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+Project Gutenberg's Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
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+Title: Lieder von Lessing
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Posting Date: February 23, 2015 [EBook #6822]
+Release Date: November, 2004
+First Posted: January 27, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING ***
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+Produced by Delphine Lettau
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
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+Lieder von Lessing
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+Gotthold Ephraim Lessing
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+alphabetisch nach Titeln sortiert
+
+Alexander
+An Amor
+An den Anakreon
+An den Horaz
+An den Wein
+An die J. L***
+An die Kunstrichter
+An die Leier
+An die Schwalbe
+An eine kleine Schöne
+Antwort eines trunknen Dichters
+Auf sich selbst
+Das Alter
+Das Bild an Hrn. H.
+Das Erdbeben
+Das Leben
+Das Paradies
+Das Schäferleben
+Das Umwechseln
+Das aufgehobene Gebot
+Der Donner
+Der Faule
+Der Fehler
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+Der Flor
+Der Genuß
+Der Geschmack der Alten
+Der Handel
+Der Irrtum
+Der Regen
+Der Schiffbruch
+Der Schlaf
+Der Sommer
+Der Sonderling
+Der Tabak
+Der Tausch an Hr. W.
+Der Tod
+Der Verlust
+Der Vetter und die Muhme
+Der Wunsch
+Der alte und der junge Wein
+Der bescheidene Wunsch
+Der größte Mann
+Der müßige Pöbel
+Der neue Welt-Bau
+Der philosophische Trinker
+Der schwörende Liebhaber
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+Die 47ste Ode Anakreons
+Die Abwechslung
+Die Antwort
+Die Beredsamkeit
+Die Betrübnis
+Die Biene
+Die Diebin
+Die Einwohner des Mondes
+Die Ente
+Die Faulheit
+Die Gespenster
+Die Gewißheit
+Die Haushaltung
+Die Küsse
+Die Küsse
+Die Kunstrichter und der Dichter
+Die Liebe
+Die Musik
+Die Mutter
+Die Namen
+Die Planetenbewohner
+Die Redlichkeit
+Die Schöne von hinten
+Die Sparsamkeit
+Die Stärke des Weins
+Die Türken
+Die Versteinerung
+Die Wetterprophezeiung
+Die drei Reiche der Natur
+Die lügenhafte Phyllis
+Die lehrende Astronomie
+Die schlafende Laura
+Die schlimmste Frau
+Die verschlimmerten Zeiten
+Die wider den Cäsar verschworne Helden
+Eine Gesundheit
+Für wen ich singe
+Heldenlied der Spartaner
+Ich
+Jungfer Lieschens Knie
+Küssen und Trinken
+Lied
+Lied aus dem Spanischen
+Lob der Faulheit
+Nach der 15. Ode Anakreons
+Niklas
+Phillis
+Phyllis an Damon
+Phyllis lobt den Wein
+Refutatio Papatus
+Salomon
+Trinklied
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+
+
+
+Alexander
+
+Der Weise sprach zu Alexandern.
+"Dort, wo die lichten Welten wandern,
+Ist manches Volk, ist manche Stadt."
+Was tut der Mann von tausend Siegen?
+Die Memme weint, daß dort zu kriegen,
+Der Himmel keine Brücken hat.
+
+Ists wahr, was ihn der Weise lehret,
+Und finden, was zur Welt gehöret,
+Daselbst auch Wein und Mädchen statt:
+So lasset, Brüder, Tränen fließen,
+Daß dort zu trinken und zu küssen,
+Der Himmel keine Brücken hat.
+
+
+
+An Amor
+
+Amor, soll mich dein Besuch
+Einst erfreuen--
+O so lege dein Gefieder
+Und die ganze Gottheit nieder.
+Diese möchte mich erschrecken,
+Jenes möchte Furcht erwecken,
+Furcht, nach flatterhaften Küssen,
+Meine Phyllis einzubüßen.
+Komm auch ohne Pfeil und Bogen,
+Ohne Fackel angezogen...
+Stelle dich, um mir lieb zu sein,
+Als ein junger Satyr ein.
+
+
+
+An den Anakreon
+
+Anakreon singt, alles fühlet:
+Und alles gähnt wenn Codrus spielet.
+Anakreon, sprich, wie man spielt,
+Daß niemand gähnt, daß alles fühlt.
+
+Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,
+Die mich in Bacchus Laube schicken,
+Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.
+Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!
+
+
+
+An den Horaz
+
+Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse,
+Entflammt von unserm Gott, dem Wein,
+Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse,
+Dich tiefer als zehn Bentleys ein.
+
+Dann fühl ich sie, die süßen Küsse,
+Die ein barbarscher Biß verletzt,
+Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,
+Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.*
+
+Dann fühl ich, mehr als ich kann sagen
+Die Göttin, durch die Laura küßt,
+Wie sie sich Amathunts entschlagen,
+Und ganz in mich gestürzet ist.**
+
+Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;
+Und Laura löscht die Phyllis aus.
+Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet;
+Denn Laura hält mich ab vom Schmaus.
+
+*--dulcia barbare
+Laedentem oscula, quae Venus
+Quincta parte sui Nectaris imbuit.
+
+**–-in me tota ruens Venus
+Cyprum deseruit.
+
+
+
+An den Wein
+
+Wein, wenn ich dich itzo trinke,
+Wenn ich dich als Jüngling trinke,
+Sollst du mich in allen Sachen
+Dreist und klug, beherzt und weise,
+Mir zum Nutz, und dir zum Preise,
+Kurz, zu einem Alten machen.
+
+Wein, werd ich dich künftig trinken,
+Werd ich dich als Alter trinken,
+Sollst du mich geneigt zum Lachen,
+Unbesorgt für Tod und Lügen,
+Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen,
+Kurz, zu einem Jüngling machen.
+
+
+
+An die J. L***
+
+Natürlichs Ebenbild der Liebe!
+Nimm hier dein künstlich Ebenbild;
+Das, wenn man dich auch drüber schriebe,
+Doch seines Meisters Schwäche schilt.
+Dem Maler laß es nicht entgelten,
+Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:
+Nur auf das Urbild mußt du schelten,
+Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.
+Dich, ähnlichstes von allen Bildern,
+Hat die Natur hervorgebracht:
+Jedoch wie kann ein Künstler schildern,
+Was die Natur vollkommen macht?
+
+
+
+An die Kunstrichter
+
+Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
+Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
+Tut mir es nach, und trinket Wein,
+So seht ihr meine Schönheit ein.
+Sonst wahrlich, unberauschte Richter,
+Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!
+
+
+
+An die Leier
+
+Töne, frohe Leier,
+Töne Lust und Wein!
+Töne, sanfte Leier,
+Töne Liebe drein!
+
+Wilde Krieger singen,
+Haß und Rach und Blut
+In die Laute singen,
+Ist nicht Lust, ist Wut.
+
+Zwar der Heldensänger
+Sammelt Lorbeern ein;
+Ihn verehrt man länger;
+Lebt er länger? Nein.
+
+Er vergräbt im Leben
+Sich in Tiefsinn ein:
+Um erst dann zu leben,
+Wann er Staub wird sein.
+
+Lobt sein göttlich Feuer,
+Zeit und Afterzeit!
+Und an meiner Leier
+Lobt die Fröhlichkeit.
+
+
+
+An die Schwalbe
+
+Die 12te Ode Anakreons.
+
+Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,
+Was tu ich dir? wie straf ich dich?
+Soll ich dich um die Schwingen
+Mit meiner Schere bringen?
+Soll ich, zu deiner Pein,
+Ein andrer Tereus sein?
+Und willst du gern der Progne gleichen?
+Mußt du, zu frühe Schwätzerin,
+Mußt du von meiner Schäferin
+Mir meinen schönen Traum verscheuchen?
+
+
+
+An eine kleine Schöne
+
+Kleine Schöne, küsse mich.
+Kleine Schöne, schämst du dich?
+Küsse geben, Küsse nehmen,
+Darf dich itzo nicht beschämen.
+Küsse mich noch hundertmal!
+Küß und merk der Küsse Zahl.
+Ich will dir, bei meinem Leben!
+Alle zehnfach wiedergeben,
+Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist,
+Und du zehn Jahr älter bist.
+
+
+
+Antwort eines trunknen Dichters
+
+Ein trunkner Dichter leerte
+Sein Glas auf jeden Zug;
+Ihn warnte sein Gefährte:
+Hör auf! du hast genug.
+Bereit vom Stuhl zu sinken,
+Sprach der: Du bist nicht klug;
+Zu viel kann man wohl trinken,
+Doch nie trinkt man genug.
+
+
+
+Auf sich selbst
+
+Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
+Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
+Ich habe nicht stets Lust zu denken;
+Kurzum, nicht immer zu studieren.
+
+Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
+Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
+Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;
+Kurz, allezeit vergnügt zu leben.
+
+Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?
+Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.
+
+Was ihr tut, ist des Alters Folge.
+Was ich tu, will die Jugend haben.
+Ich gönn euch eure Lust von Herzen.
+Wollt ihr mir nicht die meine gönnen?
+
+
+
+Das Alter
+
+Nach der 11ten Ode Anakreons.
+
+Euch, lose Mädchen, hör ich sagen:
+"Du bist ja alt, Anakreon.
+Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
+Sieh, deine Haare schwinden schon;
+Und von den trocknen Wangen
+Ist Blüt und Reiz entflohn."--
+Wahrhaftig! ob die Wangen
+Noch mit dem Lenze prangen,
+Wie, oder ob den Wangen
+Der kurze Lenz vergangen,
+Das weiß ich nicht; doch was ich weiß,
+Will ich euch sagen: daß ein Greis,
+Sein bißchen Zeit noch zu genießen,
+Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.
+
+
+
+Das Bild an Hrn. H.
+
+Das, Maler, ist dein Meisterstücke!
+Ja, H**, ja; an Anmut reich,
+Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
+Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
+Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
+
+O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen,
+Und sieh auf jene Seite hin:
+Ich muß, ich muß das Bildchen küssen.
+Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an:
+Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann.
+
+
+
+Das Erdbeben
+
+Bruder, Bruder, halte mich!
+Warum kann ich denn nicht stehen?
+Warum kannst du denn nicht gehen?
+Bruder geh, ich führe dich.
+
+Sachte Bruder, stolperst du?
+Was? Du fällst mir gar zur Erden?
+Halt! ich muß dein Retter werden.
+Nu? Ich falle selbst dazu?
+
+Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
+Wie die lockern Wände schwanken?
+Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!
+Greif doch zu! das Glas zerbricht!
+
+Himmel, bald, bald werden wir
+Nicht mehr trinken, nicht mehr leben!
+Fühlst du nicht? des Grunds Erbeben
+Droht es Bruder mir und dir.
+
+Limas Schicksal bricht herein!
+Bruder, Bruder, wenn wir sterben,
+Soll der Wein auch mit verderben?
+Der auf heut bestimmte Wein?
+
+Nein, die Sünde wag ich nicht.
+Bruder, wolltest du sie wagen?
+Nein, in letzten Lebenstagen
+Tut man gerne seine Pflicht.
+
+Sieh, dort sinket schon ein Haus!
+Und hier auch! Nun muß man eilen!
+Laß uns noch die Flasche teilen!
+Hurtig! Hurtig! trink doch aus!
+
+
+
+Das Leben
+
+Sechs Tage kannt ich sie,
+Und liebte sie sechs Tage.
+Am siebenten erblaßte sie,
+Dem ersten meiner ewgen Klage.
+Noch leb ich, zauderndes Geschick!
+Ein pflanzengleiches Leben.
+O Himmel, ist für den kein Glück,
+Dem du Gefühl und Herz gegeben!
+Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut,
+Dem du die Seele schon genommen!
+Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
+Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen!
+Was hilft es, daß er meine Jahre
+Bis zu des Nestors Alter spare?
+Ich habe, trotz der grauen Haare,
+Womit ich dann zur Grube fahre,
+Sechs Tage nur geliebt,
+Sechs Tage nur gelebt.
+
+
+
+Das Paradies
+
+Sein Glück für einen Apfel geben,
+O Adam, welche Lüsternheit!
+Statt deiner hätt ich sollen leben,
+So wär das Paradies noch heut.--
+
+Wie aber, wenn alsdann die Traube
+Die Probefrucht gewesen wär?
+Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
+Das Paradies wär auch nicht mehr.
+
+
+
+Das Schäferleben
+
+Komm Freund! wir wollen Schäfer werden.
+Dies stille Volk besitzet noch
+Die süße Ruh, das Glück der Erden.
+Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
+Dort blüht bei aufgeräumten Sinnen
+Noch alte Treu und Redlichkeit,
+Auch in den schönsten Schäferinnen.
+Dort, dort ist noch die güldne Zeit.
+
+Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
+Wo nichts als falsche Mägdchen sind?
+Bedenke, Phyllis will mich hassen,
+Das flatterhafte böse Kind.
+
+Auch Phyllis kann die Treue brechen,
+Und windet sich aus meiner Hand.
+Ja, diese Falschheit muß ich rächen.
+Komm mit! Ich geh ins Schäferland.
+
+Du schwärmst, mein Freund. Laß mich zufrieden.
+Was geht mich deine Phyllis an.
+Dem ist ein größer Glück beschieden,
+Der sich gleich mir betrinken kann.
+
+Wo hast du den Verstand gelassen?
+Du hast gewiß noch keinen Rausch?
+Den Wein, den Wein für Milch zu hassen?
+Den Wein für Milch? Das wär ein Tausch.
+
+Recht Freund! verzeih mir diese Possen.
+Wie albern denkt und redt man nicht,
+Wenn man noch keinen Wein genossen,
+Wenn folglich der Verstand gebricht.
+
+Drum eile, Freund! mir einzuschenken.
+Trink mir es zu, und mach mich klug.
+Nun lern ich wieder richtig denken.
+Nun seh ich meinen Selbstbetrug.
+
+O schade für die falschen Kinder!
+Laßt sie nur unbeständig sein.
+Ich lache nun, und bins nicht minder.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+Nun soll mich Phyllis nicht betrüben,
+Laßt sie nur unbeständig sein,
+Von nun an will ich auch so lieben.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+
+
+Das Umwechseln
+
+Der Bruder
+ Liebe Schwester, wer ist die?
+ Deine Freundin? darf ich küssen?
+ O wie frei, wie schön ist sie!
+ Liebe Schwester darf ich küssen?
+
+Die Schwester
+ Pfui! Ihr Bruder ist ja hier.
+ Willst du, daß ers sieht, sie küssen?
+ Schäm dich! diesesmal wird dir
+ Wohl die Lust vergehen müssen.
+
+Der Bruder
+ Schwester, geh zum Bruder hin;
+ Laß dich von dem Bruder küssen;
+ Dann, weil ich dein Bruder bin,
+ Darf ich seine Schwester küssen.
+
+
+
+Das aufgehobene Gebot
+
+Elise.
+ Siehst du Wein im Glase blinken,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Trinken kannst du, du kannst trinken;
+ Doch betrinke dich nur nicht.
+
+Lysias.
+ Wallt dein Blut von Jugendtrieben,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Lieben kannst du, du kannst lieben;
+ Doch verliebe dich nur nicht.
+
+Elise.
+ Bruder! ich mich nicht verlieben?
+
+Lysias.
+ Schwester! ich mich nicht betrinken?
+
+Elise.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Lysias.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Elise.
+ Lieber mag ich gar nicht lieben.
+
+Lysias.
+ Lieber mag ich gar nicht trinken.
+
+Beide.
+ Geh nur, ich erlaub es dir.
+
+
+
+Der Donner
+
+Es donnert!--Freunde, laßt uns trinken!
+Der Frevler und der Heuchler Heer
+Mag knechtisch auf die Kniee sinken.
+Es donnert!--Macht die Gläser leer!
+Laßt Nüchterne, laßt Weiber zagen!
+Zeus ist gerecht, er straft das Meer:
+Sollt er in seinen Nektar schlagen?
+
+
+
+Der Faule
+
+Rennt dem scheuen Glücke nach!
+Freunde, rennt euch alt und schwach!
+Ich nehm teil an eurer Müh:
+Die Natur gebietet sie.
+Ich, damit ich auch was tu,--
+Seh euch in dem Lehnstuhl zu.
+
+
+
+Der Fehler
+
+Angelika ist jung und reich.
+An Schönheit meiner Phyllis gleich.
+Ich kann nichts Schöners nennen;
+Das wissen die, die Phyllis kennen.
+Sie redet ungezwungen rein;
+Sie scherzt empfindlich und doch fein;
+Ihr biegsam redlich Herze fühlt;
+Sie tanzt, sie singt, sie spielt.
+Wenn meine Phyllis untreu wird--
+O werde sie es nie!
+Wenn sie es aber wird,
+So lieb ich keine sonst als sie.
+Doch--hab ichs auch bedacht?
+Nein, einen Fehler treff ich an,
+Der alles nichtig macht.
+Sie liebet ihren Mann.
+
+
+
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+
+Freund! du erforschest die Natur.
+Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,
+Sie fehlt auch oft in ihren Werken.
+Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil
+Versetzt sie dies und jenes Teil.
+Ich selbst kann meinen Satz bestärken.
+Denn hätt sich ihre Götterhand,
+Als sie mich baute, nicht verloren;
+So wär ich an der Mosel Strand,
+Wo nicht doch in Burgund geboren.
+O Mosler, o Burgunderwein,
+Ich, ich sollt euer Landsmann sein!
+
+
+
+Der Flor
+
+O Reize voll Verderben!
+Wir sehen euch, und sterben.
+O Augen, unser Grab!
+O Chloris, darf ich flehen?
+Dich sicher anzusehen,
+Laß erst den Flor herab!
+
+
+
+Der Genuß
+
+So bringst du mich um meine Liebe,
+Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich!
+Sie zu verlieren,--meine Liebe,--
+Sie zu verlieren, wünscht ich dich?
+Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,
+Nimm sie zurück, die kurze Lust!
+Nimm sie, und gib der öden Brust,
+Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder!
+
+
+
+Der Geschmack der Alten
+
+Ob wir, wir Neuern, vor den Alten
+Den Vorzug des Geschmacks erhalten,
+Was lest ihr darum vieles nach,
+Was der und jener Franze sprach?
+Die Franzen sind die Leute nicht,
+Aus welchen ein Orakel spricht.
+
+Ich will ein neues Urteil wagen.
+Geschmack und Witz, es frei zu sagen,
+War bei den Alten allgemein.
+Warum? sie tranken alle Wein.
+Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;
+Warum? sie mischten Wasser drein.
+
+
+
+Der Handel
+
+Des wuchernden Tumultes satt,
+Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?
+Flieh nur allein; ich bleib zurücke,
+Die Messe wag ich noch mein Glücke.
+Nun handl ich auch: doch soll allein
+Mein Handel mit den Schönen sein.
+
+Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil,
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder.
+Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!
+Kommt nur und fangt den Handel an;
+Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann.
+
+Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_
+Mein Feld verkauf ich nicht für Geld.
+Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse.
+_Und deinen Wald?_ Zweihundert Küsse.
+_Und dieses Buch?_ Für einen Kuß.
+_Und dieses Lied?_ Für einen Kuß.
+
+Wenn ich mit Schönen handeln muß,
+Gilt alles bei mir einen Kuß.
+Denn Küsse sind die besten Gelder.
+Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Ich selber bin für Küsse feil!
+
+L.
+
+
+
+Der Irrtum
+
+Den Hund im Arm, mit bloßen Brüsten,
+Sah Lotte frech herab.
+Wie mancher ließ sichs nicht gelüsten,
+Daß er ihr Blicke gab.
+
+Ich kam gedankenvoll gegangen,
+Und sahe steif heran.
+Ha! denkt sie, der ist auch gefangen,
+Und lacht mich schalkhaft an.
+
+Allein, gesagt zur guten Stunde,
+Die Jungfer irrt sich hier.
+Ich sah nach ihrem bunten Hunde:
+Es ist ein artig Tier.
+
+
+
+Der Regen
+
+Der Regen hält noch immer an!
+So klagt der arme Bauersmann;
+Doch eher stimm ich nicht mit ein,
+Es regne denn in meinen Wein.
+
+
+
+Der Schiffbruch
+
+"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer!
+Das Trinken macht den Beutel leer,
+Drum hol ich mir in fernen Landen,
+Die unsre Väter niemals fanden,
+Gold, Silber, Berlen, Edelstein;
+Und folglich Wein."
+
+Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht.
+Gesetzt, daß unser Schiff zerbricht,
+So müssen wir ins Wasser sinken,
+Und Wasser wohl gezwungen trinken.
+Und Wasser, Wasser schmecket schlecht.
+Hab ich nicht recht?
+
+Ja, wär im Meere lauter Wein,
+So gäng ich, Freund, die Schiffahrt ein.
+O Freund! o Freund, mit Freuden
+Wollt ich gar Schiffbruch leiden.
+Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier.
+Man borget dir.
+
+
+
+Der Schlaf
+
+Ich trinke bis um Mitternacht.
+Wenn neben mir der Geizhals wacht,
+Und mit bekümmertem Verlangen
+Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen?
+Da trink ich noch, und freue mich,
+Und trinkend Bacchus lob ich dich.
+Da flieht der Durst! da flieht der Kummer!
+Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer,
+Wenn sollt ich wieder durstig werden?
+Und würd ich nicht mehr durstig sein,
+So tränk ich ja auch nicht mehr Wein.
+O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!
+
+
+
+Der Sommer
+
+_Brüder! lobt die Sommerszeit!_
+Ja, dich, Sommer, will ich loben!
+Wer nur deine Munterkeit,
+Deine bunte Pracht erhoben,
+Dem ist wahrlich, dem ist nur,
+Nur dein halbes Lob gelungen,
+Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,
+Brocks, der Liebling der Natur.
+
+Hör ein größer Lob von mir,
+Sommer! ohne stolz zu werden.
+Brennst du mich, so dank ichs dir,
+Daß ich bei des Strahls Beschwerden,
+Bei der durstgen Mattigkeit,
+Lechzend nach dem Weine frage,
+Und gekühlt den Brüdern sage:
+_Brüder! lobt die durstge Zeit!_
+
+L.
+
+
+
+Der Sonderling
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei ein Narr;
+Und gleichwohl zürnt der Narr,
+Wenn man ihn also nennt.
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei nicht klug;
+Doch ists ihm lieb genug,
+Wenn man ihn weise nennt.
+
+Ein jeder, der mich kennt,
+Spricht: Welcher Sonderling!
+Nur diesem ists _ein_ Ding,
+Wie ihn die Welt auch nennt.
+
+
+
+Der Tabak
+
+ Dich, Tabak, lobt der Medikus,
+ Weil uns dein fleißiger Genuß
+An Zahn und Augen wohl kurieret,
+Und Schleim und Kolster von uns führet.
+
+ Dich lobet der Philosophus,
+ Wenn er scharf meditieren muß;
+Weil er, so lang er dich genießet,
+Des Geistes Flatterkeit vermisset.
+
+ Dich lobet der Theologus
+ Durch einen homiletschen Schluß,
+Wenn er in deinem Rauch entzücket
+Ein Bild der Eitelkeit erblicket.
+
+ Ich lob an dir als ein Jurist,
+ Was rechtens an dir löblich ist;
+Daß, wenigstens wie mir es dünket,
+Man mehr und öfter bei dir trinket.
+
+L.
+
+
+
+Der Tausch an Hr. W.
+
+Ein Mägdchen, das Verstand und Geist
+Gemeiner Schönen Zahl entreißt,
+Ein Mägdchen, das bei Büchern schwitzet,
+Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet,
+Das ihrer Seelen Schönheit bessert,
+Wenn die die leibliche vergrößert,
+Das gründlich denkt und gründlich scherzt,
+Platonisch liebt, platonisch herzt:
+Freund, so ein Mägdchen ist für dich,
+Und nicht für mich.
+
+Ein Mägdchen, dessen zärtlich Bild
+Mit Zärtlichkeit die Herzen füllt,
+Ein Mägdchen mit beredten Blicken,
+Mit Füßen, die versteckt entzücken,
+Mit Händen, die liebkosend schlagen,
+Und drückend, dich nur lieb ich, sagen,
+Mit schwarzem Haar, mit voller Brust,
+Gemacht zu dauerhafter Lust:
+Freund, so ein Mägdchen ist für mich,
+Und nicht für dich.
+
+Das Glück ist ungerecht und blind;
+Wenn nicht die Dichter Lügner sind.
+Wie oft hat es mit deinem Hoffen,
+Wie oft mit meinem eingetroffen?
+Wie wenn es, dich und mich zu kränken,
+Dir mein, und mir dein Kind wird schenken?
+O Freund, was soll die Rache sein?
+Der Tausch, o Freund, der Tausch allein.
+Doch gibst du, geb ich meine dir,
+Auch deine mir?
+
+
+
+Der Tod
+
+Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
+Gestern bei dem Saft der Trauben,
+(Bildet euch mein Schrecken ein!)
+Kam der Tod zu mir herein.
+
+Drohend schwang er seine Hippe,
+Drohend sprach das Furchtgerippe:
+Fort, du teurer Bacchusknecht!
+Fort, du hast genug gezecht!
+
+Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,
+Solltest du nach mir dich sehnen?
+Sieh, da stehet Wein für dich!
+Lieber Tod verschone mich!
+
+Lächelnd greift er nach dem Glase;
+Lächelnd macht ers auf der Base,
+Auf der Pest, Gesundheit leer;
+Lächelnd setzt ers wieder her.
+
+Fröhlich glaub ich mich befreiet,
+Als er schnell sein Drohn erneuet.
+Narre, für dein Gläschen Wein
+Denkst du, spricht er, los zu sein?
+
+Tod, bat ich, ich möcht auf Erden
+Gern ein Mediziner werden.
+Laß mich: ich verspreche dir
+Meine Kranken halb dafür.
+
+Gut, wenn das ist, magst du leben:
+Ruft er. Nur sei mir ergeben.
+Lebe, bis du satt geküßt,
+Und des Trinkens müde bist.
+
+Oh! wie schön klingt dies den Ohren!
+Tod, du hast mich neu geboren.
+Dieses Glas voll Rebensaft,
+Tod, auf gute Brüderschaft!
+
+Ewig muß ich also leben,
+Ewig! denn beim Gott der Reben!
+Ewig soll mich Lieb und Wein,
+Ewig Wein und Lieb erfreun!
+
+
+
+Der Verlust
+
+Alles ging für mich verloren,
+Als ich Sylvien verlor.
+Du nur gingst nicht mit verloren,
+Liebe, da ich sie verlor!
+
+
+
+Der Vetter und die Muhme
+
+O fluche, Freund, nicht alles Wetter
+Auf deinen eigensinngen Vetter.
+Schmält er manchmal; so laß es sein.
+Er hat ja guten Wein.
+
+Auch fluche nicht der alten Muhme.
+Man muß ihr Brummen, sich zum Ruhme,
+Mit stiller Sanftmut übergehn.
+Die Tochter ist ja schön.
+
+
+
+Der Wunsch
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kühlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein häßlich Mädchen sehe,
+Wünsch ich plötzlich blind zu sein.
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kühlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein schönes Mädchen sehe,
+Möcht ich lauter Auge sein.
+
+
+
+Der alte und der junge Wein
+
+Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken:
+Drum mag der junge Wein
+Für euch, ihr Alten, sein.
+
+Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken:
+Drum muß der alte Wein
+Für mich, den Jüngling, sein.
+
+
+
+Der bescheidene Wunsch
+
+Der Pfennig, den man andachtsvoll
+Dem Priester beichtend geben soll,
+Gilt mehr als im gemeinen Leben
+Ein Pfennig, den wir Iro geben.
+Die Klügsten müssen durch Dukaten
+Den Sinn des kleinen Worts erraten.
+Man nehm es nicht buchstäblich an,
+Der Buchstab bringet Tod und Bann.
+
+"Ach! schenkte mir mein lieber Gott
+Nur einst mein liebes bißchen Brot;
+Ich wollte mich begnügen lassen
+Und keinen Reichen neidisch hassen."
+Oh, das ist Staxen leicht zu sagen,
+Doch, wollt ihr eine Wette wagen,
+Stax schließet Fische, Braten, Wein
+Mit in den Wunsch des Brotes ein.
+
+O Liebste! machet dir mein Mund
+Den heißen Wunsch nach Küssen kund,
+So wisse, daß ich mehr begehret
+Als dir mein scheuer Mund erkläret.
+Ein Kuß bei mir ist--Soll ichs sagen?
+Doch still! Du willst mich heimlich fragen.
+Komm! jener Lustwald ruft dir zu:
+O Mägdchen! was du tun willst, tu!
+
+
+
+Der größte Mann
+
+Laßt uns den Priester Orgon fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Mit stolzen Mienen wird er sagen.
+Wer sich zum kleinsten machen kann.
+
+Laßt uns den Dichter Kriton hören:
+Wer ist der größte Mann?
+Er wird es uns in Versen schwören:
+Wer ohne Mühe reimen kann.
+
+Laßt uns den Hofmann Damis fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Er bückt sich lächelnd; das will sagen:
+Wer lächeln und sich bücken kann.
