Stelle weiter verwiesen, wenn nicht gar nach der großen
-Elbstraße in Altona. Hier hatten sie regelmäßig zu tun, weil in den
-Speichern an der Elbe große Läger, vor allem von Kaffee, zu bearbeiten
-waren, die sich behufs Ersparung des Hamburger Eingangszolles von ½
-v. H. dahin gezogen hatten. Ihre Gerätschaften, besonders Länge und
-Markputt, bewahrten sie in bestimmten Wirtschaften der Vorstadt St.
-Pauli und Altonas auf, in denen sie sich dann früh morgens einstellten,
-um auf einer großen schwarzen Tafel zu verzeichnen, wo sie zunächst bei
-der Arbeit zu finden sein würden. Verließen sie diese Stelle, so fanden
-die Fuhrleute der Eisenbahn und die Ewerführer dort neuen Nachweis.
-Hier besonders gingen sie nur unter ihrem „+Ökelnamen+“, die jeder
-kennen mußte, der nach ihnen herumfragte. Zum ausführlichen Verzeichnis
-derselben, das ich am Schlusse gebe, bemerke ich, daß diese Beinamen
-nicht als Spott aufgefaßt wurden, sondern als gutmütige Scherze, die
-niemand übelnehmen konnte und die schließlich haften geblieben waren.
-Ihre Entstehung ist nur in wenigen Fällen nachzuweisen. +De Blauen+
-hieß ein Quartier, das viel mit Indigo zu tun hatte. +Böhnhasen+
-sind unzünftige Handwerker oder Leute, die in unberechtigter Weise
-Geschäfte betreiben (Rüdiger in „Hamburg vor 200 Jahren“ 223 f.,
-Korr. Bl. 23, 88). +Dacklüünken+ war der Spitzname eines Quartiers,
-das ursprünglich auf dem höchsten Boden eines Speichers gehaust
-hatte (Lüünk = Sperling). +Dunkis+ hießen Rabeler u. Kons., weil
-sie als die ersten den Versuch gemacht hatten, Waren mittels einer
-Dampfwinde (Donkeymaschine) aus der Schute in die Speicherböden zu
-heben, +Eseltreckers+ ein anderes Quartier, dessen frühere Inhaber vor
-vielleicht 60 oder 80 Jahren ein störrisches Grautier für die Kinder
-eines der ihrigen durch ganz Altona bis nach Övelgönne gezerrt hatten.
-+Finnkiekers+ sind Untersucher von Schweinen. +Gnaddrig+ bedeutet
-verdrießlich. +De Kaffeebrenners+ pflegten gegen Entlohnung für große
-Krämer wie Conrad Warnke und Adolph Wilmans vor deren Hause in der
-Steinstraße oder auch bei der nahen Jakobikirche in großen langen
-Trommeln Kaffee auf Holzkohlenfeuer zu rösten. +Krindlers+ wurde ein
-Quartier genannt, weil die Inhaber in ihrer Knabenzeit bei der Kurrende
-mitgewirkt hatten, die noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in
-unseren Gassen Choräle vortrug; ihre Mitglieder hießen im Volksmunde
-Krintenjungs oder Krindlers. (Heckscher 32 f.) +De Sackneihers+ wurden
-auch +Sackjuden+ genannt, da sie mit Jute und Säcken zu tun hatten und
-nebenbei Sackleihgeschäft betrieben. +Tünbüdel+ ist gleichbedeutend
-mit Drähnbartel. (Korr. Bl. 28, 73.) Die +Wullkosaken+ arbeiteten
-für Kaufleute, die Wolle in großen Ballen aus Mecklenburg erhielten.
-+Wolkenschubers+ dürfte ähnlich zu deuten sein wie Dacklüünken. Mit
-+Wullmüs’+ wurden ursprünglich die Fabrikmädchen bezeichnet, die
-auf den Speicherböden mit Aussuchen und Reinigen von Waren sich
-beschäftigten. (Korr. Bl. 23, 88.) Ein Klub von Baumwollarbeitern
-nennt sich „Wullmüs’ von 1910“. Einige weitere Erklärungen findet man
-in Anl. II. Der Ausdruck Ökelname ist übrigens alt. Er kommt schon
-im Jahre 1417 vor (Chroniken der niedersächsischen Städte: Lübeck,
-herausgegeben von Koppmann, III. 368) und will sagen Beiname, vom
-altsächs. ~ôken~, ~ôkian~, mehren, vermehren.
-
-Alles was über die Verantwortlichkeit für Leute und Lager, über
-Behandlung der Waren und Warenkenntnis, über Ausrufe beim Winden, über
-abendlichen Besuch am Kontor usw. oben vom Hausküper gesagt ist, gilt
-genau so für die Quartiersleute. Auch sie pflegten eine bestimmte
-Anzahl von Leuten im festen Wochenlohn zu beschäftigen. Gab es mehr
-Arbeit, als sie damit bewältigen konnten, so waren sie ebenfalls
-auf Lüd’ von de Eck angewiesen, die sie dann als „+Ploog+“ (Rotte,
-Schaar) an die betreffende Arbeitsstelle abordneten. Jetzt hat sich
-dies geändert. Ein regelmäßiger Stamm von Lüd’ von de Eck ist nicht
-mehr vorhanden, man muß sich an den Hafenbetriebsverein oder an den
-Arbeitsnachweis der Patriotischen Gesellschaft wenden, wenn Hülfskräfte
-gebraucht werden.
-
-Die frühere Tracht der Quartiersleute, schwarze Jacke mit
-Silberknöpfen, Zylinder und Schurzfell, ist längst abgekommen, ebenso
-wie die Barttracht, die Kinn und Oberlippe frei ließ, „+de Köhm- un
-Beerglitsch+“. Dagegen haben sie die alte Gewohnheit durchweg noch
-beibehalten, daß nur einer der Teilhaber mit Namen angeführt und für
-die übrigen die Bezeichnung „und Konsorten“ zugefügt wird. Einzeln hat
-man allerdings schon eine kaufmännische Firma errichtet. Nach meiner
-Meinung sollten es die Quartiersleute bei dem alten Brauch lassen, denn
-sie können mit Recht stolz sein auf eine Art der Bezeichnung, die sich
-seit Jahrhunderten, vielleicht seit mehr als einem halben Jahrtausend
-glänzend bewährt hat. „Konsorten“ hat überhaupt gerade so guten Klang
-wie das andere Fremdwort „Kompagnie“. Wie mir scheinen will, ist diese
-Anregung der ersten Auflage auf guten Boden gefallen, denn nicht selten
-findet man jetzt eine Eintragung „N. N. u. Konsorten“ in den Anzeigen
-des Handelsregisters.
-
-Bei Begründung des Freihafenviertels wurde angeregt, für im
-Staatsspeicher eingelagerte Waren auf Wunsch der Eigentümer
-Lagerscheine auszustellen, worauf in Art der englischen ~dock
-warrants~ Vorschüsse erhoben werden könnten. Das führte sich zu
-allseitiger Zufriedenheit ein. Es zeugt von dem großen Vertrauen, das
-man den Quartiersleuten zollt, daß auch viele aus ihrer Mitte dazu
-übergehen konnten, ihren Kunden solche Lagerscheine auszufertigen, die
-gleichfalls durch Banken und Bankiers bevorschußt wurden, obwohl keine
-weitere Garantie vorlag als die Unterschrift einer staatlich nicht
-bestätigten Verbindung Einzelner. Voraussetzung ist natürlich, daß die
-Einlagerer über solche Waren, für die sie einen Lagerschein entnommen
-haben, nur gegen dessen Rücklieferung verfügen können. Vor etwa zehn
-Jahren erregte der Fall großes Aufsehen, daß ein Quartiersmann sich
-durch einen langjährigen guten Kunden hatte überreden lassen, von
-einer Partie Waren Ablieferung vorzunehmen, ohne daß der betreffende
-Lagerschein bereits zur Stelle war. Der Kaufmann, den er immer
-als zuverlässig gekannt hatte, war durch Verluste in schlechte
-Verhältnisse geraten und betrog schließlich den Quartiersmann, der
-den Wert der anderweitig bevorschußten Ware ersetzen mußte, um
-sein ganzes Vermögen. Dem Vertrauen, das man den Lagerscheinen der
-Quartiersleute entgegenbringt, hat dieser Vorfall selbstverständlich
-keinen Abbruch getan. Es gibt sogar Leute, die sich schon für Ware im
-Wert von hundert Mark einen Lagerschein ausbitten. Übrigens gewähren
-einige Quartiersmannsfirmen jetzt selber Vorschüsse, wie denn dieser
-Geschäftszweig in neuerer Zeit sich Überhaupt mächtig entwickelt hat.
-Neben Mietsböden und Kontoren für Angestellte im Freihafenbezirk
-besitzt mancher Quartiersmann seinen eignen Speicher in der Zollstadt,
-ausgestattet mit elektrischen Anlagen für Warenbewegung, und betreibt
-ein regelrechtes Lagerungs- und Speditionsgeschäft für seine Kunden.
-Dazu gesellen sich zuweilen besondere Anstalten. Ich hatte Gelegenheit,
-bei den Herren Ockelmann und Konsorten die in vollem Betrieb
-befindlichen, durch vier Lagerböden sich erstreckenden maschinellen
-Einrichtungen zu besichtigen, die für Reinigung verschiedener Waren,
-z. B. Entstielung von Rosinen sowie für Enthülsung von solchen
-Kaffeebohnen bestimmt sind, die aus Mexiko, Guatemala usw. mit den
-Hülsen hier eintreffen, und mußte staunen, in wie sinnreicher Weise
-alles ineinander griff. Ohne Berührung durch Menschenhand befreiten
-Trommeln, Siebe, Saug- und Blasapparate den Kaffee von Steinen, Hülsen
-und Häutchen und lieferten ihn schließlich, nach Größe und Form in
-verschiedene Sorten getrennt, an die Säcke ab. Nur das Auslesen
-schlechter Bohnen bleibt noch langen Reihen von Frauen und Mädchen
-überlassen.
-
-Gleich dem Hausküper wußte der Quartiersmann, so oft es nottat,
-mit großem Selbstbewußtsein für die Interessen seiner Auftraggeber
-einzutreten. Allgemein bekannt ist das hübsche Beispiel, das Borcherdt
-(II. 288 f.) erzählt, wie ein Quartiersmann kurz entschlossen
-selbst ins Inland reist, um einem Käufer, der eine Partie Kaffee
-zu Unrecht bemängelt hat, die Übereinstimmung der Ware mit dem
-Verkaufsmuster zu beweisen. Allerdings fehlt bei Borcherdt der
-besonders charakteristische Zug, daß der Quartiersmann, vom Inhaber der
-betreffenden Firma sehr von oben herab nach seinem Namen und seiner
-Legitimation gefragt, stolz erwidert: „Mein Name? Der hat nichts damit
-zu tun. Ich stehe hier für Johannes Bahl. Für Sie bin ich Johannes
-Bahl. -- Übrigens heiße ich Timmann. (Die Namen sind fingiert.) Und
-nun lassen Sie uns mal den Kaffee ansehen.“ Andere kleine Züge sind
-gut wiedergegeben, besonders die Szene im Eisenbahnschuppen, wo es
-natürlich an Vorrichtungen fehlt, um die Proben aufzuschütten: Timmann
-läßt einen Taler springen und sofort ist aus Fässern und Bohlen ein
-Tisch hergestellt. Als dann alles in Ordnung befunden ist, meint
-der Kaufmann: „Wie kriegen wir nun die Proben wieder in die Säcke
-hinein?“ -- „Die Proben? Die gehören den Arbeitsleuten!“ ist Timmanns
-prompte Antwort, wobei er die Bretter umstülpt. (Es war in Hamburg
-Brauch, daß +Fegels+ den Arbeitern zukamen.) Schließlich erfolgt die
-Zusicherung, der Betrag der Rechnung werde noch heute beglichen werden,
-worauf Timmann erwidert, für seine Bemühungen und Auslagen möge man
-gefälligst zweihundert Taler beifügen, was denn auch zum Erstaunen von
-Johannes Bahl wirklich geschieht. Und so sehr hat Timmann dem Inländer
-imponiert, daß, als ein anderes Hamburger Haus bei ähnlichem Streitfall
-meldet, man werde die Sache durch Herrn Timmann untersuchen lassen,
-umgehend die Nachricht erfolgt, nach nochmaliger genauer Prüfung finde
-man an der Ware nichts auszusetzen (Vergl. Jünger, 23 f.).
-
-Früher gab es unter einem Teil der Quartiere eine lose Vereinigung,
-die hauptsächlich bezweckte, in der Form einer sogenannten „Totenlade“
-die Beerdigungskosten verstorbener Mitglieder aufzubringen. Da man
-aber unterlassen hatte, ein Kapital als Grundstock einzuschießen, so
-reichte der Taler Sterbegeld schließlich nicht mehr hin und die Sache
-ging ein. So lange sie noch in vollem Betrieb war, pflegte man sich
-einmal im Jahre beim Wirte Lautenberg in der Steinstraße, der über
-einen größeren Saal verfügte, zusammenzufinden, um einen gemütlichen
-Abend -- ohne Damen -- zu verleben. Der Gelegenheitsdichter Volgemann
-lieferte dazu Lieder, in denen die Ökelnamen eine große Rolle spielten.
-Die Sachen haben natürlich nur einen Augenblickswert gehabt. Mir liegt
-ein Tafellied zum 31. Januar 1863 vor, worin es nach der Melodie:
-„Der Papst lebt herrlich in der Welt“ u. a. heißt: „Hier seht nun
-unsern +Bodenstein+, der muß stets Alterspräses sein. Er hat die Sache
-angeregt, zu diesem Fest den Grund gelegt. -- -- Un +Grootkaß+ von dat
-„fiin“ Quarteer, den makt et hüt en Barg Pläseer, denn wenn he recht
-vergnögt will sien, stellt he sick sicher bi uns in.“ Ebenso geht es
-hoch- und plattdeutsch durcheinander in einem Liede zum 4. Februar 1865
-nach der Melodie: „Ich bin der Doktor Eisenbart“, z. B. „Un +Pingel+
-unse ohle Fründ is gern wo sien Konsorten sünd. Wer fiif Mal sick een
-Fro nehm’n kann, dat is förwahr „ein ganzer Mann.“ -- -- Auch +Voß+
-und +Löding+ sind zwei Leut’, sie denken an die Schlafenszeit. Weil
-wi jem to „de Möden“ tellt, hebbt se denn Slaap hüt afbestellt.“ --
-In späteren Jahren hören in diesen Tafelliedern die Anspielungen auf
-Einzelmitglieder und ihre Ökelnamen auf, wie die nachfolgenden Proben
-aus den Volgemannschen Gelegenheitsgedichten zeigen, die das Hamburger
-Staatsarchiv in 13 starken Sammelbänden bewahrt und mir freundlichst
-zur Verfügung stellte.
-
-2. Februar 1878 (Band VIII. 222), Singweise „Wohlauf noch getrunken“
-Vers 2 bis 4: „Quartiersleute haben wohl schwierigen Stand, sie müssen
-empfangen zu Wasser und Land und oft im Geschäft machen bei dem Verkehr
-den Kopf und die Kräfte die Ablief’rung schwer. Wenn auf dem Komptoir
-kaum fertig sie sind, die Arbeit am Speicher mit Eifer beginnt. Dort
-müssen auf’s Winden sie gut sich verstehn und oft dabei selbst sich
-winden und drehn. Die Führer der Ewer, man weiß ja daß sie absichtlich
-Streit suchen beim Arbeiten nie! Trotzdem kann man immer nicht einig
-sich sein: das liegt im Geschäft so Tag aus und Tag ein.“
-
-11. Januar 1879 (IX. 294) Vers 5: „Der Hamburger Quartiersmannsstand
-ist rühmlich weit und breit bekannt. Komptoir und Speicher, Quai und
-Fleth weiß wie er sein Geschäft versteht.“
-
-18. Februar 1882 (IX. 317), Singweise „Was gleicht wohl auf Erden“,
-Vers 2: „Quartiersmann ist kundig, den Kaufmann zu ehren, zu nützen und
-schützen zu Wasser und Land; die Speicher zu füllen, die Speicher zu
-leeren, ist gern er beschäftigt im mühvollen Stand.“
-
-30. Januar 1897 (XIII. 133). Singweise „’Ne ganze kleine Frau“: „Besett
-mit blanke Knöpen von Sülber mannichfach, darin umher sünst löpen
-Konsorten Dag för Dag: stolz drog man de bestellten, as wenn’t en
-Staatskleed wör. Jetzt süht man se man selten un driggt ganz wenig mehr
-de kotte feine Jack, de kotte feine Jack, de kotte feine, feine, feine
-ohl Quarteersmannsjack.“
-
-Volgemann selbst nennt sich XIII. 48 „alter Haus- und Hofpoet seit
-1848“. Aus den Liedern X. 250 und 251 und XI. 91 scheint hervorzugehen,
-daß 1864 und 1876 Versuche stattfanden, der ersten Vereinigung
-von 1848 festere Formen zu geben, während erst weitere zehn Jahre
-später der noch heute bestehende „Verein Hamburger Quartiersleute
-von 1886“ endgültig gegründet wurde. Am 30. September 1911 feierte
-dieser Verein sein 25jähriges Stiftungsfest durch Festtafel und Ball
-in der „Erholung“. Das Programm, gedruckt bei Carl Griese, enthält
-unter anderen hübschen Zeichnungen von Johs. Ulfert drei, auf denen
-Quartiersleute in alter Tracht dargestellt sind.
-
-
-Zum Schluß muß ich noch der +Ewerföhrer+ gedenken. Es scheint
-eigentlich sonderbar, daß man den Mann in der Schute Ewerführer und
-nicht Schutenführer nennt, denn in Hamburg heißt Ewer ein Elbschiff
-mit Verdeck, Mast und Steuer, während den Schuten dies alles fehlt.
-Es sind eben ganz offene Fahrzeuge ohne Kiel, die nur hinten einen
-kleinen verschließbaren Raum haben, +de Plicht+, worin Arbeitszeug und
-dergleichen Platz findet, gelegentlich auch vielleicht, was von der
-Ladung abfällt. Da auch die Ewer flachen Boden haben (der Kiel wird
-durch ein „Schwert“ an jeder Seite ersetzt), so läßt sich vielleicht
-annehmen, daß sie früher nicht allein auf der freien Elbe, sondern auch
-für Transporte zwischen Speicher und Seeschiff verwendet wurden, und
-daß man erst allmählich zum offenen Leichter, der Schute, übergegangen
-ist. Die Bezeichnungen Ewer, Schute und Prahm kommen übrigens bereits
-im 14. bis 16. Jahrhundert nebeneinander vor (Koppmann I. S. LXXVII.
-f., VII. S. CXX.). Vom Ewerführer ist im Patriot No. 155 vom 20.
-Dezember 1726 S. 1 die Rede.
-
-Zum Schutz der Ladung der Schuten gegen Regen dienten +Persenninge+,
-breite geteerte Segeltuchstreifen mit Holzrollen an beiden Enden.
-Doornkaat meint, der Ausdruck könne vom englischen ~preserving~
-= Schutz stammen (vergl. Korr. Bl. 28 S. 48, 55. 71). Kleinere
-Schuten werden +Bollen+ genannt. Der Eigentümer der Schuten heißt
-+Ewerföhrerbaas+. Baas will sagen „Meister“. Wenn der Lehrling dem
-Ewerführer eine Bestellung ausrichtete, etwa: „Sie möchten Ihrem Herrn
-sagen, daß er heute an der Börse vorkommt“, so erhielt er zur Antwort:
-„+Herr -- Herr? -- Ick bün doch keen Köter, de ’n Herrn hett! -- Ick
-will mien’n Baas dat seggn.+“ Von den Beinamen der Ewerführerbaase
-hörte ich nur +Baron Sachs+ für Hans Sachs, +Kees’-Dircks+ für
-einen Dircks, der für ein Geschäft im Grimm häufig Käse fuhr und
-+Spinn’grieperdircks+ für einen Namensvetter. Dessen Nachfolger im
-Geschäft, Ahrens, hieß +Jägerahrens+.
-
-So lange es sich um den Verkehr zwischen dem alten Binnenhafen und
-den Fleetspeichern handelte, +peekten+ die Ewerführer ihr Fahrzeug
-mittels langer Stangen weiter, indem sie deren eiserne Spitze in den
-Schlamm stemmten und vom Vorderende der Schute, auf deren breitem Rand,
-sich langsam, schiebend, nach hinten bewegten. Deshalb ihr Ökelname:
-„+Slickschuber+“. Da sie hierbei die Querleiste des oberen Endes der
-Stange, die +Krück+, zwischen Brust und Schulterknochen drückten,
-hießen sie auch +Stakendrücker+. Wenn es gerade so paßte, zogen sie
-sich auch wohl mit dem neben der Spitze der Stangen befindlichen
-+Haken+ an Ringen der Hausmauern und Schuteneisen der Brückenwiderlager
-und Kaimauern entlang oder an Pfählen oder an anderen Schiffen. Da
-ein Steuer fehlte, wurde die Richtung durch die Art des Schiebens
-eingehalten, wie man das noch heute in den Fleeten wie auf der Alster
-gelegentlich beobachten kann. Die Speicherarbeiter pflegten dem
-Ewerführer wohl scherzend zu bemerken: „+Du hest dat good. Du kannst
-di ümmer stütten bi de Arbeit. Un wenn du rüggwarts geist, kummst du
-doch vörruut.+“ -- Daß die Sprache der Wasserkante ausschließlich
-Plattdeutsch geblieben ist, sei hier beiläufig erwähnt. Im Zusammenhang
-damit stand es, daß im Verkehr zwischen Arbeitern und Vorgesetzten das
-trauliche du gegenseitig die Regel bildete. Das hat jetzt allerdings
-aufgehört. -- Auf der Alster benutzt der Ewerführer zuweilen den Wind
-zur Erleichterung seiner Arbeit, indem er aus einer Stange mit daran
-befestigter Persenning ein Notsegel herstellt.
-
-Während die älteren Schuten noch aus Holz erbaut sind, ist man jetzt
-zur Eisenkonstruktion und größerer Tragfähigkeit (300 Tons und mehr)
-übergegangen, auch sieht man vielfach „Kastenschuten“ mit abnehmbarem
-Verdeck. Da nun außerdem die Entfernungen wegen der außerordentlichen
-Ausdehnung unserer Hafenanlagen sehr groß geworden sind, und da infolge
-der Tiefe der Freihafenfleetzüge die Stangen oft nicht mehr den Grund
-erreichen würden, so muß der Ewerführer jetzt vielfach Schlepperhülfe
-in Anspruch nehmen. Einzelne Schuten findet man auch schon mit einem
-Motor ausgerüstet.
-
-Wenn der Ewerführer am Speicher angelangt war, wo er Waren holen oder
-abliefern sollte, so rief er den Hausküper oder Quartiersmann an,
-z. B. „+Großmann sien+“ (sollte heißen „Großmann sien Lüd’“). Der
-Koptein meldete sich dann an der Luke: „+Wat seggst du?+“ und der
-Ewerführer teilte sein Gewerbe mit, z. B.: „+Twintig Faten aflebern+“.
-Bekannt ist der Scherz, daß der Ewerführer hinaufruft: „+Tein Kisten
-Rabarber innehmen!+“ worauf die Antwort erfolgt: „+Denn -- geist du
-dod!+“ -- Für die kaufmännischen Firmen, mit denen sie zu tun hatten,
-pflegten die Ewerführer Spitznamen und Verdrehungen anzuwenden. Ich
-teile hier eine Auswahl mit und füge eine kleine Anzahl bei, die den
-Betreffenden von anderer Seite angehängt sein mögen, ohne mich dafür
-zu verbürgen, daß diese Ökelnamen regelmäßig zur Anwendung gekommen
-sind. Es soll also geheißen haben: +Andree sien Wickelkind+ für
-Andree u. Wilkerling, +Baas Püttjerig+ für F. R. Scharfe (püttjerig
-= kleinlich), +Biankohn klei di+ (kratz dich) für Biancone, Klee u.
-Co., +billig un slecht+ für Brock u. Schnars, +bitter wenig un slecht+
-für B. Wencke u. Söhne, +Filzlaus+ für F. Laeisz, +Flotz un Klotz+
-für Blohm u. Voß, +Ihde sien Knecht+ für Sienknecht u. Ihde, +Köhm un
-Beer+ für Knöhr u. Burchard oder Kruse u. Bleichwehl, +links un rechts+
-für Lütgens u. Reimers, +Meier Gebrüder Lumpen angroh+ für Anton
-Meier, +Plünnhaufen un Schulze+ für Lappenberg u. Müller, +Muhlaap+
-für H. L. Muhle u. Co., +Püttjer+ für H. Ahmsetter (Püttjer = Töpfer,
-Ofensetzer), +Sellerie un Purree+ für Cellier u. Parrau, +tranig un
-ranzig+ für Tietgens u. Robertson, +wenig un knapp+ oder +Wien un Köhm+
-für Wachsmuth u. Krogmann. Die Kornumstecher Bein u. Kruse hießen
-+Arm un Been+. Kornumstecher sind Arbeitsübernehmer für sachgemäße
-Behandlung von Getreide. Die Leute, die sie anstellen, erhalten nach
-beendeter Arbeit +Hockerzettel+ und das Abholen des betreffenden
-Akkordlohnes wird +Hockern+ genannt. -- Für den Empfangschein, den
-der Ewerführer erhielt, wenn er Waren an Bord abgeliefert hatte, gibt
-es die Bezeichnung „+Reziev+“, nach dem ersten Wort der englischen
-Übernahmezettel: ~received~.
-
-In neuerer Zeit haben einzelne Ewerführerbaase angefangen, neben dem
-Schutenbetrieb auch Fuhrwerk zu halten. Früher löschten und luden
-sämtliche Schiffe im Elbstrom, es war also keine Möglichkeit, die
-Waren anders als zu Wasser zu befördern. Seitdem der größere Teil des
-Verkehrs sich an den Kais abspielt, ist es in vielen Fällen geratener,
-den Transport zu Lande vorzunehmen, schon weil die Gefahr einer Havarie
-dann wegfällt. Außerdem sind zwar die Fleete im Freihafenviertel
-tief genug gelegt, daß auch bei niedrigstem Wasserstand Schuten dort
-verkehren können, aber die alten Fleetzüge der inneren Stadt bleiben
-bei anhaltendem Ostwind oft tage- ja wochenlang leer gelaufen und
-vielfach finden die Transporte auch nach Stadtgegenden statt, wo es
-an Fleeten fehlt. -- Das vorn beigegebene Bild nach einer Zeichnung
-von C. Schildt (im Besitz unserer Kunsthalle) die vor 25 Jahren für
-das Prachtwerk „An de Woterkant“ hergestellt wurde, gibt einen guten
-Begriff davon, wie es an einem Hamburger Fleet der Altstadt aussieht.
-Es ist das +Diekstratenlock+, von der Steintwietenbrücke aus gesehen,
-d. h. das Fleet zwischen Deichstraße (links) und Rödingsmarkt.
-Eine große Anzahl feiner Beobachtungen sind darauf zu finden: die
-Speicher mit ihren Luken, den Utleggern und einem außer Betrieb
-gesetzten Abort, die Ewerführer in ihren Schuten, die +Jolle+, die
-sich durchzwängt, der Schatten, den die hoch gestiegene Sonne auf die
-Speicher wirft usw.
-
-Seit 1889 besteht ein Verein der Schutenbesitzer, der 1914 sein
-fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest feierte. Laut „Hamburger Woche“
-vom 7. Mai 1914 zählte er 480 Mitglieder mit 1530 Schuten im Wert von
-sechs Millionen Mark.
-
- *
-
-
-
-
-Anlage 1
-
-Quartiersmannskontrakt von 1720
-
-
-~Laus Deo Anno 1720~
-
-Adj. 22. April
-
-Im Nahmen der Heylichen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit, haben wier
-vier als Endes-Benandte Matten, dieses angefangen eigen händig unter
-Zu schreiben nach Laut unßere Vor Väter ihr Verbundtniß, Für uns und
-unßere Nachlaßent Frauens, und Kinder, wo nicht Frau, oder Kinder, für
-die Negsten Bludtsverwandten, oder Erben, in fester Haltung zu bringen,
-Auf daß ein jeder recht wieder fahre, Auch wo nach sich die andern
-Matten Können richten, Gott Gebe uns seinen Seegen, und Einigkeit, daß
-dießes alles Mach waß wier vor schreiben, erfüllet werden möge Amen.
-
-(S. 2) +Erstl.+ Begiebt es sich daß einer von uns vier Matten so unten
-Benandt sind, sich in etwaß Könne verbessern und zwaar, daß er solche
-schwere Arbeit nicht Thun dürffte, so soll es Ihm frey stehen, sein
-Quartier zu verkauffen, aber an einen solchen Ehrlichen Man, da die
-Matten mit zu frieden sindt, Auch daß er sein, oder die Arbeit thun
-Kan, der selbe der es Kaufft soll denen andern Matten Geben zum ein
-Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch.
