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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/6822-8.txt b/6822-8.txt new file mode 100644 index 0000000..547132d --- /dev/null +++ b/6822-8.txt @@ -0,0 +1,3018 @@ +Project Gutenberg's Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing + +This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most +other parts of the world at no cost and with almost no restrictions +whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of +the Project Gutenberg License included with this eBook or online at +www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have +to check the laws of the country where you are located before using this ebook. + +Title: Lieder von Lessing + +Author: Gotthold Ephraim Lessing + +Posting Date: February 23, 2015 [EBook #6822] +Release Date: November, 2004 +First Posted: January 27, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + + + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + +Lieder von Lessing + +Gotthold Ephraim Lessing + + +alphabetisch nach Titeln sortiert + +Alexander +An Amor +An den Anakreon +An den Horaz +An den Wein +An die J. L*** +An die Kunstrichter +An die Leier +An die Schwalbe +An eine kleine Schöne +Antwort eines trunknen Dichters +Auf sich selbst +Das Alter +Das Bild an Hrn. H. +Das Erdbeben +Das Leben +Das Paradies +Das Schäferleben +Das Umwechseln +Das aufgehobene Gebot +Der Donner +Der Faule +Der Fehler +Der Fehler der Natur an Hr. M. +Der Flor +Der Genuß +Der Geschmack der Alten +Der Handel +Der Irrtum +Der Regen +Der Schiffbruch +Der Schlaf +Der Sommer +Der Sonderling +Der Tabak +Der Tausch an Hr. W. +Der Tod +Der Verlust +Der Vetter und die Muhme +Der Wunsch +Der alte und der junge Wein +Der bescheidene Wunsch +Der größte Mann +Der müßige Pöbel +Der neue Welt-Bau +Der philosophische Trinker +Der schwörende Liebhaber +Der trunkne Dichter lobt den Wein +Die 47ste Ode Anakreons +Die Abwechslung +Die Antwort +Die Beredsamkeit +Die Betrübnis +Die Biene +Die Diebin +Die Einwohner des Mondes +Die Ente +Die Faulheit +Die Gespenster +Die Gewißheit +Die Haushaltung +Die Küsse +Die Küsse +Die Kunstrichter und der Dichter +Die Liebe +Die Musik +Die Mutter +Die Namen +Die Planetenbewohner +Die Redlichkeit +Die Schöne von hinten +Die Sparsamkeit +Die Stärke des Weins +Die Türken +Die Versteinerung +Die Wetterprophezeiung +Die drei Reiche der Natur +Die lügenhafte Phyllis +Die lehrende Astronomie +Die schlafende Laura +Die schlimmste Frau +Die verschlimmerten Zeiten +Die wider den Cäsar verschworne Helden +Eine Gesundheit +Für wen ich singe +Heldenlied der Spartaner +Ich +Jungfer Lieschens Knie +Küssen und Trinken +Lied +Lied aus dem Spanischen +Lob der Faulheit +Nach der 15. Ode Anakreons +Niklas +Phillis +Phyllis an Damon +Phyllis lobt den Wein +Refutatio Papatus +Salomon +Trinklied +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + + + + +Alexander + +Der Weise sprach zu Alexandern. +"Dort, wo die lichten Welten wandern, +Ist manches Volk, ist manche Stadt." +Was tut der Mann von tausend Siegen? +Die Memme weint, daß dort zu kriegen, +Der Himmel keine Brücken hat. + +Ists wahr, was ihn der Weise lehret, +Und finden, was zur Welt gehöret, +Daselbst auch Wein und Mädchen statt: +So lasset, Brüder, Tränen fließen, +Daß dort zu trinken und zu küssen, +Der Himmel keine Brücken hat. + + + +An Amor + +Amor, soll mich dein Besuch +Einst erfreuen-- +O so lege dein Gefieder +Und die ganze Gottheit nieder. +Diese möchte mich erschrecken, +Jenes möchte Furcht erwecken, +Furcht, nach flatterhaften Küssen, +Meine Phyllis einzubüßen. +Komm auch ohne Pfeil und Bogen, +Ohne Fackel angezogen... +Stelle dich, um mir lieb zu sein, +Als ein junger Satyr ein. + + + +An den Anakreon + +Anakreon singt, alles fühlet: +Und alles gähnt wenn Codrus spielet. +Anakreon, sprich, wie man spielt, +Daß niemand gähnt, daß alles fühlt. + +Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken, +Die mich in Bacchus Laube schicken, +Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein. +Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein! + + + +An den Horaz + +Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse, +Entflammt von unserm Gott, dem Wein, +Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse, +Dich tiefer als zehn Bentleys ein. + +Dann fühl ich sie, die süßen Küsse, +Die ein barbarscher Biß verletzt, +Sie, welche Venus, nebst dem Bisse, +Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.* + +Dann fühl ich, mehr als ich kann sagen +Die Göttin, durch die Laura küßt, +Wie sie sich Amathunts entschlagen, +Und ganz in mich gestürzet ist.** + +Sie herrscht im Herzen, sie gebietet; +Und Laura löscht die Phyllis aus. +Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet; +Denn Laura hält mich ab vom Schmaus. + +*--dulcia barbare +Laedentem oscula, quae Venus +Quincta parte sui Nectaris imbuit. + +**–-in me tota ruens Venus +Cyprum deseruit. + + + +An den Wein + +Wein, wenn ich dich itzo trinke, +Wenn ich dich als Jüngling trinke, +Sollst du mich in allen Sachen +Dreist und klug, beherzt und weise, +Mir zum Nutz, und dir zum Preise, +Kurz, zu einem Alten machen. + +Wein, werd ich dich künftig trinken, +Werd ich dich als Alter trinken, +Sollst du mich geneigt zum Lachen, +Unbesorgt für Tod und Lügen, +Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen, +Kurz, zu einem Jüngling machen. + + + +An die J. L*** + +Natürlichs Ebenbild der Liebe! +Nimm hier dein künstlich Ebenbild; +Das, wenn man dich auch drüber schriebe, +Doch seines Meisters Schwäche schilt. +Dem Maler laß es nicht entgelten, +Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht: +Nur auf das Urbild mußt du schelten, +Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht. +Dich, ähnlichstes von allen Bildern, +Hat die Natur hervorgebracht: +Jedoch wie kann ein Künstler schildern, +Was die Natur vollkommen macht? + + + +An die Kunstrichter + +Schweigt, unberauschte, finstre Richter! +Ich trinke Wein, und bin ein Dichter. +Tut mir es nach, und trinket Wein, +So seht ihr meine Schönheit ein. +Sonst wahrlich, unberauschte Richter, +Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein! + + + +An die Leier + +Töne, frohe Leier, +Töne Lust und Wein! +Töne, sanfte Leier, +Töne Liebe drein! + +Wilde Krieger singen, +Haß und Rach und Blut +In die Laute singen, +Ist nicht Lust, ist Wut. + +Zwar der Heldensänger +Sammelt Lorbeern ein; +Ihn verehrt man länger; +Lebt er länger? Nein. + +Er vergräbt im Leben +Sich in Tiefsinn ein: +Um erst dann zu leben, +Wann er Staub wird sein. + +Lobt sein göttlich Feuer, +Zeit und Afterzeit! +Und an meiner Leier +Lobt die Fröhlichkeit. + + + +An die Schwalbe + +Die 12te Ode Anakreons. + +Schwatzhafteste der Schwalben, sprich, +Was tu ich dir? wie straf ich dich? +Soll ich dich um die Schwingen +Mit meiner Schere bringen? +Soll ich, zu deiner Pein, +Ein andrer Tereus sein? +Und willst du gern der Progne gleichen? +Mußt du, zu frühe Schwätzerin, +Mußt du von meiner Schäferin +Mir meinen schönen Traum verscheuchen? + + + +An eine kleine Schöne + +Kleine Schöne, küsse mich. +Kleine Schöne, schämst du dich? +Küsse geben, Küsse nehmen, +Darf dich itzo nicht beschämen. +Küsse mich noch hundertmal! +Küß und merk der Küsse Zahl. +Ich will dir, bei meinem Leben! +Alle zehnfach wiedergeben, +Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist, +Und du zehn Jahr älter bist. + + + +Antwort eines trunknen Dichters + +Ein trunkner Dichter leerte +Sein Glas auf jeden Zug; +Ihn warnte sein Gefährte: +Hör auf! du hast genug. +Bereit vom Stuhl zu sinken, +Sprach der: Du bist nicht klug; +Zu viel kann man wohl trinken, +Doch nie trinkt man genug. + + + +Auf sich selbst + +Ich habe nicht stets Lust zu lesen. +Ich habe nicht stets Lust zu schreiben. +Ich habe nicht stets Lust zu denken; +Kurzum, nicht immer zu studieren. + +Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen. +Doch hab ich allzeit Lust zu lieben. +Doch hab ich allzeit Lust zu trinken; +Kurz, allezeit vergnügt zu leben. + +Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten? +Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen; +Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren; +Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln. + +Was ihr tut, ist des Alters Folge. +Was ich tu, will die Jugend haben. +Ich gönn euch eure Lust von Herzen. +Wollt ihr mir nicht die meine gönnen? + + + +Das Alter + +Nach der 11ten Ode Anakreons. + +Euch, lose Mädchen, hör ich sagen: +"Du bist ja alt, Anakreon. +Sieh her! du kannst den Spiegel fragen, +Sieh, deine Haare schwinden schon; +Und von den trocknen Wangen +Ist Blüt und Reiz entflohn."-- +Wahrhaftig! ob die Wangen +Noch mit dem Lenze prangen, +Wie, oder ob den Wangen +Der kurze Lenz vergangen, +Das weiß ich nicht; doch was ich weiß, +Will ich euch sagen: daß ein Greis, +Sein bißchen Zeit noch zu genießen, +Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen. + + + +Das Bild an Hrn. H. + +Das, Maler, ist dein Meisterstücke! +Ja, H**, ja; an Anmut reich, +Sieht dies Kind meinem Kinde gleich. +Das ist sein Haar; dies seine Blicke; +Das ist sein Mund; das ist sein Kinn. + +O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen, +Und sieh auf jene Seite hin: +Ich muß, ich muß das Bildchen küssen. +Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an: +Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann. + + + +Das Erdbeben + +Bruder, Bruder, halte mich! +Warum kann ich denn nicht stehen? +Warum kannst du denn nicht gehen? +Bruder geh, ich führe dich. + +Sachte Bruder, stolperst du? +Was? Du fällst mir gar zur Erden? +Halt! ich muß dein Retter werden. +Nu? Ich falle selbst dazu? + +Sieh doch Bruder! Siehst du nicht, +Wie die lockern Wände schwanken? +Sieh, wie Tisch und Flasche wanken! +Greif doch zu! das Glas zerbricht! + +Himmel, bald, bald werden wir +Nicht mehr trinken, nicht mehr leben! +Fühlst du nicht? des Grunds Erbeben +Droht es Bruder mir und dir. + +Limas Schicksal bricht herein! +Bruder, Bruder, wenn wir sterben, +Soll der Wein auch mit verderben? +Der auf heut bestimmte Wein? + +Nein, die Sünde wag ich nicht. +Bruder, wolltest du sie wagen? +Nein, in letzten Lebenstagen +Tut man gerne seine Pflicht. + +Sieh, dort sinket schon ein Haus! +Und hier auch! Nun muß man eilen! +Laß uns noch die Flasche teilen! +Hurtig! Hurtig! trink doch aus! + + + +Das Leben + +Sechs Tage kannt ich sie, +Und liebte sie sechs Tage. +Am siebenten erblaßte sie, +Dem ersten meiner ewgen Klage. +Noch leb ich, zauderndes Geschick! +Ein pflanzengleiches Leben. +O Himmel, ist für den kein Glück, +Dem du Gefühl und Herz gegeben! +Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut, +Dem du die Seele schon genommen! +Hier, wo ich wein, und wo sie ruht, +Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen! +Was hilft es, daß er meine Jahre +Bis zu des Nestors Alter spare? +Ich habe, trotz der grauen Haare, +Womit ich dann zur Grube fahre, +Sechs Tage nur geliebt, +Sechs Tage nur gelebt. + + + +Das Paradies + +Sein Glück für einen Apfel geben, +O Adam, welche Lüsternheit! +Statt deiner hätt ich sollen leben, +So wär das Paradies noch heut.-- + +Wie aber, wenn alsdann die Traube +Die Probefrucht gewesen wär? +Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube-- +Das Paradies wär auch nicht mehr. + + + +Das Schäferleben + +Komm Freund! wir wollen Schäfer werden. +Dies stille Volk besitzet noch +Die süße Ruh, das Glück der Erden. +Was zauderst du? Komm Freund! komm doch! +Dort blüht bei aufgeräumten Sinnen +Noch alte Treu und Redlichkeit, +Auch in den schönsten Schäferinnen. +Dort, dort ist noch die güldne Zeit. + +Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen, +Wo nichts als falsche Mägdchen sind? +Bedenke, Phyllis will mich hassen, +Das flatterhafte böse Kind. + +Auch Phyllis kann die Treue brechen, +Und windet sich aus meiner Hand. +Ja, diese Falschheit muß ich rächen. +Komm mit! Ich geh ins Schäferland. + +Du schwärmst, mein Freund. Laß mich zufrieden. +Was geht mich deine Phyllis an. +Dem ist ein größer Glück beschieden, +Der sich gleich mir betrinken kann. + +Wo hast du den Verstand gelassen? +Du hast gewiß noch keinen Rausch? +Den Wein, den Wein für Milch zu hassen? +Den Wein für Milch? Das wär ein Tausch. + +Recht Freund! verzeih mir diese Possen. +Wie albern denkt und redt man nicht, +Wenn man noch keinen Wein genossen, +Wenn folglich der Verstand gebricht. + +Drum eile, Freund! mir einzuschenken. +Trink mir es zu, und mach mich klug. +Nun lern ich wieder richtig denken. +Nun seh ich meinen Selbstbetrug. + +O schade für die falschen Kinder! +Laßt sie nur unbeständig sein. +Ich lache nun, und bins nicht minder. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + +Nun soll mich Phyllis nicht betrüben, +Laßt sie nur unbeständig sein, +Von nun an will ich auch so lieben. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + + + +Das Umwechseln + +Der Bruder + Liebe Schwester, wer ist die? + Deine Freundin? darf ich küssen? + O wie frei, wie schön ist sie! + Liebe Schwester darf ich küssen? + +Die Schwester + Pfui! Ihr Bruder ist ja hier. + Willst du, daß ers sieht, sie küssen? + Schäm dich! diesesmal wird dir + Wohl die Lust vergehen müssen. + +Der Bruder + Schwester, geh zum Bruder hin; + Laß dich von dem Bruder küssen; + Dann, weil ich dein Bruder bin, + Darf ich seine Schwester küssen. + + + +Das aufgehobene Gebot + +Elise. + Siehst du Wein im Glase blinken, + Lerne von mir deine Pflicht: + Trinken kannst du, du kannst trinken; + Doch betrinke dich nur nicht. + +Lysias. + Wallt dein Blut von Jugendtrieben, + Lerne von mir deine Pflicht: + Lieben kannst du, du kannst lieben; + Doch verliebe dich nur nicht. + +Elise. + Bruder! ich mich nicht verlieben? + +Lysias. + Schwester! ich mich nicht betrinken? + +Elise. + Wie verlangst du das von mir? + +Lysias. + Wie verlangst du das von mir? + +Elise. + Lieber mag ich gar nicht lieben. + +Lysias. + Lieber mag ich gar nicht trinken. + +Beide. + Geh nur, ich erlaub es dir. + + + +Der Donner + +Es donnert!--Freunde, laßt uns trinken! +Der Frevler und der Heuchler Heer +Mag knechtisch auf die Kniee sinken. +Es donnert!--Macht die Gläser leer! +Laßt Nüchterne, laßt Weiber zagen! +Zeus ist gerecht, er straft das Meer: +Sollt er in seinen Nektar schlagen? + + + +Der Faule + +Rennt dem scheuen Glücke nach! +Freunde, rennt euch alt und schwach! +Ich nehm teil an eurer Müh: +Die Natur gebietet sie. +Ich, damit ich auch was tu,-- +Seh euch in dem Lehnstuhl zu. + + + +Der Fehler + +Angelika ist jung und reich. +An Schönheit meiner Phyllis gleich. +Ich kann nichts Schöners nennen; +Das wissen die, die Phyllis kennen. +Sie redet ungezwungen rein; +Sie scherzt empfindlich und doch fein; +Ihr biegsam redlich Herze fühlt; +Sie tanzt, sie singt, sie spielt. +Wenn meine Phyllis untreu wird-- +O werde sie es nie! +Wenn sie es aber wird, +So lieb ich keine sonst als sie. +Doch--hab ichs auch bedacht? +Nein, einen Fehler treff ich an, +Der alles nichtig macht. +Sie liebet ihren Mann. + + + +Der Fehler der Natur an Hr. M. + +Freund! du erforschest die Natur. +Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur, +Sie fehlt auch oft in ihren Werken. +Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil +Versetzt sie dies und jenes Teil. +Ich selbst kann meinen Satz bestärken. +Denn hätt sich ihre Götterhand, +Als sie mich baute, nicht verloren; +So wär ich an der Mosel Strand, +Wo nicht doch in Burgund geboren. +O Mosler, o Burgunderwein, +Ich, ich sollt euer Landsmann sein! + + + +Der Flor + +O Reize voll Verderben! +Wir sehen euch, und sterben. +O Augen, unser Grab! +O Chloris, darf ich flehen? +Dich sicher anzusehen, +Laß erst den Flor herab! + + + +Der Genuß + +So bringst du mich um meine Liebe, +Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich! +Sie zu verlieren,--meine Liebe,-- +Sie zu verlieren, wünscht ich dich? +Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder, +Nimm sie zurück, die kurze Lust! +Nimm sie, und gib der öden Brust, +Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder! + + + +Der Geschmack der Alten + +Ob wir, wir Neuern, vor den Alten +Den Vorzug des Geschmacks erhalten, +Was lest ihr darum vieles nach, +Was der und jener Franze sprach? +Die Franzen sind die Leute nicht, +Aus welchen ein Orakel spricht. + +Ich will ein neues Urteil wagen. +Geschmack und Witz, es frei zu sagen, +War bei den Alten allgemein. +Warum? sie tranken alle Wein. +Doch ihr Geschmack war noch nicht fein; +Warum? sie mischten Wasser drein. + + + +Der Handel + +Des wuchernden Tumultes satt, +Freund, fliehst du aus der vollen Stadt? +Flieh nur allein; ich bleib zurücke, +Die Messe wag ich noch mein Glücke. +Nun handl ich auch: doch soll allein +Mein Handel mit den Schönen sein. + +Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil, +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder. +Kommt nur, und bringt die rechten Gelder! +Kommt nur und fangt den Handel an; +Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann. + +Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_ +Mein Feld verkauf ich nicht für Geld. +Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse. +_Und deinen Wald?_ Zweihundert Küsse. +_Und dieses Buch?_ Für einen Kuß. +_Und dieses Lied?_ Für einen Kuß. + +Wenn ich mit Schönen handeln muß, +Gilt alles bei mir einen Kuß. +Denn Küsse sind die besten Gelder. +Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder; +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Ich selber bin für Küsse feil! + +L. + + + +Der Irrtum + +Den Hund im Arm, mit bloßen Brüsten, +Sah Lotte frech herab. +Wie mancher ließ sichs nicht gelüsten, +Daß er ihr Blicke gab. + +Ich kam gedankenvoll gegangen, +Und sahe steif heran. +Ha! denkt sie, der ist auch gefangen, +Und lacht mich schalkhaft an. + +Allein, gesagt zur guten Stunde, +Die Jungfer irrt sich hier. +Ich sah nach ihrem bunten Hunde: +Es ist ein artig Tier. + + + +Der Regen + +Der Regen hält noch immer an! +So klagt der arme Bauersmann; +Doch eher stimm ich nicht mit ein, +Es regne denn in meinen Wein. + + + +Der Schiffbruch + +"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer! +Das Trinken macht den Beutel leer, +Drum hol ich mir in fernen Landen, +Die unsre Väter niemals fanden, +Gold, Silber, Berlen, Edelstein; +Und folglich Wein." + +Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht. +Gesetzt, daß unser Schiff zerbricht, +So müssen wir ins Wasser sinken, +Und Wasser wohl gezwungen trinken. +Und Wasser, Wasser schmecket schlecht. +Hab ich nicht recht? + +Ja, wär im Meere lauter Wein, +So gäng ich, Freund, die Schiffahrt ein. +O Freund! o Freund, mit Freuden +Wollt ich gar Schiffbruch leiden. +Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier. +Man borget dir. + + + +Der Schlaf + +Ich trinke bis um Mitternacht. +Wenn neben mir der Geizhals wacht, +Und mit bekümmertem Verlangen +Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen? +Da trink ich noch, und freue mich, +Und trinkend Bacchus lob ich dich. +Da flieht der Durst! da flieht der Kummer! +Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer, +Wenn sollt ich wieder durstig werden? +Und würd ich nicht mehr durstig sein, +So tränk ich ja auch nicht mehr Wein. +O Schlaf, welch Gut bist du der Erden! + + + +Der Sommer + +_Brüder! lobt die Sommerszeit!_ +Ja, dich, Sommer, will ich loben! +Wer nur deine Munterkeit, +Deine bunte Pracht erhoben, +Dem ist wahrlich, dem ist nur, +Nur dein halbes Lob gelungen, +Hätt er auch, wie Brocks, gesungen, +Brocks, der Liebling der Natur. + +Hör ein größer Lob von mir, +Sommer! ohne stolz zu werden. +Brennst du mich, so dank ichs dir, +Daß ich bei des Strahls Beschwerden, +Bei der durstgen Mattigkeit, +Lechzend nach dem Weine frage, +Und gekühlt den Brüdern sage: +_Brüder! lobt die durstge Zeit!_ + +L. + + + +Der Sonderling + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei ein Narr; +Und gleichwohl zürnt der Narr, +Wenn man ihn also nennt. + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei nicht klug; +Doch ists ihm lieb genug, +Wenn man ihn weise nennt. + +Ein jeder, der mich kennt, +Spricht: Welcher Sonderling! +Nur diesem ists _ein_ Ding, +Wie ihn die Welt auch nennt. + + + +Der Tabak + + Dich, Tabak, lobt der Medikus, + Weil uns dein fleißiger Genuß +An Zahn und Augen wohl kurieret, +Und Schleim und Kolster von uns führet. + + Dich lobet der Philosophus, + Wenn er scharf meditieren muß; +Weil er, so lang er dich genießet, +Des Geistes Flatterkeit vermisset. + + Dich lobet der Theologus + Durch einen homiletschen Schluß, +Wenn er in deinem Rauch entzücket +Ein Bild der Eitelkeit erblicket. + + Ich lob an dir als ein Jurist, + Was rechtens an dir löblich ist; +Daß, wenigstens wie mir es dünket, +Man mehr und öfter bei dir trinket. + +L. + + + +Der Tausch an Hr. W. + +Ein Mägdchen, das Verstand und Geist +Gemeiner Schönen Zahl entreißt, +Ein Mägdchen, das bei Büchern schwitzet, +Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet, +Das ihrer Seelen Schönheit bessert, +Wenn die die leibliche vergrößert, +Das gründlich denkt und gründlich scherzt, +Platonisch liebt, platonisch herzt: +Freund, so ein Mägdchen ist für dich, +Und nicht für mich. + +Ein Mägdchen, dessen zärtlich Bild +Mit Zärtlichkeit die Herzen füllt, +Ein Mägdchen mit beredten Blicken, +Mit Füßen, die versteckt entzücken, +Mit Händen, die liebkosend schlagen, +Und drückend, dich nur lieb ich, sagen, +Mit schwarzem Haar, mit voller Brust, +Gemacht zu dauerhafter Lust: +Freund, so ein Mägdchen ist für mich, +Und nicht für dich. + +Das Glück ist ungerecht und blind; +Wenn nicht die Dichter Lügner sind. +Wie oft hat es mit deinem Hoffen, +Wie oft mit meinem eingetroffen? +Wie wenn es, dich und mich zu kränken, +Dir mein, und mir dein Kind wird schenken? +O Freund, was soll die Rache sein? +Der Tausch, o Freund, der Tausch allein. +Doch gibst du, geb ich meine dir, +Auch deine mir? + + + +Der Tod + +Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben? +Gestern bei dem Saft der Trauben, +(Bildet euch mein Schrecken ein!) +Kam der Tod zu mir herein. + +Drohend schwang er seine Hippe, +Drohend sprach das Furchtgerippe: +Fort, du teurer Bacchusknecht! +Fort, du hast genug gezecht! + +Lieber Tod, sprach ich mit Tränen, +Solltest du nach mir dich sehnen? +Sieh, da stehet Wein für dich! +Lieber Tod verschone mich! + +Lächelnd greift er nach dem Glase; +Lächelnd macht ers auf der Base, +Auf der Pest, Gesundheit leer; +Lächelnd setzt ers wieder her. + +Fröhlich glaub ich mich befreiet, +Als er schnell sein Drohn erneuet. +Narre, für dein Gläschen Wein +Denkst du, spricht er, los zu sein? + +Tod, bat ich, ich möcht auf Erden +Gern ein Mediziner werden. +Laß mich: ich verspreche dir +Meine Kranken halb dafür. + +Gut, wenn das ist, magst du leben: +Ruft er. Nur sei mir ergeben. +Lebe, bis du satt geküßt, +Und des Trinkens müde bist. + +Oh! wie schön klingt dies den Ohren! +Tod, du hast mich neu geboren. +Dieses Glas voll Rebensaft, +Tod, auf gute Brüderschaft! + +Ewig muß ich also leben, +Ewig! denn beim Gott der Reben! +Ewig soll mich Lieb und Wein, +Ewig Wein und Lieb erfreun! + + + +Der Verlust + +Alles ging für mich verloren, +Als ich Sylvien verlor. +Du nur gingst nicht mit verloren, +Liebe, da ich sie verlor! + + + +Der Vetter und die Muhme + +O fluche, Freund, nicht alles Wetter +Auf deinen eigensinngen Vetter. +Schmält er manchmal; so laß es sein. +Er hat ja guten Wein. + +Auch fluche nicht der alten Muhme. +Man muß ihr Brummen, sich zum Ruhme, +Mit stiller Sanftmut übergehn. +Die Tochter ist ja schön. + + + +Der Wunsch + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kühlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein häßlich Mädchen sehe, +Wünsch ich plötzlich blind zu sein. + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kühlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein schönes Mädchen sehe, +Möcht ich lauter Auge sein. + + + +Der alte und der junge Wein + +Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken: +Drum mag der junge Wein +Für euch, ihr Alten, sein. + +Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken: +Drum muß der alte Wein +Für mich, den Jüngling, sein. + + + +Der bescheidene Wunsch + +Der Pfennig, den man andachtsvoll +Dem Priester beichtend geben soll, +Gilt mehr als im gemeinen Leben +Ein Pfennig, den wir Iro geben. +Die Klügsten müssen durch Dukaten +Den Sinn des kleinen Worts erraten. +Man nehm es nicht buchstäblich an, +Der Buchstab bringet Tod und Bann. + +"Ach! schenkte mir mein lieber Gott +Nur einst mein liebes bißchen Brot; +Ich wollte mich begnügen lassen +Und keinen Reichen neidisch hassen." +Oh, das ist Staxen leicht zu sagen, +Doch, wollt ihr eine Wette wagen, +Stax schließet Fische, Braten, Wein +Mit in den Wunsch des Brotes ein. + +O Liebste! machet dir mein Mund +Den heißen Wunsch nach Küssen kund, +So wisse, daß ich mehr begehret +Als dir mein scheuer Mund erkläret. +Ein Kuß bei mir ist--Soll ichs sagen? +Doch still! Du willst mich heimlich fragen. +Komm! jener Lustwald ruft dir zu: +O Mägdchen! was du tun willst, tu! + + + +Der größte Mann + +Laßt uns den Priester Orgon fragen: +Wer ist der größte Mann? +Mit stolzen Mienen wird er sagen. +Wer sich zum kleinsten machen kann. + +Laßt uns den Dichter Kriton hören: +Wer ist der größte Mann? +Er wird es uns in Versen schwören: +Wer ohne Mühe reimen kann. + +Laßt uns den Hofmann Damis fragen: +Wer ist der größte Mann? +Er bückt sich lächelnd; das will sagen: +Wer lächeln und sich bücken kann. + +Wollt ihr vom Philosophen wissen, +Wer ist der größte Mann? +Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen: +Wer ihn verstehn und grübeln kann. + +Was darf ich jeden Toren fragen: +Wer ist der größte Mann? +Ihr seht, die Toren alle sagen: +Wer mir am nächsten kommen kann. + +Wollt ihr den klügsten Toren fragen: +Wer ist der größte Mann? +So fraget mich; ich will euch sagen: +Wer trunken sie verlachen kann. + + + +Der müßige Pöbel + +Um einen Arzt und seine Bühne +Stand mit erstaunungsvoller Miene +Die leicht betrogne Menge +In lobendem Gedränge. +Ein weiser Trinker ging vorbei, +Und schriee: welche Polizei! +So müßig hier zu stehen? +Kann nicht das Volk zu Weine gehen? + + + +Der neue Welt-Bau + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Ihr kennt doch wohl den großen Geist, + Nach dem der wahre Welt-Bau heißt? +Von diesem hab ich einst gelesen, +Daß er beim Weine gleich gewesen, + Als er der Sonne Stillestand, + Die alte neue Wahrheit fand. + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört, + Was mir der Wein, der Wein gelehrt! +So kann der Wein den Witz verstärken! +Wir laufen selbst, ohn es zu merken, + Von Osten täglich gegen West! + Die Sonne ruht. Die Welt steht fest! + + + +Der philosophische Trinker + +Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden, +Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden. +Er zecht mit mir und meinen Brüdern, +Und fühlet schon in unsern Liedern +Mehr Weisheit, Witz und Kraft, +Als Jacob Böhm und Newton schafft. +Doch bringt er seine spitzgen Fragen, +Die minder als sie sagen, sagen, +Noch dann und wann hervor, +Und plagt mit Schlüssen unser Ohr. +Jüngst fragt er mich am vollen Tische, +Warum wohl in der Welt der Fische, +In Flüssen und im Meer, +Nicht Wein statt Wassers wär? +Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein. +Die Antwort fiel mir schwer; +Ich dachte hin und her, +Doch endlich fiel mirs ein. +"Die Ursach ist leicht zu erdenken", +Sprach ich mit aufgestemmtem Arm. +Und welche? schrie der ganze Schwarm. +"Damit, wenn Esel davon tränken, +Die Esel, nur verdammt zu Bürden, +Nicht klüger als die Menschen würden." +Die Antwort, schrie man, läßt sich hören. +Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren! + + + +Der schwörende Liebhaber + +Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen; +Gerechten Haß schwör ich dir zu. +Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen; +Weil alle treulos sind, wie du. +Ich schwör es dir, vor Amors Ohren, +Daß ich--ach! daß ich falsch geschworen. + + + +Der trunkne Dichter lobt den Wein + +Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert, +Und deinem flüßgen Feur begeistert, +Stimm ich zum Danke, wenn ich kann, +Ein dir geheiligt Loblied an. + +Doch wie? in was für kühnen Weisen +Werd ich, o Göttertrank, dich preisen? +Dein Ruhm, hör ihn summarisch an, +Ist, daß ich ihn nicht singen kann. + + + +Die 47ste Ode Anakreons + +Alter tanze! Wenn du tanzest, +Alter, so gefällst du mir! +Jüngling, tanze! Wenn du tanzest, +Jüngling, so gefällst du mir. + +Alter, tanze, trotz den Jahren! +Welche Freude, wenn es heißt: +Alter, du bist alt an Haaren, +Blühend aber ist dein Geist! + + + +Nachahmung dieser Ode + +Jüngling, lebst du nicht in Freuden, +Jüngling, o so haß ich dich! +Alter, lebst du nicht in Freuden, +Alter, o so haß ich dich! + +Jüngling, trauerst du in Jahren, +Wo die Pflicht sich freuen heißt?-- +Schäme dich! so frisch an Haaren, +Jüngling, und so schwach an Geist! + + + +Die Abwechslung + +Ich trinke nicht stets einen Wein. +Das möchte mir zu ekel sein. +Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande, +Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande, +Die wechsl ich täglich mit Bedacht, +Weil Wechseln alles süßer macht. + +Und mich soll nur ein artig Kind, +Wenn mehrere zu finden sind, +Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden? +Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden. +Nein, nein, ich folge meinem Brauch, +Mit artgen Kindern wechsl ich auch. + + + +Die Antwort + +Der Nachbarin Climene +Schrieb ich von Lieb und Glut. +Die christlich holde Schöne +War allen Menschen gut. +Sie hat den Brief bekommen, +Voll Sehnsucht angenommen, +Geküßt und aufgemacht, +Gelesen und gelacht. +Ach Gott, das gute Kind! + +Sie wird wohl wieder schreiben? +Nein; schreiben kann sie nicht. +Nur sich die Zeit vertreiben, +Ist ihre Kunst und Pflicht. +Doch ohne Trost mich lassen, +Hieß meine Liebe hassen; +Drum kömmt sie selbst zu mir, +Durch unsre Hintertür. +Ach, gar zu gutes Kind! + + + +Die Beredsamkeit + +Freunde, Wasser machet stumm: +Lernet dieses an den Fischen. +Doch beim Weine kehrt sichs um: +Dieses lernt an unsern Tischen. +Was für Redner sind wir nicht, +Wenn der Rheinwein aus uns spricht! +Wir ermahnen, streiten, lehren; +Keiner will den andern hören. + + + +Die Betrübnis + +Der Dichter und sein Freund. + +Der Freund. + Freund! welches Unglück, welche Reue + Macht dir so bittern Schmerz? + +Der Dichter. + Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue! + Und sie besaß mein Herz. + +Der Freund. + Um eine Falsche dich betrüben? + Du bist ja klug genug. + +Der Dichter. + O schweig! das heißt nicht lieben, + Läßt uns die Liebe klug. + + + +Die Biene + +Als Amor in den goldnen Zeiten +Verliebt in Schäferlustbarkeiten +Auf bunten Blumenfeldern lief, +Da stach den kleinsten von den Göttern +Ein Bienchen, das in Rosenblättern, +Wo es sonst Honig holte, schlief. + +Durch diesen Stich ward Amor klüger. +Der unerschöpfliche Betrüger +Sann einer neuen Kriegslist nach: +Er lauscht in Rosen und Violen; +Und kam ein Mädchen sie zu holen, +Flog er als Bien heraus, und stach. + + + +Die Diebin + +(1745) + +Du Diebin mit der Rosenwange, +Du mit den blauen Augen da! +Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange? +Gesteh nur, was ich fühlt und sah! + +Du schweigst? Doch deine Rosenwange +Glüht schuldig, röter, als vorhin, +O Diebin mit der Rosenwange, +Wo ist mein Herz, wo kam es hin? + + + +Die Einwohner des Mondes + +Die Mägdchen die in sechzehn Jahren +Noch nicht das leckre Glück erfahren, +Wozu sie ihre Mütter sparen; +Das Stutzerchen, das was gelernt; +Das Weib, das nie sich aus den Schranken +Der ehelichen Pflicht entfernt, +Und um den Mann die Welt vergißt; +Der Bettler, der bei dem Bedanken +So höflich wie beim Bitten ist; +Der Dichter, welcher nie gelogen, +Dem stets der Reim, und niemals er, +Dem lieben Reime nachgezogen; +Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt, +Um Kleinigkeiten nicht verdammt, +Und weiß durch Taten zu ermahnen; +Der Edle, der von seinen Ahnen +In unzertrennter Ordnung stammt, +Ohn daß ein wackrer Bauerknecht +Nicht oft das Heldenblut geschwächt; +Ein Arzt, der keinen tot gemacht; +Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet; +Der Hagestolz, der in der Nacht, +Was er am Tage flieht, nicht suchet; +Das fromme Weib, das nie geschmält; +Der reiche Greis, dem nichts gefehlt; +Und hundert andre schöne Sachen, +Die unsern Zeiten Ehre machen: +Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond, +Wo jedes Hirngespinste wohnt. + + + +Die Ente + +Ente, wahres Bild von mir, +Wahres Bild von meinen Brüdern! +Ente, jetzo schenk ich dir +Auch ein Lied von meinen Liedern. + +Oft und oft muß dich der Neid +Zechend auf dem Teiche sehen. +Oft sieht er aus Trunkenheit +Taumelnd dich in Pfützen gehen. + +Auch ein Tier--o das ist viel! +Hält den Satz für wahr und süße, +Daß, wer glücklich leben will, +Fein das Trinken lieben müsse. + +Ente, ists nicht die Natur, +Die dich stets zum Teiche treibet? +Ja, sie ists; drum folg ihr nur. +Trinke, bis nichts übrig bleibet. + +Ja, du trinkst und singst dazu. +Neider nennen es zwar schnadern; +Aber, Ente, ich und du +Wollen nicht um Worte hadern. + +Wem mein Singen nicht gefällt, +Mag es immer Schnadern nennen. +Will uns nur die neidsche Welt +Als versuchte Trinker kennen. + +Aber, wie bedaur ich dich, +Daß du nur mußt Wasser trinken. +Und wie glücklich schätz ich mich, +Wenn mir Weine dafür blinken. + +Armes Tier, ergib dich drein. +Laß dich nicht den Neid verführen. +Denn des Weins Gebrauch allein +Unterscheidet uns von Tieren. + +In der Welt muß Ordnung sein. +Menschen sind von edlern Gaben. +Du trinkst Wasser, und ich Wein: +So will es die Ordnung haben. + + + +Die Faulheit + +Fleiß und Arbeit lob ich nicht. +Fleiß und Arbeit lob ein Bauer. +Ja, der Bauer selber spricht, +Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. +Faul zu sein, sei meine Pflicht; +Diese Pflicht ermüdet nicht. + +Bruder, laß das Buch voll Staub. +Willst du länger mit ihm wachen? +Morgen bist du selber Staub! +Laß uns faul in allen Sachen, +Nur nicht faul zu Lieb und Wein, +Nur nicht faul zur Faulheit sein. + + + +Die Gespenster + +Der Alte + O Jüngling! sei so ruchlos nicht, + Und leugne die Gespenster. + Ich selbst sah eins beim Mondenlicht + Aus meinem Kammerfenster, + Das saß auf einem Leichenstein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Als meiner Schwester Sohn verschied, + (Das sind nunmehr zehn Jahre!) + Sah seine Magd, die trefflich sieht, + Des Abends eine Bahre, + Und oben drauf ein Totenbein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Und als mein Freund im Treffen blieb, + Das Frankreich jüngst verloren, + Hört seine Frau, wie sie mir schrieb, + Mit ihren eignen Ohren + Zu Mitternacht drei Eulen schrein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + In meinem Keller selbst gehts um. + Ich hör oft ein Gesause; + Doch werden die Gespenster stumm, + Ist nur mein Sohn zu Hause. + Denk nur, sie saufen meinen Wein: + Das müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wünscht ich eins davon zu sein. + +Der Alte + Auch weiß ich nicht, was manche Nacht + In meiner Tochter Kammer + Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht; + Oft bringt mirs Angst und Jammer. + Ich weiß das Mädchen schläft allein; + Drum müssen es Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein. + + + +Die Gewißheit + +Ob ich morgen leben werde, +Weiß ich freilich nicht: +Aber, wenn ich morgen lebe, +Daß ich morgen trinken werde, +Weiß ich ganz gewiß. + + + +Die Haushaltung + +Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau +Zu seiner lieben Ehefrau. +"Versoffner, unverschämter Mann"--– +Geduld, mein Kind, ich zieh mich an-- +"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine. +Zank du alleine. + +"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus! +Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus. +Gott! ich soll so verlassen sein?-- +Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein! +Mein böser Teufel ist zu Weine: +Wir sind alleine." + + + +Die Küsse + +Der Neid, o Kind, +Zählt unsre Küsse: +Drum küß geschwind +Ein Tausend Küsse; +Geschwind du mich, +Geschwind ich dich! +Geschwind, geschwind, +O Laura, küsse +Manch Tausend Küsse: +Damit er sich +Verzählen müsse. + + + +Die Küsse + +Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket, +Das mit dem Küssen nur noch spielt, +Und bei dem Küssen noch nichts denket, +Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt. + +Ein Kuß, den mir ein Freund verehret, +Das ist ein Gruß, der eigentlich +Zum wahren Küssen nicht gehöret: +Aus kalter Mode küßt er mich. + +Ein Kuß, den mir mein Vater giebet, +Ein wohlgemeinter Segenskuß, +Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet, +Ist etwas, das ich ehren muß. + +Ein Kuß von meiner Schwester Liebe +Steht mir als Kuß nur so weit an, +Als ich dabei mit heißerm Triebe +An andre Mädchen denken kann. + +Ein Kuß, den Lesbia mir reichet, +Den kein Verräter sehen muß, +Und der dem Kuß der Tauben gleichet: +Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß. + + + +Die Kunstrichter und der Dichter + +Die Kunstrichter + Ihr Dichter! seid des Stoffes voll, + Den eure Muse singen soll: + Alsdann gerät das Lied euch wohl. + +Der Dichter + Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl! + Seht her! ich bin des Stoffes voll, + Den meine Muse singen soll; + Ich bin, ich bin des Weines voll: + Und doch gerät kein Lied mir wohl. + +Die Kunstrichter + Du bist des Stoffes allzu voll, + Den deine Muse singen soll: + Darum gerät kein Lied dir wohl. + + + +Die Liebe + +Ohne Liebe +Lebe, wer da kann. +Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, +Bleibt er doch kein Mann. + +Süße Liebe, +Mach mein Leben süß! +Stille nie die regen Triebe +Sonder Hindernis. + +Schmachten lassen +Sei der Schönen Pflicht! +Nur uns ewig schmachten lassen, +Dieses sei sie nicht. + + + +Die Musik + +Ein Orpheus spielte; rings um ihn, +Mit lauschendem Gedränge +Stand die erstaunte Menge, +Durchs Ohr die Wollust einzuziehn. +Ein Trinker kam von ungefähr, +Und taumelte den Weg daher. +Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn, +Und ward entzückt, und schriee: Schön! +So schön, als wenn bei meinem wackern Wirte +Das helle Paßglas klirrte! + + + +Die Mutter + +Strenge Phyllis dich zu küssen, +Dich ein einzigmal zu küssen, +Hab ich dich nicht bitten müssen! +Und doch darf ich dich nicht küssen. +Sagst du? "Meine Mutter spricht: +Phyllis, Tochter küsse nicht!" +Ist es so was Böses, küssen? +Liegt kein Trieb dazu im Blut? +Doch--weg mit den schweren Schlüssen! +Laß sie warnen! kurz und gut; +Was geht der die Mutter an, +Die selbst Mutter werden kann? + + + +Die Namen + +Ich fragte meine Schöne: +Wie soll mein Lied dich nennen? +Soll dich als Dorimene, +Als Galathee, als Chloris, +Als Lesbia, als Doris, +Die Welt der Enkel kennen? + +Ach! Namen sind nur Töne: +Sprach meine holde Schöne. +Wähl selbst. Du kannst mich Doris, +Und Galathee und Chloris, +Und--wie du willst mich nennen; +Nur nenne mich die Deine. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit süßen Grillen sich ergötzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gründen schließt, +Daß Wein in den Planeten ist: +Das heißt zu früh bevölkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Daß in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schließen. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit süßen Grillen sich ergötzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gründen schließt, +Daß Wein in den Planeten ist: +Das heißt zu früh bevölkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Daß in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schließen. + + + +Die Redlichkeit + +So weit sich läßt die Welt durchwandern, +Klagt ein verlarvter Schelm dem andern +Die selbstverschuldte Seltenheit +Der nie geübten Redlichkeit. + +Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen-- +Da seht die Torheit ihrer Herzen! +Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein? +Doch fluchen sie auf dich, o Wein! + +So klagen, und dem Trinken fluchen, +Heißt Zwecke sonder Mittel suchen. +Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt? +Wie man es kaum von Wolfen hört. + +Wer hat die Redlichkeit erhoben +Ohn unsre Väter mit zu loben? +Ja, ja, die trunken wacker Wein, +Wie konnten sie nicht redlich sein? + +Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen, +Die euch, so oft euch durstt, ermahnen, +An Treu und Trunke kindlich gleich. +Trinkt redlich aus und küsset euch! + + + +Die Schöne von hinten + +Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer +Dort für ein reizend Frauenzimmer? +Der neuen Tracht Vollkommenheit, +Der engen Schritte Nettigkeit, +Die bei der kleinsten Hindrung stocken, +Der weiße Hals voll schwarzer Locken, +Der wohlgewachsne schlanke Leib, +Verrät ein junges artges Weib. + +Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen, +Damit wir sie von vorne sehen. +Es muß, triegt nicht der hintre Schein, +Die Venus oder Phyllis sein. +Komm, eile doch!--O welches Glücke! +Jetzt sieht sie ungefähr zurücke. +Was wars, das mich entzückt gemacht? +Ein altes Weib in junger Tracht. + + + +Die Sparsamkeit + +Von nun an muß ich sparsam werden. +Warum denn das? Der Wein schlägt auf. +So gehts, das Beste dieser Erden +Erhält man nur durch teuren Kauf. + +Wer pocht? Ei der verwünschte Schneider +Macht mich fast durch sein Mahnen toll. +Da seht die Menschenliebe! leider, +Daß man doch stets bezahlen soll. + +"Beliebet morgen einzusprechen. +Die Wechsel laufen später ein." +Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen. +Seht! seht! so muß man sparsam sein. + + + +Die Stärke des Weins + +Wein ist stärker als das Wasser: +Dies gestehn auch seine Hasser. +Wasser reißt wohl Eichen um, +Und hat Häuser umgerissen: +Und ihr wundert euch darum, +Daß der Wein mich umgerissen? + + + +Die Türken + +Die Türken haben schöne Töchter, +Und diese scharfe Keuschheitswächter; +Wer will kann mehr als eine frein: +Ich möchte schon ein Türke sein. + +Wie wollt ich mich der Lieb ergeben! +Wie wollt ich liebend ruhig leben, +Und--doch sie trinken keinen Wein; +Nein, nein, ich mag kein Türke sein. + + + +Die Versteinerung + +Holz und Beine +Werden Steine +Durch des Wassers Kraft. +Werden Holz und Beine +Durch des Wassers Kraft, +Werden die zu Steine: +Sagt, ihr Wasserfreunde, +Sagt, ihr Rebenfeinde, +Werden eure Herzen +Nicht versteinert sein? + +Mark und Beine +Fühlen, Weine, +Eures Feuers Kraft. +Wenn mein Liebster trinket, +Trinkt er Rebensaft, +Bis er sich betrinket. +Sollt ich ihn nicht lieben? +Ja, ich will ihn lieben, +Weil sein Herz erhitzet, +Nicht versteinert wird. + +C*** + + + +Die Wetterprophezeiung + +Das Wetter ist veränderlich, +Veränderlich, wie meine Schönen. +Umsonst, o Freund, bemüht man sich, +Nach Regeln beide zu gewöhnen. +Drum laß dein Wetterprophezein, +Wie ich mein treues Lieben, sein. + +Doch, kannst du deiner Wissenschaft, +Gelehrter Wolkenseher! trauen: +Wohl gut! so laß von ihrer Kraft +Mich stracks ein kleines Beispiel schauen. +Du sollst--du sollst mir prophezein: +Wird heuer ein gut Weinjahr sein?* + +L. + +* Ja! + + + +Die drei Reiche der Natur + +Ich trink, und trinkend fällt mir bei, +Warum Naturreich dreifach sei. +Die Tier und Menschen trinken, lieben, +Ein jegliches nach seinen Trieben: +Delphin und Adler, Floh und Hund +Empfindet Lieb und netzt den Mund. +Was also trinkt und lieben kann, +Wird in das erste Reich getan. + +Die Pflanze macht das zweite Reich, +Dem ersten nicht an Güte gleich: +Sie liebet nicht, doch kann sie trinken; +Wenn Wolken träufelnd niedersinken, +So trinkt die Zeder und der Klee, +Der Weinstock und die Aloe. +Drum, was nicht liebt, doch trinken kann, +Wird in das zweite Reich getan. + +Das Steinreich macht das dritte Reich; +Und hier sind Sand und Demant gleich: +Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe, +Er wächset ohne Trunk und Liebe. +Drum, was nicht liebt noch trinken kann, +Wird in das letzte Reich getan. +Denn ohne Lieb und ohne Wein, +Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein. + + + +Die lügenhafte Phyllis + +Mein Damon spricht: +Kind, lüge nicht! +Sonst werd ich strafen müssen, +Und dich zur Strafe küssen. +Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, +Und strafet mich schon im voraus. + +Sonst log ich nicht. +Nur seit er spricht: +Du sollst mir fein mit Küssen +Die losen Lügen büßen, +Red ich kein wahres Wörtchen mehr. +Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her? + + + +Die lehrende Astronomie + +Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt +Auf hohe feste Schultern baute, +Und mir die Pracht zu sehn erlaubt, +Die nie ein hängend Tieraug schaute! +Hier lern ich mich und ihn erkennen, +Und hier mich nichts, ihn alles nennen. +Was bin ich? Ich bin groß genung, +Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen. +Mein Wissen ist Verwunderung; +Mein Leben leichter Blitze Brennen. +Und so ein Nichts, verblendte Toren, +Soll sein zum Herrn der Welt geboren? + +Der Stolz, der Torheit Eigentum, +Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne; +Die Demut ist des Weisen Ruhm, +Und die lernt er bei euch, ihr Sterne! +Und wird nur groß, weil er euch kennet, +Und euern Gott auch seinen nennet. + +Auch wenn sein Unglück ihn den Weg, +Den harten Weg der Prüfung führet, +Und wenn, auf dem einsamen Steg, +Sich Lieb und Freund von ihm verlieret, +Lernt er bei euch, durch süße Grillen, +Oft allzuwahre Schmerzen stillen. + +O Tugend! reizend Hirngedicht, +Erdachte Zierde unsrer Seelen! +Die Welt, o Tugend, hat dich nicht: +Doch wirst du auch den Sternen fehlen? +Nein, starbst du gleich bei uns im Abel, +Du selbst bist viel zu schön zur Fabel. + +Dort seh ich, mit erstauntem Blick, +Ein glänzend Heer von neuen Welten; +Getrost, vielleicht wird dort das Glück +So viel nicht, als die Tugend, gelten. +Vielleicht dort in Orions Grenzen +Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen! + +"Das Übel", schreit der Aberwitz, +"Hat unter uns sein Reich gewonnen." +Wohl gut, doch ist des Guten Sitz +In ungezählten größern Sonnen. +Der Dinge Reihen zu erfüllen, +Schuf jenes Gott mit Widerwillen. + +So, wie den Kenner der Natur +Auch Quarz und Eisenstein vergnügen, +Nicht Gold- und Silberstufen nur +In Fächern, voller Lücken, liegen: +So hat das Übel Gott erlesen +Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen. + +O nahe dich, erwünschte Zeit, +Wo ich, frei von der Last der Erde, +In wachsender Glückseligkeit, +Einst beßre Welten sehen werde! +O Zeit, wo mich entbundne Schwingen +Von einem Stern zum andern bringen! + +Gedanken! fliehet nur voran! +Verirrt euch in den weiten Sphären, +Bis ich euch selber folgen kann. +Wie lang, Geschick, wird es noch währen! +O Lust, hier seh ich schon die Kreise, +Die Wege meiner ewgen Reise! + +Drum kränkt der blinde Damon sich +Nur in der Nacht um sein Gesichte. +Geruhig, Tag, vermißt er dich, +Und deine Eitelkeit im Lichte; +Und wünscht sich, von der Weltlust ferne, +Ein fühlend Aug nur für die Sterne. + +O selge Zeit der stillen Nacht, +Wo Neid und Bosheit schlafend liegen, +Und nur ein frommes Auge wacht, +Und sucht am Himmel sein Vergnügen! +Gott sieht die Welt in diesen Stunden, +Und spricht, ich hab sie gut gefunden! + +Berlin. +L. + + + +Die schlafende Laura + +Nachlässig hingestreckt, +Die Brust mit Flor bedeckt, +Der jedem Lüftchen wich, +Das säuselnd ihn durchstrich, +Ließ unter jenen Linden +Mein Glück mich Lauren finden. +Sie schlief und weit und breit +Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden, +Aus mißvergnügter Traurigkeit, +Von Lauren nicht gesehn zu werden. +Sie schlief, und weit und breit +Erschallten keine Nachtigallen, +Aus weiser Furchtsamkeit, +Ihr minder zu gefallen, +Als ihr der Schlaf