+
+Wollt ihr vom Philosophen wissen,
+Wer ist der größte Mann?
+Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen:
+Wer ihn verstehn und grübeln kann.
+
+Was darf ich jeden Toren fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Ihr seht, die Toren alle sagen:
+Wer mir am nächsten kommen kann.
+
+Wollt ihr den klügsten Toren fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+So fraget mich; ich will euch sagen:
+Wer trunken sie verlachen kann.
+
+
+
+Der müßige Pöbel
+
+Um einen Arzt und seine Bühne
+Stand mit erstaunungsvoller Miene
+Die leicht betrogne Menge
+In lobendem Gedränge.
+Ein weiser Trinker ging vorbei,
+Und schriee: welche Polizei!
+So müßig hier zu stehen?
+Kann nicht das Volk zu Weine gehen?
+
+
+
+Der neue Welt-Bau
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Ihr kennt doch wohl den großen Geist,
+ Nach dem der wahre Welt-Bau heißt?
+Von diesem hab ich einst gelesen,
+Daß er beim Weine gleich gewesen,
+ Als er der Sonne Stillestand,
+ Die alte neue Wahrheit fand.
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört,
+ Was mir der Wein, der Wein gelehrt!
+So kann der Wein den Witz verstärken!
+Wir laufen selbst, ohn es zu merken,
+ Von Osten täglich gegen West!
+ Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!
+
+
+
+Der philosophische Trinker
+
+Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden,
+Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.
+Er zecht mit mir und meinen Brüdern,
+Und fühlet schon in unsern Liedern
+Mehr Weisheit, Witz und Kraft,
+Als Jacob Böhm und Newton schafft.
+Doch bringt er seine spitzgen Fragen,
+Die minder als sie sagen, sagen,
+Noch dann und wann hervor,
+Und plagt mit Schlüssen unser Ohr.
+Jüngst fragt er mich am vollen Tische,
+Warum wohl in der Welt der Fische,
+In Flüssen und im Meer,
+Nicht Wein statt Wassers wär?
+Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein.
+Die Antwort fiel mir schwer;
+Ich dachte hin und her,
+Doch endlich fiel mirs ein.
+"Die Ursach ist leicht zu erdenken",
+Sprach ich mit aufgestemmtem Arm.
+Und welche? schrie der ganze Schwarm.
+"Damit, wenn Esel davon tränken,
+Die Esel, nur verdammt zu Bürden,
+Nicht klüger als die Menschen würden."
+Die Antwort, schrie man, läßt sich hören.
+Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!
+
+
+
+Der schwörende Liebhaber
+
+Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen;
+Gerechten Haß schwör ich dir zu.
+Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen;
+Weil alle treulos sind, wie du.
+Ich schwör es dir, vor Amors Ohren,
+Daß ich--ach! daß ich falsch geschworen.
+
+
+
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+
+Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,
+Und deinem flüßgen Feur begeistert,
+Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,
+Ein dir geheiligt Loblied an.
+
+Doch wie? in was für kühnen Weisen
+Werd ich, o Göttertrank, dich preisen?
+Dein Ruhm, hör ihn summarisch an,
+Ist, daß ich ihn nicht singen kann.
+
+
+
+Die 47ste Ode Anakreons
+
+Alter tanze! Wenn du tanzest,
+Alter, so gefällst du mir!
+Jüngling, tanze! Wenn du tanzest,
+Jüngling, so gefällst du mir.
+
+Alter, tanze, trotz den Jahren!
+Welche Freude, wenn es heißt:
+Alter, du bist alt an Haaren,
+Blühend aber ist dein Geist!
+
+
+
+Nachahmung dieser Ode
+
+Jüngling, lebst du nicht in Freuden,
+Jüngling, o so haß ich dich!
+Alter, lebst du nicht in Freuden,
+Alter, o so haß ich dich!
+
+Jüngling, trauerst du in Jahren,
+Wo die Pflicht sich freuen heißt?--
+Schäme dich! so frisch an Haaren,
+Jüngling, und so schwach an Geist!
+
+
+
+Die Abwechslung
+
+Ich trinke nicht stets einen Wein.
+Das möchte mir zu ekel sein.
+Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande,
+Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande,
+Die wechsl ich täglich mit Bedacht,
+Weil Wechseln alles süßer macht.
+
+Und mich soll nur ein artig Kind,
+Wenn mehrere zu finden sind,
+Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden?
+Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden.
+Nein, nein, ich folge meinem Brauch,
+Mit artgen Kindern wechsl ich auch.
+
+
+
+Die Antwort
+
+Der Nachbarin Climene
+Schrieb ich von Lieb und Glut.
+Die christlich holde Schöne
+War allen Menschen gut.
+Sie hat den Brief bekommen,
+Voll Sehnsucht angenommen,
+Geküßt und aufgemacht,
+Gelesen und gelacht.
+Ach Gott, das gute Kind!
+
+Sie wird wohl wieder schreiben?
+Nein; schreiben kann sie nicht.
+Nur sich die Zeit vertreiben,
+Ist ihre Kunst und Pflicht.
+Doch ohne Trost mich lassen,
+Hieß meine Liebe hassen;
+Drum kömmt sie selbst zu mir,
+Durch unsre Hintertür.
+Ach, gar zu gutes Kind!
+
+
+
+Die Beredsamkeit
+
+Freunde, Wasser machet stumm:
+Lernet dieses an den Fischen.
+Doch beim Weine kehrt sichs um:
+Dieses lernt an unsern Tischen.
+Was für Redner sind wir nicht,
+Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
+Wir ermahnen, streiten, lehren;
+Keiner will den andern hören.
+
+
+
+Die Betrübnis
+
+Der Dichter und sein Freund.
+
+Der Freund.
+ Freund! welches Unglück, welche Reue
+ Macht dir so bittern Schmerz?
+
+Der Dichter.
+ Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue!
+ Und sie besaß mein Herz.
+
+Der Freund.
+ Um eine Falsche dich betrüben?
+ Du bist ja klug genug.
+
+Der Dichter.
+ O schweig! das heißt nicht lieben,
+ Läßt uns die Liebe klug.
+
+
+
+Die Biene
+
+Als Amor in den goldnen Zeiten
+Verliebt in Schäferlustbarkeiten
+Auf bunten Blumenfeldern lief,
+Da stach den kleinsten von den Göttern
+Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
+Wo es sonst Honig holte, schlief.
+
+Durch diesen Stich ward Amor klüger.
+Der unerschöpfliche Betrüger
+Sann einer neuen Kriegslist nach:
+Er lauscht in Rosen und Violen;
+Und kam ein Mädchen sie zu holen,
+Flog er als Bien heraus, und stach.
+
+
+
+Die Diebin
+
+(1745)
+
+Du Diebin mit der Rosenwange,
+Du mit den blauen Augen da!
+Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange?
+Gesteh nur, was ich fühlt und sah!
+
+Du schweigst? Doch deine Rosenwange
+Glüht schuldig, röter, als vorhin,
+O Diebin mit der Rosenwange,
+Wo ist mein Herz, wo kam es hin?
+
+
+
+Die Einwohner des Mondes
+
+Die Mägdchen die in sechzehn Jahren
+Noch nicht das leckre Glück erfahren,
+Wozu sie ihre Mütter sparen;
+Das Stutzerchen, das was gelernt;
+Das Weib, das nie sich aus den Schranken
+Der ehelichen Pflicht entfernt,
+Und um den Mann die Welt vergißt;
+Der Bettler, der bei dem Bedanken
+So höflich wie beim Bitten ist;
+Der Dichter, welcher nie gelogen,
+Dem stets der Reim, und niemals er,
+Dem lieben Reime nachgezogen;
+Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt,
+Um Kleinigkeiten nicht verdammt,
+Und weiß durch Taten zu ermahnen;
+Der Edle, der von seinen Ahnen
+In unzertrennter Ordnung stammt,
+Ohn daß ein wackrer Bauerknecht
+Nicht oft das Heldenblut geschwächt;
+Ein Arzt, der keinen tot gemacht;
+Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet;
+Der Hagestolz, der in der Nacht,
+Was er am Tage flieht, nicht suchet;
+Das fromme Weib, das nie geschmält;
+Der reiche Greis, dem nichts gefehlt;
+Und hundert andre schöne Sachen,
+Die unsern Zeiten Ehre machen:
+Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond,
+Wo jedes Hirngespinste wohnt.
+
+
+
+Die Ente
+
+Ente, wahres Bild von mir,
+Wahres Bild von meinen Brüdern!
+Ente, jetzo schenk ich dir
+Auch ein Lied von meinen Liedern.
+
+Oft und oft muß dich der Neid
+Zechend auf dem Teiche sehen.
+Oft sieht er aus Trunkenheit
+Taumelnd dich in Pfützen gehen.
+
+Auch ein Tier--o das ist viel!
+Hält den Satz für wahr und süße,
+Daß, wer glücklich leben will,
+Fein das Trinken lieben müsse.
+
+Ente, ists nicht die Natur,
+Die dich stets zum Teiche treibet?
+Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
+Trinke, bis nichts übrig bleibet.
+
+Ja, du trinkst und singst dazu.
+Neider nennen es zwar schnadern;
+Aber, Ente, ich und du
+Wollen nicht um Worte hadern.
+
+Wem mein Singen nicht gefällt,
+Mag es immer Schnadern nennen.
+Will uns nur die neidsche Welt
+Als versuchte Trinker kennen.
+
+Aber, wie bedaur ich dich,
+Daß du nur mußt Wasser trinken.
+Und wie glücklich schätz ich mich,
+Wenn mir Weine dafür blinken.
+
+Armes Tier, ergib dich drein.
+Laß dich nicht den Neid verführen.
+Denn des Weins Gebrauch allein
+Unterscheidet uns von Tieren.
+
+In der Welt muß Ordnung sein.
+Menschen sind von edlern Gaben.
+Du trinkst Wasser, und ich Wein:
+So will es die Ordnung haben.
+
+
+
+Die Faulheit
+
+Fleiß und Arbeit lob ich nicht.
+Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.
+Ja, der Bauer selber spricht,
+Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
+Faul zu sein, sei meine Pflicht;
+Diese Pflicht ermüdet nicht.
+
+Bruder, laß das Buch voll Staub.
+Willst du länger mit ihm wachen?
+Morgen bist du selber Staub!
+Laß uns faul in allen Sachen,
+Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
+Nur nicht faul zur Faulheit sein.
+
+
+
+Die Gespenster
+
+Der Alte
+ O Jüngling! sei so ruchlos nicht,
+ Und leugne die Gespenster.
+ Ich selbst sah eins beim Mondenlicht
+ Aus meinem Kammerfenster,
+ Das saß auf einem Leichenstein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Als meiner Schwester Sohn verschied,
+ (Das sind nunmehr zehn Jahre!)
+ Sah seine Magd, die trefflich sieht,
+ Des Abends eine Bahre,
+ Und oben drauf ein Totenbein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Und als mein Freund im Treffen blieb,
+ Das Frankreich jüngst verloren,
+ Hört seine Frau, wie sie mir schrieb,
+ Mit ihren eignen Ohren
+ Zu Mitternacht drei Eulen schrein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ In meinem Keller selbst gehts um.
+ Ich hör oft ein Gesause;
+ Doch werden die Gespenster stumm,
+ Ist nur mein Sohn zu Hause.
+ Denk nur, sie saufen meinen Wein:
+ Das müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wünscht ich eins davon zu sein.
+
+Der Alte
+ Auch weiß ich nicht, was manche Nacht
+ In meiner Tochter Kammer
+ Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht;
+ Oft bringt mirs Angst und Jammer.
+ Ich weiß das Mädchen schläft allein;
+ Drum müssen es Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein.
+
+
+
+Die Gewißheit
+
+Ob ich morgen leben werde,
+Weiß ich freilich nicht:
+Aber, wenn ich morgen lebe,
+Daß ich morgen trinken werde,
+Weiß ich ganz gewiß.
+
+
+
+Die Haushaltung
+
+Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
+Zu seiner lieben Ehefrau.
+"Versoffner, unverschämter Mann"--–
+Geduld, mein Kind, ich zieh mich an--
+"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
+Zank du alleine.
+
+"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus!
+Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
+Gott! ich soll so verlassen sein?--
+Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein!
+Mein böser Teufel ist zu Weine:
+Wir sind alleine."
+
+
+
+Die Küsse
+
+Der Neid, o Kind,
+Zählt unsre Küsse:
+Drum küß geschwind
+Ein Tausend Küsse;
+Geschwind du mich,
+Geschwind ich dich!
+Geschwind, geschwind,
+O Laura, küsse
+Manch Tausend Küsse:
+Damit er sich
+Verzählen müsse.
+
+
+
+Die Küsse
+
+Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket,
+Das mit dem Küssen nur noch spielt,
+Und bei dem Küssen noch nichts denket,
+Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt.
+
+Ein Kuß, den mir ein Freund verehret,
+Das ist ein Gruß, der eigentlich
+Zum wahren Küssen nicht gehöret:
+Aus kalter Mode küßt er mich.
+
+Ein Kuß, den mir mein Vater giebet,
+Ein wohlgemeinter Segenskuß,
+Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet,
+Ist etwas, das ich ehren muß.
+
+Ein Kuß von meiner Schwester Liebe
+Steht mir als Kuß nur so weit an,
+Als ich dabei mit heißerm Triebe
+An andre Mädchen denken kann.
+
+Ein Kuß, den Lesbia mir reichet,
+Den kein Verräter sehen muß,
+Und der dem Kuß der Tauben gleichet:
+Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß.
+
+
+
+Die Kunstrichter und der Dichter
+
+Die Kunstrichter
+ Ihr Dichter! seid des Stoffes voll,
+ Den eure Muse singen soll:
+ Alsdann gerät das Lied euch wohl.
+
+Der Dichter
+ Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl!
+ Seht her! ich bin des Stoffes voll,
+ Den meine Muse singen soll;
+ Ich bin, ich bin des Weines voll:
+ Und doch gerät kein Lied mir wohl.
+
+Die Kunstrichter
+ Du bist des Stoffes allzu voll,
+ Den deine Muse singen soll:
+ Darum gerät kein Lied dir wohl.
+
+
+
+Die Liebe
+
+Ohne Liebe
+Lebe, wer da kann.
+Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
+Bleibt er doch kein Mann.
+
+Süße Liebe,
+Mach mein Leben süß!
+Stille nie die regen Triebe
+Sonder Hindernis.
+
+Schmachten lassen
+Sei der Schönen Pflicht!
+Nur uns ewig schmachten lassen,
+Dieses sei sie nicht.
+
+
+
+Die Musik
+
+Ein Orpheus spielte; rings um ihn,
+Mit lauschendem Gedränge
+Stand die erstaunte Menge,
+Durchs Ohr die Wollust einzuziehn.
+Ein Trinker kam von ungefähr,
+Und taumelte den Weg daher.
+Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn,
+Und ward entzückt, und schriee: Schön!
+So schön, als wenn bei meinem wackern Wirte
+Das helle Paßglas klirrte!
+
+
+
+Die Mutter
+
+Strenge Phyllis dich zu küssen,
+Dich ein einzigmal zu küssen,
+Hab ich dich nicht bitten müssen!
+Und doch darf ich dich nicht küssen.
+Sagst du? "Meine Mutter spricht:
+Phyllis, Tochter küsse nicht!"
+Ist es so was Böses, küssen?
+Liegt kein Trieb dazu im Blut?
+Doch--weg mit den schweren Schlüssen!
+Laß sie warnen! kurz und gut;
+Was geht der die Mutter an,
+Die selbst Mutter werden kann?
+
+
+
+Die Namen
+
+Ich fragte meine Schöne:
+Wie soll mein Lied dich nennen?
+Soll dich als Dorimene,
+Als Galathee, als Chloris,
+Als Lesbia, als Doris,
+Die Welt der Enkel kennen?
+
+Ach! Namen sind nur Töne:
+Sprach meine holde Schöne.
+Wähl selbst. Du kannst mich Doris,
+Und Galathee und Chloris,
+Und--wie du willst mich nennen;
+Nur nenne mich die Deine.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit süßen Grillen sich ergötzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gründen schließt,
+Daß Wein in den Planeten ist:
+Das heißt zu früh bevölkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Daß in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schließen.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit süßen Grillen sich ergötzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gründen schließt,
+Daß Wein in den Planeten ist:
+Das heißt zu früh bevölkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Daß in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schließen.
+
+
+
+Die Redlichkeit
+
+So weit sich läßt die Welt durchwandern,
+Klagt ein verlarvter Schelm dem andern
+Die selbstverschuldte Seltenheit
+Der nie geübten Redlichkeit.
+
+Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen--
+Da seht die Torheit ihrer Herzen!
+Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein?
+Doch fluchen sie auf dich, o Wein!
+
+So klagen, und dem Trinken fluchen,
+Heißt Zwecke sonder Mittel suchen.
+Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt?
+Wie man es kaum von Wolfen hört.
+
+Wer hat die Redlichkeit erhoben
+Ohn unsre Väter mit zu loben?
+Ja, ja, die trunken wacker Wein,
+Wie konnten sie nicht redlich sein?
+
+Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen,
+Die euch, so oft euch durstt, ermahnen,
+An Treu und Trunke kindlich gleich.
+Trinkt redlich aus und küsset euch!
+
+
+
+Die Schöne von hinten
+
+Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer
+Dort für ein reizend Frauenzimmer?
+Der neuen Tracht Vollkommenheit,
+Der engen Schritte Nettigkeit,
+Die bei der kleinsten Hindrung stocken,
+Der weiße Hals voll schwarzer Locken,
+Der wohlgewachsne schlanke Leib,
+Verrät ein junges artges Weib.
+
+Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen,
+Damit wir sie von vorne sehen.
+Es muß, triegt nicht der hintre Schein,
+Die Venus oder Phyllis sein.
+Komm, eile doch!--O welches Glücke!
+Jetzt sieht sie ungefähr zurücke.
+Was wars, das mich entzückt gemacht?
+Ein altes Weib in junger Tracht.
+
+
+
+Die Sparsamkeit
+
+Von nun an muß ich sparsam werden.
+Warum denn das? Der Wein schlägt auf.
+So gehts, das Beste dieser Erden
+Erhält man nur durch teuren Kauf.
+
+Wer pocht? Ei der verwünschte Schneider
+Macht mich fast durch sein Mahnen toll.
+Da seht die Menschenliebe! leider,
+Daß man doch stets bezahlen soll.
+
+"Beliebet morgen einzusprechen.
+Die Wechsel laufen später ein."
+Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen.
+Seht! seht! so muß man sparsam sein.
+
+
+
+Die Stärke des Weins
+
+Wein ist stärker als das Wasser:
+Dies gestehn auch seine Hasser.
+Wasser reißt wohl Eichen um,
+Und hat Häuser umgerissen:
+Und ihr wundert euch darum,
+Daß der Wein mich umgerissen?
+
+
+
+Die Türken
+
+Die Türken haben schöne Töchter,
+Und diese scharfe Keuschheitswächter;
+Wer will kann mehr als eine frein:
+Ich möchte schon ein Türke sein.
+
+Wie wollt ich mich der Lieb ergeben!
+Wie wollt ich liebend ruhig leben,
+Und--doch sie trinken keinen Wein;
+Nein, nein, ich mag kein Türke sein.
+
+
+
+Die Versteinerung
+
+Holz und Beine
+Werden Steine
+Durch des Wassers Kraft.
+Werden Holz und Beine
+Durch des Wassers Kraft,
+Werden die zu Steine:
+Sagt, ihr Wasserfreunde,
+Sagt, ihr Rebenfeinde,
+Werden eure Herzen
+Nicht versteinert sein?
+
+Mark und Beine
+Fühlen, Weine,
+Eures Feuers Kraft.
+Wenn mein Liebster trinket,
+Trinkt er Rebensaft,
+Bis er sich betrinket.
+Sollt ich ihn nicht lieben?
+Ja, ich will ihn lieben,
+Weil sein Herz erhitzet,
+Nicht versteinert wird.
+
+C***
+
+
+
+Die Wetterprophezeiung
+
+Das Wetter ist veränderlich,
+Veränderlich, wie meine Schönen.
+Umsonst, o Freund, bemüht man sich,
+Nach Regeln beide zu gewöhnen.
+Drum laß dein Wetterprophezein,
+Wie ich mein treues Lieben, sein.
+
+Doch, kannst du deiner Wissenschaft,
+Gelehrter Wolkenseher! trauen:
+Wohl gut! so laß von ihrer Kraft
+Mich stracks ein kleines Beispiel schauen.
+Du sollst--du sollst mir prophezein:
+Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*
+
+L.
+
+* Ja!
+
+
+
+Die drei Reiche der Natur
+
+Ich trink, und trinkend fällt mir bei,
+Warum Naturreich dreifach sei.
+Die Tier und Menschen trinken, lieben,
+Ein jegliches nach seinen Trieben:
+Delphin und Adler, Floh und Hund
+Empfindet Lieb und netzt den Mund.
+Was also trinkt und lieben kann,
+Wird in das erste Reich getan.
+
+Die Pflanze macht das zweite Reich,
+Dem ersten nicht an Güte gleich:
+Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;
+Wenn Wolken träufelnd niedersinken,
+So trinkt die Zeder und der Klee,
+Der Weinstock und die Aloe.
+Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,
+Wird in das zweite Reich getan.
+
+Das Steinreich macht das dritte Reich;
+Und hier sind Sand und Demant gleich:
+Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe,
+Er wächset ohne Trunk und Liebe.
+Drum, was nicht liebt noch trinken kann,
+Wird in das letzte Reich getan.
+Denn ohne Lieb und ohne Wein,
+Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.
+
+
+
+Die lügenhafte Phyllis
+
+Mein Damon spricht:
+Kind, lüge nicht!
+Sonst werd ich strafen müssen,
+Und dich zur Strafe küssen.
+Er droht mir, sieht verdrüßlich aus,
+Und strafet mich schon im voraus.
+
+Sonst log ich nicht.
+Nur seit er spricht:
+Du sollst mir fein mit Küssen
+Die losen Lügen büßen,
+Red ich kein wahres Wörtchen mehr.
+Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?
+
+
+
+Die lehrende Astronomie
+
+Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt
+Auf hohe feste Schultern baute,
+Und mir die Pracht zu sehn erlaubt,
+Die nie ein hängend Tieraug schaute!
+Hier lern ich mich und ihn erkennen,
+Und hier mich nichts, ihn alles nennen.
+Was bin ich? Ich bin groß genung,
+Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen.
+Mein Wissen ist Verwunderung;
+Mein Leben leichter Blitze Brennen.
+Und so ein Nichts, verblendte Toren,
+Soll sein zum Herrn der Welt geboren?
+
+Der Stolz, der Torheit Eigentum,
+Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne;
+Die Demut ist des Weisen Ruhm,
+Und die lernt er bei euch, ihr Sterne!
+Und wird nur groß, weil er euch kennet,
+Und euern Gott auch seinen nennet.
+
+Auch wenn sein Unglück ihn den Weg,
+Den harten Weg der Prüfung führet,
+Und wenn, auf dem einsamen Steg,
+Sich Lieb und Freund von ihm verlieret,
+Lernt er bei euch, durch süße Grillen,
+Oft allzuwahre Schmerzen stillen.
+
+O Tugend! reizend Hirngedicht,
+Erdachte Zierde unsrer Seelen!
+Die Welt, o Tugend, hat dich nicht:
+Doch wirst du auch den Sternen fehlen?
+Nein, starbst du gleich bei uns im Abel,
+Du selbst bist viel zu schön zur Fabel.
+
+Dort seh ich, mit erstauntem Blick,
+Ein glänzend Heer von neuen Welten;
+Getrost, vielleicht wird dort das Glück
+So viel nicht, als die Tugend, gelten.
+Vielleicht dort in Orions Grenzen
+Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen!
+
+"Das Übel", schreit der Aberwitz,
+"Hat unter uns sein Reich gewonnen."
+Wohl gut, doch ist des Guten Sitz
+In ungezählten größern Sonnen.
+Der Dinge Reihen zu erfüllen,
+Schuf jenes Gott mit Widerwillen.
+
+So, wie den Kenner der Natur
+Auch Quarz und Eisenstein vergnügen,
+Nicht Gold- und Silberstufen nur
+In Fächern, voller Lücken, liegen:
+So hat das Übel Gott erlesen
+Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen.
+
+O nahe dich, erwünschte Zeit,
+Wo ich, frei von der Last der Erde,
+In wachsender Glückseligkeit,
+Einst beßre Welten sehen werde!
+O Zeit, wo mich entbundne Schwingen
+Von einem Stern zum andern bringen!
+
+Gedanken! fliehet nur voran!
+Verirrt euch in den weiten Sphären,
+Bis ich euch selber folgen kann.
+Wie lang, Geschick, wird es noch währen!
+O Lust, hier seh ich schon die Kreise,
+Die Wege meiner ewgen Reise!
+
+Drum kränkt der blinde Damon sich
+Nur in der Nacht um sein Gesichte.
+Geruhig, Tag, vermißt er dich,
+Und deine Eitelkeit im Lichte;
+Und wünscht sich, von der Weltlust ferne,
+Ein fühlend Aug nur für die Sterne.
+
+O selge Zeit der stillen Nacht,
+Wo Neid und Bosheit schlafend liegen,
+Und nur ein frommes Auge wacht,
+Und sucht am Himmel sein Vergnügen!
+Gott sieht die Welt in diesen Stunden,
+Und spricht, ich hab sie gut gefunden!
+
+Berlin.
+L.
+
+
+
+Die schlafende Laura
+
+Nachlässig hingestreckt,
+Die Brust mit Flor bedeckt,
+Der jedem Lüftchen wich,
+Das säuselnd ihn durchstrich,
+Ließ unter jenen Linden
+Mein Glück mich Lauren finden.
+Sie schlief und weit und breit
+Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden,
+Aus mißvergnügter Traurigkeit,
+Von Lauren nicht gesehn zu werden.
+Sie schlief, und weit und breit
+Erschallten keine Nachtigallen,
+Aus weiser Furchtsamkeit,
+Ihr minder zu gefallen,
+Als ihr der Schlaf gefiel,
+Als ihr der Traum gefiel,
+Den sie vielleicht itzt träumte,
+Von dem, ich hoff' es, träumte,
+Der staunend bei ihr stand,
+Und viel zu viel empfand,
+Um deutlich zu empfinden,
+Um noch es zu empfinden,
+Wie viel er da empfand.
+Ich ließ mich sanfte nieder,
+Ich segnete, ich küßte sie,
+Ich segnete, und küßte wieder:
+Und schnell erwachte sie,
+Schnell taten sich die Augen auf.
+Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.
+
+
+
+Die schlimmste Frau
+
+Die Weiber können nichts als plagen.
+Der Satz sagt viel und ist nicht neu.
+Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen,
+Welch Weib das schlimmste sei?
+
+Ein Weib, das mit dem Manne scherzet
+Wie ein gebildter Marmorstein,
+Das ohne Glut und Reiz ihn herzet,
+Das kann kein gutes sein.
+
+Ein Weib, das wie ein Drache geizet,
+Und gegen Kind und Magd genau,
+Den Dieb, mich zu bestehlen reizet,
+O eine schlimme Frau!
+
+Ein Weib, das gegen alle lachet,
+In Liebesstreichen frech und schlau
+Uns täglich neue Freunde machet,
+O eine schlimmre Frau!
+
+Ein Weib, das nichts als bet und singet,
+Und bei der Kinder Zeitvertreib
+Mit Seufzen ihre Hände ringet,
+O ein noch schlimmer Weib!
+
+Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte,
+(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?)
+Den Mann sich gern zum Sklaven machte,
+Das muß ein Teufel sein!
+
+Ein Weib, das ihrem Manne fluchet,
+Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein,
+Wie heimlich sie Liebhaber, suchet,
+Das muß--ein Weibsbild sein!
+
+
+
+Die verschlimmerten Zeiten
+
+Anakreon trank, liebte, scherzte,
+Anakreon trank, spielte, herzte,
+Anakreon trank, schlief, und träumte
+Was sich zu Wein und Liebe reimte:
+Und hieß mit Recht der Weise.
+
+Wir Brüder trinken, lieben, scherzen,
+Wir Brüder trinken, spielen, herzen,
+Wir Brüder trinken, schlafen, träumen,
+Wozu sich Wein und Liebe reimen:
+Und heißen nicht die Weisen.
+
+Da seht den Neid von unsern Zeiten!
+Uns diesen Namen abzustreiten!
+O Brüder, lernet hieraus schließen,
+Daß sie sich stets verschlimmern müssen;
+Sie nennen uns nicht weise.
+
+
+
+Die wider den Cäsar verschworne Helden
+
+Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.
+
+Cassius.
+ Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben,
+ Eh Rom noch Königsfesseln trägt.
+ Wer sollte nicht mit Lust verderben,
+ Wenn ihn der Staat mit niederschlägt?
+
+Decimus.
+ Ja--aber ohne Rache sterben,
+ Und ohne Nutz dem Vaterland--
+ Freund, das heißt pöbelhaft verderben.
+ Und wozu hätt ich Mut und Hand?
+
+Cassius.
