diff options
39 files changed, 17 insertions, 9060 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..e47e1b3 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #68258 (https://www.gutenberg.org/ebooks/68258) diff --git a/old/68258-0.txt b/old/68258-0.txt deleted file mode 100644 index 0cd4c2e..0000000 --- a/old/68258-0.txt +++ /dev/null @@ -1,3593 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of Jahreszahlen der Erdgeschichte, by -Reinhold Lotze - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Jahreszahlen der Erdgeschichte - -Author: Reinhold Lotze - -Release Date: June 7, 2022 [eBook #68258] - -Language: German - -Produced by: Franz L Kuhlmann and the Online Distributed Proofreading - Team at https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK JAHRESZAHLEN DER -ERDGESCHICHTE *** - - - ====================================================================== - Anmerkungen zur Transkription: - - Zeichensetzung und typographische Fehler wurden stillschweigend - korrigiert. Das Inhaltsverzeichnis wurde dem Buchtext vorangestellt. - Fußnoten wurden an das Ende betreffenden Absatzes angefügt. - - Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Fettdruck wurde durch - Rautenzeichen (#) symbolisiert; gesperrte Passagen sind von Tilden - (~) umgeben; Antiqua wird durch Unterstriche (_) angezeigt. Das - Caretsymbol (^) steht vor hochgestellten Zeichen. - ====================================================================== - - - - - Dr. R. Lotze - - - Jahreszahlen der - Erdgeschichte - - - [Illustration] - - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde - Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart - - - - - [Illustration: Kosmos Bändchen] - - - - -Jahreszahlen der Erdgeschichte - - - - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde ♦ Stuttgart - - -Die Gesellschaft Kosmos bezweckt, die Kenntnis der Naturwissenschaften -und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer -Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. --- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter -naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen im - - #Kosmos#, Handweiser für Naturfreunde - - Jährlich 12 Hefte mit 4 Buchbeilagen. - -Diese Buchbeilagen sind, von ersten Verfassern geschrieben, im guten -Sinne gemeinverständliche Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. -Vorläufig sind für das Vereinsjahr 1922 festgelegt (Reihenfolge und -Änderungen auch im Text vorbehalten): - - R. H. Francé, Das Leben im Ackerboden (Edaphon) - - Prof. Dr. K. Weule, Die Anfänge der Naturbeherrschung. - II. Frühformen der Chemie - - Dr. Kurt Floericke, Heuschrecken und Libellen - - Dr. R. Lotze, Jahreszahlen der Erdgeschichte - - Jedes Bändchen reich illustriert. - -Diese Veröffentlichungen sind durch ~alle Buchhandlungen~ zu beziehen; -daselbst werden Beitrittserklärungen zum #Kosmos, Gesellschaft der -Naturfreunde,# entgegengenommen. Auch die früher erschienenen Jahrgänge -sind noch erhältlich. - - -Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. - - - - - Jahreszahlen - der Erdgeschichte - - Von - - Dr. R. Lotze - - Mit einem farbigen Umschlagbild - und 20 Abbildungen im Text - - [Illustration] - - ~Stuttgart~ - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde - - Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung - - - - - Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, - vorbehalten. Für die Vereinigten Staaten - von Nordamerika: _Copyright 1922 by - Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart_ - - - STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI - HOLZINGER & Co., STUTTGART - - - - -Inhaltsverzeichnis - - - #I. Zeitrechnung in Geschichte und Geologie# 5-10 - - Relative und absolute Altersbestimmung. Prinzipien - geologischer Zeitmesser. - - #II. Geologische Zeitmessung durch Abtragung und 10-21 - Aufschüttung# - - Bildung der Steinkohlen und des Erdöls. Abtragung des - schwäbischen Stufenlandes. Gesamtleistung aller Flüsse. - Das Alter des Ozeans. Altersberechnung aus der maximalen - Mächtigkeit und der Gesamtmenge der Sedimentgesteine. - - #III. Von der Eiszeit bis zum Beginn des Kambriums# 21-47 - - Verlauf der Eiszeit. Astronomische Eiszeittheorie von Croll. - Eisrückzug in Skandinavien nach de Geer. Dauer der - Nacheiszeit. Alter der baltischen Endmoränen. Berechnungen im - alpinen und nordamerikanischen Vereisungsgebiet. Dauer der - ganzen Eiszeit. Alter des Menschen. Die Gefahr einer - Wiederkehr der Eiszeit. Dauer des Tertiärs. Zeitlicher - Abstand des Kambriums. - - #IV. Geologische Zeitmessung auf Grund radioaktiver Vorgänge# 47-71 - - Entdeckungsgeschichte des Radiums. Zerfallstheorie. - Zeitlicher Verlauf des Zerfalls. Die Uranreihe. Isotopie. - Der Blei- und Heliumgehalt von Uranmineralien als Grundlage - geologischer Zeitmessung. Praktische Durchführung und - Ergebnisse der radioaktiven Methode. Dauer des Präkambriums. - - #V. Schlußbetrachtung und Ausblick# 71-77 - - Zuverlässigkeit der geologischen Zeitmesser. - Veranschaulichung der gewonnenen Zahlen. Die - Menschheitsentwicklung im Rahmen der Erdgeschichte. - - - - -I. Zeitrechnung in Geschichte und Geologie. - - -Geschichte und Geologie sind zwei Wissenschaften, die im Grunde -genommen dieselbe Absicht haben: Sie wollen die Folge aller Ereignisse -aufzählen, die über unsere Erde und ihre Bewohner weggegangen sind. -An der Hand des Geschichtsforschers beginnen wir den Weg zurück -in die Vergangenheit. Vom Heute ausgehend, führt er uns über die -Jahrhunderte weg bis zurück zu jenen Tagen, da römische Legionen zum -erstenmal den Boden unseres Landes betraten und mit blonden Germanen -die Waffen kreuzten. Aber nur wenige Jahre vermag er uns über jene -Zeit hinaus in die Vergangenheit unserer Heimat zurückzuführen. Drüben -im Orient können wir uns seiner Führung noch länger überlassen, -denn dort lebten hochkultivierte Völker, deren Überlieferungen in -stolzen Baudenkmälern und geheimnisvollen Urkunden noch weitere -vier Jahrtausende zurückreichen. Aber in den Wäldern Germaniens muß -der Geschichtsforscher schon lange vorher seine Führerrolle an den -Vertreter einer Tochterwissenschaft, der Vorgeschichte, abgeben, -dem für seine Forschung keine schriftliche Urkunde, kein Lied und -Heldenbuch mehr zur Verfügung stehen, der vielmehr aus Gräbern und -dürftigen Kulturresten ein Bild jener vorgeschichtlichen Zeiten -hervorzuzaubern versucht. Er berichtet uns von Pfahlbauern und -Höhlenbewohnern, von Menschen, die mit einfachen, roh behauenen -Feuersteinwaffen den Tieren der Wälder zu Leibe rückten und die noch -Zeitgenossen einer ungeheuren Vereisung waren, die weite Teile der -Erdoberfläche heimsuchte. Mit der Schilderung dieses rätselhaften -Ereignisses geht aber die Führung in die Vergangenheit an den Geologen -über, der nicht nur Menschheitsgeschichte, sondern Erdgeschichte -schreibt, der vom Wechsel der Meere und Festländer erzählt, von Zeiten, -da der Mensch noch nicht bestand, und fremdartige, heute ausgestorbene -Lebewesen die Erde bevölkerten. - -Um den Ablauf des Geschehens vergangener Zeiten handelt es sich also -in Geschichte und in Geologie. Ihre Verwandtschaft beweisen beide -schon dadurch, daß sie sich ein besonderes Verbindungsglied, die -Vorgeschichte geschaffen haben, die je nachdem zur einen oder andern -Seite hinneigt. Was die beiden Wissenschaften voneinander trennt, das -ist zunächst die einfache Tatsache, daß sie verschiedene Abschnitte -der Vergangenheit bearbeiten; daraus folgen allerdings tiefgreifende -Unterschiede im Inhalt des Geschehens, von dem sie berichten können, -und in der Art der Methoden, die sie zur Erforschung der Vergangenheit -anwenden müssen. Der Geschichtsforscher beschäftigt sich nur mit dem -Menschen; das Mittel, um in die Vergangenheit einzudringen, ist ihm -in erster Linie die schriftliche Überlieferung. Er umspannt mit seiner -Wissenschaft zwar nur wenige Jahrtausende, aber auf Jahr und Tag vermag -er die Ereignisse festzulegen, von denen er berichtet. Anders der -Geologe: In unendlich ferne Vergangenheit muß er zurückgreifen, um die -Geschichte unserer Erde zu schreiben. Seine Urkunden sind die Gesteine; -aus ihrer Beschaffenheit liest er die Umstände ihrer Entstehung heraus, -und mit den Lebewesen, deren Reste er in ihnen vorfindet, bevölkert -er in seiner Phantasie Länder und Meere längst vergangener Zeiten. -Die Schichten der Erdrinde faßt er zu großen Formationen zusammen. -Ihre Aufeinanderlagerung von unten nach oben gibt ihm zugleich die -zeitliche Reihenfolge ihrer Entstehung und damit die Geschichte der -Erdoberfläche. Nach der Entwicklung des Lebens, die er in den einzelnen -Formationen beobachtet, kommt er zur Aufstellung großer Perioden, die -als Urzeit, Frühzeit, Altzeit, Mittelzeit und Neuzeit der Erdgeschichte -bezeichnet werden können. So entstand schließlich die geologische -Formationstafel auf Seite 7, die zugleich eine Geschichtstafel ist.[1] -In dieses Schema ordnet der Forscher die ganze Fülle der geologischen -Ereignisse ein; er kann mit ihrer Hilfe das „~geologische Alter~“ der -versteinerten Reste von Lebewesen bestimmen und das Nacheinander oder -die Gleichzeitigkeit von Geschehnissen scharf zum Ausdruck bringen. -Wenn von einer Muschel bekannt ist, daß sie den mittleren Schichten -des braunen Jura angehört, so ist damit ihr Alter im Verhältnis -zu allen Formationen und den in ihnen enthaltenen Lebewesen genau -bestimmt. Über das Alter der Muschel in Jahren ist allerdings damit gar -nichts ausgesagt, denn die geologische Altersbestimmung ist eine rein -relative. Sie gibt von einem Ereignis an, daß es früher oder später -gewesen sei als ein anderes; von der Zahl der Jahre, die zwischen -beiden liegt oder die von jenem Zeitpunkt bis zur Gegenwart verstrichen -ist, weiß sie nichts zu sagen. Die Geologie kennt wohl die Zeitfolge, -aber nicht die Zeitdauer des Geschehens, von dem sie berichtet. Sie ist -eine Geschichte ohne Jahreszahlen. - - [1] Die Pfeile geben den genauen Zeitpunkt des angedeuteten - geologischen Ereignisses an. - - -Geologische Formationstafel - - +------------+-------------------------------+------------------------+ - | |Nacheiszeit |Metallzeit | - | |(Alluvium) |Jüngere [Illustration]| - | +-------------------------------+ } Steinzeit | - |Neuzeit | { Würm-Vereisung |Ältere Neandertaler| - |(Känozoikum)|Eiszeit { Riß-Vereisung | | - | |(Diluvium){ Mindel-Vereisung |[Illustration] Homo | - | | { Günz-Vereisung | Heidelbergensis | - | | | | - | +-------------------------------+1. Auftreten | - | | { Pliozän | des Menschen | - | | { Miozän | | - | |Tertiär { Oligozän |Bildung der Alpen | - | | { Eozän | | - | | { Paleozän |[Illustration] | - | +===============================+ | - | |Kreide { obere Kreide | | - | | { untere Kreide |Aufblühen des | - | +-------------------------------+ Säugetierstammes| - | | { weißer (Malm) | | - |Mittelzeit |Jura { brauner (Dogger) |Blütezeit der | - |(Mesozoikum)| { schwarzer (Lias) |Saurier | - | +-------------------------------+ | - | | { Keuper | | - | |Trias { Muschelkalk |[Illustration] | - | | { Buntsandstein | | - +============+===============================+ | - | |Perm { Zechstein |Bildg. der Kalisalzlager| - | | { Rotliegendes |Mitteldeutschl. | - | +-------------------------------+ | - | |Karbon { oberes (produktiv.) K|[Illustration] | - |Altzeit | { unt. K (Kohlenkalk) | | - | (Paläo- +-------------------------------+ | - | zoikum) |Devon |Bildung der Steinkohlen | - | +-------------------------------+ | - | |Silur |Die ersten Fische | - | +-------------------------------+ [Illustration]| - | |Kambrium | | - +============+===============================+Die ersten wohlerh. | - |Frühzeit | { oberes |organ. Reste | - |(Eozoikum) |Präkambrium { mittleres | [Illustration]| - | | { unteres | | - +============+===============================+ [Illustration]| - |Urzeit |Urgebirge (Gneise und |Beginn des | - |(Archaikum) |kristalline Schiefer) |Lebens | - +------------+-------------------------------+------------------------+ - -Das ist aber ein ganz empfindlicher Mangel. „Ohne die Bestimmung der -Zeiträume bleibt jede Entwicklungswissenschaft oder geschichtliche -Wissenschaft im Zustand äußerster Unvollkommenheit“ (Ratzel). Was -würde die Menschheitsgeschichte ohne Jahreszahlen bedeuten? Sie könnte -wohl noch die Folge der Ereignisse aufzählen, über die Zeitdauer -geschichtlicher Entwicklungen vermöchte sie nichts mehr auszusagen. -Damit würde jede Vergleichsmöglichkeit mit dem Geschehen der Gegenwart -und zugleich jedes tiefere Verständnis verloren gehen. Es ist -ein gewaltiger Unterschied in der Bewertung einer geschichtlichen -Entwicklung, ob zu ihrem Ablauf zehn Jahre oder zehn Generationen -nötig waren. Genau wie in der Menschheitsgeschichte ist es aber auch -in der Geologie eine dringende Notwendigkeit, eine klare Vorstellung -von der Größe der Zeiträume zu besitzen, in denen sich die Ereignisse -abspielen. Von der bloßen relativen Altersbestimmung drängt es -den Forscher ganz von selber weiter zur ~absoluten geologischen -Zeitmessung~. Es ist nicht nur müßige wissenschaftliche Neugier, -wenn der Anfänger in der Geologie fragt, vor wieviel Jahren wohl das -Muscheltier aus dem braunen Jura gelebt habe, das er in versteinertem -Zustand am Straßenrand gefunden hat. In dieser Frage wird vielmehr -der Wissenschaft ein überaus wichtiges Problem gestellt, dessen Lösung -mit dem Geologen auch den Biologen und den Philosophen interessiert. -Der Geologe möchte wissen, welche Zeiträume, Jahrtausende oder -Jahrmillionen er seiner Geschichtschreibung zugrunde legen darf. -Der Biologe wünscht eine Vorstellung davon zu gewinnen, mit welcher -Geschwindigkeit die Stammesentwicklung der Lebewesen vor sich gegangen -ist; für manche seiner Theorien spielt das Maß der verfügbaren Zeit -eine entscheidende Rolle. Den Philosophen endlich beschäftigt die -Frage, was für einen Abschnitt die Menschheitsentwicklung im Rahmen der -ganzen Erdentwicklung einnimmt. - -Ist es nun möglich, geologische Zeiträume nach bestimmten Zeiteinheiten -zu messen, ~Jahreszahlen auch für die Erdgeschichte~ zu gewinnen? -Was wir dazu brauchen, ist einfach zu sagen: Es sind ~geologische -Zeitmesser, geologische Uhren~. Wir werden sehen, daß sie uns von der -Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden können; wir werden sogar -finden, daß sie auf dieselbe Weise ihre Aufgabe erfüllen wie unsere -allbekannten Zeitmesser. - - [Illustration: Abb. 1. Prinzipien geologischer Zeitmessung.] - -Die Uhren des Altertums und des Mittelalters waren fast ausschließlich -~Wasseruhren~. Aus der Menge des aus einem Gefäß ausgeflossenen -Wassers schloß man, wieviel Zeit „verflossen“ sei, und die mechanische -Kunstfertigkeit der Griechen und späterhin der Araber schuf nach -diesem Prinzip wahre Kunstwerke der Mechanik: Wasseruhren, die mit -Glockenschlägen die Zeit kündeten, oder bei denen künstliche Figuren -an einem Zifferblatt die Stunde wiesen. Noch weit herein in die -Neuzeit waren Wasseruhren die gebräuchlichsten Zeitmesser, und von der -~Sanduhr~, bei der eine bestimmte Menge Sand durch die enge Öffnung -des Stundenglases läuft, haben sich sogar kümmerliche Überreste bis in -unsere Zeit gerettet: die Eieruhr der Hausfrau und die kleine Sanduhr -neben dem Telephon, welche die Gesprächsdauer erkennen läßt. Das -Prinzip von Wasser- und Sanduhr ist folgendes: Man weiß, wieviel Wasser -oder Sand in der Zeiteinheit aus einem höher gelegenen Gefäß in ein -tieferes abfließen kann und schließt aus der Menge des Abgeflossenen -auf die Zeit, die dazu nötig war. Wir werden sehen, daß geologische -Vorgänge des Abfließens und der Aufschüttung zur erdgeschichtlichen -Zeitmessung dienen können. - -Die ~Pendeluhren~ stellen eine zweite Art von Zeitmessern dar. Langsam, -in immer gleichem Rhythmus, schwingt das Pendel unter der Einwirkung -der Anziehungskraft der Erde hin und her. Damit es von der Reibung -nicht zum Stillstand gebracht wird, erhält es im Innern des Werks -bei jeder Schwingung einen neuen kleinen Anstoß. Wählt man ein Pendel -von passender Länge, so kann man erreichen, daß es genau eine Sekunde -zur Schwingung braucht; mit Hilfe sinnreicher Zahnradübertragung wird -die Zahl seiner Schwingungen durch Zeiger zur Erscheinung gebracht. -Die Bewegung dieser Zeiger bedeutet eigentlich nichts anderes als ein -Abzählen der Pendelschwingungen unter Zusammenfassung von 60 und 60 × -60 Schwingungen zu größeren Einheiten. - -Das Prinzip der Pendeluhr beruht also auf dem Abzählen einer Bewegung, -die unter dem Einfluß der Schwerkraft periodisch erfolgt. Wir werden -wunderbar geheimnisvolle Bewegungen unseres Weltkörpers kennen -lernen, die ebenso durch die Schwerkraft hervorgerufen werden und die -vielleicht als Grundlage geologischer Zeitmessung dienen können. Es -fragt sich nur, wie solche zweifellos vorhandene Bewegungen abgezählt -werden sollen. Für die kleine Periode des Jahres vermag schon jeder -Baum diese Aufgabe zu lösen. Schneidet man einen Baumstamm quer durch, -so zeigt sich das bekannte regelmäßige Bild der ~Jahresringe~, an -denen ohne weiteres das Alter des Baums in Jahren abgelesen werden -kann; jeden Frühling bildet er eine weiche breite, jeden Herbst eine -harte dünne Holzschicht. Wir werden auch geologische Jahresringe kennen -lernen, die in der Art, wie sie dem Forscher Aufschluß über geologische -Zeiträume geben, zwei Prinzipien der Zeitmessung vereinigen: -Aufschüttung und Rhythmus. - -Und nun soll der Versuch gewagt werden, mit Hilfe der Zeitmesser, -die uns die Geologie kennen lehrt, die ungeheuren Zeiträume der -Vergangenheit in Maß und Zahl zu fassen! - - - - -II. Geologische Zeitmessung durch Abtragung und Aufschüttung. - - -Wir versetzen uns im Geist ins Ruhrrevier. Mit dem Förderkorb geht's -sausend hinunter in die dunklen Tiefen eines Kohlenbergwerks. In dem -Wirrsal unterirdischer Gänge arbeiten wir uns vor bis ans äußerste -Ende, wo vom Häuer das kostbare schwarze Mineral losgebrochen wird. -Und staunend sehen wir, daß wir nicht etwa mitten drin in der massiven -Kohle stehen, sondern daß sie nur eine Schicht (ein „Flöz“) von kaum 1 -Meter Mächtigkeit bildet. Steigen wir allerdings in eine höhere oder -tiefere Strecke des Bergwerks, so finden wir zwischen Sandsteinen -und Schiefertonen noch eine ganze Reihe anderer Flöze eingebettet, -mächtigere, bis zu einer Dicke von 2 Meter, die einen leichten, -bequemen Abbau erlauben, und schwächere von 10-20 cm Mächtigkeit, bei -denen sich der Abbau überhaupt nicht lohnt. Fragen wir den Geologen, -der von allen Schächten und Tiefbohrungen des ganzen Kohlenreviers -den Aufbau des Gebirges kennt, nach der Zahl der Kohlenschichten, -so sagt er uns, daß im ganzen 176 Flöze übereinander liegen, durch -Gesteine, die in einem Meere gebildet wurden, voneinander getrennt. -Wie sollen wir das deuten? Die Wissenschaft lehrt uns, daß sich -die Kohlen in mächtigen Waldmooren aus einer fremdartig anmutenden -Pflanzenwelt gebildet haben, langsam und in ungeheuren Zeiträumen. Ein -hundertjähriger kräftiger Buchenwald würde bei der Verkohlung nur eine -Schicht von 16 mm ergeben. Nun senkte sich das Land; das Meer brach -herein; Schlamm und Sand lagerten sich über dem jungen Kohlenlager ab -und schützten es so vor der Zerstörung. Dann hob sich das Land wieder, -das Wasser lief ab, und von neuem erwuchs der Sumpfwald, bildete -sich Kohle, bis das Meer wieder hereinbrach und auch die neue Kohle -zudeckte. Und das 176mal! Wie ein langsames Atemholen der scheinbar -starren Erde mutet dieses Auf und Ab an, und daß dieser Wechsel von -Steinkohlensumpfwald und Meer ungeheure Zeiträume umfaßt haben muß, -ist uns ohne weiteres klar. Dabei zählt man im Saarkohlengebiet sogar -325 Flöze, und die ganze Zeit, die zur Bildung all dieser wechselnden -Schichten nötig war, bedeutet in der geologischen Zeitrechnung nur -einen verhältnismäßig kleinen Teil einer einzigen geologischen Periode! - -Ein anderes Bild: Zu Tausenden ragen in Baku am Kaspischen Meer auf -engstem Raum die Erdölbohrtürme in die Luft, und zwölf Milliarden Liter -Rohöl haben sie in der Zeit vor dem Krieg jährlich zutage gefördert. -Nun entsteht das Erdöl nach der Ansicht der heutigen Wissenschaft aus -den Überresten abgestorbener Meerestiere. Wir können nicht annehmen, -daß jene Meere wesentlich dichter bevölkert gewesen seien als unsere -heutigen. Was für ungeheure Zeiträume müssen aber verstrichen sein, -bis sich der Meeresboden mit derartig riesenhaften Mengen solcher -Stoffe vollsaugen konnte! Und auch hier wieder müssen wir dasselbe -feststellen wie bei den Steinkohlen: Die Zeit, die zur Bildung der -erdölführenden Schichten nötig war, ist geringfügig im Rahmen der -ganzen Erdgeschichte. - -Wir wollen aber doch versuchen, von diesen ersten, ganz allgemeinen -Vorstellungen von der langen Dauer geologischer Zeiträume zu -bestimmten, faßbaren Zahlen zu gelangen; die zahlenmäßige Untersuchung -der ~geologischen Wirkung des fließenden Wassers~ soll uns diesen -Fortschritt bringen. Überall, wo es in Bächen, Flüssen und Strömen zum -Meere eilt, schafft es Stoffe aus dem Land hinaus, trägt dadurch ganz -allmählich sein Einzugsgebiet ab (Vorgang der Denudation) und führt -alles ins Meer, wo sich das mitgeführte Material niederschlägt und -langsam neue Gesteinsschichten aufbaut (Vorgang der Sedimentation). -Eine sehr genaue zahlenmäßige Untersuchung über die geologische -Arbeit eines Flusses wurde von ~Schürmann~ vor wenigen Jahren am -~Neckar~ ausgeführt. Während eines ganzen Jahres berechnete er Tag -für Tag auf Grund genauer Methoden die Wassermengen, die der Fluß aus -dem Schwabenland hinaus zum Rhein führt, und Tag für Tag entnahm er -ihm Proben, aus denen er den Gehalt des Wassers an aufgelösten und -schwebenden Bestandteilen sorgfältig bestimmte. Während die gelösten -Bestandteile hauptsächlich Salze aller Art sind, die das Wasser bei -seiner Berührung mit dem Gestein ausgelaugt hat (vor allem Kalk), -sind die schwebenden Stoffe feinste Ton- und Sandteilchen, die als -„Flußtrübe“ mechanisch vom Wasser mitgenommen werden und die es -besonders bei Hochwasser bis zur vollständigen Undurchsichtigkeit -trüben können. Das Ergebnis der Untersuchungen war, daß der Neckar -unterhalb Heilbronn im Jahr 1,584 Millionen Tonnen fester Stoffe aus -dem Lande hinausführt. - -Bei einem spezifischen Gewicht von 2,5 nimmt diese Stoffmenge -einen Raum von etwas über 600000 Kubikmeter ein; würde man sie in -gleichmäßiger Dicke über das ganze Einzugsgebiet des Flusses (12340 -Quadratkilometer) ausbreiten, so ergäbe sich eine Schicht von 1/20 mm -Mächtigkeit. Wenn also der Neckar sein ganzes Flußgebiet gleichmäßig -erniedrigen würde, so würde er in einem Jahr 1/20 mm, in 20 Jahren 1 mm, -in 2000 Jahren eine Schicht von 1 m Mächtigkeit abtragen. Zur Abtragung -von 100 m würde er infolgedessen 2 Millionen Jahre brauchen. - - [Illustration: Abb. 2. Querschnitt durch die Schwäbische Alb - und ihr Vorland mit vulkanischen Durchschlagsröhren. Zur Zeit - der Eruption muß noch eine Gesteinsdecke, wie sie durch die - gestrichelte Linie angedeutet ist, über dem Vorland gelegen - haben. 1 Muschelkalk, 2 Keuper, 3 Schwarzer Jura, 4 Brauner - Jura, 5 Weißer Jura.] - -Nun können wir auf hochinteressante Weise feststellen, wie das ganze -Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und Odenwald in nicht allzuweit -zurückliegender geologischer Vergangenheit ausgesehen haben muß. -Zu den merkwürdigsten geologischen Erscheinungen der Erde zählt -das Vulkangebiet der mittleren Schwäbischen Alb (um Kirchheim und -Urach), in dem die Erdrinde von nicht weniger als 125 vulkanischen -Explosionsröhren durchsetzt wird; sie zeigen sich von vulkanischem -Material (Basalt) und von Gesteinsbruchstücken der durchschlagenen -Schichten erfüllt. Eine Anzahl dieser Röhren steckt noch ganz innerhalb -des Körpers der Alb, die sich südlich vom schwäbischen Keuperland -über einem Unterbau von schwarzem und braunem Jura in wundervoller -landschaftlicher Schönheit als eine steile, von Felszinnen gekrönte -Mauer von Weißjura aufbaut; die übrigen liegen im Vorland (vgl. Abb. -2). Der nördlichste der Vulkanschlote findet sich bei Scharnhausen -(südlich von Stuttgart), über 20 km vom jetzigen Albrand entfernt, -in den Keuper eingesenkt und trotzdem noch Brocken von weißem Jura -enthaltend. Dieser Weiße Jura, ein viel jüngeres Gestein als der -Keuper, in dessen Höhe er nun in der Vulkanröhre steckt, muß bei -der Explosion von oben her in das offene Loch hereingefallen sein. -Es müssen also damals noch die Schichten des Weißen Jura über der -ganzen Gegend gelegen haben, und das gibt uns den sicheren Beweis, -daß zu jener Zeit der Albrand, wenn er schon in der heutigen Art -bestand, noch mindestens 20 km weiter nördlich gelegen sein muß. -Weitere Beobachtungen machen es wahrscheinlich, daß das ~ganze -schwäbische Stufenland~ zwischen Odenwald und Alb damals noch von einer -Gesteinsdecke von mehreren hundert Metern Mächtigkeit bedeckt war. Hier -können wir nun wieder mit der Rechnung einsetzen: 100 m deckt der Neckar -in 2 Millionen Jahren ab; es werden also seit jener Vulkankatastrophe, -die im Obermiozän, also schon gegen das Ende der Tertiärzeit,[2] -stattgefunden hat, ungefähr 4-6 Millionen Jahre verflossen sein. - - [2] Vergleiche hierzu, wie bei allen andern geologischen - Altersangaben, die Formationstafel auf Seite 7. - -Damit sind wir zum erstenmal auf das Zeitmaß gekommen, mit dem der -Geologe rechnet, und an das sich auch der Leser gewöhnen muß, die -Jahrmillion. Daß es nicht nur ein gedankenloses Umsichwerfen mit -großen Zahlen ist, wenn in der Geologie von Jahrmillionen geredet -wird, das zeigt schon dieser erste Versuch einer rechnerischen Lösung -unserer Frage klar und deutlich, obwohl sich an ihn von kritisch -gestimmten Geistern noch manches Wenn und Aber anknüpfen läßt. Aber -daß Jahrtausende oder Jahrhunderttausende in der Erdgeschichte nicht -zureichen, ist uns jetzt schon klar geworden. Die erste Vorstellung von -der Größenordnung geologischer Zeiträume ist gewonnen, und das bedeutet -eine neue Erkenntnis! - -Wenn der Neckar 20000 Jahre braucht, um sein Gebiet um 1 m zu -erniedrigen, so ist er damit weder ein rascher noch ein besonders -langsamer Arbeiter; seine Leistung bedeutet einen guten Durchschnitt. -Ein Alpenfluß, der mit ganz anderer Wucht zu Tale stürzt und die -Trümmer des rasch verwitternden Hochgebirges in die Ebene schafft, -wird mehr leisten als der Neckar, der durch ein Mittelgebirgsland -fließt, während ein langsam dahinfließender Strom des Flachlands nicht -auf die Leistung des Neckars kommen wird. Es sind sehr lehrreiche -Zahlen, die in dieser Beziehung von den Geologen gefunden wurden. Der -erfolgreichste bekannte Zerstörer ist der Irawadi (Hinterindien), der -sein Stromgebiet schon in 1300 Jahren um 1 m erniedrigt. Ihm kommen -die Alpenflüsse Po und Reuß nahe, die in 2800 und 3000 Jahren dieselbe -Arbeit verrichten, während das Gebiet der Hudson-Bai von seinen Flüssen -erst in 165000 Jahren um 1 m erniedrigt wird. - -Es soll nun aber der kühne Versuch gewagt werden, für die ganze Erde -die Abtragung zu berechnen. Wenn dabei auch viele Zahlen nicht ganz -richtig sein werden, so müssen wir eben hoffen, daß ein Fehler nach -der einen Seite wieder durch einen entgegengesetzten aufgehoben wird, -und daß auf diese Weise doch eine Zahl von leidlicher Genauigkeit -herauskommt. Will man wissen, was die gesamten Ströme der Erde im -Jahr an Abtragungsarbeit leisten, so ist es nötig, zweierlei zu -kennen: Die jährliche Wassermenge aller Flüsse und den Gehalt ihres -Wassers an Gelöstem und Aufgeschwemmtem. Es ist klar, daß nur für -wenige Stromsysteme solche Messungen vorliegen, wie vom Neckar. An -ihre Stelle muß eine vorsichtige Schätzung treten, die aber in einer -Reihe von meteorologischen, geographischen und geologischen Tatsachen -zuverlässige Grundlagen hat. Nachdem schon die englischen Geologen -~Mellard Reade~ und ~Murray~ die Berechnung versucht hatten, gab in -neuerer Zeit der amerikanische Geologe ~Clarke~ die zuverlässigsten -Zahlen. Er erhielt unter möglichst genauer Berücksichtigung aller -Verhältnisse für die Flüsse der ganzen Erde eine Jahresleistung von -2500 Millionen Tonnen gelöster und 6000 Millionen Tonnen schwebender -fester Stoffe, was eine Gesamtjahresleistung von 8500 Mill. Tonnen -ergibt. Würde diese Stoffmenge, die von den Flüssen in einem Jahr -ins Meer getragen wird, über das von ihnen entwässerte Festland -ausgebreitet, so erhielte man eine gleichmäßige Schicht von 1/28-1/30 mm -Dicke; es vergeht also ein Zeitraum von 28000 bis 30000 Jahren, bis -die Erdoberfläche von den Flüssen durchschnittlich um 1 m erniedrigt -wird. Zu der Arbeit der Flüsse kommt noch die zerstörende Wirkung -der Meereswogen an der Küste hinzu, die gleichfalls dem Meere Stoffe -zu Sedimentgesteinen liefert und die Gesamtmenge der ihm jährlich -zugeführten Stoffe auf etwa 9000 Millionen Tonnen erhöht. Über das -Schicksal aller dieser Stoffe können wir aussagen, daß ein Teil der -gelösten Stoffe, vor allem die Chloride (in erster Linie Natriumchlorid -= Kochsalz) in Lösung bleibt und damit den Salzgehalt des Meeres -erhöht, während z. B. der größte Teil des gelösten kohlensauren Kalks -sich ausscheidet. Die aufgeschwemmten Stoffe setzen sich natürlich -ohne weiteres im Meere ab und bilden die sog. mechanischen Sedimente. -Clarke versuchte auch, die Menge der verschiedenen neu gebildeten -Gesteinsarten zu berechnen, und fand, daß von den 9000 Millionen -Tonnen 70% (6300·10^6 Tonnen) zu Ton- und Schiefergesteinen werden, -16% (1440·10^6 Tonnen) zu Sandsteinen und 14% (1260·10^6 Tonnen) zu -Kalkstein. - -Um Zahlen für die Zeitdauer geologischer Vorgänge zu gewinnen, halten -wir uns nun zuerst an die gelösten Stoffe. ~Joly~ hat 1899 einen -scheinbar sehr einfachen Weg angegeben, um das ~Alter des Ozeans~ zu -berechnen. Sein Gedankengang ist folgender: Als sich bei zunehmender -Abkühlung der Erde das Wasser in flüssiger Form an der Oberfläche -niederschlug, da bestand dieser Urozean aus chemisch reinem Wasser, -er war also ohne Salzbeimischung. Die Salze kamen auf die Weise in das -Meer, daß die Verwitterung eine Reihe von Stoffen aus den Urgesteinen -(Gneis, Granit) herauslöste und ins Meer führte. Die einen schieden -sich hier aus und bildeten Gesteine, andere aber, vor allem die -Alkalisalze (Salze des Natriums und Kaliums) blieben in Lösung und -verursachen nun den Salzgehalt des Meeres. Die größte Rolle spielt -dabei das Kochsalz (Chlornatrium). Auch heute noch werden von den -Flüssen Natriumsalze in das Meer geführt, die aus der Verwitterung der -Urgesteine stammen und den Salzgehalt des Meeres andauernd langsam -vermehren. Wir kennen den Gehalt des ganzen Ozeans an Natriumsalzen -(der Prozentgehalt des Meeres an Salzen ist bekannt, die Wassermenge -des ganzen Ozeans läßt sich unschwierig berechnen) und die Menge des -von den Flüssen jährlich ins Meer geführten Salzes. Dividieren wir -beides, so erhalten wir die Zahl der Jahre, die nötig waren, um den -Salzgehalt des Meeres bis zur heutigen Höhe anwachsen zu lassen. Die -Berechnung geschieht nach folgender einfacher Gleichung: - - (Natrium im Ozean) - ------------------------------------------ = Alter des Ozeans - (jährl. Menge des Natriums in den Flüssen) - -Durch Einsetzung der für die Mengen der Natriumsalze bekannten Zahlen -erhalten wir: - - (14,13·10^{12}t) - ----------------- = 89222900 Jahre - (158,357·10^{3}t) - -Die Methode scheint sehr einfach und einleuchtend zu sein, sie hat -aber ganz bedenkliche Schwierigkeiten. Vor allem gründet sie sich -auf die Annahme, daß das von den Flüssen in den Ozean geführte -Salz einzig und allein aus der Verwitterung der Urgesteine stamme. -Nun läßt sich nachweisen, daß ein großer Teil dieses Salzes nicht -daher, sondern aus dem Meere stammt und als „zyklisches Salz“ einen -Kreislauf vom Meer zum Land und wieder ins Meer ausführt. Vor allem -reißt der Meerwind kleine Tröpfchen von Seewasser mit sich und trägt -auf diese Weise Salz weit ins Land hinein. Für den Sambharsalzsee -in Indien, der 400 km landeinwärts liegt und eine Fläche von 5700 qkm -einnimmt, wurde berechnet, daß er jährlich durch den Wind 3000 Tonnen -Seesalz zugeführt bekommt. Ein anderer Teil des Salzes der Flüsse -stammt aus Salzlagern in den Sedimenten, die ihrerseits wieder aus -der Eindunstung von Meerwasser hervorgegangen sind. Auch dieses Salz -fließt also zum zweiten- oder öfterenmal dem Meere zu. Alles zyklische -Salz darf natürlich nicht in die Berechnung eingestellt werden. Nach -dem einen Forscher (Joly) soll seine Menge 33%, nach andern 95% oder -gar 99% der von den Flüssen mitgebrachten Salzmenge betragen. Damit -verringert sich die anzurechnende Menge des Natriums im Flußwasser ganz -außerordentlich, und damit steigt nach einer einfachen mathematischen -Überlegung das Alter des Ozeans bis zu ungeheuren Zahlen an. Bei der -Annahme von 99% zyklischem Salz wäre es das 100fache, also gegen 9000 -Millionen Jahre. Wenn die Ergebnisse in einem solch ungeheuer weiten -Spielraum sich bewegen, so wird es ganz aussichtslos, auf diese Weise -zu einigermaßen brauchbaren Zahlen zu gelangen. - -Versuchen wir es deshalb mit den im Meere gebildeten Schicht- -(Sediment-)gesteinen. Wenn wir die gesamte Mächtigkeit aller auf der -Erde je gebildeten Sedimente kennen, dazu die Zeit, die zur Bildung von -1 m nötig ist, so brauchen wir nur zu multiplizieren, und das Ergebnis -liegt vor. Nun sind aber alle Zahlen, um die es sich hier handelt, so -unsicher als nur denkbar. Bei der Berechnung der Gesamtmächtigkeit -der Sedimente müssen wir berücksichtigen, daß an mancher Stelle der -Erde lange geologische Zeiträume vorbeigingen, ohne eine Spur zu -hinterlassen. Wenn wir bei der Berechnung der Schichtenmächtigkeit -bei jeder Formation und jedem Formationsteil die Stelle in Rechnung -setzen, an der sich die größte Mächtigkeit entwickelt hat, so erhalten -wir die sogenannte ~maximale Mächtigkeit~. Diese beträgt nach ~Sollas~ -(1909) für die Neuzeit der Erde 19000 m, für das Mittelalter 21000 m, -für das Altertum 37000 m, für das Präkambrium 25000 m; das ergibt eine -Gesamtmächtigkeit von 102000 m. Andere Forscher bringen wesentlich -andere Zahlen heraus. Wollen wir die Zeit berechnen, in der eine -Schicht von 1 m Sedimentgestein gebildet wird, so müssen wir dabei -festhalten, daß die Stoffe, die von den Flüssen ins Meer hinausgetragen -werden, nicht über die ganze Fläche des Ozeans hin sich ablagern, -sondern nur in der sog. Schelfregion, einem Gürtel, der mit ungefähr -160 km Breite die Kontinente umsäumt. Bei einer Küstenlinie von -160000 km nimmt auf diese Weise die Schelfregion einen Flächenraum von -25,6·10^6 qkm ein. Nimmt man für die 9000·10^6 Tonnen ein spezifisches -Gewicht von 2,5 an, so füllen sie einen Raum von 3600·10^6 cbm aus. -Bauen wir aus dieser Masse eine Säule mit einer Grundfläche von -1 qkm, so erreicht sie eine Höhe von 3,6 km. Breiten wir nun das Ganze -gleichmäßig über die gesamte Schelfregion (25,6·10^6 qkm) aus, so ergibt -sich eine Schicht von 0,140 mm Dicke. Wenn also in einem Jahr eine -Schicht dieser Mächtigkeit gebildet wird, so sind 7000 Jahre nötig, um -eine Schicht von 1 m Mächtigkeit zu bilden. Das ist natürlich nur ein -Durchschnittswert. An einer Stelle geht die Arbeit viel rascher vor -sich, an der andern viel langsamer. - -Würden wir diesen Wert als richtig annehmen, so erhielten wir für -die Bildung von 102000 m Gesteinsmächtigkeit eine Zeit von über 700 -Millionen Jahren. Nun müssen wir dabei aber berücksichtigen, daß die -Sedimente auch in der Schelfregion nicht gleichmäßig ausgebreitet -werden (vgl. Abb. 3), sondern daß sie in größerer Küstennähe wesentlich -stärker aufgehäuft werden als in 100 bis 160 km Entfernung von der -Küste. Wir können für die größere Küstennähe annehmen, daß hier schon -3000 Jahre genügen, um die Schicht von 1 m zu bilden. Wenn zuerst -die „maximalen Schichtmächtigkeiten“ festgestellt wurden, so müssen -wir jetzt den niedrigen Wert für die Bildungszeit von 1 m einsetzen -und erhalten für 100000 m die Zeit von 300 Millionen Jahren. Es soll -bei dieser Art Berechnung aber nicht verschwiegen werden, daß andere -Forscher auf wesentlich andere Zahlen gekommen sind; sie bewegen sich -zwischen 30 und 600 Millionen Jahren, und diese ungeheuren Unterschiede -sind natürlich nicht dazu angetan, das Vertrauen in diese Methode -allzusehr zu stärken. - -Etwas zuverlässigere Resultate ergibt ein anderer Weg: Man versucht, -die ~Gesamtmenge der im ganzen Verlauf der Erdgeschichte gebildeten -Sedimente~ zu berechnen. Auch dies ist natürlich ein schwieriges -Unterfangen, denn das meiste, was die Erde im Laufe der Jahrmillionen -aufbaute, ist schon längst wieder zerstört. Immerhin, es soll gewagt -sein. Auf Grund vorsichtiger Schätzung erhält man für den Kubikinhalt -der gesamten, im Lauf der Erdgeschichte gebildeten Sedimente einen -Raum von 875·10^6 Kubikkilometer (ckm). Unsere 9000·10^6 Tonnen stellen -einen Raum von 3,6 ckm dar, es waren also 875·10^6/3,6 = 245·10^6 Jahre -nötig, um die Gesamtmenge der Sedimente zu bilden. Ein zweiter Versuch: -Man rechnet mit der Gesamtmenge aller je gebildeten Kalksteine und der -Menge Kalk, die durch die Verwitterung der Eruptivgesteine jährlich -frei wird. Nach ähnlichen Methoden, wie sie oben angedeutet wurden, -erhält man für die Bildung der gesamten irdischen Kalkschichten eine -Zeit von 320 Millionen Jahren. - -Bei all den Zahlen, die wir bis jetzt errechnet haben, mußte nach -der Mächtigkeit der erhaltenen Sedimente stark ⅔ auf die Zeit -vom Kambrium bis heute, schwach ⅓ auf das Präkambrium entfallen. -Jedenfalls ist damit aber, wenn wir die Zeitspanne seit dem Kambrium -als zuverlässiger annehmen wollen, das Präkambrium stark unterschätzt. -Nach Überlegungen allgemeiner Art muß seine Dauer ein Mehrfaches der -aller anderen Formationen betragen; es ist aber fast vollständig -zerstört und umgewandelt, und daher kommt seine Bedeutung in den -Mächtigkeitszahlen lange nicht genügend zum Ausdruck. - - [Illustration: Abb. 3. Sedimentbildung in der Schelfregion.] - -Was läßt sich nun über die Zuverlässigkeit all dieser Berechnungen -aussagen? Das Problem kann unmöglich auf einen Anlauf gelöst werden. -Fast alle Zahlen sind nicht genau bestimmbar, sie beruhen nur auf mehr -oder weniger zuverlässigen Schätzungen; deshalb bewegen sich auch die -Ergebnisse zwischen sehr weiten Grenzen. Wohl wohnt den Zahlen ein -verschiedenes Maß von Zuverlässigkeit inne; bei den einen, z. B. den -Abtragungszahlen, wird wohl die richtige Zahl um nicht mehr als 50% -nach oben oder unten von der angenommenen abweichen; andere dagegen -sind wesentlich unsicherer. Und trotzdem, die Ergebnisse sind nicht -wertlos. Haben wir gleich zu Anfang nachgewiesen, daß geologisch recht -junge Ereignisse bereits einige Millionen Jahre zurückliegen müssen, -so zeigen uns die Berechnungen über Abtragung und Aufschüttung, daß es -sich für die Zeit, in der die Gesamtheit der Schichtgesteine gebildet -wurde, jedenfalls schon um mehr als hundert Jahrmillionen handelt. Das -ist ein sehr wesentliches und wertvolles Ergebnis. Wir erkennen zwar -noch nicht die absolute Größe, aber doch die Größenordnung geologischer -Zeiträume; die Zehner und Hunderter von Jahrmillionen haben bereits -hohe Wahrscheinlichkeit gewonnen. - -Ungeheure ~Wasser- und Sanduhren~ sind es, die dem Geologen dieses -Resultat verschafft haben. Ihr Prinzip der Zeitmessung ist genau -das gleiche wie bei der Sanduhr am Telephon oder jenen kunstvollen -Wasseruhren der Araber und Griechen. Wir wissen, was in einem Jahr in -die großen Sammelbecken läuft, vermögen die Massen des Geleisteten zu -messen oder zu schätzen und erhalten daraus durch einfache Rechnung die -Zahl der dazu nötigen Jahre. Die Genauigkeit der Rechnung hängt von der -Zuverlässigkeit der verwendeten Zahlen ab. - -Jedoch steckt in all diesen Rechnungen noch eine Voraussetzung, die -wir bis jetzt unbesehen hingenommen haben, die aber durchaus nicht -selbstverständlich ist, sondern einer sehr genauen Prüfung bedarf. -Wenn wir aus der Gesamtmasse der Sedimente und der Jahresleistung der -abtragenden Kräfte durch Division die Zeit gewonnen haben, so nahmen -wir an, daß im ganzen Verlauf der Zeit die Uhr gleich schnell gegangen -sei, die Flüsse in jedem Jahr so viel ins Meer getragen hätten wie -heute. Das ist jedoch nicht ohne weiteres sicher. Wir können uns -denken, daß in früheren Erdperioden die geologischen Kräfte rascher -und stürmischer gearbeitet hätten als heute, daß die Zerstörung -schneller vor sich gegangen wäre, und die Flüsse mehr ins Meer geführt -hätten. Dann hätten wir mit einer zu kleinen Zahl dividiert, die -durchschnittliche Jahresleistung wäre größer anzunehmen, und es kämen -wesentlich kleinere Zeiträume bei der Rechnung heraus. Ebenso denkbar -ist es aber auch, daß die geologische Sanduhr heutzutage rascher -läuft als in der Vergangenheit; dann hätten wir für diese Zeiten -geringere Jahresleistungen einzusetzen, und die Zeiträume würden sich -erhöhen. Wo liegt hier die Wahrheit? Haben in der Vergangenheit die -geologischen Kräfte stärker, gleichstark oder schwächer gewirkt wie in -der Gegenwart? Noch vor einem halben Jahrhundert nahmen die Geologen -das erste fast als selbstverständlich an; denn unscheinbar und nicht -unmittelbar in die Augen fallend sind die Veränderungen der Erde, die -sich heute vollziehen. Für die geologische Vorzeit war man geneigt, ein -viel rascheres Tempo in der Umbildung der Erdoberfläche anzunehmen; in -der Gegenwart aber sei die Erde aus der Sturm- und Drangzeit heraus in -einen gemütlichen Alterszustand eingetreten, und von den an ihr tätigen -Kräften werde nicht mehr viel an ihrem Antlitz geändert. - -Diese Ansicht ist gegenwärtig von den meisten Forschern verlassen. -Die Erde befindet sich durchaus nicht in einer Periode besonderer -Ruhe; wesentlich stärker können in der Vorzeit die geologischen Kräfte -nicht gewirkt haben, als sie es auch heute noch tun. Ja, eine Anzahl -englischer und amerikanischer Geologen vertritt mit guten Gründen die -Ansicht, daß wir uns in einer Zeit übernormaler geologischer Tätigkeit -befinden. Wir werden später auf die Besprechung dieser wichtigen Frage -zurückkommen müssen. - -Es wäre gewiß zu kühn, die Frage nach der Dauer geologischer Zeiträume -mit den bisherigen Methoden allein lösen zu wollen. Die Verfahren, -die bis jetzt beschrieben wurden, sind doch gar zu summarisch. Wir -wollen deshalb einen andern Weg einschlagen. Anstatt sofort auf -das Ganze zu gehen, wollen wir bescheiden versuchen, zunächst für -Ereignisse der jüngsten, uns zeitlich nächstliegenden geologischen -Vergangenheit, brauchbare Zahlen zu finden und von da aus langsam -weiter zurückzuschreiten. - - - - -III. Von der Eiszeit bis zum Beginn des Kambriums. - - -Unmittelbar vor der geologischen Gegenwart hat ein gewaltiges Ereignis, -dessen Nachwirkungen heute noch nicht ganz verschwunden sind, unsere -Erde betroffen: Eine ungeheure Vereisung ist über weite Teile der -Erdoberfläche weggegangen. Aus den Tälern der Alpen drangen Eisströme -von über 1000 m Mächtigkeit hinaus ins Vorland, wo sie sich zu einem -riesigen Eisgürtel vereinigten, der im Norden bis nahe zur Linie -der heutigen Donau reichte und sie an einigen Punkten (z. B. bei -Sigmaringen) sogar noch überschritt. Unsere höheren Mittelgebirge, -Vogesen, Schwarzwald, Böhmerwald und Riesengebirge trugen Gletscher, -die weit in die Täler hinunterreichten. Das Gewaltigste aber war die -ungeheure nordeuropäische Vereisung (Abb. 4). Von den skandinavischen -Gebirgen schoben sich die Eismassen über die heutige Ostsee hinweg -bis in das Herz Deutschlands. Sie reichten bis an den Harz und in -die Lausitz, ja tief nach Polen und in die Ukraine hinein. Ungeheure -Schuttmassen wurden von den Gletschern mitgebracht, zum Teil am Grund -mitgeschoben (Grundmoränen), zum Teil auf dem Rücken herangetragen, -gelegentlich in einzelnen großen Blöcken (Findlingsblöcke). Fast -dem ganzen norddeutschen Tiefland ist durch die Bedeckung mit -Gletscherschutt der geologische Stempel aufgedrückt. Das Merkwürdigste -aber ist, daß jene Eiszeit nicht einheitlich war, sondern daß viermal -nacheinander die Gletscher vorstießen, um sich in der Zwischenzeit -jeweils vollständig zurückzuziehen und abzuschmelzen. Wohl sind -gewisse Einzelfragen noch nicht gelöst, im allgemeinen aber kann die -nebenstehende schematische Darstellung (Abb. 5) als Ausdruck unserer -jetzigen Kenntnisse vom Verlauf der Eiszeit angesehen werden. Die -Kurve gibt nach den Forschungen ~Pencks~ den Verlauf der Schneegrenze -für die ganze Eiszeit im alpinen Vereisungsgebiet wieder. Jede -Eiszeit wurde durch eine Temperaturerniedrigung verursacht; eine -Senkung der Schneegrenze um mehrere hundert Meter war die Folge. -In der Zwischeneiszeit stieg jedoch die Temperatur sogar über den -Durchschnittsstand der Jetztzeit; die Gletscher zogen sich zurück. -Die Kurve bringt deutlich durch die viermalige Senkung und Hebung der -Schneegrenze das viermalige Kälter- und Wärmerwerden, das Vorrücken -und Abschmelzen der Gletscher zur Darstellung. Die vier Eiszeiten -führen nach Penck die Namen Günz-, Mindel-, Riß- und Würmeiszeit, -nach Flüßchen der oberschwäbisch-bayrischen Hochebene, an denen -ihre Bildungen besonders schön erhalten sind. Von der letzten, uns -zeitlich am nächsten liegenden Eiszeit wissen wir natürlich am meisten, -denn ihre Ablagerungen liegen zu oberst, während die der früheren -Eiszeiten oft tief überschüttet oder gar schon wieder zerstört sind. -So wissen wir auch, daß das Abschmelzen der Gletscher vom Höhepunkt -der Würmeiszeit ab nicht ohne Unterbrechung erfolgte. Der Gletscher -wich bei seinem Abschmelzen nicht gleichmäßig zurück, sondern machte an -manchen Stellen eine längere Ruhepause, ja er konnte sogar wieder eine -Strecke weit vorstoßen. So wurde das Abschmelzen des Würmgletschers -durch den „Bühlvorstoß“ unterbrochen. Die Linie, an der der Eisrand -längere Zeit verweilte, ist durch besondere Endmoränenwälle im Gelände -gekennzeichnet. So liegen die Moränen des Bühlvorstoßes, der für die -Berechnung der Eiszeitdauer von besonderer Wichtigkeit ist, an der -Stelle, wo die Alpentäler sich in das Vorland öffnen. - - [Illustration: Abb. 4. Das nordeuropäische Vereisungsgebiet. - - 2 äußerster Stand der 2. (Mindel-) Vereisung. - 4 äußerster Stand der 4. (Würm-) Vereisung. - 4a baltische Endmoränen. - Fsk-E fennoskandische Endmoränen. - - Nach Olbricht.] - - [Illustration: Abb. 5. Klimakurve der Eiszeit nach Penck. - A Achsenschwankung (Rückzug der Gletscher). B Bühlvorstoß.] - -Die Frage nach der ~Ursache der Vereisung~ beschäftigt den Geologen, -seit er überhaupt von diesem Ereignis weiß. Eine Unmenge von Theorien -hat schon versucht, die Eiszeit mit ihrem mehrmaligen Klimawechsel -zu erklären. Es ist ein Gebiet, das der Phantasie -- und die ist -auch in der Wissenschaft nötig! -- den weitesten Spielraum läßt, -und wo dem Forscher die Möglichkeit winkt, eines der dunkelsten -Geheimnisse der Erdgeschichte aufzuklären. Da gibt es nun Theorien, -die nicht nur die Ursache der Eiszeit erklären wollen, sondern die in -ihrer mathematischen Durchführung auch gleich den zeitlichen Ablauf -der ganzen Erscheinung ergeben. Es sind Theorien, die aus großen -astronomischen Vorgängen das Ereignis verständlich zu machen versuchen. - -Seit dem großen Schwaben Kepler wissen wir, daß die Erde wie alle -Planeten sich in ellipsenförmiger Bahn um die Sonne bewegt; die Sonne -steht in einem Brennpunkt der Ellipse. Die Erdachse bildet mit der -Ebene der Erdbahn einen Winkel von 66½°, und mit parallel bleibender -Lage seiner Umdrehungsachse beschreibt unser Weltkörper seinen -Umlauf um die Sonne, die ihn streng und fest nach den Gesetzen der -Massenanziehung in seiner Bahn erhält. Nun bleibt aber die Gestalt -der Erdbahn nicht ewig dieselbe; sie verändert sich in langen, aber -meßbaren Zeiträumen. Langsam nimmt die Exzentrizität der Bahn zu und -ab, d. h. die Bahnellipse wird periodisch flacher und dann wieder mehr -kreisförmig. Dabei dreht sich die große Achse der Ellipse in der Ebene -der Erdbahn, und schließlich bleibt auch die Lage der Erdachse nicht -dauernd sich selbst parallel, die Erde führt vielmehr in einer Periode -von 26000 Jahren die sogenannte Präzessionsbewegung aus, die darauf -zurückzuführen ist, daß die Anziehungskraft der Sonne den Äquatorwulst -der Erde in die Bahnebene hereinzuziehen versucht, diese aber als -„Kreisel“ mit ihrer Umdrehungsachse ausweicht.