gefiel, +Als ihr der Traum gefiel, +Den sie vielleicht itzt träumte, +Von dem, ich hoff' es, träumte, +Der staunend bei ihr stand, +Und viel zu viel empfand, +Um deutlich zu empfinden, +Um noch es zu empfinden, +Wie viel er da empfand. +Ich ließ mich sanfte nieder, +Ich segnete, ich küßte sie, +Ich segnete, und küßte wieder: +Und schnell erwachte sie, +Schnell taten sich die Augen auf. +Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf. + + + +Die schlimmste Frau + +Die Weiber können nichts als plagen. +Der Satz sagt viel und ist nicht neu. +Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen, +Welch Weib das schlimmste sei? + +Ein Weib, das mit dem Manne scherzet +Wie ein gebildter Marmorstein, +Das ohne Glut und Reiz ihn herzet, +Das kann kein gutes sein. + +Ein Weib, das wie ein Drache geizet, +Und gegen Kind und Magd genau, +Den Dieb, mich zu bestehlen reizet, +O eine schlimme Frau! + +Ein Weib, das gegen alle lachet, +In Liebesstreichen frech und schlau +Uns täglich neue Freunde machet, +O eine schlimmre Frau! + +Ein Weib, das nichts als bet und singet, +Und bei der Kinder Zeitvertreib +Mit Seufzen ihre Hände ringet, +O ein noch schlimmer Weib! + +Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte, +(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?) +Den Mann sich gern zum Sklaven machte, +Das muß ein Teufel sein! + +Ein Weib, das ihrem Manne fluchet, +Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein, +Wie heimlich sie Liebhaber, suchet, +Das muß--ein Weibsbild sein! + + + +Die verschlimmerten Zeiten + +Anakreon trank, liebte, scherzte, +Anakreon trank, spielte, herzte, +Anakreon trank, schlief, und träumte +Was sich zu Wein und Liebe reimte: +Und hieß mit Recht der Weise. + +Wir Brüder trinken, lieben, scherzen, +Wir Brüder trinken, spielen, herzen, +Wir Brüder trinken, schlafen, träumen, +Wozu sich Wein und Liebe reimen: +Und heißen nicht die Weisen. + +Da seht den Neid von unsern Zeiten! +Uns diesen Namen abzustreiten! +O Brüder, lernet hieraus schließen, +Daß sie sich stets verschlimmern müssen; +Sie nennen uns nicht weise. + + + +Die wider den Cäsar verschworne Helden + +Cassius. Decimus. Brutus. Cimber. + +Cassius. + Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben, + Eh Rom noch Königsfesseln trägt. + Wer sollte nicht mit Lust verderben, + Wenn ihn der Staat mit niederschlägt? + +Decimus. + Ja--aber ohne Rache sterben, + Und ohne Nutz dem Vaterland-- + Freund, das heißt pöbelhaft verderben. + Und wozu hätt ich Mut und Hand? + +Cassius. + O Brutus! voller tiefen Sorgen + Seh ich dein Herz für Rom zerteilt. + O Freund! noch einen freien Morgen, + So hat die Knechtschaft uns ereilt. + +Brutus. + Wenn Cäsar Rom will unterdrücken, + Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn. + Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken: + Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn. + +Cassius. + Du? deinem Freunde? Brutus! Götter! + Rom steht, wenn Brutus Brutus ist. + Schon war ein Brutus Roms Erretter; + Komm! zeige, daß du beide bist. + +Cimber. + Auch ich will alles mit euch wagen; + Auch ich muß ohne König sein. + Denn könnt ich einen Herrn ertragen, + Ertrüg ich allererst den Wein. + + + +Eine Gesundheit + +Trinket Brüder, laßt uns trinken +Bis wir berauscht zu Boden sinken; +Doch bittet Gott den Herren, +Daß Könige nicht trinken. + +Denn da sie unberauscht +Die halbe Welt zerstören, +Was würden sie nicht tun, +Wenn sie betrunken wären? + + + +Für wen ich singe + +Ich singe nicht für kleine Knaben, +Die voller Stolz zur Schule gehn, +Und den Ovid in Händen haben, +Den ihre Lehrer nicht verstehn. + +Ich singe nicht für euch, ihr Richter, +Die ihr voll spitzger Gründlichkeit +Ein unerträglich Joch dem Dichter, +Und euch die Muster selber seid. + +Ich singe nicht den kühnen Geistern, +Die nur Homer und Milton reizt; +Weil man den unerschöpften Meistern +Die Lorbeern nur umsonst begeizt. + +Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen, +Für dich, mein deutsches Vaterland. +Ich fürchte jene Lästerzungen, +Die dich bis an den Pol verbannt. + +Ich singe nicht für fremde Reiche. +Wie käm mir solch ein Ehrgeiz ein? +Das sind verwegne Autorstreiche. +Ich mag nicht übersetzet sein. + +Ich singe nicht für fromme Schwestern, +Die nie der Liebe Reiz gewinnt, +Die, wenn wir munter singen, lästern, +Daß wir nicht alle Schmolken sind. + +Ich singe nur für euch, ihr Brüder, +Die ihr den Wein erhebt, wie ich. +Für euch, für euch sind meine Lieder. +Singt ihr sie nach: o Glück für mich! + +Ich singe nur für meine Schöne, +O muntre Phyllis, nur für dich. +Für dich, für dich sind meine Töne. +Stehn sie dir an, so küsse mich. + + + +Heldenlied der Spartaner + +In drei Chören. + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER MÄNNER. + Sind wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Werden wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +CHÖRE DER MÄNNER UND JÜNGLINGE. + Waret ihr! + +CHOR DER ALTEN. + Das leugne, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER MÄNNER. + Sind wir! + +CHÖRE DER ALTEN UND JÜNGLINGE. + Seid ihr! + +CHOR DER MÄNNER. + Versuch uns, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Werden wir! + +CHÖRE DER ALTEN UND MÄNNER. + Werdet ihr! + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Noch tapfrer, als ihr! + + + +Ich + +Die Ehre hat mich nie gesucht; +Sie hätte mich auch nie gefunden. +Wählt man, in zugezählten Stunden, +Ein prächtig Feierkleid zur Flucht? + +Auch Schätze hab ich nie begehrt. +Was hilft es sie auf kurzen Wegen +Für Diebe mehr als sich zu hegen, +Wo man das wenigste verzehrt? + +Wie lange währt's, so bin ich hin, +Und einer Nachwelt untern Füßen? +Was braucht sie wen sie tritt zu wissen? +Weiß ich nur, wer ich bin. + +Wittenberg den 11. Okt. 1752. + + + +Jungfer Lieschens Knie + +Schautest du denn nie +Jungfer Lieschens Knie? +Jungfer Lieschens Fingerhut +Ist zu allen Dingen gut! + +1. Griechisch + Ouc ebleyaV su + ParJenou gonu; + ParJenou dactulitron + ’Esti proV panta calon. + +2. Lateinisch + Non vidisti tu + Virginis genu? + Virginis dactylitrum + Est ad omnia bonum. + +3. Engländisch + Did you never see + Mistriss Betty's knee? + What you Betty's thimble call + That is very good for all. + + + +Küssen und Trinken + +Mägdgen, laß mich dich doch küssen! +Zaudre nicht, sonst wirst du müssen. + Hurtig! hurtig schenkt mir ein! + Auf das Küssen schmeckt der Wein! + +Dieser Wein hat Geist und Feuer. +Mägdgen tu doch etwas freier. + Gönn mir vorigen Genuß: + Auf das Trinken schmeckt ein Kuß! + + + +Lied + +(1748) + +Ehret, Brüder, meine Schöne, +Ehrt die gallische Helene! +Bacchus selber ehret sie. +Jüngst an ihrer stolzen Rechte, +Als er mit uns beiden zechte, +Ward er, denn sie schenkt' ihm ein, +Voller noch von Lieb als Wein. + + + +Lied aus dem Spanischen + +Gestern liebt ich, +Heute leid ich, +Morgen sterb ich: +Dennoch denk ich +Heut und morgen +Gern an gestern. + + + +Lob der Faulheit + +Faulheit, itzo will ich dir +Auch ein kleines Loblied bringen. +O--wie--sau--er--wird es mir,-- +Dich--nach Würden--zu besingen! +Doch, ich will mein Bestes tun, +Nach der Arbeit ist gut ruhn. + +Höchstes Gut! wer dich nur hat, +Dessen ungestörtes Leben-- +Ach!--ich--gähn--ich--werde matt-- +Nun--so--magst du--mirs vergeben, +Daß ich dich nicht singen kann; +Du verhinderst mich ja dran. + + + +Nach der 15. Ode Anakreons + +Was frag ich nach dem Großsultan, +Und Mahomets Gesetzen? +Was geht der Perser Schach mich an, +Mit allen seinen Schätzen? + +Was sorg ich ihrer Kriegesart, +Und ihrer Treffen halben? +Kann ich nur meinen lieben Bart +Mit Spezereien salben. + +Kann ich nur mein gesalbtes Haupt +Mit Rosen stolz umschließen, +Und wenn mir sie ein Mädchen raubt, +Das Mädchen strafend küssen. + +Ein Tor sorgt für die künftge Zeit. +Für heute will ich sorgen. +Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit, +Den ungewissen Morgen? + +Was soll ich hier, so lang ich bin, +Mich um die Zukunft kränken? +Ich will mit kummerlosem Sinn +Auf Wein und Liebe denken. + +Denn plötzlich steht er da, und spricht, +Der grimme Tod: "Von dannen! +Du trinkst, du küssest länger nicht! +Trink aus! küß aus! Von dannen!" + + + +Niklas + +Mein Esel sicherlich +Muß klüger sein, als ich. +Ja, klüger muß er sein! +Er fand sich selbst in Stall hinein, +Und kam doch von der Tränke. +Man denke! + + + +Phillis + +(1746) + +Wenn der finstre Damon spricht, +Amor sei ein Ungeheuer, +Seine Glut ein höllisch Feuer! +O so fürcht ich Amorn nicht. + +Aber hebt mein Thirsis an, +Amor sei ein Kind zum Küssen, +Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen: +O wie fürcht ich Amorn dann! + + + +Phyllis an Damon + +Lehre mich, o Damon, singen, +Singen, wie du trunken singst. +Laß auch mich dir Lieder bringen, +Wie du mir begeistert bringst. +Wie du mich willst ewig singen, +Möcht auch ich dich ewig singen. + +Durch des Weines Feuerkräfte, +Nur durch sie singst du so schön. +Aber diese Göttersäfte +Darf ich schmachtend nur besehn. +Dir riet Venus Wein zu trinken, +Mir riet sie, ihn nicht zu trinken. + +Was wird nun mein Lied beleben, +Kann es dieser Trank nicht sein?-- +Wie? Du willst mir Küsse geben, +Küsse, feuriger, als Wein?-- +Damon, ach! nach deinen Küssen +Werd ich wohl verstummen müssen. + + + +Phyllis lobt den Wein + +Seht, mein Damon tanzt und springet! +Seht, wie wiegt er Leib und Fuß! +Seht, mein Damon lacht und singet, +Singt von Ruhe, Wein und Kuß. +Seht, wie Mund und Augen glühn! +Wir beleben uns durch ihn. + +Hört die ungezwungnen Scherze! +Hört, die Liebe scherzt durch ihn! +Wie die Dämmrung vor der Kerze +Seht die Schwermut vor ihm fliehn. +Seht, er taumelt, wankt im Gehn, +Seht, sogar er taumelt schön. + +Seht, wie locken seine Lippen! +Seht, wie glüht sein Mund so rot! +Machet mich, ihr roten Lippen, +Macht mich halbgezwungen rot! +Ja, er kömmt, er küsset mich. +O wie feurig küßt er mich! + +Wein, du Wein hast ihn begeistert, +Du teilst ihm dein Feuer mit. +Durch dich küßt er so begeistert, +Und teilt mir sein Feuer mit. +Drum soll, wie von ihm, der Wein +Auch von mir vergöttert sein! + + + +Refutatio Papatus + +Nein, nein! durchaus ich glaube nicht, +Was Petri falscher Folger spricht; +Daß jene Bücher göttlich wären, +Die, zu der Juden steten Ehren, +Uns von des Maccabäus Helden +Und ihren heilgen Schlachten melden. + +Hört meinen neu erfundnen Grund! +Es machte mir der Wein ihn kund; +Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet. +Oh, daß ihr Theologen streitet, +Und streitet, ohne Wein zu trinken! +So müßt ihr stets in Irrtum sinken. + +Der Schluß* von diesen Büchern sagt: +(Worüber Wein und Wahrheit klagt) +"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen, +Das bringet eklen Widerwillen. +Bald Wasser, und bald Wein genießen, +Das muß uns den Gebrauch versüßen." + +Was gilts? wer lügt, ist nicht von GOtt. +Haha! Herr Papst! ihr werdet rot, +Und seht die Wahrheit meiner Sätze. +Oh, wenn ich mich im Wein ergetze, +Glaubt ihr, ich wünscht ihn einst zu lassen? +Ich müßte meine Wohlfahrt hassen. + +L. + +* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern +zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d. +Makkab. 15. Kap. 40. V. + + + +Salomon + +Lobt mir Davids weisen Sohn! +Auch bei Lieb und Wein und Scherzen +War er doch nach Gottes Herzen. +Brüder, lobt den Salomon. +Brüder, laßt sein Lob erschallen! +Doch vor allen +Lobt mir seinen weisen Schluß: +Wer viel lernt hat viel Verdruß! + +Dieses laßt mir Wahrheit sein! +Diese Wahrheit stets zu lieben +Hat mich die Natur getrieben, +Die Natur und Lieb und Wein. +Ehrt mit mir den weisen König! +Lernet wenig! +Brüder, und erwägt den Schluß: +Wer viel lernt hat viel Verdruß! + + + +Trinklied + +Voll, voll, voll, +Freunde, macht euch voll! +Wein, Wein, Wein, +Freunde, schenkt ihn ein! +Küßt, küßt, küßt, +Die euch wieder küßt! +Voll von Wein, +Voll von Liebe, +Voll von Wein und Liebe, +Freunde, voll zu sein, +Küßt und schenket ein! + + + +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche + +Alten, alt zu unsrer Pein, +Denen von der Lust im Lieben, +Von der Jugend, von dem Wein, +Das Erinnern kaum geblieben; +Weibern, die der Taufschein drückt, +Wenn ihr Reiz der sonst entzückt, +Sonst gestritten, sonst gesiegt, +Unter Schichten Runzeln liegt; +Dichtern, die den Wein nicht loben, +Die die Liebe nicht erhoben; +Mägdchen, die nicht Gleimen kennen, +Rosten nicht vortrefflich nennen; +Weisen, die mit leeren Grillen +Leere Köpfe strotzend füllen; +Männern, die die Sitten lehren, +Und dich, Molier, nicht ehren, +Stolz auf ihr Systema sehn, +Und dich muntern Schauplatz schmähn; +Handelsleuten, die das Geld, +Und ihr Stolz zu Fürsten stellt; +Falschen Priestern, die die Tugend, +Mir nicht munter wie die Jugend, +Mir nicht schmackhaft, mir nicht süße, +Wie den Wein, und wie die Küsse, +Mir nicht reizend, wie die Strahlen, +Aus der Phyllis Augen malen; +Stutzern, deren weißer Scheitel, +Deren reich und witzge Tracht, +Dummgelobte Schönen eitel, +Und zu ihresgleichen macht; +Unversuchten stolzen Kriegern; +Aufgeblasnen Federsiegern; +Ältlichklugen jungen Leuten; +Seufzenden nach bessern Zeiten; +Schwermutsvollen Gallenchristen; +Allen Narren, die sich isten; +Zum Exempel, Pietisten; +Zum Exempel, Atheisten; +Zum Exempel, Rabulisten; +Operisten und Chymisten; +Quietisten und Sophisten; +Und nicht wenigen Juristen; +Publizisten und Statisten; +Und nicht wenigen Linguisten; +Und nicht wenigen Stylisten; +Und nicht wenig Komponisten--– +O der Atem will mir fehlen +Alle Narren zu erzählen--– +Allen, die mich tadelnd hassen, +Die mein Leben voller Freude +Mich nicht, aus verstelltem Neide, +Ungestört genießen lassen; +Diesen Toren, diesen allen +Mag ich ** nicht gefallen, +Mag ich, sag ich, nicht gefallen. + +* + +Alten, die der Wein verjüngt, +Die mit zitternd schwachen Tönen, +Wenn die Jugend munter singt, +Ihr noch gleich zu sein sich sehnen; +Weibern, die, was an sich zieht, +Reiz und Jugend noch nicht flieht, +Die des Schicksals harte Hand +Weibschen Männern zugewandt; +Jungen Witwen, die sich grämen +Flor und Trauer um zu nehmen, +Und mit schwergereizten Zähren +Nur den andern Mann begehren; +Dichtern, die wie Dichter küssen, +Nichts als sich zu freuen wissen; +Dichtern, die wie Dichter zechen, +Nie versagten Beifall rächen; +Dichtern, die bei Kuß und Wein +Miltons lassen Miltons sein; +Dichtern, die im Scherze stark, +Mit Geschichten voller Mark, +Muntern Mägdchen munter lehren, +Was die Mütter ihnen wehren; +Dichtern, die mich spottend bessern, +Kleine Fehlerchen vergrößern, +Daß ich sie in ihrem Spiele +Desto lächerlicher fühle; +Rednern, die stark im Verstellen +Uns vergnügend hintergehn, +Wenn wir sie in zwanzig Fällen +Zwanzigmal nicht selber sehn, +Bald als Unglückshelden sprechen, +Bald die Tugend spottend rächen, +Bald als Könige befehlen, +Bald als alte Männer schmälen; +Künstlern, die auf Zaubersaiten +Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten, +Und mit heilsam falschen Leide +Dämpfen übermäßge Freude; +Federbüschen, die nicht prahlen; +Reichen, welche reich bezahlen; +Kriegern, die ihr Leben wagen; +Armen, welche nicht verzagen; +Allen liebenswürdgen Mägdchen, +Liebenswürdgen weißen Mägdchen, +Liebenswürdgen braunen Mägdchen, +Liebenswürdgen stillen Mägdchen, +Liebenswürdgen muntern Mägdchen, +Wären es gleich Bürgermägdchen, +Wären es gleich Kaufmannsmägdchen, +Wären es gleich Priestermägdchen, +Wären es gleich Karnmermägdchen, +Wären es gleich Bauermägdchen, +Wenn sie nur die Liebe fühlen, +Lachen, scherzen, küssen, spielen; +Diesen, Freunde, diesen allen +Wünsch ich ** zu gefallen, +Wünsch ich, sag ich, zu gefallen. + + + +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + +(1753) + +Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen +Die Wißbegier, dich, ihren Held? +Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren +Zur künftgen, nicht zur neuen Welt. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder, +von Gotthold Ephraim Lessing. + + + + + + + + + + +End of Project Gutenberg's Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING *** + +***** This file should be named 6822-8.txt or 6822-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/6/8/2/6822/ + +Produced by Delphine Lettau +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United +States without permission and without paying copyright +royalties. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + +Lieder von Lessing + +Gotthold Ephraim Lessing + + +alphabetisch nach Titeln sortiert + +Alexander +An Amor +An den Anakreon +An den Horaz +An den Wein +An die J. L*** +An die Kunstrichter +An die Leier +An die Schwalbe +An eine kleine Schoene +Antwort eines trunknen Dichters +Auf sich selbst +Das Alter +Das Bild an Hrn. H. +Das Erdbeben +Das Leben +Das Paradies +Das Schaeferleben +Das Umwechseln +Das aufgehobene Gebot +Der Donner +Der Faule +Der Fehler +Der Fehler der Natur an Hr. M. +Der Flor +Der Genuss +Der Geschmack der Alten +Der Handel +Der Irrtum +Der Regen +Der Schiffbruch +Der Schlaf +Der Sommer +Der Sonderling +Der Tabak +Der Tausch an Hr. W. +Der Tod +Der Verlust +Der Vetter und die Muhme +Der Wunsch +Der alte und der junge Wein +Der bescheidene Wunsch +Der groesste Mann +Der muessige Poebel +Der neue Welt-Bau +Der philosophische Trinker +Der schwoerende Liebhaber +Der trunkne Dichter lobt den Wein +Die 47ste Ode Anakreons +Die Abwechslung +Die Antwort +Die Beredsamkeit +Die Betruebnis +Die Biene +Die Diebin +Die Einwohner des Mondes +Die Ente +Die Faulheit +Die Gespenster +Die Gewissheit +Die Haushaltung +Die Kuesse +Die Kuesse +Die Kunstrichter und der Dichter +Die Liebe +Die Musik +Die Mutter +Die Namen +Die Planetenbewohner +Die Redlichkeit +Die Schoene von hinten +Die Sparsamkeit +Die Staerke des Weins +Die Tuerken +Die Versteinerung +Die Wetterprophezeiung +Die drei Reiche der Natur +Die luegenhafte Phyllis +Die lehrende Astronomie +Die schlafende Laura +Die schlimmste Frau +Die verschlimmerten Zeiten +Die wider den Caesar verschworne Helden +Eine Gesundheit +Fuer wen ich singe +Heldenlied der Spartaner +Ich +Jungfer Lieschens Knie +Kuessen und Trinken +Lied +Lied aus dem Spanischen +Lob der Faulheit +Nach der 15. Ode Anakreons +Niklas +Phillis +Phyllis an Damon +Phyllis lobt den Wein +Refutatio Papatus +Salomon +Trinklied +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + + + + +Alexander + +Der Weise sprach zu Alexandern. +"Dort, wo die lichten Welten wandern, +Ist manches Volk, ist manche Stadt." +Was tut der Mann von tausend Siegen? +Die Memme weint, dass dort zu kriegen, +Der Himmel keine Bruecken hat. + +Ists wahr, was ihn der Weise lehret, +Und finden, was zur Welt gehoeret, +Daselbst auch Wein und Maedchen statt: +So lasset, Brueder, Traenen fliessen, +Dass dort zu trinken und zu kuessen, +Der Himmel keine Bruecken hat. + + + +An Amor + +Amor, soll mich dein Besuch +Einst erfreuen-- +O so lege dein Gefieder +Und die ganze Gottheit nieder. +Diese moechte mich erschrecken, +Jenes moechte Furcht erwecken, +Furcht, nach flatterhaften Kuessen, +Meine Phyllis einzubuessen. +Komm auch ohne Pfeil und Bogen, +Ohne Fackel angezogen... +Stelle dich, um mir lieb zu sein, +Als ein junger Satyr ein. + + + +An den Anakreon + +Anakreon singt, alles fuehlet: +Und alles gaehnt wenn Codrus spielet. +Anakreon, sprich, wie man spielt, +Dass niemand gaehnt, dass alles fuehlt. + +Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken, +Die mich in Bacchus Laube schicken, +Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein. +Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein! + + + +An den Horaz + +Horaz, wenn ich mein Maedchen kuesse, +Entflammt von unserm Gott, dem Wein, +Dann seh ich, ohne kritsche Schluesse, +Dich tiefer als zehn Bentleys ein. + +Dann fuehl ich sie, die suessen Kuesse, +Die ein barbarscher Biss verletzt, +Sie, welche Venus, nebst dem Bisse, +Mit ihres Nektars Fuenfteil netzt.* + +Dann fuehl ich, mehr als ich kann sagen +Die Goettin, durch die Laura kuesst, +Wie sie sich Amathunts entschlagen, +Und ganz in mich gestuerzet ist.** + +Sie herrscht im Herzen, sie gebietet; +Und Laura loescht die Phyllis aus. +Sie herrscht im Herzen? nein, sie wuetet; +Denn Laura haelt mich ab vom Schmaus. + +*--dulcia barbare +Laedentem oscula, quae Venus +Quincta parte sui Nectaris imbuit. + +**---in me tota ruens Venus +Cyprum deseruit. + + + +An den Wein + +Wein, wenn ich dich itzo trinke, +Wenn ich dich als Juengling trinke, +Sollst du mich in allen Sachen +Dreist und klug, beherzt und weise, +Mir zum Nutz, und dir zum Preise, +Kurz, zu einem Alten machen. + +Wein, werd ich dich kuenftig trinken, +Werd ich dich als Alter trinken, +Sollst du mich geneigt zum Lachen, +Unbesorgt fuer Tod und Luegen, +Dir zum Ruhm, mir zum Vergnuegen, +Kurz, zu einem Juengling machen. + + + +An die J. L*** + +Natuerlichs Ebenbild der Liebe! +Nimm hier dein kuenstlich Ebenbild; +Das, wenn man dich auch drueber schriebe, +Doch seines Meisters Schwaeche schilt. +Dem Maler lass es nicht entgelten, +Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht: +Nur auf das Urbild musst du schelten, +Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht. +Dich, aehnlichstes von allen Bildern, +Hat die Natur hervorgebracht: +Jedoch wie kann ein Kuenstler schildern, +Was die Natur vollkommen macht? + + + +An die Kunstrichter + +Schweigt, unberauschte, finstre Richter! +Ich trinke Wein, und bin ein Dichter. +Tut mir es nach, und trinket Wein, +So seht ihr meine Schoenheit ein. +Sonst wahrlich, unberauschte Richter, +Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein! + + + +An die Leier + +Toene, frohe Leier, +Toene Lust und Wein! +Toene, sanfte Leier, +Toene Liebe drein! + +Wilde Krieger singen, +Hass und Rach und Blut +In die Laute singen, +Ist nicht Lust, ist Wut. + +Zwar der Heldensaenger +Sammelt Lorbeern ein; +Ihn verehrt man laenger; +Lebt er laenger? Nein. + +Er vergraebt im Leben +Sich in Tiefsinn ein: +Um erst dann zu leben, +Wann er Staub wird sein. + +Lobt sein goettlich Feuer, +Zeit und Afterzeit! +Und an meiner Leier +Lobt die Froehlichkeit. + + + +An die Schwalbe + +Die 12te Ode Anakreons. + +Schwatzhafteste der Schwalben, sprich, +Was tu ich dir? wie straf ich dich? +Soll ich dich um die Schwingen +Mit meiner Schere bringen? +Soll ich, zu deiner Pein, +Ein andrer Tereus sein? +Und willst du gern der Progne gleichen? +Musst du, zu fruehe Schwaetzerin, +Musst du von meiner Schaeferin +Mir meinen schoenen Traum verscheuchen? + + + +An eine kleine Schoene + +Kleine Schoene, kuesse mich. +Kleine Schoene, schaemst du dich? +Kuesse geben, Kuesse nehmen, +Darf dich itzo nicht beschaemen. +Kuesse mich noch hundertmal! +Kuess und merk der Kuesse Zahl. +Ich will dir, bei meinem Leben! +Alle zehnfach wiedergeben, +Wenn der Kuss kein Scherz mehr ist, +Und du zehn Jahr aelter bist. + + + +Antwort eines trunknen Dichters + +Ein trunkner Dichter leerte +Sein Glas auf jeden Zug; +Ihn warnte sein Gefaehrte: +Hoer auf! du hast genug. +Bereit vom Stuhl zu sinken, +Sprach der: Du bist nicht klug; +Zu viel kann man wohl trinken, +Doch nie trinkt man genug. + + + +Auf sich selbst + +Ich habe nicht stets Lust zu lesen. +Ich habe nicht stets Lust zu schreiben. +Ich habe nicht stets Lust zu denken; +Kurzum, nicht immer zu studieren. + +Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen. +Doch hab ich allzeit Lust zu lieben. +Doch hab ich allzeit Lust zu trinken; +Kurz, allezeit vergnuegt zu leben. + +Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten? +Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen; +Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren; +Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln. + +Was ihr tut, ist des Alters Folge. +Was ich tu, will die Jugend haben. +Ich goenn euch eure Lust von Herzen. +Wollt ihr mir nicht die meine goennen? + + + +Das Alter + +Nach der 11ten Ode Anakreons. + +Euch, lose Maedchen, hoer ich sagen: +"Du bist ja alt, Anakreon. +Sieh her! du kannst den Spiegel fragen, +Sieh, deine Haare schwinden schon; +Und von den trocknen Wangen +Ist Bluet und Reiz entflohn."