+ O Brutus! voller tiefen Sorgen
+ Seh ich dein Herz für Rom zerteilt.
+ O Freund! noch einen freien Morgen,
+ So hat die Knechtschaft uns ereilt.
+
+Brutus.
+ Wenn Cäsar Rom will unterdrücken,
+ Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn.
+ Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken:
+ Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn.
+
+Cassius.
+ Du? deinem Freunde? Brutus! Götter!
+ Rom steht, wenn Brutus Brutus ist.
+ Schon war ein Brutus Roms Erretter;
+ Komm! zeige, daß du beide bist.
+
+Cimber.
+ Auch ich will alles mit euch wagen;
+ Auch ich muß ohne König sein.
+ Denn könnt ich einen Herrn ertragen,
+ Ertrüg ich allererst den Wein.
+
+
+
+Eine Gesundheit
+
+Trinket Brüder, laßt uns trinken
+Bis wir berauscht zu Boden sinken;
+Doch bittet Gott den Herren,
+Daß Könige nicht trinken.
+
+Denn da sie unberauscht
+Die halbe Welt zerstören,
+Was würden sie nicht tun,
+Wenn sie betrunken wären?
+
+
+
+Für wen ich singe
+
+Ich singe nicht für kleine Knaben,
+Die voller Stolz zur Schule gehn,
+Und den Ovid in Händen haben,
+Den ihre Lehrer nicht verstehn.
+
+Ich singe nicht für euch, ihr Richter,
+Die ihr voll spitzger Gründlichkeit
+Ein unerträglich Joch dem Dichter,
+Und euch die Muster selber seid.
+
+Ich singe nicht den kühnen Geistern,
+Die nur Homer und Milton reizt;
+Weil man den unerschöpften Meistern
+Die Lorbeern nur umsonst begeizt.
+
+Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,
+Für dich, mein deutsches Vaterland.
+Ich fürchte jene Lästerzungen,
+Die dich bis an den Pol verbannt.
+
+Ich singe nicht für fremde Reiche.
+Wie käm mir solch ein Ehrgeiz ein?
+Das sind verwegne Autorstreiche.
+Ich mag nicht übersetzet sein.
+
+Ich singe nicht für fromme Schwestern,
+Die nie der Liebe Reiz gewinnt,
+Die, wenn wir munter singen, lästern,
+Daß wir nicht alle Schmolken sind.
+
+Ich singe nur für euch, ihr Brüder,
+Die ihr den Wein erhebt, wie ich.
+Für euch, für euch sind meine Lieder.
+Singt ihr sie nach: o Glück für mich!
+
+Ich singe nur für meine Schöne,
+O muntre Phyllis, nur für dich.
+Für dich, für dich sind meine Töne.
+Stehn sie dir an, so küsse mich.
+
+
+
+Heldenlied der Spartaner
+
+In drei Chören.
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Sind wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+CHÖRE DER MÄNNER UND JÜNGLINGE.
+ Waret ihr!
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Das leugne, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Sind wir!
+
+CHÖRE DER ALTEN UND JÜNGLINGE.
+ Seid ihr!
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Versuch uns, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+CHÖRE DER ALTEN UND MÄNNER.
+ Werdet ihr!
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Noch tapfrer, als ihr!
+
+
+
+Ich
+
+Die Ehre hat mich nie gesucht;
+Sie hätte mich auch nie gefunden.
+Wählt man, in zugezählten Stunden,
+Ein prächtig Feierkleid zur Flucht?
+
+Auch Schätze hab ich nie begehrt.
+Was hilft es sie auf kurzen Wegen
+Für Diebe mehr als sich zu hegen,
+Wo man das wenigste verzehrt?
+
+Wie lange währt's, so bin ich hin,
+Und einer Nachwelt untern Füßen?
+Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
+Weiß ich nur, wer ich bin.
+
+Wittenberg den 11. Okt. 1752.
+
+
+
+Jungfer Lieschens Knie
+
+Schautest du denn nie
+Jungfer Lieschens Knie?
+Jungfer Lieschens Fingerhut
+Ist zu allen Dingen gut!
+
+1. Griechisch
+ Ouc ebleyaV su
+ ParJenou gonu;
+ ParJenou dactulitron
+ ’Esti proV panta calon.
+
+2. Lateinisch
+ Non vidisti tu
+ Virginis genu?
+ Virginis dactylitrum
+ Est ad omnia bonum.
+
+3. Engländisch
+ Did you never see
+ Mistriss Betty's knee?
+ What you Betty's thimble call
+ That is very good for all.
+
+
+
+Küssen und Trinken
+
+Mägdgen, laß mich dich doch küssen!
+Zaudre nicht, sonst wirst du müssen.
+ Hurtig! hurtig schenkt mir ein!
+ Auf das Küssen schmeckt der Wein!
+
+Dieser Wein hat Geist und Feuer.
+Mägdgen tu doch etwas freier.
+ Gönn mir vorigen Genuß:
+ Auf das Trinken schmeckt ein Kuß!
+
+
+
+Lied
+
+(1748)
+
+Ehret, Brüder, meine Schöne,
+Ehrt die gallische Helene!
+Bacchus selber ehret sie.
+Jüngst an ihrer stolzen Rechte,
+Als er mit uns beiden zechte,
+Ward er, denn sie schenkt' ihm ein,
+Voller noch von Lieb als Wein.
+
+
+
+Lied aus dem Spanischen
+
+Gestern liebt ich,
+Heute leid ich,
+Morgen sterb ich:
+Dennoch denk ich
+Heut und morgen
+Gern an gestern.
+
+
+
+Lob der Faulheit
+
+Faulheit, itzo will ich dir
+Auch ein kleines Loblied bringen.
+O--wie--sau--er--wird es mir,--
+Dich--nach Würden--zu besingen!
+Doch, ich will mein Bestes tun,
+Nach der Arbeit ist gut ruhn.
+
+Höchstes Gut! wer dich nur hat,
+Dessen ungestörtes Leben--
+Ach!--ich--gähn--ich--werde matt--
+Nun--so--magst du--mirs vergeben,
+Daß ich dich nicht singen kann;
+Du verhinderst mich ja dran.
+
+
+
+Nach der 15. Ode Anakreons
+
+Was frag ich nach dem Großsultan,
+Und Mahomets Gesetzen?
+Was geht der Perser Schach mich an,
+Mit allen seinen Schätzen?
+
+Was sorg ich ihrer Kriegesart,
+Und ihrer Treffen halben?
+Kann ich nur meinen lieben Bart
+Mit Spezereien salben.
+
+Kann ich nur mein gesalbtes Haupt
+Mit Rosen stolz umschließen,
+Und wenn mir sie ein Mädchen raubt,
+Das Mädchen strafend küssen.
+
+Ein Tor sorgt für die künftge Zeit.
+Für heute will ich sorgen.
+Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit,
+Den ungewissen Morgen?
+
+Was soll ich hier, so lang ich bin,
+Mich um die Zukunft kränken?
+Ich will mit kummerlosem Sinn
+Auf Wein und Liebe denken.
+
+Denn plötzlich steht er da, und spricht,
+Der grimme Tod: "Von dannen!
+Du trinkst, du küssest länger nicht!
+Trink aus! küß aus! Von dannen!"
+
+
+
+Niklas
+
+Mein Esel sicherlich
+Muß klüger sein, als ich.
+Ja, klüger muß er sein!
+Er fand sich selbst in Stall hinein,
+Und kam doch von der Tränke.
+Man denke!
+
+
+
+Phillis
+
+(1746)
+
+Wenn der finstre Damon spricht,
+Amor sei ein Ungeheuer,
+Seine Glut ein höllisch Feuer!
+O so fürcht ich Amorn nicht.
+
+Aber hebt mein Thirsis an,
+Amor sei ein Kind zum Küssen,
+Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen:
+O wie fürcht ich Amorn dann!
+
+
+
+Phyllis an Damon
+
+Lehre mich, o Damon, singen,
+Singen, wie du trunken singst.
+Laß auch mich dir Lieder bringen,
+Wie du mir begeistert bringst.
+Wie du mich willst ewig singen,
+Möcht auch ich dich ewig singen.
+
+Durch des Weines Feuerkräfte,
+Nur durch sie singst du so schön.
+Aber diese Göttersäfte
+Darf ich schmachtend nur besehn.
+Dir riet Venus Wein zu trinken,
+Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.
+
+Was wird nun mein Lied beleben,
+Kann es dieser Trank nicht sein?--
+Wie? Du willst mir Küsse geben,
+Küsse, feuriger, als Wein?--
+Damon, ach! nach deinen Küssen
+Werd ich wohl verstummen müssen.
+
+
+
+Phyllis lobt den Wein
+
+Seht, mein Damon tanzt und springet!
+Seht, wie wiegt er Leib und Fuß!
+Seht, mein Damon lacht und singet,
+Singt von Ruhe, Wein und Kuß.
+Seht, wie Mund und Augen glühn!
+Wir beleben uns durch ihn.
+
+Hört die ungezwungnen Scherze!
+Hört, die Liebe scherzt durch ihn!
+Wie die Dämmrung vor der Kerze
+Seht die Schwermut vor ihm fliehn.
+Seht, er taumelt, wankt im Gehn,
+Seht, sogar er taumelt schön.
+
+Seht, wie locken seine Lippen!
+Seht, wie glüht sein Mund so rot!
+Machet mich, ihr roten Lippen,
+Macht mich halbgezwungen rot!
+Ja, er kömmt, er küsset mich.
+O wie feurig küßt er mich!
+
+Wein, du Wein hast ihn begeistert,
+Du teilst ihm dein Feuer mit.
+Durch dich küßt er so begeistert,
+Und teilt mir sein Feuer mit.
+Drum soll, wie von ihm, der Wein
+Auch von mir vergöttert sein!
+
+
+
+Refutatio Papatus
+
+Nein, nein! durchaus ich glaube nicht,
+Was Petri falscher Folger spricht;
+Daß jene Bücher göttlich wären,
+Die, zu der Juden steten Ehren,
+Uns von des Maccabäus Helden
+Und ihren heilgen Schlachten melden.
+
+Hört meinen neu erfundnen Grund!
+Es machte mir der Wein ihn kund;
+Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet.
+Oh, daß ihr Theologen streitet,
+Und streitet, ohne Wein zu trinken!
+So müßt ihr stets in Irrtum sinken.
+
+Der Schluß* von diesen Büchern sagt:
+(Worüber Wein und Wahrheit klagt)
+"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen,
+Das bringet eklen Widerwillen.
+Bald Wasser, und bald Wein genießen,
+Das muß uns den Gebrauch versüßen."
+
+Was gilts? wer lügt, ist nicht von GOtt.
+Haha! Herr Papst! ihr werdet rot,
+Und seht die Wahrheit meiner Sätze.
+Oh, wenn ich mich im Wein ergetze,
+Glaubt ihr, ich wünscht ihn einst zu lassen?
+Ich müßte meine Wohlfahrt hassen.
+
+L.
+
+* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern
+zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d.
+Makkab. 15. Kap. 40. V.
+
+
+
+Salomon
+
+Lobt mir Davids weisen Sohn!
+Auch bei Lieb und Wein und Scherzen
+War er doch nach Gottes Herzen.
+Brüder, lobt den Salomon.
+Brüder, laßt sein Lob erschallen!
+Doch vor allen
+Lobt mir seinen weisen Schluß:
+Wer viel lernt hat viel Verdruß!
+
+Dieses laßt mir Wahrheit sein!
+Diese Wahrheit stets zu lieben
+Hat mich die Natur getrieben,
+Die Natur und Lieb und Wein.
+Ehrt mit mir den weisen König!
+Lernet wenig!
+Brüder, und erwägt den Schluß:
+Wer viel lernt hat viel Verdruß!
+
+
+
+Trinklied
+
+Voll, voll, voll,
+Freunde, macht euch voll!
+Wein, Wein, Wein,
+Freunde, schenkt ihn ein!
+Küßt, küßt, küßt,
+Die euch wieder küßt!
+Voll von Wein,
+Voll von Liebe,
+Voll von Wein und Liebe,
+Freunde, voll zu sein,
+Küßt und schenket ein!
+
+
+
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+
+Alten, alt zu unsrer Pein,
+Denen von der Lust im Lieben,
+Von der Jugend, von dem Wein,
+Das Erinnern kaum geblieben;
+Weibern, die der Taufschein drückt,
+Wenn ihr Reiz der sonst entzückt,
+Sonst gestritten, sonst gesiegt,
+Unter Schichten Runzeln liegt;
+Dichtern, die den Wein nicht loben,
+Die die Liebe nicht erhoben;
+Mägdchen, die nicht Gleimen kennen,
+Rosten nicht vortrefflich nennen;
+Weisen, die mit leeren Grillen
+Leere Köpfe strotzend füllen;
+Männern, die die Sitten lehren,
+Und dich, Molier, nicht ehren,
+Stolz auf ihr Systema sehn,
+Und dich muntern Schauplatz schmähn;
+Handelsleuten, die das Geld,
+Und ihr Stolz zu Fürsten stellt;
+Falschen Priestern, die die Tugend,
+Mir nicht munter wie die Jugend,
+Mir nicht schmackhaft, mir nicht süße,
+Wie den Wein, und wie die Küsse,
+Mir nicht reizend, wie die Strahlen,
+Aus der Phyllis Augen malen;
+Stutzern, deren weißer Scheitel,
+Deren reich und witzge Tracht,
+Dummgelobte Schönen eitel,
+Und zu ihresgleichen macht;
+Unversuchten stolzen Kriegern;
+Aufgeblasnen Federsiegern;
+Ältlichklugen jungen Leuten;
+Seufzenden nach bessern Zeiten;
+Schwermutsvollen Gallenchristen;
+Allen Narren, die sich isten;
+Zum Exempel, Pietisten;
+Zum Exempel, Atheisten;
+Zum Exempel, Rabulisten;
+Operisten und Chymisten;
+Quietisten und Sophisten;
+Und nicht wenigen Juristen;
+Publizisten und Statisten;
+Und nicht wenigen Linguisten;
+Und nicht wenigen Stylisten;
+Und nicht wenig Komponisten--–
+O der Atem will mir fehlen
+Alle Narren zu erzählen--–
+Allen, die mich tadelnd hassen,
+Die mein Leben voller Freude
+Mich nicht, aus verstelltem Neide,
+Ungestört genießen lassen;
+Diesen Toren, diesen allen
+Mag ich ** nicht gefallen,
+Mag ich, sag ich, nicht gefallen.
+
+*
+
+Alten, die der Wein verjüngt,
+Die mit zitternd schwachen Tönen,
+Wenn die Jugend munter singt,
+Ihr noch gleich zu sein sich sehnen;
+Weibern, die, was an sich zieht,
+Reiz und Jugend noch nicht flieht,
+Die des Schicksals harte Hand
+Weibschen Männern zugewandt;
+Jungen Witwen, die sich grämen
+Flor und Trauer um zu nehmen,
+Und mit schwergereizten Zähren
+Nur den andern Mann begehren;
+Dichtern, die wie Dichter küssen,
+Nichts als sich zu freuen wissen;
+Dichtern, die wie Dichter zechen,
+Nie versagten Beifall rächen;
+Dichtern, die bei Kuß und Wein
+Miltons lassen Miltons sein;
+Dichtern, die im Scherze stark,
+Mit Geschichten voller Mark,
+Muntern Mägdchen munter lehren,
+Was die Mütter ihnen wehren;
+Dichtern, die mich spottend bessern,
+Kleine Fehlerchen vergrößern,
+Daß ich sie in ihrem Spiele
+Desto lächerlicher fühle;
+Rednern, die stark im Verstellen
+Uns vergnügend hintergehn,
+Wenn wir sie in zwanzig Fällen
+Zwanzigmal nicht selber sehn,
+Bald als Unglückshelden sprechen,
+Bald die Tugend spottend rächen,
+Bald als Könige befehlen,
+Bald als alte Männer schmälen;
+Künstlern, die auf Zaubersaiten
+Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten,
+Und mit heilsam falschen Leide
+Dämpfen übermäßge Freude;
+Federbüschen, die nicht prahlen;
+Reichen, welche reich bezahlen;
+Kriegern, die ihr Leben wagen;
+Armen, welche nicht verzagen;
+Allen liebenswürdgen Mägdchen,
+Liebenswürdgen weißen Mägdchen,
+Liebenswürdgen braunen Mägdchen,
+Liebenswürdgen stillen Mägdchen,
+Liebenswürdgen muntern Mägdchen,
+Wären es gleich Bürgermägdchen,
+Wären es gleich Kaufmannsmägdchen,
+Wären es gleich Priestermägdchen,
+Wären es gleich Karnmermägdchen,
+Wären es gleich Bauermägdchen,
+Wenn sie nur die Liebe fühlen,
+Lachen, scherzen, küssen, spielen;
+Diesen, Freunde, diesen allen
+Wünsch ich ** zu gefallen,
+Wünsch ich, sag ich, zu gefallen.
+
+
+
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+(1753)
+
+Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen
+Die Wißbegier, dich, ihren Held?
+Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren
+Zur künftgen, nicht zur neuen Welt.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder,
+von Gotthold Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING ***
+
+***** This file should be named 6822-8.txt or 6822-8.zip *****
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+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org
+
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
+state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
+volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search
+facility: www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #6822 (https://www.gutenberg.org/ebooks/6822)
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+++ b/old/7ldrv10.txt
@@ -0,0 +1,2987 @@
+The Project Gutenberg EBook of Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Lieder von Lessing
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Release Date: November, 2004 [EBook #6822]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 27, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING ***
+
+
+
+
+Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
+German books in London.
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 7-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
+
+
+
+
+Lieder von Lessing
+
+Gotthold Ephraim Lessing
+
+
+alphabetisch nach Titeln sortiert
+
+Alexander
+An Amor
+An den Anakreon
+An den Horaz
+An den Wein
+An die J. L***
+An die Kunstrichter
+An die Leier
+An die Schwalbe
+An eine kleine Schoene
+Antwort eines trunknen Dichters
+Auf sich selbst
+Das Alter
+Das Bild an Hrn. H.
+Das Erdbeben
+Das Leben
+Das Paradies
+Das Schaeferleben
+Das Umwechseln
+Das aufgehobene Gebot
+Der Donner
+Der Faule
+Der Fehler
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+Der Flor
+Der Genuss
+Der Geschmack der Alten
+Der Handel
+Der Irrtum
+Der Regen
+Der Schiffbruch
+Der Schlaf
+Der Sommer
+Der Sonderling
+Der Tabak
+Der Tausch an Hr. W.
+Der Tod
+Der Verlust
+Der Vetter und die Muhme
+Der Wunsch
+Der alte und der junge Wein
+Der bescheidene Wunsch
+Der groesste Mann
+Der muessige Poebel
+Der neue Welt-Bau
+Der philosophische Trinker
+Der schwoerende Liebhaber
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+Die 47ste Ode Anakreons
+Die Abwechslung
+Die Antwort
+Die Beredsamkeit
+Die Betruebnis
+Die Biene
+Die Diebin
+Die Einwohner des Mondes
+Die Ente
+Die Faulheit
+Die Gespenster
+Die Gewissheit
+Die Haushaltung
+Die Kuesse
+Die Kuesse
+Die Kunstrichter und der Dichter
+Die Liebe
+Die Musik
+Die Mutter
+Die Namen
+Die Planetenbewohner
+Die Redlichkeit
+Die Schoene von hinten
+Die Sparsamkeit
+Die Staerke des Weins
+Die Tuerken
+Die Versteinerung
+Die Wetterprophezeiung
+Die drei Reiche der Natur
+Die luegenhafte Phyllis
+Die lehrende Astronomie
+Die schlafende Laura
+Die schlimmste Frau
+Die verschlimmerten Zeiten
+Die wider den Caesar verschworne Helden
+Eine Gesundheit
+Fuer wen ich singe
+Heldenlied der Spartaner
+Ich
+Jungfer Lieschens Knie
+Kuessen und Trinken
+Lied
+Lied aus dem Spanischen
+Lob der Faulheit
+Nach der 15. Ode Anakreons
+Niklas
+Phillis
+Phyllis an Damon
+Phyllis lobt den Wein
+Refutatio Papatus
+Salomon
+Trinklied
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+
+
+
+Alexander
+
+Der Weise sprach zu Alexandern.
+"Dort, wo die lichten Welten wandern,
+Ist manches Volk, ist manche Stadt."
+Was tut der Mann von tausend Siegen?
+Die Memme weint, dass dort zu kriegen,
+Der Himmel keine Bruecken hat.
+
+Ists wahr, was ihn der Weise lehret,
+Und finden, was zur Welt gehoeret,
+Daselbst auch Wein und Maedchen statt:
+So lasset, Brueder, Traenen fliessen,
+Dass dort zu trinken und zu kuessen,
+Der Himmel keine Bruecken hat.
+
+
+
+An Amor
+
+Amor, soll mich dein Besuch
+Einst erfreuen--
+O so lege dein Gefieder
+Und die ganze Gottheit nieder.
+Diese moechte mich erschrecken,
+Jenes moechte Furcht erwecken,
+Furcht, nach flatterhaften Kuessen,
+Meine Phyllis einzubuessen.
+Komm auch ohne Pfeil und Bogen,
+Ohne Fackel angezogen...
+Stelle dich, um mir lieb zu sein,
+Als ein junger Satyr ein.
+
+
+
+An den Anakreon
+
+Anakreon singt, alles fuehlet:
+Und alles gaehnt wenn Codrus spielet.
+Anakreon, sprich, wie man spielt,
+Dass niemand gaehnt, dass alles fuehlt.
+
+Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,
+Die mich in Bacchus Laube schicken,
+Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.
+Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!
+
+
+
+An den Horaz
+
+Horaz, wenn ich mein Maedchen kuesse,
+Entflammt von unserm Gott, dem Wein,
+Dann seh ich, ohne kritsche Schluesse,
+Dich tiefer als zehn Bentleys ein.
+
+Dann fuehl ich sie, die suessen Kuesse,
+Die ein barbarscher Biss verletzt,
+Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,
+Mit ihres Nektars Fuenfteil netzt.*
+
+Dann fuehl ich, mehr als ich kann sagen
+Die Goettin, durch die Laura kuesst,
+Wie sie sich Amathunts entschlagen,
+Und ganz in mich gestuerzet ist.**
+
+Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;
+Und Laura loescht die Phyllis aus.
+Sie herrscht im Herzen? nein, sie wuetet;
+Denn Laura haelt mich ab vom Schmaus.
+
+*--dulcia barbare
+Laedentem oscula, quae Venus
+Quincta parte sui Nectaris imbuit.
+
+**---in me tota ruens Venus
+Cyprum deseruit.
+
+
+
+An den Wein
+
+Wein, wenn ich dich itzo trinke,
+Wenn ich dich als Juengling trinke,
+Sollst du mich in allen Sachen
+Dreist und klug, beherzt und weise,
+Mir zum Nutz, und dir zum Preise,
+Kurz, zu einem Alten machen.
+
+Wein, werd ich dich kuenftig trinken,
+Werd ich dich als Alter trinken,
+Sollst du mich geneigt zum Lachen,
+Unbesorgt fuer Tod und Luegen,
+Dir zum Ruhm, mir zum Vergnuegen,
+Kurz, zu einem Juengling machen.
+
+
+
+An die J. L***
+
+Natuerlichs Ebenbild der Liebe!
+Nimm hier dein kuenstlich Ebenbild;
+Das, wenn man dich auch drueber schriebe,
+Doch seines Meisters Schwaeche schilt.
+Dem Maler lass es nicht entgelten,
+Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:
+Nur auf das Urbild musst du schelten,
+Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.
+Dich, aehnlichstes von allen Bildern,
+Hat die Natur hervorgebracht:
+Jedoch wie kann ein Kuenstler schildern,
+Was die Natur vollkommen macht?
+
+
+
+An die Kunstrichter
+
+Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
+Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
+Tut mir es nach, und trinket Wein,
+So seht ihr meine Schoenheit ein.
+Sonst wahrlich, unberauschte Richter,
+Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!
+
+
+
+An die Leier
+
+Toene, frohe Leier,
+Toene Lust und Wein!
+Toene, sanfte Leier,
+Toene Liebe drein!
+
+Wilde Krieger singen,
+Hass und Rach und Blut
+In die Laute singen,
+Ist nicht Lust, ist Wut.
+
+Zwar der Heldensaenger
+Sammelt Lorbeern ein;
+Ihn verehrt man laenger;
+Lebt er laenger? Nein.
+
+Er vergraebt im Leben
+Sich in Tiefsinn ein:
+Um erst dann zu leben,
+Wann er Staub wird sein.
+
+Lobt sein goettlich Feuer,
+Zeit und Afterzeit!
+Und an meiner Leier
+Lobt die Froehlichkeit.
+
+
+
+An die Schwalbe
+
+Die 12te Ode Anakreons.
+
+Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,
+Was tu ich dir? wie straf ich dich?
+Soll ich dich um die Schwingen
+Mit meiner Schere bringen?
+Soll ich, zu deiner Pein,
+Ein andrer Tereus sein?
+Und willst du gern der Progne gleichen?
+Musst du, zu fruehe Schwaetzerin,
+Musst du von meiner Schaeferin
+Mir meinen schoenen Traum verscheuchen?
+
+
+
+An eine kleine Schoene
+
+Kleine Schoene, kuesse mich.
+Kleine Schoene, schaemst du dich?
+Kuesse geben, Kuesse nehmen,
+Darf dich itzo nicht beschaemen.
+Kuesse mich noch hundertmal!
+Kuess und merk der Kuesse Zahl.
+Ich will dir, bei meinem Leben!
+Alle zehnfach wiedergeben,
+Wenn der Kuss kein Scherz mehr ist,
+Und du zehn Jahr aelter bist.
+
+
+
+Antwort eines trunknen Dichters
+
+Ein trunkner Dichter leerte
+Sein Glas auf jeden Zug;
+Ihn warnte sein Gefaehrte:
+Hoer auf! du hast genug.
+Bereit vom Stuhl zu sinken,
+Sprach der: Du bist nicht klug;
+Zu viel kann man wohl trinken,
+Doch nie trinkt man genug.
+
+
+
+Auf sich selbst
+
+Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
+Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
+Ich habe nicht stets Lust zu denken;
+Kurzum, nicht immer zu studieren.
+
+Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
+Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
+Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;
+Kurz, allezeit vergnuegt zu leben.
+
+Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?
+Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.
+
+Was ihr tut, ist des Alters Folge.
+Was ich tu, will die Jugend haben.
+Ich goenn euch eure Lust von Herzen.
+Wollt ihr mir nicht die meine goennen?
+
+
+
+Das Alter
+
+Nach der 11ten Ode Anakreons.
+
+Euch, lose Maedchen, hoer ich sagen:
+"Du bist ja alt, Anakreon.
+Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
+Sieh, deine Haare schwinden schon;
+Und von den trocknen Wangen
+Ist Bluet und Reiz entflohn."--
+Wahrhaftig! ob die Wangen
+Noch mit dem Lenze prangen,
+Wie, oder ob den Wangen
+Der kurze Lenz vergangen,
+Das weiss ich nicht; doch was ich weiss,
+Will ich euch sagen: dass ein Greis,
+Sein bisschen Zeit noch zu geniessen,
+Ein doppelt Recht hat, euch zu kuessen.
+
+
+
+Das Bild an Hrn. H.
+
+Das, Maler, ist dein Meisterstuecke!
+Ja, H**, ja; an Anmut reich,
+Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
+Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
+Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
+
+O Freund, o lass dichs nicht verdruessen,
+Und sieh auf jene Seite hin:
+Ich muss, ich muss das Bildchen kuessen.
+Wie zaertlich nimmts den Kuss nicht an:
+Nur schade, dass es ihn nicht wiedergeben kann.
+
+
+
+Das Erdbeben
+
+Bruder, Bruder, halte mich!
+Warum kann ich denn nicht stehen?
+Warum kannst du denn nicht gehen?
+Bruder geh, ich fuehre dich.
+
+Sachte Bruder, stolperst du?
+Was? Du faellst mir gar zur Erden?
+Halt! ich muss dein Retter werden.
+Nu? Ich falle selbst dazu?
+
+Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
+Wie die lockern Waende schwanken?
+Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!
+Greif doch zu! das Glas zerbricht!
+
+Himmel, bald, bald werden wir
+Nicht mehr trinken, nicht mehr leben!
+Fuehlst du nicht? des Grunds Erbeben
+Droht es Bruder mir und dir.
+
+Limas Schicksal bricht herein!
+Bruder, Bruder, wenn wir sterben,
+Soll der Wein auch mit verderben?
+Der auf heut bestimmte Wein?
+
+Nein, die Suende wag ich nicht.
+Bruder, wolltest du sie wagen?
+Nein, in letzten Lebenstagen
+Tut man gerne seine Pflicht.
+
+Sieh, dort sinket schon ein Haus!
+Und hier auch! Nun muss man eilen!
+Lass uns noch die Flasche teilen!
+Hurtig! Hurtig! trink doch aus!
+
+
+
+Das Leben
+
+Sechs Tage kannt ich sie,
+Und liebte sie sechs Tage.