[3] - - [3] Es ist natürlich im Rahmen dieses Buches nicht möglich, - eine erschöpfende Darlegung der astronomischen - Verhältnisse zu geben. Wer sich eingehender für diese - Fragen interessiert, sei auf Bölsche „Eiszeit und - Klimawechsel“ hingewiesen. - -Bei den Veränderungen in der Gestalt der Erdbahn setzt nun eine Theorie -ein, die von ~Croll~ begründet wurde. Er führt dabei ungefähr folgenden -Gedankengang durch: Im Maximum der Exzentrizität, das heißt zu der -Zeit, in der die Bahnellipse am stärksten von der Kreisform abweicht, -besteht ein großer Unterschied in der Dauer der Jahreszeiten. Nach -dem zweiten Keplerschen Gesetz muß sich die Erde in der Sonnennähe -rascher bewegen als in der Sonnenferne. Für die Erdhälfte, die in -der Sonnennähe Sommer hat, ist diese Jahreszeit zwar sehr heiß, sie -eilt aber rasch vorbei; das Winterhalbjahr dauert 36 Tage länger -als das Sommerhalbjahr. Dabei ist der Winter in der Sonnenferne -außerordentlich kalt und streng. Gegenwärtig befinden wir uns in einer -Periode schwacher Exzentrizität, die Erdbahn ist beinahe kreisförmig, -und Winter- und Sommerhalbjahr unterscheiden sich daher nur um acht -Tage. Der Wechsel der Exzentrizität vollzieht sich in einer Periode -von mehreren hunderttausend Jahren. Nun lehrt Croll: Ein Maximum der -Exzentrizität hat für die Erde jedesmal eine Eiszeit zur Folge. In dem -langen, kalten Winter, den diese Periode für eine Halbkugel mit sich -bringt, sammelt sich so viel Schnee und Eis an, daß auch der folgende -kurze und heiße Sommer sie nicht zum Verschwinden bringen kann. Im -nächsten Jahr verstärkt sich noch diese Wirkung, die Jahr für Jahr -weiter zunimmt und schließlich zur Vereisung führt. Währenddessen -hat zwar die andere Erdhälfte recht günstige Verhältnisse: kurze, -warme Winter und lange, kühle Sommer. Aber in der zweiten Hälfte -der Präzessionsperiode, nach 10500 Jahren,[4] beginnt für sie die -ungünstige Wärmeverteilung, während die erste Halbkugel sich auch -in der für sie günstigen Zeit nicht von der angefangenen Vereisung -erholen kann. Erst wenn die Erdbahn wieder mehr kreisförmig wird, -geht die Vereisung zurück und verschwindet schließlich ganz. Ein -Maximum der Exzentrizität mit seinen großen Gegensätzen in der Dauer -der Jahreszeiten hat also eine Eiszeit zur Folge, das Minimum mit der -gleichmäßigen Verteilung der Wärme eine Zwischeneiszeit. Die Periode, -in der der Wechsel vor sich geht, läßt sich berechnen; die vorletzte -Eiszeit müßte nach Croll in den Jahren 980000-720000, die letzte in den -Jahren 240000 bis 80000 vor unserer Zeitrechnung gewesen sein. - - [4] Infolge der Verschiebung des Punkts der Sonnennähe - verkürzt sich die Periode der klimatischen Einwirkung von - 26000 auf 21000 Jahre. - -Das sind die Grundgedanken der Crollschen Theorie; sie ist geistreich -und scharfsinnig, aber leider nicht zu halten. Wenn sie richtig wäre, -so müßten ja in der ganzen Erdgeschichte regelmäßig Eiszeiten und -Zwischeneiszeiten einander ablösen. Nun hat es wohl schon in früheren -Perioden der Erdgeschichte Eiszeiten gegeben; die letzte große Eiszeit -aber setzt nach einer langen Periode mit warmem, ja heißem Klima -beinahe unvermittelt mit ihrer Kälte ein. Kein Geologe wird außerdem -die Jahreszahlen, die Croll errechnet, für richtig halten können; -das werden uns spätere Ausführungen zur Genüge beweisen. Es kann mit -aller Bestimmtheit gesagt werden, daß das Ende der letzten Eiszeit -nicht 80000 Jahre, sondern nur wenig mehr als 10000 Jahre hinter der -Gegenwart zurückliegt. Die klimatischen Grundlagen der Theorie sind -sogar so unsicher, daß neuerdings ein Forscher (~Hildebrand~) beweisen -wollte, daß die Eiszeit in das Minimum der Exzentrizität fallen -müsse! Schließlich hat Croll noch eine Reihe von meteorologischen -Faktoren unberücksichtigt gelassen, die von ~Pilgrim~ in einer -genauen mathematischen Nachprüfung der Theorie sorgfältig in die -Rechnung eingestellt wurden. Aber auch sie vermochte die schweren -Bedenken gegen die ganze Theorie nicht zu beheben; unser Urteil kann -nur das eine sein, daß für die Gewinnung genauer Alterszahlen die -astronomischen Theorien z. B. ausscheiden müssen. Wenn wir trotzdem -die Crollsche Theorie in den Kreis unserer Betrachtungen gezogen haben, -so hat das seinen Grund darin, daß sie ein wunderschönes Beispiel für -eine Zeitmessung nach dem Prinzip der Pendeluhr darstellt. Wie das -Pendel unter der Einwirkung der Schwerkraft rhythmisch hin und her -schwingt, so verändert sich unter dem Einfluß derselben zwischen den -Weltkörpern wirkenden Anziehungskraft die Bahn unserer Erde. Es ist ein -geheimnisvoll großartiges Bild, wie die Bahnellipse unseres Gestirns -nicht fest und starr im Weltraum liegt, sondern wie sie pulsiert, -sich abflacht und wieder rundet, wie die Erdachse nicht ständig auf -denselben Punkt des Fixsternhimmels weist, sondern langsam und gemessen -als Kreiselachse ausweicht und in der Periode von 26000 Jahren ihre -Präzessionsbewegung ausführt. Es ist tatsächlich der Pendelschlag -der Weltuhr, der sich hier vor unserem Geistesauge vollzieht: -Rhythmische Bewegung unter dem Zwange der Schwerkraft. Aber leider -ist unsere Weltuhr recht unvollkommen. Die irdische Pendeluhr besitzt -außer dem schwingenden Zeitmesser ein Zählwerk, das mit kunstvoll -ineinandergefügten Rädern die Zahl der Schwingungen auf dem Zifferblatt -sichtbar in die Erscheinung treten läßt. Unsere Weltpendeluhr schlägt -wohl, aber ob und wie sie zählt, das ist uns noch ein Rätsel. Wohl -konnte der Mensch vermuten, in den rhythmisch sich folgenden Eiszeiten -ihre Schläge zu erkennen. Genauere Überlegung und Nachprüfung läßt -uns jedoch diese Annahme wieder verwerfen. Vielleicht ist auch der -Einfluß jener astronomischen Vorgänge viel zu geringfügig, um sich -deutlich sichtbar in Erscheinungen der Erdoberfläche auszuwirken. -Wir gehen daher von den weltumfassenden Theorien über die Eiszeit -zur geologischen Einzelforschung über, die aus der peinlich genauen -Untersuchung der Erdrinde ihre Schlüsse über die Dauer geologischer -Zeiträume zu ziehen versucht. - - [Illustration: Abb. 6. Das Abschmelzen des Eises in Skandinavien. - Das Stirnende des Gletschers ragt noch in das „Noldiameer“. - Nach de Geer aus Kayser, Lehrbuch der Geologie.] - -Während der letzten Eiszeit lag die skandinavische Halbinsel ganz unter -einem riesigen Eisschild verborgen, der vom Kamm des Gebirges aus bis -weit nach England, Deutschland und Rußland hinein sich ausgebreitet -hatte und der mit dem Wärmerwerden des Klimas langsam wieder -abschmolz, sich auf seinen Ausgangspunkt, die Eisscheide, zurückzog und -schließlich ganz verschwand. Einem schwedischen Geologen, ~de Geer~, -fiel schon 1878 auf, daß fast das ganze Gebiet der früheren Vereisung -zu oberst von einem Ton bedeckt ist, der ganz regelmäßig gebänderte -Schichtung aufweist. Die Frage war: Wie sind diese Bändertone -entstanden, und wie erklärt sich ihre Schichtung? Die Schichten -der Tone sind vollständig ungestört, der Gletscher konnte also -nicht mehr über sie hinweggegangen sein. Mannigfache Untersuchungen -machten es allmählich zur Gewißheit, daß sie im Zusammenhang mit dem -abschmelzenden Eis in einem Meer zum Niederschlag gekommen waren. - -Als die Eisdecke abschmolz, lag das Land noch unter dem Meeresspiegel, -das Stirnende des Gletschers ragte ins Meer hinein (Abb. 6); auf der -Oberfläche des Eises sank das Schmelzwasser in Spalten und Rissen -in die Tiefe, bahnte sich unterhalb des Gletschers seinen Weg zum -Eisrand und führte dabei die leichter ausschwemmbaren Bestandteile der -Grundmoräne, Ton und Sand, mit sich. Wo nun dieser Schmelzwasserstrom -unter dem Eis hervor ins Meer mündete, da riß er den Sand noch eine -kurze Strecke mit sich, um ihn dann liegen zu lassen; die feineren -Tonbestandteile wurden erst weiter draußen abgelagert. Im Winter -bildeten sich im allgemeinen infolge der geringeren Menge des -Schmelzwassers feinkörnige, hauptsächlich tonige Niederschläge, die -durch organische Beimengungen dunklere Färbung annahmen, im Frühjahr -und Sommer, wo die stärksten Wassermengen arbeiteten, waren die -Niederschläge sandiger und von heller Farbe. Im nächsten Jahr kam -im Wechsel der Jahreszeiten eine weitere Schicht Ton und Sand zur -Ablagerung, die aber infolge des Zurückweichens des Gletschers nach -Norden so viel weiter nördlich anfing, als der Gletscher im Lauf des -Jahres zurückgewichen war und ebensoviel weiter nördlich auch wieder -aufhörte (vgl. Abb. 7). - -Jahr für Jahr bildete sich also eine neue Schicht; alle Schichten, -abwechselnd aus dunklen und helleren Lagen von Ton und Sand bestehend, -mußten sich dachziegelförmig übereinander lagern, jede folgende weiter -im Norden beginnend. Die wunderbar deutlich ausgeprägten Schichten der -Bändertone hängen also mit der Periode des Jahres zusammen, sie stellen -nichts anderes als ~Jahresringe~ dar. - - [Illustration: Abb. 7. Bildung der Bändertone.] - -Nun handelte es sich aber noch darum, die Zahl all dieser -Jahresschichten, die über ganz Schweden weg sich ausbreiteten, zu -bestimmen; damit mußte man die Frage beantworten können, wie lange -der Gletscher zu ihrer Bildung gebraucht hatte, von der Zeit an, da -er noch an der Spitze Schonens stand bis zu dem Augenblick, da sein -letzter Rest auf der Eisscheide vollends abschmolz. Es winkte also -die Möglichkeit, durch die Zählung der Schichten die Zahl der Jahre -zu bestimmen, die der Gletscher zum Zurückweichen von Schonen bis -zur Eisscheide nötig gehabt hatte. Das war keine leichte Aufgabe, -denn es handelte sich ja um Schichten, die nirgends zusammenhängend, -sondern immer nur an einzelnen Punkten aufgeschlossen waren. Man hätte -daran denken können, von Süden nach Norden einen großen Einschnitt -herzustellen, und damit nach Art des Bildes 6 einen zusammenhängenden -Aufschluß in den Bändertonen zu schaffen, längs dessen man die Zahl -der Schichten in der schönen dachziegelartigen Überlagerung leicht -hätte feststellen können. Daß dies ein ungeheuer kostspieliges -Riesenwerk hätte sein müssen, leuchtet ohne weiteres ein. De Geer -fand einen einfacheren Weg. In zahlreichen einzelnen Aufschlüssen, -in Tongruben, Ziegeleien, Eisenbahneinschnitten wurde von ihm und -seinen Schülern, die er sich zur Mitarbeit heranzog, in den Jahren -1905 und 1906 die Mächtigkeit der einzelnen Schichten genau mit dem -Meßband gemessen. Es zeigte sich bald in benachbarten Aufschlüssen, -daß die Mächtigkeitsverhältnisse aufeinanderfolgender Schichten in -allen Profilen sich gleich blieben. Das ist auch leicht verständlich -und erklärbar, denn das eine Jahr brachte mehr Wasser und damit auch -mehr Sand und Ton mit als das andere. Die Abb. 8 und 9 sollen das -Verfahren de Geers erklären. In den Punkten A, B und C der Karte wurde -die Dicke der einzelnen Tonschichten gemessen, die Mächtigkeiten wurden -in einzelnen übereinander angeordneten wagrechten Linien graphisch -dargestellt und die Endpunkte miteinander verbunden, so daß sich für -die drei Punkte die Bilder Nr. 9 ergaben. - - [Illustration: Abb. 8. Zurückweichen des Eises in der Gegend - von Stockholm. Nach de Geer.] - -Es zeigte sich, daß die Schichten 1-19 des Punktes B in ihren -Mächtigkeitsverhältnissen genau den Schichten 4-22 des Punktes A -entsprachen; diese Schichten waren also in gleichen Jahren gebildet -worden und mußten einander gleichgestellt werden. Im Profil B fehlten -die drei untersten Schichten des Profils A, das Eis hatte somit zum -Zurückweichen von A nach B den Zeitraum von drei Jahren gebraucht. -Ebenso entsprachen die Schichten 1-18 des Profils C deutlich den -Schichten 7-24 des Profils B, es fehlten also im Profil C die sechs -untersten Schichten von B; das Eis hatte somit sechs Jahre zum Rückzug -von B nach C gebraucht. Durch Aufnahmen einer größeren Anzahl von -Schichtprofilen konnte auf diese Weise genau das Zurückweichen des -Gletschers bestimmt werden, und so entstand das Kärtchen aus der Gegend -von Stockholm (Abb. 8), das die aufeinander folgenden Eisrandlagen für -einen Zeitraum von etwa 25 Jahren in Kurven darstellt. Dabei ergab -sich noch ein weiteres interessantes Ergebnis: Es fanden mit dieser -Aufnahme die zahlreichen kleinen, in Abständen von 100-200 m parallel -hintereinander angeordneten Moränenrücken ihre Erklärung; sie zeigen -gleichfalls das jährliche Zurückweichen des Gletschers an und sind als -sogenannte „~Wintermoränen~“ in der kalten Jahreszeit gebildet worden, -während der Eisrand einige Monate an Ort und Stelle blieb. - - [Illustration: Abb. 9. Mächtigkeiten der Bändertonschichten - an den Punkten A, B und C der Karte Abb. 8. Nach de Geer.] - -Auf diese Weise war es möglich, die Schichten zu zählen, ohne große -und kostspielige Einschnitte schaffen zu müssen. De Geer untersuchte -die Bändertone längs mehrerer Linien von Schonen bis zur Eisscheide. -Es ist ja nicht nötig, die ganze Zählung einer einzigen Linie entlang -vorzunehmen, doch muß jedesmal eine neue Linie wieder in gleicher -Höhe beginnen; das Bild 10 gibt die von ihm untersuchten Linien an. -Seine Ergebnisse bei der Zählung der Schichten und der Eintragung -der Ergebnisse in die Karte waren folgende: im Süden Schwedens, -in Schonen, wich der Gletscher im Jahr um 50 m zurück, etwas weiter -nördlich um 100 m, in der Gegend des Wener- und Wettersees erfolgte -eine Pause im Zurückweichen. In dieser Stillstandszeit, die jedoch -nur wenige Jahrhunderte dauerte, häufte der Gletscher den Gürtel der -fennoskandischen Endmoränen auf, der von Kristiania an quer durch -Mittelschweden hindurch zu verfolgen ist und jenseits der Ostsee in -Finnland seine Fortsetzung findet. Die Zeit des Rückzugs von Schonen -bis zu diesen Moränen, die ~gotiglaziale Epoche~, umfaßte einen -Zeitraum von 3000 Jahren. In der folgenden ~finniglazialen Epoche~ -ging der Rückzug wesentlich schneller vor sich; im Jahr betrug er -100 bis 300 m, denn der verhältnismäßig geringe Eisrest, der noch -übrig geblieben war, schmolz vollends rasch zusammen. So brauchte der -Gletscher zu seinem Rückzug von den fennoskandischen Endmoränen bis -zur Eisscheide, also bis zu seinem völligen Verschwinden, nur noch -2000 Jahre. Für den ganzen Rückzug von Schonen bis zur Eisscheide war -demnach ein Zeitraum von 5000 Jahren nötig. - - [Illustration: Abb. 10. Zurückweichen des Eises in Skandinavien. - Längs der punktierten Linien erfolgte die Zählung der - Bändertonschichten durch de Geer.] - -Diese Bestimmung der Zeitdauer eines genau umschriebenen geologischen -Vorgangs bedeutet einen außerordentlichen Fortschritt. Hier haben wir -es nicht mit einer von unsicheren und zweifelhaften Voraussetzungen -ausgehenden Berechnung zu tun, sondern es handelt sich um ein einfaches -Abzählen der Spuren, die der Wechsel der Jahreszeiten sichtbar -hinterlassen hat. So besitzt das Ergebnis de Geers die höchst mögliche -Zuverlässigkeit und Sicherheit, die wir von einer geologischen -Zeitmessung erwarten können; die Schönheit und Eleganz dieser Methode -steht in ihrer Art einzig da. Nachprüfungen ihrer Ergebnisse in -Finnland, wo dieselben geologischen Verhältnisse sind, haben zu einer -vollkommenen Bestätigung geführt. - -Eine Reihe von Wünschen bleibt aber doch noch unerfüllt. Zunächst -müssen wir feststellen, daß es nur ein verhältnismäßig kleiner -Zeitraum ist, den die Zeitmessung de Geers umfaßt. Daran können wir -aber leider nichts ändern. Zu bedauern ist aber auch, daß sie nicht -unmittelbar an die Jetztzeit anschließt. Wir wissen wohl, daß das -Eis zu seinem Abschmelzen von Südschweden bis zur Eisscheide 5000 -Jahre gebraucht hat, wir wissen aber nicht, wieviel Jahre seitdem -wieder verstrichen sind. De Geer hat zwar versucht, auch diese Zeit -zu bestimmen; er benützte dazu eine ganz ähnliche Methode wie früher -für das Zurückweichen des Eises. In dem See ~Ragunda~, der nicht weit -von der Eisscheide entfernt liegt und 1796 trocken gelegt wurde, fand -er in dem alten Seeboden eine ganz ähnliche Schichtung, wie sie von -den Eismeertonen beschrieben wurde. Es gelang ihm, auch hier die Zahl -der Schichten zu zählen; er fand annähernd 7000 Schichten, die einen -Zeitraum von 7000 Jahren vom vollständigen Verschwinden des Eises bis -zum Jahr 1796 anzeigen würden. - -Seit dem Zeitpunkt, da das Eis an der Südspitze von Schonen stand, -wären also bis heute rund 12000 Jahre verflossen. Während nun aber die -Zahl von 5000 Jahren für die Zeit des Eisrückzugs als eine endgültig -und sicher bestimmte Größe gelten kann, sieht auch de Geer die zweite -Zahl nicht als ebenso sicher an. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit -kann gesagt werden, daß die Zeit seit dem Verschwinden der Gletscher -etwas größer sein muß; im Ostseegebiet hat sich seither eine ganze -Reihe von geologischen Ereignissen abgespielt, für die ein zeitlicher -Rahmen von 7000 Jahren nicht ausreicht. Aus dem kalten Eismeer, in -das die Gletscher ihre Stirn getaucht haben, wurde zuerst durch Hebung -des Landes ein Binnensee, der ~Ancylussee~ (Abb. 11). Nach dieser Zeit -senkte sich das Land wieder und gestattete dem Meer von der Nordsee her -erneut den Zutritt; der Geologe nennt diese Periode die ~Litorinazeit~. -In interessanter Weise hat ein deutscher Forscher, ~Keilhack~, aus -den Dünenbildungen an der Swinepforte bei Swinemünde die seit der -Litorinasenkung verflossene Zeit berechnet. Er fand dort eine Zahl -von etwa 200 kurzen Dünen hintereinander angeordnet, die erst nach -der Mitte der Litorinazeit entstanden sein können. Durch Vergleich -alter schwedischer Karten aus dem 17. Jahrhundert mit dem heutigen -Zustand stellte er fest, daß seit dem Jahr 1700 sechs Dünenketten -hinzugewachsen seien, daß also ein solcher Dünenzug 35 Jahre zu seiner -Entstehung braucht. Seit der Litorinasenkung wären also 7000 Jahre -verstrichen. Für die vorausgehende Ancyluszeit müssen dann mindestens -4000 Jahre angesetzt werden, und wir bekämen so für die Zeit seit -dem Abschmelzen der Gletscher 7000 + 4000 = 11 000 Jahre. Eine solche -Zahl wird gegenwärtig von der Mehrzahl der Forscher (z. B. ~Werth~, -~Olbricht~, ~Keilhack~) für wahrscheinlicher gehalten als die 7000 -Jahre de Geers. Vor 16 000 Jahren wäre demnach das Eis an der Südspitze -Schonens gestanden. - - [Illustration: Abb. 11. Beginn der Ancyluszeit. - Das Eis kurz vor dem endgültigen Abschmelzen. - Nach de Geer aus Kayser.] - -Nachdem wir so den unmittelbaren Anschluß an die Gegenwart gefunden -haben, soll es vom Zeitpunkt, da das Eis in Schonen stand, einen -Schritt weiter in die geologische Vergangenheit zurückgehen. -Die nächste Frage muß nun sein: wie lange brauchte das Eis zum -Zurückweichen von dem großen ~baltischen Endmoränenrücken~ bis -Südschweden? Dieser riesige Endmoränenzug (vgl. Abb. 5) bedeutet -sicher einen größeren Einschnitt in der Geschichte der letzten Eiszeit; -die meisten Forscher nehmen an, daß er dem ~Bühlvorstoß~ der alpinen -Gletscher zeitlich gleichzusetzen sei. - -Es scheint, daß das Eis beim Abschmelzen vom Höhepunkt der Würmeiszeit -seine Rückwärtsbewegung durch einen erheblichen Vorstoß wieder -unterbrochen hat. Dieser Vorstoß prägt sich, da der Eisrand dann -längere Zeit in seiner Lage verweilte, in ganz besonders starken -Moränenzügen aus. Nun dürfen wir, um das Zurückweichen der Gletscher -vom baltischen Höhenrücken bis Südschweden zu berechnen, nicht einfach -die Rückzugsgeschwindigkeit einsetzen, die von de Geer in Südschweden -nachgewiesen wurde (50 m in einem Jahr). Das Eis schmolz zu einem -früheren Zeitpunkt, als der ganze Eisschild noch viel größer war, ohne -Zweifel viel langsamer ab als später; dies zeigte sich ja auch mit -vollkommener Deutlichkeit für den Rückzug des Eises in Schweden. Für -seinen Rückzug vom baltischen Höhenrücken bis Schonen können daher -etwa 4000 Jahre angesetzt werden; es wären also 20000 Jahre verflossen, -seitdem das Eis in Schleswig, Mecklenburg, Pommern und Masuren stand. -Das Mindestmaß für diese Zeit mag, wenn wir statt der 11000 Jahre seit -dem vollständigen Verschwinden der Gletscher nur die 7000 Jahre de -Geers einsetzen und für das Zurückweichen vom baltischen Höhenrücken -bis Schonen nur 3000 Jahre annehmen, im ganzen 7000 + 5000 + 3000 = -15000 Jahre betragen; das Höchstmaß beträgt etwa 25000 Jahre. -- Diese -Abweichungen vom Mittelwert sind noch erträglich. Je weiter es aber -in die Vergangenheit zurückgeht, um so mehr weichen die Ansichten der -Forscher voneinander ab. Während der eine zum Höhepunkt der letzten -Eiszeit (der Würmeiszeit) nur noch 2000-4000 Jahre zurückrechnet, kommt -der andere bereits auf weitere 10000-20000 Jahre. Die geologischen -Vorgänge sind eben noch keineswegs bis in alle Einzelheiten geklärt. -Ehe wir weiter zurückschreiten, seien auch die Verhältnisse in anderen -Vereisungsgebieten näher ins Auge gefaßt. - - [Illustration: Abb. 12.] - -Auch im Gebiet der ~Alpen~ wurde eine Reihe von Versuchen unternommen, -Zahlen für die seit der letzten Vergletscherung verflossene Zeit zu -gewinnen. Am bekanntesten ist die Rechnung des Schweizer Geologen -~Heim~ geworden, der von Untersuchungen am ~Vierwaldstätter See~ -ausging. Im Gebiet dieses Sees sind fünf hintereinanderliegende -Moränenzüge zu beobachten, die alle dem Bühlstadium zugerechnet -werden; der äußerste liegt unterhalb des Sees, die vier andern sind -durch Lotungen auf dem Seeboden deutlich nachweisbar (Abb. 12). Der -innerste und östlichste Moränenrücken schließt das Gebiet des Urner -Sees ab, in dem zwei Flüsse ihre Schlamm- und Geröllmassen ablagern: -die größere Reuß, die bei Flüelen mündet und die kleinere Muota, die -aus dem Kanton Schwyz kommt. Als der Gletscher noch durch das heutige -Seebecken strömte, muß er es vollkommen ausgeräumt haben. Seit seinem -Rückzug haben aber Reuß und Muota begonnen, jedes ein Delta in den -See hineinzubauen und ihn so allmählich auszufüllen. Unter bestimmten -Voraussetzungen läßt sich der Kubikinhalt der Deltabildungen berechnen. -Da auch die jährlich durch die beiden Flüsse in den See geführte -Schlamm- und Geröllmasse einigermaßen bekannt ist, so folgt daraus -die Zeit, die zur Bildung der Aufschüttungen nötig war. Heim geht sehr -vorsichtig in seiner Berechnung vor und erhält 10000-50000 Jahre; am -wahrscheinlichsten erscheint ihm die Zahl von 16000 Jahren. So viel -Jahre wären also verflossen, seit sich der große Reußgletscher nach dem -Bühlvorstoß zurückzog und das Gebiet des Vierwaldstätter Sees freigab. - - [Illustration: Abb. 13. Thuner und Brienzer See.] - -Eine ganz ähnliche Berechnung führte ~Steck~ am ~Thuner~ und ~Brienzer -See~ aus; der letztere wurde zur selben Zeit wie der Vierwaldstätter -See vom Gletscher verlassen. In den Brienzer See ergießt sich die Aare, -in den Thuner See die Kander, die seitlich einmündende Lütschine hat -bei Interlaken in den früher einheitlichen See ein Delta hineingebaut, -das ihn beim Größerwerden schließlich in zwei einzelne Seebecken -trennte (Abb. 13). Steck erhielt für die Zeit, welche die Lütschine zur -Aufschüttung ihres Deltas nötig hatte, 20000 Jahre, für die Bildung des -Aaredeltas im Brienzer See 15000 Jahre. - -Von anderen Voraussetzungen ging ~Nüesch~ aus, der die Ablagerungen -einer Höhle, des ~Schweizersbildes~, untersuchte. Die Höhle wurde -erst nach dem Bühlstadium vom Gletscher freigegeben und war von da an -eine Behausung des Steinzeitmenschen. In den Schichten, die sich im -Lauf der Jahrtausende auf dem Boden der Höhle gebildet hatten, konnte -Nüesch durch Funde von Werkzeugen eine Kulturentwicklung der Bewohner -von der älteren Steinzeit bis zur Metallzeit nachweisen. Durch den -Vergleich der Mächtigkeit der alten Kulturschichten mit der obersten -Metallzeitschicht, für deren Bildungszeit 4000 Jahre angenommen werden -können, fand er für die ältesten Schichten ein Alter von 24000 Jahren. - -Vergleicht man alle drei Altersberechnungen aus dem Gebiet der -alpinen Vergletscherung, so zeigt sich eine nicht unbefriedigende -Übereinstimmung: Die Zeit, als sich die Gletscher nach dem Bühlvorstoß -in die Alpentäler zurückgezogen, liegt rund 20000 Jahre zurück. Dieses -Ergebnis stimmt auch nicht schlecht mit dem Alter zusammen, das für -die baltischen Endmoränen berechnet wurde; sie sind ja vermutlich dem -Bühlvorstoß gleichzusetzen. - -Wir wenden uns jetzt noch ~Nordamerika~, dem dritten großen -Vereisungsgebiet, zu, das, ähnlich wie Nordeuropa, unter einer -ungeheuren Decke von Inlandeis begraben war. Beim Rückzug des Eises, -der zur selben Zeit erfolgt sein muß wie in Europa, wurde allmählich -das Gebiet der heutigen großen Seen (Abb. 14) eisfrei; ihr Wasser mußte -dem Meere zu abfließen. Zwischen dem Erie- und dem tiefer gelegenen -Ontariosee bildete sich ein Fluß, der über die dazwischenliegende -Geländestufe hinabstürzte. Das war der Anfang der ~Niagarafälle~. Durch -die ausstrudelnde Wirkung des stürzenden Wassers wurden am Grund des -Falls die weicheren Schichten herausgewaschen, so daß die härteren -nachstürzen mußten (Abb. 15). Auf diese Weise schnitt sich der Fall -immer weiter rückwärts in die Gesteinstafel ein, und auch heute noch -weicht er immer mehr in der Richtung gegen den Eriesee zurück. Er hat -im Laufe der Zeit eine 11,3 km lange Schlucht eingenagt, die in ihren -verschiedenen Teilen die Geschichte ihrer Entstehung noch deutlich -erkennen läßt (Abb. 16). Der Fall war anfangs nur 11 m hoch. Da der -Fluß damals nur den Eriesee entwässerte (die drei andern Seen hatten -noch ihren besonderen Abfluß zum Meer), so betrug seine Wassermenge -nur 15% der heutigen. Die Schlucht war eng, das Zurückweichen erfolgte -langsam und betrug nur etwa 12 cm im Jahr. Nach wechselnden geologischen -Ereignissen kam schließlich das Wasser aller fünf Seen durch den -Niagara zum Abfluß, der gegenwärtig in zwei Fällen, dem schwächeren -amerikanischen und dem Hufeisenfall, 50 ~m~ tief in die Schlucht -stürzt, ein urgewaltiges Naturschauspiel bietend. In dem jüngsten -Teil der Schlucht wurde das jährliche Zurückweichen des Falls zu 1,37 m -berechnet. Eine Reihe von Geologen (~Spencer~, ~Taylor~, ~Gilbert~) hat -auf Grund aller Einzelheiten im Ablauf der geologischen Ereignisse die -Zeit zu berechnen versucht, die der Niagara zur Eintiefung der ganzen -Schlucht benötigte; sie erhalten Zahlen, die sich zwischen 20000 und -40000 Jahren, im Mittel um 30000 Jahre bewegen. So lange schon muß -demnach die Gegend des Erie- und Ontariosees vom Eise verlassen sein. - - [Illustration: Abb. 14.] - - [Illustration: Abb. 15. Ausstrudelnde Wirkung - des Wassers der Niagarafälle.] - - [Illustration: Abb. 16. Schlucht des Niagaraflusses.] - -Die Zahlen stimmen ungefähr mit dem Ergebnis der Berechnungen überein, -die wir für die Zeit seit dem Abschmelzen der Gletscher im europäischen -Vereisungsgebiet ausgeführt haben; allerdings scheint sich ein etwas -höherer Wert zu ergeben, als wir ihn für das Alter der baltischen -Endmoränen und des Bühlvorstoßes gewonnen haben; dies erklärt sich -vielleicht so, daß die Gegend des Erie- und Ontariosees schon vor der -Bühlzeit vom Gletscher verlassen wurde. - -Durch all diese Berechnungen, die sich bis jetzt nur auf die Spät- -und Nacheiszeit bezogen haben, werden wir aber ganz von selber -weitergeführt zur nächsten Frage: Wie erhalten wir Alterszahlen für -die ~ganze Eiszeit~? Je weiter wir zurückgehen, um so schwieriger wird -unsere Aufgabe, und es ist leicht verständlich, daß es so sein muß: Das -uns zeitlich Nächstliegende übersehen wir mit all seinen Einzelheiten -am besten und klarsten. Je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, -um so lückenhafter werden unsere Kenntnisse, um so stärker sind die -Ablagerungen umgewandelt oder gar teilweise schon wieder abgetragen. -~Penck~, der Erforscher der „Alpen im Eiszeitalter“, geht bei der -Berechnung folgendermaßen vor: Er weist darauf hin, daß die Flüsse -in der Nacheiszeit und in den verschiedenen Zwischeneiszeiten eine -riesige Arbeit geleistet haben. Sie haben die Moränen zum großen -Teil aufgearbeitet und mächtige Schottermassen aufgeschüttet, die als -Deckenschotter und Terrassenschotter dem Geologen bekannt sind. In den -verschiedenen Zwischeneiszeiten und der Nacheiszeit konnte auch die -Verwitterung auf die verschiedenen Eiszeitablagerungen einwirken und -sie der Länge der Zeit entsprechend mehr oder weniger tief angreifen. -Nach dem Maß der von den Flüssen in der Spät- und Nacheiszeit -geleisteten Aufschüttungsarbeit und der Stärke der Verwitterung -versucht nun Penck, Verhältniszahlen für die Dauer der verschiedenen -Zeiten zu gewinnen. Er kommt zu folgendem Ergebnis: Nimmt man die Zeit -seit dem Bühlvorstoß, die wir kurz als Nacheiszeit im weiteren Sinn -bezeichnen wollen, als Einheit, so war die Riß-Würm-Zwischeneiszeit -etwa dreimal so lang, die Mindel-Riß-Zwischeneiszeit etwa zwölfmal so -lang, die Günz-Mindel-Zwischeneiszeit wieder etwa dreimal so lang wie -die Nacheiszeit. Die Zeitdauer aller Zwischeneiszeiten beträgt somit -das 18fache der Nacheiszeit. Gewiß hat sich auch jedesmal das Eis bei -seinem Vorstoß einige Zeit auf dem höchsten Stand gehalten. Setzt man -für diese eigentlichen Eiszeiten ungefähr das Sechs- bis Achtfache der -Nacheiszeit an, so kommt man für die ganze Eiszeit auf das 25fache -dieser Zeit. Nun haben wir für die Zeit seit dem Bühlvorstoß die -Zahl von 20000 Jahren errechnet; wir kommen damit für die Dauer der -ganzen Eiszeit auf rund 500000 Jahre.[5] Diese Zahl wird zurzeit von -den meisten Forschern für ungefähr richtig gehalten, ob sie nun die -nordeuropäischen (~Werth~, ~Olbricht~), die alpinen (~Penck~), oder die -nordamerikanischen Eiszeiterscheinungen (~Grabau~) untersuchen. Penck, -dem wir bisher in der Hauptsache gefolgt sind, ist allerdings eher -geneigt, die Zahl noch etwas höher anzunehmen und sie auf ½-1 Million -Jahre zu schätzen. - - [5] Vergleiche hierzu nochmals die Abb. 4, die auf Grund - dieser Annahmen gezeichnet ist. Sie versucht, den - ganzen Ablauf der Eiszeit in richtigen Zeitverhältnissen - darzustellen. - -Leider haben die Alterszahlen für die ganze Eiszeit nicht mehr -denselben Grad von Zuverlässigkeit wie die für die Nacheiszeit -berechneten. Wenn wir für die Zeit seit der Aufschüttung der -baltischen Endmoränen mit gutem Gewissen sagen können, daß sie von den -angenommenen 20000 Jahren nicht mehr als um ein Viertel nach oben oder -unten abweichen wird, so schwanken unsere Vorstellungen über die Länge -der ganzen Eiszeit schon zwischen viel weiteren Grenzen. Mit recht -großer Sicherheit können wir jedoch sagen, daß sie zwischen die Grenzen -von 200000 und 1000000 Jahren einzuschließen ist. Das Verfahren, -das wir bei diesem Übergang auf die ganze Eiszeit angewandt haben, -bezeichnet der Mathematiker als ~Extrapolation~. Er versteht darunter -den Versuch, von dem bekannten Verlauf einer Kurve zwischen zwei -gegebenen Punkten auf ihren Verlauf außerhalb dieses bekannten Teils -zu schließen. In derselben Lage ist der Geologe: Von der recht gut -bekannten Nacheiszeit ausgehend, schließt er auf den außerhalb dieser -Zeit liegenden Verlauf der Eiszeitkurve. - -Jede neue Erkenntnis hilft weiter, sie wirft auch Licht auf andere -Probleme. Wir wissen jetzt ungefähr, wie lange die Eiszeit gedauert -hat, und damit vermögen wir an eine Frage heranzugehen, die den -Menschen beschäftigt, seit er Erdgeschichte treibt, und die ihm bis zu -ihrer vollständigen Lösung keine Ruhe lassen wird. Es ist die Frage: -~Wie alt ist der Mensch?~ Vor wieviel Jahren hat es zum erstenmal Wesen -auf der Erde gegeben, die wir menschlich nennen müssen? Kein Wunder, -daß den Menschen diese Frage besonders interessiert, ist er doch an -ihr nicht nur rein wissenschaftlich, sondern sozusagen persönlich -beteiligt. Leider sind wir aber zurzeit noch weit davon entfernt, -die Antwort mit der wünschenswerten Bestimmtheit geben zu können. -Um das absolute Alter des Menschengeschlechts zu berechnen, müßten -wir zuerst sein relatives geologisches Alter einwandfrei kennen. Wir -wissen jedoch nicht einmal, ob der Mensch schon im Tertiär gelebt hat -oder ob er erst mit der Eiszeit auftrat. Körperliche Überreste des -Menschen sind in Tertiärschichten zwar noch nicht gefunden worden, wohl -aber Feuersteine, aus deren Gestalt viele Forscher schließen wollen, -daß sie künstlich bearbeitet worden seien. Wären diese „~Eolithen~“ -wirklich absichtlich geformte Werkzeuge und nicht bloße Naturprodukte, -so könnte ihre Herstellung nur durch ein vernunftbegabtes, in -geistiger Hinsicht also menschenähnliches Wesen erfolgt sein. Über -die körperliche Beschaffenheit eines solchen Vorfahren des Menschen -können wir nichts aussagen, wenn wir ihn nicht am Ende in einem Fund -vor uns haben, der 1911 bei Piltdown in England gemacht wurde. Hier -wurden ein Schädeldach und der Teil eines Unterkiefers gefunden, -über die zunächst ein heftiger Streit entbrannte, ob sie von ~einem~ -Lebewesen stammten oder zwei Wesen, der Schädel einem Menschen, der -Unterkiefer einem Schimpansen, angehört hätten. Neuerdings vergrößerte -sich die Wahrscheinlichkeit sehr stark, daß es sich um die Überreste -eines einzigen Wesens handle, welches demnach anatomische Merkmale -des Menschen und des Affen in sich vereinigt hätte. Leider läßt sich -das geologische Alter der Lagerstätte, in welcher der _Eoanthropus -Dawsoni_ (Dawsons „Mensch der Morgenröte“) gefunden wurde, nicht -genau bestimmen. Wenn die Vermutung zutrifft, daß die Schichten in den -letzten Zeiten des Tertiärs oder auf der Grenze von Tertiär und Eiszeit -gebildet worden seien, so hätten wir hier den ältesten Rest eines -menschenähnlichen Wesens vor uns; sein Alter könnte auf ½-1 Million -Jahre, vielleicht sogar noch höher, angesetzt werden. - -Der älteste ganz sichere Menschenfund stammt von Mauer bei Heidelberg -aus Schottern und Sanden einer alten, vom Fluß schon längst verlassenen -Neckarschlinge. Leider ist es auch ein kümmerlicher Rest, nur ein -Unterkiefer, der aber gut erhalten ist und außerordentlich interessante -Merkmale aufweist. Ungeheuer stark und massig, ohne Kinn, muß er einem -Wesen gehört haben, das noch recht roh und tierisch ausgesehen haben -mag; die Form der Zähne ist jedoch durchaus menschlich. Auch das -Alter des _Homo Heidelbergensis_ ist nicht mit völliger Sicherheit -bekannt. Es läßt sich immerhin sagen, daß er der ersten oder zweiten -Zwischeneiszeit angehören muß; die übrigen Fossilreste, die in -den Sanden gefunden wurden, sprechen für die erste (Günz-Mindel-) -Zwischeneiszeit. Das würde dem Menschen von Heidelberg auf alle -Fälle ein Alter von mehreren Jahrhunderttausenden sichern. Erst in -jüngeren Ablagerungen der Eiszeit werden die Überreste des Menschen -häufiger, zugleich auch die Zeugnisse seiner Kunstfertigkeit: -Feuersteinwerkzeuge, aus denen wir uns ein Bild der Kulturentwicklung -machen können. Nach dem Fortschritt in der Verarbeitung der -Feuersteine sind eine Reihe von Kulturstufen aufgestellt worden. -Vielleicht war der Heidelberger Mensch Träger der ersten Stufe der -älteren Steinzeitkultur; für die späteren Stufen dieser Epoche war -es die bekannte ~Neandertalrasse~, von der Überreste aus der letzten -Zwischeneiszeit in guter und vollständiger Erhaltung gefunden wurden. -Diese Menschenreste haben demnach ein Alter von 50000-100000 Jahren. - -Gegen das Ende der letzten Eiszeit wurde dann die Neandertalrasse von -Menschen abgelöst, die man anatomisch kaum mehr vom heute lebenden -Europäer unterscheiden kann. Zusammenfassend können wir also sagen, -daß das Auftreten des Menschen nach dem heutigen Stand unserer -Kenntnisse ungefähr mit dem Beginn der Eiszeit zusammenfällt; sein -Alter wird also rund ½-1 Million Jahre betragen. Die ersten Stufen -der Kulturentwicklung müssen ungeheuer lange Zeiträume umfaßt haben. -Die ältere Steinzeit reicht in unseren Gegenden bis ungefähr zum -Jahre 10000 v. Chr., sie hat also gewiß mehrere hunderttausend Jahre -gedauert, während die jüngere Steinzeit nur wenige Jahrtausende umfaßt -und die Metallzeit, in der wir jetzt stehen, erst auf ein Alter von -etwa 3-4 Jahrtausenden zurückblicken kann. Es sind merkwürdige und -unerwartete Verhältnisse, in die wir durch die geologische Zeitmessung -einen Einblick gewinnen. - -Noch an eine andere Frage können wir nach dem, was wir über den Verlauf -der Eiszeit erfahren haben, herantreten. Es ist die Frage: An was für -einem Punkt der geologischen Entwicklung stehen wir heute? ~Haben wir -die Eiszeit endgültig hinter uns gelassen~ und können wir ohne Sorge -für kommende Generationen in die Zukunft schauen? Oder sind wir am Ende -nur in einer Zwischeneiszeit, der nach einer Reihe von Jahrtausenden -wieder eine neue Vereisung folgen wird? Auch zur Beantwortung -dieser Frage reichen unsere Kenntnisse nicht aus. Um sie sicher -und entscheidend beantworten zu können, müßten wir die Ursache der -mehrmaligen Vereisung kennen. Wir könnten dann feststellen, ob diese -Ursache endgültig oder nur zeitweilig weggefallen ist, und damit die -fernere Entwicklung voraussagen. Von einer Einsicht in die Ursachen der -Eiszeit sind wir jedoch meilenweit entfernt, und über den zukünftigen -Verlauf der Klimakurve können wir höchstens Vermutungen äußern. Da -wir das innere Gesetz der Kurve in Abb. 4 nicht kennen, so wissen wir -nicht, wie sie in den nächsten Jahrtausenden oder Jahrzehntausenden -nach links weiter verlaufen wird. Sie kann auf der heutigen Höhe -bleiben oder sogar noch etwas steigen, sie kann sich aber früher oder -später auch wieder nach unten senken. Es ist möglich, daß wir über die -große Eiszeit endgültig hinweg sind, es ist ebenso denkbar, daß wir in -einigen Jahrzehntausenden wieder einer neuen Vereisung unterliegen. -Auf alle Fälle aber gibt uns die kurze Zeit seit dem Abschmelzen der -Eismassen auf ihren heutigen Stand -- es mögen 11000 Jahre sein -- -nicht das Recht zu der Behauptung, daß die Gefahr endgültig vorbei sei. -Ist ja allein die letzte Zwischeneiszeit nach den Forschungen Pencks -dreimal, die vorletzte zwölfmal so lang gewesen wie die Spät- und -Nacheiszeit. Die Klimaschwankungen, die wir auch in der Jetztzeit noch -beobachten, und die zu einem zeitweiligen Vorrücken oder Zurückweichen -der heutigen Gletscher führen, sind zu unbedeutend in ihrer Auswirkung -und zeitlichen Dauer, als daß wir daraus irgendwelche Prophezeiungen -ableiten könnten. Die Menschheit geht also einer recht unsicheren -Zukunft entgegen, und es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, -daß in einigen Jahrtausenden oder Jahrzehntausenden die Gletscher -Skandinaviens wieder zu wachsen beginnen, von den Höhen herabfließen, -die ganze Halbinsel bedecken, über die Ostsee schreiten und in das -blühende norddeutsche Land einbrechen, alles zerstörend und unter -starren Eismassen begrabend. Es ist nur gut, daß wir Menschen von heute -uns noch keine Sorgen darüber zu machen brauchen. - -Nach diesen Betrachtungen soll es aber mutig noch weiter zurückgehen -in die geologische Vorzeit. In der Eiszeit fühlt sich der Geologe -immer noch ganz nahe der Gegenwart. Ihre Lebewesen sind fast alle -heute noch vorhanden, die Tier- und Pflanzenwelt zu Beginn der Eiszeit -unterscheidet sich kaum wesentlich von der heutigen. Je weiter wir -jedoch zurückschreiten, um so fremdartiger wird die Lebewelt, die -wir in versteinerten Überresten vorfinden. Die Methode, mit der wir -auch für frühere Perioden Alterszahlen gewinnen wollen, ist dieselbe, -mit der wir von der Nacheiszeit aus den Übergang auf die ganze -Eiszeit vollzogen haben: Wir schätzen das Verhältnis der Zeitdauer -verschiedener Perioden ab und kommen dann unter Verwendung der zuerst -gefundenen absoluten Zahlen auf ihren zeitlichen Abstand von der -Jetztzeit. Diese Art der Altersberechnung soll zunächst für das Tertiär -durchgeführt werden. ~Penck~ hat einen Weg hierfür angegeben. Er erhält -durch Abschätzung der geologischen Arbeit und der Entwicklung der -Lebewesen Vergleichszahlen für die Dauer von Eiszeit und Tertiär. Für -das Pliozän nimmt er die 3-4fache, für das Miozän die 6-8fache Dauer -der Eiszeit an. Wird diese zu ½ Million Jahre angesetzt, so erhalten -wir für Miozän und Pliozän die Dauer von 4½-6 Millionen Jahren. -Ohne Zweifel sind Oligozän und Eozän, denen von den Nordamerikanern -neuerdings noch ein Paleozän vorausgestellt wird, zusammen mindestens -doppelt so lang. Das ganze Tertiär würde demnach einen Zeitraum -von 13½-18 Millionen Jahren umfassen. Dabei wurde jedoch mit einem -Mittelwert der Eiszeit gerechnet; setzt man auch die Grenzwerte von -200000 und 1000000 Jahren in die Rechnung ein, so erhält man für das -Tertiär Werte zwischen 5 und 36 Millionen Jahren. - -Auf andere Weise ging ~Lyell~ vor. Um Verhältniszahlen zu finden, -untersuchte er, wieviele von den Muschelarten der verschiedenen -Schichten des Tertiärs sich bis heute erhalten haben, wieviele dagegen -ausgestorben sind. Seit Beginn der Eiszeit sind nur wenige Prozent -verschwunden, seit Beginn des Miozäns oder gar des Eozäns dagegen sehr -viele. Durch genaue Zählungen der noch lebenden und der ausgestorbenen -Formen kam Lyell zu der Annahme, der Beginn des Untermiozäns müsse -20mal so weit zurückliegen wie der Beginn der Eiszeit, der Beginn des -Eozäns sogar 60mal so weit. Die Dauer des Tertiärs würde also 12-60 -Millionen Jahre betragen, der wahrscheinlichste Mittelwert wäre 30 -Millionen Jahre. - -Ganz ähnlich verfuhr ~Matthew~, ein amerikanischer Säugetierforscher, -der die Entwicklung der Pferde zur Gewinnung eines Verhältnismaßstabs -benützte. Die Stammesgeschichte des Pferdes ist ja von jeher eines der -„Paradepferde“ der Entwicklungslehre gewesen. Aus den versteinerten -Überresten läßt sich eine fast lückenlose Reihe verschiedener Formen -bilden, die, von einem fünfzehigen Ahnen ausgehend, unter allmählicher -Rückbildung der äußeren Zehen und immer stärkerer Ausbildung der -mittleren Zehe zum heutigen Pferd führt. Matthew versuchte nun, die -Unterschiede zwischen den einzelnen Formen dieser Entwicklungsreihe -in ein zahlenmäßiges Verhältnis zu bringen und kam dabei zu der -Aufstellung folgender Tabelle: - - _Equus caballus_ Gegenwart - 1 - _Equus Scotti_ Beginn der Eiszeit - 10 - _Hipparion_ Pliozän - 10 - _Meryhippus_ Obermiozän - 15 - _Parahippus_ Untermiozän - 5 - _Miohippus_ Oberoligozän - 5 - _Mesohippus_ Unteroligozän - 15 - _Epihippus_ Obereozän - 10 - _Orohippus_ Mitteleozän - 10 - _Eohippus_ Untereozän. - -Wir lesen aus ihr folgendes heraus: der Unterschied zwischen dem heute -lebenden Pferd (_Equus caballus_) und dem Pferd, das zu Beginn der -Eiszeit lebte (_Equus Scotti_), ist recht gering; er werde = 1 gesetzt. -Viel stärker ist _Equus Scotti_ von seinem Vorfahren im Pliozän, dem -_Hipparion_ verschieden. Ihr Unterschied kann der Zahl 10 gleichgesetzt -werden; die Entwicklung von _Hipparion_ zu _Equus Scotti_ muß daher -10mal so lang gedauert haben wie die von _Hipparion_ zu _Meryhippus_, -während dessen Unterschied von _Parahippus_ mindestens 15 Einheiten -beträgt. Die Zahlen der Tabelle geben also Verhältnisgrößen für die -Unterschiede der einzelnen Formen und damit für die Zeitdauer der -Einzelentwicklungen. Das Ergebnis ist, daß seit dem Untereozän etwa -80mal so viel Zeit verstrichen ist wie seit dem Beginn der Eiszeit. Das -ganze Tertiär (einschließlich des Paleozäns) wäre etwa das 100fache -dieser Zeit. Die Einsetzung der Zahlen für die Eiszeit ergibt also -eine Dauer des Tertiärs von 20-100 Millionen Jahren, der Mittelwert -wäre 50 Millionen Jahre. Nun liegt allerdings der Rechnung die -Voraussetzung zugrunde, daß sich die Entwicklung der Pferde während -des ganzen Tertiärs in demselben Tempo vollzogen habe wie seit dem -Beginn der Eiszeit, daß also die „biologische Uhr“, wie wir sie -heißen wollen, einen gleichmäßigen Gang aufweise. Das ist gewiß nicht -selbstverständlich. Es gibt Stämme im Tierreich, die sich zu gewissen -Zeiten ungeheuer rasch entwickelt haben und dann wieder lange Zeit -in der Entwicklung scheinbar still gestanden sind. Was die Ursachen -derartiger Vorgänge sind, wissen wir nicht; Lebewesen sind eben keine -mathematisch berechenbaren Uhrwerke. Außerdem fällt es natürlich sehr -schwer, die Unterschiede von Lebensformen in Zahlen zu fassen. Es -muß aber doch gesagt werden, daß der Stammbaum der Pferde eine solch -ruhige, konsequente und zielsichere Entwicklung aufweist, daß die -Berechnungen Matthews sicher nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen -sind. - -Für das Tertiär berechnet also Penck einen Mittelwert von 15 Millionen -Jahren, nach Lyell ergeben sich etwa 30 Millionen Jahre, nach Matthew -50 Millionen Jahre; die äußersten Grenzwerte aller Berechnungen -betragen 5,4-100 Millionen Jahre. Es zeigt sich damit die Erscheinung, -die schon einmal kurz gestreift wurde: Zu der Unsicherheit der -Ausgangszahl kommt die Unsicherheit der Verhältniszahlen hinzu, -und durch Multiplikation rücken die Grenzen, zwischen denen die -wirkliche Zahl liegen muß, immer weiter auseinander. Mit jedem neuen -Rückwärtsschreiten wird die ganze Rechnung unsicherer. Immerhin können -wir mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sagen, daß die Zeitdauer des -Tertiärs jedenfalls schon nach Zehnern von Jahrmillionen zu bemessen -ist. Mit 20-40 Millionen Jahren werden wir von der Wahrheit nicht -allzuweit entfernt sein. - -Den Abschluß der Berechnungen soll der ~Übergang vom Tertiär auf -die ganze Reihe der übrigen Formationen~ bilden. Schon ~Lyell~, der -Begründer der modernen Geologie, hat diesen weiteren Schritt gewagt. -Er erhielt für das Unterkarbon ein Alter von 160 Millionen Jahren, für -das Unterkambrium ein solches von 240 Millionen Jahren. ~Dana~ stellte -für die Zeitdauer der einzelnen Formationen folgende Verhältniszahlen -auf: wird das Tertiär zur Einheit genommen, so sind Kreide, Jura -und Trias je etwa ebenso lang, die mesozoische Periode dauerte also -dreimal so lang wie das Tertiär. Perm und Karbon entsprechen in ihrer -Zeitdauer ebenfalls dem Tertiär, dagegen war das Devon zweimal, Silur -und Kambrium je viermal so lang. Die ganze paläozoische Periode umfaßt -daher das 12fache, die Erdgeschichte seit Beginn des Kambriums etwa -das 16fache der Zeitdauer des Tertiärs. Setzen wir für das Tertiär den -Mittelwert von 30 Millionen Jahren, so ergibt dies für das Alter der -ältesten kambrischen Schichten 480 Millionen Jahre. - -Etwas andere Verhältniszahlen gibt ~Walcott~ an. Er setzt für -das Tertiär 1, für das Mesozoikum 2,5, für das Paläozoikum 6; die -Erdgeschichte seit dem Kambrium entspricht also der Zahl 9-22, und für -das Alter des Kambriums würden sich 285 Millionen Jahre ergeben. Ganz -ähnliche Zahlen wie Dana nennt ~Häckel~. Er setzt für die Zeit seit dem -Beginn des Lebens bis heute die Zahl 100. Davon entfallen auf die Zeit -bis zum Beginn des Kambriums 52 Teile, auf das Paläozoikum 34 Teile, -das Mesozoikum 11 Teile, auf das Tertiär 3 Teile, die Eiszeit 0,1 Teil. -Das ergibt für das Alter des Kambriums etwa 480 Millionen Jahre. Die -Zeit, die vor Beginn des Lebens verflossen ist, wollen wir für die -Berechnung außer Betracht lassen. - -Fassen wir die verschiedenen Ergebnisse zusammen, so erhalten wir, -von dem Wert von 30 Millionen Jahren für das Tertiär ausgehend, einen -Zeitraum von 285-480 Millionen Jahren, von den Grenzwerten (5,4 und 100 -Millionen Jahren) ausgehend 50-1600 Millionen Jahre seit dem Beginn des -Kambriums. - -Die Erscheinung, die wir schon besprochen haben, zeigt sich jetzt am -stärksten: mit jeder weiteren Extrapolation werden die Grenzen weiter, -die Zahlen unsicherer. Doch dürfen wir den Wert der gewonnenen Zahlen -auch nicht gar zu sehr unterschätzen. Es ist nicht anzunehmen, daß -bei all den Vermutungen und Rechnungen immer gerade die niederste -oder die höchste Zahl die richtige gewesen sei; in den meisten Fällen -wird eine mittlere Zahl das Richtige treffen, und wo die wirklichen -Zahlen von der Mitte abweichen, da wird sich wohl nach den Regeln der -Wahrscheinlichkeit eine zu niedrige mit einer zu hohen Zahl wieder -ausgleichen, so daß zum Schluß die Wahrheit doch ungefähr in der Mitte -liegen wird. So können wir mit ziemlicher Sicherheit für das Alter -des Kambriums einige Hunderte von Jahrmillionen ansetzen. Wir kennen -zwar noch nicht die genaue Größe selber, aber doch die Größenordnung -der seit dem Kambrium verflossenen Zeit. Weiter wollen wir aber -nicht zurückgehen, denn die Unsicherheiten, die uns im Präkambrium -erwarten, sind derartig groß, daß wir die Hoffnung auf ein einigermaßen -brauchbares Resultat von vornherein aufgeben müssen. Wir können -zunächst nur sagen, daß das Präkambrium ungeheure Zeiträume umfassen -muß, denen gegenüber vielleicht die ganze übrige Erdgeschichte auf ein -kleines Maß zusammenschrumpft. - -Ein gewisses Unbehagen können wir aber trotz allem bei der nunmehr bis -zum Ende durchgeführten Methode der Extrapolation nicht los werden. -Die einzige ganz sichere Grundlage für die Berechnung sind eben allein -die 5000 Jahre, die das Eis zu seinem Zurückweichen von Schonen bis -zur Eisscheide brauchte. Von dieser Zahl aus mußten wir nach der einen -Seite den nicht unmittelbar gegebenen Anschluß an die Gegenwart finden, -nach der anderen Seite hin zurück in die geologische Vergangenheit -schließen. - -Wie weit haben wir uns von unserer unbedeutenden Berechnungsgrundlage -aus zurückgewagt! Es bedeutet eine Grundschwierigkeit der Methode, die -mit Vergleichungen und Schätzungen immer weiter zurückgreift, daß die -Gefahr der perspektivischen Fehler, wie wir sie nennen wollen, kaum -umgangen werden kann: das Nächstliegende übersehen wir verhältnismäßig -klar und deutlich, das Fernliegende rückt schon mehr zusammen, und das -Fernste, das in Wirklichkeit den weitaus größten Raum einnimmt, gibt -uns gar keine Einzelheiten mehr. So sind wir nur zu sehr geneigt, die -nächstliegende Vergangenheit wegen der Fülle der aus ihr bekannten -Ereignisse zu überschätzen, die fernliegende Vergangenheit wegen -der Geringfügigkeit des aus ihr Bekannten zu unterschätzen. Ja, wenn -uns die Möglichkeit gegeben wäre, weit draußen in der grauen Ferne -geologischer Vergangenheit auch nur einen Punkt fest zu bestimmen und -mit absoluter Sicherheit sein Alter anzugeben, dann wären wir über alle -Schwierigkeiten der Schätzung und der Extrapolation mit einem Schlage -hinaus. Mit der Bestimmung jenes Punktes wäre uns ein fester Rahmen -gegeben, in den wir die gesamte geologische Geschichte einspannen -könnten. - -Und diese Möglichkeit besteht! Das nächste Kapitel soll zeigen, wie uns -wunderbare Fortschritte der Physik und Chemie die Mittel dazu in die -Hand geben. - - - - -IV. Geologische Zeitmessung auf Grund radioaktiver Vorgänge - - -Es ist kaum mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen, seit im -physikalischen Institut der Universität Würzburg eine Entdeckung gemacht -wurde, die zu den glücklichsten der ganzen Wissenschaftsgeschichte -gehört und die in ihren Folgen für die Entwicklung der Physik und -Chemie von der allergrößten Bedeutung werden sollte. - -Im Jahr 1895 fand Professor ~Röntgen~, daß von der Wand der -Geißlerschen Röhren, mit denen er experimentierte, Strahlen -auszugehen schienen, die auch undurchsichtige Körper zu durchdringen -vermochten und durch die Wand der photographischen Kassette hindurch -die lichtempfindliche Platte beeinflußten. Die Entdeckung dieser -merkwürdigen X-Strahlen, wie er sie nannte, erregte das größte -Aufsehen. Während den Laien vor allem die geheimnisvollen Möglichkeiten -interessierten, mit diesen Strahlen auch undurchsichtige Körper -durchdringen zu können, reizte den Gelehrten in erster Linie das -wissenschaftliche Problem, und die Wissenschaft aller Länder ging -voll Spannung an die neuen Aufgaben heran. Der französische Physiker -~Becquerel~ vermutete einen Zusammenhang der Erscheinung mit der -Phosphoreszenz des Glases der Geißlerröhre und kam auf den Gedanken, -phosphoreszierende Uransalze auf eine lichtempfindliche Platte -einwirken zu lassen, mit dem Erfolg, daß auch er eine Schwärzung -der Platte erhielt (1896). Der zuerst vermutete Zusammenhang mit der -Phosphoreszenz, bei der immer eine Belichtung des Salzes vorausgehen -muß, stellte sich bald als unrichtig heraus; es ergab sich vielmehr, -daß einfach alle uranhaltigen Salze oder Erze die Eigenschaft hatten, -chemisch wirksame Strahlen auszusenden. Nun galt es, an dem neuen -Geheimnis der Uran- oder Becquerelstrahlen weiter zu arbeiten, und -schon nach zwei Jahren (1898) konnte das Ehepaar ~Pierre~ und ~Marya -Curie~ nach unendlichen Mühen aus einem Uranerz, der Uranpechblende, -einen Stoff abscheiden, der die strahlenden Eigenschaften in ungeheuer -verstärktem Maße aufwies und der daher von seinen Entdeckern den Namen -~Radium~, das Strahlende, bekam. - - [Illustration: Abb. 17. Strahlung des Radiums.] - -Jede neue Entdeckung gibt der Wissenschaft wieder neue Rätsel auf, -und nicht leicht sind ihr jemals schwierigere Aufgaben gestellt -worden als mit diesem neuentdeckten Element Radium. Eine der -ersten Beobachtungen war, daß das Radium andauernd ganz bedeutende -Energiemengen hervorbringt. 