-
-+Zum Andern+, Solt es sich zu Tragen, daß einer von uns Viern solte,
-bey seiner Täglichen Arbeit zu schaden Kommen, oder erkriegte, oder
-er würde sonsten von Gott mit Leibes Krankheit beleget, oder Heim
-gesuchet, da uns Gott vor wolle in Gnaden bewahren, oder (S. 3) er
-Könnte von wegen seines Alters nicht mehr Arbeiten, So soll der jenige
-Beschädigte, oder der Kranke, oder der Alte Man, und Matt verpflichtet,
-und schuldig sein, einen Man, oder Taglöhner vor sich zu halten oder
-mit seine drey andre Matten wißen, und willen, sich mit einem Man da
-die Matten mit friedlich sein, Auch der sein Arbeit thun Kan, verdingen
-und auch Lohnen, Biß so lange der Beschädigte oder der Kranke Matt
-wieder zur vorrigen Gesundheit, oder Gott den Alten Man, und Matt im
-Himmel hilfft.
-
-+Zum Dritten+, Wan es sich dan Begiebt daß der liebe Gott Einer von
-uns Endes Benandte vier Matten durch den Zeitlichen Todt von Gott auß
-dieser (S. 4) Welt abfodert würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach,
-so soll die Witt Frau ein Gnaden, oder Thrauer Jahr vergönnet sein, Sie
-soll aber wehrendes Thrauer Jahr einen Taglöhner vor sich halten, da
-die Matten mit friedl. sein, Auch der die Arbeit thun Kan Auch soll sie
-verpflichtet sein wehrendes Gnaden Jahr sich alle Sonnabendt oder wan
-ein Feyertag ein fält, den negst vor hergehenden Tag, bey, oder da wier
-unßer Quartier haben ein finden, und den Taglöhner Lohnen, die andern
-Matten sollen aber da zu sehen, daß es der Wittwe nicht mit der Lohnung
-zu schwer wirdt, den Sie müßen von Gottes wegen Ihr Bestes suchen, Auch
-waß in daß Gnaden Jahr Verdienet wirdt (S. 5) selbiges soll Ihre vierte
-~Portion~ von Ihre drey andern Matten geliefert, oder zu gestellet
-werden.
-
-+Zum Vierten+, So es Sich begiebt, daß einer von unßre Vier Matten so
-endes Benandt sindt, durch den Zeitlichen Todt von Gott abgefordert
-würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach, Sie als die Wittwe gedachte
-nicht wieder sich im Stande der Heylichen Ehe zu begeben, so soll die
-Witt Frau, ein Gnaden Jahr haben, aber in daß Gnaden Jahr in allen
-Arbeit einen Taglöhner vor sich halten, der vor Ihr arbeitet, und
-den soll sie wie in vorrigen dritten Artikel geschrieben stehet, Am
-Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den Negst vorhergehenden
-Tag, in unßern Quartier da wier zugegen sindt Lohnen, hat aber die
-Wittwe einen Sohn, oder Tochter, den Sie das Quartier über geben, und
-Laßen will, so soll Sie es mit ihre andern Matten Bewilligung thun,
-Auch daß der Sohn Tüchtig sey solche Arbeit zu verrichten, auch daß die
-Matten mit Ihm in allen friedtlich sein, Ihm gleichen wan die Tochter
-in oder auf daß Quartier Heyrathen wolte, so soll Sie einen solchen Man
-Heyrathen da die andern Matten mit zu frieden sein, und der ebenfals
-die Arbeit thun Kan, und der es Kaufft oder der es an Tritt von Sohn,
-oder Tochter Man, soll denen andern Matten geben Zum ein Tritt fünff
-und Siebzig Mark Lübsch.
-
-+Zum Fünfften+, So einer von unß vier Matten mit Tode abginge und er-
-(S. 7) ließe eine Wittwe nach, und Sie Lust hat wieder zu Heyrathen so
-soll Sie ein Gnaden oder Thrauer Jahr haben, und daß selbe Jahr soll
-von unß andern Matten, Ihr nicht ~Dispotiret~ werden, Allein sie soll
-in daß Gnaden Jahr einen Man halten, der vor Ihr arbeitet und den soll
-Sie wie in dritten Artikel geschrieben stehet, mit Bey sein der Matten
-Lohnen, wan Sie freyet in daß Gnaden Jahr wie den Auch geschehen soll,
-So soll Sie einen Gutten Ehrlichen Man freyen der sein, oder die Arbeit
-thun Kan, Auch daß die andern Matten mit Ihm in allen friedlich sein,
-und nichts auf Ihm zu sagen wißen der Selbe der die Wittwe Heyrathet,
-soll denen andern Matten geben zum ein Tritt fünff und Siebzig Mark
-Lübsch.
-
-(S. 8) +Zum Sechsten+, Wan einer von unß vier Matten mit, oder, in Tode
-wäre verblichen, und erließe eine Wittwe, und Kinder nach, die Wittwe
-aber Stürbe in daß von Ihren Matten vergönneten Gnaden Jahr, die Kinder
-aber so danannoch in Lebent und Männiglich erwachsen sindt, und solche
-Ihres Seel. Elters stelle vertretten wollen, und Können, sollen von
-denen andern dreyen Matten nicht von sich, Sondern mit allen Ernst und
-Eyffer, vor allen andern so nach daß Quartier stehen, zu Sie gezogen
-werden, Auch mit vorbeding der dreyen Matten daß ein Jeder sein, oder
-die Arbeit thun Kan, und Sie in allen mit Sie friedl. sein, der selbe
-der es (S. 9) antritt soll denen andern Matten geben zum ein Tritt
-fünff und Siebzig Mark Lübsch.
-
-+Zum Siebenden+, Beschließen wier vier Matten, so unten Benandt sind
-unter unß, daß wan einer von uns solte mit Tode abgehen, und erließe
-eine Wittwe allein nach, die Wittwe aber Saß in den genuß des Gnaden
-Jahr, und Stürbe auch, ließ aber Keine Kinder nach, so soll daß
-Quartier nicht die Matten, sondern denen Negsten Erben zu verkauffen zu
-gelaßen werden, Jedoch an einen solchen Man es zu verkauffen mit dero
-Matten Hülff und Willen, der die Arbeit thun Kan, und die Matten mit
-Ihm friedl. sein, derjenige der es Kaufft soll geben zum ein (S. 10)
-Tritt denen andere Matten fünff und siebzig Mark Lübsch.
-
-+Zum 8ten+ Ist von unß vieren als endesbenandte Matten, verabredet,
-und bewilliget worden, daß Keiner von unßern Keller, da wier unßer
-Quartier, liegen, oder in haben, über die Gebürde, des Tages soll
-außbleiben Es sein den eine Noht wendige Sache als Hochzeit gehen,
-gefatter stehen, oder sonsten Begrabnißen bey zu wohnen, Auch wo er in
-seiner Freundschafft etwaß Noth wendiges zu verrichten hat, Solches
-alles soll Ihm erlaubet und frey gegeben werden, Jedoch der Jenige so
-solche Sachen zu verrichten hat, soll Schuldig sein, (S. 11) Seinen
-andern Matten zu sagen, oder Es sagen zu laßen daß wan Arbeit Kömpt Sie
-sich danach richten Können, Begebe es sich aber daß einer, oder der
-andere von unß Vieren so endesbenandt sindt, solte Auß frevel Muth oder
-sonsten seines eigenes gefallen Auß Bliebe, oder sonsten seines eigenes
-Thuns abwarten würde, so soll der selbe, der außen Bleibet und Gaar
-nicht zu rechter Zeit, bey unßern Keller, oder dawier unßer Quartier
-haben Kömmt, Von den Verdienten Lohne nichts zugerechnet werden,
-Sondern zur Straffe, Wo Viel auch verdienet, es von denen andern
-Matten Ihm abgezogen werden (S. 12)
-
-Dießes alles haben wir vier Matten unß Belieben Laßen, als eines vor
-allen, und alle vor einen, zur festen Haltung, mit Gottes willen,
-eigenhändig untergeschrieben.
-
- ~I E~ Josias Ehlers
- Johann Köster
- Jochim Zingelmann
- Jochim ~I F V~ Friedrich Vormerling sein eigenes gezogenes
- M [Symbol]
-
-Jochim Dürkop. Hanß Gollehr. Jürgen Jochim Fick (S. 13). Franß Jochim
-Hauschild. Jochim Sebastian Graumann. Hanß Jacob Wulf. Unleserlich
-gemachter Name mit der Bemerkung: +Ist ein Schelm geworden.+
-Christoffer Hocker. Hanß Peter Grewe. Claas Hoops. Hinrich Döscher.
-Hanß Jacob Höltig. Georg Christoph Sievers. Johann Jacob Haberland.
-Alexander Barthold von Gevern Todt 1847. Johan Schulenburg. Wilhelm
-Ludewig Kähler (S. 14). Gottfried Hinrich Andreas Gätgens. Gerlieb
-Conrad Casper Roggeman, gest 6 Jan 1851. Hans Friederich Philipp
-Albers, gest 11 Juni 1847. Johann Christoph Heinrich Pfeiffer. Johann
-Rudolph Gätgens ~Ano.~ 1843. Heinrich Martin Ferdinand Bötger 1846.
-Peter Alexander Heinrich Lange 1848. gest 1854. Carl Georg Heinrich
-Ockelmann 1852. Johann Christian Theodor Sötebehr 1858. C. W. Heinrich
-Ockelmann 1876. J. H. F. Beuck 1879. A. C. H. Muhly 1883. Eduard L. A.
-Ockelmann 1883. Theodor C. W. Ockelmann 1891.
-
-
-Vorstehender Kontrakt der Firma Ockelmann und Konsorten, zuerst
-veröffentlicht im Hamb. Correspondent vom 17. März 1907, ist
-genau nach der Urschrift abgedruckt. Er findet sich in einem
-Kleinquart-Schreibheft von 16 Seiten, wovon die ersten zwei
-unbeschrieben. Die meisten Namen sind durchstrichen, mit der Beifügung
-„thodt“.
-
-„Matten“ gleich Genossen (Maat).
-
- *
-
-
-
-
-Anlage 2
-
-Abdruck des Folioblattes:
-
-Hamburger Quartiersleute
-
-
-Ein Stück echt hamburgischen Gewerbes, das nicht nur seinen uralten
-Charakter, seine ererbten Sitten, seine sprüchwörtlich gewordene
-Ehrlichkeit und Treue, sondern auch seine äußere Erscheinung, der
-wechselnden Mode zum Trotz, bis auf den heutigen Tag beibehalten hat,
-bilden die Hamburger Quartiersleute.
-
-In schwarzer Tuchjacke mit massiven silbernen Knöpfen und rindsledernem
-Schurzfell repräsentieren sie immer noch den althamburgischen,
-wohlbewährten und zuverlässigen Arbeiter, dem der Kaufmann sein Hab und
-Gut, soweit dasselbe in Waren und Kaufmannsgütern besteht, unbesorgt
-anvertraut, in der unzweifelhaften Überzeugung, daß sein Interesse
-und sein Vorteil, in welcher Beziehung es auch immer sei, in gute und
-sachkundige Hände niedergelegt ist.
-
-Die Quartiersleute verdanken ihren Namen dem Umstande, daß gewöhnlich
-vier derselben ein Konsortium bilden, das gemeinschaftlich eine
-kleinere oder größere Zahl von Kaufleuten zur festen Kundschaft hat,
-deren Speicherarbeiten sie selbst und erforderlichen Falls unter
-Beihilfe von Arbeitsleuten, den sogenannten Eckenstehern, verrichten.
-
-Der Kaufmann, der eine Partie oder eine Ladung irgend welcher Güter
-empfängt, überläßt es seinen Quartiersleuten, dieselben von der Schute
-aus, vom Lastwagen, von der Eisenbahn, oder mit welchem Transportmittel
-sie sonst geliefert werden, ab und in seinen Speicher aufzunehmen.
-Doch nicht allein der Transport, die Lagerung und Ablieferung liegt
-dem Quartiersmann ob, beim Empfang hat er sich von der Richtigkeit
-der Marken und Nummern der Colli zu Überzeugen, das Gewicht derselben
-festzustellen, den Zustand der Emballage und den Inhalt jedes einzelnen
-Gegenstandes zu prüfen und eventuell stattgefundene Ramponagen und
-Beschädigungen zu konstatieren. Über alle diese einzelnen Punkte hat
-er ein genaues, gewissenhaft aufgenommenes Register zu führen und
-dem betreffenden Kaufmann aufzugeben. Bei Einkäufen und Empfangnahme
-von Waren muß er Proben beurteilen und mit der Ware vergleichen, bei
-der Ablieferung hat er ebenso genau und gewissenhaft den Abgang zu
-registrieren. Umpacken, Sortieren der beschädigten Teile von den guten
-sind alles ihm obliegende Aufgaben; in den Speichern und Warenlägern
-überhaupt ist er die rechte Hand des Kaufherrn, der, auf seine
-Zuverlässigkeit und Fachkenntnis bauend, ihn in allen einschlägigen
-Angelegenheiten schalten und walten läßt, wie er es am angemessensten
-findet.
-
-Der Quartiersmannsdienst ist in den weitaus meisten Fällen ein
-einträglicher und wird es auch noch lange bleiben, weil, wenn auch
-neuere Unternehmungen für billige Preise arbeiten, die Kaufmannschaft
-nicht wegen einer Ersparung am Lohne weniger fachkundigen und
-vertrauenswerten Händen die von den Quartiersleuten und ihren Arbeitern
-vollführten Arbeiten überlassen wird. Ein Quartiersmannsdienst ist
-ein wertvoller Besitz, der sich vom Vater auf den Sohn, oder auf die
-Familie vererbt, die denselben, wenn sie ihn nicht durch einen ihrer
-Angehörigen fortführen kann oder will, oftmals für eine beträchtliche
-Summe, die die Höhe von Tausenden Marken erreicht, einem Dritten
-überläßt, der dann in alle Rechte des früheren Besitzers eintritt, wozu
-aber die Zustimmung der übrigen Teilhaber des Quartiers erforderlich
-ist, da ihre gemeinsame Ehre und ihr gemeinschaftliches Interesse bei
-der Gewinnung eines ebenso tüchtigen als ehrenwerten neuen Konsorten in
-Frage kommt.
-
-Viele dieser Leute haben sich im Laufe der Zeit ein Vermögen erworben,
-das sie wohl befähigen würde, in glänzender Stellung ein bequemes Leben
-zu führen, was jedoch sehr wenige benutzen, da ein echter ergrauter
-Quartiersmann viel zu sehr an rastlose Tätigkeit und den Umgang mit dem
-Arbeiterstande, dem er entstammt und dem er lange Jahre seines Lebens
-angehört hat, gewöhnt ist, um sich in seinen alten Tagen auf die faule
-Bärenhaut zu legen.
-
-Mit seinem Schurzfell und seiner Jacke kommt er ebensowohl zu seiner
-Arbeit, auf seinen Speicher als auf das Comptoir seines Kaufherrn
-oder in die Börse. Überall wird er mit gleicher Achtung, mit gleichem
-Ansehen gern gesehen und willkommen geheißen, sein biederes, schlichtes
-Wesen verschafft ihm überall gleichen freundlichen Empfang, der durch
-das gewöhnlich bei ihm vorhandene oder doch vorausgesetzte Vermögen
-umsomehr an Herzlichkeit gewinnt, als der Hamburger den materiellen
-Besitz als den Hauptgrundstein zur Menschenwürde zu betrachten geneigt
-ist.
-
-Wie der Volkswitz überall den niederen Ständen, ist er auch in Hamburg
-ganz besonders dem Arbeiterstande eigen und der Hamburger Volkswitz
-versäumt nicht, jede Sache oder jede Person, mit der er in Berührung
-kommt, mit einem mehr oder minder zutreffenden, jedenfalls aber
-drastischen Namen zu bezeichnen. So haben denn auch die Quartiersleute
-dem Schicksal nicht entgehen können, ihre „Ökelnamen“ zu erhalten, die,
-obgleich in mancher Weise nicht mehr zutreffend, sich von Generation
-auf Generation vererbt haben und so populär sind, daß kaum ein
-Arbeitsmann oder ein Ewerführertagelöhner ein Quartier zu finden wüßte,
-wenn es bei dem Namen seines ältesten Inhabers, wie dies im Adreßbuch
-gebräuchlich, nicht aber bei seinem sogenannten „Ökelnamen“ genannt
-wurde.
-
-Kein Hamburger, der mit den Quartiersleuten mehrfach zu tun hat, wird
-im Zweifel sein, wen wir meinen, wenn wir hier eine Reihe von Namen
-nennen, die nirgendwo als offizielle aufgeführt sind und dennoch jeder
-Einzelne ein Quartier bezeichnet.
-
-Da sind zuerst die „Krindlers“, deren Hauptinhaber bei der
-Schillerfeier und der Märzfeier ebenso wie bei den Sammlungen für die
-Notleidenden in Ostpreußen die Leitung übernahm und überall mit gutem
-Beispiel voranging und der deshalb auch stillschweigend als der Senior
-des löblichen Gewerbes anerkannt worden ist.
-
-Ein anderes Quartier, früher „Melkers“ genannt, hat sich geteilt und
-demgemäß die Namen „Rohmmelkers“ und „Watermelkers“ oder „Zegenmelkers“
-erhalten. „Smökers“, „Puttlüd“, „Schosters“, „Stohlmakers“,
-„Höhnerplückers“, „Korfmakers“, „Kaffeebrenners“, „Fielers“,
-„Wustmakers“, „Kugelers“, „Wullkosacken“, „Theebuurn“, „Krahnlüüd“,
-„Kutschers“, „Slachters“, „Jägers“, „Plackenhauers“, „Nadelmakers“,
-„Solospeelers“, „Bültenhauers“, „Wullmüüs“ und „Sackneiers“ sind
-Namen, die entweder in der früheren Beschäftigung ihrer Träger,
-oder in dem Artikel, worin die mit diesem Namen benannten Quartiere
-vorzugsweise arbeiten, ihre Begründung finden mögen. Weniger harmlos
-sind Namen wie „Höllenjägers“, „Thünbüdels“, „de Trübsinnigen“, „de
-Möden“, „de Duhnsupen“, „de Heiligen“, „Grotsnuten“, „Doodsmieters“,
-„Minschenschinners“, „Lüttsnuten“, „Barmherzigen“ usw. Dem Tierreich
-entlehnt sind die Bezeichnungen „Wanzen“, von denen es gar zweierlei
-gibt, die „Dacklünken“, „Witten Hunn“, „Wilden-Swien“, „Löwen“,
-„Swienhunn“, „de Hasen“ (wovon übrigens sich alle bis auf einen schon
-verlaufen haben), „Bunten Höhner“, „de Bück“, „Eseltreckers“, „Imm“
-(Bienen), „Müüs“ oder „Rotten“, „Luus un Floh“, „de Kreihers“ (Kräher)
-und „de vierspännigen Ratten“.
-
-Der Körperbeschaffenheit, resp. dem Aussehen ihres Gesichts verdankten
-ihre Namen die „Magern“, „de Veerkantigen“, „de lütten Roden“, „Söte
-Jungs“, „de Fienen“, „de Scheeben un Graden“, „Veilchenblauen“, „dat
-Armenspann“, „de scheeben Hamborgers“, „Scheef un Liek“ u. a. m. --
-„Franzosen“, „de Engelschen“, „Möhlenbrückers“, „Coldorpers“, „Bayern“,
-„Hollanders“, „dat Judenspann“, „Harborgers“ un „de drögen Franzosen“
-bezeichnen diejenigen, welche vorzugsweise mit dieser Nation zu tun
-haben; das „Dreespann“ fährt stets zu dreien, die „Manchestern“ sind an
-ihren Hosen von diesem Stoff und „Spring um Stender“ ihrer Gewandtheit
-wegen kenntlich. „Nagelbüdel und Consorten“, „Seelenkinners“ und
-„Schultenhöbers“ Namensursprung mag schwer zu entziffern sein, womit
-wir denn die Liste schließen wollen, ohne die „Schimmels“ zu vergessen,
-deren weißhaariges Oberhaupt seinem Quartier diesen Namen eingetragen
-hat.
-
- Von ~J. D. J. Pingel Senior~ 1880.
-
- *
-
-
-
-
-Anlage 3
-
-Ökelnamen der Hamburger Quartiersleute
-
-
-+Dat Armenspann+ (Bodenstein u. Consorten), +De Baiern+ (Lührs u.
-Cons.), +De Blickern+ (Wilkerling u. Cons.), +De-Botterbuern+ (Siemers
-u. Röpke), +De Brummers+ (Niemann u. Cons.), +De Bück+ (Burmeister
-u. Cons.), +De engelschen Bück+ (Trier u. Cons.), +De Bullenmelkers+
-(Kruse u. Cons.), +De Buntbüxen+ (L. Hecht u. Cons.), +De Coldorpers+
-(Hinrichs u. Cons., Weiscke u. Cons.), +De Dacklüünken+ (Spellerberg
-u. Cons.), +De Dodtsmieters+ (Thiel u. Cons, Suhr u. Cons.), +De
-Engelschen+ (H. Martens u. Cons.), +De Eseltreckers+ (Dreyer u. Cons.,
-Hoppe u. Cons.), +De Fienen+ (Grotkaß u. Cons.), +De Finnenkiekers+
-(Neddermann u. Cons.), +De Franzosen+ (Kleen u. Cons.), +De Graden+
-(Bargstädt u. Cons.), +De Gröhlmöllers+ (Möller u. Cons.), +De
-Grotsnuten+ (Schwarze u. Cons.), +De scheewen Hamborger+ (Pohlmann u.
-Cons.), +De Harborgers+ (Albrecht u. Cons.), +De Hasen+ (Reinstorf u.
-Voß), +De ohlen Hasen+ (Kesler u. Cons.), +De Heiligen+ (Stöver u.
-Lembcke), +De bunten Höhner+ (Groth u. Cons.), +De Höhnerplückers+
-(Brandt u. Cons.), +De Hollanders+ (Helmers u. Cons.), +De finen
-Hollanders+ (Lüders u. Cons.), +De witten Hunn+ (Escherich u. Cons.,
-Parbs u. Cons.), +De Jägers+ (Rehse u. Cons.), +De Isern Arm+ (Daniel
-Jessen), +Dat Judenspann+ (Ascher u. Cons.), +De Kaffebrenners+
-(Lienau u. Cons., Gädgens u. Cons.), +De Knupprigen+ (Glimann u.
-Cons.), +De Korfmakers+ (Denker u. Cons., H. W. Meyer u. Cons.),
-+De Krahnlüd’+ (Quitzau u. Cons.), +De Krahntreckers+ (Bodenborg u.
-Cons.), +De Kreihers+ (Jürgens u. Cons.), +De Krindlers+ (Willers u.
-Cons., Petersen u. Pingel), +De Kugelers+ (Fesefeld u. Cons.), +De
-Kulers+ (Heeger u. Klindworth), +De Kutschers+ (Meiners u. Cons.),
-+De Löwen+ (Schultze u. Cons.), +De Lüttsnuten+ (Krohn u. Schröder),
-+Luus und Floh+ (Volmer u. Cons., D. Hinsch u. Cons.), +De Magern+
-(Suhl u. Cons.), +De lütten+ Magern (Hellmann u. Cons.), +De groten
-Manschestern+ (Rose u. Cons.), +De lütten Manschestern+ (Prignitz u.
-Cons.), +De Melkers+ (Meyn u. Cons.), +De Möden+ (G. Voß u. Cons.),
-+De Müs’+ (Brasch u. Cons.), +De Nadelmakers+ (Cordes u. Cons.), +De
-Plankenhauers+ (Oelmann u. Cons.), +De Puttlüd+ (Koch u. Cons.),
-+De lütten Roden+ (Asmus u. Cons.), +De Rotten+ (Leßmann u. Cons.),
-+De Sackneihers+ (Wendt u. Klindworth), +De Sagenfielers+ (Köhncke
-u. Cons.), +Scheev un Liek+ (D. Möller u. Cons.), +De Scheeven un
-Graden+ (Bargsted u. Genossen), +De Schinners+ (Hinsch u. Cons.), +De
-Schosters+ (Peters u. Cons.), +De Schottschen+ (Martens u. Cons.), +De
-Seelenkinner+ (Martens u. Cons.), +De Slachters+ (Nimbach u. Cons.),
-+De Smökers+ (Meyer u. Cons.), +De Solospelers+ (Brandt u. Cons.), +De
-Springumständer+ (Müller u. Pflughaupt), +De Spunjers+ (Jürgens u.
-Cons.), +De Stohlbinners+ (Ockelmann u. Cons.), +De Storchen+ (Cords u.
-Cons., Gechter u. Cons.), +De willen Swien+ (Dührkoop u. Cons., Opitz
-u. Cons.), +De Theebuern+ (Schaper u. Cons.), +De Trübseligen+ (Moritz
-u. Cons., Hasenbalg u. Cons.), +De Tünbüdels+ (Gechter u. Cons, später:
-+de Storchen+), +Vader un Söhn+ (Hinsch u. Krüger), +De Veereckten+
-(Ellerbrock u. Cons.), +De Veilchenblauen+ (Rethwisch u. Cons.), +De
-Wanzen+ (Uetzmann u. Cons.), +De Wullkosacken+ (Gebel u. Cons.), +De
-Wullmüs’+ (Mathias Glimann), +De Wustmakers+ (Stapelfeld u. Cons.).
-
-Eine Liste wie die vorstehende, die durch Herrn W. J. Krüger (Prignitz
-u. Cons.) mit Hülfe älterer Kollegen zusammengestellt worden ist, wäre
-nach Verlauf weniger Jahre schwerlich mehr in gleicher Vollständigkeit
-zu erreichen gewesen, da infolge des veränderten Geschäftsbetriebes die
-regelmäßige Anwendung dieser Ökelnamen schon sehr eingeschränkt ist.
-
-Außerdem sind mir von verschiedenen Seiten, besonders von Hein
-Sternhagen (Verf. von „Ut Vadders Tiden“) noch eine Anzahl weiterer
-Ökelnamen mitgeteilt, und einige fanden sich auch in Volgemanns
-Tafelliedern. So weit sie nicht in vorstehenden beiden Verzeichnissen
-erscheinen, führe ich sie hier auf, indem ich bemerke, daß sie meistens
-erloschen sein mögen, zum Teil auch vielleicht nicht allgemein bekannt
-gewesen sind oder nur für ein Einzelmitglied eines Quartiers gegolten
-haben. Sie lauten, unter Weglassung einiger anstößigen:
-
-De Altnaers. De Ängstlichen. De Bäckers. Kaptein Blitz. De Blauen.
-De Blotarmen. De Böhnhasen. De Böhnmeisters. De Büttenbinners. De
-Bullenbergers. De Demokraten. De Doben. De holten Dragoners. De Dunkis.
-Eisele un Beisele. De Fliedigen. De Garbers. De Gnaddrigen. Hein
-Granat. De Grotmonarchen. De gemütlichen Hamborgers. De Hebammen. De
-stolze Heringsküper. Hering un Tran. De Imkers. De Kantüffelschellers.
-De blauen Kreihn. De Küpers. De Kupplers. Kaptein Lebberwust. De
-Lohndeeners. Millionmeier. Pankoken. Kaptein Piep. De Püttjers.
-Rechtschaffen un Breetfoot. De groten Rotten. De lütten Rotten. De
-lütten Rugen. De Sackjuden. De Schaap. De Seilmakers. Siedenpudel.
-Schragebuck. De Stallbuern. De Stratenköters. De Strebsamen. De
-Teinpennkerls. De Uhrmakers. Wie’s heißen tut un so den Kram.
-Woddelkrut. De Wolkenschubers. De verlopen Wullkosacken.
-
-
-
-
-Quickborn-Bücher
-
-Jeder Band 60 Pfennig
-
-Doppelbände 1.20 Mark
-
-Bisher erschienen außer dem vorliegenden und den auf Seite 63
-angezeigten folgende Bände:
-
- 1. Holstenart. Von +Johann Hinrich Fehrs+. 6-10. Tausend. Mit einem
- Bildnis des Dichters.
-
- 3. Schnack und Schnurren. Von +Fr. Wilhelm Lyra+. Mit einer Abbildung.
-
- 4. Van Jadestrand un Werserkant. Von +Theodor Dirks+. Mit fesselnden
- Erzählungen.
-
- 5. Cili Cohrs. Irnsthaftig Spill van +Gorch Fock+. Der Finkwarder
- Speeldeel 1. Stück. (1 Aufzug, 5 Rollen.) Umschlagbild von Ad. Möller.
-
- 6. Briefe Über Hochdeutsch und Plattdeutsch. Von +Klaus Groth+. Das
- für die neuplattdeutsche Bewegung grundlegende Werk des Altmeisters
- plattdeutscher Dichtung.
-
- 7. Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg. Von +C. Rud. Schnitger+.
-
- 9. Klar Deck überall! Deutsch-Seemännisches von Geheimrat
- +Gustav Goedel+. -- Diese unterhaltenden Beiträge zur deutschen
- Seemannssprache sind wichtig für alle Leser John Brinckmans, Gorch
- Focks und anderer Seeschriftsteller.
-
- 11./12. Slusohr un anner eernste un vergnögte Vertellsels un Riemels.
- Von +Georg Droste+. Mit Bildnis des Dichters und Umschlagbild von Ad.
- Möller.
-
- 13. Leege Lüd. En lustig Spillwark van +Hinrich Wriede+. Der Finkw.
- Speeldeel 2. Stück. (Ein Aufzug, 9 Rollen.) Umschlagbild von Ad.
- Möller.
-
-
-Die niederdeutsche Vereinigung Quickborn in +Hamburg+ liefert ihren
-Mitgliedern in der Regel jährlich 2 +Quickbornbücher+ und je 4 Hefte
-der Zeitschriften „+Mitteilungen aus dem Quickborn+“ und „+Plattdütsch
-Land und Waterkant+“. Mindestjahresbeitrag (ab 1. Oktober) für
-persönliche Mitglieder in Deutschland 4 Mark, im Auslande 6 Mark, für
-Vereine, Anstalten und Körperschaften 6 Mark.
