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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Das Speicherbuch - -Author: Johannes Emil Rabe - -Illustrators: Carl Schildt - Christian Förster - W. Lühring - -Release Date: June 7, 2022 [eBook #68259] - -Language: German - -Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS SPEICHERBUCH *** - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1922 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute - nicht mehr verwendete Schreibweisen sowie regional gefärbte Ausdrücke - bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Begriffe - wurden nicht korrigiert. - - Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere - Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen - gekennzeichnet: - - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - #################################################################### - - - - - Quickborn-Bücher / 2. Band - - - Das Speicherbuch - - Für den „Quickborn“ in Hamburg - - herausgegeben von - - Johs. E. Rabe - - - Dritte, überarbeitete Auflage (6.-10. Tausend) - des Buches „Von alten hamburgischen Speichern - und ihren Leuten“. - - - [Illustration] Quickborn-Verlag in Hamburg [Illustration] - - - - - Umschlagzeichnung von Hans Förster, Bilder - im Buche von Carl Schildt, Christian Förster - und W. Lühring in Hamburg. Bildstöcke - von Carl Griese in Hamburg. Druck von - J. J. Augustin in Glückstadt und Hamburg. - - - - -[Illustration: Hamburger Fleet - -Zeichnung von C. Schildt.] - - - - -Seit dem Eintritt Hamburgs in das deutsche Zollgebiet wird der größte -Teil unserer überseeischen Einfuhr im neugeschaffenen Freihafenviertel -gelagert, während für unsere alten Speicher nur noch geringer Bedarf -verbleibt. Sie sind daher vielfach schon abgerissen worden, um -neuartigen Geschäftshäusern Platz zu machen, die durch zahlreiche -behagliche Schreibstuben und helle, weite Lagerräume für deutsche oder -zollfreie Waren, sowie durch ausgedehnte Werkstätten Aussicht auf gute -Verwertung bieten. Die wenigen, die nach Wiederkehr besserer Zeiten -noch eine Weile ihr Dasein fristen mögen, haben im Innern meistens -so durchgreifende Umwälzungen erfahren, daß man den früheren Zustand -kaum noch zu ahnen vermag. Aber auch andere Veränderungen machen sich -im Hamburger Geschäftsviertel bemerkbar. Der Betrieb spielt sich -durch neue Hülfsmittel und Erleichterungen nicht mehr in derselben -schwerfälligen und mühseligen Weise ab wie früher und schon dadurch -wird auch der Menschenschlag ein anderer, den wir bei der Arbeit -treffen, ganz abgesehen von sonstigen neuzeitlichen Verhältnissen -und Ansprüchen. Endlich aber ist erklärlicher Weise eine ganze -Reihe niederdeutscher Bezeichnungen, Redewendungen und Ausdrücke im -Verschwinden begriffen, weil sie in die Jetztzeit nicht mehr so recht -hineinpassen wollen. Hiervon mitzuteilen, so viel ihm aus seinen -Hamburger Erfahrungen noch gegenwärtig war, hat Herr Walter Redslob in -Temuco (Chile) im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche -Sprachforschung 32 S. 55 f. unternommen, was dann zu gegenwärtiger -Arbeit für den „Quickborn“ den ersten Anstoß gab. - -Ich habe versucht, das Bild des Lebens und Treibens in unseren alten -Speichern vor Eintritt der großen Umwälzung hier wenigstens in einigen -Hauptzügen festzuhalten, durchweg auf Grund eigener Erinnerungen und -Forschungen, aber mit Unterstützung zahlreicher Freunde, denen ich auch -bei dieser dritten Auflage wieder vielfach zu Dank verpflichtet bin. - - Hamburg, im Dezember 1916 Johs. E. Rabe - - - - -Erklärung der Abkürzungen - - - +Amsinck+: Die Hamburger Zuckerbäcker. In: Aus Hamburgs Vergangenheit - 1. Folge - - +Beneke+: Hamburgische Geschichten und Sagen, 2. Aufl. 1854 - - +Borcherdt+: Das lustige alte Hamburg, zweite Hälfte 1891 - - +Bröcker+: Der Hamburger, 1910-11 - - +Doornkaat+: Doornkaat-Koolmanns Wörterbuch der ostfriesischen Sprache - - +Ehrenberg+: Hamburger Handel und Handelspolitik. In: Aus Hamburgs - Vergangenheit - - +Gaedechens+: Historische Topographie von Hamburg - - +Gaedertz+: Die plattdeutsche Komödie in Hamburg im 19. Jahrhundert - - +Goedel+: Quickbornbuch 9: Klar Deck überall! - - +Heckscher+: Chr. Suhrs Hamburgische Trachten - - +Hertz+: Paul Hertz: Unser Elternhaus. Hamb. Liebhaberbibliothek 1895 - - +von Heß+: Hamburg topographisch, historisch und politisch - beschrieben, 2. Aufl. - - +Jünger+: J. E. Rathmann & Sohn, Hamb. Roman von Nathanael Jünger - - +Kopal+: Aus dem Hamburg der sechziger Jahre - - +Koppmann+: Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg - - +Korr. Bl.+: Korrespondenzbl. des Ver. für Niederdeutsche - Sprachforschung - - +Lappenberg+: Hamburger niederdeutsche Chroniken - - +Lauffer+: Stätten der Kultur: Hamburg - - +Lichtwark+: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde - - +Melhop+: Althamburgische Bauweise - - +Mitt.+: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte - - +Mus.+: Bericht d. Museums f. Hamb. Geschichte 1909 - - +Nirrnheim+: Handlungsbuch des Vicko von Geldersen - - +Patriot+: Hamburgische Wochenschrift, erschienen 1724-26 - - +Richey+: Idiotikon Hamburgense 1755 - - +Rynesberch+: Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt Bremen, - herausgegeben von J. M. Lappenberg - - +Schlüter+: Traktat von unbeweglichen Gütern 1709 - - +Schrader+: Hamburg vor 200 Jahren - - +Schütze+: Holsteinisches Idiotikon 1800-1804 - - +Steinhausen+: Monographien zur deutschen Kulturgeschichte, Bd. 2: - Der Kaufmann - - +Sternhagen+: Ut Vadders Tiden, 4. Aufl. 1909 - - +Tratziger+: Chronik der Stadt Hamburg, herausg. von J. M. Lappenberg - - +Zacharias+: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde 1899 - - +Zeitschr.+: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte - - - - -Etwa siebenhundert Jahre sind verflossen, seit die ersten Speicher -in Hamburg errichtet wurden, d. h. Gebäude, die ausschließlich -zur Lagerung von Waren bestimmt sind. Ihre Vorgänger, die alten -Kaufmannshäuser, in denen sich Wohnung und Warenvorräte unterm -nämlichen Dach befanden, haben wir uns mit Melhop (2 f.) in ihren -Anfängen einfach als in die Stadt gerückte altsächsische Bauernhäuser -zu denken, nur daß diese sich hier, innerhalb der engen Umwallung, auf -sehr beschränktem Raum einzurichten hatten und statt in die Breite sich -in die Höhe entwickeln mußten. Auf die große Diele mit dem offenen -Herd verzichtete man nicht, aber die Wohnräume mußte man dafür schon -in ein oberes Stockwerk verlegen; darüber lagerten sich dann die -Warengelasse. Noch im 13. Jahrhundert waren die Häuser durchweg aus -Holzständern mit Lehmgeflecht dazwischen hergestellt, vielfach auch mit -Stroh gedeckt. Selbst Rauchfänge aus Holz waren häufig zu finden. Kein -Wunder, daß im Jahre 1284 eine verheerende Feuersbrunst fast die ganze -Stadt vernichtete. (Tratziger 63.) Beim Wiederaufbau hielt man sich -wohl an solideres Material, aber von der altgewohnten Einrichtung wich -man weder damals noch später ab. Trotz nachträglicher Einbauten können -wir das noch heute in manchen alten Kaufmannshäusern erkennen. Vor -allem blieb die große Diele, durch zwei Stockwerke gehend und genügend -Tageslicht durch hohe Fenster vom Hof empfangend. Daran, mit breiten -Holzgeländern an beiden Seiten, eine mächtige Doppeltreppe, die auf -eine Galerie des ersten Stockwerks führte. In der Mitte der Decke fand -sich ein durch eine aufklappbare Luke geschlossener Ausschnitt, das -+Winn’lock+, das sich durch alle Stockwerke bis an die Haspelwinde des -Spitzbodens fortsetzte und das Auf- und Abwinden von Waren mittels der -endlosen Windetaue, der +Löpers+, ermöglichte. An anderer Stelle hing -die Wagschale, die +Bummelschal+, von der Decke herab. Es war noch im -19. Jahrhundert das Vorrecht des „Großbürgers“, mit der „großen Schale“ -zu wägen, wie auch nur dieser ein eigenes Konto bei der Girobank halten -und Waren „auf Transitozettel deklarieren“, d. h. für fremde Rechnung -ein- und ausführen durfte. -- Küche und offener Herd hatten gleichfalls -ihren Platz an der Diele. Neben ihrem Hauptzweck, der Warenbewegung -zu dienen, bildete diese in vielen Fällen einen wahren Prunkraum, -dessen vergoldete Karosse und blendender Reichtum an Küchengeschirr -bereits von der Straße aus bestaunt werden konnte. Hier hing im Herbst -zur Zeit des „+richtigen Ossenslachterwedders+“ (Sturm und Regen) der -schön geschmückte Ochse (Beneke 359 f.), hier wurden vornehme Gäste -empfangen, hier war auch der Tummelplatz der Kinder (Hertz 36 f.) -und bei Todesfällen fand hier die feierliche Aufbahrung des Sarges -statt (Zacharias 29 f.). -- Lichtwark (1897, 61 f.) schreibt: „Wie -einheitlich und behaglich wirkt der Raum, wie reich und vornehm! .. -Was ihn so lebendig macht, lebendiger als die stolzen Treppenhäuser -der Barockpaläste, das ist seine Lauschigkeit, die das tägliche Leben -ahnen läßt. ... Jetzt stehen noch ein halbes Dutzend im alten Zustande, -aber da die Häuser nicht mehr bewohnt werden und nur als Speicher und -Kontore dienen, sind sie unfrisch oder verkommen. Die Künstler, die -in Hamburg lebten, haben uns von der traulichen Poesie dieser Räume -kein Bild erhalten, den Dilettanten aber, die uns einen Blick in die -dem Untergang geweihte Herrlichkeit festhielten, wird man nicht nur in -Hamburg ein dankbares Andenken bewahren. ... Hätte es solche Schönheit -in der Privatarchitektur Münchens, Berlins oder Düsseldorfs gegeben, -so würden Generationen von Malern in unserem (neunzehnten) Jahrhundert -sie verherrlicht haben. Aus tausend Bildern und Hunderttausenden von -Photographien, Holzschnitten und Stichen danach würde das deutsche Volk -diese Dielen kennen.“ (Abbildungen solcher Dielen bei Lichtwark, Bröer, -Melhop. Vergl. auch Melhop 278 f., Jünger 5, Schrader 42 f., Lauffer -70 f. -- Im neuen Museum für hamburgische Geschichte wird die genaue -Nachbildung einer althamburger Diele einen Glanzpunkt bilden.) Es sei -übrigens beiläufig erwähnt, daß der Hamburger Patrizier sein Stadthaus -nur im Winter bewohnte. Am 17. April pflegte die Familie vors Tor zu -ziehen und kehrte am 18. Oktober in die Stadt zurück. - - -Wir dürfen die Entwicklung unseres Geschäftsviertels des Großhandels -so annehmen, daß anfangs die Uferfläche, die +Kaje+, durchweg unbebaut -liegen blieb, wie noch jetzt bei den Vorsetzen zu sehen, bis zum -Zollanschluß auch z. B. beim Kehrwieder. So war es ursprünglich in der -Deichstraße, im Cremon, in der Catharinenstraße, wie bei den Mühren, -im Grimm usw. Hinter den Häusern, die sich also nur an einer Seite -der Straße entlang zogen, erstreckten sich tiefe, schmale Gärten bis -an andere +Fleete+, zuweilen auch bis an den Stadtwall oder an offene -Abflußgräben, die später zu Fleeten erweitert und vertieft wurden -(Gaedechens 41). Als die Böden des Wohnhauses dem sich ausdehnenden -Geschäftsbetriebe nicht mehr genügten, begann man dann, an diesen -Hinterfleeten Speicher zu errichten; später folgten schmälere -Verbindungsbauten zwischen Wohnhaus und Speicher und endlich blieben -statt der ehemaligen freien Stücke nur dumpfige, geschlossene Hofplätze -nach. Die Lagerböden fügten sich meistens vom Vorderhause durch den -Mittelbau an die Böden des Speichers in gleicher Höhe an. - -Mit der Zeit erstarkten Handel und Gewerbe immer mehr, zum Teil -sprungweise, und erforderten weite große Räumlichkeiten. Ich erinnere -nur an die Bierbrauerei. Schon 1270 war das Hamburger Bier berühmt -(Rynesberch 118 Anm. 100) und im Jahre 1307 wird berichtet, daß es -das Bremer überflügelt habe (Rynesberch 85, Mitt. I. 44). Lauffer 34 -gibt an, die Herstellung Hamburger Bieres im 15. Jahrhundert habe -durchschnittlich 100000 Tonnen, gleich 250000 Hektoliter, im Jahre -betragen. Im 16. Jahrhundert gab es hier dann die stattliche Zahl -von 531 Brauhäusern (Lappenberg 14), die in rascher Folge errichtet -waren. Da man sie am liebsten an den Fleeten anlegte, um das Wasser -sowie Gelegenheit zur Verschiffung bequem zur Verfügung zu haben, -so wurde allmählich das ~litus~, die Uferfläche, zum Bebauen in -Angriff genommen. Bis dahin gehörte dieses ~litus~ durchweg den -gegenüberliegenden Häusern und pflegte u. a. von den Brauern benutzt -zu werden, um ihr Brennholz aufzustapeln (Schlüter 21). Schon im -Stadterbebuche von 1248 bis 1274 wird wiederholt der Verkauf solcher -Uferplätze vermerkt (Zeitschrift I. 452 Anm. 5, Gaedechens 50). Es -kam hinzu, daß die Hülfsgewerbe, hier besonders die Faßbinder, viel -Raum beanspruchten. Zwischen 1370 und 1387 waren neununddreißig vom -Hundert sämtlicher Amtsmeister Küper (Koppmann Bd. 3, XX.). Nach und -nach wurden auf diese Weise die ursprünglich frei liegenden Kajen -an den Fleeten vollständig bebaut, teilweise mit Brauhäusern und -Betriebswerkstätten, teils aber auch mit Speichern, die jetzt also -nicht mehr mit dem Sitz des Kaufmanns in unmittelbarer Verbindung -standen. In welchen Zwischenräumen diese Ausfüllung der freien -Uferplätze stattfand, läßt sich oftmals nachweisen. So wurden -beispielsweise die beiden Grundstücke an der Fleetseite der Deichstraße -neben der Hohenbrücke wahrscheinlich zuerst ums Jahr 1322 bebaut, das -im Norden angrenzende als eines der letzten freigebliebenen dieser -Gasse erst zwischen 1397 und 1401 (Mus. 270). Abgesehen hiervon -entstand am Ufer auch nach vollständiger Bebauung keine ununterbrochene -Straßenreihe, sondern zwischen je etwa zwei bis vier Häusern blieb ein -„Fleetgang“ frei, der dann einem der gegenüberliegenden Grundstücke -oder mehreren gemeinschaftlich als Eigentum gehörte. Der Zweck war, -für den Wasserverkehr eine gute Verbindung zu behalten. Gewöhnlich -fand sich dort alsdann am Ufer auch eine „holländische Winde“ unter -gewölbtem, schwarz geteertem Holzdach. Schon im ersten Hamburger -Grundbuch wird wiederholt ein Haus mit dem Recht auf einen Weg ans -Ufer oder einen Anteil daran übertragen (Zeitsch. I. 447 Anm. 2, -3, 4). Man sieht noch heute solche Fleetgänge, z. B. Deichstraße, -Katharinenstraße, Grimm. -- Ich will nicht unterlassen zu erwähnen, -daß Neddermeyer (Hamb. Topographie 221, 238) meint, im Cremon und im -Grimm sei die Wasserseite zuerst bebaut worden. Die Stellen, die er -hierfür anführt (Staphorst, Hamb. Kirchengeschichte I. 2, 102 und 104) -bieten indessen keinen Beleg dafür und die Sache ist auch durchaus -unwahrscheinlich (Vergl. Gaedechens 14, 49, Schlüter 21 und Mitt. IV. -115 f.). - -Für Nichthamburger seien einige Bezeichnungen erklärt. +Fleet+ -hängt mit Fluß und fließen zusammen. Es ist der Ausdruck für durch -die Stadt strömende natürliche oder künstlich angelegte Flußarme -und findet sich schon im 14. Jahrhundert (Nirrnheim II. 18). Die -Kanäle der Außenalster und im Hammerbrook, die durch Schleusen mit -der Elbe verbunden sind, könnte man also nicht wohl Fleete nennen, -dagegen aber wäre der Name +Zollfleet+ statt Zollkanal für den großen -Wasserzug zwischen Freihafen und Zollstadt angebracht gewesen. -- -+Kaje+ kommt aus dem Romanischen und hat ursprünglich die Bedeutung -Klippe und Sandbank, während es, wie Lübben im mittelniederdeutschen -Wörterbuch angibt, im Niederdeutschen ausschließlich Ufereinfassung -ist. -- Es war zu bedauern, daß im Freihafen anfangs die Bezeichnung -Quai, gesprochen Kwai, eingeführt wurde, wo wir doch schon die gut -niederdeutschen Straßennamen +Binnenkajen+ und +Butenkajen+ seit -altersher kannten. Brooktorkaje, Hübnerkaje usw. hätte wirklich sehr -gut geklungen. Glücklicherweise ist man jetzt durchweg zur Schreibweise -Kai übergegangen. -- Speicher, +Spiker+, wird in Grimms Wörterbuch -aus dem spätlateinischen ~spicarium~ erklärt und dies aus ~spica~, -Gedreideähre. Also ursprünglich Kornspeicher. Ich fand den Spiker, als -selbständiges Gebäude verkauft, schon im ältesten Stadterbebuch erwähnt -(Zeitschr. I. 449 Anm. 9) sowie bei Nirrnheim (I. 733, 736). - - -Im Gegensatz zu der feststehenden Zimmereinteilung der unteren -Stockwerke des Kaufmannshauses und des Mittelbaues bot der -althamburgische Speicher, der sich hinten anfügte oder später -selbständig für sich errichtet wurde, ungetrennte Lagerräume. Er -bestand also eigentlich nur aus den vier Wänden und den Böden, die -durch starke Ständer und Balken aus Eichenholz getragen wurden. Als -man bei Gelegenheit des Zollanschlusses die neuen Freihafenspeicher -errichtete, glaubte man es recht gut zu machen, wenn man ausschließlich -Eisenkonstruktion anwendete. Es fand sich aber bei einem Brande, daß -das Eisen sich derartig dehnte und reckte, daß die Mauern ernstlich -litten. Das war bei der altmodischen Verwendung von Holz niemals -vorgekommen, meistens kohlte solches nur so leicht an, daß es für den -Neubau wieder gebraucht werden konnte. Die Stockwerke hießen +Böhns+ -oder +Spiekerböhns+, das oberste der +Spitzböhn+. Ausnahmsweise finden -wir hierfür noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Namen die -+Flier+ bei der Verkaufsanzeige eines Grundstückes am kleinen Fleet, -das früher zur Herstellung von Brodenzucker gedient hatte. Flier ist -außer in Ostfriesland nur in Holland gebräuchlich (Mitt. X. 60). Die -Niederländer, die die Zuckerraffinerie im 16. Jahrhundert bei uns -einführten (Amsinck 209 f.), werden diese Bezeichnung mitgebracht -haben, ebenso wie die Berechnung der Ware in Grote, die noch zu Anfang -des 19. Jahrhunderts hier im Großhandel üblich war. -- Richey erwähnt -als Name des alleröbersten Bodens „+Oken+“. Solcher ist noch jetzt für -die Winkel bekannt, wo das schräge Dach den Fußboden berührt. - -Heizvorrichtungen fehlten im Speicher, ebenso zuweilen Aborte. Wo -man diese nicht entbehren wollte, fügte man sie im Erdgeschoß, nach -der Fleetseite, als Ausbau an, mit einer viereckigen Holzröhre, die -mehr oder weniger weit hinunter ins Fleet reichte, immerhin nicht -tief genug, daß sich nicht bei niedrigem Wasserstand eine Schute noch -gerade darunter schieben konnte. Bis das Schwemmsystem unserer „Siele“ -allgemein durchgeführt war, gab es noch um die Mitte des neunzehnten -Jahrhunderts auch für die Wohnhäuser an den Fleeten ausschließlich -diese Form von Aborten. Die gefrorenen Exkremente bildeten im Winter -einen recht unerfreulichen Anblick. Im Sommer, wenn anhaltender Ostwind -die Fleete leerlaufen ließ, kamen Gerüche hinzu, die nicht selten -jede Lüftung der Zimmer verhinderten. Ein Bild aus jener guten alten -Zeit: „Hallo, wat ’s dat for’n Waar“, ruft der Ewerführer aus seiner -Schute ins Erdgeschoß hinauf. „Frachtbreef kummt gliek na!“ schallt es -zurück. -- Solche Straßen, denen kein Fleet als bequemer Abzugsgraben -diente, hatten Eimerabfuhr. Die Eimer, sehr zartfühlend +Goldammers+ -getauft, standen dann in den engen Gassen reihenweise bereit, bis der -Ruf „+Dreckwaag+!“ (verkürzt aus Dreckwagen) die bevorstehende Leerung -ankündete. Ähnliche und zum Teil schlimmere Zustände herrschten damals -natürlich auch in anderen Großstädten Europas. Den meisten ist Hamburg -mit Einführung gemauerter Abzugskänale vorangegangen. - -Fenster waren im Speicher nicht allzu reichlich vorhanden und die -kleinen Scheiben waren trübe. Sie wurden vermutlich nur sehr selten -geputzt: eine Hausfrau verstieg sich nicht hierher. Brauchte man für -die Arbeit Tageslicht, so öffnete man die +Luken+, doppelte breite und -hohe Holztüren, neben denen eiserne Griffe in die Mauer eingelassen -waren, damit man sich beim Ausgucken festhalten konnte. Für Erleuchtung -bei Dunkelwerden diente die ölgespeiste +Kugellamp+ aus sehr dickem -Glas in Art der Schiffslaternen, mit Blechuntersatz und einem Henkel. --- Für Schreibarbeit benutzte man eine Ecke am Fenster, meistens durch -Holzverschalung in eine Art von Zimmer, das +Kabuff+, verwandelt. Hier, -wie auch wohl an anderen Stellen, pflegten die Wände mit Holzschnitten -aus der „Reform“ geschmückt zu sein, zuweilen auch mit launigen kurzen -Inschriften und Zeichnungen, mittels Pinsels aus dem +Markputt+ -hingeworfen, einem kleinen, nach oben etwas verjüngt zulaufenden -Holzeimer, gefüllt mit einer Mischung von Kienruß und Leckbranntwein -zum Zeichnen (Marken) der Packungen. Den +Leck+ lieferte der -+Köhmkaaker+ umsonst, es war der Schnaps, der beim Vollschenken oder -Reinigen der Gläser abtropfte. -- Den Markputt pflegte der „Hausküper“ -auf der +Snibank+ selbst herzustellen. Sonst diente diese (auch -+Snibock+ genannt) hauptsächlich dazu, Holzböden, Faßstäbe (+Staff+) -usw. zuzuschneiden. Man saß darauf rittlings, vor sich eine Einrichtung -zum Festklemmen des Holzes, und benutzte nach Bedarf ein +Tochmeß+ oder -ein +Krummeß+, beide aus breiter Schneide mit Holzgriffen an den Enden -bestehend. -- Das Marken wurde mit großer Schnelligkeit in meistens -schräg liegenden lateinischen Buchstaben sowie arabischen Ziffern von -schlanker, besonders deutlicher Form vorgenommen. Schablonen wurden -früher wenig benutzt, während die Frachtführer jetzt meistens darauf -bestehen. - -Schmale, steile Holztreppen, die möglichst wenig Raum wegnehmen -durften und nicht massiv eingefaßt, sondern nur mit Lattenverschlag -versehen waren, verbanden die Böden. Sie waren ausschließlich für -Personenverkehr geeignet. An ihnen fand sich häufig ein vom Boden aus -zugängliches Nebengelaß oder ein Bort, der +Bislag+, angebracht. Sonst -war an geeigneter Stelle noch ein Aufbewahrungsort für Packmaterial, -das +Strohlock+, vorhanden, sowie ein Gerüst für leere Kisten, der -+Hangeböhn+, auch wohl +Galgen+ genannt. Der gesamte übrige Raum diente -für das Aufstapeln von Waren, wobei man sich an keine Belastungsgrenze -kehrte, wie solche in den neuen Freihafenspeichern überall -vorgeschrieben ist. Bei Eisenkonstruktion brechen eben die Nietenbolzen -bei Überlastung, während hölzerne Tragbalken federnd nachgeben, also -keine besondere Vorsicht erheischen. Wohl kam es vor, daß die Mauer -sich etwas schief zog und, wo sie nach dem Fleetgang frei lag, durch -Stützen gegen das Nachbarhaus gehalten werden mußte. Das war z. B. in -dem Hause Deichstraße 45 der Fall, in dem ich meine Jugend verlebte, -und kostete natürlich eine jährliche Vergütung. -- Einen eigentümlichen -Speicherbau, wie es deren vielleicht noch mehrere gegeben hat, findet -man Steckelhörn 5. Hier steht die gesamte Holzkonstruktion frei für -sich, ohne irgendwelche Berührung mit der Hausmauer; das hat den großen -Vorteil, daß die Tragbalken nicht unter Feuchtigkeit der Mauer leiden -können. Man vergleiche hierzu, was Linde (Die Niederelbe, 4te Aufl. S. -55) über das Marschenhaus sagt. - -Von losem Inventar fand sich in den alten Speichern zunächst die -+Schaal+ oder +Bummelschaal+, die hängende Wagschale. Sie bestand aus -dem eisernen Wagebalken, der mittels Ringes über einem ~S~-förmigen -Haken der Decke hing, sowie zwei Wagschalen aus starken Holzbohlen mit -kräftigen Tauen an den vier Ecken, die oben über Eisenringe gespleißt -(+spleeßt+) waren und an diesen auf die Haken gehängt wurden, die der -Wagebalken an jedem Ende trug. (Spleißen heißt die innige Vereinigung -der aufgefaserten Tauenden durch Flechten und Durchstecken.) Auf eine -der Schalen häufte man die Ware, auf die andere die Gewichtstücke, -deren eine große Auswahl zur Seite bereit stand, hauptsächlich -Hundertpfundstücke. Man sagte: „+Da mutt noch en Hunnert rop+“ oder -„+en Hunnertpundsloot+“, und für wägen +punnen+: „+Hebbt ji de -Ballen all punn’d?+“ Auf Jost Ammans Holzschnitt aus dem sechzehnten -Jahrhundert „Allegorie des Handels“ stehen bereits gegossene -Gewichte in gleichmäßiger Glockenform mit kleinem Henkel neben einer -Hängeschale, die der obigen Beschreibung gleicht (Steinhausen 56, -Beilage 6). -- Zuweilen wurde bei Ablieferung von Waren die Bedingung -„+Geld bi de Schaal+“ vorgeschrieben, in Fällen, wo man dem Käufer -nicht traute. (Es herrschte sonst der Gebrauch, daß am Tage nach -Empfang Zahlung durch die Bank erfolgen mußte.) Die Rechnung wurde -in solchem Falle gleich ausgestellt und war zu begleichen, bevor die -Gewichtstücke heruntergenommen waren, bei hängender Schale. -- Wurden -die Schalen nicht gebraucht und waren sie für die Arbeit im Wege, so -hakte man sie los und stellte sie beiseite, ebenso wenn man besonders -große Kolli ohne Schale wog, indem man sie an Ketten direkt an den -Wagebalken hängte. Jetzt sieht man diese Wägevorrichtung fast gar nicht -mehr, da meistens Dezimalwagen angewendet werden, die sich leicht -überallhin versetzen lassen. Nur in einzelnen Betrieben, wo es auf -besonders genaues Gewicht ankommt, z. B. beim Butterhandel, findet man -noch die Bummelschale. - -Zum Weiterbewegen von Waren innerhalb des Lagers benutzte man die -+Kaar+ oder +Spikerkaar+, bestehend aus zwei miteinander verbundenen -langen Hebelarmen mit löffelförmigem Eisen am unteren Ende, woran -zwei kleine Eisenräder befestigt waren. Mit ihrer Hülfe schaffte man -auch Kolli über die +Brügg+ auf den Wagen; das war eine breite Planke -aus Holzbohlen mit einer Klammer, die auf dessen Bordwand paßte. -Fässer rollte man auf der +Striekledder+ hinüber (zuweilen, aber -seltener, auch +Schroodledder+ genannt), einer Leiter ohne Sprossen, -bestehend aus zwei Bäumen, die oben und unten durch Klammern aus -Holz oder Eisen zusammengehalten wurden. Sie diente auch, um Fässer -über Treppenstufen zu befördern. -- Galt es besonders schwere Kolli -von der Stelle zu rücken, so benutzte man den +Kohfoot+, eine dicke -meterlange Eisenstange, vorn umgebogen und gespalten. Mußten gewichtige -Kisten behufs Weiterbewegung angepackt werden, so diente dazu der -+Handhaken+, für dicke Säcke der kleinere +Griper+. An sonstigem Gerät -fand sich zunächst der +Snitzer+, ein kantig geschliffenes Messer, -womit man in Holzbänder, die dabei in der linken Hand und unterm Arm -ruhten, länglich viereckige Ausschnitte, +Schränke+ oder +Slott+, -kerbte. Wurden diese dann ineinander gehakt, so war der feste Reifen -gebildet, den man mittels des +Drivholts+ oder +Fuustholts+, eines -hölzernen Treibkeils, und des +Deessels+ auf das Faß trieb. (Früher -hieß es die Deessel, jetzt hört man durchweg +der+ Deessel.) Man -benutzte dieses beilförmige Werkzeug auch zum Ausdeesseln von Fässern -und beim Verspunden derselben, um das überflüssige Holz des Spundes -und die Spundlappen zu entfernen, sowie den +Häringsdeessel+, von -länglicher Form, um Häringstonnen zu öffnen. -- Galt es, +isern Bann+ -(Eisenreifen) auf Fässern zu treiben, so diente das +Drievisen+ oder -die +Setz+, ein eiserner Treibkeil, und der +Setzhamer+. -- Ein kurzes -Brecheisen, de +Resiensnadel+, vorn umgebogen und gespalten, wurde -angewendet, um fest gepackte Waren aus ihrer Verbindung zu lockern, -Fässer zu öffnen, Deckel der Kisten zu lösen, Nägel zu ziehen und die -+Inbann+ loszubrechen, Holzbänder, die zur Sicherung der Böden in die -Krösen der Fässer genagelt waren. - -Zur Entnahme trockener Proben hatte man den +Löper+, eine an beiden -Seiten offene Metallhülse, deren spitzer zulaufendes Ende man in -den Sack stieß, um aus dem anderen die Probe schlank in einen -untergehaltenen Beutel laufen zu sehen. Es gab deren verschiedene -Arten. Solche mit ganz spitz zulaufender Öffnung dienten für Zucker, -Reis, Saaten usw. Man konnte dann das entstandene kleine Loch durch -Zusammenziehen der Fäden wieder dichten. Für Kaffee mußte die Öffnung -natürlich weiter sein, wieder andere benutzte man bei mehlförmigen -Waren. Für Flüssigkeiten diente der +Steker+, +Provensteker+, auch -+Suger+ genannt, ein Stechheber, der angesogen und, wenn gefüllt, -durch den Daumen oben geschlossen wurde. Butterproben zog man mittels -des +Botterisens+, einer eisernen Hülse, deren eine Seite offen war. --- Um alte Marken wegzukratzen, nahm man die +Schaav+ zur Hand, für -Kisten ein gebogenes Schabeisen mit zwei Holzgriffen, für Fässer ein -dreieckiges flaches Eisen, in dessen Mitte ein Holzstiel eingelassen -war. -- Als Behälter für +allerhand Smeerkram+ fand sich in irgend -einer Ecke die +Sappskeek+ (Sapp ist Saft, mit der Nebenbedeutung -schmierig). -- Waren Säcke auszubessern, so diente dazu das +Neihgaarn+ -oder +Drahtneihgaarn+ (starker Bindfaden, +Dreedraht+ oder +Veerdraht+, -je nach der Zusammensetzung) sowie eine dreikantige +Nadel+, meistens -aber, besonders für dicke +Rappertsakken+ (engl. ~wrapper~), die -+Sninadel+ mit scharfer Schneide, die besser durchging und womit -der Faden gleich abgeschnitten werden konnte. -- Die meisten dieser -Gebrauchsgegenstände werden, beiläufig bemerkt, noch heute angewendet, -indessen benutzt man auch vielfach schon Werkzeug nach amerikanischer -Art, das gleichzeitig verschiedenen Zwecken dient. - -Über die vorkommenden Packungen der Waren, wie sie die Fremde -liefert (Seronen, Gonjes usw.), ist wenig von Interesse zu melden. -Im Fruchthandel gibt es +Siffen+, Körbe für etwa 23 Pfund Äpfel, -und +Hamper+ für 120 Pfund. +Kreet+ oder +Kreets+ (zuweilen in der -Mehrzahl +Kreetsen+ genannt), ist eine lattenförmige Umhüllung für -Glaswaren und manche andere Gegenstände. Sie wird auch wohl aus Hasel-, -Weiden- oder knorrigem Eichenholz geflochten und genagelt. Solche -Kreets sind zum großen Leidwesen der Speicherarbeiter nach der Leerung -nicht einmal als Feuerungsholz zu verwenden. Laut Doornkaat wird mit -Kreet auch der Wagenkorb aus Latten und Sparren bezeichnet, der zum -Heufahren früher allgemein gebräuchlich war. Die zylinderförmigen -leinenumhüllten Kanehlpacken heißen +Fardehl+ (span. ~fardillo~). Eine -der zahlreichen stehenden Redewendungen lautet: „+Ick sall bi di en -fideles Kameel empfangen+“ (statt ein Fardehl Kanehl). - -Im Speicher waren Mäuse häufige Gäste. Es wurden daher immer -Katzen gehalten oder vielmehr Kater. Ein Loch unten in der Tür -des Erdgeschosses gestattete ihnen den Weg ins Freie, um etwa auf -dem Hofe einen Spatzen zu belauern oder zur richtigen Stunde bei -einer gutherzigen Fischfrau das Leibgericht zu erbetteln. Selbst -auf solchen Speichern, wo ausschließlich Waren lagerten, die für -Nager kein Interesse boten, pflegte ein Kater niemals zu fehlen; -der gehörte einmal dazu. Man bewahrte die guten Tiere schonend -vor jeder Leidenschaft. Hin und wieder nagelte man auch wohl an -irgendeinem Balken fest, was sie zu diesem Zweck eingebüßt hatten und -glaubte sie dadurch ihr lebelang an den Speicher zu fesseln. -- Auch -Ratten verirrten sich häufig auf die Lagerböden. Man behauptet mit -Bestimmtheit, daß sie an den Mauern emporgeklommen seien, wenn sie -besondere Leckerbissen, z. B. Walnüsse, witterten. War das +Fallreep+ -hängen geblieben, ein Strick, an dem der Ewerführer nach beendeter -Arbeit in den Speicher kletterte, so diente es auch oft den Ratten für -ihre Besuche. Zum Wegfangen ihrer Jungen stellte man die +Rottenheck+ -auf, ein Gerüst mit Zellen, worin sie ihre Brut ablegten. - -Alleinherrscher im alten Kaufmannsspeicher war der +Huusküper+, -meistens wirklich ein gelernter Küper (Böttcher). In älterer Zeit -kannte man als Packungen für die Waren, neben geschnürten Ballen, -vorzugsweise Fässer oder Tonnen (Nirrnheim LXXIX., Steinhausen: -Abbildungen 53, 54 und Beilage 6 und 11), wie auch in einem Lehrbuche -des angehenden Kaufmanns vom Jahre 1715 (Steinhausen 105) die -Überwachung des Zeichnens von Ballen und Fässern dem Lehrling als eine -seiner Arbeiten vorgeschrieben wird. Von Kisten ist nie, von Säcken -nur selten die Rede. Alles mögliche wurde in den Fässern zusammen -verpackt, z. B. um 1380 dreizehn Schinken, eine Hoyke (Mantel) und -zwei Stücke „Schlagdokes“, wollene Decken, die zum Einwickeln von Tuch -gedient hatten (Nirrnheim I. 652 und LXIV.). Es war somit notwendig, -daß der Hausküper mit der Herstellung sowie dem Packen und Auspacken -von Fässern genau vertraut war. Im allgemeinen war nur das Lager sein -Bereich, aber in kleineren Betrieben besorgte er auch wohl allerlei -Arbeiten für den Haushalt, klopfte Zeug und wichste Stiefel, schöpfte -Wasser zum Scheuern und Waschen aus dem Fleet, besorgte Wege fürs -Kontor, fütterte die Katzen mit +Panzen+ (Magen) und war ein großer -Freund der Kinder vom Hause. Durchweg trug er ledernes Schurzfell mit -Leibriemen, an dem vorn eine kleine Messingtonne als Schild prangte. -Im Winter sah man ihn vielfach in pelzbesetzter Mütze mit Quaste, als -Zeichen seines Amtes, wie er zu sagen pflegte. (Vgl. Hertz 33 f.) - -Der Hausküper hörte es gern, wenn man ihn „+Koptein+“ anredete, -indessen bestreiten ihm die „Quartiersleute“ das Recht auf diesen -Titel: ausschließlich ihnen gebühre solcher, da sie unabhängig -daständen, während der Hausküper nur ein auf Kündigung Angestellter -sei. Im Besitz der Schlüssel war dieser für alles verantwortlich, auch -für die +Arbeidslüd’+, die gegen festen Wochenlohn unter ihm tätig -waren, wie für Gelegenheitshülfe, die er im Tagelohn annahm. Solch’ -vorübergehende Arbeit hieß eine +Hüür+ im Gegensatz zu +Bahntje+ für -feste Anstellung. Der Hausküper sorgte für das Aufbringen, Einwägen -und zweckmäßige Wegstauen der Waren, für Marken und Ummarken -der Kolli sowie für ihre Ablieferung, weiter für rechtzeitiges -Umstapeln von Sachen, die dem Verderb unterlagen, kurz für alles, -was der Lagerbetrieb erheischen mochte. Nebenbei entwickelte er -eine staunenerregende Warenkenntnis bei Empfang und Ablieferung. -- -War es erforderlich, so erschien er wohl gelegentlich bei seinem -Geschäftsherrn an der Börse, sonst jedenfalls abends regelmäßig -am Kontor, um dort Rechenschaft abzulegen und neue Vorschriften -entgegenzunehmen. Das +Gewichtbook+, das er dabei überbrachte, war in -großen Betrieben in verschiedenfarbigen Einbänden vorhanden, etwa in -gelb für eingehende und in blau für abgelieferte Partien. Von jedem -hatte man zwei Exemplare, wovon eins bis zum nächsten Abend am Kontor -verblieb, um danach Rechnungen auszustellen oder einlaufende zu prüfen, -das andere inzwischen zur Benutzung auf dem Speicher. - -Gab es Arbeit, die der Hausküper nicht mit den eigenen Leuten -bewältigen konnte, so holte er sich weitere Kräfte von +de Lüd’ -von de Eck+. Das waren nicht etwa Gelegenheitsarbeiter in Art der -berühmten „+Löwen von’n Hoppenmark+“, die nur gelegentlich Obstkörbe -aus den Ewern auf den Markt schleppten und sich hauptsächlich von -Schnaps ernährten, sondern sie mußten ehrbare Hamburger Bürger sein -und entsprechend dem Vertrauen, das man in sie setzte, streng auf -Standesehre halten. Keineswegs konnte sich jeder beliebig zu ihnen -gesellen. Er mußte guten Leumund besitzen und in aller Form um seine -Aufnahme ersuchen. War solche zugestanden, so wurde er ins Buch -eingetragen, das jede „Ecke“ führte, nachdem er „+en Daler oder -twe as Inspringelgeld+“ erlegt hatte. Der Hausküper war, um solche -+Spikerarbeiders+ oder +Spikerlüd’+ anzuwerben, je nach der Lage seines -Speichers auf eine bestimmte Ecke angewiesen; erst wenn hier niemand -zu finden war, durfte er sich weiter umsehen. Die „Ecken“ hatten -ihre festen Bezeichnungen: +de Englännereck+ (Katharinenstraße), +de -Wandrahmseck+, +de Pickeck+ (Rödingsmarkt-Steintwiete) usw. und standen -in Verbindung mit einer +Köhminsel+, einer bestimmten Destillation -(Schnaps- und Bierausschank), wo der Hausküper zunächst einzukehren -hatte, wenn er an der Ecke keine Leute antraf. Bei diesem +Kröger+ war -den Lüd’ von de Eck’ das Recht eingeräumt, statt einzelner Schnäpse -zum Sechsling (3¾ Pf.) das Glas, eine Flasche für drei Schilling (22½ -Pf.) zu erstehen und in einem Hinterzimmer zu vertilgen. Traf der -Hausküper sie gerade bei einer frischen Pulle an oder wurde eine solche -auf dem Speicher „ausgegeben“, so gebührte ihm der erste Schluck. -„+Een’n utgeven+“ kam auf dem Lager nicht selten vor, sei es daß der -Geschäftsherr sich blicken ließ oder daß Makler, Agenten oder Käufer -dort zu tun hatten. Als zarter +Wink mit’n Lüchtenpahl+ diente dann -wohl: „Is mal +dröge Luft+“ oder „+dat stöft hier bannig+“. War sonst -niemand da, den man um Getränk ansprechen konnte, so meinte wohl einer -der Arbeiter: „+Wöhlt wi nich en Lütten passen?