-- +Wahrhaftig! ob die Wangen +Noch mit dem Lenze prangen, +Wie, oder ob den Wangen +Der kurze Lenz vergangen, +Das weiss ich nicht; doch was ich weiss, +Will ich euch sagen: dass ein Greis, +Sein bisschen Zeit noch zu geniessen, +Ein doppelt Recht hat, euch zu kuessen. + + + +Das Bild an Hrn. H. + +Das, Maler, ist dein Meisterstuecke! +Ja, H**, ja; an Anmut reich, +Sieht dies Kind meinem Kinde gleich. +Das ist sein Haar; dies seine Blicke; +Das ist sein Mund; das ist sein Kinn. + +O Freund, o lass dichs nicht verdruessen, +Und sieh auf jene Seite hin: +Ich muss, ich muss das Bildchen kuessen. +Wie zaertlich nimmts den Kuss nicht an: +Nur schade, dass es ihn nicht wiedergeben kann. + + + +Das Erdbeben + +Bruder, Bruder, halte mich! +Warum kann ich denn nicht stehen? +Warum kannst du denn nicht gehen? +Bruder geh, ich fuehre dich. + +Sachte Bruder, stolperst du? +Was? Du faellst mir gar zur Erden? +Halt! ich muss dein Retter werden. +Nu? Ich falle selbst dazu? + +Sieh doch Bruder! Siehst du nicht, +Wie die lockern Waende schwanken? +Sieh, wie Tisch und Flasche wanken! +Greif doch zu! das Glas zerbricht! + +Himmel, bald, bald werden wir +Nicht mehr trinken, nicht mehr leben! +Fuehlst du nicht? des Grunds Erbeben +Droht es Bruder mir und dir. + +Limas Schicksal bricht herein! +Bruder, Bruder, wenn wir sterben, +Soll der Wein auch mit verderben? +Der auf heut bestimmte Wein? + +Nein, die Suende wag ich nicht. +Bruder, wolltest du sie wagen? +Nein, in letzten Lebenstagen +Tut man gerne seine Pflicht. + +Sieh, dort sinket schon ein Haus! +Und hier auch! Nun muss man eilen! +Lass uns noch die Flasche teilen! +Hurtig! Hurtig! trink doch aus! + + + +Das Leben + +Sechs Tage kannt ich sie, +Und liebte sie sechs Tage. +Am siebenten erblasste sie, +Dem ersten meiner ewgen Klage. +Noch leb ich, zauderndes Geschick! +Ein pflanzengleiches Leben. +O Himmel, ist fuer den kein Glueck, +Dem du Gefuehl und Herz gegeben! +Oh! nimm dem Koerper Waerm und Blut, +Dem du die Seele schon genommen! +Hier, wo ich wein, und wo sie ruht, +Hier lass den Tod auf mich herab gebeten kommen! +Was hilft es, dass er meine Jahre +Bis zu des Nestors Alter spare? +Ich habe, trotz der grauen Haare, +Womit ich dann zur Grube fahre, +Sechs Tage nur geliebt, +Sechs Tage nur gelebt. + + + +Das Paradies + +Sein Glueck fuer einen Apfel geben, +O Adam, welche Luesternheit! +Statt deiner haett ich sollen leben, +So waer das Paradies noch heut.-- + +Wie aber, wenn alsdann die Traube +Die Probefrucht gewesen waer? +Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube-- +Das Paradies waer auch nicht mehr. + + + +Das Schaeferleben + +Komm Freund! wir wollen Schaefer werden. +Dies stille Volk besitzet noch +Die suesse Ruh, das Glueck der Erden. +Was zauderst du? Komm Freund! komm doch! +Dort blueht bei aufgeraeumten Sinnen +Noch alte Treu und Redlichkeit, +Auch in den schoensten Schaeferinnen. +Dort, dort ist noch die gueldne Zeit. + +Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen, +Wo nichts als falsche Maegdchen sind? +Bedenke, Phyllis will mich hassen, +Das flatterhafte boese Kind. + +Auch Phyllis kann die Treue brechen, +Und windet sich aus meiner Hand. +Ja, diese Falschheit muss ich raechen. +Komm mit! Ich geh ins Schaeferland. + +Du schwaermst, mein Freund. Lass mich zufrieden. +Was geht mich deine Phyllis an. +Dem ist ein groesser Glueck beschieden, +Der sich gleich mir betrinken kann. + +Wo hast du den Verstand gelassen? +Du hast gewiss noch keinen Rausch? +Den Wein, den Wein fuer Milch zu hassen? +Den Wein fuer Milch? Das waer ein Tausch. + +Recht Freund! verzeih mir diese Possen. +Wie albern denkt und redt man nicht, +Wenn man noch keinen Wein genossen, +Wenn folglich der Verstand gebricht. + +Drum eile, Freund! mir einzuschenken. +Trink mir es zu, und mach mich klug. +Nun lern ich wieder richtig denken. +Nun seh ich meinen Selbstbetrug. + +O schade fuer die falschen Kinder! +Lasst sie nur unbestaendig sein. +Ich lache nun, und bins nicht minder. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + +Nun soll mich Phyllis nicht betrueben, +Lasst sie nur unbestaendig sein, +Von nun an will ich auch so lieben. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + + + +Das Umwechseln + +Der Bruder + Liebe Schwester, wer ist die? + Deine Freundin? darf ich kuessen? + O wie frei, wie schoen ist sie! + Liebe Schwester darf ich kuessen? + +Die Schwester + Pfui! Ihr Bruder ist ja hier. + Willst du, dass ers sieht, sie kuessen? + Schaem dich! diesesmal wird dir + Wohl die Lust vergehen muessen. + +Der Bruder + Schwester, geh zum Bruder hin; + Lass dich von dem Bruder kuessen; + Dann, weil ich dein Bruder bin, + Darf ich seine Schwester kuessen. + + + +Das aufgehobene Gebot + +Elise. + Siehst du Wein im Glase blinken, + Lerne von mir deine Pflicht: + Trinken kannst du, du kannst trinken; + Doch betrinke dich nur nicht. + +Lysias. + Wallt dein Blut von Jugendtrieben, + Lerne von mir deine Pflicht: + Lieben kannst du, du kannst lieben; + Doch verliebe dich nur nicht. + +Elise. + Bruder! ich mich nicht verlieben? + +Lysias. + Schwester! ich mich nicht betrinken? + +Elise. + Wie verlangst du das von mir? + +Lysias. + Wie verlangst du das von mir? + +Elise. + Lieber mag ich gar nicht lieben. + +Lysias. + Lieber mag ich gar nicht trinken. + +Beide. + Geh nur, ich erlaub es dir. + + + +Der Donner + +Es donnert!--Freunde, lasst uns trinken! +Der Frevler und der Heuchler Heer +Mag knechtisch auf die Kniee sinken. +Es donnert!--Macht die Glaeser leer! +Lasst Nuechterne, lasst Weiber zagen! +Zeus ist gerecht, er straft das Meer: +Sollt er in seinen Nektar schlagen? + + + +Der Faule + +Rennt dem scheuen Gluecke nach! +Freunde, rennt euch alt und schwach! +Ich nehm teil an eurer Mueh: +Die Natur gebietet sie. +Ich, damit ich auch was tu,-- +Seh euch in dem Lehnstuhl zu. + + + +Der Fehler + +Angelika ist jung und reich. +An Schoenheit meiner Phyllis gleich. +Ich kann nichts Schoeners nennen; +Das wissen die, die Phyllis kennen. +Sie redet ungezwungen rein; +Sie scherzt empfindlich und doch fein; +Ihr biegsam redlich Herze fuehlt; +Sie tanzt, sie singt, sie spielt. +Wenn meine Phyllis untreu wird-- +O werde sie es nie! +Wenn sie es aber wird, +So lieb ich keine sonst als sie. +Doch--hab ichs auch bedacht? +Nein, einen Fehler treff ich an, +Der alles nichtig macht. +Sie liebet ihren Mann. + + + +Der Fehler der Natur an Hr. M. + +Freund! du erforschest die Natur. +Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur, +Sie fehlt auch oft in ihren Werken. +Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil +Versetzt sie dies und jenes Teil. +Ich selbst kann meinen Satz bestaerken. +Denn haett sich ihre Goetterhand, +Als sie mich baute, nicht verloren; +So waer ich an der Mosel Strand, +Wo nicht doch in Burgund geboren. +O Mosler, o Burgunderwein, +Ich, ich sollt euer Landsmann sein! + + + +Der Flor + +O Reize voll Verderben! +Wir sehen euch, und sterben. +O Augen, unser Grab! +O Chloris, darf ich flehen? +Dich sicher anzusehen, +Lass erst den Flor herab! + + + +Der Genuss + +So bringst du mich um meine Liebe, +Unseliger Genuss? Betruebter Tag fuer mich! +Sie zu verlieren,--meine Liebe,-- +Sie zu verlieren, wuenscht ich dich? +Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder, +Nimm sie zurueck, die kurze Lust! +Nimm sie, und gib der oeden Brust, +Der ewig oeden Brust, die bessre Liebe wieder! + + + +Der Geschmack der Alten + +Ob wir, wir Neuern, vor den Alten +Den Vorzug des Geschmacks erhalten, +Was lest ihr darum vieles nach, +Was der und jener Franze sprach? +Die Franzen sind die Leute nicht, +Aus welchen ein Orakel spricht. + +Ich will ein neues Urteil wagen. +Geschmack und Witz, es frei zu sagen, +War bei den Alten allgemein. +Warum? sie tranken alle Wein. +Doch ihr Geschmack war noch nicht fein; +Warum? sie mischten Wasser drein. + + + +Der Handel + +Des wuchernden Tumultes satt, +Freund, fliehst du aus der vollen Stadt? +Flieh nur allein; ich bleib zuruecke, +Die Messe wag ich noch mein Gluecke. +Nun handl ich auch: doch soll allein +Mein Handel mit den Schoenen sein. + +Itzt, Maegdchens, ist mir alles feil, +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Haus, Buecher, Garten, Wald und Felder. +Kommt nur, und bringt die rechten Gelder! +Kommt nur und fangt den Handel an; +Glaubt, dass ich euch nicht truegen kann. + +Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_ +Mein Feld verkauf ich nicht fuer Geld. +Dir, Maegdchen, biet ichs hundert Kuesse. +_Und deinen Wald?_ Zweihundert Kuesse. +_Und dieses Buch?_ Fuer einen Kuss. +_Und dieses Lied?_ Fuer einen Kuss. + +Wenn ich mit Schoenen handeln muss, +Gilt alles bei mir einen Kuss. +Denn Kuesse sind die besten Gelder. +Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder; +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Ich selber bin fuer Kuesse feil! + +L. + + + +Der Irrtum + +Den Hund im Arm, mit blossen Bruesten, +Sah Lotte frech herab. +Wie mancher liess sichs nicht geluesten, +Dass er ihr Blicke gab. + +Ich kam gedankenvoll gegangen, +Und sahe steif heran. +Ha! denkt sie, der ist auch gefangen, +Und lacht mich schalkhaft an. + +Allein, gesagt zur guten Stunde, +Die Jungfer irrt sich hier. +Ich sah nach ihrem bunten Hunde: +Es ist ein artig Tier. + + + +Der Regen + +Der Regen haelt noch immer an! +So klagt der arme Bauersmann; +Doch eher stimm ich nicht mit ein, +Es regne denn in meinen Wein. + + + +Der Schiffbruch + +"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer! +Das Trinken macht den Beutel leer, +Drum hol ich mir in fernen Landen, +Die unsre Vaeter niemals fanden, +Gold, Silber, Berlen, Edelstein; +Und folglich Wein." + +Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht. +Gesetzt, dass unser Schiff zerbricht, +So muessen wir ins Wasser sinken, +Und Wasser wohl gezwungen trinken. +Und Wasser, Wasser schmecket schlecht. +Hab ich nicht recht? + +Ja, waer im Meere lauter Wein, +So gaeng ich, Freund, die Schiffahrt ein. +O Freund! o Freund, mit Freuden +Wollt ich gar Schiffbruch leiden. +Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier. +Man borget dir. + + + +Der Schlaf + +Ich trinke bis um Mitternacht. +Wenn neben mir der Geizhals wacht, +Und mit bekuemmertem Verlangen +Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen? +Da trink ich noch, und freue mich, +Und trinkend Bacchus lob ich dich. +Da flieht der Durst! da flieht der Kummer! +Doch waerst du nicht, du suesser Schlummer, +Wenn sollt ich wieder durstig werden? +Und wuerd ich nicht mehr durstig sein, +So traenk ich ja auch nicht mehr Wein. +O Schlaf, welch Gut bist du der Erden! + + + +Der Sommer + +_Brueder! lobt die Sommerszeit!_ +Ja, dich, Sommer, will ich loben! +Wer nur deine Munterkeit, +Deine bunte Pracht erhoben, +Dem ist wahrlich, dem ist nur, +Nur dein halbes Lob gelungen, +Haett er auch, wie Brocks, gesungen, +Brocks, der Liebling der Natur. + +Hoer ein groesser Lob von mir, +Sommer! ohne stolz zu werden. +Brennst du mich, so dank ichs dir, +Dass ich bei des Strahls Beschwerden, +Bei der durstgen Mattigkeit, +Lechzend nach dem Weine frage, +Und gekuehlt den Bruedern sage: +_Brueder! lobt die durstge Zeit!_ + +L. + + + +Der Sonderling + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei ein Narr; +Und gleichwohl zuernt der Narr, +Wenn man ihn also nennt. + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei nicht klug; +Doch ists ihm lieb genug, +Wenn man ihn weise nennt. + +Ein jeder, der mich kennt, +Spricht: Welcher Sonderling! +Nur diesem ists _ein_ Ding, +Wie ihn die Welt auch nennt. + + + +Der Tabak + + Dich, Tabak, lobt der Medikus, + Weil uns dein fleissiger Genuss +An Zahn und Augen wohl kurieret, +Und Schleim und Kolster von uns fuehret. + + Dich lobet der Philosophus, + Wenn er scharf meditieren muss; +Weil er, so lang er dich geniesset, +Des Geistes Flatterkeit vermisset. + + Dich lobet der Theologus + Durch einen homiletschen Schluss, +Wenn er in deinem Rauch entzuecket +Ein Bild der Eitelkeit erblicket. + + Ich lob an dir als ein Jurist, + Was rechtens an dir loeblich ist; +Dass, wenigstens wie mir es duenket, +Man mehr und oefter bei dir trinket. + +L. + + + +Der Tausch an Hr. W. + +Ein Maegdchen, das Verstand und Geist +Gemeiner Schoenen Zahl entreisst, +Ein Maegdchen, das bei Buechern schwitzet, +Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet, +Das ihrer Seelen Schoenheit bessert, +Wenn die die leibliche vergroessert, +Das gruendlich denkt und gruendlich scherzt, +Platonisch liebt, platonisch herzt: +Freund, so ein Maegdchen ist fuer dich, +Und nicht fuer mich. + +Ein Maegdchen, dessen zaertlich Bild +Mit Zaertlichkeit die Herzen fuellt, +Ein Maegdchen mit beredten Blicken, +Mit Fuessen, die versteckt entzuecken, +Mit Haenden, die liebkosend schlagen, +Und drueckend, dich nur lieb ich, sagen, +Mit schwarzem Haar, mit voller Brust, +Gemacht zu dauerhafter Lust: +Freund, so ein Maegdchen ist fuer mich, +Und nicht fuer dich. + +Das Glueck ist ungerecht und blind; +Wenn nicht die Dichter Luegner sind. +Wie oft hat es mit deinem Hoffen, +Wie oft mit meinem eingetroffen? +Wie wenn es, dich und mich zu kraenken, +Dir mein, und mir dein Kind wird schenken? +O Freund, was soll die Rache sein? +Der Tausch, o Freund, der Tausch allein. +Doch gibst du, geb ich meine dir, +Auch deine mir? + + + +Der Tod + +Gestern, Brueder, koennt ihrs glauben? +Gestern bei dem Saft der Trauben, +(Bildet euch mein Schrecken ein!) +Kam der Tod zu mir herein. + +Drohend schwang er seine Hippe, +Drohend sprach das Furchtgerippe: +Fort, du teurer Bacchusknecht! +Fort, du hast genug gezecht! + +Lieber Tod, sprach ich mit Traenen, +Solltest du nach mir dich sehnen? +Sieh, da stehet Wein fuer dich! +Lieber Tod verschone mich! + +Laechelnd greift er nach dem Glase; +Laechelnd macht ers auf der Base, +Auf der Pest, Gesundheit leer; +Laechelnd setzt ers wieder her. + +Froehlich glaub ich mich befreiet, +Als er schnell sein Drohn erneuet. +Narre, fuer dein Glaeschen Wein +Denkst du, spricht er, los zu sein? + +Tod, bat ich, ich moecht auf Erden +Gern ein Mediziner werden. +Lass mich: ich verspreche dir +Meine Kranken halb dafuer. + +Gut, wenn das ist, magst du leben: +Ruft er. Nur sei mir ergeben. +Lebe, bis du satt gekuesst, +Und des Trinkens muede bist. + +Oh! wie schoen klingt dies den Ohren! +Tod, du hast mich neu geboren. +Dieses Glas voll Rebensaft, +Tod, auf gute Bruederschaft! + +Ewig muss ich also leben, +Ewig! denn beim Gott der Reben! +Ewig soll mich Lieb und Wein, +Ewig Wein und Lieb erfreun! + + + +Der Verlust + +Alles ging fuer mich verloren, +Als ich Sylvien verlor. +Du nur gingst nicht mit verloren, +Liebe, da ich sie verlor! + + + +Der Vetter und die Muhme + +O fluche, Freund, nicht alles Wetter +Auf deinen eigensinngen Vetter. +Schmaelt er manchmal; so lass es sein. +Er hat ja guten Wein. + +Auch fluche nicht der alten Muhme. +Man muss ihr Brummen, sich zum Ruhme, +Mit stiller Sanftmut uebergehn. +Die Tochter ist ja schoen. + + + +Der Wunsch + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kuehlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein haesslich Maedchen sehe, +Wuensch ich ploetzlich blind zu sein. + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kuehlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein schoenes Maedchen sehe, +Moecht ich lauter Auge sein. + + + +Der alte und der junge Wein + +Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken: +Drum mag der junge Wein +Fuer euch, ihr Alten, sein. + +Der Juengling trinkt, sich alt und klug zu trinken: +Drum muss der alte Wein +Fuer mich, den Juengling, sein. + + + +Der bescheidene Wunsch + +Der Pfennig, den man andachtsvoll +Dem Priester beichtend geben soll, +Gilt mehr als im gemeinen Leben +Ein Pfennig, den wir Iro geben. +Die Kluegsten muessen durch Dukaten +Den Sinn des kleinen Worts erraten. +Man nehm es nicht buchstaeblich an, +Der Buchstab bringet Tod und Bann. + +"Ach! schenkte mir mein lieber Gott +Nur einst mein liebes bisschen Brot; +Ich wollte mich begnuegen lassen +Und keinen Reichen neidisch hassen." +Oh, das ist Staxen leicht zu sagen, +Doch, wollt ihr eine Wette wagen, +Stax schliesset Fische, Braten, Wein +Mit in den Wunsch des Brotes ein. + +O Liebste! machet dir mein Mund +Den heissen Wunsch nach Kuessen kund, +So wisse, dass ich mehr begehret +Als dir mein scheuer Mund erklaeret. +Ein Kuss bei mir ist--Soll ichs sagen? +Doch still! Du willst mich heimlich fragen. +Komm! jener Lustwald ruft dir zu: +O Maegdchen! was du tun willst, tu! + + + +Der groesste Mann + +Lasst uns den Priester Orgon fragen: +Wer ist der groesste Mann? +Mit stolzen Mienen wird er sagen. +Wer sich zum kleinsten machen kann. + +Lasst uns den Dichter Kriton hoeren: +Wer ist der groesste Mann? +Er wird es uns in Versen schwoeren: +Wer ohne Muehe reimen kann. + +Lasst uns den Hofmann Damis fragen: +Wer ist der groesste Mann? +Er bueckt sich laechelnd; das will sagen: +Wer laecheln und sich buecken kann. + +Wollt ihr vom Philosophen wissen, +Wer ist der groesste Mann? +Aus dunkeln Reden muesst ihr schliessen: +Wer ihn verstehn und gruebeln kann. + +Was darf ich jeden Toren fragen: +Wer ist der groesste Mann? +Ihr seht, die Toren alle sagen: +Wer mir am naechsten kommen kann. + +Wollt ihr den kluegsten Toren fragen: +Wer ist der groesste Mann? +So fraget mich; ich will euch sagen: +Wer trunken sie verlachen kann. + + + +Der muessige Poebel + +Um einen Arzt und seine Buehne +Stand mit erstaunungsvoller Miene +Die leicht betrogne Menge +In lobendem Gedraenge. +Ein weiser Trinker ging vorbei, +Und schriee: welche Polizei! +So muessig hier zu stehen? +Kann nicht das Volk zu Weine gehen? + + + +Der neue Welt-Bau + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Ihr kennt doch wohl den grossen Geist, + Nach dem der wahre Welt-Bau heisst? +Von diesem hab ich einst gelesen, +Dass er beim Weine gleich gewesen, + Als er der Sonne Stillestand, + Die alte neue Wahrheit fand. + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Hoert! hoert, ihr Sternenfahrer, hoert, + Was mir der Wein, der Wein gelehrt! +So kann der Wein den Witz verstaerken! +Wir laufen selbst, ohn es zu merken, + Von Osten taeglich gegen West! + Die Sonne ruht. Die Welt steht fest! + + + +Der philosophische Trinker + +Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden, +Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden. +Er zecht mit mir und meinen Bruedern, +Und fuehlet schon in unsern Liedern +Mehr Weisheit, Witz und Kraft, +Als Jacob Boehm und Newton schafft. +Doch bringt er seine spitzgen Fragen, +Die minder als sie sagen, sagen, +Noch dann und wann hervor, +Und plagt mit Schluessen unser Ohr. +Juengst fragt er mich am vollen Tische, +Warum wohl in der Welt der Fische, +In Fluessen und im Meer, +Nicht Wein statt Wassers waer? +Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein. +Die Antwort fiel mir schwer; +Ich dachte hin und her, +Doch endlich fiel mirs ein. +"Die Ursach ist leicht zu erdenken", +Sprach ich mit aufgestemmtem Arm. +Und welche? schrie der ganze Schwarm. +"Damit, wenn Esel davon traenken, +Die Esel, nur verdammt zu Buerden, +Nicht klueger als die Menschen wuerden." +Die Antwort, schrie man, laesst sich hoeren. +Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren! + + + +Der schwoerende Liebhaber + +Ich schwoer es dir, o Laura, dich zu hassen; +Gerechten Hass schwoer ich dir zu. +Ich schwoer es allen Schoenen, sie zu hassen; +Weil alle treulos sind, wie du. +Ich schwoer es dir, vor Amors Ohren, +Dass ich--ach! dass ich falsch geschworen. + + + +Der trunkne Dichter lobt den Wein + +Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert, +Und deinem fluessgen Feur begeistert, +Stimm ich zum Danke, wenn ich kann, +Ein dir geheiligt Loblied an. + +Doch wie? in was fuer kuehnen Weisen +Werd ich, o Goettertrank, dich preisen? +Dein Ruhm, hoer ihn summarisch an, +Ist, dass ich ihn nicht singen kann. + + + +Die 47ste Ode Anakreons + +Alter tanze! Wenn du tanzest, +Alter, so gefaellst du mir! +Juengling, tanze! Wenn du tanzest, +Juengling, so gefaellst du mir. + +Alter, tanze, trotz den Jahren! +Welche Freude, wenn es heisst: +Alter, du bist alt an Haaren, +Bluehend aber ist dein Geist! + + + +Nachahmung dieser Ode + +Juengling, lebst du nicht in Freuden, +Juengling, o so hass ich dich! +Alter, lebst du nicht in Freuden, +Alter, o so hass ich dich! + +Juengling, trauerst du in Jahren, +Wo die Pflicht sich freuen heisst?