1 g Radium vermag in einer Stunde das -1-1,3fache seines Gewichts an Wasser vom Gefrierpunkt bis zum -Siedepunkt zu erhitzen, und das geht so fort, Tag für Tag und Monat -für Monat, ohne daß die Erzeugung von Wärme eine merkbare Abnahme -erfährt. Diese Erscheinung widersprach in auffallender Weise dem -Gesetz der Erhaltung der Energie: Hier schien tatsächlich Energie ohne -nachweisbare Ursache von selbst zu entstehen, hier schien wirklich -das Perpetuum mobile vorzuliegen, von dem die Physiker doch bewiesen -zu haben glaubten, daß es nicht existieren könne. Es zeigte sich -bald, daß die Wärmeerzeugung mit den Strahlen zusammenhängt, die -das Radium fortwährend aussendet. Wenn man die Radiumstrahlen dem -Einfluß eines kräftigen Elektromagneten unterwirft, so findet man, -daß es drei Arten von Strahlen sind, die von dem geheimnisvollen -Stoff ausgehen. Die nebenstehende Abb. 17 soll diese Erscheinung -darstellen. Das Radium sei in einem Bleiblock eingeschlossen, der die -Strahlen nur nach einer Richtung austreten läßt; ein Elektromagnet sei -so angebracht, daß sein Nordpol vor der Ebene des Papiers zu denken -ist, der Südpol hinter ihr. Erzeugt man nun durch Einschalten des -Stroms ein elektromagnetisches Feld, so trennen sich die verschiedenen -Strahlenarten, die zuerst einheitlich in gleicher Richtung austreten. -Nach links werden die sogenannten α-Strahlen abgelenkt; diese Art der -Ablenkung beweist für sie eine positive elektrische Ladung. Sie führen -wohl den größten Teil der gesamten Strahlungsenergie mit, haben aber -die geringste Durchdringungskraft; in der Luft vermögen sie nur 3-7 cm -weit vorzudringen. Anders verhalten sich die β-Strahlen, die sehr -stark nach rechts abgelenkt werden und dadurch ihre negativ elektrische -Ladung erkennen lassen. Gar nicht vom Elektromagneten beeinflußt werden -die γ-Strahlen, die auf größere Entfernung hin wirken wie die anderen -Strahlenarten und in ihren wesentlichen Eigenschaften durchaus den -Röntgenstrahlen entsprechen. - -Eine Reihe von hervorragenden Physikern und Chemikern warf sich -auf die Erforschung dieser neuen, eine vollständige Umwälzung alter -Anschauungen versprechenden Erscheinungen. Es war noch jene Zeit, in -der die Wissenschaft international war, und wo deutsche, englische -und französische Forscher von Monat zu Monat durch neue Entdeckungen -sich gegenseitig weiterhalfen. So zeigte sich bald, daß in jedem Raum, -in dem Radium sich befand, nach einiger Zeit auch die Luft und die -Wände Strahlen aussandten, daß auch sie „radioaktiv“ wurden. Leitete -man die aktiv gewordene Luft vom Radium fort, so sank allerdings die -Strahlung nach einiger Zeit beträchtlich, um schließlich nach einigen -Wochen oder Monaten zu verschwinden. Die Erscheinung wies darauf -hin, daß die Aktivität der Luft von einem Gas herrühre, das aus dem -Radium entstanden sei. Diese Annahme erwies sich tatsächlich als -richtig; es konnte nachgewiesen werden, daß sich aus dem Radium ein -Gas, die Radium-Emanation bildet, das seinerseits wieder radioaktive -Eigenschaften aufweist, dessen Strahlung aber schon in wenigen Tagen -ganz beträchtlich in ihrer Wirksamkeit sinkt. Das rührt daher, daß die -Radium-Emanation verschwindet und an ihrer Stelle ein anderer fester -Stoff, das Radium A, entsteht. Aber auch dieser Stoff bleibt nicht -bestehen; nacheinander bilden sich noch eine ganze Reihe von Stoffen, -bis die Entwicklung in einem Stoff Radium G ihr Ende findet. Die -Vorgänge können nur so verstanden werden, daß sich jeder Stoff unter -ganz bestimmten Strahlungserscheinungen in den nächsten umwandelt; -die ganze Umwandlungsreihe, die sich so ergibt, wird durch Abb. 18 -dargestellt. Dabei stellte sich weiterhin heraus, daß bei diesen -Umwandlungen auch Helium entsteht, ein Gas, das vor seiner Entdeckung -auf der Erde schon durch seine Linien im Sonnenspektrum bekannt war und -daher seinen Namen erhalten hat. - -Wie sollten nun alle diese rätselhaften Erscheinungen gedeutet werden? - - [Illustration: Abb. 18. Zerfallsreihe des Radiums.] - -Die Erklärung geschah durch die ~Theorie vom Zerfall der radioaktiven -Elemente~, die 1902 von ~Rutherford~ und ~Soddy~ begründet wurde und -die sich seither in jeder Beziehung bewährt hat. Sie hängt eng zusammen -mit der Atomtheorie, die in den beiden letzten Jahrzehnten zu einem -vollständig gesicherten Besitz der Wissenschaft geworden ist. Wir -haben in den Atomen unendlich kleine Bausteine der Materie vor uns; -der Forscher vermag sie genau zu zählen und ihre Größe zu bestimmen; -ihr verschiedenartiger Aufbau bedingt das Wesen und die Eigenschaften -der uns bekannten chemischen Grundstoffe oder Elemente. Nun lehrt die -Zerfallstheorie, daß in den Atomen der radioaktiven Elemente gewaltige -Spannungen bestehen, die zu einem explosionsartigen, von rätselhaften -Strahlungserscheinungen begleiteten Zerfall führen können. Damit ist -auch erklärt, woher die andauernde Energieabgabe des Radiums stammt: -Ein Atom müssen wir uns mit geradezu gewaltigen Energiemengen geladen -denken; beim Zerfall des Atoms wird, ähnlich wie bei der Explosion -eines Sprengstoffs, ein Teil dieser Energie frei. - -Die Untersuchung der Atomgewichte ergab weiterhin, daß es sich um -ein richtiges Auseinanderfallen der Atome in verschiedene Bruchstücke -handelt. Für das Radium (Abkürzung Ra) wurde ein Atomgewicht von 226 -bestimmt; das heißt, das Radiumatom ist 226 mal so schwer wie das -leichteste bekannte Atom, das Wasserstoffatom. Radium-Emanation hat ein -Atomgewicht von 222, Radium A von 218, Radium B und C von 214, Radium -D, E und F (Polonium) von 210 und Radium G von 206. Die Atome verlieren -also bei ihrem Zerfall Teile ihrer Masse, und es zeigt sich, daß -regelmäßig die α-Strahlung eines Radioelements eine Verminderung des -Atomgewichts um 4 hervorbringt; das Atomgewicht des neu entstandenen -Stoffes ist um 4 geringer wie desjenigen, der die α-Strahlen aussandte. -Der Zusammenhang gab sich durch die Entdeckung, daß die ~α-Strahlen~ -nichts anderes sind als ~positiv elektrisch geladene Heliumatome~. -Helium besitzt das Atomgewicht 4; das Sinken der Atomgewichte in -der Zerfallsreihe erklärt sich also daraus, daß beim Atomzerfall -Heliumatome explosiv fortgeschleudert werden. - -Die Umwandlung chemischer Grundstoffe ineinander war damit zur -wissenschaftlichen Tatsache geworden. Das Radium wandelt sich über -verschiedene Zwischenstufen hinweg unter Abspaltung von Heliumatomen in -das Endprodukt Radium G um. Das bedeutete für die gesamte Chemie eine -ungeheure Umwälzung; es war damit bewiesen, daß die chemischen Elemente -nicht unter allen Umständen unveränderlich sind, sondern daß sie sich -zum Teil in andere umwandeln können. Der Traum der Alchimisten des -Mittelalters, welche die chemischen Grundstoffe ineinander verwandeln -wollten, war damit in gewissem Sinne zur Wirklichkeit geworden. - -Nach diesen ersten grundlegenden Entdeckungen galt es nun, den Zerfall -bei den einzelnen Radioelementen in seinem zeitlichen Verlauf genau -zu untersuchen. Schon bald hatte es sich nämlich gezeigt, daß sich die -verschiedenen Stoffe mit ganz verschiedener Geschwindigkeit umwandeln. -Das Grundgesetz, nach dem der Zerfall vor sich geht, ist jedoch -bei allen Umwandlungen gleich; die Abb. 19 soll es zunächst für die -Radium-Emanation veranschaulichen. - -Sind zu einem gewissen Zeitpunkt eine bestimmte Anzahl (n) Atome -Radium-Emanation vorhanden, so existieren nach einer gewissen Zeit (t = -3,85 Tage) nur noch die Hälfte der Atome (n/2), nach der doppelten Zeit -(2 t = 7,70 Tage) nur noch die Hälfte von diesem, also n/4 Atome, nach -der dreifachen Zeit (3 t) nur noch n/8 Atome. Im Verlauf der Zeit von -3,85 Tagen, der „~Halbwertszeit~“, sinkt die Zahl der Atome regelmäßig -durch Zerfall auf die Hälfte; sie wird infolgedessen immer geringer -werden, das gänzliche Verschwinden tritt aber erst nach ungeheuer -langer Zeit ein.[6] - - [6] Würde der Zerfall der Emanation gleichmäßig mit - derselben Zahl von Atomen weitergehen, wie er zu Beginn - der Untersuchung einsetzt, so wäre schon nach 5,54 - Tagen nichts mehr vorhanden. Diese Zahl nennt man die - „~mittlere Lebensdauer~“ der Radium-Emanation; sie steht - in einem genau berechenbaren mathematischen Verhältnis - zur Halbwertszeit und ist das 1,44fache von dieser. In - der bildlichen Darstellung der Zerfallskurve muß dieser - gleichbleibende Zerfall durch die Berührungsgerade - (Tangente) dargestellt werden, die im Beginn der Kurve - an sie gelegt wird; sie trifft die Gerade im Punkt - 1,44 t. Während die Kurve des tatsächlichen Zerfalls in - ihrem Gefälle ständig abnimmt und sich der Geraden immer - mehr anschmiegt, ohne sie ganz zu erreichen, behält - die Tangente ihr Gefälle, welches im Beginn zugleich - dasjenige der Zerfallskurve ist, gleichmäßig bei; sie ist - daher schon nach der Zeit 1,44 t auf Null angelangt. - - [Illustration: Abb. 19. Zerfallskurve radioaktiver Elemente.] - -Merkwürdig und bezeichnend ist nun, daß jedes Element seine besondere -Zerfallsgeschwindigkeit besitzt. Während die Radium-Emanation nach 3,85 -Tagen zur Hälfte zerfallen ist, tritt dieser Fall beim Radium selbst -nach 1600 Jahren ein, beim Radium A dagegen schon nach 3 Minuten. Wenn -der Wert für t in Abb. 20 für jedes strahlende Element von anderer -Größe gedacht wird, so vermag also die Kurve den Zerfall von jedem -dieser Elemente zu veranschaulichen. - -Wir wollen versuchen, das Wesen des Zerfallgesetzes, das im Grunde -genommen ein Wahrscheinlichkeitsgesetz ist, durch einen Vergleich noch -anschaulicher zu machen: Ein Regiment zieht ins Feld und verliert hier -in jedem Monat die Hälfte seiner Mannschaften, ohne zunächst wieder -aufgefüllt zu werden. Es wird dann nach einem Monat noch die Hälfte, -nach 2 Monaten noch ¼, nach 3 Monaten noch ⅛, nach 6 Monaten -noch 1/64 der ursprünglich ins Feld gerückten Mannschaft vorhanden -sein. Die Wahrscheinlichkeit, daß Soldaten durch Tod, Krankheit oder -Gefangennahme ausscheiden, ist bei diesem Regiment so groß, daß -jeden Monat die Hälfte der Mannschaften davon getroffen wird, die -„Halbwertszeit“ des Regiments wäre ein Monat. Ein anderes Regiment, -das an weniger gefährdeter Stelle steht, verliert erst in 3 Monaten -die Hälfte seiner Leute; es hat also nach 6 Monaten noch ¼, nach -einem Jahr noch 1/16 der ursprünglichen Mannschaft. Seine Halbwertszeit -ist drei Monate; sie ist größer als die des ersten Regiments, weil -die Wahrscheinlichkeit des Ausscheidens seiner Soldaten geringer ist. -Der Vergleich mit dem Zerfall der verschiedenen Radioelemente ergibt -sich ohne weiteres. Die Atome des einen Elements sind in ihrem inneren -Bau noch verhältnismäßig beständig, so daß es viele Jahre oder gar -Jahrtausende dauert, bis die Hälfte der Atome zerfallen ist; bei andern -führen die Spannungen im inneren Bau so häufig zu Explosionen, daß -schon nach wenigen Tagen die Hälfte verschwunden ist. Beim Radium A -sind die Atome schließlich so unsicher gebaut, daß dieser Fall schon -nach 3 Minuten eintritt; kaum sind sie aus der vorhergehenden Stufe -entstanden, so wandeln sie sich schon in die nächste um. - -Die Wissenschaft hat eine Reihe von Verfahren ausgearbeitet, um -die Zerfallzeit eines Radiumelements zu messen. Am einfachsten -ist die Aufgabe bei einem Element mittlerer Zerfallsdauer wie der -Radium-Emanation zu lösen. Mit feinen Elektrometern wird das Maß der -Strahlung in bestimmten Zwischenräumen untersucht und genau bestimmt, -wann es auf die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel des ursprünglichen -Werts gesunken ist. Bei Elementen mit längerer Lebensdauer wie dem -Radium selbst wird die Menge des in einer bestimmten Zeit von ihm -erzeugten neuen Stoffs gemessen und daraus berechnet, wann es sich -bei gleich bleibendem Zerfall erschöpfen würde. Unter Umständen kann -bei ganz geringen Mengen strahlender Substanz, deren Menge und damit -deren Atomzahl bekannt ist, unmittelbar die Zahl der abgeschleuderten -α-Teilchen einzeln gezählt werden; die Wissenschaft ist mit der -Verfeinerung ihrer Apparate bereits so weit vorgeschritten, daß sie die -Wirkung eines einzigen Atoms nachweisen kann. - -Es ist also daran festzuhalten, daß die Zerfallserscheinungen von einer -Unbeständigkeit im inneren Bau des Atoms herrühren, daß die Gefahr -des Zerspringens für verschiedene Radiumelemente zwar verschieden, -für ein- und dasselbe immer gleich ist. Die Zerfallsgeschwindigkeit -eines Radioelements, ausgedrückt in den Begriffen „Halbwertszeit“ -und „mittlere Lebensdauer“, bedeutet eine seiner bezeichnendsten -Eigenschaften. Der Zerfall geht mit einer solchen inneren Notwendigkeit -vor sich, daß seine Geschwindigkeit durch keinerlei äußere Einwirkungen -auch nur im geringsten verändert werden kann. Man hat strahlende -Substanzen einem Druck von 24400 Atmosphären ausgesetzt, den Einfluß -von Temperaturen von -240° bis zu 2500° untersucht, die stärksten -elektrischen und magnetischen Felder auf sie wirken lassen, ohne daß -sich die Zerfallsgeschwindigkeit auch nur im mindesten verringert -oder vermehrt hätte. Das bedeutet ganz andere Verhältnisse wie beim -Zerfall von chemischen Verbindungen, bei dem der Einfluß der Druck- und -Temperaturverhältnisse eine außerordentlich große Rolle spielt. Während -es sich hier darum handelt, daß verschiedene Atome ihre gegenseitige -Verbindung lösen, liegt beim radioaktiven Zerfall die Ursache tiefer, -sie ruht im Bau der Atome selber. - -Wir haben bis jetzt bei der Untersuchung der merkwürdigen Strahlungs- -und Umwandlungserscheinungen nur das Radium und seine Folgeprodukte -ins Auge gefaßt; da es aber, wie sich schon bei seiner Entdeckung -zeigte, immer nur in gesetzmäßiger Verbindung mit Uran in der Natur -vorkommt, so drängt sich ganz von selber die Frage auf, ob nicht auch -ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Uran und Radium besteht. Das -ist tatsächlich der Fall. Es kann nachgewiesen werden, daß das Radium -auf dem Weg über einige Zwischenstufen aus dem Uran entsteht. Von -diesem stammen also alle genannten Elemente ab, sie bilden zusammen -eine Zerfallsreihe, die ~Uranreihe~. Vom Chemiker Ostwald stammt das -witzige Wortspiel: „Der Urahn dieser Elemente ist das Uran.“ Uran -hat mit 238 das höchste bekannte Atomgewicht. Sein Zerfall geht ganz -außerordentlich langsam vor sich; die Halbwertszeit des Urans beträgt -5000 Millionen Jahre. Über mehrere Zwischenstufen hinweg, die auch zum -Teil sehr hohe Halbwertszeiten haben, führt der Zerfall mit dreimaliger -α-Strahlung, also dreimaligem Verlust von Heliumatomen zum Radium mit -der Halbwertszeit von 1600 Jahren und von diesem aus in der bekannten -Weise weiter. Die folgende Tabelle gibt eine Zusammenstellung der -Glieder der ~Uran-Radiumreihe~ und ihrer wichtigsten Eigenschaften. - - +-------------------+----------+-------+---------+-----------------+ - | Name des Elements |chemisches| Atom- |Strahlung| Halbwertszeit | - | | Symbol |gewicht| | | - +-------------------+----------+-------+---------+-----------------+ - | Uran I | U | 238,2 | α | 5000·10^6 Jahre | - | Uran X_{1} | UX_{1} | 234 | β γ | 24 Tage | - | Uran X_{2} | UX_{2} | 234 | β γ | 1,15 Minuten | - | Uran II | U II | 234 | α | 2·10^6 Jahre | - | Jonium | Jo | 230 | α | 100000 Jahre | - | Radium | Ra | 225,97| α | 1600 Jahre | - | Radium-Emanat. | Ra Em | 222 | α | 3,85 Tage | - | Radium A | Ra A | 218 | α | 3 Minuten | - | Radium B | Ra B | 214 | β | 26,8 Minuten | - | Radium C | Ra C | 214 | α β | 19,5 Minuten | - | Radium D | Ra D | 210 | β | 16 Jahre | - | Radium E | Ra E | 210 | β | 5 Tage | - | Radium F | Ra F | 210 | α | 136 Tage | - | (Polonium) | | | | | - | Radium G | Ra G | 206 | -- | -- | - | (Radiumblei, | | | | | - | Uranblei) | | | | | - +-------------------+----------+-------+---------+-----------------+ - -Neben dieser Reihe radioaktiver Elemente, die sich vom Uran herleiten, -gibt es noch eine zweite Reihe, die von dem Element ~Thorium~ -(Atomgewicht 232,15) ausgeht. Mit verschiedenen Zwischenstufen -führt der Zerfall in ähnlicher Weise wie bei der Uranreihe zu einem -Endprodukt, das als Thorium D (Atomgewicht 208,0) bezeichnet wird. - -Eine überaus wichtige Tatsache haben wir bis jetzt noch übergangen; -es ist nötig, sie jetzt näher ins Auge zu fassen. Für das Radium -G, das als Endprodukt der Uranreihe auftritt, ergab sich durch -genaue Untersuchung, daß es in allen physikalischen und chemischen -Eigenschaften vollständig mit einem schon längst bekannten Element -übereinstimmte, nämlich mit dem Blei. Nur in einer Eigenschaft zeigte -sich ein Unterschied, es besaß ein anderes Atomgewicht. Moderne -Methoden der Atomgewichtsbestimmung erlauben es, diese Zahl auf das -allergenaueste festzustellen. Für das gewöhnliche Blei erhielt man -ein Atomgewicht von 207,2, für Radium G (Uranblei, Radiumblei) ein -solches von 206,0. Diese letztere Zahl paßte sehr gut zu den übrigen -Tatsachen des radioaktiven Zerfalls; vom Radium (Atomgewicht 226) führt -dieser mit einer fünffachen Abspaltung von α-Teilchen, deren jedes ein -Heliumatom vom Atomgewicht 4 bedeutet, zum Endprodukt Radium G, das -also nach theoretischer Voraussage ein Atomgewicht von 226 - 5 × 4 = -206 haben muß. Theoretisch berechnetes und experimentell bestimmtes -Atomgewicht stimmten also sehr befriedigend überein. Wie nun weiterhin -das Thorium D genauer untersucht wurde, da zeigte sich, daß auch -dieser Stoff in jeder Beziehung die Eigenschaften des Bleis besaß, -nur daß auch sein Atomgewicht von dem des Bleis abwich; für Thorium -D ergab sich ein solches von 208, also ein höheres als dasjenige des -normalen Bleis. Nun kannte man also drei verschiedene Bleiarten, die im -wesentlichen nur durch ihre Atomgewichte voneinander zu unterscheiden -waren, eine rätselhafte Sache, die großes Kopfzerbrechen hervorrufen -mußte. Auf Ungenauigkeiten der Bestimmungen konnte der merkwürdige -Widerspruch nicht zurückgeführt werden, denn die Methoden der -Atomgewichtsbestimmung sind zu solcher Vollkommenheit geführt worden, -daß auch noch die zweite Dezimale der Zahl mit ziemlicher Sicherheit -angegeben werden kann. In den letzten Jahren hat sich aber die Tatsache -des Vorkommens mehrerer Bleiarten mit verschiedenem Atomgewicht in -allgemeine Zusammenhänge eingefügt. Es wurde nachgewiesen, daß eine -Reihe von chemischen Elementen aus zwei oder mehr Stoffen besteht, -die verschiedenes, dabei ganzzahliges Atomgewicht aufweisen, sich -im übrigen aber kaum voneinander unterscheiden lassen. Die ~moderne -Atomtheorie~, die sich in ungeahnter Weise entwickelt hat, hat -diese Erscheinung auch zu erklären vermocht. Kommende Generationen -werden das verflossene Vierteljahrhundert ohne Zweifel als eines der -denkwürdigsten Entdeckungszeitalter in der Wissenschaftsgeschichte -verzeichnen. Die Atome, die vor 25 Jahren einer strengen Wissenschaft -noch als vollkommen hypothetisch gelten mußten, haben sich als -greifbare Wesenheiten entpuppt, die der Forscher zählt und wägt und -die ihm wundersame Geheimnisse ihres Baus enthüllt haben. Im folgenden -können nur einige Ergebnisse dieser Forschungen angegeben werden, ohne -daß eine nähere Begründung möglich wäre. - -Ein Atom ist nach modernen Anschauungen ein Planetensystem im Kleinen, -aufgebaut aus einem Kern mit positiv elektrischer Ladung und einer -Anzahl kleinster negativer Elektrizitätsteilchen (Elektronen), die -in kreis- und ellipsenförmigen Bahnen um diesen Kern kreisen. Eine -merkwürdige und unausdenkbare Vorstellung: Das, was wir Materie -heißen, löst sich auf in positive und negative Elektrizität und ihre -Bewegung! Die chemischen Eigenschaften eines Elements hängen ab von -der Ladung des Kerns und der Zahl der ihn umkreisenden Elektronen, -sein Atomgewicht von der Zahl der positiven Elektrizitätsteilchen im -Kern. Das ist nämlich aus folgenden Gründen nicht dasselbe: Im Kern -stecken positive und negative Elektrizitätsteilchen in verschiedener -Anzahl; die positiven überwiegen, der Unterschied ergibt die Größe der -positiven Ladung. Wenn nun aus einem Kern gleichzeitig ein positives -und ein negatives Teilchen austritt, so bleibt die Ladung gleich, -die Masse, das Gewicht, wird jedoch vermindert. Zwei solche Arten -von Atomen werden sich chemisch vollständig gleich verhalten, weil -die Ladung des Kerns und die Zahl der ihn umkreisenden Elektronen -gleich ist, sie werden aber verschiedenes Atomgewicht aufweisen. -Derartige Stoffe nennt die Chemie ~isotope Elemente~,[7] weil ihnen -im periodischen System der Elemente derselbe Platz zugewiesen werden -muß. Es hat sich ergeben, daß eine Reihe von Elementen nichts anderes -darstellt als ein Gemenge verschiedener isotoper Bestandteile. So -ist z. B. das Gas Neon mit dem Atomgewicht 20,2 ein Gemenge zweier -isotoper Elemente vom Atomgewicht 20 und 22, von denen das erste 90%, -das zweite 10% des Gemenges bildet. Durch diese im Feinbau der Materie -begründete Isotopie wird nun auch für das Rätsel der verschiedenen -Atomgewichtszahlen von Uranblei, gewöhnlichem Blei und Thoriumblei eine -Erklärung gegeben: Alle drei Bleiarten haben die gleiche Kernladung und -die gleiche Zahl von kreisenden Elektronen, jedoch verschiedene Masse. -Dabei sind Uranblei (Ra G) und Thoriumblei (Th D) zwei einheitliche -Stoffe mit verschiedenem Atomgewicht, während das gewöhnliche Blei -wahrscheinlich ein Gemenge gleichbleibender Zusammensetzung aus diesen -zwei isotopen Bleisorten darstellt. - - [7] Von griechisch: _isos_ = gleich, _topos_ = Lage. - -Nachdem wir alles dies vorausgenommen haben, vermögen wir den -ganzen Zerfallsvorgang in seinem zeitlichen Verlauf einheitlich zu -verstehen und zu erklären. Haben wir ein frisch hergestelltes, reines -Radiumpräparat vor uns, das frei von allen Beimengungen ist, so -finden wir, daß die Stärke seiner Strahlung von Tag zu Tag zunimmt, -um schließlich einen gleichbleibenden Wert zu erreichen. Das hängt -folgendermaßen zusammen: Das Radium erzeugt zunächst Emanation, -diese zerfällt ihrerseits wieder und erzeugt die weiteren Elemente -der Zerfallsreihe bis hinab zum Radium G. Das Präparat ist also -nach einiger Zeit zu einem Gemenge aller Zerfallsprodukte geworden. -Da zur Strahlung des Radiums allmählich die Strahlen aller seiner -Zerfallsprodukte hinzukommen, so nimmt die Gesamtstrahlung immer -mehr zu; die α-Strahlung steigt zum Schluß bis auf den fünffachen -Betrag. Wenn sie diesen Betrag erreicht hat, so ist das sogenannte -„~radioaktive Gleichgewicht~“ eingetreten, das darin besteht, daß von -der höheren Stufe so viel Atome der nächst niedrigen gebildet werden, -wie von dieser wieder durch Zerfall verschwinden. Es kann daher von -den schnell zerfallenden Stoffen jeweils immer nur eine geringe -Menge vorhanden sein, von den langsamer zerfallenden Stoffen kann -sich mehr halten, und wenn wir die Sache mathematisch durchdenken, -so kommen wir zu dem Resultat, daß die Atomzahlen der verschiedenen -Zerfallsprodukte (mit Ausnahme des Endprodukts) schließlich im -Verhältnis der Zerfallsgeschwindigkeiten (der Halbwertszeiten) stehen -müssen. Das hat sich tatsächlich als richtig ergeben, und ganz dasselbe -ließ sich auch für das Uran feststellen. Ursprünglich chemisch reines -Uran wird mit der Zeit alle seine Zerfallsprodukte einschließen müssen. -Da jedoch der Zerfall verschiedener Zwischenprodukte sehr langsam -vor sich geht, so wird der Gleichgewichtszustand erst nach ungeheuer -langer Zeit eintreten. Es werden dann alle Zerfallsprodukte bis hinab -zum Radium G innerhalb des Urans oder eines in der Natur vorkommenden -Uranminerals im Verhältnis der Zerfallszeiten enthalten sein. Nehmen -wir an, es sei so viel Uran vorhanden, daß in der Sekunde 1000 seiner -Atome zerfallen, so muß nach dem Eintritt des Gleichgewichts von -jedem der Zwischenprodukte so viel vorhanden sein, daß von ihm nach -seiner eigenen Zerfallsgeschwindigkeit in der Sekunde gleichfalls 1000 -Atome zerfallen. Wäre von einem Zwischenprodukt so viel anwesend, daß -mehr als 1000 Atome in der Sekunde zerspringen würden, so würde der -Zerfall seine Menge verringern, und es könnte sich auf die Dauer nur -so viel von dem Stoff halten, daß die Zahl der von der höheren Stufe -hinzukommenden Atome der Zahl der zerfallenden entspricht. Da das -Radium rund 3100000mal so rasch zerfällt wie das Uran, so braucht -von ihm zur sekundlichen Erzeugung von 1000 Atomexplosionen nur der -3100000ste Teil der Zahl der Uranatome vorhanden zu sein. Ein Mehr -würde sich selbst aufzehren, ein Weniger würde sich durch stärkeren -Zuwachs vom Uran her aufstauen. Tatsächlich hat man in sämtlichen -Uranerzen und Uranmineralien der ganzen Welt immer und überall einen -genau gleichbleibenden Gehalt an Radium gefunden: 0,0003 mg auf 1 g -Uran. - -Was aber in jeder Sekunde gleichmäßig zunimmt, weil von ihm aus nichts -weiter abfließt, das ist das Endprodukt Radium G, das Uranblei. Sekunde -für Sekunde strömen ihm über alle Zwischenstufen weg ebenso viele Atome -zu, wie oben beim Uran zerfallen. In einem Uranmineral reichert sich -auf diese Weise immer mehr das Endprodukt an; je älter es ist, um so -mehr Uranblei muß es enthalten. ~In dem Bleigehalt eines Uranminerals -ist somit ein Maß für sein Alter gegeben.~ Das ist das außerordentlich -wichtige Ergebnis, zu dem uns die bisherigen Überlegungen geführt -haben. Uran ist allerdings nicht das einzige Endprodukt des Zerfalls. -Wir dürfen nicht vergessen, daß die bei den verschiedenen Strahlungen -abgeschleuderten α-Teilchen nichts anderes als elektrisch geladene -Heliumatome sind, die ihre Ladung abgeben und sich dann nicht weiter -verändern. Bei den äußeren Partien des Erzes wird wohl das gasförmige -Helium zum Teil nach außen entweichen können, in der Hauptsache werden -aber die Heliumatome in dem festen Erz zwischen den andern Atomen -eingeschlossen bleiben. - -Mit diesen Tatsachen der Bildung von Blei und Helium in Uranmineralien -ist die ~Grundlage einer geologischen Zeitmessung~ gewonnen, die -hauptsächlich von englischen und amerikanischen Forschern (~Boltwood~, -~Strutt~, ~Holmes~) begründet wurde und deren Prinzip uns durch ein -Bild noch klarer werden soll (Abb. 20). Wir denken uns einen großen mit -Wasser gefüllten Behälter, aus dem in der Zeiteinheit eine bestimmte -Menge ausfließt. Das Wasser fließt über eine Anzahl verschieden großer -Schalen weg. Jede Schale ist gefüllt, aber jede, ob klein oder groß, -spendet der nächsten dieselbe Wassermenge; soviel oben ausfließt, -fließt unten einem Sammelbecken zu, dessen Wassermenge sich dadurch -ständig vermehrt. Je kleiner eine der Zwischenschalen ist, um so -weniger Zeit braucht das Wasser, um sie zu durchlaufen. Umgekehrt -gefaßt: wenn bekannt ist, daß eine dieser Schalen in ganz kurzer Zeit -ohne Zufluß entleert würde, so kann daraus geschlossen werden, daß sie -sehr klein sein muß. Größe und Entleerungszeit der Schalen stehen also -in gesetzmäßigem Verhältnis zueinander. - -Der Vergleich springt ohne weiteres in die Augen. Der oberste Behälter -soll das Uran bedeuten, die verschiedenen Zwischenschalen die mittleren -Stufen des Zerfalls, von denen jede ebensoviel Atome zu gleicher -Zeit empfängt wie sie weiter gibt. Schließlich bedeutet der Inhalt -des letzten Behälters das Endprodukt Uranblei, das sich in seiner -Menge ständig vermehrt. Die Heliumatome springen bei jedem Sturz in -die nächst tiefere Schale gesondert für sich ab. Das Verhältnis von -Größe und Entleerungszeit einer Schale entspricht dem Verhältnis von -prozentualer Menge und Zerfallszeit der radioaktiven Zwischenprodukte. -Je länger der Vorgang sich abspielt, um so mehr sammelt sich unten -an. An der Menge des entstandenen Uranbleis messe ich die verflossene -Zeit wie in meinem künstlichen Wasserwerk an der durchgelaufenen -Wassermenge. - -In einem Punkt vermag sich unser Modell allerdings nicht ganz der -Wirklichkeit anzupassen. Von dem Ausgangsmaterial Uran zerfallen -allmählich nach dem uns bekannten Gesetz in der Zeiteinheit immer -weniger Atome. Wenn die Ausgangsmenge des Urans geringer wird, so muß -sich auch allmählich die Zahl der zerfallenden Atome und die Menge der -Zwischenprodukte verringern. In unserm Modell müßte sich das in der -Weise geltend machen, daß mit der Abnahme der Wassermenge im obersten -Behälter auch der Strahl schwächer werden, und entsprechend die Größe -der Zwischenschalen sich verringern sollte. Das letzte Sammelbecken -bliebe jedoch unverändert. Doch müssen wir uns klar machen, daß die -Abnahme des Urans so unendlich langsam vor sich geht, daß der Zerfall -für die ersten 500 Millionen Jahre ohne großen Fehler als gleichmäßig -angenommen werden kann. - -Das Modell, das wir uns ausgedacht haben, ergab das Bild eines -reichen und kunstvollen Wasserwerks, aus dem aber das Prinzip doch -klar herausleuchtet. Daß die Berechnung, die wir auf diese Weise -ausführen, das denkbar schönste Beispiel für eine Zeitmessung nach -dem Prinzip der Wasseruhr ist, das ist ja schon längst klar geworden. -Eines steht jedoch noch aus: die mathematische Berechnung des Gangs -der geologisch-mineralogischen Uranuhr. Es ist nur nötig, in einem -Uranmineral die Menge des Urans und des durch den Zerfall gebildeten -Uranbleis zu bestimmen, um die seit seiner Bildung verstrichene Zeit -berechnen zu können.[8] Die Grundlagen hierzu sind folgende: 1 g Uran -bildet in einem Jahr 1/7900000000 g Radioblei. Diese Zahl folgt aus der -mittleren Lebensdauer des Uran, die durch genaue Einzeluntersuchungen -bestimmt wurde. 100g Uran bilden also jährlich 1/79000000 g Radioblei, -d. h. es sind 79000000 Jahre nötig, bis 100 g Uran 1 g oder 1% Uranblei -gebildet haben. Das Alter eines Uranminerals wird also gefunden, indem -die Zahl von 79000000 Jahren mit dem auf die erzeugende Uranmenge[9] -bezogenen Prozentgehalt an Blei multipliziert wird. - - [8] Die nachstehende Berechnung ist nur angenähert richtig; - die exakte Berechnung würde höhere Mathematik erfordern. - - [9] Die „erzeugende“ Uranmenge wird als Durchschnitt zwischen - der ursprünglich und zum Schluß vorhandenen Uranmenge - berechnet. - - [Illustration: Abb. 20. Die Uranuhr. - - Die Zwischenprodukte mit gleichem Atomgewicht wurden - der Vereinfachung halber zusammengefaßt. Die Größe der - Zwischenschalen mußte, um sie überhaupt darstellen zu - können, stark übertrieben werden.] - -Auf ganz ähnliche Weise kann aus der gebildeten Menge Helium das -Alter des Minerals berechnet werden. Es stehen dem Forscher also -zwei Wege zur Altersbestimmung zur Verfügung: die ~Blei- und die -Heliummethode~.[10] - - [10] Auf vollständig dieselbe Weise kann aus den Tatsachen - des Zerfalls in der Thoriumreihe das Alter eines - Thoriumminerals durch Bestimmung seines Gehalts an - Thorium und Thoriumblei (Th D) oder Helium berechnet - werden. - -Die wissenschaftlichen Grundlagen der Altersbestimmung radioaktiver -Mineralien haben wir damit kennen gelernt. Es ist jedoch noch nötig, -die Möglichkeiten ihrer ~praktischen Anwendung~ zu überlegen. -Wir können mit der neuen Methode nur das ~Alter von Uran- und -Thoriummineralien~ bestimmen. Die bekannten Uranmineralien kommen in -der Hauptsache in ehemals feuerflüssigen Gesteinen vor. Als ein solches -Gestein einst als glutflüssiger Brei aus dem Erdinnern hervorbrach, -enthielt es noch keine einzelnen Mineralien; alle Stoffe waren vielmehr -gleichmäßig verteilt in dem Gesteinsbrei enthalten. Als das Gestein -dann allmählich erkaltete, da fingen die verschiedenen Stoffe an, sich -zusammenzufinden und auszukristallisieren. Die uranhaltigen Mineralien -gehörten zu den ersten, die sich aus dem Gesteinsbrei ausschieden. -Besonders schöne und große derartige Mineralien findet man auch in den -sogenannten pegmatitischen Gängen, deren Stoffe sich der Geologe durch -glühende, aus einem feuerflüssigen Herd entbundene Gase in Spalten des -bereits erkaltenden Gesteins hergetragen denkt. - -Es kann als so gut wie sicher angenommen werden, daß das Uran bei -der Ausscheidung aus dem feuerflüssigen Gesteinsbrei in chemisch -reiner Form, also ohne Zerfallsprodukte, in den Aufbau des Minerals -eingetreten ist. Die Anforderungen, die der Forscher an die auf -ihr Alter zu untersuchenden Uranmineralien stellen muß, sind -außerordentlich hohe: Für die Untersuchungen sollten möglichst große -und reine Stücke genommen werden, die dabei vollständig frisch und -unverändert sein müssen. Es könnte sonst sein, daß durch zerstörende -oder umwandelnde Einflüsse der eine oder andere wichtige Stoff -fortgeführt worden wäre, so daß ein irreführendes Ergebnis die Folge -sein müßte. Haben sich nun Mineralien gefunden, die allen Anforderungen -entsprechen, so wird nach den Regeln der chemischen Scheidekunst der -Gehalt des Minerals an Uran und an Blei bestimmt; daraus kann das -Verhältnis der beiden Elemente berechnet werden, und aus dem Gehalt -an Blei in Prozenten der vorhandenen Uranmenge folgt ohne weiteres das -Alter des Minerals, dessen Entstehung mit dem Ausbruch des vulkanischen -Gesteins, in dem es enthalten ist, nahe übereinstimmt. Damit ist die -Untersuchung aber noch nicht zu Ende. Es muß festgestellt werden, -ob das in dem Mineral enthaltene Blei tatsächlich reines Uranblei -ist. Es könnte ja sein, daß schon bei der Entstehung des Minerals -auch gewöhnliches Blei sich am Aufbau beteiligt hätte, oder daß das -Uranmineral noch Thorium enthalten würde; in diesem Fall wäre in dem -erhaltenen Blei auch das Endprodukt der Thoriumreihe, Thoriumblei, -enthalten. Hierüber kann nur eine Atomgewichtsbestimmung von höchster -Genauigkeit Aufschluß geben. Stellt sich durch sie heraus, daß das -Atomgewicht des erhaltenen Bleis 206 beträgt, so hat damit der Forscher -den unwiderleglichen Beweis, daß reines Uranblei vorliegt. Wir sehen -hieraus, daß die Unterscheidung der verschiedenen isotopen Bleiarten -von außerordentlich großer praktischer Bedeutung für die ganze Methode -ist. Ohne diese Möglichkeit käme man niemals über die Unsicherheit -hinweg, ob nicht am Ende eine Verunreinigung des Uranminerals durch -gewöhnliches Blei oder Thoriumblei das Ergebnis verfälscht habe. - -Eine solche Gefahr besteht zwar bei der ~Heliummethode~ nicht, dafür -tritt aber bei ihr eine andere Schwierigkeit auf. Es ist für sie ganz -besonders wichtig, möglichst frische Mineralien zur Untersuchung -zu bekommen, weil das gasförmige Helium wohl zunächst im Innern -des Kristalls festgehalten wird, bei der Verwitterung aber rasch -entweicht. Das Mineral wird bei der Untersuchung aufgelöst; dabei -muß das gasförmige Helium aufgefangen und seine Menge ganz genau -bestimmt werden. Es ist nun ohne weiteres verständlich, daß bei diesen -Vorgängen ein großer Teil des Heliums verloren gehen kann, daß also für -gewöhnlich die Menge des gefundenen Heliums viel zu gering ist und die -daraus errechneten Alterszahlen zu niedrig ausfallen müssen. - -Ehe wir die Ergebnisse solcher Altersbestimmungen kennenlernen -wollen, müssen wir uns aber zuerst noch darüber klar werden, was -wir von ihnen auf alle Fälle verlangen müssen. Die neue Methode muß -zeigen, daß sie auch vor einer strengen Kritik bestehen kann. Ihre -unmittelbare Nachprüfung, die sich auf Millionen von Jahren erstrecken -müßte, ist nun allerdings nicht möglich, und so muß sie in erster -Linie durch die innere Folgerichtigkeit und Widerspruchslosigkeit -ihrer Ergebnisse für sich sprechen. Wir müssen zuerst von den zu -erhaltenden Alterszahlen verlangen, daß sie sich dem Altersrahmen, -den wir aus den früher besprochenen geologischen Methoden gewonnen -haben, ohne Zwang einfügen. Wenn wir z. B. für ein Gestein, das -nach der geologischen Altersbestimmung im Kambrium ausgebrochen und -erstarrt ist, nach der Uranmethode ein Alter von 10 Millionen Jahren -finden würden, so müßten wir von vornherein die schwersten Zweifel -gegen die Richtigkeit der Methode hegen, ebenso aber, wenn wir für -ein Gestein aus dem Miozän etwa 100 Mill. Jahre erhalten sollten. -Wir sind bei der Aufstellung der Rahmenzahlen mit größter Vorsicht -vorgegangen, wir können dafür aber auch als sicher annehmen, daß die -richtige Zahl innerhalb dieses Rahmens liegen muß. Weiter muß von den -radioaktiven Methoden der Altersbestimmung verlangt werden, daß ihre -Ergebnisse mit dem sicher festgelegten, relativen Alter der Gesteine -übereinstimmen. Es darf also nicht sein, daß sich für ein zweifellos -karbonisches Gestein ein höheres Alter ergibt wie für ein solches, das -nach seiner Lagerung in die präkambrische Zeit versetzt werden muß. Der -Prozentgehalt an Blei muß also mit dem relativen geologischen Alter der -Muttergesteine zunehmen. Schließlich muß sich bei Altersbestimmungen -von verschiedenen Mineralien aus ein und demselben Gestein, also -etwa aus einem einheitlichen Granitstock, für alle dasselbe Alter -ergeben, ihr Prozentgehalt an Blei muß derselbe sein. Würde man bei -einer Untersuchung für ein Mineral das doppelte Alter errechnen wie -für ein anderes, so wäre wiederum unser Glaube an die Methode schwer -erschüttert. Mit diesen Gesichtspunkten wollen wir überlegend an die -~Ergebnisse der Altersbestimmungen nach der Bleimethode~ herantreten, -die in der nachfolgenden Tabelle nach ~Lawson~ und ~Holmes~ -zusammengestellt sind. - - +-----+---------+-------------+---------------+----------------------+ - | G | | | | | - | r | | | Gehalt an | Mittleres Alter | - | u | Mineral | Fundort | Blei in % des | in Millionen Jahren | - | p | | | erzeugenden |und geologische Epoche| - | p | | | Urans | | - | e | | | | | - +-----+---------+-------------+------+--------+----------------------+ - | 1. |Uraninit | | 4,1 | | | - | | „ | Glastonbury | 4,3 | Mittel | Karbon | - | | „ | Connecticut | 4,0 | 4,1% | 320 Mill. Jahre | - | | „ | USA. | 4,2 | | | - | | „ | | 4,0 | | | - | | | | | | | - | 2. |Uraninit | |5,1*) | |Zwischen Kambrium und | - | | „ | Nord- |5,5*) | | Tertiär, jedenfalls | - | | „ | Karolina |4,9*) | Mittel | auch Karbon (wie 1) | - | | „ | USA. | 4,6 | 4,8% | 370 (260) Mill. Jahre| - | | Zirkon | | 4,7 | | *) Atomgewicht | - | | „ | | 4,2 | | des Bleis 206,4 | - | | | | | | | - | 3. | Zirkon | | 4,0 | | | - | | „ | Brevig | 4,6 | Mittel | Mitteldevon | - | |Pyrochlor| (Norwegen) | 4,8 | 4,4% | 340 Mill. Jahre | - | | Biotit | | 4,4 | | | - | | Zirkon | | 4,1 | | | - | | | | | | | - | 4. |Uraninit | | 5,2 | | | - | | „ | Branchville | 5,1 | Mittel | Untersilur | - | | „ | Connecticut | 5,2 | 5,1% | (Ordovician) | - | | „ | USA. | 5,1 | | 400 Mill. Jahre | - | | | | | | | - | 5. | Uranin. |Geg. v. Moos |9 Analysen mit | Mittel-Präkambrium | - | | u. | (südl. |einem Bleigeh. | 1000 Mill. Jahre | - | |Bröggerit| Norwegen) |v. 12-14%; | Atomgewicht | - | | | | Mitt. 13% | des Bleis 206,06 | - | | | | | | | - | 6. |Uraninit | | 17 | | Mittel-Präkambrium | - | | „ | Arendal | 18 | Mittel | 1300 Mill. Jahre | - | | „ | (Norwegen) | 18 | 18% | *) Atomgewicht | - | | Cleveit | | 19*) | | des Bleis 206,08 | - | | | | | | | - | 7. |Uraninit | Villeneuve | 17 | | Mittel-Präkambrium | - | | | (Kanada) | | | 1200 Mill. Jahre | - | | | | | | | - | | | | | | Geologisches Alter | - | 8. |Uraninit | Morogoro | 9,4 | Mittel | unbestimmt | - | | „ |D.-Ostafrika | 9,2*)| 9,3% | 700 Mill. Jahre | - | | | | | | *) Atomgewicht | - | | | | | | des Bleis 206,05 | - | | | | | | | - | | | | | | | - | 9. | Zirkon |Portugiesisch| 17 | Mittel | | - | | „ | Ostafrika | 15 | 15% | 1100 Mill. Jahre | - | | Biotit | Mozambique | 14 | | | - | | | | | | | - | | | | | | Von den ältesten | - | 10. | Zirkon | Mozambique | 21 | | gneisähnlichen | - | | | | | | Graniten | - | | | | | | 1500 Mill. Jahre | - +-----+---------+-------------+------+--------+----------------------+ - -Die Mineralien der ersten Gruppe kommen in einem Granit vor, der -nach der geologischen Altersbestimmung im Karbon aufgedrungen ist. -Das Verhältnis von Blei und Uran stimmt bei allen untersuchten -Mineralien in sehr befriedigender Weise überein; leider wurde keine -Atomgewichtsbestimmung des Bleis ausgeführt, so daß das Alter von 320 -Millionen Jahren nicht als ganz gesichert gelten kann. - -Der Granit, in dem die Mineralien der zweiten Gruppe vorkommen, -gehört jedenfalls auch der Karbonformation an. Der Mittelwert des -Bleigehalts ergibt ein Alter von 370 Millionen Jahren. Da aber das -Atomgewicht zu 206,4 bestimmt wurde, so ist anzunehmen, daß nur 70% der -Gesamtbleimenge radioaktiven Ursprungs sind. Wird das berücksichtigt, -so ergibt sich das Alter zu 260 Millionen Jahren. - -Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Mineralien aus Gesteinen -von mitteldevonischem Alter der Umgegend von Kristiania. Der etwas -wechselnde Bleigehalt läßt auf nachträgliche Veränderungen der -Mineralien schließen; sein Mittelwert ergibt ein Alter von 340 -Millionen Jahren. - -Die Mineralien der 4. Gruppe stammen aus einem Gestein vom Alter des -Untersilurs (nach nordamerikanischer Bezeichnung Ordovician). Der -Bleigehalt bleibt in allen Analysen sehr befriedigend derselbe. Die -Alterszahl von 400 Millionen Jahren erscheint in ihrem Verhältnis zu -den Ergebnissen der 1.-3. Gruppe als sehr wahrscheinlich. - -Die Analysen und Alterszahlen der Gruppe 5 dürfen als außerordentlich -zuverlässig gelten: Bei neun Analysen schwankt der Bleigehalt nur -zwischen 12 und 14%. Die Atomgewichtsbestimmung des Bleis (206,06) -bedeutet den sicheren Beweis, daß es sich um reines Uranblei handelt. - -Die Mineralien der Gruppe 6 stammen aus einem anderen Granitmassiv -Norwegens; der Altersunterschied gegenüber 5 findet dadurch seine -Erklärung. Die Untersuchung eines Uranminerals aus dem mittleren -Präkambrium Nordamerikas (6) ergibt bezeichnenderweise dasselbe Alter, -wie es für das Mittelpräkambrium Norwegens gefunden wurde. - -Leider läßt sich das relative geologische Alter der in Gruppe 8 bis 10 -aufgeführten ostafrikanischen Gesteine nicht mit Sicherheit angeben; -die Analyse der deutsch-ostafrikanischen Mineralien läßt jedoch infolge -des gleichbleibenden Gehalts an Blei vom Atomgewicht 206 die errechnete -Alterszahl als sehr zuverlässig erscheinen. - -Diesen Ergebnissen der Bleimethode seien in der folgenden -Zusammenstellung die der ~Heliummethode~ gegenübergestellt; wo -gleichzeitig für ein Mineral die Bestimmung nach beiden Methoden -vorliegt, ist das Ergebnis der Bleimethode in Klammern beigesetzt. - - +-------------------+---------+-----------+----------+-------------+ - | Geologische | Mineral | Fundort | ccm He | Alter in | - | Zeit | | | auf 1 g |Jahrmillionen| - | | | | Uranoxyd | | - +-------------------+---------+-----------+----------+-------------+ - | Diluvium | Zirkon | Vesuv | 0,01 | 0,1 | - | -- | -- | Eifel | 0,09 | 0,96 | - | Pliozän | -- |Neuseeland | 0,146 | 1,56 | - | Miozän | -- | Auvergne | 0,57 | 6,1 | - | Eozän | Hämatit | Irland | 2,38 | 25,5 | - | Oberkarbon | Limonit | England | 12,8 | 137 (320) | - | Mitteldevon | Zirkon | Brevig, | 4,31 | 46,1 (340) | - | | | Norwg. | | | - | Silur |Thorianit| Ceylon | 22,6 | 242 (500) | - | Ober-Präkambrium | Zirkon | Ceylon | 25 | 267 (1200) | - | Unter-Präkambrium | -- | Kanada | 56 | 600 (1500) | - +-------------------+---------+-----------+----------+-------------+ - -Die Heliummethode gibt demnach durchweg kleinere Zahlen als die -Bleimethode, was sich aus den bereits angeführten Tatsachen leicht -erklärt. Es scheint, daß im allgemeinen nur ungefähr der dritte Teil -des gebildeten Heliums im Mineral festgehalten bleibt; daher erreichen -auch die Alterszahlen im Durchschnitt nur ein Drittel der nach der -Bleimethode bestimmten Zahlen. - -Versuchen wir unsere Überlegungen zusammenzufassen, so können -wir auf alle Fälle sagen: Die Ergebnisse der radioaktiven -Methode der Altersbestimmung machen durchaus den Eindruck großer -Zuverlässigkeit. Sie fügen sich zwanglos dem Rahmen ein, den die -Geologie aufgestellt hat. Die absoluten Alterszahlen stehen mit der -relativen Altersbestimmung nirgends in Widerspruch. Das gleichbleibende -Verhältnis von Uran und Blei bei Mineralien desselben Vorkommens zeigt -deutlich, daß ihm ein bestimmtes Gesetz zugrunde liegt. - -So erfüllt tatsächlich die neue Methode alle Anforderungen, die -an ihre Ergebnisse gestellt werden müssen. Die Grenzen ihrer -Anwendungsmöglichkeit sollen allerdings auch nicht verschwiegen werden. -Leider sind die Mineralien, die sie braucht, recht selten und nur in -vollständig unverwittertem Zustand verwendbar. Mit der radioaktiven -Methode kann nur das Alter von Uranmineralien, und damit der Zeitpunkt -des Ausbruchs und der Erstarrung ihres Muttergesteins bestimmt werden. -Nun ist es oftmals unmöglich, das relative Alter eines solchen Gesteins -genau festzulegen; es kann von ihm (wie bei 2) unter Umständen nur -ausgesagt werden, daß es jünger als Kambrium, aber älter als Tertiär -sein müsse, und das sind sehr weit gezogene Grenzen. In einem solchen -Fall ist leider auch die schönste Altersbestimmung für die Festlegung -eines Punktes in der Erdgeschichte verloren. Wenn die Wissenschaft -in Anwendung der neuen Methode später einmal vollständige Sicherheit -erlangt hat, so besitzt sie allerdings damit die Möglichkeit, mit -Hilfe des absoluten Alters eines Gesteins auch die Formation zu -bestimmen, der es angehören muß. Bedauerlich ist es, daß bis jetzt -noch keine ganz zuverlässige Altersbestimmung für ein jüngeres -Gestein, etwa aus der Jura- oder Tertiärzeit, vorliegt. Es fehlen -eben bis jetzt aus Gesteinen dieser Formationen die zur Untersuchung -verwendbaren Uranmineralien. Leicht und bequem zu handhaben ist die -Methode nicht. Die chemische Analyse wäre zwar an sich nicht besonders -schwierig; sie fordert aber, um zuverlässig zu sein, jedesmal noch eine -besondere Atomgewichtsbestimmung des Bleis, die in der notwendigen -Genauigkeit nur von ganz wenigen Spezialforschern ausgeführt werden -kann. Alles in allem können wir aber sagen, daß die neue Methode der -Altersbestimmung einen ~ungeheuren Fortschritt~ bedeutet: das rohe -Schätzen und Extrapolieren haben wir verlassen; wir sind mit ihr in -den Bezirk exakter physikalisch-chemischer Forschung eingetreten. Ihre -wissenschaftliche Grundlage, die Zerfallstheorie der radioaktiven -Elemente, darf schon heute als gesicherter Bestand der Wissenschaft -gelten, obwohl sich die einzelnen Angaben über Zerfallszeiten bei -zukünftigen genaueren Bestimmungen noch etwas ändern können. Zwei -grundlegende Voraussetzungen sind allerdings noch in den Berechnungen -enthalten: Wir müssen einmal annehmen, daß das Uranmetall rein und -ohne seine Folgeprodukte bei der Bildung des Minerals in dieses -eingetreten sei. Das ist eine Annahme, die von der Mineralogie -überaus wahrscheinlich gemacht wird. Das zweite muß in seiner Art -bei jedem geologischen Zeitmesser zugrunde gelegt werden. Wir müssen -voraussetzen, daß die „Uranuhr“, wie wir sie kurz heißen wollen, im -ganzen Verlauf der geologischen Vorzeit gleich rasch gegangen sei wie -heute. Wir werden auf diese Frage nochmals zurückkommen. - -Mit diesen Altersbestimmungen nach radioaktiver Methode ist ein -Wunsch in Erfüllung gegangen, den wir zum Schluß des zweiten Kapitels -ausgesprochen haben: Wir haben durch physikalisch-chemische Messung die -sichere zeitliche Festlegung mehrerer Punkte in früher geologischer -Vergangenheit erreicht. Damit ergeben sich ohne weiteres auch -brauchbare Werte für die dazwischenliegende Zeit. Vom Extrapolieren -können wir, wie der Mathematiker sagen würde, zum ~Interpolieren~ -übergehen; wir bestimmen den Verlauf der Zeitkurve zwischen zwei -festen, weit auseinanderliegenden Punkten. Es ist ja nötig, durch eine -größere Zahl von Altersbestimmungen die Sicherheit der Ergebnisse noch -zu verstärken; aber es kann gesagt werden, daß auch schon die heute -vorliegenden Zahlen infolge ihrer Widerspruchslosigkeit einen sehr -hohen Grad von Wahrscheinlichkeit beanspruchen dürfen. Das ist alles, -was überhaupt erwartet werden kann, sind wir doch Eintagsfliegen, -denen jedes unmittelbare Herantreten an die Messung geologischer -Zeiträume immer versagt bleiben wird. Stellen wir die zuverlässigsten -Zahlen heraus, so sind es die für das Alter des Karbons mit 320 -Millionen Jahren (vielleicht etwas zu hoch), des Untersilurs mit 400 -Millionen Jahren, des Mittel-Präkambriums mit 1000 und 1300 Millionen -Jahren. Es gilt nun, in diesen Rahmen die übrigen Ereignisse der -Erdgeschichte schätzungsweise einzufügen, wie der Kartograph nach -der genauen Festlegung seiner trigonometrischen Punkte das übrige -in seine Karte einzeichnet. Einer der wichtigsten Punkte ist der -~Beginn des Kambriums~. Nach den obigen Zeitbestimmungen können wir -als wahrscheinliche Zahl etwa 500 Millionen Jahre für ihn einsetzen -(Barrell nimmt 600 Millionen Jahre an). Auf diesen Zeitraum verteilen -sich die zehn Formationen des Geologen, deren jede etwa 40-80 Millionen -Jahre zu ihrer Bildung beansprucht haben mag. Für das Tertiär wird ein -Wert in der Nähe der unteren Grenze anzusetzen sein, ein Ergebnis, das -unsere frühere Schätzung aufs schönste bestätigt. - -Für das ~Präkambrium~, das noch weit über das Kambrium zurückführt, -muß auf alle Fälle ein Zeitraum angenommen werden, der die Dauer aller -späteren Epochen um das Mehrfache übersteigt. Alle Gesteine dieser -Periode sind in ihren Mächtigkeiten verändert, in der stärksten Weise -umgebildet und zum größten Teil zu kristallinen Schiefern geworden, -deren Ursprung man kaum mehr zu erkennen vermag. Die Zeitdauer ihrer -Bildung muß noch weit das Maß übersteigen, das schon ihre ungeheure -Schichtmächtigkeit erwarten läßt. Tatsächlich ergibt ja die radioaktive -Methode für das Präkambrium einen Zeitraum von weit über einer -Milliarde Jahre, wenn die Zeit vom Mittelpräkambrium bis zum Beginn des -Kambriums allein schon 800 Millionen Jahre beträgt. Daß ganz ungeheure -Zeiträume dem Präkambrium zugrunde liegen müssen, ergeben vor allem -auch entwicklungsgeschichtliche Überlegungen. Weist doch die Tierwelt -des Kambriums Vertreter von außerordentlich hoher Entwicklung auf; -vom Anfang des Lebens überhaupt bis zu dieser Entwicklungshöhe muß der -Weg vielmal weiter gewesen sein als vom Beginn des Kambriums bis zur -Jetztzeit. War er dreimal, war er zehnmal, oder gar hundertmal so weit? -Niemand vermag es zu sagen. Alle Anhaltspunkte fehlen uns; die Anfänge -des Lebens sind vielleicht in uralten Schichten des Präkambriums -begraben, aber ihre Spuren sind bereits vollständig verwischt und -es ist so gut wie aussichtslos, über sie jemals etwas Bestimmtes zu -erfahren. - -Noch viel unsicherer werden unsere Vermutungen, wenn wir Jahreszahlen -für noch weiter zurückliegende Entwicklungszustände unserer alten Erde -finden wollen. Wir haben bereits die Altersbestimmung des Ozeans aus -seinem Salzgehalt abgelehnt; dasselbe wird mit gewissen physikalischen -Methoden der Fall sein müssen. Eine große Rolle hat bis vor kurzer -Zeit der Versuch des englischen Physikers ~Thomson~ (~Lord Kelvin~) -gespielt, aus der Abkühlung der Erde ihr Alter zu berechnen (1897). -Von den physikalischen Gesetzen der Wärmestrahlung ausgehend, kam er -auf das Ergebnis, daß eine Kugel von der Größe und Beschaffenheit der -Erde zur Abkühlung von einem feuerflüssigen Zustand bis zur heutigen -Oberflächentemperatur etwa 40 Millionen Jahre nötig habe. Diese Zahl -hatte von vornherein sehr wenig innere Wahrscheinlichkeit. Es läßt -sich überzeugend nachweisen, daß im Kambrium keine wesentlich höhere -Temperatur bestanden haben kann als heute. In dem großen Vorgang der -Abkühlung könnte daher der Zeitspanne vom Kambrium bis zur Jetztzeit -nur ein ganz geringer Prozentsatz der 40 Millionen Jahre zufallen, -und daraus würden sich so geringe Zahlen für die Bildungszeiten der -einzelnen geologischen Formationen ergeben, daß kein Geologe ihre -Richtigkeit zugeben könnte. Nun hat sich aber weiterhin im Zusammenhang -mit der radioaktiven Forschung eine Tatsache ergeben, die allein -für sich genügt, die Berechnung Thomsons ungültig zu machen. Thomson -kannte nämlich die Tatsachen des radioaktiven Zerfalls noch nicht und -konnte daher in seine Wärmerechnung einen überaus wichtigen Aktivposten -nicht einstellen: den Zuwachs an Wärme, den die Erde durch den Zerfall -radioaktiver Substanzen andauernd erfährt. Es ist versucht worden, -die Menge der radioaktiven Stoffe in den uns zugänglichen Teilen der -Erdrinde zu bestimmen; dabei ergaben sich so erhebliche Mengen, daß -ihre Wärmeerzeugung beim Zerfall vollständig genügt, um den Verlust -aufzuheben, den die Erde durch Wärmeausstrahlung erleidet. Ja es -ist sogar für die Wissenschaft zum Problem geworden, wie es möglich -sei, daß die Erde nicht dauernd heißer werde! Es müssen besondere -Annahmen über die Verteilung der radioaktiven Stoffe in größerer -Tiefe gemacht werden, um die ziemlich gleichbleibende Wärme der -Erdrinde verständlich zu machen. Wir sehen, dieser eine Umstand genügt -vollständig, um die Berechnung Thomsons unbrauchbar zu machen. Wir tun -am besten, mit unsern Versuchen absoluter Altersbestimmungen nicht -weiter zurückzugehen als bis zu einem Zeitpunkt, den wir noch mit -erprobten Methoden erfassen können. Die Wissenschaft vermag im heutigen -Augenblick noch nicht das „Alter der Erde“ schlechthin zu bestimmen. -Wir wollen bescheidener sein und uns an der Berechnung von Zahlen für -das Alter des Kambriums oder des Präkambriums genügen lassen. - - - - -V. Schlußbetrachtung und Ausblick - - -Drei große Gruppen von Methoden haben uns zu unsern Ergebnissen -geführt; es ist zum Schluß nötig, die eingeschlagenen Wege nochmals im -Zusammenhang zu überblicken. Die erste Methode versuchte, die auf der -Erde gebildeten Sedimentgesteine als die Leistung immerfort arbeitender -geologischer Kräfte zu erklären und daraus die Zeitdauer ihrer Bildung -zu berechnen. Das wahrscheinlichste Ergebnis waren etwa 300 Millionen -Jahre; diese Zeit wäre zur Bildung aller, auch der präkambrischen -Sedimente nötig gewesen. Nach dem Verhältnis der bekannten -Sedimentmächtigkeiten würde hiervon mehr als die Hälfte, mindestens -200 Millionen Jahre, auf die Zeit vom Kambrium bis zur Jetztzeit -entfallen. Dazu muß aber gesagt werden, daß auf diese Weise die Zeit -des Präkambriums sicher bedeutend unterschätzt wird. Die zweite Methode -geht von schönen und zuverlässigen Zeitmessungen geologischer Vorgänge -der Nacheiszeit aus und führt unter Verwendung von Verhältniszahlen -durch kühne Extrapolation auf den weiten Rahmen von 40-1600 Millionen -Jahren für das Alter des Kambriums, wobei sich als wahrscheinlichste -Werte 200-600 Millionen Jahre ergeben. Die radioaktive Methode gibt -schließlich die Möglichkeit, ganz bestimmte Alterszahlen zu berechnen, -die für das Karbon rund 300 Millionen Jahre, für das Kambrium etwa 500 -Millionen Jahre, für frühe Zeitpunkte des Präkambriums mindestens 1500 -Millionen Jahre betragen. Wie lassen sich nun all diese Ergebnisse -vereinigen? Zunächst ist zu sagen, daß sich die Ergebnisse des ersten -und zweiten Wegs durchaus nicht widersprechen. Die nach der ersten -Methode berechneten Alterszahlen fallen in den Rahmen der zweiten, und -auch die mittleren Werte kommen einander recht nahe. Ebenso führen -die Altersbestimmungen von Uranmineralien zu Zahlen, die sich ohne -weiteres in den Rahmen der zweiten Methode einfügen. Dagegen besteht -tatsächlich ein Widerspruch zwischen den Ergebnissen des ersten und -dritten Wegs, die beide bestimmte Zahlen nennen, der erste für das -Alter des Kambriums 200 Millionen Jahre, des Präkambriums ungefähr -300 Millionen Jahre, der zweite 500 und 1500 Millionen Jahre. Wie ist -dieser Widerspruch zu lösen? Beide Methoden haben die Voraussetzung, -daß ihre geologische Uhr in der ganzen Vergangenheit gleich schnellen -Gang gehabt habe wie in der Gegenwart. Nun ist es denkbar, daß die -Sedimentationsuhr, wie wir sie kurz heißen wollen, in der Vergangenheit -langsamer gegangen wäre als in der Gegenwart. Dann hätte uns die Uhr -mit ihrem gegenwärtigen raschen Lauf für die Vergangenheit zu kleine -Zeitwerte angegeben; wir müßten also die höheren Jahreszahlen der -Uranuhr als die richtigen annehmen. Es wäre aber auch denkbar, daß die -Uranuhr heute langsamer ginge als in geologischer Vorzeit. Dann hätte -sie uns zu große Zeiträume vorgetäuscht und die Sedimentationsuhr hätte -recht.