+“ d. h. es sollte -zusammengeschossen werden, um Alkohol anzuschaffen. Kam dann gerade -ein junger Mann vom Kontor darüber zu, so erwartete man, daß er sich -in hervorragender Weise beteiligte. Dafür durfte er den ersten Schluck -aus dem Glase tun, das nachher die Reihe herum ging. -- Es wurde früher -recht häufig getrunken, wenn auch nicht viel zur Zeit. Bei Ablieferung -von Waren hatte der empfangende Hausküper oder Quartiersmann, wenn es -sich nicht um ganz kleine Partien handelte, den Arbeitern gleichfalls -einen auszugeben, und zwar wurde dies +op de halven+ beansprucht, d. -h. wenn die Hälfte der Partie abgeliefert war. Morgens vor 8 Uhr wurde -„+en Sweizer+“ für das Geld geholt, nach 8 Uhr Kümmel und Flaschenbier. -Der Verwalter des Getränks wurde +Buddelör+ genannt. Das gewöhnliche -Schnapsgemisch war +Köhm un Grön+ d. i. Kümmel und Wermut. Beim Sweizer -kam noch Pfeffermünz hinzu. „+Lat uns mal en lüttje Sweizerreis’ -maken!+“ hieß es wohl. Besonders geschätzt war das Helmerssche -Erzeugnis; daher: „+Hal mal een von Helmers sien!+“ oder „+Dat ’s woll -Helmers sien?+“ (mit Anklang an Hennessy). Die Höhe des betreffenden -Trinkgeldes, das zuweilen auch je zur Hälfte vom Ablieferer und -Empfänger getragen wurde, richtete sich ungefähr nach der Größe der -abgelieferten Partie. Man rechnete z. B. bei 50 Sack Kaffee vier -Schilling (30 Pf.), bei 100 Sack das Doppelte. -- Wollte man Köhm un -Beer in einer Wirtschaft genießen, so forderte man „+Lütt un lütt+“, d. -h. en lütt Glas Köhm un en lütt Glas Beer. Das kostete zusammen einen -Schilling (7½ Pf.). Es gibt noch heute viele Wirtschaften, wo je 2 -Glas Lütt un Lütt für 15 Pf. geliefert werden. War man dann gemütlich -im Schnacken, so hieß es bald: „+Op een Been kann man nich stahn!+“ -Solcher Redensarten, die sich natürlich nicht auf die Speicherarbeiter -beschränken, ließen sich noch manche sammeln. „+Eenmal vergebens -un denn mit alle Mann+“ rief man bei einer Arbeit, wo alle Kräfte -anzuspannen waren. Wollte man eine Arbeit aufgeben, so hieß es: „+Lat -uns man in’n Sack hauen!+“ Stand einer müßig herum, so sagte man wohl: -„+Breek di man nich de Hann’ in de Tasch af+“ oder man fragte: „+Na, -puulst in’e Nees?+“ und erhielt vielleicht zur Antwort: „+Djä, ick -kann mi mit’n lütt Stück Arbeit lang behelpen+“. Ein dritter meinte -dann dazu: „+Worto hett man denn de Been, as um de Arbeit ut’n Weg to -gahn.+“ Allerhand Ökelnamen für andere Beschäftigungen gibt es auch. -+Rümdriewer+ heißt der Böttcher, weil er beim Antreiben der Bänder ums -Faß eilt. Daher auch: „+He löppt as so’n Fattbinner+“ (Korr. Bl. 23,57 -u. 33,43). Die Zollbeamten nennt man +Tollmus’kanten+, +Grashüpper+ -und +Grönröck+, die Kontoristen +Fedderveeh+ und +Kantorknüppel+, den -jungen Kommis, der Muster entnahm, +Provenrieder+ usw. - -Solange sie unbeschäftigt waren, trugen die Lüd’ von de Eck sauberen -dunklen Anzug, Schurzfell und schwarzen Zylinder. Waren sie für -Arbeit angenommen, so legten sie hohen Hut, Jacke und Schurzfell ab -und zogen zum Schutz gegen Staub eine wollene oder baumwollene Mütze, -die „Mudder“ aus alten Stoffresten angefertigt hatte, die +Klottje+, -Über den Schädel, sowie ein +Busseruuntje+, eine Art Bluse, als -Arbeitsgewand über den Oberkörper. (Klottje aus dem französischen -~calotte~, gleich Käppchen.) Zu Busseruuntje erklärt Schütze, daß -diese Bezeichnung aus dem Holländischen stamme und gleichbedeutend mit -+Schanslöper+ sei. (Vergl. Goedel 57.) Vorn über den Leib kam außerdem -die Hälfte eines alten Kaffeesackes, die durch Bänder auf dem Rücken -befestigt war. Der Hausküper war vornehmer, er trug bei der Arbeit die -Hälfte eines weißen Saatsackes ohne Naht, der dann jeden Sonnabend in -die Wäsche kam. - -[Illustration] - -Die obige, etwas flüchtig hingeworfene Skizze aus meiner Sammlung -entstammt den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und zeigt -einige Lüd’ von de Eck in der damaligen Tracht. Der Zeichner, +W. -Lühring+, war damals bei der hiesigen Häutefirma George Maltz u. Co. -als Handlungsdiener tätig. -- Man beachte, daß der Schuster sowohl -wie die Person im hohen Hut (vielleicht ein Quartiersmann) kurze -Kalkpfeifen rauchen, deren man 8 Stück für einen Schilling erhielt. - -In ähnlicher Weise wie bisher berichtet ging im Speicherbetrieb alles -streng nach genauer Ordnung vor sich. Beim Aufwinden von Waren galt -z. B. der feste Satz von 80 Pfund Leistung auf den Mann, wenn sie -den ganzen Tag zu arbeiten hatten; sonst konnten sie es auch bis zu -300 Pfund bringen. Ebenso behielt jeder mit seinen Händen den Platz -am Windetau, den +Löpers+, den er zu Anfang eingenommen hatte. Diese -Löpers, zwei starke Taue ohne Ende, liefen durch Löcher im Fußboden -durch alle Stockwerke des Speichers und dienten dazu, eine Holzrolle -auf dem Spitzböhn in Umschwung zu bringen, auf der sich das starke -Tragetau, der +Dreger+, auf- oder abwickelte. Zu solchem Zwecke hatte -diese Welle, der +Winnbohm+ oder +Wellbohm+, an beiden Enden +Rööd+, -Wellräder, deren Kranz mit Doppelzacken versehen war, in die die -Löpers sich klemmten. Das Ende des Dregers war über den außen hohlen -Rand der +Kausch+ gespleißt, ein Eisenring, in dem der eiserne +Haken+ -hing. (Kausch heißt auf der Elbinsel Finkenwärder das Segelöhr.) -Über den Haken hinweg wallte das aufgerebbelte Ende des Dregers, der -+P’rükenkopp+, der dazu diente, die Feuchtigkeit ablaufen zu lassen. -Außerdem ermittelte man gelegentlich, ob dies äußerste Stück des -Dregers noch haltbar sei, indem man einzelne Strähne des P’rükenkopps -auf ihre Widerstandsfähigkeit prüfte. Zeigten sie sich mürbe, so wurde -ein Stück des Dregers weggeschnitten und das neue Ende wieder Über die -Kausch gespleißt. - -Als Zurufe bei der Arbeit des Auf- und Abwindens herrschten -hergebrachte Ausdrücke. Der Hausküper, oder, wenn er sich vertreten -ließ, der +Lukenvice+, rief den an den Löpers angestellten Arbeitern -von der Luke aus seine Anordnungen zu. War unten in der Schute die -Ware am Haken befestigt (+anslahn+), so hieß es: „+Sso, winn’ op!+“ -oder „+Hüüs’ op!+“ (vergl. hissen, heißen, z. B. der Flagge), auch -wohl „+Hiev op!+“ (an Schiffsbord: „Anker hieven“). Hatte die Last -seine Luke erreicht, so rief er „+Haaah+“ (helles a wie in Rabe), -worauf die Löpers über den +Knaggen+ geworfen werden mußten, damit -infolge vergrößerter Reibung je ein Mann die Last schwebend erhalten -konnte, während die übrigen sich mit an die Luke begaben, um sie -hereinzuziehen. Der Knaggen, auch +Achtersmiter+ oder +Hemmhaken+ -genannt, war ein am Pfeiler neben den Löpers befestigtes starkes -Brett, meistens Buchsbaumholz, woraus man ein länglich rundes Stück -weggeschnitten hatte. In die entstandene Höhlung paßten die Löpers. -Fand man einen kräftigen Baumast, der sich für den Zweck eignete, so -nahm man ihn noch lieber. Innerhalb der mit Haspelwinde versehenen -alten Kaufmannshäuser vertraten häufig zwei eiserne +Wandhaken+ -nebeneinander die Stelle des Knaggens. War nur ein einziger vorhanden, -so wurden die Löpers zweimal hinübergeworfen, weil sonst an den glatten -Eisen nicht genügend Reibung entstanden wäre. Dies brachte indessen -starke Abnutzung des Windetaues mit sich. -- Beim Rufe „+Striek wat!+“ -wurde das Hereinziehen der Last durch Nachgeben der Löpers ermöglicht, -bei „+Los!+“ ließ man diese fahren. (Strieken ist ein altes Wort mit -großer Zahl von Bedeutungen; hier „nachlassen“, „nachgeben“. Wenn die -hochdeutsche Sprache sich mehr um ihre ebenbürtige niederdeutsche -Schwester bekümmern wollte, hätten wir statt des Streiks den „Striek“ -gehabt, also ein gut deutsches Wort.) -- War der Haken befreit, so -mußten die Löpers auf „+Sla los!+“ oder „+Smiet los!+“ vom Knaggen -herabgehoben werden, um den Dreger in kräftigen Zügen wieder nach unten -zu befördern. Die +Läng’+ oder +Längde+ wurde zu neuer Verwendung -hinterhergeworfen, nachdem der Mann in der Schute gewarnt worden -war, sich nicht vom Platz zu rühren, durch „+Fast dar nerrn!+“ oder -„+Waarscho!+“ oder „+Ünnerruut!+“ und geantwortet hatte: „+Smiet!+“ -(Nerrn, früher nedden -- unten, Waarscho = Acht geben. Wenn Goedel im -Quickbornbuch 9 S. 19 meldet, dies Wort sei in Kiel von der Marine -wieder in den Sprachschatz der Stadtbevölkerung übergegangen, so -kann ich dem gegenüber feststellen, daß es in Hamburg nie außer -Übung gekommen ist.) Inzwischen wurden Kisten oder Säcke aus dem -Wege geräumt, um für die nächste Ankunft Platz zu haben. Wurden sie -später aufgestapelt, so lautete das Kommando: „+Hoch op!+“, „+Höger -rop!+“ und „+Hoch!+“, je nachdem Knie- oder Ellbogenhöhe oder endlich -volle Höhe erreicht war. -- Zu Läng’ ist zu bemerken, daß dies ein -zusammengespleißtes Hanftau ohne Ende war, das man niederlegte, um -darauf eine Anzahl Säcke oder Kisten aufzubauen. Dann wurde die -Schlinge des längeren Endes durch die kürzere gezogen, diese fest -heruntergedrückt und die längere in den Haken gehängt. Hatte das -Aufwinden begonnen, so mußte das kurze Ende noch weiter niedergepreßt -werden, damit die Ware nicht herausschießen konnte. Ein Ewerführer, -der eine +Hieve+ Rosinen in Säcken vielleicht nicht fest genug -eingeschlagen hatte, sah sie herabstürzen, bevor sie die Luke erreicht -hatte, konnte aber noch rechtzeitig beiseite springen und rief dann in -gut gespielter Entrüstung hinauf: „+Hett jo gar keen Sinn, dat ick dat -inwickel, wenn ji dat wedder dalsmiet!+“ -- Für schwere Lasten benutzte -man eine kürzere und dickere Läng’, die +Stropp+, für Fässer +Hakens+, -an einer Kette ohne Ende hängende gekrümmte Eisen, für Kisten, die -es vertragen konnten, +Düvelsklauen+, je ein starkes gekrümmtes -Doppeleisen an den Enden einer Kette. - -Die Ausrufe galten mehr der Aufmerksamkeit des Ewerführers, als den -Leuten an der Winde, wenn eine Ware hinabgelassen werden sollte. War -sie zunächst handbreit aufgewunden, so hieß es: „+Achter!+“ (Achtärr) -oder „+Maak fast!+“ oder „+Smiet achter!+“ damit die Löpers über den -Knaggen geworfen wurden. Die Ware wurde nun zur Luke hinausgeschoben -und schwebte frei. Auf „+Striek wat!+“ dann „+Lat reisen!+“ oder „+Los -lat fallen!+“ auch wohl „+Los lat strieken!+“ ließ man dann die Löpers -durch die Hände gleiten, die durch Sackleinen geschützt waren, während -der Knaggen durch die Reibung genügend hemmte, um die Last immer in der -Gewalt zu behalten. Schien sie nahe dem Ziel, so mußte auf „+Sinnig!+“ -(+Sinniiich+) angehalten werden, bis der Ewerführer sie nah dem Punkte -hingezogen hatte, wo er sie aufzustapeln gedachte. Auf „+Striek!+“ oder -„+Los lat strieken!+“ oder „+Los lat scheeten!+“ mußten die Löpers -rasch nachgegeben werden, bei „+Achterruut!+“ waren sie vom Knaggen -abzuheben, um den Dreger wieder aufzuwinden. Wenn wir als Jungens beim -Winden helfen durften, machte die Betonung „Los lat scheetennnn!“ -besonders starken Eindruck. - -Die Löpers waren natürlich durch alle Böden hindurch von den Knaggen -freizuhalten, wenn gewunden werden sollte. Im Sommer dehnten sie -sich und schleiften dann im Raum, dem untersten Boden, während der -Windearbeit in tollen Kapriolen auf dem Fußboden hin und her. Paßte man -in der herrschenden Dunkelheit nicht auf, so hatte man die schönste -Gelegenheit, darin verstrickt und vielleicht gar stranguliert zu -werden. Die Finsternis in sämtlichen Räumen des Speichers pflegte -undurchdringlich zu sein, wenn die Luken geschlossen waren, denn -die aufgestapelten Waren nahmen das bißchen Tageslicht weg, das -durch die Fenster Einlaß fand. Dies um so mehr, als die Speicher -häufig schmal und sehr tief waren. Man hielt das der Erhaltung der -Waren zuträglicher, als wenn Licht und Luft Zutritt hatten, auch -konnte man häufig feststellen, daß die Partien das Gewicht, das sie -vielleicht während der Reise eingebüßt hatten, bei längerer Lagerung -wiedergewannen. Aus diesem Grunde schüttelte manch alter Praktiker den -Kopf, als er die größere Breite und viel geringere Tiefe sah, die man -den neuen Speichern im Freihafen gegeben hatte. -- Mußte man auf dem -Speicher eine Ware ansehen, so pflegte der führende Arbeiter, der auch -im Dunkeln Schritt und Tritt kannte, einem oftmals die Hand zu reichen, -damit man sich durchwinden konnte. - -Der größte Teil der Ausrufe, die ich hier wiedergegeben habe, fällt -bei den elektrischen oder hydraulischen Winden der Neuzeit fort und -wird durch Handbewegungen ersetzt. Erwähnt mag bei dieser Gelegenheit -noch werden, daß schon um 1865 der Versuch gemacht wurde, die mühselige -Handarbeit beim Aufwinden der Kaufmannsgüter durch eine Dampfwinde -zu ersetzen, die man in der Schute aufstellte. Es erhob sich aber so -lebhafter Widerspruch seitens der Arbeiter gegen eine solche Neuerung, -die ihnen das Brot nehmen würde, daß man bald hiervon zurückkam. - -Nach beendeter Arbeit wurde der Dreger bis an den +Utlegger+ -aufgewunden, eine am Giebel angebrachte Vorrichtung mit einer Rolle -aus Pockholz oder Eisen, später aus Gelbmetall, die +Schiev+, über die -der Dreger lief. Geschützt war der Utlegger durch den +Winn’kasten+, -auch +Galgen+ genannt, einen unten offenen Holzkasten. An den Haken -war zuvor ein dünnes Tau geschlungen, die +Fanglien+, die neben der -untersten Luke befestigt war und sein Herabziehen zu neuer Benutzung -ermöglichte. Zuweilen war noch am äußersten Ende des Winn’kastens ein -Haken angebracht, an den man +Schiev un Tau+ hängen konnte, um leere -Kisten, Körbe oder Säcke aufzunehmen, wozu es dann nur eines Mannes -bedurfte. - -Beiläufig wäre noch zu bemerken, daß die Löcher im Fußboden, durch -die die Löpers glitten, mit Porzellanringen ausgesetzt waren, um die -Reibung zu vermindern, und daß man die +Winn’löcker+ zustopfte oder -mit Holzringen umgab, wenn Waren gestürzt werden sollten, damit das -Durchlaufen in die unteren Böden vermieden wurde. Für dies +Störten+, -das Ausleeren sämtlicher Packungen einer Partie, um gleichmäßige -Mischung herzustellen, gehörte das +Störtlaken+, eine mächtige -Leinewand, zum Bestand. - -Ein hergebrachter Ausruf bei der Arbeit war der Zählgesang bei -Ablieferung bestimmter Waren, besonders von Häuten und Fellen. Bröcker -I. 58 f. veröffentlichte (mit Notenbegleitung) eine Version, die hier -unter Beibehaltung der Schreibweise wiedergegeben sein möge: - - „Nu hebbt wi +een+ op’t Neet -- +Terriwe+ kumpleet -- - Hebbt wi en +Diarree+ -- dat +veerte+ Mol -- - Scheun sünd de groten to +fiif+ -- en +halbes Dutz+ davon in’n Liew -- - +Söben+ is de Galgentool -- goht wie de ganze +Nacht+ opp dol -- - +Negen+ is de Rummelee -- +Tein!+ tein is tein -- - Mein Hamburg an der +Elbe+ Strand -- wie liegst du tief im Tal -- - du bist nicht mehr dasselbe Land -- wie Anno dazumal -- - Wie hat man dich entrissen -- aus Altertümlichkeit -- - du mußt noch vieles missen -- aus deiner goldnen Zeit -- - denn so wie du, vallera -- so bin auch ich, vallera. - +Een un de twintig -- terriwe un de twintig -- - diarree un de twintig -- veer un de twintig -- - fief un de twintig -- soß un de twintig -- - söben un twintig -- alle acht un de twintig -- - negen un twintig -- nu hebbt wi dottig mol.+“ - -Auf S. 67 desselben Heftes wird für die Ziffer 5 und 6 die drastischere -Lesart „Scheun is min Wief -- se hett er dickes Lief“ mitgeteilt und -für 11 bis 20 die Version: - - „Mein Hamburg an der +Elbe+ -- da geht’s bis nachts um +zwölfe+ -- - mok de +Dör to Hein+ -- in de Diekstroot +veertein+ -- - bi +foftein+ is ’t en Drinker -- an de +soßtein+ geit nix flinker -- - +söben un de tein+ -- denn gode +Nacht min Hein+ -- - nu sloop man fein -- so ’n +twintig+ Mool.“ -- - -Zu 30 heißt es dann noch: „Siehst du woll -- nu hebbt wi +Talje vull+, -vallera!“ - -Hierzu wäre zu bemerken, daß „Talje“ mit dem engl. ~tally~, Kerbholz, -Zählstrich zusammenhängt. -- „De Groten to fiif“ sind Schnäpse zu 5 Pf. -das Glas. -- Bei 8 pflegt es auch zu heißen: „Gaht wie +alle Nacht+ -op un dal.“ -- „De ganze Rummelee“ statt „alle negen“ ist Ausruf beim -Kegeln; „+twe Veerlanner Been+“, wie zuweilen für 11 gebraucht wird, -stammt ebenfalls daher. Zu 12 singt man auch wohl: „in +Horborg is’t -datselbe+.“ -- Bei der „halben Talje“ wird gern ein Schluck genommen, -daher: „bi foftein is’t en Drinker.“ (Vergl. Mitt. a. d. Quickborn IV. -91). Zu 16 hörte ich die Variante: „+an de soßtein geit dat flinker+“: -man arbeitete nun frisch gestärkt weiter. - -Der verstorbene C. Rud. Schnitger regte beiläufig die Frage an, ob das -„foftein maken“ vielleicht mit der Berechnung von Häuten und Fellen -nach Zimmer zu 4 Decher zu 15 Stück zusammenhängen könne. - - - - -Was sich der Speicher erzählt - - -[Illustration] - -+Hein+: Uns’ Ol hett mi ’n Mark in de Hand drückt un seggt, ik sall uns -dafor Brod un Snaps mitbringn. - -+Kodl+: Na, un wat hest du brocht? - -+Hein+: För fifunnegntig Penn Köhm un Greun un for fif Penn Brod. - -+Alle zusammen+: Harrijeh! Wat süllt wi denn mit all’ dat Brod -opstelln?! - -Das nebenstehende Bild (aus der „Reform“, 1877) gibt eine gute Gruppe -von Speicherarbeitern wieder, während der Raum, in dem sie sich -aufhalten, zum Zweck der Belichtung stark idealisiert ist (vergl. Kopal -50 f. und Jünger 10 f.). - -Eines eigentümlichen Speicherausdruckes muß ich hier noch gedenken, des -„+Tómann’n+“. Er wurde angewendet für das Weiterreichen kleiner Kolli -von Hand zu Hand, außerdem auch, wenn man z. B. Säcke vom Raum auf -einen höheren Boden zu schaffen hatte und aus irgend einem Grunde die -Winde nicht benutzen wollte oder konnte. Einer der Arbeiter trug die -Säcke dann bis zum ersten Boden, wo ein anderer sie ihm abnahm, um sie -wieder eine Treppe höher zu bringen, und dann so weiter. - -Außer dem Hausküper und seinen Leuten fand sich auf dem Speicher -gelegentlich der jüngste Lehrling ein, um eine Bestellung zu machen, -denn den Fernsprecher kannte man noch nicht. In solchen Fällen, wo -Kontor und Lagerräume auf demselben Grundstück vereinigt waren, kamen -auch wohl einige Lehrlinge während ihrer Mußestunden zum Besuch, -die an den Waren, besonders den eßbaren, wissenschaftliche Studien -machten und daneben allerhand Mutwillen trieben (Kopal 47 f.). Da -wurden vielleicht dem alten Herrn, der im Hause jenseits des Fleets -über seinen Büchern brütete, durch ein Brennglas die Sonnenstrahlen -auf die Hand geworfen oder einem Nachbarn mittels Pusterohrs Erbsen -oder Kittkugeln ins Fenster geschossen. Oder man überredete den -„Jüngsten“, sich auf dem Haken stehend nach unten befördern zu -lassen, und weidete sich an seinem Zorn, wenn man die lustige Fahrt -unterbrach und ihn eine Weile zwischen Himmel und Erde zappeln ließ. -Bei einer Firma im Grimm herrschte die hergebrachte Gewohnheit, daß dem -jüngsten Lehrling am Tage seines Eintritts das Gesicht mit Zinnober -eingerieben wurde, worauf man ihn in einen Korb packte und an der -Außenseite des Kaufmannshauses bis an das Fenster aufwand, hinter dem -der Geschäftsherr saß. Pantomimische Entrüstung an der einen Seite, -ebensolche Beteuerung: „Ich kann’s nicht helfen!“ von der anderen -waren regelmäßig die Folge. -- Auch das Klettern am hängenden Dreger -und sonstige Turnerkünste wurden geübt. -- Zuweilen ließ sich übrigens -auch der +Lagerdeener+ sehen, ein Angestellter, der am Kontor alles -unter Händen hatte, was das Lager anging. Der Name Lagerdiener ist -jetzt nicht mehr gebräuchlich. Es mag eben niemand mehr „dienen“, -außer wo es sein muß, nämlich im Heer. Sogar die Köchin, die sich -für Stellung meldet, fragt man heutzutage: „Wo war Ihre letzte -Stelle?“ Für Lagerdiener ist die verfeinerte Bezeichnung „Lagerist“ -eingeführt, für Handlungsdiener, wie früher alle gegen Gehalt am -Kontor Angestellte sich nannten, „Kommis“. Noch heute ist übrigens die -„Handlungsdiener-Witwenkasse von 1841“ in Betrieb. -- In alter Zeit -hießen die Angestellten +Scholer+ und +Knechte+ oder +Diener+. Die -Scholer dürften ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt gewesen -sein. Sie wurden, da sie mithin des Lesens und Schreibens kundig waren, -in erster Linie mit Buchführung und ähnlichen schriftlichen Arbeiten -betraut. Außerdem erfüllten sie wohl dieselben Obliegenheiten wie die -Knechte, also Empfangnahme, Beaufsichtigung und Ablieferung von Waren, -Einziehung von Schulden am Platz und auswärts und ähnliches (Nirrnheim -XXVIII.). Scholer und Knechte, besonders die ersteren, mochten bei -ernstem Willen und tüchtigen Leistungen hin und wieder grade so gut -eine selbständige Stellung erlangen, wie heutzutage. Gelegenheit, -ein erspartes Kapital zu vermehren, hatten sie häufig, denn der -Geschäftsherr beteiligte sein Personal bis hinab zur Dienstmagd gern -an kleinen Unternehmungen (Nirrnheim XLIV. f.). In recht vielen -Hamburger Firmen herrscht übrigens noch heute ein außerordentlich -patriarchalisches Verhältnis zwischen Geschäftsherrn und Angestellten. -Alte Handlungsgehülfen und Arbeiter werden oftmals „durchgefüttert“, -wenn sie auch nur wenig mehr leisten können oder beziehen aus freien -Stücken auskömmliches Gehalt auf ihre alten Tage. Andererseits sind -mir Fälle bekannt, wo der Geschäftsherr durch seine ehemaligen -Untergebenen fortlaufend freiwillig Unterstützung erhielt, wenn er im -Lauf der Jahre zurückgekommen war. - - -Wem es nicht paßte, seinen eigenen Hausküper zu halten, der benutzte -+Quarteerslüd+, Arbeitsübernehmer, die sich ursprünglich immer zu -Vieren (dem „Quartier“) zusammengetan hatten und für eine Reihe von -Firmen die erforderlichen Arbeiten zu vereinbarten Sätzen für das -Kollo oder den Zentner ausführten. Mit diesen Verbindungen müssen -wir uns eingehender beschäftigen. Sie verdienen durchaus eine -besondere Beachtung und höchste Achtung, denn ohne Innungszwang und -ohne staatliche Anerkennung oder Beaufsichtigung haben sich diese -Verbrüderungen einfacher Arbeiter durch Jahrhunderte hindurch das -unbegrenzte Vertrauen der Kaufmannschaft zu wahren gewußt und Güter -von höchsten Werten blindlings zur Verwaltung übertragen erhalten. -Schon längst hätte mal einer aus ihrer Mitte sich daran machen müssen, -Zuverlässiges und Erschöpfendes über seinen Stand zusammenzustellen, -sowie gleichzeitig Klarheit zu schaffen über die Unterschiede zwischen -Huusküper, Quarteerslüd, Spikerarbeiter, Lüd von de Eck und sonstigen -Gelegenheitsarbeitern, die häufig von Zeichnern und Schriftstellern -sämtlich in einen Topf geworfen wurden. Sehen wir uns in dieser -Beziehung einmal an, was über den Gegenstand zu finden ist. Viel -kommt dabei freilich nicht heraus; dagegen entdeckt man fast überall -Ungenauigkeiten oder Falsches. - -Im allgemeinen richtig äußert sich Schütze: „Eine Vereinbarung der -Arbeitsleute, die ihren Namen nicht von Quartier oder Viertel, sondern -von der Zahl 4 haben. Vier Arbeitsleute vereinigen sich, um bei den -Kaufleuten Kundschaft zu suchen, und haben ihre eigenen Häuser, die -ihnen betrauen, doppelte Schlüssel zu den Packräumen, davon einen -der Quartiersmann hat. Sie haben eine eigene Firma unter sich und -Kasse, und sorgen, wenn bei Ausschiffungen, Verladungen mehrere -Leute nötig sind, für deren Anschaffung. Sie haben ihren eigenen Ort -der Zusammenkunft, werden aber nicht zu ihrer Quasi-Innung in Eid -und Pflicht genommen. Sie müssen rechnen und schreiben können und -übrigens starke Leute sein. Stirbt einer von ihnen, so wählen sie -und nehmen den tüchtigsten unter sich auf, oft nach einer Probezeit. -Es sind dergleichen mehrere Quartiere, Viermänner, in Hamburg in -den Kirchspielen.“ Einige Jahre vorher (1794) veröffentlichte Chr. -Gottfr. Morasch in seinen „Charakteristischen Kleidertrachten“ zwei -hübsche Abbildungen angeblicher Quartiersleute, und zwar Blatt 8 No. -4 Quartiersmann mit Zuckerproben, dazu die Anmerkung: „Gewöhnlich -bedienen sich ihrer die Zuckermakler, um Proben zu den Raffinerien -herumzuschicken“. (Anderweitig heißt es, diese Leute seien Hausknechte -der Makler gewesen. Das ist auch bestimmt anzunehmen.) Ferner -Blatt 9 Quartiersmann und Arbeitsleute: „Die Quartiersmänner haben -Korporationen unter sich und halten sich gewöhnlich zu vieren in -gewissen Bierkellern auf, wo man selbige zu seinem Bedarf gleich -herausrufen kann. Bei schweren Arbeiten bedienen sie sich der -Arbeitsleute. Die Derbheit ihrer Hände und die Muskeln ihres Rückens -sichern, ohne Kunst und Geschicklichkeit, einer großen Anzahl dieser -Menschen ihren Unterhalt zu. Sie stehen gruppenweise auf den Straßen -und Gegenden, wo der Handelsverkehr sie am meisten bedarf, sie -tragen, schleppen, ziehen, werfen, klettern, winden, schieben, alles -kunstlos und ohne Erfordernis von Genauigkeit. Sie haben Korporationen -unter sich und haben gemeiniglich einen Quartiersmann zum Anführer.“ -Auch dieses Bild ist interessant, nur befremdet es, daß Morasch die -Leute auf offener Straße darstellt, und seine Erläuterungen lassen -es gleichfalls im Zweifel, ob er nicht Quartiersleute mit Lüd’ von -de Eck verwechselt hat, besonders da er von einem Bierkeller als -Versammlungsort spricht. -- Von Heß (III. 408) teilt diesen Irrtum: -„Das Institut der Quartiersleute ist von den Auf- und Abwindern der -Kaufmannsgüter erfunden, welche sich je 4 und 4 zusammengerottet -haben, und treu beieinander halten, um sich einer steten Tätigkeit -zu vergewissern und dem, der sie bedarf, die Mühe des Suchens zu -erleichtern. Diese Vierschaften haben ihre besonderen Bierkeller -zu Sammelplätzen, wo sie hervorgerufen werden, und sich, nach -Beschaffenheit der Umstände, verteilen oder in Gemeinschaft an die -Arbeit gehen.“ -- In den alten Kontrakten der Quartiersleute ist -allerdings zuweilen von einem Keller als ihrem Standorte die Rede, -indessen haben wir darunter unzweifelhaft keine Wirtskeller, sondern -ein gemietetes Lokal zu verstehen, wo sie anzutreffen waren oder -ihre Adresse hinterließen und wo sie Arbeitszeug sowie Gerätschaften -aufbewahrten. Sie verpflichteten sich in ihren Verträgen, die Kosten -für Gerät und +Miete+ gemeinsam zu tragen, um dann den Gewinn ebenfalls -gleichmäßig zu verteilen. -- Christoffer Suhr in „Hamburgische -Trachten“ (1838) zeichnet auf Blatt 18 vier „Quartiersleute“ vor einem -Karren mit niedrigen Rädern, worauf ein großes Faß. Wahrscheinlich -sind dies Lüd’ von de Eck, abgesehen davon, daß die Gesichter stark -an junge Mädchen erinnern, die sich einen Maskenscherz erlauben. -Heckscher (29) trifft in seinen ausführlichen Erläuterungen hierzu -durchweg das Richtige. Nur stimmt es nicht, daß auch Möbeltransporte, -Kohlenaufwinden usw. regelmäßig durch Quartiersleute besorgt zu -werden pflegten. Das gehörte nicht zu ihrem Arbeitsgebiet, wenn es -auch ausnahmsweise geschehen mochte. -- In „Hamburg wie es ist -- -und -- sein könnte“ (Berendsohn 1839 S. 20 f.) unterhalten sich -„Quartiersleute beim Krahn“, während sie auf Arbeit warten, und -folgen zum Schluß einem Kommis, der sie anwirbt, um im Wandrahm -Indigo abzuliefern. Das können nur Lüd von de Eck gewesen sein, denn -Quartiersleute warteten niemals an offener Straße auf Beschäftigung. -- -Durchweg zutreffend sind Bueks Erläuterungen zum „Album Hamburgischer -Kostüme“ (1847), nur ist es vollkommen verkehrt, wenn er sagt, das -Institut der Hausküper sei erst hoch gekommen, weil man die Spesen -der Quartiersleute zu teuer befunden habe. Die Jessensche Abbildung -dazu ist eine der besten, die wir besitzen, abgesehen von dem -bekannten Gruppenbilde des Schillerfestzuges von 1859. Ein Modell des -alten Rollwagens, den die Quartiersleute bei diesem Anlaß mit sich -führten und in berechtigter Vorsicht mit Eßwaren und Getränk beladen -hatten, befindet sich, beiläufig bemerkt, im Museum für Hamburgische -Geschichte. Dort entdeckte ich auch ein ungerahmtes Bild auf großer -Leinewand, vom Maler F. L. Heiser bei Anlaß eines Quartierjubiläums -angefertigt, mit Darstellung zweier Quartiersleute und der Unterschrift -1701-1869. Ich würde solches hier wiedergegeben haben, wenn die -angebliche Tracht von 1701 nicht in eine weit spätere Zeit gesetzt -werden müßte. - -In neuerer Zeit lieferte Borcherdt (II. 286 f.) eine gute Studie -über den Gegenstand. Falsch ist darin, daß die Quartiersleute ihren -Kunden den Lohn der Hülfsarbeiter in Rechnung gestellt hätten. Der -ging immer aus ihrer eigenen Tasche, denn sie übernahmen ja die Arbeit -zu festen Sätzen. Das gute Bild eines Quartiersmanns in alter Tracht -erscheint auf dem Umschlag seines Buches. -- Sternhagen (7 f.) führte -in Gestalt des Peter Voß den Quartiersmann ein, „den Vertreter der -Hamburger Kaufmannschaft, der sich in ihrem Dienst zu allen Zeiten -zu Wohlhabenheit und zu besonderen Ehren erhoben habe“, läßt uns -aber von seinem Geschäftsbetrieb nichts erfahren. Nicht zutreffend -ist die Behauptung (28), mit „Koptein“ würden nur die „Konsorten“ -angeredet. Dieser Titel kam sämtlichen Teilhabern des Quartiers zu. -- -Rat ~Dr.~ Voigt (Mitt. V. 488 f.) hält es bei Besprechung eines alten -Kontraktes für möglich, und ~Dr.~ Obst (Hamburger Fremdenblatt 17. -Nov. 1905 und „Aus Hamburgs Lehrjahren“ 135 f.) scheint geneigt, sich -ihm anzuschließen, daß diese Vereinigungen aus den Knevelkarrenführern -hervorgegangen sein könnten. Mir ist dies höchst unwahrscheinlich, -denn zum Quartiersmannsberuf eigneten sich nur solche Leute, die mit -Behandlung von Waren, Packen usw. Bescheid wußten, also schon auf -Speichern gearbeitet hatten. So wenig wie etwa die Ewerführer konnten -die Kneveler für solche Beschäftigung gebraucht werden, denn sie hatten -nichts weiter gelernt, als ihre Karre zu beladen und zu ziehen. -- -Jünger 12 f. und 22 f. bringt ausführliches über die Quartiersleute. - -Ich sagte vorhin, es sei zu bedauern, daß keiner aus der Mitte der -Quartiersleute über seinen Stand geschrieben habe. Einer allerdings -hat eine Ausnahme gemacht, Herr J. D. J. Pingel senior, der im Jahre -1880 ein hübsches Folioblatt „Hamburger Quartiersleute“ herausgab, das -offenbar als Wandschmuck gedacht ist. Er liefert wenigstens einige -Andeutungen über ihr Verhältnis zur Kaufmannschaft und die Art ihrer -Beschäftigung und zählt zum Schluß etwa 80 Ökelnamen auf, die später -von ~Dr.~ Borcherdt und anderen wieder abgedruckt wurden. Da die -meisten, die in neuerer Zeit über den Gegenstand geschrieben haben, -aus diesem Blatte ihre Kenntnisse geschöpft haben dürften (wie ihre -Vorgänger aus Morasch und Schütze) und solches außerdem recht selten -geworden ist, bringe ich es vollständig am Schluß dieses Heftes. - -Um nichts auszulassen von dem, was ich gefunden habe, sei noch erwähnt, -daß in zwei Volksstücken der Quartiersmann eine Rolle spielte. In -„Hamburger Pillen“ von Schindler und Brünner (1870) trat bei Karl -Schultze der 80jährige Quartiersmann Peter Bostelmann auf (Gaedertz II. -173 f.) und auf derselben Bühne im Jahre 1882 ein Quartiersmann Cords -in Schreyer und Hirschels „Hamburg an der Alster“ (Gaedertz II. 262). - -Diese Nachrichten sind dürftig. Es mögen noch einige weitere zu -finden sein, irgendwie belangreiche aber schwerlich, es sei denn, daß -Privataufzeichnungen ans Licht kämen. - - -Wie und zu welcher Zeit haben wir uns nun das Entstehen des ersten -„Quartiers“ zu denken? Nach meiner Ansicht dürfen wir uns das ohne -irgendwelche Anknüpfung an eine schon vorhanden gewesene Organisation -vorstellen. Wie so manches im kaufmännischen Betriebe sich auf -leisen Anstoß entwickelt, wenn die Zeit dafür da ist, so auch hier. -Ein paar unternehmende tüchtige Arbeiter haben sich zunächst einmal -zusammengetan, um auf Empfehlungen gestützt und auf ihr ehrliches -Gesicht hin den Versuch zu machen, solche Kunden zu gewinnen, für die -sich die Anstellung eigener Hausküper und Speicherleute nicht lohnte. -Als sich gute Erfolge ergaben, haben sie allmählich Nachahmer gefunden. -Ähnlich so ging es im sechzehnten Jahrhundert mit der Einführung des -Maklergewerbes in Hamburg (Ehrenberg 313, 317) und in neuerer Zeit -beim Stande der Warenagenten. In den vierziger Jahren des neunzehnten -Jahrhunderts mußte man einen solchen mit der Laterne suchen. Und jetzt? -Wie Sand am Meer sind sie zu finden! Abgesehen davon, daß die Umsätze -früher weit kleiner waren, besaß jeder Kaufmann für Bezüge von auswärts -oder Abladungen dahin seine festen Verbindungen, mit denen auch häufig -für gemeinschaftliche Rechnung oder in Form von Aussendung auf eigene -Gefahr gearbeitet wurde. Eines Vermittlers bedurfte man also nicht. -Als die ersten schüchternen Versuche gemacht wurden, sich solcher zu -bedienen, sahen die altbegründeten Firmen das beinahe als unlauteren -Wettbewerb an. Ähnlich so werden anfangs die großen Kaufherrn mit -eingeübtem Personal sich durchaus nicht angenehm berührt gefunden -haben, als kleine neue Häuser in den „Packern“ eine Stütze fanden und -ihnen nun oftmals durch Wettbewerb, wie sie ihn früher nicht gekannt -hatten, das Leben sauer machten. - -Wann aber dürfen wir die Entstehung des ersten Quartiers annehmen? Ich -glaube der Antwort ziemlich nahe gekommen zu sein. In den Hamburger -Kämmereirechnungen vom Jahre 1508 heißt es (Koppmann V. 66), daß -für Erwerb des Bürgerrechts u. a. eingegangen seien 46 ℔ 6 ß ~de 39 -packers~ (richtig müßte es lauten: 46 ℔ 16 ß, da der Satz 1 ℔ 4 ß der -Kopf war). Koppmann vermutet, wohl mit Recht, daß Packer bis dahin -überhaupt nicht Bürger zu werden brauchten, aber 1508 sämtlich auf -einmal hierzu veranlaßt wurden (VII. S. XLVI.). Da in einem Vertrage -von 1693 die Quartiersleute sich als „Compagnions-Packer“ bezeichnen, -so ist bestimmt anzunehmen, daß die „Packer“ von 1508 ihre Vorläufer -waren. Vielleicht legte man diesen den Zwang des Bürgerwerdens auf, -um unliebsame Elemente fernzuhalten, wie aus ähnlichem Grunde die -Hausküper und Quartiersleute später darauf bestanden haben, daß -die Lüd’ von de Eck Hamburger Bürger sein mußten. Außerdem erfuhr -möglicherweise das Institut der Packer grade um jene Zeit eine starke -Ausdehnung, da infolge eines Krieges zwischen Lübeck und Dänemark „der -Sunt geschlossen und die Ostsehe ganz unsicher war, daz die Hollender, -Brabanter und andere nationes mit iren gutern gen Hamburg kamen; und -hat auf das mal die stat an kaufmanschaft sich merklich gebessert und -vermeret“ (Tratziger 252, vergl auch Lappenberg 294). - -Wenn wir annehmen dürfen, die einzelne Genossenschaft der Packer habe -schon 1508 aus vier Teilhabern bestanden, so wären damals bereits -zehn Quartiere vorhanden gewesen: bei dem Umfange der Unternehmungen -immerhin eine stattliche Zahl. Ohne Zweifel sind sie ganz allmählich -entstanden. Wir irren vielleicht nicht, wenn wir die erste Gründung -in das vierzehnte Jahrhundert setzen, wo infolge der großartig -entwickelten Bierausfuhr sich hier in immer steigender Anzahl solche -Geschäftsleute eingefunden haben mögen, die mit den rückkehrenden -Schiffen Waren aller Art bezogen, deren Vertrieb ihnen die Packer -ermöglichten. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Quartiere können -wir uns dann etwa so denken, daß der „Baas“, der ihnen den Namen gab, -auch die Kontrakte entwarf und die Rechnung führte, ein „Scholer“ war, -während seine „Konsorten“ sich aus ehemaligen „Knechten“ des Kaufmanns -rekrutierten. In späterer Zeit mögen sich häufig Küper zu ihnen -gesellt haben, als dies Gewerbe infolge Sinkens des Brauereibetriebes -zurückging. - -Übrigens sind auch Träger und Kohlenträger um die Wende des 16. -Jahrhunderts veranlaßt worden, sämtlich auf einmal das Bürgerrecht zu -erwerben (Koppmann IV. 343, 373), nur daß man diese zu ermäßigtem Satz -zuließ. Vermutlich war ihr Verdienst ein weit geringerer als der der -Packer (Koppmann VII. S. XLVI.). - -In späteren Nachrichten ist, soviel mir bekannt, nichts über die -Packer zu finden. Nur werden unter den zwischen 1591 und 1602 in -Hamburg eingewanderten niederländischen Reformierten vier Packer, -~Paqueurs~, mit Namen aufgeführt, sowie fünf weitere ~Paqueurs~, die -sich gleichzeitig in Stade niederließen (Mitt. 6. Jahrgang 35, 38). - -Der älteste Kontrakt der Quartiersleute, der bis jetzt ans Tageslicht -gekommen ist, findet sich Mitt. VI. 306 f. vollständig abgedruckt. -Datiert vom Jahre 1693, stellt er die gemeinsame Tätigkeit der -betreffenden Compagnions-Packer sowie die Tragung der Unkosten und -den Anteil am Gewinn zu gleichen Teilen fest und ist sozusagen -als auf ewige Zeiten geschlossen gedacht, da genaue Verabredungen -getroffen sind, um vorzugsweise immer Familienmitglieder anstelle etwa -Ausscheidender aufzunehmen. Ein anderer solcher Vertrag von 1716 ist -auszugsweise Mitt. V. 488 f. wiedergegeben, ein dritter, von 1750, -vollständig Mitt. XI. 151. Ein vierter endlich, von 1720, wurde im -„Hamburgischen Correspondenten“ vom 17. März 1907 veröffentlicht und -ist hier im Anhang nach der Urschrift wieder abgedruckt. Ähnliche -Verabredungen für die Bedingungen bei Aufnahme neuer Mitglieder -usw., wie darin zu finden, enthalten auch die anderen Kontrakte. -Aus demjenigen von 1750 interessieren die Bestimmungen, daß einer -der vier Maaten, der eine Ware veruntreuen würde, in schwere Strafe -verfallen solle, und daß derjenige, der im Fall eines Streites unter -den Teilhabern den ersten Schlag tun würde, einen Reichstaler an das -Quartier entrichten müsse; verstände er sich hierzu nicht gutwillig, so -sei ein Speziesdukaten (9,60 M.) „am Waysenhauß“ zu zahlen. Im Vertrage -von 1716 wird für den Fall von Unstimmigkeiten angeordnet, daß notfalls -zwei oder drei unparteiische Kaufleute als Schiedsrichter anzurufen -sind, deren Ausspruch bei Vermeidung einer Strafe zu befolgen ist. - -Selbst wenn meine Meinung nicht berechtigt wäre, daß wir die „Packer“ -des Jahres 1508 als Vorläufer der „Compagnions-Packer“ von 1693 -anzusehen haben, darf doch wohl jedenfalls als feststehend betrachtet -werden, daß zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts das Institut der -Quartiersleute kein neues mehr war. Auf ein Alter von mindestens -dreihundert Jahren kann es also zweifellos zurückblicken. Genaues wird -sich nicht ermitteln lassen, sicher ist aber, daß in dieser langen -Zeit nirgends eine Andeutung zu finden ist, wonach das Vertrauen -zwischen Kaufherr und Packer je gelitten hätte. Dem Bibliothekar -unserer Kommerzbibliothek, Herrn ~Dr.~ Ernst Baasch, verdanke ich -die Mitteilung, er habe bis etwa 1815 bei Durcharbeitung der Akten -unserer Kommerzdeputation Überhaupt keinen einzigen Fall entdeckt, -wo Streitigkeiten oder Schwierigkeiten zwischen Kaufmann und -Quartiersleuten erwähnt würden, während von anderen Hülfsarbeitern des -Handels, z. B. den Litzenbrüdern (einer Art Transportvermittler), recht -häufig aus solchem Anlaß die Rede sei. Gewiß ein glänzendes Zeugnis für -alle Beteiligten. Das angenehme Verhältnis, das stets zwischen Kaufmann -und Quartiersmann herrschte, wird übrigens auch dadurch gekennzeichnet, -daß die Söhne des letzteren auch bei Firmen allerersten Ranges auf -Wunsch sehr gern Stellung als Lehrlinge erhielten. Der junge Mann -erwarb sich auf diese Weise manche Kenntnisse, die ihm beim Eintritt -ins „Quartier“ seines Vaters später von großem Nutzen sein konnten. -Auch dem Kaufmann konnte es im übrigen nur dienlich sein, wenn unter -seinen Arbeitsübernehmern sich einer befand, der durch Einblick in den -Gang des Geschäfts und die mancherlei Schwierigkeiten, die dabei zu -Überwinden waren, die Befähigung erlangt hatte, sich über die peinliche -Genauigkeit klar zu werden, die in jeder Hinsicht beobachtet werden -mußte. - -Der Name Quartiersleute (statt Packer, wie es in dem alten Kontrakte -heißt) scheint zuerst im Anfange des 18. Jahrh. in Gebrauch gekommen -zu sein. Man findet ihn im „Patriot“ No. 9 vom 2. März 1724 S. 4 und -in No. 40 vom 5. Oktober 1724 S. 3. Mit der Zahl der Teilhaber, wie -Schütze meint und andere von ihm abschrieben, hat die Benennung wohl -nichts zu tun, denn Quartier bedeutet nicht vier sondern Viertel. Es -ist anzunehmen, daß ihr Geschäftslokal („da wir unser Quartier haben“) -den ersten Anlaß gegeben hat, nachdem sich hieraus die Bedeutung -eines Anteils an ihrer Genossenschaft entwickelt hatte („sein Quartier -verkaufen“, „in oder auf das Quartier heiraten“). Man vergleiche den -Kontrakt S. 51 f. (Ob man nebenbei an die Zahl vier gedacht hat, mag -dahingestellt bleiben. S. auch Goedel, Quickbornbuch 9, S. 68.) - - -Das Hauptarbeitsgebiet der Quartiersleute lag innerhalb der -Speicherräume ihrer Kunden. Nur ausnahmsweise konnte man ihre Leute -bei Transporten von Waren in den Straßen antreffen. Für Bestellungen -suchte man sie in ihrem Quartier auf. Fand man dessen Tür verschlossen, -so sah man auf der schwarzen Tafel, die daneben hing und in einer -kleinen Lade Schwamm und Kreide barg, vielleicht die tröstliche -Versicherung, „Gleich wieder“ oder „10 Uhr wieder hier“ oder sonst die -Angabe der Arbeitsstelle, wo sie beschäftigt waren. (Das hieß dann: -„+He het sick naschreben+“). Nicht immer hatte man die Gewißheit, sie -dort noch anzufinden. War man nach Jakobsens Speicher, dritter Boden, -hinaufgeklettert, so wurde man vielleicht nach dem vierten Boden -einer anderen Stelle weiter verwiesen, wenn nicht gar nach der großen -Elbstraße in Altona. Hier hatten sie regelmäßig zu tun, weil in den -Speichern an der Elbe große Läger, vor allem von Kaffee, zu bearbeiten -waren, die sich behufs Ersparung des Hamburger Eingangszolles von ½ -v. H. dahin gezogen hatten. Ihre Gerätschaften, besonders Länge und -Markputt, bewahrten sie in bestimmten Wirtschaften der Vorstadt St. -Pauli und Altonas auf, in denen sie sich dann früh morgens einstellten, -um auf einer großen schwarzen Tafel zu verzeichnen, wo sie zunächst bei -der Arbeit zu finden sein würden. Verließen sie diese Stelle, so fanden -die Fuhrleute der Eisenbahn und die Ewerführer dort neuen Nachweis. -Hier besonders gingen sie nur unter ihrem „+Ökelnamen+“, die jeder -kennen mußte, der nach ihnen herumfragte. Zum ausführlichen Verzeichnis -derselben, das ich am Schlusse gebe, bemerke ich, daß diese Beinamen -nicht als Spott aufgefaßt wurden, sondern als gutmütige Scherze, die -niemand übelnehmen konnte und die schließlich haften geblieben waren. -Ihre Entstehung ist nur in wenigen Fällen nachzuweisen. +De Blauen+ -hieß ein Quartier, das viel mit Indigo zu tun hatte. +Böhnhasen+ -sind unzünftige Handwerker oder Leute, die in unberechtigter Weise -Geschäfte betreiben (Rüdiger in „Hamburg vor 200 Jahren“ 223 f., -Korr. Bl. 23, 88). +Dacklüünken+ war der Spitzname eines Quartiers, -das ursprünglich auf dem höchsten Boden eines Speichers gehaust -hatte (Lüünk = Sperling). +Dunkis+ hießen Rabeler u. Kons., weil -sie als die ersten den Versuch gemacht hatten, Waren mittels einer -Dampfwinde (Donkeymaschine) aus der Schute in die Speicherböden zu -heben, +Eseltreckers+ ein anderes Quartier, dessen frühere Inhaber vor -vielleicht 60 oder 80 Jahren ein störrisches Grautier für die Kinder -eines der ihrigen durch ganz Altona bis nach Övelgönne gezerrt hatten. -+Finnkiekers+ sind Untersucher von Schweinen. +Gnaddrig+ bedeutet -verdrießlich. +De Kaffeebrenners+ pflegten gegen Entlohnung für große -Krämer wie Conrad Warnke und Adolph Wilmans vor deren Hause in der -Steinstraße oder auch bei der nahen Jakobikirche in großen langen -Trommeln Kaffee auf Holzkohlenfeuer zu rösten. +Krindlers+ wurde ein -Quartier genannt, weil die Inhaber in ihrer Knabenzeit bei der Kurrende -mitgewirkt hatten, die noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in -unseren Gassen Choräle vortrug; ihre Mitglieder hießen im Volksmunde -Krintenjungs oder Krindlers. (Heckscher 32 f.) +De Sackneihers+ wurden -auch +Sackjuden+ genannt, da sie mit Jute und Säcken zu tun hatten und -nebenbei Sackleihgeschäft betrieben. +Tünbüdel+ ist gleichbedeutend -mit Drähnbartel. (Korr. Bl. 28, 73.) Die +Wullkosaken+ arbeiteten -für Kaufleute, die Wolle in großen Ballen aus Mecklenburg erhielten. -+Wolkenschubers+ dürfte ähnlich zu deuten sein wie Dacklüünken. Mit -+Wullmüs’+ wurden ursprünglich die Fabrikmädchen bezeichnet, die -auf den Speicherböden mit Aussuchen und Reinigen von Waren sich -beschäftigten. (Korr. Bl. 23, 88.) Ein Klub von Baumwollarbeitern -nennt sich „Wullmüs’ von 1910“. Einige weitere Erklärungen findet man -in Anl. II. Der Ausdruck Ökelname ist übrigens alt. Er kommt schon -im Jahre 1417 vor (Chroniken der niedersächsischen Städte: Lübeck, -herausgegeben von Koppmann, III. 368) und will sagen Beiname, vom -altsächs. ~ôken~, ~ôkian~, mehren, vermehren. - -Alles was über die Verantwortlichkeit für Leute und Lager, über -Behandlung der Waren und Warenkenntnis, über Ausrufe beim Winden, über -abendlichen Besuch am Kontor usw. oben vom Hausküper gesagt ist, gilt -genau so für die Quartiersleute. Auch sie pflegten eine bestimmte -Anzahl von Leuten im festen Wochenlohn zu beschäftigen. Gab es mehr -Arbeit, als sie damit bewältigen konnten, so waren sie ebenfalls -auf Lüd’ von de Eck angewiesen, die sie dann als „+Ploog+“ (Rotte, -Schaar) an die betreffende Arbeitsstelle abordneten. Jetzt hat sich -dies geändert. Ein regelmäßiger Stamm von Lüd’ von de Eck ist nicht -mehr vorhanden, man muß sich an den Hafenbetriebsverein oder an den -Arbeitsnachweis der Patriotischen Gesellschaft wenden, wenn Hülfskräfte -gebraucht werden. - -Die frühere Tracht der Quartiersleute, schwarze Jacke mit -Silberknöpfen, Zylinder und Schurzfell, ist längst abgekommen, ebenso -wie die Barttracht, die Kinn und Oberlippe frei ließ, „+de Köhm- un -Beerglitsch+“. Dagegen haben sie die alte Gewohnheit durchweg noch -beibehalten, daß nur einer der Teilhaber mit Namen angeführt und für -die übrigen die Bezeichnung „und Konsorten“ zugefügt wird. Einzeln hat -man allerdings schon eine kaufmännische Firma errichtet. Nach meiner -Meinung sollten es die Quartiersleute bei dem alten Brauch lassen, denn -sie können mit Recht stolz sein auf eine Art der Bezeichnung, die sich -seit Jahrhunderten, vielleicht seit mehr als einem halben Jahrtausend -glänzend bewährt hat. „Konsorten“ hat überhaupt gerade so guten Klang -wie das andere Fremdwort „Kompagnie“. Wie mir scheinen will, ist diese -Anregung der ersten Auflage auf guten Boden gefallen, denn nicht selten -findet man jetzt eine Eintragung „N. N. u. Konsorten“ in den Anzeigen -des Handelsregisters. - -Bei Begründung des Freihafenviertels wurde angeregt, für im -Staatsspeicher eingelagerte Waren auf Wunsch der Eigentümer -Lagerscheine auszustellen, worauf in Art der englischen ~dock -warrants~ Vorschüsse erhoben werden könnten. Das führte sich zu -allseitiger Zufriedenheit ein. Es zeugt von dem großen Vertrauen, das -man den Quartiersleuten zollt, daß auch viele aus ihrer Mitte dazu -übergehen konnten, ihren Kunden solche Lagerscheine auszufertigen, die -gleichfalls durch Banken und Bankiers bevorschußt wurden, obwohl keine -weitere Garantie vorlag als die Unterschrift einer staatlich nicht -bestätigten Verbindung Einzelner. Voraussetzung ist natürlich, daß die -Einlagerer über solche Waren, für die sie einen Lagerschein entnommen -haben, nur gegen dessen Rücklieferung verfügen können. Vor etwa zehn -Jahren erregte der Fall großes Aufsehen, daß ein Quartiersmann sich -durch einen langjährigen guten Kunden hatte überreden lassen, von -einer Partie Waren Ablieferung vorzunehmen, ohne daß der betreffende -Lagerschein bereits zur Stelle war. Der Kaufmann, den er immer -als zuverlässig gekannt hatte, war durch Verluste in schlechte -Verhältnisse geraten und betrog schließlich den Quartiersmann, der -den Wert der anderweitig bevorschußten Ware ersetzen mußte, um -sein ganzes Vermögen. Dem Vertrauen, das man den Lagerscheinen der -Quartiersleute entgegenbringt, hat dieser Vorfall selbstverständlich -keinen Abbruch getan. Es gibt sogar Leute, die sich schon für Ware im -Wert von hundert Mark einen Lagerschein ausbitten. Übrigens gewähren -einige Quartiersmannsfirmen jetzt selber Vorschüsse, wie denn dieser -Geschäftszweig in neuerer Zeit sich Überhaupt mächtig entwickelt hat. -Neben Mietsböden und Kontoren für Angestellte im Freihafenbezirk -besitzt mancher Quartiersmann seinen eignen Speicher in der Zollstadt, -ausgestattet mit elektrischen Anlagen für Warenbewegung, und betreibt -ein regelrechtes Lagerungs- und Speditionsgeschäft für seine Kunden. -Dazu gesellen sich zuweilen besondere Anstalten. Ich hatte Gelegenheit, -bei den Herren Ockelmann und Konsorten die in vollem Betrieb -befindlichen, durch vier Lagerböden sich erstreckenden maschinellen -Einrichtungen zu besichtigen, die für Reinigung verschiedener Waren, -z. B. Entstielung von Rosinen sowie für Enthülsung von solchen -Kaffeebohnen bestimmt sind, die aus Mexiko, Guatemala usw. mit den -Hülsen hier eintreffen, und mußte staunen, in wie sinnreicher Weise -alles ineinander griff. Ohne Berührung durch Menschenhand befreiten -Trommeln, Siebe, Saug- und Blasapparate den Kaffee von Steinen, Hülsen -und Häutchen und lieferten ihn schließlich, nach Größe und Form in -verschiedene Sorten getrennt, an die Säcke ab. Nur das Auslesen -schlechter Bohnen bleibt noch langen Reihen von Frauen und Mädchen -überlassen. - -Gleich dem Hausküper wußte der Quartiersmann, so oft es nottat, -mit großem Selbstbewußtsein für die Interessen seiner Auftraggeber -einzutreten. Allgemein bekannt ist das hübsche Beispiel, das Borcherdt -(II. 288 f.) erzählt, wie ein Quartiersmann kurz entschlossen -selbst ins Inland reist, um einem Käufer, der eine Partie Kaffee -zu Unrecht bemängelt hat, die Übereinstimmung der Ware mit dem -Verkaufsmuster zu beweisen. Allerdings fehlt bei Borcherdt der -besonders charakteristische Zug, daß der Quartiersmann, vom Inhaber der -betreffenden Firma sehr von oben herab nach seinem Namen und seiner -Legitimation gefragt, stolz erwidert: „Mein Name? Der hat nichts damit -zu tun. Ich stehe hier für Johannes Bahl. Für Sie bin ich Johannes -Bahl. -- Übrigens heiße ich Timmann. (Die Namen sind fingiert.) Und -nun lassen Sie uns mal den Kaffee ansehen.“ Andere kleine Züge sind -gut wiedergegeben, besonders die Szene im Eisenbahnschuppen, wo es -natürlich an Vorrichtungen fehlt, um die Proben aufzuschütten: Timmann -läßt einen Taler springen und sofort ist aus Fässern und Bohlen ein -Tisch hergestellt. Als dann alles in Ordnung befunden ist, meint -der Kaufmann: „Wie kriegen wir nun die Proben wieder in die Säcke -hinein?“ -- „Die Proben? Die gehören den Arbeitsleuten!“ ist Timmanns -prompte Antwort, wobei er die Bretter umstülpt. (Es war in Hamburg -Brauch, daß +Fegels+ den Arbeitern zukamen.) Schließlich erfolgt die -Zusicherung, der Betrag der Rechnung werde noch heute beglichen werden, -worauf Timmann erwidert, für seine Bemühungen und Auslagen möge man -gefälligst zweihundert Taler beifügen, was denn auch zum Erstaunen von -Johannes Bahl wirklich geschieht. Und so sehr hat Timmann dem Inländer -imponiert, daß, als ein anderes Hamburger Haus bei ähnlichem Streitfall -meldet, man werde die Sache durch Herrn Timmann untersuchen lassen, -umgehend die Nachricht erfolgt, nach nochmaliger genauer Prüfung finde -man an der Ware nichts auszusetzen (Vergl. Jünger, 23 f.). - -Früher gab es unter einem Teil der Quartiere eine lose Vereinigung, -die hauptsächlich bezweckte, in der Form einer sogenannten „Totenlade“ -die Beerdigungskosten verstorbener Mitglieder aufzubringen. Da man -aber unterlassen hatte, ein Kapital als Grundstock einzuschießen, so -reichte der Taler Sterbegeld schließlich nicht mehr hin und die Sache -ging ein. So lange sie noch in vollem Betrieb war, pflegte man sich -einmal im Jahre beim Wirte Lautenberg in der Steinstraße, der über -einen größeren Saal verfügte, zusammenzufinden, um einen gemütlichen -Abend -- ohne Damen -- zu verleben. Der Gelegenheitsdichter Volgemann -lieferte dazu Lieder, in denen die Ökelnamen eine große Rolle spielten. -Die Sachen haben natürlich nur einen Augenblickswert gehabt. Mir liegt -ein Tafellied zum 31. Januar 1863 vor, worin es nach der Melodie: -„Der Papst lebt herrlich in der Welt“ u. a. heißt: „Hier seht nun -unsern +Bodenstein+, der muß stets Alterspräses sein. Er hat die Sache -angeregt, zu diesem Fest den Grund gelegt. -- -- Un +Grootkaß+ von dat -„fiin“ Quarteer, den makt et hüt en Barg Pläseer, denn wenn he recht -vergnögt will sien, stellt he sick sicher bi uns in.“ Ebenso geht es -hoch- und plattdeutsch durcheinander in einem Liede zum 4. Februar 1865 -nach der Melodie: „Ich bin der Doktor Eisenbart“, z. B. „Un +Pingel+ -unse ohle Fründ is gern wo sien Konsorten sünd. Wer fiif Mal sick een -Fro nehm’n kann, dat is förwahr „ein ganzer Mann.“ -- -- Auch +Voß+ -und +Löding+ sind zwei Leut’, sie denken an die Schlafenszeit. Weil -wi jem to „de Möden“ tellt, hebbt se denn Slaap hüt afbestellt.“ -- -In späteren Jahren hören in diesen Tafelliedern die Anspielungen auf -Einzelmitglieder und ihre Ökelnamen auf, wie die nachfolgenden Proben -aus den Volgemannschen Gelegenheitsgedichten zeigen, die das Hamburger -Staatsarchiv in 13 starken Sammelbänden bewahrt und mir freundlichst -zur Verfügung stellte. - -2. Februar 1878 (Band VIII. 222), Singweise „Wohlauf noch getrunken“ -Vers 2 bis 4: „Quartiersleute haben wohl schwierigen Stand, sie müssen -empfangen zu Wasser und Land und oft im Geschäft machen bei dem Verkehr -den Kopf und die Kräfte die Ablief’rung schwer. Wenn auf dem Komptoir -kaum fertig sie sind, die Arbeit am Speicher mit Eifer beginnt. Dort -müssen auf’s Winden sie gut sich verstehn und oft dabei selbst sich -winden und drehn. Die Führer der Ewer, man weiß ja daß sie absichtlich -Streit suchen beim Arbeiten nie! Trotzdem kann man immer nicht einig -sich sein: das liegt im Geschäft so Tag aus und Tag ein.“ - -11. Januar 1879 (IX. 294) Vers 5: „Der Hamburger Quartiersmannsstand -ist rühmlich weit und breit bekannt. Komptoir und Speicher, Quai und -Fleth weiß wie er sein Geschäft versteht.“ - -18. Februar 1882 (IX. 317), Singweise „Was gleicht wohl auf Erden“, -Vers 2: „Quartiersmann ist kundig, den Kaufmann zu ehren, zu nützen und -schützen zu Wasser und Land; die Speicher zu füllen, die Speicher zu -leeren, ist gern er beschäftigt im mühvollen Stand.“ - -30. Januar 1897 (XIII. 133). Singweise „’Ne ganze kleine Frau“: „Besett -mit blanke Knöpen von Sülber mannichfach, darin umher sünst löpen -Konsorten Dag för Dag: stolz drog man de bestellten, as wenn’t en -Staatskleed wör. Jetzt süht man se man selten un driggt ganz wenig mehr -de kotte feine Jack, de kotte feine Jack, de kotte feine, feine, feine -ohl Quarteersmannsjack.“ - -Volgemann selbst nennt sich XIII. 48 „alter Haus- und Hofpoet seit -1848“. Aus den Liedern X. 250 und 251 und XI. 91 scheint hervorzugehen, -daß 1864 und 1876 Versuche stattfanden, der ersten Vereinigung -von 1848 festere Formen zu geben, während erst weitere zehn Jahre -später der noch heute bestehende „Verein Hamburger Quartiersleute -von 1886“ endgültig gegründet wurde. Am 30. September 1911 feierte -dieser Verein sein 25jähriges Stiftungsfest durch Festtafel und Ball -in der „Erholung“. Das Programm, gedruckt bei Carl Griese, enthält -unter anderen hübschen Zeichnungen von Johs. Ulfert drei, auf denen -Quartiersleute in alter Tracht dargestellt sind. - - -Zum Schluß muß ich noch der +Ewerföhrer+ gedenken. Es scheint -eigentlich sonderbar, daß man den Mann in der Schute Ewerführer und -nicht Schutenführer nennt, denn in Hamburg heißt Ewer ein Elbschiff -mit Verdeck, Mast und Steuer, während den Schuten dies alles fehlt. -Es sind eben ganz offene Fahrzeuge ohne Kiel, die nur hinten einen -kleinen verschließbaren Raum haben, +de Plicht+, worin Arbeitszeug und -dergleichen Platz findet, gelegentlich auch vielleicht, was von der -Ladung abfällt. Da auch die Ewer flachen Boden haben (der Kiel wird -durch ein „Schwert“ an jeder Seite ersetzt), so läßt sich vielleicht -annehmen, daß sie früher nicht allein auf der freien Elbe, sondern auch -für Transporte zwischen Speicher und Seeschiff verwendet wurden, und -daß man erst allmählich zum offenen Leichter, der Schute, übergegangen -ist. Die Bezeichnungen Ewer, Schute und Prahm kommen übrigens bereits -im 14. bis 16. Jahrhundert nebeneinander vor (Koppmann I. S. LXXVII. -f., VII. S. CXX.). Vom Ewerführer ist im Patriot No. 155 vom 20. -Dezember 1726 S. 1 die Rede. - -Zum Schutz der Ladung der Schuten gegen Regen dienten +Persenninge+, -breite geteerte Segeltuchstreifen mit Holzrollen an beiden Enden. -Doornkaat meint, der Ausdruck könne vom englischen ~preserving~ -= Schutz stammen (vergl. Korr. Bl. 28 S. 48, 55. 71). Kleinere -Schuten werden +Bollen+ genannt. Der Eigentümer der Schuten heißt -+Ewerföhrerbaas+. Baas will sagen „Meister“. Wenn der Lehrling dem -Ewerführer eine Bestellung ausrichtete, etwa: „Sie möchten Ihrem Herrn -sagen, daß er heute an der Börse vorkommt“, so erhielt er zur Antwort: -„+Herr -- Herr? -- Ick bün doch keen Köter, de ’n Herrn hett! -- Ick -will mien’n Baas dat seggn.+“ Von den Beinamen der Ewerführerbaase -hörte ich nur +Baron Sachs+ für Hans Sachs, +Kees’-Dircks+ für -einen Dircks, der für ein Geschäft im Grimm häufig Käse fuhr und -+Spinn’grieperdircks+ für einen Namensvetter. Dessen Nachfolger im -Geschäft, Ahrens, hieß +Jägerahrens+. - -So lange es sich um den Verkehr zwischen dem alten Binnenhafen und -den Fleetspeichern handelte, +peekten+ die Ewerführer ihr Fahrzeug -mittels langer Stangen weiter, indem sie deren eiserne Spitze in den -Schlamm stemmten und vom Vorderende der Schute, auf deren breitem Rand, -sich langsam, schiebend, nach hinten bewegten. Deshalb ihr Ökelname: -„+Slickschuber+“. Da sie hierbei die Querleiste des oberen Endes der -Stange, die +Krück+, zwischen Brust und Schulterknochen drückten, -hießen sie auch +Stakendrücker+. Wenn es gerade so paßte, zogen sie -sich auch wohl mit dem neben der Spitze der Stangen befindlichen -+Haken+ an Ringen der Hausmauern und Schuteneisen der Brückenwiderlager -und Kaimauern entlang oder an Pfählen oder an anderen Schiffen. Da -ein Steuer fehlte, wurde die Richtung durch die Art des Schiebens -eingehalten, wie man das noch heute in den Fleeten wie auf der Alster -gelegentlich beobachten kann. Die Speicherarbeiter pflegten dem -Ewerführer wohl scherzend zu bemerken: „+Du hest dat good. Du kannst -di ümmer stütten bi de Arbeit. Un wenn du rüggwarts geist, kummst du -doch vörruut.+“ -- Daß die Sprache der Wasserkante ausschließlich -Plattdeutsch geblieben ist, sei hier beiläufig erwähnt. Im Zusammenhang -damit stand es, daß im Verkehr zwischen Arbeitern und Vorgesetzten das -trauliche du gegenseitig die Regel bildete. Das hat jetzt allerdings -aufgehört. -- Auf der Alster benutzt der Ewerführer zuweilen den Wind -zur Erleichterung seiner Arbeit, indem er aus einer Stange mit daran -befestigter Persenning ein Notsegel herstellt. - -Während die älteren Schuten noch aus Holz erbaut sind, ist man jetzt -zur Eisenkonstruktion und größerer Tragfähigkeit (300 Tons und mehr) -übergegangen, auch sieht man vielfach „Kastenschuten“ mit abnehmbarem -Verdeck. Da nun außerdem die Entfernungen wegen der außerordentlichen -Ausdehnung unserer Hafenanlagen sehr groß geworden sind, und da infolge -der Tiefe der Freihafenfleetzüge die Stangen oft nicht mehr den Grund -erreichen würden, so muß der Ewerführer jetzt vielfach Schlepperhülfe -in Anspruch nehmen. Einzelne Schuten findet man auch schon mit einem -Motor ausgerüstet. - -Wenn der Ewerführer am Speicher angelangt war, wo er Waren holen oder -abliefern sollte, so rief er den Hausküper oder Quartiersmann an, -z. B. „+Großmann sien+“ (sollte heißen „Großmann sien Lüd’“). Der -Koptein meldete sich dann an der Luke: „+Wat seggst du?+“ und der -Ewerführer teilte sein Gewerbe mit, z. B.: „+Twintig Faten aflebern+“. -Bekannt ist der Scherz, daß der Ewerführer hinaufruft: „+Tein Kisten -Rabarber innehmen!+“ worauf die Antwort erfolgt: „+Denn -- geist du -dod!+“ -- Für die kaufmännischen Firmen, mit denen sie zu tun hatten, -pflegten die Ewerführer Spitznamen und Verdrehungen anzuwenden. Ich -teile hier eine Auswahl mit und füge eine kleine Anzahl bei, die den -Betreffenden von anderer Seite angehängt sein mögen, ohne mich dafür -zu verbürgen, daß diese Ökelnamen regelmäßig zur Anwendung gekommen -sind. Es soll also geheißen haben: +Andree sien Wickelkind+ für -Andree u. Wilkerling, +Baas Püttjerig+ für F. R. Scharfe (püttjerig -= kleinlich), +Biankohn klei di+ (kratz dich) für Biancone, Klee u. -Co., +billig un slecht+ für Brock u. Schnars, +bitter wenig un slecht+ -für B. Wencke u. Söhne, +Filzlaus+ für F. Laeisz, +Flotz un Klotz+ -für Blohm u. Voß, +Ihde sien Knecht+ für Sienknecht u. Ihde, +Köhm un -Beer+ für Knöhr u. Burchard oder Kruse u. Bleichwehl, +links un rechts+ -für Lütgens u. Reimers, +Meier Gebrüder Lumpen angroh+ für Anton -Meier, +Plünnhaufen un Schulze+ für Lappenberg u. Müller, +Muhlaap+ -für H. L. Muhle u. Co., +Püttjer+ für H. Ahmsetter (Püttjer = Töpfer, -Ofensetzer), +Sellerie un Purree+ für Cellier u. Parrau, +tranig un -ranzig+ für Tietgens u. Robertson, +wenig un knapp+ oder +Wien un Köhm+ -für Wachsmuth u. Krogmann. Die Kornumstecher Bein u. Kruse hießen -+Arm un Been+. Kornumstecher sind Arbeitsübernehmer für sachgemäße -Behandlung von Getreide. Die Leute, die sie anstellen, erhalten nach -beendeter Arbeit +Hockerzettel+ und das Abholen des betreffenden -Akkordlohnes wird +Hockern+ genannt. -- Für den Empfangschein, den -der Ewerführer erhielt, wenn er Waren an Bord abgeliefert hatte, gibt -es die Bezeichnung „+Reziev+“, nach dem ersten Wort der englischen -Übernahmezettel: ~received~. - -In neuerer Zeit haben einzelne Ewerführerbaase angefangen, neben dem -Schutenbetrieb auch Fuhrwerk zu halten. Früher löschten und luden -sämtliche Schiffe im Elbstrom, es war also keine Möglichkeit, die -Waren anders als zu Wasser zu befördern. Seitdem der größere Teil des -Verkehrs sich an den Kais abspielt, ist es in vielen Fällen geratener, -den Transport zu Lande vorzunehmen, schon weil die Gefahr einer Havarie -dann wegfällt. Außerdem sind zwar die Fleete im Freihafenviertel -tief genug gelegt, daß auch bei niedrigstem Wasserstand Schuten dort -verkehren können, aber die alten Fleetzüge der inneren Stadt bleiben -bei anhaltendem Ostwind oft tage- ja wochenlang leer gelaufen und -vielfach finden die Transporte auch nach Stadtgegenden statt, wo es -an Fleeten fehlt. -- Das vorn beigegebene Bild nach einer Zeichnung -von C. Schildt (im Besitz unserer Kunsthalle) die vor 25 Jahren für -das Prachtwerk „An de Woterkant“ hergestellt wurde, gibt einen guten -Begriff davon, wie es an einem Hamburger Fleet der Altstadt aussieht. -Es ist das +Diekstratenlock+, von der Steintwietenbrücke aus gesehen, -d. h. das Fleet zwischen Deichstraße (links) und Rödingsmarkt. -Eine große Anzahl feiner Beobachtungen sind darauf zu finden: die -Speicher mit ihren Luken, den Utleggern und einem außer Betrieb -gesetzten Abort, die Ewerführer in ihren Schuten, die +Jolle+, die -sich durchzwängt, der Schatten, den die hoch gestiegene Sonne auf die -Speicher wirft usw. - -Seit 1889 besteht ein Verein der Schutenbesitzer, der 1914 sein -fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest feierte. Laut „Hamburger Woche“ -vom 7. Mai 1914 zählte er 480 Mitglieder mit 1530 Schuten im Wert von -sechs Millionen Mark. - - * - - - - -Anlage 1 - -Quartiersmannskontrakt von 1720 - - -~Laus Deo Anno 1720~ - -Adj. 22. April - -Im Nahmen der Heylichen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit, haben wier -vier als Endes-Benandte Matten, dieses angefangen eigen händig unter -Zu schreiben nach Laut unßere Vor Väter ihr Verbundtniß, Für uns und -unßere Nachlaßent Frauens, und Kinder, wo nicht Frau, oder Kinder, für -die Negsten Bludtsverwandten, oder Erben, in fester Haltung zu bringen, -Auf daß ein jeder recht wieder fahre, Auch wo nach sich die andern -Matten Können richten, Gott Gebe uns seinen Seegen, und Einigkeit, daß -dießes alles Mach waß wier vor schreiben, erfüllet werden möge Amen. - -(S. 2) +Erstl.