+Am siebenten erblasste sie,
+Dem ersten meiner ewgen Klage.
+Noch leb ich, zauderndes Geschick!
+Ein pflanzengleiches Leben.
+O Himmel, ist fuer den kein Glueck,
+Dem du Gefuehl und Herz gegeben!
+Oh! nimm dem Koerper Waerm und Blut,
+Dem du die Seele schon genommen!
+Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
+Hier lass den Tod auf mich herab gebeten kommen!
+Was hilft es, dass er meine Jahre
+Bis zu des Nestors Alter spare?
+Ich habe, trotz der grauen Haare,
+Womit ich dann zur Grube fahre,
+Sechs Tage nur geliebt,
+Sechs Tage nur gelebt.
+
+
+
+Das Paradies
+
+Sein Glueck fuer einen Apfel geben,
+O Adam, welche Luesternheit!
+Statt deiner haett ich sollen leben,
+So waer das Paradies noch heut.--
+
+Wie aber, wenn alsdann die Traube
+Die Probefrucht gewesen waer?
+Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
+Das Paradies waer auch nicht mehr.
+
+
+
+Das Schaeferleben
+
+Komm Freund! wir wollen Schaefer werden.
+Dies stille Volk besitzet noch
+Die suesse Ruh, das Glueck der Erden.
+Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
+Dort blueht bei aufgeraeumten Sinnen
+Noch alte Treu und Redlichkeit,
+Auch in den schoensten Schaeferinnen.
+Dort, dort ist noch die gueldne Zeit.
+
+Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
+Wo nichts als falsche Maegdchen sind?
+Bedenke, Phyllis will mich hassen,
+Das flatterhafte boese Kind.
+
+Auch Phyllis kann die Treue brechen,
+Und windet sich aus meiner Hand.
+Ja, diese Falschheit muss ich raechen.
+Komm mit! Ich geh ins Schaeferland.
+
+Du schwaermst, mein Freund. Lass mich zufrieden.
+Was geht mich deine Phyllis an.
+Dem ist ein groesser Glueck beschieden,
+Der sich gleich mir betrinken kann.
+
+Wo hast du den Verstand gelassen?
+Du hast gewiss noch keinen Rausch?
+Den Wein, den Wein fuer Milch zu hassen?
+Den Wein fuer Milch? Das waer ein Tausch.
+
+Recht Freund! verzeih mir diese Possen.
+Wie albern denkt und redt man nicht,
+Wenn man noch keinen Wein genossen,
+Wenn folglich der Verstand gebricht.
+
+Drum eile, Freund! mir einzuschenken.
+Trink mir es zu, und mach mich klug.
+Nun lern ich wieder richtig denken.
+Nun seh ich meinen Selbstbetrug.
+
+O schade fuer die falschen Kinder!
+Lasst sie nur unbestaendig sein.
+Ich lache nun, und bins nicht minder.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+Nun soll mich Phyllis nicht betrueben,
+Lasst sie nur unbestaendig sein,
+Von nun an will ich auch so lieben.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+
+
+Das Umwechseln
+
+Der Bruder
+ Liebe Schwester, wer ist die?
+ Deine Freundin? darf ich kuessen?
+ O wie frei, wie schoen ist sie!
+ Liebe Schwester darf ich kuessen?
+
+Die Schwester
+ Pfui! Ihr Bruder ist ja hier.
+ Willst du, dass ers sieht, sie kuessen?
+ Schaem dich! diesesmal wird dir
+ Wohl die Lust vergehen muessen.
+
+Der Bruder
+ Schwester, geh zum Bruder hin;
+ Lass dich von dem Bruder kuessen;
+ Dann, weil ich dein Bruder bin,
+ Darf ich seine Schwester kuessen.
+
+
+
+Das aufgehobene Gebot
+
+Elise.
+ Siehst du Wein im Glase blinken,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Trinken kannst du, du kannst trinken;
+ Doch betrinke dich nur nicht.
+
+Lysias.
+ Wallt dein Blut von Jugendtrieben,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Lieben kannst du, du kannst lieben;
+ Doch verliebe dich nur nicht.
+
+Elise.
+ Bruder! ich mich nicht verlieben?
+
+Lysias.
+ Schwester! ich mich nicht betrinken?
+
+Elise.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Lysias.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Elise.
+ Lieber mag ich gar nicht lieben.
+
+Lysias.
+ Lieber mag ich gar nicht trinken.
+
+Beide.
+ Geh nur, ich erlaub es dir.
+
+
+
+Der Donner
+
+Es donnert!--Freunde, lasst uns trinken!
+Der Frevler und der Heuchler Heer
+Mag knechtisch auf die Kniee sinken.
+Es donnert!--Macht die Glaeser leer!
+Lasst Nuechterne, lasst Weiber zagen!
+Zeus ist gerecht, er straft das Meer:
+Sollt er in seinen Nektar schlagen?
+
+
+
+Der Faule
+
+Rennt dem scheuen Gluecke nach!
+Freunde, rennt euch alt und schwach!
+Ich nehm teil an eurer Mueh:
+Die Natur gebietet sie.
+Ich, damit ich auch was tu,--
+Seh euch in dem Lehnstuhl zu.
+
+
+
+Der Fehler
+
+Angelika ist jung und reich.
+An Schoenheit meiner Phyllis gleich.
+Ich kann nichts Schoeners nennen;
+Das wissen die, die Phyllis kennen.
+Sie redet ungezwungen rein;
+Sie scherzt empfindlich und doch fein;
+Ihr biegsam redlich Herze fuehlt;
+Sie tanzt, sie singt, sie spielt.
+Wenn meine Phyllis untreu wird--
+O werde sie es nie!
+Wenn sie es aber wird,
+So lieb ich keine sonst als sie.
+Doch--hab ichs auch bedacht?
+Nein, einen Fehler treff ich an,
+Der alles nichtig macht.
+Sie liebet ihren Mann.
+
+
+
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+
+Freund! du erforschest die Natur.
+Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,
+Sie fehlt auch oft in ihren Werken.
+Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil
+Versetzt sie dies und jenes Teil.
+Ich selbst kann meinen Satz bestaerken.
+Denn haett sich ihre Goetterhand,
+Als sie mich baute, nicht verloren;
+So waer ich an der Mosel Strand,
+Wo nicht doch in Burgund geboren.
+O Mosler, o Burgunderwein,
+Ich, ich sollt euer Landsmann sein!
+
+
+
+Der Flor
+
+O Reize voll Verderben!
+Wir sehen euch, und sterben.
+O Augen, unser Grab!
+O Chloris, darf ich flehen?
+Dich sicher anzusehen,
+Lass erst den Flor herab!
+
+
+
+Der Genuss
+
+So bringst du mich um meine Liebe,
+Unseliger Genuss? Betruebter Tag fuer mich!
+Sie zu verlieren,--meine Liebe,--
+Sie zu verlieren, wuenscht ich dich?
+Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,
+Nimm sie zurueck, die kurze Lust!
+Nimm sie, und gib der oeden Brust,
+Der ewig oeden Brust, die bessre Liebe wieder!
+
+
+
+Der Geschmack der Alten
+
+Ob wir, wir Neuern, vor den Alten
+Den Vorzug des Geschmacks erhalten,
+Was lest ihr darum vieles nach,
+Was der und jener Franze sprach?
+Die Franzen sind die Leute nicht,
+Aus welchen ein Orakel spricht.
+
+Ich will ein neues Urteil wagen.
+Geschmack und Witz, es frei zu sagen,
+War bei den Alten allgemein.
+Warum? sie tranken alle Wein.
+Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;
+Warum? sie mischten Wasser drein.
+
+
+
+Der Handel
+
+Des wuchernden Tumultes satt,
+Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?
+Flieh nur allein; ich bleib zuruecke,
+Die Messe wag ich noch mein Gluecke.
+Nun handl ich auch: doch soll allein
+Mein Handel mit den Schoenen sein.
+
+Itzt, Maegdchens, ist mir alles feil,
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Haus, Buecher, Garten, Wald und Felder.
+Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!
+Kommt nur und fangt den Handel an;
+Glaubt, dass ich euch nicht truegen kann.
+
+Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_
+Mein Feld verkauf ich nicht fuer Geld.
+Dir, Maegdchen, biet ichs hundert Kuesse.
+_Und deinen Wald?_ Zweihundert Kuesse.
+_Und dieses Buch?_ Fuer einen Kuss.
+_Und dieses Lied?_ Fuer einen Kuss.
+
+Wenn ich mit Schoenen handeln muss,
+Gilt alles bei mir einen Kuss.
+Denn Kuesse sind die besten Gelder.
+Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Ich selber bin fuer Kuesse feil!
+
+L.
+
+
+
+Der Irrtum
+
+Den Hund im Arm, mit blossen Bruesten,
+Sah Lotte frech herab.
+Wie mancher liess sichs nicht geluesten,
+Dass er ihr Blicke gab.
+
+Ich kam gedankenvoll gegangen,
+Und sahe steif heran.
+Ha! denkt sie, der ist auch gefangen,
+Und lacht mich schalkhaft an.
+
+Allein, gesagt zur guten Stunde,
+Die Jungfer irrt sich hier.
+Ich sah nach ihrem bunten Hunde:
+Es ist ein artig Tier.
+
+
+
+Der Regen
+
+Der Regen haelt noch immer an!
+So klagt der arme Bauersmann;
+Doch eher stimm ich nicht mit ein,
+Es regne denn in meinen Wein.
+
+
+
+Der Schiffbruch
+
+"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer!
+Das Trinken macht den Beutel leer,
+Drum hol ich mir in fernen Landen,
+Die unsre Vaeter niemals fanden,
+Gold, Silber, Berlen, Edelstein;
+Und folglich Wein."
+
+Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht.
+Gesetzt, dass unser Schiff zerbricht,
+So muessen wir ins Wasser sinken,
+Und Wasser wohl gezwungen trinken.
+Und Wasser, Wasser schmecket schlecht.
+Hab ich nicht recht?
+
+Ja, waer im Meere lauter Wein,
+So gaeng ich, Freund, die Schiffahrt ein.
+O Freund! o Freund, mit Freuden
+Wollt ich gar Schiffbruch leiden.
+Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier.
+Man borget dir.
+
+
+
+Der Schlaf
+
+Ich trinke bis um Mitternacht.
+Wenn neben mir der Geizhals wacht,
+Und mit bekuemmertem Verlangen
+Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen?
+Da trink ich noch, und freue mich,
+Und trinkend Bacchus lob ich dich.
+Da flieht der Durst! da flieht der Kummer!
+Doch waerst du nicht, du suesser Schlummer,
+Wenn sollt ich wieder durstig werden?
+Und wuerd ich nicht mehr durstig sein,
+So traenk ich ja auch nicht mehr Wein.
+O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!
+
+
+
+Der Sommer
+
+_Brueder! lobt die Sommerszeit!_
+Ja, dich, Sommer, will ich loben!
+Wer nur deine Munterkeit,
+Deine bunte Pracht erhoben,
+Dem ist wahrlich, dem ist nur,
+Nur dein halbes Lob gelungen,
+Haett er auch, wie Brocks, gesungen,
+Brocks, der Liebling der Natur.
+
+Hoer ein groesser Lob von mir,
+Sommer! ohne stolz zu werden.
+Brennst du mich, so dank ichs dir,
+Dass ich bei des Strahls Beschwerden,
+Bei der durstgen Mattigkeit,
+Lechzend nach dem Weine frage,
+Und gekuehlt den Bruedern sage:
+_Brueder! lobt die durstge Zeit!_
+
+L.
+
+
+
+Der Sonderling
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei ein Narr;
+Und gleichwohl zuernt der Narr,
+Wenn man ihn also nennt.
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei nicht klug;
+Doch ists ihm lieb genug,
+Wenn man ihn weise nennt.
+
+Ein jeder, der mich kennt,
+Spricht: Welcher Sonderling!
+Nur diesem ists _ein_ Ding,
+Wie ihn die Welt auch nennt.
+
+
+
+Der Tabak
+
+ Dich, Tabak, lobt der Medikus,
+ Weil uns dein fleissiger Genuss
+An Zahn und Augen wohl kurieret,
+Und Schleim und Kolster von uns fuehret.
+
+ Dich lobet der Philosophus,
+ Wenn er scharf meditieren muss;
+Weil er, so lang er dich geniesset,
+Des Geistes Flatterkeit vermisset.
+
+ Dich lobet der Theologus
+ Durch einen homiletschen Schluss,
+Wenn er in deinem Rauch entzuecket
+Ein Bild der Eitelkeit erblicket.
+
+ Ich lob an dir als ein Jurist,
+ Was rechtens an dir loeblich ist;
+Dass, wenigstens wie mir es duenket,
+Man mehr und oefter bei dir trinket.
+
+L.
+
+
+
+Der Tausch an Hr. W.
+
+Ein Maegdchen, das Verstand und Geist
+Gemeiner Schoenen Zahl entreisst,
+Ein Maegdchen, das bei Buechern schwitzet,
+Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet,
+Das ihrer Seelen Schoenheit bessert,
+Wenn die die leibliche vergroessert,
+Das gruendlich denkt und gruendlich scherzt,
+Platonisch liebt, platonisch herzt:
+Freund, so ein Maegdchen ist fuer dich,
+Und nicht fuer mich.
+
+Ein Maegdchen, dessen zaertlich Bild
+Mit Zaertlichkeit die Herzen fuellt,
+Ein Maegdchen mit beredten Blicken,
+Mit Fuessen, die versteckt entzuecken,
+Mit Haenden, die liebkosend schlagen,
+Und drueckend, dich nur lieb ich, sagen,
+Mit schwarzem Haar, mit voller Brust,
+Gemacht zu dauerhafter Lust:
+Freund, so ein Maegdchen ist fuer mich,
+Und nicht fuer dich.
+
+Das Glueck ist ungerecht und blind;
+Wenn nicht die Dichter Luegner sind.
+Wie oft hat es mit deinem Hoffen,
+Wie oft mit meinem eingetroffen?
+Wie wenn es, dich und mich zu kraenken,
+Dir mein, und mir dein Kind wird schenken?
+O Freund, was soll die Rache sein?
+Der Tausch, o Freund, der Tausch allein.
+Doch gibst du, geb ich meine dir,
+Auch deine mir?
+
+
+
+Der Tod
+
+Gestern, Brueder, koennt ihrs glauben?
+Gestern bei dem Saft der Trauben,
+(Bildet euch mein Schrecken ein!)
+Kam der Tod zu mir herein.
+
+Drohend schwang er seine Hippe,
+Drohend sprach das Furchtgerippe:
+Fort, du teurer Bacchusknecht!
+Fort, du hast genug gezecht!
+
+Lieber Tod, sprach ich mit Traenen,
+Solltest du nach mir dich sehnen?
+Sieh, da stehet Wein fuer dich!
+Lieber Tod verschone mich!
+
+Laechelnd greift er nach dem Glase;
+Laechelnd macht ers auf der Base,
+Auf der Pest, Gesundheit leer;
+Laechelnd setzt ers wieder her.
+
+Froehlich glaub ich mich befreiet,
+Als er schnell sein Drohn erneuet.
+Narre, fuer dein Glaeschen Wein
+Denkst du, spricht er, los zu sein?
+
+Tod, bat ich, ich moecht auf Erden
+Gern ein Mediziner werden.
+Lass mich: ich verspreche dir
+Meine Kranken halb dafuer.
+
+Gut, wenn das ist, magst du leben:
+Ruft er. Nur sei mir ergeben.
+Lebe, bis du satt gekuesst,
+Und des Trinkens muede bist.
+
+Oh! wie schoen klingt dies den Ohren!
+Tod, du hast mich neu geboren.
+Dieses Glas voll Rebensaft,
+Tod, auf gute Bruederschaft!
+
+Ewig muss ich also leben,
+Ewig! denn beim Gott der Reben!
+Ewig soll mich Lieb und Wein,
+Ewig Wein und Lieb erfreun!
+
+
+
+Der Verlust
+
+Alles ging fuer mich verloren,
+Als ich Sylvien verlor.
+Du nur gingst nicht mit verloren,
+Liebe, da ich sie verlor!
+
+
+
+Der Vetter und die Muhme
+
+O fluche, Freund, nicht alles Wetter
+Auf deinen eigensinngen Vetter.
+Schmaelt er manchmal; so lass es sein.
+Er hat ja guten Wein.
+
+Auch fluche nicht der alten Muhme.
+Man muss ihr Brummen, sich zum Ruhme,
+Mit stiller Sanftmut uebergehn.
+Die Tochter ist ja schoen.
+
+
+
+Der Wunsch
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kuehlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein haesslich Maedchen sehe,
+Wuensch ich ploetzlich blind zu sein.
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kuehlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein schoenes Maedchen sehe,
+Moecht ich lauter Auge sein.
+
+
+
+Der alte und der junge Wein
+
+Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken:
+Drum mag der junge Wein
+Fuer euch, ihr Alten, sein.
+
+Der Juengling trinkt, sich alt und klug zu trinken:
+Drum muss der alte Wein
+Fuer mich, den Juengling, sein.
+
+
+
+Der bescheidene Wunsch
+
+Der Pfennig, den man andachtsvoll
+Dem Priester beichtend geben soll,
+Gilt mehr als im gemeinen Leben
+Ein Pfennig, den wir Iro geben.
+Die Kluegsten muessen durch Dukaten
+Den Sinn des kleinen Worts erraten.
+Man nehm es nicht buchstaeblich an,
+Der Buchstab bringet Tod und Bann.
+
+"Ach! schenkte mir mein lieber Gott
+Nur einst mein liebes bisschen Brot;
+Ich wollte mich begnuegen lassen
+Und keinen Reichen neidisch hassen."
+Oh, das ist Staxen leicht zu sagen,
+Doch, wollt ihr eine Wette wagen,
+Stax schliesset Fische, Braten, Wein
+Mit in den Wunsch des Brotes ein.
+
+O Liebste! machet dir mein Mund
+Den heissen Wunsch nach Kuessen kund,
+So wisse, dass ich mehr begehret
+Als dir mein scheuer Mund erklaeret.
+Ein Kuss bei mir ist--Soll ichs sagen?
+Doch still! Du willst mich heimlich fragen.
+Komm! jener Lustwald ruft dir zu:
+O Maegdchen! was du tun willst, tu!
+
+
+
+Der groesste Mann
+
+Lasst uns den Priester Orgon fragen:
+Wer ist der groesste Mann?
+Mit stolzen Mienen wird er sagen.
+Wer sich zum kleinsten machen kann.
+
+Lasst uns den Dichter Kriton hoeren:
+Wer ist der groesste Mann?
+Er wird es uns in Versen schwoeren:
+Wer ohne Muehe reimen kann.
+
+Lasst uns den Hofmann Damis fragen:
+Wer ist der groesste Mann?
+Er bueckt sich laechelnd; das will sagen:
+Wer laecheln und sich buecken kann.
+
+Wollt ihr vom Philosophen wissen,
+Wer ist der groesste Mann?
+Aus dunkeln Reden muesst ihr schliessen:
+Wer ihn verstehn und gruebeln kann.
+
+Was darf ich jeden Toren fragen:
+Wer ist der groesste Mann?
+Ihr seht, die Toren alle sagen:
+Wer mir am naechsten kommen kann.
+
+Wollt ihr den kluegsten Toren fragen:
+Wer ist der groesste Mann?
+So fraget mich; ich will euch sagen:
+Wer trunken sie verlachen kann.
+
+
+
+Der muessige Poebel
+
+Um einen Arzt und seine Buehne
+Stand mit erstaunungsvoller Miene
+Die leicht betrogne Menge
+In lobendem Gedraenge.
+Ein weiser Trinker ging vorbei,
+Und schriee: welche Polizei!
+So muessig hier zu stehen?
+Kann nicht das Volk zu Weine gehen?
+
+
+
+Der neue Welt-Bau
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Ihr kennt doch wohl den grossen Geist,
+ Nach dem der wahre Welt-Bau heisst?
+Von diesem hab ich einst gelesen,
+Dass er beim Weine gleich gewesen,
+ Als er der Sonne Stillestand,
+ Die alte neue Wahrheit fand.
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Hoert! hoert, ihr Sternenfahrer, hoert,
+ Was mir der Wein, der Wein gelehrt!
+So kann der Wein den Witz verstaerken!
+Wir laufen selbst, ohn es zu merken,
+ Von Osten taeglich gegen West!
+ Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!
+
+
+
+Der philosophische Trinker
+
+Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden,
+Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.
+Er zecht mit mir und meinen Bruedern,
+Und fuehlet schon in unsern Liedern
+Mehr Weisheit, Witz und Kraft,
+Als Jacob Boehm und Newton schafft.
+Doch bringt er seine spitzgen Fragen,
+Die minder als sie sagen, sagen,
+Noch dann und wann hervor,
+Und plagt mit Schluessen unser Ohr.
+Juengst fragt er mich am vollen Tische,
+Warum wohl in der Welt der Fische,
+In Fluessen und im Meer,
+Nicht Wein statt Wassers waer?
+Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein.
+Die Antwort fiel mir schwer;
+Ich dachte hin und her,
+Doch endlich fiel mirs ein.
+"Die Ursach ist leicht zu erdenken",
+Sprach ich mit aufgestemmtem Arm.
+Und welche? schrie der ganze Schwarm.
+"Damit, wenn Esel davon traenken,
+Die Esel, nur verdammt zu Buerden,
+Nicht klueger als die Menschen wuerden."
+Die Antwort, schrie man, laesst sich hoeren.
+Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!
+
+
+
+Der schwoerende Liebhaber
+
+Ich schwoer es dir, o Laura, dich zu hassen;
+Gerechten Hass schwoer ich dir zu.
+Ich schwoer es allen Schoenen, sie zu hassen;
+Weil alle treulos sind, wie du.
+Ich schwoer es dir, vor Amors Ohren,
+Dass ich--ach! dass ich falsch geschworen.
+
+
+
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+
+Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,
+Und deinem fluessgen Feur begeistert,
+Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,
+Ein dir geheiligt Loblied an.
+
+Doch wie? in was fuer kuehnen Weisen
+Werd ich, o Goettertrank, dich preisen?
+Dein Ruhm, hoer ihn summarisch an,
+Ist, dass ich ihn nicht singen kann.
+
+
+
+Die 47ste Ode Anakreons
+
+Alter tanze! Wenn du tanzest,
+Alter, so gefaellst du mir!
+Juengling, tanze! Wenn du tanzest,
+Juengling, so gefaellst du mir.
+
+Alter, tanze, trotz den Jahren!
+Welche Freude, wenn es heisst:
+Alter, du bist alt an Haaren,
+Bluehend aber ist dein Geist!
+
+
+
+Nachahmung dieser Ode
+
+Juengling, lebst du nicht in Freuden,
+Juengling, o so hass ich dich!
+Alter, lebst du nicht in Freuden,
+Alter, o so hass ich dich!
+
+Juengling, trauerst du in Jahren,
+Wo die Pflicht sich freuen heisst?--
+Schaeme dich! so frisch an Haaren,
+Juengling, und so schwach an Geist!
+
+
+
+Die Abwechslung
+
+Ich trinke nicht stets einen Wein.
+Das moechte mir zu ekel sein.
+Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande,
+Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande,
+Die wechsl ich taeglich mit Bedacht,
+Weil Wechseln alles suesser macht.
+
+Und mich soll nur ein artig Kind,
+Wenn mehrere zu finden sind,
+Durch suessen Zwang gepriesner Liebe binden?
+Oh, dies zaehlt ich mit unter meine Suenden.
+Nein, nein, ich folge meinem Brauch,
+Mit artgen Kindern wechsl ich auch.
+
+
+
+Die Antwort
+
+Der Nachbarin Climene
+Schrieb ich von Lieb und Glut.
+Die christlich holde Schoene
+War allen Menschen gut.
+Sie hat den Brief bekommen,
+Voll Sehnsucht angenommen,
+Gekuesst und aufgemacht,
+Gelesen und gelacht.
+Ach Gott, das gute Kind!
+
+Sie wird wohl wieder schreiben?
+Nein; schreiben kann sie nicht.
+Nur sich die Zeit vertreiben,
+Ist ihre Kunst und Pflicht.
+Doch ohne Trost mich lassen,
+Hiess meine Liebe hassen;
+Drum koemmt sie selbst zu mir,
+Durch unsre Hintertuer.
+Ach, gar zu gutes Kind!
+
+
+
+Die Beredsamkeit
+
+Freunde, Wasser machet stumm:
+Lernet dieses an den Fischen.
+Doch beim Weine kehrt sichs um:
+Dieses lernt an unsern Tischen.
+Was fuer Redner sind wir nicht,
+Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
+Wir ermahnen, streiten, lehren;
+Keiner will den andern hoeren.
+
+
+
+Die Betruebnis
+
+Der Dichter und sein Freund.
+
+Der Freund.
+ Freund! welches Unglueck, welche Reue
+ Macht dir so bittern Schmerz?
+
+Der Dichter.
+ Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue!
+ Und sie besass mein Herz.
+
+Der Freund.
+ Um eine Falsche dich betrueben?
+ Du bist ja klug genug.
+
+Der Dichter.
+ O schweig! das heisst nicht lieben,
+ Laesst uns die Liebe klug.
+
+
+
+Die Biene
+
+Als Amor in den goldnen Zeiten
+Verliebt in Schaeferlustbarkeiten
+Auf bunten Blumenfeldern lief,
+Da stach den kleinsten von den Goettern
+Ein Bienchen, das in Rosenblaettern,
+Wo es sonst Honig holte, schlief.
+
+Durch diesen Stich ward Amor klueger.
+Der unerschoepfliche Betrueger
+Sann einer neuen Kriegslist nach:
+Er lauscht in Rosen und Violen;
+Und kam ein Maedchen sie zu holen,
+Flog er als Bien heraus, und stach.
+
+
+
+Die Diebin
+
+(1745)
+
+Du Diebin mit der Rosenwange,
+Du mit den blauen Augen da!
+Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange?
+Gesteh nur, was ich fuehlt und sah!
+
+Du schweigst? Doch deine Rosenwange
+Glueht schuldig, roeter, als vorhin,
+O Diebin mit der Rosenwange,
+Wo ist mein Herz, wo kam es hin?
+
+
+
+Die Einwohner des Mondes
+
+Die Maegdchen die in sechzehn Jahren
+Noch nicht das leckre Glueck erfahren,
+Wozu sie ihre Muetter sparen;
+Das Stutzerchen, das was gelernt;
+Das Weib, das nie sich aus den Schranken
+Der ehelichen Pflicht entfernt,
+Und um den Mann die Welt vergisst;
+Der Bettler, der bei dem Bedanken
+So hoeflich wie beim Bitten ist;
+Der Dichter, welcher nie gelogen,
+Dem stets der Reim, und niemals er,
+Dem lieben Reime nachgezogen;
+Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt,
+Um Kleinigkeiten nicht verdammt,
+Und weiss durch Taten zu ermahnen;
+Der Edle, der von seinen Ahnen
+In unzertrennter Ordnung stammt,
+Ohn dass ein wackrer Bauerknecht
+Nicht oft das Heldenblut geschwaecht;
+Ein Arzt, der keinen tot gemacht;
+Der Krieger, der mehr kaempft als fluchet;
+Der Hagestolz, der in der Nacht,
+Was er am Tage flieht, nicht suchet;
+Das fromme Weib, das nie geschmaelt;
+Der reiche Greis, dem nichts gefehlt;
+Und hundert andre schoene Sachen,
+Die unsern Zeiten Ehre machen:
+Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond,
+Wo jedes Hirngespinste wohnt.
+
+
+
+Die Ente
+
+Ente, wahres Bild von mir,
+Wahres Bild von meinen Bruedern!
+Ente, jetzo schenk ich dir
+Auch ein Lied von meinen Liedern.
+
+Oft und oft muss dich der Neid
+Zechend auf dem Teiche sehen.
+Oft sieht er aus Trunkenheit
+Taumelnd dich in Pfuetzen gehen.
+
+Auch ein Tier--o das ist viel!
+Haelt den Satz fuer wahr und suesse,
+Dass, wer gluecklich leben will,
+Fein das Trinken lieben muesse.
+
+Ente, ists nicht die Natur,
+Die dich stets zum Teiche treibet?
+Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
+Trinke, bis nichts uebrig bleibet.
+
+Ja, du trinkst und singst dazu.
+Neider nennen es zwar schnadern;
+Aber, Ente, ich und du
+Wollen nicht um Worte hadern.
+
+Wem mein Singen nicht gefaellt,
+Mag es immer Schnadern nennen.
+Will uns nur die neidsche Welt
+Als versuchte Trinker kennen.
+
+Aber, wie bedaur ich dich,
+Dass du nur musst Wasser trinken.
+Und wie gluecklich schaetz ich mich,
+Wenn mir Weine dafuer blinken.
+
+Armes Tier, ergib dich drein.
+Lass dich nicht den Neid verfuehren.
+Denn des Weins Gebrauch allein
+Unterscheidet uns von Tieren.
+
+In der Welt muss Ordnung sein.
+Menschen sind von edlern Gaben.