-
-
-
-
-In den +Quickborn-Büchern+ erschienen von
-
-Johs. E. Rabe
-
-außer dem vorliegenden Werk:
-
-Sünd ji all’ dor?
-
-Althamburgische Kasperszenen. 6.-10. Tausend
-
-Band 8 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.
-
-„+Die Heimat+“, Kiel, schrieb nach dem ersten Erscheinen dieses
-lustigen, keineswegs eng hamburgischen Buches: „Das ist eine der
-schönsten Gaben für unsere Brüder da draußen im Schützengraben,
-viel besser als so viele von Begeisterung triefende, aber gemachte
-Kriegsliedersammlungen. Weil es ablenkt von der blutigen Arbeit und der
-nicht weniger tödlichen Langeweile des Schützengrabens, weil es tief in
-jene Zeit hineinführt, da wir als Knaben mit aufgerissenen Mäulern vor
-Kaspers Putschenellekasten standen, und weil es mit dieser Erinnerung
-alle jene Kräfte wieder lebendig macht, die einzig aus dem Lande der
-Jugend uns zufließen ... Aber auch für alle Daheimgebliebenen, vor
-allem +für unsere Jugend+ sind die köstlichen Schwankdichtungen mit
-dem Hamburger Platt, der köstlichen Komik ihres Dialogs geradezu eine
-Gesundkur nach unserer naturwidrigen Kintoppkinderkultur. Der Hamburger
-„Quickborn“, für den Rabe diese verdienstvolle Arbeit herausgab, hat
-mit dieser „Rettung“ einer leider bald völlig verschwundenen Form des
-Schauspiels sich +ein bedeutendes Verdienst+ erworben!“
-
-
-Vivat Putschenelle!
-
-Der alten Kasperschwänke neue Folge. 1.-8. Tausend
-
-Band 10 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.
-
-Diese von den Besitzern des ersten Büchleins lang ersehnte Fortsetzung
-von „Sünd ji all’ dor?“ ist, wie jenes, +eine Fundgrube drastischen,
-volkstümlichen Humors+. Die wiedererwachte Freude am alten Kasper
-findet durch diese Stücke, die sich auch zum Vorlesen trefflich eignen,
-neue Nahrung.
-
-
-Im Verlag von +C. Boysen+ in Hamburg erschien früher von
-
-Johs. E. Rabe:
-
-Kasper Putschenelle
-
-Historisches über die Handpuppen und Althamburgische Kasperszenen.
-
-Mit farbigem Titelblatt von Chr. Suhr und Textabbildungen.
-
-Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark.
-
-Die erste Kaspermonographie, von der literarischen und
-wissenschaftlichen Kritik mit Recht als „ein geradezu klassisches
-Werk“, als „eine unerschöpfliche Quelle für Jung und Alt“ bezeichnet.
-Wer Kasper lieb gewonnen hat, dem gilt daher der Ruf eines seiner
-Kritiker: „Schaff dir dies Buch an und du wirst dem Verfasser ebenso
-dankbar sein, wie es Schreiber dieser Zeilen ist.“
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS SPEICHERBUCH ***
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- Das Speicherbuch, by Johannes Emil Rabe&mdash;A Project Gutenberg eBook
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-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Das Speicherbuch</span>, by Johannes Emil Rabe</p>
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
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-</div>
-</div>
-
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Das Speicherbuch</span></p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Johannes Emil Rabe</p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Illustrators: Carl Schildt</p>
-<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:0; margin-left:2em;'>Christian Förster</p>
-<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:0; margin-left:2em;'>W. Lühring</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: June 7, 2022 [eBook #68259]</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p>
- <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p>
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS SPEICHERBUCH</span> ***</div>
-
-<div class="transnote">
-
-<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der 1922 erschienenen
-Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.
-Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche
-und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen sowie regional gefärbte
-Ausdrücke bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche
-Begriffe wurden nicht korrigiert.</p>
-
-<p class="p0">Die gedruckte Ausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt; Passagen
-in <span class="antiqua">Antiquaschrift</span> erscheinen im vorliegenden
-Text kursiv. <span class="nohtml">Abhängig von der im
-jeweiligen Lesegerät installierten Schriftart können die im Original
-<em class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in
-serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt
-erscheinen.</span></p>
-
-</div>
-
-<div class="figcenter illowe34 break-before x-ebookmaker-drop" id="cover">
- <img class="w100 mtop3" src="images/cover.jpg" alt="" />
- <div class="caption mbot3"><span class="u">Original-Einband</span></div>
-</div>
-
-<div class="titelei">
-
-<p class="s2 center padtop1"><span class="s4">Quickborn-Bücher / 2. Band</span></p>
-
-<h1 class="padtop1"><span class="s4">Das Speicherbuch</span></h1>
-
-<p class="s2 center">Für den „Quickborn“ in Hamburg</p>
-
-<p class="s4 center mtop1">herausgegeben von</p>
-
-<p class="s2 center"><span class="s4">Johs. E. Rabe</span></p>
-
-<p class="center padtop3">Dritte, überarbeitete Auflage (6.-10. Tausend)<br />
-des Buches „Von alten hamburgischen Speichern<br />
-und ihren Leuten“.</p>
-
-<p class="center padtop3">
-<img class="illowe3" src="images/illu001a.jpg" alt="Deko: Quickborn-Verlag, links" />
- <span class="s2 center vam">&nbsp;Quickborn-Verlag in Hamburg&nbsp;</span>
- <img class="illowe3" src="images/illu001b.jpg" alt="Deko: Quickborn-Verlag, rechts" />
-</p>
-
-<p class="s5 center padtop5 break-before">
-Umschlagzeichnung von Hans Förster, Bilder<br />
-im Buche von Carl Schildt, Christian Förster<br />
-und W. Lühring in Hamburg. Bildstöcke<br />
-von Carl Griese in Hamburg. Druck von<br />
-J. J. Augustin in Glückstadt und Hamburg.</p>
-
-</div>
-
-<div class="figcenter illowe34 break-before" id="illu003">
- <img class="w100 mtop3" src="images/illu003.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Hamburger Fleet<br />
- <span class="s5">Zeichnung von C. Schildt.</span></div>
- <div class="caption_gross"><a href="images/illu003_gross.jpg" id="illu003_gross" rel="nofollow">⇒<br />
- <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span></p>
-
-<p class="mtop3">Seit dem Eintritt Hamburgs in das deutsche Zollgebiet wird der größte
-Teil unserer überseeischen Einfuhr im neugeschaffenen Freihafenviertel
-gelagert, während für unsere alten Speicher nur noch geringer Bedarf
-verbleibt. Sie sind daher vielfach schon abgerissen worden, um
-neuartigen Geschäftshäusern Platz zu machen, die durch zahlreiche
-behagliche Schreibstuben und helle, weite Lagerräume für deutsche oder
-zollfreie Waren, sowie durch ausgedehnte Werkstätten Aussicht auf gute
-Verwertung bieten. Die wenigen, die nach Wiederkehr besserer Zeiten
-noch eine Weile ihr Dasein fristen mögen, haben im Innern meistens
-so durchgreifende Umwälzungen erfahren, daß man den früheren Zustand
-kaum noch zu ahnen vermag. Aber auch andere Veränderungen machen sich
-im Hamburger Geschäftsviertel bemerkbar. Der Betrieb spielt sich
-durch neue Hülfsmittel und Erleichterungen nicht mehr in derselben
-schwerfälligen und mühseligen Weise ab wie früher und schon dadurch
-wird auch der Menschenschlag ein anderer, den wir bei der Arbeit
-treffen, ganz abgesehen von sonstigen neuzeitlichen Verhältnissen
-und Ansprüchen. Endlich aber ist erklärlicher Weise eine ganze
-Reihe niederdeutscher Bezeichnungen, Redewendungen und Ausdrücke im
-Verschwinden begriffen, weil sie in die Jetztzeit nicht mehr so recht
-hineinpassen wollen. Hiervon mitzuteilen, so viel ihm aus seinen
-Hamburger Erfahrungen noch gegenwärtig war, hat Herr Walter Redslob in
-Temuco (Chile) im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche
-Sprachforschung 32 S. 55 f. unternommen, was dann zu gegenwärtiger
-Arbeit für den „Quickborn“ den ersten Anstoß gab.</p>
-
-</div>
-
-<p>Ich habe versucht, das Bild des Lebens und Treibens in unseren alten
-Speichern vor Eintritt der großen Umwälzung hier wenigstens in einigen
-Hauptzügen festzuhalten, durchweg auf Grund eigener Erinnerungen und
-Forschungen, aber mit Unterstützung zahlreicher Freunde, denen ich auch
-bei dieser dritten Auflage wieder vielfach zu Dank verpflichtet bin.</p>
-
-<p>Hamburg, im Dezember 1916</p>
-
-<p class="right mright2">Johs. E. Rabe</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Erklaerung_der_Abkuerzungen">Erklärung der Abkürzungen</h2>
-
-</div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><em class="gesperrt">Amsinck</em>: Die Hamburger Zuckerbäcker. In: Aus Hamburgs
-Vergangenheit 1. Folge</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Beneke</em>: Hamburgische Geschichten und Sagen, 2. Aufl. 1854</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Borcherdt</em>: Das lustige alte Hamburg, zweite Hälfte 1891</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Bröcker</em>: Der Hamburger, 1910&ndash;11</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Doornkaat</em>: Doornkaat-Koolmanns Wörterbuch der ostfriesischen
-Sprache</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Ehrenberg</em>: Hamburger Handel und Handelspolitik. In: Aus
-Hamburgs Vergangenheit</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Gaedechens</em>: Historische Topographie von Hamburg</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Gaedertz</em>: Die plattdeutsche Komödie in Hamburg im 19.
-Jahrhundert</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Goedel</em>: Quickbornbuch 9: Klar Deck überall!</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Heckscher</em>: Chr. Suhrs Hamburgische Trachten</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Hertz</em>: Paul Hertz: Unser Elternhaus. Hamb. Liebhaberbibliothek
-1895</p>
-
-<p><em class="gesperrt">von Heß</em>: Hamburg topographisch, historisch und politisch
-beschrieben, 2. Aufl.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Jünger</em>: J. E. Rathmann &amp; Sohn, Hamb. Roman von Nathanael Jünger</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Kopal</em>: Aus dem Hamburg der sechziger Jahre</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Koppmann</em>: Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Korr. Bl.</em>: Korrespondenzbl. des Ver. für Niederdeutsche
-Sprachforschung</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Lappenberg</em>: Hamburger niederdeutsche Chroniken</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Lauffer</em>: Stätten der Kultur: Hamburg</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Lichtwark</em>: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Melhop</em>: Althamburgische Bauweise</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Mitt.</em>: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Mus.</em>: Bericht d. Museums f. Hamb. Geschichte 1909</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Nirrnheim</em>: Handlungsbuch des Vicko von Geldersen</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Patriot</em>: Hamburgische Wochenschrift, erschienen 1724&ndash;26</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Richey</em>: Idiotikon Hamburgense 1755</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Rynesberch</em>: Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt
-Bremen, herausgegeben von J. M. Lappenberg</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Schlüter</em>: Traktat von unbeweglichen Gütern 1709</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Schrader</em>: Hamburg vor 200 Jahren</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Schütze</em>: Holsteinisches Idiotikon 1800&ndash;1804</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Steinhausen</em>: Monographien zur deutschen Kulturgeschichte, Bd.
-2: Der Kaufmann</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Sternhagen</em>: Ut Vadders Tiden, 4. Aufl. 1909</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Tratziger</em>: Chronik der Stadt Hamburg, herausg. von J. M.
-Lappenberg</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zacharias</em>: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer
-Kunstfreunde 1899</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zeitschr.</em>: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte</p>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span></p>
-
-<p class="mtop3">Etwa siebenhundert Jahre sind verflossen, seit die ersten Speicher
-in Hamburg errichtet wurden, d.&nbsp;h. Gebäude, die ausschließlich
-zur Lagerung von Waren bestimmt sind. Ihre Vorgänger, die alten
-Kaufmannshäuser, in denen sich Wohnung und Warenvorräte unterm
-nämlichen Dach befanden, haben wir uns mit Melhop (2 f.) in ihren
-Anfängen einfach als in die Stadt gerückte altsächsische Bauernhäuser
-zu denken, nur daß diese sich hier, innerhalb der engen Umwallung,
-auf sehr beschränktem Raum einzurichten hatten und statt in die
-Breite sich in die Höhe entwickeln mußten. Auf die große Diele mit
-dem offenen Herd verzichtete man nicht, aber die Wohnräume mußte
-man dafür schon in ein oberes Stockwerk verlegen; darüber lagerten
-sich dann die Warengelasse. Noch im 13. Jahrhundert waren die Häuser
-durchweg aus Holzständern mit Lehmgeflecht dazwischen hergestellt,
-vielfach auch mit Stroh gedeckt. Selbst Rauchfänge aus Holz waren
-häufig zu finden. Kein Wunder, daß im Jahre 1284 eine verheerende
-Feuersbrunst fast die ganze Stadt vernichtete. (Tratziger 63.) Beim
-Wiederaufbau hielt man sich wohl an solideres Material, aber von der
-altgewohnten Einrichtung wich man weder damals noch später ab. Trotz
-nachträglicher Einbauten können wir das noch heute in manchen alten
-Kaufmannshäusern erkennen. Vor allem blieb die große Diele, durch zwei
-Stockwerke gehend und genügend Tageslicht durch hohe Fenster vom Hof
-empfangend. Daran, mit breiten Holzgeländern an beiden Seiten, eine
-mächtige Doppeltreppe, die auf eine Galerie des ersten Stockwerks
-führte. In der Mitte der Decke fand sich ein durch eine aufklappbare
-Luke geschlossener Ausschnitt, das <em class="gesperrt">Winn’lock</em>, das sich durch
-alle Stockwerke bis an die Haspelwinde des Spitzbodens fortsetzte und
-das Auf- und Abwinden von Waren mittels der endlosen Windetaue, der
-<em class="gesperrt">Löpers</em>, ermöglichte. An anderer Stelle
-<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span>hing die Wagschale, die
-<em class="gesperrt">Bummelschal</em>, von der Decke herab. Es war noch im 19. Jahrhundert
-das Vorrecht des „Großbürgers“, mit der „großen Schale“ zu wägen, wie
-auch nur dieser ein eigenes Konto bei der Girobank halten und Waren
-„auf Transitozettel deklarieren“, d.&nbsp;h. für fremde Rechnung ein- und
-ausführen durfte. &mdash; Küche und offener Herd hatten gleichfalls ihren
-Platz an der Diele. Neben ihrem Hauptzweck, der Warenbewegung zu
-dienen, bildete diese in vielen Fällen einen wahren Prunkraum, dessen
-vergoldete Karosse und blendender Reichtum an Küchengeschirr bereits
-von der Straße aus bestaunt werden konnte. Hier hing im Herbst zur
-Zeit des „<em class="gesperrt">richtigen Ossenslachterwedders</em>“ (Sturm und Regen) der
-schön geschmückte Ochse (Beneke 359 f.), hier wurden vornehme Gäste
-empfangen, hier war auch der Tummelplatz der Kinder (Hertz 36 f.)
-und bei Todesfällen fand hier die feierliche Aufbahrung des Sarges
-statt (Zacharias 29 f.). &mdash; Lichtwark (1897, 61 f.) schreibt: „Wie
-einheitlich und behaglich wirkt der Raum, wie reich und vornehm! ..
-Was ihn so lebendig macht, lebendiger als die stolzen Treppenhäuser
-der Barockpaläste, das ist seine Lauschigkeit, die das tägliche Leben
-ahnen läßt. ... Jetzt stehen noch ein halbes Dutzend im alten Zustande,
-aber da die Häuser nicht mehr bewohnt werden und nur als Speicher und
-Kontore dienen, sind sie unfrisch oder verkommen. Die Künstler, die
-in Hamburg lebten, haben uns von der traulichen Poesie dieser Räume
-kein Bild erhalten, den Dilettanten aber, die uns einen Blick in die
-dem Untergang geweihte Herrlichkeit festhielten, wird man nicht nur in
-Hamburg ein dankbares Andenken bewahren. ... Hätte es solche Schönheit
-in der Privatarchitektur Münchens, Berlins oder Düsseldorfs gegeben,
-so würden Generationen von Malern in unserem (neunzehnten) Jahrhundert
-sie verherrlicht haben. Aus tausend Bildern und Hunderttausenden von
-Photographien, Holzschnitten und Stichen danach würde das deutsche Volk
-diese Dielen kennen.“ (Abbildungen solcher Dielen bei Lichtwark, Bröer,
-Melhop. Vergl. auch Melhop 278 f., Jünger 5, Schrader 42 f., Lauffer
-70 f. &mdash; Im <span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span>neuen Museum für hamburgische Geschichte wird die genaue
-Nachbildung einer althamburger Diele einen Glanzpunkt bilden.) Es sei
-übrigens beiläufig erwähnt, daß der Hamburger Patrizier sein Stadthaus
-nur im Winter bewohnte. Am 17. April pflegte die Familie vors Tor zu
-ziehen und kehrte am 18. Oktober in die Stadt zurück.</p>
-
-</div>
-
-<p class="mtop2">Wir dürfen die Entwicklung unseres Geschäftsviertels des Großhandels
-so annehmen, daß anfangs die Uferfläche, die <em class="gesperrt">Kaje</em>, durchweg
-unbebaut liegen blieb, wie noch jetzt bei den Vorsetzen zu sehen, bis
-zum Zollanschluß auch z.&nbsp;B. beim Kehrwieder. So war es ursprünglich
-in der Deichstraße, im Cremon, in der Catharinenstraße, wie bei den
-Mühren, im Grimm usw. Hinter den Häusern, die sich also nur an einer
-Seite der Straße entlang zogen, erstreckten sich tiefe, schmale Gärten
-bis an andere <em class="gesperrt">Fleete</em>, zuweilen auch bis an den Stadtwall
-oder an offene Abflußgräben, die später zu Fleeten erweitert und
-vertieft wurden (Gaedechens 41). Als die Böden des Wohnhauses dem sich
-ausdehnenden Geschäftsbetriebe nicht mehr genügten, begann man dann, an
-diesen Hinterfleeten Speicher zu errichten; später folgten schmälere
-Verbindungsbauten zwischen Wohnhaus und Speicher und endlich blieben
-statt der ehemaligen freien Stücke nur dumpfige, geschlossene Hofplätze
-nach. Die Lagerböden fügten sich meistens vom Vorderhause durch den
-Mittelbau an die Böden des Speichers in gleicher Höhe an.</p>
-
-<p>Mit der Zeit erstarkten Handel und Gewerbe immer mehr, zum Teil
-sprungweise, und erforderten weite große Räumlichkeiten. Ich erinnere
-nur an die Bierbrauerei. Schon 1270 war das Hamburger Bier berühmt
-(Rynesberch 118 Anm. 100) und im Jahre 1307 wird berichtet, daß es
-das Bremer überflügelt habe (Rynesberch 85, Mitt. I. 44). Lauffer 34
-gibt an, die Herstellung Hamburger Bieres im 15. Jahrhundert habe
-durchschnittlich 100000 Tonnen, gleich 250000 Hektoliter, im Jahre
-betragen. Im 16. Jahrhundert gab es hier dann die stattliche Zahl von
-531 Brauhäusern (Lappenberg 14), die in rascher<span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span> Folge errichtet waren.
-Da man sie am liebsten an den Fleeten anlegte, um das Wasser sowie
-Gelegenheit zur Verschiffung bequem zur Verfügung zu haben, so wurde
-allmählich das <span class="antiqua">litus</span>, die Uferfläche, zum Bebauen in Angriff genommen.
-Bis dahin gehörte dieses <span class="antiqua">litus</span> durchweg den gegenüberliegenden Häusern
-und pflegte u.&nbsp;a. von den Brauern benutzt zu werden, um ihr Brennholz
-aufzustapeln (Schlüter 21). Schon im Stadterbebuche von 1248 bis 1274
-wird wiederholt der Verkauf solcher Uferplätze vermerkt (Zeitschrift
-I. 452 Anm. 5, Gaedechens 50). Es kam hinzu, daß die Hülfsgewerbe,
-hier besonders die Faßbinder, viel Raum beanspruchten. Zwischen 1370
-und 1387 waren neununddreißig vom Hundert sämtlicher Amtsmeister
-Küper (Koppmann Bd. 3, XX.). Nach und nach wurden auf diese Weise die
-ursprünglich frei liegenden Kajen an den Fleeten vollständig bebaut,
-teilweise mit Brauhäusern und Betriebswerkstätten, teils aber auch
-mit Speichern, die jetzt also nicht mehr mit dem Sitz des Kaufmanns
-in unmittelbarer Verbindung standen. In welchen Zwischenräumen
-diese Ausfüllung der freien Uferplätze stattfand, läßt sich oftmals
-nachweisen. So wurden beispielsweise die beiden Grundstücke an der
-Fleetseite der Deichstraße neben der Hohenbrücke wahrscheinlich zuerst
-ums Jahr 1322 bebaut, das im Norden angrenzende als eines der letzten
-freigebliebenen dieser Gasse erst zwischen 1397 und 1401 (Mus. 270).
-Abgesehen hiervon entstand am Ufer auch nach vollständiger Bebauung
-keine ununterbrochene Straßenreihe, sondern zwischen je etwa zwei
-bis vier Häusern blieb ein „Fleetgang“ frei, der dann einem der
-gegenüberliegenden Grundstücke oder mehreren gemeinschaftlich als
-Eigentum gehörte. Der Zweck war, für den Wasserverkehr eine gute
-Verbindung zu behalten. Gewöhnlich fand sich dort alsdann am Ufer auch
-eine „holländische Winde“ unter gewölbtem, schwarz geteertem Holzdach.
-Schon im ersten Hamburger Grundbuch wird wiederholt ein Haus mit
-dem Recht auf einen Weg ans Ufer oder einen Anteil daran übertragen
-(Zeitsch. I. 447 Anm. 2, 3, 4). Man sieht noch heute solche Fleetgänge,
-z.&nbsp;B. Deichstraße, Katharinenstraße,<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> Grimm. &mdash; Ich will nicht
-unterlassen zu erwähnen, daß Neddermeyer (Hamb. Topographie 221, 238)
-meint, im Cremon und im Grimm sei die Wasserseite zuerst bebaut worden.
-Die Stellen, die er hierfür anführt (Staphorst, Hamb. Kirchengeschichte
-I. 2, 102 und 104) bieten indessen keinen Beleg dafür und die Sache ist
-auch durchaus unwahrscheinlich (Vergl. Gaedechens 14, 49, Schlüter 21
-und Mitt. IV. 115 f.).</p>
-
-<p>Für Nichthamburger seien einige Bezeichnungen erklärt. <em class="gesperrt">Fleet</em>
-hängt mit Fluß und fließen zusammen. Es ist der Ausdruck für durch
-die Stadt strömende natürliche oder künstlich angelegte Flußarme und
-findet sich schon im 14. Jahrhundert (Nirrnheim II. 18). Die Kanäle
-der Außenalster und im Hammerbrook, die durch Schleusen mit der Elbe
-verbunden sind, könnte man also nicht wohl Fleete nennen, dagegen aber
-wäre der Name <em class="gesperrt">Zollfleet</em> statt Zollkanal für den großen Wasserzug
-zwischen Freihafen und Zollstadt angebracht gewesen. &mdash; <em class="gesperrt">Kaje</em>
-kommt aus dem Romanischen und hat ursprünglich die Bedeutung Klippe und
-Sandbank, während es, wie Lübben im mittelniederdeutschen Wörterbuch
-angibt, im Niederdeutschen ausschließlich Ufereinfassung ist. &mdash; Es war
-zu bedauern, daß im Freihafen anfangs die Bezeichnung Quai, gesprochen
-Kwai, eingeführt wurde, wo wir doch schon die gut niederdeutschen
-Straßennamen <em class="gesperrt">Binnenkajen</em> und <em class="gesperrt">Butenkajen</em> seit altersher
-kannten. Brooktorkaje, Hübnerkaje usw. hätte wirklich sehr gut
-geklungen. Glücklicherweise ist man jetzt durchweg zur Schreibweise Kai
-übergegangen. &mdash; Speicher, <em class="gesperrt">Spiker</em>, wird in Grimms Wörterbuch
-aus dem spätlateinischen <span class="antiqua">spicarium</span> erklärt und dies aus
-<span class="antiqua">spica</span>, Gedreideähre. Also ursprünglich Kornspeicher. Ich fand
-den Spiker, als selbständiges Gebäude verkauft, schon im ältesten
-Stadterbebuch erwähnt (Zeitschr. I. 449 Anm. 9) sowie bei Nirrnheim (I.
-733, 736).</p>
-
-<p class="mtop2">Im Gegensatz zu der feststehenden Zimmereinteilung der unteren
-Stockwerke des Kaufmannshauses und des Mittelbaues bot der
-althamburgische Speicher, der sich hinten anfügte<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> oder später
-selbständig für sich errichtet wurde, ungetrennte Lagerräume. Er
-bestand also eigentlich nur aus den vier Wänden und den Böden, die
-durch starke Ständer und Balken aus Eichenholz getragen wurden. Als
-man bei Gelegenheit des Zollanschlusses die neuen Freihafenspeicher
-errichtete, glaubte man es recht gut zu machen, wenn man ausschließlich
-Eisenkonstruktion anwendete. Es fand sich aber bei einem Brande,
-daß das Eisen sich derartig dehnte und reckte, daß die Mauern
-ernstlich litten. Das war bei der altmodischen Verwendung von Holz
-niemals vorgekommen, meistens kohlte solches nur so leicht an, daß
-es für den Neubau wieder gebraucht werden konnte. Die Stockwerke
-hießen <em class="gesperrt">Böhns</em> oder <em class="gesperrt">Spiekerböhns</em>, das oberste der
-<em class="gesperrt">Spitzböhn</em>. Ausnahmsweise finden wir hierfür noch um die
-Mitte des vorigen Jahrhunderts den Namen die <em class="gesperrt">Flier</em> bei der
-Verkaufsanzeige eines Grundstückes am kleinen Fleet, das früher
-zur Herstellung von Brodenzucker gedient hatte. Flier ist außer
-in Ostfriesland nur in Holland gebräuchlich (Mitt. X. 60). Die
-Niederländer, die die Zuckerraffinerie im 16. Jahrhundert bei uns
-einführten (Amsinck 209 f.), werden diese Bezeichnung mitgebracht
-haben, ebenso wie die Berechnung der Ware in Grote, die noch zu Anfang
-des 19. Jahrhunderts hier im Großhandel üblich war. &mdash; Richey erwähnt
-als Name des alleröbersten Bodens „<em class="gesperrt">Oken</em>“. Solcher ist noch jetzt
-für die Winkel bekannt, wo das schräge Dach den Fußboden berührt.</p>
-
-<p>Heizvorrichtungen fehlten im Speicher, ebenso zuweilen Aborte. Wo
-man diese nicht entbehren wollte, fügte man sie im Erdgeschoß, nach
-der Fleetseite, als Ausbau an, mit einer viereckigen Holzröhre, die
-mehr oder weniger weit hinunter ins Fleet reichte, immerhin nicht
-tief genug, daß sich nicht bei niedrigem Wasserstand eine Schute noch
-gerade darunter schieben konnte. Bis das Schwemmsystem unserer „Siele“
-allgemein durchgeführt war, gab es noch um die Mitte des neunzehnten
-Jahrhunderts auch für die Wohnhäuser an den Fleeten ausschließlich
-diese Form von Aborten. Die gefrorenen Exkremente<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> bildeten im Winter
-einen recht unerfreulichen Anblick. Im Sommer, wenn anhaltender Ostwind
-die Fleete leerlaufen ließ, kamen Gerüche hinzu, die nicht selten jede
-Lüftung der Zimmer verhinderten. Ein Bild aus jener guten alten Zeit:
-„Hallo, wat ’s dat for’n Waar“, ruft der Ewerführer aus seiner Schute
-ins Erdgeschoß hinauf. „Frachtbreef kummt gliek na!“ schallt es zurück.