+ Begiebt es sich daß einer von uns vier Matten so unten -Benandt sind, sich in etwaß Könne verbessern und zwaar, daß er solche -schwere Arbeit nicht Thun dürffte, so soll es Ihm frey stehen, sein -Quartier zu verkauffen, aber an einen solchen Ehrlichen Man, da die -Matten mit zu frieden sindt, Auch daß er sein, oder die Arbeit thun -Kan, der selbe der es Kaufft soll denen andern Matten Geben zum ein -Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch. - -+Zum Andern+, Solt es sich zu Tragen, daß einer von uns Viern solte, -bey seiner Täglichen Arbeit zu schaden Kommen, oder erkriegte, oder -er würde sonsten von Gott mit Leibes Krankheit beleget, oder Heim -gesuchet, da uns Gott vor wolle in Gnaden bewahren, oder (S. 3) er -Könnte von wegen seines Alters nicht mehr Arbeiten, So soll der jenige -Beschädigte, oder der Kranke, oder der Alte Man, und Matt verpflichtet, -und schuldig sein, einen Man, oder Taglöhner vor sich zu halten oder -mit seine drey andre Matten wißen, und willen, sich mit einem Man da -die Matten mit friedlich sein, Auch der sein Arbeit thun Kan, verdingen -und auch Lohnen, Biß so lange der Beschädigte oder der Kranke Matt -wieder zur vorrigen Gesundheit, oder Gott den Alten Man, und Matt im -Himmel hilfft. - -+Zum Dritten+, Wan es sich dan Begiebt daß der liebe Gott Einer von -uns Endes Benandte vier Matten durch den Zeitlichen Todt von Gott auß -dieser (S. 4) Welt abfodert würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach, -so soll die Witt Frau ein Gnaden, oder Thrauer Jahr vergönnet sein, Sie -soll aber wehrendes Thrauer Jahr einen Taglöhner vor sich halten, da -die Matten mit friedl. sein, Auch der die Arbeit thun Kan Auch soll sie -verpflichtet sein wehrendes Gnaden Jahr sich alle Sonnabendt oder wan -ein Feyertag ein fält, den negst vor hergehenden Tag, bey, oder da wier -unßer Quartier haben ein finden, und den Taglöhner Lohnen, die andern -Matten sollen aber da zu sehen, daß es der Wittwe nicht mit der Lohnung -zu schwer wirdt, den Sie müßen von Gottes wegen Ihr Bestes suchen, Auch -waß in daß Gnaden Jahr Verdienet wirdt (S. 5) selbiges soll Ihre vierte -~Portion~ von Ihre drey andern Matten geliefert, oder zu gestellet -werden. - -+Zum Vierten+, So es Sich begiebt, daß einer von unßre Vier Matten so -endes Benandt sindt, durch den Zeitlichen Todt von Gott abgefordert -würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach, Sie als die Wittwe gedachte -nicht wieder sich im Stande der Heylichen Ehe zu begeben, so soll die -Witt Frau, ein Gnaden Jahr haben, aber in daß Gnaden Jahr in allen -Arbeit einen Taglöhner vor sich halten, der vor Ihr arbeitet, und -den soll sie wie in vorrigen dritten Artikel geschrieben stehet, Am -Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den Negst vorhergehenden -Tag, in unßern Quartier da wier zugegen sindt Lohnen, hat aber die -Wittwe einen Sohn, oder Tochter, den Sie das Quartier über geben, und -Laßen will, so soll Sie es mit ihre andern Matten Bewilligung thun, -Auch daß der Sohn Tüchtig sey solche Arbeit zu verrichten, auch daß die -Matten mit Ihm in allen friedtlich sein, Ihm gleichen wan die Tochter -in oder auf daß Quartier Heyrathen wolte, so soll Sie einen solchen Man -Heyrathen da die andern Matten mit zu frieden sein, und der ebenfals -die Arbeit thun Kan, und der es Kaufft oder der es an Tritt von Sohn, -oder Tochter Man, soll denen andern Matten geben Zum ein Tritt fünff -und Siebzig Mark Lübsch. - -+Zum Fünfften+, So einer von unß vier Matten mit Tode abginge und er- -(S. 7) ließe eine Wittwe nach, und Sie Lust hat wieder zu Heyrathen so -soll Sie ein Gnaden oder Thrauer Jahr haben, und daß selbe Jahr soll -von unß andern Matten, Ihr nicht ~Dispotiret~ werden, Allein sie soll -in daß Gnaden Jahr einen Man halten, der vor Ihr arbeitet und den soll -Sie wie in dritten Artikel geschrieben stehet, mit Bey sein der Matten -Lohnen, wan Sie freyet in daß Gnaden Jahr wie den Auch geschehen soll, -So soll Sie einen Gutten Ehrlichen Man freyen der sein, oder die Arbeit -thun Kan, Auch daß die andern Matten mit Ihm in allen friedlich sein, -und nichts auf Ihm zu sagen wißen der Selbe der die Wittwe Heyrathet, -soll denen andern Matten geben zum ein Tritt fünff und Siebzig Mark -Lübsch. - -(S. 8) +Zum Sechsten+, Wan einer von unß vier Matten mit, oder, in Tode -wäre verblichen, und erließe eine Wittwe, und Kinder nach, die Wittwe -aber Stürbe in daß von Ihren Matten vergönneten Gnaden Jahr, die Kinder -aber so danannoch in Lebent und Männiglich erwachsen sindt, und solche -Ihres Seel. Elters stelle vertretten wollen, und Können, sollen von -denen andern dreyen Matten nicht von sich, Sondern mit allen Ernst und -Eyffer, vor allen andern so nach daß Quartier stehen, zu Sie gezogen -werden, Auch mit vorbeding der dreyen Matten daß ein Jeder sein, oder -die Arbeit thun Kan, und Sie in allen mit Sie friedl. sein, der selbe -der es (S. 9) antritt soll denen andern Matten geben zum ein Tritt -fünff und Siebzig Mark Lübsch. - -+Zum Siebenden+, Beschließen wier vier Matten, so unten Benandt sind -unter unß, daß wan einer von uns solte mit Tode abgehen, und erließe -eine Wittwe allein nach, die Wittwe aber Saß in den genuß des Gnaden -Jahr, und Stürbe auch, ließ aber Keine Kinder nach, so soll daß -Quartier nicht die Matten, sondern denen Negsten Erben zu verkauffen zu -gelaßen werden, Jedoch an einen solchen Man es zu verkauffen mit dero -Matten Hülff und Willen, der die Arbeit thun Kan, und die Matten mit -Ihm friedl. sein, derjenige der es Kaufft soll geben zum ein (S. 10) -Tritt denen andere Matten fünff und siebzig Mark Lübsch. - -+Zum 8ten+ Ist von unß vieren als endesbenandte Matten, verabredet, -und bewilliget worden, daß Keiner von unßern Keller, da wier unßer -Quartier, liegen, oder in haben, über die Gebürde, des Tages soll -außbleiben Es sein den eine Noht wendige Sache als Hochzeit gehen, -gefatter stehen, oder sonsten Begrabnißen bey zu wohnen, Auch wo er in -seiner Freundschafft etwaß Noth wendiges zu verrichten hat, Solches -alles soll Ihm erlaubet und frey gegeben werden, Jedoch der Jenige so -solche Sachen zu verrichten hat, soll Schuldig sein, (S. 11) Seinen -andern Matten zu sagen, oder Es sagen zu laßen daß wan Arbeit Kömpt Sie -sich danach richten Können, Begebe es sich aber daß einer, oder der -andere von unß Vieren so endesbenandt sindt, solte Auß frevel Muth oder -sonsten seines eigenes gefallen Auß Bliebe, oder sonsten seines eigenes -Thuns abwarten würde, so soll der selbe, der außen Bleibet und Gaar -nicht zu rechter Zeit, bey unßern Keller, oder dawier unßer Quartier -haben Kömmt, Von den Verdienten Lohne nichts zugerechnet werden, -Sondern zur Straffe, Wo Viel auch verdienet, es von denen andern -Matten Ihm abgezogen werden (S. 12) - -Dießes alles haben wir vier Matten unß Belieben Laßen, als eines vor -allen, und alle vor einen, zur festen Haltung, mit Gottes willen, -eigenhändig untergeschrieben. - - ~I E~ Josias Ehlers - Johann Köster - Jochim Zingelmann - Jochim ~I F V~ Friedrich Vormerling sein eigenes gezogenes - M [Symbol] - -Jochim Dürkop. Hanß Gollehr. Jürgen Jochim Fick (S. 13). Franß Jochim -Hauschild. Jochim Sebastian Graumann. Hanß Jacob Wulf. Unleserlich -gemachter Name mit der Bemerkung: +Ist ein Schelm geworden.+ -Christoffer Hocker. Hanß Peter Grewe. Claas Hoops. Hinrich Döscher. -Hanß Jacob Höltig. Georg Christoph Sievers. Johann Jacob Haberland. -Alexander Barthold von Gevern Todt 1847. Johan Schulenburg. Wilhelm -Ludewig Kähler (S. 14). Gottfried Hinrich Andreas Gätgens. Gerlieb -Conrad Casper Roggeman, gest 6 Jan 1851. Hans Friederich Philipp -Albers, gest 11 Juni 1847. Johann Christoph Heinrich Pfeiffer. Johann -Rudolph Gätgens ~Ano.~ 1843. Heinrich Martin Ferdinand Bötger 1846. -Peter Alexander Heinrich Lange 1848. gest 1854. Carl Georg Heinrich -Ockelmann 1852. Johann Christian Theodor Sötebehr 1858. C. W. Heinrich -Ockelmann 1876. J. H. F. Beuck 1879. A. C. H. Muhly 1883. Eduard L. A. -Ockelmann 1883. Theodor C. W. Ockelmann 1891. - - -Vorstehender Kontrakt der Firma Ockelmann und Konsorten, zuerst -veröffentlicht im Hamb. Correspondent vom 17. März 1907, ist -genau nach der Urschrift abgedruckt. Er findet sich in einem -Kleinquart-Schreibheft von 16 Seiten, wovon die ersten zwei -unbeschrieben. Die meisten Namen sind durchstrichen, mit der Beifügung -„thodt“. - -„Matten“ gleich Genossen (Maat). - - * - - - - -Anlage 2 - -Abdruck des Folioblattes: - -Hamburger Quartiersleute - - -Ein Stück echt hamburgischen Gewerbes, das nicht nur seinen uralten -Charakter, seine ererbten Sitten, seine sprüchwörtlich gewordene -Ehrlichkeit und Treue, sondern auch seine äußere Erscheinung, der -wechselnden Mode zum Trotz, bis auf den heutigen Tag beibehalten hat, -bilden die Hamburger Quartiersleute. - -In schwarzer Tuchjacke mit massiven silbernen Knöpfen und rindsledernem -Schurzfell repräsentieren sie immer noch den althamburgischen, -wohlbewährten und zuverlässigen Arbeiter, dem der Kaufmann sein Hab und -Gut, soweit dasselbe in Waren und Kaufmannsgütern besteht, unbesorgt -anvertraut, in der unzweifelhaften Überzeugung, daß sein Interesse -und sein Vorteil, in welcher Beziehung es auch immer sei, in gute und -sachkundige Hände niedergelegt ist. - -Die Quartiersleute verdanken ihren Namen dem Umstande, daß gewöhnlich -vier derselben ein Konsortium bilden, das gemeinschaftlich eine -kleinere oder größere Zahl von Kaufleuten zur festen Kundschaft hat, -deren Speicherarbeiten sie selbst und erforderlichen Falls unter -Beihilfe von Arbeitsleuten, den sogenannten Eckenstehern, verrichten. - -Der Kaufmann, der eine Partie oder eine Ladung irgend welcher Güter -empfängt, überläßt es seinen Quartiersleuten, dieselben von der Schute -aus, vom Lastwagen, von der Eisenbahn, oder mit welchem Transportmittel -sie sonst geliefert werden, ab und in seinen Speicher aufzunehmen. -Doch nicht allein der Transport, die Lagerung und Ablieferung liegt -dem Quartiersmann ob, beim Empfang hat er sich von der Richtigkeit -der Marken und Nummern der Colli zu Überzeugen, das Gewicht derselben -festzustellen, den Zustand der Emballage und den Inhalt jedes einzelnen -Gegenstandes zu prüfen und eventuell stattgefundene Ramponagen und -Beschädigungen zu konstatieren. Über alle diese einzelnen Punkte hat -er ein genaues, gewissenhaft aufgenommenes Register zu führen und -dem betreffenden Kaufmann aufzugeben. Bei Einkäufen und Empfangnahme -von Waren muß er Proben beurteilen und mit der Ware vergleichen, bei -der Ablieferung hat er ebenso genau und gewissenhaft den Abgang zu -registrieren. Umpacken, Sortieren der beschädigten Teile von den guten -sind alles ihm obliegende Aufgaben; in den Speichern und Warenlägern -überhaupt ist er die rechte Hand des Kaufherrn, der, auf seine -Zuverlässigkeit und Fachkenntnis bauend, ihn in allen einschlägigen -Angelegenheiten schalten und walten läßt, wie er es am angemessensten -findet. - -Der Quartiersmannsdienst ist in den weitaus meisten Fällen ein -einträglicher und wird es auch noch lange bleiben, weil, wenn auch -neuere Unternehmungen für billige Preise arbeiten, die Kaufmannschaft -nicht wegen einer Ersparung am Lohne weniger fachkundigen und -vertrauenswerten Händen die von den Quartiersleuten und ihren Arbeitern -vollführten Arbeiten überlassen wird. Ein Quartiersmannsdienst ist -ein wertvoller Besitz, der sich vom Vater auf den Sohn, oder auf die -Familie vererbt, die denselben, wenn sie ihn nicht durch einen ihrer -Angehörigen fortführen kann oder will, oftmals für eine beträchtliche -Summe, die die Höhe von Tausenden Marken erreicht, einem Dritten -überläßt, der dann in alle Rechte des früheren Besitzers eintritt, wozu -aber die Zustimmung der übrigen Teilhaber des Quartiers erforderlich -ist, da ihre gemeinsame Ehre und ihr gemeinschaftliches Interesse bei -der Gewinnung eines ebenso tüchtigen als ehrenwerten neuen Konsorten in -Frage kommt. - -Viele dieser Leute haben sich im Laufe der Zeit ein Vermögen erworben, -das sie wohl befähigen würde, in glänzender Stellung ein bequemes Leben -zu führen, was jedoch sehr wenige benutzen, da ein echter ergrauter -Quartiersmann viel zu sehr an rastlose Tätigkeit und den Umgang mit dem -Arbeiterstande, dem er entstammt und dem er lange Jahre seines Lebens -angehört hat, gewöhnt ist, um sich in seinen alten Tagen auf die faule -Bärenhaut zu legen. - -Mit seinem Schurzfell und seiner Jacke kommt er ebensowohl zu seiner -Arbeit, auf seinen Speicher als auf das Comptoir seines Kaufherrn -oder in die Börse. Überall wird er mit gleicher Achtung, mit gleichem -Ansehen gern gesehen und willkommen geheißen, sein biederes, schlichtes -Wesen verschafft ihm überall gleichen freundlichen Empfang, der durch -das gewöhnlich bei ihm vorhandene oder doch vorausgesetzte Vermögen -umsomehr an Herzlichkeit gewinnt, als der Hamburger den materiellen -Besitz als den Hauptgrundstein zur Menschenwürde zu betrachten geneigt -ist. - -Wie der Volkswitz überall den niederen Ständen, ist er auch in Hamburg -ganz besonders dem Arbeiterstande eigen und der Hamburger Volkswitz -versäumt nicht, jede Sache oder jede Person, mit der er in Berührung -kommt, mit einem mehr oder minder zutreffenden, jedenfalls aber -drastischen Namen zu bezeichnen. So haben denn auch die Quartiersleute -dem Schicksal nicht entgehen können, ihre „Ökelnamen“ zu erhalten, die, -obgleich in mancher Weise nicht mehr zutreffend, sich von Generation -auf Generation vererbt haben und so populär sind, daß kaum ein -Arbeitsmann oder ein Ewerführertagelöhner ein Quartier zu finden wüßte, -wenn es bei dem Namen seines ältesten Inhabers, wie dies im Adreßbuch -gebräuchlich, nicht aber bei seinem sogenannten „Ökelnamen“ genannt -wurde. - -Kein Hamburger, der mit den Quartiersleuten mehrfach zu tun hat, wird -im Zweifel sein, wen wir meinen, wenn wir hier eine Reihe von Namen -nennen, die nirgendwo als offizielle aufgeführt sind und dennoch jeder -Einzelne ein Quartier bezeichnet. - -Da sind zuerst die „Krindlers“, deren Hauptinhaber bei der -Schillerfeier und der Märzfeier ebenso wie bei den Sammlungen für die -Notleidenden in Ostpreußen die Leitung übernahm und überall mit gutem -Beispiel voranging und der deshalb auch stillschweigend als der Senior -des löblichen Gewerbes anerkannt worden ist. - -Ein anderes Quartier, früher „Melkers“ genannt, hat sich geteilt und -demgemäß die Namen „Rohmmelkers“ und „Watermelkers“ oder „Zegenmelkers“ -erhalten. „Smökers“, „Puttlüd“, „Schosters“, „Stohlmakers“, -„Höhnerplückers“, „Korfmakers“, „Kaffeebrenners“, „Fielers“, -„Wustmakers“, „Kugelers“, „Wullkosacken“, „Theebuurn“, „Krahnlüüd“, -„Kutschers“, „Slachters“, „Jägers“, „Plackenhauers“, „Nadelmakers“, -„Solospeelers“, „Bültenhauers“, „Wullmüüs“ und „Sackneiers“ sind -Namen, die entweder in der früheren Beschäftigung ihrer Träger, -oder in dem Artikel, worin die mit diesem Namen benannten Quartiere -vorzugsweise arbeiten, ihre Begründung finden mögen. Weniger harmlos -sind Namen wie „Höllenjägers“, „Thünbüdels“, „de Trübsinnigen“, „de -Möden“, „de Duhnsupen“, „de Heiligen“, „Grotsnuten“, „Doodsmieters“, -„Minschenschinners“, „Lüttsnuten“, „Barmherzigen“ usw. Dem Tierreich -entlehnt sind die Bezeichnungen „Wanzen“, von denen es gar zweierlei -gibt, die „Dacklünken“, „Witten Hunn“, „Wilden-Swien“, „Löwen“, -„Swienhunn“, „de Hasen“ (wovon übrigens sich alle bis auf einen schon -verlaufen haben), „Bunten Höhner“, „de Bück“, „Eseltreckers“, „Imm“ -(Bienen), „Müüs“ oder „Rotten“, „Luus un Floh“, „de Kreihers“ (Kräher) -und „de vierspännigen Ratten“. - -Der Körperbeschaffenheit, resp. dem Aussehen ihres Gesichts verdankten -ihre Namen die „Magern“, „de Veerkantigen“, „de lütten Roden“, „Söte -Jungs“, „de Fienen“, „de Scheeben un Graden“, „Veilchenblauen“, „dat -Armenspann“, „de scheeben Hamborgers“, „Scheef un Liek“ u. a. m. -- -„Franzosen“, „de Engelschen“, „Möhlenbrückers“, „Coldorpers“, „Bayern“, -„Hollanders“, „dat Judenspann“, „Harborgers“ un „de drögen Franzosen“ -bezeichnen diejenigen, welche vorzugsweise mit dieser Nation zu tun -haben; das „Dreespann“ fährt stets zu dreien, die „Manchestern“ sind an -ihren Hosen von diesem Stoff und „Spring um Stender“ ihrer Gewandtheit -wegen kenntlich. „Nagelbüdel und Consorten“, „Seelenkinners“ und -„Schultenhöbers“ Namensursprung mag schwer zu entziffern sein, womit -wir denn die Liste schließen wollen, ohne die „Schimmels“ zu vergessen, -deren weißhaariges Oberhaupt seinem Quartier diesen Namen eingetragen -hat. - - Von ~J. D. J. Pingel Senior~ 1880. - - * - - - - -Anlage 3 - -Ökelnamen der Hamburger Quartiersleute - - -+Dat Armenspann+ (Bodenstein u. Consorten), +De Baiern+ (Lührs u. -Cons.), +De Blickern+ (Wilkerling u. Cons.), +De-Botterbuern+ (Siemers -u. Röpke), +De Brummers+ (Niemann u. Cons.), +De Bück+ (Burmeister -u. Cons.), +De engelschen Bück+ (Trier u. Cons.), +De Bullenmelkers+ -(Kruse u. Cons.), +De Buntbüxen+ (L. Hecht u. Cons.), +De Coldorpers+ -(Hinrichs u. Cons., Weiscke u. Cons.), +De Dacklüünken+ (Spellerberg -u. Cons.), +De Dodtsmieters+ (Thiel u. Cons, Suhr u. Cons.), +De -Engelschen+ (H. Martens u. Cons.), +De Eseltreckers+ (Dreyer u. Cons., -Hoppe u. Cons.), +De Fienen+ (Grotkaß u. Cons.), +De Finnenkiekers+ -(Neddermann u. Cons.), +De Franzosen+ (Kleen u. Cons.), +De Graden+ -(Bargstädt u. Cons.), +De Gröhlmöllers+ (Möller u. Cons.), +De -Grotsnuten+ (Schwarze u. Cons.), +De scheewen Hamborger+ (Pohlmann u. -Cons.), +De Harborgers+ (Albrecht u. Cons.), +De Hasen+ (Reinstorf u. -Voß), +De ohlen Hasen+ (Kesler u. Cons.), +De Heiligen+ (Stöver u. -Lembcke), +De bunten Höhner+ (Groth u. Cons.), +De Höhnerplückers+ -(Brandt u. Cons.), +De Hollanders+ (Helmers u. Cons.), +De finen -Hollanders+ (Lüders u. Cons.), +De witten Hunn+ (Escherich u. Cons., -Parbs u. Cons.), +De Jägers+ (Rehse u. Cons.), +De Isern Arm+ (Daniel -Jessen), +Dat Judenspann+ (Ascher u. Cons.), +De Kaffebrenners+ -(Lienau u. Cons., Gädgens u. Cons.), +De Knupprigen+ (Glimann u. -Cons.), +De Korfmakers+ (Denker u. Cons., H. W. Meyer u. Cons.), -+De Krahnlüd’+ (Quitzau u. Cons.), +De Krahntreckers+ (Bodenborg u. -Cons.), +De Kreihers+ (Jürgens u. Cons.), +De Krindlers+ (Willers u. -Cons., Petersen u. Pingel), +De Kugelers+ (Fesefeld u. Cons.), +De -Kulers+ (Heeger u. Klindworth), +De Kutschers+ (Meiners u. Cons.), -+De Löwen+ (Schultze u. Cons.), +De Lüttsnuten+ (Krohn u. Schröder), -+Luus und Floh+ (Volmer u. Cons., D. Hinsch u. Cons.), +De Magern+ -(Suhl u. Cons.), +De lütten+ Magern (Hellmann u. Cons.), +De groten -Manschestern+ (Rose u. Cons.), +De lütten Manschestern+ (Prignitz u. -Cons.), +De Melkers+ (Meyn u. Cons.), +De Möden+ (G. Voß u. Cons.), -+De Müs’+ (Brasch u. Cons.), +De Nadelmakers+ (Cordes u. Cons.), +De -Plankenhauers+ (Oelmann u. Cons.), +De Puttlüd+ (Koch u. Cons.), -+De lütten Roden+ (Asmus u. Cons.), +De Rotten+ (Leßmann u. Cons.), -+De Sackneihers+ (Wendt u. Klindworth), +De Sagenfielers+ (Köhncke -u. Cons.), +Scheev un Liek+ (D. Möller u. Cons.), +De Scheeven un -Graden+ (Bargsted u. Genossen), +De Schinners+ (Hinsch u. Cons.), +De -Schosters+ (Peters u. Cons.), +De Schottschen+ (Martens u. Cons.), +De -Seelenkinner+ (Martens u. Cons.), +De Slachters+ (Nimbach u. Cons.), -+De Smökers+ (Meyer u. Cons.), +De Solospelers+ (Brandt u. Cons.), +De -Springumständer+ (Müller u. Pflughaupt), +De Spunjers+ (Jürgens u. -Cons.), +De Stohlbinners+ (Ockelmann u. Cons.), +De Storchen+ (Cords u. -Cons., Gechter u. Cons.), +De willen Swien+ (Dührkoop u. Cons., Opitz -u. Cons.), +De Theebuern+ (Schaper u. Cons.), +De Trübseligen+ (Moritz -u. Cons., Hasenbalg u. Cons.), +De Tünbüdels+ (Gechter u. Cons, später: -+de Storchen+), +Vader un Söhn+ (Hinsch u. Krüger), +De Veereckten+ -(Ellerbrock u. Cons.), +De Veilchenblauen+ (Rethwisch u. Cons.), +De -Wanzen+ (Uetzmann u. Cons.), +De Wullkosacken+ (Gebel u. Cons.), +De -Wullmüs’+ (Mathias Glimann), +De Wustmakers+ (Stapelfeld u. Cons.). - -Eine Liste wie die vorstehende, die durch Herrn W. J. Krüger (Prignitz -u. Cons.) mit Hülfe älterer Kollegen zusammengestellt worden ist, wäre -nach Verlauf weniger Jahre schwerlich mehr in gleicher Vollständigkeit -zu erreichen gewesen, da infolge des veränderten Geschäftsbetriebes die -regelmäßige Anwendung dieser Ökelnamen schon sehr eingeschränkt ist. - -Außerdem sind mir von verschiedenen Seiten, besonders von Hein -Sternhagen (Verf. von „Ut Vadders Tiden“) noch eine Anzahl weiterer -Ökelnamen mitgeteilt, und einige fanden sich auch in Volgemanns -Tafelliedern. So weit sie nicht in vorstehenden beiden Verzeichnissen -erscheinen, führe ich sie hier auf, indem ich bemerke, daß sie meistens -erloschen sein mögen, zum Teil auch vielleicht nicht allgemein bekannt -gewesen sind oder nur für ein Einzelmitglied eines Quartiers gegolten -haben. Sie lauten, unter Weglassung einiger anstößigen: - -De Altnaers. De Ängstlichen. De Bäckers. Kaptein Blitz. De Blauen. -De Blotarmen. De Böhnhasen. De Böhnmeisters. De Büttenbinners. De -Bullenbergers. De Demokraten. De Doben. De holten Dragoners. De Dunkis. -Eisele un Beisele. De Fliedigen. De Garbers. De Gnaddrigen. Hein -Granat. De Grotmonarchen. De gemütlichen Hamborgers. De Hebammen. De -stolze Heringsküper. Hering un Tran. De Imkers. De Kantüffelschellers. -De blauen Kreihn. De Küpers. De Kupplers. Kaptein Lebberwust. De -Lohndeeners. Millionmeier. Pankoken. Kaptein Piep. De Püttjers. -Rechtschaffen un Breetfoot. De groten Rotten. De lütten Rotten. De -lütten Rugen. De Sackjuden. De Schaap. De Seilmakers. Siedenpudel. -Schragebuck. De Stallbuern. De Stratenköters. De Strebsamen. De -Teinpennkerls. De Uhrmakers. Wie’s heißen tut un so den Kram. -Woddelkrut. De Wolkenschubers. De verlopen Wullkosacken. - - - - -Quickborn-Bücher - -Jeder Band 60 Pfennig - -Doppelbände 1.20 Mark - -Bisher erschienen außer dem vorliegenden und den auf Seite 63 -angezeigten folgende Bände: - - 1. Holstenart. Von +Johann Hinrich Fehrs+. 6-10. Tausend. Mit einem - Bildnis des Dichters. - - 3. Schnack und Schnurren. Von +Fr. Wilhelm Lyra+. Mit einer Abbildung. - - 4. Van Jadestrand un Werserkant. Von +Theodor Dirks+. Mit fesselnden - Erzählungen. - - 5. Cili Cohrs. Irnsthaftig Spill van +Gorch Fock+. Der Finkwarder - Speeldeel 1. Stück. (1 Aufzug, 5 Rollen.) Umschlagbild von Ad. Möller. - - 6. Briefe Über Hochdeutsch und Plattdeutsch. Von +Klaus Groth+. Das - für die neuplattdeutsche Bewegung grundlegende Werk des Altmeisters - plattdeutscher Dichtung. - - 7. Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg. Von +C. Rud. Schnitger+. - - 9. Klar Deck überall! Deutsch-Seemännisches von Geheimrat - +Gustav Goedel+. -- Diese unterhaltenden Beiträge zur deutschen - Seemannssprache sind wichtig für alle Leser John Brinckmans, Gorch - Focks und anderer Seeschriftsteller. - - 11./12. Slusohr un anner eernste un vergnögte Vertellsels un Riemels. - Von +Georg Droste+. Mit Bildnis des Dichters und Umschlagbild von Ad. - Möller. - - 13. Leege Lüd. En lustig Spillwark van +Hinrich Wriede+. Der Finkw. - Speeldeel 2. Stück. (Ein Aufzug, 9 Rollen.) Umschlagbild von Ad. - Möller. - - -Die niederdeutsche Vereinigung Quickborn in +Hamburg+ liefert ihren -Mitgliedern in der Regel jährlich 2 +Quickbornbücher+ und je 4 Hefte -der Zeitschriften „+Mitteilungen aus dem Quickborn+“ und „+Plattdütsch -Land und Waterkant+“. Mindestjahresbeitrag (ab 1. Oktober) für -persönliche Mitglieder in Deutschland 4 Mark, im Auslande 6 Mark, für -Vereine, Anstalten und Körperschaften 6 Mark. - - - - -In den +Quickborn-Büchern+ erschienen von - -Johs. E. Rabe - -außer dem vorliegenden Werk: - -Sünd ji all’ dor? - -Althamburgische Kasperszenen. 6.-10. Tausend - -Band 8 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf. - -„+Die Heimat+“, Kiel, schrieb nach dem ersten Erscheinen dieses -lustigen, keineswegs eng hamburgischen Buches: „Das ist eine der -schönsten Gaben für unsere Brüder da draußen im Schützengraben, -viel besser als so viele von Begeisterung triefende, aber gemachte -Kriegsliedersammlungen. Weil es ablenkt von der blutigen Arbeit und der -nicht weniger tödlichen Langeweile des Schützengrabens, weil es tief in -jene Zeit hineinführt, da wir als Knaben mit aufgerissenen Mäulern vor -Kaspers Putschenellekasten standen, und weil es mit dieser Erinnerung -alle jene Kräfte wieder lebendig macht, die einzig aus dem Lande der -Jugend uns zufließen ... Aber auch für alle Daheimgebliebenen, vor -allem +für unsere Jugend+ sind die köstlichen Schwankdichtungen mit -dem Hamburger Platt, der köstlichen Komik ihres Dialogs geradezu eine -Gesundkur nach unserer naturwidrigen Kintoppkinderkultur. Der Hamburger -„Quickborn“, für den Rabe diese verdienstvolle Arbeit herausgab, hat -mit dieser „Rettung“ einer leider bald völlig verschwundenen Form des -Schauspiels sich +ein bedeutendes Verdienst+ erworben!“ - - -Vivat Putschenelle! - -Der alten Kasperschwänke neue Folge. 1.-8. Tausend - -Band 10 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf. - -Diese von den Besitzern des ersten Büchleins lang ersehnte Fortsetzung -von „Sünd ji all’ dor?“ ist, wie jenes, +eine Fundgrube drastischen, -volkstümlichen Humors+. Die wiedererwachte Freude am alten Kasper -findet durch diese Stücke, die sich auch zum Vorlesen trefflich eignen, -neue Nahrung. - - -Im Verlag von +C. Boysen+ in Hamburg erschien früher von - -Johs. E. Rabe: - -Kasper Putschenelle - -Historisches über die Handpuppen und Althamburgische Kasperszenen. - -Mit farbigem Titelblatt von Chr. Suhr und Textabbildungen. - -Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark. - -Die erste Kaspermonographie, von der literarischen und -wissenschaftlichen Kritik mit Recht als „ein geradezu klassisches -Werk“, als „eine unerschöpfliche Quelle für Jung und Alt“ bezeichnet. -Wer Kasper lieb gewonnen hat, dem gilt daher der Ruf eines seiner -Kritiker: „Schaff dir dies Buch an und du wirst dem Verfasser ebenso -dankbar sein, wie es Schreiber dieser Zeilen ist.“ - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS SPEICHERBUCH *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Das Speicherbuch</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Johannes Emil Rabe</p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Illustrators: Carl Schildt</p> -<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:0; margin-left:2em;'>Christian Förster</p> -<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:0; margin-left:2em;'>W. Lühring</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: June 7, 2022 [eBook #68259]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS SPEICHERBUCH</span> ***</div> - -<div class="transnote"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der 1922 erschienenen -Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. -Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche -und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen sowie regional gefärbte -Ausdrücke bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche -Begriffe wurden nicht korrigiert.</p> - -<p class="p0">Die gedruckte Ausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt; Passagen -in <span class="antiqua">Antiquaschrift</span> erscheinen im vorliegenden -Text kursiv. <span class="nohtml">Abhängig von der im -jeweiligen Lesegerät installierten Schriftart können die im Original -<em class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in -serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt -erscheinen.</span></p> - -</div> - -<div class="figcenter illowe34 break-before x-ebookmaker-drop" id="cover"> - <img class="w100 mtop3" src="images/cover.jpg" alt="" /> - <div class="caption mbot3"><span class="u">Original-Einband</span></div> -</div> - -<div class="titelei"> - -<p class="s2 center padtop1"><span class="s4">Quickborn-Bücher / 2. Band</span></p> - -<h1 class="padtop1"><span class="s4">Das Speicherbuch</span></h1> - -<p class="s2 center">Für den „Quickborn“ in Hamburg</p> - -<p class="s4 center mtop1">herausgegeben von</p> - -<p class="s2 center"><span class="s4">Johs. E. Rabe</span></p> - -<p class="center padtop3">Dritte, überarbeitete Auflage (6.-10. Tausend)<br /> -des Buches „Von alten hamburgischen Speichern<br /> -und ihren Leuten“.</p> - -<p class="center padtop3"> -<img class="illowe3" src="images/illu001a.jpg" alt="Deko: Quickborn-Verlag, links" /> - <span class="s2 center vam"> Quickborn-Verlag in Hamburg </span> - <img class="illowe3" src="images/illu001b.jpg" alt="Deko: Quickborn-Verlag, rechts" /> -</p> - -<p class="s5 center padtop5 break-before"> -Umschlagzeichnung von Hans Förster, Bilder<br /> -im Buche von Carl Schildt, Christian Förster<br /> -und W. Lühring in Hamburg. Bildstöcke<br /> -von Carl Griese in Hamburg. Druck von<br /> -J. J. Augustin in Glückstadt und Hamburg.</p> - -</div> - -<div class="figcenter illowe34 break-before" id="illu003"> - <img class="w100 mtop3" src="images/illu003.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Hamburger Fleet<br /> - <span class="s5">Zeichnung von C. Schildt.</span></div> - <div class="caption_gross"><a href="images/illu003_gross.jpg" id="illu003_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span></p> - -<p class="mtop3">Seit dem Eintritt Hamburgs in das deutsche Zollgebiet wird der größte -Teil unserer überseeischen Einfuhr im neugeschaffenen Freihafenviertel -gelagert, während für unsere alten Speicher nur noch geringer Bedarf -verbleibt. Sie sind daher vielfach schon abgerissen worden, um -neuartigen Geschäftshäusern Platz zu machen, die durch zahlreiche -behagliche Schreibstuben und helle, weite Lagerräume für deutsche oder -zollfreie Waren, sowie durch ausgedehnte Werkstätten Aussicht auf gute -Verwertung bieten. Die wenigen, die nach Wiederkehr besserer Zeiten -noch eine Weile ihr Dasein fristen mögen, haben im Innern meistens -so durchgreifende Umwälzungen erfahren, daß man den früheren Zustand -kaum noch zu ahnen vermag. Aber auch andere Veränderungen machen sich -im Hamburger Geschäftsviertel bemerkbar. Der Betrieb spielt sich -durch neue Hülfsmittel und Erleichterungen nicht mehr in derselben -schwerfälligen und mühseligen Weise ab wie früher und schon dadurch -wird auch der Menschenschlag ein anderer, den wir bei der Arbeit -treffen, ganz abgesehen von sonstigen neuzeitlichen Verhältnissen -und Ansprüchen. Endlich aber ist erklärlicher Weise eine ganze -Reihe niederdeutscher Bezeichnungen, Redewendungen und Ausdrücke im -Verschwinden begriffen, weil sie in die Jetztzeit nicht mehr so recht -hineinpassen wollen. Hiervon mitzuteilen, so viel ihm aus seinen -Hamburger Erfahrungen noch gegenwärtig war, hat Herr Walter Redslob in -Temuco (Chile) im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche -Sprachforschung 32 S. 55 f. unternommen, was dann zu gegenwärtiger -Arbeit für den „Quickborn“ den ersten Anstoß gab.</p> - -</div> - -<p>Ich habe versucht, das Bild des Lebens und Treibens in unseren alten -Speichern vor Eintritt der großen Umwälzung hier wenigstens in einigen -Hauptzügen festzuhalten, durchweg auf Grund eigener Erinnerungen und -Forschungen, aber mit Unterstützung zahlreicher Freunde, denen ich auch -bei dieser dritten Auflage wieder vielfach zu Dank verpflichtet bin.</p> - -<p>Hamburg, im Dezember 1916</p> - -<p class="right mright2">Johs. E. Rabe</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Erklaerung_der_Abkuerzungen">Erklärung der Abkürzungen</h2> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="gesperrt">Amsinck</em>: Die Hamburger Zuckerbäcker. In: Aus Hamburgs -Vergangenheit 1. Folge</p> - -<p><em class="gesperrt">Beneke</em>: Hamburgische Geschichten und Sagen, 2. Aufl. 1854</p> - -<p><em class="gesperrt">Borcherdt</em>: Das lustige alte Hamburg, zweite Hälfte 1891</p> - -<p><em class="gesperrt">Bröcker</em>: Der Hamburger, 1910–11</p> - -<p><em class="gesperrt">Doornkaat</em>: Doornkaat-Koolmanns Wörterbuch der ostfriesischen -Sprache</p> - -<p><em class="gesperrt">Ehrenberg</em>: Hamburger Handel und Handelspolitik. In: Aus -Hamburgs Vergangenheit</p> - -<p><em class="gesperrt">Gaedechens</em>: Historische Topographie von Hamburg</p> - -<p><em class="gesperrt">Gaedertz</em>: Die plattdeutsche Komödie in Hamburg im 19. -Jahrhundert</p> - -<p><em class="gesperrt">Goedel</em>: Quickbornbuch 9: Klar Deck überall!</p> - -<p><em class="gesperrt">Heckscher</em>: Chr. Suhrs Hamburgische Trachten</p> - -<p><em class="gesperrt">Hertz</em>: Paul Hertz: Unser Elternhaus. Hamb. Liebhaberbibliothek -1895</p> - -<p><em class="gesperrt">von Heß</em>: Hamburg topographisch, historisch und politisch -beschrieben, 2. Aufl.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jünger</em>: J. E. Rathmann & Sohn, Hamb. Roman von Nathanael Jünger</p> - -<p><em class="gesperrt">Kopal</em>: Aus dem Hamburg der sechziger Jahre</p> - -<p><em class="gesperrt">Koppmann</em>: Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg</p> - -<p><em class="gesperrt">Korr. Bl.</em>: Korrespondenzbl. des Ver. für Niederdeutsche -Sprachforschung</p> - -<p><em class="gesperrt">Lappenberg</em>: Hamburger niederdeutsche Chroniken</p> - -<p><em class="gesperrt">Lauffer</em>: Stätten der Kultur: Hamburg</p> - -<p><em class="gesperrt">Lichtwark</em>: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde</p> - -<p><em class="gesperrt">Melhop</em>: Althamburgische Bauweise</p> - -<p><em class="gesperrt">Mitt.</em>: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte</p> - -<p><em class="gesperrt">Mus.</em>: Bericht d. Museums f. Hamb. Geschichte 1909</p> - -<p><em class="gesperrt">Nirrnheim</em>: Handlungsbuch des Vicko von Geldersen</p> - -<p><em class="gesperrt">Patriot</em>: Hamburgische Wochenschrift, erschienen 1724–26</p> - -<p><em class="gesperrt">Richey</em>: Idiotikon Hamburgense 1755</p> - -<p><em class="gesperrt">Rynesberch</em>: Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt -Bremen, herausgegeben von J. M. Lappenberg</p> - -<p><em class="gesperrt">Schlüter</em>: Traktat von unbeweglichen Gütern 1709</p> - -<p><em class="gesperrt">Schrader</em>: Hamburg vor 200 Jahren</p> - -<p><em class="gesperrt">Schütze</em>: Holsteinisches Idiotikon 1800–1804</p> - -<p><em class="gesperrt">Steinhausen</em>: Monographien zur deutschen Kulturgeschichte, Bd. -2: Der Kaufmann</p> - -<p><em class="gesperrt">Sternhagen</em>: Ut Vadders Tiden, 4. Aufl. 1909</p> - -<p><em class="gesperrt">Tratziger</em>: Chronik der Stadt Hamburg, herausg. von J. M. -Lappenberg</p> - -<p><em class="gesperrt">Zacharias</em>: Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer -Kunstfreunde 1899</p> - -<p><em class="gesperrt">Zeitschr.</em>: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte</p> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span></p> - -<p class="mtop3">Etwa siebenhundert Jahre sind verflossen, seit die ersten Speicher -in Hamburg errichtet wurden, d. h. Gebäude, die ausschließlich -zur Lagerung von Waren bestimmt sind. Ihre Vorgänger, die alten -Kaufmannshäuser, in denen sich Wohnung und Warenvorräte unterm -nämlichen Dach befanden, haben wir uns mit Melhop (2 f.) in ihren -Anfängen einfach als in die Stadt gerückte altsächsische Bauernhäuser -zu denken, nur daß diese sich hier, innerhalb der engen Umwallung, -auf sehr beschränktem Raum einzurichten hatten und statt in die -Breite sich in die Höhe entwickeln mußten. Auf die große Diele mit -dem offenen Herd verzichtete man nicht, aber die Wohnräume mußte -man dafür schon in ein oberes Stockwerk verlegen; darüber lagerten -sich dann die Warengelasse. Noch im 13. Jahrhundert waren die Häuser -durchweg aus Holzständern mit Lehmgeflecht dazwischen hergestellt, -vielfach auch mit Stroh gedeckt. Selbst Rauchfänge aus Holz waren -häufig zu finden. Kein Wunder, daß im Jahre 1284 eine verheerende -Feuersbrunst fast die ganze Stadt vernichtete. (Tratziger 63.) Beim -Wiederaufbau hielt man sich wohl an solideres Material, aber von der -altgewohnten Einrichtung wich man weder damals noch später ab. Trotz -nachträglicher Einbauten können wir das noch heute in manchen alten -Kaufmannshäusern erkennen. Vor allem blieb die große Diele, durch zwei -Stockwerke gehend und genügend Tageslicht durch hohe Fenster vom Hof -empfangend. Daran, mit breiten Holzgeländern an beiden Seiten, eine -mächtige Doppeltreppe, die auf eine Galerie des ersten Stockwerks -führte. In der Mitte der Decke fand sich ein durch eine aufklappbare -Luke geschlossener Ausschnitt, das <em class="gesperrt">Winn’lock</em>, das sich durch -alle Stockwerke bis an die Haspelwinde des Spitzbodens fortsetzte und -das Auf- und Abwinden von Waren mittels der endlosen Windetaue, der -<em class="gesperrt">Löpers</em>, ermöglichte. An anderer Stelle -<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span>hing die Wagschale, die -<em class="gesperrt">Bummelschal</em>, von der Decke herab. Es war noch im 19. Jahrhundert -das Vorrecht des „Großbürgers“, mit der „großen Schale“ zu wägen, wie -auch nur dieser ein eigenes Konto bei der Girobank halten und Waren -„auf Transitozettel deklarieren“, d. h. für fremde Rechnung ein- und -ausführen durfte. — Küche und offener Herd hatten gleichfalls ihren -Platz an der Diele. Neben ihrem Hauptzweck, der Warenbewegung zu -dienen, bildete diese in vielen Fällen einen wahren Prunkraum, dessen -vergoldete Karosse und blendender Reichtum an Küchengeschirr bereits -von der Straße aus bestaunt werden konnte. Hier hing im Herbst zur -Zeit des „<em class="gesperrt">richtigen Ossenslachterwedders</em>“ (Sturm und Regen) der -schön geschmückte Ochse (Beneke 359 f.), hier wurden vornehme Gäste -empfangen, hier war auch der Tummelplatz der Kinder (Hertz 36 f.) -und bei Todesfällen fand hier die feierliche Aufbahrung des Sarges -statt (Zacharias 29 f.). — Lichtwark (1897, 61 f.) schreibt: „Wie -einheitlich und behaglich wirkt der Raum, wie reich und vornehm! .. -Was ihn so lebendig macht, lebendiger als die stolzen Treppenhäuser -der Barockpaläste, das ist seine Lauschigkeit, die das tägliche Leben -ahnen läßt. ... Jetzt stehen noch ein halbes Dutzend im alten Zustande, -aber da die Häuser nicht mehr bewohnt werden und nur als Speicher und -Kontore dienen, sind sie unfrisch oder verkommen. Die Künstler, die -in Hamburg lebten, haben uns von der traulichen Poesie dieser Räume -kein Bild erhalten, den Dilettanten aber, die uns einen Blick in die -dem Untergang geweihte Herrlichkeit festhielten, wird man nicht nur in -Hamburg ein dankbares Andenken bewahren. ... Hätte es solche Schönheit -in der Privatarchitektur Münchens, Berlins oder Düsseldorfs gegeben, -so würden Generationen von Malern in unserem (neunzehnten) Jahrhundert -sie verherrlicht haben. Aus tausend Bildern und Hunderttausenden von -Photographien, Holzschnitten und Stichen danach würde das deutsche Volk -diese Dielen kennen.