-- +Schaeme dich! so frisch an Haaren, +Juengling, und so schwach an Geist! + + + +Die Abwechslung + +Ich trinke nicht stets einen Wein. +Das moechte mir zu ekel sein. +Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande, +Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande, +Die wechsl ich taeglich mit Bedacht, +Weil Wechseln alles suesser macht. + +Und mich soll nur ein artig Kind, +Wenn mehrere zu finden sind, +Durch suessen Zwang gepriesner Liebe binden? +Oh, dies zaehlt ich mit unter meine Suenden. +Nein, nein, ich folge meinem Brauch, +Mit artgen Kindern wechsl ich auch. + + + +Die Antwort + +Der Nachbarin Climene +Schrieb ich von Lieb und Glut. +Die christlich holde Schoene +War allen Menschen gut. +Sie hat den Brief bekommen, +Voll Sehnsucht angenommen, +Gekuesst und aufgemacht, +Gelesen und gelacht. +Ach Gott, das gute Kind! + +Sie wird wohl wieder schreiben? +Nein; schreiben kann sie nicht. +Nur sich die Zeit vertreiben, +Ist ihre Kunst und Pflicht. +Doch ohne Trost mich lassen, +Hiess meine Liebe hassen; +Drum koemmt sie selbst zu mir, +Durch unsre Hintertuer. +Ach, gar zu gutes Kind! + + + +Die Beredsamkeit + +Freunde, Wasser machet stumm: +Lernet dieses an den Fischen. +Doch beim Weine kehrt sichs um: +Dieses lernt an unsern Tischen. +Was fuer Redner sind wir nicht, +Wenn der Rheinwein aus uns spricht! +Wir ermahnen, streiten, lehren; +Keiner will den andern hoeren. + + + +Die Betruebnis + +Der Dichter und sein Freund. + +Der Freund. + Freund! welches Unglueck, welche Reue + Macht dir so bittern Schmerz? + +Der Dichter. + Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue! + Und sie besass mein Herz. + +Der Freund. + Um eine Falsche dich betrueben? + Du bist ja klug genug. + +Der Dichter. + O schweig! das heisst nicht lieben, + Laesst uns die Liebe klug. + + + +Die Biene + +Als Amor in den goldnen Zeiten +Verliebt in Schaeferlustbarkeiten +Auf bunten Blumenfeldern lief, +Da stach den kleinsten von den Goettern +Ein Bienchen, das in Rosenblaettern, +Wo es sonst Honig holte, schlief. + +Durch diesen Stich ward Amor klueger. +Der unerschoepfliche Betrueger +Sann einer neuen Kriegslist nach: +Er lauscht in Rosen und Violen; +Und kam ein Maedchen sie zu holen, +Flog er als Bien heraus, und stach. + + + +Die Diebin + +(1745) + +Du Diebin mit der Rosenwange, +Du mit den blauen Augen da! +Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange? +Gesteh nur, was ich fuehlt und sah! + +Du schweigst? Doch deine Rosenwange +Glueht schuldig, roeter, als vorhin, +O Diebin mit der Rosenwange, +Wo ist mein Herz, wo kam es hin? + + + +Die Einwohner des Mondes + +Die Maegdchen die in sechzehn Jahren +Noch nicht das leckre Glueck erfahren, +Wozu sie ihre Muetter sparen; +Das Stutzerchen, das was gelernt; +Das Weib, das nie sich aus den Schranken +Der ehelichen Pflicht entfernt, +Und um den Mann die Welt vergisst; +Der Bettler, der bei dem Bedanken +So hoeflich wie beim Bitten ist; +Der Dichter, welcher nie gelogen, +Dem stets der Reim, und niemals er, +Dem lieben Reime nachgezogen; +Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt, +Um Kleinigkeiten nicht verdammt, +Und weiss durch Taten zu ermahnen; +Der Edle, der von seinen Ahnen +In unzertrennter Ordnung stammt, +Ohn dass ein wackrer Bauerknecht +Nicht oft das Heldenblut geschwaecht; +Ein Arzt, der keinen tot gemacht; +Der Krieger, der mehr kaempft als fluchet; +Der Hagestolz, der in der Nacht, +Was er am Tage flieht, nicht suchet; +Das fromme Weib, das nie geschmaelt; +Der reiche Greis, dem nichts gefehlt; +Und hundert andre schoene Sachen, +Die unsern Zeiten Ehre machen: +Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond, +Wo jedes Hirngespinste wohnt. + + + +Die Ente + +Ente, wahres Bild von mir, +Wahres Bild von meinen Bruedern! +Ente, jetzo schenk ich dir +Auch ein Lied von meinen Liedern. + +Oft und oft muss dich der Neid +Zechend auf dem Teiche sehen. +Oft sieht er aus Trunkenheit +Taumelnd dich in Pfuetzen gehen. + +Auch ein Tier--o das ist viel! +Haelt den Satz fuer wahr und suesse, +Dass, wer gluecklich leben will, +Fein das Trinken lieben muesse. + +Ente, ists nicht die Natur, +Die dich stets zum Teiche treibet? +Ja, sie ists; drum folg ihr nur. +Trinke, bis nichts uebrig bleibet. + +Ja, du trinkst und singst dazu. +Neider nennen es zwar schnadern; +Aber, Ente, ich und du +Wollen nicht um Worte hadern. + +Wem mein Singen nicht gefaellt, +Mag es immer Schnadern nennen. +Will uns nur die neidsche Welt +Als versuchte Trinker kennen. + +Aber, wie bedaur ich dich, +Dass du nur musst Wasser trinken. +Und wie gluecklich schaetz ich mich, +Wenn mir Weine dafuer blinken. + +Armes Tier, ergib dich drein. +Lass dich nicht den Neid verfuehren. +Denn des Weins Gebrauch allein +Unterscheidet uns von Tieren. + +In der Welt muss Ordnung sein. +Menschen sind von edlern Gaben. +Du trinkst Wasser, und ich Wein: +So will es die Ordnung haben. + + + +Die Faulheit + +Fleiss und Arbeit lob ich nicht. +Fleiss und Arbeit lob ein Bauer. +Ja, der Bauer selber spricht, +Fleiss und Arbeit wird ihm sauer. +Faul zu sein, sei meine Pflicht; +Diese Pflicht ermuedet nicht. + +Bruder, lass das Buch voll Staub. +Willst du laenger mit ihm wachen? +Morgen bist du selber Staub! +Lass uns faul in allen Sachen, +Nur nicht faul zu Lieb und Wein, +Nur nicht faul zur Faulheit sein. + + + +Die Gespenster + +Der Alte + O Juengling! sei so ruchlos nicht, + Und leugne die Gespenster. + Ich selbst sah eins beim Mondenlicht + Aus meinem Kammerfenster, + Das sass auf einem Leichenstein: + Drum muessen wohl Gespenster sein. + +Der Juengling + Ich wende nichts dawider ein; + Es muessen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Als meiner Schwester Sohn verschied, + (Das sind nunmehr zehn Jahre!) + Sah seine Magd, die trefflich sieht, + Des Abends eine Bahre, + Und oben drauf ein Totenbein: + Drum muessen wohl Gespenster sein. + +Der Juengling + Ich wende nichts dawider ein; + Es muessen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Und als mein Freund im Treffen blieb, + Das Frankreich juengst verloren, + Hoert seine Frau, wie sie mir schrieb, + Mit ihren eignen Ohren + Zu Mitternacht drei Eulen schrein: + Drum muessen wohl Gespenster sein. + +Der Juengling + Ich wende nichts dawider ein; + Es muessen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + In meinem Keller selbst gehts um. + Ich hoer oft ein Gesause; + Doch werden die Gespenster stumm, + Ist nur mein Sohn zu Hause. + Denk nur, sie saufen meinen Wein: + Das muessen wohl Gespenster sein. + +Der Juengling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wuenscht ich eins davon zu sein. + +Der Alte + Auch weiss ich nicht, was manche Nacht + In meiner Tochter Kammer + Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht; + Oft bringt mirs Angst und Jammer. + Ich weiss das Maedchen schlaeft allein; + Drum muessen es Gespenster sein. + +Der Juengling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wuenscht ich ihr Gespenst zu sein. + + + +Die Gewissheit + +Ob ich morgen leben werde, +Weiss ich freilich nicht: +Aber, wenn ich morgen lebe, +Dass ich morgen trinken werde, +Weiss ich ganz gewiss. + + + +Die Haushaltung + +Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau +Zu seiner lieben Ehefrau. +"Versoffner, unverschaemter Mann"---- +Geduld, mein Kind, ich zieh mich an-- +"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine. +Zank du alleine. + +"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus! +Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus. +Gott! ich soll so verlassen sein?-- +Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein! +Mein boeser Teufel ist zu Weine: +Wir sind alleine." + + + +Die Kuesse + +Der Neid, o Kind, +Zaehlt unsre Kuesse: +Drum kuess geschwind +Ein Tausend Kuesse; +Geschwind du mich, +Geschwind ich dich! +Geschwind, geschwind, +O Laura, kuesse +Manch Tausend Kuesse: +Damit er sich +Verzaehlen muesse. + + + +Die Kuesse + +Ein Kuesschen, das ein Kind mir schenket, +Das mit dem Kuessen nur noch spielt, +Und bei dem Kuessen noch nichts denket, +Das ist ein Kuss, den man nicht fuehlt. + +Ein Kuss, den mir ein Freund verehret, +Das ist ein Gruss, der eigentlich +Zum wahren Kuessen nicht gehoeret: +Aus kalter Mode kuesst er mich. + +Ein Kuss, den mir mein Vater giebet, +Ein wohlgemeinter Segenskuss, +Wenn er sein Soehnchen lobt und liebet, +Ist etwas, das ich ehren muss. + +Ein Kuss von meiner Schwester Liebe +Steht mir als Kuss nur so weit an, +Als ich dabei mit heisserm Triebe +An andre Maedchen denken kann. + +Ein Kuss, den Lesbia mir reichet, +Den kein Verraeter sehen muss, +Und der dem Kuss der Tauben gleichet: +Ja, so ein Kuss, das ist ein Kuss. + + + +Die Kunstrichter und der Dichter + +Die Kunstrichter + Ihr Dichter! seid des Stoffes voll, + Den eure Muse singen soll: + Alsdann geraet das Lied euch wohl. + +Der Dichter + Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl! + Seht her! ich bin des Stoffes voll, + Den meine Muse singen soll; + Ich bin, ich bin des Weines voll: + Und doch geraet kein Lied mir wohl. + +Die Kunstrichter + Du bist des Stoffes allzu voll, + Den deine Muse singen soll: + Darum geraet kein Lied dir wohl. + + + +Die Liebe + +Ohne Liebe +Lebe, wer da kann. +Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, +Bleibt er doch kein Mann. + +Suesse Liebe, +Mach mein Leben suess! +Stille nie die regen Triebe +Sonder Hindernis. + +Schmachten lassen +Sei der Schoenen Pflicht! +Nur uns ewig schmachten lassen, +Dieses sei sie nicht. + + + +Die Musik + +Ein Orpheus spielte; rings um ihn, +Mit lauschendem Gedraenge +Stand die erstaunte Menge, +Durchs Ohr die Wollust einzuziehn. +Ein Trinker kam von ungefaehr, +Und taumelte den Weg daher. +Schnell fasst' er sich, blieb horchend stehn, +Und ward entzueckt, und schriee: Schoen! +So schoen, als wenn bei meinem wackern Wirte +Das helle Passglas klirrte! + + + +Die Mutter + +Strenge Phyllis dich zu kuessen, +Dich ein einzigmal zu kuessen, +Hab ich dich nicht bitten muessen! +Und doch darf ich dich nicht kuessen. +Sagst du? "Meine Mutter spricht: +Phyllis, Tochter kuesse nicht!" +Ist es so was Boeses, kuessen? +Liegt kein Trieb dazu im Blut? +Doch--weg mit den schweren Schluessen! +Lass sie warnen! kurz und gut; +Was geht der die Mutter an, +Die selbst Mutter werden kann? + + + +Die Namen + +Ich fragte meine Schoene: +Wie soll mein Lied dich nennen? +Soll dich als Dorimene, +Als Galathee, als Chloris, +Als Lesbia, als Doris, +Die Welt der Enkel kennen? + +Ach! Namen sind nur Toene: +Sprach meine holde Schoene. +Waehl selbst. Du kannst mich Doris, +Und Galathee und Chloris, +Und--wie du willst mich nennen; +Nur nenne mich die Deine. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit suessen Grillen sich ergoetzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gruenden schliesst, +Dass Wein in den Planeten ist: +Das heisst zu frueh bevoelkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Dass in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schliessen. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit suessen Grillen sich ergoetzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gruenden schliesst, +Dass Wein in den Planeten ist: +Das heisst zu frueh bevoelkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Dass in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schliessen. + + + +Die Redlichkeit + +So weit sich laesst die Welt durchwandern, +Klagt ein verlarvter Schelm dem andern +Die selbstverschuldte Seltenheit +Der nie geuebten Redlichkeit. + +Und doch flucht ihre Lust zum Schaetzen-- +Da seht die Torheit ihrer Herzen! +Seht, klagen sie nicht bloss zum Schein? +Doch fluchen sie auf dich, o Wein! + +So klagen, und dem Trinken fluchen, +Heisst Zwecke sonder Mittel suchen. +Nun, Brueder, red ich nicht gelehrt? +Wie man es kaum von Wolfen hoert. + +Wer hat die Redlichkeit erhoben +Ohn unsre Vaeter mit zu loben? +Ja, ja, die trunken wacker Wein, +Wie konnten sie nicht redlich sein? + +Drum, Brueder, bleibet euern Ahnen, +Die euch, so oft euch durstt, ermahnen, +An Treu und Trunke kindlich gleich. +Trinkt redlich aus und kuesset euch! + + + +Die Schoene von hinten + +Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer +Dort fuer ein reizend Frauenzimmer? +Der neuen Tracht Vollkommenheit, +Der engen Schritte Nettigkeit, +Die bei der kleinsten Hindrung stocken, +Der weisse Hals voll schwarzer Locken, +Der wohlgewachsne schlanke Leib, +Verraet ein junges artges Weib. + +Komm Freund! komm, lass uns schneller gehen, +Damit wir sie von vorne sehen. +Es muss, triegt nicht der hintre Schein, +Die Venus oder Phyllis sein. +Komm, eile doch!--O welches Gluecke! +Jetzt sieht sie ungefaehr zuruecke. +Was wars, das mich entzueckt gemacht? +Ein altes Weib in junger Tracht. + + + +Die Sparsamkeit + +Von nun an muss ich sparsam werden. +Warum denn das? Der Wein schlaegt auf. +So gehts, das Beste dieser Erden +Erhaelt man nur durch teuren Kauf. + +Wer pocht? Ei der verwuenschte Schneider +Macht mich fast durch sein Mahnen toll. +Da seht die Menschenliebe! leider, +Dass man doch stets bezahlen soll. + +"Beliebet morgen einzusprechen. +Die Wechsel laufen spaeter ein." +Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen. +Seht! seht! so muss man sparsam sein. + + + +Die Staerke des Weins + +Wein ist staerker als das Wasser: +Dies gestehn auch seine Hasser. +Wasser reisst wohl Eichen um, +Und hat Haeuser umgerissen: +Und ihr wundert euch darum, +Dass der Wein mich umgerissen? + + + +Die Tuerken + +Die Tuerken haben schoene Toechter, +Und diese scharfe Keuschheitswaechter; +Wer will kann mehr als eine frein: +Ich moechte schon ein Tuerke sein. + +Wie wollt ich mich der Lieb ergeben! +Wie wollt ich liebend ruhig leben, +Und--doch sie trinken keinen Wein; +Nein, nein, ich mag kein Tuerke sein. + + + +Die Versteinerung + +Holz und Beine +Werden Steine +Durch des Wassers Kraft. +Werden Holz und Beine +Durch des Wassers Kraft, +Werden die zu Steine: +Sagt, ihr Wasserfreunde, +Sagt, ihr Rebenfeinde, +Werden eure Herzen +Nicht versteinert sein? + +Mark und Beine +Fuehlen, Weine, +Eures Feuers Kraft. +Wenn mein Liebster trinket, +Trinkt er Rebensaft, +Bis er sich betrinket. +Sollt ich ihn nicht lieben? +Ja, ich will ihn lieben, +Weil sein Herz erhitzet, +Nicht versteinert wird. + +C*** + + + +Die Wetterprophezeiung + +Das Wetter ist veraenderlich, +Veraenderlich, wie meine Schoenen. +Umsonst, o Freund, bemueht man sich, +Nach Regeln beide zu gewoehnen. +Drum lass dein Wetterprophezein, +Wie ich mein treues Lieben, sein. + +Doch, kannst du deiner Wissenschaft, +Gelehrter Wolkenseher! trauen: +Wohl gut! so lass von ihrer Kraft +Mich stracks ein kleines Beispiel schauen. +Du sollst--du sollst mir prophezein: +Wird heuer ein gut Weinjahr sein?* + +L. + +* Ja! + + + +Die drei Reiche der Natur + +Ich trink, und trinkend faellt mir bei, +Warum Naturreich dreifach sei. +Die Tier und Menschen trinken, lieben, +Ein jegliches nach seinen Trieben: +Delphin und Adler, Floh und Hund +Empfindet Lieb und netzt den Mund. +Was also trinkt und lieben kann, +Wird in das erste Reich getan. + +Die Pflanze macht das zweite Reich, +Dem ersten nicht an Guete gleich: +Sie liebet nicht, doch kann sie trinken; +Wenn Wolken traeufelnd niedersinken, +So trinkt die Zeder und der Klee, +Der Weinstock und die Aloe. +Drum, was nicht liebt, doch trinken kann, +Wird in das zweite Reich getan. + +Das Steinreich macht das dritte Reich; +Und hier sind Sand und Demant gleich: +Kein Stein fuehlt Durst und zarte Triebe, +Er waechset ohne Trunk und Liebe. +Drum, was nicht liebt noch trinken kann, +Wird in das letzte Reich getan. +Denn ohne Lieb und ohne Wein, +Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein. + + + +Die luegenhafte Phyllis + +Mein Damon spricht: +Kind, luege nicht! +Sonst werd ich strafen muessen, +Und dich zur Strafe kuessen. +Er droht mir, sieht verdruesslich aus, +Und strafet mich schon im voraus. + +Sonst log ich nicht. +Nur seit er spricht: +Du sollst mir fein mit Kuessen +Die losen Luegen buessen, +Red ich kein wahres Woertchen mehr. +Nun, Schwestern, sagt, wo koemmt das her? + + + +Die lehrende Astronomie + +Dank sei dem Schoepfer, der mein Haupt +Auf hohe feste Schultern baute, +Und mir die Pracht zu sehn erlaubt, +Die nie ein haengend Tieraug schaute! +Hier lern ich mich und ihn erkennen, +Und hier mich nichts, ihn alles nennen. +Was bin ich? Ich bin gross genung, +Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen. +Mein Wissen ist Verwunderung; +Mein Leben leichter Blitze Brennen. +Und so ein Nichts, verblendte Toren, +Soll sein zum Herrn der Welt geboren? + +Der Stolz, der Torheit Eigentum, +Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne; +Die Demut ist des Weisen Ruhm, +Und die lernt er bei euch, ihr Sterne! +Und wird nur gross, weil er euch kennet, +Und euern Gott auch seinen nennet. + +Auch wenn sein Unglueck ihn den Weg, +Den harten Weg der Pruefung fuehret, +Und wenn, auf dem einsamen Steg, +Sich Lieb und Freund von ihm verlieret, +Lernt er bei euch, durch suesse Grillen, +Oft allzuwahre Schmerzen stillen. + +O Tugend! reizend Hirngedicht, +Erdachte Zierde unsrer Seelen! +Die Welt, o Tugend, hat dich nicht: +Doch wirst du auch den Sternen fehlen? +Nein, starbst du gleich bei uns im Abel, +Du selbst bist viel zu schoen zur Fabel. + +Dort seh ich, mit erstauntem Blick, +Ein glaenzend Heer von neuen Welten; +Getrost, vielleicht wird dort das Glueck +So viel nicht, als die Tugend, gelten. +Vielleicht dort in Orions Grenzen +Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glaenzen! + +"Das Uebel", schreit der Aberwitz, +"Hat unter uns sein Reich gewonnen." +Wohl gut, doch ist des Guten Sitz +In ungezaehlten groessern Sonnen. +Der Dinge Reihen zu erfuellen, +Schuf jenes Gott mit Widerwillen. + +So, wie den Kenner der Natur +Auch Quarz und Eisenstein vergnuegen, +Nicht Gold- und Silberstufen nur +In Faechern, voller Luecken, liegen: +So hat das Uebel Gott erlesen +Der Welt zur Fuellung, nicht zum Wesen. + +O nahe dich, erwuenschte Zeit, +Wo ich, frei von der Last der Erde, +In wachsender Glueckseligkeit, +Einst bessre Welten sehen werde! +O Zeit, wo mich entbundne Schwingen +Von einem Stern zum andern bringen! + +Gedanken! fliehet nur voran! +Verirrt euch in den weiten Sphaeren, +Bis ich euch selber folgen kann. +Wie lang, Geschick, wird es noch waehren! +O Lust, hier seh ich schon die Kreise, +Die Wege meiner ewgen Reise! + +Drum kraenkt der blinde Damon sich +Nur in der Nacht um sein Gesichte. +Geruhig, Tag, vermisst er dich, +Und deine Eitelkeit im Lichte; +Und wuenscht sich, von der Weltlust ferne, +Ein fuehlend Aug nur fuer die Sterne. + +O selge Zeit der stillen Nacht, +Wo Neid und Bosheit schlafend liegen, +Und nur ein frommes Auge wacht, +Und sucht am Himmel sein Vergnuegen! +Gott sieht die Welt in diesen Stunden, +Und spricht, ich hab sie gut gefunden! + +Berlin. +L. + + + +Die schlafende Laura + +Nachlaessig hingestreckt, +Die Brust mit Flor bedeckt, +Der jedem Lueftchen wich, +Das saeuselnd ihn durchstrich, +Liess unter jenen Linden +Mein Glueck mich Lauren finden. +Sie schlief und weit und breit +Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden, +Aus missvergnuegter Traurigkeit, +Von Lauren nicht gesehn zu werden. +Sie schlief, und weit und breit +Erschallten keine Nachtigallen, +Aus weiser Furchtsamkeit, +Ihr minder zu gefallen, +Als ihr der Schlaf gefiel, +Als ihr der Traum gefiel, +Den sie vielleicht itzt traeumte, +Von dem, ich hoff' es, traeumte, +Der staunend bei ihr stand, +Und viel zu viel empfand, +Um deutlich zu empfinden, +Um noch es zu empfinden, +Wie viel er da empfand. +Ich liess mich sanfte nieder, +Ich segnete, ich kuesste sie, +Ich segnete, und kuesste wieder: +Und schnell erwachte sie, +Schnell taten sich die Augen auf. +Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf. + + + +Die schlimmste Frau + +Die Weiber koennen nichts als plagen. +Der Satz sagt viel und ist nicht neu. +Doch, Freunde, koennt ihr mir nicht sagen, +Welch Weib das schlimmste sei? + +Ein Weib, das mit dem Manne scherzet +Wie ein gebildter Marmorstein, +Das ohne Glut und Reiz ihn herzet, +Das kann kein gutes sein. + +Ein Weib, das wie ein Drache geizet, +Und gegen Kind und Magd genau, +Den Dieb, mich zu bestehlen reizet, +O eine schlimme Frau! + +Ein Weib, das gegen alle lachet, +In Liebesstreichen frech und schlau +Uns taeglich neue Freunde machet, +O eine schlimmre Frau! + +Ein Weib, das nichts als bet und singet, +Und bei der Kinder Zeitvertreib +Mit Seufzen ihre Haende ringet, +O ein noch schlimmer Weib! + +Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte, +(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?) +Den Mann sich gern zum Sklaven machte, +Das muss ein Teufel sein! + +Ein Weib, das ihrem Manne fluchet, +Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein, +Wie heimlich sie Liebhaber, suchet, +Das muss--ein Weibsbild sein! + + + +Die verschlimmerten Zeiten + +Anakreon trank, liebte, scherzte, +Anakreon trank, spielte, herzte, +Anakreon trank, schlief, und traeumte +Was sich zu Wein und Liebe reimte: +Und hiess mit Recht der Weise. + +Wir Brueder trinken, lieben, scherzen, +Wir Brueder trinken, spielen, herzen, +Wir Brueder trinken, schlafen, traeumen, +Wozu sich Wein und Liebe reimen: +Und heissen nicht die Weisen. + +Da seht den Neid von unsern Zeiten! +Uns diesen Namen abzustreiten! +O Brueder, lernet hieraus schliessen, +Dass sie sich stets verschlimmern muessen; +Sie nennen uns nicht weise. + + + +Die wider den Caesar verschworne Helden + +Cassius. Decimus. Brutus. Cimber. + +Cassius. + Jetzt, Helden, lasst uns ruehmlich sterben, + Eh Rom noch Koenigsfesseln traegt. + Wer sollte nicht mit Lust verderben, + Wenn ihn der Staat mit niederschlaegt? + +Decimus. + Ja--aber ohne Rache sterben, + Und ohne Nutz dem Vaterland-- + Freund, das heisst poebelhaft verderben. + Und wozu haett ich Mut und Hand? + +Cassius. + O Brutus! voller tiefen Sorgen + Seh ich dein Herz fuer Rom zerteilt. + O Freund! noch einen freien Morgen, + So hat die Knechtschaft uns ereilt. + +Brutus. + Wenn Caesar Rom will unterdruecken, + Muss Brutus ihn zur Strafe ziehn. + Ich will den Dolch ins Herz ihm druecken: + Mit Zittern zwar, doch drueck ich ihn. + +Cassius. + Du? deinem Freunde? Brutus! Goetter! + Rom steht, wenn Brutus Brutus ist. + Schon war ein Brutus Roms Erretter; + Komm! zeige, dass du beide bist. + +Cimber. + Auch ich will alles mit euch wagen; + Auch ich muss ohne Koenig sein. + Denn koennt ich einen Herrn ertragen, + Ertrueg ich allererst den Wein. + + + +Eine Gesundheit + +Trinket Brueder, lasst uns trinken +Bis wir berauscht zu Boden sinken; +Doch bittet Gott den Herren, +Dass Koenige nicht trinken. + +Denn da sie unberauscht +Die halbe Welt zerstoeren, +Was wuerden sie nicht tun, +Wenn sie betrunken waeren? + + + +Fuer wen ich singe + +Ich singe nicht fuer kleine Knaben, +Die voller Stolz zur Schule gehn, +Und den Ovid in Haenden haben, +Den ihre Lehrer nicht verstehn. + +Ich singe nicht fuer euch, ihr Richter, +Die ihr voll spitzger Gruendlichkeit +Ein unertraeglich Joch dem Dichter, +Und euch die Muster selber seid. + +Ich singe nicht den kuehnen Geistern, +Die nur Homer und Milton reizt; +Weil man den unerschoepften Meistern +Die Lorbeern nur umsonst begeizt. + +Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen, +Fuer dich, mein deutsches Vaterland. +Ich fuerchte jene Laesterzungen, +Die dich bis an den Pol verbannt. + +Ich singe nicht fuer fremde Reiche. +Wie kaem mir solch ein Ehrgeiz ein? +Das sind verwegne Autorstreiche. +Ich mag nicht uebersetzet sein. + +Ich singe nicht fuer fromme Schwestern, +Die nie der Liebe Reiz gewinnt, +Die, wenn wir munter singen, laestern, +Dass wir nicht alle Schmolken sind. + +Ich singe nur fuer euch, ihr Brueder, +Die ihr den Wein erhebt, wie ich. +Fuer euch, fuer euch sind meine Lieder. +Singt ihr sie nach: o Glueck fuer mich! + +Ich singe nur fuer meine Schoene, +O muntre Phyllis, nur fuer dich. +Fuer dich, fuer dich sind meine Toene. +Stehn sie dir an, so kuesse mich. + + + +Heldenlied der Spartaner + +In drei Choeren. + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER MAeNNER. + Sind wir! + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER JUeNGLINGE. + Werden wir! + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +CHOeRE DER MAeNNER UND JUeNGLINGE. + Waret ihr! + +CHOR DER ALTEN. + Das leugne, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER MAeNNER. + Sind wir! + +CHOeRE DER ALTEN UND JUeNGLINGE. + Seid ihr! + +CHOR DER MAeNNER. + Versuch uns, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Maenner + +CHOR DER JUeNGLINGE. + Werden wir! + +CHOeRE DER ALTEN UND MAeNNER. + Werdet ihr! + +CHOR DER JUeNGLINGE. + Noch tapfrer, als ihr! + + + +Ich + +Die Ehre hat mich nie gesucht; +Sie haette mich auch nie gefunden. +Waehlt man, in zugezaehlten Stunden, +Ein praechtig Feierkleid zur Flucht? + +Auch Schaetze hab ich nie begehrt. +Was hilft es sie auf kurzen Wegen +Fuer Diebe mehr als sich zu hegen, +Wo man das wenigste verzehrt? + +Wie lange waehrt's, so bin ich hin, +Und einer Nachwelt untern Fuessen? +Was braucht sie wen sie tritt zu wissen? +Weiss ich nur, wer ich bin. + +Wittenberg den 11. Okt. 1752. + + + +Jungfer Lieschens Knie + +Schautest du denn nie +Jungfer Lieschens Knie? +Jungfer Lieschens Fingerhut +Ist zu allen Dingen gut! + +1. Griechisch + Ouc ebleyaV su + ParJenou gonu; + ParJenou dactulitron + 'Esti proV panta calon. + +2. Lateinisch + Non vidisti tu + Virginis genu? + Virginis dactylitrum + Est ad omnia bonum. + +3. Englaendisch + Did you never see + Mistriss Betty's knee? + What you Betty's thimble call + That is very good for all. + + + +Kuessen und Trinken + +Maegdgen, lass mich dich doch kuessen! +Zaudre nicht, sonst wirst du muessen. + Hurtig! hurtig schenkt mir ein! + Auf das Kuessen schmeckt der Wein! + +Dieser Wein hat Geist und Feuer. +Maegdgen tu doch etwas freier. + Goenn mir vorigen Genuss: + Auf das Trinken schmeckt ein Kuss! + + + +Lied + +(1748) + +Ehret, Brueder, meine Schoene, +Ehrt die gallische Helene! +Bacchus selber ehret sie. +Juengst an ihrer stolzen Rechte, +Als er mit uns beiden zechte, +Ward er, denn sie schenkt' ihm ein, +Voller noch von Lieb als Wein. + + + +Lied aus dem Spanischen + +Gestern liebt ich, +Heute leid ich, +Morgen sterb ich: +Dennoch denk ich +Heut und morgen +Gern an gestern. + + + +Lob der Faulheit + +Faulheit, itzo will ich dir +Auch ein kleines Loblied bringen. +O--wie--sau--er--wird es mir,-- +Dich--nach Wuerden--zu besingen! +Doch, ich will mein Bestes tun, +Nach der Arbeit ist gut ruhn. + +Hoechstes Gut! wer dich nur hat, +Dessen ungestoertes Leben-- +Ach!