-&mdash; Solche Straßen, denen kein Fleet als bequemer Abzugsgraben diente,
-hatten Eimerabfuhr. Die Eimer, sehr zartfühlend <em class="gesperrt">Goldammers</em>
-getauft, standen dann in den engen Gassen reihenweise bereit, bis der
-Ruf „<em class="gesperrt">Dreckwaag</em>!“ (verkürzt aus Dreckwagen) die bevorstehende
-Leerung ankündete. Ähnliche und zum Teil schlimmere Zustände herrschten
-damals natürlich auch in anderen Großstädten Europas. Den meisten ist
-Hamburg mit Einführung gemauerter Abzugskänale vorangegangen.</p>
-
-<p>Fenster waren im Speicher nicht allzu reichlich vorhanden und die
-kleinen Scheiben waren trübe. Sie wurden vermutlich nur sehr selten
-geputzt: eine Hausfrau verstieg sich nicht hierher. Brauchte man für
-die Arbeit Tageslicht, so öffnete man die <em class="gesperrt">Luken</em>, doppelte
-breite und hohe Holztüren, neben denen eiserne Griffe in die Mauer
-eingelassen waren, damit man sich beim Ausgucken festhalten konnte. Für
-Erleuchtung bei Dunkelwerden diente die ölgespeiste <em class="gesperrt">Kugellamp</em>
-aus sehr dickem Glas in Art der Schiffslaternen, mit Blechuntersatz
-und einem Henkel. &mdash; Für Schreibarbeit benutzte man eine Ecke am
-Fenster, meistens durch Holzverschalung in eine Art von Zimmer, das
-<em class="gesperrt">Kabuff</em>, verwandelt. Hier, wie auch wohl an anderen Stellen,
-pflegten die Wände mit Holzschnitten aus der „Reform“ geschmückt zu
-sein, zuweilen auch mit launigen kurzen Inschriften und Zeichnungen,
-mittels Pinsels aus dem <em class="gesperrt">Markputt</em> hingeworfen, einem kleinen,
-nach oben etwas verjüngt zulaufenden Holzeimer, gefüllt mit einer
-Mischung von Kienruß und Leckbranntwein zum Zeichnen (Marken)
-der Packungen. Den <em class="gesperrt">Leck</em> lieferte der <em class="gesperrt">Köhmkaaker</em>
-umsonst, es war der Schnaps, der beim Vollschenken oder Reinigen
-der Gläser abtropfte. &mdash; Den Markputt pflegte der „Hausküper“<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> auf
-der <em class="gesperrt">Snibank</em> selbst herzustellen. Sonst diente diese (auch
-<em class="gesperrt">Snibock</em> genannt) hauptsächlich dazu, Holzböden, Faßstäbe
-(<em class="gesperrt">Staff</em>) usw. zuzuschneiden. Man saß darauf rittlings, vor
-sich eine Einrichtung zum Festklemmen des Holzes, und benutzte nach
-Bedarf ein <em class="gesperrt">Tochmeß</em> oder ein <em class="gesperrt">Krummeß</em>, beide aus breiter
-Schneide mit Holzgriffen an den Enden bestehend. &mdash; Das Marken wurde
-mit großer Schnelligkeit in meistens schräg liegenden lateinischen
-Buchstaben sowie arabischen Ziffern von schlanker, besonders deutlicher
-Form vorgenommen. Schablonen wurden früher wenig benutzt, während die
-Frachtführer jetzt meistens darauf bestehen.</p>
-
-<p>Schmale, steile Holztreppen, die möglichst wenig Raum wegnehmen
-durften und nicht massiv eingefaßt, sondern nur mit Lattenverschlag
-versehen waren, verbanden die Böden. Sie waren ausschließlich für
-Personenverkehr geeignet. An ihnen fand sich häufig ein vom Boden aus
-zugängliches Nebengelaß oder ein Bort, der <em class="gesperrt">Bislag</em>, angebracht.
-Sonst war an geeigneter Stelle noch ein Aufbewahrungsort für
-Packmaterial, das <em class="gesperrt">Strohlock</em>, vorhanden, sowie ein Gerüst für
-leere Kisten, der <em class="gesperrt">Hangeböhn</em>, auch wohl <em class="gesperrt">Galgen</em> genannt.
-Der gesamte übrige Raum diente für das Aufstapeln von Waren, wobei
-man sich an keine Belastungsgrenze kehrte, wie solche in den neuen
-Freihafenspeichern überall vorgeschrieben ist. Bei Eisenkonstruktion
-brechen eben die Nietenbolzen bei Überlastung, während hölzerne
-Tragbalken federnd nachgeben, also keine besondere Vorsicht erheischen.
-Wohl kam es vor, daß die Mauer sich etwas schief zog und, wo sie nach
-dem Fleetgang frei lag, durch Stützen gegen das Nachbarhaus gehalten
-werden mußte. Das war z.&nbsp;B. in dem Hause Deichstraße 45 der Fall, in
-dem ich meine Jugend verlebte, und kostete natürlich eine jährliche
-Vergütung. &mdash; Einen eigentümlichen Speicherbau, wie es deren vielleicht
-noch mehrere gegeben hat, findet man Steckelhörn 5. Hier steht die
-gesamte Holzkonstruktion frei für sich, ohne irgendwelche Berührung mit
-der Hausmauer; das hat den großen Vorteil, daß die Tragbalken nicht
-unter Feuchtigkeit der Mauer leiden können.<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span> Man vergleiche hierzu, was
-Linde (Die Niederelbe, 4te Aufl. S. 55) über das Marschenhaus sagt.</p>
-
-<p>Von losem Inventar fand sich in den alten Speichern zunächst die
-<em class="gesperrt">Schaal</em> oder <em class="gesperrt">Bummelschaal</em>, die hängende Wagschale. Sie
-bestand aus dem eisernen Wagebalken, der mittels Ringes über einem
-<span class="antiqua">S</span>-förmigen Haken der Decke hing, sowie zwei Wagschalen aus
-starken Holzbohlen mit kräftigen Tauen an den vier Ecken, die oben
-über Eisenringe gespleißt (<em class="gesperrt">spleeßt</em>) waren und an diesen auf die
-Haken gehängt wurden, die der Wagebalken an jedem Ende trug. (Spleißen
-heißt die innige Vereinigung der aufgefaserten Tauenden durch Flechten
-und Durchstecken.) Auf eine der Schalen häufte man die Ware, auf die
-andere die Gewichtstücke, deren eine große Auswahl zur Seite bereit
-stand, hauptsächlich Hundertpfundstücke. Man sagte: „<em class="gesperrt">Da mutt noch
-en Hunnert rop</em>“ oder „<em class="gesperrt">en Hunnertpundsloot</em>“, und für wägen
-<em class="gesperrt">punnen</em>: „<em class="gesperrt">Hebbt ji de Ballen all punn’d?</em>“ Auf Jost Ammans
-Holzschnitt aus dem sechzehnten Jahrhundert „Allegorie des Handels“
-stehen bereits gegossene Gewichte in gleichmäßiger Glockenform mit
-kleinem Henkel neben einer Hängeschale, die der obigen Beschreibung
-gleicht (Steinhausen 56, Beilage 6). &mdash; Zuweilen wurde bei Ablieferung
-von Waren die Bedingung „<em class="gesperrt">Geld bi de Schaal</em>“ vorgeschrieben,
-in Fällen, wo man dem Käufer nicht traute. (Es herrschte sonst der
-Gebrauch, daß am Tage nach Empfang Zahlung durch die Bank erfolgen
-mußte.) Die Rechnung wurde in solchem Falle gleich ausgestellt und
-war zu begleichen, bevor die Gewichtstücke heruntergenommen waren,
-bei hängender Schale. &mdash; Wurden die Schalen nicht gebraucht und waren
-sie für die Arbeit im Wege, so hakte man sie los und stellte sie
-beiseite, ebenso wenn man besonders große Kolli ohne Schale wog, indem
-man sie an Ketten direkt an den Wagebalken hängte. Jetzt sieht man
-diese Wägevorrichtung fast gar nicht mehr, da meistens Dezimalwagen
-angewendet werden, die sich leicht überallhin versetzen lassen. Nur in
-einzelnen Betrieben, wo es auf besonders genaues Gewicht ankommt, z.&nbsp;B.
-beim Butterhandel, findet man noch die Bummelschale.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span></p>
-
-<p>Zum Weiterbewegen von Waren innerhalb des Lagers benutzte man die
-<em class="gesperrt">Kaar</em> oder <em class="gesperrt">Spikerkaar</em>, bestehend aus zwei miteinander
-verbundenen langen Hebelarmen mit löffelförmigem Eisen am unteren Ende,
-woran zwei kleine Eisenräder befestigt waren. Mit ihrer Hülfe schaffte
-man auch Kolli über die <em class="gesperrt">Brügg</em> auf den Wagen; das war eine breite
-Planke aus Holzbohlen mit einer Klammer, die auf dessen Bordwand paßte.
-Fässer rollte man auf der <em class="gesperrt">Striekledder</em> hinüber (zuweilen,
-aber seltener, auch <em class="gesperrt">Schroodledder</em> genannt), einer Leiter ohne
-Sprossen, bestehend aus zwei Bäumen, die oben und unten durch Klammern
-aus Holz oder Eisen zusammengehalten wurden. Sie diente auch, um Fässer
-über Treppenstufen zu befördern. &mdash; Galt es besonders schwere Kolli
-von der Stelle zu rücken, so benutzte man den <em class="gesperrt">Kohfoot</em>, eine
-dicke meterlange Eisenstange, vorn umgebogen und gespalten. Mußten
-gewichtige Kisten behufs Weiterbewegung angepackt werden, so diente
-dazu der <em class="gesperrt">Handhaken</em>, für dicke Säcke der kleinere <em class="gesperrt">Griper</em>.
-An sonstigem Gerät fand sich zunächst der <em class="gesperrt">Snitzer</em>, ein kantig
-geschliffenes Messer, womit man in Holzbänder, die dabei in der
-linken Hand und unterm Arm ruhten, länglich viereckige Ausschnitte,
-<em class="gesperrt">Schränke</em> oder <em class="gesperrt">Slott</em>, kerbte. Wurden diese dann ineinander
-gehakt, so war der feste Reifen gebildet, den man mittels des
-<em class="gesperrt">Drivholts</em> oder <em class="gesperrt">Fuustholts</em>, eines hölzernen Treibkeils,
-und des <em class="gesperrt">Deessels</em> auf das Faß trieb. (Früher hieß es die
-Deessel, jetzt hört man durchweg <em class="gesperrt">der</em> Deessel.) Man benutzte
-dieses beilförmige Werkzeug auch zum Ausdeesseln von Fässern und
-beim Verspunden derselben, um das überflüssige Holz des Spundes und
-die Spundlappen zu entfernen, sowie den <em class="gesperrt">Häringsdeessel</em>, von
-länglicher Form, um Häringstonnen zu öffnen. &mdash; Galt es, <em class="gesperrt">isern
-Bann</em> (Eisenreifen) auf Fässern zu treiben, so diente das
-<em class="gesperrt">Drievisen</em> oder die <em class="gesperrt">Setz</em>, ein eiserner Treibkeil, und der
-<em class="gesperrt">Setzhamer</em>. &mdash; Ein kurzes Brecheisen, de <em class="gesperrt">Resiensnadel</em>,
-vorn umgebogen und gespalten, wurde angewendet, um fest gepackte Waren
-aus ihrer Verbindung zu lockern, Fässer zu öffnen, Deckel der Kisten zu
-lösen, Nägel zu ziehen und<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> die <em class="gesperrt">Inbann</em> loszubrechen, Holzbänder,
-die zur Sicherung der Böden in die Krösen der Fässer genagelt waren.</p>
-
-<p>Zur Entnahme trockener Proben hatte man den <em class="gesperrt">Löper</em>, eine an
-beiden Seiten offene Metallhülse, deren spitzer zulaufendes Ende man
-in den Sack stieß, um aus dem anderen die Probe schlank in einen
-untergehaltenen Beutel laufen zu sehen. Es gab deren verschiedene
-Arten. Solche mit ganz spitz zulaufender Öffnung dienten für Zucker,
-Reis, Saaten usw. Man konnte dann das entstandene kleine Loch durch
-Zusammenziehen der Fäden wieder dichten. Für Kaffee mußte die Öffnung
-natürlich weiter sein, wieder andere benutzte man bei mehlförmigen
-Waren. Für Flüssigkeiten diente der <em class="gesperrt">Steker</em>, <em class="gesperrt">Provensteker</em>,
-auch <em class="gesperrt">Suger</em> genannt, ein Stechheber, der angesogen und, wenn
-gefüllt, durch den Daumen oben geschlossen wurde. Butterproben zog man
-mittels des <em class="gesperrt">Botterisens</em>, einer eisernen Hülse, deren eine Seite
-offen war. &mdash; Um alte Marken wegzukratzen, nahm man die <em class="gesperrt">Schaav</em>
-zur Hand, für Kisten ein gebogenes Schabeisen mit zwei Holzgriffen, für
-Fässer ein dreieckiges flaches Eisen, in dessen Mitte ein Holzstiel
-eingelassen war. &mdash; Als Behälter für <em class="gesperrt">allerhand Smeerkram</em> fand
-sich in irgend einer Ecke die <em class="gesperrt">Sappskeek</em> (Sapp ist Saft, mit der
-Nebenbedeutung schmierig). &mdash; Waren Säcke auszubessern, so diente dazu
-das <em class="gesperrt">Neihgaarn</em> oder <em class="gesperrt">Drahtneihgaarn</em> (starker Bindfaden,
-<em class="gesperrt">Dreedraht</em> oder <em class="gesperrt">Veerdraht</em>, je nach der Zusammensetzung)
-sowie eine dreikantige <em class="gesperrt">Nadel</em>, meistens aber, besonders für dicke
-<em class="gesperrt">Rappertsakken</em> (engl. <span class="antiqua">wrapper</span>), die <em class="gesperrt">Sninadel</em> mit
-scharfer Schneide, die besser durchging und womit der Faden gleich
-abgeschnitten werden konnte. &mdash; Die meisten dieser Gebrauchsgegenstände
-werden, beiläufig bemerkt, noch heute angewendet, indessen benutzt man
-auch vielfach schon Werkzeug nach amerikanischer Art, das gleichzeitig
-verschiedenen Zwecken dient.</p>
-
-<p>Über die vorkommenden Packungen der Waren, wie sie die Fremde liefert
-(Seronen, Gonjes usw.), ist wenig von Interesse zu melden. Im
-Fruchthandel gibt es <em class="gesperrt">Siffen</em>, Körbe für etwa 23 Pfund Äpfel, und
-<em class="gesperrt">Hamper</em> für 120 Pfund. <em class="gesperrt">Kreet</em> oder<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> <em class="gesperrt">Kreets</em> (zuweilen
-in der Mehrzahl <em class="gesperrt">Kreetsen</em> genannt), ist eine lattenförmige
-Umhüllung für Glaswaren und manche andere Gegenstände. Sie wird auch
-wohl aus Hasel-, Weiden- oder knorrigem Eichenholz geflochten und
-genagelt. Solche Kreets sind zum großen Leidwesen der Speicherarbeiter
-nach der Leerung nicht einmal als Feuerungsholz zu verwenden. Laut
-Doornkaat wird mit Kreet auch der Wagenkorb aus Latten und Sparren
-bezeichnet, der zum Heufahren früher allgemein gebräuchlich war. Die
-zylinderförmigen leinenumhüllten Kanehlpacken heißen <em class="gesperrt">Fardehl</em>
-(span. <span class="antiqua">fardillo</span>). Eine der zahlreichen stehenden Redewendungen
-lautet: „<em class="gesperrt">Ick sall bi di en fideles Kameel empfangen</em>“ (statt ein
-Fardehl Kanehl).</p>
-
-<p>Im Speicher waren Mäuse häufige Gäste. Es wurden daher immer
-Katzen gehalten oder vielmehr Kater. Ein Loch unten in der Tür
-des Erdgeschosses gestattete ihnen den Weg ins Freie, um etwa auf
-dem Hofe einen Spatzen zu belauern oder zur richtigen Stunde bei
-einer gutherzigen Fischfrau das Leibgericht zu erbetteln. Selbst
-auf solchen Speichern, wo ausschließlich Waren lagerten, die für
-Nager kein Interesse boten, pflegte ein Kater niemals zu fehlen;
-der gehörte einmal dazu. Man bewahrte die guten Tiere schonend
-vor jeder Leidenschaft. Hin und wieder nagelte man auch wohl an
-irgendeinem Balken fest, was sie zu diesem Zweck eingebüßt hatten
-und glaubte sie dadurch ihr lebelang an den Speicher zu fesseln. &mdash;
-Auch Ratten verirrten sich häufig auf die Lagerböden. Man behauptet
-mit Bestimmtheit, daß sie an den Mauern emporgeklommen seien, wenn
-sie besondere Leckerbissen, z.&nbsp;B. Walnüsse, witterten. War das
-<em class="gesperrt">Fallreep</em> hängen geblieben, ein Strick, an dem der Ewerführer
-nach beendeter Arbeit in den Speicher kletterte, so diente es auch oft
-den Ratten für ihre Besuche. Zum Wegfangen ihrer Jungen stellte man
-die <em class="gesperrt">Rottenheck</em> auf, ein Gerüst mit Zellen, worin sie ihre Brut
-ablegten.</p>
-
-<p class="mtop2">Alleinherrscher im alten Kaufmannsspeicher war der <em class="gesperrt">Huusküper</em>,
-meistens wirklich ein gelernter Küper (Böttcher). In<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> älterer Zeit
-kannte man als Packungen für die Waren, neben geschnürten Ballen,
-vorzugsweise Fässer oder Tonnen (Nirrnheim LXXIX., Steinhausen:
-Abbildungen 53, 54 und Beilage 6 und 11), wie auch in einem Lehrbuche
-des angehenden Kaufmanns vom Jahre 1715 (Steinhausen 105) die
-Überwachung des Zeichnens von Ballen und Fässern dem Lehrling als eine
-seiner Arbeiten vorgeschrieben wird. Von Kisten ist nie, von Säcken
-nur selten die Rede. Alles mögliche wurde in den Fässern zusammen
-verpackt, z.&nbsp;B. um 1380 dreizehn Schinken, eine Hoyke (Mantel) und
-zwei Stücke „Schlagdokes“, wollene Decken, die zum Einwickeln von Tuch
-gedient hatten (Nirrnheim I. 652 und LXIV.). Es war somit notwendig,
-daß der Hausküper mit der Herstellung sowie dem Packen und Auspacken
-von Fässern genau vertraut war. Im allgemeinen war nur das Lager
-sein Bereich, aber in kleineren Betrieben besorgte er auch wohl
-allerlei Arbeiten für den Haushalt, klopfte Zeug und wichste Stiefel,
-schöpfte Wasser zum Scheuern und Waschen aus dem Fleet, besorgte Wege
-fürs Kontor, fütterte die Katzen mit <em class="gesperrt">Panzen</em> (Magen) und war
-ein großer Freund der Kinder vom Hause. Durchweg trug er ledernes
-Schurzfell mit Leibriemen, an dem vorn eine kleine Messingtonne als
-Schild prangte. Im Winter sah man ihn vielfach in pelzbesetzter Mütze
-mit Quaste, als Zeichen seines Amtes, wie er zu sagen pflegte. (Vgl.
-Hertz 33 f.)</p>
-
-<p>Der Hausküper hörte es gern, wenn man ihn „<em class="gesperrt">Koptein</em>“ anredete,
-indessen bestreiten ihm die „Quartiersleute“ das Recht auf diesen
-Titel: ausschließlich ihnen gebühre solcher, da sie unabhängig
-daständen, während der Hausküper nur ein auf Kündigung Angestellter
-sei. Im Besitz der Schlüssel war dieser für alles verantwortlich, auch
-für die <em class="gesperrt">Arbeidslüd’</em>, die gegen festen Wochenlohn unter ihm
-tätig waren, wie für Gelegenheitshülfe, die er im Tagelohn annahm.
-Solch’ vorübergehende Arbeit hieß eine <em class="gesperrt">Hüür</em> im Gegensatz
-zu <em class="gesperrt">Bahntje</em> für feste Anstellung. Der Hausküper sorgte für
-das Aufbringen, Einwägen und zweckmäßige Wegstauen der Waren, für
-Marken<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> und Ummarken der Kolli sowie für ihre Ablieferung, weiter für
-rechtzeitiges Umstapeln von Sachen, die dem Verderb unterlagen, kurz
-für alles, was der Lagerbetrieb erheischen mochte. Nebenbei entwickelte
-er eine staunenerregende Warenkenntnis bei Empfang und Ablieferung.
-&mdash; War es erforderlich, so erschien er wohl gelegentlich bei seinem
-Geschäftsherrn an der Börse, sonst jedenfalls abends regelmäßig
-am Kontor, um dort Rechenschaft abzulegen und neue Vorschriften
-entgegenzunehmen. Das <em class="gesperrt">Gewichtbook</em>, das er dabei überbrachte, war
-in großen Betrieben in verschiedenfarbigen Einbänden vorhanden, etwa
-in gelb für eingehende und in blau für abgelieferte Partien. Von jedem
-hatte man zwei Exemplare, wovon eins bis zum nächsten Abend am Kontor
-verblieb, um danach Rechnungen auszustellen oder einlaufende zu prüfen,
-das andere inzwischen zur Benutzung auf dem Speicher.</p>
-
-<p>Gab es Arbeit, die der Hausküper nicht mit den eigenen Leuten
-bewältigen konnte, so holte er sich weitere Kräfte von <em class="gesperrt">de Lüd’
-von de Eck</em>. Das waren nicht etwa Gelegenheitsarbeiter in Art
-der berühmten „<em class="gesperrt">Löwen von’n Hoppenmark</em>“, die nur gelegentlich
-Obstkörbe aus den Ewern auf den Markt schleppten und sich hauptsächlich
-von Schnaps ernährten, sondern sie mußten ehrbare Hamburger Bürger
-sein und entsprechend dem Vertrauen, das man in sie setzte, streng
-auf Standesehre halten. Keineswegs konnte sich jeder beliebig zu
-ihnen gesellen. Er mußte guten Leumund besitzen und in aller Form
-um seine Aufnahme ersuchen. War solche zugestanden, so wurde er ins
-Buch eingetragen, das jede „Ecke“ führte, nachdem er „<em class="gesperrt">en Daler
-oder twe as Inspringelgeld</em>“ erlegt hatte. Der Hausküper war, um
-solche <em class="gesperrt">Spikerarbeiders</em> oder <em class="gesperrt">Spikerlüd’</em> anzuwerben, je
-nach der Lage seines Speichers auf eine bestimmte Ecke angewiesen;
-erst wenn hier niemand zu finden war, durfte er sich weiter umsehen.
-Die „Ecken“ hatten ihre festen Bezeichnungen: <em class="gesperrt">de Englännereck</em>
-(Katharinenstraße), <em class="gesperrt">de Wandrahmseck</em>, <em class="gesperrt">de Pickeck</em>
-(Rödingsmarkt-Steintwiete) usw. und standen in Verbindung<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> mit
-einer <em class="gesperrt">Köhminsel</em>, einer bestimmten Destillation (Schnaps- und
-Bierausschank), wo der Hausküper zunächst einzukehren hatte, wenn
-er an der Ecke keine Leute antraf. Bei diesem <em class="gesperrt">Kröger</em> war den
-Lüd’ von de Eck’ das Recht eingeräumt, statt einzelner Schnäpse zum
-Sechsling (3&frac34; Pf.) das Glas, eine Flasche für drei Schilling (22&frac12;
-Pf.) zu erstehen und in einem Hinterzimmer zu vertilgen. Traf der
-Hausküper sie gerade bei einer frischen Pulle an oder wurde eine solche
-auf dem Speicher „ausgegeben“, so gebührte ihm der erste Schluck.
-„<em class="gesperrt">Een’n utgeven</em>“ kam auf dem Lager nicht selten vor, sei es daß
-der Geschäftsherr sich blicken ließ oder daß Makler, Agenten oder
-Käufer dort zu tun hatten. Als zarter <em class="gesperrt">Wink mit’n Lüchtenpahl</em>
-diente dann wohl: „Is mal <em class="gesperrt">dröge Luft</em>“ oder „<em class="gesperrt">dat stöft hier
-bannig</em>“. War sonst niemand da, den man um Getränk ansprechen
-konnte, so meinte wohl einer der Arbeiter: „<em class="gesperrt">Wöhlt wi nich en Lütten
-passen?</em>“ d.&nbsp;h. es sollte zusammengeschossen werden, um Alkohol
-anzuschaffen. Kam dann gerade ein junger Mann vom Kontor darüber zu,
-so erwartete man, daß er sich in hervorragender Weise beteiligte.
-Dafür durfte er den ersten Schluck aus dem Glase tun, das nachher
-die Reihe herum ging. &mdash; Es wurde früher recht häufig getrunken,
-wenn auch nicht viel zur Zeit. Bei Ablieferung von Waren hatte der
-empfangende Hausküper oder Quartiersmann, wenn es sich nicht um ganz
-kleine Partien handelte, den Arbeitern gleichfalls einen auszugeben,
-und zwar wurde dies <em class="gesperrt">op de halven</em> beansprucht, d.&nbsp;h. wenn die
-Hälfte der Partie abgeliefert war. Morgens vor 8 Uhr wurde „<em class="gesperrt">en
-Sweizer</em>“ für das Geld geholt, nach 8 Uhr Kümmel und Flaschenbier.
-Der Verwalter des Getränks wurde <em class="gesperrt">Buddelör</em> genannt. Das
-gewöhnliche Schnapsgemisch war <em class="gesperrt">Köhm un Grön</em> d.&nbsp;i. Kümmel und
-Wermut. Beim Sweizer kam noch Pfeffermünz hinzu. „<em class="gesperrt">Lat uns mal en
-lüttje Sweizerreis’ maken!</em>“ hieß es wohl. Besonders geschätzt
-war das Helmerssche Erzeugnis; daher: „<em class="gesperrt">Hal mal een von Helmers
-sien!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Dat ’s woll Helmers sien?</em>“ (mit Anklang an
-Hennessy). Die Höhe des betreffenden Trinkgeldes, das zuweilen<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> auch
-je zur Hälfte vom Ablieferer und Empfänger getragen wurde, richtete
-sich ungefähr nach der Größe der abgelieferten Partie. Man rechnete
-z.&nbsp;B. bei 50 Sack Kaffee vier Schilling (30 Pf.), bei 100 Sack das
-Doppelte. &mdash; Wollte man Köhm un Beer in einer Wirtschaft genießen,
-so forderte man „<em class="gesperrt">Lütt un lütt</em>“, d.&nbsp;h. en lütt Glas Köhm un en
-lütt Glas Beer. Das kostete zusammen einen Schilling (7&frac12; Pf.). Es
-gibt noch heute viele Wirtschaften, wo je 2 Glas Lütt un Lütt für 15
-Pf. geliefert werden. War man dann gemütlich im Schnacken, so hieß es
-bald: „<em class="gesperrt">Op een Been kann man nich stahn!</em>“ Solcher Redensarten,
-die sich natürlich nicht auf die Speicherarbeiter beschränken, ließen
-sich noch manche sammeln. „<em class="gesperrt">Eenmal vergebens un denn mit alle
-Mann</em>“ rief man bei einer Arbeit, wo alle Kräfte anzuspannen waren.
-Wollte man eine Arbeit aufgeben, so hieß es: „<em class="gesperrt">Lat uns man in’n Sack
-hauen!</em>“ Stand einer müßig herum, so sagte man wohl: „<em class="gesperrt">Breek
-di man nich de Hann’ in de Tasch af</em>“ oder man fragte: „<em class="gesperrt">Na,
-puulst in’e Nees?</em>“ und erhielt vielleicht zur Antwort: „<em class="gesperrt">Djä,
-ick kann mi mit’n lütt Stück Arbeit lang behelpen</em>“. Ein dritter
-meinte dann dazu: „<em class="gesperrt">Worto hett man denn de Been, as um de Arbeit
-ut’n Weg to gahn.</em>“ Allerhand Ökelnamen für andere Beschäftigungen
-gibt es auch. <em class="gesperrt">Rümdriewer</em> heißt der Böttcher, weil er beim
-Antreiben der Bänder ums Faß eilt. Daher auch: „<em class="gesperrt">He löppt as so’n
-Fattbinner</em>“ (Korr. Bl. 23,57 u. 33,43). Die Zollbeamten nennt man
-<em class="gesperrt">Tollmus’kanten</em>, <em class="gesperrt">Grashüpper</em> und <em class="gesperrt">Grönröck</em>, die
-Kontoristen <em class="gesperrt">Fedderveeh</em> und <em class="gesperrt">Kantorknüppel</em>, den jungen
-Kommis, der Muster entnahm, <em class="gesperrt">Provenrieder</em> usw.</p>
-
-<p>Solange sie unbeschäftigt waren, trugen die Lüd’ von de Eck sauberen
-dunklen Anzug, Schurzfell und schwarzen Zylinder. Waren sie für Arbeit
-angenommen, so legten sie hohen Hut, Jacke und Schurzfell ab und
-zogen zum Schutz gegen Staub eine wollene oder baumwollene Mütze, die
-„Mudder“ aus alten Stoffresten angefertigt hatte, die <em class="gesperrt">Klottje</em>,
-Über den Schädel, sowie ein <em class="gesperrt">Busseruuntje</em>, eine Art Bluse, als
-Arbeitsgewand<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> über den Oberkörper. (Klottje aus dem französischen
-<span class="antiqua">calotte</span>, gleich Käppchen.) Zu Busseruuntje erklärt Schütze, daß
-diese Bezeichnung aus dem Holländischen stamme und gleichbedeutend mit
-<em class="gesperrt">Schanslöper</em> sei. (Vergl. Goedel 57.) Vorn über den Leib kam
-außerdem die Hälfte eines alten Kaffeesackes, die durch Bänder auf dem
-Rücken befestigt war. Der Hausküper war vornehmer, er trug bei der
-Arbeit die Hälfte eines weißen Saatsackes ohne Naht, der dann jeden
-Sonnabend in die Wäsche kam.</p>
-
-<div class="figcenter illowe34" id="illu023">
- <img class="w100" src="images/illu023.jpg" alt="Lüd’ von de Eck" />
-</div>
-
-<p>Die obige, etwas flüchtig hingeworfene Skizze aus meiner Sammlung
-entstammt den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und zeigt
-einige Lüd’ von de Eck in der damaligen Tracht. Der Zeichner, <em class="gesperrt">W.
-Lühring</em>, war damals bei der hiesigen Häutefirma George Maltz u. Co.