“ (Abbildungen solcher Dielen bei Lichtwark, Bröer, -Melhop. Vergl. auch Melhop 278 f., Jünger 5, Schrader 42 f., Lauffer -70 f. — Im <span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span>neuen Museum für hamburgische Geschichte wird die genaue -Nachbildung einer althamburger Diele einen Glanzpunkt bilden.) Es sei -übrigens beiläufig erwähnt, daß der Hamburger Patrizier sein Stadthaus -nur im Winter bewohnte. Am 17. April pflegte die Familie vors Tor zu -ziehen und kehrte am 18. Oktober in die Stadt zurück.</p> - -</div> - -<p class="mtop2">Wir dürfen die Entwicklung unseres Geschäftsviertels des Großhandels -so annehmen, daß anfangs die Uferfläche, die <em class="gesperrt">Kaje</em>, durchweg -unbebaut liegen blieb, wie noch jetzt bei den Vorsetzen zu sehen, bis -zum Zollanschluß auch z. B. beim Kehrwieder. So war es ursprünglich -in der Deichstraße, im Cremon, in der Catharinenstraße, wie bei den -Mühren, im Grimm usw. Hinter den Häusern, die sich also nur an einer -Seite der Straße entlang zogen, erstreckten sich tiefe, schmale Gärten -bis an andere <em class="gesperrt">Fleete</em>, zuweilen auch bis an den Stadtwall -oder an offene Abflußgräben, die später zu Fleeten erweitert und -vertieft wurden (Gaedechens 41). Als die Böden des Wohnhauses dem sich -ausdehnenden Geschäftsbetriebe nicht mehr genügten, begann man dann, an -diesen Hinterfleeten Speicher zu errichten; später folgten schmälere -Verbindungsbauten zwischen Wohnhaus und Speicher und endlich blieben -statt der ehemaligen freien Stücke nur dumpfige, geschlossene Hofplätze -nach. Die Lagerböden fügten sich meistens vom Vorderhause durch den -Mittelbau an die Böden des Speichers in gleicher Höhe an.</p> - -<p>Mit der Zeit erstarkten Handel und Gewerbe immer mehr, zum Teil -sprungweise, und erforderten weite große Räumlichkeiten. Ich erinnere -nur an die Bierbrauerei. Schon 1270 war das Hamburger Bier berühmt -(Rynesberch 118 Anm. 100) und im Jahre 1307 wird berichtet, daß es -das Bremer überflügelt habe (Rynesberch 85, Mitt. I. 44). Lauffer 34 -gibt an, die Herstellung Hamburger Bieres im 15. Jahrhundert habe -durchschnittlich 100000 Tonnen, gleich 250000 Hektoliter, im Jahre -betragen. Im 16. Jahrhundert gab es hier dann die stattliche Zahl von -531 Brauhäusern (Lappenberg 14), die in rascher<span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span> Folge errichtet waren. -Da man sie am liebsten an den Fleeten anlegte, um das Wasser sowie -Gelegenheit zur Verschiffung bequem zur Verfügung zu haben, so wurde -allmählich das <span class="antiqua">litus</span>, die Uferfläche, zum Bebauen in Angriff genommen. -Bis dahin gehörte dieses <span class="antiqua">litus</span> durchweg den gegenüberliegenden Häusern -und pflegte u. a. von den Brauern benutzt zu werden, um ihr Brennholz -aufzustapeln (Schlüter 21). Schon im Stadterbebuche von 1248 bis 1274 -wird wiederholt der Verkauf solcher Uferplätze vermerkt (Zeitschrift -I. 452 Anm. 5, Gaedechens 50). Es kam hinzu, daß die Hülfsgewerbe, -hier besonders die Faßbinder, viel Raum beanspruchten. Zwischen 1370 -und 1387 waren neununddreißig vom Hundert sämtlicher Amtsmeister -Küper (Koppmann Bd. 3, XX.). Nach und nach wurden auf diese Weise die -ursprünglich frei liegenden Kajen an den Fleeten vollständig bebaut, -teilweise mit Brauhäusern und Betriebswerkstätten, teils aber auch -mit Speichern, die jetzt also nicht mehr mit dem Sitz des Kaufmanns -in unmittelbarer Verbindung standen. In welchen Zwischenräumen -diese Ausfüllung der freien Uferplätze stattfand, läßt sich oftmals -nachweisen. So wurden beispielsweise die beiden Grundstücke an der -Fleetseite der Deichstraße neben der Hohenbrücke wahrscheinlich zuerst -ums Jahr 1322 bebaut, das im Norden angrenzende als eines der letzten -freigebliebenen dieser Gasse erst zwischen 1397 und 1401 (Mus. 270). -Abgesehen hiervon entstand am Ufer auch nach vollständiger Bebauung -keine ununterbrochene Straßenreihe, sondern zwischen je etwa zwei -bis vier Häusern blieb ein „Fleetgang“ frei, der dann einem der -gegenüberliegenden Grundstücke oder mehreren gemeinschaftlich als -Eigentum gehörte. Der Zweck war, für den Wasserverkehr eine gute -Verbindung zu behalten. Gewöhnlich fand sich dort alsdann am Ufer auch -eine „holländische Winde“ unter gewölbtem, schwarz geteertem Holzdach. -Schon im ersten Hamburger Grundbuch wird wiederholt ein Haus mit -dem Recht auf einen Weg ans Ufer oder einen Anteil daran übertragen -(Zeitsch. I. 447 Anm. 2, 3, 4). Man sieht noch heute solche Fleetgänge, -z. B. Deichstraße, Katharinenstraße,<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> Grimm. — Ich will nicht -unterlassen zu erwähnen, daß Neddermeyer (Hamb. Topographie 221, 238) -meint, im Cremon und im Grimm sei die Wasserseite zuerst bebaut worden. -Die Stellen, die er hierfür anführt (Staphorst, Hamb. Kirchengeschichte -I. 2, 102 und 104) bieten indessen keinen Beleg dafür und die Sache ist -auch durchaus unwahrscheinlich (Vergl. Gaedechens 14, 49, Schlüter 21 -und Mitt. IV. 115 f.).</p> - -<p>Für Nichthamburger seien einige Bezeichnungen erklärt. <em class="gesperrt">Fleet</em> -hängt mit Fluß und fließen zusammen. Es ist der Ausdruck für durch -die Stadt strömende natürliche oder künstlich angelegte Flußarme und -findet sich schon im 14. Jahrhundert (Nirrnheim II. 18). Die Kanäle -der Außenalster und im Hammerbrook, die durch Schleusen mit der Elbe -verbunden sind, könnte man also nicht wohl Fleete nennen, dagegen aber -wäre der Name <em class="gesperrt">Zollfleet</em> statt Zollkanal für den großen Wasserzug -zwischen Freihafen und Zollstadt angebracht gewesen. — <em class="gesperrt">Kaje</em> -kommt aus dem Romanischen und hat ursprünglich die Bedeutung Klippe und -Sandbank, während es, wie Lübben im mittelniederdeutschen Wörterbuch -angibt, im Niederdeutschen ausschließlich Ufereinfassung ist. — Es war -zu bedauern, daß im Freihafen anfangs die Bezeichnung Quai, gesprochen -Kwai, eingeführt wurde, wo wir doch schon die gut niederdeutschen -Straßennamen <em class="gesperrt">Binnenkajen</em> und <em class="gesperrt">Butenkajen</em> seit altersher -kannten. Brooktorkaje, Hübnerkaje usw. hätte wirklich sehr gut -geklungen. Glücklicherweise ist man jetzt durchweg zur Schreibweise Kai -übergegangen. — Speicher, <em class="gesperrt">Spiker</em>, wird in Grimms Wörterbuch -aus dem spätlateinischen <span class="antiqua">spicarium</span> erklärt und dies aus -<span class="antiqua">spica</span>, Gedreideähre. Also ursprünglich Kornspeicher. Ich fand -den Spiker, als selbständiges Gebäude verkauft, schon im ältesten -Stadterbebuch erwähnt (Zeitschr. I. 449 Anm. 9) sowie bei Nirrnheim (I. -733, 736).</p> - -<p class="mtop2">Im Gegensatz zu der feststehenden Zimmereinteilung der unteren -Stockwerke des Kaufmannshauses und des Mittelbaues bot der -althamburgische Speicher, der sich hinten anfügte<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> oder später -selbständig für sich errichtet wurde, ungetrennte Lagerräume. Er -bestand also eigentlich nur aus den vier Wänden und den Böden, die -durch starke Ständer und Balken aus Eichenholz getragen wurden. Als -man bei Gelegenheit des Zollanschlusses die neuen Freihafenspeicher -errichtete, glaubte man es recht gut zu machen, wenn man ausschließlich -Eisenkonstruktion anwendete. Es fand sich aber bei einem Brande, -daß das Eisen sich derartig dehnte und reckte, daß die Mauern -ernstlich litten. Das war bei der altmodischen Verwendung von Holz -niemals vorgekommen, meistens kohlte solches nur so leicht an, daß -es für den Neubau wieder gebraucht werden konnte. Die Stockwerke -hießen <em class="gesperrt">Böhns</em> oder <em class="gesperrt">Spiekerböhns</em>, das oberste der -<em class="gesperrt">Spitzböhn</em>. Ausnahmsweise finden wir hierfür noch um die -Mitte des vorigen Jahrhunderts den Namen die <em class="gesperrt">Flier</em> bei der -Verkaufsanzeige eines Grundstückes am kleinen Fleet, das früher -zur Herstellung von Brodenzucker gedient hatte. Flier ist außer -in Ostfriesland nur in Holland gebräuchlich (Mitt. X. 60). Die -Niederländer, die die Zuckerraffinerie im 16. Jahrhundert bei uns -einführten (Amsinck 209 f.), werden diese Bezeichnung mitgebracht -haben, ebenso wie die Berechnung der Ware in Grote, die noch zu Anfang -des 19. Jahrhunderts hier im Großhandel üblich war. — Richey erwähnt -als Name des alleröbersten Bodens „<em class="gesperrt">Oken</em>“. Solcher ist noch jetzt -für die Winkel bekannt, wo das schräge Dach den Fußboden berührt.</p> - -<p>Heizvorrichtungen fehlten im Speicher, ebenso zuweilen Aborte. Wo -man diese nicht entbehren wollte, fügte man sie im Erdgeschoß, nach -der Fleetseite, als Ausbau an, mit einer viereckigen Holzröhre, die -mehr oder weniger weit hinunter ins Fleet reichte, immerhin nicht -tief genug, daß sich nicht bei niedrigem Wasserstand eine Schute noch -gerade darunter schieben konnte. Bis das Schwemmsystem unserer „Siele“ -allgemein durchgeführt war, gab es noch um die Mitte des neunzehnten -Jahrhunderts auch für die Wohnhäuser an den Fleeten ausschließlich -diese Form von Aborten. Die gefrorenen Exkremente<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> bildeten im Winter -einen recht unerfreulichen Anblick. Im Sommer, wenn anhaltender Ostwind -die Fleete leerlaufen ließ, kamen Gerüche hinzu, die nicht selten jede -Lüftung der Zimmer verhinderten. Ein Bild aus jener guten alten Zeit: -„Hallo, wat ’s dat for’n Waar“, ruft der Ewerführer aus seiner Schute -ins Erdgeschoß hinauf. „Frachtbreef kummt gliek na!“ schallt es zurück. -— Solche Straßen, denen kein Fleet als bequemer Abzugsgraben diente, -hatten Eimerabfuhr. Die Eimer, sehr zartfühlend <em class="gesperrt">Goldammers</em> -getauft, standen dann in den engen Gassen reihenweise bereit, bis der -Ruf „<em class="gesperrt">Dreckwaag</em>!“ (verkürzt aus Dreckwagen) die bevorstehende -Leerung ankündete. Ähnliche und zum Teil schlimmere Zustände herrschten -damals natürlich auch in anderen Großstädten Europas. Den meisten ist -Hamburg mit Einführung gemauerter Abzugskänale vorangegangen.</p> - -<p>Fenster waren im Speicher nicht allzu reichlich vorhanden und die -kleinen Scheiben waren trübe. Sie wurden vermutlich nur sehr selten -geputzt: eine Hausfrau verstieg sich nicht hierher. Brauchte man für -die Arbeit Tageslicht, so öffnete man die <em class="gesperrt">Luken</em>, doppelte -breite und hohe Holztüren, neben denen eiserne Griffe in die Mauer -eingelassen waren, damit man sich beim Ausgucken festhalten konnte. Für -Erleuchtung bei Dunkelwerden diente die ölgespeiste <em class="gesperrt">Kugellamp</em> -aus sehr dickem Glas in Art der Schiffslaternen, mit Blechuntersatz -und einem Henkel. — Für Schreibarbeit benutzte man eine Ecke am -Fenster, meistens durch Holzverschalung in eine Art von Zimmer, das -<em class="gesperrt">Kabuff</em>, verwandelt. Hier, wie auch wohl an anderen Stellen, -pflegten die Wände mit Holzschnitten aus der „Reform“ geschmückt zu -sein, zuweilen auch mit launigen kurzen Inschriften und Zeichnungen, -mittels Pinsels aus dem <em class="gesperrt">Markputt</em> hingeworfen, einem kleinen, -nach oben etwas verjüngt zulaufenden Holzeimer, gefüllt mit einer -Mischung von Kienruß und Leckbranntwein zum Zeichnen (Marken) -der Packungen. Den <em class="gesperrt">Leck</em> lieferte der <em class="gesperrt">Köhmkaaker</em> -umsonst, es war der Schnaps, der beim Vollschenken oder Reinigen -der Gläser abtropfte. — Den Markputt pflegte der „Hausküper“<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> auf -der <em class="gesperrt">Snibank</em> selbst herzustellen. Sonst diente diese (auch -<em class="gesperrt">Snibock</em> genannt) hauptsächlich dazu, Holzböden, Faßstäbe -(<em class="gesperrt">Staff</em>) usw. zuzuschneiden. Man saß darauf rittlings, vor -sich eine Einrichtung zum Festklemmen des Holzes, und benutzte nach -Bedarf ein <em class="gesperrt">Tochmeß</em> oder ein <em class="gesperrt">Krummeß</em>, beide aus breiter -Schneide mit Holzgriffen an den Enden bestehend. — Das Marken wurde -mit großer Schnelligkeit in meistens schräg liegenden lateinischen -Buchstaben sowie arabischen Ziffern von schlanker, besonders deutlicher -Form vorgenommen. Schablonen wurden früher wenig benutzt, während die -Frachtführer jetzt meistens darauf bestehen.</p> - -<p>Schmale, steile Holztreppen, die möglichst wenig Raum wegnehmen -durften und nicht massiv eingefaßt, sondern nur mit Lattenverschlag -versehen waren, verbanden die Böden. Sie waren ausschließlich für -Personenverkehr geeignet. An ihnen fand sich häufig ein vom Boden aus -zugängliches Nebengelaß oder ein Bort, der <em class="gesperrt">Bislag</em>, angebracht. -Sonst war an geeigneter Stelle noch ein Aufbewahrungsort für -Packmaterial, das <em class="gesperrt">Strohlock</em>, vorhanden, sowie ein Gerüst für -leere Kisten, der <em class="gesperrt">Hangeböhn</em>, auch wohl <em class="gesperrt">Galgen</em> genannt. -Der gesamte übrige Raum diente für das Aufstapeln von Waren, wobei -man sich an keine Belastungsgrenze kehrte, wie solche in den neuen -Freihafenspeichern überall vorgeschrieben ist. Bei Eisenkonstruktion -brechen eben die Nietenbolzen bei Überlastung, während hölzerne -Tragbalken federnd nachgeben, also keine besondere Vorsicht erheischen. -Wohl kam es vor, daß die Mauer sich etwas schief zog und, wo sie nach -dem Fleetgang frei lag, durch Stützen gegen das Nachbarhaus gehalten -werden mußte. Das war z. B. in dem Hause Deichstraße 45 der Fall, in -dem ich meine Jugend verlebte, und kostete natürlich eine jährliche -Vergütung. — Einen eigentümlichen Speicherbau, wie es deren vielleicht -noch mehrere gegeben hat, findet man Steckelhörn 5. Hier steht die -gesamte Holzkonstruktion frei für sich, ohne irgendwelche Berührung mit -der Hausmauer; das hat den großen Vorteil, daß die Tragbalken nicht -unter Feuchtigkeit der Mauer leiden können.<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span> Man vergleiche hierzu, was -Linde (Die Niederelbe, 4te Aufl. S. 55) über das Marschenhaus sagt.</p> - -<p>Von losem Inventar fand sich in den alten Speichern zunächst die -<em class="gesperrt">Schaal</em> oder <em class="gesperrt">Bummelschaal</em>, die hängende Wagschale. Sie -bestand aus dem eisernen Wagebalken, der mittels Ringes über einem -<span class="antiqua">S</span>-förmigen Haken der Decke hing, sowie zwei Wagschalen aus -starken Holzbohlen mit kräftigen Tauen an den vier Ecken, die oben -über Eisenringe gespleißt (<em class="gesperrt">spleeßt</em>) waren und an diesen auf die -Haken gehängt wurden, die der Wagebalken an jedem Ende trug. (Spleißen -heißt die innige Vereinigung der aufgefaserten Tauenden durch Flechten -und Durchstecken.) Auf eine der Schalen häufte man die Ware, auf die -andere die Gewichtstücke, deren eine große Auswahl zur Seite bereit -stand, hauptsächlich Hundertpfundstücke. Man sagte: „<em class="gesperrt">Da mutt noch -en Hunnert rop</em>“ oder „<em class="gesperrt">en Hunnertpundsloot</em>“, und für wägen -<em class="gesperrt">punnen</em>: „<em class="gesperrt">Hebbt ji de Ballen all punn’d?</em>“ Auf Jost Ammans -Holzschnitt aus dem sechzehnten Jahrhundert „Allegorie des Handels“ -stehen bereits gegossene Gewichte in gleichmäßiger Glockenform mit -kleinem Henkel neben einer Hängeschale, die der obigen Beschreibung -gleicht (Steinhausen 56, Beilage 6). — Zuweilen wurde bei Ablieferung -von Waren die Bedingung „<em class="gesperrt">Geld bi de Schaal</em>“ vorgeschrieben, -in Fällen, wo man dem Käufer nicht traute. (Es herrschte sonst der -Gebrauch, daß am Tage nach Empfang Zahlung durch die Bank erfolgen -mußte.) Die Rechnung wurde in solchem Falle gleich ausgestellt und -war zu begleichen, bevor die Gewichtstücke heruntergenommen waren, -bei hängender Schale. — Wurden die Schalen nicht gebraucht und waren -sie für die Arbeit im Wege, so hakte man sie los und stellte sie -beiseite, ebenso wenn man besonders große Kolli ohne Schale wog, indem -man sie an Ketten direkt an den Wagebalken hängte. Jetzt sieht man -diese Wägevorrichtung fast gar nicht mehr, da meistens Dezimalwagen -angewendet werden, die sich leicht überallhin versetzen lassen. Nur in -einzelnen Betrieben, wo es auf besonders genaues Gewicht ankommt, z. B. -beim Butterhandel, findet man noch die Bummelschale.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span></p> - -<p>Zum Weiterbewegen von Waren innerhalb des Lagers benutzte man die -<em class="gesperrt">Kaar</em> oder <em class="gesperrt">Spikerkaar</em>, bestehend aus zwei miteinander -verbundenen langen Hebelarmen mit löffelförmigem Eisen am unteren Ende, -woran zwei kleine Eisenräder befestigt waren. Mit ihrer Hülfe schaffte -man auch Kolli über die <em class="gesperrt">Brügg</em> auf den Wagen; das war eine breite -Planke aus Holzbohlen mit einer Klammer, die auf dessen Bordwand paßte. -Fässer rollte man auf der <em class="gesperrt">Striekledder</em> hinüber (zuweilen, -aber seltener, auch <em class="gesperrt">Schroodledder</em> genannt), einer Leiter ohne -Sprossen, bestehend aus zwei Bäumen, die oben und unten durch Klammern -aus Holz oder Eisen zusammengehalten wurden. Sie diente auch, um Fässer -über Treppenstufen zu befördern. — Galt es besonders schwere Kolli -von der Stelle zu rücken, so benutzte man den <em class="gesperrt">Kohfoot</em>, eine -dicke meterlange Eisenstange, vorn umgebogen und gespalten. Mußten -gewichtige Kisten behufs Weiterbewegung angepackt werden, so diente -dazu der <em class="gesperrt">Handhaken</em>, für dicke Säcke der kleinere <em class="gesperrt">Griper</em>. -An sonstigem Gerät fand sich zunächst der <em class="gesperrt">Snitzer</em>, ein kantig -geschliffenes Messer, womit man in Holzbänder, die dabei in der -linken Hand und unterm Arm ruhten, länglich viereckige Ausschnitte, -<em class="gesperrt">Schränke</em> oder <em class="gesperrt">Slott</em>, kerbte. Wurden diese dann ineinander -gehakt, so war der feste Reifen gebildet, den man mittels des -<em class="gesperrt">Drivholts</em> oder <em class="gesperrt">Fuustholts</em>, eines hölzernen Treibkeils, -und des <em class="gesperrt">Deessels</em> auf das Faß trieb. (Früher hieß es die -Deessel, jetzt hört man durchweg <em class="gesperrt">der</em> Deessel.) Man benutzte -dieses beilförmige Werkzeug auch zum Ausdeesseln von Fässern und -beim Verspunden derselben, um das überflüssige Holz des Spundes und -die Spundlappen zu entfernen, sowie den <em class="gesperrt">Häringsdeessel</em>, von -länglicher Form, um Häringstonnen zu öffnen. — Galt es, <em class="gesperrt">isern -Bann</em> (Eisenreifen) auf Fässern zu treiben, so diente das -<em class="gesperrt">Drievisen</em> oder die <em class="gesperrt">Setz</em>, ein eiserner Treibkeil, und der -<em class="gesperrt">Setzhamer</em>. — Ein kurzes Brecheisen, de <em class="gesperrt">Resiensnadel</em>, -vorn umgebogen und gespalten, wurde angewendet, um fest gepackte Waren -aus ihrer Verbindung zu lockern, Fässer zu öffnen, Deckel der Kisten zu -lösen, Nägel zu ziehen und<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> die <em class="gesperrt">Inbann</em> loszubrechen, Holzbänder, -die zur Sicherung der Böden in die Krösen der Fässer genagelt waren.</p> - -<p>Zur Entnahme trockener Proben hatte man den <em class="gesperrt">Löper</em>, eine an -beiden Seiten offene Metallhülse, deren spitzer zulaufendes Ende man -in den Sack stieß, um aus dem anderen die Probe schlank in einen -untergehaltenen Beutel laufen zu sehen. Es gab deren verschiedene -Arten. Solche mit ganz spitz zulaufender Öffnung dienten für Zucker, -Reis, Saaten usw. Man konnte dann das entstandene kleine Loch durch -Zusammenziehen der Fäden wieder dichten. Für Kaffee mußte die Öffnung -natürlich weiter sein, wieder andere benutzte man bei mehlförmigen -Waren. Für Flüssigkeiten diente der <em class="gesperrt">Steker</em>, <em class="gesperrt">Provensteker</em>, -auch <em class="gesperrt">Suger</em> genannt, ein Stechheber, der angesogen und, wenn -gefüllt, durch den Daumen oben geschlossen wurde. Butterproben zog man -mittels des <em class="gesperrt">Botterisens</em>, einer eisernen Hülse, deren eine Seite -offen war. — Um alte Marken wegzukratzen, nahm man die <em class="gesperrt">Schaav</em> -zur Hand, für Kisten ein gebogenes Schabeisen mit zwei Holzgriffen, für -Fässer ein dreieckiges flaches Eisen, in dessen Mitte ein Holzstiel -eingelassen war. — Als Behälter für <em class="gesperrt">allerhand Smeerkram</em> fand -sich in irgend einer Ecke die <em class="gesperrt">Sappskeek</em> (Sapp ist Saft, mit der -Nebenbedeutung schmierig). — Waren Säcke auszubessern, so diente dazu -das <em class="gesperrt">Neihgaarn</em> oder <em class="gesperrt">Drahtneihgaarn</em> (starker Bindfaden, -<em class="gesperrt">Dreedraht</em> oder <em class="gesperrt">Veerdraht</em>, je nach der Zusammensetzung) -sowie eine dreikantige <em class="gesperrt">Nadel</em>, meistens aber, besonders für dicke -<em class="gesperrt">Rappertsakken</em> (engl. <span class="antiqua">wrapper</span>), die <em class="gesperrt">Sninadel</em> mit -scharfer Schneide, die besser durchging und womit der Faden gleich -abgeschnitten werden konnte. — Die meisten dieser Gebrauchsgegenstände -werden, beiläufig bemerkt, noch heute angewendet, indessen benutzt man -auch vielfach schon Werkzeug nach amerikanischer Art, das gleichzeitig -verschiedenen Zwecken dient.</p> - -<p>Über die vorkommenden Packungen der Waren, wie sie die Fremde liefert -(Seronen, Gonjes usw.), ist wenig von Interesse zu melden. Im -Fruchthandel gibt es <em class="gesperrt">Siffen</em>, Körbe für etwa 23 Pfund Äpfel, und -<em class="gesperrt">Hamper</em> für 120 Pfund. <em class="gesperrt">Kreet</em> oder<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> <em class="gesperrt">Kreets</em> (zuweilen -in der Mehrzahl <em class="gesperrt">Kreetsen</em> genannt), ist eine lattenförmige -Umhüllung für Glaswaren und manche andere Gegenstände. Sie wird auch -wohl aus Hasel-, Weiden- oder knorrigem Eichenholz geflochten und -genagelt. Solche Kreets sind zum großen Leidwesen der Speicherarbeiter -nach der Leerung nicht einmal als Feuerungsholz zu verwenden. Laut -Doornkaat wird mit Kreet auch der Wagenkorb aus Latten und Sparren -bezeichnet, der zum Heufahren früher allgemein gebräuchlich war. Die -zylinderförmigen leinenumhüllten Kanehlpacken heißen <em class="gesperrt">Fardehl</em> -(span. <span class="antiqua">fardillo</span>). Eine der zahlreichen stehenden Redewendungen -lautet: „<em class="gesperrt">Ick sall bi di en fideles Kameel empfangen</em>“ (statt ein -Fardehl Kanehl).</p> - -<p>Im Speicher waren Mäuse häufige Gäste. Es wurden daher immer -Katzen gehalten oder vielmehr Kater. Ein Loch unten in der Tür -des Erdgeschosses gestattete ihnen den Weg ins Freie, um etwa auf -dem Hofe einen Spatzen zu belauern oder zur richtigen Stunde bei -einer gutherzigen Fischfrau das Leibgericht zu erbetteln. Selbst -auf solchen Speichern, wo ausschließlich Waren lagerten, die für -Nager kein Interesse boten, pflegte ein Kater niemals zu fehlen; -der gehörte einmal dazu. Man bewahrte die guten Tiere schonend -vor jeder Leidenschaft. Hin und wieder nagelte man auch wohl an -irgendeinem Balken fest, was sie zu diesem Zweck eingebüßt hatten -und glaubte sie dadurch ihr lebelang an den Speicher zu fesseln. — -Auch Ratten verirrten sich häufig auf die Lagerböden. Man behauptet -mit Bestimmtheit, daß sie an den Mauern emporgeklommen seien, wenn -sie besondere Leckerbissen, z. B. Walnüsse, witterten. War das -<em class="gesperrt">Fallreep</em> hängen geblieben, ein Strick, an dem der Ewerführer -nach beendeter Arbeit in den Speicher kletterte, so diente es auch oft -den Ratten für ihre Besuche. Zum Wegfangen ihrer Jungen stellte man -die <em class="gesperrt">Rottenheck</em> auf, ein Gerüst mit Zellen, worin sie ihre Brut -ablegten.</p> - -<p class="mtop2">Alleinherrscher im alten Kaufmannsspeicher war der <em class="gesperrt">Huusküper</em>, -meistens wirklich ein gelernter Küper (Böttcher). In<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> älterer Zeit -kannte man als Packungen für die Waren, neben geschnürten Ballen, -vorzugsweise Fässer oder Tonnen (Nirrnheim LXXIX., Steinhausen: -Abbildungen 53, 54 und Beilage 6 und 11), wie auch in einem Lehrbuche -des angehenden Kaufmanns vom Jahre 1715 (Steinhausen 105) die -Überwachung des Zeichnens von Ballen und Fässern dem Lehrling als eine -seiner Arbeiten vorgeschrieben wird. Von Kisten ist nie, von Säcken -nur selten die Rede. Alles mögliche wurde in den Fässern zusammen -verpackt, z. B. um 1380 dreizehn Schinken, eine Hoyke (Mantel) und -zwei Stücke „Schlagdokes“, wollene Decken, die zum Einwickeln von Tuch -gedient hatten (Nirrnheim I. 652 und LXIV.). Es war somit notwendig, -daß der Hausküper mit der Herstellung sowie dem Packen und Auspacken -von Fässern genau vertraut war. Im allgemeinen war nur das Lager -sein Bereich, aber in kleineren Betrieben besorgte er auch wohl -allerlei Arbeiten für den Haushalt, klopfte Zeug und wichste Stiefel, -schöpfte Wasser zum Scheuern und Waschen aus dem Fleet, besorgte Wege -fürs Kontor, fütterte die Katzen mit <em class="gesperrt">Panzen</em> (Magen) und war -ein großer Freund der Kinder vom Hause. Durchweg trug er ledernes -Schurzfell mit Leibriemen, an dem vorn eine kleine Messingtonne als -Schild prangte. Im Winter sah man ihn vielfach in pelzbesetzter Mütze -mit Quaste, als Zeichen seines Amtes, wie er zu sagen pflegte. (Vgl. -Hertz 33 f.)</p> - -<p>Der Hausküper hörte es gern, wenn man ihn „<em class="gesperrt">Koptein</em>“ anredete, -indessen bestreiten ihm die „Quartiersleute“ das Recht auf diesen -Titel: ausschließlich ihnen gebühre solcher, da sie unabhängig -daständen, während der Hausküper nur ein auf Kündigung Angestellter -sei. Im Besitz der Schlüssel war dieser für alles verantwortlich, auch -für die <em class="gesperrt">Arbeidslüd’</em>, die gegen festen Wochenlohn unter ihm -tätig waren, wie für Gelegenheitshülfe, die er im Tagelohn annahm. -Solch’ vorübergehende Arbeit hieß eine <em class="gesperrt">Hüür</em> im Gegensatz -zu <em class="gesperrt">Bahntje</em> für feste Anstellung. Der Hausküper sorgte für -das Aufbringen, Einwägen und zweckmäßige Wegstauen der Waren, für -Marken<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> und Ummarken der Kolli sowie für ihre Ablieferung, weiter für -rechtzeitiges Umstapeln von Sachen, die dem Verderb unterlagen, kurz -für alles, was der Lagerbetrieb erheischen mochte. Nebenbei entwickelte -er eine staunenerregende Warenkenntnis bei Empfang und Ablieferung. -— War es erforderlich, so erschien er wohl gelegentlich bei seinem -Geschäftsherrn an der Börse, sonst jedenfalls abends regelmäßig -am Kontor, um dort Rechenschaft abzulegen und neue Vorschriften -entgegenzunehmen. Das <em class="gesperrt">Gewichtbook</em>, das er dabei überbrachte, war -in großen Betrieben in verschiedenfarbigen Einbänden vorhanden, etwa -in gelb für eingehende und in blau für abgelieferte Partien. Von jedem -hatte man zwei Exemplare, wovon eins bis zum nächsten Abend am Kontor -verblieb, um danach Rechnungen auszustellen oder einlaufende zu prüfen, -das andere inzwischen zur Benutzung auf dem Speicher.</p> - -<p>Gab es Arbeit, die der Hausküper nicht mit den eigenen Leuten -bewältigen konnte, so holte er sich weitere Kräfte von <em class="gesperrt">de Lüd’ -von de Eck</em>. Das waren nicht etwa Gelegenheitsarbeiter in Art -der berühmten „<em class="gesperrt">Löwen von’n Hoppenmark</em>“, die nur gelegentlich -Obstkörbe aus den Ewern auf den Markt schleppten und sich hauptsächlich -von Schnaps ernährten, sondern sie mußten ehrbare Hamburger Bürger -sein und entsprechend dem Vertrauen, das man in sie setzte, streng -auf Standesehre halten. Keineswegs konnte sich jeder beliebig zu -ihnen gesellen. Er mußte guten Leumund besitzen und in aller Form -um seine Aufnahme ersuchen. War solche zugestanden, so wurde er ins -Buch eingetragen, das jede „Ecke“ führte, nachdem er „<em class="gesperrt">en Daler -oder twe as Inspringelgeld</em>“ erlegt hatte. Der Hausküper war, um -solche <em class="gesperrt">Spikerarbeiders</em> oder <em class="gesperrt">Spikerlüd’</em> anzuwerben, je -nach der Lage seines Speichers auf eine bestimmte Ecke angewiesen; -erst wenn hier niemand zu finden war, durfte er sich weiter umsehen. -Die „Ecken“ hatten ihre festen Bezeichnungen: <em class="gesperrt">de Englännereck</em> -(Katharinenstraße), <em class="gesperrt">de Wandrahmseck</em>, <em class="gesperrt">de Pickeck</em> -(Rödingsmarkt-Steintwiete) usw. und standen in Verbindung<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> mit -einer <em class="gesperrt">Köhminsel</em>, einer bestimmten Destillation (Schnaps- und -Bierausschank), wo der Hausküper zunächst einzukehren hatte, wenn -er an der Ecke keine Leute antraf. Bei diesem <em class="gesperrt">Kröger</em> war den -Lüd’ von de Eck’ das Recht eingeräumt, statt einzelner Schnäpse zum -Sechsling (3¾ Pf.) das Glas, eine Flasche für drei Schilling (22½ -Pf.) zu erstehen und in einem Hinterzimmer zu vertilgen. Traf der -Hausküper sie gerade bei einer frischen Pulle an oder wurde eine solche -auf dem Speicher „ausgegeben“, so gebührte ihm der erste Schluck. -„<em class="gesperrt">Een’n utgeven</em>“ kam auf dem Lager nicht selten vor, sei es daß -der Geschäftsherr sich blicken ließ oder daß Makler, Agenten oder -Käufer dort zu tun hatten. Als zarter <em class="gesperrt">Wink mit’n Lüchtenpahl</em> -diente dann wohl: „Is mal <em class="gesperrt">dröge Luft</em>“ oder „<em class="gesperrt">dat stöft hier -bannig</em>“. War sonst niemand da, den man um Getränk ansprechen -konnte, so meinte wohl einer der Arbeiter: „<em class="gesperrt">Wöhlt wi nich en Lütten -passen?</em>“ d. h. es sollte zusammengeschossen werden, um Alkohol -anzuschaffen. Kam dann gerade ein junger Mann vom Kontor darüber zu, -so erwartete man, daß er sich in hervorragender Weise beteiligte. -Dafür durfte er den ersten Schluck aus dem Glase tun, das nachher -die Reihe herum ging. — Es wurde früher recht häufig getrunken, -wenn auch nicht viel zur Zeit. Bei Ablieferung von Waren hatte der -empfangende Hausküper oder Quartiersmann, wenn es sich nicht um ganz -kleine Partien handelte, den Arbeitern gleichfalls einen auszugeben, -und zwar wurde dies <em class="gesperrt">op de halven</em> beansprucht, d. h. wenn die -Hälfte der Partie abgeliefert war. Morgens vor 8 Uhr wurde „<em class="gesperrt">en -Sweizer</em>“ für das Geld geholt, nach 8 Uhr Kümmel und Flaschenbier. -Der Verwalter des Getränks wurde <em class="gesperrt">Buddelör</em> genannt. Das -gewöhnliche Schnapsgemisch war <em class="gesperrt">Köhm un Grön</em> d. i. Kümmel und -Wermut. Beim Sweizer kam noch Pfeffermünz hinzu. „<em class="gesperrt">Lat uns mal en -lüttje Sweizerreis’ maken!</em>“ hieß es wohl. Besonders geschätzt -war das Helmerssche Erzeugnis; daher: „<em class="gesperrt">Hal mal een von Helmers -sien!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Dat ’s woll Helmers sien?</em>“ (mit Anklang an -Hennessy). Die Höhe des betreffenden Trinkgeldes, das zuweilen<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> auch -je zur Hälfte vom Ablieferer und Empfänger getragen wurde, richtete -sich ungefähr nach der Größe der abgelieferten Partie. Man rechnete -z. B. bei 50 Sack Kaffee vier Schilling (30 Pf.), bei 100 Sack das -Doppelte. — Wollte man Köhm un Beer in einer Wirtschaft genießen, -so forderte man „<em class="gesperrt">Lütt un lütt</em>“, d. h. en lütt Glas Köhm un en -lütt Glas Beer. Das kostete zusammen einen Schilling (7½ Pf.). Es -gibt noch heute viele Wirtschaften, wo je 2 Glas Lütt un Lütt für 15 -Pf. geliefert werden. War man dann gemütlich im Schnacken, so hieß es -bald: „<em class="gesperrt">Op een Been kann man nich stahn!</em>“ Solcher Redensarten, -die sich natürlich nicht auf die Speicherarbeiter beschränken, ließen -sich noch manche sammeln. „<em class="gesperrt">Eenmal vergebens un denn mit alle -Mann</em>“ rief man bei einer Arbeit, wo alle Kräfte anzuspannen waren. -Wollte man eine Arbeit aufgeben, so hieß es: „<em class="gesperrt">Lat uns man in’n Sack -hauen!</em>“ Stand einer müßig herum, so sagte man wohl: „<em class="gesperrt">Breek -di man nich de Hann’ in de Tasch af</em>“ oder man fragte: „<em class="gesperrt">Na, -puulst in’e Nees?</em>“ und erhielt vielleicht zur Antwort: „<em class="gesperrt">Djä, -ick kann mi mit’n lütt Stück Arbeit lang behelpen</em>“. Ein dritter -meinte dann dazu: „<em class="gesperrt">Worto hett man denn de Been, as um de Arbeit -ut’n Weg to gahn.