+Du trinkst Wasser, und ich Wein:
+So will es die Ordnung haben.
+
+
+
+Die Faulheit
+
+Fleiss und Arbeit lob ich nicht.
+Fleiss und Arbeit lob ein Bauer.
+Ja, der Bauer selber spricht,
+Fleiss und Arbeit wird ihm sauer.
+Faul zu sein, sei meine Pflicht;
+Diese Pflicht ermuedet nicht.
+
+Bruder, lass das Buch voll Staub.
+Willst du laenger mit ihm wachen?
+Morgen bist du selber Staub!
+Lass uns faul in allen Sachen,
+Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
+Nur nicht faul zur Faulheit sein.
+
+
+
+Die Gespenster
+
+Der Alte
+ O Juengling! sei so ruchlos nicht,
+ Und leugne die Gespenster.
+ Ich selbst sah eins beim Mondenlicht
+ Aus meinem Kammerfenster,
+ Das sass auf einem Leichenstein:
+ Drum muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Juengling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Als meiner Schwester Sohn verschied,
+ (Das sind nunmehr zehn Jahre!)
+ Sah seine Magd, die trefflich sieht,
+ Des Abends eine Bahre,
+ Und oben drauf ein Totenbein:
+ Drum muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Juengling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Und als mein Freund im Treffen blieb,
+ Das Frankreich juengst verloren,
+ Hoert seine Frau, wie sie mir schrieb,
+ Mit ihren eignen Ohren
+ Zu Mitternacht drei Eulen schrein:
+ Drum muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Juengling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ In meinem Keller selbst gehts um.
+ Ich hoer oft ein Gesause;
+ Doch werden die Gespenster stumm,
+ Ist nur mein Sohn zu Hause.
+ Denk nur, sie saufen meinen Wein:
+ Das muessen wohl Gespenster sein.
+
+Der Juengling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wuenscht ich eins davon zu sein.
+
+Der Alte
+ Auch weiss ich nicht, was manche Nacht
+ In meiner Tochter Kammer
+ Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht;
+ Oft bringt mirs Angst und Jammer.
+ Ich weiss das Maedchen schlaeft allein;
+ Drum muessen es Gespenster sein.
+
+Der Juengling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wuenscht ich ihr Gespenst zu sein.
+
+
+
+Die Gewissheit
+
+Ob ich morgen leben werde,
+Weiss ich freilich nicht:
+Aber, wenn ich morgen lebe,
+Dass ich morgen trinken werde,
+Weiss ich ganz gewiss.
+
+
+
+Die Haushaltung
+
+Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
+Zu seiner lieben Ehefrau.
+"Versoffner, unverschaemter Mann"----
+Geduld, mein Kind, ich zieh mich an--
+"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
+Zank du alleine.
+
+"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus!
+Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
+Gott! ich soll so verlassen sein?--
+Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein!
+Mein boeser Teufel ist zu Weine:
+Wir sind alleine."
+
+
+
+Die Kuesse
+
+Der Neid, o Kind,
+Zaehlt unsre Kuesse:
+Drum kuess geschwind
+Ein Tausend Kuesse;
+Geschwind du mich,
+Geschwind ich dich!
+Geschwind, geschwind,
+O Laura, kuesse
+Manch Tausend Kuesse:
+Damit er sich
+Verzaehlen muesse.
+
+
+
+Die Kuesse
+
+Ein Kuesschen, das ein Kind mir schenket,
+Das mit dem Kuessen nur noch spielt,
+Und bei dem Kuessen noch nichts denket,
+Das ist ein Kuss, den man nicht fuehlt.
+
+Ein Kuss, den mir ein Freund verehret,
+Das ist ein Gruss, der eigentlich
+Zum wahren Kuessen nicht gehoeret:
+Aus kalter Mode kuesst er mich.
+
+Ein Kuss, den mir mein Vater giebet,
+Ein wohlgemeinter Segenskuss,
+Wenn er sein Soehnchen lobt und liebet,
+Ist etwas, das ich ehren muss.
+
+Ein Kuss von meiner Schwester Liebe
+Steht mir als Kuss nur so weit an,
+Als ich dabei mit heisserm Triebe
+An andre Maedchen denken kann.
+
+Ein Kuss, den Lesbia mir reichet,
+Den kein Verraeter sehen muss,
+Und der dem Kuss der Tauben gleichet:
+Ja, so ein Kuss, das ist ein Kuss.
+
+
+
+Die Kunstrichter und der Dichter
+
+Die Kunstrichter
+ Ihr Dichter! seid des Stoffes voll,
+ Den eure Muse singen soll:
+ Alsdann geraet das Lied euch wohl.
+
+Der Dichter
+ Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl!
+ Seht her! ich bin des Stoffes voll,
+ Den meine Muse singen soll;
+ Ich bin, ich bin des Weines voll:
+ Und doch geraet kein Lied mir wohl.
+
+Die Kunstrichter
+ Du bist des Stoffes allzu voll,
+ Den deine Muse singen soll:
+ Darum geraet kein Lied dir wohl.
+
+
+
+Die Liebe
+
+Ohne Liebe
+Lebe, wer da kann.
+Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
+Bleibt er doch kein Mann.
+
+Suesse Liebe,
+Mach mein Leben suess!
+Stille nie die regen Triebe
+Sonder Hindernis.
+
+Schmachten lassen
+Sei der Schoenen Pflicht!
+Nur uns ewig schmachten lassen,
+Dieses sei sie nicht.
+
+
+
+Die Musik
+
+Ein Orpheus spielte; rings um ihn,
+Mit lauschendem Gedraenge
+Stand die erstaunte Menge,
+Durchs Ohr die Wollust einzuziehn.
+Ein Trinker kam von ungefaehr,
+Und taumelte den Weg daher.
+Schnell fasst' er sich, blieb horchend stehn,
+Und ward entzueckt, und schriee: Schoen!
+So schoen, als wenn bei meinem wackern Wirte
+Das helle Passglas klirrte!
+
+
+
+Die Mutter
+
+Strenge Phyllis dich zu kuessen,
+Dich ein einzigmal zu kuessen,
+Hab ich dich nicht bitten muessen!
+Und doch darf ich dich nicht kuessen.
+Sagst du? "Meine Mutter spricht:
+Phyllis, Tochter kuesse nicht!"
+Ist es so was Boeses, kuessen?
+Liegt kein Trieb dazu im Blut?
+Doch--weg mit den schweren Schluessen!
+Lass sie warnen! kurz und gut;
+Was geht der die Mutter an,
+Die selbst Mutter werden kann?
+
+
+
+Die Namen
+
+Ich fragte meine Schoene:
+Wie soll mein Lied dich nennen?
+Soll dich als Dorimene,
+Als Galathee, als Chloris,
+Als Lesbia, als Doris,
+Die Welt der Enkel kennen?
+
+Ach! Namen sind nur Toene:
+Sprach meine holde Schoene.
+Waehl selbst. Du kannst mich Doris,
+Und Galathee und Chloris,
+Und--wie du willst mich nennen;
+Nur nenne mich die Deine.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit suessen Grillen sich ergoetzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gruenden schliesst,
+Dass Wein in den Planeten ist:
+Das heisst zu frueh bevoelkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Dass in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schliessen.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit suessen Grillen sich ergoetzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gruenden schliesst,
+Dass Wein in den Planeten ist:
+Das heisst zu frueh bevoelkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Dass in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schliessen.
+
+
+
+Die Redlichkeit
+
+So weit sich laesst die Welt durchwandern,
+Klagt ein verlarvter Schelm dem andern
+Die selbstverschuldte Seltenheit
+Der nie geuebten Redlichkeit.
+
+Und doch flucht ihre Lust zum Schaetzen--
+Da seht die Torheit ihrer Herzen!
+Seht, klagen sie nicht bloss zum Schein?
+Doch fluchen sie auf dich, o Wein!
+
+So klagen, und dem Trinken fluchen,
+Heisst Zwecke sonder Mittel suchen.
+Nun, Brueder, red ich nicht gelehrt?
+Wie man es kaum von Wolfen hoert.
+
+Wer hat die Redlichkeit erhoben
+Ohn unsre Vaeter mit zu loben?
+Ja, ja, die trunken wacker Wein,
+Wie konnten sie nicht redlich sein?
+
+Drum, Brueder, bleibet euern Ahnen,
+Die euch, so oft euch durstt, ermahnen,
+An Treu und Trunke kindlich gleich.
+Trinkt redlich aus und kuesset euch!
+
+
+
+Die Schoene von hinten
+
+Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer
+Dort fuer ein reizend Frauenzimmer?
+Der neuen Tracht Vollkommenheit,
+Der engen Schritte Nettigkeit,
+Die bei der kleinsten Hindrung stocken,
+Der weisse Hals voll schwarzer Locken,
+Der wohlgewachsne schlanke Leib,
+Verraet ein junges artges Weib.
+
+Komm Freund! komm, lass uns schneller gehen,
+Damit wir sie von vorne sehen.
+Es muss, triegt nicht der hintre Schein,
+Die Venus oder Phyllis sein.
+Komm, eile doch!--O welches Gluecke!
+Jetzt sieht sie ungefaehr zuruecke.
+Was wars, das mich entzueckt gemacht?
+Ein altes Weib in junger Tracht.
+
+
+
+Die Sparsamkeit
+
+Von nun an muss ich sparsam werden.
+Warum denn das? Der Wein schlaegt auf.
+So gehts, das Beste dieser Erden
+Erhaelt man nur durch teuren Kauf.
+
+Wer pocht? Ei der verwuenschte Schneider
+Macht mich fast durch sein Mahnen toll.
+Da seht die Menschenliebe! leider,
+Dass man doch stets bezahlen soll.
+
+"Beliebet morgen einzusprechen.
+Die Wechsel laufen spaeter ein."
+Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen.
+Seht! seht! so muss man sparsam sein.
+
+
+
+Die Staerke des Weins
+
+Wein ist staerker als das Wasser:
+Dies gestehn auch seine Hasser.
+Wasser reisst wohl Eichen um,
+Und hat Haeuser umgerissen:
+Und ihr wundert euch darum,
+Dass der Wein mich umgerissen?
+
+
+
+Die Tuerken
+
+Die Tuerken haben schoene Toechter,
+Und diese scharfe Keuschheitswaechter;
+Wer will kann mehr als eine frein:
+Ich moechte schon ein Tuerke sein.
+
+Wie wollt ich mich der Lieb ergeben!
+Wie wollt ich liebend ruhig leben,
+Und--doch sie trinken keinen Wein;
+Nein, nein, ich mag kein Tuerke sein.
+
+
+
+Die Versteinerung
+
+Holz und Beine
+Werden Steine
+Durch des Wassers Kraft.
+Werden Holz und Beine
+Durch des Wassers Kraft,
+Werden die zu Steine:
+Sagt, ihr Wasserfreunde,
+Sagt, ihr Rebenfeinde,
+Werden eure Herzen
+Nicht versteinert sein?
+
+Mark und Beine
+Fuehlen, Weine,
+Eures Feuers Kraft.
+Wenn mein Liebster trinket,
+Trinkt er Rebensaft,
+Bis er sich betrinket.
+Sollt ich ihn nicht lieben?
+Ja, ich will ihn lieben,
+Weil sein Herz erhitzet,
+Nicht versteinert wird.
+
+C***
+
+
+
+Die Wetterprophezeiung
+
+Das Wetter ist veraenderlich,
+Veraenderlich, wie meine Schoenen.
+Umsonst, o Freund, bemueht man sich,
+Nach Regeln beide zu gewoehnen.
+Drum lass dein Wetterprophezein,
+Wie ich mein treues Lieben, sein.
+
+Doch, kannst du deiner Wissenschaft,
+Gelehrter Wolkenseher! trauen:
+Wohl gut! so lass von ihrer Kraft
+Mich stracks ein kleines Beispiel schauen.
+Du sollst--du sollst mir prophezein:
+Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*
+
+L.
+
+* Ja!
+
+
+
+Die drei Reiche der Natur
+
+Ich trink, und trinkend faellt mir bei,
+Warum Naturreich dreifach sei.
+Die Tier und Menschen trinken, lieben,
+Ein jegliches nach seinen Trieben:
+Delphin und Adler, Floh und Hund
+Empfindet Lieb und netzt den Mund.
+Was also trinkt und lieben kann,
+Wird in das erste Reich getan.
+
+Die Pflanze macht das zweite Reich,
+Dem ersten nicht an Guete gleich:
+Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;
+Wenn Wolken traeufelnd niedersinken,
+So trinkt die Zeder und der Klee,
+Der Weinstock und die Aloe.
+Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,
+Wird in das zweite Reich getan.
+
+Das Steinreich macht das dritte Reich;
+Und hier sind Sand und Demant gleich:
+Kein Stein fuehlt Durst und zarte Triebe,
+Er waechset ohne Trunk und Liebe.
+Drum, was nicht liebt noch trinken kann,
+Wird in das letzte Reich getan.
+Denn ohne Lieb und ohne Wein,
+Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.
+
+
+
+Die luegenhafte Phyllis
+
+Mein Damon spricht:
+Kind, luege nicht!
+Sonst werd ich strafen muessen,
+Und dich zur Strafe kuessen.
+Er droht mir, sieht verdruesslich aus,
+Und strafet mich schon im voraus.
+
+Sonst log ich nicht.
+Nur seit er spricht:
+Du sollst mir fein mit Kuessen
+Die losen Luegen buessen,
+Red ich kein wahres Woertchen mehr.
+Nun, Schwestern, sagt, wo koemmt das her?
+
+
+
+Die lehrende Astronomie
+
+Dank sei dem Schoepfer, der mein Haupt
+Auf hohe feste Schultern baute,
+Und mir die Pracht zu sehn erlaubt,
+Die nie ein haengend Tieraug schaute!
+Hier lern ich mich und ihn erkennen,
+Und hier mich nichts, ihn alles nennen.
+Was bin ich? Ich bin gross genung,
+Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen.
+Mein Wissen ist Verwunderung;
+Mein Leben leichter Blitze Brennen.
+Und so ein Nichts, verblendte Toren,
+Soll sein zum Herrn der Welt geboren?
+
+Der Stolz, der Torheit Eigentum,
+Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne;
+Die Demut ist des Weisen Ruhm,
+Und die lernt er bei euch, ihr Sterne!
+Und wird nur gross, weil er euch kennet,
+Und euern Gott auch seinen nennet.
+
+Auch wenn sein Unglueck ihn den Weg,
+Den harten Weg der Pruefung fuehret,
+Und wenn, auf dem einsamen Steg,
+Sich Lieb und Freund von ihm verlieret,
+Lernt er bei euch, durch suesse Grillen,
+Oft allzuwahre Schmerzen stillen.
+
+O Tugend! reizend Hirngedicht,
+Erdachte Zierde unsrer Seelen!
+Die Welt, o Tugend, hat dich nicht:
+Doch wirst du auch den Sternen fehlen?
+Nein, starbst du gleich bei uns im Abel,
+Du selbst bist viel zu schoen zur Fabel.
+
+Dort seh ich, mit erstauntem Blick,
+Ein glaenzend Heer von neuen Welten;
+Getrost, vielleicht wird dort das Glueck
+So viel nicht, als die Tugend, gelten.
+Vielleicht dort in Orions Grenzen
+Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glaenzen!
+
+"Das Uebel", schreit der Aberwitz,
+"Hat unter uns sein Reich gewonnen."
+Wohl gut, doch ist des Guten Sitz
+In ungezaehlten groessern Sonnen.
+Der Dinge Reihen zu erfuellen,
+Schuf jenes Gott mit Widerwillen.
+
+So, wie den Kenner der Natur
+Auch Quarz und Eisenstein vergnuegen,
+Nicht Gold- und Silberstufen nur
+In Faechern, voller Luecken, liegen:
+So hat das Uebel Gott erlesen
+Der Welt zur Fuellung, nicht zum Wesen.
+
+O nahe dich, erwuenschte Zeit,
+Wo ich, frei von der Last der Erde,
+In wachsender Glueckseligkeit,
+Einst bessre Welten sehen werde!
+O Zeit, wo mich entbundne Schwingen
+Von einem Stern zum andern bringen!
+
+Gedanken! fliehet nur voran!
+Verirrt euch in den weiten Sphaeren,
+Bis ich euch selber folgen kann.
+Wie lang, Geschick, wird es noch waehren!
+O Lust, hier seh ich schon die Kreise,
+Die Wege meiner ewgen Reise!
+
+Drum kraenkt der blinde Damon sich
+Nur in der Nacht um sein Gesichte.
+Geruhig, Tag, vermisst er dich,
+Und deine Eitelkeit im Lichte;
+Und wuenscht sich, von der Weltlust ferne,
+Ein fuehlend Aug nur fuer die Sterne.
+
+O selge Zeit der stillen Nacht,
+Wo Neid und Bosheit schlafend liegen,
+Und nur ein frommes Auge wacht,
+Und sucht am Himmel sein Vergnuegen!
+Gott sieht die Welt in diesen Stunden,
+Und spricht, ich hab sie gut gefunden!
+
+Berlin.
+L.
+
+
+
+Die schlafende Laura
+
+Nachlaessig hingestreckt,
+Die Brust mit Flor bedeckt,
+Der jedem Lueftchen wich,
+Das saeuselnd ihn durchstrich,
+Liess unter jenen Linden
+Mein Glueck mich Lauren finden.
+Sie schlief und weit und breit
+Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden,
+Aus missvergnuegter Traurigkeit,
+Von Lauren nicht gesehn zu werden.
+Sie schlief, und weit und breit
+Erschallten keine Nachtigallen,
+Aus weiser Furchtsamkeit,
+Ihr minder zu gefallen,
+Als ihr der Schlaf gefiel,
+Als ihr der Traum gefiel,
+Den sie vielleicht itzt traeumte,
+Von dem, ich hoff' es, traeumte,
+Der staunend bei ihr stand,
+Und viel zu viel empfand,
+Um deutlich zu empfinden,
+Um noch es zu empfinden,
+Wie viel er da empfand.
+Ich liess mich sanfte nieder,
+Ich segnete, ich kuesste sie,
+Ich segnete, und kuesste wieder:
+Und schnell erwachte sie,
+Schnell taten sich die Augen auf.
+Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.
+
+
+
+Die schlimmste Frau
+
+Die Weiber koennen nichts als plagen.
+Der Satz sagt viel und ist nicht neu.
+Doch, Freunde, koennt ihr mir nicht sagen,
+Welch Weib das schlimmste sei?
+
+Ein Weib, das mit dem Manne scherzet
+Wie ein gebildter Marmorstein,
+Das ohne Glut und Reiz ihn herzet,
+Das kann kein gutes sein.
+
+Ein Weib, das wie ein Drache geizet,
+Und gegen Kind und Magd genau,
+Den Dieb, mich zu bestehlen reizet,
+O eine schlimme Frau!
+
+Ein Weib, das gegen alle lachet,
+In Liebesstreichen frech und schlau
+Uns taeglich neue Freunde machet,
+O eine schlimmre Frau!
+
+Ein Weib, das nichts als bet und singet,
+Und bei der Kinder Zeitvertreib
+Mit Seufzen ihre Haende ringet,
+O ein noch schlimmer Weib!
+
+Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte,
+(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?)
+Den Mann sich gern zum Sklaven machte,
+Das muss ein Teufel sein!
+
+Ein Weib, das ihrem Manne fluchet,
+Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein,
+Wie heimlich sie Liebhaber, suchet,
+Das muss--ein Weibsbild sein!
+
+
+
+Die verschlimmerten Zeiten
+
+Anakreon trank, liebte, scherzte,
+Anakreon trank, spielte, herzte,
+Anakreon trank, schlief, und traeumte
+Was sich zu Wein und Liebe reimte:
+Und hiess mit Recht der Weise.
+
+Wir Brueder trinken, lieben, scherzen,
+Wir Brueder trinken, spielen, herzen,
+Wir Brueder trinken, schlafen, traeumen,
+Wozu sich Wein und Liebe reimen:
+Und heissen nicht die Weisen.
+
+Da seht den Neid von unsern Zeiten!
+Uns diesen Namen abzustreiten!
+O Brueder, lernet hieraus schliessen,
+Dass sie sich stets verschlimmern muessen;
+Sie nennen uns nicht weise.
+
+
+
+Die wider den Caesar verschworne Helden
+
+Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.
+
+Cassius.
+ Jetzt, Helden, lasst uns ruehmlich sterben,
+ Eh Rom noch Koenigsfesseln traegt.
+ Wer sollte nicht mit Lust verderben,
+ Wenn ihn der Staat mit niederschlaegt?
+
+Decimus.
+ Ja--aber ohne Rache sterben,
+ Und ohne Nutz dem Vaterland--
+ Freund, das heisst poebelhaft verderben.
+ Und wozu haett ich Mut und Hand?
+
+Cassius.
+ O Brutus! voller tiefen Sorgen
+ Seh ich dein Herz fuer Rom zerteilt.
+ O Freund! noch einen freien Morgen,
+ So hat die Knechtschaft uns ereilt.
+
+Brutus.
+ Wenn Caesar Rom will unterdruecken,
+ Muss Brutus ihn zur Strafe ziehn.
+ Ich will den Dolch ins Herz ihm druecken:
+ Mit Zittern zwar, doch drueck ich ihn.
+
+Cassius.
+ Du? deinem Freunde? Brutus! Goetter!
+ Rom steht, wenn Brutus Brutus ist.
+ Schon war ein Brutus Roms Erretter;
+ Komm! zeige, dass du beide bist.
+
+Cimber.
+ Auch ich will alles mit euch wagen;
+ Auch ich muss ohne Koenig sein.
+ Denn koennt ich einen Herrn ertragen,
+ Ertrueg ich allererst den Wein.
+
+
+
+Eine Gesundheit
+
+Trinket Brueder, lasst uns trinken
+Bis wir berauscht zu Boden sinken;
+Doch bittet Gott den Herren,
+Dass Koenige nicht trinken.
+
+Denn da sie unberauscht
+Die halbe Welt zerstoeren,
+Was wuerden sie nicht tun,
+Wenn sie betrunken waeren?
+
+
+
+Fuer wen ich singe
+
+Ich singe nicht fuer kleine Knaben,
+Die voller Stolz zur Schule gehn,
+Und den Ovid in Haenden haben,
+Den ihre Lehrer nicht verstehn.
+
+Ich singe nicht fuer euch, ihr Richter,
+Die ihr voll spitzger Gruendlichkeit
+Ein unertraeglich Joch dem Dichter,
+Und euch die Muster selber seid.
+
+Ich singe nicht den kuehnen Geistern,
+Die nur Homer und Milton reizt;
+Weil man den unerschoepften Meistern
+Die Lorbeern nur umsonst begeizt.
+
+Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,
+Fuer dich, mein deutsches Vaterland.
+Ich fuerchte jene Laesterzungen,
+Die dich bis an den Pol verbannt.
+
+Ich singe nicht fuer fremde Reiche.
+Wie kaem mir solch ein Ehrgeiz ein?
+Das sind verwegne Autorstreiche.
+Ich mag nicht uebersetzet sein.
+
+Ich singe nicht fuer fromme Schwestern,
+Die nie der Liebe Reiz gewinnt,
+Die, wenn wir munter singen, laestern,
+Dass wir nicht alle Schmolken sind.
+
+Ich singe nur fuer euch, ihr Brueder,
+Die ihr den Wein erhebt, wie ich.
+Fuer euch, fuer euch sind meine Lieder.
+Singt ihr sie nach: o Glueck fuer mich!
+
+Ich singe nur fuer meine Schoene,
+O muntre Phyllis, nur fuer dich.
+Fuer dich, fuer dich sind meine Toene.
+Stehn sie dir an, so kuesse mich.
+
+
+
+Heldenlied der Spartaner
+
+In drei Choeren.
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER MAeNNER.
+ Sind wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER JUeNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+CHOeRE DER MAeNNER UND JUeNGLINGE.
+ Waret ihr!
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Das leugne, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER MAeNNER.
+ Sind wir!
+
+CHOeRE DER ALTEN UND JUeNGLINGE.
+ Seid ihr!
+
+CHOR DER MAeNNER.
+ Versuch uns, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Maenner
+
+CHOR DER JUeNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+CHOeRE DER ALTEN UND MAeNNER.
+ Werdet ihr!
+
+CHOR DER JUeNGLINGE.
+ Noch tapfrer, als ihr!
+
+
+
+Ich
+
+Die Ehre hat mich nie gesucht;
+Sie haette mich auch nie gefunden.
+Waehlt man, in zugezaehlten Stunden,
+Ein praechtig Feierkleid zur Flucht?
+
+Auch Schaetze hab ich nie begehrt.
+Was hilft es sie auf kurzen Wegen
+Fuer Diebe mehr als sich zu hegen,
+Wo man das wenigste verzehrt?
+
+Wie lange waehrt's, so bin ich hin,
+Und einer Nachwelt untern Fuessen?
+Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
+Weiss ich nur, wer ich bin.
+
+Wittenberg den 11. Okt. 1752.
+
+
+
+Jungfer Lieschens Knie
+
+Schautest du denn nie
+Jungfer Lieschens Knie?
+Jungfer Lieschens Fingerhut
+Ist zu allen Dingen gut!
+
+1. Griechisch
+ Ouc ebleyaV su
+ ParJenou gonu;
+ ParJenou dactulitron
+ 'Esti proV panta calon.
+
+2. Lateinisch
+ Non vidisti tu
+ Virginis genu?
+ Virginis dactylitrum
+ Est ad omnia bonum.
+
+3. Englaendisch
+ Did you never see
+ Mistriss Betty's knee?
+ What you Betty's thimble call
+ That is very good for all.
+
+
+
+Kuessen und Trinken
+
+Maegdgen, lass mich dich doch kuessen!
+Zaudre nicht, sonst wirst du muessen.
+ Hurtig! hurtig schenkt mir ein!
+ Auf das Kuessen schmeckt der Wein!
+
+Dieser Wein hat Geist und Feuer.
+Maegdgen tu doch etwas freier.
+ Goenn mir vorigen Genuss:
+ Auf das Trinken schmeckt ein Kuss!
+
+
+
+Lied
+
+(1748)
+
+Ehret, Brueder, meine Schoene,
+Ehrt die gallische Helene!
+Bacchus selber ehret sie.
+Juengst an ihrer stolzen Rechte,
+Als er mit uns beiden zechte,
+Ward er, denn sie schenkt' ihm ein,
+Voller noch von Lieb als Wein.
+
+
+
+Lied aus dem Spanischen
+
+Gestern liebt ich,
+Heute leid ich,
+Morgen sterb ich:
+Dennoch denk ich
+Heut und morgen
+Gern an gestern.
+
+
+
+Lob der Faulheit
+
+Faulheit, itzo will ich dir
+Auch ein kleines Loblied bringen.
+O--wie--sau--er--wird es mir,--
+Dich--nach Wuerden--zu besingen!
+Doch, ich will mein Bestes tun,
+Nach der Arbeit ist gut ruhn.
+
+Hoechstes Gut! wer dich nur hat,
+Dessen ungestoertes Leben--
+Ach!--ich--gaehn--ich--werde matt--
+Nun--so--magst du--mirs vergeben,
+Dass ich dich nicht singen kann;
+Du verhinderst mich ja dran.
+
+
+
+Nach der 15. Ode Anakreons
+
+Was frag ich nach dem Grosssultan,
+Und Mahomets Gesetzen?
+Was geht der Perser Schach mich an,
+Mit allen seinen Schaetzen?
+
+Was sorg ich ihrer Kriegesart,
+Und ihrer Treffen halben?
+Kann ich nur meinen lieben Bart
+Mit Spezereien salben.
+
+Kann ich nur mein gesalbtes Haupt
+Mit Rosen stolz umschliessen,
+Und wenn mir sie ein Maedchen raubt,
+Das Maedchen strafend kuessen.
+
+Ein Tor sorgt fuer die kuenftge Zeit.
+Fuer heute will ich sorgen.
+Wer kennt, mit weiser Gruendlichkeit,
+Den ungewissen Morgen?
+
+Was soll ich hier, so lang ich bin,
+Mich um die Zukunft kraenken?
+Ich will mit kummerlosem Sinn
+Auf Wein und Liebe denken.
+
+Denn ploetzlich steht er da, und spricht,
+Der grimme Tod: "Von dannen!
+Du trinkst, du kuessest laenger nicht!
+Trink aus! kuess aus! Von dannen!"
+
+
+
+Niklas
+
+Mein Esel sicherlich
+Muss klueger sein, als ich.
+Ja, klueger muss er sein!
+Er fand sich selbst in Stall hinein,
+Und kam doch von der Traenke.
+Man denke!
+
+
+
+Phillis
+
+(1746)
+
+Wenn der finstre Damon spricht,
+Amor sei ein Ungeheuer,
+Seine Glut ein hoellisch Feuer!
+O so fuercht ich Amorn nicht.
+
+Aber hebt mein Thirsis an,
+Amor sei ein Kind zum Kuessen,
+Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen:
+O wie fuercht ich Amorn dann!