-als Handlungsdiener<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> tätig. &mdash; Man beachte, daß der Schuster sowohl
-wie die Person im hohen Hut (vielleicht ein Quartiersmann) kurze
-Kalkpfeifen rauchen, deren man 8 Stück für einen Schilling erhielt.</p>
-
-<p>In ähnlicher Weise wie bisher berichtet ging im Speicherbetrieb alles
-streng nach genauer Ordnung vor sich. Beim Aufwinden von Waren galt
-z.&nbsp;B. der feste Satz von 80 Pfund Leistung auf den Mann, wenn sie
-den ganzen Tag zu arbeiten hatten; sonst konnten sie es auch bis zu
-300 Pfund bringen. Ebenso behielt jeder mit seinen Händen den Platz
-am Windetau, den <em class="gesperrt">Löpers</em>, den er zu Anfang eingenommen hatte.
-Diese Löpers, zwei starke Taue ohne Ende, liefen durch Löcher im
-Fußboden durch alle Stockwerke des Speichers und dienten dazu, eine
-Holzrolle auf dem Spitzböhn in Umschwung zu bringen, auf der sich das
-starke Tragetau, der <em class="gesperrt">Dreger</em>, auf- oder abwickelte. Zu solchem
-Zwecke hatte diese Welle, der <em class="gesperrt">Winnbohm</em> oder <em class="gesperrt">Wellbohm</em>,
-an beiden Enden <em class="gesperrt">Rööd</em>, Wellräder, deren Kranz mit Doppelzacken
-versehen war, in die die Löpers sich klemmten. Das Ende des Dregers
-war über den außen hohlen Rand der <em class="gesperrt">Kausch</em> gespleißt, ein
-Eisenring, in dem der eiserne <em class="gesperrt">Haken</em> hing. (Kausch heißt auf
-der Elbinsel Finkenwärder das Segelöhr.) Über den Haken hinweg
-wallte das aufgerebbelte Ende des Dregers, der <em class="gesperrt">P’rükenkopp</em>,
-der dazu diente, die Feuchtigkeit ablaufen zu lassen. Außerdem
-ermittelte man gelegentlich, ob dies äußerste Stück des Dregers noch
-haltbar sei, indem man einzelne Strähne des P’rükenkopps auf ihre
-Widerstandsfähigkeit prüfte. Zeigten sie sich mürbe, so wurde ein Stück
-des Dregers weggeschnitten und das neue Ende wieder Über die Kausch
-gespleißt.</p>
-
-<p>Als Zurufe bei der Arbeit des Auf- und Abwindens herrschten
-hergebrachte Ausdrücke. Der Hausküper, oder, wenn er sich vertreten
-ließ, der <em class="gesperrt">Lukenvice</em>, rief den an den Löpers angestellten
-Arbeitern von der Luke aus seine Anordnungen zu. War unten in der
-Schute die Ware am Haken befestigt (<em class="gesperrt">anslahn</em>), so hieß es:
-„<em class="gesperrt">Sso, winn’ op!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Hüüs’ op!</em>“<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> (vergl. hissen,
-heißen, z.&nbsp;B. der Flagge), auch wohl „<em class="gesperrt">Hiev op!</em>“ (an Schiffsbord:
-„Anker hieven“). Hatte die Last seine Luke erreicht, so rief er
-„<em class="gesperrt">Haaah</em>“ (helles a wie in Rabe), worauf die Löpers über den
-<em class="gesperrt">Knaggen</em> geworfen werden mußten, damit infolge vergrößerter
-Reibung je ein Mann die Last schwebend erhalten konnte, während die
-übrigen sich mit an die Luke begaben, um sie hereinzuziehen. Der
-Knaggen, auch <em class="gesperrt">Achtersmiter</em> oder <em class="gesperrt">Hemmhaken</em> genannt, war
-ein am Pfeiler neben den Löpers befestigtes starkes Brett, meistens
-Buchsbaumholz, woraus man ein länglich rundes Stück weggeschnitten
-hatte. In die entstandene Höhlung paßten die Löpers. Fand man einen
-kräftigen Baumast, der sich für den Zweck eignete, so nahm man ihn noch
-lieber. Innerhalb der mit Haspelwinde versehenen alten Kaufmannshäuser
-vertraten häufig zwei eiserne <em class="gesperrt">Wandhaken</em> nebeneinander die
-Stelle des Knaggens. War nur ein einziger vorhanden, so wurden die
-Löpers zweimal hinübergeworfen, weil sonst an den glatten Eisen
-nicht genügend Reibung entstanden wäre. Dies brachte indessen starke
-Abnutzung des Windetaues mit sich. &mdash; Beim Rufe „<em class="gesperrt">Striek wat!</em>“
-wurde das Hereinziehen der Last durch Nachgeben der Löpers ermöglicht,
-bei „<em class="gesperrt">Los!</em>“ ließ man diese fahren. (Strieken ist ein altes Wort
-mit großer Zahl von Bedeutungen; hier „nachlassen“, „nachgeben“. Wenn
-die hochdeutsche Sprache sich mehr um ihre ebenbürtige niederdeutsche
-Schwester bekümmern wollte, hätten wir statt des Streiks den „Striek“
-gehabt, also ein gut deutsches Wort.) &mdash; War der Haken befreit, so
-mußten die Löpers auf „<em class="gesperrt">Sla los!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Smiet los!</em>“ vom
-Knaggen herabgehoben werden, um den Dreger in kräftigen Zügen wieder
-nach unten zu befördern. Die <em class="gesperrt">Läng’</em> oder <em class="gesperrt">Längde</em> wurde zu
-neuer Verwendung hinterhergeworfen, nachdem der Mann in der Schute
-gewarnt worden war, sich nicht vom Platz zu rühren, durch „<em class="gesperrt">Fast
-dar nerrn!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Waarscho!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Ünnerruut!</em>“ und
-geantwortet hatte: „<em class="gesperrt">Smiet!</em>“ (Nerrn, früher nedden &mdash; unten,
-Waarscho = Acht geben. Wenn Goedel im Quickbornbuch 9 S. 19 meldet,
-dies Wort sei in Kiel von der Marine wieder in den Sprachschatz<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> der
-Stadtbevölkerung übergegangen, so kann ich dem gegenüber feststellen,
-daß es in Hamburg nie außer Übung gekommen ist.) Inzwischen wurden
-Kisten oder Säcke aus dem Wege geräumt, um für die nächste Ankunft
-Platz zu haben. Wurden sie später aufgestapelt, so lautete das
-Kommando: „<em class="gesperrt">Hoch op!</em>“, „<em class="gesperrt">Höger rop!</em>“ und „<em class="gesperrt">Hoch!</em>“, je
-nachdem Knie- oder Ellbogenhöhe oder endlich volle Höhe erreicht war.
-&mdash; Zu Läng’ ist zu bemerken, daß dies ein zusammengespleißtes Hanftau
-ohne Ende war, das man niederlegte, um darauf eine Anzahl Säcke oder
-Kisten aufzubauen. Dann wurde die Schlinge des längeren Endes durch die
-kürzere gezogen, diese fest heruntergedrückt und die längere in den
-Haken gehängt. Hatte das Aufwinden begonnen, so mußte das kurze Ende
-noch weiter niedergepreßt werden, damit die Ware nicht herausschießen
-konnte. Ein Ewerführer, der eine <em class="gesperrt">Hieve</em> Rosinen in Säcken
-vielleicht nicht fest genug eingeschlagen hatte, sah sie herabstürzen,
-bevor sie die Luke erreicht hatte, konnte aber noch rechtzeitig
-beiseite springen und rief dann in gut gespielter Entrüstung hinauf:
-„<em class="gesperrt">Hett jo gar keen Sinn, dat ick dat inwickel, wenn ji dat wedder
-dalsmiet!</em>“ &mdash; Für schwere Lasten benutzte man eine kürzere und
-dickere Läng’, die <em class="gesperrt">Stropp</em>, für Fässer <em class="gesperrt">Hakens</em>, an einer
-Kette ohne Ende hängende gekrümmte Eisen, für Kisten, die es vertragen
-konnten, <em class="gesperrt">Düvelsklauen</em>, je ein starkes gekrümmtes Doppeleisen an
-den Enden einer Kette.</p>
-
-<p>Die Ausrufe galten mehr der Aufmerksamkeit des Ewerführers, als den
-Leuten an der Winde, wenn eine Ware hinabgelassen werden sollte. War
-sie zunächst handbreit aufgewunden, so hieß es: „<em class="gesperrt">Achter!</em>“
-(Achtärr) oder „<em class="gesperrt">Maak fast!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Smiet achter!</em>“ damit
-die Löpers über den Knaggen geworfen wurden. Die Ware wurde nun zur
-Luke hinausgeschoben und schwebte frei. Auf „<em class="gesperrt">Striek wat!</em>“
-dann „<em class="gesperrt">Lat reisen!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat fallen!</em>“ auch wohl
-„<em class="gesperrt">Los lat strieken!</em>“ ließ man dann die Löpers durch die Hände
-gleiten, die durch Sackleinen geschützt waren, während der Knaggen
-durch die Reibung genügend hemmte, um die Last immer in der Gewalt
-zu<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> behalten. Schien sie nahe dem Ziel, so mußte auf „<em class="gesperrt">Sinnig!</em>“
-(<em class="gesperrt">Sinniiich</em>) angehalten werden, bis der Ewerführer sie nah
-dem Punkte hingezogen hatte, wo er sie aufzustapeln gedachte. Auf
-„<em class="gesperrt">Striek!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat strieken!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat
-scheeten!</em>“ mußten die Löpers rasch nachgegeben werden, bei
-„<em class="gesperrt">Achterruut!</em>“ waren sie vom Knaggen abzuheben, um den Dreger
-wieder aufzuwinden. Wenn wir als Jungens beim Winden helfen durften,
-machte die Betonung „Los lat scheetennnn!“ besonders starken Eindruck.</p>
-
-<p>Die Löpers waren natürlich durch alle Böden hindurch von den Knaggen
-freizuhalten, wenn gewunden werden sollte. Im Sommer dehnten sie
-sich und schleiften dann im Raum, dem untersten Boden, während der
-Windearbeit in tollen Kapriolen auf dem Fußboden hin und her. Paßte man
-in der herrschenden Dunkelheit nicht auf, so hatte man die schönste
-Gelegenheit, darin verstrickt und vielleicht gar stranguliert zu
-werden. Die Finsternis in sämtlichen Räumen des Speichers pflegte
-undurchdringlich zu sein, wenn die Luken geschlossen waren, denn
-die aufgestapelten Waren nahmen das bißchen Tageslicht weg, das
-durch die Fenster Einlaß fand. Dies um so mehr, als die Speicher
-häufig schmal und sehr tief waren. Man hielt das der Erhaltung der
-Waren zuträglicher, als wenn Licht und Luft Zutritt hatten, auch
-konnte man häufig feststellen, daß die Partien das Gewicht, das sie
-vielleicht während der Reise eingebüßt hatten, bei längerer Lagerung
-wiedergewannen. Aus diesem Grunde schüttelte manch alter Praktiker den
-Kopf, als er die größere Breite und viel geringere Tiefe sah, die man
-den neuen Speichern im Freihafen gegeben hatte. &mdash; Mußte man auf dem
-Speicher eine Ware ansehen, so pflegte der führende Arbeiter, der auch
-im Dunkeln Schritt und Tritt kannte, einem oftmals die Hand zu reichen,
-damit man sich durchwinden konnte.</p>
-
-<p>Der größte Teil der Ausrufe, die ich hier wiedergegeben habe, fällt
-bei den elektrischen oder hydraulischen Winden der Neuzeit fort und
-wird durch Handbewegungen ersetzt. Erwähnt mag bei<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> dieser Gelegenheit
-noch werden, daß schon um 1865 der Versuch gemacht wurde, die mühselige
-Handarbeit beim Aufwinden der Kaufmannsgüter durch eine Dampfwinde
-zu ersetzen, die man in der Schute aufstellte. Es erhob sich aber so
-lebhafter Widerspruch seitens der Arbeiter gegen eine solche Neuerung,
-die ihnen das Brot nehmen würde, daß man bald hiervon zurückkam.</p>
-
-<p>Nach beendeter Arbeit wurde der Dreger bis an den <em class="gesperrt">Utlegger</em>
-aufgewunden, eine am Giebel angebrachte Vorrichtung mit einer Rolle
-aus Pockholz oder Eisen, später aus Gelbmetall, die <em class="gesperrt">Schiev</em>,
-über die der Dreger lief. Geschützt war der Utlegger durch den
-<em class="gesperrt">Winn’kasten</em>, auch <em class="gesperrt">Galgen</em> genannt, einen unten offenen
-Holzkasten. An den Haken war zuvor ein dünnes Tau geschlungen, die
-<em class="gesperrt">Fanglien</em>, die neben der untersten Luke befestigt war und
-sein Herabziehen zu neuer Benutzung ermöglichte. Zuweilen war noch
-am äußersten Ende des Winn’kastens ein Haken angebracht, an den man
-<em class="gesperrt">Schiev un Tau</em> hängen konnte, um leere Kisten, Körbe oder Säcke
-aufzunehmen, wozu es dann nur eines Mannes bedurfte.</p>
-
-<p>Beiläufig wäre noch zu bemerken, daß die Löcher im Fußboden, durch
-die die Löpers glitten, mit Porzellanringen ausgesetzt waren, um die
-Reibung zu vermindern, und daß man die <em class="gesperrt">Winn’löcker</em> zustopfte
-oder mit Holzringen umgab, wenn Waren gestürzt werden sollten, damit
-das Durchlaufen in die unteren Böden vermieden wurde. Für dies
-<em class="gesperrt">Störten</em>, das Ausleeren sämtlicher Packungen einer Partie, um
-gleichmäßige Mischung herzustellen, gehörte das <em class="gesperrt">Störtlaken</em>, eine
-mächtige Leinewand, zum Bestand.</p>
-
-<p>Ein hergebrachter Ausruf bei der Arbeit war der Zählgesang bei
-Ablieferung bestimmter Waren, besonders von Häuten und Fellen. Bröcker
-I. 58 f. veröffentlichte (mit Notenbegleitung) eine Version, die hier
-unter Beibehaltung der Schreibweise wiedergegeben sein möge:</p>
-
-<div class="poetry-container s5">
-<div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse indent2">„Nu hebbt wi <em class="gesperrt">een</em> op’t Neet &mdash; <em class="gesperrt">Terriwe</em> kumpleet &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">Hebbt wi en <em class="gesperrt">Diarree</em> &mdash; dat <em class="gesperrt">veerte</em> Mol &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">Scheun sünd de groten to <em class="gesperrt">fiif</em> &mdash; en <em class="gesperrt">halbes Dutz</em> davon in’n Liew &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Söben</em> is de Galgentool &mdash; goht wie de ganze <em class="gesperrt">Nacht</em> opp dol &mdash;</div><span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Negen</em> is de Rummelee &mdash; <em class="gesperrt">Tein!</em> tein is tein &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">Mein Hamburg an der <em class="gesperrt">Elbe</em> Strand &mdash; wie liegst du tief im Tal &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">du bist nicht mehr dasselbe Land &mdash; wie Anno dazumal &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">Wie hat man dich entrissen &mdash; aus Altertümlichkeit &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">du mußt noch vieles missen &mdash; aus deiner goldnen Zeit &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">denn so wie du, vallera &mdash; so bin auch ich, vallera.</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Een un de twintig &mdash; terriwe un de twintig</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">diarree un de twintig &mdash; veer un de twintig</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">fief un de twintig &mdash; soß un de twintig</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">söben un twintig &mdash; alle acht un de twintig</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">negen un twintig &mdash; nu hebbt wi dottig mol.</em>“</div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<p>Auf S. 67 desselben Heftes wird für die Ziffer 5 und 6 die drastischere
-Lesart „Scheun is min Wief &mdash; se hett er dickes Lief“ mitgeteilt und
-für 11 bis 20 die Version:</p>
-
-<div class="poetry-container s5">
-<div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse indent2">„Mein Hamburg an der <em class="gesperrt">Elbe</em> &mdash; da geht’s bis nachts um <em class="gesperrt">zwölfe</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">mok de <em class="gesperrt">Dör to Hein</em> &mdash; in de Diekstroot <em class="gesperrt">veertein</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">bi <em class="gesperrt">foftein</em> is ’t en Drinker &mdash; an de <em class="gesperrt">soßtein</em> geit nix flinker &mdash;</div>
- <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">söben un de tein</em> &mdash; denn gode <em class="gesperrt">Nacht min Hein</em> &mdash;</div>
- <div class="verse indent2">nu sloop man fein &mdash; so ’n <em class="gesperrt">twintig</em> Mool.“ &mdash;</div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<p>Zu 30 heißt es dann noch: „Siehst du woll &mdash; nu hebbt wi <em class="gesperrt">Talje
-vull</em>, vallera!“</p>
-
-<p>Hierzu wäre zu bemerken, daß „Talje“ mit dem engl. <span class="antiqua">tally</span>,
-Kerbholz, Zählstrich zusammenhängt. &mdash; „De Groten to fiif“ sind
-Schnäpse zu 5 Pf. das Glas. &mdash; Bei 8 pflegt es auch zu heißen: „Gaht
-wie <em class="gesperrt">alle Nacht</em> op un dal.“ &mdash; „De ganze Rummelee“ statt „alle
-negen“ ist Ausruf beim Kegeln; „<em class="gesperrt">twe Veerlanner Been</em>“, wie
-zuweilen für 11 gebraucht wird, stammt ebenfalls daher. Zu 12 singt man
-auch wohl: „in <em class="gesperrt">Horborg is’t datselbe</em>.“ &mdash; Bei der „halben Talje“
-wird gern ein Schluck genommen, daher: „bi foftein is’t en Drinker.“
-(Vergl. Mitt. a. d. Quickborn IV. 91). Zu 16 hörte ich die Variante:
-„<em class="gesperrt">an de soßtein geit dat flinker</em>“: man arbeitete nun frisch
-gestärkt weiter.</p>
-
-<p>Der verstorbene C. Rud. Schnitger regte beiläufig die Frage an, ob das
-„foftein maken“ vielleicht mit der Berechnung von Häuten und Fellen
-nach Zimmer zu 4 Decher zu 15 Stück zusammenhängen könne.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Was_sich_der_Speicher_erzaehlt">Was sich der Speicher erzählt</h2>
-</div>
-
-<div class="figcenter illowe34" id="illu030">
- <img class="w100" src="images/illu030.jpg" alt="" />
- <div class="caption2"><em class="gesperrt">Hein</em>: Uns’ Ol hett mi ’n Mark
- in de Hand drückt un seggt, ik sall uns dafor Brod un Snaps mitbringn.</div>
- <div class="caption2"><em class="gesperrt">Kodl</em>: Na, un wat hest du
- brocht?</div>
- <div class="caption2"><em class="gesperrt">Hein</em>: För fifunnegntig Penn
- Köhm un Greun un for fif Penn Brod.</div>
- <div class="caption2"><em class="gesperrt">Alle zusammen</em>: Harrijeh! Wat
- süllt wi denn mit all’ dat Brod opstelln?!</div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span></p>
-
-<p>Das nebenstehende Bild (aus der „Reform“, 1877) gibt eine gute Gruppe
-von Speicherarbeitern wieder, während der Raum, in dem sie sich
-aufhalten, zum Zweck der Belichtung stark idealisiert ist (vergl. Kopal
-50 f. und Jünger 10 f.).</p>
-
-<p>Eines eigentümlichen Speicherausdruckes muß ich hier noch gedenken, des
-„<em class="gesperrt">Tómann’n</em>“. Er wurde angewendet für das Weiterreichen kleiner
-Kolli von Hand zu Hand, außerdem auch, wenn man z.&nbsp;B. Säcke vom Raum
-auf einen höheren Boden zu schaffen hatte und aus irgend einem Grunde
-die Winde nicht benutzen wollte oder konnte. Einer der Arbeiter trug
-die Säcke dann bis zum ersten Boden, wo ein anderer sie ihm abnahm, um
-sie wieder eine Treppe höher zu bringen, und dann so weiter.</p>
-
-<p>Außer dem Hausküper und seinen Leuten fand sich auf dem Speicher
-gelegentlich der jüngste Lehrling ein, um eine Bestellung zu machen,
-denn den Fernsprecher kannte man noch nicht. In solchen Fällen, wo
-Kontor und Lagerräume auf demselben Grundstück vereinigt waren, kamen
-auch wohl einige Lehrlinge während ihrer Mußestunden zum Besuch,
-die an den Waren, besonders den eßbaren, wissenschaftliche Studien
-machten und daneben allerhand Mutwillen trieben (Kopal 47 f.). Da
-wurden vielleicht dem alten Herrn, der im Hause jenseits des Fleets
-über seinen Büchern brütete, durch ein Brennglas die Sonnenstrahlen
-auf die Hand geworfen oder einem Nachbarn mittels Pusterohrs Erbsen
-oder Kittkugeln ins Fenster geschossen. Oder man überredete den
-„Jüngsten“, sich auf dem Haken stehend nach unten befördern zu
-lassen, und weidete sich an seinem Zorn, wenn man die lustige Fahrt
-unterbrach und ihn eine Weile zwischen Himmel und Erde zappeln ließ.
-Bei einer Firma im Grimm herrschte die hergebrachte Gewohnheit, daß dem
-jüngsten Lehrling am Tage seines Eintritts das Gesicht mit Zinnober
-eingerieben wurde, worauf man ihn in einen Korb packte und an der
-Außenseite des Kaufmannshauses bis an das Fenster aufwand, hinter dem
-der Geschäftsherr saß. Pantomimische Entrüstung an der einen Seite,
-ebensolche Beteuerung:<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> „Ich kann’s nicht helfen!“ von der anderen
-waren regelmäßig die Folge. &mdash; Auch das Klettern am hängenden Dreger
-und sonstige Turnerkünste wurden geübt. &mdash; Zuweilen ließ sich übrigens
-auch der <em class="gesperrt">Lagerdeener</em> sehen, ein Angestellter, der am Kontor
-alles unter Händen hatte, was das Lager anging. Der Name Lagerdiener
-ist jetzt nicht mehr gebräuchlich. Es mag eben niemand mehr „dienen“,
-außer wo es sein muß, nämlich im Heer. Sogar die Köchin, die sich
-für Stellung meldet, fragt man heutzutage: „Wo war Ihre letzte
-Stelle?“ Für Lagerdiener ist die verfeinerte Bezeichnung „Lagerist“
-eingeführt, für Handlungsdiener, wie früher alle gegen Gehalt am
-Kontor Angestellte sich nannten, „Kommis“. Noch heute ist übrigens
-die „Handlungsdiener-Witwenkasse von 1841“ in Betrieb. &mdash; In alter
-Zeit hießen die Angestellten <em class="gesperrt">Scholer</em> und <em class="gesperrt">Knechte</em> oder
-<em class="gesperrt">Diener</em>. Die Scholer dürften ursprünglich für den geistlichen
-Stand bestimmt gewesen sein. Sie wurden, da sie mithin des Lesens und
-Schreibens kundig waren, in erster Linie mit Buchführung und ähnlichen
-schriftlichen Arbeiten betraut. Außerdem erfüllten sie wohl dieselben
-Obliegenheiten wie die Knechte, also Empfangnahme, Beaufsichtigung und
-Ablieferung von Waren, Einziehung von Schulden am Platz und auswärts
-und ähnliches (Nirrnheim XXVIII.). Scholer und Knechte, besonders
-die ersteren, mochten bei ernstem Willen und tüchtigen Leistungen
-hin und wieder grade so gut eine selbständige Stellung erlangen, wie
-heutzutage. Gelegenheit, ein erspartes Kapital zu vermehren, hatten
-sie häufig, denn der Geschäftsherr beteiligte sein Personal bis hinab
-zur Dienstmagd gern an kleinen Unternehmungen (Nirrnheim XLIV. f.).
-In recht vielen Hamburger Firmen herrscht übrigens noch heute ein
-außerordentlich patriarchalisches Verhältnis zwischen Geschäftsherrn
-und Angestellten. Alte Handlungsgehülfen und Arbeiter werden oftmals
-„durchgefüttert“, wenn sie auch nur wenig mehr leisten können oder
-beziehen aus freien Stücken auskömmliches Gehalt auf ihre alten Tage.
-Andererseits sind mir Fälle bekannt, wo der Geschäftsherr durch seine
-ehemaligen Untergebenen<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> fortlaufend freiwillig Unterstützung erhielt,
-wenn er im Lauf der Jahre zurückgekommen war.</p>
-
-<p class="mtop2">Wem es nicht paßte, seinen eigenen Hausküper zu halten, der benutzte
-<em class="gesperrt">Quarteerslüd</em>, Arbeitsübernehmer, die sich ursprünglich immer
-zu Vieren (dem „Quartier“) zusammengetan hatten und für eine Reihe
-von Firmen die erforderlichen Arbeiten zu vereinbarten Sätzen für
-das Kollo oder den Zentner ausführten. Mit diesen Verbindungen
-müssen wir uns eingehender beschäftigen. Sie verdienen durchaus eine
-besondere Beachtung und höchste Achtung, denn ohne Innungszwang und
-ohne staatliche Anerkennung oder Beaufsichtigung haben sich diese
-Verbrüderungen einfacher Arbeiter durch Jahrhunderte hindurch das
-unbegrenzte Vertrauen der Kaufmannschaft zu wahren gewußt und Güter
-von höchsten Werten blindlings zur Verwaltung übertragen erhalten.
-Schon längst hätte mal einer aus ihrer Mitte sich daran machen müssen,
-Zuverlässiges und Erschöpfendes über seinen Stand zusammenzustellen,
-sowie gleichzeitig Klarheit zu schaffen über die Unterschiede zwischen
-Huusküper, Quarteerslüd, Spikerarbeiter, Lüd von de Eck und sonstigen
-Gelegenheitsarbeitern, die häufig von Zeichnern und Schriftstellern
-sämtlich in einen Topf geworfen wurden. Sehen wir uns in dieser
-Beziehung einmal an, was über den Gegenstand zu finden ist. Viel
-kommt dabei freilich nicht heraus; dagegen entdeckt man fast überall
-Ungenauigkeiten oder Falsches.</p>
-
-<p>Im allgemeinen richtig äußert sich Schütze: „Eine Vereinbarung der
-Arbeitsleute, die ihren Namen nicht von Quartier oder Viertel, sondern
-von der Zahl 4 haben. Vier Arbeitsleute vereinigen sich, um bei den
-Kaufleuten Kundschaft zu suchen, und haben ihre eigenen Häuser, die
-ihnen betrauen, doppelte Schlüssel zu den Packräumen, davon einen
-der Quartiersmann hat. Sie haben eine eigene Firma unter sich und
-Kasse, und sorgen, wenn bei Ausschiffungen, Verladungen mehrere
-Leute nötig sind, für deren Anschaffung. Sie haben ihren eigenen Ort
-der Zusammenkunft, werden aber nicht zu ihrer Quasi-Innung<span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span> in Eid
-und Pflicht genommen. Sie müssen rechnen und schreiben können und
-übrigens starke Leute sein. Stirbt einer von ihnen, so wählen sie
-und nehmen den tüchtigsten unter sich auf, oft nach einer Probezeit.
-Es sind dergleichen mehrere Quartiere, Viermänner, in Hamburg in
-den Kirchspielen.“ Einige Jahre vorher (1794) veröffentlichte Chr.
-Gottfr. Morasch in seinen „Charakteristischen Kleidertrachten“
-zwei hübsche Abbildungen angeblicher Quartiersleute, und zwar
-Blatt 8 No. 4 Quartiersmann mit Zuckerproben, dazu die Anmerkung:
-„Gewöhnlich bedienen sich ihrer die Zuckermakler, um Proben zu
-den Raffinerien herumzuschicken“. (Anderweitig heißt es, diese
-Leute seien Hausknechte der Makler gewesen. Das ist auch bestimmt
-anzunehmen.) Ferner Blatt 9 Quartiersmann und Arbeitsleute: „Die
-Quartiersmänner haben Korporationen unter sich und halten sich
-gewöhnlich zu vieren in gewissen Bierkellern auf, wo man selbige zu
-seinem Bedarf gleich herausrufen kann. Bei schweren Arbeiten bedienen
-sie sich der Arbeitsleute. Die Derbheit ihrer Hände und die Muskeln
-ihres Rückens sichern, ohne Kunst und Geschicklichkeit, einer großen
-Anzahl dieser Menschen ihren Unterhalt zu. Sie stehen gruppenweise
-auf den Straßen und Gegenden, wo der Handelsverkehr sie am meisten
-bedarf, sie tragen, schleppen, ziehen, werfen, klettern, winden,
-schieben, alles kunstlos und ohne Erfordernis von Genauigkeit.