</em>“ Allerhand Ökelnamen für andere Beschäftigungen -gibt es auch. <em class="gesperrt">Rümdriewer</em> heißt der Böttcher, weil er beim -Antreiben der Bänder ums Faß eilt. Daher auch: „<em class="gesperrt">He löppt as so’n -Fattbinner</em>“ (Korr. Bl. 23,57 u. 33,43). Die Zollbeamten nennt man -<em class="gesperrt">Tollmus’kanten</em>, <em class="gesperrt">Grashüpper</em> und <em class="gesperrt">Grönröck</em>, die -Kontoristen <em class="gesperrt">Fedderveeh</em> und <em class="gesperrt">Kantorknüppel</em>, den jungen -Kommis, der Muster entnahm, <em class="gesperrt">Provenrieder</em> usw.</p> - -<p>Solange sie unbeschäftigt waren, trugen die Lüd’ von de Eck sauberen -dunklen Anzug, Schurzfell und schwarzen Zylinder. Waren sie für Arbeit -angenommen, so legten sie hohen Hut, Jacke und Schurzfell ab und -zogen zum Schutz gegen Staub eine wollene oder baumwollene Mütze, die -„Mudder“ aus alten Stoffresten angefertigt hatte, die <em class="gesperrt">Klottje</em>, -Über den Schädel, sowie ein <em class="gesperrt">Busseruuntje</em>, eine Art Bluse, als -Arbeitsgewand<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> über den Oberkörper. (Klottje aus dem französischen -<span class="antiqua">calotte</span>, gleich Käppchen.) Zu Busseruuntje erklärt Schütze, daß -diese Bezeichnung aus dem Holländischen stamme und gleichbedeutend mit -<em class="gesperrt">Schanslöper</em> sei. (Vergl. Goedel 57.) Vorn über den Leib kam -außerdem die Hälfte eines alten Kaffeesackes, die durch Bänder auf dem -Rücken befestigt war. Der Hausküper war vornehmer, er trug bei der -Arbeit die Hälfte eines weißen Saatsackes ohne Naht, der dann jeden -Sonnabend in die Wäsche kam.</p> - -<div class="figcenter illowe34" id="illu023"> - <img class="w100" src="images/illu023.jpg" alt="Lüd’ von de Eck" /> -</div> - -<p>Die obige, etwas flüchtig hingeworfene Skizze aus meiner Sammlung -entstammt den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und zeigt -einige Lüd’ von de Eck in der damaligen Tracht. Der Zeichner, <em class="gesperrt">W. -Lühring</em>, war damals bei der hiesigen Häutefirma George Maltz u. Co. -als Handlungsdiener<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> tätig. — Man beachte, daß der Schuster sowohl -wie die Person im hohen Hut (vielleicht ein Quartiersmann) kurze -Kalkpfeifen rauchen, deren man 8 Stück für einen Schilling erhielt.</p> - -<p>In ähnlicher Weise wie bisher berichtet ging im Speicherbetrieb alles -streng nach genauer Ordnung vor sich. Beim Aufwinden von Waren galt -z. B. der feste Satz von 80 Pfund Leistung auf den Mann, wenn sie -den ganzen Tag zu arbeiten hatten; sonst konnten sie es auch bis zu -300 Pfund bringen. Ebenso behielt jeder mit seinen Händen den Platz -am Windetau, den <em class="gesperrt">Löpers</em>, den er zu Anfang eingenommen hatte. -Diese Löpers, zwei starke Taue ohne Ende, liefen durch Löcher im -Fußboden durch alle Stockwerke des Speichers und dienten dazu, eine -Holzrolle auf dem Spitzböhn in Umschwung zu bringen, auf der sich das -starke Tragetau, der <em class="gesperrt">Dreger</em>, auf- oder abwickelte. Zu solchem -Zwecke hatte diese Welle, der <em class="gesperrt">Winnbohm</em> oder <em class="gesperrt">Wellbohm</em>, -an beiden Enden <em class="gesperrt">Rööd</em>, Wellräder, deren Kranz mit Doppelzacken -versehen war, in die die Löpers sich klemmten. Das Ende des Dregers -war über den außen hohlen Rand der <em class="gesperrt">Kausch</em> gespleißt, ein -Eisenring, in dem der eiserne <em class="gesperrt">Haken</em> hing. (Kausch heißt auf -der Elbinsel Finkenwärder das Segelöhr.) Über den Haken hinweg -wallte das aufgerebbelte Ende des Dregers, der <em class="gesperrt">P’rükenkopp</em>, -der dazu diente, die Feuchtigkeit ablaufen zu lassen. Außerdem -ermittelte man gelegentlich, ob dies äußerste Stück des Dregers noch -haltbar sei, indem man einzelne Strähne des P’rükenkopps auf ihre -Widerstandsfähigkeit prüfte. Zeigten sie sich mürbe, so wurde ein Stück -des Dregers weggeschnitten und das neue Ende wieder Über die Kausch -gespleißt.</p> - -<p>Als Zurufe bei der Arbeit des Auf- und Abwindens herrschten -hergebrachte Ausdrücke. Der Hausküper, oder, wenn er sich vertreten -ließ, der <em class="gesperrt">Lukenvice</em>, rief den an den Löpers angestellten -Arbeitern von der Luke aus seine Anordnungen zu. War unten in der -Schute die Ware am Haken befestigt (<em class="gesperrt">anslahn</em>), so hieß es: -„<em class="gesperrt">Sso, winn’ op!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Hüüs’ op!</em>“<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> (vergl. hissen, -heißen, z. B. der Flagge), auch wohl „<em class="gesperrt">Hiev op!</em>“ (an Schiffsbord: -„Anker hieven“). Hatte die Last seine Luke erreicht, so rief er -„<em class="gesperrt">Haaah</em>“ (helles a wie in Rabe), worauf die Löpers über den -<em class="gesperrt">Knaggen</em> geworfen werden mußten, damit infolge vergrößerter -Reibung je ein Mann die Last schwebend erhalten konnte, während die -übrigen sich mit an die Luke begaben, um sie hereinzuziehen. Der -Knaggen, auch <em class="gesperrt">Achtersmiter</em> oder <em class="gesperrt">Hemmhaken</em> genannt, war -ein am Pfeiler neben den Löpers befestigtes starkes Brett, meistens -Buchsbaumholz, woraus man ein länglich rundes Stück weggeschnitten -hatte. In die entstandene Höhlung paßten die Löpers. Fand man einen -kräftigen Baumast, der sich für den Zweck eignete, so nahm man ihn noch -lieber. Innerhalb der mit Haspelwinde versehenen alten Kaufmannshäuser -vertraten häufig zwei eiserne <em class="gesperrt">Wandhaken</em> nebeneinander die -Stelle des Knaggens. War nur ein einziger vorhanden, so wurden die -Löpers zweimal hinübergeworfen, weil sonst an den glatten Eisen -nicht genügend Reibung entstanden wäre. Dies brachte indessen starke -Abnutzung des Windetaues mit sich. — Beim Rufe „<em class="gesperrt">Striek wat!</em>“ -wurde das Hereinziehen der Last durch Nachgeben der Löpers ermöglicht, -bei „<em class="gesperrt">Los!</em>“ ließ man diese fahren. (Strieken ist ein altes Wort -mit großer Zahl von Bedeutungen; hier „nachlassen“, „nachgeben“. Wenn -die hochdeutsche Sprache sich mehr um ihre ebenbürtige niederdeutsche -Schwester bekümmern wollte, hätten wir statt des Streiks den „Striek“ -gehabt, also ein gut deutsches Wort.) — War der Haken befreit, so -mußten die Löpers auf „<em class="gesperrt">Sla los!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Smiet los!</em>“ vom -Knaggen herabgehoben werden, um den Dreger in kräftigen Zügen wieder -nach unten zu befördern. Die <em class="gesperrt">Läng’</em> oder <em class="gesperrt">Längde</em> wurde zu -neuer Verwendung hinterhergeworfen, nachdem der Mann in der Schute -gewarnt worden war, sich nicht vom Platz zu rühren, durch „<em class="gesperrt">Fast -dar nerrn!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Waarscho!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Ünnerruut!</em>“ und -geantwortet hatte: „<em class="gesperrt">Smiet!</em>“ (Nerrn, früher nedden — unten, -Waarscho = Acht geben. Wenn Goedel im Quickbornbuch 9 S. 19 meldet, -dies Wort sei in Kiel von der Marine wieder in den Sprachschatz<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> der -Stadtbevölkerung übergegangen, so kann ich dem gegenüber feststellen, -daß es in Hamburg nie außer Übung gekommen ist.) Inzwischen wurden -Kisten oder Säcke aus dem Wege geräumt, um für die nächste Ankunft -Platz zu haben. Wurden sie später aufgestapelt, so lautete das -Kommando: „<em class="gesperrt">Hoch op!</em>“, „<em class="gesperrt">Höger rop!</em>“ und „<em class="gesperrt">Hoch!</em>“, je -nachdem Knie- oder Ellbogenhöhe oder endlich volle Höhe erreicht war. -— Zu Läng’ ist zu bemerken, daß dies ein zusammengespleißtes Hanftau -ohne Ende war, das man niederlegte, um darauf eine Anzahl Säcke oder -Kisten aufzubauen. Dann wurde die Schlinge des längeren Endes durch die -kürzere gezogen, diese fest heruntergedrückt und die längere in den -Haken gehängt. Hatte das Aufwinden begonnen, so mußte das kurze Ende -noch weiter niedergepreßt werden, damit die Ware nicht herausschießen -konnte. Ein Ewerführer, der eine <em class="gesperrt">Hieve</em> Rosinen in Säcken -vielleicht nicht fest genug eingeschlagen hatte, sah sie herabstürzen, -bevor sie die Luke erreicht hatte, konnte aber noch rechtzeitig -beiseite springen und rief dann in gut gespielter Entrüstung hinauf: -„<em class="gesperrt">Hett jo gar keen Sinn, dat ick dat inwickel, wenn ji dat wedder -dalsmiet!</em>“ — Für schwere Lasten benutzte man eine kürzere und -dickere Läng’, die <em class="gesperrt">Stropp</em>, für Fässer <em class="gesperrt">Hakens</em>, an einer -Kette ohne Ende hängende gekrümmte Eisen, für Kisten, die es vertragen -konnten, <em class="gesperrt">Düvelsklauen</em>, je ein starkes gekrümmtes Doppeleisen an -den Enden einer Kette.</p> - -<p>Die Ausrufe galten mehr der Aufmerksamkeit des Ewerführers, als den -Leuten an der Winde, wenn eine Ware hinabgelassen werden sollte. War -sie zunächst handbreit aufgewunden, so hieß es: „<em class="gesperrt">Achter!</em>“ -(Achtärr) oder „<em class="gesperrt">Maak fast!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Smiet achter!</em>“ damit -die Löpers über den Knaggen geworfen wurden. Die Ware wurde nun zur -Luke hinausgeschoben und schwebte frei. Auf „<em class="gesperrt">Striek wat!</em>“ -dann „<em class="gesperrt">Lat reisen!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat fallen!</em>“ auch wohl -„<em class="gesperrt">Los lat strieken!</em>“ ließ man dann die Löpers durch die Hände -gleiten, die durch Sackleinen geschützt waren, während der Knaggen -durch die Reibung genügend hemmte, um die Last immer in der Gewalt -zu<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> behalten. Schien sie nahe dem Ziel, so mußte auf „<em class="gesperrt">Sinnig!</em>“ -(<em class="gesperrt">Sinniiich</em>) angehalten werden, bis der Ewerführer sie nah -dem Punkte hingezogen hatte, wo er sie aufzustapeln gedachte. Auf -„<em class="gesperrt">Striek!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat strieken!</em>“ oder „<em class="gesperrt">Los lat -scheeten!</em>“ mußten die Löpers rasch nachgegeben werden, bei -„<em class="gesperrt">Achterruut!</em>“ waren sie vom Knaggen abzuheben, um den Dreger -wieder aufzuwinden. Wenn wir als Jungens beim Winden helfen durften, -machte die Betonung „Los lat scheetennnn!“ besonders starken Eindruck.</p> - -<p>Die Löpers waren natürlich durch alle Böden hindurch von den Knaggen -freizuhalten, wenn gewunden werden sollte. Im Sommer dehnten sie -sich und schleiften dann im Raum, dem untersten Boden, während der -Windearbeit in tollen Kapriolen auf dem Fußboden hin und her. Paßte man -in der herrschenden Dunkelheit nicht auf, so hatte man die schönste -Gelegenheit, darin verstrickt und vielleicht gar stranguliert zu -werden. Die Finsternis in sämtlichen Räumen des Speichers pflegte -undurchdringlich zu sein, wenn die Luken geschlossen waren, denn -die aufgestapelten Waren nahmen das bißchen Tageslicht weg, das -durch die Fenster Einlaß fand. Dies um so mehr, als die Speicher -häufig schmal und sehr tief waren. Man hielt das der Erhaltung der -Waren zuträglicher, als wenn Licht und Luft Zutritt hatten, auch -konnte man häufig feststellen, daß die Partien das Gewicht, das sie -vielleicht während der Reise eingebüßt hatten, bei längerer Lagerung -wiedergewannen. Aus diesem Grunde schüttelte manch alter Praktiker den -Kopf, als er die größere Breite und viel geringere Tiefe sah, die man -den neuen Speichern im Freihafen gegeben hatte. — Mußte man auf dem -Speicher eine Ware ansehen, so pflegte der führende Arbeiter, der auch -im Dunkeln Schritt und Tritt kannte, einem oftmals die Hand zu reichen, -damit man sich durchwinden konnte.</p> - -<p>Der größte Teil der Ausrufe, die ich hier wiedergegeben habe, fällt -bei den elektrischen oder hydraulischen Winden der Neuzeit fort und -wird durch Handbewegungen ersetzt. Erwähnt mag bei<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> dieser Gelegenheit -noch werden, daß schon um 1865 der Versuch gemacht wurde, die mühselige -Handarbeit beim Aufwinden der Kaufmannsgüter durch eine Dampfwinde -zu ersetzen, die man in der Schute aufstellte. Es erhob sich aber so -lebhafter Widerspruch seitens der Arbeiter gegen eine solche Neuerung, -die ihnen das Brot nehmen würde, daß man bald hiervon zurückkam.</p> - -<p>Nach beendeter Arbeit wurde der Dreger bis an den <em class="gesperrt">Utlegger</em> -aufgewunden, eine am Giebel angebrachte Vorrichtung mit einer Rolle -aus Pockholz oder Eisen, später aus Gelbmetall, die <em class="gesperrt">Schiev</em>, -über die der Dreger lief. Geschützt war der Utlegger durch den -<em class="gesperrt">Winn’kasten</em>, auch <em class="gesperrt">Galgen</em> genannt, einen unten offenen -Holzkasten. An den Haken war zuvor ein dünnes Tau geschlungen, die -<em class="gesperrt">Fanglien</em>, die neben der untersten Luke befestigt war und -sein Herabziehen zu neuer Benutzung ermöglichte. Zuweilen war noch -am äußersten Ende des Winn’kastens ein Haken angebracht, an den man -<em class="gesperrt">Schiev un Tau</em> hängen konnte, um leere Kisten, Körbe oder Säcke -aufzunehmen, wozu es dann nur eines Mannes bedurfte.</p> - -<p>Beiläufig wäre noch zu bemerken, daß die Löcher im Fußboden, durch -die die Löpers glitten, mit Porzellanringen ausgesetzt waren, um die -Reibung zu vermindern, und daß man die <em class="gesperrt">Winn’löcker</em> zustopfte -oder mit Holzringen umgab, wenn Waren gestürzt werden sollten, damit -das Durchlaufen in die unteren Böden vermieden wurde. Für dies -<em class="gesperrt">Störten</em>, das Ausleeren sämtlicher Packungen einer Partie, um -gleichmäßige Mischung herzustellen, gehörte das <em class="gesperrt">Störtlaken</em>, eine -mächtige Leinewand, zum Bestand.</p> - -<p>Ein hergebrachter Ausruf bei der Arbeit war der Zählgesang bei -Ablieferung bestimmter Waren, besonders von Häuten und Fellen. Bröcker -I. 58 f. veröffentlichte (mit Notenbegleitung) eine Version, die hier -unter Beibehaltung der Schreibweise wiedergegeben sein möge:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent2">„Nu hebbt wi <em class="gesperrt">een</em> op’t Neet — <em class="gesperrt">Terriwe</em> kumpleet —</div> - <div class="verse indent2">Hebbt wi en <em class="gesperrt">Diarree</em> — dat <em class="gesperrt">veerte</em> Mol —</div> - <div class="verse indent2">Scheun sünd de groten to <em class="gesperrt">fiif</em> — en <em class="gesperrt">halbes Dutz</em> davon in’n Liew —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Söben</em> is de Galgentool — goht wie de ganze <em class="gesperrt">Nacht</em> opp dol —</div><span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Negen</em> is de Rummelee — <em class="gesperrt">Tein!</em> tein is tein —</div> - <div class="verse indent2">Mein Hamburg an der <em class="gesperrt">Elbe</em> Strand — wie liegst du tief im Tal —</div> - <div class="verse indent2">du bist nicht mehr dasselbe Land — wie Anno dazumal —</div> - <div class="verse indent2">Wie hat man dich entrissen — aus Altertümlichkeit —</div> - <div class="verse indent2">du mußt noch vieles missen — aus deiner goldnen Zeit —</div> - <div class="verse indent2">denn so wie du, vallera — so bin auch ich, vallera.</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">Een un de twintig — terriwe un de twintig</em> —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">diarree un de twintig — veer un de twintig</em> —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">fief un de twintig — soß un de twintig</em> —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">söben un twintig — alle acht un de twintig</em> —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">negen un twintig — nu hebbt wi dottig mol.</em>“</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Auf S. 67 desselben Heftes wird für die Ziffer 5 und 6 die drastischere -Lesart „Scheun is min Wief — se hett er dickes Lief“ mitgeteilt und -für 11 bis 20 die Version:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent2">„Mein Hamburg an der <em class="gesperrt">Elbe</em> — da geht’s bis nachts um <em class="gesperrt">zwölfe</em> —</div> - <div class="verse indent2">mok de <em class="gesperrt">Dör to Hein</em> — in de Diekstroot <em class="gesperrt">veertein</em> —</div> - <div class="verse indent2">bi <em class="gesperrt">foftein</em> is ’t en Drinker — an de <em class="gesperrt">soßtein</em> geit nix flinker —</div> - <div class="verse indent2"><em class="gesperrt">söben un de tein</em> — denn gode <em class="gesperrt">Nacht min Hein</em> —</div> - <div class="verse indent2">nu sloop man fein — so ’n <em class="gesperrt">twintig</em> Mool.“ —</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Zu 30 heißt es dann noch: „Siehst du woll — nu hebbt wi <em class="gesperrt">Talje -vull</em>, vallera!“</p> - -<p>Hierzu wäre zu bemerken, daß „Talje“ mit dem engl. <span class="antiqua">tally</span>, -Kerbholz, Zählstrich zusammenhängt. — „De Groten to fiif“ sind -Schnäpse zu 5 Pf. das Glas. — Bei 8 pflegt es auch zu heißen: „Gaht -wie <em class="gesperrt">alle Nacht</em> op un dal.“ — „De ganze Rummelee“ statt „alle -negen“ ist Ausruf beim Kegeln; „<em class="gesperrt">twe Veerlanner Been</em>“, wie -zuweilen für 11 gebraucht wird, stammt ebenfalls daher. Zu 12 singt man -auch wohl: „in <em class="gesperrt">Horborg is’t datselbe</em>.“ — Bei der „halben Talje“ -wird gern ein Schluck genommen, daher: „bi foftein is’t en Drinker.“ -(Vergl. Mitt. a. d. Quickborn IV. 91). Zu 16 hörte ich die Variante: -„<em class="gesperrt">an de soßtein geit dat flinker</em>“: man arbeitete nun frisch -gestärkt weiter.</p> - -<p>Der verstorbene C. Rud. Schnitger regte beiläufig die Frage an, ob das -„foftein maken“ vielleicht mit der Berechnung von Häuten und Fellen -nach Zimmer zu 4 Decher zu 15 Stück zusammenhängen könne.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Was_sich_der_Speicher_erzaehlt">Was sich der Speicher erzählt</h2> -</div> - -<div class="figcenter illowe34" id="illu030"> - <img class="w100" src="images/illu030.jpg" alt="" /> - <div class="caption2"><em class="gesperrt">Hein</em>: Uns’ Ol hett mi ’n Mark - in de Hand drückt un seggt, ik sall uns dafor Brod un Snaps mitbringn.</div> - <div class="caption2"><em class="gesperrt">Kodl</em>: Na, un wat hest du - brocht?</div> - <div class="caption2"><em class="gesperrt">Hein</em>: För fifunnegntig Penn - Köhm un Greun un for fif Penn Brod.</div> - <div class="caption2"><em class="gesperrt">Alle zusammen</em>: Harrijeh! Wat - süllt wi denn mit all’ dat Brod opstelln?!</div> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span></p> - -<p>Das nebenstehende Bild (aus der „Reform“, 1877) gibt eine gute Gruppe -von Speicherarbeitern wieder, während der Raum, in dem sie sich -aufhalten, zum Zweck der Belichtung stark idealisiert ist (vergl. Kopal -50 f. und Jünger 10 f.).</p> - -<p>Eines eigentümlichen Speicherausdruckes muß ich hier noch gedenken, des -„<em class="gesperrt">Tómann’n</em>“. Er wurde angewendet für das Weiterreichen kleiner -Kolli von Hand zu Hand, außerdem auch, wenn man z. B. Säcke vom Raum -auf einen höheren Boden zu schaffen hatte und aus irgend einem Grunde -die Winde nicht benutzen wollte oder konnte. Einer der Arbeiter trug -die Säcke dann bis zum ersten Boden, wo ein anderer sie ihm abnahm, um -sie wieder eine Treppe höher zu bringen, und dann so weiter.</p> - -<p>Außer dem Hausküper und seinen Leuten fand sich auf dem Speicher -gelegentlich der jüngste Lehrling ein, um eine Bestellung zu machen, -denn den Fernsprecher kannte man noch nicht. In solchen Fällen, wo -Kontor und Lagerräume auf demselben Grundstück vereinigt waren, kamen -auch wohl einige Lehrlinge während ihrer Mußestunden zum Besuch, -die an den Waren, besonders den eßbaren, wissenschaftliche Studien -machten und daneben allerhand Mutwillen trieben (Kopal 47 f.). Da -wurden vielleicht dem alten Herrn, der im Hause jenseits des Fleets -über seinen Büchern brütete, durch ein Brennglas die Sonnenstrahlen -auf die Hand geworfen oder einem Nachbarn mittels Pusterohrs Erbsen -oder Kittkugeln ins Fenster geschossen. Oder man überredete den -„Jüngsten“, sich auf dem Haken stehend nach unten befördern zu -lassen, und weidete sich an seinem Zorn, wenn man die lustige Fahrt -unterbrach und ihn eine Weile zwischen Himmel und Erde zappeln ließ. -Bei einer Firma im Grimm herrschte die hergebrachte Gewohnheit, daß dem -jüngsten Lehrling am Tage seines Eintritts das Gesicht mit Zinnober -eingerieben wurde, worauf man ihn in einen Korb packte und an der -Außenseite des Kaufmannshauses bis an das Fenster aufwand, hinter dem -der Geschäftsherr saß. Pantomimische Entrüstung an der einen Seite, -ebensolche Beteuerung:<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> „Ich kann’s nicht helfen!“ von der anderen -waren regelmäßig die Folge. — Auch das Klettern am hängenden Dreger -und sonstige Turnerkünste wurden geübt. — Zuweilen ließ sich übrigens -auch der <em class="gesperrt">Lagerdeener</em> sehen, ein Angestellter, der am Kontor -alles unter Händen hatte, was das Lager anging. Der Name Lagerdiener -ist jetzt nicht mehr gebräuchlich. Es mag eben niemand mehr „dienen“, -außer wo es sein muß, nämlich im Heer. Sogar die Köchin, die sich -für Stellung meldet, fragt man heutzutage: „Wo war Ihre letzte -Stelle?“ Für Lagerdiener ist die verfeinerte Bezeichnung „Lagerist“ -eingeführt, für Handlungsdiener, wie früher alle gegen Gehalt am -Kontor Angestellte sich nannten, „Kommis“. Noch heute ist übrigens -die „Handlungsdiener-Witwenkasse von 1841“ in Betrieb. — In alter -Zeit hießen die Angestellten <em class="gesperrt">Scholer</em> und <em class="gesperrt">Knechte</em> oder -<em class="gesperrt">Diener</em>. Die Scholer dürften ursprünglich für den geistlichen -Stand bestimmt gewesen sein. Sie wurden, da sie mithin des Lesens und -Schreibens kundig waren, in erster Linie mit Buchführung und ähnlichen -schriftlichen Arbeiten betraut. Außerdem erfüllten sie wohl dieselben -Obliegenheiten wie die Knechte, also Empfangnahme, Beaufsichtigung und -Ablieferung von Waren, Einziehung von Schulden am Platz und auswärts -und ähnliches (Nirrnheim XXVIII.). Scholer und Knechte, besonders -die ersteren, mochten bei ernstem Willen und tüchtigen Leistungen -hin und wieder grade so gut eine selbständige Stellung erlangen, wie -heutzutage. Gelegenheit, ein erspartes Kapital zu vermehren, hatten -sie häufig, denn der Geschäftsherr beteiligte sein Personal bis hinab -zur Dienstmagd gern an kleinen Unternehmungen (Nirrnheim XLIV. f.). -In recht vielen Hamburger Firmen herrscht übrigens noch heute ein -außerordentlich patriarchalisches Verhältnis zwischen Geschäftsherrn -und Angestellten. Alte Handlungsgehülfen und Arbeiter werden oftmals -„durchgefüttert“, wenn sie auch nur wenig mehr leisten können oder -beziehen aus freien Stücken auskömmliches Gehalt auf ihre alten Tage. -Andererseits sind mir Fälle bekannt, wo der Geschäftsherr durch seine -ehemaligen Untergebenen<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> fortlaufend freiwillig Unterstützung erhielt, -wenn er im Lauf der Jahre zurückgekommen war.</p> - -<p class="mtop2">Wem es nicht paßte, seinen eigenen Hausküper zu halten, der benutzte -<em class="gesperrt">Quarteerslüd</em>, Arbeitsübernehmer, die sich ursprünglich immer -zu Vieren (dem „Quartier“) zusammengetan hatten und für eine Reihe -von Firmen die erforderlichen Arbeiten zu vereinbarten Sätzen für -das Kollo oder den Zentner ausführten. Mit diesen Verbindungen -müssen wir uns eingehender beschäftigen. Sie verdienen durchaus eine -besondere Beachtung und höchste Achtung, denn ohne Innungszwang und -ohne staatliche Anerkennung oder Beaufsichtigung haben sich diese -Verbrüderungen einfacher Arbeiter durch Jahrhunderte hindurch das -unbegrenzte Vertrauen der Kaufmannschaft zu wahren gewußt und Güter -von höchsten Werten blindlings zur Verwaltung übertragen erhalten. -Schon längst hätte mal einer aus ihrer Mitte sich daran machen müssen, -Zuverlässiges und Erschöpfendes über seinen Stand zusammenzustellen, -sowie gleichzeitig Klarheit zu schaffen über die Unterschiede zwischen -Huusküper, Quarteerslüd, Spikerarbeiter, Lüd von de Eck und sonstigen -Gelegenheitsarbeitern, die häufig von Zeichnern und Schriftstellern -sämtlich in einen Topf geworfen wurden. Sehen wir uns in dieser -Beziehung einmal an, was über den Gegenstand zu finden ist. Viel -kommt dabei freilich nicht heraus; dagegen entdeckt man fast überall -Ungenauigkeiten oder Falsches.</p> - -<p>Im allgemeinen richtig äußert sich Schütze: „Eine Vereinbarung der -Arbeitsleute, die ihren Namen nicht von Quartier oder Viertel, sondern -von der Zahl 4 haben. Vier Arbeitsleute vereinigen sich, um bei den -Kaufleuten Kundschaft zu suchen, und haben ihre eigenen Häuser, die -ihnen betrauen, doppelte Schlüssel zu den Packräumen, davon einen -der Quartiersmann hat. Sie haben eine eigene Firma unter sich und -Kasse, und sorgen, wenn bei Ausschiffungen, Verladungen mehrere -Leute nötig sind, für deren Anschaffung. Sie haben ihren eigenen Ort -der Zusammenkunft, werden aber nicht zu ihrer Quasi-Innung<span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span> in Eid -und Pflicht genommen. Sie müssen rechnen und schreiben können und -übrigens starke Leute sein. Stirbt einer von ihnen, so wählen sie -und nehmen den tüchtigsten unter sich auf, oft nach einer Probezeit. -Es sind dergleichen mehrere Quartiere, Viermänner, in Hamburg in -den Kirchspielen.“ Einige Jahre vorher (1794) veröffentlichte Chr. -Gottfr. Morasch in seinen „Charakteristischen Kleidertrachten“ -zwei hübsche Abbildungen angeblicher Quartiersleute, und zwar -Blatt 8 No. 4 Quartiersmann mit Zuckerproben, dazu die Anmerkung: -„Gewöhnlich bedienen sich ihrer die Zuckermakler, um Proben zu -den Raffinerien herumzuschicken“. (Anderweitig heißt es, diese -Leute seien Hausknechte der Makler gewesen. Das ist auch bestimmt -anzunehmen.) Ferner Blatt 9 Quartiersmann und Arbeitsleute: „Die -Quartiersmänner haben Korporationen unter sich und halten sich -gewöhnlich zu vieren in gewissen Bierkellern auf, wo man selbige zu -seinem Bedarf gleich herausrufen kann. Bei schweren Arbeiten bedienen -sie sich der Arbeitsleute. Die Derbheit ihrer Hände und die Muskeln -ihres Rückens sichern, ohne Kunst und Geschicklichkeit, einer großen -Anzahl dieser Menschen ihren Unterhalt zu. Sie stehen gruppenweise -auf den Straßen und Gegenden, wo der Handelsverkehr sie am meisten -bedarf, sie tragen, schleppen, ziehen, werfen, klettern, winden, -schieben, alles kunstlos und ohne Erfordernis von Genauigkeit. -Sie haben Korporationen unter sich und haben gemeiniglich einen -Quartiersmann zum Anführer.“ Auch dieses Bild ist interessant, nur -befremdet es, daß Morasch die Leute auf offener Straße darstellt, -und seine Erläuterungen lassen es gleichfalls im Zweifel, ob er -nicht Quartiersleute mit Lüd’ von de Eck verwechselt hat, besonders -da er von einem Bierkeller als Versammlungsort spricht. — Von Heß -(III. 408) teilt diesen Irrtum: „Das Institut der Quartiersleute ist -von den Auf- und Abwindern der Kaufmannsgüter erfunden, welche sich -je 4 und 4 zusammengerottet haben, und treu beieinander halten, um -sich einer steten Tätigkeit zu vergewissern und dem, der sie bedarf, -die Mühe des Suchens zu erleichtern. Diese Vierschaften haben<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span> -ihre besonderen Bierkeller zu Sammelplätzen, wo sie hervorgerufen -werden, und sich, nach Beschaffenheit der Umstände, verteilen oder -in Gemeinschaft an die Arbeit gehen.“ — In den alten Kontrakten -der Quartiersleute ist allerdings zuweilen von einem Keller als -ihrem Standorte die Rede, indessen haben wir darunter unzweifelhaft -keine Wirtskeller, sondern ein gemietetes Lokal zu verstehen, wo -sie anzutreffen waren oder ihre Adresse hinterließen und wo sie -Arbeitszeug sowie Gerätschaften aufbewahrten. Sie verpflichteten sich -in ihren Verträgen, die Kosten für Gerät und <em class="gesperrt">Miete</em> gemeinsam -zu tragen, um dann den Gewinn ebenfalls gleichmäßig zu verteilen. -— Christoffer Suhr in „Hamburgische Trachten“ (1838) zeichnet auf -Blatt 18 vier „Quartiersleute“ vor einem Karren mit niedrigen Rädern, -worauf ein großes Faß. Wahrscheinlich sind dies Lüd’ von de Eck, -abgesehen davon, daß die Gesichter stark an junge Mädchen erinnern, -die sich einen Maskenscherz erlauben. Heckscher (29) trifft in seinen -ausführlichen Erläuterungen hierzu durchweg das Richtige. Nur stimmt -es nicht, daß auch Möbeltransporte, Kohlenaufwinden usw. regelmäßig -durch Quartiersleute besorgt zu werden pflegten. Das gehörte nicht -zu ihrem Arbeitsgebiet, wenn es auch ausnahmsweise geschehen mochte. -— In „Hamburg wie es ist — und — sein könnte“ (Berendsohn 1839 S. -20 f.) unterhalten sich „Quartiersleute beim Krahn“, während sie auf -Arbeit warten, und folgen zum Schluß einem Kommis, der sie anwirbt, -um im Wandrahm Indigo abzuliefern. Das können nur Lüd von de Eck -gewesen sein, denn Quartiersleute warteten niemals an offener Straße -auf Beschäftigung. — Durchweg zutreffend sind Bueks Erläuterungen zum -„Album Hamburgischer Kostüme“ (1847), nur ist es vollkommen verkehrt, -wenn er sagt, das Institut der Hausküper sei erst hoch gekommen, -weil man die Spesen der Quartiersleute zu teuer befunden habe. Die -Jessensche Abbildung dazu ist eine der besten, die wir besitzen, -abgesehen von dem bekannten Gruppenbilde des Schillerfestzuges von -1859. Ein Modell des alten Rollwagens, den die Quartiersleute bei -diesem Anlaß mit sich führten<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> und in berechtigter Vorsicht mit Eßwaren -und Getränk beladen hatten, befindet sich, beiläufig bemerkt, im Museum -für Hamburgische Geschichte. Dort entdeckte ich auch ein ungerahmtes -Bild auf großer Leinewand, vom Maler F. L. Heiser bei Anlaß eines -Quartierjubiläums angefertigt, mit Darstellung zweier Quartiersleute -und der Unterschrift 1701–1869. Ich würde solches hier wiedergegeben -haben, wenn die angebliche Tracht von 1701 nicht in eine weit spätere -Zeit gesetzt werden müßte.</p> - -<p>In neuerer Zeit lieferte Borcherdt (II. 286 f.) eine gute Studie -über den Gegenstand. Falsch ist darin, daß die Quartiersleute ihren -Kunden den Lohn der Hülfsarbeiter in Rechnung gestellt hätten. Der -ging immer aus ihrer eigenen Tasche, denn sie übernahmen ja die Arbeit -zu festen Sätzen. Das gute Bild eines Quartiersmanns in alter Tracht -erscheint auf dem Umschlag seines Buches. — Sternhagen (7 f.) führte -in Gestalt des Peter Voß den Quartiersmann ein, „den Vertreter der -Hamburger Kaufmannschaft, der sich in ihrem Dienst zu allen Zeiten zu -Wohlhabenheit und zu besonderen Ehren erhoben habe“, läßt uns aber -von seinem Geschäftsbetrieb nichts erfahren. Nicht zutreffend ist die -Behauptung (28), mit „Koptein“ würden nur die „Konsorten“ angeredet. -Dieser Titel kam sämtlichen Teilhabern des Quartiers zu. — Rat -<span class="antiqua">Dr.</span> Voigt (Mitt. V. 488 f.) hält es bei Besprechung eines alten -Kontraktes für möglich, und <span class="antiqua">Dr.</span> Obst (Hamburger Fremdenblatt 17. -Nov. 1905 und „Aus Hamburgs Lehrjahren“ 135 f.) scheint geneigt, sich -ihm anzuschließen, daß diese Vereinigungen aus den Knevelkarrenführern -hervorgegangen sein könnten. Mir ist dies höchst unwahrscheinlich, -denn zum Quartiersmannsberuf eigneten sich nur solche Leute, die mit -Behandlung von Waren, Packen usw. Bescheid wußten, also schon auf -Speichern gearbeitet hatten. So wenig wie etwa die Ewerführer konnten -die Kneveler für solche Beschäftigung gebraucht werden, denn sie hatten -nichts weiter gelernt, als ihre Karre zu beladen und zu ziehen. — -Jünger 12 f. und 22 f. bringt ausführliches über die Quartiersleute.</p> - -<p>Ich sagte vorhin, es sei zu bedauern, daß keiner aus der Mitte<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> der -Quartiersleute über seinen Stand geschrieben habe. Einer allerdings -hat eine Ausnahme gemacht, Herr J. D. J. Pingel senior, der im Jahre -1880 ein hübsches Folioblatt „Hamburger Quartiersleute“ herausgab, das -offenbar als Wandschmuck gedacht ist. Er liefert wenigstens einige -Andeutungen über ihr Verhältnis zur Kaufmannschaft und die Art ihrer -Beschäftigung und zählt zum Schluß etwa 80 Ökelnamen auf, die später -von <span class="antiqua">Dr.</span> Borcherdt und anderen wieder abgedruckt wurden. Da die -meisten, die in neuerer Zeit über den Gegenstand geschrieben haben, -aus diesem Blatte ihre Kenntnisse geschöpft haben dürften (wie ihre -Vorgänger aus Morasch und Schütze) und solches außerdem recht selten -geworden ist, bringe ich es vollständig am Schluß dieses Heftes.</p> - -<p>Um nichts auszulassen von dem, was ich gefunden habe, sei noch erwähnt, -daß in zwei Volksstücken der Quartiersmann eine Rolle spielte. In -„Hamburger Pillen“ von Schindler und Brünner (1870) trat bei Karl -Schultze der 80jährige Quartiersmann Peter Bostelmann auf (Gaedertz II. -173 f.) und auf derselben Bühne im Jahre 1882 ein Quartiersmann Cords -in Schreyer und Hirschels „Hamburg an der Alster“ (Gaedertz II. 262).</p> - -<p>Diese Nachrichten sind dürftig. Es mögen noch einige weitere zu -finden sein, irgendwie belangreiche aber schwerlich, es sei denn, daß -Privataufzeichnungen ans Licht kämen.</p> - -<p class="mtop2">Wie und zu welcher Zeit haben wir uns nun das Entstehen des ersten -„Quartiers“ zu denken? Nach meiner Ansicht dürfen wir uns das ohne -irgendwelche Anknüpfung an eine schon vorhanden gewesene Organisation -vorstellen. Wie so manches im kaufmännischen Betriebe sich auf -leisen Anstoß entwickelt, wenn die Zeit dafür da ist, so auch hier. -Ein paar unternehmende tüchtige Arbeiter haben sich zunächst einmal -zusammengetan, um auf Empfehlungen gestützt und auf ihr ehrliches -Gesicht hin den Versuch zu machen, solche Kunden zu gewinnen, für die -sich die Anstellung eigener Hausküper und Speicherleute nicht lohnte.