+
+
+
+Phyllis an Damon
+
+Lehre mich, o Damon, singen,
+Singen, wie du trunken singst.
+Lass auch mich dir Lieder bringen,
+Wie du mir begeistert bringst.
+Wie du mich willst ewig singen,
+Moecht auch ich dich ewig singen.
+
+Durch des Weines Feuerkraefte,
+Nur durch sie singst du so schoen.
+Aber diese Goettersaefte
+Darf ich schmachtend nur besehn.
+Dir riet Venus Wein zu trinken,
+Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.
+
+Was wird nun mein Lied beleben,
+Kann es dieser Trank nicht sein?--
+Wie? Du willst mir Kuesse geben,
+Kuesse, feuriger, als Wein?--
+Damon, ach! nach deinen Kuessen
+Werd ich wohl verstummen muessen.
+
+
+
+Phyllis lobt den Wein
+
+Seht, mein Damon tanzt und springet!
+Seht, wie wiegt er Leib und Fuss!
+Seht, mein Damon lacht und singet,
+Singt von Ruhe, Wein und Kuss.
+Seht, wie Mund und Augen gluehn!
+Wir beleben uns durch ihn.
+
+Hoert die ungezwungnen Scherze!
+Hoert, die Liebe scherzt durch ihn!
+Wie die Daemmrung vor der Kerze
+Seht die Schwermut vor ihm fliehn.
+Seht, er taumelt, wankt im Gehn,
+Seht, sogar er taumelt schoen.
+
+Seht, wie locken seine Lippen!
+Seht, wie glueht sein Mund so rot!
+Machet mich, ihr roten Lippen,
+Macht mich halbgezwungen rot!
+Ja, er koemmt, er kuesset mich.
+O wie feurig kuesst er mich!
+
+Wein, du Wein hast ihn begeistert,
+Du teilst ihm dein Feuer mit.
+Durch dich kuesst er so begeistert,
+Und teilt mir sein Feuer mit.
+Drum soll, wie von ihm, der Wein
+Auch von mir vergoettert sein!
+
+
+
+Refutatio Papatus
+
+Nein, nein! durchaus ich glaube nicht,
+Was Petri falscher Folger spricht;
+Dass jene Buecher goettlich waeren,
+Die, zu der Juden steten Ehren,
+Uns von des Maccabaeus Helden
+Und ihren heilgen Schlachten melden.
+
+Hoert meinen neu erfundnen Grund!
+Es machte mir der Wein ihn kund;
+Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet.
+Oh, dass ihr Theologen streitet,
+Und streitet, ohne Wein zu trinken!
+So muesst ihr stets in Irrtum sinken.
+
+Der Schluss* von diesen Buechern sagt:
+(Worueber Wein und Wahrheit klagt)
+"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen,
+Das bringet eklen Widerwillen.
+Bald Wasser, und bald Wein geniessen,
+Das muss uns den Gebrauch versuessen."
+
+Was gilts? wer luegt, ist nicht von GOtt.
+Haha! Herr Papst! ihr werdet rot,
+Und seht die Wahrheit meiner Saetze.
+Oh, wenn ich mich im Wein ergetze,
+Glaubt ihr, ich wuenscht ihn einst zu lassen?
+Ich muesste meine Wohlfahrt hassen.
+
+L.
+
+* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern
+zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d.
+Makkab. 15. Kap. 40. V.
+
+
+
+Salomon
+
+Lobt mir Davids weisen Sohn!
+Auch bei Lieb und Wein und Scherzen
+War er doch nach Gottes Herzen.
+Brueder, lobt den Salomon.
+Brueder, lasst sein Lob erschallen!
+Doch vor allen
+Lobt mir seinen weisen Schluss:
+Wer viel lernt hat viel Verdruss!
+
+Dieses lasst mir Wahrheit sein!
+Diese Wahrheit stets zu lieben
+Hat mich die Natur getrieben,
+Die Natur und Lieb und Wein.
+Ehrt mit mir den weisen Koenig!
+Lernet wenig!
+Brueder, und erwaegt den Schluss:
+Wer viel lernt hat viel Verdruss!
+
+
+
+Trinklied
+
+Voll, voll, voll,
+Freunde, macht euch voll!
+Wein, Wein, Wein,
+Freunde, schenkt ihn ein!
+Kuesst, kuesst, kuesst,
+Die euch wieder kuesst!
+Voll von Wein,
+Voll von Liebe,
+Voll von Wein und Liebe,
+Freunde, voll zu sein,
+Kuesst und schenket ein!
+
+
+
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+
+Alten, alt zu unsrer Pein,
+Denen von der Lust im Lieben,
+Von der Jugend, von dem Wein,
+Das Erinnern kaum geblieben;
+Weibern, die der Taufschein drueckt,
+Wenn ihr Reiz der sonst entzueckt,
+Sonst gestritten, sonst gesiegt,
+Unter Schichten Runzeln liegt;
+Dichtern, die den Wein nicht loben,
+Die die Liebe nicht erhoben;
+Maegdchen, die nicht Gleimen kennen,
+Rosten nicht vortrefflich nennen;
+Weisen, die mit leeren Grillen
+Leere Koepfe strotzend fuellen;
+Maennern, die die Sitten lehren,
+Und dich, Molier, nicht ehren,
+Stolz auf ihr Systema sehn,
+Und dich muntern Schauplatz schmaehn;
+Handelsleuten, die das Geld,
+Und ihr Stolz zu Fuersten stellt;
+Falschen Priestern, die die Tugend,
+Mir nicht munter wie die Jugend,
+Mir nicht schmackhaft, mir nicht suesse,
+Wie den Wein, und wie die Kuesse,
+Mir nicht reizend, wie die Strahlen,
+Aus der Phyllis Augen malen;
+Stutzern, deren weisser Scheitel,
+Deren reich und witzge Tracht,
+Dummgelobte Schoenen eitel,
+Und zu ihresgleichen macht;
+Unversuchten stolzen Kriegern;
+Aufgeblasnen Federsiegern;
+Aeltlichklugen jungen Leuten;
+Seufzenden nach bessern Zeiten;
+Schwermutsvollen Gallenchristen;
+Allen Narren, die sich isten;
+Zum Exempel, Pietisten;
+Zum Exempel, Atheisten;
+Zum Exempel, Rabulisten;
+Operisten und Chymisten;
+Quietisten und Sophisten;
+Und nicht wenigen Juristen;
+Publizisten und Statisten;
+Und nicht wenigen Linguisten;
+Und nicht wenigen Stylisten;
+Und nicht wenig Komponisten----
+O der Atem will mir fehlen
+Alle Narren zu erzaehlen----
+Allen, die mich tadelnd hassen,
+Die mein Leben voller Freude
+Mich nicht, aus verstelltem Neide,
+Ungestoert geniessen lassen;
+Diesen Toren, diesen allen
+Mag ich ** nicht gefallen,
+Mag ich, sag ich, nicht gefallen.
+
+*
+
+Alten, die der Wein verjuengt,
+Die mit zitternd schwachen Toenen,
+Wenn die Jugend munter singt,
+Ihr noch gleich zu sein sich sehnen;
+Weibern, die, was an sich zieht,
+Reiz und Jugend noch nicht flieht,
+Die des Schicksals harte Hand
+Weibschen Maennern zugewandt;
+Jungen Witwen, die sich graemen
+Flor und Trauer um zu nehmen,
+Und mit schwergereizten Zaehren
+Nur den andern Mann begehren;
+Dichtern, die wie Dichter kuessen,
+Nichts als sich zu freuen wissen;
+Dichtern, die wie Dichter zechen,
+Nie versagten Beifall raechen;
+Dichtern, die bei Kuss und Wein
+Miltons lassen Miltons sein;
+Dichtern, die im Scherze stark,
+Mit Geschichten voller Mark,
+Muntern Maegdchen munter lehren,
+Was die Muetter ihnen wehren;
+Dichtern, die mich spottend bessern,
+Kleine Fehlerchen vergroessern,
+Dass ich sie in ihrem Spiele
+Desto laecherlicher fuehle;
+Rednern, die stark im Verstellen
+Uns vergnuegend hintergehn,
+Wenn wir sie in zwanzig Faellen
+Zwanzigmal nicht selber sehn,
+Bald als Unglueckshelden sprechen,
+Bald die Tugend spottend raechen,
+Bald als Koenige befehlen,
+Bald als alte Maenner schmaelen;
+Kuenstlern, die auf Zaubersaiten
+Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten,
+Und mit heilsam falschen Leide
+Daempfen uebermaessge Freude;
+Federbueschen, die nicht prahlen;
+Reichen, welche reich bezahlen;
+Kriegern, die ihr Leben wagen;
+Armen, welche nicht verzagen;
+Allen liebenswuerdgen Maegdchen,
+Liebenswuerdgen weissen Maegdchen,
+Liebenswuerdgen braunen Maegdchen,
+Liebenswuerdgen stillen Maegdchen,
+Liebenswuerdgen muntern Maegdchen,
+Waeren es gleich Buergermaegdchen,
+Waeren es gleich Kaufmannsmaegdchen,
+Waeren es gleich Priestermaegdchen,
+Waeren es gleich Karnmermaegdchen,
+Waeren es gleich Bauermaegdchen,
+Wenn sie nur die Liebe fuehlen,
+Lachen, scherzen, kuessen, spielen;
+Diesen, Freunde, diesen allen
+Wuensch ich ** zu gefallen,
+Wuensch ich, sag ich, zu gefallen.
+
+
+
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+(1753)
+
+Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen
+Die Wissbegier, dich, ihren Held?
+Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren
+Zur kuenftgen, nicht zur neuen Welt.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder, von Gotthold Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING ***
+
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+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
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+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
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+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
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+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
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+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
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+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
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index 0000000..67b4df6
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+++ b/old/7ldrv10.zip
Binary files differ
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+++ b/old/8ldrv10.txt
@@ -0,0 +1,2989 @@
+The Project Gutenberg EBook of Lieder von Lessing, by Gotthold Ephraim Lessing
+
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Lieder von Lessing
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Release Date: November, 2004 [EBook #6822]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 27, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: iso-latin-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING ***
+
+
+
+
+Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
+German books in London.
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 8-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
+
+
+
+
+Lieder von Lessing
+
+Gotthold Ephraim Lessing
+
+
+alphabetisch nach Titeln sortiert
+
+Alexander
+An Amor
+An den Anakreon
+An den Horaz
+An den Wein
+An die J. L***
+An die Kunstrichter
+An die Leier
+An die Schwalbe
+An eine kleine Schöne
+Antwort eines trunknen Dichters
+Auf sich selbst
+Das Alter
+Das Bild an Hrn. H.
+Das Erdbeben
+Das Leben
+Das Paradies
+Das Schäferleben
+Das Umwechseln
+Das aufgehobene Gebot
+Der Donner
+Der Faule
+Der Fehler
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+Der Flor
+Der Genuß
+Der Geschmack der Alten
+Der Handel
+Der Irrtum
+Der Regen
+Der Schiffbruch
+Der Schlaf
+Der Sommer
+Der Sonderling
+Der Tabak
+Der Tausch an Hr. W.
+Der Tod
+Der Verlust
+Der Vetter und die Muhme
+Der Wunsch
+Der alte und der junge Wein
+Der bescheidene Wunsch
+Der größte Mann
+Der müßige Pöbel
+Der neue Welt-Bau
+Der philosophische Trinker
+Der schwörende Liebhaber
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+Die 47ste Ode Anakreons
+Die Abwechslung
+Die Antwort
+Die Beredsamkeit
+Die Betrübnis
+Die Biene
+Die Diebin
+Die Einwohner des Mondes
+Die Ente
+Die Faulheit
+Die Gespenster
+Die Gewißheit
+Die Haushaltung
+Die Küsse
+Die Küsse
+Die Kunstrichter und der Dichter
+Die Liebe
+Die Musik
+Die Mutter
+Die Namen
+Die Planetenbewohner
+Die Redlichkeit
+Die Schöne von hinten
+Die Sparsamkeit
+Die Stärke des Weins
+Die Türken
+Die Versteinerung
+Die Wetterprophezeiung
+Die drei Reiche der Natur
+Die lügenhafte Phyllis
+Die lehrende Astronomie
+Die schlafende Laura
+Die schlimmste Frau
+Die verschlimmerten Zeiten
+Die wider den Cäsar verschworne Helden
+Eine Gesundheit
+Für wen ich singe
+Heldenlied der Spartaner
+Ich
+Jungfer Lieschens Knie
+Küssen und Trinken
+Lied
+Lied aus dem Spanischen
+Lob der Faulheit
+Nach der 15. Ode Anakreons
+Niklas
+Phillis
+Phyllis an Damon
+Phyllis lobt den Wein
+Refutatio Papatus
+Salomon
+Trinklied
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+
+
+
+Alexander
+
+Der Weise sprach zu Alexandern.
+"Dort, wo die lichten Welten wandern,
+Ist manches Volk, ist manche Stadt."
+Was tut der Mann von tausend Siegen?
+Die Memme weint, daß dort zu kriegen,
+Der Himmel keine Brücken hat.
+
+Ists wahr, was ihn der Weise lehret,
+Und finden, was zur Welt gehöret,
+Daselbst auch Wein und Mädchen statt:
+So lasset, Brüder, Tränen fließen,
+Daß dort zu trinken und zu küssen,
+Der Himmel keine Brücken hat.
+
+
+
+An Amor
+
+Amor, soll mich dein Besuch
+Einst erfreuen--
+O so lege dein Gefieder
+Und die ganze Gottheit nieder.
+Diese möchte mich erschrecken,
+Jenes möchte Furcht erwecken,
+Furcht, nach flatterhaften Küssen,
+Meine Phyllis einzubüßen.
+Komm auch ohne Pfeil und Bogen,
+Ohne Fackel angezogen...
+Stelle dich, um mir lieb zu sein,
+Als ein junger Satyr ein.
+
+
+
+An den Anakreon
+
+Anakreon singt, alles fühlet:
+Und alles gähnt wenn Codrus spielet.
+Anakreon, sprich, wie man spielt,
+Daß niemand gähnt, daß alles fühlt.
+
+Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,
+Die mich in Bacchus Laube schicken,
+Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.
+Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!
+
+
+
+An den Horaz
+
+Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse,
+Entflammt von unserm Gott, dem Wein,
+Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse,
+Dich tiefer als zehn Bentleys ein.
+
+Dann fühl ich sie, die süßen Küsse,
+Die ein barbarscher Biß verletzt,
+Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,
+Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.*
+
+Dann fühl ich, mehr als ich kann sagen
+Die Göttin, durch die Laura küßt,
+Wie sie sich Amathunts entschlagen,
+Und ganz in mich gestürzet ist.**
+
+Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;
+Und Laura löscht die Phyllis aus.
+Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet;
+Denn Laura hält mich ab vom Schmaus.
+
+*--dulcia barbare
+Laedentem oscula, quae Venus
+Quincta parte sui Nectaris imbuit.
+
+**–-in me tota ruens Venus
+Cyprum deseruit.
+
+
+
+An den Wein
+
+Wein, wenn ich dich itzo trinke,
+Wenn ich dich als Jüngling trinke,
+Sollst du mich in allen Sachen
+Dreist und klug, beherzt und weise,
+Mir zum Nutz, und dir zum Preise,
+Kurz, zu einem Alten machen.
+
+Wein, werd ich dich künftig trinken,
+Werd ich dich als Alter trinken,
+Sollst du mich geneigt zum Lachen,
+Unbesorgt für Tod und Lügen,
+Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen,
+Kurz, zu einem Jüngling machen.
+
+
+
+An die J. L***
+
+Natürlichs Ebenbild der Liebe!
+Nimm hier dein künstlich Ebenbild;
+Das, wenn man dich auch drüber schriebe,
+Doch seines Meisters Schwäche schilt.
+Dem Maler laß es nicht entgelten,
+Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:
+Nur auf das Urbild mußt du schelten,
+Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.
+Dich, ähnlichstes von allen Bildern,
+Hat die Natur hervorgebracht:
+Jedoch wie kann ein Künstler schildern,
+Was die Natur vollkommen macht?
+
+
+
+An die Kunstrichter
+
+Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
+Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
+Tut mir es nach, und trinket Wein,
+So seht ihr meine Schönheit ein.
+Sonst wahrlich, unberauschte Richter,
+Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!
+
+
+
+An die Leier
+
+Töne, frohe Leier,
+Töne Lust und Wein!
+Töne, sanfte Leier,
+Töne Liebe drein!
+
+Wilde Krieger singen,
+Haß und Rach und Blut
+In die Laute singen,
+Ist nicht Lust, ist Wut.
+
+Zwar der Heldensänger
+Sammelt Lorbeern ein;
+Ihn verehrt man länger;
+Lebt er länger? Nein.
+
+Er vergräbt im Leben
+Sich in Tiefsinn ein:
+Um erst dann zu leben,
+Wann er Staub wird sein.
+
+Lobt sein göttlich Feuer,
+Zeit und Afterzeit!
+Und an meiner Leier
+Lobt die Fröhlichkeit.
+
+
+
+An die Schwalbe
+
+Die 12te Ode Anakreons.
+
+Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,
+Was tu ich dir? wie straf ich dich?
+Soll ich dich um die Schwingen
+Mit meiner Schere bringen?
+Soll ich, zu deiner Pein,
+Ein andrer Tereus sein?
+Und willst du gern der Progne gleichen?
+Mußt du, zu frühe Schwätzerin,
+Mußt du von meiner Schäferin
+Mir meinen schönen Traum verscheuchen?
+
+
+
+An eine kleine Schöne
+
+Kleine Schöne, küsse mich.
+Kleine Schöne, schämst du dich?
+Küsse geben, Küsse nehmen,
+Darf dich itzo nicht beschämen.
+Küsse mich noch hundertmal!
+Küß und merk der Küsse Zahl.
+Ich will dir, bei meinem Leben!
+Alle zehnfach wiedergeben,
+Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist,
+Und du zehn Jahr älter bist.
+
+
+
+Antwort eines trunknen Dichters
+
+Ein trunkner Dichter leerte
+Sein Glas auf jeden Zug;
+Ihn warnte sein Gefährte:
+Hör auf! du hast genug.
+Bereit vom Stuhl zu sinken,
+Sprach der: Du bist nicht klug;
+Zu viel kann man wohl trinken,
+Doch nie trinkt man genug.
+
+
+
+Auf sich selbst
+
+Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
+Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
+Ich habe nicht stets Lust zu denken;
+Kurzum, nicht immer zu studieren.
+
+Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
+Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
+Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;
+Kurz, allezeit vergnügt zu leben.
+
+Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?
+Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
+Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.
+
+Was ihr tut, ist des Alters Folge.
+Was ich tu, will die Jugend haben.
+Ich gönn euch eure Lust von Herzen.
+Wollt ihr mir nicht die meine gönnen?
+
+
+
+Das Alter
+
+Nach der 11ten Ode Anakreons.
+
+Euch, lose Mädchen, hör ich sagen:
+"Du bist ja alt, Anakreon.
+Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
+Sieh, deine Haare schwinden schon;
+Und von den trocknen Wangen
+Ist Blüt und Reiz entflohn."--
+Wahrhaftig! ob die Wangen
+Noch mit dem Lenze prangen,
+Wie, oder ob den Wangen
+Der kurze Lenz vergangen,
+Das weiß ich nicht; doch was ich weiß,
+Will ich euch sagen: daß ein Greis,
+Sein bißchen Zeit noch zu genießen,
+Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.
+
+
+
+Das Bild an Hrn. H.
+
+Das, Maler, ist dein Meisterstücke!
+Ja, H**, ja; an Anmut reich,
+Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.
+Das ist sein Haar; dies seine Blicke;
+Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
+
+O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen,
+Und sieh auf jene Seite hin:
+Ich muß, ich muß das Bildchen küssen.
+Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an:
+Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann.
+
+
+
+Das Erdbeben
+
+Bruder, Bruder, halte mich!
+Warum kann ich denn nicht stehen?
+Warum kannst du denn nicht gehen?
+Bruder geh, ich führe dich.
+
+Sachte Bruder, stolperst du?
+Was? Du fällst mir gar zur Erden?
+Halt! ich muß dein Retter werden.
+Nu? Ich falle selbst dazu?
+
+Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,
+Wie die lockern Wände schwanken?
+Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!
+Greif doch zu! das Glas zerbricht!
+
+Himmel, bald, bald werden wir
+Nicht mehr trinken, nicht mehr leben!
+Fühlst du nicht? des Grunds Erbeben
+Droht es Bruder mir und dir.
+
+Limas Schicksal bricht herein!
+Bruder, Bruder, wenn wir sterben,
+Soll der Wein auch mit verderben?
+Der auf heut bestimmte Wein?
+
+Nein, die Sünde wag ich nicht.
+Bruder, wolltest du sie wagen?
+Nein, in letzten Lebenstagen
+Tut man gerne seine Pflicht.
+
+Sieh, dort sinket schon ein Haus!
+Und hier auch! Nun muß man eilen!
+Laß uns noch die Flasche teilen!
+Hurtig! Hurtig! trink doch aus!
+
+
+
+Das Leben
+
+Sechs Tage kannt ich sie,
+Und liebte sie sechs Tage.
+Am siebenten erblaßte sie,
+Dem ersten meiner ewgen Klage.
+Noch leb ich, zauderndes Geschick!
+Ein pflanzengleiches Leben.
+O Himmel, ist für den kein Glück,
+Dem du Gefühl und Herz gegeben!
+Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut,
+Dem du die Seele schon genommen!
+Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,
+Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen!
+Was hilft es, daß er meine Jahre
+Bis zu des Nestors Alter spare?
+Ich habe, trotz der grauen Haare,
+Womit ich dann zur Grube fahre,
+Sechs Tage nur geliebt,
+Sechs Tage nur gelebt.
+
+
+
+Das Paradies
+
+Sein Glück für einen Apfel geben,
+O Adam, welche Lüsternheit!
+Statt deiner hätt ich sollen leben,
+So wär das Paradies noch heut.--
+
+Wie aber, wenn alsdann die Traube
+Die Probefrucht gewesen wär?
+Wie da, mein Freund?--Ei nun, ich glaube--
+Das Paradies wär auch nicht mehr.
+
+
+
+Das Schäferleben
+
+Komm Freund! wir wollen Schäfer werden.
+Dies stille Volk besitzet noch
+Die süße Ruh, das Glück der Erden.
+Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!
+Dort blüht bei aufgeräumten Sinnen
+Noch alte Treu und Redlichkeit,
+Auch in den schönsten Schäferinnen.
+Dort, dort ist noch die güldne Zeit.
+
+Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,
+Wo nichts als falsche Mägdchen sind?
+Bedenke, Phyllis will mich hassen,
+Das flatterhafte böse Kind.
+
+Auch Phyllis kann die Treue brechen,
+Und windet sich aus meiner Hand.
+Ja, diese Falschheit muß ich rächen.
+Komm mit! Ich geh ins Schäferland.
+
+Du schwärmst, mein Freund. Laß mich zufrieden.
+Was geht mich deine Phyllis an.
+Dem ist ein größer Glück beschieden,
+Der sich gleich mir betrinken kann.
+
+Wo hast du den Verstand gelassen?
+Du hast gewiß noch keinen Rausch?
+Den Wein, den Wein für Milch zu hassen?
+Den Wein für Milch? Das wär ein Tausch.
+
+Recht Freund! verzeih mir diese Possen.
+Wie albern denkt und redt man nicht,
+Wenn man noch keinen Wein genossen,
+Wenn folglich der Verstand gebricht.
+
+Drum eile, Freund! mir einzuschenken.
+Trink mir es zu, und mach mich klug.
+Nun lern ich wieder richtig denken.
+Nun seh ich meinen Selbstbetrug.
+
+O schade für die falschen Kinder!
+Laßt sie nur unbeständig sein.
+Ich lache nun, und bins nicht minder.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+Nun soll mich Phyllis nicht betrüben,
+Laßt sie nur unbeständig sein,
+Von nun an will ich auch so lieben.
+Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
+
+
+
+Das Umwechseln
+
+Der Bruder
+ Liebe Schwester, wer ist die?
+ Deine Freundin? darf ich küssen?
+ O wie frei, wie schön ist sie!
+ Liebe Schwester darf ich küssen?
+
+Die Schwester
+ Pfui! Ihr Bruder ist ja hier.
+ Willst du, daß ers sieht, sie küssen?
+ Schäm dich! diesesmal wird dir
+ Wohl die Lust vergehen müssen.
+
+Der Bruder
+ Schwester, geh zum Bruder hin;
+ Laß dich von dem Bruder küssen;
+ Dann, weil ich dein Bruder bin,
+ Darf ich seine Schwester küssen.
+
+
+
+Das aufgehobene Gebot
+
+Elise.
+ Siehst du Wein im Glase blinken,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Trinken kannst du, du kannst trinken;
+ Doch betrinke dich nur nicht.
+
+Lysias.
+ Wallt dein Blut von Jugendtrieben,
+ Lerne von mir deine Pflicht:
+ Lieben kannst du, du kannst lieben;
+ Doch verliebe dich nur nicht.
+
+Elise.
+ Bruder! ich mich nicht verlieben?
+
+Lysias.
+ Schwester! ich mich nicht betrinken?
+
+Elise.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Lysias.
+ Wie verlangst du das von mir?
+
+Elise.
+ Lieber mag ich gar nicht lieben.
+
+Lysias.
+ Lieber mag ich gar nicht trinken.
+
+Beide.
+ Geh nur, ich erlaub es dir.
+
+
+
+Der Donner
+
+Es donnert!--Freunde, laßt uns trinken!
+Der Frevler und der Heuchler Heer
+Mag knechtisch auf die Kniee sinken.
+Es donnert!--Macht die Gläser leer!
+Laßt Nüchterne, laßt Weiber zagen!
+Zeus ist gerecht, er straft das Meer:
+Sollt er in seinen Nektar schlagen?
+
+
+
+Der Faule
+
+Rennt dem scheuen Glücke nach!
+Freunde, rennt euch alt und schwach!
+Ich nehm teil an eurer Müh:
+Die Natur gebietet sie.
+Ich, damit ich auch was tu,--
+Seh euch in dem Lehnstuhl zu.
+
+
+
+Der Fehler
+
+Angelika ist jung und reich.
+An Schönheit meiner Phyllis gleich.
+Ich kann nichts Schöners nennen;
+Das wissen die, die Phyllis kennen.
+Sie redet ungezwungen rein;
+Sie scherzt empfindlich und doch fein;
+Ihr biegsam redlich Herze fühlt;
+Sie tanzt, sie singt, sie spielt.
+Wenn meine Phyllis untreu wird--
+O werde sie es nie!
+Wenn sie es aber wird,
+So lieb ich keine sonst als sie.
+Doch--hab ichs auch bedacht?
+Nein, einen Fehler treff ich an,
+Der alles nichtig macht.
+Sie liebet ihren Mann.
+
+
+
+Der Fehler der Natur an Hr. M.
+
+Freund! du erforschest die Natur.
+Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,
+Sie fehlt auch oft in ihren Werken.
+Ja, ja sie fehlt. Oft in der Eil
+Versetzt sie dies und jenes Teil.
+Ich selbst kann meinen Satz bestärken.
+Denn hätt sich ihre Götterhand,
+Als sie mich baute, nicht verloren;
+So wär ich an der Mosel Strand,
+Wo nicht doch in Burgund geboren.
+O Mosler, o Burgunderwein,
+Ich, ich sollt euer Landsmann sein!
+
+
+
+Der Flor
+
+O Reize voll Verderben!
+Wir sehen euch, und sterben.
+O Augen, unser Grab!
+O Chloris, darf ich flehen?
+Dich sicher anzusehen,
+Laß erst den Flor herab!
+
+
+
+Der Genuß
+
+So bringst du mich um meine Liebe,
+Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich!
+Sie zu verlieren,--meine Liebe,--
+Sie zu verlieren, wünscht ich dich?
+Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,
+Nimm sie zurück, die kurze Lust!
+Nimm sie, und gib der öden Brust,
+Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder!
+
+
+
+Der Geschmack der Alten
+
+Ob wir, wir Neuern, vor den Alten
+Den Vorzug des Geschmacks erhalten,
+Was lest ihr darum vieles nach,
+Was der und jener Franze sprach?
+Die Franzen sind die Leute nicht,
+Aus welchen ein Orakel spricht.
+
+Ich will ein neues Urteil wagen.
+Geschmack und Witz, es frei zu sagen,
+War bei den Alten allgemein.
+Warum? sie tranken alle Wein.
+Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;
+Warum? sie mischten Wasser drein.
+
+
+
+Der Handel
+
+Des wuchernden Tumultes satt,
+Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?
+Flieh nur allein; ich bleib zurücke,
+Die Messe wag ich noch mein Glücke.
+Nun handl ich auch: doch soll allein
+Mein Handel mit den Schönen sein.
+
+Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil,
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder.
+Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!
+Kommt nur und fangt den Handel an;
+Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann.
+
+Ihr kommt? _Wie teuer ist dein Feld?_
+Mein Feld verkauf ich nicht für Geld.
+Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse.
+_Und deinen Wald?_ Zweihundert Küsse.