-Sie haben Korporationen unter sich und haben gemeiniglich einen
-Quartiersmann zum Anführer.“ Auch dieses Bild ist interessant, nur
-befremdet es, daß Morasch die Leute auf offener Straße darstellt,
-und seine Erläuterungen lassen es gleichfalls im Zweifel, ob er
-nicht Quartiersleute mit Lüd’ von de Eck verwechselt hat, besonders
-da er von einem Bierkeller als Versammlungsort spricht. &mdash; Von Heß
-(III. 408) teilt diesen Irrtum: „Das Institut der Quartiersleute ist
-von den Auf- und Abwindern der Kaufmannsgüter erfunden, welche sich
-je 4 und 4 zusammengerottet haben, und treu beieinander halten, um
-sich einer steten Tätigkeit zu vergewissern und dem, der sie bedarf,
-die Mühe des Suchens zu erleichtern. Diese Vierschaften haben<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span>
-ihre besonderen Bierkeller zu Sammelplätzen, wo sie hervorgerufen
-werden, und sich, nach Beschaffenheit der Umstände, verteilen oder
-in Gemeinschaft an die Arbeit gehen.“ &mdash; In den alten Kontrakten
-der Quartiersleute ist allerdings zuweilen von einem Keller als
-ihrem Standorte die Rede, indessen haben wir darunter unzweifelhaft
-keine Wirtskeller, sondern ein gemietetes Lokal zu verstehen, wo
-sie anzutreffen waren oder ihre Adresse hinterließen und wo sie
-Arbeitszeug sowie Gerätschaften aufbewahrten. Sie verpflichteten sich
-in ihren Verträgen, die Kosten für Gerät und <em class="gesperrt">Miete</em> gemeinsam
-zu tragen, um dann den Gewinn ebenfalls gleichmäßig zu verteilen.
-&mdash; Christoffer Suhr in „Hamburgische Trachten“ (1838) zeichnet auf
-Blatt 18 vier „Quartiersleute“ vor einem Karren mit niedrigen Rädern,
-worauf ein großes Faß. Wahrscheinlich sind dies Lüd’ von de Eck,
-abgesehen davon, daß die Gesichter stark an junge Mädchen erinnern,
-die sich einen Maskenscherz erlauben. Heckscher (29) trifft in seinen
-ausführlichen Erläuterungen hierzu durchweg das Richtige. Nur stimmt
-es nicht, daß auch Möbeltransporte, Kohlenaufwinden usw. regelmäßig
-durch Quartiersleute besorgt zu werden pflegten. Das gehörte nicht
-zu ihrem Arbeitsgebiet, wenn es auch ausnahmsweise geschehen mochte.
-&mdash; In „Hamburg wie es ist &mdash; und &mdash; sein könnte“ (Berendsohn 1839 S.
-20 f.) unterhalten sich „Quartiersleute beim Krahn“, während sie auf
-Arbeit warten, und folgen zum Schluß einem Kommis, der sie anwirbt,
-um im Wandrahm Indigo abzuliefern. Das können nur Lüd von de Eck
-gewesen sein, denn Quartiersleute warteten niemals an offener Straße
-auf Beschäftigung. &mdash; Durchweg zutreffend sind Bueks Erläuterungen zum
-„Album Hamburgischer Kostüme“ (1847), nur ist es vollkommen verkehrt,
-wenn er sagt, das Institut der Hausküper sei erst hoch gekommen,
-weil man die Spesen der Quartiersleute zu teuer befunden habe. Die
-Jessensche Abbildung dazu ist eine der besten, die wir besitzen,
-abgesehen von dem bekannten Gruppenbilde des Schillerfestzuges von
-1859. Ein Modell des alten Rollwagens, den die Quartiersleute bei
-diesem Anlaß mit sich führten<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> und in berechtigter Vorsicht mit Eßwaren
-und Getränk beladen hatten, befindet sich, beiläufig bemerkt, im Museum
-für Hamburgische Geschichte. Dort entdeckte ich auch ein ungerahmtes
-Bild auf großer Leinewand, vom Maler F. L. Heiser bei Anlaß eines
-Quartierjubiläums angefertigt, mit Darstellung zweier Quartiersleute
-und der Unterschrift 1701&ndash;1869. Ich würde solches hier wiedergegeben
-haben, wenn die angebliche Tracht von 1701 nicht in eine weit spätere
-Zeit gesetzt werden müßte.</p>
-
-<p>In neuerer Zeit lieferte Borcherdt (II. 286 f.) eine gute Studie
-über den Gegenstand. Falsch ist darin, daß die Quartiersleute ihren
-Kunden den Lohn der Hülfsarbeiter in Rechnung gestellt hätten. Der
-ging immer aus ihrer eigenen Tasche, denn sie übernahmen ja die Arbeit
-zu festen Sätzen. Das gute Bild eines Quartiersmanns in alter Tracht
-erscheint auf dem Umschlag seines Buches. &mdash; Sternhagen (7 f.) führte
-in Gestalt des Peter Voß den Quartiersmann ein, „den Vertreter der
-Hamburger Kaufmannschaft, der sich in ihrem Dienst zu allen Zeiten zu
-Wohlhabenheit und zu besonderen Ehren erhoben habe“, läßt uns aber
-von seinem Geschäftsbetrieb nichts erfahren. Nicht zutreffend ist die
-Behauptung (28), mit „Koptein“ würden nur die „Konsorten“ angeredet.
-Dieser Titel kam sämtlichen Teilhabern des Quartiers zu. &mdash; Rat
-<span class="antiqua">Dr.</span> Voigt (Mitt. V. 488 f.) hält es bei Besprechung eines alten
-Kontraktes für möglich, und <span class="antiqua">Dr.</span> Obst (Hamburger Fremdenblatt 17.
-Nov. 1905 und „Aus Hamburgs Lehrjahren“ 135 f.) scheint geneigt, sich
-ihm anzuschließen, daß diese Vereinigungen aus den Knevelkarrenführern
-hervorgegangen sein könnten. Mir ist dies höchst unwahrscheinlich,
-denn zum Quartiersmannsberuf eigneten sich nur solche Leute, die mit
-Behandlung von Waren, Packen usw. Bescheid wußten, also schon auf
-Speichern gearbeitet hatten. So wenig wie etwa die Ewerführer konnten
-die Kneveler für solche Beschäftigung gebraucht werden, denn sie hatten
-nichts weiter gelernt, als ihre Karre zu beladen und zu ziehen. &mdash;
-Jünger 12 f. und 22 f. bringt ausführliches über die Quartiersleute.</p>
-
-<p>Ich sagte vorhin, es sei zu bedauern, daß keiner aus der Mitte<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> der
-Quartiersleute über seinen Stand geschrieben habe. Einer allerdings
-hat eine Ausnahme gemacht, Herr J. D. J. Pingel senior, der im Jahre
-1880 ein hübsches Folioblatt „Hamburger Quartiersleute“ herausgab, das
-offenbar als Wandschmuck gedacht ist. Er liefert wenigstens einige
-Andeutungen über ihr Verhältnis zur Kaufmannschaft und die Art ihrer
-Beschäftigung und zählt zum Schluß etwa 80 Ökelnamen auf, die später
-von <span class="antiqua">Dr.</span> Borcherdt und anderen wieder abgedruckt wurden. Da die
-meisten, die in neuerer Zeit über den Gegenstand geschrieben haben,
-aus diesem Blatte ihre Kenntnisse geschöpft haben dürften (wie ihre
-Vorgänger aus Morasch und Schütze) und solches außerdem recht selten
-geworden ist, bringe ich es vollständig am Schluß dieses Heftes.</p>
-
-<p>Um nichts auszulassen von dem, was ich gefunden habe, sei noch erwähnt,
-daß in zwei Volksstücken der Quartiersmann eine Rolle spielte. In
-„Hamburger Pillen“ von Schindler und Brünner (1870) trat bei Karl
-Schultze der 80jährige Quartiersmann Peter Bostelmann auf (Gaedertz II.
-173 f.) und auf derselben Bühne im Jahre 1882 ein Quartiersmann Cords
-in Schreyer und Hirschels „Hamburg an der Alster“ (Gaedertz II. 262).</p>
-
-<p>Diese Nachrichten sind dürftig. Es mögen noch einige weitere zu
-finden sein, irgendwie belangreiche aber schwerlich, es sei denn, daß
-Privataufzeichnungen ans Licht kämen.</p>
-
-<p class="mtop2">Wie und zu welcher Zeit haben wir uns nun das Entstehen des ersten
-„Quartiers“ zu denken? Nach meiner Ansicht dürfen wir uns das ohne
-irgendwelche Anknüpfung an eine schon vorhanden gewesene Organisation
-vorstellen. Wie so manches im kaufmännischen Betriebe sich auf
-leisen Anstoß entwickelt, wenn die Zeit dafür da ist, so auch hier.
-Ein paar unternehmende tüchtige Arbeiter haben sich zunächst einmal
-zusammengetan, um auf Empfehlungen gestützt und auf ihr ehrliches
-Gesicht hin den Versuch zu machen, solche Kunden zu gewinnen, für die
-sich die Anstellung eigener Hausküper und Speicherleute nicht lohnte.<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span>
-Als sich gute Erfolge ergaben, haben sie allmählich Nachahmer gefunden.
-Ähnlich so ging es im sechzehnten Jahrhundert mit der Einführung des
-Maklergewerbes in Hamburg (Ehrenberg 313, 317) und in neuerer Zeit
-beim Stande der Warenagenten. In den vierziger Jahren des neunzehnten
-Jahrhunderts mußte man einen solchen mit der Laterne suchen. Und jetzt?
-Wie Sand am Meer sind sie zu finden! Abgesehen davon, daß die Umsätze
-früher weit kleiner waren, besaß jeder Kaufmann für Bezüge von auswärts
-oder Abladungen dahin seine festen Verbindungen, mit denen auch häufig
-für gemeinschaftliche Rechnung oder in Form von Aussendung auf eigene
-Gefahr gearbeitet wurde. Eines Vermittlers bedurfte man also nicht.
-Als die ersten schüchternen Versuche gemacht wurden, sich solcher zu
-bedienen, sahen die altbegründeten Firmen das beinahe als unlauteren
-Wettbewerb an. Ähnlich so werden anfangs die großen Kaufherrn mit
-eingeübtem Personal sich durchaus nicht angenehm berührt gefunden
-haben, als kleine neue Häuser in den „Packern“ eine Stütze fanden und
-ihnen nun oftmals durch Wettbewerb, wie sie ihn früher nicht gekannt
-hatten, das Leben sauer machten.</p>
-
-<p>Wann aber dürfen wir die Entstehung des ersten Quartiers annehmen? Ich
-glaube der Antwort ziemlich nahe gekommen zu sein. In den Hamburger
-Kämmereirechnungen vom Jahre 1508 heißt es (Koppmann V. 66), daß für
-Erwerb des Bürgerrechts u.&nbsp;a. eingegangen seien 46&nbsp;<img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 6&nbsp;<i>ß</i> <span class="antiqua">de 39
-packers</span> (richtig müßte es lauten: 46&nbsp;<img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 16&nbsp;<i>ß</i>,
-da der Satz 1&nbsp;<img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 4&nbsp;<i>ß</i>
-der Kopf war). Koppmann vermutet, wohl mit Recht, daß Packer bis dahin
-überhaupt nicht Bürger zu werden brauchten, aber 1508 sämtlich auf
-einmal hierzu veranlaßt wurden (VII. S. XLVI.). Da in einem Vertrage
-von 1693 die Quartiersleute sich als „Compagnions-Packer“ bezeichnen,
-so ist bestimmt anzunehmen, daß die „Packer“ von 1508 ihre Vorläufer
-waren. Vielleicht legte man diesen den Zwang des Bürgerwerdens auf,
-um unliebsame Elemente fernzuhalten, wie aus ähnlichem Grunde die
-Hausküper und Quartiersleute später darauf bestanden<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span> haben, daß
-die Lüd’ von de Eck Hamburger Bürger sein mußten. Außerdem erfuhr
-möglicherweise das Institut der Packer grade um jene Zeit eine starke
-Ausdehnung, da infolge eines Krieges zwischen Lübeck und Dänemark „der
-Sunt geschlossen und die Ostsehe ganz unsicher war, daz die Hollender,
-Brabanter und andere nationes mit iren gutern gen Hamburg kamen; und
-hat auf das mal die stat an kaufmanschaft sich merklich gebessert und
-vermeret“ (Tratziger 252, vergl auch Lappenberg 294).</p>
-
-<p>Wenn wir annehmen dürfen, die einzelne Genossenschaft der Packer habe
-schon 1508 aus vier Teilhabern bestanden, so wären damals bereits
-zehn Quartiere vorhanden gewesen: bei dem Umfange der Unternehmungen
-immerhin eine stattliche Zahl. Ohne Zweifel sind sie ganz allmählich
-entstanden. Wir irren vielleicht nicht, wenn wir die erste Gründung
-in das vierzehnte Jahrhundert setzen, wo infolge der großartig
-entwickelten Bierausfuhr sich hier in immer steigender Anzahl solche
-Geschäftsleute eingefunden haben mögen, die mit den rückkehrenden
-Schiffen Waren aller Art bezogen, deren Vertrieb ihnen die Packer
-ermöglichten. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Quartiere können
-wir uns dann etwa so denken, daß der „Baas“, der ihnen den Namen gab,
-auch die Kontrakte entwarf und die Rechnung führte, ein „Scholer“ war,
-während seine „Konsorten“ sich aus ehemaligen „Knechten“ des Kaufmanns
-rekrutierten. In späterer Zeit mögen sich häufig Küper zu ihnen
-gesellt haben, als dies Gewerbe infolge Sinkens des Brauereibetriebes
-zurückging.</p>
-
-<p>Übrigens sind auch Träger und Kohlenträger um die Wende des 16.
-Jahrhunderts veranlaßt worden, sämtlich auf einmal das Bürgerrecht zu
-erwerben (Koppmann IV. 343, 373), nur daß man diese zu ermäßigtem Satz
-zuließ. Vermutlich war ihr Verdienst ein weit geringerer als der der
-Packer (Koppmann VII. S. XLVI.).</p>
-
-<p>In späteren Nachrichten ist, soviel mir bekannt, nichts über die
-Packer zu finden. Nur werden unter den zwischen 1591 und 1602
-in Hamburg eingewanderten niederländischen Reformierten<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> vier
-Packer, <span class="antiqua">Paqueurs</span>, mit Namen aufgeführt, sowie fünf weitere
-<span class="antiqua">Paqueurs</span>, die sich gleichzeitig in Stade niederließen (Mitt. 6.
-Jahrgang 35, 38).</p>
-
-<p>Der älteste Kontrakt der Quartiersleute, der bis jetzt ans Tageslicht
-gekommen ist, findet sich Mitt. VI. 306 f. vollständig abgedruckt.
-Datiert vom Jahre 1693, stellt er die gemeinsame Tätigkeit der
-betreffenden Compagnions-Packer sowie die Tragung der Unkosten und
-den Anteil am Gewinn zu gleichen Teilen fest und ist sozusagen
-als auf ewige Zeiten geschlossen gedacht, da genaue Verabredungen
-getroffen sind, um vorzugsweise immer Familienmitglieder anstelle etwa
-Ausscheidender aufzunehmen. Ein anderer solcher Vertrag von 1716 ist
-auszugsweise Mitt. V. 488 f. wiedergegeben, ein dritter, von 1750,
-vollständig Mitt. XI. 151. Ein vierter endlich, von 1720, wurde im
-„Hamburgischen Correspondenten“ vom 17. März 1907 veröffentlicht und
-ist hier im Anhang nach der Urschrift wieder abgedruckt. Ähnliche
-Verabredungen für die Bedingungen bei Aufnahme neuer Mitglieder
-usw., wie darin zu finden, enthalten auch die anderen Kontrakte.
-Aus demjenigen von 1750 interessieren die Bestimmungen, daß einer
-der vier Maaten, der eine Ware veruntreuen würde, in schwere Strafe
-verfallen solle, und daß derjenige, der im Fall eines Streites unter
-den Teilhabern den ersten Schlag tun würde, einen Reichstaler an das
-Quartier entrichten müsse; verstände er sich hierzu nicht gutwillig, so
-sei ein Speziesdukaten (9,60 M.) „am Waysenhauß“ zu zahlen. Im Vertrage
-von 1716 wird für den Fall von Unstimmigkeiten angeordnet, daß notfalls
-zwei oder drei unparteiische Kaufleute als Schiedsrichter anzurufen
-sind, deren Ausspruch bei Vermeidung einer Strafe zu befolgen ist.</p>
-
-<p>Selbst wenn meine Meinung nicht berechtigt wäre, daß wir die „Packer“
-des Jahres 1508 als Vorläufer der „Compagnions-Packer“ von 1693
-anzusehen haben, darf doch wohl jedenfalls als feststehend betrachtet
-werden, daß zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts das Institut der
-Quartiersleute kein<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> neues mehr war. Auf ein Alter von mindestens
-dreihundert Jahren kann es also zweifellos zurückblicken. Genaues wird
-sich nicht ermitteln lassen, sicher ist aber, daß in dieser langen
-Zeit nirgends eine Andeutung zu finden ist, wonach das Vertrauen
-zwischen Kaufherr und Packer je gelitten hätte. Dem Bibliothekar
-unserer Kommerzbibliothek, Herrn <span class="antiqua">Dr.</span> Ernst Baasch, verdanke
-ich die Mitteilung, er habe bis etwa 1815 bei Durcharbeitung der
-Akten unserer Kommerzdeputation Überhaupt keinen einzigen Fall
-entdeckt, wo Streitigkeiten oder Schwierigkeiten zwischen Kaufmann und
-Quartiersleuten erwähnt würden, während von anderen Hülfsarbeitern des
-Handels, z.&nbsp;B. den Litzenbrüdern (einer Art Transportvermittler), recht
-häufig aus solchem Anlaß die Rede sei. Gewiß ein glänzendes Zeugnis für
-alle Beteiligten. Das angenehme Verhältnis, das stets zwischen Kaufmann
-und Quartiersmann herrschte, wird übrigens auch dadurch gekennzeichnet,
-daß die Söhne des letzteren auch bei Firmen allerersten Ranges auf
-Wunsch sehr gern Stellung als Lehrlinge erhielten. Der junge Mann
-erwarb sich auf diese Weise manche Kenntnisse, die ihm beim Eintritt
-ins „Quartier“ seines Vaters später von großem Nutzen sein konnten.
-Auch dem Kaufmann konnte es im übrigen nur dienlich sein, wenn unter
-seinen Arbeitsübernehmern sich einer befand, der durch Einblick in den
-Gang des Geschäfts und die mancherlei Schwierigkeiten, die dabei zu
-Überwinden waren, die Befähigung erlangt hatte, sich über die peinliche
-Genauigkeit klar zu werden, die in jeder Hinsicht beobachtet werden
-mußte.</p>
-
-<p>Der Name Quartiersleute (statt Packer, wie es in dem alten Kontrakte
-heißt) scheint zuerst im Anfange des 18. Jahrh. in Gebrauch gekommen
-zu sein. Man findet ihn im „Patriot“ No. 9 vom 2. März 1724 S. 4 und
-in No. 40 vom 5. Oktober 1724 S. 3. Mit der Zahl der Teilhaber, wie
-Schütze meint und andere von ihm abschrieben, hat die Benennung wohl
-nichts zu tun, denn Quartier bedeutet nicht vier sondern Viertel. Es
-ist anzunehmen, daß ihr Geschäftslokal („da wir unser Quartier haben“)
-den ersten Anlaß gegeben hat, nachdem sich hieraus<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> die Bedeutung
-eines Anteils an ihrer Genossenschaft entwickelt hatte („sein Quartier
-verkaufen“, „in oder auf das Quartier heiraten“). Man vergleiche den
-Kontrakt S. 51 f. (Ob man nebenbei an die Zahl vier gedacht hat, mag
-dahingestellt bleiben. S. auch Goedel, Quickbornbuch 9, S. 68.)</p>
-
-<p class="mtop2">Das Hauptarbeitsgebiet der Quartiersleute lag innerhalb der
-Speicherräume ihrer Kunden. Nur ausnahmsweise konnte man ihre Leute bei
-Transporten von Waren in den Straßen antreffen. Für Bestellungen suchte
-man sie in ihrem Quartier auf. Fand man dessen Tür verschlossen, so
-sah man auf der schwarzen Tafel, die daneben hing und in einer kleinen
-Lade Schwamm und Kreide barg, vielleicht die tröstliche Versicherung,
-„Gleich wieder“ oder „10 Uhr wieder hier“ oder sonst die Angabe der
-Arbeitsstelle, wo sie beschäftigt waren. (Das hieß dann: „<em class="gesperrt">He het
-sick naschreben</em>“). Nicht immer hatte man die Gewißheit, sie dort
-noch anzufinden. War man nach Jakobsens Speicher, dritter Boden,
-hinaufgeklettert, so wurde man vielleicht nach dem vierten Boden
-einer anderen Stelle weiter verwiesen, wenn nicht gar nach der großen
-Elbstraße in Altona. Hier hatten sie regelmäßig zu tun, weil in den
-Speichern an der Elbe große Läger, vor allem von Kaffee, zu bearbeiten
-waren, die sich behufs Ersparung des Hamburger Eingangszolles von &frac12;
-v.&nbsp;H. dahin gezogen hatten. Ihre Gerätschaften, besonders Länge und
-Markputt, bewahrten sie in bestimmten Wirtschaften der Vorstadt St.
-Pauli und Altonas auf, in denen sie sich dann früh morgens einstellten,
-um auf einer großen schwarzen Tafel zu verzeichnen, wo sie zunächst
-bei der Arbeit zu finden sein würden. Verließen sie diese Stelle,
-so fanden die Fuhrleute der Eisenbahn und die Ewerführer dort neuen
-Nachweis. Hier besonders gingen sie nur unter ihrem „<em class="gesperrt">Ökelnamen</em>“,
-die jeder kennen mußte, der nach ihnen herumfragte. Zum ausführlichen
-Verzeichnis derselben, das ich am Schlusse gebe, bemerke ich,
-daß diese Beinamen nicht als Spott aufgefaßt wurden, sondern als
-gutmütige Scherze, die niemand übelnehmen<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> konnte und die schließlich
-haften geblieben waren. Ihre Entstehung ist nur in wenigen Fällen
-nachzuweisen. <em class="gesperrt">De Blauen</em> hieß ein Quartier, das viel mit Indigo
-zu tun hatte. <em class="gesperrt">Böhnhasen</em> sind unzünftige Handwerker oder Leute,
-die in unberechtigter Weise Geschäfte betreiben (Rüdiger in „Hamburg
-vor 200 Jahren“ 223 f., Korr. Bl. 23, 88). <em class="gesperrt">Dacklüünken</em> war
-der Spitzname eines Quartiers, das ursprünglich auf dem höchsten
-Boden eines Speichers gehaust hatte (Lüünk = Sperling). <em class="gesperrt">Dunkis</em>
-hießen Rabeler u. Kons., weil sie als die ersten den Versuch gemacht
-hatten, Waren mittels einer Dampfwinde (Donkeymaschine) aus der
-Schute in die Speicherböden zu heben, <em class="gesperrt">Eseltreckers</em> ein anderes
-Quartier, dessen frühere Inhaber vor vielleicht 60 oder 80 Jahren
-ein störrisches Grautier für die Kinder eines der ihrigen durch ganz
-Altona bis nach Övelgönne gezerrt hatten. <em class="gesperrt">Finnkiekers</em> sind
-Untersucher von Schweinen. <em class="gesperrt">Gnaddrig</em> bedeutet verdrießlich. <em class="gesperrt">De
-Kaffeebrenners</em> pflegten gegen Entlohnung für große Krämer wie
-Conrad Warnke und Adolph Wilmans vor deren Hause in der Steinstraße
-oder auch bei der nahen Jakobikirche in großen langen Trommeln Kaffee
-auf Holzkohlenfeuer zu rösten. <em class="gesperrt">Krindlers</em> wurde ein Quartier
-genannt, weil die Inhaber in ihrer Knabenzeit bei der Kurrende
-mitgewirkt hatten, die noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in
-unseren Gassen Choräle vortrug; ihre Mitglieder hießen im Volksmunde
-Krintenjungs oder Krindlers. (Heckscher 32 f.) <em class="gesperrt">De Sackneihers</em>
-wurden auch <em class="gesperrt">Sackjuden</em> genannt, da sie mit Jute und Säcken zu
-tun hatten und nebenbei Sackleihgeschäft betrieben. <em class="gesperrt">Tünbüdel</em>
-ist gleichbedeutend mit Drähnbartel. (Korr. Bl. 28, 73.) Die
-<em class="gesperrt">Wullkosaken</em> arbeiteten für Kaufleute, die Wolle in großen Ballen
-aus Mecklenburg erhielten. <em class="gesperrt">Wolkenschubers</em> dürfte ähnlich zu
-deuten sein wie Dacklüünken. Mit <em class="gesperrt">Wullmüs’</em> wurden ursprünglich
-die Fabrikmädchen bezeichnet, die auf den Speicherböden mit Aussuchen
-und Reinigen von Waren sich beschäftigten. (Korr. Bl. 23, 88.) Ein Klub
-von Baumwollarbeitern nennt sich „Wullmüs’ von 1910“. Einige weitere
-Erklärungen findet<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> man in Anl. II. Der Ausdruck Ökelname ist übrigens
-alt. Er kommt schon im Jahre 1417 vor (Chroniken der niedersächsischen
-Städte: Lübeck, herausgegeben von Koppmann, III. 368) und will sagen
-Beiname, vom altsächs. <span class="antiqua">ôken</span>, <span class="antiqua">ôkian</span>, mehren, vermehren.</p>
-
-<p>Alles was über die Verantwortlichkeit für Leute und Lager, über
-Behandlung der Waren und Warenkenntnis, über Ausrufe beim Winden, über
-abendlichen Besuch am Kontor usw. oben vom Hausküper gesagt ist, gilt
-genau so für die Quartiersleute. Auch sie pflegten eine bestimmte
-Anzahl von Leuten im festen Wochenlohn zu beschäftigen. Gab es mehr
-Arbeit, als sie damit bewältigen konnten, so waren sie ebenfalls auf
-Lüd’ von de Eck angewiesen, die sie dann als „<em class="gesperrt">Ploog</em>“ (Rotte,
-Schaar) an die betreffende Arbeitsstelle abordneten. Jetzt hat sich
-dies geändert. Ein regelmäßiger Stamm von Lüd’ von de Eck ist nicht
-mehr vorhanden, man muß sich an den Hafenbetriebsverein oder an den
-Arbeitsnachweis der Patriotischen Gesellschaft wenden, wenn Hülfskräfte
-gebraucht werden.</p>
-
-<p>Die frühere Tracht der Quartiersleute, schwarze Jacke mit
-Silberknöpfen, Zylinder und Schurzfell, ist längst abgekommen, ebenso
-wie die Barttracht, die Kinn und Oberlippe frei ließ, „<em class="gesperrt">de Köhm- un
-Beerglitsch</em>“. Dagegen haben sie die alte Gewohnheit durchweg noch
-beibehalten, daß nur einer der Teilhaber mit Namen angeführt und für
-die übrigen die Bezeichnung „und Konsorten“ zugefügt wird. Einzeln hat
-man allerdings schon eine kaufmännische Firma errichtet. Nach meiner
-Meinung sollten es die Quartiersleute bei dem alten Brauch lassen, denn
-sie können mit Recht stolz sein auf eine Art der Bezeichnung, die sich
-seit Jahrhunderten, vielleicht seit mehr als einem halben Jahrtausend
-glänzend bewährt hat. „Konsorten“ hat überhaupt gerade so guten Klang
-wie das andere Fremdwort „Kompagnie“. Wie mir scheinen will, ist diese
-Anregung der ersten Auflage auf guten Boden gefallen, denn nicht selten
-findet man jetzt eine Eintragung „N. N. u. Konsorten“ in den Anzeigen
-des Handelsregisters.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span></p>
-
-<p>Bei Begründung des Freihafenviertels wurde angeregt, für im
-Staatsspeicher eingelagerte Waren auf Wunsch der Eigentümer
-Lagerscheine auszustellen, worauf in Art der englischen <span class="antiqua">dock
-warrants</span> Vorschüsse erhoben werden könnten. Das führte sich zu
-allseitiger Zufriedenheit ein. Es zeugt von dem großen Vertrauen, das
-man den Quartiersleuten zollt, daß auch viele aus ihrer Mitte dazu
-übergehen konnten, ihren Kunden solche Lagerscheine auszufertigen, die
-gleichfalls durch Banken und Bankiers bevorschußt wurden, obwohl keine
-weitere Garantie vorlag als die Unterschrift einer staatlich nicht
-bestätigten Verbindung Einzelner. Voraussetzung ist natürlich, daß die
-Einlagerer über solche Waren, für die sie einen Lagerschein entnommen
-haben, nur gegen dessen Rücklieferung verfügen können. Vor etwa zehn
-Jahren erregte der Fall großes Aufsehen, daß ein Quartiersmann sich
-durch einen langjährigen guten Kunden hatte überreden lassen, von
-einer Partie Waren Ablieferung vorzunehmen, ohne daß der betreffende
-Lagerschein bereits zur Stelle war. Der Kaufmann, den er immer
-als zuverlässig gekannt hatte, war durch Verluste in schlechte
-Verhältnisse geraten und betrog schließlich den Quartiersmann, der
-den Wert der anderweitig bevorschußten Ware ersetzen mußte, um
-sein ganzes Vermögen. Dem Vertrauen, das man den Lagerscheinen der
-Quartiersleute entgegenbringt, hat dieser Vorfall selbstverständlich
-keinen Abbruch getan. Es gibt sogar Leute, die sich schon für Ware im
-Wert von hundert Mark einen Lagerschein ausbitten. Übrigens gewähren
-einige Quartiersmannsfirmen jetzt selber Vorschüsse, wie denn dieser
-Geschäftszweig in neuerer Zeit sich Überhaupt mächtig entwickelt hat.
-Neben Mietsböden und Kontoren für Angestellte im Freihafenbezirk
-besitzt mancher Quartiersmann seinen eignen Speicher in der Zollstadt,
-ausgestattet mit elektrischen Anlagen für Warenbewegung, und betreibt
-ein regelrechtes Lagerungs- und Speditionsgeschäft für seine Kunden.