<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span> -Als sich gute Erfolge ergaben, haben sie allmählich Nachahmer gefunden. -Ähnlich so ging es im sechzehnten Jahrhundert mit der Einführung des -Maklergewerbes in Hamburg (Ehrenberg 313, 317) und in neuerer Zeit -beim Stande der Warenagenten. In den vierziger Jahren des neunzehnten -Jahrhunderts mußte man einen solchen mit der Laterne suchen. Und jetzt? -Wie Sand am Meer sind sie zu finden! Abgesehen davon, daß die Umsätze -früher weit kleiner waren, besaß jeder Kaufmann für Bezüge von auswärts -oder Abladungen dahin seine festen Verbindungen, mit denen auch häufig -für gemeinschaftliche Rechnung oder in Form von Aussendung auf eigene -Gefahr gearbeitet wurde. Eines Vermittlers bedurfte man also nicht. -Als die ersten schüchternen Versuche gemacht wurden, sich solcher zu -bedienen, sahen die altbegründeten Firmen das beinahe als unlauteren -Wettbewerb an. Ähnlich so werden anfangs die großen Kaufherrn mit -eingeübtem Personal sich durchaus nicht angenehm berührt gefunden -haben, als kleine neue Häuser in den „Packern“ eine Stütze fanden und -ihnen nun oftmals durch Wettbewerb, wie sie ihn früher nicht gekannt -hatten, das Leben sauer machten.</p> - -<p>Wann aber dürfen wir die Entstehung des ersten Quartiers annehmen? Ich -glaube der Antwort ziemlich nahe gekommen zu sein. In den Hamburger -Kämmereirechnungen vom Jahre 1508 heißt es (Koppmann V. 66), daß für -Erwerb des Bürgerrechts u. a. eingegangen seien 46 <img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 6 <i>ß</i> <span class="antiqua">de 39 -packers</span> (richtig müßte es lauten: 46 <img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 16 <i>ß</i>, -da der Satz 1 <img class="h0_7em" src="images/u2114.png" alt="Pfund" /> 4 <i>ß</i> -der Kopf war). Koppmann vermutet, wohl mit Recht, daß Packer bis dahin -überhaupt nicht Bürger zu werden brauchten, aber 1508 sämtlich auf -einmal hierzu veranlaßt wurden (VII. S. XLVI.). Da in einem Vertrage -von 1693 die Quartiersleute sich als „Compagnions-Packer“ bezeichnen, -so ist bestimmt anzunehmen, daß die „Packer“ von 1508 ihre Vorläufer -waren. Vielleicht legte man diesen den Zwang des Bürgerwerdens auf, -um unliebsame Elemente fernzuhalten, wie aus ähnlichem Grunde die -Hausküper und Quartiersleute später darauf bestanden<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span> haben, daß -die Lüd’ von de Eck Hamburger Bürger sein mußten. Außerdem erfuhr -möglicherweise das Institut der Packer grade um jene Zeit eine starke -Ausdehnung, da infolge eines Krieges zwischen Lübeck und Dänemark „der -Sunt geschlossen und die Ostsehe ganz unsicher war, daz die Hollender, -Brabanter und andere nationes mit iren gutern gen Hamburg kamen; und -hat auf das mal die stat an kaufmanschaft sich merklich gebessert und -vermeret“ (Tratziger 252, vergl auch Lappenberg 294).</p> - -<p>Wenn wir annehmen dürfen, die einzelne Genossenschaft der Packer habe -schon 1508 aus vier Teilhabern bestanden, so wären damals bereits -zehn Quartiere vorhanden gewesen: bei dem Umfange der Unternehmungen -immerhin eine stattliche Zahl. Ohne Zweifel sind sie ganz allmählich -entstanden. Wir irren vielleicht nicht, wenn wir die erste Gründung -in das vierzehnte Jahrhundert setzen, wo infolge der großartig -entwickelten Bierausfuhr sich hier in immer steigender Anzahl solche -Geschäftsleute eingefunden haben mögen, die mit den rückkehrenden -Schiffen Waren aller Art bezogen, deren Vertrieb ihnen die Packer -ermöglichten. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Quartiere können -wir uns dann etwa so denken, daß der „Baas“, der ihnen den Namen gab, -auch die Kontrakte entwarf und die Rechnung führte, ein „Scholer“ war, -während seine „Konsorten“ sich aus ehemaligen „Knechten“ des Kaufmanns -rekrutierten. In späterer Zeit mögen sich häufig Küper zu ihnen -gesellt haben, als dies Gewerbe infolge Sinkens des Brauereibetriebes -zurückging.</p> - -<p>Übrigens sind auch Träger und Kohlenträger um die Wende des 16. -Jahrhunderts veranlaßt worden, sämtlich auf einmal das Bürgerrecht zu -erwerben (Koppmann IV. 343, 373), nur daß man diese zu ermäßigtem Satz -zuließ. Vermutlich war ihr Verdienst ein weit geringerer als der der -Packer (Koppmann VII. S. XLVI.).</p> - -<p>In späteren Nachrichten ist, soviel mir bekannt, nichts über die -Packer zu finden. Nur werden unter den zwischen 1591 und 1602 -in Hamburg eingewanderten niederländischen Reformierten<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> vier -Packer, <span class="antiqua">Paqueurs</span>, mit Namen aufgeführt, sowie fünf weitere -<span class="antiqua">Paqueurs</span>, die sich gleichzeitig in Stade niederließen (Mitt. 6. -Jahrgang 35, 38).</p> - -<p>Der älteste Kontrakt der Quartiersleute, der bis jetzt ans Tageslicht -gekommen ist, findet sich Mitt. VI. 306 f. vollständig abgedruckt. -Datiert vom Jahre 1693, stellt er die gemeinsame Tätigkeit der -betreffenden Compagnions-Packer sowie die Tragung der Unkosten und -den Anteil am Gewinn zu gleichen Teilen fest und ist sozusagen -als auf ewige Zeiten geschlossen gedacht, da genaue Verabredungen -getroffen sind, um vorzugsweise immer Familienmitglieder anstelle etwa -Ausscheidender aufzunehmen. Ein anderer solcher Vertrag von 1716 ist -auszugsweise Mitt. V. 488 f. wiedergegeben, ein dritter, von 1750, -vollständig Mitt. XI. 151. Ein vierter endlich, von 1720, wurde im -„Hamburgischen Correspondenten“ vom 17. März 1907 veröffentlicht und -ist hier im Anhang nach der Urschrift wieder abgedruckt. Ähnliche -Verabredungen für die Bedingungen bei Aufnahme neuer Mitglieder -usw., wie darin zu finden, enthalten auch die anderen Kontrakte. -Aus demjenigen von 1750 interessieren die Bestimmungen, daß einer -der vier Maaten, der eine Ware veruntreuen würde, in schwere Strafe -verfallen solle, und daß derjenige, der im Fall eines Streites unter -den Teilhabern den ersten Schlag tun würde, einen Reichstaler an das -Quartier entrichten müsse; verstände er sich hierzu nicht gutwillig, so -sei ein Speziesdukaten (9,60 M.) „am Waysenhauß“ zu zahlen. Im Vertrage -von 1716 wird für den Fall von Unstimmigkeiten angeordnet, daß notfalls -zwei oder drei unparteiische Kaufleute als Schiedsrichter anzurufen -sind, deren Ausspruch bei Vermeidung einer Strafe zu befolgen ist.</p> - -<p>Selbst wenn meine Meinung nicht berechtigt wäre, daß wir die „Packer“ -des Jahres 1508 als Vorläufer der „Compagnions-Packer“ von 1693 -anzusehen haben, darf doch wohl jedenfalls als feststehend betrachtet -werden, daß zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts das Institut der -Quartiersleute kein<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> neues mehr war. Auf ein Alter von mindestens -dreihundert Jahren kann es also zweifellos zurückblicken. Genaues wird -sich nicht ermitteln lassen, sicher ist aber, daß in dieser langen -Zeit nirgends eine Andeutung zu finden ist, wonach das Vertrauen -zwischen Kaufherr und Packer je gelitten hätte. Dem Bibliothekar -unserer Kommerzbibliothek, Herrn <span class="antiqua">Dr.</span> Ernst Baasch, verdanke -ich die Mitteilung, er habe bis etwa 1815 bei Durcharbeitung der -Akten unserer Kommerzdeputation Überhaupt keinen einzigen Fall -entdeckt, wo Streitigkeiten oder Schwierigkeiten zwischen Kaufmann und -Quartiersleuten erwähnt würden, während von anderen Hülfsarbeitern des -Handels, z. B. den Litzenbrüdern (einer Art Transportvermittler), recht -häufig aus solchem Anlaß die Rede sei. Gewiß ein glänzendes Zeugnis für -alle Beteiligten. Das angenehme Verhältnis, das stets zwischen Kaufmann -und Quartiersmann herrschte, wird übrigens auch dadurch gekennzeichnet, -daß die Söhne des letzteren auch bei Firmen allerersten Ranges auf -Wunsch sehr gern Stellung als Lehrlinge erhielten. Der junge Mann -erwarb sich auf diese Weise manche Kenntnisse, die ihm beim Eintritt -ins „Quartier“ seines Vaters später von großem Nutzen sein konnten. -Auch dem Kaufmann konnte es im übrigen nur dienlich sein, wenn unter -seinen Arbeitsübernehmern sich einer befand, der durch Einblick in den -Gang des Geschäfts und die mancherlei Schwierigkeiten, die dabei zu -Überwinden waren, die Befähigung erlangt hatte, sich über die peinliche -Genauigkeit klar zu werden, die in jeder Hinsicht beobachtet werden -mußte.</p> - -<p>Der Name Quartiersleute (statt Packer, wie es in dem alten Kontrakte -heißt) scheint zuerst im Anfange des 18. Jahrh. in Gebrauch gekommen -zu sein. Man findet ihn im „Patriot“ No. 9 vom 2. März 1724 S. 4 und -in No. 40 vom 5. Oktober 1724 S. 3. Mit der Zahl der Teilhaber, wie -Schütze meint und andere von ihm abschrieben, hat die Benennung wohl -nichts zu tun, denn Quartier bedeutet nicht vier sondern Viertel. Es -ist anzunehmen, daß ihr Geschäftslokal („da wir unser Quartier haben“) -den ersten Anlaß gegeben hat, nachdem sich hieraus<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> die Bedeutung -eines Anteils an ihrer Genossenschaft entwickelt hatte („sein Quartier -verkaufen“, „in oder auf das Quartier heiraten“). Man vergleiche den -Kontrakt S. 51 f. (Ob man nebenbei an die Zahl vier gedacht hat, mag -dahingestellt bleiben. S. auch Goedel, Quickbornbuch 9, S. 68.)</p> - -<p class="mtop2">Das Hauptarbeitsgebiet der Quartiersleute lag innerhalb der -Speicherräume ihrer Kunden. Nur ausnahmsweise konnte man ihre Leute bei -Transporten von Waren in den Straßen antreffen. Für Bestellungen suchte -man sie in ihrem Quartier auf. Fand man dessen Tür verschlossen, so -sah man auf der schwarzen Tafel, die daneben hing und in einer kleinen -Lade Schwamm und Kreide barg, vielleicht die tröstliche Versicherung, -„Gleich wieder“ oder „10 Uhr wieder hier“ oder sonst die Angabe der -Arbeitsstelle, wo sie beschäftigt waren. (Das hieß dann: „<em class="gesperrt">He het -sick naschreben</em>“). Nicht immer hatte man die Gewißheit, sie dort -noch anzufinden. War man nach Jakobsens Speicher, dritter Boden, -hinaufgeklettert, so wurde man vielleicht nach dem vierten Boden -einer anderen Stelle weiter verwiesen, wenn nicht gar nach der großen -Elbstraße in Altona. Hier hatten sie regelmäßig zu tun, weil in den -Speichern an der Elbe große Läger, vor allem von Kaffee, zu bearbeiten -waren, die sich behufs Ersparung des Hamburger Eingangszolles von ½ -v. H. dahin gezogen hatten. Ihre Gerätschaften, besonders Länge und -Markputt, bewahrten sie in bestimmten Wirtschaften der Vorstadt St. -Pauli und Altonas auf, in denen sie sich dann früh morgens einstellten, -um auf einer großen schwarzen Tafel zu verzeichnen, wo sie zunächst -bei der Arbeit zu finden sein würden. Verließen sie diese Stelle, -so fanden die Fuhrleute der Eisenbahn und die Ewerführer dort neuen -Nachweis. Hier besonders gingen sie nur unter ihrem „<em class="gesperrt">Ökelnamen</em>“, -die jeder kennen mußte, der nach ihnen herumfragte. Zum ausführlichen -Verzeichnis derselben, das ich am Schlusse gebe, bemerke ich, -daß diese Beinamen nicht als Spott aufgefaßt wurden, sondern als -gutmütige Scherze, die niemand übelnehmen<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> konnte und die schließlich -haften geblieben waren. Ihre Entstehung ist nur in wenigen Fällen -nachzuweisen. <em class="gesperrt">De Blauen</em> hieß ein Quartier, das viel mit Indigo -zu tun hatte. <em class="gesperrt">Böhnhasen</em> sind unzünftige Handwerker oder Leute, -die in unberechtigter Weise Geschäfte betreiben (Rüdiger in „Hamburg -vor 200 Jahren“ 223 f., Korr. Bl. 23, 88). <em class="gesperrt">Dacklüünken</em> war -der Spitzname eines Quartiers, das ursprünglich auf dem höchsten -Boden eines Speichers gehaust hatte (Lüünk = Sperling). <em class="gesperrt">Dunkis</em> -hießen Rabeler u. Kons., weil sie als die ersten den Versuch gemacht -hatten, Waren mittels einer Dampfwinde (Donkeymaschine) aus der -Schute in die Speicherböden zu heben, <em class="gesperrt">Eseltreckers</em> ein anderes -Quartier, dessen frühere Inhaber vor vielleicht 60 oder 80 Jahren -ein störrisches Grautier für die Kinder eines der ihrigen durch ganz -Altona bis nach Övelgönne gezerrt hatten. <em class="gesperrt">Finnkiekers</em> sind -Untersucher von Schweinen. <em class="gesperrt">Gnaddrig</em> bedeutet verdrießlich. <em class="gesperrt">De -Kaffeebrenners</em> pflegten gegen Entlohnung für große Krämer wie -Conrad Warnke und Adolph Wilmans vor deren Hause in der Steinstraße -oder auch bei der nahen Jakobikirche in großen langen Trommeln Kaffee -auf Holzkohlenfeuer zu rösten. <em class="gesperrt">Krindlers</em> wurde ein Quartier -genannt, weil die Inhaber in ihrer Knabenzeit bei der Kurrende -mitgewirkt hatten, die noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in -unseren Gassen Choräle vortrug; ihre Mitglieder hießen im Volksmunde -Krintenjungs oder Krindlers. (Heckscher 32 f.) <em class="gesperrt">De Sackneihers</em> -wurden auch <em class="gesperrt">Sackjuden</em> genannt, da sie mit Jute und Säcken zu -tun hatten und nebenbei Sackleihgeschäft betrieben. <em class="gesperrt">Tünbüdel</em> -ist gleichbedeutend mit Drähnbartel. (Korr. Bl. 28, 73.) Die -<em class="gesperrt">Wullkosaken</em> arbeiteten für Kaufleute, die Wolle in großen Ballen -aus Mecklenburg erhielten. <em class="gesperrt">Wolkenschubers</em> dürfte ähnlich zu -deuten sein wie Dacklüünken. Mit <em class="gesperrt">Wullmüs’</em> wurden ursprünglich -die Fabrikmädchen bezeichnet, die auf den Speicherböden mit Aussuchen -und Reinigen von Waren sich beschäftigten. (Korr. Bl. 23, 88.) Ein Klub -von Baumwollarbeitern nennt sich „Wullmüs’ von 1910“. Einige weitere -Erklärungen findet<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> man in Anl. II. Der Ausdruck Ökelname ist übrigens -alt. Er kommt schon im Jahre 1417 vor (Chroniken der niedersächsischen -Städte: Lübeck, herausgegeben von Koppmann, III. 368) und will sagen -Beiname, vom altsächs. <span class="antiqua">ôken</span>, <span class="antiqua">ôkian</span>, mehren, vermehren.</p> - -<p>Alles was über die Verantwortlichkeit für Leute und Lager, über -Behandlung der Waren und Warenkenntnis, über Ausrufe beim Winden, über -abendlichen Besuch am Kontor usw. oben vom Hausküper gesagt ist, gilt -genau so für die Quartiersleute. Auch sie pflegten eine bestimmte -Anzahl von Leuten im festen Wochenlohn zu beschäftigen. Gab es mehr -Arbeit, als sie damit bewältigen konnten, so waren sie ebenfalls auf -Lüd’ von de Eck angewiesen, die sie dann als „<em class="gesperrt">Ploog</em>“ (Rotte, -Schaar) an die betreffende Arbeitsstelle abordneten. Jetzt hat sich -dies geändert. Ein regelmäßiger Stamm von Lüd’ von de Eck ist nicht -mehr vorhanden, man muß sich an den Hafenbetriebsverein oder an den -Arbeitsnachweis der Patriotischen Gesellschaft wenden, wenn Hülfskräfte -gebraucht werden.</p> - -<p>Die frühere Tracht der Quartiersleute, schwarze Jacke mit -Silberknöpfen, Zylinder und Schurzfell, ist längst abgekommen, ebenso -wie die Barttracht, die Kinn und Oberlippe frei ließ, „<em class="gesperrt">de Köhm- un -Beerglitsch</em>“. Dagegen haben sie die alte Gewohnheit durchweg noch -beibehalten, daß nur einer der Teilhaber mit Namen angeführt und für -die übrigen die Bezeichnung „und Konsorten“ zugefügt wird. Einzeln hat -man allerdings schon eine kaufmännische Firma errichtet. Nach meiner -Meinung sollten es die Quartiersleute bei dem alten Brauch lassen, denn -sie können mit Recht stolz sein auf eine Art der Bezeichnung, die sich -seit Jahrhunderten, vielleicht seit mehr als einem halben Jahrtausend -glänzend bewährt hat. „Konsorten“ hat überhaupt gerade so guten Klang -wie das andere Fremdwort „Kompagnie“. Wie mir scheinen will, ist diese -Anregung der ersten Auflage auf guten Boden gefallen, denn nicht selten -findet man jetzt eine Eintragung „N. N. u. Konsorten“ in den Anzeigen -des Handelsregisters.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span></p> - -<p>Bei Begründung des Freihafenviertels wurde angeregt, für im -Staatsspeicher eingelagerte Waren auf Wunsch der Eigentümer -Lagerscheine auszustellen, worauf in Art der englischen <span class="antiqua">dock -warrants</span> Vorschüsse erhoben werden könnten. Das führte sich zu -allseitiger Zufriedenheit ein. Es zeugt von dem großen Vertrauen, das -man den Quartiersleuten zollt, daß auch viele aus ihrer Mitte dazu -übergehen konnten, ihren Kunden solche Lagerscheine auszufertigen, die -gleichfalls durch Banken und Bankiers bevorschußt wurden, obwohl keine -weitere Garantie vorlag als die Unterschrift einer staatlich nicht -bestätigten Verbindung Einzelner. Voraussetzung ist natürlich, daß die -Einlagerer über solche Waren, für die sie einen Lagerschein entnommen -haben, nur gegen dessen Rücklieferung verfügen können. Vor etwa zehn -Jahren erregte der Fall großes Aufsehen, daß ein Quartiersmann sich -durch einen langjährigen guten Kunden hatte überreden lassen, von -einer Partie Waren Ablieferung vorzunehmen, ohne daß der betreffende -Lagerschein bereits zur Stelle war. Der Kaufmann, den er immer -als zuverlässig gekannt hatte, war durch Verluste in schlechte -Verhältnisse geraten und betrog schließlich den Quartiersmann, der -den Wert der anderweitig bevorschußten Ware ersetzen mußte, um -sein ganzes Vermögen. Dem Vertrauen, das man den Lagerscheinen der -Quartiersleute entgegenbringt, hat dieser Vorfall selbstverständlich -keinen Abbruch getan. Es gibt sogar Leute, die sich schon für Ware im -Wert von hundert Mark einen Lagerschein ausbitten. Übrigens gewähren -einige Quartiersmannsfirmen jetzt selber Vorschüsse, wie denn dieser -Geschäftszweig in neuerer Zeit sich Überhaupt mächtig entwickelt hat. -Neben Mietsböden und Kontoren für Angestellte im Freihafenbezirk -besitzt mancher Quartiersmann seinen eignen Speicher in der Zollstadt, -ausgestattet mit elektrischen Anlagen für Warenbewegung, und betreibt -ein regelrechtes Lagerungs- und Speditionsgeschäft für seine Kunden. -Dazu gesellen sich zuweilen besondere Anstalten. Ich hatte Gelegenheit, -bei den Herren Ockelmann und Konsorten die in vollem Betrieb -befindlichen, durch<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> vier Lagerböden sich erstreckenden maschinellen -Einrichtungen zu besichtigen, die für Reinigung verschiedener Waren, -z. B. Entstielung von Rosinen sowie für Enthülsung von solchen -Kaffeebohnen bestimmt sind, die aus Mexiko, Guatemala usw. mit den -Hülsen hier eintreffen, und mußte staunen, in wie sinnreicher Weise -alles ineinander griff. Ohne Berührung durch Menschenhand befreiten -Trommeln, Siebe, Saug- und Blasapparate den Kaffee von Steinen, Hülsen -und Häutchen und lieferten ihn schließlich, nach Größe und Form in -verschiedene Sorten getrennt, an die Säcke ab. Nur das Auslesen -schlechter Bohnen bleibt noch langen Reihen von Frauen und Mädchen -überlassen.</p> - -<p>Gleich dem Hausküper wußte der Quartiersmann, so oft es nottat, -mit großem Selbstbewußtsein für die Interessen seiner Auftraggeber -einzutreten. Allgemein bekannt ist das hübsche Beispiel, das Borcherdt -(II. 288 f.) erzählt, wie ein Quartiersmann kurz entschlossen -selbst ins Inland reist, um einem Käufer, der eine Partie Kaffee -zu Unrecht bemängelt hat, die Übereinstimmung der Ware mit dem -Verkaufsmuster zu beweisen. Allerdings fehlt bei Borcherdt der -besonders charakteristische Zug, daß der Quartiersmann, vom Inhaber der -betreffenden Firma sehr von oben herab nach seinem Namen und seiner -Legitimation gefragt, stolz erwidert: „Mein Name? Der hat nichts damit -zu tun. Ich stehe hier für Johannes Bahl. Für Sie bin ich Johannes -Bahl. — Übrigens heiße ich Timmann. (Die Namen sind fingiert.) Und -nun lassen Sie uns mal den Kaffee ansehen.“ Andere kleine Züge sind -gut wiedergegeben, besonders die Szene im Eisenbahnschuppen, wo es -natürlich an Vorrichtungen fehlt, um die Proben aufzuschütten: Timmann -läßt einen Taler springen und sofort ist aus Fässern und Bohlen ein -Tisch hergestellt. Als dann alles in Ordnung befunden ist, meint der -Kaufmann: „Wie kriegen wir nun die Proben wieder in die Säcke hinein?“ -— „Die Proben? Die gehören den Arbeitsleuten!“ ist Timmanns prompte -Antwort, wobei er die Bretter umstülpt. (Es war in Hamburg Brauch,<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span> -daß <em class="gesperrt">Fegels</em> den Arbeitern zukamen.) Schließlich erfolgt die -Zusicherung, der Betrag der Rechnung werde noch heute beglichen werden, -worauf Timmann erwidert, für seine Bemühungen und Auslagen möge man -gefälligst zweihundert Taler beifügen, was denn auch zum Erstaunen von -Johannes Bahl wirklich geschieht. Und so sehr hat Timmann dem Inländer -imponiert, daß, als ein anderes Hamburger Haus bei ähnlichem Streitfall -meldet, man werde die Sache durch Herrn Timmann untersuchen lassen, -umgehend die Nachricht erfolgt, nach nochmaliger genauer Prüfung finde -man an der Ware nichts auszusetzen (Vergl. Jünger, 23 f.).</p> - -<p>Früher gab es unter einem Teil der Quartiere eine lose Vereinigung, -die hauptsächlich bezweckte, in der Form einer sogenannten „Totenlade“ -die Beerdigungskosten verstorbener Mitglieder aufzubringen. Da man -aber unterlassen hatte, ein Kapital als Grundstock einzuschießen, so -reichte der Taler Sterbegeld schließlich nicht mehr hin und die Sache -ging ein. So lange sie noch in vollem Betrieb war, pflegte man sich -einmal im Jahre beim Wirte Lautenberg in der Steinstraße, der über -einen größeren Saal verfügte, zusammenzufinden, um einen gemütlichen -Abend — ohne Damen — zu verleben. Der Gelegenheitsdichter Volgemann -lieferte dazu Lieder, in denen die Ökelnamen eine große Rolle spielten. -Die Sachen haben natürlich nur einen Augenblickswert gehabt. Mir liegt -ein Tafellied zum 31. Januar 1863 vor, worin es nach der Melodie: „Der -Papst lebt herrlich in der Welt“ u. a. heißt: „Hier seht nun unsern -<em class="gesperrt">Bodenstein</em>, der muß stets Alterspräses sein. Er hat die Sache -angeregt, zu diesem Fest den Grund gelegt. — — Un <em class="gesperrt">Grootkaß</em> -von dat „fiin“ Quarteer, den makt et hüt en Barg Pläseer, denn wenn -he recht vergnögt will sien, stellt he sick sicher bi uns in.“ Ebenso -geht es hoch- und plattdeutsch durcheinander in einem Liede zum 4. -Februar 1865 nach der Melodie: „Ich bin der Doktor Eisenbart“, z. B. -„Un <em class="gesperrt">Pingel</em> unse ohle Fründ is gern wo sien Konsorten sünd. Wer -fiif Mal sick een Fro nehm’n kann, dat is förwahr „ein ganzer<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> Mann.“ -— — Auch <em class="gesperrt">Voß</em> und <em class="gesperrt">Löding</em> sind zwei Leut’, sie denken an -die Schlafenszeit. Weil wi jem to „de Möden“ tellt, hebbt se denn Slaap -hüt afbestellt.“ — In späteren Jahren hören in diesen Tafelliedern -die Anspielungen auf Einzelmitglieder und ihre Ökelnamen auf, wie die -nachfolgenden Proben aus den Volgemannschen Gelegenheitsgedichten -zeigen, die das Hamburger Staatsarchiv in 13 starken Sammelbänden -bewahrt und mir freundlichst zur Verfügung stellte.</p> - -<p>2. Februar 1878 (Band VIII. 222), Singweise „Wohlauf noch getrunken“ -Vers 2 bis 4: „Quartiersleute haben wohl schwierigen Stand, sie müssen -empfangen zu Wasser und Land und oft im Geschäft machen bei dem Verkehr -den Kopf und die Kräfte die Ablief’rung schwer. Wenn auf dem Komptoir -kaum fertig sie sind, die Arbeit am Speicher mit Eifer beginnt. Dort -müssen auf’s Winden sie gut sich verstehn und oft dabei selbst sich -winden und drehn. Die Führer der Ewer, man weiß ja daß sie absichtlich -Streit suchen beim Arbeiten nie! Trotzdem kann man immer nicht einig -sich sein: das liegt im Geschäft so Tag aus und Tag ein.“</p> - -<p>11. Januar 1879 (IX. 294) Vers 5: „Der Hamburger Quartiersmannsstand -ist rühmlich weit und breit bekannt. Komptoir und Speicher, Quai und -Fleth weiß wie er sein Geschäft versteht.“</p> - -<p>18. Februar 1882 (IX. 317), Singweise „Was gleicht wohl auf Erden“, -Vers 2: „Quartiersmann ist kundig, den Kaufmann zu ehren, zu nützen und -schützen zu Wasser und Land; die Speicher zu füllen, die Speicher zu -leeren, ist gern er beschäftigt im mühvollen Stand.“</p> - -<p>30. Januar 1897 (XIII. 133). Singweise „’Ne ganze kleine Frau“: „Besett -mit blanke Knöpen von Sülber mannichfach, darin umher sünst löpen -Konsorten Dag för Dag: stolz drog man de bestellten, as wenn’t en -Staatskleed wör. Jetzt süht man se man selten un driggt ganz wenig mehr -de kotte feine Jack, de kotte feine Jack, de kotte feine, feine, feine -ohl Quarteersmannsjack.“</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span></p> - -<p>Volgemann selbst nennt sich XIII. 48 „alter Haus- und Hofpoet seit -1848“. Aus den Liedern X. 250 und 251 und XI. 91 scheint hervorzugehen, -daß 1864 und 1876 Versuche stattfanden, der ersten Vereinigung -von 1848 festere Formen zu geben, während erst weitere zehn Jahre -später der noch heute bestehende „Verein Hamburger Quartiersleute -von 1886“ endgültig gegründet wurde. Am 30. September 1911 feierte -dieser Verein sein 25jähriges Stiftungsfest durch Festtafel und Ball -in der „Erholung“. Das Programm, gedruckt bei Carl Griese, enthält -unter anderen hübschen Zeichnungen von Johs. Ulfert drei, auf denen -Quartiersleute in alter Tracht dargestellt sind.</p> - -<p class="mtop2">Zum Schluß muß ich noch der <em class="gesperrt">Ewerföhrer</em> gedenken. Es scheint -eigentlich sonderbar, daß man den Mann in der Schute Ewerführer und -nicht Schutenführer nennt, denn in Hamburg heißt Ewer ein Elbschiff -mit Verdeck, Mast und Steuer, während den Schuten dies alles fehlt. Es -sind eben ganz offene Fahrzeuge ohne Kiel, die nur hinten einen kleinen -verschließbaren Raum haben, <em class="gesperrt">de Plicht</em>, worin Arbeitszeug und -dergleichen Platz findet, gelegentlich auch vielleicht, was von der -Ladung abfällt. Da auch die Ewer flachen Boden haben (der Kiel wird -durch ein „Schwert“ an jeder Seite ersetzt), so läßt sich vielleicht -annehmen, daß sie früher nicht allein auf der freien Elbe, sondern auch -für Transporte zwischen Speicher und Seeschiff verwendet wurden, und -daß man erst allmählich zum offenen Leichter, der Schute, übergegangen -ist. Die Bezeichnungen Ewer, Schute und Prahm kommen übrigens bereits -im 14. bis 16. Jahrhundert nebeneinander vor (Koppmann I. S. LXXVII. -f., VII. S. CXX.). Vom Ewerführer ist im Patriot No. 155 vom 20. -Dezember 1726 S. 1 die Rede.</p> - -<p>Zum Schutz der Ladung der Schuten gegen Regen dienten -<em class="gesperrt">Persenninge</em>, breite geteerte Segeltuchstreifen mit Holzrollen -an beiden Enden. Doornkaat meint, der Ausdruck könne vom englischen -<span class="antiqua">preserving</span> = Schutz stammen (vergl. Korr. Bl. 28 S. 48, 55. -71). Kleinere Schuten werden <em class="gesperrt">Bollen</em> genannt.<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> Der Eigentümer -der Schuten heißt <em class="gesperrt">Ewerföhrerbaas</em>. Baas will sagen „Meister“. -Wenn der Lehrling dem Ewerführer eine Bestellung ausrichtete, etwa: -„Sie möchten Ihrem Herrn sagen, daß er heute an der Börse vorkommt“, -so erhielt er zur Antwort: „<em class="gesperrt">Herr — Herr? — Ick bün doch keen -Köter, de ’n Herrn hett! — Ick will mien’n Baas dat seggn.</em>“ Von -den Beinamen der Ewerführerbaase hörte ich nur <em class="gesperrt">Baron Sachs</em> -für Hans Sachs, <em class="gesperrt">Kees’-Dircks</em> für einen Dircks, der für ein -Geschäft im Grimm häufig Käse fuhr und <em class="gesperrt">Spinn’grieperdircks</em> -für einen Namensvetter. Dessen Nachfolger im Geschäft, Ahrens, hieß -<em class="gesperrt">Jägerahrens</em>.</p> - -<p>So lange es sich um den Verkehr zwischen dem alten Binnenhafen und den -Fleetspeichern handelte, <em class="gesperrt">peekten</em> die Ewerführer ihr Fahrzeug -mittels langer Stangen weiter, indem sie deren eiserne Spitze in den -Schlamm stemmten und vom Vorderende der Schute, auf deren breitem Rand, -sich langsam, schiebend, nach hinten bewegten. Deshalb ihr Ökelname: -„<em class="gesperrt">Slickschuber</em>“. Da sie hierbei die Querleiste des oberen Endes -der Stange, die <em class="gesperrt">Krück</em>, zwischen Brust und Schulterknochen -drückten, hießen sie auch <em class="gesperrt">Stakendrücker</em>. Wenn es gerade so -paßte, zogen sie sich auch wohl mit dem neben der Spitze der Stangen -befindlichen <em class="gesperrt">Haken</em> an Ringen der Hausmauern und Schuteneisen -der Brückenwiderlager und Kaimauern entlang oder an Pfählen oder an -anderen Schiffen. Da ein Steuer fehlte, wurde die Richtung durch die -Art des Schiebens eingehalten, wie man das noch heute in den Fleeten -wie auf der Alster gelegentlich beobachten kann. Die Speicherarbeiter -pflegten dem Ewerführer wohl scherzend zu bemerken: „<em class="gesperrt">Du hest dat -good. Du kannst di ümmer stütten bi de Arbeit. Un wenn du rüggwarts -geist, kummst du doch vörruut.</em>“ — Daß die Sprache der Wasserkante -ausschließlich Plattdeutsch geblieben ist, sei hier beiläufig erwähnt. -Im Zusammenhang damit stand es, daß im Verkehr zwischen Arbeitern und -Vorgesetzten das trauliche du gegenseitig die Regel bildete. Das hat -jetzt allerdings aufgehört. — Auf der Alster benutzt der Ewerführer -zuweilen den Wind<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> zur Erleichterung seiner Arbeit, indem er aus einer -Stange mit daran befestigter Persenning ein Notsegel herstellt.</p> - -<p>Während die älteren Schuten noch aus Holz erbaut sind, ist man jetzt -zur Eisenkonstruktion und größerer Tragfähigkeit (300 Tons und mehr) -übergegangen, auch sieht man vielfach „Kastenschuten“ mit abnehmbarem -Verdeck. Da nun außerdem die Entfernungen wegen der außerordentlichen -Ausdehnung unserer Hafenanlagen sehr groß geworden sind, und da infolge -der Tiefe der Freihafenfleetzüge die Stangen oft nicht mehr den Grund -erreichen würden, so muß der Ewerführer jetzt vielfach Schlepperhülfe -in Anspruch nehmen. Einzelne Schuten findet man auch schon mit einem -Motor ausgerüstet.</p> - -<p>Wenn der Ewerführer am Speicher angelangt war, wo er Waren holen oder -abliefern sollte, so rief er den Hausküper oder Quartiersmann an, -z. B. „<em class="gesperrt">Großmann sien</em>“ (sollte heißen „Großmann sien Lüd’“). -Der Koptein meldete sich dann an der Luke: „<em class="gesperrt">Wat seggst du?</em>“ -und der Ewerführer teilte sein Gewerbe mit, z. B.: „<em class="gesperrt">Twintig Faten -aflebern</em>“. Bekannt ist der Scherz, daß der Ewerführer hinaufruft: -„<em class="gesperrt">Tein Kisten Rabarber innehmen!</em>“ worauf die Antwort erfolgt: -„<em class="gesperrt">Denn — geist du dod!</em>“ — Für die kaufmännischen Firmen, -mit denen sie zu tun hatten, pflegten die Ewerführer Spitznamen -und Verdrehungen anzuwenden. Ich teile hier eine Auswahl mit und -füge eine kleine Anzahl bei, die den Betreffenden von anderer Seite -angehängt sein mögen, ohne mich dafür zu verbürgen, daß diese Ökelnamen -regelmäßig zur Anwendung gekommen sind. Es soll also geheißen haben: -<em class="gesperrt">Andree sien Wickelkind</em> für Andree u. Wilkerling, <em class="gesperrt">Baas -Püttjerig</em> für F. R. Scharfe (püttjerig = kleinlich), <em class="gesperrt">Biankohn -klei di</em> (kratz dich) für Biancone, Klee u. Co., <em class="gesperrt">billig un -slecht</em> für Brock u. Schnars, <em class="gesperrt">bitter wenig un slecht</em> für B. -Wencke u. Söhne, <em class="gesperrt">Filzlaus</em> für F. Laeisz, <em class="gesperrt">Flotz un Klotz</em> -für Blohm u. Voß, <em class="gesperrt">Ihde sien Knecht</em> für Sienknecht u. Ihde, -<em class="gesperrt">Köhm un Beer</em> für Knöhr u. Burchard oder Kruse u. Bleichwehl, -<em class="gesperrt">links un rechts</em> für Lütgens u. Reimers, <em class="gesperrt">Meier Gebrüder -Lumpen angroh</em><span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span> für Anton Meier, <em class="gesperrt">Plünnhaufen un Schulze</em> -für Lappenberg u. Müller, <em class="gesperrt">Muhlaap</em> für H. L. Muhle u. Co., -<em class="gesperrt">Püttjer</em> für H. Ahmsetter (Püttjer = Töpfer, Ofensetzer), -<em class="gesperrt">Sellerie un Purree</em> für Cellier u. Parrau, <em class="gesperrt">tranig un -ranzig</em> für Tietgens u. Robertson, <em class="gesperrt">wenig un knapp</em> oder -<em class="gesperrt">Wien un Köhm</em> für Wachsmuth u. Krogmann. Die Kornumstecher -Bein u. Kruse hießen <em class="gesperrt">Arm un Been</em>. Kornumstecher sind -Arbeitsübernehmer für sachgemäße Behandlung von Getreide. Die Leute, -die sie anstellen, erhalten nach beendeter Arbeit <em class="gesperrt">Hockerzettel</em> -und das Abholen des betreffenden Akkordlohnes wird <em class="gesperrt">Hockern</em> -genannt. — Für den Empfangschein, den der Ewerführer erhielt, -wenn er Waren an Bord abgeliefert hatte, gibt es die Bezeichnung -„<em class="gesperrt">Reziev</em>“, nach dem ersten Wort der englischen Übernahmezettel: -<span class="antiqua">received</span>.</p> - -<p>In neuerer Zeit haben einzelne Ewerführerbaase angefangen, neben dem -Schutenbetrieb auch Fuhrwerk zu halten. Früher löschten und luden -sämtliche Schiffe im Elbstrom, es war also keine Möglichkeit, die -Waren anders als zu Wasser zu befördern. Seitdem der größere Teil des -Verkehrs sich an den Kais abspielt, ist es in vielen Fällen geratener, -den Transport zu Lande vorzunehmen, schon weil die Gefahr einer Havarie -dann wegfällt. Außerdem sind zwar die Fleete im Freihafenviertel -tief genug gelegt, daß auch bei niedrigstem Wasserstand Schuten dort -verkehren können, aber die alten Fleetzüge der inneren Stadt bleiben -bei anhaltendem Ostwind oft tage- ja wochenlang leer gelaufen und -vielfach finden die Transporte auch nach Stadtgegenden statt, wo es -an Fleeten fehlt. — Das vorn beigegebene Bild nach einer Zeichnung -von C. Schildt (im Besitz unserer Kunsthalle) die vor 25 Jahren für -das Prachtwerk „An de Woterkant“ hergestellt wurde, gibt einen guten -Begriff davon, wie es an einem Hamburger Fleet der Altstadt aussieht. -Es ist das <em class="gesperrt">Diekstratenlock</em>, von der Steintwietenbrücke aus -gesehen, d. h. das Fleet zwischen Deichstraße (links) und Rödingsmarkt. -Eine große Anzahl feiner Beobachtungen sind darauf zu finden: die -Speicher mit ihren Luken, den Utleggern<span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span> und einem außer Betrieb -gesetzten Abort, die Ewerführer in ihren Schuten, die <em class="gesperrt">Jolle</em>, die -sich durchzwängt, der Schatten, den die hoch gestiegene Sonne auf die -Speicher wirft usw.