[11] - - [11] Den dritten Fall, daß beide Uhren falsch gehen könnten, - wollen wir außer Betracht lassen. - -Die Frage nach der Größe der Zeiträume kommt also auf eine Untersuchung -über die Zuverlässigkeit unserer geologischen Zeitmesser hinaus, und -daß hier der Uranuhr größeres Vertrauen entgegengebracht werden kann -wie der Sedimentationsuhr, das kann kaum einem Zweifel unterliegen. -Die Uranuhr beruht auf einem einheitlichen physikalisch-chemischen -Vorgang, der im Aufbau der Atome begründet ist und dessen Ablauf mit -keinem uns zugänglichen Mittel auch nur im geringsten verändert werden -kann. Es wurde schon angeführt, daß Drucke von 25000 Atmosphären -zusammen mit Temperaturunterschieden von mehreren tausend Graden den -Zerfall der Atome nicht beeinflussen konnten. Die Annahme, daß der -Zerfall früher schneller vor sich gegangen sei, kann in keiner Weise -begründet oder auch nur wahrscheinlich gemacht werden; sie würde -bedeuten, daß Naturgesetze nicht unveränderlich wären, sondern sich -im Verlauf geologischer Zeiträume ändern könnten. Dagegen hängt die -Sedimentationsgeschwindigkeit der Jetztzeit von einer Unzahl von -Faktoren ab, die ohne Zweifel im Lauf der Erdgeschichte nicht immer -dieselben gewesen sind. Um eine Übereinstimmung mit der Uranuhr -zu erzielen, müßten wir annehmen, daß die Sedimentationsuhr heute -mindestens 2½mal, vielleicht sogar 4-5mal schneller ginge wie im -Durchschnitt der geologischen Vergangenheit. Tatsächlich vertreten nun -besonders eine Reihe englischer und amerikanischer Geologen (Holmes, -Chamberlin, Barrell) diese Ansicht sehr lebhaft. Sie behaupten, daß -das Maß der Abtragung und damit auch der Sedimentation heute ein -überdurchschnittlich großes sei. Unsere Flüsse haben an den immer noch -hochragenden Resten der im Tertiär aufgetürmten Kettengebirge und an -den lockeren und leicht zerstörbaren Bildungen der jüngstvergangenen -Eiszeit leichtes Spiel für ihre Zerstörungsarbeit; sie tragen daher -wesentlich mehr ins Meer hinaus als in früheren Erdperioden, in denen -die Gebirge der Erde bis fast zu ihren Grundmauern abgeschliffen -waren. Lebhafte Schollenbewegungen, die Hebungen und Senkungen von -Ländern zur Folge haben, halten heute die Arbeit der Flüsse in Atem. -Der Vulkanismus ist gegenwärtig recht lebhaft und liefert in seinen -Aushauchungen Gase, die die Verwitterung beschleunigen. So hat die -Ansicht jener Geologen, die Sedimentationsuhr gehe heute wesentlich -rascher als in der Vorzeit, sehr gewichtige Gründe für sich; ihre -Annahme hätte zur Folge, daß wir die durch die Uranmethode gewonnenen -Zahlen als die richtigen ansehen müßten. - -Damit sind wir am Ende unserer Untersuchungen über absolute geologische -Altersbestimmung angelangt. Von höchstem wissenschaftlichem Reiz ist -es gewesen, all den verschlungenen Wegen nachzugehen, auf denen die -Forschung eines der packendsten und interessantesten Probleme der -Erdgeschichte zu lösen versuchte. Wir können zwar noch nicht sagen, daß -die Frage heute schon restlos gelöst sei, aber wir haben den lebhaften -Eindruck gewonnen: sehr weit sind wir von der endgültigen Lösung des -Problems nicht mehr entfernt, wahrscheinlich haben wir sie sogar in -den Altersbestimmungen nach radioaktiver Methode heute schon in der -Hand. Wo die Jahreszahlen der Geschichte beim Rückwärtsschreiten in die -Vergangenheit abbrechen, da würden die Jahreszahlen der Geologie sich -anschließen und bis in die fernste Vergangenheit zurückführen. - -Mit diesen exakten Altersbestimmungen hat die Geologie ein Problem -gelöst, das sie seit ihren ersten Anfängen beschäftigte: Die Bezwingung -der geologischen Zeiträume durch Maß und Zahl. Schon vor achtzig Jahren -hat die Astronomie ein ähnliches Ziel erreicht. Die Geologie weist den -Menschen zurück in unvorstellbar große Zeiträume der Vergangenheit, -die Astronomie führt ihn von unserem Planeten und dem engen Bezirk -unseres Sonnensystems hinaus in die endlosen Fernen des Weltalls. Wohl -kannte man schon lange mit befriedigender Genauigkeit die Entfernung -aller Glieder des Sonnensystems, vollständig unbekannt waren aber -die Entfernungen der Fixsterne, bis es im Jahr 1837 dem berühmten -Königsberger Astronomen ~Bessel~ gelang, die Entfernung des kleinen -Sterns 61 im Schwan zu messen; er erhielt für sie 80 Billionen km. Im -nächsten Jahr wurde am südlichen Sternhimmel die Entfernung unseres -nächsten Nachbars im Fixsternsystem, des Sterns α im Zentauren zu -41 Billionen km oder 4½ Lichtjahren bestimmt, d. h. der Stern ist so -weit entfernt, daß sein Licht bei einer Sekundengeschwindigkeit von -300000 km 4½ Jahre braucht, um auf unsere Erde zu gelangen. Damit war -zum erstenmal die Entfernung eines Punktes außerhalb des Sonnensystems -gemessen. An die Stelle des verschwommenen Begriffs „unmeßbar weit“ -war die genaue Zahl getreten. Mit den ersten sicheren Messungen, -denen bald noch weitere folgten, konnten sich klare Begriffe von der -Entfernung und Größe all der Sonnen im Weltall bilden und damit auch -eine Vorstellung vom Bau des Ganzen. So bedeutet das Jahr 1837 für -die Astronomie einen Markstein ersten Rangs. Heute ist die Geologie -mit den Altersbestimmungen auf radioaktiver Grundlage an demselben -Punkt angelangt, wie damals die Astronomie mit der ersten Messung -einer Fixsternentfernung. An die Stelle unsicherer Zeitschätzungen -treten ganz bestimmte, durch eine exakte physikalisch-chemische Methode -gewonnene Zahlen; die erste sichere Zeitmessung ist erreicht. Hoffen -wir, daß die neue Errungenschaft der Geologie ebenso reiche Früchte -bringen möge wie die Tat Bessels der Astronomie! - -Wie die Entfernungsgrößen im Weltall unvorstellbar groß sind, so sind -es auch die Zahlen, die wir für die Zeitdauer geologischer Perioden -erhalten haben. Nicht einmal ein Jahrhundert vermag der Mensch mit -seiner persönlichen Erinnerung zu umspannen, ein Jahrtausend ist ihm -unfaßbar lang, und bei der Jahrmillion schwindet auch der letzte Rest -einer Vorstellung. Es fängt die Gedankenlosigkeit an, die mit solchen -Maßen nur spielt, ohne irgend einen Sinn damit zu verbinden. Wir müssen -daher versuchen, diese Zeiträume durch Bilder zu veranschaulichen, -die der menschlichen Vorstellungskraft noch zugänglich sind. Die -Erdgeschichte seit Beginn des Kambriums werde durch eine gerade -Linie von Berlin nach Stuttgart dargestellt. Das sind 500 Kilometer; -sie sollen den 500 Millionen Jahren entsprechen, die seit Beginn -des Kambriums verflossen sind. Dann bedeutet ein Kilometer eine -Jahrmillion, die letzten 500-1000 m wären die Eiszeit, die 6000 Jahre -der Geschichte würden auf 6 m -- eine Zimmerlänge -- zusammenschrumpfen -und ein Menschenleben von 70 Jahren auf 7 cm. Ließen wir eine Schnecke -in einem normalen Schneckentempo von 3,1 mm in der Sekunde die Strecke -entlang kriechen, so würde sie dazu genau 5 Jahre brauchen, die Strecke -des Tertiärs würde sie in etwa 4 Monaten zurücklegen, die Eiszeit in -2-3 Tagen, die letzten 8 mm -- die Strecke vom Beginn des Weltkriegs -bis zur Gegenwart -- könnte sie aber in 2½ Sekunden erledigen! Wo aber -auf der anderen Seite der Beginn des Lebens liegt, von dem die Linie -herkommt, vermögen wir nicht zu sagen. Mindestens noch weitere 1000 km -zurück, vielleicht sogar weit drüben in Asien! - -An diesem Bild wird uns mit einem Schlage klar, wie klein und winzig -im Verhältnis zur Erdgeschichte die Zeiträume sind, die der Mensch -zu überblicken vermag. Wie geringfügig erscheint uns auf einmal die -ganze Menschheitsgeschichte, die der Mensch voll Überhebung die -„Weltgeschichte“ zu nennen pflegt, und was bedeutet vollends ein -Menschenleben im Strome des Weltgeschehens! - - „Ein kleiner Ring begrenzt unser Leben - Und viele Geschlechter reihen sich dauernd - An ihres Daseins unendliche Kette.“ - -Nun verstehen wir auch, warum die Erdentwicklung dem menschlichen Auge -stillzustehen scheint. Wir sind so kurzlebig, daß wir selbst im Laufe -eines ganzen Menschenlebens die Veränderungen nicht gewahr werden, -die mit der Erde und ihren Lebewesen vor sich gehen. Berg und Tal, -Festland und Meer, der anatomische Bau von Tieren und Pflanzen, sie -scheinen uns starr und unveränderlich, nicht in lebendiger Umwandlung -begriffen. Es ist, wie wenn unser Auge bei der Vorführung eines Films -nur ein einziges Bildchen von all den Tausenden sehen würde, die durch -ihr Nacheinander das Leben auf der Leinwand erzeugen. Setzen wir ein -Menschenleben von 70 Jahren dem Anschauen eines Einzelbildchens gleich, -von denen in der Sekunde 20 auf der Leinwand vorbeihuschen, so wäre die -ganze Erdgeschichte seit dem Kambrium ein Riesenfilm von 129 km Länge, -der 100 Stunden zur ununterbrochenen Vorführung brauchen würde! - -Während so die Erde in ihrer Entwicklung stillzustehen scheint, tritt -eine andere Erscheinung hierzu in den denkbar schärfsten Gegensatz: -Die Entwicklung der menschlichen Kultur. Hunderttausende von Jahren -verweilte der Mensch der Steinzeit auf derselben Kulturstufe; in -den letzten Jahrhunderten und vollends in den letzten Jahrzehnten -hat sich aber ein Tempo der Kulturentwicklung herausgebildet, das -geradezu beängstigend ist. 45 cm vor dem Ende jener Strecke von Berlin -nach Stuttgart erfand Gutenberg seine schwarze Kunst, die zwanzig -letzten Zentimeter brachten die Entwicklung der Wissenschaft von -Newton bis Einstein, der Musik von Bach bis Richard Strauß, die -letzten drei die Funkentelegraphie, das Flugzeug, die Entdeckungen der -Radioaktivität und der Geheimnisse des Atombaus. Geistesströmungen -und Kunstrichtungen zählen ihre Lebensdauer nicht mehr nach -Jahrhunderten, sondern höchstens nach Jahren. Wenn wir all das an der -Erd- und Menschheitsentwicklung messen, so kommt uns das geradezu -Explosionsartige moderner Kulturentwicklung erst vollständig zum -Bewußtsein. Und dabei gibt es Leute, denen es immer noch zu langsam -geht! Wie ist es überhaupt denkbar, daß die Menschheit in ihren frühen -Perioden Jahrzehntausende oder gar Jahrhunderttausende auf derselben -Kulturstufe blieb, während heute ihre Entwicklung im Guten und im -Bösen in diesem Wahnsinnstempo fortschreitet? Wir können versuchen, -eine Reihe von Tatsachen zur Erklärung beizubringen: Das erste ist -der Zusammenschluß der Menschheit zu immer größeren Verbänden, die -Erfindung der Schrift und späterhin des Buchdrucks. Was früher an -Fortschritten erreicht wurde, mußte durch mündliche Überlieferung -innerhalb der kleinen Horde weitergegeben werden. Wie unendlich -viel ging dabei verloren und mußte immer wieder von neuem entdeckt -werden! Heute stellen unsere Bücher ein ins Ungeheuerliche gewachsenes -menschliches Gedächtnis dar, das alles aufzubewahren vermag, was jemals -Menschen gedacht und empfunden haben, und bei dem nicht so leicht etwas -Wichtiges in Vergessenheit geraten kann. Dabei wird mit den Mitteln -des modernen Verkehrs ein neuer Gedanke, eine neue Entdeckung in -kürzester Zeit Allgemeingut der ganzen zivilisierten Menschheit. Vor -dem unseligen Weltkrieg bildeten die Forscher aller Länder eine einzige -große Arbeitsgemeinschaft, die mit fortwährend sich verbessernden -Methoden jedes neu auftauchende Problem anzugreifen vermochte und für -jede Frage fieberhaft arbeitende Spezialgehirne sich heranbildete. -So kann man versuchen, das Tempo der Entwicklung mit der Zauberformel -zunehmender Organisation zu erklären, welche die Leistungen nicht nur -multipliziert, sondern potenziert. - -Ob damit alles gesagt ist und die Fortschritte menschlichen -Geisteslebens in ihrer Tiefe erfaßt sind? Wir wissen es nicht. Klein, -lächerlich klein läßt die Wissenschaft den Menschen erscheinen und -groß, rätselhaft groß ist doch wieder derselbe Mensch, der seine -Stellung in Raum und Zeit denkend erfaßt und mit seinem Geist -Sternweiten und Jahrmillionen zu umspannen vermag. Und so steht auch -hier die Wissenschaft nach dem Flug durch die endlosen Zeiträume der -Vergangenheit am Ende wieder vor ihrem letzten und tiefsten Geheimnis, -dem Rätsel des Menschen. - - - - -Verzeichnis der wichtigsten Werke - - - ~Kayser~, Lehrbuch der Geologie (in zwei Teilen), - 6. Auflage. - - ~Lindemann~, Die Erde. - - ~Ratzel~, Raum und Zeit in Geographie und Geologie (Natur- - und kulturphilosophische Bibliothek, Band 5), Leipzig - 1907. - - ~Holmes~, _The Age of the Earth_, _Harpers Library_ London - und Neuyork 1913. - - ~Penck~ und ~Brückner~, Die Alpen im Eiszeitalter, 3 Bände, - Leipzig 1901-1909. - - ~de Geer~, Geochronologie der letzten 12000 Jahre - (Geologische Rundschau, 3. Band, 1912). - - ~Lawson~, Über absolute Zeitmessung in der Geologie - auf Grund der radioaktiven Erscheinungen. - (Naturwissenschaften 5. Jahrg., 1917.) - - ~Meyer~ und ~Schweidler~, Radioaktivität, Leipzig 1916. - - ~Fajans~, Radioaktivität, 3. Auflage 1921 (Sammlung Vieweg). - - - - -Sachregister - - -Alb, Schwäbische 18 - -Alter des Menschen 39 - -Alter des Ozeans 15 - -Ancylussee 32 - -Atomtheorie 56 - - -Baltische Endmoränenrücken 33 - -Bändertone 27 - -Barrell 69, 73 - -Becquerel 48 - -Bessel 74 - -Bleimethode 62, 64 - -Boltwood 60 - -Brienzer See 35 - -Bühlvorstoß 22, 33 - - -Chamberlin 73 - -Clarke 15 - -Croll 24 - -Curie 48 - - -Dane 45 - - -Elemente, isotope 57 - -Endmoränen, fennoskandische 31 - -_Eoanthropus Dawsoni_ 40 - -Eolithen 40 - -Extrapolation 39 - -Exzentrizität 24 - - -Finniglaziale Epoche 31 - - -Geer, de 27-32 - -Gilbert 37 - -Gotiglaziale Epoche 31 - -Grabau 39 - - -Häckel 46 - -Halbwertszeit 52 - -Heim 34 - -Helium 51 - -Heliummethode 62, 63, 67 - -Hildebrandt 26 - -Holmes 60, 64, 73 - -_Homo Heidelbergensis_ 40 - - -Jahresringe 10, 28 - -Interpolieren 69 - -Joly 15 - -Irawadi 14 - - -Keilhack 33 - -Kepler 24 - - -Lawson 64 - -Litorinazeit 32 - -Lyell 43, 45 - - -Matthew 43 - -Mauer b. Heidelberg 40 - -Mellard Reade 15 - -Muota 35 - -Murray 15 - - -Neandertalrasse 41 - -Neckar 12 - -Niagarafälle 36 - -Nüesch 35 - - -Olbricht 33, 39 - - -Penck 22, 43 - -Pendeluhren 10, 26 - -Pilgrim 26 - -Po 14 - -Präzessionsbewegung 24 - - -Radium 48 - -Ragunda 32 - -Reuß 14, 35 - -Röntgen 47 - -Rutherford 50 - - -Salz, zyklisches 16 - -Sanduhren 20 - -Scharnhausen 13 - -Schelfregion 17 - -Schürmann 12 - -Schweizersbild 35 - -Soddy 50 - -Sollas 17 - -Spencer 37 - -Steck 35 - -Strutt 60 - - -Taylor 37 - -Tertiär 43 - -Thomson 70 - -Thorium 55, 62 - -Thuner See 35 - - -Uranblei 56 - -Uranreihe 54 - -Uranuhr 59, 61, 72, 73 - - -Vierwaldstätter See 34 - -Walcott 45 - -Wasseruhren 9, 20, 61 - -Werth 33, 39 - -Wintermoränen 30 - - -Zerfall 50 - - - - - Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen - erhalten Mitglieder, solange vorrätig zu ~Ausnahmepreisen~: - - -1. Gruppe 1904-1907. Broschiert M 1050.--, gebunden M 1660.-- - - #1904# Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W., - Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) - -- Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung. - - #1905# Bölsche, Stammbaum der Tiere. -- Francé, Sinnesleben der - Pflanzen. -- Zell, Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben und - Tod. -- Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne. - - #1906# Francé, Liebesleben der Pflanzen. -- Meyer, Dr. M. W., Rätsel - der Erdpole. -- Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. - -- Bölsche, W., Im Steinkohlenwald. -- Ament, Dr. W., Die - Seele des Kindes. - - #1907# Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., - Straußenpolitik. -- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- - Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., - Die Vögel des deutschen Waldes. - - -2. Gruppe 1908-1911. Broschiert M 1050.--, gebunden M 1660.-- - - #1908# Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., - Die Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. - -- Dekker, Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., - Säugetiere des deutschen Waldes. - - #1909# Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., - Der Mond. -- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, - Kriechtiere und Lurche Deutschlands. -- Bölsche, W., Der - Mensch in der Tertiärzeit. - - #1910# Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. -- Dekker, - Fühlen und Hören. -- Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. -- - Floericke, Säugetiere fremder Länder. -- Weule, Kultur der - Kulturlosen. - - #1911# Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen - und Schmecken. -- Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- - Floericke, Vögel fremder Länder. -- Weule, Kulturelemente der - Menschheit. - - -3. Gruppe 1912-1916. Broschiert M 1310.--, gebunden M 2075.-- - - #1912# Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie - unser Weltbild entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und - Lurche. -- Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. - -- Koelsch, Würger im Pflanzenreich. - - #1913# Bölsche, Festländer und Meere. -- Floericke, Einheimische - Fische. -- Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des - Weltalls. -- Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat. - - #1914# Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, - Dr. Kurt, Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir - sterben. -- Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. - Osk., Romantik der Chemie. - - #1915# Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. -- Floericke, Dr. K., - Gepanzerte Ritter. -- Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum - Alphabet. -- Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. -- - Besser, H., Raubwild und Dickhäuter. - - #1916# Bölsche, Stammbaum der Insekten. -- Fabre, Blick ins - Käferleben. -- Sieberg, Wetterbüchlein. -- Zell, Pferd als - Steppentier. -- Bölsche, Sieg des Lebens. - - -4. Gruppe 1917-1921. Broschiert M 1050.--, gebunden M 1660.-- - - #1917# Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. -- - Floericke, Dr., Plagegeister. -- Hasterlik, Dr., Speise und - Trank. -- Bölsche, Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur. - - #1918# Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. -- Fischer-Defoy, - Schlafen und Träumen. -- Kurth, Zwischen Keller und Dach. -- - Hasterlik, Dr., Von Reiz- und Rauschmitteln. - - #1919# Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. -- Zell, Neue - Tierbeobachtungen. -- Floericke, Spinnen und Spinnenleben. -- - Kahn, Die Zelle. - - #1920# Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. -- Francé, Die - Pflanze als Erfinder. -- Floericke, Schnecken und Muscheln. -- - Lämmel, Wege zur Relativitätstheorie. - - #1921# Weule, Naturbeherrschung I. -- Floericke, Gewürm. -- Günther, - Radiotechnik. -- Sanders, Hypnose und Suggestion. - - -Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 4025.--, geb. M 6600.-- - -#Einzeln bezogen# jeder Band brosch. M 63.--, geb. M 100.--, (für -Nichtmitgl. je M 76.-- bzw. 115.--) Die Jahrgänge 1904-1916 (je 5 -Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 288.--, geb. je M 455.-- Die -Jahrgänge 1917-1921 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M -232.--, geb. je M 364.-- - -#Vom Kosmos-Handweiser# sind noch geringe Vorräte von 1911, 1913, 1914, -1918, 1919, 1920, 1921 vorhanden. Jeder Band kostet für Mitglieder -brosch. M 85.--, geb. M 200.--, (für Nichtmitglieder brosch. M 120.--, -geb. M 250.--). - - Preise Anfang September 1922. Zeitentsprechende Preiserhöhungen - vorbehalten. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK JAHRESZAHLEN DER -ERDGESCHICHTE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you will have to check the laws of the country where - you are located before using this eBook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that: - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's website -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/68258-0.zip b/old/68258-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 6781d6c..0000000 --- a/old/68258-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h.zip b/old/68258-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index f9452b6..0000000 --- a/old/68258-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/68258-h.htm b/old/68258-h/68258-h.htm deleted file mode 100644 index b1f0785..0000000 --- a/old/68258-h/68258-h.htm +++ /dev/null @@ -1,5467 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - Jahreszahlen der Erdgeschichte, by Reinhold Lotze—A Project Gutenberg eBook - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -div.titelei { - width: 70%; - margin: auto 15%; - page-break-before: always;} - -.x-ebookmaker div.titelei { - width: 95%; - margin: auto 2.5%;} - -div.schmal { - width: 60%; - margin: auto 20%; - page-break-before: always;} - -.x-ebookmaker div.schmal { - width: 90%; - margin: auto 5%;} - -.x-ebookmaker div.titelei { - width: 90%; - margin: auto 5%;} - -.break-before {page-break-before: always;} - -h1,h2 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; - font-weight: normal;} - -h1,.s1 {font-size: 225%;} -h2 {font-size: 175%;} -.s3 {font-size: 125%;} -.s4 {font-size: 110%;} -.s5 {font-size: 90%;} -.s6 {font-size: 70%;} - -h1 { - page-break-before: always; - padding-top: 2em; - margin-top: 3em;} - -h2.nobreak { - page-break-before: avoid; - padding-top: 3em;} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 1.5em;} - -p.p0,p.center {text-indent: 0;} - -.mtop2 {margin-top: 2em;} -.mtop3 {margin-top: 3em;} -.mbot1 {margin-bottom: 1em;} -.mbot2 {margin-bottom: 2em;} -.mbot3 {margin-bottom: 3em;} -.mleft1 {margin-left: 1em;} - -.padtop1 {padding-top: 1em;} -.padtop3 {padding-top: 3em;} -.padtop5 {padding-top: 5em;} -.padlr0_5 {padding-left: 0.5em; padding-right: 0.5em;} - -div.chapter {page-break-before: always;} - -/*horizontale Brüche */ -.hbruch { - display: inline-block; - vertical-align: middle;} -.hbruch_2 { - display: inline-block; - vertical-align: middle; - font-size: 80%; - line-height: 1.1;} - -.zaehler { - border-bottom: solid thin; - display: block; - text-align: center; - text-indent: 0;} - -.nenner { - display: block; - text-align: center; - text-indent: 0;} - -.zhl { - font-size: 60%; - vertical-align: 30%;} - -.nen { - font-size: 60%; - vertical-align: -10%;} - -ul.index { list-style-type: none; margin-left: 1.5em;} -li.ifrst { margin-top: 1em; } -li.indx { margin-top: .5em; } - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - -table.formationstafel {border-collapse: collapse; margin: auto; width: 37.5em;} -table.formationstafel td {font-size: 95%;} -.x-ebookmaker table.formationstafel {width: 95%; margin: auto 2.5%;} - -table.pferde td {line-height: 0.5;} -table.uran_radium {border-collapse: collapse;} -table.uran_radium td { - font-size: 90%; - padding: 0.2em;} -table.uran_radium th { - font-size: 80%; - font-weight: normal; - padding: 0.2em;} -table.altersbestimmungen {border-collapse: collapse;} -table.altersbestimmungen td {padding: 0.2em;} -table.altersbestimmungen td div.s6 {font-size: 80%;} -table.heliummethode {border-collapse: collapse;} -table.heliummethode th { - font-size: 85%; - padding: 0.2em; - vertical-align: middle; - text-align: center; - font-weight: normal;} -table.heliummethode td { - text-align: center; - font-size: 90%; - padding: 0.2em;} -table.inhaltsverzeichnis { - font-size: 90%; - width: 70%; - margin: auto 15%;} -.x-ebookmaker table.inhaltsverzeichnis { - font-size: 90%; - width: 95%; - margin: auto 2.5%;} -table.inhaltsverzeichnis td.titel { - font-weight: bold; - vertical-align: top;} -table.inhaltsverzeichnis td.inhalt { - padding-left: 2em; - text-align: justify;} -table.buchbeilagen { - border-collapse: collapse; - width: 70%; - margin: auto 15%; - page-break-before: always; - margin-top: 3em;} -table.buchbeilagen td {padding: 0.2em;} -.x-ebookmaker table.buchbeilagen { - width: 90%; - margin: auto 5%;} - -.vat {vertical-align: top;} -.vam {vertical-align: middle;} - -.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ - /* visibility: hidden; */ - position: absolute; - right: 2%; - font-size: 70%; - text-align: right; - font-style: normal; - font-weight: normal; - font-variant: normal; - color: #555555; -} /* page numbers */ - -.blockquot { - margin: 1.5em 5%; - font-size: 90%;} - -.bb {border-bottom: thin black solid;} -.bbd {border-bottom: black double;} -.bbb {border-bottom: 2px black solid;} - -.bl {border-left: thin black solid;} -.blb {border-left: 2px black solid;} - -.bt {border-top: thin black solid;} -.btb {border-top: 2px black solid;} - -.br {border-right: thin black solid;} -.brb {border-right: 2px black solid;} - -.bboxb {border: 2px black solid;} - -.center {text-align: center;} - -.right {text-align: right;} - -.left {text-align: left;} - -.antiqua {font-style: italic;} - -sup {vertical-align: top; font-size: 60%;} - -sub {vertical-align: -20%; font-size: 60%;} - -.gesperrt { - letter-spacing: 0.2em; - margin-right: -0.2em;} - -em.gesperrt {font-style: normal;} - -.x-ebookmaker em.gesperrt { - font-family: sans-serif, serif; - font-size: 90%; - margin-right: 0;} - -.caption { - font-size: 90%; - text-align: center;} - -/* Images */ - -img { - max-width: 100%; - height: auto; -} -img.w100 {width: 100%; height: auto;} - -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; - padding-top: 1.5em; - padding-bottom: 1em; -} - -.figtable { - width: 100%; - margin: auto 0 auto 0.1em; - padding: 0;} - -.figleft { - float: left; - clear: left; - margin-left: 0; - margin-bottom: 1em; - margin-top: 1em; - margin-right: 1em; - padding: 0; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; -} -/* comment out next line and uncomment the following one for floating figleft on ebookmaker output */ -/* .x-ebookmaker .figleft {float: none; text-align: center; margin-right: 0;} */ -.x-ebookmaker .figleft {float: left;} - -.figright { - float: right; - clear: right; - margin-left: 1em; - margin-bottom: 1em; - margin-top: 1em; - margin-right: 0; - padding: 0; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; -} -/* comment out next line and uncomment the following one for floating figright on ebookmaker output */ -/* .x-ebookmaker .figright {float: none; text-align: center; margin-left: 0;} */ -.x-ebookmaker .figright {float: right;} - -.dc { - float: left; - font-size: 3em; - margin-bottom: -0.1em; - line-height: 0.8;} - -.x-ebookmaker .dc { - float: left; - font-size: 3em; - margin-bottom: -0.1em; - line-height: 0.8;} - -/* Footnotes */ - -.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} - -.footnote p {text-indent: 0;} - -.footnote .label {position: absolute; right: 84%; text-align: right;} - -.fnanchor { - vertical-align: super; - font-size: .7em; - text-decoration: none; -} - -/* Poetry */ -.poetry-container {text-align: center;} -.poetry {text-align: left; margin-left: 5%; margin-right: 5%;} -.poetry {display: inline-block;} -.poetry .stanza {margin: 1em auto;} -.poetry .verse {text-indent: -3em; padding-left: 3em;} -/* large inline blocks don't split well on paged devices */ -@media print { .poetry {display: block;} } -.x-ebookmaker .poetry {display: block;} - -/* Transcriber's notes */ -.transnote { - background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size: smaller; - padding: 0.5em; - margin-bottom: 5em;} - -/* Poetry indents */ -.poetry .indent0 {text-indent: -3em;} - -/* Illustration classes */ -.illowe0_3 {width: 0.3em;} -.illowe0_4 {width: 0.4em;} -.illowe0_6 {width: 0.6em;} -.illowe5 {width: 5em;} -.illowe5r {width: 5em;} -.illowe12 {width: 12em;} -.illowe15 {width: 15em;} -.illowe16 {width: 16em;} -.illowe17 {width: 17em;} -.illowe18 {width: 18em;} -.illowe19 {width: 19em;} -.illowe20 {width: 20em;} -.illowe22 {width: 22em;} -.illowe30 {width: 30em;} -.illowe35 {width: 35em;} - -.x-ebookmaker .illowe5r {width: 15%; margin-left: 85%;} -.x-ebookmaker .illowe5 {width: 10%; margin: auto 45%;} -.x-ebookmaker .illowe30 {width: 80%; margin: auto 10%;} -.x-ebookmaker .illowe35 {width: 90%; margin: auto 5%;} - - </style> - </head> -<body> -<div lang='en' xml:lang='en'> -<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Jahreszahlen der Erdgeschichte</span>, by Reinhold Lotze</p> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Jahreszahlen der Erdgeschichte</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Reinhold Lotze</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: June 7, 2022 [eBook #68258]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Franz L Kuhlmann and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>JAHRESZAHLEN DER ERDGESCHICHTE</span> ***</div> - -<div class="transnote"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> - -<p class="p0">Zeichensetzung und typographische Fehler wurden -stillschweigend korrigiert. Das Inhaltsverzeichnis wurde dem Buchtext -vorangestellt. Fußnoten wurden an das Ende betreffenden Absatzes -angefügt.</p> - -<p class="p0">Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. -<span class="antiqua">Antiquaschrift</span> wird kursiv dargestellt.</p> - -</div> - -<div class="titelei"> - -<p class="s3 center"><b>Dr. R. Lotze</b></p> - -<p class="s1 center"><b>Jahreszahlen der<br /> -Erdgeschichte</b></p> - -<p class="s4 center">Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde<br /> -Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart</p> - -<div class="figcenter illowe30" id="frontispiece"> - <img class="w100" src="images/frontispiece.jpg" alt="Original-Titelblatt" /> -</div> - -<div class="break-before padtop3"> - -<div class="figright illowe5r" id="signet_1"> - <img class="w100" src="images/signet_1.png" alt="Kosmos Bändchen" /> -</div> - -</div> - -</div> - -<p class="s3 center padtop5 mbot3">Jahreszahlen der Erdgeschichte</p> - -<div class="schmal"> - -<p class="s4 center"><b class="bb bt">Kosmos, Gesellschaft der -Naturfreunde ♦ Stuttgart</b></p> - -<p class="s5 p0"><span class="dc">D</span>ie Gesellschaft Kosmos bezweckt, die Kenntnis der Naturwissenschaften -und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer -Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. -— Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter -naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen im</p> - -<p class="s4 center"><b>Kosmos</b>, Handweiser für Naturfreunde</p> - -<p class="center">Jährlich 12 Hefte mit 4 Buchbeilagen.</p> - -<p class="s5">Diese Buchbeilagen sind, von ersten Verfassern geschrieben, im guten -Sinne gemeinverständliche Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. -Vorläufig sind für das Vereinsjahr 1922 festgelegt (Reihenfolge und -Änderungen auch im Text vorbehalten):</p> - -<p class="p0 s4"><b>R. H. Francé, Das Leben im Ackerboden (Edaphon)</b></p> - -<p class="p0 s4"><b>Prof. Dr. K. Weule, Die Anfänge der Naturbeherrschung. -<span class="s5">II. Frühformen der Chemie</span></b></p> - -<p class="p0 s4"><b>Dr. Kurt Floericke, Heuschrecken und Libellen</b></p> - -<p class="p0 s4"><b>Dr. R. Lotze, Jahreszahlen der Erdgeschichte</b></p> - -<p class="s5 center mtop2 mbot2">Jedes Bändchen reich illustriert.</p> - -<p class="s5">Diese Veröffentlichungen sind durch <em class="gesperrt">alle Buchhandlungen</em> zu beziehen; -daselbst werden Beitrittserklärungen zum <b>Kosmos, Gesellschaft der -Naturfreunde,</b> entgegengenommen. Auch die früher erschienenen Jahrgänge -sind noch erhältlich.</p> - -<p class="s4 center"><span class="bb bt"><span class="s6">Geschäftsstelle des -Kosmos:</span> Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart.</span></p> - -</div> - -<h1><b>Jahreszahlen<br /> -der Erdgeschichte</b></h1> - -<p class="s5 center mtop3">Von</p> - -<p class="s3 center"><b>Dr. R. Lotze</b></p> - -<p class="s5 center mtop3">Mit einem farbigen Umschlagbild<br /> -und 20 Abbildungen im Text</p> - -<div class="figcenter illowe5" id="signet_2"> - <img class="w100 padtop3" src="images/signet_2.png" alt="Verlagssignet" /> -</div> - -<p class="s4 center"><em class="gesperrt">Stuttgart</em></p> - -<p class="s4 center">Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde</p> - -<p class="center">Geschäftsstelle: Franckh’sche Verlagshandlung</p> - -<p class="s5 center padtop5 break-before">Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht,<br /> -vorbehalten. Für die Vereinigten Staaten<br /> -von Nordamerika: <span class="antiqua">Copyright 1922 by<br /> -Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart</span></p> - -<p class="s6 center padtop5"><span class="bt">STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI</span><br /> -<span class="bb">HOLZINGER & Co., STUTTGART</span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis</h2> - -</div> - -<table class="inhaltsverzeichnis" summary="Inhaltsverzeichnis"> - <tr> - <td class="titel"> - <div class="left">I. Zeitrechnung in Geschichte und Geologie</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#I_Zeitrechnung_in_Geschichte_und_Geologie">5–10</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="inhalt" colspan="2"> - Relative und absolute Altersbestimmung. Prinzipien geologischer Zeitmesser. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="titel"> - <div class="left">II. Geologische Zeitmessung durch Abtragung und Aufschüttung</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#II_Geologische_Zeitmessung_durch_Abtragung_und_Aufschuettung">10–21</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="inhalt" colspan="2"> - Bildung der Steinkohlen und des Erdöls. Abtragung des schwäbischen Stufenlandes. - Gesamtleistung aller Flüsse. Das Alter des Ozeans. Altersberechnung aus der - maximalen Mächtigkeit und der Gesamtmenge der Sedimentgesteine. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="titel"> - <div class="left">III. Von der Eiszeit bis zum Beginn des Kambriums</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#III_Von_der_Eiszeit_bis_zum_Beginn_des_Kambriums">21–47</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="inhalt" colspan="2"> - Verlauf der Eiszeit. Astronomische Eiszeittheorie von Croll. Eisrückzug in - Skandinavien nach de Geer. Dauer der Nacheiszeit. Alter der baltischen - Endmoränen. Berechnungen im alpinen und nordamerikanischen Vereisungsgebiet. - Dauer der ganzen Eiszeit. Alter des Menschen. Die Gefahr einer Wiederkehr der - Eiszeit. Dauer des Tertiärs. Zeitlicher Abstand des Kambriums. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="titel"> - <div class="left">IV. Geologische Zeitmessung auf Grund radioaktiver Vorgänge</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#IV_Geologische_Zeitmessung_auf_Grund_radioaktiver_Vorgaenge">47–71</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="inhalt" colspan="2"> - Entdeckungsgeschichte des Radiums. Zerfallstheorie. Zeitlicher Verlauf des - Zerfalls. Die Uranreihe. Isotopie. Der Blei- und Heliumgehalt von Uranmineralien - als Grundlage geologischer Zeitmessung. Praktische Durchführung und Ergebnisse - der radioaktiven Methode. Dauer des Präkambriums. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="titel"> - <div class="left">V. Schlußbetrachtung und Ausblick</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#V_Schlussbetrachtung_und_Ausblick">71–77</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="inhalt" colspan="2"> - Zuverlässigkeit der geologischen Zeitmesser. Veranschaulichung der gewonnenen - Zahlen. Die Menschheitsentwicklung im Rahmen der Erdgeschichte. - </td> - </tr> -</table> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="I_Zeitrechnung_in_Geschichte_und_Geologie">I. Zeitrechnung -in Geschichte und Geologie.</h2> - -</div> - -<p>Geschichte und Geologie sind zwei Wissenschaften, die im Grunde -genommen dieselbe Absicht haben: Sie wollen die Folge aller Ereignisse -aufzählen, die über unsere Erde und ihre Bewohner weggegangen sind. -An der Hand des Geschichtsforschers beginnen wir den Weg zurück -in die Vergangenheit. Vom Heute ausgehend, führt er uns über die -Jahrhunderte weg bis zurück zu jenen Tagen, da römische Legionen zum -erstenmal den Boden unseres Landes betraten und mit blonden Germanen -die Waffen kreuzten. Aber nur wenige Jahre vermag er uns über jene -Zeit hinaus in die Vergangenheit unserer Heimat zurückzuführen. Drüben -im Orient können wir uns seiner Führung noch länger überlassen, -denn dort lebten hochkultivierte Völker, deren Überlieferungen in -stolzen Baudenkmälern und geheimnisvollen Urkunden noch weitere -vier Jahrtausende zurückreichen. Aber in den Wäldern Germaniens muß -der Geschichtsforscher schon lange vorher seine Führerrolle an den -Vertreter einer Tochterwissenschaft, der Vorgeschichte, abgeben, -dem für seine Forschung keine schriftliche Urkunde, kein Lied und -Heldenbuch mehr zur Verfügung stehen, der vielmehr aus Gräbern und -dürftigen Kulturresten ein Bild jener vorgeschichtlichen Zeiten -hervorzuzaubern versucht. Er berichtet uns von Pfahlbauern und -Höhlenbewohnern, von Menschen, die mit einfachen, roh behauenen -Feuersteinwaffen den Tieren der Wälder zu Leibe rückten und die noch -Zeitgenossen einer ungeheuren Vereisung waren, die weite Teile der -Erdoberfläche heimsuchte. Mit der Schilderung dieses rätselhaften -Ereignisses geht aber die Führung in die Vergangenheit an den Geologen -über, der nicht nur Menschheitsgeschichte, sondern Erdgeschichte -schreibt, der vom Wechsel der Meere und Festländer erzählt, von Zeiten, -da der Mensch noch nicht bestand, und fremdartige, heute ausgestorbene -Lebewesen die Erde bevölkerten.</p> - -<p>Um den Ablauf des Geschehens vergangener Zeiten handelt es sich also -in Geschichte und in Geologie. Ihre Verwandtschaft beweisen beide -schon dadurch, daß sie sich ein besonderes Verbindungsglied, die -Vorgeschichte geschaffen haben, die je nachdem zur einen oder andern -Seite hinneigt. Was die beiden Wissenschaften voneinander <span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span>trennt, das -ist zunächst die einfache Tatsache, daß sie verschiedene Abschnitte -der Vergangenheit bearbeiten; daraus folgen allerdings tiefgreifende -Unterschiede im Inhalt des Geschehens, von dem sie berichten können, -und in der Art der Methoden, die sie zur Erforschung der Vergangenheit -anwenden müssen. Der Geschichtsforscher beschäftigt sich nur mit dem -Menschen; das Mittel, um in die Vergangenheit einzudringen, ist ihm -in erster Linie die schriftliche Überlieferung. Er umspannt mit seiner -Wissenschaft zwar nur wenige Jahrtausende, aber auf Jahr und Tag vermag -er die Ereignisse festzulegen, von denen er berichtet. Anders der -Geologe: In unendlich ferne Vergangenheit muß er zurückgreifen, um die -Geschichte unserer Erde zu schreiben. Seine Urkunden sind die Gesteine; -aus ihrer Beschaffenheit liest er die Umstände ihrer Entstehung heraus, -und mit den Lebewesen, deren Reste er in ihnen vorfindet, bevölkert -er in seiner Phantasie Länder und Meere längst vergangener Zeiten. -Die Schichten der Erdrinde faßt er zu großen Formationen zusammen. -Ihre Aufeinanderlagerung von unten nach oben gibt ihm zugleich die -zeitliche Reihenfolge ihrer Entstehung und damit die Geschichte der -Erdoberfläche. Nach der Entwicklung des Lebens, die er in den einzelnen -Formationen beobachtet, kommt er zur Aufstellung großer Perioden, die -als Urzeit, Frühzeit, Altzeit, Mittelzeit und Neuzeit der Erdgeschichte -bezeichnet werden können. So entstand schließlich die <a href="#formationstafel">geologische -Formationstafel</a> auf Seite 7, die zugleich eine Geschichtstafel ist.<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> -In dieses Schema ordnet der Forscher die ganze Fülle der geologischen -Ereignisse ein; er kann mit ihrer Hilfe das „<em class="gesperrt">geologische Alter</em>“ der -versteinerten Reste von Lebewesen bestimmen und das Nacheinander oder -die Gleichzeitigkeit von Geschehnissen scharf zum Ausdruck bringen. -Wenn von einer Muschel bekannt ist, daß sie den mittleren Schichten -des braunen Jura angehört, so ist damit ihr Alter im Verhältnis -zu allen Formationen und den in ihnen enthaltenen Lebewesen genau -bestimmt. Über das Alter der Muschel in Jahren ist allerdings damit gar -nichts ausgesagt, denn die geologische Altersbestimmung ist eine rein -relative. Sie gibt von einem Ereignis an, daß es früher oder später -gewesen sei als ein anderes; von der Zahl der Jahre, die zwischen -beiden liegt oder die von jenem Zeitpunkt bis zur Gegenwart verstrichen -ist, weiß sie nichts zu sagen. Die Geologie kennt wohl die Zeitfolge, -aber nicht die Zeitdauer des Geschehens, von dem sie berichtet. Sie ist -eine Geschichte ohne Jahreszahlen.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a>Die Pfeile geben den genauen Zeitpunkt des angedeuteten -geologischen Ereignisses an.</p> - -</div> - -<p class="s3 center mtop2" id="formationstafel">Geologische Formationstafel</p> - -<table class="formationstafel" summary="Geologische Formationstafel"> - <tr> - <td class="bl br bt bbd" rowspan="3"> - <div class="center"><b>Neuzeit</b><br /> - <span class="s5">(Käno-<br /> - zoikum)</span></div> - </td> - <td class="bt bb br" colspan="3"> - <div class="left">Nacheiszeit<br /> - (Alluvium)</div> - </td> - <td class="bt br vam" rowspan="2"> - <div class="figtable illowe12" id="img_tab1_1"> - <img class="w100" src="images/img_tab1_1.png" alt="" /> - <div class="caption">1. Auftreten des Menschen</div> - </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bb vam"> - <div class="center">Eiszeit<br /> - (Diluvium)</div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="figcenter illowe0_6" id="klammer_h3"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bb br vam"> - <div class="left">Würm-Vereisung<br /> - Riß-Vereisung<br /> - Mindel-Vereisung<br /> - Günz-Vereisung</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bbd vam"> - <div class="center">Tertiär</div> - </td> - <td class="bbd vam"> - <div class="figcenter illowe0_6" id="klammer_h3a"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bbd br vam"> - <div class="left">Pliozän<br /> - Miozän<br /> - Oligozän<br /> - Eozän<br /> - Paleozän</div> - </td> - <td class="br vam" rowspan="2"> - <div class="left mleft1">Bildung der Alpen</div> - <div class="figtable illowe12" id="img_tab1_2"> - <img class="w100" src="images/img_tab1_2.png" alt="" /> - <div class="caption">Aufblühen des Säugetierstammes</div> - </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br bbd" rowspan="3"> - <div class="center"><b>Mittelzeit</b><br /> - <span class="s5">(Meso-<br /> - zoikum)</span></div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="center">Kreide</div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="figcenter illowe0_3" id="klammer_h1_5"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bb br vam"> - <div class="left">obere Kreide<br /> - untere Kreide</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bb vam"> - <div class="center">Jura</div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="figcenter illowe0_4" id="klammer_h2"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bb br vam"> - <div class="left">weißer (Malm)<br /> - brauner (Dogger)<br /> - schwarzer (Lias)</div> - </td> - <td class="br vam" rowspan="2"> - <div class="figtable illowe12" id="img_tab1_3"> - <img class="w100" src="images/img_tab1_3.png" alt="Saurier" /> - </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bbd vam"> - <div class="center">Trias</div> - </td> - <td class="bbd vam"> - <div class="figcenter illowe0_4" id="klammer_h3_2"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bbd br vam"> - <div class="left">Keuper<br /> - Muschelkalk<br /> - Buntsandstein</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br bbd" rowspan="5"> - <div class="center"><b>Altzeit</b><br /> - <span class="s5">(Paläo-<br /> - zoikum)</span></div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="center">Perm</div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="figcenter illowe0_3" id="klammer_h1_5a"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bb br vam"> - <div class="left">Zechstein<br /> - Rotliegendes</div> - </td> - <td class="br bb vam" rowspan="7"> - <div class="s5 left mtop2">Bildg. der Kalisalzlager Mitteldeutschl.</div> - <div class="figtable illowe15" id="img_tab1_4"> - <img class="w100 padtop1" src="images/img_tab1_4.png" alt="" /> - <div class="caption mbot1">Bildung der Steinkohlen</div> - </div> - <div class="figtable illowe15" id="img_tab1_5"> - <img class="w100 padtop1" src="images/img_tab1_5.png" alt="" /> - </div> - <div class="figtable illowe15" id="img_tab1_6"> - <img class="w100" src="images/img_tab1_6.png" alt="" /> - </div> - <div class="figtable illowe15" id="img_tab1_7"> - <img class="w100" src="images/img_tab1_7.png" alt="" /> - </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bb vam"> - <div class="center">Karbon</div> - </td> - <td class="bb vam"> - <div class="figcenter illowe0_3" id="klammer_h1_5b"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bb br vam"> - <div class="left">oberes (produktiv.) K<br /> - unt. K (Kohlenkalk)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bb br vam" colspan="3"> - <div class="left">Devon</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bb br vam" colspan="3"> - <div class="left">Silur</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bbd br vam" colspan="3"> - <div class="left">Kambrium</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br bbd"> - <div class="center"><b>Frühzeit</b><br /> - <span class="s5">(Eozoikum)</span></div> - </td> - <td class="bbd vam"> - <div class="center">Präkambrium</div> - </td> - <td class="bbd vam"> - <div class="figcenter illowe0_4" id="klammer_h3_2a"> - <img class="w100" src="images/klammer_h3.png" alt="geschweifte Klammer links" /> - </div> - </td> - <td class="bbd br vam"> - <div class="left">oberes<br /> - mittleres<br /> - unteres</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br bb"> - <div class="center"><b>Urzeit</b><br /> - <span class="s5">(Archaikum)</span></div> - </td> - <td class="bb br vam" colspan="3"> - <div class="left">Urgebirge (Gneise und<br /> kristalline Schiefer)</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p> - -<p>Das ist aber ein ganz empfindlicher Mangel. „Ohne die Bestimmung der -Zeiträume bleibt jede Entwicklungswissenschaft oder geschichtliche -Wissenschaft im Zustand äußerster Unvollkommenheit“ (Ratzel). Was -würde die Menschheitsgeschichte ohne Jahreszahlen bedeuten? Sie könnte -wohl noch die Folge der Ereignisse aufzählen, über die Zeitdauer -geschichtlicher Entwicklungen vermöchte sie nichts mehr auszusagen. -Damit würde jede Vergleichsmöglichkeit mit dem Geschehen der Gegenwart -und zugleich jedes tiefere Verständnis verloren gehen. Es ist -ein gewaltiger Unterschied in der Bewertung einer geschichtlichen -Entwicklung, ob zu ihrem Ablauf zehn Jahre oder zehn Generationen -nötig waren. Genau wie in der Menschheitsgeschichte ist es aber auch -in der Geologie eine dringende Notwendigkeit, eine klare Vorstellung -von der Größe der Zeiträume zu besitzen, in denen sich die Ereignisse -abspielen. Von der bloßen relativen Altersbestimmung drängt es -den Forscher ganz von selber weiter zur <em class="gesperrt">absoluten geologischen -Zeitmessung</em>. Es ist nicht nur müßige wissenschaftliche Neugier, -wenn der Anfänger in der Geologie fragt, vor wieviel Jahren wohl das -Muscheltier aus dem braunen Jura gelebt habe, das er in versteinertem -Zustand am Straßenrand gefunden hat. In dieser Frage wird vielmehr -der Wissenschaft ein überaus wichtiges Problem gestellt, dessen Lösung -mit dem Geologen auch den Biologen und den Philosophen interessiert. -Der Geologe möchte wissen, welche Zeiträume, Jahrtausende oder -Jahrmillionen er seiner Geschichtschreibung zugrunde legen darf. -Der Biologe wünscht eine Vorstellung davon zu gewinnen, mit welcher -Geschwindigkeit die Stammesentwicklung der Lebewesen vor sich gegangen -ist; für manche seiner Theorien spielt das Maß der verfügbaren Zeit -eine entscheidende Rolle. Den Philosophen endlich beschäftigt die -Frage, was für einen Abschnitt die Menschheitsentwicklung im Rahmen der -ganzen Erdentwicklung einnimmt.</p> - -<p>Ist es nun möglich, geologische Zeiträume nach bestimmten Zeiteinheiten -zu messen, <em class="gesperrt">Jahreszahlen auch für die Erdgeschichte</em> zu gewinnen? -Was wir dazu brauchen, ist einfach zu sagen: Es sind <em class="gesperrt">geologische -Zeitmesser, geologische Uhren</em>. Wir werden sehen, daß sie uns von der -Wissenschaft zur Verfügung <span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span>gestellt werden können; wir werden sogar -finden, daß sie auf dieselbe Weise ihre Aufgabe erfüllen wie unsere -allbekannten Zeitmesser.</p> - -<div class="figcenter illowe30" id="abb_01"> - <img class="w100" src="images/abb_01.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1. Prinzipien geologischer Zeitmessung.