--ich--gaehn--ich--werde matt-- +Nun--so--magst du--mirs vergeben, +Dass ich dich nicht singen kann; +Du verhinderst mich ja dran. + + + +Nach der 15. Ode Anakreons + +Was frag ich nach dem Grosssultan, +Und Mahomets Gesetzen? +Was geht der Perser Schach mich an, +Mit allen seinen Schaetzen? + +Was sorg ich ihrer Kriegesart, +Und ihrer Treffen halben? +Kann ich nur meinen lieben Bart +Mit Spezereien salben. + +Kann ich nur mein gesalbtes Haupt +Mit Rosen stolz umschliessen, +Und wenn mir sie ein Maedchen raubt, +Das Maedchen strafend kuessen. + +Ein Tor sorgt fuer die kuenftge Zeit. +Fuer heute will ich sorgen. +Wer kennt, mit weiser Gruendlichkeit, +Den ungewissen Morgen? + +Was soll ich hier, so lang ich bin, +Mich um die Zukunft kraenken? +Ich will mit kummerlosem Sinn +Auf Wein und Liebe denken. + +Denn ploetzlich steht er da, und spricht, +Der grimme Tod: "Von dannen! +Du trinkst, du kuessest laenger nicht! +Trink aus! kuess aus! Von dannen!" + + + +Niklas + +Mein Esel sicherlich +Muss klueger sein, als ich. +Ja, klueger muss er sein! +Er fand sich selbst in Stall hinein, +Und kam doch von der Traenke. +Man denke! + + + +Phillis + +(1746) + +Wenn der finstre Damon spricht, +Amor sei ein Ungeheuer, +Seine Glut ein hoellisch Feuer! +O so fuercht ich Amorn nicht. + +Aber hebt mein Thirsis an, +Amor sei ein Kind zum Kuessen, +Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen: +O wie fuercht ich Amorn dann! + + + +Phyllis an Damon + +Lehre mich, o Damon, singen, +Singen, wie du trunken singst. +Lass auch mich dir Lieder bringen, +Wie du mir begeistert bringst. +Wie du mich willst ewig singen, +Moecht auch ich dich ewig singen. + +Durch des Weines Feuerkraefte, +Nur durch sie singst du so schoen. +Aber diese Goettersaefte +Darf ich schmachtend nur besehn. +Dir riet Venus Wein zu trinken, +Mir riet sie, ihn nicht zu trinken. + +Was wird nun mein Lied beleben, +Kann es dieser Trank nicht sein?-- +Wie? Du willst mir Kuesse geben, +Kuesse, feuriger, als Wein?-- +Damon, ach! nach deinen Kuessen +Werd ich wohl verstummen muessen. + + + +Phyllis lobt den Wein + +Seht, mein Damon tanzt und springet! +Seht, wie wiegt er Leib und Fuss! +Seht, mein Damon lacht und singet, +Singt von Ruhe, Wein und Kuss. +Seht, wie Mund und Augen gluehn! +Wir beleben uns durch ihn. + +Hoert die ungezwungnen Scherze! +Hoert, die Liebe scherzt durch ihn! +Wie die Daemmrung vor der Kerze +Seht die Schwermut vor ihm fliehn. +Seht, er taumelt, wankt im Gehn, +Seht, sogar er taumelt schoen. + +Seht, wie locken seine Lippen! +Seht, wie glueht sein Mund so rot! +Machet mich, ihr roten Lippen, +Macht mich halbgezwungen rot! +Ja, er koemmt, er kuesset mich. +O wie feurig kuesst er mich! + +Wein, du Wein hast ihn begeistert, +Du teilst ihm dein Feuer mit. +Durch dich kuesst er so begeistert, +Und teilt mir sein Feuer mit. +Drum soll, wie von ihm, der Wein +Auch von mir vergoettert sein! + + + +Refutatio Papatus + +Nein, nein! durchaus ich glaube nicht, +Was Petri falscher Folger spricht; +Dass jene Buecher goettlich waeren, +Die, zu der Juden steten Ehren, +Uns von des Maccabaeus Helden +Und ihren heilgen Schlachten melden. + +Hoert meinen neu erfundnen Grund! +Es machte mir der Wein ihn kund; +Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet. +Oh, dass ihr Theologen streitet, +Und streitet, ohne Wein zu trinken! +So muesst ihr stets in Irrtum sinken. + +Der Schluss* von diesen Buechern sagt: +(Worueber Wein und Wahrheit klagt) +"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen, +Das bringet eklen Widerwillen. +Bald Wasser, und bald Wein geniessen, +Das muss uns den Gebrauch versuessen." + +Was gilts? wer luegt, ist nicht von GOtt. +Haha! Herr Papst! ihr werdet rot, +Und seht die Wahrheit meiner Saetze. +Oh, wenn ich mich im Wein ergetze, +Glaubt ihr, ich wuenscht ihn einst zu lassen? +Ich muesste meine Wohlfahrt hassen. + +L. + +* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern +zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d. +Makkab. 15. Kap. 40. V. + + + +Salomon + +Lobt mir Davids weisen Sohn! +Auch bei Lieb und Wein und Scherzen +War er doch nach Gottes Herzen. +Brueder, lobt den Salomon. +Brueder, lasst sein Lob erschallen! +Doch vor allen +Lobt mir seinen weisen Schluss: +Wer viel lernt hat viel Verdruss! + +Dieses lasst mir Wahrheit sein! +Diese Wahrheit stets zu lieben +Hat mich die Natur getrieben, +Die Natur und Lieb und Wein. +Ehrt mit mir den weisen Koenig! +Lernet wenig! +Brueder, und erwaegt den Schluss: +Wer viel lernt hat viel Verdruss! + + + +Trinklied + +Voll, voll, voll, +Freunde, macht euch voll! +Wein, Wein, Wein, +Freunde, schenkt ihn ein! +Kuesst, kuesst, kuesst, +Die euch wieder kuesst! +Voll von Wein, +Voll von Liebe, +Voll von Wein und Liebe, +Freunde, voll zu sein, +Kuesst und schenket ein! + + + +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche + +Alten, alt zu unsrer Pein, +Denen von der Lust im Lieben, +Von der Jugend, von dem Wein, +Das Erinnern kaum geblieben; +Weibern, die der Taufschein drueckt, +Wenn ihr Reiz der sonst entzueckt, +Sonst gestritten, sonst gesiegt, +Unter Schichten Runzeln liegt; +Dichtern, die den Wein nicht loben, +Die die Liebe nicht erhoben; +Maegdchen, die nicht Gleimen kennen, +Rosten nicht vortrefflich nennen; +Weisen, die mit leeren Grillen +Leere Koepfe strotzend fuellen; +Maennern, die die Sitten lehren, +Und dich, Molier, nicht ehren, +Stolz auf ihr Systema sehn, +Und dich muntern Schauplatz schmaehn; +Handelsleuten, die das Geld, +Und ihr Stolz zu Fuersten stellt; +Falschen Priestern, die die Tugend, +Mir nicht munter wie die Jugend, +Mir nicht schmackhaft, mir nicht suesse, +Wie den Wein, und wie die Kuesse, +Mir nicht reizend, wie die Strahlen, +Aus der Phyllis Augen malen; +Stutzern, deren weisser Scheitel, +Deren reich und witzge Tracht, +Dummgelobte Schoenen eitel, +Und zu ihresgleichen macht; +Unversuchten stolzen Kriegern; +Aufgeblasnen Federsiegern; +Aeltlichklugen jungen Leuten; +Seufzenden nach bessern Zeiten; +Schwermutsvollen Gallenchristen; +Allen Narren, die sich isten; +Zum Exempel, Pietisten; +Zum Exempel, Atheisten; +Zum Exempel, Rabulisten; +Operisten und Chymisten; +Quietisten und Sophisten; +Und nicht wenigen Juristen; +Publizisten und Statisten; +Und nicht wenigen Linguisten; +Und nicht wenigen Stylisten; +Und nicht wenig Komponisten---- +O der Atem will mir fehlen +Alle Narren zu erzaehlen---- +Allen, die mich tadelnd hassen, +Die mein Leben voller Freude +Mich nicht, aus verstelltem Neide, +Ungestoert geniessen lassen; +Diesen Toren, diesen allen +Mag ich ** nicht gefallen, +Mag ich, sag ich, nicht gefallen. + +* + +Alten, die der Wein verjuengt, +Die mit zitternd schwachen Toenen, +Wenn die Jugend munter singt, +Ihr noch gleich zu sein sich sehnen; +Weibern, die, was an sich zieht, +Reiz und Jugend noch nicht flieht, +Die des Schicksals harte Hand +Weibschen Maennern zugewandt; +Jungen Witwen, die sich graemen +Flor und Trauer um zu nehmen, +Und mit schwergereizten Zaehren +Nur den andern Mann begehren; +Dichtern, die wie Dichter kuessen, +Nichts als sich zu freuen wissen; +Dichtern, die wie Dichter zechen, +Nie versagten Beifall raechen; +Dichtern, die bei Kuss und Wein +Miltons lassen Miltons sein; +Dichtern, die im Scherze stark, +Mit Geschichten voller Mark, +Muntern Maegdchen munter lehren, +Was die Muetter ihnen wehren; +Dichtern, die mich spottend bessern, +Kleine Fehlerchen vergroessern, +Dass ich sie in ihrem Spiele +Desto laecherlicher fuehle; +Rednern, die stark im Verstellen +Uns vergnuegend hintergehn, +Wenn wir sie in zwanzig Faellen +Zwanzigmal nicht selber sehn, +Bald als Unglueckshelden sprechen, +Bald die Tugend spottend raechen, +Bald als Koenige befehlen, +Bald als alte Maenner schmaelen; +Kuenstlern, die auf Zaubersaiten +Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten, +Und mit heilsam falschen Leide +Daempfen uebermaessge Freude; +Federbueschen, die nicht prahlen; +Reichen, welche reich bezahlen; +Kriegern, die ihr Leben wagen; +Armen, welche nicht verzagen; +Allen liebenswuerdgen Maegdchen, +Liebenswuerdgen weissen Maegdchen, +Liebenswuerdgen braunen Maegdchen, +Liebenswuerdgen stillen Maegdchen, +Liebenswuerdgen muntern Maegdchen, +Waeren es gleich Buergermaegdchen, +Waeren es gleich Kaufmannsmaegdchen, +Waeren es gleich Priestermaegdchen, +Waeren es gleich Karnmermaegdchen, +Waeren es gleich Bauermaegdchen, +Wenn sie nur die Liebe fuehlen, +Lachen, scherzen, kuessen, spielen; +Diesen, Freunde, diesen allen +Wuensch ich ** zu gefallen, +Wuensch ich, sag ich, zu gefallen. + + + +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + +(1753) + +Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen +Die Wissbegier, dich, ihren Held? +Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren +Zur kuenftgen, nicht zur neuen Welt. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder, von Gotthold Ephraim Lessing. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING *** + +This file should be named 7ldrv10.txt or 7ldrv10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7ldrv11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7ldrv10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + +Lieder von Lessing + +Gotthold Ephraim Lessing + + +alphabetisch nach Titeln sortiert + +Alexander +An Amor +An den Anakreon +An den Horaz +An den Wein +An die J. L*** +An die Kunstrichter +An die Leier +An die Schwalbe +An eine kleine Schöne +Antwort eines trunknen Dichters +Auf sich selbst +Das Alter +Das Bild an Hrn. H. +Das Erdbeben +Das Leben +Das Paradies +Das Schäferleben +Das Umwechseln +Das aufgehobene Gebot +Der Donner +Der Faule +Der Fehler +Der Fehler der Natur an Hr. M. +Der Flor +Der Genuß +Der Geschmack der Alten +Der Handel +Der Irrtum +Der Regen +Der Schiffbruch +Der Schlaf +Der Sommer +Der Sonderling +Der Tabak +Der Tausch an Hr. W. +Der Tod +Der Verlust +Der Vetter und die Muhme +Der Wunsch +Der alte und der junge Wein +Der bescheidene Wunsch +Der größte Mann +Der müßige Pöbel +Der neue Welt-Bau +Der philosophische Trinker +Der schwörende Liebhaber +Der trunkne Dichter lobt den Wein +Die 47ste Ode Anakreons +Die Abwechslung +Die Antwort +Die Beredsamkeit +Die Betrübnis +Die Biene +Die Diebin +Die Einwohner des Mondes +Die Ente +Die Faulheit +Die Gespenster +Die Gewißheit +Die Haushaltung +Die Küsse +Die Küsse +Die Kunstrichter und der Dichter +Die Liebe +Die Musik +Die Mutter +Die Namen +Die Planetenbewohner +Die Redlichkeit +Die Schöne von hinten +Die Sparsamkeit +Die Stärke des Weins +Die Türken +Die Versteinerung +Die Wetterprophezeiung +Die drei Reiche der Natur +Die lügenhafte Phyllis +Die lehrende Astronomie +Die schlafende Laura +Die schlimmste Frau +Die verschlimmerten Zeiten +Die wider den Cäsar verschworne Helden +Eine Gesundheit +Für wen ich singe +Heldenlied der Spartaner +Ich +Jungfer Lieschens Knie +Küssen und Trinken +Lied +Lied aus dem Spanischen +Lob der Faulheit +Nach der 15. Ode Anakreons +Niklas +Phillis +Phyllis an Damon +Phyllis lobt den Wein +Refutatio Papatus +Salomon +Trinklied +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + + + + +Alexander + +Der Weise sprach zu Alexandern. +"Dort, wo die lichten Welten wandern, +Ist manches Volk, ist manche Stadt." +Was tut der Mann von tausend Siegen? +Die Memme weint, daß dort zu kriegen, +Der Himmel keine Brücken hat. + +Ists wahr, was ihn der Weise lehret, +Und finden, was zur Welt gehöret, +Daselbst auch Wein und Mädchen statt: +So lasset, Brüder, Tränen fließen, +Daß dort zu trinken und zu küssen, +Der Himmel keine Brücken hat. + + + +An Amor + +Amor, soll mich dein Besuch +Einst erfreuen-- +O so lege dein Gefieder +Und die ganze Gottheit nieder. +Diese möchte mich erschrecken, +Jenes möchte Furcht erwecken, +Furcht, nach flatterhaften Küssen, +Meine Phyllis einzubüßen. +Komm auch ohne Pfeil und Bogen, +Ohne Fackel angezogen... +Stelle dich, um mir lieb zu sein, +Als ein junger Satyr ein. + + + +An den Anakreon + +Anakreon singt, alles fühlet: +Und alles gähnt wenn Codrus spielet. +Anakreon, sprich, wie man spielt, +Daß niemand gähnt, daß alles fühlt. + +Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken, +Die mich in Bacchus Laube schicken, +Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein. +Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein! + + + +An den Horaz + +Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse, +Entflammt von unserm Gott, dem Wein, +Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse, +Dich tiefer als zehn Bentleys ein. + +Dann fühl ich sie, die süßen Küsse, +Die ein barbarscher Biß verletzt, +Sie, welche Venus, nebst dem Bisse, +Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.* + +Dann fühl ich, mehr als ich kann sagen +Die Göttin, durch die Laura küßt, +Wie sie sich Amathunts entschlagen, +Und ganz in mich gestürzet ist.** + +Sie herrscht im Herzen, sie gebietet; +Und Laura löscht die Phyllis aus. +Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet; +Denn Laura hält mich ab vom Schmaus. + +*--dulcia barbare +Laedentem oscula, quae Venus +Quincta parte sui Nectaris imbuit. + +**–-in me tota ruens Venus +Cyprum deseruit. + + + +An den Wein + +Wein, wenn ich dich itzo trinke, +Wenn ich dich als Jüngling trinke, +Sollst du mich in allen Sachen +Dreist und klug, beherzt und weise, +Mir zum Nutz, und dir zum Preise, +Kurz, zu einem Alten machen. + +Wein, werd ich dich künftig trinken, +Werd ich dich als Alter trinken, +Sollst du mich geneigt zum Lachen, +Unbesorgt für Tod und Lügen, +Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen, +Kurz, zu einem Jüngling machen. + + + +An die J. L*** + +Natürlichs Ebenbild der Liebe! +Nimm hier dein künstlich Ebenbild; +Das, wenn man dich auch drüber schriebe, +Doch seines Meisters Schwäche schilt. +Dem Maler laß es nicht entgelten, +Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht: +Nur auf das Urbild mußt du schelten, +Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht. +Dich, ähnlichstes von allen Bildern, +Hat die Natur hervorgebracht: +Jedoch wie kann ein Künstler schildern, +Was die Natur vollkommen macht? + + + +An die Kunstrichter + +Schweigt, unberauschte, finstre Richter! +Ich trinke Wein, und bin ein Dichter. +Tut mir es nach, und trinket Wein, +So seht ihr meine Schönheit ein. +Sonst wahrlich, unberauschte Richter, +Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein! + + + +An die Leier + +Töne, frohe Leier, +Töne Lust und Wein! +Töne, sanfte Leier, +Töne Liebe drein! + +Wilde Krieger singen, +Haß und Rach und Blut +In die Laute singen, +Ist nicht Lust, ist Wut. + +Zwar der Heldensänger +Sammelt Lorbeern ein; +Ihn verehrt man länger; +Lebt er länger? Nein. + +Er vergräbt im Leben +Sich in Tiefsinn ein: +Um erst dann zu leben, +Wann er Staub wird sein. + +Lobt sein göttlich Feuer, +Zeit und Afterzeit! +Und an meiner Leier +Lobt die Fröhlichkeit. + + + +An die Schwalbe + +Die 12te Ode Anakreons. + +Schwatzhafteste der Schwalben, sprich, +Was tu ich dir? wie straf ich dich? +Soll ich dich um die Schwingen +Mit meiner Schere bringen? +Soll ich, zu deiner Pein, +Ein andrer Tereus sein? +Und willst du gern der Progne gleichen? +Mußt du, zu frühe Schwätzerin, +Mußt du von meiner Schäferin +Mir meinen schönen Traum verscheuchen? + + + +An eine kleine Schöne + +Kleine Schöne, küsse mich. +Kleine Schöne, schämst du dich? +Küsse geben, Küsse nehmen, +Darf dich itzo nicht beschämen. +Küsse mich noch hundertmal! +Küß und merk der Küsse Zahl. +Ich will dir, bei meinem Leben! +Alle zehnfach wiedergeben, +Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist, +Und du zehn Jahr älter bist. + + + +Antwort eines trunknen Dichters + +Ein trunkner Dichter leerte +Sein Glas auf jeden Zug; +Ihn warnte sein Gefährte: +Hör auf! du hast genug. +Bereit vom Stuhl zu sinken, +Sprach der: Du bist nicht klug; +Zu viel kann man wohl trinken, +Doch nie trinkt man genug. + + + +Auf sich selbst + +Ich habe nicht stets Lust zu lesen. +Ich habe nicht stets Lust zu schreiben. +Ich habe nicht stets Lust zu denken; +Kurzum, nicht immer zu studieren. + +Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen. +Doch hab ich allzeit Lust zu lieben. +Doch hab ich allzeit Lust zu trinken; +Kurz, allezeit vergnügt zu leben. + +Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten? +Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen; +Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren; +Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln. + +Was ihr tut, ist des Alters Folge. +Was ich tu, will die Jugend haben. +Ich gönn euch eure Lust von Herzen. +Wollt ihr mir nicht die meine gönnen? + + + +Das Alter + +Nach der 11ten Ode Anakreons. + +Euch, lose Mädchen, hör ich sagen: +"Du bist ja alt, Anakreon. +Sieh her! du kannst den Spiegel fragen, +Sieh, deine Haare schwinden schon; +Und von den trocknen Wangen +Ist Blüt und Reiz entflohn."-- +Wahrhaftig! ob die Wangen +Noch mit dem Lenze prangen, +Wie, oder ob den Wangen +Der kurze Lenz vergangen, +Das weiß ich nicht; doch was ich weiß, +Will ich euch sagen: daß ein Greis, +Sein bißchen Zeit noch zu genießen, +Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen. + + + +Das Bild an Hrn. H. + +Das, Maler, ist dein Meisterstücke! +Ja, H**, ja; an Anmut reich, +Sieht dies Kind meinem Kinde gleich. +Das ist sein Haar; dies seine Blicke; +Das ist sein Mund; das ist sein Kinn. + +O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen, +Und sieh auf jene Seite hin: +Ich muß, ich muß das Bildchen küssen. +Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an: +Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann. + + + +Das Erdbeben + +Bruder, Bruder, halte mich! +Warum kann ich denn nicht stehen? +Warum kannst du denn nicht gehen? +Bruder geh, ich führe dich. + +Sachte Bruder, stolperst du? +Was? Du fällst mir gar zur Erden? +Halt! ich muß dein Retter werden. +Nu? Ich falle selbst dazu? + +Sieh doch Bruder! Siehst du nicht, +Wie die lockern Wände schwanken? +Sieh, wie Tisch und Flasche wanken! +Greif doch zu! das Glas zerbricht! + +Himmel, bald, bald werden wir +Nicht mehr trinken, nicht mehr leben! +Fühlst du nicht? des Grunds Erbeben +Droht es Bruder mir und dir. + +Limas Schicksal bricht herein! +Bruder, Bruder, wenn wir sterben, +Soll der Wein auch mit verderben? +Der auf heut bestimmte Wein? + +Nein, die Sünde wag ich nicht. +Bruder, wolltest du sie wagen? +Nein, in letzten Lebenstagen +Tut man gerne seine Pflicht. + +Sieh, dort sinket schon ein Haus! +Und hier auch! Nun muß man eilen! +Laß uns noch die Flasche teilen! +Hurtig! Hurtig! trink doch aus! + + + +Das Leben + +Sechs Tage kannt ich sie, +Und liebte sie sechs Tage. +Am siebenten erblaßte sie, +Dem ersten meiner ewgen Klage. +Noch leb ich, zauderndes Geschick! +Ein pflanzengleiches Leben. +O Himmel, ist für den kein Glück, +Dem du Gefühl und Herz gegeben! +Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut, +Dem du die Seele schon genommen! +Hier, wo ich wein, und wo sie ruht, +Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen! +Was hilft es, daß er meine Jahre +Bis zu des Nestors Alter spare? +Ich habe, trotz der grauen Haare, +Womit ich dann zur Grube fahre, +Sechs Tage nur geliebt, +Sechs Tage nur gelebt. + + + +Das Paradies + +Sein Glück für einen Apfel geben, +O Adam, welche Lüsternheit! +Statt deiner hätt ich sollen leben, +So wär das Paradies noch heut.-- + +Wie aber, wenn alsdann die Traube +Die Probefrucht gewesen wär? +Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube-- +Das Paradies wär auch nicht mehr. + + + +Das Schäferleben + +Komm Freund! wir wollen Schäfer werden. +Dies stille Volk besitzet noch +Die süße Ruh, das Glück der Erden. +Was zauderst du? Komm Freund! komm doch! +Dort blüht bei aufgeräumten Sinnen +Noch alte Treu und Redlichkeit, +Auch in den schönsten Schäferinnen. +Dort, dort ist noch die güldne Zeit. + +Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen, +Wo nichts als falsche Mägdchen sind? +Bedenke, Phyllis will mich hassen, +Das flatterhafte böse Kind. + +Auch Phyllis kann die Treue brechen, +Und windet sich aus meiner Hand. +Ja, diese Falschheit muß ich rächen. +Komm mit! Ich geh ins Schäferland. + +Du schwärmst, mein Freund. Laß mich zufrieden. +Was geht mich deine Phyllis an. +Dem ist ein größer Glück beschieden, +Der sich gleich mir betrinken kann. + +Wo hast du den Verstand gelassen? +Du hast gewiß noch keinen Rausch? +Den Wein, den Wein für Milch zu hassen? +Den Wein für Milch? Das wär ein Tausch. + +Recht Freund! verzeih mir diese Possen. +Wie albern denkt und redt man nicht, +Wenn man noch keinen Wein genossen, +Wenn folglich der Verstand gebricht. + +Drum eile, Freund! mir einzuschenken. +Trink mir es zu, und mach mich klug. +Nun lern ich wieder richtig denken. +Nun seh ich meinen Selbstbetrug. + +O schade für die falschen Kinder! +Laßt sie nur unbeständig sein. +Ich lache nun, und bins nicht minder. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + +Nun soll mich Phyllis nicht betrüben, +Laßt sie nur unbeständig sein, +Von nun an will ich auch so lieben. +Den Rat, den Rat gibt mir der Wein. + + + +Das Umwechseln + +Der Bruder + Liebe Schwester, wer ist die? + Deine Freundin? darf ich küssen? + O wie frei, wie schön ist sie! + Liebe Schwester darf ich küssen? + +Die Schwester + Pfui! Ihr Bruder ist ja hier. + Willst du, daß ers sieht, sie küssen? + Schäm dich! diesesmal wird dir + Wohl die Lust vergehen müssen. + +Der Bruder + Schwester, geh zum Bruder hin; + Laß dich von dem Bruder küssen; + Dann, weil ich dein Bruder bin, + Darf ich seine Schwester küssen. + + + +Das aufgehobene Gebot + +Elise. + Siehst du Wein im Glase blinken, + Lerne von mir deine Pflicht: + Trinken kannst du, du kannst trinken; + Doch betrinke dich nur nicht. + +Lysias. + Wallt dein Blut von Jugendtrieben, + Lerne von mir deine Pflicht: + Lieben kannst du, du kannst lieben; + Doch verliebe dich nur nicht. + +Elise. + Bruder! ich mich nicht verlieben? + +Lysias. + Schwester! ich mich nicht betrinken? + +Elise. + Wie verlangst du das von mir? + +Lysias. + Wie verlangst du das von mir? + +Elise. + Lieber mag ich gar nicht lieben. + +Lysias. + Lieber mag ich gar nicht trinken. + +Beide. + Geh nur, ich erlaub es dir. + + + +Der Donner + +Es donnert!--Freunde, laßt uns trinken! +Der Frevler und der Heuchler Heer +Mag knechtisch auf die Kniee sinken. +Es donnert!--Macht die Gläser leer! +Laßt Nüchterne, laßt Weiber zagen! +Zeus ist gerecht, er straft das Meer: +Sollt er in seinen Nektar schlagen? + + + +Der Faule + +Rennt dem scheuen Glücke nach! +Freunde, rennt euch alt und schwach! +Ich nehm teil an eurer Müh: +Die Natur gebietet sie. +Ich, damit ich auch was tu,-- +Seh euch in dem Lehnstuhl zu. + + + +Der Fehler + +Angelika ist jung und reich. +An Schönheit meiner Phyllis gleich. +Ich kann nichts Schöners nennen; +Das wissen die, die Phyllis kennen. +Sie redet ungezwungen rein; +Sie scherzt empfindlich und doch fein; +Ihr biegsam redlich Herze fühlt; +Sie tanzt, sie singt, sie spielt. +Wenn meine Phyllis untreu wird-- +O werde sie es nie! +Wenn sie es aber wird, +So lieb ich keine sonst als sie. +Doch--hab ichs auch bedacht? +Nein, einen Fehler treff ich an, +Der alles nichtig macht. +Sie liebet ihren Mann. + + + +Der Fehler der Natur an Hr. M. + +Freund! du erforschest die Natur. +Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur, +Sie fehlt auch oft in ihren Werken. +Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil +Versetzt sie dies und jenes Teil. +Ich selbst kann meinen Satz bestärken. +Denn hätt sich ihre Götterhand, +Als sie mich baute, nicht verloren; +So wär ich an der Mosel Strand, +Wo nicht doch in Burgund geboren. +O Mosler, o Burgunderwein, +Ich, ich sollt euer Landsmann sein! + + + +Der Flor + +O Reize voll Verderben! +Wir sehen euch, und sterben. +O Augen, unser Grab! +O Chloris, darf ich flehen? +Dich sicher anzusehen, +Laß erst den Flor herab! + + + +Der Genuß + +So bringst du mich um meine Liebe, +Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich! +Sie zu verlieren,--meine Liebe,-- +Sie zu verlieren, wünscht ich dich? +Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder, +Nimm sie zurück, die kurze Lust! +Nimm sie, und gib der öden Brust, +Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder! + + + +Der Geschmack der Alten + +Ob wir, wir Neuern, vor den Alten +Den Vorzug des Geschmacks erhalten, +Was lest ihr darum vieles nach, +Was der und jener Franze sprach? +Die Franzen sind die Leute nicht, +Aus welchen ein Orakel spricht. + +Ich will ein neues Urteil wagen. +Geschmack und Witz, es frei zu sagen, +War bei den Alten allgemein. +Warum? sie tranken alle Wein. +Doch ihr Geschmack war noch nicht fein; +Warum? sie mischten Wasser drein. + + + +Der Handel + +Des wuchernden Tumultes satt, +Freund, fliehst du aus der vollen Stadt? +Flieh nur allein; ich bleib zurücke, +Die Messe wag ich noch mein Glücke. +Nun handl ich auch: doch soll allein +Mein Handel mit den Schönen sein. + +Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil, +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder. +Kommt nur, und bringt die rechten Gelder! +Kommt nur und fangt den Handel an; +Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann. + +Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_ +Mein Feld verkauf ich nicht für Geld. +Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse. +_Und deinen Wald?