</p> - -<p>Seit 1889 besteht ein Verein der Schutenbesitzer, der 1914 sein -fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest feierte. Laut „Hamburger Woche“ -vom 7. Mai 1914 zählte er 480 Mitglieder mit 1530 Schuten im Wert von -sechs Millionen Mark.</p> - -<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Anlage_1"><span class="left">Anlage 1</span><br /> - -Quartiersmannskontrakt von 1720</h2> - -</div> - -<p class="s4 center"><span class="antiqua">Laus Deo Anno 1720</span></p> - -<p class="center">Adj. 22. April</p> - -<p>Im Nahmen der Heylichen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit, haben wier -vier als Endes-Benandte Matten, dieses angefangen eigen händig unter -Zu schreiben nach Laut unßere Vor Väter ihr Verbundtniß, Für uns und -unßere Nachlaßent Frauens, und Kinder, wo nicht Frau, oder Kinder, für -die Negsten Bludtsverwandten, oder Erben, in fester Haltung zu bringen, -Auf daß ein jeder recht wieder fahre, Auch wo nach sich die andern -Matten Können richten, Gott Gebe uns seinen Seegen, und Einigkeit, daß -dießes alles Mach waß wier vor schreiben, erfüllet werden möge Amen.</p> - -<p>(S. 2) <em class="gesperrt">Erstl.</em> Begiebt es sich daß einer von uns vier Matten so -unten Benandt sind, sich in etwaß Könne verbessern und zwaar, daß er -solche schwere Arbeit nicht Thun dürffte, so soll es Ihm frey stehen, -sein Quartier zu verkauffen, aber an einen solchen Ehrlichen Man, da -die Matten mit zu frieden sindt, Auch daß er sein, oder die Arbeit thun -Kan, der selbe der es Kaufft soll denen andern Matten Geben zum ein -Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Andern</em>, Solt es sich zu Tragen, daß einer von uns Viern -solte, bey seiner Täglichen Arbeit zu schaden Kommen,<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span> oder erkriegte, -oder er würde sonsten von Gott mit Leibes Krankheit beleget, oder Heim -gesuchet, da uns Gott vor wolle in Gnaden bewahren, oder (S. 3) er -Könnte von wegen seines Alters nicht mehr Arbeiten, So soll der jenige -Beschädigte, oder der Kranke, oder der Alte Man, und Matt verpflichtet, -und schuldig sein, einen Man, oder Taglöhner vor sich zu halten oder -mit seine drey andre Matten wißen, und willen, sich mit einem Man da -die Matten mit friedlich sein, Auch der sein Arbeit thun Kan, verdingen -und auch Lohnen, Biß so lange der Beschädigte oder der Kranke Matt -wieder zur vorrigen Gesundheit, oder Gott den Alten Man, und Matt im -Himmel hilfft.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Dritten</em>, Wan es sich dan Begiebt daß der liebe Gott Einer -von uns Endes Benandte vier Matten durch den Zeitlichen Todt von Gott -auß dieser (S. 4) Welt abfodert würde, und es Bliebe Frau, und Kinder -nach, so soll die Witt Frau ein Gnaden, oder Thrauer Jahr vergönnet -sein, Sie soll aber wehrendes Thrauer Jahr einen Taglöhner vor sich -halten, da die Matten mit friedl. sein, Auch der die Arbeit thun -Kan Auch soll sie verpflichtet sein wehrendes Gnaden Jahr sich alle -Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den negst vor hergehenden -Tag, bey, oder da wier unßer Quartier haben ein finden, und den -Taglöhner Lohnen, die andern Matten sollen aber da zu sehen, daß es der -Wittwe nicht mit der Lohnung zu schwer wirdt, den Sie müßen von Gottes -wegen Ihr Bestes suchen, Auch waß in daß Gnaden Jahr Verdienet wirdt -(S. 5) selbiges soll Ihre vierte <span class="antiqua">Portion</span> von Ihre drey andern -Matten geliefert, oder zu gestellet werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Vierten</em>, So es Sich begiebt, daß einer von unßre Vier Matten -so endes Benandt sindt, durch den Zeitlichen Todt von Gott abgefordert -würde, und es Bliebe Frau, und Kinder nach, Sie als die Wittwe gedachte -nicht wieder sich im Stande der Heylichen Ehe zu begeben, so soll die -Witt Frau, ein Gnaden Jahr haben, aber in daß Gnaden Jahr in allen -Arbeit einen Taglöhner vor sich halten, der vor Ihr arbeitet, und -den<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> soll sie wie in vorrigen dritten Artikel geschrieben stehet, Am -Sonnabendt oder wan ein Feyertag ein fält, den Negst vorhergehenden -Tag, in unßern Quartier da wier zugegen sindt Lohnen, hat aber die -Wittwe einen Sohn, oder Tochter, den Sie das Quartier über geben, und -Laßen will, so soll Sie es mit ihre andern Matten Bewilligung thun, -Auch daß der Sohn Tüchtig sey solche Arbeit zu verrichten, auch daß die -Matten mit Ihm in allen friedtlich sein, Ihm gleichen wan die Tochter -in oder auf daß Quartier Heyrathen wolte, so soll Sie einen solchen Man -Heyrathen da die andern Matten mit zu frieden sein, und der ebenfals -die Arbeit thun Kan, und der es Kaufft oder der es an Tritt von Sohn, -oder Tochter Man, soll denen andern Matten geben Zum ein Tritt fünff -und Siebzig Mark Lübsch.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Fünfften</em>, So einer von unß vier Matten mit Tode abginge und -er- (S. 7) ließe eine Wittwe nach, und Sie Lust hat wieder zu Heyrathen -so soll Sie ein Gnaden oder Thrauer Jahr haben, und daß selbe Jahr -soll von unß andern Matten, Ihr nicht <span class="antiqua">Dispotiret</span> werden, Allein -sie soll in daß Gnaden Jahr einen Man halten, der vor Ihr arbeitet -und den soll Sie wie in dritten Artikel geschrieben stehet, mit Bey -sein der Matten Lohnen, wan Sie freyet in daß Gnaden Jahr wie den Auch -geschehen soll, So soll Sie einen Gutten Ehrlichen Man freyen der sein, -oder die Arbeit thun Kan, Auch daß die andern Matten mit Ihm in allen -friedlich sein, und nichts auf Ihm zu sagen wißen der Selbe der die -Wittwe Heyrathet, soll denen andern Matten geben zum ein Tritt fünff -und Siebzig Mark Lübsch.</p> - -<p>(S. 8) <em class="gesperrt">Zum Sechsten</em>, Wan einer von unß vier Matten mit, oder, -in Tode wäre verblichen, und erließe eine Wittwe, und Kinder nach, die -Wittwe aber Stürbe in daß von Ihren Matten vergönneten Gnaden Jahr, die -Kinder aber so danannoch in Lebent und Männiglich erwachsen sindt, und -solche Ihres Seel. Elters stelle vertretten wollen, und Können, sollen -von denen andern dreyen Matten nicht von sich, Sondern mit<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> allen -Ernst und Eyffer, vor allen andern so nach daß Quartier stehen, zu Sie -gezogen werden, Auch mit vorbeding der dreyen Matten daß ein Jeder -sein, oder die Arbeit thun Kan, und Sie in allen mit Sie friedl. sein, -der selbe der es (S. 9) antritt soll denen andern Matten geben zum ein -Tritt fünff und Siebzig Mark Lübsch.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Siebenden</em>, Beschließen wier vier Matten, so unten Benandt -sind unter unß, daß wan einer von uns solte mit Tode abgehen, und -erließe eine Wittwe allein nach, die Wittwe aber Saß in den genuß des -Gnaden Jahr, und Stürbe auch, ließ aber Keine Kinder nach, so soll daß -Quartier nicht die Matten, sondern denen Negsten Erben zu verkauffen zu -gelaßen werden, Jedoch an einen solchen Man es zu verkauffen mit dero -Matten Hülff und Willen, der die Arbeit thun Kan, und die Matten mit -Ihm friedl. sein, derjenige der es Kaufft soll geben zum ein (S. 10) -Tritt denen andere Matten fünff und siebzig Mark Lübsch.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum 8ten</em> Ist von unß vieren als endesbenandte Matten, -verabredet, und bewilliget worden, daß Keiner von unßern Keller, da -wier unßer Quartier, liegen, oder in haben, über die Gebürde, des Tages -soll außbleiben Es sein den eine Noht wendige Sache als Hochzeit gehen, -gefatter stehen, oder sonsten Begrabnißen bey zu wohnen, Auch wo er in -seiner Freundschafft etwaß Noth wendiges zu verrichten hat, Solches -alles soll Ihm erlaubet und frey gegeben werden, Jedoch der Jenige so -solche Sachen zu verrichten hat, soll Schuldig sein, (S. 11) Seinen -andern Matten zu sagen, oder Es sagen zu laßen daß wan Arbeit Kömpt Sie -sich danach richten Können, Begebe es sich aber daß einer, oder der -andere von unß Vieren so endesbenandt sindt, solte Auß frevel Muth oder -sonsten seines eigenes gefallen Auß Bliebe, oder sonsten seines eigenes -Thuns abwarten würde, so soll der selbe, der außen Bleibet und Gaar -nicht zu rechter Zeit, bey unßern Keller, oder dawier unßer Quartier -haben Kömmt, Von den Verdienten Lohne nichts zugerechnet werden, -Sondern zur Straffe, Wo Viel auch verdienet,<span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span> es von denen andern -Matten Ihm abgezogen werden (S. 12)</p> - -<p>Dießes alles haben wir vier Matten unß Belieben Laßen, als eines vor -allen, und alle vor einen, zur festen Haltung, mit Gottes willen, -eigenhändig untergeschrieben.</p> - -<p><span class="antiqua">I E</span>  Josias Ehlers<br /> -<span class="mleft4">Johann Köster</span><br /> -<span class="mleft4">Jochim Zingelmann</span><br /> -<span class="mleft3">Jochim <span class="antiqua">I F V</span> Friedrich Vormerling sein eigenes gezogenes -M <img class="h1em" src="images/symbol.jpg" alt="Symbol" /></span><br /> -</p> - -<p>Jochim Dürkop. Hanß Gollehr. Jürgen Jochim Fick (S. 13). Franß Jochim -Hauschild. Jochim Sebastian Graumann. Hanß Jacob Wulf. Unleserlich -gemachter Name mit der Bemerkung: <em class="gesperrt">Ist ein Schelm geworden.</em> -Christoffer Hocker. Hanß Peter Grewe. Claas Hoops. Hinrich Döscher. -Hanß Jacob Höltig. Georg Christoph Sievers. Johann Jacob Haberland. -Alexander Barthold von Gevern Todt 1847. Johan Schulenburg. Wilhelm -Ludewig Kähler (S. 14). Gottfried Hinrich Andreas Gätgens. Gerlieb -Conrad Casper Roggeman, gest 6 Jan 1851. Hans Friederich Philipp -Albers, gest 11 Juni 1847. Johann Christoph Heinrich Pfeiffer. Johann -Rudolph Gätgens <span class="antiqua">Ano.</span> 1843. Heinrich Martin Ferdinand Bötger -1846. Peter Alexander Heinrich Lange 1848. gest 1854. Carl Georg -Heinrich Ockelmann 1852. Johann Christian Theodor Sötebehr 1858. C. -W. Heinrich Ockelmann 1876. J. H. F. Beuck 1879. A. C. H. Muhly 1883. -Eduard L. A. Ockelmann 1883. Theodor C. W. Ockelmann 1891.</p> - -<p class="mtop2">Vorstehender Kontrakt der Firma Ockelmann und Konsorten, zuerst -veröffentlicht im Hamb. Correspondent vom 17. März 1907, ist -genau nach der Urschrift abgedruckt. Er findet sich in einem -Kleinquart-Schreibheft von 16 Seiten, wovon die ersten zwei -unbeschrieben. Die meisten Namen sind durchstrichen, mit der Beifügung -„thodt“.</p> - -<p>„Matten“ gleich Genossen (Maat).</p> - -<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Anlage_2"><span class="left">Anlage 2</span><br /> - -<span class="s5">Abdruck des Folioblattes:</span><br /> -Hamburger Quartiersleute</h2> - -</div> - -<p>Ein Stück echt hamburgischen Gewerbes, das nicht nur seinen uralten -Charakter, seine ererbten Sitten, seine sprüchwörtlich gewordene -Ehrlichkeit und Treue, sondern auch seine äußere Erscheinung, der -wechselnden Mode zum Trotz, bis auf den heutigen Tag beibehalten hat, -bilden die Hamburger Quartiersleute.</p> - -<p>In schwarzer Tuchjacke mit massiven silbernen Knöpfen und rindsledernem -Schurzfell repräsentieren sie immer noch den althamburgischen, -wohlbewährten und zuverlässigen Arbeiter, dem der Kaufmann sein Hab und -Gut, soweit dasselbe in Waren und Kaufmannsgütern besteht, unbesorgt -anvertraut, in der unzweifelhaften Überzeugung, daß sein Interesse -und sein Vorteil, in welcher Beziehung es auch immer sei, in gute und -sachkundige Hände niedergelegt ist.</p> - -<p>Die Quartiersleute verdanken ihren Namen dem Umstande, daß gewöhnlich -vier derselben ein Konsortium bilden, das gemeinschaftlich eine -kleinere oder größere Zahl von Kaufleuten zur festen Kundschaft hat, -deren Speicherarbeiten sie selbst und erforderlichen Falls unter -Beihilfe von Arbeitsleuten, den sogenannten Eckenstehern, verrichten.</p> - -<p>Der Kaufmann, der eine Partie oder eine Ladung irgend welcher Güter -empfängt, überläßt es seinen Quartiersleuten, dieselben von der Schute -aus, vom Lastwagen, von der Eisenbahn, oder mit welchem Transportmittel -sie sonst geliefert werden, ab und in seinen Speicher aufzunehmen. -Doch nicht allein der Transport, die Lagerung und Ablieferung liegt -dem Quartiersmann ob, beim Empfang hat er sich von der Richtigkeit -der Marken und Nummern der Colli zu Überzeugen, das Gewicht derselben -festzustellen, den Zustand der Emballage und den Inhalt jedes einzelnen -Gegenstandes zu prüfen und eventuell stattgefundene Ramponagen und -Beschädigungen zu<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> konstatieren. Über alle diese einzelnen Punkte hat -er ein genaues, gewissenhaft aufgenommenes Register zu führen und -dem betreffenden Kaufmann aufzugeben. Bei Einkäufen und Empfangnahme -von Waren muß er Proben beurteilen und mit der Ware vergleichen, bei -der Ablieferung hat er ebenso genau und gewissenhaft den Abgang zu -registrieren. Umpacken, Sortieren der beschädigten Teile von den guten -sind alles ihm obliegende Aufgaben; in den Speichern und Warenlägern -überhaupt ist er die rechte Hand des Kaufherrn, der, auf seine -Zuverlässigkeit und Fachkenntnis bauend, ihn in allen einschlägigen -Angelegenheiten schalten und walten läßt, wie er es am angemessensten -findet.</p> - -<p>Der Quartiersmannsdienst ist in den weitaus meisten Fällen ein -einträglicher und wird es auch noch lange bleiben, weil, wenn auch -neuere Unternehmungen für billige Preise arbeiten, die Kaufmannschaft -nicht wegen einer Ersparung am Lohne weniger fachkundigen und -vertrauenswerten Händen die von den Quartiersleuten und ihren Arbeitern -vollführten Arbeiten überlassen wird. Ein Quartiersmannsdienst ist -ein wertvoller Besitz, der sich vom Vater auf den Sohn, oder auf die -Familie vererbt, die denselben, wenn sie ihn nicht durch einen ihrer -Angehörigen fortführen kann oder will, oftmals für eine beträchtliche -Summe, die die Höhe von Tausenden Marken erreicht, einem Dritten -überläßt, der dann in alle Rechte des früheren Besitzers eintritt, wozu -aber die Zustimmung der übrigen Teilhaber des Quartiers erforderlich -ist, da ihre gemeinsame Ehre und ihr gemeinschaftliches Interesse bei -der Gewinnung eines ebenso tüchtigen als ehrenwerten neuen Konsorten in -Frage kommt.</p> - -<p>Viele dieser Leute haben sich im Laufe der Zeit ein Vermögen erworben, -das sie wohl befähigen würde, in glänzender Stellung ein bequemes Leben -zu führen, was jedoch sehr wenige benutzen, da ein echter ergrauter -Quartiersmann viel zu sehr an rastlose Tätigkeit und den Umgang mit dem -Arbeiterstande, dem er entstammt und dem er lange Jahre seines Lebens -angehört hat,<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> gewöhnt ist, um sich in seinen alten Tagen auf die faule -Bärenhaut zu legen.</p> - -<p>Mit seinem Schurzfell und seiner Jacke kommt er ebensowohl zu seiner -Arbeit, auf seinen Speicher als auf das Comptoir seines Kaufherrn -oder in die Börse. Überall wird er mit gleicher Achtung, mit gleichem -Ansehen gern gesehen und willkommen geheißen, sein biederes, schlichtes -Wesen verschafft ihm überall gleichen freundlichen Empfang, der durch -das gewöhnlich bei ihm vorhandene oder doch vorausgesetzte Vermögen -umsomehr an Herzlichkeit gewinnt, als der Hamburger den materiellen -Besitz als den Hauptgrundstein zur Menschenwürde zu betrachten geneigt -ist.</p> - -<p>Wie der Volkswitz überall den niederen Ständen, ist er auch in Hamburg -ganz besonders dem Arbeiterstande eigen und der Hamburger Volkswitz -versäumt nicht, jede Sache oder jede Person, mit der er in Berührung -kommt, mit einem mehr oder minder zutreffenden, jedenfalls aber -drastischen Namen zu bezeichnen. So haben denn auch die Quartiersleute -dem Schicksal nicht entgehen können, ihre „Ökelnamen“ zu erhalten, die, -obgleich in mancher Weise nicht mehr zutreffend, sich von Generation -auf Generation vererbt haben und so populär sind, daß kaum ein -Arbeitsmann oder ein Ewerführertagelöhner ein Quartier zu finden wüßte, -wenn es bei dem Namen seines ältesten Inhabers, wie dies im Adreßbuch -gebräuchlich, nicht aber bei seinem sogenannten „Ökelnamen“ genannt -wurde.</p> - -<p>Kein Hamburger, der mit den Quartiersleuten mehrfach zu tun hat, wird -im Zweifel sein, wen wir meinen, wenn wir hier eine Reihe von Namen -nennen, die nirgendwo als offizielle aufgeführt sind und dennoch jeder -Einzelne ein Quartier bezeichnet.</p> - -<p>Da sind zuerst die „Krindlers“, deren Hauptinhaber bei der -Schillerfeier und der Märzfeier ebenso wie bei den Sammlungen für die -Notleidenden in Ostpreußen die Leitung übernahm und überall mit gutem -Beispiel voranging und der deshalb<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> auch stillschweigend als der Senior -des löblichen Gewerbes anerkannt worden ist.</p> - -<p>Ein anderes Quartier, früher „Melkers“ genannt, hat sich geteilt und -demgemäß die Namen „Rohmmelkers“ und „Watermelkers“ oder „Zegenmelkers“ -erhalten. „Smökers“, „Puttlüd“, „Schosters“, „Stohlmakers“, -„Höhnerplückers“, „Korfmakers“, „Kaffeebrenners“, „Fielers“, -„Wustmakers“, „Kugelers“, „Wullkosacken“, „Theebuurn“, „Krahnlüüd“, -„Kutschers“, „Slachters“, „Jägers“, „Plackenhauers“, „Nadelmakers“, -„Solospeelers“, „Bültenhauers“, „Wullmüüs“ und „Sackneiers“ sind -Namen, die entweder in der früheren Beschäftigung ihrer Träger, -oder in dem Artikel, worin die mit diesem Namen benannten Quartiere -vorzugsweise arbeiten, ihre Begründung finden mögen. Weniger harmlos -sind Namen wie „Höllenjägers“, „Thünbüdels“, „de Trübsinnigen“, „de -Möden“, „de Duhnsupen“, „de Heiligen“, „Grotsnuten“, „Doodsmieters“, -„Minschenschinners“, „Lüttsnuten“, „Barmherzigen“ usw. Dem Tierreich -entlehnt sind die Bezeichnungen „Wanzen“, von denen es gar zweierlei -gibt, die „Dacklünken“, „Witten Hunn“, „Wilden-Swien“, „Löwen“, -„Swienhunn“, „de Hasen“ (wovon übrigens sich alle bis auf einen schon -verlaufen haben), „Bunten Höhner“, „de Bück“, „Eseltreckers“, „Imm“ -(Bienen), „Müüs“ oder „Rotten“, „Luus un Floh“, „de Kreihers“ (Kräher) -und „de vierspännigen Ratten“.</p> - -<p>Der Körperbeschaffenheit, resp. dem Aussehen ihres Gesichts verdankten -ihre Namen die „Magern“, „de Veerkantigen“, „de lütten Roden“, „Söte -Jungs“, „de Fienen“, „de Scheeben un Graden“, „Veilchenblauen“, „dat -Armenspann“, „de scheeben Hamborgers“, „Scheef un Liek“ u. a. m. — -„Franzosen“, „de Engelschen“, „Möhlenbrückers“, „Coldorpers“, „Bayern“, -„Hollanders“, „dat Judenspann“, „Harborgers“ un „de drögen Franzosen“ -bezeichnen diejenigen, welche vorzugsweise mit dieser Nation zu tun -haben; das „Dreespann“ fährt stets zu dreien, die „Manchestern“ sind an -ihren Hosen von diesem Stoff und „Spring um Stender“ ihrer Gewandtheit -wegen<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> kenntlich. „Nagelbüdel und Consorten“, „Seelenkinners“ und -„Schultenhöbers“ Namensursprung mag schwer zu entziffern sein, womit -wir denn die Liste schließen wollen, ohne die „Schimmels“ zu vergessen, -deren weißhaariges Oberhaupt seinem Quartier diesen Namen eingetragen -hat.</p> - -<p class="center">Von <span class="antiqua">J. D. J. Pingel Senior</span> 1880.</p> - -<p class="s4 center mtop2 mbot2">*</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Anlage_3"><span class="left">Anlage 3</span><br /> - -Ökelnamen der Hamburger Quartiersleute</h2> - -</div> - -<p><em class="gesperrt">Dat Armenspann</em> (Bodenstein u. Consorten), <em class="gesperrt">De Baiern</em> -(Lührs u. Cons.), <em class="gesperrt">De Blickern</em> (Wilkerling u. Cons.), -<em class="gesperrt">De-Botterbuern</em> (Siemers u. Röpke), <em class="gesperrt">De Brummers</em> (Niemann -u. Cons.), <em class="gesperrt">De Bück</em> (Burmeister u. Cons.), <em class="gesperrt">De engelschen -Bück</em> (Trier u. Cons.), <em class="gesperrt">De Bullenmelkers</em> (Kruse u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Buntbüxen</em> (L. Hecht u. Cons.), <em class="gesperrt">De Coldorpers</em> (Hinrichs -u. Cons., Weiscke u. Cons.), <em class="gesperrt">De Dacklüünken</em> (Spellerberg u. -Cons.), <em class="gesperrt">De Dodtsmieters</em> (Thiel u. Cons, Suhr u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Engelschen</em> (H. Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Eseltreckers</em> (Dreyer -u. Cons., Hoppe u. Cons.), <em class="gesperrt">De Fienen</em> (Grotkaß u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Finnenkiekers</em> (Neddermann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Franzosen</em> (Kleen u. -Cons.), <em class="gesperrt">De Graden</em> (Bargstädt u. Cons.), <em class="gesperrt">De Gröhlmöllers</em> -(Möller u. Cons.), <em class="gesperrt">De Grotsnuten</em> (Schwarze u. Cons.), <em class="gesperrt">De -scheewen Hamborger</em> (Pohlmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Harborgers</em> -(Albrecht u. Cons.), <em class="gesperrt">De Hasen</em> (Reinstorf u. Voß), <em class="gesperrt">De ohlen -Hasen</em> (Kesler u. Cons.), <em class="gesperrt">De Heiligen</em> (Stöver u. Lembcke), -<em class="gesperrt">De bunten Höhner</em> (Groth u. Cons.), <em class="gesperrt">De Höhnerplückers</em> -(Brandt u. Cons.), <em class="gesperrt">De Hollanders</em> (Helmers u. Cons.), <em class="gesperrt">De finen -Hollanders</em> (Lüders u. Cons.), <em class="gesperrt">De witten Hunn</em> (Escherich u. -Cons., Parbs u. Cons.), <em class="gesperrt">De Jägers</em> (Rehse u. Cons.), <em class="gesperrt">De Isern -Arm</em> (Daniel Jessen), <em class="gesperrt">Dat Judenspann</em> (Ascher u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Kaffebrenners</em><span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> (Lienau u. Cons., Gädgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Knupprigen</em> (Glimann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Korfmakers</em> (Denker u. -Cons., H. W. Meyer u. Cons.), <em class="gesperrt">De Krahnlüd’</em> (Quitzau u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Krahntreckers</em> (Bodenborg u. Cons.), <em class="gesperrt">De Kreihers</em> -(Jürgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Krindlers</em> (Willers u. Cons., Petersen -u. Pingel), <em class="gesperrt">De Kugelers</em> (Fesefeld u. Cons.), <em class="gesperrt">De Kulers</em> -(Heeger u. Klindworth), <em class="gesperrt">De Kutschers</em> (Meiners u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Löwen</em> (Schultze u. Cons.), <em class="gesperrt">De Lüttsnuten</em> (Krohn -u. Schröder), <em class="gesperrt">Luus und Floh</em> (Volmer u. Cons., D. Hinsch u. -Cons.), <em class="gesperrt">De Magern</em> (Suhl u. Cons.), <em class="gesperrt">De lütten</em> Magern -(Hellmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De groten Manschestern</em> (Rose u. Cons.), -<em class="gesperrt">De lütten Manschestern</em> (Prignitz u. Cons.), <em class="gesperrt">De Melkers</em> -(Meyn u. Cons.), <em class="gesperrt">De Möden</em> (G. Voß u. Cons.), <em class="gesperrt">De Müs’</em> -(Brasch u. Cons.), <em class="gesperrt">De Nadelmakers</em> (Cordes u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Plankenhauers</em> (Oelmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Puttlüd</em> (Koch u. -Cons.), <em class="gesperrt">De lütten Roden</em> (Asmus u. Cons.), <em class="gesperrt">De Rotten</em> -(Leßmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Sackneihers</em> (Wendt u. Klindworth), <em class="gesperrt">De -Sagenfielers</em> (Köhncke u. Cons.), <em class="gesperrt">Scheev un Liek</em> (D. Möller -u. Cons.), <em class="gesperrt">De Scheeven un Graden</em> (Bargsted u. Genossen), <em class="gesperrt">De -Schinners</em> (Hinsch u. Cons.), <em class="gesperrt">De Schosters</em> (Peters u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Schottschen</em> (Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Seelenkinner</em> -(Martens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Slachters</em> (Nimbach u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Smökers</em> (Meyer u. Cons.), <em class="gesperrt">De Solospelers</em> (Brandt u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Springumständer</em> (Müller u. Pflughaupt), <em class="gesperrt">De Spunjers</em> -(Jürgens u. Cons.), <em class="gesperrt">De Stohlbinners</em> (Ockelmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De -Storchen</em> (Cords u. Cons., Gechter u. Cons.), <em class="gesperrt">De willen Swien</em> -(Dührkoop u. Cons., Opitz u. Cons.), <em class="gesperrt">De Theebuern</em> (Schaper u. -Cons.), <em class="gesperrt">De Trübseligen</em> (Moritz u. Cons., Hasenbalg u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Tünbüdels</em> (Gechter u. Cons, später: <em class="gesperrt">de Storchen</em>), -<em class="gesperrt">Vader un Söhn</em> (Hinsch u. Krüger), <em class="gesperrt">De Veereckten</em> -(Ellerbrock u. Cons.), <em class="gesperrt">De Veilchenblauen</em> (Rethwisch u. Cons.), -<em class="gesperrt">De Wanzen</em> (Uetzmann u. Cons.), <em class="gesperrt">De Wullkosacken</em> (Gebel -u. Cons.), <em class="gesperrt">De Wullmüs’</em> (Mathias Glimann), <em class="gesperrt">De Wustmakers</em> -(Stapelfeld u. Cons.).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span></p> - -<p>Eine Liste wie die vorstehende, die durch Herrn W. J. Krüger (Prignitz -u. Cons.) mit Hülfe älterer Kollegen zusammengestellt worden ist, wäre -nach Verlauf weniger Jahre schwerlich mehr in gleicher Vollständigkeit -zu erreichen gewesen, da infolge des veränderten Geschäftsbetriebes die -regelmäßige Anwendung dieser Ökelnamen schon sehr eingeschränkt ist.</p> - -<p>Außerdem sind mir von verschiedenen Seiten, besonders von Hein -Sternhagen (Verf. von „Ut Vadders Tiden“) noch eine Anzahl weiterer -Ökelnamen mitgeteilt, und einige fanden sich auch in Volgemanns -Tafelliedern. So weit sie nicht in vorstehenden beiden Verzeichnissen -erscheinen, führe ich sie hier auf, indem ich bemerke, daß sie meistens -erloschen sein mögen, zum Teil auch vielleicht nicht allgemein bekannt -gewesen sind oder nur für ein Einzelmitglied eines Quartiers gegolten -haben. Sie lauten, unter Weglassung einiger anstößigen:</p> - -<p>De Altnaers. De Ängstlichen. De Bäckers. Kaptein Blitz. De Blauen. -De Blotarmen. De Böhnhasen. De Böhnmeisters. De Büttenbinners. De -Bullenbergers. De Demokraten. De Doben. De holten Dragoners. De Dunkis. -Eisele un Beisele. De Fliedigen. De Garbers. De Gnaddrigen. Hein -Granat. De Grotmonarchen. De gemütlichen Hamborgers. De Hebammen. De -stolze Heringsküper. Hering un Tran. De Imkers. De Kantüffelschellers. -De blauen Kreihn. De Küpers. De Kupplers. Kaptein Lebberwust. De -Lohndeeners. Millionmeier. Pankoken. Kaptein Piep. De Püttjers. -Rechtschaffen un Breetfoot. De groten Rotten. De lütten Rotten. De -lütten Rugen. De Sackjuden. De Schaap. De Seilmakers. Siedenpudel. -Schragebuck. De Stallbuern. De Stratenköters. De Strebsamen. De -Teinpennkerls. De Uhrmakers. Wie’s heißen tut un so den Kram. -Woddelkrut. De Wolkenschubers. De verlopen Wullkosacken.</p> - -<hr class="full x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="schmal"> - -<div class="chapter"> - -<p class="s2 center mtop3" id="Seite63">Quickborn-Bücher</p> - -</div> - -<p class="s3 center"><b>Jeder Band 60 Pfennig</b></p> - -<p class="s4 center">Doppelbände 1.20 Mark</p> - -<p class="s4 center">Bisher erschienen außer dem vorliegenden und den auf -<a href="#Seite63">Seite 63</a> angezeigten folgende Bände:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p> 1. Holstenart. Von <em class="gesperrt">Johann Hinrich Fehrs</em>. 6–10. Tausend. Mit -einem Bildnis des Dichters.</p> - -<p> 3. Schnack und Schnurren. Von <em class="gesperrt">Fr. Wilhelm Lyra</em>. Mit einer -Abbildung.</p> - -<p> 4. Van Jadestrand un Werserkant. Von <em class="gesperrt">Theodor Dirks</em>. Mit -fesselnden Erzählungen.</p> - -<p> 5. Cili Cohrs. Irnsthaftig Spill van <em class="gesperrt">Gorch Fock</em>. Der -Finkwarder Speeldeel 1. Stück. (1 Aufzug, 5 Rollen.) Umschlagbild von -Ad. Möller.</p> - -<p> 6. Briefe Über Hochdeutsch und Plattdeutsch. Von <em class="gesperrt">Klaus Groth</em>. -Das für die neuplattdeutsche Bewegung grundlegende Werk des -Altmeisters plattdeutscher Dichtung.</p> - -<p> 7. Plattdeutsche Straßennamen in Hamburg. Von <em class="gesperrt">C. Rud. -Schnitger</em>.</p> - -<p> 9. Klar Deck überall! Deutsch-Seemännisches von Geheimrat <em class="gesperrt">Gustav -Goedel</em>. — Diese unterhaltenden Beiträge zur deutschen -Seemannssprache sind wichtig für alle Leser John Brinckmans, Gorch -Focks und anderer Seeschriftsteller.</p> - -<p>11./12. Slusohr un anner eernste un vergnögte Vertellsels un Riemels. -Von <em class="gesperrt">Georg Droste</em>. Mit Bildnis des Dichters und Umschlagbild -von Ad. Möller.</p> - -<p>13. Leege Lüd. En lustig Spillwark van <em class="gesperrt">Hinrich Wriede</em>. Der -Finkw. Speeldeel 2. Stück. (Ein Aufzug, 9 Rollen.) Umschlagbild von -Ad. Möller.</p> -</div> - -<hr class="trenn" /> - -<p class="p0"><span class="s2 lh1">Die niederdeutsche Vereinigung Quickborn</span> in <em class="gesperrt">Hamburg</em> liefert -ihren Mitgliedern in der Regel jährlich 2 <em class="gesperrt">Quickbornbücher</em> und je -4 Hefte der Zeitschriften „<em class="gesperrt">Mitteilungen aus dem Quickborn</em>“ und -„<em class="gesperrt">Plattdütsch Land und Waterkant</em>“. Mindestjahresbeitrag (ab 1. -Oktober) für persönliche Mitglieder in Deutschland 4 Mark, im Auslande -6 Mark, für Vereine, Anstalten und Körperschaften 6 Mark.</p> - -<div class="chapter"> - -<p class="s5 left mtop3">In den <em class="gesperrt">Quickborn-Büchern</em> -erschienen von</p> - -</div> - -<p class="s3 center"><b>Johs. E. Rabe</b></p> - -<p class="p0 s5">außer dem vorliegenden Werk:</p> - -<p class="s2 center"><b>Sünd ji all’ dor?</b></p> - -<p class="s5 center">Althamburgische Kasperszenen. 6.–10. Tausend<br /> -Band 8 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.</p> - -<p class="s5">„<em class="gesperrt">Die Heimat</em>“, Kiel, schrieb nach dem ersten Erscheinen dieses -lustigen, keineswegs eng hamburgischen Buches: „Das ist eine der -schönsten Gaben für unsere Brüder da draußen im Schützengraben, -viel besser als so viele von Begeisterung triefende, aber gemachte -Kriegsliedersammlungen. Weil es ablenkt von der blutigen Arbeit und -der nicht weniger tödlichen Langeweile des Schützengrabens, weil es -tief in jene Zeit hineinführt, da wir als Knaben mit aufgerissenen -Mäulern vor Kaspers Putschenellekasten standen, und weil es mit -dieser Erinnerung alle jene Kräfte wieder lebendig macht, die -einzig aus dem Lande der Jugend uns zufließen ... Aber auch für -alle Daheimgebliebenen, vor allem <em class="gesperrt">für unsere Jugend</em> sind die -köstlichen Schwankdichtungen mit dem Hamburger Platt, der köstlichen -Komik ihres Dialogs geradezu eine Gesundkur nach unserer naturwidrigen -Kintoppkinderkultur. Der Hamburger „Quickborn“, für den Rabe diese -verdienstvolle Arbeit herausgab, hat mit dieser „Rettung“ einer leider -bald völlig verschwundenen Form des Schauspiels sich <em class="gesperrt">ein bedeutendes -Verdienst</em> erworben!“</p> - -<p class="s2 center mtop1"><b>Vivat Putschenelle!</b></p> - -<p class="s5 center">Der alten Kasperschwänke neue Folge. 1.–8. Tausend<br /> -Band 10 der Quickbornbücher. Preis 60 Pf.</p> - -<p class="s5 mbot1">Diese von den Besitzern des ersten Büchleins lang ersehnte Fortsetzung -von „Sünd ji all’ dor?“ ist, wie jenes, <em class="gesperrt">eine Fundgrube drastischen, -volkstümlichen Humors</em>. Die wiedererwachte Freude am alten Kasper -findet durch diese Stücke, die sich auch zum Vorlesen trefflich eignen, -neue Nahrung.</p> - -<hr class="trenn" /> - -<p class="s5 center mtop1">Im Verlag von <em class="gesperrt">C. Boysen</em> -in Hamburg erschien früher von</p> - -<p class="s3 center"><b>Johs. E. Rabe:</b></p> - -<p class="s2 center mtop1"><b>Kasper Putschenelle</b></p> - -<p class="s5 center">Historisches über die Handpuppen und Althamburgische -Kasperszenen.<br /> -Mit farbigem Titelblatt von Chr. Suhr und Textabbildungen.<br /> -Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark.</p> - -<p class="s5 mbot3">Die erste Kaspermonographie, von der literarischen und -wissenschaftlichen Kritik mit Recht als „ein geradezu klassisches -Werk“, als „eine unerschöpfliche Quelle für Jung und Alt“ bezeichnet. -Wer Kasper lieb gewonnen hat, dem gilt daher der Ruf eines seiner -Kritiker: „Schaff dir dies Buch an und du wirst dem Verfasser ebenso -dankbar sein, wie es Schreiber dieser Zeilen ist.“</p> - -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS SPEICHERBUCH</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68259-h/images/cover.jpg b/old/68259-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1b02bcc..0000000 --- a/old/68259-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu001a.jpg b/old/68259-h/images/illu001a.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 55b3451..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu001a.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu001b.jpg b/old/68259-h/images/illu001b.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 76ddf68..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu001b.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu003.jpg b/old/68259-h/images/illu003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ab79a53..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu003_gross.jpg b/old/68259-h/images/illu003_gross.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 95fa587..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu003_gross.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu023.jpg b/old/68259-h/images/illu023.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6567909..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu023.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/illu030.jpg b/old/68259-h/images/illu030.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 48d61fb..0000000 --- a/old/68259-h/images/illu030.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/symbol.jpg b/old/68259-h/images/symbol.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6bc86ea..0000000 --- a/old/68259-h/images/symbol.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68259-h/images/u2114.png b/old/68259-h/images/u2114.png Binary files differdeleted file mode 100644 index dc58fc1..0000000 --- a/old/68259-h/images/u2114.png +++ /dev/null |