</div> -</div> - -<p>Die Uhren des Altertums und des Mittelalters waren fast ausschließlich -<em class="gesperrt">Wasseruhren</em>. Aus der Menge des aus einem Gefäß ausgeflossenen -Wassers schloß man, wieviel Zeit „verflossen“ sei, und die mechanische -Kunstfertigkeit der Griechen und späterhin der Araber schuf nach -diesem Prinzip wahre Kunstwerke der Mechanik: Wasseruhren, die mit -Glockenschlägen die Zeit kündeten, oder bei denen künstliche Figuren -an einem Zifferblatt die Stunde wiesen. Noch weit herein in die -Neuzeit waren Wasseruhren die gebräuchlichsten Zeitmesser, und von der -<em class="gesperrt">Sanduhr</em>, bei der eine bestimmte Menge Sand durch die enge Öffnung -des Stundenglases läuft, haben sich sogar kümmerliche Überreste bis in -unsere Zeit gerettet: die Eieruhr der Hausfrau und die kleine Sanduhr -neben dem Telephon, welche die Gesprächsdauer erkennen läßt. Das -Prinzip von Wasser- und Sanduhr ist folgendes: Man weiß, wieviel Wasser -oder Sand in der Zeiteinheit aus einem höher gelegenen Gefäß in ein -tieferes abfließen kann und schließt aus der Menge des Abgeflossenen -auf die Zeit, die dazu nötig war. Wir werden sehen, daß geologische -Vorgänge des Abfließens und der Aufschüttung zur erdgeschichtlichen -Zeitmessung dienen können.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span></p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Pendeluhren</em> stellen eine zweite Art von Zeitmessern dar. Langsam, -in immer gleichem Rhythmus, schwingt das Pendel unter der Einwirkung -der Anziehungskraft der Erde hin und her. Damit es von der Reibung -nicht zum Stillstand gebracht wird, erhält es im Innern des Werks -bei jeder Schwingung einen neuen kleinen Anstoß. Wählt man ein Pendel -von passender Länge, so kann man erreichen, daß es genau eine Sekunde -zur Schwingung braucht; mit Hilfe sinnreicher Zahnradübertragung wird -die Zahl seiner Schwingungen durch Zeiger zur Erscheinung gebracht. -Die Bewegung dieser Zeiger bedeutet eigentlich nichts anderes als ein -Abzählen der Pendelschwingungen unter Zusammenfassung von 60 und 60 × -60 Schwingungen zu größeren Einheiten.</p> - -<p>Das Prinzip der Pendeluhr beruht also auf dem Abzählen einer Bewegung, -die unter dem Einfluß der Schwerkraft periodisch erfolgt. Wir werden -wunderbar geheimnisvolle Bewegungen unseres Weltkörpers kennen -lernen, die ebenso durch die Schwerkraft hervorgerufen werden und die -vielleicht als Grundlage geologischer Zeitmessung dienen können. Es -fragt sich nur, wie solche zweifellos vorhandene Bewegungen abgezählt -werden sollen. Für die kleine Periode des Jahres vermag schon jeder -Baum diese Aufgabe zu lösen. Schneidet man einen Baumstamm quer durch, -so zeigt sich das bekannte regelmäßige Bild der <em class="gesperrt">Jahresringe</em>, an -denen ohne weiteres das Alter des Baums in Jahren abgelesen werden -kann; jeden Frühling bildet er eine weiche breite, jeden Herbst eine -harte dünne Holzschicht. Wir werden auch geologische Jahresringe kennen -lernen, die in der Art, wie sie dem Forscher Aufschluß über geologische -Zeiträume geben, zwei Prinzipien der Zeitmessung vereinigen: -Aufschüttung und Rhythmus.</p> - -<p>Und nun soll der Versuch gewagt werden, mit Hilfe der Zeitmesser, -die uns die Geologie kennen lehrt, die ungeheuren Zeiträume der -Vergangenheit in Maß und Zahl zu fassen!</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="II_Geologische_Zeitmessung_durch_Abtragung_und_Aufschuettung">II. -Geologische Zeitmessung durch Abtragung und Aufschüttung.</h2> - -</div> - -<p>Wir versetzen uns im Geist ins Ruhrrevier. Mit dem Förderkorb geht’s -sausend hinunter in die dunklen Tiefen eines Kohlenbergwerks. In dem -Wirrsal unterirdischer Gänge arbeiten wir uns <span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span>vor bis ans äußerste -Ende, wo vom Häuer das kostbare schwarze Mineral losgebrochen wird. -Und staunend sehen wir, daß wir nicht etwa mitten drin in der massiven -Kohle stehen, sondern daß sie nur eine Schicht (ein „Flöz“) von kaum 1 -Meter Mächtigkeit bildet. Steigen wir allerdings in eine höhere oder -tiefere Strecke des Bergwerks, so finden wir zwischen Sandsteinen -und Schiefertonen noch eine ganze Reihe anderer Flöze eingebettet, -mächtigere, bis zu einer Dicke von 2 Meter, die einen leichten, -bequemen Abbau erlauben, und schwächere von 10–20 cm Mächtigkeit, bei -denen sich der Abbau überhaupt nicht lohnt. Fragen wir den Geologen, -der von allen Schächten und Tiefbohrungen des ganzen Kohlenreviers -den Aufbau des Gebirges kennt, nach der Zahl der Kohlenschichten, -so sagt er uns, daß im ganzen 176 Flöze übereinander liegen, durch -Gesteine, die in einem Meere gebildet wurden, voneinander getrennt. -Wie sollen wir das deuten? Die Wissenschaft lehrt uns, daß sich -die Kohlen in mächtigen Waldmooren aus einer fremdartig anmutenden -Pflanzenwelt gebildet haben, langsam und in ungeheuren Zeiträumen. Ein -hundertjähriger kräftiger Buchenwald würde bei der Verkohlung nur eine -Schicht von 16 mm ergeben. Nun senkte sich das Land; das Meer brach -herein; Schlamm und Sand lagerten sich über dem jungen Kohlenlager ab -und schützten es so vor der Zerstörung. Dann hob sich das Land wieder, -das Wasser lief ab, und von neuem erwuchs der Sumpfwald, bildete -sich Kohle, bis das Meer wieder hereinbrach und auch die neue Kohle -zudeckte. Und das 176mal! Wie ein langsames Atemholen der scheinbar -starren Erde mutet dieses Auf und Ab an, und daß dieser Wechsel von -Steinkohlensumpfwald und Meer ungeheure Zeiträume umfaßt haben muß, -ist uns ohne weiteres klar. Dabei zählt man im Saarkohlengebiet sogar -325 Flöze, und die ganze Zeit, die zur Bildung all dieser wechselnden -Schichten nötig war, bedeutet in der geologischen Zeitrechnung nur -einen verhältnismäßig kleinen Teil einer einzigen geologischen Periode!</p> - -<p>Ein anderes Bild: Zu Tausenden ragen in Baku am Kaspischen Meer auf -engstem Raum die Erdölbohrtürme in die Luft, und zwölf Milliarden Liter -Rohöl haben sie in der Zeit vor dem Krieg jährlich zutage gefördert. -Nun entsteht das Erdöl nach der Ansicht der heutigen Wissenschaft aus -den Überresten abgestorbener Meerestiere. Wir können nicht annehmen, -daß jene Meere wesentlich dichter bevölkert gewesen seien als unsere -heutigen. Was für ungeheure Zeiträume <span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span>müssen aber verstrichen sein, -bis sich der Meeresboden mit derartig riesenhaften Mengen solcher -Stoffe vollsaugen konnte! Und auch hier wieder müssen wir dasselbe -feststellen wie bei den Steinkohlen: Die Zeit, die zur Bildung der -erdölführenden Schichten nötig war, ist geringfügig im Rahmen der -ganzen Erdgeschichte.</p> - -<p>Wir wollen aber doch versuchen, von diesen ersten, ganz allgemeinen -Vorstellungen von der langen Dauer geologischer Zeiträume zu -bestimmten, faßbaren Zahlen zu gelangen; die zahlenmäßige Untersuchung -der <em class="gesperrt">geologischen Wirkung des fließenden Wassers</em> soll uns diesen -Fortschritt bringen. Überall, wo es in Bächen, Flüssen und Strömen zum -Meere eilt, schafft es Stoffe aus dem Land hinaus, trägt dadurch ganz -allmählich sein Einzugsgebiet ab (Vorgang der Denudation) und führt -alles ins Meer, wo sich das mitgeführte Material niederschlägt und -langsam neue Gesteinsschichten aufbaut (Vorgang der Sedimentation). -Eine sehr genaue zahlenmäßige Untersuchung über die geologische -Arbeit eines Flusses wurde von <em class="gesperrt">Schürmann</em> vor wenigen Jahren am -<em class="gesperrt">Neckar</em> ausgeführt. Während eines ganzen Jahres berechnete er Tag -für Tag auf Grund genauer Methoden die Wassermengen, die der Fluß aus -dem Schwabenland hinaus zum Rhein führt, und Tag für Tag entnahm er -ihm Proben, aus denen er den Gehalt des Wassers an aufgelösten und -schwebenden Bestandteilen sorgfältig bestimmte. Während die gelösten -Bestandteile hauptsächlich Salze aller Art sind, die das Wasser bei -seiner Berührung mit dem Gestein ausgelaugt hat (vor allem Kalk), -sind die schwebenden Stoffe feinste Ton- und Sandteilchen, die als -„Flußtrübe“ mechanisch vom Wasser mitgenommen werden und die es -besonders bei Hochwasser bis zur vollständigen Undurchsichtigkeit -trüben können. Das Ergebnis der Untersuchungen war, daß der Neckar -unterhalb Heilbronn im Jahr 1,584 Millionen Tonnen fester Stoffe aus -dem Lande hinausführt.</p> - -<p>Bei einem spezifischen Gewicht von 2,5 nimmt diese Stoffmenge -einen Raum von etwas über 600000 Kubikmeter ein; würde man sie in -gleichmäßiger Dicke über das ganze Einzugsgebiet des Flusses (12340 -Quadratkilometer) ausbreiten, so ergäbe sich eine Schicht von <span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">20</span> mm -Mächtigkeit. Wenn also der Neckar sein ganzes Flußgebiet gleichmäßig -erniedrigen würde, so würde er in einem Jahr <span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">20</span> mm, in 20 Jahren 1 mm, -in 2000 Jahren eine Schicht von 1 m Mächtigkeit abtragen. Zur Abtragung -von 100 m würde er infolgedessen 2 Millionen Jahre brauchen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span></p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_02"> - <img class="w100" src="images/abb_02.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2. Querschnitt durch die Schwäbische Alb und ihr -Vorland mit vulkanischen Durchschlagsröhren. Zur Zeit der Eruption -muß noch eine Gesteinsdecke, wie sie durch die gestrichelte Linie -angedeutet ist, über dem Vorland gelegen haben. 1 Muschelkalk, 2 -Keuper, 3 Schwarzer Jura, 4 Brauner Jura, 5 Weißer Jura.</div> -</div> - -<p>Nun können wir auf hochinteressante Weise feststellen, wie das ganze -Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und Odenwald in nicht allzuweit -zurückliegender geologischer Vergangenheit ausgesehen haben muß. -Zu den merkwürdigsten geologischen Erscheinungen der Erde zählt -das Vulkangebiet der mittleren Schwäbischen Alb (um Kirchheim und -Urach), in dem die Erdrinde von nicht weniger als 125 vulkanischen -Explosionsröhren durchsetzt wird; sie zeigen sich von vulkanischem -Material (Basalt) und von Gesteinsbruchstücken der durchschlagenen -Schichten erfüllt. Eine Anzahl dieser Röhren steckt noch ganz innerhalb -des Körpers der Alb, die sich südlich vom schwäbischen Keuperland -über einem Unterbau von schwarzem und braunem Jura in wundervoller -landschaftlicher Schönheit als eine steile, von Felszinnen gekrönte -Mauer von Weißjura aufbaut; die übrigen liegen im Vorland (vgl. <a href="#abb_02">Abb. 2</a>). -Der nördlichste der Vulkanschlote findet sich bei Scharnhausen -(südlich von Stuttgart), über 20 km vom jetzigen Albrand entfernt, -in den Keuper eingesenkt und trotzdem noch Brocken von weißem Jura -enthaltend. Dieser Weiße Jura, ein viel jüngeres Gestein als der -Keuper, in dessen Höhe er nun in der Vulkanröhre steckt, muß bei -der Explosion von oben her in das offene Loch hereingefallen sein. -Es müssen also damals noch die Schichten des Weißen Jura über der -ganzen Gegend gelegen haben, und das gibt uns den sicheren Beweis, -daß zu jener Zeit der Albrand, wenn er schon in der heutigen Art -bestand, noch mindestens 20 km weiter nördlich gelegen sein muß. -Weitere Beobachtungen machen es wahrscheinlich, daß das <em class="gesperrt">ganze -schwäbische Stufenland</em> zwischen Odenwald und Alb damals noch von einer -Gesteinsdecke von mehreren hundert Metern Mächtigkeit bedeckt war. Hier -können wir nun wieder mit der Rechnung einsetzen: 100 m deckt der Neckar -in 2 Millionen Jahren ab; es werden also seit jener Vulkankatastrophe, -die im Obermiozän, also schon gegen das Ende der <span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span>Tertiärzeit,<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a> -stattgefunden hat, ungefähr 4–6 Millionen Jahre verflossen sein.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Vergleiche hierzu, wie bei allen andern geologischen -Altersangaben, die Formationstafel auf Seite 7.</p> - -</div> - -<p>Damit sind wir zum erstenmal auf das Zeitmaß gekommen, mit dem der -Geologe rechnet, und an das sich auch der Leser gewöhnen muß, die -Jahrmillion. Daß es nicht nur ein gedankenloses Umsichwerfen mit -großen Zahlen ist, wenn in der Geologie von Jahrmillionen geredet -wird, das zeigt schon dieser erste Versuch einer rechnerischen Lösung -unserer Frage klar und deutlich, obwohl sich an ihn von kritisch -gestimmten Geistern noch manches Wenn und Aber anknüpfen läßt. Aber -daß Jahrtausende oder Jahrhunderttausende in der Erdgeschichte nicht -zureichen, ist uns jetzt schon klar geworden. Die erste Vorstellung von -der Größenordnung geologischer Zeiträume ist gewonnen, und das bedeutet -eine neue Erkenntnis!</p> - -<p>Wenn der Neckar 20000 Jahre braucht, um sein Gebiet um 1 m zu -erniedrigen, so ist er damit weder ein rascher noch ein besonders -langsamer Arbeiter; seine Leistung bedeutet einen guten Durchschnitt. -Ein Alpenfluß, der mit ganz anderer Wucht zu Tale stürzt und die -Trümmer des rasch verwitternden Hochgebirges in die Ebene schafft, -wird mehr leisten als der Neckar, der durch ein Mittelgebirgsland -fließt, während ein langsam dahinfließender Strom des Flachlands nicht -auf die Leistung des Neckars kommen wird. Es sind sehr lehrreiche -Zahlen, die in dieser Beziehung von den Geologen gefunden wurden. Der -erfolgreichste bekannte Zerstörer ist der Irawadi (Hinterindien), der -sein Stromgebiet schon in 1300 Jahren um 1 m erniedrigt. Ihm kommen -die Alpenflüsse Po und Reuß nahe, die in 2800 und 3000 Jahren dieselbe -Arbeit verrichten, während das Gebiet der Hudson-Bai von seinen Flüssen -erst in 165000 Jahren um 1 m erniedrigt wird.</p> - -<p>Es soll nun aber der kühne Versuch gewagt werden, für die ganze Erde -die Abtragung zu berechnen. Wenn dabei auch viele Zahlen nicht ganz -richtig sein werden, so müssen wir eben hoffen, daß ein Fehler nach -der einen Seite wieder durch einen entgegengesetzten aufgehoben wird, -und daß auf diese Weise doch eine Zahl von leidlicher Genauigkeit -herauskommt. Will man wissen, was die gesamten Ströme der Erde im -Jahr an Abtragungsarbeit leisten, so ist es nötig, zweierlei zu -kennen: Die jährliche Wassermenge aller <span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span>Flüsse und den Gehalt ihres -Wassers an Gelöstem und Aufgeschwemmtem. Es ist klar, daß nur für -wenige Stromsysteme solche Messungen vorliegen, wie vom Neckar. An -ihre Stelle muß eine vorsichtige Schätzung treten, die aber in einer -Reihe von meteorologischen, geographischen und geologischen Tatsachen -zuverlässige Grundlagen hat. Nachdem schon die englischen Geologen -<em class="gesperrt">Mellard Reade</em> und <em class="gesperrt">Murray</em> die Berechnung versucht hatten, gab in -neuerer Zeit der amerikanische Geologe <em class="gesperrt">Clarke</em> die zuverlässigsten -Zahlen. Er erhielt unter möglichst genauer Berücksichtigung aller -Verhältnisse für die Flüsse der ganzen Erde eine Jahresleistung von -2500 Millionen Tonnen gelöster und 6000 Millionen Tonnen schwebender -fester Stoffe, was eine Gesamtjahresleistung von 8500 Mill. Tonnen -ergibt. Würde diese Stoffmenge, die von den Flüssen in einem Jahr -ins Meer getragen wird, über das von ihnen entwässerte Festland -ausgebreitet, so erhielte man eine gleichmäßige Schicht von -<span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">28</span>–<span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">30</span> mm -Dicke; es vergeht also ein Zeitraum von 28000 bis 30000 Jahren, bis -die Erdoberfläche von den Flüssen durchschnittlich um 1 m erniedrigt -wird. Zu der Arbeit der Flüsse kommt noch die zerstörende Wirkung -der Meereswogen an der Küste hinzu, die gleichfalls dem Meere Stoffe -zu Sedimentgesteinen liefert und die Gesamtmenge der ihm jährlich -zugeführten Stoffe auf etwa 9000 Millionen Tonnen erhöht. Über das -Schicksal aller dieser Stoffe können wir aussagen, daß ein Teil der -gelösten Stoffe, vor allem die Chloride (in erster Linie Natriumchlorid -= Kochsalz) in Lösung bleibt und damit den Salzgehalt des Meeres -erhöht, während z. B. der größte Teil des gelösten kohlensauren Kalks -sich ausscheidet. Die aufgeschwemmten Stoffe setzen sich natürlich -ohne weiteres im Meere ab und bilden die sog. mechanischen Sedimente. -Clarke versuchte auch, die Menge der verschiedenen neu gebildeten -Gesteinsarten zu berechnen, und fand, daß von den 9000 Millionen -Tonnen 70% (6300·10<sup>6</sup> Tonnen) zu Ton- und Schiefergesteinen werden, -16% (1440·10<sup>6</sup> Tonnen) zu Sandsteinen und 14% (1260·10<sup>6</sup> Tonnen) zu -Kalkstein.</p> - -<p>Um Zahlen für die Zeitdauer geologischer Vorgänge zu gewinnen, halten -wir uns nun zuerst an die gelösten Stoffe. <em class="gesperrt">Joly</em> hat 1899 einen -scheinbar sehr einfachen Weg angegeben, um das <em class="gesperrt">Alter des Ozeans</em> zu -berechnen. Sein Gedankengang ist folgender: Als sich bei zunehmender -Abkühlung der Erde das Wasser in flüssiger Form an der Oberfläche -niederschlug, da bestand dieser <span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span>Urozean aus chemisch reinem Wasser, -er war also ohne Salzbeimischung. Die Salze kamen auf die Weise in das -Meer, daß die Verwitterung eine Reihe von Stoffen aus den Urgesteinen -(Gneis, Granit) herauslöste und ins Meer führte. Die einen schieden -sich hier aus und bildeten Gesteine, andere aber, vor allem die -Alkalisalze (Salze des Natriums und Kaliums) blieben in Lösung und -verursachen nun den Salzgehalt des Meeres. Die größte Rolle spielt -dabei das Kochsalz (Chlornatrium). Auch heute noch werden von den -Flüssen Natriumsalze in das Meer geführt, die aus der Verwitterung der -Urgesteine stammen und den Salzgehalt des Meeres andauernd langsam -vermehren. Wir kennen den Gehalt des ganzen Ozeans an Natriumsalzen -(der Prozentgehalt des Meeres an Salzen ist bekannt, die Wassermenge -des ganzen Ozeans läßt sich unschwierig berechnen) und die Menge des -von den Flüssen jährlich ins Meer geführten Salzes. Dividieren wir -beides, so erhalten wir die Zahl der Jahre, die nötig waren, um den -Salzgehalt des Meeres bis zur heutigen Höhe anwachsen zu lassen. Die -Berechnung geschieht nach folgender einfacher Gleichung:</p> - -<p class="center"><span class="hbruch"><span class="zaehler">(Natrium im Ozean)</span><span -class="nenner">(jährl. Menge des Natriums in den Flüssen)</span></span> = -Alter des Ozeans.</p> - -<p class="p0">Durch Einsetzung der für die Mengen der Natriumsalze bekannten Zahlen -erhalten wir:</p> - -<p class="center"><span class="hbruch"> -<span class="zaehler"> 14,13  · 10<sup>12</sup> t</span> -<span class="nenner">158,357 · 10<sup>3</sup> t</span></span> = -89222900 Jahre.</p> - -<p>Die Methode scheint sehr einfach und einleuchtend zu sein, sie hat -aber ganz bedenkliche Schwierigkeiten. Vor allem gründet sie sich -auf die Annahme, daß das von den Flüssen in den Ozean geführte -Salz einzig und allein aus der Verwitterung der Urgesteine stamme. -Nun läßt sich nachweisen, daß ein großer Teil dieses Salzes nicht -daher, sondern aus dem Meere stammt und als „zyklisches Salz“ einen -Kreislauf vom Meer zum Land und wieder ins Meer ausführt. Vor allem -reißt der Meerwind kleine Tröpfchen von Seewasser mit sich und trägt -auf diese Weise Salz weit ins Land hinein. Für den Sambharsalzsee -in Indien, der 400 km landeinwärts liegt und eine Fläche von 5700 qkm -einnimmt, wurde berechnet, daß er jährlich durch den Wind 3000 Tonnen -Seesalz zugeführt bekommt. Ein anderer Teil des Salzes der Flüsse -stammt aus Salzlagern in den Sedimenten, die ihrerseits wieder aus -der Eindunstung von Meerwasser hervorgegangen sind. Auch dieses <span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span>Salz -fließt also zum zweiten- oder öfterenmal dem Meere zu. Alles zyklische -Salz darf natürlich nicht in die Berechnung eingestellt werden. Nach -dem einen Forscher (Joly) soll seine Menge 33%, nach andern 95% oder -gar 99% der von den Flüssen mitgebrachten Salzmenge betragen. Damit -verringert sich die anzurechnende Menge des Natriums im Flußwasser ganz -außerordentlich, und damit steigt nach einer einfachen mathematischen -Überlegung das Alter des Ozeans bis zu ungeheuren Zahlen an. Bei der -Annahme von 99% zyklischem Salz wäre es das 100fache, also gegen 9000 -Millionen Jahre. Wenn die Ergebnisse in einem solch ungeheuer weiten -Spielraum sich bewegen, so wird es ganz aussichtslos, auf diese Weise -zu einigermaßen brauchbaren Zahlen zu gelangen.</p> - -<p>Versuchen wir es deshalb mit den im Meere gebildeten Schicht- -(Sediment-)gesteinen. Wenn wir die gesamte Mächtigkeit aller auf der -Erde je gebildeten Sedimente kennen, dazu die Zeit, die zur Bildung von -1 m nötig ist, so brauchen wir nur zu multiplizieren, und das Ergebnis -liegt vor. Nun sind aber alle Zahlen, um die es sich hier handelt, so -unsicher als nur denkbar. Bei der Berechnung der Gesamtmächtigkeit -der Sedimente müssen wir berücksichtigen, daß an mancher Stelle der -Erde lange geologische Zeiträume vorbeigingen, ohne eine Spur zu -hinterlassen. Wenn wir bei der Berechnung der Schichtenmächtigkeit -bei jeder Formation und jedem Formationsteil die Stelle in Rechnung -setzen, an der sich die größte Mächtigkeit entwickelt hat, so erhalten -wir die sogenannte <em class="gesperrt">maximale Mächtigkeit</em>. Diese beträgt nach <em class="gesperrt">Sollas</em> -(1909) für die Neuzeit der Erde 19000 m, für das Mittelalter 21000 m, -für das Altertum 37000 m, für das Präkambrium 25000 m; das ergibt eine -Gesamtmächtigkeit von 102000 m. Andere Forscher bringen wesentlich -andere Zahlen heraus. Wollen wir die Zeit berechnen, in der eine -Schicht von 1 m Sedimentgestein gebildet wird, so müssen wir dabei -festhalten, daß die Stoffe, die von den Flüssen ins Meer hinausgetragen -werden, nicht über die ganze Fläche des Ozeans hin sich ablagern, -sondern nur in der sog. Schelfregion, einem Gürtel, der mit ungefähr -160 km Breite die Kontinente umsäumt. Bei einer Küstenlinie von -160000 km nimmt auf diese Weise die Schelfregion einen Flächenraum von -25,6·10<sup>6</sup> qkm ein. Nimmt man für die 9000·10<sup>6</sup> Tonnen ein spezifisches -Gewicht von 2,5 an, so füllen sie einen Raum von 3600·10<sup>6</sup> cbm aus. -Bauen wir aus dieser Masse eine Säule mit einer Grundfläche von -1 qkm, so erreicht sie eine Höhe von 3,6 km. Breiten wir nun das Ganze -gleichmäßig über die gesamte Schelfregion (25,6·10<sup>6</sup> qkm) aus, so ergibt -sich eine Schicht von 0,140 mm Dicke. Wenn also in einem Jahr eine -Schicht dieser Mächtigkeit gebildet wird, so sind 7000 Jahre nötig, um -eine Schicht von 1 m Mächtigkeit zu bilden. Das ist natürlich nur ein -Durchschnittswert. An einer Stelle geht die Arbeit viel rascher vor -sich, an der andern viel langsamer.</p> - -<p>Würden wir diesen Wert als richtig annehmen, so erhielten wir für -die Bildung von 102000 m Gesteinsmächtigkeit eine Zeit von über 700 -Millionen Jahren. Nun müssen wir dabei aber berücksichtigen, daß die -Sedimente auch in der Schelfregion nicht gleichmäßig ausgebreitet -werden (vgl. <a href="#abb_03">Abb. 3</a>), sondern daß sie in größerer<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> Küstennähe wesentlich -stärker aufgehäuft werden als in 100 bis 160 km Entfernung von der -Küste. Wir können für die größere Küstennähe annehmen, daß hier schon -3000 Jahre genügen, um die Schicht von 1 m zu bilden. Wenn zuerst -die „maximalen Schichtmächtigkeiten“ festgestellt wurden, so müssen -wir jetzt den niedrigen Wert für die Bildungszeit von 1 m einsetzen -und erhalten für 100000 m die Zeit von 300 Millionen Jahren. Es soll -bei dieser Art Berechnung aber nicht verschwiegen werden, daß andere -Forscher auf wesentlich andere Zahlen gekommen sind; sie bewegen sich -zwischen 30 und 600 Millionen Jahren, und diese ungeheuren Unterschiede -sind natürlich nicht dazu angetan, das Vertrauen in diese Methode -allzusehr zu stärken.</p> - -<p>Etwas zuverlässigere Resultate ergibt ein anderer Weg: Man versucht, -die <em class="gesperrt">Gesamtmenge der im ganzen Verlauf der Erdgeschichte gebildeten -Sedimente</em> zu berechnen. Auch dies ist natürlich ein schwieriges -Unterfangen, denn das meiste, was die Erde im Laufe der Jahrmillionen -aufbaute, ist schon längst wieder zerstört. Immerhin, es soll gewagt -sein. Auf Grund vorsichtiger Schätzung erhält man für den Kubikinhalt -der gesamten, im Lauf der Erdgeschichte gebildeten Sedimente einen -Raum von 875·10<sup>6</sup> Kubikkilometer (ckm). Unsere 9000·10<sup>6</sup> Tonnen stellen -einen Raum von 3,6 ckm dar, es waren also 875·10<sup>6</sup>/3,6 = 245·10<sup>6</sup> Jahre -nötig, um die Gesamtmenge der Sedimente zu bilden. Ein zweiter Versuch: -Man rechnet mit der <span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span>Gesamtmenge aller je gebildeten Kalksteine und der -Menge Kalk, die durch die Verwitterung der Eruptivgesteine jährlich -frei wird. Nach ähnlichen Methoden, wie sie oben angedeutet wurden, -erhält man für die Bildung der gesamten irdischen Kalkschichten eine -Zeit von 320 Millionen Jahren.</p> - -<p>Bei all den Zahlen, die wir bis jetzt errechnet haben, mußte nach -der Mächtigkeit der erhaltenen Sedimente stark ⅔ auf die Zeit -vom Kambrium bis heute, schwach ⅓ auf das Präkambrium entfallen. -Jedenfalls ist damit aber, wenn wir die Zeitspanne seit dem Kambrium -als zuverlässiger annehmen wollen, das Präkambrium stark unterschätzt. -Nach Überlegungen allgemeiner Art muß seine Dauer ein Mehrfaches der -aller anderen Formationen betragen; es ist aber fast vollständig -zerstört und umgewandelt, und daher kommt seine Bedeutung in den -Mächtigkeitszahlen lange nicht genügend zum Ausdruck.</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_03"> - <img class="w100" src="images/abb_03.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3. Sedimentbildung in der Schelfregion.</div> -</div> - -<p>Was läßt sich nun über die Zuverlässigkeit all dieser Berechnungen -aussagen? Das Problem kann unmöglich auf einen Anlauf gelöst werden. -Fast alle Zahlen sind nicht genau bestimmbar, sie beruhen nur auf mehr -oder weniger zuverlässigen Schätzungen; deshalb bewegen sich auch die -Ergebnisse zwischen sehr weiten Grenzen. Wohl wohnt den Zahlen ein -verschiedenes Maß von Zuverlässigkeit inne; bei den einen, z. B. den -Abtragungszahlen, wird wohl die richtige Zahl um nicht mehr als 50% -nach oben oder unten von der angenommenen abweichen; andere dagegen -sind wesentlich unsicherer. Und trotzdem, die Ergebnisse sind nicht -wertlos. Haben wir gleich zu Anfang nachgewiesen, daß geologisch recht -junge Ereignisse bereits einige Millionen Jahre zurückliegen müssen, -so zeigen uns die Berechnungen über Abtragung und Aufschüttung, daß es -sich für die Zeit, in der die Gesamtheit der Schichtgesteine gebildet -wurde, jedenfalls schon um mehr als hundert Jahrmillionen handelt. Das -ist ein sehr wesentliches und wertvolles <span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span>Ergebnis. Wir erkennen zwar -noch nicht die absolute Größe, aber doch die Größenordnung geologischer -Zeiträume; die Zehner und Hunderter von Jahrmillionen haben bereits -hohe Wahrscheinlichkeit gewonnen.</p> - -<p>Ungeheure <em class="gesperrt">Wasser- und Sanduhren</em> sind es, die dem Geologen dieses -Resultat verschafft haben. Ihr Prinzip der Zeitmessung ist genau -das gleiche wie bei der Sanduhr am Telephon oder jenen kunstvollen -Wasseruhren der Araber und Griechen. Wir wissen, was in einem Jahr in -die großen Sammelbecken läuft, vermögen die Massen des Geleisteten zu -messen oder zu schätzen und erhalten daraus durch einfache Rechnung die -Zahl der dazu nötigen Jahre. Die Genauigkeit der Rechnung hängt von der -Zuverlässigkeit der verwendeten Zahlen ab.</p> - -<p>Jedoch steckt in all diesen Rechnungen noch eine Voraussetzung, die -wir bis jetzt unbesehen hingenommen haben, die aber durchaus nicht -selbstverständlich ist, sondern einer sehr genauen Prüfung bedarf. -Wenn wir aus der Gesamtmasse der Sedimente und der Jahresleistung der -abtragenden Kräfte durch Division die Zeit gewonnen haben, so nahmen -wir an, daß im ganzen Verlauf der Zeit die Uhr gleich schnell gegangen -sei, die Flüsse in jedem Jahr so viel ins Meer getragen hätten wie -heute. Das ist jedoch nicht ohne weiteres sicher. Wir können uns -denken, daß in früheren Erdperioden die geologischen Kräfte rascher -und stürmischer gearbeitet hätten als heute, daß die Zerstörung -schneller vor sich gegangen wäre, und die Flüsse mehr ins Meer geführt -hätten. Dann hätten wir mit einer zu kleinen Zahl dividiert, die -durchschnittliche Jahresleistung wäre größer anzunehmen, und es kämen -wesentlich kleinere Zeiträume bei der Rechnung heraus. Ebenso denkbar -ist es aber auch, daß die geologische Sanduhr heutzutage rascher -läuft als in der Vergangenheit; dann hätten wir für diese Zeiten -geringere Jahresleistungen einzusetzen, und die Zeiträume würden sich -erhöhen. Wo liegt hier die Wahrheit? Haben in der Vergangenheit die -geologischen Kräfte stärker, gleichstark oder schwächer gewirkt wie in -der Gegenwart? Noch vor einem halben Jahrhundert nahmen die Geologen -das erste fast als selbstverständlich an; denn unscheinbar und nicht -unmittelbar in die Augen fallend sind die Veränderungen der Erde, die -sich heute vollziehen. Für die geologische Vorzeit war man geneigt, ein -viel rascheres Tempo in der Umbildung der Erdoberfläche anzunehmen; in -der Gegenwart <span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span>aber sei die Erde aus der Sturm- und Drangzeit heraus in -einen gemütlichen Alterszustand eingetreten, und von den an ihr tätigen -Kräften werde nicht mehr viel an ihrem Antlitz geändert.</p> - -<p>Diese Ansicht ist gegenwärtig von den meisten Forschern verlassen. -Die Erde befindet sich durchaus nicht in einer Periode besonderer -Ruhe; wesentlich stärker können in der Vorzeit die geologischen Kräfte -nicht gewirkt haben, als sie es auch heute noch tun. Ja, eine Anzahl -englischer und amerikanischer Geologen vertritt mit guten Gründen die -Ansicht, daß wir uns in einer Zeit übernormaler geologischer Tätigkeit -befinden. Wir werden später auf die Besprechung dieser wichtigen Frage -zurückkommen müssen.</p> - -<p>Es wäre gewiß zu kühn, die Frage nach der Dauer geologischer Zeiträume -mit den bisherigen Methoden allein lösen zu wollen. Die Verfahren, -die bis jetzt beschrieben wurden, sind doch gar zu summarisch. Wir -wollen deshalb einen andern Weg einschlagen. Anstatt sofort auf -das Ganze zu gehen, wollen wir bescheiden versuchen, zunächst für -Ereignisse der jüngsten, uns zeitlich nächstliegenden geologischen -Vergangenheit, brauchbare Zahlen zu finden und von da aus langsam -weiter zurückzuschreiten.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="III_Von_der_Eiszeit_bis_zum_Beginn_des_Kambriums">III. -Von der Eiszeit bis zum Beginn des Kambriums.</h2> - -</div> - -<p>Unmittelbar vor der geologischen Gegenwart hat ein gewaltiges Ereignis, -dessen Nachwirkungen heute noch nicht ganz verschwunden sind, unsere -Erde betroffen: Eine ungeheure Vereisung ist über weite Teile der -Erdoberfläche weggegangen. Aus den Tälern der Alpen drangen Eisströme -von über 1000 m Mächtigkeit hinaus ins Vorland, wo sie sich zu einem -riesigen Eisgürtel vereinigten, der im Norden bis nahe zur Linie -der heutigen Donau reichte und sie an einigen Punkten (z. B. bei -Sigmaringen) sogar noch überschritt. Unsere höheren Mittelgebirge, -Vogesen, Schwarzwald, Böhmerwald und Riesengebirge trugen Gletscher, -die weit in die Täler hinunterreichten. Das Gewaltigste aber war die -ungeheure nordeuropäische Vereisung (<a href="#abb_04">Abb. 4</a>). Von den skandinavischen -Gebirgen schoben sich die Eismassen über die heutige Ostsee hinweg -bis in das Herz Deutschlands. Sie reichten bis an den Harz und in -die Lausitz, ja tief nach Polen und in die Ukraine hinein. Ungeheure -Schuttmassen wurden von den Gletschern mitgebracht, zum Teil am <span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span>Grund -mitgeschoben (Grundmoränen), zum Teil auf dem Rücken herangetragen, -gelegentlich in einzelnen großen Blöcken (Findlingsblöcke). Fast -dem ganzen norddeutschen Tiefland ist durch die Bedeckung mit -Gletscherschutt der geologische Stempel aufgedrückt. Das Merkwürdigste -aber ist, daß jene Eiszeit nicht einheitlich war, sondern daß viermal -nacheinander die Gletscher vorstießen, um sich in der Zwischenzeit -jeweils vollständig zurückzuziehen und abzuschmelzen. Wohl sind -gewisse Einzelfragen noch nicht gelöst, im allgemeinen aber kann die -nebenstehende schematische Darstellung (<a href="#abb_05">Abb. 5</a>) als Ausdruck unserer -jetzigen Kenntnisse vom Verlauf der Eiszeit angesehen werden. Die -Kurve gibt nach den Forschungen <em class="gesperrt">Pencks</em> den Verlauf der Schneegrenze -für die ganze Eiszeit im alpinen Vereisungsgebiet wieder. Jede -Eiszeit wurde durch eine Temperaturerniedrigung verursacht; eine -Senkung der Schneegrenze um mehrere hundert Meter war die Folge. -In der Zwischeneiszeit stieg jedoch die Temperatur sogar über den -Durchschnittsstand der Jetztzeit; die Gletscher zogen sich zurück. -Die Kurve bringt deutlich durch die viermalige Senkung und Hebung der -Schneegrenze das viermalige Kälter- und Wärmerwerden, das Vorrücken -und Abschmelzen der Gletscher zur Darstellung. Die vier Eiszeiten -führen nach Penck die Namen Günz-, Mindel-, Riß- und Würmeiszeit, -nach Flüßchen der oberschwäbisch-bayrischen Hochebene, an denen -ihre Bildungen besonders schön erhalten sind. Von der letzten, uns -zeitlich am nächsten liegenden Eiszeit wissen wir natürlich am meisten, -denn ihre Ablagerungen liegen zu oberst, während die der früheren -Eiszeiten oft tief überschüttet oder gar schon wieder zerstört sind. -So wissen wir auch, daß das Abschmelzen der Gletscher vom Höhepunkt -der Würmeiszeit ab nicht ohne Unterbrechung erfolgte. Der Gletscher -wich bei seinem Abschmelzen nicht gleichmäßig zurück, sondern machte an -manchen Stellen eine längere Ruhepause, ja er konnte sogar wieder eine -Strecke weit vorstoßen. So wurde das Abschmelzen des Würmgletschers -durch den „Bühlvorstoß“ unterbrochen. Die Linie, an der der Eisrand -längere Zeit verweilte, ist durch besondere Endmoränenwälle im Gelände -gekennzeichnet. So liegen die Moränen des Bühlvorstoßes, der für die -Berechnung der Eiszeitdauer von besonderer Wichtigkeit ist, an der -Stelle, wo die Alpentäler sich in das Vorland öffnen.</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_04"> - <img class="w100" src="images/abb_04.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4. Das nordeuropäische Vereisungsgebiet.<br /> - 2 äußerster Stand der 2. (Mindel-) Vereisung. 4 äußerster Stand - der 4. (Würm-) Vereisung. 4a baltische Endmoränen. Fsk-E fennoskandische - Endmoränen.<br /> - Nach Olbricht.</div> -</div> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_05"> - <img class="w100" src="images/abb_05.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5. Klimakurve der Eiszeit nach Penck.<br /> - A Achsenschwankung (Rückzug der Gletscher). B Bühlvorstoß.</div> -</div> - -<p>Die Frage nach der <em class="gesperrt">Ursache der Vereisung</em> beschäftigt den Geologen, -seit er überhaupt von diesem Ereignis weiß. Eine Unmenge <span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span>von Theorien -hat schon versucht, die Eiszeit mit ihrem mehrmaligen Klimawechsel -zu erklären. Es ist ein Gebiet, das der Phantasie — und die ist -auch in der Wissenschaft nötig! — den weitesten Spielraum läßt, -und wo dem Forscher die Möglichkeit winkt, eines <span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span>der dunkelsten -Geheimnisse der Erdgeschichte aufzuklären. Da gibt es nun Theorien, -die nicht nur die Ursache der Eiszeit erklären wollen, sondern die in -ihrer mathematischen Durchführung auch gleich den zeitlichen Ablauf -der ganzen Erscheinung ergeben. Es sind Theorien, die aus großen -astronomischen Vorgängen das Ereignis verständlich zu machen versuchen.</p> - -<p>Seit dem großen Schwaben Kepler wissen wir, daß die Erde wie alle -Planeten sich in ellipsenförmiger Bahn um die Sonne bewegt; die Sonne -steht in einem Brennpunkt der Ellipse. Die Erdachse bildet mit der -Ebene der Erdbahn einen Winkel von 66½°, und mit parallel bleibender -Lage seiner Umdrehungsachse beschreibt unser Weltkörper seinen -Umlauf um die Sonne, die ihn streng und fest nach den Gesetzen der -Massenanziehung in seiner Bahn erhält. Nun bleibt aber die Gestalt -der Erdbahn nicht ewig dieselbe; sie verändert sich in langen, aber -meßbaren Zeiträumen. Langsam nimmt die Exzentrizität der Bahn zu und -ab, d. h. die Bahnellipse wird periodisch flacher und dann wieder mehr -kreisförmig. Dabei dreht sich die große Achse der Ellipse in der Ebene -der Erdbahn, und schließlich bleibt auch die Lage der Erdachse nicht -dauernd sich selbst parallel, die Erde führt vielmehr in einer Periode -von 26000 Jahren die sogenannte Präzessionsbewegung aus, die darauf -zurückzuführen ist, daß die Anziehungskraft der Sonne den Äquatorwulst -der Erde in die Bahnebene hereinzuziehen versucht, diese aber als -„Kreisel“ mit ihrer Umdrehungsachse ausweicht.<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a></p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Es ist natürlich im Rahmen dieses Buches nicht möglich, -eine erschöpfende Darlegung der astronomischen Verhältnisse zu geben. -Wer sich eingehender für diese Fragen interessiert, sei auf Bölsche -„Eiszeit und Klimawechsel“ hingewiesen.</p> - -</div> - -<p>Bei den Veränderungen in der Gestalt der Erdbahn setzt nun eine Theorie -ein, die von <em class="gesperrt">Croll</em> begründet wurde. Er führt dabei ungefähr folgenden -Gedankengang durch: Im Maximum der Exzentrizität, das heißt zu der -Zeit, in der die Bahnellipse am stärksten von der Kreisform abweicht, -besteht ein großer Unterschied in der Dauer der Jahreszeiten. Nach -dem zweiten Keplerschen Gesetz muß sich die Erde in der Sonnennähe -rascher bewegen als in der Sonnenferne. Für die Erdhälfte, die in -der Sonnennähe Sommer hat, ist diese Jahreszeit zwar sehr heiß, sie -eilt aber rasch vorbei; das Winterhalbjahr dauert 36 Tage länger -als das Sommerhalbjahr. Dabei ist der Winter in der Sonnenferne -außerordentlich kalt und streng. <span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span>Gegenwärtig befinden wir uns in einer -Periode schwacher Exzentrizität, die Erdbahn ist beinahe kreisförmig, -und Winter- und Sommerhalbjahr unterscheiden sich daher nur um acht -Tage. Der Wechsel der Exzentrizität vollzieht sich in einer Periode -von mehreren hunderttausend Jahren. Nun lehrt Croll: Ein Maximum der -Exzentrizität hat für die Erde jedesmal eine Eiszeit zur Folge. In dem -langen, kalten Winter, den diese Periode für eine Halbkugel mit sich -bringt, sammelt sich so viel Schnee und Eis an, daß auch der folgende -kurze und heiße Sommer sie nicht zum Verschwinden bringen kann. Im -nächsten Jahr verstärkt sich noch diese Wirkung, die Jahr für Jahr -weiter zunimmt und schließlich zur Vereisung führt. Währenddessen -hat zwar die andere Erdhälfte recht günstige Verhältnisse: kurze, -warme Winter und lange, kühle Sommer. Aber in der zweiten Hälfte -der Präzessionsperiode, nach 10500 Jahren,<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a> beginnt für sie die -ungünstige Wärmeverteilung, während die erste Halbkugel sich auch -in der für sie günstigen Zeit nicht von der angefangenen Vereisung -erholen kann. Erst wenn die Erdbahn wieder mehr kreisförmig wird, -geht die Vereisung zurück und verschwindet schließlich ganz. Ein -Maximum der Exzentrizität mit seinen großen Gegensätzen in der Dauer -der Jahreszeiten hat also eine Eiszeit zur Folge, das Minimum mit der -gleichmäßigen Verteilung der Wärme eine Zwischeneiszeit. Die Periode, -in der der Wechsel vor sich geht, läßt sich berechnen; die vorletzte -Eiszeit müßte nach Croll in den Jahren 980000–720000, die letzte in den -Jahren 240000 bis 80000 vor unserer Zeitrechnung gewesen sein.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Infolge der -Verschiebung des Punkts der Sonnennähe verkürzt sich die Periode der -klimatischen Einwirkung von 26000 auf 21000 Jahre.</p> - -</div> - -<p>Das sind die Grundgedanken der Crollschen Theorie; sie ist geistreich -und scharfsinnig, aber leider nicht zu halten. Wenn sie richtig wäre, -so müßten ja in der ganzen Erdgeschichte regelmäßig Eiszeiten und -Zwischeneiszeiten einander ablösen. Nun hat es wohl schon in früheren -Perioden der Erdgeschichte Eiszeiten gegeben; die letzte große Eiszeit -aber setzt nach einer langen Periode mit warmem, ja heißem Klima -beinahe unvermittelt mit ihrer Kälte ein. Kein Geologe wird außerdem -die Jahreszahlen, die Croll errechnet, für richtig halten können; -das werden uns spätere Ausführungen zur Genüge beweisen. Es kann mit -aller Bestimmtheit gesagt werden, daß das Ende der letzten Eiszeit -nicht 80000 Jahre, sondern nur wenig mehr als 10000 Jahre hinter der -Gegenwart zurückliegt. <span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span>Die klimatischen Grundlagen der Theorie sind -sogar so unsicher, daß neuerdings ein Forscher (<em class="gesperrt">Hildebrand</em>) beweisen -wollte, daß die Eiszeit in das Minimum der Exzentrizität fallen -müsse! Schließlich hat Croll noch eine Reihe von meteorologischen -Faktoren unberücksichtigt gelassen, die von <em class="gesperrt">Pilgrim</em> in einer -genauen mathematischen Nachprüfung der Theorie sorgfältig in die -Rechnung eingestellt wurden. Aber auch sie vermochte die schweren -Bedenken gegen die ganze Theorie nicht zu beheben; unser Urteil kann -nur das eine sein, daß für die Gewinnung genauer Alterszahlen die -astronomischen Theorien z. B. ausscheiden müssen. Wenn wir trotzdem -die Crollsche Theorie in den Kreis unserer Betrachtungen gezogen haben, -so hat das seinen Grund darin, daß sie ein wunderschönes Beispiel für -eine Zeitmessung nach dem Prinzip der Pendeluhr darstellt. Wie das -Pendel unter der Einwirkung der Schwerkraft rhythmisch hin und her -schwingt, so verändert sich unter dem Einfluß derselben zwischen den -Weltkörpern wirkenden Anziehungskraft die Bahn unserer Erde. Es ist ein -geheimnisvoll großartiges Bild, wie die Bahnellipse unseres Gestirns -nicht fest und starr im Weltraum liegt, sondern wie sie pulsiert, -sich abflacht und wieder rundet, wie die Erdachse nicht ständig auf -denselben Punkt des Fixsternhimmels weist, sondern langsam und gemessen -als Kreiselachse ausweicht und in der Periode von 26000 Jahren ihre -Präzessionsbewegung ausführt. Es ist tatsächlich der Pendelschlag -der Weltuhr, der sich hier vor unserem Geistesauge vollzieht: -Rhythmische Bewegung unter dem Zwange der Schwerkraft. Aber leider -ist unsere Weltuhr recht unvollkommen. Die irdische Pendeluhr besitzt -außer dem schwingenden Zeitmesser ein Zählwerk, das mit kunstvoll -ineinandergefügten Rädern die Zahl der Schwingungen auf dem Zifferblatt -sichtbar in die Erscheinung treten läßt. Unsere Weltpendeluhr schlägt -wohl, aber ob und wie sie zählt, das ist uns noch ein Rätsel. Wohl -konnte der Mensch vermuten, in den rhythmisch sich folgenden Eiszeiten -ihre Schläge zu erkennen. Genauere Überlegung und Nachprüfung läßt -uns jedoch diese Annahme wieder verwerfen. Vielleicht ist auch der -Einfluß jener astronomischen Vorgänge viel zu geringfügig, um sich -deutlich sichtbar in Erscheinungen der Erdoberfläche auszuwirken. -Wir gehen daher von den weltumfassenden Theorien über die Eiszeit -zur geologischen Einzelforschung über, die aus der peinlich genauen -Untersuchung der Erdrinde ihre Schlüsse über die Dauer geologischer -Zeiträume zu ziehen versucht.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span></p> - -<div class="figright illowe20" id="abb_06"> - <img class="w100" src="images/abb_06.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6. Das Abschmelzen des Eises in Skandinavien. Das Stirnende - des Gletschers ragt noch in das „Noldiameer“.<br /> - Nach de Geer aus Kayser, Lehrbuch der Geologie.</div> -</div> - -<p>Während der letzten Eiszeit lag die skandinavische Halbinsel ganz unter -einem riesigen Eisschild verborgen, der vom Kamm des Gebirges aus bis -weit nach England, Deutschland und Rußland hinein sich ausgebreitet -hatte und der mit dem Wärmerwerden des Klimas langsam wieder -abschmolz, sich auf seinen Ausgangspunkt, die Eisscheide, zurückzog und -schließlich ganz verschwand. Einem schwedischen Geologen, <em class="gesperrt">de Geer</em>, -fiel schon 1878 auf, daß fast das ganze Gebiet der früheren Vereisung -zu oberst von einem Ton bedeckt ist, der ganz regelmäßig gebänderte -Schichtung aufweist. Die Frage war: Wie sind diese Bändertone -entstanden, und wie erklärt sich ihre Schichtung? Die Schichten -der Tone sind vollständig ungestört, der Gletscher konnte also -nicht mehr über sie hinweggegangen sein. Mannigfache Untersuchungen -machten es allmählich zur Gewißheit, daß sie im Zusammenhang mit dem -abschmelzenden Eis in einem Meer zum Niederschlag gekommen waren.</p> - -<p>Als die Eisdecke abschmolz, lag das Land noch unter dem Meeresspiegel, -das Stirnende des Gletschers ragte ins Meer hinein (<a href="#abb_06">Abb. 6</a>); auf der -Oberfläche des Eises sank das Schmelzwasser in Spalten und Rissen -in die Tiefe, bahnte sich unterhalb des Gletschers seinen Weg zum -Eisrand und führte dabei die leichter ausschwemmbaren Bestandteile der -Grundmoräne, Ton und Sand, mit sich. Wo nun dieser Schmelzwasserstrom -unter dem Eis hervor ins Meer mündete, da riß er den Sand noch eine -kurze Strecke mit sich, um ihn dann liegen zu lassen; die feineren -Tonbestandteile wurden erst weiter draußen abgelagert. Im Winter -bildeten sich im allgemeinen infolge der geringeren Menge des -Schmelzwassers feinkörnige, hauptsächlich tonige Niederschläge, die -durch organische Beimengungen dunklere Färbung annahmen, im Frühjahr -und Sommer, wo die stärksten Wassermengen arbeiteten, waren die -Niederschläge sandiger und von heller Farbe. Im nächsten Jahr kam -<span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span>im Wechsel der Jahreszeiten eine weitere Schicht Ton und Sand zur -Ablagerung, die aber infolge des Zurückweichens des Gletschers nach -Norden so viel weiter nördlich anfing, als der Gletscher im Lauf des -Jahres zurückgewichen war und ebensoviel weiter nördlich auch wieder -aufhörte (vgl. <a href="#abb_07">Abb. 7</a>).</p> - -<p>Jahr für Jahr bildete sich also eine neue Schicht; alle Schichten, -abwechselnd aus dunklen und helleren Lagen von Ton und Sand bestehend, -mußten sich dachziegelförmig übereinander lagern, jede folgende weiter -im Norden beginnend. Die wunderbar deutlich ausgeprägten Schichten der -Bändertone hängen also mit der Periode des Jahres zusammen, sie stellen -nichts anderes als <em class="gesperrt">Jahresringe</em> dar.</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_07"> - <img class="w100" src="images/abb_07.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7. Bildung der Bändertone.</div> -</div> - -<p>Nun handelte es sich aber noch darum, die Zahl all dieser -Jahresschichten, die über ganz Schweden weg sich ausbreiteten, zu -bestimmen; damit mußte man die Frage beantworten können, wie lange -der Gletscher zu ihrer Bildung gebraucht hatte, von der Zeit an, da -er noch an der Spitze Schonens stand bis zu dem Augenblick, da sein -letzter Rest auf der Eisscheide vollends abschmolz. Es winkte also -die Möglichkeit, durch die Zählung der Schichten die Zahl der Jahre -zu bestimmen, die der Gletscher zum Zurückweichen von Schonen bis -zur Eisscheide nötig gehabt hatte. Das war keine leichte Aufgabe, -denn es handelte sich ja um Schichten, die nirgends zusammenhängend, -sondern immer nur an einzelnen Punkten aufgeschlossen waren. Man hätte -daran denken können, von Süden nach Norden einen großen Einschnitt -herzustellen, und damit nach Art des Bildes 6 einen zusammenhängenden -Aufschluß in den Bändertonen zu schaffen, längs dessen man die Zahl -der Schichten in der schönen dachziegelartigen Überlagerung leicht -hätte feststellen können. Daß dies ein ungeheuer kostspieliges -Riesenwerk hätte sein müssen, leuchtet ohne weiteres ein. De Geer -fand einen einfacheren <span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span>Weg. In zahlreichen einzelnen Aufschlüssen, -in Tongruben, Ziegeleien, Eisenbahneinschnitten wurde von ihm und -seinen Schülern, die er sich zur Mitarbeit heranzog, in den Jahren -1905 und 1906 die Mächtigkeit der einzelnen Schichten genau mit dem -Meßband <span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span>gemessen. Es zeigte sich bald in benachbarten Aufschlüssen, -daß die Mächtigkeitsverhältnisse aufeinanderfolgender Schichten in -allen Profilen sich gleich blieben. Das ist auch leicht verständlich -und erklärbar, denn das eine Jahr brachte mehr Wasser und damit auch -mehr Sand und Ton mit als das andere. Die <a href="#abb_08">Abb. 8</a> und <a href="#abb_09">9</a> sollen das -Verfahren de Geers erklären. In den Punkten A, B und C der Karte wurde -die Dicke der einzelnen Tonschichten gemessen, die Mächtigkeiten wurden -in einzelnen übereinander angeordneten wagrechten Linien graphisch -dargestellt und die Endpunkte miteinander verbunden, so daß sich für -die drei Punkte die Bilder <a href="#abb_09">Nr. 9</a> ergaben.</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_08"> - <img class="w100" src="images/abb_08.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8. Zurückweichen des Eises in der Gegend von - Stockholm. Nach de Geer.</div> -</div> - -<p>Es zeigte sich, daß die Schichten 1–19 des Punktes B in ihren -Mächtigkeitsverhältnissen genau den Schichten 4–22 des Punktes A -entsprachen; diese Schichten waren also in gleichen Jahren gebildet -worden und mußten einander gleichgestellt werden. Im Profil B fehlten -die drei untersten Schichten des Profils A, das Eis hatte somit zum -Zurückweichen von A nach B den Zeitraum von drei Jahren gebraucht. -Ebenso entsprachen die Schichten 1–18 des Profils C deutlich den -Schichten 7–24 des Profils B, es fehlten also im Profil C die sechs -untersten Schichten von B; das Eis hatte somit sechs Jahre zum Rückzug -von B nach C gebraucht. Durch Aufnahmen einer größeren Anzahl von -Schichtprofilen konnte auf diese Weise genau das Zurückweichen des -Gletschers bestimmt werden, und so entstand das Kärtchen aus der Gegend -von Stockholm (<a href="#abb_08">Abb. 8</a>), das die aufeinander folgenden Eisrandlagen für -einen Zeitraum von etwa 25 Jahren in Kurven darstellt. Dabei ergab -sich noch ein weiteres interessantes Ergebnis: Es fanden mit dieser -Aufnahme die zahlreichen kleinen, in Abständen von 100–200 m parallel -hintereinander angeordneten Moränenrücken ihre Erklärung; sie zeigen -gleichfalls das jährliche Zurückweichen des Gletschers an und sind als -sogenannte „<em class="gesperrt">Wintermoränen</em>“ in der kalten Jahreszeit gebildet worden, -während der Eisrand einige Monate an Ort und Stelle blieb.</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_09"> - <img class="w100" src="images/abb_09.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 9. Mächtigkeiten der Bändertonschichten an den - Punkten A, B und C der Karte <a href="#abb_08">Abb. 8</a>. Nach de Geer.