_ Zweihundert Küsse. +_Und dieses Buch?_ Für einen Kuß. +_Und dieses Lied?_ Für einen Kuß. + +Wenn ich mit Schönen handeln muß, +Gilt alles bei mir einen Kuß. +Denn Küsse sind die besten Gelder. +Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder; +Mein Vater--und mein Mutterteil, +Ich selber bin für Küsse feil! + +L. + + + +Der Irrtum + +Den Hund im Arm, mit bloßen Brüsten, +Sah Lotte frech herab. +Wie mancher ließ sichs nicht gelüsten, +Daß er ihr Blicke gab. + +Ich kam gedankenvoll gegangen, +Und sahe steif heran. +Ha! denkt sie, der ist auch gefangen, +Und lacht mich schalkhaft an. + +Allein, gesagt zur guten Stunde, +Die Jungfer irrt sich hier. +Ich sah nach ihrem bunten Hunde: +Es ist ein artig Tier. + + + +Der Regen + +Der Regen hält noch immer an! +So klagt der arme Bauersmann; +Doch eher stimm ich nicht mit ein, +Es regne denn in meinen Wein. + + + +Der Schiffbruch + +"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer! +Das Trinken macht den Beutel leer, +Drum hol ich mir in fernen Landen, +Die unsre Väter niemals fanden, +Gold, Silber, Berlen, Edelstein; +Und folglich Wein." + +Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht. +Gesetzt, daß unser Schiff zerbricht, +So müssen wir ins Wasser sinken, +Und Wasser wohl gezwungen trinken. +Und Wasser, Wasser schmecket schlecht. +Hab ich nicht recht? + +Ja, wär im Meere lauter Wein, +So gäng ich, Freund, die Schiffahrt ein. +O Freund! o Freund, mit Freuden +Wollt ich gar Schiffbruch leiden. +Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier. +Man borget dir. + + + +Der Schlaf + +Ich trinke bis um Mitternacht. +Wenn neben mir der Geizhals wacht, +Und mit bekümmertem Verlangen +Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen? +Da trink ich noch, und freue mich, +Und trinkend Bacchus lob ich dich. +Da flieht der Durst! da flieht der Kummer! +Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer, +Wenn sollt ich wieder durstig werden? +Und würd ich nicht mehr durstig sein, +So tränk ich ja auch nicht mehr Wein. +O Schlaf, welch Gut bist du der Erden! + + + +Der Sommer + +_Brüder! lobt die Sommerszeit!_ +Ja, dich, Sommer, will ich loben! +Wer nur deine Munterkeit, +Deine bunte Pracht erhoben, +Dem ist wahrlich, dem ist nur, +Nur dein halbes Lob gelungen, +Hätt er auch, wie Brocks, gesungen, +Brocks, der Liebling der Natur. + +Hör ein größer Lob von mir, +Sommer! ohne stolz zu werden. +Brennst du mich, so dank ichs dir, +Daß ich bei des Strahls Beschwerden, +Bei der durstgen Mattigkeit, +Lechzend nach dem Weine frage, +Und gekühlt den Brüdern sage: +_Brüder! lobt die durstge Zeit!_ + +L. + + + +Der Sonderling + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei ein Narr; +Und gleichwohl zürnt der Narr, +Wenn man ihn also nennt. + +Sobald der Mensch sich kennt, +Sieht er, er sei nicht klug; +Doch ists ihm lieb genug, +Wenn man ihn weise nennt. + +Ein jeder, der mich kennt, +Spricht: Welcher Sonderling! +Nur diesem ists _ein_ Ding, +Wie ihn die Welt auch nennt. + + + +Der Tabak + + Dich, Tabak, lobt der Medikus, + Weil uns dein fleißiger Genuß +An Zahn und Augen wohl kurieret, +Und Schleim und Kolster von uns führet. + + Dich lobet der Philosophus, + Wenn er scharf meditieren muß; +Weil er, so lang er dich genießet, +Des Geistes Flatterkeit vermisset. + + Dich lobet der Theologus + Durch einen homiletschen Schluß, +Wenn er in deinem Rauch entzücket +Ein Bild der Eitelkeit erblicket. + + Ich lob an dir als ein Jurist, + Was rechtens an dir löblich ist; +Daß, wenigstens wie mir es dünket, +Man mehr und öfter bei dir trinket. + +L. + + + +Der Tausch an Hr. W. + +Ein Mägdchen, das Verstand und Geist +Gemeiner Schönen Zahl entreißt, +Ein Mägdchen, das bei Büchern schwitzet, +Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet, +Das ihrer Seelen Schönheit bessert, +Wenn die die leibliche vergrößert, +Das gründlich denkt und gründlich scherzt, +Platonisch liebt, platonisch herzt: +Freund, so ein Mägdchen ist für dich, +Und nicht für mich. + +Ein Mägdchen, dessen zärtlich Bild +Mit Zärtlichkeit die Herzen füllt, +Ein Mägdchen mit beredten Blicken, +Mit Füßen, die versteckt entzücken, +Mit Händen, die liebkosend schlagen, +Und drückend, dich nur lieb ich, sagen, +Mit schwarzem Haar, mit voller Brust, +Gemacht zu dauerhafter Lust: +Freund, so ein Mägdchen ist für mich, +Und nicht für dich. + +Das Glück ist ungerecht und blind; +Wenn nicht die Dichter Lügner sind. +Wie oft hat es mit deinem Hoffen, +Wie oft mit meinem eingetroffen? +Wie wenn es, dich und mich zu kränken, +Dir mein, und mir dein Kind wird schenken? +O Freund, was soll die Rache sein? +Der Tausch, o Freund, der Tausch allein. +Doch gibst du, geb ich meine dir, +Auch deine mir? + + + +Der Tod + +Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben? +Gestern bei dem Saft der Trauben, +(Bildet euch mein Schrecken ein!) +Kam der Tod zu mir herein. + +Drohend schwang er seine Hippe, +Drohend sprach das Furchtgerippe: +Fort, du teurer Bacchusknecht! +Fort, du hast genug gezecht! + +Lieber Tod, sprach ich mit Tränen, +Solltest du nach mir dich sehnen? +Sieh, da stehet Wein für dich! +Lieber Tod verschone mich! + +Lächelnd greift er nach dem Glase; +Lächelnd macht ers auf der Base, +Auf der Pest, Gesundheit leer; +Lächelnd setzt ers wieder her. + +Fröhlich glaub ich mich befreiet, +Als er schnell sein Drohn erneuet. +Narre, für dein Gläschen Wein +Denkst du, spricht er, los zu sein? + +Tod, bat ich, ich möcht auf Erden +Gern ein Mediziner werden. +Laß mich: ich verspreche dir +Meine Kranken halb dafür. + +Gut, wenn das ist, magst du leben: +Ruft er. Nur sei mir ergeben. +Lebe, bis du satt geküßt, +Und des Trinkens müde bist. + +Oh! wie schön klingt dies den Ohren! +Tod, du hast mich neu geboren. +Dieses Glas voll Rebensaft, +Tod, auf gute Brüderschaft! + +Ewig muß ich also leben, +Ewig! denn beim Gott der Reben! +Ewig soll mich Lieb und Wein, +Ewig Wein und Lieb erfreun! + + + +Der Verlust + +Alles ging für mich verloren, +Als ich Sylvien verlor. +Du nur gingst nicht mit verloren, +Liebe, da ich sie verlor! + + + +Der Vetter und die Muhme + +O fluche, Freund, nicht alles Wetter +Auf deinen eigensinngen Vetter. +Schmält er manchmal; so laß es sein. +Er hat ja guten Wein. + +Auch fluche nicht der alten Muhme. +Man muß ihr Brummen, sich zum Ruhme, +Mit stiller Sanftmut übergehn. +Die Tochter ist ja schön. + + + +Der Wunsch + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kühlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein häßlich Mädchen sehe, +Wünsch ich plötzlich blind zu sein. + +Wenn ich, Augenlust zu finden, +Unter schatticht kühlen Linden +Schielend auf und nieder gehe, +Und ein schönes Mädchen sehe, +Möcht ich lauter Auge sein. + + + +Der alte und der junge Wein + +Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken: +Drum mag der junge Wein +Für euch, ihr Alten, sein. + +Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken: +Drum muß der alte Wein +Für mich, den Jüngling, sein. + + + +Der bescheidene Wunsch + +Der Pfennig, den man andachtsvoll +Dem Priester beichtend geben soll, +Gilt mehr als im gemeinen Leben +Ein Pfennig, den wir Iro geben. +Die Klügsten müssen durch Dukaten +Den Sinn des kleinen Worts erraten. +Man nehm es nicht buchstäblich an, +Der Buchstab bringet Tod und Bann. + +"Ach! schenkte mir mein lieber Gott +Nur einst mein liebes bißchen Brot; +Ich wollte mich begnügen lassen +Und keinen Reichen neidisch hassen." +Oh, das ist Staxen leicht zu sagen, +Doch, wollt ihr eine Wette wagen, +Stax schließet Fische, Braten, Wein +Mit in den Wunsch des Brotes ein. + +O Liebste! machet dir mein Mund +Den heißen Wunsch nach Küssen kund, +So wisse, daß ich mehr begehret +Als dir mein scheuer Mund erkläret. +Ein Kuß bei mir ist--Soll ichs sagen? +Doch still! Du willst mich heimlich fragen. +Komm! jener Lustwald ruft dir zu: +O Mägdchen! was du tun willst, tu! + + + +Der größte Mann + +Laßt uns den Priester Orgon fragen: +Wer ist der größte Mann? +Mit stolzen Mienen wird er sagen. +Wer sich zum kleinsten machen kann. + +Laßt uns den Dichter Kriton hören: +Wer ist der größte Mann? +Er wird es uns in Versen schwören: +Wer ohne Mühe reimen kann. + +Laßt uns den Hofmann Damis fragen: +Wer ist der größte Mann? +Er bückt sich lächelnd; das will sagen: +Wer lächeln und sich bücken kann. + +Wollt ihr vom Philosophen wissen, +Wer ist der größte Mann? +Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen: +Wer ihn verstehn und grübeln kann. + +Was darf ich jeden Toren fragen: +Wer ist der größte Mann? +Ihr seht, die Toren alle sagen: +Wer mir am nächsten kommen kann. + +Wollt ihr den klügsten Toren fragen: +Wer ist der größte Mann? +So fraget mich; ich will euch sagen: +Wer trunken sie verlachen kann. + + + +Der müßige Pöbel + +Um einen Arzt und seine Bühne +Stand mit erstaunungsvoller Miene +Die leicht betrogne Menge +In lobendem Gedränge. +Ein weiser Trinker ging vorbei, +Und schriee: welche Polizei! +So müßig hier zu stehen? +Kann nicht das Volk zu Weine gehen? + + + +Der neue Welt-Bau + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Ihr kennt doch wohl den großen Geist, + Nach dem der wahre Welt-Bau heißt? +Von diesem hab ich einst gelesen, +Daß er beim Weine gleich gewesen, + Als er der Sonne Stillestand, + Die alte neue Wahrheit fand. + + Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, + Er macht auch zum Astronomo. + Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört, + Was mir der Wein, der Wein gelehrt! +So kann der Wein den Witz verstärken! +Wir laufen selbst, ohn es zu merken, + Von Osten täglich gegen West! + Die Sonne ruht. Die Welt steht fest! + + + +Der philosophische Trinker + +Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden, +Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden. +Er zecht mit mir und meinen Brüdern, +Und fühlet schon in unsern Liedern +Mehr Weisheit, Witz und Kraft, +Als Jacob Böhm und Newton schafft. +Doch bringt er seine spitzgen Fragen, +Die minder als sie sagen, sagen, +Noch dann und wann hervor, +Und plagt mit Schlüssen unser Ohr. +Jüngst fragt er mich am vollen Tische, +Warum wohl in der Welt der Fische, +In Flüssen und im Meer, +Nicht Wein statt Wassers wär? +Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein. +Die Antwort fiel mir schwer; +Ich dachte hin und her, +Doch endlich fiel mirs ein. +"Die Ursach ist leicht zu erdenken", +Sprach ich mit aufgestemmtem Arm. +Und welche? schrie der ganze Schwarm. +"Damit, wenn Esel davon tränken, +Die Esel, nur verdammt zu Bürden, +Nicht klüger als die Menschen würden." +Die Antwort, schrie man, läßt sich hören. +Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren! + + + +Der schwörende Liebhaber + +Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen; +Gerechten Haß schwör ich dir zu. +Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen; +Weil alle treulos sind, wie du. +Ich schwör es dir, vor Amors Ohren, +Daß ich--ach! daß ich falsch geschworen. + + + +Der trunkne Dichter lobt den Wein + +Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert, +Und deinem flüßgen Feur begeistert, +Stimm ich zum Danke, wenn ich kann, +Ein dir geheiligt Loblied an. + +Doch wie? in was für kühnen Weisen +Werd ich, o Göttertrank, dich preisen? +Dein Ruhm, hör ihn summarisch an, +Ist, daß ich ihn nicht singen kann. + + + +Die 47ste Ode Anakreons + +Alter tanze! Wenn du tanzest, +Alter, so gefällst du mir! +Jüngling, tanze! Wenn du tanzest, +Jüngling, so gefällst du mir. + +Alter, tanze, trotz den Jahren! +Welche Freude, wenn es heißt: +Alter, du bist alt an Haaren, +Blühend aber ist dein Geist! + + + +Nachahmung dieser Ode + +Jüngling, lebst du nicht in Freuden, +Jüngling, o so haß ich dich! +Alter, lebst du nicht in Freuden, +Alter, o so haß ich dich! + +Jüngling, trauerst du in Jahren, +Wo die Pflicht sich freuen heißt?-- +Schäme dich! so frisch an Haaren, +Jüngling, und so schwach an Geist! + + + +Die Abwechslung + +Ich trinke nicht stets einen Wein. +Das möchte mir zu ekel sein. +Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande, +Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande, +Die wechsl ich täglich mit Bedacht, +Weil Wechseln alles süßer macht. + +Und mich soll nur ein artig Kind, +Wenn mehrere zu finden sind, +Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden? +Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden. +Nein, nein, ich folge meinem Brauch, +Mit artgen Kindern wechsl ich auch. + + + +Die Antwort + +Der Nachbarin Climene +Schrieb ich von Lieb und Glut. +Die christlich holde Schöne +War allen Menschen gut. +Sie hat den Brief bekommen, +Voll Sehnsucht angenommen, +Geküßt und aufgemacht, +Gelesen und gelacht. +Ach Gott, das gute Kind! + +Sie wird wohl wieder schreiben? +Nein; schreiben kann sie nicht. +Nur sich die Zeit vertreiben, +Ist ihre Kunst und Pflicht. +Doch ohne Trost mich lassen, +Hieß meine Liebe hassen; +Drum kömmt sie selbst zu mir, +Durch unsre Hintertür. +Ach, gar zu gutes Kind! + + + +Die Beredsamkeit + +Freunde, Wasser machet stumm: +Lernet dieses an den Fischen. +Doch beim Weine kehrt sichs um: +Dieses lernt an unsern Tischen. +Was für Redner sind wir nicht, +Wenn der Rheinwein aus uns spricht! +Wir ermahnen, streiten, lehren; +Keiner will den andern hören. + + + +Die Betrübnis + +Der Dichter und sein Freund. + +Der Freund. + Freund! welches Unglück, welche Reue + Macht dir so bittern Schmerz? + +Der Dichter. + Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue! + Und sie besaß mein Herz. + +Der Freund. + Um eine Falsche dich betrüben? + Du bist ja klug genug. + +Der Dichter. + O schweig! das heißt nicht lieben, + Läßt uns die Liebe klug. + + + +Die Biene + +Als Amor in den goldnen Zeiten +Verliebt in Schäferlustbarkeiten +Auf bunten Blumenfeldern lief, +Da stach den kleinsten von den Göttern +Ein Bienchen, das in Rosenblättern, +Wo es sonst Honig holte, schlief. + +Durch diesen Stich ward Amor klüger. +Der unerschöpfliche Betrüger +Sann einer neuen Kriegslist nach: +Er lauscht in Rosen und Violen; +Und kam ein Mädchen sie zu holen, +Flog er als Bien heraus, und stach. + + + +Die Diebin + +(1745) + +Du Diebin mit der Rosenwange, +Du mit den blauen Augen da! +Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange? +Gesteh nur, was ich fühlt und sah! + +Du schweigst? Doch deine Rosenwange +Glüht schuldig, röter, als vorhin, +O Diebin mit der Rosenwange, +Wo ist mein Herz, wo kam es hin? + + + +Die Einwohner des Mondes + +Die Mägdchen die in sechzehn Jahren +Noch nicht das leckre Glück erfahren, +Wozu sie ihre Mütter sparen; +Das Stutzerchen, das was gelernt; +Das Weib, das nie sich aus den Schranken +Der ehelichen Pflicht entfernt, +Und um den Mann die Welt vergißt; +Der Bettler, der bei dem Bedanken +So höflich wie beim Bitten ist; +Der Dichter, welcher nie gelogen, +Dem stets der Reim, und niemals er, +Dem lieben Reime nachgezogen; +Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt, +Um Kleinigkeiten nicht verdammt, +Und weiß durch Taten zu ermahnen; +Der Edle, der von seinen Ahnen +In unzertrennter Ordnung stammt, +Ohn daß ein wackrer Bauerknecht +Nicht oft das Heldenblut geschwächt; +Ein Arzt, der keinen tot gemacht; +Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet; +Der Hagestolz, der in der Nacht, +Was er am Tage flieht, nicht suchet; +Das fromme Weib, das nie geschmält; +Der reiche Greis, dem nichts gefehlt; +Und hundert andre schöne Sachen, +Die unsern Zeiten Ehre machen: +Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond, +Wo jedes Hirngespinste wohnt. + + + +Die Ente + +Ente, wahres Bild von mir, +Wahres Bild von meinen Brüdern! +Ente, jetzo schenk ich dir +Auch ein Lied von meinen Liedern. + +Oft und oft muß dich der Neid +Zechend auf dem Teiche sehen. +Oft sieht er aus Trunkenheit +Taumelnd dich in Pfützen gehen. + +Auch ein Tier--o das ist viel! +Hält den Satz für wahr und süße, +Daß, wer glücklich leben will, +Fein das Trinken lieben müsse. + +Ente, ists nicht die Natur, +Die dich stets zum Teiche treibet? +Ja, sie ists; drum folg ihr nur. +Trinke, bis nichts übrig bleibet. + +Ja, du trinkst und singst dazu. +Neider nennen es zwar schnadern; +Aber, Ente, ich und du +Wollen nicht um Worte hadern. + +Wem mein Singen nicht gefällt, +Mag es immer Schnadern nennen. +Will uns nur die neidsche Welt +Als versuchte Trinker kennen. + +Aber, wie bedaur ich dich, +Daß du nur mußt Wasser trinken. +Und wie glücklich schätz ich mich, +Wenn mir Weine dafür blinken. + +Armes Tier, ergib dich drein. +Laß dich nicht den Neid verführen. +Denn des Weins Gebrauch allein +Unterscheidet uns von Tieren. + +In der Welt muß Ordnung sein. +Menschen sind von edlern Gaben. +Du trinkst Wasser, und ich Wein: +So will es die Ordnung haben. + + + +Die Faulheit + +Fleiß und Arbeit lob ich nicht. +Fleiß und Arbeit lob ein Bauer. +Ja, der Bauer selber spricht, +Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. +Faul zu sein, sei meine Pflicht; +Diese Pflicht ermüdet nicht. + +Bruder, laß das Buch voll Staub. +Willst du länger mit ihm wachen? +Morgen bist du selber Staub! +Laß uns faul in allen Sachen, +Nur nicht faul zu Lieb und Wein, +Nur nicht faul zur Faulheit sein. + + + +Die Gespenster + +Der Alte + O Jüngling! sei so ruchlos nicht, + Und leugne die Gespenster. + Ich selbst sah eins beim Mondenlicht + Aus meinem Kammerfenster, + Das saß auf einem Leichenstein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Als meiner Schwester Sohn verschied, + (Das sind nunmehr zehn Jahre!) + Sah seine Magd, die trefflich sieht, + Des Abends eine Bahre, + Und oben drauf ein Totenbein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + Und als mein Freund im Treffen blieb, + Das Frankreich jüngst verloren, + Hört seine Frau, wie sie mir schrieb, + Mit ihren eignen Ohren + Zu Mitternacht drei Eulen schrein: + Drum müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Es müssen wohl Gespenster sein. + +Der Alte + In meinem Keller selbst gehts um. + Ich hör oft ein Gesause; + Doch werden die Gespenster stumm, + Ist nur mein Sohn zu Hause. + Denk nur, sie saufen meinen Wein: + Das müssen wohl Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wünscht ich eins davon zu sein. + +Der Alte + Auch weiß ich nicht, was manche Nacht + In meiner Tochter Kammer + Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht; + Oft bringt mirs Angst und Jammer. + Ich weiß das Mädchen schläft allein; + Drum müssen es Gespenster sein. + +Der Jüngling + Ich wende nichts dawider ein; + Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein. + + + +Die Gewißheit + +Ob ich morgen leben werde, +Weiß ich freilich nicht: +Aber, wenn ich morgen lebe, +Daß ich morgen trinken werde, +Weiß ich ganz gewiß. + + + +Die Haushaltung + +Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau +Zu seiner lieben Ehefrau. +"Versoffner, unverschämter Mann"--– +Geduld, mein Kind, ich zieh mich an-- +"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine. +Zank du alleine. + +"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus! +Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus. +Gott! ich soll so verlassen sein?-- +Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein! +Mein böser Teufel ist zu Weine: +Wir sind alleine." + + + +Die Küsse + +Der Neid, o Kind, +Zählt unsre Küsse: +Drum küß geschwind +Ein Tausend Küsse; +Geschwind du mich, +Geschwind ich dich! +Geschwind, geschwind, +O Laura, küsse +Manch Tausend Küsse: +Damit er sich +Verzählen müsse. + + + +Die Küsse + +Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket, +Das mit dem Küssen nur noch spielt, +Und bei dem Küssen noch nichts denket, +Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt. + +Ein Kuß, den mir ein Freund verehret, +Das ist ein Gruß, der eigentlich +Zum wahren Küssen nicht gehöret: +Aus kalter Mode küßt er mich. + +Ein Kuß, den mir mein Vater giebet, +Ein wohlgemeinter Segenskuß, +Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet, +Ist etwas, das ich ehren muß. + +Ein Kuß von meiner Schwester Liebe +Steht mir als Kuß nur so weit an, +Als ich dabei mit heißerm Triebe +An andre Mädchen denken kann. + +Ein Kuß, den Lesbia mir reichet, +Den kein Verräter sehen muß, +Und der dem Kuß der Tauben gleichet: +Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß. + + + +Die Kunstrichter und der Dichter + +Die Kunstrichter + Ihr Dichter! seid des Stoffes voll, + Den eure Muse singen soll: + Alsdann gerät das Lied euch wohl. + +Der Dichter + Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl! + Seht her! ich bin des Stoffes voll, + Den meine Muse singen soll; + Ich bin, ich bin des Weines voll: + Und doch gerät kein Lied mir wohl. + +Die Kunstrichter + Du bist des Stoffes allzu voll, + Den deine Muse singen soll: + Darum gerät kein Lied dir wohl. + + + +Die Liebe + +Ohne Liebe +Lebe, wer da kann. +Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, +Bleibt er doch kein Mann. + +Süße Liebe, +Mach mein Leben süß! +Stille nie die regen Triebe +Sonder Hindernis. + +Schmachten lassen +Sei der Schönen Pflicht! +Nur uns ewig schmachten lassen, +Dieses sei sie nicht. + + + +Die Musik + +Ein Orpheus spielte; rings um ihn, +Mit lauschendem Gedränge +Stand die erstaunte Menge, +Durchs Ohr die Wollust einzuziehn. +Ein Trinker kam von ungefähr, +Und taumelte den Weg daher. +Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn, +Und ward entzückt, und schriee: Schön! +So schön, als wenn bei meinem wackern Wirte +Das helle Paßglas klirrte! + + + +Die Mutter + +Strenge Phyllis dich zu küssen, +Dich ein einzigmal zu küssen, +Hab ich dich nicht bitten müssen! +Und doch darf ich dich nicht küssen. +Sagst du? "Meine Mutter spricht: +Phyllis, Tochter küsse nicht!" +Ist es so was Böses, küssen? +Liegt kein Trieb dazu im Blut? +Doch--weg mit den schweren Schlüssen! +Laß sie warnen! kurz und gut; +Was geht der die Mutter an, +Die selbst Mutter werden kann? + + + +Die Namen + +Ich fragte meine Schöne: +Wie soll mein Lied dich nennen? +Soll dich als Dorimene, +Als Galathee, als Chloris, +Als Lesbia, als Doris, +Die Welt der Enkel kennen? + +Ach! Namen sind nur Töne: +Sprach meine holde Schöne. +Wähl selbst. Du kannst mich Doris, +Und Galathee und Chloris, +Und--wie du willst mich nennen; +Nur nenne mich die Deine. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit süßen Grillen sich ergötzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gründen schließt, +Daß Wein in den Planeten ist: +Das heißt zu früh bevölkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Daß in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schließen. + + + +Die Planetenbewohner + +Mit süßen Grillen sich ergötzen, +Einwohner in Planeten setzen, +Eh man aus sichern Gründen schließt, +Daß Wein in den Planeten ist: +Das heißt zu früh bevölkern. + +Freund, bringe nur zuerst aufs reine, +Daß in den neuen Welten Weine, +Wie in der, die wir kennen, sind: +Und glaube mir, dann kann ein Kind +Auf seine Trinker schließen. + + + +Die Redlichkeit + +So weit sich läßt die Welt durchwandern, +Klagt ein verlarvter Schelm dem andern +Die selbstverschuldte Seltenheit +Der nie geübten Redlichkeit. + +Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen-- +Da seht die Torheit ihrer Herzen! +Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein? +Doch fluchen sie auf dich, o Wein! + +So klagen, und dem Trinken fluchen, +Heißt Zwecke sonder Mittel suchen. +Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt? +Wie man es kaum von Wolfen hört. + +Wer hat die Redlichkeit erhoben +Ohn unsre Väter mit zu loben? +Ja, ja, die trunken wacker Wein, +Wie konnten sie nicht redlich sein? + +Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen, +Die euch, so oft euch durstt, ermahnen, +An Treu und Trunke kindlich gleich. +Trinkt redlich aus und küsset euch! + + + +Die Schöne von hinten + +Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer +Dort für ein reizend Frauenzimmer? +Der neuen Tracht Vollkommenheit, +Der engen Schritte Nettigkeit, +Die bei der kleinsten Hindrung stocken, +Der weiße Hals voll schwarzer Locken, +Der wohlgewachsne schlanke Leib, +Verrät ein junges artges Weib. + +Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen, +Damit wir sie von vorne sehen. +Es muß, triegt nicht der hintre Schein, +Die Venus oder Phyllis sein. +Komm, eile doch!