+_Und dieses Buch?_ Für einen Kuß.
+_Und dieses Lied?_ Für einen Kuß.
+
+Wenn ich mit Schönen handeln muß,
+Gilt alles bei mir einen Kuß.
+Denn Küsse sind die besten Gelder.
+Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;
+Mein Vater--und mein Mutterteil,
+Ich selber bin für Küsse feil!
+
+L.
+
+
+
+Der Irrtum
+
+Den Hund im Arm, mit bloßen Brüsten,
+Sah Lotte frech herab.
+Wie mancher ließ sichs nicht gelüsten,
+Daß er ihr Blicke gab.
+
+Ich kam gedankenvoll gegangen,
+Und sahe steif heran.
+Ha! denkt sie, der ist auch gefangen,
+Und lacht mich schalkhaft an.
+
+Allein, gesagt zur guten Stunde,
+Die Jungfer irrt sich hier.
+Ich sah nach ihrem bunten Hunde:
+Es ist ein artig Tier.
+
+
+
+Der Regen
+
+Der Regen hält noch immer an!
+So klagt der arme Bauersmann;
+Doch eher stimm ich nicht mit ein,
+Es regne denn in meinen Wein.
+
+
+
+Der Schiffbruch
+
+"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer!
+Das Trinken macht den Beutel leer,
+Drum hol ich mir in fernen Landen,
+Die unsre Väter niemals fanden,
+Gold, Silber, Berlen, Edelstein;
+Und folglich Wein."
+
+Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht.
+Gesetzt, daß unser Schiff zerbricht,
+So müssen wir ins Wasser sinken,
+Und Wasser wohl gezwungen trinken.
+Und Wasser, Wasser schmecket schlecht.
+Hab ich nicht recht?
+
+Ja, wär im Meere lauter Wein,
+So gäng ich, Freund, die Schiffahrt ein.
+O Freund! o Freund, mit Freuden
+Wollt ich gar Schiffbruch leiden.
+Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier.
+Man borget dir.
+
+
+
+Der Schlaf
+
+Ich trinke bis um Mitternacht.
+Wenn neben mir der Geizhals wacht,
+Und mit bekümmertem Verlangen
+Forscht, ob dem Schatze nichts entgangen?
+Da trink ich noch, und freue mich,
+Und trinkend Bacchus lob ich dich.
+Da flieht der Durst! da flieht der Kummer!
+Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer,
+Wenn sollt ich wieder durstig werden?
+Und würd ich nicht mehr durstig sein,
+So tränk ich ja auch nicht mehr Wein.
+O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!
+
+
+
+Der Sommer
+
+_Brüder! lobt die Sommerszeit!_
+Ja, dich, Sommer, will ich loben!
+Wer nur deine Munterkeit,
+Deine bunte Pracht erhoben,
+Dem ist wahrlich, dem ist nur,
+Nur dein halbes Lob gelungen,
+Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,
+Brocks, der Liebling der Natur.
+
+Hör ein größer Lob von mir,
+Sommer! ohne stolz zu werden.
+Brennst du mich, so dank ichs dir,
+Daß ich bei des Strahls Beschwerden,
+Bei der durstgen Mattigkeit,
+Lechzend nach dem Weine frage,
+Und gekühlt den Brüdern sage:
+_Brüder! lobt die durstge Zeit!_
+
+L.
+
+
+
+Der Sonderling
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei ein Narr;
+Und gleichwohl zürnt der Narr,
+Wenn man ihn also nennt.
+
+Sobald der Mensch sich kennt,
+Sieht er, er sei nicht klug;
+Doch ists ihm lieb genug,
+Wenn man ihn weise nennt.
+
+Ein jeder, der mich kennt,
+Spricht: Welcher Sonderling!
+Nur diesem ists _ein_ Ding,
+Wie ihn die Welt auch nennt.
+
+
+
+Der Tabak
+
+ Dich, Tabak, lobt der Medikus,
+ Weil uns dein fleißiger Genuß
+An Zahn und Augen wohl kurieret,
+Und Schleim und Kolster von uns führet.
+
+ Dich lobet der Philosophus,
+ Wenn er scharf meditieren muß;
+Weil er, so lang er dich genießet,
+Des Geistes Flatterkeit vermisset.
+
+ Dich lobet der Theologus
+ Durch einen homiletschen Schluß,
+Wenn er in deinem Rauch entzücket
+Ein Bild der Eitelkeit erblicket.
+
+ Ich lob an dir als ein Jurist,
+ Was rechtens an dir löblich ist;
+Daß, wenigstens wie mir es dünket,
+Man mehr und öfter bei dir trinket.
+
+L.
+
+
+
+Der Tausch an Hr. W.
+
+Ein Mägdchen, das Verstand und Geist
+Gemeiner Schönen Zahl entreißt,
+Ein Mägdchen, das bei Büchern schwitzet,
+Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet,
+Das ihrer Seelen Schönheit bessert,
+Wenn die die leibliche vergrößert,
+Das gründlich denkt und gründlich scherzt,
+Platonisch liebt, platonisch herzt:
+Freund, so ein Mägdchen ist für dich,
+Und nicht für mich.
+
+Ein Mägdchen, dessen zärtlich Bild
+Mit Zärtlichkeit die Herzen füllt,
+Ein Mägdchen mit beredten Blicken,
+Mit Füßen, die versteckt entzücken,
+Mit Händen, die liebkosend schlagen,
+Und drückend, dich nur lieb ich, sagen,
+Mit schwarzem Haar, mit voller Brust,
+Gemacht zu dauerhafter Lust:
+Freund, so ein Mägdchen ist für mich,
+Und nicht für dich.
+
+Das Glück ist ungerecht und blind;
+Wenn nicht die Dichter Lügner sind.
+Wie oft hat es mit deinem Hoffen,
+Wie oft mit meinem eingetroffen?
+Wie wenn es, dich und mich zu kränken,
+Dir mein, und mir dein Kind wird schenken?
+O Freund, was soll die Rache sein?
+Der Tausch, o Freund, der Tausch allein.
+Doch gibst du, geb ich meine dir,
+Auch deine mir?
+
+
+
+Der Tod
+
+Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
+Gestern bei dem Saft der Trauben,
+(Bildet euch mein Schrecken ein!)
+Kam der Tod zu mir herein.
+
+Drohend schwang er seine Hippe,
+Drohend sprach das Furchtgerippe:
+Fort, du teurer Bacchusknecht!
+Fort, du hast genug gezecht!
+
+Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,
+Solltest du nach mir dich sehnen?
+Sieh, da stehet Wein für dich!
+Lieber Tod verschone mich!
+
+Lächelnd greift er nach dem Glase;
+Lächelnd macht ers auf der Base,
+Auf der Pest, Gesundheit leer;
+Lächelnd setzt ers wieder her.
+
+Fröhlich glaub ich mich befreiet,
+Als er schnell sein Drohn erneuet.
+Narre, für dein Gläschen Wein
+Denkst du, spricht er, los zu sein?
+
+Tod, bat ich, ich möcht auf Erden
+Gern ein Mediziner werden.
+Laß mich: ich verspreche dir
+Meine Kranken halb dafür.
+
+Gut, wenn das ist, magst du leben:
+Ruft er. Nur sei mir ergeben.
+Lebe, bis du satt geküßt,
+Und des Trinkens müde bist.
+
+Oh! wie schön klingt dies den Ohren!
+Tod, du hast mich neu geboren.
+Dieses Glas voll Rebensaft,
+Tod, auf gute Brüderschaft!
+
+Ewig muß ich also leben,
+Ewig! denn beim Gott der Reben!
+Ewig soll mich Lieb und Wein,
+Ewig Wein und Lieb erfreun!
+
+
+
+Der Verlust
+
+Alles ging für mich verloren,
+Als ich Sylvien verlor.
+Du nur gingst nicht mit verloren,
+Liebe, da ich sie verlor!
+
+
+
+Der Vetter und die Muhme
+
+O fluche, Freund, nicht alles Wetter
+Auf deinen eigensinngen Vetter.
+Schmält er manchmal; so laß es sein.
+Er hat ja guten Wein.
+
+Auch fluche nicht der alten Muhme.
+Man muß ihr Brummen, sich zum Ruhme,
+Mit stiller Sanftmut übergehn.
+Die Tochter ist ja schön.
+
+
+
+Der Wunsch
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kühlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein häßlich Mädchen sehe,
+Wünsch ich plötzlich blind zu sein.
+
+Wenn ich, Augenlust zu finden,
+Unter schatticht kühlen Linden
+Schielend auf und nieder gehe,
+Und ein schönes Mädchen sehe,
+Möcht ich lauter Auge sein.
+
+
+
+Der alte und der junge Wein
+
+Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken:
+Drum mag der junge Wein
+Für euch, ihr Alten, sein.
+
+Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken:
+Drum muß der alte Wein
+Für mich, den Jüngling, sein.
+
+
+
+Der bescheidene Wunsch
+
+Der Pfennig, den man andachtsvoll
+Dem Priester beichtend geben soll,
+Gilt mehr als im gemeinen Leben
+Ein Pfennig, den wir Iro geben.
+Die Klügsten müssen durch Dukaten
+Den Sinn des kleinen Worts erraten.
+Man nehm es nicht buchstäblich an,
+Der Buchstab bringet Tod und Bann.
+
+"Ach! schenkte mir mein lieber Gott
+Nur einst mein liebes bißchen Brot;
+Ich wollte mich begnügen lassen
+Und keinen Reichen neidisch hassen."
+Oh, das ist Staxen leicht zu sagen,
+Doch, wollt ihr eine Wette wagen,
+Stax schließet Fische, Braten, Wein
+Mit in den Wunsch des Brotes ein.
+
+O Liebste! machet dir mein Mund
+Den heißen Wunsch nach Küssen kund,
+So wisse, daß ich mehr begehret
+Als dir mein scheuer Mund erkläret.
+Ein Kuß bei mir ist--Soll ichs sagen?
+Doch still! Du willst mich heimlich fragen.
+Komm! jener Lustwald ruft dir zu:
+O Mägdchen! was du tun willst, tu!
+
+
+
+Der größte Mann
+
+Laßt uns den Priester Orgon fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Mit stolzen Mienen wird er sagen.
+Wer sich zum kleinsten machen kann.
+
+Laßt uns den Dichter Kriton hören:
+Wer ist der größte Mann?
+Er wird es uns in Versen schwören:
+Wer ohne Mühe reimen kann.
+
+Laßt uns den Hofmann Damis fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Er bückt sich lächelnd; das will sagen:
+Wer lächeln und sich bücken kann.
+
+Wollt ihr vom Philosophen wissen,
+Wer ist der größte Mann?
+Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen:
+Wer ihn verstehn und grübeln kann.
+
+Was darf ich jeden Toren fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+Ihr seht, die Toren alle sagen:
+Wer mir am nächsten kommen kann.
+
+Wollt ihr den klügsten Toren fragen:
+Wer ist der größte Mann?
+So fraget mich; ich will euch sagen:
+Wer trunken sie verlachen kann.
+
+
+
+Der müßige Pöbel
+
+Um einen Arzt und seine Bühne
+Stand mit erstaunungsvoller Miene
+Die leicht betrogne Menge
+In lobendem Gedränge.
+Ein weiser Trinker ging vorbei,
+Und schriee: welche Polizei!
+So müßig hier zu stehen?
+Kann nicht das Volk zu Weine gehen?
+
+
+
+Der neue Welt-Bau
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Ihr kennt doch wohl den großen Geist,
+ Nach dem der wahre Welt-Bau heißt?
+Von diesem hab ich einst gelesen,
+Daß er beim Weine gleich gewesen,
+ Als er der Sonne Stillestand,
+ Die alte neue Wahrheit fand.
+
+ Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,
+ Er macht auch zum Astronomo.
+ Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört,
+ Was mir der Wein, der Wein gelehrt!
+So kann der Wein den Witz verstärken!
+Wir laufen selbst, ohn es zu merken,
+ Von Osten täglich gegen West!
+ Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!
+
+
+
+Der philosophische Trinker
+
+Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden,
+Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.
+Er zecht mit mir und meinen Brüdern,
+Und fühlet schon in unsern Liedern
+Mehr Weisheit, Witz und Kraft,
+Als Jacob Böhm und Newton schafft.
+Doch bringt er seine spitzgen Fragen,
+Die minder als sie sagen, sagen,
+Noch dann und wann hervor,
+Und plagt mit Schlüssen unser Ohr.
+Jüngst fragt er mich am vollen Tische,
+Warum wohl in der Welt der Fische,
+In Flüssen und im Meer,
+Nicht Wein statt Wassers wär?
+Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein.
+Die Antwort fiel mir schwer;
+Ich dachte hin und her,
+Doch endlich fiel mirs ein.
+"Die Ursach ist leicht zu erdenken",
+Sprach ich mit aufgestemmtem Arm.
+Und welche? schrie der ganze Schwarm.
+"Damit, wenn Esel davon tränken,
+Die Esel, nur verdammt zu Bürden,
+Nicht klüger als die Menschen würden."
+Die Antwort, schrie man, läßt sich hören.
+Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!
+
+
+
+Der schwörende Liebhaber
+
+Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen;
+Gerechten Haß schwör ich dir zu.
+Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen;
+Weil alle treulos sind, wie du.
+Ich schwör es dir, vor Amors Ohren,
+Daß ich--ach! daß ich falsch geschworen.
+
+
+
+Der trunkne Dichter lobt den Wein
+
+Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,
+Und deinem flüßgen Feur begeistert,
+Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,
+Ein dir geheiligt Loblied an.
+
+Doch wie? in was für kühnen Weisen
+Werd ich, o Göttertrank, dich preisen?
+Dein Ruhm, hör ihn summarisch an,
+Ist, daß ich ihn nicht singen kann.
+
+
+
+Die 47ste Ode Anakreons
+
+Alter tanze! Wenn du tanzest,
+Alter, so gefällst du mir!
+Jüngling, tanze! Wenn du tanzest,
+Jüngling, so gefällst du mir.
+
+Alter, tanze, trotz den Jahren!
+Welche Freude, wenn es heißt:
+Alter, du bist alt an Haaren,
+Blühend aber ist dein Geist!
+
+
+
+Nachahmung dieser Ode
+
+Jüngling, lebst du nicht in Freuden,
+Jüngling, o so haß ich dich!
+Alter, lebst du nicht in Freuden,
+Alter, o so haß ich dich!
+
+Jüngling, trauerst du in Jahren,
+Wo die Pflicht sich freuen heißt?--
+Schäme dich! so frisch an Haaren,
+Jüngling, und so schwach an Geist!
+
+
+
+Die Abwechslung
+
+Ich trinke nicht stets einen Wein.
+Das möchte mir zu ekel sein.
+Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande,
+Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande,
+Die wechsl ich täglich mit Bedacht,
+Weil Wechseln alles süßer macht.
+
+Und mich soll nur ein artig Kind,
+Wenn mehrere zu finden sind,
+Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden?
+Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden.
+Nein, nein, ich folge meinem Brauch,
+Mit artgen Kindern wechsl ich auch.
+
+
+
+Die Antwort
+
+Der Nachbarin Climene
+Schrieb ich von Lieb und Glut.
+Die christlich holde Schöne
+War allen Menschen gut.
+Sie hat den Brief bekommen,
+Voll Sehnsucht angenommen,
+Geküßt und aufgemacht,
+Gelesen und gelacht.
+Ach Gott, das gute Kind!
+
+Sie wird wohl wieder schreiben?
+Nein; schreiben kann sie nicht.
+Nur sich die Zeit vertreiben,
+Ist ihre Kunst und Pflicht.
+Doch ohne Trost mich lassen,
+Hieß meine Liebe hassen;
+Drum kömmt sie selbst zu mir,
+Durch unsre Hintertür.
+Ach, gar zu gutes Kind!
+
+
+
+Die Beredsamkeit
+
+Freunde, Wasser machet stumm:
+Lernet dieses an den Fischen.
+Doch beim Weine kehrt sichs um:
+Dieses lernt an unsern Tischen.
+Was für Redner sind wir nicht,
+Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
+Wir ermahnen, streiten, lehren;
+Keiner will den andern hören.
+
+
+
+Die Betrübnis
+
+Der Dichter und sein Freund.
+
+Der Freund.
+ Freund! welches Unglück, welche Reue
+ Macht dir so bittern Schmerz?
+
+Der Dichter.
+ Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue!
+ Und sie besaß mein Herz.
+
+Der Freund.
+ Um eine Falsche dich betrüben?
+ Du bist ja klug genug.
+
+Der Dichter.
+ O schweig! das heißt nicht lieben,
+ Läßt uns die Liebe klug.
+
+
+
+Die Biene
+
+Als Amor in den goldnen Zeiten
+Verliebt in Schäferlustbarkeiten
+Auf bunten Blumenfeldern lief,
+Da stach den kleinsten von den Göttern
+Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
+Wo es sonst Honig holte, schlief.
+
+Durch diesen Stich ward Amor klüger.
+Der unerschöpfliche Betrüger
+Sann einer neuen Kriegslist nach:
+Er lauscht in Rosen und Violen;
+Und kam ein Mädchen sie zu holen,
+Flog er als Bien heraus, und stach.
+
+
+
+Die Diebin
+
+(1745)
+
+Du Diebin mit der Rosenwange,
+Du mit den blauen Augen da!
+Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange?
+Gesteh nur, was ich fühlt und sah!
+
+Du schweigst? Doch deine Rosenwange
+Glüht schuldig, röter, als vorhin,
+O Diebin mit der Rosenwange,
+Wo ist mein Herz, wo kam es hin?
+
+
+
+Die Einwohner des Mondes
+
+Die Mägdchen die in sechzehn Jahren
+Noch nicht das leckre Glück erfahren,
+Wozu sie ihre Mütter sparen;
+Das Stutzerchen, das was gelernt;
+Das Weib, das nie sich aus den Schranken
+Der ehelichen Pflicht entfernt,
+Und um den Mann die Welt vergißt;
+Der Bettler, der bei dem Bedanken
+So höflich wie beim Bitten ist;
+Der Dichter, welcher nie gelogen,
+Dem stets der Reim, und niemals er,
+Dem lieben Reime nachgezogen;
+Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt,
+Um Kleinigkeiten nicht verdammt,
+Und weiß durch Taten zu ermahnen;
+Der Edle, der von seinen Ahnen
+In unzertrennter Ordnung stammt,
+Ohn daß ein wackrer Bauerknecht
+Nicht oft das Heldenblut geschwächt;
+Ein Arzt, der keinen tot gemacht;
+Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet;
+Der Hagestolz, der in der Nacht,
+Was er am Tage flieht, nicht suchet;
+Das fromme Weib, das nie geschmält;
+Der reiche Greis, dem nichts gefehlt;
+Und hundert andre schöne Sachen,
+Die unsern Zeiten Ehre machen:
+Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond,
+Wo jedes Hirngespinste wohnt.
+
+
+
+Die Ente
+
+Ente, wahres Bild von mir,
+Wahres Bild von meinen Brüdern!
+Ente, jetzo schenk ich dir
+Auch ein Lied von meinen Liedern.
+
+Oft und oft muß dich der Neid
+Zechend auf dem Teiche sehen.
+Oft sieht er aus Trunkenheit
+Taumelnd dich in Pfützen gehen.
+
+Auch ein Tier--o das ist viel!
+Hält den Satz für wahr und süße,
+Daß, wer glücklich leben will,
+Fein das Trinken lieben müsse.
+
+Ente, ists nicht die Natur,
+Die dich stets zum Teiche treibet?
+Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
+Trinke, bis nichts übrig bleibet.
+
+Ja, du trinkst und singst dazu.
+Neider nennen es zwar schnadern;
+Aber, Ente, ich und du
+Wollen nicht um Worte hadern.
+
+Wem mein Singen nicht gefällt,
+Mag es immer Schnadern nennen.
+Will uns nur die neidsche Welt
+Als versuchte Trinker kennen.
+
+Aber, wie bedaur ich dich,
+Daß du nur mußt Wasser trinken.
+Und wie glücklich schätz ich mich,
+Wenn mir Weine dafür blinken.
+
+Armes Tier, ergib dich drein.
+Laß dich nicht den Neid verführen.
+Denn des Weins Gebrauch allein
+Unterscheidet uns von Tieren.
+
+In der Welt muß Ordnung sein.
+Menschen sind von edlern Gaben.
+Du trinkst Wasser, und ich Wein:
+So will es die Ordnung haben.
+
+
+
+Die Faulheit
+
+Fleiß und Arbeit lob ich nicht.
+Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.
+Ja, der Bauer selber spricht,
+Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
+Faul zu sein, sei meine Pflicht;
+Diese Pflicht ermüdet nicht.
+
+Bruder, laß das Buch voll Staub.
+Willst du länger mit ihm wachen?
+Morgen bist du selber Staub!
+Laß uns faul in allen Sachen,
+Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
+Nur nicht faul zur Faulheit sein.
+
+
+
+Die Gespenster
+
+Der Alte
+ O Jüngling! sei so ruchlos nicht,
+ Und leugne die Gespenster.
+ Ich selbst sah eins beim Mondenlicht
+ Aus meinem Kammerfenster,
+ Das saß auf einem Leichenstein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Als meiner Schwester Sohn verschied,
+ (Das sind nunmehr zehn Jahre!)
+ Sah seine Magd, die trefflich sieht,
+ Des Abends eine Bahre,
+ Und oben drauf ein Totenbein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ Und als mein Freund im Treffen blieb,
+ Das Frankreich jüngst verloren,
+ Hört seine Frau, wie sie mir schrieb,
+ Mit ihren eignen Ohren
+ Zu Mitternacht drei Eulen schrein:
+ Drum müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Es müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Alte
+ In meinem Keller selbst gehts um.
+ Ich hör oft ein Gesause;
+ Doch werden die Gespenster stumm,
+ Ist nur mein Sohn zu Hause.
+ Denk nur, sie saufen meinen Wein:
+ Das müssen wohl Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wünscht ich eins davon zu sein.
+
+Der Alte
+ Auch weiß ich nicht, was manche Nacht
+ In meiner Tochter Kammer
+ Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht;
+ Oft bringt mirs Angst und Jammer.
+ Ich weiß das Mädchen schläft allein;
+ Drum müssen es Gespenster sein.
+
+Der Jüngling
+ Ich wende nichts dawider ein;
+ Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein.
+
+
+
+Die Gewißheit
+
+Ob ich morgen leben werde,
+Weiß ich freilich nicht:
+Aber, wenn ich morgen lebe,
+Daß ich morgen trinken werde,
+Weiß ich ganz gewiß.
+
+
+
+Die Haushaltung
+
+Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau
+Zu seiner lieben Ehefrau.
+"Versoffner, unverschämter Mann"--–
+Geduld, mein Kind, ich zieh mich an--
+"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.
+Zank du alleine.
+
+"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus!
+Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.
+Gott! ich soll so verlassen sein?--
+Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein!
+Mein böser Teufel ist zu Weine:
+Wir sind alleine."
+
+
+
+Die Küsse
+
+Der Neid, o Kind,
+Zählt unsre Küsse:
+Drum küß geschwind
+Ein Tausend Küsse;
+Geschwind du mich,
+Geschwind ich dich!
+Geschwind, geschwind,
+O Laura, küsse
+Manch Tausend Küsse:
+Damit er sich
+Verzählen müsse.
+
+
+
+Die Küsse
+
+Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket,
+Das mit dem Küssen nur noch spielt,
+Und bei dem Küssen noch nichts denket,
+Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt.
+
+Ein Kuß, den mir ein Freund verehret,
+Das ist ein Gruß, der eigentlich
+Zum wahren Küssen nicht gehöret:
+Aus kalter Mode küßt er mich.
+
+Ein Kuß, den mir mein Vater giebet,
+Ein wohlgemeinter Segenskuß,
+Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet,
+Ist etwas, das ich ehren muß.
+
+Ein Kuß von meiner Schwester Liebe
+Steht mir als Kuß nur so weit an,
+Als ich dabei mit heißerm Triebe
+An andre Mädchen denken kann.
+
+Ein Kuß, den Lesbia mir reichet,
+Den kein Verräter sehen muß,
+Und der dem Kuß der Tauben gleichet:
+Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß.
+
+
+
+Die Kunstrichter und der Dichter
+
+Die Kunstrichter
+ Ihr Dichter! seid des Stoffes voll,
+ Den eure Muse singen soll:
+ Alsdann gerät das Lied euch wohl.
+
+Der Dichter
+ Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl!
+ Seht her! ich bin des Stoffes voll,
+ Den meine Muse singen soll;
+ Ich bin, ich bin des Weines voll:
+ Und doch gerät kein Lied mir wohl.
+
+Die Kunstrichter
+ Du bist des Stoffes allzu voll,
+ Den deine Muse singen soll:
+ Darum gerät kein Lied dir wohl.
+
+
+
+Die Liebe
+
+Ohne Liebe
+Lebe, wer da kann.
+Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
+Bleibt er doch kein Mann.
+
+Süße Liebe,
+Mach mein Leben süß!
+Stille nie die regen Triebe
+Sonder Hindernis.
+
+Schmachten lassen
+Sei der Schönen Pflicht!
+Nur uns ewig schmachten lassen,
+Dieses sei sie nicht.
+
+
+
+Die Musik
+
+Ein Orpheus spielte; rings um ihn,
+Mit lauschendem Gedränge
+Stand die erstaunte Menge,
+Durchs Ohr die Wollust einzuziehn.
+Ein Trinker kam von ungefähr,
+Und taumelte den Weg daher.
+Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn,
+Und ward entzückt, und schriee: Schön!
+So schön, als wenn bei meinem wackern Wirte
+Das helle Paßglas klirrte!
+
+
+
+Die Mutter
+
+Strenge Phyllis dich zu küssen,
+Dich ein einzigmal zu küssen,
+Hab ich dich nicht bitten müssen!
+Und doch darf ich dich nicht küssen.
+Sagst du? "Meine Mutter spricht:
+Phyllis, Tochter küsse nicht!"
+Ist es so was Böses, küssen?
+Liegt kein Trieb dazu im Blut?
+Doch--weg mit den schweren Schlüssen!
+Laß sie warnen! kurz und gut;
+Was geht der die Mutter an,
+Die selbst Mutter werden kann?
+
+
+
+Die Namen
+
+Ich fragte meine Schöne:
+Wie soll mein Lied dich nennen?
+Soll dich als Dorimene,
+Als Galathee, als Chloris,
+Als Lesbia, als Doris,
+Die Welt der Enkel kennen?
+
+Ach! Namen sind nur Töne:
+Sprach meine holde Schöne.
+Wähl selbst. Du kannst mich Doris,
+Und Galathee und Chloris,
+Und--wie du willst mich nennen;
+Nur nenne mich die Deine.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit süßen Grillen sich ergötzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gründen schließt,
+Daß Wein in den Planeten ist:
+Das heißt zu früh bevölkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Daß in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schließen.
+
+
+
+Die Planetenbewohner
+
+Mit süßen Grillen sich ergötzen,
+Einwohner in Planeten setzen,
+Eh man aus sichern Gründen schließt,
+Daß Wein in den Planeten ist:
+Das heißt zu früh bevölkern.
+
+Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
+Daß in den neuen Welten Weine,
+Wie in der, die wir kennen, sind:
+Und glaube mir, dann kann ein Kind
+Auf seine Trinker schließen.
+
+
+
+Die Redlichkeit
+
+So weit sich läßt die Welt durchwandern,
+Klagt ein verlarvter Schelm dem andern
+Die selbstverschuldte Seltenheit
+Der nie geübten Redlichkeit.
+
+Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen--
+Da seht die Torheit ihrer Herzen!
+Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein?
+Doch fluchen sie auf dich, o Wein!
+
+So klagen, und dem Trinken fluchen,
+Heißt Zwecke sonder Mittel suchen.
+Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt?
+Wie man es kaum von Wolfen hört.
+
+Wer hat die Redlichkeit erhoben
+Ohn unsre Väter mit zu loben?
+Ja, ja, die trunken wacker Wein,
+Wie konnten sie nicht redlich sein?
+
+Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen,
+Die euch, so oft euch durstt, ermahnen,
+An Treu und Trunke kindlich gleich.
+Trinkt redlich aus und küsset euch!
+
+
+
+Die Schöne von hinten
+
+Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer
+Dort für ein reizend Frauenzimmer?
+Der neuen Tracht Vollkommenheit,
+Der engen Schritte Nettigkeit,
+Die bei der kleinsten Hindrung stocken,
+Der weiße Hals voll schwarzer Locken,
+Der wohlgewachsne schlanke Leib,
+Verrät ein junges artges Weib.
+
+Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen,
+Damit wir sie von vorne sehen.
+Es muß, triegt nicht der hintre Schein,
+Die Venus oder Phyllis sein.
+Komm, eile doch!--O welches Glücke!
+Jetzt sieht sie ungefähr zurücke.
+Was wars, das mich entzückt gemacht?
+Ein altes Weib in junger Tracht.
+
+
+
+Die Sparsamkeit
+
+Von nun an muß ich sparsam werden.
+Warum denn das? Der Wein schlägt auf.