</div> -</div> - -<p>Auf diese Weise war es möglich, die Schichten zu zählen, ohne große -und kostspielige Einschnitte schaffen zu müssen. De Geer untersuchte -die Bändertone längs mehrerer Linien von Schonen bis zur Eisscheide. -Es ist ja nicht nötig, die ganze Zählung einer einzigen Linie entlang -vorzunehmen, doch muß jedesmal eine neue Linie wieder in gleicher -Höhe beginnen; das Bild 10 gibt die von <span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span>ihm untersuchten Linien an. -Seine Ergebnisse bei der Zählung der Schichten und der Eintragung -der Ergebnisse in die Karte waren folgende: im Süden Schwedens, -in Schonen, wich der Gletscher im Jahr um 50 m zurück, etwas weiter -nördlich um 100 m, in der Gegend des Wener- und Wettersees erfolgte -eine Pause im Zurückweichen. In dieser Stillstandszeit, die jedoch -nur wenige Jahrhunderte dauerte, häufte der Gletscher den Gürtel der -fennoskandischen Endmoränen auf, der von Kristiania an quer durch -Mittelschweden hindurch zu verfolgen ist und jenseits der Ostsee in -Finnland seine Fortsetzung findet. Die Zeit des Rückzugs von Schonen -bis zu diesen Moränen, die <em class="gesperrt">gotiglaziale Epoche</em>, umfaßte einen -Zeitraum von 3000 Jahren. In der folgenden <em class="gesperrt">finniglazialen Epoche</em> -ging der Rückzug wesentlich schneller vor sich; im Jahr betrug er -100 bis 300 m, denn der verhältnismäßig geringe Eisrest, der noch -übrig geblieben war, schmolz vollends rasch zusammen. So brauchte der -Gletscher zu seinem Rückzug von den fennoskandischen Endmoränen bis -zur Eisscheide, also bis zu seinem völligen Verschwinden, nur noch -2000 Jahre. Für den ganzen Rückzug von Schonen bis zur Eisscheide war -demnach ein Zeitraum von 5000 Jahren nötig.</p> - -<div class="figright illowe22" id="abb_10"> - <img class="w100" src="images/abb_10.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 10. Zurückweichen des Eises in Skandinavien. Längs - der punktierten Linien erfolgte die Zählung der Bändertonschichten - durch de Geer.</div> -</div> - -<p>Diese Bestimmung der Zeitdauer eines genau umschriebenen geologischen -Vorgangs bedeutet einen außerordentlichen Fortschritt. Hier haben wir -es nicht mit einer von unsicheren und zweifelhaften Voraussetzungen -ausgehenden Berechnung zu tun, sondern es handelt sich um ein einfaches -Abzählen der Spuren, die der Wechsel <span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span>der Jahreszeiten sichtbar -hinterlassen hat. So besitzt das Ergebnis de Geers die höchst mögliche -Zuverlässigkeit und Sicherheit, die wir von einer geologischen -Zeitmessung erwarten können; die Schönheit und Eleganz dieser Methode -steht in ihrer Art einzig da. Nachprüfungen ihrer Ergebnisse in -Finnland, wo dieselben geologischen Verhältnisse sind, haben zu einer -vollkommenen Bestätigung geführt.</p> - -<p>Eine Reihe von Wünschen bleibt aber doch noch unerfüllt. Zunächst -müssen wir feststellen, daß es nur ein verhältnismäßig kleiner -Zeitraum ist, den die Zeitmessung de Geers umfaßt. Daran können wir -aber leider nichts ändern. Zu bedauern ist aber auch, daß sie nicht -unmittelbar an die Jetztzeit anschließt. Wir wissen wohl, daß das -Eis zu seinem Abschmelzen von Südschweden bis zur Eisscheide 5000 -Jahre gebraucht hat, wir wissen aber nicht, wieviel Jahre seitdem -wieder verstrichen sind. De Geer hat zwar versucht, auch diese Zeit -zu bestimmen; er benützte dazu eine ganz ähnliche Methode wie früher -für das Zurückweichen des Eises. In dem See <em class="gesperrt">Ragunda</em>, der nicht weit -von der Eisscheide entfernt liegt und 1796 trocken gelegt wurde, fand -er in dem alten Seeboden eine ganz ähnliche Schichtung, wie sie von -den Eismeertonen beschrieben wurde. Es gelang ihm, auch hier die Zahl -der Schichten zu zählen; er fand annähernd 7000 Schichten, die einen -Zeitraum von 7000 Jahren vom vollständigen Verschwinden des Eises bis -zum Jahr 1796 anzeigen würden.</p> - -<p>Seit dem Zeitpunkt, da das Eis an der Südspitze von Schonen stand, -wären also bis heute rund 12000 Jahre verflossen. Während nun aber die -Zahl von 5000 Jahren für die Zeit des Eisrückzugs als eine endgültig -und sicher bestimmte Größe gelten kann, sieht auch de Geer die zweite -Zahl nicht als ebenso sicher an. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit -kann gesagt werden, daß die Zeit seit dem Verschwinden der Gletscher -etwas größer sein muß; im Ostseegebiet hat sich seither eine ganze -Reihe von geologischen Ereignissen abgespielt, für die ein zeitlicher -Rahmen von 7000 Jahren nicht ausreicht. Aus dem kalten Eismeer, in -das die Gletscher ihre Stirn getaucht haben, wurde zuerst durch Hebung -des Landes ein Binnensee, der <em class="gesperrt">Ancylussee</em> (<a href="#abb_11">Abb. 11</a>). Nach dieser Zeit -senkte sich das Land wieder und gestattete dem Meer von der Nordsee her -erneut den Zutritt; der Geologe nennt diese Periode die <em class="gesperrt">Litorinazeit</em>. -In interessanter Weise hat ein deutscher Forscher, <em class="gesperrt">Keilhack</em>, <span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span>aus -den Dünenbildungen an der Swinepforte bei Swinemünde die seit der -Litorinasenkung verflossene Zeit berechnet. Er fand dort eine Zahl -von etwa 200 kurzen Dünen hintereinander angeordnet, die erst nach -der Mitte der Litorinazeit entstanden sein können. Durch Vergleich -alter schwedischer Karten aus dem 17. Jahrhundert mit dem heutigen -Zustand stellte er fest, daß seit dem Jahr 1700 sechs Dünenketten -hinzugewachsen seien, daß also ein solcher Dünenzug 35 Jahre zu seiner -Entstehung braucht. Seit der Litorinasenkung wären also 7000 Jahre -verstrichen. Für die vorausgehende Ancyluszeit müssen dann mindestens -4000 Jahre angesetzt werden, und wir bekämen so für die Zeit seit -dem Abschmelzen der Gletscher 7000 + 4000 = 11 000 Jahre. Eine solche -Zahl wird gegenwärtig von der Mehrzahl der Forscher (z. B. <em class="gesperrt">Werth</em>, -<em class="gesperrt">Olbricht</em>, <em class="gesperrt">Keilhack</em>) für wahrscheinlicher gehalten als die 7000 -Jahre de Geers. Vor 16 000 Jahren wäre demnach das Eis an der Südspitze -Schonens gestanden.</p> - -<div class="figright illowe16" id="abb_11"> - <img class="w100" src="images/abb_11.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 11. Beginn der Ancyluszeit. Das Eis kurz vor dem - endgültigen Abschmelzen. Nach de Geer aus Kayser.</div> -</div> - -<p>Nachdem wir so den unmittelbaren Anschluß an die Gegenwart gefunden -haben, soll es vom Zeitpunkt, da das Eis in Schonen stand, einen -Schritt weiter in die geologische Vergangenheit zurückgehen. -Die nächste Frage muß nun sein: wie lange brauchte das Eis zum -Zurückweichen von dem großen <em class="gesperrt">baltischen Endmoränenrücken</em> bis -Südschweden? Dieser riesige Endmoränenzug (vgl. <a href="#abb_05">Abb. 5</a>) bedeutet -sicher einen größeren Einschnitt in der Geschichte der letzten Eiszeit; -die meisten Forscher nehmen an, daß er dem <em class="gesperrt">Bühlvorstoß</em> der alpinen -Gletscher zeitlich gleichzusetzen sei.</p> - -<p>Es scheint, daß das Eis beim Abschmelzen vom Höhepunkt der Würmeiszeit -seine Rückwärtsbewegung durch einen erheblichen Vorstoß wieder -unterbrochen hat. Dieser Vorstoß prägt sich, da der Eisrand dann -längere Zeit in seiner Lage verweilte, in ganz besonders starken -Moränenzügen aus. Nun dürfen wir, um das Zurückweichen der Gletscher -vom baltischen Höhenrücken bis <span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span>Südschweden zu berechnen, nicht einfach -die Rückzugsgeschwindigkeit einsetzen, die von de Geer in Südschweden -nachgewiesen wurde (50 m in einem Jahr). Das Eis schmolz zu einem -früheren Zeitpunkt, als der ganze Eisschild noch viel größer war, ohne -Zweifel viel langsamer ab als später; dies zeigte sich ja auch mit -vollkommener Deutlichkeit für den Rückzug des Eises in Schweden. Für -seinen Rückzug vom baltischen Höhenrücken bis Schonen können daher -etwa 4000 Jahre angesetzt werden; es wären also 20000 Jahre verflossen, -seitdem das Eis in Schleswig, Mecklenburg, Pommern und Masuren stand. -Das Mindestmaß für diese Zeit mag, wenn wir statt der 11000 Jahre seit -dem vollständigen Verschwinden der Gletscher nur die 7000 Jahre de -Geers einsetzen und für das Zurückweichen vom baltischen Höhenrücken -bis Schonen nur 3000 Jahre annehmen, im ganzen 7000 + 5000 + 3000 = -15000 Jahre betragen; das Höchstmaß beträgt etwa 25000 Jahre. — Diese -Abweichungen vom Mittelwert sind noch erträglich. Je weiter es aber -in die Vergangenheit zurückgeht, um so mehr weichen die Ansichten der -Forscher voneinander ab. Während der eine zum Höhepunkt der letzten -Eiszeit (der Würmeiszeit) nur noch 2000–4000 Jahre zurückrechnet, kommt -der andere bereits auf weitere 10000–20000 Jahre. Die geologischen -Vorgänge sind eben noch keineswegs bis in alle Einzelheiten geklärt. -Ehe wir weiter zurückschreiten, seien auch die Verhältnisse in anderen -Vereisungsgebieten näher ins Auge gefaßt.</p> - -<div class="figleft illowe17" id="abb_12"> - <img class="w100" src="images/abb_12.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 12.</div> -</div> - -<p>Auch im Gebiet der <em class="gesperrt">Alpen</em> wurde eine Reihe von Versuchen unternommen, -Zahlen für die seit der letzten Vergletscherung verflossene Zeit zu -gewinnen. Am bekanntesten ist die Rechnung des Schweizer Geologen -<em class="gesperrt">Heim</em> geworden, der von Untersuchungen am <em class="gesperrt">Vierwaldstätter See</em> -ausging. Im Gebiet dieses Sees sind fünf hintereinanderliegende -Moränenzüge zu beobachten, die alle dem Bühlstadium zugerechnet -werden; der äußerste liegt unterhalb des Sees, die vier andern sind -durch Lotungen auf dem Seeboden deutlich nachweisbar (<a href="#abb_12">Abb. 12</a>). Der -innerste und östlichste Moränenrücken <span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span>schließt das Gebiet des Urner -Sees ab, in dem zwei Flüsse ihre Schlamm- und Geröllmassen ablagern: -die größere Reuß, die bei Flüelen mündet und die kleinere Muota, die -aus dem Kanton Schwyz kommt. Als der Gletscher noch durch das heutige -Seebecken strömte, muß er es vollkommen ausgeräumt haben. Seit seinem -Rückzug haben aber Reuß und Muota begonnen, jedes ein Delta in den -See hineinzubauen und ihn so allmählich auszufüllen. Unter bestimmten -Voraussetzungen läßt sich der Kubikinhalt der Deltabildungen berechnen. -Da auch die jährlich durch die beiden Flüsse in den See geführte -Schlamm- und Geröllmasse einigermaßen bekannt ist, so folgt daraus -die Zeit, die zur Bildung der Aufschüttungen nötig war. Heim geht sehr -vorsichtig in seiner Berechnung vor und erhält 10000–50000 Jahre; am -wahrscheinlichsten erscheint ihm die Zahl von 16000 Jahren. So viel -Jahre wären also verflossen, seit sich der große Reußgletscher nach dem -Bühlvorstoß zurückzog und das Gebiet des Vierwaldstätter Sees freigab.</p> - -<div class="figright illowe19" id="abb_13"> - <img class="w100" src="images/abb_13.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 13. Thuner und Brienzer See.</div> -</div> - -<p>Eine ganz ähnliche Berechnung führte <em class="gesperrt">Steck</em> am <em class="gesperrt">Thuner</em> und <em class="gesperrt">Brienzer -See</em> aus; der letztere wurde zur selben Zeit wie der Vierwaldstätter -See vom Gletscher verlassen. In den Brienzer See ergießt sich die Aare, -in den Thuner See die Kander, die seitlich einmündende Lütschine hat -bei Interlaken in den früher einheitlichen See ein Delta hineingebaut, -das ihn beim Größerwerden schließlich in zwei einzelne Seebecken -trennte (<a href="#abb_13">Abb. 13</a>). Steck erhielt für die Zeit, welche die Lütschine zur -Aufschüttung ihres Deltas nötig hatte, 20000 Jahre, für die Bildung des -Aaredeltas im Brienzer See 15000 Jahre.</p> - -<p>Von anderen Voraussetzungen ging <em class="gesperrt">Nüesch</em> aus, der die Ablagerungen -einer Höhle, des <em class="gesperrt">Schweizersbildes</em>, untersuchte. Die Höhle wurde -erst nach dem Bühlstadium vom Gletscher freigegeben und war von da an -eine Behausung des Steinzeitmenschen. In den Schichten, die sich im -Lauf der Jahrtausende auf dem Boden der Höhle gebildet hatten, konnte -Nüesch durch Funde von Werkzeugen eine Kulturentwicklung der Bewohner -von der älteren <span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span>Steinzeit bis zur Metallzeit nachweisen. Durch den -Vergleich der Mächtigkeit der alten Kulturschichten mit der obersten -Metallzeitschicht, für deren Bildungszeit 4000 Jahre angenommen werden -können, fand er für die ältesten Schichten ein Alter von 24000 Jahren.</p> - -<p>Vergleicht man alle drei Altersberechnungen aus dem Gebiet der -alpinen Vergletscherung, so zeigt sich eine nicht unbefriedigende -Übereinstimmung: Die Zeit, als sich die Gletscher nach dem Bühlvorstoß -in die Alpentäler zurückgezogen, liegt rund 20000 Jahre zurück. Dieses -Ergebnis stimmt auch nicht schlecht mit dem Alter zusammen, das für -die baltischen Endmoränen berechnet wurde; sie sind ja vermutlich dem -Bühlvorstoß gleichzusetzen.</p> - -<p>Wir wenden uns jetzt noch <em class="gesperrt">Nordamerika</em>, dem dritten großen -Vereisungsgebiet, zu, das, ähnlich wie Nordeuropa, unter einer -ungeheuren Decke von Inlandeis begraben war. Beim Rückzug des Eises, -der zur selben Zeit erfolgt sein muß wie in Europa, wurde allmählich -das Gebiet der heutigen großen Seen (<a href="#abb_14">Abb. 14</a>) eisfrei; ihr Wasser mußte -dem Meere zu abfließen. Zwischen dem Erie- und dem tiefer gelegenen -Ontariosee bildete sich ein Fluß, der über die dazwischenliegende -Geländestufe hinabstürzte. Das war der Anfang der <em class="gesperrt">Niagarafälle</em>. Durch -die ausstrudelnde Wirkung des stürzenden Wassers wurden am Grund des -Falls die weicheren Schichten herausgewaschen, so daß die härteren -nachstürzen mußten (<a href="#abb_15">Abb. 15</a>). Auf diese Weise schnitt sich der Fall -immer weiter rückwärts in die Gesteinstafel ein, und auch heute noch -weicht er immer mehr in der Richtung gegen den Eriesee zurück. Er hat -im Laufe der Zeit eine 11,3 km lange Schlucht eingenagt, die in ihren -verschiedenen Teilen die Geschichte ihrer Entstehung noch deutlich -erkennen läßt (<a href="#abb_16">Abb. 16</a>). Der Fall war anfangs nur 11 m hoch. Da der -Fluß damals nur den Eriesee entwässerte (die drei andern Seen hatten -noch ihren besonderen Abfluß zum Meer), so betrug seine Wassermenge -nur 15% der heutigen. Die Schlucht war eng, das Zurückweichen erfolgte -langsam und betrug nur etwa 12 cm im Jahr. Nach wechselnden geologischen -Ereignissen kam schließlich das Wasser aller fünf Seen durch den -Niagara zum Abfluß, der gegenwärtig in zwei Fällen, dem schwächeren -amerikanischen und dem Hufeisenfall, 50 m tief in die Schlucht -stürzt, ein urgewaltiges Naturschauspiel bietend. In dem jüngsten -Teil der Schlucht wurde das jährliche <span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span>Zurückweichen des Falls zu 1,37 m -berechnet. Eine Reihe von Geologen (<em class="gesperrt">Spencer</em>, <em class="gesperrt">Taylor</em>, <em class="gesperrt">Gilbert</em>) hat -auf Grund aller Einzelheiten im Ablauf der geologischen Ereignisse die -Zeit zu berechnen versucht, die der Niagara zur Eintiefung der ganzen -Schlucht benötigte; sie erhalten Zahlen, die sich zwischen 20000 und -40000 Jahren, im Mittel um 30000 Jahre bewegen. So lange schon muß -demnach die Gegend des Erie- und Ontariosees vom Eise verlassen sein.</p> - -<div class="figright illowe12" id="abb_16"> - <img class="w100" src="images/abb_16.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 16. Schlucht des Niagaraflusses.</div> -</div> - -<div class="figleft illowe22" id="abb_14"> - <img class="w100" src="images/abb_14.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 14.</div> -</div> - -<div class="figleft illowe16" id="abb_15"> - <img class="w100" src="images/abb_15.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 15. Ausstrudelnde Wirkung des Wassers der - Niagarafälle.</div> -</div> - -<p>Die Zahlen stimmen ungefähr mit dem Ergebnis der Berechnungen überein, -die wir für die Zeit seit dem Abschmelzen der Gletscher im europäischen -Vereisungsgebiet ausgeführt haben; allerdings <span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span>scheint sich ein etwas -höherer Wert zu ergeben, als wir ihn für das Alter der baltischen -Endmoränen und des Bühlvorstoßes gewonnen haben; dies erklärt sich -vielleicht so, daß die Gegend des Erie- und Ontariosees schon vor der -Bühlzeit vom Gletscher verlassen wurde.</p> - -<p>Durch all diese Berechnungen, die sich bis jetzt nur auf die Spät- -und Nacheiszeit bezogen haben, werden wir aber ganz von selber -weitergeführt zur nächsten Frage: Wie erhalten wir Alterszahlen für -die <em class="gesperrt">ganze Eiszeit</em>? Je weiter wir zurückgehen, um so schwieriger wird -unsere Aufgabe, und es ist leicht verständlich, daß es so sein muß: Das -uns zeitlich Nächstliegende übersehen wir mit all seinen Einzelheiten -am besten und klarsten. Je weiter wir uns von der Gegenwart entfernen, -um so lückenhafter werden unsere Kenntnisse, um so stärker sind die -Ablagerungen umgewandelt oder gar teilweise schon wieder abgetragen. -<em class="gesperrt">Penck</em>, der Erforscher der „Alpen im Eiszeitalter“, geht bei der -Berechnung folgendermaßen vor: Er weist darauf hin, daß die Flüsse -in der Nacheiszeit und in den verschiedenen Zwischeneiszeiten eine -riesige Arbeit geleistet haben. Sie haben die Moränen zum großen -Teil aufgearbeitet und mächtige Schottermassen aufgeschüttet, die als -Deckenschotter und Terrassenschotter dem Geologen bekannt sind. In den -verschiedenen Zwischeneiszeiten und der Nacheiszeit konnte auch die -Verwitterung auf die verschiedenen Eiszeitablagerungen einwirken und -sie der Länge der Zeit entsprechend mehr oder weniger tief angreifen. -Nach dem Maß der von den Flüssen in der Spät- und Nacheiszeit -geleisteten Aufschüttungsarbeit und der Stärke der Verwitterung -versucht nun Penck, Verhältniszahlen für die Dauer der verschiedenen -Zeiten zu gewinnen. Er kommt zu folgendem Ergebnis: Nimmt man die Zeit -seit dem Bühlvorstoß, die wir kurz als Nacheiszeit im weiteren Sinn -bezeichnen wollen, als Einheit, so war die Riß-Würm-Zwischeneiszeit -etwa dreimal so lang, die Mindel-Riß-Zwischeneiszeit etwa zwölfmal so -lang, die Günz-Mindel-Zwischeneiszeit wieder etwa dreimal so lang wie -die Nacheiszeit. Die Zeitdauer aller Zwischeneiszeiten beträgt somit -das 18fache der Nacheiszeit. Gewiß hat sich auch jedesmal das Eis bei -seinem Vorstoß einige Zeit auf dem höchsten Stand gehalten. Setzt man -für diese eigentlichen Eiszeiten ungefähr das Sechs- bis Achtfache der -Nacheiszeit an, so kommt man für die ganze Eiszeit auf das 25fache -dieser Zeit. Nun haben wir für die Zeit seit dem <span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span>Bühlvorstoß die -Zahl von 20000 Jahren errechnet; wir kommen damit für die Dauer der -ganzen Eiszeit auf rund 500000 Jahre.<a id="FNAnker_4a" href="#Fussnote_4a" class="fnanchor">[5]</a> Diese Zahl wird zurzeit von -den meisten Forschern für ungefähr richtig gehalten, ob sie nun die -nordeuropäischen (<em class="gesperrt">Werth</em>, <em class="gesperrt">Olbricht</em>), die alpinen (<em class="gesperrt">Penck</em>), oder die -nordamerikanischen Eiszeiterscheinungen (<em class="gesperrt">Grabau</em>) untersuchen. Penck, -dem wir bisher in der Hauptsache gefolgt sind, ist allerdings eher -geneigt, die Zahl noch etwas höher anzunehmen und sie auf ½–1 Million -Jahre zu schätzen.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4a" href="#FNAnker_4a" class="label">[5]</a> Vergleiche hierzu nochmals die <a href="#abb_04">Abb. 4</a>, die auf Grund -dieser Annahmen gezeichnet ist. Sie versucht, den ganzen Ablauf der -Eiszeit in richtigen Zeitverhältnissen darzustellen.</p> - -</div> - -<p>Leider haben die Alterszahlen für die ganze Eiszeit nicht mehr -denselben Grad von Zuverlässigkeit wie die für die Nacheiszeit -berechneten. Wenn wir für die Zeit seit der Aufschüttung der -baltischen Endmoränen mit gutem Gewissen sagen können, daß sie von den -angenommenen 20000 Jahren nicht mehr als um ein Viertel nach oben oder -unten abweichen wird, so schwanken unsere Vorstellungen über die Länge -der ganzen Eiszeit schon zwischen viel weiteren Grenzen. Mit recht -großer Sicherheit können wir jedoch sagen, daß sie zwischen die Grenzen -von 200000 und 1000000 Jahren einzuschließen ist. Das Verfahren, -das wir bei diesem Übergang auf die ganze Eiszeit angewandt haben, -bezeichnet der Mathematiker als <em class="gesperrt">Extrapolation</em>. Er versteht darunter -den Versuch, von dem bekannten Verlauf einer Kurve zwischen zwei -gegebenen Punkten auf ihren Verlauf außerhalb dieses bekannten Teils -zu schließen. In derselben Lage ist der Geologe: Von der recht gut -bekannten Nacheiszeit ausgehend, schließt er auf den außerhalb dieser -Zeit liegenden Verlauf der Eiszeitkurve.</p> - -<p>Jede neue Erkenntnis hilft weiter, sie wirft auch Licht auf andere -Probleme. Wir wissen jetzt ungefähr, wie lange die Eiszeit gedauert -hat, und damit vermögen wir an eine Frage heranzugehen, die den -Menschen beschäftigt, seit er Erdgeschichte treibt, und die ihm bis zu -ihrer vollständigen Lösung keine Ruhe lassen wird. Es ist die Frage: -<em class="gesperrt">Wie alt ist der Mensch?</em> Vor wieviel Jahren hat es zum erstenmal Wesen -auf der Erde gegeben, die wir menschlich nennen müssen? Kein Wunder, -daß den Menschen diese Frage besonders interessiert, ist er doch an -ihr nicht nur rein wissenschaftlich, sondern sozusagen persönlich -beteiligt. Leider <span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span>sind wir aber zurzeit noch weit davon entfernt, -die Antwort mit der wünschenswerten Bestimmtheit geben zu können. -Um das absolute Alter des Menschengeschlechts zu berechnen, müßten -wir zuerst sein relatives geologisches Alter einwandfrei kennen. Wir -wissen jedoch nicht einmal, ob der Mensch schon im Tertiär gelebt hat -oder ob er erst mit der Eiszeit auftrat. Körperliche Überreste des -Menschen sind in Tertiärschichten zwar noch nicht gefunden worden, wohl -aber Feuersteine, aus deren Gestalt viele Forscher schließen wollen, -daß sie künstlich bearbeitet worden seien. Wären diese „<em class="gesperrt">Eolithen</em>“ -wirklich absichtlich geformte Werkzeuge und nicht bloße Naturprodukte, -so könnte ihre Herstellung nur durch ein vernunftbegabtes, in -geistiger Hinsicht also menschenähnliches Wesen erfolgt sein. Über -die körperliche Beschaffenheit eines solchen Vorfahren des Menschen -können wir nichts aussagen, wenn wir ihn nicht am Ende in einem Fund -vor uns haben, der 1911 bei Piltdown in England gemacht wurde. Hier -wurden ein Schädeldach und der Teil eines Unterkiefers gefunden, -über die zunächst ein heftiger Streit entbrannte, ob sie von <em class="gesperrt">einem</em> -Lebewesen stammten oder zwei Wesen, der Schädel einem Menschen, der -Unterkiefer einem Schimpansen, angehört hätten. Neuerdings vergrößerte -sich die Wahrscheinlichkeit sehr stark, daß es sich um die Überreste -eines einzigen Wesens handle, welches demnach anatomische Merkmale -des Menschen und des Affen in sich vereinigt hätte. Leider läßt sich -das geologische Alter der Lagerstätte, in welcher der <span class="antiqua">Eoanthropus -Dawsoni</span> (Dawsons „Mensch der Morgenröte“) gefunden wurde, nicht -genau bestimmen. Wenn die Vermutung zutrifft, daß die Schichten in den -letzten Zeiten des Tertiärs oder auf der Grenze von Tertiär und Eiszeit -gebildet worden seien, so hätten wir hier den ältesten Rest eines -menschenähnlichen Wesens vor uns; sein Alter könnte auf ½–1 Million -Jahre, vielleicht sogar noch höher, angesetzt werden.</p> - -<p>Der älteste ganz sichere Menschenfund stammt von Mauer bei Heidelberg -aus Schottern und Sanden einer alten, vom Fluß schon längst verlassenen -Neckarschlinge. Leider ist es auch ein kümmerlicher Rest, nur ein -Unterkiefer, der aber gut erhalten ist und außerordentlich interessante -Merkmale aufweist. Ungeheuer stark und massig, ohne Kinn, muß er einem -Wesen gehört haben, das noch recht roh und tierisch ausgesehen haben -mag; die Form der Zähne ist jedoch durchaus menschlich. Auch das -Alter des <span class="antiqua">Homo Heidelbergensis</span> ist <span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span>nicht mit völliger Sicherheit -bekannt. Es läßt sich immerhin sagen, daß er der ersten oder zweiten -Zwischeneiszeit angehören muß; die übrigen Fossilreste, die in -den Sanden gefunden wurden, sprechen für die erste (Günz-Mindel-) -Zwischeneiszeit. Das würde dem Menschen von Heidelberg auf alle -Fälle ein Alter von mehreren Jahrhunderttausenden sichern. Erst in -jüngeren Ablagerungen der Eiszeit werden die Überreste des Menschen -häufiger, zugleich auch die Zeugnisse seiner Kunstfertigkeit: -Feuersteinwerkzeuge, aus denen wir uns ein Bild der Kulturentwicklung -machen können. Nach dem Fortschritt in der Verarbeitung der -Feuersteine sind eine Reihe von Kulturstufen aufgestellt worden. -Vielleicht war der Heidelberger Mensch Träger der ersten Stufe der -älteren Steinzeitkultur; für die späteren Stufen dieser Epoche war -es die bekannte <em class="gesperrt">Neandertalrasse</em>, von der Überreste aus der letzten -Zwischeneiszeit in guter und vollständiger Erhaltung gefunden wurden. -Diese Menschenreste haben demnach ein Alter von 50000–100000 Jahren.</p> - -<p>Gegen das Ende der letzten Eiszeit wurde dann die Neandertalrasse von -Menschen abgelöst, die man anatomisch kaum mehr vom heute lebenden -Europäer unterscheiden kann. Zusammenfassend können wir also sagen, -daß das Auftreten des Menschen nach dem heutigen Stand unserer -Kenntnisse ungefähr mit dem Beginn der Eiszeit zusammenfällt; sein -Alter wird also rund ½–1 Million Jahre betragen. Die ersten Stufen -der Kulturentwicklung müssen ungeheuer lange Zeiträume umfaßt haben. -Die ältere Steinzeit reicht in unseren Gegenden bis ungefähr zum -Jahre 10000 v. Chr., sie hat also gewiß mehrere hunderttausend Jahre -gedauert, während die jüngere Steinzeit nur wenige Jahrtausende umfaßt -und die Metallzeit, in der wir jetzt stehen, erst auf ein Alter von -etwa 3–4 Jahrtausenden zurückblicken kann. Es sind merkwürdige und -unerwartete Verhältnisse, in die wir durch die geologische Zeitmessung -einen Einblick gewinnen.</p> - -<p>Noch an eine andere Frage können wir nach dem, was wir über den Verlauf -der Eiszeit erfahren haben, herantreten. Es ist die Frage: An was für -einem Punkt der geologischen Entwicklung stehen wir heute? <em class="gesperrt">Haben wir -die Eiszeit endgültig hinter uns gelassen</em> und können wir ohne Sorge -für kommende Generationen in die Zukunft schauen? Oder sind wir am Ende -nur in einer Zwischeneiszeit, der nach einer Reihe von Jahrtausenden -wieder eine neue Vereisung folgen wird? Auch zur Beantwortung -dieser Frage reichen unsere Kenntnisse nicht aus. Um sie sicher -und entscheidend beantworten <span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span>zu können, müßten wir die Ursache der -mehrmaligen Vereisung kennen. Wir könnten dann feststellen, ob diese -Ursache endgültig oder nur zeitweilig weggefallen ist, und damit die -fernere Entwicklung voraussagen. Von einer Einsicht in die Ursachen der -Eiszeit sind wir jedoch meilenweit entfernt, und über den zukünftigen -Verlauf der Klimakurve können wir höchstens Vermutungen äußern. Da -wir das innere Gesetz der Kurve in <a href="#abb_04">Abb. 4</a> nicht kennen, so wissen wir -nicht, wie sie in den nächsten Jahrtausenden oder Jahrzehntausenden -nach links weiter verlaufen wird. Sie kann auf der heutigen Höhe -bleiben oder sogar noch etwas steigen, sie kann sich aber früher oder -später auch wieder nach unten senken. Es ist möglich, daß wir über die -große Eiszeit endgültig hinweg sind, es ist ebenso denkbar, daß wir in -einigen Jahrzehntausenden wieder einer neuen Vereisung unterliegen. -Auf alle Fälle aber gibt uns die kurze Zeit seit dem Abschmelzen der -Eismassen auf ihren heutigen Stand — es mögen 11000 Jahre sein — -nicht das Recht zu der Behauptung, daß die Gefahr endgültig vorbei sei. -Ist ja allein die letzte Zwischeneiszeit nach den Forschungen Pencks -dreimal, die vorletzte zwölfmal so lang gewesen wie die Spät- und -Nacheiszeit. Die Klimaschwankungen, die wir auch in der Jetztzeit noch -beobachten, und die zu einem zeitweiligen Vorrücken oder Zurückweichen -der heutigen Gletscher führen, sind zu unbedeutend in ihrer Auswirkung -und zeitlichen Dauer, als daß wir daraus irgendwelche Prophezeiungen -ableiten könnten. Die Menschheit geht also einer recht unsicheren -Zukunft entgegen, und es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, -daß in einigen Jahrtausenden oder Jahrzehntausenden die Gletscher -Skandinaviens wieder zu wachsen beginnen, von den Höhen herabfließen, -die ganze Halbinsel bedecken, über die Ostsee schreiten und in das -blühende norddeutsche Land einbrechen, alles zerstörend und unter -starren Eismassen begrabend. Es ist nur gut, daß wir Menschen von heute -uns noch keine Sorgen darüber zu machen brauchen.</p> - -<p>Nach diesen Betrachtungen soll es aber mutig noch weiter zurückgehen -in die geologische Vorzeit. In der Eiszeit fühlt sich der Geologe -immer noch ganz nahe der Gegenwart. Ihre Lebewesen sind fast alle -heute noch vorhanden, die Tier- und Pflanzenwelt zu Beginn der Eiszeit -unterscheidet sich kaum wesentlich von der heutigen. Je weiter wir -jedoch zurückschreiten, um so fremdartiger wird die Lebewelt, die -wir in versteinerten Überresten vorfinden. Die Methode, mit der wir -<span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span>auch für frühere Perioden Alterszahlen gewinnen wollen, ist dieselbe, -mit der wir von der Nacheiszeit aus den Übergang auf die ganze -Eiszeit vollzogen haben: Wir schätzen das Verhältnis der Zeitdauer -verschiedener Perioden ab und kommen dann unter Verwendung der zuerst -gefundenen absoluten Zahlen auf ihren zeitlichen Abstand von der -Jetztzeit. Diese Art der Altersberechnung soll zunächst für das Tertiär -durchgeführt werden. <em class="gesperrt">Penck</em> hat einen Weg hierfür angegeben. Er erhält -durch Abschätzung der geologischen Arbeit und der Entwicklung der -Lebewesen Vergleichszahlen für die Dauer von Eiszeit und Tertiär. Für -das Pliozän nimmt er die 3–4fache, für das Miozän die 6–8fache Dauer -der Eiszeit an. Wird diese zu ½ Million Jahre angesetzt, so erhalten -wir für Miozän und Pliozän die Dauer von 4½–6 Millionen Jahren. -Ohne Zweifel sind Oligozän und Eozän, denen von den Nordamerikanern -neuerdings noch ein Paleozän vorausgestellt wird, zusammen mindestens -doppelt so lang. Das ganze Tertiär würde demnach einen Zeitraum -von 13½–18 Millionen Jahren umfassen. Dabei wurde jedoch mit einem -Mittelwert der Eiszeit gerechnet; setzt man auch die Grenzwerte von -200000 und 1000000 Jahren in die Rechnung ein, so erhält man für das -Tertiär Werte zwischen 5 und 36 Millionen Jahren.</p> - -<p>Auf andere Weise ging <em class="gesperrt">Lyell</em> vor. Um Verhältniszahlen zu finden, -untersuchte er, wieviele von den Muschelarten der verschiedenen -Schichten des Tertiärs sich bis heute erhalten haben, wieviele dagegen -ausgestorben sind. Seit Beginn der Eiszeit sind nur wenige Prozent -verschwunden, seit Beginn des Miozäns oder gar des Eozäns dagegen sehr -viele. Durch genaue Zählungen der noch lebenden und der ausgestorbenen -Formen kam Lyell zu der Annahme, der Beginn des Untermiozäns müsse -20mal so weit zurückliegen wie der Beginn der Eiszeit, der Beginn des -Eozäns sogar 60mal so weit. Die Dauer des Tertiärs würde also 12–60 -Millionen Jahre betragen, der wahrscheinlichste Mittelwert wäre 30 -Millionen Jahre.</p> - -<p>Ganz ähnlich verfuhr <em class="gesperrt">Matthew</em>, ein amerikanischer Säugetierforscher, -der die Entwicklung der Pferde zur Gewinnung eines Verhältnismaßstabs -benützte. Die Stammesgeschichte des Pferdes ist ja von jeher eines der -„Paradepferde“ der Entwicklungslehre gewesen. Aus den versteinerten -Überresten läßt sich eine fast lückenlose Reihe verschiedener Formen -bilden, die, von einem fünfzehigen Ahnen ausgehend, unter allmählicher -Rückbildung der äußeren Zehen und immer stärkerer Ausbildung der -mittleren Zehe zum heutigen Pferd führt. <span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span>Matthew versuchte nun, die -Unterschiede zwischen den einzelnen Formen dieser Entwicklungsreihe -in ein zahlenmäßiges Verhältnis zu bringen und kam dabei zu der -Aufstellung folgender Tabelle:</p> - -<table class="pferde" summary="Entwicklung des Pferdes"> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Equus caballus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Gegenwart</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">1</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Equus Scotti</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Beginn der Eiszeit</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">10</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Hipparion</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Pliozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">10</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Meryhippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Obermiozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">15</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Parahippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Untermiozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">5</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Miohippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Oberoligozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">5</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Mesohippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Unteroligozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">15</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Epihippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Obereozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">10</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Orohippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Mitteleozän</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center padlr0_5">10</div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"><span class="antiqua">Eohippus</span></div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">Untereozän.</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Wir lesen aus ihr folgendes heraus: der Unterschied zwischen dem heute -lebenden Pferd (<span class="antiqua">Equus caballus</span>) und dem Pferd, das zu Beginn der -Eiszeit lebte (<span class="antiqua">Equus Scotti</span>), ist recht gering; er werde = 1 gesetzt. -Viel stärker ist <span class="antiqua">Equus Scotti</span> von seinem Vorfahren im Pliozän, dem -<span class="antiqua">Hipparion</span> verschieden. Ihr Unterschied kann der Zahl 10 gleichgesetzt -werden; die Entwicklung von <span class="antiqua">Hipparion</span> zu <span class="antiqua">Equus Scotti</span> muß daher -10mal so lang gedauert haben wie die von <span class="antiqua">Hipparion</span> zu <span class="antiqua">Meryhippus</span>, -während dessen Unterschied von <span class="antiqua">Parahippus</span> mindestens 15 Einheiten -beträgt. Die Zahlen der Tabelle geben also Verhältnisgrößen für die -Unterschiede der einzelnen Formen und damit für die Zeitdauer der -Einzelentwicklungen. Das Ergebnis ist, daß seit dem Untereozän etwa -80mal so viel Zeit verstrichen ist wie seit dem Beginn der Eiszeit. Das -ganze Tertiär (einschließlich des Paleozäns) wäre etwa das 100fache -dieser Zeit. Die Einsetzung der Zahlen für die Eiszeit ergibt also -eine Dauer des Tertiärs von 20–100 Millionen Jahren, der Mittelwert -wäre 50 Millionen Jahre. Nun liegt allerdings der Rechnung die -Voraussetzung zugrunde, daß sich die Entwicklung der Pferde während -des ganzen Tertiärs in demselben Tempo vollzogen habe wie seit dem -Beginn der Eiszeit, daß also die „biologische Uhr“, wie wir sie -heißen wollen, einen gleichmäßigen Gang aufweise. Das ist gewiß nicht -selbstverständlich. Es gibt Stämme im Tierreich, die sich zu gewissen -Zeiten ungeheuer rasch entwickelt haben und dann wieder lange Zeit -in der Entwicklung scheinbar still gestanden sind. Was die Ursachen -derartiger Vorgänge sind, wissen wir nicht; Lebewesen sind eben keine -mathematisch berechenbaren Uhrwerke. <span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span>Außerdem fällt es natürlich sehr -schwer, die Unterschiede von Lebensformen in Zahlen zu fassen. Es -muß aber doch gesagt werden, daß der Stammbaum der Pferde eine solch -ruhige, konsequente und zielsichere Entwicklung aufweist, daß die -Berechnungen Matthews sicher nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen -sind.</p> - -<p>Für das Tertiär berechnet also Penck einen Mittelwert von 15 Millionen -Jahren, nach Lyell ergeben sich etwa 30 Millionen Jahre, nach Matthew -50 Millionen Jahre; die äußersten Grenzwerte aller Berechnungen -betragen 5,4–100 Millionen Jahre. Es zeigt sich damit die Erscheinung, -die schon einmal kurz gestreift wurde: Zu der Unsicherheit der -Ausgangszahl kommt die Unsicherheit der Verhältniszahlen hinzu, -und durch Multiplikation rücken die Grenzen, zwischen denen die -wirkliche Zahl liegen muß, immer weiter auseinander. Mit jedem neuen -Rückwärtsschreiten wird die ganze Rechnung unsicherer. Immerhin können -wir mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sagen, daß die Zeitdauer des -Tertiärs jedenfalls schon nach Zehnern von Jahrmillionen zu bemessen -ist. Mit 20–40 Millionen Jahren werden wir von der Wahrheit nicht -allzuweit entfernt sein.</p> - -<p>Den Abschluß der Berechnungen soll der <em class="gesperrt">Übergang vom Tertiär auf -die ganze Reihe der übrigen Formationen</em> bilden. Schon <em class="gesperrt">Lyell</em>, der -Begründer der modernen Geologie, hat diesen weiteren Schritt gewagt. -Er erhielt für das Unterkarbon ein Alter von 160 Millionen Jahren, für -das Unterkambrium ein solches von 240 Millionen Jahren. <em class="gesperrt">Dana</em> stellte -für die Zeitdauer der einzelnen Formationen folgende Verhältniszahlen -auf: wird das Tertiär zur Einheit genommen, so sind Kreide, Jura -und Trias je etwa ebenso lang, die mesozoische Periode dauerte also -dreimal so lang wie das Tertiär. Perm und Karbon entsprechen in ihrer -Zeitdauer ebenfalls dem Tertiär, dagegen war das Devon zweimal, Silur -und Kambrium je viermal so lang. Die ganze paläozoische Periode umfaßt -daher das 12fache, die Erdgeschichte seit Beginn des Kambriums etwa -das 16fache der Zeitdauer des Tertiärs. Setzen wir für das Tertiär den -Mittelwert von 30 Millionen Jahren, so ergibt dies für das Alter der -ältesten kambrischen Schichten 480 Millionen Jahre.</p> - -<p>Etwas andere Verhältniszahlen gibt <em class="gesperrt">Walcott</em> an. Er setzt für -das Tertiär 1, für das Mesozoikum 2,5, für das Paläozoikum 6; die -Erdgeschichte seit dem Kambrium entspricht also der Zahl 9–22, <span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span>und für -das Alter des Kambriums würden sich 285 Millionen Jahre ergeben. Ganz -ähnliche Zahlen wie Dana nennt <em class="gesperrt">Häckel</em>. Er setzt für die Zeit seit dem -Beginn des Lebens bis heute die Zahl 100. Davon entfallen auf die Zeit -bis zum Beginn des Kambriums 52 Teile, auf das Paläozoikum 34 Teile, -das Mesozoikum 11 Teile, auf das Tertiär 3 Teile, die Eiszeit 0,1 Teil. -Das ergibt für das Alter des Kambriums etwa 480 Millionen Jahre. Die -Zeit, die vor Beginn des Lebens verflossen ist, wollen wir für die -Berechnung außer Betracht lassen.</p> - -<p>Fassen wir die verschiedenen Ergebnisse zusammen, so erhalten wir, -von dem Wert von 30 Millionen Jahren für das Tertiär ausgehend, einen -Zeitraum von 285–480 Millionen Jahren, von den Grenzwerten (5,4 und 100 -Millionen Jahren) ausgehend 50–1600 Millionen Jahre seit dem Beginn des -Kambriums.</p> - -<p>Die Erscheinung, die wir schon besprochen haben, zeigt sich jetzt am -stärksten: mit jeder weiteren Extrapolation werden die Grenzen weiter, -die Zahlen unsicherer. Doch dürfen wir den Wert der gewonnenen Zahlen -auch nicht gar zu sehr unterschätzen. Es ist nicht anzunehmen, daß -bei all den Vermutungen und Rechnungen immer gerade die niederste -oder die höchste Zahl die richtige gewesen sei; in den meisten Fällen -wird eine mittlere Zahl das Richtige treffen, und wo die wirklichen -Zahlen von der Mitte abweichen, da wird sich wohl nach den Regeln der -Wahrscheinlichkeit eine zu niedrige mit einer zu hohen Zahl wieder -ausgleichen, so daß zum Schluß die Wahrheit doch ungefähr in der Mitte -liegen wird. So können wir mit ziemlicher Sicherheit für das Alter -des Kambriums einige Hunderte von Jahrmillionen ansetzen. Wir kennen -zwar noch nicht die genaue Größe selber, aber doch die Größenordnung -der seit dem Kambrium verflossenen Zeit. Weiter wollen wir aber -nicht zurückgehen, denn die Unsicherheiten, die uns im Präkambrium -erwarten, sind derartig groß, daß wir die Hoffnung auf ein einigermaßen -brauchbares Resultat von vornherein aufgeben müssen. Wir können -zunächst nur sagen, daß das Präkambrium ungeheure Zeiträume umfassen -muß, denen gegenüber vielleicht die ganze übrige Erdgeschichte auf ein -kleines Maß zusammenschrumpft.</p> - -<p>Ein gewisses Unbehagen können wir aber trotz allem bei der nunmehr bis -zum Ende durchgeführten Methode der Extrapolation nicht los werden. -Die einzige ganz sichere Grundlage für die Berechnung sind eben allein -die 5000 Jahre, die das Eis zu seinem <span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span>Zurückweichen von Schonen bis -zur Eisscheide brauchte. Von dieser Zahl aus mußten wir nach der einen -Seite den nicht unmittelbar gegebenen Anschluß an die Gegenwart finden, -nach der anderen Seite hin zurück in die geologische Vergangenheit -schließen.</p> - -<p>Wie weit haben wir uns von unserer unbedeutenden Berechnungsgrundlage -aus zurückgewagt! Es bedeutet eine Grundschwierigkeit der Methode, die -mit Vergleichungen und Schätzungen immer weiter zurückgreift, daß die -Gefahr der perspektivischen Fehler, wie wir sie nennen wollen, kaum -umgangen werden kann: das Nächstliegende übersehen wir verhältnismäßig -klar und deutlich, das Fernliegende rückt schon mehr zusammen, und das -Fernste, das in Wirklichkeit den weitaus größten Raum einnimmt, gibt -uns gar keine Einzelheiten mehr. So sind wir nur zu sehr geneigt, die -nächstliegende Vergangenheit wegen der Fülle der aus ihr bekannten -Ereignisse zu überschätzen, die fernliegende Vergangenheit wegen -der Geringfügigkeit des aus ihr Bekannten zu unterschätzen. Ja, wenn -uns die Möglichkeit gegeben wäre, weit draußen in der grauen Ferne -geologischer Vergangenheit auch nur einen Punkt fest zu bestimmen und -mit absoluter Sicherheit sein Alter anzugeben, dann wären wir über alle -Schwierigkeiten der Schätzung und der Extrapolation mit einem Schlage -hinaus. Mit der Bestimmung jenes Punktes wäre uns ein fester Rahmen -gegeben, in den wir die gesamte geologische Geschichte einspannen -könnten.</p> - -<p>Und diese Möglichkeit besteht! Das nächste Kapitel soll zeigen, wie uns -wunderbare Fortschritte der Physik und Chemie die Mittel dazu in die -Hand geben.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="IV_Geologische_Zeitmessung_auf_Grund_radioaktiver_Vorgaenge">IV. -Geologische Zeitmessung auf Grund radioaktiver Vorgänge.</h2> - -</div> - -<p>Es ist kaum mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen, seit im -physikalischen Institut der Universität Würzburg eine Entdeckung gemacht -wurde, die zu den glücklichsten der ganzen Wissenschaftsgeschichte -gehört und die in ihren Folgen für die Entwicklung der Physik und -Chemie von der allergrößten Bedeutung werden sollte.</p> - -<p>Im Jahr 1895 fand Professor <em class="gesperrt">Röntgen</em>, daß von der Wand der -Geißlerschen Röhren, mit denen er experimentierte, Strahlen -<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span>auszugehen schienen, die auch undurchsichtige Körper zu durchdringen -vermochten und durch die Wand der photographischen Kassette hindurch -die lichtempfindliche Platte beeinflußten. Die Entdeckung dieser -merkwürdigen X-Strahlen, wie er sie nannte, erregte das größte -Aufsehen. Während den Laien vor allem die geheimnisvollen Möglichkeiten -interessierten, mit diesen Strahlen auch undurchsichtige Körper -durchdringen zu können, reizte den Gelehrten in erster Linie das -wissenschaftliche Problem, und die Wissenschaft aller Länder ging -voll Spannung an die neuen Aufgaben heran. Der französische Physiker -<em class="gesperrt">Becquerel</em> vermutete einen Zusammenhang der Erscheinung mit der -Phosphoreszenz des Glases der Geißlerröhre und kam auf den Gedanken, -phosphoreszierende Uransalze auf eine lichtempfindliche Platte -einwirken zu lassen, mit dem Erfolg, daß auch er eine Schwärzung -der Platte erhielt (1896). Der zuerst vermutete Zusammenhang mit der -Phosphoreszenz, bei der immer eine Belichtung des Salzes vorausgehen -muß, stellte sich bald als unrichtig heraus; es ergab sich vielmehr, -daß einfach alle uranhaltigen Salze oder Erze die Eigenschaft hatten, -chemisch wirksame Strahlen auszusenden. Nun galt es, an dem neuen -Geheimnis der Uran- oder Becquerelstrahlen weiter zu arbeiten, und -schon nach zwei Jahren (1898) konnte das Ehepaar <em class="gesperrt">Pierre</em> und <em class="gesperrt">Marya -Curie</em> nach unendlichen Mühen aus einem Uranerz, der Uranpechblende, -einen Stoff abscheiden, der die strahlenden Eigenschaften in ungeheuer -verstärktem Maße aufwies und der daher von seinen Entdeckern den Namen -<em class="gesperrt">Radium</em>, das Strahlende, bekam.</p> - -<div class="figright illowe18" id="abb_17"> - <img class="w100" src="images/abb_17.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 17. Strahlung des Radiums.</div> -</div> - -<p>Jede neue Entdeckung gibt der Wissenschaft wieder neue Rätsel auf, -und nicht leicht sind ihr jemals schwierigere Aufgaben gestellt -worden als mit diesem neuentdeckten Element Radium. Eine der -ersten Beobachtungen war, daß das Radium andauernd ganz bedeutende -Energiemengen hervorbringt. 1 g Radium vermag in einer Stunde das -1–1,3fache seines Gewichts an Wasser vom Gefrierpunkt bis zum -Siedepunkt zu erhitzen, und das geht so fort, Tag für Tag und Monat -für Monat, ohne daß die Erzeugung von Wärme eine merkbare Abnahme -erfährt. Diese Erscheinung widersprach in auffallender Weise dem -Gesetz der Erhaltung der Energie: Hier schien tatsächlich Energie ohne -nachweisbare Ursache von selbst zu entstehen, hier schien wirklich -das Perpetuum mobile vorzuliegen, von dem die Physiker doch bewiesen -zu haben glaubten, daß es nicht existieren könne. Es zeigte sich -bald, daß die Wärmeerzeugung mit den Strahlen <span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span>zusammenhängt, die -das Radium fortwährend aussendet. Wenn man die Radiumstrahlen dem -Einfluß eines kräftigen Elektromagneten unterwirft, so findet man, -daß es drei Arten von Strahlen sind, die von dem geheimnisvollen -Stoff ausgehen. Die nebenstehende <a href="#abb_17">Abb. 17</a> soll diese Erscheinung -darstellen. Das Radium sei in einem Bleiblock eingeschlossen, der die -Strahlen nur nach einer Richtung austreten läßt; ein Elektromagnet sei -so angebracht, daß sein Nordpol vor der Ebene des Papiers zu denken -ist, der Südpol hinter ihr. Erzeugt man nun durch Einschalten des -Stroms ein elektromagnetisches Feld, so trennen sich die verschiedenen -Strahlenarten, die zuerst einheitlich in gleicher Richtung austreten. -Nach links werden die sogenannten α-Strahlen abgelenkt; diese Art der -Ablenkung beweist für sie eine positive elektrische Ladung. Sie führen -wohl den größten Teil der gesamten Strahlungsenergie mit, haben aber -die geringste Durchdringungskraft; in der Luft vermögen sie nur 3–7 cm -weit vorzudringen. Anders verhalten sich die β-Strahlen, die sehr -stark nach rechts abgelenkt werden und dadurch ihre negativ elektrische -Ladung erkennen lassen. Gar nicht vom Elektromagneten beeinflußt werden -die γ-Strahlen, die auf größere Entfernung hin wirken wie die anderen -Strahlenarten und in ihren wesentlichen Eigenschaften durchaus den -Röntgenstrahlen entsprechen.</p> - -<p>Eine Reihe von hervorragenden Physikern und Chemikern warf sich -auf die Erforschung dieser neuen, eine vollständige Umwälzung alter -Anschauungen versprechenden Erscheinungen. Es war noch jene Zeit, in -der die Wissenschaft international war, und wo deutsche, englische -und französische Forscher von Monat zu Monat durch neue Entdeckungen -sich gegenseitig weiterhalfen. So zeigte sich bald, daß in jedem Raum, -in dem Radium sich befand, nach einiger Zeit auch die Luft und die -Wände Strahlen aussandten, daß auch sie „radioaktiv“ wurden. Leitete -man die aktiv gewordene Luft vom Radium fort, so sank allerdings die -Strahlung nach einiger Zeit beträchtlich, um schließlich nach einigen -Wochen oder Monaten zu verschwinden. Die <span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span>Erscheinung wies darauf -hin, daß die Aktivität der Luft von einem Gas herrühre, das aus dem -Radium entstanden sei. Diese Annahme erwies sich tatsächlich als -richtig; es konnte nachgewiesen werden, daß sich aus dem Radium ein -Gas, die Radium-Emanation bildet, das seinerseits wieder radioaktive -Eigenschaften aufweist, dessen Strahlung aber schon in wenigen Tagen -ganz beträchtlich in ihrer Wirksamkeit sinkt. Das rührt daher, daß die -Radium-Emanation verschwindet und an ihrer Stelle ein anderer fester -Stoff, das Radium A, entsteht. Aber auch dieser Stoff bleibt nicht -bestehen; nacheinander bilden sich noch eine ganze Reihe von Stoffen, -bis die Entwicklung in einem Stoff Radium G ihr Ende findet. Die -Vorgänge können nur so verstanden werden, daß sich jeder Stoff unter -ganz bestimmten Strahlungserscheinungen in den nächsten umwandelt; -die ganze Umwandlungsreihe, die sich so ergibt, wird durch <a href="#abb_18">Abb. 18</a> -dargestellt. Dabei stellte sich weiterhin heraus, daß bei diesen -Umwandlungen auch Helium entsteht, ein Gas, das vor seiner Entdeckung -auf der Erde schon durch seine Linien im Sonnenspektrum bekannt war und -daher seinen Namen erhalten hat.</p> - -<p>Wie sollten nun alle diese rätselhaften Erscheinungen gedeutet werden?</p> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_18"> - <img class="w100" src="images/abb_18.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 18. Zerfallsreihe des Radiums.</div> -</div> - -<p>Die Erklärung geschah durch die <em class="gesperrt">Theorie vom Zerfall der radioaktiven -Elemente</em>, die 1902 von <em class="gesperrt">Rutherford</em> und <em class="gesperrt">Soddy</em> begründet wurde und -die sich seither in jeder Beziehung bewährt hat. Sie hängt eng zusammen -mit der Atomtheorie, die in den beiden letzten Jahrzehnten zu einem -vollständig gesicherten Besitz der Wissenschaft geworden ist. Wir -haben in den Atomen unendlich kleine Bausteine der Materie vor uns; -der Forscher vermag sie genau zu zählen und ihre Größe zu bestimmen; -ihr verschiedenartiger Aufbau bedingt das Wesen und die Eigenschaften -der uns bekannten chemischen Grundstoffe oder Elemente. Nun lehrt die -Zerfallstheorie, daß in den Atomen der radioaktiven Elemente gewaltige -Spannungen bestehen, die zu einem explosionsartigen, von rätselhaften -Strahlungserscheinungen <span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span>begleiteten Zerfall führen können. Damit ist -auch erklärt, woher die andauernde Energieabgabe des Radiums stammt: -Ein Atom müssen wir uns mit geradezu gewaltigen Energiemengen geladen -denken; beim Zerfall des Atoms wird, ähnlich wie bei der Explosion -eines Sprengstoffs, ein Teil dieser Energie frei.