-Dazu gesellen sich zuweilen besondere Anstalten. Ich hatte Gelegenheit,
-bei den Herren Ockelmann und Konsorten die in vollem Betrieb
-befindlichen, durch<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> vier Lagerböden sich erstreckenden maschinellen
-Einrichtungen zu besichtigen, die für Reinigung verschiedener Waren,
-z.&nbsp;B. Entstielung von Rosinen sowie für Enthülsung von solchen
-Kaffeebohnen bestimmt sind, die aus Mexiko, Guatemala usw. mit den
-Hülsen hier eintreffen, und mußte staunen, in wie sinnreicher Weise
-alles ineinander griff. Ohne Berührung durch Menschenhand befreiten
-Trommeln, Siebe, Saug- und Blasapparate den Kaffee von Steinen, Hülsen
-und Häutchen und lieferten ihn schließlich, nach Größe und Form in
-verschiedene Sorten getrennt, an die Säcke ab. Nur das Auslesen
-schlechter Bohnen bleibt noch langen Reihen von Frauen und Mädchen
-überlassen.</p>
-
-<p>Gleich dem Hausküper wußte der Quartiersmann, so oft es nottat,
-mit großem Selbstbewußtsein für die Interessen seiner Auftraggeber
-einzutreten. Allgemein bekannt ist das hübsche Beispiel, das Borcherdt
-(II. 288 f.) erzählt, wie ein Quartiersmann kurz entschlossen
-selbst ins Inland reist, um einem Käufer, der eine Partie Kaffee
-zu Unrecht bemängelt hat, die Übereinstimmung der Ware mit dem
-Verkaufsmuster zu beweisen. Allerdings fehlt bei Borcherdt der
-besonders charakteristische Zug, daß der Quartiersmann, vom Inhaber der
-betreffenden Firma sehr von oben herab nach seinem Namen und seiner
-Legitimation gefragt, stolz erwidert: „Mein Name? Der hat nichts damit
-zu tun. Ich stehe hier für Johannes Bahl. Für Sie bin ich Johannes
-Bahl. &mdash; Übrigens heiße ich Timmann. (Die Namen sind fingiert.) Und
-nun lassen Sie uns mal den Kaffee ansehen.“ Andere kleine Züge sind
-gut wiedergegeben, besonders die Szene im Eisenbahnschuppen, wo es
-natürlich an Vorrichtungen fehlt, um die Proben aufzuschütten: Timmann
-läßt einen Taler springen und sofort ist aus Fässern und Bohlen ein
-Tisch hergestellt. Als dann alles in Ordnung befunden ist, meint der
-Kaufmann: „Wie kriegen wir nun die Proben wieder in die Säcke hinein?“
-&mdash; „Die Proben? Die gehören den Arbeitsleuten!“ ist Timmanns prompte
-Antwort, wobei er die Bretter umstülpt. (Es war in Hamburg Brauch,<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span>
-daß <em class="gesperrt">Fegels</em> den Arbeitern zukamen.) Schließlich erfolgt die
-Zusicherung, der Betrag der Rechnung werde noch heute beglichen werden,
-worauf Timmann erwidert, für seine Bemühungen und Auslagen möge man
-gefälligst zweihundert Taler beifügen, was denn auch zum Erstaunen von
-Johannes Bahl wirklich geschieht. Und so sehr hat Timmann dem Inländer
-imponiert, daß, als ein anderes Hamburger Haus bei ähnlichem Streitfall
-meldet, man werde die Sache durch Herrn Timmann untersuchen lassen,
-umgehend die Nachricht erfolgt, nach nochmaliger genauer Prüfung finde
-man an der Ware nichts auszusetzen (Vergl. Jünger, 23 f.).</p>
-
-<p>Früher gab es unter einem Teil der Quartiere eine lose Vereinigung,
-die hauptsächlich bezweckte, in der Form einer sogenannten „Totenlade“
-die Beerdigungskosten verstorbener Mitglieder aufzubringen. Da man
-aber unterlassen hatte, ein Kapital als Grundstock einzuschießen, so
-reichte der Taler Sterbegeld schließlich nicht mehr hin und die Sache
-ging ein. So lange sie noch in vollem Betrieb war, pflegte man sich
-einmal im Jahre beim Wirte Lautenberg in der Steinstraße, der über
-einen größeren Saal verfügte, zusammenzufinden, um einen gemütlichen
-Abend &mdash; ohne Damen &mdash; zu verleben. Der Gelegenheitsdichter Volgemann
-lieferte dazu Lieder, in denen die Ökelnamen eine große Rolle spielten.
-Die Sachen haben natürlich nur einen Augenblickswert gehabt. Mir liegt
-ein Tafellied zum 31. Januar 1863 vor, worin es nach der Melodie: „Der
-Papst lebt herrlich in der Welt“ u.&nbsp;a. heißt: „Hier seht nun unsern
-<em class="gesperrt">Bodenstein</em>, der muß stets Alterspräses sein. Er hat die Sache
-angeregt, zu diesem Fest den Grund gelegt. &mdash; &mdash; Un <em class="gesperrt">Grootkaß</em>
-von dat „fiin“ Quarteer, den makt et hüt en Barg Pläseer, denn wenn
-he recht vergnögt will sien, stellt he sick sicher bi uns in.“ Ebenso
-geht es hoch- und plattdeutsch durcheinander in einem Liede zum 4.
-Februar 1865 nach der Melodie: „Ich bin der Doktor Eisenbart“, z.&nbsp;B.
-„Un <em class="gesperrt">Pingel</em> unse ohle Fründ is gern wo sien Konsorten sünd. Wer
-fiif Mal sick een Fro nehm’n kann, dat is förwahr „ein ganzer<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> Mann.“
-&mdash; &mdash; Auch <em class="gesperrt">Voß</em> und <em class="gesperrt">Löding</em> sind zwei Leut’, sie denken an
-die Schlafenszeit. Weil wi jem to „de Möden“ tellt, hebbt se denn Slaap
-hüt afbestellt.“ &mdash; In späteren Jahren hören in diesen Tafelliedern
-die Anspielungen auf Einzelmitglieder und ihre Ökelnamen auf, wie die
-nachfolgenden Proben aus den Volgemannschen Gelegenheitsgedichten
-zeigen, die das Hamburger Staatsarchiv in 13 starken Sammelbänden
-bewahrt und mir freundlichst zur Verfügung stellte.</p>
-
-<p>2. Februar 1878 (Band VIII. 222), Singweise „Wohlauf noch getrunken“
-Vers 2 bis 4: „Quartiersleute haben wohl schwierigen Stand, sie müssen
-empfangen zu Wasser und Land und oft im Geschäft machen bei dem Verkehr
-den Kopf und die Kräfte die Ablief’rung schwer. Wenn auf dem Komptoir
-kaum fertig sie sind, die Arbeit am Speicher mit Eifer beginnt. Dort
-müssen auf’s Winden sie gut sich verstehn und oft dabei selbst sich
-winden und drehn. Die Führer der Ewer, man weiß ja daß sie absichtlich
-Streit suchen beim Arbeiten nie! Trotzdem kann man immer nicht einig
-sich sein: das liegt im Geschäft so Tag aus und Tag ein.“</p>
-
-<p>11. Januar 1879 (IX. 294) Vers 5: „Der Hamburger Quartiersmannsstand
-ist rühmlich weit und breit bekannt. Komptoir und Speicher, Quai und
-Fleth weiß wie er sein Geschäft versteht.“</p>
-
-<p>18. Februar 1882 (IX. 317), Singweise „Was gleicht wohl auf Erden“,
-Vers 2: „Quartiersmann ist kundig, den Kaufmann zu ehren, zu nützen und
-schützen zu Wasser und Land; die Speicher zu füllen, die Speicher zu
-leeren, ist gern er beschäftigt im mühvollen Stand.“</p>
-
-<p>30. Januar 1897 (XIII. 133). Singweise „’Ne ganze kleine Frau“: „Besett
-mit blanke Knöpen von Sülber mannichfach, darin umher sünst löpen
-Konsorten Dag för Dag: stolz drog man de bestellten, as wenn’t en
-Staatskleed wör. Jetzt süht man se man selten un driggt ganz wenig mehr
-de kotte feine Jack, de kotte feine Jack, de kotte feine, feine, feine
-ohl Quarteersmannsjack.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span></p>
-
-<p>Volgemann selbst nennt sich XIII. 48 „alter Haus- und Hofpoet seit
-1848“. Aus den Liedern X. 250 und 251 und XI. 91 scheint hervorzugehen,
-daß 1864 und 1876 Versuche stattfanden, der ersten Vereinigung
-von 1848 festere Formen zu geben, während erst weitere zehn Jahre
-später der noch heute bestehende „Verein Hamburger Quartiersleute
-von 1886“ endgültig gegründet wurde. Am 30. September 1911 feierte
-dieser Verein sein 25jähriges Stiftungsfest durch Festtafel und Ball
-in der „Erholung“. Das Programm, gedruckt bei Carl Griese, enthält
-unter anderen hübschen Zeichnungen von Johs. Ulfert drei, auf denen
-Quartiersleute in alter Tracht dargestellt sind.</p>
-
-<p class="mtop2">Zum Schluß muß ich noch der <em class="gesperrt">Ewerföhrer</em> gedenken. Es scheint
-eigentlich sonderbar, daß man den Mann in der Schute Ewerführer und
-nicht Schutenführer nennt, denn in Hamburg heißt Ewer ein Elbschiff
-mit Verdeck, Mast und Steuer, während den Schuten dies alles fehlt. Es
-sind eben ganz offene Fahrzeuge ohne Kiel, die nur hinten einen kleinen
-verschließbaren Raum haben, <em class="gesperrt">de Plicht</em>, worin Arbeitszeug und
-dergleichen Platz findet, gelegentlich auch vielleicht, was von der
-Ladung abfällt. Da auch die Ewer flachen Boden haben (der Kiel wird
-durch ein „Schwert“ an jeder Seite ersetzt), so läßt sich vielleicht
-annehmen, daß sie früher nicht allein auf der freien Elbe, sondern auch
-für Transporte zwischen Speicher und Seeschiff verwendet wurden, und
-daß man erst allmählich zum offenen Leichter, der Schute, übergegangen
-ist. Die Bezeichnungen Ewer, Schute und Prahm kommen übrigens bereits
-im 14. bis 16. Jahrhundert nebeneinander vor (Koppmann I. S. LXXVII.
-f., VII. S. CXX.). Vom Ewerführer ist im Patriot No. 155 vom 20.
-Dezember 1726 S. 1 die Rede.</p>
-
-<p>Zum Schutz der Ladung der Schuten gegen Regen dienten
-<em class="gesperrt">Persenninge</em>, breite geteerte Segeltuchstreifen mit Holzrollen
-an beiden Enden. Doornkaat meint, der Ausdruck könne vom englischen
-<span class="antiqua">preserving</span> = Schutz stammen (vergl. Korr. Bl. 28 S. 48, 55.
-71). Kleinere Schuten werden <em class="gesperrt">Bollen</em> genannt.<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> Der Eigentümer
-der Schuten heißt <em class="gesperrt">Ewerföhrerbaas</em>. Baas will sagen „Meister“.
-Wenn der Lehrling dem Ewerführer eine Bestellung ausrichtete, etwa:
-„Sie möchten Ihrem Herrn sagen, daß er heute an der Börse vorkommt“,
-so erhielt er zur Antwort: „<em class="gesperrt">Herr &mdash; Herr? &mdash; Ick bün doch keen
-Köter, de ’n Herrn hett! &mdash; Ick will mien’n Baas dat seggn.</em>“ Von
-den Beinamen der Ewerführerbaase hörte ich nur <em class="gesperrt">Baron Sachs</em>
-für Hans Sachs, <em class="gesperrt">Kees’-Dircks</em> für einen Dircks, der für ein
-Geschäft im Grimm häufig Käse fuhr und <em class="gesperrt">Spinn’grieperdircks</em>
-für einen Namensvetter. Dessen Nachfolger im Geschäft, Ahrens, hieß
-<em class="gesperrt">Jägerahrens</em>.</p>
-
-<p>So lange es sich um den Verkehr zwischen dem alten Binnenhafen und den
-Fleetspeichern handelte, <em class="gesperrt">peekten</em> die Ewerführer ihr Fahrzeug
-mittels langer Stangen weiter, indem sie deren eiserne Spitze in den
-Schlamm stemmten und vom Vorderende der Schute, auf deren breitem Rand,
-sich langsam, schiebend, nach hinten bewegten. Deshalb ihr Ökelname:
-„<em class="gesperrt">Slickschuber</em>“. Da sie hierbei die Querleiste des oberen Endes
-der Stange, die <em class="gesperrt">Krück</em>, zwischen Brust und Schulterknochen
-drückten, hießen sie auch <em class="gesperrt">Stakendrücker</em>. Wenn es gerade so
-paßte, zogen sie sich auch wohl mit dem neben der Spitze der Stangen
-befindlichen <em class="gesperrt">Haken</em> an Ringen der Hausmauern und Schuteneisen
-der Brückenwiderlager und Kaimauern entlang oder an Pfählen oder an
-anderen Schiffen. Da ein Steuer fehlte, wurde die Richtung durch die
-Art des Schiebens eingehalten, wie man das noch heute in den Fleeten
-wie auf der Alster gelegentlich beobachten kann. Die Speicherarbeiter
-pflegten dem Ewerführer wohl scherzend zu bemerken: „<em class="gesperrt">Du hest dat
-good. Du kannst di ümmer stütten bi de Arbeit. Un wenn du rüggwarts
-geist, kummst du doch vörruut.</em>“ &mdash; Daß die Sprache der Wasserkante
-ausschließlich Plattdeutsch geblieben ist, sei hier beiläufig erwähnt.
-Im Zusammenhang damit stand es, daß im Verkehr zwischen Arbeitern und
-Vorgesetzten das trauliche du gegenseitig die Regel bildete. Das hat
-jetzt allerdings aufgehört. &mdash; Auf der Alster benutzt der Ewerführer
-zuweilen den Wind<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> zur Erleichterung seiner Arbeit, indem er aus einer
-Stange mit daran befestigter Persenning ein Notsegel herstellt.</p>
-
-<p>Während die älteren Schuten noch aus Holz erbaut sind, ist man jetzt
-zur Eisenkonstruktion und größerer Tragfähigkeit (300 Tons und mehr)
-übergegangen, auch sieht man vielfach „Kastenschuten“ mit abnehmbarem
-Verdeck. Da nun außerdem die Entfernungen wegen der außerordentlichen
-Ausdehnung unserer Hafenanlagen sehr groß geworden sind, und da infolge
-der Tiefe der Freihafenfleetzüge die Stangen oft nicht mehr den Grund
-erreichen würden, so muß der Ewerführer jetzt vielfach Schlepperhülfe
-in Anspruch nehmen. Einzelne Schuten findet man auch schon mit einem
-Motor ausgerüstet.</p>
-
-<p>Wenn der Ewerführer am Speicher angelangt war, wo er Waren holen oder
-abliefern sollte, so rief er den Hausküper oder Quartiersmann an,
-z.&nbsp;B. „<em class="gesperrt">Großmann sien</em>“ (sollte heißen „Großmann sien Lüd’“).
-Der Koptein meldete sich dann an der Luke: „<em class="gesperrt">Wat seggst du?</em>“
-und der Ewerführer teilte sein Gewerbe mit, z.&nbsp;B.: „<em class="gesperrt">Twintig Faten
-aflebern</em>“. Bekannt ist der Scherz, daß der Ewerführer hinaufruft:
-„<em class="gesperrt">Tein Kisten Rabarber innehmen!</em>“ worauf die Antwort erfolgt:
-„<em class="gesperrt">Denn &mdash; geist du dod!</em>“ &mdash; Für die kaufmännischen Firmen,
-mit denen sie zu tun hatten, pflegten die Ewerführer Spitznamen
-und Verdrehungen anzuwenden. Ich teile hier eine Auswahl mit und
-füge eine kleine Anzahl bei, die den Betreffenden von anderer Seite
-angehängt sein mögen, ohne mich dafür zu verbürgen, daß diese Ökelnamen
-regelmäßig zur Anwendung gekommen sind. Es soll also geheißen haben:
-<em class="gesperrt">Andree sien Wickelkind</em> für Andree u. Wilkerling, <em class="gesperrt">Baas
-Püttjerig</em> für F. R. Scharfe (püttjerig = kleinlich), <em class="gesperrt">Biankohn
-klei di</em> (kratz dich) für Biancone, Klee u. Co., <em class="gesperrt">billig un
-slecht</em> für Brock u. Schnars, <em class="gesperrt">bitter wenig un slecht</em> für B.
-Wencke u. Söhne, <em class="gesperrt">Filzlaus</em> für F. Laeisz, <em class="gesperrt">Flotz un Klotz</em>
-für Blohm u. Voß, <em class="gesperrt">Ihde sien Knecht</em> für Sienknecht u. Ihde,
-<em class="gesperrt">Köhm un Beer</em> für Knöhr u. Burchard oder Kruse u. Bleichwehl,
-<em class="gesperrt">links un rechts</em> für Lütgens u. Reimers, <em class="gesperrt">Meier Gebrüder
-Lumpen angroh</em><span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span> für Anton Meier, <em class="gesperrt">Plünnhaufen un Schulze</em>
-für Lappenberg u. Müller, <em class="gesperrt">Muhlaap</em> für H. L. Muhle u. Co.,
-<em class="gesperrt">Püttjer</em> für H. Ahmsetter (Püttjer = Töpfer, Ofensetzer),
-<em class="gesperrt">Sellerie un Purree</em> für Cellier u. Parrau, <em class="gesperrt">tranig un
-ranzig</em> für Tietgens u. Robertson, <em class="gesperrt">wenig un knapp</em> oder
-<em class="gesperrt">Wien un Köhm</em> für Wachsmuth u. Krogmann. Die Kornumstecher
-Bein u. Kruse hießen <em class="gesperrt">Arm un Been</em>. Kornumstecher sind
-Arbeitsübernehmer für sachgemäße Behandlung von Getreide. Die Leute,
-die sie anstellen, erhalten nach beendeter Arbeit <em class="gesperrt">Hockerzettel</em>
-und das Abholen des betreffenden Akkordlohnes wird <em class="gesperrt">Hockern</em>
-genannt. &mdash; Für den Empfangschein, den der Ewerführer erhielt,
-wenn er Waren an Bord abgeliefert hatte, gibt es die Bezeichnung
-„<em class="gesperrt">Reziev</em>“, nach dem ersten Wort der englischen Übernahmezettel:
-<span class="antiqua">received</span>.</p>
-
-<p>In neuerer Zeit haben einzelne Ewerführerbaase angefangen, neben dem
-Schutenbetrieb auch Fuhrwerk zu halten. Früher löschten und luden
-sämtliche Schiffe im Elbstrom, es war also keine Möglichkeit, die
-Waren anders als zu Wasser zu befördern. Seitdem der größere Teil des
-Verkehrs sich an den Kais abspielt, ist es in vielen Fällen geratener,
-den Transport zu Lande vorzunehmen, schon weil die Gefahr einer Havarie
-dann wegfällt. Außerdem sind zwar die Fleete im Freihafenviertel
-tief genug gelegt, daß auch bei niedrigstem Wasserstand Schuten dort
-verkehren können, aber die alten Fleetzüge der inneren Stadt bleiben
-bei anhaltendem Ostwind oft tage- ja wochenlang leer gelaufen und
-vielfach finden die Transporte auch nach Stadtgegenden statt, wo es
-an Fleeten fehlt. &mdash; Das vorn beigegebene Bild nach einer Zeichnung
-von C. Schildt (im Besitz unserer Kunsthalle) die vor 25 Jahren für
-das Prachtwerk „An de Woterkant“ hergestellt wurde, gibt einen guten
-Begriff davon, wie es an einem Hamburger Fleet der Altstadt aussieht.
-Es ist das <em class="gesperrt">Diekstratenlock</em>, von der Steintwietenbrücke aus
-gesehen, d.&nbsp;h. das Fleet zwischen Deichstraße (links) und Rödingsmarkt.
-Eine große Anzahl feiner Beobachtungen sind darauf zu finden: die
-Speicher mit ihren Luken, den Utleggern<span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span> und einem außer Betrieb
-gesetzten Abort, die Ewerführer in ihren Schuten, die <em class="gesperrt">Jolle</em>, die
-sich durchzwängt, der Schatten, den die hoch gestiegene Sonne auf die
-Speicher wirft usw.</p>
-
-<p>Seit 1889 besteht ein Verein der Schutenbesitzer, der 1914 sein
-fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest feierte. Laut „Hamburger Woche“
-vom 7. Mai 1914 zählte er 480 Mitglieder mit 1530 Schuten im Wert von
-sechs Millionen Mark.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="Anlage_1"><span class="left">Anlage 1</span><br />
-
-Quartiersmannskontrakt von 1720</h2>
-
-</div>
-
-<p class="s4 center"><span class="antiqua">Laus Deo Anno 1720</span></p>
-
-<p class="center">Adj. 22. April</p>
-
-<p>Im Nahmen der Heylichen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit, haben wier
-vier als Endes-Benandte Matten, dieses angefangen eigen händig unter
-Zu schreiben nach Laut unßere Vor Väter ihr Verbundtniß, Für uns und
-unßere Nachlaßent Frauens, und Kinder, wo nicht Frau, oder Kinder, für
-die Negsten Bludtsverwandten, oder Erben, in fester Haltung zu bringen,
-Auf daß ein jeder recht wieder fahre, Auch wo nach sich die andern
-Matten Können richten, Gott Gebe uns seinen Seegen, und Einigkeit, daß
-dießes alles Mach waß wier vor schreiben, erfüllet werden möge Amen.</p>
-
-<p>(S. 2) <em class="gesperrt">Erstl.</em> Begiebt es sich daß einer von uns vier Matten so
-unten Benandt sind, sich in etwaß Könne verbessern und zwaar, daß er
-solche schwere Arbeit nicht Thun dürffte, so soll es Ihm frey stehen,
-sein Quartier zu verkauffen, aber an einen solchen Ehrlichen Man, da
-die Matten mit zu frieden sindt, Auch daß er sein, oder die Arbeit thun
-Kan, der selbe der es Kaufft soll denen andern Matten Geben zum ein
-Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum Andern</em>, Solt es sich zu Tragen, daß einer von uns Viern
-solte, bey seiner Täglichen Arbeit zu schaden Kommen,<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span> oder erkriegte,
-oder er würde sonsten von Gott mit Leibes Krankheit beleget, oder Heim
-gesuchet, da uns Gott vor wolle in Gnaden bewahren, oder (S. 3) er
-Könnte von wegen seines Alters nicht mehr Arbeiten, So soll der jenige
-Beschädigte, oder der Kranke, oder der Alte Man, und Matt verpflichtet,
-und schuldig sein, einen Man, oder Taglöhner vor sich zu halten oder
-mit seine drey andre Matten wißen, und willen, sich mit einem Man da
-die Matten mit friedlich sein, Auch der sein Arbeit thun Kan, verdingen
-und auch Lohnen, Biß so lange der Beschädigte oder der Kranke Matt
-wieder zur vorrigen Gesundheit, oder Gott den Alten Man, und Matt im
-Himmel hilfft.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum Dritten</em>, Wan es sich dan Begiebt daß der liebe Gott Einer
-von uns Endes Benandte vier Matten durch den Zeitlichen Todt von Gott
-auß dieser (S. 4) Welt abfodert würde, und es Bliebe Frau, und Kinder
-nach, so soll die Witt Frau ein Gnaden, oder Thrauer Jahr vergönnet
-sein, Sie soll aber wehrendes Thrauer Jahr einen Taglöhner vor sich
-halten, da die Matten mit friedl. sein, Auch der die Arbeit thun
-Kan Auch soll sie verpflichtet sein wehrendes Gnaden Jahr sich alle
-Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den negst vor hergehenden
-Tag, bey, oder da wier unßer Quartier haben ein finden, und den
-Taglöhner Lohnen, die andern Matten sollen aber da zu sehen, daß es der
-Wittwe nicht mit der Lohnung zu schwer wirdt, den Sie müßen von Gottes
-wegen Ihr Bestes suchen, Auch waß in daß Gnaden Jahr Verdienet wirdt
-(S. 5) selbiges soll Ihre vierte <span class="antiqua">Portion</span> von Ihre drey andern
-Matten geliefert, oder zu gestellet werden.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum Vierten</em>, So es Sich begiebt, daß einer von unßre Vier Matten
-so endes Benandt sindt, durch den Zeitlichen Todt von Gott abgefordert
-würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach, Sie als die Wittwe gedachte
-nicht wieder sich im Stande der Heylichen Ehe zu begeben, so soll die
-Witt Frau, ein Gnaden Jahr haben, aber in daß Gnaden Jahr in allen
-Arbeit einen Taglöhner vor sich halten, der vor Ihr arbeitet, und
-den<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> soll sie wie in vorrigen dritten Artikel geschrieben stehet, Am
-Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den Negst vorhergehenden
-Tag, in unßern Quartier da wier zugegen sindt Lohnen, hat aber die
-Wittwe einen Sohn, oder Tochter, den Sie das Quartier über geben, und
-Laßen will, so soll Sie es mit ihre andern Matten Bewilligung thun,
-Auch daß der Sohn Tüchtig sey solche Arbeit zu verrichten, auch daß die
-Matten mit Ihm in allen friedtlich sein, Ihm gleichen wan die Tochter
-in oder auf daß Quartier Heyrathen wolte, so soll Sie einen solchen Man
-Heyrathen da die andern Matten mit zu frieden sein, und der ebenfals
-die Arbeit thun Kan, und der es Kaufft oder der es an Tritt von Sohn,
-oder Tochter Man, soll denen andern Matten geben Zum ein Tritt fünff
-und Siebzig Mark Lübsch.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum Fünfften</em>, So einer von unß vier Matten mit Tode abginge und
-er- (S. 7) ließe eine Wittwe nach, und Sie Lust hat wieder zu Heyrathen
-so soll Sie ein Gnaden oder Thrauer Jahr haben, und daß selbe Jahr
-soll von unß andern Matten, Ihr nicht <span class="antiqua">Dispotiret</span> werden, Allein
-sie soll in daß Gnaden Jahr einen Man halten, der vor Ihr arbeitet
-und den soll Sie wie in dritten Artikel geschrieben stehet, mit Bey
-sein der Matten Lohnen, wan Sie freyet in daß Gnaden Jahr wie den Auch
-geschehen soll, So soll Sie einen Gutten Ehrlichen Man freyen der sein,
-oder die Arbeit thun Kan, Auch daß die andern Matten mit Ihm in allen
-friedlich sein, und nichts auf Ihm zu sagen wißen der Selbe der die
-Wittwe Heyrathet, soll denen andern Matten geben zum ein Tritt fünff
-und Siebzig Mark Lübsch.</p>
-
-<p>(S. 8) <em class="gesperrt">Zum Sechsten</em>, Wan einer von unß vier Matten mit, oder,
-in Tode wäre verblichen, und erließe eine Wittwe, und Kinder nach, die
-Wittwe aber Stürbe in daß von Ihren Matten vergönneten Gnaden Jahr, die
-Kinder aber so danannoch in Lebent und Männiglich erwachsen sindt, und
-solche Ihres Seel. Elters stelle vertretten wollen, und Können, sollen
-von denen andern dreyen Matten nicht von sich, Sondern mit<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> allen
-Ernst und Eyffer, vor allen andern so nach daß Quartier stehen, zu Sie
-gezogen werden, Auch mit vorbeding der dreyen Matten daß ein Jeder
-sein, oder die Arbeit thun Kan, und Sie in allen mit Sie friedl. sein,
-der selbe der es (S. 9) antritt soll denen andern Matten geben zum ein
-Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum Siebenden</em>, Beschließen wier vier Matten, so unten Benandt
-sind unter unß, daß wan einer von uns solte mit Tode abgehen, und
-erließe eine Wittwe allein nach, die Wittwe aber Saß in den genuß des
-Gnaden Jahr, und Stürbe auch, ließ aber Keine Kinder nach, so soll daß
-Quartier nicht die Matten, sondern denen Negsten Erben zu verkauffen zu
-gelaßen werden, Jedoch an einen solchen Man es zu verkauffen mit dero
-Matten Hülff und Willen, der die Arbeit thun Kan, und die Matten mit
-Ihm friedl. sein, derjenige der es Kaufft soll geben zum ein (S. 10)
-Tritt denen andere Matten fünff und siebzig Mark Lübsch.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Zum 8ten</em> Ist von unß vieren als endesbenandte Matten,
-verabredet, und bewilliget worden, daß Keiner von unßern Keller, da
-wier unßer Quartier, liegen, oder in haben, über die Gebürde, des Tages
-soll außbleiben Es sein den eine Noht wendige Sache als Hochzeit gehen,
-gefatter stehen, oder sonsten Begrabnißen bey zu wohnen, Auch wo er in
-seiner Freundschafft etwaß Noth wendiges zu verrichten hat, Solches
-alles soll Ihm erlaubet und frey gegeben werden, Jedoch der Jenige so
-solche Sachen zu verrichten hat, soll Schuldig sein, (S. 11) Seinen
-andern Matten zu sagen, oder Es sagen zu laßen daß wan Arbeit Kömpt Sie
-sich danach richten Können, Begebe es sich aber daß einer, oder der
-andere von unß Vieren so endesbenandt sindt, solte Auß frevel Muth oder
-sonsten seines eigenes gefallen Auß Bliebe, oder sonsten seines eigenes
-Thuns abwarten würde, so soll der selbe, der außen Bleibet und Gaar
-nicht zu rechter Zeit, bey unßern Keller, oder dawier unßer Quartier
-haben Kömmt, Von den Verdienten Lohne nichts zugerechnet werden,
-Sondern zur Straffe, Wo Viel auch verdienet,<span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span> es von denen andern
-Matten Ihm abgezogen werden (S. 12)</p>
-
-<p>Dießes alles haben wir vier Matten unß Belieben Laßen, als eines vor
-allen, und alle vor einen, zur festen Haltung, mit Gottes willen,
-eigenhändig untergeschrieben.</p>
-
-<p><span class="antiqua">I E</span> &emsp;Josias Ehlers<br />
-<span class="mleft4">Johann Köster</span><br />
-<span class="mleft4">Jochim Zingelmann</span><br />
-<span class="mleft3">Jochim <span class="antiqua">I F V</span> Friedrich Vormerling sein eigenes gezogenes
-M&nbsp;<img class="h1em" src="images/symbol.jpg" alt="Symbol" /></span><br />
-</p>
-
-<p>Jochim Dürkop. Hanß Gollehr. Jürgen Jochim Fick (S. 13). Franß Jochim
-Hauschild. Jochim Sebastian Graumann. Hanß Jacob Wulf. Unleserlich
-gemachter Name mit der Bemerkung: <em class="gesperrt">Ist ein Schelm geworden.</em>
-Christoffer Hocker. Hanß Peter Grewe. Claas Hoops. Hinrich Döscher.