+So gehts, das Beste dieser Erden
+Erhält man nur durch teuren Kauf.
+
+Wer pocht? Ei der verwünschte Schneider
+Macht mich fast durch sein Mahnen toll.
+Da seht die Menschenliebe! leider,
+Daß man doch stets bezahlen soll.
+
+"Beliebet morgen einzusprechen.
+Die Wechsel laufen später ein."
+Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen.
+Seht! seht! so muß man sparsam sein.
+
+
+
+Die Stärke des Weins
+
+Wein ist stärker als das Wasser:
+Dies gestehn auch seine Hasser.
+Wasser reißt wohl Eichen um,
+Und hat Häuser umgerissen:
+Und ihr wundert euch darum,
+Daß der Wein mich umgerissen?
+
+
+
+Die Türken
+
+Die Türken haben schöne Töchter,
+Und diese scharfe Keuschheitswächter;
+Wer will kann mehr als eine frein:
+Ich möchte schon ein Türke sein.
+
+Wie wollt ich mich der Lieb ergeben!
+Wie wollt ich liebend ruhig leben,
+Und--doch sie trinken keinen Wein;
+Nein, nein, ich mag kein Türke sein.
+
+
+
+Die Versteinerung
+
+Holz und Beine
+Werden Steine
+Durch des Wassers Kraft.
+Werden Holz und Beine
+Durch des Wassers Kraft,
+Werden die zu Steine:
+Sagt, ihr Wasserfreunde,
+Sagt, ihr Rebenfeinde,
+Werden eure Herzen
+Nicht versteinert sein?
+
+Mark und Beine
+Fühlen, Weine,
+Eures Feuers Kraft.
+Wenn mein Liebster trinket,
+Trinkt er Rebensaft,
+Bis er sich betrinket.
+Sollt ich ihn nicht lieben?
+Ja, ich will ihn lieben,
+Weil sein Herz erhitzet,
+Nicht versteinert wird.
+
+C***
+
+
+
+Die Wetterprophezeiung
+
+Das Wetter ist veränderlich,
+Veränderlich, wie meine Schönen.
+Umsonst, o Freund, bemüht man sich,
+Nach Regeln beide zu gewöhnen.
+Drum laß dein Wetterprophezein,
+Wie ich mein treues Lieben, sein.
+
+Doch, kannst du deiner Wissenschaft,
+Gelehrter Wolkenseher! trauen:
+Wohl gut! so laß von ihrer Kraft
+Mich stracks ein kleines Beispiel schauen.
+Du sollst--du sollst mir prophezein:
+Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*
+
+L.
+
+* Ja!
+
+
+
+Die drei Reiche der Natur
+
+Ich trink, und trinkend fällt mir bei,
+Warum Naturreich dreifach sei.
+Die Tier und Menschen trinken, lieben,
+Ein jegliches nach seinen Trieben:
+Delphin und Adler, Floh und Hund
+Empfindet Lieb und netzt den Mund.
+Was also trinkt und lieben kann,
+Wird in das erste Reich getan.
+
+Die Pflanze macht das zweite Reich,
+Dem ersten nicht an Güte gleich:
+Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;
+Wenn Wolken träufelnd niedersinken,
+So trinkt die Zeder und der Klee,
+Der Weinstock und die Aloe.
+Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,
+Wird in das zweite Reich getan.
+
+Das Steinreich macht das dritte Reich;
+Und hier sind Sand und Demant gleich:
+Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe,
+Er wächset ohne Trunk und Liebe.
+Drum, was nicht liebt noch trinken kann,
+Wird in das letzte Reich getan.
+Denn ohne Lieb und ohne Wein,
+Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.
+
+
+
+Die lügenhafte Phyllis
+
+Mein Damon spricht:
+Kind, lüge nicht!
+Sonst werd ich strafen müssen,
+Und dich zur Strafe küssen.
+Er droht mir, sieht verdrüßlich aus,
+Und strafet mich schon im voraus.
+
+Sonst log ich nicht.
+Nur seit er spricht:
+Du sollst mir fein mit Küssen
+Die losen Lügen büßen,
+Red ich kein wahres Wörtchen mehr.
+Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?
+
+
+
+Die lehrende Astronomie
+
+Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt
+Auf hohe feste Schultern baute,
+Und mir die Pracht zu sehn erlaubt,
+Die nie ein hängend Tieraug schaute!
+Hier lern ich mich und ihn erkennen,
+Und hier mich nichts, ihn alles nennen.
+Was bin ich? Ich bin groß genung,
+Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen.
+Mein Wissen ist Verwunderung;
+Mein Leben leichter Blitze Brennen.
+Und so ein Nichts, verblendte Toren,
+Soll sein zum Herrn der Welt geboren?
+
+Der Stolz, der Torheit Eigentum,
+Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne;
+Die Demut ist des Weisen Ruhm,
+Und die lernt er bei euch, ihr Sterne!
+Und wird nur groß, weil er euch kennet,
+Und euern Gott auch seinen nennet.
+
+Auch wenn sein Unglück ihn den Weg,
+Den harten Weg der Prüfung führet,
+Und wenn, auf dem einsamen Steg,
+Sich Lieb und Freund von ihm verlieret,
+Lernt er bei euch, durch süße Grillen,
+Oft allzuwahre Schmerzen stillen.
+
+O Tugend! reizend Hirngedicht,
+Erdachte Zierde unsrer Seelen!
+Die Welt, o Tugend, hat dich nicht:
+Doch wirst du auch den Sternen fehlen?
+Nein, starbst du gleich bei uns im Abel,
+Du selbst bist viel zu schön zur Fabel.
+
+Dort seh ich, mit erstauntem Blick,
+Ein glänzend Heer von neuen Welten;
+Getrost, vielleicht wird dort das Glück
+So viel nicht, als die Tugend, gelten.
+Vielleicht dort in Orions Grenzen
+Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen!
+
+"Das Übel", schreit der Aberwitz,
+"Hat unter uns sein Reich gewonnen."
+Wohl gut, doch ist des Guten Sitz
+In ungezählten größern Sonnen.
+Der Dinge Reihen zu erfüllen,
+Schuf jenes Gott mit Widerwillen.
+
+So, wie den Kenner der Natur
+Auch Quarz und Eisenstein vergnügen,
+Nicht Gold- und Silberstufen nur
+In Fächern, voller Lücken, liegen:
+So hat das Übel Gott erlesen
+Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen.
+
+O nahe dich, erwünschte Zeit,
+Wo ich, frei von der Last der Erde,
+In wachsender Glückseligkeit,
+Einst beßre Welten sehen werde!
+O Zeit, wo mich entbundne Schwingen
+Von einem Stern zum andern bringen!
+
+Gedanken! fliehet nur voran!
+Verirrt euch in den weiten Sphären,
+Bis ich euch selber folgen kann.
+Wie lang, Geschick, wird es noch währen!
+O Lust, hier seh ich schon die Kreise,
+Die Wege meiner ewgen Reise!
+
+Drum kränkt der blinde Damon sich
+Nur in der Nacht um sein Gesichte.
+Geruhig, Tag, vermißt er dich,
+Und deine Eitelkeit im Lichte;
+Und wünscht sich, von der Weltlust ferne,
+Ein fühlend Aug nur für die Sterne.
+
+O selge Zeit der stillen Nacht,
+Wo Neid und Bosheit schlafend liegen,
+Und nur ein frommes Auge wacht,
+Und sucht am Himmel sein Vergnügen!
+Gott sieht die Welt in diesen Stunden,
+Und spricht, ich hab sie gut gefunden!
+
+Berlin.
+L.
+
+
+
+Die schlafende Laura
+
+Nachlässig hingestreckt,
+Die Brust mit Flor bedeckt,
+Der jedem Lüftchen wich,
+Das säuselnd ihn durchstrich,
+Ließ unter jenen Linden
+Mein Glück mich Lauren finden.
+Sie schlief und weit und breit
+Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden,
+Aus mißvergnügter Traurigkeit,
+Von Lauren nicht gesehn zu werden.
+Sie schlief, und weit und breit
+Erschallten keine Nachtigallen,
+Aus weiser Furchtsamkeit,
+Ihr minder zu gefallen,
+Als ihr der Schlaf gefiel,
+Als ihr der Traum gefiel,
+Den sie vielleicht itzt träumte,
+Von dem, ich hoff' es, träumte,
+Der staunend bei ihr stand,
+Und viel zu viel empfand,
+Um deutlich zu empfinden,
+Um noch es zu empfinden,
+Wie viel er da empfand.
+Ich ließ mich sanfte nieder,
+Ich segnete, ich küßte sie,
+Ich segnete, und küßte wieder:
+Und schnell erwachte sie,
+Schnell taten sich die Augen auf.
+Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.
+
+
+
+Die schlimmste Frau
+
+Die Weiber können nichts als plagen.
+Der Satz sagt viel und ist nicht neu.
+Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen,
+Welch Weib das schlimmste sei?
+
+Ein Weib, das mit dem Manne scherzet
+Wie ein gebildter Marmorstein,
+Das ohne Glut und Reiz ihn herzet,
+Das kann kein gutes sein.
+
+Ein Weib, das wie ein Drache geizet,
+Und gegen Kind und Magd genau,
+Den Dieb, mich zu bestehlen reizet,
+O eine schlimme Frau!
+
+Ein Weib, das gegen alle lachet,
+In Liebesstreichen frech und schlau
+Uns täglich neue Freunde machet,
+O eine schlimmre Frau!
+
+Ein Weib, das nichts als bet und singet,
+Und bei der Kinder Zeitvertreib
+Mit Seufzen ihre Hände ringet,
+O ein noch schlimmer Weib!
+
+Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte,
+(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?)
+Den Mann sich gern zum Sklaven machte,
+Das muß ein Teufel sein!
+
+Ein Weib, das ihrem Manne fluchet,
+Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein,
+Wie heimlich sie Liebhaber, suchet,
+Das muß--ein Weibsbild sein!
+
+
+
+Die verschlimmerten Zeiten
+
+Anakreon trank, liebte, scherzte,
+Anakreon trank, spielte, herzte,
+Anakreon trank, schlief, und träumte
+Was sich zu Wein und Liebe reimte:
+Und hieß mit Recht der Weise.
+
+Wir Brüder trinken, lieben, scherzen,
+Wir Brüder trinken, spielen, herzen,
+Wir Brüder trinken, schlafen, träumen,
+Wozu sich Wein und Liebe reimen:
+Und heißen nicht die Weisen.
+
+Da seht den Neid von unsern Zeiten!
+Uns diesen Namen abzustreiten!
+O Brüder, lernet hieraus schließen,
+Daß sie sich stets verschlimmern müssen;
+Sie nennen uns nicht weise.
+
+
+
+Die wider den Cäsar verschworne Helden
+
+Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.
+
+Cassius.
+ Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben,
+ Eh Rom noch Königsfesseln trägt.
+ Wer sollte nicht mit Lust verderben,
+ Wenn ihn der Staat mit niederschlägt?
+
+Decimus.
+ Ja--aber ohne Rache sterben,
+ Und ohne Nutz dem Vaterland--
+ Freund, das heißt pöbelhaft verderben.
+ Und wozu hätt ich Mut und Hand?
+
+Cassius.
+ O Brutus! voller tiefen Sorgen
+ Seh ich dein Herz für Rom zerteilt.
+ O Freund! noch einen freien Morgen,
+ So hat die Knechtschaft uns ereilt.
+
+Brutus.
+ Wenn Cäsar Rom will unterdrücken,
+ Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn.
+ Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken:
+ Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn.
+
+Cassius.
+ Du? deinem Freunde? Brutus! Götter!
+ Rom steht, wenn Brutus Brutus ist.
+ Schon war ein Brutus Roms Erretter;
+ Komm! zeige, daß du beide bist.
+
+Cimber.
+ Auch ich will alles mit euch wagen;
+ Auch ich muß ohne König sein.
+ Denn könnt ich einen Herrn ertragen,
+ Ertrüg ich allererst den Wein.
+
+
+
+Eine Gesundheit
+
+Trinket Brüder, laßt uns trinken
+Bis wir berauscht zu Boden sinken;
+Doch bittet Gott den Herren,
+Daß Könige nicht trinken.
+
+Denn da sie unberauscht
+Die halbe Welt zerstören,
+Was würden sie nicht tun,
+Wenn sie betrunken wären?
+
+
+
+Für wen ich singe
+
+Ich singe nicht für kleine Knaben,
+Die voller Stolz zur Schule gehn,
+Und den Ovid in Händen haben,
+Den ihre Lehrer nicht verstehn.
+
+Ich singe nicht für euch, ihr Richter,
+Die ihr voll spitzger Gründlichkeit
+Ein unerträglich Joch dem Dichter,
+Und euch die Muster selber seid.
+
+Ich singe nicht den kühnen Geistern,
+Die nur Homer und Milton reizt;
+Weil man den unerschöpften Meistern
+Die Lorbeern nur umsonst begeizt.
+
+Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,
+Für dich, mein deutsches Vaterland.
+Ich fürchte jene Lästerzungen,
+Die dich bis an den Pol verbannt.
+
+Ich singe nicht für fremde Reiche.
+Wie käm mir solch ein Ehrgeiz ein?
+Das sind verwegne Autorstreiche.
+Ich mag nicht übersetzet sein.
+
+Ich singe nicht für fromme Schwestern,
+Die nie der Liebe Reiz gewinnt,
+Die, wenn wir munter singen, lästern,
+Daß wir nicht alle Schmolken sind.
+
+Ich singe nur für euch, ihr Brüder,
+Die ihr den Wein erhebt, wie ich.
+Für euch, für euch sind meine Lieder.
+Singt ihr sie nach: o Glück für mich!
+
+Ich singe nur für meine Schöne,
+O muntre Phyllis, nur für dich.
+Für dich, für dich sind meine Töne.
+Stehn sie dir an, so küsse mich.
+
+
+
+Heldenlied der Spartaner
+
+In drei Chören.
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Sind wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Waren wir!
+
+CHÖRE DER MÄNNER UND JÜNGLINGE.
+ Waret ihr!
+
+CHOR DER ALTEN.
+ Das leugne, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Sind wir!
+
+CHÖRE DER ALTEN UND JÜNGLINGE.
+ Seid ihr!
+
+CHOR DER MÄNNER.
+ Versuch uns, wer darf!
+
+ALLE.
+ Streitbare Männer
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Werden wir!
+
+CHÖRE DER ALTEN UND MÄNNER.
+ Werdet ihr!
+
+CHOR DER JÜNGLINGE.
+ Noch tapfrer, als ihr!
+
+
+
+Ich
+
+Die Ehre hat mich nie gesucht;
+Sie hätte mich auch nie gefunden.
+Wählt man, in zugezählten Stunden,
+Ein prächtig Feierkleid zur Flucht?
+
+Auch Schätze hab ich nie begehrt.
+Was hilft es sie auf kurzen Wegen
+Für Diebe mehr als sich zu hegen,
+Wo man das wenigste verzehrt?
+
+Wie lange währt's, so bin ich hin,
+Und einer Nachwelt untern Füßen?
+Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
+Weiß ich nur, wer ich bin.
+
+Wittenberg den 11. Okt. 1752.
+
+
+
+Jungfer Lieschens Knie
+
+Schautest du denn nie
+Jungfer Lieschens Knie?
+Jungfer Lieschens Fingerhut
+Ist zu allen Dingen gut!
+
+1. Griechisch
+ Ouc ebleyaV su
+ ParJenou gonu;
+ ParJenou dactulitron
+ ’Esti proV panta calon.
+
+2. Lateinisch
+ Non vidisti tu
+ Virginis genu?
+ Virginis dactylitrum
+ Est ad omnia bonum.
+
+3. Engländisch
+ Did you never see
+ Mistriss Betty's knee?
+ What you Betty's thimble call
+ That is very good for all.
+
+
+
+Küssen und Trinken
+
+Mägdgen, laß mich dich doch küssen!
+Zaudre nicht, sonst wirst du müssen.
+ Hurtig! hurtig schenkt mir ein!
+ Auf das Küssen schmeckt der Wein!
+
+Dieser Wein hat Geist und Feuer.
+Mägdgen tu doch etwas freier.
+ Gönn mir vorigen Genuß:
+ Auf das Trinken schmeckt ein Kuß!
+
+
+
+Lied
+
+(1748)
+
+Ehret, Brüder, meine Schöne,
+Ehrt die gallische Helene!
+Bacchus selber ehret sie.
+Jüngst an ihrer stolzen Rechte,
+Als er mit uns beiden zechte,
+Ward er, denn sie schenkt' ihm ein,
+Voller noch von Lieb als Wein.
+
+
+
+Lied aus dem Spanischen
+
+Gestern liebt ich,
+Heute leid ich,
+Morgen sterb ich:
+Dennoch denk ich
+Heut und morgen
+Gern an gestern.
+
+
+
+Lob der Faulheit
+
+Faulheit, itzo will ich dir
+Auch ein kleines Loblied bringen.
+O--wie--sau--er--wird es mir,--
+Dich--nach Würden--zu besingen!
+Doch, ich will mein Bestes tun,
+Nach der Arbeit ist gut ruhn.
+
+Höchstes Gut! wer dich nur hat,
+Dessen ungestörtes Leben--
+Ach!--ich--gähn--ich--werde matt--
+Nun--so--magst du--mirs vergeben,
+Daß ich dich nicht singen kann;
+Du verhinderst mich ja dran.
+
+
+
+Nach der 15. Ode Anakreons
+
+Was frag ich nach dem Großsultan,
+Und Mahomets Gesetzen?
+Was geht der Perser Schach mich an,
+Mit allen seinen Schätzen?
+
+Was sorg ich ihrer Kriegesart,
+Und ihrer Treffen halben?
+Kann ich nur meinen lieben Bart
+Mit Spezereien salben.
+
+Kann ich nur mein gesalbtes Haupt
+Mit Rosen stolz umschließen,
+Und wenn mir sie ein Mädchen raubt,
+Das Mädchen strafend küssen.
+
+Ein Tor sorgt für die künftge Zeit.
+Für heute will ich sorgen.
+Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit,
+Den ungewissen Morgen?
+
+Was soll ich hier, so lang ich bin,
+Mich um die Zukunft kränken?
+Ich will mit kummerlosem Sinn
+Auf Wein und Liebe denken.
+
+Denn plötzlich steht er da, und spricht,
+Der grimme Tod: "Von dannen!
+Du trinkst, du küssest länger nicht!
+Trink aus! küß aus! Von dannen!"
+
+
+
+Niklas
+
+Mein Esel sicherlich
+Muß klüger sein, als ich.
+Ja, klüger muß er sein!
+Er fand sich selbst in Stall hinein,
+Und kam doch von der Tränke.
+Man denke!
+
+
+
+Phillis
+
+(1746)
+
+Wenn der finstre Damon spricht,
+Amor sei ein Ungeheuer,
+Seine Glut ein höllisch Feuer!
+O so fürcht ich Amorn nicht.
+
+Aber hebt mein Thirsis an,
+Amor sei ein Kind zum Küssen,
+Schalkhaft, schmeichelnd und beflissen:
+O wie fürcht ich Amorn dann!
+
+
+
+Phyllis an Damon
+
+Lehre mich, o Damon, singen,
+Singen, wie du trunken singst.
+Laß auch mich dir Lieder bringen,
+Wie du mir begeistert bringst.
+Wie du mich willst ewig singen,
+Möcht auch ich dich ewig singen.
+
+Durch des Weines Feuerkräfte,
+Nur durch sie singst du so schön.
+Aber diese Göttersäfte
+Darf ich schmachtend nur besehn.
+Dir riet Venus Wein zu trinken,
+Mir riet sie, ihn nicht zu trinken.
+
+Was wird nun mein Lied beleben,
+Kann es dieser Trank nicht sein?--
+Wie? Du willst mir Küsse geben,
+Küsse, feuriger, als Wein?--
+Damon, ach! nach deinen Küssen
+Werd ich wohl verstummen müssen.
+
+
+
+Phyllis lobt den Wein
+
+Seht, mein Damon tanzt und springet!
+Seht, wie wiegt er Leib und Fuß!
+Seht, mein Damon lacht und singet,
+Singt von Ruhe, Wein und Kuß.
+Seht, wie Mund und Augen glühn!
+Wir beleben uns durch ihn.
+
+Hört die ungezwungnen Scherze!
+Hört, die Liebe scherzt durch ihn!
+Wie die Dämmrung vor der Kerze
+Seht die Schwermut vor ihm fliehn.
+Seht, er taumelt, wankt im Gehn,
+Seht, sogar er taumelt schön.
+
+Seht, wie locken seine Lippen!
+Seht, wie glüht sein Mund so rot!
+Machet mich, ihr roten Lippen,
+Macht mich halbgezwungen rot!
+Ja, er kömmt, er küsset mich.
+O wie feurig küßt er mich!
+
+Wein, du Wein hast ihn begeistert,
+Du teilst ihm dein Feuer mit.
+Durch dich küßt er so begeistert,
+Und teilt mir sein Feuer mit.
+Drum soll, wie von ihm, der Wein
+Auch von mir vergöttert sein!
+
+
+
+Refutatio Papatus
+
+Nein, nein! durchaus ich glaube nicht,
+Was Petri falscher Folger spricht;
+Daß jene Bücher göttlich wären,
+Die, zu der Juden steten Ehren,
+Uns von des Maccabäus Helden
+Und ihren heilgen Schlachten melden.
+
+Hört meinen neu erfundnen Grund!
+Es machte mir der Wein ihn kund;
+Der Wein, der stets zur Wahrheit leitet.
+Oh, daß ihr Theologen streitet,
+Und streitet, ohne Wein zu trinken!
+So müßt ihr stets in Irrtum sinken.
+
+Der Schluß* von diesen Büchern sagt:
+(Worüber Wein und Wahrheit klagt)
+"Den Durst sich stets mit Wein zu stillen,
+Das bringet eklen Widerwillen.
+Bald Wasser, und bald Wein genießen,
+Das muß uns den Gebrauch versüßen."
+
+Was gilts? wer lügt, ist nicht von GOtt.
+Haha! Herr Papst! ihr werdet rot,
+Und seht die Wahrheit meiner Sätze.
+Oh, wenn ich mich im Wein ergetze,
+Glaubt ihr, ich wünscht ihn einst zu lassen?
+Ich müßte meine Wohlfahrt hassen.
+
+L.
+
+* Allezeit Wein und Wasser trinken, ist nicht lustig; sondern
+zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. 2. B. d.
+Makkab. 15. Kap. 40. V.
+
+
+
+Salomon
+
+Lobt mir Davids weisen Sohn!
+Auch bei Lieb und Wein und Scherzen
+War er doch nach Gottes Herzen.
+Brüder, lobt den Salomon.
+Brüder, laßt sein Lob erschallen!
+Doch vor allen
+Lobt mir seinen weisen Schluß:
+Wer viel lernt hat viel Verdruß!
+
+Dieses laßt mir Wahrheit sein!
+Diese Wahrheit stets zu lieben
+Hat mich die Natur getrieben,
+Die Natur und Lieb und Wein.
+Ehrt mit mir den weisen König!
+Lernet wenig!
+Brüder, und erwägt den Schluß:
+Wer viel lernt hat viel Verdruß!
+
+
+
+Trinklied
+
+Voll, voll, voll,
+Freunde, macht euch voll!
+Wein, Wein, Wein,
+Freunde, schenkt ihn ein!
+Küßt, küßt, küßt,
+Die euch wieder küßt!
+Voll von Wein,
+Voll von Liebe,
+Voll von Wein und Liebe,
+Freunde, voll zu sein,
+Küßt und schenket ein!
+
+
+
+Wem ich zu gefallen suche, und nicht suche
+
+Alten, alt zu unsrer Pein,
+Denen von der Lust im Lieben,
+Von der Jugend, von dem Wein,
+Das Erinnern kaum geblieben;
+Weibern, die der Taufschein drückt,
+Wenn ihr Reiz der sonst entzückt,
+Sonst gestritten, sonst gesiegt,
+Unter Schichten Runzeln liegt;
+Dichtern, die den Wein nicht loben,
+Die die Liebe nicht erhoben;
+Mägdchen, die nicht Gleimen kennen,
+Rosten nicht vortrefflich nennen;
+Weisen, die mit leeren Grillen
+Leere Köpfe strotzend füllen;
+Männern, die die Sitten lehren,
+Und dich, Molier, nicht ehren,
+Stolz auf ihr Systema sehn,
+Und dich muntern Schauplatz schmähn;
+Handelsleuten, die das Geld,
+Und ihr Stolz zu Fürsten stellt;
+Falschen Priestern, die die Tugend,
+Mir nicht munter wie die Jugend,
+Mir nicht schmackhaft, mir nicht süße,
+Wie den Wein, und wie die Küsse,
+Mir nicht reizend, wie die Strahlen,
+Aus der Phyllis Augen malen;
+Stutzern, deren weißer Scheitel,
+Deren reich und witzge Tracht,
+Dummgelobte Schönen eitel,
+Und zu ihresgleichen macht;
+Unversuchten stolzen Kriegern;
+Aufgeblasnen Federsiegern;
+Ältlichklugen jungen Leuten;
+Seufzenden nach bessern Zeiten;
+Schwermutsvollen Gallenchristen;
+Allen Narren, die sich isten;
+Zum Exempel, Pietisten;
+Zum Exempel, Atheisten;
+Zum Exempel, Rabulisten;
+Operisten und Chymisten;
+Quietisten und Sophisten;
+Und nicht wenigen Juristen;
+Publizisten und Statisten;
+Und nicht wenigen Linguisten;
+Und nicht wenigen Stylisten;
+Und nicht wenig Komponisten--–
+O der Atem will mir fehlen
+Alle Narren zu erzählen--–
+Allen, die mich tadelnd hassen,
+Die mein Leben voller Freude
+Mich nicht, aus verstelltem Neide,
+Ungestört genießen lassen;
+Diesen Toren, diesen allen
+Mag ich ** nicht gefallen,
+Mag ich, sag ich, nicht gefallen.
+
+*
+
+Alten, die der Wein verjüngt,
+Die mit zitternd schwachen Tönen,
+Wenn die Jugend munter singt,
+Ihr noch gleich zu sein sich sehnen;
+Weibern, die, was an sich zieht,
+Reiz und Jugend noch nicht flieht,
+Die des Schicksals harte Hand
+Weibschen Männern zugewandt;
+Jungen Witwen, die sich grämen
+Flor und Trauer um zu nehmen,
+Und mit schwergereizten Zähren
+Nur den andern Mann begehren;
+Dichtern, die wie Dichter küssen,
+Nichts als sich zu freuen wissen;
+Dichtern, die wie Dichter zechen,
+Nie versagten Beifall rächen;
+Dichtern, die bei Kuß und Wein
+Miltons lassen Miltons sein;
+Dichtern, die im Scherze stark,
+Mit Geschichten voller Mark,
+Muntern Mägdchen munter lehren,
+Was die Mütter ihnen wehren;
+Dichtern, die mich spottend bessern,
+Kleine Fehlerchen vergrößern,
+Daß ich sie in ihrem Spiele
+Desto lächerlicher fühle;
+Rednern, die stark im Verstellen
+Uns vergnügend hintergehn,
+Wenn wir sie in zwanzig Fällen
+Zwanzigmal nicht selber sehn,
+Bald als Unglückshelden sprechen,
+Bald die Tugend spottend rächen,
+Bald als Könige befehlen,
+Bald als alte Männer schmälen;
+Künstlern, die auf Zaubersaiten
+Sorg und Harm durchs Ohr bestreiten,
+Und mit heilsam falschen Leide
+Dämpfen übermäßge Freude;
+Federbüschen, die nicht prahlen;
+Reichen, welche reich bezahlen;
+Kriegern, die ihr Leben wagen;
+Armen, welche nicht verzagen;
+Allen liebenswürdgen Mägdchen,
+Liebenswürdgen weißen Mägdchen,
+Liebenswürdgen braunen Mägdchen,
+Liebenswürdgen stillen Mägdchen,
+Liebenswürdgen muntern Mägdchen,
+Wären es gleich Bürgermägdchen,
+Wären es gleich Kaufmannsmägdchen,
+Wären es gleich Priestermägdchen,
+Wären es gleich Karnmermägdchen,
+Wären es gleich Bauermägdchen,
+Wenn sie nur die Liebe fühlen,
+Lachen, scherzen, küssen, spielen;
+Diesen, Freunde, diesen allen
+Wünsch ich ** zu gefallen,
+Wünsch ich, sag ich, zu gefallen.
+
+
+
+[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
+
+(1753)
+
+Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen
+Die Wißbegier, dich, ihren Held?
+Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Toren
+Zur künftgen, nicht zur neuen Welt.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Lieder,
+von Gotthold Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, LIEDER VON LESSING ***
+
+This file should be named 8ldrv10.txt or 8ldrv10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8ldrv11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8ldrv10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
+
+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+http://www.gutenberg.net/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
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+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
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+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
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+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
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+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
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+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
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+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
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+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
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+and its trustees and agents, and any volunteers associated
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+or [3] any Defect.
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+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
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+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
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+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
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+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
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+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
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+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
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+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
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