</p> - -<p>Die Untersuchung der Atomgewichte ergab weiterhin, daß es sich um -ein richtiges Auseinanderfallen der Atome in verschiedene Bruchstücke -handelt. Für das Radium (Abkürzung Ra) wurde ein Atomgewicht von 226 -bestimmt; das heißt, das Radiumatom ist 226 mal so schwer wie das -leichteste bekannte Atom, das Wasserstoffatom. Radium-Emanation hat ein -Atomgewicht von 222, Radium A von 218, Radium B und C von 214, Radium -D, E und F (Polonium) von 210 und Radium G von 206. Die Atome verlieren -also bei ihrem Zerfall Teile ihrer Masse, und es zeigt sich, daß -regelmäßig die α-Strahlung eines Radioelements eine Verminderung des -Atomgewichts um 4 hervorbringt; das Atomgewicht des neu entstandenen -Stoffes ist um 4 geringer wie desjenigen, der die α-Strahlen aussandte. -Der Zusammenhang gab sich durch die Entdeckung, daß die <em class="gesperrt">α-Strahlen</em> -nichts anderes sind als <em class="gesperrt">positiv elektrisch geladene Heliumatome</em>. -Helium besitzt das Atomgewicht 4; das Sinken der Atomgewichte in -der Zerfallsreihe erklärt sich also daraus, daß beim Atomzerfall -Heliumatome explosiv fortgeschleudert werden.</p> - -<p>Die Umwandlung chemischer Grundstoffe ineinander war damit zur -wissenschaftlichen Tatsache geworden. Das Radium wandelt sich über -verschiedene Zwischenstufen hinweg unter Abspaltung von Heliumatomen in -das Endprodukt Radium G um. Das bedeutete für die gesamte Chemie eine -ungeheure Umwälzung; es war damit bewiesen, daß die chemischen Elemente -nicht unter allen Umständen unveränderlich sind, sondern daß sie sich -zum Teil in andere umwandeln können. Der Traum der Alchimisten des -Mittelalters, welche die chemischen Grundstoffe ineinander verwandeln -wollten, war damit in gewissem Sinne zur Wirklichkeit geworden.</p> - -<p>Nach diesen ersten grundlegenden Entdeckungen galt es nun, den Zerfall -bei den einzelnen Radioelementen in seinem zeitlichen Verlauf genau -zu untersuchen. Schon bald hatte es sich nämlich gezeigt, daß sich die -verschiedenen Stoffe mit ganz verschiedener Geschwindigkeit umwandeln. -Das Grundgesetz, nach dem der Zerfall vor sich geht, ist jedoch -bei allen Umwandlungen gleich; die <a href="#abb_19">Abb. 19</a> soll es zunächst für die -Radium-Emanation veranschaulichen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span></p> - -<p>Sind zu einem gewissen Zeitpunkt eine bestimmte Anzahl (n) Atome -Radium-Emanation vorhanden, so existieren nach einer gewissen Zeit (t = -3,85 Tage) nur noch die Hälfte der Atome <span class="s3">(</span><span class="hbruch_2"> -<span class="zaehler">n</span><span class="nenner">2</span></span><span class="s3">)</span>, nach der doppelten Zeit -(2 t = 7,70 Tage) nur noch die Hälfte von diesem, also <span class="hbruch_2"> -<span class="zaehler">n</span><span class="nenner">4</span></span> Atome, nach -der dreifachen Zeit (3 t) nur noch <span class="hbruch_2"> -<span class="zaehler">n</span><span class="nenner">8</span></span> Atome. Im Verlauf der Zeit von -3,85 Tagen, der „<em class="gesperrt">Halbwertszeit</em>“, sinkt die Zahl der Atome regelmäßig -durch Zerfall auf die Hälfte; sie wird infolgedessen immer geringer -werden, das gänzliche Verschwinden tritt aber erst nach ungeheuer -langer Zeit ein.<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[6]</a></p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[6]</a> Würde der Zerfall der Emanation gleichmäßig mit derselben -Zahl von Atomen weitergehen, wie er zu Beginn der Untersuchung -einsetzt, so wäre schon nach 5,54 Tagen nichts mehr vorhanden. Diese -Zahl nennt man die „<em class="gesperrt">mittlere Lebensdauer</em>“ der Radium-Emanation; -sie steht in einem genau berechenbaren mathematischen Verhältnis zur -Halbwertszeit und ist das 1,44fache von dieser. In der bildlichen -Darstellung der Zerfallskurve muß dieser gleichbleibende Zerfall durch -die Berührungsgerade (Tangente) dargestellt werden, die im Beginn -der Kurve an sie gelegt wird; sie trifft die Gerade im Punkt 1,44 t. -Während die Kurve des tatsächlichen Zerfalls in ihrem Gefälle ständig -abnimmt und sich der Geraden immer mehr anschmiegt, ohne sie ganz zu -erreichen, behält die Tangente ihr Gefälle, welches im Beginn zugleich -dasjenige der Zerfallskurve ist, gleichmäßig bei; sie ist daher schon -nach der Zeit 1,44 t auf Null angelangt.</p> - -</div> - -<div class="figcenter illowe35" id="abb_19"> - <img class="w100" src="images/abb_19.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 19. Zerfallskurve radioaktiver Elemente.</div> -</div> - -<p>Merkwürdig und bezeichnend ist nun, daß jedes Element seine besondere -Zerfallsgeschwindigkeit besitzt. Während die Radium-Emanation nach 3,85 -Tagen zur Hälfte zerfallen ist, tritt dieser Fall beim Radium selbst -nach 1600 Jahren ein, beim Radium A dagegen schon nach 3 Minuten. Wenn -der Wert für t in <a href="#abb_20">Abb. 20</a> für jedes strahlende Element von anderer -Größe gedacht wird, so vermag also die Kurve den Zerfall von jedem -dieser Elemente zu veranschaulichen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span></p> - -<p>Wir wollen versuchen, das Wesen des Zerfallgesetzes, das im Grunde -genommen ein Wahrscheinlichkeitsgesetz ist, durch einen Vergleich noch -anschaulicher zu machen: Ein Regiment zieht ins Feld und verliert hier -in jedem Monat die Hälfte seiner Mannschaften, ohne zunächst wieder -aufgefüllt zu werden. Es wird dann nach einem Monat noch die Hälfte, -nach 2 Monaten noch ¼, nach 3 Monaten noch ⅛, nach 6 Monaten -noch <span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">64</span> der ursprünglich ins Feld gerückten Mannschaft vorhanden -sein. Die Wahrscheinlichkeit, daß Soldaten durch Tod, Krankheit oder -Gefangennahme ausscheiden, ist bei diesem Regiment so groß, daß -jeden Monat die Hälfte der Mannschaften davon getroffen wird, die -„Halbwertszeit“ des Regiments wäre ein Monat. Ein anderes Regiment, -das an weniger gefährdeter Stelle steht, verliert erst in 3 Monaten -die Hälfte seiner Leute; es hat also nach 6 Monaten noch ¼, nach -einem Jahr noch <span class="zhl">1</span>⁄<span class="nen">16</span> der ursprünglichen Mannschaft. Seine Halbwertszeit -ist drei Monate; sie ist größer als die des ersten Regiments, weil -die Wahrscheinlichkeit des Ausscheidens seiner Soldaten geringer ist. -Der Vergleich mit dem Zerfall der verschiedenen Radioelemente ergibt -sich ohne weiteres. Die Atome des einen Elements sind in ihrem inneren -Bau noch verhältnismäßig beständig, so daß es viele Jahre oder gar -Jahrtausende dauert, bis die Hälfte der Atome zerfallen ist; bei andern -führen die Spannungen im inneren Bau so häufig zu Explosionen, daß -schon nach wenigen Tagen die Hälfte verschwunden ist. Beim Radium A -sind die Atome schließlich so unsicher gebaut, daß dieser Fall schon -nach 3 Minuten eintritt; kaum sind sie aus der vorhergehenden Stufe -entstanden, so wandeln sie sich schon in die nächste um.</p> - -<p>Die Wissenschaft hat eine Reihe von Verfahren ausgearbeitet, um -die Zerfallzeit eines Radiumelements zu messen. Am einfachsten -ist die Aufgabe bei einem Element mittlerer Zerfallsdauer wie der -Radium-Emanation zu lösen. Mit feinen Elektrometern wird das Maß der -Strahlung in bestimmten Zwischenräumen untersucht und genau bestimmt, -wann es auf die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel des ursprünglichen -Werts gesunken ist. Bei Elementen mit längerer Lebensdauer wie dem -Radium selbst wird die Menge des in einer bestimmten Zeit von ihm -erzeugten neuen Stoffs gemessen und daraus berechnet, wann es sich -bei gleich bleibendem Zerfall erschöpfen würde. Unter Umständen kann -bei ganz geringen Mengen strahlender Substanz, deren Menge und damit -deren Atomzahl bekannt ist, unmittelbar die Zahl der abgeschleuderten -α-Teilchen einzeln gezählt werden; <span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span>die Wissenschaft ist mit der -Verfeinerung ihrer Apparate bereits so weit vorgeschritten, daß sie die -Wirkung eines einzigen Atoms nachweisen kann.</p> - -<p>Es ist also daran festzuhalten, daß die Zerfallserscheinungen von einer -Unbeständigkeit im inneren Bau des Atoms herrühren, daß die Gefahr -des Zerspringens für verschiedene Radiumelemente zwar verschieden, -für ein- und dasselbe immer gleich ist. Die Zerfallsgeschwindigkeit -eines Radioelements, ausgedrückt in den Begriffen „Halbwertszeit“ -und „mittlere Lebensdauer“, bedeutet eine seiner bezeichnendsten -Eigenschaften. Der Zerfall geht mit einer solchen inneren Notwendigkeit -vor sich, daß seine Geschwindigkeit durch keinerlei äußere Einwirkungen -auch nur im geringsten verändert werden kann. Man hat strahlende -Substanzen einem Druck von 24400 Atmosphären ausgesetzt, den Einfluß -von Temperaturen von −240° bis zu 2500° untersucht, die stärksten -elektrischen und magnetischen Felder auf sie wirken lassen, ohne daß -sich die Zerfallsgeschwindigkeit auch nur im mindesten verringert -oder vermehrt hätte. Das bedeutet ganz andere Verhältnisse wie beim -Zerfall von chemischen Verbindungen, bei dem der Einfluß der Druck- und -Temperaturverhältnisse eine außerordentlich große Rolle spielt. Während -es sich hier darum handelt, daß verschiedene Atome ihre gegenseitige -Verbindung lösen, liegt beim radioaktiven Zerfall die Ursache tiefer, -sie ruht im Bau der Atome selber.</p> - -<p>Wir haben bis jetzt bei der Untersuchung der merkwürdigen Strahlungs- -und Umwandlungserscheinungen nur das Radium und seine Folgeprodukte -ins Auge gefaßt; da es aber, wie sich schon bei seiner Entdeckung -zeigte, immer nur in gesetzmäßiger Verbindung mit Uran in der Natur -vorkommt, so drängt sich ganz von selber die Frage auf, ob nicht auch -ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Uran und Radium besteht. Das -ist tatsächlich der Fall. Es kann nachgewiesen werden, daß das Radium -auf dem Weg über einige Zwischenstufen aus dem Uran entsteht. Von -diesem stammen also alle genannten Elemente ab, sie bilden zusammen -eine Zerfallsreihe, die <em class="gesperrt">Uranreihe</em>. Vom Chemiker Ostwald stammt das -witzige Wortspiel: „Der Urahn dieser Elemente ist das Uran.“ Uran -hat mit 238 das höchste bekannte Atomgewicht. Sein Zerfall geht ganz -außerordentlich langsam vor sich; die Halbwertszeit des Urans beträgt -5000 Millionen Jahre. Über mehrere Zwischenstufen hinweg, die auch zum -Teil sehr hohe Halbwertszeiten haben, führt der <span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span>Zerfall mit dreimaliger -α-Strahlung, also dreimaligem Verlust von Heliumatomen zum Radium mit -der Halbwertszeit von 1600 Jahren und von diesem aus in der bekannten -Weise weiter. Die folgende Tabelle gibt eine Zusammenstellung der -Glieder der <em class="gesperrt">Uran-Radiumreihe</em> und ihrer wichtigsten Eigenschaften.</p> - -<table class="uran_radium" summary="Die Uran-Radium-Reihe"> - <tr> - <th class="bl bt br"> - <div class="center">Name des Elements</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">chemisches<br /> - Symbol</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Atomgewicht</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Strahlung</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Halbwertszeit</div> - </th> - </tr> - <tr> - <td class="bl bt br"> - <div class="left">Uran I</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center">U</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center">238,2</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="left">5000·10<sup>6</sup> Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Uran X<sub>1</sub></div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">UX<sub>1</sub></div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">234</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">β γ</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">24 Tage</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Uran X<sub>2</sub></div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">UX<sub>2</sub></div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">234</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">β γ</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">1,15 Minuten</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Uran II</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">U II</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">234</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">2·10<sup>6</sup> Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Jonium</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Jo</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">230</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">100000 Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">225,97</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">1600 Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium-Emanat.</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra Em</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">222</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">3,85 Tage</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium A</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra A</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">218</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">3 Minuten</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium B</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra B</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">214</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">β</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">26,8 Minuten</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium C</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra C</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">214</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">α β</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">19,5 Minuten</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium D</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra D</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">210</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">β</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">16 Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium E</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ra E</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">210</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">β</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="left">5 Tage</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="left">Radium F</div> - <div class="left mleft1">(Polonium)</div> - </td> - <td class="br vat"> - <div class="center">Ra F</div> - </td> - <td class="br vat"> - <div class="center">210</div> - </td> - <td class="br vat"> - <div class="center">α</div> - </td> - <td class="br vat"> - <div class="left">136 Tage</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl bb br"> - <div class="left">Radium G</div> - <div class="left mleft1">(Radiumblei,<br /> - Uranblei)</div> - </td> - <td class="br bb vat"> - <div class="center">Ra G</div> - </td> - <td class="br bb vat"> - <div class="center">206</div> - </td> - <td class="br bb vat"> - <div class="center">—</div> - </td> - <td class="br bb vat"> - <div class="left">—</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Neben dieser Reihe radioaktiver Elemente, die sich vom Uran herleiten, -gibt es noch eine zweite Reihe, die von dem Element <em class="gesperrt">Thorium</em> -(Atomgewicht 232,15) ausgeht. Mit verschiedenen Zwischenstufen -führt der Zerfall in ähnlicher Weise wie bei der Uranreihe zu einem -Endprodukt, das als Thorium D (Atomgewicht 208,0) bezeichnet wird.</p> - -<p>Eine überaus wichtige Tatsache haben wir bis jetzt noch übergangen; -es ist nötig, sie jetzt näher ins Auge zu fassen. Für das Radium -G, das als Endprodukt der Uranreihe auftritt, ergab sich durch -genaue Untersuchung, daß es in allen physikalischen und chemischen -Eigenschaften vollständig mit einem schon längst bekannten Element -übereinstimmte, nämlich mit dem Blei. Nur in einer Eigenschaft zeigte -sich ein Unterschied, es besaß ein anderes Atomgewicht. Moderne -Methoden der Atomgewichtsbestimmung erlauben es, diese Zahl auf das -allergenaueste festzustellen. Für das <span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span>gewöhnliche Blei erhielt man -ein Atomgewicht von 207,2, für Radium G (Uranblei, Radiumblei) ein -solches von 206,0. Diese letztere Zahl paßte sehr gut zu den übrigen -Tatsachen des radioaktiven Zerfalls; vom Radium (Atomgewicht 226) führt -dieser mit einer fünffachen Abspaltung von α-Teilchen, deren jedes ein -Heliumatom vom Atomgewicht 4 bedeutet, zum Endprodukt Radium G, das -also nach theoretischer Voraussage ein Atomgewicht von 226 − 5 × 4 = -206 haben muß. Theoretisch berechnetes und experimentell bestimmtes -Atomgewicht stimmten also sehr befriedigend überein. Wie nun weiterhin -das Thorium D genauer untersucht wurde, da zeigte sich, daß auch -dieser Stoff in jeder Beziehung die Eigenschaften des Bleis besaß, -nur daß auch sein Atomgewicht von dem des Bleis abwich; für Thorium -D ergab sich ein solches von 208, also ein höheres als dasjenige des -normalen Bleis. Nun kannte man also drei verschiedene Bleiarten, die im -wesentlichen nur durch ihre Atomgewichte voneinander zu unterscheiden -waren, eine rätselhafte Sache, die großes Kopfzerbrechen hervorrufen -mußte. Auf Ungenauigkeiten der Bestimmungen konnte der merkwürdige -Widerspruch nicht zurückgeführt werden, denn die Methoden der -Atomgewichtsbestimmung sind zu solcher Vollkommenheit geführt worden, -daß auch noch die zweite Dezimale der Zahl mit ziemlicher Sicherheit -angegeben werden kann. In den letzten Jahren hat sich aber die Tatsache -des Vorkommens mehrerer Bleiarten mit verschiedenem Atomgewicht in -allgemeine Zusammenhänge eingefügt. Es wurde nachgewiesen, daß eine -Reihe von chemischen Elementen aus zwei oder mehr Stoffen besteht, -die verschiedenes, dabei ganzzahliges Atomgewicht aufweisen, sich -im übrigen aber kaum voneinander unterscheiden lassen. Die <em class="gesperrt">moderne -Atomtheorie</em>, die sich in ungeahnter Weise entwickelt hat, hat -diese Erscheinung auch zu erklären vermocht. Kommende Generationen -werden das verflossene Vierteljahrhundert ohne Zweifel als eines der -denkwürdigsten Entdeckungszeitalter in der Wissenschaftsgeschichte -verzeichnen. Die Atome, die vor 25 Jahren einer strengen Wissenschaft -noch als vollkommen hypothetisch gelten mußten, haben sich als -greifbare Wesenheiten entpuppt, die der Forscher zählt und wägt und -die ihm wundersame Geheimnisse ihres Baus enthüllt haben. Im folgenden -können nur einige Ergebnisse dieser Forschungen angegeben werden, ohne -daß eine nähere Begründung möglich wäre.</p> - -<p>Ein Atom ist nach modernen Anschauungen ein Planetensystem <span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span>im Kleinen, -aufgebaut aus einem Kern mit positiv elektrischer Ladung und einer -Anzahl kleinster negativer Elektrizitätsteilchen (Elektronen), die -in kreis- und ellipsenförmigen Bahnen um diesen Kern kreisen. Eine -merkwürdige und unausdenkbare Vorstellung: Das, was wir Materie -heißen, löst sich auf in positive und negative Elektrizität und ihre -Bewegung! Die chemischen Eigenschaften eines Elements hängen ab von -der Ladung des Kerns und der Zahl der ihn umkreisenden Elektronen, -sein Atomgewicht von der Zahl der positiven Elektrizitätsteilchen im -Kern. Das ist nämlich aus folgenden Gründen nicht dasselbe: Im Kern -stecken positive und negative Elektrizitätsteilchen in verschiedener -Anzahl; die positiven überwiegen, der Unterschied ergibt die Größe der -positiven Ladung. Wenn nun aus einem Kern gleichzeitig ein positives -und ein negatives Teilchen austritt, so bleibt die Ladung gleich, -die Masse, das Gewicht, wird jedoch vermindert. Zwei solche Arten -von Atomen werden sich chemisch vollständig gleich verhalten, weil -die Ladung des Kerns und die Zahl der ihn umkreisenden Elektronen -gleich ist, sie werden aber verschiedenes Atomgewicht aufweisen. -Derartige Stoffe nennt die Chemie <em class="gesperrt">isotope Elemente</em>,<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[7]</a> weil ihnen -im periodischen System der Elemente derselbe Platz zugewiesen werden -muß. Es hat sich ergeben, daß eine Reihe von Elementen nichts anderes -darstellt als ein Gemenge verschiedener isotoper Bestandteile. So -ist z. B. das Gas Neon mit dem Atomgewicht 20,2 ein Gemenge zweier -isotoper Elemente vom Atomgewicht 20 und 22, von denen das erste 90%, -das zweite 10% des Gemenges bildet. Durch diese im Feinbau der Materie -begründete Isotopie wird nun auch für das Rätsel der verschiedenen -Atomgewichtszahlen von Uranblei, gewöhnlichem Blei und Thoriumblei eine -Erklärung gegeben: Alle drei Bleiarten haben die gleiche Kernladung und -die gleiche Zahl von kreisenden Elektronen, jedoch verschiedene Masse. -Dabei sind Uranblei (Ra G) und Thoriumblei (Th D) zwei einheitliche -Stoffe mit verschiedenem Atomgewicht, während das gewöhnliche Blei -wahrscheinlich ein Gemenge gleichbleibender Zusammensetzung aus diesen -zwei isotopen Bleisorten darstellt.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[7]</a> Von griechisch: <span class="antiqua">isos</span> = gleich, <span class="antiqua">topos</span> = Lage.</p> - -</div> - -<p>Nachdem wir alles dies vorausgenommen haben, vermögen wir den -ganzen Zerfallsvorgang in seinem zeitlichen Verlauf einheitlich zu -verstehen und zu erklären. Haben wir ein frisch <span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span>hergestelltes, reines -Radiumpräparat vor uns, das frei von allen Beimengungen ist, so -finden wir, daß die Stärke seiner Strahlung von Tag zu Tag zunimmt, -um schließlich einen gleichbleibenden Wert zu erreichen. Das hängt -folgendermaßen zusammen: Das Radium erzeugt zunächst Emanation, -diese zerfällt ihrerseits wieder und erzeugt die weiteren Elemente -der Zerfallsreihe bis hinab zum Radium G. Das Präparat ist also -nach einiger Zeit zu einem Gemenge aller Zerfallsprodukte geworden. -Da zur Strahlung des Radiums allmählich die Strahlen aller seiner -Zerfallsprodukte hinzukommen, so nimmt die Gesamtstrahlung immer -mehr zu; die α-Strahlung steigt zum Schluß bis auf den fünffachen -Betrag. Wenn sie diesen Betrag erreicht hat, so ist das sogenannte -„<em class="gesperrt">radioaktive Gleichgewicht</em>“ eingetreten, das darin besteht, daß von -der höheren Stufe so viel Atome der nächst niedrigen gebildet werden, -wie von dieser wieder durch Zerfall verschwinden. Es kann daher von -den schnell zerfallenden Stoffen jeweils immer nur eine geringe -Menge vorhanden sein, von den langsamer zerfallenden Stoffen kann -sich mehr halten, und wenn wir die Sache mathematisch durchdenken, -so kommen wir zu dem Resultat, daß die Atomzahlen der verschiedenen -Zerfallsprodukte (mit Ausnahme des Endprodukts) schließlich im -Verhältnis der Zerfallsgeschwindigkeiten (der Halbwertszeiten) stehen -müssen. Das hat sich tatsächlich als richtig ergeben, und ganz dasselbe -ließ sich auch für das Uran feststellen. Ursprünglich chemisch reines -Uran wird mit der Zeit alle seine Zerfallsprodukte einschließen müssen. -Da jedoch der Zerfall verschiedener Zwischenprodukte sehr langsam -vor sich geht, so wird der Gleichgewichtszustand erst nach ungeheuer -langer Zeit eintreten. Es werden dann alle Zerfallsprodukte bis hinab -zum Radium G innerhalb des Urans oder eines in der Natur vorkommenden -Uranminerals im Verhältnis der Zerfallszeiten enthalten sein. Nehmen -wir an, es sei so viel Uran vorhanden, daß in der Sekunde 1000 seiner -Atome zerfallen, so muß nach dem Eintritt des Gleichgewichts von -jedem der Zwischenprodukte so viel vorhanden sein, daß von ihm nach -seiner eigenen Zerfallsgeschwindigkeit in der Sekunde gleichfalls 1000 -Atome zerfallen. Wäre von einem Zwischenprodukt so viel anwesend, daß -mehr als 1000 Atome in der Sekunde zerspringen würden, so würde der -Zerfall seine Menge verringern, und es könnte sich auf die Dauer nur -so viel von dem Stoff halten, daß die Zahl der von der höheren Stufe -hinzukommenden <span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span>Atome der Zahl der zerfallenden entspricht. Da das -Radium rund 3100000mal so rasch zerfällt wie das Uran, so braucht -von ihm zur sekundlichen Erzeugung von 1000 Atomexplosionen nur der -3100000ste Teil der Zahl der Uranatome vorhanden zu sein. Ein Mehr -würde sich selbst aufzehren, ein Weniger würde sich durch stärkeren -Zuwachs vom Uran her aufstauen. Tatsächlich hat man in sämtlichen -Uranerzen und Uranmineralien der ganzen Welt immer und überall einen -genau gleichbleibenden Gehalt an Radium gefunden: 0,0003 mg auf 1 g -Uran.</p> - -<p>Was aber in jeder Sekunde gleichmäßig zunimmt, weil von ihm aus nichts -weiter abfließt, das ist das Endprodukt Radium G, das Uranblei. Sekunde -für Sekunde strömen ihm über alle Zwischenstufen weg ebenso viele Atome -zu, wie oben beim Uran zerfallen. In einem Uranmineral reichert sich -auf diese Weise immer mehr das Endprodukt an; je älter es ist, um so -mehr Uranblei muß es enthalten. <em class="gesperrt">In dem Bleigehalt eines Uranminerals -ist somit ein Maß für sein Alter gegeben.</em> Das ist das außerordentlich -wichtige Ergebnis, zu dem uns die bisherigen Überlegungen geführt -haben. Uran ist allerdings nicht das einzige Endprodukt des Zerfalls. -Wir dürfen nicht vergessen, daß die bei den verschiedenen Strahlungen -abgeschleuderten α-Teilchen nichts anderes als elektrisch geladene -Heliumatome sind, die ihre Ladung abgeben und sich dann nicht weiter -verändern. Bei den äußeren Partien des Erzes wird wohl das gasförmige -Helium zum Teil nach außen entweichen können, in der Hauptsache werden -aber die Heliumatome in dem festen Erz zwischen den andern Atomen -eingeschlossen bleiben.</p> - -<p>Mit diesen Tatsachen der Bildung von Blei und Helium in Uranmineralien -ist die <em class="gesperrt">Grundlage einer geologischen Zeitmessung</em> gewonnen, die -hauptsächlich von englischen und amerikanischen Forschern (<em class="gesperrt">Boltwood</em>, -<em class="gesperrt">Strutt</em>, <em class="gesperrt">Holmes</em>) begründet wurde und deren Prinzip uns durch ein -Bild noch klarer werden soll (<a href="#abb_20">Abb. 20</a>). Wir denken uns einen großen mit -Wasser gefüllten Behälter, aus dem in der Zeiteinheit eine bestimmte -Menge ausfließt. Das Wasser fließt über eine Anzahl verschieden großer -Schalen weg. Jede Schale ist gefüllt, aber jede, ob klein oder groß, -spendet der nächsten dieselbe Wassermenge; soviel oben ausfließt, -fließt unten einem Sammelbecken zu, dessen Wassermenge sich dadurch -ständig vermehrt. Je kleiner eine der Zwischenschalen ist, um so -weniger Zeit braucht das Wasser, um sie zu durchlaufen. <span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span>Umgekehrt -gefaßt: wenn bekannt ist, daß eine dieser Schalen in ganz kurzer Zeit -ohne Zufluß entleert würde, so kann daraus geschlossen werden, daß sie -sehr klein sein muß. Größe und Entleerungszeit der Schalen stehen also -in gesetzmäßigem Verhältnis zueinander.</p> - -<p>Der Vergleich springt ohne weiteres in die Augen. Der oberste Behälter -soll das Uran bedeuten, die verschiedenen Zwischenschalen die mittleren -Stufen des Zerfalls, von denen jede ebensoviel Atome zu gleicher -Zeit empfängt wie sie weiter gibt. Schließlich bedeutet der Inhalt -des letzten Behälters das Endprodukt Uranblei, das sich in seiner -Menge ständig vermehrt. Die Heliumatome springen bei jedem Sturz in -die nächst tiefere Schale gesondert für sich ab. Das Verhältnis von -Größe und Entleerungszeit einer Schale entspricht dem Verhältnis von -prozentualer Menge und Zerfallszeit der radioaktiven Zwischenprodukte. -Je länger der Vorgang sich abspielt, um so mehr sammelt sich unten -an. An der Menge des entstandenen Uranbleis messe ich die verflossene -Zeit wie in meinem künstlichen Wasserwerk an der durchgelaufenen -Wassermenge.</p> - -<p>In einem Punkt vermag sich unser Modell allerdings nicht ganz der -Wirklichkeit anzupassen. Von dem Ausgangsmaterial Uran zerfallen -allmählich nach dem uns bekannten Gesetz in der Zeiteinheit immer -weniger Atome. Wenn die Ausgangsmenge des Urans geringer wird, so muß -sich auch allmählich die Zahl der zerfallenden Atome und die Menge der -Zwischenprodukte verringern. In unserm Modell müßte sich das in der -Weise geltend machen, daß mit der Abnahme der Wassermenge im obersten -Behälter auch der Strahl schwächer werden, und entsprechend die Größe -der Zwischenschalen sich verringern sollte. Das letzte Sammelbecken -bliebe jedoch unverändert. Doch müssen wir uns klar machen, daß die -Abnahme des Urans so unendlich langsam vor sich geht, daß der Zerfall -für die ersten 500 Millionen Jahre ohne großen Fehler als gleichmäßig -angenommen werden kann.</p> - -<p>Das Modell, das wir uns ausgedacht haben, ergab das Bild eines -reichen und kunstvollen Wasserwerks, aus dem aber das Prinzip doch -klar herausleuchtet. Daß die Berechnung, die wir auf diese Weise -ausführen, das denkbar schönste Beispiel für eine Zeitmessung nach -dem Prinzip der Wasseruhr ist, das ist ja schon längst klar geworden. -Eines steht jedoch noch aus: die mathematische Berechnung des Gangs -der geologisch-mineralogischen Uranuhr. Es <span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span>ist nur nötig, in einem -Uranmineral die Menge des Urans und des durch den Zerfall gebildeten -Uranbleis zu bestimmen, um die seit seiner Bildung verstrichene Zeit -berechnen zu können.<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[8]</a> Die Grundlagen hierzu sind folgende: 1 g Uran -bildet in einem Jahr <span class="hbruch_2"> -<span class="zaehler">1</span><span class="nenner">7900000000</span></span> g Radioblei. Diese Zahl folgt aus der -mittleren Lebensdauer des Uran, die durch genaue Einzeluntersuchungen -bestimmt <span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span>wurde. 100g Uran bilden also jährlich -<span class="hbruch_2"><span class="zaehler">1</span><span class="nenner">79000000</span></span> g Radioblei, -d. h. es sind 79000000 Jahre nötig, bis 100 g Uran 1 g oder 1% Uranblei -gebildet haben. Das Alter eines Uranminerals wird also gefunden, indem -die Zahl von 79000000 Jahren mit dem auf die erzeugende Uranmenge<a id="FNAnker_8" href="#Fussnote_8" class="fnanchor">[9]</a> -bezogenen Prozentgehalt an Blei multipliziert wird.</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[8]</a> Die nachstehende Berechnung ist nur angenähert richtig; -die exakte Berechnung würde höhere Mathematik erfordern.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_8" href="#FNAnker_8" class="label">[9]</a> Die „erzeugende“ Uranmenge wird als Durchschnitt zwischen -der ursprünglich und zum Schluß vorhandenen Uranmenge berechnet.</p> - -</div> - -<div class="figcenter illowe30" id="abb_20"> - <img class="w100" src="images/abb_20.png" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 20. Die Uranuhr.</div> - <div class="caption">Die Zwischenprodukte mit gleichem Atomgewicht wurden der - Vereinfachung halber zusammengefaßt. Die Größe der Zwischenschalen mußte, um sie - überhaupt darstellen zu können, stark übertrieben werden.</div> -</div> - -<p>Auf ganz ähnliche Weise kann aus der gebildeten Menge Helium das -Alter des Minerals berechnet werden. Es stehen dem Forscher also -zwei Wege zur Altersbestimmung zur Verfügung: die <em class="gesperrt">Blei- und die -Heliummethode</em>.<a id="FNAnker_9" href="#Fussnote_9" class="fnanchor">[10]</a></p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_9" href="#FNAnker_9" class="label">[10]</a> Auf vollständig dieselbe Weise kann aus den Tatsachen -des Zerfalls in der Thoriumreihe das Alter eines Thoriumminerals durch -Bestimmung seines Gehalts an Thorium und Thoriumblei (Th D) oder Helium -berechnet werden.</p> - -</div> - -<p>Die wissenschaftlichen Grundlagen der Altersbestimmung radioaktiver -Mineralien haben wir damit kennen gelernt. Es ist jedoch noch nötig, -die Möglichkeiten ihrer <em class="gesperrt">praktischen Anwendung</em> zu überlegen. -Wir können mit der neuen Methode nur das <em class="gesperrt">Alter von Uran- und -Thoriummineralien</em> bestimmen. Die bekannten Uranmineralien kommen in -der Hauptsache in ehemals feuerflüssigen Gesteinen vor. Als ein solches -Gestein einst als glutflüssiger Brei aus dem Erdinnern hervorbrach, -enthielt es noch keine einzelnen Mineralien; alle Stoffe waren vielmehr -gleichmäßig verteilt in dem Gesteinsbrei enthalten. Als das Gestein -dann allmählich erkaltete, da fingen die verschiedenen Stoffe an, sich -zusammenzufinden und auszukristallisieren. Die uranhaltigen Mineralien -gehörten zu den ersten, die sich aus dem Gesteinsbrei ausschieden. -Besonders schöne und große derartige Mineralien findet man auch in den -sogenannten pegmatitischen Gängen, deren Stoffe sich der Geologe durch -glühende, aus einem feuerflüssigen Herd entbundene Gase in Spalten des -bereits erkaltenden Gesteins hergetragen denkt.</p> - -<p>Es kann als so gut wie sicher angenommen werden, daß das Uran bei -der Ausscheidung aus dem feuerflüssigen Gesteinsbrei in chemisch -reiner Form, also ohne Zerfallsprodukte, in den Aufbau des Minerals -eingetreten ist. Die Anforderungen, die der Forscher an die auf -ihr Alter zu untersuchenden Uranmineralien stellen <span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span>muß, sind -außerordentlich hohe: Für die Untersuchungen sollten möglichst große -und reine Stücke genommen werden, die dabei vollständig frisch und -unverändert sein müssen. Es könnte sonst sein, daß durch zerstörende -oder umwandelnde Einflüsse der eine oder andere wichtige Stoff -fortgeführt worden wäre, so daß ein irreführendes Ergebnis die Folge -sein müßte. Haben sich nun Mineralien gefunden, die allen Anforderungen -entsprechen, so wird nach den Regeln der chemischen Scheidekunst der -Gehalt des Minerals an Uran und an Blei bestimmt; daraus kann das -Verhältnis der beiden Elemente berechnet werden, und aus dem Gehalt -an Blei in Prozenten der vorhandenen Uranmenge folgt ohne weiteres das -Alter des Minerals, dessen Entstehung mit dem Ausbruch des vulkanischen -Gesteins, in dem es enthalten ist, nahe übereinstimmt. Damit ist die -Untersuchung aber noch nicht zu Ende. Es muß festgestellt werden, -ob das in dem Mineral enthaltene Blei tatsächlich reines Uranblei -ist. Es könnte ja sein, daß schon bei der Entstehung des Minerals -auch gewöhnliches Blei sich am Aufbau beteiligt hätte, oder daß das -Uranmineral noch Thorium enthalten würde; in diesem Fall wäre in dem -erhaltenen Blei auch das Endprodukt der Thoriumreihe, Thoriumblei, -enthalten. Hierüber kann nur eine Atomgewichtsbestimmung von höchster -Genauigkeit Aufschluß geben. Stellt sich durch sie heraus, daß das -Atomgewicht des erhaltenen Bleis 206 beträgt, so hat damit der Forscher -den unwiderleglichen Beweis, daß reines Uranblei vorliegt. Wir sehen -hieraus, daß die Unterscheidung der verschiedenen isotopen Bleiarten -von außerordentlich großer praktischer Bedeutung für die ganze Methode -ist. Ohne diese Möglichkeit käme man niemals über die Unsicherheit -hinweg, ob nicht am Ende eine Verunreinigung des Uranminerals durch -gewöhnliches Blei oder Thoriumblei das Ergebnis verfälscht habe.</p> - -<p>Eine solche Gefahr besteht zwar bei der <em class="gesperrt">Heliummethode</em> nicht, dafür -tritt aber bei ihr eine andere Schwierigkeit auf. Es ist für sie ganz -besonders wichtig, möglichst frische Mineralien zur Untersuchung -zu bekommen, weil das gasförmige Helium wohl zunächst im Innern -des Kristalls festgehalten wird, bei der Verwitterung aber rasch -entweicht. Das Mineral wird bei der Untersuchung aufgelöst; dabei -muß das gasförmige Helium aufgefangen und seine Menge ganz genau -bestimmt werden. Es ist nun ohne weiteres verständlich, daß bei diesen -Vorgängen ein großer Teil des Heliums verloren gehen kann, daß also für -gewöhnlich die Menge <span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span>des gefundenen Heliums viel zu gering ist und die -daraus errechneten Alterszahlen zu niedrig ausfallen müssen.</p> - -<p>Ehe wir die Ergebnisse solcher Altersbestimmungen kennenlernen -wollen, müssen wir uns aber zuerst noch darüber klar werden, was -wir von ihnen auf alle Fälle verlangen müssen. Die neue Methode muß -zeigen, daß sie auch vor einer strengen Kritik bestehen kann. Ihre -unmittelbare Nachprüfung, die sich auf Millionen von Jahren erstrecken -müßte, ist nun allerdings nicht möglich, und so muß sie in erster -Linie durch die innere Folgerichtigkeit und Widerspruchslosigkeit -ihrer Ergebnisse für sich sprechen. Wir müssen zuerst von den zu -erhaltenden Alterszahlen verlangen, daß sie sich dem Altersrahmen, -den wir aus den früher besprochenen geologischen Methoden gewonnen -haben, ohne Zwang einfügen. Wenn wir z. B. für ein Gestein, das -nach der geologischen Altersbestimmung im Kambrium ausgebrochen und -erstarrt ist, nach der Uranmethode ein Alter von 10 Millionen Jahren -finden würden, so müßten wir von vornherein die schwersten Zweifel -gegen die Richtigkeit der Methode hegen, ebenso aber, wenn wir für -ein Gestein aus dem Miozän etwa 100 Mill. Jahre erhalten sollten. -Wir sind bei der Aufstellung der Rahmenzahlen mit größter Vorsicht -vorgegangen, wir können dafür aber auch als sicher annehmen, daß die -richtige Zahl innerhalb dieses Rahmens liegen muß. Weiter muß von den -radioaktiven Methoden der Altersbestimmung verlangt werden, daß ihre -Ergebnisse mit dem sicher festgelegten, relativen Alter der Gesteine -übereinstimmen. Es darf also nicht sein, daß sich für ein zweifellos -karbonisches Gestein ein höheres Alter ergibt wie für ein solches, das -nach seiner Lagerung in die präkambrische Zeit versetzt werden muß. Der -Prozentgehalt an Blei muß also mit dem relativen geologischen Alter der -Muttergesteine zunehmen. Schließlich muß sich bei Altersbestimmungen -von verschiedenen Mineralien aus ein und demselben Gestein, also -etwa aus einem einheitlichen Granitstock, für alle dasselbe Alter -ergeben, ihr Prozentgehalt an Blei muß derselbe sein. Würde man bei -einer Untersuchung für ein Mineral das doppelte Alter errechnen wie -für ein anderes, so wäre wiederum unser Glaube an die Methode schwer -erschüttert. Mit diesen Gesichtspunkten wollen wir überlegend an die -<em class="gesperrt">Ergebnisse der Altersbestimmungen nach der Bleimethode</em> herantreten, -die in der nachfolgenden Tabelle nach <em class="gesperrt">Lawson</em> und <em class="gesperrt">Holmes</em> -zusammengestellt sind.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span></p> - -<table class="altersbestimmungen" summary="Geologische Altersbestimmungen"> - <tr> - <td class="blb btb brb"> - <div class="center">Gruppe</div> - </td> - <td class="btb brb"> - <div class="center">Mineral</div> - </td> - <td class="btb brb"> - <div class="center">Fundort</div> - </td> - <td class="btb brb" colspan="2"> - <div class="center">Gehalt an<br /> - Blei in %<br /> - <span class="s6">des erzeugenden<br /> - Urans</span></div> - </td> - <td class="btb brb"> - <div class="center">Mittleres Aler<br /> - in Millionen Jahren<br /> - und geologische Epoche</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb btb brb" rowspan="5"> - <div class="center"> 1.</div> - </td> - <td class="btb brb"> - <div class="center">Uraninit</div> - </td> - <td class="vam btb brb" rowspan="5"> - <div class="center">Glastonbury<br /> - Connecticut<br /> - USA.</div> - </td> - <td class="btb br"> - <div class="center">4,1 </div> - </td> - <td class="vam btb brb" rowspan="5"> - <div class="center">Mittel<br /> - 4,1%</div> - </td> - <td class="vam btb brb" rowspan="5"> - <div class="s6 center">Karbon<br /> - 320 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,3 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,0 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,2 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,0 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="6"> - <div class="center"> 2.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uraninit</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="6"> - <div class="center">Nord-<br /> - Karolina<br /> - USA.</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,1*)</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="6"> - <div class="center">Mittel<br /> - 4,8%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="6"> - <div class="s6 center">Zwischen Kambrium und Tertiär,<br /> - jedenfalls auch Karbon (wie 1)<br /> - *) Atomgewicht des Bleis 206,4<br /> - 370 (260) Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,5*)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,9*)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,6 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,4 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,2 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="5"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="5"> - <div class="center">Brevig<br /> - (Norwegen)</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,0 </div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="5"> - <div class="center">Mittel<br /> - 4,4%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="5"> - <div class="s6 center">Mitteldevon<br /> - 340 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,6 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">Pyrochlor</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,8 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">Biotit</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,4 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">4,1 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="4"> - <div class="center"> 4.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uraninit</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="center">Branchville<br /> - Connecticut<br /> - USA.</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,2 </div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="center">Mittel<br /> - 5,1%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="s6 center">Untersilur<br /> - (Ordovician)<br /> - 400 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,1 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,2 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">5,1 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb"> - <div class="center"> 5.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uranin. u.<br /> - Bröggerit</div> - </td> - <td class="vam brb"> - <div class="center s6"><span class="s3">Geg. v. Moos</span><br /> - (südl. Norwegen)</div> - </td> - <td class="vam brb" colspan="2"> - <div class="s6 center">9 Analysen mit<br /> - einem Bleigeh. v.<br /> - 12–14%; Mittl. 13%</div> - </td> - <td class="vam brb"> - <div class="s6 center">Mittel-Präkambrium<br /> - 1000 Mill. Jahre<br /> - Atomgewicht des Bleis 206,06</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="4"> - <div class="center"> 6.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uraninit</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="center">Arendal<br /> - (Norwegen)</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">17 </div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="center">Mittel<br /> - 18%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="4"> - <div class="s6 center">Mittel-Präkambrium<br /> - 1300 Mill. Jahre<br /> - *) Atomgewicht des Bleis 206,08</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">18 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">18 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">19*)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb"> - <div class="center"> 7.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uraninit<br /> - Bröggerit</div> - </td> - <td class="vam brb"> - <div class="center">Villeneuve<br /> - (Kanada)</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">17 </div> - </td> - <td class="vam brb"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td class="vam brb"> - <div class="s6 center">Mittel-Präkambrium<br /> - 1200 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="2"> - <div class="center"> 8.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Uraninit</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="2"> - <div class="center">Morogoro<br /> - D.-Ostafrika</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">9,4 </div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="2"> - <div class="center">Mittel<br /> - 9,3%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="2"> - <div class="s6 center">Geologisches Alter unbestimmt<br /> - 700 Mill. Jahre<br /> - *) Atomgewicht des Bleis 206,05</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">9,2 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb" rowspan="3"> - <div class="center"> 9.</div> - </td> - <td class="brb"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="3"> - <div class="center">Portugiesisch<br /> - Ostafrika<br /> - Mozambique</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">17 </div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="3"> - <div class="center">Mittel<br /> - 15%</div> - </td> - <td class="vam brb" rowspan="3"> - <div class="s6 center">1100 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">15 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="brb"> - <div class="center">Biotit</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">14 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat blb brb bbb"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat brb bbb"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="vat brb bbb"> - <div class="center">Mozambique</div> - </td> - <td class="vat br bbb"> - <div class="center">21 </div> - </td> - <td class="vat brb bbb"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td class="vam brb bbb"> - <div class="s6 center">Von den ältesten gneisähnlichen<br /> - Graniten 1500 Mill. Jahre</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span></p> - -<p>Die Mineralien der ersten Gruppe kommen in einem Granit vor, der -nach der geologischen Altersbestimmung im Karbon aufgedrungen ist. -Das Verhältnis von Blei und Uran stimmt bei allen untersuchten -Mineralien in sehr befriedigender Weise überein; leider wurde keine -Atomgewichtsbestimmung des Bleis ausgeführt, so daß das Alter von 320 -Millionen Jahren nicht als ganz gesichert gelten kann.</p> - -<p>Der Granit, in dem die Mineralien der zweiten Gruppe vorkommen, -gehört jedenfalls auch der Karbonformation an. Der Mittelwert des -Bleigehalts ergibt ein Alter von 370 Millionen Jahren. Da aber das -Atomgewicht zu 206,4 bestimmt wurde, so ist anzunehmen, daß nur 70% der -Gesamtbleimenge radioaktiven Ursprungs sind. Wird das berücksichtigt, -so ergibt sich das Alter zu 260 Millionen Jahren.</p> - -<p>Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Mineralien aus Gesteinen -von mitteldevonischem Alter der Umgegend von Kristiania. Der etwas -wechselnde Bleigehalt läßt auf nachträgliche Veränderungen der -Mineralien schließen; sein Mittelwert ergibt ein Alter von 340 -Millionen Jahren.</p> - -<p>Die Mineralien der 4. Gruppe stammen aus einem Gestein vom Alter des -Untersilurs (nach nordamerikanischer Bezeichnung Ordovician). Der -Bleigehalt bleibt in allen Analysen sehr befriedigend derselbe. Die -Alterszahl von 400 Millionen Jahren erscheint in ihrem Verhältnis zu -den Ergebnissen der 1.–3. Gruppe als sehr wahrscheinlich.</p> - -<p>Die Analysen und Alterszahlen der Gruppe 5 dürfen als außerordentlich -zuverlässig gelten: Bei neun Analysen schwankt der Bleigehalt nur -zwischen 12 und 14%. Die Atomgewichtsbestimmung des Bleis (206,06) -bedeutet den sicheren Beweis, daß es sich um reines Uranblei handelt.</p> - -<p>Die Mineralien der Gruppe 6 stammen aus einem anderen Granitmassiv -Norwegens; der Altersunterschied gegenüber 5 findet dadurch seine -Erklärung. Die Untersuchung eines Uranminerals aus dem mittleren -Präkambrium Nordamerikas (6) ergibt bezeichnenderweise dasselbe Alter, -wie es für das Mittelpräkambrium Norwegens gefunden wurde.</p> - -<p>Leider läßt sich das relative geologische Alter der in Gruppe 8 bis 10 -aufgeführten ostafrikanischen Gesteine nicht mit Sicherheit angeben; -die Analyse der deutsch-ostafrikanischen Mineralien läßt <span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span>jedoch infolge -des gleichbleibenden Gehalts an Blei vom Atomgewicht 206 die errechnete -Alterszahl als sehr zuverlässig erscheinen.</p> - -<p>Diesen Ergebnissen der Bleimethode seien in der folgenden -Zusammenstellung die der <em class="gesperrt">Heliummethode</em> gegenübergestellt; wo -gleichzeitig für ein Mineral die Bestimmung nach beiden Methoden -vorliegt, ist das Ergebnis der Bleimethode in Klammern beigesetzt.</p> - -<table class="heliummethode" summary="Altersbestimmungen mit der Heliummethode"> - <tr> - <th class="bl bt br"> - <div class="center">Geologische Zeit</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Mineral</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Fundort</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center"><span class="antiqua">ccm He</span><br /> - auf 1 <span class="antiqua">g</span><br /> - Uranoxyd</div> - </th> - <th class="bt br"> - <div class="center">Alter in<br /> - Jahrmillionen</div> - </th> - </tr> - <tr> - <td class="bl bt br"> - <div class="center">Diluvium</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center">Vesuv</div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center"> 0,01 </div> - </td> - <td class="bt br"> - <div class="center"> 0,1 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Eifel</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 0,09 </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 0,96</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Pliozän</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Neuseeland</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 0,146</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 1,56</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Miozän</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Auvergne</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 0,57 </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 6,1 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Eozän</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Hämatit</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Irland</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 2,38 </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">25,5 </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Oberkarbon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Limonit</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">England</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">12,8  </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">137 (320)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Mitteldevon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Brevig, Norwg.