-Hanß Jacob Höltig. Georg Christoph Sievers. Johann Jacob Haberland.
-Alexander Barthold von Gevern Todt 1847. Johan Schulenburg. Wilhelm
-Ludewig Kähler (S. 14). Gottfried Hinrich Andreas Gätgens. Gerlieb
-Conrad Casper Roggeman, gest 6 Jan 1851. Hans Friederich Philipp
-Albers, gest 11 Juni 1847. Johann Christoph Heinrich Pfeiffer. Johann
-Rudolph Gätgens <span class="antiqua">Ano.</span> 1843. Heinrich Martin Ferdinand Bötger
-1846. Peter Alexander Heinrich Lange 1848. gest 1854. Carl Georg
-Heinrich Ockelmann 1852. Johann Christian Theodor Sötebehr 1858. C.
-W. Heinrich Ockelmann 1876. J. H. F. Beuck 1879. A. C. H. Muhly 1883.
-Eduard L. A. Ockelmann 1883. Theodor C. W. Ockelmann 1891.</p>
-
-<p class="mtop2">Vorstehender Kontrakt der Firma Ockelmann und Konsorten, zuerst
-veröffentlicht im Hamb. Correspondent vom 17. März 1907, ist
-genau nach der Urschrift abgedruckt. Er findet sich in einem
-Kleinquart-Schreibheft von 16 Seiten, wovon die ersten zwei
-unbeschrieben. Die meisten Namen sind durchstrichen, mit der Beifügung
-„thodt“.</p>
-
-<p>„Matten“ gleich Genossen (Maat).</p>
-
-<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Anlage_2"><span class="left">Anlage 2</span><br />
-
-<span class="s5">Abdruck des Folioblattes:</span><br />
-Hamburger Quartiersleute</h2>
-
-</div>
-
-<p>Ein Stück echt hamburgischen Gewerbes, das nicht nur seinen uralten
-Charakter, seine ererbten Sitten, seine sprüchwörtlich gewordene
-Ehrlichkeit und Treue, sondern auch seine äußere Erscheinung, der
-wechselnden Mode zum Trotz, bis auf den heutigen Tag beibehalten hat,
-bilden die Hamburger Quartiersleute.</p>
-
-<p>In schwarzer Tuchjacke mit massiven silbernen Knöpfen und rindsledernem
-Schurzfell repräsentieren sie immer noch den althamburgischen,
-wohlbewährten und zuverlässigen Arbeiter, dem der Kaufmann sein Hab und
-Gut, soweit dasselbe in Waren und Kaufmannsgütern besteht, unbesorgt
-anvertraut, in der unzweifelhaften Überzeugung, daß sein Interesse
-und sein Vorteil, in welcher Beziehung es auch immer sei, in gute und
-sachkundige Hände niedergelegt ist.</p>
-
-<p>Die Quartiersleute verdanken ihren Namen dem Umstande, daß gewöhnlich
-vier derselben ein Konsortium bilden, das gemeinschaftlich eine
-kleinere oder größere Zahl von Kaufleuten zur festen Kundschaft hat,
-deren Speicherarbeiten sie selbst und erforderlichen Falls unter
-Beihilfe von Arbeitsleuten, den sogenannten Eckenstehern, verrichten.</p>
-
-<p>Der Kaufmann, der eine Partie oder eine Ladung irgend welcher Güter
-empfängt, überläßt es seinen Quartiersleuten, dieselben von der Schute
-aus, vom Lastwagen, von der Eisenbahn, oder mit welchem Transportmittel
-sie sonst geliefert werden, ab und in seinen Speicher aufzunehmen.
-Doch nicht allein der Transport, die Lagerung und Ablieferung liegt
-dem Quartiersmann ob, beim Empfang hat er sich von der Richtigkeit
-der Marken und Nummern der Colli zu Überzeugen, das Gewicht derselben
-festzustellen, den Zustand der Emballage und den Inhalt jedes einzelnen
-Gegenstandes zu prüfen und eventuell stattgefundene Ramponagen und
-Beschädigungen zu<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> konstatieren. Über alle diese einzelnen Punkte hat
-er ein genaues, gewissenhaft aufgenommenes Register zu führen und
-dem betreffenden Kaufmann aufzugeben. Bei Einkäufen und Empfangnahme
-von Waren muß er Proben beurteilen und mit der Ware vergleichen, bei
-der Ablieferung hat er ebenso genau und gewissenhaft den Abgang zu
-registrieren. Umpacken, Sortieren der beschädigten Teile von den guten
-sind alles ihm obliegende Aufgaben; in den Speichern und Warenlägern
-überhaupt ist er die rechte Hand des Kaufherrn, der, auf seine
-Zuverlässigkeit und Fachkenntnis bauend, ihn in allen einschlägigen
-Angelegenheiten schalten und walten läßt, wie er es am angemessensten
-findet.</p>
-
-<p>Der Quartiersmannsdienst ist in den weitaus meisten Fällen ein
-einträglicher und wird es auch noch lange bleiben, weil, wenn auch
-neuere Unternehmungen für billige Preise arbeiten, die Kaufmannschaft
-nicht wegen einer Ersparung am Lohne weniger fachkundigen und
-vertrauenswerten Händen die von den Quartiersleuten und ihren Arbeitern
-vollführten Arbeiten überlassen wird. Ein Quartiersmannsdienst ist
-ein wertvoller Besitz, der sich vom Vater auf den Sohn, oder auf die
-Familie vererbt, die denselben, wenn sie ihn nicht durch einen ihrer
-Angehörigen fortführen kann oder will, oftmals für eine beträchtliche
-Summe, die die Höhe von Tausenden Marken erreicht, einem Dritten
-überläßt, der dann in alle Rechte des früheren Besitzers eintritt, wozu
-aber die Zustimmung der übrigen Teilhaber des Quartiers erforderlich
-ist, da ihre gemeinsame Ehre und ihr gemeinschaftliches Interesse bei
-der Gewinnung eines ebenso tüchtigen als ehrenwerten neuen Konsorten in
-Frage kommt.</p>
-
-<p>Viele dieser Leute haben sich im Laufe der Zeit ein Vermögen erworben,
-das sie wohl befähigen würde, in glänzender Stellung ein bequemes Leben
-zu führen, was jedoch sehr wenige benutzen, da ein echter ergrauter
-Quartiersmann viel zu sehr an rastlose Tätigkeit und den Umgang mit dem
-Arbeiterstande, dem er entstammt und dem er lange Jahre seines Lebens
-angehört hat,<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> gewöhnt ist, um sich in seinen alten Tagen auf die faule
-Bärenhaut zu legen.</p>
-
-<p>Mit seinem Schurzfell und seiner Jacke kommt er ebensowohl zu seiner
-Arbeit, auf seinen Speicher als auf das Comptoir seines Kaufherrn
-oder in die Börse. Überall wird er mit gleicher Achtung, mit gleichem
-Ansehen gern gesehen und willkommen geheißen, sein biederes, schlichtes
-Wesen verschafft ihm überall gleichen freundlichen Empfang, der durch
-das gewöhnlich bei ihm vorhandene oder doch vorausgesetzte Vermögen
-umsomehr an Herzlichkeit gewinnt, als der Hamburger den materiellen
-Besitz als den Hauptgrundstein zur Menschenwürde zu betrachten geneigt
-ist.</p>
-
-<p>Wie der Volkswitz überall den niederen Ständen, ist er auch in Hamburg
-ganz besonders dem Arbeiterstande eigen und der Hamburger Volkswitz
-versäumt nicht, jede Sache oder jede Person, mit der er in Berührung
-kommt, mit einem mehr oder minder zutreffenden, jedenfalls aber
-drastischen Namen zu bezeichnen. So haben denn auch die Quartiersleute
-dem Schicksal nicht entgehen können, ihre „Ökelnamen“ zu erhalten, die,
-obgleich in mancher Weise nicht mehr zutreffend, sich von Generation
-auf Generation vererbt haben und so populär sind, daß kaum ein
-Arbeitsmann oder ein Ewerführertagelöhner ein Quartier zu finden wüßte,
-wenn es bei dem Namen seines ältesten Inhabers, wie dies im Adreßbuch
-gebräuchlich, nicht aber bei seinem sogenannten „Ökelnamen“ genannt
-wurde.</p>
-
-<p>Kein Hamburger, der mit den Quartiersleuten mehrfach zu tun hat, wird
-im Zweifel sein, wen wir meinen, wenn wir hier eine Reihe von Namen
-nennen, die nirgendwo als offizielle aufgeführt sind und dennoch jeder
-Einzelne ein Quartier bezeichnet.</p>
-
-<p>Da sind zuerst die „Krindlers“, deren Hauptinhaber bei der
-Schillerfeier und der Märzfeier ebenso wie bei den Sammlungen für die
-Notleidenden in Ostpreußen die Leitung übernahm und überall mit gutem
-Beispiel voranging und der deshalb<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> auch stillschweigend als der Senior
-des löblichen Gewerbes anerkannt worden ist.</p>
-
-<p>Ein anderes Quartier, früher „Melkers“ genannt, hat sich geteilt und
-demgemäß die Namen „Rohmmelkers“ und „Watermelkers“ oder „Zegenmelkers“
-erhalten. „Smökers“, „Puttlüd“, „Schosters“, „Stohlmakers“,
-„Höhnerplückers“, „Korfmakers“, „Kaffeebrenners“, „Fielers“,
-„Wustmakers“, „Kugelers“, „Wullkosacken“, „Theebuurn“, „Krahnlüüd“,
-„Kutschers“, „Slachters“, „Jägers“, „Plackenhauers“, „Nadelmakers“,
-„Solospeelers“, „Bültenhauers“, „Wullmüüs“ und „Sackneiers“ sind
-Namen, die entweder in der früheren Beschäftigung ihrer Träger,
-oder in dem Artikel, worin die mit diesem Namen benannten Quartiere
-vorzugsweise arbeiten, ihre Begründung finden mögen. Weniger harmlos
-sind Namen wie „Höllenjägers“, „Thünbüdels“, „de Trübsinnigen“, „de
-Möden“, „de Duhnsupen“, „de Heiligen“, „Grotsnuten“, „Doodsmieters“,
-„Minschenschinners“, „Lüttsnuten“, „Barmherzigen“ usw. Dem Tierreich
-entlehnt sind die Bezeichnungen „Wanzen“, von denen es gar zweierlei
-gibt, die „Dacklünken“, „Witten Hunn“, „Wilden-Swien“, „Löwen“,
-„Swienhunn“, „de Hasen“ (wovon übrigens sich alle bis auf einen schon
-verlaufen haben), „Bunten Höhner“, „de Bück“, „Eseltreckers“, „Imm“
-(Bienen), „Müüs“ oder „Rotten“, „Luus un Floh“, „de Kreihers“ (Kräher)
-und „de vierspännigen Ratten“.</p>
-
-<p>Der Körperbeschaffenheit, resp. dem Aussehen ihres Gesichts verdankten
-ihre Namen die „Magern“, „de Veerkantigen“, „de lütten Roden“, „Söte
-Jungs“, „de Fienen“, „de Scheeben un Graden“, „Veilchenblauen“, „dat
-Armenspann“, „de scheeben Hamborgers“, „Scheef un Liek“ u.&nbsp;a.&nbsp;m. &mdash;
-„Franzosen“, „de Engelschen“, „Möhlenbrückers“, „Coldorpers“, „Bayern“,
-„Hollanders“, „dat Judenspann“, „Harborgers“ un „de drögen Franzosen“
-bezeichnen diejenigen, welche vorzugsweise mit dieser Nation zu tun
-haben; das „Dreespann“ fährt stets zu dreien, die „Manchestern“ sind an
-ihren Hosen von diesem Stoff und „Spring um Stender“ ihrer Gewandtheit
-wegen<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> kenntlich. „Nagelbüdel und Consorten“, „Seelenkinners“ und
-„Schultenhöbers“ Namensursprung mag schwer zu entziffern sein, womit
-wir denn die Liste schließen wollen, ohne die „Schimmels“ zu vergessen,
-deren weißhaariges Oberhaupt seinem Quartier diesen Namen eingetragen
-hat.</p>
-
-<p class="center">Von <span class="antiqua">J. D. J. Pingel Senior</span> 1880.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="Anlage_3"><span class="left">Anlage 3</span><br />
-
-Ökelnamen der Hamburger Quartiersleute</h2>
-
-</div>
-
-<p><em class="gesperrt">Dat Armenspann</em> (Bodenstein u. Consorten), <em class="gesperrt">De Baiern</em>
-(Lührs u. Cons.), <em class="gesperrt">De Blickern</em> (Wilkerling u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De-Botterbuern</em> (Siemers u. Röpke), <em class="gesperrt">De Brummers</em> (Niemann
-u. Cons.), <em class="gesperrt">De Bück</em> (Burmeister u. Cons.), <em class="gesperrt">De engelschen
-Bück</em> (Trier u. Cons.), <em class="gesperrt">De Bullenmelkers</em> (Kruse u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Buntbüxen</em> (L. Hecht u. Cons.), <em class="gesperrt">De Coldorpers</em> (Hinrichs
-u. Cons., Weiscke u. Cons.), <em class="gesperrt">De Dacklüünken</em> (Spellerberg u.
-Cons.), <em class="gesperrt">De Dodtsmieters</em> (Thiel u. Cons, Suhr u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Engelschen</em> (H. Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Eseltreckers</em> (Dreyer
-u. Cons., Hoppe u. Cons.), <em class="gesperrt">De Fienen</em> (Grotkaß u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Finnenkiekers</em> (Neddermann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Franzosen</em> (Kleen u.
-Cons.), <em class="gesperrt">De Graden</em> (Bargstädt u. Cons.), <em class="gesperrt">De Gröhlmöllers</em>
-(Möller u. Cons.), <em class="gesperrt">De Grotsnuten</em> (Schwarze u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-scheewen Hamborger</em> (Pohlmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Harborgers</em>
-(Albrecht u. Cons.), <em class="gesperrt">De Hasen</em> (Reinstorf u. Voß), <em class="gesperrt">De ohlen
-Hasen</em> (Kesler u. Cons.), <em class="gesperrt">De Heiligen</em> (Stöver u. Lembcke),
-<em class="gesperrt">De bunten Höhner</em> (Groth u. Cons.), <em class="gesperrt">De Höhnerplückers</em>
-(Brandt u. Cons.), <em class="gesperrt">De Hollanders</em> (Helmers u. Cons.), <em class="gesperrt">De finen
-Hollanders</em> (Lüders u. Cons.), <em class="gesperrt">De witten Hunn</em> (Escherich u.
-Cons., Parbs u. Cons.), <em class="gesperrt">De Jägers</em> (Rehse u. Cons.), <em class="gesperrt">De Isern
-Arm</em> (Daniel Jessen), <em class="gesperrt">Dat Judenspann</em> (Ascher u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Kaffebrenners</em><span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> (Lienau u. Cons., Gädgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Knupprigen</em> (Glimann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Korfmakers</em> (Denker u.
-Cons., H. W. Meyer u. Cons.), <em class="gesperrt">De Krahnlüd’</em> (Quitzau u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Krahntreckers</em> (Bodenborg u. Cons.), <em class="gesperrt">De Kreihers</em>
-(Jürgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Krindlers</em> (Willers u. Cons., Petersen
-u. Pingel), <em class="gesperrt">De Kugelers</em> (Fesefeld u. Cons.), <em class="gesperrt">De Kulers</em>
-(Heeger u. Klindworth), <em class="gesperrt">De Kutschers</em> (Meiners u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Löwen</em> (Schultze u. Cons.), <em class="gesperrt">De Lüttsnuten</em> (Krohn
-u. Schröder), <em class="gesperrt">Luus und Floh</em> (Volmer u. Cons., D. Hinsch u.
-Cons.), <em class="gesperrt">De Magern</em> (Suhl u. Cons.), <em class="gesperrt">De lütten</em> Magern
-(Hellmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De groten Manschestern</em> (Rose u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De lütten Manschestern</em> (Prignitz u. Cons.), <em class="gesperrt">De Melkers</em>
-(Meyn u. Cons.), <em class="gesperrt">De Möden</em> (G. Voß u. Cons.), <em class="gesperrt">De Müs’</em>
-(Brasch u. Cons.), <em class="gesperrt">De Nadelmakers</em> (Cordes u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Plankenhauers</em> (Oelmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Puttlüd</em> (Koch u.
-Cons.), <em class="gesperrt">De lütten Roden</em> (Asmus u. Cons.), <em class="gesperrt">De Rotten</em>
-(Leßmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Sackneihers</em> (Wendt u. Klindworth), <em class="gesperrt">De
-Sagenfielers</em> (Köhncke u. Cons.), <em class="gesperrt">Scheev un Liek</em> (D. Möller
-u. Cons.), <em class="gesperrt">De Scheeven un Graden</em> (Bargsted u. Genossen), <em class="gesperrt">De
-Schinners</em> (Hinsch u. Cons.), <em class="gesperrt">De Schosters</em> (Peters u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Schottschen</em> (Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Seelenkinner</em>
-(Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Slachters</em> (Nimbach u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Smökers</em> (Meyer u. Cons.), <em class="gesperrt">De Solospelers</em> (Brandt u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Springumständer</em> (Müller u. Pflughaupt), <em class="gesperrt">De Spunjers</em>
-(Jürgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Stohlbinners</em> (Ockelmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De
-Storchen</em> (Cords u. Cons., Gechter u. Cons.), <em class="gesperrt">De willen Swien</em>
-(Dührkoop u. Cons., Opitz u. Cons.), <em class="gesperrt">De Theebuern</em> (Schaper u.
-Cons.), <em class="gesperrt">De Trübseligen</em> (Moritz u. Cons., Hasenbalg u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Tünbüdels</em> (Gechter u. Cons, später: <em class="gesperrt">de Storchen</em>),
-<em class="gesperrt">Vader un Söhn</em> (Hinsch u. Krüger), <em class="gesperrt">De Veereckten</em>
-(Ellerbrock u. Cons.), <em class="gesperrt">De Veilchenblauen</em> (Rethwisch u. Cons.),
-<em class="gesperrt">De Wanzen</em> (Uetzmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Wullkosacken</em> (Gebel
-u. Cons.), <em class="gesperrt">De Wullmüs’</em> (Mathias Glimann), <em class="gesperrt">De Wustmakers</em>
-(Stapelfeld u. Cons.).</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span></p>
-
-<p>Eine Liste wie die vorstehende, die durch Herrn W. J. Krüger (Prignitz
-u. Cons.) mit Hülfe älterer Kollegen zusammengestellt worden ist, wäre
-nach Verlauf weniger Jahre schwerlich mehr in gleicher Vollständigkeit
-zu erreichen gewesen, da infolge des veränderten Geschäftsbetriebes die
-regelmäßige Anwendung dieser Ökelnamen schon sehr eingeschränkt ist.</p>
-
-<p>Außerdem sind mir von verschiedenen Seiten, besonders von Hein
-Sternhagen (Verf. von „Ut Vadders Tiden“) noch eine Anzahl weiterer
-Ökelnamen mitgeteilt, und einige fanden sich auch in Volgemanns
-Tafelliedern. So weit sie nicht in vorstehenden beiden Verzeichnissen
-erscheinen, führe ich sie hier auf, indem ich bemerke, daß sie meistens
-erloschen sein mögen, zum Teil auch vielleicht nicht allgemein bekannt
-gewesen sind oder nur für ein Einzelmitglied eines Quartiers gegolten
-haben. Sie lauten, unter Weglassung einiger anstößigen:</p>
-
-<p>De Altnaers. De Ängstlichen. De Bäckers. Kaptein Blitz. De Blauen.
-De Blotarmen. De Böhnhasen. De Böhnmeisters. De Büttenbinners. De
-Bullenbergers. De Demokraten. De Doben. De holten Dragoners. De Dunkis.
-Eisele un Beisele. De Fliedigen. De Garbers. De Gnaddrigen. Hein
-Granat. De Grotmonarchen. De gemütlichen Hamborgers. De Hebammen. De
-stolze Heringsküper. Hering un Tran. De Imkers. De Kantüffelschellers.
-De blauen Kreihn. De Küpers. De Kupplers. Kaptein Lebberwust. De
-Lohndeeners. Millionmeier. Pankoken. Kaptein Piep. De Püttjers.
-Rechtschaffen un Breetfoot. De groten Rotten. De lütten Rotten. De
-lütten Rugen. De Sackjuden. De Schaap. De Seilmakers. Siedenpudel.
-Schragebuck. De Stallbuern. De Stratenköters. De Strebsamen. De
-Teinpennkerls. De Uhrmakers. Wie’s heißen tut un so den Kram.
-Woddelkrut. De Wolkenschubers. De verlopen Wullkosacken.</p>
-
-<hr class="full x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="schmal">
-
-<div class="chapter">
-
-<p class="s2 center mtop3" id="Seite63">Quickborn-Bücher</p>
-
-</div>
-
-<p class="s3 center"><b>Jeder Band 60 Pfennig</b></p>
-
-<p class="s4 center">Doppelbände 1.20 Mark</p>
-
-<p class="s4 center">Bisher erschienen außer dem vorliegenden und den auf
-<a href="#Seite63">Seite 63</a> angezeigten folgende Bände:</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>&#8199;1. Holstenart. Von <em class="gesperrt">Johann Hinrich Fehrs</em>. 6&ndash;10. Tausend. Mit
-einem Bildnis des Dichters.</p>
-
-<p>&#8199;3. Schnack und Schnurren. Von <em class="gesperrt">Fr. Wilhelm Lyra</em>. Mit einer
-Abbildung.</p>
-
-<p>&#8199;4. Van Jadestrand un Werserkant. Von <em class="gesperrt">Theodor Dirks</em>. Mit
-fesselnden Erzählungen.</p>
-
-<p>&#8199;5. Cili Cohrs. Irnsthaftig Spill van <em class="gesperrt">Gorch Fock</em>. Der
-Finkwarder Speeldeel 1. Stück. (1 Aufzug, 5 Rollen.) Umschlagbild von
-Ad. Möller.</p>
-
-<p>&#8199;6. Briefe Über Hochdeutsch und Plattdeutsch. Von <em class="gesperrt">Klaus Groth</em>.
-Das für die neuplattdeutsche Bewegung grundlegende Werk des
-Altmeisters plattdeutscher Dichtung.</p>
-
-<p>&#8199;7. Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg. Von <em class="gesperrt">C. Rud.
-Schnitger</em>.</p>
-
-<p>&#8199;9. Klar Deck überall! Deutsch-Seemännisches von Geheimrat <em class="gesperrt">Gustav
-Goedel</em>. &mdash; Diese unterhaltenden Beiträge zur deutschen
-Seemannssprache sind wichtig für alle Leser John Brinckmans, Gorch
-Focks und anderer Seeschriftsteller.</p>
-
-<p>11./12. Slusohr un anner eernste un vergnögte Vertellsels un Riemels.
-Von <em class="gesperrt">Georg Droste</em>. Mit Bildnis des Dichters und Umschlagbild
-von Ad. Möller.</p>
-
-<p>13. Leege Lüd. En lustig Spillwark van <em class="gesperrt">Hinrich Wriede</em>. Der
-Finkw. Speeldeel 2. Stück. (Ein Aufzug, 9 Rollen.) Umschlagbild von
-Ad. Möller.</p>
-</div>
-
-<hr class="trenn" />
-
-<p class="p0"><span class="s2 lh1">Die niederdeutsche Vereinigung Quickborn</span> in <em class="gesperrt">Hamburg</em> liefert
-ihren Mitgliedern in der Regel jährlich 2 <em class="gesperrt">Quickbornbücher</em> und je
-4 Hefte der Zeitschriften „<em class="gesperrt">Mitteilungen aus dem Quickborn</em>“ und
-„<em class="gesperrt">Plattdütsch Land und Waterkant</em>“. Mindestjahresbeitrag (ab 1.
-Oktober) für persönliche Mitglieder in Deutschland 4 Mark, im Auslande
-6 Mark, für Vereine, Anstalten und Körperschaften 6 Mark.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p class="s5 left mtop3">In den <em class="gesperrt">Quickborn-Büchern</em>
-erschienen von</p>
-
-</div>
-
-<p class="s3 center"><b>Johs. E. Rabe</b></p>
-
-<p class="p0 s5">außer dem vorliegenden Werk:</p>
-
-<p class="s2 center"><b>Sünd ji all’ dor?</b></p>
-
-<p class="s5 center">Althamburgische Kasperszenen. 6.&ndash;10. Tausend<br />
-Band 8 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.</p>
-
-<p class="s5">„<em class="gesperrt">Die Heimat</em>“, Kiel, schrieb nach dem ersten Erscheinen dieses
-lustigen, keineswegs eng hamburgischen Buches: „Das ist eine der
-schönsten Gaben für unsere Brüder da draußen im Schützengraben,
-viel besser als so viele von Begeisterung triefende, aber gemachte
-Kriegsliedersammlungen. Weil es ablenkt von der blutigen Arbeit und
-der nicht weniger tödlichen Langeweile des Schützengrabens, weil es
-tief in jene Zeit hineinführt, da wir als Knaben mit aufgerissenen
-Mäulern vor Kaspers Putschenellekasten standen, und weil es mit
-dieser Erinnerung alle jene Kräfte wieder lebendig macht, die
-einzig aus dem Lande der Jugend uns zufließen ... Aber auch für
-alle Daheimgebliebenen, vor allem <em class="gesperrt">für unsere Jugend</em> sind die
-köstlichen Schwankdichtungen mit dem Hamburger Platt, der köstlichen
-Komik ihres Dialogs geradezu eine Gesundkur nach unserer naturwidrigen
-Kintoppkinderkultur. Der Hamburger „Quickborn“, für den Rabe diese
-verdienstvolle Arbeit herausgab, hat mit dieser „Rettung“ einer leider
-bald völlig verschwundenen Form des Schauspiels sich <em class="gesperrt">ein bedeutendes
-Verdienst</em> erworben!“</p>
-
-<p class="s2 center mtop1"><b>Vivat Putschenelle!</b></p>
-
-<p class="s5 center">Der alten Kasperschwänke neue Folge. 1.&ndash;8. Tausend<br />
-Band 10 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.</p>
-
-<p class="s5 mbot1">Diese von den Besitzern des ersten Büchleins lang ersehnte Fortsetzung
-von „Sünd ji all’ dor?“ ist, wie jenes, <em class="gesperrt">eine Fundgrube drastischen,
-volkstümlichen Humors</em>. Die wiedererwachte Freude am alten Kasper
-findet durch diese Stücke, die sich auch zum Vorlesen trefflich eignen,
-neue Nahrung.</p>
-
-<hr class="trenn" />
-
-<p class="s5 center mtop1">Im Verlag von <em class="gesperrt">C. Boysen</em>
-in Hamburg erschien früher von</p>
-
-<p class="s3 center"><b>Johs. E. Rabe:</b></p>
-
-<p class="s2 center mtop1"><b>Kasper Putschenelle</b></p>
-
-<p class="s5 center">Historisches über die Handpuppen und Althamburgische
-Kasperszenen.<br />
-Mit farbigem Titelblatt von Chr. Suhr und Textabbildungen.<br />
-Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark.</p>
-
-<p class="s5 mbot3">Die erste Kaspermonographie, von der literarischen und
-wissenschaftlichen Kritik mit Recht als „ein geradezu klassisches
-Werk“, als „eine unerschöpfliche Quelle für Jung und Alt“ bezeichnet.
-Wer Kasper lieb gewonnen hat, dem gilt daher der Ruf eines seiner
-Kritiker: „Schaff dir dies Buch an und du wirst dem Verfasser ebenso
-dankbar sein, wie es Schreiber dieser Zeilen ist.“</p>
-
-</div>
-
-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS SPEICHERBUCH</span> ***</div>
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- </div>
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
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-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-</div>
-
-</div>
-</div>
-</body>
-</html>
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