--O welches Glücke! +Jetzt sieht sie ungefähr zurücke. +Was wars, das mich entzückt gemacht? +Ein altes Weib in junger Tracht. + + + +Die Sparsamkeit + +Von nun an muß ich sparsam werden. +Warum denn das? Der Wein schlägt auf. +So gehts, das Beste dieser Erden +Erhält man nur durch teuren Kauf. + +Wer pocht? Ei der verwünschte Schneider +Macht mich fast durch sein Mahnen toll. +Da seht die Menschenliebe! leider, +Daß man doch stets bezahlen soll. + +"Beliebet morgen einzusprechen. +Die Wechsel laufen später ein." +Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen. +Seht! seht! so muß man sparsam sein. + + + +Die Stärke des Weins + +Wein ist stärker als das Wasser: +Dies gestehn auch seine Hasser. +Wasser reißt wohl Eichen um, +Und hat Häuser umgerissen: +Und ihr wundert euch darum, +Daß der Wein mich umgerissen? + + + +Die Türken + +Die Türken haben schöne Töchter, +Und diese scharfe Keuschheitswächter; +Wer will kann mehr als eine frein: +Ich möchte schon ein Türke sein. + +Wie wollt ich mich der Lieb ergeben! +Wie wollt ich liebend ruhig leben, +Und--doch sie trinken keinen Wein; +Nein, nein, ich mag kein Türke sein. + + + +Die Versteinerung + +Holz und Beine +Werden Steine +Durch des Wassers Kraft. +Werden Holz und Beine +Durch des Wassers Kraft, +Werden die zu Steine: +Sagt, ihr Wasserfreunde, +Sagt, ihr Rebenfeinde, +Werden eure Herzen +Nicht versteinert sein? + +Mark und Beine +Fühlen, Weine, +Eures Feuers Kraft. +Wenn mein Liebster trinket, +Trinkt er Rebensaft, +Bis er sich betrinket. +Sollt ich ihn nicht lieben? +Ja, ich will ihn lieben, +Weil sein Herz erhitzet, +Nicht versteinert wird. + +C*** + + + +Die Wetterprophezeiung + +Das Wetter ist veränderlich, +Veränderlich, wie meine Schönen. +Umsonst, o Freund, bemüht man sich, +Nach Regeln beide zu gewöhnen. +Drum laß dein Wetterprophezein, +Wie ich mein treues Lieben, sein. + +Doch, kannst du deiner Wissenschaft, +Gelehrter Wolkenseher! trauen: +Wohl gut! so laß von ihrer Kraft +Mich stracks ein kleines Beispiel schauen. +Du sollst--du sollst mir prophezein: +Wird heuer ein gut Weinjahr sein?* + +L. + +* Ja! + + + +Die drei Reiche der Natur + +Ich trink, und trinkend fällt mir bei, +Warum Naturreich dreifach sei. +Die Tier und Menschen trinken, lieben, +Ein jegliches nach seinen Trieben: +Delphin und Adler, Floh und Hund +Empfindet Lieb und netzt den Mund. +Was also trinkt und lieben kann, +Wird in das erste Reich getan. + +Die Pflanze macht das zweite Reich, +Dem ersten nicht an Güte gleich: +Sie liebet nicht, doch kann sie trinken; +Wenn Wolken träufelnd niedersinken, +So trinkt die Zeder und der Klee, +Der Weinstock und die Aloe. +Drum, was nicht liebt, doch trinken kann, +Wird in das zweite Reich getan. + +Das Steinreich macht das dritte Reich; +Und hier sind Sand und Demant gleich: +Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe, +Er wächset ohne Trunk und Liebe. +Drum, was nicht liebt noch trinken kann, +Wird in das letzte Reich getan. +Denn ohne Lieb und ohne Wein, +Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein. + + + +Die lügenhafte Phyllis + +Mein Damon spricht: +Kind, lüge nicht! +Sonst werd ich strafen müssen, +Und dich zur Strafe küssen. +Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, +Und strafet mich schon im voraus. + +Sonst log ich nicht. +Nur seit er spricht: +Du sollst mir fein mit Küssen +Die losen Lügen büßen, +Red ich kein wahres Wörtchen mehr. +Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her? + + + +Die lehrende Astronomie + +Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt +Auf hohe feste Schultern baute, +Und mir die Pracht zu sehn erlaubt, +Die nie ein hängend Tieraug schaute! +Hier lern ich mich und ihn erkennen, +Und hier mich nichts, ihn alles nennen. +Was bin ich? Ich bin groß genung, +Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen. +Mein Wissen ist Verwunderung; +Mein Leben leichter Blitze Brennen. +Und so ein Nichts, verblendte Toren, +Soll sein zum Herrn der Welt geboren? + +Der Stolz, der Torheit Eigentum, +Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne; +Die Demut ist des Weisen Ruhm, +Und die lernt er bei euch, ihr Sterne! +Und wird nur groß, weil er euch kennet, +Und euern Gott auch seinen nennet. + +Auch wenn sein Unglück ihn den Weg, +Den harten Weg der Prüfung führet, +Und wenn, auf dem einsamen Steg, +Sich Lieb und Freund von ihm verlieret, +Lernt er bei euch, durch süße Grillen, +Oft allzuwahre Schmerzen stillen. + +O Tugend! reizend Hirngedicht, +Erdachte Zierde unsrer Seelen! +Die Welt, o Tugend, hat dich nicht: +Doch wirst du auch den Sternen fehlen? +Nein, starbst du gleich bei uns im Abel, +Du selbst bist viel zu schön zur Fabel. + +Dort seh ich, mit erstauntem Blick, +Ein glänzend Heer von neuen Welten; +Getrost, vielleicht wird dort das Glück +So viel nicht, als die Tugend, gelten. +Vielleicht dort in Orions Grenzen +Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen! + +"Das Übel", schreit der Aberwitz, +"Hat unter uns sein Reich gewonnen." +Wohl gut, doch ist des Guten Sitz +In ungezählten größern Sonnen. +Der Dinge Reihen zu erfüllen, +Schuf jenes Gott mit Widerwillen. + +So, wie den Kenner der Natur +Auch Quarz und Eisenstein vergnügen, +Nicht Gold- und Silberstufen nur +In Fächern, voller Lücken, liegen: +So hat das Übel Gott erlesen +Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen. + +O nahe dich, erwünschte Zeit, +Wo ich, frei von der Last der Erde, +In wachsender Glückseligkeit, +Einst beßre Welten sehen werde! +O Zeit, wo mich entbundne Schwingen +Von einem Stern zum andern bringen! + +Gedanken! fliehet nur voran! +Verirrt euch in den weiten Sphären, +Bis ich euch selber folgen kann. +Wie lang, Geschick, wird es noch währen! +O Lust, hier seh ich schon die Kreise, +Die Wege meiner ewgen Reise! + +Drum kränkt der blinde Damon sich +Nur in der Nacht um sein Gesichte. +Geruhig, Tag, vermißt er dich, +Und deine Eitelkeit im Lichte; +Und wünscht sich, von der Weltlust ferne, +Ein fühlend Aug nur für die Sterne. + +O selge Zeit der stillen Nacht, +Wo Neid und Bosheit schlafend liegen, +Und nur ein frommes Auge wacht, +Und sucht am Himmel sein Vergnügen! +Gott sieht die Welt in diesen Stunden, +Und spricht, ich hab sie gut gefunden! + +Berlin. +L. + + + +Die schlafende Laura + +Nachlässig hingestreckt, +Die Brust mit Flor bedeckt, +Der jedem Lüftchen wich, +Das säuselnd ihn durchstrich, +Ließ unter jenen Linden +Mein Glück mich Lauren finden. +Sie schlief und weit und breit +Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden, +Aus mißvergnügter Traurigkeit, +Von Lauren nicht gesehn zu werden. +Sie schlief, und weit und breit +Erschallten keine Nachtigallen, +Aus weiser Furchtsamkeit, +Ihr minder zu gefallen, +Als ihr der Schlaf gefiel, +Als ihr der Traum gefiel, +Den sie vielleicht itzt träumte, +Von dem, ich hoff' es, träumte, +Der staunend bei ihr stand, +Und viel zu viel empfand, +Um deutlich zu empfinden, +Um noch es zu empfinden, +Wie viel er da empfand. +Ich ließ mich sanfte nieder, +Ich segnete, ich küßte sie, +Ich segnete, und küßte wieder: +Und schnell erwachte sie, +Schnell taten sich die Augen auf. +Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf. + + + +Die schlimmste Frau + +Die Weiber können nichts als plagen. +Der Satz sagt viel und ist nicht neu. +Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen, +Welch Weib das schlimmste sei? + +Ein Weib, das mit dem Manne scherzet +Wie ein gebildter Marmorstein, +Das ohne Glut und Reiz ihn herzet, +Das kann kein gutes sein. + +Ein Weib, das wie ein Drache geizet, +Und gegen Kind und Magd genau, +Den Dieb, mich zu bestehlen reizet, +O eine schlimme Frau! + +Ein Weib, das gegen alle lachet, +In Liebesstreichen frech und schlau +Uns täglich neue Freunde machet, +O eine schlimmre Frau! + +Ein Weib, das nichts als bet und singet, +Und bei der Kinder Zeitvertreib +Mit Seufzen ihre Hände ringet, +O ein noch schlimmer Weib! + +Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte, +(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?) +Den Mann sich gern zum Sklaven machte, +Das muß ein Teufel sein! + +Ein Weib, das ihrem Manne fluchet, +Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein, +Wie heimlich sie Liebhaber, suchet, +Das muß--ein Weibsbild sein! + + + +Die verschlimmerten Zeiten + +Anakreon trank, liebte, scherzte, +Anakreon trank, spielte, herzte, +Anakreon trank, schlief, und träumte +Was sich zu Wein und Liebe reimte: +Und hieß mit Recht der Weise. + +Wir Brüder trinken, lieben, scherzen, +Wir Brüder trinken, spielen, herzen, +Wir Brüder trinken, schlafen, träumen, +Wozu sich Wein und Liebe reimen: +Und heißen nicht die Weisen. + +Da seht den Neid von unsern Zeiten! +Uns diesen Namen abzustreiten! +O Brüder, lernet hieraus schließen, +Daß sie sich stets verschlimmern müssen; +Sie nennen uns nicht weise. + + + +Die wider den Cäsar verschworne Helden + +Cassius. Decimus. Brutus. Cimber. + +Cassius. + Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben, + Eh Rom noch Königsfesseln trägt. + Wer sollte nicht mit Lust verderben, + Wenn ihn der Staat mit niederschlägt? + +Decimus. + Ja--aber ohne Rache sterben, + Und ohne Nutz dem Vaterland-- + Freund, das heißt pöbelhaft verderben. + Und wozu hätt ich Mut und Hand? + +Cassius. + O Brutus! voller tiefen Sorgen + Seh ich dein Herz für Rom zerteilt. + O Freund! noch einen freien Morgen, + So hat die Knechtschaft uns ereilt. + +Brutus. + Wenn Cäsar Rom will unterdrücken, + Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn. + Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken: + Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn. + +Cassius. + Du? deinem Freunde? Brutus! Götter! + Rom steht, wenn Brutus Brutus ist. + Schon war ein Brutus Roms Erretter; + Komm! zeige, daß du beide bist. + +Cimber. + Auch ich will alles mit euch wagen; + Auch ich muß ohne König sein. + Denn könnt ich einen Herrn ertragen, + Ertrüg ich allererst den Wein. + + + +Eine Gesundheit + +Trinket Brüder, laßt uns trinken +Bis wir berauscht zu Boden sinken; +Doch bittet Gott den Herren, +Daß Könige nicht trinken. + +Denn da sie unberauscht +Die halbe Welt zerstören, +Was würden sie nicht tun, +Wenn sie betrunken wären? + + + +Für wen ich singe + +Ich singe nicht für kleine Knaben, +Die voller Stolz zur Schule gehn, +Und den Ovid in Händen haben, +Den ihre Lehrer nicht verstehn. + +Ich singe nicht für euch, ihr Richter, +Die ihr voll spitzger Gründlichkeit +Ein unerträglich Joch dem Dichter, +Und euch die Muster selber seid. + +Ich singe nicht den kühnen Geistern, +Die nur Homer und Milton reizt; +Weil man den unerschöpften Meistern +Die Lorbeern nur umsonst begeizt. + +Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen, +Für dich, mein deutsches Vaterland. +Ich fürchte jene Lästerzungen, +Die dich bis an den Pol verbannt. + +Ich singe nicht für fremde Reiche. +Wie käm mir solch ein Ehrgeiz ein? +Das sind verwegne Autorstreiche. +Ich mag nicht übersetzet sein. + +Ich singe nicht für fromme Schwestern, +Die nie der Liebe Reiz gewinnt, +Die, wenn wir munter singen, lästern, +Daß wir nicht alle Schmolken sind. + +Ich singe nur für euch, ihr Brüder, +Die ihr den Wein erhebt, wie ich. +Für euch, für euch sind meine Lieder. +Singt ihr sie nach: o Glück für mich! + +Ich singe nur für meine Schöne, +O muntre Phyllis, nur für dich. +Für dich, für dich sind meine Töne. +Stehn sie dir an, so küsse mich. + + + +Heldenlied der Spartaner + +In drei Chören. + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER MÄNNER. + Sind wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Werden wir! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER ALTEN. + Waren wir! + +CHÖRE DER MÄNNER UND JÜNGLINGE. + Waret ihr! + +CHOR DER ALTEN. + Das leugne, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER MÄNNER. + Sind wir! + +CHÖRE DER ALTEN UND JÜNGLINGE. + Seid ihr! + +CHOR DER MÄNNER. + Versuch uns, wer darf! + +ALLE. + Streitbare Männer + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Werden wir! + +CHÖRE DER ALTEN UND MÄNNER. + Werdet ihr! + +CHOR DER JÜNGLINGE. + Noch tapfrer, als ihr! + + + +Ich + +Die Ehre hat mich nie gesucht; +Sie hätte mich auch nie gefunden. +Wählt man, in zugezählten Stunden, +Ein prächtig Feierkleid zur Flucht? + +Auch Schätze hab ich nie begehrt. +Was hilft es sie auf kurzen Wegen +Für Diebe mehr als sich zu hegen, +Wo man das wenigste verzehrt? + +Wie lange währt's, so bin ich hin, +Und einer Nachwelt untern Füßen? +Was braucht sie wen sie tritt zu wissen? +Weiß ich nur, wer ich bin. + +Wittenberg den 11. Okt. 1752. + + + +Jungfer Lieschens Knie + +Schautest du denn nie +Jungfer Lieschens Knie? +Jungfer Lieschens Fingerhut +Ist zu allen Dingen gut! + +1. Griechisch + Ouc ebleyaV su + ParJenou gonu; + ParJenou dactulitron + ’Esti proV panta calon. + +2. Lateinisch + Non vidisti tu + Virginis genu? + Virginis dactylitrum + Est ad omnia bonum. + +3. Engländisch + Did you never see + Mistriss Betty's knee? + What you Betty's thimble call + That is very good for all. + + + +Küssen und Trinken + +Mägdgen, laß mich dich doch küssen! +Zaudre nicht, sonst wirst du müssen. + Hurtig! hurtig schenkt mir ein! + Auf das Küssen schmeckt der Wein! + +Dieser Wein hat Geist und Feuer. +Mägdgen tu doch etwas freier. + Gönn mir vorigen Genuß: + Auf das Trinken schmeckt ein Kuß! + + + +Lied + +(1748) + +Ehret, Brüder, meine Schöne, +Ehrt die gallische Helene! +Bacchus selber ehret sie. +Jüngst an ihrer stolzen Rechte, +Als er mit uns beiden zechte, +Ward er, denn sie schenkt' ihm ein, +Voller noch von Lieb als Wein. + + + +Lied aus dem Spanischen + +Gestern liebt ich, +Heute leid ich, +Morgen sterb ich: +Dennoch denk ich +Heut und morgen +Gern an gestern. + + + +Lob der Faulheit + +Faulheit, itzo will ich dir +Auch ein kleines Loblied bringen. +O--wie--sau--er--wird es mir,-- +Dich--nach Würden--zu besingen! +Doch, ich will mein Bestes tun, +Nach der Arbeit ist gut ruhn. + +Höchstes Gut! wer dich nur hat, +Dessen ungestörtes Leben-- +Ach!--ich--gähn--ich--werde matt-- +Nun--so--magst du--mirs vergeben, +Daß ich dich nicht singen kann; +Du verhinderst mich ja dran. + + + +Nach der 15. Ode Anakreons + +Was frag ich nach dem Großsultan, +Und Mahomets Gesetzen? +Was geht der Perser Schach mich an, +Mit allen seinen Schätzen? + +Was sorg ich ihrer Kriegesart, +Und ihrer Treffen halben? +Kann ich nur meinen lieben Bart +Mit Spezereien salben. + +Kann ich nur mein gesalbtes Haupt +Mit Rosen stolz umschließen, +Und wenn mir sie ein Mädchen raubt, +Das Mädchen strafend küssen. + +Ein Tor sorgt für die künftge Zeit. +Für heute will ich sorgen. +Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit, +Den ungewissen Morgen? + +Was soll ich hier, so lang ich bin, +Mich um die Zukunft kränken? +Ich will mit kummerlosem Sinn +Auf Wein und Liebe denken. + +Denn plötzlich steht er da, und spricht, +Der grimme Tod: "Von dannen! +Du trinkst, du küssest länger nicht! +Trink aus! küß aus! Von dannen!" + + + +Niklas + +Mein Esel sicherlich +Muß klüger sein, als ich. +Ja, klüger muß er sein! +Er fand sich selbst in Stall hinein, +Und kam doch von der Tränke. +Man denke! + + + +Phillis + +(1746) + +Wenn der finstre Damon spricht, +Amor sei ein Ungeheuer, +Seine Glut ein höllisch Feuer! +O so fürcht ich Amorn nicht. + +Aber hebt mein Thirsis an, +Amor sei ein Kind zum Küssen, +Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen: +O wie fürcht ich Amorn dann! + + + +Phyllis an Damon + +Lehre mich, o Damon, singen, +Singen, wie du trunken singst. +Laß auch mich dir Lieder bringen, +Wie du mir begeistert bringst. +Wie du mich willst ewig singen, +Möcht auch ich dich ewig singen. + +Durch des Weines Feuerkräfte, +Nur durch sie singst du so schön. +Aber diese Göttersäfte +Darf ich schmachtend nur besehn. +Dir riet Venus Wein zu trinken, +Mir riet sie, ihn nicht zu trinken. + +Was wird nun mein Lied beleben, +Kann es dieser Trank nicht sein?-- +Wie? Du willst mir Küsse geben, +Küsse, feuriger, als Wein?-- +Damon, ach! nach deinen Küssen +Werd ich wohl verstummen müssen. + + + +Phyllis lobt den Wein + +Seht, mein Damon tanzt und springet! +Seht, wie wiegt er Leib und Fuß! +Seht, mein Damon lacht und singet, +Singt von Ruhe, Wein und Kuß. +Seht, wie Mund und Augen glühn! +Wir beleben uns durch ihn. + +Hört die ungezwungnen Scherze! +Hört, die Liebe scherzt durch ihn! +Wie die Dämmrung vor der Kerze +Seht die Schwermut vor ihm fliehn. +Seht, er taumelt, wankt im Gehn, +Seht, sogar er taumelt schön. + +Seht, wie locken seine Lippen! +Seht, wie glüht sein Mund so rot! +Machet mich, ihr roten Lippen, +Macht mich halbgezwungen rot! +Ja, er kömmt, er küsset mich. +O wie feurig küßt er mich! + +Wein, du Wein hast ihn begeistert, +Du teilst ihm dein Feuer mit. +Durch dich küßt er so begeistert, +Und teilt mir sein Feuer mit. +Drum soll, wie von ihm, der Wein +Auch von mir vergöttert sein! + + + +Refutatio Papatus + +Nein, nein! durchaus ich glaube nicht, +Was Petri falscher Folger spricht; +Daß jene Bücher göttlich wären, +Die, zu der Juden steten Ehren, +Uns von des Maccabäus Helden +Und ihren heilgen Schlachten melden. + +Hört meinen neu erfundnen Grund! +Es machte mir der Wein ihn kund; +Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet. +Oh, daß ihr Theologen streitet, +Und streitet, ohne Wein zu trinken! +So müßt ihr stets in Irrtum sinken. + +Der Schluß* von diesen Büchern sagt: +(Worüber Wein und Wahrheit klagt) +"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen, +Das bringet eklen Widerwillen. +Bald Wasser, und bald Wein genießen, +Das muß uns den Gebrauch versüßen." + +Was gilts? wer lügt, ist nicht von GOtt. +Haha! Herr Papst! ihr werdet rot, +Und seht die Wahrheit meiner Sätze. +Oh, wenn ich mich im Wein ergetze, +Glaubt ihr, ich wünscht ihn einst zu lassen? +Ich müßte meine Wohlfahrt hassen. + +L. + +* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern +zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d. +Makkab. 15. Kap. 40. V. + + + +Salomon + +Lobt mir Davids weisen Sohn! +Auch bei Lieb und Wein und Scherzen +War er doch nach Gottes Herzen. +Brüder, lobt den Salomon. +Brüder, laßt sein Lob erschallen! +Doch vor allen +Lobt mir seinen weisen Schluß: +Wer viel lernt hat viel Verdruß! + +Dieses laßt mir Wahrheit sein! +Diese Wahrheit stets zu lieben +Hat mich die Natur getrieben, +Die Natur und Lieb und Wein. +Ehrt mit mir den weisen König! +Lernet wenig! +Brüder, und erwägt den Schluß: +Wer viel lernt hat viel Verdruß! + + + +Trinklied + +Voll, voll, voll, +Freunde, macht euch voll! +Wein, Wein, Wein, +Freunde, schenkt ihn ein! +Küßt, küßt, küßt, +Die euch wieder küßt! +Voll von Wein, +Voll von Liebe, +Voll von Wein und Liebe, +Freunde, voll zu sein, +Küßt und schenket ein! + + + +Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche + +Alten, alt zu unsrer Pein, +Denen von der Lust im Lieben, +Von der Jugend, von dem Wein, +Das Erinnern kaum geblieben; +Weibern, die der Taufschein drückt, +Wenn ihr Reiz der sonst entzückt, +Sonst gestritten, sonst gesiegt, +Unter Schichten Runzeln liegt; +Dichtern, die den Wein nicht loben, +Die die Liebe nicht erhoben; +Mägdchen, die nicht Gleimen kennen, +Rosten nicht vortrefflich nennen; +Weisen, die mit leeren Grillen +Leere Köpfe strotzend füllen; +Männern, die die Sitten lehren, +Und dich, Molier, nicht ehren, +Stolz auf ihr Systema sehn, +Und dich muntern Schauplatz schmähn; +Handelsleuten, die das Geld, +Und ihr Stolz zu Fürsten stellt; +Falschen Priestern, die die Tugend, +Mir nicht munter wie die Jugend, +Mir nicht schmackhaft, mir nicht süße, +Wie den Wein, und wie die Küsse, +Mir nicht reizend, wie die Strahlen, +Aus der Phyllis Augen malen; +Stutzern, deren weißer Scheitel, +Deren reich und witzge Tracht, +Dummgelobte Schönen eitel, +Und zu ihresgleichen macht; +Unversuchten stolzen Kriegern; +Aufgeblasnen Federsiegern; +Ältlichklugen jungen Leuten; +Seufzenden nach bessern Zeiten; +Schwermutsvollen Gallenchristen; +Allen Narren, die sich isten; +Zum Exempel, Pietisten; +Zum Exempel, Atheisten; +Zum Exempel, Rabulisten; +Operisten und Chymisten; +Quietisten und Sophisten; +Und nicht wenigen Juristen; +Publizisten und Statisten; +Und nicht wenigen Linguisten; +Und nicht wenigen Stylisten; +Und nicht wenig Komponisten--– +O der Atem will mir fehlen +Alle Narren zu erzählen--– +Allen, die mich tadelnd hassen, +Die mein Leben voller Freude +Mich nicht, aus verstelltem Neide, +Ungestört genießen lassen; +Diesen Toren, diesen allen +Mag ich ** nicht gefallen, +Mag ich, sag ich, nicht gefallen. + +* + +Alten, die der Wein verjüngt, +Die mit zitternd schwachen Tönen, +Wenn die Jugend munter singt, +Ihr noch gleich zu sein sich sehnen; +Weibern, die, was an sich zieht, +Reiz und Jugend noch nicht flieht, +Die des Schicksals harte Hand +Weibschen Männern zugewandt; +Jungen Witwen, die sich grämen +Flor und Trauer um zu nehmen, +Und mit schwergereizten Zähren +Nur den andern Mann begehren; +Dichtern, die wie Dichter küssen, +Nichts als sich zu freuen wissen; +Dichtern, die wie Dichter zechen, +Nie versagten Beifall rächen; +Dichtern, die bei Kuß und Wein +Miltons lassen Miltons sein; +Dichtern, die im Scherze stark, +Mit Geschichten voller Mark, +Muntern Mägdchen munter lehren, +Was die Mütter ihnen wehren; +Dichtern, die mich spottend bessern, +Kleine Fehlerchen vergrößern, +Daß ich sie in ihrem Spiele +Desto lächerlicher fühle; +Rednern, die stark im Verstellen +Uns vergnügend hintergehn, +Wenn wir sie in zwanzig Fällen +Zwanzigmal nicht selber sehn, +Bald als Unglückshelden sprechen, +Bald die Tugend spottend rächen, +Bald als Könige befehlen, +Bald als alte Männer schmälen; +Künstlern, die auf Zaubersaiten +Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten, +Und mit heilsam falschen Leide +Dämpfen übermäßge Freude; +Federbüschen, die nicht prahlen; +Reichen, welche reich bezahlen; +Kriegern, die ihr Leben wagen; +Armen, welche nicht verzagen; +Allen liebenswürdgen Mägdchen, +Liebenswürdgen weißen Mägdchen, +Liebenswürdgen braunen Mägdchen, +Liebenswürdgen stillen Mägdchen, +Liebenswürdgen muntern Mägdchen, +Wären es gleich Bürgermägdchen, +Wären es gleich Kaufmannsmägdchen, +Wären es gleich Priestermägdchen, +Wären es gleich Karnmermägdchen, +Wären es gleich Bauermägdchen, +Wenn sie nur die Liebe fühlen, +Lachen, scherzen, küssen, spielen; +Diesen, Freunde, diesen allen +Wünsch ich ** zu gefallen, +Wünsch ich, sag ich, zu gefallen. + + + +[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius] + +(1753) + +Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen +Die Wißbegier, dich, ihren Held? +Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren +Zur künftgen, nicht zur neuen Welt. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder, +von Gotthold Ephraim Lessing. + + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING *** + +This file should be named 8ldrv10.txt or 8ldrv10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8ldrv11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8ldrv10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. 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