</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center"> 4,31 </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">46,1 (340)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Silur</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Thorianit</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ceylon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">22,6  </div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">242 (500)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br"> - <div class="center">Ober-Präkambrium</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Zirkon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">Ceylon</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">25</div> - </td> - <td class="br"> - <div class="center">267 (1200)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="bl br bb"> - <div class="center">Unter-Präkambrium</div> - </td> - <td class="br bb"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="br bb"> - <div class="center">Kanada</div> - </td> - <td class="br bb"> - <div class="center">56</div> - </td> - <td class="br bb"> - <div class="center">600 (1500)</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Die Heliummethode gibt demnach durchweg kleinere Zahlen als die -Bleimethode, was sich aus den bereits angeführten Tatsachen leicht -erklärt. Es scheint, daß im allgemeinen nur ungefähr der dritte Teil -des gebildeten Heliums im Mineral festgehalten bleibt; daher erreichen -auch die Alterszahlen im Durchschnitt nur ein Drittel der nach der -Bleimethode bestimmten Zahlen.</p> - -<p>Versuchen wir unsere Überlegungen zusammenzufassen, so können -wir auf alle Fälle sagen: Die Ergebnisse der radioaktiven -Methode der Altersbestimmung machen durchaus den Eindruck großer -Zuverlässigkeit. Sie fügen sich zwanglos dem Rahmen ein, den die -Geologie aufgestellt hat. Die absoluten Alterszahlen stehen mit der -relativen Altersbestimmung nirgends in Widerspruch. Das gleichbleibende -Verhältnis von Uran und Blei bei Mineralien desselben Vorkommens zeigt -deutlich, daß ihm ein bestimmtes Gesetz zugrunde liegt.</p> - -<p>So erfüllt tatsächlich die neue Methode alle Anforderungen, die -an ihre Ergebnisse gestellt werden müssen. Die Grenzen ihrer -Anwendungsmöglichkeit sollen allerdings auch nicht verschwiegen werden. -Leider sind die Mineralien, die sie braucht, recht selten <span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span>und nur in -vollständig unverwittertem Zustand verwendbar. Mit der radioaktiven -Methode kann nur das Alter von Uranmineralien, und damit der Zeitpunkt -des Ausbruchs und der Erstarrung ihres Muttergesteins bestimmt werden. -Nun ist es oftmals unmöglich, das relative Alter eines solchen Gesteins -genau festzulegen; es kann von ihm (wie bei 2) unter Umständen nur -ausgesagt werden, daß es jünger als Kambrium, aber älter als Tertiär -sein müsse, und das sind sehr weit gezogene Grenzen. In einem solchen -Fall ist leider auch die schönste Altersbestimmung für die Festlegung -eines Punktes in der Erdgeschichte verloren. Wenn die Wissenschaft -in Anwendung der neuen Methode später einmal vollständige Sicherheit -erlangt hat, so besitzt sie allerdings damit die Möglichkeit, mit -Hilfe des absoluten Alters eines Gesteins auch die Formation zu -bestimmen, der es angehören muß. Bedauerlich ist es, daß bis jetzt -noch keine ganz zuverlässige Altersbestimmung für ein jüngeres -Gestein, etwa aus der Jura- oder Tertiärzeit, vorliegt. Es fehlen -eben bis jetzt aus Gesteinen dieser Formationen die zur Untersuchung -verwendbaren Uranmineralien. Leicht und bequem zu handhaben ist die -Methode nicht. Die chemische Analyse wäre zwar an sich nicht besonders -schwierig; sie fordert aber, um zuverlässig zu sein, jedesmal noch eine -besondere Atomgewichtsbestimmung des Bleis, die in der notwendigen -Genauigkeit nur von ganz wenigen Spezialforschern ausgeführt werden -kann. Alles in allem können wir aber sagen, daß die neue Methode der -Altersbestimmung einen <em class="gesperrt">ungeheuren Fortschritt</em> bedeutet: das rohe -Schätzen und Extrapolieren haben wir verlassen; wir sind mit ihr in -den Bezirk exakter physikalisch-chemischer Forschung eingetreten. Ihre -wissenschaftliche Grundlage, die Zerfallstheorie der radioaktiven -Elemente, darf schon heute als gesicherter Bestand der Wissenschaft -gelten, obwohl sich die einzelnen Angaben über Zerfallszeiten bei -zukünftigen genaueren Bestimmungen noch etwas ändern können. Zwei -grundlegende Voraussetzungen sind allerdings noch in den Berechnungen -enthalten: Wir müssen einmal annehmen, daß das Uranmetall rein und -ohne seine Folgeprodukte bei der Bildung des Minerals in dieses -eingetreten sei. Das ist eine Annahme, die von der Mineralogie -überaus wahrscheinlich gemacht wird. Das zweite muß in seiner Art -bei jedem geologischen Zeitmesser zugrunde gelegt werden. Wir müssen -voraussetzen, daß die „Uranuhr“, wie wir sie kurz heißen wollen, im -ganzen Verlauf der geologischen <span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span>Vorzeit gleich rasch gegangen sei wie -heute. Wir werden auf diese Frage nochmals zurückkommen.</p> - -<p>Mit diesen Altersbestimmungen nach radioaktiver Methode ist ein -Wunsch in Erfüllung gegangen, den wir zum Schluß des zweiten Kapitels -ausgesprochen haben: Wir haben durch physikalisch-chemische Messung die -sichere zeitliche Festlegung mehrerer Punkte in früher geologischer -Vergangenheit erreicht. Damit ergeben sich ohne weiteres auch -brauchbare Werte für die dazwischenliegende Zeit. Vom Extrapolieren -können wir, wie der Mathematiker sagen würde, zum <em class="gesperrt">Interpolieren</em> -übergehen; wir bestimmen den Verlauf der Zeitkurve zwischen zwei -festen, weit auseinanderliegenden Punkten. Es ist ja nötig, durch eine -größere Zahl von Altersbestimmungen die Sicherheit der Ergebnisse noch -zu verstärken; aber es kann gesagt werden, daß auch schon die heute -vorliegenden Zahlen infolge ihrer Widerspruchslosigkeit einen sehr -hohen Grad von Wahrscheinlichkeit beanspruchen dürfen. Das ist alles, -was überhaupt erwartet werden kann, sind wir doch Eintagsfliegen, -denen jedes unmittelbare Herantreten an die Messung geologischer -Zeiträume immer versagt bleiben wird. Stellen wir die zuverlässigsten -Zahlen heraus, so sind es die für das Alter des Karbons mit 320 -Millionen Jahren (vielleicht etwas zu hoch), des Untersilurs mit 400 -Millionen Jahren, des Mittel-Präkambriums mit 1000 und 1300 Millionen -Jahren. Es gilt nun, in diesen Rahmen die übrigen Ereignisse der -Erdgeschichte schätzungsweise einzufügen, wie der Kartograph nach -der genauen Festlegung seiner trigonometrischen Punkte das übrige -in seine Karte einzeichnet. Einer der wichtigsten Punkte ist der -<em class="gesperrt">Beginn des Kambriums</em>. Nach den obigen Zeitbestimmungen können wir -als wahrscheinliche Zahl etwa 500 Millionen Jahre für ihn einsetzen -(Barrell nimmt 600 Millionen Jahre an). Auf diesen Zeitraum verteilen -sich die zehn Formationen des Geologen, deren jede etwa 40–80 Millionen -Jahre zu ihrer Bildung beansprucht haben mag. Für das Tertiär wird ein -Wert in der Nähe der unteren Grenze anzusetzen sein, ein Ergebnis, das -unsere frühere Schätzung aufs schönste bestätigt.</p> - -<p>Für das <em class="gesperrt">Präkambrium</em>, das noch weit über das Kambrium zurückführt, -muß auf alle Fälle ein Zeitraum angenommen werden, der die Dauer aller -späteren Epochen um das Mehrfache übersteigt. Alle Gesteine dieser -Periode sind in ihren Mächtigkeiten verändert, in der stärksten Weise -umgebildet und zum größten Teil <span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span>zu kristallinen Schiefern geworden, -deren Ursprung man kaum mehr zu erkennen vermag. Die Zeitdauer ihrer -Bildung muß noch weit das Maß übersteigen, das schon ihre ungeheure -Schichtmächtigkeit erwarten läßt. Tatsächlich ergibt ja die radioaktive -Methode für das Präkambrium einen Zeitraum von weit über einer -Milliarde Jahre, wenn die Zeit vom Mittelpräkambrium bis zum Beginn des -Kambriums allein schon 800 Millionen Jahre beträgt. Daß ganz ungeheure -Zeiträume dem Präkambrium zugrunde liegen müssen, ergeben vor allem -auch entwicklungsgeschichtliche Überlegungen. Weist doch die Tierwelt -des Kambriums Vertreter von außerordentlich hoher Entwicklung auf; -vom Anfang des Lebens überhaupt bis zu dieser Entwicklungshöhe muß der -Weg vielmal weiter gewesen sein als vom Beginn des Kambriums bis zur -Jetztzeit. War er dreimal, war er zehnmal, oder gar hundertmal so weit? -Niemand vermag es zu sagen. Alle Anhaltspunkte fehlen uns; die Anfänge -des Lebens sind vielleicht in uralten Schichten des Präkambriums -begraben, aber ihre Spuren sind bereits vollständig verwischt und -es ist so gut wie aussichtslos, über sie jemals etwas Bestimmtes zu -erfahren.</p> - -<p>Noch viel unsicherer werden unsere Vermutungen, wenn wir Jahreszahlen -für noch weiter zurückliegende Entwicklungszustände unserer alten Erde -finden wollen. Wir haben bereits die Altersbestimmung des Ozeans aus -seinem Salzgehalt abgelehnt; dasselbe wird mit gewissen physikalischen -Methoden der Fall sein müssen. Eine große Rolle hat bis vor kurzer -Zeit der Versuch des englischen Physikers <em class="gesperrt">Thomson</em> (<em class="gesperrt">Lord Kelvin</em>) -gespielt, aus der Abkühlung der Erde ihr Alter zu berechnen (1897). -Von den physikalischen Gesetzen der Wärmestrahlung ausgehend, kam er -auf das Ergebnis, daß eine Kugel von der Größe und Beschaffenheit der -Erde zur Abkühlung von einem feuerflüssigen Zustand bis zur heutigen -Oberflächentemperatur etwa 40 Millionen Jahre nötig habe. Diese Zahl -hatte von vornherein sehr wenig innere Wahrscheinlichkeit. Es läßt -sich überzeugend nachweisen, daß im Kambrium keine wesentlich höhere -Temperatur bestanden haben kann als heute. In dem großen Vorgang der -Abkühlung könnte daher der Zeitspanne vom Kambrium bis zur Jetztzeit -nur ein ganz geringer Prozentsatz der 40 Millionen Jahre zufallen, -und daraus würden sich so geringe Zahlen für die Bildungszeiten der -einzelnen geologischen Formationen ergeben, daß kein Geologe ihre -Richtigkeit zugeben könnte. <span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span>Nun hat sich aber weiterhin im Zusammenhang -mit der radioaktiven Forschung eine Tatsache ergeben, die allein -für sich genügt, die Berechnung Thomsons ungültig zu machen. Thomson -kannte nämlich die Tatsachen des radioaktiven Zerfalls noch nicht und -konnte daher in seine Wärmerechnung einen überaus wichtigen Aktivposten -nicht einstellen: den Zuwachs an Wärme, den die Erde durch den Zerfall -radioaktiver Substanzen andauernd erfährt. Es ist versucht worden, -die Menge der radioaktiven Stoffe in den uns zugänglichen Teilen der -Erdrinde zu bestimmen; dabei ergaben sich so erhebliche Mengen, daß -ihre Wärmeerzeugung beim Zerfall vollständig genügt, um den Verlust -aufzuheben, den die Erde durch Wärmeausstrahlung erleidet. Ja es -ist sogar für die Wissenschaft zum Problem geworden, wie es möglich -sei, daß die Erde nicht dauernd heißer werde! Es müssen besondere -Annahmen über die Verteilung der radioaktiven Stoffe in größerer -Tiefe gemacht werden, um die ziemlich gleichbleibende Wärme der -Erdrinde verständlich zu machen. Wir sehen, dieser eine Umstand genügt -vollständig, um die Berechnung Thomsons unbrauchbar zu machen. Wir tun -am besten, mit unsern Versuchen absoluter Altersbestimmungen nicht -weiter zurückzugehen als bis zu einem Zeitpunkt, den wir noch mit -erprobten Methoden erfassen können. Die Wissenschaft vermag im heutigen -Augenblick noch nicht das „Alter der Erde“ schlechthin zu bestimmen. -Wir wollen bescheidener sein und uns an der Berechnung von Zahlen für -das Alter des Kambriums oder des Präkambriums genügen lassen.</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="V_Schlussbetrachtung_und_Ausblick">V. -Schlußbetrachtung und Ausblick.</h2> - -</div> - -<p>Drei große Gruppen von Methoden haben uns zu unsern Ergebnissen -geführt; es ist zum Schluß nötig, die eingeschlagenen Wege nochmals im -Zusammenhang zu überblicken. Die erste Methode versuchte, die auf der -Erde gebildeten Sedimentgesteine als die Leistung immerfort arbeitender -geologischer Kräfte zu erklären und daraus die Zeitdauer ihrer Bildung -zu berechnen. Das wahrscheinlichste Ergebnis waren etwa 300 Millionen -Jahre; diese Zeit wäre zur Bildung aller, auch der präkambrischen -Sedimente nötig gewesen. Nach dem Verhältnis der bekannten -Sedimentmächtigkeiten würde hiervon mehr als die Hälfte, mindestens -200 Millionen Jahre, <span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span>auf die Zeit vom Kambrium bis zur Jetztzeit -entfallen. Dazu muß aber gesagt werden, daß auf diese Weise die Zeit -des Präkambriums sicher bedeutend unterschätzt wird. Die zweite Methode -geht von schönen und zuverlässigen Zeitmessungen geologischer Vorgänge -der Nacheiszeit aus und führt unter Verwendung von Verhältniszahlen -durch kühne Extrapolation auf den weiten Rahmen von 40–1600 Millionen -Jahren für das Alter des Kambriums, wobei sich als wahrscheinlichste -Werte 200–600 Millionen Jahre ergeben. Die radioaktive Methode gibt -schließlich die Möglichkeit, ganz bestimmte Alterszahlen zu berechnen, -die für das Karbon rund 300 Millionen Jahre, für das Kambrium etwa 500 -Millionen Jahre, für frühe Zeitpunkte des Präkambriums mindestens 1500 -Millionen Jahre betragen. Wie lassen sich nun all diese Ergebnisse -vereinigen? Zunächst ist zu sagen, daß sich die Ergebnisse des ersten -und zweiten Wegs durchaus nicht widersprechen. Die nach der ersten -Methode berechneten Alterszahlen fallen in den Rahmen der zweiten, und -auch die mittleren Werte kommen einander recht nahe. Ebenso führen -die Altersbestimmungen von Uranmineralien zu Zahlen, die sich ohne -weiteres in den Rahmen der zweiten Methode einfügen. Dagegen besteht -tatsächlich ein Widerspruch zwischen den Ergebnissen des ersten und -dritten Wegs, die beide bestimmte Zahlen nennen, der erste für das -Alter des Kambriums 200 Millionen Jahre, des Präkambriums ungefähr -300 Millionen Jahre, der zweite 500 und 1500 Millionen Jahre. Wie ist -dieser Widerspruch zu lösen? Beide Methoden haben die Voraussetzung, -daß ihre geologische Uhr in der ganzen Vergangenheit gleich schnellen -Gang gehabt habe wie in der Gegenwart. Nun ist es denkbar, daß die -Sedimentationsuhr, wie wir sie kurz heißen wollen, in der Vergangenheit -langsamer gegangen wäre als in der Gegenwart. Dann hätte uns die Uhr -mit ihrem gegenwärtigen raschen Lauf für die Vergangenheit zu kleine -Zeitwerte angegeben; wir müßten also die höheren Jahreszahlen der -Uranuhr als die richtigen annehmen. Es wäre aber auch denkbar, daß die -Uranuhr heute langsamer ginge als in geologischer Vorzeit. Dann hätte -sie uns zu große Zeiträume vorgetäuscht und die Sedimentationsuhr hätte -recht.<a id="FNAnker_10" href="#Fussnote_10" class="fnanchor">[11]</a></p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_10" href="#FNAnker_10" class="label">[11]</a> Den dritten Fall, daß beide Uhren falsch gehen könnten, -wollen wir außer Betracht lassen.</p> - -</div> - -<p>Die Frage nach der Größe der Zeiträume kommt also auf eine <span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span>Untersuchung -über die Zuverlässigkeit unserer geologischen Zeitmesser hinaus, und -daß hier der Uranuhr größeres Vertrauen entgegengebracht werden kann -wie der Sedimentationsuhr, das kann kaum einem Zweifel unterliegen. -Die Uranuhr beruht auf einem einheitlichen physikalisch-chemischen -Vorgang, der im Aufbau der Atome begründet ist und dessen Ablauf mit -keinem uns zugänglichen Mittel auch nur im geringsten verändert werden -kann. Es wurde schon angeführt, daß Drucke von 25000 Atmosphären -zusammen mit Temperaturunterschieden von mehreren tausend Graden den -Zerfall der Atome nicht beeinflussen konnten. Die Annahme, daß der -Zerfall früher schneller vor sich gegangen sei, kann in keiner Weise -begründet oder auch nur wahrscheinlich gemacht werden; sie würde -bedeuten, daß Naturgesetze nicht unveränderlich wären, sondern sich -im Verlauf geologischer Zeiträume ändern könnten. Dagegen hängt die -Sedimentationsgeschwindigkeit der Jetztzeit von einer Unzahl von -Faktoren ab, die ohne Zweifel im Lauf der Erdgeschichte nicht immer -dieselben gewesen sind. Um eine Übereinstimmung mit der Uranuhr -zu erzielen, müßten wir annehmen, daß die Sedimentationsuhr heute -mindestens 2½mal, vielleicht sogar 4–5mal schneller ginge wie im -Durchschnitt der geologischen Vergangenheit. Tatsächlich vertreten nun -besonders eine Reihe englischer und amerikanischer Geologen (Holmes, -Chamberlin, Barrell) diese Ansicht sehr lebhaft. Sie behaupten, daß -das Maß der Abtragung und damit auch der Sedimentation heute ein -überdurchschnittlich großes sei. Unsere Flüsse haben an den immer noch -hochragenden Resten der im Tertiär aufgetürmten Kettengebirge und an -den lockeren und leicht zerstörbaren Bildungen der jüngstvergangenen -Eiszeit leichtes Spiel für ihre Zerstörungsarbeit; sie tragen daher -wesentlich mehr ins Meer hinaus als in früheren Erdperioden, in denen -die Gebirge der Erde bis fast zu ihren Grundmauern abgeschliffen -waren. Lebhafte Schollenbewegungen, die Hebungen und Senkungen von -Ländern zur Folge haben, halten heute die Arbeit der Flüsse in Atem. -Der Vulkanismus ist gegenwärtig recht lebhaft und liefert in seinen -Aushauchungen Gase, die die Verwitterung beschleunigen. So hat die -Ansicht jener Geologen, die Sedimentationsuhr gehe heute wesentlich -rascher als in der Vorzeit, sehr gewichtige Gründe für sich; ihre -Annahme hätte zur Folge, daß wir die durch die Uranmethode gewonnenen -Zahlen als die richtigen ansehen müßten.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span></p> - -<p>Damit sind wir am Ende unserer Untersuchungen über absolute geologische -Altersbestimmung angelangt. Von höchstem wissenschaftlichem Reiz ist -es gewesen, all den verschlungenen Wegen nachzugehen, auf denen die -Forschung eines der packendsten und interessantesten Probleme der -Erdgeschichte zu lösen versuchte. Wir können zwar noch nicht sagen, daß -die Frage heute schon restlos gelöst sei, aber wir haben den lebhaften -Eindruck gewonnen: sehr weit sind wir von der endgültigen Lösung des -Problems nicht mehr entfernt, wahrscheinlich haben wir sie sogar in -den Altersbestimmungen nach radioaktiver Methode heute schon in der -Hand. Wo die Jahreszahlen der Geschichte beim Rückwärtsschreiten in die -Vergangenheit abbrechen, da würden die Jahreszahlen der Geologie sich -anschließen und bis in die fernste Vergangenheit zurückführen.</p> - -<p>Mit diesen exakten Altersbestimmungen hat die Geologie ein Problem -gelöst, das sie seit ihren ersten Anfängen beschäftigte: Die Bezwingung -der geologischen Zeiträume durch Maß und Zahl. Schon vor achtzig Jahren -hat die Astronomie ein ähnliches Ziel erreicht. Die Geologie weist den -Menschen zurück in unvorstellbar große Zeiträume der Vergangenheit, -die Astronomie führt ihn von unserem Planeten und dem engen Bezirk -unseres Sonnensystems hinaus in die endlosen Fernen des Weltalls. Wohl -kannte man schon lange mit befriedigender Genauigkeit die Entfernung -aller Glieder des Sonnensystems, vollständig unbekannt waren aber -die Entfernungen der Fixsterne, bis es im Jahr 1837 dem berühmten -Königsberger Astronomen <em class="gesperrt">Bessel</em> gelang, die Entfernung des kleinen -Sterns 61 im Schwan zu messen; er erhielt für sie 80 Billionen km. Im -nächsten Jahr wurde am südlichen Sternhimmel die Entfernung unseres -nächsten Nachbars im Fixsternsystem, des Sterns α im Zentauren zu -41 Billionen km oder 4½ Lichtjahren bestimmt, d. h. der Stern ist so -weit entfernt, daß sein Licht bei einer Sekundengeschwindigkeit von -300000 km 4½ Jahre braucht, um auf unsere Erde zu gelangen. Damit war -zum erstenmal die Entfernung eines Punktes außerhalb des Sonnensystems -gemessen. An die Stelle des verschwommenen Begriffs „unmeßbar weit“ -war die genaue Zahl getreten. Mit den ersten sicheren Messungen, -denen bald noch weitere folgten, konnten sich klare Begriffe von der -Entfernung und Größe all der Sonnen im Weltall bilden und damit auch -eine Vorstellung vom Bau des Ganzen. So bedeutet das Jahr 1837 für -die Astronomie einen Markstein ersten Rangs. <span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span>Heute ist die Geologie -mit den Altersbestimmungen auf radioaktiver Grundlage an demselben -Punkt angelangt, wie damals die Astronomie mit der ersten Messung -einer Fixsternentfernung. An die Stelle unsicherer Zeitschätzungen -treten ganz bestimmte, durch eine exakte physikalisch-chemische Methode -gewonnene Zahlen; die erste sichere Zeitmessung ist erreicht. Hoffen -wir, daß die neue Errungenschaft der Geologie ebenso reiche Früchte -bringen möge wie die Tat Bessels der Astronomie!</p> - -<p>Wie die Entfernungsgrößen im Weltall unvorstellbar groß sind, so sind -es auch die Zahlen, die wir für die Zeitdauer geologischer Perioden -erhalten haben. Nicht einmal ein Jahrhundert vermag der Mensch mit -seiner persönlichen Erinnerung zu umspannen, ein Jahrtausend ist ihm -unfaßbar lang, und bei der Jahrmillion schwindet auch der letzte Rest -einer Vorstellung. Es fängt die Gedankenlosigkeit an, die mit solchen -Maßen nur spielt, ohne irgend einen Sinn damit zu verbinden. Wir müssen -daher versuchen, diese Zeiträume durch Bilder zu veranschaulichen, -die der menschlichen Vorstellungskraft noch zugänglich sind. Die -Erdgeschichte seit Beginn des Kambriums werde durch eine gerade -Linie von Berlin nach Stuttgart dargestellt. Das sind 500 Kilometer; -sie sollen den 500 Millionen Jahren entsprechen, die seit Beginn -des Kambriums verflossen sind. Dann bedeutet ein Kilometer eine -Jahrmillion, die letzten 500–1000 m wären die Eiszeit, die 6000 Jahre -der Geschichte würden auf 6 m — eine Zimmerlänge — zusammenschrumpfen -und ein Menschenleben von 70 Jahren auf 7 cm. Ließen wir eine Schnecke -in einem normalen Schneckentempo von 3,1 mm in der Sekunde die Strecke -entlang kriechen, so würde sie dazu genau 5 Jahre brauchen, die Strecke -des Tertiärs würde sie in etwa 4 Monaten zurücklegen, die Eiszeit in -2–3 Tagen, die letzten 8 mm — die Strecke vom Beginn des Weltkriegs -bis zur Gegenwart — könnte sie aber in 2½ Sekunden erledigen! Wo aber -auf der anderen Seite der Beginn des Lebens liegt, von dem die Linie -herkommt, vermögen wir nicht zu sagen. Mindestens noch weitere 1000 km -zurück, vielleicht sogar weit drüben in Asien!</p> - -<p>An diesem Bild wird uns mit einem Schlage klar, wie klein und winzig -im Verhältnis zur Erdgeschichte die Zeiträume sind, die der Mensch -zu überblicken vermag. Wie geringfügig erscheint uns auf einmal die -ganze Menschheitsgeschichte, die der Mensch voll <span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span>Überhebung die -„Weltgeschichte“ zu nennen pflegt, und was bedeutet vollends ein -Menschenleben im Strome des Weltgeschehens!</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">„Ein kleiner Ring begrenzt unser Leben</div> - <div class="verse indent0">Und viele Geschlechter reihen sich dauernd</div> - <div class="verse indent0">An ihres Daseins unendliche Kette.“</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Nun verstehen wir auch, warum die Erdentwicklung dem menschlichen Auge -stillzustehen scheint. Wir sind so kurzlebig, daß wir selbst im Laufe -eines ganzen Menschenlebens die Veränderungen nicht gewahr werden, -die mit der Erde und ihren Lebewesen vor sich gehen. Berg und Tal, -Festland und Meer, der anatomische Bau von Tieren und Pflanzen, sie -scheinen uns starr und unveränderlich, nicht in lebendiger Umwandlung -begriffen. Es ist, wie wenn unser Auge bei der Vorführung eines Films -nur ein einziges Bildchen von all den Tausenden sehen würde, die durch -ihr Nacheinander das Leben auf der Leinwand erzeugen. Setzen wir ein -Menschenleben von 70 Jahren dem Anschauen eines Einzelbildchens gleich, -von denen in der Sekunde 20 auf der Leinwand vorbeihuschen, so wäre die -ganze Erdgeschichte seit dem Kambrium ein Riesenfilm von 129 km Länge, -der 100 Stunden zur ununterbrochenen Vorführung brauchen würde!</p> - -<p>Während so die Erde in ihrer Entwicklung stillzustehen scheint, tritt -eine andere Erscheinung hierzu in den denkbar schärfsten Gegensatz: -Die Entwicklung der menschlichen Kultur. Hunderttausende von Jahren -verweilte der Mensch der Steinzeit auf derselben Kulturstufe; in -den letzten Jahrhunderten und vollends in den letzten Jahrzehnten -hat sich aber ein Tempo der Kulturentwicklung herausgebildet, das -geradezu beängstigend ist. 45 cm vor dem Ende jener Strecke von Berlin -nach Stuttgart erfand Gutenberg seine schwarze Kunst, die zwanzig -letzten Zentimeter brachten die Entwicklung der Wissenschaft von -Newton bis Einstein, der Musik von Bach bis Richard Strauß, die -letzten drei die Funkentelegraphie, das Flugzeug, die Entdeckungen der -Radioaktivität und der Geheimnisse des Atombaus. Geistesströmungen -und Kunstrichtungen zählen ihre Lebensdauer nicht mehr nach -Jahrhunderten, sondern höchstens nach Jahren. Wenn wir all das an der -Erd- und Menschheitsentwicklung messen, so kommt uns das geradezu -Explosionsartige moderner Kulturentwicklung erst vollständig zum -Bewußtsein. Und dabei gibt es Leute, denen es immer noch zu langsam -geht! Wie ist es überhaupt denkbar, daß die Menschheit in <span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span>ihren frühen -Perioden Jahrzehntausende oder gar Jahrhunderttausende auf derselben -Kulturstufe blieb, während heute ihre Entwicklung im Guten und im -Bösen in diesem Wahnsinnstempo fortschreitet? Wir können versuchen, -eine Reihe von Tatsachen zur Erklärung beizubringen: Das erste ist -der Zusammenschluß der Menschheit zu immer größeren Verbänden, die -Erfindung der Schrift und späterhin des Buchdrucks. Was früher an -Fortschritten erreicht wurde, mußte durch mündliche Überlieferung -innerhalb der kleinen Horde weitergegeben werden. Wie unendlich -viel ging dabei verloren und mußte immer wieder von neuem entdeckt -werden! Heute stellen unsere Bücher ein ins Ungeheuerliche gewachsenes -menschliches Gedächtnis dar, das alles aufzubewahren vermag, was jemals -Menschen gedacht und empfunden haben, und bei dem nicht so leicht etwas -Wichtiges in Vergessenheit geraten kann. Dabei wird mit den Mitteln -des modernen Verkehrs ein neuer Gedanke, eine neue Entdeckung in -kürzester Zeit Allgemeingut der ganzen zivilisierten Menschheit. Vor -dem unseligen Weltkrieg bildeten die Forscher aller Länder eine einzige -große Arbeitsgemeinschaft, die mit fortwährend sich verbessernden -Methoden jedes neu auftauchende Problem anzugreifen vermochte und für -jede Frage fieberhaft arbeitende Spezialgehirne sich heranbildete. -So kann man versuchen, das Tempo der Entwicklung mit der Zauberformel -zunehmender Organisation zu erklären, welche die Leistungen nicht nur -multipliziert, sondern potenziert.</p> - -<p>Ob damit alles gesagt ist und die Fortschritte menschlichen -Geisteslebens in ihrer Tiefe erfaßt sind? Wir wissen es nicht. Klein, -lächerlich klein läßt die Wissenschaft den Menschen erscheinen und -groß, rätselhaft groß ist doch wieder derselbe Mensch, der seine -Stellung in Raum und Zeit denkend erfaßt und mit seinem Geist -Sternweiten und Jahrmillionen zu umspannen vermag. Und so steht auch -hier die Wissenschaft nach dem Flug durch die endlosen Zeiträume der -Vergangenheit am Ende wieder vor ihrem letzten und tiefsten Geheimnis, -dem Rätsel des Menschen.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Verzeichnis_der_wichtigsten_Werke">Verzeichnis der wichtigsten Werke</h2> - -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Kayser</em>, Lehrbuch der Geologie (in zwei Teilen), -6. Auflage.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Lindemann</em>, Die Erde.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Ratzel</em>, Raum und Zeit in Geographie und Geologie (Natur- -und kulturphilosophische Bibliothek, Band 5), Leipzig -1907.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Holmes</em>, <span class="antiqua">The Age of the Earth</span>, <span class="antiqua">Harpers Library</span> London -und Neuyork 1913.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Penck</em> und <em class="gesperrt">Brückner</em>, Die Alpen im Eiszeitalter, 3 Bände, -Leipzig 1901–1909.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">de Geer</em>, Geochronologie der letzten 12000 Jahre -(Geologische Rundschau, 3. Band, 1912).</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Lawson</em>, Über absolute Zeitmessung in der Geologie -auf Grund der radioaktiven Erscheinungen. -(Naturwissenschaften 5. Jahrg., 1917.)</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Meyer</em> und <em class="gesperrt">Schweidler</em>, Radioaktivität, Leipzig 1916.</p> - -<p class="p0"><em class="gesperrt">Fajans</em>, Radioaktivität, 3. Auflage 1921 (Sammlung Vieweg).</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span></p><h2 class="nobreak" id="Sachregister">Sachregister</h2> - -</div> - -<ul class="index"> - -<li class="ifrst">Alb, Schwäbische <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx">Alter des Menschen <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">Alter des Ozeans <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx">Ancylussee <a href="#Seite_32">32</a></li> - -<li class="indx">Atomtheorie <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="ifrst">Baltische Endmoränenrücken <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx">Bändertone <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx">Barrell <a href="#Seite_69">69</a>, <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">Becquerel <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx">Bessel <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx">Bleimethode <a href="#Seite_62">62</a>, <a href="#Seite_64">64</a></li> - -<li class="indx">Boltwood <a href="#Seite_60">60</a></li> - -<li class="indx">Brienzer See <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Bühlvorstoß <a href="#Seite_22">22</a>, <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="ifrst">Chamberlin <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">Clarke <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx">Croll <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx">Curie <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="ifrst">Dane <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="ifrst">Elemente, isotope <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx">Endmoränen, fennoskandische <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"><span class="antiqua">Eoanthropus Dawsoni</span> <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx">Eolithen <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx">Extrapolation <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">Exzentrizität <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="ifrst">Finniglaziale Epoche <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="ifrst">Geer, de <a href="#Seite_27">27</a>–<a href="#Seite_32">32</a></li> - -<li class="indx">Gilbert <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx">Gotiglaziale Epoche <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx">Grabau <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="ifrst">Häckel <a href="#Seite_46">46</a></li> - -<li class="indx">Halbwertszeit <a href="#Seite_52">52</a></li> - -<li class="indx">Heim <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx">Helium <a href="#Seite_51">51</a></li> - -<li class="indx">Heliummethode <a href="#Seite_62">62</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_67">67</a></li> - -<li class="indx">Hildebrandt <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx">Holmes <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx"><span class="antiqua">Homo Heidelbergensis</span> <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="ifrst">Interpolieren <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx">Irawadi <a href="#Seite_14">14</a></li> - -<li class="ifrst">Jahresringe <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx">Joly <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="ifrst">Keilhack <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx">Kepler <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="ifrst">Lawson <a href="#Seite_64">64</a></li> - -<li class="indx">Litorinazeit <a href="#Seite_32">32</a></li> - -<li class="indx">Lyell <a href="#Seite_43">43</a>, <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="ifrst">Matthew <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx">Mauer b. Heidelberg <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx">Mellard Reade <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx">Muota <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Murray <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="ifrst">Neandertalrasse <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx">Neckar <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx">Niagarafälle <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx">Nüesch <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="ifrst">Olbricht <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="ifrst">Penck <a href="#Seite_22">22</a>, <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx">Pendeluhren <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx">Pilgrim <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx">Po <a href="#Seite_14">14</a></li> - -<li class="indx">Präzessionsbewegung <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="ifrst">Radium <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx">Ragunda <a href="#Seite_32">32</a></li> - -<li class="indx">Reuß <a href="#Seite_14">14</a>, <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Röntgen <a href="#Seite_47">47</a></li> - -<li class="indx">Rutherford <a href="#Seite_50">50</a></li> - -<li class="ifrst">Salz, zyklisches <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx">Sanduhren <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx">Scharnhausen <a href="#Seite_13">13</a></li> - -<li class="indx">Schelfregion <a href="#Seite_17">17</a></li> - -<li class="indx">Schürmann <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx">Schweizersbild <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Soddy <a href="#Seite_50">50</a></li> - -<li class="indx">Sollas <a href="#Seite_17">17</a></li> - -<li class="indx">Spencer <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx">Steck <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Strutt <a href="#Seite_60">60</a></li> - -<li class="ifrst">Taylor <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx">Tertiär <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx">Thomson <a href="#Seite_70">70</a></li> - -<li class="indx">Thorium <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_62">62</a></li> - -<li class="indx">Thuner See <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="ifrst">Uranblei <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx">Uranreihe <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx">Uranuhr <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="ifrst">Vierwaldstätter See <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="ifrst">Walcott <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="indx">Wasseruhren <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx">Werth <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">Wintermoränen <a href="#Seite_30">30</a></li> - -<li class="ifrst">Zerfall <a href="#Seite_50">50</a></li> - -</ul> - -<table class="buchbeilagen" summary="Kosmos-Buchbeilagen"> - <tr> - <td class="s4 bboxb" colspan="2"> - <div class="center"><b>Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen</b></div> - <div class="s5 center">erhalten Mitglieder, solange vorrätig zu <em class="gesperrt">Ausnahmepreisen</em>:</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb brb" colspan="2"> - <div class="center"><b><span class="s3">1. Gruppe 1904–1907.</span> Broschiert - M 1050.—, gebunden M 1660.—</b></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1904</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, W., Abstammung des Menschen. — Meyer, Dr. - M. W., Weltuntergang. — Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) - — Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1905</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Stammbaum der Tiere. — Francé, Sinnesleben der - Pflanzen. — Zell, Tierfabeln. — Teichmann, Dr. E., Leben und - Tod. — Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1906</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Francé, Liebesleben der Pflanzen. — Meyer, Dr. M. W., - Rätsel der Erdpole. — Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. - — Bölsche, W., Im Steinkohlenwald. — Ament, Dr. W., Die Seele - des Kindes.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb bbb vat"> - <div class="s4 left"><b>1907</b></div> - </td> - <td class="brb bbb vam"> - <div class="s5 left">Francé, Streifzüge im Wassertropfen. — Zell, Dr. Th., - Straußenpolitik. — Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. — - Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. — Floericke, Dr. K., Die Vögel - des deutschen Waldes.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb brb" colspan="2"> - <div class="center"><b><span class="s3">2. Gruppe 1908–1911.</span> Broschiert - M 1050.—, gebunden M 1660.—</b></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1908</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. — Teichmann, - Dr. E., Die Vererbung. — Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. - — Dekker, Naturgeschichte des Kindes. — Floericke, Dr. K., - Säugetiere des deutschen Waldes.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1909</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. — Meyer, - Dr. M. W., Der Mond. — Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. — Floericke, - Kriechtiere und Lurche Deutschlands. — Bölsche, W., Der Mensch in der - Tertiärzeit.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1910</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. — Dekker, - Fühlen und Hören. — Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. — - Floericke, Säugetiere fremder Länder. — Weule, Kultur der Kulturlosen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb bbb vat"> - <div class="s4 left"><b>1911</b></div> - </td> - <td class="brb bbb vam"> - <div class="s5 left">Koelsch, Durch Heide und Moor. — Dekker, Sehen, - Riechen und Schmecken. — Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. — - Floericke, Vögel fremder Länder. — Weule, Kulturelemente der Menschheit.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb brb" colspan="2"> - <div class="center"><b><span class="s3">3. Gruppe 1912–1916.</span> Broschiert - M 1310.—, gebunden M 2075.—</b></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1912</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? — Dannemann, - Wie unser Weltbild entstand. — Floericke, Fremde Kriechtiere und - Lurche. — Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. - — Koelsch, Würger im Pflanzenreich.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1913</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Festländer und Meere. — Floericke, - Einheimische Fische. — Koelsch, Der blühende See. — Zart, Bausteine - des Weltalls. — Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1914</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. — - Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische. — Lipschütz, Dr. A., Warum wir - sterben. — Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. — Nagel, Dr. - Osk., Romantik der Chemie.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1915</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. — Floericke, - Dr. K., Gepanzerte Ritter. — Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum - Alphabet. — Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. — - Besser, H., Raubwild und Dickhäuter.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb bbb vat"> - <div class="s4 left"><b>1916</b></div> - </td> - <td class="brb bbb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Stammbaum der Insekten. — Fabre, Blick ins - Käferleben. — Sieberg, Wetterbüchlein. — Zell, Pferd als - Steppentier. — Bölsche, Sieg des Lebens.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb brb" colspan="2"> - <div class="center"><b><span class="s3">4. Gruppe 1917–1921.</span> Broschiert - M 1050.—, gebunden M 1660.—</b></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1917</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. — - Floericke, Dr., Plagegeister. — Hasterlik, Dr., Speise und Trank. — - Bölsche, Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1918</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. — - Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen. — Kurth, Zwischen Keller und Dach. - — Hasterlik, Dr., Von Reiz- und Rauschmitteln.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1919</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. — Zell, Neue - Tierbeobachtungen. — Floericke, Spinnen und Spinnenleben. — - Kahn, Die Zelle.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb vat"> - <div class="s4 left"><b>1920</b></div> - </td> - <td class="brb vam"> - <div class="s5 left">Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. — - Francé, Die Pflanze als Erfinder. — Floericke, Schnecken und Muscheln. - — Lämmel, Wege zur Relativitätstheorie.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb bbb vat"> - <div class="s4 left"><b>1921</b></div> - </td> - <td class="brb bbb vam"> - <div class="s5 left">Weule, Naturbeherrschung I. — Floericke, Gewürm. - — Günther, Radiotechnik. — Sanders, Hypnose und Suggestion.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="blb bbb brb" colspan="2"> - <div class="left"><b>Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 4025.—, - geb. M 6600.—</b></div> - <div class="s5 left"><b>Einzeln bezogen</b> jeder Band brosch. M 63.—, geb. - M 100.—, (für Nichtmitgl. je M 76.— bzw. 115.—) Die Jahrgänge - 1904–1916 (je 5 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 288.—, geb. je - M 455.— Die Jahrgänge 1917–1921 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. - je M 232.—, geb. je M 364.—</div> - <div class="left"><b class="bbb">Vom Kosmos-Handweiser</b> <span class="s5"> - sind noch geringe Vorräte von 1911, 1913, 1914, 1918, 1919, 1920, 1921 vorhanden. - Jeder Band kostet für Mitglieder brosch. M 85.—, geb. M 200.—, - (für Nichtmitglieder brosch. M 120.—, geb. M 250.—)</span></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="s5 center"><b>Preise Anfang September 1922. Zeitentsprechende - Preiserhöhungen vorbehalten.</b></div> - </td> - </tr> -</table> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>JAHRESZAHLEN DER ERDGESCHICHTE</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away—you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg™ name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg™ License when -you share it without charge with others. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work -on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the -phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: -</div> - -<blockquote> - <div style='display:block; margin:1em 0'> - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most - other parts of the world at no cost and with almost no restrictions - whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms - of the Project Gutenberg License included with this eBook or online - at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you - are not located in the United States, you will have to check the laws - of the country where you are located before using this eBook. - </div> -</blockquote> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.2. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase “Project -Gutenberg” associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg™ -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.3. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg™ License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg™ -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg™. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg™ License. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format -other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg™ website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain -Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg™ License as specified in paragraph 1.E.1. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg™ works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg™ electronic works -provided that: -</div> - -<div style='margin-left:0.7em;'> - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg™ trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, “Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation.” - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™ - works. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg™ works. - </div> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain “Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the “Right -of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68258-h/images/abb_01.png b/old/68258-h/images/abb_01.png Binary files differdeleted file mode 100644 index db46e74..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_01.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_02.png b/old/68258-h/images/abb_02.png Binary files differdeleted file mode 100644 index a4ba042..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_02.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_03.png b/old/68258-h/images/abb_03.png Binary files differdeleted file mode 100644 index b84701d..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_03.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_04.png b/old/68258-h/images/abb_04.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 65efb6b..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_04.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_05.png b/old/68258-h/images/abb_05.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 638614b..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_05.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_06.png b/old/68258-h/images/abb_06.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 2b4b6d3..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_06.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_07.png b/old/68258-h/images/abb_07.png Binary files differdeleted file mode 100644 index f099e21..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_07.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_08.png b/old/68258-h/images/abb_08.png Binary files differdeleted file mode 100644 index bdc18b2..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_08.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_09.png b/old/68258-h/images/abb_09.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 5a7f13a..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_09.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_10.png b/old/68258-h/images/abb_10.png Binary files differdeleted file mode 100644 index b80997c..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_10.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_11.png b/old/68258-h/images/abb_11.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d8143b3..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_11.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_12.png b/old/68258-h/images/abb_12.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 26f6764..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_12.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_13.png b/old/68258-h/images/abb_13.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 9776145..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_13.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_14.png b/old/68258-h/images/abb_14.png Binary files differdeleted file mode 100644 index ccf0ad0..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_14.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_15.png b/old/68258-h/images/abb_15.png Binary files differdeleted file mode 100644 index da65ae6..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_15.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_16.png b/old/68258-h/images/abb_16.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 73de76e..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_16.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_17.png b/old/68258-h/images/abb_17.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 0499ffd..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_17.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_18.png b/old/68258-h/images/abb_18.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 6e1b0ce..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_18.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_19.png b/old/68258-h/images/abb_19.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d92bc4e..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_19.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/abb_20.png b/old/68258-h/images/abb_20.png Binary files differdeleted file mode 100644 index f7cc0d0..0000000 --- a/old/68258-h/images/abb_20.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/cover.jpg b/old/68258-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 69a6274..0000000 --- a/old/68258-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/frontispiece.jpg b/old/68258-h/images/frontispiece.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bccae1c..0000000 --- a/old/68258-h/images/frontispiece.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_1.png b/old/68258-h/images/img_tab1_1.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 8d32463..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_1.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_2.png b/old/68258-h/images/img_tab1_2.png Binary files differdeleted file mode 100644 index db7e857..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_2.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_3.png b/old/68258-h/images/img_tab1_3.png Binary files differdeleted file mode 100644 index de6086a..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_3.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_4.png b/old/68258-h/images/img_tab1_4.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 9205c56..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_4.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_5.png b/old/68258-h/images/img_tab1_5.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 446b5a7..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_5.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_6.png b/old/68258-h/images/img_tab1_6.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 100269c..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_6.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/img_tab1_7.png b/old/68258-h/images/img_tab1_7.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 313cce4..0000000 --- a/old/68258-h/images/img_tab1_7.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/klammer_h3.png b/old/68258-h/images/klammer_h3.png Binary files differdeleted file mode 100644 index efc683e..0000000 --- a/old/68258-h/images/klammer_h3.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/signet_1.png b/old/68258-h/images/signet_1.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 0f4893b..0000000 --- a/old/68258-h/images/signet_1.png +++ /dev/null diff --git a/old/68258-h/images/signet_2.png b/old/68258-h/images/signet_2.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 34f0cb8..0000000 --- a/old/68258-h/images/signet_2.png +++ /dev/null |
